Thus Spoke Zarathustra
Part 1 Prologue
German
Erster Theil
Zarathustra's Vorrede.
1 Als Zarathustra dreissig Jahr alt war, verliess er seine Heimat und den See seiner Heimat und gieng in das Gebirge. Hier genoss er seines Geistes und seiner Einsamkeit und wurde dessen zehn Jahre nicht müde. Endlich aber verwandelte sich sein Herz, — und eines Morgens stand er mit der Morgenröthe auf, trat vor die Sonne hin und sprach zu ihr also:
„Du grosses Gestirn! Was wäre dein Glück, wenn du nicht Die hättest, welchen du leuchtest!
Zehn Jahre kamst du hier herauf zu meiner Höhle: du würdest deines Lichtes und dieses Weges satt geworden sein, ohne mich, meinen Adler und meine Schlange.
Aber wir warteten deiner an jedem Morgen, nahmen dir deinen Überfluss ab und segneten dich dafür.
Siehe! Ich bin meiner Weisheit überdrüssig, wie die Biene, die des Honigs zu viel gesammelt hat, ich bedarf der Hände, die sich ausstrecken.
Ich möchte verschenken und austheilen, bis die Weisen unter den Menschen wieder einmal ihrer Thorheit und die Armen wieder einmal ihres Reichthums froh geworden sind.
Dazu muss ich in die Tiefe steigen: wie du des Abends thust, wenn du hinter das Meer gehst und noch der Unterwelt Licht bringst, du überreiches Gestirn!
Ich muss, gleich dir, untergehen, wie die Menschen es nennen, zu denen ich hinab will.
So segne mich denn, du ruhiges Auge, das ohne Neid auch ein allzugrosses Glück sehen kann!
Segne den Becher, welcher überfliessen will, dass das Wasser golden aus ihm fliesse und überallhin den Abglanz deiner Wonne trage!
Siehe! Dieser Becher will wieder leer werden, und Zarathustra will wieder Mensch werden.“
— Also begann Zarathustra's Untergang.
2 Zarathustra stieg allein das Gebirge abwärts und Niemand begegnete ihm. Als er aber in die Wälder kam, stand auf einmal ein Greis vor ihm, der seine heilige Hütte verlassen hatte, um Wurzeln im Walde zu suchen. Und also sprach der Greis zu Zarathustra:
Nicht fremd ist mir dieser Wanderer: vor manchem Jahre gieng er hier vorbei. Zarathustra hiess er; aber er hat sich verwandelt.
Damals trugst du deine Asche zu Berge: willst du heute dein Feuer in die Thäler tragen? Fürchtest du nicht des Brandstifters Strafen?
Ja, ich erkenne Zarathustra. Rein ist sein Auge, und an seinem Munde birgt sich kein Ekel. Geht er nicht daher wie ein Tänzer?
Verwandelt ist Zarathustra, zum Kind ward Zarathustra, ein Erwachter ist Zarathustra: was willst du nun bei den Schlafenden?
Wie im Meere lebtest du in der Einsamkeit, und das Meer trug dich. Wehe, du willst an's Land steigen? Wehe, du willst deinen Leib wieder selber schleppen?
Zarathustra antwortete: „Ich liebe die Menschen.“
Warum, sagte der Heilige, gieng ich doch in den Wald und die Einöde? War es nicht, weil ich die Menschen allzu sehr liebte?
Jetzt liebe ich Gott: die Menschen liebe ich nicht. Der Mensch ist mir eine zu unvollkommene Sache. Liebe zum Menschen würde mich umbringen.
Zarathustra antwortete: „Was sprach ich von Liebe! Ich bringe den Menschen ein Geschenk.“
Gieb ihnen Nichts, sagte der Heilige. Nimm ihnen lieber Etwas ab und trage es mit ihnen — das wird ihnen am wohlsten thun: wenn es dir nur wohlthut!
Und willst du ihnen geben, so gieb nicht mehr, als ein Almosen, und lass sie noch darum betteln!
„Nein, antwortete Zarathustra, ich gebe kein Almosen. Dazu bin ich nicht arm genug.“
Der Heilige lachte über Zarathustra und sprach also: So sieh zu, dass sie deine Schätze annehmen! Sie sind misstrauisch gegen die Einsiedler und glauben nicht, dass wir kommen, um zu schenken.
Unsre Schritte klingen ihnen zu einsam durch die Gassen. Und wie wenn sie Nachts in ihren Betten einen Mann gehen hören, lange bevor die Sonne aufsteht, so fragen sie sich wohl: wohin will der Dieb?
Gehe nicht zu den Menschen und bleibe im Walde! Gehe lieber noch zu den Thieren! Warum willst du nicht sein, wie ich, — ein Bär unter Bären, ein Vogel unter Vögeln?
„Und was macht der Heilige im Walde?“ fragte Zarathustra.
Der Heilige antwortete: Ich mache Lieder und singe sie, und wenn ich Lieder mache, lache, weine und brumme ich: also lobe ich Gott.
Mit Singen, Weinen, Lachen und Brummen lobe ich den Gott, der mein Gott ist. Doch was bringst du uns zum Geschenke?
Als Zarathustra diese Worte gehört hatte, grüsste er den Heiligen und sprach: „Was hätte ich euch zu geben! Aber lasst mich schnell davon, dass ich euch Nichts nehme!“ — Und so trennten sie sich von einander, der Greis und der Mann, lachend, gleichwie zwei Knaben lachen.
Als Zarathustra aber allein war, sprach er also zu seinem Herzen: „Sollte es denn möglich sein! Dieser alte Heilige hat in seinem Walde noch Nichts davon gehört, dass Gott todt ist!“ —
3 Als Zarathustra in die nächste Stadt kam, die an den Wäldern liegt, fand er daselbst viel Volk versammelt auf dem Markte: denn es war verheissen worden, dass man einen Seiltänzer sehen solle. Und Zarathustra sprach also zum Volke:
Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden soll. Was habt ihr gethan, ihn zu überwinden?
Alle Wesen bisher schufen Etwas über sich hinaus: und ihr wollt die Ebbe dieser grossen Fluth sein und lieber noch zum Thiere zurückgehn, als den Menschen überwinden?
Was ist der Affe für den Menschen? Ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham. Und ebendas soll der Mensch für den Übermenschen sein: ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham.
Ihr habt den Weg vom Wurme zum Menschen gemacht, und Vieles ist in euch noch Wurm. Einst wart ihr Affen, und auch jetzt noch ist der Mensch mehr Affe, als irgend ein Affe.
Wer aber der Weiseste von euch ist, der ist auch nur ein Zwiespalt und Zwitter von Pflanze und von Gespenst. Aber heisse ich euch zu Gespenstern oder Pflanzen werden?
Seht, ich lehre euch den Übermenschen!
Der Übermensch ist der Sinn der Erde. Euer Wille sage: der Übermensch sei der Sinn der Erde!
Ich beschwöre euch, meine Brüder, bleibt der Erde treu und glaubt Denen nicht, welche euch von überirdischen Hoffnungen reden! Giftmischer sind es, ob sie es wissen oder nicht.
Verächter des Lebens sind es, Absterbende und selber Vergiftete, deren die Erde müde ist: so mögen sie dahinfahren!
Einst war der Frevel an Gott der grösste Frevel, aber Gott starb, und damit starben auch diese Frevelhaften. An der Erde zu freveln ist jetzt das Furchtbarste und die Eingeweide des Unerforschlichen höher zu achten, als den Sinn der Erde!
Einst blickte die Seele verächtlich auf den Leib: und damals war diese Verachtung das Höchste: — sie wollte ihn mager, grässlich, verhungert. So dachte sie ihm und der Erde zu entschlüpfen.
Oh diese Seele war selber noch mager, grässlich und verhungert: und Grausamkeit war die Wollust dieser Seele!
Aber auch ihr noch, meine Brüder, sprecht mir: was kündet euer Leib von eurer Seele? Ist eure Seele nicht Armuth und Schmutz und ein erbärmliches Behagen?
Wahrlich, ein schmutziger Strom ist der Mensch. Man muss schon ein Meer sein, um einen schmutzigen Strom aufnehmen zu können, ohne unrein zu werden.
Seht, ich lehre euch den Übermenschen: der ist diess Meer, in ihm kann eure grosse Verachtung untergehn.
Was ist das Grösste, das ihr erleben könnt? Das ist die Stunde der grossen Verachtung. Die Stunde, in der euch auch euer Glück zum Ekel wird und ebenso eure Vernunft und eure Tugend.
Die Stunde, wo ihr sagt: „Was liegt an meinem Glücke! Es ist Armuth und Schmutz, und ein erbärmliches Behagen. Aber mein Glück sollte das Dasein selber rechtfertigen!“
Die Stunde, wo ihr sagt: „Was liegt an meiner Vernunft! Begehrt sie nach Wissen wie der Löwe nach seiner Nahrung? Sie ist Armuth und Schmutz und ein erbärmliches Behagen!“
Die Stunde, wo ihr sagt: „Was liegt an meiner Tugend! Noch hat sie mich nicht rasen gemacht. Wie müde bin ich meines Guten und meines Bösen! Alles das ist Armuth und Schmutz und ein erbärmliches Behagen!“
Die Stunde, wo ihr sagt: „Was liegt an meiner Gerechtigkeit! Ich sehe nicht, dass ich Gluth und Kohle wäre. Aber der Gerechte ist Gluth und Kohle!“
Die Stunde, wo ihr sagt: „Was liegt an meinem Mitleiden! Ist nicht Mitleid das Kreuz, an das Der genagelt wird, der die Menschen liebt? Aber mein Mitleiden ist keine Kreuzigung.“
Spracht ihr schon so? Schriet ihr schon so? Ach, dass ich euch schon so schreien gehört hätte!
Nicht eure Sünde — eure Genügsamkeit schreit gen Himmel, euer Geiz selbst in eurer Sünde schreit gen Himmel!
Wo ist doch der Blitz, der euch mit seiner Zunge lecke? Wo ist der Wahnsinn, mit dem ihr geimpft werden müsstet?
Seht, ich lehre euch den Übermenschen: der ist dieser Blitz, der ist dieser Wahnsinn! —
Als Zarathustra so gesprochen hatte, schrie Einer aus dem Volke: „Wir hörten nun genug von dem Seiltänzer; nun lasst uns ihn auch sehen!“ Und alles Volk lachte über Zarathustra. Der Seiltänzer aber, welcher glaubte, dass das Wort ihm gälte, machte sich an sein Werk.
4 Zarathustra aber sahe das Volk an und wunderte sich. Dann sprach er also:
Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Thier und Übermensch, — ein Seil über einem Abgrunde.
Ein gefährliches Hinüber, ein gefährliches Auf-dem-Wege, ein gefährliches Zurückblicken, ein gefährliches Schaudern und Stehenbleiben.
Was gross ist am Menschen, das ist, dass er eine Brücke und kein Zweck ist: was geliebt werden kann am Menschen, das ist, dass er ein Übergang und ein Untergang ist.
Ich liebe Die, welche nicht zu leben wissen, es sei denn als Untergehende, denn es sind die Hinübergehenden.
Ich liebe die grossen Verachtenden, weil sie die grossen Verehrenden sind und Pfeile der Sehnsucht nach dem andern Ufer.
Ich liebe Die, welche nicht erst hinter den Sternen einen Grund suchen, unterzugehen und Opfer zu sein: sondern die sich der Erde opfern, dass die Erde einst des Übermenschen werde.
Ich liebe Den, welcher lebt, damit er erkenne, und welcher erkennen will, damit einst der Übermensch lebe. Und so will er seinen Untergang.
Ich liebe Den, welcher arbeitet und erfindet, dass er dem Übermenschen das Haus baue und zu ihm Erde, Thier und Pflanze vorbereite: denn so will er seinen Untergang.
Ich liebe Den, welcher seine Tugend liebt: denn Tugend ist Wille zum Untergang und ein Pfeil der Sehnsucht.
Ich liebe Den, welcher nicht einen Tropfen Geist für sich zurückbehält, sondern ganz der Geist seiner Tugend sein will: so schreitet er als Geist über die Brücke.
Ich liebe Den, welcher aus seiner Tugend seinen Hang und sein Verhängniss macht: so will er um seiner Tugend willen noch leben und nicht mehr leben.
Ich liebe Den, welcher nicht zu viele Tugenden haben will. Eine Tugend ist mehr Tugend, als zwei, weil sie mehr Knoten ist, an den sich das Verhängniss hängt.
Ich liebe Den, dessen Seele sich verschwendet, der nicht Dank haben will und nicht zurückgiebt: denn er schenkt immer und will sich nicht bewahren.
Ich liebe Den, welcher sich schämt, wenn der Würfel zu seinem Glücke fällt und der dann fragt: bin ich denn ein falscher Spieler? — denn er will zu Grunde gehen.
Ich liebe Den, welcher goldne Worte seinen Thaten voraus wirft und immer noch mehr hält, als er verspricht: denn er will seinen Untergang.
Ich liebe Den, welcher die Zukünftigen rechtfertigt und die Vergangenen erlöst: denn er will an den Gegenwärtigen zu Grunde gehen.
Ich liebe Den, welcher seinen Gott züchtigt, weil er seinen Gott liebt: denn er muss am Zorne seines Gottes zu Grunde gehen.
Ich liebe Den, dessen Seele tief ist auch in der Verwundung, und der an einem kleinen Erlebnisse zu Grunde gehen kann: so geht er gerne über die Brücke.
Ich liebe Den, dessen Seele übervoll ist, so dass er sich selber vergisst, und alle Dinge in ihm sind: so werden alle Dinge sein Untergang.
Ich liebe Den, der freien Geistes und freien Herzens ist: so ist sein Kopf nur das Eingeweide seines Herzens, sein Herz aber treibt ihn zum Untergang.
Ich liebe alle Die, welche wie schwere Tropfen sind, einzeln fallend aus der dunklen Wolke, die über den Menschen hängt: sie verkündigen, dass der Blitz kommt, und gehn als Verkündiger zu Grunde.
Seht, ich bin ein Verkündiger des Blitzes und ein schwerer Tropfen aus der Wolke: dieser Blitz aber heisst Übermensch. —
5 Als Zarathustra diese Worte gesprochen hatte, sahe er wieder das Volk an und schwieg. „Da stehen sie“, sprach er zu seinem Herzen, „da lachen sie: sie verstehen mich nicht, ich bin nicht der Mund für diese Ohren.
Muss man ihnen erst die Ohren zerschlagen, dass sie lernen, mit den Augen hören? Muss man rasseln gleich Pauken und Busspredigern? Oder glauben sie nur dem Stammelnden?
Sie haben Etwas, worauf sie stolz sind. Wie nennen sie es doch, was sie stolz macht? Bildung nennen sie's, es zeichnet sie aus vor den Ziegenhirten.
Drum hören sie ungern von sich das Wort „Verachtung“. So will ich denn zu ihrem Stolze reden.
So will ich ihnen vom Verächtlichsten sprechen: das aber ist der letzte Mensch.“
Und also sprach Zarathustra zum Volke:
Es ist an der Zeit, dass der Mensch sich sein Ziel stecke. Es ist an der Zeit, dass der Mensch den Keim seiner höchsten Hoffnung pflanze.
Noch ist sein Boden dazu reich genug. Aber dieser Boden wird einst arm und zahm sein, und kein hoher Baum wird mehr aus ihm wachsen können.
Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch nicht mehr den Pfeil seiner Sehnsucht über den Menschen hinaus wirft, und die Sehne seines Bogens verlernt hat, zu schwirren!
Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.
Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch keinen Stern mehr gebären wird. Wehe! Es kommt die Zeit des verächtlichsten Menschen, der sich selber nicht mehr verachten kann.
Seht! Ich zeige euch den letzten Menschen.
„Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern?“ — so fragt der letzte Mensch und blinzelt.
Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der Alles klein macht. Sein Geschlecht ist unaustilgbar, wie der Erdfloh; der letzte Mensch lebt am längsten.
„Wir haben das Glück erfunden“ — sagen die letzten Menschen und blinzeln.
Sie haben die Gegenden verlassen, wo es hart war zu leben: denn man braucht Wärme. Man liebt noch den Nachbar und reibt sich an ihm: denn man braucht Wärme.
Krankwerden und Misstrauen-haben gilt ihnen sündhaft: man geht achtsam einher. Ein Thor, der noch über Steine oder Menschen stolpert!
Ein wenig Gift ab und zu: das macht angenehme Träume. Und viel Gift zuletzt, zu einem angenehmen Sterben.
Man arbeitet noch, denn Arbeit ist eine Unterhaltung. Aber man sorgt, dass die Unterhaltung nicht angreife.
Man wird nicht mehr arm und reich: Beides ist zu beschwerlich. Wer will noch regieren? Wer noch gehorchen? Beides ist zu beschwerlich.
Kein Hirt und Eine Heerde! Jeder will das Gleiche, Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig in's Irrenhaus.
„Ehemals war alle Welt irre“ — sagen die Feinsten und blinzeln.
Man ist klug und weiss Alles, was geschehn ist: so hat man kein Ende zu spotten. Man zankt sich noch, aber man versöhnt sich bald — sonst verdirbt es den Magen.
Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchen für die Nacht: aber man ehrt die Gesundheit.
„Wir haben das Glück erfunden“ — sagen die letzten Menschen und blinzeln. —
Und hier endete die erste Rede Zarathustra's, welche man auch „die Vorrede“ heisst: denn an dieser Stelle unterbrach ihn das Geschrei und die Lust der Menge. „Gieb uns diesen letzten Menschen, oh Zarathustra, — so riefen sie — mache uns zu diesen letzten Menschen! So schenken wir dir den Übermenschen!“ Und alles Volk jubelte und schnalzte mit der Zunge. Zarathustra aber wurde traurig und sagte zu seinem Herzen:
Sie verstehen mich nicht: ich bin nicht der Mund für diese Ohren.
Zu lange wohl lebte ich im Gebirge, zu viel horchte ich auf Bäche und Bäume: nun rede ich ihnen gleich den Ziegenhirten.
Unbewegt ist meine Seele und hell wie das Gebirge am Vormittag. Aber sie meinen, ich sei kalt und ein Spötter in furchtbaren Spässen.
Und nun blicken sie mich an und lachen: und indem sie lachen, hassen sie mich noch. Es ist Eis in ihrem Lachen.
6 Da aber geschah Etwas, das jeden Mund stumm und jedes Auge starr machte. Inzwischen nämlich hatte der Seiltänzer sein Werk begonnen: er war aus einer kleinen Thür hinausgetreten und gieng über das Seil, welches zwischen zwei Thürmen gespannt war‚ also, dass es über dem Markte und dem Volke hieng. Als er eben in der Mitte seines Weges war, öffnete sich die kleine Thür noch einmal, und ein bunter Gesell, einem Possenreisser gleich, sprang heraus und gieng mit schnellen Schritten dem Ersten nach. „Vorwärts, Lahmfuss, rief seine fürchterliche Stimme, vorwärts Faulthier, Schleichhändler, Bleichgesicht! Dass ich dich nicht mit meiner Ferse kitzle! Was treibst du hier zwischen Thürmen? In den Thurm gehörst du, einsperren sollte man dich, einem Bessern, als du bist, sperrst du die freie Bahn!“ — Und mit jedem Worte kam er ihm näher und näher: als er aber nur noch einen Schritt hinter ihm war, da geschah das Erschreckliche, das jeden Mund stumm und jedes Auge starr machte: — er stiess ein Geschrei aus wie ein Teufel und sprang über Den hinweg, der ihm im Wege war. Dieser aber, als er so seinen Nebenbuhler siegen sah, verlor dabei den Kopf und das Seil; er warf seine Stange weg und schoss schneller als diese, wie ein Wirbel von Armen und Beinen, in die Tiefe. Der Markt und das Volk glich dem Meere, wenn der Sturm hineinfährt: Alles floh aus einander und übereinander‚ und am meisten dort, wo der Körper niederschlagen musste.
Zarathustra aber blieb stehen, und gerade neben ihn fiel der Körper hin, übel zugerichtet und zerbrochen, aber noch nicht todt. Nach einer Weile kam dem Zerschmetterten das Bewusstsein zurück, und er sah Zarathustra neben sich knieen. „Was machst du da? sagte er endlich, ich wusste es lange, dass mir der Teufel ein Bein stellen werde. Nun schleppt er mich zur Hölle: willst du's ihm wehren?“
„Bei meiner Ehre, Freund, antwortete Zarathustra, das giebt es Alles nicht, wovon du sprichst: es giebt keinen Teufel und keine Hölle. Deine Seele wird noch schneller todt sein als dein Leib: fürchte nun Nichts mehr!“
Der Mann blickte misstrauisch auf. „Wenn du die Wahrheit sprichst, sagte er dann, so verliere ich Nichts, wenn ich das Leben verliere. Ich bin nicht viel mehr als ein Thier, das man tanzen gelehrt hat, durch Schläge und schmale Bissen.“
„Nicht doch, sprach Zarathustra; du hast aus der Gefahr deinen Beruf gemacht, daran ist Nichts zu verachten. Nun gehst du an deinem Beruf zu Grunde: dafür will ich dich mit meinen Händen begraben.“
Als Zarathustra diess gesagt hatte, antwortete der Sterbende nicht mehr; aber er bewegte die Hand, wie als ob er die Hand Zarathustra's zum Danke suche. —
7 Inzwischen kam der Abend, und der Markt barg sich in Dunkelheit: da verlief sich das Volk, denn selbst Neugierde und Schrecken werden müde. Zarathustra aber sass neben dem Todten auf der Erde und war in Gedanken versunken: so vergass er die Zeit. Endlich aber wurde es Nacht, und ein kalter Wind blies über den Einsamen. Da erhob sich Zarathustra und sagte zu seinem Herzen:
Wahrlich, einen schönen Fischfang that heute Zarathustra! Keinen Menschen fieng er, wohl aber einen Leichnam.
Unheimlich ist das menschliche Dasein und immer noch ohne Sinn: ein Possenreisser kann ihm zum Verhängniss werden.
Ich will die Menschen den Sinn ihres Seins lehren: welcher ist der Übermensch, der Blitz aus der dunklen Wolke Mensch.
Aber noch bin ich ihnen ferne, und mein Sinn redet nicht zu ihren Sinnen. Eine Mitte bin ich noch den Menschen zwischen einem Narren und einem Leichnam.
Dunkel ist die Nacht, dunkel sind die Wege Zarathustra's. Komm, du kalter und steifer Gefährte! Ich trage dich dorthin, wo ich dich mit meinen Händen begrabe.
8 Als Zarathustra diess zu seinem Herzen gesagt hatte, lud er den Leichnam auf seinen Rücken und machte sich auf den Weg. Und noch nicht war er hundert Schritte gegangen, da schlich ein Mensch an ihn heran und flüsterte ihm in's Ohr — und siehe! Der, welcher redete, war der Possenreisser vom Thurme. „Geh weg von dieser Stadt, oh Zarathustra, sprach er; es hassen dich hier zu Viele. Es hassen dich die Guten und Gerechten und sie nennen dich ihren Feind und Verächter; es hassen dich die Gläubigen des rechten Glaubens, und sie nennen dich die Gefahr der Menge. Dein Glück war es, dass man über dich lachte: und wahrlich, du redetest gleich einem Possenreisser. Dein Glück war es, dass du dich dem todten Hunde geselltest; als du dich so erniedrigtest, hast du dich selber für heute errettet. Geh aber fort aus dieser Stadt — oder morgen springe ich über dich hinweg, ein Lebendiger über einen Todten.“ Und als er diess gesagt hatte, verschwand der Mensch; Zarathustra aber gieng weiter durch die dunklen Gassen.
Am Thore der Stadt begegneten ihm die Todtengräber: sie leuchteten ihm mit der Fackel in's Gesicht, erkannten Zarathustra und spotteten sehr über ihn. „Zarathustra trägt den todten Hund davon: brav, dass Zarathustra zum Todtengräber wurde! Denn unsere Hände sind zu reinlich für diesen Braten. Will Zarathustra wohl dem Teufel seinen Bissen stehlen? Nun wohlan! Und gut Glück zur Mahlzeit! Wenn nur nicht der Teufel ein besserer Dieb ist, als Zarathustra! — er stiehlt sie Beide, er frisst sie Beide!“ Und sie lachten mit einander und steckten die Köpfe zusammen.
Zarathustra sagte dazu kein Wort und gieng seines Weges. Als er zwei Stunden gegangen war, an Wäldern und Sümpfen vorbei, da hatte er zu viel das hungrige Geheul der Wölfe gehört, und ihm selber kam der Hunger. So blieb er an einem einsamen Hause stehn, in dem ein Licht brannte.
Der Hunger überfällt mich, sagte Zarathustra, wie ein Räuber. In Wäldern und Sümpfen überfällt mich mein Hunger und in tiefer Nacht.
Wunderliche Launen hat mein Hunger. Oft kommt er mir erst nach der Mahlzeit, und heute kam er den ganzen Tag nicht: wo weilte er doch?
Und damit schlug Zarathustra an das Thor des Hauses. Ein alter Mann erschien; er trug das Licht und fragte: „Wer kommt zu mir und zu meinem schlimmen Schlafe?“
„Ein Lebendiger und ein Todter, sagte Zarathustra.
Gebt mir zu essen und zu trinken, ich vergass es am Tage. Der, welcher den Hungrigen speiset, erquickt seine eigene Seele: so spricht die Weisheit.“
Der Alte gieng fort, kam aber gleich zurück und bot Zarathustra Brod und Wein. „Eine böse Gegend ist's für Hungernde, sagte er; darum wohne ich hier. Thier und Mensch kommen zu mir, dem Einsiedler. Aber heisse auch deinen Gefährten essen und trinken, er ist müder als du.“ Zarathustra antwortete: „Todt ist mein Gefährte, ich werde ihn schwerlich dazu überreden.“ „Das geht mich Nichts an, sagte der Alte mürrisch; wer an meinem Hause anklopft, muss auch nehmen, was ich ihm biete. Esst und gehabt euch wohl!“ —
Darauf gieng Zarathustra wieder zwei Stunden und vertraute dem Wege und dem Lichte der Sterne: denn er war ein gewohnter Nachtgänger und liebte es, allem Schlafenden in's Gesicht zu sehn. Als aber der Morgen graute, fand sich Zarathustra in einem tiefen Walde, und kein Weg zeigte sich ihm mehr. Da legte er den Todten in einen hohlen Baum sich zu Häupten — denn er wollte ihn vor den Wölfen schützen — und sich selber auf den Boden und das Moos. Und alsbald schlief er ein, müden Leibes, aber mit einer unbewegten Seele.
9 Lange schlief Zarathustra, und nicht nur die Morgenröthe gieng über sein Antlitz, sondern auch der Vormittag. Endlich aber that sein Auge sich auf: verwundert sah Zarathustra in den Wald und die Stille, verwundert sah er in sich hinein. Dann erhob er sich schnell, wie ein Seefahrer, der mit Einem Male Land sieht, und jauchzte: denn er sah eine neue Wahrheit. Und also redete er dann zu seinem Herzen:
Ein Licht gieng mir auf: Gefährten brauche ich und lebendige, — nicht todte Gefährten und Leichname, die ich mit mir trage, wohin ich will.
Sondern lebendige Gefährten brauche ich, die mir folgen, weil sie sich selber folgen wollen — und dorthin, wo ich will.
Ein Licht gieng mir auf: nicht zum Volke rede Zarathustra, sondern zu Gefährten! Nicht soll Zarathustra einer Heerde Hirt und Hund werden!
Viele wegzulocken von der Heerde — dazu kam ich. Zürnen soll mir Volk und Heerde: Räuber will Zarathustra den Hirten heissen.
Hirten sage ich, aber sie nennen sich die Guten und Gerechten. Hirten sage ich: aber sie nennen sich die Gläubigen des rechten Glaubens.
Siehe die Guten und Gerechten! Wen hassen sie am meisten? Den, der zerbricht ihre Tafeln der Werthe, den Brecher, den Verbrecher: — das aber ist der Schaffende.
Siehe die Gläubigen aller Glauben! Wen hassen sie am meisten? Den, der zerbricht ihre Tafeln der Werthe, den Brecher, den Verbrecher: — das aber ist der Schaffende.
Gefährten sucht der Schaffende und nicht Leichname, und auch nicht Heerden und Gläubige. Die Mitschaffenden sucht der Schaffende, Die, welche neue Werthe auf neue Tafeln schreiben.
Gefährten sucht der Schaffende, und Miterntende: denn Alles steht bei ihm reif zur Ernte. Aber ihm fehlen die hundert Sicheln: so rauft er Ähren aus und ist ärgerlich.
Gefährten sucht der Schaffende, und solche, die ihre Sicheln zu wetzen wissen. Vernichter wird man sie heissen und Verächter des Guten und Bösen. Aber die Erntenden sind es und die Feiernden.
Mitschaffende sucht Zarathustra, Miterntende und Mitfeiernde sucht Zarathustra: was hat er mit Heerden und Hirten und Leichnamen zu schaffen!
Und du, mein erster Gefährte, gehab dich wohl! Gut begrub ich dich in deinem hohlen Baume, gut barg ich dich vor den Wölfen.
Aber ich scheide von dir, die Zeit ist um. Zwischen Morgenröthe und Morgenröthe kam mir eine neue Wahrheit.
Nicht Hirt soll ich sein, nicht Todtengräber. Nicht reden einmal will ich wieder mit dem Volke; zum letzten Male sprach ich zu einem Todten.
Den Schaffenden, den Erntenden, den Feiernden will ich mich zugesellen: den Regenbogen will ich ihnen zeigen und alle die Treppen des Übermenschen.
Den Einsiedlern werde ich mein Lied singen und den Zweisiedlern; und wer noch Ohren hat für Unerhörtes, dem will ich sein Herz schwer machen mit meinem Glücke.
Zu meinem Ziele will ich, ich gehe meinen Gang; über die Zögernden und Saumseligen werde ich hinwegspringen. Also sei mein Gang ihr Untergang!
10 Diess hatte Zarathustra zu seinem Herzen gesprochen, als die Sonne im Mittag stand: da blickte er fragend in die Höhe — denn er hörte über sich den scharfen Ruf eines Vogels. Und siehe! Ein Adler zog in weiten Kreisen durch die Luft, und an ihm hieng eine Schlange, nicht einer Beute gleich, sondern einer Freundin: denn sie hielt sich um seinen Hals geringelt.
„Es sind meine Thiere!“ sagte Zarathustra und freute sich von Herzen.
Das stolzeste Thier unter der Sonne und das klügste Thier unter der Sonne — sie sind ausgezogen auf Kundschaft.
Erkunden wollen sie, ob Zarathustra noch lebe. Wahrlich, lebe ich noch?
Gefährlicher fand ich's unter Menschen als unter Thieren, gefährliche Wege geht Zarathustra. Mögen mich meine Thiere führen!“
Als Zarathustra diess gesagt hatte, gedachte er der Worte des Heiligen im Walde, seufzte und sprach also zu seinem Herzen:
Möchte ich klüger sein! Möchte ich klug von Grund aus sein, gleich meiner Schlange!
Aber Unmögliches bitte ich da: so bitte ich denn meinen Stolz, dass er immer mit meiner Klugheit gehe!
Und wenn mich einst meine Klugheit verlässt: — ach, sie liebt es, davonzufliegen! — möge mein Stolz dann noch mit meiner Thorheit fliegen!
— Also begann Zarathustra's Untergang.
English
Part One
Zarathustra’s Prologue.
1 Zarathustra was thirty years old when he left his homeland and the lake beside it and climbed into the high country. For ten years he took joy in his mind and his aloneness and never tired of either. Then, at last, his heart turned. One morning he rose with the red dawn, walked out in front of the sun, and addressed it in these words:
“You great star! What would your happiness be if you didn’t have those you shine on!
“For ten years you came up here to my cave. You would have grown sick of your light and of this road, if it hadn’t been for me, my eagle and my snake.
“But every morning we waited for you, took your abundance from you, and blessed you for it.
Look! I have grown weary of my wisdom, like the bee that has gathered too much honey. I need hands that reach out to take.
“I want to give away and hand out, until the wise among humans are glad once more of their foolishness, and the poor are glad once more of their riches.
I must go down into the depths, as you do in the evening, when you pass behind the sea and carry your light to the underworld, you overrich star!
“Like you, I must go under, as humans call it, the humans I want to go down to.
“So bless me, then, you calm eye, that can look without envy even at a happiness that is far too great!
“Bless the cup that wants to overflow, so that the water flows golden out of it and carries the reflection of your joy everywhere!
“Look! This cup wants to be empty again, and Zarathustra wants to be human again.”
That is how Zarathustra’s going under began.
2 Zarathustra went down the mountain alone, and no one met him. But when he came into the forest, suddenly an old man stood before him, who had left his holy hut to look for roots in the woods. And the old man spoke to Zarathustra like this:
This wanderer is no stranger to me: many years ago he passed by here. Zarathustra was his name, but he has changed.
“Back then you carried your ashes up the mountain. Do you want to carry your fire into the valleys today? Aren’t you afraid of the punishment for starting fires?
Yes, I know Zarathustra. His eye is clear, and no disgust hides at the corner of his mouth. Doesn’t he walk along like a dancer?
“Zarathustra has changed, Zarathustra has become a child, Zarathustra is one who has woken up. What do you want now among the sleepers?
“In your solitude you lived as if in the sea, and the sea carried you. Oh no, you want to step onto land? Oh no, you want to drag your own body around again?”
Zarathustra answered: “I love humans.”
“Why,” said the saint, “did I go into the forest and the wilderness? Wasn’t it because I loved humans far too much?
“Now I love God. I don’t love humans. Humans are too imperfect a thing for me. Love for humans would kill me.”
Zarathustra answered: “Why did I talk about love! I’m bringing humans a gift.”
Give them nothing, said the holy man. Take something from them and carry it with them; that will do them the most good, if it also does you good!
“And if you want to give to them, give no more than alms, and make them beg for those too!”
“No,” answered Zarathustra, “I don’t give alms. I’m not poor enough for that.”
The saint laughed at Zarathustra and spoke like this: “Then make sure they accept your treasures! They distrust hermits, and they don’t believe that we come to give.
“Our footsteps sound too lonely to them in the streets. And when they lie in their beds at night and hear a man walking, long before the sun is up, they probably ask themselves: where is that thief going?
Don’t go to people, stay in the forest! Go to the animals instead! Why won’t you be like me, a bear among bears, a bird among birds?
“And what does the saint do in the forest?” asked Zarathustra.
The holy man answered: I make songs and sing them, and when I make songs I laugh, weep, and hum. That is how I praise God.
With singing, weeping, laughing, and humming I praise the God who is my God. But what do you bring us as a gift?
When Zarathustra had heard these words, he said goodbye to the saint and spoke: “What could I have to give you! But let me go quickly, so that I don’t take anything from you!” And so they parted from each other, the old man and the man, laughing the way two boys laugh.
When Zarathustra was alone again, he said to his heart: “Could it be! This old saint in his forest has not yet heard that God is dead!”
3 When Zarathustra came to the nearest town, which lies at the edge of the forests, he found many people gathered there in the marketplace. It had been announced that a tightrope walker was going to be seen. And Zarathustra spoke to the people like this:
I teach you the Overman. Human beings are something that must be overcome. What have you done to overcome them?
“Every being so far has created something beyond itself. And do you want to be the ebb of this great flood, and would you rather go back to the animals than overcome the human being?
“What is the ape to a human being? A thing to laugh at, or a painful shame. And that is just what a human being shall be to the Overhuman: a thing to laugh at, or a painful shame.
You have made the path from worm to human, and much of you is still worm. Once you were apes, and even now the human being is more ape than any ape.
“But even the wisest among you is only a split and a hybrid of plant and ghost. But do I tell you to become ghosts or plants?
“Look, I teach you the Overhuman!
The overman is the meaning of the earth. Let your will say: the overman shall be the meaning of the earth!
“I urge you, my brothers, stay true to the earth, and don’t believe those who talk to you about hopes beyond the earth! They are poisoners, whether they know it or not.
“They despise life. They are dying off and poisoned themselves, and the earth is tired of them. So let them be gone!
“Once, blasphemy against God was the greatest blasphemy, but God died, and with him died these blasphemers. To blaspheme against the earth is now the most terrible thing, and to rate the innards of the Unfathomable higher than the meaning of the earth!
“Once the soul looked down on the body with contempt, and at that time this contempt was the highest thing. The soul wanted the body skinny, ghastly, starved. That is how it thought to slip away from the body and the earth.
“Oh, this soul was itself still skinny, ghastly and starved, and cruelty was this soul’s pleasure!
“But even you, my brothers, tell me: what does your body say about your soul? Isn’t your soul poverty and filth and a pitiful comfort?
“Truly, a human being is a dirty river. You must already be a sea to take in a dirty river without becoming unclean.
Look, I teach you the overman: he is this sea, in which your great contempt can go under.
“What is the greatest thing you can experience? It is the hour of great contempt. The hour in which even your happiness becomes disgusting to you, and likewise your reason and your virtue.
The hour when you say: “What does my happiness matter! It is poverty and filth, and a pitiful comfort. But my happiness ought to justify existence itself!”
The hour when you say: “What does my reason matter! Does it crave knowledge the way the lion craves its food? It is poverty and filth and a pitiful comfort!”
The hour when you say: “What does my virtue matter! It has not yet driven me mad. How tired I am of my good and my evil! All of that is poverty and filth and a pitiful comfort!”
The hour when you say: “What does my justice matter! I do not see that I am glowing coals and embers. But the just man is glowing coals and embers!”
The hour when you say: “What does my pity matter! Is pity not the cross to which whoever loves human beings is nailed? But my pity is no crucifixion.”
“Have you spoken like this already? Have you cried out like this already? Oh, if only I had heard you cry out like this already!
“It isn’t your sin that cries to heaven. It’s your contentment with so little. Your stinginess, even in your sin, cries to heaven!
“Where is the lightning that will lick you with its tongue? Where is the madness you ought to be vaccinated with?
Look, I teach you the overman: he is this lightning, he is this madness!
When Zarathustra had spoken like this, someone in the crowd shouted: “We have heard enough about the tightrope walker. Now let us see him too!” And the whole crowd laughed at Zarathustra. The tightrope walker, however, thought the words were meant for him, and set about his work.
4 But Zarathustra looked at the people and was amazed. Then he spoke like this:
“A human being is a rope, tied between animal and Overhuman, a rope over an abyss.
“A dangerous crossing, a dangerous being on the way, a dangerous looking back, a dangerous shuddering and standing still.
What is great in human beings is that they are a bridge and not a goal. What can be loved in human beings is that they are a crossing over and a going under.
“I love those who don’t know how to live except as ones going under, for they are the ones crossing over.
I love the great despisers, because they are the great revering ones and arrows of longing for the other shore.
“I love those who don’t first look behind the stars for a reason to go under and be sacrificed, but who sacrifice themselves to the earth, so that the earth may one day belong to the Overhuman.
“I love those who live in order to know, and who want to know so that the Overhuman may one day live. And so they want their own going under.
“I love those who work and invent in order to build the house for the Overhuman and to prepare earth, animals and plants for the Overhuman. For that is how they want their own going under.
“I love those who love their virtue, for virtue is the will to go under and an arrow of longing.
“I love those who don’t keep back a single drop of spirit for themselves, but want to be wholly the spirit of their virtue. That is how they cross the bridge as spirit.
“I love those who make their virtue their bent and their fate. That is how, for the sake of their virtue, they are willing both to go on living and to live no more.
I love the one who does not want to have too many virtues. One virtue is more of a virtue than two, because it is more of a knot on which fate hangs.
“I love those whose soul squanders itself, who want no thanks and give nothing back. For they are always giving, and they don’t want to save themselves.
“I love those who are ashamed when the dice fall in their favor, and who then ask: am I a cheat? For they want to perish.
“I love those who throw golden words out ahead of their deeds, and who always do even more than they promise. For they want their own going under.
“I love those who justify the people of the future and redeem the people of the past. For they want to perish because of the people of the present.
“I love those who punish their god because they love their god. For they must perish from the anger of their god.
“I love those whose soul is deep even in a wound, and who can perish from a small experience. That is how they gladly cross the bridge.
“I love those whose soul is so full that they forget themselves, and all things are in them. That is how all things become their going under.
“I love those who are free in spirit and free in heart. For their head is only the innards of their heart, and their heart drives them to their going under.
I love all those who are like heavy drops falling one by one out of the dark cloud that hangs over human beings. They announce that the lightning is coming, and they perish as heralds.
Look, I am a herald of the lightning and a heavy drop from the cloud. But this lightning is called the overman.
5 When Zarathustra had spoken these words, he looked at the crowd again and fell silent. “There they stand,” he said to his heart, “and there they laugh. They do not understand me; I am not the mouth for these ears.”
“Must their ears be smashed first, so that they learn to hear with their eyes? Must one rattle like drums and like preachers of repentance? Or do they only believe a stammerer?
They have something they are proud of. What do they call it, the thing that makes them proud? Education, they call it; it sets them apart from the goatherds.
“So they don’t like to hear the word ‘contempt’ said about themselves. Well then, I will speak to their pride.
“So I will tell them about the most contemptible thing. And that is the last human being.”
And Zarathustra spoke to the people like this:
“It’s time for human beings to set their goal. It’s time for human beings to plant the seed of their highest hope.
Its soil is still rich enough for that. But this soil will one day be poor and tame, and no tall tree will be able to grow out of it anymore.
“Sadly, the time is coming when human beings no longer shoot the arrow of their longing out beyond humanity, and the string of their bow has forgotten how to twang!
I tell you: one must still carry chaos within oneself to be able to give birth to a dancing star. I tell you: you still carry chaos within you.
Woe! The time is coming when human beings will no longer give birth to a star. Woe! The time is coming of the most despicable human being, who can no longer despise himself.
“Look! I show you the last human being.
“What is love? What is creation? What is longing? What is a star?” — so asks the last human being, and blinks.
The earth has then grown small, and on it hops the last human being, who makes everything small. His kind is as impossible to wipe out as the flea; the last human being lives the longest.
“We have invented happiness,” say the last human beings, and blink.
“They have left the regions where living was hard, for people need warmth. People still love their neighbor and rub up against them, for people need warmth.
“Getting sick and being mistrustful count as sinful to them. People walk along carefully. What a fool, anyone who still stumbles over stones or over human beings!
“A little poison now and then: that makes pleasant dreams. And a lot of poison in the end, for a pleasant death.
“People still work, for work is a pastime. But they make sure the pastime isn’t too strenuous.
No one is poor or rich anymore: both are too burdensome. Who would still want to rule? Who would still want to obey? Both are too burdensome.
“No shepherd and one herd! Everyone wants the same, everyone is the same. Whoever feels differently goes into the madhouse of their own free will.
“‘Once the whole world was mad,’ say the most refined, and blink.
They are clever and know everything that has happened, so they never run out of things to mock. They still quarrel, but they make up soon, or else it upsets the stomach.
“People have their little pleasure for the day and their little pleasure for the night, but they respect health.
“We have invented happiness,” say the last human beings, and blink. —
And here ended the first speech of Zarathustra, which is also called “the Prologue”: for at this point the shouting and the delight of the crowd interrupted him. “Give us this last human being, oh Zarathustra,” they cried; “make us into these last human beings! Then we will make you a gift of the overman!” And the whole crowd cheered and clicked their tongues. But Zarathustra became sad, and said to his heart:
“They don’t understand me. I’m not the mouth for these ears.
“I probably lived too long in the mountains, I listened too much to brooks and trees. Now I talk to them like a goatherd.
“My soul is unmoved and bright, like the mountains in the morning. But they think I’m cold, and a mocker making terrible jokes.
“And now they look at me and laugh, and as they laugh, they still hate me. There is ice in their laughter.”
6 Then something happened that struck every mouth dumb and every eye fixed. Meanwhile the tightrope walker had begun his work: he had stepped out of a small door and walked along the rope, which was stretched between two towers so that it hung above the market and the people. Just as he was in the middle of his path, the little door opened once more, and a gaudy fellow, like a clown, jumped out and hurried after the first one. “Forward, cripple-foot!” cried his terrible voice; “forward, sloth, smuggler, pale face! Lest I tickle you with my heel! What are you doing here between towers? You belong in a tower; you should be locked up, you block the free path for someone better than you!” And with every word he came nearer and nearer; and when he was only one step behind him, the terrible thing happened that struck every mouth dumb and every eye fixed: he let out a shriek like a devil and leaped over the one who stood in his way. But that one, seeing his rival win like this, lost his head and his footing on the rope; he threw away his pole and plunged faster than it, like a whirl of arms and legs, into the depths. The market and the people looked like the sea when a storm rushes into it: everything fled apart and piled over one another, and most of all where the body had to come down.
Zarathustra, however, stood still, and right beside him the body fell down, badly mangled and broken, but not yet dead. After a while the shattered man regained consciousness, and he saw Zarathustra kneeling beside him. “What are you doing there?” he said at last. “I have known for a long time that the devil would trip me up. Now he is dragging me to hell: will you stop him?”
“On my honor, friend,” answered Zarathustra, “none of what you speak of exists: there is no devil and no hell. Your soul will die even sooner than your body: now fear nothing anymore!”
The man looked up suspiciously. “If you speak the truth,” he said, “then I lose nothing if I lose my life. I am not much more than an animal that has been taught to dance, with blows and thin meals.”
“Not at all,” said Zarathustra; “you have made a profession out of danger, and there is nothing to despise in that. Now you perish by your profession: for that reason I will bury you with my own hands.”
When Zarathustra had said this, the dying man no longer answered; but he moved his hand, as if he were looking for Zarathustra’s hand in thanks. —
7 Meanwhile evening came, and the market hid itself in darkness. Then the people dispersed, for even curiosity and fright grow tired. Zarathustra, however, sat on the ground beside the dead man, lost in thought, and so he forgot the time. But at last it became night, and a cold wind blew over the lonely man. Then Zarathustra rose and said to his heart:
“Truly, Zarathustra made a fine catch of fish today! He caught no human being, but he did catch a corpse.
“Human existence is uncanny and still without meaning. A clown can become its fate.
“I want to teach humans the meaning of their being, which is the Overhuman, the lightning out of the dark cloud that is the human being.
“But I am still far from them, and my sense doesn’t speak to their senses. To humans I am still something in between, between a fool and a corpse.
Dark is the night, dark are Zarathustra’s paths. Come, you cold and stiff companion! I will carry you to the place where I bury you with my own hands.
8 When Zarathustra had said this to his heart, he hoisted the corpse onto his back and set out on his way. He had not gone a hundred steps when a man crept up to him and whispered in his ear — and look! The one who spoke was the clown from the tower. “Leave this city, oh Zarathustra,” he said; “too many people hate you here. The good and the just hate you, and they call you their enemy and despiser; the believers in the right faith hate you, and they call you the danger to the crowd. It was lucky for you that people laughed at you: truly, you talked just like a clown. It was lucky for you that you joined the dead dog; by humbling yourself like that, you have saved yourself for today. But leave this city — or tomorrow I will jump over you, a living man over a dead one.” And when he had said this, the man vanished; but Zarathustra went on through the dark alleys.
At the city gate he met the gravediggers. They shone their torch in his face, recognized Zarathustra, and mocked him greatly. “Zarathustra is carrying off the dead dog! Good for Zarathustra, becoming a gravedigger! Our hands are too clean for this roast. Does Zarathustra want to steal the devil’s morsel? Well then! And good luck with the meal! If only the devil is not a better thief than Zarathustra! He will steal them both, he will eat them both!” And they laughed together and put their heads together.
Zarathustra said nothing in reply and went on his way. After he had walked for two hours, past forests and marshes, he had heard too much of the hungry howling of the wolves, and hunger came upon him too. So he stopped in front of a lonely house in which a light was burning.
“Hunger attacks me,” said Zarathustra, “like a robber. In forests and swamps my hunger attacks me, and in the deep of the night.
“My hunger has strange moods. Often it comes to me only after the meal, and today it didn’t come all day. Where was it?”
And with that Zarathustra knocked on the door of the house. An old man appeared. He carried the light and asked: “Who is coming to me and to my bad sleep?”
“A living man and a dead one,” said Zarathustra.
Give me something to eat and drink; I forgot it during the day. Whoever feeds the hungry refreshes his own soul: so says wisdom.”
The old man went away, but came straight back and offered Zarathustra bread and wine. “It is a bad region for the hungry,” he said; “that is why I live here. Beast and human come to me, the hermit. But tell your companion to eat and drink too; he is more tired than you.” Zarathustra answered: “My companion is dead; I will hardly persuade him to do so.” “That is no concern of mine,” said the old man sullenly; “whoever knocks at my house must also take what I offer him. Eat and drink, and fare well!” —
Then Zarathustra went on for two more hours, trusting the road and the light of the stars, for he was a habitual night-walker and liked to look every sleeper in the face. But when morning began to dawn, Zarathustra found himself in a deep forest, and no path showed itself to him anymore. There he laid the dead man in a hollow tree at his head — for he wanted to protect him from the wolves — and lay down himself on the ground and the moss. And at once he fell asleep, his body weary, but his soul untroubled.
9 Zarathustra slept for a long time, and not only the dawn passed over his face, but also the morning. At last, though, his eye opened. In wonder Zarathustra looked into the forest and the stillness, in wonder he looked into himself. Then he got up quickly, like a sailor who suddenly sees land, and shouted with joy, for he saw a new truth. And then he spoke to his heart like this:
A light dawned on me: I need companions, living ones — not dead companions and corpses that I carry with me wherever I want to go.
“But I need living companions, who follow me because they want to follow themselves, and go where I want to go.
“A light dawned on me: Zarathustra should speak not to the people but to companions! Zarathustra should not become the shepherd and dog of a herd!
“To lure many away from the herd, that is what I came for. The people and the herd shall be angry with me: Zarathustra wants to call the shepherds robbers.
I say shepherds, but they call themselves the good and the just. I say shepherds, but they call themselves the believers in the right faith.
Look at the good and the just! Whom do they hate the most? The one who smashes their value-tablets, the smasher, the lawbreaker: — but that one is the creator.
Look at the believers of every belief! Whom do they hate the most? The one who smashes their value-tablets, the smasher, the lawbreaker: — but that one is the creator.
The creator seeks companions, not corpses, and not herds or believers either. The creator seeks fellow creators, those who write new values on new tablets.
The creator seeks companions, and fellow harvesters, for everything stands ripe for the harvest before him. But he lacks the hundred sickles, so he tears out the ears of grain and is annoyed.
The creator seeks companions, and those who know how to sharpen their sickles. They will be called destroyers and despisers of good and evil. Yet they are the reapers and the celebrants.
“Fellow creators Zarathustra seeks, fellow harvesters and fellow celebrants Zarathustra seeks. What does he have to do with herds and shepherds and corpses!
And you, my first companion, farewell! I buried you well in your hollow tree; I hid you well from the wolves.
“But I part from you, the time is up. Between dawn and dawn a new truth came to me.
“I am not to be a shepherd, not a gravedigger. I will not even talk with the people again. For the last time I spoke to a dead man.
“I want to join the creators, the harvesters, the celebrants. I want to show them the rainbow and all the stairs of the Overhuman.
“To the hermits who live alone I will sing my song, and to the hermits who live in pairs. And to anyone who still has ears for the unheard-of, I will make their heart heavy with my happiness.
“I want to reach my goal, I go my way. I will jump over the hesitant and the slow. So let my way be their going under!”
10 Zarathustra had spoken this to his heart when the sun stood at noon. He looked up questioningly, for above him he heard the sharp cry of a bird. And look! An eagle was circling through the air in wide rings, and hanging from it was a serpent — not like prey, but like a friend: for it had coiled itself around his neck.
“They are my animals!” said Zarathustra, and rejoiced from his heart.
“The proudest animal under the sun and the cleverest animal under the sun: they have set out to scout.
“They want to find out whether Zarathustra is still alive. Truly, am I still alive?
“I found it more dangerous among humans than among animals. Zarathustra walks dangerous ways. May my animals lead me!”
When Zarathustra had said this, he remembered the words of the holy man in the forest, sighed, and spoke to his heart like this:
If only I were wiser! If only I were wise through and through, like my serpent!
But I ask for the impossible there: so I ask my pride to always go along with my wisdom!
“And if my cleverness one day leaves me, oh, it loves to fly away, may my pride then still fly with my foolishness!”
That is how Zarathustra’s going under began.
Part 1 Discourses
Die Reden Zarathustra's.
Von den drei Verwandlungen.
Drei Verwandlungen nenne ich euch des Geistes: wie der Geist zum Kameele wird, und zum Löwen das Kameel, und zum Kinde zuletzt der Löwe.
Vieles Schwere giebt es dem Geiste, dem starken, tragsamen Geiste, dem Ehrfurcht innewohnt: nach dem Schweren und Schwersten verlangt seine Stärke.
Was ist schwer? so fragt der tragsame Geist, so kniet er nieder, dem Kameele gleich, und will gut beladen sein.
Was ist das Schwerste, ihr Helden? so fragt der tragsame Geist, dass ich es auf mich nehme und meiner Stärke froh werde.
Ist es nicht das: sich erniedrigen, um seinem Hochmuth wehe zu thun? Seine Thorheit leuchten lassen, um seiner Weisheit zu spotten?
Oder ist es das: von unserer Sache scheiden, wenn sie ihren Sieg feiert? Auf hohe Berge steigen, um den Versucher zu versuchen?
Oder ist es das: sich von Eicheln und Gras der Erkenntniss nähren und um der Wahrheit willen an der Seele Hunger leiden?
Oder ist es das: krank sein und die Tröster heimschicken und mit Tauben Freundschaft schliessen, die niemals hören, was du willst?
Oder ist es das: in schmutziges Wasser steigen, wenn es das Wasser der Wahrheit ist, und kalte Frösche und heisse Kröten nicht von sich weisen?
Oder ist es das: Die lieben, die uns verachten, und dem Gespenste die Hand reichen, wenn es uns fürchten machen will?
Alles diess Schwerste nimmt der tragsame Geist auf sich: dem Kameele gleich, das beladen in die Wüste eilt, also eilt er in seine Wüste.
Aber in der einsamsten Wüste geschieht die zweite Verwandlung: zum Löwen wird hier der Geist, Freiheit will er sich erbeuten und Herr sein in seiner eignen Wüste.
Seinen letzten Herrn sucht er sich hier: feind will er ihm werden und seinem letzten Gotte, um Sieg will er mit dem grossen Drachen ringen.
Welches ist der grosse Drache, den der Geist nicht mehr Herr und Gott heissen mag? „Du-sollst“ heisst der grosse Drache. Aber der Geist des Löwen sagt „ich will“.
„Du-sollst“ liegt ihm am Wege, goldfunkelnd, ein Schuppenthier, und auf jeder Schuppe glänzt golden „Du sollst!“
Tausendjährige Werthe glänzen an diesen Schuppen, und also spricht der mächtigste aller Drachen: „aller Werth der Dinge — der glänzt an mir.“
„Aller Werth ward schon geschaffen, und aller geschaffene Werth — das bin ich. Wahrlich, es soll kein „Ich will“ mehr geben!“ Also spricht der Drache.
Meine Brüder, wozu bedarf es des Löwen im Geiste? Was genügt nicht das lastbare Thier, das entsagt und ehrfürchtig ist?
Neue Werthe schaffen — das vermag auch der Löwe noch nicht: aber Freiheit sich schaffen zu neuem Schaffen — das vermag die Macht des Löwen.
Freiheit sich schaffen und ein heiliges Nein auch vor der Pflicht: dazu, meine Brüder, bedarf es des Löwen.
Recht sich nehmen zu neuen Werthen — das ist das furchtbarste Nehmen für einen tragsamen und ehrfürchtigen Geist. Wahrlich, ein Rauben ist es ihm und eines raubenden Thieres Sache.
Als sein Heiligstes liebte er einst das „Du-sollst“: nun muss er Wahn und Willkür auch noch im Heiligsten finden, dass er sich Freiheit raube von seiner Liebe: des Löwen bedarf es zu diesem Raube.
Aber sagt, meine Brüder, was vermag noch das Kind, das auch der Löwe nicht vermochte? Was muss der raubende Löwe auch noch zum Kinde werden?
Unschuld ist das Kind und Vergessen, ein Neubeginnen, ein Spiel, ein aus sich rollendes Rad, eine erste Bewegung, ein heiliges Ja-sagen.
Ja, zum Spiele des Schaffens, meine Brüder, bedarf es eines heiligen Ja-sagens: seinen Willen will nun der Geist, seine Welt gewinnt sich der Weltverlorene.
Drei Verwandlungen nannte ich euch des Geistes: wie der Geist zum Kameele ward, und zum Löwen das Kameel, und der Löwe zuletzt zum Kinde. — —
Also sprach Zarathustra. Und damals weilte er in der Stadt, welche genannt wird: die bunte Kuh.
Von den Lehrstühlen der Tugend.
Man rühmte Zarathustra einen Weisen, der gut vom Schlafe und von der Tugend zu reden wisse: sehr werde er geehrt und gelohnt dafür, und alle Jünglinge sässen vor seinem Lehrstuhle. Zu ihm gieng Zarathustra, und mit allen Jünglingen sass er vor seinem Lehrstuhle. Und also sprach der Weise:
Ehre und Scham vor dem Schlafe! Das ist das Erste! Und Allen aus dem Wege gehn, die schlecht schlafen und Nachts wachen!
Schamhaft ist noch der Dieb vor dem Schlafe: stets stiehlt er sich leise durch die Nacht. Schamlos aber ist der Wächter der Nacht, schamlos trägt er sein Horn.
Keine geringe Kunst ist schlafen: es thut schon Noth, den ganzen Tag darauf hin zu wachen.
Zehn Mal musst du des Tages dich selber überwinden: das macht eine gute Müdigkeit und ist Mohn der Seele.
Zehn Mal musst du dich wieder mit dir selber versöhnen; denn Überwindung ist Bitterniss, und schlecht schläft der Unversöhnte.
Zehn Wahrheiten musst du des Tages finden: sonst suchst du noch des Nachts nach Wahrheit, und deine Seele blieb hungrig.
Zehn Mal musst du lachen am Tage und heiter sein: sonst stört dich der Magen in der Nacht, dieser Vater der Trübsal.
Wenige wissen das: aber man muss alle Tugenden haben, um gut zu schlafen. Werde ich falsch Zeugniss reden? Werde ich ehebrechen?
Werde ich mich gelüsten lassen meines Nächsten Magd? Das Alles vertrüge sich schlecht mit gutem Schlafe.
Und selbst wenn man alle Tugenden hat, muss man sich noch auf Eins verstehn: selber die Tugenden zur rechten Zeit schlafen schicken.
Dass sie sich nicht mit einander zanken, die artigen Weiblein! Und über dich, du Unglückseliger!
Friede mit Gott und dem Nachbar: so will es der gute Schlaf. Und Friede auch noch mit des Nachbars Teufel! Sonst geht er bei dir des Nachts um.
Ehre der Obrigkeit und Gehorsam, und auch der krummen Obrigkeit! So will es der gute Schlaf. Was kann ich dafür, dass die Macht gerne auf krummen Beinen wandelt?
Der soll mir immer der beste Hirt heissen, der sein Schaf auf die grünste Aue führt: so verträgt es sich mit gutem Schlafe.
Viel Ehren will ich nicht, noch grosse Schätze: das entzündet die Milz. Aber schlecht schläft es sich ohne einen guten Namen und einen kleinen Schatz.
Eine kleine Gesellschaft ist mir willkommener als eine böse: doch muss sie gehn und kommen zur rechten Zeit. So verträgt es sich mit gutem Schlafe.
Sehr gefallen mir auch die Geistig-Armen: sie fördern den Schlaf. Selig sind die, sonderlich, wenn man ihnen immer Recht giebt.
Also läuft der Tag dem Tugendsamen. Kommt nun die Nacht, so hüte ich mich wohl, den Schlaf zu rufen! Nicht will er gerufen sein, der Schlaf, der der Herr der Tugenden ist!
Sondern ich denke, was ich des Tages gethan und gedacht. Wiederkäuend frage ich mich, geduldsam gleich einer Kuh: welches waren doch deine zehn Überwindungen?
Und welches waren die zehn Versöhnungen und die zehn Wahrheiten und die zehn Gelächter, mit denen sich mein Herz gütlich that?
Solcherlei erwägend und gewiegt von vierzig Gedanken, überfällt mich auf einmal der Schlaf, der Ungerufne, der Herr der Tugenden.
Der Schlaf klopft mir auf mein Auge: da wird es schwer. Der Schlaf berührt mir den Mund: da bleibt er offen.
Wahrlich, auf weichen Sohlen kommt er mir, der liebste der Diebe, und stiehlt mir meine Gedanken: dumm stehe ich da wie dieser Lehrstuhl.
Aber nicht lange mehr stehe ich dann: da liege ich schon. —
Als Zarathustra den Weisen also sprechen hörte, lachte er bei sich im Herzen: denn ihm war dabei ein Licht aufgegangen. Und also sprach er zu seinem Herzen:
Ein Narr ist mir dieser Weise da mit seinen vierzig Gedanken: aber ich glaube, dass er sich wohl auf das Schlafen versteht.
Glücklich schon, wer in der Nähe dieses Weisen wohnt! Solch ein Schlaf steckt an, noch durch eine dicke Wand hindurch steckt er an.
Ein Zauber wohnt selbst in seinem Lehrstuhle. Und nicht vergebens sassen die Jünglinge vor dem Prediger der Tugend.
Seine Weisheit heisst: wachen, um gut zu schlafen. Und wahrlich, hätte das Leben keinen Sinn und müsste ich Unsinn wählen, so wäre auch mir diess der wählenswürdigste Unsinn.
Jetzo verstehe ich klar, was einst man vor Allem suchte, wenn man Lehrer der Tugend suchte. Guten Schlaf suchte man sich und mohnblumige Tugenden dazu!
Allen diesen gelobten Weisen der Lehrstühle war Weisheit der Schlaf ohne Träume: sie kannten keinen bessern Sinn des Lebens.
Auch noch heute wohl giebt es Einige, wie diesen Prediger der Tugend, und nicht immer so Ehrliche: aber ihre Zeit ist um. Und nicht mehr lange stehen sie noch: da liegen sie schon.
Selig sind diese Schläfrigen: denn sie sollen bald einnicken. —
Also sprach Zarathustra.
Von den Hinterweltlern.
Einst warf auch Zarathustra seinen Wahn jenseits des Menschen, gleich allen Hinterweltlern. Eines leidenden und zerquälten Gottes Werk schien mir da die Welt.
Traum schien mir da die Welt und Dichtung eines Gottes; farbiger Rauch vor den Augen eines göttlich Unzufriednen.
Gut und böse und Lust und Leid und Ich und Du — farbiger Rauch dünkte mich's vor schöpferischen Augen. Wegsehn wollte der Schöpfer von sich, — da schuf er die Welt.
Trunkne Lust ist's dem Leidenden, wegzusehn von seinem Leiden und sich zu verlieren. Trunkne Lust und Selbst-sich-Verlieren dünkte mich einst die Welt.
Diese Welt, die ewig unvollkommene, eines ewigen Widerspruches Abbild und unvollkommnes Abbild — eine trunkne Lust ihrem unvollkommnen Schöpfer: — also dünkte mich einst die Welt.
Also warf auch ich einst meinen Wahn jenseits des Menschen, gleich allen Hinterweltlern. Jenseits des Menschen in Wahrheit?
Ach, ihr Brüder, dieser Gott, den ich schuf, war Menschen-Werk und -Wahnsinn, gleich allen Göttern!
Mensch war er, und nur ein armes Stück Mensch und Ich: aus der eigenen Asche und Gluth kam es mir, dieses Gespenst, und wahrlich! Nicht kam es mir von Jenseits!
Was geschah, meine Brüder? Ich überwand mich, den Leidenden, ich trug meine eigne Asche zu Berge, eine hellere Flamme erfand ich mir. Und siehe! Da wich das Gespenst von mir!
Leiden wäre es mir jetzt und Qual dem Genesenen, solche Gespenster zu glauben: Leiden wäre es mir jetzt und Erniedrigung. Also rede ich zu den Hinterweltlern.
Leiden war's und Unvermögen — das schuf alle Hinterwelten; und jener kurze Wahnsinn des Glücks, den nur der Leidendste erfährt.
Müdigkeit, die mit Einem Sprunge zum Letzten will, mit einem Todessprunge, eine arme unwissende Müdigkeit, die nicht einmal mehr wollen will: die schuf alle Götter und Hinterwelten.
Glaubt es mir, meine Brüder! Der Leib war's, der am Leibe verzweifelte, — der tastete mit den Fingern des bethörten Geistes an die letzten Wände.
Glaubt es mir, meine Brüder! Der Leib war's, der an der Erde verzweifelte, — der hörte den Bauch des Seins zu sich reden.
Und da wollte er mit dem Kopfe durch die letzten Wände, und nicht nur mit dem Kopfe, — hinüber zu „jener Welt“.
Aber „jene Welt“ ist gut verborgen vor dem Menschen, jene entmenschte unmenschliche Welt, die ein himmlisches Nichts ist; und der Bauch des Seins redet gar nicht zum Menschen, es sei denn als Mensch.
Wahrlich, schwer zu beweisen ist alles Sein und schwer zum Reden zu bringen. Sagt mir, ihr Brüder, ist nicht das Wunderlichste aller Dinge noch am besten bewiesen?
Ja, diess Ich und des Ich's Widerspruch und Wirrsal redet noch am redlichsten von seinem Sein, dieses schaffende, wollende, werthende Ich, welches das Maass und der Werth der Dinge ist.
Und diess redlichste Sein, das Ich — das redet vom Leibe, und es will noch den Leib, selbst wenn es dichtet und schwärmt und mit zerbrochnen Flügeln flattert.
Immer redlicher lernt es reden, das Ich: und je mehr es lernt, um so mehr findet es Worte und Ehren für Leib und Erde.
Einen neuen Stolz lehrte mich mein Ich, den lehre ich die Menschen: nicht mehr den Kopf in den Sand der himmlischen Dinge zu stecken, sondern frei ihn zu tragen, einen Erden-Kopf, der der Erde Sinn schafft!
Einen neuen Willen lehre ich die Menschen: diesen Weg wollen, den blindlings der Mensch gegangen, und gut ihn heissen und nicht mehr von ihm bei Seite schleichen, gleich den Kranken und Absterbenden!
Kranke und Absterbende waren es, die verachteten Leib und Erde und erfanden das Himmlische und die erlösenden Blutstropfen: aber auch noch diese süssen und düstern Gifte nahmen sie von Leib und Erde!
Ihrem Elende wollten sie entlaufen, und die Sterne waren ihnen zu weit. Da seufzten sie: „Oh dass es doch himmlische Wege gäbe, sich in ein andres Sein und Glück zu schleichen!“ — da erfanden sie sich ihre Schliche und blutigen Tränklein!
Ihrem Leibe und dieser Erde nun entrückt wähnten sie sich, diese Undankbaren. Doch wem dankten sie ihrer Entrückung Krampf und Wonne? Ihrem Leibe und dieser Erde.
Milde ist Zarathustra den Kranken. Wahrlich, er zürnt nicht ihren Arten des Trostes und Undanks. Mögen sie Genesende werden und Überwindende und einen höheren Leib sich schaffen!
Nicht auch zürnt Zarathustra dem Genesenden, wenn er zärtlich nach seinem Wahne blickt und Mitternachts um das Grab seines Gottes schleicht: aber Krankheit und kranker Leib bleiben mir auch seine Thränen noch.
Vieles krankhafte Volk gab es immer unter Denen, welche dichten und gottsüchtig sind; wüthend hassen sie den Erkennenden und jene jüngste der Tugenden, welche heisst: Redlichkeit.
Rückwärts blicken sie immer nach dunklen Zeiten: da freilich war Wahn und Glaube ein ander Ding; Raserei der Vernunft war Gottähnlichkeit, und Zweifel Sünde.
Allzugut kenne ich diese Gottähnlichen: sie wollen, dass an sie geglaubt werde, und Zweifel Sünde sei. Allzugut weiss ich auch, woran sie selber am besten glauben.
Wahrlich nicht an Hinterwelten und erlösende Blutstropfen: sondern an den Leib glauben auch sie am besten, und ihr eigener Leib ist ihnen ihr Ding an sich.
Aber ein krankhaftes Ding ist er ihnen: und gerne möchten sie aus der Haut fahren. Darum horchen sie nach den Predigern des Todes und predigen selber Hinterwelten.
Hört mir lieber, meine Brüder, auf die Stimme des gesunden Leibes: eine redlichere und reinere Stimme ist diess.
Redlicher redet und reiner der gesunde Leib, der vollkommne und rechtwinklige: und er redet vom Sinn der Erde.
Also sprach Zarathustra.
Von den Verächtern des Leibes.
Den Verächtern des Leibes will ich mein Wort sagen. Nicht umlernen und umlehren sollen sie mir, sondern nur ihrem eignen Leibe Lebewohl sagen — und also stumm werden.
„Leib bin ich und Seele“ — so redet das Kind. Und warum sollte man nicht wie die Kinder reden?
Aber der Erwachte, der Wissende sagt: Leib bin ich ganz und gar, und Nichts ausserdem; und Seele ist nur ein Wort für ein Etwas am Leibe.
Der Leib ist eine grosse Vernunft, eine Vielheit mit Einem Sinne, ein Krieg und ein Frieden, eine Heerde und ein Hirt.
Werkzeug deines Leibes ist auch deine kleine Vernunft, mein Bruder, die du „Geist“ nennst, ein kleines Werk- und Spielzeug deiner grossen Vernunft.
„Ich“ sagst du und bist stolz auf diess Wort. Aber das Grössere ist, woran du nicht glauben willst, — dein Leib und seine grosse Vernunft: die sagt nicht Ich, aber thut Ich.
Was der Sinn fühlt, was der Geist erkennt, das hat niemals in sich sein Ende. Aber Sinn und Geist möchten dich überreden, sie seien aller Dinge Ende: so eitel sind sie.
Werk- und Spielzeuge sind Sinn und Geist: hinter ihnen liegt noch das Selbst. Das Selbst sucht auch mit den Augen der Sinne, es horcht auch mit den Ohren des Geistes.
Immer horcht das Selbst und sucht: es vergleicht, bezwingt, erobert, zerstört. Es herrscht und ist auch des Ich's Beherrscher.
Hinter deinen Gedanken und Gefühlen, mein Bruder, steht ein mächtiger Gebieter, ein unbekannter Weiser — der heisst Selbst. In deinem Leibe wohnt er, dein Leib ist er.
Es ist mehr Vernunft in deinem Leibe, als in deiner besten Weisheit. Und wer weiss denn, wozu dein Leib gerade deine beste Weisheit nöthig hat?
Dein Selbst lacht über dein Ich und seine stolzen Sprünge. „Was sind mir diese Sprünge und Flüge des Gedankens? sagt es sich. Ein Umweg zu meinem Zwecke. Ich bin das Gängelband des Ich's und der Einbläser seiner Begriffe.“
Das Selbst sagt zum Ich: „hier fühle Schmerz!“ Und da leidet es und denkt nach, wie es nicht mehr leide — und dazu eben soll es denken.
Das Selbst sagt zum Ich: „hier fühle Lust!“ Da freut es sich und denkt nach, wie es noch oft sich freue — und dazu eben soll es denken.
Den Verächtern des Leibes will ich ein Wort sagen. Dass sie verachten, das macht ihr Achten. Was ist es, das Achten und Verachten und Werth und Willen schuf?
Das schaffende Selbst schuf sich Achten und Verachten, es schuf sich Lust und Weh. Der schaffende Leib schuf sich den Geist als eine Hand seines Willens.
Noch in eurer Thorheit und Verachtung, ihr Verächter des Leibes, dient ihr eurem Selbst. Ich sage euch: euer Selbst selber will sterben und kehrt sich vom Leben ab.
Nicht mehr vermag es das, was es am liebsten will: — über sich hinaus zu schaffen. Das will es am liebsten, das ist seine ganze Inbrunst.
Aber zu spät ward es ihm jetzt dafür: — so will euer Selbst untergehn, ihr Verächter des Leibes.
Untergehn will euer Selbst, und darum wurdet ihr zu Verächtern des Leibes! Denn nicht mehr vermögt ihr über euch hinaus zu schaffen.
Und darum zürnt ihr nun dem Leben und der Erde. Ein ungewusster Neid ist im scheelen Blick eurer Verachtung.
Ich gehe nicht euren Weg, ihr Verächter des Leibes! Ihr seid mir keine Brücken zum Übermenschen! —
Also sprach Zarathustra.
Von den Freuden- und Leidenschaften.
Mein Bruder, wenn du eine Tugend hast, und es deine Tugend ist, so hast du sie mit Niemandem gemeinsam.
Freilich, du willst sie bei Namen nennen und liebkosen; du willst sie am Ohre zupfen und Kurzweil mit ihr treiben.
Und siehe! Nun hast du ihren Namen mit dem Volke gemeinsam und bist Volk und Heerde geworden mit deiner Tugend!
Besser thätest du, zu sagen: „unaussprechbar ist und namenlos, was meiner Seele Qual und Süsse macht und auch noch der Hunger meiner Eingeweide ist.“
Deine Tugend sei zu hoch für die Vertraulichkeit der Namen: und musst du von ihr reden, so schäme dich nicht, von ihr zu stammeln.
So sprich und stammle: „Das ist mein Gutes, das liebe ich, so gefällt es mir ganz, so allein will ich das Gute.
Nicht will ich es als eines Gottes Gesetz, nicht will ich es als eine Menschen-Satzung und -Nothdurft: kein Wegweiser sei es mir für Über-Erden und Paradiese.
Eine irdische Tugend ist es, die ich liebe: wenig Klugheit ist darin und am wenigsten die Vernunft Aller.
Aber dieser Vogel baute bei mir sich das Nest: darum liebe und herze ich ihn, — nun sitzt er bei mir auf seinen goldnen Eiern.“
So sollst du stammeln und deine Tugend loben.
Einst hattest du Leidenschaften und nanntest sie böse. Aber jetzt hast du nur noch deine Tugenden: die wuchsen aus deinen Leidenschaften.
Du legtest dein höchstes Ziel diesen Leidenschaften an's Herz: da wurden sie deine Tugenden und Freudenschaften.
Und ob du aus dem Geschlechte der Jähzornigen wärest oder aus dem der Wollüstigen oder der Glaubens-Wüthigen oder der Rachsüchtigen:
Am Ende wurden alle deine Leidenschaften zu Tugenden und alle deine Teufel zu Engeln.
Einst hattest du wilde Hunde in deinem Keller: aber am Ende verwandelten sie sich zu Vögeln und lieblichen Sängerinnen.
Aus deinen Giften brautest du dir deinen Balsam; deine Kuh Trübsal melktest du, — nun trinkst du die süsse Milch ihres Euters.
Und nichts Böses wächst mehr fürderhin aus dir, es sei denn das Böse, das aus dem Kampfe deiner Tugenden wächst.
Mein Bruder, wenn du Glück hast, so hast du Eine Tugend und nicht mehr: so gehst du leichter über die Brücke.
Auszeichnend ist es, viele Tugenden zu haben, aber ein schweres Loos; und Mancher gieng in die Wüste und tödtete sich, weil er müde war, Schlacht und Schlachtfeld von Tugenden zu sein.
Mein Bruder, ist Krieg und Schlacht böse? Aber nothwendig ist diess Böse, nothwendig ist der Neid und das Misstrauen und die Verleumdung unter deinen Tugenden.
Siehe, wie jede deiner Tugenden begehrlich ist nach dem Höchsten: sie will deinen ganzen Geist, dass er ihr Herold sei, sie will deine ganze Kraft in Zorn, Hass und Liebe.
Eifersüchtig ist jede Tugend auf die andre, und ein furchtbares Ding ist Eifersucht. Auch Tugenden können an der Eifersucht zu Grunde gehn.
Wen die Flamme der Eifersucht umringt, der wendet zuletzt, gleich dem Scorpione, gegen sich selber den vergifteten Stachel.
Ach, mein Bruder, sahst du noch nie eine Tugend sich selber verleumden und erstechen?
Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden muss: und darum sollst du deine Tugenden lieben, — denn du wirst an ihnen zu Grunde gehn. —
Also sprach Zarathustra.
Vom bleichen Verbrecher.
Ihr wollt nicht tödten, ihr Richter und Opferer, bevor das Thier nicht genickt hat? Seht, der bleiche Verbrecher hat genickt: aus seinem Auge redet die grosse Verachtung.
„Mein Ich ist Etwas, das überwunden werden soll: mein Ich ist mir die grosse Verachtung des Menschen“: so redet es aus diesem Auge.
Dass er sich selber richtete, war sein höchster Augenblick: lasst den Erhabenen nicht wieder zurück in sein Niederes!
Es giebt keine Erlösung für Den, der so an sich selber leidet, es sei denn der schnelle Tod.
Euer Tödten, ihr Richter, soll ein Mitleid sein und keine Rache. Und indem ihr tödtet, seht zu, dass ihr selber das Leben rechtfertiget!
Es ist nicht genug, dass ihr euch mit Dem versöhnt, den ihr tödtet. Eure Traurigkeit sei Liebe zum Übermenschen: so rechtfertigt ihr euer Noch-Leben!
„Feind“ sollt ihr sagen, aber nicht „Bösewicht“; „Kranker“ sollt ihr sagen, aber nicht „Schuft“; „Thor“ sollt ihr sagen, aber nicht „Sünder“.
Und du, rother Richter, wenn du laut sagen wolltest, was du Alles schon in Gedanken gethan hast: so würde Jedermann schreien: „Weg mit diesem Unflath und Giftwurm!“
Aber ein Anderes ist der Gedanke, ein Anderes die That, ein Anderes das Bild der That. Das Rad des Grundes rollt nicht zwischen ihnen.
Ein Bild machte diesen bleichen Menschen bleich. Gleichwüchsig war er seiner That, als er sie that: aber ihr Bild ertrug er nicht, als sie gethan war.
Immer sah er sich nun als Einer That Thäter. Wahnsinn heisse ich diess: die Ausnahme verkehrte sich ihm zum Wesen.
Der Strich bannt die Henne; der Streich, den er führte, bannte seine arme Vernunft — den Wahnsinn nach der That heisse ich diess.
Hört, ihr Richter! Einen anderen Wahnsinn giebt es noch: und der ist vor der That. Ach, ihr krocht mir nicht tief genug in diese Seele!
So spricht der rothe Richter: „was mordete doch dieser Verbrecher? Er wollte rauben.“ Aber ich sage euch: seine Seele wollte Blut, nicht Raub: er dürstete nach dem Glück des Messers!
Seine arme Vernunft aber begriff diesen Wahnsinn nicht und überredete ihn. „Was liegt an Blut! sprach sie; willst du nicht zum mindesten einen Raub dabei machen? Eine Rache nehmen?“
Und er horchte auf seine arme Vernunft: wie Blei lag ihre Rede auf ihm, — da raubte er, als er mordete. Er wollte sich nicht seines Wahnsinns schämen.
Und nun wieder liegt das Blei seiner Schuld auf ihm, und wieder ist seine arme Vernunft so steif, so gelähmt, so schwer.
Wenn er nur den Kopf schütteln könnte, so würde seine Last herabrollen: aber wer schüttelt diesen Kopf?
Was ist dieser Mensch? Ein Haufen von Krankheiten, welche durch den Geist in die Welt hinausgreifen: da wollen sie ihre Beute machen.
Was ist dieser Mensch? Ein Knäuel wilder Schlangen, welche selten bei einander Ruhe haben, — da gehn sie für sich fort und suchen Beute in der Welt.
Seht diesen armen Leib! Was er litt und begehrte, das deutete sich diese arme Seele, — sie deutete es als mörderische Lust und Gier nach dem Glück des Messers.
Wer jetzt krank wird, den überfällt das Böse, das jetzt böse ist: wehe will er thun, mit dem, was ihm wehe thut. Aber es gab andre Zeiten und ein andres Böses und Gutes.
Einst war der Zweifel böse und der Wille zum Selbst. Damals wurde der Kranke zum Ketzer und zur Hexe: als Ketzer und Hexe litt er und wollte leiden machen.
Aber diess will nicht in eure Ohren: euren Guten schade es, sagt ihr mir. Aber was liegt mir an euren Guten!
Vieles an euren Guten macht mir Ekel, und wahrlich nicht ihr Böses. Wollte ich doch, sie hätten einen Wahnsinn, an dem sie zu Grunde giengen, gleich diesem bleichen Verbrecher!
Wahrlich, ich wollte, ihr Wahnsinn hiesse Wahrheit oder Treue oder Gerechtigkeit: aber sie haben ihre Tugend, um lange zu leben und in einem erbärmlichen Behagen.
Ich bin ein Geländer am Strome: fasse mich, wer mich fassen kann! Eure Krücke aber bin ich nicht. —
Also sprach Zarathustra.
Vom Lesen und Schreiben.
Von allem Geschriebenen liebe ich nur Das, was Einer mit seinem Blute schreibt. Schreibe mit Blut: und du wirst erfahren, dass Blut Geist ist.
Es ist nicht leicht möglich, fremdes Blut zu verstehen: ich hasse die lesenden Müssiggänger.
Wer den Leser kennt, der thut Nichts mehr für den Leser. Noch ein Jahrhundert Leser — und der Geist selber wird stinken.
Dass Jedermann lesen lernen darf, verdirbt auf die Dauer nicht allein das Schreiben, sondern auch das Denken.
Einst war der Geist Gott, dann wurde er zum Menschen und jetzt wird er gar noch Pöbel.
Wer in Blut und Sprüchen schreibt, der will nicht gelesen, sondern auswendig gelernt werden.
Im Gebirge ist der nächste Weg von Gipfel zu Gipfel: aber dazu musst du lange Beine haben. Sprüche sollen Gipfel sein: und Die, zu denen gesprochen wird, Grosse und Hochwüchsige.
Die Luft dünn und rein, die Gefahr nahe und der Geist voll einer fröhlichen Bosheit: so passt es gut zu einander.
Ich will Kobolde um mich haben, denn ich bin muthig. Muth, der die Gespenster verscheucht, schafft sich selber Kobolde, — der Muth will lachen.
Ich empfinde nicht mehr mit euch: diese Wolke, die ich unter mir sehe, diese Schwärze und Schwere, über die ich lache, — gerade das ist eure Gewitterwolke.
Ihr seht nach Oben, wenn ihr nach Erhebung verlangt. Und ich sehe hinab, weil ich erhoben bin.
Wer von euch kann zugleich lachen und erhoben sein?
Wer auf den höchsten Bergen steigt, der lacht über alle Trauer-Spiele und Trauer-Ernste.
Muthig, unbekümmert, spöttisch, gewaltthätig — so will uns die Weisheit: sie ist ein Weib und liebt immer nur einen Kriegsmann.
Ihr sagt mir: „das Leben ist schwer zu tragen.“ Aber wozu hättet ihr Vormittags euren Stolz und Abends eure Ergebung?
Das Leben ist schwer zu tragen: aber so thut mir doch nicht so zärtlich! Wir sind allesammt hübsche lastbare Esel und Eselinnen.
Was haben wir gemein mit der Rosenknospe, welche zittert, weil ihr ein Tropfen Thau auf dem Leibe liegt?
Es ist wahr: wir lieben das Leben, nicht, weil wir an's Leben, sondern weil wir an's Lieben gewöhnt sind.
Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber immer auch etwas Vernunft im Wahnsinn.
Und auch mir, der ich dem Leben gut bin, scheinen Schmetterlinge und Seifenblasen und was ihrer Art unter Menschen ist, am meisten vom Glücke zu wissen.
Diese leichten thörichten zierlichen beweglichen Seelchen flattern zu sehen — das verführt Zarathustra zu Thränen und Liedern.
Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde.
Und als ich meinen Teufel sah, da fand ich ihn ernst, gründlich, tief, feierlich: es war der Geist der Schwere, — durch ihn fallen alle Dinge.
Nicht durch Zorn, sondern durch Lachen tödtet man. Auf, lasst uns den Geist der Schwere tödten!
Ich habe gehen gelernt: seitdem lasse ich mich laufen. Ich habe fliegen gelernt: seitdem will ich nicht erst gestossen sein, um von der Stelle zu kommen.
Jetzt bin ich leicht, jetzt fliege ich, jetzt sehe ich mich unter mir, jetzt tanzt ein Gott durch mich.
Also sprach Zarathustra.
Vom Baum am Berge.
Zarathustra's Auge hatte gesehn, dass ein Jüngling ihm auswich. Und als er eines Abends allein durch die Berge gieng, welche die Stadt umschliessen, die genannt wird „die bunte Kuh“: siehe, da fand er im Gehen diesen Jüngling, wie er an einen Baum gelehnt sass und müden Blickes in das Thal schaute. Zarathustra fasste den Baum an, bei welchem der Jüngling sass, und sprach also:
Wenn ich diesen Baum da mit meinen Händen schütteln wollte, ich würde es nicht vermögen.
Aber der Wind, den wir nicht sehen, der quält und biegt ihn, wohin er will. Wir werden am schlimmsten von unsichtbaren Händen gebogen und gequält.
Da erhob sich der Jüngling bestürzt und sagte: „ich höre Zarathustra und eben dachte ich an ihn.“ Zarathustra entgegnete:
„Was erschrickst du desshalb? - Aber es ist mit dem Menschen wie mit dem Baume.
Je mehr er hinauf in die Höhe und Helle will, um so stärker streben seine Wurzeln erdwärts, abwärts, in's Dunkle, Tiefe, — in's Böse.“
„Ja in's Böse! rief der Jüngling. Wie ist es möglich, dass du meine Seele entdecktest?“
Zarathustra lächelte und sprach: „Manche Seele wird man nie entdecken, es sei denn, dass man sie zuerst erfindet.“
„Ja in's Böse! rief der Jüngling nochmals.
Du sagtest die Wahrheit, Zarathustra. Ich traue mir selber nicht mehr, seitdem ich in die Höhe will, und Niemand traut mir mehr, — wie geschieht diess doch?
Ich verwandele mich zu schnell: mein Heute widerlegt mein Gestern. Ich überspringe oft die Stufen, wenn ich steige, — das verzeiht mir keine Stufe.
Bin ich oben, so finde ich mich immer allein. Niemand redet mit mir, der Frost der Einsamkeit macht mich zittern. Was will ich doch in der Höhe?
Meine Verachtung und meine Sehnsucht wachsen mit einander; je höher ich steige, um so mehr verachte ich Den, der steigt. Was will er doch in der Höhe?
Wie schäme ich mich meines Steigens und Stolperns! Wie spotte ich meines heftigen Schnaubens! Wie hasse ich den Fliegenden! Wie müde bin ich in der Höhe!“
Hier schwieg der Jüngling. Und Zarathustra betrachtete den Baum, an dem sie standen und sprach also:
Dieser Baum steht einsam hier am Gebirge; er wuchs hoch hinweg über Mensch und Thier.
Und wenn er reden wollte, er würde Niemanden haben, der ihn verstünde: so hoch wuchs er.
Nun wartet er und wartet, — worauf wartet er doch? Er wohnt dem Sitze der Wolken zu nahe: er wartet wohl auf den ersten Blitz?
Als Zarathustra diess gesagt hatte, rief der Jüngling mit heftigen Gebärden: „Ja, Zarathustra, du sprichst die Wahrheit. Nach meinem Untergange verlangte ich, als ich in die Höhe wollte, und du bist der Blitz, auf den ich wartete! Siehe, was bin ich noch, seitdem du uns erschienen bist? Der Neid auf dich ist's, der mich zerstört hat!“ — So sprach der Jüngling und weinte bitterlich. Zarathustra aber legte seinen Arm um ihn und führte ihn mit sich fort.
Und als sie eine Weile mit einander gegangen waren, hob Zarathustra also an zu sprechen:
Es zerreisst mir das Herz. Besser als deine Worte es sagen, sagt mir dein Auge alle deine Gefahr.
Noch bist du nicht frei, du suchst noch nach Freiheit. Übernächtig machte dich dein Suchen und überwach.
In die freie Höhe willst du, nach Sternen dürstet deine Seele. Aber auch deine schlimmen Triebe dürsten nach Freiheit.
Deine wilden Hunde wollen in die Freiheit; sie bellen vor Lust in ihrem Keller, wenn dein Geist alle Gefängnisse zu lösen trachtet.
Noch bist du mir ein Gefangner, der sich Freiheit ersinnt: ach, klug wird solchen Gefangnen die Seele, aber auch arglistig und schlecht.
Reinigen muss sich noch der Befreite des Geistes. Viel Gefängniss und Moder ist noch in ihm zurück: rein muss noch sein Auge werden.
Ja, ich kenne deine Gefahr. Aber bei meiner Liebe und Hoffnung beschwöre ich dich: wirf deine Liebe und Hoffnung nicht weg!
Edel fühlst du dich noch, und edel fühlen dich auch die Andern noch, die dir gram sind und böse Blicke senden. Wisse, dass Allen ein Edler im Wege steht.
Auch den Guten steht ein Edler im Wege: und selbst wenn sie ihn einen Guten nennen, so wollen sie ihn damit bei Seite bringen.
Neues will der Edle schaffen und eine neue Tugend. Altes will der Gute, und dass Altes erhalten bleibe.
Aber nicht das ist die Gefahr des Edlen, dass er ein Guter werde, sondern ein Frecher, ein Höhnender, ein Vernichter.
Ach, ich kannte Edle, die verloren ihre höchste Hoffnung. Und nun verleumdeten sie alle hohen Hoffnungen.
Nun lebten sie frech in kurzen Lüsten, und über den Tag hin warfen sie kaum noch Ziele.
„Geist ist auch Wollust“ — so sagten sie. Da zerbrachen ihrem Geiste die Flügel: nun kriecht er herum und beschmutzt im Nagen.
Einst dachten sie Helden zu werden: Lüstlinge sind es jetzt. Ein Gram und ein Grauen ist ihnen der Held.
Aber bei meiner Liebe und Hoffnung beschwöre ich dich: wirf den Helden in deiner Seele nicht weg! Halte heilig deine höchste Hoffnung! —
Also sprach Zarathustra.
Von den Predigern des Todes.
Es giebt Prediger des Todes: und die Erde ist voll von Solchen, denen Abkehr gepredigt werden muss vom Leben.
Voll ist die Erde von Überflüssigen, verdorben ist das Leben durch die Viel-zu-Vielen. Möge man sie mit dem „ewigen Leben“ aus diesem Leben weglocken!
„Gelbe“: so nennt man die Prediger des Todes, oder „Schwarze“. Aber ich will sie euch noch in andern Farben zeigen.
Da sind die Fürchterlichen, welche in sich das Raubthier herumtragen und keine Wahl haben, es sei denn Lüste oder Selbstzerfleischung. Und auch ihre Lüste sind noch Selbstzerfleischung.
Sie sind noch nicht einmal Menschen geworden, diese Fürchterlichen: mögen sie Abkehr predigen vom Leben und selber dahinfahren!
Da sind die Schwindsüchtigen der Seele: kaum sind sie geboren, so fangen sie schon an zu sterben und sehnen sich nach Lehren der Müdigkeit und Entsagung.
Sie wollen gerne todt sein, und wir sollten ihren Willen gut heissen! Hüten wir uns, diese Todten zu erwecken und diese lebendigen Särge zu versehren!
Ihnen begegnet ein Kranker oder ein Greis oder ein Leichnam; und gleich sagen sie „das Leben ist widerlegt!“
Aber nur sie sind widerlegt und ihr Auge, welches nur das Eine Gesicht sieht am Dasein.
Eingehüllt in dicke Schwermuth und begierig auf die kleinen Zufälle, welche den Tod bringen: so warten sie und beissen die Zähne auf einander.
Oder aber: sie greifen nach Zuckerwerk und spotten ihrer Kinderei dabei: sie hängen an ihrem Strohhalm Leben und spotten, dass sie noch an einem Strohhalm hängen.
Ihre Weisheit lautet: „ein Thor, der leben bleibt, aber so sehr sind wir Thoren! Und das eben ist das Thörichtste am Leben!“ —
„Das Leben ist nur Leiden“ — so sagen Andre und lügen nicht: so sorgt doch, dass ihr aufhört! So sorgt doch, dass das Leben aufhört, welches nur Leiden ist!
Und also laute die Lehre eurer Tugend „du sollst dich selber tödten! Du sollst dich selber davonstehlen!“ —
„Wollust ist Sünde, — so sagen die Einen, welche den Tod predigen — lasst uns bei Seite gehn und keine Kinder zeugen!“
„Gebären ist mühsam, — sagen die Andern — wozu noch gebären? Man gebiert nur Unglückliche!“ Und auch sie sind Prediger des Todes.
„Mitleid thut noth — so sagen die Dritten. Nehmt hin, was ich habe! Nehmt hin, was ich bin! Um so weniger bindet mich das Leben!“
Wären sie Mitleidige von Grund aus, so würden sie ihren Nächsten das Leben verleiden. Böse sein — das wäre ihre rechte Güte.
Aber sie wollen loskommen vom Leben: was schiert es sie, dass sie Andre mit ihren Ketten und Geschenken noch fester binden! —
Und auch ihr, denen das Leben wilde Arbeit und Unruhe ist: seid ihr nicht sehr müde des Lebens? Seid ihr nicht sehr reif für die Predigt des Todes?
Ihr Alle, denen die wilde Arbeit lieb ist und das Schnelle, Neue, Fremde, — ihr ertragt euch schlecht, euer Fleiss ist Flucht und Wille, sich selber zu vergessen.
Wenn ihr mehr an das Leben glaubtet, würdet ihr weniger euch dem Augenblicke hinwerfen. Aber ihr habt zum Warten nicht Inhalt genug in euch — und selbst zur Faulheit nicht!
Überall ertönt die Stimme Derer, welche den Tod predigen: und die Erde ist voll von Solchen, welchen der Tod gepredigt werden muss.
Oder „das ewige Leben“: das gilt mir gleich, — wofern sie nur schnell dahinfahren!
Also sprach Zarathustra.
Vom Krieg und Kriegsvolke.
Von unsern besten Feinden wollen wir nicht geschont sein, und auch von Denen nicht, welche wir von Grund aus lieben. So lasst mich denn euch die Wahrheit sagen!
Meine Brüder im Kriege! Ich liebe euch von Grund aus, ich bin und war Euresgleichen. Und ich bin auch euer bester Feind. So lasst mich denn euch die Wahrheit sagen!
Ich weiss um den Hass und Neid eures Herzens. Ihr seid nicht gross genug, um Hass und Neid nicht zu kennen. So seid denn gross genug, euch ihrer nicht zu schämen!
Und wenn ihr nicht Heilige der Erkenntniss sein könnt, so seid mir wenigstens deren Kriegsmänner. Das sind die Gefährten und Vorläufer solcher Heiligkeit.
Ich sehe viel Soldaten: möchte ich viel Kriegsmänner sehn! „Ein-form“ nennt man's, was sie tragen: möge es nicht Ein-form sein, was sie damit verstecken!
Ihr sollt mir Solche sein, deren Auge immer nach einem Feinde sucht — nach eurem Feinde. Und bei Einigen von euch giebt es einen Hass auf den ersten Blick.
Euren Feind sollt ihr suchen, euren Krieg sollt ihr führen und für eure Gedanken! Und wenn euer Gedanke unterliegt, so soll eure Redlichkeit darüber noch Triumph rufen!
Ihr sollt den Frieden lieben als Mittel zu neuen Kriegen. Und den kurzen Frieden mehr, als den langen.
Euch rathe ich nicht zur Arbeit, sondern zum Kampfe. Euch rathe ich nicht zum Frieden, sondern zum Siege. Eure Arbeit sei ein Kampf, euer Friede sei ein Sieg!
Man kann nur schweigen und stillsitzen, wenn man Pfeil und Bogen hat: sonst schwätzt und zankt man. Euer Friede sei ein Sieg!
Ihr sagt, die gute Sache sei es, die sogar den Krieg heilige? Ich sage euch: der gute Krieg ist es, der jede Sache heiligt.
Der Krieg und der Muth haben mehr grosse Dinge gethan, als die Nächstenliebe. Nicht euer Mitleiden, sondern eure Tapferkeit rettete bisher die Verunglückten.
Was ist gut? fragt ihr. Tapfer sein ist gut. Lasst die kleinen Mädchen reden: „gut sein ist, was hübsch zugleich und rührend ist.“
Man nennt euch herzlos: aber euer Herz ist ächt, und ich liebe die Scham eurer Herzlichkeit. Ihr schämt euch eurer Fluth, und Andre schämen sich ihrer Ebbe.
Ihr seid hässlich? Nun wohlan, meine Brüder! So nehmt das Erhabne um euch, den Mantel des Hässlichen!
Und wenn eure Seele gross wird, so wird sie übermüthig, und in eurer Erhabenheit ist Bosheit. Ich kenne euch.
In der Bosheit begegnet sich der Übermüthige mit dem Schwächlinge. Aber sie missverstehen einander. Ich kenne euch.
Ihr dürft nur Feinde haben, die zu hassen sind, aber nicht Feinde zum Verachten. Ihr müsst stolz auf euern Feind sein: dann sind die Erfolge eures Feindes auch eure Erfolge.
Auflehnung — das ist die Vornehmheit am Sclaven. Eure Vornehmheit sei Gehorsam! Euer Befehlen selber sei ein Gehorchen!
Einem guten Kriegsmanne klingt „du sollst“ angenehmer, als „ich will“. Und Alles, was euch lieb ist, sollt ihr euch erst noch befehlen lassen.
Eure Liebe zum Leben sei Liebe zu eurer höchsten Hoffnung: und eure höchste Hoffnung sei der höchste Gedanke des Lebens!
Euren höchsten Gedanken aber sollt ihr euch von mir befehlen lassen — und er lautet: der Mensch ist Etwas, das überwunden werden soll.
So lebt euer Leben des Gehorsams und des Krieges! Was liegt am Lang-Leben! Welcher Krieger will geschont sein!
Ich schone euch nicht, ich liebe euch von Grund aus, meine Brüder im Kriege!
Also sprach Zarathustra.
Vom neuen Götzen.
Irgendwo giebt es noch Völker und Heerden, doch nicht bei uns, meine Brüder: da giebt es Staaten.
Staat? Was ist das? Wohlan! Jetzt thut mir die Ohren auf, denn jetzt sage ich euch mein Wort vom Tode der Völker.
Staat heisst das kälteste aller kalten Ungeheuer. Kalt lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: „Ich, der Staat, bin das Volk.“
Lüge ist's! Schaffende waren es, die schufen die Völker und hängten einen Glauben und eine Liebe über sie hin: also dienten sie dem Leben.
Vernichter sind es, die stellen Fallen auf für Viele und heissen sie Staat: sie hängen ein Schwert und hundert Begierden über sie hin.
Wo es noch Volk giebt, da versteht es den Staat nicht und hasst ihn als bösen Blick und Sünde an Sitten und Rechten.
Dieses Zeichen gebe ich euch: jedes Volk spricht seine Zunge des Guten und Bösen: die versteht der Nachbar nicht. Seine Sprache erfand es sich in Sitten und Rechten.
Aber der Staat lügt in allen Zungen des Guten und Bösen; und was er auch redet, er lügt — und was er auch hat, gestohlen hat er's.
Falsch ist Alles an ihm; mit gestohlenen Zähnen beisst er, der Bissige. Falsch sind selbst seine Eingeweide.
Sprachverwirrung des Guten und Bösen: dieses Zeichen gebe ich euch als Zeichen des Staates. Wahrlich, den Willen zum Tode deutet dieses Zeichen! Wahrlich, es winkt den Predigern des Todes!
Viel zu Viele werden geboren: für die Überflüssigen ward der Staat erfunden!
Seht mir doch, wie er sie an sich lockt, die Viel-zu-Vielen! Wie er sie schlingt und kaut und wiederkäut!
„Auf der Erde ist nichts Grösseres als ich: der ordnende Finger bin ich Gottes“ — also brüllt das Unthier. Und nicht nur Langgeohrte und Kurzgeäugte sinken auf die Kniee!
Ach, auch in euch, ihr grossen Seelen, raunt er seine düsteren Lügen! Ach, er erräth die reichen Herzen, die gerne sich verschwenden!
Ja, auch euch erräth er, ihr Besieger des alten Gottes! Müde wurdet ihr im Kampfe, und nun dient eure Müdigkeit noch dem neuen Götzen!
Helden und Ehrenhafte möchte er um sich aufstellen, der neue Götze! Gerne sonnt er sich im Sonnenschein guter Gewissen, — das kalte Unthier!
Alles will er euch geben, wenn ihr ihn anbetet, der neue Götze: also kauft er sich den Glanz eurer Tugend und den Blick eurer stolzen Augen.
Ködern will er mit euch die Viel-zu-Vielen! Ja, ein Höllenkunststück ward da erfunden, ein Pferd des Todes, klirrend im Putz göttlicher Ehren!
Ja, ein Sterben für Viele ward da erfunden, das sich selber als Leben preist: wahrlich, ein Herzensdienst allen Predigern des Todes!
Staat nenne ich's, wo Alle Gifttrinker sind, Gute und Schlimme: Staat, wo Alle sich selber verlieren, Gute und Schlimme: Staat, wo der langsame Selbstmord Aller — „das Leben“ heisst.
Seht mir doch diese Überflüssigen! Sie stehlen sich die Werke der Erfinder und die Schätze der Weisen: Bildung nennen sie ihren Diebstahl — und Alles wird ihnen zu Krankheit und Ungemach!
Seht mir doch diese Überflüssigen! Krank sind sie immer, sie erbrechen ihre Galle und nennen es Zeitung. Sie verschlingen einander und können sich nicht einmal verdauen.
Seht mir doch diese Überflüssigen! Reichthümer erwerben sie und werden ärmer damit. Macht wollen sie und zuerst das Brecheisen der Macht, viel Geld, — diese Unvermögenden!
Seht sie klettern, diese geschwinden Affen! Sie klettern über einander hinweg und zerren sich also in den Schlamm und die Tiefe.
Hin zum Throne wollen sie Alle: ihr Wahnsinn ist es, — als ob das Glück auf dem Throne sässe! Oft sitzt der Schlamm auf dem Thron — und oft auch der Thron auf dem Schlamme.
Wahnsinnige sind sie mir Alle und kletternde Affen und Überheisse. Übel riecht mir ihr Götze, das kalte Unthier: übel riechen sie mir alle zusammen, diese Götzendiener.
Meine Brüder, wollt ihr denn ersticken im Dunste ihrer Mäuler und Begierden! Lieber zerbrecht doch die Fenster und springt in's Freie!
Geht doch dem schlechten Geruche aus dem Wege! Geht fort von der Götzendienerei der Überflüssigen!
Geht doch dem schlechten Geruche aus dem Wege! Geht fort von dem Dampfe dieser Menschenopfer!
Frei steht grossen Seelen auch jetzt noch die Erde. Leer sind noch viele Sitze für Einsame und Zweisame, um die der Geruch stiller Meere weht.
Frei steht noch grossen Seelen ein freies Leben. Wahrlich, wer wenig besitzt, wird um so weniger besessen: gelobt sei die kleine Armuth!
Dort, wo der Staat aufhört, da beginnt erst der Mensch, der nicht überflüssig ist: da beginnt das Lied des Nothwendigen, die einmalige und unersetzliche Weise.
Dort, wo der Staat aufhört, — so seht mir doch hin, meine Brüder! Seht ihr ihn nicht, den Regenbogen und die Brücken des Übermenschen? —
Also sprach Zarathustra.
Von den Fliegen des Marktes.
Fliehe, mein Freund, in deine Einsamkeit! Ich sehe dich betäubt vom Lärme der grossen Männer und zerstochen von den Stacheln der kleinen.
Würdig wissen Wald und Fels mit dir zu schweigen. Gleiche wieder dem Baume, den du liebst, dem breitästigen: still und aufhorchend hängt er über dem Meere.
Wo die Einsamkeit aufhört, da beginnt der Markt; und wo der Markt beginnt, da beginnt auch der Lärm der grossen Schauspieler und das Geschwirr der giftigen Fliegen.
In der Welt taugen die besten Dinge noch Nichts, ohne Einen, der sie erst aufführt: grosse Männer heisst das Volk diese Aufführer.
Wenig begreift das Volk das Grosse, das ist: das Schaffende. Aber Sinne hat es für alle Aufführer und Schauspieler grosser Sachen.
Um die Erfinder von neuen Werthen dreht sich die Welt: — unsichtbar dreht sie sich. Doch um die Schauspieler dreht sich das Volk und der Ruhm: so ist es der Welt Lauf.
Geist hat der Schauspieler, doch wenig Gewissen des Geistes. Er glaubt immer an Das, womit er am stärksten glauben macht, — glauben an sich macht!
Morgen hat er einen neuen Glauben und übermorgen einen neueren. Rasche Sinne hat er, gleich dem Volke, und veränderliche Witterungen.
Umwerfen — das heisst ihm: beweisen. Toll machen — das heisst ihm: überzeugen. Und Blut gilt ihm als aller Gründe bester.
Eine Wahrheit, die nur in feine Ohren schlüpft, nennt er Lüge und Nichts. Wahrlich, er glaubt nur an Götter, die grossen Lärm in der Welt machen!
Voll von feierlichen Possenreissern ist der Markt — und das Volk rühmt sich seiner grossen Männer! das sind ihm die Herrn der Stunde.
Aber die Stunde drängt sie: so drängen sie dich: Und auch von dir wollen sie Ja oder Nein. Wehe, du willst zwischen Für und Wider deinen Stuhl setzen?
Dieser Unbedingten und Drängenden halber sei ohne Eifersucht, du Liebhaber der Wahrheit! Niemals noch hängte sich die Wahrheit an den Arm eines Unbedingten.
Dieser Plötzlichen halber gehe zurück in deine Sicherheit: nur auf dem Markt wird man mit Ja? oder Nein? überfallen.
Langsam ist das Erleben allen tiefen Brunnen: lange müssen sie warten, bis sie wissen, was in ihre Tiefe fiel.
Abseits vom Markte und Ruhme begiebt sich alles Grosse: abseits vom Markte und Ruhme wohnten von je die Erfinder neuer Werthe.
Fliehe, mein Freund, in deine Einsamkeit: ich sehe dich von giftigen Fliegen zerstochen. Fliehe dorthin, wo rauhe, starke Luft weht!
Fliehe in deine Einsamkeit! Du lebtest den Kleinen und Erbärmlichen zu nahe. Fliehe vor ihrer unsichtbaren Rache! Gegen dich sind sie Nichts als Rache.
Hebe nicht mehr den Arm gegen sie! Unzählbar sind sie, und es ist nicht dein Loos, Fliegenwedel zu sein.
Unzählbar sind diese Kleinen und Erbärmlichen; und manchem stolzen Baue gereichten schon Regentropfen und Unkraut zum Untergange.
Du bist kein Stein, aber schon wurdest du hohl von vielen Tropfen. Zerbrechen und zerbersten wirst du mir noch von vielen Tropfen.
Ermüdet sehe ich dich durch giftige Fliegen, blutig geritzt sehe ich dich an hundert Stellen; und dein Stolz will nicht einmal zürnen.
Blut möchten sie von dir in aller Unschuld, Blut begehren ihre blutlosen Seelen — und sie stechen daher in aller Unschuld.
Aber, du Tiefer, du leidest zu tief auch an kleinen Wunden; und ehe du dich noch geheilt hast, kroch dir der gleiche Giftwurm über die Hand.
Zu stolz bist du mir dafür, diese Naschhaften zu tödten. Hüte dich aber, dass es nicht dein Verhängniss werde, all ihr giftiges Unrecht zu tragen!
Sie summen um dich auch mit ihrem Lobe: Zudringlichkeit ist ihr Loben. Sie wollen die Nähe deiner Haut und deines Blutes.
Sie schmeicheln dir wie einem Gotte oder Teufel; sie winseln vor dir wie vor einem Gotte oder Teufel. Was macht es! Schmeichler sind es und Winsler und nicht mehr.
Auch geben sie sich dir oft als Liebenswürdige. Aber das war immer die Klugheit der Feigen. Ja, die Feigen sind klug!
Sie denken viel über dich mit ihrer engen Seele, — bedenklich bist du ihnen stets! Alles, was viel bedacht wird, wird bedenklich.
Sie bestrafen dich für alle deine Tugenden. Sie verzeihen dir von Grund aus nur — deine Fehlgriffe.
Weil du milde bist und gerechten Sinnes, sagst du: „unschuldig sind sie an ihrem kleinen Dasein.“ Aber ihre enge Seele denkt: „Schuld ist alles grosse Dasein.“
Auch wenn du ihnen milde bist, fühlen sie sich noch von dir verachtet; und sie geben dir deine Wohlthat zurück mit versteckten Wehthaten.
Dein wortloser Stolz geht immer wider ihren Geschmack; sie frohlocken, wenn du einmal bescheiden genug bist, eitel zu sein.
Das, was wir an einem Menschen erkennen, das entzünden wir an ihm auch. Also hüte dich vor den Kleinen!
Vor dir fühlen sie sich klein, und ihre Niedrigkeit glimmt und glüht gegen dich in unsichtbarer Rache.
Merktest du nicht, wie oft sie stumm wurden, wenn du zu ihnen tratest, und wie ihre Kraft von ihnen gieng wie der Rauch von einem erlöschenden Feuer?
Ja, mein Freund, das böse Gewissen bist du deinen Nächsten: denn sie sind deiner unwerth. Also hassen sie dich und möchten gerne an deinem Blute saugen.
Deine Nächsten werden immer giftige Fliegen sein; Das, was gross an dir ist, — das selber muss sie giftiger machen und immer fliegenhafter.
Fliehe, mein Freund, in deine Einsamkeit und dorthin, wo eine rauhe, starke Luft weht. Nicht ist es dein Loos, Fliegenwedel zu sein. —
Also sprach Zarathustra.
Von der Keuschheit.
Ich liebe den Wald. In den Städten ist schlecht zu leben: da giebt es zu Viele der Brünstigen.
Ist es nicht besser, in die Hände eines Mörders zu gerathen, als in die Träume eines brünstigen Weibes?
Und seht mir doch diese Männer an: ihr Auge sagt es — sie wissen nichts Besseres auf Erden, als bei einem Weibe zu liegen.
Schlamm ist auf dem Grunde ihrer Seele; und wehe, wenn ihr Schlamm gar noch Geist hat!
Dass ihr doch wenigstens als Thiere vollkommen wäret! Aber zum Thiere gehört die Unschuld.
Rathe ich euch, eure Sinne zu tödten? Ich rathe euch zur Unschuld der Sinne.
Rathe ich euch zur Keuschheit? Die Keuschheit ist bei Einigen eine Tugend, aber bei Vielen beinahe ein Laster.
Diese enthalten sich wohl: aber die Hündin Sinnlichkeit blickt mit Neid aus Allem, was sie thun.
Noch in die Höhen ihrer Tugend und bis in den kalten Geist hinein folgt ihnen diess Gethier und sein Unfrieden.
Und wie artig weiss die Hündin Sinnlichkeit um ein Stück Geist zu betteln, wenn ihr ein Stück Fleisch versagt wird!
Ihr liebt Trauerspiele und Alles, was das Herz zerbricht? Aber ich bin misstrauisch gegen eure Hündin.
Ihr habt mir zu grausame Augen und blickt lüstern nach Leidenden. Hat sich nicht nur eure Wollust verkleidet und heisst sich Mitleiden?
Und auch diess Gleichniss gebe ich euch: nicht Wenige, die ihren Teufel austreiben wollten, fuhren dabei selber in die Säue.
Wem die Keuschheit schwer fällt, dem ist sie zu widerrathen: dass sie nicht der Weg zur Hölle werde — das ist zu Schlamm und Brunst der Seele.
Rede ich von schmutzigen Dingen? Das ist mir nicht das Schlimmste.
Nicht, wenn die Wahrheit schmutzig ist, sondern wenn sie seicht ist, steigt der Erkennende ungern in ihr Wasser.
Wahrlich, es giebt Keusche von Grund aus: sie sind milder von Herzen, sie lachen lieber und reichlicher als ihr.
Sie lachen auch über die Keuschheit und fragen: „was ist Keuschheit!
„Ist Keuschheit nicht Thorheit? Aber diese Thorheit kam zu uns und nicht wir zu ihr.
„Wir boten diesem Gaste Herberge und Herz: nun wohnt er bei uns, — mag er bleiben, wie lange er will!“
Also sprach Zarathustra.
Vom Freunde.
„Einer ist immer zu viel um mich“ — also denkt der Einsiedler. „Immer Einmal Eins — das giebt auf die Dauer Zwei!“
Ich und Mich sind immer zu eifrig im Gespräche: wie wäre es auszuhalten, wenn es nicht einen Freund gäbe?
Immer ist für den Einsiedler der Freund der Dritte: der Dritte ist der Kork, der verhindert, dass das Gespräch der Zweie in die Tiefe sinkt.
Ach, es giebt zu viele Tiefen für alle Einsiedler. Darum sehnen sie sich so nach einem Freunde und nach seiner Höhe.
Unser Glaube an Andre verräth, worin wir gerne an uns selber glauben möchten. Unsre Sehnsucht nach einem Freunde ist unser Verräther.
Und oft will man mit der Liebe nur den Neid überspringen. Und oft greift man an und macht sich einen Feind, um zu verbergen, dass man angreifbar ist.
„Sei wenigstens mein Feind!“ — so spricht die wahre Ehrfurcht, die nicht um Freundschaft zu bitten wagt.
Will man einen Freund haben, so muss man auch für ihn Krieg führen wollen: und um Krieg zu führen, muss man Feind sein können.
Man soll in seinem Freunde noch den Feind ehren. Kannst du an deinen Freund dicht herantreten, ohne zu ihm überzutreten?
In seinem Freunde soll man seinen besten Feind haben. Du sollst ihm am nächsten mit dem Herzen sein, wenn du ihm widerstrebst.
Du willst vor deinem Freunde kein Kleid tragen? Es soll deines Freundes Ehre sein, dass du dich ihm giebst, wie du bist? Aber er wünscht dich darum zum Teufel!
Wer aus sich kein Hehl macht, empört: so sehr habt ihr Grund, die Nacktheit zu fürchten! Ja, wenn ihr Götter wäret, da dürftet ihr euch eurer Kleider schämen!
Du kannst dich für deinen Freund nicht schön genug putzen: denn du sollst ihm ein Pfeil und eine Sehnsucht nach dem Übermenschen sein.
Sahst du deinen Freund schon schlafen, — damit du erfahrest, wie er aussieht? Was ist doch sonst das Gesicht deines Freundes? Es ist dein eignes Gesicht, auf einem rauhen und unvollkommnen Spiegel.
Sahst du deinen Freund schon schlafen? Erschrakst du nicht, dass dein Freund so aussieht? Oh, mein Freund, der Mensch ist Etwas, das überwunden werden muss.
Im Errathen und Stillschweigen soll der Freund Meister sein: nicht Alles musst du sehn wollen. Dein Traum soll dir verrathen, was dein Freund im Wachen thut.
Ein Errathen sei dein Mitleiden: dass du erst wissest, ob dein Freund Mitleiden wolle. Vielleicht liebt er an dir das ungebrochne Auge und den Blick der Ewigkeit.
Das Mitleiden mit dem Freunde berge sich unter einer harten Schale, an ihm sollst du dir einen Zahn ausbeissen. So wird es seine Feinheit und Süsse haben.
Bist du reine Luft und Einsamkeit und Brod und Arznei deinem Freunde? Mancher kann seine eignen Ketten nicht lösen und doch ist er dem Freunde ein Erlöser.
Bist du ein Sclave? So kannst du nicht Freund sein. Bist du ein Tyrann? So kannst du nicht Freunde haben.
Allzulange war im Weibe ein Sclave und ein Tyrann versteckt. Desshalb ist das Weib noch nicht der Freundschaft fähig: es kennt nur die Liebe.
In der Liebe des Weibes ist Ungerechtigkeit und Blindheit gegen Alles, was es nicht liebt. Und auch in der wissenden Liebe des Weibes ist immer noch Überfall und Blitz und Nacht neben dem Lichte.
Noch ist das Weib nicht der Freundschaft fähig: Katzen sind immer noch die Weiber, und Vögel. Oder, besten Falles, Kühe.
Noch ist das Weib nicht der Freundschaft fähig. Aber sagt mir, ihr Männer, wer von euch ist denn fähig der Freundschaft?
Oh über eure Armuth, ihr Männer, und euren Geiz der Seele! Wie viel ihr dem Freunde gebt, das will ich noch meinem Feinde geben, und will auch nicht ärmer damit geworden sein.
Es giebt Kameradschaft: möge es Freundschaft geben!
Also sprach Zarathustra.
Von tausend und Einem Ziele.
Viele Länder sah Zarathustra und viele Völker: so entdeckte er vieler Völker Gutes und Böses. Keine grössere Macht fand Zarathustra auf Erden, als gut und böse.
Leben könnte kein Volk, das nicht erst schätzte; will es sich aber erhalten, so darf es nicht schätzen, wie der Nachbar schätzt.
Vieles, das diesem Volke gut hiess, hiess einem andern Hohn und Schmach: also fand ich's. Vieles fand ich hier böse genannt und dort mit purpurnen Ehren geputzt.
Nie verstand ein Nachbar den andern: stets verwunderte sich seine Seele ob des Nachbarn Wahn und Bosheit.
Eine Tafel der Güter hängt über jedem Volke. Siehe, es ist seiner Überwindungen Tafel; siehe, es ist die Stimme seines Willens zur Macht.
Löblich ist, was ihm schwer gilt; was unerlässlich und schwer, heisst gut, und was aus der höchsten Noth noch befreit, das Seltene, Schwerste, — das preist es heilig.
Was da macht, dass es herrscht und siegt und glänzt, seinem Nachbarn zu Grauen und Neide: das gilt ihm das Hohe, das Erste, das Messende, der Sinn aller Dinge.
Wahrlich, mein Bruder, erkanntest du erst eines Volkes Noth und Land und Himmel und Nachbar: so erräthst du wohl das Gesetz seiner Überwindungen und warum es auf dieser Leiter zu seiner Hoffnung steigt.
„Immer sollst du der Erste sein und den Andern vorragen: Niemanden soll deine eifersüchtige Seele lieben, es sei denn den Freund“ — diess machte einem Griechen die Seele zittern: dabei gieng er seinen Pfad der Grösse.
„Wahrheit reden und gut mit Bogen und Pfeil verkehren“ — so dünkte es jenem Volke zugleich lieb und schwer, aus dem mein Name kommt — der Name, welcher mir zugleich lieb und schwer ist.
„Vater und Mutter ehren und bis in die Wurzel der Seele hinein ihnen zu Willen sein“: diese Tafel der Überwindung hängte ein andres Volk über sich auf und wurde mächtig und ewig damit.
„Treue üben und um der Treue Willen Ehre und Blut auch an böse und fährliche Sachen setzen“: also sich lehrend bezwang sich ein anderes Volk, und also sich bezwingend wurde es schwanger und schwer von grossen Hoffnungen.
Wahrlich, die Menschen gaben sich alles ihr Gutes und Böses. Wahrlich, sie nahmen es nicht, sie fanden es nicht, nicht fiel es ihnen als Stimme vom Himmel.
Werthe legte erst der Mensch in die Dinge, sich zu erhalten, — er schuf erst den Dingen Sinn, einen Menschen-Sinn! Darum nennt er sich „Mensch“, das ist: der Schätzende.
Schätzen ist Schaffen: hört es, ihr Schaffenden! Schätzen selber ist aller geschätzten Dinge Schatz und Kleinod.
Durch das Schätzen erst giebt es Werth: und ohne das Schätzen wäre die Nuss des Daseins hohl. Hört es, ihr Schaffenden!
Wandel der Werthe, — das ist Wandel der Schaffenden. Immer vernichtet, wer ein Schöpfer sein muss.
Schaffende waren erst Völker und spät erst Einzelne; wahrlich, der Einzelne selber ist noch die jüngste Schöpfung.
Völker hängten sich einst eine Tafel des Guten über sich. Liebe, die herrschen will, und Liebe, die gehorchen will, erschufen sich zusammen solche Tafeln.
Älter ist an der Heerde die Lust, als die Lust am Ich: und so lange das gute Gewissen Heerde heisst, sagt nur das schlechte Gewissen: Ich.
Wahrlich, das schlaue Ich, das lieblose, das seinen Nutzen im Nutzen Vieler will: das ist nicht der Heerde Ursprung, sondern ihr Untergang.
Liebende waren es stets und Schaffende, die schufen Gut und Böse. Feuer der Liebe glüht in aller Tugenden Namen und Feuer des Zorns.
Viele Länder sah Zarathustra und viele Völker: keine grössere Macht fand Zarathustra auf Erden, als die Werke der Liebenden: „gut“ und „böse“ ist ihr Name.
Wahrlich, ein Ungethüm ist die Macht dieses Lobens und Tadelns. Sagt, wer bezwingt es mir, ihr Brüder? Sagt, wer wirft diesem Thier die Fessel über die tausend Nacken?
Tausend Ziele gab es bisher, denn tausend Völker gab es. Nur die Fessel der tausend Nacken fehlt noch, es fehlt das Eine Ziel. Noch hat die Menschheit kein Ziel.
Aber sagt mir doch, meine Brüder: wenn der Menschheit das Ziel noch fehlt, fehlt da nicht auch — sie selber noch? —
Also sprach Zarathustra.
Von der Nächstenliebe.
Ihr drängt euch um den Nächsten und habt schöne Worte dafür. Aber ich sage euch: eure Nächstenliebe ist eure schlechte Liebe zu euch selber.
Ihr flüchtet zum Nächsten vor euch selber und möchtet euch daraus eine Tugend machen: aber ich durchschaue euer „Selbstloses“.
Das Du ist älter als das Ich; das Du ist heilig gesprochen, aber noch nicht das Ich: so drängt sich der Mensch hin zum Nächsten.
Rathe ich euch zur Nächstenliebe? Lieber noch rathe ich euch zur Nächsten-Flucht und zur Fernsten-Liebe!
Höher als die Liebe zum Nächsten ist die Liebe zum Fernsten und Künftigen; höher noch als die Liebe zu Menschen ist die Liebe zu Sachen und Gespenstern.
Diess Gespenst, das vor dir herläuft, mein Bruder, ist schöner als du; warum giebst du ihm nicht dein Fleisch und deine Knochen? Aber du fürchtest dich und läufst zu deinem Nächsten.
Ihr haltet es mit euch selber nicht aus und liebt euch nicht genug: nun wollt ihr den Nächsten zur Liebe verführen und euch mit seinem Irrthum vergolden.
Ich wollte, ihr hieltet es nicht aus mit allerlei Nächsten und deren Nachbarn; so müsstet ihr aus euch selber euren Freund und sein überwallendes Herz schaffen.
Ihr ladet euch einen Zeugen ein, wenn ihr von euch gut reden wollt; und wenn ihr ihn verführt habt, gut von euch zu denken, denkt ihr selber gut von euch.
Nicht nur Der lügt, welcher wider sein Wissen redet, sondern erst recht Der, welcher wider sein Nichtwissen redet. Und so redet ihr von euch im Verkehre und belügt mit euch den Nachbar.
Also spricht der Narr: „der Umgang mit Menschen verdirbt den Charakter, sonderlich wenn man keinen hat.“
Der Eine geht zum Nächsten, weil er sich sucht, und der Andre, weil er sich verlieren möchte. Eure schlechte Liebe zu euch selber macht euch aus der Einsamkeit ein Gefängniss.
Die Ferneren sind es, welche eure Liebe zum Nächsten bezahlen; und schon wenn ihr zu fünfen mit einander seid, muss immer ein sechster sterben.
Ich liebe auch eure Feste nicht: zu viel Schauspieler fand ich dabei, und auch die Zuschauer gebärdeten sich oft gleich Schauspielern.
Nicht den Nächsten lehre ich euch, sondern den Freund. Der Freund sei euch das Fest der Erde und ein Vorgefühl des Übermenschen.
Ich lehre euch den Freund und sein übervolles Herz. Aber man muss verstehn, ein Schwamm zu sein, wenn man von übervollen Herzen geliebt sein will.
Ich lehre euch den Freund, in dem die Welt fertig dasteht, eine Schale des Guten, — den schaffenden Freund, der immer eine fertige Welt zu verschenken hat.
Und wie ihm die Welt auseinander rollte, so rollt sie ihm wieder in Ringen zusammen, als das Werden des Guten durch das Böse, als das Werden der Zwecke aus dem Zufalle.
Die Zukunft und das Fernste sei dir die Ursache deines Heute: in deinem Freunde sollst du den Übermenschen als deine Ursache lieben.
Meine Brüder, zur Nächstenliebe rathe ich euch nicht: ich rathe euch zur Fernsten-Liebe.
Also sprach Zarathustra.
Vom Wege des Schaffenden.
Willst du, mein Bruder, in die Vereinsamung gehen? Willst du den Weg zu dir selber suchen? Zaudere noch ein Wenig und höre mich.
„Wer sucht, der geht leicht selber verloren. Alle Vereinsamung ist Schuld“: also spricht die Heerde. Und du gehörtest lange zur Heerde.
Die Stimme der Heerde wird auch in dir noch tönen. Und wenn du sagen wirst „ich habe nicht mehr Ein Gewissen mit euch“, so wird es eine Klage und ein Schmerz sein.
Siehe, diesen Schmerz selber gebar noch das Eine Gewissen: und dieses Gewissens letzter Schimmer glüht noch auf deiner Trübsal.
Aber du willst den Weg deiner Trübsal gehen, welches ist der Weg zu dir selber? So zeige mir dein Recht und deine Kraft dazu!
Bist du eine neue Kraft und ein neues Recht? Eine erste Bewegung? Ein aus sich rollendes Rad? Kannst du auch Sterne zwingen, dass sie um dich sich drehen?
Ach, es giebt so viel Lüsternheit nach Höhe! Es giebt so viel Krämpfe der Ehrgeizigen! Zeige mir, dass du keiner der Lüsternen und Ehrgeizigen bist!
Ach, es giebt so viel grosse Gedanken, die thun nicht mehr als ein Blasebalg: sie blasen auf und machen leerer.
Frei nennst du dich? Deinen herrschenden Gedanken will ich hören und nicht, dass du einem Joche entronnen bist.
Bist du ein Solcher, der einem Joche entrinnen durfte? Es giebt Manchen, der seinen letzten Werth wegwarf, als er seine Dienstbarkeit wegwarf.
Frei wovon? Was schiert das Zarathustra! Hell aber soll mir dein Auge künden: frei wozu?
Kannst du dir selber dein Böses und dein Gutes geben und deinen Willen über dich aufhängen wie ein Gesetz? Kannst du dir selber Richter sein und Rächer deines Gesetzes?
Furchtbar ist das Alleinsein mit dem Richter und Rächer des eignen Gesetzes. Also wird ein Stern hinausgeworfen in den öden Raum und in den eisigen Athem des Alleinseins.
Heute noch leidest du an den Vielen, du Einer: heute noch hast du deinen Muth ganz und deine Hoffnungen.
Aber einst wird dich die Einsamkeit müde machen, einst wird dein Stolz sich krümmen und dein Muth knirschen. Schreien wirst du einst „ich bin allein!“
Einst wirst du dein Hohes nicht mehr sehn und dein Niedriges allzunahe; dein Erhabnes selbst wird dich fürchten machen wie ein Gespenst. Schreien wirst du einst: „Alles ist falsch!“
Es giebt Gefühle, die den Einsamen tödten wollen; gelingt es ihnen nicht, nun, so müssen sie selber sterben! Aber vermagst du das, Mörder zu sein?
Kennst du, mein Bruder, schon das Wort „Verachtung“? Und die Qual deiner Gerechtigkeit, Solchen gerecht zu sein, die dich verachten?
Du zwingst Viele, über dich umzulernen; das rechnen sie dir hart an. Du kamst ihnen nahe und giengst doch vorüber: das verzeihen sie dir niemals.
Du gehst über sie hinaus: aber je höher du steigst, um so kleiner sieht dich das Auge des Neides. Am meisten aber wird der Fliegende gehasst.
„Wie wolltet ihr gegen mich gerecht sein! — musst du sprechen — ich erwähle mir eure Ungerechtigkeit als den mir zugemessnen Theil.“
Ungerechtigkeit und Schmutz werfen sie nach dem Einsamen: aber, mein Bruder, wenn du ein Stern sein willst, so musst du ihnen desshalb nicht weniger leuchten!
Und hüte dich vor den Guten und Gerechten! Sie kreuzigen gerne Die, welche sich ihre eigne Tugend erfinden, — sie hassen den Einsamen.
Hüte dich auch vor der heiligen Einfalt! Alles ist ihr unheilig, was nicht einfältig ist; sie spielt auch gerne mit dem Feuer — der Scheiterhaufen.
Und hüte dich auch vor den Anfällen deiner Liebe! Zu schnell streckt der Einsame Dem die Hand entgegen, der ihm begegnet.
Manchem Menschen darfst du nicht die Hand geben, sondern nur die Tatze: und ich will, dass deine Tatze auch Krallen habe.
Aber der schlimmste Feind, dem du begegnen kannst, wirst du immer dir selber sein; du selber lauerst dir auf in Höhlen und Wäldern.
Einsamer, du gehst den Weg zu dir selber! Und an dir selber führt dein Weg vorbei und an deinen sieben Teufeln!
Ketzer wirst du dir selber sein und Hexe und Wahrsager und Narr und Zweifler und Unheiliger und Bösewicht.
Verbrennen musst du dich wollen in deiner eignen Flamme: wie wolltest du neu werden, wenn du nicht erst Asche geworden bist!
Einsamer, du gehst den Weg des Schaffenden: einen Gott willst du dir schaffen aus deinen sieben Teufeln!
Einsamer, du gehst den Weg des Liebenden: dich selber liebst du und desshalb verachtest du dich, wie nur Liebende verachten.
Schaffen will der Liebende, weil er verachtet! Was weiss Der von Liebe, der nicht gerade verachten musste, was er liebte!
Mit deiner Liebe gehe in deine Vereinsamung und mit deinem Schaffen, mein Bruder; und spät erst wird die Gerechtigkeit dir nachhinken.
Mit meinen Thränen gehe in deine Vereinsamung, mein Bruder. Ich liebe Den, der über sich selber hinaus schaffen will und so zu Grunde geht. —
Also sprach Zarathustra.
Von alten und jungen Weiblein.
„Was schleichst du so scheu durch die Dämmerung, Zarathustra? Und was birgst du behutsam unter deinem Mantel?
„Ist es ein Schatz, der dir geschenkt? Oder ein Kind, das dir geboren wurde? Oder gehst du jetzt selber auf den Wegen der Diebe, du Freund der Bösen?“ —
Wahrlich, mein Bruder! sprach Zarathustra, es ist ein Schatz, der mir geschenkt wurde: eine kleine Wahrheit ist's, die ich trage.
Aber sie ist ungebärdig wie ein junges Kind; und wenn ich ihr nicht den Mund halte, so schreit sie überlaut.
Als ich heute allein meines Weges gieng, zur Stunde, wo die Sonne sinkt, begegnete mir ein altes Weiblein und redete also zu meiner Seele:
„Vieles sprach Zarathustra auch zu uns Weibern, doch nie sprach er uns über das Weib.“
Und ich entgegnete ihr: „über das Weib soll man nur zu Männern reden.“
„Rede auch zu mir vom Weibe, sprach sie; ich bin alt genug, um es gleich wieder zu vergessen.“
Und ich willfahrte dem alten Weiblein und sprach also zu ihm:
Alles am Weibe ist ein Räthsel, und Alles am Weibe hat Eine Lösung: sie heisst Schwangerschaft.
Der Mann ist für das Weib ein Mittel: der Zweck ist immer das Kind. Aber was ist das Weib für den Mann?
Zweierlei will der ächte Mann: Gefahr und Spiel. Desshalb will er das Weib, als das gefährlichste Spielzeug.
Der Mann soll zum Kriege erzogen werden und das Weib zur Erholung des Kriegers: alles Andre ist Thorheit.
Allzusüsse Früchte — die mag der Krieger nicht. Darum mag er das Weib; bitter ist auch noch das süsseste Weib.
Besser als ein Mann versteht das Weib die Kinder, aber der Mann ist kindlicher als das Weib.
Im ächten Manne ist ein Kind versteckt: das will spielen. Auf, ihr Frauen, so entdeckt mir doch das Kind im Manne!
Ein Spielzeug sei das Weib, rein und fein, dem Edelsteine gleich, bestrahlt von den Tugenden einer Welt, welche noch nicht da ist.
Der Strahl eines Sternes glänze in eurer Liebe! Eure Hoffnung heisse: „möge ich den Übermenschen gebären!“
In eurer Liebe sei Tapferkeit! Mit eurer Liebe sollt ihr auf Den losgehn, der euch Furcht einflösst!
In eurer Liebe sei eure Ehre! Wenig versteht sich sonst das Weib auf Ehre. Aber diess sei eure Ehre, immer mehr zu lieben, als ihr geliebt werdet, und nie die Zweiten zu sein.
Der Mann fürchte sich vor dem Weibe, wenn es liebt: da bringt es jedes Opfer, und jedes andre Ding gilt ihm ohne Werth.
Der Mann fürchte sich vor dem Weibe, wenn es hasst: denn der Mann ist im Grunde der Seele nur böse, das Weib aber ist dort schlecht.
Wen hasst das Weib am meisten? — Also sprach das Eisen zum Magneten: „ich hasse dich am meisten, weil du anziehst, aber nicht stark genug bist, an dich zu ziehen.“
Das Glück des Mannes heisst: ich will. Das Glück des Weibes heisst: er will.
„Siehe, jetzt eben ward die Welt vollkommen!“ — also denkt ein jedes Weib, wenn es aus ganzer Liebe gehorcht.
Und gehorchen muss das Weib und eine Tiefe finden zu seiner Oberfläche. Oberfläche ist des Weibes Gemüth, eine bewegliche stürmische Haut auf einem seichten Gewässer.
Des Mannes Gemüth aber ist tief, sein Strom rauscht in unterirdischen Höhlen: das Weib ahnt seine Kraft, aber begreift sie nicht. —
Da entgegnete mir das alte Weiblein: „Vieles Artige sagte Zarathustra und sonderlich für Die, welche jung genug dazu sind.
„Seltsam ist's, Zarathustra kennt wenig die Weiber, und doch hat er über sie Recht! Geschieht diess desshalb, weil beim Weibe kein Ding unmöglich ist?
„Und nun nimm zum Danke eine kleine Wahrheit! Bin ich doch alt genug für sie!
„Wickle sie ein und halte ihr den Mund: sonst schreit sie überlaut, diese kleine Wahrheit.“
„Gieb mir, Weib, deine kleine Wahrheit!“ sagte ich. Und also sprach das alte Weiblein:
„Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!“ —
Also sprach Zarathustra.
Vom Biss der Natter.
Eines Tages war Zarathustra unter einem Feigenbaume eingeschlafen, da es heiss war, und hatte seine Arme über das Gesicht gelegt. Da kam eine Natter und biss ihn in den Hals, so dass Zarathustra vor Schmerz aufschrie. Als er den Arm vom Gesicht genommen hatte, sah er die Schlange an: da erkannte sie die Augen Zarathustra's, wand sich ungeschickt und wollte davon. „Nicht doch, sprach Zarathustra; noch nahmst du meinen Dank nicht an! Du wecktest mich zur Zeit, mein Weg ist noch lang.“ „Dein Weg ist noch kurz, sagte die Natter traurig; mein Gift tödtet.“ Zarathustra lächelte. „Wann starb wohl je ein Drache am Gift einer Schlange? — sagte er. Aber nimm dein Gift zurück! Du bist nicht reich genug, es mir zu schenken.“ Da fiel ihm die Natter von Neuem um den Hals und leckte ihm seine Wunde.
Als Zarathustra diess einmal seinen Jüngern erzählte, fragten sie: „Und was, oh Zarathustra, ist die Moral deiner Geschichte?“ Zarathustra antwortete darauf also:
Den Vernichter der Moral heissen mich die Guten und Gerechten: meine Geschichte ist unmoralisch.
So ihr aber einen Feind habt, so vergeltet ihm nicht Böses mit Gutem: denn das würde beschämen. Sondern beweist, dass er euch etwas Gutes angethan hat.
Und lieber zürnt noch, als dass ihr beschämt! Und wenn euch geflucht wird, so gefällt es mir nicht, dass ihr dann segnen wollt. Lieber ein Wenig mitfluchen!
Und geschah euch ein grosses Unrecht, so thut mir geschwind fünf kleine dazu! Grässlich ist Der anzusehn, den allein das Unrecht drückt.
Wusstet ihr diess schon? Getheiltes Unrecht ist halbes Recht. Und Der soll das Unrecht auf sich nehmen, der es tragen kann!
Eine kleine Rache ist menschlicher, als gar keine Rache. Und wenn die Strafe nicht auch ein Recht und eine Ehre ist für den Übertretenden, so mag ich auch euer Strafen nicht.
Vornehmer ist's, sich Unrecht zu geben als Recht zu behalten, sonderlich wenn man Recht hat. Nur muss man reich genug dazu sein.
Ich mag eure kalte Gerechtigkeit nicht; und aus dem Auge eurer Richter blickt mir immer der Henker und sein kaltes Eisen.
Sagt, wo findet sich die Gerechtigkeit, welche Liebe mit sehenden Augen ist?
So erfindet mir doch die Liebe, welche nicht nur alle Strafe, sondern auch alle Schuld trägt!
So erfindet mir doch die Gerechtigkeit, die Jeden freispricht, ausgenommen den Richtenden!
Wollt ihr auch diess noch hören? An Dem, der von Grund aus gerecht sein will, wird auch noch die Lüge zur Menschen-Freundlichkeit.
Aber wie wollte ich gerecht sein von Grund aus! Wie kann ich Jedem das Seine geben! Diess sei mir genug: ich gebe Jedem das Meine.
Endlich, meine Brüder, hütet euch Unrecht zu thun allen Einsiedlern! Wie könnte ein Einsiedler vergessen! Wie könnte er vergelten!
Wie ein tiefer Brunnen ist ein Einsiedler. Leicht ist es, einen Stein hineinzuwerfen; sank er aber bis zum Grunde, sagt, wer will ihn wieder hinausbringen?
Hütet euch, den Einsiedler zu beleidigen! Thatet ihr's aber, nun, so tödtet ihn auch noch!
Also sprach Zarathustra.
Von Kind und Ehe.
Ich habe eine Frage für dich allein, mein Bruder: wie ein Senkblei werfe ich diese Frage in deine Seele, dass ich wisse, wie tief sie sei.
Du bist jung und wünschest dir Kind und Ehe. Aber ich frage dich: bist du ein Mensch, der ein Kind sich wünschen darf?
Bist du der Siegreiche, der Selbstbezwinger, der Gebieter der Sinne, der Herr deiner Tugenden? Also frage ich dich.
Oder redet aus deinem Wunsche das Thier und die Nothdurft? Oder Vereinsamung? Oder Unfriede mit dir?
Ich will, dass dein Sieg und deine Freiheit sich nach einem Kinde sehne. Lebendige Denkmale sollst du bauen deinem Siege und deiner Befreiung.
Über dich sollst du hinausbauen. Aber erst musst du mir selber gebaut sein, rechtwinklig an Leib und Seele.
Nicht nur fort sollst du dich pflanzen, sondern hinauf! Dazu helfe dir der Garten der Ehe!
Einen höheren Leib sollst du schaffen, eine erste Bewegung, ein aus sich rollendes Rad, — einen Schaffenden sollst du schaffen.
Ehe: so heisse ich den Willen zu Zweien, das Eine zu schaffen, das mehr ist, als die es schufen. Ehrfurcht vor einander nenne ich Ehe als vor den Wollenden eines solchen Willens.
Diess sei der Sinn und die Wahrheit deiner Ehe. Aber Das, was die Viel-zu-Vielen Ehe nennen, diese Überflüssigen, — ach, wie nenne ich das?
Ach, diese Armuth der Seele zu Zweien! Ach, dieser Schmutz der Seele zu Zweien! Ach, diess erbärmliche Behagen zu Zweien!
Ehe nennen sie diess Alles; und sie sagen, ihre Ehen seien im Himmel geschlossen.
Nun, ich mag ihn nicht, diesen Himmel der Überflüssigen! Nein, ich mag sie nicht, diese im himmlischen Netz verschlungenen Thiere!
Ferne bleibe mir auch der Gott, der heranhinkt, zu segnen, was er nicht zusammenfügte!
Lacht mir nicht über solche Ehen! Welches Kind hätte nicht Grund, über seine Eltern zu weinen?
Würdig schien mir dieser Mann und reif für den Sinn der Erde: aber als ich sein Weib sah, schien mir die Erde ein Haus für Unsinnige.
Ja, ich wollte, dass die Erde in Krämpfen bebte, wenn sich ein Heiliger und eine Gans mit einander paaren.
Dieser gieng wie ein Held auf Wahrheiten aus und endlich erbeutete er sich eine kleine geputzte Lüge. Seine Ehe nennt er's.
Jener war spröde im Verkehre und wählte wählerisch. Aber mit Einem Male verdarb er für alle Male seine Gesellschaft: seine Ehe nennt er's.
Jener suchte eine Magd mit den Tugenden eines Engels. Aber mit Einem Male wurde er die Magd eines Weibes, und nun thäte es Noth, dass er darüber noch zum Engel werde.
Sorgsam fand ich jetzt alle Käufer, und Alle haben listige Augen. Aber seine Frau kauft auch der Listigste noch im Sack.
Viele kurze Thorheiten — das heisst bei euch Liebe. Und eure Ehe macht vielen kurzen Thorheiten ein Ende, als Eine lange Dummheit.
Eure Liebe zum Weibe und des Weibes Liebe zum Manne: ach, möchte sie doch Mitleiden sein mit leidenden und verhüllten Göttern! Aber zumeist errathen zwei Thiere einander.
Aber auch noch eure beste Liebe ist nur ein verzücktes Gleichniss und eine schmerzhafte Gluth. Eine Fackel ist sie, die euch zu höheren Wegen leuchten soll.
Über euch hinaus sollt ihr einst lieben! So lernt erst lieben! Und darum musstet ihr den bittern Kelch eurer Liebe trinken.
Bitterniss ist im Kelch auch der besten Liebe: so macht sie Sehnsucht zum Übermenschen, so macht sie Durst dir, dem Schaffenden!
Durst dem Schaffenden, Pfeil und Sehnsucht dem Übermenschen: sprich, mein Bruder, ist diess dein Wille zur Ehe?
Heilig heisst mir solch ein Wille und solche Ehe. —
Also sprach Zarathustra.
Vom freien Tode.
Viele sterben zu spät, und Einige sterben zu früh. Noch klingt fremd die Lehre: „stirb zur rechten Zeit!“
Stirb zur rechten Zeit: also lehrt es Zarathustra.
Freilich, wer nie zur rechten Zeit lebt, wie sollte der je zur rechten Zeit sterben? Möchte er doch nie geboren sein! — Also rathe ich den Überflüssigen.
Aber auch die Überflüssigen thun noch wichtig mit ihrem Sterben, und auch die hohlste Nuss will noch geknackt sein.
Wichtig nehmen Alle das Sterben: aber noch ist der Tod kein Fest. Noch erlernten die Menschen nicht, wie man die schönsten Feste weiht.
Den vollbringenden Tod zeige ich euch, der den Lebenden ein Stachel und ein Gelöbniss wird.
Seinen Tod stirbt der Vollbringende, siegreich, umringt von Hoffenden und Gelobenden.
Also sollte man sterben lernen; und es sollte kein Fest geben, wo ein solcher Sterbender nicht der Lebenden Schwüre weihte!
Also zu sterben ist das Beste; das Zweite aber ist: im Kampfe zu sterben und eine grosse Seele zu verschwenden.
Aber dem Kämpfenden gleich verhasst wie dem Sieger ist euer grinsender Tod, der heranschleicht wie ein Dieb — und doch als Herr kommt.
Meinen Tod lobe ich euch, den freien Tod, der mir kommt, weil ich will.
Und wann werde ich wollen? Wer ein Ziel hat und einen Erben, der will den Tod zur rechten Zeit für Ziel und Erben.
Und aus Ehrfurcht vor Ziel und Erben wird er keine dürren Kränze mehr im Heiligthum des Lebens aufhängen.
Wahrlich, nicht will ich den Seildrehern gleichen: sie ziehen ihren Faden in die Länge und gehen dabei selber immer rückwärts.
Mancher wird auch für seine Wahrheiten und Siege zu alt; ein zahnloser Mund hat nicht mehr das Recht zu jeder Wahrheit.
Und Jeder, der Ruhm haben will, muss sich bei Zeiten von der Ehre verabschieden und die schwere Kunst üben, zur rechten Zeit zu — gehn.
Man muss aufhören, sich essen zu lassen, wenn man am besten schmeckt: das wissen Die, welche lange geliebt werden wollen.
Saure Äpfel giebt es freilich, deren Loos will, dass sie bis auf den letzten Tag des Herbstes warten: und zugleich werden sie reif, gelb und runzelig.
Andern altert das Herz zuerst und Andern der Geist. Und Einige sind greis in der Jugend: aber spät jung erhält lang jung.
Manchem missräth das Leben: ein Giftwurm frisst sich ihm an's Herz. So möge er zusehn, dass ihm das Sterben um so mehr gerathe.
Mancher wird nie süss, er fault im Sommer schon. Feigheit ist es, die ihn an seinem Aste festhält.
Viel zu Viele leben und viel zu lange hängen sie an ihren Ästen. Möchte ein Sturm kommen, der all diess Faule und Wurmfressne vom Baume schüttelt!
Möchten Prediger kommen des schnellen Todes! Das wären mir die rechten Stürme und Schüttler an Lebensbäumen! Aber ich höre nur den langsamen Tod predigen und Geduld mit allem „Irdischen“.
Ach, ihr predigt Geduld mit dem Irdischen? Dieses Irdische ist es, das zu viel Geduld mit euch hat, ihr Lästermäuler!
Wahrlich, zu früh starb jener Hebräer, den die Prediger des langsamen Todes ehren: und Vielen ward es seitdem zum Verhängniss, dass er zu früh starb.
Noch kannte er nur Thränen und die Schwermuth des Hebräers, sammt dem Hasse der Guten und Gerechten, — der Hebräer Jesus: da überfiel ihn die Sehnsucht zum Tode.
Wäre er doch in der Wüste geblieben und ferne von den Guten und Gerechten! Vielleicht hätte er leben gelernt und die Erde lieben gelernt — und das Lachen dazu!
Glaubt es mir, meine Brüder! Er starb zu früh; er selber hätte seine Lehre widerrufen, wäre er bis zu meinem Alter gekommen! Edel genug war er zum Widerrufen!
Aber ungereift war er noch. Unreif liebt der Jüngling und unreif hasst er auch Mensch und Erde. Angebunden und schwer ist ihm noch Gemüth und Geistesflügel.
Aber im Manne ist mehr Kind als im Jünglinge, und weniger Schwermuth: besser versteht er sich auf Tod und Leben.
Frei zum Tode und frei im Tode, ein heiliger Nein-sager, wenn es nicht Zeit mehr ist zum Ja: also versteht er sich auf Tod und Leben.
Dass euer Sterben keine Lästerung sei auf Mensch und Erde, meine Freunde: das erbitte ich mir von dem Honig eurer Seele.
In eurem Sterben soll noch euer Geist und eure Tugend glühn, gleich einem Abendroth um die Erde: oder aber das Sterben ist euch schlecht gerathen.
Also will ich selber sterben, dass ihr Freunde um meinetwillen die Erde mehr liebt; und zur Erde will ich wieder werden, dass ich in Der Ruhe habe, die mich gebar.
Wahrlich, ein Ziel hatte Zarathustra, er warf seinen Ball: nun seid ihr Freunde meines Zieles Erbe, euch werfe ich den goldenen Ball zu.
Lieber als Alles sehe ich euch, meine Freunde, den goldenen Ball werfen! Und so verziehe ich noch ein Wenig auf Erden: verzeiht es mir!
Also sprach Zarathustra.
Von der schenkenden Tugend.
1 Als Zarathustra von der Stadt Abschied genommen hatte, welcher sein Herz zugethan war und deren Name lautet: „die bunte Kuh“ — folgten ihm Viele, die sich seine Jünger nannten und gaben ihm das Geleit. Also kamen sie an einen Kreuzweg: da sagte ihnen Zarathustra, dass er nunmehr allein gehen wolle; denn er war ein Freund des Alleingehens. Seine Jünger aber reichten ihm zum Abschiede einen Stab, an dessen goldnem Griffe sich eine Schlange um die Sonne ringelte. Zarathustra freute sich des Stabes und stützte sich darauf; dann sprach er also zu seinen Jüngern.
Sagt mir doch: wie kam Gold zum höchsten Werthe? Darum, dass es ungemein ist und unnützlich und leuchtend und mild im Glanze; es schenkt sich immer.
Nur als Abbild der höchsten Tugend kam Gold zum höchsten Werthe. Goldgleich leuchtet der Blick dem Schenkenden. Goldes-Glanz schliesst Friede zwischen Mond und Sonne.
Ungemein ist die höchste Tugend und unnützlich, leuchtend ist sie und mild im Glanze: eine schenkende Tugend ist die höchste Tugend.
Wahrlich, ich errathe euch wohl, meine Jünger: ihr trachtet, gleich mir, nach der schenkenden Tugend. Was hättet ihr mit Katzen und Wölfen gemeinsam?
Das ist euer Durst, selber zu Opfern und Geschenken zu werden: und darum habt ihr den Durst, alle Reichthümer in eure Seele zu häufen.
Unersättlich trachtet eure Seele nach Schätzen und Kleinodien, weil eure Tugend unersättlich ist im Verschenken-Wollen.
Ihr zwingt alle Dinge zu euch und in euch, dass sie aus eurem Borne zurückströmen sollen als die Gaben eurer Liebe.
Wahrlich, zum Räuber an allen Werthen muss solche schenkende Liebe werden; aber heil und heilig heisse ich diese Selbstsucht.
Eine andre Selbstsucht giebt es, eine allzuarme, eine hungernde, die immer stehlen will, jene Selbstsucht der Kranken, die kranke Selbstsucht.
Mit dem Auge des Diebes blickt sie auf alles Glänzende; mit der Gier des Hungers misst sie Den, der reich zu essen hat; und immer schleicht sie um den Tisch der Schenkenden.
Krankheit redet aus solcher Begierde und unsichtbare Entartung; von siechem Leibe redet die diebische Gier dieser Selbstsucht.
Sagt mir, meine Brüder: was gilt uns als Schlechtes und Schlechtestes? Ist es nicht Entartung? — Und auf Entartung rathen wir immer, wo die schenkende Seele fehlt.
Aufwärts geht unser Weg, von der Art hinüber zur Über-Art. Aber ein Grauen ist uns der entartende Sinn, welcher spricht: „Alles für mich.“
Aufwärts fliegt unser Sinn: so ist er ein Gleichniss unsres Leibes, einer Erhöhung Gleichniss. Solcher Erhöhungen Gleichnisse sind die Namen der Tugenden.
Also geht der Leib durch die Geschichte, ein Werdender und ein Kämpfender. Und der Geist — was ist er ihm? Seiner Kämpfe und Siege Herold, Genoss und Wiederhall.
Gleichnisse sind alle Namen von Gut und Böse: sie sprechen nicht aus, sie winken nur. Ein Thor, welcher von ihnen Wissen will!
Achtet mir, meine Brüder, auf jede Stunde, wo euer Geist in Gleichnissen reden will: da ist der Ursprung eurer Tugend.
Erhöht ist da euer Leib und auferstanden; mit seiner Wonne entzückt er den Geist, dass er Schöpfer wird und Schätzer und Liebender und aller Dinge Wohlthäter.
Wenn euer Herz breit und voll wallt, dem Strome gleich, ein Segen und eine Gefahr den Anwohnenden: da ist der Ursprung eurer Tugend.
Wenn ihr erhaben seid über Lob und Tadel, und euer Wille allen Dingen befehlen will, als eines Liebenden Wille: da ist der Ursprung eurer Tugend.
Wenn ihr das Angenehme verachtet und das weiche Bett, und von den Weichlichen euch nicht weit genug betten könnt: da ist der Ursprung eurer Tugend.
Wenn ihr Eines Willens Wollende seid, und diese Wende aller Noth euch Nothwendigkeit heisst: da ist der Ursprung eurer Tugend.
Wahrlich, ein neues Gutes und Böses ist sie! Wahrlich, ein neues tiefes Rauschen und eines neuen Quelles Stimme!
Macht ist sie, diese neue Tugend; ein herrschender Gedanke ist sie und um ihn eine kluge Seele: eine goldene Sonne und um sie die Schlange der Erkenntniss.
2 Hier schwieg Zarathustra eine Weile und sah mit Liebe auf seine Jünger. Dann fuhr er also fort zu reden: — und seine Stimme hatte sich verwandelt.
Bleibt mir der Erde treu, meine Brüder, mit der Macht eurer Tugend! Eure schenkende Liebe und eure Erkenntniss diene dem Sinn der Erde! Also bitte und beschwöre ich euch.
Lasst sie nicht davon fliegen vom Irdischen und mit den Flügeln gegen ewige Wände schlagen! Ach, es gab immer so viel verflogene Tugend!
Führt, gleich mir, die verflogene Tugend zur Erde zurück — ja, zurück zu Leib und Leben: dass sie der Erde ihren Sinn gebe, einen Menschen-Sinn!
Hundertfältig verflog und vergriff sich bisher so Geist wie Tugend. Ach, in unserm Leibe wohnt jetzt noch all dieser Wahn und Fehlgriff: Leib und Wille ist er da geworden.
Hundertfältig versuchte und verirrte sich bisher so Geist wie Tugend. Ja, ein Versuch war der Mensch. Ach, viel Unwissen und Irrthum ist an uns Leib geworden!
Nicht nur die Vernunft von Jahrtausenden — auch ihr Wahnsinn bricht an uns aus. Gefährlich ist es, Erbe zu sein.
Noch kämpfen wir Schritt um Schritt mit dem Riesen Zufall, und über der ganzen Menschheit waltete bisher noch der Unsinn, der Ohne-Sinn.
Euer Geist und eure Tugend diene dem Sinn der Erde, meine Brüder: und aller Dinge Werth werde neu von euch gesetzt! Darum sollt ihr Kämpfende sein! Darum sollt ihr Schaffende sein!
Wissend reinigt sich der Leib; mit Wissen versuchend erhöht er sich; dem Erkennenden heiligen sich alle Triebe; dem Erhöhten wird die Seele fröhlich.
Arzt, hilf dir selber: so hilfst du auch deinem Kranken noch. Das sei seine beste Hülfe, dass er Den mit Augen sehe, der sich selber heil macht.
Tausend Pfade giebt es, die nie noch gegangen sind; tausend Gesundheiten und verborgene Eilande des Lebens. Unerschöpft und unentdeckt ist immer noch Mensch und Menschen-Erde.
Wachet und horcht, ihr Einsamen! Von der Zukunft her kommen Winde mit heimlichem Flügelschlagen; und an feine Ohren ergeht gute Botschaft.
Ihr Einsamen von heute, ihr Ausscheidenden, ihr sollt einst ein Volk sein: aus euch, die ihr euch selber auswähltet, soll ein auserwähltes Volk erwachsen: — und aus ihm der Übermensch.
Wahrlich, eine Stätte der Genesung soll noch die Erde werden! Und schon liegt ein neuer Geruch um sie, ein Heil bringender, — und eine neue Hoffnung!
3 Als Zarathustra diese Worte gesagt hatte, schwieg er, wie Einer, der nicht sein letztes Wort gesagt hat; lange wog er den Stab zweifelnd in seiner Hand. Endlich sprach er also: — und seine Stimme hatte sich verwandelt.
Allein gehe ich nun, meine Jünger! Auch ihr geht nun davon und allein! So will ich es.
Wahrlich, ich rathe euch: geht fort von mir und wehrt euch gegen Zarathustra! Und besser noch: schämt euch seiner! Vielleicht betrog er euch.
Der Mensch der Erkenntniss muss nicht nur seine Feinde lieben, sondern auch seine Freunde hassen können.
Man vergilt einem Lehrer schlecht, wenn man immer nur der Schüler bleibt. Und warum wollt ihr nicht an meinem Kranze rupfen?
Ihr verehrt mich; aber wie, wenn eure Verehrung eines Tages umfällt? Hütet euch, dass euch nicht eine Bildsäule erschlage!
Ihr sagt, ihr glaubt an Zarathustra? Aber was liegt an Zarathustra! Ihr seid meine Gläubigen: aber was liegt an allen Gläubigen!
Ihr hattet euch noch nicht gesucht: da fandet ihr mich. So thun alle Gläubigen; darum ist es so wenig mit allem Glauben.
Nun heisse ich euch, mich verlieren und euch finden; und erst, wenn ihr mich Alle verleugnet habt, will ich euch wiederkehren.
Wahrlich, mit andern Augen, meine Brüder, werde ich mir dann meine Verlorenen suchen; mit einer anderen Liebe werde ich euch dann lieben.
Und einst noch sollt ihr mir Freunde geworden sein und Kinder Einer Hoffnung: dann will ich zum dritten Male bei euch sein, dass ich den grossen Mittag mit euch feiere.
Und das ist der grosse Mittag, da der Mensch auf der Mitte seiner Bahn steht zwischen Thier und Übermensch und seinen Weg zum Abende als seine höchste Hoffnung feiert: denn es ist der Weg zu einem neuen Morgen.
Alsda wird sich der Untergehende selber segnen, dass er ein Hinübergehender sei; und die Sonne seiner Erkenntniss wird ihm im Mittage stehn.
„Todt sind alle Götter: nun wollen wir, dass der Übermensch lebe.“ — diess sei einst am grossen Mittage unser letzter Wille! —
Also sprach Zarathustra.
Zarathustra’s Discourses
On the Three Transformations.
I’ll name three transformations of the spirit for you: how the spirit becomes a camel, and the camel a lion, and finally the lion a child.
There is much that is heavy for the spirit, the strong, burden-bearing spirit in which reverence lives. Its strength longs for the heavy, for the heaviest.
“What is heavy?” asks the burden-bearing spirit, and it kneels down like a camel and wants to be loaded well.
“What is the heaviest, you heroes?” asks the burden-bearing spirit, “so that I can take it on myself and be glad of my strength.”
Isn’t it this: to humble yourself in order to hurt your arrogance? To let your foolishness shine in order to mock your wisdom?
Or is it this: to part from our cause just when it celebrates its victory? To climb high mountains in order to tempt the tempter?
Or is it this: to feed on the acorns and grass of knowledge, and to suffer hunger of the soul for the sake of truth?
Or is it this: to be sick, send the comforters home, and make friends with the deaf, who never hear what you want?
Or is it this: to step into dirty water when it is the water of truth, and not to push away cold frogs and hot toads?
Or is it this: to love those who despise us, and to offer a hand to the ghost when it wants to frighten us?
The burden-bearing spirit takes all of this heaviest upon itself. Like the camel that hurries loaded into the desert, it hurries into its desert.
But in the loneliest desert the second transformation takes place: here the spirit becomes a lion; it wants to take freedom for itself and be master in its own desert.
Here it looks for its last master. It wants to become an enemy to him and to its last god, and it wants to wrestle the great dragon for victory.
What is the great dragon that the spirit can no longer call master and god? “You shall” is the name of the great dragon. But the spirit of the lion says “I will.”
“You-must” lies in its way, sparkling gold, an animal covered in scales, and on every scale “You must!” shines in gold.
Thousand-year-old values gleam on these scales, and so speaks the mightiest of all dragons: “The whole value of things — it gleams from me.”
“All value has already been created, and all created value — that is me. Truly, there shall be no more “I will”!” So speaks the dragon.
My brothers, why does the spirit need the lion? Isn’t the beast of burden enough, the one that gives things up and is reverent?
Creating new values — even the lion cannot yet do that. But making freedom for oneself, for new creating — that the lion’s power can do.
To create freedom for oneself, and a holy No even to duty: for that, my brothers, the lion is needed.
To take the right to new values — that is the most terrible taking for a burden-bearing and reverent spirit. Truly, it is a robbery for it, and the business of a beast of prey.
Once it loved “You shall” as its holiest thing; now it must find delusion and arbitrariness even in the holiest, so that it can rob itself of freedom from its love. The lion is needed for this robbery.
But tell me, my brothers: what can the child do that even the lion could not? Why must the robbing lion also become a child?
The child is innocence and forgetting, a new beginning, a game, a wheel that rolls of its own accord, a first movement, a sacred yes-saying.
Yes, for the game of creating, my brothers, a holy saying of Yes is needed. The spirit now wills its own will. The one who lost the world wins their own world.
I named three transformations of the spirit for you: how the spirit became a camel, and the camel a lion, and finally the lion a child.
Thus spoke Zarathustra. And at that time he was staying in the city called the Spotted Cow.
On the Teaching Chairs of Virtue.
People praised a wise man to Zarathustra: he knew how to speak well about sleep and virtue, they said. He was greatly honored and well paid for it, and all the young men sat in front of his teaching chair. Zarathustra went to him, and with all the young men he sat in front of his teaching chair. And the wise man said:
Honor and modesty before sleep! That comes first! And get out of the way of everyone who sleeps badly and stays awake at night!
The thief is still bashful before sleep: he always steals quietly through the night. But the watchman of the night is shameless; shamelessly he carries his horn.
Sleeping is no small art. It takes effort to stay awake all day for it.
Ten times a day you must overcome yourself. That makes a good tiredness, and it is poppy for the soul.
Ten times you must make peace with yourself again; for overcoming is bitter, and the unreconciled sleep badly.
Ten truths you must find during the day. Otherwise you’ll still be looking for truth at night, and your soul will have stayed hungry.
Ten times you must laugh during the day and be cheerful, or else your stomach will disturb you at night, that father of gloom.
Few people know this, but you must have all the virtues in order to sleep well. Will I bear false witness? Will I commit adultery?
Will I let myself covet my neighbor’s maid? All of that would go badly with good sleep.
And even when you have all the virtues, you must still understand one more thing: sending the virtues themselves to sleep at the right time.
So that they don’t quarrel with each other, the well-behaved little women! And over you, you unlucky one!
Peace with God and with the neighbor: that is what good sleep wants. And peace with the neighbor’s devil too! Otherwise he’ll haunt you at night.
Honor to the authorities, and obedience, even to crooked authorities! That is what good sleep wants. Can I help it that power likes to walk on crooked legs?
The one I’ll always call the best shepherd is the one who leads his sheep to the greenest pasture. That goes well with good sleep.
I don’t want much honor or great treasures: they inflame the spleen. But it’s hard to sleep without a good name and a small treasure.
A small company is more welcome to me than a bad one; yet it must come and go at the right time. That is compatible with good sleep.
I like the poor in spirit very much too: they promote sleep. Blessed are they, especially if you always agree with them.
So the day runs for the virtuous. When night comes, I take good care not to call sleep! He doesn’t want to be called, sleep, the lord of the virtues!
Rather, I think over what I did and thought during the day. Chewing it over, patient as a cow, I ask myself: what were your ten overcomings, after all?
And what were the ten reconciliations, and the ten truths, and the ten laughs that my heart treated itself to?
While I’m thinking over such things, rocked by forty thoughts, sleep suddenly overtakes me, the uncalled one, the lord of the virtues.
Sleep taps on my eye, and it grows heavy. Sleep touches my mouth, and it stays open.
Truly, on soft soles he comes to me, the dearest of thieves, and steals my thoughts: I stand there stupid, like this chair.
But I don’t stand for long after that. I’m already lying down.
When Zarathustra heard the wise man speak like this, he laughed to himself in his heart, for a light had dawned on him. And so he spoke to his heart:
This wise man with his forty thoughts is a fool to me. But I believe he knows very well how to sleep.
Happy is anyone who lives near this wise man! Such sleep is catching. It is catching even through a thick wall.
There is a magic even in his teaching chair. And it was not for nothing that the young men sat in front of the preacher of virtue.
His wisdom is this: to stay awake in order to sleep well. And truly, if life had no meaning and I had to choose nonsense, then this would also be the most worthwhile nonsense for me.
Now I clearly understand what people once looked for above all when they looked for teachers of virtue. They looked for good sleep, and poppy-flower virtues to go with it!
For all these praised wise men of the teaching chairs, wisdom was sleep without dreams. They knew no better meaning of life.
Even today there are surely a few like this preacher of virtue, and not always such honest ones. But their time is up. And they won’t be standing much longer: they’re already lying down.
Blessed are these sleepy ones, for they will soon nod off.
So Zarathustra spoke.
On the Believers in Other Worlds.
Once Zarathustra too threw his delusion out beyond man, like all believers in other worlds. The world seemed to me then the work of a suffering, tormented god.
The world seemed to me then a dream, a god’s poem: colored smoke before the eyes of one who is divinely dissatisfied.
Good and evil and pleasure and pain and I and you: it looked to me like colored smoke before creative eyes. The creator wanted to look away from himself, and so he made the world.
It is a drunken pleasure for the sufferer to look away from his suffering and lose himself. A drunken pleasure and self-loss: that is how the world seemed to me once.
This world, forever imperfect, the image of an eternal contradiction, and an imperfect image at that, a drunken pleasure for its imperfect creator: that is how the world seemed to me once.
So I too once threw my delusion out beyond man, like all believers in other worlds. Beyond man in truth?
Ah, my brothers, this god that I made was man’s work and man’s madness, like all gods!
He was a human being, only a poor piece of human being and of me: out of my own ash and glow this specter came to me, and truly! It did not come to me from beyond.
What happened, my brothers? I overcame myself, the one who suffered; I carried my own ash up the mountain; I invented a brighter flame for myself. And look! The specter withdrew from me!
It would be suffering for me now, and torment for one who has recovered, to believe in such ghosts. It would be suffering for me now, and humiliation. This is how I speak to the believers in other worlds.
It was suffering and powerlessness that made all the other worlds, and that short madness of happiness that only the one who suffers most experiences.
Weariness, which wants to reach the last thing in a single leap, a leap to death, a poor ignorant weariness that does not even want to want anymore: that is what created all the gods and afterworlds.
Believe me, my brothers! It was the body that despaired of the body — it groped with the fingers of a deluded spirit against the last walls.
Believe me, my brothers! It was the body that despaired of the earth — it heard the belly of being speaking to it.
And then it wanted to get through the last walls with its head, and not only with its head, over to “that world.”
But “that world” is well hidden from man, that dehumanized, inhuman world, which is a heavenly nothing. And the belly of being doesn’t speak to man at all, except as man.
Truly, all being is hard to prove and hard to bring to speech. Tell me, my brothers: is not the most wondrous of all things still the best proven?
Yes, this I, and the contradiction and confusion of the I, still speak most honestly of its being: this creating, willing, valuing I, which is the measure and value of things.
And this most honest being, the I, speaks of the body, and still wants the body, even when it composes poems and rhapsodizes and flutters about with broken wings.
The I learns to speak ever more honestly; and the more it learns, the more words and honor it finds for body and earth.
My I taught me a new pride, and I teach it to human beings: no longer to stick the head in the sand of heavenly things, but to carry it freely, an earthly head, which gives the earth its meaning!
I teach people a new will: to want this path that man has walked blindly, and to call it good, and no longer to sneak off from it to the side, like the sick and the dying!
The sick and the dying were the ones who despised body and earth and invented the heavenly and the redeeming drops of blood. But even these sweet and dark poisons they took from body and earth!
They wanted to run away from their misery, and the stars were too far for them. So they sighed: “Oh, if only there were heavenly paths for sneaking into another being and happiness!” Then they invented their sneaky ways and their little bloody potions!
Now they imagined themselves carried away from their body and this earth, these ungrateful ones. But to whom did they owe the convulsion and bliss of their rapture? To their body and this earth.
Zarathustra is gentle with the sick. Truly, he isn’t angry at their kinds of comfort and ingratitude. May they become people who recover, and overcome, and create a higher body for themselves!
Nor is Zarathustra angry at the one who is recovering when he looks fondly at his delusion and creeps around the grave of his god at midnight. But even his tears are still sickness and a sick body to me.
There has always been a great deal of sickly people among those who write poetry and are hungry for God; furiously they hate the knower and that youngest of the virtues, which is called honesty.
They always look back to dark times: then, to be sure, delusion and belief were a different matter; the madness of reason was likeness to God, and doubt was sin.
I know these godlike ones only too well. They want people to believe in them, and doubt to be sin. I also know only too well what they themselves believe in best.
Truly, they believe not in afterworlds and redeeming drops of blood, but in the body most of all; and their own body is their thing-in-itself.
But to them it is a sickly thing, and they would gladly leap out of their skin. Therefore they listen for the preachers of death, and they themselves preach afterworlds.
Better listen, my brothers, to the voice of the healthy body. This voice is more honest and purer.
The healthy body speaks more honestly and more purely, the perfect one, built at right angles. And it speaks of the meaning of the earth.
So Zarathustra spoke.
On Those Who Despise the Body.
I want to say my word to the despisers of the body. I don’t want them to learn differently and teach differently. I want them only to say goodbye to their own body, and so become silent.
“I am body and soul” — so speaks the child. And why should one not speak like children?
But the one who has awakened, the one who knows, says: I am body entirely and nothing besides; and soul is only a word for something about the body.
The body is a great reason, a plurality with one meaning, a war and a peace, a herd and a herdsman.
Your little reason is also a tool of your body, my brother, the one you call “spirit,” a small tool and toy of your great reason.
“I,” you say, and you’re proud of this word. But the greater thing is what you don’t want to believe in: your body and its great reason. It doesn’t say I, but it does I.
What the senses feel and what the spirit knows never has its end in itself. But senses and spirit want to persuade you that they are the end of all things: so vain are they.
Senses and spirit are tools and toys. Behind them lies the self. The self also seeks with the eyes of the senses, and it also listens with the ears of the spirit.
The self is always listening and seeking: it compares, subdues, conquers, destroys. It rules, and it is also the ruler of the I.
Behind your thoughts and feelings, my brother, stands a mighty ruler, an unknown sage — he is called the Self. He dwells in your body; he is your body.
There is more reason in your body than in your best wisdom. And who knows what your body needs your best wisdom for?
Your Self laughs at your I and its proud leaps. “What are these leaps and flights of thought to me?” it says to itself. “A detour to my goal. I am the leading-strings of the I and the prompter of its concepts.”
The Self says to the I: “Here, feel pain!” And then the I suffers, and thinks about how to stop suffering — and for that very purpose it is meant to think.
The Self says to the I: “Here, feel pleasure!” Then the I rejoices, and thinks about how to rejoice often again — and for that very purpose it is meant to think.
I want to say a word to the despisers of the body. Their despising is what makes their esteeming. What is it that created esteeming and despising and value and will?
The creating Self created esteeming and despising for itself; it created pleasure and pain for itself. The creating body created the spirit for itself as a hand of its will.
Even in your folly and contempt, you despisers of the body, you still serve your Self. I tell you: your Self itself wants to die and turns away from life.
It is no longer able to do what it wants most: to create beyond itself. That is what it wants most; that is its whole fervor.
But now it is too late for that — so your Self wants to go under, you despisers of the body.
Your Self wants to go under, and that is why you became despisers of the body! For you are no longer able to create beyond yourselves.
And that is why you are angry now at life and the earth. An envy you don’t know about is in the sideways glare of your contempt.
I don’t go your way, you despisers of the body! You are no bridges to the overman for me!
So Zarathustra spoke.
On Joys and Passions.
My brother, if you have a virtue, and it is your virtue, then you do not share it with anyone.
Of course, you want to call it by name and caress it; you want to tug at its ear and play games with it.
And look! Now you share its name with the common people, and with your virtue you’ve become common people and herd!
You would do better to say: “It can’t be spoken and has no name, the thing that gives my soul torment and sweetness and is also the hunger of my bowels.”
Let your virtue be too high for the familiarity of names; and if you must speak of it, do not be ashamed to stammer about it.
Speak and stammer like this: “This is my good. I love it. It pleases me completely. Only this way do I want the good.
“I don’t want it as the law of a god. I don’t want it as a human rule or human necessity. Let it be no signpost for me to worlds above the earth and to paradises.
An earthly virtue is what I love: little cleverness is in it, and least of all the reason everyone shares.
But this bird built its nest with me: that is why I love it and cherish it. Now it sits with me on its golden eggs.”
So you shall stammer and praise your virtue.
Once you had passions and called them evil. But now you have only your virtues: they grew out of your passions.
You laid your highest goal on the heart of these passions. Then they became your virtues and joy-passions.
And whether you came from the family of the hot-tempered, or the lustful, or the faith-crazed, or the vengeful:
In the end all your passions became virtues, and all your devils became angels.
Once you had wild dogs in your cellar: but in the end they turned into birds and lovely singing women.
From your poisons you brewed your balsam. You milked your cow Gloom; now you drink the sweet milk of her udder.
And from now on nothing evil grows out of you, unless it is the evil that grows out of the fight among your virtues.
My brother, if you’re lucky, you have one virtue and no more. That way you cross the bridge more easily.
It is distinguishing to have many virtues, but a heavy lot; and many a man went into the desert and killed himself because he was tired of being the battle and battlefield of virtues.
My brother, are war and battle evil? But this evil is necessary. Necessary are the envy and the distrust and the slander among your virtues.
Look how each of your virtues craves the highest place. It wants your whole spirit, to be its herald. It wants your whole strength in anger, hate and love.
Every virtue is jealous of the others, and jealousy is a terrible thing. Even virtues can perish through jealousy.
Whoever is ringed by the flame of jealousy turns the poisoned sting against themselves in the end, like the scorpion.
Ah, my brother, have you never yet seen a virtue slander and stab itself?
The human being is something that must be overcome; and that is why you should love your virtues, for you will perish by them. —
So Zarathustra spoke.
On the Pale Criminal.
You do not want to kill, you judges and sacrificers, until the animal has nodded? Look, the pale criminal has nodded: from his eye speaks the great contempt.
“My I is something that must be overcome. To me my I is the great contempt for man.” That is what speaks from this eye.
Judging himself was his highest moment. Don’t let the exalted one go back down again into his lowness!
There is no redemption for a man who suffers from himself like this, except a quick death.
Your killing, you judges, should be pity and not revenge. And as you kill, make sure you justify life yourselves!
It is not enough that you reconcile yourselves with the one you kill. Let your sadness be love for the overman: that is how you justify your still-living!
You should say “enemy,” but not “villain.” You should say “sick person,” but not “scoundrel.” You should say “fool,” but not “sinner.”
And you, red judge: if you said out loud everything you’ve already done in thought, everyone would cry out: “Away with this filth and poisonous worm!”
But the thought is one thing, the deed another, and the image of the deed yet another. The wheel of cause does not roll between them.
An image made this pale man pale. He was the same size as his deed when he did it; but he could not bear its image once it was done.
From then on he always saw himself as the doer of a single deed. I call this madness: the exception turned into his essence.
The stroke binds the hen; the blow he struck bound his poor reason. I call this the madness after the deed.
Listen, you judges! There is another madness, and it comes before the deed. Ah, you didn’t crawl deep enough into this soul!
So speaks the red judge: “Why did this criminal murder? He wanted to rob.” But I tell you: his soul wanted blood, not robbery; he thirsted for the bliss of the knife!
But his poor reason didn’t understand this madness and talked him into it. “What does blood matter!” it said. “Don’t you at least want to make a robbery of it? To take a revenge?”
And he listened to his poor reason: its speech lay on him like lead, so he robbed while he murdered. He did not want to be ashamed of his madness.
And now again the lead of his guilt lies on him, and again his poor reason is so stiff, so paralyzed, so heavy.
If he could only shake his head, his load would roll off. But who shakes this head?
What is this man? A heap of diseases that reach out into the world through the spirit. There they want to take their prey.
What is this man? A tangle of wild snakes that seldom have peace with one another. So they go off on their own and look for prey in the world.
Look at this poor body! What it suffered and craved, this poor soul interpreted for itself. It interpreted it as murderous pleasure and greed for the happiness of the knife.
Whoever falls ill now is overcome by the evil that is evil now: he wants to hurt with whatever hurts him. But there were other times, and another evil and good.
Once doubt was evil, and the will to self. In those days the sick person became a heretic and a witch. As heretic and witch they suffered and wanted to make others suffer.
But this does not go into your ears: it would harm your good people, you tell me. But what do I care about your good people!
Much about your good people disgusts me, and certainly not their evil. I wish they had a madness that would destroy them, like this pale criminal!
Truly, I wish their madness were called truth, or faithfulness, or justice; but they have their virtue so that they may live long, in a pitiful comfort.
I am a railing by the river. Grab me, whoever can grab me! But I am not your crutch.
So Zarathustra spoke.
On Reading and Writing.
Of all that is written, I love only what someone writes with his blood. Write with blood, and you will learn that blood is spirit.
It isn’t easy to understand another person’s blood. I hate the idlers who read.
Whoever knows the reader does nothing more for the reader. One more century of readers — and the spirit itself will stink.
That everyone is allowed to learn to read ruins, in the long run, not only writing but also thinking.
Once the spirit was God, then it became man, and now it is even becoming rabble.
Whoever writes in blood and maxims doesn’t want to be read, but learned by heart.
In the mountains the shortest way is from peak to peak. But for that you must have long legs. Maxims should be peaks. And the people they’re spoken to should be big and tall.
The air thin and pure, danger near, and the spirit full of a cheerful malice: these go well together.
I want to have goblins around me, for I am brave. Courage that scares away ghosts makes goblins for itself. Courage wants to laugh.
I no longer feel as you do. This cloud that I see beneath me, this blackness and heaviness that I laugh at: that is exactly your thundercloud.
You look up when you long to be lifted. And I look down because I am lifted.
Which of you can laugh and be lifted at the same time?
Whoever climbs the highest mountains laughs at all tragedies and tragic solemnity.
Bold, carefree, mocking, violent — that is how wisdom wants us to be: she is a woman, and she always loves only a warrior.
You tell me: “Life is hard to bear.” But then why would you have pride in the morning and surrender in the evening?
Life is hard to bear. But don’t act so delicate with me! We’re all of us fine load-carrying donkeys, male and female.
What do we have in common with the rosebud, which trembles because a drop of dew lies on its body?
It’s true: we love life, not because we’re used to living, but because we’re used to loving.
There is always some madness in love. But there is always also some reason in madness.
And to me too, who am fond of life, butterflies and soap bubbles, and whatever is of their kind among people, seem to know the most about happiness.
To see these light, foolish, delicate, nimble little souls flutter: that tempts Zarathustra to tears and songs.
I would believe only in a god who knew how to dance.
And when I saw my devil, I found him serious, thorough, deep, solemn. It was the spirit of heaviness. Through him all things fall.
People kill not by anger but by laughter. Come, let us kill the spirit of heaviness!
I have learned to walk: since then I let myself run. I have learned to fly: since then I do not want to be pushed first in order to move from the spot.
Now I am light, now I fly, now I see myself far below me, now a god dances through me.
So Zarathustra spoke.
On the Tree on the Mountain.
Zarathustra’s eye had seen that a young man was avoiding him. And one evening, as he walked alone through the mountains that surround the town called “the Colorful Cow,” look, there on his walk he found this young man sitting leaning against a tree and looking into the valley with tired eyes. Zarathustra took hold of the tree beside which the young man sat, and spoke like this:
If I wanted to shake this tree here with my hands, I would not be able to do it.
But the wind, which we don’t see, torments it and bends it wherever it wants. We are bent and tormented worst by unseen hands.
Then the young man rose in alarm and said: “I hear Zarathustra, and I was just thinking of him.” Zarathustra answered:
“Why are you frightened at that? But it is the same with man as with the tree.
“The more he wants to go up into the height and the light, the more strongly his roots strive earthward, downward, into the dark, the deep, into evil.”
“Yes, into evil!” the young man cried. “How is it possible that you discovered my soul?”
Zarathustra smiled and said: “Some souls you will never discover, unless you invent them first.”
“Yes, into evil!” the young man cried again.
You spoke the truth, Zarathustra. I no longer trust myself since I have wanted to rise, and no one trusts me anymore. How does that happen?
“I change too fast: my today refutes my yesterday. When I climb, I often skip the steps, and no step forgives me for that.
When I am up high, I always find myself alone. No one speaks with me; the frost of loneliness makes me shiver. What do I want up here?
My contempt and my longing grow together; the higher I climb, the more I despise the one who climbs. What does he want up here?
How ashamed I am of my climbing and stumbling! How I mock my heavy panting! How I hate the one who flies! How tired I am up here!”
Here the young man fell silent. And Zarathustra looked at the tree beside which they stood, and spoke like this:
This tree stands lonely here on the mountain. It grew high above man and beast.
And if it wanted to speak, it would have no one who could understand it: that is how high it grew.
Now he waits and waits — but what is he waiting for? He lives too close to the seat of the clouds: is he waiting for the first bolt of lightning?
When Zarathustra had said this, the young man cried out with violent gestures: “Yes, Zarathustra, you speak the truth. I longed for my own downfall when I wanted to rise, and you are the lightning I was waiting for! Look, what am I still, since you appeared to us? It is envy of you that has destroyed me!” So spoke the young man, and wept bitterly. But Zarathustra put his arm around him and led him along with him.
And when they had walked together for a while, Zarathustra began to speak like this:
It tears my heart. Better than your words, your eyes tell me all your danger.
You’re not free yet. You are still searching for freedom. Your searching has made you sleepless and over-awake.
You want to go up into free heights; your soul thirsts for stars. But your bad drives thirst for freedom too.
Your wild dogs want freedom; they bark with delight in their cellar when your spirit tries to loosen every prison.
To me you’re still a prisoner who dreams up freedom for himself. Ah, the soul of such prisoners becomes clever, but also cunning and bad.
The one who has been freed in spirit must still purify themselves. A lot of prison and mold is still left in them. Their eye must still become pure.
Yes, I know your danger. But by my love and my hope I beg you: do not throw away your love and your hope!
You still feel noble, and the others who are hostile to you and send you evil looks still feel you are noble. Know that a noble person stands in everyone’s way.
Even for the good, a noble person stands in the way; and even when they call him a good man, they want thereby to push him aside.
The noble one wants to create something new, and a new virtue. The good one wants the old, and wants the old to be preserved.
But the danger for the noble one is not that he becomes a good one, but an insolent one, a mocker, a destroyer.
Ah, I have known noble ones who lost their highest hope. And then they slandered all high hopes.
Then they lived insolently in short pleasures, and they hardly set goals beyond the day.
“Spirit is also lust,” they said. Then the wings of their spirit broke. Now it crawls around and soils what it gnaws.
Once they thought they would become heroes: now they are lechers. The hero is a grief and a horror to them.
But by my love and hope I implore you: don’t throw away the hero in your soul! Keep your highest hope holy!
So Zarathustra spoke.
On the Preachers of Death.
There are preachers of death, and the earth is full of those who must be preached away from life.
The earth is full of the superfluous. Life is ruined by the far too many. Let them be lured out of this life with “eternal life”!
“Yellow”: that is what the preachers of death are called, or “black.” But I want to show you them in other colors too.
There are the terrible ones, who carry a beast of prey around inside them and have no choice except between cravings and tearing themselves apart. And even their cravings are still a tearing apart of themselves.
They haven’t even become human yet, these terrible ones. Let them preach turning away from life and depart themselves!
There are the consumptives of the soul. They’re barely born when they begin to die, and they long for teachings of weariness and renunciation.
They would gladly be dead, and we should approve of their wish! Let’s take care not to wake these dead or hurt these living coffins!
A sick person meets them, or an old man, or a corpse, and at once they say, “Life is refuted!”
But only they are refuted, and their eye, which sees only the one face of existence.
Wrapped in thick gloom and hungry for the little accidents that bring death, they wait, with their teeth clenched.
Or else they reach for candy and mock their own childishness as they do it: they hang their life on a straw and mock that they still hang on a straw.
Their wisdom goes: “Anyone who stays alive is a fool. But we are such fools! And that is the most foolish thing about life!”
“Life is only suffering,” others say, and they don’t lie. So make sure you stop! Make sure the life that is only suffering comes to an end!
And let the teaching of your virtue read: “You shall kill yourself! You shall steal yourself away!”
“Lust is a sin,” say some of those who preach death. “Let’s step aside and not conceive children!”
“Giving birth is hard work,” say the others. “Why go on giving birth? All you bring into the world is unhappy people!” And they too are preachers of death.
“Pity is what is needed,” say the third. “Take what I have! Take what I am! All the less does life bind me!”
If they were pitying to the bottom of their hearts, they would make their neighbors sick of life. Being wicked, that would be their true kindness.
But they want to get free of life. What do they care that they bind others even tighter with their chains and gifts!
And you too, for whom life is wild work and restlessness: aren’t you very tired of life? Aren’t you very ripe for the preaching of death?
All of you who love wild work, and what is quick, new, and strange: you put up badly with yourselves. Your hard work is flight, and a will to forget yourselves.
If you believed more in life, you would throw yourselves less at the moment. But you don’t have enough inside you to wait, and not even enough for laziness!
The voice of those who preach death sounds everywhere. And the earth is full of people to whom death must be preached.
Or “eternal life”: that is all the same to me, as long as they depart quickly!
That is what Zarathustra said.
On War and Warriors.
We don’t want to be spared by our best enemies, or by those we love from the bottom of our hearts either. So let me tell you the truth!
My brothers in war! I love you from the bottom of my heart. I am one of your kind, and always was. And I am also your best enemy. So let me tell you the truth!
I know the hatred and envy of your hearts. You are not great enough not to know hatred and envy. So be great enough not to be ashamed of them!
And if you can’t be saints of knowledge, then at least be its fighters. They are the companions and forerunners of that kind of holiness.
I see many soldiers. I wish I saw many fighters! “Uni-form” is what people call what they wear. May what they hide beneath it not be uni-form!
You should be the kind whose eye is always looking for an enemy, for your enemy. And some of you feel a hatred at first sight.
You should look for your enemy and wage your war, and wage it for your thoughts! And if your thought loses, your honesty should still cry out in triumph over it!
You should love peace as a means to new wars. And the short peace more than the long one.
I don’t advise you to work but to fight. I don’t advise you to make peace but to win. Let your work be a fight, let your peace be a victory!
You can only keep quiet and sit still when you have arrow and bow. Otherwise you chatter and quarrel. Let your peace be a victory!
You say it’s the good cause that makes even war holy? I tell you: it’s the good war that makes every cause holy.
War and courage have done more great things than love of neighbor. It was not your pity but your bravery that until now has saved the unfortunate.
What is good? you ask. To be brave is good. Let the little girls talk: “Being good is what is at once pretty and touching.”
They call you heartless; but your heart is genuine, and I love the shame of your warmth. You are ashamed of your flood, and others are ashamed of their ebb.
You are ugly? Well then, my brothers! Take the sublime around you, the cloak of the ugly!
And when your soul grows great, it grows arrogant, and there is malice in your loftiness. I know you.
In malice the arrogant and the weak meet. But they misunderstand each other. I know you.
You may have only enemies whom you must hate, but not enemies you may look down on. You must be proud of your enemy: then the successes of your enemy are also your successes.
Rebellion is a slave’s kind of nobility. Let your nobility be obedience! Let your very commanding be an obeying!
To a good fighter, “you shall” sounds more pleasant than “I will.” And everything that is dear to you, you should first have commanded to you.
Let your love of life be love of your highest hope; and let your highest hope be the highest thought of life!
But your highest thought you should let me command you, and it goes: the human being is something that is to be overcome.
So live your life of obedience and of war! What does a long life matter! What warrior wants to be spared!
I don’t spare you. I love you from the bottom of my heart, my brothers in war!
That is what Zarathustra said.
On the New Idol.
Somewhere there are still peoples and herds, but not with us, my brothers. With us there are states.
State? What is that? Well then! Now open your ears, for now I will tell you my word on the death of peoples.
State is what they call the coldest of all cold monsters. Coldly it lies too; and this lie crawls from its mouth: “I, the state, am the people.”
It’s a lie! Creators were the ones who made the peoples and hung a faith and a love over them. That is how they served life.
Destroyers are the ones who set traps for the many and call them “the state.” They hang a sword and a hundred desires over them.
Where a people still exists, it doesn’t understand the state and hates it as the evil eye and as a sin against customs and laws.
This sign I give you: every people speaks its own tongue of good and evil, and the neighbor does not understand it. It invented its language in its customs and laws.
But the state lies in all the tongues of good and evil; and whatever it says, it lies — and whatever it has, it has stolen.
Everything about it is false. It bites with stolen teeth, the biter. Even its insides are false.
Confusion of the tongues of good and evil: this sign I give you as the sign of the state. Truly, this sign points to the will to death! Truly, it beckons to the preachers of death!
Far too many are born: the state was invented for the superfluous!
Just look how it lures them to itself, the far-too-many! How it gulps them down and chews them and chews them over again!
“There is nothing greater on earth than I. I am the ordering finger of God.” That is how the monster roars. And it’s not only the long-eared and the short-sighted who sink to their knees!
Ah, even into you, you great souls, it whispers its gloomy lies! Ah, it guesses the rich hearts that like to squander themselves!
Yes, it guesses you too, you conquerors of the old God! You grew tired in the fight, and now your tiredness serves the new idol as well!
Heroes and honorable people are what it would like to line up around itself, the new idol! It likes to sun itself in the sunshine of good consciences, the cold monster!
It will give you everything if you worship it, the new idol. That is how it buys for itself the shine of your virtue and the look in your proud eyes.
It wants to use you as bait for the far-too-many! Yes, a hellish trick was invented there, a horse of death, jingling in the finery of divine honors!
Yes, a dying-for-many was invented there, which praises itself as life: truly, a service of the heart to all the preachers of death!
I call it state where everyone is a drinker of poison, good and bad alike: state, where everyone loses themselves, good and bad alike: state, where the slow suicide of all is called “life.”
Just look at these superfluous people! They steal for themselves the works of the inventors and the treasures of the wise. “Education” is what they call their theft, and everything turns into sickness and misery for them!
Just look at these superfluous ones! They are always sick; they vomit their bile and call it newspaper. They devour one another and cannot even digest themselves.
Just look at these superfluous people! They gain riches and become poorer with them. They want power, and first the crowbar of power, a lot of money, these incapable people!
Watch them climb, these nimble monkeys! They climb over each other and so drag each other down into the mud and the depths.
They all want to get to the throne: their madness is this, as if happiness sat on the throne! Often the mud sits on the throne — and often the throne sits on the mud.
To me they are all madmen and climbing monkeys and overheated people. Their idol, the cold monster, smells bad to me. They all smell bad to me together, these idol worshippers.
My brothers, do you want to suffocate in the fumes of their mouths and desires? Better to smash the windows and jump out into the open!
Get out of the way of the bad smell! Go away from the idol worship of the superfluous!
Get out of the way of the bad smell! Go away from the steam of these human sacrifices!
Even now the earth stands open to great souls. Many seats are still empty for those who are alone and those who are two together, around whom blows the scent of silent seas.
A free life still stands open to great souls. Truly, whoever owns little is possessed that much less. Praised be small poverty!
There, where the state ends, is where the human being who isn’t superfluous first begins. There the song of the necessary begins, the unique and irreplaceable tune.
There, where the state ends: look over there, my brothers! Don’t you see it, the rainbow and the bridges of the Overman?
That is what Zarathustra said.
On the Flies of the Marketplace.
Run away, my friend, into your solitude! I see you dazed by the noise of the great men and stung all over by the stings of the small.
Forest and rock know how to keep silent with you in a worthy way. Be like the tree you love again, the broad-branched one: quiet and listening, it hangs over the sea.
Where solitude ends, the marketplace begins; and where the marketplace begins, there also begins the noise of the great actors and the buzzing of the poisonous flies.
In the world even the best things are worth nothing without someone who first stages them. The people call these stagers great men.
The people understand little of what is great, that is, what creates. But they have a sense for all the stagers and actors of great things.
The world turns around the inventors of new values — turning unseen. But around the actors turn the crowd and the fame: that is how the world goes.
The actor has spirit, but little conscience of spirit. He always believes in whatever makes others believe most strongly, believes in himself!
Tomorrow he has a new belief, and the day after tomorrow a newer one. He has quick senses, like the people, and changeable weather.
Knocking over means proving, to him. Driving mad means convincing. And blood counts as the best of all reasons.
A truth that slips only into fine ears he calls a lie and nothing. Truly, he believes only in gods that make a great noise in the world!
The marketplace is full of solemn clowns, and the people boast of their great men! They are the masters of the hour to them.
But the hour presses them, and so they press you; and they want a yes or a no from you too. Woe, do you want to set your chair between yes and no?
Because of these unconditional, pressing people, don’t be jealous, you lover of truth! Truth has never yet hung on the arm of an unconditional person.
Because of these sudden people, go back into your safety. Only in the marketplace are you assaulted with Yes? or No?
Experience comes slowly to all deep wells. They have to wait a long time until they know what fell into their depths.
Everything great happens away from the marketplace and fame. Away from the marketplace and fame the inventors of new values have always lived.
Run away, my friend, into your solitude: I see you stung by poisonous flies. Run to where rough, strong air blows!
Flee into your solitude! You lived too close to the small and wretched. Flee from their invisible revenge! Against you they are nothing but revenge.
Don’t raise your arm against them any more! They are countless, and it isn’t your lot to be a fly swatter.
These small and pitiful ones are countless, and raindrops and weeds have already been the downfall of many a proud building.
You are not a stone, but you have already become hollow from many drops. I tell you, you will still break and burst from so many drops.
I see you worn out by poisonous flies, I see you scratched bloody in a hundred places, and your pride won’t even get angry.
They would like blood from you in all innocence. Their bloodless souls crave blood, and so they sting in all innocence.
But you, deep one, suffer too deeply even from small wounds; and before you have healed, the same poisonous worm crawled over your hand.
You are too proud, I think, to kill these nibblers. But take care that it doesn’t become your doom to bear all their poisonous wrong!
They buzz around you with their praise too. Their praising is pushiness. They want to be near your skin and your blood.
They flatter you as if you were a god or a devil. They whimper before you as before a god or a devil. What does it matter! They are flatterers and whimperers and nothing more.
They also often present themselves to you as lovable. But that was always the cleverness of cowards. Yes, cowards are clever!
They think a lot about you with their narrow souls, and to them you are always troubling! Everything that is thought over a lot becomes troubling.
They punish you for all your virtues. The only thing they truly forgive you is your mistakes.
Because you are gentle and just-minded, you say: “They are innocent of their small existence.” But their narrow soul thinks: “All great existence is guilt.”
Even when you are gentle with them, they still feel despised by you; and they repay your kindness with hidden injuries.
Your wordless pride always goes against their taste. They rejoice when you are, for once, modest enough to be vain.
What we recognize in a person, we also set alight in him. So beware of the small!
Before you they feel small, and their lowness smolders and glows against you in invisible revenge.
Did you not notice how often they fell silent when you came to them, and how their strength drained out of them like smoke from a dying fire?
Yes, my friend, you are a bad conscience to your neighbors, for they are unworthy of you. So they hate you and would gladly suck at your blood.
Your neighbors will always be poisonous flies; what is great in you must make them more poisonous and ever more flylike.
Run away, my friend, into your solitude, to where a rough, strong air blows. It isn’t your lot to be a fly swatter.
That is what Zarathustra said.
On Chastity.
I love the forest. It is bad to live in the cities: there are too many people in heat there.
Isn’t it better to fall into the hands of a murderer than into the dreams of a woman in heat?
And just look at these men: their eyes say it. They know nothing better on earth than to lie with a woman.
There is mud at the bottom of their souls; and woe if their mud even has spirit!
If only you were at least perfect as animals! But innocence belongs to the animal.
Am I advising you to kill your senses? I advise you toward innocence of the senses.
Am I advising you toward chastity? Chastity is a virtue in some, but in many it is almost a vice.
These people hold back, to be sure. But the she-dog Sensuality looks out with envy from everything they do.
Even into the heights of their virtue and right into their cold spirit this beast follows them, with its unrest.
And how prettily the bitch Sensuality knows how to beg for a piece of spirit when she is denied a piece of meat!
You love tragedies and everything that breaks the heart? But I am suspicious of your bitch.
Your eyes are too cruel, and you look lustfully at sufferers. Has not your lust merely disguised itself and called itself pity?
And I give you this parable too: not a few who wanted to drive out their devil went into the swine themselves.
Whoever finds chastity hard should be advised against it, so that it doesn’t become the road to hell, that is, to the mud and the heat of the soul.
Am I talking about dirty things? That isn’t the worst thing to me.
It isn’t when the truth is dirty but when it is shallow that the knower is unwilling to step into its water.
Truly, there are people who are chaste to the core. They are gentler in heart, and they laugh more gladly and more abundantly than you.
They laugh at chastity too, and ask: “What is chastity?”
“Isn’t chastity foolishness? But this foolishness came to us, and we didn’t go to it.
“We offered this guest lodging and heart. Now the guest lives with us. Let the guest stay as long as they want!”
That is what Zarathustra said.
On the Friend.
“There is always one too many around me,” so thinks the hermit. “Once one times one: in the long run that makes two!”
I and Me are always too eager in conversation. How would it be bearable if there were no friend?
For the hermit the friend is always the third: the third is the cork that keeps the conversation of the two from sinking into the depths.
Ah, there are too many depths for all hermits. That is why they long so much for a friend and for his height.
Our faith in others gives away where we would like to have faith in ourselves. Our longing for a friend is our betrayer.
And often you only want to leap over envy with love. And often you attack and make yourself an enemy, to hide that you can be attacked.
“At least be my enemy!” That is what true reverence says, which doesn’t dare to ask for friendship.
If you want to have a friend, you must also be willing to wage war for your friend. And to wage war, you must be able to be an enemy.
You should still honor the enemy in your friend. Can you step right up to your friend without going over to your friend’s side?
In your friend you should have your best enemy. You should be closest to them with your heart when you resist them.
You don’t want to wear any clothes in front of your friend? It’s supposed to be an honor to your friend that you show yourself as you are? But your friend wishes you to the devil for it!
Whoever makes no secret of himself causes outrage: you have so much reason to fear nakedness! Yes, if you were gods, you would have reason to be ashamed of your clothes!
You can’t dress up beautifully enough for your friend, for you are to be an arrow for your friend and a longing for the Overman.
Have you already seen your friend sleeping, so that you could learn what he looks like? What else is your friend’s face? It is your own face, in a rough and imperfect mirror.
Have you already seen your friend sleeping? Were you not frightened that your friend looks like that? Oh, my friend, the human being is something that must be overcome.
A friend should be a master at guessing and at keeping silent. You must not want to see everything. Your dream should tell you what your friend does when awake.
Let your pity be a kind of guessing, so that you first find out whether your friend wants pity. Perhaps what your friend loves in you is the unbroken eye and the look of eternity.
Let your pity for your friend hide under a hard shell; you should break a tooth on him. That way it will have its refinement and its sweetness.
Are you pure air and solitude and bread and medicine to your friend? Many a person cannot loosen his own chains, and yet he is a redeemer to his friend.
Are you a slave? Then you can’t be a friend. Are you a tyrant? Then you can’t have friends.
For too long a slave and a tyrant have hidden in woman. That is why woman is not yet capable of friendship: she knows only love.
In woman’s love there is injustice and blindness toward everything she does not love. And even in woman’s knowing love there is still ambush, lightning, and night alongside the light.
Woman is not yet capable of friendship: women are still cats, and birds. Or at best, cows.
Woman is not yet capable of friendship. But tell me, you men: which of you is capable of friendship?
Oh, the poverty of you men, and the stinginess of your souls! As much as you give to your friend, I will give even to my enemy, and I won’t have become any poorer for it.
There is comradeship. May there be friendship!
That is what Zarathustra said.
On a Thousand Goals and One.
Zarathustra saw many lands and many peoples, and so he discovered the good and evil of many peoples. Zarathustra found no greater power on earth than good and evil.
No people could live without first valuing things. But if a people wants to preserve itself, it must not value things the way its neighbor does.
Much that one people called good, another people called scorn and disgrace. That is what I found. Much that I found called evil in one place was dressed in purple honors in another.
One neighbor never understood another. Each soul was always amazed at the neighbor’s delusion and wickedness.
A tablet of goods hangs over every people. Look, it is the tablet of its overcomings; look, it is the voice of its will to power.
What a people finds hard is praised. What is indispensable and hard is called good. And what still frees a people from its greatest need, the rare thing, the hardest thing, that it praises as holy.
Whatever makes a people rule and win and shine, to the horror and envy of its neighbor: that it counts as the highest thing, the first thing, the measure, the meaning of all things.
Truly, my brother, once you have understood a people’s need and land and sky and neighbor, you can probably guess the law of its overcomings, and why on this ladder it climbs toward its hope.
“Always you shall be the first and rise above the others: your jealous soul shall love no one except the friend” — this made a Greek’s soul tremble; and thereby he walked his path of greatness.
“To speak the truth, and to handle bow and arrow well.” That seemed both dear and hard to the people my name comes from, the name that is both dear and hard to me.
“To honor father and mother, and to do their will down to the root of the soul.” Another people hung this table of overcoming over itself, and became powerful and everlasting with it.
“To practice loyalty, and for loyalty’s sake to stake honor and blood even on evil and dangerous things.” By teaching itself this, another people overcame itself, and by overcoming itself it became pregnant and heavy with great hopes.
Truly, human beings gave themselves all their good and evil. Truly, they did not take it, they did not find it, and it did not fall to them as a voice from heaven.
Values were first placed in things by human beings, to preserve themselves: they first gave things meaning, a human meaning! That is why they call themselves “human,” that is: the valuer.
Valuing is creating: hear this, you creators! Valuing itself is the treasure and jewel of all valued things.
Only through valuing is there value; and without valuing, the nut of existence would be hollow. Hear this, you creators!
A change of values is a change of creators. Whoever has to be a creator always destroys.
Peoples were the first creators, and only late were individuals. Truly, the individual is itself still the youngest creation.
Peoples once hung a tablet of the good over themselves. Love that wants to rule and love that wants to obey together created such tablets.
The pleasure in the herd is older than the pleasure in the I. And as long as the good conscience is called herd, only the bad conscience says: I.
Truly, the cunning I, the loveless one, that wants its own advantage in the advantage of many: that is not the origin of the herd, but its downfall.
They were always lovers, and creators, who created good and evil. The fire of love glows in the names of all the virtues, and so does the fire of wrath.
Zarathustra saw many lands and many peoples: no greater power did Zarathustra find on earth than the works of lovers. “Good” and “evil” is their name.
Truly, the power of this praising and blaming is a monster. Tell me, my brothers: who will tame it for me? Tell me, who will throw the fetter over this beast’s thousand necks?
A thousand goals there have been so far, for there have been a thousand peoples. Only the fetter of the thousand necks is still missing, the one goal. Humanity has no goal yet.
But tell me, my brothers: if humanity still lacks a goal, doesn’t it also still lack itself?
That is what Zarathustra said.
On Love of Neighbor.
You crowd around your neighbor and have beautiful words for it. But I tell you: your love of neighbor is your bad love of yourselves.
You flee to your neighbor from yourselves and would like to make a virtue of it: but I see through your “selflessness.”
The You is older than the I; the You has been declared holy, but the I not yet. So human beings press toward the neighbor.
Do I advise you to love your neighbor? I would sooner advise you to flee from your neighbor and to love the farthest!
Higher than love of neighbor is love of the farthest and the future; higher still than love of human beings is love of things and of specters.
This specter that runs ahead of you, my brother, is more beautiful than you. Why do you not give it your flesh and your bones? But you are afraid, and run to your neighbor.
You cannot bear yourselves and do not love yourselves enough: now you want to tempt the neighbor into love and gild yourselves with his error.
I wish you could not bear all sorts of neighbors and their neighbors; then you would have to create your friend and his overflowing heart out of yourselves.
You invite a witness when you want to speak well of yourselves; and once you have tempted him to think well of you, you think well of yourselves.
Not only does the person lie who speaks against what they know, but even more the person who speaks against what they don’t know. And that is how you speak of yourselves in company, and lie to your neighbor with yourselves.
So says the fool: “Dealing with people ruins character, especially if you have none.”
One person goes to the neighbor because they are looking for themselves, and another because they would like to lose themselves. Your bad love of yourselves turns your solitude into a prison.
It is the more distant ones who pay for your love of neighbor; and even when five of you are together, a sixth must always die.
I do not love your festivals either: I found too many actors there, and the spectators often behaved like actors too.
I don’t teach you the neighbor, but the friend. Let the friend be the festival of the earth for you, and a foretaste of the Overman.
I teach you the friend and the friend’s overfull heart. But you have to know how to be a sponge, if you want to be loved by overfull hearts.
I teach you the friend, in whom the world stands finished, a bowl of the good: the creating friend, who always has a finished world to give away.
And just as the world unrolled for him, so it rolls back up for him in rings: as the becoming of the good through evil, as the becoming of purposes out of chance.
Let the future and the farthest be the cause of your today: in your friend you should love the overman as your cause.
My brothers, I don’t advise you to love your neighbor. I advise you to love the farthest.
That is what Zarathustra said.
On the Way of the Creator.
Do you want to go into isolation, my brother? Do you want to look for the way to yourself? Wait a little longer and listen to me.
“Whoever seeks easily loses himself. All isolation is guilt,” so says the herd. And you belonged to the herd for a long time.
The voice of the herd will still sound in you too. And when you say, “I no longer share one conscience with you,” it will be a lament and a pain.
Look, this pain itself was born from that one conscience. And the last glimmer of that conscience still glows on your sorrow.
But you want to walk the path of your sorrow, which is the way to yourself? Then show me your right and your strength for it!
Are you a new strength and a new right? A first movement? A wheel that rolls of its own accord? Can you also compel the stars to turn around you?
Ah, there is so much lust for height! There are so many convulsions of the ambitious! Show me that you aren’t one of the lustful and ambitious!
Ah, there are so many great thoughts that do no more than a bellows: they puff up and leave things emptier.
You call yourself free? I want to hear your ruling thought, and not that you have escaped a yoke.
Are you someone who was allowed to escape a yoke? There are people who threw away their last worth when they threw away their servitude.
Free from what? What does Zarathustra care about that! But your eye should tell me brightly: free for what?
Can you give yourself your good and your evil, and hang your will above you like a law? Can you be your own judge and the avenger of your law?
Terrible is solitude with the judge and avenger of one’s own law. So a star is hurled out into empty space and into the icy breath of solitude.
Today you still suffer from the many, you one. Today you still have your courage whole, and your hopes.
But one day solitude will make you weary; one day your pride will bend and your courage will grind its teeth. One day you will cry: “I am alone!”
One day you will no longer see your heights, and your lowlands will be too close; even your sublime will frighten you like a specter. One day you will cry: “Everything is false!”
There are feelings that want to kill the lonely person. If they don’t succeed, well, then they themselves must die! But are you able to be a murderer?
Do you already know the word “contempt,” my brother? And the torment of your justice, of being just to those who despise you?
You force many to change their opinion of you, and they hold that hard against you. You came close to them and still passed by: that they never forgive you.
You step beyond them; but the higher you climb, the smaller the eye of envy sees you. Most of all, however, the one who flies is hated.
“How could you be just to me!” you must say. “I choose your injustice as the portion measured out to me.”
They throw injustice and filth at the lonely one; but, my brother, if you want to be a star, you must shine on them no less for that!
And beware of the good and the just! They gladly crucify those who invent their own virtue; they hate the lonely one.
Beware also of holy simple-mindedness! Everything that isn’t simple is unholy to it. It likes to play with fire too: the stake.
And beware also of the attacks of your love! The lonely person reaches out a hand too quickly to anyone they meet.
To many a person you must not give your hand, only your paw; and I want your paw to have claws too.
But the worst enemy you can meet will always be yourself; you lie in wait for yourself in caves and forests.
Lonely one, you are going the way to yourself! And your way leads past yourself and past your seven devils!
You will be a heretic to yourself, and a witch, and a fortune-teller, and a fool, and a doubter, and an unholy one, and a villain.
You must want to burn yourself in your own flame. How could you become new if you haven’t first become ashes!
Lonely one, you walk the path of the creator: you want to create a god for yourself out of your seven devils!
Lonely one, you are going the way of the lover. You love yourself, and that is why you despise yourself, the way only lovers despise.
The lover wants to create because they despise! What does anyone know of love who didn’t have to despise exactly what they loved!
Go into your isolation with your love and with your creating, my brother. And only late will justice limp after you.
Go into your solitude with my tears, my brother. I love the one who wants to create beyond himself and so goes under. —
That is what Zarathustra said.
On Old and Young Women.
“Why do you creep so shyly through the dusk, Zarathustra? And what do you carefully hide under your cloak?
“Is it a treasure that was given to you? Or a child that was born to you? Or are you yourself walking the paths of thieves now, you friend of the wicked?”
Truly, my brother! said Zarathustra, it is a treasure that was given to me. It is a small truth that I carry.
But it is unruly like a young child. And if I don’t hold its mouth shut, it screams much too loud.
When I walked alone on my way today, at the hour when the sun sets, an old little woman met me and spoke to my soul like this:
“Zarathustra has said much to us women too, but he has never spoken to us about woman.”
And I answered her: “About woman one should speak only to men.”
“Speak to me about woman too,” she said. “I am old enough to forget it right away.”
And I did what the old woman wished and spoke to her like this:
Everything about woman is a riddle, and everything about woman has one solution: its name is pregnancy.
A man is a means for a woman. The end is always the child. But what is a woman for a man?
A true man wants two things: danger and play. That is why he wants woman, as the most dangerous plaything.
A man should be raised for war and a woman for the recreation of the warrior. Everything else is foolishness.
The warrior does not like overly sweet fruits. That is why he likes woman; even the sweetest woman is still bitter.
A woman understands children better than a man does, but a man is more childlike than a woman.
In the genuine man a child is hidden, and it wants to play. Come on, you women, discover the child in the man for me!
Let woman be a toy, pure and fine, like a gem, shining with the virtues of a world that isn’t here yet.
Let the ray of a star shine in your love! Let your hope be: “May I give birth to the Overman!”
Let there be courage in your love! With your love you should go straight at the one who frightens you!
Let your honor be in your love! Woman otherwise understands little about honor. But let this be your honor: always to love more than you are loved, and never to be second.
The man should fear woman when she loves: then she brings every sacrifice, and every other thing is worth nothing to her.
Let the man fear the woman when she hates: for at the bottom of the soul a man is only evil, but a woman is bad there.
Whom does woman hate most? Thus spoke the iron to the magnet: “I hate you most, because you attract but are not strong enough to draw me to you.”
A man’s happiness is: I want. A woman’s happiness is: he wants.
“Look, the world has just now become perfect!” That is what every woman thinks when she obeys out of complete love.
And woman must obey and find a depth to match her surface. Surface is woman’s disposition: a restless, stormy skin on shallow water.
But a man’s heart is deep, his stream roars in underground caves. A woman senses his strength but doesn’t understand it.
Then the old little woman answered me: “Zarathustra said many pleasant things, and especially to those who are young enough for them.”
“It is strange: Zarathustra knows little about women, and yet he is right about them! Is it because with woman nothing is impossible?
“And now take a small truth as thanks! I am old enough for it!
“Wrap it up and hold its mouth shut: otherwise it screams much too loud, this small truth.”
“Woman, give me your small truth!” I said. And the old woman said:
“You are going to women? Don’t forget the whip!”
That is what Zarathustra said.
On the Adder’s Bite.
One day Zarathustra had fallen asleep under a fig tree, because it was hot, and had laid his arms over his face. Then a viper came and bit him in the neck, so that Zarathustra cried out in pain. When he had taken his arm from his face, he looked at the serpent: it recognized Zarathustra’s eyes, coiled clumsily, and wanted to get away. “Not at all,” said Zarathustra; “you have not yet accepted my thanks! You woke me in time; my way is still long.” “Your way is short,” said the viper sadly; “my poison kills.” Zarathustra smiled. “When has a dragon ever died of a serpent’s poison?” he said. “But take your poison back! You are not rich enough to give it to me.” Then the viper fell around his neck once more and licked his wound.
When Zarathustra once told this to his disciples, they asked: “And what, oh Zarathustra, is the moral of your story?” Zarathustra answered them thus:
The good and the just call me the destroyer of morality: my story is immoral.
But if you have an enemy, don’t repay evil with good, for that would shame the enemy. Instead prove that the enemy has done you some good.
And better to be angry than to shame! And when you are cursed, I don’t like it that you then want to bless. Better to curse back a little!
And if a great wrong is done to you, then quickly add five small ones to it for me! Terrible to look at is the one who is crushed by wrong alone.
Did you know this already? A shared wrong is half a right. And the one who can bear the wrong should take it on themselves!
A small revenge is more human than no revenge at all. And if punishment is not also a right and an honor for the one who transgresses, then I do not like your punishing either.
It is nobler to put yourself in the wrong than to insist on being right, especially when you are right. You just have to be rich enough for it.
I don’t like your cold justice. And out of the eye of your judges I always see the executioner and his cold iron looking at me.
Tell me, where is justice found, which is love with seeing eyes?
So invent for me the love that bears not only all punishment but also all guilt!
So invent for me the justice that acquits everyone except the one who judges!
Do you also want to hear this? For the one who wants to be just through and through, even lying becomes a kindness toward human beings.
But how could I want to be just from the ground up! How can I give each person what is theirs! Let this be enough for me: I give each person what is mine.
Finally, my brothers, beware of doing wrong to any hermits! How could a hermit forget! How could a hermit pay back!
A hermit is like a deep well. It is easy to throw a stone into it; but if the stone has sunk to the bottom, who will bring it back up, tell me?
Beware of insulting the hermit! But if you did, well, then kill the hermit too!
That is what Zarathustra said.
On Child and Marriage.
I have a question for you alone, my brother. I throw this question like a plumb line into your soul, so that I can know how deep it is.
You are young and wish for a child and marriage. But I ask you: are you a person who is allowed to wish for a child?
Are you the victorious one, the self-conqueror, the master of the senses, the lord of your virtues? That is what I ask you.
Or does the animal speak out of your wish, and need? Or loneliness? Or discord with yourself?
I want your victory and your freedom to long for a child. You should build living monuments to your victory and your liberation.
You should build beyond yourself. But first you must be built yourself, for me, square in body and soul.
You should not only propagate yourselves onward, but upward! Let the garden of marriage help you to that!
You should create a higher body, a first movement, a wheel that rolls of its own accord: you should create a creator.
Marriage: that is what I call the will of two to create the one that is more than those who created it. Reverence for one another, as for those who will such a will, I call marriage.
That is the meaning and the truth of your marriage. But what the all-too-many call marriage, these superfluous ones, ah, what do I call that?
Ah, this poverty of soul for two! Ah, this filth of soul for two! Ah, this pitiful comfort for two!
They call all this marriage. And they say their marriages were made in heaven.
Well, I don’t like it, this heaven of the superfluous! No, I don’t like them, these animals tangled in the heavenly net!
Keep far from me the god too who comes limping up to bless what he did not join together!
Don’t laugh at such marriages! What child wouldn’t have reason to weep over its parents?
This man seemed worthy and ripe for the meaning of the earth; but when I saw his wife, the earth seemed to me a house for fools.
Yes, I wished the earth would quake with convulsions whenever a saint and a goose pair with each other.
This one went out like a hero in search of truths, and in the end he caught for himself a small dressed-up lie. He calls it his marriage.
That one was aloof in company and choosy in his choosing. But all at once he ruined his company for good. He calls it his marriage.
That one looked for a maid with the virtues of an angel. But all at once he became the maid of a woman, and now it would be necessary for him to become an angel on top of that.
I find all buyers careful now, and all of them have sly eyes. But even the slyest buys his wife in a sack.
Many short follies: that is what you call love. And your marriage puts an end to many short follies by means of one long stupidity.
Your love of woman and woman’s love of man: ah, if only it were compassion for suffering and veiled gods! But mostly two animals guess at each other.
But even your best love is only a rapturous metaphor and a painful glow. It is a torch that should light you to higher ways.
Beyond yourselves you should one day love! So learn to love first! And that is why you had to drink the bitter cup of your love.
There is bitterness in the cup even of the best love. That is how it makes longing for the Overman, that is how it makes thirst in you, the creator!
Thirst for the creator, arrow and longing for the overman: tell me, my brother, is this your will to marriage?
I call such a will and such a marriage holy.
That is what Zarathustra said.
On Free Death.
Many die too late, and some die too early. The teaching “die at the right time” still sounds strange.
Die at the right time: that is what Zarathustra teaches.
Of course, whoever never lives at the right time, how could he ever die at the right time? If only he had never been born! So I advise the superfluous.
But even the superfluous make a great fuss about their dying, and even the hollowest nut still wants to be cracked.
Everyone takes dying seriously; but death is still no festival. Human beings have not yet learned how to consecrate the most beautiful festivals.
I show you the death that fulfills, which becomes a spur and a vow for the living.
The one who fulfills dies their own death, victorious, surrounded by those who hope and vow.
So one should learn to die; and there should be no festival where such a dying person does not consecrate the oaths of the living!
To die like this is best. The second best is to die in battle and to squander a great soul.
But hateful to the fighter as to the victor is your grinning death, which sneaks up like a thief and yet comes as a master.
I praise my death to you, the free death, which comes to me because I want it.
And when will I want it? Whoever has a goal and an heir wants death at the right time for the sake of goal and heir.
And out of reverence for goal and heirs, he will no longer hang withered wreaths in the sanctuary of life.
Truly, I don’t want to be like the rope-makers: they draw out their thread and always walk backward themselves.
Some also grow too old for their truths and victories; a toothless mouth no longer has the right to every truth.
And whoever wants fame must take leave of honor in good time and practice the hard art of going at the right time.
You have to stop letting yourself be eaten when you taste best. Those know this who want to be loved for a long time.
There are sour apples, of course, whose lot is to wait until the last day of autumn. And all at once they become ripe, yellow, and wrinkled.
In some the heart grows old first, in others the mind. And some are old in youth. But whoever is young late stays young long.
Life turns out badly for some. A poison worm eats its way into their heart. So let them see to it that their dying turns out all the better.
Some never become sweet. They rot in the summer already. It is cowardice that holds them to their branch.
Far too many live, and far too long they hang on their branches. Let a storm come that shakes all this rotten, worm-eaten fruit from the tree!
If only preachers of fast death would come! Those would be the right storms and shakers of the trees of life for me! But I only hear slow death preached, and patience with everything “earthly.”
Ah, you preach patience with the earthly? It is this earthly that has too much patience with you, you blasphemers!
Truly, that Hebrew died too early, the one whom the preachers of slow death honor. And for many it has been a doom ever since that he died too early.
He knew only tears and the melancholy of the Hebrew, along with the hatred of the good and the just, the Hebrew Jesus. Then the longing for death overcame him.
If only he had stayed in the desert, far from the good and the just! Perhaps he would have learned to live and to love the earth, and to laugh with it!
Believe me, my brothers! He died too early; he himself would have recanted his teaching had he reached my age! He was noble enough to recant!
But he was still unripe. A youth loves unripely, and unripely hates human beings and earth too. In a youth the heart and the wings of the mind are still tied down and heavy.
But there is more child in a man than in a youth, and less melancholy: he understands death and life better.
Free for death and free in death, a holy sayer of No when it is no longer time for Yes: that is how he understands death and life.
That your dying may be no slander against humanity and earth, my friends: that I ask of the honey of your soul.
In your dying your spirit and your virtue should still glow, like a sunset glow around the earth. Or else your dying has turned out badly for you.
So I want to die myself, so that you, my friends, love the earth more for my sake; and I want to become earth again, so that I may rest in her who bore me.
Truly, Zarathustra had a goal: he threw his ball. Now you are the heirs of my goal; to you I throw the golden ball.
More than anything I like to see you, my friends, throw the golden ball! And so I will linger a little longer on earth. Forgive me for it!
That is what Zarathustra said.
On the Giving Virtue.
1 When Zarathustra had said goodbye to the city that his heart was fond of, whose name is “the Colorful Cow,” many who called themselves his disciples followed him and accompanied him. So they came to a crossroads. There Zarathustra told them that he now wanted to go alone, for he was a friend of going alone. But his disciples gave him a staff as a parting gift, on whose golden handle a snake coiled around the sun. Zarathustra was pleased with the staff and leaned on it. Then he spoke to his disciples like this:
Tell me: how did gold come to the highest value? Because it is uncommon and useless and shining and mild in its gleam. It always gives itself away.
Gold came to the highest value only as an image of the highest virtue. The look of the giver shines like gold. The gleam of gold makes peace between moon and sun.
The highest virtue is uncommon and useless, it shines and is mild in its gleam: the highest virtue is a giving virtue.
Truly, I can guess you well, my disciples: like me, you strive for the giving virtue. What would you have in common with cats and wolves?
This is your thirst: to become offerings and gifts yourselves. And that is why you thirst to heap up all riches in your soul.
Your soul strives insatiably for treasures and jewels, because your virtue is insatiable in its wish to give.
You force all things to you and into you, so that they may flow back out of your well as the gifts of your love.
Truly, such loving giving must become a robber of all values; but I call this selfishness healthy and holy.
There is another selfishness, a far too poor one, a hungry one, which always wants to steal: that selfishness of the sick, the sick selfishness.
With the thief’s eye it looks at everything that shines. With the greed of hunger it measures the one who has plenty to eat. And it always sneaks around the table of the givers.
Sickness speaks out of such craving, and invisible degeneration. The thieving greed of this selfishness speaks of a sickly body.
Tell me, my brothers: what do we count as bad, and as the worst? Isn’t it degeneration? And we always suspect degeneration where the giving soul is missing.
Our way goes upward, from species across to over-species. But the degenerating mind is a horror to us, the mind that says: “Everything for me.”
Our mind flies upward: so it is a metaphor for our body, a metaphor of a rising. The names of the virtues are metaphors of such risings.
That is how the body goes through history, a becoming one and a fighting one. And the spirit, what is it to the body? The herald of its battles and victories, its companion and echo.
All names of good and evil are metaphors. They don’t say it outright, they only beckon. A fool who wants knowledge from them!
Pay attention, my brothers, to every hour when your spirit wants to speak in parables: there is the origin of your virtue.
Your body is then raised up and resurrected; with its delight it enchants the spirit, so that it becomes creator and valuer and lover and benefactor of all things.
When your heart wells up broad and full, like a stream, a blessing and a danger to those who live along its banks: there is the origin of your virtue.
When you are exalted above praise and blame, and your will wants to command all things as a lover’s will does: there is the origin of your virtue.
When you despise what is pleasant and the soft bed, and cannot make your bed far enough away from the soft ones: there is the origin of your virtue.
When you are willers of one will, and you call this turning point of all need necessity: there is the origin of your virtue.
Truly, it is a new good and evil! Truly, a new deep murmuring and the voice of a new spring!
It is power, this new virtue. It is a ruling thought, and around it a clever soul: a golden sun, and around it the snake of knowledge.
2 Here Zarathustra was silent for a while and looked lovingly at his disciples. Then he went on speaking, and his voice had changed.
Stay faithful to the earth, my brothers, with the power of your virtue! Let your giving love and your knowledge serve the meaning of the earth. So I ask and implore you.
Do not let them fly away from the earthly and beat their wings against eternal walls! Ah, there has always been so much virtue that has flown away!
Lead, as I do, the flown-away virtue back to the earth, yes, back to body and life: so that it gives the earth its meaning, a human meaning!
A hundred times so far both spirit and virtue have flown astray and blundered. Ah, in our body all this delusion and error still lives: it has become body and will there.
A hundred times so far both spirit and virtue have tried and gone astray. Yes, the human being was an experiment. Ah, much ignorance and error has become body in us!
Not only the reason of thousands of years, but also their madness breaks out in us. It is dangerous to be an heir.
We are still fighting step by step with the giant Chance, and over all of humanity so far nonsense has ruled, the no-sense.
Let your spirit and your virtue serve the meaning of the earth, my brothers, and let the worth of all things be set anew by you! For that you shall be fighters! For that you shall be creators!
Knowing, the body purifies itself. Trying with knowledge, it raises itself. For the one who knows, all drives become holy. For the one who is raised, the soul becomes glad.
Physician, heal yourself: then you help your patient too. Let this be the patient’s best help, to see with their own eyes the one who heals themselves.
There are a thousand paths that have never been walked, a thousand healths and hidden islands of life. Unexhausted and undiscovered are still human beings and the human earth.
Wake and listen, you lonely ones! From the future winds come with secret beating of wings. And good news goes out to fine ears.
You lonely ones of today, you who have separated yourselves, you shall one day be a people: out of you, who have chosen yourselves, a chosen people shall grow, and out of it, the overman.
Truly, the earth shall yet become a place of healing! And already a new scent lies around it, one that brings health, and a new hope!
3 When Zarathustra had said these words, he fell silent, like one who has not yet said his last word; for a long time he weighed the staff doubtfully in his hand. At last he spoke thus, and his voice had changed.
I am going alone now, my disciples! You too are going away now, and alone! That is how I want it.
Truly, I advise you: go away from me and defend yourselves against Zarathustra! And better still: be ashamed of him! Perhaps he deceived you.
The person of knowledge must be able not only to love his enemies, but also to hate his friends.
One repays a teacher poorly if one remains only a pupil. And why do you not want to pluck at my wreath?
You revere me. But what if your reverence one day falls over? Take care that a statue doesn’t strike you dead!
You say you believe in Zarathustra? But what does Zarathustra matter! You are my believers: but what do all believers matter!
You had not yet sought yourselves: then you found me. That is how all believers do it; that is why faith means so little.
Now I bid you lose me and find yourselves; and only when you have all denied me will I return to you.
Truly, my brothers, I will then look for my lost ones with different eyes. I will then love you with a different love.
And one day you shall become my friends, and children of one hope: then I want to be with you a third time, so that I may celebrate the great noon with you.
And this is the great noon, when the human being stands at the midpoint of his path between animal and overman, and celebrates his way to evening as his highest hope: for it is the way to a new morning.
Then the one who goes under will bless themselves for being one who goes over. And the sun of their knowledge will stand at noon for them.
“All gods are dead: now we want the Overman to live.” Let this be our last will one day at the great noon!
That is what Zarathustra said.
Part 2
Zweiter Theil
„— und erst, wenn ihr mich Alle verleugnet habt, will ich euch wiederkehren.
Wahrlich, mit andern Augen, meine Brüder, werde ich mir dann meine Verlorenen suchen; mit einer andern Liebe werde ich euch dann lieben“.
Zarathustra, von der schenkenden Tugend (I. p. 112.)
Das Kind mit dem Spiegel.
Hierauf gieng Zarathustra wieder zurück in das Gebirge und in die Einsamkeit seiner Höhle und entzog sich den Menschen: wartend gleich einem Säemann, der seinen Samen ausgeworfen hat. Seine Seele aber wurde voll von Ungeduld und Begierde nach Denen, welche er liebte: denn er hatte ihnen noch Viel zu geben. Diess nämlich ist das Schwerste, aus Liebe die offne Hand schliessen und als Schenkender die Scham bewahren.
Also vergiengen dem Einsamen Monde und Jahre; seine Weisheit aber wuchs und machte ihm Schmerzen durch ihre Fülle.
Eines Morgens aber wachte er schon vor der Morgenröthe auf, besann sich lange auf seinem Lager und sprach endlich zu seinem Herzen:
„Was erschrak ich doch so in meinem Traume, dass ich aufwachte? Trat nicht ein Kind zu mir, das einen Spiegel trug?
„Oh Zarathustra — sprach das Kind zu mir — schaue Dich an im Spiegel!“
Aber als ich in den Spiegel schaute, da schrie ich auf, und mein Herz war erschüttert: denn nicht mich sahe ich darin, sondern eines Teufels Fratze und Hohnlachen.
Wahrlich, allzugut verstehe ich des Traumes Zeichen und Mahnung: meine Lehre ist in Gefahr. Unkraut will Weizen heissen!
Meine Feinde sind mächtig worden und haben meiner Lehre Bildniss entstellt, also, dass meine Liebsten sich der Gaben schämen müssen, die ich ihnen gab.
Verloren giengen mir meine Freunde; die Stunde kam mir, meine Verlornen zu suchen!“ —
Mit diesen Worten sprang Zarathustra auf, aber nicht wie ein Geängstigter, der nach Luft sucht, sondern eher wie ein Seher und Sänger, welchen der Geist anfällt. Verwundert sahen sein Adler und seine Schlange auf ihn hin: denn gleich dem Morgenrothe lag ein kommendes Glück auf seinem Antlitze.
Was geschah mir doch, meine Thiere? — sagte Zarathustra. Bin ich nicht verwandelt! Kam mir nicht die Seligkeit wie ein Sturmwind?
Thöricht ist mein Glück und Thörichtes wird es reden: zu jung noch ist es — so habt Geduld mit ihm!
Verwundet bin ich von meinem Glücke: alle Leidenden sollen mir Ärzte sein!
Zu meinen Freunden darf ich wieder hinab und auch zu meinen Feinden! Zarathustra darf wieder reden und schenken und Lieben das Liebste thun!
Meine ungeduldige Liebe fliesst über in Strömen, abwärts, nach Aufgang und Niedergang. Aus schweigsamem Gebirge und Gewittern des Schmerzes rauscht meine Seele in die Thäler.
Zu lange sehnte ich mich und schaute in die Ferne. Zu lange gehörte ich der Einsamkeit: so verlernte ich das Schweigen.
Mund bin ich worden ganz und gar, und Brausen eines Bachs aus hohen Felsen: hinab will ich meine Rede stürzen in die Thäler.
Und mag mein Strom der Liebe in Unwegsames stürzen! Wie sollte ein Strom nicht endlich den Weg zum Meere finden!
Wohl ist ein See in mir, ein einsiedlerischer, selbstgenugsamer; aber mein Strom der Liebe reisst ihn mit sich hinab — zum Meere!
Neue Wege gehe ich, eine neue Rede kommt mir; müde wurde ich, gleich allen Schaffenden, der alten Zungen. Nicht will mein Geist mehr auf abgelaufnen Sohlen wandeln.
Zu langsam läuft mir alles Reden: — in deinen Wagen springe ich, Sturm! Und auch dich will ich noch peitschen mit meiner Bosheit!
Wie ein Schrei und ein Jauchzen will ich über weite Meere hinfahren, bis ich die glückseligen Inseln finde, wo meine Freunde weilen: —
Und meine Feinde unter ihnen! Wie liebe ich nun Jeden, zu dem ich nur reden darf! Auch meine Feinde gehören zu meiner Seligkeit.
Und wenn ich auf mein wildestes Pferd steigen will, so hilft mir mein Speer immer am besten hinauf: der ist meines Fusses allzeit bereiter Diener: —
Der Speer, den ich gegen meine Feinde schleudere! Wie danke ich es meinen Feinden, dass ich endlich ihn schleudern darf!
Zu gross war die Spannung meiner Wolke: zwischen Gelächtern der Blitze will ich Hagelschauer in die Tiefe werfen.
Gewaltig wird sich da meine Brust heben, gewaltig wird sie ihren Sturm über die Berge hinblasen: so kommt ihr Erleichterung.
Wahrlich, einem Sturme gleich kommt mein Glück und meine Freiheit! Aber meine Feinde sollen glauben, der Böse rase über ihren Häuptern.
Ja, auch ihr werdet erschreckt sein, meine Freunde, ob meiner wilden Weisheit; und vielleicht flieht ihr davon sammt meinen Feinden.
Ach, dass ich's verstünde, euch mit Hirtenflöten zurück zu locken! Ach, dass meine Löwin Weisheit zärtlich brüllen lernte! Und Vieles lernten wir schon mit einander!
Meine wilde Weisheit wurde trächtig auf einsamen Bergen; auf rauhen Steinen gebar sie ihr Junges, Jüngstes.
Nun läuft sie närrisch durch die harte Wüste und sucht und sucht nach sanftem Rasen — meine alte wilde Weisheit!
Auf eurer Herzen sanften Rasen, meine Freunde! — auf eure Liebe möchte sie ihr Liebstes betten!
Also sprach Zarathustra.
Auf den glückseligen Inseln.
Die Feigen fallen von den Bäumen, sie sind gut und süss; und indem sie fallen, reisst ihnen die rothe Haut. Ein Nordwind bin ich reifen Feigen.
Also, gleich Feigen, fallen euch diese Lehren zu, meine Freunde: nun trinkt ihren Saft und ihr süsses Fleisch! Herbst ist es umher und reiner Himmel und Nachmittag.
Seht, welche Fülle ist um uns! Und aus dem Überflusse heraus ist es schön hinaus zu blicken auf ferne Meere.
Einst sagte man Gott, wenn man auf ferne Meere blickte; nun aber lehrte ich euch sagen: Übermensch.
Gott ist eine Muthmaassung; aber ich will, dass euer Muthmaassen nicht weiter reiche, als euer schaffender Wille.
Könntet ihr einen Gott schaffen? — So schweigt mir doch von allen Göttern! Wohl aber könntet ihr den Übermenschen schaffen.
Nicht ihr vielleicht selber, meine Brüder! Aber zu Vätern und Vorfahren könntet ihr euch umschaffen des Übermenschen: und Diess sei euer bestes Schaffen! —
Gott ist eine Muthmaassung: aber ich will, dass euer Muthmaassen begrenzt sei in der Denkbarkeit.
Könntet ihr einen Gott denken? — Aber diess bedeute euch Wille zur Wahrheit, dass Alles verwandelt werde in Menschen-Denkbares, Menschen-Sichtbares, Menschen-Fühlbares! Eure eignen Sinne sollt ihr zu Ende denken!
Und was ihr Welt nanntet, das soll erst von euch geschaffen werden: eure Vernunft, euer Bild, euer Wille, eure Liebe soll es selber werden! Und wahrlich, zu eurer Seligkeit, ihr Erkennenden!
Und wie wolltet ihr das Leben ertragen ohne diese Hoffnung, ihr Erkennenden? Weder in's Unbegreifliche dürftet ihr eingeboren sein, noch in's Unvernünftige.
Aber dass ich euch ganz mein Herz offenbare, ihr Freunde: wenn es Götter gäbe, wie hielte ich's aus, kein Gott zu sein! Also giebt es keine Götter.
Wohl zog ich den Schluss; nun aber zieht er mich. —
Gott ist eine Muthmaassung: aber wer tränke alle Qual dieser Muthmaassung, ohne zu sterben? Soll dem Schaffenden sein Glaube genommen sein und dem Adler sein Schweben in Adler-Fernen?
Gott ist ein Gedanke, der macht alles Gerade krumm und Alles, was steht, drehend. Wie? Die Zeit wäre hinweg, und alles Vergängliche nur Lüge?
Diess zu denken ist Wirbel und Schwindel menschlichen Gebeinen und noch dem Magen ein Erbrechen: wahrlich, die drehende Krankheit heisse ich's, Solches zu muthmaassen.
Böse heisse ich's und menschenfeindlich: all diess Lehren vom Einen und Vollen und Unbewegten und Satten und Unvergänglichen!
Alles Unvergängliche — das ist nur ein Gleichniss! Und die Dichter lügen zuviel. —
Aber von Zeit und Werden sollen die besten Gleichnisse reden: ein Lob sollen sie sein und eine Rechtfertigung aller Vergänglichkeit!
Schaffen — das ist die grosse Erlösung vom Leiden, und des Lebens Leichtwerden. Aber dass der Schaffende sei, dazu selber thut Leid noth und viel Verwandelung.
Ja, viel bitteres Sterben muss in eurem Leben sein, ihr Schaffenden! Also seid ihr Fürsprecher und Rechtfertiger aller Vergänglichkeit.
Dass der Schaffende selber das Kind sei, das neu geboren werde, dazu muss er auch die Gebärerin sein wollen und der Schmerz der Gebärerin.
Wahrlich, durch hundert Seelen gieng ich meinen Weg und durch hundert Wiegen und Geburtswehen. Manchen Abschied nahm ich schon, ich kenne die herzbrechenden letzten Stunden.
Aber so will's mein schaffender Wille, mein Schicksal. Oder, dass ich's euch redlicher sage: solches Schicksal gerade — will mein Wille.
Alles Fühlende leidet an mir und ist in Gefängnissen: aber mein Wollen kommt mir stets als mein Befreier und Freudebringer.
Wollen befreit: das ist die wahre Lehre von Wille und Freiheit — so lehrt sie euch Zarathustra.
Nicht-mehr-wollen und Nicht-mehr-schätzen und Nicht-mehr-schaffen! ach, dass diese grosse Müdigkeit mir stets ferne bleibe!
Auch im Erkennen fühle ich nur meines Willens Zeuge und Werde-Lust; und wenn Unschuld in meiner Erkenntniss ist, so geschieht diess, weil Wille zur Zeugung in ihr ist.
Hinweg von Gott und Göttern lockte mich dieser Wille; was wäre denn zu schaffen, wenn Götter — da wären!
Aber zum Menschen treibt er mich stets von Neuem, mein inbrünstiger Schaffens-Wille; so treibt's den Hammer hin zum Steine.
Ach, ihr Menschen, im Steine schläft mir ein Bild, das Bild meiner Bilder! Ach, dass es im härtesten, hässlichsten Steine schlafen muss!
Nun wüthet mein Hammer grausam gegen sein Gefängniss. Vom Steine stäuben Stücke: was schiert mich das?
Vollenden will ich's: denn ein Schatten kam zu mir — aller Dinge Stillstes und Leichtestes kam einst zu mir!
Des Übermenschen Schönheit kam zu mir als Schatten. Ach, meine Brüder! Was gehen mich noch — die Götter an! —
Also sprach Zarathustra.
Von den Mitleidigen.
Meine Freunde, es kam eine Spottrede zu eurem Freunde: „seht nur Zarathustra! Wandelt er nicht unter uns wie unter Thieren?“
Aber so ist es besser geredet: „der Erkennende wandelt unter Menschen als unter Thieren.“
Der Mensch selber aber heisst dem Erkennenden: das Thier, das rothe Backen hat.
Wie geschah ihm das? Ist es nicht, weil er sich zu oft hat schämen müssen?
Oh meine Freunde! So spricht der Erkennende: Scham, Scham, Scham — das ist die Geschichte des Menschen!
Und darum gebeut sich der Edle, nicht zu beschämen: Scham gebeut er sich vor allem Leidenden.
Wahrlich, ich mag sie nicht, die Barmherzigen, die selig sind in ihrem Mitleiden: zu sehr gebricht es ihnen an Scham.
Muss ich mitleidig sein, so will ich's doch nicht heissen; und wenn ich's bin, dann gern aus der Ferne.
Gerne verhülle ich auch das Haupt und fliehe davon, bevor ich noch erkannt bin: und also heisse ich euch thun, meine Freunde!
Möge mein Schicksal mir immer Leidlose, gleich euch, über den Weg führen, und Solche, mit denen mir Hoffnung und Mahl und Honig gemein sein darf!
Wahrlich, ich that wohl Das und Jenes an Leidenden: aber Besseres schien ich mir stets zu thun, wenn ich lernte, mich besser freuen.
Seit es Menschen giebt, hat der Mensch sich zu wenig gefreut: Das allein, meine Brüder, ist unsre Erbsünde!
Und lernen wir besser uns freuen, so verlernen wir am besten, Andern wehe zu thun und Wehes auszudenken.
Darum wasche ich mir die Hand, die dem Leidenden half, darum wische ich mir auch noch die Seele ab.
Denn dass ich den Leidenden leidend sah, dessen schämte ich mich um seiner Scham willen; und als ich ihm half, da vergieng ich mich hart an seinem Stolze.
Grosse Verbindlichkeiten machen nicht dankbar, sondern rachsüchtig; und wenn die kleine Wohlthat nicht vergessen wird, so wird noch ein Nage-Wurm daraus.
„Seid spröde im Annehmen! Zeichnet aus damit, dass ihr annehmt!“ — also rathe ich Denen, die Nichts zu verschenken haben.
Ich aber bin ein Schenkender: gerne schenke ich, als Freund den Freunden. Fremde aber und Arme mögen sich die Frucht selber von meinem Baume pflücken: so beschämt es weniger.
Bettler aber sollte man ganz abschaffen! Wahrlich, man ärgert sich ihnen zu geben und ärgert sich ihnen nicht zu geben.
Und insgleichen die Sünder und bösen Gewissen! Glaubt mir, meine Freunde: Gewissensbisse erziehn zum Beissen.
Das Schlimmste aber sind die kleinen Gedanken. Wahrlich, besser noch bös gethan, als klein gedacht!
Zwar ihr sagt: „die Lust an kleinen Bosheiten erspart uns manche grosse böse That.“ Aber hier sollte man nicht sparen wollen.
Wie ein Geschwür ist die böse That: sie juckt und kratzt und bricht heraus, — sie redet ehrlich.
„Siehe, ich bin Krankheit“ — so redet die böse That; das ist ihre Ehrlichkeit.
Aber dem Pilze gleich ist der kleine Gedanke: er kriecht und duckt sich und will nirgendswo sein — bis der ganze Leib morsch und welk ist vor kleinen Pilzen.
Dem aber, der vom Teufel besessen ist, sage ich diess Wort in's Ohr: besser noch, du ziehest deinen Teufel gross! Auch für dich giebt es noch einen Weg der Grösse!“ —
Ach, meine Brüder! Man weiss von Jedermann Etwas zu viel! Und Mancher wird uns durchsichtig, aber desshalb können wir noch lange nicht durch ihn hindurch.
Es ist schwer, mit Menschen zu leben, weil Schweigen so schwer ist.
Und nicht gegen Den, der uns zuwider ist, sind wir am unbilligsten, sondern gegen Den, welcher uns gar Nichts angeht.
Hast du aber einen leidenden Freund, so sei seinem Leiden eine Ruhestätte, doch gleichsam ein hartes Bett, ein Feldbett: so wirst du ihm am besten nützen.
Und thut dir ein Freund Übles, so sprich: „ich vergebe dir, was du mir thatest; dass du es aber dir thatest, — wie könnte ich das vergeben!“
Also redet alle grosse Liebe: die überwindet auch noch Vergebung und Mitleiden.
Man soll sein Herz festhalten; denn lässt man es gehn, wie bald geht Einem da der Kopf durch!
Ach, wo in der Welt geschahen grössere Thorheiten, als beiden Mitleidigen? Und was in der Welt stiftete mehr Leid, als die Thorheiten der Mitleidigen?
Wehe allen Liebenden, die nicht noch eine Höhe haben, welche über ihrem Mitleiden ist!
Also sprach der Teufel einst zu mir: „auch Gott hat seine Hölle: das ist seine Liebe zu den Menschen.“
Und jüngst hörte ich ihn diess Wort sagen: „Gott ist todt; an seinem Mitleiden mit den Menschen ist Gott gestorben.“ —
So seid mir gewarnt vor dem Mitleiden: daher kommt noch den Menschen eine schwere Wolke! Wahrlich, ich verstehe mich auf Wetterzeichen!
Merket aber auch diess Wort: alle grosse Liebe ist noch über all ihrem Mitleiden: denn sie will das Geliebte noch — schaffen!
„Mich selber bringe ich meiner Liebe dar, und meinen Nächsten gleich mir“ — so geht die Rede allen Schaffenden.
Alle Schaffenden aber sind hart. —
Also sprach Zarathustra.
Von den Priestern.
Und einstmals gab Zarathustra seinen Jüngern ein Zeichen und sprach diese Worte zu ihnen:
„Hier sind Priester: und wenn es auch meine Feinde sind, geht mir still an ihnen vorüber und mit schlafendem Schwerte!
Auch unter ihnen sind Helden; Viele von ihnen litten zuviel —: so wollen sie Andre leiden machen.
Böse Feinde sind sie: Nichts ist rachsüchtiger als ihre Demuth. Und leicht besudelt sich Der, welcher sie angreift.
Aber mein Blut ist mit dem ihren verwandt; und ich will mein Blut auch noch in dem ihren geehrt wissen.“ —
Und als sie vorüber gegangen waren, fiel Zarathustra der Schmerz an; und nicht lange hatte er mit seinem Schmerze gerungen, da hub er also an zu reden:
Es jammert mich dieser Priester. Sie gehen mir auch wider den Geschmack; aber das ist mir das Geringste, seit ich unter Menschen bin.
Aber ich leide und litt mit ihnen: Gefangene sind es mir und Abgezeichnete. Der, welchen sie Erlöser nennen, schlug sie in Banden: —
In Banden falscher Werthe und Wahn-Worte! Ach dass Einer sie noch von ihrem Erlöser erlöste!
Auf einem Eilande glaubten sie einst zu landen, als das Meer sie herumriss; aber siehe, es war ein schlafendes Ungeheuer!
Falsche Werthe und Wahn-Worte: das sind die schlimmsten Ungeheuer für Sterbliche, — lange schläft und wartet in ihnen das Verhängniss.
Aber endlich kommt es und wacht und frisst und schlingt, was auf ihm sich Hütten baute.
Oh seht mir doch diese Hütten an, die sich diese Priester bauten! Kirchen heissen sie ihre süssduftenden Höhlen.
Oh über diess verfälschte Licht, diese verdumpfte Luft! Hier, wo die Seele zu ihrer Höhe hinauf — nicht fliegen darf!
Sondern also gebietet ihr Glaube: „auf den Knien die Treppe hinan, ihr Sünder!“
Wahrlich, lieber sehe ich noch den Schamlosen, als die verrenkten Augen ihrer Scham und Andacht!
Wer schuf sich solche Höhlen und Buss-Treppen? Waren es nicht Solche, die sich verbergen wollten und sich vor dem reinen Himmel schämten?
Und erst wenn der reine Himmel wieder durch zerbrochne Decken blickt, und hinab auf Gras und rothen Mohn an zerbrochnen Mauern, — will ich den Stätten dieses Gottes wieder mein Herz zuwenden.
Sie nannten Gott, was ihnen widersprach und wehe that: und wahrlich, es war viel Helden-Art in ihrer Anbetung!
Und nicht anders wussten sie ihren Gott zu lieben, als indem sie den Menschen an's Kreuz schlugen!
Als Leichname gedachten sie zu leben, schwarz schlugen sie ihren Leichnam aus; auch aus ihren Reden rieche ich noch die üble Würze von Todtenkammern.
Und wer ihnen nahe lebt, der lebt schwarzen Teichen nahe, aus denen heraus die Unke ihr Lied mit süssem Tiefsinne singt.
Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne: erlöster müssten mir seine Jünger aussehen!
Nackt möchte ich sie sehn: denn allein die Schönheit sollte Busse predigen. Aber wen überredet wohl diese vermummte Trübsal!
Wahrlich, ihre Erlöser selber kamen nicht aus der Freiheit und der Freiheit siebentem Himmel! Wahrlich, sie selber wandelten niemals auf den Teppichen der Erkenntnis!
Aus Lücken bestand der Geist dieser Erlöser; aber in jede Lücke hatten sie ihren Wahn gestellt, ihren Lückenbüsser, den sie Gott nannten.
In ihrem Mitleiden war ihr Geist ertrunken, und wenn sie schwollen und überschwollen von Mitleiden, schwamm immer obenauf eine grosse Thorheit.
Eifrig trieben sie und mit Geschrei ihre Heerde über ihren Steg: wie als ob es zur Zukunft nur Einen Steg gäbe! Wahrlich, auch diese Hirten gehörten noch zu den Schafen!
Kleine Geister und umfängliche Seelen hatten diese Hirten: aber, meine Brüder, was für kleine Länder waren bisher auch die umfänglichsten Seelen!
Blutzeichen schrieben sie auf den Weg, den sie giengen, und ihre Thorheit lehrte, dass man mit Blut die Wahrheit beweise.
Aber Blut ist der schlechteste Zeuge der Wahrheit; Blut vergiftet die reinste Lehre noch zu Wahn und Hass der Herzen.
Und wenn Einer durch's Feuer geht für seine Lehre, — was beweist diess! Mehr ist's wahrlich, dass aus eignem Brande die eigne Lehre kommt!
Schwüles Herz und kalter Kopf: wo diess zusammen trifft, da entsteht der Brausewind, der „Erlöser.“
Grössere gab es wahrlich und Höher-Geborene, als Die, welche das Volk Erlöser nennt, diese hinreissenden Brausewinde!
Und noch von Grösseren, als alle Erlöser waren, müsst ihr, meine Brüder, erlöst werden, wollt ihr zur Freiheit den Weg finden!
Niemals noch gab es einen Übermenschen. Nackt sah ich Beide, den grössten und den kleinsten Menschen: —
Allzuähnlich sind sie noch einander. Wahrlich, auch den Grössten fand ich — allzumenschlich!
Also sprach Zarathustra.
Von den Tugendhaften.
Mit Donnern und himmlischen Feuerwerken muss man zu schlaffen und schlafenden Sinnen reden.
Aber der Schönheit Stimme redet leise: sie schleicht sich nur in die aufgewecktesten Seelen.
Leise erbebte und lachte mir heut mein Schild; das ist der Schönheit heiliges Lachen und Beben.
Über euch, ihr Tugendhaften, lachte heut meine Schönheit. Und also kam ihre Stimme zu mir: „sie wollen noch — bezahlt sein!“
Ihr wollt noch bezahlt sein, ihr Tugendhaften! Wollt Lohn für Tugend und Himmel für Erden und Ewiges für euer Heute haben?
Und nun zürnt ihr mir, dass ich lehre, es giebt keinen Lohn- und Zahlmeister? Und wahrlich, ich lehre nicht einmal, dass Tugend ihr eigener Lohn ist.
Ach, das ist meine Trauer: in den Grund der Dinge hat man Lohn und Strafe hineingelogen — und nun auch noch in den Grund eurer Seelen, ihr Tugendhaften!
Aber dem Rüssel des Ebers gleich soll mein Wort den Grund eurer Seelen aufreissen; Pflugschar will ich euch heissen.
Alle Heimlichkeiten eures Grundes sollen an's Licht; und wenn ihr aufgewühlt und zerbrochen in der Sonne liegt, wird auch eure Lüge von eurer Wahrheit ausgeschieden sein.
Denn diess ist eure Wahrheit: ihr seid zu reinlich für den Schmutz der Worte: Rache, Strafe, Lohn, Vergeltung.
Ihr liebt eure Tugend, wie die Mutter ihr Kind; aber wann hörte man, dass eine Mutter bezahlt sein wollte für ihre Liebe?
Es ist euer liebstes Selbst, eure Tugend. Des Ringes Durst ist in euch: sich selber wieder zu erreichen, dazu ringt und dreht sich jeder Ring.
Und dem Sterne gleich, der erlischt, ist jedes Werk eurer Tugend: immer ist sein Licht noch unterwegs und wandert — und wann wird es nicht mehr unterwegs sein?
Also ist das Licht eurer Tugend noch unterwegs, auch wenn das Werk gethan ist. Mag es nun vergessen und todt sein: sein Strahl von Licht lebt noch und wandert.
Dass eure Tugend euer Selbst sei und nicht ein Fremdes, eine Haut, eine Bemäntelung: das ist die Wahrheit aus dem Grunde eurer Seele, ihr Tugendhaften! —
Aber wohl giebt es Solche, denen Tugend der Krampf unter einer Peitsche heisst: und ihr habt mir zuviel auf deren Geschrei gehört!
Und Andre giebt es, die heissen Tugend das Faulwerden ihrer Laster; und wenn ihr Hass und ihre Eifersucht einmal die Glieder strecken, wird ihre „Gerechtigkeit“ munter und reibt sich die verschlafenen Augen.
Und Andre giebt es, die werden abwärts gezogen: ihre Teufel ziehn sie. Aber je mehr sie sinken, um so glühender leuchtet ihr Auge und die Begierde nach ihrem Gotte.
Ach, auch deren Geschrei drang zu euren Ohren, ihr Tugendhaften: „was ich nicht bin, das, das ist mir Gott und Tugend!“
Und Andre giebt es, die kommen schwer und knarrend daher, gleich Wägen, die Steine abwärts fahren: die reden viel von Würde und Tugend, — ihren Hemmschuh heissen sie Tugend!
Und Andre giebt es, die sind gleich Alltags-Uhren, die aufgezogen wurden; sie machen ihr Tiktak und wollen, dass man Tiktak — Tugend heisse.
Wahrlich, an Diesen habe ich meine Lust: wo ich solche Uhren finde, werde ich sie mit meinem Spotte aufziehn; und sie sollen mir dabei noch schnurren!
Und Andre sind stolz über ihre Handvoll Gerechtigkeit und begehen um ihrerwillen Frevel an allen Dingen: also dass die Welt in ihrer Ungerechtigkeit ertränkt wird.
Ach, wie übel ihnen das Wort „Tugend“ aus dem Munde läuft! Und wenn sie sagen: „ich bin gerecht,“ so klingt es immer gleich wie: „ich bin gerächt!“
Mit ihrer Tugend wollen sie ihren Feinden die Augen auskratzen; und sie erheben sich nur, um Andre zu erniedrigen.
Und wiederum giebt es Solche, die sitzen in ihrem Sumpfe und reden also heraus aus dem Schilfrohr: „Tugend — das ist still im Sumpfe sitzen.
Wir beissen Niemanden und gehen Dem aus dem Wege, der beissen will; und in Allem haben wir die Meinung, die man uns giebt.“
Und wiederum giebt es Solche, die lieben Gebärden und denken: Tugend ist eine Art Gebärde.
Ihre Kniee beten immer an, und ihre Hände sind Lobpreisungen der Tugend, aber ihr Herz weiss Nichts davon.
Und wiederum giebt es Solche, die halten es für Tugend, zu sagen: „Tugend ist nothwendig“; aber sie glauben im Grunde nur daran, dass Polizei nothwendig ist.
Und Mancher, der das Hohe an den Menschen nicht sehen kann, nennt es Tugend, dass er ihr Niedriges allzunahe sieht: also heisst er seinen bösen Blick Tugend.
Und Einige wollen erbaut und aufgerichtet sein und heissen es Tugend; und Andre wollen umgeworfen sein — und heissen es auch Tugend.
Und derart glauben fast Alle daran, Antheil zu haben an der Tugend; und zum Mindesten will ein Jeder Kenner sein über „gut“ und „böse“.
Aber nicht dazu kam Zarathustra, allen diesen Lügnern und Narren zu sagen: „was wisst ihr von Tugend! Was könntet ihr von Tugend wissen!“ —
Sondern, dass ihr, meine Freunde, der alten Worte müde würdet, welche ihr von den Narren und Lügnern gelernt habt:
Müde würdet der Worte „Lohn,“ „Vergeltung,“ „Strafe,“ „Rache in der Gerechtigkeit“ —
Müde würdet zu sagen: dass eine Handlung gut ist, das macht, sie ist selbstlos.“
Ach, meine Freunde! Dass euer Selbst in der Handlung sei, wie die Mutter im Kinde ist: das sei mir euer Wort von Tugend!
Wahrlich, ich nahm euch wohl hundert Worte und eurer Tugend liebste Spielwerke; und nun zürnt ihr mir, wie Kinder zürnen.
Sie spielten am Meere, — da kam die Welle und riss ihnen ihr Spielwerk in die Tiefe: nun weinen sie.
Aber die selbe Welle soll ihnen neue Spielwerke bringen und neue bunte Muscheln vor sie hin ausschütten!
So werden sie getröstet sein; und gleich ihnen sollt auch ihr, meine Freunde, eure Tröstungen haben — und neue bunte Muscheln! —
Also sprach Zarathustra.
Vom Gesindel.
Das Leben ist ein Born der Lust; aber wo das Gesindel mit trinkt, da sind alle Brunnen vergiftet.
Allem Reinlichen bin ich hold; aber ich mag die grinsenden Mäuler nicht sehn und den Durst der Unreinen.
Sie warfen ihr Auge hinab in den Brunnen: nun glänzt mir ihr widriges Lächeln herauf aus dem Brunnen.
Das heilige Wasser haben sie vergiftet mit ihrer Lüsternheit; und als sie ihre schmutzigen Träume Lust nannten, vergifteten sie auch noch die Worte.
Unwillig wird die Flamme, wenn sie ihre feuchten Herzen an's Feuer legen; der Geist selber brodelt und raucht, wo das Gesindel an's Feuer tritt.
Süsslich und übermürbe wird in ihrer Hand die Frucht: windfällig und wipfeldürr macht ihr Blick den Fruchtbaum.
Und Mancher, der sich vom Leben abkehrte, kehrte sich nur vom Gesindel ab: er wollte nicht Brunnen und Flamme und Frucht mit dem Gesindel theilen.
Und Mancher, der in die Wüste gieng und mit Raubthieren Durst litt, wollte nur nicht mit schmutzigen Kameeltreibern um die Cisterne sitzen.
Und Mancher, der wie ein Vernichter daher kam und wie ein Hagelschlag allen Fruchtfeldern, wollte nur seinen Fuss dem Gesindel in den Rachen setzen und also seinen Schlund stopfen.
Und nicht das ist der Bissen, an dem ich am meisten würgte, zu wissen, dass das Leben selber Feindschaft nöthig hat und Sterben und Marterkreuze: —
Sondern ich fragte einst und erstickte fast an meiner Frage: wie? hat das Leben auch das Gesindel nöthig?
Sind vergiftete Brunnen nöthig und stinkende Feuer und beschmutzte Träume und Maden im Lebensbrode?
Nicht mein Hass, sondern mein Ekel frass mir hungrig am Leben! Ach, des Geistes wurde ich oft müde, als ich auch das Gesindel geistreich fand!
Und den Herrschenden wandt' ich den Rücken, als ich sah, was sie jetzt Herrschen nennen: schachern und markten um Macht — mit dem Gesindel!
Unter Völkern wohnte ich fremder Zunge, mit verschlossenen Ohren: dass mir ihres Schacherns Zunge fremd bliebe und ihr Markten um Macht.
Und die Nase mir haltend, gieng ich unmuthig durch alles Gestern und Heute: wahrlich, übel riecht alles Gestern und Heute nach dem schreibenden Gesindel!
Einem Krüppel gleich, der taub und blind und stumm wurde: also lebte ich lange, dass ich nicht mit Macht- und Schreib- und Lust-Gesindel lebte.
Mühsam stieg mein Geist Treppen, und vorsichtig; Almosen der Lust waren sein Labsal; am Stabe schlich dem Blinden das Leben.
Was geschah mir doch? Wie erlöste ich mich vom Ekel? Wer verjüngte mein Auge? Wie erflog ich die Höhe, wo kein Gesindel mehr am Brunnen sitzt?
Schuf mein Ekel selber mir Flügel und quellenahnende Kräfte? Wahrlich, in's Höchste musste ich fliegen, dass ich den Born der Lust wiederfände!
Oh, ich fand ihn, meine Brüder! Hier im Höchsten quillt mir der Born der Lust! Und es giebt ein Leben, an dem kein Gesindel mit trinkt!
Fast zu heftig strömst du mir, Quell der Lust! Und oft leerst du den Becher wieder, dadurch dass du ihn füllen willst!
Und noch muss ich lernen, bescheidener dir zu nahen: allzuheftig strömt dir noch mein Herz entgegen: —
Mein Herz, auf dem mein Sommer brennt, der kurze, heisse, schwermüthige, überselige: wie verlangt mein Sommer-Herz nach deiner Kühle!
Vorbei die zögernde Trübsal meines Frühlings! Vorüber die Bosheit meiner Schneeflocken im Juni! Sommer wurde ich ganz und Sommer-Mittag!
Ein Sommer im Höchsten mit kalten Quellen und seliger Stille: oh kommt, meine Freunde, dass die Stille noch seliger werde!
Denn diess ist unsre Höhe und unsre Heimat: zu hoch und steil wohnen wir hier allen Unreinen und ihrem Durste.
Werft nur eure reinen Augen in den Born meiner Lust, ihr Freunde! Wie sollte er darob trübe werden! Entgegenlachen soll er euch mit seiner Reinheit.
Auf dem Baume Zukunft bauen wir unser Nest; Adler sollen uns Einsamen Speise bringen in ihren Schnäbeln!
Wahrlich, keine Speise, an der Unsaubere mitessen dürften! Feuer würden sie zu fressen wähnen und sich die Mäuler verbrennen!
Wahrlich, keine Heimstätten halten wir hier bereit für Unsaubere! Eishöhle würde ihren Leibern unser Glück heissen und ihren Geistern!
Und wie starke Winde wollen wir über ihnen leben, Nachbarn den Adlern, Nachbarn dem Schnee, Nachbarn der Sonne: also leben starke Winde.
Und einem Winde gleich will ich einst noch zwischen sie blasen und mit meinem Geiste ihrem Geiste den Athem nehmen: so will es meine Zukunft.
Wahrlich, ein starker Wind ist Zarathustra allen Niederungen; und solchen Rath räth er seinen Feinden und Allem, was spuckt und speit: „hütet euch, gegen den Wind zu speien!“
Also sprach Zarathustra
Von den Taranteln.
Siehe, das ist der Tarantel Höhle! Willst du sie selber sehn? Hier hängt ihr Netz: rühre daran, dass es erzittert.
Da kommt sie willig: willkommen, Tarantel! Schwarz sitzt auf deinem Rücken dein Dreieck und Wahrzeichen; und ich weiss auch, was in deiner Seele sitzt.
Rache sitzt in deiner Seele: wohin du beissest, da wächst schwarzer Schorf; mit Rache macht dein Gift die Seele drehend!
Also rede ich zu euch im Gleichniss, die ihr die Seelen drehend macht, ihr Prediger der Gleichheit! Taranteln seid ihr mir und versteckte Rachsüchtige!
Aber ich will eure Verstecke schon an's Licht bringen: darum lache ich euch in's Antlitz mein Gelächter der Höhe.
Darum reisse ich an eurem Netze, dass eure Wuth euch aus eurer Lügen-Höhle locke, und eure Rache hervorspringe hinter eurem Wort „Gerechtigkeit.“
Denn dass der Mensch erlöst werde von der Rache: das ist mir die Brücke zur höchsten Hoffnung und ein Regenbogen nach langen Unwettern.
Aber anders wollen es freilich die Taranteln. „Das gerade heisse uns Gerechtigkeit, dass die Welt voll werde von den Unwettern unsrer Rache“ — also reden sie mit einander.
„Rache wollen wir üben und Beschimpfung an Allen, die uns nicht gleich sind“ — so geloben sich die Tarantel-Herzen.
Und „Wille zur Gleichheit“ — das selber fürderhin der Name für Tugend werden; und gegen Alles, was Macht hat, wollen wir unser Geschrei erheben!“
Ihr Prediger der Gleichheit, der Tyrannen-Wahnsinn der Ohnmacht schreit also aus euch nach „Gleichheit“: eure heimlichsten Tyrannen-Gelüste vermummen sich also in Tugend -Worte!
Vergrämter Dünkel, verhaltener Neid, vielleicht eurer Väter Dünkel und Neid: aus euch bricht's als Flamme heraus und Wahnsinn der Rache.
Was der Vater schwieg, das kommt im Sohne zum Reden; und oft fand ich den Sohn als des Vaters entblösstes Geheimniss.
Den Begeisterten gleichen sie: aber nicht das Herz ist es, was sie begeistert, — sondern die Rache. Und wenn sie fein und kalt werden, ist's nicht der Geist, sondern der Neid, der sie fein und kalt macht.
Ihre Eifersucht führt sie auch auf der Denker Pfade; und diess ist das Merkmal ihrer Eifersucht — immer gehn sie zu weit: dass ihre Müdigkeit sich zuletzt noch auf Schnee schlafen legen muss.
Aus jeder ihrer Klagen tönt Rache, in jedem ihrer Lobsprüche ist ein Wehethun; und Richter-sein scheint ihnen Seligkeit.
Also aber rathe ich euch, meine Freunde: misstraut Allen, in welchen der Trieb, zu strafen, mächtig ist!
Das ist Volk schlechter Art und Abkunft; aus ihren Gesichtern blickt der Henker und der Spürhund.
Misstraut allen Denen, die viel von ihrer Gerechtigkeit reden! Wahrlich, ihren Seelen fehlt es nicht nur an Honig.
Und wenn sie sich selber „die Guten und Gerechten“ nennen, so vergesst nicht, dass ihnen zum Pharisäer Nichts fehlt als — Macht!
Meine Freunde, ich will nicht vermischt und verwechselt werden.
Es giebt Solche, die predigen meine Lehre vom Leben: und zugleich sind sie Prediger der Gleichheit und Taranteln.
Dass sie dem Leben zu Willen reden, ob sie gleich in ihrer Höhle sitzen, diese Gift-Spinnen, und abgekehrt vom Leben: das macht, sie wollen damit wehethun.
Solchen wollen sie damit wehethun. die jetzt die Macht haben: denn bei diesen ist noch die Predigt vom Tode am besten zu Hause.
Wäre es anders, so würden die Taranteln anders lehren: und gerade sie waren ehemals die besten Welt-Verleumder und Ketzer-Brenner.
Mit diesen Predigern der Gleichheit will ich nicht vermischt und verwechselt sein. Denn so redet mir die Gerechtigkeit: „die Menschen sind nicht gleich.“
Und sie sollen es auch nicht werden! Was wäre denn meine Liebe zum Übermenschen, wenn ich anders spräche?
Auf tausend Brücken und Stegen sollen sie sich drängen zur Zukunft, und immer mehr Krieg und Ungleichheit soll zwischen sie gesetzt sein: so lässt mich meine grosse Liebe reden!
Erfinder von Bildern und Gespenstern sollen sie werden in ihren Feindschaften, und mit ihren Bildern und Gespenstern sollen sie noch gegeneinander den höchsten Kampf kämpfen!
Gut und Böse, und Reich und Arm, und Hoch und Gering, und alle Namen der Werthe: Waffen sollen es sein und klirrende Merkmale davon, dass das Leben sich immer wieder selber überwinden muss!
In die Höhe will es sich bauen mit Pfeilern und Stufen, das Leben selber: in weite Fernen will es blicken und hinaus nach seligen Schönheiten, — darum braucht es Höhe!
Und weil es Höhe braucht, braucht es Stufen und Widerspruch der Stufen und Steigenden! Steigen will das Leben und steigend sich überwinden.
Und seht mir doch, meine Freunde! Hier, wo der Tarantel Höhle ist, heben sich eines alten Tempels Trümmer aufwärts, — seht mir doch mit erleuchteten Augen hin!
Wahrlich, wer hier einst seine Gedanken in Stein nach Oben thürmte, um das Geheimniss alles Lebens wusste er gleich dem Weisesten!
Dass Kampf und Ungleiches auch noch in der Schönheit sei und Krieg um Macht und Übermacht: das lehrt er uns hier im deutlichsten Gleichniss.
Wie sich göttlich hier Gewölbe und Bogen brechen, im Ringkampfe: wie mit Licht und Schatten sie wider einander streben, die göttlich-Strebenden —
Also sicher und schön lasst uns auch Feinde sein, meine Freunde! Göttlich wollen wir wider einander streben! —
Wehe! Da biss mich selber die Tarantel, meine alte Feindin! Göttlich sicher und schön biss sie mich in den Finger!
„Strafe muss sein und Gerechtigkeit — so denkt sie: nicht umsonst soll er hier der Feindschaft zu Ehren Lieder singen!“
Ja, sie hat sich gerächt! Und wehe! nun wird sie mit Rache auch noch meine Seele drehend machen!
Dass ich mich aber nicht drehe, meine Freunde, bindet mich fest hier an diese Säule! Lieber noch Säulen-Heiliger will ich sein, als Wirbel der Rachsucht!
Wahrlich, kein Dreh- und Wirbelwind ist Zarathustra; und wenn er ein Tänzer ist, nimmermehr doch ein Tarantel-Tänzer! —
Also sprach Zarathustra.
Von den berühmten Weisen.
Dem Volke habt ihr gedient und des Volkes Aberglauben, ihr berühmten Weisen alle! — und nicht der Wahrheit! Und gerade darum zollte man euch Ehrfurcht.
Und darum auch ertrug man euren Unglauben, weil er ein Witz und Umweg war zum Volke. So lässt der Herr seine Sclaven gewähren und ergötzt sich noch an ihrem Übermuthe.
Aber wer dem Volke verhasst ist wie ein Wolf den Hunden: das ist der freie Geist, der Fessel-Feind, der Nicht-Anbeter, der in Wäldern Hausende.
Ihn zu jagen aus seinem Schlupfe — das hiess immer dem Volke „Sinn für das Rechte“: gegen ihn hetzt es noch immer seine scharfzahnigsten Hunde.
„Denn die Wahrheit ist da: ist das Volk doch da! Wehe, wehe den Suchenden!“ — also scholl es von jeher.
Eurem Volke wolltet ihr Recht schaffen in seiner Verehrung: das hiesset ihr „Wille zur Wahrheit,“ ihr berühmten Weisen!
Und euer Herz sprach immer zu sich: „vom Volke kam ich: von dort her kam mir auch Gottes Stimme.“ Hart-nackig und klug, dem Esel gleich, wart ihr immer als des Volkes Fürsprecher.
Und mancher Mächtige, der gut fahren wollte mit dem Volke, spannte vor seine Rosse noch — ein Eselein, einen berühmten Weisen.
Und nun wollte ich, ihr berühmten Weisen, ihr würfet endlich das Fell des Löwen ganz von euch!
Das Fell des Raubthiers, das buntgefleckte, und die Zotten des Forschenden, Suchenden, Erobernden!
Ach, dass ich an eure „Wahrhaftigkeit“ glauben lerne, dazu müsstet ihr mir erst euren verehrenden Willen zerbrechen.
Wahrhaftig — so heisse ich Den, der in götterlose Wüsten geht und sein verehrendes Herz zerbrochen hat.
Im gelben Sande und verbrannt von der Sonne schielt er wohl durstig nach den quellenreichen Eilanden, wo Lebendiges unter dunkeln Bäumen ruht.
Aber sein Durst überredet ihn nicht, diesen Behaglichen gleich zu werden: denn wo Oasen sind, da sind auch Götzenbilder.
Hungernd, gewaltthätig, einsam, gottlos: so will sich selber der Löwen-Wille.
Frei von dem Glück der Knechte, erlöst von Göttern und Anbetungen, furchtlos und fürchterlich, gross und einsam: so ist der Wille des Wahrhaftigen.
In der Wüste wohnten von je die Wahrhaftigen, die freien Geister, als der Wüste Herren; aber in den Städten wohnen die gutgefütterten, berühmten Weisen, — die Zugthiere.
Immer nämlich ziehen sie, als Esel — des Volkes Karren!
Nicht dass ich ihnen darob zürne: aber Dienende bleiben sie mir und Angeschirrte, auch wenn sie von goldnem Geschirre glänzen.
Und oft waren sie gute Diener und preiswürdige. Denn so spricht die Tugend: „musst du Diener sein, so suche Den, welchem dein Dienst am besten nützt!
„Der Geist und die Tugend deines Herrn sollen wachsen, dadurch dass du sein Diener bist: so wächsest du selber mit seinem Geiste und seiner Tugend!“
Und wahrlich, ihr berühmten Weisen, ihr Diener des Volkes! Ihr selber wuchset mit des Volkes Geist und Tugend — und das Volk durch euch! Zu euren Ehren sage ich das!
Aber Volk bleibt ihr mir auch noch in euren Tugenden,Volk mit blöden Augen, — Volk, das nicht weiss, was Geist ist!
Geist ist das Leben, das selber in's Leben schneidet: an der eignen Qual mehrt es sich das eigne Wissen, — wusstet ihr das schon?
Und des Geistes Glück ist diess: gesalbt zu sein und durch Thränen geweiht zum Opferthier, — wusstet ihr das schon?
Und die Blindheit des Blinden und sein Suchen und Tappen soll noch von der Macht der Sonne zeugen, in die er schaute, — wusstet ihr das schon?
Und mit Bergen soll der Erkennende bauen lernen! Wenig ist es, dass der Geist Berge versetzt,— wusstet ihr das schon?
Ihr kennt nur des Geistes Funken: aber ihr seht den Ambos nicht, der er ist, und nicht die Grausamkeit seines Hammers!
Wahrlich, ihr kennt des Geistes Stolz nicht! Aber noch weniger würdet ihr des Geistes Bescheidenheit ertragen, wenn sie einmal reden wollte!
Und niemals noch durftet ihr euren Geist in eine Grube von Schnee werfen: ihr seid nicht heiss genug dazu! So kennt ihr auch die Entzückungen seiner Kälte nicht.
In Allem aber thut ihr mir zu vertraulich mit dem Geiste; und aus der Weisheit machtet ihr oft ein Armen- und Krankenhaus für schlechte Dichter.
Ihr seid keine Adler: so erfuhrt ihr auch das Glück im Schrecken des Geistes nicht. Und wer kein Vogel ist, soll sich nicht über Abgründen lagern.
Ihr seid mir Laue: aber kalt strömt jede tiefe Erkenntniss. Eiskalt sind die innersten Brunnen des Geistes: ein Labsal heissen Händen und Handelnden.
Ehrbar steht ihr mir da und steif und mit geradem Rücken, ihr berühmten Weisen! — euch treibt kein starker Wind und Wille.
Saht ihr nie ein Segel über das Meer gehn, geründet und gebläht und zitternd vor dem Ungestüm des Windes?
Dem Segel gleich, zitternd vor dem Ungestüm des Geistes, geht meine Weisheit über das Meer — meine wilde Weisheit!
Aber ihr Diener des Volkes, ihr berühmten Weisen, — wie könntet ihr mit mir gehn! —.
Also sprach Zarathustra.
Das Nachtlied.
Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen. Und auch meine Seele ist ein springender Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir; das will laut werden. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: ach, dass ich Nacht wäre! Aber diess ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ach, dass ich dunkel wäre und nächtig! Wie wollte ich an den Brüsten des Lichts saugen!
Und euch selber wollte ich noch segnen, ihr kleinen Funkelsterne und Leuchtwürmer droben! — und selig sein ob eurer Licht-Geschenke.
Aber ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen.
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht; und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse, als Nehmen.
Das ist meine Armuth, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Oh Unseligkeit aller Schenkenden! Oh Verfinsterung meiner Sonne! Oh Begierde nach Begehren! Oh Heisshunger in der Sättigung!
Sie nehmen von mir: aber rühre ich noch an ihre Seele? Eine Kluft ist zwischen Geben und Nehmen; und die kleinste Kluft ist am letzten zu überbrücken.
Ein Hunger wächst aus meiner Schönheit: wehethun möchte ich Denen, welchen ich leuchte, berauben möchte ich meine Beschenkten: — also hungere ich nach Bosheit.
Die Hand zurückziehend, wenn sich schon ihr die Hand entgegenstreckt; dem Wasserfalle gleich zögernd, der noch im Sturze zögert: — also hungere ich nach Bosheit.
Solche Rache sinnt meine Fülle aus; solche Tücke quillt aus meiner Einsamkeit.
Mein Glück im Schenken erstarb im Schenken, meine Tugend wurde ihrer selber müde an ihrem Überflusse!
Wer immer schenkt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austheilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austheilen.
Mein Auge quillt nicht mehr über vor der Scham der Bittenden; meine Hand wurde zu hart für das Zittern gefüllter Hände.
Wohin kam die Thräne meinem Auge und der Flaum meinem Herzen? Oh Einsamkeit aller Schenkenden! Oh Schweigsamkeit aller Leuchtenden!
Viel Sonnen kreisen im öden Raume: zu Allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte, — mir schweigen sie.
Oh diess ist die Feindschaft des Lichts gegen Leuchtendes; erbarmungslos wandelt es seine Bahnen.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen; — also wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich fliegen die Sonnen ihre Bahnen, das ist ihr Wandeln. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
Oh, ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! Oh, ihr erst trinkt euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Ach, Eis ist um mich, meine Hand verbrennt sich an Eisigem! Ach, Durst ist in mir, der schmachtet nach eurem Durste!
Nacht ist es: ach dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nächtigem! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen, — nach Rede verlangt mich.
Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen. Und auch meine Seele ist ein springender Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden. —
Also sang Zarathustra.
Das Tanzlied.
Eines Abends gieng Zarathustra mit seinen Jüngern durch den Wald; und als er nach einem Brunnen suchte, siehe, da kam er auf eine grüne Wiese, die von Bäumen und Gebüsch still umstanden war: auf der tanzten Mädchen mit einander. Sobald die Mädchen Zarathustra erkannten, liesen sie vom Tanze ab; Zarathustra aber trat mit freundlicher Gebärde zu ihnen und sprach diese Worte:
„Lasst vom Tanze nicht ab, ihr lieblichen Mädchen! Kein Spielverderber kam zu euch mit bösem Blick, kein Mädchen-Feind.
Gottes Fürsprecher bin ich vor dem Teufel: der aber ist der Geist der Schwere. Wie sollte ich, ihr Leichten, göttlichen Tänzen feind sein? Oder Mädchen-Füssen mit schönen Knöcheln?
Wohl bin ich ein Wald und eine Nacht dunkler Bäume: doch wer sich vor meinem Dunkel nicht scheut, der findet auch Rosenhänge unter meinen Cypressen.
Und auch den kleinen Gott findet er wohl, der den Mädchen der liebste ist: neben dem Brunnen liegt er, still, mit geschlossenen Augen.
Wahrlich, am hellen Tage schlief er mir ein, der Tagedieb! Haschte er wohl zu viel nach Schmetterlingen?
Zürnt mir nicht, ihr schönen Tanzenden, wenn ich den kleinen Gott ein Wenig züchtige! Schreien wird er wohl und weinen, — aber zum Lachen ist er noch im Weinen!
Und mit Thränen im Auge soll er euch um einen Tanz bitten; und ich selber will ein Lied zu seinem Tanze singen:
Ein Tanz- und Spottlied auf den Geist der Schwere, meinen allerhöchsten grossmächtigsten Teufel, von dem sie sagen, dass er „der Herr der Welt“ sei.“ —
Und diess ist das Lied, welches Zarathustra sang, als Cupido und die Mädchen zusammen tanzten.
„In dein Auge schaute ich jüngst, oh Leben! Und in's Unergründliche schien ich mir da zu sinken.
Aber du zogst mich mit goldner Angel heraus; spöttisch lachtest du, als ich dich unergründlich nannte.
„So geht die Rede aller Fische, sprachst du; was sie nicht ergründen, ist unergründlich.
„Aber veränderlich bin ich nur und wild und in Allem ein Weib, und kein tugendhaftes:
„Ob ich schon euch Männern „die Tiefe“ heisse oder „die Treue“, „die Ewige“, die „Geheimnissvolle.“
„Doch ihr Männer beschenkt uns stets mit den eignen Tugenden — ach, ihr Tugendhaften!“
Also lachte sie, die Unglaubliche; aber ich glaube ihr niemals und ihrem Lachen, wenn sie bös von sich selber spricht.
Und als ich unter vier Augen mit meiner wilden Weisheit redete, sagte sie mir zornig: „Du willst, du begehrst, du liebst, darum allein lobst du das Leben!“
Fast hätte ich da bös geantwortet und der Zornigen die Wahrheit gesagt; und man kann nicht böser antworten, als wenn man seiner Weisheit „die Wahrheit sagt.“
So nämlich steht es zwischen uns Dreien. Von Grund aus liebe ich nur das Leben — und, wahrlich, am meisten dann, wenn ich es hasse!
Dass ich aber der Weisheit gut bin und oft zu gut: das macht, sie erinnert mich gar sehr an das Leben!
Sie hat ihr Auge, ihr Lachen und sogar ihr goldnes Angelrüthchen: was kann ich dafür, dass die Beiden sich so ähnlich sehen?
Und als mich einmal das Leben fragte: Wer ist denn das, die Weisheit? — da sagte ich eifrig: „Ach ja! die Weisheit!
Man dürstet um sie und wird nicht satt, man blickt durch Schleier, man hascht durch Netze.
Ist sie schön? Was weiss ich! Aber die ältesten Karpfen werden noch mit ihr geködert.
Veränderlich ist sie und trotzig; oft sah ich sie sich die Lippe beissen und den Kamm wider ihres Haares Strich führen.
Vielleicht ist sie böse und falsch, und in Allem ein Frauenzimmer; aber wenn sie von sich selber schlecht spricht, da gerade verführt sie am meisten.“
Als ich diess zu dem Leben sagte, da lachte es boshaft und machte die Augen zu. „Von wem redest du doch? sagte sie, wohl von mir?
Und wenn du Recht hättest, — sagt man das mir so in's Gesicht! Aber nun sprich doch auch von deiner Weisheit!“
Ach, und nun machtest du wieder dein Auge auf, oh geliebtes Leben! Und in's Unergründliche schien ich mir wieder zu sinken. —
Also sang Zarathustra. Als aber der Tanz zu Ende und die Mädchen fortgegangen waren, wurde er traurig.
„Die Sonne ist lange schon hinunter, sagte er endlich; die Wiese ist feucht, von den Wäldern her kommt Kühle.
Ein Unbekanntes ist um mich und blickt nachdenklich. Was! Du lebst noch, Zarathustra?
Warum? Wofür? Wodurch? Wohin? Wo? Wie? Ist es nicht Thorheit, noch zu leben? —
Ach, meine Freunde, der Abend ist es, der so aus mir fragt. Vergebt mir meine Traurigkeit!
Abend ward es: vergebt mir, dass es Abend ward!
Also sprach Zarathustra.
Das Grablied.
„Dort ist die Gräberinsel, die schweigsame; dort sind auch die Gräber meiner Jugend. Dahin will ich einen immergrünen Kranz des Lebens tragen.“
Also im Herzen beschliessend fuhr ich über das Meer. —
Oh ihr, meiner Jugend Gesichte und Erscheinungen! Oh, ihr Blicke der Liebe alle, ihr göttlichen Augenblicke! Wie starbt ihr mir so schnell! Ich gedenke eurer heute wie meiner Todten.
Von euch her, meinen liebsten Todten, kommt mir ein süsser Geruch, ein herz- und thränenlösender. Wahrlich, er erschüttert und löst das Herz dem einsam Schiffenden.
Immer noch bin ich der Reichste und Bestzubeneidende — ich der Einsamste! Denn ich hatte euch doch, und ihr habt mich noch: sagt, wem fielen, wie mir, solche Rosenäpfel vom Baume?
Immer noch bin ich eurer Liebe Erbe und Erdreich, blühend zu eurem Gedächtnisse von bunten wildwachsenen Tugenden, oh ihr Geliebtesten!
Ach, wir waren gemacht, einander nahe zu bleiben, ihr holden fremden Wunder; und nicht schüchternen Vögeln gleich kamt ihr zu mir und meiner Begierde — nein, als Trauende zu dem Trauenden!
Ja, zur Treue gemacht, gleich mir und zu zärtlichen Ewigkeiten: muss ich nun euch nach eurer Untreue heissen, ihr göttlichen Blicke und Augenblicke: keinen andern Namen lernte ich noch.
Wahrlich, zu schnell starbt ihr mir, ihr Flüchtlinge. Doch floht ihr mich nicht, noch floh ich euch: unschuldig sind wir einander in unsrer Untreue.
Mich zu tödten, erwürgte man euch, ihr Singvögel meiner Hoffnungen! Ja, nach euch, ihr Liebsten, schoss immer die Bosheit Pfeile — mein Herz zu treffen!
Und sie traf! Wart ihr doch stets mein Herzlichstes, mein Besitz und mein Besessen-sein: darum musstet ihr jung sterben und allzu frühe!
Nach dem Verwundbarsten, das ich besass, schoss man den Pfeil: das waret ihr, denen die Haut einem Flaume gleich ist und mehr noch dem Lächeln, das an einem Blick erstirbt!
Aber diess Wort will ich zu meinen Feinden reden: was ist alles Menschen-Morden gegen Das, was ihr mir thatet!
Böseres thatet ihr mir, als aller Menschen-Mord ist; Unwiederbringliches nahmt ihr mir: — also rede ich zu euch, meine Feinde!
Mordetet ihr doch meiner Jugend Gesichte und liebste Wunder! Meine Gespielen nahmt ihr mir, die seligen Geister! Ihrem Gedächtnisse lege ich diesen Kranz und diesen Fluch nieder.
Diesen Fluch gegen euch, meine Feinde! Machtet ihr doch mein Ewiges kurz, wie ein Ton zerbricht in kalter Nacht! Kaum als Aufblinken göttlicher Augen kam es mir nun, — als Augenblick!
Also sprach zur guten Stunde einst meine Reinheit: „göttlich sollen mir alle Wesen sein.“
Da überfielt ihr mich mit schmutzigen Gespenstern; ach, wohin floh nun jene gute Stunde!
„Alle Tage sollen mir heilig sein“ — so redete einst die Weisheit meiner Jugend: wahrlich, einer fröhlichen Weisheit Rede!
Aber da stahlt ihr Feinde mir meine Nächte und verkauftet sie zu schlafloser Qual: ach, wohin floh nun jene fröhliche Weisheit?
Einst begehrte ich nach glücklichen Vogelzeichen: da führtet ihr mir ein Eulen-Unthier über den Weg, ein widriges. Ach, wohin floh da meine zärtliche Begierde?
Allem Ekel gelobte ich einst zu entsagen: da verwandeltet ihr meine Nahen und Nächsten in Eiterbeulen. Ach, wohin floh da mein edelstes Gelöbniss?
Als Blinder gieng ich einst selige Wege: da warft ihr Unflath auf den Weg des Blinden: und nun ekelte ihn des alten Blinden-Fusssteigs.
Und als ich mein Schwerstes that und meiner Überwindungen Sieg feierte: da machtet ihr Die, welche mich liebten, schreien, ich thue ihnen am wehesten.
Wahrlich, das war immer euer Thun: ihr vergälltet mir meinen besten Honig und den Fleiss meiner besten Bienen.
Meiner Mildthätigkeit sandtet ihr immer die frechsten Bettler zu; um mein Mitleiden drängtet ihr immer die unheilbar Schamlosen. So verwundetet ihr meine Tugend in ihrem Glauben.
Und legte ich noch mein Heiligstes zum Opfer hin: flugs stellte eure „Frömmigkeit“ ihre fetteren Gaben dazu: also dass im Dampfe eures Fettes noch mein Heiligstes erstickte.
Und einst wollte ich tanzen, wie nie ich noch tanzte: über alle Himmel weg wollte ich tanzen. Da überredetet ihr meinen liebsten Sänger.
Und nun stimmte er eine schaurige dumpfe Weise an; ach, er tutete mir, wie ein düsteres Horn, zu Ohren!
Mörderischer Sänger, Werkzeug der Bosheit, Unschuldigster! Schon stand ich bereit zum besten Tanze: da mordetest du mit deinen Tönen meine Verzückung!
Nur im Tanze weiss ich der höchsten Dinge Gleichniss zu reden: — und nun blieb mir mein höchstes Gleichniss ungeredet in meinen Gliedern!
Ungeredet und unerlöst blieb mir die höchste Hoffnung! Und es starben mir alle Gesichte und Tröstungen meiner Jugend!
Wie ertrug ich's nur? Wie verwand und überwand ich solche Wunden? Wie erstand meine Seele wieder aus diesen Gräbern?
Ja, ein Unverwundbares, Unbegrabbares ist an mir, ein Felsensprengendes: das heisst mein Wille. Schweigsam schreitet es und unverändert durch die Jahre.
Seinen Gang will er gehn auf meinen Füssen, mein alter Wille; herzenshart ist ihm der Sinn und unverwundbar.
Unverwundbar bin ich allein an meiner Ferse. Immer noch lebst du da und bist dir gleich, Geduldigster! Immer noch brachst du dich durch alle Gräber!
In dir lebt auch noch das Unerlöste meiner Jugend; und als Leben und Jugend sitzest du hoffend hier auf gelben Grab-Trümmern.
Ja, noch bist du mir aller Gräber Zertrümmerer: Heil dir, mein Wille! Und nur wo Gräber sind, giebt es Auferstehungen. —
Also sang Zarathustra. —
Von der Selbst-Ueberwindung.
„Wille zur Wahrheit“ heisst ihr's, ihr Weisesten, was euch treibt und brünstig macht?
Wille zur Denkbarkeit alles Seienden: also heisse ich euren Willen!
Alles Seiende wollt ihr erst denkbar machen: denn ihr zweifelt mit gutem Misstrauen, ob es schon denkbar ist.
Aber es soll sich auch fügen und biegen! So will's euer Wille. Glatt soll es werden und dem Geiste unterthan, als sein Spiegel und Widerbild.
Das ist euer ganzer Wille, ihr Weisesten, als ein Wille zur Macht; und auch wenn ihr vom Guten und Bösen redet und von den Werthschätzungen.
Schaffen wollt ihr noch die Welt, vor der ihr knien könnt: so ist es eure letzte Hoffnung und Trunkenheit.
Die Unweisen freilich, das Volk, — die sind gleich dem Flusse, auf dem ein Nachen weiter schwimmt: und im Nachen sitzen feierlich und vermummt die Werthschätzungen.
Euren Willen und eure Werthe setztet ihr auf den Fluss des Werdens; einen alten Willen zur Macht verräth mir, was vom Volke als gut und böse geglaubt wird.
Ihr wart es, ihr Weisesten, die solche Gäste in diesen Nachen setzten und ihnen Prunk und stolze Namen gaben, — ihr und euer herrschender Wille!
Weiter trägt nun der Fluss euren Nachen: er muss ihn tragen. Wenig thut's, ob die gebrochene Welle schäumt und zornig dem Kiele widerspricht!
Nicht der Fluss ist eure Gefahr und das Ende eures Guten und Bösen, ihr Weisesten: sondern jener Wille selber, der Wille zur Macht, — der unerschöpfte zeugende Lebens-Wille.
Aber damit ihr mein Wort versteht vom Guten und Bösen: dazu will ich euch noch mein Wort vom Leben sagen und von der Art alles Lebendigen.
Dem Lebendigen gieng ich nach, ich gieng die grössten und die kleinsten Wege, dass ich seine Art erkenne.
Mit hundertfachem Spiegel fieng ich noch seinen Blick auf, wenn ihm der Mund geschlossen war: dass sein Auge mir rede. Und sein Auge redete mir.
Aber, wo ich nur Lebendiges fand, da hörte ich auch die Rede vom Gehorsame. Alles Lebendige ist ein Gehorchendes.
Und diess ist das Zweite: Dem wird befohlen, der sich nicht selber gehorchen kann. So ist es des Lebendigen Art.
Diess aber ist das Dritte, was ich hörte: dass Befehlen schwerer ist, als Gehorchen. Und nicht nur, dass der Befehlende die Last aller Gehorchenden trägt, und dass leicht ihn diese Last zerdrückt: —
Ein Versuch und Wagniss erschien mir in allem Befehlen; und stets, wenn es befiehlt, wagt das Lebendige sich selber dran.
Ja noch, wenn es sich selber befiehlt: auch da noch muss es sein Befehlen büssen. Seinem eignen Gesetze muss es Richter und Rächer und Opfer werden.
Wie geschieht diess doch! so fragte ich mich. Was überredet das Lebendige, dass es gehorcht und befiehlt und befehlend noch Gehorsam übt?
Hört mir nun mein Wort, ihr Weisesten! Prüft es ernstlich, ob ich dem Leben selber in's Herz kroch und bis in die Wurzeln seines Herzens!
Wo ich Lebendiges fand, da fand ich Willen zur Macht; und noch im Willen des Dienenden fand ich den Willen, Herr zu sein.
Dass dem Stärkeren diene das Schwächere, dazu überredet es sein Wille, der über noch Schwächeres Herr sein will: dieser Lust allein mag es nicht entrathen.
Und wie das Kleinere sich dem Grösseren hingiebt, dass es Lust und Macht am Kleinsten habe: also giebt sich auch das Grösste noch hin und setzt um der Macht willen — das Leben dran.
Das ist die Hingebung des Grössten, dass es Wagniss ist und Gefahr und um den Tod ein Würfelspielen.
Und wo Opferung und Dienste und Liebesblicke sind: auch da ist Wille, Herr zu sein. Auf Schleichwegen schleicht sich da der Schwächere in die Burg und bis in's Herz dem Mächtigeren — und stiehlt da Macht.
Und diess Geheimniss redete das Leben selber zu mir. „Siehe, sprach es, ich bin das, was sich immer selber überwinden muss.
„Freilich, ihr heisst es Wille zur Zeugung oder Trieb zum Zwecke, zum Höheren, Ferneren, Vielfacheren: aber all diess ist Eins und Ein Geheimniss.
„Lieber noch gehe ich unter, als dass ich diesem Einen absagte; und wahrlich, wo es Untergang giebt und Blätterfallen, siehe, da opfert sich Leben — um Macht!
„Dass ich Kampf sein muss und Werden und Zweck und der Zwecke Widerspruch: ach, wer meinen Willen erräth, erräth wohl auch, auf welchen krummen Wegen er gehen muss!
„Was ich auch schaffe und wie ich's auch liebe, — bald muss ich Gegner ihm sein und meiner Liebe: so will es mein Wille.
„Und auch du, Erkennender, bist nur ein Pfad und Fusstapfen meines Willens: wahrlich, mein Wille zur Macht wandelt auch auf den Füssen deines Willens zur Wahrheit!
„Der traf freilich die Wahrheit nicht, der das Wort nach ihr schoss vom „Willen zum Dasein“: diesen Willen — giebt es nicht!
„Denn: was nicht ist, das kann nicht wollen; was aber im Dasein ist, wie könnte das noch zum Dasein wollen!
„Nur, wo Leben ist, da ist auch Wille: aber nicht Wille zum Leben, sondern — so lehre ich's dich — Wille zur Macht!
„Vieles ist dem Lebenden höher geschätzt, als Leben selber; doch aus dem Schätzen selber heraus redet — der Wille zur Macht!“ —
Also lehrte mich einst das Leben: und daraus löse ich euch, ihr Weisesten, noch das Räthsel eures Herzens.
Wahrlich, ich sage euch: Gutes und Böses, das unvergänglich wäre — das giebt es nicht! Aus sich selber muss es sich immer wieder überwinden.
Mit euren Werthen und Worten von Gut und Böse übt ihr Gewalt, ihr Werthschätzenden: und diess ist eure verborgene Liebe und eurer Seele Glänzen, Zittern und Überwallen.
Aber eine stärkere Gewalt wächst aus euren Werthen und eine neue Überwindung: an der zerbricht Ei und Eierschale.
Und wer ein Schöpfer sein muss im Guten und Bösen: wahrlich, der muss ein Vernichter erst sein und Werthe zerbrechen.
Also gehört das höchste Böse zur höchsten Güte: diese aber ist die schöpferische. —
Reden wir nur davon, ihr Weisesten, ob es gleich schlimm ist. Schweigen ist schlimmer; alle verschwiegenen Wahrheiten werden giftig.
Und mag doch Alles zerbrechen, was an unseren Wahrheiten zerbrechen — kann! Manches Haus giebt es noch zu bauen!
Also sprach Zarathustra.
Von den Erhabenen.
Still ist der Grund meines Meeres: wer erriethe wohl, dass er scherzhafte Ungeheuer birgt!
Unerschütterlich ist meine Tiefe: aber sie glänzt von schwimmenden Räthseln und Gelächtern.
Einen Erhabenen sah ich heute, einen Feierlichen, einen Büsser des Geistes: oh wie lachte meine Seele ob seiner Hässlichkeit!
Mit erhobener Brust und Denen gleich, welche den Athem an sich ziehn: also stand er da, der Erhabene, und schweigsam:
Behängt mit hässlichen Wahrheiten, seiner Jagdbeute, und reich an zerrissenen Kleidern; auch viele Dornen hiengen an ihm — aber noch sah ich keine Rose.
Noch lernte er das Lachen nicht und die Schönheit. Finster kam dieser Jäger zurück aus dem Walde der Erkenntniss.
Vom Kampfe kehrte er heim mit wilden Thieren: aber aus seinem Ernste blickt auch noch ein wildes Thier — ein unüberwundenes!
Wie ein Tiger steht er immer noch da, der springen will; aber ich mag diese gespannten Seelen nicht, unhold ist mein Geschmack allen diesen Zurückgezognen.
Und ihr sagt mir, Freunde, dass nicht zu streiten sei über Geschmack und Schmecken? Aber alles Leben ist Streit um Geschmack und Schmecken!
Geschmack: das ist Gewicht zugleich und Wagschale und Wägender; und wehe allem Lebendigen, das ohne Streit um Gewicht und Wagschale und Wägende leben wollte!
Wenn er seiner Erhabenheit müde würde, dieser Erhabene: dann erst würde seine Schönheit anheben, — und dann erst will ich ihn schmecken und schmackhaft finden.
Und erst, wenn er sich von sich selber abwendet, wird er über seinen eignen Schatten springen — und, wahrlich! hinein in seine Sonne.
Allzulange sass er im Schatten, die Wangen bleichten dem Büsser des Geistes; fast verhungerte er an seinen Erwartungen.
Verachtung ist noch in seinem Auge; und Ekel birgt sich an seinem Munde. Zwar ruht er jetzt, aber seine Ruhe hat sich noch nicht in die Sonne gelegt.
Dem Stiere gleich sollte er thun; und sein Glück sollte nach Erde riechen und nicht nach Verachtung der Erde.
Als weissen Stier möchte ich ihn sehn, wie er schnaubend und brüllend der Pflugschar vorangeht: und sein Gebrüll sollte noch alles Irdische preisen!
Dunkel noch ist sein Antlitz; der Hand Schatten spielt auf ihm. Verschattet ist noch der Sinn seines Auges.
Seine That selber ist noch der Schatten auf ihm: die Hand verdunkelt den Handelnden. Noch hat er seine That nicht überwunden.
Wohl liebe ich an ihm den Nacken des Stiers: aber nun will ich auch noch das Auge des Engels sehn.
Auch seinen Helden-Willen muss er noch verlernen: ein Gehobener soll er mir sein und nicht nur ein Erhabener: — Aether selber sollte ihn heben, den Willenlosen!
Er bezwang Unthiere, er löste Räthsel: aber erlösen sollte er auch noch seine Unthiere und Räthsel, zu himmlischen Kindern sollte er sie noch verwandeln.
Noch hat seine Erkenntniss nicht lächeln gelernt und ohne Eifersucht sein; noch ist seine strömende Leidenschaft nicht stille geworden in der Schönheit.
Wahrlich, nicht in der Sattheit soll sein Verlangen schweigen und untertauchen, sondern in der Schönheit! Die Anmuth gehört zur Grossmuth des Grossgesinnten.
Den Arm über das Haupt gelegt: so sollte der Held ausruhn, so sollte er auch noch sein Ausruhen überwinden.
Aber gerade dem Helden ist das Schöne aller Dinge Schwerstes. Unerringbar ist das Schöne allem heftigen Willen.
Ein Wenig mehr, ein Wenig weniger: das gerade ist hier Viel, das ist hier das Meiste.
Mit lässigen Muskeln stehn und mit abgeschirrtem Willen: das ist das Schwerste euch Allen, ihr Erhabenen!
Wenn die Macht gnädig wird und herabkommt in's Sichtbare: Schönheit heisse ich solches Herabkommen.
Und von Niemandem will ich so als von dir gerade Schönheit, du Gewaltiger: deine Güte sei deine letzte Selbst-Überwältigung.
Alles Böse traue ich dir zu: darum will ich von dir das Gute.
Wahrlich, ich lachte oft der Schwächlinge, welche sich gut glauben, weil sie lahme Tatzen haben!
Der Säule Tugend sollst du nachstreben: schöner wird sie immer und zarter, aber inwendig härter und tragsamer, je mehr sie aufsteigt.
Ja, du Erhabener, einst sollst du noch schön sein und deiner eignen Schönheit den Spiegel vorhalten.
Dann wird deine Seele vor göttlichen Begierden schaudern; und Anbetung wird noch in deiner Eitelkeit sein!
Diess nämlich ist das Geheimniss der Seele: erst, wenn sie der Held verlassen hat, naht ihr, im Traume, — der Über-Held.
Also sprach Zarathustra.
Vom Lande der Bildung.
Zu weit hinein flog ich in die Zukunft: ein Grauen überfiel mich.
Und als ich um mich sah, siehe! da war die Zeit mein einziger Zeitgenosse.
Da floh ich rückwärts, heimwärts — und immer eilender: so kam ich zu euch, ihr Gegenwärtigen, und in's Land der Bildung.
Zum ersten Male brachte ich ein Auge mit für euch, und gute Begierde: wahrlich, mit Sehnsucht im Herzen kam ich.
Aber wie geschah mir? So angst mir auch war, — ich musste lachen! Nie sah mein Auge etwas so Buntgesprenkeltes!
Ich lachte und lachte, während der Fuss mir noch zitterte und das Herz dazu: „hier ist ja die Heimat aller Farbentöpfe!“ — sagte ich.
Mit fünfzig Klexen bemalt an Gesicht und Gliedern: so sasset ihr da zu meinem Staunen, ihr Gegenwärtigen!
Und mit fünfzig Spiegeln um euch, die eurem Farbenspiele schmeichelten und nachredeten!
Wahrlich, ihr könntet gar keine bessere Maske tragen, ihr Gegenwärtigen, als euer eignes Gesicht ist! Wer könnte euch — erkennen!
Vollgeschrieben mit den Zeichen der Vergangenheit, und auch diese Zeichen überpinselt mit neuen Zeichen: also habt ihr euch gut versteckt vor allen Zeichendeutern!
Und wenn man auch Nierenprüfer ist: wer glaubt wohl noch, dass ihr Nieren habt! Aus Farben scheint ihr gebacken und aus geleimten Zetteln.
Alle Zeiten und Völker blicken bunt aus euren Schleiern; alle Sitten und Glauben reden bunt aus euren Gebärden.
Wer von euch Schleier und Überwürfe und Farben und Gebärden abzöge: gerade genug würde er übrig behalten, um die Vögel damit zu erschrecken.
Wahrlich, ich selber bin der erschreckte Vogel, der euch einmal nackt sah und ohne Farbe; und ich flog davon, als das Gerippe mir Liebe zuwinkte.
Lieber wollte ich doch noch Tagelöhner sein in der Unterwelt und bei den Schatten des Ehemals! — feister und voller als ihr sind ja noch die Unterweltlichen!
Diess, ja diess ist Bitterniss meinen Gedärmen, dass ich euch weder nackt, noch bekleidet aushalte, ihr Gegenwärtigen!
Alles Unheimliche der Zukunft, und was je verflogenen Vögeln Schauder machte, ist wahrlich heimlicher noch und traulicher als eure „Wirklichkeit“.
Denn so sprecht ihr: „Wirkliche sind wir ganz, und ohne Glauben und Aberglauben“: also brüstet ihr euch — ach, auch noch ohne Brüste!
Ja, wie solltet ihr glauben können, ihr Buntgesprenkelten! — die ihr Gemälde seid von Allem, was je geglaubt wurde!
Wandelnde Widerlegungen seid ihr des Glaubens selber, und aller Gedanken Gliederbrechen. Unglaubwürdige: also heisse ich euch, ihr Wirklichen!
Alle Zeiten schwätzen wider einander in euren Geistern; und aller Zeiten Träume und Geschwätz waren wirklicher noch als euer Wachsein ist!
Unfruchtbare seid ihr: darum fehlt es euch an Glauben. Aber wer schaffen musste, der hatte auch immer seine Wahr-Träume und Stern-Zeichen — und glaubte an Glauben! —
Halboffne Thore seid ihr, an denen Todtengräber warten. Und das ist eure Wirklichkeit: „Alles ist werth, dass es zu Grunde geht.“
Ach, wie ihr mir dasteht, ihr Unfruchtbaren, wie mager in den Rippen! Und Mancher von euch hatte wohl dessen selber ein Einsehen.
Und er sprach: „es hat wohl da ein Gott, als ich schlief, mir heimlich Etwas entwendet? Wahrlich, genug, sich ein Weibchen daraus zu bilden!
Wundersam ist die Armuth meiner Rippen!“ also sprach schon mancher Gegenwärtige.
Ja, zum Lachen seid ihr mir, ihr Gegenwärtigen! Und sonderlich, wenn ihr euch über euch selber wundert!
Und wehe mir, wenn ich nicht lachen könnte über eure Verwunderung, und alles Widrige aus euren Näpfen hinunter trinken müsste!
So aber will ich's mit euch leichter nehmen, da ich Schweres zu tragen habe; und was thut's mir, wenn sich Käfer und Flügelwürmer noch auf mein Bündel setzen!
Wahrlich, es soll mir darob nicht schwerer werden! Und nicht aus euch, ihr Gegenwärtigen, soll mir die grosse Müdigkeit kommen. —
Ach, wohin soll ich nun noch steigen mit meiner Sehnsucht! Von allen Bergen schaue ich aus nach Vater- und Mutterländern.
Aber Heimat fand ich nirgends: unstät bin ich in allen Städten und ein Aufbruch an allen Thoren.
Fremd sind mir und ein Spott die Gegenwärtigen, zu denen mich jüngst das Herz trieb; und vertrieben bin ich aus Vater- und Mutterländern.
So liebe ich allein noch meiner Kinder Land, das unentdeckte, im fernsten Meere: nach ihm heisse ich meine Segel suchen und suchen.
An meinen Kindern will ich es gut machen, dass ich meiner Väter Kind bin: und an aller Zukunft — diese Gegenwart!
Also sprach Zarathustra.
Von der unbefleckten Erkenntniss.
Als gestern der Mond aufgieng, wähnte ich, dass er eine Sonne gebären wolle: so breit und trächtig lag er am Horizonte.
Aber ein Lügner war er mir mit seiner Schwangerschaft; und eher noch will ich an den Mann im Monde glauben als an das Weib.
Freilich, wenig Mann ist er auch, dieser schüchterne Nachtschwärmer. Wahrlich, mit schlechtem Gewissen wandelt er über die Dächer.
Denn er ist lüstern und eifersüchtig, der Mönch im Monde, lüstern nach der Erde und nach allen Freuden der Liebenden.
Nein, ich mag ihn nicht, diesen Kater auf den Dächern! Widerlich sind mir Alle, die um halbverschlossne Fenster schleichen!
Fromm und schweigsam wandelt er hin auf Sternen-Teppichen: — aber ich mag alle leisetretenden Mannsfüsse nicht, an denen auch nicht ein Sporen klirrt.
Jedes Redlichen Schritt redet; die Katze aber stiehlt sich über den Boden weg. Siehe, katzenhaft kommt der Mond daher und unredlich. —
Dieses Gleichniss gebe ich euch empfindsamen Heuchlern, euch, den „Rein-Erkennenden!“ Euch heisse ich — Lüsterne!
Auch ihr liebt die Erde und das Irdische: ich errieth euch wohl! — aber Scham ist in eurer Liebe und schlechtes Gewissen, — dem Monde gleicht ihr!
Zur Verachtung des Irdischen hat man euren Geist überredet, aber nicht eure Eingeweide: die aber sind das Stärkste an euch!
Und nun schämt sich euer Geist, dass er euren Eingeweiden zu Willen ist und geht vor seiner eignen Scham Schleich- und Lügenwege.
„Das wäre mir das Höchste — also redet euer verlogner Geist zu sich — auf das Leben ohne Begierde zu schaun und nicht gleich dem Hunde mit hängender Zunge:
„Glücklich zu sein im Schauen, mit erstorbenem Willen, ohne Griff und Gier der Selbstsucht — kalt und aschgrau am ganzen Leibe, aber mit trunkenen Mondesaugen!“
„Das wäre mir das Liebste. — also verführt sich selber der Verführte — die Erde zu lieben, wie der Mond sie liebt und nur mit dem Auge allein ihre Schönheit zu betasten.
„Und das heisse mir aller Dinge unbefleckte Erkenntniss, dass ich von den Dingen Nichts will: ausser dass ich vor ihnen da liegen darf wie ein Spiegel mit hundert Augen.“ —
Oh, ihr empfindsamen Heuchler, ihr Lüsternen! Euch fehlt die Unschuld in der Begierde: und nun verleumdet ihr drum das Begehren!
Wahrlich, nicht als Schaffende, Zeugende, Werdelustige liebt ihr die Erde!
Wo ist Unschuld? Wo der Wille zur Zeugung ist. Und wer über sich hinaus schaffen will, der hat mir den reinsten Willen.
Wo ist Schönheit? Wo ich mit allem Willen wollen muss; wo ich lieben und untergehn will, dass ein Bild nicht nur Bild bleibe.
Lieben und Untergehn: das reimt sich seit Ewigkeiten. Wille zur Liebe: das ist, willig auch sein zum Tode. Also rede ich zu euch Feiglingen!
Aber nun will euer entmanntes Schielen „Beschaulichkeit“ heissen! Und was mit feigen Augen sich tasten lässt, soll „schön“ getauft werden! Oh, ihr Beschmutzer edler Namen!
Aber das soll euer Fluch sein, ihr Unbefleckten, ihr Rein-Erkennenden, dass ihr nie gebären werdet: und wenn ihr auch breit und trächtig am Horizonte liegt!
Wahrlich, ihr nehmt den Mund voll mit edlen Worten: und wir sollen glauben, dass euch das Herz übergehe, ihr Lügenbolde?
Aber meine Worte sind geringe, verachtete, krumme Worte: gerne nehme ich auf, was bei eurer Mahlzeit unter den Tisch fällt.
Immer noch kann ich mit ihnen — Heuchlern die Wahrheit sagen! Ja, meine Gräten, Muscheln und Stachelblätter sollen — Heuchlern die Nasen kitzeln!
Schlechte Luft ist immer um euch und eure Mahlzeiten: eure lüsternen Gedanken, eure Lügen und Heimlichkeiten sind ja in der Luft!
Wagt es doch erst, euch selber zu glauben — euch und euren Eingeweiden! Wer sich selber nicht glaubt, lügt immer.
Eines Gottes Larve hängtet ihr um vor euch selber, ihr „Reinen“: in eines Gottes Larve verkroch sich euer greulicher Ringelwurm.
Wahrlich, ihr täuscht, ihr „Beschaulichen“! Auch Zarathustra war einst der Narr eurer göttlichen Häute; nicht errieth er das Schlangengeringel, mit denen sie gestopft waren.
Eines Gottes Seele wähnte ich einst spielen zu sehn in euren Spielen, ihr Rein-Erkennenden! Keine bessere Kunst wähnte ich einst als eure Künste!
Schlangen-Unflath und schlimmen Geruch verhehlte mir die Ferne: und dass einer Eidechse List lüstern hier herumschlich.
Aber ich kam euch nah: da kam mir der Tag — und nun kommt er euch, — zu Ende gieng des Mondes Liebschaft!
Seht doch hin! Ertappt und bleich steht er da — vor der Morgenröthe!
Denn schon kommt sie, die Glühende, — ihre Liebe zur Erde kommt! Unschuld und Schöpfer-Begier ist alle Sonnen-Liebe!
Seht doch hin, wie sie ungeduldig über das Meer kommt! Fühlt ihr den Durst und den heissen Athem ihrer Liebe nicht?
Am Meere will sie saugen und seine Tiefe zu sich in die Höhe trinken: da hebt sich die Begierde des Meeres mit tausend Brüsten.
Geküsst und gesaugt will es sein vom Durste der Sonne; Luft will es werden und Höhe und Fusspfad des Lichts und selber Licht!
Wahrlich, der Sonne gleich liebe ich das Leben und alle tiefen Meere.
Und diess heisst mir Erkenntniss: alles Tiefe soll hinauf — zu meiner Höhe!
Also sprach Zarathustra.
Von den Gelehrten.
Als ich im Schlafe lag, da frass ein Schaf am Epheukranze meines Hauptes, — frass und sprach dazu: „Zarathustra ist kein Gelehrter mehr.“
Sprach's und gieng stotzig davon und stolz. Ein Kind erzählte mir's.
Gerne liege ich hier, wo die Kinder spielen, an der zerbrochnen Mauer, unter Disteln und rothen Mohnblumen.
Ein Gelehrter bin ich den Kindern noch und auch den Disteln und rothen Mohnblumen. Unschuldig sind sie, selbst noch in ihrer Bosheit.
Aber den Schafen bin ich's nicht mehr: so will es mein Loos — gesegnet sei es!
Denn diess ist die Wahrheit: ausgezogen bin ich aus dem Hause der Gelehrten: und die Thür habe ich noch hinter mir zugeworfen.
Zu lange sass meine Seele hungrig an ihrem Tische; nicht, gleich ihnen, bin ich auf das Erkennen abgerichtet wie auf das Nüsseknacken.
Freiheit liebe ich und die Luft über frischer Erde; lieber noch will ich auf Ochsenhäuten schlafen, als auf ihren Würden und Achtbarkeiten.
Ich bin zu heiss und verbrannt von eigenen Gedanken: oft will es mir den Athem nehmen. Da muss ich in's Freie und weg aus allen verstaubten Stuben.
Aber sie sitzen kühl in kühlem Schatten: sie wollen in Allem nur Zuschauer sein und hüten sich dort zu sitzen, wo die Sonne auf die Stufen brennt.
Gleich Solchen, die auf der Strasse stehn und die Leute angaffen, welche vorübergehn: also warten sie auch und gaffen Gedanken an, die Andre gedacht haben.
Greift man sie mit Händen, so stäuben sie um sich gleich Mehlsäcken, und unfreiwillig: aber wer erriethe wohl, dass ihr Staub vom Korne stammt und von der gelben Wonne der Sommerfelder?
Geben sie sich weise, so fröstelt mich ihrer kleinen Sprüche und Wahrheiten: ein Geruch ist oft an ihrer Weisheit, als ob sie aus dem Sumpfe stamme: und wahrlich, ich hörte auch schon den Frosch aus ihr quaken!
Geschickt sind sie, sie haben kluge Finger: was will meine Einfalt bei ihrer Vielfalt! Alles Fädeln und Knüpfen und Weben verstehn ihre Finger: also wirken sie die Strümpfe des Geistes!
Gute Uhrwerke sind sie: nur sorge man, sie richtig aufzuziehn! Dann zeigen sie ohne Falsch die Stunde an und machen einen bescheidnen Lärm dabei.
Gleich Mühlwerken arbeiten sie und Stampfen: man werfe ihnen nur seine Fruchtkörner zu! — sie wissen schon, Korn klein zu mahlen und weissen Staub daraus zu machen.
Sie sehen einander gut auf die Finger und trauen sich nicht zum Besten. Erfinderisch in kleinen Schlauheiten warten sie auf Solche, deren Wissen auf lahmen Füssen geht, — gleich Spinnen warten sie.
Ich sah sie immer mit Vorsicht Gift bereiten; und immer zogen sie gläserne Handschuhe dabei an ihre Finger.
Auch mit falschen Würfeln wissen sie zu spielen; und so eifrig fand ich sie spielen, dass sie dabei schwitzten.
Wir sind einander fremd, und ihre Tugenden gehn mir noch mehr wider den Geschmack, als ihre Falschheiten und falschen Würfel.
Und als ich bei ihnen wohnte, da wohnte ich über ihnen. Darüber wurden sie mir gram.
Sie wollen Nichts davon hören, dass Einer über ihren Köpfen wandelt; und so legten sie Holz und Erde und Unrath zwischen mich und ihre Köpfe.
Also dämpften sie den Schall meiner Schritte: und am schlechtesten wurde ich bisher von den Gelehrtesten gehört.
Aller Menschen Fehl und Schwäche legten sie zwischen sich und mich: — „Fehlboden“ heissen sie das in ihren Häusern.
Aber trotzdem wandele ich mit meinen Gedanken über ihren Köpfen; und selbst, wenn ich auf meinen eignen Fehlern wandeln wollte, würde ich noch über ihnen sein und ihren Köpfen.
Denn die Menschen sind nicht gleich: so spricht die Gerechtigkeit. Und was ich will, dürften sie nicht wollen!
Also sprach Zarathustra.
Von den Dichtern.
„Seit ich den Leib besser kenne, — sagte Zarathustra zu einem seiner Jünger — ist mir der Geist nur noch gleichsam Geist; und alles das „Unvergängliche“ — das ist auch nur ein Gleichniss.“
„So hörte ich dich schon einmal sagen, antwortete der Jünger; und damals fügtest du hinzu: „aber die Dichter lügen zuviel.“ Warum sagtest du doch, dass die Dichter zuviel lügen?
„Warum? sagte Zarathustra. Du fragst warum? Ich gehöre nicht zu Denen, welche man nach ihrem Warum fragen darf.
Ist denn mein Erleben von Gestern? Das ist lange her, dass ich die Gründe meiner Meinungen erlebte.
Müsste ich nicht ein Fass sein von Gedächtniss, wenn ich auch meine Gründe bei mir haben wollte?
Schon zuviel ist mir's, meine Meinungen selber zu behalten; und mancher Vogel fliegt davon.
Und mitunter finde ich auch ein zugeflogenes Thier in meinem Taubenschlage, das mir fremd ist, und das zittert, wenn ich meine Hand darauf lege.
Doch was sagte dir einst Zarathustra? Dass die Dichter zuviel lügen? — Aber auch Zarathustra ist ein Dichter.
Glaubst du nun, dass er hier die Wahrheit redete? Warum glaubst du das?“
Der Jünger antwortete: „ich glaube an Zarathustra.“ Aber Zarathustra schüttelte den Kopf und lächelte.
„Der Glaube macht mich nicht selig, sagte er, zumal nicht der Glaube an mich.
Aber gesetzt, dass Jemand allen Ernstes sagte, die Dichter lügen zuviel: so hat er Recht, — wir lügen zuviel.
Wir wissen auch zu wenig und sind schlechte Lerner: so müssen wir schon lügen.
Und wer von uns Dichtern hätte nicht seinen Wein verfälscht? Manch giftiger Mischmasch geschah in unsern Kellern, manches Unbeschreibliche ward da gethan.
Und weil wir wenig wissen, so gefallen uns von Herzen die geistig Armen, sonderlich wenn es junge Weibchen sind!
Und selbst nach den Dingen sind wir noch begehrlich, die sich die alten Weibchen Abends erzählen. Das heissen wir selber an uns das Ewig-Weibliche.
Und als ob es einen besondren geheimen Zugang zum Wissen gäbe, der sich Denen verschütte, welche Etwas lernen: so glauben wir an das Volk und seine „Weisheit.“
Das aber glauben alle Dichter: dass wer im Grase oder an einsamen Gehängen liegend die Ohren spitze, Etwas von den Dingen erfahre, die zwischen Himmel und Erde sind.
Und kommen ihnen zärtliche Regungen, so meinen die Dichter immer, die Natur selber sei in sie verliebt:
Und sie schleiche zu ihrem Ohre, Heimliches hinein zu sagen und verliebte Schmeichelreden: dessen brüsten und blähen sie sich vor allen Sterblichen!
Ach, es giebt so viel Dinge zwischen Himmel und Erden, von denen sich nur die Dichter Etwas haben träumen lassen!
Und zumal über dem Himmel: denn alle Götter sind Dichter-Gleichniss, Dichter-Erschleichniss!
Wahrlich, immer zieht es uns hinan — nämlich zum Reich der Wolken: auf diese setzen wir unsre bunten Bälge und heissen sie dann Götter und Übermenschen: —
Sind sie doch gerade leicht genug für diese Stühle! — alle diese Götter und Übermenschen.
Ach, wie bin ich all des Unzulänglichen müde, das durchaus Ereigniss sein soll! Ach, wie bin ich der Dichter müde!
Als Zarathustra so sprach, zürnte ihm sein Jünger, aber er schwieg. Und auch Zarathustra schwieg; und sein Auge hatte sich nach innen gekehrt, gleich als ob es in weite Fernen sähe. Endlich seufzte er und holte Athem.
Ich bin von Heute und Ehedem, sagte er dann; aber Etwas ist in mir, das ist von Morgen und Übermorgen und Einstmals.
Ich wurde der Dichter müde, der alten und der neuen: Oberflächliche sind sie mir Alle und seichte Meere.
Sie dachten nicht genug in die Tiefe: darum sank ihr Gefühl nicht bis zu den Gründen.
Etwas Wollust und etwas Langeweile: das ist noch ihr bestes Nachdenken gewesen.
Gespenster-Hauch und -Huschen gilt mir all ihr Harfen-Klingklang; was wussten sie bisher von der Inbrunst der Töne! —
Sie sind mir auch nicht reinlich genug: sie trüben Alle ihr Gewässer, dass es tief scheine.
Und gerne geben sie sich damit als Versöhner: aber Mittler und Mischer bleiben sie mir und Halb-und-Halbe und Unreinliche! —
Ach, ich warf wohl mein Netz in ihre Meere und wollte gute Fische fangen; aber immer zog ich eines alten Gottes Kopf herauf.
So gab dem Hungrigen das Meer einen Stein. Und sie selber mögen wohl aus dem Meere stammen.
Gewiss, man findet Perlen in ihnen: um so ähnlicher sind sie selber harten Schalthieren. Und statt der Seele fand ich oft bei ihnen gesalzenen Schleim.
Sie lernten vom Meere auch noch seine Eitelkeit: ist nicht das Meer der Pfau der Pfauen?
Noch vor dem hässlichsten aller Büffel rollt es seinen Schweif hin, nimmer wird es seines Spitzenfächers von Silber und Seide müde.
Trutzig blickt der Büffel dazu, dem Sande nahe in seiner Seele, näher noch dem Dickicht, am nächsten aber dem Sumpfe.
Was ist ihm Schönheit und Meer und Pfauen-Zierath! Dieses Gleichniss sage ich den Dichtern.
Wahrlich, ihr Geist selber ist der Pfau der Pfauen und ein Meer von Eitelkeit!
Zuschauer will der Geist des Dichters: sollten's auch Büffel sein! —
Aber dieses Geistes wurde ich müde: und ich sehe kommen, dass er seiner selber müde wird.
Verwandelt sah ich schon die Dichter und gegen sich selber den Blick gerichtet.
Büsser des Geistes sah ich kommen: die wuchsen aus ihnen.
Also sprach Zarathustra.
Von grossen Ereignissen.
Es giebt eine Insel im Meere — unweit den glückseligen Inseln Zarathustra's — auf welcher beständig ein Feuerberg raucht; von der sagt das Volk, und sonderlich sagen es die alten Weibchen aus dem Volke, dass sie wie ein Felsblock vor das Thor der Unterwelt gestellt sei: durch den Feuerberg selber aber führe der schmale Weg abwärts, der zu diesem Thore der Unterwelt geleite.
Um jene Zeit nun, als Zarathustra auf den glückseligen Inseln weilte, geschah es, dass ein Schiff an der Insel Anker warf, auf welcher der rauchende Berg steht; und seine Mannschaft gieng an's Land, um Kaninchen zu schiessen. Gegen die Stunde des Mittags aber, da der Capitän und seine Leute wieder beisammen waren, sahen sie plötzlich durch die Luft einen Mann auf sich zukommen, und eine Stimme sagte deutlich: „es ist Zeit! Es ist die höchste Zeit!“ Wie die Gestalt ihnen aber am nächsten war — sie flog aber schnell gleich einem Schatten vorbei, in der Richtung, wo der Feuerberg lag — da erkannten sie mit grösster Bestürzung, dass es Zarathustra sei; denn sie hatten ihn Alle schon gesehn, ausgenommen der Capitän selber, und sie liebten ihn, wie das Volk liebt: also dass zu gleichen Theilen Liebe und Scheu beisammen sind.
„Seht mir an! sagte der alte Steuermann, da fährt Zarathustra zur Hölle!“ —
Um die gleiche Zeit, als diese Schiffer an der Feuerinsel landeten, lief das Gerücht umher, dass Zarathustra verschwunden sei; und als man seine Freunde fragte, erzählten sie, er sei bei Nacht zu Schiff gegangen, ohne zu sagen, wohin er reisen wolle.
Also entstand eine Unruhe; nach drei Tagen aber kam zu dieser Unruhe die Geschichte der Schiffsleute hinzu — und nun sagte alles Volk, dass der Teufel Zarathustra geholt habe. Seine Jünger lachten zwar ob dieses Geredes; und einer von ihnen sagte sogar: „eher glaube ich noch, dass Zarathustra sich den Teufel geholt hat.“ Aber im Grunde der Seele waren sie Alle voll Besorgniss und Sehnsucht: so war ihre Freude gross, als am fünften Tage Zarathustra unter ihnen erschien.
Und diess ist die Erzählung von Zarathustra's Gespräch mit dem Feuerhunde.
Die Erde, sagte er, hat eine Haut; und diese Haut hat Krankheiten. Eine dieser Krankheiten heisst zum Beispiel: „Mensch.“
Und eine andere dieser Krankheiten heisst „Feuerhund“: über den haben sich die Menschen Viel vorgelogen und vorlügen lassen.
Diess Geheimniss zu ergründen gieng ich über das Meer: und ich habe die Wahrheit nackt gesehn, wahrlich! barfuss bis zum Halse.
Was es mit dem Feuerhund auf sich hat, weiss ich nun; und insgleichen mit all den Auswurf- und Umsturz-Teufeln, vor denen sich nicht nur alte Weibchen fürchten.
Heraus mit dir, Feuerhund, aus deiner Tiefe! rief ich, und bekenne, wie tief diese Tiefe ist! Woher ist das, was du da heraufschnaubst?
Du trinkst reichlich am Meere: das verräth deine versalzte Beredsamkeit! Fürwahr, für einen Hund der Tiefe nimmst du deine Nahrung zu sehr von der Oberfläche!
Höchstens für den Bauchredner der Erde halt' ich dich: und immer, wenn ich Umsturz- und Auswurf-Teufel reden hörte, fand ich sie gleich dir: gesalzen, lügnerisch und flach.
Ihr versteht zu brüllen und mit Asche zu verdunkeln! Ihr seid die besten Grossmäuler und lerntet sattsam die Kunst, Schlamm heiss zu sieden?
Wo ihr seid, da muss stets Schlamm in der Nähe sein, und viel Schwammichtes, Höhlichtes, Eingezwängtes: das will in die Freiheit.
„Freiheit“ brüllt ihr Alle am liebsten: aber ich verlernte den Glauben an „grosse Ereignisse,“ sobald viel Gebrüll und Rauch um sie herum ist.
Und glaube mir nur, Freund Höllenlärm! Die grössten Ereignisse — das sind nicht unsre lautesten, sondern unsre stillsten Stunden.
Nicht um die Erfinder von neuem Lärme: um die Erfinder von neuen Werthen dreht sich die Welt; unhörbar dreht sie sich.
Und gesteh es nur! Wenig war immer nur geschehn, wenn dein Lärm und Rauch sich verzog. Was liegt daran, dass eine Stadt zur Mumie wurde, und eine Bildsäule im Schlamme liegt!
Und diess Wort sage ich noch den Umstürzern von Bildsäulen. Das ist wohl die grösste Thorheit, Salz in's Meer und Bildsäulen in den Schlamm zu werfen.
Im Schlamme eurer Verachtung lag die Bildsäule: aber das ist gerade ihr Gesetz, dass ihr aus der Verachtung wieder Leben und lebende Schönheit wächst!
Mit göttlicheren Zügen steht sie nun auf und leidendverführerisch; und wahrlich! sie wird euch noch Dank sagen, dass ihr sie umstürztet, ihr Umstürzer!
Diesen Rath aber rathe ich Königen und Kirchen und Allem, was alters- und tugendschwach ist — lasst euch nur umstürzen! Dass ihr wieder zum Leben kommt, und zu euch — die Tugend! —
Also redete ich vor dem Feuerhunde: da unterbrach er mich mürrisch und fragte: „Kirche? Was ist denn das?“
Kirche? antwortete ich, das ist eine Art von Staat, und zwar die verlogenste. Doch schweig still, du Heuchelhund! Du kennst deine Art wohl am besten schon!
Gleich dir selber ist der Staat ein Heuchelhund; gleich dir redet er gern mit Rauch und Gebrülle, — dass er glauben mache, gleich dir, er rede aus dem Bauch der Dinge.
Denn er will durchaus das wichtigste Thier auf Erden sein, der Staat; und man glaubt's ihm auch. —
Als ich das gesagt hatte, gebärdete sich der Feuerhund wie unsinnig vor Neid. „Wie? schrie er, das wichtigste Thier auf Erden? Und man glaubt's ihm auch?“ Und so viel Dampf und grässliche Stimmen kamen ihm aus dem Schlunde, dass ich meinte, er werde vor Ärger und Neid ersticken.
Endlich wurde er stiller, und sein Keuchen liess nach; sobald er aber stille war, sagte ich lachend:
Du ärgerst dich, Feuerhund: also habe ich über dich Recht!
Und dass ich auch noch Recht behalte, so höre von einem andern Feuerhunde: der spricht wirklich aus dem Herzen der Erde.
Gold haucht sein Athem und goldigen Regen: so will's das Herz ihm. Was ist ihm Asche und Rauch und heisser Schleim noch!
Lachen flattert aus ihm wie ein buntes Gewölke; abgünstig ist er deinem Gurgeln und Speien und Grimmen der Eingeweide!
Das Gold aber und das Lachen — das nimmt er aus dem Herzen der Erde: denn dass du's nur weisst, — das Herz der Erde ist von Gold.“
Als diess der Feuerhund vernahm, hielt er's nicht mehr aus, mir zuzuhören. Beschämt zog er seinen Schwanz ein, sagte auf eine kleinlaute Weise Wau! Wau! und kroch hinab in seine Höhle. —
Also erzählte Zarathustra. Seine Jünger aber hörten ihm kaum zu: so gross war ihre Begierde, ihm von den Schiffsleuten, den Kaninchen und dem fliegenden Manne zu erzählen.
„Was soll ich davon denken! sagte Zarathustra. Bin ich denn ein Gespenst?
Aber es wird mein Schatten gewesen sein. Ihr hörtet wohl schon Einiges vom Wanderer und seinem Schatten?
Sicher aber ist das: ich muss ihn kürzer halten, — er verdirbt mir sonst noch den Ruf.“
Und nochmals schüttelte Zarathustra den Kopf und wunderte sich. „Was soll ich davon denken!“ sagte er nochmals.
Warum schrie denn das Gespenst: es ist Zeit! Es ist die höchste Zeit!
Wozu ist es denn — höchste Zeit?“ —
Also sprach Zarathustra.
Der Wahrsager.
„— und ich sahe eine grosse Traurigkeit über die Menschen kommen. Die Besten wurden ihrer Werke müde.
Eine Lehre ergieng, ein Glauben lief neben ihr: „Alles ist leer, Alles ist gleich, Alles war!“
Und von allen Hügeln klang es wieder: „Alles ist leer, Alles ist gleich, Alles war!“
Wohl haben wir geerntet: aber warum wurden alle Früchte uns faul und braun? Was fiel vom bösen Monde bei der letzten Nacht hernieder?
Umsonst war alle Arbeit, Gift ist unser Wein geworden, böser Blick sengte unsre Felder und Herzen gelb.
Trocken wurden wir Alle; und fällt Feuer auf uns, so stäuben wir der Asche gleich: — ja das Feuer selber machten wir müde.
Alle Brunnen versiegten uns, auch das Meer wich zurück. Aller Grund will reissen, aber die Tiefe will nicht schlingen!
„Ach, wo ist noch ein Meer, in dem man ertrinken könnte“: so klingt unsre Klage — hinweg über flache Sümpfe.
Wahrlich, zum Sterben wurden wir schon zu müde; nun wachen wir noch und leben fort — in Grabkammern!“ —
Also hörte Zarathustra einen Wahrsager reden; und seine Weissagung gieng ihm zu Herzen und verwandelte ihn. Traurig gieng er umher und müde; und er wurde Denen gleich, von welchen der Wahrsager geredet hatte.
Wahrlich, so sagte er zu seinen Jüngern, es ist um ein Kleines, so kommt diese lange Dämmerung. Ach, wie soll ich mein Licht hinüber retten!
Dass es mir nicht ersticke in dieser Traurigkeit! Ferneren Welten soll es ja Licht sein und noch fernsten Nächten!
Dergestalt im Herzen bekümmert gieng Zarathustra umher; und drei Tage lang nahm er nicht Trank und Speise zu sich, hatte keine Ruhe und verlor die Rede. Endlich geschah es, dass er in einen tiefen Schlaf verfiel. Seine Jünger aber sassen um ihn in langen Nachtwachen und warteten mit Sorge, ob er wach werde und wieder rede und genesen sei von seiner Trübsal.
Diess aber ist die Rede, welche Zarathustra sprach, als er aufwachte; seine Stimme aber kam zu seinen Jüngern wie aus weiter Ferne.
Hört mir doch den Traum, den ich träumte, ihr Freunde, und helft mir seinen Sinn rathen!
Ein Räthsel ist er mir noch, dieser Traum; sein Sinn ist verborgen in ihm und eingefangen und fliegt noch nicht über ihn hin mit freien Flügeln.
Allem Leben hatte ich abgesagt, so träumte mir. Zum Nacht- und Grabwächter war ich worden, dort auf der einsamen Berg-Burg des Todes.
Droben hütete ich seine Särge: voll standen die dumpfen Gewölbe von solchen Siegeszeichen. Aus gläsernen Särgen blickte mich überwundenes Leben an.
Den Geruch verstaubter Ewigkeiten athmete ich: schwül und verstaubt lag meine Seele. Und wer hätte dort auch seine Seele lüften können!
Helle der Mitternacht war immer um mich, Einsamkeit kauerte neben ihr; und, zudritt, röchelnde Todesstille, die schlimmste meiner Freundinnen.
Schlüssel führte ich, die rostigsten aller Schlüssel; und ich verstand es, damit das knarrendste aller Thore zu öffnen.
Einem bitterbösen Gekrächze gleich lief der Ton durch die langen Gänge, wenn sich des Thores Flügel hoben: unhold schrie dieser Vogel, ungern wollte er geweckt sein.
Aber furchtbarer noch und herzzuschnürender war es, wenn es wieder schwieg und rings stille ward, und ich allein sass in diesem tückischen Schweigen.
So gieng mir und schlich die Zeit, wenn Zeit es noch gab: was weiss ich davon! Aber endlich geschah das, was mich weckte.
Dreimal schlugen Schläge an's Thor, gleich Donnern, es hallten und heulten die Gewölbe dreimal wieder: da gieng ich zum Thore.
Alpa! rief ich, wer trägt seine Asche zu Berge? Alpa! Alpa! Wer trägt seine Asche zu Berge?
Und ich drückte den Schlüssel und hob am Thore und mühte mich. Aber noch keinen Fingerbreit stand es offen:
Da riss ein brausender Wind seine Flügel aus einander: pfeifend, schrillend und schneidend warf er mir einen schwarzen Sarg zu:
Und im Brausen und Pfeifen und Schrillen zerbarst der Sarg und spie tausendfältiges Gelächter aus.
Und aus tausend Fratzen von Kindern, Engeln, Eulen, Narren und kindergrossen Schmetterlingen lachte und höhnte und brauste es wider mich.
Grässlich erschrak ich darob: es warf mich nieder. Und ich schrie vor Grausen, wie nie ich schrie.
Aber der eigne Schrei weckte mich auf: — und ich kam zu mir. —
Also erzählte Zarathustra seinen Traum und schwieg dann: denn er wusste noch nicht die Deutung seines Traumes. Aber der Jünger, den er am meisten lieb hatte, erhob sich schnell, fasste die Hand Zarathustra's und sprach:
„Dein Leben selber deutet uns diesen Traum, oh Zarathustra!
Bist du nicht selber der Wind mit schrillem Pfeifen, der den Burgen des Todes die Thore aufreisst?
Bist du nicht selber der Sarg voll bunter Bosheiten und Engelsfratzen des Lebens?
Wahrlich, gleich tausendfältigem Kindsgelächter kommt Zarathustra in alle Todtenkammern, lachend über diese Nacht- und Grabwächter, und wer sonst mit düstern Schlüsseln rasselt.
Schrecken und umwerfen wirst du sie mit deinem Gelächter; Ohnmacht und Wachwerden wird deine Macht über sie beweisen.
Und auch, wenn die lange Dämmerung kommt und die Todesmüdigkeit, wirst du an unserm Himmel nicht untergehn, du Fürsprecher des Lebens!
Neue Sterne liessest du uns sehen und neue Nachtherrlichkeiten; wahrlich, das Lachen selber spanntest du wie ein buntes Gezelt über uns.
Nun wird immer Kindes-Lachen aus Särgen quellen; nun wird immer siegreich ein starker Wind kommen aller Todesmüdigkeit: dessen bist du uns selber Bürge und Wahrsager!
Wahrlich, sie selber träumtest du, deine Feinde: das war dein schwerster Traum!
Aber wie du von ihnen aufwachtest und zu dir kamst, also sollen sie selber von sich aufwachen — und zu dir kommen!“ —
So sprach der Jünger; und alle Anderen drängten sich nun um Zarathustra und ergriffen ihn bei den Händen und wollten ihn bereden, dass er vom Bette und von der Traurigkeit lasse und zu ihnen zurückkehre. Zarathustra aber sass aufgerichtet auf seinem Lager, und mit fremdem Blicke. Gleichwie Einer, der aus langer Fremde heimkehrt, sah er auf seine Jünger und prüfte ihre Gesichter; und noch erkannte er sie nicht. Als sie aber ihn hoben und auf die Füsse stellten, siehe, da verwandelte sich mit Einem Male sein Auge; er begriff Alles, was geschehen war, strich sich den Bart und sagte mit starker Stimme: „Wohlan! Diess nun hat seine Zeit; sorgt mir aber dafür, meine Jünger, dass wir eine gute Mahlzeit machen, und in Kürze! Also gedenke ich Busse zu thun für schlimme Träume!
Der Wahrsager aber soll an meiner Seite essen und trinken: und wahrlich, ich will ihm noch ein Meer zeigen, in dem er ertrinken kann!“
Also sprach Zarathustra. Darauf aber blickte er dem Jünger, welcher den Traumdeuter abgegeben hatte, lange in's Gesicht und schüttelte dabei den Kopf. —
Von der Erlösung.
Als Zarathustra eines Tags über die grosse Brücke gieng, umringten ihn die Krüppel und Bettler, und ein Bucklichter redete also zu ihm:
Siehe, Zarathustra! Auch das Volk lernt von dir und gewinnt Glauben an deine Lehre: aber dass es ganz dir glauben soll, dazu bedarf es noch Eines — du musst erst noch uns Krüppel überreden! Hier hast du nun eine schöne Auswahl und wahrlich, eine Gelegenheit mit mehr als Einem Schopfe! Blinde kannst du heilen und Lahme laufen machen; und Dem, der zuviel hinter sich hat, könntest du wohl auch ein Wenig abnehmen: — das, meine ich, wäre die rechte Art, die Krüppel an Zarathustra glauben zu machen!“
Zarathustra aber erwiderte Dem, der da redete, also: Wenn man dem Bucklichten seinen Buckel nimmt, so nimmt man ihm seinen Geist — also lehrt das Volk. Und wenn man dem Blinden seine Augen giebt, so sieht er zuviel schlimme Dinge auf Erden: also dass er Den verflucht, der ihn heilte. Der aber, welcher den Lahmen laufen macht, der thut ihm den grössten Schaden an: denn kaum kann er laufen, so gehn seine Laster mit ihm durch — also lehrt das Volk über Krüppel. Und warum sollte Zarathustra nicht auch vom Volke lernen, wenn das Volk von Zarathustra lernt?
Das ist mir aber das Geringste, seit ich unter Menschen bin, dass ich sehe: „Diesem fehlt ein Auge und Jenem ein Ohr und einem Dritten das Bein, und Andre giebt es, die verloren die Zunge oder die Nase oder den Kopf.“
Ich sehe und sah Schlimmeres und mancherlei so Abscheuliches, dass ich nicht von Jeglichem reden und von Einigem nicht einmal schweigen möchte: nämlich Menschen, denen es an Allem fehlt, ausser dass sie Eins zuviel haben — Menschen, welche Nichts weiter sind als ein grosses Auge, oder ein grosses Maul oder ein grosser Bauch oder irgend etwas Grosses, — umgekehrte Krüppel heisse ich Solche.
Und als ich aus meiner Einsamkeit kam und zum ersten Male über diese Brücke gieng: da traute ich meinen Augen nicht und sah hin, und wieder hin, und sagte endlich: „das ist ein Ohr! Ein Ohr, so gross wie ein Mensch!“ Ich sah noch besser hin: und wirklich, unter dem Ohre bewegte sich noch Etwas, das zum Erbarmen klein und ärmlich und schmächtig war. Und wahrhaftig, das ungeheure Ohr sass auf einem kleinen dünnen Stiele, — der Stiel aber war ein Mensch! Wer ein Glas vor das Auge nahm, konnte sogar noch ein kleines neidisches Gesichtchen erkennen; auch, dass ein gedunsenes Seelchen am Stiele baumelte. Das Volk sagte mir aber, das grosse Ohr sei nicht nur ein Mensch, sondern ein grosser Mensch, ein Genie. Aber ich glaubte dem Volke niemals, wenn es von grossen Menschen redete — und behielt meinen Glauben bei, dass es ein umgekehrter Krüppel sei, der an Allem zu wenig und an Einem zu viel habe.“
Als Zarathustra so zu dem Bucklichten geredet hatte und zu Denen, welchen er Mundstück und Fürsprecher war, wandte er sich mit tiefem Unmuthe zu seinen Jüngern und sagte:
Wahrlich, meine Freunde, ich wandle unter den Menschen wie unter den Bruchstücken und Gliedmaassen von Menschen!
Diess ist meinem Auge das Fürchterliche, dass ich den Menschen zertrümmert finde und zerstreuet wie über ein Schlacht- und Schlächterfeld hin.
Und flüchtet mein Auge vom Jetzt zum Ehemals: es findet immer das Gleiche: Bruchstücke und Gliedmaassen und grause Zufälle — aber keine Menschen!
Das Jetzt und das Ehemals auf Erden — ach! meine Freunde — das ist mein Unerträglichstes; und ich wüsste nicht zu leben, wenn ich nicht noch ein Seher wäre, dessen, was kommen muss.
Ein Seher, ein Wollender, ein Schaffender, eine Zukunft selber und eine Brücke zur Zukunft — und ach, auch noch gleichsam ein Krüppel an dieser Brücke: das Alles ist Zarathustra.
Und auch ihr fragtet euch oft: „wer ist uns Zarathustra? Wie soll er uns heissen?“ Und gleich mir selber gabt ihr euch Fragen zur Antwort.
Ist er ein Versprechender? Oder ein Erfüller? Ein Erobernder? Oder ein Erbender? Ein Herbst? Oder eine Pflugschar? Ein Arzt? Oder ein Genesener?
Ist er ein Dichter? Oder ein Wahrhaftiger? Ein Befreier? Oder ein Bändiger? Ein Guter? Oder ein Böser?
Ich wandle unter Menschen als den Bruchstücken der Zukunft: jener Zukunft, die ich schaue.
Und das ist all mein Dichten und Trachten, dass ich in Eins dichte und zusammentrage, was Bruchstück ist und Räthsel und grauser Zufall.
Und wie ertrüge ich es, Mensch zu sein, wenn der Mensch nicht auch Dichter und Räthselrather und der Erlöser des Zufalls wäre!
Die Vergangnen zu erlösen und alles „Es war“ umzuschaffen in ein „So wollte ich es!“ — das hiesse mir erst Erlösung!
Wille — so heisst der Befreier und Freudebringer: also lehrte ich euch, meine Freunde! Aber nun lernt diess hinzu: der Wille selber ist noch ein Gefangener.
Wollen befreit: aber wie heisst Das, was auch den Befreier noch in Ketten schlägt?
„Es war“: also heisst des Willens Zähneknirschen und einsamste Trübsal. Ohnmächtig gegen Das, was gethan ist — ist er allem Vergangenen ein böser Zuschauer.
Nicht zurück kann der Wille wollen; dass er die Zeit nicht brechen kann und der Zeit Begierde, — das ist des Willens einsamste Trübsal.
Wollen befreit: was ersinnt sich das Wollen selber, dass es los seiner Trübsal werde und seines Kerkers spotte?
Ach, ein Narr wird jeder Gefangene! Närrisch erlöst sich auch der gefangene Wille.
Dass die Zeit nicht zurückläuft, das ist sein Ingrimm; „Das, was war“ — so heisst der Stein, den er nicht wälzen kann.
Und so wälzt er Steine aus Ingrimm und Unmuth und übt Rache an dem, was nicht gleich ihm Grimm und Unmuth fühlt.
Also wurde der Wille, der Befreier, ein Wehethäter: und an Allem, was leiden kann, nimmt er Rache dafür, dass er nicht zurück kann.
Diess, ja diess allein ist Rache selber: des Willens Widerwille gegen die Zeit und ihr „Es war.“
Wahrlich, eine grosse Narrheit wohnt in unserm Willen; und zum Fluche wurde es allem Menschlichen, dass diese Narrheit Geist lernte!
Der Geist der Rache: meine Freunde, das war bisher der Menschen bestes Nachdenken; und wo Leid war, da sollte immer Strafe sein.
„Strafe“ nämlich, so heisst sich die Rache selber: mit einem Lügenwort heuchelt sie sich ein gutes Gewissen.
Und weil im Wollenden selber Leid ist, darob dass es nicht zurück wollen kann, — also sollte Wollen selber und alles Leben — Strafe sein!
Und nun wälzte sich Wolke auf Wolke über den Geist: bis endlich der Wahnsinn predigte: „Alles vergeht, darum ist Alles werth zu vergehn!“
„Und diess ist selber Gerechtigkeit, jenes Gesetz der Zeit, dass sie ihre Kinder fressen muss“: also predigte der Wahnsinn.
„Sittlich sind die Dinge geordnet nach Recht und Strafe. Oh wo ist die Erlösung vom Fluss der Dinge und der Strafe „Dasein“? Also predigte der Wahnsinn.
„Kann es Erlösung geben, wenn es ein ewiges Recht giebt? Ach, unwälzbar ist der Stein „Es war“: ewig müssen auch alle Strafen sein!“ Also predigte der Wahnsinn.
„Keine That kann vernichtet werden: wie könnte sie durch die Strafe ungethan werden! Diess, diess ist das Ewige an der Strafe „Dasein“, dass das Dasein auch ewig wieder That und Schuld sein muss!
„Es sei denn, dass der Wille endlich sich selber erlöste und Wollen zu Nicht-Wollen würde —“: doch ihr kennt, meine Brüder, diess Fabellied des Wahnsinns!
Weg führte ich euch von diesen Fabelliedern, als ich euch lehrte: „der Wille ist ein Schaffender.“
Alles „Es war“ ist ein Bruchstück, ein Räthsel, ein grauser Zufall — bis der schaffende Wille dazu sagt: „aber so wollte ich es!“
— Bis der schaffende Wille dazu sagt: „Aber so will ich es! So werde ich's wollen!“
Aber sprach er schon so? Und wann geschieht diess? Ist der Wille schon abgeschirrt von seiner eignen Thorheit?
Wurde der Wille sich selber schon Erlöser und Freudebringer? Verlernte er den Geist der Rache und alles Zähneknirschen?
Und wer lehrte ihn Versöhnung mit der Zeit, und Höheres als alle Versöhnung ist?
Höheres als alle Versöhnung muss der Wille wollen, welcher der Wille zur Macht ist —: doch wie geschieht ihm das? Wer lehrte ihn auch noch das Zurückwollen?“
— Aber an dieser Stelle seiner Rede geschah es, dass Zarathustra plötzlich innehielt und ganz einem Solchen gleich sah, der auf das Äusserste erschrickt. Mit erschrecktem Auge blickte er auf seine Jünger; sein Auge durchbohrte wie mit Pfeilen ihre Gedanken und Hintergedanken. Aber nach einer kleinen Weile lachte er schon wieder und sagte begütigt:
„Es ist schwer, mit Menschen zu leben, weil Schweigen so schwer ist. Sonderlich für einen Geschwätzigen.“ —
Also sprach Zarathustra. Der Bucklichte aber hatte dem Gespräche zugehört und sein Gesicht dabei bedeckt; als er aber Zarathustra lachen hörte, blickte er neugierig auf und sagte langsam:
„Aber warum redet Zarathustra anders zu uns als zu seinen Jüngern?“
Zarathustra antwortete: „Was ist da zum Verwundern! Mit Bucklichten darf man schon bucklicht reden!“
„Gut, sagte der Bucklichte; und mit Schülern darf man schon aus der Schule schwätzen.
Aber warum redet Zarathustra anders zu seinen Schülern — als zu sich selber?“ —
Von der Menschen-Klugheit.
Nicht die Höhe: der Abhang ist das Furchtbare!
Der Abhang, wo der Blick hinunter stürzt und die Hand hinauf greift. Da schwindelt dem Herzen vor seinem doppelten Willen.
Ach, Freunde, errathet ihr wohl auch meines Herzens doppelten Willen?
Das, Das ist mein Abhang und meine Gefahr, dass mein Blick in die Höhe stürzt, und dass meine Hand sich halten und stützen möchte — an der Tiefe!
An den Menschen klammert sich mein Wille, mit Ketten binde ich mich an den Menschen, weil es mich hinauf reisst zum Übermenschen: denn dahin will mein andrer Wille.
Und dazu lebe ich blind unter den Menschen; gleich als ob ich sie nicht kennte: dass meine Hand ihren Glauben an Festes nicht ganz verliere.
Ich kenne euch Menschen nicht: diese Finsterniss und Tröstung ist oft um mich gebreitet.
Ich sitze am Thorwege für jeden Schelm und frage: wer will mich betrügen?
Das ist meine erste Menschen-Klugheit, dass ich mich betrügen lasse, um nicht auf der Hut zu sein vor Betrügern.
Ach, wenn ich auf der Hut wäre vor dem Menschen: wie könnte meinem Balle der Mensch ein Anker sein! Zu leicht risse es mich hinauf und hinweg!
Diese Vorsehung ist über meinem Schicksal, dass ich ohne Vorsicht sein muss.
Und wer unter Menschen nicht verschmachten will, muss lernen, aus allen Gläsern zu trinken; und wer unter Menschen rein bleiben will, muss verstehn, sich auch mit schmutzigem Wasser zu waschen.
Und also sprach ich oft mir zum Troste: „Wohlan! Wohlauf! Altes Herz! Ein Unglück missrieth dir: geniesse diess als dein — Glück!“
Diess aber ist meine andre Menschen-Klugheit: ich schone die Eitlen mehr als die Stolzen.
Ist nicht verletzte Eitelkeit die Mutter aller Trauerspiele? Wo aber Stolz verletzt wird, da wächst wohl etwas Besseres noch, als Stolz ist.
Damit das Leben gut anzuschaun sei, muss sein Spiel gut gespielt werden: dazu aber bedarf es guter Schauspieler.
Gute Schauspieler fand ich alle Eitlen: sie spielen und wollen, dass ihnen gern zugeschaut werde, — all ihr Geist ist bei diesem Willen.
Sie führen sich auf, sie erfinden sich; in ihrer Nähe liebe ich's, dem Leben zuzuschaun, — es heilt von der Schwermuth.
Darum schone ich die Eitlen, weil sie mir Ärzte sind meiner Schwermuth und mich am Menschen fest halten als an einem Schauspiele.
Und dann: wer ermisst am Eitlen die ganze Tiefe seiner Bescheidenheit! Ich bin ihm gut und mitleidig ob seiner Bescheidenheit.
Von euch will er seinen Glauben an sich lernen; er nährt sich an euren Blicken, er frisst das Lob aus euren Händen.
Euren Lügen glaubt er noch, wenn ihr gut über ihn lügt: denn im Tiefsten seufzt sein Herz: „was bin ich!“
Und wenn das die rechte Tugend ist, die nicht um sich selber weiss: nun, der Eitle weiss nicht um seine Bescheidenheit! —
Das ist aber meine dritte Menschen-Klugheit, dass ich mir den Anblick der Bösen nicht verleiden lasse durch eure Furchtsamkeit.
Ich bin selig, die Wunder zu sehn, welche heisse Sonne ausbrütet: Tiger und Palmen und Klapperschlangen.
Auch unter Menschen giebt es schöne Brut heisser Sonne und viel Wunderwürdiges an den Bösen.
Zwar, wie eure Weisesten mir nicht gar so weise erschienen: so fand ich auch der Menschen Bosheit unter ihrem Rufe.
Und oft fragte ich mit Kopfschütteln: Warum noch klappern, ihr Klapperschlangen?
Wahrlich, es giebt auch für das Böse noch eine Zukunft! Und der heisseste Süden ist noch nicht entdeckt für den Menschen.
Wie Manches heisst jetzt schon ärgste Bosheit, was doch nur zwölf Schuhe breit und drei Monate lang ist! Einst aber werden grössere Drachen zur Welt kommen.
Denn dass dem Übermenschen sein Drache nicht fehle, der Über-Drache, der seiner würdig ist: dazu muss viel heisse Sonne noch auf feuchten Urwald glühen!
Aus euren Wildkatzen müssen erst Tiger geworden sein und aus euren Giftkröten Krokodile: denn der gute Jäger soll eine gute Jagd haben!
Und wahrlich, ihr Guten und Gerechten! An euch ist Viel zum Lachen und zumal eure Furcht vor dem, was bisher „Teufel“ hiess!
So fremd seid ihr dem Grossen mit eurer Seele, dass euch der Übermensch furchtbar sein würde in seiner Güte!
Und ihr Weisen und Wissenden, ihr würdet vor dem Sonnenbrande der Weisheit flüchten, in dem der Übermensch mit Lust seine Nacktheit badet!
Ihr höchsten Menschen, denen mein Auge begegnete! das ist mein Zweifel an euch und mein heimliches Lachen: ich rathe, ihr würdet meinen Übermenschen — Teufel heissen!
Ach, ich ward dieser Höchsten und Besten müde: aus ihrer „Höhe“ verlangte mich hinauf, hinaus, hinweg zu dem Übermenschen!
Ein Grausen überfiel mich, als ich diese Besten nackend sah: da wuchsen mir die Flügel, fortzuschweben in ferne Zukünfte.
In fernere Zukünfte, in südlichere Süden, als je ein Bildner träumte: dorthin, wo Götter sich aller Kleider schämen!
Aber verkleidet will ich euch sehn, ihr Nächsten und Mitmenschen, und gut geputzt, und eitel, und würdig, als „die Guten und Gerechten,“ —
Und verkleidet will ich selber unter euch sitzen, — dass ich euch und mich verkenne: das ist nämlich meine letzte Menschen-Klugheit.
Also sprach Zarathustra.
Die stillste Stunde.
Was geschah mir, meine Freunde? Ihr seht mich verstört, fortgetrieben, unwillig-folgsam, bereit zu gehen — ach, von euch fortzugehen!
Ja, noch Ein Mal muss Zarathustra in seine Einsamkeit: aber unlustig geht diessmal der Bär zurück in seine Höhle!
Was geschah mir? Wer gebeut diess? — Ach, meine zornige Herrin will es so, sie sprach zu mir: nannte ich je euch schon ihren Namen?
Gestern gen Abend sprach zu mir meine stillste Stunde: das ist der Name meiner furchtbaren Herrin.
Und so geschah's,— denn Alles muss ich euch sagen, dass euer Herz sich nicht verhärte gegen den plötzlich Scheidenden!
Kennt ihr den Schrecken des Einschlafenden? — Bis in die Zehen hinein erschrickt er darob, dass ihm der Boden weicht und der Traum beginnt.
Dieses sage ich euch zum Gleichniss. Gestern, zur stillsten Stunde, wich mir der Boden: der Traum begann.
Der Zeiger rückte, die Uhr meines Lebens holte Athem —, nie hörte ich solche Stille um mich: also dass mein Herz erschrak.
Dann sprach es ohne Stimme zu mir: „Du weisst es, Zarathustra?“ —
Und ich schrie vor Schrecken bei diesem Flüstern, und das Blut wich aus meinem Gesichte: aber ich schwieg.
Dann sprach es abermals ohne Stimme zu mir: „Du weisst es, Zarathustra, aber du redest es nicht!“ —
Und ich antwortete endlich gleich einem Trotzigen: „Ja, ich weiss es, aber ich will es nicht reden!“
Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Du willst nicht, Zarathustra? Ist diess auch wahr? Verstecke dich nicht in deinen Trotz!“ —
Und ich weinte und zitterte wie ein Kind und sprach: „Ach, ich wollte schon, aber wie kann ich es! Erlass mir diess nur! Es ist über meine Kraft!“
Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Was liegt an dir, Zarathustra! Sprich dein Wort und zerbrich!“ —
Und ich antwortete: „Ach, ist es mein Wort? Wer bin ich? Ich warte des Würdigeren; ich bin nicht werth, an ihm auch nur zu zerbrechen.“
Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Was liegt an dir? Du bist mir noch nicht demüthig genug. Die Demuth hat das härteste Fell.“ —
Und ich antwortete: „Was trug nicht schon das Fell meiner Demuth! Am Fusse wohne ich meiner Höhe: wie hoch meine Gipfel sind? Niemand sagte es mir noch. Aber gut kenne ich meine Thäler.“
Da ſprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Oh Zarathustra, wer Berge zu versetzen hat, der versetzt auch Thäler und Niederungen.“ —
Und ich antwortete: „Noch versetzte mein Wort keine Berge, und was ich redete, erreichte die Menschen nicht. Ich gieng wohl zu den Menschen, aber noch langte ich nicht bei ihnen an.“
Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Was weisst du davon! Der Thau fällt auf das Gras, wenn die Nacht am verschwiegensten ist.“ —
Und ich antwortete: „sie verspotteten mich, als ich meinen eigenen Weg fand und gieng; und in Wahrheit zitterten damals meine Füsse.
Und so sprachen sie zu mir: du verlerntest den Weg, nun verlernst du auch das Gehen!“
Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Was liegt an ihrem Spotte! Du bist Einer, der das Gehorchen verlernt hat: nun sollst du befehlen!
Weisst du nicht, wer Allen am nöthigsten thut? Der Grosses befiehlt.
Grosses vollführen ist schwer: aber das Schwerere ist, Grosses befehlen.
Das ist dein Unverzeihlichstes: du hast die Macht, und du willst nicht herrschen.“ —
Und ich antwortete: „Mir fehlt des Löwen Stimme zu allem Befehlen.“
Da sprach es wieder wie ein Flüstern zu mir: „Die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen. Gedanken, die mit Taubenfüssen kommen, lenken die Welt.
Oh Zarathustra, du sollst gehen als ein Schatten dessen, was kommen muss: so wirst du befehlen und befehlend vorangehen.“ —
Und ich antwortete: „Ich schäme mich.“
Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Du musst noch Kind werden und ohne Scham.
Der Stolz der Jugend ist noch auf dir, spät bist du jung geworden: aber wer zum Kinde werden will, muss auch noch seine Jugend überwinden.“ —
Und ich besann mich lange und zitterte. Endlich aber sagte ich, was ich zuerst sagte: „Ich will nicht.“
Da geschah ein Lachen um mich. Wehe, wie diess Lachen mir die Eingeweide zerriss und das Herz aufschlitzte!
Und es sprach zum letzten Male zu mir: „Oh Zarathustra, deine Früchte sind reif, aber du bist nicht reif für deine Früchte!
So musst du wieder in die Einsamkeit: denn du sollst noch mürbe werden.“ —
Und wieder lachte es und floh: dann wurde es stille um mich wie mit einer zwiefachen Stille. Ich aber lag am Boden, und der Schweiss floss mir von den Gliedern.
— Nun hörtet ihr Alles, und warum ich in meine Einsamkeit zurück muss. Nichts verschwieg ich euch, meine Freunde.
Aber auch diess hörtet ihr von mir, wer immer noch aller Menschen Verschwiegenster ist — und es sein will!
Ach meine Freunde! Ich hätte euch noch Etwas zu sagen, ich hätte euch noch Etwas zu geben! Warum gebe ich es nicht? Bin ich denn geizig?“ —
Als Zarathustra aber diese Worte gesprochen hatte, überfiel ihn die Gewalt des Schmerzes und die Nähe des Abschieds von seinen Freunden, also dass er laut weinte; und Niemand wusste ihn zu trösten. Des Nachts aber gieng er allein fort und verliess seine Freunde.
Second Part
“—Only after all of you have rejected me will I come back to you.
“Then, my brothers, I really will look for those I lost with different eyes. I will love you with a different love.”
Zarathustra, On the Virtue of Giving (I. p. 112.)
The Child Carrying a Mirror
Afterward Zarathustra went back into the mountains, alone in his cave, and kept away from people. He waited like a farmer who has sown his seed. But he grew impatient and longed for the people he loved: he still had so much to give them. This is the hardest thing—to close your open hand out of love, and remain modest while giving.
Months and years passed for the lonely man. His wisdom kept growing, and having so much of it hurt him.
One morning he woke before dawn. He lay thinking for a long time, then said to himself:
“What frightened me in my dream enough to wake me? Didn't a child come up to me with a mirror?
“‘Zarathustra,’ the child told me, ‘look at yourself in the mirror!’
“But I screamed when I looked. My heart shook: instead of myself I saw a devil's face laughing at me.
“I understand the dream's warning very well. My teaching is in danger. Weeds want to pass for wheat!
“My enemies have grown strong and changed the picture of my teaching. Now the people I love most must feel ashamed of the gifts I gave them.
“I have lost my friends. The time has come to look for the people I lost!”—
Zarathustra jumped up as he said this. He was not like a frightened person struggling for breath, but like a visionary singer suddenly filled with inspiration. His eagle and snake looked at him in surprise. A happiness still to come shone on his face like dawn.
“What has happened to me, my animals?” he said. “Haven't I changed? Hasn't happiness struck me like a windstorm?
“My happiness is foolish and will say foolish things. It is still young, so be patient with it!
“My happiness has wounded me. Let everyone who suffers be my doctor!
“I can go down to my friends again, and my enemies too! Zarathustra can speak and give again, and do what the people he loves care about most!
“My impatient love spills out in streams, down toward east and west. From silent mountains and storms of pain, my soul pours loudly into the valleys.
“I have spent too long longing and looking far away. I have lived alone too long and forgotten how to keep quiet.
“I have become nothing but a mouth, a stream rushing down from high rocks. I want to send my words tumbling into the valleys.
“Let my river of love fall into places without paths! Surely a river must eventually find its way to the sea!
“There is a lake inside me, alone and satisfied with itself. But my river of love sweeps it along, down to the sea!
“I take new paths and find a new way to speak. Like all creators, I am tired of old ways of speaking. My spirit no longer wants to walk on worn-out soles.
“All talking moves too slowly for me. Storm, I will jump into your chariot! I will drive even you harder with my malice!
“I want to travel over wide seas like a scream and a shout of joy, until I find the happy islands where my friends live—
“And my enemies among them! Now I love anyone I can speak to! My enemies too are part of my happiness.
“When I want to mount my wildest horse, my spear is always the best help. It is always ready to serve my foot—
“The spear I throw at my enemies! How grateful I am that at last my enemies let me throw it!
“The pressure in my cloud was too great. Between laughing lightning flashes, I want to throw hailstorms down below.
“My chest will rise powerfully and blow its storm hard across the mountains. That will relieve it.
“My happiness and freedom really come like a storm! But let my enemies think the devil is raging above their heads.
“Yes, my friends, my wild wisdom will frighten you too. Perhaps you will run away with my enemies.
“If only I knew how to call you back with shepherds' flutes! If only my lioness Wisdom could learn to roar gently! We have already learned so much together!
“My wild wisdom became pregnant on lonely mountains. She gave birth to her young, her youngest, on rough stones.
“Now she runs foolishly through the harsh desert, looking and looking for soft grass—my old wild wisdom!
“The soft grass of your hearts, my friends! She wants to lay what she loves most upon your love!”
That is what Zarathustra said.
On the Happy Islands
Figs fall from the trees, good and sweet. As they fall, their red skins tear. For ripe figs, I am a wind from the north.
My friends, these teachings fall to you like figs. Drink their juice and sweet flesh now! Around us it is autumn, with a clear sky and afternoon light.
Look at how much we have around us! When you have more than enough, it is lovely to look out across distant seas.
People used to say God when they looked at distant seas. Now I have taught you to say overhuman.
God is a guess. But I want your guesses to go no further than your will to create.
Could you create a God? Then stop talking to me about gods! But you could create the overhuman.
Perhaps not yourselves, my brothers! But you could change yourselves into the overhuman's fathers and ancestors. Let that be your finest creation!—
God is a guess. But I want your guesses kept within what can be thought.
Could you think a God? Let your will to truth mean this: everything must change into something human beings can think, see, and feel. Think your own senses all the way through!
You must first create what you called the world. It must become your own reason, image, will, and love. And that will truly make you happy, you who seek knowledge!
How could you bear life without this hope? You must not have been born into something impossible to understand or contrary to reason.
But let me tell you everything in my heart, friends: if there were gods, how could I stand not being a god? So there are no gods.
I drew that conclusion. Now it draws me along.—
God is a guess. But who could drink all the suffering in that guess without dying? Should the creator lose his belief, and the eagle its flight in an eagle's far distances?
God is a thought that makes everything straight crooked and everything standing still spin. What? Would time disappear, and everything that passes away be only a lie?
Thinking this makes human bones whirl and grow dizzy, and even makes the stomach vomit. I call guessing like this a dizzying sickness.
I call all this teaching about the One, the Complete, the Unmoving, the Satisfied, and the Everlasting evil and hostile to humanity!
Everything everlasting is only a figure of speech! And poets tell too many lies.—
But the best images should speak about time and change. They should praise and justify everything that passes away!
Creating is the great release from suffering. It makes life lighter. But for a creator to exist, suffering and a great deal of change are necessary.
Yes, creators, there must be much bitter dying in your lives! That makes you defenders and justifiers of everything that passes away.
For the creator himself to become the child being born again, he must also want to be the mother and her pain.
I have traveled through a hundred souls, a hundred cradles, and a hundred birth pains. I have said goodbye many times. I know the last hours that break the heart.
But this is what my creative will wants, my fate. Or, more honestly, this exact kind of fate is what my will wants.
Everything that can feel suffers because of me and is locked in prisons. But my willing always comes to free me and bring me joy.
Willing sets us free. That is the true teaching about will and freedom that Zarathustra gives you.
To stop willing, valuing, creating! May that great tiredness always stay far away from me!
Even when I learn, I feel only my will's pleasure in producing and becoming. If my knowledge is innocent, it is because the will to produce life is in it.
That will drew me away from God and gods. If gods were there, what would be left to create?
But my eager will to create keeps driving me back to humanity, as a hammer is driven toward stone.
“Human beings, an image sleeps in the stone for me, the image of all my images! Why must it sleep in the hardest, ugliest stone!
“Now my hammer attacks its prison cruelly. Bits of stone fly off. What do I care?
“I want to complete it. A shadow came to me once, the quietest and lightest thing of all!
“The beauty of the overhuman came to me as a shadow. My brothers, what do gods matter to me now?”—
That is what Zarathustra said.
On People Who Pity
My friends, someone mocked your friend by saying, “Look at Zarathustra! Doesn't he walk among us as if we were animals?”
But this says it better: “A person who seeks knowledge walks among human beings as among animals.”
To that person, a human being is the animal with red cheeks.
How did that happen? Isn't it because people have so often had to feel ashamed?
My friends, this is what the person who knows says: shame, shame, shame—that is human history!
So a noble person orders himself not to shame anyone. He tells himself to feel shame in front of anyone suffering.
I really do not like the merciful who enjoy their own pity. They have too little shame.
If I must feel pity, I do not want that name. And when I feel it, I prefer to do so far away.
I also like to cover my head and leave before anyone recognizes me. My friends, I tell you to do the same!
May fate always bring me people free from pain, like you, and people with whom I can share hope, a meal, and honey!
I have done various things for people suffering. But I always felt I did something better when I learned to enjoy life more.
Since humanity began, people have enjoyed life too little. My brothers, that alone is our inherited sin!
When we learn to enjoy life more, we most effectively unlearn hurting others and thinking up ways to hurt them.
That is why I wash the hand that helped someone suffering, and wipe my soul clean too.
I was ashamed to see the sufferer in pain because of his shame. When I helped, I badly wounded his pride.
Large debts make people vengeful rather than grateful. Even a little favor becomes a gnawing worm if it is not forgotten.
“Be reluctant to accept! Honor people by accepting from them!” That is my advice to people with nothing to give.
But I am a giver. I gladly give to friends as their friend. Strangers and poor people can pick fruit from my tree themselves. That is less embarrassing.
But beggars should be abolished completely! It is annoying to give to them and annoying not to give.
The same goes for sinners and guilty consciences! Believe me, my friends: being bitten by conscience teaches people to bite.
The worst things, though, are small-minded thoughts. Better to do something evil than think in a small way!
You say, “Enjoying little acts of malice saves us from many big evil acts.” But this is not a place to want savings.
An evil act is like a sore. It itches, scratches, and breaks open. It speaks honestly.
“Look, I am sickness,” says the evil act. That is its honesty.
But a small-minded thought is like a fungus. It creeps, crouches, and tries to be nowhere, until little fungi have made the whole body rotten and weak.
To someone possessed by a devil I whisper, “Better raise your devil to greatness! There is a path to greatness for you too!”—
My brothers, we know a little too much about everyone! We can see through some people, but that does not mean we can get through them.
Living with people is difficult because keeping quiet is difficult.
We are most unfair not to people we dislike, but to people who do not matter to us at all.
If a friend is suffering, be a place where his pain can rest. But be like a hard bed, a camp bed. That is how you help him most.
If a friend hurts you, say, “I forgive what you did to me. But how could I forgive your doing it to yourself?”
All great love speaks that way. It goes beyond even forgiveness and pity.
Hold on to your heart. If you let it go, how quickly you lose your head!
Where have people done more foolish things than among those who pity? What has caused more pain than their foolishness?
Trouble awaits every lover who has nothing higher than their pity!
Once the devil said to me, “God has his own hell too: his love for humanity.”
Recently I heard him say, “God is dead. His pity for human beings killed him.”—
So take this warning against pity: a heavy cloud will yet come upon humanity from there! I know the signs of coming weather!
But remember this too: every great love goes beyond its pity. It still wants to create what it loves!
“I offer myself to my love, and my neighbor just as I offer myself.” That is what every creator says.
But all creators are hard.—
That is what Zarathustra said.
About Priests
Once Zarathustra signaled to his students and told them:
“There are priests here. They may be my enemies, but walk past them quietly. Let your swords rest!
“Some of them are heroes too. Many have suffered too much, and so want to make other people suffer.
“They are vicious enemies. Nothing takes revenge more eagerly than their humility. Attack them and you can easily get dirty yourself.
“But their blood is related to mine. I want my blood respected even in them.”—
After they passed, pain struck Zarathustra. He struggled with it only a short time before starting to speak:
“I feel sorry for these priests. I dislike their ways too, but since I began living among people that has become the least important part.
“I suffer with them and have suffered with them. I see them as prisoners, marked men. The one they call their Savior chained them—
“Chained them with false values and words of delusion! If only someone would save them from their Savior!
“They thought they had reached an island while the sea was tossing them around. But it was a sleeping monster!
“False values and deluded words are the worst monsters for mortal beings. Disaster sleeps in them and waits a long time.
“Eventually it comes awake and eats and swallows the people who built their huts upon it.
“Look at the huts these priests built! They call their sweet-smelling caves churches.
“This falsified light! This stale air! A soul is forbidden to fly up to its own height here!
“Instead their faith orders, ‘Climb the stairs on your knees, sinners!’
“I would rather look at a shameless person than at the twisted eyes of their shame and worship!
“Who made these caves and stairways of repentance? Wasn't it people wanting to hide, ashamed before a clear sky?
“Only when a clear sky looks through broken roofs again, down at grass and red poppies beside broken walls, will I care for this God's places again.
“They gave the name God to what opposed and hurt them. There was much heroism in their worship!
“But the only way they knew to love their God was to nail the human being to a cross!
“They intended to live like corpses and lined their corpse with black. Even their speeches smell to me of the unpleasant spices in rooms for the dead.
“To live near them is to live near black pools, where a toad sings with sweet depth of meaning.
“To make me believe in their Savior, they would have to sing better songs. His followers would have to look more saved!
“I would like to see them naked. Only beauty should preach repentance. Who would be persuaded by this covered-up sadness?
“Their saviors themselves did not come from freedom or freedom's seventh heaven! They never walked upon the carpets of knowledge!
“The minds of these saviors were made of gaps. Into each gap they put their delusion, their gap-filler, which they called God.
“Their spirit drowned in pity. Whenever they swelled and overflowed with it, a great piece of foolishness floated on top.
“They eagerly shouted and drove their flock across their little bridge, as if there were just one bridge to the future! These shepherds were still sheep themselves!
“These shepherds had small minds and broad souls. But my brothers, even the broadest souls so far have been such small countries!
“They left bloody signs along their road. Their foolishness taught that blood could prove truth.
“But blood is the worst witness for truth. It poisons even the purest teaching into delusion and hatred in people's hearts.
“If someone goes through fire for a teaching, what does that prove? It means more when someone's teaching comes out of their own burning!
“A hot, heavy heart and a cold head: when those meet, the roaring whirlwind called ‘Savior’ begins.
“There have been people greater and more highly born than these sweeping whirlwinds that people call saviors!
“To find the path to freedom, my brothers, you must be saved even from greater people than all those saviors!
“No overhuman has existed yet. I saw both the greatest and smallest human being naked—
“They still resemble each other too much. Even the greatest was all too human!”
That is what Zarathustra said.
On People with Virtue
You have to address slack, sleeping senses with thunder and fireworks in the sky.
But beauty speaks quietly. Its voice enters only the most alert souls.
Today my shield shook and laughed softly. That is beauty's holy shaking and laughter.
Today my beauty laughed at you people with virtue. I heard it say, “They still want payment!”
You still want payment for being virtuous! You want a reward for goodness, heaven in exchange for earth, and eternity in exchange for today?
Now you are angry because I teach that no one hands out wages or rewards? I do not even teach that virtue rewards itself.
This saddens me: people have falsely put rewards and punishments into the very basis of things, and now into the depths of your souls too!
But my words will tear up the ground of your souls like a wild boar's snout. Call me a plow blade.
Everything hidden in your depths must come into the light. When you lie dug up and broken in the sun, your lies will be separated from your truth too.
For this is your truth: you are too clean for the dirty words revenge, punishment, reward, repayment.
You love your virtue as a mother loves her child. But who has heard of a mother wanting payment for loving?
Your virtue is the self you love most. You have a ring's thirst inside you. Every ring twists and turns to reach itself again.
Each act of your virtue resembles a star going dark. Its light keeps traveling. When will it ever stop being on its way?
So your virtue's light still travels after the act is finished. Even if the act is forgotten and dead, its ray of light lives on and travels.
Your virtue should be yourself, not something foreign, not a skin or a covering. That is the truth from deep inside your souls!—
But some people call the spasms beneath a whip virtue. You have listened too much to their shouting!
Others call their vices becoming lazy virtue. When their hatred and jealousy stretch their arms and legs, their ‘justice’ wakes up and rubs its sleepy eyes.
Others are dragged down by their devils. But the lower they sink, the more brightly their eyes and desire for their God burn.
Their shouting reached your ears too: “What I am not—that is God and virtue to me!”
Others move along heavily and creak, like carts taking stones downhill. They talk a lot about dignity and virtue. Their name for their brake is virtue!
Others are like ordinary clocks that have been wound up. They tick, and want ticking to be called virtue.
I enjoy those people. Wherever I find such clocks, I will wind them up with my mockery. Let them whir for me!
Others are proud of their handful of justice. For its sake they wrong everything, until the world is drowned in their injustice.
How unpleasantly the word ‘virtue’ comes out of their mouths! When they say, “I am just,” it always sounds like, “I have my revenge!”
They want to scratch their enemies' eyes out with their virtue. They raise themselves only to lower others.
Others again sit in their swamp, speaking out of the reeds: “Virtue means sitting quietly in the swamp.
“We bite nobody and stay away from anyone who wants to bite. On every subject we hold the opinion we are given.”
Still others love gestures and think that virtue is a kind of gesture.
Their knees always worship, and their hands praise virtue. Their hearts know nothing about it.
Others think saying “Virtue is necessary” is a virtue. At bottom they believe only that the police are necessary.
Some people cannot see what is high in human beings. They call seeing people's low side too closely virtue. That makes their bad way of looking at people their virtue.
Some want to be inspired and lifted up, and call it virtue. Others want to be knocked down, and call that virtue too.
In this way almost everyone believes they have a part in virtue. At least everyone wants to be an expert in ‘good’ and ‘evil.’
But Zarathustra did not come to tell all these liars and fools, “What do you know about virtue? What could you know about it?”—
“He came so that you, my friends, would get tired of the old words you learned from liars and fools:
“Tired of ‘reward,’ ‘repayment,’ ‘punishment,’ ‘revenge in justice’—
“Tired of saying, ‘An act is good because it is unselfish.’
“My friends, let your self be in what you do as a mother is in her child. Let that be your way of speaking about virtue!”
I took a hundred words from you and the favorite toys of your virtue. Now you are angry with me like children.
“They were playing by the sea. A wave came and swept their toys away into deep water. Now they cry.
“But that same wave will bring new toys and pour new colorful shells out before them!
“They will be comforted. My friends, you too will have things to comfort you, and new colorful shells!”—
That is what Zarathustra said.
About the Rabble
Life is a source of pleasure. But when the rabble drinks from it too, every well becomes poisoned.
I like everything clean. But I do not want to see grinning mouths and the thirst of dirty people.
They looked down into the well. Now their ugly smile shines back up at me.
They poisoned the holy water with their lust. By calling their dirty dreams pleasure, they poisoned the words as well.
The flame objects when they put their damp hearts beside the fire. Spirit itself bubbles and smokes when the rabble comes near the fire.
Fruit turns sickly sweet and too soft in their hands. Their look makes fruit trees easy for the wind to knock down and dries up their tops.
Some people who turned away from life were only turning away from the rabble. They did not want to share the well, flame, and fruit with them.
Some who went into the desert and were thirsty among wild animals only wanted to avoid sitting around the water tank with dirty camel drivers.
Some who came like destroyers, like hail across every orchard, only wanted to put a foot into the rabble's jaws and block its throat.
Knowing that life itself needs hostility, dying, and crosses for torture was not the hardest mouthful for me to swallow—
“Does life need the rabble too?” I once asked, nearly choking on the question.
Does it need poisoned wells, stinking fires, dirty dreams, and maggots in life's bread?
My disgust, not hatred, ate hungrily into my life. I often grew tired of spirit when I found even the rabble had wit!
I turned away from the rulers when I saw what they now call ruling: bargaining and haggling for power with the rabble!
I lived among people speaking foreign languages and kept my ears shut. That way the language of their bargaining for power would stay foreign to me.
Holding my nose, I walked unhappily through all yesterday and today. Both yesterday and today stink of the writing rabble!
For a long time I lived like a disabled person who had become deaf, blind, and unable to speak. I wanted to avoid the rabble of power, writing, and pleasure.
My spirit climbed stairs carefully, with difficulty. Small handouts of pleasure refreshed it. For the blind man, life crept along with a stick.
What happened? How did I escape disgust? Who made my eyes young again? How did I fly to a height where the rabble no longer sits at the well?
Did my disgust give me wings and the ability to sense springs? I had to fly to the highest place to find the source of pleasure again!
I found it, my brothers! Here at the highest place, the spring of pleasure flows for me! There is a life the rabble does not drink from!
Spring of pleasure, you flow almost too strongly for me! Often you empty the cup again by trying to fill it!
I still have to learn to approach you more modestly. My heart still rushes toward you too strongly—
“My heart, where my short, hot, sad, overwhelmingly happy summer burns: how it longs for your coolness!
“My spring's hesitant sadness is over! The malice of my June snowflakes has passed! I have become all summer, all summer noon!”
Summer in the highest place, with cold springs and happy quiet! Come, my friends, and make the quiet happier still!
This is our height and home. We live too high and steep here for the dirty and their thirst.
Look into my spring of pleasure with your clean eyes, friends! Why should that make it cloudy? It will laugh toward you with its own cleanness.
We build our nest in the tree called Future. Let eagles carry food in their beaks to us lonely ones!
Not food the unclean could eat with us! They would think they were eating fire and burn their mouths!
We have no homes ready here for the unclean. Our happiness would seem an ice cave to their bodies and spirits!
We want to live like strong winds above them, near eagles, snow, and sun. That is how strong winds live.
One day I want to blow among them like a wind and take their spirit's breath away with mine. That is what my future wants.
Zarathustra is a strong wind to every low place. His advice to his enemies and everything spitting and vomiting is: “Don't spit into the wind!”
That is what Zarathustra said.
About Tarantulas
Look, that is the tarantula's cave! Do you want to see her? Her web hangs here. Touch it to make it shake.
She comes willingly. Welcome, tarantula! The triangle that marks you sits black upon your back. I know what sits in your soul too.
Revenge sits there. A black scab grows wherever you bite. Your poison makes a soul spin with revenge!
This image is how I speak to you who make souls spin, you preachers of equality. To me you are tarantulas, hiding your wish for revenge!
But I will bring your hiding places into daylight. That is why I laugh in your faces with the laughter of the heights.
That is why I pull at your web. Let your anger draw you out of your cave of lies, and your revenge jump out from behind the word ‘justice.’
For me, freeing humanity from revenge is the bridge to the highest hope, a rainbow after long storms.
But the tarantulas want something different. They tell each other, “We call it justice when the world fills with the storms of our revenge.”
“We will take revenge on and insult everyone who is not equal to us,” the tarantula hearts promise each other.
“From now on, ‘will to equality’ must be the name of virtue. We will raise our voices against everything powerful!”
You preachers of equality: the powerless tyrant's madness cries out through you for ‘equality.’ Your most secret wishes to rule hide in the language of virtue!
Bitter pride and suppressed envy, perhaps your fathers' pride and envy, burst out of you as flames and a madness for revenge.
The son says what the father kept quiet. I have often found the son to be his father's exposed secret.
They look inspired, but revenge inspires them, not their hearts. When they become subtle and cold, envy makes them that way, not spirit.
Their jealousy takes them along thinkers' paths too. This is how to recognize their jealousy: they always go too far, until, worn out, they have to sleep on snow.
Every complaint sounds of revenge. Every compliment contains a hurt. They think being a judge is happiness.
My advice to you, friends, is this: distrust everyone with a strong urge to punish!
They are people of bad character and background. An executioner and a tracking hound look out of their faces.
Distrust people who talk a lot about their own justice! Honey is not all their souls lack.
If they call themselves ‘the good and the just,’ remember they lack only power to become Pharisees!
My friends, I do not want to be confused with other people.
Some preach my teaching about life, but also preach equality and are tarantulas.
They speak in favor of life even though, like poisonous spiders, they sit in their caves turned away from it. They do this to hurt people.
They want to hurt the people now in power, among whom preaching death is most at home.
If things were different, the tarantulas would teach differently. In the past they themselves were the best at attacking the world and burning heretics.
I do not want to be mistaken for these preachers of equality. Justice tells me, “Human beings are not equal.”
They should not become equal either! What would my love for the overhuman mean if I said anything else?
Let them crowd toward the future on a thousand bridges and walkways. Let there be more and more war and inequality between them. My great love makes me say this!
In their hostility, they should invent images and ghosts. With these images and ghosts they should fight the highest fight against each other!
Good and evil, rich and poor, high and low, and every name for a value: let these be weapons, noisy signs that life must keep overcoming itself!
Life wants to build upward with columns and steps. It wants to see far away and look toward beautiful happiness. That is why it needs height!
Because it needs height, it needs steps and conflict among the steps and people climbing! Life wants to climb and overcome itself while climbing.
Look, friends! Here by the tarantula's cave rise the ruins of an old temple. Look at them with eyes full of light!
The person who once built his thoughts upward in stone here knew the secret of all life as well as the wisest person!
He teaches us clearly through this image that even beauty contains struggle, inequality, and war for power and greater power.
How divinely the vault and arch break against each other as they wrestle! How their light and shadow struggle against each other, these divine strivers—
“Let us be enemies as firmly and beautifully, my friends! Let us struggle divinely against each other!”—
Oh! My old enemy the tarantula has bitten me herself! Firmly and beautifully, like a god, she bit my finger!
“There must be punishment and justice,” she thinks. “He must pay for singing songs here in honor of hostility!”
Yes, she has taken revenge! And now her revenge will make my soul spin too!
My friends, tie me to this column so I don't spin! I would rather be a saint on a column than a spinning frenzy of revenge!
Zarathustra is no spinning whirlwind. If he dances, he certainly does not dance a tarantula's dance!—
That is what Zarathustra said.
About Famous Wise People
All you famous wise people served the people and their superstitions, not truth! That is exactly why people respected you.
They tolerated your lack of belief for the same reason. It was a joke and an indirect route to the people. A master lets his slaves act that way and even enjoys their boldness.
But the free spirit, the enemy of chains, the one who will not worship and lives in forests, is hated by the people as dogs hate a wolf.
Hunting him out of hiding has always meant ‘a sense of what is right’ to the people. They still set their dogs with the sharpest teeth on him.
“Truth is here, because the people are here! Trouble for those who keep searching!” That is what the cry has always been.
You wanted to prove your people right about what they worshiped. You called that your ‘will to truth,’ famous wise people!
Your hearts always said, “I came from the people. God's voice came from there too.” You were always stubborn and clever as donkeys when defending the people.
Some powerful men wanted to get along well with the people. In front of their horses they harnessed a little donkey too—a famous wise person.
Now I wish you famous wise people would finally take the lion's skin off completely!
Take off the spotted predator's skin, the shaggy coat of the investigator, seeker, and conqueror!
Before I could believe you are ‘truthful,’ you would have to break your own will to worship.
I call someone truthful who goes into deserts without gods, having broken his worshiping heart.
In yellow sand, burned by the sun, he may look thirstily at islands with many springs, where living creatures rest under dark trees.
But thirst does not persuade him to become like those comfortable creatures. Where there are oases, there are idols too.
Hungry, violent, alone, without a god: that is how the lion's will wants to be.
Free from servants' happiness, released from gods and worship, unafraid and frightening, great and alone: that is the truthful person's will.
Truthful people, free spirits, have always lived in the desert as its masters. In the cities live the well-fed famous wise people—the animals pulling loads.
Like donkeys, they always pull the people's cart!
I am not angry with them for it. But to me they remain servants in harness, even if their harness shines with gold.
Often they were good servants who deserved praise. Virtue says, “If you must serve, find the person your service helps most!
“Let your master's spirit and virtue grow because you serve him. Then you grow with his spirit and virtue yourself!”
Famous wise people, servants of the people: you did grow with the people's spirit and virtue, and they grew through you! I say that in your honor!
But even in your virtues you remain common people to me, with dull eyes, not knowing what spirit is!
Spirit is life cutting into life itself. It increases its knowledge through its own pain. Did you know that?
Spirit's happiness is to be anointed and set apart through tears as an animal for sacrifice. Did you know that?
Even a blind person's blindness, searching, and feeling around should show the sun's power, the sun he looked into. Did you know that?
The person who knows must learn to build with mountains! Moving mountains is a small thing for spirit. Did you know that?
You know only spirit's sparks. You do not see the anvil it is or its hammer's cruelty!
You do not know spirit's pride! You could bear its modesty even less if it ever spoke!
You were never yet ready to throw your spirit into a hole full of snow. You are not hot enough! So you do not know the delight of its cold either.
You act too familiar with spirit in everything. You often made wisdom a poorhouse and hospital for bad poets.
You are not eagles, so you have not felt happiness in the terror of spirit. Anyone who is not a bird should not settle over deep drops.
To me you are lukewarm. But all deep knowledge flows cold. The deepest wells of spirit are ice-cold, refreshing hot hands and people acting.
You stand there respectably, stiff and straight-backed, famous wise people! No strong wind or will drives you.
Have you never watched a sail cross the sea, rounded, swollen, shaking in the wind's force?
My wisdom crosses the sea like that sail, shaking before the force of spirit—my wild wisdom!
But you servants of the people, famous wise people, how could you come with me?—
That is what Zarathustra said.
The Song at Night
Night has come. All the gushing fountains speak louder now. My soul is a gushing fountain too.
Night has come. Only now do lovers' songs wake up. My soul is a lover's song too.
Something inside me is unsatisfied and cannot be satisfied. It wants to speak out. I want love, and that desire speaks love's own language.
I am light. If only I were night! But I am alone because light surrounds me.
If only I were dark and belonged to night! I would suck at the breasts of light!
I would bless you too, little sparkling stars and glowworms up above! Your gifts of light would make me happy.
But I live in my own light. I drink back the flames that burst out of me.
I do not know how happy receiving makes someone. I have often dreamed that stealing must bring even more happiness than receiving.
This is what makes me poor: my hand never gets a rest from giving. This is what makes me jealous: seeing eyes that wait and the lit-up nights of longing.
How unhappy all givers are! How my sun darkens! How I want to be wanted! How hungry I am with a full stomach!
People take from me. But do I still touch their souls? There is a gap between giving and taking. The smallest gap is the last to get a bridge.
My beauty makes me hungry. I want to hurt the people I shine for and rob the people I have given gifts to. That is my hunger for malice.
To pull my hand away when someone already reaches for it, to hesitate like a waterfall hesitating as it falls—that is my hunger for malice.
My plenty thinks up this revenge. This treachery comes from being alone.
Giving killed my happiness in giving. My virtue grew tired of itself because it had too much!
A person who always gives risks losing a sense of shame. Always handing things out covers both hand and heart in calluses.
My eyes no longer fill with tears at the shame of people asking. My hand has become too hard to feel the shaking hands it fills.
Where did the tear in my eye and the soft down on my heart go? How lonely all givers are! How silent everyone who shines!
Many suns circle through empty space. Their light speaks to everything dark, but they say nothing to me.
This is light's hostility to other light. Without mercy it follows its paths.
Deep inside, every sun is unfair to things that shine, cold toward other suns. That is how every sun moves.
Suns race along their paths like a storm. That is their movement. They follow a will that never yields. That is their coldness.
Only you, the dark ones, the night ones, make warmth from things that shine! Only you drink milk and comfort from light's udders!
Ice surrounds me, and icy things burn my hand! There is a thirst inside me that longs for your thirst!
Night has come. Why must I be light? And thirst for darkness! And loneliness!
Night has come. My desire bursts out like a spring. I want to speak.
Night has come. All the gushing fountains speak louder now. My soul is a gushing fountain too.
Night has come. Only now do lovers' songs wake up. My soul is a lover's song too.—
That is what Zarathustra sang.
The Dancing Song
One evening Zarathustra walked through the woods with his students. Looking for a spring, he reached a green meadow with trees and bushes standing quietly around it. Girls were dancing together there. They stopped as soon as they recognized him. But Zarathustra came toward them with a friendly gesture and said:
“Don't stop dancing, lovely girls! No spoilsport has come to look at you badly, no enemy of girls.
“I defend God before the devil, who is the spirit of gravity. You light-footed ones, how could I oppose divine dances? Or girls' feet with beautiful ankles?
“I am a forest, a night of dark trees. But anyone not afraid of my darkness also finds slopes covered in roses beneath my cypresses.
“They may find the little god girls love best too. He lies quietly by the spring with his eyes shut.
“He fell asleep in broad daylight, that lazy fellow! Maybe he chased too many butterflies?
“Don't be angry, beautiful dancers, if I punish the little god a bit! He will probably shout and cry. But even when he cries he is funny!
“With tears in his eyes he must ask you to dance. I will sing a song myself while he dances:
“A dance song mocking the spirit of gravity, my highest, most powerful devil, the one they call ‘lord of the world.’”—
This is what Zarathustra sang while Cupid danced with the girls.
“Recently I looked into your eye, Life! I felt I was sinking into something with no bottom.
“But you pulled me out with a golden fishhook. You laughed at me for saying nobody could reach your depths.
“‘That is how all fish talk,’ you said. ‘Anything they cannot reach the bottom of has no bottom.
“‘But I am only changeable and wild, and a woman in every way—not a virtuous one.
“‘Even though you men call me “Deep,” “Faithful,” “Eternal,” “Mysterious.”
“‘You men always give us your own virtues. Such good people you are!’
“That is how she laughed, the unbelievable one. But I never believe her words or laughter when she says bad things about herself.
“When I spoke privately to my wild Wisdom, she angrily told me, ‘You want, desire, and love. That is the only reason you praise life!’
“I nearly answered angrily and told the angry one the truth. There is no angrier answer than ‘telling the truth’ to your wisdom.
“This is how matters stand between the three of us. Deep down I love only Life, most of all when I hate her!
“But I am fond of Wisdom, often too fond, because she reminds me so much of Life!
“She has her eyes, her laugh, even her little golden fishing rod. How is it my fault they look so similar?
“Once Life asked me, ‘Who is this Wisdom?’ I answered eagerly, ‘Oh yes! Wisdom!
“‘You thirst for her and never get enough. You look through veils and reach through nets.
“‘Is she beautiful? I don't know! But even the oldest carp are still caught with her as bait.
“‘She changes and is stubborn. I often watched her bite her lip and pull a comb the wrong way through her hair.
“‘Perhaps she is evil and false, a woman in every way. But she is most tempting exactly when she says bad things about herself.’
“When I told Life this, she laughed nastily and shut her eyes. ‘Who are you talking about?’ she asked. ‘Me, perhaps?
“‘Even if you were right, is that how to speak to my face? Now tell me about your Wisdom too!’
“Then you opened your eye again, dear Life! Once more I seemed to sink into something with no bottom.”—
That is what Zarathustra sang. When the dance ended and the girls left, he became sad.
“The sun set a long time ago,” he finally said. “The meadow is wet. Cold air comes from the woods.
“Something unknown surrounds me and looks thoughtful. What! Are you still alive, Zarathustra?
“Why? What for? By what means? Where to? Where? How? Isn't staying alive foolish?—
“My friends, it is evening asking these questions through me. Forgive me for being sad!
“It has become evening. Forgive me for that!”
That is what Zarathustra said.
The Song of Graves
“There is the quiet island of graves. My youth's graves are there too. I want to carry an evergreen wreath of life there.”
With that decision in my heart, I crossed the sea.—
Visions and appearances of my youth! All those loving looks and godlike moments! How quickly you died for me! Today I remember you as people I have lost.
From you, my dearest dead, comes a sweet smell that opens the heart and brings tears. It shakes and opens the heart of the person sailing alone.
I am still the richest person, the one most worth envying, though I am the loneliest! I had you, and you still have me. Who else had rose apples like these fall from the tree?
I am still the heir and soil of your love, flowering in your memory with colorful, wild virtues, my dearest ones!
We were made to stay close to each other, lovely strange wonders. You did not come to my desire and me like shy birds, but as people trusting someone who trusted them!
Like me, you were made for faithfulness and tender eternities. Must I now call you by your unfaithfulness, divine looks and moments? I have not learned another name yet.
You died for me too quickly, you fugitives. But you did not run from me, nor I from you. Neither of us is guilty toward the other in our unfaithfulness.
To kill me, they strangled you, birds singing my hopes! Malice kept shooting arrows at you, my dearest ones, to hit my heart!
It did hit! You were always closest to my heart, what I possessed and what possessed me. That is why you had to die young, much too soon!
The arrow was aimed at the most easily hurt thing I owned: you, with skin like soft down, or still more like a smile dying under a look!
But I want to tell my enemies this: what is killing people compared with what you did to me!
You did worse to me than any murder. You took something I cannot recover. That is what I tell you, my enemies!
You killed the visions and dearest wonders of my youth! You took my playmates, those happy spirits! To remember them, I put down this wreath and this curse.
This curse is for you, my enemies! You made my eternity short, like a sound breaking off in a cold night. Now it came only as a flash from divine eyes, just a moment!
Once, in a good hour, my innocence said, “Let every being be divine to me.”
Then you attacked me with dirty ghosts. Where did that good hour go!
“Let every day be holy,” my youthful wisdom once said. That really was a happy wisdom speaking!
But you enemies stole my nights and sold them into sleepless suffering. Where did that happy wisdom go?
Once I wanted lucky signs from birds. You put an ugly owl-monster across my road. Where did my tender desire go?
Once I promised to give up all disgust. You turned the people close and closest to me into boils. Where did my finest promise go?
Once I walked happy paths like a blind person. You threw dirt onto that person's road. Now his old blind person's path disgusted him.
When I did my hardest thing and celebrated the victory of overcoming, you made the people who loved me shout that I hurt them most.
That was always your doing: spoiling my best honey and the hard work of my best bees.
You kept sending the rudest beggars to my generosity. You crowded people incapable of shame around my pity. That hurt my virtue's belief.
Even when I offered my holiest thing, your ‘piety’ quickly set its fatter gifts beside it. My holiest thing suffocated in the smoke of your fat.
Once I wanted to dance as I never had before, dance beyond all heavens. Then you won over my favorite singer.
He began a frightening, dull tune. He blared into my ears like a gloomy horn!
Murderous singer, tool of malice, most innocent one! I was ready for my finest dance. Your music killed my delight!
Only by dancing can I express the image of the highest things. Now my highest image stayed unspoken in my arms and legs!
My highest hope stayed unspoken and unreleased! All the visions and comforts of my youth died!
How did I bear it? How did I get over these wounds and overcome them? How did my soul rise out of these graves?
Something in me cannot be hurt or buried, something that breaks rocks. It is my will. It walks quietly and unchanged through the years.
My old will wants to take its path on my feet. Its purpose has a hard heart and cannot be hurt.
Only at my heel am I impossible to wound. You are still alive there, unchanged, most patient one! You have kept breaking through every grave!
The part of my youth still waiting for release lives in you too. As life and youth, you sit here hoping on yellow ruins of graves.
Yes, you still break all graves for me. Good fortune to you, my will! Only where there are graves can there be rising from death.—
That is what Zarathustra sang.—
On Overcoming Yourself
You wisest people call what drives you and makes you eager a ‘will to truth’?
I call your will a will to make everything that exists thinkable!
First you want to make everything possible to think about. You have good reason to doubt that it already is.
But it must also obey and bend. That is what your will wants. It must become smooth and subject to spirit, its mirror and reflection.
Your whole will is a will to power, wisest people, even when you talk about good and evil and about values.
You still want to create a world you can kneel before. That is your last hope and what intoxicates you.
The unwise, the people, are like a river carrying a boat onward. Values sit solemnly in the boat, dressed in disguises.
You put your will and values on the river of change. What people believe about good and evil reveals an old will to power to me.
You and your ruling will, wisest people, put those guests into the boat. You gave them a grand appearance and proud names!
Now the river carries your boat onward. It has to carry it. A breaking wave foaming and angrily protesting against the keel makes little difference!
The river is not your danger or what ends your good and evil. That danger is the will itself, the will to power, life's tireless will to produce.
But to help you understand what I say about good and evil, I will tell you about life and the character of living things too.
I followed living things along the biggest and smallest paths to discover their nature.
With a hundred mirrors I caught their look even when their mouth was closed, so their eye could speak. Their eye did speak to me.
Wherever I found life, I also heard about obedience. Every living thing obeys.
Second, whoever cannot obey themselves is given orders. That is the nature of living things.
Third, I heard that commanding is harder than obeying. Not just because the commander carries the weight of everyone obeying, a weight that can easily crush him—
Every command looked to me like a test and a risk. Whenever a living thing commands, it risks itself.
Even when it commands itself, it must pay for giving orders. For its own law it must become judge, avenger, and victim.
How does this happen? I asked myself. What persuades living things to obey and command, and still obey while commanding?
Listen to my words now, wisest people! Test carefully whether I have reached life's own heart, right down to its roots!
Wherever I found life, I found a will to power. Even in a servant's will I found a desire to be master.
The weaker serves the stronger because its will wants to rule something weaker still. It cannot give up that particular pleasure.
Just as the smaller gives itself to the greater to have pleasure and power over the smallest, even the greatest gives itself up and risks its life for power.
The greatest one's giving consists in this: risk, danger, and a game of dice with death at stake.
Where there are sacrifices, services, and loving looks, there is also the wish to be master. The weaker sneaks along secret paths into the stronger one's castle, into its heart, and steals power there.
Life itself told me this secret. “Look,” it said, “I am what must always overcome itself.
“You may call it a will to reproduce, or a drive toward a goal, toward something higher, farther away, more varied. But all of it is one thing and one secret.
“I would rather go under than give that one thing up. Wherever there is decline and falling leaves, life sacrifices itself for power!
“I have to be struggle and change and purpose and conflict between purposes. Anyone who understands my will also understands the crooked paths it must take!
“Whatever I create, however much I love it, soon I must oppose it and my love for it. That is what my will wants.
“You too, seeker of knowledge, are only a path and footprint of my will. My will to power even walks on the feet of your will to truth!
“Anyone who aimed the phrase ‘will to exist’ at truth missed it. There is no such will!
“Something that does not exist cannot want anything. If something already exists, how could it still want to exist?
“There is will only where there is life. But I teach you that it is not a will to live. It is a will to power!
“Living things value many things more highly than life itself. But the will to power speaks out of valuing itself!”—
Life taught me that once. With it I can also solve the riddle of your hearts, wisest people.
“I tell you: no good and evil last forever! They have to overcome themselves from within, again and again.
“You who give values use force with your values and words about good and evil. That is your hidden love, your soul shining, shaking, and overflowing.
“But stronger force and a new overcoming grow from your values. The egg and its shell break against them.
“Anyone who must create in good and evil must first destroy and break values.
“So the greatest evil belongs with the greatest goodness. But that goodness creates.—
“Let us talk about it, wisest people, even if it is bad. Silence is worse. Every truth kept quiet becomes poisonous.
“Let anything break that can break against our truths! We still have many houses to build!”
That is what Zarathustra said.
About Lofty People
The bottom of my sea is quiet. Who would guess it holds playful monsters!
My depths cannot be shaken. But swimming riddles and laughter shine in them.
Today I saw a lofty man, a solemn man, someone doing penance in spirit. His ugliness made my soul laugh!
He stood there silently with his chest lifted, like someone holding his breath:
Covered in ugly truths he had caught on his hunt, with plenty of torn clothes. Many thorns hung on him too, but I saw no rose yet.
He has not yet learned to laugh or be beautiful. This hunter came back darkly from the forest of knowledge.
He returned from fighting wild animals. But a wild animal he has not overcome still looks out of his serious face!
He still stands like a tiger ready to jump. I dislike tense souls like these, all these people holding themselves back.
Friends, you tell me that taste is not something to argue about? But all of life argues over taste and tasting!
Taste means the weight, the scales, and the person weighing, all at once. Trouble for any living thing wanting to live without arguing over weights, scales, and the people using them!
Only when this lofty man tires of being lofty will his beauty start. Only then will I want to taste him and find him pleasant.
Only when he turns away from himself will he jump over his own shadow and into his own sun.
He sat in the shade too long. His spiritual penance made his cheeks pale. He nearly starved on his expectations.
Contempt remains in his eyes, and disgust hides around his mouth. He is resting now, but his rest has not yet lain down in the sun.
He should behave like a bull. His happiness should smell of earth, not of despising earth.
I would like to see him as a white bull, snorting and bellowing ahead of the plow. His bellow should praise everything earthly!
His face is still dark. The shadow of his hand moves over it. The meaning of his look is still in shadow.
His own act is still the shadow covering him. The hand darkens the person acting. He has not overcome his act yet.
I like the bull's neck in him. Now I want to see the angel's eyes too.
He must also unlearn his heroic will. I want him lifted up, not just lofty. Let the air above lift him without his willing!
He defeated monsters and solved riddles. But he should also set his monsters and riddles free, turning them into heavenly children.
His knowledge has not learned to smile or give up jealousy. His rushing passion has not become quiet in beauty yet.
His desire should fall silent and sink not from being satisfied, but from beauty! Grace belongs to a generous spirit's generosity.
The hero should rest with his arm over his head. In that way he should overcome even his resting.
But beauty is harder than anything else for the hero. No forceful will can seize beauty by fighting for it.
A little more, a little less: here that means a lot, more than anything.
To stand with muscles relaxed and will released from harness is hardest for all of you lofty people!
When power becomes kind and comes down where it can be seen, I call that coming down beauty.
Powerful one, I want beauty from you more than from anyone. Let your goodness be your last victory over yourself.
I believe you capable of every evil. That is why I want good from you.
I have often laughed at weak people thinking themselves good because their paws were lame!
Aim for the virtue of a column: as it rises, it becomes more beautiful and delicate, but harder inside and able to carry more weight.
Yes, lofty one, one day you must be beautiful and hold a mirror before your own beauty.
Then divine desires will make your soul shake. Even your vanity will contain worship!
This is the secret of the soul: only after the hero leaves it does the overhero approach it in a dream.
That is what Zarathustra said.
The Country of Culture
I flew too far into the future and became terrified.
When I looked around, time was the only thing living in the same age as me.
I fled back toward home, faster and faster. That brought me to you people of the present and to the country of culture.
For the first time I came ready to look at you, with a willing desire. I really did come with longing in my heart.
But what happened? Frightened though I was, I had to laugh! I had never seen anything so covered in spots of different colors!
I laughed and laughed while my feet and heart still shook. “This is where all the paint pots live!” I said.
Faces and limbs painted with fifty blotches: that is how you sat there, people of the present, amazing me!
You had fifty mirrors around you, flattering and repeating your display of colors!
You people of the present could not wear a better mask than your own face! Who could recognize you!
You are covered in writing from the past, and that writing is painted over with new writing. No wonder you are hidden from anyone trying to read the signs!
Even someone who examines kidneys would hardly believe you still have kidneys! You look baked out of colors and pasted pieces of paper.
Every age and people looks out colorfully from your veils. Every custom and faith speaks in many colors through your gestures.
Take away your veils, coverings, colors, and gestures, and only enough would remain to scare birds.
I am that scared bird who once saw you naked, without paint. I flew away when the skeleton waved love at me.
I would rather work for daily wages in the underworld, among the shadows of the past! Even the people down there are fatter and fuller than you!
This is bitter in my stomach: I cannot stand you dressed or naked, people of the present!
Anything frightening in the future, anything that has scared birds lost in flight, is more familiar and comfortable than your ‘reality.’
“We are completely real, with neither belief nor superstition,” you say, proudly sticking your chests out—even without chests!
How could you believe, you many-colored people? You are pictures of everything anyone ever believed!
You walk about disproving belief itself and breaking the limbs of all thoughts. Unbelievable: that is my name for you ‘real’ people!
Every age chatters against every other age in your minds. All their dreams and talk were more real than your waking life!
You cannot produce anything: that is why you lack belief. But anyone who had to create always had dreams of truth and signs in the stars, and believed in believing!—
You are half-open gates with gravediggers waiting beside them. Your reality is this: “Everything deserves to be destroyed.”
How you stand before me, you barren people, so thin around the ribs! Some of you have probably noticed it yourselves.
One said, “Did a God secretly take something from me while I slept? Enough to make a little woman from it!
“How strangely poor my ribs are!” Many people of the present have already said that.
You make me laugh, people of the present, especially when you wonder about yourselves!
How unfortunate I would be if I could not laugh at your surprise and had to drink everything disgusting out of your bowls!
Instead I will take you lightly, since I have heavy things to carry. What does it matter if beetles and winged insects settle on my pack too?
They will not make it heavier for me! You people of the present will not bring my great tiredness.—
Where else can I climb with my longing? From every mountain I look for a fatherland and motherland.
But I found no home anywhere. In every city I am unsettled, ready to leave at every gate.
The people of the present, whom my heart recently drew me toward, are strange and ridiculous to me. I have been driven out of fatherlands and motherlands.
Now I love only my children's country, still undiscovered in the most distant sea. I tell my sails to keep looking for it.
Through my children I will make up for being my fathers' child, and through the whole future make up for this present!
That is what Zarathustra said.
About Untainted Knowledge
When the moon rose yesterday, it looked so broad and pregnant on the horizon that I thought it would give birth to a sun.
But its pregnancy was a lie. I would sooner believe in the man in the moon than the woman.
Though there is not much man in him either, that shy night traveler. He crosses the roofs with a guilty conscience.
The monk in the moon is jealous and lustful. He desires earth and all the pleasures of lovers.
I do not like that tomcat on the rooftops! Everyone sneaking around half-closed windows disgusts me!
He moves silently and piously over carpets of stars. But I dislike men's feet that step so softly, without even a spur jingling.
An honest person's footsteps speak. A cat slips over the ground. Look, the moon comes like a cat, dishonestly.—
This image is for you sensitive hypocrites, you ‘pure seekers of knowledge.’ I call you people full of lust!
You too love earth and earthly things. I have guessed you correctly! But you are ashamed of your love and feel guilty about it. You resemble the moon!
Your spirit has been persuaded to despise earthly things, but your insides have not. They are the strongest part of you!
Now your spirit is ashamed of obeying your insides. Because of its shame, it takes paths of sneaking and lying.
“The highest thing for me,” your dishonest spirit tells itself, “would be to watch life without wanting anything, not like a dog with its tongue out:
“To be happy watching, with my will dead, free of selfish grasping and greed, cold and gray as ash all over, but with drunken moon-eyes!”
“This is what I would love most,” the seduced one persuades himself, “to love earth as the moon does, touching its beauty with my eyes alone.
“Let untainted knowledge of things mean wanting nothing from them except to lie before them like a mirror with a hundred eyes.”—
Sensitive hypocrites, lustful people! Your desire lacks innocence. Now you attack desire because of that!
You do not love the earth as creators, parents, people who delight in things coming into being!
Where is innocence? Where there is a will to produce life. To me, someone wanting to create beyond themselves has the purest will.
Where is beauty? Where I have to will with my whole will, where I want to love and go under so that a picture does not stay just a picture.
Loving and going under have rhymed with each other forever. Willing love also means being willing to die. That is what I tell you cowards!
But now you want to call your unmanned sideways look ‘contemplation.’ Whatever cowardly eyes can touch must be called ‘beautiful’! You dirty noble names!
This will be your curse, untainted, pure knowers: you will never give birth, even if you lie broad and pregnant on the horizon!
You fill your mouths with noble words. Are we supposed to believe your hearts are overflowing, you liars?
But my words are little, despised, crooked words. I like picking up what falls under your dinner table.
With them I can still tell hypocrites the truth! My fish bones, shells, and prickly leaves will tickle hypocrites' noses!
The air around you and your meals is always bad. Your lustful thoughts, lies, and secrets are in the air!
First dare to believe yourselves, and your own insides! A person who does not believe themselves keeps lying.
You put a God's mask on before yourselves, you ‘pure’ people. Your horrible ringed worm crept inside that mask.
You ‘contemplative’ people deceive! Zarathustra too was once fooled by your divine skins. He did not see the snakes coiled inside them.
Pure knowers, I once thought a God's soul was playing in your games! I thought no art was better than yours!
Distance hid the snakes' dirt and bad smell. It hid the lizard's cunning, creeping around lustfully here.
But I came close. Then day came for me, and now it comes for you. The moon's love affair is finished!
Look! Caught out, it stands pale before dawn!
Already she comes, glowing, with her love for earth! All of the sun's love is innocent and wants to create!
See how impatiently she comes across the sea! Don't you feel the thirst and hot breath of her love?
She wants to suck at the sea, drinking its depths up into her heights. The sea's desire rises with a thousand breasts.
It wants to be kissed and sucked by the sun's thirst. It wants to become air, height, a path for light, and light itself!
Like the sun, I love life and all deep seas.
This is what I mean by knowledge: everything deep must come up to my height!
That is what Zarathustra said.
About Scholars
While I was asleep, a sheep ate the ivy wreath on my head. As it chewed it said, “Zarathustra isn't a scholar anymore.”
Then it walked away stiffly and proudly. A child told me about it.
I like lying here where children play, beside the broken wall, among thistles and red poppies.
The children still think I am a scholar. So do the thistles and red poppies. They are innocent even in their malice.
But the sheep no longer think so. My fate wants it that way. Good for my fate!
The truth is that I moved out of the scholars' house and slammed the door behind me.
My soul spent too long hungry at their table. Unlike them, I have not been trained for knowledge as though for cracking nuts.
I love freedom and air over fresh ground. I would rather sleep on ox skins than on their honors and respectability.
My own thoughts make me too hot and burn me. They often threaten to stop my breath. Then I need open air, away from every dusty room.
But they sit cool in cool shade. They want only to watch everything. They avoid sitting where sunlight burns the steps.
They are like people standing in the street staring at everyone passing. They wait and stare at thoughts other people had.
Touch them and they unintentionally throw dust around like sacks of flour. Who would guess that dust came from grain and the yellow joy of summer fields?
When they pretend to be wise, their little sayings and truths give me a chill. Their wisdom often smells as though it came from a swamp. I have even heard a frog croak in it!
They are skilled, with clever fingers. What use is my simplicity next to their variety? Their fingers know every way to thread, knot, and weave. That is how they make the spirit's stockings!
They are good clocks. Just be sure to wind them correctly! They will tell the time honestly and make a little noise.
They work like grinding mills and crushers. Throw them some grain. They know how to grind it small and turn it into white dust.
They closely watch each other's fingers and do not entirely trust each other. Clever at little tricks, they wait like spiders for people whose knowledge limps.
I always saw them carefully making poison. They always put glass gloves on their fingers to do it.
They know how to play with loaded dice too. I found them playing so eagerly they sweated.
We are strangers to each other. Their virtues displease me even more than their lies and loaded dice.
When I lived with them, I lived above them. That made them resent me.
They do not want to hear about anyone walking over their heads. So they put wood, dirt, and rubbish between my feet and their heads.
That muffled the sound of my steps. The most learned people have so far heard me least well.
They put everyone's faults and weaknesses between themselves and me. They call that the ‘false floor’ in their houses.
But my thoughts still walk above their heads. Even if I walked on my own faults, I would still be above them and their heads.
People are not equal. That is what justice says. And they have no right to want what I want!
That is what Zarathustra said.
About Poets
“Since I learned more about the body,” Zarathustra told a student, “spirit has become only a sort of spirit to me. Everything ‘everlasting’ is only an image too.”
“I heard you say that before,” the student replied. “You added then, ‘But poets lie too much.’ Why did you say poets lie too much?”
“Why?” asked Zarathustra. “You ask why? I am not someone you may ask for my reasons.
“Did I get my experience yesterday? I experienced the reasons for my opinions long ago.
“Wouldn't I need a barrel full of memory to keep my reasons with me too?
“It is already too much to keep my opinions themselves. Many birds fly away.
“Sometimes a strange animal flies into my pigeon house. It shakes when I put my hand on it.
“But what did Zarathustra tell you once? That poets lie too much? Zarathustra is a poet too.
“Do you believe he was telling the truth about this? Why believe it?”
The student said, “I believe in Zarathustra.” But Zarathustra smiled and shook his head.
“Belief does not make me happy,” he said, “especially belief in me.
“But suppose someone seriously said poets lie too much. They would be right. We lie too much.
“We know too little and learn badly. So we have to lie.
“Which of us poets has not tampered with his wine? We have made plenty of poisonous mixtures in our cellars and done things impossible to describe.
“Because we know little, we really like people poor in spirit, especially when they are young women!
“We even want the things old women tell each other in the evening. We call that part of ourselves the Eternal Feminine.
“We believe in the people and their ‘wisdom,’ as if there were a special secret entrance to knowledge that gets blocked for anyone who learns something.
“All poets believe that lying in grass or on lonely slopes and listening closely lets you learn something about what lies between heaven and earth.
“When they feel tenderness, poets always think nature herself is in love with them:
“She comes quietly to whisper secrets and loving compliments in their ears. They swell with pride over that before everyone else!
“So many things between heaven and earth have been dreamed of only by poets!
“Especially above heaven, because all gods are poets' images and things poets smuggled in!
“We are always drawn up into the clouds' kingdom. On the clouds we put our colorful stuffed skins and call them gods and overhumans—
“All those gods and overhumans are just light enough for those seats!
“I am so tired of inadequate things that insist on being great events! So tired of poets!”
Zarathustra's student grew angry at these words but kept quiet. Zarathustra was quiet too. His eyes turned inward, as though looking far away. Eventually he sighed and took a breath.
“I belong to today and the past,” he said. “But something in me belongs to tomorrow, the day after, and some future day.
“I am tired of poets, old and new. To me they are all shallow people and shallow seas.
“They did not think deeply enough, so their feelings never reached the bottom.
“A bit of lust and a bit of boredom: that has been their best thinking.
“All their harp music is like ghosts breathing and slipping past. What have they known about passionate sound?—
“They are not clean enough for me either. They all stir up their water so it looks deep.
“They like to present themselves as people bringing others together. But to me they remain go-betweens, mixers, people half one thing and half another, unclean!—
“I threw my net into their seas hoping for good fish. I always pulled up an old God's head.
“The sea gave the hungry man a stone. They themselves may have come from the sea too.
“You can certainly find pearls in them. That makes them all the more like hard shellfish. Instead of a soul, I often found salty slime in them.
“They learned vanity from the sea as well. Isn't the sea the greatest peacock of all?
“It spreads its tail even before the ugliest buffalo. It never tires of its lace fan of silver and silk.
“The buffalo looks on stubbornly. Its soul is close to sand, closer to thick undergrowth, closest to swamp.
“What does it care about beauty, sea, or peacock decorations? I offer that image to poets.
“Their spirit itself is the greatest peacock and a sea of vanity!
“A poet's spirit wants an audience, even if the audience is buffalo!—
“But I have grown tired of that spirit. I can see that it will grow tired of itself.
“I have already seen poets change and turn their eyes against themselves.
“I saw people doing penance in spirit emerge from them.”
That is what Zarathustra said.
About Great Events
Not far from Zarathustra's happy islands is an island in the sea with a volcano always smoking. People, especially the old women, say it sits like a rock in front of the underworld's gate. A narrow path through the volcano itself leads down to that gate.
While Zarathustra was staying on the happy islands, a ship anchored at the island with the smoking mountain. The sailors went ashore to shoot rabbits. Near noon, when the captain and crew were together again, they suddenly saw a man coming through the air toward them. A voice said clearly, “It is time! It is high time!” As the figure came closest, flying quickly past like a shadow toward the volcano, they were shocked to recognize Zarathustra. Everyone except the captain had seen him before. They loved him in the people's way, with equal parts love and fear.
“Look!” the old helmsman said. “Zarathustra is going to hell!”—
At about the time the sailors landed on the fiery island, a rumor spread that Zarathustra had disappeared. Asked about it, his friends said he had boarded a ship at night without saying his destination.
People became worried. Three days later the sailors' story increased their worry. Now everyone said the devil had carried Zarathustra off. His students laughed at this. One even said, “I would sooner believe Zarathustra carried the devil off.” But deep down they were all worried and missed him. They were very happy when he returned on the fifth day.
This is the story of Zarathustra's talk with the fire dog.
“The earth has a skin,” he said, “and the skin has diseases. One of them, for example, is called ‘humanity.’
“Another is called ‘fire dog.’ People have made up many lies about him and let themselves be told many more.
“I crossed the sea to get to the bottom of that secret. I saw truth naked, barefoot all the way up to its neck!
“Now I know about the fire dog and all the devils of spouting and overturning that frighten more than just old women.
“‘Come out of your depths, fire dog!’ I shouted. ‘Tell me how deep they are! Where does what you blow up here come from?
“‘You drink plenty from the sea. Your salty eloquence gives that away! For a dog of the depths, you get too much food from the surface!
“‘At most you are the earth's ventriloquist. Every devil of upheaval and eruption I heard sounded like you: salty, dishonest, shallow.
“‘You know how to roar and make things dark with ash! You are the biggest loudmouths. Have you fully learned how to boil mud?
“‘Wherever you are, mud must be close, along with things spongy, hollow, trapped: they want to get free.
“‘“Freedom” is what you all like shouting best. But I stopped believing in “great events” whenever a lot of shouting and smoke surrounds them.
“‘Believe me, my noisy friend from hell! The greatest events are not our noisiest hours but our quietest.
“‘The world turns around people inventing new values, not new noise. It turns without a sound.
“‘Admit it: when your smoke and noise cleared away, little had actually happened. What does it matter if a city turned into a mummy and a statue lies in mud?
“‘I also say this to people knocking statues down: throwing salt into the sea and statues into mud is the greatest foolishness.
“‘The statue lay in the mud of your contempt. But its rule is this: life and living beauty grow back from contempt!
“‘It rises now with more divine features, attractive in its suffering. It will even thank you for knocking it over!
“‘My advice to kings, churches, and everything weak from age and short on virtue is: let yourselves be knocked down! Then you can return to life, and virtue can return to you!’—
“That is what I told the fire dog. He interrupted grumpily, asking, ‘Church? What is that?’
“‘Church?’ I said. ‘A kind of state, the most dishonest kind. Be quiet, hypocritical dog! Surely you know your own kind best!
“‘The state is a hypocritical dog just like you. It too likes to speak with smoke and roaring, making people think it speaks from the belly of things.
“‘The state insists on being the most important animal on earth. People believe it too.’—
“That made the fire dog act mad with envy. ‘What?’ he shouted. ‘The most important animal on earth? And people believe it?’ So much steam and such frightening sounds came from his throat that I thought anger and envy would choke him.
“Eventually he quieted and stopped panting so much. Once he was quiet, I laughed and said:
“‘You are annoyed, fire dog. That proves I am right about you!
“‘To make sure I stay right, listen to this about another fire dog. That one really speaks from the earth's heart.
“‘His breath blows gold and golden rain. His heart wants it that way. What does he need ash, smoke, or hot slime for?
“‘Laughter flies out of him like a colorful cloud. He dislikes your gurgling, spitting, and stomach cramps!
“‘He gets the gold and laughter from the earth's heart. Just so you know, the earth's heart is gold.’
“The fire dog could not bear listening anymore. He pulled his tail in, ashamed, said ‘Woof! Woof!’ in a timid voice, and crawled down into his cave.”—
That was Zarathustra's story. His students hardly listened, so eager were they to tell him about the sailors, the rabbits, and the flying man.
“What should I think about that?” Zarathustra said. “Am I a ghost?
“It must have been my shadow. Perhaps you have heard about the wanderer and his shadow?
“One thing is certain: I must keep him under closer control. Otherwise he will ruin my reputation.”
Zarathustra shook his head again, surprised. “What should I think about that?” he repeated.
“Why did the ghost shout, ‘It is time! It is high time!’?
“High time for what?”—
That is what Zarathustra said.
The Prophet
“—I saw a great sadness come over people. The best became tired of their work.
“A teaching spread, and a belief went alongside it: ‘Everything is empty, everything is the same, everything has already been!’
“Every hill echoed, ‘Everything is empty, everything is the same, everything has already been!’
“We have harvested. But why did all our fruit become rotten and brown? What fell last night from the evil moon?
“All our work was wasted. Our wine turned poisonous. An evil eye scorched our fields and hearts yellow.
“We have all dried out. If fire falls on us, we scatter like ash. We have tired out even fire itself.
“All our wells dried up, and even the sea pulled back. All the ground wants to split open, but the depths will not swallow anything!
“‘Where is there still a sea to drown in?’ Our complaint travels over shallow swamps.
“We are already too tired to die. Now we stay awake and go on living in burial rooms!”—
Zarathustra heard a prophet say this. The prediction touched his heart and changed him. He wandered sadly and tiredly, becoming like the people the prophet had described.
“It will not be long before this long twilight comes,” he told his students. “How will I save my light through it?
“It must not suffocate in this sadness! It is meant to light more distant worlds and even the farthest nights!”
Troubled in this way, Zarathustra wandered about. For three days he did not eat or drink, could not rest, and stopped speaking. Finally he fell deeply asleep. His students sat around him through long nights, worriedly waiting to see if he would wake up, speak again, and recover from his sadness.
This is what Zarathustra said when he woke. His voice sounded to his students as though it came from far away.
“Friends, listen to my dream and help me work out its meaning!
“It is still a puzzle. Its meaning is trapped inside, hidden, and has not yet flown above it on free wings.
“I dreamed I had given up all life. I had become a night watchman and guard of graves in death's lonely mountain castle.
“I guarded its coffins up there. Those musty rooms were full of these signs of victory. Life that had been defeated looked at me from glass coffins.
“I breathed the smell of dusty eternities. My soul felt hot, stale, and dusty. Who could get fresh air for their soul there?
“The brightness of midnight was always around me. Loneliness crouched beside it. With them was rattling deathly silence, the worst of my female friends.
“I carried keys, the rustiest keys of all. I knew how to open the world's creakiest gate with them.
“When the gate's doors lifted, the sound traveled through long corridors like an angry, ugly croak. This bird cried harshly. It did not want waking.
“But it was still more frightening and squeezed my heart harder when the sound stopped, everything grew quiet, and I sat alone in that treacherous silence.
“That was how time passed and crept, if there was still time. What do I know? But finally something happened that woke me.
“Blows hit the gate three times, like thunder. The rooms echoed and howled three times. I went to the gate.
“‘Alpa!’ I shouted. ‘Who is carrying his ashes up the mountain? Alpa! Alpa! Who is carrying his ashes up the mountain?’
“I pressed the key and strained to lift the gate. It did not open even a finger's width.
“Then a roaring wind tore the doors apart. Whistling, shrieking, cutting, it threw a black coffin toward me.
“Amid the roar, whistle, and shriek, the coffin broke apart and poured out a thousand bursts of laughter.
“A thousand grimacing faces of children, angels, owls, fools, and butterflies as big as children laughed, mocked, and roared at me.
“I was horribly frightened. It knocked me down. I screamed with more horror than ever before.
“But my own scream woke me. I came back to myself.”—
Zarathustra finished telling his dream and fell quiet. He did not understand it yet. But the student he loved most stood up quickly, took his hand, and said:
“Your own life explains this dream to us, Zarathustra!
“Aren't you the wind with the shrill whistle, tearing open the gates of death's castles?
“Aren't you the coffin full of colorful mischief and life's angels pulling faces?
“Zarathustra enters every room of the dead like a thousand children's laughs. He laughs at the night watchmen, the guards of graves, and anyone rattling gloomy keys.
“Your laughter will frighten them and knock them over. Their fainting and waking will prove your power over them.
“Even when the long twilight and tiredness of death come, you will not set in our sky, defender of life!
“You showed us new stars and new beautiful things in the night. You spread laughter itself above us like a colorful tent.
“Now children's laughter will keep pouring from coffins. A strong wind will always arrive to defeat tiredness of death. You yourself are our guarantee and prophet of that!
“You dreamed your enemies themselves. That was your most difficult dream!
“But as you woke from them and came back to yourself, they must wake from themselves and come to you!”—
The student said this. All the others crowded around Zarathustra, held his hands, and tried to persuade him to leave his bed and sadness and come back to them. Zarathustra sat upright in bed, looking strange. Like someone home after a long time abroad, he examined his students' faces without recognizing them yet. When they lifted him onto his feet, his eyes suddenly changed. He understood everything that had happened, stroked his beard, and said firmly, “Good! There is a time for that. But my students, make sure we have a good meal soon! That is how I intend to make up for bad dreams!
“The prophet must eat and drink beside me. I will show him a sea he can drown in!”
That is what Zarathustra said. Then he looked for a long time into the face of the student who had interpreted the dream, shaking his head.—
About Redemption
One day Zarathustra was crossing the big bridge when cripples and beggars surrounded him. A man with a hump on his back said:
“Look, Zarathustra! Even ordinary people are learning from you and believing your teaching. But before they believe completely, something else must happen: you must convince us cripples first! Here is a good selection, an opportunity with several forelocks to grab! You can heal blind people and make lame people walk. You might also take something off a man with too much behind him. That would be the right way to make cripples believe in Zarathustra!”
Zarathustra answered, “People teach that taking a hunchback's hump takes his spirit away too. Give a blind man his sight and he sees so many bad things that he curses the person who healed him. Making a lame man walk does him the greatest harm: as soon as he can walk, his vices run away with him. That is what people teach about cripples. Why shouldn't Zarathustra learn from the people if they learn from him?
“But since I started living among people, seeing that one lacks an eye, another an ear, a third a leg, while others have lost a tongue, nose, or head, is the least of it.
“I see worse and have seen many things so awful that I would not talk about all of them or even stay quiet about some. I mean people lacking everything except one thing they have too much of: nothing but a huge eye, a huge mouth, a huge belly, or something else huge. I call them cripples in reverse.
“When I left my solitude and first crossed this bridge, I could hardly believe my eyes. I looked again and again and finally said, ‘That is an ear! An ear as big as a person!’ Looking more closely, I saw something moving below it, pitifully small, poor, and thin. The enormous ear sat on a little narrow stalk, and the stalk was a human being! With a magnifying glass you could even see a little jealous face and a swollen little soul hanging from the stalk. But people told me the giant ear was not just a person but a great person, a genius. I never believed them about great people. I kept believing this was a cripple in reverse, with too little of everything and too much of one thing.”
After saying this to the hunchback and the people he spoke for, Zarathustra turned to his students in deep unhappiness and said:
“Friends, walking among people feels like walking among people's broken pieces and limbs!
“The frightening thing I see is humanity broken and scattered as if across a battlefield and a place of slaughter.
“If my eyes escape from now to the past, they find the same thing: pieces, limbs, terrible accidents, but no human beings!
“Now and the past on earth—that is my most unbearable thing, friends. I would not know how to live unless I could also see what has to come.
“A seer, someone willing and creating, a future himself, a bridge to the future, and also a kind of cripple on that bridge: Zarathustra is all of these.
“You have often asked yourselves, ‘Who is Zarathustra to us? What should we call him?’ Like me, you answered with questions.
“Does he promise, or fulfill? Conquer, or inherit? Is he autumn, or a plow blade? A doctor, or someone recovered?
“A poet, or a truthful person? Someone freeing or taming? Good, or evil?
“I walk among people as among fragments of the future, the future I see.
“All my inventing and trying aims to bring together into one what is broken, puzzling, and terribly accidental.
“How could I stand being human unless humanity were also a poet, a puzzle-solver, and someone who saves chance!
“Only this would mean redemption to me: saving those who have gone and turning every ‘It was’ into ‘That is how I wanted it!’
“Will is the name of the thing setting us free and bringing happiness. I taught you that, friends! Learn this too now: will itself remains a prisoner.
“Willing frees us. But what still puts the liberator in chains?
“‘It was’ is the name for the will's grinding of teeth and its loneliest sadness. Unable to change what is done, it watches everything past with bad feelings.
“The will cannot will backward. Its loneliest sadness comes from not being able to break time and time's desire.
“Willing frees us. What does willing invent to escape its sadness and laugh at its prison?
“Every prisoner becomes foolish! The imprisoned will frees itself foolishly too.
“It is furious because time does not run backward. ‘What was’ is the stone it cannot roll away.
“So it rolls stones out of anger and discontent. It takes revenge on whatever does not share that anger and discontent.
“The will, which frees us, became something that hurts. It takes revenge on everything capable of pain because it cannot go backward.
“This alone is revenge: the will's bad will against time and its ‘It was.’
“A great foolishness lives in our will. When that foolishness grew clever, it became a curse for all humanity!
“The spirit of revenge has been people's best thinking until now, my friends. Wherever there was pain, people thought there should be punishment.
“Revenge calls itself ‘punishment.’ That dishonest word lets it pretend to have a clear conscience.
“Because the person willing suffers from not being able to will backward, willing itself and all life were supposed to be punishment!
“Cloud after cloud covered the mind. Finally madness preached, ‘Everything passes away, so everything deserves to pass away!’
“‘This law of time, that time must eat its children, is justice itself.’ That is what madness preached.
“‘Things are ordered morally, by justice and punishment. Where can we escape the flow of things and the punishment called existence?’ That is what madness preached.
“‘Can there be redemption if justice lasts forever? We cannot roll away the stone “It was.” Every punishment must last forever too!’ That is what madness preached.
“‘No act can be destroyed. How could punishment undo it? This is what lasts forever in the punishment called existence: existence must keep becoming act and guilt forever!
“‘Unless will finally freed itself, and willing became not willing—’ You know that mad fable song, my brothers!
“I led you away from those fable songs when I taught, ‘The will creates.’
“Every ‘It was’ is a piece, a puzzle, a terrible accident, until the creative will says, ‘But I wanted it that way!’
“Until it says, ‘But I want it that way! That is how I will want it!’
“But has it said that yet? When will it happen? Has the will been freed from its own foolishness?
“Has it become its own liberator and source of joy? Has it unlearned revenge and all grinding of teeth?
“Who taught it to make peace with time, and something higher than any making of peace?
“The will to power must want something higher than any making of peace. But how does that happen? Who taught it even to will backward?”
At this point Zarathustra suddenly stopped. He looked like someone terribly frightened. His startled eyes looked at his students, piercing their thoughts and secret thoughts like arrows. After a moment he laughed again and said reassuringly:
“Living with people is hard because keeping quiet is hard. Especially for someone who talks a lot.”—
That is what Zarathustra said. The hunchback had listened with his face covered. Hearing Zarathustra laugh, he looked up curiously and asked slowly:
“But why does Zarathustra speak differently to us than to his students?”
“Why be surprised?” Zarathustra answered. “You can speak crookedly to people with crooked backs!”
“Good,” the hunchback said. “With students you can talk out of school.
“But why does Zarathustra speak differently to his students than to himself?”—
On Dealing Wisely with People
It is not the height that frightens me. It is the steep slope!
On that slope your eyes rush down while your hand reaches up. The heart grows dizzy with its two wishes.
My friends, can you guess the two wishes in my heart too?
This is my steep slope and danger: my eyes rush toward the heights, while my hand wants to hold on to something deep below!
My will clings to humanity. I chain myself to it because I am pulled upward toward the overhuman. That is where my other will wants to go.
That is why I live blindly among people, as though I did not know them. I do not want my hand to lose all belief in something solid.
I do not know you human beings. That darkness and comfort often cover me.
I sit in the entrance for every rogue, asking, “Who wants to trick me?”
My first way of dealing wisely with people is letting myself be tricked, so I do not have to watch out for tricksters.
If I watched out for people, how could they anchor my balloon? I would be pulled up and away too easily!
This is the providence over my fate: I must not take precautions.
Anyone who does not want to die of thirst among people must learn to drink from every glass. Anyone who wants to stay clean must know how to wash even in dirty water.
I have often comforted myself like this: “Come on, old heart! A misfortune failed to happen. Enjoy that as your good luck!”
My second way of dealing wisely with people is sparing the vain more than the proud.
Doesn't wounded vanity give birth to all tragedies? But wounding pride may produce something better than pride.
Life's play must be performed well to be enjoyable to watch. That takes good actors.
I found all vain people good actors. They act and want people to enjoy watching them. Their whole spirit goes into that wish.
They put themselves on display and invent themselves. I enjoy watching life near them. It cures sadness.
That is why I spare them. They treat my sadness and keep me attached to humanity as if to a play.
Who can measure all the modesty in a vain person? I like and pity him because of that modesty.
He wants you to teach him to believe in himself. He feeds on your looks and eats praise from your hands.
He even believes your lies when you tell good lies about him. Deep down his heart sighs, “What am I?”
If real virtue does not know itself, then the vain person does not know his modesty!—
My third way of dealing wisely with people is not letting your fear spoil my pleasure in seeing evil people.
I am happy to see the wonders a hot sun brings to life: tigers, palms, and rattlesnakes.
People too have beautiful offspring of a hot sun. Evil people have much worth wondering at.
Just as your wisest people did not seem so wise to me, I found human malice less bad than its reputation.
I often shook my head and asked, “Why are you still rattling, rattlesnakes?”
Evil still has a future too! Humanity has not discovered its hottest south yet.
Many things already called the worst evil are only twelve feet wide and three months long! Bigger dragons will be born one day.
The overhuman must have a dragon worthy of it, an overdragon. For that, a great deal of hot sun must still shine on wet ancient forest!
Your wildcats must first turn into tigers, your poisonous toads into crocodiles. A good hunter should have good hunting!
You good and just people have much that makes me laugh, especially your fear of what has been called ‘the devil’!
Your souls are so unfamiliar with greatness that the overhuman would be frightening to you even in its goodness!
You wise and knowledgeable people would run from the burning sun of wisdom in which the overhuman happily bathes naked!
You highest people I have seen! Here is my doubt about you and my secret laughter: I suspect you would call my overhuman a devil!
I grew tired of these highest and best people. From their ‘height’ I wanted to go up, out, away toward the overhuman!
I felt horror when I saw these best people naked. I grew wings to fly into distant futures.
Farther futures, farther south than any sculptor ever imagined, where gods are ashamed of all clothes!
But I want to see you, my neighbors and fellow human beings, in disguise: well dressed, vain, dignified, as ‘the good and the just’—
I want to sit among you in disguise myself, so that I mistake you and myself for something else. That is my last way of dealing wisely with people.
That is what Zarathustra said.
The Quietest Hour
“What has happened to me, friends? You see me upset, driven away, obeying against my will, ready to leave—leave you!
“Yes, Zarathustra has to go back to being alone. This time the bear does not want to return to his cave!
“What happened? Who orders this? My angry mistress wants it. She spoke to me. Have I ever told you her name?
“Yesterday toward evening my quietest hour spoke to me. That is my frightening mistress's name.
“I must tell you how it happened, all of it, so that you will not feel hard toward someone leaving so suddenly!
“Do you know the fright a person gets while falling asleep? They are scared right down to their toes as the ground gives way and the dream starts.
“I use that as an image. Yesterday, at the quietest hour, the ground beneath me gave way. The dream started.
“The hand moved. My life's clock took a breath. I had never heard such quiet around me. It frightened my heart.
“Then something said to me without a voice, ‘You know it, Zarathustra?’—
“I screamed at that whisper in fear. The blood left my face. But I said nothing.
“It said without a voice again, ‘You know it, Zarathustra, but you do not say it!’—
“Finally I answered stubbornly, ‘Yes, I know, but I will not say it!’
“It spoke without a voice again: ‘You do not want to, Zarathustra? Is that true? Don't hide behind being stubborn!’—
“I cried and shook like a child. ‘I would like to, but how can I? Please let me off! It is beyond my strength!’
“It said without a voice, ‘What do you matter, Zarathustra? Say your word and break!’—
“I answered, ‘Is it my word? Who am I? I am waiting for someone worthier. I am not even worthy to break on it.’
“It said without a voice, ‘What do you matter? You are not humble enough yet. Humility has the toughest skin.’—
“I answered, ‘What hasn't the skin of my humility already carried? I live at the foot of my height. How high are my peaks? Nobody has told me yet. But I know my valleys well.’
“It said without a voice, ‘Zarathustra, anyone who has mountains to move moves valleys and low ground too.’—
“I answered, ‘My word has not moved mountains yet. What I said did not reach people. I went to them, but have not arrived among them yet.’
“It said without a voice, ‘What do you know about that? Dew falls on the grass when night is most silent.’—
“I answered, ‘They laughed at me when I found and took my own path. My feet really did shake then.
“‘They told me: you have forgotten the road; now you will forget how to walk too!’
“It said without a voice, ‘What does their mockery matter? You have unlearned obeying. Now you must give orders!
“‘Do you know who everyone needs most? Someone who orders great things.
“‘Doing great things is hard. Ordering great things is harder.
“‘This is what is least forgivable about you: you have the power and do not want to rule.’—
“I answered, ‘I lack a lion's voice for giving orders.’
“It spoke again like a whisper: ‘The quietest words bring the storm. Thoughts arriving on doves' feet guide the world.
“‘Zarathustra, you must go as a shadow of what has to come. In that way you will command and lead the way by commanding.’—
“I answered, ‘I am ashamed.’
“It said without a voice, ‘You still have to become a child and lose your shame.
“‘You still wear the pride of youth. You became young late. But anyone wanting to become a child must overcome youth as well.’—
“I thought for a long time and shook. Finally I said what I had said at first: ‘I will not.’
“Laughter began around me. How it tore my insides and cut my heart open!
“For the last time it said, ‘Zarathustra, your fruit is ripe, but you are not ripe for your fruit!
“‘So you must go back to being alone. You still have to soften.’—
“It laughed again and left. Things became quiet around me with a double quiet. I lay on the ground, sweat running from my arms and legs.
“Now you have heard everything, including why I must go back to being alone. Friends, I have hidden nothing.
“But you have also heard from me who remains the person who keeps most quiet, and wants to stay that way!
“My friends, I have something else to tell you, something else to give! Why don't I give it? Am I stingy?”—
When Zarathustra said this, pain and the approaching goodbye to his friends overwhelmed him. He cried loudly. No one knew how to comfort him. In the night he went away alone and left his friends.
Part 3
Dritter Theil
„Ihr seht nach Oben, wenn ihr nach Erhebung verlangt. Und ich sehe hinab, weil ich erhoben bin.
Wer von euch kann zugleich lachen und erhoben sein?
Wer auf den höchsten Bergen steigt, der lacht über alle Trauer-Spiele und Trauer-Ernste.“
Zarathustra, vom Lesen und Schreiben. (I. p. 53.)
Der Wanderer.
Um Mitternacht war es, da nahm Zarathustra seinen Weg über den Rücken der Insel, dass er mit dem frühen Morgen an das andre Gestade käme: denn dort wollte er zu Schiff steigen. Es gab nämlich allda eine gute Rhede, an der auch fremde Schiffe gern vor Anker giengen; die nahmen Manchen mit sich, der von den glückseligen Inseln über das Meer wollte. Als nun Zarathustra so den Berg hinanstieg, gedachte er unterwegs des vielen einsamen Wanderns von Jugend an, und wie viele Berge und Rücken und Gipfel er schon gestiegen sei.
Ich bin ein Wanderer und ein Bergsteiger, sagte er zu seinem Herzen, ich liebe die Ebenen nicht und es scheint, ich kann nicht lange still sitzen.
Und was mir nun auch noch als Schicksal und Erlebniss komme, — ein Wandern wird darin sein und ein Bergsteigen: man erlebt endlich nur noch sich selber.
Die Zeit ist abgeflossen, wo mir noch Zufälle begegnen durften; und was könnte jetzt noch zu mir fallen, was nicht schon mein Eigen wäre!
Es kehrt nur zurück, es kommt mir endlich heim — mein eigen Selbst, und was von ihm lange in der Fremde war und zerstreut unter alle Dinge und Zufälle.
Und noch Eins weiss ich: ich stehe jetzt vor meinem letzten Gipfel und vor dem, was mir am längsten aufgespart war. Ach, meinen härtesten Weg muss ich hinan! Ach, ich begann meine einsamste Wanderung!
Wer aber meiner Art ist, der entgeht einer solchen Stunde nicht: der Stunde, die zu ihm redet: „Jetzo erst gehst du deinen Weg der Grösse! Gipfel und Abgrund — das ist jetzt in Eins beschlossen!
Du gehst deinen Weg der Grösse: nun ist deine letzte Zuflucht worden, was bisher deine letzte Gefahr hiess!
Du gehst deinen Weg der Grösse: das muss nun dein bester Muth sein, dass es hinter dir keinen Weg mehr giebt!
Du gehst deinen Weg der Grösse; hier soll dir Keiner nachschleichen! Dein Fuss selber löschte hinter dir den Weg aus, und über ihm steht geschrieben: Unmöglichkeit.
Und wenn dir nunmehr alle Leitern fehlen, so musst du verstehen, noch auf deinen eigenen Kopf zu steigen: wie wolltest du anders aufwärts steigen?
Auf deinen eigenen Kopf und hinweg über dein eigenes Herz! Jetzt muss das Mildeste an dir noch zum Härtesten werden.
Wer sich stets viel geschont hat, der kränkelt zuletzt an seiner vielen Schonung. Gelobt sei, was hart macht! Ich lobe das Land nicht, wo Butter und Honig — fliesst!
Von sich absehn lernen ist nöthig, um Viel zu sehn: — diese Härte thut jedem Berge-Steigenden Noth.
Wer aber mit den Augen zudringlich ist als Erkennender, wie sollte der von allen Dingen mehr als ihre vorderen Gründe sehn!
Du aber, oh Zarathustra, wolltest aller Dinge Grund schaun und Hintergrund: so musst du schon über dich selber steigen, — hinan, hinauf, bis du auch deine Sterne noch unter dir hast!
Ja! Hinab auf mich selber sehn und noch auf meine Sterne: das erst hiesse mir mein Gipfel, das blieb mir noch zurück als mein letzter Gipfel! —“
Also sprach Zarathustra im Steigen zu sich, mit harten Sprüchlein sein Herz tröstend: denn er war wund am Herzen wie noch niemals zuvor. Und als er auf die Höhe des Bergrückens kam, siehe, da lag das andere Meer vor ihm ausgebreitet: und er stand still und schwieg lange. Die Nacht aber war kalt in dieser Höhe und klar und hellgestirnt.
Ich erkenne mein Loos, sagte er endlich mit Trauer. Wohlan! Ich bin bereit. Eben begann meine letzte Einsamkeit.
Ach, diese schwarze traurige See unter mir! Ach, diese schwangere nächtliche Verdrossenheit! Ach, Schicksal und See! Zu euch muss ich nun hinab steigen!
Vor meinem höchsten Berge stehe ich und vor meiner längsten Wanderung: darum muss ich erst tiefer hinab als ich jemals stieg:
— tiefer hinab in den Schmerz als ich jemals stieg, bis hinein in seine schwärzeste Fluth! So will es mein Schicksal: Wohlan! Ich bin bereit.
Woher kommen die höchsten Berge? so fragte ich einst. Da lernte ich, dass sie aus dem Meere kommen.
Diess Zeugniss ist in ihr Gestein geschrieben und in die Wände ihrer Gipfel. Aus dem Tiefsten muss das Höchste zu seiner Höhe kommen. —
Also sprach Zarathustra auf der Spitze des Berges, wo es kalt war; als er aber in die Nähe des Meeres kam und zuletzt allein unter den Klippen stand, da war er unterwegs müde geworden und sehnsüchtiger als noch zuvor.
Es schläft jetzt Alles noch, sprach er; auch das Meer schläft. Schlaftrunken und fremd blickt sein Auge nach mir.
Aber es athmet warm, das fühle ich. Und ich fühle auch, dass es träumt. Es windet sich träumend auf harten Kissen.
Horch! Horch! Wie es stöhnt von bösen Erinnerungen! Oder bösen Erwartungen?
Ach, ich bin traurig mit dir, du dunkles Ungeheuer, und mir selber noch gram um deinetwillen.
Ach, dass meine Hand nicht Stärke genug hat! Gerne, wahrlich, möchte ich dich von bösen Träumen erlösen! —
Und indem Zarathustra so sprach, lachte er mit Schwermuth und Bitterkeit über sich selber. „Wie! Zarathustra! sagte er, willst du noch dem Meere Trost singen?
Ach, du liebreicher Narr Zarathustra, du Vertrauens-Überseliger! Aber so warst du immer: immer kamst du vertraulich zu allem Furchtbaren.
Jedes Ungethüm wolltest du noch streicheln. Ein Hauch warmen Athems, ein Wenig weiches Gezottel an der Tatze —: und gleich warst du bereit, es zu lieben und zu locken.
Die Liebe ist die Gefahr des Einsamsten, die Liebe zu Allem, wenn es nur lebt! Zum Lachen ist wahrlich meine Narrheit und meine Bescheidenheit in der Liebe! —
Also sprach Zarathustra und lachte dabei zum andern Male: da aber gedachte er seiner verlassenen Freunde —, und wie als ob er sich mit seinen Gedanken an ihnen vergangen habe, zürnte er sich ob seiner Gedanken. Und alsbald geschah es, dass der Lachende weinte: — vor Zorn und Sehnsucht weinte Zarathustra bitterlich.
Vom Gesicht und Räthsel.
1 Als es unter den Schiffsleuten ruchbar wurde, dass Zarathustra auf dem Schiffe sei, — denn es war ein Mann zugleich mit ihm an Bord gegangen, der von den glückseligen Inseln kam — da entstand eine grosse Neugierde und Erwartung. Aber Zarathustra schwieg zwei Tage und war kalt und taub vor Traurigkeit, also, dass er weder auf Blicke noch auf Fragen antwortete. Am Abende aber des zweiten Tages that er seine Ohren wieder auf, ob er gleich noch schwieg: denn es gab viel Seltsames und Gefährliches auf diesem Schiffe anzuhören, welches weither kam und noch weiterhin wollte. Zarathustra aber war ein Freund aller Solchen, die weite Reisen thun und nicht ohne Gefahr leben mögen. Und siehe! zuletzt wurde ihm im Zuhören die eigne Zunge gelöst, und das Eis seines Herzens brach: — da begann er also zu reden:
Euch, den kühnen Suchern, Versuchern, und wer je sich mit listigen Segeln auf furchtbare Meere einschiffte, —
euch, den Räthsel-Trunkenen, den Zwielicht-Frohen, deren Seele mit Flöten zu jedem Irr-Schlunde gelockt wird: — denn nicht wollt ihr mit feiger Hand einem Faden nachtasten; und, wo ihr errathen könnt, da hasst ihr es, zu erschliessen —
euch allein erzähle ich das Räthsel, das ich sah, — das Gesicht des Einsamsten. —
Düster gieng ich jüngst durch leichenfarbne Dämmerung, — düster und hart, mit gepressten Lippen. Nicht nur Eine Sonne war mir untergegangen.
Ein Pfad, der trotzig durch Geröll stieg, ein boshafter, einsamer, dem nicht Kraut, nicht Strauch mehr zusprach: ein Berg-Pfad knirschte unter dem Trotz meines Fusses.
Stumm über höhnischem Geklirr von Kieseln schreitend, den Stein zertretend, der ihn gleiten liess: also zwang mein Fuss sich aufwärts.
Aufwärts: — dem Geiste zum Trotz, der ihn abwärts zog, abgrundwärts zog, dem Geiste der Schwere, meinem Teufel und Erzfeinde.
Aufwärts: — obwohl er auf mir sass, halb Zwerg, halb Maulwurf; lahm; lähmend; Blei durch mein Ohr, Bleitropfen-Gedanken in mein Hirn träufelnd.
„Oh Zarathustra, raunte er höhnisch Silb' um Silbe, du Stein der Weisheit! Du warfst dich hoch, aber jeder geworfene Stein muss — fallen!
Oh Zarathustra, du Stein der Weisheit, du Schleuderstein, du Stern-Zertrümmerer! Dich selber warfst du so hoch, — aber jeder geworfene Stein — muss fallen!
Verurtheilt zu dir selber und zur eignen Steinigung: oh Zarathustra, weit warfst du ja den Stein, — aber auf dich wird er zurückfallen!“
Drauf schwieg der Zwerg; und das währte lange. Sein Schweigen aber drückte mich; und solchermaassen zu Zwein ist man wahrlich einsamer als zu Einem!
Ich stieg, ich stieg, ich träumte, ich dachte, — aber Alles drückte mich. Einem Kranken glich ich, den seine schlimme Marter müde macht, und den wieder ein schlimmerer Traum aus dem Einschlafen weckt. —
Aber es giebt Etwas in mir, das ich Muth heisse: das schlug bisher mir jeden Unmuth todt. Dieser Muth hiess mich endlich stille stehn und sprechen: „Zwerg! Du! Oder ich!“ —
Muth nämlich ist der beste Todtschläger, — Muth, welcher angreift: denn in jedem Angriffe ist klingendes Spiel.
Der Mensch aber ist das muthigste Thier: damit überwand er jedes Thier. Mit klingendem Spiele überwand er noch jeden Schmerz; Menschen-Schmerz aber ist der tiefste Schmerz.
Der Muth schlägt auch den Schwindel todt an Abgründen: und wo stünde der Mensch nicht an Abgründen! Ist Sehen nicht selber — Abgründe sehen?
Muth ist der beste Todtschläger: der Muth schlägt auch das Mitleiden todt. Mitleiden aber ist der tiefste Abgrund: so tief der Mensch in das Leben sieht, so tief sieht er auch in das Leiden.
Muth aber ist der beste Todtschläger, Muth, der angreift: der schlägt noch den Tod todt, denn er spricht: „War das das Leben? Wohlan! Noch Ein Mal!“
In solchem Spruche aber ist viel klingendes Spiel. Wer Ohren hat, der höre. —
2 „Halt! Zwerg! sprach ich. Ich! Oder du! Ich aber bin der Stärkere von uns Beiden —: du kennst meinen abgründlichen Gedanken nicht! Den — könntest du nicht tragen!“ —
Da geschah, was mich leichter machte: denn der Zwerg sprang mir von der Schulter, der Neugierige! Und er hockte sich auf einen Stein vor mich hin. Es war aber gerade da ein Thorweg, wo wir hielten.
„Siehe diesen Thorweg! Zwerg! sprach ich weiter: der hat zwei Gesichter. Zwei Wege kommen hier zusammen: die gieng noch Niemand zu Ende.
Diese lange Gasse zurück: die währt eine Ewigkeit. Und jene lange Gasse hinaus — das ist eine andre Ewigkeit.
Sie widersprechen sich, diese Wege; sie stossen sich gerade vor den Kopf: — und hier, an diesem Thorwege, ist es, wo sie zusammen kommen. Der Name des Thorwegs steht oben geschrieben: „Augenblick“.
Aber wer Einen von ihnen weiter gienge — und immer weiter und immer ferner: glaubst du, Zwerg, dass diese Wege sich ewig widersprechen?“ —
„Alles Gerade lügt, murmelte verächtlich der Zwerg. Alle Wahrheit ist krumm, die Zeit selber ist ein Kreis.“
„Du Geist der Schwere! sprach ich zürnend, mache dir es nicht zu leicht! Oder ich lasse dich hocken, wo du hockst, Lahmfuss, — und ich trug dich hoch!
Siehe, sprach ich weiter, diesen Augenblick! Von diesem Thorwege Augenblick läuft eine lange ewige Gasse rückwärts: hinter uns liegt eine Ewigkeit.
Muss nicht, was laufen kann von allen Dingen, schon einmal diese Gasse gelaufen sein? Muss nicht, was geschehn kann von allen Dingen, schon einmal geschehn, gethan, vorübergelaufen sein?
Und wenn Alles schon dagewesen ist: was hältst du Zwerg von diesem Augenblick? Muss auch dieser Thorweg nicht schon — dagewesen sein?
Und sind nicht solchermaassen fest alle Dinge verknotet, dass dieser Augenblick alle kommenden Dinge nach sich zieht? Also — — sich selber noch?
Denn, was laufen kann von allen Dingen: auch in dieser langen Gasse hinaus — muss es einmal noch laufen! —
Und diese langsame Spinne, die im Mondscheine kriecht, und dieser Mondschein selber, und ich und du im Thorwege, zusammenflüsternd, von ewigen Dingen flüsternd — müssen wir nicht Alle schon dagewesen sein?
— und wiederkommen und in jener anderen Gasse laufen, hinaus, vor uns, in dieser langen schaurigen Gasse — müssen wir nicht ewig wiederkommen? —
Also redete ich, und immer leiser: denn ich fürchtete mich vor meinen eignen Gedanken und Hintergedanken. Da, plötzlich, hörte ich einen Hund nahe heulen.
Hörte ich jemals einen Hund so heulen? Mein Gedanke lief zurück. Ja! Als ich Kind war, in fernster Kindheit:
— da hörte ich einen Hund so heulen. Und sah ihn auch, gesträubt, den Kopf nach Oben, zitternd, in stillster Mitternacht, wo auch Hunde an Gespenster glauben:
— also dass es mich erbarmte. Eben nämlich gieng der volle Mond, todtschweigsam, über das Haus, eben stand er still, eine runde Gluth, — still auf flachem Dache, gleich als auf fremdem Eigenthume: —
darob entsetzte sich damals der Hund: denn Hunde glauben an Diebe und Gespenster. Und als ich wieder so heulen hörte, da erbarmte es mich abermals.
Wohin war jetzt Zwerg? Und Thorweg? Und Spinne? Und alles Flüstern? Träumte ich denn? Wachte ich auf? Zwischen wilden Klippen stand ich mit Einem Male, allein, öde, im ödesten Mondscheine.
Aber da lag ein Mensch! Und da! Der Hund, springend, gesträubt, winselnd, — jetzt sah er mich kommen — da heulte er wieder, da schrie er: — hörte ich je einen Hund so Hülfe schrein?
Und, wahrlich, was ich sah, desgleichen sah ich nie. Einen jungen Hirten sah ich, sich windend, würgend, zuckend, verzerrten Antlitzes, dem eine schwarze schwere Schlange aus dem Munde hieng.
Sah ich je so viel Ekel und bleiches Grauen auf Einem Antlitze? Er hatte wohl geschlafen? Da kroch ihm die Schlange in den Schlund — da biss sie sich fest.
Meine Hand riss die Schlange und riss: — umsonst! sie riss die Schlange nicht aus dem Schlunde. Da schrie es aus mir: „Beiss zu! Beiss zu!
Den Kopf ab! Beiss zu!“ — so schrie es aus mir, mein Grauen, mein Hass, mein Ekel, mein Erbarmen, all mein Gutes und Schlimmes schrie mit Einem Schrei aus mir. —
Ihr Kühnen um mich! Ihr Sucher, Versucher, und wer von euch mit listigen Segeln sich in unerforschte Meere einschiffte! Ihr Räthsel-Frohen!
So rathet mir doch das Räthsel, das ich damals schaute, so deutet mir doch das Gesicht des Einsamsten!
Denn ein Gesicht war's und ein Vorhersehn: — was sah ich damals im Gleichnisse? Und wer ist, der einst noch kommen muss?
Wer ist der Hirt, dem also die Schlange in den Schlund kroch? Wer ist der Mensch, dem also alles Schwerste, Schwärzeste in den Schlund kriechen wird?
— Der Hirt aber biss, wie mein Schrei ihm rieth; er biss mit gutem Bisse! Weit weg spie er den Kopf der Schlange —: und sprang empor. —
Nicht mehr Hirt, nicht mehr Mensch, — ein Verwandelter, ein Umleuchteter, welcher lachte! Niemals noch auf Erden lachte je ein Mensch, wie er lachte!
Oh meine Brüder, ich hörte ein Lachen, das keines Menschen Lachen war, — — und nun frisst ein Durst an mir, eine Sehnsucht, die nimmer stille wird.
Meine Sehnsucht nach diesem Lachen frisst an mir: oh wie ertrage ich noch zu leben! Und wie ertrüge ich's, jetzt zu sterben! —
Also sprach Zarathustra.
Von der Seligkeit wider Willen.
Mit solchen Räthseln und Bitternissen im Herzen fuhr Zarathustra über das Meer. Als er aber vier Tagereisen fern war von den glückseligen Inseln und von seinen Freunden, da hatte er allen seinen Schmerz überwunden —: siegreich und mit festen Füssen stand er wieder auf seinem Schicksal. Und damals redete Zarathustra also zu seinem frohlockenden Gewissen:
Allein bin ich wieder und will es sein, allein mit reinem Himmel und freiem Meere; und wieder ist Nachmittag um mich.
Des Nachmittags fand ich zum ersten Male einst meine Freunde, des Nachmittags auch zum anderen Male: — zur Stunde, da alles Licht stiller wird.
Denn was von Glück noch unterwegs ist zwischen Himmel und Erde, das sucht sich nun zur Herberge noch eine lichte Seele: vor Glück ist alles Licht jetzt stiller worden.
Oh Nachmittag meines Lebens! Einst stieg auch mein Glück zu Thale, dass es sich eine Herberge suche: da fand es diese offnen gastfreundlichen Seelen.
Oh Nachmittag meines Lebens! Was gab ich nicht hin, dass ich Eins hätte: diese lebendige Pflanzung meiner Gedanken und diess Morgenlicht meiner höchsten Hoffnung!
Gefährten suchte einst der Schaffende und Kinder seiner Hoffnung: und siehe, es fand sich, dass er sie nicht finden könne, es sei denn, er schaffe sie selber erst.
Also bin ich mitten in meinem Werke, zu meinen Kindern gehend und von ihnen kehrend: um seiner Kinder willen muss Zarathustra sich selbst vollenden.
Denn von Grund aus liebt man nur sein Kind und Werk; und wo grosse Liebe zu sich selber ist, da ist sie der Schwangerschaft Wahrzeichen: so fand ich's.
Noch grünen mir meine Kinder in ihrem ersten Frühlinge, nahe bei einander stehend und gemeinsam von Winden geschüttelt, die Bäume meines Gartens und besten Erdreichs.
Und wahrlich! Wo solche Bäume bei einander stehn, da sind glückselige Inseln!
Aber einstmals will ich sie ausheben und einen Jeden für sich allein stellen: dass er Einsamkeit lerne und Trotz und Vorsicht.
Knorrig und gekrümmt und mit biegsamer Härte soll er mir dann am Meere dastehn, ein lebendiger Leuchtthurm unbesiegbaren Lebens.
Dort, wo die Stürme hinab in's Meer stürzen, und des Gebirgs Rüssel Wasser trinkt, da soll ein Jeder einmal seine Tag- und Nachtwachen haben, seiner Prüfung und Erkenntniss.
Erkannt und geprüft soll er werden, darauf, ob er meiner Art und Abkunft ist,— ob er eines langen Willens Herr sei, schweigsam, auch wenn er redet, und nachgebend also, dass er im Geben nimmt: —
— dass er einst mein Gefährte werde und ein Mitschaffender und Mitfeiernder Zarathustra's —: ein Solcher, der mir meinen Willen auf meine Tafeln schreibt: zu aller Dinge vollerer Vollendung.
Und um seinetwillen und seines Gleichen muss ich selber mich vollenden: darum weiche ich jetzt meinem Glücke aus und biete mich allem Unglücke an — zu meiner letzten Prüfung und Erkenntniss.
Und wahrlich, Zeit war's, dass ich gieng; und des Wanderers Schatten und die längste Weile und die stillste Stunde — alle redeten mir zu: „es ist höchste Zeit!“
Der Wind blies mir durch's Schlüsselloch und sagte „Komm!“ Die Thür sprang mir listig auf und sagte „Geh!“
Aber ich lag angekettet an die Liebe zu meinen Kindern: das Begehren legte mir diese Schlinge, das Begehren nach Liebe, dass ich meiner Kinder Beute würde und mich an sie verlöre.
Begehren — das heisst mir schon: mich verloren haben. Ich habe euch, meine Kinder! In diesem Haben soll Alles Sicherheit und Nichts Begehren sein.
Aber brütend lag die Sonne meiner Liebe auf mir, im eignen Safte kochte Zarathustra, — da flogen Schatten und Zweifel über mich weg.
Nach Frost und Winter gelüstete mich schon: „oh dass Frost und Winter mich wieder knacken und knirschen machten!“ seufzte ich: — da stiegen eisige Nebel aus mir auf.
Meine Vergangenheit brach ihre Gräber, manch lebendig begrabner Schmerz wachte auf —: ausgeschlafen hatte er sich nur, versteckt in Leichen-Gewänder.
Also rief mir Alles in Zeichen zu: „es ist Zeit!“ Aber ich — hörte nicht: bis endlich mein Abgrund sich rührte und mein Gedanke mich biss.
Ach, abgründlicher Gedanke, der du mein Gedanke bist! Wann finde ich die Stärke, dich graben zu hören und nicht mehr zu zittern?
Bis zur Kehle hinauf klopft mir das Herz, wenn ich dich graben höre! Dein Schweigen noch will mich würgen, du abgründlich Schweigender!
Noch wagte ich niemals, dich herauf zu rufen: genug schon, dass ich dich mit mir — trug! Noch war ich nicht stark genug zum letzten Löwen-Übermuthe und -Muthwillen.
Genug des Furchtbaren war mir immer schon deine Schwere: aber einst soll ich noch die Stärke finden und die Löwen-Stimme, die dich herauf ruft!
Wenn ich mich dessen erst überwunden habe, dann will ich mich auch des Grösseren noch überwinden; und ein Sieg soll meiner Vollendung Siegel sein! —
Inzwischen treibe ich noch auf ungewissen Meeren; der Zufall schmeichelt mir, der glattzüngige; vorwärts und rückwärts schaue ich —, noch schaue ich kein Ende.
Noch kam mir die Stunde meines letzten Kampfes nicht, — oder kommt sie wohl mir eben? Wahrlich, mit tückischer Schönheit schaut mich rings Meer und Leben an!
Oh Nachmittag meines Lebens! Oh Glück vor Abend! Oh Hafen auf hoher See! Oh Friede im Ungewissen! Wie misstraue ich euch Allen!
Wahrlich, misstrauisch bin ich gegen eure tückische Schönheit! Dem Liebenden gleiche ich, der allzusammtenem Lächeln misstraut.
Wie er die Geliebteste vor sich her stösst, zärtlich noch in seiner Härte, der Eifersüchtige —, also stosse ich diese selige Stunde vor mir her.
Hinweg mit dir, du selige Stunde! Mit dir kam mir eine Seligkeit wider Willen! Willig zu meinem tiefsten Schmerze stehe ich hier: — zur Unzeit kamst du!
Hinweg mit dir, du selige Stunde! Lieber nimm Herberge dort — bei meinen Kindern! Eile! und segne sie vor Abend noch mit meinem Glücke!
Da naht schon der Abend: die Sonne sinkt. Dahin — mein Glück! —
Also sprach Zarathustra. Und er wartete auf sein Unglück die ganze Nacht: aber er wartete umsonst. Die Nacht blieb hell und still, und das Glück selber kam ihm immer näher und näher. Gegen Morgen aber lachte Zarathustra zu seinem Herzen und sagte spöttisch: „das Glück läuft mir nach. Das kommt davon, dass ich nicht den Weibern nachlaufe. Das Glück aber ist ein Weib.“
Vor Sonnen-Aufgang.
Oh Himmel über mir, du Reiner! Tiefer! Du Licht-Abgrund! Dich schauend schaudere ich vor göttlichen Begierden.
In deine Höhe mich zu werfen — das ist meine Tiefe! In deine Reinheit mich zu bergen — das ist meine Unschuld!
Den Gott verhüllt seine Schönheit: so verbirgst du deine Sterne. Du redest nicht: so kündest du mir deine Weisheit.
Stumm über brausendem Meere bist du heut mir aufgegangen, deine Liebe und deine Scham redet Offenbarung zu meiner brausenden Seele.
Dass du schön zu mir kamst, verhüllt in deine Schönheit, dass du stumm zu mir sprichst, offenbar in deiner Weisheit:
Oh wie erriethe ich nicht alles Schamhafte deiner Seele! Vor der Sonne kamst du zu mir, dem Einsamsten.
Wir sind Freunde von Anbeginn: uns ist Gram und Grauen und Grund gemeinsam; noch die Sonne ist uns gemeinsam.
Wir reden nicht zu einander, weil wir zu Vieles wissen —: wir schweigen uns an, wir lächeln uns unser Wissen zu.
Bist du nicht das Licht zu meinem Feuer? Hast du nicht die Schwester-Seele zu meiner Einsicht?
Zusammen lernten wir Alles; zusammen lernten wir über uns zu uns selber aufsteigen und wolkenlos lächeln: —
— wolkenlos hinab lächeln aus lichten Augen und aus meilenweiter Ferne, wenn unter uns Zwang und Zweck und Schuld wie Regen dampfen.
Und wanderte ich allein: wes hungerte meine Seele in Nächten und Irr-Pfaden? Und stieg ich Berge, wen suchte ich je, wenn nicht dich, auf Bergen?
Und all mein Wandern und Bergsteigen: eine Noth war's nur und ein Behelf des Unbeholfenen: — fliegen allein will mein ganzer Wille, in dich hinein fliegen!
Und wen hasste ich mehr, als ziehende Wolken und Alles, was dich befleckt? Und meinen eignen Hass hasste ich noch, weil er dich befleckte!
Den ziehenden Wolken bin ich gram, diesen schleichenden Raub-Katzen: sie nehmen dir und mir, was uns gemein ist, — das ungeheure unbegrenzte Ja- und Amen-sagen.
Diesen Mittlern und Mischern sind wir gram, den ziehenden Wolken: diesen Halb- und Halben, welche weder segnen lernten, noch von Grund aus fluchen.
Lieber will ich noch unter verschlossnem Himmel in der Tonne sitzen, lieber ohne Himmel im Abgrund sitzen, als dich, Licht-Himmel, mit Zieh-Wolken befleckt sehn!
Und oft gelüstete mich, sie mit zackichten BlitzGolddrähten festzuheften, dass ich, gleich dem Donner, auf ihrem Kessel-Bauche die Pauke schlüge: —
— ein zorniger Paukenschläger, weil sie mir dein Ja! und Amen! rauben, du Himmel über mir, du Reiner! Lichter! Du Licht-Abgrund! — weil sie dir mein Ja! und Amen! rauben.
Denn lieber noch will ich Lärm und Donner und Wetter-Flüche, als diese bedächtige zweifelnde Katzen-Ruhe; und auch unter Menschen hasse ich am besten alle Leisetreter und Halb- und Halben und zweifelnde, zögernde Zieh-Wolken.
Und „wer nicht segnen kann, der soll fluchen lernen!“ — diese helle Lehre fiel mir aus hellem Himmel, dieser Stern steht auch noch in schwarzen Nächten an meinem Himmel.
Ich aber bin ein Segnender und ein Ja-sager, wenn du nur um mich bist, du Reiner! Lichter! Du Licht-Abgrund! — in alle Abgründe trage ich da noch mein segnendes Ja-sagen.
Zum Segnenden bin ich worden und zum Jasagenden: und dazu rang ich lange und war ein Ringer, dass ich einst die Hände frei bekäme zum Segnen.
Das aber ist mein Segnen: über jedwedem Ding als sein eigener Himmel stehn, als sein rundes Dach, seine azurne Glocke und ewige Sicherheit: und selig ist, wer also segnet!
Denn alle Dinge sind getauft am Borne der Ewigkeit und jenseits von Gut und Böse; Gut und Böse selber aber sind nur Zwischenschatten und feuchte Trübsale und Zieh-Wolken.
Wahrlich, ein Segnen ist es und kein Lästern, wenn ich lehre: „über allen Dingen steht der Himmel Zufall, der Himmel Unschuld, der Himmel Ohngefähr, der Himmel Übermuth.“
„Von Ohngefähr“ — das ist der älteste Adel der Welt, den gab ich allen Dingen zurück, ich erlöste sie von der Knechtschaft unter dem Zwecke.
Diese Freiheit und Himmels-Heiterkeit stellte ich gleich azurner Glocke über alle Dinge, als ich lehrte, dass über ihnen und durch sie kein „ewiger Wille“ — will.
Diesen Übermuth und diese Narrheit stellte ich an die Stelle jenes Willens, als ich lehrte: „bei Allem ist Eins unmöglich — Vernünftigkeit!“
Ein Wenig Vernunft zwar, ein Same der Weisheit zerstreut von Stern zu Stern, — dieser Sauerteig ist allen Dingen eingemischt: um der Narrheit willen ist Weisheit allen Dingen eingemischt!
Ein Wenig Weisheit ist schon möglich; aber diese selige Sicherheit fand ich an allen Dingen: dass sie lieber noch auf den Füssen des Zufalls — tanzen.
Oh Himmel über mir, du Reiner! Hoher! Das ist mir nun deine Reinheit, dass es keine ewige Vernunft-Spinne und -Spinnennetze giebt: —
— dass du mir ein Tanzboden bist für göttliche Zufälle, dass du mir ein Göttertisch bist für göttliche Würfel und Würfelspieler! —
Doch du erröthest? Sprach ich Unaussprechbares? Lästerte ich, indem ich dich segnen wollte?
Oder ist es die Scham zu Zweien, welche dich erröthen machte? — Heissest du mich gehn und schweigen, weil nun — der Tag kommt?
Die Welt ist tief —: und tiefer als je der Tag gedacht hat. Nicht Alles darf vor dem Tage Worte haben. Aber der Tag kommt: so scheiden wir nun!
Oh Himmel über mir, du Schamhafter! Glühender! Oh du mein Glück vor Sonnen-Aufgang! Der Tag kommt: so scheiden wir nun! —
Also sprach Zarathustra.
Von der verkleinernden Tugend.
1 Als Zarathustra wieder auf dem festen Lande war, gieng er nicht stracks auf sein Gebirge und seine Höhle los, sondern that viele Wege und Fragen und erkundete diess und das, also, dass er von sich selber im Scherze sagte: „siehe einen Fluss, der in vielen Windungen zurück zur Quelle fliesst!“ Denn er wollte in Erfahrung bringen, was sich inzwischen mit dem Menschen zugetragen habe: ob er grösser oder kleiner geworden sei. Und Ein Mal sah er eine Reihe neuer Häuser; da wunderte er sich und sagte:
Was bedeuten diese Häuser? Wahrlich, keine grosse Seele stellte sie hin, sich zum Gleichnisse!
Nahm wohl ein blödes Kind sie aus seiner Spielschachtel? Dass doch ein anderes Kind sie wieder in seine Schachtel thäte!
Und diese Stuben und Kammern: können Männer da aus- und eingehen? Gemacht dünken sie mich für Seiden-Puppen; oder für Naschkatzen, die auch wohl an sich naschen lassen.
Und Zarathustra blieb stehn und dachte nach. Endlich sagte er betrübt: „Es ist Alles kleiner geworden!“ Überall sehe ich niedrigere Thore: wer meiner Art ist, geht da wohl noch hindurch, aber — er muss sich bücken!
Oh wann komme ich wieder in meine Heimat, wo ich mich nicht mehr bücken muss — nicht mehr bücken muss vor den Kleinen!“ — Und Zarathustra seufzte und blickte in die Ferne. —
Desselbigen Tages aber redete er seine Rede über die verkleinernde Tugend.
2 Ich gehe durch diess Volk und halte meine Augen offen: sie vergeben mir es nicht, dass ich auf ihre Tugenden nicht neidisch bin.
Sie beissen nach mir, weil ich zu ihnen sage: für kleine Leute sind kleine Tugenden nöthig — und weil es mir hart eingeht, dass kleine Leute nöthig sind!
Noch gleiche ich dem Hahn hier auf fremdem Gehöfte, nach dem auch die Hennen beissen; doch darob bin ich diesen Hennen nicht ungut.
Ich bin höflich gegen sie wie gegen alles kleine Aergerniss; gegen das Kleine stachlicht zu sein dünkt mich eine Weisheit für Igel.
Sie reden Alle von mir, wenn sie Abends um's Feuer sitzen, — sie reden von mir, aber Niemand denkt — an mich!
Diess ist die neue Stille, die ich lernte: ihr Lärm um mich breitet einen Mantel über meine Gedanken.
Sie lärmen unter einander: „was will uns diese düstere Wolke? sehen wir zu, dass sie uns nicht eine Seuche bringe!“ Und jüngst riss ein Weib sein Kind an sich, das zu mir wollte: „nehmt die Kinder weg! schrie es; solche Augen versengen Kinder-Seelen.“
Sie husten, wenn ich rede: sie meinen, Husten sei ein Einwand gegen starke Winde, — sie errathen Nichts vom Brausen meines Glückes!
„Wir haben noch keine Zeit für Zarathustra“ — so wenden sie ein; aber was liegt an einer Zeit, die für Zarathustra „keine Zeit hat“?
Und wenn sie gar mich rühmen: wie könnte ich wohl auf ihrem Ruhme einschlafen? Ein Stachel-Gürtel ist mir ihr Lob: es kratzt mich noch, wenn ich es von mir thue.
Und auch das lernte ich unter ihnen: der Lobende stellt sich, als gäbe er zurück, in Wahrheit aber will er mehr beschenkt sein!
Fragt meinen Fuss, ob ihm ihre Lob- und Lock-Weise gefällt! Wahrlich, nach solchem Takt und Tiktak mag er weder tanzen, noch stille stehn.
Zur kleinen Tugend möchten sie mich locken und loben; zum Tiktak des kleinen Glücks möchten sie meinen Fuss überreden.
Ich gehe durch diess Volk und halte die Augen offen: sie sind kleiner geworden und werden immer kleiner: — das aber macht ihre Lehre von Glück und Tugend.
Sie sind nämlich auch in der Tugend bescheiden — denn sie wollen Behagen. Mit Behagen aber verträgt sich nur die bescheidene Tugend.
Wohl lernen auch sie auf ihre Art Schreiten und Vorwärts-Schreiten: das heisse ich ihr Humpeln —. Damit werden sie Jedem zum Anstosse, der Eile hat.
Und Mancher von ihnen geht vorwärts und blickt dabei zurück, mit versteiftem Nacken: dem renne ich gern wider den Leib.
Fuss und Augen sollen nicht lügen, noch sich einander Lügen strafen. Aber es ist viel Lügnerei bei den kleinen Leuten.
Einige von ihnen wollen, aber die Meisten werden nur gewollt. Einige von ihnen sind ächt, aber die Meisten sind schlechte Schauspieler.
Es giebt Schauspieler wider Wissen unter ihnen und Schauspieler wider Willen —, die Ächten sind immer selten, sonderlich die ächten Schauspieler.
Des Mannes ist hier wenig: darum vermännlichen sich ihre Weiber. Denn nur wer Mannes genug ist, wird im Weibe das Weib — erlösen.
Und diese Heuchelei fand ich unter ihnen am schlimmsten: dass auch Die, welche befehlen, die Tugenden Derer heucheln, welche dienen.
„Ich diene, du dienst, wir dienen“ — so betet hier auch die Heuchelei der Herrschenden, — und wehe, wenn der erste Herr nur der erste Diener ist!
Ach, auch in ihre Heucheleien verflog sich wohl meines Auges Neugier; und gut errieth ich all ihr Fliegen-Glück und ihr Summen um besonnte Fensterscheiben.
Soviel Güte, soviel Schwäche sehe ich. Soviel Gerechtigkeit und Mitleiden, soviel Schwäche.
Rund, rechtlich und gütig sind sie mit einander, wie Sandkörnchen rund, rechtlich und gütig mit Sandkörnchen sind.
Bescheiden ein kleines Glück umarmen — das heissen sie „Ergebung“! und dabei schielen sie bescheiden schon nach einem neuen kleinen Glücke aus.
Sie wollen im Grunde einfältiglich Eins am meisten: dass ihnen Niemand wehe thue. So kommen sie Jedermann zuvor und thun ihm wohl.
Diess aber ist Feigheit: ob es schon „Tugend“ heisst. —
Und wenn sie einmal rauh reden, diese kleinen Leute: ich höre darin nur ihre Heiserkeit, — jeder Windzug nämlich macht sie heiser.
Klug sind sie, ihre Tugenden haben kluge Finger. Aber ihnen fehlen die Fäuste; ihre Finger wissen nicht, sich hinter Fäuste zu verkriechen.
Tugend ist ihnen das, was bescheiden und zahm macht: damit machten sie den Wolf zum Hunde und den Menschen selber zu des Menschen bestem Hausthiere.
„Wir setzten unsern Stuhl in die Mitte — das sagt mir ihr Schmunzeln — und ebenso weit weg von sterbenden Fechtern wie von vergnügten Säuen.“
Diess aber ist — Mittelmässigkeit: ob es schon Mässigkeit heisst. —
3 Ich gehe durch diess Volk und lasse manches Wort fallen: aber sie wissen weder zu nehmen noch zu behalten.
Sie wundern sich, dass ich nicht kam, auf Lüste und Laster zu lästern; und wahrlich, ich kam auch nicht, dass ich vor Taschendieben warnte!
Sie wundern sich, dass ich nicht bereit bin, ihre Klugheit noch zu witzigen und zu spitzigen: als ob sie noch nicht genug der Klüglinge hätten, deren Stimme mir gleich Schieferstiften kritzelt!
Und wenn ich rufe: „Flucht allen feigen Teufeln in euch, die gerne winseln und Hände falten und anbeten möchten“: so rufen sie: „Zarathustra ist gottlos“.
Und sonderlich rufen es ihre Lehrer der Ergebung —; aber gerade ihnen liebe ich's, in das Ohr zu schrein: Ja! Ich bin Zarathustra, der Gottlose!
Diese Lehrer der Ergebung! Überall hin, wo es klein und krank und grindig ist, kriechen sie, gleich Läusen; und nur mein Ekel hindert mich, sie zu knacken.
Wohlan! Diess ist meine Predigt für ihre Ohren: ich bin Zarathustra, der Gottlose, der da spricht „wer ist gottloser denn ich, dass ich mich seiner Unterweisung freue?“
Ich bin Zarathustra, der Gottlose: wo finde ich Meines-Gleichen? Und alle Die sind Meines-Gleichen, die sich selber ihren Willen geben und alle Ergebung von sich abthun.
Ich bin Zarathustra der Gottlose: ich koche mir noch jeden Zufall in meinem Topfe. Und erst, wenn er da gar gekocht ist, heisse ich ihn willkommen, als meine Speise.
Und wahrlich, mancher Zufall kam herrisch zu mir: aber herrischer noch sprach zu ihm mein Wille, — da lag er schon bittend auf den Knieen —
— bittend, dass er Herberge finde und Herz bei mir, und schmeichlerisch zuredend: „sieh doch, oh Zarathustra, wie nur Freund zu Freunde kommt!“ —
Doch was rede ich, wo Niemand meine Ohren hat! Und so will ich es hinaus in alle Winde rufen:
Ihr werdet immer kleiner, ihr kleinen Leute! Ihr bröckelt ab, ihr Behaglichen! Ihr geht mir noch zu Grunde —
— an euren vielen kleinen Tugenden, an eurem vielen kleinen Unterlassen, an eurer vielen kleinen Ergebung!
Zu viel schonend, zu viel nachgebend: so ist euer Erdreich! Aber dass ein Baum gross werde, dazu will er um harte Felsen harte Wurzeln schlagen!
Auch was ihr unterlasst, webt am Gewebe aller Menschen-Zukunft; auch euer Nichts ist ein Spinnennetz und eine Spinne, die von der Zukunft Blute lebt.
Und wenn ihr nehmt, so ist es wie stehlen, ihr kleinen Tugendhaften; aber noch unter Schelmen spricht die Ehre: „man soll nur stehlen, wo man nicht rauben kann.“
„Es giebt sich“ — das ist auch eine Lehre der Ergebung. Aber ich sage euch, ihr Behaglichen: es nimmt sich und wird immer mehr noch von euch nehmen!
Ach, dass ihr alles halbe Wollen von euch abthätet und entschlossen würdet zur Trägheit wie zur That!
Ach, dass ihr mein Wort verstündet: „thut immerhin, was ihr wollt, — aber seid erst Solche, die wollen können!“
„Liebt immerhin euren Nächsten gleich euch, — aber seid mir erst Solche, die sich selber lieben —
— mit der grossen Liebe lieben, mit der grossen Verachtung lieben!“ Also spricht Zarathustra, der Gottlose. —
Doch was rede ich, wo Niemand meine Ohren hat! Es ist hier noch eine Stunde zu früh für mich.
Mein eigner Vorläufer bin ich unter diesem Volke, mein eigner Hahnen-Ruf durch dunkle Gassen.
Aber ihre Stunde kommt! Und es kommt auch die meine! Stündlich werden sie kleiner, ärmer, unfruchtbarer, — armes Kraut! armes Erdreich!
Und bald sollen sie mir dastehn wie dürres Gras und Steppe, und wahrlich! ihrer selber müde — und mehr, als nach Wasser, nach Feuer lechzend!
Oh gesegnete Stunde des Blitzes! Oh Geheimniss vor Mittag! — Laufende Feuer will ich einst noch aus ihnen machen und Verkünder mit Flammen-Zungen: —
— verkünden sollen sie einst noch mit Flammen-Zungen: Er kommt, er ist nahe, der grosse Mittag!
Also sprach Zarathustra.
Auf dem Oelberge.
Der Winter, ein schlimmer Gast, sitzt bei mir zu Hause; blau sind meine Hände von seiner Freundschaft Händedruck.
Ich ehre ihn, diesen schlimmen Gast, aber lasse gerne ihn allein sitzen. Gerne laufe ich ihm davon; und, läuft man gut, so entläuft man ihm!
Mit warmen Füssen und warmen Gedanken laufe ich dorthin, wo der Wind stille steht, — zum Sonnen-Winkel meines Oelbergs.
Da lache ich meines gestrengen Gastes und bin ihm noch gut, dass er zu Hause mir die Fliegen wegfängt und vielen kleinen Lärm stille macht.
Er leidet es nämlich nicht, wenn eine Mücke singen will, oder gar zwei; noch die Gasse macht er einsam, dass der Mondschein drin Nachts sich fürchtet.
Ein harter Gast ist er, — aber ich ehre ihn, und nicht bete ich, gleich den Zärtlingen, zum dickbäuchichten Feuer-Götzen.
Lieber noch ein Wenig zähneklappern als Götzen anbeten! — so will's meine Art. Und sonderlich bin ich allen brünstigen dampfenden dumpfigen Feuer-Götzen gram.
Wen ich liebe, den liebe ich Winters besser als Sommers; besser spotte ich jetzt meiner Feinde und herzhafter, seit der Winter mir im Hause sitzt.
Herzhaft wahrlich, selbst dann noch, wenn ich zu Bett krieche —: da lacht und muthwillt noch mein verkrochenes Glück; es lacht noch mein Lügen-Traum.
Ich ein — Kriecher? Niemals kroch ich im Leben vor Mächtigen; und log ich je, so log ich aus Liebe. Desshalb bin ich froh auch im Winter-Bette.
Ein geringes Bett wärmt mich mehr als ein reiches, denn ich bin eifersüchtig auf meine Armuth. Und im Winter ist sie mir am treuesten.
Mit einer Bosheit beginne ich jeden Tag, ich spotte des Winters mit einem kalten Bade: darob brummt mein gestrenger Hausfreund.
Auch kitzle ich ihn gerne mit einem Wachskerzlein: dass er mir endlich den Himmel herauslasse aus aschgrauer Dämmerung.
Sonderlich boshaft bin ich nämlich des Morgens: zur frühen Stunde, da der Eimer am Brunnen klirrt und die Rosse warm durch graue Gassen wiehern: —
Ungeduldig warte ich da, dass mir endlich der lichte Himmel aufgehe, der schneebärtige Winter-Himmel, der Greis und Weisskopf, —
— der Winter-Himmel, der schweigsame, der oft noch seine Sonne verschweigt!
Lernte ich wohl von ihm das lange lichte Schweigen? Oder lernte er's von mir? Oder hat ein Jeder von uns es selbst erfunden?
Aller guten Dinge Ursprung ist tausendfältig, — alle guten muthwilligen Dinge springen vor Lust in's Dasein: wie sollten sie das immer nur — Ein Mal thun!
Ein gutes muthwilliges Ding ist auch das lange Schweigen und gleich dem Winter-Himmel blicken aus lichtem rundäugichten Antlitze: —
— gleich ihm seine Sonne verschweigen und seinen unbeugsamen Sonnen-Willen: wahrlich, diese Kunst und diesen Winter-Muthwillen lernte ich gut!
Meine liebste Bosheit und Kunst ist es, dass mein Schweigen lernte, sich nicht durch Schweigen zu verrathen.
Mit Worten und Würfeln klappernd überliste ich mir die feierlichen Warter: allen diesen gestrengen Aufpassern soll mein Wille und Zweck entschlüpfen.
Dass mir Niemand in meinen Grund und letzten Willen hinab sehe, — dazu erfand ich mir das lange lichte Schweigen.
So manchen Klugen fand ich: der verschleierte sein Antlitz und trübte sein Wasser, dass Niemand ihm hindurch und hinunter sehe.
Aber zu ihm gerade kamen die klügeren Misstrauer und Nussknacker: ihm gerade fischte man seinen verborgensten Fisch heraus!
Sondern die Hellen, die Wackern, die Durchsichtigen — das sind mir die klügsten Schweiger: denen so tief ihr Grund ist, dass auch das hellste Wasser ihn nicht — verräth. —
Du schneebärtiger schweigender Winter-Himmel, du rundäugichter Weisskopf über mir! Oh du himmlisches Gleichniss meiner Seele und ihres Muthwillens!
Und muss ich mich nicht verbergen, gleich Einem, der Gold verschluckt hat, — dass man mir nicht die Seele aufschlitze?
Muss ich nicht Stelzen tragen, dass sie meine langen Beine übersehen, — alle diese Neidbolde und Leidholde, die um mich sind?
Diese räucherigen, stubenwarmen, verbrauchten, vergrünten, vergrämelten Seelen — wie könnte ihr Neid mein Glück ertragen!
So zeige ich ihnen nur das Eis und den Winter auf meinen Gipfeln — und nicht, dass mein Berg noch alle Sonnengürtel um sich schlingt!
Sie hören nur meine Winter-Stürme pfeifen: und nicht, dass ich auch über warme Meere fahre, gleich sehnsüchtigen, schweren, heissen Südwinden.
Sie erbarmen sich noch meiner Unfälle und Zufälle: — aber mein Wort heisst: „lasst den Zufall zu mir kommen: unschuldig ist er, wie ein Kindlein!“
Wie könnten sie mein Glück ertragen, wenn ich nicht Unfälle und Winter-Nöthe und Eisbären-Mützen und Schneehimmel-Hüllen um mein Glück legte!
— wenn ich mich nicht selbst ihres Mitleids erbarmte: des Mitleids dieser Neidbolde und Leidholde!
— wenn ich nicht selber vor ihnen seufzte und frostklapperte und mich geduldsam in ihr Mitleid wickeln liesse!
Diess ist der weise Muthwille und Wohlwille meiner Seele, dass sie ihren Winter und ihre Froststürme nicht verbirgt; sie verbirgt auch ihre Frostbeulen nicht.
Des Einen Einsamkeit ist die Flucht des Kranken; des Andern Einsamkeit die Flucht vor den Kranken.
Mögen sie mich klappern und seufzen hören vor Winterkälte, alle diese armen scheelen Schelme um mich! Mit solchem Geseufz und Geklapper flüchte ich noch vor ihren geheizten Stuben.
Mögen sie mich bemitleiden und bemitseufzen ob meiner Frostbeulen: „am Eis der Erkenntniss erfriert er uns noch!“ — so klagen sie.
Inzwischen laufe ich mit warmen Füssen kreuz und quer auf meinem Oelberge: im Sonnen-Winkel meines Oelberges singe und spotte ich alles Mitleids. —
Also sang Zarathustra.
Vom Vorübergehen.
Also, durch viel Volk und vielerlei Städte langsam hindurchschreitend, gieng Zarathustra auf Umwegen zurück zu seinem Gebirge und seiner Höhle. Und siehe, dabei kam er unversehens auch an das Stadtthor der grossen Stadt: hier aber sprang ein schäumender Narr mit ausgebreiteten Händen auf ihn zu und trat ihm in den Weg. Diess aber war der selbige Narr, welchen das Volk „den Affen Zarathustra's“ hiess: denn er hatte ihm Etwas vom Satz und Fall der Rede abgemerkt und borgte wohl auch gerne vom Schatze seiner Weisheit. Der Narr aber redete also zu Zarathustra:
Oh Zarathustra, hier ist die grosse Stadt: hier hast du Nichts zu suchen und Alles zu verlieren.
Warum wolltest du durch diesen Schlamm waten? Habe doch Mitleiden mit deinem Fusse! Speie lieber auf das Stadtthor und — kehre um!
Hier ist die Hölle für Einsiedler-Gedanken: hier werden grosse Gedanken lebendig gesotten und klein gekocht.
Hier verwesen alle grossen Gefühle: hier dürfen nur klapperdürre Gefühlchen klappern!
Riechst du nicht schon die Schlachthäuser und Garküchen des Geistes? Dampft nicht diese Stadt vom Dunst geschlachteten Geistes?
Siehst du nicht die Seelen hängen wie schlaffe schmutzige Lumpen? — Und sie machen noch Zeitungen aus diesen Lumpen!
Hörst du nicht, wie der Geist hier zum Wortspiel wurde? Widriges Wort-Spülicht bricht er heraus! — Und sie machen noch Zeitungen aus diesem Wort-Spülicht.
Sie hetzen einander und wissen nicht, wohin? Sie erhitzen einander und wissen nicht, warum? Sie klimpern mit ihrem Bleche, sie klingeln mit ihrem Golde.
Sie sind kalt und suchen sich Wärme bei gebrannten Wassern; sie sind erhitzt und suchen Kühle bei gefrorenen Geistern; sie sind Alle siech und süchtig an öffentlichen Meinungen.
Alle Lüste und Laster sind hier zu Hause; aber es giebt hier auch Tugendhafte, es giebt viel anstellige angestellte Tugend: —
Viel anstellige Tugend mit Schreibfingern und hartem Sitz- und Warte-Fleische, gesegnet mit kleinen Bruststernen und ausgestopften steisslosen Töchtern.
Es giebt hier auch viel Frömmigkeit und viel gläubige Speichel-Leckerei, Schmeichel-Bäckerei vor dem Gott der Heerschaaren.
„Von Oben“ her träufelt ja der Stern und der gnädige Speichel; nach Oben hin sehnt sich jeder sternenlose Busen.
Der Mond hat seinen Hof, und der Hof hat seine Mondkälber: zu Allem aber, was vom Hofe kommt, betet das Bettel-Volk und alle anstellige Bettel-Tugend.
„Ich diene, du dienst, wir dienen“ — so betet alle anstellige Tugend hinauf zum Fürsten: dass der verdiente Stern sich endlich an den schmalen Busen hefte!
Aber der Mond dreht sich noch um alles Irdische: so dreht sich auch der Fürst noch um das Aller-Irdischste —: das aber ist das Gold der Krämer.
Der Gott der Heerschaaren ist kein Gott der Goldbarren; der Fürst denkt, aber der Krämer — lenkt!
Bei Allem, was licht und stark und gut in dir ist, oh Zarathustra! Speie auf diese Stadt der Krämer und kehre um!
Hier fliesst alles Blut faulicht und lauicht und schaumicht durch alle Adern: speie auf die grosse Stadt, welche der grosse Abraum ist, wo aller Abschaum zusammenschäumt!
Speie auf die Stadt der eingedrückten Seelen und schmalen Brüste, der spitzen Augen, der klebrigen Finger —
— auf die Stadt der Aufdringlinge, der Unverschämten, der Schreib- und Schreihälse, der überheizten Ehrgeizigen: —
— wo alles Anbrüchige, Anrüchige, Lüsterne, Düstere, Übermürbe, Geschwürige, Verschwörerische zusammenschwärt: —
— speie auf die grosse Stadt und kehre um!“ — —
Hier aber unterbrach Zarathustra den schäumenden Narren und hielt ihm den Mund zu.
„Höre endlich auf! rief Zarathustra, mich ekelt lange schon deiner Rede und deiner Art!
Warum wohntest du so lange am Sumpfe, dass du selber zum Frosch und zur Kröte werden musstest?
Fliesst dir nicht selber nun ein faulichtes schaumichtes Sumpf-Blut durch die Adern, dass du also quaken und lästern lerntest?
Warum giengst du nicht in den Wald? Oder pflügtest die Erde? Ist das Meer nicht voll von grünen Eilanden?
Ich verachte dein Verachten; und wenn du mich warntest, — warum warntest du dich nicht selber?
Aus der Liebe allein soll mir mein Verachten und mein warnender Vogel auffliegen: aber nicht aus dem Sumpfe! —
Man heisst dich meinen Affen, du schäumender Narr: aber ich heisse dich mein Grunze-Schwein, — durch Grunzen verdirbst du mir noch mein Lob der Narrheit.
Was war es denn, was dich zuerst grunzen machte? Dass Niemand dir genug geschmeichelt hat: — darum setztest du dich hin zu diesem Unrathe, dass du Grund hättest viel zu grunzen, —
— dass du Grund hättest zu vieler Rache! Rache nämlich, du eitler Narr, ist all dein Schäumen, ich errieth dich wohl!
Aber dein Narren-Wort thut mir Schaden, selbst, wo du Recht hast! Und wenn Zarathustra's Wort sogar hundert Mal Recht hätte: du würdest mit meinem Wort immer — Unrecht thun!“
Also sprach Zarathustra; und er blickte die grosse Stadt an, seufzte und schwieg lange. Endlich redete er also:
Mich ekelt auch dieser grossen Stadt und nicht nur dieses Narren. Hier und dort ist Nichts zu bessern, Nichts zu bösern.
Wehe dieser grossen Stadt! — Und ich wollte, ich sähe schon die Feuersäule, in der sie verbrannt wird!
Denn solche Feuersäulen müssen dem grossen Mittage vorangehn. Doch diess hat seine Zeit und sein eigenes Schicksal. —
Diese Lehre aber gebe ich dir, du Narr, zum Abschiede: wo man nicht mehr lieben kann, da soll man — vorübergehn! —
Also sprach Zarathustra und gieng an dem Narren und der grossen Stadt vorüber.
Von den Abtrünnigen.
1 Ach, liegt Alles schon welk und grau, was noch jüngst auf dieser Wiese grün und bunt stand? Und wie vielen Honig der Hoffnung trug ich von hier in meine Bienenkörbe!
Diese jungen Herzen sind alle schon alt geworden,
— und nicht alt einmal! nur müde, gemein, bequem:
— sie heissen es „wir sind wieder fromm geworden.“
Noch jüngst sah ich sie in der Frühe auf tapferen Füssen hinauslaufen: aber ihre Füsse der Erkenntniss wurden müde, und nun verleumden sie auch noch ihre Morgen-Tapferkeit!
Wahrlich, Mancher von ihnen hob einst die Beine wie ein Tänzer, ihm winkte das Lachen in meiner Weisheit: — da besann er sich. Eben sah ich ihn krumm — zum Kreuze kriechen.
Um Licht und Freiheit flatterten sie einst gleich Mücken und jungen Dichtern. Ein Wenig älter, ein Wenig kälter: und schon sind sie Dunkler und Munkler und Ofenhocker.
Verzagte ihnen wohl das Herz darob, dass mich die Einsamkeit verschlang gleich einem Wallfische? Lauschte ihr Ohr wohl sehnsüchtig-lange umsonst nach mir und meinen Trompeten- und Herolds-Rufen?
— Ach! Immer sind ihrer nur Wenige, deren Herz einen langen Muth und Übermuth hat; und solchen bleibt auch der Geist geduldsam. Der Rest aber ist feige.
Der Rest: das sind immer die Allermeisten, der Alltag, der Überfluss, die Viel-zu-Vielen — diese alle sind feige! —
Wer meiner Art ist, dem werden auch die Erlebnisse meiner Art über den Weg laufen: also, dass seine ersten Gesellen Leichname und Possenreisser sein müssen.
Seine zweiten Gesellen aber — die werden sich seine Gläubigen heissen: ein lebendiger Schwarm viel Liebe, viel Thorheit, viel unbärtige Verehrung.
An diese Gläubigen soll Der nicht sein Herz binden, wer meiner Art unter Menschen ist; an diese Lenze und bunte Wiesen soll Der nicht glauben, wer die flüchtig-feige Menschenart kennt!
Könnten sie anders, so würden sie auch anders wollen. Halb- und Halbe verderben alles Ganze. Dass Blätter welk werden, — was ist da zu klagen!
Lass sie fahren und fallen, oh Zarathustra, und klage nicht! Lieber noch blase mit raschelnden Winden unter sie, —
— blase unter diese Blätter, oh Zarathustra: dass alles Welke schneller noch von dir davonlaufe! —
2 „Wir sind wieder fromm geworden“ — so bekennen diese Abtrünnigen; und Manche von ihnen sind noch zu feige, also zu bekennen.
Denen sehe ich in's Auge, — denen sage ich es in's Gesicht und in die Röthe ihrer Wangen: ihr seid Solche, welche wieder beten!
Es ist aber eine Schmach, zu beten! Nicht für Alle, aber für dich und mich und wer auch im Kopfe sein Gewissen hat. Für dich ist es eine Schmach, zu beten!
Du weisst es wohl: dein feiger Teufel in dir, der gerne Hände-falten und Hände-in-den-Schooss-legen und es bequemer haben möchte: — dieser feige Teufel redet dir zu „es giebt einen Gott!“
Damit aber gehörst du zur lichtscheuen Art, denen Licht nimmer Ruhe lässt; nun musst du täglich deinen Kopf tiefer in Nacht und Dunst stecken!
Und wahrlich, du wähltest die Stunde gut: denn eben wieder fliegen die Nachtvögel aus. Die Stunde kam allem lichtscheuen Volke, die Abend- und Feierstunde, wo es nicht — „feiert.“
Ich höre und rieche es: es kam ihre Stunde für Jagd und Umzug, nicht zwar für eine wilde Jagd, sondern für eine zahme lahme schnüffelnde Leisetreter-und Leisebeter-Jagd, —
— für eine Jagd auf seelenvolle Duckmäuser: alle Herzens-Mausefallen sind jetzt wieder aufgestellt! Und wo ich einen Vorhang aufhebe, da kommt ein Nachtfalterchen herausgestürzt.
Hockte es da wohl zusammen mit einem andern Nachtfalterchen? Denn überall rieche ich kleine verkrochne Gemeinden; und wo es Kämmerlein giebt, da giebt es neue Bet-Brüder drin und den Dunst von Bet-Brüdern.
Sie sitzen lange Abende bei einander und sprechen: „lasset uns wieder werden wie die Kindlein und „lieber Gott“ sagen!“ — an Mund und Magen verdorben durch die frommen Zuckerbäcker.
Oder sie sehen lange Abende einer listigen lauernden Kreuzspinne zu, welche den Spinnen selber Klugheit predigt und also lehrt: „unter Kreuzen ist gut spinnen!“
Oder sie sitzen Tags über mit Angelruthen an Sümpfen und glauben sich tief damit; aber wer dort fischt, wo es keine Fische giebt, den heisse ich noch nicht einmal oberflächlich!
Oder sie lernen fromm-froh die Harfe schlagen bei einem Lieder-Dichter, der sich gern jungen Weibchen in's Herz harfnen möchte: — denn er wurde der alten Weibchen müde und ihres Lobpreisens.
Oder sie lernen gruseln bei einem gelahrten Halb-Tollen, der in dunklen Zimmern wartet, dass ihm die Geister kommen — und der Geist ganz davonläuft!
Oder sie horchen einem alten umgetriebnen Schnurr-und Knurrpfeifer zu, der trüben Winden die Trübsal der Töne ablernte; nun pfeift er nach dem Winde und predigt in trüben Tönen Trübsal.
Und Einige von ihnen sind sogar Nachtwächter geworden: die verstehen jetzt in Hörner zu blasen und Nachts umherzugehn und alte Sachen aufzuwecken, die lange schon eingeschlafen sind.
Fünf Worte von alten Sachen hörte ich gestern Nachts an der Garten-Mauer: die kamen von solchen alten betrübten trocknen Nachtwächtern.
„Für einen Vater sorgt er nicht genug um seine Kinder: Menschen-Väter thun diess besser!“ —
„Er ist zu alt! Er sorgt schon gar nicht mehr um seine Kinder“ — also antwortete der andre Nachtwächter.
„Hat er denn Kinder? Niemand kann's beweisen, wenn er's selber nicht beweist! Ich wollte längst, er bewiese es einmal gründlich.“
„Beweisen? Als ob Der je Etwas bewiesen hätte! Beweisen fällt ihm schwer; er hält grosse Stücke darauf, dass man ihm glaubt.“
„Ja! Ja! Der Glaube macht ihn selig, der Glaube an ihn. Das ist so die Art alter Leute! So geht's uns auch!“ —
— Also sprachen zu einander die zwei alten Nachtwächter und Lichtscheuchen, und tuteten darauf betrübt in ihre Hörner: so geschah's gestern Nachts an der Garten-Mauer.
Mir aber wand sich das Herz vor Lachen und wollte brechen und wusste nicht, wohin? und sank in's Zwerchfell.
Wahrlich, das wird noch mein Tod sein, dass ich vor Lachen ersticke, wenn ich Esel betrunken sehe und Nachtwächter also an Gott zweifeln höre.
Ist es denn nicht lange vorbei auch für alle solche Zweifel? Wer darf noch solche alte eingeschlafne lichtscheue Sachen aufwecken!
Mit den alten Göttern gieng es ja lange schon zu Ende: — und wahrlich, ein gutes fröhliches Götter-Ende hatten sie!
Sie „dämmerten“ sich nicht zu Tode, — das lügt man wohl! Vielmehr: sie haben sich selber einmal zu Tode — gelacht!
Das geschah, als das gottloseste Wort von einem Gotte selber ausgieng, — das Wort: „Es ist Ein Gott! Du sollst keinen andern Gott haben neben mir!“ —
— ein alter Grimm-Bart von Gott, ein eifersüchtiger vergass sich also: —
Und alle Götter lachten damals und wackelten auf ihren Stühlen und riefen: „Ist das nicht eben Göttlichkeit, dass es Götter, aber keinen Gott giebt?“
Wer Ohren hat, der höre. —
Also redete Zarathustra in der Stadt, die er liebte und welche zubenannt ist „die bunte Kuh.“ Von hier nämlich hatte er nur noch zwei Tage zu gehen, dass er wieder in seine Höhle käme und zu seinen Thieren; seine Seele aber frohlockte beständig ob der Nähe seiner Heimkehr. —
Die Heimkehr.
Oh Einsamkeit! Du meine Heimat Einsamkeit! Zu lange lebte ich wild in wilder Fremde, als dass ich nicht mit Thränen zu dir heimkehrte!
Nun drohe mir nur mit dem Finger, wie Mütter drohn, nun lächle mir zu, wie Mütter lächeln, nun sprich nur: „Und wer war das, der wie ein Sturmwind einst von mir davonstürmte? —
„— der scheidend rief: zu lange sass ich bei der Einsamkeit, da verlernte ich das Schweigen! Das — lerntest du nun wohl?
„Oh Zarathustra, Alles weiss ich: und dass du unter den Vielen verlassener warst, du Einer, als je bei mir!
„Ein Anderes ist Verlassenheit, ein Anderes Einsamkeit: Das — lerntest du nun! Und dass du unter Menschen immer wild und fremd sein wirst:
„— wild und fremd auch noch, wenn sie dich lieben: denn zuerst von Allem wollen sie geschont sein!
„Hier aber bist du bei dir zu Heim und Hause; hier kannst du Alles hinausreden und alle Gründe ausschütten, Nichts schämt sich hier versteckter, verstockter Gefühle.
„Hier kommen alle Dinge liebkosend zu deiner Rede und schmeicheln dir: denn sie wollen auf deinem Rücken reiten. Auf jedem Gleichniss reitest du hier zu jeder Wahrheit.
„Aufrecht und aufrichtig darfst du hier zu allen Dingen reden: und wahrlich, wie Lob klingt es ihren Ohren, dass Einer mit allen Dingen — gerade redet!
„Ein Anderes aber ist Verlassensein. Denn, weisst du' noch, oh Zarathustra? Als damals dein Vogel über dir schrie, als du im Walde standest, unschlüssig, wohin? unkundig, einem Leichnam nahe: —
„— als du sprachst: mögen mich meine Thiere führen! Gefährlicher fand ich's unter Menschen, als unter Thieren: — Das war Verlassenheit!
„Und weisst du noch, oh Zarathustra? Als du auf deiner Insel sassest, unter leeren Eimern ein Brunnen Weins, gebend und ausgebend, unter Durstigen schenkend und ausschenkend:
„— bis du endlich durstig allein unter Trunkenen sassest und nächtlich klagtest „ist Nehmen nicht seliger als Geben? Und Stehlen noch seliger als Nehmen?“ — Das war Verlassenheit!
„Und weisst du noch, oh Zarathustra? Als deine stillste Stunde kam und dich von dir selber forttrieb, als sie mit bösem Flüstern sprach: „Sprich und zerbrich!“ —
„— als sie dir all dein Warten und Schweigen leid machte und deinen demüthigen Muth entmuthigte: Das war Verlassenheit!“ —
Oh Einsamkeit! Du meine Heimat Einsamkeit! Wie selig und zärtlich redet deine Stimme zu mir!
Wir fragen einander nicht, wir klagen einander nicht, wir gehen offen mit einander durch offne Thüren.
Denn offen ist es bei dir und hell; und auch die Stunden laufen hier auf leichteren Füssen. Im Dunklen nämlich trägt man schwerer an der Zeit, als im Lichte.
Hier springen mir alles Seins Worte und Wort-Schreine auf: alles Sein will hier Wort werden, alles Werden will hier von mir reden lernen.
Da unten aber — da ist alles Reden umsonst! Da ist Vergessen und Vorübergehn die beste Weisheit: Das — lernte ich nun!
Wer Alles bei den Menschen begreifen wollte, der müsste Alles angreifen. Aber dazu habe ich zu reinliche Hände.
Ich mag schon ihren Athem nicht einathmen; ach, dass ich so lange unter ihrem Lärm und üblem Athem lebte!
Oh selige Stille um mich! Oh reine Gerüche um mich! Oh wie aus tiefer Brust diese Stille reinen Athem holt! Oh wie sie horcht, diese selige Stille!
Aber da unten — da redet Alles, da wird Alles überhört. Man mag seine Weisheit mit Glocken einläuten: die Krämer auf dem Markte werden sie mit Pfennigen überklingeln!
Alles bei ihnen redet, Niemand weiss mehr zu verstehn. Alles fällt in's Wasser, Nichts fällt mehr in tiefe Brunnen.
Alles bei ihnen redet, Nichts geräth mehr und kommt zu Ende. Alles gackert, aber wer will noch still auf dem Neste sitzen und Eier brüten?
Alles bei ihnen redet, Alles wird zerredet. Und was gestern noch zu hart war für die Zeit selber und ihren Zahn: heute hängt es zerschabt und zernagt aus den Mäulern der Heutigen.
Alles bei ihnen redet, Alles wird verrathen. Und was einst Geheimniss hiess und Heimlichkeit tiefer Seelen, heute gehört es den Gassen-Trompetern und andern Schmetterlingen.
Oh Menschenwesen, du wunderliches! Du Lärm auf dunklen Gassen! Nun liegst du wieder hinter mir: — meine grösste Gefahr liegt hinter mir!
Im Schonen und Mitleiden lag immer meine grösste Gefahr; und alles Menschenwesen will geschont und gelitten sein.
Mit verhaltenen Wahrheiten, mit Narrenhand und vernarrtem Herzen und reich an kleinen Lügen des Mitleidens: — also lebte ich immer unter Menschen.
Verkleidet sass ich unter ihnen, bereit, mich zu verkennen, dass ich sie ertrüge, und gern mir zuredend „du Narr, du kennst die Menschen nicht!“
Man verlernt die Menschen, wenn man unter Menschen lebt: zu viel Vordergrund ist an allen Menschen, — was sollen da weitsichtige, weit-süchtige Augen!
Und wenn sie mich verkannten: ich Narr schonte sie darob mehr, als mich: gewohnt zur Härte gegen mich und oft noch an mir selber mich rächend für diese Schonung.
Zerstochen von giftigen Fliegen und ausgehöhlt, dem Steine gleich, von vielen Tropfen Bosheit, so sass ich unter ihnen und redete mir noch zu: „unschuldig ist alles Kleine an seiner Kleinheit!“
Sonderlich Die, welche sich „die Guten“ heissen, fand ich als die giftigsten Fliegen: sie stechen in aller Unschuld, sie lügen in aller Unschuld; wie vermöchten sie, gegen mich — gerecht zu sein!
Wer unter den Guten lebt, den lehrt Mitleid lügen. Mitleid macht dumpfe Luft allen freien Seelen. Die Dummheit der Guten nämlich ist unergründlich.
Mich selber verbergen und meinen Reichthum — das lernte ich da unten: denn Jeden fand ich noch arm am Geiste. Das war der Lug meines Mitleidens, dass ich bei Jedem wusste,
— dass ich Jedem es ansah und anroch, was ihm Geistes genug und was ihm schon Geistes zuviel war!
Ihre steifen Weisen: ich hiess sie weise, nicht steif, — so lernte ich Worte verschlucken. Ihre Todtengräber: ich hiess sie Forscher und Prüfer, — so lernte ich Worte vertauschen.
Die Todtengräber graben sich Krankheiten an. Unter altem Schutte ruhn schlimme Dünste. Man soll den Morast nicht aufrühren. Man soll auf Bergen leben.
Mit seligen Nüstern athme ich wieder Berges-Freiheit! Erlöst ist endlich meine Nase vom Geruch alles Menschenwesens!
Von scharfen Lüften gekitzelt, wie von schäumenden Weinen, niest meine Seele, — niest und jubelt sich zu: Gesundheit!
Also sprach Zarathustra.
Von den drei Bösen.
1 Im Traum, im letzten Morgentraume stand ich heut auf einem Vorgebirge, — jenseits der Welt, hielt eine Wage und wog die Welt.
Oh dass zu früh mir die Morgenröthe kam: die glühte mich wach, die Eifersüchtige! Eifersüchtig ist sie immer auf meine Morgentraum-Gluthen.
Messbar für Den, der Zeit hat, wägbar für einen guten Wäger, erfliegbar für starke Fittige, errathbar für göttliche Nüsseknacker: also fand mein Traum die Welt: —
Mein Traum, ein kühner Segler, halb Schiff, halb Windsbraut, gleich Schmetterlingen schweigsam, ungeduldig gleich Edelfalken: wie hatte er doch zum Welt-Wägen heute Geduld und Weile!
Sprach ihm heimlich wohl meine Weisheit zu, meine lachende wache Tags-Weisheit, welche über alle „unendliche Welten“ spottet? Denn sie spricht: „wo Kraft ist, wird auch die Zahl Meisterin: die hat mehr Kraft.“
Wie sicher schaute mein Traum auf diese endliche Welt, nicht neugierig, nicht altgierig, nicht fürchtend, nicht bittend: —
— als ob ein voller Apfel sich meiner Hand böte, ein reifer Goldapfel, mit kühl-sanfter sammtener Haut: — so bot sich mir die Welt: —
— als ob ein Baum mir winke, ein breitästiger, starkwilliger, gekrümmt zur Lehne und noch zum Fussbrett für den Wegmüden: so stand die Welt auf meinem Vorgebirge: —
— als ob zierliche Hände mir einen Schrein entgegentrügen. — einen Schrein offen für das Entzücken schamhafter verehrender Augen: also bot sich mir heute die Welt entgegen: —
— nicht Räthsel genug, um Menschen-Liebe davon zu scheuchen, nicht Lösung genug, um Menschen-Weisheit einzuschläfern: — ein menschlich gutes Ding war mir heut die Welt, der man so Böses nachredet!
Wie danke ich es meinem Morgentraum, dass ich also in der Frühe heut die Welt wog! Als ein menschlich gutes Ding kam er zu mir, dieser Traum und Herzenströster!
Und dass ich's ihm gleich thue am Tage und sein Bestes ihm nach- und ablerne: will ich jetzt die drei bösesten Dinge auf die Wage thun und menschlich gut abwägen. —
Wer da segnen lehrte, der lehrte auch fluchen: welches sind in der Welt die drei bestverfluchten Dinge? Diese will ich auf die Wage thun.
Wollust, Herrschsucht, Selbstsucht: diese Drei wurden bisher am besten verflucht und am schlimmsten beleu- und belügenmundet, — diese Drei will ich menschlich gut abwägen.
Wohlauf! Hier ist mein Vorgebirg und da das Meer: das wälzt sich zu mir heran, zottelig, schmeichlerisch, das getreue alte hundertköpfige Hunds-Ungethüm, das ich liebe.
Wohlauf! Hier will ich die Wage halten über gewälztem Meere: und auch einen Zeugen wähle ich, dass er zusehe, — dich, du Einsiedler-Baum, dich starkduftigen, breitgewölbten, den ich liebe! —
Auf welcher Brücke geht zum Dereinst das Jetzt? Nach welchem Zwange zwingt das Hohe sich zum Niederen? Und was heisst auch das Höchste noch — hinaufwachsen? —
Nun steht die Wage gleich und still: drei schwere Fragen warf ich hinein, drei schwere Antworten trägt die andre Wagschale.
2 Wollust: allen busshemdigen Leib-Verächtern ihr Stachel und Pfahl, und als „Welt“ verflucht bei allen Hinterweltlern: denn sie höhnt und narrt alle Wirr-und Irr-Lehrer.
Wollust: dem Gesindel das langsame Feuer, auf dem es verbrannt wird; allem wurmichten Holze, allen stinkenden Lumpen der bereite Brunst- und Brodel-Ofen.
Wollust: für die freien Herzen unschuldig und frei, das Garten-Glück der Erde, aller Zukunft Dankes-Überschwang an das Jetzt.
Wollust: nur dem Welken ein süsslich Gift, für die Löwen-Willigen aber die grosse Herzstärkung, und der ehrfürchtig geschonte Wein der Weine.
Wollust: das grosse Gleichniss-Glück für höheres Glück und höchste Hoffnung. Vielem nämlich ist Ehe verheissen und mehr als Ehe, —
— Vielem, das fremder sich ist, als Mann und Weib: — und wer begriff es ganz, wie fremd sich Mann und Weib sind!
Wollust: — doch ich will Zäune um meine Gedanken haben und auch noch um meine Worte: dass mir nicht in meine Gärten die Schweine und Schwärmer brechen! —
Herrschsucht: die Glüh-Geissel der härtesten Herzensharten; die grause Marter, die sich dem Grausamsten selber aufspart; die düstre Flamme lebendiger Scheiterhaufen.
Herrschsucht: die boshafte Bremse, die den eitelsten Völkern aufgesetzt wird; die Verhöhnerin aller ungewissen Tugend; die auf jedem Rosse und jedem Stolze reitet.
Herrschsucht: das Erdbeben, das alles Morsche und Höhlichte bricht und aufbricht; die rollende grollende strafende Zerbrecherin übertünchter Gräber; das blitzende Fragezeichen neben vorzeitigen Antworten.
Herrschsucht: vor deren Blick der Mensch kriecht und duckt und fröhnt und niedriger wird als Schlange und Schwein: — bis endlich die grosse Verachtung aus ihm aufschreit —,
Herrschsucht: die furchtbare Lehrerin der grossen Verachtung, welche Städten und Reichen in's Antlitz predigt „Hinweg mit dir!“ — bis es aus ihnen selber aufschreit „hinweg mit mir!“
Herrschsucht: die aber lockend auch zu Reinen und Einsamen und hinauf zu selbstgenugsamen Höhen steigt, glühend gleich einer Liebe, welche purpurne Seligkeiten lockend an Erdenhimmel malt.
Herrschsucht: doch wer hiesse es Sucht, wenn das Hohe hinab nach Macht gelüstet! Wahrlich, nichts Sieches und Süchtiges ist an solchem Gelüsten und Niedersteigen!
Dass die einsame Höhe sich nicht ewig vereinsame und selbst begnüge; dass der Berg zu Thale komme und die Winde der Höhe zu den Niederungen: —
Oh wer fände den rechten Tauf- und Tugendnamen für solche Sehnsucht! „Schenkende Tugend“ — so nannte das Unnennbare einst Zarathustra.
Und damals geschah es auch, — und wahrlich, es geschah zum ersten Male! — dass sein Wort die Selbstsucht selig pries, die heile, gesunde Selbstsucht, die aus mächtiger Seele quillt: —
— aus mächtiger Seele, zu welcher der hohe Leib gehört, der schöne, sieghafte, erquickliche, um den herum jedwedes Ding Spiegel wird:
— der geschmeidige überredende Leib, der Tänzer, dessen Gleichniss und Auszug die selbst-lustige Seele ist. Solcher Leiber und Seelen Selbst-Lust heisst sich selber: „Tugend.“
Mit ihren Worten von Gut und Schlecht schirmt sich solche Selbst-Lust wie mit heiligen Hainen; mit den Namen ihres Glücks bannt sie von sich alles Verächtliche.
Von sich weg bannt sie alles Feige; sie spricht: Schlecht — das ist feige! Verächtlich dünkt ihr der immer Sorgende, Seufzende, Klägliche und wer auch die kleinsten Vortheile aufliest.
Sie verachtet auch alle wehselige Weisheit: denn, wahrlich, es giebt auch Weisheit, die im Dunklen blüht, eine Nachtschatten-Weisheit: als welche immer seufzt: „Alles ist eitel!“
Das scheue Misstrauen gilt ihr gering, und Jeder, wer Schwüre statt Blicke und Hände will: auch alle allzu misstrauische Weisheit, — denn solche ist feiger Seelen Art.
Geringer noch gilt ihr der Schnell-Gefällige, der Hündische, der gleich auf dem Rücken liegt, der Demüthige; und auch Weisheit giebt es, die demüthig und hündisch und fromm und schnell-gefällig ist.
Verhasst ist ihr gar und ein Ekel, wer nie sich wehren will, wer giftigen Speichel und böse Blicke hinunterschluckt, der Allzu-Geduldige, Alles-Dulder, Allgenügsame: das nämlich ist die knechtische Art.
Ob Einer vor Göttern und göttlichen Fusstritten knechtisch ist, ob vor Menschen und blöden Menschen-Meinungen: alle Knechts-Art speit sie an, diese selige Selbstsucht!
Schlecht: so heisst sie Alles, was geknickt und knickerisch-knechtisch ist, unfreie Zwinker-Augen, gedrückte Herzen, und jene falsche nachgebende Art, welche mit breiten feigen Lippen küsst.
Und After-Weisheit: so heisst sie Alles, was Knechte und Greise und Müde witzeln; und sonderlich die ganze schlimme aberwitzige, überwitzige Priester-Narrheit!
Die After-Weisen aber, alle die Priester, Weltmüden und wessen Seele von Weibs- und Knechtsart ist, — oh wie hat ihr Spiel von jeher der Selbstsucht übel mitgespielt!
Und Das gerade sollte Tugend sein und Tugend heissen, dass man der Selbstsucht übel mitspiele! Und „selbstlos“ — so wünschten sich selber mit gutem Grunde alle diese weltmüden Feiglinge und Kreuzspinnen!
Aber denen Allen kommt nun der Tag, die Wandlung, das Richtschwert, der grosse Mittag: da soll Vieles offenbar werden!
Und wer das Ich heil und heilig spricht und die Selbstsucht selig, wahrlich, der spricht auch, was er weiss, ein Weissager: „Siehe, er kommt, er ist nahe, der grosse Mittag!“
Also sprach Zarathustra.
Vom Geist der Schwere.
1 Mein Mundwerk — ist des Volks: zu grob und herzlich rede ich für die Seidenhasen. Und noch fremder klingt mein Wort allen Tinten-Fischen und Feder-Füchsen.
Meine Hand — ist eine Narrenhand: wehe allen Tischen und Wänden, und was noch Platz hat für Narren-Zierath, Narren-Schmierath!
Mein Fuss — ist ein Pferdefuss; damit trapple und trabe ich über Stock und Stein, kreuz- und querfeld-ein und bin des Teufels vor Lust bei allem schnellen Laufen.
Mein Magen — ist wohl eines Adlers Magen? Denn er liebt am liebsten Lammfleisch. Gewisslich aber ist er eines Vogels Magen.
Von unschuldigen Dingen genährt und von Wenigem, bereit und ungeduldig zu fliegen, davonzufliegen — das ist nun meine Art: wie sollte nicht Etwas daran von Vogel-Art sein!
Und zumal, dass ich dem Geist der Schwere feind bin, das ist Vogel-Art: und wahrlich, todfeind, erzfeind, urfeind! Oh wohin flog und verflog sich nicht schon meine Feindschaft!
Davon könnte ich schon ein Lied singen — — und will es singen: ob ich gleich allein in leerem Hause bin und es meinen eignen Ohren singen muss.
Andre Sänger giebt es freilich, denen macht das volle Haus erst ihre Kehle weich, ihre Hand gesprächig, ihr Auge ausdrücklich, ihr Herz wach: — Denen gleiche ich nicht. —
2 Wer die Menschen einst fliegen lehrt, der hat alle Grenzsteine verrückt; alle Grenzsteine selber werden ihm in die Luft fliegen, die Erde wird er neu taufen — als „die Leichte.“
Der Vogel Strauss läuft schneller als das schnellste Pferd, aber auch er steckt noch den Kopf schwer in schwere Erde: also der Mensch, der noch nicht fliegen kann.
Schwer heisst ihm Erde und Leben; und so will es der Geist der Schwere! Wer aber leicht werden will und ein Vogel, der muss sich selber lieben: — also lehre ich.
Nicht freilich mit der Liebe der Siechen und Süchtigen: denn bei denen stinkt auch die Eigenliebe!
Man muss sich selber lieben lernen — also lehre ich — mit einer heilen und gesunden Liebe: dass man es bei sich selber aushalte und nicht umherschweife.
Solches Umherschweifen tauft sich „Nächstenliebe“: mit diesem Worte ist bisher am besten gelogen und geheuchelt worden, und sonderlich von Solchen, die aller Welt schwer fielen.
Und wahrlich, das ist kein Gebot für Heute und Morgen, sich lieben lernen. Vielmehr ist von allen Künsten diese die feinste, listigste, letzte und geduldsamste.
Für seinen Eigener ist nämlich alles Eigene gut versteckt; und von allen Schatzgruben wird die eigne am spätesten ausgegraben, — also schafft es der Geist der Schwere.
Fast in der Wiege giebt man uns schon schwere Worte und Werthe mit: „gut“ und „böse“ — so heisst sich diese Mitgift. Um derentwillen vergiebt man uns, dass wir leben.
Und dazu lässt man die Kindlein zu sich kommen, dass man ihnen bei Zeiten wehre, sich selber zu lieben: also schafft es der Geist der Schwere.
Und wir — wir schleppen treulich, was man uns mitgiebt, auf harten Schultern und über rauhe Berge! Und schwitzen wir, so sagt man uns: „Ja, das Leben ist schwer zu tragen!“
Aber der Mensch nur ist sich schwer zu tragen! Das macht, er schleppt zu vieles Fremde auf seinen Schultern. Dem Kameele gleich kniet er nieder und lässt sich gut aufladen.
Sonderlich der starke, tragsame Mensch, dem Ehrfurcht innewohnt: zu viele fremde schwere Worte und Werthe lädt er auf sich, — nun dünkt das Leben ihm eine Wüste!
Und wahrlich! Auch manches Eigene ist schwer zu tragen! Und viel Inwendiges am Menschen ist der Auster gleich, nämlich ekel und schlüpfrig und schwer erfasslich —,
— also dass eine edle Schale mit edler Zierath fürbitten muss. Aber auch diese Kunst muss man lernen: Schale haben und schönen Schein und kluge Blindheit!
Abermals trügt über Manches am Menschen, dass manche Schale gering und traurig und zu sehr Schale ist. Viel verborgene Güte und Kraft wird nie errathen; die köstlichsten Leckerbissen finden keine Schmecker!
Die Frauen wissen das, die köstlichsten: ein Wenig fetter, ein Wenig magerer — oh wie viel Schicksal liegt in so Wenigem!
Der Mensch ist schwer zu entdecken und sich selber noch am schwersten; oft lügt der Geist über die Seele. Also schafft es der Geist der Schwere.
Der aber hat sich selber entdeckt, welcher spricht: Das ist mein Gutes und Böses: damit hat er den Maulwurf und Zwerg stumm gemacht, welcher spricht „Allen gut, Allen bös.“
Wahrlich, ich mag auch Solche nicht, denen jegliches Ding gut und diese Welt gar die beste heisst. Solche nenne ich die Allgenügsamen.
Allgenügsamkeit, die Alles zu schmecken weiss: das ist nicht der beste Geschmack! Ich ehre die widerspänstigen wählerischen Zungen und Mägen, welche „Ich“ und „Ja“ und „Nein“ sagen lernten.
Alles aber kauen und verdauen — das ist eine rechte Schweine-Art! Immer I-a sagen — das lernte allein der Esel, und wer seines Geistes ist! —
Das tiefe Gelb und das heisse Roth: so will es mein Geschmack, — der mischt Blut zu allen Farben. Wer aber sein Haus weiss tüncht, der verräth mir eine weissgetünchte Seele.
In Mumien verliebt die Einen, die Andern in Gespenster; und Beide gleich feind allem Fleisch und Blute — oh wie gehen Beide mir wider den Geschmack! Denn ich liebe Blut.
Und dort will ich nicht wohnen und weilen, wo Jedermann spuckt und speit: das ist nun mein Geschmack, — lieber noch lebte ich unter Dieben und Meineidigen. Niemand trägt Gold im Munde.
Widriger aber sind mir noch alle Speichellecker; und das widrigste Thier von Mensch, das ich fand, das taufte ich Schmarotzer: das wollte nicht lieben und doch von Liebe leben.
Unselig heisse ich Alle, die nur Eine Wahl haben: böse Thiere zu werden oder böse Thierbändiger: bei Solchen würde ich mir keine Hütten bauen.
Unselig heisse ich auch Die, welche immer warten müssen, — die gehen mir wider den Geschmack: alle die Zöllner und Krämer und Könige und andren Länder- und Ladenhüter.
Wahrlich, ich lernte das Warten auch und von Grund aus, — aber nur das Warten auf mich. Und über Allem lernte ich stehn und gehn und laufen und springen und klettern und tanzen.
Das ist aber meine Lehre: wer einst fliegen lernen will, der muss erst stehn und gehn und laufen und klettern und tanzen lernen: — man erfliegt das Fliegen nicht!
Mit Strickleitern lernte ich manches Fenster erklettern, mit hurtigen Beinen klomm ich auf hohe Masten: auf hohen Masten der Erkenntniss sitzen dünkte mich keine geringe Seligkeit, —
— gleich kleinen Flammen flackern auf hohen Masten: ein kleines Licht zwar, aber doch ein grosser Trost für verschlagene Schiffer und Schiffbrüchige! —
Auf vielerlei Weg und Weise kam ich zu meiner Wahrheit; nicht auf Einer Leiter stieg ich zur Höhe, wo mein Auge in meine Ferne schweift.
Und ungern nur fragte ich stets nach Wegen, — das gieng mir immer wider den Geschmack! Lieber fragte und versuchte ich die Wege selber.
Ein Versuchen und Fragen war all mein Gehen: — und wahrlich, auch antworten muss man lernen auf solches Fragen! Das aber — ist mein Geschmack:
— kein guter, kein schlechter, aber mein Geschmack, dessen ich weder Scham noch Hehl mehr habe.
„Das — ist nun mein Weg, — wo ist der eure?“ so antwortete ich Denen, welche mich „nach dem Wege“ fragten. Den Weg nämlich — den giebt es nicht!
Also sprach Zarathustra.
Von alten und neuen Tafeln.
1 Hier sitze ich und warte, alte zerbrochene Tafeln um mich und auch neue halb beschriebene Tafeln. Wann kommt meine Stunde?
— die Stunde meines Niederganges, Unterganges: denn noch Ein Mal will ich zu den Menschen gehn.
Dess warte ich nun: denn erst müssen mir die Zeichen kommen, dass es meine Stunde sei, — nämlich der lachende Löwe mit dem Taubenschwarme.
Inzwischen rede ich als Einer, der Zeit hat, zu mir selber. Niemand erzählt mir Neues: so erzähle ich mir mich selber. —
2 Als ich zu den Menschen kam, da fand ich sie sitzen auf einem alten Dünkel: Alle dünkten sich lange schon zu wissen, was dem Menschen gut und böse sei.
Eine alte müde Sache dünkte ihnen alles Reden von Tugend; und wer gut schlafen wollte, der sprach vor Schlafengehen noch von „Gut“ und „Böse“.
Diese Schläferei störte ich auf, als ich lehrte: was gut und böse ist, das weiss noch Niemand: — es sei denn der Schaffende!
— Das aber ist Der, welcher des Menschen Ziel schafft und der Erde ihren Sinn giebt und ihre Zukunft: Dieser erst schafft es, dass Etwas gut und böse ist.
Und ich hiess sie ihre alten Lehr-Stühle umwerfen, und wo nur jener alte Dünkel gesessen hatte; ich hiess sie lachen über ihre grossen Tugend-Meister und Heiligen und Dichter und Welt-Erlöser.
Über ihre düsteren Weisen hiess ich sie lachen, und wer je als schwarze Vogelscheuche warnend auf dem Baume des Lebens gesessen hatte.
An ihre grosse Gräberstrasse setzte ich mich und selber zu Aas und Geiern — und ich lachte über all ihr Einst und seine mürbe verfallende Herrlichkeit.
Wahrlich, gleich Busspredigern und Narrn schrie ich Zorn und Zeter über all ihr Grosses und Kleines, — dass ihr Bestes so gar klein ist! Dass ihr Bösestes so gar klein ist! — also lachte ich.
Meine weise Sehnsucht schrie und lachte also aus mir, die auf Bergen geboren ist, eine wilde Weisheit wahrlich! — meine grosse flügelbrausende Sehnsucht.
Und oft riss sie mich fort und hinauf und hinweg und mitten im Lachen: da flog ich wohl schaudernd, ein Pfeil, durch sonnentrunkenes Entzücken:
— hinaus in ferne Zukünfte, die kein Traum noch sah, in heissere Süden, als je sich Bildner träumten: dorthin, wo Götter tanzend sich aller Kleider schämen: —
— dass ich nämlich in Gleichnissen rede und gleich Dichtern hinke und stammle: und wahrlich, ich schäme mich, dass ich noch Dichter sein muss! —
Wo alles Werden mich Götter-Tanz und Götter-Muthwillen dünkte, und die Welt los und ausgelassen und zu sich selber zurückfliehend: —
— als ein ewiges Sich-fliehn und -Wiedersuchen vieler Götter, als das selige Sich-Widersprechen, Sich-Wieder-hören, Sich-Wieder-Zugehören vieler Götter: —
Wo alle Zeit mich ein seliger Hohn auf Augenblicke dünkte, wo die Notwendigkeit die Freiheit selber war, die selig mit dem Stachel der Freiheit spielte: —
Wo ich auch meinen alten Teufel und Erzfeind wiederfand, den Geist der Schwere und Alles, was er schuf: Zwang, Satzung, Noth und Folge und Zweck und Wille und Gut und Böse: —
Denn muss nicht dasein, über das getanzt, hinweggetanzt werde? Müssen nicht um der Leichten, Leichtesten willen — Maulwürfe und schwere Zwerge dasein? — —
3 Dort war's auch, wo ich das Wort „Übermensch“ vom Wege auflas, und dass der Mensch Etwas sei, das überwunden werden müsse,
— dass der Mensch eine Brücke sei und kein Zweck: sich selig preisend ob seines Mittags und Abends, als Weg zu neuen Morgenröthen:
— das Zarathustra-Wort vom grossen Mittage, und was sonst ich über den Menschen aufhängte, gleich purpurnen zweiten Abendröthen.
Wahrlich, auch neue Sterne liess ich sie sehn sammt neuen Nächten; und über Wolken und Tag und Nacht spannte ich noch das Lachen aus wie ein buntes Gezelt.
Ich lehrte sie all mein Dichten und Trachten: in Eins zu dichten und zusammen zu tragen, was Bruchstück ist am Menschen und Räthsel und grauser Zufall, —
— als Dichter, Räthselrather und Erlöser des Zufalls lehrte ich sie an der Zukunft schaffen, und Alles, das war —, schaffend zu erlösen.
Das Vergangne am Menschen zu erlösen und alles „Es war“ umzuschaffen, bis der Wille spricht: „Aber so wollte ich es! So werde ich's wollen —“
— Diess hiess ich ihnen Erlösung, Diess allein lehrte ich sie Erlösung heissen. — —
Nun warte ich meiner Erlösung —, dass ich zum letzten Male zu ihnen gehe.
Denn noch Ein Mal will ich zu den Menschen: unter ihnen will ich untergehen, sterbend will ich ihnen meine reichste Gabe geben!
Der Sonne lernte ich Das ab, wenn sie hinabgeht, die Überreiche: Gold schüttet sie da in's Meer aus unerschöpflichem Reichthume, —
— also, dass der ärmste Fischer noch mit goldenem Ruder rudert! Diess nämlich sah ich einst und wurde der Thränen nicht satt im Zuschauen. — —
Der Sonne gleich will auch Zarathustra untergehn: nun sitzt er hier und wartet, alte zerbrochne Tafeln um sich und auch neue Tafeln, — halbbeschriebene.
4 Siehe, hier ist eine neue Tafel: aber wo sind meine Brüder, die sie mit mir zu Thale und in fleischerne Herzen tragen? —
Also heischt es meine grosse Liebe zu den Fernsten: schone deinen Nächsten nicht! Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden muss.
Es giebt vielerlei Weg und Weise der Überwindung: da siehe du zu! Aber nur ein Possenreisser denkt: „der Mensch kann auch übersprungen werden.“
Überwinde dich selber noch in deinem Nächsten: und ein Recht, das du dir rauben kannst, sollst du dir nicht geben lassen!
Was du thust, das kann dir Keiner wieder thun. Siehe, es giebt keine Vergeltung.
Wer sich nicht befehlen kann, der soll gehorchen. Und Mancher kann sich befehlen, aber da fehlt noch Viel, dass er sich auch gehorche!
5 Also will es die Art edler Seelen: sie wollen Nichts umsonst haben, am wenigsten das Leben.
Wer vom Pöbel ist, der will umsonst leben; wir Anderen aber, denen das Leben sich gab, — wir sinnen immer darüber, was wir am besten dagegen geben!
Und wahrlich, diess ist eine vornehme Rede, welche spricht: „was uns das Leben verspricht, das wollen wir — dem Leben halten!“
Man soll nicht geniessen wollen, wo man nicht zu geniessen giebt. Und — man soll nicht geniessen wollen!
Genuss und Unschuld nämlich sind die schamhaftesten Dinge: Beide wollen nicht gesucht sein. Man soll sie haben —, aber man soll eher noch nach Schuld und Schmerzen suchen! —
6 Oh meine Brüder, wer ein Erstling ist, der wird immer geopfert. Nun aber sind wir Erstlinge.
Wir bluten Alle an geheimen Opfertischen, wir brennen und braten Alle zu Ehren alter Götzenbilder.
Unser Bestes ist noch jung: das reizt alte Gaumen Unser Fleisch ist zart, unser Fell ist nur ein Lamm-Fell: — wie sollten wir nicht alte Götzenpriester reizen!
In uns selber wohnt er noch, der alte Götzenpriester, der unser Bestes sich zum Schmause brät. Ach, meine Brüder, wie sollten Erstlinge nicht Opfer sein!
Aber so will es unsre Art; und ich liebe Die, welche sich nicht bewahren wollen. Die Untergehenden liebe ich mit meiner ganzen Liebe: denn sie gehn hinüber. —
7 Wahr sein — das können Wenige! Und wer es kann, der will es noch nicht! Am wenigsten aber können es die Guten.
Oh diese Guten! — Gute Menschen reden nie die Wahrheit; für den Geist ist solchermaassen gut sein eine Krankheit.
Sie geben nach, diese Guten, sie ergeben sich, ihr Herz spricht nach, ihr Grund gehorcht: wer aber gehorcht, der hört sich selber nicht!
Alles, was den Guten böse heisst, muss zusammen kommen, dass Eine Wahrheit geboren werde: oh meine Brüder, seid ihr auch böse genug zu dieser Wahrheit?
Das verwegene Wagen, das lange Misstrauen, das grausame Nein, der Überdruss, das Schneiden in's Lebendige — wie selten kommt das zusammen! Aus solchem Samen aber wird — Wahrheit gezeugt!
Neben dem bösen Gewissen wuchs bisher alles Wissen! Zerbrecht, zerbrecht mir, ihr Erkennenden, die alten Tafeln!
8 Wenn das Wasser Balken hat, wenn Stege und Geländer über den Fluss springen: wahrlich, da findet Keiner Glauben, der da spricht: „Alles ist im Fluss.“
Sondern selber die Tölpel widersprechen ihm. „Wie? sagen die Tölpel, Alles wäre im Flusse? Balken und Geländer sind doch über dem Flusse?“ „Über dem Flusse ist Alles fest, alle die Werthe der Dinge, die Brücken, Begriffe, alles „Gut“ und „Böse“: das ist Alles fest!“ —
Kommt gar der harte Winter, der Fluss-Thierbändiger: dann lernen auch die Witzigsten Misstrauen; und, wahrlich, nicht nur die Tölpel sprechen dann: „Sollte nicht Alles — stille stehn?“
„Im Grunde steht Alles stille“ —, das ist eine rechte Winter-Lehre, ein gut Ding für unfruchtbare Zeit, ein guter Trost für Winterschläfer und Ofenhocker.
„Im Grund steht Alles still“ —: dagegen aber predigt der Thauwind!
Der Thauwind, ein Stier, der kein pflügender Stier ist, — ein wüthender Stier, ein Zerstörer, der mit zornigen Hörnern Eis bricht! Eis aber — — bricht Stege!
Oh meine Brüder, ist jetzt nicht Alles im Flusse? Sind nicht alle Geländer und Stege in's Wasser gefallen? Wer hielte sich noch an „Gut“ und „Böse“?
„Wehe uns! Heil uns! Der Thauwind weht!“ — Also predigt mir, oh meine Brüder, durch alle Gassen!
9 Es giebt einen alten Wahn, der heisst Gut und Böse. Um Wahrsager und Sterndeuter drehte sich bisher das Rad dieses Wahns.
Einst glaubte man an Wahrsager und Sterndeuter: und darum glaubte man „Alles ist Schicksal: du sollst, denn du musst!“ Dann wieder misstraute man allen Wahrsagern und Sterndeutern: und darum glaubte man „Alles ist Freiheit: du kannst, denn du willst!“
Oh meine Brüder, über Sterne und Zukunft ist bisher nur gewähnt, nicht gewusst worden: und darum ist über Gut und Böse bisher nur gewähnt, nicht gewusst worden!
10 „Du sollst nicht rauben! Du sollst nicht todtschlagen!“ — solche Worte hiess man einst heilig; vor ihnen beugte man Knie und Köpfe und zog die Schuhe aus.
Aber ich frage euch: wo gab es je bessere Räuber und Todtschläger in der Welt, als es solche heilige Worte waren?
Ist in allem Leben selber nicht — Rauben und Todtschlagen? Und dass solche Worte heilig hiessen, wurde damit die Wahrheit selber nicht — todtgeschlagen?
Oder war es eine Predigt des Todes, dass heilig hiess, was allem Leben widersprach und widerrieth? — Oh meine Brüder, zerbrecht, zerbrecht mir die alten Tafeln!
11 Diess ist mein Mitleid mit allem Vergangenen, dass ich sehe: es ist preisgegeben, —
— der Gnade, dem Geiste, dem Wahnsinne jedes Geschlechtes preisgegeben, das kommt und Alles, was war, zu seiner Brücke umdeutet!
Ein grosser Gewalt-Herr könnte kommen, ein gewitzter Unhold, der mit seiner Gnade und Ungnade alles Vergangene zwänge und zwängte: bis es ihm Brücke würde und Vorzeichen und Herold und Hahnenschrei.
Diess aber ist die andre Gefahr und mein andres Mitleiden: — wer vom Pöbel ist, dessen Gedenken geht zurück bis zum Grossvater, — mit dem Grossvater aber hört die Zeit auf.
Also ist alles Vergangene preisgegeben: denn es könnte einmal kommen, dass der Pöbel Herr würde und in seichten Gewässern alle Zeit ertränke.
Darum, oh meine Brüder, bedarf es eines neuen Adels, der allem Pöbel und allem Gewalt-Herrischen Widersacher ist und auf neue Tafeln neu das Wort schreibt „edel“.
Vieler Edlen nämlich bedarf es und vielerlei Edlen, dass es Adel gebe! Oder, wie ich einst im Gleichniss sprach: „Das eben ist Göttlichkeit, dass es Götter, aber keinen Gott giebt!“
12 Oh meine Brüder, ich weihe und weise euch zu einem neuen Adel: ihr sollt mir Zeuger und Züchter werden und Säemänner der Zukunft, —
— wahrlich, nicht zu einem Adel, den ihr kaufen könntet gleich den Krämern und mit Krämer-Golde: denn wenig Werth hat Alles, was seinen Preis hat.
Nicht, woher ihr kommt, mache euch fürderhin eure Ehre, sondern wohin ihr geht! Euer Wille und euer Fuss, der über euch selber hinaus will, — das mache eure neue Ehre!
Wahrlich nicht, dass ihr einem Fürsten gedient habt — was liegt noch an Fürsten! — oder dem, was steht, zum Bollwerk wurdet, dass es fester stünde!
Nicht, dass euer Geschlecht an Höfen höfisch wurde, und ihr lerntet, bunt, einem Flamingo ähnlich, lange Stunden in flachen Teichen stehn.
— Denn Stehen-können ist ein Verdienst bei Höflingen; und alle Höflinge glauben, zur Seligkeit nach dem Tode gehöre — Sitzen-dürfen! —
Nicht auch, dass ein Geist, den sie heilig nennen, eure Vorfahren in gelobte Länder führte, die ich nicht lobe: denn wo der schlimmste aller Bäume wuchs, das Kreuz, — an dem Lande ist Nichts zu loben! — — und wahrlich, wohin dieser „heilige Geist“ auch seine Ritter führte, immer liefen bei solchen Zügen — Ziegen und Gänse und Kreuz- und Querköpfe voran! —
Oh meine Brüder, nicht zurück soll euer Adel schauen, sondern hinaus! Vertriebene sollt ihr sein aus allen Vater- und Urväterländern!
Eurer Kinder Land sollt ihr lieben: diese Liebe sei euer neuer Adel, — das unentdeckte, im fernsten Meere! Nach ihm heisse ich eure Segel suchen und suchen!
An euren Kindern sollt ihr gut machen, dass ihr eurer Väter Kinder seid: alles Vergangene sollt ihr so erlösen! Diese neue Tafel stelle ich über euch!
13 „Wozu leben? Alles ist eitel! Leben — das ist Stroh dreschen; Leben — das ist sich verbrennen und doch nicht warm werden.“ —
Solch alterthümliches Geschwätz gilt immer noch als „Weisheit“; dass es aber alt ist und dumpfig riecht, darum wird es besser geehrt. Auch der Moder adelt. —
Kinder durften so reden: die scheuen das Feuer, weil es sie brannte! Es ist viel Kinderei in den alten Büchern der Weisheit.
Und wer immer „Stroh drischt“, wie sollte der auf das Dreschen lästern dürfen! Solchem Narren müsste man doch das Maul verbinden!
Solche setzen sich zu Tisch und bringen Nichts mit, selbst den guten Hunger nicht: — und nun lästern sie „Alles ist eitel!“
Aber gut essen und trinken, oh meine Brüder, ist wahrlich keine eitle Kunst! Zerbrecht, zerbrecht mir die Tafeln der Nimmer-Frohen!
14 „Dem Reinen ist Alles rein“ — so spricht das Volk. Ich aber sage euch: den Schweinen wird Alles Schwein!
Darum predigen die Schwärmer und Kopfhänger, denen auch das Herz niederhängt: „die Welt selber ist ein kothiges Ungeheuer.“ Denn diese Alle sind unsäuberlichen Geistes; sonderlich aber Jene, welche nicht Ruhe, noch Rast haben, es sei denn, sie sehen die Welt von hinten, — die Hinterweltler!
Denen sage ich in's Gesicht, ob es gleich nicht lieblich klingt: die Welt gleicht darin dem Menschen, dass sie einen Hintern hat, — so Viel ist wahr!
Es giebt in der Welt viel Koth: so Viel ist wahr! Aber darum ist die Welt selber noch kein kothiges Ungeheuer!
Es ist Weisheit darin, dass Vieles in der Welt übel riecht: der Ekel selber schafft Flügel und quellenahnende Kräfte!
An dem Besten ist noch Etwas zum Ekeln; und der Beste ist noch Etwas, das überwunden werden muss! —
Oh meine Brüder, es ist viel Weisheit darin, dass viel Koth in der Welt ist! —
15 Solche Sprüche hörte ich fromme Hinterweltler zu ihrem Gewissen reden; und wahrlich, ohne Arg und Falsch, — ob es schon nichts Falscheres in der Welt giebt, noch Ärgeres.
„Lass doch die Welt der Welt sein! Hebe dawider auch nicht Einen Finger auf!“
„Lass, wer da wolle, die Leute würgen und stechen und schneiden und schaben: hebe dawider auch nicht Einen Finger auf! Darob lernen sie noch der Welt absagen.“ „Und deine eigne Vernunft — die sollst du selber görgeln und würgen; denn es ist eine Vernunft von dieser Welt, — darob lernst du selber der Welt absagen.“ —
— Zerbrecht, zerbrecht mir, oh meine Brüder, diese alten Tafeln der Frommen! Zersprecht mir die Sprüche der Welt-Verleumder!
16 „Wer viel lernt, der verlernt alles heftige Begehren“ — das flüstert man heute sich zu auf allen dunklen Gassen.
„Weisheit macht müde, es lohnt sich — Nichts; du sollst nicht begehren!“ — diese neue Tafel fand ich hängen selbst auf offnen Märkten.
Zerbrecht mir, oh meine Brüder, zerbrecht mir auch diese neue Tafel! Die Welt-Müden hängten sie hin und die Prediger des Todes, und auch die Stockmeister: denn seht, es ist auch eine Predigt zur Knechtschaft! —
Dass sie schlecht lernten und das Beste nicht, und Alles zu früh und Alles zu geschwind: dass sie schlecht assen, daher kam ihnen jener verdorbene Magen, —
— ein verdorbener Magen ist nämlich ihr Geist: der räth zum Tode! Denn wahrlich, meine Brüder, der Geist ist ein Magen!
Das Leben ist ein Born der Lust: aber aus wem der verdorbene Magen redet, der Vater der Trübsal, dem sind alle Quellen vergiftet.
Erkennen: das ist Lust dem Löwen-willigen! Aber wer müde wurde, der wird selber nur „gewollt“, mit dem spielen alle Wellen.
Und so ist es immer schwacher Menschen Art: sie verlieren sich auf ihren Wegen. Und zuletzt fragt noch ihre Müdigkeit: „wozu giengen wir jemals Wege! Es ist Alles gleich!“
Denen klingt es lieblich zu Ohren, dass gepredigt wird: „Es verlohnt sich Nichts! Ihr sollt nicht wollen!“ Diess aber ist eine Predigt zur Knechtschaft.
Oh meine Brüder, ein frischer Brause-Wind kommt Zarathustra allen Weg-Müden; viele Nasen wird er noch niesen machen!
Auch durch Mauern bläst mein freier Athem, und hinein in Gefängnisse und eingefangne Geister!
Wollen befreit: denn Wollen ist Schaffen: so lehre ich. Und nur zum Schaffen sollt ihr lernen!
Und auch das Lernen sollt ihr erst von mir lernen, das Gut-Lernen! — Wer Ohren hat, der höre!
17 Da steht der Nachen, — dort hinüber geht es vielleicht in's grosse Nichts. — Aber wer will in diess „Vielleicht“ einsteigen?
Niemand von euch will in den Todes-Nachen einsteigen! Wie so wollt ihr dann Welt-Müde sein!
Weltmüde! Und noch nicht einmal Erd-Entrückte wurdet ihr! Lüstern fand ich euch immer noch nach Erde, verliebt noch in die eigne Erd-Müdigkeit!
Nicht umsonst hängt euch die Lippe herab: — ein kleiner Erden-Wunsch sitzt noch darauf! Und im Auge — schwimmt da nicht ein Wölkchen unvergessner Erden-Lust?
Es giebt auf Erden viel gute Erfindungen, die einen nützlich, die andern angenehm: derentwegen ist die Erde zu lieben.
Und mancherlei so gut Erfundenes giebt es da, dass es ist wie des Weibes Busen: nützlich zugleich und angenehm.
Ihr Welt- Müden aber! Ihr Erden-Faulen! Euch soll man mit Ruthen streichen! Mit Ruthenstreichen soll man euch wieder muntre Beine machen.
Denn: seid ihr nicht Kranke und verlebte Wichte, deren die Erde müde ist, so seid ihr schlaue Faulthiere oder naschhafte verkrochene Lust-Katzen. Und wollt ihr nicht wieder lustig laufen, so sollt ihr — dahinfahren!
An Unheilbaren soll man nicht Arzt sein wollen: also lehrt es Zarathustra: — so sollt ihr dahinfahren!
Aber es gehört mehr Muth dazu, ein Ende zu machen, als einen neuen Vers: das wissen alle Ärzte und Dichter. —
18 Oh meine Brüder, es giebt Tafeln, welche die Ermüdung, und Tafeln, welche die Faulheit schuf, die faulige: ob sie schon gleich reden, so wollen sie doch ungleich gehört sein. —
Seht hier diesen Verschmachtenden! Nur eine Spanne weit ist er noch von seinem Ziele, aber vor Müdigkeit hat er sich trotzig hier in den Staub gelegt: dieser Tapfere!
Vor Müdigkeit gähnt er Weg und Erde und Ziel und sich selber an: keinen Schritt will er noch weiter thun, — dieser Tapfere!
Nun glüht die Sonne auf ihn, und die Hunde lecken nach seinem Schweisse: aber er liegt da in seinem Trotze und will lieber verschmachten: —
— eine Spanne weit von seinem Ziele verschmachten! Wahrlich, ihr werdet ihn noch an den Haaren in seinen Himmel ziehen müssen, — diesen Helden!
Besser noch, ihr lasst ihn liegen, wohin er sich gelegt hat, dass der Schlaf ihm komme, der Tröster, mit kühlendem Rausche-Regen:
Lasst ihn liegen, bis er von selber wach wird, — bis er von selber alle Müdigkeit widerruft und was Müdigkeit aus ihm lehrte!
Nur, meine Brüder, dass ihr die Hunde von ihm scheucht, die faulen Schleicher, und all das schwärmende Geschmeiss: —
— all das schwärmende Geschmeiss der „Gebildeten“, das sich am Schweisse jedes Helden — gütlich thut! —
19 Ich schliesse Kreise um mich und heilige Grenzen; immer Wenigere steigen mit mir auf immer höhere Berge, — ich baue ein Gebirge aus immer heiligeren Bergen. —
Wohin ihr aber auch mit mir steigen mögt, oh meine Brüder: seht zu, dass nicht ein Schmarotzer mit euch steige!
Schmarotzer: das ist ein Gewürm, ein kriechendes, geschmiegtes, das fett werden will an euren kranken wunden Winkeln.
Und das ist seine Kunst, dass er steigende Seelen erräth, wo sie müde sind: in euren Gram und Unmuth, in eure zarte Scham baut er sein ekles Nest.
Wo der Starke schwach, der Edle allzumild ist, — dahinein baut er sein ekles Nest: der Schmarotzer wohnt, wo der Grosse kleine wunde Winkel hat.
Was ist die höchste Art alles Seienden und was die geringste? Der Schmarotzer ist die geringste Art; wer aber höchster Art ist, der ernährt die meisten Schmarotzer.
Die Seele nämlich, welche die längste Leiter hat und am tiefsten hinunter kann: wie sollten nicht an der die meisten Schmarotzer sitzen? —
— die umfänglichste Seele, welche am weitesten in sich laufen und irren und schweifen kann; die nothwendigste, welche sich aus Lust in den Zufall stürzt: —
— die seiende Seele, welche in's Werden taucht; die habende, welche in's Wollen und Verlangen will: —
— die sich selber fliehende, die sich selber im weitesten Kreise einholt; die weiseste Seele, welcher die Narrheit am süssesten zuredet: —
— die sich selber liebendste, in der alle Dinge ihr Strömen und Wiederströmen und Ebbe und Fluth haben: — oh wie sollte die höchste Seele nicht die schlimmsten Schmarotzer haben?
20 Oh meine Brüder, bin ich denn grausam? Aber ich sage: was fällt, das soll man auch noch stossen!
Das Alles von Heute — das fällt, das verfällt: wer wollte es halten! Aber ich — ich will es noch stossen!
Kennt ihr die Wollust, die Steine in steile Tiefen rollt? — Diese Menschen von heute: seht sie doch, wie sie in meine Tiefen rollen!
Ein Vorspiel bin ich besserer Spieler, oh meine Brüder! Ein Beispiel! Thut nach meinem Beispiele!
Und wen ihr nicht fliegen lehrt, den lehrt mir — schneller fallen! —
21 Ich liebe die Tapferen: aber es ist nicht genug, Hau-Degen sein, —man muss auch wissen Hau-schau-Wen!
Und oft ist mehr Tapferkeit darin, dass Einer an sich hält und vorübergeht: damit er sich dem würdigeren Feinde aufspare!
Ihr sollt nur Feinde haben, die zu hassen sind, aber nicht Feinde zum Verachten: ihr müsst stolz auf euren Feind sein: also lehrte ich schon Ein Mal.
Dem würdigeren Feinde, oh meine Freunde, sollt ihr euch aufsparen: darum müsst ihr an Vielem vorübergehn, —
— sonderlich an vielem Gesindel, das euch in die Ohren lärmt von Volk und Völkern.
Haltet euer Auge rein von ihrem Für und Wider! Da giebt es viel Recht, viel Unrecht: wer da zusieht, wird zornig.
Dreinschaun, dreinhaun — das ist da Eins: darum geht weg in die Wälder und legt euer Schwert schlafen!
Geht eure Wege! Und lasst Volk und Völker die ihren gehn! — dunkle Wege wahrlich, auf denen auch nicht Eine Hoffnung mehr wetterleuchtet!
Mag da der Krämer herrschen, wo Alles, was noch glänzt — Krämer-Gold ist! Es ist die Zeit der Könige nicht mehr: was sich heute Volk heisst, verdient keine Könige.
Seht doch, wie diese Völker jetzt selber den Krämern gleich thun: sie lesen sich die kleinsten Vortheile noch aus jedem Kehricht!
Sie lauern einander auf, sie lauern einander Etwas ab, — das heissen sie „gute Nachbarschaft.“ Oh selige ferne Zeit, wo ein Volk sich sagte: „ich will über Völker — Herr sein!“
Denn, meine Brüder: das Beste soll herrschen, das Beste will auch herrschen! Und wo die Lehre anders lautet, da — fehlt es am Besten.
22 Wenn Die —Brod umsonst hätten, wehe! Wonach würden Die schrein! Ihr Unterhalt — das ist ihre rechte Unterhaltung; und sie sollen es schwer haben!
Raubthiere sind es: in ihrem „Arbeiten“ — da ist auch noch Rauben, in ihrem „Verdienen“ — da ist auch noch Überlisten! Darum sollen sie es schwer haben!
Bessere Raubthiere sollen sie also werden, feinere, klügere, menschen-ähnlichere: der Mensch nämlich ist das beste Raubthier.
Allen Thieren hat der Mensch schon ihre Tugenden abgeraubt: das macht, von allen Thieren hat es der Mensch am schwersten gehabt.
Nur noch die Vögel sind über ihm. Und wenn der Mensch noch fliegen lernte, wehe! wohinauf — würde seine Raublust fliegen!
23 So will ich Mann und Weib: kriegstüchtig den Einen, gebärtüchtig das Andre, beide aber tanztüchtig mit Kopf und Beinen.
Und verloren sei uns der Tag, wo nicht Ein Mal getanzt wurde! Und falsch heisse uns jede Wahrheit, bei der es nicht Ein Gelächter gab!
24 Euer Eheschliessen: seht zu, dass es nicht ein schlechtes Schliessen sei! Ihr schlosset zu schnell: so folgt daraus — Ehebrechen!
Und besser noch Ehebrechen als Ehe-biegen, Ehelügen! — So sprach mir ein Weib: „wohl brach ich die Ehe, aber zuerst brach die Ehe — mich!“ Schlimm-Gepaarte fand ich immer als die schlimmsten Rachsüchtigen: sie lassen es aller Welt entgelten, dass sie nicht mehr einzeln laufen.
Desswillen will ich, dass Redliche zu einander reden: „wir lieben uns: lasst uns zusehn, dass wir uns lieb behalten! Oder soll unser Versprechen ein Versehen sein?“
— „Gebt uns eine Frist und kleine Ehe, dass wir zusehn, ob wir zur grossen Ehe taugen! Es ist ein grosses Ding, immer zu Zwein sein!“
Also rathe ich allen Redlichen; und was wäre denn meine Liebe zum Übermenschen und zu Allem, was kommen soll, wenn ich anders riethe und redete!
Nicht nur fort euch zu pflanzen, sondern hinauf — dazu, oh meine Brüder, helfe euch der Garten der Ehe!
25 Wer über alte Ursprünge weise wurde, siehe, der wird zuletzt nach Quellen der Zukunft suchen und nach neuen Ursprüngen. —
Oh meine Brüder, es ist nicht über Lange, da werden neue Völker entspringen und neue Quellen hinab in neue Tiefen rauschen.
Das Erdbeben nämlich — das verschüttet viel Brunnen, das schafft viel Verschmachten: das hebt auch innre Kräfte und Heimlichkeiten an's Licht.
Das Erdbeben macht neue Quellen offenbar. Im Erdbeben alter Völker brechen neue Quellen aus.
Und wer da ruft: „Siehe hier ein Brunnen für viele Durstige, Ein Herz für viele Sehnsüchtige, Ein Wille für viele Werkzeuge“: — um den sammelt sich ein Volk, das ist: viel Versuchende.
Wer befehlen kann, wer gehorchen muss — Das wird da versucht! Ach, mit welch langem Suchen und Rathen und Missrathen und Lernen und Neu-Versuchen!
Die Menschen-Gesellschaft: die ist ein Versuch, so lehre ich's, — ein langes Suchen: sie sucht aber den Befehlenden! —
— ein Versuch, oh meine Brüder! Und kein „Vertrag“! Zerbrecht, zerbrecht mir solch Wort der Weich-Herzen und Halb- und Halben!
26 Oh meine Brüder! Bei Welchen liegt doch die grösste Gefahr aller Menschen-Zukunft? Ist es nicht bei den Guten und Gerechten? —
— als bei Denen, die sprechen und im Herzen fühlen: „wir wissen schon, was gut ist und gerecht, wir haben es auch; wehe Denen, die hier noch suchen!“
Und was für Schaden auch die Bösen thun mögen: der Schaden der Guten ist der schädlichste Schaden!
Und was für Schaden auch die Welt-Verleumder thun mögen: der Schaden der Guten ist der schädlichste Schaden.
Oh meine Brüder, den Guten und Gerechten sah Einer einmal in's Herz, der da sprach: „es sind die Pharisäer.“ Aber man verstand ihn nicht.
Die Guten und Gerechten selber durften ihn nicht verstehen: ihr Geist ist eingefangen in ihr gutes Gewissen. Die Dummheit der Guten ist unergründlich klug.
Das aber ist die Wahrheit: die Guten müssen Pharisäer sein, — sie haben keine Wahl!
Die Guten müssen Den kreuzigen, der sich seine eigne Tugend erfindet! Das ist die Wahrheit!
Der Zweite aber, der ihr Land entdeckte, Land, Herz und Erdreich der Guten und Gerechten: das war, der da fragte: „wen hassen sie am meisten?“
Den Schaffenden hassen sie am meisten: den, der Tafeln bricht und alte Werthe, den Brecher — den heissen sie Verbrecher.
Die Guten nämlich — die können nicht schaffen: die sind immer der Anfang vom Ende: —
— sie kreuzigen Den, der neue Werthe auf neue Tafeln schreibt, sie opfern sich die Zukunft, — sie kreuzigen alle Menschen-Zukunft!
Die Guten — die waren immer der Anfang vom Ende. —
27 Oh meine Brüder, verstandet ihr auch diess Wort? Und was ich einst sagte vom „letzten Menschen“?
Bei Welchen liegt die grösste Gefahr aller Menschen-Zukunft? Ist es nicht bei den Guten und Gerechten?
Zerbrecht, zerbrecht mir die Guten und Gerechten! — Oh meine Brüder, verstandet ihr auch diess Wort?
28 Ihr flieht von mir? Ihr seid erschreckt? Ihr zittert vor diesem Worte?
Oh meine Brüder, als ich euch die Guten zerbrechen hiess und die Tafeln der Guten: da erst schiffte ich den Menschen ein auf seine hohe See.
Und nun erst kommt ihm der grosse Schrecken, das grosse Um-sich-sehn, die grosse Krankheit, der grosse Ekel, die grosse See-Krankheit.
Falsche Küsten und falsche Sicherheiten lehrten euch die Guten; in Lügen der Guten wart ihr geboren und geborgen. Alles ist in den Grund hinein verlogen und verbogen durch die Guten.
Aber wer das Land „Mensch“ entdeckte, entdeckte auch das Land „Menschen-Zukunft“. Nun sollt ihr mir Seefahrer sein, wackere, geduldsame!
Aufrecht geht mir bei Zeiten, oh meine Brüder, lernt aufrecht gehn! Das Meer stürmt: Viele wollen an euch sich wieder aufrichten.
Das Meer stürmt: Alles ist im Meere. Wohlan! Wohlauf! Ihr alten Seemanns-Herzen!
Was Vaterland! Dorthin will unser Steuer, wo unser Kinder-Land ist! Dorthinaus, stürmischer als das Meer, stürmt unsre grosse Sehnsucht! —
29 „Warum so hart! — sprach zum Diamanten einst die Küchen-Kohle; sind wir denn nicht Nah-Verwandte?“ —
Warum so weich? Oh meine Brüder, also frage ich euch: seid ihr denn nicht — meine Brüder?
Warum so weich, so weichend und nachgebend? Warum ist so viel Leugnung, Verleugnung in eurem Herzen? So wenig Schicksal in eurem Blicke?
Und wollt ihr nicht Schicksale sein und Unerbittliche: wie könntet ihr mit mir — siegen?
Und wenn eure Härte nicht blitzen und scheiden und zerschneiden will: wie könntet ihr einst mit mir — schaffen?
Die Schaffenden nämlich sind hart. Und Seligkeit muss es euch dünken, eure Hand auf Jahrtausende zu drücken wie auf Wachs, —
— Seligkeit, auf dem Willen von Jahrtausenden zu schreiben wie auf Erz, — härter als Erz, edler als Erz. Ganz hart ist allein das Edelste.
Diese neue Tafel, oh meine Brüder, stelle ich über euch: werdet hart! —
30 Oh du mein Wille! Du Wende aller Noth, du meine Nothwendigkeit! Bewahre mich vor allen kleinen Siegen!
Du Schickung meiner Seele, die ich Schicksal heisse! Du In-mir! Über-mir! Bewahre und spare mich auf zu Einem grossen Schicksale!
Und deine letzte Grösse, mein Wille, spare dir für dein Letztes auf, — dass du unerbittlich bist in deinem Siege! Ach, wer unterlag nicht seinem Siege!
Ach, wessen Auge dunkelte nicht in dieser trunkenen Dämmerung! Ach, wessen Fuss taumelte nicht und verlernte im Siege — stehen! —
— Dass ich einst bereit und reif sei im grossen Mittage: bereit und reif gleich glühendem Erze, blitzschwangrer Wolke und schwellendem Milch-Euter: —
— bereit zu mir selber und zu meinem verborgensten Willen: ein Bogen brünstig nach seinem Pfeile, ein Pfeil brünstig nach seinem Sterne: —
— ein Stern bereit und reif in seinem Mittage, glühend, durchbohrt, selig vor vernichtenden Sonnen-Pfeilen: —
— eine Sonne selber und ein unerbittlicher Sonnen-Wille, zum Vernichten bereit im Siegen!
Oh Wille, Wende aller Noth, du meine Nothwendigkeit! Spare mich auf zu Einem grossen Siege! — —
Also sprach Zarathustra.
Der Genesende.
1 Eines Morgens, nicht lange nach seiner Rückkehr zur Höhle, sprang Zarathustra von seinem Lager auf wie ein Toller, schrie mit furchtbarer Stimme und gebärdete sich, als ob noch Einer auf dem Lager läge, der nicht davon aufstehn wolle; und also tönte Zarathustra's Stimme, dass seine Thiere erschreckt hinzukamen, und dass aus allen Höhlen und Schlupfwinkeln, die Zarathustra's Höhle benachbart waren, alles Gethier davon huschte, — fliegend, flatternd, kriechend, springend, wie ihm nur die Art von Fuss und Flügel gegeben war. Zarathustra aber redete diese Worte:
Herauf, abgründlicher Gedanke, aus meiner Tiefe! Ich bin dein Hahn und Morgen-Grauen, verschlafener Wurm: auf! auf! Meine Stimme soll dich schon wach krähen!
Knüpfe die Fessel deiner Ohren los: horche! Denn ich will dich hören! Auf! Auf! Hier ist Donners genug, dass auch Gräber horchen lernen!
Und wische den Schlaf und alles Blöde, Blinde aus deinen Augen! Höre mich auch mit deinen Augen: meine Stimme ist ein Heilmittel noch für Blindgeborne.
Und bist du erst wach, sollst du mir ewig wach bleiben. Nicht ist das meine Art, Urgrossmütter aus dem Schlafe wecken, dass ich sie heisse — weiterschlafen!
Du regst dich, dehnst dich, röchelst? Auf! Auf! Nicht röcheln — reden sollst du mir! Zarathustra ruft dich, der Gottlose!
Ich, Zarathustra, der Fürsprecher des Lebens, der Fürsprecher des Leidens, der Fürsprecher des Kreises — dich rufe ich, meinen abgründlichsten Gedanken!
Heil mir! Du kommst — ich höre dich! Mein Abgrund redet, meine letzte Tiefe habe ich an's Licht gestülpt!
Heil mir! Heran! Gieb die Hand — — ha! lass!
Haha! — — Ekel, Ekel, Ekel — — — wehe mir!
2 Kaum aber hatte Zarathustra diese Worte gesprochen, da stürzte er nieder gleich einem Todten und blieb lange wie ein Todter. Als er aber wieder zu sich kam, da war er bleich und zitterte und blieb liegen und wollte lange nicht essen noch trinken. Solches Wesen dauerte an ihm sieben Tage; seine Thiere verliessen ihn aber nicht bei Tag und Nacht, es sei denn, dass der Adler ausflog, Speise zu holen. Und was er holte und zusammenraubte, das legte er auf Zarathustra's Lager: also dass Zarathustra endlich unter gelben und rothen Beeren, Trauben, Rosenäpfeln, wohlriechendem Krautwerke und Pinien-Zapfen lag. Zu seinen Füssen aber waren zwei Lämmer gebreitet, welche der Adler mit Mühe ihren Hirten abgeraubt hatte.
Endlich, nach sieben Tagen, richtete sich Zarathustra auf seinem Lager auf, nahm einen Rosenapfel in die Hand, roch daran und fand seinen Geruch lieblich. Da glaubten seine Thiere, die Zeit sei gekommen, mit ihm zu reden.
„Oh Zarathustra, sagten sie, nun liegst du schon sieben Tage so, mit schweren Augen: willst du dich nicht endlich wieder auf deine Füsse stellen?
Tritt hinaus aus deiner Höhle: die Welt wartet dein wie ein Garten. Der Wind spielt mit schweren Wohlgerüchen, die zu dir wollen; und alle Bäche möchten dir nachlaufen.
Alle Dinge sehnen sich nach dir, dieweil du sieben Tage allein bliebst, — tritt hinaus aus deiner Höhle! Alle Dinge wollen deine Ärzte sein!
Kam wohl eine neue Erkenntniss zu dir, eine saure, schwere? Gleich angesäuertem Teige lagst du, deine Seele gieng auf und schwoll über alle ihre Ränder. —“
— Oh meine Thiere, antwortete Zarathustra, schwätzt also weiter und lasst mich zuhören! Es erquickt mich so, dass ihr schwätzt: wo geschwätzt wird, da liegt mir schon die Welt wie ein Garten.
Wie lieblich ist es, dass Worte und Töne da sind: sind nicht Worte und Töne Regenbogen und Schein-Brücken zwischen Ewig-Geschiedenem?
Zu jeder Seele gehört eine andre Welt; für jede Seele ist jede andre Seele eine Hinterwelt.
Zwischen dem Ähnlichsten gerade lügt der Schein am schönsten; denn die kleinste Kluft ist am schwersten zu überbrücken.
Für mich — wie gäbe es ein Ausser-mir? Es giebt kein Aussen! Aber das vergessen wir bei allen Tönen; wie lieblich ist es, dass wir vergessen!
Sind nicht den Dingen Namen und Töne geschenkt, dass der Mensch sich an den Dingen erquicke? Es ist eine schöne Narrethei, das Sprechen: damit tanzt der Mensch über alle Dinge.
Wie lieblich ist alles Reden und alle Lüge der Töne! Mit Tönen tanzt unsre Liebe auf bunten Regenbögen. —
— „Oh Zarathustra, sagten darauf die Thiere, Solchen, die denken wie wir, tanzen alle Dinge selber: das kommt und reicht sich die Hand und lacht und flieht — und kommt zurück.
Alles geht, Alles kommt zurück; ewig rollt das Rad des Seins. Alles stirbt, Alles blüht wieder auf, ewig läuft das Jahr des Seins.
Alles bricht, Alles wird neu gefügt; ewig baut sich das gleiche Haus des Seins. Alles scheidet, Alles grüsst sich wieder; ewig bleibt sich treu der Ring des Seins.
In jedem Nu beginnt das Sein; um jedes Hier rollt sich die Kugel Dort. Die Mitte ist überall. Krumm ist der Pfad der Ewigkeit.“ —
— Oh ihr Schalks-Narren und Drehorgeln! antwortete Zarathustra und lächelte wieder, wie gut wisst ihr, was sich in sieben Tagen erfüllen musste: —
— und wie jenes Unthier mir in den Schlund kroch und mich würgte! Aber ich biss ihm den Kopf ab und spie ihn weg von mir.
Und ihr, — ihr machtet schon ein Leier-Lied daraus? Nun aber liege ich da, müde noch von diesem Beissen und Wegspein, krank noch von der eigenen Erlösung.
Und ihr schautet dem Allen zu? Oh meine Thiere, seid auch ihr grausam? Habt ihr meinem grossen Schmerze zuschaun wollen, wie Menschen thun? Der Mensch nämlich ist das grausamste Thier.
Bei Trauerspielen, Stierkämpfen und Kreuzigungen ist es ihm bisher am wohlsten geworden auf Erden; und als er sich die Hölle erfand, siehe, da war das sein Himmel auf Erden.
Wenn der grosse Mensch schreit —: flugs läuft der kleine hinzu; und die Zunge hängt ihm aus dem Halse vor Lüsternheit. Er aber heisst es sein „Mitleiden.“
Der kleine Mensch, sonderlich der Dichter — wie eifrig klagt er das Leben in Worten an! Hört hin, aber überhört mir die Lust nicht, die in allem Anklagen ist!
Solche Ankläger des Lebens: die überwindet das Leben mit einem Augenblinzeln. „Du liebst mich? sagt die Freche; warte noch ein Wenig, noch habe ich für dich nicht Zeit.“
Der Mensch ist gegen sich selber das grausamste Thier; und bei Allem, was sich „Sünder“ und „Kreuzträger“ und „Büsser“ heisst, überhört mir die Wollust nicht, die in diesem Klagen und Anklagen ist!
Und ich selber — will ich damit des Menschen Ankläger sein? Ach, meine Thiere, Das allein lernte ich bisher, dass dem Menschen sein Bösestes nöthig ist zu seinem Besten, —
— dass alles Böseste seine beste Kraft ist und der härteste Stein dem höchsten Schaffenden; und dass der Mensch besser und böser werden muss: — Nicht an diess Marterholz war ich geheftet, dass ich weiss: der Mensch ist böse, — sondern ich schrie, wie noch Niemand geschrien hat:
„Ach dass sein Bösestes so gar klein ist! Ach dass sein Bestes so gar klein ist!“
Der grosse Überdruss am Menschen — der würgte mich und war mir in den Schlund gekrochen: und was der Wahrsager wahrsagte: „Alles ist gleich, es lohnt sich Nichts, Wissen würgt.“
Eine lange Dämmerung hinkte vor mir her, eine todesmüde, todestrunkene Traurigkeit, welche mit gähnendem Munde redete.
„Ewig kehrt er wieder, der Mensch, dess du müde bist, der kleine Mensch“ — so gähnte meine Traurigkeit und schleppte den Fuss und konnte nicht einschlafen.
Zur Höhle wandelte sich mir die Menschen-Erde, ihre Brust sank hinein, alles Lebendige ward mir Menschen-Moder und Knochen und morsche Vergangenheit.
Mein Seufzen sass auf allen Menschen-Gräbern und konnte nicht mehr aufstehn; mein Seufzen und Fragen unkte und würgte und nagte und klagte bei Tag und Nacht:
— „ach, der Mensch kehrt ewig wieder! Der kleine Mensch kehrt ewig wieder! “ —
Nackt hatte ich einst Beide gesehn, den grössten Menschen und den kleinsten Menschen: allzuähnlich einander, — allzumenschlich auch den Grössten noch!
Allzuklein der Grösste! — Das war mein Überdruss am Menschen! Und ewige Wiederkunft auch des Kleinsten! — Das war mein Überdruss an allem Dasein!
Ach, Ekel! Ekel! Ekel! — — Also sprach Zarathustra und seufzte und schauderte; denn er erinnerte sich seiner Krankheit. Da liessen ihn aber seine Thiere nicht weiter reden.
„Sprich nicht weiter, du Genesender! — so antworteten ihm seine Thiere, sondern geh hinaus, wo die Welt auf dich wartet gleich einem Garten.
Geh hinaus zu den Rosen und Bienen und Taubenschwärmen! Sonderlich aber zu den Singe-Vögeln: dass du ihnen das Singen ablernst!
Singen nämlich ist für Genesende; der Gesunde mag reden. Und wenn auch der Gesunde Lieder will, will er andre Lieder doch als der Genesende.“
— „Oh ihr Schalks-Narren und Drehorgeln, so schweigt doch! — antwortete Zarathustra und lächelte über seine Thiere. Wie gut ihr wisst, welchen Trost ich mir selber in sieben Tagen erfand!
Dass ich wieder singen müsse, — den Trost erfand ich mir und diese Genesung: wollt ihr auch daraus gleich wieder ein Leier-Lied machen?“
— „Sprich nicht weiter, antworteten ihm abermals seine Thiere; lieber noch, du Genesender, mache dir erst eine Leier zurecht, eine neue Leier!
Denn siehe doch, oh Zarathustra! Zu deinen neuen Liedern bedarf es neuer Leiern.
Singe und brause über, oh Zarathustra, heile mit neuen Liedern deine Seele: dass du dein grosses Schicksal tragest, das noch keines Menschen Schicksal war!
Denn deine Thiere wissen es wohl, oh Zarathustra, wer du bist und werden musst: siehe, du bist der Lehrer der ewigen Wiederkunft —, das ist nun dein Schicksal!
Dass du als der Erste diese Lehre lehren musst, — wie sollte diess grosse Schicksal nicht auch deine grösste Gefahr und Krankheit sein!
Siehe, wir wissen, was du lehrst: dass alle Dinge ewig wiederkehren und wir selber mit, und dass wir schon ewige Male dagewesen sind, und alle Dinge mit uns.
Du lehrst, dass es ein grosses Jahr des Werdens giebt, ein Ungeheuer von grossem Jahre: das muss sich, einer Sanduhr gleich, immer wieder von Neuem umdrehn, damit es von Neuem ablaufe und auslaufe: —
— so dass alle diese Jahre sich selber gleich sind, im Grössten und auch im Kleinsten, — so dass wir selber in jedem grossen Jahre uns selber gleich sind, im Grössten und auch im Kleinsten.
Und wenn du jetzt sterben wolltest, oh Zarathustra: siehe, wir wissen auch, wie du da zu dir sprechen würdest: — aber deine Thiere bitten dich, dass du noch nicht sterbest!
Du würdest sprechen und ohne Zittern, vielmehr aufathmend vor Seligkeit: denn eine grosse Schwere und Schwüle wäre von dir genommen, du Geduldigster! —
„Nun sterbe und schwinde ich, würdest du sprechen, und im Nu bin ich ein Nichts. Die Seelen sind so sterblich wie die Leiber.
Aber der Knoten von Ursachen kehrt wieder, in den ich verschlungen bin, — der wird mich wieder schaffen! Ich selber gehöre zu den Ursachen der ewigen Wiederkunft.
Ich komme wieder, mit dieser Sonne, mit dieser Erde, mit diesem Adler, mit dieser Schlange — nicht zu einem neuen Leben oder besseren Leben oder ähnlichen Leben:
— ich komme ewig wieder zu diesem gleichen und selbigen Leben, im Grössten und auch im Kleinsten, dass ich wieder aller Dinge ewige Wiederkunft lehre, —
— dass ich wieder das Wort spreche vom grossen Erden- und Menschen-Mittage, dass ich wieder den Menschen den Übermenschen künde.
Ich sprach mein Wort, ich zerbreche an meinem Wort: so will es mein ewiges Loos —, als Verkündiger gehe ich zu Grunde!
Die Stunde kam nun, dass der Untergehende sich selber segnet. Also — endet Zarathustra's Untergang.“ — —
Als die Thiere diese Worte gesprochen hatten, schwiegen sie und warteten, dass Zarathustra Etwas zu ihnen sagen werde: aber Zarathustra hörte nicht, dass sie schwiegen. Vielmehr lag er still, mit geschlossenen Augen, einem Schlafenden ähnlich, ob er schon nicht schlief: denn er unterredete sich eben mit seiner Seele. Die Schlange aber und der Adler, als sie ihn solchermaassen schweigsam fanden, ehrten die grosse Stille um ihn und machten sich behutsam davon.
Von der grossen Sehnsucht.
Oh meine Seele, ich lehrte dich „Heute“ sagen wie „Einst“ und „Ehemals“ und über alles Hier und Da und Dort deinen Reigen hinweg tanzen.
Oh meine Seele, ich erlöste dich von allen Winkeln, ich kehrte Staub, Spinnen und Zwielicht von dir ab.
Oh meine Seele, ich wusch die kleine Scham und die Winkel-Tugend von dir ab und überredete dich nackt vor den Augen der Sonne zu stehn.
Mit dem Sturme, welcher „Geist“ heisst, blies ich über deine wogende See; alle Wolken blies ich davon, ich erwürgte selbst die Würgerin, die „Sünde“ heisst.
Oh meine Seele, ich gab dir das Recht, Nein zu sagen wie der Sturm und Ja zu sagen wie offner Himmel Ja sagt: still wie Licht stehst du und gehst du nun durch verneinende Stürme.
Oh meine Seele, ich gab dir die Freiheit zurück über Erschaffnes und Unerschaffnes: und wer kennt, wie du sie kennst, die Wollust des Zukünftigen?
Oh meine Seele, ich lehrte dich das Verachten, das nicht wie ein Wurmfrass kommt, das grosse, das liebende Verachten, welches am meisten liebt, wo es am meisten verachtet.
Oh meine Seele, ich lehrte dich so überreden, dass du zu dir die Gründe selber überredest: der Sonne gleich, die das Meer noch zu seiner Höhe überredet.
Oh meine Seele, ich nahm von dir alles Gehorchen, Kniebeugen und Herr-Sagen; ich gab dir selber den Namen „Wende der Noth“ und „Schicksal“.
Oh meine Seele, ich gab dir neue Namen und bunte Spielwerke, ich hiess dich „Schicksal“ und „Umfang der Umfänge“ und „Nabelschnur der Zeit“ und „azurne Glocke“.
Oh meine Seele, deinem Erdreich gab ich alle Weisheit zu trinken, alle neuen Weine und auch alle unvordenklich alten starken Weine der Weisheit.
Oh meine Seele, jede Sonne goss ich auf dich und jede Nacht und jedes Schweigen und jede Sehnsucht: — da wuchsest du mir auf wie ein Weinstock.
Oh meine Seele, überreich und schwer stehst du nun da, ein Weinstock mit schwellenden Eutern und gedrängten braunen Gold-Weintrauben: —
— gedrängt und gedrückt von deinem Glücke wartend vor Überflusse und schamhaft noch ob deines Wartens.
Oh meine Seele, es giebt nun nirgends eine Seele die liebender wäre und umfangender und umfänglicher! Wo wäre Zukunft und Vergangnes näher beisammen als bei dir?
Oh meine Seele, ich gab dir Alles, und alle meine Hände sind an dich leer geworden: — und nun! Nun sagst du mir lächelnd und voll Schwermuth: „Wer von uns hat zu danken? —
— hat der Geber nicht zu danken, dass der Nehmende nahm? Ist Schenken nicht eine Nothdurft? Ist Nehmen nicht — Erbarmen?“ —
Oh meine Seele, ich verstehe das Lächeln deiner Schwermuth: dein Über-Reichthum selber streckt nun sehnende Hände aus!
Deine Fülle blickt über brausende Meere hin und sucht und wartet; die Sehnsucht der Über-Fülle blickt aus deinem lächelnden Augen-Himmel!
Und wahrlich, oh meine Seele! Wer sähe dein Lächeln und schmölze nicht vor Thränen? Die Engel selber schmelzen vor Thränen ob der Über-Güte deines Lächelns.
Deine Güte und Über-Güte ist es, die nicht klagen und weinen will: und doch sehnt sich, oh meine Seele, dein Lächeln nach Thränen und dein zitternder Mund nach Schluchzen.
„Ist alles Weinen nicht ein Klagen? Und alles Klagen nicht ein Anklagen?“ Also redest du zu dir selber, und darum willst du, oh meine Seele, lieber lächeln, als dein Leid ausschütten
— in stürzende Thränen ausschütten all dein Leid über deine Fülle und über all die Drängniss des Weinstocks nach Winzer und Winzermesser!
Aber willst du nicht weinen, nicht ausweinen deine purpurne Schwermuth, so wirst du singen müssen, oh meine Seele! — Siehe, ich lächle selber, der ich dir solches vorhersage:
— singen, mit brausendem Gesange, bis alle Meere still werden, dass sie deiner Sehnsucht zuhorchen, —
— bis über stille sehnsüchtige Meere der Nachen schwebt, das güldene Wunder, um dessen Gold alle guten schlimmen wunderlichen Dinge hüpfen: —
— auch vieles grosse und kleine Gethier und Alles, was leichte wunderliche Füsse hat, dass es auf veilchenblauen Pfaden laufen kann, —
— hin zu dem güldenen Wunder, dem freiwilligen Nachen und zu seinem Herrn: das aber ist der Winzer, der mit diamantenem Winzermesser wartet, —
— dein grosser Löser, oh meine Seele, der Namenlose — — dem zukünftige Gesänge erst Namen finden! Und wahrlich, schon duftet dein Athem nach zukünftigen Gesängen, —
— schon glühst du und träumst, schon trinkst du durstig an allen tiefen klingenden Trost-Brunnen, schon ruht deine Schwermuth in der Seligkeit zukünftiger Gesänge! — —
Oh meine Seele, nun gab ich dir Alles und auch mein Letztes, und alle meine Hände sind an dich leer geworden: — dass ich dich singen hiess, siehe, das war mein Letztes!
Dass ich dich singen hiess, sprich nun, sprich: wer von uns hat jetzt — zu danken? — Besser aber noch: singe mir, singe, oh meine Seele! Und mich lass danken! —
Also sprach Zarathustra.
Das andere Tanzlied.
1 „In dein Auge schaute ich jüngst, oh Leben: Gold sah ich in deinem Nacht-Auge blinken, — mein Herz stand still vor dieser Wollust:
— einen goldenen Kahn sah ich blinken auf nächtigen Gewässern, einen sinkenden, trinkenden, wieder winkenden goldenen Schaukel-Kahn!
Nach meinem Fusse, dem tanzwüthigen, warfst du einen Blick, einen lachenden fragenden schmelzenden Schaukel-Blick:
Zwei Mal nur regtest du deine Klapper mit kleinen Händen — da schaukelte schon mein Fuss vor Tanz-Wuth. —
Meine Fersen bäumten sich, meine Zehen horchten, dich zu verstehen: trägt doch der Tänzer sein Ohr — in seinen Zehen!
Zu dir hin sprang ich: da flohst du zurück vor meinem Sprunge; und gegen mich züngelte deines fliehenden fliegenden Haars Zunge!
Von dir weg sprang ich und von deinen Schlangen: da standst du schon, halbgewandt, das Auge voll Verlangen.
Mit krummen Blicken — lehrst du mich krumme Bahnen; auf krummen Bahnen lernt mein Fuss — Tücken!
Ich fürchte dich Nahe, ich liebe dich Ferne; deine Flucht lockt mich, dein Suchen stockt mich: — ich leide, aber was litt ich um dich nicht gerne!
Deren Kälte zündet, deren Hass verführt, deren Flucht bindet, deren Spott — rührt:
— wer hasste dich nicht, dich grosse Binderin, Umwinderin, Versucherin, Sucherin, Finderin! Wer liebte dich nicht, dich unschuldige, ungeduldige, windseilige, kindsäugige Sünderin!
Wohin ziehst du mich jetzt, du Ausbund und Un-band? Und jetzt fliehst du mich wieder, du süsser Wildfang und Undank!
Ich tanze dir nach, ich folge dir auch auf geringer Spur. Wo bist du? Gieb mir die Hand! Oder einen Finger nur!
Hier sind Höhlen und Dickichte: wir werden uns verirren! — Halt! Steh still! Siehst du nicht Eulen und Fledermäuse schwirren?
Du Eule! Du Fledermaus! Du willst mich äffen? Wo sind wir? Von den Hunden lerntest du diess Heulen und Kläffen.
Du fletschest mich lieblich an mit weissen Zähnlein, deine bösen Augen springen gegen mich aus lockichtem Mähnlein!
Das ist ein Tanz über Stock und Stein: ich bin der Jäger, — willst du mein Hund oder meine Gemse sein?
Jetzt neben mir! Und geschwind, du boshafte Springerin! Jetzt hinauf! Und hinüber! — Wehe! Da fiel ich selber im Springen hin!
Oh sieh mich liegen, du Übermuth, und um Gnade flehn! Gerne möchte ich mit dir — lieblichere Pfade gehn!
— der Liebe Pfade durch stille bunte Büsche! Oder dort den See entlang: da schwimmen und tanzen Goldfische!
Du bist jetzt müde? Da drüben sind Schafe und Abendröthen: ist es nicht schön, zu schlafen, wenn Schäfer flöten?
Du bist so arg müde? Ich trage dich hin, lass nur die Arme sinken! Und hast du Durst, — ich hätte wohl Etwas, aber dein Mund will es nicht trinken! —
— Oh diese verfluchte flinke gelenke Schlange und Schlupf-Hexe! Wo bist du hin? Aber im Gesicht fühle ich von deiner Hand zwei Tupfen und rothe Klexe!
Ich bin es wahrlich müde, immer dein schafichter Schäfer zu sein! Du Hexe, habe ich dir bisher gesungen, nun sollst du mir — schrein!
Nach dem Takt meiner Peitsche sollst du mir tanzen und schrein! Ich vergass doch die Peitsche nicht? — Nein!“ —
2 Da antwortete mir das Leben also und hielt sich dabei die zierlichen Ohren zu:
„Oh Zarathustra! Klatsche doch nicht so fürchterlich mit deiner Peitsche! Du weisst es ja: Lärm mordet Gedanken, — und eben kommen mir so zärtliche Gedanken.
Wir sind Beide zwei rechte Thunichtgute und Thunichtböse. Jenseits von Gut und Böse fanden wir unser Eiland und unsre grüne Wiese — wir Zwei allein! Darum müssen wir schon einander gut sein!
Und lieben wir uns auch nicht von Grund aus —‚ muss man sich denn gram sein, wenn man sich nicht von Grund aus liebt?
Und dass ich dir gut bin und oft zu gut, Das weisst du: und der Grund ist, dass ich auf deine Weisheit eifersüchtig bin. Ah, diese tolle alte Närrin von Weisheit!
Wenn dir deine Weisheit einmal davonliefe, ach! da liefe dir schnell auch meine Liebe noch davon.“ —
Darauf blickte das Leben nachdenklich hinter sich und um sich und sagte leise: „Oh Zarathustra, du bist mir nicht treu genug!
Du liebst mich lange nicht so sehr wie du redest; ich weiss, du denkst daran, dass du mich bald verlassen willst.
Es giebt eine alte schwere schwere Brumm-Glocke: die brummt Nachts bis zu deiner Höhle hinauf: —
— hörst du diese Glocke Mitternachts die Stunde schlagen, so denkst du zwischen Eins und Zwölf daran —
— du denkst daran, oh Zarathustra, ich weiss es, dass du mich bald verlassen willst!“
„Ja, antwortete ich zögernd, aber du weisst es auch —“ Und ich sagte ihr Etwas in's Ohr, mitten hinein zwischen ihre verwirrten gelben thörichten Haar-Zotteln.
Du weisst Das, oh Zarathustra? Das weiss Niemand. — —
Und wir sahen uns an und blickten auf die grüne Wiese, über welche eben der kühle Abend lief; und weinten mit einander. — Damals aber war mir das Leben lieber, als je alle meine Weisheit. —
Also sprach Zarathustra.
3 Eins!Oh Mensch! Gieb Acht!
Zwei!Was spricht die tiefe Mitternacht?
Drei!„Ich schlief, ich schlief —,
Vier!„Aus tiefem Traum bin ich erwacht: —
Fünf!„Die Welt ist tief,
Sechs!„Und tiefer als der Tag gedacht.
Sieben!„Tief ist ihr Weh —,
Acht!„Lust — tiefer noch als Herzeleid:
Neun!„Weh spricht: Vergeh!
Zehn!„Doch alle Lust will Ewigkeit —,
Elf!„— will tiefe, tiefe Ewigkeit!
Zwölf!
Die sieben Siegel.
(Oder: das Ja- und Amen-Lied.)
1 Wenn ich ein Wahrsager bin und voll jenes wahrsagerischen Geistes, der auf hohem Joche zwischen zwei Meeren wandelt, —
zwischen Vergangenem und Zukünftigem als schwere Wolke wandelt, — schwülen Niederungen feind und Allem, was müde ist und nicht sterben, noch leben kann:
zum Blitze bereit im dunklen Busen und zum erlösenden Lichtstrahle, schwanger von Blitzen, die Ja! sagen, Ja! lachen, zu wahrsagerischen Blitzstrahlen: —
— selig aber ist der also Schwangere! Und wahrlich, lange muss als schweres Wetter am Berge hängen, wer einst das Licht der Zukunft zünden soll! —
oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, — dem Ring der Wiederkunft!
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, es sei denn dieses Weib, das ich liebe: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
2 Wenn mein Zorn je Gräber brach, Grenzsteine rückte und alte Tafeln zerbrochen in steile Tiefen rollte:
Wenn mein Hohn je vermoderte Worte zerblies, und ich wie ein Besen kam den Kreuzspinnen und als Fegewind alten verdumpften Grabkammern:
Wenn ich je frohlockend sass, wo alte Götter begraben liegen, weltsegnend, weltliebend neben den Denkmalen alter Welt -Verleumder: —
— denn selbst Kirchen und Gottes-Gräber liebe ich, wenn der Himmel erst reinen Auges durch ihre zerbrochenen Decken blickt; gern sitze ich gleich Gras und rothem Mohne auf zerbrochnen Kirchen — Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, — dem Ring der Wiederkunft?
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, es sei denn dieses Weib, das ich liebe: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
3 Wenn je ein Hauch zu mir kam vom schöpferischen Hauche und von jener himmlischen Noth, die noch Zufälle zwingt, Sternen-Reigen zu tanzen:
Wenn ich je mit dem Lachen des schöpferischen Blitzes lachte, dem der lange Donner der That grollend, aber gehorsam nachfolgt: Wenn ich je am Göttertisch der Erde mit Göttern Würfel spielte, dass die Erde bebte und brach und Feuerflüsse heraufschnob: —
— denn ein Göttertisch ist die Erde, und zitternd von schöpferischen neuen Worten und Götter-Würfen: —
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, — dem Ring der Wiederkunft?
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, es sei denn dieses Weib, das ich liebe: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
4 Wenn ich je vollen Zuges trank aus jenem schäumenden Würz- und Mischkruge, in dem alle Dinge gut gemischt sind:
Wenn meine Hand je Fernstes zum Nächsten goss und Feuer zu Geist und Lust zu Leid und Schlimmstes zum Gütigsten:
Wenn ich selber ein Korn bin von jenem erlösenden Salze, welches macht, dass alle Dinge im Mischkruge gut sich mischen: —
— denn es giebt ein Salz, das Gutes mit Bösem bindet; und auch das Böseste ist zum Würzen würdig und zum letzten Überschäumen: —
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, — dem Ring der Wiederkunft?
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, es sei denn dieses Weib, das ich liebe: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
5 Wenn ich dem Meere hold bin und Allem, was Meeres-Art ist, und am holdesten noch, wenn es mir zornig widerspricht:
Wenn jene suchende Lust in mir ist, die nach Unentdecktem die Segel treibt, wenn eine Seefahrer-Lust in meiner Lust ist:
Wenn je mein Frohlocken rief: „die Küste schwand, — nun fiel mir die letzte Kette ab —
— das Grenzenlose braust um mich, weit hinaus glänzt mir Raum und Zeit, wohlan! wohlauf! altes Herz!“ —
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, — dem Ring der Wiederkunft?
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, es sei denn dieses Weib, das ich liebe: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
6 Wenn meine Tugend eines Tänzers Tugend ist, und ich oft mit beiden Füssen in gold-smaragdenes Entzücken sprang: Wenn meine Bosheit eine lachende Bosheit ist, heimisch unter Rosenhängen und Lilien-Hecken:
— im Lachen nämlich ist alles Böse bei einander, aber heilig- und losgesprochen durch seine eigne Seligkeit: —
Und wenn Das mein A und O ist, dass alles Schwere leicht, aller Leib Tänzer, aller Geist Vogel werde: und wahrlich, Das ist mein A und O! —
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, — dem Ring der Wiederkunft!
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, es sei denn dieses Weib, das ich liebe: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
7 Wenn ich je stille Himmel über mir ausspannte und mit eignen Flügeln in eigne Himmel flog:
Wenn ich spielend in tiefen Licht-Fernen schwamm, und meiner Freiheit Vogel-Weisheit kam: —
— so aber spricht Vogel-Weisheit: „Siehe, es giebt kein Oben, kein Unten! Wirf dich umher, hinaus, zurück, du Leichter! Singe! sprich nicht mehr!
— „sind alle Worte nicht für die Schweren gemacht? Lügen dem Leichten nicht alle Worte! Singe! sprich nicht mehr!“ —
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, — dem Ring der Wiederkunft?
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, es sei denn dieses Weib, das ich liebe: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Third Part
“You look up when you long to be lifted up. And I look down, because I am lifted up.
Who among you can laugh and be lifted up at once?
Whoever climbs the highest mountains laughs at all tragic plays and tragic seriousness.”
Zarathustra, On Reading and Writing. (I. p. 53.)
The Wanderer.
It was midnight when Zarathustra set out along the ridge of the island, so that he would reach the other shore by early morning. There he meant to board a ship. A good harbor lay there, where foreign ships liked to drop anchor too. They took along some people who wanted to cross the sea from the Blessed Isles. As Zarathustra climbed the mountain, he thought on the way of all the lonely wandering he had done since youth, and of how many mountains and ridges and peaks he had already climbed.
“I’m a wanderer and a mountain climber,” he said to his heart. “I don’t love the plains, and it seems I can’t sit still for long.
“And whatever may still come to me as fate and experience, there will be wandering in it and mountain climbing. In the end you experience nothing but yourself.
“The time is over when chance events were still allowed to come my way. And what could still fall to me now that wasn’t already my own!
“It’s only coming back. At last it’s coming home to me, my own self, and whatever part of it was long abroad, scattered among all things and chance events.
“And I know one thing more: I’m standing now before my last peak and before what was saved up for me longest. Ah, I have to climb my hardest path! Ah, I’ve begun my loneliest walk!
“But whoever is of my kind doesn’t escape an hour like this, the hour that speaks to them: ‘Only now are you going your way to greatness! Peak and abyss are now locked together in one!
“‘You’re going your way to greatness: what used to be called your last danger has now become your last refuge!
“‘You’re going your way to greatness: your best courage now has to be that there is no path left behind you!
“‘You’re going your way to greatness. Here no one is to sneak after you! Your own foot wiped out the path behind you, and over it is written: Impossibility.
“‘And now that every ladder is missing, you have to know how to climb onto your own head. How else would you climb upward?
“‘Onto your own head and away over your own heart! Now the gentlest part of you has to become the hardest.
“‘Whoever has always spared themselves a great deal ends up sickly from all that sparing. Praised be whatever makes hard! I don’t praise the land where butter and honey flow!
“‘You need to learn to look away from yourself in order to see a lot. Every mountain climber needs this hardness.
“‘But whoever pushes in too close with their eyes as a seeker of knowledge, how could they see more in anything than its foregrounds!
“‘But you, oh Zarathustra, wanted to see the ground of all things and their background. So you have to climb above yourself, up and on up, until even your stars are below you!
“‘Yes! To look down on myself and even on my stars: only that would be my peak to me. That was still left for me as my last peak!’”
That is what Zarathustra said to himself as he climbed, comforting his heart with hard little sayings. For he was wounded in the heart as never before. And when he reached the top of the mountain ridge, there lay the other sea, spread out before him. He stood still and was silent for a long time. The night at this height was cold and clear and bright with stars.
“I know my lot,” he said at last, sadly. “Well then! I’m ready. My last loneliness has just begun.
“Ah, this black, sad sea below me! Ah, this pregnant, night-time sullenness! Ah, fate and sea! Now I have to go down to you!
“I’m standing before my highest mountain and before my longest walk. So first I have to go down deeper than I ever went:
“—deeper down into pain than I ever went, all the way into its blackest flood! That is what my fate wants. Well then! I’m ready.
“‘Where do the highest mountains come from?’ I asked once. Then I learned that they come from the sea.
“This testimony is written into their rock and into the walls of their peaks. The highest has to come to its height out of the deepest.”
That is what Zarathustra said on the top of the mountain, where it was cold. But when he came near the sea and at last stood alone among the cliffs, he had grown tired on the way and was more full of longing than before.
“Everything is still asleep,” he said. “The sea is asleep too. Its eye looks at me, drowsy and strange.
“But it breathes warmly, I can feel that. And I feel too that it’s dreaming. It twists and turns in its dream on hard pillows.
“Listen! Listen! How it groans with bad memories! Or bad expectations?
“Ah, I’m sad with you, dark monster, and angry with myself for your sake as well.
“Ah, that my hand doesn’t have strength enough! Gladly, truly, I’d free you from bad dreams!”
And as Zarathustra spoke this way, he laughed at himself with gloom and bitterness. “What! Zarathustra!” he said. “Do you still want to sing comfort to the sea?
“Ah, you loving fool, Zarathustra, you who are far too blissful in your trust! But you were always like that: you always came up to every terrible thing as if it were an old friend.
“You wanted to pet every monster. A breath of warm air, a bit of soft shaggy fur on a paw, and at once you were ready to love it and lure it.
“Love is the danger of the loneliest one, love for everything, if only it lives! My foolishness and my modesty in love are truly laughable!”
That is what Zarathustra said, and he laughed as he said it, for the second time. But then he thought of his abandoned friends. And as if he had wronged them with his thoughts, he was angry with himself over those thoughts. And at once the one who laughed was weeping. Zarathustra wept bitterly, from anger and longing.
On the Vision and the Riddle.
1 When word got around among the sailors that Zarathustra was on the ship—for a man who came from the Blessed Isles had gone on board together with him—great curiosity and expectation arose. But Zarathustra was silent for two days, cold and deaf with sadness, so that he answered neither looks nor questions. On the evening of the second day, though, he opened his ears again, although he was still silent. For there was much strange and dangerous to hear on this ship, which came from far away and wanted to go farther still. And Zarathustra was a friend of all who make long journeys and don’t care to live without danger. And look! At last, as he listened, his own tongue was loosened, and the ice of his heart broke. Then he began to speak like this:
To you, the bold seekers and testers, and to anyone who has ever set sail with cunning sails on terrible seas,
to you who are drunk on riddles, glad in the half-light, whose souls are lured by flutes to every chasm that leads astray, because you don’t want to grope along a thread with a cowardly hand, and where you can guess, you hate to deduce,
to you alone I tell the riddle that I saw, the vision of the loneliest one.
Gloomy, I walked lately through corpse-colored twilight, gloomy and hard, with pressed lips. More than one sun had set for me.
A path climbing defiantly through rubble, a spiteful, lonely one that no herb or shrub spoke to any more: a mountain path crunched under the defiance of my foot.
Walking silently over the mocking clatter of pebbles, crushing the stone that made it slip: that is how my foot forced itself upward.
Upward, in defiance of the spirit that pulled it down, pulled it toward the abyss, the spirit of gravity, my devil and archenemy.
Upward, although he sat on me, half dwarf, half mole; lame; making me lame; dripping lead through my ear, lead-drop thoughts into my brain.
“Oh Zarathustra,” he whispered mockingly, syllable by syllable, “you stone of wisdom! You threw yourself high, but every thrown stone must fall!
“Oh Zarathustra, you stone of wisdom, you sling stone, you star-smasher! You threw yourself so high, but every thrown stone must fall!
“Condemned to yourself and to your own stoning: oh Zarathustra, you threw the stone far indeed, but it will fall back on you!”
Then the dwarf was silent, and it lasted a long time. His silence weighed on me, though. And with two of us like this, you are truly lonelier than with one!
I climbed, I climbed, I dreamed, I thought, but everything weighed on me. I was like a sick person, worn out by terrible pain, who is woken again by a worse dream just as sleep comes.
But there is something in me that I call courage. Until now it has killed every discouragement in me. In the end this courage told me to stand still and say: “Dwarf! You! Or I!”
For courage is the best killer, courage that attacks. In every attack there is marching music.
But man is the most courageous animal, and with that he overcame every animal. To marching music he overcame even every pain. And human pain is the deepest pain.
Courage also kills dizziness at the edge of abysses. And where does a person not stand at abysses! Isn’t seeing itself seeing abysses?
Courage is the best killer. Courage kills pity too. And pity is the deepest abyss. As deep as a person looks into life, that is how deep they look into suffering.
But courage is the best killer, courage that attacks. It kills even death, for it says: “Was that life? Well then! Once more!”
There is a lot of marching music in a saying like that. Whoever has ears, let them hear.
2 “Stop! Dwarf!” I said. “I! Or you! But I’m the stronger of the two of us. You don’t know my abyssal thought. That one you couldn’t bear!”
Then something happened that made me lighter: the dwarf jumped off my shoulder, the curious one! He squatted on a stone in front of me. And right where we had stopped there was a gateway.
“Look at this gateway! Dwarf!” I went on. “It has two faces. Two paths meet here, and no one has ever walked either of them to its end.
“This long lane going back lasts an eternity. And that long lane going out ahead is another eternity.
“They contradict each other, these paths. They run head-on into each other. And here, at this gateway, is where they meet. The name of the gateway is written above it: ‘Moment.’
“But if someone walked one of them farther, and always farther and farther away, do you believe, dwarf, that these paths contradict each other forever?”
“Everything straight lies,” the dwarf murmured with contempt. “All truth is crooked. Time itself is a circle.”
“You spirit of gravity!” I said angrily. “Don’t make it too easy on yourself! Or I’ll leave you squatting where you squat, lamefoot, and I carried you high!
“Look,” I went on, “at this moment! From this gateway called Moment a long, eternal lane runs backward: an eternity lies behind us.
“Mustn’t whatever can run, of all things, have run down this lane once already? Mustn’t whatever can happen, of all things, have happened already, been done, run past once before?
“And if everything has been here before, what do you make of this moment, dwarf? Mustn’t this gateway, too, have been here before?
“And aren’t all things so tightly knotted together that this moment pulls all coming things after it? Therefore… itself too?
“For whatever can run, of all things, in this long lane ahead too, it must run once more!
“And this slow spider crawling in the moonlight, and this moonlight itself, and you and I in the gateway, whispering together, whispering of eternal things: mustn’t all of us have been here before?
“—and come again and run in that other lane, out ahead of us, in this long, dreadful lane: mustn’t we come again forever?”
That is how I spoke, and ever more softly, for I was afraid of my own thoughts and the thoughts behind them. Then, suddenly, I heard a dog howling close by.
Had I ever heard a dog howl like that? My thought ran back. Yes! When I was a child, in my farthest childhood:
then I heard a dog howl like that. And I saw it too, bristling, its head up, trembling, in the stillest midnight, when even dogs believe in ghosts,
so that I felt pity. For just then the full moon was passing over the house, silent as death. Just then it stood still, a round glow, still on the flat roof, as if on someone else’s property.
That was why the dog was horrified then, for dogs believe in thieves and ghosts. And when I heard it howl like that again, I felt pity again.
Where had the dwarf gone? And the gateway? And the spider? And all the whispering? Was I dreaming? Was I waking up? All at once I stood among wild cliffs, alone, desolate, in the most desolate moonlight.
But there lay a human being! And there! The dog, jumping, bristling, whimpering. Now it saw me coming. Then it howled again, then it screamed. Had I ever heard a dog scream for help like that?
And truly, I had never seen the like of what I saw. I saw a young shepherd, writhing, choking, twitching, his face distorted, a heavy black snake hanging out of his mouth.
Had I ever seen so much disgust and pale horror on one face? He had probably been asleep. Then the snake crawled into his throat, and there it bit itself fast.
My hand pulled at the snake and pulled, in vain! It didn’t pull the snake out of the throat. Then a cry came out of me: “Bite! Bite!
“Bite its head off! Bite!” So it cried out of me: my horror, my hatred, my disgust, my pity, all my good and bad cried out of me in one cry.
You bold ones around me! You seekers, testers, and whoever among you set sail with cunning sails into unexplored seas! You who are glad of riddles!
So guess the riddle for me that I saw then, explain to me the vision of the loneliest one!
For it was a vision and a foreseeing. What did I see then, in a parable? And who is the one who must still come someday?
Who is the shepherd into whose throat the snake crawled like that? Who is the person into whose throat everything heaviest, blackest will crawl like that?
But the shepherd bit as my cry advised him. He bit with a good bite! Far away he spat the snake’s head. And he leaped up.
No longer shepherd, no longer human: a transformed one, one surrounded by light, who laughed! Never yet on earth had a human being laughed as he laughed!
Oh my brothers, I heard a laughter that was no human’s laughter. And now a thirst gnaws at me, a longing that never grows quiet.
My longing for this laughter gnaws at me: oh how can I bear to go on living! And how could I bear to die now!
That is what Zarathustra said.
On Bliss Against One’s Will.
With such riddles and bitterness in his heart, Zarathustra crossed the sea. But when he was four days’ journey away from the Blessed Isles and from his friends, he had overcome all his pain. Victorious and with firm feet, he stood again on his fate. And then Zarathustra spoke like this to his rejoicing conscience:
I’m alone again and I want to be, alone with a clear sky and the open sea. And again it’s afternoon around me.
In the afternoon I first found my friends, once; in the afternoon the second time too, at the hour when all light grows quieter.
For whatever happiness is still on its way between heaven and earth now looks for a bright soul as a lodging. From happiness all light has grown quieter now.
Oh afternoon of my life! Once my happiness too came down into the valley to look for lodging, and found these open, hospitable souls.
Oh afternoon of my life! What didn’t I give up to have one thing: this living plantation of my thoughts and this morning light of my highest hope!
The creator once looked for companions and children of his hope. And look, it turned out that he couldn’t find them unless he first created them himself.
So I’m in the middle of my work, going to my children and coming back from them. For the sake of his children Zarathustra must complete himself.
For you love thoroughly only your child and your work. And where there is great love for oneself, it’s the sign of pregnancy. That’s how I found it.
My children are still green in their first spring, standing close together and shaken by the same winds, the trees of my garden and my best soil.
And truly! Where such trees stand together, there are Blessed Isles!
But one day I’ll dig them up and set each one by itself, so that each learns solitude and defiance and caution.
Each one is to stand there by the sea for me, gnarled and bent, with flexible hardness, a living lighthouse of unconquerable life.
There, where the storms rush down into the sea and the mountain’s snout drinks water, each one is to keep their day and night watches once, for their testing and recognition.
Each is to be recognized and tested, to see whether they are of my kind and descent, whether they are master of a long will, silent even when they speak, and yielding in such a way that in giving they take,
—so that they may someday become my companion and a co-creator and co-celebrant of Zarathustra, one who writes my will on my tablets, for the fuller completion of all things.
And for their sake and the sake of those like them I must complete myself. That is why I now avoid my happiness and offer myself to all misfortune, for my last testing and recognition.
And truly, it was time for me to go. The wanderer’s shadow and the longest while and the stillest hour all urged me: “It’s high time!”
The wind blew through the keyhole and said, “Come!” The door sprang open slyly and said, “Go!”
But I lay chained by love for my children. Desire laid this snare for me, desire for love, so that I would become my children’s prey and lose myself in them.
Desire means to me already: I’ve lost myself. I have you, my children! In this having, everything is to be security and nothing desire.
But the sun of my love lay brooding on me, Zarathustra boiled in his own juice, and shadows and doubts flew over me.
I already craved frost and winter: “Oh, if only frost and winter would make me crack and creak again!” I sighed. Then icy mists rose out of me.
My past broke open its graves. Many a pain buried alive woke up. It had only slept its fill, hidden in burial clothes.
So everything called to me in signs: “It’s time!” But I didn’t hear, until at last my abyss stirred and my thought bit me.
Ah, abyssal thought, you who are my thought! When will I find the strength to hear you digging and not tremble any more?
My heart beats up to my throat when I hear you digging! Your silence even wants to choke me, you abyssal silent one!
I’ve never yet dared to call you up. It was enough that I carried you with me! I wasn’t yet strong enough for the lion’s last high spirits and mischief.
Your heaviness was always terrible enough for me. But someday I’ll still find the strength and the lion’s voice that calls you up!
When I’ve first overcome myself in this, then I’ll overcome myself in something greater too. And a victory is to be the seal of my completion!
In the meantime I still drift on uncertain seas. Chance flatters me, the smooth-tongued one. I look forward and back, and I still see no end.
The hour of my last battle hasn’t yet come, or is it perhaps coming to me right now? Truly, with treacherous beauty sea and life look at me all around!
Oh afternoon of my life! Oh happiness before evening! Oh harbor on the high seas! Oh peace in uncertainty! How I distrust all of you!
Truly, I’m distrustful of your treacherous beauty! I’m like the lover who distrusts a smile that is too velvety.
As the jealous one pushes his dearest away from him, tender even in his hardness, so I push this blissful hour away from me.
Away with you, blissful hour! With you came a bliss against my will! Ready for my deepest pain I stand here. You came at the wrong time!
Away with you, blissful hour! Better take lodging there, with my children! Hurry! And bless them before evening with my happiness!
Evening is already drawing near: the sun is sinking. Gone, my happiness!
That is what Zarathustra said. And he waited for his misfortune the whole night. But he waited in vain. The night stayed bright and still, and happiness itself came closer and closer to him. Toward morning, though, Zarathustra laughed to his heart and said mockingly: “Happiness is running after me. That comes from my not running after women. And happiness is a woman.”
Before Sunrise.
Oh sky above me, you pure one! Deep one! You abyss of light! Looking at you, I shudder with divine desires.
To throw myself into your height: that is my depth! To hide myself in your purity: that is my innocence!
A god’s beauty veils him: so you hide your stars. You don’t speak: that is how you proclaim your wisdom to me.
Silent over the roaring sea you have risen for me today. Your love and your shame speak revelation to my roaring soul.
That you came to me beautiful, veiled in your beauty, that you speak to me silently, revealed in your wisdom:
Oh, how could I not guess everything bashful in your soul! You came to me, the loneliest one, before the sun.
We’re friends from the beginning. Sorrow and dread and ground are common to us; even the sun is common to us.
We don’t speak to each other, because we know too much. We’re silent to each other, we smile our knowledge to each other.
Aren’t you the light for my fire? Don’t you have the sister soul for my insight?
Together we learned everything. Together we learned to climb above ourselves to ourselves and to smile cloudlessly,
to smile cloudlessly down from bright eyes and from a distance of miles, while below us compulsion and purpose and guilt steam like rain.
And when I wandered alone, for what did my soul hunger in nights and on wrong paths? And when I climbed mountains, whom did I ever look for on mountains, if not you?
And all my wandering and mountain climbing was only a need, a makeshift of the clumsy. My whole will wants only to fly, to fly into you!
And whom did I hate more than passing clouds and everything that stains you? And I even hated my own hatred, because it stained you!
I bear a grudge against the passing clouds, these sneaking predator cats. They take from you and me what we have in common: the huge, boundless saying of Yes and Amen.
We bear a grudge against these mediators and mixers, the passing clouds: these half-and-half ones, who have learned neither to bless nor to curse from the ground up.
I’d rather sit in a barrel under a closed sky, I’d rather sit in the abyss without any sky, than see you, sky of light, stained with passing clouds!
And often I longed to pin them down with jagged lightning-gold wires, so that I, like thunder, could beat the kettledrum on their kettle bellies,
an angry drummer, because they rob me of your Yes! and Amen!, you sky above me, you pure one! Bright one! You abyss of light! Because they rob you of my Yes! and Amen!
For I’d rather have noise and thunder and storm curses than this cautious, doubting cat calm. And among people too, what I hate most are all the tiptoers and half-and-half ones and doubting, hesitating, passing clouds.
And “whoever can’t bless should learn to curse!” This bright teaching fell to me out of a bright sky. This star stands in my sky even in black nights.
But I’m one who blesses and one who says Yes, if only you’re around me, you pure one! Bright one! You abyss of light! Into all abysses I then carry my blessing Yes-saying.
I’ve become one who blesses and one who says Yes. And for that I wrestled long and was a wrestler, so that someday I would get my hands free for blessing.
And this is my blessing: to stand over every single thing as its own sky, as its round roof, its azure bell and eternal security. And blessed is whoever blesses like this!
For all things are baptized at the spring of eternity and beyond good and evil. Good and evil themselves, though, are only passing shadows and damp sorrows and passing clouds.
Truly, it’s a blessing and no blasphemy when I teach: “Above all things stands the sky of chance, the sky of innocence, the sky of happenstance, the sky of high spirits.”
“By happenstance”: that is the world’s oldest nobility. I gave it back to all things; I freed them from slavery under purpose.
I placed this freedom and sky-cheerfulness over all things like an azure bell, when I taught that above them and through them no “eternal will” wills.
I put these high spirits and this foolishness in the place of that will, when I taught: “In everything one thing is impossible: reasonableness!”
A little reason, to be sure, a seed of wisdom scattered from star to star: this leaven is mixed into all things. For the sake of foolishness, wisdom is mixed into all things!
A little wisdom is possible, yes. But this blissful certainty I found in all things: that they would rather dance on the feet of chance.
Oh sky above me, you pure one! High one! This is your purity to me: that there is no eternal spider of reason and no cobwebs of reason,
that you are a dance floor to me for divine chances, that you are a gods’ table to me for divine dice and dice players!
But you’re blushing? Did I say the unsayable? Did I blaspheme while wanting to bless you?
Or is it the shame of being two together that made you blush? Are you telling me to go and be silent, because now the day is coming?
The world is deep, and deeper than day ever thought. Not everything may have words before day. But day is coming. So now we part!
Oh sky above me, you shy one! Glowing one! Oh you, my happiness before sunrise! The day is coming. So now we part!
That is what Zarathustra said.
On the Shrinking Virtue.
1 When Zarathustra was back on solid land, he didn’t head straight for his mountains and his cave. Instead he took many roundabout ways and asked many questions and found out this and that, so that he said of himself as a joke: “Look, a river that flows back to its source in many windings!” For he wanted to learn what had happened to humankind in the meantime: whether it had grown greater or smaller. And once he saw a row of new houses. He was amazed and said:
What do these houses mean? Truly, no great soul put them up as a likeness of itself!
Did some silly child take them out of a toy box? I wish another child would put them back in the box!
And these rooms and chambers: can men go in and out of them? They seem to me made for silk dolls, or for sweet-toothed cats who let others nibble on them too.
And Zarathustra stood still and thought. At last he said sadly: “Everything has become smaller! I see lower gates everywhere. Anyone of my kind can still get through, but has to stoop!
“Oh, when will I get back to my homeland, where I don’t have to stoop anymore, don’t have to stoop before the small ones!” And Zarathustra sighed and looked into the distance.
But on that same day he gave his speech on the shrinking virtue.
2 I walk through these people and keep my eyes open. They don’t forgive me for not being envious of their virtues.
They snap at me because I say to them: small people need small virtues. And because I find it hard to accept that small people are needed!
I’m still like a rooster in a strange farmyard, whom even the hens peck at. But I don’t hold it against these hens.
I’m polite to them, as to every small annoyance. Being prickly toward what is small seems to me a wisdom for hedgehogs.
They all talk about me when they sit around the fire in the evening. They talk about me, but no one thinks of me!
This is the new quiet I have learned: their noise around me spreads a cloak over my thoughts.
They make a racket among themselves: “What does this gloomy cloud want with us? Let’s make sure it doesn’t bring us a plague!” And recently a woman pulled her child close when it wanted to come to me. “Take the children away!” she cried. “Eyes like those scorch children’s souls.”
They cough when I speak. They think a cough is an objection to strong winds. They have no idea of the roaring of my happiness!
“We don’t have time for Zarathustra yet,” they object. But what does a time matter that “has no time” for Zarathustra?
And when they even praise me: how could I fall asleep on their fame? Their praise is a belt of spikes to me: it still scratches me when I take it off.
And I learned this among them too: someone who praises pretends to be giving something back, but in truth wants to be given more!
Ask my foot whether it likes their tune of praise and temptation! Truly, to such a beat and tick-tock it wants neither to dance nor to stand still.
They would like to lure and praise me into small virtue. They would like to talk my foot into the tick-tock of small happiness.
I walk through these people and keep my eyes open: they have become smaller and keep getting smaller. And their teaching about happiness and virtue is the cause.
You see, they are modest even in virtue, because they want comfort. And only modest virtue goes together with comfort.
They too learn to stride and to stride forward, in their own way. I call that their limping. With it they become a stumbling block to anyone in a hurry.
And some of them walk forward while looking back, with stiff necks. I like to run right into them.
Foot and eye should not lie, nor prove each other liars. But there is a lot of lying among small people.
Some of them will things, but most are only willed. Some of them are genuine, but most are bad actors.
Among them there are actors who don’t know they’re acting and actors against their will. The genuine are always rare, especially the genuine actors.
There is little of the man here, so their women make themselves manly. For only someone who is man enough will save the woman in woman.
And I found this hypocrisy the worst among them: that even those who give orders fake the virtues of those who serve.
“I serve, you serve, we serve”: that is how the hypocrisy of the rulers prays here too. And woe if the first master is only the first servant!
Ah, my eye’s curiosity also flew astray into their hypocrisies, and I guessed well at all their fly-happiness and their buzzing around sunlit windowpanes.
I see as much weakness as kindness. As much weakness as justice and pity.
They are round, decent, and kind to one another, the way grains of sand are round, decent, and kind to grains of sand.
Modestly embracing a small happiness: they call that “resignation”! And all the while they modestly squint around for a new small happiness.
At bottom they simple-mindedly want one thing most: that no one hurt them. So they get in first with everyone and are kind to them.
But that is cowardice, even if it is called “virtue.”
And when these small people do speak roughly for once, I hear only their hoarseness in it. Every draft makes them hoarse, you see.
They are clever. Their virtues have clever fingers. But they lack fists. Their fingers don’t know how to tuck themselves behind fists.
To them virtue is whatever makes people modest and tame. With it they turned the wolf into a dog, and humans themselves into humankind’s best domestic animal.
“We put our chair in the middle,” their smirk tells me, “and just as far from dying fighters as from contented sows.”
But that is mediocrity, even if it is called moderation.
3 I walk through these people and let many a word fall. But they know neither how to take it nor how to keep it.
They’re surprised that I didn’t come to curse pleasures and vices. And truly, I didn’t come to warn against pickpockets either!
They’re surprised that I’m not ready to sharpen their cleverness and give it more wit and point, as if they didn’t already have enough smart alecks, whose voices scratch at me like slate pencils!
And when I cry out: “Curse all the cowardly devils in you, who would like to whimper and fold their hands and worship!” then they cry: “Zarathustra is godless.”
And their teachers of resignation cry it especially. But it is precisely in their ears that I like to shout: Yes! I am Zarathustra, the godless!
These teachers of resignation! They crawl like lice to every place that is small and sick and scabby. Only my disgust keeps me from cracking them.
Well then! This is my sermon for their ears: I am Zarathustra, the godless, who says: “Who is more godless than I, that I may delight in his instruction?”
I am Zarathustra, the godless. Where do I find my equals? And all those are my equals who give themselves their own will and cast off all resignation.
I am Zarathustra, the godless: I cook every chance event in my pot. And only when it is thoroughly cooked there do I welcome it as my food.
And truly, many a chance event came to me with a commanding air. But my will spoke to it more commandingly still, and there it lay already, on its knees,
begging to find shelter and a heart with me, and coaxing me with flattery: “Look, Zarathustra, this is how one friend comes to another!”
But why am I talking, where no one has ears like mine! So I will shout it out into all the winds:
You keep getting smaller, you small people! You crumble away, you comfortable ones! You will yet go under,
by your many small virtues, your many small things left undone, your many small acts of resignation!
Too sparing, too yielding: that’s what your soil is like! But for a tree to grow great, it wants to put down hard roots around hard rock!
What you leave undone also weaves at the fabric of all human future. Even your nothing is a spiderweb, and a spider that lives on the blood of the future.
And when you take, it is like stealing, you small virtuous ones. But even among rogues honor speaks: “You should only steal where you can’t rob.”
“It will sort itself out”: that too is a teaching of resignation. But I tell you, you comfortable ones: it takes for itself, and it will take more and more from you!
Oh, if only you would cast off all half willing and become resolute, in idleness as in action!
Oh, if only you understood my word: “Do whatever you like, by all means, but first be people who can will!”
“Love your neighbor as yourselves, by all means, but first be people for me who love themselves,
“love with the great love, love with the great contempt!” That is what Zarathustra says, the godless.
But why am I talking, where no one has ears like mine! Here it is still an hour too early for me.
I am my own forerunner among these people, my own rooster’s crow through dark alleys.
But their hour is coming! And mine is coming too! Hourly they grow smaller, poorer, more barren: poor plants! Poor soil!
And soon they will stand before me like dry grass and steppe, and truly, tired of themselves, and craving fire more than water!
Oh blessed hour of lightning! Oh secret before noon! One day I will make racing fires of them, and heralds with tongues of flame:
one day they will proclaim with tongues of flame: It is coming, it is near, the great noon!
That is what Zarathustra said.
On the Olive Mountain.
Winter, a bad guest, is sitting in my house. My hands are blue from the handshake of his friendship.
I honor him, this bad guest, but I like to leave him sitting alone. I like to run away from him, and if you run well, you do escape him!
With warm feet and warm thoughts I run to where the wind stands still, to the sunny corner of my Olive Mountain.
There I laugh at my stern guest, and I’m still fond of him because he catches the flies at home for me and quiets many small noises.
He won’t stand it if a gnat wants to sing, or even two. He even makes the street so lonely that the moonlight is afraid in it at night.
He is a hard guest, but I honor him, and I don’t pray, like the pampered ones, to the pot-bellied fire idol.
I’d rather chatter my teeth a little than worship idols! That’s how I am. And I especially resent all the fervent, steaming, stuffy fire idols.
I love the ones I love better in winter than in summer. I mock my enemies better now, and more heartily, since winter has been sitting in my house.
Heartily, truly, even when I crawl into bed. There my tucked-away happiness still laughs and plays pranks. My lying dream still laughs.
Me, a crawler? I have never crawled before the powerful in my life. And if I ever lied, I lied out of love. That is why I’m cheerful even in my winter bed.
A poor bed warms me more than a rich one, for I’m jealous of my poverty. And in winter it is most faithful to me.
I begin every day with a wickedness: I mock winter with a cold bath. My stern house friend grumbles at that.
I also like to tickle him with a little wax candle, so that he will finally let the sky out for me from the ash-gray twilight.
I’m especially wicked in the morning, you see: at the early hour when the bucket clanks at the well and the horses whinny, warm, through gray streets.
Impatiently I wait then for the bright sky to finally rise for me, the snow-bearded winter sky, the old man, the white-head,
the winter sky, the silent one, who often still keeps his sun secret!
Did I learn the long, bright silence from him? Or did he learn it from me? Or did each of us invent it ourselves?
The origin of all good things is a thousandfold. All good, playful things leap into being out of joy. How could they do it only once!
The long silence is also a good, playful thing, and so is looking like the winter sky out of a bright, round-eyed face,
keeping one’s sun secret, like him, and one’s unbending sun-will. Truly, I learned this art and this winter playfulness well!
My favorite wickedness and art is this: that my silence has learned not to give itself away by being silent.
Rattling with words and dice, I outwit the solemn lookouts. My will and purpose are to slip away from all these stern watchers.
So that no one can look down into my depths and my last will, I invented the long bright silence for myself.
I found many a clever person who veiled their face and clouded their water, so that no one could see through and down into them.
But it was precisely to such a person that the cleverer distrusters and nutcrackers came. It was precisely from them that people fished out their most hidden fish!
No: the bright ones, the upright ones, the transparent ones are to me the cleverest at keeping silent: those whose bottom is so deep that even the clearest water doesn’t give it away.
You snow-bearded, silent winter sky, you round-eyed white-head above me! Oh you heavenly likeness of my soul and its playfulness!
And don’t I have to hide myself, like someone who has swallowed gold, so that no one slits my soul open?
Don’t I have to wear stilts, so that they overlook my long legs, all these envy-mongers and misery-lovers around me?
These sooty, room-warm, used-up, moldy-green, grief-worn souls: how could their envy bear my happiness!
So I show them only the ice and the winter on my peaks, and not that my mountain still winds all the belts of sun around itself!
They hear only my winter storms whistling, and not that I also sail over warm seas, like yearning, heavy, hot south winds.
They still feel sorry for my misfortunes and accidents. But my word is: “Let chance come to me. It’s innocent, like a little child!”
How could they bear my happiness if I didn’t wrap my happiness in misfortunes and winter hardships and polar-bear caps and snow-sky coverings!
If I didn’t myself take pity on their pity, the pity of these envy-mongers and misery-lovers!
If I didn’t myself sigh before them and chatter with cold and patiently let myself be wrapped in their pity!
This is the wise playfulness and goodwill of my soul: that it doesn’t hide its winter and its frost storms. It doesn’t hide its frost sores either.
One person’s solitude is the flight of the sick. Another’s solitude is flight from the sick.
Let them hear me chatter and sigh with winter cold, all these poor, sidelong-eyed rogues around me! With such sighing and chattering I still flee from their heated rooms.
Let them pity me and sigh along with me over my frost sores: “On the ice of knowledge he will freeze to death on us yet!” That’s how they lament.
Meanwhile I run back and forth on my Olive Mountain with warm feet. In the sunny corner of my Olive Mountain I sing, and I mock all pity.
That is what Zarathustra sang.
On Passing By.
So, walking slowly through many peoples and many kinds of cities, Zarathustra went back by roundabout ways to his mountains and his cave. And look, on the way he came unexpectedly to the city gate of the great city. But here a foaming fool with outspread hands sprang toward him and blocked his way. This was the very same fool whom the people called “Zarathustra’s ape.” For he had picked up something of the phrasing and cadence of his speech, and he also liked to borrow from the treasure of his wisdom. And the fool spoke to Zarathustra like this:
“Oh Zarathustra, here is the great city. Here you have nothing to look for and everything to lose.
“Why would you wade through this mud? Have some pity on your foot! Better to spit on the city gate and turn back!
“Here is hell for hermit thoughts: here great thoughts are boiled alive and cooked down small.
“Here all great feelings rot. Here only rattle-thin little feelings may rattle!
“Don’t you already smell the slaughterhouses and cookshops of the spirit? Doesn’t this city steam with the vapor of slaughtered spirit?
“Don’t you see the souls hanging like limp, dirty rags? And they even make newspapers out of these rags!
“Don’t you hear how spirit has turned into wordplay here? It vomits out disgusting word-slops! And they even make newspapers out of these word-slops.
“They hound one another and don’t know where to. They heat one another up and don’t know why. They clink their tin, they jingle their gold.
“They are cold and look for warmth in burnt waters. They are heated and look for coolness in frozen spirits. They are all sick and addicted to public opinions.
“All pleasures and vices are at home here. But there are virtuous people here too. There is a lot of capable, salaried virtue:
“A lot of capable virtue with writing fingers and hard sitting-and-waiting flesh, blessed with little stars on the chest and with padded, rumpless daughters.
“There is also a lot of piety here, and a lot of faithful spit-licking, flattery-baking before the God of armies.
“It is ‘from above’ that the star and the gracious spit drip down. Every starless chest longs upward.
“The moon has its court, and the court has its moon-calves. And to everything that comes from the court, the beggar-people pray, and all capable beggar-virtue.
“‘I serve, you serve, we serve,’ prays all capable virtue up to the prince, that the deserved star may finally pin itself to the narrow chest!
“But the moon still revolves around everything earthly, and so the prince still revolves around the most earthly thing of all: that is the gold of the shopkeepers.
“The God of armies is not a god of gold bars. The prince thinks, but the shopkeeper steers!
“By everything that is bright and strong and good in you, Zarathustra: spit on this city of shopkeepers and turn back!
“Here all blood flows rotten and lukewarm and foamy through all veins. Spit on the great city, which is the great rubbish heap, where all the scum foams together!
“Spit on the city of caved-in souls and narrow chests, of sharp eyes, of sticky fingers,
“on the city of pushy people, of the shameless, of scribblers and screamers, of the overheated ambitious,
“where everything rotting, disreputable, lustful, gloomy, overripe, ulcerous, and conspiratorial festers together,
“spit on the great city and turn back!”
But here Zarathustra interrupted the foaming fool and held the fool’s mouth shut.
“Stop at last!” Zarathustra cried. “I’ve been disgusted by your speech and your ways for a long time!
“Why did you live by the swamp so long that you had to turn into a frog and a toad yourself?
“Doesn’t a rotten, foamy swamp-blood flow through your own veins now, so that you learned to croak and slander like this?
“Why didn’t you go into the forest? Or plow the earth? Isn’t the sea full of green islands?
“I despise your despising. And if you warned me, why didn’t you warn yourself?
“My despising and my warning bird should fly up for me out of love alone, but not out of the swamp!
“People call you my ape, you foaming fool. But I call you my grunting pig. With your grunting you will yet spoil my praise of foolishness for me.
“What was it that first made you grunt? That nobody flattered you enough. So you sat down by this filth, so that you would have reason to grunt a lot,
“so that you would have reason for much revenge! For revenge, you vain fool, is all your foaming. I’ve guessed you well!
“But your fool’s word does me harm, even where you’re right! And even if Zarathustra’s word were right a hundred times over, you would always do wrong with my word!”
That is what Zarathustra said; and he looked at the great city, sighed, and was silent for a long time. At last he spoke like this:
I’m disgusted by this great city too, and not only by this fool. Here and there nothing can be improved, nothing made worse.
Woe to this great city! And I wish I could already see the pillar of fire in which it will be burned!
For such pillars of fire must come before the great noon. But this has its time and its own fate.
But I give you this lesson as a farewell, you fool: where you can no longer love, you should pass by!
That is what Zarathustra said, and he walked past the fool and the great city.
On the Deserters.
1 Ah, does everything already lie withered and gray that only recently stood green and colorful in this meadow? And how much honey of hope I carried from here into my beehives!
These young hearts have all grown old already,
and not even old! Just tired, common, comfortable:
they call it “we have become pious again.”
Only recently I saw them running out early in the morning on brave feet. But their feet of knowledge grew tired, and now they even slander their morning bravery!
Truly, many of them once lifted their legs like dancers, and the laughter in my wisdom beckoned to them. Then they reconsidered. Just now I saw them bent double, crawling to the cross.
They once fluttered around light and freedom like gnats and young poets. A little older, a little colder, and already they are dark ones and mumblers and stove-sitters.
Did their hearts lose courage because solitude swallowed me like a whale? Did their ears listen longingly for a long time in vain for me and my trumpet calls and herald’s cries?
Ah! There are always only a few whose hearts have a long-lasting courage and high spirits, and in such people the spirit stays patient too. But the rest are cowardly.
The rest: those are always the great majority, the everyday, the surplus, the far-too-many. All of them are cowardly!
Whoever is of my kind will meet experiences of my kind on the way, so that the first companions are bound to be corpses and clowns.
But the second companions will call themselves that person’s believers: a living swarm of much love, much folly, much beardless reverence.
Someone of my kind among humans should not bind their heart to these believers. Someone who knows the fleeting, cowardly human type should not believe in these springtimes and colorful meadows!
If they could do otherwise, they would also want otherwise. Halves and half-measures ruin everything whole. That leaves wither: what is there to complain about!
Let them drift off and fall, Zarathustra, and don’t complain! Better still, blow among them with rustling winds,
blow among these leaves, Zarathustra, so that everything withered runs away from you even faster!
2 “We have become pious again,” these deserters confess. And some of them are still too cowardly to confess it.
I look those in the eye. I say it to their faces and to the red of their cheeks: you are people who pray again!
But praying is a disgrace! Not for everyone, but for you and me and whoever keeps their conscience in their head too. For you praying is a disgrace!
You know it well: your cowardly devil inside you, who would like to fold hands and put hands in the lap and have things comfortable, this cowardly devil talks you into it, saying “There is a God!”
But with that you belong to the light-shy kind, to whom light never gives rest. Now you have to stick your head deeper into night and haze every day!
And truly, you chose the hour well: for just now the night birds are flying out again. The hour has come for all the light-shy people, the evening and holiday hour, when they don’t “take a holiday.”
I hear and smell it: their hour has come for a hunt and a procession. Not a wild hunt, to be sure, but a tame, lame, sniffing hunt of tiptoers and whisper-prayers,
a hunt for soulful cringing mice: all the heart-mousetraps are set again now! And wherever I lift a curtain, a little moth comes tumbling out.
Was it perhaps crouching there together with another little moth? For everywhere I smell small hidden congregations. And wherever there are little chambers, there are new prayer-brothers inside, and the fumes of prayer-brothers.
They sit together through long evenings and say: “Let us become like little children again and say ‘dear God’!” Their mouths and stomachs ruined by the pious confectioners.
Or they watch for long evenings a crafty, lurking cross spider, who preaches cleverness to the spiders themselves and teaches: “Spinning is good under crosses!”
Or they sit by swamps all day with fishing rods and believe themselves deep for it. But someone who fishes where there are no fish, I don’t even call shallow!
Or they learn to play the harp, piously and cheerfully, from a song poet who would like to harp his way into the hearts of young females, because he grew tired of old females and their praising.
Or they learn to shudder from a learned half-madman who waits in dark rooms for the spirits to come to him, and the spirit goes running off altogether!
Or they listen to an old, restless drone-and-growl piper, who learned the sorrow of tones from gloomy winds. Now he pipes after the wind and preaches sorrow in gloomy tones.
And some of them have even become night watchmen. They now know how to blow horns and go about at night and wake up old things that fell asleep long ago.
Last night at the garden wall I heard five remarks about old things. They came from such old, sad, dried-up night watchmen.
“For a father he doesn’t care enough about his children. Human fathers do that better!”
“He is too old! He no longer cares about his children at all,” the other night watchman answered.
“Does he have children at all? No one can prove it if he doesn’t prove it himself! I’ve wanted him to prove it thoroughly for a long time.”
“Prove it? As if that one had ever proved anything! Proving is hard for him. He sets great store on being believed.”
“Yes, yes! Faith saves him, faith in him. That is how old people are! It’s the same with us!”
So the two old night watchmen and light-scarers spoke to each other, and then they tooted sadly on their horns. That is what happened last night at the garden wall.
But my heart twisted with laughter and wanted to burst, and didn’t know where to go, and sank into my diaphragm.
Truly, this will yet be my death: that I choke with laughter when I see donkeys drunk and hear night watchmen doubt God like this.
Isn’t it long over, even for all such doubts? Who may still wake such old, sleeping, light-shy things!
The old gods came to their end long ago. And truly, they had a good, cheerful gods’ end!
They didn’t “twilight” themselves to death. People lie about that! Rather, they once laughed themselves to death!
That happened when the most godless word came out of a god himself, the word: “There is One God! You shall have no other god beside me!”
An old grim-beard of a god, a jealous one, forgot himself like that:
And all the gods laughed then and rocked on their chairs and cried: “Isn’t this precisely divinity, that there are gods but no God?”
Whoever has ears should listen.
That is how Zarathustra spoke in the city he loved, the city called “the Colorful Cow.” For from here he had only two more days to walk before he came back to his cave and his animals. But his soul kept rejoicing at the nearness of his homecoming.
The Homecoming.
Oh solitude! You, my home, solitude! I lived too long wild in a wild foreign land not to come home to you in tears!
Now go ahead and wag a finger at me, the way mothers do. Now smile at me, the way mothers smile. Now just say: “And who was it that tore away from me like a storm wind?—
“—who cried out as he left: I sat too long with solitude, and I forgot how to be silent! That: have you learned it now?
“Oh Zarathustra, I know everything. I know that among the many you were more abandoned, you one man, than you ever were with me!
“Being abandoned is one thing, solitude is another. That you have learned now! And you have learned that among people you will always be wild and strange:
“—wild and strange even when they love you. For above all else they want to be spared!
“But here you are at home with yourself. Here you can say everything out loud and pour out all your reasons. Nothing here is ashamed of hidden, hardened feelings.
“Here all things come to your speech with caresses and flatter you, because they want to ride on your back. Here you ride on every metaphor to every truth.
“You may speak upright and honest to all things here. And truly, it sounds like praise in their ears when someone talks to all things—straight!
“But being abandoned is something else. For do you remember, Oh Zarathustra? Back then your bird cried out over you, when you stood in the forest, undecided where to go, not knowing the way, near a corpse:—
“—when you said: Let my animals lead me! I found it more dangerous among people than among animals. That was abandonment!
“And do you remember, Oh Zarathustra? When you sat on your island, a well of wine among empty buckets, giving and giving out, pouring and pouring out among the thirsty:
“—until at last you sat thirsty and alone among the drunk, and complained in the night: ‘Isn’t taking more blessed than giving? And stealing more blessed still than taking?’ That was abandonment!
“And do you remember, Oh Zarathustra? When your quietest hour came and drove you away from yourself, when it spoke with an evil whisper: ‘Speak and break!’—
“—when it made you sorry for all your waiting and silence, and discouraged your humble courage: that was abandonment!”—
Oh solitude! You, my home, solitude! How blissfully and tenderly your voice speaks to me!
We don’t question each other, we don’t complain to each other. We walk openly with each other through open doors.
For it is open with you, and bright. Even the hours run on lighter feet here. In the dark, you see, people carry time more heavily than in the light.
Here the words of all being, and the shrines of words, spring open for me. All being wants to become word here. All becoming wants to learn from me how to speak.
But down there, all talk is for nothing! There, forgetting and walking past is the best wisdom. That I have learned now!
Whoever wanted to grasp everything about people would have to lay hands on everything. But my hands are too clean for that.
I can’t even stand to breathe in their breath. Ah, that I lived so long among their noise and their foul breath!
Oh blissful stillness around me! Oh pure scents around me! Oh, how this stillness draws pure breath from a deep chest! Oh, how it listens, this blissful stillness!
But down there everything talks, and everything goes unheard. You can ring in your wisdom with bells, and the shopkeepers in the marketplace will out-jingle it with pennies!
Everything with them talks, and no one knows how to understand any more. Everything falls into the water. Nothing falls into deep wells any more.
Everything with them talks, and nothing turns out well any more or comes to an end. Everything cackles, but who still wants to sit quietly on the nest and hatch eggs?
Everything with them talks, and everything gets talked to pieces. What was still too hard yesterday for time itself and its tooth hangs today scraped and gnawed from the mouths of today’s people.
Everything with them talks, and everything gets betrayed. What was once called a secret, the hidden privacy of deep souls, belongs today to the street trumpeters and other butterflies.
Oh humankind, you strange thing! You noise on dark streets! Now you lie behind me again:—my greatest danger lies behind me!
My greatest danger always lay in sparing and pitying, and all humankind wants to be spared and tolerated.
With withheld truths, with a fool’s hand and a besotted heart, and rich in the small lies of pity:—that is how I always lived among people.
I sat among them in disguise, ready to misjudge myself so that I could bear them, and gladly telling myself: “You fool, you don’t know people!”
You unlearn people when you live among people. There is too much foreground in all people, and what use are far-sighted, far-craving eyes there!
And when they misjudged me, I, the fool, spared them more for it than I spared myself. I was used to being hard on myself, and often I still took revenge on myself for this sparing.
Stung by poisonous flies and hollowed out like a stone by many drops of malice, I sat among them and still talked myself into it: “Everything small is innocent in its smallness!”
Especially those who call themselves “the good” I found to be the most poisonous flies. They sting in all innocence, they lie in all innocence. How could they be just to me!
Whoever lives among the good, pity teaches to lie. Pity makes stuffy air for all free souls. The stupidity of the good, you see, is unfathomable.
To hide myself and my riches: that I learned down there. For I found everyone still poor in spirit. That was the lie of my pity, that with everyone I knew,
—that I saw in everyone, and smelled on them, how much spirit was enough for them and how much was already too much!
Their stiff wise men: I called them wise, not stiff. That is how I learned to swallow words. Their gravediggers: I called them researchers and examiners. That is how I learned to swap words.
Gravediggers dig diseases onto themselves. Under old rubble lie foul vapors. You shouldn’t stir up the swamp. You should live on mountains.
With blissful nostrils I breathe mountain freedom again! My nose is freed at last from the smell of all humankind!
Tickled by sharp air, as by foaming wines, my soul sneezes, sneezes and cheers itself: Health!
So Zarathustra spoke.
On the Three Evils.
1 In a dream, in my last morning dream, I stood today on a headland, beyond the world, held a pair of scales and weighed the world.
Oh, that the dawn came too early for me! She glowed me awake, the jealous one! She is always jealous of the glows of my morning dreams.
Measurable for anyone who has time, weighable for a good weigher, reachable by flight for strong wings, guessable for divine nutcrackers: that is how my dream found the world:—
My dream, a bold sailor, half ship, half gale, silent like butterflies, impatient like noble falcons: how patient it was today, and how much time it had, for weighing the world!
Did my wisdom perhaps whisper to it, my laughing, wide-awake daytime wisdom, which mocks all “infinite worlds”? For it says: “Where there is strength, number becomes master too: number has more strength.”
How securely my dream looked at this finite world, not curious, not craving the old, not fearing, not begging:—
—as if a full apple offered itself to my hand, a ripe golden apple with cool, soft, velvety skin: that is how the world offered itself to me:—
—as if a tree beckoned to me, a broad-branched, strong-willed one, bent into a backrest and even a footrest for the road-weary: that is how the world stood on my headland:—
—as if dainty hands carried a shrine toward me, a shrine open for the delight of shy, reverent eyes: that is how the world came toward me today:—
—not riddle enough to scare human love away, not solution enough to put human wisdom to sleep: a humanly good thing the world was to me today, this world that people speak such evil of!
How I thank my morning dream that I weighed the world like this today in the early hours! It came to me as a humanly good thing, this dream and comforter of the heart!
And so that I do the same by day, and learn and copy its best from it, I will now put the three most evil things on the scales and weigh them in a humanly good way.—
Whoever taught blessing also taught cursing. Which are the three most cursed things in the world? These I will put on the scales.
Lust, craving to rule, selfishness: these three have been cursed best until now and given the worst names and the most lies. These three I will weigh in a humanly good way.
Well then! Here is my headland and there is the sea. That rolls toward me, shaggy and fawning, the faithful old hundred-headed dog-monster that I love.
Well then! Here I will hold the scales over the rolling sea. And I choose a witness too, to watch: you, hermit tree, you strong-scented, broad-vaulted one, that I love!—
Over what bridge does the Now go to the Someday? Under what compulsion does the high compel itself down to the low? And what does even the highest still mean: growing upward?—
Now the scales stand even and still. I threw three heavy questions in, and the other pan carries three heavy answers.
2 Lust: for all hair-shirted despisers of the body, its sting and stake, and cursed as “the world” by all otherworld believers, because it mocks and fools all teachers of confusion and error.
Lust: for the rabble, the slow fire on which they are burned. For all wormy wood and all stinking rags, the ready furnace of heat and seething.
Lust: for free hearts, innocent and free, the garden-happiness of the earth, the overflowing thanks of all the future to the Now.
Lust: only to the withered a sweetish poison, but for those with a lion’s will the great strengthening of the heart, and the wine of wines, reverently saved.
Lust: the great happiness of metaphor for a higher happiness and the highest hope. For to many things marriage is promised, and more than marriage,
—to many things that are more foreign to themselves than man and woman. And who has fully grasped how foreign man and woman are to each other!
Lust: but I want fences around my thoughts, and around my words too, so that pigs and fanatics don’t break into my gardens!—
Craving to rule: the glowing scourge of the hardest of hard hearts. The grim torment that the cruelest man saves up for himself. The dark flame of living pyres.
Craving to rule: the spiteful gadfly set on the vainest peoples. The mocker of all uncertain virtue. It rides on every horse and every pride.
Craving to rule: the earthquake that breaks and breaks open everything rotten and hollow. The rolling, rumbling, punishing smasher of whitewashed graves. The flashing question mark beside premature answers.
Craving to rule: before whose gaze man crawls and cowers and slaves and becomes lower than snake and pig,—until at last the great contempt cries out of him,
Craving to rule: the terrible teacher of the great contempt, who preaches to cities and empires in their faces, “Away with you!”—until it cries out of them themselves, “Away with me!”
Craving to rule: but it also climbs, tempting, up to the pure and the solitary and the self-sufficient heights, glowing like a love that paints purple blisses on the skies of earth.
Craving to rule: but who would call it craving when the high longs to go down for power! Truly, there is nothing sick or craving in such longing and descending!
That the lonely height may not isolate itself forever and be content with itself. That the mountain may come to the valley, and the winds of the heights to the lowlands:—
Oh, who could find the right name, for baptism and for virtue, for such a longing! “Gift-giving virtue”: that is how Zarathustra once named the unnameable.
And it was then too that this happened,—and truly, it happened for the first time!—that his word praised selfishness as blessed, the whole, healthy selfishness that wells up from a mighty soul:—
—from a mighty soul, to which the high body belongs, the beautiful, victorious, refreshing body, around which every thing becomes a mirror:
—the supple, persuasive body, the dancer, whose image and summary is the self-delighting soul. The self-delight of such bodies and souls calls itself: “Virtue.”
With its words of good and bad, such self-delight shields itself as with sacred groves. With the names of its happiness it banishes everything contemptible from itself.
It banishes everything cowardly from itself. It says: Bad—that is cowardly! The ever-worried, the sighing, the pitiful seem contemptible to it, and so does anyone who picks up even the smallest advantages.
It also despises all woeful wisdom. For truly, there is also wisdom that blooms in the dark, a nightshade wisdom, which always sighs: “Everything is vain!”
Shy mistrust counts for little to it, and so does everyone who wants oaths instead of looks and hands. All too-mistrustful wisdom counts for little as well, for that is the way of cowardly souls.
It counts even less the quick-to-please, the doglike one who lies down on his back right away, the humble. And there is also wisdom that is humble and doglike and pious and quick to please.
Hateful to it and disgusting is anyone who never wants to defend himself, who swallows poisonous spit and evil looks, the too patient, the all-endurer, the all-contented. That, you see, is the servile kind.
Whether someone is servile before gods and divine kicks, or before people and dim human opinions: this blissful selfishness spits on every servile kind!
Bad: that is what it calls everything bent and stingily servile, unfree blinking eyes, oppressed hearts, and that false, yielding kind that kisses with wide, cowardly lips.
And sham wisdom: that is what it calls everything that slaves and old men and tired people joke about, and especially the whole bad, mad, over-clever priestly folly!
But the sham-wise, all the priests, the world-weary, and anyone whose soul is of the womanly and servile kind,—oh, how their game has always treated selfishness badly!
And this exactly was supposed to be virtue and be called virtue, that one treats selfishness badly! And “selfless”—that is how all these world-weary cowards and cross spiders rightly wished themselves to be!
But for all of them the day is now coming, the transformation, the executioner’s sword, the great noon. Much shall be revealed then!
And whoever calls the I whole and holy and selfishness blessed, truly, speaks also what he knows, a prophet: “Look, it is coming, it is near, the great noon!”
So Zarathustra spoke.
On the Spirit of Gravity.
1 My mouth is the people’s. I speak too roughly and warmly for the silk bunnies. And my word sounds even stranger to all ink-fish and pen-foxes.
My hand is a fool’s hand. Woe to all tables and walls, and anything that still has room for fool’s decoration, fool’s scrawl!
My foot is a horse’s foot. With it I clatter and trot over stick and stone, across the fields every which way, and I’m wild as the devil with delight in all fast running.
My stomach: is it an eagle’s stomach, perhaps? For what it likes best is lamb. But certainly it is a bird’s stomach.
Fed on innocent things and on little, ready and impatient to fly, to fly away: that is my way now. How could there not be something bird-like in that!
And above all, that I am an enemy of the spirit of gravity: that is bird-like. And truly, a mortal enemy, an arch enemy, a first enemy! Oh, where has my enmity not flown and flown astray already!
I could sing a song about that already, and I will sing it, even though I’m alone in an empty house and have to sing it to my own ears.
There are other singers, of course, whose throats only get soft from a full house, whose hands get talkative, whose eyes get expressive, whose hearts wake up. I’m not like them.—
2 Whoever teaches people to fly someday will have moved all the boundary stones. All the boundary stones themselves will fly up into the air for him. He will christen the earth anew: “the Light One.”
The ostrich runs faster than the fastest horse, but even it still sticks its head heavily into heavy earth. That is how the man is who can’t fly yet.
Earth and life are called heavy by him. And so the spirit of gravity wants it! But whoever wants to become light and a bird must love himself. That is what I teach.
Not with the love of the sick and the craving, of course, for with them even self-love stinks!
You must learn to love yourself, that is what I teach, with a whole and healthy love, so that you can stand being with yourself and don’t wander around.
Such wandering around baptizes itself “love of neighbor.” With this word people have lied and pretended best so far, and especially those who were a burden to the whole world.
And truly, this is no commandment for today and tomorrow, to learn to love yourself. It is rather, of all the arts, the finest, the trickiest, the last, and the most patient.
For to its owner everything that is his own is well hidden. And of all treasure pits, your own is dug up last. That is how the spirit of gravity arranges it.
Almost in the cradle we are given heavy words and values to take along: “good” and “evil,” that is what this dowry is called. Because of it we are forgiven for living.
And besides, people let the little children come to them, so that they can keep them in good time from loving themselves. That is how the spirit of gravity arranges it.
And we, we faithfully drag along what people give us, on hard shoulders and over rough mountains! And when we sweat, they tell us: “Yes, life is hard to carry!”
But it is only man who is hard to carry for himself! The reason is that he drags too much that is foreign on his shoulders. Like the camel he kneels down and lets himself be loaded up well.
Especially the strong man who can bear a lot, in whom reverence lives: he loads too many foreign heavy words and values on himself, and now life seems like a desert to him!
And truly! Much that is one’s own is hard to carry too! And much of what is inside a person is like the oyster, that is, disgusting and slippery and hard to grasp,
—so that a noble shell with noble decoration has to plead for it. But this art too must be learned: to have a shell and a fair appearance and clever blindness!
Again, many things about people are deceptive, because many a shell is paltry and sad and too much merely shell. Much hidden goodness and strength is never guessed. The most delicious tidbits find no tasters!
Women know that, the choicest ones: a little fatter, a little leaner. Oh, how much fate lies in so little!
Man is hard to discover, and hardest of all for himself. Often the spirit lies about the soul. That is how the spirit of gravity arranges it.
But he has discovered himself who says: This is my good and evil. With that he has silenced the mole and the dwarf who say “Good for all, evil for all.”
Truly, I don’t like those either for whom every thing is good, and this world even the best. Those I call the all-contented.
All-contentedness, which knows how to taste everything: that is not the best taste! I honor the stubborn, picky tongues and stomachs that learned to say “I” and “Yes” and “No.”
But to chew and digest everything: that is truly the pig’s way! Always saying Hee-haw: only the donkey learned that, and whoever has his spirit!—
The deep yellow and the hot red: that is what my taste wants. It mixes blood into all colors. But whoever whitewashes his house shows me a whitewashed soul.
Some are in love with mummies, others with ghosts. And both are equally enemies of all flesh and blood. Oh, how both go against my taste! For I love blood.
And I don’t want to live and linger where everybody spits and spews. That is my taste now: I would rather live among thieves and perjurers. Nobody carries gold in the mouth.
But more repulsive still to me are all the spit-lickers. And the most repulsive beast of a man that I found, I baptized parasite: it wouldn’t love and yet wanted to live from love.
I call wretched all who have only one choice: to become evil animals or evil animal-tamers. With such people I would build myself no huts.
I also call wretched those who always have to wait. They go against my taste: all the toll collectors and shopkeepers and kings and other keepers of lands and keepers of shops.
Truly, I learned waiting too, and thoroughly, but only waiting for myself. And above all I learned to stand and walk and run and jump and climb and dance.
But this is my teaching: whoever wants to learn to fly someday must first learn to stand and walk and run and climb and dance. You can’t fly your way to flying!
With rope ladders I learned to climb up to many a window. On nimble legs I climbed high masts. To sit on the high masts of knowledge seemed to me no small bliss,
—to flicker like small flames on high masts: a small light, to be sure, but still a great comfort for storm-driven sailors and the shipwrecked!
I came to my truth by many ways and means. I did not climb on one ladder to the height from which my eye roams into my distance.
And I always asked about ways only reluctantly. That always went against my taste! I preferred to ask and try the ways themselves.
All my walking was a trying and asking. And truly, one must also learn to answer such asking! But this is my taste:
—not good, not bad, but my taste, of which I have neither shame nor secret any more.
“This is my way now. Where is yours?” That is how I answered those who asked me “for the way.” For the way, you see, does not exist!
So Zarathustra spoke.
Old Tablets and New Ones.
1 Here I sit and wait. Old broken tablets are around me, and new tablets too, only half written on. When will my hour come?
—the hour of my going down, my going under: for I want to go to people one more time.
That is what I’m waiting for now. First the signs must come to me that it is my hour, namely the laughing lion with the flock of doves.
Meanwhile I talk to myself, like someone who has time. Nobody tells me anything new, so I tell myself about myself.
2 When I came to people, I found them sitting on an old conceit. They had all imagined for a long time that they knew what is good and evil for a human being.
All talk about virtue seemed to them an old, tired business. And anyone who wanted to sleep well still spoke of “good” and “evil” before going to bed.
I shook up this sleepiness when I taught: what is good and evil, nobody knows yet, except the creator!
—And the creator is the one who makes the goal of humanity, and gives the earth its meaning and its future. Only this one creates the fact that anything is good and evil.
And I told them to overturn their old lecture chairs, and every place where that old conceit had sat. I told them to laugh at their great masters of virtue, and their saints and poets and world-redeemers.
I told them to laugh at their gloomy sages, and at anyone who had ever sat in the tree of life as a black scarecrow, giving warnings.
I sat down beside their great road of graves, even among the carrion and the vultures, and I laughed at their whole past and its crumbling, decaying glory.
Truly, like preachers of repentance and like fools, I screamed anger and alarm over everything they had, great and small. Their best is so very small! Their worst is so very small! That is how I laughed.
My wise longing cried and laughed out of me like that. It was born on the mountains, a wild wisdom, truly! My great longing with its roaring wings.
And often it tore me away, upward and off, right in the middle of laughing. Then I flew, shuddering, like an arrow, through sun-drunk delight:
—out into distant futures that no dream has yet seen, into hotter souths than any sculptor ever dreamed of: to the place where gods, dancing, are ashamed of every piece of clothing.
—That is to say, I speak in parables, and I limp and stammer like the poets. And truly, I am ashamed that I still have to be a poet!
Where all becoming seemed to me a dance of gods and a mischief of gods, and the world loose and unleashed and fleeing back to itself:
—like an eternal fleeing from each other and seeking each other again among many gods, like the blissful contradicting each other, hearing each other again, belonging to each other again among many gods:
Where all time seemed to me a blissful mockery of moments, where necessity was freedom itself, which played blissfully with the sting of freedom:
Where I also found again my old devil and archenemy, the spirit of gravity, and everything he made: compulsion, rule, need, consequence, purpose, will, good and evil.
For must there not be something to dance over, to dance away across? Must there not be moles and heavy dwarfs, for the sake of the light ones, the lightest ones?
3 That was also where I picked up the word “Overhuman” from the road, and the thought that the human being is something that must be overcome,
—that the human being is a bridge and not a goal: calling itself blessed for its noon and its evening, as a road to new dawns:
—Zarathustra’s word about the great noon, and whatever else I hung above humanity, like second purple sunsets.
Truly, I also let them see new stars along with new nights. And over clouds and day and night I stretched laughter out like a colorful tent.
I taught them all of my poetry and striving: to compose into one and carry together what is fragment in the human being, and riddle, and dreadful accident.
—As a poet, a reader of riddles and a redeemer of accident, I taught them to work on the future by creating, and to redeem, by creating, everything that was.
To redeem what is past in the human being, and to remake every “It was,” until the will says: “But I wanted it that way! I will want it that way.”
—This is what I called redemption for them. Only this did I teach them to call redemption.
Now I wait for my redemption, so that I may go to them for the last time.
For I want to go to people once more. Among them I want to go under. Dying, I want to give them my richest gift!
I learned this from the sun, when it goes down, the overrich one: then it pours gold into the sea out of inexhaustible wealth,
—so that even the poorest fisherman rows with a golden oar! I saw this once, and I did not stop crying as I watched.
Like the sun, Zarathustra too wants to go under. Now he sits here and waits, with old broken tablets around him, and new tablets too, half written on.
4 Look, here is a new tablet. But where are my brothers, who will carry it with me down into the valley and into hearts of flesh?
So my great love for the farthest ones demands: do not spare your neighbor! The human being is something that must be overcome.
There are many roads and ways of overcoming: you see to that! But only a clown thinks: “The human being can also be jumped over.”
Overcome yourself even in your neighbor. And a right that you can seize, you should not let anyone give you!
What you do, no one can do back to you. Look, there is no repayment.
Whoever can’t command themselves should obey. And many a person can command themselves, but still lacks a great deal before they also obey themselves!
5 That is how noble souls are: they want to have nothing for free, least of all life.
Whoever belongs to the rabble wants to live for free. But we others, to whom life has given itself, are always thinking about what is the best thing to give in return!
And truly, this is a noble saying: “What life promises us, we want to keep, for life!”
One should not want to enjoy where there is nothing given to enjoy. And one should not want to enjoy at all!
Pleasure and innocence are the shyest things there are: neither wants to be sought. One should have them, but one should rather seek guilt and pain!
6 Oh my brothers, whoever is a firstborn is always sacrificed. And we are the firstborn now.
We all bleed at secret sacrificial tables. We all burn and roast in honor of old idols.
Our best is still young, and that tempts old palates. Our flesh is tender, and our skin is only a lamb’s skin. How could we not tempt old idol priests!
He still lives in ourselves, the old idol priest, who roasts our best for his feast. Ah, my brothers, how could the firstborn not be sacrifices!
But that is how our nature wants it. And I love those who do not want to protect themselves. I love those who go under with all my love, for they are going across.
7 Being truthful: few people can do that! And whoever can, doesn’t want to yet! But the good can do it least of all.
Oh, these good ones! Good people never tell the truth. For the spirit, being good in this way is a sickness.
They give in, these good ones. They surrender. Their heart repeats what it hears, their depths obey. But whoever obeys does not hear themselves!
Everything the good call evil must come together before one truth can be born. Oh my brothers, are you evil enough for this truth?
The daring venture, the long mistrust, the cruel No, the weariness, the cutting into what is alive: how seldom that comes together! But from such seed truth is begotten!
All knowledge has grown up next to the bad conscience until now! Break, break the old tablets for me, you who seek knowledge!
8 When the water has beams across it, when footbridges and railings leap over the river: truly, no one will believe the person who says, “Everything is in flux.”
Instead the dolts themselves contradict that person. “What?” say the dolts. “Everything is in flux? But the beams and railings are over the river!” “Over the river everything is firm: all the values of things, the bridges, the concepts, all ‘good’ and ‘evil.’ All of that is firm!”
And when the hard winter comes, the tamer of the river, then even the cleverest learn mistrust. And truly, not only the dolts then say: “Shouldn’t everything stand still?”
“Basically everything stands still.” That is a proper winter teaching, a good thing for barren times, a good comfort for hibernators and people who sit by the stove.
“Basically everything stands still”: but the thaw wind preaches against that!
The thaw wind, a bull, but no plowing bull. A raging bull, a destroyer, who breaks ice with angry horns! And ice breaks footbridges!
Oh my brothers, now isn’t everything in flux? Haven’t all railings and footbridges fallen into the water? Who would still hold on to “good” and “evil”?
“Woe to us! Salvation for us! The thaw wind is blowing!” Preach it to me like that, oh my brothers, through all the streets!
9 There is an old delusion called good and evil. Until now the wheel of this delusion has turned around fortune-tellers and astrologers.
Once people believed in fortune-tellers and astrologers, and so they believed: “Everything is fate. You should, because you must!” Then again they mistrusted all fortune-tellers and astrologers, and so they believed: “Everything is freedom. You can, because you will!”
Oh my brothers, about the stars and the future there has only been presuming until now, never knowing. And so about good and evil there has only been presuming until now, never knowing!
10 “You shall not rob! You shall not kill!” Such words were once called holy. People bent their knees and heads before them and took off their shoes.
But I ask you: where in the world have there ever been better robbers and killers than such holy words were?
Isn’t there robbing and killing in all of life itself? And because such words were called holy, wasn’t truth itself killed by that?
Or was it a sermon of death, that what contradicted and advised against all of life was called holy? Oh my brothers, break, break the old tablets for me!
11 This is my pity for everything past, that I see it is abandoned,
—abandoned to the mercy, the spirit, the madness of every generation that comes and reinterprets everything that was as its bridge!
A great tyrant could come, a cunning monster, who with his favor and disfavor would force and squeeze everything past, until it became a bridge for him, and a sign, and a herald, and a rooster’s crow.
But this is the other danger and my other pity: whoever belongs to the rabble, their memory goes back as far as the grandfather. And with the grandfather, time ends.
So everything past is abandoned. For it could happen one day that the rabble became master and drowned all time in shallow waters.
That is why, oh my brothers, a new nobility is needed, one that is the enemy of all rabble and all violent rule, and that writes the word “noble” anew on new tablets.
Many noble people are needed, and many kinds of noble people, so that there is nobility! Or, as I once said in a parable: “That is exactly what divinity is: that there are gods, but no God!”
12 Oh my brothers, I consecrate you and lead you to a new nobility. You shall become begetters and breeders for me, and sowers of the future,
—truly, not a nobility that you could buy like shopkeepers, with shopkeepers’ gold. For everything that has its price is worth little.
From now on, your honor should not be where you come from, but where you are going! Your will and your foot, which wants to go beyond yourselves: let that be your new honor!
Truly, not that you served a prince (what do princes matter now!), or that you became a bulwark for whatever stands, to make it stand firmer!
Not that your family became courtly at courts, and that you learned, colorful like a flamingo, to stand for long hours in shallow ponds.
—For being able to stand counts as a merit among courtiers. And all courtiers believe that bliss after death includes being allowed to sit!
Nor that a spirit they call holy led your ancestors into promised lands, which I do not praise. For where the worst of all trees grew, the cross, there is nothing to praise in that land! And truly, wherever this “holy spirit” led his knights, on such campaigns goats and geese and cross-headed cranks always ran in front!
Oh my brothers, your nobility should not look back, but outward! You should be driven out of all fatherlands and forefathers’ lands!
You should love the land of your children. Let this love be your new nobility: the undiscovered land in the farthest sea! I tell your sails to search for it, and search!
In your children you should make up for being the children of your fathers. This is how you should redeem everything past! I set this new tablet above you!
13 “What is living for? Everything is vain! Living is threshing straw; living is burning yourself and still not getting warm.”
Such ancient-sounding chatter still passes as “wisdom.” But because it is old and smells musty, for that reason it is honored more. Even mold makes noble.
Children were allowed to talk like that: they shy away from fire, because it burned them! There is a lot of childishness in the old books of wisdom.
And whoever is always “threshing straw,” how could they be allowed to slander threshing! One ought to muzzle such a fool!
Such people sit down at the table and bring nothing with them, not even a good hunger. And now they slander: “Everything is vain!”
But eating and drinking well, oh my brothers, is truly no vain art! Break, break the tablets of the never-joyful for me!
14 “To the pure, everything is pure.” So say the people. But I tell you: to the swine, everything turns to swine!
That is why the fanatics and head-hangers, whose hearts hang down too, preach: “The world itself is a filthy monster.” For all of these have an unclean spirit. But especially those do who have neither rest nor peace unless they see the world from behind, the backworlders!
I say it to them, right to their faces, even if it doesn’t sound lovely: the world is like the human being in that it has a behind. That much is true!
There is a lot of dung in the world: that much is true! But that does not make the world itself a filthy monster!
There is wisdom in the fact that many things in the world smell bad. Disgust itself creates wings and powers that sense springs!
Even in the best there is still something to be disgusted by. And the best is still something that must be overcome!
Oh my brothers, there is a lot of wisdom in the fact that there is a lot of dung in the world!
15 I heard pious backworlders speak such sayings to their conscience. And truly, they spoke without malice or deceit, although there is nothing more deceitful in the world, and nothing more wicked.
“Let the world be the world! Don’t lift even a finger against it!”
“Let anyone who wants to strangle and stab and cut and scrape people do it. Don’t lift even a finger against it! That will teach them to renounce the world.” “And your own reason: you should throttle and choke it yourself. For it is a reason of this world, and by that you will learn to renounce the world yourself.”
—Break, break these old tablets of the pious for me, oh my brothers! Tear apart with your words the sayings of the world-slanderers!
16 “Whoever learns a lot unlearns every violent craving.” That is what people whisper to each other today in all the dark alleys.
“Wisdom makes you tired. Nothing is worth it. You shall not crave!” I found this new tablet hanging even in open marketplaces.
Break this new tablet for me too, oh my brothers, break it! The world-weary hung it up, and the preachers of death, and the jailers too. For look, it is also a sermon for slavery!
They learned badly, and not the best things, and everything too early and everything too fast. They ate badly. That is where their spoiled stomach came from,
—for their spirit is a spoiled stomach. It advises death! For truly, my brothers, the spirit is a stomach!
Life is a well of pleasure. But for the one out of whom the spoiled stomach speaks, the father of gloom, all springs are poisoned.
Knowing: that is pleasure for those with a lion’s will! But whoever has grown tired is only “willed” themselves, and all the waves play with them.
And that is always the way of weak people: they lose themselves on their paths. And in the end their weariness even asks: “Why did we ever go on paths at all! It’s all the same!”
It sounds sweet in their ears when it is preached: “Nothing is worth it! You shall not will!” But this is a sermon for slavery.
Oh my brothers, Zarathustra comes like a fresh, roaring wind to all the way-weary. He will make many noses sneeze yet!
My free breath blows even through walls, and into prisons and captured spirits!
Willing frees, for willing is creating. That is what I teach. And you should learn only for the sake of creating!
And even the learning you must first learn from me, the learning well! Whoever has ears, let them hear!
17 There stands the boat. Over there it perhaps leads into the great Nothing. But who wants to climb into this “perhaps”?
None of you wants to climb into the boat of death! How can you claim to be world-weary, then!
World-weary! And you haven’t even been carried away from the earth! I always found you still lusting after the earth, still in love with your own weariness of the earth!
Not for nothing does your lip hang down. A small earthly wish still sits on it! And in your eye, doesn’t a little cloud of unforgotten earthly pleasure float there?
On earth there are many good inventions, some useful, others pleasant. For their sake the earth is to be loved.
And there are so many things so well invented that they are like a woman’s breast: useful and pleasant at once.
But you world-weary ones! You earth-lazy ones! You should be whipped with switches! Whipping with switches should give you lively legs again.
For if you are not sick and worn-out wretches that the earth is tired of, then you are sly sloths or sweet-toothed pleasure-cats that have crept into hiding. And if you don’t want to run about merrily again, then you should depart!
One should not want to be the doctor of the incurable. So Zarathustra teaches: so you should depart!
But it takes more courage to make an ending than a new verse. All doctors and poets know that.
18 Oh my brothers, there are tablets that weariness made, and tablets that laziness made, the rotten kind. Although they speak alike, they want to be heard differently.
Look at this one here, wasting away! He is only a span from his goal, but out of weariness he has lain down here in the dust, stubborn: this brave one!
Out of weariness he yawns at the road and the earth and the goal and himself. He doesn’t want to take another step: this brave one!
Now the sun glows down on him, and the dogs lick at his sweat. But he lies there in his stubbornness and would rather waste away,
—waste away a span from his goal! Truly, you will have to pull him by the hair into his heaven: this hero!
Better still, leave him lying where he lay down, so that sleep may come to him, the comforter, with cooling, rustling rain.
Leave him lying until he wakes by himself, until he takes back all weariness by himself, and what weariness taught through him!
Only, my brothers, drive the dogs away from him, the lazy sneaks, and all the swarming vermin,
—all the swarming vermin of the “educated,” who make themselves comfortable on the sweat of every hero!
19 I draw circles around me and holy boundaries. Fewer and fewer climb with me up higher and higher mountains. I am building a mountain range out of ever holier mountains.
But wherever you may climb with me, oh my brothers: make sure that no parasite climbs with you!
A parasite is a worm, a creeping, clinging one, that wants to get fat in your sick, sore corners.
And this is its art: it guesses where rising souls are tired. In your grief and ill humor, in your tender shame, it builds its disgusting nest.
Where the strong are weak and the noble are too gentle, there it builds its disgusting nest. The parasite lives where the great have small sore corners.
What is the highest kind of everything that is, and what is the lowest? The parasite is the lowest kind. But whoever is of the highest kind feeds the most parasites.
For the soul that has the longest ladder and can go down the deepest: how could the most parasites not sit on that one?
—the most spacious soul, which can run and stray and wander furthest within itself. The most necessary soul, which plunges into chance for pleasure:
—the soul that is, which dives into becoming. The soul that has, which wants to enter wanting and craving:
—the soul that flees itself and catches up with itself in the widest circle. The wisest soul, to which folly speaks most sweetly:
—the soul that loves itself most, in which all things have their flowing and flowing back, their ebb and flood. Oh, how could the highest soul not have the worst parasites?
20 Oh my brothers, am I cruel, then? But I say: what is falling, one should also push!
All of today is falling, is decaying. Who would want to hold it up! But I, I want to push it too!
Do you know the lust that rolls stones into steep depths? These people of today: just look at how they roll into my depths!
I am a prelude to better players, oh my brothers! An example! Do as I do!
And whoever you can’t teach to fly, teach for me to fall faster!
21 I love the brave. But it is not enough to be a hard hitter. You must also know whom to hit!
And often there is more bravery in holding yourself back and walking past, so that you save yourself for the worthier enemy!
You should have only enemies who are to be hated, never enemies to be despised. You must be proud of your enemy. That is what I taught once before.
For the worthier enemy, oh my friends, you should save yourselves. That is why you must walk past a great deal,
—especially past all the riffraff who bawl in your ears about the nation and the nations.
Keep your eyes clean of their for and against! There is a lot of right and a lot of wrong there, and whoever looks on gets angry.
Looking on and striking out are one and the same there. So go away into the forests and let your sword sleep!
Go your ways! And let nation and nations go theirs! Dark ways, truly, on which not one hope flashes like lightning any more!
Let the shopkeeper rule, where everything that still glitters is shopkeepers’ gold! The time of kings is over. What calls itself a nation today does not deserve kings.
Just look at how these nations now act like shopkeepers themselves. They pick out the smallest advantages from every pile of rubbish!
They lie in wait for each other, they trick things out of each other, and they call that “good neighborliness.” Oh, blessed distant time, when a nation said to itself: “I want to be master over nations!”
For, my brothers: the best should rule, and the best also wants to rule! And where the teaching says otherwise, the best is missing.
22 If those had bread for free, woe! What would they scream for! Their livelihood is their real entertainment, and they should have a hard time of it!
They are beasts of prey. Even in their “working” there is robbing, and even in their “earning” there is cheating! That is why they should have a hard time of it!
So they should become better beasts of prey, finer ones, cleverer ones, more like human beings. For the human being is the best beast of prey.
The human being has already robbed all the animals of their virtues. That is because, of all the animals, the human being has had it hardest.
Only the birds are still above him. And if the human being ever learned to fly, woe! How high his lust for plunder would fly!
23 This is how I want man and woman: one fit for war, the other fit for giving birth, but both fit for dancing with head and legs.
And let the day be lost to us on which there was not one dance! And let every truth be called false to us that did not have one laugh in it!
24 The way you conclude a marriage: make sure it isn’t a bad concluding! You concluded too fast, and so what follows is adultery!
And adultery is still better than bending a marriage, or lying a marriage! A woman once said to me: “Yes, I broke the marriage, but first the marriage broke me!” I always found badly matched couples to be the most vengeful of all. They make the whole world pay for the fact that they no longer run alone.
For that reason I want honest people to say to each other: “We love each other. Let us make sure that we keep loving each other! Or is our promise supposed to be a mistake?”
—“Give us a time limit and a small marriage, so that we can see whether we are fit for the great marriage! It is a big thing, to be two for good!”
That is what I advise all honest people. And what would my love for the Overhuman and for everything that is to come be, if I advised and spoke otherwise!
Not only to carry yourselves onward, but upward: may the garden of marriage help you to do that, oh my brothers!
25 Whoever has become wise about old origins will, look, finally search for the springs of the future and for new origins.
Oh my brothers, it will not be long before new nations spring up, and new springs rush down into new depths.
For the earthquake buries many wells and causes much languishing. It also brings inner powers and secrets to the light.
The earthquake makes new springs visible. In the earthquake of old nations, new springs break out.
And whoever calls out there: “Look, here is a well for many thirsty ones, one heart for many longing ones, one will for many tools,” around that one gathers a nation, that is: many who experiment.
Who can command and who must obey: that is what is being tried out there! Ah, with what long seeking and guessing and guessing wrong and learning and trying again!
Human society is an experiment, so I teach, a long search. And it searches for the one who commands!
—an experiment, oh my brothers! And not a “contract”! Break, break such a word of the soft-hearted and the half-and-half people for me!
26 Oh my brothers! With whom does the greatest danger to all human future lie? Isn’t it with the good and the just?
—with those who say and feel in their hearts: “We already know what is good and just, and we have it too. Woe to those who are still searching here!”
And whatever harm the evil may do, the harm done by the good is the most harmful harm!
And whatever harm the world-slanderers may do, the harm done by the good is the most harmful harm.
Oh my brothers, one person once looked into the heart of the good and the just, and said: “They are the Pharisees.” But nobody understood.
The good and the just themselves were not allowed to understand. Their spirit is caught inside their good conscience. The stupidity of the good is unfathomably clever.
But this is the truth: the good must be Pharisees. They have no choice!
The good must crucify the one who invents a virtue of their own! That is the truth!
But the second one, who discovered their land, the land, heart and soil of the good and the just, was the one who asked: “Whom do they hate most?”
The creator they hate most: the one who breaks tablets and old values, the breaker. They call that one a lawbreaker.
For the good cannot create. They are always the beginning of the end.
—They crucify the one who writes new values on new tablets. They sacrifice the future to themselves. They crucify the whole future of humanity!
The good have always been the beginning of the end.
27 Oh my brothers, did you understand this word too? And what I once said about the “last man”?
With whom does the greatest danger to all human future lie? Isn’t it with the good and the just?
Break, break the good and the just for me! Oh my brothers, did you understand this word too?
28 You run away from me? You are frightened? You tremble at this word?
Oh my brothers, when I told you to break the good and the tablets of the good, only then did I set the human being out on its high sea.
And only now does the great terror come to it, the great looking around, the great sickness, the great disgust, the great seasickness.
The good taught you false shores and false securities. You were born and sheltered in the lies of the good. Everything is falsified and warped down to its ground by the good.
But whoever discovered the land “human being” also discovered the land “human future.” Now you should be sailors for me, brave and patient ones!
Walk upright for me in good time, oh my brothers, learn to walk upright! The sea is storming. Many want to prop themselves up on you again.
The sea is storming. Everything is in the sea. Well then! Up and at it! You old sailors’ hearts!
Forget the fatherland! Our rudder wants to go there, to where our children’s land is! Out there, stormier than the sea, our great longing storms!
29 “Why so hard!” the kitchen coal once said to the diamond. “Aren’t we close relatives?”
Why so soft? Oh my brothers, this is what I ask you: aren’t you my brothers?
Why so soft, so yielding and giving way? Why is there so much denial and renouncing in your hearts? So little fate in your gaze?
And if you don’t want to be fates and merciless ones, how could you win with me?
And if your hardness does not want to flash and divide and cut through, how could you ever create with me?
For creators are hard. And it must seem like bliss to you to press your hand on thousands of years as if on wax,
—bliss to write on the will of thousands of years as if on bronze, harder than bronze, nobler than bronze. Only the noblest is completely hard.
This new tablet, oh my brothers, I set above you: become hard!
30 Oh my will! You turning point of all need, you my necessity! Protect me from all small victories!
You decree of my soul, which I call fate! You who are inside me! You who are over me! Protect me and save me for one great fate!
And your last greatness, my will, save for your last act, so that you are merciless in your victory! Ah, who has not been defeated by their own victory!
Ah, whose eye did not grow dark in this drunken twilight! Ah, whose foot did not stagger and forget, in victory, how to stand!
—That I may one day be ready and ripe in the great noon: ready and ripe like glowing bronze, a cloud pregnant with lightning, and a swelling milk udder,
—ready for myself and for my most hidden will: a bow burning for its arrow, an arrow burning for its star,
—a star ready and ripe in its noon, glowing, pierced through, blissful under annihilating arrows of the sun,
—a sun myself and a merciless sun-will, ready to annihilate in conquering!
Oh will, turning point of all need, you my necessity! Save me for one great victory!
That is what Zarathustra said.
The Recovering One.
1 One morning, not long after his return to the cave, Zarathustra jumped up from his bed like a madman, shouted in a terrible voice, and carried on as if someone else were still lying on the bed who didn’t want to get up from it. And Zarathustra’s voice rang out so loudly that his animals came running in, frightened, and out of all the caves and hiding places near Zarathustra’s cave every creature scurried away, flying, fluttering, crawling, jumping, in whatever way its feet and wings allowed. But Zarathustra spoke these words:
Up, bottomless thought, out of my depth! I am your rooster and your gray dawn, sleepy worm. Up! Up! My voice will crow you awake!
Untie the fetters of your ears and listen! For I want to hear you! Up! Up! There is thunder enough here to teach even graves to listen!
And wipe the sleep and all the dullness and blindness out of your eyes! Hear me with your eyes too. My voice is a remedy even for the born blind.
And once you are awake, you shall stay awake for me forever. It is not my way to wake great-grandmothers from sleep just to tell them to go on sleeping!
You stir, you stretch, you rattle in your throat? Up! Up! You shall not rattle, you shall speak to me! Zarathustra calls you, the godless one!
I, Zarathustra, the advocate of life, the advocate of suffering, the advocate of the circle: you I call, my most bottomless thought!
Good for me! You are coming, I hear you! My abyss speaks, I have turned my last depth inside out into the light!
Good for me! Come here! Give me your hand… ha! Let go!
Haha!… Disgust, disgust, disgust… woe to me!
2 But hardly had Zarathustra spoken these words when he fell down like a dead man and lay a long time like a dead man. But when he came to himself again, he was pale and trembling, and he stayed lying down and for a long time wouldn’t eat or drink. This condition lasted seven days with him. His animals did not leave him by day or by night, except when the eagle flew out to fetch food. And whatever it fetched and snatched together, it laid on Zarathustra’s bed, so that Zarathustra finally lay among yellow and red berries, grapes, rose apples, sweet-smelling herbs and pine cones. At his feet, however, two lambs were spread out, which the eagle had taken with difficulty from their shepherds.
At last, after seven days, Zarathustra sat up on his bed, took a rose apple in his hand, smelled it, and found its smell lovely. Then his animals believed the time had come to talk to him.
“Oh Zarathustra,” they said, “now you’ve been lying like this for seven days already, with heavy eyes. Won’t you finally stand on your feet again?
Step out of your cave. The world is waiting for you like a garden. The wind plays with heavy fragrances that want to reach you, and all the brooks would like to run after you.
All things long for you, since you stayed alone for seven days. Step out of your cave! All things want to be your doctors!
Has some new knowledge come to you, a sour, heavy one? You lay like leavened dough, your soul rose and swelled over all its edges.—”
—Oh my animals, Zarathustra answered, keep chattering, then, and let me listen! It refreshes me so that you chatter. Where there is chatter, the world already lies before me like a garden.
How lovely it is that words and sounds exist! Aren’t words and sounds rainbows and illusory bridges between things that are forever apart?
To every soul belongs another world. For every soul, every other soul is an otherworld.
Between the most similar things, illusion lies most beautifully. For the smallest gap is the hardest to bridge.
For me, how could there be an outside of me? There is no outside! But we forget that with all sounds. How lovely it is that we forget!
Haven’t names and sounds been given to things so that man can be refreshed by things? Speaking is a beautiful foolishness. With it man dances over all things.
How lovely is all talking and all the lying of sounds! With sounds our love dances on colorful rainbows.—
—“Oh Zarathustra,” the animals said then, “to those who think as we do, all things themselves dance. They come and join hands and laugh and flee, and come back.
Everything goes, everything comes back. The wheel of being rolls forever. Everything dies, everything blooms again. The year of being runs forever.
Everything breaks, everything is joined anew. The same house of being builds itself forever. Everything parts, everything greets again. The ring of being stays true to itself forever.
In every instant being begins. Around every Here rolls the ball There. The middle is everywhere. Crooked is the path of eternity.”—
—Oh you clowns and barrel organs! Zarathustra answered, and smiled again. How well you know what had to be fulfilled in seven days:—
—and how that monster crawled into my throat and choked me! But I bit its head off and spat it away from me.
And you, you already made a lyre song out of it? But now I lie here, still tired from this biting and spitting out, still sick from my own redemption.
And you watched all of it? Oh my animals, are you cruel too? Did you want to watch my great pain, as people do? For man is the cruelest animal.
At tragedies, bullfights and crucifixions he has so far felt best on earth. And when he invented hell, look, that was his heaven on earth.
When the great man cries out, right away the little one comes running, and his tongue hangs out of his throat with greed. But he calls it his “pity.”
The little man, especially the poet: how eagerly he accuses life in words! Listen, but don’t fail to hear the pleasure that is in all accusing!
Such accusers of life: life overcomes them with a wink. “You love me?” says the cheeky one. “Wait a little longer, I don’t have time for you yet.”
Man is the cruelest animal toward himself. And with everything that calls itself “sinner” and “cross-bearer” and “penitent,” don’t fail to hear the lust that is in this lamenting and accusing!
And I myself, do I want to be man’s accuser by this? Ah, my animals, this alone I have learned so far, that man’s worst is necessary for his best,
—that everything worst is his best strength and the hardest stone for the highest creator, and that man must become better and worse. I was not nailed to this stake of torment by knowing that man is evil. No, I cried out as no one has cried out yet:
“Ah, that his worst is so very small! Ah, that his best is so very small!”
The great disgust with man, that is what choked me and had crawled into my throat. And what the prophet prophesied: “Everything is the same, nothing is worth it, knowing chokes.”
A long twilight limped ahead of me, a death-weary, death-drunk sadness, which spoke with a yawning mouth.
“Forever he returns, the man you are weary of, the small man”: so yawned my sadness and dragged its foot and could not fall asleep.
The human earth turned into a cave for me, its chest sank in, everything living became to me human rot and bones and rotten past.
My sighing sat on all human graves and could not stand up any more. My sighing and questioning croaked and choked and gnawed and complained by day and night:
—“Ah, man returns forever! The small man returns forever!”—
Naked I had once seen both, the greatest man and the smallest man: all too like each other,—all too human even the greatest!
All too small, the greatest!—That was my disgust with man! And eternal return even of the smallest!—That was my disgust with all existence!
Ah, disgust! Disgust! Disgust!… So Zarathustra spoke, and sighed and shuddered, for he remembered his sickness. But then his animals would not let him talk any further.
“Don’t talk any further, you recovering one!” his animals answered him, “but go outside, where the world is waiting for you like a garden.
Go out to the roses and bees and flocks of doves! But especially to the singing birds, so that you learn singing from them!
For singing is for the recovering. The healthy may talk. And even when the healthy want songs, they still want different songs from the recovering.”
—“Oh you clowns and barrel organs, be quiet, then!” Zarathustra answered, and smiled at his animals. “How well you know what comfort I invented for myself in seven days!
That I must sing again: that comfort I invented for myself, and this recovery. Do you want to make a lyre song out of that right away again?”
—“Don’t talk any further,” his animals answered once more. “Rather, you recovering one, first get a lyre ready for yourself, a new lyre!
For look, Oh Zarathustra! For your new songs, new lyres are needed.
Sing and overflow, Oh Zarathustra, heal your soul with new songs, so that you can bear your great fate, which has never yet been any man’s fate!
For your animals know well, Oh Zarathustra, who you are and must become. Look, you are the teacher of the eternal return. That is now your fate!
That you, as the first, must teach this teaching: how could this great fate not also be your greatest danger and sickness!
Look, we know what you teach: that all things return eternally, and we ourselves with them, and that we have already been here times without end, and all things with us.
You teach that there is a great year of becoming, a monster of a great year. Like an hourglass, it must turn itself over again and again anew, so that it runs down and runs out anew:—
—so that all these years are equal to themselves, in the greatest and also in the smallest,—so that we ourselves in every great year are equal to ourselves, in the greatest and also in the smallest.
And if you wanted to die now, Oh Zarathustra: look, we also know how you would speak to yourself then. But your animals beg you not to die yet!
You would speak without trembling, breathing out rather with bliss, for a great heaviness and sultriness would be taken from you, most patient one!—
‘Now I die and vanish,’ you would say, ‘and in an instant I am nothing. Souls are as mortal as bodies.
But the knot of causes in which I am entangled returns, and it will create me again! I myself belong to the causes of the eternal return.
I come again, with this sun, with this earth, with this eagle, with this snake, not to a new life or a better life or a similar life:
—I come back forever to this same and identical life, in the greatest and also in the smallest, to teach again the eternal return of all things,
—to speak again the word of the great noon of earth and man, to proclaim the overman to people again.
I spoke my word, I break on my word: so my eternal lot wills it. As a proclaimer I go under!
The hour has now come when the one who goes under blesses himself. That is how Zarathustra’s going-under ends.’”…
When the animals had spoken these words, they fell silent and waited for Zarathustra to say something to them. But Zarathustra did not hear that they were silent. Rather, he lay still, with closed eyes, like someone asleep, though he was not asleep, for he was just then talking with his soul. But the snake and the eagle, when they found him so silent, honored the great stillness around him and slipped away carefully.
On the Great Longing.
Oh my soul, I taught you to say “Today” the way you say “Someday” and “Once,” and to dance your round dance away over every Here and There and Over There.
Oh my soul, I freed you from all corners. I swept dust, spiders and twilight away from you.
Oh my soul, I washed small shame and corner-virtue off you, and talked you into standing naked before the eyes of the sun.
With the storm that is called “spirit” I blew over your surging sea. I blew all the clouds away. I strangled even the strangler that is called “sin.”
Oh my soul, I gave you the right to say No like the storm and to say Yes the way the open sky says Yes. Still as light you stand, and you walk now through denying storms.
Oh my soul, I gave you back your freedom over what is created and what is uncreated. And who knows, as you know it, the lust of things to come?
Oh my soul, I taught you contempt that doesn’t come like worm-eaten decay, the great, loving contempt, which loves most where it despises most.
Oh my soul, I taught you to persuade so well that you persuade the very grounds to come to you, like the sun, which persuades even the sea up to its height.
Oh my soul, I took all obeying, bowing the knee and saying “Lord” away from you. I myself gave you the names “Turning of Need” and “Fate.”
Oh my soul, I gave you new names and colorful playthings. I called you “Fate” and “Circumference of Circumferences” and “Umbilical Cord of Time” and “Azure Bell.”
Oh my soul, to your soil I gave all wisdom to drink, all new wines and also all the strong wines of wisdom that are old beyond memory.
Oh my soul, I poured every sun onto you and every night and every silence and every longing. Then you grew up for me like a grapevine.
Oh my soul, overrich and heavy you stand there now, a vine with swelling udders and crowded brown-gold grapes:—
—crowded and pressed by your happiness, waiting out of abundance, and still shy about your waiting.
Oh my soul, there is nowhere now a soul that is more loving and more embracing and more spacious! Where would future and past be closer together than with you?
Oh my soul, I gave you everything, and all my hands have become empty on you:—and now! Now you say to me, smiling and full of melancholy: “Which of us has to give thanks?—
—doesn’t the giver have to give thanks that the taker took? Isn’t giving a need? Isn’t taking—mercy?”—
Oh my soul, I understand the smile of your melancholy. Your overabundance itself now stretches out longing hands!
Your fullness looks out over roaring seas and searches and waits. The longing of overfullness looks out from the sky of your smiling eyes!
And truly, Oh my soul! Who could see your smile and not melt in tears? The angels themselves melt in tears at the over-goodness of your smile.
It is your goodness and over-goodness that doesn’t want to complain and weep. And yet, Oh my soul, your smile longs for tears and your trembling mouth for sobs.
“Isn’t all weeping a complaining? And all complaining an accusing?” That is how you speak to yourself, and that is why, Oh my soul, you would rather smile than pour out your grief,
—pour out all your grief in plunging tears over your fullness and over all the crowding need of the vine for the vintner and the vintner’s knife!
But if you don’t want to weep, don’t want to weep out your purple melancholy, then you will have to sing, Oh my soul!—Look, I myself smile, I who foretell this to you:
—sing, with a roaring song, until all seas grow still, so that they listen to your longing,
—until over still, longing seas the boat floats, the golden wonder, around whose gold all good, bad, strange things hop:
—many large and small creatures too, and everything that has light, strange feet, so that it can run on violet-blue paths,
—toward the golden wonder, the willing boat and its master. That is the vintner, who waits with the diamond vintner’s knife,
—your great redeemer, Oh my soul, the nameless one… for whom future songs will first find names! And truly, your breath already smells of future songs,
—already you glow and dream, already you drink thirstily at all the deep, ringing wells of comfort, already your melancholy rests in the bliss of future songs!…
Oh my soul, now I have given you everything, and my last too, and all my hands have become empty on you. That I told you to sing, look, that was my last!
That I told you to sing: say now, say: who of us now has to give thanks? But better still: sing to me, sing, Oh my soul! And let me give thanks!—
So Zarathustra spoke.
The Other Dance Song.
1 “Not long ago I looked into your eye, oh Life: I saw gold glinting in your night-eye, and my heart stood still at this delight:
“—I saw a golden boat glinting on waters of the night, a sinking, drinking, beckoning-again golden rocking-boat!
“You threw a glance at my foot, my dance-mad foot, a laughing, questioning, melting, rocking glance:
“Only twice did you shake your rattle with your small hands, and already my foot was rocking with dance-fury.
“My heels reared up, my toes listened to understand you: after all, dancers carry their ears—in their toes!
“I leapt toward you, and you fled back from my leap, and the tongue of your fleeing, flying hair flicked out at me!
“I leapt away from you and from your snakes, and there you already stood, half turned, your eye full of longing.
“With crooked glances you teach me crooked paths, and on crooked paths my foot learns tricks!
“I fear you near, I love you far. Your flight lures me, your seeking stops me: I suffer, but what would I not gladly suffer for you!
“Whose coldness kindles, whose hatred seduces, whose flight binds, whose mockery moves:
“—who wouldn’t hate you, great binder, entwiner, tempter, seeker, finder! Who wouldn’t love you, innocent, impatient, wind-swift, child-eyed sinner!
“Where are you pulling me now, you paragon and unruly one? And now you flee from me again, you sweet scamp and ingrate!
“I dance after you, I follow you even on a faint trail. Where are you? Give me your hand! Or just one finger!
“Here are caves and thickets: we will lose our way! Stop! Stand still! Don’t you see owls and bats whirring?
“You owl! You bat! Do you want to mock me? Where are we? You learned this howling and yapping from the dogs.
“You bare your little white teeth at me so sweetly, your wicked eyes leap out at me from your curly little mane!
“This is a dance over sticks and stones: I am the hunter. Do you want to be my hound or my chamois?
“Now beside me! And quick, you spiteful jumper! Now up! And over! Ouch! Then I myself fell down in mid-jump!
“Oh, see me lying here, you cheeky one, begging for mercy! I would gladly walk with you down lovelier paths!
“—paths of love through quiet, colorful bushes! Or over there along the lake, where goldfish swim and dance!
“Are you tired now? Over there are sheep and red evening skies. Isn’t it lovely to sleep while shepherds play their pipes?
“Are you so terribly tired? I’ll carry you there, just let your arms drop! And if you’re thirsty, I might have something, but your mouth doesn’t want to drink it!
“—Oh, this cursed nimble, supple snake and slippery witch! Where did you go? But on my face I feel two dabs and red blotches from your hand!
“I am truly tired of always being your sheepish shepherd! You witch, until now I have sung to you, but now you shall scream for me!
“To the beat of my whip you shall dance and scream for me! I didn’t forget the whip, did I? No!”
2 Then Life answered me like this, holding her dainty ears shut while she did:
“Oh Zarathustra! Don’t crack your whip so terribly! You know it, after all: noise murders thoughts, and just now such tender thoughts are coming to me.
“We are, the two of us, real good-for-nothings and evil-for-nothings. Beyond good and evil we found our island and our green meadow, just the two of us alone! So we simply have to be good to each other!
“And even if we don’t love each other from the very bottom, must you hold a grudge against someone just because you don’t love them from the very bottom?
“And that I’m good to you, and often too good, you know that. And the reason is that I’m jealous of your wisdom. Ah, this mad old fool of a wisdom!
“If your wisdom ever ran away from you, ah! then my love would quickly run away from you too.”
After that, Life looked thoughtfully behind her and around her and said softly: “Oh Zarathustra, you aren’t faithful enough to me!
“You don’t love me nearly as much as you say. I know you’re thinking about how you want to leave me soon.
“There is an old, heavy, heavy droning bell. At night it drones all the way up to your cave:
“—when you hear this bell strike the hour at midnight, then between one and twelve you think of it—
“—you think of it, oh Zarathustra, I know it, that you want to leave me soon!”
“Yes,” I answered hesitantly, “but you know it too—” And I said something into her ear, right into the middle of her tangled, yellow, foolish tufts of hair.
“You know that, oh Zarathustra? Nobody knows that.”
And we looked at each other and gazed at the green meadow, across which the cool evening was just then running, and we wept together. But at that time Life was dearer to me than all my wisdom ever was.
That is what Zarathustra said.
3 One!Oh human! Pay attention!
Two!What does deep midnight say?
Three!“I slept, I slept—
Four!“I have woken from a deep dream:
Five!“The world is deep,
Six!“And deeper than the day thought.
Seven!“Deep is its woe—
Eight!“Joy, deeper still than heartache:
Nine!“Woe says: Pass away!
Ten!“But all joy wants eternity—
Eleven!“—wants deep, deep eternity!”
Twelve!
The Seven Seals.
(Or: the Yes and Amen Song.)
1 If I am a seer, and full of that prophetic spirit that walks on a high ridge between two seas,
walks between the past and the future as a heavy cloud, an enemy of sultry lowlands and of everything that is weary and can neither die nor live:
ready for lightning in its dark bosom and for the redeeming ray of light, pregnant with lightning bolts that say Yes! and laugh Yes!, prophetic bolts of lightning:
—but blessed is the one who is pregnant like that! And truly, whoever is one day to kindle the light of the future must hang a long time on the mountain as heavy weather!
Oh, how could I not burn with desire for eternity and for the wedding ring of rings, the ring of return!
Never yet did I find the woman from whom I wanted children, unless it is this woman whom I love: for I love you, oh eternity!
For I love you, oh eternity!
2 If my anger ever broke open graves, moved boundary stones, and rolled old tablets, broken, into steep depths:
If my scorn ever blew moldered words to pieces, and I came like a broom to the cross-spiders and as a sweeping wind to old, musty burial chambers:
If I ever sat rejoicing where old gods lie buried, blessing the world, loving the world, beside the monuments of old world-slanderers:
—for I love even churches and graves of God, once the sky looks with clear eyes through their broken ceilings. I like to sit on broken churches, like grass and red poppies. Oh, how could I not burn with desire for eternity and for the wedding ring of rings, the ring of return?
Never yet did I find the woman from whom I wanted children, unless it is this woman whom I love: for I love you, oh eternity!
For I love you, oh eternity!
3 If a breath ever came to me from the creative breath, and from that heavenly necessity that still forces accidents to dance star-dances:
If I ever laughed with the laughter of the creative lightning, which the long thunder of the deed follows, grumbling but obedient: If I ever played dice with gods at the gods’ table of the earth, so that the earth shook and broke and snorted up rivers of fire:
—for the earth is a gods’ table, trembling with creative new words and dice-throws of the gods:
Oh, how could I not burn with desire for eternity and for the wedding ring of rings, the ring of return?
Never yet did I find the woman from whom I wanted children, unless it is this woman whom I love: for I love you, oh eternity!
For I love you, oh eternity!
4 If I ever drank in a deep gulp from that foaming jug of spice and mixing, in which all things are well mixed:
If my hand ever poured the farthest into the nearest, and fire into spirit, and joy into sorrow, and the worst into the kindest:
If I myself am a grain of that redeeming salt which makes all things in the mixing jug mix well:
—for there is a salt that binds good with evil, and even the most evil is worthy of being used as spice and of the final foaming over:
Oh, how could I not burn with desire for eternity and for the wedding ring of rings, the ring of return?
Never yet did I find the woman from whom I wanted children, unless it is this woman whom I love: for I love you, oh eternity!
For I love you, oh eternity!
5 If I am fond of the sea and of everything that is sea-like, and fondest of all when it angrily contradicts me:
If that searching joy is in me, which drives the sails toward the undiscovered, if a seafarer’s joy is in my joy:
If my rejoicing ever cried: “The coast has vanished, now the last chain has fallen from me—
“—the boundless roars around me, far out space and time glitter for me, come on! up! old heart!”
Oh, how could I not burn with desire for eternity and for the wedding ring of rings, the ring of return?
Never yet did I find the woman from whom I wanted children, unless it is this woman whom I love: for I love you, oh eternity!
For I love you, oh eternity!
6 If my virtue is a dancer’s virtue, and I have often leapt with both feet into gold-and-emerald rapture: If my malice is a laughing malice, at home among slopes of roses and hedges of lilies:
—for in laughter all evil is together, but declared holy and set free by its own bliss:
And if this is my alpha and omega, that everything heavy become light, every body a dancer, every spirit a bird: and truly, this is my alpha and omega!
Oh, how could I not burn with desire for eternity and for the wedding ring of rings, the ring of return!
Never yet did I find the woman from whom I wanted children, unless it is this woman whom I love: for I love you, oh eternity!
For I love you, oh eternity!
7 If I ever spread quiet skies out above me and flew with my own wings into my own skies:
If, playing, I swam in deep distances of light, and the bird-wisdom of my freedom came:
—but this is what bird-wisdom says: “Look, there is no above, no below! Throw yourself around, out, back, you light one! Sing! Speak no more!
—“Aren’t all words made for the heavy? Don’t all words lie to the light one! Sing! Speak no more!”
Oh, how could I not burn with desire for eternity and for the wedding ring of rings, the ring of return?
Never yet did I find the woman from whom I wanted children, unless it is this woman whom I love: for I love you, oh eternity!
For I love you, oh eternity!
Part 4
Vierter und letzter Theil
Ach, wo in der Welt geschahen grössere Thorheiten, als bei den Mitleidigen? Und was in der Welt stiftete mehr Leid, als die Thorheiten der Mitleidigen?
Wehe allen Liebenden, die nicht noch eine Höhe haben, welche über ihrem Mitleiden ist!
Also sprach der Teufel einst zu mir: „auch Gott hat seine Hölle: das ist seine Liebe zu den Menschen.“
Und jüngst hörte ich ihn diess Wort sagen: „Gott ist todt; an seinem Mitleiden mit den Menschen ist Gott gestorben.“
Also sprach Zarathustra 2 p. 12.
Das Honig-Opfer.
— Und wieder liefen Monde und Jahre über Zarathustra's Seele, und er achtete dessen nicht; sein Haar aber wurde weiss. Eines Tages, als er auf einem Steine vor seiner Höhle sass und still hinausschaute, — man schaut aber dort auf das Meer hinaus, und hinweg über gewundene Abgründe —, da giengen seine Thiere nachdenklich um ihn herum und stellten sich endlich vor ihn hin.
„Oh Zarathustra, sagten sie, schaust du wohl aus nach deinem Glücke?“ — „Was liegt am Glücke! antwortete er, ich trachte lange nicht mehr nach Glücke, ich trachte nach meinem Werke.“ — „Oh Zarathustra, redeten die Thiere abermals, Das sagst du als Einer, der des Guten übergenug hat. Liegst du nicht in einem himmelblauen See von Glück?“ — „Ihr Schalks-Narren, antwortete Zarathustra und lächelte, wie gut wähltet ihr das Gleichniss! Aber ihr wisst auch, dass mein Glück schwer ist und nicht wie eine flüssige Wasserwelle: es drängt mich und will nicht von mir und thut gleich geschmolzenem Peche.“ —
Da giengen die Thiere wieder nachdenklich um ihn herum und stellten sich dann abermals vor ihn hin. „Oh Zarathustra, sagten sie, daher also kommt es, dass du selber immer gelber und dunkler wirst, obschon dein Haar weiss und flächsern aussehen will? Siehe doch, du sitzest in deinem Peche!“ — „Was sagt ihr da, meine Thiere, sagte Zarathustra und lachte dazu, wahrlich, ich lästerte als ich von Peche sprach. Wie mir geschieht, so geht es allen Früchten, die reif werden. Es ist der Honig in meinen Adern, der mein Blut dicker und auch meine Seele stiller macht.“ — „So wird es sein, oh Zarathustra, antworteten die Thiere und drängten sich an ihn; willst du aber nicht heute auf einen hohen Berg steigen? Die Luft ist rein, und man sieht heute mehr von der Welt als jemals.“ — „Ja, meine Thiere, antwortete er, ihr rathet trefflich und mir nach dem Herzen: ich will heute auf einen hohen Berg steigen! Aber sorgt, dass dort Honig mir zur Hand sei, gelber, weisser, guter, eisfrischer Waben-Goldhonig. Denn wisset, ich will droben das Honig-Opfer bringen.“ —
Als Zarathustra aber oben auf der Höhe war, sandte er die Thiere heim, die ihn geleitet hatten, und fand, dass er nunmehr allein sei: — da lachte er aus ganzem Herzen, sah sich um und sprach also:
Dass ich von Opfern sprach und Honig-Opfern, eine List war's nur meiner Rede und, wahrlich, eine nützliche Thorheit! Hier oben darf ich schon freier reden, als vor Einsiedler-Höhlen und Einsiedler-Hausthieren.
Was opfern! Ich verschwende, was mir geschenkt wird, ich Verschwender mit tausend Händen: wie dürfte ich Das noch — Opfern heissen!
Und als ich nach Honig begehrte, begehrte ich nur nach Köder und süssem Seime und Schleime, nach dem auch Brummbären und wunderliche mürrische böse Vögel die Zunge lecken:
— nach dem besten Köder, wie er Jägern und Fischfängern noththut. Denn wenn die Welt wie ein dunkler Thierwald ist und aller wilden Jäger Lustgarten, so dünkt sie mich noch mehr und lieber ein abgründliches reiches Meer,
— ein Meer voll bunter Fische und Krebse, nach dem es auch Götter gelüsten möchte, dass sie an ihm zu Fischern würden und zu Netz-Auswerfern: so reich ist die Welt an Wunderlichem, grossem und kleinem!
Sonderlich die Menschen-Welt, das Menschen-Meer: — nach dem werfe ich nun meine goldene Angelruthe aus und spreche: thue dich auf, du Menschen-Abgrund!
Thue dich auf und wirf mir deine Fische und Glitzer-Krebse zu! Mit meinem besten Köder ködere ich mir heute die wunderlichsten Menschen-Fische!
— mein Glück selber werfe ich hinaus in alle Weiten und Fernen, zwischen Aufgang, Mittag und Niedergang, ob nicht an meinem Glücke viele Menschen-Fische zerrn und zappeln lernen.
Bis sie, anbeissend an meine spitzen verborgenen Haken, hinauf müssen in meine Höhe, die buntesten Abgrund-Gründlinge zu dem boshaftigsten aller Menschen-Fischfänger.
Der nämlich bin ich von Grund und Anbeginn, ziehend, heranziehend, hinaufziehend, aufziehend, ein Zieher, Züchter und Zuchtmeister, der sich nicht umsonst einstmals zusprach: „Werde, der du bist!“
Also mögen nunmehr die Menschen zu mir hinauf kommen: denn noch warte ich der Zeichen, dass es Zeit sei zu meinem Niedergange; noch gehe ich selber nicht unter, wie ich muss, unter Menschen.
Dazu warte ich hier, listig und spöttisch auf hohen Bergen, kein Ungeduldiger, kein Geduldiger, vielmehr Einer, der auch die Geduld verlernt hat, — weil er nicht mehr „duldet.“
Mein Schicksal nämlich lässt mir Zeit: es vergass mich wohl? Oder sitzt es hinter einem grossen Steine im Schatten und fängt Fliegen?
Und wahrlich, ich bin ihm gut darob, meinem ewigen Schicksale, dass es mich nicht hetzt und drängt und mir Zeit zu Possen lässt und Bosheiten: also dass ich heute zu einem Fischfange auf diesen hohen Berg stieg.
Fieng wohl je ein Mensch auf hohen Bergen Fische? Und wenn es auch eine Thorheit ist, was ich hier oben will und treibe: besser noch Diess, als dass ich da unten feierlich würde vor Warten und grün und gelb —
— ein gespreitzter Zornschnauber vor Warten, ein heiliger Heule-Sturm aus Bergen, ein Ungeduldiger, der in die Thäler hinab ruft: „Hört, oder ich peitsche euch mit der Geissel Gottes!“
Nicht dass ich solchen Zürnern darob gram würde: zum Lachen sind sie mir gut genung! Ungeduldig müssen sie schon sein, diese grossen Lärmtrommeln, welche heute oder niemals zu Worte kommen!
Ich aber und mein Schicksal — wir reden nicht zum Heute, wir reden auch nicht zum Niemals: wir haben zum Reden schon Geduld und Zeit und Überzeit. Denn einst muss er doch kommen und darf nicht vorübergehn.
Wer muss einst kommen und darf nicht vorübergehn? Unser grosser Hazar, das ist unser grosses fernes Menschen-Reich, das Zarathustra-Reich von tausend Jahren — —
Wie ferne mag solches „Ferne“ sein? was geht's mich an! Aber darum steht es mir doch nicht minder fest —, mit beiden Füssen stehe ich sicher auf diesem Grunde,
— auf einem ewigen Grunde, auf hartem Urgesteine, auf diesem höchsten härtesten Urgebirge, zu dem alle Winde kommen als zur Wetterscheide, fragend nach Wo? und Woher? und Wohinaus?
Hier lache, lache, meine helle heile Bosheit! Von hohen Bergen wirf hinab dein glitzerndes Spott-Gelächter! Ködere mit deinem Glitzern mir die schönsten Menschen-Fische!
Und was in allen Meeren mir zugehört, mein An-und-für-mich in allen Dingen — Das fische mir heraus, Das führe zu mir herauf: dess warte ich, der boshaftigste aller Fischfänger.
Hinaus, hinaus, meine Angel! Hinein, hinab, Köder meines Glücks! Träufle deinen süssesten Thau, mein Herzens-Honig! Beisse, meine Angel, in den Bauch aller schwarzen Trübsal!
Hinaus, hinaus, mein Auge! Oh welche vielen Meere rings um mich, welch' dämmernde Menschen-Zukünfte! Und über mir — welch rosenrothe Stille! Welch entwölktes Schweigen!
Der Nothschrei.
Des nächsten Tages sass Zarathustra wieder auf seinem Steine vor der Höhle, während die Thiere draussen in der Welt herumschweiften, dass sie neue Nahrung heimbrächten, — auch neuen Honig: denn Zarathustra hatte den alten Honig bis auf das letzte Korn verthan und verschwendet. Als er aber dermaassen dasass, mit einem Stecken in der Hand, und den Schatten seiner Gestalt auf der Erde abzeichnete, nachdenkend, und wahrlich! nicht über sich und seinen Schatten — da erschrak er mit Einem Male und fuhr zusammen: denn er sahe neben seinem Schatten noch einen andern Schatten. Und wie er schnell um sich blickte und aufstand, siehe, da stand der Wahrsager neben ihm, der selbe, den er einstmals an seinem Tische gespeist und getränkt hatte, der Verkündiger der grossen Müdigkeit, welcher lehrte: „Alles ist gleich, es lohnt sich Nichts, Welt ist ohne Sinn, Wissen würgt.“ Aber sein Antlitz hatte sich inzwischen verwandelt; und als ihm Zarathustra in die Augen blickte, wurde sein Herz abermals erschreckt: so viel schlimme Verkündigungen und aschgraue Blitze liefen über diess Gesicht.
Der Wahrsager, der es wahrgenommen, was sich in Zarathustra's Seele zutrug, wischte mit der Hand über sein Antlitz hin, wie als ob er dasselbe wegwischen wollte; desgleichen that auch Zarathustra. Und als Beide dergestalt sich schweigend gefasst und gekräftigt hatten, gaben sie sich die Hände, zum Zeichen, dass sie sich wiedererkennen wollten.
„Sei mir willkommen, sagte Zarathustra, du Wahrsager der grossen Müdigkeit, du sollst nicht umsonst einstmals mein Tisch- und Gastfreund gewesen sein. Iss und trink auch heute bei mir und vergieb es, dass ein vergnügter alter Mann mit dir zu Tische sitzt!“ — „Ein vergnügter alter Mann? antwortete der Wahrsager, den Kopf schüttelnd: wer du aber auch bist oder sein willst, oh Zarathustra, du bist es zum Längsten hier Oben gewesen, — dein Nachen soll über Kurzem nicht mehr im Trocknen sitzen!“ — „Sitze ich denn im Trocknen?“ fragte Zarathustra lachend. — „Die Wellen um deinen Berg, antwortete der Wahrsager, steigen und steigen, die Wellen grosser Noth und Trübsal: die werden bald auch deinen Nachen heben und dich davontragen.“ — Zarathustra schwieg hierauf und wunderte sich. — „Hörst du noch Nichts? fuhr der Wahrsager fort: rauscht und braust es nicht herauf aus der Tiefe?“ — Zarathustra schwieg abermals und horchte: da hörte er einen langen, langen Schrei, welchen die Abgründe sich zuwarfen und weitergaben, denn keiner wollte ihn behalten: so böse klang er.
„Du schlimmer Verkündiger, sprach endlich Zarathustra, das ist ein Nothschrei und der Schrei eines Menschen; der mag wohl aus einem schwarzen Meere kommen. Aber was geht mich Menschen-Noth an! Meine letzte Sünde, die mir aufgespart blieb, — weisst du wohl, wie sie heisst?“
— „Mitleiden!“ antwortete der Wahrsager aus einem überströmenden Herzen und hob beide Hände empor — „oh Zarathustra, ich komme, dass ich dich zu deiner letzten Sünde verführe!“ —
Und kaum waren diese Worte gesprochen, da erscholl der Schrei abermals, und länger und ängstlicher als vorher, auch schon viel näher. „Hörst du? Hörst du, oh Zarathustra? rief der Wahrsager, dir gilt der Schrei, dich ruft er: komm, komm, komm, es ist Zeit, es ist höchste Zeit!“ —
Zarathustra schwieg hierauf, verwirrt und erschüttert; endlich fragte er, wie Einer, der bei sich selber zögert: „Und wer ist das, der dort mich ruft?“
„Aber du weisst es ja, antwortete der Wahrsager heftig, was verbirgst du dich? Der höhere Mensch ist es, der nach dir schreit!“
„Der höhere Mensch? schrie Zarathustra von Grausen erfasst: was will der? Was will der? Der höhere Mensch! Was will der hier?“ — und seine Haut bedeckte sich mit Schweiss.
Der Wahrsager aber antwortete nicht auf die Angst Zarathustra's, sondern horchte und horchte nach der Tiefe zu. Als es jedoch lange Zeit dort stille blieb, wandte er seinen Blick zurück und sahe Zarathustra stehn und zittern.
„Oh Zarathustra, hob er mit trauriger Stimme an, du stehst nicht da wie Einer, den sein Glück drehend macht: du wirst tanzen müssen, dass du mir nicht umfällst!
Aber wenn du auch vor mir tanzen wolltest und alle deine Seitensprünge springen: Niemand soll mir doch sagen dürfen: „Siehe, hier tanzt der letzte frohe Mensch!“
Umsonst käme Einer auf diese Höhe, der den hier suchte: Höhlen fände er wohl und Hinter-Höhlen, Verstecke für Versteckte, aber nicht Glücks-Schachte und Schatzkammern und neue Glücks-Goldadern.
Glück — wie fände man wohl das Glück bei solchen Vergrabenen und Einsiedlern! Muss ich das letzte Glück noch auf glückseligen Inseln suchen und ferne zwischen vergessenen Meeren?
Aber Alles ist gleich, es lohnt sich Nichts, es hilft kein Suchen, es giebt auch keine glückseligen Inseln mehr!“ — —
Also seufzte der Wahrsager; bei seinem letzten Seufzer aber wurde Zarathustra wieder hell und sicher, gleich Einem, der aus einem tiefen Schlunde an's Licht kommt. „Nein! Nein! Drei Mal Nein! rief er mit starker Stimme und strich sich den Bart — Das weiss ich besser! Es giebt noch glückselige Inseln! Stille davon, du seufzender Trauersack!
Höre davon auf zu plätschern, du Regenwolke am Vormittag! Stehe ich denn nicht schon da, nass von deiner Trübsal und begossen wie ein Hund?
Nun schüttle ich mich und laufe dir davon, dass ich wieder trocken werde: dess darfst du nicht Wunder haben! Dünke ich dir unhöflich? Aber hier ist mein Hof.
Was aber deinen höheren Menschen angeht: wohlan! ich suche ihn flugs in jenen Wäldern: daher kam sein Schrei. Vielleicht bedrängt ihn da ein böses Thier.
Er ist in meinem Bereiche: darin soll er mir nicht zu Schaden kommen! Und wahrlich, es giebt viele böse Thiere bei mir.“ —
Mit diesen Worten wandte sich Zarathustra zum Gehen. Da sprach der Wahrsager: „Oh Zarathustra, du bist ein Schelm!
Ich weiss es schon: du willst mich los sein! Lieber noch läufst du in die Wälder und stellst bösen Thieren nach!
Aber was hilft es dir? Des Abends wirst du doch mich wiederhaben; in deiner eignen Höhle werde ich dasitzen, geduldig und schwer wie ein Klotz — und auf dich warten!“
„So sei's! rief Zarathustra zurück im Fortgehn: und was mein ist in meiner Höhle, gehört auch dir, meinem Gastfreunde!
Solltest du aber drin noch Honig finden, wohlan! so lecke ihn nur auf, du Brummbär, und versüsse deine Seele! Am Abende nämlich wollen wir Beide guter Dinge sein,
— guter Dinge und froh darob, dass dieser Tag zu Ende gieng! Und du selber sollst zu meinen Liedern als mein Tanzbär tanzen.
Du glaubst nicht daran? Du schüttelst den Kopf? Wohlan! Wohlauf! Alter Bär! Aber auch ich — bin ein Wahrsager.“
Also sprach Zarathustra.
Gespräch mit den Königen.
1 Zarathustra war noch keine Stunde in seinen Bergen und Wäldern unterwegs, da sahe er mit Einem Male einen seltsamen Aufzug. Gerade auf dem Wege, den er hinabwollte, kamen zwei Könige gegangen, mit Kronen und Purpurgürteln geschmückt und bunt wie Flamingo-Vögel: die trieben einen beladenen Esel vor sich her. „Was wollen diese Könige in meinem Reiche?“ sprach Zarathustra erstaunt zu seinem Herzen und versteckte sich geschwind hinter einem Busche. Als aber die Könige bis zu ihm herankamen, sagte er, halblaut, wie Einer, der zu sich allein redet: „Seltsam! Seltsam! Wie reimt sich Das zusammen? Zwei Könige sehe ich — und nur Einen Esel!“
Da machten die beiden Könige Halt, lächelten, sahen nach der Stelle hin, woher die Stimme kam und sahen sich nachher selber in's Gesicht. „Solcherlei denkt man wohl auch unter uns, sagte der König zur Rechten, aber man spricht es nicht aus.“
Der König zur Linken aber zuckte mit den Achseln und antwortete: „Das mag wohl ein Ziegenhirt sein. Oder ein Einsiedler, der zu lange unter Felsen und Bäumen lebte. Gar keine Gesellschaft nämlich verdirbt auch die guten Sitten.“
„Die guten Sitten? entgegnete unwillig und bitter der andre König: wem laufen wir denn aus dem Wege? Ist es nicht den „guten Sitten“? Unsrer „guten Gesellschaft“?
Lieber, wahrlich, unter Einsiedlern und Ziegenhirten als mit unserm vergoldeten falschen überschminkten Pöbel leben, — ob er sich schon „gute Gesellschaft“ heisst,
— ob er sich schon „Adel“ heisst. Aber da ist Alles falsch und faul, voran das Blut, Dank alten schlechten Krankheiten und schlechteren Heil-Künstlern.
Der Beste und Liebste ist mir heute noch ein gesunder Bauer, grob, listig, hartnäckig, langhaltig: das ist heute die vornehmste Art.
Der Bauer ist heute der beste; und Bauern-Art sollte Herr sein! Aber es ist das Reich des Pöbels, — ich lasse mir Nichts mehr vormachen. Pöbel aber, das heisst: Mischmasch.
Pöbel-Mischmasch: darin ist Alles in Allem durcheinander, Heiliger und Hallunke und Junker und Jude und jeglich Vieh aus der Arche Noäh.
Gute Sitten! Alles ist bei uns falsch und faul. Niemand weiss mehr zu verehren: dem gerade laufen wir davon. Es sind süssliche zudringliche Hunde, sie vergolden Palmenblätter.
Dieser Ekel würgt mich, dass wir Könige selber falsch wurden, überhängt und verkleidet durch alten vergilbten Grossväter-Prunk, Schaumünzen für die Dümmsten und die Schlauesten und wer heute Alles mit der Macht Schacher treibt!
Wir sind nicht die Ersten — und müssen es doch bedeuten: dieser Betrügerei sind wir endlich satt und ekel geworden.
Dem Gesindel giengen wir aus dem Wege, allen diesen Schreihälsen und Schreib-Schmeissfliegen, dem Krämer-Gestank, dem Ehrgeiz-Gezappel, dem üblen Athem —: pfui, unter dem Gesindel leben,
— pfui, unter dem Gesindel die Ersten zu bedeuten! Ach, Ekel! Ekel! Ekel! Was liegt noch an uns Königen!“ —
„Deine alte Krankheit fällt dich an, sagte hier der König zur Linken, der Ekel fällt dich an, mein armer Bruder. Aber du weisst es doch, es hört uns Einer zu.“
Sofort erhob sich Zarathustra, der zu diesen Reden Ohren und Augen aufgesperrt hatte, aus seinem Schlupfwinkel, trat auf die Könige zu und begann:
„Der Euch zuhört, der Euch gerne zuhört, ihr Könige, der heisst Zarathustra.
Ich bin Zarathustra, der einst sprach: „Was liegt noch an Königen!“ Vergebt mir, ich freute mich, als Ihr zu einander sagtet: „Was liegt an uns Königen!“
Hier aber ist mein Reich und meine Herrschaft: was mögt Ihr wohl in meinem Reiche suchen? Vielleicht aber fandet Ihr unterwegs, was ich suche: nämlich den höheren Menschen.“
Als Diess die Könige hörten, schlugen sie sich an die Brust und sprachen mit Einem Munde: „Wir sind erkannt!
Mit dem Schwerte dieses Wortes zerhaust du unsres Herzens dickste Finsterniss. Du entdecktest unsre Noth, denn siehe! Wir sind unterwegs, dass wir den höheren Menschen fänden —
— den Menschen, der höher ist als wir: ob wir gleich Könige sind. Ihm führen wir diesen Esel zu. Der höchste Mensch nämlich soll auf Erden auch der höchste Herr sein.
Es giebt kein härteres Unglück in allem Menschen-Schicksale, als wenn die Mächtigen der Erde nicht auch die ersten Menschen sind. Da wird Alles falsch und schief und ungeheuer.
Und wenn sie gar die letzten sind und mehr Vieh als Mensch: da steigt und steigt der Pöbel im Preise, und endlich spricht gar die Pöbel-Tugend: „siehe, ich allein bin Tugend!“ —
Was hörte ich eben? antwortete Zarathustra; welche Weisheit bei Königen! Ich bin entzückt, und, wahrlich, schon gelüstet's mich, einen Reim darauf zu machen: —
— mag es auch ein Reim werden, der nicht für Jedermanns Ohren taugt. Ich verlernte seit langem schon die Rücksicht auf lange Ohren. Wohlan! Wohlauf!
(Hier aber geschah es, dass auch der Esel zu Worte kam: er sagte aber deutlich und mit bösem Willen I-A.)
Einstmals — ich glaub', im Jahr des Heiles Eins —Sprach die Sibylle, trunken sonder Weins:„Weh, nun geht's schief!„Verfall! Verfall! Nie sank die Welt so tief!„Rom sank zur Hure und zur Huren-Bude,„Rom's Caesar sank zum Vieh, Gott selbst — ward Jude!“
2 An diesen Reimen Zarathustra's weideten sich die Könige; der König zur Rechten aber sprach: „oh Zarathustra, wie gut thaten wir, dass wir auszogen, dich zu sehn!
Deine Feinde nämlich zeigten uns dein Bild in ihrem Spiegel: da blicktest du mit der Fratze eines Teufels und hohnlachend: also dass wir uns vor dir fürchteten.
Aber was half's! Immer wieder stachst du uns in Ohr und Herz mit deinen Sprüchen. Da sprachen wir endlich: was liegt daran, wie er aussieht!
Wir müssen ihn hören, ihn, der lehrt „ihr sollt den Frieden lieben als Mittel zu neuen Kriegen, und den kurzen Frieden mehr als den langen!“
Niemand sprach je so kriegerische Worte: „Was ist gut? Tapfer sein ist gut. Der gute Krieg ist's, der jede Sache heiligt.“
Oh Zarathustra, unsrer Väter Blut rührte sich bei solchen Worten in unserm Leibe: das war wie die Rede des Frühlings zu alten Weinfässern.
Wenn die Schwerter durcheinander liefen gleich rothgefleckten Schlangen, da wurden unsre Väter dem Leben gut; alles Friedens Sonne dünkte sie flau und lau, der lange Frieden aber machte Scham.
Wie sie seufzten, unsre Väter, wenn sie an der Wand blitzblanke ausgedorrte Schwerter sahen! Denen gleich dürsteten sie nach Krieg. Ein Schwert nämlich will Blut trinken und funkelt vor Begierde.“ — —
— Als die Könige dergestalt mit Eifer von dem Glück ihrer Väter redeten und schwätzten, überkam Zarathustra keine kleine Lust, ihres Eifers zu spotten: denn ersichtlich waren es sehr friedfertige Könige, welche er vor sich sah, solche mit alten und feinen Gesichtern. Aber er bezwang sich. „Wohlan! sprach er, dorthin führt der Weg, da liegt die Höhle Zarathustra's; und dieser Tag soll einen langen Abend haben! Jetzt aber ruft mich eilig ein Nothschrei fort von Euch.
Es ehrt meine Höhle, wenn Könige in ihr sitzen und warten wollen: aber, freilich, Ihr werdet lange warten müssen!
Je nun! Was thut's! Wo lernt man heute besser warten als an Höfen? Und der Könige ganze Tugend, die ihnen übrig blieb, — heisst sie heute nicht: Warten-können?“
Also sprach Zarathustra.
Der Blutegel.
Und Zarathustra gieng nachdenklich weiter und tiefer, durch Wälder und vorbei an moorigen Gründen; wie es aber Jedem ergeht, der über schwere Dinge nachdenkt, so trat er unversehens dabei auf einen Menschen. Und siehe, da sprützten ihm mit Einem Male ein Weheschrei und zwei Flüche und zwanzig schlimme Schimpfworte in's Gesicht: also dass er in seinem Schrecken den Stock erhob und auch auf den Getretenen noch zuschlug. Gleich darauf aber kam ihm die Besinnung; und sein Herz lachte über die Thorheit, die er eben gethan hatte.
„Vergieb, sagte er zu dem Getretenen, der sich grimmig erhoben und gesetzt hatte, vergieb und vernimm vor Allem erst ein Gleichniss.
Wie ein Wanderer, der von fernen Dingen träumt, unversehens auf einsamer Strasse einen schlafenden Hund anstösst, einen Hund, der in der Sonne liegt:
— wie da Beide auffahren, sich anfahren, Todfeinden gleich, diese zwei zu Tod Erschrockenen: also ergieng es uns.
Und doch! Und doch — wie Wenig hat gefehlt, dass sie einander liebkosten, dieser Hund und dieser Einsame! Sind sie doch Beide — Einsame!
— „Wer du auch sein magst, sagte immer noch grimmig der Getretene, du trittst mir auch mit deinem Gleichniss zu nahe, und nicht nur mit deinem Fusse!
Siehe doch, bin ich denn ein Hund?“ — und dabei erhob sich der Sitzende und zog seinen nackten Arm aus dem Sumpfe. Zuerst nämlich hatte er ausgestreckt am Boden gelegen, verborgen und unkenntlich gleich Solchen, die einem Sumpf-Wilde auflauern.
„Aber was treibst du doch!“ rief Zarathustra erschreckt, denn sahe, dass über den nackten Arm weg viel Blut floss, — „was ist dir zugestossen? Biss dich, du Unseliger, ein schlimmes Thier?“
Der Blutende lachte, immer noch erzürnt. „Was geht's dich an! sagte er und wollte weitergehn. Hier bin ich heim und in meinem Bereiche. Mag mich fragen, wer da will: einem Tölpel aber werde ich schwerlich antworten.“
„Du irrst, sagte Zarathustra mitleidig und hielt ihn fest, du irrst: hier bist du nicht bei dir, sondern in meinem Reiche, und darin soll mir Keiner zu Schaden kommen.
Nenne mich aber immerhin, wie du willst, — ich bin, der ich sein muss. Ich selber heisse mich Zarathustra.
Wohlan! Dort hinauf geht der Weg zu Zarathustra's Höhle: die ist nicht fern, — willst du nicht bei mir deiner Wunden warten?
Es gieng dir schlimm, du Unseliger, in diesem Leben: erst biss dich das Thier, und dann — trat dich der Mensch!“ — —
Als aber der Getretene den Namen Zarathustra's hörte, verwandelte er sich. „Was geschieht mir doch! rief er aus, wer kümmert mich denn noch in diesem Leben, als dieser Eine Mensch, nämlich Zarathustra, und jenes Eine Thier, das vom Blute lebt, der Blutegel?
Des Blutegels halber lag ich hier an diesem Sumpfe wie ein Fischer, und schon war mein ausgehängter Arm zehn Mal angebissen, da beisst noch ein schönerer Igel nach meinem Blute, Zarathustra selber!
Oh Glück! Oh Wunder! Gelobt sei dieser Tag, der mich in diesen Sumpf lockte! Gelobt sei der beste lebendigste Schröpfkopf, der heut lebt, gelobt sei der grosse Gewissens-Blutegel Zarathustra!“ —
Also sprach der Getretene; und Zarathustra freute sich über seine Worte und ihre feine ehrfürchtige Art. „Wer bist du? fragte er und reichte ihm die Hand, zwischen uns bleibt Viel aufzuklären und aufzuheitern: aber schon, dünkt mich, wird es reiner heller Tag.“
„Ich bin der Gewissenhafte des Geistes, antwortete der Gefragte, und in Dingen des Geistes nimmt es nicht leicht Einer strenger, enger und härter als ich, ausgenommen Der, von dem ich's lernte, Zarathustra selber.
Lieber Nichts wissen, als Vieles halb wissen! Lieber ein Narr sein auf eigne Faust, als ein Weiser nach fremdem Gutdünken! Ich — gehe auf den Grund:
— was liegt daran, ob er gross oder klein ist? Ob er Sumpf oder Himmel heisst? Eine Hand breit Grund ist mir genung: wenn er nur wirklich Grund und Boden ist!
— eine Hand breit Grund: darauf kann man stehn. In der rechten Wissen-Gewissenschaft giebt es nichts Grosses und nichts Kleines.“
„So bist du vielleicht der Erkenner des Blutegels? fragte Zarathustra; und du gehst dem Blutegel nach bis auf die letzten Gründe, du Gewissenhafter?“
„Oh Zarathustra, antwortete der Getretene, das wäre ein Ungeheures, wie dürfte ich mich dessen unterfangen!
Wess ich aber Meister und Kenner bin, das ist des Blutegels Hirn: — das ist meine Welt!
Und es ist auch eine Welt! Vergieb aber, dass hier mein Stolz zu Worte kommt, denn ich habe hier nicht meines Gleichen. Darum sprach ich „hier bin ich heim.“
Wie lange gehe ich schon diesem Einen nach, dem Hirn des Blutegels, dass die schlüpfrige Wahrheit mir hier nicht mehr entschlüpfe! Hier ist mein Reich!
— darob warf ich alles Andere fort, darob wurde mir alles Andre gleich; und dicht neben meinem Wissen lagert mein schwarzes Unwissen.
Mein Gewissen des Geistes will es so von mir, dass ich Eins weiss und sonst Alles nicht weiss: es ekelt mich aller Halben des Geistes, aller Dunstigen, Schwebenden, Schwärmerischen.
Wo meine Redlichkeit aufhört, bin ich blind und will auch blind sein. Wo ich aber wissen will, will ich auch redlich sein, nämlich hart, streng, eng, grausam, unerbittlich.
Dass du einst sprachst, oh Zarathustra: „Geist ist das Leben, das selber in's Leben schneidet“, das führte und verführte mich zu deiner Lehre. Und, wahrlich, mit eignem Blute mehrte ich mir das eigne Wissen!“
— „Wie der Augenschein lehrt,“ fiel Zarathustra ein; denn immer noch floss das Blut an dem nackten Arme des Gewissenhaften herab. Es hatten nämlich zehn Blutegel sich in denselben eingebissen.
„Oh du wunderlicher Gesell, wie Viel lehrt mich dieser Augenschein da, nämlich du selber! Und nicht Alles dürfte ich vielleicht in deine strengen Ohren giessen!
Wohlan! So scheiden wir hier! Doch möchte ich gerne dich wiederfinden. Dort hinauf führt der Weg zu meiner Höhle: heute Nacht sollst du dort mein lieber Gast sein!
Gerne möchte ich's auch an deinem Leibe wieder gut machen, dass Zarathustra dich mit Füssen trat: darüber denke ich nach. Jetzt aber ruft mich ein Nothschrei eilig fort von dir.“
Also sprach Zarathustra.
Der Zauberer.
1 Als aber Zarathustra um einen Felsen herumbog, da sahe er, nicht weit unter sich, auf dem gleichen Wege, einen Menschen, der die Glieder warf wie ein Tobsüchtiger und endlich bäuchlings zur Erde niederstürzte. „Halt! sprach da Zarathustra zu seinem Herzen, Der dort muss wohl der höhere Mensch sein, von ihm kam jener schlimme Nothschrei, — ich will sehn, ob da zu helfen ist.“ Als er aber hinzulief, an die Stelle, wo der Mensch auf dem Boden lag, fand er einen zitternden alten Mann mit stieren Augen; und wie sehr sich Zarathustra mühte, dass er ihn aufrichte und wieder auf seine Beine stelle, es war umsonst. Auch schien der Unglückliche nicht zu merken, dass Jemand um ihn sei; vielmehr sah er sich immer mit rührenden Gebärden um, wie ein von aller Welt Verlassener und Vereinsamter. Zuletzt aber, nach vielem Zittern, Zucken und Sich-zusammen-Krümmen, begann er also zu jammern:
Wer wärmt mich, wer liebt mich noch?Gebt heisse Hände!gebt Herzens-Kohlenbecken!Hingestreckt, schaudernd,Halbtodtem gleich, dem man die Füsse wärmt —geschüttelt, ach! von unbekannten Fiebern,zitternd vor spitzen eisigen Frost-Pfeilen,von dir gejagt, Gedanke!Unnennbarer! Verhüllter! Entsetzlicher!du Jäger hinter Wolken!darniedergeblitzt von dir,du höhnisch Auge, das mich aus Dunklem anblickt:— so liege ich,biege mich, winde mich, gequältvon allen ewigen Martern,getroffenvon dir, grausamster Jäger,du unbekannter — Gott...
Triff tiefer!Triff Ein Mal noch!Zerstich, zerbrich diess Herz!Was soll diess Marternmit zähnestumpfen Pfeilen?Was blickst du wieder,der Menschen-Qual nicht müde,mit schadenfrohen Götter-Blitz-Augen?Nicht tödten willst du,nur martern, martern?Wozu — mich martern,du schadenfroher unbekannter Gott? —
Haha!Du schleichst heranbei solcher Mitternacht?...Was willst du?Sprich!Du drängst mich, drückst mich —Ha! schon viel zu nahe!Du hörst mich athmen,du behorchst mein Herz,du Eifersüchtiger!— worauf doch eifersüchtig?Weg! Weg!Wozu die Leiter?Willst du hinein,in's Herz, einsteigen,in meine heimlichstenGedanken einsteigen?Schamloser! Unbekannter! — Dieb!Was willst du dir erstehlen?Was willst du dir erhorchen?Was willst du dir erfoltern,du Folterer!du — Henker-Gott!Oder soll ich, dem Hunde gleich,vor dir mich wälzen?hingebend, begeistert-ausser-mir,dir Liebe — zuwedeln!
Umsonst!Stich weiter!grausamster Stachel!Kein Hund — dein Wild nur bin ich,grausamster Jäger!dein stolzester Gefangner,du Räuber hinter Wolken...Sprich endlich,du Blitz-Verhüllter! Unbekannter! sprich!Was willst du, Wegelagerer, von — mir?...
Wie?Lösegeld?Was willst du Lösegelds?Verlange Viel — das räth mein Stolz!und rede kurz — das räth mein andrer Stolz!
Haha!Mich — willst du? mich?mich — ganz?...
Haha!Und marterst mich, Narr, der du bist,zermarterst meinen Stolz?Gieb Liebe mir — wer wärmt mich noch?wer liebt mich noch? —gieb heisse Hände,gieb Herzens-Kohlenbecken,gieb mir, dem Einsamsten,den Eis, ach! siebenfaches Eisnach Feinden selber,nach Feinden schmachten lehrt,gieb, ja ergieb,grausamster Feind,mir — dich! — —
Davon!Da floh er selber,mein einziger Genoss,mein grosser Feind,mein Unbekannter,mein Henker-Gott!...
— Nein!Komm zurück!mit allen deinen Martern!All meine Thränen laufenzu dir den Lauf!Und meine letzte Herzensflamme —dir glüht sie auf!Oh komm zurück,mein unbekannter Gott! mein Schmerz!mein letztes Glück!
2 — Hier aber konnte sich Zarathustra nicht länger halten, nahm seinen Stock und schlug mit allen Kräften auf den Jammernden los. „Halt ein! schrie er ihm zu, mit ingrimmigem Lachen, halt ein, du Schauspieler! Du Falschmünzer! Du Lügner aus dem Grunde! Ich erkenne dich wohl!
Ich will dir schon warme Beine machen, du schlimmer Zauberer, ich verstehe mich gut darauf, Solchen wie du bist — einzuheizen!“
— „Lass ab, sagte der alte Mann und sprang vom Boden auf, schlage nicht mehr, oh Zarathustra! Ich trieb's also nur zum Spiele!
Solcherlei gehört zu meiner Kunst; dich selber wollte ich auf die Probe stellen, als ich dir diese Probe gab! Und, wahrlich, du hast mich gut durchschaut!
Aber auch du — gabst mir von dir keine kleine Probe, du bist hart, du weiser Zarathustra! Hart schlägst du zu mit deinen „Wahrheiten“, dein Knüttel erzwingt von mir — diese Wahrheit!“
— „Schmeichle nicht, antwortete Zarathustra, immer noch erregt und finsterblickend, du Schauspieler aus dem Grunde! Du bist falsch: was redest du — von Wahrheit!
Du Pfau der Pfauen, du Meer der Eitelkeit, was spieltest du vor mir, du schlimmer Zauberer, an wen sollte ich glauben, als du in solcher Gestalt jammertest?“
„Den Büsser des Geistes, sagte der alte Mann, den — spielte ich: du selber erfandest einst diess Wort —
— den Dichter und Zauberer, der gegen sich selber endlich seinen Geist wendet, den Verwandelten, der an seinem bösen Wissen und Gewissen erfriert.
Und gesteh es nur ein: es währte lange, oh Zarathustra, bis du hinter meine Kunst und Lüge kamst! Du glaubtest an meine Noth, als du mir den Kopf mit beiden Händen hieltest, —
— ich hörte dich jammern „man hat ihn zu wenig geliebt, zu wenig geliebt!“ Dass ich dich soweit betrog, darüber frohlockte inwendig meine Bosheit.“
„Du magst Feinere betrogen haben als mich, sagte Zarathustra hart. Ich bin nicht auf der Hut vor Betrügern, ich muss ohne Vorsicht sein: so will es mein Loos.
Du aber — musst betrügen: so weit kenne ich dich! Du musst immer zwei- drei- vier- und fünfdeutig sein! Auch was du jetzt bekanntest, war mir lange nicht wahr und nicht falsch genung!
Du schlimmer Falschmünzer, wie könntest du anders! Deine Krankheit würdest du noch schminken, wenn du dich deinem Arzte nackt zeigtest.
So schminktest du eben vor mir deine Lüge, als du sprachst: „ich trieb's also nur zum Spiele!“ Es war auch Ernst darin, du bist Etwas von einem Büsser des Geistes!
Ich errathe dich wohl: du wurdest der Bezauberer Aller, aber gegen dich hast du keine Lüge und List mehr übrig, — du selber bist dir entzaubert!
Du erntetest den Ekel ein, als deine Eine Wahrheit. Kein Wort ist mehr an dir ächt, aber dein Mund: nämlich der Ekel, der an deinem Munde klebt.“
— „Wer bist du doch! schrie hier der alte Zauberer mit einer trotzigen Stimme, wer darf also zu mir reden, dem Grössten, der heute lebt?“ — und ein grüner Blitz schoss aus seinem Auge nach Zarathustra. Aber gleich darauf verwandelte er sich und sagte traurig:
„Oh Zarathustra, ich bin's müde, es ekelt mich meiner Künste, ich bin nicht gross, was verstelle ich mich! Aber, du weisst es wohl — ich suchte nach Grösse!
Einen grossen Menschen wollte ich vorstellen und überredete Viele: aber diese Lüge gieng über meine Kraft. An ihr zerbreche ich.
Oh Zarathustra, Alles ist Lüge an mir; aber dass ich zerbreche — diess mein Zerbrechen ist ächt!“ —
„Es ehrt dich, sprach Zarathustra düster und zur Seite niederblickend, es ehrt dich, dass du nach Grösse suchtest, aber es verräth dich auch. Du bist nicht gross.
Du schlimmer alter Zauberer, das ist dein Bestes und Redlichstes, was ich an dir ehre, dass du deiner müde wurdest und es aussprachst: „ich bin nicht gross.“
Darin ehre ich dich als einen Büsser des Geistes: und wenn auch nur für einen Hauch und Husch, diesen Einen Augenblick warst du — ächt.
Aber sprich, was suchst du hier in meinen Wäldern und Felsen? Und wenn du mir dich in den Weg legtest, welche Probe wolltest du von mir? —
— wess versuchtest du mich?“ —
Also sprach Zarathustra, und seine Augen funkelten. Der alte Zauberer schwieg eine Weile, dann sagte er: „Versuchte ich dich? Ich — suche nur.
Oh Zarathustra, ich suche einen Ächten, Rechten, Einfachen, Eindeutigen, einen Menschen aller Redlichkeit, ein Gefäss der Weisheit, einen Heiligen der Erkenntniss, einen grossen Menschen!
Weisst du es denn nicht, oh Zarathustra? Ich suche Zarathustra.“
— Und hier entstand ein langes Stillschweigen zwischen Beiden; Zarathustra aber versank tief hinein in sich selber, also dass er die Augen schloss. Dann aber, zu seinem Unterredner zurückkehrend, ergriff er die Hand des Zauberers und sprach, voller Artigkeit und Arglist:
„Wohlan! Dort hinauf führt der Weg, da liegt die Höhle Zarathustra's. In ihr darfst du suchen, wen du finden möchtest.
Und frage meine Thiere um Rath, meinen Adler und meine Schlange: die sollen dir suchen helfen. Meine Höhle aber ist gross.
Ich selber freilich — ich sah noch keinen grossen Menschen. Was gross ist, dafür ist das Auge der Feinsten heute grob. Es ist das Reich des Pöbels.
So Manchen fand ich schon, der streckte und blähte sich, und das Volk schrie: „Seht da, einen grossen Menschen!“ Aber was helfen alle Blasebälge! Zuletzt fährt der Wind heraus.
Zuletzt platzt ein Frosch, der sich zu lange aufblies: da fährt der Wind heraus. Einem Geschwollnen in den Bauch stechen, das heisse ich eine brave Kurzweil. Hört das, ihr Knaben!
Diess Heute ist des Pöbels: wer weiss da noch, was gross, was klein ist! Wer suchte da mit Glück nach Grösse! Ein Narr allein: den Narren glückt's.
Du suchst nach grossen Menschen, du wunderlicher Narr? Wer lehrte's dich? Ist heute dazu die Zeit? Oh du schlimmer Sucher, was — versuchst du mich?“ — —
Also sprach Zarathustra, getrösteten Herzens, und gieng lachend seines Wegs fürbass.
Ausser Dienst.
Nicht lange aber, nachdem Zarathustra sich von dem Zauberer losgemacht hatte, sahe er wiederum Jemanden am Wege sitzen, den er gieng, nämlich einen schwarzen langen Mann mit einem hageren Bleichgesicht: der verdross ihn gewaltig. Wehe, sprach er zu seinem Herzen, da sitzt vermummte Trübsal, das dünkt mich von der Art der Priester: was wollen die in meinem Reiche?
Wie! Kaum bin ich jenem Zauberer entronnen: muss mir da wieder ein anderer Schwarzkünstler über den Weg laufen, —
— irgend ein Hexenmeister mit Handauflegen, ein dunkler Wunderthäter von Gottes Gnaden, ein gesalbter Welt-Verleumder, den der Teufel holen möge!
Aber der Teufel ist nie am Platze, wo er am Platze wäre: immer kommt er zu spät, dieser vermaledeite Zwerg und Klumpfuss!“ —
Also fluchte Zarathustra ungeduldig in seinem Herzen und gedachte, wie er abgewandten Blicks an dem schwarzen Manne vorüberschlüpfe: aber siehe, es kam anders. Im gleichen Augenblicke nämlich hatte ihn schon der Sitzende erblickt; und nicht unähnlich einem Solchen, dem ein unvermuthetes Glück zustösst, sprang er auf und gieng auf Zarathustra los.
„Wer du auch bist, du Wandersmann, sprach er, hilf einem Verirrten, einem Suchenden, einem alten Manne, der hier leicht zu Schaden kommt!
Diese Welt hier ist mir fremd und fern, auch hörte ich wilde Thiere heulen; und Der, welcher mir hätte Schutz bieten können, der ist selber nicht mehr.
Ich suchte den letzten frommen Menschen, einen Heiligen und Einsiedler, der allein in seinem Walde noch Nichts davon gehört hatte, was alle Welt heute weiss.“
„Was weiss heute alle Welt? fragte Zarathustra. Etwa diess, dass der alte Gott nicht mehr lebt, an den alle Welt einst geglaubt hat?“
„Du sagst es, antwortete der alte Mann betrübt. Und ich diente diesem alten Gotte bis zu seiner letzten Stunde.
Nun aber bin ich ausser Dienst, ohne Herrn, und doch nicht frei, auch keine Stunde mehr lustig, es sei denn in Erinnerungen.
Dazu stieg ich in diese Berge, dass ich endlich wieder ein Fest mir machte, wie es einem alten Papste und Kirchen-Vater zukommt: denn wisse, ich bin der letzte Papst! — ein Fest frommer Erinnerungen und Gottesdienste.
Nun aber ist er selber todt, der frömmste Mensch, jener Heilige im Walde, der seinen Gott beständig mit Singen und Brummen lobte.
Ihn selber fand ich nicht mehr, als ich seine Hütte fand, — wohl aber zwei Wölfe darin, welche um seinen Tod heulten — denn alle Thiere liebten ihn. Da lief ich davon.
Kam ich also umsonst in diese Wälder und Berge? Da entschloss sich mein Herz, dass ich einen Anderen suchte, den Frömmsten aller Derer, die nicht an Gott glauben —, dass ich Zarathustra suchte!“
Also sprach der Greis und blickte scharfen Auges Den an, welcher vor ihm stand; Zarathustra aber ergriff die Hand des alten Papstes und betrachtete sie lange mit Bewunderung.
„Siehe da, du Ehrwürdiger, sagte er dann, welche schöne und lange Hand! Das ist die Hand eines Solchen, der immer Segen ausgetheilt hat. Nun aber hält sie Den fest, welchen du suchst, mich, Zarathustra.
Ich bin's, der gottlose Zarathustra, der da spricht: wer ist gottloser als ich, dass ich mich seiner Unterweisung freue?“ —
Also sprach Zarathustra und durchbohrte mit seinen Blicken die Gedanken und Hintergedanken des alten Papstes. Endlich begann dieser:
„Wer ihn am meisten liebte und besass, der hat ihn nun am meisten auch verloren —:
— siehe, ich selber bin wohl von uns Beiden jetzt der Gottlosere? Aber wer könnte daran sich freuen!“ —
— „Du dientest ihm bis zuletzt, fragte Zarathustra nachdenklich, nach einem tiefen Schweigen, du weisst, wie er starb? Ist es wahr, was man spricht, dass ihn das Mitleiden erwürgte,
— dass er es sah, wie der Mensch am Kreuze hieng, und es nicht ertrug, dass die Liebe zum Menschen seine Hölle und zuletzt sein Tod wurde?“ — —
Der alte Papst aber antwortete nicht, sondern blickte scheu und mit einem schmerzlichen und düsteren Ausdrucke zur Seite.
„Lass ihn fahren, sagte Zarathustra nach einem langen Nachdenken, indem er immer noch dem alten Manne gerade in's Auge blickte.
Lass ihn fahren, er ist dahin. Und ob es dich auch ehrt, dass du diesem Todten nur Gutes nachredest, so weisst du so gut als ich, wer er war; und dass er wunderliche Wege gieng.“
„Unter drei Augen gesprochen, sagte erheitert der alte Papst (denn er war auf Einem Auge blind), in Dingen Gottes bin ich aufgeklärter als Zarathustra selber — und darf es sein.
Meine Liebe diente ihm lange Jahre, mein Wille gieng allem seinen Willen nach. Ein guter Diener aber weiss Alles, und Mancherlei auch, was sein Herr sich selbst verbirgt.
Es war ein verborgener Gott, voller Heimlichkeit. Wahrlich zu einem Sohne sogar kam er nicht anders als auf Schleichwegen. An der Thür seines Glaubens steht der Ehebruch.
Wer ihn als einen Gott der Liebe preist, denkt nicht hoch genug von der Liebe selber. Wollte dieser Gott nicht auch Richter sein? Aber der Liebende liebt jenseits von Lohn und Vergeltung.
Als er jung war, dieser Gott aus dem Morgenlande, da war er hart und rachsüchtig und erbaute sich eine Hölle zum Ergötzen seiner Lieblinge.
Endlich aber wurde er alt und weich und mürbe und mitleidig, einem Grossvater ähnlicher als einem Vater, am ähnlichsten aber einer wackeligen alten Grossmutter.
Da sass er, welk, in seinem Ofenwinkel, härmte sich ob seiner schwachen Beine, weltmüde, willensmüde, und erstickte eines Tags an seinem allzugrossen Mitleiden.“
„Du alter Papst, sagte hier Zarathustra dazwischen, hast du Das mit Augen angesehn? Es könnte wohl so abgegangen sein: so, und auch anders. Wenn Götter sterben, sterben sie immer viele Arten Todes.
Aber wohlan! So oder so, so und so — er ist dahin! Er gieng meinen Ohren und Augen wider den Geschmack, Schlimmeres möchte ich ihm nicht nachsagen.
Ich liebe Alles, was hell blickt und redlich redet. Aber er — du weisst es ja, du alter Priester, es war Etwas von deiner Art an ihm, von Priester-Art — er war vieldeutig.
Er war auch undeutlich. Was hat er uns darob gezürnt, dieser Zornschnauber, dass wir ihn schlecht verstünden! Aber warum sprach er nicht reinlicher?
Und lag es an unsern Ohren, warum gab er uns Ohren, die ihn schlecht hörten? War Schlamm in unsern Ohren, wohlan! wer legte ihn hinein?
Zu Vieles missrieth ihm, diesem Töpfer, der nicht ausgelernt hatte! Dass er aber Rache an seinen Töpfen und Geschöpfen nahm, dafür dass sie ihm schlecht geriethen, — das war eine Sünde wider den guten Geschmack.
Es giebt auch in der Frömmigkeit guten Geschmack: der sprach endlich „Fort mit einem solchen Gotte! Lieber keinen Gott, lieber auf eigne Faust Schicksal machen, lieber Narr sein, lieber selber Gott sein!“
— „Was höre ich! sprach hier der alte Papst mit gespitzten Ohren; oh Zarathustra, du bist frömmer als du glaubst, mit einem solchen Unglauben! Irgend ein Gott in dir bekehrte dich zu deiner Gottlosigkeit.
Ist es nicht deine Frömmigkeit selber, die dich nicht mehr an einen Gott glauben lässt? Und deine übergrosse Redlichkeit wird dich auch noch jenseits von Gut und Böse wegführen!
Siehe doch, was blieb dir aufgespart? Du hast Augen und Hand und Mund, die sind zum Segnen vorherbestimmt seit Ewigkeit. Man segnet nicht mit der Hand allein.
In deiner Nähe, ob du schon der Gottloseste sein willst, wittere ich einen heimlichen Weih- und Wohlgeruch von langen Segnungen: mir wird wohl und wehe dabei.
Lass mich deinen Gast sein, oh Zarathustra, für eine einzige Nacht! Nirgends auf Erden wird es mir jetzt wohler als bei dir!“ —
„Amen! So soll es sein! sprach Zarathustra mit grosser Verwunderung, dort hinauf führt der Weg, da liegt die Höhle Zarathustra's.
Gerne, fürwahr, würde ich dich selber dahin geleiten, du Ehrwürdiger, denn ich liebe alle frommen Menschen. Aber jetzt ruft mich eilig ein Nothschrei weg von dir.
In meinem Bereiche soll mir Niemand zu Schaden kommen; meine Höhle ist ein guter Hafen. Und am liebsten möchte ich jedweden Traurigen wieder auf festes Land und feste Beine stellen.
Wer aber nähme dir deine Schwermuth von der Schulter? Dazu bin ich zu schwach. Lange, wahrlich, möchten wir warten, bis dir Einer deinen Gott wieder aufweckt.
Dieser alte Gott nämlich lebt nicht mehr: der ist gründlich todt.“ —
Also sprach Zarathustra.
Der hässlichste Mensch.
— Und wieder liefen Zarathustra's Füsse durch Berge und Wälder, und seine Augen suchten und suchten, aber nirgends war Der zu sehen, welchen sie sehn wollten, der grosse Nothleidende und Nothschreiende. Auf dem ganzen Wege aber frohlockte er in seinem Herzen und war dankbar. „Welche guten Dinge, sprach er, schenkte mir doch dieser Tag, zum Entgelt, dass er schlimm begann! Welche seltsamen Unterredner fand ich!
An deren Worten will ich lange nun kauen gleich als an guten Körnern; klein soll mein Zahn sie mahlen und malmen, bis sie mir wie Milch in die Seele fliessen!“ —
Als aber der Weg wieder um einen Felsen bog, veränderte sich mit Einem Male die Landschaft, und Zarathustra trat in ein Reich des Todes. Hier starrten schwarze und rothe Klippen empor: kein Gras, kein Baum, keine Vogelstimme. Es war nämlich ein Thal, welches alle Thiere mieden, auch die Raubthiere; nur dass eine Art hässlicher, dicker, grüner Schlangen, wenn sie alt wurden, hierher kamen, um zu sterben. Darum nannten diess Thal die Hirten: Schlangen-Tod.
Zarathustra aber versank in eine schwarze Erinnerung, denn ihm war, als habe er schon ein Mal in diesem Thal gestanden. Und vieles Schwere legte sich ihm über den Sinn: also, dass er langsam gieng und immer langsamer und endlich still stand. Da aber sahe er, als er die Augen aufthat, Etwas, das am Wege sass, gestaltet wie ein Mensch, und kaum wie ein Mensch, etwas Unaussprechliches. Und mit Einem Schlage überfiel Zarathustra die grosse Scham darob, dass er so Etwas mit den Augen angesehn habe: erröthend bis hinauf an sein weisses Haar, wandte er den Blick ab und hob den Fuss, dass er diese schlimme Stelle verlasse. Da aber wurde die todte Öde laut: vom Boden auf nämlich quoll es gurgelnd und röchelnd, wie Wasser Nachts durch verstopfte Wasser-Röhren gurgelt und röchelt; und zuletzt wurde daraus eine Menschen-Stimme und Menschen-Rede: — die lautete also.
„Zarathustra! Zarathustra! Rathe mein Räthsel! Sprich, sprich! Was ist die Rache am Zeugen?
Ich locke dich zurück, hier ist glattes Eis! Sieh zu, sieh zu, ob dein Stolz sich hier nicht die Beine bricht!
Du dünkst dich weise, du stolzer Zarathustra! So rathe doch das Räthsel, du harter Nüsseknacker, — das Räthsel, das ich bin! So sprich doch: wer bin ich!“
— Als aber Zarathustra diese Worte gehört hatte, — was glaubt ihr wohl, dass sich da mit seiner Seele zutrug? Das Mitleiden fiel ihn an; und er sank mit Einem Male nieder, wie ein Eichbaum, der lange vielen Holzschlägern widerstanden hat, — schwer, plötzlich, zum Schrecken selber für Die, welche ihn fällen wollten. Aber schon stand er wieder vom Boden auf, und sein Antlitz wurde hart.
„Ich erkenne dich wohl, sprach er mit einer erzenen Stimme: du bist der Mörder Gottes! Lass mich gehn.
Du ertrugst Den nicht, der dich sah, — der dich immer und durch und durch sah, du hässlichster Mensch! Du nahmst Rache an diesem Zeugen!“
Also sprach Zarathustra und wollte davon; aber der Unaussprechliche fasste nach einem Zipfel seines Gewandes und begann von Neuem zu gurgeln und nach Worten zu suchen. „Bleib!“ sagte er endlich —
— bleib! Geh nicht vorüber! Ich errieth, welche Axt dich zu Boden schlug: Heil dir, oh Zarathustra, dass du wieder stehst!
Du erriethest, ich weiss es gut, wie Dem zu Muthe ist, der ihn tödtete, — dem Mörder Gottes. Bleib! Setze dich her zu mir, es ist nicht umsonst.
Zu wem wollte ich, wenn nicht zu dir? Bleib, setze dich! Blicke mich aber nicht an! Ehre also — meine Hässlichkeit!
Sie verfolgen mich: nun bist du meine letzte Zuflucht. Nicht mit ihrem Hasse, nicht mit ihren Häschern: — oh solcher Verfolgung würde ich spotten und stolz und froh sein!
War nicht aller Erfolg bisher bei den Gut-Verfolgten? Und wer gut verfolgt, lernt leicht folgen: — ist er doch einmal — hinterher! Aber ihr Mitleid ist's —
— ihr Mitleid ist's, vor dem ich flüchte und dir zuflüchte. Oh Zarathustra, schütze mich, du meine letzte Zuflucht, du Einziger, der mich errieth:
— du erriethest, wie Dem zu Muthe ist, welcher ihn tödtete. Bleib! Und willst du gehn, du Ungeduldiger: geh nicht den Weg, den ich kam. Der Weg ist schlecht.
Zürnst du mir, dass ich zu lange schon rede-radebreche? Dass ich schon dir rathe? Aber wisse, ich bin's, der hässlichste Mensch,
— der auch die grössten schwersten Füsse hat. Wo ich gieng, ist der Weg schlecht. Ich trete alle Wege todt und zu Schanden.
Dass du aber an mir vorübergiengst, schweigend; dass du erröthetest, ich sah es wohl: daran erkannte ich dich als Zarathustra.
Jedweder Andere hätte mir sein Almosen zugeworfen, sein Mitleiden, mit Blick und Rede. Aber dazu — bin ich nicht Bettler genug, das erriethest du —
— dazu bin ich zu reich, reich an Grossem, an Furchtbarem, am Hässlichsten, am Unaussprechlichsten! Deine Scham, oh Zarathustra, ehrte mich!
Mit Noth kam ich heraus aus dem Gedräng der Mitleidigen, — dass ich den Einzigen fände, der heute lehrt „Mitleiden ist zudringlich“ — dich, oh Zarathustra!
— sei es eines Gottes, sei es der Menschen Mitleiden: Mitleiden geht gegen die Scham. Und nicht-helfen-wollen kann vornehmer sein als jene Tugend, die zuspringt.
Das aber heisst heute Tugend selber bei allen kleinen Leuten, das Mitleiden: — die haben keine Ehrfurcht vor grossem Unglück, vor grosser Hässlichkeit, vor grossem Missrathen.
Über diese Alle blicke ich hinweg, wie ein Hund über die Rücken wimmelnder Schafheerden wegblickt. Es sind kleine wohlwollige wohlwillige graue Leute. Wie ein Reiher verachtend über flache Teiche wegblickt, mit zurückgelegtem Kopfe: so blicke ich über das Gewimmel grauer kleiner Wellen und Willen und Seelen weg.
Zu lange hat man ihnen Recht gegeben, diesen kleinen Leuten: so gab man ihnen endlich auch die Macht — nun lehren sie: „gut ist nur, was kleine Leute gut heissen.“
Und „Wahrheit“ heisst heute, was der Prediger sprach, der selber aus ihnen herkam, jener wunderliche Heilige und Fürsprecher der kleinen Leute, welcher von sich zeugte „ich — bin die Wahrheit.“
Dieser Unbescheidne macht nun lange schon den kleinen Leuten den Kamm hoch schwellen — er, der keinen kleinen Irrthum lehrte, als er lehrte „ich — bin die Wahrheit.“
Ward einem Unbescheidnen jemals höflicher geantwortet? — Du aber, oh Zarathustra, giengst an ihm vorüber und sprachst: „Nein! Nein! Drei Mal Nein!“
Du warntest vor seinem Irrthum, du warntest als der Erste vor dem Mitleiden — nicht Alle, nicht Keinen, sondern dich und deine Art.
Du schämst dich an der Scham des grossen Leidenden; und wahrlich, wenn du sprichst „von dem Mitleiden her kommt eine grosse Wolke, habt Acht, ihr Menschen!“
— wenn du lehrst „alle Schaffenden sind hart, alle grosse Liebe ist über ihrem Mitleiden“: oh Zarathustra, wie gut dünkst du mich eingelernt auf Wetter-Zeichen!
Du selber aber — warne dich selber auch vor deinem Mitleiden! Denn Viele sind zu dir unterwegs, viele Leidende, Zweifelnde, Verzweifelnde, Ertrinkende, Frierende —
Ich warne dich auch vor mir. Du erriethest mein bestes, schlimmstes Räthsel, mich selber und was ich that. Ich kenne die Axt, die dich fällt.
Aber er — musste sterben: er sah mit Augen, welche Alles sahn, — er sah des Menschen Tiefen und Gründe, alle seine verhehlte Schmach und Hässlichkeit.
Sein Mitleiden kannte keine Scham: er kroch in meine schmutzigsten Winkel. Dieser Neugierigste, Über-Zudringliche, Über-Mitleidige musste sterben.
Er sah immer mich: an einem solchen Zeugen wollte ich Rache haben — oder selber nicht leben.
Der Gott, der Alles sah, auch den Menschen: dieser Gott musste sterben! Der Mensch erträgt es nicht, dass solch ein Zeuge lebt.“
Also sprach der hässlichste Mensch. Zarathustra aber erhob sich und schickte sich an fortzugehn: denn ihn fröstelte bis in seine Eingeweide.
Du Unaussprechlicher, sagte er, du warntest mich vor deinem Wege. Zum Danke dafür lobe ich dir den meinen. Siehe, dort hinauf liegt die Höhle Zarathustra's.
Meine Höhle ist gross und tief und hat viele Winkel; da findet der Versteckteste sein Versteck. Und dicht bei ihr sind hundert Schlüpfe und Schliche für kriechendes, flatterndes und springendes Gethier.
Du Ausgestossener, der du dich selber ausstiessest, du willst nicht unter Menschen und Menschen-Mitleid wohnen? Wohlan, so thu's mir gleich! So lernst du auch von mir; nur der Thäter lernt.
Und rede zuerst und -nächst mit meinen Thieren! Das stolzeste Thier und das klügste Thier — die möchten uns Beiden wohl die rechten Rathgeber sein!“
Also sprach Zarathustra und gieng seiner Wege, nachdenklicher und langsamer noch als zuvor: denn er fragte sich Vieles und wusste sich nicht leicht zu antworten.
„Wie arm ist doch der Mensch! dachte er in seinem Herzen, wie hässlich, wie röchelnd, wie voll verborgener Scham!
Man sagt mir, dass der Mensch sich selber liebe: ach, wie gross muss diese Selber-Liebe sein! Wie viel Verachtung hat sie wider sich!
Auch dieser da liebte sich, wie er sich verachtete, — ein grosser Liebender ist er mir und ein grosser Verächter.
Keinen fand ich noch, der sich tiefer verachtet hätte: auch Das ist Höhe. Wehe, war Der vielleicht der höhere Mensch, dessen Schrei ich hörte?
Ich liebe die grossen Verachtenden. Der Mensch aber ist Etwas, das überwunden werden muss.“ — —
Der freiwillige Bettler.
Als Zarathustra den hässlichsten Menschen verlassen hatte, fror ihn, und er fühlte sich einsam: es gieng ihm nämlich vieles Kalte und Einsame durch die Sinne, also, dass darob auch seine Glieder kälter wurden. Indem er aber weiter und weiter stieg, hinauf, hinab, bald an grünen Weiden vorbei, aber auch über wilde steinichte Lager, wo ehedem wohl ein ungeduldiger Bach sich zu Bett gelegt hatte: da wurde ihm mit Einem Male wieder wärmer und herzlicher zu Sinne.
„Was geschah mir doch? fragte er sich, etwas Warmes und Lebendiges erquickt mich, das muss in meiner Nähe sein.
Schon bin ich weniger allein; unbewusste Gefährten und Brüder schweifen um mich, ihr warmer Athem rührt an meine Seele.“
Als er aber um sich spähete und nach den Tröstern seiner Einsamkeit suchte: siehe, da waren es Kühe, welche auf einer Anhöhe bei einander standen; deren Nähe und Geruch hatten sein Herz erwärmt. Diese Kühe aber schienen mit Eifer einem Redenden zuzuhören und gaben nicht auf Den Acht, der herankam. Wie aber Zarathustra ganz in ihrer Nähe war, hörte er deutlich, dass eine Menschen-Stimme aus der Mitte der Kühe heraus redete; und ersichtlich hatten sie allesammt ihre Köpfe dem Redenden zugedreht.
Da sprang Zarathustra mit Eifer hinauf und drängte die Thiere auseinander, denn er fürchtete, dass hier Jemandem ein Leids geschehn sei, welchem schwerlich das Mitleid von Kühen abhelfen mochte. Aber darin hatte er sich getäuscht; denn siehe, da sass ein Mensch auf der Erde und schien den Thieren zuzureden, dass sie keine Scheu vor ihm haben sollten, ein friedfertiger Mensch und Berg-Prediger, aus dessen Augen die Güte selber predigte. „Was suchst du hier?“ rief Zarathustra mit Befremden.
„Was ich hier suche? antwortete er: das Selbe, was du suchst, du Störenfried! nämlich das Glück auf Erden.
Dazu aber möchte ich von diesen Kühen lernen. Denn, weisst du wohl, einen halben Morgen schon rede ich ihnen zu, und eben wollten sie mir Bescheid geben. Warum doch störst du sie?
So wir nicht umkehren und werden wie die Kühe, so kommen wir nicht in das Himmelreich. Wir sollten ihnen nämlich Eins ablernen: das Wiederkäuen.
Und wahrlich, wenn der Mensch auch die ganze Welt gewönne und lernte das Eine nicht, das Wiederkäuen: was hülfe es! Er würde nicht seine Trübsal los
— seine grosse Trübsal: die aber heisst heute Ekel. Wer hat heute von Ekel nicht Herz, Mund und Augen voll? Auch du! Auch du! Aber siehe doch diese Kühe an!“ —
Also sprach der Berg-Prediger und wandte dann seinen eignen Blick Zarathustra zu, — denn bisher hieng er mit Liebe an den Kühen —: da aber verwandelte er sich. „Wer ist das, mit dem ich rede? rief er erschreckt und sprang vom Boden empor.
Diess ist der Mensch ohne Ekel, diess ist Zarathustra selber, der Überwinder des grossen Ekels, diess ist das Auge, diess ist der Mund, diess ist das Herz Zarathustra's selber.“
Und indem er also sprach, küsste er Dem, zu welchem er redete, die Hände, mit überströmenden Augen, und gebärdete sich ganz als Einer, dem ein kostbares Geschenk und Kleinod unversehens vom Himmel fällt. Die Kühe aber schauten dem Allen zu und wunderten sich.
„Sprich nicht von mir, du Wunderlicher! Lieblicher! sagte Zarathustra und wehrte seiner Zärtlichkeit, sprich mir erst von dir! Bist du nicht der freiwillige Bettler, der einst einen grossen Reichthum von sich warf, —
— der sich seines Reichthums schämte und der Reichen, und zu den Ärmsten floh, dass er ihnen seine Fülle und sein Herz schenke? Aber sie nahmen ihn nicht an.“
„Aber sie nahmen mich nicht an, sagte der freiwillige Bettler, du weisst es ja. So gieng ich endlich zu den Thieren und zu diesen Kühen.“
„Da lerntest du, unterbrach Zarathustra den Redenden, wie es schwerer ist, recht geben als recht nehmen, und dass gut schenken eine Kunst ist und die letzte listigste Meister-Kunst der Güte.
Sonderlich heutzutage, antwortete der freiwillige Bettler: heute nämlich, wo alles Niedrige aufständisch ward und scheu und auf seine Art hoffährtig: nämlich auf Pöbel-Art.
Denn es kam die Stunde, du weisst es ja, für den grossen schlimmen langen langsamen Pöbel- und Sklaven-Aufstand: der wächst und wächst!
Nun empört die Niedrigen alles Wohlthun und kleine Weggeben; und die Überreichen mögen auf der Hut sein!
Wer heute gleich bauchichten Flaschen tröpfelt aus allzuschmalen Hälsen: — solchen Flaschen bricht man heute gern den Hals.
Lüsterne Gier, gallichter Neid, vergrämte Rachsucht, Pöbel-Stolz: das sprang mir Alles in's Gesicht. Es ist nicht mehr wahr, dass die Armen selig sind. Das Himmelreich aber ist bei den Kühen.“
Und warum ist es nicht bei den Reichen? fragte Zarathustra versuchend, während er den Kühen wehrte, die den Friedfertigen zutraulich anschnauften.
„Was versuchst du mich? antwortete dieser. Du weisst es selber besser noch als ich. Was trieb mich doch zu den Ärmsten, oh Zarathustra? War es nicht der Ekel vor unsern Reichsten?
— vor den Sträflingen des Reichthums, welche sich ihren Vortheil aus jedem Kehricht auflesen, mit kalten Augen, geilen Gedanken, vor diesem Gesindel, das gen Himmel stinkt,
— vor diesem vergüldeten verfälschten Pöbel, dessen Väter Langfinger oder Aasvögel oder Lumpensammler waren, mit Weibern willfährig, lüstern, vergesslich: — sie haben's nämlich alle nicht weit zur Hure —
Pöbel oben, Pöbel unten! Was ist heute noch „Arm“ und „Reich“! Diesen Unterschied verlernte ich, — da floh ich davon, weiter, immer weiter, bis ich zu diesen Kühen kam.“
Also sprach der Friedfertige und schnaufte selber und schwitzte bei seinen Worten: also dass die Kühe sich von Neuem wunderten. Zarathustra aber sah ihm immer mit Lächeln in's Gesicht, als er so hart redete, und schüttelte dazu schweigend den Kopf.
„Du thust dir Gewalt an, du Berg-Prediger, wenn du solche harte Worte brauchst. Für solche Härte wuchs dir nicht der Mund, nicht das Auge.
Auch, wie mich dünkt, dein Magen selber nicht: dem widersteht all solches Zürnen und Hassen und Überschäumen. Dein Magen will sanftere Dinge: du bist kein Fleischer.
Vielmehr dünkst du mich ein Pflanzler und Wurzelmann. Vielleicht malmst du Körner. Sicherlich aber bist du fleischlichen Freuden abhold und liebst den Honig.“
„Du erriethst mich gut, antwortete der freiwillige Bettler, mit erleichtertem Herzen. Ich liebe den Honig, ich malme auch Körner, denn ich suchte, was lieblich mundet und reinen Athem macht:
— auch was lange Zeit braucht, ein Tag- und Maul-Werk für sanfte Müssiggänger und Tagediebe.
Am weitesten freilich brachten es diese Kühe: die erfanden sich das Wiederkäuen und In-der-Sonne-Liegen. Auch enthalten sie sich aller schweren Gedanken, welche das Herz blähn.“
— „Wohlan! sagte Zarathustra: du solltest auch meine Thiere sehn, meinen Adler und meine Schlange, — ihres Gleichen giebt es heute nicht auf Erden.
Siehe, dorthin führt der Weg zu meiner Höhle: sei diese Nacht ihr Gast. Und rede mit meinen Thieren vom Glück der Thiere, —
— bis ich selber heimkomme. Denn jetzt ruft ein Nothschrei mich eilig weg von dir. Auch findest du neuen Honig bei mir, eisfrischen Waben-Goldhonig: den iss!
Jetzt aber nimm flugs Abschied von deinen Kühen, du Wunderlicher! Lieblicher! ob es dir schon schwer werden mag. Denn es sind deine wärmsten Freunde und Lehrmeister!“ —
„— Einen ausgenommen, den ich noch lieber habe, antwortete der freiwillige Bettler. Du selber bist gut und besser noch als eine Kuh, oh Zarathustra!“
„Fort, fort mit dir! du arger Schmeichler! schrie Zarathustra mit Bosheit, was verdirbst du mich mit solchem Lob und Schmeichel-Honig?“
„Fort, fort von mir!“ schrie er noch Ein Mal und schwang seinen Stock nach dem zärtlichen Bettler: der aber lief hurtig davon.
Der Schatten.
Kaum aber war der freiwillige Bettler davongelaufen und Zarathustra wieder mit sich allein, da hörte er hinter sich eine neue Stimme: die rief „Halt! Zarathustra! So warte doch! Ich bin's ja, oh Zarathustra, ich, dein Schatten!“ Aber Zarathustra wartete nicht, denn ein plötzlicher Verdruss überkam ihn ob des vielen Zudrangs und Gedrängs in seinen Bergen. „Wo ist meine Einsamkeit hin? sprach er.
Es wird mir wahrlich zu viel; diess Gebirge wimmelt, mein Reich ist nicht mehr von dieser Welt, ich brauche neue Berge.
Mein Schatten ruft mich? Was liegt an meinem Schatten! Mag er mir nachlaufen! ich — laufe ihm davon.“
Also sprach Zarathustra zu seinem Herzen und lief davon. Aber Der, welcher hinter ihm war, folgte ihm nach: so dass alsbald drei Laufende hinter einander her waren, nämlich voran der freiwillige Bettler, dann Zarathustra und zudritt und -hinterst sein Schatten. Nicht lange liefen sie so, da kam Zarathustra zur Besinnung über seine Thorheit und schüttelte mit Einem Rucke allen Verdruss und Überdruss von sich.
„Wie! sprach er, geschahen nicht von je die lächerlichsten Dinge bei uns alten Einsiedlern und Heiligen?
Wahrlich, meine Thorheit wuchs hoch in den Bergen! Nun höre ich sechs alte Narren-Beine hinter einander her klappern!
Darf aber Zarathustra sich wohl vor einem Schatten fürchten? Auch dünkt mich zu guterletzt, dass er längere Beine hat als ich.“
Also sprach Zarathustra, lachend mit Augen und Eingeweiden, blieb stehen und drehte sich schnell herum — und siehe, fast warf er dabei seinen Nachfolger und Schatten zu Boden: so dicht schon folgte ihm derselbe auf den Fersen, und so schwach war er auch. Als er ihn nämlich mit Augen prüfte, erschrak er wie vor einem plötzlichen Gespenste: so dünn, schwärzlich, hohl und überlebt sah dieser Nachfolger aus.
„Wer bist du? fragte Zarathustra heftig, was treibst du hier? Und wesshalb heissest du dich meinen Schatten? Du gefällst mir nicht.“
„Vergieb mir, antwortete der Schatten, dass ich's bin; und wenn ich dir nicht gefalle, wohlan, oh Zarathustra! darin lobe ich dich und deinen guten Geschmack.
Ein Wanderer bin ich, der viel schon hinter deinen Fersen her gieng: immer unterwegs, aber ohne Ziel, auch ohne Heim: also dass mir wahrlich wenig zum ewigen Juden fehlt, es sei denn, dass ich nicht ewig, und auch nicht Jude bin.
Wie? Muss ich immerdar unterwegs sein? Von jedem Winde gewirbelt, unstät, fortgetrieben? Oh Erde, du wardst mir zu rund!
Auf jeder Oberfläche sass ich schon, gleich müdem Staube schlief ich ein auf Spiegeln und Fensterscheiben: Alles nimmt von mir, Nichts giebt, ich werde dünn, — fast gleiche ich einem Schatten.
Dir aber, oh Zarathustra, flog und zog ich am längsten nach, und, verbarg ich mich schon vor dir, so war ich doch dein bester Schatten: wo du nur gesessen hast, sass ich auch.
Mit dir bin ich in fernsten, kältesten Welten umgegangen, einem Gespenste gleich, das freiwillig über Winterdächer und Schnee läuft.
Mit dir strebte ich in jedes Verbotene, Schlimmste, Fernste: und wenn irgend Etwas an mir Tugend ist, so ist es, dass ich vor keinem Verbote Furcht hatte.
Mit dir zerbrach ich, was je mein Herz verehrte, alle Grenzsteine und Bilder warf ich um, den gefährlichsten Wünschen lief ich nach, — wahrlich, über jedwedes Verbrechen lief ich einmal hinweg.
Mit dir verlernte ich den Glauben an Worte und Werthe und grosse Namen. Wenn der Teufel sich häutet, fällt da nicht auch sein Name ab? Der ist nämlich auch Haut. Der Teufel selber ist vielleicht — Haut.
„Nichts ist wahr, Alles ist erlaubt“: so sprach ich mir zu. In die kältesten Wasser stürzte ich mich, mit Kopf und Herzen. Ach, wie oft stand ich darob nackt als rother Krebs da!
Ach, wohin kam mir alles Gute und alle Scham und aller Glaube an die Guten! Ach, wohin ist jene verlogne Unschuld, die ich einst besass, die Unschuld der Guten und ihrer edlen Lügen!
Zu oft, wahrlich, folgte ich der Wahrheit dicht auf dem Fusse: da trat sie mir vor den Kopf. Manchmal meinte ich zu lügen, und siehe! da erst traf ich — die Wahrheit.
Zu Viel klärte sich mir auf: nun geht es mich Nichts mehr an. Nichts lebt mehr, das ich liebe, — wie sollte ich noch mich selber lieben?
„Leben, wie ich Lust habe, oder gar nicht leben“: so will ich's, so will's auch der Heiligste. Aber, wehe! wie habe ich noch — Lust?
Habe ich — noch ein Ziel? Einen Hafen, nach dem mein Segel läuft?
Einen guten Wind? Ach, nur wer weiss, wohin er fährt, weiss auch, welcher Wind gut und sein Fahrwind ist.
Was blieb mir noch zurück? Ein Herz müde und frech; ein unstäter Wille; Flatter-Flügel; ein zerbrochnes Rückgrat.
Diess Suchen nach meinem Heim: oh Zarathustra, weisst du wohl, diess Suchen war meine Heimsuchung, es frisst mich auf.
„Wo ist — mein Heim?“ Darnach frage und suche und suchte ich, das fand ich nicht. Oh ewiges Überall, oh ewiges Nirgendswo, oh ewiges — Umsonst!“
Also sprach der Schatten, und Zarathustra's Gesicht verlängerte sich bei seinen Worten. „Du bist mein Schatten!“ sagte er endlich, mit Traurigkeit.
Deine Gefahr ist keine kleine, du freier Geist und Wanderer! Du hast einen schlimmen Tag gehabt: sieh zu, dass dir nicht noch ein schlimmerer Abend kommt!
Solchen Unstäten, wie du, dünkt zuletzt auch ein Gefängniss selig. Sahst du je, wie eingefangne Verbrecher schlafen? Sie schlafen ruhig, sie geniessen ihre neue Sicherheit.
Hüte dich, dass dich nicht am Ende noch ein enger Glaube einfängt, ein harter, strenger Wahn! Dich nämlich verführt und versucht nunmehr Jegliches, das eng und fest ist.
Du hast das Ziel verloren: wehe, wie wirst du diesen Verlust verscherzen und verschmerzen? Damit — hast du auch den Weg verloren!
Du armer Schweifender, Schwärmender, du müder Schmetterling! willst du diesen Abend eine Rast und Heimstätte haben? So gehe hinauf zu meiner Höhle!
Dorthin führt der Weg zu meiner Höhle. Und jetzo will ich schnell wieder von dir davonlaufen. Schon liegt es wie ein Schatten auf mir.
Ich will allein laufen, dass es wieder hell um mich werde. Dazu muss ich noch lange lustig auf den Beinen sein. Des Abends aber wird bei mir — getanzt!“ ——
Also sprach Zarathustra.
Mittags.
— Und Zarathustra lief und lief und fand Niemanden mehr und war allein und fand immer wieder sich und genoss und schlürfte seine Einsamkeit und dachte an gute Dinge, — stundenlang. Um die Stunde des Mittags aber, als die Sonne gerade über Zarathustra's Haupte stand, kam er an einem alten krummen und knorrichten Baume vorbei, der von der reichen Liebe eines Weinstocks rings umarmt und vor sich selber verborgen war: von dem hiengen gelbe Trauben in Fülle dem Wandernden entgegen. Da gelüstete ihn, einen kleinen Durst zu löschen und sich eine Traube abzubrechen; als er aber schon den Arm dazu ausstreckte, da gelüstete ihn etwas Anderes noch mehr: nämlich sich neben den Baum niederzulegen, um die Stunde des vollkommnen Mittags, und zu schlafen.
Diess that Zarathustra; und sobald er auf dem Boden lag, in der Stille und Heimlichkeit des bunten Grases, hatte er auch schon seinen kleinen Durst vergessen und schlief ein. Denn, wie das Sprichwort Zarathustra's sagt: Eins ist nothwendiger als das Andre. Nur dass seine Augen offen blieben: — sie wurden nämlich nicht satt, den Baum und die Liebe des Weinstocks zu sehn und zu preisen. Im Einschlafen aber sprach Zarathustra also zu seinem Herzen:
Still! Still! Ward die Welt nicht eben vollkommen? Was geschieht mir doch?
Wie ein zierlicher Wind, ungesehn, auf getäfeltem Meere tanzt, leicht, federleicht: so — tanzt der Schlaf auf mir.
Kein Auge drückt er mir zu, die Seele lässt er mir wach. Leicht ist er, wahrlich! federleicht.
Er überredet mich, ich weiss nicht wie?, er betupft mich innewendig mit schmeichelnder Hand, er zwingt mich. Ja, er zwingt mich, dass meine Seele sich ausstreckt: —
— wie sie mir lang und müde wird, meine wunderliche Seele! Kam ihr eines siebenten Tages Abend gerade am Mittage? Wandelte sie zu lange schon selig zwischen guten und reifen Dingen?
Sie streckt sich lang aus, lang, — länger! sie liegt stille, meine wunderliche Seele. Zu viel Gutes hat sie schon geschmeckt, diese goldene Traurigkeit drückt sie, sie verzieht den Mund.
— Wie ein Schiff, das in seine stillste Bucht einlief: — nun lehnt es sich an die Erde, der langen Reisen müde und der ungewissen Meere. Ist die Erde nicht treuer?
Wie solch ein Schiff sich dem Lande anlegt, anschmiegt: — da genügt's, dass eine Spinne vom Lande her zu ihm ihren Faden spinnt. Keiner stärkeren Taue bedarf es da.
Wie solch ein müdes Schiff in der stillsten Bucht: so ruhe auch ich nun der Erde nahe, treu, zutrauend, wartend, mit den leisesten Fäden ihr angebunden.
Oh Glück! Oh Glück! Willst du wohl singen, oh meine Seele? Du liegst im Grase. Aber das ist die heimliche feierliche Stunde, wo kein Hirt seine Flöte bläst.
Scheue Dich! Heisser Mittag schläft auf den Fluren. Singe nicht! Still! Die Welt ist vollkommen.
Singe nicht, du Gras-Geflügel, oh meine Seele! Flüstere nicht einmal! Sieh doch — still! der alte Mittag schläft, er bewegt den Mund: trinkt er nicht eben einen Tropfen Glücks —
— einen alten braunen Tropfen goldenen Glücks, goldenen Weins? Es huscht über ihn hin, sein Glück lacht. So — lacht ein Gott. Still! —
— „Zum Glück, wie wenig genügt schon zum Glücke!“ So sprach ich einst, und dünkte mich klug. Aber es war eine Lästerung: das lernte ich nun. Kluge Narrn reden besser.
Das Wenigste gerade, das Leiseste, Leichteste, einer Eidechse Rascheln, ein Hauch, ein Husch, ein Augen-Blick — Wenig macht die Art des besten Glücks. Still!
— Was geschah mir: Horch! Flog die Zeit wohl davon? Falle ich nicht? Fiel ich nicht — horch! in den Brunnen der Ewigkeit?
— Was geschieht mir? Still! Es sticht mich — wehe — in's Herz? In's Herz! Oh zerbrich, zerbrich, Herz, nach solchem Glücke, nach solchem Stiche!
— Wie? Ward die Welt nicht eben vollkommen? Rund und reif? Oh des goldenen runden Reifs — wohin fliegt er wohl? Laufe ich ihm nach! Husch!
Still — — (und hier dehnte sich Zarathustra und fühlte, dass er schlafe.)
Auf! sprach er zu sich selber, du Schläfer! Du Mittagsschläfer! Wohlan, wohlauf, ihr alten Beine! Zeit ist's und Überzeit, manch gut Stück Wegs blieb euch noch zurück —
Nun schlieft ihr euch aus, wie lange doch? Eine halbe Ewigkeit! Wohlan, wohlauf nun, mein altes Herz! Wie lange erst darfst du nach solchem Schlaf — dich auswachen?
(Aber da schlief er schon von Neuem ein, und seine Seele sprach gegen ihn und wehrte sich und legte sich wieder hin) — „Lass mich doch! Still! Ward nicht die Welt eben vollkommen? Oh des goldnen runden Balls!“ —
„Steh auf, sprach Zarathustra, du kleine Diebin, du Tagediebin! Wie? Immer noch sich strecken, gähnen, seufzen, hinunterfallen in tiefe Brunnen?
Wer bist du doch! Oh meine Seele!“ (und hier erschrak er, denn ein Sonnenstrahl fiel vom Himmel herunter auf sein Gesicht.)
„Oh Himmel über mir, sprach er seufzend und setzte sich aufrecht, du schaust mir zu? Du horchst meiner wunderlichen Seele zu?
Wann trinkst du diesen Tropfen Thau's, der auf alle Erden-Dinge niederfiel, — wann trinkst du diese wunderliche Seele —
— wann, Brunnen der Ewigkeit! du heiterer schauerlicher Mittags-Abgrund! wann trinkst du meine Seele in dich zurück?“
Also sprach Zarathustra und erhob sich von seinem Lager am Baume wie aus einer fremden Trunkenheit: und siehe, da stand die Sonne immer noch gerade über seinem Haupte. Es möchte aber Einer daraus mit Recht abnehmen, dass Zarathustra damals nicht lange geschlafen habe.
Die Begrüssung.
Am späten Nachmittage war es erst, dass Zarathustra, nach langem umsonstigen Suchen und Umherstreifen, wieder zu seiner Höhle heimkam. Als er aber derselben gegenüberstand, nicht zwanzig Schritt mehr von ihr ferne, da geschah Das, was er jetzt am wenigsten erwartete: von Neuem hörte er den grossen Nothschrei. Und, erstaunlich! diess Mal kam derselbige aus seiner eignen Höhle. Es war aber ein langer vielfältiger seltsamer Schrei, und Zarathustra unterschied deutlich, dass er sich aus vielen Stimmen zusammensetze: mochte er schon, aus der Ferne gehört, gleich dem Schrei aus einem einzigen Munde klingen.
Da sprang Zarathustra auf seine Höhle zu, und siehe! welches Schauspiel erwartete ihn erst nach diesem Hörspiele! Denn da sassen sie allesammt bei einander, an denen er des Tags vorübergegangen war: der König zur Rechten und der König zur Linken, der alte Zauberer, der Papst, der freiwillige Bettler, der Schatten, der Gewissenhafte des Geistes, der traurige Wahrsager und der Esel; der hässlichste Mensch aber hatte sich eine Krone aufgesetzt und zwei Purpurgürtel umgeschlungen, — denn er liebte es, gleich allen Hässlichen, sich zu verkleiden und schön zu thun. Inmitten aber dieser betrübten Gesellschaft stand der Adler Zarathustra's gesträubt und unruhig, denn er sollte auf zu Vieles antworten, wofür sein Stolz keine Antwort hatte; die kluge Schlange aber hieng um seinen Hals.
Diess Alles schaute Zarathustra mit grosser Verwunderung; dann aber prüfte er jeden Einzelnen seiner Gäste mit leutseliger Neugierde, las ihre Seelen ab und wunderte sich von Neuem. Inzwischen hatten sich die Versammelten von ihren Sitzen erhoben und warteten mit Ehrfurcht, dass Zarathustra reden werde. Zarathustra aber sprach also:
Ihr Verzweifelnden! Ihr Wunderlichen! Ich hörte also euren Nothschrei? Und nun weiss ich auch, wo Der zu suchen ist, den ich umsonst heute suchte: der höhere Mensch —:
— in meiner eignen Höhle sitzt er, der höhere Mensch! Aber was wundere ich mich! Habe ich ihn nicht selber zu mir gelockt, durch Honig-Opfer und listige Lockrufe meines Glücks?
Doch dünkt mir, ihr taugt euch schlecht zur Gesellschaft, ihr macht einander das Herz unwirsch, ihr Nothschreienden, wenn ihr hier beisammen sitzt? Es muss erst Einer kommen,
— Einer, der euch wieder lachen macht, ein guter fröhlicher Hanswurst, ein Tänzer und Wind und Wildfang, irgend ein alter Narr: — was dünket euch?
Vergebt mir doch, ihr Verzweifelnden, dass ich vor euch mit solch kleinen Worten rede, unwürdig, wahrlich! solcher Gäste! Aber ihr errathet nicht, was mein Herz muthwillig macht: —
— ihr selber thut es und euer Anblick, vergebt es mir! Jeder nämlich wird muthig, der einem Verzweifelnden zuschaut. Einem Verzweifelnden zuzusprechen — dazu dünkt sich Jeder stark genug.
Mir selber gabt ihr diese Kraft, — eine gute Gabe, meine hohen Gäste! Ein rechtschaffnes Gastgeschenk! Wohlan, so zürnt nun nicht, dass ich euch auch vom Meinigen anbiete.
Diess hier ist mein Reich und meine Herrschaft: was aber mein ist, für diesen Abend und diese Nacht soll es euer sein. Meine Thiere sollen euch dienen: meine Höhle sei eure Ruhestatt!
Bei mir zu Heim-und-Hause soll Keiner verzweifeln, in meinem Reviere schütze ich Jeden vor seinen wilden Thieren. Und das ist das Erste, was ich euch anbiete: Sicherheit!
Das Zweite aber ist: mein kleiner Finger. Und habt ihr den erst, so nehmt nur noch die ganze Hand, wohlan! und das Herz dazu! Willkommen hier, willkommen, meine Gastfreunde!“
Also sprach Zarathustra und lachte vor Liebe und Bosheit. Nach dieser Begrüssung verneigten sich seine Gäste abermals und schwiegen ehrfürchtig; der König zur Rechten aber antwortete ihm in ihrem Namen.
„Daran, oh Zarathustra, wie du uns Hand und Gruss botest, erkennen wir dich als Zarathustra. Du erniedrigtest dich vor uns; fast thatest du unserer Ehrfurcht wehe —:
— wer aber vermöchte gleich dir sich mit solchem Stolze zu erniedrigen? Das richtet uns selber auf, ein Labsal ist es unsern Augen und Herzen.
Diess allein nur zu schaun stiegen gern wir auf höhere Berge, als dieser Berg ist. Als Schaulustige nämlich kamen wir, wir wollten sehn, was trübe Augen hell macht.
Und siehe, schon ist es vorbei mit allem unsern Nothschrein. Schon steht Sinn und Herz uns offen und ist entzückt. Wenig fehlt: und unser Muth wird muthwillig.
Nichts, oh Zarathustra, wächst Erfreulicheres auf Erden, als ein hoher starker Wille: der ist ihr schönstes Gewächs. Eine ganze Landschaft erquickt sich an Einem solchen Baume.
Der Pinie vergleiche ich, wer gleich dir, oh Zarathustra, aufwächst: lang, schweigend, hart, allein, besten biegsamsten Holzes, herrlich, —
— zuletzt aber hinausgreifend mit starken grünen Ästen nach seiner Herrschaft, starke Fragen fragend vor Winden und Wettern und was immer auf Höhen heimisch ist,
— stärker antwortend, ein Befehlender, ein Siegreicher: oh wer sollte nicht, solche Gewächse zu schaun, auf hohe Berge steigen?
Deines Baumes hier, oh Zarathustra, erlabt sich auch der Düstere, der Missrathene, an deinem Anblicke wird auch der Unstäte sicher und heilt sein Herz.
Und wahrlich, zu deinem Berge und Baume richten sich heute viele Augen; eine grosse Sehnsucht hat sich aufgemacht, und Manche lernten fragen: wer ist Zarathustra?
Und wem du jemals dein Lied und deinen Honig in's Ohr geträufelt: alle die Versteckten, die Einsiedler, die Zweisiedler sprachen mit Einem Male zu ihrem Herzen:
„Lebt Zarathustra noch? Es lohnt sich nicht mehr zu leben, Alles ist gleich, Alles ist umsonst: oder — wir müssen mit Zarathustra leben!“
„Warum kommt er nicht, der sich so lange ankündigte? also fragen Viele; verschlang ihn die Einsamkeit? Oder sollen wir wohl zu ihm kommen?“
Nun geschieht's, dass die Einsamkeit selber mürbe wird und zerbricht, einem Grabe gleich, das zerbricht und seine Todten nicht mehr halten kann. Überall sieht man Auferstandene.
Nun steigen und steigen die Wellen um deinen Berg, oh Zarathustra. Und wie hoch auch deine Höhe ist, Viele müssen zu dir hinauf; dein Nachen soll nicht lange mehr im Trocknen sitzen.
Und dass wir Verzweifelnde jetzt in deine Höhle kamen und schon nicht mehr verzweifeln: ein Wahr-und Vorzeichen ist es nur, davon, dass Bessere zu dir unterwegs sind, —
— denn er selber ist zu dir unterwegs, der letzte Rest Gottes unter Menschen, das ist: alle die Menschen der grossen Sehnsucht, des grossen Ekels, des grossen Überdrusses,
— Alle, die nicht leben wollen, oder sie lernen wieder hoffen — oder sie lernen von dir, oh Zarathustra, die grosse Hoffnung!“
Also sprach der König zur Rechten und ergriff die Hand Zarathustra's, um sie zu küssen; aber Zarathustra wehrte seiner Verehrung und trat erschreckt zurück, schweigend und plötzlich wie in weite Fernen entfliehend. Nach einer kleinen Weile aber war er schon wieder bei seinen Gästen, blickte sie mit hellen, prüfenden Augen an und sprach:
„Meine Gäste, ihr höheren Menschen, ich will deutsch und deutlich mit euch reden. Nicht auf euch wartete ich hier in diesen Bergen.“
(„Deutsch und deutlich? Dass Gott erbarm! sagte hier der König zur Linken, bei Seite; man merkt, er kennt die lieben Deutschen nicht, dieser Weise aus dem Morgenlande!
Aber er meint „deutsch und derb“ — wohlan! Das ist heutzutage noch nicht der schlimmste Geschmack!“)
„Ihr mögt wahrlich insgesammt höhere Menschen sein, fuhr Zarathustra fort: aber für mich — seid ihr nicht hoch und stark genug.
Für mich, das heisst: für das Unerbittliche, das in mir schweigt, aber nicht immer schweigen wird. Und gehört ihr zu mir, so doch nicht als mein rechter Arm.
Wer nämlich selber auf kranken und zarten Beinen steht, gleich euch, der will vor Allem, ob er's weiss oder sich verbirgt: dass er geschont werde.
Meine Arme und meine Beine aber schone ich nicht, ich schone meine Krieger nicht: wieso könntet ihr zu meinem Kriege taugen?
Mit euch verdürbe ich mir jeden Sieg noch. Und Mancher von euch fiele schon um, wenn er nur den lauten Schall meiner Trommeln hörte.
Auch seid ihr mir nicht schön genug und wohlgeboren. Ich brauche reine glatte Spiegel für meine Lehren; auf eurer Oberfläche verzerrt sich noch mein eignes Bildniss.
Eure Schultern drückt manche Last, manche Erinnerung; manch schlimmer Zwerg hockt in euren Winkeln. Es giebt verborgenen Pöbel auch in euch.
Und seid ihr auch hoch und höherer Art: Vieles an euch ist krumm und missgestalt. Da ist kein Schmied in der Welt, der euch mir zurecht und gerade schlüge.
Ihr seid nur Brücken: mögen Höhere auf euch hinüber schreiten! Ihr bedeutet Stufen: so zürnt Dem nicht, der über euch hinweg in seine Höhe steigt!
Aus eurem Samen mag auch mir einst ein ächter Sohn und vollkommener Erbe wachsen: aber das ist ferne. Ihr selber seid Die nicht, welchen mein Erbgut und Name zugehört.
Nicht auf euch warte ich hier in diesen Bergen, nicht mit euch darf ich zum letzten Male niedersteigen. Als Vorzeichen kamt ihr mir nur, dass schon Höhere zu mir unterwegs sind, —
— nicht die Menschen der grossen Sehnsucht, des grossen Ekels, des grossen Überdrusses und Das, was ihr den Überrest Gottes nanntet.
— Nein! Nein! Drei Mal Nein! Auf Andere warte ich hier in diesen Bergen und will meinen Fuss nicht ohne sie von dannen heben,
— auf Höhere, Stärkere, Sieghaftere, Wohlgemuthere, Solche, die rechtwinklig gebaut sind an Leib und Seele: lachende Löwen müssen kommen!
Oh, meine Gastfreunde, ihr Wunderlichen, — hörtet ihr noch Nichts von meinen Kindern? Und dass sie zu mir unterwegs sind?
Sprecht mir doch von meinen Gärten, von meinen glückseligen Inseln, von meiner neuen schönen Art, — warum sprecht ihr mir nicht davon?
Diess Gastgeschenk erbitte ich mir von eurer Liebe, dass ihr mir von meinen Kindern sprecht. Hierzu bin ich reich, hierzu ward ich arm: was gab ich nicht hin,
— was gäbe ich nicht hin, dass ich Eins hätte: diese Kinder, diese lebendige Pflanzung, diese Lebensbäume meines Willens und meiner höchsten Hoffnung!“
Also sprach Zarathustra und hielt plötzlich inne in seiner Rede: denn ihn überfiel seine Sehnsucht, und er schloss Augen und Mund vor der Bewegung seines Herzens. Und auch alle seine Gäste schwiegen und standen still und bestürzt: nur dass der alte Wahrsager mit Händen und Gebärden Zeichen gab.
Das Abendmahl.
An dieser Stelle nämlich unterbrach der Wahrsager die Begrüssung Zarathustra's und seiner Gäste: er drängte sich vor, wie Einer, der keine Zeit zu verlieren hat, fasste die Hand Zarathustra's und rief: „Aber Zarathustra!
Eins ist nothwendiger als das Andre, so redest du selber: wohlan, Eins ist mir jetzt nothwendiger als alles Andere.
Ein Wort zur rechten Zeit: hast du mich nicht zum Mahle eingeladen? Und hier sind Viele, die lange Wege machten. Du willst uns doch nicht mit Reden abspeisen?
Auch gedachtet ihr Alle mir schon zu viel des Erfrierens, Ertrinkens, Erstickens und andrer Leibes-Nothstände: Keiner aber gedachte meines Nothstandes, nämlich des Verhungerns —“
(Also sprach der Wahrsager; wie die Thiere Zarathustra's aber diese Worte hörten, liefen sie vor Schrecken davon. Denn sie sahen, dass was sie auch am Tage heimgebracht hatten, nicht genug sein werde, den Einen Wahrsager zu stopfen.)
„Eingerechnet das Verdursten, fuhr der Wahrsager fort. Und ob ich schon Wasser hier plätschern höre, gleich Reden der Weisheit, nämlich reichlich und unermüdlich: ich — will Wein!
Nicht Jeder ist gleich Zarathustra ein geborner Wassertrinker. Wasser taugt auch nicht für Müde und Verwelkte: uns gebührt Wein, — der erst giebt plötzliches Genesen und stegreife Gesundheit!“
Bei dieser Gelegenheit, da der Wahrsager nach Wein begehrte, geschah es, dass auch der König zur Linken, der Schweigsame, einmal zu Worte kam. „Für Wein, sprach er, trugen wir Sorge, ich sammt meinem Bruder, dem Könige zur Rechten: wir haben Wein's genug, — einen ganzen Esel voll. So fehlt Nichts als Brod.“
„Brod? entgegnete Zarathustra und lachte dazu. Nur gerade Brod haben Einsiedler nicht. Aber der Mensch lebt nicht vom Brod allein, sondern auch vom Fleische guter Lämmer, deren ich zwei habe:
— Die soll man geschwinde schlachten und würzig, mit Salbei, zubereiten: so liebe ich's. Und auch an Wurzeln und Früchten fehlt es nicht, gut genug selbst für Lecker- und Schmeckerlinge; noch an Nüssen und andern Räthseln zum Knacken.
Also wollen wir in Kürze eine gute Mahlzeit machen. Wer aber mit essen will, muss auch mit Hand anlegen, auch die Könige. Bei Zarathustra nämlich darf auch ein König Koch sein.“
Mit diesem Vorschlage war Allen nach dem Herzen geredet: nur dass der freiwillige Bettler sich gegen Fleisch und Wein und Würzen sträubte.
„Nun hört mir doch diesen Schlemmer Zarathustra! sagte er scherzhaft: geht man dazu in Höhlen und Hoch-Gebirge, dass man solche Mahlzeiten macht?
Nun freilich verstehe ich, was er einst uns lehrte: „Gelobt sei die kleine Armuth!“ Und warum er die Bettler abschaffen will.“
„Sei guter Dinge, antwortete ihm Zarathustra, wie ich es bin. Bleibe bei deiner Sitte, du Trefflicher, malme deine Körner, trink dein Wasser, lobe deine Küche: wenn sie dich nur fröhlich macht!
Ich bin ein Gesetz nur für die Meinen, ich bin kein Gesetz für Alle. Wer aber zu mir gehört, der muss von starken Knochen sein, auch von leichten Füssen, —
— lustig zu Kriegen und Festen, kein Düsterling, kein Traum-Hans, bereit zum Schwersten wie zu seinem Feste, gesund und heil.
Das Beste gehört den Meinen und mir; und giebt man's uns nicht, so nehmen wir's: — die beste Nahrung, den reinsten Himmel, die stärksten Gedanken, die schönsten Fraun!“ —
Also sprach Zarathustra; der König zur Rechten aber entgegnete: „Seltsam! Vernahm man je solche kluge Dinge aus dem Munde eines Weisen?
Und wahrlich, das ist das Seltsamste an einem Weisen, wenn er zu alledem auch noch klug und kein Esel ist.“
Also sprach der König zur Rechten und wunderte sich; der Esel aber sagte zu seiner Rede mit bösem Willen I-A. Diess aber war der Anfang von jener langen Mahlzeit, welche „das Abendmahl“ in den Historien-Büchern genannt wird. Bei derselben wurde von nichts Anderem geredet als vom höheren Menschen.
Vom höheren Menschen.
1 Als ich zum ersten Male zu den Menschen kam, da that ich die Einsiedler-Thorheit, die grosse Thorheit: ich stellte mich auf den Markt.
Und als ich zu Allen redete, redete ich zu Keinem. Des Abends aber waren Seiltänzer meine Genossen, und Leichname; und ich selber fast ein Leichnam.
Mit dem neuen Morgen aber kam mir eine neue Wahrheit: da lernte ich sprechen „Was geht mich Markt und Pöbel und Pöbel-Lärm und lange Pöbel-Ohren an!“
Ihr höheren Menschen, Diess lernt von mir: auf dem Markt glaubt Niemand an höhere Menschen. Und wollt ihr dort reden, wohlan! Der Pöbel aber blinzelt „wir sind Alle gleich.“
„Ihr höheren Menschen, — so blinzelt der Pöbel — es giebt keine höheren Menschen, wir sind Alle gleich, Mensch ist Mensch, vor Gott — sind wir Alle gleich!“
Vor Gott! — Nun aber starb dieser Gott. Vor dem Pöbel aber wollen wir nicht gleich sein. Ihr höheren Menschen, geht weg vom Markt!
2 Vor Gott! — Nun aber starb dieser Gott! Ihr höheren Menschen, dieser Gott war eure grösste Gefahr.
Seit er im Grabe liegt, seid ihr erst wieder auferstanden. Nun erst kommt der grosse Mittag, nun erst wird der höhere Mensch — Herr!
Verstandet ihr diess Wort, oh meine Brüder? Ihr seid erschreckt: wird euren Herzen schwindlig? Klafft euch hier der Abgrund? Kläfft euch hier der Höllenhund?
Wohlan! Wohlauf! Ihr höheren Menschen! Nun erst kreisst der Berg der Menschen-Zukunft. Gott starb: nun wollen wir, — dass der Übermensch lebe.
3 Die Sorglichsten fragen heute: „wie bleibt der Mensch erhalten?“ Zarathustra aber fragt als der Einzige und Erste: „wie wird der Mensch überwunden?“
Der Übermensch liegt mir am Herzen, der ist mein Erstes und Einziges, — und nicht der Mensch: nicht der Nächste, nicht der Ärmste, nicht der Leidendste, nicht der Beste —
Oh meine Brüder, was ich lieben kann am Menschen, das ist, dass er ein Übergang ist und ein Untergang. Und auch an euch ist Vieles, das mich lieben und hoffen macht.
Dass ihr verachtetet, ihr höheren Menschen, das macht mich hoffen. Die grossen Verachtenden nämlich sind die grossen Verehrenden.
Dass ihr verzweifeltet, daran ist Viel zu ehren. Denn ihr lerntet nicht, wie ihr euch ergäbet, ihr lerntet die kleinen Klugheiten nicht.
Heute nämlich wurden die kleinen Leute Herr: die predigen Alle Ergebung und Bescheidung und Klugheit und Fleiss und Rücksicht und das lange Und-so-weiter der kleinen Tugenden.
Was von Weibsart ist, was von Knechtsart stammt und sonderlich der Pöbel-Mischmasch: Das will nun Herr werden alles Menschen-Schicksals — oh Ekel! Ekel! Ekel!
Das frägt und frägt und wird nicht müde: „wie erhält sich der Mensch, am besten, am längsten, am angenehmsten?“ Damit — sind sie die Herrn von Heute.
Diese Herrn von Heute überwindet mir, oh meine Brüder, — diese kleinen Leute: die sind des Übermenschen grösste Gefahr!
Überwindet mir, ihr höheren Menschen, die kleinen Tugenden, die kleinen Klugheiten, die Sandkorn-Rücksichten, den Ameisen-Kribbelkram, das erbärmliche Behagen, das „Glück der Meisten“ —!
Und lieber verzweifelt, als dass ihr euch ergebt. Und, wahrlich, ich liebe euch dafür, dass ihr heute nicht zu leben wisst, ihr höheren Menschen! So nämlich lebt ihr — am Besten!
4 Habt ihr Muth, oh meine Brüder? Seid ihr herzhaft? Nicht Muth vor Zeugen, sondern Einsiedler- und Adler-Muth, dem auch kein Gott mehr zusieht?
Kalte Seelen, Maulthiere, Blinde, Trunkene heissen mir nicht herzhaft. Herz hat, wer Furcht kennt, aber Furcht zwingt; wer den Abgrund sieht, aber mit Stolz.
Wer den Abgrund sieht, aber mit Adlers-Augen, — wer mit Adlers-Krallen den Abgrund fasst: Der hat Muth. — —
5 „Der Mensch ist böse“ — so sprachen mir zum Troste alle Weisesten. Ach, wenn es heute nur noch wahr ist! Denn das Böse ist des Menschen beste Kraft.
„Der Mensch muss besser und böser werden“ — so lehre ich. Das Böseste ist nöthig zu des Übermenschen Bestem.
Das mochte gut sein für jenen Prediger der kleinen Leute, dass er litt und trug an des Menschen Sünde. Ich aber erfreue mich der grossen Sünde als meines grossen Trostes. —
Solches ist aber nicht für lange Ohren gesagt. Jedwedes Wort gehört auch nicht in jedes Maul. Das sind feine ferne Dinge: nach denen sollen nicht Schafs-Klauen greifen!
6 Ihr höheren Menschen, meint ihr, ich sei da, gut zu machen, was ihr schlecht machtet?
Oder ich wollte fürderhin euch Leidende bequemer betten? Oder euch Unstäten, Verirrten, Verkletterten neue leichtere Fusssteige zeigen?
Nein! Nein! Drei Mal Nein! Immer Mehr, immer Bessere eurer Art sollen zu Grunde gehn, — denn ihr sollt es immer schlimmer und härter haben. So allein —
— so allein wächst der Mensch in die Höhe, wo der Blitz ihn trifft und zerbricht: hoch genug für den Blitz!
Auf Weniges, auf Langes, auf Fernes geht mein Sinn und meine Sehnsucht: was gienge mich euer kleines, vieles, kurzes Elend an!
Ihr leidet mir noch nicht genug! Denn ihr leidet an euch, ihr littet noch nicht am Menschen. Ihr würdet lügen, wenn ihr's anders sagtet! Ihr leidet Alle nicht, woran ich litt. — —
7 Es ist mir nicht genug, dass der Blitz nicht mehr schadet. Nicht ableiten will ich ihn: er soll lernen für mich — arbeiten. —
Meine Weisheit sammelt sich lange schon gleich einer Wolke, sie wird stiller und dunkler. So thut jede Weisheit, welche einst Blitze gebären soll. —
Diesen Menschen von Heute will ich nicht Licht sein, nicht Licht heissen. Die — will ich blenden. Blitz meiner Weisheit! stich ihnen die Augen aus!
8 Wollt Nichts über euer Vermögen: es giebt eine schlimme Falschheit bei Solchen, die über ihr Vermögen wollen.
Sonderlich, wenn sie grosse Dinge wollen! Denn sie wecken Misstrauen gegen grosse Dinge, diese feinen Falschmünzer und Schauspieler: —
— bis sie endlich falsch vor sich selber sind, schieläugig, übertünchter Wurmfrass, bemäntelt durch starke Worte, durch Aushänge-Tugenden, durch glänzende falsche Werke.
Habt da eine gute Vorsicht, ihr höheren Menschen! Nichts nämlich gilt mir heute kostbarer und seltner als Redlichkeit.
Ist diess Heute nicht des Pöbels? Pöbel aber weiss nicht, was gross, was klein, was gerade und redlich ist: der ist unschuldig krumm, der lügt immer.
9 Habt heute ein gutes Misstrauen, ihr höheren Menschen, ihr Beherzten! Ihr Offenherzigen! Und haltet eure Gründe geheim! Diess Heute nämlich ist des Pöbels.
Was der Pöbel ohne Gründe nicht glauben lernte, wer könnte ihm durch Gründe Das — umwerfen?
Und auf dem Markte überzeugt man mit Gebärden. Aber Gründe machen den Pöbel misstrauisch.
Und wenn da einmal die Wahrheit zum Siege kam, so fragt euch mit gutem Misstrauen: „welch starker Irrthum hat für sie gekämpft?“
Hütet euch auch vor den Gelehrten! Die hassen euch: denn sie sind unfruchtbar! Sie haben kalte vertrocknete Augen, vor ihnen liegt jeder Vogel entfedert.
Solche brüsten sich damit, dass sie nicht lügen: aber Ohnmacht zur Lüge ist lange noch nicht Liebe zur Wahrheit. Hütet euch!
Freiheit von Fieber ist lange noch nicht Erkenntniss! Ausgekälteten Geistern glaube ich nicht. Wer nicht lügen kann, weiss nicht, was Wahrheit ist.
10 Wollt ihr hoch hinaus, so braucht die eignen Beine! Lasst euch nicht empor tragen, setzt euch nicht auf fremde Rücken und Köpfe!
Du aber stiegst zu Pferde? Du reitest nun hurtig hinauf zu deinem Ziele? Wohlan, mein Freund! Aber dein lahmer Fuss sitzt auch mit zu Pferde!
Wenn du an deinem Ziele bist, wenn du von deinem Pferde springst: auf deiner Höhe gerade, du höherer Mensch, — wirst du stolpern!
11 Ihr Schaffenden, ihr höheren Menschen! Man ist nur für das eigne Kind schwanger.
Lasst euch Nichts vorreden, einreden! Wer ist denn euer Nächster? Und handelt ihr auch „für den Nächsten“, — ihr schafft doch nicht für ihn!
Verlernt mir doch diess „Für“, ihr Schaffenden: eure Tugend gerade will es, dass ihr kein Ding mit „für“ und „um“ und „weil“ thut. Gegen diese falschen kleinen Worte sollt ihr euer Ohr zukleben.
Das „für den Nächsten“ ist die Tugend nur der kleinen Leute: da heisst es „gleich und gleich“ und „Hand wäscht Hand“: — sie haben nicht Recht noch Kraft zu eurem Eigennutz!
In eurem Eigennutz, ihr Schaffenden, ist der Schwangeren Vorsicht und Vorsehung! Was Niemand noch mit Augen sah, die Frucht: die schirmt und schont und nährt eure ganze Liebe.
Wo eure ganze Liebe ist, bei eurem Kinde, da ist auch eure ganze Tugend! Euer Werk, euer Wille ist euer „Nächster“: lasst euch keine falschen Werthe einreden!
12 Ihr Schaffenden, ihr höheren Menschen! Wer gebären muss, der ist krank; wer aber geboren hat, ist unrein.
Fragt die Weiber: man gebiert nicht, weil es Vergnügen macht. Der Schmerz macht Hühner und Dichter gackern.
Ihr Schaffenden, an euch ist viel Unreines. Das macht, ihr musstet Mütter sein.
Ein neues Kind: oh wie viel neuer Schmutz kam auch zur Welt! Geht bei Seite! Und wer geboren hat, soll seine Seele rein waschen!
13 Seid nicht tugendhaft über eure Kräfte! Und wollt Nichts von euch wider die Wahrscheinlichkeit!
Geht in den Fusstapfen, wo schon eurer Väter Tugend gieng! Wie wolltet ihr hoch steigen, wenn nicht eurer Väter Wille mit euch steigt?
Wer aber Erstling sein will, sehe zu, dass er nicht auch Letztling werde! Und wo die Laster eurer Väter sind, darin sollt ihr nicht Heilige bedeuten wollen!
Wessen Väter es mit Weibern hielten und mit starken Weinen und Wildschweinen: was wäre es, wenn Der von sich Keuschheit wollte?
Eine Narrheit wäre es! Viel, wahrlich, dünkt es mich für einen Solchen, wenn er Eines oder zweier oder dreier Weiber Mann ist.
Und stiftete er Klöster und schriebe über die Thür: „der Weg zum Heiligen“, — ich spräche doch: wozu! es ist eine neue Narrheit!
Er stiftete sich selber ein Zucht- und Fluchthaus: wohl bekomm's! Aber ich glaube nicht daran.
In der Einsamkeit wächst, was Einer in sie bringt, auch das innere Vieh. Solchergestalt widerräth sich Vielen die Einsamkeit.
Gab es Schmutzigeres bisher auf Erden als Wüsten-Heilige? Um die herum war nicht nur der Teufel los, — sondern auch das Schwein.
14 Scheu, beschämt, ungeschickt, einem Tiger gleich, dem der Sprung missrieth: also, ihr höheren Menschen, sah ich oft euch bei Seite schleichen. Ein Wurf missrieth euch.
Aber, ihr Würfelspieler, was liegt daran! Ihr lerntet nicht spielen und spotten, wie man spielen und spotten muss! Sitzen wir nicht immer an einem grossen Spott- und Spieltische?
Und wenn euch Grosses missrieth, seid ihr selber darum — missrathen? Und missriethet ihr selber, missrieth darum — der Mensch? Missrieth aber der Mensch: wohlan! wohlauf!
15 Je höher von Art, je seltener geräth ein Ding. Ihr höheren Menschen hier, seid ihr nicht alle — missgerathen?
Seid guten Muths, was liegt daran! Wie Vieles ist noch möglich! Lernt über euch selber lachen, wie man lachen muss!
Was Wunders auch, dass ihr missriethet und halb geriethet, ihr Halbzerbrochenen! Drängt und stösst sich nicht in euch — des Menschen Zukunft?
Des Menschen Fernstes, Tiefstes, Sternen-Höchstes, seine ungeheure Kraft: schäumt Das nicht alles gegen einander in eurem Topfe?
Was Wunders, dass mancher Topf zerbricht! Lernt über euch lachen, wie man lachen muss! Ihr höheren Menschen, oh wie Vieles ist noch möglich!
Und wahrlich, wie Viel gerieth schon! Wie reich ist diese Erde an kleinen guten vollkommenen Dingen, an Wohlgerathenem!
Stellt kleine gute vollkommene Dinge um euch, ihr höheren Menschen! Deren goldene Reife heilt das Herz. Vollkommnes lehrt hoffen.
16 Welches war hier auf Erden bisher die grösste Sünde? War es nicht das Wort Dessen, der sprach: „Wehe Denen, die hier lachen!“
Fand er zum Lachen auf der Erde selber keine Gründe? So suchte er nur schlecht. Ein Kind findet hier noch Gründe.
Der — liebte nicht genug: sonst hätte er auch uns geliebt, die Lachenden! Aber er hasste und höhnte uns, Heulen und Zähneklappern verhiess er uns.
Muss man denn gleich fluchen, wo man nicht liebt? Das — dünkt mich ein schlechter Geschmack. Aber so that er, dieser Unbedingte. Er kam vom Pöbel.
Und er selber liebte nur nicht genug: sonst hätte er weniger gezürnt, dass man ihn nicht liebe. Alle grosse Liebe will nicht Liebe: — die will mehr.
Geht aus dem Wege allen solchen Unbedingten! Das ist eine arme kranke Art, eine Pöbel-Art: sie sehn schlimm diesem Leben zu, sie haben den bösen Blick für diese Erde.
Geht aus dem Wege allen solchen Unbedingten! Sie haben schwere Füsse und schwüle Herzen: — sie wissen nicht zu tanzen. Wie möchte Solchen wohl die Erde leicht sein!
17 Krumm kommen alle guten Dinge ihrem Ziele nahe. Gleich Katzen machen sie Buckel, sie schnurren innewendig vor ihrem nahen Glücke, — alle guten Dinge lachen.
Der Schritt verräth, ob Einer schon auf seiner Bahn schreitet: so seht mich gehn! Wer aber seinem Ziel nahe kommt, der tanzt.
Und, wahrlich, zum Standbild ward ich nicht, noch stehe ich nicht da, starr, stumpf, steinern, eine Säule; ich liebe geschwindes Laufen.
Und wenn es auf Erden auch Moor und dicke Trübsal giebt: wer leichte Füsse hat, läuft über Schlamm noch hinweg und tanzt wie auf gefegtem Eise.
Erhebt eure Herzen, meine Brüder, hoch! höher! Und vergesst mir auch die Beine nicht! Erhebt auch eure Beine, ihr guten Tänzer, und besser noch: ihr steht auch auf dem Kopf!
18 Diese Krone des Lachenden, diese Rosenkranz-Krone: ich selber setzte mir diese Krone auf, ich selber sprach heilig mein Gelächter. Keinen Anderen fand ich heute stark genug dazu.
Zarathustra der Tänzer, Zarathustra der Leichte, der mit den Flügeln winkt, ein Flugbereiter, allen Vögeln zuwinkend, bereit und fertig, ein Selig-Leichtfertiger: —
Zarathustra der Wahrsager, Zarathustra der Wahrlacher, kein Ungeduldiger, kein Unbedingter, Einer, der Sprünge und Seitensprünge liebt; ich selber setzte mir diese Krone auf!
19 Erhebt eure Herzen, meine Brüder, hoch! höher! Und vergesst mir auch die Beine nicht! Erhebt auch eure Beine, ihr guten Tänzer, und besser noch: ihr steht auch auf dem Kopf!
Es giebt auch im Glück schweres Gethier, es giebt Plumpfüssler von Anbeginn. Wunderlich mühn sie sich ab, einem Elephanten gleich, der sich müht auf dem Kopfe zu stehn.
Besser aber noch närrisch sein vor Glücke als närrisch vor Unglücke, besser plump tanzen als lahm gehn. So lernt mir doch meine Weisheit ab: auch das schlimmste Ding hat zwei gute Kehrseiten, —
— auch das schlimmste Ding hat gute Tanzbeine: so lernt mir doch euch selbst, ihr höheren Menschen, auf eure rechten Beine stellen!
So verlernt mir doch Trübsal-Blasen und alle Pöbel-Traurigkeit! Oh wie traurig dünken mich heute des Pöbels Hanswürste noch! Diess Heute aber ist des Pöbels.
20 Dem Winde thut mir gleich, wenn er aus seinen Berghöhlen stürzt: nach seiner eignen Pfeife will er tanzen, die Meere zittern und hüpfen unter seinen Fusstapfen.
Der den Eseln Flügel giebt, der Löwinnen melkt, gelobt sei dieser gute unbändige Geist, der allem Heute und allem Pöbel wie ein Sturmwind kommt, —
— der Distel- und Tiftelköpfen feind ist und allen welken Blättern und Unkräutern: gelobt sei dieser wilde gute freie Sturmgeist, welcher auf Mooren und Trübsalen wie auf Wiesen tanzt!
Der die Pöbel-Schwindhunde hasst und alles missrathene düstere Gezücht: gelobt sei dieser Geist aller freien Geister, der lachende Sturm, welcher allen Schwarzsichtigen, Schwärsüchtigen Staub in die Augen bläst!
Ihr höheren Menschen, euer Schlimmstes ist: ihr lerntet alle nicht tanzen, wie man tanzen muss — über euch hinweg tanzen! Was liegt daran, dass ihr missriethet!
Wie Vieles ist noch möglich! So lernt doch über euch hinweg lachen! Erhebt eure Herzen, ihr guten Tänzer, hoch! höher! Und vergesst mir auch das gute Lachen nicht!
Diese Krone des Lachenden, diese Rosenkranz-Krone: euch, meinen Brüdern, werfe ich diese Krone zu! Das Lachen sprach ich heilig; ihr höheren Menschen, lernt mir — lachen!
Das Lied der Schwermuth.
1 Als Zarathustra diese Reden sprach, stand er nahe dem Eingange seiner Höhle; mit den letzten Worten aber entschlüpfte er seinen Gästen und floh für eine kurze Weile in's Freie.
„Oh reine Gerüche um mich, rief er aus, oh selige Stille um mich! Aber wo sind meine Thiere? Heran, heran, mein Adler und meine Schlange!
Sagt mir doch, meine Thiere: diese höheren Menschen insgesammt — riechen sie vielleicht nicht gut? Oh reine Gerüche um mich! Jetzo weiss und fühle ich erst, wie ich euch, meine Thiere, liebe.“
— Und Zarathustra sprach nochmals: „ich liebe euch, meine Thiere!“ Der Adler aber und die Schlange drängten sich an ihn, als er diese Worte sprach, und sahen zu ihm hinauf. Solchergestalt waren sie zu drei still beisammen und schnüffelten und schlürften mit einander die gute Luft. Denn die Luft war hier draussen besser als bei den höheren Menschen.
2 Kaum aber hatte Zarathustra seine Höhle verlassen, da erhob sich der alte Zauberer, sah listig umher und sprach. „Er ist hinaus!
Und schon, ihr höheren Menschen — dass ich euch mit diesem Lob- und Schmeichel-Namen kitzle, gleich ihm selber — schon fällt mich mein schlimmer Trug-und Zaubergeist an, mein schwermüthiger Teufel,
— welcher diesem Zarathustra ein Widersacher ist aus dem Grunde: vergebt es ihm! Nun will er vor euch zaubern, er hat gerade seine Stunde; umsonst ringe ich mit diesem bösen Geiste.
Euch Allen, welche Ehren ihr euch mit Worten geben mögt, ob ihr euch „die freien Geister“ nennt oder „die Wahrhaftigen“ oder „die Büsser des Geistes“ oder „die Entfesselten“ oder „die grossen Sehnsüchtigen“ —
— euch Allen, die ihr am grossen Ekel leidet gleich mir, denen der alte Gott starb und noch kein neuer Gott in Wiegen und Windeln liegt, — euch Allen ist mein böser Geist und Zauber-Teufel hold.
Ich kenne euch, ihr höheren Menschen, ich kenne ihn, — ich kenne auch diesen Unhold, den ich wider Willen liebe, diesen Zarathustra: er selber dünkt mich öfter gleich einer schönen Heiligen-Larve,
— gleich einem neuen wunderlichen Mummenschanze, in dem sich mein böser Geist, der schwermüthige Teufel, gefällt: — ich liebe Zarathustra, so dünkt mich oft, um meines bösen Geistes Willen. —
Aber schon fällt der mich an und zwingt mich, dieser Geist der Schwermuth, dieser Abend-Dämmerungs-Teufel: und, wahrlich, ihr höheren Menschen, es gelüstet ihn —
— macht nur die Augen auf! — es gelüstet ihn, nackt zu kommen, ob männlich, ob weiblich, noch weiss ich's nicht: aber er kommt, er zwingt mich, wehe! macht eure Sinne auf!
Der Tag klingt ab, allen Dingen kommt nun der Abend, auch den besten Dingen; hört nun und seht, ihr höheren Menschen, welcher Teufel, ob Mann, ob Weib, dieser Geist der Abend-Schwermuth ist!
Also sprach der alte Zauberer, sah listig umher und griff dann zu seiner Harfe.
3 Bei abgeheilter Luft,wenn schon des Thau's Tröstungzur Erde niederquillt,unsichtbar, auch ungehört —denn zartes Schuhwerk trägtder Tröster Thau gleich allen Trost-Milden —:gedenkst du da, gedenkst du, heisses Herz,wie einst du durstetest,nach himmlischen Thränen und Thau-Geträufelversengt und müde durstetest,dieweil auf gelben Gras-Pfadenboshaft abendliche Sonnenblickedurch schwarze Bäume um dich liefen,blendende Sonnen-Gluthblicke, schadenfrohe.
„Der Wahrheit Freier? Du? — so höhnten sie —Nein! Nur ein Dichter!ein Thier, ein listiges, raubendes, schleichendes,das lügen muss,
das wissentlich, willentlich lügen muss:nach Beute lüstern,bunt verlarvt,sich selber Larve,sich selbst zur Beute —Das — der Wahrheit Freier?Nein! Nur Narr! nur Dichter!nur Buntes redend,aus Narren-Larven bunt herausschreiend,herumsteigend auf lügnerischen Wort-Brücken,auf bunten Regenbogen,zwischen falschen Himmelnund falschen Erden,herumschweifend, herumschwebend, —nur Narr! nur Dichter!
Das — der Wahrheit Freier?Nicht still, starr, glatt, kalt,zum Bilde worden,zur Gottes-Säule,nicht aufgestellt vor Tempeln,eines Gottes Thürwart:nein! feindselig solchen Wahrheits-Standbildern,in jeder Wildniss heimischer als vor Tempeln,voll Katzen-Muthwillens,durch jedes Fenster springendhusch! in jeden Zufall,jedem Urwalde zuschnüffelnd,süchtig-sehnsüchtig zuschnüffelnd,dass du in Urwäldernunter buntgefleckten Raubthieren
sündlich-gesund und bunt und schön liefest,mit lüsternen Lefzen,selig-höhnisch, selig-höllisch, selig-blutgierig,raubend, schleichend, lügend liefest: —
Oder, dem Adler gleich, der lange,lange starr in Abgründe blickt,in seine Abgründe: — —oh wie sie sich hier hinab,hinunter, hinein,in immer tiefere Tiefen ringeln! —dann,plötzlich, geraden Zugs,gezückten Flugs,auf Lämmer stossen,jach hinab, heisshungrig,nach Lämmern lüstern,gram allen Lamms-Seelen,grimmig-gram Allem, was blicktschafmässig, lammäugig, krauswollig,grau, mit Lamms-Schafs-Wohlwollen!
Alsoadlerhaft, pantherhaftsind des Dichters Sehnsüchte,sind deine Sehnsüchte unter tausend Larven,du Narr! du Dichter!
Der du den Menschen schautestso Gott als Schaf —:den Gott zerreissen im Menschen
wie das Schaf im Menschen,und zerreissend lachen —
Das, Das ist deine Seligkeit!Eines Panthers und Adlers Seligkeit!Eines Dichters und Narren Seligkeit!“ — —
Bei abgehellter Luft,wenn schon des Monds Sichelgrün zwischen Purpurröthenund neidisch hinschleicht:— dem Tage feind,mit jedem Schritte heimlichan Rosen-Hängemattenhinsichelnd, bis sie sinken,Nacht-abwärts blass hinabsinken: —
So sank ich selber einstmalsaus meinem Wahrheits-Wahnsinne,aus meines Tages-Sehnsüchten,des Tages müde, krank vom Lichte,— sank abwärts, abendwärts, schattenwärts:von Einer Wahrheitverbrannt und durstig:— gedenkst du noch, gedenkst du, heisses Herz,wie da du durstetest? —dass ich verbannt seivon aller Wahrheit!Nur Narr! Nur Dichter!
Von der Wissenschaft.
Also sang der Zauberer; und Alle, die beisammen waren, giengen gleich Vögeln unvermerkt in das Netz seiner listigen und schwermüthigen Wollust. Nur der Gewissenhafte des Geistes war nicht eingefangen: er nahm flugs dem Zauberer die Harfe weg und rief „Luft! Lasst gute Luft herein! Lasst Zarathustra herein! Du machst diese Höhle schwül und giftig, du schlimmer alter Zauberer!
Du verführst, du Falscher, Feiner, zu unbekannten Begierden und Wildnissen. Und wehe, wenn Solche, wie du, von der Wahrheit Redens und Wesens machen!
Wehe allen freien Geistern, welche nicht vor solchen Zauberern auf der Hut sind! Dahin ist es mit ihrer Freiheit: du lehrst und lockst zurück in Gefängnisse, —
— du alter schwermüthiger Teufel, aus deiner Klage klingt eine Lockpfeife, du gleichst Solchen, welche mit ihrem Lobe der Keuschheit heimlich zu Wollüsten laden!“
Also sprach der Gewissenhafte; der alte Zauberer aber blickte um sich, genoss seines Sieges und verschluckte darüber den Verdruss, welchen ihm der Gewissenhafte machte. „Sei still! sagte er mit bescheidener Stimme, gute Lieder wollen gut wiederhallen; nach guten Liedern soll man lange schweigen.
So thun es diese Alle, die höheren Menschen. Du aber hast wohl Wenig von meinem Lied verstanden? In dir ist Wenig von einem Zaubergeiste.“
„Du lobst mich, entgegnete der Gewissenhafte, indem du mich von dir abtrennst, wohlan! Aber ihr Anderen, was sehe ich? Ihr sitzt alle noch mit lüsternen Augen da —:
Ihr freien Seelen, wohin ist eure Freiheit! Fast, dünkt mich's, gleicht ihr Solchen, die lange schlimmen tanzenden nackten Mädchen zusahn: eure Seelen tanzen selber!
In euch, ihr höheren Menschen, muss Mehr von dem sein, was der Zauberer seinen bösen Zauber- und Truggeist nennt: — wir müssen wohl verschieden sein.
Und wahrlich, wir sprachen und dachten genug mitsammen, ehe Zarathustra heimkam zu seiner Höhle, als dass ich nicht wüsste: wir sind verschieden.
Wir suchen Verschiednes auch hier oben, ihr und ich. Ich nämlich suche mehr Sicherheit, desshalb kam ich zu Zarathustra. Der nämlich ist noch der festeste Thurm und Wille —
— heute, wo Alles wackelt, wo alle Erde bebt. Ihr aber, wenn ich eure Augen sehe, die ihr macht, fast dünkt mich's, ihr sucht mehr Unsicherheit,
— mehr Schauder, mehr Gefahr, mehr Erdbeben. Euch gelüstet, fast dünkt mich's so, vergebt meinem Dünkel, ihr höheren Menschen —
— euch gelüstet nach dem schlimmsten gefährlichsten Leben, das mir am meisten Furcht macht, nach dem Leben wilder Thiere, nach Wäldern, Höhlen, steilen Bergen und Irr-Schlünden.
Und nicht die Führer aus der Gefahr gefallen euch am besten, sondern die euch von allen Wegen abführen, die Verführer. Aber, wenn solch Gelüsten an euch wirklich ist, so dünkt es mich trotzdem unmöglich.
Furcht nämlich — das ist des Menschen Erb- und Grundgefühl; aus der Furcht erklärt sich Jegliches, Erbsünde und Erbtugend. Aus der Furcht wuchs auch meine Tugend, die heisst: Wissenschaft.
Die Furcht nämlich vor wildem Gethier — die wurde dem Menschen am längsten angezüchtet, einschliesslich das Thier, das er in sich selber birgt und fürchtet: — Zarathustra heisst es „das innere Vieh“.
Solche lange alte Furcht, endlich fein geworden, geistlich, geistig — heute, dünkt mich, heisst sie: Wissenschaft.“ —
Also sprach der Gewissenhafte; aber Zarathustra, der eben in seine Höhle zurückkam und die letzte Rede gehört und errathen hatte, warf dem Gewissenhaften eine Hand voll Rosen zu und lachte ob seiner „Wahrheiten“. „Wie! rief er, was hörte ich da eben? Wahrlich, mich dünkt, du bist ein Narr oder ich selber bin's: und deine „Wahrheit“ stelle ich rucks und flugs auf den Kopf.
Furcht nämlich — ist unsre Ausnahme. Muth aber und Abenteuer und Lust am Ungewissen, am Ungewagten, — Muth dünkt mich des Menschen ganze Vorgeschichte.
Den wildesten muthigsten Thieren hat er alle ihre Tugenden abgeneidet und abgeraubt: so erst wurde er — zum Menschen.
Dieser Muth, endlich fein geworden, geistlich, geistig, dieser Menschen-Muth mit Adler-Flügeln und Schlangen-Klugheit: der, dünkt mich, heisst heute —“
„Zarathustra“! schrien Alle, die beisammen sassen, wie aus Einem Munde und machten dazu ein grosses Gelächter; es hob sich aber von ihnen wie eine schwere Wolke. Auch der Zauberer lachte und sprach mit Klugheit: „Wohlan! Er ist davon, mein böser Geist!
Und habe ich euch nicht selber vor ihm gewarnt, als ich sagte, dass er ein Betrüger sei, ein Lug- und Truggeist?
Sonderlich nämlich, wenn er sich nackend zeigt. Aber was kann ich für seine Tücken! Habe ich ihn und die Welt geschaffen?
Wohlan! Seien wir wieder gut und guter Dinge! Und ob schon Zarathustra böse blickt — seht ihn doch! er ist mir gram —:
— bevor die Nacht kommt, lernt er wieder, mich lieben und loben, er kann nicht lange leben, ohne solche Thorheiten zu thun.
Der — liebt seine Feinde: diese Kunst versteht er am besten von Allen, die ich sah. Aber er nimmt Rache dafür — an seinen Freunden!“
Also sprach der alte Zauberer, und die höheren Menschen zollten ihm Beifall: so dass Zarathustra herumgieng und mit Bosheit und Liebe seinen Freunden die Hände schüttelte, — gleichsam als Einer, der an Allen Etwas gutzumachen und abzubitten hat. Als er aber dabei an die Thür seiner Höhle kam, siehe, da gelüstete ihn schon wieder nach der guten Luft da draussen und nach seinen Thieren, — und er wollte hinaus schlüpfen.
Unter Töchtern der Wüste.
1 „Gehe nicht davon! sagte da der Wanderer, welcher sich den Schatten Zarathustra's nannte, bleibe bei uns, es möchte uns sonst die alte dumpfe Trübsal wieder anfallen.
Schon gab uns jener alte Zauberer von seinem Schlimmsten zum Besten, und siehe doch, der gute fromme Papst da hat Thränen in den Augen und hat sich ganz wieder auf's Meer der Schwermuth eingeschifft.
Diese Könige mögen wohl vor uns noch gute Miene machen: das lernten Die nämlich von uns Allen heute am besten! Hätten sie aber keine Zeugen, ich wette, auch bei ihnen fienge das böse Spiel wieder an —
— das böse Spiel der ziehenden Wolken, der feuchten Schwermuth, der verhängten Himmel, der gestohlenen Sonnen, der heulenden Herbst-Winde!
— das böse Spiel unsres Heulens und Nothschreiens: bleibe bei uns, oh Zarathustra! Hier ist viel verborgenes Elend, das reden will, viel Abend, viel Wolke, viel dumpfe Luft!
Du nährtest uns mit starker Manns-Kost und kräftigen Sprüchen: lass es nicht zu, dass uns zum Nachtisch die weichlichen weiblichen Geister wieder anfallen!
Du allein machst die Luft um dich herum stark und klar! Fand ich je auf Erden so gute Luft, als bei dir in deiner Höhle?
Viele Länder sah ich doch, meine Nase lernte vielerlei Luft prüfen und abschätzen: aber bei dir schmecken meine Nüstern ihre grösste Lust!
Es sei denn, — es sei denn —, oh vergieb eine alte Erinnerung! Vergieb mir ein altes Nachtisch-Lied, das ich einst unter Töchtern der Wüste dichtete: —
— bei denen nämlich gab es gleich gute helle morgenländische Luft; dort war ich am fernsten vom wolkigen feuchten schwermüthigen Alt-Europa!
Damals liebte ich solcherlei Morgenland-Mädchen und andres blaues Himmelreich, über dem keine Wolken und keine Gedanken hängen.
Ihr glaubt es nicht, wie artig sie dasassen, wenn sie nicht tanzten, tief, aber ohne Gedanken, wie kleine Geheimnisse, wie bebänderte Räthsel, wie Nachtisch-Nüsse —
bunt und fremd fürwahr! aber ohne Wolken: Räthsel, die sich rathen lassen: solchen Mädchen zu Liebe erdachte ich damals einen Nachtisch-Psalm.“
Also sprach der Wanderer und Schatten; und ehe Jemand ihm antwortete, hatte er schon die Harfe des alten Zauberers ergriffen, die Beine gekreuzt und blickte gelassen und weise um sich: — mit den Nüstern aber zog er langsam und fragend die Luft ein, wie Einer, der in neuen Ländern neue fremde Luft kostet. Darauf hob er mit einer Art Gebrüll zu singen an.
2 Die Wüste wächst: weh Dem, der Wüsten birgt!
— Ha! Feierlich!In der That feierlich!Ein würdiger Anfang!Afrikanisch feierlich!Eines Löwen würdig,oder eines moralischen Brüllaffen —— aber Nichts für euch,ihr allerliebsten Freundinnen,zu deren Füssen mirzum ersten Male,einem Europäer, unter Palmenzu sitzen vergönnt ist. Sela.
Wunderbar wahrlich!Da sitze ich nun,der Wüste nahe und bereitsso fern wieder der Wüste,auch in Nichts noch verwüstet:nämlich hinabgeschlucktvon dieser kleinsten Oasis —:— sie sperrte gerade gähnendihr liebliches Maul auf,
das wohlriechendste aller Mäulchen:da fiel ich hinein,hinab, hindurch — unter euch,ihr allerliebsten Freundinnen! Sela.
Heil, Heil jenem Wallfische,wenn er also es seinem Gastewohl sein liess! — ihr verstehtmeine gelehrte Anspielung? —Heil seinem Bauche,wenn er alsoein so lieblicher Oasis-Bauch wargleich diesem: was ich aber in Zweifel ziehe,— dafür komme ich aus Europa,das zweifelsüchtiger ist als alleältlichen Eheweibchen.Möge Gott es bessern!Amen!
Da sitze ich nun,in dieser kleinsten Oasis,einer Dattel gleich,braun, durchsüsst, goldschwürig, lüsternnach einem runden Mädchenmunde,mehr noch aber nach mädchenhafteneiskalten schneeweissen schneidigenBeisszähnen: nach denen nämlichlechzt das Herz allen heissen Datteln. Sela.
Den genannten Südfrüchtenähnlich, allzuähnlich
liege ich hier, von kleinenFlügelkäfernumtänzelt und umspielt,insgleichen von noch kleinerenthörichteren boshafterenWünschen und Einfällen, —umlagert von euch,ihr stummen, ihr ahnungsvollenMädchen-Katzen,Dudu und Suleika,— umsphinxt, dass ich in Ein Wortviel Gefühle stopfe:(vergebe mir Gottdiese Sprach-Sünde!)— sitze hier, die beste Luft schnüffelnd,Paradieses-Luft wahrlich,lichte leichte Luft, goldgestreifte,so gute Luft nur jevom Monde herabfiel —sei es aus Zufall,oder geschah es aus Übermuthe?wie die alten Dichter erzählen.Ich Zweifler aber ziehe esin Zweifel, dafür aber komme ichaus Europa,das zweifelsüchtiger ist als alleältlichen Eheweibchen.Möge Gott es bessern!Amen!
Diese schönste Luft trinkend,
mit Nüstern geschwellt gleich Bechern,ohne Zukunft, ohne Erinnerungen,so sitze ich hier, ihrallerliebsten Freundinnen,und sehe der Palme zu,wie sie, einer Tänzerin gleich,sich biegt und schmiegt und in der Hüfte wiegt,— man thut es mit, sieht man lange zu! —einer Tänzerin gleich, die, wie mir scheinen will,zu lange schon, gefährlich lange,immer, immer nur auf Einem Beine stand?— da vergass sie darob, wie mir scheinen will,das andre Bein?Vergebens wenigstenssuchte ich das vermissteZwillings-Kleinod— nämlich das andre Bein —in der heiligen Näheihres allerliebsten, allerzierlichstenFächer- und Flatter- und Flitterröckchens.Ja, wenn ihr mir, ihr schönen Freundinnen,ganz glauben wollt:sie hat es verloren!Es ist dahin!auf ewig dahin!das andre Bein!Oh schade um dieses liebliche andre Bein!Wo — mag es wohl weilen und verlassen trauern?dieses einsame Bein?In Furcht vielleicht vor einemgrimmen gelben blondgelockten
Löwen-Unthiere? Oder gar schonabgenagt, abgeknabbert —erbärmlich, wehe! wehe! abgeknabbert! Sela.
Oh weint mir nicht,weiche Herzen!Weint mir nicht, ihrDattel-Herzen! Milch-Busen!Ihr Süssholz-Herz-Beutelchen!Weine nicht mehr,bleiche Dudu!Sei ein Mann, Suleika! Muth! Muth!— Oder sollte vielleichtetwas Stärkendes, Herz-Stärkendes,hier am Platze sein?Ein gesalbter Spruch?Ein feierlicher Zuspruch? —
Ha! Herauf, Würde!Tugend-Würde! Europäer-Würde!Blase, blase wieder,Blasebalg der Tugend!Ha!Noch Ein Mal brüllen,moralisch brüllen!Als moralischer Löwevor den Töchtern der Wüste brüllen!— Denn Tugend-Geheul,ihr allerliebsten Mädchen,ist mehr als Alles
Europäer-Inbrunst, Europäer-Heisshunger!Und da stehe ich schon,als Europäer,ich kann nicht anders, Gott helfe mir!Amen!
Die Wüste wächst: weh Dem, der Wüsten birgt!
Die Erweckung.
1 Nach dem Liede des Wanderers und Schattens wurde die Höhle mit Einem Male voll Lärmens und Lachens; und da die versammelten Gäste alle zugleich redeten, und auch der Esel, bei einer solchen Ermuthigung, nicht mehr still blieb, überkam Zarathustra ein kleiner Widerwille und Spott gegen seinen Besuch: ob er sich gleich ihrer Fröhlichkeit erfreute. Denn sie dünkte ihm ein Zeichen der Genesung. So schlüpfte er hinaus in's Freie und sprach zu seinen Thieren.
„Wo ist nun ihre Noth hin? sprach er, und schon athmete er selber von seinem kleinen Überdrusse auf, — bei mir verlernten sie, wie mich dünkt, das Nothschrein!
— wenn auch, leider, noch nicht das Schrein.“ Und Zarathustra hielt sich die Ohren zu, denn eben mischte sich das I-A des Esels wunderlich mit dem Jubel-Lärm dieser höheren Menschen.
„Sie sind lustig, begann er wieder, und wer weiss? vielleicht auf ihres Wirthes Unkosten; und lernten sie von mir lachen, so ist es doch nicht mein Lachen, das sie lernten.
Aber was liegt daran! Es sind alte Leute: sie genesen auf ihre Art, sie lachen auf ihre Art; meine Ohren haben schon Schlimmeres erduldet und wurden nicht unwirsch.
Dieser Tag ist ein Sieg: er weicht schon, er flieht, der Geist der Schwere, mein alter Erzfeind! Wie gut will dieser Tag enden, der so schlimm und schwer begann!
Und enden will er. Schon kommt der Abend: über das Meer her reitet er, der gute Reiter! Wie er sich wiegt, der Selige, Heimkehrende, in seinen purpurnen Sätteln!
Der Himmel blickt klar dazu, die Welt liegt tief: oh all ihr Wunderlichen, die ihr zu mir kamt, es lohnt sich schon, bei mir zu leben!“
Also sprach Zarathustra. Und wieder kam da das Geschrei und Gelächter der höheren Menschen aus der Höhle: da begann er von Neuem.
„Sie beissen an, mein Köder wirkt, es weicht auch ihnen ihr Feind, der Geist der Schwere. Schon lernen sie über sich selber lachen: höre ich recht?
Meine Manns-Kost wirkt, mein Saft- und Kraft-Spruch: und wahrlich, ich nährte sie nicht mit Bläh-Gemüsen! Sondern mit Krieger-Kost, mit Eroberer-Kost: neue Begierden weckte ich.
Neue Hoffnungen sind in ihren Armen und Beinen, ihr Herz streckt sich aus. Sie finden neue Worte, bald wird ihr Geist Muthwillen athmen.
Solche Kost mag freilich nicht für Kinder sein, noch auch für sehnsüchtige alte und junge Weibchen. Denen überredet man anders die Eingeweide; deren Arzt und Lehrer bin ich nicht.
Der Ekel weicht diesen höheren Menschen: wohlan! das ist mein Sieg. In meinem Reiche werden sie sicher, alle dumme Scham läuft davon, sie schütten sich aus.
Sie schütten ihr Herz aus, gute Stunden kehren ihnen zurück, sie feiern und käuen wieder, — sie werden dankbar.
Das nehme ich als das beste Zeichen: sie werden dankbar. Nicht lange noch, und sie denken sich Feste aus und stellen Denksteine ihren alten Freuden auf.
Es sind Genesende!“ Also sprach Zarathustra fröhlich zu seinem Herzen und schaute hinaus; seine Thiere aber drängten sich an ihn und ehrten sein Glück und sein Stillschweigen.
2 Plötzlich aber erschrak das Ohr Zarathustra's: die Höhle nämlich, welche bisher voller Lärmens und Gelächters war, wurde mit Einem Male todtenstill; — seine Nase aber roch einen wohlriechenden Qualm und Weihrauch, wie von brennenden Pinien-Zapfen.
„Was geschieht? Was treiben sie? fragte er sich und schlich zum Eingange heran, dass er seinen Gästen, unvermerkt, zusehn könne. Aber, Wunder über Wunder! was musste er da mit seinen eignen Augen sehn!
„Sie sind Alle wieder fromm geworden, sie beten, sie sind toll!“ — sprach er und verwunderte sich über die Maassen. Und, fürwahr!, alle diese höheren Menschen, die zwei Könige, der Papst ausser Dienst, der schlimme Zauberer, der freiwillige Bettler, der Wanderer und Schatten, der alte Wahrsager, der Gewissenhafte des Geistes und der hässlichste Mensch: sie lagen Alle gleich Kindern und gläubigen alten Weibchen auf den Knien und beteten den Esel an. Und eben begann der hässlichste Mensch zu gurgeln und zu schnauben, wie als ob etwas Unaussprechliches aus ihm heraus wolle; als er es aber wirklich bis zu Worten gebracht hatte, siehe, da war es eine fromme seltsame Litanei zur Lobpreisung des angebeteten und angeräucherten Esels. Diese Litanei aber klang also:
Amen! Und Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Stärke sei unserm Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit!
— Der Esel aber schrie dazu I-A.
Er trägt unsre Last, er nahm Knechtsgestalt an, er ist geduldsam von Herzen und redet niemals Nein; und wer seinen Gott liebt, der züchtigt ihn.
— Der Esel aber schrie dazu I-A.
Er redet nicht: es sei denn, dass er zur Welt, die er schuf, immer Ja sagt: also preist er seine Welt. Seine Schlauheit ist es, die nicht redet: so bekömmt er selten Unrecht.
— Der Esel aber schrie dazu I-A. Unscheinbar geht er durch die Welt. Grau ist die Leib-Farbe, in welche er seine Tugend hüllt. Hat er Geist, so verbirgt er ihn; Jedermann aber glaubt an seine langen Ohren.
— Der Esel aber schrie dazu I-A.
Welche verborgene Weisheit ist das, dass er lange Ohren trägt und allein Ja und nimmer Nein sagt! Hat er nicht die Welt erschaffen nach seinem Bilde, nämlich so dumm als möglich?
— Der Esel aber schrie dazu I-A.
Du gehst gerade und krumme Wege; es kümmert dich wenig, was uns Menschen gerade oder krumm dünkt. Jenseits von Gut und Böse ist dein Reich. Es ist deine Unschuld, nicht zu wissen, was Unschuld ist.
— Der Esel aber schrie dazu I-A.
Siehe doch, wie du Niemanden von dir stössest, die Bettler nicht, noch die Könige. Die Kindlein lässest du zu dir kommen, und wenn dich die bösen Buben locken, so sprichst du einfältiglich I-A.
— Der Esel aber schrie dazu I-A.
Du liebst Eselinnen und frische Feigen, du bist kein Kostverächter. Eine Distel kitzelt dir das Herz, wenn du gerade Hunger hast. Darin liegt eines Gottes Weisheit.
— Der Esel aber schrie dazu I-A.
Das Eselsfest.
1 An dieser Stelle der Litanei aber konnte Zarathustra sich nicht länger bemeistern, schrie selber I-A, lauter noch als der Esel, und sprang mitten unter seine tollgewordenen Gäste. „Aber was treibt ihr da, ihr Menschenkinder? rief er, indem er die Betenden vom Boden empor riss. Wehe, wenn euch Jemand Anderes zusähe als Zarathustra:
Jeder würde urtheilen, ihr wäret mit eurem neuen Glauben die ärgsten Gotteslästerer oder die thörichtsten aller alten Weiblein!
Und du selber, du alter Papst, wie stimmt Das mit dir selber zusammen, dass du solchergestalt einen Esel hier als Gott anbetest?“ —
„Oh Zarathustra, antwortete der Papst, vergieb mir, aber in Dingen Gottes bin ich aufgeklärter noch als du. Und so ist's billig.
Lieber Gott also anbeten, in dieser Gestalt, als in gar keiner Gestalt! Denke über diesen Spruch nach, mein hoher Freund: du erräthst geschwind, in solchem Spruch steckt Weisheit.
Der, welcher sprach „Gott ist ein Geist“ — der machte bisher auf Erden den grössten Schritt und Sprung zum Unglauben: solch Wort ist auf Erden nicht leicht wieder gut zu machen!
Mein altes Herz springt und hüpft darob, dass es auf Erden noch Etwas anzubeten giebt. Vergieb das, oh Zarathustra, einem alten frommen Papst-Herzen! —“
— „Und du, sagte Zarathustra zu dem Wanderer und Schatten, du nennst und wähnst dich einen freien Geist? Und treibst hier solchen Götzen- und Pfaffendienst?
Schlimmer, wahrlich, treibst du's hier noch als bei deinen schlimmen braunen Mädchen, du schlimmer neuer Gläubiger!“
„Schlimm genug, antwortete der Wanderer und Schatten, du hast Recht: aber was kann ich dafür! Der alte Gott lebt wieder, oh Zarathustra, du magst reden, was du willst.
Der hässlichste Mensch ist an Allem schuld: der hat ihn wieder auferweckt. Und wenn er sagt, dass er ihn einst getödtet habe: Tod ist bei Göttern immer nur ein Vorurtheil.“
Und du, sprach Zarathustra, du schlimmer alter Zauberer, was thatest du! Wer soll, in dieser freien Zeit, fürderhin an dich glauben, wenn du an solche Götter-Eseleien glaubst?
Es war eine Dummheit, was du thatest; wie konntest du, du Kluger, eine solche Dummheit thun!
„Oh Zarathustra, antwortete der kluge Zauberer, du hast Recht, es war eine Dummheit, — es ist mir auch schwer genug geworden.“
— „Und du gar, sagte Zarathustra zu dem Gewissenhaften des Geistes, erwäge doch und lege den Finger an deine Nase! Geht hier denn Nichts wider dein Gewissen? Ist dein Geist nicht zu reinlich für diess Beten und den Dunst dieser Betbrüder?“
„Es ist Etwas daran, antwortete der Gewissenhafte und legte den Finger an die Nase, es ist Etwas an diesem Schauspiele, das meinem Gewissen sogar wohlthut.
Vielleicht, dass ich an Gott nicht glauben darf: gewiss aber ist, dass Gott mir in dieser Gestalt noch am glaubwürdigsten dünkt.
Gott soll ewig sein, nach dem Zeugnisse der Frömmsten: wer so viel Zeit hat, lässt sich Zeit. So langsam und so dumm als möglich: damit kann ein Solcher es doch sehr weit bringen.
Und wer des Geistes zu viel hat, der möchte sich wohl in die Dumm- und Narrheit selber vernarren. Denke über dich selber nach, oh Zarathustra!
Du selber — wahrlich! auch du könntest wohl aus Überfluss und Weisheit zu einem Esel werden.
Geht nicht ein vollkommner Weiser gern auf den krümmsten Wegen? Der Augenschein lehrt es, oh Zarathustra, — dein Augenschein!“
— „Und du selber zuletzt, sprach Zarathustra und wandte sich gegen den hässlichsten Menschen, der immer noch auf dem Boden lag, den Arm zu dem Esel emporhebend (er gab ihm nämlich Wein zu trinken). Sprich, du Unaussprechlicher, was hast du da gemacht!
Du dünkst mich verwandelt, dein Auge glüht, der Mantel des Erhabenen liegt um deine Hässlichkeit: was thatest du?
Ist es denn wahr, was Jene sagen, dass du ihn wieder auferwecktest? Und wozu? War er nicht mit Grund abgetödtet und abgethan?
Du selber dünkst mich aufgeweckt: was thatest du? was kehrtest du um? Was bekehrtest du dich? Sprich, du Unaussprechlicher!“
„Oh Zarathustra, antwortete der hässlichste Mensch, du bist ein Schelm!
Ob Der noch lebt oder wieder lebt oder gründlich todt ist, — wer von uns Beiden weiss Das am Besten? Ich frage dich.
Eins aber weiss ich, — von dir selber lernte ich's einst, oh Zarathustra: wer am gründlichsten tödten will, der lacht.
„Nicht durch Zorn, sondern durch Lachen tödtet man“ — so sprachst du einst. Oh Zarathustra, du Verborgener, du Vernichter ohne Zorn, du gefährlicher Heiliger, — du bist ein Schelm!“
2 Da aber geschah es, dass Zarathustra, verwundert über lauter solche Schelmen-Antworten, zur Thür seiner Höhle zurück sprang und, gegen alle seine Gäste gewendet, mit starker Stimme schrie:
„Oh ihr Schalks-Narren allesammt, ihr Possenreisser! Was verstellt und versteckt ihr euch vor mir!
Wie doch einem Jeden von euch das Herz zappelte vor Lust und Bosheit, darob, dass ihr endlich einmal wieder wurdet wie die Kindlein, nämlich fromm, —
— dass ihr endlich wieder thatet wie Kinder thun, nämlich betetet, hände-faltetet und „lieber Gott“ sagtet!
Aber nun lasst mir diese Kinderstube, meine eigne Höhle, wo heute alle Kinderei zu Hause ist. Kühlt hier draussen euren heissen Kinder-Übermuth und Herzenslärm ab!
Freilich: so ihr nicht werdet wie die Kindlein, so kommt ihr nicht in das Himmelreich. (Und Zarathustra zeigte mit den Händen nach Oben.)
Aber wir wollen auch gar nicht in's Himmelreich: Männer sind wir worden, — so wollen wir das Erdenreich.“
3 Und noch einmal hob Zarathustra an zu reden. „Oh meine neuen Freunde, sprach er — ihr Wunderlichen, ihr höheren Menschen, wie gut gefallt ihr mir nun, —
— seit ihr wieder fröhlich wurdet! Ihr seid wahrlich alle aufgeblüht: mich dünkt, solchen Blumen, wie ihr seid, thun neue Feste Noth,
— ein kleiner tapferer Unsinn, irgend ein Gottesdienst und Eselsfest, irgend ein alter fröhlicher Zarathustra-Narr, ein Brausewind, der euch die Seelen hell bläst.
Vergesst diese Nacht und diess Eselsfest nicht, ihr höheren Menschen! Das erfandet ihr bei mir, Das nehme ich als gutes Wahrzeichen, — Solcherlei erfinden nur Genesende!
Und feiert ihr es abermals, dieses Eselsfest, thut's euch zu Liebe, thut's auch mir zu Liebe! Und zu meinem Gedächtniss!“
Also sprach Zarathustra.
Das Nachtwandler-Lied.
1 Inzwischen aber war Einer nach dem Andern hinaus getreten, in's Freie und in die kühle nachdenkliche Nacht; Zarathustra selber aber führte den hässlichsten Menschen an der Hand, dass er ihm seine Nacht-Welt und den grossen runden Mond und die silbernen Wasserstürze bei seiner Höhle zeige. Da standen sie endlich still bei einander, lauter alte Leute, aber mit einem getrösteten tapferen Herzen und verwundert bei sich, dass es ihnen auf Erden so wohl war; die Heimlichkeit der Nacht aber kam ihnen näher und näher an's Herz. Und von Neuem dachte Zarathustra bei sich: „oh wie gut sie mir nun gefallen, diese höheren Menschen!“ — aber er sprach es nicht aus, denn er ehrte ihr Glück und ihr Stillschweigen. —
Da aber geschah Das, was an jenem erstaunlichen langen Tage das Erstaunlichste war: der hässlichste Mensch begann noch ein Mal und zum letzten Mal zu gurgeln und zu schnauben, und als er es bis zu Worten gebracht hatte, siehe, da sprang eine Frage rund und reinlich aus seinem Munde, eine gute tiefe klare Frage, welche Allen, die ihm zuhörten, das Herz im Leibe bewegte.
„Meine Freunde insgesammt, sprach der hässlichste Mensch, was dünket euch? Um dieses Tags Willen — ich bin's zum ersten Male zufrieden, dass ich das ganze Leben lebte.
Und dass ich so viel bezeuge, ist mir noch nicht genug. Es lohnt sich auf der Erde zu leben: Ein Tag, Ein Fest mit Zarathustra lehrte mich die Erde lieben.
„War Das — das Leben?“ will ich zum Tode sprechen. „Wohlan! Noch Ein Mal!“
Meine Freunde, was dünket euch? Wollt ihr nicht gleich mir zum Tode sprechen: War Das — das Leben? Um Zarathustra's Willen, wohlan! Noch Ein Mal!“ — —
Also sprach der hässlichste Mensch; es war aber nicht lange vor Mitternacht. Und was glaubt ihr wohl, dass damals sich zutrug? Sobald die höheren Menschen seine Frage hörten, wurden sie sich mit Einem Male ihrer Verwandlung und Genesung bewusst, und wer ihnen dieselbe gegeben habe: da sprangen sie auf Zarathustra zu, dankend, verehrend, liebkosend, ihm die Hände küssend, so wie es der Art eines Jeden eigen war: also das Einige lachten, Einige weinten. Der alte Wahrsager aber tanzte vor Vergnügen; und wenn er auch, wie manche Erzähler meinen, damals voll süssen Weines war, so war er gewisslich noch voller des süssen Lebens und hatte aller Müdigkeit abgesagt. Es giebt sogar Solche, die erzählen, dass damals der Esel getanzt habe: nicht umsonst nämlich habe ihm der hässlichste Mensch vorher Wein zu trinken gegeben. Diess mag sich nun so verhalten oder auch anders; und wenn in Wahrheit an jenem Abende der Esel nicht getanzt hat, so geschahen doch damals grössere und seltsamere Wunderdinge als es das Tanzen eines Esels wäre. Kurz, wie das Sprichwort Zarathustra's lautet: „was liegt daran!“
2 Zarathustra aber, als sich diess mit dem hässlichsten Menschen zutrug, stand da, wie ein Trunkener: sein Blick erlosch, seine Zunge lallte, seine Füsse schwankten. Und wer möchte auch errathen, welche Gedanken dabei über Zarathustra's Seele liefen? Ersichtlich aber wich sein Geist zurück und floh voraus und war in weiten Fernen und gleichsam „auf hohem Joche, wie geschrieben steht, zwischen zwei Meeren,
— zwischen Vergangenem und Zukünftigem als schwere Wolke wandelnd.“ Allgemach aber, während ihn die höheren Menschen in den Armen hielten, kam er ein Wenig zu sich selber zurück und wehrte mit den Händen dem Gedränge der Verehrenden und Besorgten; doch sprach er nicht. Mit Einem Male aber wandte er schnell den Kopf, denn er schien Etwas zu hören: da legte er den Finger an den Mund und sprach: „Kommt!“
Und alsbald wurde es rings still und heimlich; aus der Tiefe aber kam langsam der Klang einer Glocke herauf. Zarathustra horchte darnach, gleich den höheren Menschen; dann aber legte er zum andern Male den Finger an den Mund und sprach wiederum: „Kommt! Kommt! Es geht gen Mitternacht!“ — und seine Stimme hatte sich verwandelt. Aber immer noch rührte er sich nicht von der Stelle: da wurde es noch stiller und heimlicher, und Alles horchte, auch der Esel, und Zarathustra's Ehrenthiere, der Adler und die Schlange, insgleichen die Höhle Zarathustra's und der grosse kühle Mond und die Nacht selber. Zarathustra aber legte zum dritten Male die Hand an den Mund und sprach:
Kommt! Kommt! Kommt! Lasst uns jetzo wandeln! Es ist die Stunde: lasst uns in die Nacht wandeln!
3 Ihr höheren Menschen, es geht gen Mitternacht: da will ich euch Etwas in die Ohren sagen, wie jene alte Glocke es mir in's Ohr sagt, —
— so heimlich, so schrecklich, so herzlich, wie jene Mitternachts-Glocke zu mir es redet, die mehr erlebt hat als Ein Mensch:
— welche schon eurer Väter Herzens-Schmerzens-Schläge abzählte — ach! ach! wie sie seufzt! wie sie im Traume lacht! die alte tiefe tiefe Mitternacht!
Still! Still! Da hört sich Manches, das am Tage nicht laut werden darf; nun aber, bei kühler Luft, da auch aller Lärm eurer Herzen stille ward, —
— nun redet es, nun hört es sich, nun schleicht es sich in nächtliche überwache Seelen: ach! ach! wie sie seufzt! wie sie im Traume lacht!
— hörst du's nicht, wie sie heimlich, schrecklich, herzlich zu dir redet, die alte tiefe tiefe Mitternacht? Oh Mensch, gieb Acht!
4 Wehe mir! Wo ist die Zeit hin? Sank ich nicht in tiefe Brunnen? Die Welt schläft —
Ach! Ach! Der Hund heult, der Mond scheint. Lieber will ich sterben, sterben, als euch sagen, was mein Mitternachts-Herz eben denkt.
Nun starb ich schon. Es ist dahin. Spinne, was spinnst du um mich? Willst du Blut? Ach! Ach! der Thau fällt, die Stunde kommt —
— die Stunde, wo mich fröstelt und friert, die fragt und fragt und fragt: „wer hat Herz genug dazu?
— wer soll der Erde Herr sein? Wer will sagen: so sollt ihr laufen, ihr grossen und kleinen Ströme!“
— die Stunde naht: oh Mensch, du höherer Mensch, gieb Acht! diese Rede ist für feine Ohren, für deine Ohren — was spricht die tiefe Mitternacht?
5 Es trägt mich dahin, meine Seele tanzt. Tagewerk! Tagewerk! Wer soll der Erde Herr sein?
Der Mond ist kühl, der Wind schweigt. Ach! Ach! Flogt ihr schon hoch genug? Ihr tanztet: aber ein Bein ist doch kein Flügel.
Ihr guten Tänzer, nun ist alle Lust vorbei: Wein ward Hefe, jeder Becher ward mürbe, die Gräber stammeln.
Ihr flogt nicht hoch genug: nun stammeln die Gräber „erlöst doch die Todten! Warum ist so lange Nacht? Macht uns nicht der Mond trunken?“
Ihr höheren Menschen, erlöst doch die Gräber, weckt die Leichname auf! Ach, was gräbt noch der Wurm? Es naht, es naht die Stunde, —
— es brummt die Glocke, es schnarrt noch das Herz, es gräbt noch der Holzwurm, der Herzenswurm. Ach! Ach! Die Welt ist tief!
6 Süsse Leier! Süsse Leier! Ich liebe deinen Ton, deinen trunkenen Unken-Ton! — wie lang her, wie fern her kommt mir dein Ton, weit her, von den Teichen der Liebe!
Du alte Glocke, du süsse Leier! Jeder Schmerz riss dir in's Herz, Vaterschmerz, Väterschmerz, Urväterschmerz; deine Rede wurde reif, —
— reif gleich goldenem Herbste und Nachmittage, gleich meinem Einsiedlerherzen — nun redest du: die Welt selber ward reif, die Traube bräunt,
— nun will sie sterben, vor Glück sterben. Ihr höheren Menschen, riecht ihr's nicht? Es quillt heimlich ein Geruch herauf,
— ein Duft und Geruch der Ewigkeit, ein rosenseliger brauner Gold-Wein-Geruch von altem Glücke,
— von trunkenem Mitternachts-Sterbeglücke, welches singt: die Welt ist tief und tiefer als der Tag gedacht!
7 Lass mich! Lass mich! Ich bin zu rein für dich. Rühre mich nicht an! Ward meine Welt nicht eben vollkommen?
Meine Haut ist zu rein für deine Hände. Lass mich, du dummer tölpischer dumpfer Tag! Ist die Mitternacht nicht heller?
Die Reinsten sollen der Erde Herrn sein, die Unerkanntesten, Stärksten, die Mitternachts-Seelen, die heller und tiefer sind als jeder Tag.
Oh Tag, du tappst nach mir? Du tastest nach meinem Glücke? Ich bin dir reich, einsam, eine Schatzgrube, eine Goldkammer?
Oh Welt, du willst mich? Bin ich dir weltlich? Bin ich dir geistlich? Bin ich dir göttlich? Aber Tag und Welt, ihr seid zu plump, —
— habt klügere Hände, greift nach tieferem Glücke, nach tieferem Unglücke, greift nach irgend einem Gotte, greift nicht nach mir:
— mein Unglück, mein Glück ist tief, du wunderlicher Tag, aber doch bin ich kein Gott, keine Gottes-Hölle: tief ist ihr Weh.
8 Gottes Weh ist tiefer, du wunderliche Welt! Greife nach Gottes Weh, nicht nach mir! Was bin ich! Eine trunkene süsse Leier, —
— eine Mitternachts-Leier, eine Glocken-Unke, die Niemand versteht, aber welche reden muss, vor Tauben, ihr höheren Menschen! Denn ihr versteht mich nicht!
Dahin! Dahin! Oh Jugend! Oh Mittag! Oh Nachmittag! Nun kam Abend und Nacht und Mitternacht, — der Hund heult, der Wind:
— ist der Wind nicht ein Hund? Er winselt, er kläfft, er heult. Ach! Ach! wie sie seufzt! wie sie lacht, wie sie röchelt und keucht, die Mitternacht!
Wie sie eben nüchtern spricht, diese trunkene Dichterin! sie übertrank wohl ihre Trunkenheit? sie wurde überwach? sie käut zurück?
— ihr Weh käut sie zurück, im Traume, die alte tiefe Mitternacht, und mehr noch ihre Lust. Lust nämlich, wenn schon Weh tief ist: Lust ist tiefer noch als Herzeleid.
9 Du Weinstock! Was preisest du mich! Ich schnitt dich doch! Ich bin grausam, du blutest —: was will dein Lob meiner trunkenen Grausamkeit?
„Was vollkommen ward, alles Reife — will sterben! so redest du. Gesegnet, gesegnet sei das Winzermesser! Aber alles Unreife will leben: wehe!
Weh spricht: „Vergeh! Weg, du Wehe!“ Aber Alles, was leidet, will leben, dass es reif werde und lustig und sehnsüchtig,
— sehnsüchtig nach Fernerem, Höherem, Hellerem. „Ich will Erben, so spricht Alles, was leidet, ich will Kinder, ich will nicht mich,“ —
Lust aber will nicht Erben, nicht Kinder, — Lust will sich selber, will Ewigkeit, will Wiederkunft, will Alles-sich-ewig-gleich.
Weh spricht: „Brich, blute, Herz! Wandle, Bein! Flügel, flieg! Hinan! Hinauf! Schmerz!“ Wohlan! Wohlauf! Oh mein altes Herz: Weh spricht: „vergeh!“
10 Ihr höheren Menschen, was dünket euch? Bin ich ein Wahrsager? Ein Träumender? Trunkener? Ein Traumdeuter? Eine Mitternachts-Glocke?
Ein Tropfen Thau's? Ein Dunst und Duft der Ewigkeit? Hört ihr's nicht? Riecht ihr's nicht? Eben ward meine Welt vollkommen, Mitternacht ist auch Mittag, —
Schmerz ist auch eine Lust, Fluch ist auch ein Segen, Nacht ist auch eine Sonne, — geht davon oder ihr lernt: ein Weiser ist auch ein Narr.
Sagtet ihr jemals Ja zu Einer Lust? Oh, meine Freunde, so sagtet ihr Ja auch zu allem Wehe. Alle Dinge sind verkettet, verfädelt, verliebt, —
— wolltet ihr jemals Ein Mal zweimal, spracht ihr jemals „du gefällst mir, Glück! Husch! Augenblick!“ so wolltet ihr Alles zurück!
— Alles von neuem, Alles ewig, Alles verkettet, verfädelt, verliebt, oh so liebtet ihr die Welt, —
— ihr Ewigen, liebt sie ewig und allezeit: und auch zum Weh sprecht ihr: vergeh, aber komm zurück! Denn alle Lust will — Ewigkeit!
11 Alle Lust will aller Dinge Ewigkeit, will Honig, will Hefe, will trunkene Mitternacht, will Gräber, will Gräber-Thränen-Trost, will vergüldetes Abendroth —
— was will nicht Lust! sie ist durstiger, herzlicher, hungriger, schrecklicher, heimlicher als alles Weh, sie will sich, sie beisst in sich, des Ringes Wille ringt in ihr, —
— sie will Liebe, sie will Hass, sie ist überreich, schenkt, wirft weg, bettelt, dass Einer sie nimmt, dankt dem Nehmenden, sie möchte gern gehasst sein, —
— so reich ist Lust, dass sie nach Wehe durstet, nach Hölle, nach Hass, nach Schmach, nach dem Krüppel, nach Welt, — denn diese Welt, oh ihr kennt sie ja!
Ihr höheren Menschen, nach euch sehnt sie sich, die Lust, die unbändige, selige, — nach eurem Weh, ihr Missrathenen! Nach Missrathenem sehnt sich alle ewige Lust.
Denn alle Lust will sich selber, drum will sie auch Herzeleid! Oh Glück, oh Schmerz! Oh brich, Herz! Ihr höheren Menschen, lernt es doch, Lust will Ewigkeit,
— Lust will aller Dinge Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit!
12 Lerntet ihr nun mein Lied? Erriethet ihr, was es will? Wohlan! Wohlauf! Ihr höheren Menschen, so singt mir nun meinen Rundgesang!
Singt mir nun selber das Lied, dess Name ist „Noch ein Mal“, dess Sinn ist „in alle Ewigkeit!“ — singt, ihr höheren Menschen Zarathustra's Rundgesang!
Oh Mensch! Gieb Acht!Was spricht die tiefe Mitternacht?„Ich schlief, ich schlief —,„Aus tiefem Traum bin ich erwacht: —„Die Welt ist tief,„Und tiefer als der Tag gedacht.„Tief ist ihr Weh —,„Lust — tiefer noch als Herzeleid:„Weh spricht: Vergeh!„Doch alle Lust will Ewigkeit —,„— will tiefe, tiefe Ewigkeit!“
Das Zeichen.
Des Morgens aber nach dieser Nacht sprang Zarathustra von seinem Lager auf, gürtete sich die Lenden und kam heraus aus seiner Höhle, glühend und stark, wie eine Morgensonne, die aus dunklen Bergen kommt.
„Du grosses Gestirn, sprach er, wie er einstmals gesprochen hatte, du tiefes Glücks-Auge, was wäre all dein Glück, wenn du nicht Die hättest, welchen du leuchtest!
Und wenn sie in ihren Kammern blieben, während du schon wach bist und kommst und schenkst und austheilst: wie würde darob deine stolze Scham zürnen!
Wohlan! sie schlafen noch, diese höheren Menschen, während ich wach bin: das sind nicht meine rechten Gefährten! Nicht auf sie warte ich hier in meinen Bergen.
Zu meinem Werke will ich, zu meinem Tage: aber sie verstehen nicht, was die Zeichen meines Morgens sind, mein Schritt — ist für sie kein Weckruf.
Sie schlafen noch in meiner Höhle, ihr Traum käut noch an meinen Mitternächten. Das Ohr, das nach mir horcht, — das gehorchende Ohr fehlt in ihren Gliedern.“
— Diess hatte Zarathustra zu seinem Herzen gesprochen, als die Sonne aufgieng: da blickte er fragend in die Höhe, denn er hörte über sich den scharfen Ruf seines Adlers. „Wohlan! rief er hinauf, so gefällt und gebührt es mir. Meine Thiere sind wach, denn ich bin wach.
Mein Adler ist wach und ehrt gleich mir die Sonne. Mit Adlers-Klauen greift er nach dem neuen Lichte. Ihr seid meine rechten Thiere; ich liebe euch.
Aber noch fehlen mir meine rechten Menschen!“ —
Also sprach Zarathustra; da aber geschah es, dass er sich plötzlich wie von unzähligen Vögeln umschwärmt und umflattert hörte, — das Geschwirr so vieler Flügel aber und das Gedräng um sein Haupt war so gross, dass er die Augen schloss. Und wahrlich, einer Wolke gleich fiel es über ihn her, einer Wolke von Pfeilen gleich, welche sich über einen neuen Feind ausschüttet. Aber siehe, hier war es eine Wolke der Liebe, und über einen neuen Freund.
„Was geschieht mir? dachte Zarathustra in seinem erstaunten Herzen und liess sich langsam auf dem grossen Steine nieder, der neben dem Ausgange seiner Höhle lag. Aber, indem er mit den Händen um sich und über sich und unter sich griff, und den zärtlichen Vögeln wehrte, siehe, da geschah ihm etwas noch Seltsameres: er griff nämlich dabei unvermerkt in ein dichtes warmes Haar-Gezottel hinein; zugleich aber erscholl vor ihm ein Gebrüll, — ein sanftes langes Löwen-Brüllen.
„Das Zeichen kommt“, sprach Zarathustra und sein Herz verwandelte sich. Und in Wahrheit, als es helle vor ihm wurde, da lag ihm ein gelbes mächtiges Gethier zu Füssen und schmiegte das Haupt an seine Knie und wollte nicht von ihm lassen vor Liebe und that einem Hunde gleich, welcher seinen alten Herrn wiederfindet. Die Tauben aber waren mit ihrer Liebe nicht minder eifrig als der Löwe; und jedes Mal, wenn eine Taube über die Nase des Löwen huschte, schüttelte der Löwe das Haupt und wunderte sich und lachte dazu.
Zu dem Allen sprach Zarathustra nur Ein Wort: „meine Kinder sind nahe, meine Kinder“ —, dann wurde er ganz stumm. Sein Herz aber war gelöst, und aus seinen Augen tropften Thränen herab und fielen auf seine Hände. Und er achtete keines Dings mehr und sass da, unbeweglich und ohne dass er sich noch gegen die Thiere wehrte. Da flogen die Tauben ab und zu und setzten sich ihm auf die Schulter und liebkosten sein weisses Haar und wurden nicht müde mit Zärtlichkeit und Frohlocken. Der starke Löwe aber leckte immer die Thränen, welche auf die Hände Zarathustra's herabfielen und brüllte und brummte schüchtern dazu. Also trieben es diese Thiere. —
Diess Alles dauerte eine lange Zeit, oder eine kurze Zeit: denn, recht gesprochen, giebt es für dergleichen Dinge auf Erden keine Zeit —. Inzwischen aber waren die höheren Menschen in der Höhle Zarathustra's wach geworden und ordneten sich mit einander zu einem Zuge an, dass sie Zarathustra entgegen giengen und ihm den Morgengruss böten: denn sie hatten gefunden, als sie erwachten, dass er schon nicht mehr unter ihnen weilte. Als sie aber zur Thür der Höhle gelangten, und das Geräusch ihrer Schritte ihnen voranlief, da stutzte der Löwe gewaltig, kehrte sich mit Einem Male von Zarathustra ab und sprang, wild brüllend, auf die Höhle los; die höheren Menschen aber, als sie ihn brüllen hörten, schrien alle auf, wie mit Einem Munde, und flohen zurück und waren im Nu verschwunden.
Zarathustra selber aber, betäubt und fremd, erhob sich von seinem Sitze, sah um sich, stand staunend da, fragte sein Herz, besann sich und war allein. „Was hörte ich doch? sprach er endlich langsam, was geschah mir eben?“
Und schon kam ihm die Erinnerung, und er begriff mit Einem Blicke Alles, was zwischen Gestern und Heute sich begeben hatte. „Hier ist ja der Stein, sprach er und strich sich den Bart, auf dem sass ich gestern am Morgen; und hier trat der Wahrsager zu mir, und hier hörte ich zuerst den Schrei, den ich eben hörte, den grossen Nothschrei.
Oh ihr höheren Menschen, von eurer Noth war's ja, dass gestern am Morgen jener alte Wahrsager mir wahrsagte, —
— zu eurer Noth wollte er mich verführen und versuchen: oh Zarathustra, sprach er zu mir, ich komme, dass ich dich zu deiner letzten Sünde verführe.
Zu meiner letzten Sünde? rief Zarathustra und lachte zornig über sein eigenes Wort: was blieb mir doch aufgespart als meine letzte Sünde?“
— Und noch ein Mal versank Zarathustra in sich und setzte sich wieder auf den grossen Stein nieder und sann nach. Plötzlich sprang er empor, —
„Mitleiden! Das Mitleiden mit dem höheren Menschen! schrie er auf, und sein Antlitz verwandelte sich in Erz. Wohlan! Das — hatte seine Zeit!
Mein Leid und mein Mitleiden — was liegt daran! Trachte ich denn nach Glücke? Ich trachte nach meinem Werke!
Wohlan! Der Löwe kam, meine Kinder sind nahe, Zarathustra ward reif, meine Stunde kam: —
Diess ist mein Morgen, mein Tag hebt an: herauf nun, herauf, du grosser Mittag!“ — —
Also sprach Zarathustra und verliess seine Höhle, glühend und stark, wie eine Morgensonne, die aus dunklen Bergen kommt.
Ende von Also sprach Zarathustra.
Fourth and Last Part
Where in the world have there been greater foolish acts than among people who pity? What has caused more suffering than their foolish acts?
Trouble awaits every lover who has no height above their pity!
The devil once told me, “God too has a hell: his love for people.”
Recently I heard him say, “God is dead. His pity for humanity caused his death.”
Thus Spoke Zarathustra 2 p. 12.
The Honey Sacrifice
Months and years again passed over Zarathustra's soul without his noticing. But his hair turned white. One day he sat on a stone in front of his cave, quietly looking out. From there the view crossed twisting drops in the ground and reached the sea. His animals walked thoughtfully around him, then stood in front of him.
“Zarathustra, are you looking for your happiness?” they asked. “What does happiness matter?” he said. “I stopped looking for happiness long ago. I want my work.” “Zarathustra,” they replied, “you speak like someone with too much of a good thing. Aren't you lying in a sky-blue lake of happiness?” Zarathustra smiled. “You mischievous fools, that is a good image! But you know my happiness is heavy, not a flowing wave. It presses on me and will not leave, like melted tar.”—
The animals walked around thoughtfully again and came back in front of him. “So that is why you keep turning yellower and darker, though your hair looks white like flax! You are sitting in your tar!” “What are you saying, my animals?” Zarathustra laughed. “I spoke badly when I called it tar. What happens to me happens to all ripening fruit. The honey in my veins makes my blood thicker and my soul quieter.” “That must be it,” they said, pressing close. “Won't you climb a high mountain today? The air is clean. You can see more of the world than ever.” “Yes,” he said, “that is good advice, just what my heart wants. I will climb a high mountain! But make sure I have honey up there: yellow, white, good, golden honey in the comb, fresh as ice. I want to offer a honey sacrifice up there.”—
Once he was high up, Zarathustra sent the animals home. They had led him there, but now he was alone. He laughed wholeheartedly, looked around, and said:
“Talking about sacrifices and honey sacrifices was a trick in my speech, a useful bit of foolishness! I can speak more freely here than outside hermits' caves in front of their pets.
“Sacrifice? I waste what I am given, a waster with a thousand hands. Why call that sacrificing!
“When I asked for honey, I only wanted bait, sweet syrup and sticky stuff that makes even growling bears and odd, grumpy, nasty birds lick their lips—
“The best bait hunters and fishermen need. The world may be like a dark forest of animals, a playground for wild hunters. But I prefer seeing it as a deep sea full of life—
“A sea full of colorful fish and crabs, which could tempt even gods to become fishermen throwing nets. The world has so many strange things, big and small!
“Especially the human world, the human sea: I cast my golden fishing rod into that now and say, Open up, human depths!
“Open and toss me your fish and shining crabs! Today my best bait will catch the strangest human fish!
“I throw my own happiness into every distant place, east, south, and west, to see whether many human fish learn to tug and struggle at it.
“They will bite my hidden sharp hooks and have to come up to my height, these colorful bottom-dwellers, to the most malicious human fisherman.
“That is what I have been from the start: pulling, drawing nearer, pulling up, raising, cultivating, training. I once told myself for good reason, ‘Become who you are!’
“So let people come up to me now. I still wait for signs that it is time for me to go down. I do not yet go down among people myself, as I must.
“I wait here cunningly and mockingly on high mountains. I am neither impatient nor patient. I have unlearned even patience, since I no longer have anything to put up with.
“My fate leaves me time. Has it forgotten me? Or is it sitting behind a big rock in the shade, catching flies?
“I like my eternal fate for not pushing and hurrying me. It leaves time for jokes and mischief. That is why today I climbed a mountain to fish.
“Has anyone caught fish on high mountains? Even if what I want and do here is foolish, that is better than waiting below until I turn solemn, green and yellow—
“All puffed up, snorting with anger at waiting, a holy howling storm from the mountains, someone impatient calling into valleys, ‘Listen or I will whip you with God's whip!’
“I do not resent those angry people. They are good enough for a laugh! These big noisy drums, who must speak today or never, have to be impatient!
“But my fate and I do not speak to today or never. For talking we have patience, time, and more than enough time. One day he has to come and must not pass us by.
“Who has to come? Our great Hazar: our great, distant human kingdom, Zarathustra's kingdom lasting a thousand years—
“How far away is that ‘far away’? What do I care? It is no less certain to me. I stand firmly with both feet on this ground—
“Everlasting ground, hard ancient rock, this highest and hardest old mountain range where all winds meet as at a weather divide, asking where, from where, and where next.
“Laugh, laugh here, my bright, healthy malice! Throw your shining, mocking laughter down from high mountains! With your shine, catch the loveliest human fish!
“Whatever belongs to me in every sea, the part of all things that is in and for me, fish that out and bring that up to me. That is what I wait for, the most malicious fisherman.
“Out, out, my hook! In, down, bait of my happiness! Drip your sweetest dew, honey of my heart! Hook, bite the belly of all black sadness!
“Look out, my eye, look out! So many seas around me, so many human futures growing light! Above me, such rose-red quiet, such cloudless silence!”
The Cry for Help
The next day Zarathustra was back on the stone outside his cave. His animals were roaming to bring home fresh food and honey: he had used and wasted the last bit of the old honey. He sat holding a stick, tracing his body's shadow on the ground, thinking, though not about himself or his shadow. Suddenly he jumped in fright. There was another shadow beside his. Turning quickly and standing up, he saw the prophet next to him, the one he once gave food and drink at his table. This was the prophet of great tiredness, who taught, “Everything is the same, nothing is worthwhile, the world has no meaning, knowledge chokes.” But his face had changed. Looking into his eyes frightened Zarathustra's heart again. That face carried so many bad predictions and ash-gray flashes.
The prophet noticed what was happening in Zarathustra. He passed his hand over his face as though wiping it off. Zarathustra did the same. After quietly collecting themselves and recovering strength, they shook hands to show that they wanted to recognize each other again.
“Welcome,” Zarathustra said. “Prophet of great tiredness, you did not share my table and friendship for nothing. Eat and drink with me today as well. Forgive a happy old man sitting at the table with you!” “A happy old man?” the prophet said, shaking his head. “Whatever you are or want to be, you have been it up here long enough. Soon your boat will no longer be on dry ground!” “Am I on dry ground?” Zarathustra laughed. “The waves around your mountain keep rising,” said the prophet. “Waves of great trouble and sadness. They will soon lift your boat and take you away.” Zarathustra said nothing, surprised. “Don't you hear anything yet?” the prophet continued. “Isn't something rushing and roaring up from below?” Zarathustra kept quiet and listened. He heard a long, long cry. The deep valleys threw it to each other and passed it on. None wanted to keep it, because it sounded so awful.
“You bring bad news,” Zarathustra finally said. “That is a human cry for help. It may come from a black sea. But what does human trouble have to do with me? Do you know the name of my last sin, the one saved for me?”
“Pity!” the prophet answered with an overflowing heart, lifting both hands. “Zarathustra, I have come to tempt you into your last sin!”—
As soon as he said it, the cry sounded again, longer, more frightened, and much closer. “Do you hear? Do you hear?” the prophet called. “It is for you, Zarathustra! It calls you! Come, come, come! It is time, high time!”—
Zarathustra stayed quiet, confused and shaken. Finally, as though hesitating with himself, he asked, “Who is calling me there?”
“You know already!” the prophet answered sharply. “Why hide? The higher human being is calling for you!”
“The higher human being?” Zarathustra cried in horror. “What does he want? What does he want? The higher human being! What is he doing here?” Sweat covered him.
The prophet did not answer his fear. He listened down into the valleys. When everything stayed quiet a long time, he looked back and saw Zarathustra standing there shaking.
“Zarathustra,” he said sadly, “you do not look like someone made dizzy with happiness. You will have to dance to keep from falling!
“But even if you danced for me and made all your sideways jumps, nobody could tell me, ‘Look, the last happy human being is dancing here!’
“Anyone coming this high looking for him would come for nothing. They might find caves and caves beyond caves, places for hidden people to hide, but not mines of happiness, treasure rooms, or new seams of happiness's gold.
“How could someone find happiness with buried people and hermits like these? Must I look for the last happiness on happy islands far between forgotten seas?
“But everything is the same, nothing is worthwhile, searching does no good, and there are no happy islands left!”— —
That was the prophet's sigh. At his last sigh Zarathustra became bright and certain again, like someone climbing from a deep hole into daylight. “No! No! Three times no!” he called loudly, stroking his beard. “I know that better! Happy islands still exist! Stop talking about that, you sighing sack of sadness!
“Stop raining about that, you morning raincloud! Haven't you already soaked me in sadness and drenched me like a dog?
“I am shaking myself now and running off to get dry. Don't be surprised! Do I seem rude? This is my courtyard.
“As for your higher human being, I will quickly search those woods. His cry came from there. A dangerous animal may be attacking him.
“He is in my territory. I will not let him be hurt here! And I really do have many dangerous animals.”—
Zarathustra turned to leave. The prophet said, “Zarathustra, you are a rascal!
“I know what you want: to get rid of me! You would rather run into the woods after dangerous animals!
“But what good does that do? This evening you will have me back. I will sit in your own cave, patient and heavy as a log, waiting!”
“All right!” Zarathustra called as he went. “My guest and friend, everything mine in the cave is yours too!
“If you still find honey, lick it up, growling bear, and sweeten your soul! This evening we will both be cheerful—
“Cheerful and glad this day has finished! You will dance to my songs as my dancing bear.
“You don't believe me? You shake your head? Come on, old bear! I am a prophet too.”
That is what Zarathustra said.
Talking with the Kings
1 Zarathustra had been walking through his mountains and woods less than an hour when he saw an odd procession. Two kings were coming along the path he meant to take downhill. They wore crowns and purple belts, as colorful as flamingos, and drove a donkey carrying luggage. “What do kings want in my kingdom?” Zarathustra wondered, quickly hiding behind a bush. As they came near, he said half aloud, as though talking to himself, “Strange! Strange! How does that make sense? Two kings, but only one donkey!”
The kings stopped, smiled, looked toward the voice, then at each other. “People among us think that sort of thing too,” said the king on the right. “They just don't say it.”
The king on the left shrugged. “Probably a goatherd. Or a hermit who lived too long among rocks and trees. No company at all can spoil good manners too.”
“Good manners?” the other king answered angrily and bitterly. “What are we trying to avoid? Isn't it ‘good manners,’ our ‘good society’?
“I would rather live among hermits and goatherds than with our gilded, false, painted rabble, even if it calls itself ‘good society’—
“Or ‘nobility.’ Everything there is false and rotten, especially the blood, thanks to old, bad diseases and worse doctors.
“The best person, the one I like most today, is a healthy farmer: rough, clever, stubborn, able to last. That is today's noblest kind.
“Farmers are the best today, and their kind should rule! But the rabble rules. I won't be fooled anymore. Rabble means a mixture of everything.
“Everything mixed with everything: saint, criminal, young nobleman, Jew, and every animal from Noah's ark.
“Good manners! Everything among us is fake and rotten. Nobody knows how to respect anything anymore. That is what we are escaping. They are sugary, pushy dogs, covering palm leaves in gold.
“What chokes me with disgust is that even we kings became false. We dress and disguise ourselves in our grandfathers' old, yellowed splendor, display coins for the stupidest, cleverest, and everyone now trading in power!
“We are not the first, but must represent being first. At last we are sick and disgusted with the fraud.
“We left the rabble behind: the shouting people and writing blowflies, the merchant smell, wriggling ambition, bad breath. Disgusting to live among them—
“Disgusting to pretend to be first among them! Disgust! Disgust! Disgust! What do we kings matter now?”—
“Your old illness is back,” the king on the left said. “Disgust is attacking you, poor brother. But remember, someone is listening.”
Zarathustra had opened his eyes and ears wide at this speech. He came out of hiding, walked toward the kings, and said:
“The person listening, gladly listening to you kings, is called Zarathustra.
“I am the Zarathustra who once said, ‘What do kings matter now?’ Forgive me: I was delighted when you said, ‘What do we kings matter?’
“But this is my kingdom and rule. What are you looking for here? Maybe on your way you found what I am looking for: the higher human being.”
The kings beat their chests and answered together, “You recognize us!
“Your words cut like a sword through our hearts' thick darkness. You found our trouble. We are traveling to find the higher human being—
“The person higher than us, even though we are kings. We are bringing him this donkey. The highest person should be the highest ruler on earth too.
“No human misfortune is harder than earth's powerful people not also being its best people. Everything then turns false, crooked, and monstrous.
“If they are the worst, more animal than human, the rabble's value keeps rising. Finally even its virtue says, ‘Look, I am the only virtue!’”—
“What did I just hear?” Zarathustra replied. “Such wisdom from kings! I am delighted. I already want to make a rhyme about it—
“Even if it is not a rhyme for everyone's ears. I stopped taking care of long ears a long time ago. Here goes!”
(The donkey spoke up too at that point. Clearly and nastily it said, “Hee-haw.”)
Once, I think in salvation's year one,The Sibyl spoke, drunk without wine:“Disaster! Things are going wrong!“Collapse! Collapse! The world was never so low!“Rome became a whore and brothel,“Rome's Caesar became a beast; God himself became a Jew!”
2 The kings enjoyed Zarathustra's verses. The king on the right said, “We were so right to come and see you, Zarathustra!
“Your enemies showed us your picture in their mirror. You looked like a devil with a sneering laugh, so we were afraid.
“But it didn't help. Your sayings kept stabbing our ears and hearts. Finally we said: why care what he looks like?
“We must hear him, the teacher who says, ‘Love peace as a way to new wars, and short peace more than long peace!’
“Nobody spoke such warlike words: ‘What is good? Being brave is good. A good war makes every cause holy.’
“Those words stirred our fathers' blood inside us. It felt like spring speaking to old wine barrels.
“Our fathers liked life when swords crossed like red-spotted snakes. Every sun of peace seemed weak and lukewarm. Long peace made them ashamed.
“How they sighed seeing polished, dried-out swords on the wall! Like the swords, they thirsted for war. A sword wants to drink blood and shines with desire.”— —
The kings went on eagerly talking about their fathers' happiness. Zarathustra badly wanted to make fun of that eagerness: the kings before him were clearly very peaceful, with old, fine faces. But he held back. “Good!” he said. “That path leads to Zarathustra's cave. This day will have a long evening! Right now a cry for help calls me away urgently.
“It honors my cave if kings want to sit waiting there. But you will have to wait a long time!
“Well, what does it matter? Where can you learn waiting better today than in royal courts? Isn't the only virtue kings have left now called being able to wait?”
That is what Zarathustra said.
The Leech
Zarathustra kept going thoughtfully down through the woods and past swampy ground. Like anyone thinking about hard matters, he accidentally stepped on someone. A shout of pain, two curses, and twenty nasty insults suddenly flew into his face. Frightened, he lifted his stick and hit the person as well. He immediately realized what he had done and laughed inwardly at his own foolishness.
“Forgive me,” he told the man, who angrily sat up. “Forgive me. First let me give you an image.
“A traveler dreams about faraway things and accidentally bumps into a sleeping dog on a lonely road, a dog lying in the sun.
“Both jump up and bark at each other like deadly enemies, scared nearly to death. That is what happened to us.
“And yet! And yet—how little kept that dog and lonely traveler from petting each other! They are both alone!”
“Whoever you are,” the man answered, still furious, “your image steps too close to me too, not just your foot!
“Look, am I a dog?” He stood, pulling his bare arm out of the swamp. He had originally been lying stretched out on the ground, hidden and unrecognizable, like a hunter waiting for a marsh animal.
“What are you doing?” Zarathustra asked in alarm. Blood was flowing over the bare arm. “What happened? Did a dangerous animal bite you, poor man?”
The bleeding man laughed, still angry. “None of your business!” He wanted to leave. “I am at home here, in my own territory. Anybody may ask questions, but I probably won't answer a fool.”
“You are mistaken,” said Zarathustra, feeling sorry for him and holding him back. “You are mistaken. You are not in your own place. This is my kingdom, where nobody is to get hurt.
“Call me anything you want. I am who I must be. My own name for myself is Zarathustra.
“That path goes up to my cave. It isn't far. Would you like to look after your wounds with me?
“Life has treated you badly, poor man. First an animal bit you, then a human being trampled you!”— —
The man changed when he heard Zarathustra's name. “What is happening?” he cried. “Who else matters to me now but this one person, Zarathustra, and that one bloodsucking animal, the leech?
“I was lying by this swamp like a fisherman for the leech's sake. My outstretched arm had already been bitten ten times when a better hedgehog came to bite my blood: Zarathustra himself!
“How lucky! What a wonder! Praise this day that drew me into the swamp! Praise the best, liveliest cupping glass alive! Praise the great leech of conscience, Zarathustra!”—
Zarathustra enjoyed the man's words and their careful respect. “Who are you?” he asked, offering his hand. “We have a lot to clear up and brighten between us. But I think a clear, bright day has already begun.”
“I am the conscientious person of the spirit,” the man replied. “In questions of spirit, hardly anyone is stricter, narrower, or harder than I am, except the person who taught me, Zarathustra himself.
“Better to know nothing than know many things halfway! Better to be a fool on my own than wise on somebody else's say-so. I get to the bottom of things.
“Why care whether the bottom is big or small, swamp or sky? A hand's width is enough, if it is real ground!
“Ground a hand's width wide is something to stand on. In truly conscientious knowledge, nothing is big or small.”
“Maybe you are an expert in leeches?” Zarathustra asked. “Do you follow the leech down to its final foundations, conscientious man?”
“That would be an enormous task,” the man answered. “How could I try it!
“What I am a master of and know is the leech's brain. That is my world!
“It is a world too! Forgive me for being proud. I have no equal here. That is why I said I am at home.
“I have studied this one thing, the leech's brain, so long that slippery truth cannot slip away from me here. This is my kingdom!
“I threw everything else away for it. Everything else became unimportant. My dark ignorance camps right beside my knowledge.
“My conscience of spirit demands that I know one thing and know nothing about everything else. I am disgusted by half-developed spirits, by everything hazy, floating, or overexcited.
“Where my honesty ends, I am blind and want to stay blind. But where I want knowledge I want honesty too: hardness, strictness, narrowness, cruelty, no giving way.
“You once said, ‘Spirit is life cutting into life itself.’ That led and tempted me into your teaching. I have increased my own knowledge with my own blood!”
“As we can see,” Zarathustra interrupted. Blood still ran down the man's bare arm. Ten leeches had fastened their mouths to it.
“Strange fellow, what I can see here teaches me so much. You yourself teach me! Perhaps I should not pour all of it into your strict ears!
“Let us part here. But I would like to meet you again. The path up there goes to my cave. Be my welcome guest tonight!
“I would also like to make up to your body for trampling it. I will think about that. Right now a cry for help calls me away quickly.”
That is what Zarathustra said.
The Magician
1 Rounding a rock, Zarathustra saw a man a little farther down the path. He was throwing his arms and legs about like someone out of control, then fell face down. “Wait,” Zarathustra told himself. “That must be the higher human being who made the terrible cry for help. I will see if I can help him.” He ran to the spot and found an old man shaking, with staring eyes. However hard he tried, he could not get the man onto his feet. The man did not seem to notice anyone nearby. He kept looking around with touching movements, like someone the whole world had abandoned. After much shaking, twitching, and curling up, he began to cry:
“Who will warm me? Who still loves me?Give me hot hands!Give me hot coals for my heart!Lying here, shaking,Like someone half dead whose feet are being warmed—Shaken by fevers I do not know,Trembling at sharp, icy arrows of cold,Hunted by you, Thought!Nameless! Hidden! Frightening!You hunter behind the clouds!Your lightning struck me down,You mocking eye watching from the dark:Here I lie,Bending, twisting, torturedBy all the endless pains,HitBy you, cruelest hunter,You unknown God …
“Hit deeper!Hit me one more time!Stab this heart! Break it!Why torture meWith arrows whose teeth are blunt?Why look again,Still not tired of human pain,With gods' lightning eyes enjoying it?You do not want to kill,Only torture and torture?Why torture me,You unknown God who enjoys pain?—
“Ha-ha!You creep closerAt a midnight like this? …What do you want?Speak!You push and squeeze me—You are already much too close!You hear my breathing,You listen in on my heart,Jealous one!What are you jealous of?Go away! Go away!What is the ladder for?Do you want to get inside,Climb into my heart,Into my most secretThoughts?Shameless stranger! Thief!What do you want to steal?What do you want to overhear?What do you want to torture out,You torturer!You God who executes!Or must I, like a dog,Roll around before you,Devoted, excited, out of my mind,Wagging my love at you!
“It will not work!Keep stabbing,Cruelest spike!I am no dog, only your hunted animal,Cruelest hunter!Your proudest prisoner,Robber behind clouds …Speak at last,Hidden by lightning! Unknown! Speak!What do you want from me, attacker? …
“What?A ransom?How much ransom do you want?Ask for a lot, my pride advises!Keep it short, my other pride advises!
“Ha-ha!You want me? Me?All of me? …
“Ha-ha!You fool, why torture me,Torture my pride?Give me love! Who still warms me?Who still loves me?—Give me hot hands,Give me hot coals for my heart,Give to me, the loneliest person,Whom ice, seven layers of ice,Teaches to long even for enemies,To yearn even for enemies,Give, yes, give yourself up,Cruelest enemy,Give me yourself!— —
“Gone!He ran away himself,My only companion,My great enemy,The one I do not know,My executing God! …
“No!Come back!With all your tortures!All my tears runAlong their road to you!My heart's last flameFlares for you!Come back,My unknown God! My pain!My last happiness!”
2 Zarathustra could no longer hold back. He took his stick and hit the crying man as hard as he could. “Stop!” he shouted, laughing angrily. “Stop, actor! Counterfeiter! Complete liar! I know you!
“I will warm your legs, nasty magician! I know how to give people like you some heat!”
“Stop,” the old man said, jumping up. “Don't hit me again, Zarathustra! I was only acting!
“This is part of my art. By giving you a sample, I wanted to test you. You certainly saw through me!
“But you gave me quite a sample too. You are hard, wise Zarathustra! Your ‘truths’ hit hard. Your club forces this truth out of me!”
“Don't flatter me,” Zarathustra replied, still upset and dark-looking. “Actor through and through! You are false. Why talk about truth!
“You greatest peacock, sea of vanity! What were you acting, nasty magician? Who was I meant to believe in when you cried like that?”
“The person doing penance in spirit,” the old man said. “That was my part. You invented the words yourself—
“The poet and magician finally turning his spirit against himself, the changed person freezing from his bad knowledge and conscience.
“Admit it, Zarathustra: it took you a while to see my trick and lie! You believed I was suffering when you held my head in both hands—
“I heard you crying, ‘He hasn't been loved enough, not enough!’ My malice enjoyed having fooled you that much.”
“You may have fooled subtler people,” Zarathustra said harshly. “I do not watch for cheats. I must take no precautions. That is my fate.
“But you must cheat. I know you that well! You always need two, three, four, five meanings. Even your confession was nowhere near true or false enough!
“Nasty counterfeiter, you could do nothing else! You would even put makeup on your illness while showing your naked body to a doctor.
“You just put makeup on your lie by saying, ‘I was only acting!’ There was something serious in it too. You are partly a person doing penance in spirit!
“I can work you out: you charmed everyone, but have no lies or tricks left for yourself. You cannot charm yourself anymore!
“You harvested disgust as your one truth. No word of yours is genuine now. But your mouth is: the disgust sticking to it.”
“Who are you!” the old magician shouted defiantly. “Who is allowed to speak that way to me, the greatest person alive?” A green flash shot from his eye toward Zarathustra. Then he suddenly changed and said sadly:
“Zarathustra, I am tired. My tricks disgust me. I am not great. Why pretend? But you know I was looking for greatness!
“I wanted to play a great person, and I convinced many people. But that lie was too much for my strength. It is breaking me.
“Everything in me is a lie, Zarathustra. But my breaking is real!”—
“Looking for greatness does you credit,” Zarathustra said darkly, looking down to one side. “But it exposes you too. You are not great.
“Nasty old magician, this is your best and most honest part, the part I respect: you got tired of yourself and admitted, ‘I am not great.’
“For that I respect you as someone doing penance in spirit. Even if it lasted only a breath, in that one moment you were genuine.
“But tell me what you seek in my woods and rocks. If you put yourself in my path, what did you want to see me do—
“What were you testing me for?”—
Zarathustra's eyes shone as he spoke. The old magician was quiet a while. Then he said, “Testing you? I am only looking.
“I want someone genuine, true, simple, with one clear meaning, completely honest, a vessel of wisdom, someone holy in knowledge, a great person!
“Don't you know, Zarathustra? I am looking for Zarathustra.”
They both stayed quiet a long time. Zarathustra turned deeply inward and shut his eyes. Returning his attention, he took the magician's hand and said very politely and cunningly:
“Good! That path up there leads to Zarathustra's cave. You can look inside for whoever you want to find.
“Ask my eagle and snake for advice too. They will help you look. My cave is big.
“I myself have never seen a great person. Today even the most sensitive eyes are crude about greatness. The rabble rules.
“I have seen plenty of people stretch and inflate themselves while everyone shouted, ‘A great man!’ But what use are bellows? Eventually the air comes out.
“A frog that blows itself up too long finally bursts. The air comes out. I call sticking a swollen person's belly a fine bit of fun. Listen, boys!
“Today belongs to the rabble. Who still knows big from small? Who could successfully look for greatness? Only a fool. Fools get lucky.
“Strange fool, you are looking for great people? Who taught you that? Is this the time for it? Bad seeker, why are you testing me?”— —
Zarathustra said this, felt better, and went on laughing.
Out of Work
Soon after leaving the magician, Zarathustra saw another person sitting beside the road: a tall man dressed in black, with a thin, pale face. He annoyed Zarathustra greatly. “There sits sadness in disguise,” he thought. “He looks like a priest. What do they want in my kingdom?
“I barely escaped that magician. Must another worker of dark magic cross my road—
“Someone doing spells by laying hands on people, a mysterious miracle worker by God's grace, an anointed attacker of the world? Let the devil take him!
“But the devil is never where he ought to be. That cursed little man with his clubfoot is always late!”—
Zarathustra swore impatiently to himself, planning to slip past the man without looking at him. It happened differently. The seated man had already spotted him. Like someone suddenly meeting good luck, he jumped up and came toward Zarathustra.
“Traveler, whoever you are,” he said, “help a lost man looking for someone, an old man who can easily get hurt here!
“This place is strange and unfamiliar. I have heard wild animals howling. The person who could have protected me is gone himself.
“I was looking for the last religious person, a holy hermit alone in his woods, who had not heard what everyone knows today.”
“What does everyone know?” Zarathustra asked. “That the old God everyone used to believe in is no longer alive?”
“Yes,” the old man said sadly. “I served that old God until his last hour.
“Now I have no job and no master. Still I am not free. The only times I feel happy anymore are when I remember things.
“I climbed these mountains to celebrate again at last, as an old pope and father of the church should. I am the last pope! I wanted a festival of religious memories and worship.
“But now that most religious man is dead too, the holy man in the forest who kept praising God by singing and growling.
“When I found his hut, he was not there anymore. But two wolves were there, howling over his death. Every animal loved him. I ran away.
“Had I come into these mountains and woods for nothing? I decided to look for someone else: the most religious person among those who do not believe in God. I decided to find Zarathustra!”
The old man looked sharply at the person in front of him as he spoke. Zarathustra took the old pope's hand and admired it for a long time.
“Look at that,” he said. “What a lovely, long hand, respected old man! The hand of someone who always gave blessings. Now it is holding the person you want, me, Zarathustra.
“I am godless Zarathustra, who asks: who is more godless than I am, so I can enjoy learning from him?”—
Zarathustra looked through the old pope's thoughts and secret thoughts. Finally the pope said:
“The one who loved and had him most has lost him most now—
“Perhaps I am the more godless of the two of us? But who could enjoy that?”—
After a long, quiet pause Zarathustra asked thoughtfully, “You served him until the end. Do you know how he died? Is it true that pity choked him—
“That he could not bear seeing humanity hanging on the cross? That love for humanity became his hell and finally his death?”— —
The old pope did not answer. He looked shyly away, his face painful and dark.
“Let him go,” Zarathustra said after thinking a long time, still looking straight into his eye.
“Let him go. He is gone. It does you credit to speak only well of the dead, but you know as well as I do who he was and the strange paths he took.”
“Speaking privately among three eyes,” the old pope said, cheering up—he was blind in one eye—“I know more about God's affairs than Zarathustra himself. I am entitled to.
“My love served him many years. My will followed everything he wanted. A good servant knows everything, even things a master hides from himself.
“He was a hidden God with many secrets. Even his son came to him by sneaking ways. Adultery stands at the door of his faith.
“Anyone praising him as a God of love does not think highly enough of love itself. Didn't this God also want to judge? A lover loves beyond rewards and repayment.
“When this eastern God was young, he was harsh and vengeful. He built hell to entertain his favorites.
“Eventually he became old, soft, frail, and full of pity. He was more a grandfather than a father, most like a shaky old grandmother.
“He sat withered by the stove, worrying about weak legs, tired of the world and of willing. One day he choked on too much pity.”
“Old pope,” Zarathustra interrupted, “did you see that yourself? It could have happened that way, and other ways too. Gods always die in many ways.
“But however it happened, he is gone. I did not like what I heard or saw of him. I would say nothing worse.
“I love everything that looks clearly and speaks honestly. But you know he was a bit like you, old priest, priestlike: he had many meanings.
“He was unclear as well. He was so angry with us for misunderstanding him! Why didn't he speak more clearly?
“If our ears were the problem, why give us ears that heard him badly? If there was mud in them, who put it there?
“Too many things went wrong for him, that potter who had not learned his job! Taking revenge on his pots and creatures for turning out badly was a sin against good taste.
“Even religious feeling can have good taste. At last it said, ‘Away with that sort of God! Better no God, better to make fate myself, better to be a fool, better to be God myself!’”
“What am I hearing?” the old pope asked, listening closely. “Zarathustra, that unbelief makes you more religious than you think! Some God in you converted you to godlessness.
“Isn't your religious feeling itself what stops you believing in God? Your extreme honesty will lead you even beyond good and evil!
“Look at what has been saved for you. Your eyes, hand, and mouth have been meant for blessing forever. People do not bless with the hand alone.
“Near you, even though you want to be the most godless, I smell a secret holiness and sweetness from long blessings. It makes me feel good and bad.
“Let me be your guest for just one night! Right now there is nowhere on earth I would feel better than with you!”—
“Amen! All right!” Zarathustra said, very surprised. “The path up there leads to my cave.
“I would gladly guide you, respected old man. I love all religious people. But a cry for help calls me away urgently.
“Nobody is to be harmed in my territory. My cave is a safe harbor. I would like to put every sad person back on solid ground and steady feet.
“But who could take your sadness off your shoulders? I am too weak. We might have to wait a long time for someone to wake your God again.
“That old God is no longer alive. He is completely dead.”—
That is what Zarathustra said.
The Ugliest Person
Zarathustra's feet kept moving through mountains and woods. His eyes searched everywhere for the great sufferer crying for help, but did not find him. Still, he felt happy and grateful the whole way. “This day has given me good things in return for starting badly!” he said. “I have met such strange people to talk to!
“I will chew their words for a long time like good grain. My teeth will grind them small until they flow into my soul like milk!”—
The path turned around a rock and the scene suddenly changed. Zarathustra entered a land of death. Black and red cliffs stuck up, with no grass, trees, or birdsong. Every animal avoided this valley, even predators, except one kind of ugly, fat, green snake that came here to die when old. Shepherds therefore called it Snakes' Death.
Zarathustra sank into a dark memory. He felt he had stood in this valley before. Heavy thoughts came over him. He walked more and more slowly and finally stopped. Opening his eyes, he saw something sitting beside the road. It had a human shape, though barely human, something he could not describe. He was suddenly terribly ashamed to have looked at it. Blushing right up to his white hair, he looked away and lifted his foot to leave. Then the dead emptiness made a noise. Gurgling and rattling rose from the ground, like water struggling through blocked pipes at night. Finally it became a human voice saying:
“Zarathustra! Zarathustra! Solve my puzzle! Speak, speak! Tell me: what is revenge on a witness?
“I am calling you back. The ice is slippery here! Watch out, watch out, or your pride may break its legs!
“You think you are wise, proud Zarathustra! Then solve the puzzle I am, you hard nutcracker! Tell me who I am!”
What do you think happened to Zarathustra when he heard this? Pity attacked him. He fell suddenly like an oak that had resisted many woodcutters for a long time, so heavily and quickly that even the people trying to cut it down would be frightened. But he stood again immediately and his face hardened.
“I know you,” he said in a voice like metal. “You murdered God! Let me go.
“You could not bear the one who saw you, who always saw right through you, ugliest person! You took revenge on that witness!”
Zarathustra started to leave. The indescribable person caught a corner of his clothes and gurgled again, looking for words. Finally he said, “Stay—
“Stay! Don't walk past! I know what ax knocked you down. Well done for standing again!
“You understood how the person who killed him feels, God's murderer. Stay! Sit beside me. It will not be wasted.
“Who else would I go to? Stay, sit down! But don't look at me. Respect my ugliness that way!
“They are chasing me. You are my last shelter. Not with their hatred, not with their hunters—I would laugh at that kind of chase and feel proud and happy!
“Haven't people well pursued always had success? A good pursuer easily learns to follow: he is already behind! But their pity—
“I run from their pity and come to you. Protect me, Zarathustra, my last shelter, the only one who understood me—
“You know how the person who killed him feels. Stay! If you must go, impatient man, do not take the road I came along. That road is bad.
“Are you angry because I have talked badly and brokenly too long? Because I already advise you? Remember, I am the ugliest person—
“With the biggest, heaviest feet as well. Any road I take is bad. I trample every road to death and ruin.
“But you passed me quietly and blushed. I saw that. That is how I knew you were Zarathustra.
“Anyone else would have thrown me charity, pity, through words and looks. You realized I am not enough of a beggar for that—
“I am too rich: rich in great things, frightening things, the ugliest things, things beyond speech! Your shame respected me!
“I barely escaped the crowd of pitying people to find the one person teaching that pity is pushy: you, Zarathustra!
“Whether a God's pity or human pity, it disregards a person's shame. Not wanting to help can be nobler than the virtue that jumps in to help.
“But that, pity, is what all small people now call virtue itself. They have no respect for great misfortune, great ugliness, great failure.
“I look over them as a dog looks over a crowd of sheep. Small, kindly, well-meaning gray people! Like a heron looking down over shallow pools with its head drawn back, I look past these crowds of little gray waves and wills and souls.
“People agreed these small people were right for too long. Finally they gave them power. Now they teach, ‘Only what small people call good is good.’
“Today ‘truth’ means what the preacher said, who came from them, that odd holy man defending small people, who said of himself, ‘I am the truth.’
“That immodest man has long made small people proud. It was no small error to teach, ‘I am the truth.’
“Was an immodest person ever answered more politely? But you passed him and said, ‘No! No! Three times no!’
“You warned against his mistake. You were the first to warn against pity—not everybody and not nobody, but yourself and your kind.
“You feel ashamed at the great sufferer's shame. When you say, ‘A big cloud is coming from pity: watch out, people!’—
“When you teach, ‘All creators are hard, all great love is above its pity,’ you seem very well trained in weather signs to me!
“But warn yourself against your own pity too! Many people are coming to you: suffering, doubting, despairing, drowning, freezing—
“I warn you against me too. You solved my best and worst puzzle: myself and what I did. I know the ax that can fell you.
“He had to die. His eyes saw everything: people's deepest parts and foundations, every hidden shame and ugliness.
“His pity had no shame. He crawled into my dirtiest corners. So curious, so intrusive, so full of pity: he had to die.
“He always saw me. I wanted revenge on that kind of witness, or not to live myself.
“The God who saw everything, including human beings, had to die! A human being cannot stand such a witness living.”
The ugliest person finished. Zarathustra stood up to leave: the cold had reached his insides.
“You whom I cannot describe,” he said, “you warned me about your road. In thanks I recommend mine. Zarathustra's cave is up there.
“It is big and deep, with many corners. The person most in need of hiding can hide there. Nearby are a hundred places and secret paths for crawling, flying, and jumping animals.
“Outcast who cast yourself out, you do not want to live among human beings and their pity? Do what I do! You will learn from me that way. Only someone who acts learns.
“First speak to my animals. The proudest and cleverest animals may be the right advisers for both of us!”
Zarathustra left more slowly and thoughtfully than before. He had many questions and could not easily answer them.
“How poor human beings are!” he thought. “So ugly, rattling, full of hidden shame!
“People tell me humanity loves itself. That must be an enormous love! It has so much contempt against it!
“This man too loved himself as he despised himself. I see a great lover and a great despiser in him.
“I never found anyone who despised himself more deeply. Even that is a height. Could he be the higher human being whose cry I heard?
“I love the people who deeply despise. But the human being is something to overcome.”— —
The Beggar by Choice
Leaving the ugliest person made Zarathustra cold and lonely. So many cold, lonely things went through his mind that his arms and legs grew colder too. He kept climbing up and down, past green pastures and rough stones where an impatient stream had once made its bed. Suddenly he felt warmer and happier.
“What happened?” he wondered. “Something warm and alive refreshes me. It must be close.
“I already feel less alone. Companions and brothers I do not know are moving around me. Their warm breath touches my soul.”
Looking for what comforted his loneliness, he saw cows together on a hill. Their closeness and smell had warmed him. They seemed interested in someone speaking and ignored his approach. Close by, he clearly heard a person's voice among them. All the cows had turned their heads to the speaker.
Zarathustra hurried up and pushed between them. He feared someone was hurt and could hardly be helped by cows feeling sorry for him. But he was wrong. A peaceful man sat on the ground, apparently telling the animals not to fear him. He was a preacher on mountains, and goodness itself spoke from his eyes. “What are you looking for here?” Zarathustra asked, surprised.
“What am I looking for? The same thing you are, troublemaker: happiness on earth.
“I want these cows to teach me about it. I have been talking to them for half the morning. They were about to answer. Why interrupt?
“We will not enter heaven unless we change and become like cows. We should learn one thing from them: chewing the cud.
“What good would winning the whole world do a person who did not learn that? It would not free him from sadness—
“The great sadness we call disgust today. Who does not have their heart, mouth, and eyes full of disgust? You too! You too! But look at these cows!”—
The mountain preacher turned his eyes from the cows, which he had been watching lovingly, to Zarathustra. He suddenly changed. “Who am I talking to?” he cried, startled, jumping up.
“This is the man free from disgust, Zarathustra himself, who overcame the great disgust! These are Zarathustra's own eyes, mouth, and heart!”
He kissed Zarathustra's hands with tears filling his eyes. He behaved as though a valuable gift, a jewel, had suddenly fallen from heaven. The cows watched in surprise.
“Don't talk about me, strange, lovable man!” Zarathustra said, holding off his affection. “Tell me about yourself first! Aren't you the beggar by choice who once gave up a great fortune—
“Who was ashamed of his wealth and the rich and ran to the poorest to give them his plenty and heart? But they would not accept him.”
“They would not accept me,” the beggar answered. “You know. Finally I went to animals, these cows.”
“Then you learned,” Zarathustra interrupted, “that giving well is harder than receiving well. Giving properly is an art, goodness's final and cleverest skill.”
“Especially today,” the beggar replied, “when everything low has grown rebellious, shy, and proud in its own way, the rabble's way.
“You know the hour has come for the great, bad, long, slow uprising of rabble and slaves. It keeps growing!
“Now doing favors and giving little things angers the lowly. People with too much wealth had better watch out!
“People today like breaking the necks of those who drip like fat bottles through necks that are too narrow.
“Greedy desire, bitter envy, resentful revenge, rabble pride: all jumped in my face. It is no longer true that the poor are blessed. But heaven's kingdom is among cows.”
“Why isn't it among the rich?” Zarathustra asked to test him, keeping back cows that were breathing trustingly at the peaceful man.
“Why test me?” he answered. “You know better than I do. What drove me to the poorest? Disgust with our richest people—
“Prisoners of wealth, picking advantages from every rubbish heap, cold eyes and lustful thoughts, rabble whose smell reaches heaven—
“Fake, gilded rabble whose fathers were thieves, vultures, or rag collectors, whose women are willing, lustful, forgetful, all of them not far from prostitution—
“Rabble at the top, rabble at the bottom! What do ‘poor’ and ‘rich’ mean now? I unlearned the difference and ran farther and farther away, until I reached these cows.”
The peaceful man panted and sweated at his own words. The cows were surprised again. Zarathustra watched his face with a smile, silently shaking his head at the harsh speech.
“You force yourself to use those hard words, mountain preacher. Your mouth and eyes did not grow for harshness.
“I don't think your stomach did either. It objects to this anger, hate, and overflow. It wants gentler things. You are no butcher.
“You seem more a man of plants and roots. Perhaps you grind grain. You certainly dislike fleshly pleasures and love honey.”
“You guessed me right,” the beggar said, relieved. “I love honey and grind grain. I looked for what tastes pleasant and keeps the breath clean—
“What takes time, a day's mouth-work for gentle people who like idling and wasting time.
“These cows have gone farthest. They invented chewing the cud and lying in the sun. They avoid heavy thoughts that puff up the heart.”
“Good!” Zarathustra said. “You should see my animals, my eagle and snake. Nothing like them lives on earth today.
“That road leads to my cave. Stay as their guest tonight. Talk with them about animals' happiness—
“Until I return. A cry for help calls me away now. You will find new honey there too, golden honey in the comb, fresh as ice. Eat it!
“Now say goodbye quickly to your cows, strange, lovable man, even if it is hard. They are your warmest friends and teachers!”—
“Except one I love more,” the beggar answered. “You yourself are good, even better than a cow, Zarathustra!”
“Go away, go away, awful flatterer!” Zarathustra shouted with malice. “Why spoil me with praise and honeyed compliments?”
“Away, away from me!” he shouted again, swinging his stick at the affectionate beggar, who quickly ran off.
The Shadow
The beggar had barely run away and left Zarathustra alone when a new voice called from behind, “Stop, Zarathustra! Wait for me! It is me, Zarathustra, your shadow!” Zarathustra did not wait. He was suddenly annoyed by everyone crowding his mountains. “Where has my time alone gone?” he said.
“This is too much. The mountains are crowded. My kingdom no longer belongs to this world. I need new mountains.
“My shadow is calling? What do I care about it? Let it chase me. I will run away.”
He told himself that and ran. The person behind followed. Soon three people ran one after another: the beggar first, Zarathustra next, his shadow last. Before long Zarathustra noticed how foolish this was and shook away all irritation and disgust.
“Have the funniest things not always happened among us old hermits and saints?” he asked.
“My foolishness has grown tall in the mountains! I hear six old fools' legs clattering after each other!
“Should Zarathustra be afraid of a shadow? Besides, its legs seem longer than mine.”
Laughing with his eyes and whole insides, he stopped and turned quickly. He almost knocked his shadow down. It was so close behind him and so weak. Looking at it scared him as if he had suddenly seen a ghost: his follower was thin, dark, hollow, worn out.
“Who are you?” he asked sharply. “What are you doing? Why call yourself my shadow? I don't like you.”
“Forgive me for being that,” the shadow answered. “If you dislike me, I congratulate you on your good taste.
“I am a wanderer who followed your heels a long time, always traveling, with neither goal nor home. I am almost the Wandering Jew, except I do not live forever and am not a Jew.
“Must I always travel? Every wind whirls me around, unsettled, driven on! Earth, you have become too round!
“I sat on every surface and slept like tired dust on mirrors and windows. Everything takes, nothing gives. I grow thin, almost like a shadow.
“But I followed you longest, Zarathustra. Though I hid, I was your best shadow. I sat wherever you sat.
“With you I traveled through the farthest, coldest worlds, like a ghost choosing to cross winter roofs and snow.
“With you I aimed at everything forbidden, worst, most distant. If I have any virtue, it is not being afraid of any ban.
“With you I broke what my heart had respected, knocked over every boundary stone and image, pursued the most dangerous desires. I crossed over every crime at least once.
“With you I stopped believing words, values, and famous names. When the devil changes skins, doesn't he lose his name too? It is also skin. Perhaps the devil himself is skin.
“‘Nothing is true, everything is allowed,’ I told myself. I jumped into the coldest waters, head and heart together. So often afterward I stood naked as a red crab!
“Where did all my good, shame, and belief in good people go? Where is the false innocence I once had, the innocence of good people and their noble lies?
“I followed truth too closely, too often. It kicked me in the head. Sometimes I thought I was lying. Then I finally hit the truth.
“I had too many things explained to me. Now nothing interests me. Nothing I love lives anymore. How could I love myself?
“‘Live how I want, or not live at all’: that is what I want, what the holiest person wants too. But what do I still want?
“Do I have a goal left? A harbor my sail heads toward?
“A favorable wind? Only knowing where you are going tells you which wind is good for your trip.
“What is left? A tired, rude heart, a restless will, fluttering wings, a broken back.
“Looking for my home has been my affliction, Zarathustra. It eats me up.
“‘Where is my home?’ I ask and keep looking. I have never found it. Forever everywhere, forever nowhere, forever for nothing!”
The shadow finished, and Zarathustra's face grew long. Finally he said sadly, “You are my shadow!
“You face a serious danger, free spirit and wanderer. You had a bad day. Make sure the evening is not worse!
“Even prison eventually feels happy to someone as restless as you. Have you seen captured criminals sleep? They sleep peacefully, enjoying a new safety.
“Take care not to get caught at last in a narrow belief, a hard, strict delusion. Everything narrow and solid now tempts you.
“You lost your goal. How will you laugh off and bear that loss? You lost your path along with it!
“Poor wanderer, dreamer, tired butterfly! Do you want somewhere to rest and stay this evening? Go up to my cave!
“That path leads there. Now I want to run from you again. Something already hangs over me like a shadow.
“I want to run alone until it is bright around me again. I must stay happily on my feet a long time for that. But this evening there will be dancing at my home!”— —
That is what Zarathustra said.
Midday
Zarathustra ran and ran and found nobody else. He was alone, kept finding himself, and enjoyed drinking in his solitude and thinking of good things for hours. Around midday, with the sun directly overhead, he passed an old, crooked, knotted tree. A vine's great love wrapped around it, hiding it even from itself. Plenty of yellow grapes hung toward the traveler. He wanted to pick a bunch to quench a little thirst. But as he reached, something else seemed even better: lying beside the tree at perfect noon and sleeping.
He lay down. In the quiet shelter of the colorful grass he immediately forgot his thirst and fell asleep. As his saying goes, one thing is more necessary than another. But his eyes stayed open: they could not stop looking at and praising the tree and the vine's love. As he fell asleep, he told himself:
“Quiet! Quiet! Didn't the world just become perfect? What is happening?
“Sleep dances over me like a delicate, invisible wind dancing on a sea patterned like panels, light as a feather.
“It does not close my eyes. My soul stays awake. It is light, truly feather-light.
“It persuades me somehow, touches me inside with a gentle hand, forces me. Yes, it forces my soul to stretch out—
“My odd soul is becoming so long and tired! Has the evening of a seventh day arrived right at noon? Has it spent too long happily among good, ripe things?
“It stretches long, long—longer! It lies quiet. It has tasted too much goodness. This golden sadness weighs on it and twists its mouth.
“A ship reaches its quietest bay. It leans against earth, tired of long trips and uncertain seas. Isn't earth more faithful?
“When that ship snuggles close to shore, a spider's thread spun from land is enough. It needs no stronger ropes.
“Like a tired ship in that quiet bay, I rest close to earth, faithful, trusting, waiting, fastened to it with the slightest threads.
“Happiness! Happiness! Do you want to sing, my soul? You are lying in grass. But this is the private, solemn hour when no shepherd plays a flute.
“Be respectful! Hot noon sleeps in the fields. Don't sing! Quiet! The world is perfect.
“Don't sing, bird in the grass, my soul! Don't even whisper! Look quietly. Old noon sleeps and moves his mouth. Isn't he drinking a drop of happiness—
“An old brown drop of golden happiness, golden wine? Something passes quickly over him. His happiness laughs. That is how a God laughs. Quiet!—
“‘How little it takes to be happy!’ I once said, thinking myself clever. But that was blasphemy: I have learned that now. Clever fools say it better.
“The smallest, quietest, lightest thing, a lizard rustling, a breath, a quick movement, a glance—little makes up the best happiness. Quiet!
“What happened? Listen! Did time fly away? Am I falling? Listen, did I fall into eternity's well?
“What is happening? Quiet! Something stabs my heart. My heart! Break, heart, break after such happiness, such a stab!
“Hasn't the world just become perfect, round and ripe? That round golden hoop, where is it flying? Let me run after it! Quickly!
“Quiet—” Zarathustra stretched here and felt he was asleep.
“Get up, sleeper!” he told himself. “Noon sleeper! Get going, old legs! It is time, past time. A good stretch of road remains—
“You have slept enough. How long was it? Half an eternity! Get up, old heart! After sleeping like that, how long can you stay awake now?”
(He fell asleep again already. His soul resisted, speaking back and lying down.) “Leave me alone! Quiet! Didn't the world just become perfect? That golden, round ball!”—
“Stand up, little thief, time-waster!” Zarathustra said. “Still stretching, yawning, sighing, falling into deep wells?
“Who are you, my soul!” He jumped here as sunlight fell on his face from the sky.
“Sky above me,” he sighed, sitting up, “are you watching me? Listening to my odd soul?
“When will you drink this dewdrop that fell on everything earthly? When will you drink this odd soul—
“When, well of eternity, you bright and frightening depth of noon? When will you drink my soul back into yourself?”
Zarathustra got up from his bed by the tree as though leaving an unfamiliar drunkenness. The sun was still right above his head. It would be fair to conclude he had not slept long.
The Greeting
It was late afternoon before Zarathustra reached his cave after a long, unsuccessful search. Less than twenty steps away, he heard what he least expected: the great cry for help again. This time, amazingly, it came from his own cave. It was a long, strange cry in many parts. He clearly heard several voices, though from a distance they could sound like one mouth.
He hurried to the cave. What a sight followed that sound! Everyone he had passed that day sat together: the king on the right, the king on the left, the old magician, the pope, the beggar by choice, the shadow, the conscientious person of the spirit, the sad prophet, and the donkey. The ugliest man wore a crown and two purple belts. Like everyone ugly, he liked dressing up and trying to look beautiful. Zarathustra's eagle stood in the middle, nervous, feathers raised. Too many questions were asked of it for its pride to answer. The clever snake hung around its neck.
Zarathustra was very surprised. He studied each guest with friendly interest, read their souls, and became surprised again. They stood up, waiting respectfully for him to speak. He said:
“You despairing, strange people! It was your cry for help I heard? Now I know where to find the person I searched for in vain: the higher human being—
“He is sitting in my own cave! Why am I surprised? Didn't I lure him here with a honey sacrifice and my happiness's clever calls?
“But you do not seem good company for one another. Sitting together like this, you make each other's hearts miserable, you people crying for help. Someone must come—
“Someone to make you laugh again, a cheerful clown, a dancer, a wind, a wild fellow, some old fool. What do you think?
“Forgive such little words, despairing people. They are unworthy of guests like you. But you cannot guess what makes me playful—
“It is you and the sight of you. Forgive me! Seeing somebody desperate makes anyone brave. Everyone feels strong enough to encourage a desperate person.
“You gave me that strength, a good gift, my important guests! A proper present from guests! Don't be angry if I offer some of what I have too.
“This is my kingdom and rule. This evening and night everything I own is yours. My animals will serve you. Rest in my cave!
“Nobody should despair in my home. In my territory I protect everyone from their wild beasts. The first thing I offer is safety.
“The second is my little finger. Once you have that, take my whole hand and my heart too! Welcome here, welcome, my guests and friends!”
Zarathustra laughed with love and malice as he said it. His guests bowed and fell respectfully quiet again. The king on the right answered for them.
“We know you are Zarathustra by your handshake and greeting. You lowered yourself before us and almost hurt our respect for you—
“But who else could lower himself with such pride? That lifts us up and refreshes our eyes and hearts.
“We would gladly climb higher mountains just to see that. We came to look, to see what makes sad eyes bright.
“Already our crying for help has stopped. Our minds and hearts are open and happy. Our courage is almost turning playful.
“Nothing growing on earth brings more pleasure than a high, strong will. It is earth's most beautiful plant. One such tree refreshes a whole landscape.
“I compare someone growing like you, Zarathustra, to a pine: tall, quiet, hard, alone, magnificent, made of the best and most flexible wood—
“Finally stretching strong green branches toward its own rule, asking powerful questions of winds, storms, and everything living high up—
“Giving more powerful answers, commanding, winning: who wouldn't climb high mountains to see trees like that?
“Your tree refreshes gloomy people and failures too. Seeing you steadies even restless people and heals their hearts.
“Many eyes now turn to your mountain and tree. A great longing has started traveling. Many have learned to ask, Who is Zarathustra?
“Everyone whose ears you ever filled with song and honey, all the hidden people, hermits, and pairs living alone, suddenly told themselves:
“‘Is Zarathustra still alive? Life is not worth living, everything is the same, everything wasted—or we must live with Zarathustra!’
“‘Why doesn't he come?’ many ask. ‘He announced himself so long ago. Did solitude swallow him? Or should we go to him?’
“Now solitude itself softens and breaks like a grave breaking open, unable to keep the dead inside. Everywhere people are rising.
“The waves keep rising around your mountain. However high you are, many must climb to you. Your boat will not stay on dry land much longer.
“Our coming here in despair and already losing that despair is only a true sign of what is coming: better people are on their way—
“He himself is coming, the last bit of God among people: everyone with great longing, disgust, and weariness—
“Everyone unwilling to live unless they learn to hope again, or learn from you the great hope!”
The king took Zarathustra's hand to kiss it. But Zarathustra rejected that worship and stepped back in alarm. He went quiet, seeming suddenly far away. Soon he returned his attention to his guests, looked at them carefully with bright eyes, and said:
“My guests, higher human beings, I will speak clearly in German to you. I was not waiting for you in these mountains.”
(“Clear German? God help us!” the king on the left said aside. “This wise man from the East plainly does not know the dear Germans!
“He means German and blunt. Well, that is not the worst taste nowadays!”)
“You may all be higher human beings,” Zarathustra continued, “but you are not high or strong enough for me.
“By ‘me’ I mean the uncompromising thing inside me, silent but not always going to be silent. If you belong to me, you still are not my right arm.
“People standing on weak, delicate legs like yours chiefly want to be spared, whether they know it or hide it.
“I do not spare my arms or legs. I do not spare my warriors. How could you fit my war?
“You would ruin every victory for me. Some of you would fall just from hearing my loud drums.
“You are not beautiful or well-born enough either. My teachings need clean, smooth mirrors. Your surfaces distort my own picture.
“Many burdens and memories press your shoulders. Bad little dwarfs hide in your corners. There is rabble hidden in you too.
“Though you are high and of a higher kind, much of you is crooked and badly shaped. No smith could beat you straight and right for me.
“You are only bridges. Let higher people cross on you! You are steps. Don't resent anyone climbing over you to their own height!
“One day a real son and perfect heir may grow from your seed for me. But that is far away. You yourselves do not inherit my property and name.
“I am not waiting for you in these mountains. I cannot go down for the last time with you. You only show that higher people are coming—
“Not the people of great longing, disgust, and weariness, what you called God's leftover part.
“No! No! Three times no! I wait for others here and will not take a step away without them—
“Higher, stronger, more victorious, happier people, built square and solid in body and soul. Laughing lions must come!
“My strange guests, haven't you heard of my children? Don't you know they are coming?
“Tell me about my gardens, happy islands, and beautiful new kind. Why don't you speak about them?
“I ask your love for this guest's gift: speak of my children. This is why I am rich and why I became poor. What haven't I given—
“What wouldn't I give to have this one thing: these children, this living garden, these living trees of my will and highest hope!”
Zarathustra suddenly stopped. Longing overwhelmed him. His heart's feelings made him shut his eyes and mouth. His guests stood silent and upset too. Only the old prophet made signals with his hands and body.
The Evening Meal
At this point the prophet interrupted the greetings between Zarathustra and his guests. He pushed forward like a man in a hurry, took Zarathustra's hand, and called, “But Zarathustra!
“You say one thing is more necessary than another. One thing is now more necessary to me than anything else.
“A timely word: didn't you invite me for food? Many people here have traveled a long way. Surely you will not give us speeches to eat?
“You have all talked too much about freezing, drowning, suffocating, and other bodily troubles. Nobody considered my trouble: starving!”
(His words frightened Zarathustra's animals into running away. They saw that all the food they had collected that day would not be enough to fill this one prophet.)
“Dying of thirst too,” the prophet continued. “I hear water splashing like words of wisdom, plenty of it, never stopping. But I want wine!
“Not everybody is born to drink water like Zarathustra. Water is not for tired, withered people. Wine is for us. It brings sudden recovery and instant health!”
The prophet's demand for wine made the quiet king on the left speak at last. “We took care of wine,” he said. “My brother and I have plenty, a whole donkey-load. Only bread is missing.”
“Bread?” Zarathustra laughed. “Bread is exactly what hermits do not have. But people do not live on bread alone. Good lamb meat helps too, and I have two lambs—
“Kill them quickly and cook them with spices and sage. That is how I like it. We also have roots and fruit good enough for picky eaters and people who know good food. We have nuts and other puzzles to crack too.
“We will soon have a good meal. Anyone wanting to eat must help, kings included. A king can cook at Zarathustra's home.”
Everybody liked that suggestion. Only the beggar by choice objected to meat, wine, and spices.
“Listen to this gourmet Zarathustra!” he joked. “Do people go to caves high in the mountains to eat meals like this?
“Now I understand his old teaching, ‘Praise a modest poverty!’ And why he wants to get rid of beggars.”
“Be happy, as I am,” Zarathustra answered. “Keep your ways, excellent man. Grind grain, drink water, praise your cooking, as long as it makes you happy!
“I make rules for my people only, not everybody. Those belonging to me need strong bones and light feet—
“Happy at wars and celebrations, not gloomy or dreamy, ready for the hardest task as for a party, healthy and whole.
“My people and I deserve the best. If it is not given, we take it: the best food, cleanest sky, strongest thoughts, most beautiful women!”—
Zarathustra said that. The king on the right replied, “Strange! Have such sensible things ever come from a wise man's mouth?
“The strangest thing is a wise man also being sensible, not a donkey.”
The king on the right said this in surprise. The donkey answered unpleasantly, “Hee-haw.” That was how the long meal began that history books call ‘the Evening Meal.’ They talked about nothing except the higher human being.
About the Higher Human Being
1 “When I first came to people, I made the great mistake of a hermit. I stood in the marketplace.
“I spoke to everyone and reached nobody. By evening my friends were tightrope walkers and dead bodies. I was nearly dead myself.
“The next morning brought a new truth. I learned to say, ‘What do I care about the marketplace, the rabble, its noise, and its long ears!’
“Higher human beings, learn this from me: nobody in the marketplace believes in higher human beings. Speak there if you like! The rabble just blinks, ‘We are all equal.’
“‘Higher human beings,’ it blinks, ‘there are no higher human beings. We are all equal. A person is a person. We are all equal before God!’
“Before God! But that God has died. We do not want equality before the rabble. Higher human beings, leave the marketplace!
2 “Before God! That God has died! Higher human beings, he was your greatest danger.
“Only after he went into the grave did you rise again. Only now does the great noon come, only now can the higher human being rule!
“Did you understand, my brothers? You are frightened. Are your hearts dizzy? Does a deep hole open here? Does hell's dog bark here?
“Get going, higher human beings! Only now does the mountain of humanity's future begin giving birth. God died. Now we want the overhuman to live.
3 “The most worried people ask today, ‘How can humanity survive?’ Zarathustra is the first and only one to ask, ‘How can humanity be overcome?’
“The overhuman matters to me. That is my first and only concern, not humanity: not my neighbor, the poorest, the person hurting most, or the best—
“My brothers, what I can love about human beings is their crossing over and going under. Much in you also makes me love and hope.
“Your contempt gives me hope, higher human beings. People who despise greatly also respect greatly.
“Your despair deserves respect. You did not learn to give in. You did not learn the little clever tricks.
“Small people rule today. They preach giving in, modesty, caution, hard work, consideration, and the long list of other small virtues.
“Everything womanish, everything servile, especially the mixed-up rabble: that wants to rule all human fate. Disgust! Disgust! Disgust!
“That keeps asking, ‘How can people survive best, longest, most comfortably?’ That makes them today's rulers.
“Overcome today's rulers, my brothers, these small people. They are the overhuman's greatest danger!
“Higher human beings, overcome the little virtues and tricks, considerations as small as sand, the fussing of ants, miserable contentment, and ‘happiness for most people’!
“Better to despair than give in. I love you for not knowing how to live today! That is how you live best!
4 “Are you brave, my brothers? Do you have courage? Not courage in front of witnesses, but a hermit's and eagle's courage that not even a God watches?
“Cold souls, mules, blind people, and drunks are not brave to me. A brave person knows fear but controls it, sees the depths but with pride.
“Someone seeing the depths with an eagle's eyes and grasping them with eagle claws has courage.— —
5 “All the wisest comforted me by saying, ‘People are evil.’ If only that were still true today! Evil is humanity's best strength.
“I teach, ‘Humanity must become better and more evil.’ The worst is necessary for the overhuman's best.
“It may have suited that preacher of small people to suffer and carry humanity's sin. But great sin gives me great comfort.—
“That is not for long ears. Not every word belongs in every mouth. These are subtle, faraway things. Sheep's hooves should not grab them!
6 “Higher human beings, do you think I am here to fix what you did badly?
“To give you sufferers more comfortable beds? To show easier paths to people restless, lost, stranded high up?
“No! No! Three times no! More and more, better and better people like you must die. Your lives must get harder and worse. Only this way—
“Only this way does humanity grow high enough for lightning to hit and break it!
“My thoughts and longing concern a few things, lasting things, distant things. Why care about your many small, short troubles!
“You do not suffer enough yet! You suffer from yourselves. You have not suffered from humanity. You would be lying to say otherwise. None of you hurts from what I hurt from.— —
7 “Making lightning harmless is not enough for me. I do not want to redirect it. It must learn to work for me.—
“My wisdom has been collecting like a cloud, getting darker and quieter. Every wisdom that will give birth to lightning does that.—
“I do not want to be light for people today, or to be called light. I want to blind them. Lightning of my wisdom, put out their eyes!
8 “Do not want more than you can do. There is a dangerous dishonesty in people wanting things beyond their ability.
“Especially when they want great things! Those skilled counterfeiters and actors make people distrust greatness—
“Until finally they are dishonest with themselves, cross-eyed, rotten wood covered in whitewash, wrapped in big words, showy virtues, and shiny fake works.
“Be very careful about that, higher human beings! Nothing seems rarer or more valuable today than honesty.
“Doesn't today belong to the rabble? The rabble does not know what is big or small, straight or honest. It is innocently crooked and always lies.
9 “Be properly suspicious today, higher human beings, brave and openhearted people! Keep your reasons private. Today belongs to the rabble.
“Who could overturn with reasons what the rabble never learned to believe without reasons?
“Gestures convince people in the marketplace. Reasons make the rabble suspicious.
“If truth wins there, ask suspiciously, ‘What strong mistake fought on its side?’
“Watch out for scholars too. They hate you because they cannot produce anything. Their eyes are cold and dry. Every bird before them has its feathers pulled out.
“They boast that they do not lie. But being unable to lie is not the same as loving truth. Be careful!
“Not having a fever is not the same as knowledge. I do not believe cold spirits. A person unable to lie does not know what truth is.
10 “Want to climb high? Use your own legs! Do not let anybody carry you. Do not sit on other people's backs or heads!
“Did you get on a horse? Are you riding fast to your goal? Good, friend! But your lame foot is on the horse too!
“When you reach the goal and get off, right there on your height, higher human being, you will stumble!
11 “Creators, higher human beings, you can be pregnant only with your own child.
“Do not let anyone talk you into things! Who is your neighbor? Even if you act ‘for your neighbor,’ you are not creating for him!
“Creators, unlearn that ‘for.’ Your virtue demands that you do nothing ‘for,’ ‘in order to,’ or ‘because.’ Block your ears against those false little words.
“‘For the neighbor’ is only small people's virtue. It means ‘like goes with like’ and ‘one hand washes the other.’ They have no right or strength for your self-interest!
“Your self-interest includes a pregnant woman's care and planning. All your love protects, spares, and feeds the fruit nobody has seen yet.
“All your virtue is where all your love is: with your child. Your work and will are your ‘neighbor.’ Do not let people put false values into you!
12 “Creators, higher human beings, someone who has to give birth is sick. Someone who has given birth is unclean.
“Ask women: giving birth is not done for pleasure. Pain makes hens and poets cackle.
“Much in you creators is unclean because you had to become mothers.
“A new child brings so much new dirt into the world! Step aside! Anyone who gave birth should wash their soul clean!
13 “Do not demand more virtue than you have strength for! Do not want something from yourself that goes against what is likely!
“Follow the footprints of your fathers' virtues. How could you climb high without their will climbing with you?
“Anyone wanting to be the firstborn should avoid becoming the lastborn too! Where your fathers had vices, do not try to pass as saints!
“If someone's fathers loved women, strong wine, and wild boar, what would it mean for him to demand chastity of himself?
“It would be foolish! I would think it a lot if that man were husband to one, two, or three women.
“Even if he founded monasteries and wrote ‘The road to holiness’ over their doors, I would ask why. It is another foolish act!
“He built himself a prison and a place to hide. I hope it suits him! But I do not believe in it.
“Whatever people bring into solitude grows there, including the animal inside. That is why many should avoid it.
“Has anything dirtier lived on earth than desert saints? Around them, not just the devil but pigs ran loose.
14 “Higher human beings, I have often watched you sneak away shyly, ashamed and clumsy, like tigers failing a jump. A throw failed for you.
“But you dice players, why care? You did not learn to play and laugh as you should. Aren't we always at a great table for games and mockery?
“If something great failed, are you a failure too? If you failed, did humanity fail? Even if humanity failed, get up and get going!
15 “The higher the kind, the less often a thing turns out well. Haven't all you higher human beings here failed?
“Be brave. Why care? So much remains possible! Learn to laugh at yourselves properly!
“Why be surprised you failed and half succeeded, you half-broken people? Doesn't humanity's future push and crowd inside you?
“Humanity's farthest reaches, deepest depths, starry heights, its enormous strength: isn't all that foaming against itself in your pot?
“Why be surprised some pots break? Learn how to laugh at yourselves! So much remains possible, higher human beings!
“So much has already turned out well! This earth has so many good, small, perfect things, things that succeeded!
“Put good, small, perfect things around you. Their golden ripeness heals the heart. Perfect things teach hope.
16 “What has been the biggest sin on earth? Wasn't it the saying, ‘Trouble for those who laugh here!’?
“Couldn't that speaker find a reason to laugh on earth? Then he did not look properly. A child can find reasons here.
“He did not love enough. Otherwise he would have loved us laughing people too! Instead he hated and mocked us, promising crying and grinding teeth.
“Must you curse what you do not love? That seems bad taste. But this man who insisted on absolutes did it. He came from the rabble.
“He himself did not love enough. Otherwise not being loved would have made him less angry. Great love does not want love. It wants more.
“Avoid all people like that who insist on absolutes! They are a poor, sick, common kind. They look at life badly and give this earth evil looks.
“Avoid all people like that who insist on absolutes! Their feet are heavy, their hearts hot and airless. They cannot dance. How could earth feel light to them!
17 “All good things approach their goals crookedly. Like cats, they arch their backs and purr inside at the happiness coming. All good things laugh.
“A person's step shows whether they are on their own path. Watch me walk! Near a goal, people dance.
“I have not become a statue. I do not stand there stiff, dull, stony, like a column. I like running fast.
“Even if the ground has swamps and thick sadness, light feet run over mud and dance as though on clean ice.
“Raise your hearts, brothers, high, higher! Do not forget your legs! Lift them too, good dancers. Better yet, stand on your heads!
18 “This crown of laughter, this crown of roses: I put it on myself. I declared my own laughter holy. Nobody else I found today was strong enough.
“Zarathustra dances, is light, waves his wings, gets ready to fly, waves to every bird, prepared and ready, happily lighthearted—
“Zarathustra predicts truth and laughs truth, neither impatient nor demanding everything be absolute, enjoying jumps and sideways jumps. I put this crown on myself!
19 “Raise your hearts, brothers, high, higher! Do not forget your legs! Lift them too, good dancers. Better yet, stand on your heads!
“There are heavy animals even in happiness, clumsy-footed from birth. They struggle strangely, like elephants trying to stand on their heads.
“Better foolish with happiness than with misery. Better dancing clumsily than walking with a limp. Learn my wisdom: even the worst thing has two good reverse sides—
“Even the worst thing has good legs for dancing. Higher human beings, learn to stand on your own proper legs!
“Stop blowing bubbles of gloom and sharing the rabble's sadness! Even its clowns seem sad to me today. But today belongs to the rabble.
20 “Act like wind rushing out of mountain caves. It dances to its own tune, and seas shake and jump under its feet.
“It gives donkeys wings and milks lionesses. Praise this good, wild spirit, coming like a storm to everything of today and all the rabble—
“It opposes thistle-heads, nitpickers, dead leaves, and weeds. Praise this wild, good, free storm-spirit dancing over marshes and sadness as if over meadows!
“It hates the rabble's sickly dogs and every badly formed, gloomy brood. Praise the spirit of all free spirits, the laughing storm blowing dust into the eyes of people seeing only darkness and feeling misery!
“Your worst problem, higher human beings, is not learning how to dance beyond yourselves. Why care that you failed!
“So much is still possible! Learn to laugh beyond yourselves! Lift your hearts high, higher, good dancers! Don't forget a good laugh!
“This crown of laughter, this crown of roses: I throw it to you, my brothers! I made laughter holy. Higher human beings, learn to laugh!”
The Song of Sadness
1 Zarathustra stood near the cave entrance while speaking. With his last words, he slipped away from his guests and went outside for a little while.
“Clean smells around me!” he cried. “Happy quiet around me! But where are my animals? Come here, my eagle and snake!
“Tell me, my animals, do these higher human beings perhaps smell bad? What clean smells here! Only now do I know and feel how much I love you.”
He repeated, “I love you, my animals!” The eagle and snake moved close and looked up at him. The three stayed quietly together, sniffing and drinking the good air. It was better outside than among the higher human beings.
2 Zarathustra had hardly left when the old magician stood, looked around cunningly, and said, “He's gone!
“Already, higher human beings—let me flatter you with that name and tickle you as he does—my evil spirit of trickery and magic is attacking me, my sad devil—
“He opposes this Zarathustra completely. Forgive him! He wants to do magic before you. This is his hour. I cannot win my struggle against him.
“All of you, whatever honors you give yourselves, whether you call yourselves ‘free spirits,’ ‘truthful,’ ‘people doing penance in spirit,’ ‘unchained,’ or ‘people of great longing’—
“All of you who suffer like me from great disgust, whose old God died while no new God yet lies in a cradle or diapers, my evil spirit and magical devil likes you.
“I know you, higher human beings. I know him. I know this monster I love against my will, this Zarathustra. Often he looks like a beautiful saint's mask—
“A new, strange costume in which my evil spirit, the sad devil, likes to dress. I often think I love Zarathustra for my evil spirit's sake.—
“Now he attacks and forces me, this spirit of sadness, this devil of evening twilight. He wants something, higher human beings—
“Open your eyes! He wants to come naked. I do not yet know whether male or female. But he comes, he forces me. Open your senses!
“The day is ending. Evening comes for everything, even the best. Listen and watch, higher human beings, to find what devil, man or woman, this spirit of evening sadness is!”
The old magician looked around cunningly and picked up his harp.
3 “When the air has cooled,And the comfort of dewFlows down to earth,Not seen or heard—For soft shoes are wornBy comforting Dew, like every gentle comforter—Do you remember, remember, hot heart,How you once thirsted,For heaven's tears and dripping dew,Thirsted scorched and tired,While on yellow grass pathsNasty evening sun-glancesRan through black trees around you,Blinding, glowing looks enjoying your pain?
“‘Someone courting truth? You?’ they mocked.‘No! Just a poet!An animal, cunning, hunting, sneaking,That has to lie,
“‘That must lie knowingly and willingly,Wanting prey,Wearing bright masks,Its own mask,Its own prey—That courts truth?No! Just a fool! Just a poet!Saying only colorful things,Shouting colorfully out of fools' masks,Climbing over lying bridges of words,Over colorful rainbows,Between false skiesAnd false earths,Wandering, floating—Just a fool! Just a poet!
“‘That courts truth?Not quiet, stiff, smooth, cold,Turned into an image,A pillar of God,Not set outside temples,A God's doorkeeper:No! Hating those statues of truth,More at home in wilderness than outside temples,Full of a cat's mischief,Jumping through every window,Quickly into every chance,Sniffing toward every ancient forest,Hungrily, longingly sniffing,So that in ancient forestsAmong predators with colorful spots
“‘You could run sinfully healthy, colorful, beautiful,With hungry lips,Happily mocking, happily hellish, happily bloodthirsty,Robbing, sneaking, lying as you ran—
“‘Or like an eagle that for a long,Long time stares into deep holes,Into its own depths— —How they twist down here,Down, in,Into ever deeper depths!—Then,Suddenly, straight down,In a darting flight,To attack lambs,Quickly down, hungry,Wanting lambs,Hating all lamb souls,Fiercely hating everything lookingSheeplike, lamb-eyed, curly-wooled,Gray, with the kindness of lambs and sheep!
“‘That is how,Like eagles and panthers,The poet's desires are,How your desires are under a thousand masks,You fool! You poet!
“‘You saw humanityAs God and sheep together—To tear apart the God in people
“‘And the sheep in people too,And laugh while tearing—
“‘That, that is your happiness!A panther's and eagle's happiness!A poet's and fool's happiness!’— —
“When the air has cleared,And the moon's sickleSlips green among purple reds,Enviously, quietly—Hating the day,Secretly with every stepSlicing at rose hammocksUntil they fall,Fall pale down into night—
“That is how I once sankFrom my obsession with truth,From my daylight desires,Tired of day, sick from light,Down, toward evening and shadow:From one truthBurned and thirsty—Do you remember, remember, hot heart,How you thirsted then?—To be shut outFrom all truth!Just a fool! Just a poet!”
About Science
Everyone listening to the magician's song slipped into his clever, sad net of desire like birds without noticing. Only the conscientious person of the spirit escaped. He quickly grabbed the harp and shouted, “Air! Let fresh air in! Let Zarathustra in! You are making the cave hot and poisonous, nasty old magician!
“You liar, you clever man, you lead us toward unfamiliar desires and wildernesses. It is bad when someone like you makes a show of talking about truth!
“Trouble for free spirits that do not watch out for magicians like that! Their freedom is gone. You teach and tempt people back into prison—
“Old sad devil, your complaints sound like a pipe used as bait. You resemble people who secretly invite sexual pleasure by praising chastity!”
The old magician looked around, enjoying his victory, and swallowed his annoyance with the conscientious man. He answered modestly, “Quiet! Good songs want a good echo. A good song should be followed by a long silence.
“That is what all these higher human beings are doing. Perhaps you understood little of my song? You have little magic in you.”
“You praise me by separating me from yourself,” the conscientious man said. “Good! But the rest of you still sit there with hungry eyes—
“Free souls, where did your freedom go? You look like people who spent too long watching bad, naked dancing girls. Your souls are dancing themselves!
“You higher human beings must have more of what the magician calls his evil spirit of magic and tricks. We must be different.
“We certainly talked and thought together enough before Zarathustra returned for me to know: we are different.
“We want different things even up here. I want more safety. That is why I came. Zarathustra is still the strongest tower and will—
“In a time when everything shakes, when the whole earth moves. But your looks almost make me think you want less safety—
“More shuddering, danger, and earthquakes. Forgive me for thinking this about you, higher human beings—
“You seem to want the worst and most dangerous life, the one that frightens me most: wild animals' lives, forests, caves, steep mountains, confusing deep holes.
“You like best not guides out of danger, but people leading you away from every road, the seducers. If that desire in you is real, it still seems impossible to me.
“Fear is humanity's inherited, basic feeling. It explains everything, inherited sin and virtue. My virtue grew out of fear too. Its name is science.
“Fear of wild animals has been bred into people longest. That includes the animal they keep inside and fear. Zarathustra calls it ‘the animal within.’
“That long, old fear, finally refined into something spiritual and intellectual, is what I think people now call science.”—
Zarathustra had just come back and heard and understood the last words. He tossed a handful of roses to the conscientious man and laughed at his ‘truths.’ “What did I hear?” he asked. “Either you or I must be a fool. I turn your ‘truth’ upside down immediately.
“For us, fear is the exception. Courage, adventure, enjoyment of uncertainty and things not attempted: courage seems to me the whole early history of humanity.
“Humanity envied and stole every virtue from the wildest, bravest animals. Only that made it human.
“That courage, eventually made spiritual and intellectual, human courage with eagle wings and a snake's cleverness: that is what I think people now call—”
“Zarathustra!” everyone shouted together. They burst out laughing. A heavy cloud seemed to lift from them. The magician laughed and said cleverly, “Good! My evil spirit has gone!
“Didn't I warn you that he was a cheat, a lying and tricking spirit?
“Especially when he appears naked. How can I help his tricks? Did I create him and the world?
“Let's be friendly and happy again! Even if Zarathustra looks annoyed—look, he is angry with me—
“He will learn to love and praise me again before night. He cannot live long without such foolish acts.
“He loves his enemies. He does that better than anyone I know. But he gets his revenge for it on his friends!”
Everyone applauded the old magician. Zarathustra went around shaking his friends' hands with love and malice, as if he had to apologize and make amends to every one. Reaching the cave's door, he already wanted fresh air and his animals again. He was about to slip outside.
Among the Desert's Daughters
1 “Don't leave!” said the wanderer calling himself Zarathustra's shadow. “Stay, or that old, heavy sadness may return.
“The old magician already gave us a sample of his worst. Look, the good religious pope is crying. He has sailed back onto the sea of sadness.
“These kings may still keep up appearances in front of us. They learned that better than anyone today! Without witnesses, I bet their bad game would start again—
“The bad game of drifting clouds, wet sadness, covered skies, stolen suns, howling autumn winds!
“The bad game of our crying and calling for help. Stay, Zarathustra! So much hidden misery wants to speak here, so much evening, cloud, and stale air!
“You gave us strong food for men and powerful sayings. Don't let soft, womanish spirits attack us again at dessert!
“You alone make the surrounding air clear and strong. Have I ever found air as good as in your cave?
“I have seen many countries. My nose knows how to test and judge different air. But here my nostrils enjoy it most!
“Unless—unless—forgive an old memory! Let me give you an old dessert song I wrote among daughters of the desert—
“They had just as good and bright an eastern air. There I was farthest from cloudy, wet, sad old Europe!
“I loved those eastern girls then, and other blue heavens where neither clouds nor thoughts hang.
“You would not believe how nicely they sat when they were not dancing: deep but without thoughts, like little secrets, puzzles tied with ribbons, nuts for dessert—
“Colorful and foreign, but cloudless, puzzles that can be solved. I wrote a dessert psalm for love of girls like that.”
Before anyone could answer the wanderer and shadow, he took the old magician's harp and crossed his legs. He looked calmly and wisely around. His nostrils slowly tested the air, like someone tasting unfamiliar air in a new country. Then he began singing with something like a roar.
2 “The desert is spreading: trouble for anyone hiding deserts inside!
“Ha! Solemn!Very solemn!A worthy start!Solemn in an African way!Worthy of a lion,Or a howler monkey preaching morals—But not for you,My dearest women friends,At whose feetFor the first timeI, a European under palms,Am allowed to sit. Selah.
“It really is wonderful!Here I am sitting,Close to the desert, alreadySo far from the desert again,Not yet ruined in any way:I have been swallowedBy this tiny oasis—It was just yawning openIts lovely mouth,
“The sweetest-smelling little mouth:I fell inside,Down and through, among you,My dearest friends! Selah.
“Praise, praise that whale,If it made its visitorAs comfortable! You understandMy learned reference?—Good for its belly,If it wasA lovely oasis-bellyLike this. But I doubt it,Since I come from Europe,More obsessed with doubt than allThe older married women.May God make it better!Amen!
“Here I am sitting,In this tiny oasis,Like a date,Brown, sweet all through, with golden sores, wantingA girl's round mouth,But still more wanting herIce-cold, snow-white, sharpBiting teeth. For thoseEvery hot date's heart longs. Selah.
“Like those southern fruits,Similar, too similar,
“I lie here as littleWinged beetlesDance and play around me,As do even smaller,Sillier, nastierWishes and ideas—Surrounded by you,Silent, sensing what is coming,Girl-cats,Dudu and Suleika,Sphinx-surrounded, to putMany feelings in one word:(May God forgiveThis sin against language!)I sit sniffing the best air,Truly the air of paradise,Clear, light air with gold stripes,Air as good as anyThat fell down from the moon—Whether by chanceOr because of high spirits,As old poets say.But as a doubter, I castDoubt on it, because I comeFrom Europe,More obsessed with doubt than allThe older married women.May God make it better!Amen!
“Drinking this beautiful air,
“My nostrils open like cups,Without future or memories,I sit here, myDearest friends,Watching the palmBend and lean like a dancer,Swaying its hips—You do it too after watching long!—Like a dancer who seemsTo have stood too long, dangerously long,Always, always on one leg,And so seems to have forgottenHer other leg?At least I lookedIn vain for the missingTwin jewel—The other leg—In the holy space close toHer lovely, delicateFanning, fluttering, glittering skirt.Yes, beautiful friends,If you fully believe me:She has lost it!It has gone!Gone forever!The other leg!What a pity for that lovely other leg!Where does it stay, lonely and sad,That leg alone?Perhaps afraid of aFierce, yellow, blond-curled
“Lion-monster? Or alreadyChewed and nibbled away—Pitiful, how awful! How awful! Nibbled away! Selah.
“Do not cry,Soft hearts!Do not cry, youDate-hearts, milk-breasts!You little licorice-heartBags!Stop crying,Pale Dudu!Be a man, Suleika! Be brave! Be brave!Or perhaps shouldSomething strengthening, good for the heart,Be offered here?A holy saying?A solemn word of courage?—
“Ha! Come up, dignity!Virtue's dignity! European dignity!Blow, blow again,Bellows of virtue!Ha!Roar once more,Roar about morals!Like a moral lion,Roar in front of the desert's daughters!For howling virtue,My dearest girls,Is more than anything
“European passion and European hunger!Here I stand already,As a European:I cannot do otherwise. God help me!Amen!
“The desert is spreading: trouble for anyone hiding deserts inside!”
The Waking
1 After the wanderer and shadow's song, everyone in the cave began laughing and making noise. All the guests talked at once. The donkey, encouraged, made noise too. Zarathustra felt a little annoyed and wanted to laugh at his visitors, though their happiness pleased him: he took it as recovery. He slipped outside to his animals.
“Where has their trouble gone?” he said, already relieved of his little irritation. “They seem to have forgotten how to cry for help with me—
“Though not, unfortunately, how to shout.” He covered his ears. The donkey's hee-haw was mixing oddly with the higher human beings' celebrations.
“They are merry,” he went on. “Maybe at their host's expense, who knows? If they learned laughter from me, it is not my laugh they learned.
“But why care? They are old. They recover their own way and laugh their own way. My ears have suffered worse without getting upset.
“This day is a victory. My old enemy, the spirit of gravity, is already backing away and running! A day that started so badly and heavily will end so well!
“It will end. Evening is coming, riding over the sea, that good rider! How happily he sways in his purple saddles on his way home!
“The sky is clear and the world deep. Strange visitors, living with me is worthwhile!”
The sounds of laughter and shouting came from the cave again. Zarathustra spoke once more.
“They are biting. My bait works. Their enemy, the spirit of gravity, is leaving them too. Am I hearing them learn to laugh at themselves?
“My strong food and hearty sayings work. I did not feed them vegetables that fill them with gas! I gave warriors' and conquerors' food. I woke new desires.
“New hopes are in their arms and legs. Their hearts stretch out. They find new words. Their spirits will soon breathe playfulness.
“This food may not suit children or yearning women, old and young. Their insides need a different persuasion. I am not their doctor or teacher.
“Disgust is leaving these higher human beings. That is my victory! They feel safe here. Stupid shame runs away. They pour themselves out.
“They pour out their hearts. Happy hours return. They celebrate and chew the cud. They become grateful.
“The best sign is that: they are becoming grateful. Soon they will invent parties and put up stones to remember past joys.
“They are recovering!” he told himself happily, looking out. His animals pressed close, respecting his happiness and quiet.
2 Suddenly Zarathustra's ears were startled. The cave that had been so noisy became as quiet as death. He smelled sweet smoke and incense, like burning pinecones.
“What is happening? What are they up to?” he wondered, creeping toward the entrance to watch without being seen. What a surprise his own eyes had to meet!
“They are all religious again, praying! They are mad!” he said, amazed. Every higher human being was on his knees: both kings, the retired pope, the bad magician, the beggar by choice, the wanderer and shadow, the old prophet, the conscientious man, and the ugliest person. They worshiped the donkey like children and religious old women. The ugliest person gurgled and snorted as though something impossible to say wanted to come out. When he found words, a strange religious prayer praising the donkey, worshiped in incense, came out. This was the prayer:
“Amen! Let praise, honor, wisdom, thanks, glory, and strength belong to our God forever and ever!”
The donkey answered, “Hee-haw.”
“He carries our load. He took the shape of a servant. He is patient at heart and never says no. Anyone who loves his God punishes him.”
The donkey answered, “Hee-haw.”
“He does not talk, except always to say yes to the world he made. That is how he praises it. His cleverness keeps quiet, so he is rarely told he is wrong.”
The donkey answered, “Hee-haw.” “He moves through the world without attracting notice. Gray is the body's color in which he wraps his virtue. If he has spirit, he hides it. Everyone believes in his long ears.”
The donkey answered, “Hee-haw.”
“What secret wisdom, to have long ears and say only yes, never no! Didn't he make the world like himself, as stupid as possible?”
The donkey answered, “Hee-haw.”
“You take straight and crooked roads. You care little what we think straight or crooked. Your kingdom is beyond good and evil. You are innocent because you do not know what innocence means.”
The donkey answered, “Hee-haw.”
“You turn nobody away, not beggars or kings. You let little children come. If naughty boys tempt you, you just say hee-haw.”
The donkey answered, “Hee-haw.”
“You like female donkeys and fresh figs. You do not look down on food. When hungry, a thistle tickles your heart. That is a God's wisdom.”
The donkey answered, “Hee-haw.”
The Donkey Festival
1 At this point Zarathustra could not control himself. He shouted “Hee-haw” louder than the donkey, jumped among his crazed visitors, and pulled the praying people off the ground. “What are you human children doing? It would be bad if anyone but me saw you:
“They would judge your new belief the worst insult to God or the silliest old woman's folly!
“Old pope, how can you yourself worship a donkey as God like this?”—
“Forgive me,” the pope answered, “but I understand God's affairs better than you do. That is only right.
“Better worship God in this form than in no form at all. Think about that, my high friend. You will quickly see wisdom in it.
“The person saying ‘God is a spirit’ took the biggest step and jump toward unbelief ever made on earth. Those words are not easily made right again!
“My old heart leaps with joy that there is still something on earth to worship. Forgive an old religious pope's heart!”—
“You,” Zarathustra said to the wanderer and shadow, “you call yourself a free spirit and think you are one? Yet here you worship an idol and serve priests?
“You are behaving even worse than with your bad brown girls, you bad new believer!”
“You are right,” the wanderer answered. “It is bad. But how can I help it? Say what you like, Zarathustra: the old God is alive again.
“The ugliest person caused everything. He brought him back. If he says he killed him once, death is only ever a prejudice where gods are concerned.”
“You old magician,” Zarathustra said, “what have you done? Who will believe in you in these free times if you believe in this godly donkey nonsense?
“That was stupid. How could someone clever do something so stupid?”
“You are right,” the clever magician answered. “It was stupid. I found it hard enough to do too.”
“You too,” Zarathustra said to the conscientious person of the spirit, “think, put your finger on your nose! Doesn't this offend your conscience? Isn't your spirit too clean for praying and the stink of these praying brothers?”
“There is something here,” he answered, putting a finger on his nose. “Something about the performance even feels good to my conscience.
“Perhaps I cannot believe in God. But God seems most believable to me in this form.
“According to the most religious people, God lasts forever. Someone with so much time can take his time. By being as slow and stupid as possible, that way someone can get a long way.
“A person with too much spirit might fall in love with stupidity and foolishness themselves. Think about yourself, Zarathustra!
“You could become a donkey yourself, out of abundance and wisdom.
“Doesn't a completely wise man enjoy the crookedest roads? We can see it, Zarathustra. You show it!”
“And finally you,” Zarathustra said to the ugliest person, still on the ground, arm lifted to the donkey as he gave it wine. “Tell me, you indescribable man, what have you done!
“You look different. Your eyes shine. Something high and grand covers your ugliness like a coat. What did you do?
“Did you really bring him back, as they say? Why? Wasn't there good reason to kill him and finish with him?
“You look awake yourself. What did you do? What did you turn upside down? Why did you change your belief? Speak, indescribable man!”
“Zarathustra,” the ugliest person answered, “you are a rascal!
“Which of us knows best whether he is still alive, alive again, or entirely dead? I am asking you.
“I know one thing you taught me: to kill most completely, laugh.
“‘People kill by laughter, not anger,’ you once said. You hidden man, destroyer without anger, dangerous holy man—you are a rascal!”
2 Zarathustra was surprised by all these sly answers. He jumped back to the cave entrance and shouted at all the guests:
“You mischievous fools and clowns! Why put on acts and hide from me!
“Your hearts shook with pleasure and malice because you finally became like children again, religious—
“Because you again did what children do: prayed, folded hands, and said ‘dear God’!
“Now leave this nursery, my own cave, the home of all childishness today. Come outside and cool that hot childish excitement and noisy heart!
“Certainly, if you do not become children again, you cannot enter that heaven.” Zarathustra pointed up.
“But we do not want heaven at all. We have become men, so we want earth's kingdom.”
3 Zarathustra spoke again. “My new friends, strange higher human beings, I like you so much better now—
“Since you became happy again! You have all bloomed. Flowers like you need new celebrations—
“A little brave nonsense, some worship, a donkey festival, a cheerful old fool of Zarathustra's, a windstorm that blows your souls clear.
“Do not forget this night and donkey festival! You made that up here. I take it as a good sign. Only people recovering invent things like that!
“If you hold this festival again, do it for love of yourselves and love of me. To remember me!”
That is what Zarathustra said.
The Night Walker's Song
1 One by one they had gone outside into the cool night, which seemed thoughtful. Zarathustra held the ugliest person's hand and showed him his nighttime world, the big round moon, and the silver waterfalls near the cave. At last they stood together, all old people but with brave, comforted hearts, surprised at how good it felt to be on earth. The night drew closer to their hearts. Zarathustra thought again, “I like these higher human beings so much now!” He kept it to himself, respecting their happiness and silence.—
Then the most surprising thing in that long, surprising day happened. The ugliest person gurgled and snorted one more, last time. Finding words, he produced a clean, round question: a good, deep, clear question that moved everyone's heart.
“My friends,” he said, “what do you think? Because of this day, I am happy for the first time to have lived my whole life.
“Saying even that is not enough. Life on earth is worthwhile. One day, one celebration with Zarathustra taught me to love earth.
“‘Was that life?’ I want to ask death. ‘Then let's have it again!’
“My friends, what do you think? Won't you tell death the same thing: was that life? For Zarathustra's sake, let's have it again!”— —
It was nearly midnight when the ugliest person said that. What do you think followed? Hearing his question, the higher human beings suddenly realized they had changed and recovered, and who had done that for them. They ran to Zarathustra, thanking, respecting, embracing him, kissing his hands, each in their own way. Some laughed, others cried. The old prophet danced happily. Some storytellers say he was full of sweet wine. He was certainly fuller of sweet life and had given up all tiredness. Some people even say the donkey danced. The ugliest person had given it wine for a reason. That may be true or not. Even if it did not dance that night, greater and stranger wonders happened than a dancing donkey. As Zarathustra's saying puts it, “What does it matter!”
2 During this, Zarathustra stood like a drunk. His eyes faded, his words were unclear, his feet unsteady. Who could guess his thoughts? His spirit seemed to pull back, run ahead, and reach far away, as if “on a high ridge, as written, between two seas—
“Moving like a heavy cloud between past and future.” As the others held him, he slowly came back to himself. He used his hands to keep the anxious, admiring crowd back, but said nothing. Suddenly he turned his head as though hearing something. He put a finger to his mouth and said, “Come!”
Everything grew quiet and private. A bell's sound slowly rose from below. Zarathustra and the others listened. A second time he put a finger to his mouth. “Come! Come! It is nearly midnight!” His voice had changed. He still stayed where he was. Things grew quieter. Everything listened: the donkey, his eagle and snake, the cave, the big cool moon, night itself. The third time he raised his hand to his mouth and said:
“Come! Come! Come! Let us walk now! This is the hour: let us walk into the night!”
3 “Higher human beings, midnight is near. I want to tell you something quietly, the way that old bell speaks into my ear—
“So privately, frighteningly, warmly, like the midnight bell that has experienced more than any one person—
“It has already counted your fathers' painful heartbeats. Oh! Oh! How it sighs! How it laughs in its dreams, that old, deep, deep midnight!
“Quiet! Quiet! Much can be heard that must not be said aloud by day. Now the air is cool, and even your hearts' noise has stopped—
“Now it talks, can be heard, and creeps into souls too awake at night. Oh! Oh! How it sighs! How it laughs in dreams!
“Don't you hear that old, deep, deep midnight speaking privately, frighteningly, warmly to you? Human being, pay attention!
4 “What misery for me! Where did time go? Didn't I sink into deep wells? The world is asleep—
“Oh! Oh! The dog howls, the moon shines. I would rather die, die, than tell you what my midnight heart is thinking.
“I already died. It has gone. Spider, what are you spinning around me? Do you want blood? Oh! Oh! Dew falls, the hour comes—
“The hour when I shiver and freeze, which asks and asks and asks, ‘Who is brave enough—
“‘Who will rule earth? Who will tell the big and little rivers to run this way?’
“The hour is near. Higher human being, pay attention. These words are for sensitive ears, yours. What is deep midnight saying?
5 “It carries me away. My soul dances. The day's work! The day's work! Who will rule earth?
“The moon is cool, the wind quiet. Oh! Oh! Have you flown high enough? You danced, but a leg is not a wing.
“Good dancers, all pleasure is over now. Wine became sediment, every cup fragile. The graves stammer.
“You did not fly high enough. Now the graves stammer, ‘Set the dead free! Why is night so long? Doesn't the moon make us drunk?’
“Higher human beings, free the graves and wake dead bodies! What is that worm still digging? It is coming, the hour is coming—
“The bell hums, the heart rattles, the woodworm, the worm in the heart, still digs. Oh! Oh! The world is deep!
6 “Sweet lyre, sweet lyre! I love your sound, the sound of a drunken toad. It comes from so long ago, so far away, from love's ponds!
“Old bell, sweet lyre, every hurt tore your heart: a father's pain, fathers' pain, ancestors' pain. Your speech grew ripe—
“Ripe like golden autumn and afternoon, like my hermit's heart. Now you say the world itself has ripened. The grape turns brown—
“It wants to die, die of happiness. Higher human beings, don't you smell it? A smell secretly rises—
“The smell and sweetness of eternity, a brown-and-gold wine smell of old happiness, happy with roses—
“Of drunken happiness dying at midnight, singing: the world is deep, deeper than day has thought!
7 “Leave me, leave me! I am too clean for you. Don't touch me! Didn't my world just become perfect?
“Your hands are too dirty for my skin. Leave me, stupid, clumsy, dull day! Isn't midnight brighter?
“The purest people should rule earth: the least known, the strongest, the midnight souls brighter and deeper than any day.
“Day, are you reaching for me? Feeling for my happiness? Am I rich and lonely to you, a treasure mine, a room full of gold?
“World, do you want me? Am I worldly, spiritual, divine to you? Day and world, you are too clumsy—
“Use cleverer hands. Reach for deeper happiness and unhappiness, some God. Don't reach for me—
“My unhappiness and happiness are deep, strange day. But I am not a God or a God's hell. Its suffering is deep.
8 “God's suffering is deeper, strange world! Reach for that, not me! What am I? A sweet, drunken lyre—
“A midnight lyre, a croaking bell nobody understands. But it has to speak before deaf people, higher human beings. You do not understand me!
“Gone, gone! Youth, noon, afternoon! Now came evening, night, midnight. The dog howls, the wind—
“Isn't the wind a dog? It whines, barks, howls. Oh! Oh! Midnight sighs, laughs, rattles, and pants!
“How soberly this drunken poet speaks now! Did she drink past being drunk? Become too awake? Is she chewing the cud?
“Old, deep midnight chews its pain in dreams, and even more its pleasure. Even if pain is deep, pleasure is deeper than heartache.
9 “Vine, why praise me? I cut you! I am cruel and you bleed. What does your praise want from my drunken cruelty?
“‘Everything perfect and ripe wants to die!’ you say. ‘May the grower's knife be blessed, blessed! But everything unripe wants life. How painful!’
“Pain says, ‘Pass away! Away, pain!’ But everything hurting wants to live, become ripe, happy, and full of desire—
“‘Desire for things farther away, higher, brighter. ‘I want heirs,’ says everything hurting. ‘I want children, not myself.’—
“But pleasure wants neither heirs nor children. It wants itself, eternity, return, everything staying the same forever.
“Pain says, ‘Break and bleed, heart! Walk, leg! Fly, wing! Higher! Up! Pain!’ Come on! Get up! Old heart: pain says, ‘Pass away!’
10 “What do you think, higher human beings? Am I a prophet, dreamer, drunk, dream interpreter, midnight bell?
“A dewdrop? Mist and perfume of eternity? Don't you hear or smell it? My world just became perfect. Midnight is midday too—
“Pain is pleasure too, a curse a blessing, night a sun. Leave, or learn that a wise person is also a fool.
“Have you ever said yes to one pleasure? Then, friends, you said yes to every pain too. All things are linked, threaded together, in love—
“If you ever wanted a moment a second time, if you ever said, ‘I like you, happiness! Just a flash! A moment!’ you wanted everything back!
“Everything again, forever, linked, threaded together, in love: that is how you loved the world—
“You eternal ones, love it forever and always. Tell pain too: pass away, but come back! Because every pleasure wants eternity!
11 “Every pleasure wants everything to last forever. It wants honey, sediment, drunken midnight, graves, comfort in tears at graves, sunset covered in gold—
“What doesn't pleasure want? It is thirstier, warmer, hungrier, scarier, more secret than pain. It wants itself, bites itself, and the will to be a ring struggles inside it—
“It wants love and hatred. It has too much, gives it away, throws it out, begs somebody to take it, thanks whoever does, would like to be hated—
“Pleasure is so rich it thirsts for pain, hell, hatred, shame, the cripple, the world. You know this world!
“Higher human beings, this wild, happy pleasure longs for you and your suffering, you failures! Every eternal pleasure wants what has failed.
“Every pleasure wants itself, so it wants heartache as well! Oh, happiness! Oh, pain! Oh, break, heart! Higher human beings, learn that pleasure wants eternity—
“It wants all things forever, wants deep, deep eternity!
12 “Have you learned my song? Worked out what it wants? Come on, higher human beings, sing my round now!
“Sing the song called ‘One More Time,’ whose meaning is ‘For all eternity.’ Sing Zarathustra's round!
“Human being, pay attention!What is deep midnight saying?‘I slept, I slept—‘I woke from a deep dream:—‘The world is deep,‘Deeper than day has thought.‘Its suffering is deep—‘Pleasure, deeper than heartache:‘Pain says: Pass away!‘But every pleasure wants eternity—‘Wants deep, deep eternity!’”
The Sign
The next morning Zarathustra jumped from bed, tightened his clothes around his waist, and came out of the cave, strong and glowing like a morning sun coming from dark mountains.
“Great star,” he said, as he once had before, “deep eye of happiness, what would your happiness be without those you shine for!
“If they stayed in their rooms while you were already awake, coming, giving, handing things out, how angry your proud shame would be!
“These higher human beings still sleep while I am awake. They are not my true companions. They are not the ones I wait for in my mountains.
“I want my work, my day. But they do not understand the signs of my morning. My footsteps do not wake them.
“They still sleep inside, dreaming and chewing over my midnights. Their bodies lack the ear that listens for me, the ear that obeys.”
Zarathustra said this to himself as the sun rose. He looked up at the sharp cry of his eagle. “Good!” he called. “That pleases me and is right for me. My animals are awake because I am awake.
“My eagle wakes and respects the sun as I do. Its claws grab the new light. You are the right animals for me. I love you.
“But I still lack the right people!”—
Suddenly Zarathustra heard countless birds around him. So many wings fluttered and crowded his head that he shut his eyes. They came like a cloud, like arrows showering on a new enemy. But it was a cloud of love coming over a new friend.
“What is happening?” he wondered, slowly sitting on the big stone by the cave entrance. He reached around, above, and below himself to keep back the loving birds. Something stranger happened: his hand went into thick, warm, shaggy fur. At the same time a gentle, long lion's roar sounded before him.
“The sign is coming,” Zarathustra said, and his heart changed. When he could see clearly, a powerful yellow animal lay at his feet, pressing its head against his knees. It loved him too much to leave, like a dog finding its old owner. The doves were just as eager with love. Whenever one flew across the lion's nose, it shook its head, looked surprised, and laughed.
“My children are close, my children,” was all Zarathustra said. Then he was entirely quiet. His heart relaxed. Tears ran from his eyes onto his hands. He noticed nothing and sat still, no longer holding the animals off. Doves flew back and forth, landed on his shoulders, stroked his white hair, and never tired of affection and delight. The powerful lion kept licking the tears falling on his hands, roaring and growling shyly. That is what the animals did.—
It lasted a long time or a short one. Properly speaking, there is no time for such things on earth. Meanwhile the higher human beings woke in the cave. Finding Zarathustra gone, they lined up to go and greet him. As they reached the entrance, their steps sounded ahead. The lion suddenly jumped, turned from Zarathustra, and sprang roaring toward the cave. All the higher human beings screamed together and ran back inside, disappearing immediately.
Zarathustra stood up, stunned and feeling strange. He looked around in surprise, questioned his heart, tried to remember, and was alone. “What did I hear?” he finally asked slowly. “What happened just now?”
He remembered at once and understood everything between yesterday and today in one look. Stroking his beard, he said, “Here is the stone where I sat yesterday morning. The prophet came here. Here I first heard the cry I just heard, the great cry for help.
“Higher human beings, the old prophet predicted your trouble yesterday morning—
“He wanted to tempt me toward your trouble. ‘Zarathustra,’ he told me, ‘I have come to tempt you to your last sin.’
“My last sin?” Zarathustra cried, laughing angrily at his own words. “What was kept for me as my last sin?”
He turned inward again, sat on the big stone, and thought. Suddenly he jumped up—
“Pity! Pity for the higher human being!” he shouted. His face turned like bronze. “All right! That had its time!
“My suffering and pity, what do they matter! Am I looking for happiness? I am looking for my work!
“The lion came. My children are close. Zarathustra is ripe. My time has come—
“This is my morning, my day starting. Come up now, come up, great noon!”— —
Zarathustra said this and left his cave, strong and glowing like a morning sun coming from dark mountains.
End of Thus Spoke Zarathustra.