Thus Spoke Zarathustra
Part 1 Prologue
German
Erster Theil
Zarathustra's Vorrede.
1 Als Zarathustra dreissig Jahr alt war, verliess er seine Heimat und den See seiner Heimat und gieng in das Gebirge. Hier genoss er seines Geistes und seiner Einsamkeit und wurde dessen zehn Jahre nicht müde. Endlich aber verwandelte sich sein Herz, — und eines Morgens stand er mit der Morgenröthe auf, trat vor die Sonne hin und sprach zu ihr also:
„Du grosses Gestirn! Was wäre dein Glück, wenn du nicht Die hättest, welchen du leuchtest!
Zehn Jahre kamst du hier herauf zu meiner Höhle: du würdest deines Lichtes und dieses Weges satt geworden sein, ohne mich, meinen Adler und meine Schlange.
Aber wir warteten deiner an jedem Morgen, nahmen dir deinen Überfluss ab und segneten dich dafür.
Siehe! Ich bin meiner Weisheit überdrüssig, wie die Biene, die des Honigs zu viel gesammelt hat, ich bedarf der Hände, die sich ausstrecken.
Ich möchte verschenken und austheilen, bis die Weisen unter den Menschen wieder einmal ihrer Thorheit und die Armen wieder einmal ihres Reichthums froh geworden sind.
Dazu muss ich in die Tiefe steigen: wie du des Abends thust, wenn du hinter das Meer gehst und noch der Unterwelt Licht bringst, du überreiches Gestirn!
Ich muss, gleich dir, untergehen, wie die Menschen es nennen, zu denen ich hinab will.
So segne mich denn, du ruhiges Auge, das ohne Neid auch ein allzugrosses Glück sehen kann!
Segne den Becher, welcher überfliessen will, dass das Wasser golden aus ihm fliesse und überallhin den Abglanz deiner Wonne trage!
Siehe! Dieser Becher will wieder leer werden, und Zarathustra will wieder Mensch werden.“
— Also begann Zarathustra's Untergang.
2 Zarathustra stieg allein das Gebirge abwärts und Niemand begegnete ihm. Als er aber in die Wälder kam, stand auf einmal ein Greis vor ihm, der seine heilige Hütte verlassen hatte, um Wurzeln im Walde zu suchen. Und also sprach der Greis zu Zarathustra:
Nicht fremd ist mir dieser Wanderer: vor manchem Jahre gieng er hier vorbei. Zarathustra hiess er; aber er hat sich verwandelt.
Damals trugst du deine Asche zu Berge: willst du heute dein Feuer in die Thäler tragen? Fürchtest du nicht des Brandstifters Strafen?
Ja, ich erkenne Zarathustra. Rein ist sein Auge, und an seinem Munde birgt sich kein Ekel. Geht er nicht daher wie ein Tänzer?
Verwandelt ist Zarathustra, zum Kind ward Zarathustra, ein Erwachter ist Zarathustra: was willst du nun bei den Schlafenden?
Wie im Meere lebtest du in der Einsamkeit, und das Meer trug dich. Wehe, du willst an's Land steigen? Wehe, du willst deinen Leib wieder selber schleppen?
Zarathustra antwortete: „Ich liebe die Menschen.“
Warum, sagte der Heilige, gieng ich doch in den Wald und die Einöde? War es nicht, weil ich die Menschen allzu sehr liebte?
Jetzt liebe ich Gott: die Menschen liebe ich nicht. Der Mensch ist mir eine zu unvollkommene Sache. Liebe zum Menschen würde mich umbringen.
Zarathustra antwortete: „Was sprach ich von Liebe! Ich bringe den Menschen ein Geschenk.“
Gieb ihnen Nichts, sagte der Heilige. Nimm ihnen lieber Etwas ab und trage es mit ihnen — das wird ihnen am wohlsten thun: wenn es dir nur wohlthut!
Und willst du ihnen geben, so gieb nicht mehr, als ein Almosen, und lass sie noch darum betteln!
„Nein, antwortete Zarathustra, ich gebe kein Almosen. Dazu bin ich nicht arm genug.“
Der Heilige lachte über Zarathustra und sprach also: So sieh zu, dass sie deine Schätze annehmen! Sie sind misstrauisch gegen die Einsiedler und glauben nicht, dass wir kommen, um zu schenken.
Unsre Schritte klingen ihnen zu einsam durch die Gassen. Und wie wenn sie Nachts in ihren Betten einen Mann gehen hören, lange bevor die Sonne aufsteht, so fragen sie sich wohl: wohin will der Dieb?
Gehe nicht zu den Menschen und bleibe im Walde! Gehe lieber noch zu den Thieren! Warum willst du nicht sein, wie ich, — ein Bär unter Bären, ein Vogel unter Vögeln?
„Und was macht der Heilige im Walde?“ fragte Zarathustra.
Der Heilige antwortete: Ich mache Lieder und singe sie, und wenn ich Lieder mache, lache, weine und brumme ich: also lobe ich Gott.
Mit Singen, Weinen, Lachen und Brummen lobe ich den Gott, der mein Gott ist. Doch was bringst du uns zum Geschenke?
Als Zarathustra diese Worte gehört hatte, grüsste er den Heiligen und sprach: „Was hätte ich euch zu geben! Aber lasst mich schnell davon, dass ich euch Nichts nehme!“ — Und so trennten sie sich von einander, der Greis und der Mann, lachend, gleichwie zwei Knaben lachen.
Als Zarathustra aber allein war, sprach er also zu seinem Herzen: „Sollte es denn möglich sein! Dieser alte Heilige hat in seinem Walde noch Nichts davon gehört, dass Gott todt ist!“ —
3 Als Zarathustra in die nächste Stadt kam, die an den Wäldern liegt, fand er daselbst viel Volk versammelt auf dem Markte: denn es war verheissen worden, dass man einen Seiltänzer sehen solle. Und Zarathustra sprach also zum Volke:
Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden soll. Was habt ihr gethan, ihn zu überwinden?
Alle Wesen bisher schufen Etwas über sich hinaus: und ihr wollt die Ebbe dieser grossen Fluth sein und lieber noch zum Thiere zurückgehn, als den Menschen überwinden?
Was ist der Affe für den Menschen? Ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham. Und ebendas soll der Mensch für den Übermenschen sein: ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham.
Ihr habt den Weg vom Wurme zum Menschen gemacht, und Vieles ist in euch noch Wurm. Einst wart ihr Affen, und auch jetzt noch ist der Mensch mehr Affe, als irgend ein Affe.
Wer aber der Weiseste von euch ist, der ist auch nur ein Zwiespalt und Zwitter von Pflanze und von Gespenst. Aber heisse ich euch zu Gespenstern oder Pflanzen werden?
Seht, ich lehre euch den Übermenschen!
Der Übermensch ist der Sinn der Erde. Euer Wille sage: der Übermensch sei der Sinn der Erde!
Ich beschwöre euch, meine Brüder, bleibt der Erde treu und glaubt Denen nicht, welche euch von überirdischen Hoffnungen reden! Giftmischer sind es, ob sie es wissen oder nicht.
Verächter des Lebens sind es, Absterbende und selber Vergiftete, deren die Erde müde ist: so mögen sie dahinfahren!
Einst war der Frevel an Gott der grösste Frevel, aber Gott starb, und damit starben auch diese Frevelhaften. An der Erde zu freveln ist jetzt das Furchtbarste und die Eingeweide des Unerforschlichen höher zu achten, als den Sinn der Erde!
Einst blickte die Seele verächtlich auf den Leib: und damals war diese Verachtung das Höchste: — sie wollte ihn mager, grässlich, verhungert. So dachte sie ihm und der Erde zu entschlüpfen.
Oh diese Seele war selber noch mager, grässlich und verhungert: und Grausamkeit war die Wollust dieser Seele!
Aber auch ihr noch, meine Brüder, sprecht mir: was kündet euer Leib von eurer Seele? Ist eure Seele nicht Armuth und Schmutz und ein erbärmliches Behagen?
Wahrlich, ein schmutziger Strom ist der Mensch. Man muss schon ein Meer sein, um einen schmutzigen Strom aufnehmen zu können, ohne unrein zu werden.
Seht, ich lehre euch den Übermenschen: der ist diess Meer, in ihm kann eure grosse Verachtung untergehn.
Was ist das Grösste, das ihr erleben könnt? Das ist die Stunde der grossen Verachtung. Die Stunde, in der euch auch euer Glück zum Ekel wird und ebenso eure Vernunft und eure Tugend.
Die Stunde, wo ihr sagt: „Was liegt an meinem Glücke! Es ist Armuth und Schmutz, und ein erbärmliches Behagen. Aber mein Glück sollte das Dasein selber rechtfertigen!“
Die Stunde, wo ihr sagt: „Was liegt an meiner Vernunft! Begehrt sie nach Wissen wie der Löwe nach seiner Nahrung? Sie ist Armuth und Schmutz und ein erbärmliches Behagen!“
Die Stunde, wo ihr sagt: „Was liegt an meiner Tugend! Noch hat sie mich nicht rasen gemacht. Wie müde bin ich meines Guten und meines Bösen! Alles das ist Armuth und Schmutz und ein erbärmliches Behagen!“
Die Stunde, wo ihr sagt: „Was liegt an meiner Gerechtigkeit! Ich sehe nicht, dass ich Gluth und Kohle wäre. Aber der Gerechte ist Gluth und Kohle!“
Die Stunde, wo ihr sagt: „Was liegt an meinem Mitleiden! Ist nicht Mitleid das Kreuz, an das Der genagelt wird, der die Menschen liebt? Aber mein Mitleiden ist keine Kreuzigung.“
Spracht ihr schon so? Schriet ihr schon so? Ach, dass ich euch schon so schreien gehört hätte!
Nicht eure Sünde — eure Genügsamkeit schreit gen Himmel, euer Geiz selbst in eurer Sünde schreit gen Himmel!
Wo ist doch der Blitz, der euch mit seiner Zunge lecke? Wo ist der Wahnsinn, mit dem ihr geimpft werden müsstet?
Seht, ich lehre euch den Übermenschen: der ist dieser Blitz, der ist dieser Wahnsinn! —
Als Zarathustra so gesprochen hatte, schrie Einer aus dem Volke: „Wir hörten nun genug von dem Seiltänzer; nun lasst uns ihn auch sehen!“ Und alles Volk lachte über Zarathustra. Der Seiltänzer aber, welcher glaubte, dass das Wort ihm gälte, machte sich an sein Werk.
4 Zarathustra aber sahe das Volk an und wunderte sich. Dann sprach er also:
Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Thier und Übermensch, — ein Seil über einem Abgrunde.
Ein gefährliches Hinüber, ein gefährliches Auf-dem-Wege, ein gefährliches Zurückblicken, ein gefährliches Schaudern und Stehenbleiben.
Was gross ist am Menschen, das ist, dass er eine Brücke und kein Zweck ist: was geliebt werden kann am Menschen, das ist, dass er ein Übergang und ein Untergang ist.
Ich liebe Die, welche nicht zu leben wissen, es sei denn als Untergehende, denn es sind die Hinübergehenden.
Ich liebe die grossen Verachtenden, weil sie die grossen Verehrenden sind und Pfeile der Sehnsucht nach dem andern Ufer.
Ich liebe Die, welche nicht erst hinter den Sternen einen Grund suchen, unterzugehen und Opfer zu sein: sondern die sich der Erde opfern, dass die Erde einst des Übermenschen werde.
Ich liebe Den, welcher lebt, damit er erkenne, und welcher erkennen will, damit einst der Übermensch lebe. Und so will er seinen Untergang.
Ich liebe Den, welcher arbeitet und erfindet, dass er dem Übermenschen das Haus baue und zu ihm Erde, Thier und Pflanze vorbereite: denn so will er seinen Untergang.
Ich liebe Den, welcher seine Tugend liebt: denn Tugend ist Wille zum Untergang und ein Pfeil der Sehnsucht.
Ich liebe Den, welcher nicht einen Tropfen Geist für sich zurückbehält, sondern ganz der Geist seiner Tugend sein will: so schreitet er als Geist über die Brücke.
Ich liebe Den, welcher aus seiner Tugend seinen Hang und sein Verhängniss macht: so will er um seiner Tugend willen noch leben und nicht mehr leben.
Ich liebe Den, welcher nicht zu viele Tugenden haben will. Eine Tugend ist mehr Tugend, als zwei, weil sie mehr Knoten ist, an den sich das Verhängniss hängt.
Ich liebe Den, dessen Seele sich verschwendet, der nicht Dank haben will und nicht zurückgiebt: denn er schenkt immer und will sich nicht bewahren.
Ich liebe Den, welcher sich schämt, wenn der Würfel zu seinem Glücke fällt und der dann fragt: bin ich denn ein falscher Spieler? — denn er will zu Grunde gehen.
Ich liebe Den, welcher goldne Worte seinen Thaten voraus wirft und immer noch mehr hält, als er verspricht: denn er will seinen Untergang.
Ich liebe Den, welcher die Zukünftigen rechtfertigt und die Vergangenen erlöst: denn er will an den Gegenwärtigen zu Grunde gehen.
Ich liebe Den, welcher seinen Gott züchtigt, weil er seinen Gott liebt: denn er muss am Zorne seines Gottes zu Grunde gehen.
Ich liebe Den, dessen Seele tief ist auch in der Verwundung, und der an einem kleinen Erlebnisse zu Grunde gehen kann: so geht er gerne über die Brücke.
Ich liebe Den, dessen Seele übervoll ist, so dass er sich selber vergisst, und alle Dinge in ihm sind: so werden alle Dinge sein Untergang.
Ich liebe Den, der freien Geistes und freien Herzens ist: so ist sein Kopf nur das Eingeweide seines Herzens, sein Herz aber treibt ihn zum Untergang.
Ich liebe alle Die, welche wie schwere Tropfen sind, einzeln fallend aus der dunklen Wolke, die über den Menschen hängt: sie verkündigen, dass der Blitz kommt, und gehn als Verkündiger zu Grunde.
Seht, ich bin ein Verkündiger des Blitzes und ein schwerer Tropfen aus der Wolke: dieser Blitz aber heisst Übermensch. —
5 Als Zarathustra diese Worte gesprochen hatte, sahe er wieder das Volk an und schwieg. „Da stehen sie“, sprach er zu seinem Herzen, „da lachen sie: sie verstehen mich nicht, ich bin nicht der Mund für diese Ohren.
Muss man ihnen erst die Ohren zerschlagen, dass sie lernen, mit den Augen hören? Muss man rasseln gleich Pauken und Busspredigern? Oder glauben sie nur dem Stammelnden?
Sie haben Etwas, worauf sie stolz sind. Wie nennen sie es doch, was sie stolz macht? Bildung nennen sie's, es zeichnet sie aus vor den Ziegenhirten.
Drum hören sie ungern von sich das Wort „Verachtung“. So will ich denn zu ihrem Stolze reden.
So will ich ihnen vom Verächtlichsten sprechen: das aber ist der letzte Mensch.“
Und also sprach Zarathustra zum Volke:
Es ist an der Zeit, dass der Mensch sich sein Ziel stecke. Es ist an der Zeit, dass der Mensch den Keim seiner höchsten Hoffnung pflanze.
Noch ist sein Boden dazu reich genug. Aber dieser Boden wird einst arm und zahm sein, und kein hoher Baum wird mehr aus ihm wachsen können.
Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch nicht mehr den Pfeil seiner Sehnsucht über den Menschen hinaus wirft, und die Sehne seines Bogens verlernt hat, zu schwirren!
Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.
Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch keinen Stern mehr gebären wird. Wehe! Es kommt die Zeit des verächtlichsten Menschen, der sich selber nicht mehr verachten kann.
Seht! Ich zeige euch den letzten Menschen.
„Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern?“ — so fragt der letzte Mensch und blinzelt.
Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der Alles klein macht. Sein Geschlecht ist unaustilgbar, wie der Erdfloh; der letzte Mensch lebt am längsten.
„Wir haben das Glück erfunden“ — sagen die letzten Menschen und blinzeln.
Sie haben die Gegenden verlassen, wo es hart war zu leben: denn man braucht Wärme. Man liebt noch den Nachbar und reibt sich an ihm: denn man braucht Wärme.
Krankwerden und Misstrauen-haben gilt ihnen sündhaft: man geht achtsam einher. Ein Thor, der noch über Steine oder Menschen stolpert!
Ein wenig Gift ab und zu: das macht angenehme Träume. Und viel Gift zuletzt, zu einem angenehmen Sterben.
Man arbeitet noch, denn Arbeit ist eine Unterhaltung. Aber man sorgt, dass die Unterhaltung nicht angreife.
Man wird nicht mehr arm und reich: Beides ist zu beschwerlich. Wer will noch regieren? Wer noch gehorchen? Beides ist zu beschwerlich.
Kein Hirt und Eine Heerde! Jeder will das Gleiche, Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig in's Irrenhaus.
„Ehemals war alle Welt irre“ — sagen die Feinsten und blinzeln.
Man ist klug und weiss Alles, was geschehn ist: so hat man kein Ende zu spotten. Man zankt sich noch, aber man versöhnt sich bald — sonst verdirbt es den Magen.
Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchen für die Nacht: aber man ehrt die Gesundheit.
„Wir haben das Glück erfunden“ — sagen die letzten Menschen und blinzeln. —
Und hier endete die erste Rede Zarathustra's, welche man auch „die Vorrede“ heisst: denn an dieser Stelle unterbrach ihn das Geschrei und die Lust der Menge. „Gieb uns diesen letzten Menschen, oh Zarathustra, — so riefen sie — mache uns zu diesen letzten Menschen! So schenken wir dir den Übermenschen!“ Und alles Volk jubelte und schnalzte mit der Zunge. Zarathustra aber wurde traurig und sagte zu seinem Herzen:
Sie verstehen mich nicht: ich bin nicht der Mund für diese Ohren.
Zu lange wohl lebte ich im Gebirge, zu viel horchte ich auf Bäche und Bäume: nun rede ich ihnen gleich den Ziegenhirten.
Unbewegt ist meine Seele und hell wie das Gebirge am Vormittag. Aber sie meinen, ich sei kalt und ein Spötter in furchtbaren Spässen.
Und nun blicken sie mich an und lachen: und indem sie lachen, hassen sie mich noch. Es ist Eis in ihrem Lachen.
6 Da aber geschah Etwas, das jeden Mund stumm und jedes Auge starr machte. Inzwischen nämlich hatte der Seiltänzer sein Werk begonnen: er war aus einer kleinen Thür hinausgetreten und gieng über das Seil, welches zwischen zwei Thürmen gespannt war‚ also, dass es über dem Markte und dem Volke hieng. Als er eben in der Mitte seines Weges war, öffnete sich die kleine Thür noch einmal, und ein bunter Gesell, einem Possenreisser gleich, sprang heraus und gieng mit schnellen Schritten dem Ersten nach. „Vorwärts, Lahmfuss, rief seine fürchterliche Stimme, vorwärts Faulthier, Schleichhändler, Bleichgesicht! Dass ich dich nicht mit meiner Ferse kitzle! Was treibst du hier zwischen Thürmen? In den Thurm gehörst du, einsperren sollte man dich, einem Bessern, als du bist, sperrst du die freie Bahn!“ — Und mit jedem Worte kam er ihm näher und näher: als er aber nur noch einen Schritt hinter ihm war, da geschah das Erschreckliche, das jeden Mund stumm und jedes Auge starr machte: — er stiess ein Geschrei aus wie ein Teufel und sprang über Den hinweg, der ihm im Wege war. Dieser aber, als er so seinen Nebenbuhler siegen sah, verlor dabei den Kopf und das Seil; er warf seine Stange weg und schoss schneller als diese, wie ein Wirbel von Armen und Beinen, in die Tiefe. Der Markt und das Volk glich dem Meere, wenn der Sturm hineinfährt: Alles floh aus einander und übereinander‚ und am meisten dort, wo der Körper niederschlagen musste.
Zarathustra aber blieb stehen, und gerade neben ihn fiel der Körper hin, übel zugerichtet und zerbrochen, aber noch nicht todt. Nach einer Weile kam dem Zerschmetterten das Bewusstsein zurück, und er sah Zarathustra neben sich knieen. „Was machst du da? sagte er endlich, ich wusste es lange, dass mir der Teufel ein Bein stellen werde. Nun schleppt er mich zur Hölle: willst du's ihm wehren?“
„Bei meiner Ehre, Freund, antwortete Zarathustra, das giebt es Alles nicht, wovon du sprichst: es giebt keinen Teufel und keine Hölle. Deine Seele wird noch schneller todt sein als dein Leib: fürchte nun Nichts mehr!“
Der Mann blickte misstrauisch auf. „Wenn du die Wahrheit sprichst, sagte er dann, so verliere ich Nichts, wenn ich das Leben verliere. Ich bin nicht viel mehr als ein Thier, das man tanzen gelehrt hat, durch Schläge und schmale Bissen.“
„Nicht doch, sprach Zarathustra; du hast aus der Gefahr deinen Beruf gemacht, daran ist Nichts zu verachten. Nun gehst du an deinem Beruf zu Grunde: dafür will ich dich mit meinen Händen begraben.“
Als Zarathustra diess gesagt hatte, antwortete der Sterbende nicht mehr; aber er bewegte die Hand, wie als ob er die Hand Zarathustra's zum Danke suche. —
7 Inzwischen kam der Abend, und der Markt barg sich in Dunkelheit: da verlief sich das Volk, denn selbst Neugierde und Schrecken werden müde. Zarathustra aber sass neben dem Todten auf der Erde und war in Gedanken versunken: so vergass er die Zeit. Endlich aber wurde es Nacht, und ein kalter Wind blies über den Einsamen. Da erhob sich Zarathustra und sagte zu seinem Herzen:
Wahrlich, einen schönen Fischfang that heute Zarathustra! Keinen Menschen fieng er, wohl aber einen Leichnam.
Unheimlich ist das menschliche Dasein und immer noch ohne Sinn: ein Possenreisser kann ihm zum Verhängniss werden.
Ich will die Menschen den Sinn ihres Seins lehren: welcher ist der Übermensch, der Blitz aus der dunklen Wolke Mensch.
Aber noch bin ich ihnen ferne, und mein Sinn redet nicht zu ihren Sinnen. Eine Mitte bin ich noch den Menschen zwischen einem Narren und einem Leichnam.
Dunkel ist die Nacht, dunkel sind die Wege Zarathustra's. Komm, du kalter und steifer Gefährte! Ich trage dich dorthin, wo ich dich mit meinen Händen begrabe.
8 Als Zarathustra diess zu seinem Herzen gesagt hatte, lud er den Leichnam auf seinen Rücken und machte sich auf den Weg. Und noch nicht war er hundert Schritte gegangen, da schlich ein Mensch an ihn heran und flüsterte ihm in's Ohr — und siehe! Der, welcher redete, war der Possenreisser vom Thurme. „Geh weg von dieser Stadt, oh Zarathustra, sprach er; es hassen dich hier zu Viele. Es hassen dich die Guten und Gerechten und sie nennen dich ihren Feind und Verächter; es hassen dich die Gläubigen des rechten Glaubens, und sie nennen dich die Gefahr der Menge. Dein Glück war es, dass man über dich lachte: und wahrlich, du redetest gleich einem Possenreisser. Dein Glück war es, dass du dich dem todten Hunde geselltest; als du dich so erniedrigtest, hast du dich selber für heute errettet. Geh aber fort aus dieser Stadt — oder morgen springe ich über dich hinweg, ein Lebendiger über einen Todten.“ Und als er diess gesagt hatte, verschwand der Mensch; Zarathustra aber gieng weiter durch die dunklen Gassen.
Am Thore der Stadt begegneten ihm die Todtengräber: sie leuchteten ihm mit der Fackel in's Gesicht, erkannten Zarathustra und spotteten sehr über ihn. „Zarathustra trägt den todten Hund davon: brav, dass Zarathustra zum Todtengräber wurde! Denn unsere Hände sind zu reinlich für diesen Braten. Will Zarathustra wohl dem Teufel seinen Bissen stehlen? Nun wohlan! Und gut Glück zur Mahlzeit! Wenn nur nicht der Teufel ein besserer Dieb ist, als Zarathustra! — er stiehlt sie Beide, er frisst sie Beide!“ Und sie lachten mit einander und steckten die Köpfe zusammen.
Zarathustra sagte dazu kein Wort und gieng seines Weges. Als er zwei Stunden gegangen war, an Wäldern und Sümpfen vorbei, da hatte er zu viel das hungrige Geheul der Wölfe gehört, und ihm selber kam der Hunger. So blieb er an einem einsamen Hause stehn, in dem ein Licht brannte.
Der Hunger überfällt mich, sagte Zarathustra, wie ein Räuber. In Wäldern und Sümpfen überfällt mich mein Hunger und in tiefer Nacht.
Wunderliche Launen hat mein Hunger. Oft kommt er mir erst nach der Mahlzeit, und heute kam er den ganzen Tag nicht: wo weilte er doch?
Und damit schlug Zarathustra an das Thor des Hauses. Ein alter Mann erschien; er trug das Licht und fragte: „Wer kommt zu mir und zu meinem schlimmen Schlafe?“
„Ein Lebendiger und ein Todter, sagte Zarathustra.
Gebt mir zu essen und zu trinken, ich vergass es am Tage. Der, welcher den Hungrigen speiset, erquickt seine eigene Seele: so spricht die Weisheit.“
Der Alte gieng fort, kam aber gleich zurück und bot Zarathustra Brod und Wein. „Eine böse Gegend ist's für Hungernde, sagte er; darum wohne ich hier. Thier und Mensch kommen zu mir, dem Einsiedler. Aber heisse auch deinen Gefährten essen und trinken, er ist müder als du.“ Zarathustra antwortete: „Todt ist mein Gefährte, ich werde ihn schwerlich dazu überreden.“ „Das geht mich Nichts an, sagte der Alte mürrisch; wer an meinem Hause anklopft, muss auch nehmen, was ich ihm biete. Esst und gehabt euch wohl!“ —
Darauf gieng Zarathustra wieder zwei Stunden und vertraute dem Wege und dem Lichte der Sterne: denn er war ein gewohnter Nachtgänger und liebte es, allem Schlafenden in's Gesicht zu sehn. Als aber der Morgen graute, fand sich Zarathustra in einem tiefen Walde, und kein Weg zeigte sich ihm mehr. Da legte er den Todten in einen hohlen Baum sich zu Häupten — denn er wollte ihn vor den Wölfen schützen — und sich selber auf den Boden und das Moos. Und alsbald schlief er ein, müden Leibes, aber mit einer unbewegten Seele.
9 Lange schlief Zarathustra, und nicht nur die Morgenröthe gieng über sein Antlitz, sondern auch der Vormittag. Endlich aber that sein Auge sich auf: verwundert sah Zarathustra in den Wald und die Stille, verwundert sah er in sich hinein. Dann erhob er sich schnell, wie ein Seefahrer, der mit Einem Male Land sieht, und jauchzte: denn er sah eine neue Wahrheit. Und also redete er dann zu seinem Herzen:
Ein Licht gieng mir auf: Gefährten brauche ich und lebendige, — nicht todte Gefährten und Leichname, die ich mit mir trage, wohin ich will.
Sondern lebendige Gefährten brauche ich, die mir folgen, weil sie sich selber folgen wollen — und dorthin, wo ich will.
Ein Licht gieng mir auf: nicht zum Volke rede Zarathustra, sondern zu Gefährten! Nicht soll Zarathustra einer Heerde Hirt und Hund werden!
Viele wegzulocken von der Heerde — dazu kam ich. Zürnen soll mir Volk und Heerde: Räuber will Zarathustra den Hirten heissen.
Hirten sage ich, aber sie nennen sich die Guten und Gerechten. Hirten sage ich: aber sie nennen sich die Gläubigen des rechten Glaubens.
Siehe die Guten und Gerechten! Wen hassen sie am meisten? Den, der zerbricht ihre Tafeln der Werthe, den Brecher, den Verbrecher: — das aber ist der Schaffende.
Siehe die Gläubigen aller Glauben! Wen hassen sie am meisten? Den, der zerbricht ihre Tafeln der Werthe, den Brecher, den Verbrecher: — das aber ist der Schaffende.
Gefährten sucht der Schaffende und nicht Leichname, und auch nicht Heerden und Gläubige. Die Mitschaffenden sucht der Schaffende, Die, welche neue Werthe auf neue Tafeln schreiben.
Gefährten sucht der Schaffende, und Miterntende: denn Alles steht bei ihm reif zur Ernte. Aber ihm fehlen die hundert Sicheln: so rauft er Ähren aus und ist ärgerlich.
Gefährten sucht der Schaffende, und solche, die ihre Sicheln zu wetzen wissen. Vernichter wird man sie heissen und Verächter des Guten und Bösen. Aber die Erntenden sind es und die Feiernden.
Mitschaffende sucht Zarathustra, Miterntende und Mitfeiernde sucht Zarathustra: was hat er mit Heerden und Hirten und Leichnamen zu schaffen!
Und du, mein erster Gefährte, gehab dich wohl! Gut begrub ich dich in deinem hohlen Baume, gut barg ich dich vor den Wölfen.
Aber ich scheide von dir, die Zeit ist um. Zwischen Morgenröthe und Morgenröthe kam mir eine neue Wahrheit.
Nicht Hirt soll ich sein, nicht Todtengräber. Nicht reden einmal will ich wieder mit dem Volke; zum letzten Male sprach ich zu einem Todten.
Den Schaffenden, den Erntenden, den Feiernden will ich mich zugesellen: den Regenbogen will ich ihnen zeigen und alle die Treppen des Übermenschen.
Den Einsiedlern werde ich mein Lied singen und den Zweisiedlern; und wer noch Ohren hat für Unerhörtes, dem will ich sein Herz schwer machen mit meinem Glücke.
Zu meinem Ziele will ich, ich gehe meinen Gang; über die Zögernden und Saumseligen werde ich hinwegspringen. Also sei mein Gang ihr Untergang!
10 Diess hatte Zarathustra zu seinem Herzen gesprochen, als die Sonne im Mittag stand: da blickte er fragend in die Höhe — denn er hörte über sich den scharfen Ruf eines Vogels. Und siehe! Ein Adler zog in weiten Kreisen durch die Luft, und an ihm hieng eine Schlange, nicht einer Beute gleich, sondern einer Freundin: denn sie hielt sich um seinen Hals geringelt.
„Es sind meine Thiere!“ sagte Zarathustra und freute sich von Herzen.
Das stolzeste Thier unter der Sonne und das klügste Thier unter der Sonne — sie sind ausgezogen auf Kundschaft.
Erkunden wollen sie, ob Zarathustra noch lebe. Wahrlich, lebe ich noch?
Gefährlicher fand ich's unter Menschen als unter Thieren, gefährliche Wege geht Zarathustra. Mögen mich meine Thiere führen!“
Als Zarathustra diess gesagt hatte, gedachte er der Worte des Heiligen im Walde, seufzte und sprach also zu seinem Herzen:
Möchte ich klüger sein! Möchte ich klug von Grund aus sein, gleich meiner Schlange!
Aber Unmögliches bitte ich da: so bitte ich denn meinen Stolz, dass er immer mit meiner Klugheit gehe!
Und wenn mich einst meine Klugheit verlässt: — ach, sie liebt es, davonzufliegen! — möge mein Stolz dann noch mit meiner Thorheit fliegen!
— Also begann Zarathustra's Untergang.
English
First Part
Zarathustra’s Prologue
1 When Zarathustra was thirty years old, he left his homeland and his homeland’s lake and went into the mountains. There he delighted in his spirit and his solitude, and for ten years he did not tire of them. At last, however, his heart changed—and one morning he rose with the dawn, stepped before the sun, and spoke to it:
“You great star! What would your happiness be without those for whom you shine?
“For ten years you have climbed to my cave: you would have grown weary of your light and of this journey without me, my eagle, and my serpent.
“But we waited for you each morning, received your abundance, and blessed you for it.
“Look! I am weary of my wisdom, like a bee that has gathered too much honey. I need hands reaching out.
“I would give away and distribute until the wise among human beings once again delight in their folly, and the poor once again in their riches.
“For that I must descend into the depths, as you do in the evening when you pass behind the sea and bring light even to the underworld, you overflowing star!
“Like you, I must go under, as the people to whom I wish to descend call it.
“Then bless me, you tranquil eye that can look without envy even upon an overwhelming happiness!
“Bless the cup that longs to overflow, so its water may flow out golden and carry everywhere the reflected radiance of your joy!
“Look! This cup longs to be empty again, and Zarathustra longs to become human again.”
—Thus began Zarathustra’s going-under.
2 Zarathustra descended the mountain alone and met no one. But when he entered the forests, suddenly an old man stood before him. He had left his holy hut to look for roots in the forest. And the old man spoke to Zarathustra:
“This wanderer is no stranger to me: many years ago he passed this way. His name was Zarathustra, but he has changed.
“Then you carried your ashes into the mountains: do you mean to carry your fire into the valleys today? Are you not afraid of the punishment for arson?
“Yes, I recognize Zarathustra. His eye is clear, and no disgust hides about his mouth. Does he not move like a dancer?
“Zarathustra has changed; Zarathustra has become a child; Zarathustra has awakened. What do you want now among the sleepers?
“You lived in solitude as in the sea, and the sea bore you. Alas, do you mean to climb ashore? Alas, do you mean to drag your body about yourself again?”
Zarathustra answered, “I love human beings.”
“Why,” said the holy man, “did I go into the forest and the wilderness? Was it not because I loved human beings too much?
“Now I love God: I do not love human beings. To me, the human being is too imperfect a thing. Love of humanity would destroy me.”
Zarathustra answered, “Why did I speak of love? I am bringing humanity a gift.”
“Give them nothing,” said the holy man. “Take something from them instead, and bear it with them—that will do them the most good, if only it does you good!
“And if you mean to give them anything, give no more than alms—and make them beg even for that!”
“No,” answered Zarathustra, “I give no alms. I am not poor enough for that.”
The holy man laughed at Zarathustra and said, “Then see that they accept your treasures! They distrust hermits and do not believe that we come to give.
“Our footsteps sound too lonely to them through the streets. And just as, lying in bed at night, they hear a man walking long before sunrise, they are likely to ask themselves: Where is the thief going?
“Do not go to human beings; stay in the forest! Better still, go to the animals! Why will you not be like me—a bear among bears, a bird among birds?”
“And what does the holy man do in the forest?” Zarathustra asked.
The holy man answered, “I make songs and sing them; and when I make songs, I laugh, weep, and growl. This is how I praise God.
“With singing, weeping, laughter, and growling, I praise the God who is my God. But what gift are you bringing us?”
When Zarathustra heard these words, he saluted the holy man and said, “What could I give you? But let me leave quickly, before I take anything from you!” And so they parted, the old man and the man, laughing as two boys laugh.
But when Zarathustra was alone, he spoke to his heart: “Can it be possible? This old holy man in his forest has heard nothing yet of the fact that God is dead!”—
3 When Zarathustra reached the nearest town, which lies beside the forests, he found a great crowd gathered in the marketplace: they had been promised a tightrope walker. And Zarathustra spoke to the people:
“I teach you the overhuman. The human being is something that must be overcome. What have you done to overcome it?
“All beings until now have created something beyond themselves: and you would be the ebb of this great tide, would sooner return to the animal than overcome the human?
“What is the ape to the human being? A laughingstock or a painful shame. And that is what the human being must be to the overhuman: a laughingstock or a painful shame.
“You have made your way from worm to human, and much within you is still worm. Once you were apes, and even now the human being is more ape than any ape.
“But even the wisest among you is only a discord and a hybrid of plant and ghost. Yet do I tell you to become ghosts or plants?
“Look, I teach you the overhuman!
“The overhuman is the meaning of the earth. Let your will say: The overhuman shall be the meaning of the earth!
“I implore you, my brothers, remain faithful to the earth, and do not believe those who speak to you of hopes beyond it! They are poisoners, whether they know it or not.
“They despise life; they are dying away, themselves poisoned, and the earth is weary of them: let them pass away!
“Once, an offense against God was the greatest offense; but God died, and with him these offenders died. Now the most terrible thing is to offend against the earth and to value the entrails of the inscrutable above the meaning of the earth!
“Once the soul looked contemptuously upon the body, and then this contempt was the highest thing: it wanted the body lean, ghastly, starved. In this way it hoped to escape the body and the earth.
“Oh, that soul itself was still lean, ghastly, and starved—and cruelty was its voluptuous pleasure!
“But you too, my brothers, tell me: What does your body reveal about your soul? Is your soul not poverty and filth and a pitiful contentment?
“Truly, the human being is a polluted river. One must be a sea to receive a polluted river without becoming unclean.
“Look, I teach you the overhuman: the overhuman is this sea; in it your great contempt can go under.
“What is the greatest thing you can experience? The hour of great contempt. The hour when even your happiness disgusts you, and your reason and your virtue likewise.
“The hour when you say, ‘What does my happiness matter? It is poverty and filth and a pitiful contentment. But my happiness ought to justify existence itself!’
“The hour when you say, ‘What does my reason matter? Does it hunger for knowledge as the lion hungers for its food? It is poverty and filth and a pitiful contentment!’
“The hour when you say, ‘What does my virtue matter? It has not yet driven me wild. How weary I am of my good and my evil! All of it is poverty and filth and a pitiful contentment!’
“The hour when you say, ‘What does my justice matter? I do not see myself as glowing embers and coal. Yet the just person is glowing embers and coal!’
“The hour when you say, ‘What does my pity matter? Is pity not the cross on which the lover of humanity is nailed? But my pity is no crucifixion.’
“Have you spoken like this? Have you cried out like this? Oh, if only I had already heard you cry out like this!
“Not your sin—your contentment cries to heaven; your stinginess even in sin cries to heaven!
“Where is the lightning to lick you with its tongue? Where is the madness with which you should be inoculated?
“Look, I teach you the overhuman: the overhuman is this lightning, this madness!”—
When Zarathustra had spoken, someone in the crowd shouted, “We have heard enough about the tightrope walker; now let us see him!” And everyone laughed at Zarathustra. But the tightrope walker, believing the words were meant for him, began his work.
4 But Zarathustra looked at the people in wonder. Then he spoke:
“The human being is a rope stretched between animal and overhuman—a rope above an abyss.
“A dangerous crossing, a dangerous journey, a dangerous backward glance, a dangerous shudder and standstill.
“What is great in the human being is that it is a bridge and not an end: what can be loved in the human being is that it is a crossing-over and a going-under.
“I love those who do not know how to live except by going under, for they are the ones who cross over.
“I love the great despisers, because they are the great reverers and arrows of longing for the other shore.
“I love those who do not first seek a reason beyond the stars for going under and becoming sacrifices, but sacrifice themselves to the earth so that one day the earth may belong to the overhuman.
“I love the one who lives in order to know, and seeks to know so that one day the overhuman may live. And so this one wills a going-under.
“I love the one who works and invents to build the overhuman a house and prepare earth, animal, and plant for its coming: for this one wills a going-under.
“I love the one who loves their virtue: for virtue is a will to go under and an arrow of longing.
“I love the one who keeps not a drop of spirit in reserve, but longs to be wholly the spirit of their virtue: thus, as spirit, this one strides across the bridge.
“I love the one who makes their virtue their inclination and their destiny: thus, for the sake of that virtue, this one wills to live on and to live no longer.
“I love the one who does not want too many virtues. One virtue is more virtue than two, because it is more of a knot on which destiny hangs.
“I love the one whose soul squanders itself, who wants no thanks and makes no repayment: for this one always gives and does not wish to preserve itself.
“I love the one who feels ashamed when the dice fall in their favor, and then asks: Am I a cheat?—for this one wants to perish.
“I love the one who casts golden words ahead of their deeds and always keeps more than they promise: for this one wills a going-under.
“I love the one who justifies those to come and redeems those who have gone: for this one wants to perish through those who live now.
“I love the one who chastises their God because they love their God: for this one must perish through their God’s wrath.
“I love the one whose soul is deep even in its wounds, and who can perish from a small experience: thus this one gladly crosses the bridge.
“I love the one whose soul brims over, so that they forget themselves and all things dwell within them: thus all things become their going-under.
“I love the one who is free in spirit and free in heart: thus their head is only their heart’s entrails, but their heart drives them to go under.
“I love all those who are like heavy drops, falling singly from the dark cloud that hangs above humanity: they proclaim the coming lightning and perish as its heralds.
“Look, I am a herald of the lightning and a heavy drop from the cloud: but this lightning is called overhuman.”—
5 When Zarathustra had spoken these words, he looked at the people again and fell silent. “There they stand,” he said to his heart, “there they laugh: they do not understand me; I am not the mouth for these ears.
“Must their ears first be battered before they learn to hear with their eyes? Must one thunder like kettledrums and preachers of repentance? Or do they believe only those who stammer?
“They have something they are proud of. What do they call this thing that makes them proud? Culture, they call it; it sets them apart from the goatherds.
“So they dislike hearing the word ‘contempt’ applied to themselves. Then I will speak to their pride.
“I will speak to them of what is most contemptible: and that is the last human being.”
And Zarathustra spoke to the people:
“It is time for humanity to set itself a goal. It is time for humanity to plant the seed of its highest hope.
“Its soil is still rich enough. But one day this soil will be poor and tame, and no tall tree will be able to grow from it.
“Alas! The time is coming when humanity will no longer shoot the arrow of its longing beyond itself, and its bowstring will have forgotten how to sing!
“I tell you: one must still have chaos within to give birth to a dancing star. I tell you: you still have chaos within you.
“Alas! The time is coming when humanity will give birth to no more stars. Alas! The time of the most contemptible human being is coming, the one who can no longer despise itself.
“Look! I show you the last human being.
“‘What is love? What is creation? What is longing? What is a star?’ asks the last human being, and blinks.
“Then the earth has grown small, and on it hops the last human being, who makes everything small. Its kind is as ineradicable as the flea beetle; the last human being lives the longest.
“‘We have invented happiness,’ say the last human beings, and blink.
“They have left the places where life was hard: one needs warmth. One still loves one’s neighbor and rubs against him: one needs warmth.
“To fall ill or harbor mistrust is sinful in their eyes: one walks carefully. A fool, anyone who still stumbles over stones or people!
“A little poison now and then makes pleasant dreams. And plenty of poison at the end, for a pleasant death.
“One still works, for work is a pastime. But one takes care that the pastime does not become exhausting.
“One no longer becomes poor or rich: both are too burdensome. Who still wants to rule? Who still wants to obey? Both are too burdensome.
“No shepherd and one herd! Everyone wants the same thing; everyone is the same: anyone who feels differently enters the madhouse of their own accord.
“‘In the old days everyone was mad,’ say the most refined, and blink.
“One is clever and knows everything that has happened: so there is no end to the mockery. People still quarrel, but they soon make peace—otherwise it upsets the stomach.
“One has one’s little pleasure for the day and one’s little pleasure for the night: but one honors health.
“‘We have invented happiness,’ say the last human beings, and blink.”—
And here ended Zarathustra’s first discourse, which is also called “the Prologue”: for at this point the crowd’s cries and delight interrupted him. “Give us this last human being, Zarathustra!” they shouted. “Make us into these last human beings! Then you can have the overhuman!” And everyone cheered and clicked their tongues. But Zarathustra grew sad and said to his heart:
“They do not understand me: I am not the mouth for these ears.
“Perhaps I lived too long in the mountains, listened too much to streams and trees: now I speak to them as the goatherds do.
“My soul is still and bright as the mountains before noon. But they think me cold, a mocker with terrifying jokes.
“And now they look at me and laugh: and even as they laugh, they hate me. There is ice in their laughter.”
6 But then something happened that silenced every mouth and fixed every eye. Meanwhile the tightrope walker had begun his work: he had stepped through a little door and was walking along the rope stretched between two towers, hanging above the marketplace and the people. Just as he reached the middle of his journey, the little door opened again, and a brightly dressed fellow, like a jester, sprang out and followed the first with rapid steps. “Forward, clubfoot!” his dreadful voice cried. “Forward, sluggard, smuggler, pale face! Or I will tickle you with my heel! What are you doing here between towers? You belong inside the tower; you ought to be locked up! You are blocking the open road for a better man!” And with every word he drew nearer. But when he was only one step behind, the terrible thing happened that silenced every mouth and fixed every eye: he gave a devilish yell and leaped over the man in his way. Seeing his rival triumph like this, the tightrope walker lost both his head and the rope. He flung away his pole and plunged faster than it did into the depths, a whirl of arms and legs. The marketplace and its people were like the sea when a storm strikes: everyone fled apart and over one another, most of all where the body was bound to fall.
But Zarathustra stood still, and the body fell close beside him, mangled and broken, but not yet dead. After a while the shattered man regained consciousness and saw Zarathustra kneeling beside him. “What are you doing there?” he said at last. “I have long known the devil would trip me up. Now he is dragging me to hell: will you stop him?”
“On my honor, friend,” Zarathustra answered, “none of what you speak of exists: there is no devil and no hell. Your soul will be dead even sooner than your body: fear nothing more!”
The man looked up distrustfully. “If you speak the truth,” he said, “then I lose nothing by losing my life. I am not much more than an animal taught to dance with blows and meager morsels.”
“Not so,” said Zarathustra. “You have made danger your calling: there is nothing contemptible in that. Now you perish through your calling: for that I will bury you with my own hands.”
When Zarathustra had said this, the dying man answered no more, but moved his hand as though reaching for Zarathustra’s in gratitude.—
7 Meanwhile evening came, and the marketplace hid in darkness. The people dispersed, for even curiosity and terror grow weary. But Zarathustra sat on the ground beside the dead man, absorbed in thought, and forgot the time. At last night came, and a cold wind blew over the solitary man. Then Zarathustra rose and said to his heart:
“Truly, Zarathustra has made a fine catch today! Not a human being, but a corpse.
“Human existence is uncanny and still without meaning: a jester can become its doom.
“I will teach humanity the meaning of its being: the overhuman, the lightning from the dark cloud of humanity.
“But I am still far from them, and my meaning does not speak to their senses. To human beings I am still something midway between a fool and a corpse.
“Dark is the night, dark are Zarathustra’s paths. Come, cold and stiff companion! I will carry you to the place where I shall bury you with my own hands.”
8 When Zarathustra had said this to his heart, he lifted the corpse onto his back and set out. He had not gone a hundred paces when a man crept up and whispered in his ear—and look! The speaker was the jester from the tower. “Leave this town, Zarathustra,” he said. “Too many people here hate you. The good and the just hate you and call you their enemy and despiser; the believers in the true faith hate you and call you a danger to the crowd. It was your good fortune that they laughed at you: truly, you spoke like a jester. It was your good fortune that you joined the dead dog; by lowering yourself like that, you saved yourself today. But leave this town—or tomorrow I will leap over you, a living man over a dead one.” With that the man vanished; but Zarathustra walked on through the dark streets.
At the town gate he met the gravediggers. They shone their torch into his face, recognized him, and mocked him fiercely. “Zarathustra is carrying off the dead dog: well done, Zarathustra has become a gravedigger! Our hands are too clean for this roast. Does Zarathustra mean to steal the devil’s morsel? Well then! Enjoy your meal! If only the devil is not a better thief than Zarathustra! He will steal them both; he will eat them both!” And they laughed together and put their heads close.
Zarathustra said nothing and went on his way. After he had walked for two hours past forests and swamps, he had heard too much of the wolves’ hungry howling and grew hungry himself. So he stopped at a lonely house where a light was burning.
“Hunger falls upon me like a robber,” Zarathustra said. “In forests and swamps, in the depth of night, my hunger falls upon me.
“My hunger has strange moods. Often it comes only after a meal, and today it did not come all day: where was it lingering?”
With that Zarathustra knocked at the door. An old man appeared, carrying the light, and asked, “Who comes to me and my troubled sleep?”
“A living man and a dead one,” said Zarathustra.
“Give me food and drink: I forgot them during the day. Whoever feeds the hungry refreshes their own soul: so wisdom speaks.”
The old man went away, but returned at once and offered Zarathustra bread and wine. “This is a bad country for the hungry,” he said. “That is why I live here. Animal and human come to me, the hermit. But tell your companion to eat and drink too: he is wearier than you.” Zarathustra answered, “My companion is dead; I will hardly persuade him to do that.” “That is no concern of mine,” the old man said gruffly. “Whoever knocks at my house must take what I offer. Eat, and farewell!”—
Then Zarathustra walked another two hours, trusting the path and the light of the stars: for he was an accustomed night wanderer and loved looking into the face of everything asleep. But as morning dawned, Zarathustra found himself deep in a forest, with no path visible. He laid the dead man in a hollow tree at the head of his own resting place—for he wished to protect him from the wolves—and lay down himself on the ground and moss. At once he fell asleep, weary in body, but with a tranquil soul.
9 Zarathustra slept a long time: not only the dawn, but the morning too passed over his face. At last his eye opened. He looked in wonder into the forest and its silence, and in wonder into himself. Then he rose quickly, like a sailor who suddenly sights land, and shouted for joy: for he saw a new truth. And he spoke to his heart:
“A light has dawned on me: I need companions, living ones—not dead companions and corpses that I carry wherever I will.
“I need living companions who follow me because they wish to follow themselves—and to the place I will.
“A light has dawned on me: let Zarathustra speak not to the people, but to companions! Zarathustra must not become a herd’s shepherd and dog!
“To lure many away from the herd—that is why I came. Let people and herd be angry with me: Zarathustra wants the shepherds to call him a robber.
“I say shepherds, but they call themselves the good and the just. I say shepherds, but they call themselves believers in the true faith.
“Look at the good and the just! Whom do they hate most? The one who breaks their tablets of values, the breaker, the lawbreaker—but that is the creator.
“Look at the believers of every faith! Whom do they hate most? The one who breaks their tablets of values, the breaker, the lawbreaker—but that is the creator.
“The creator seeks companions, not corpses, not herds or believers. The creator seeks fellow creators, those who write new values on new tablets.
“The creator seeks companions and fellow harvesters: for everything stands ripe for harvest. But the hundred sickles are missing; so the creator tears out ears of grain and grows angry.
“The creator seeks companions who know how to sharpen their sickles. They will be called destroyers and despisers of good and evil. But they are the harvesters and the celebrants.
“Zarathustra seeks fellow creators, fellow harvesters, fellow celebrants: what has he to do with herds and shepherds and corpses?
“And you, my first companion, farewell! I buried you well in your hollow tree, hid you well from the wolves.
“But I leave you; the time is over. Between one dawn and the next, a new truth came to me.
“I must be neither shepherd nor gravedigger. I do not even want to speak to the people again; for the last time I have spoken to a dead man.
“I will join the creators, the harvesters, the celebrants: I will show them the rainbow and all the stairways of the overhuman.
“I will sing my song to the solitary and to those solitary in pairs; and whoever still has ears for the unheard-of, I will weigh down their heart with my happiness.
“I will go to my goal; I follow my own course. I will leap over the hesitant and the slow. Let my going be their going-under!”
10 Zarathustra had spoken this to his heart when the sun stood at noon. Then he looked upward questioningly—for he heard a bird’s sharp cry above him. And look! An eagle wheeled through the air in wide circles, and a serpent hung from it, not like prey, but like a friend: she had wound herself around its neck.
“These are my animals!” said Zarathustra, rejoicing from his heart.
“The proudest animal beneath the sun and the cleverest animal beneath the sun—they have gone out scouting.
“They want to discover whether Zarathustra still lives. Truly, am I still alive?
“I found life more dangerous among human beings than among animals; Zarathustra follows dangerous paths. May my animals guide me!”
When Zarathustra had said this, he remembered the words of the holy man in the forest, sighed, and spoke to his heart:
“If only I were cleverer! If only I were clever to the core, like my serpent!
“But I am asking for the impossible: so I ask my pride always to walk beside my cleverness!
“And if one day my cleverness leaves me—ah, it loves to fly away!—may my pride then fly beside my folly!”
—Thus began Zarathustra’s going-under.
Part 1 Discourses
Die Reden Zarathustra's.
Von den drei Verwandlungen.
Drei Verwandlungen nenne ich euch des Geistes: wie der Geist zum Kameele wird, und zum Löwen das Kameel, und zum Kinde zuletzt der Löwe.
Vieles Schwere giebt es dem Geiste, dem starken, tragsamen Geiste, dem Ehrfurcht innewohnt: nach dem Schweren und Schwersten verlangt seine Stärke.
Was ist schwer? so fragt der tragsame Geist, so kniet er nieder, dem Kameele gleich, und will gut beladen sein.
Was ist das Schwerste, ihr Helden? so fragt der tragsame Geist, dass ich es auf mich nehme und meiner Stärke froh werde.
Ist es nicht das: sich erniedrigen, um seinem Hochmuth wehe zu thun? Seine Thorheit leuchten lassen, um seiner Weisheit zu spotten?
Oder ist es das: von unserer Sache scheiden, wenn sie ihren Sieg feiert? Auf hohe Berge steigen, um den Versucher zu versuchen?
Oder ist es das: sich von Eicheln und Gras der Erkenntniss nähren und um der Wahrheit willen an der Seele Hunger leiden?
Oder ist es das: krank sein und die Tröster heimschicken und mit Tauben Freundschaft schliessen, die niemals hören, was du willst?
Oder ist es das: in schmutziges Wasser steigen, wenn es das Wasser der Wahrheit ist, und kalte Frösche und heisse Kröten nicht von sich weisen?
Oder ist es das: Die lieben, die uns verachten, und dem Gespenste die Hand reichen, wenn es uns fürchten machen will?
Alles diess Schwerste nimmt der tragsame Geist auf sich: dem Kameele gleich, das beladen in die Wüste eilt, also eilt er in seine Wüste.
Aber in der einsamsten Wüste geschieht die zweite Verwandlung: zum Löwen wird hier der Geist, Freiheit will er sich erbeuten und Herr sein in seiner eignen Wüste.
Seinen letzten Herrn sucht er sich hier: feind will er ihm werden und seinem letzten Gotte, um Sieg will er mit dem grossen Drachen ringen.
Welches ist der grosse Drache, den der Geist nicht mehr Herr und Gott heissen mag? „Du-sollst“ heisst der grosse Drache. Aber der Geist des Löwen sagt „ich will“.
„Du-sollst“ liegt ihm am Wege, goldfunkelnd, ein Schuppenthier, und auf jeder Schuppe glänzt golden „Du sollst!“
Tausendjährige Werthe glänzen an diesen Schuppen, und also spricht der mächtigste aller Drachen: „aller Werth der Dinge — der glänzt an mir.“
„Aller Werth ward schon geschaffen, und aller geschaffene Werth — das bin ich. Wahrlich, es soll kein „Ich will“ mehr geben!“ Also spricht der Drache.
Meine Brüder, wozu bedarf es des Löwen im Geiste? Was genügt nicht das lastbare Thier, das entsagt und ehrfürchtig ist?
Neue Werthe schaffen — das vermag auch der Löwe noch nicht: aber Freiheit sich schaffen zu neuem Schaffen — das vermag die Macht des Löwen.
Freiheit sich schaffen und ein heiliges Nein auch vor der Pflicht: dazu, meine Brüder, bedarf es des Löwen.
Recht sich nehmen zu neuen Werthen — das ist das furchtbarste Nehmen für einen tragsamen und ehrfürchtigen Geist. Wahrlich, ein Rauben ist es ihm und eines raubenden Thieres Sache.
Als sein Heiligstes liebte er einst das „Du-sollst“: nun muss er Wahn und Willkür auch noch im Heiligsten finden, dass er sich Freiheit raube von seiner Liebe: des Löwen bedarf es zu diesem Raube.
Aber sagt, meine Brüder, was vermag noch das Kind, das auch der Löwe nicht vermochte? Was muss der raubende Löwe auch noch zum Kinde werden?
Unschuld ist das Kind und Vergessen, ein Neubeginnen, ein Spiel, ein aus sich rollendes Rad, eine erste Bewegung, ein heiliges Ja-sagen.
Ja, zum Spiele des Schaffens, meine Brüder, bedarf es eines heiligen Ja-sagens: seinen Willen will nun der Geist, seine Welt gewinnt sich der Weltverlorene.
Drei Verwandlungen nannte ich euch des Geistes: wie der Geist zum Kameele ward, und zum Löwen das Kameel, und der Löwe zuletzt zum Kinde. — —
Also sprach Zarathustra. Und damals weilte er in der Stadt, welche genannt wird: die bunte Kuh.
Von den Lehrstühlen der Tugend.
Man rühmte Zarathustra einen Weisen, der gut vom Schlafe und von der Tugend zu reden wisse: sehr werde er geehrt und gelohnt dafür, und alle Jünglinge sässen vor seinem Lehrstuhle. Zu ihm gieng Zarathustra, und mit allen Jünglingen sass er vor seinem Lehrstuhle. Und also sprach der Weise:
Ehre und Scham vor dem Schlafe! Das ist das Erste! Und Allen aus dem Wege gehn, die schlecht schlafen und Nachts wachen!
Schamhaft ist noch der Dieb vor dem Schlafe: stets stiehlt er sich leise durch die Nacht. Schamlos aber ist der Wächter der Nacht, schamlos trägt er sein Horn.
Keine geringe Kunst ist schlafen: es thut schon Noth, den ganzen Tag darauf hin zu wachen.
Zehn Mal musst du des Tages dich selber überwinden: das macht eine gute Müdigkeit und ist Mohn der Seele.
Zehn Mal musst du dich wieder mit dir selber versöhnen; denn Überwindung ist Bitterniss, und schlecht schläft der Unversöhnte.
Zehn Wahrheiten musst du des Tages finden: sonst suchst du noch des Nachts nach Wahrheit, und deine Seele blieb hungrig.
Zehn Mal musst du lachen am Tage und heiter sein: sonst stört dich der Magen in der Nacht, dieser Vater der Trübsal.
Wenige wissen das: aber man muss alle Tugenden haben, um gut zu schlafen. Werde ich falsch Zeugniss reden? Werde ich ehebrechen?
Werde ich mich gelüsten lassen meines Nächsten Magd? Das Alles vertrüge sich schlecht mit gutem Schlafe.
Und selbst wenn man alle Tugenden hat, muss man sich noch auf Eins verstehn: selber die Tugenden zur rechten Zeit schlafen schicken.
Dass sie sich nicht mit einander zanken, die artigen Weiblein! Und über dich, du Unglückseliger!
Friede mit Gott und dem Nachbar: so will es der gute Schlaf. Und Friede auch noch mit des Nachbars Teufel! Sonst geht er bei dir des Nachts um.
Ehre der Obrigkeit und Gehorsam, und auch der krummen Obrigkeit! So will es der gute Schlaf. Was kann ich dafür, dass die Macht gerne auf krummen Beinen wandelt?
Der soll mir immer der beste Hirt heissen, der sein Schaf auf die grünste Aue führt: so verträgt es sich mit gutem Schlafe.
Viel Ehren will ich nicht, noch grosse Schätze: das entzündet die Milz. Aber schlecht schläft es sich ohne einen guten Namen und einen kleinen Schatz.
Eine kleine Gesellschaft ist mir willkommener als eine böse: doch muss sie gehn und kommen zur rechten Zeit. So verträgt es sich mit gutem Schlafe.
Sehr gefallen mir auch die Geistig-Armen: sie fördern den Schlaf. Selig sind die, sonderlich, wenn man ihnen immer Recht giebt.
Also läuft der Tag dem Tugendsamen. Kommt nun die Nacht, so hüte ich mich wohl, den Schlaf zu rufen! Nicht will er gerufen sein, der Schlaf, der der Herr der Tugenden ist!
Sondern ich denke, was ich des Tages gethan und gedacht. Wiederkäuend frage ich mich, geduldsam gleich einer Kuh: welches waren doch deine zehn Überwindungen?
Und welches waren die zehn Versöhnungen und die zehn Wahrheiten und die zehn Gelächter, mit denen sich mein Herz gütlich that?
Solcherlei erwägend und gewiegt von vierzig Gedanken, überfällt mich auf einmal der Schlaf, der Ungerufne, der Herr der Tugenden.
Der Schlaf klopft mir auf mein Auge: da wird es schwer. Der Schlaf berührt mir den Mund: da bleibt er offen.
Wahrlich, auf weichen Sohlen kommt er mir, der liebste der Diebe, und stiehlt mir meine Gedanken: dumm stehe ich da wie dieser Lehrstuhl.
Aber nicht lange mehr stehe ich dann: da liege ich schon. —
Als Zarathustra den Weisen also sprechen hörte, lachte er bei sich im Herzen: denn ihm war dabei ein Licht aufgegangen. Und also sprach er zu seinem Herzen:
Ein Narr ist mir dieser Weise da mit seinen vierzig Gedanken: aber ich glaube, dass er sich wohl auf das Schlafen versteht.
Glücklich schon, wer in der Nähe dieses Weisen wohnt! Solch ein Schlaf steckt an, noch durch eine dicke Wand hindurch steckt er an.
Ein Zauber wohnt selbst in seinem Lehrstuhle. Und nicht vergebens sassen die Jünglinge vor dem Prediger der Tugend.
Seine Weisheit heisst: wachen, um gut zu schlafen. Und wahrlich, hätte das Leben keinen Sinn und müsste ich Unsinn wählen, so wäre auch mir diess der wählenswürdigste Unsinn.
Jetzo verstehe ich klar, was einst man vor Allem suchte, wenn man Lehrer der Tugend suchte. Guten Schlaf suchte man sich und mohnblumige Tugenden dazu!
Allen diesen gelobten Weisen der Lehrstühle war Weisheit der Schlaf ohne Träume: sie kannten keinen bessern Sinn des Lebens.
Auch noch heute wohl giebt es Einige, wie diesen Prediger der Tugend, und nicht immer so Ehrliche: aber ihre Zeit ist um. Und nicht mehr lange stehen sie noch: da liegen sie schon.
Selig sind diese Schläfrigen: denn sie sollen bald einnicken. —
Also sprach Zarathustra.
Von den Hinterweltlern.
Einst warf auch Zarathustra seinen Wahn jenseits des Menschen, gleich allen Hinterweltlern. Eines leidenden und zerquälten Gottes Werk schien mir da die Welt.
Traum schien mir da die Welt und Dichtung eines Gottes; farbiger Rauch vor den Augen eines göttlich Unzufriednen.
Gut und böse und Lust und Leid und Ich und Du — farbiger Rauch dünkte mich's vor schöpferischen Augen. Wegsehn wollte der Schöpfer von sich, — da schuf er die Welt.
Trunkne Lust ist's dem Leidenden, wegzusehn von seinem Leiden und sich zu verlieren. Trunkne Lust und Selbst-sich-Verlieren dünkte mich einst die Welt.
Diese Welt, die ewig unvollkommene, eines ewigen Widerspruches Abbild und unvollkommnes Abbild — eine trunkne Lust ihrem unvollkommnen Schöpfer: — also dünkte mich einst die Welt.
Also warf auch ich einst meinen Wahn jenseits des Menschen, gleich allen Hinterweltlern. Jenseits des Menschen in Wahrheit?
Ach, ihr Brüder, dieser Gott, den ich schuf, war Menschen-Werk und -Wahnsinn, gleich allen Göttern!
Mensch war er, und nur ein armes Stück Mensch und Ich: aus der eigenen Asche und Gluth kam es mir, dieses Gespenst, und wahrlich! Nicht kam es mir von Jenseits!
Was geschah, meine Brüder? Ich überwand mich, den Leidenden, ich trug meine eigne Asche zu Berge, eine hellere Flamme erfand ich mir. Und siehe! Da wich das Gespenst von mir!
Leiden wäre es mir jetzt und Qual dem Genesenen, solche Gespenster zu glauben: Leiden wäre es mir jetzt und Erniedrigung. Also rede ich zu den Hinterweltlern.
Leiden war's und Unvermögen — das schuf alle Hinterwelten; und jener kurze Wahnsinn des Glücks, den nur der Leidendste erfährt.
Müdigkeit, die mit Einem Sprunge zum Letzten will, mit einem Todessprunge, eine arme unwissende Müdigkeit, die nicht einmal mehr wollen will: die schuf alle Götter und Hinterwelten.
Glaubt es mir, meine Brüder! Der Leib war's, der am Leibe verzweifelte, — der tastete mit den Fingern des bethörten Geistes an die letzten Wände.
Glaubt es mir, meine Brüder! Der Leib war's, der an der Erde verzweifelte, — der hörte den Bauch des Seins zu sich reden.
Und da wollte er mit dem Kopfe durch die letzten Wände, und nicht nur mit dem Kopfe, — hinüber zu „jener Welt“.
Aber „jene Welt“ ist gut verborgen vor dem Menschen, jene entmenschte unmenschliche Welt, die ein himmlisches Nichts ist; und der Bauch des Seins redet gar nicht zum Menschen, es sei denn als Mensch.
Wahrlich, schwer zu beweisen ist alles Sein und schwer zum Reden zu bringen. Sagt mir, ihr Brüder, ist nicht das Wunderlichste aller Dinge noch am besten bewiesen?
Ja, diess Ich und des Ich's Widerspruch und Wirrsal redet noch am redlichsten von seinem Sein, dieses schaffende, wollende, werthende Ich, welches das Maass und der Werth der Dinge ist.
Und diess redlichste Sein, das Ich — das redet vom Leibe, und es will noch den Leib, selbst wenn es dichtet und schwärmt und mit zerbrochnen Flügeln flattert.
Immer redlicher lernt es reden, das Ich: und je mehr es lernt, um so mehr findet es Worte und Ehren für Leib und Erde.
Einen neuen Stolz lehrte mich mein Ich, den lehre ich die Menschen: nicht mehr den Kopf in den Sand der himmlischen Dinge zu stecken, sondern frei ihn zu tragen, einen Erden-Kopf, der der Erde Sinn schafft!
Einen neuen Willen lehre ich die Menschen: diesen Weg wollen, den blindlings der Mensch gegangen, und gut ihn heissen und nicht mehr von ihm bei Seite schleichen, gleich den Kranken und Absterbenden!
Kranke und Absterbende waren es, die verachteten Leib und Erde und erfanden das Himmlische und die erlösenden Blutstropfen: aber auch noch diese süssen und düstern Gifte nahmen sie von Leib und Erde!
Ihrem Elende wollten sie entlaufen, und die Sterne waren ihnen zu weit. Da seufzten sie: „Oh dass es doch himmlische Wege gäbe, sich in ein andres Sein und Glück zu schleichen!“ — da erfanden sie sich ihre Schliche und blutigen Tränklein!
Ihrem Leibe und dieser Erde nun entrückt wähnten sie sich, diese Undankbaren. Doch wem dankten sie ihrer Entrückung Krampf und Wonne? Ihrem Leibe und dieser Erde.
Milde ist Zarathustra den Kranken. Wahrlich, er zürnt nicht ihren Arten des Trostes und Undanks. Mögen sie Genesende werden und Überwindende und einen höheren Leib sich schaffen!
Nicht auch zürnt Zarathustra dem Genesenden, wenn er zärtlich nach seinem Wahne blickt und Mitternachts um das Grab seines Gottes schleicht: aber Krankheit und kranker Leib bleiben mir auch seine Thränen noch.
Vieles krankhafte Volk gab es immer unter Denen, welche dichten und gottsüchtig sind; wüthend hassen sie den Erkennenden und jene jüngste der Tugenden, welche heisst: Redlichkeit.
Rückwärts blicken sie immer nach dunklen Zeiten: da freilich war Wahn und Glaube ein ander Ding; Raserei der Vernunft war Gottähnlichkeit, und Zweifel Sünde.
Allzugut kenne ich diese Gottähnlichen: sie wollen, dass an sie geglaubt werde, und Zweifel Sünde sei. Allzugut weiss ich auch, woran sie selber am besten glauben.
Wahrlich nicht an Hinterwelten und erlösende Blutstropfen: sondern an den Leib glauben auch sie am besten, und ihr eigener Leib ist ihnen ihr Ding an sich.
Aber ein krankhaftes Ding ist er ihnen: und gerne möchten sie aus der Haut fahren. Darum horchen sie nach den Predigern des Todes und predigen selber Hinterwelten.
Hört mir lieber, meine Brüder, auf die Stimme des gesunden Leibes: eine redlichere und reinere Stimme ist diess.
Redlicher redet und reiner der gesunde Leib, der vollkommne und rechtwinklige: und er redet vom Sinn der Erde.
Also sprach Zarathustra.
Von den Verächtern des Leibes.
Den Verächtern des Leibes will ich mein Wort sagen. Nicht umlernen und umlehren sollen sie mir, sondern nur ihrem eignen Leibe Lebewohl sagen — und also stumm werden.
„Leib bin ich und Seele“ — so redet das Kind. Und warum sollte man nicht wie die Kinder reden?
Aber der Erwachte, der Wissende sagt: Leib bin ich ganz und gar, und Nichts ausserdem; und Seele ist nur ein Wort für ein Etwas am Leibe.
Der Leib ist eine grosse Vernunft, eine Vielheit mit Einem Sinne, ein Krieg und ein Frieden, eine Heerde und ein Hirt.
Werkzeug deines Leibes ist auch deine kleine Vernunft, mein Bruder, die du „Geist“ nennst, ein kleines Werk- und Spielzeug deiner grossen Vernunft.
„Ich“ sagst du und bist stolz auf diess Wort. Aber das Grössere ist, woran du nicht glauben willst, — dein Leib und seine grosse Vernunft: die sagt nicht Ich, aber thut Ich.
Was der Sinn fühlt, was der Geist erkennt, das hat niemals in sich sein Ende. Aber Sinn und Geist möchten dich überreden, sie seien aller Dinge Ende: so eitel sind sie.
Werk- und Spielzeuge sind Sinn und Geist: hinter ihnen liegt noch das Selbst. Das Selbst sucht auch mit den Augen der Sinne, es horcht auch mit den Ohren des Geistes.
Immer horcht das Selbst und sucht: es vergleicht, bezwingt, erobert, zerstört. Es herrscht und ist auch des Ich's Beherrscher.
Hinter deinen Gedanken und Gefühlen, mein Bruder, steht ein mächtiger Gebieter, ein unbekannter Weiser — der heisst Selbst. In deinem Leibe wohnt er, dein Leib ist er.
Es ist mehr Vernunft in deinem Leibe, als in deiner besten Weisheit. Und wer weiss denn, wozu dein Leib gerade deine beste Weisheit nöthig hat?
Dein Selbst lacht über dein Ich und seine stolzen Sprünge. „Was sind mir diese Sprünge und Flüge des Gedankens? sagt es sich. Ein Umweg zu meinem Zwecke. Ich bin das Gängelband des Ich's und der Einbläser seiner Begriffe.“
Das Selbst sagt zum Ich: „hier fühle Schmerz!“ Und da leidet es und denkt nach, wie es nicht mehr leide — und dazu eben soll es denken.
Das Selbst sagt zum Ich: „hier fühle Lust!“ Da freut es sich und denkt nach, wie es noch oft sich freue — und dazu eben soll es denken.
Den Verächtern des Leibes will ich ein Wort sagen. Dass sie verachten, das macht ihr Achten. Was ist es, das Achten und Verachten und Werth und Willen schuf?
Das schaffende Selbst schuf sich Achten und Verachten, es schuf sich Lust und Weh. Der schaffende Leib schuf sich den Geist als eine Hand seines Willens.
Noch in eurer Thorheit und Verachtung, ihr Verächter des Leibes, dient ihr eurem Selbst. Ich sage euch: euer Selbst selber will sterben und kehrt sich vom Leben ab.
Nicht mehr vermag es das, was es am liebsten will: — über sich hinaus zu schaffen. Das will es am liebsten, das ist seine ganze Inbrunst.
Aber zu spät ward es ihm jetzt dafür: — so will euer Selbst untergehn, ihr Verächter des Leibes.
Untergehn will euer Selbst, und darum wurdet ihr zu Verächtern des Leibes! Denn nicht mehr vermögt ihr über euch hinaus zu schaffen.
Und darum zürnt ihr nun dem Leben und der Erde. Ein ungewusster Neid ist im scheelen Blick eurer Verachtung.
Ich gehe nicht euren Weg, ihr Verächter des Leibes! Ihr seid mir keine Brücken zum Übermenschen! —
Also sprach Zarathustra.
Von den Freuden- und Leidenschaften.
Mein Bruder, wenn du eine Tugend hast, und es deine Tugend ist, so hast du sie mit Niemandem gemeinsam.
Freilich, du willst sie bei Namen nennen und liebkosen; du willst sie am Ohre zupfen und Kurzweil mit ihr treiben.
Und siehe! Nun hast du ihren Namen mit dem Volke gemeinsam und bist Volk und Heerde geworden mit deiner Tugend!
Besser thätest du, zu sagen: „unaussprechbar ist und namenlos, was meiner Seele Qual und Süsse macht und auch noch der Hunger meiner Eingeweide ist.“
Deine Tugend sei zu hoch für die Vertraulichkeit der Namen: und musst du von ihr reden, so schäme dich nicht, von ihr zu stammeln.
So sprich und stammle: „Das ist mein Gutes, das liebe ich, so gefällt es mir ganz, so allein will ich das Gute.
Nicht will ich es als eines Gottes Gesetz, nicht will ich es als eine Menschen-Satzung und -Nothdurft: kein Wegweiser sei es mir für Über-Erden und Paradiese.
Eine irdische Tugend ist es, die ich liebe: wenig Klugheit ist darin und am wenigsten die Vernunft Aller.
Aber dieser Vogel baute bei mir sich das Nest: darum liebe und herze ich ihn, — nun sitzt er bei mir auf seinen goldnen Eiern.“
So sollst du stammeln und deine Tugend loben.
Einst hattest du Leidenschaften und nanntest sie böse. Aber jetzt hast du nur noch deine Tugenden: die wuchsen aus deinen Leidenschaften.
Du legtest dein höchstes Ziel diesen Leidenschaften an's Herz: da wurden sie deine Tugenden und Freudenschaften.
Und ob du aus dem Geschlechte der Jähzornigen wärest oder aus dem der Wollüstigen oder der Glaubens-Wüthigen oder der Rachsüchtigen:
Am Ende wurden alle deine Leidenschaften zu Tugenden und alle deine Teufel zu Engeln.
Einst hattest du wilde Hunde in deinem Keller: aber am Ende verwandelten sie sich zu Vögeln und lieblichen Sängerinnen.
Aus deinen Giften brautest du dir deinen Balsam; deine Kuh Trübsal melktest du, — nun trinkst du die süsse Milch ihres Euters.
Und nichts Böses wächst mehr fürderhin aus dir, es sei denn das Böse, das aus dem Kampfe deiner Tugenden wächst.
Mein Bruder, wenn du Glück hast, so hast du Eine Tugend und nicht mehr: so gehst du leichter über die Brücke.
Auszeichnend ist es, viele Tugenden zu haben, aber ein schweres Loos; und Mancher gieng in die Wüste und tödtete sich, weil er müde war, Schlacht und Schlachtfeld von Tugenden zu sein.
Mein Bruder, ist Krieg und Schlacht böse? Aber nothwendig ist diess Böse, nothwendig ist der Neid und das Misstrauen und die Verleumdung unter deinen Tugenden.
Siehe, wie jede deiner Tugenden begehrlich ist nach dem Höchsten: sie will deinen ganzen Geist, dass er ihr Herold sei, sie will deine ganze Kraft in Zorn, Hass und Liebe.
Eifersüchtig ist jede Tugend auf die andre, und ein furchtbares Ding ist Eifersucht. Auch Tugenden können an der Eifersucht zu Grunde gehn.
Wen die Flamme der Eifersucht umringt, der wendet zuletzt, gleich dem Scorpione, gegen sich selber den vergifteten Stachel.
Ach, mein Bruder, sahst du noch nie eine Tugend sich selber verleumden und erstechen?
Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden muss: und darum sollst du deine Tugenden lieben, — denn du wirst an ihnen zu Grunde gehn. —
Also sprach Zarathustra.
Vom bleichen Verbrecher.
Ihr wollt nicht tödten, ihr Richter und Opferer, bevor das Thier nicht genickt hat? Seht, der bleiche Verbrecher hat genickt: aus seinem Auge redet die grosse Verachtung.
„Mein Ich ist Etwas, das überwunden werden soll: mein Ich ist mir die grosse Verachtung des Menschen“: so redet es aus diesem Auge.
Dass er sich selber richtete, war sein höchster Augenblick: lasst den Erhabenen nicht wieder zurück in sein Niederes!
Es giebt keine Erlösung für Den, der so an sich selber leidet, es sei denn der schnelle Tod.
Euer Tödten, ihr Richter, soll ein Mitleid sein und keine Rache. Und indem ihr tödtet, seht zu, dass ihr selber das Leben rechtfertiget!
Es ist nicht genug, dass ihr euch mit Dem versöhnt, den ihr tödtet. Eure Traurigkeit sei Liebe zum Übermenschen: so rechtfertigt ihr euer Noch-Leben!
„Feind“ sollt ihr sagen, aber nicht „Bösewicht“; „Kranker“ sollt ihr sagen, aber nicht „Schuft“; „Thor“ sollt ihr sagen, aber nicht „Sünder“.
Und du, rother Richter, wenn du laut sagen wolltest, was du Alles schon in Gedanken gethan hast: so würde Jedermann schreien: „Weg mit diesem Unflath und Giftwurm!“
Aber ein Anderes ist der Gedanke, ein Anderes die That, ein Anderes das Bild der That. Das Rad des Grundes rollt nicht zwischen ihnen.
Ein Bild machte diesen bleichen Menschen bleich. Gleichwüchsig war er seiner That, als er sie that: aber ihr Bild ertrug er nicht, als sie gethan war.
Immer sah er sich nun als Einer That Thäter. Wahnsinn heisse ich diess: die Ausnahme verkehrte sich ihm zum Wesen.
Der Strich bannt die Henne; der Streich, den er führte, bannte seine arme Vernunft — den Wahnsinn nach der That heisse ich diess.
Hört, ihr Richter! Einen anderen Wahnsinn giebt es noch: und der ist vor der That. Ach, ihr krocht mir nicht tief genug in diese Seele!
So spricht der rothe Richter: „was mordete doch dieser Verbrecher? Er wollte rauben.“ Aber ich sage euch: seine Seele wollte Blut, nicht Raub: er dürstete nach dem Glück des Messers!
Seine arme Vernunft aber begriff diesen Wahnsinn nicht und überredete ihn. „Was liegt an Blut! sprach sie; willst du nicht zum mindesten einen Raub dabei machen? Eine Rache nehmen?“
Und er horchte auf seine arme Vernunft: wie Blei lag ihre Rede auf ihm, — da raubte er, als er mordete. Er wollte sich nicht seines Wahnsinns schämen.
Und nun wieder liegt das Blei seiner Schuld auf ihm, und wieder ist seine arme Vernunft so steif, so gelähmt, so schwer.
Wenn er nur den Kopf schütteln könnte, so würde seine Last herabrollen: aber wer schüttelt diesen Kopf?
Was ist dieser Mensch? Ein Haufen von Krankheiten, welche durch den Geist in die Welt hinausgreifen: da wollen sie ihre Beute machen.
Was ist dieser Mensch? Ein Knäuel wilder Schlangen, welche selten bei einander Ruhe haben, — da gehn sie für sich fort und suchen Beute in der Welt.
Seht diesen armen Leib! Was er litt und begehrte, das deutete sich diese arme Seele, — sie deutete es als mörderische Lust und Gier nach dem Glück des Messers.
Wer jetzt krank wird, den überfällt das Böse, das jetzt böse ist: wehe will er thun, mit dem, was ihm wehe thut. Aber es gab andre Zeiten und ein andres Böses und Gutes.
Einst war der Zweifel böse und der Wille zum Selbst. Damals wurde der Kranke zum Ketzer und zur Hexe: als Ketzer und Hexe litt er und wollte leiden machen.
Aber diess will nicht in eure Ohren: euren Guten schade es, sagt ihr mir. Aber was liegt mir an euren Guten!
Vieles an euren Guten macht mir Ekel, und wahrlich nicht ihr Böses. Wollte ich doch, sie hätten einen Wahnsinn, an dem sie zu Grunde giengen, gleich diesem bleichen Verbrecher!
Wahrlich, ich wollte, ihr Wahnsinn hiesse Wahrheit oder Treue oder Gerechtigkeit: aber sie haben ihre Tugend, um lange zu leben und in einem erbärmlichen Behagen.
Ich bin ein Geländer am Strome: fasse mich, wer mich fassen kann! Eure Krücke aber bin ich nicht. —
Also sprach Zarathustra.
Vom Lesen und Schreiben.
Von allem Geschriebenen liebe ich nur Das, was Einer mit seinem Blute schreibt. Schreibe mit Blut: und du wirst erfahren, dass Blut Geist ist.
Es ist nicht leicht möglich, fremdes Blut zu verstehen: ich hasse die lesenden Müssiggänger.
Wer den Leser kennt, der thut Nichts mehr für den Leser. Noch ein Jahrhundert Leser — und der Geist selber wird stinken.
Dass Jedermann lesen lernen darf, verdirbt auf die Dauer nicht allein das Schreiben, sondern auch das Denken.
Einst war der Geist Gott, dann wurde er zum Menschen und jetzt wird er gar noch Pöbel.
Wer in Blut und Sprüchen schreibt, der will nicht gelesen, sondern auswendig gelernt werden.
Im Gebirge ist der nächste Weg von Gipfel zu Gipfel: aber dazu musst du lange Beine haben. Sprüche sollen Gipfel sein: und Die, zu denen gesprochen wird, Grosse und Hochwüchsige.
Die Luft dünn und rein, die Gefahr nahe und der Geist voll einer fröhlichen Bosheit: so passt es gut zu einander.
Ich will Kobolde um mich haben, denn ich bin muthig. Muth, der die Gespenster verscheucht, schafft sich selber Kobolde, — der Muth will lachen.
Ich empfinde nicht mehr mit euch: diese Wolke, die ich unter mir sehe, diese Schwärze und Schwere, über die ich lache, — gerade das ist eure Gewitterwolke.
Ihr seht nach Oben, wenn ihr nach Erhebung verlangt. Und ich sehe hinab, weil ich erhoben bin.
Wer von euch kann zugleich lachen und erhoben sein?
Wer auf den höchsten Bergen steigt, der lacht über alle Trauer-Spiele und Trauer-Ernste.
Muthig, unbekümmert, spöttisch, gewaltthätig — so will uns die Weisheit: sie ist ein Weib und liebt immer nur einen Kriegsmann.
Ihr sagt mir: „das Leben ist schwer zu tragen.“ Aber wozu hättet ihr Vormittags euren Stolz und Abends eure Ergebung?
Das Leben ist schwer zu tragen: aber so thut mir doch nicht so zärtlich! Wir sind allesammt hübsche lastbare Esel und Eselinnen.
Was haben wir gemein mit der Rosenknospe, welche zittert, weil ihr ein Tropfen Thau auf dem Leibe liegt?
Es ist wahr: wir lieben das Leben, nicht, weil wir an's Leben, sondern weil wir an's Lieben gewöhnt sind.
Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber immer auch etwas Vernunft im Wahnsinn.
Und auch mir, der ich dem Leben gut bin, scheinen Schmetterlinge und Seifenblasen und was ihrer Art unter Menschen ist, am meisten vom Glücke zu wissen.
Diese leichten thörichten zierlichen beweglichen Seelchen flattern zu sehen — das verführt Zarathustra zu Thränen und Liedern.
Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde.
Und als ich meinen Teufel sah, da fand ich ihn ernst, gründlich, tief, feierlich: es war der Geist der Schwere, — durch ihn fallen alle Dinge.
Nicht durch Zorn, sondern durch Lachen tödtet man. Auf, lasst uns den Geist der Schwere tödten!
Ich habe gehen gelernt: seitdem lasse ich mich laufen. Ich habe fliegen gelernt: seitdem will ich nicht erst gestossen sein, um von der Stelle zu kommen.
Jetzt bin ich leicht, jetzt fliege ich, jetzt sehe ich mich unter mir, jetzt tanzt ein Gott durch mich.
Also sprach Zarathustra.
Vom Baum am Berge.
Zarathustra's Auge hatte gesehn, dass ein Jüngling ihm auswich. Und als er eines Abends allein durch die Berge gieng, welche die Stadt umschliessen, die genannt wird „die bunte Kuh“: siehe, da fand er im Gehen diesen Jüngling, wie er an einen Baum gelehnt sass und müden Blickes in das Thal schaute. Zarathustra fasste den Baum an, bei welchem der Jüngling sass, und sprach also:
Wenn ich diesen Baum da mit meinen Händen schütteln wollte, ich würde es nicht vermögen.
Aber der Wind, den wir nicht sehen, der quält und biegt ihn, wohin er will. Wir werden am schlimmsten von unsichtbaren Händen gebogen und gequält.
Da erhob sich der Jüngling bestürzt und sagte: „ich höre Zarathustra und eben dachte ich an ihn.“ Zarathustra entgegnete:
„Was erschrickst du desshalb? - Aber es ist mit dem Menschen wie mit dem Baume.
Je mehr er hinauf in die Höhe und Helle will, um so stärker streben seine Wurzeln erdwärts, abwärts, in's Dunkle, Tiefe, — in's Böse.“
„Ja in's Böse! rief der Jüngling. Wie ist es möglich, dass du meine Seele entdecktest?“
Zarathustra lächelte und sprach: „Manche Seele wird man nie entdecken, es sei denn, dass man sie zuerst erfindet.“
„Ja in's Böse! rief der Jüngling nochmals.
Du sagtest die Wahrheit, Zarathustra. Ich traue mir selber nicht mehr, seitdem ich in die Höhe will, und Niemand traut mir mehr, — wie geschieht diess doch?
Ich verwandele mich zu schnell: mein Heute widerlegt mein Gestern. Ich überspringe oft die Stufen, wenn ich steige, — das verzeiht mir keine Stufe.
Bin ich oben, so finde ich mich immer allein. Niemand redet mit mir, der Frost der Einsamkeit macht mich zittern. Was will ich doch in der Höhe?
Meine Verachtung und meine Sehnsucht wachsen mit einander; je höher ich steige, um so mehr verachte ich Den, der steigt. Was will er doch in der Höhe?
Wie schäme ich mich meines Steigens und Stolperns! Wie spotte ich meines heftigen Schnaubens! Wie hasse ich den Fliegenden! Wie müde bin ich in der Höhe!“
Hier schwieg der Jüngling. Und Zarathustra betrachtete den Baum, an dem sie standen und sprach also:
Dieser Baum steht einsam hier am Gebirge; er wuchs hoch hinweg über Mensch und Thier.
Und wenn er reden wollte, er würde Niemanden haben, der ihn verstünde: so hoch wuchs er.
Nun wartet er und wartet, — worauf wartet er doch? Er wohnt dem Sitze der Wolken zu nahe: er wartet wohl auf den ersten Blitz?
Als Zarathustra diess gesagt hatte, rief der Jüngling mit heftigen Gebärden: „Ja, Zarathustra, du sprichst die Wahrheit. Nach meinem Untergange verlangte ich, als ich in die Höhe wollte, und du bist der Blitz, auf den ich wartete! Siehe, was bin ich noch, seitdem du uns erschienen bist? Der Neid auf dich ist's, der mich zerstört hat!“ — So sprach der Jüngling und weinte bitterlich. Zarathustra aber legte seinen Arm um ihn und führte ihn mit sich fort.
Und als sie eine Weile mit einander gegangen waren, hob Zarathustra also an zu sprechen:
Es zerreisst mir das Herz. Besser als deine Worte es sagen, sagt mir dein Auge alle deine Gefahr.
Noch bist du nicht frei, du suchst noch nach Freiheit. Übernächtig machte dich dein Suchen und überwach.
In die freie Höhe willst du, nach Sternen dürstet deine Seele. Aber auch deine schlimmen Triebe dürsten nach Freiheit.
Deine wilden Hunde wollen in die Freiheit; sie bellen vor Lust in ihrem Keller, wenn dein Geist alle Gefängnisse zu lösen trachtet.
Noch bist du mir ein Gefangner, der sich Freiheit ersinnt: ach, klug wird solchen Gefangnen die Seele, aber auch arglistig und schlecht.
Reinigen muss sich noch der Befreite des Geistes. Viel Gefängniss und Moder ist noch in ihm zurück: rein muss noch sein Auge werden.
Ja, ich kenne deine Gefahr. Aber bei meiner Liebe und Hoffnung beschwöre ich dich: wirf deine Liebe und Hoffnung nicht weg!
Edel fühlst du dich noch, und edel fühlen dich auch die Andern noch, die dir gram sind und böse Blicke senden. Wisse, dass Allen ein Edler im Wege steht.
Auch den Guten steht ein Edler im Wege: und selbst wenn sie ihn einen Guten nennen, so wollen sie ihn damit bei Seite bringen.
Neues will der Edle schaffen und eine neue Tugend. Altes will der Gute, und dass Altes erhalten bleibe.
Aber nicht das ist die Gefahr des Edlen, dass er ein Guter werde, sondern ein Frecher, ein Höhnender, ein Vernichter.
Ach, ich kannte Edle, die verloren ihre höchste Hoffnung. Und nun verleumdeten sie alle hohen Hoffnungen.
Nun lebten sie frech in kurzen Lüsten, und über den Tag hin warfen sie kaum noch Ziele.
„Geist ist auch Wollust“ — so sagten sie. Da zerbrachen ihrem Geiste die Flügel: nun kriecht er herum und beschmutzt im Nagen.
Einst dachten sie Helden zu werden: Lüstlinge sind es jetzt. Ein Gram und ein Grauen ist ihnen der Held.
Aber bei meiner Liebe und Hoffnung beschwöre ich dich: wirf den Helden in deiner Seele nicht weg! Halte heilig deine höchste Hoffnung! —
Also sprach Zarathustra.
Von den Predigern des Todes.
Es giebt Prediger des Todes: und die Erde ist voll von Solchen, denen Abkehr gepredigt werden muss vom Leben.
Voll ist die Erde von Überflüssigen, verdorben ist das Leben durch die Viel-zu-Vielen. Möge man sie mit dem „ewigen Leben“ aus diesem Leben weglocken!
„Gelbe“: so nennt man die Prediger des Todes, oder „Schwarze“. Aber ich will sie euch noch in andern Farben zeigen.
Da sind die Fürchterlichen, welche in sich das Raubthier herumtragen und keine Wahl haben, es sei denn Lüste oder Selbstzerfleischung. Und auch ihre Lüste sind noch Selbstzerfleischung.
Sie sind noch nicht einmal Menschen geworden, diese Fürchterlichen: mögen sie Abkehr predigen vom Leben und selber dahinfahren!
Da sind die Schwindsüchtigen der Seele: kaum sind sie geboren, so fangen sie schon an zu sterben und sehnen sich nach Lehren der Müdigkeit und Entsagung.
Sie wollen gerne todt sein, und wir sollten ihren Willen gut heissen! Hüten wir uns, diese Todten zu erwecken und diese lebendigen Särge zu versehren!
Ihnen begegnet ein Kranker oder ein Greis oder ein Leichnam; und gleich sagen sie „das Leben ist widerlegt!“
Aber nur sie sind widerlegt und ihr Auge, welches nur das Eine Gesicht sieht am Dasein.
Eingehüllt in dicke Schwermuth und begierig auf die kleinen Zufälle, welche den Tod bringen: so warten sie und beissen die Zähne auf einander.
Oder aber: sie greifen nach Zuckerwerk und spotten ihrer Kinderei dabei: sie hängen an ihrem Strohhalm Leben und spotten, dass sie noch an einem Strohhalm hängen.
Ihre Weisheit lautet: „ein Thor, der leben bleibt, aber so sehr sind wir Thoren! Und das eben ist das Thörichtste am Leben!“ —
„Das Leben ist nur Leiden“ — so sagen Andre und lügen nicht: so sorgt doch, dass ihr aufhört! So sorgt doch, dass das Leben aufhört, welches nur Leiden ist!
Und also laute die Lehre eurer Tugend „du sollst dich selber tödten! Du sollst dich selber davonstehlen!“ —
„Wollust ist Sünde, — so sagen die Einen, welche den Tod predigen — lasst uns bei Seite gehn und keine Kinder zeugen!“
„Gebären ist mühsam, — sagen die Andern — wozu noch gebären? Man gebiert nur Unglückliche!“ Und auch sie sind Prediger des Todes.
„Mitleid thut noth — so sagen die Dritten. Nehmt hin, was ich habe! Nehmt hin, was ich bin! Um so weniger bindet mich das Leben!“
Wären sie Mitleidige von Grund aus, so würden sie ihren Nächsten das Leben verleiden. Böse sein — das wäre ihre rechte Güte.
Aber sie wollen loskommen vom Leben: was schiert es sie, dass sie Andre mit ihren Ketten und Geschenken noch fester binden! —
Und auch ihr, denen das Leben wilde Arbeit und Unruhe ist: seid ihr nicht sehr müde des Lebens? Seid ihr nicht sehr reif für die Predigt des Todes?
Ihr Alle, denen die wilde Arbeit lieb ist und das Schnelle, Neue, Fremde, — ihr ertragt euch schlecht, euer Fleiss ist Flucht und Wille, sich selber zu vergessen.
Wenn ihr mehr an das Leben glaubtet, würdet ihr weniger euch dem Augenblicke hinwerfen. Aber ihr habt zum Warten nicht Inhalt genug in euch — und selbst zur Faulheit nicht!
Überall ertönt die Stimme Derer, welche den Tod predigen: und die Erde ist voll von Solchen, welchen der Tod gepredigt werden muss.
Oder „das ewige Leben“: das gilt mir gleich, — wofern sie nur schnell dahinfahren!
Also sprach Zarathustra.
Vom Krieg und Kriegsvolke.
Von unsern besten Feinden wollen wir nicht geschont sein, und auch von Denen nicht, welche wir von Grund aus lieben. So lasst mich denn euch die Wahrheit sagen!
Meine Brüder im Kriege! Ich liebe euch von Grund aus, ich bin und war Euresgleichen. Und ich bin auch euer bester Feind. So lasst mich denn euch die Wahrheit sagen!
Ich weiss um den Hass und Neid eures Herzens. Ihr seid nicht gross genug, um Hass und Neid nicht zu kennen. So seid denn gross genug, euch ihrer nicht zu schämen!
Und wenn ihr nicht Heilige der Erkenntniss sein könnt, so seid mir wenigstens deren Kriegsmänner. Das sind die Gefährten und Vorläufer solcher Heiligkeit.
Ich sehe viel Soldaten: möchte ich viel Kriegsmänner sehn! „Ein-form“ nennt man's, was sie tragen: möge es nicht Ein-form sein, was sie damit verstecken!
Ihr sollt mir Solche sein, deren Auge immer nach einem Feinde sucht — nach eurem Feinde. Und bei Einigen von euch giebt es einen Hass auf den ersten Blick.
Euren Feind sollt ihr suchen, euren Krieg sollt ihr führen und für eure Gedanken! Und wenn euer Gedanke unterliegt, so soll eure Redlichkeit darüber noch Triumph rufen!
Ihr sollt den Frieden lieben als Mittel zu neuen Kriegen. Und den kurzen Frieden mehr, als den langen.
Euch rathe ich nicht zur Arbeit, sondern zum Kampfe. Euch rathe ich nicht zum Frieden, sondern zum Siege. Eure Arbeit sei ein Kampf, euer Friede sei ein Sieg!
Man kann nur schweigen und stillsitzen, wenn man Pfeil und Bogen hat: sonst schwätzt und zankt man. Euer Friede sei ein Sieg!
Ihr sagt, die gute Sache sei es, die sogar den Krieg heilige? Ich sage euch: der gute Krieg ist es, der jede Sache heiligt.
Der Krieg und der Muth haben mehr grosse Dinge gethan, als die Nächstenliebe. Nicht euer Mitleiden, sondern eure Tapferkeit rettete bisher die Verunglückten.
Was ist gut? fragt ihr. Tapfer sein ist gut. Lasst die kleinen Mädchen reden: „gut sein ist, was hübsch zugleich und rührend ist.“
Man nennt euch herzlos: aber euer Herz ist ächt, und ich liebe die Scham eurer Herzlichkeit. Ihr schämt euch eurer Fluth, und Andre schämen sich ihrer Ebbe.
Ihr seid hässlich? Nun wohlan, meine Brüder! So nehmt das Erhabne um euch, den Mantel des Hässlichen!
Und wenn eure Seele gross wird, so wird sie übermüthig, und in eurer Erhabenheit ist Bosheit. Ich kenne euch.
In der Bosheit begegnet sich der Übermüthige mit dem Schwächlinge. Aber sie missverstehen einander. Ich kenne euch.
Ihr dürft nur Feinde haben, die zu hassen sind, aber nicht Feinde zum Verachten. Ihr müsst stolz auf euern Feind sein: dann sind die Erfolge eures Feindes auch eure Erfolge.
Auflehnung — das ist die Vornehmheit am Sclaven. Eure Vornehmheit sei Gehorsam! Euer Befehlen selber sei ein Gehorchen!
Einem guten Kriegsmanne klingt „du sollst“ angenehmer, als „ich will“. Und Alles, was euch lieb ist, sollt ihr euch erst noch befehlen lassen.
Eure Liebe zum Leben sei Liebe zu eurer höchsten Hoffnung: und eure höchste Hoffnung sei der höchste Gedanke des Lebens!
Euren höchsten Gedanken aber sollt ihr euch von mir befehlen lassen — und er lautet: der Mensch ist Etwas, das überwunden werden soll.
So lebt euer Leben des Gehorsams und des Krieges! Was liegt am Lang-Leben! Welcher Krieger will geschont sein!
Ich schone euch nicht, ich liebe euch von Grund aus, meine Brüder im Kriege!
Also sprach Zarathustra.
Vom neuen Götzen.
Irgendwo giebt es noch Völker und Heerden, doch nicht bei uns, meine Brüder: da giebt es Staaten.
Staat? Was ist das? Wohlan! Jetzt thut mir die Ohren auf, denn jetzt sage ich euch mein Wort vom Tode der Völker.
Staat heisst das kälteste aller kalten Ungeheuer. Kalt lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: „Ich, der Staat, bin das Volk.“
Lüge ist's! Schaffende waren es, die schufen die Völker und hängten einen Glauben und eine Liebe über sie hin: also dienten sie dem Leben.
Vernichter sind es, die stellen Fallen auf für Viele und heissen sie Staat: sie hängen ein Schwert und hundert Begierden über sie hin.
Wo es noch Volk giebt, da versteht es den Staat nicht und hasst ihn als bösen Blick und Sünde an Sitten und Rechten.
Dieses Zeichen gebe ich euch: jedes Volk spricht seine Zunge des Guten und Bösen: die versteht der Nachbar nicht. Seine Sprache erfand es sich in Sitten und Rechten.
Aber der Staat lügt in allen Zungen des Guten und Bösen; und was er auch redet, er lügt — und was er auch hat, gestohlen hat er's.
Falsch ist Alles an ihm; mit gestohlenen Zähnen beisst er, der Bissige. Falsch sind selbst seine Eingeweide.
Sprachverwirrung des Guten und Bösen: dieses Zeichen gebe ich euch als Zeichen des Staates. Wahrlich, den Willen zum Tode deutet dieses Zeichen! Wahrlich, es winkt den Predigern des Todes!
Viel zu Viele werden geboren: für die Überflüssigen ward der Staat erfunden!
Seht mir doch, wie er sie an sich lockt, die Viel-zu-Vielen! Wie er sie schlingt und kaut und wiederkäut!
„Auf der Erde ist nichts Grösseres als ich: der ordnende Finger bin ich Gottes“ — also brüllt das Unthier. Und nicht nur Langgeohrte und Kurzgeäugte sinken auf die Kniee!
Ach, auch in euch, ihr grossen Seelen, raunt er seine düsteren Lügen! Ach, er erräth die reichen Herzen, die gerne sich verschwenden!
Ja, auch euch erräth er, ihr Besieger des alten Gottes! Müde wurdet ihr im Kampfe, und nun dient eure Müdigkeit noch dem neuen Götzen!
Helden und Ehrenhafte möchte er um sich aufstellen, der neue Götze! Gerne sonnt er sich im Sonnenschein guter Gewissen, — das kalte Unthier!
Alles will er euch geben, wenn ihr ihn anbetet, der neue Götze: also kauft er sich den Glanz eurer Tugend und den Blick eurer stolzen Augen.
Ködern will er mit euch die Viel-zu-Vielen! Ja, ein Höllenkunststück ward da erfunden, ein Pferd des Todes, klirrend im Putz göttlicher Ehren!
Ja, ein Sterben für Viele ward da erfunden, das sich selber als Leben preist: wahrlich, ein Herzensdienst allen Predigern des Todes!
Staat nenne ich's, wo Alle Gifttrinker sind, Gute und Schlimme: Staat, wo Alle sich selber verlieren, Gute und Schlimme: Staat, wo der langsame Selbstmord Aller — „das Leben“ heisst.
Seht mir doch diese Überflüssigen! Sie stehlen sich die Werke der Erfinder und die Schätze der Weisen: Bildung nennen sie ihren Diebstahl — und Alles wird ihnen zu Krankheit und Ungemach!
Seht mir doch diese Überflüssigen! Krank sind sie immer, sie erbrechen ihre Galle und nennen es Zeitung. Sie verschlingen einander und können sich nicht einmal verdauen.
Seht mir doch diese Überflüssigen! Reichthümer erwerben sie und werden ärmer damit. Macht wollen sie und zuerst das Brecheisen der Macht, viel Geld, — diese Unvermögenden!
Seht sie klettern, diese geschwinden Affen! Sie klettern über einander hinweg und zerren sich also in den Schlamm und die Tiefe.
Hin zum Throne wollen sie Alle: ihr Wahnsinn ist es, — als ob das Glück auf dem Throne sässe! Oft sitzt der Schlamm auf dem Thron — und oft auch der Thron auf dem Schlamme.
Wahnsinnige sind sie mir Alle und kletternde Affen und Überheisse. Übel riecht mir ihr Götze, das kalte Unthier: übel riechen sie mir alle zusammen, diese Götzendiener.
Meine Brüder, wollt ihr denn ersticken im Dunste ihrer Mäuler und Begierden! Lieber zerbrecht doch die Fenster und springt in's Freie!
Geht doch dem schlechten Geruche aus dem Wege! Geht fort von der Götzendienerei der Überflüssigen!
Geht doch dem schlechten Geruche aus dem Wege! Geht fort von dem Dampfe dieser Menschenopfer!
Frei steht grossen Seelen auch jetzt noch die Erde. Leer sind noch viele Sitze für Einsame und Zweisame, um die der Geruch stiller Meere weht.
Frei steht noch grossen Seelen ein freies Leben. Wahrlich, wer wenig besitzt, wird um so weniger besessen: gelobt sei die kleine Armuth!
Dort, wo der Staat aufhört, da beginnt erst der Mensch, der nicht überflüssig ist: da beginnt das Lied des Nothwendigen, die einmalige und unersetzliche Weise.
Dort, wo der Staat aufhört, — so seht mir doch hin, meine Brüder! Seht ihr ihn nicht, den Regenbogen und die Brücken des Übermenschen? —
Also sprach Zarathustra.
Von den Fliegen des Marktes.
Fliehe, mein Freund, in deine Einsamkeit! Ich sehe dich betäubt vom Lärme der grossen Männer und zerstochen von den Stacheln der kleinen.
Würdig wissen Wald und Fels mit dir zu schweigen. Gleiche wieder dem Baume, den du liebst, dem breitästigen: still und aufhorchend hängt er über dem Meere.
Wo die Einsamkeit aufhört, da beginnt der Markt; und wo der Markt beginnt, da beginnt auch der Lärm der grossen Schauspieler und das Geschwirr der giftigen Fliegen.
In der Welt taugen die besten Dinge noch Nichts, ohne Einen, der sie erst aufführt: grosse Männer heisst das Volk diese Aufführer.
Wenig begreift das Volk das Grosse, das ist: das Schaffende. Aber Sinne hat es für alle Aufführer und Schauspieler grosser Sachen.
Um die Erfinder von neuen Werthen dreht sich die Welt: — unsichtbar dreht sie sich. Doch um die Schauspieler dreht sich das Volk und der Ruhm: so ist es der Welt Lauf.
Geist hat der Schauspieler, doch wenig Gewissen des Geistes. Er glaubt immer an Das, womit er am stärksten glauben macht, — glauben an sich macht!
Morgen hat er einen neuen Glauben und übermorgen einen neueren. Rasche Sinne hat er, gleich dem Volke, und veränderliche Witterungen.
Umwerfen — das heisst ihm: beweisen. Toll machen — das heisst ihm: überzeugen. Und Blut gilt ihm als aller Gründe bester.
Eine Wahrheit, die nur in feine Ohren schlüpft, nennt er Lüge und Nichts. Wahrlich, er glaubt nur an Götter, die grossen Lärm in der Welt machen!
Voll von feierlichen Possenreissern ist der Markt — und das Volk rühmt sich seiner grossen Männer! das sind ihm die Herrn der Stunde.
Aber die Stunde drängt sie: so drängen sie dich: Und auch von dir wollen sie Ja oder Nein. Wehe, du willst zwischen Für und Wider deinen Stuhl setzen?
Dieser Unbedingten und Drängenden halber sei ohne Eifersucht, du Liebhaber der Wahrheit! Niemals noch hängte sich die Wahrheit an den Arm eines Unbedingten.
Dieser Plötzlichen halber gehe zurück in deine Sicherheit: nur auf dem Markt wird man mit Ja? oder Nein? überfallen.
Langsam ist das Erleben allen tiefen Brunnen: lange müssen sie warten, bis sie wissen, was in ihre Tiefe fiel.
Abseits vom Markte und Ruhme begiebt sich alles Grosse: abseits vom Markte und Ruhme wohnten von je die Erfinder neuer Werthe.
Fliehe, mein Freund, in deine Einsamkeit: ich sehe dich von giftigen Fliegen zerstochen. Fliehe dorthin, wo rauhe, starke Luft weht!
Fliehe in deine Einsamkeit! Du lebtest den Kleinen und Erbärmlichen zu nahe. Fliehe vor ihrer unsichtbaren Rache! Gegen dich sind sie Nichts als Rache.
Hebe nicht mehr den Arm gegen sie! Unzählbar sind sie, und es ist nicht dein Loos, Fliegenwedel zu sein.
Unzählbar sind diese Kleinen und Erbärmlichen; und manchem stolzen Baue gereichten schon Regentropfen und Unkraut zum Untergange.
Du bist kein Stein, aber schon wurdest du hohl von vielen Tropfen. Zerbrechen und zerbersten wirst du mir noch von vielen Tropfen.
Ermüdet sehe ich dich durch giftige Fliegen, blutig geritzt sehe ich dich an hundert Stellen; und dein Stolz will nicht einmal zürnen.
Blut möchten sie von dir in aller Unschuld, Blut begehren ihre blutlosen Seelen — und sie stechen daher in aller Unschuld.
Aber, du Tiefer, du leidest zu tief auch an kleinen Wunden; und ehe du dich noch geheilt hast, kroch dir der gleiche Giftwurm über die Hand.
Zu stolz bist du mir dafür, diese Naschhaften zu tödten. Hüte dich aber, dass es nicht dein Verhängniss werde, all ihr giftiges Unrecht zu tragen!
Sie summen um dich auch mit ihrem Lobe: Zudringlichkeit ist ihr Loben. Sie wollen die Nähe deiner Haut und deines Blutes.
Sie schmeicheln dir wie einem Gotte oder Teufel; sie winseln vor dir wie vor einem Gotte oder Teufel. Was macht es! Schmeichler sind es und Winsler und nicht mehr.
Auch geben sie sich dir oft als Liebenswürdige. Aber das war immer die Klugheit der Feigen. Ja, die Feigen sind klug!
Sie denken viel über dich mit ihrer engen Seele, — bedenklich bist du ihnen stets! Alles, was viel bedacht wird, wird bedenklich.
Sie bestrafen dich für alle deine Tugenden. Sie verzeihen dir von Grund aus nur — deine Fehlgriffe.
Weil du milde bist und gerechten Sinnes, sagst du: „unschuldig sind sie an ihrem kleinen Dasein.“ Aber ihre enge Seele denkt: „Schuld ist alles grosse Dasein.“
Auch wenn du ihnen milde bist, fühlen sie sich noch von dir verachtet; und sie geben dir deine Wohlthat zurück mit versteckten Wehthaten.
Dein wortloser Stolz geht immer wider ihren Geschmack; sie frohlocken, wenn du einmal bescheiden genug bist, eitel zu sein.
Das, was wir an einem Menschen erkennen, das entzünden wir an ihm auch. Also hüte dich vor den Kleinen!
Vor dir fühlen sie sich klein, und ihre Niedrigkeit glimmt und glüht gegen dich in unsichtbarer Rache.
Merktest du nicht, wie oft sie stumm wurden, wenn du zu ihnen tratest, und wie ihre Kraft von ihnen gieng wie der Rauch von einem erlöschenden Feuer?
Ja, mein Freund, das böse Gewissen bist du deinen Nächsten: denn sie sind deiner unwerth. Also hassen sie dich und möchten gerne an deinem Blute saugen.
Deine Nächsten werden immer giftige Fliegen sein; Das, was gross an dir ist, — das selber muss sie giftiger machen und immer fliegenhafter.
Fliehe, mein Freund, in deine Einsamkeit und dorthin, wo eine rauhe, starke Luft weht. Nicht ist es dein Loos, Fliegenwedel zu sein. —
Also sprach Zarathustra.
Von der Keuschheit.
Ich liebe den Wald. In den Städten ist schlecht zu leben: da giebt es zu Viele der Brünstigen.
Ist es nicht besser, in die Hände eines Mörders zu gerathen, als in die Träume eines brünstigen Weibes?
Und seht mir doch diese Männer an: ihr Auge sagt es — sie wissen nichts Besseres auf Erden, als bei einem Weibe zu liegen.
Schlamm ist auf dem Grunde ihrer Seele; und wehe, wenn ihr Schlamm gar noch Geist hat!
Dass ihr doch wenigstens als Thiere vollkommen wäret! Aber zum Thiere gehört die Unschuld.
Rathe ich euch, eure Sinne zu tödten? Ich rathe euch zur Unschuld der Sinne.
Rathe ich euch zur Keuschheit? Die Keuschheit ist bei Einigen eine Tugend, aber bei Vielen beinahe ein Laster.
Diese enthalten sich wohl: aber die Hündin Sinnlichkeit blickt mit Neid aus Allem, was sie thun.
Noch in die Höhen ihrer Tugend und bis in den kalten Geist hinein folgt ihnen diess Gethier und sein Unfrieden.
Und wie artig weiss die Hündin Sinnlichkeit um ein Stück Geist zu betteln, wenn ihr ein Stück Fleisch versagt wird!
Ihr liebt Trauerspiele und Alles, was das Herz zerbricht? Aber ich bin misstrauisch gegen eure Hündin.
Ihr habt mir zu grausame Augen und blickt lüstern nach Leidenden. Hat sich nicht nur eure Wollust verkleidet und heisst sich Mitleiden?
Und auch diess Gleichniss gebe ich euch: nicht Wenige, die ihren Teufel austreiben wollten, fuhren dabei selber in die Säue.
Wem die Keuschheit schwer fällt, dem ist sie zu widerrathen: dass sie nicht der Weg zur Hölle werde — das ist zu Schlamm und Brunst der Seele.
Rede ich von schmutzigen Dingen? Das ist mir nicht das Schlimmste.
Nicht, wenn die Wahrheit schmutzig ist, sondern wenn sie seicht ist, steigt der Erkennende ungern in ihr Wasser.
Wahrlich, es giebt Keusche von Grund aus: sie sind milder von Herzen, sie lachen lieber und reichlicher als ihr.
Sie lachen auch über die Keuschheit und fragen: „was ist Keuschheit!
„Ist Keuschheit nicht Thorheit? Aber diese Thorheit kam zu uns und nicht wir zu ihr.
„Wir boten diesem Gaste Herberge und Herz: nun wohnt er bei uns, — mag er bleiben, wie lange er will!“
Also sprach Zarathustra.
Vom Freunde.
„Einer ist immer zu viel um mich“ — also denkt der Einsiedler. „Immer Einmal Eins — das giebt auf die Dauer Zwei!“
Ich und Mich sind immer zu eifrig im Gespräche: wie wäre es auszuhalten, wenn es nicht einen Freund gäbe?
Immer ist für den Einsiedler der Freund der Dritte: der Dritte ist der Kork, der verhindert, dass das Gespräch der Zweie in die Tiefe sinkt.
Ach, es giebt zu viele Tiefen für alle Einsiedler. Darum sehnen sie sich so nach einem Freunde und nach seiner Höhe.
Unser Glaube an Andre verräth, worin wir gerne an uns selber glauben möchten. Unsre Sehnsucht nach einem Freunde ist unser Verräther.
Und oft will man mit der Liebe nur den Neid überspringen. Und oft greift man an und macht sich einen Feind, um zu verbergen, dass man angreifbar ist.
„Sei wenigstens mein Feind!“ — so spricht die wahre Ehrfurcht, die nicht um Freundschaft zu bitten wagt.
Will man einen Freund haben, so muss man auch für ihn Krieg führen wollen: und um Krieg zu führen, muss man Feind sein können.
Man soll in seinem Freunde noch den Feind ehren. Kannst du an deinen Freund dicht herantreten, ohne zu ihm überzutreten?
In seinem Freunde soll man seinen besten Feind haben. Du sollst ihm am nächsten mit dem Herzen sein, wenn du ihm widerstrebst.
Du willst vor deinem Freunde kein Kleid tragen? Es soll deines Freundes Ehre sein, dass du dich ihm giebst, wie du bist? Aber er wünscht dich darum zum Teufel!
Wer aus sich kein Hehl macht, empört: so sehr habt ihr Grund, die Nacktheit zu fürchten! Ja, wenn ihr Götter wäret, da dürftet ihr euch eurer Kleider schämen!
Du kannst dich für deinen Freund nicht schön genug putzen: denn du sollst ihm ein Pfeil und eine Sehnsucht nach dem Übermenschen sein.
Sahst du deinen Freund schon schlafen, — damit du erfahrest, wie er aussieht? Was ist doch sonst das Gesicht deines Freundes? Es ist dein eignes Gesicht, auf einem rauhen und unvollkommnen Spiegel.
Sahst du deinen Freund schon schlafen? Erschrakst du nicht, dass dein Freund so aussieht? Oh, mein Freund, der Mensch ist Etwas, das überwunden werden muss.
Im Errathen und Stillschweigen soll der Freund Meister sein: nicht Alles musst du sehn wollen. Dein Traum soll dir verrathen, was dein Freund im Wachen thut.
Ein Errathen sei dein Mitleiden: dass du erst wissest, ob dein Freund Mitleiden wolle. Vielleicht liebt er an dir das ungebrochne Auge und den Blick der Ewigkeit.
Das Mitleiden mit dem Freunde berge sich unter einer harten Schale, an ihm sollst du dir einen Zahn ausbeissen. So wird es seine Feinheit und Süsse haben.
Bist du reine Luft und Einsamkeit und Brod und Arznei deinem Freunde? Mancher kann seine eignen Ketten nicht lösen und doch ist er dem Freunde ein Erlöser.
Bist du ein Sclave? So kannst du nicht Freund sein. Bist du ein Tyrann? So kannst du nicht Freunde haben.
Allzulange war im Weibe ein Sclave und ein Tyrann versteckt. Desshalb ist das Weib noch nicht der Freundschaft fähig: es kennt nur die Liebe.
In der Liebe des Weibes ist Ungerechtigkeit und Blindheit gegen Alles, was es nicht liebt. Und auch in der wissenden Liebe des Weibes ist immer noch Überfall und Blitz und Nacht neben dem Lichte.
Noch ist das Weib nicht der Freundschaft fähig: Katzen sind immer noch die Weiber, und Vögel. Oder, besten Falles, Kühe.
Noch ist das Weib nicht der Freundschaft fähig. Aber sagt mir, ihr Männer, wer von euch ist denn fähig der Freundschaft?
Oh über eure Armuth, ihr Männer, und euren Geiz der Seele! Wie viel ihr dem Freunde gebt, das will ich noch meinem Feinde geben, und will auch nicht ärmer damit geworden sein.
Es giebt Kameradschaft: möge es Freundschaft geben!
Also sprach Zarathustra.
Von tausend und Einem Ziele.
Viele Länder sah Zarathustra und viele Völker: so entdeckte er vieler Völker Gutes und Böses. Keine grössere Macht fand Zarathustra auf Erden, als gut und böse.
Leben könnte kein Volk, das nicht erst schätzte; will es sich aber erhalten, so darf es nicht schätzen, wie der Nachbar schätzt.
Vieles, das diesem Volke gut hiess, hiess einem andern Hohn und Schmach: also fand ich's. Vieles fand ich hier böse genannt und dort mit purpurnen Ehren geputzt.
Nie verstand ein Nachbar den andern: stets verwunderte sich seine Seele ob des Nachbarn Wahn und Bosheit.
Eine Tafel der Güter hängt über jedem Volke. Siehe, es ist seiner Überwindungen Tafel; siehe, es ist die Stimme seines Willens zur Macht.
Löblich ist, was ihm schwer gilt; was unerlässlich und schwer, heisst gut, und was aus der höchsten Noth noch befreit, das Seltene, Schwerste, — das preist es heilig.
Was da macht, dass es herrscht und siegt und glänzt, seinem Nachbarn zu Grauen und Neide: das gilt ihm das Hohe, das Erste, das Messende, der Sinn aller Dinge.
Wahrlich, mein Bruder, erkanntest du erst eines Volkes Noth und Land und Himmel und Nachbar: so erräthst du wohl das Gesetz seiner Überwindungen und warum es auf dieser Leiter zu seiner Hoffnung steigt.
„Immer sollst du der Erste sein und den Andern vorragen: Niemanden soll deine eifersüchtige Seele lieben, es sei denn den Freund“ — diess machte einem Griechen die Seele zittern: dabei gieng er seinen Pfad der Grösse.
„Wahrheit reden und gut mit Bogen und Pfeil verkehren“ — so dünkte es jenem Volke zugleich lieb und schwer, aus dem mein Name kommt — der Name, welcher mir zugleich lieb und schwer ist.
„Vater und Mutter ehren und bis in die Wurzel der Seele hinein ihnen zu Willen sein“: diese Tafel der Überwindung hängte ein andres Volk über sich auf und wurde mächtig und ewig damit.
„Treue üben und um der Treue Willen Ehre und Blut auch an böse und fährliche Sachen setzen“: also sich lehrend bezwang sich ein anderes Volk, und also sich bezwingend wurde es schwanger und schwer von grossen Hoffnungen.
Wahrlich, die Menschen gaben sich alles ihr Gutes und Böses. Wahrlich, sie nahmen es nicht, sie fanden es nicht, nicht fiel es ihnen als Stimme vom Himmel.
Werthe legte erst der Mensch in die Dinge, sich zu erhalten, — er schuf erst den Dingen Sinn, einen Menschen-Sinn! Darum nennt er sich „Mensch“, das ist: der Schätzende.
Schätzen ist Schaffen: hört es, ihr Schaffenden! Schätzen selber ist aller geschätzten Dinge Schatz und Kleinod.
Durch das Schätzen erst giebt es Werth: und ohne das Schätzen wäre die Nuss des Daseins hohl. Hört es, ihr Schaffenden!
Wandel der Werthe, — das ist Wandel der Schaffenden. Immer vernichtet, wer ein Schöpfer sein muss.
Schaffende waren erst Völker und spät erst Einzelne; wahrlich, der Einzelne selber ist noch die jüngste Schöpfung.
Völker hängten sich einst eine Tafel des Guten über sich. Liebe, die herrschen will, und Liebe, die gehorchen will, erschufen sich zusammen solche Tafeln.
Älter ist an der Heerde die Lust, als die Lust am Ich: und so lange das gute Gewissen Heerde heisst, sagt nur das schlechte Gewissen: Ich.
Wahrlich, das schlaue Ich, das lieblose, das seinen Nutzen im Nutzen Vieler will: das ist nicht der Heerde Ursprung, sondern ihr Untergang.
Liebende waren es stets und Schaffende, die schufen Gut und Böse. Feuer der Liebe glüht in aller Tugenden Namen und Feuer des Zorns.
Viele Länder sah Zarathustra und viele Völker: keine grössere Macht fand Zarathustra auf Erden, als die Werke der Liebenden: „gut“ und „böse“ ist ihr Name.
Wahrlich, ein Ungethüm ist die Macht dieses Lobens und Tadelns. Sagt, wer bezwingt es mir, ihr Brüder? Sagt, wer wirft diesem Thier die Fessel über die tausend Nacken?
Tausend Ziele gab es bisher, denn tausend Völker gab es. Nur die Fessel der tausend Nacken fehlt noch, es fehlt das Eine Ziel. Noch hat die Menschheit kein Ziel.
Aber sagt mir doch, meine Brüder: wenn der Menschheit das Ziel noch fehlt, fehlt da nicht auch — sie selber noch? —
Also sprach Zarathustra.
Von der Nächstenliebe.
Ihr drängt euch um den Nächsten und habt schöne Worte dafür. Aber ich sage euch: eure Nächstenliebe ist eure schlechte Liebe zu euch selber.
Ihr flüchtet zum Nächsten vor euch selber und möchtet euch daraus eine Tugend machen: aber ich durchschaue euer „Selbstloses“.
Das Du ist älter als das Ich; das Du ist heilig gesprochen, aber noch nicht das Ich: so drängt sich der Mensch hin zum Nächsten.
Rathe ich euch zur Nächstenliebe? Lieber noch rathe ich euch zur Nächsten-Flucht und zur Fernsten-Liebe!
Höher als die Liebe zum Nächsten ist die Liebe zum Fernsten und Künftigen; höher noch als die Liebe zu Menschen ist die Liebe zu Sachen und Gespenstern.
Diess Gespenst, das vor dir herläuft, mein Bruder, ist schöner als du; warum giebst du ihm nicht dein Fleisch und deine Knochen? Aber du fürchtest dich und läufst zu deinem Nächsten.
Ihr haltet es mit euch selber nicht aus und liebt euch nicht genug: nun wollt ihr den Nächsten zur Liebe verführen und euch mit seinem Irrthum vergolden.
Ich wollte, ihr hieltet es nicht aus mit allerlei Nächsten und deren Nachbarn; so müsstet ihr aus euch selber euren Freund und sein überwallendes Herz schaffen.
Ihr ladet euch einen Zeugen ein, wenn ihr von euch gut reden wollt; und wenn ihr ihn verführt habt, gut von euch zu denken, denkt ihr selber gut von euch.
Nicht nur Der lügt, welcher wider sein Wissen redet, sondern erst recht Der, welcher wider sein Nichtwissen redet. Und so redet ihr von euch im Verkehre und belügt mit euch den Nachbar.
Also spricht der Narr: „der Umgang mit Menschen verdirbt den Charakter, sonderlich wenn man keinen hat.“
Der Eine geht zum Nächsten, weil er sich sucht, und der Andre, weil er sich verlieren möchte. Eure schlechte Liebe zu euch selber macht euch aus der Einsamkeit ein Gefängniss.
Die Ferneren sind es, welche eure Liebe zum Nächsten bezahlen; und schon wenn ihr zu fünfen mit einander seid, muss immer ein sechster sterben.
Ich liebe auch eure Feste nicht: zu viel Schauspieler fand ich dabei, und auch die Zuschauer gebärdeten sich oft gleich Schauspielern.
Nicht den Nächsten lehre ich euch, sondern den Freund. Der Freund sei euch das Fest der Erde und ein Vorgefühl des Übermenschen.
Ich lehre euch den Freund und sein übervolles Herz. Aber man muss verstehn, ein Schwamm zu sein, wenn man von übervollen Herzen geliebt sein will.
Ich lehre euch den Freund, in dem die Welt fertig dasteht, eine Schale des Guten, — den schaffenden Freund, der immer eine fertige Welt zu verschenken hat.
Und wie ihm die Welt auseinander rollte, so rollt sie ihm wieder in Ringen zusammen, als das Werden des Guten durch das Böse, als das Werden der Zwecke aus dem Zufalle.
Die Zukunft und das Fernste sei dir die Ursache deines Heute: in deinem Freunde sollst du den Übermenschen als deine Ursache lieben.
Meine Brüder, zur Nächstenliebe rathe ich euch nicht: ich rathe euch zur Fernsten-Liebe.
Also sprach Zarathustra.
Vom Wege des Schaffenden.
Willst du, mein Bruder, in die Vereinsamung gehen? Willst du den Weg zu dir selber suchen? Zaudere noch ein Wenig und höre mich.
„Wer sucht, der geht leicht selber verloren. Alle Vereinsamung ist Schuld“: also spricht die Heerde. Und du gehörtest lange zur Heerde.
Die Stimme der Heerde wird auch in dir noch tönen. Und wenn du sagen wirst „ich habe nicht mehr Ein Gewissen mit euch“, so wird es eine Klage und ein Schmerz sein.
Siehe, diesen Schmerz selber gebar noch das Eine Gewissen: und dieses Gewissens letzter Schimmer glüht noch auf deiner Trübsal.
Aber du willst den Weg deiner Trübsal gehen, welches ist der Weg zu dir selber? So zeige mir dein Recht und deine Kraft dazu!
Bist du eine neue Kraft und ein neues Recht? Eine erste Bewegung? Ein aus sich rollendes Rad? Kannst du auch Sterne zwingen, dass sie um dich sich drehen?
Ach, es giebt so viel Lüsternheit nach Höhe! Es giebt so viel Krämpfe der Ehrgeizigen! Zeige mir, dass du keiner der Lüsternen und Ehrgeizigen bist!
Ach, es giebt so viel grosse Gedanken, die thun nicht mehr als ein Blasebalg: sie blasen auf und machen leerer.
Frei nennst du dich? Deinen herrschenden Gedanken will ich hören und nicht, dass du einem Joche entronnen bist.
Bist du ein Solcher, der einem Joche entrinnen durfte? Es giebt Manchen, der seinen letzten Werth wegwarf, als er seine Dienstbarkeit wegwarf.
Frei wovon? Was schiert das Zarathustra! Hell aber soll mir dein Auge künden: frei wozu?
Kannst du dir selber dein Böses und dein Gutes geben und deinen Willen über dich aufhängen wie ein Gesetz? Kannst du dir selber Richter sein und Rächer deines Gesetzes?
Furchtbar ist das Alleinsein mit dem Richter und Rächer des eignen Gesetzes. Also wird ein Stern hinausgeworfen in den öden Raum und in den eisigen Athem des Alleinseins.
Heute noch leidest du an den Vielen, du Einer: heute noch hast du deinen Muth ganz und deine Hoffnungen.
Aber einst wird dich die Einsamkeit müde machen, einst wird dein Stolz sich krümmen und dein Muth knirschen. Schreien wirst du einst „ich bin allein!“
Einst wirst du dein Hohes nicht mehr sehn und dein Niedriges allzunahe; dein Erhabnes selbst wird dich fürchten machen wie ein Gespenst. Schreien wirst du einst: „Alles ist falsch!“
Es giebt Gefühle, die den Einsamen tödten wollen; gelingt es ihnen nicht, nun, so müssen sie selber sterben! Aber vermagst du das, Mörder zu sein?
Kennst du, mein Bruder, schon das Wort „Verachtung“? Und die Qual deiner Gerechtigkeit, Solchen gerecht zu sein, die dich verachten?
Du zwingst Viele, über dich umzulernen; das rechnen sie dir hart an. Du kamst ihnen nahe und giengst doch vorüber: das verzeihen sie dir niemals.
Du gehst über sie hinaus: aber je höher du steigst, um so kleiner sieht dich das Auge des Neides. Am meisten aber wird der Fliegende gehasst.
„Wie wolltet ihr gegen mich gerecht sein! — musst du sprechen — ich erwähle mir eure Ungerechtigkeit als den mir zugemessnen Theil.“
Ungerechtigkeit und Schmutz werfen sie nach dem Einsamen: aber, mein Bruder, wenn du ein Stern sein willst, so musst du ihnen desshalb nicht weniger leuchten!
Und hüte dich vor den Guten und Gerechten! Sie kreuzigen gerne Die, welche sich ihre eigne Tugend erfinden, — sie hassen den Einsamen.
Hüte dich auch vor der heiligen Einfalt! Alles ist ihr unheilig, was nicht einfältig ist; sie spielt auch gerne mit dem Feuer — der Scheiterhaufen.
Und hüte dich auch vor den Anfällen deiner Liebe! Zu schnell streckt der Einsame Dem die Hand entgegen, der ihm begegnet.
Manchem Menschen darfst du nicht die Hand geben, sondern nur die Tatze: und ich will, dass deine Tatze auch Krallen habe.
Aber der schlimmste Feind, dem du begegnen kannst, wirst du immer dir selber sein; du selber lauerst dir auf in Höhlen und Wäldern.
Einsamer, du gehst den Weg zu dir selber! Und an dir selber führt dein Weg vorbei und an deinen sieben Teufeln!
Ketzer wirst du dir selber sein und Hexe und Wahrsager und Narr und Zweifler und Unheiliger und Bösewicht.
Verbrennen musst du dich wollen in deiner eignen Flamme: wie wolltest du neu werden, wenn du nicht erst Asche geworden bist!
Einsamer, du gehst den Weg des Schaffenden: einen Gott willst du dir schaffen aus deinen sieben Teufeln!
Einsamer, du gehst den Weg des Liebenden: dich selber liebst du und desshalb verachtest du dich, wie nur Liebende verachten.
Schaffen will der Liebende, weil er verachtet! Was weiss Der von Liebe, der nicht gerade verachten musste, was er liebte!
Mit deiner Liebe gehe in deine Vereinsamung und mit deinem Schaffen, mein Bruder; und spät erst wird die Gerechtigkeit dir nachhinken.
Mit meinen Thränen gehe in deine Vereinsamung, mein Bruder. Ich liebe Den, der über sich selber hinaus schaffen will und so zu Grunde geht. —
Also sprach Zarathustra.
Von alten und jungen Weiblein.
„Was schleichst du so scheu durch die Dämmerung, Zarathustra? Und was birgst du behutsam unter deinem Mantel?
„Ist es ein Schatz, der dir geschenkt? Oder ein Kind, das dir geboren wurde? Oder gehst du jetzt selber auf den Wegen der Diebe, du Freund der Bösen?“ —
Wahrlich, mein Bruder! sprach Zarathustra, es ist ein Schatz, der mir geschenkt wurde: eine kleine Wahrheit ist's, die ich trage.
Aber sie ist ungebärdig wie ein junges Kind; und wenn ich ihr nicht den Mund halte, so schreit sie überlaut.
Als ich heute allein meines Weges gieng, zur Stunde, wo die Sonne sinkt, begegnete mir ein altes Weiblein und redete also zu meiner Seele:
„Vieles sprach Zarathustra auch zu uns Weibern, doch nie sprach er uns über das Weib.“
Und ich entgegnete ihr: „über das Weib soll man nur zu Männern reden.“
„Rede auch zu mir vom Weibe, sprach sie; ich bin alt genug, um es gleich wieder zu vergessen.“
Und ich willfahrte dem alten Weiblein und sprach also zu ihm:
Alles am Weibe ist ein Räthsel, und Alles am Weibe hat Eine Lösung: sie heisst Schwangerschaft.
Der Mann ist für das Weib ein Mittel: der Zweck ist immer das Kind. Aber was ist das Weib für den Mann?
Zweierlei will der ächte Mann: Gefahr und Spiel. Desshalb will er das Weib, als das gefährlichste Spielzeug.
Der Mann soll zum Kriege erzogen werden und das Weib zur Erholung des Kriegers: alles Andre ist Thorheit.
Allzusüsse Früchte — die mag der Krieger nicht. Darum mag er das Weib; bitter ist auch noch das süsseste Weib.
Besser als ein Mann versteht das Weib die Kinder, aber der Mann ist kindlicher als das Weib.
Im ächten Manne ist ein Kind versteckt: das will spielen. Auf, ihr Frauen, so entdeckt mir doch das Kind im Manne!
Ein Spielzeug sei das Weib, rein und fein, dem Edelsteine gleich, bestrahlt von den Tugenden einer Welt, welche noch nicht da ist.
Der Strahl eines Sternes glänze in eurer Liebe! Eure Hoffnung heisse: „möge ich den Übermenschen gebären!“
In eurer Liebe sei Tapferkeit! Mit eurer Liebe sollt ihr auf Den losgehn, der euch Furcht einflösst!
In eurer Liebe sei eure Ehre! Wenig versteht sich sonst das Weib auf Ehre. Aber diess sei eure Ehre, immer mehr zu lieben, als ihr geliebt werdet, und nie die Zweiten zu sein.
Der Mann fürchte sich vor dem Weibe, wenn es liebt: da bringt es jedes Opfer, und jedes andre Ding gilt ihm ohne Werth.
Der Mann fürchte sich vor dem Weibe, wenn es hasst: denn der Mann ist im Grunde der Seele nur böse, das Weib aber ist dort schlecht.
Wen hasst das Weib am meisten? — Also sprach das Eisen zum Magneten: „ich hasse dich am meisten, weil du anziehst, aber nicht stark genug bist, an dich zu ziehen.“
Das Glück des Mannes heisst: ich will. Das Glück des Weibes heisst: er will.
„Siehe, jetzt eben ward die Welt vollkommen!“ — also denkt ein jedes Weib, wenn es aus ganzer Liebe gehorcht.
Und gehorchen muss das Weib und eine Tiefe finden zu seiner Oberfläche. Oberfläche ist des Weibes Gemüth, eine bewegliche stürmische Haut auf einem seichten Gewässer.
Des Mannes Gemüth aber ist tief, sein Strom rauscht in unterirdischen Höhlen: das Weib ahnt seine Kraft, aber begreift sie nicht. —
Da entgegnete mir das alte Weiblein: „Vieles Artige sagte Zarathustra und sonderlich für Die, welche jung genug dazu sind.
„Seltsam ist's, Zarathustra kennt wenig die Weiber, und doch hat er über sie Recht! Geschieht diess desshalb, weil beim Weibe kein Ding unmöglich ist?
„Und nun nimm zum Danke eine kleine Wahrheit! Bin ich doch alt genug für sie!
„Wickle sie ein und halte ihr den Mund: sonst schreit sie überlaut, diese kleine Wahrheit.“
„Gieb mir, Weib, deine kleine Wahrheit!“ sagte ich. Und also sprach das alte Weiblein:
„Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!“ —
Also sprach Zarathustra.
Vom Biss der Natter.
Eines Tages war Zarathustra unter einem Feigenbaume eingeschlafen, da es heiss war, und hatte seine Arme über das Gesicht gelegt. Da kam eine Natter und biss ihn in den Hals, so dass Zarathustra vor Schmerz aufschrie. Als er den Arm vom Gesicht genommen hatte, sah er die Schlange an: da erkannte sie die Augen Zarathustra's, wand sich ungeschickt und wollte davon. „Nicht doch, sprach Zarathustra; noch nahmst du meinen Dank nicht an! Du wecktest mich zur Zeit, mein Weg ist noch lang.“ „Dein Weg ist noch kurz, sagte die Natter traurig; mein Gift tödtet.“ Zarathustra lächelte. „Wann starb wohl je ein Drache am Gift einer Schlange? — sagte er. Aber nimm dein Gift zurück! Du bist nicht reich genug, es mir zu schenken.“ Da fiel ihm die Natter von Neuem um den Hals und leckte ihm seine Wunde.
Als Zarathustra diess einmal seinen Jüngern erzählte, fragten sie: „Und was, oh Zarathustra, ist die Moral deiner Geschichte?“ Zarathustra antwortete darauf also:
Den Vernichter der Moral heissen mich die Guten und Gerechten: meine Geschichte ist unmoralisch.
So ihr aber einen Feind habt, so vergeltet ihm nicht Böses mit Gutem: denn das würde beschämen. Sondern beweist, dass er euch etwas Gutes angethan hat.
Und lieber zürnt noch, als dass ihr beschämt! Und wenn euch geflucht wird, so gefällt es mir nicht, dass ihr dann segnen wollt. Lieber ein Wenig mitfluchen!
Und geschah euch ein grosses Unrecht, so thut mir geschwind fünf kleine dazu! Grässlich ist Der anzusehn, den allein das Unrecht drückt.
Wusstet ihr diess schon? Getheiltes Unrecht ist halbes Recht. Und Der soll das Unrecht auf sich nehmen, der es tragen kann!
Eine kleine Rache ist menschlicher, als gar keine Rache. Und wenn die Strafe nicht auch ein Recht und eine Ehre ist für den Übertretenden, so mag ich auch euer Strafen nicht.
Vornehmer ist's, sich Unrecht zu geben als Recht zu behalten, sonderlich wenn man Recht hat. Nur muss man reich genug dazu sein.
Ich mag eure kalte Gerechtigkeit nicht; und aus dem Auge eurer Richter blickt mir immer der Henker und sein kaltes Eisen.
Sagt, wo findet sich die Gerechtigkeit, welche Liebe mit sehenden Augen ist?
So erfindet mir doch die Liebe, welche nicht nur alle Strafe, sondern auch alle Schuld trägt!
So erfindet mir doch die Gerechtigkeit, die Jeden freispricht, ausgenommen den Richtenden!
Wollt ihr auch diess noch hören? An Dem, der von Grund aus gerecht sein will, wird auch noch die Lüge zur Menschen-Freundlichkeit.
Aber wie wollte ich gerecht sein von Grund aus! Wie kann ich Jedem das Seine geben! Diess sei mir genug: ich gebe Jedem das Meine.
Endlich, meine Brüder, hütet euch Unrecht zu thun allen Einsiedlern! Wie könnte ein Einsiedler vergessen! Wie könnte er vergelten!
Wie ein tiefer Brunnen ist ein Einsiedler. Leicht ist es, einen Stein hineinzuwerfen; sank er aber bis zum Grunde, sagt, wer will ihn wieder hinausbringen?
Hütet euch, den Einsiedler zu beleidigen! Thatet ihr's aber, nun, so tödtet ihn auch noch!
Also sprach Zarathustra.
Von Kind und Ehe.
Ich habe eine Frage für dich allein, mein Bruder: wie ein Senkblei werfe ich diese Frage in deine Seele, dass ich wisse, wie tief sie sei.
Du bist jung und wünschest dir Kind und Ehe. Aber ich frage dich: bist du ein Mensch, der ein Kind sich wünschen darf?
Bist du der Siegreiche, der Selbstbezwinger, der Gebieter der Sinne, der Herr deiner Tugenden? Also frage ich dich.
Oder redet aus deinem Wunsche das Thier und die Nothdurft? Oder Vereinsamung? Oder Unfriede mit dir?
Ich will, dass dein Sieg und deine Freiheit sich nach einem Kinde sehne. Lebendige Denkmale sollst du bauen deinem Siege und deiner Befreiung.
Über dich sollst du hinausbauen. Aber erst musst du mir selber gebaut sein, rechtwinklig an Leib und Seele.
Nicht nur fort sollst du dich pflanzen, sondern hinauf! Dazu helfe dir der Garten der Ehe!
Einen höheren Leib sollst du schaffen, eine erste Bewegung, ein aus sich rollendes Rad, — einen Schaffenden sollst du schaffen.
Ehe: so heisse ich den Willen zu Zweien, das Eine zu schaffen, das mehr ist, als die es schufen. Ehrfurcht vor einander nenne ich Ehe als vor den Wollenden eines solchen Willens.
Diess sei der Sinn und die Wahrheit deiner Ehe. Aber Das, was die Viel-zu-Vielen Ehe nennen, diese Überflüssigen, — ach, wie nenne ich das?
Ach, diese Armuth der Seele zu Zweien! Ach, dieser Schmutz der Seele zu Zweien! Ach, diess erbärmliche Behagen zu Zweien!
Ehe nennen sie diess Alles; und sie sagen, ihre Ehen seien im Himmel geschlossen.
Nun, ich mag ihn nicht, diesen Himmel der Überflüssigen! Nein, ich mag sie nicht, diese im himmlischen Netz verschlungenen Thiere!
Ferne bleibe mir auch der Gott, der heranhinkt, zu segnen, was er nicht zusammenfügte!
Lacht mir nicht über solche Ehen! Welches Kind hätte nicht Grund, über seine Eltern zu weinen?
Würdig schien mir dieser Mann und reif für den Sinn der Erde: aber als ich sein Weib sah, schien mir die Erde ein Haus für Unsinnige.
Ja, ich wollte, dass die Erde in Krämpfen bebte, wenn sich ein Heiliger und eine Gans mit einander paaren.
Dieser gieng wie ein Held auf Wahrheiten aus und endlich erbeutete er sich eine kleine geputzte Lüge. Seine Ehe nennt er's.
Jener war spröde im Verkehre und wählte wählerisch. Aber mit Einem Male verdarb er für alle Male seine Gesellschaft: seine Ehe nennt er's.
Jener suchte eine Magd mit den Tugenden eines Engels. Aber mit Einem Male wurde er die Magd eines Weibes, und nun thäte es Noth, dass er darüber noch zum Engel werde.
Sorgsam fand ich jetzt alle Käufer, und Alle haben listige Augen. Aber seine Frau kauft auch der Listigste noch im Sack.
Viele kurze Thorheiten — das heisst bei euch Liebe. Und eure Ehe macht vielen kurzen Thorheiten ein Ende, als Eine lange Dummheit.
Eure Liebe zum Weibe und des Weibes Liebe zum Manne: ach, möchte sie doch Mitleiden sein mit leidenden und verhüllten Göttern! Aber zumeist errathen zwei Thiere einander.
Aber auch noch eure beste Liebe ist nur ein verzücktes Gleichniss und eine schmerzhafte Gluth. Eine Fackel ist sie, die euch zu höheren Wegen leuchten soll.
Über euch hinaus sollt ihr einst lieben! So lernt erst lieben! Und darum musstet ihr den bittern Kelch eurer Liebe trinken.
Bitterniss ist im Kelch auch der besten Liebe: so macht sie Sehnsucht zum Übermenschen, so macht sie Durst dir, dem Schaffenden!
Durst dem Schaffenden, Pfeil und Sehnsucht dem Übermenschen: sprich, mein Bruder, ist diess dein Wille zur Ehe?
Heilig heisst mir solch ein Wille und solche Ehe. —
Also sprach Zarathustra.
Vom freien Tode.
Viele sterben zu spät, und Einige sterben zu früh. Noch klingt fremd die Lehre: „stirb zur rechten Zeit!“
Stirb zur rechten Zeit: also lehrt es Zarathustra.
Freilich, wer nie zur rechten Zeit lebt, wie sollte der je zur rechten Zeit sterben? Möchte er doch nie geboren sein! — Also rathe ich den Überflüssigen.
Aber auch die Überflüssigen thun noch wichtig mit ihrem Sterben, und auch die hohlste Nuss will noch geknackt sein.
Wichtig nehmen Alle das Sterben: aber noch ist der Tod kein Fest. Noch erlernten die Menschen nicht, wie man die schönsten Feste weiht.
Den vollbringenden Tod zeige ich euch, der den Lebenden ein Stachel und ein Gelöbniss wird.
Seinen Tod stirbt der Vollbringende, siegreich, umringt von Hoffenden und Gelobenden.
Also sollte man sterben lernen; und es sollte kein Fest geben, wo ein solcher Sterbender nicht der Lebenden Schwüre weihte!
Also zu sterben ist das Beste; das Zweite aber ist: im Kampfe zu sterben und eine grosse Seele zu verschwenden.
Aber dem Kämpfenden gleich verhasst wie dem Sieger ist euer grinsender Tod, der heranschleicht wie ein Dieb — und doch als Herr kommt.
Meinen Tod lobe ich euch, den freien Tod, der mir kommt, weil ich will.
Und wann werde ich wollen? Wer ein Ziel hat und einen Erben, der will den Tod zur rechten Zeit für Ziel und Erben.
Und aus Ehrfurcht vor Ziel und Erben wird er keine dürren Kränze mehr im Heiligthum des Lebens aufhängen.
Wahrlich, nicht will ich den Seildrehern gleichen: sie ziehen ihren Faden in die Länge und gehen dabei selber immer rückwärts.
Mancher wird auch für seine Wahrheiten und Siege zu alt; ein zahnloser Mund hat nicht mehr das Recht zu jeder Wahrheit.
Und Jeder, der Ruhm haben will, muss sich bei Zeiten von der Ehre verabschieden und die schwere Kunst üben, zur rechten Zeit zu — gehn.
Man muss aufhören, sich essen zu lassen, wenn man am besten schmeckt: das wissen Die, welche lange geliebt werden wollen.
Saure Äpfel giebt es freilich, deren Loos will, dass sie bis auf den letzten Tag des Herbstes warten: und zugleich werden sie reif, gelb und runzelig.
Andern altert das Herz zuerst und Andern der Geist. Und Einige sind greis in der Jugend: aber spät jung erhält lang jung.
Manchem missräth das Leben: ein Giftwurm frisst sich ihm an's Herz. So möge er zusehn, dass ihm das Sterben um so mehr gerathe.
Mancher wird nie süss, er fault im Sommer schon. Feigheit ist es, die ihn an seinem Aste festhält.
Viel zu Viele leben und viel zu lange hängen sie an ihren Ästen. Möchte ein Sturm kommen, der all diess Faule und Wurmfressne vom Baume schüttelt!
Möchten Prediger kommen des schnellen Todes! Das wären mir die rechten Stürme und Schüttler an Lebensbäumen! Aber ich höre nur den langsamen Tod predigen und Geduld mit allem „Irdischen“.
Ach, ihr predigt Geduld mit dem Irdischen? Dieses Irdische ist es, das zu viel Geduld mit euch hat, ihr Lästermäuler!
Wahrlich, zu früh starb jener Hebräer, den die Prediger des langsamen Todes ehren: und Vielen ward es seitdem zum Verhängniss, dass er zu früh starb.
Noch kannte er nur Thränen und die Schwermuth des Hebräers, sammt dem Hasse der Guten und Gerechten, — der Hebräer Jesus: da überfiel ihn die Sehnsucht zum Tode.
Wäre er doch in der Wüste geblieben und ferne von den Guten und Gerechten! Vielleicht hätte er leben gelernt und die Erde lieben gelernt — und das Lachen dazu!
Glaubt es mir, meine Brüder! Er starb zu früh; er selber hätte seine Lehre widerrufen, wäre er bis zu meinem Alter gekommen! Edel genug war er zum Widerrufen!
Aber ungereift war er noch. Unreif liebt der Jüngling und unreif hasst er auch Mensch und Erde. Angebunden und schwer ist ihm noch Gemüth und Geistesflügel.
Aber im Manne ist mehr Kind als im Jünglinge, und weniger Schwermuth: besser versteht er sich auf Tod und Leben.
Frei zum Tode und frei im Tode, ein heiliger Nein-sager, wenn es nicht Zeit mehr ist zum Ja: also versteht er sich auf Tod und Leben.
Dass euer Sterben keine Lästerung sei auf Mensch und Erde, meine Freunde: das erbitte ich mir von dem Honig eurer Seele.
In eurem Sterben soll noch euer Geist und eure Tugend glühn, gleich einem Abendroth um die Erde: oder aber das Sterben ist euch schlecht gerathen.
Also will ich selber sterben, dass ihr Freunde um meinetwillen die Erde mehr liebt; und zur Erde will ich wieder werden, dass ich in Der Ruhe habe, die mich gebar.
Wahrlich, ein Ziel hatte Zarathustra, er warf seinen Ball: nun seid ihr Freunde meines Zieles Erbe, euch werfe ich den goldenen Ball zu.
Lieber als Alles sehe ich euch, meine Freunde, den goldenen Ball werfen! Und so verziehe ich noch ein Wenig auf Erden: verzeiht es mir!
Also sprach Zarathustra.
Von der schenkenden Tugend.
1 Als Zarathustra von der Stadt Abschied genommen hatte, welcher sein Herz zugethan war und deren Name lautet: „die bunte Kuh“ — folgten ihm Viele, die sich seine Jünger nannten und gaben ihm das Geleit. Also kamen sie an einen Kreuzweg: da sagte ihnen Zarathustra, dass er nunmehr allein gehen wolle; denn er war ein Freund des Alleingehens. Seine Jünger aber reichten ihm zum Abschiede einen Stab, an dessen goldnem Griffe sich eine Schlange um die Sonne ringelte. Zarathustra freute sich des Stabes und stützte sich darauf; dann sprach er also zu seinen Jüngern.
Sagt mir doch: wie kam Gold zum höchsten Werthe? Darum, dass es ungemein ist und unnützlich und leuchtend und mild im Glanze; es schenkt sich immer.
Nur als Abbild der höchsten Tugend kam Gold zum höchsten Werthe. Goldgleich leuchtet der Blick dem Schenkenden. Goldes-Glanz schliesst Friede zwischen Mond und Sonne.
Ungemein ist die höchste Tugend und unnützlich, leuchtend ist sie und mild im Glanze: eine schenkende Tugend ist die höchste Tugend.
Wahrlich, ich errathe euch wohl, meine Jünger: ihr trachtet, gleich mir, nach der schenkenden Tugend. Was hättet ihr mit Katzen und Wölfen gemeinsam?
Das ist euer Durst, selber zu Opfern und Geschenken zu werden: und darum habt ihr den Durst, alle Reichthümer in eure Seele zu häufen.
Unersättlich trachtet eure Seele nach Schätzen und Kleinodien, weil eure Tugend unersättlich ist im Verschenken-Wollen.
Ihr zwingt alle Dinge zu euch und in euch, dass sie aus eurem Borne zurückströmen sollen als die Gaben eurer Liebe.
Wahrlich, zum Räuber an allen Werthen muss solche schenkende Liebe werden; aber heil und heilig heisse ich diese Selbstsucht.
Eine andre Selbstsucht giebt es, eine allzuarme, eine hungernde, die immer stehlen will, jene Selbstsucht der Kranken, die kranke Selbstsucht.
Mit dem Auge des Diebes blickt sie auf alles Glänzende; mit der Gier des Hungers misst sie Den, der reich zu essen hat; und immer schleicht sie um den Tisch der Schenkenden.
Krankheit redet aus solcher Begierde und unsichtbare Entartung; von siechem Leibe redet die diebische Gier dieser Selbstsucht.
Sagt mir, meine Brüder: was gilt uns als Schlechtes und Schlechtestes? Ist es nicht Entartung? — Und auf Entartung rathen wir immer, wo die schenkende Seele fehlt.
Aufwärts geht unser Weg, von der Art hinüber zur Über-Art. Aber ein Grauen ist uns der entartende Sinn, welcher spricht: „Alles für mich.“
Aufwärts fliegt unser Sinn: so ist er ein Gleichniss unsres Leibes, einer Erhöhung Gleichniss. Solcher Erhöhungen Gleichnisse sind die Namen der Tugenden.
Also geht der Leib durch die Geschichte, ein Werdender und ein Kämpfender. Und der Geist — was ist er ihm? Seiner Kämpfe und Siege Herold, Genoss und Wiederhall.
Gleichnisse sind alle Namen von Gut und Böse: sie sprechen nicht aus, sie winken nur. Ein Thor, welcher von ihnen Wissen will!
Achtet mir, meine Brüder, auf jede Stunde, wo euer Geist in Gleichnissen reden will: da ist der Ursprung eurer Tugend.
Erhöht ist da euer Leib und auferstanden; mit seiner Wonne entzückt er den Geist, dass er Schöpfer wird und Schätzer und Liebender und aller Dinge Wohlthäter.
Wenn euer Herz breit und voll wallt, dem Strome gleich, ein Segen und eine Gefahr den Anwohnenden: da ist der Ursprung eurer Tugend.
Wenn ihr erhaben seid über Lob und Tadel, und euer Wille allen Dingen befehlen will, als eines Liebenden Wille: da ist der Ursprung eurer Tugend.
Wenn ihr das Angenehme verachtet und das weiche Bett, und von den Weichlichen euch nicht weit genug betten könnt: da ist der Ursprung eurer Tugend.
Wenn ihr Eines Willens Wollende seid, und diese Wende aller Noth euch Nothwendigkeit heisst: da ist der Ursprung eurer Tugend.
Wahrlich, ein neues Gutes und Böses ist sie! Wahrlich, ein neues tiefes Rauschen und eines neuen Quelles Stimme!
Macht ist sie, diese neue Tugend; ein herrschender Gedanke ist sie und um ihn eine kluge Seele: eine goldene Sonne und um sie die Schlange der Erkenntniss.
2 Hier schwieg Zarathustra eine Weile und sah mit Liebe auf seine Jünger. Dann fuhr er also fort zu reden: — und seine Stimme hatte sich verwandelt.
Bleibt mir der Erde treu, meine Brüder, mit der Macht eurer Tugend! Eure schenkende Liebe und eure Erkenntniss diene dem Sinn der Erde! Also bitte und beschwöre ich euch.
Lasst sie nicht davon fliegen vom Irdischen und mit den Flügeln gegen ewige Wände schlagen! Ach, es gab immer so viel verflogene Tugend!
Führt, gleich mir, die verflogene Tugend zur Erde zurück — ja, zurück zu Leib und Leben: dass sie der Erde ihren Sinn gebe, einen Menschen-Sinn!
Hundertfältig verflog und vergriff sich bisher so Geist wie Tugend. Ach, in unserm Leibe wohnt jetzt noch all dieser Wahn und Fehlgriff: Leib und Wille ist er da geworden.
Hundertfältig versuchte und verirrte sich bisher so Geist wie Tugend. Ja, ein Versuch war der Mensch. Ach, viel Unwissen und Irrthum ist an uns Leib geworden!
Nicht nur die Vernunft von Jahrtausenden — auch ihr Wahnsinn bricht an uns aus. Gefährlich ist es, Erbe zu sein.
Noch kämpfen wir Schritt um Schritt mit dem Riesen Zufall, und über der ganzen Menschheit waltete bisher noch der Unsinn, der Ohne-Sinn.
Euer Geist und eure Tugend diene dem Sinn der Erde, meine Brüder: und aller Dinge Werth werde neu von euch gesetzt! Darum sollt ihr Kämpfende sein! Darum sollt ihr Schaffende sein!
Wissend reinigt sich der Leib; mit Wissen versuchend erhöht er sich; dem Erkennenden heiligen sich alle Triebe; dem Erhöhten wird die Seele fröhlich.
Arzt, hilf dir selber: so hilfst du auch deinem Kranken noch. Das sei seine beste Hülfe, dass er Den mit Augen sehe, der sich selber heil macht.
Tausend Pfade giebt es, die nie noch gegangen sind; tausend Gesundheiten und verborgene Eilande des Lebens. Unerschöpft und unentdeckt ist immer noch Mensch und Menschen-Erde.
Wachet und horcht, ihr Einsamen! Von der Zukunft her kommen Winde mit heimlichem Flügelschlagen; und an feine Ohren ergeht gute Botschaft.
Ihr Einsamen von heute, ihr Ausscheidenden, ihr sollt einst ein Volk sein: aus euch, die ihr euch selber auswähltet, soll ein auserwähltes Volk erwachsen: — und aus ihm der Übermensch.
Wahrlich, eine Stätte der Genesung soll noch die Erde werden! Und schon liegt ein neuer Geruch um sie, ein Heil bringender, — und eine neue Hoffnung!
3 Als Zarathustra diese Worte gesagt hatte, schwieg er, wie Einer, der nicht sein letztes Wort gesagt hat; lange wog er den Stab zweifelnd in seiner Hand. Endlich sprach er also: — und seine Stimme hatte sich verwandelt.
Allein gehe ich nun, meine Jünger! Auch ihr geht nun davon und allein! So will ich es.
Wahrlich, ich rathe euch: geht fort von mir und wehrt euch gegen Zarathustra! Und besser noch: schämt euch seiner! Vielleicht betrog er euch.
Der Mensch der Erkenntniss muss nicht nur seine Feinde lieben, sondern auch seine Freunde hassen können.
Man vergilt einem Lehrer schlecht, wenn man immer nur der Schüler bleibt. Und warum wollt ihr nicht an meinem Kranze rupfen?
Ihr verehrt mich; aber wie, wenn eure Verehrung eines Tages umfällt? Hütet euch, dass euch nicht eine Bildsäule erschlage!
Ihr sagt, ihr glaubt an Zarathustra? Aber was liegt an Zarathustra! Ihr seid meine Gläubigen: aber was liegt an allen Gläubigen!
Ihr hattet euch noch nicht gesucht: da fandet ihr mich. So thun alle Gläubigen; darum ist es so wenig mit allem Glauben.
Nun heisse ich euch, mich verlieren und euch finden; und erst, wenn ihr mich Alle verleugnet habt, will ich euch wiederkehren.
Wahrlich, mit andern Augen, meine Brüder, werde ich mir dann meine Verlorenen suchen; mit einer anderen Liebe werde ich euch dann lieben.
Und einst noch sollt ihr mir Freunde geworden sein und Kinder Einer Hoffnung: dann will ich zum dritten Male bei euch sein, dass ich den grossen Mittag mit euch feiere.
Und das ist der grosse Mittag, da der Mensch auf der Mitte seiner Bahn steht zwischen Thier und Übermensch und seinen Weg zum Abende als seine höchste Hoffnung feiert: denn es ist der Weg zu einem neuen Morgen.
Alsda wird sich der Untergehende selber segnen, dass er ein Hinübergehender sei; und die Sonne seiner Erkenntniss wird ihm im Mittage stehn.
„Todt sind alle Götter: nun wollen wir, dass der Übermensch lebe.“ — diess sei einst am grossen Mittage unser letzter Wille! —
Also sprach Zarathustra.
Zarathustra’s Discourses
On the Three Transformations
I name for you three transformations of the spirit: how the spirit becomes a camel, the camel a lion, and at last the lion a child.
There are many heavy burdens for the spirit, the strong, enduring spirit in which reverence dwells: its strength longs for the heavy and the heaviest.
“What is heavy?” asks the enduring spirit, kneeling like a camel and wishing to be well laden.
“What is heaviest, you heroes?” asks the enduring spirit. “Let me take it upon myself and rejoice in my strength.
“Is it not this: to humble oneself in order to wound one’s pride? To let one’s folly shine in order to mock one’s wisdom?
“Or this: to desert our cause when it celebrates its victory? To climb high mountains in order to tempt the tempter?
“Or this: to feed on the acorns and grass of knowledge, and suffer hunger in the soul for truth’s sake?
“Or this: to be ill and send the comforters away, and make friends with the deaf, who never hear what you want?
“Or this: to step into dirty water if it is the water of truth, and not drive away the cold frogs and hot toads?
“Or this: to love those who despise us, and offer the ghost a hand when it tries to frighten us?”
All these heaviest burdens the enduring spirit takes upon itself: like the camel hurrying laden into the desert, it hurries into its desert.
But in the loneliest desert the second transformation takes place: here the spirit becomes a lion; it means to seize freedom as its prey and be master in its own desert.
Here it seeks its last master: it means to become the enemy of that master and of its last God, and wrestle for victory with the great dragon.
What is the great dragon that the spirit no longer wishes to call master and God? “You must” is the great dragon’s name. But the lion’s spirit says, “I will.”
“You must” lies in its path, a scaled beast glittering with gold; and on every scale the golden words shine: “You must!”
Values a thousand years old gleam on those scales, and the mightiest of all dragons speaks: “All the value of things—it gleams upon me.”
“All value has already been created, and all created value—that is what I am. Truly, there must be no more ‘I will’!” Thus speaks the dragon.
My brothers, why is the lion needed in the spirit? Why is the burden-bearing animal, reverent and renouncing, not enough?
To create new values—even the lion cannot yet do that. But to create freedom for new creation—that the lion’s power can do.
To create freedom and a sacred No even before duty: for that, my brothers, the lion is needed.
To seize the right to new values—that is the most terrible seizure for an enduring and reverent spirit. Truly, to such a spirit it is robbery, the work of a beast of prey.
Once it loved “You must” as its holiest possession: now it must find delusion and caprice even in the holiest, in order to wrest freedom from its love. The lion is needed for this robbery.
But tell me, my brothers: what can the child do that even the lion could not? Why must the predatory lion become a child as well?
The child is innocence and forgetting, a new beginning, a game, a wheel rolling out of itself, a first movement, a sacred Yes.
Yes, for the game of creation, my brothers, a sacred Yes is needed: now the spirit wills its own will; the one lost to the world wins its own world.
I have named for you three transformations of the spirit: how the spirit became a camel, the camel a lion, and at last the lion a child.— —
Thus spoke Zarathustra. And at that time he was staying in the town called the Motley Cow.
On the Teaching Chairs of Virtue
People praised to Zarathustra a sage who knew how to speak well of sleep and virtue: for this he was greatly honored and rewarded, and all the young men sat before his teaching chair. Zarathustra went to him and sat before his chair with all the young men. And the sage spoke:
“Honor and modesty before sleep! That comes first! And keep out of the way of anyone who sleeps badly and stays awake at night!
“Even the thief is modest before sleep: he always steals softly through the night. But the night watchman is shameless; shamelessly he carries his horn.
“Sleeping is no small art: for its sake one must stay awake all day.
“Ten times a day you must overcome yourself: that brings a wholesome weariness and is the soul’s poppy.
“Ten times you must make peace with yourself again: for overcoming is bitter, and the unreconciled sleep badly.
“Ten truths a day you must find: otherwise you will still be searching for truth at night, and your soul will remain hungry.
“Ten times a day you must laugh and be cheerful: otherwise your stomach will disturb you at night, that father of melancholy.
“Few know this, but one must possess all the virtues to sleep well. Shall I bear false witness? Shall I commit adultery?
“Shall I covet my neighbor’s maidservant? None of that would sit well with sound sleep.
“And even if one possesses all the virtues, one must understand one more thing: how to send the virtues themselves to sleep at the proper time.
“So that those well-behaved little women do not quarrel with one another—and over you, you unfortunate man!
“Peace with God and one’s neighbor: sound sleep requires it. And peace with the neighbor’s devil as well! Otherwise he will haunt you at night.
“Honor and obedience to authority, even crooked authority! Sound sleep requires it. Is it my fault that power likes to walk on crooked legs?
“To me, the best shepherd will always be the one who leads his sheep to the greenest meadow: that agrees with sound sleep.
“I want neither many honors nor great treasures: they inflame the spleen. But one sleeps badly without a good name and a little treasure.
“A small gathering is more welcome to me than a bad one: but it must come and go at the proper time. That agrees with sound sleep.
“I am also very fond of the poor in spirit: they promote sleep. Blessed are they, especially if one always agrees with them.
“Thus the day passes for the virtuous. But when night comes, I take care not to summon sleep! Sleep does not want to be summoned: sleep is the master of the virtues!
“Instead, I think over what I have done and thought during the day. Chewing it over, patient as a cow, I ask myself: What were your ten overcomings?
“And what were the ten reconciliations, the ten truths, and the ten bursts of laughter with which my heart feasted?
“As I ponder these things, rocked by forty thoughts, sleep suddenly falls upon me, the unbidden one, the master of the virtues.
“Sleep taps upon my eye: it grows heavy. Sleep touches my mouth: it stays open.
“Truly, on soft soles it comes to me, the dearest of thieves, and steals my thoughts: I stand as stupid as this teaching chair.
“But I do not stand for long: already I am lying down.”—
Hearing the sage speak, Zarathustra laughed within his heart: for a light had dawned on him. And he said to his heart:
“To me this sage with his forty thoughts is a fool: but I believe he understands sleeping well.
“Happy, indeed, whoever lives near this sage! Such sleep is contagious: it spreads even through a thick wall.
“A spell dwells even in his teaching chair. And not in vain did the young men sit before this preacher of virtue.
“His wisdom means: stay awake in order to sleep well. And truly, if life had no meaning and I had to choose nonsense, this would be the nonsense most worth choosing, even for me.
“Now I see clearly what people once sought above all when they sought teachers of virtue. They sought sound sleep, and poppy-flowered virtues to go with it!
“For all these celebrated sages of the teaching chair, wisdom was dreamless sleep: they knew no better meaning of life.
“Even today, no doubt, there are some like this preacher of virtue, and not always so honest: but their time is over. They will not stand much longer: already they are lying down.
“Blessed are these sleepy ones: for soon they will nod off.”—
Thus spoke Zarathustra.
On Believers in Other Worlds
Once Zarathustra too cast his delusion beyond humanity, like all believers in other worlds. Then the world seemed to me the work of a suffering, tormented God.
Then the world seemed to me the dream and invention of a God: colored smoke before the eyes of a divinely dissatisfied being.
Good and evil, joy and suffering, I and you—colored smoke, I thought, before creative eyes. The creator wished to look away from himself—and so he created the world.
For the sufferer it is a drunken delight to look away from suffering and lose oneself. A drunken delight and a losing of oneself: that is what I once thought the world was.
This world, eternally imperfect, an image—and an imperfect image—of an eternal contradiction: a drunken delight for its imperfect creator. That is what I once thought the world was.
Thus I too once cast my delusion beyond humanity, like all believers in other worlds. Truly beyond humanity?
Ah, my brothers, this God I created was human handiwork and human madness, like all gods!
Human he was, and only a poor piece of human and I: this ghost came to me from my own ashes and fire, and truly it did not come to me from beyond!
What happened, my brothers? I overcame myself, the sufferer; I carried my own ashes into the mountains; I invented a brighter flame for myself. And look! The ghost withdrew from me!
Now, recovered, I would find suffering and torment in believing such ghosts: now it would mean suffering and humiliation. This is what I say to believers in other worlds.
Suffering and incapacity created all other worlds—and that brief madness of happiness known only to the deepest sufferer.
Weariness that wants to reach the ultimate in a single leap, a death leap; a poor, ignorant weariness that no longer even wants to want: that created all gods and other worlds.
Believe me, my brothers! It was the body that despaired of the body—that felt along the final walls with the fingers of a deluded spirit.
Believe me, my brothers! It was the body that despaired of the earth—that heard the belly of being speak to it.
And then it wanted to break headfirst through the final walls, and not with its head alone—across into “that world.”
But “that world” is well hidden from humanity, that dehumanized, inhuman world that is a heavenly nothing; and the belly of being does not speak to humanity at all, except as a human being.
Truly, all being is hard to prove and hard to make speak. Tell me, my brothers: is not the strangest of all things still the best proved?
Yes, this I, with its contradiction and confusion, still speaks most honestly of its being—this creating, willing, valuing I, which is the measure and value of things.
And this most honest being, the I, speaks of the body and still wants the body, even when it invents and raves and flutters with broken wings.
The I learns to speak ever more honestly: and the more it learns, the more words and honors it finds for body and earth.
My I taught me a new pride, which I teach humanity: no longer to bury one’s head in the sand of heavenly things, but to carry it freely, an earthly head that creates meaning for the earth!
I teach humanity a new will: to will this path that human beings have walked blindly, to call it good, and no longer creep aside from it like the sick and the dying!
The sick and the dying despised body and earth, and invented heavenly things and redeeming drops of blood: yet even these sweet and gloomy poisons they took from body and earth!
They wanted to escape their misery, and the stars were too far away. Then they sighed, “If only there were heavenly paths by which to slip into another being and happiness!” And so they invented their secret ways and little potions of blood!
They imagined themselves transported beyond their bodies and this earth, these ungrateful ones. Yet to what did they owe the convulsion and delight of their transport? To their bodies and this earth.
Zarathustra is gentle with the sick. Truly, he is not angry at their ways of finding comfort or showing ingratitude. May they become convalescents and overcomers, and create a higher body for themselves!
Nor is Zarathustra angry with the convalescent who looks tenderly back upon a delusion and steals at midnight around the grave of a God: but even those tears remain sickness and a sick body to me.
There have always been many sickly people among those who invent and crave God; they hate the knower furiously, and that youngest of virtues whose name is honesty.
They always look backward toward dark ages: then, of course, delusion and faith were another matter; the frenzy of reason was likeness to God, and doubt was sin.
I know these godlike people all too well: they want to be believed in, and doubt to be a sin. All too well I also know what they themselves believe in most.
Truly, not other worlds and redeeming drops of blood: they too believe most in the body, and their own body is their thing-in-itself.
But to them it is a sickly thing: they would gladly leap out of their skins. That is why they listen to the preachers of death, and preach other worlds themselves.
Listen instead, my brothers, to the voice of the healthy body: it is a more honest and a purer voice.
More honestly and purely speaks the healthy body, the perfect body, squarely built: and it speaks of the earth’s meaning.
Thus spoke Zarathustra.
On Those Who Despise the Body
I will speak my word to those who despise the body. I do not ask them to learn anew or teach anew, but only to bid farewell to their own bodies—and thus fall silent.
“I am body and soul,” says the child. And why should one not speak like children?
But the awakened one, the knower, says: I am body through and through, and nothing besides; and soul is only a word for something about the body.
The body is a great reason, a multiplicity with one sense, a war and a peace, a herd and a shepherd.
Your little reason too, my brother, which you call “spirit,” is an instrument of your body, a little instrument and plaything of your great reason.
You say “I” and are proud of this word. But the greater thing, which you refuse to believe in, is your body and its great reason: it does not say I, but does I.
What the senses feel, what the spirit knows, never has its end within itself. Yet senses and spirit would persuade you that they are the end of all things: so vain are they.
Senses and spirit are instruments and playthings: behind them still lies the self. The self searches with the eyes of the senses too; it listens with the ears of the spirit too.
The self is always listening and searching: it compares, subdues, conquers, destroys. It rules, and is also the ruler of the I.
Behind your thoughts and feelings, my brother, stands a mighty ruler, an unknown sage—whose name is self. It dwells in your body; it is your body.
There is more reason in your body than in your finest wisdom. And who knows why your body needs precisely your finest wisdom?
Your self laughs at your I and its proud leaps. “What are these leaps and flights of thought to me?” it says to itself. “A detour toward my purpose. I am the I’s leading string and the prompter of its concepts.”
The self says to the I, “Feel pain here!” And the I suffers and thinks how to suffer no more—and that is precisely why it is supposed to think.
The self says to the I, “Feel pleasure here!” Then the I rejoices and thinks how to rejoice often again—and that is precisely why it is supposed to think.
I will say a word to those who despise the body. Their contempt is born of their esteem. What created esteem and contempt, value and will?
The creating self created esteem and contempt for itself; it created pleasure and pain for itself. The creating body created spirit for itself as a hand of its will.
Even in your folly and contempt, you despisers of the body, you serve your self. I tell you: your self itself wants to die and turns away from life.
It can no longer do what it most wants: create beyond itself. That is what it most wants; that is all its ardor.
But now it is too late for that—so your self wants to go under, you despisers of the body.
Your self wants to go under, and that is why you became despisers of the body! For you can no longer create beyond yourselves.
And that is why you are now angry with life and the earth. An unconscious envy lives in the sidelong glance of your contempt.
I do not follow your way, you despisers of the body! To me you are no bridges to the overhuman!—
Thus spoke Zarathustra.
On Passions of Joy and Suffering
My brother, if you have a virtue, and it is your virtue, then you share it with no one.
Of course you want to call it by name and caress it; you want to tug its ear and amuse yourself with it.
And look! Now you share its name with the people, and with your virtue you have become people and herd!
You would do better to say: “Unspeakable and nameless is what makes torment and sweetness for my soul, and is also the hunger of my entrails.”
Let your virtue be too high for the familiarity of names: and if you must speak of it, do not be ashamed to stammer.
Then speak and stammer: “This is my good; I love it; this way it pleases me entirely; this alone is how I will the good.
“I do not want it as a God’s law, nor as a human ordinance and necessity: let it be no signpost for me toward worlds above the earth and paradises.
“It is an earthly virtue that I love: there is little cleverness in it, and least of all the reason of everyone.
“But this bird built its nest with me: that is why I love and cherish it—now it sits with me upon its golden eggs.”
This is how you should stammer and praise your virtue.
Once you had passions and called them evil. But now you have only your virtues: they grew out of your passions.
You laid your highest goal upon the hearts of these passions: then they became your virtues and passions of joy.
And whether you came from the race of the quick-tempered, the lustful, the fanatically faithful, or the vengeful:
In the end all your passions became virtues, and all your devils angels.
Once you had wild dogs in your cellar: but in the end they changed into birds and lovely songstresses.
From your poisons you brewed your balm; you milked your cow, Melancholy—now you drink the sweet milk from her udder.
And henceforth nothing evil grows out of you, except the evil that grows from the struggle of your virtues.
My brother, if you are fortunate, you have one virtue and no more: then you cross the bridge more lightly.
To have many virtues is a distinction, but a heavy fate; and many have gone into the desert and killed themselves because they were weary of being the battle and battlefield of virtues.
My brother, are war and battle evil? Yet this evil is necessary; necessary are the envy and mistrust and slander among your virtues.
Look how each of your virtues desires the highest place: it wants your whole spirit as its herald; it wants all your strength in anger, hatred, and love.
Each virtue is jealous of the others, and jealousy is a terrible thing. Even virtues can perish of jealousy.
Whoever is encircled by jealousy’s flame turns at last, like the scorpion, the poisoned sting against themselves.
Ah, my brother, have you never seen a virtue slander and stab itself?
The human being is something that must be overcome: and that is why you should love your virtues—for through them you will perish.—
Thus spoke Zarathustra.
On the Pale Criminal
You judges and sacrificers will not kill before the animal has nodded? Look, the pale criminal has nodded: great contempt speaks from his eye.
“My I is something that must be overcome: my I is to me the great contempt for humanity.” That is what speaks from this eye.
His highest moment was when he judged himself: do not let the exalted one sink back into his lowliness!
There is no deliverance for one who suffers so from himself, except a swift death.
Let your killing, you judges, be pity and not revenge. And as you kill, take care that you yourselves justify life!
It is not enough to make peace with the one you kill. Let your sadness be love for the overhuman: thus you justify your continuing to live!
Say “enemy,” but not “villain”; say “sick,” but not “scoundrel”; say “fool,” but not “sinner.”
And you, red judge, if you wished to say aloud everything you have already done in thought, everyone would cry, “Away with this filth and poisonous worm!”
But thought is one thing, the deed another, and the image of the deed another still. The wheel of causation does not roll between them.
An image made this pale man pale. He was equal to his deed when he did it: but once it was done, he could not bear its image.
Now he always saw himself as the doer of one deed. I call this madness: the exception became his essence.
A line holds the hen spellbound; the stroke he struck held his poor reason spellbound—I call this madness after the deed.
Listen, you judges! There is another madness as well: the madness before the deed. Ah, you have not crawled deep enough into this soul!
The red judge says, “Why did this criminal murder? He wanted to rob.” But I tell you: his soul wanted blood, not robbery; he thirsted for the happiness of the knife!
But his poor reason did not understand this madness, and persuaded him. “What does blood matter?” it said. “Will you not at least commit a robbery along with it? Take revenge?”
And he listened to his poor reason: its words lay on him like lead—and so he robbed as he murdered. He did not want to be ashamed of his madness.
And now the lead of his guilt lies on him again, and again his poor reason is so rigid, so paralyzed, so heavy.
If only he could shake his head, his burden would roll away: but who will shake this head?
What is this man? A heap of diseases reaching out through the spirit into the world: there they mean to seize their prey.
What is this man? A tangle of wild serpents that rarely find peace together—so they go their separate ways and seek prey in the world.
Look at this poor body! What it suffered and desired, this poor soul interpreted for itself—as murderous pleasure and craving for the happiness of the knife.
Whoever falls sick now is assailed by the evil that is evil now: with what hurts him, he wants to hurt others. But there were other times, and another evil and good.
Once doubt was evil, and the will to selfhood. Then the sick person became a heretic or witch: as heretic and witch, the sufferer suffered and wanted to make others suffer.
But this will not enter your ears: it harms your good people, you tell me. Yet what do your good people matter to me?
Much in your good people disgusts me, and truly not their evil. If only they had a madness through which they perished, like this pale criminal!
Truly, I wish their madness were called truth or loyalty or justice: but they have their virtue in order to live long, in a pitiful contentment.
I am a railing beside the torrent: whoever can grasp me, let them grasp me! But I am not your crutch.—
Thus spoke Zarathustra.
On Reading and Writing
Of all that is written, I love only what someone writes with their blood. Write with blood, and you will discover that blood is spirit.
It is not easy to understand another’s blood: I hate idle readers.
Whoever knows the reader does nothing more for the reader. Another century of readers—and spirit itself will stink.
That everyone is allowed to learn to read will in the long run spoil not only writing, but thinking too.
Once spirit was God, then it became human, and now it is becoming rabble as well.
Whoever writes in blood and sayings wants not to be read, but to be learned by heart.
In the mountains the shortest way is from summit to summit: but for that you must have long legs. Let sayings be summits, and those addressed be great and tall.
The air thin and pure, danger close, and the spirit filled with cheerful malice: these things go well together.
I want goblins around me, for I am courageous. Courage that drives ghosts away creates goblins for itself—courage wants to laugh.
I no longer feel with you: this cloud I see beneath me, this blackness and heaviness I laugh at—that is your thundercloud.
You look upward when you long to be uplifted. And I look down, because I am uplifted.
Which of you can laugh and be uplifted at once?
Whoever climbs the highest mountains laughs at all tragic plays and tragic solemnity.
Courageous, carefree, mocking, violent—that is how wisdom wants us: she is a woman and always loves only a warrior.
You tell me, “Life is hard to bear.” But why else would you have your pride in the morning and your submission in the evening?
Life is hard to bear: then stop acting so delicately! We are all fine burden-bearing donkeys, male and female.
What have we in common with the rosebud that trembles because a drop of dew lies upon its body?
It is true: we love life, not because we are accustomed to life, but because we are accustomed to loving.
There is always some madness in love. But there is always some reason in madness too.
And to me too, who am well disposed toward life, butterflies and soap bubbles, and their kind among human beings, seem to know most about happiness.
To see these light, foolish, delicate, nimble little souls fluttering—that tempts Zarathustra to tears and songs.
I would believe only in a God who knew how to dance.
And when I saw my devil, I found him earnest, thorough, deep, solemn: he was the spirit of gravity—through him all things fall.
One kills not with anger, but with laughter. Come, let us kill the spirit of gravity!
I have learned to walk: since then I let myself run. I have learned to fly: since then I need no push to set me moving.
Now I am light; now I fly; now I see myself beneath myself; now a God dances through me.
Thus spoke Zarathustra.
On the Tree on the Mountain
Zarathustra had noticed a young man avoiding him. One evening, walking alone through the mountains surrounding the town called the Motley Cow, he found this young man seated against a tree, gazing wearily into the valley. Zarathustra took hold of the tree beside him and spoke:
“If I wanted to shake this tree with my hands, I could not do it.
“But the wind we cannot see torments and bends it wherever it will. Invisible hands bend and torment us most cruelly.”
Then the young man rose in alarm and said, “I hear Zarathustra, and I was just thinking of him.” Zarathustra replied:
“Why should that frighten you? But the human being is like the tree.
“The more it wants to rise into height and light, the more strongly its roots strive earthward, downward, into darkness, depth—into evil.”
“Yes, into evil!” cried the young man. “How is it possible that you have discovered my soul?”
Zarathustra smiled and said, “Some souls will never be discovered unless one first invents them.”
“Yes, into evil!” the young man cried again.
“You spoke the truth, Zarathustra. Since I began wanting to rise, I no longer trust myself, and no one trusts me anymore—how does this happen?
“I change too quickly: my today refutes my yesterday. I often leap over steps as I climb—and no step forgives me.
“When I reach the heights, I always find myself alone. No one speaks to me; the frost of solitude makes me tremble. What do I want in the heights?
“My contempt and my longing grow together; the higher I climb, the more I despise the climber. What does he want in the heights?
“How ashamed I am of my climbing and stumbling! How I mock my labored panting! How I hate the one who flies! How weary I am in the heights!”
Here the young man fell silent. And Zarathustra contemplated the tree beside them and spoke:
“This tree stands solitary here on the mountainside; it has grown high above human and animal.
“And if it wished to speak, it would have no one who understood it: so high it has grown.
“Now it waits and waits—what is it waiting for? It dwells too near the clouds’ seat: perhaps it waits for the first lightning?”
When Zarathustra had said this, the young man cried with vehement gestures, “Yes, Zarathustra, you speak the truth. I longed for my going-under when I wished to rise, and you are the lightning I awaited! Look, what remains of me since you appeared among us? It is envy of you that has destroyed me!” So spoke the young man, weeping bitterly. But Zarathustra put his arm around him and led him away.
And after they had walked together for a while, Zarathustra began to speak:
“It tears my heart. Your eye tells me all your danger more clearly than your words.
“You are not yet free; you are still seeking freedom. Your seeking has left you sleepless and over-wakeful.
“You long for the free heights; your soul thirsts for stars. But your bad drives thirst for freedom too.
“Your wild dogs want freedom; they bark for joy in their cellar when your spirit strives to unlock every prison.
“To me you are still a prisoner imagining freedom: ah, the soul of such prisoners grows clever, but also cunning and bad.
“The liberated spirit must still purify itself. Much prison and mold remain within it: its eye must still become pure.
“Yes, I know your danger. But by my love and hope I implore you: do not throw away your love and hope!
“You still feel noble, and the others still sense your nobility too, even those who resent you and send you evil looks. Know that a noble person stands in everyone’s way.
“A noble person stands in the way of the good as well: even when they call him good, they mean to put him aside with that name.
“The noble person wants to create new things and a new virtue. The good person wants the old, and wants the old preserved.
“But the noble person’s danger is not to become good, but to become insolent, a mocker, a destroyer.
“Ah, I knew noble people who lost their highest hope. And then they slandered every high hope.
“Now they lived insolently in fleeting pleasures, scarcely casting a goal beyond the day.
“‘Spirit is sensual pleasure too,’ they said. Then their spirit’s wings broke: now it crawls about and soils things by gnawing.
“Once they thought to become heroes: now they are sensualists. The hero is a grief and a horror to them.
“But by my love and hope I implore you: do not cast away the hero in your soul! Hold your highest hope sacred!”—
Thus spoke Zarathustra.
On the Preachers of Death
There are preachers of death: and the earth is full of those to whom turning away from life must be preached.
The earth is full of the superfluous; life is spoiled by the all-too-many. May they be lured out of this life with “eternal life”!
“Yellow ones,” people call the preachers of death, or “black ones.” But I will show them to you in other colors as well.
There are the terrible ones, who carry the beast of prey within them and have no choice except pleasures or self-laceration. And even their pleasures are self-laceration.
These terrible ones have not even become human yet: let them preach turning away from life, and pass away themselves!
There are the consumptives of the soul: scarcely born, they already begin to die and long for teachings of weariness and renunciation.
They want to be dead, and we should approve their will! Let us beware of waking these dead and injuring these living coffins!
They encounter a sick person, an old man, or a corpse, and immediately say, “Life is refuted!”
But only they are refuted, and their eye, which sees only this one face of existence.
Wrapped in thick melancholy, eager for the little accidents that bring death, they wait and clench their teeth.
Or else they reach for sweetmeats and mock their own childishness: they cling to their straw of life and mock themselves for still clinging to a straw.
Their wisdom says, “A fool, anyone who stays alive—but such fools are we! And that is precisely the most foolish thing about life!”—
“Life is only suffering,” say others, and do not lie: then see to it that you cease! See to it that life ceases, life that is only suffering!
And let the teaching of your virtue say, “You must kill yourself! You must steal yourself away!”—
“Lust is sin,” say some who preach death. “Let us step aside and beget no children!”
“Giving birth is arduous,” say others. “Why give birth at all? One gives birth only to the unhappy!” They too are preachers of death.
“Pity is needed,” say a third group. “Take what I have! Take what I am! So much less will life bind me!”
If they were compassionate to the core, they would make their neighbors weary of life. To be evil—that would be their true goodness.
But they want to escape life: what do they care if they bind others still more firmly with their chains and gifts!—
And you too, to whom life is frantic labor and unrest: are you not very weary of life? Are you not very ripe for the preaching of death?
All of you who love frantic labor and whatever is fast, new, strange—you bear yourselves poorly; your diligence is flight and a will to forget yourselves.
If you believed more in life, you would fling yourselves less into the moment. But you have too little substance within you to wait—or even to be idle!
Everywhere the voice of those who preach death resounds: and the earth is full of those to whom death must be preached.
Or “eternal life”: it is all the same to me—if only they pass away quickly!
Thus spoke Zarathustra.
On War and Warriors
We do not wish to be spared by our best enemies, nor by those we love to the core. Then let me tell you the truth!
My brothers in war! I love you to the core; I am and have been one of you. And I am also your best enemy. Then let me tell you the truth!
I know the hatred and envy in your hearts. You are not great enough to know neither hatred nor envy. Then be great enough not to be ashamed of them!
And if you cannot be saints of knowledge, at least be its warriors. They are the companions and forerunners of such sainthood.
I see many soldiers: if only I saw many warriors! What they wear is called “uniform”: may what they hide beneath it not be uniform!
Be people whose eyes are always searching for an enemy—for your enemy. And in some of you there is hatred at first sight.
Seek your enemy, wage your war—and for your thoughts! And if your thought is defeated, let your honesty still cry triumph over that defeat!
Love peace as a means to new wars. And love a short peace more than a long one.
I counsel you not to work, but to struggle. I counsel you not to peace, but to victory. Let your work be a struggle, your peace a victory!
One can remain silent and sit still only when one has bow and arrow: otherwise one chatters and quarrels. Let your peace be a victory!
You say it is the good cause that sanctifies even war? I tell you: it is the good war that sanctifies every cause.
War and courage have done more great things than love of one’s neighbor. Not your pity, but your bravery has saved the unfortunate until now.
“What is good?” you ask. Being brave is good. Let the little girls say, “Being good is whatever is pretty and touching at once.”
People call you heartless: but your heart is genuine, and I love the modesty of your warmth. You are ashamed of your flood, while others are ashamed of their ebb.
Are you ugly? Well then, my brothers! Wrap the sublime around you, the cloak of the ugly!
And when your soul grows great, it grows high-spirited, and there is malice in your sublimity. I know you.
In malice the high-spirited meet the weakling. But they misunderstand one another. I know you.
You may have enemies to hate, but not enemies to despise. You must be proud of your enemy: then your enemy’s successes are your successes too.
Rebellion—that is the slave’s nobility. Let your nobility be obedience! Let your commanding itself be an obeying!
To a good warrior, “You must” sounds sweeter than “I will.” And let everything you love first be commanded to you.
Let your love of life be love for your highest hope: and let your highest hope be life’s highest thought!
But let me command your highest thought to you—and it says: the human being is something that must be overcome.
So live your life of obedience and war! What does long life matter? What warrior wants to be spared?
I do not spare you; I love you to the core, my brothers in war!
Thus spoke Zarathustra.
On the New Idol
Somewhere there are still peoples and herds, but not among us, my brothers: here there are states.
State? What is that? Come, open your ears now, for now I will speak my word to you about the death of peoples.
The state is the name of the coldest of all cold monsters. Coldly it lies as well; and this lie crawls from its mouth: “I, the state, am the people.”
It is a lie! Creators created peoples and hung a faith and a love above them: thus they served life.
Destroyers set traps for the many and call them a state: they hang a sword and a hundred desires above them.
Where a people still exists, it does not understand the state and hates it as an evil eye and a sin against customs and rights.
I give you this sign: every people speaks its own tongue of good and evil, which its neighbor does not understand. It invented its language for itself in customs and rights.
But the state lies in every tongue of good and evil; whatever it says, it lies—and whatever it has, it has stolen.
Everything about it is false; with stolen teeth it bites, the biting beast. Even its entrails are false.
Confusion of the tongues of good and evil: this is the sign I give you as the sign of the state. Truly, this sign signifies the will to death! Truly, it beckons to the preachers of death!
Far too many are born: the state was invented for the superfluous!
Just look how it lures them to itself, the all-too-many! How it swallows them and chews and chews them over!
“On earth there is nothing greater than I: I am God’s ordering finger,” roars the monster. And not only the long-eared and shortsighted sink to their knees!
Ah, into you too, great souls, it murmurs its gloomy lies! Ah, it divines the rich hearts that gladly squander themselves!
Yes, it divines you too, conquerors of the old God! You grew weary in battle, and now your weariness serves the new idol as well!
Heroes and honorable people—the new idol wants to array them around itself! The cold monster gladly suns itself in the sunshine of good consciences!
It wants to give you everything, the new idol, if you worship it: thus it buys the radiance of your virtue and the look of your proud eyes.
With you it wants to bait a trap for the all-too-many! Yes, a hellish trick was invented here, a horse of death clattering in the finery of divine honors!
Yes, here a dying for many was invented, which praises itself as life: truly, a heartfelt service to all preachers of death!
I call it state where everyone drinks poison, good and bad alike; state, where everyone loses themselves, good and bad alike; state, where the slow suicide of everyone is called “life.”
Just look at these superfluous people! They steal the inventors’ works and the sages’ treasures; they call their theft culture—and everything turns to sickness and affliction for them!
Just look at these superfluous people! They are always sick; they vomit their bile and call it a newspaper. They devour one another and cannot even digest themselves.
Just look at these superfluous people! They acquire riches and grow poorer through them. They want power, and first of all the crowbar of power, much money—these powerless ones!
Look at them climbing, these nimble apes! They climb over one another, and so drag one another into the mud and the depths.
They all want to reach the throne: that is their madness—as if happiness sat upon the throne! Often mud sits upon the throne—and often the throne sits upon mud as well.
To me they are all madmen and climbing apes and feverishly overheated. Their idol, the cold monster, stinks to me: all these idolaters stink to me together.
My brothers, do you mean to suffocate in the fumes of their mouths and appetites? Better smash the windows and leap into the open!
Keep out of the way of the stench! Leave the idolatry of the superfluous!
Keep out of the way of the stench! Leave the vapor of these human sacrifices!
The earth still lies open to great souls. Many places remain empty for the solitary and for pairs, with the scent of tranquil seas blowing around them.
A free life still lies open to great souls. Truly, whoever possesses little is possessed so much less: praised be a modest poverty!
There, where the state ends, begins the human being who is not superfluous: there begins the song of the necessary one, the singular and irreplaceable melody.
There, where the state ends—look there, my brothers! Do you not see it, the rainbow and the bridges of the overhuman?—
Thus spoke Zarathustra.
On the Flies of the Marketplace
Flee, my friend, into your solitude! I see you stunned by the noise of great men and pierced by the stings of the small.
Forest and rock know how to keep a worthy silence with you. Be again like the tree you love, the broad-branched one: still and listening, it hangs above the sea.
Where solitude ends, the marketplace begins; and where the marketplace begins, there begins the noise of great actors and the buzzing of poisonous flies.
In the world, the best things are worth nothing without someone first performing them: the people call these performers great men.
The people understand little of greatness—that is, of creation. But they have senses for every performer and actor of great things.
The world turns around the inventors of new values: invisibly it turns. But the people and fame turn around the actors: that is the way of the world.
The actor has spirit, but little conscience of the spirit. He always believes in whatever most strongly makes others believe—believe in himself!
Tomorrow he has a new faith, and the day after a newer one. His senses are quick, like the people’s, and his scent for things changes.
To overturn—that means to him to prove. To drive people wild—that means to him to convince. And blood counts with him as the best of all arguments.
A truth that slips only into subtle ears he calls a lie and nothing. Truly, he believes only in gods that make a great noise in the world!
The marketplace is full of solemn jesters—and the people boast of their great men! To them these are the masters of the hour.
But the hour presses them: so they press you. And from you too they demand Yes or No. Alas, do you mean to set your chair between For and Against?
Do not envy these absolute and pressing ones, you lover of truth! Truth has never yet taken the arm of an absolutist.
Because of these sudden ones, return to your security: only in the marketplace are people assailed with Yes? or No?
Experience comes slowly to all deep wells: they must wait long before they know what has fallen into their depths.
Away from marketplace and fame, all greatness happens: away from marketplace and fame, inventors of new values have always lived.
Flee, my friend, into your solitude: I see you pierced by poisonous flies. Flee where the air blows rough and strong!
Flee into your solitude! You have lived too close to the small and pitiful. Flee their invisible revenge! Toward you they are nothing but revenge.
Raise your arm against them no more! They are countless, and it is not your lot to be a fly whisk.
Countless are these small and pitiful ones; and raindrops and weeds have already brought many a proud structure to ruin.
You are no stone, yet many drops have already hollowed you. Many drops will yet break and shatter you.
I see you wearied by poisonous flies, scratched bloody in a hundred places; and your pride will not even grow angry.
In all innocence they want blood from you; their bloodless souls crave blood—and so, in all innocence, they sting.
But you, deep one, suffer too deeply even from small wounds; and before you have healed, the same poisonous worm has crawled across your hand.
You are too proud to kill these nibblers. But beware lest bearing all their poisonous injustice become your doom!
They buzz around you with their praise as well: their praising is an intrusion. They want the nearness of your skin and blood.
They flatter you as a God or devil; they whine before you as before a God or devil. What does it matter? They are flatterers and whiners, and nothing more.
Often they also present themselves as lovable. But that has always been the coward’s cleverness. Yes, cowards are clever!
They think much about you with their narrow souls—you are always a matter of suspicion to them! Whatever is much considered grows suspect.
They punish you for all your virtues. At heart they forgive you only—your mistakes.
Because you are gentle and just-minded, you say, “They are innocent of their little existence.” But their narrow soul thinks, “All great existence is guilt.”
Even when you are gentle with them, they still feel despised by you; and they repay your kindness with hidden injuries.
Your wordless pride always offends their taste; they rejoice when you are once modest enough to be vain.
What we recognize in a person, we also kindle in that person. So beware of the small!
Before you they feel small, and their lowliness smolders and burns against you in invisible revenge.
Have you not noticed how often they fell silent when you approached, and how their strength left them like smoke from a dying fire?
Yes, my friend, you are your neighbors’ bad conscience: for they are unworthy of you. So they hate you and would gladly suck your blood.
Your neighbors will always be poisonous flies; what is great in you must itself make them more poisonous and ever more flylike.
Flee, my friend, into your solitude, where the air blows rough and strong. It is not your lot to be a fly whisk.—
Thus spoke Zarathustra.
On Chastity
I love the forest. Life is bad in the cities: too many people there are in heat.
Is it not better to fall into a murderer’s hands than into a lustful woman’s dreams?
And just look at these men: their eyes tell it—they know nothing better on earth than lying with a woman.
There is mud at the bottom of their souls; and woe if their mud has spirit as well!
If only you were at least perfect as animals! But innocence belongs to the animal.
Do I counsel you to kill your senses? I counsel you to the innocence of the senses.
Do I counsel you to chastity? For some, chastity is a virtue, but for many it is almost a vice.
These people abstain, certainly: but the she-dog Sensuality looks enviously out of everything they do.
This beast and its unrest follow them even into the heights of their virtue and into the cold spirit itself.
And how prettily the she-dog Sensuality knows how to beg for a piece of spirit when a piece of flesh is denied her!
You love tragedies and everything that breaks the heart? But I distrust your she-dog.
Your eyes are too cruel for me, and you look lustfully at those who suffer. Has your lust merely disguised itself and called itself pity?
I give you this parable too: not a few who wanted to drive out their devil entered into the swine themselves.
Anyone who finds chastity difficult should be counseled against it: lest it become the road to hell—that is, to mud and heat in the soul.
Am I speaking of dirty things? To me that is not the worst of it.
Not when truth is dirty, but when it is shallow, does the knower hesitate to enter its waters.
Truly, there are people chaste to the core: they are gentler at heart; they laugh more readily and more abundantly than you.
They laugh at chastity too, and ask, “What is chastity?
“Is chastity not folly? But this folly came to us, not we to it.
“We offered this guest lodging and our hearts: now it lives with us—let it stay as long as it wishes!”
Thus spoke Zarathustra.
On the Friend
“One is always one too many around me,” thinks the hermit. “Always one times one—in time that makes two!”
I and Me are always too eager in their conversation: how could one bear it if there were no friend?
For the hermit, the friend is always the third: the third is the cork that keeps the conversation of the two from sinking into the depths.
Ah, there are too many depths for all hermits. That is why they long so much for a friend and for his height.
Our faith in others betrays what we would gladly believe about ourselves. Our longing for a friend betrays us.
And often love seeks only to leap over envy. And often one attacks and makes an enemy to hide one’s own vulnerability.
“At least be my enemy!” says true reverence, which does not dare ask for friendship.
If one wants a friend, one must also want to wage war for him: and to wage war, one must be able to be an enemy.
One should honor the enemy even in one’s friend. Can you come close to your friend without crossing over to his side?
In one’s friend one should have one’s best enemy. Your heart should be nearest him when you resist him.
You want to wear no clothes before your friend? It should honor your friend that you give yourself as you are? But for that he wishes you to the devil!
Whoever makes no secret of themselves provokes indignation: such reason you have to fear nakedness! Yes, if you were gods, then you might be ashamed of your clothes!
You cannot adorn yourself beautifully enough for your friend: for to him you should be an arrow and a longing for the overhuman.
Have you seen your friend asleep, to discover what he looks like? What else is your friend’s face? It is your own face in a rough and imperfect mirror.
Have you seen your friend asleep? Were you not frightened that your friend looked like that? Oh, my friend, the human being is something that must be overcome.
In divining and keeping silent the friend should be a master: you must not wish to see everything. Let your dream reveal what your friend does while awake.
Let your pity be a divining, so that you first learn whether your friend wants pity. Perhaps he loves in you the unbroken eye and the gaze of eternity.
Let pity for the friend hide beneath a hard shell; you should break a tooth on it. Thus it will have its delicacy and sweetness.
Are you pure air and solitude and bread and medicine to your friend? Many cannot loosen their own chains and yet deliver their friends.
Are you a slave? Then you cannot be a friend. Are you a tyrant? Then you cannot have friends.
Too long a slave and a tyrant have lain hidden in woman. That is why woman is not yet capable of friendship: she knows only love.
In woman’s love there is injustice and blindness toward everything she does not love. And even in woman’s knowing love there are still ambush and lightning and night beside the light.
Woman is not yet capable of friendship: women are still cats, and birds. Or, at best, cows.
Woman is not yet capable of friendship. But tell me, you men, which of you is capable of friendship?
Oh, your poverty, you men, and your stinginess of soul! What you give your friend, I would give even my enemy, and would not have become poorer for it.
There is comradeship: may there be friendship!
Thus spoke Zarathustra.
On a Thousand and One Goals
Zarathustra saw many lands and many peoples: thus he discovered the good and evil of many peoples. Zarathustra found no greater power on earth than good and evil.
No people could live without first valuing; but if it means to preserve itself, it must not value as its neighbor values.
Much that one people called good, another called mockery and disgrace: so I found. Much I found called evil here and adorned with purple honors there.
One neighbor never understood another: its soul always wondered at its neighbor’s delusion and malice.
A tablet of good things hangs above every people. Look, it is the tablet of its overcomings; look, it is the voice of its will to power.
What it considers difficult is praiseworthy; what is indispensable and difficult is called good; and what delivers even from the greatest need, the rarest and hardest—that it praises as holy.
Whatever makes it rule and conquer and shine, to its neighbor’s terror and envy—that it considers the high, the first, the measure, the meaning of all things.
Truly, my brother, once you know a people’s need, land, sky, and neighbor, you can divine the law of its overcomings and why it climbs this ladder toward its hope.
“You must always be first and excel all others: your jealous soul must love no one except the friend”—this made a Greek’s soul tremble; by this he followed his path to greatness.
“To speak truth and wield bow and arrow well”—this seemed both dear and difficult to the people from whom my name comes, the name that is both dear and difficult to me.
“To honor father and mother and do their will down to the soul’s root”: another people hung this tablet of overcoming above itself, and through it became mighty and everlasting.
“To practice loyalty and, for loyalty’s sake, stake honor and blood even on evil and dangerous causes”: teaching itself this, another people overcame itself; and overcoming itself thus, it became pregnant and heavy with great hopes.
Truly, human beings gave themselves all their good and evil. Truly, they did not take it, did not find it; it did not fall to them as a voice from heaven.
Human beings first placed values in things to preserve themselves—first created meaning for things, a human meaning! That is why they call themselves “human,” which means: the valuing one.
Valuing is creating: hear it, you creators! Valuing itself is the treasure and jewel of all valued things.
Only through valuing is there value: without valuing, the nut of existence would be hollow. Hear it, you creators!
A change in values—that is a change in creators. Whoever must be a creator always destroys.
Peoples were creators first; individuals came late. Truly, the individual is itself still the youngest creation.
Once peoples hung a tablet of good above themselves. Love that wants to rule and love that wants to obey created such tablets together.
Pleasure in the herd is older than pleasure in the I: and as long as good conscience is called herd, only bad conscience says I.
Truly, the cunning I, the loveless one that seeks its advantage in the advantage of many, is not the herd’s origin, but its going-under.
It was always lovers and creators who created good and evil. The fire of love glows in the names of all virtues, and the fire of anger.
Zarathustra saw many lands and many peoples: no greater power did Zarathustra find on earth than the works of lovers; “good” and “evil” are their names.
Truly, the power of this praising and blaming is a monster. Tell me, who will subdue it for me, my brothers? Tell me, who will throw a fetter over this beast’s thousand necks?
There have been a thousand goals until now, for there have been a thousand peoples. Only the fetter for the thousand necks is still missing; the one goal is missing. Humanity has no goal yet.
But tell me, my brothers: if humanity’s goal is still missing, is not humanity itself still missing too?—
Thus spoke Zarathustra.
On Love of the Neighbor
You crowd around your neighbor and have beautiful words for it. But I tell you: your love of your neighbor is your bad love of yourselves.
You flee from yourselves to your neighbor and would make a virtue of it: but I see through your “selflessness.”
The You is older than the I; the You has been declared holy, but not yet the I: so the human being presses toward the neighbor.
Do I counsel you to love your neighbor? I would sooner counsel you to flee your neighbor and love what is farthest away!
Higher than love of the neighbor is love of the farthest and the future; higher still than love of human beings is love of things and ghosts.
This ghost running ahead of you, my brother, is more beautiful than you: why do you not give it your flesh and bones? But you are afraid and run to your neighbor.
You cannot endure yourselves and do not love yourselves enough: now you want to seduce your neighbor into love and gild yourselves with his error.
I wish you could not endure all sorts of neighbors and their neighbors: then you would have to create your friend and his overflowing heart out of yourselves.
You invite a witness when you want to speak well of yourselves; and when you have persuaded him to think well of you, you think well of yourselves too.
Not only the one who speaks against what they know lies, but even more the one who speaks as though they knew what they do not. And that is how you speak about yourselves in company, deceiving your neighbor with yourselves.
Thus speaks the fool: “The company of human beings spoils character, especially if one has none.”
One goes to the neighbor because he seeks himself, another because he wants to lose himself. Your bad love of yourselves turns solitude into a prison for you.
Those farther away pay for your love of the neighbor; and even when five of you gather, a sixth must always die.
I do not love your festivals either: I found too many actors there, and often the spectators behaved like actors too.
I teach you not the neighbor, but the friend. Let the friend be to you the earth’s festival and a foretaste of the overhuman.
I teach you the friend and his overflowing heart. But one must know how to be a sponge to be loved by overflowing hearts.
I teach you the friend in whom the world stands complete, a bowl of goodness—the creating friend who always has a complete world to give away.
And as the world rolled apart for him, it rolls together again in rings, as the becoming of good through evil, as the becoming of purposes out of chance.
Let the future and the farthest be the cause of your today: in your friend, love the overhuman as your cause.
My brothers, I do not counsel you to love your neighbor: I counsel you to love what is farthest away.
Thus spoke Zarathustra.
On the Creator’s Way
Do you want, my brother, to go into solitude? Do you want to seek the way to yourself? Wait a little longer and hear me.
“Whoever seeks easily gets lost. All solitude is guilt”: so speaks the herd. And you belonged to the herd for a long time.
The herd’s voice will still resound within you. And when you say, “I no longer share one conscience with you,” it will be a lament and a pain.
Look, that single conscience itself gave birth even to this pain: its last glimmer still glows upon your melancholy.
But you want to follow the path of your melancholy, which is the path to yourself? Then show me your right and your strength to do so!
Are you a new strength and a new right? A first movement? A wheel rolling out of itself? Can you also compel stars to revolve around you?
Ah, there is so much lust for heights! So much convulsion among the ambitious! Show me that you are neither lustful nor ambitious!
Ah, there are so many great thoughts that do no more than a bellows: they inflate and make emptier.
You call yourself free? I want to hear your ruling thought, not that you have escaped a yoke.
Are you someone who was entitled to escape a yoke? Many threw away their last value when they threw away their servitude.
Free from what? What does Zarathustra care! But let your eye tell me clearly: free for what?
Can you give yourself your evil and your good, and hang your will above yourself like a law? Can you be your own judge and the avenger of your law?
Terrible is being alone with the judge and avenger of one’s own law. Thus a star is hurled into desolate space and the icy breath of aloneness.
Today you still suffer from the many, you solitary one: today your courage and your hopes are still whole.
But one day solitude will weary you; one day your pride will bend and your courage grind its teeth. One day you will cry, “I am alone!”
One day you will no longer see your heights, and will see your depths too closely; your very sublimity will frighten you like a ghost. One day you will cry, “Everything is false!”
There are feelings that want to kill the solitary: if they fail, well, they themselves must die! But are you capable of being a murderer?
My brother, do you already know the word “contempt”? And the torment of your justice in being just toward those who despise you?
You force many to learn anew about you: they hold that bitterly against you. You came close to them and yet passed by: they will never forgive you for that.
You go beyond them: but the higher you climb, the smaller the eye of envy sees you. Most of all, however, it hates the one who flies.
“How could you be just toward me!” you must say. “I choose your injustice as my allotted portion.”
They throw injustice and filth at the solitary: but, my brother, if you want to be a star, you must shine no less for them because of it!
And beware of the good and the just! They gladly crucify those who invent their own virtue—they hate the solitary.
Beware also of holy simplicity! Everything not simple is unholy to it; it also likes to play with fire—the fire of the stake.
And beware of the assaults of your love! Too quickly the solitary stretches out a hand to whoever approaches.
To many people you must give not your hand, but only your paw: and I want your paw to have claws as well.
But you yourself will always be the worst enemy you can meet; you lie in wait for yourself in caves and forests.
Solitary one, you follow the path to yourself! And your path leads past yourself and your seven devils!
You will be your own heretic and witch and soothsayer and fool and doubter and unholy one and villain.
You must be willing to burn in your own flame: how could you become new without first becoming ashes?
Solitary one, you follow the creator’s way: you want to create a God for yourself out of your seven devils!
Solitary one, you follow the lover’s way: you love yourself and therefore despise yourself as only lovers despise.
The lover wants to create because he despises! What does anyone know of love who has not had to despise precisely what he loved?
With your love go into your solitude, and with your creating, my brother; only late will justice limp after you.
With my tears go into your solitude, my brother. I love the one who wants to create beyond himself and thus perishes.—
Thus spoke Zarathustra.
On Old and Young Women
“Why do you creep so shyly through the twilight, Zarathustra? And what are you hiding so carefully beneath your cloak?
“Is it a treasure you were given? Or a child born to you? Or are you now walking the thieves’ paths yourself, you friend of the wicked?”—
“Truly, my brother!” said Zarathustra. “It is a treasure I was given: I am carrying a little truth.
“But it is unruly as a young child, and unless I cover its mouth, it cries out too loudly.
“Today, as I walked alone at the hour when the sun sinks, an old woman met me and spoke to my soul:
“‘Zarathustra has said much to us women, but never spoken to us about woman.’
“And I answered her, ‘One should speak about woman only to men.’
“‘Speak to me about woman too,’ she said. ‘I am old enough to forget it again at once.’
“And I granted the old woman’s wish and spoke to her:
“Everything about woman is a riddle, and everything about woman has one solution: it is called pregnancy.
“For woman, man is a means: the end is always the child. But what is woman for man?
“The true man wants two things: danger and play. That is why he wants woman, the most dangerous plaything.
“Man should be educated for war, and woman for the warrior’s recreation: everything else is folly.
“The warrior does not like over-sweet fruit. That is why he likes woman: even the sweetest woman is bitter.
“Woman understands children better than man, but man is more childlike than woman.
“A child is hidden in the true man: it wants to play. Come, women, discover the child in man!
“Let woman be a plaything, pure and fine, like a precious stone, lit by the virtues of a world that does not yet exist.
“Let a star’s ray shine in your love! Let your hope say, ‘May I give birth to the overhuman!’
“Let there be bravery in your love! With your love you should advance upon the one who inspires fear in you!
“Let your honor be in your love! Otherwise woman understands little of honor. But let this be your honor: always to love more than you are loved, and never to be second.
“Let man fear woman when she loves: then she makes every sacrifice, and everything else is worthless to her.
“Let man fear woman when she hates: for at the bottom of his soul man is merely evil, but there woman is bad.
“Whom does woman hate most? Thus iron spoke to the magnet: ‘I hate you most because you attract, but are not strong enough to draw me to you.’
“Man’s happiness says: I will. Woman’s happiness says: he wills.
“‘Look, just now the world became perfect!’ every woman thinks when she obeys out of wholehearted love.
“And woman must obey and find a depth for her surface. Woman’s disposition is a surface, a shifting, stormy skin upon shallow water.
“But man’s disposition is deep; his stream roars through underground caves: woman senses its strength, but does not comprehend it.”—
“Then the old woman answered me, ‘Zarathustra has said many pretty things, especially for those young enough for them.
“‘Strange, Zarathustra knows little of women, and yet he is right about them! Is that because nothing is impossible with woman?
“‘And now take a little truth in thanks! I am certainly old enough for it!
“‘Wrap it up and cover its mouth: otherwise this little truth cries out too loudly.’
“‘Woman, give me your little truth!’ I said. And the old woman spoke:
“‘You are going to women? Do not forget the whip!’”—
Thus spoke Zarathustra.
On the Adder’s Bite
One day, because it was hot, Zarathustra had fallen asleep beneath a fig tree with his arms over his face. Then an adder came and bit his neck, and Zarathustra cried out in pain. Taking his arm from his face, he looked at the serpent: she recognized Zarathustra’s eyes, twisted awkwardly, and tried to leave. “No,” said Zarathustra, “you have not yet accepted my thanks! You woke me in time; my journey is still long.” “Your journey is short now,” the adder said sadly. “My poison kills.” Zarathustra smiled. “When did a dragon ever die of a serpent’s poison?” he said. “But take your poison back! You are not rich enough to give it to me.” Then the adder wound herself around his neck again and licked his wound.
When Zarathustra once told this to his disciples, they asked, “And what, Zarathustra, is the moral of your story?” Zarathustra answered:
“The good and the just call me the destroyer of morality: my story is immoral.
“But if you have an enemy, do not repay evil with good: that would shame him. Show instead that he has done you some good.
“And rather be angry than cause shame! If someone curses you, I do not like your wanting to bless them. Better join a little in the cursing!
“And if a great injustice has been done to you, quickly do five small ones as well! A person weighed down by injustice alone is dreadful to behold.
“Did you already know this? Shared injustice is half justice. And whoever can bear the injustice should take it upon themselves!
“A little revenge is more human than no revenge at all. And if punishment is not also a right and an honor for the offender, I do not like your punishing either.
“It is nobler to admit oneself wrong than to insist on being right, especially when one is right. Only, one must be rich enough for it.
“I do not like your cold justice; and from your judges’ eyes the executioner and his cold iron always look at me.
“Tell me, where is the justice that is love with seeing eyes?
“Invent for me the love that bears not only all punishment, but all guilt as well!
“Invent for me the justice that acquits everyone except the judge!
“Would you hear this too? In someone who wants to be just to the core, even lying becomes kindness toward humanity.
“But how could I be just to the core? How can I give each their own? Let this be enough for me: I give each what is mine.
“Finally, my brothers, beware of wronging any hermit! How could a hermit forget? How could he repay?
“A hermit is like a deep well. It is easy to throw a stone into it; but once it has sunk to the bottom, tell me, who will bring it out again?
“Beware of insulting the hermit! But if you have done it, well, kill him too!”
Thus spoke Zarathustra.
On Child and Marriage
I have a question for you alone, my brother: like a plumb line I cast this question into your soul, to learn its depth.
You are young and wish for child and marriage. But I ask you: are you someone entitled to wish for a child?
Are you the victorious one, the self-conqueror, the commander of the senses, the master of your virtues? That is what I ask you.
Or do the animal and necessity speak from your wish? Or loneliness? Or discord with yourself?
I want your victory and your freedom to long for a child. You should build living monuments to your victory and your liberation.
You should build beyond yourself. But first you must yourself be built, squarely in body and soul.
You should propagate not merely onward, but upward! May the garden of marriage help you do so!
You should create a higher body, a first movement, a wheel rolling out of itself—you should create a creator.
Marriage: that is my name for the will of two to create the one that is more than those who created it. Marriage is what I call their reverence for one another as people willing such a will.
Let this be the meaning and truth of your marriage. But what the all-too-many, the superfluous, call marriage—ah, what do I call that?
Ah, this poverty of soul in pairs! Ah, this filth of soul in pairs! Ah, this pitiful contentment in pairs!
They call all this marriage, and say their marriages were made in heaven.
Well, I do not like it, this heaven of the superfluous! No, I do not like these animals entangled in the heavenly net!
And keep far from me the God who limps up to bless what he did not join together!
Do not laugh at such marriages! What child would have no reason to weep over its parents?
This man seemed worthy to me, and ripe for the meaning of the earth: but when I saw his wife, the earth seemed a madhouse to me.
Yes, I wish the earth would shake in convulsions when a saint and a goose mate.
This one set out like a hero in pursuit of truths, and at last captured a little dressed-up lie. He calls it his marriage.
That one was reserved in company and chose fastidiously. But all at once he spoiled his company once and for all: he calls it his marriage.
Another sought a maidservant with an angel’s virtues. But all at once he became a woman’s maidservant, and now he would need to become an angel as well.
I have found all buyers careful now, and all with cunning eyes. Yet even the cleverest buys his wife unseen in a sack.
Many brief follies—that is what you call love. And your marriage puts an end to many brief follies as one long stupidity.
Your love for woman, and woman’s love for man: ah, if only it were pity for suffering, veiled gods! But usually two animals merely divine one another.
Yet even your best love is only an ecstatic image and a painful fire. It is a torch meant to light higher paths for you.
One day you should love beyond yourselves! So first learn to love! That is why you had to drink the bitter cup of your love.
There is bitterness in the cup of even the best love: thus it creates longing for the overhuman; thus it creates thirst in you, the creator!
Thirst in the creator, arrow and longing toward the overhuman: tell me, my brother, is this your will to marriage?
Holy is what I call such a will and such a marriage.—
Thus spoke Zarathustra.
On Free Death
Many die too late, and some too early. The teaching still sounds strange: “Die at the proper time!”
Die at the proper time: so Zarathustra teaches.
Of course, how could someone who never lives at the proper time ever die at the proper time? If only that person had never been born! This is my counsel to the superfluous.
But even the superfluous make much of their dying, and even the hollowest nut still wants to be cracked.
Everyone takes dying seriously: but death is not yet a festival. Human beings have not yet learned how to consecrate the most beautiful festivals.
I show you the consummating death, which becomes a spur and a pledge to the living.
The one who consummates dies his death victoriously, surrounded by those who hope and pledge themselves.
That is how one should learn to die; and there should be no festival where such a dying person does not consecrate the oaths of the living!
To die like this is best; second best is to die in battle and squander a great soul.
But to fighter and victor alike, your grinning death is hateful: it creeps up like a thief—and yet comes as master.
I commend my death to you, the free death that comes to me because I will it.
And when shall I will it? Whoever has a goal and an heir wills death at the proper time for goal and heir.
And out of reverence for goal and heir, he will hang no more withered wreaths in the sanctuary of life.
Truly, I do not want to resemble the rope makers: they draw out their thread while walking backward themselves.
Many also grow too old for their truths and victories; a toothless mouth no longer has a right to every truth.
And everyone who wants fame must take leave of honor in good time, and practice the difficult art of—going at the proper time.
One must stop letting oneself be eaten when one tastes best: those who want to be loved long know this.
There are sour apples, certainly, whose fate is to wait until autumn’s last day: and they become ripe, yellow, and wrinkled at once.
In some the heart ages first, in others the spirit. And some are old in youth: but youth that comes late keeps one young long.
For some, life fails: a poisonous worm eats into their hearts. Let them see to it that death succeeds all the better.
Some never grow sweet; they rot in summer already. Cowardice holds them fast to their branches.
Far too many live, and far too long they hang upon their branches. If only a storm would come to shake all this rotten, worm-eaten fruit from the tree!
If only preachers of swift death would come! To me they would be the right storms and shakers of life’s trees! But I hear only slow death preached, and patience with everything “earthly.”
Ah, you preach patience with earthly things? These earthly things have too much patience with you, you slanderous mouths!
Truly, that Hebrew whom the preachers of slow death honor died too early: and for many it has been their doom ever since that he died too early.
He still knew only tears and the Hebrew’s melancholy, together with the hatred of the good and the just—Jesus the Hebrew: then longing for death assailed him.
If only he had remained in the desert, far from the good and the just! Perhaps he would have learned to live and love the earth—and to laugh as well!
Believe me, my brothers! He died too early; he himself would have recanted his teaching had he reached my age! He was noble enough to recant!
But he was still unripe. The young man loves unripe, and unripe he hates humanity and earth. His disposition and his spirit’s wings are still bound and heavy.
But there is more child in the man than in the youth, and less melancholy: he understands death and life better.
Free for death and free in death, a sacred No-sayer when it is no longer time for Yes: thus he understands death and life.
My friends, let your dying be no slander against humanity and earth: this I ask of the honey in your souls.
In your dying let your spirit and virtue still glow like sunset around the earth: otherwise your dying has gone badly.
Thus I myself want to die, so that you, my friends, love the earth more for my sake; and I want to become earth again, to find rest in her who bore me.
Truly, Zarathustra had a goal; he threw his ball. Now you, my friends, are my goal’s heirs: I throw you the golden ball.
More than anything, my friends, I love to see you throwing the golden ball! And so I linger a little longer on earth: forgive me!
Thus spoke Zarathustra.
On the Giving Virtue
1 When Zarathustra had taken leave of the town to which his heart was attached, whose name is the Motley Cow, many who called themselves his disciples followed and accompanied him. They came to a crossroads: there Zarathustra told them he now wished to go alone, for he was a friend of walking alone. But in farewell his disciples gave him a staff whose golden handle bore a serpent coiled around the sun. Zarathustra delighted in the staff and leaned upon it; then he spoke to his disciples.
“Tell me: how did gold come to have the highest value? Because it is uncommon and useless, gleaming and gentle in its radiance; it always gives itself away.
“Only as an image of the highest virtue did gold attain the highest value. The giver’s gaze shines like gold. The radiance of gold makes peace between moon and sun.
“The highest virtue is uncommon and useless; gleaming and gentle is its radiance: a giving virtue is the highest virtue.
“Truly, I divine you well, my disciples: like me, you strive for the giving virtue. What could you have in common with cats and wolves?
“This is your thirst: to become sacrifices and gifts yourselves. That is why you thirst to heap all riches into your souls.
“Insatiably your soul strives for treasures and jewels, because your virtue is insatiable in its desire to give.
“You compel all things toward you and into you, so that they may stream back from your spring as the gifts of your love.
“Truly, such giving love must become a robber of all values; but I call this selfishness whole and holy.
“There is another selfishness, an all-too-poor, hungry selfishness that always wants to steal: the selfishness of the sick, sick selfishness.
“With the thief’s eye it looks at everything that glitters; with hunger’s greed it measures whoever has abundant food; and it always steals around the givers’ table.
“Sickness and invisible degeneration speak from such desire; the thieving greed of this selfishness speaks of an ailing body.
“Tell me, my brothers: what do we consider bad and worst? Is it not degeneration? And we always infer degeneration where the giving soul is absent.
“Our way leads upward, beyond the kind to the higher kind. But the degenerating outlook that says, ‘Everything for me,’ is a horror to us.
“Our minds fly upward: thus they are an image of our body, an image of elevation. The names of virtues are images of such elevations.
“Thus the body passes through history, becoming and struggling. And spirit—what is it to the body? The herald, companion, and echo of its struggles and victories.
“All names of good and evil are images: they do not speak things out; they only beckon. A fool, anyone who demands knowledge of them!
“Attend, my brothers, to every hour when your spirit wants to speak in images: there is the origin of your virtue.
“Then your body is elevated and risen again; with its delight it transports the spirit, so that it becomes creator and valuer and lover and benefactor of all things.
“When your heart surges broad and full like a river, a blessing and a danger to those who dwell along it: there is the origin of your virtue.
“When you are raised above praise and blame, and your will wants to command all things as a lover’s will: there is the origin of your virtue.
“When you despise the pleasant and the soft bed, and cannot lie far enough from the soft: there is the origin of your virtue.
“When you are willers of one will, and this turning of all need you call necessity: there is the origin of your virtue.
“Truly, it is a new good and evil! Truly, a new deep rushing, the voice of a new spring!
“Power is this new virtue; a ruling thought it is, with a clever soul around it: a golden sun with the serpent of knowledge around it.”
2 Here Zarathustra fell silent for a while and looked lovingly at his disciples. Then he continued—and his voice had changed.
“Remain faithful to the earth, my brothers, with the power of your virtue! Let your giving love and your knowledge serve the meaning of the earth! This I ask and implore of you.
“Do not let them fly away from earthly things and beat their wings against eternal walls! Ah, there has always been so much virtue flown astray!
“Like me, lead the virtue flown astray back to earth—yes, back to body and life, so that it may give the earth its meaning, a human meaning!
“In a hundred ways spirit and virtue alike have flown astray and reached amiss until now. Ah, all this delusion and error still dwells in our bodies: there it has become body and will.
“In a hundred ways spirit and virtue alike have attempted and strayed until now. Yes, the human being was an attempt. Ah, so much ignorance and error has become body in us!
“Not only the reason of millennia—their madness too breaks out in us. It is dangerous to be an heir.
“We still struggle step by step with the giant Chance; and until now nonsense, the absence of meaning, has ruled over all humanity.
“Let your spirit and your virtue serve the meaning of the earth, my brothers, and let the value of all things be set anew by you! For that you must be fighters! For that you must be creators!
“Through knowing, the body purifies itself; experimenting with knowledge, it elevates itself; to the knower all drives become holy; to the elevated one the soul becomes joyful.
“Physician, help yourself: thus you help your patient too. Let this be the best help for him: to see with his own eyes the one who makes himself whole.
“There are a thousand paths never yet walked, a thousand forms of health and hidden islands of life. Humanity and the human earth are still unexhausted and undiscovered.
“Wake and listen, you solitary ones! Winds come from the future with a secret beating of wings; and good tidings reach subtle ears.
“You solitary ones of today, you who separate yourselves, shall one day be a people: from you who chose yourselves, a chosen people shall grow—and from it the overhuman.
“Truly, the earth shall yet become a place of recovery! Already a new scent surrounds it, a healing scent—and a new hope!”
3 When Zarathustra had spoken these words, he fell silent like someone who has not said his last word. For a long time he weighed the staff doubtfully in his hand. At last he spoke—and his voice had changed.
“Now I go alone, my disciples! You too, go away now, and alone! That is my will.
“Truly, I counsel you: leave me and defend yourselves against Zarathustra! Better still, be ashamed of him! Perhaps he deceived you.
“The person of knowledge must be able not only to love enemies, but also to hate friends.
“One repays a teacher badly by remaining only a pupil forever. And why do you not want to pluck at my wreath?
“You revere me; but what if your reverence falls one day? Beware lest a statue crush you!
“You say you believe in Zarathustra? But what does Zarathustra matter? You are my believers: but what do all believers matter?
“You had not yet sought yourselves when you found me. So all believers do; that is why all belief amounts to so little.
“Now I bid you lose me and find yourselves; and only when you have all denied me will I return to you.
“Truly, then I will seek my lost ones with other eyes, my brothers; then I will love you with another love.
“And one day you shall have become my friends and children of one hope: then I will be with you a third time, to celebrate the great noon with you.
“And this is the great noon: when humanity stands midway on its course between animal and overhuman and celebrates its way toward evening as its highest hope—for it is the way to a new morning.
“Then the one going under will bless himself for being one who crosses over; and the sun of his knowledge will stand at noon for him.
“‘All gods are dead: now we will that the overhuman should live.’ Let this one day, at the great noon, be our final will!”—
Thus spoke Zarathustra.
Part 2
Zweiter Theil
„— und erst, wenn ihr mich Alle verleugnet habt, will ich euch wiederkehren.
Wahrlich, mit andern Augen, meine Brüder, werde ich mir dann meine Verlorenen suchen; mit einer andern Liebe werde ich euch dann lieben“.
Zarathustra, von der schenkenden Tugend (I. p. 112.)
Das Kind mit dem Spiegel.
Hierauf gieng Zarathustra wieder zurück in das Gebirge und in die Einsamkeit seiner Höhle und entzog sich den Menschen: wartend gleich einem Säemann, der seinen Samen ausgeworfen hat. Seine Seele aber wurde voll von Ungeduld und Begierde nach Denen, welche er liebte: denn er hatte ihnen noch Viel zu geben. Diess nämlich ist das Schwerste, aus Liebe die offne Hand schliessen und als Schenkender die Scham bewahren.
Also vergiengen dem Einsamen Monde und Jahre; seine Weisheit aber wuchs und machte ihm Schmerzen durch ihre Fülle.
Eines Morgens aber wachte er schon vor der Morgenröthe auf, besann sich lange auf seinem Lager und sprach endlich zu seinem Herzen:
„Was erschrak ich doch so in meinem Traume, dass ich aufwachte? Trat nicht ein Kind zu mir, das einen Spiegel trug?
„Oh Zarathustra — sprach das Kind zu mir — schaue Dich an im Spiegel!“
Aber als ich in den Spiegel schaute, da schrie ich auf, und mein Herz war erschüttert: denn nicht mich sahe ich darin, sondern eines Teufels Fratze und Hohnlachen.
Wahrlich, allzugut verstehe ich des Traumes Zeichen und Mahnung: meine Lehre ist in Gefahr. Unkraut will Weizen heissen!
Meine Feinde sind mächtig worden und haben meiner Lehre Bildniss entstellt, also, dass meine Liebsten sich der Gaben schämen müssen, die ich ihnen gab.
Verloren giengen mir meine Freunde; die Stunde kam mir, meine Verlornen zu suchen!“ —
Mit diesen Worten sprang Zarathustra auf, aber nicht wie ein Geängstigter, der nach Luft sucht, sondern eher wie ein Seher und Sänger, welchen der Geist anfällt. Verwundert sahen sein Adler und seine Schlange auf ihn hin: denn gleich dem Morgenrothe lag ein kommendes Glück auf seinem Antlitze.
Was geschah mir doch, meine Thiere? — sagte Zarathustra. Bin ich nicht verwandelt! Kam mir nicht die Seligkeit wie ein Sturmwind?
Thöricht ist mein Glück und Thörichtes wird es reden: zu jung noch ist es — so habt Geduld mit ihm!
Verwundet bin ich von meinem Glücke: alle Leidenden sollen mir Ärzte sein!
Zu meinen Freunden darf ich wieder hinab und auch zu meinen Feinden! Zarathustra darf wieder reden und schenken und Lieben das Liebste thun!
Meine ungeduldige Liebe fliesst über in Strömen, abwärts, nach Aufgang und Niedergang. Aus schweigsamem Gebirge und Gewittern des Schmerzes rauscht meine Seele in die Thäler.
Zu lange sehnte ich mich und schaute in die Ferne. Zu lange gehörte ich der Einsamkeit: so verlernte ich das Schweigen.
Mund bin ich worden ganz und gar, und Brausen eines Bachs aus hohen Felsen: hinab will ich meine Rede stürzen in die Thäler.
Und mag mein Strom der Liebe in Unwegsames stürzen! Wie sollte ein Strom nicht endlich den Weg zum Meere finden!
Wohl ist ein See in mir, ein einsiedlerischer, selbstgenugsamer; aber mein Strom der Liebe reisst ihn mit sich hinab — zum Meere!
Neue Wege gehe ich, eine neue Rede kommt mir; müde wurde ich, gleich allen Schaffenden, der alten Zungen. Nicht will mein Geist mehr auf abgelaufnen Sohlen wandeln.
Zu langsam läuft mir alles Reden: — in deinen Wagen springe ich, Sturm! Und auch dich will ich noch peitschen mit meiner Bosheit!
Wie ein Schrei und ein Jauchzen will ich über weite Meere hinfahren, bis ich die glückseligen Inseln finde, wo meine Freunde weilen: —
Und meine Feinde unter ihnen! Wie liebe ich nun Jeden, zu dem ich nur reden darf! Auch meine Feinde gehören zu meiner Seligkeit.
Und wenn ich auf mein wildestes Pferd steigen will, so hilft mir mein Speer immer am besten hinauf: der ist meines Fusses allzeit bereiter Diener: —
Der Speer, den ich gegen meine Feinde schleudere! Wie danke ich es meinen Feinden, dass ich endlich ihn schleudern darf!
Zu gross war die Spannung meiner Wolke: zwischen Gelächtern der Blitze will ich Hagelschauer in die Tiefe werfen.
Gewaltig wird sich da meine Brust heben, gewaltig wird sie ihren Sturm über die Berge hinblasen: so kommt ihr Erleichterung.
Wahrlich, einem Sturme gleich kommt mein Glück und meine Freiheit! Aber meine Feinde sollen glauben, der Böse rase über ihren Häuptern.
Ja, auch ihr werdet erschreckt sein, meine Freunde, ob meiner wilden Weisheit; und vielleicht flieht ihr davon sammt meinen Feinden.
Ach, dass ich's verstünde, euch mit Hirtenflöten zurück zu locken! Ach, dass meine Löwin Weisheit zärtlich brüllen lernte! Und Vieles lernten wir schon mit einander!
Meine wilde Weisheit wurde trächtig auf einsamen Bergen; auf rauhen Steinen gebar sie ihr Junges, Jüngstes.
Nun läuft sie närrisch durch die harte Wüste und sucht und sucht nach sanftem Rasen — meine alte wilde Weisheit!
Auf eurer Herzen sanften Rasen, meine Freunde! — auf eure Liebe möchte sie ihr Liebstes betten!
Also sprach Zarathustra.
Auf den glückseligen Inseln.
Die Feigen fallen von den Bäumen, sie sind gut und süss; und indem sie fallen, reisst ihnen die rothe Haut. Ein Nordwind bin ich reifen Feigen.
Also, gleich Feigen, fallen euch diese Lehren zu, meine Freunde: nun trinkt ihren Saft und ihr süsses Fleisch! Herbst ist es umher und reiner Himmel und Nachmittag.
Seht, welche Fülle ist um uns! Und aus dem Überflusse heraus ist es schön hinaus zu blicken auf ferne Meere.
Einst sagte man Gott, wenn man auf ferne Meere blickte; nun aber lehrte ich euch sagen: Übermensch.
Gott ist eine Muthmaassung; aber ich will, dass euer Muthmaassen nicht weiter reiche, als euer schaffender Wille.
Könntet ihr einen Gott schaffen? — So schweigt mir doch von allen Göttern! Wohl aber könntet ihr den Übermenschen schaffen.
Nicht ihr vielleicht selber, meine Brüder! Aber zu Vätern und Vorfahren könntet ihr euch umschaffen des Übermenschen: und Diess sei euer bestes Schaffen! —
Gott ist eine Muthmaassung: aber ich will, dass euer Muthmaassen begrenzt sei in der Denkbarkeit.
Könntet ihr einen Gott denken? — Aber diess bedeute euch Wille zur Wahrheit, dass Alles verwandelt werde in Menschen-Denkbares, Menschen-Sichtbares, Menschen-Fühlbares! Eure eignen Sinne sollt ihr zu Ende denken!
Und was ihr Welt nanntet, das soll erst von euch geschaffen werden: eure Vernunft, euer Bild, euer Wille, eure Liebe soll es selber werden! Und wahrlich, zu eurer Seligkeit, ihr Erkennenden!
Und wie wolltet ihr das Leben ertragen ohne diese Hoffnung, ihr Erkennenden? Weder in's Unbegreifliche dürftet ihr eingeboren sein, noch in's Unvernünftige.
Aber dass ich euch ganz mein Herz offenbare, ihr Freunde: wenn es Götter gäbe, wie hielte ich's aus, kein Gott zu sein! Also giebt es keine Götter.
Wohl zog ich den Schluss; nun aber zieht er mich. —
Gott ist eine Muthmaassung: aber wer tränke alle Qual dieser Muthmaassung, ohne zu sterben? Soll dem Schaffenden sein Glaube genommen sein und dem Adler sein Schweben in Adler-Fernen?
Gott ist ein Gedanke, der macht alles Gerade krumm und Alles, was steht, drehend. Wie? Die Zeit wäre hinweg, und alles Vergängliche nur Lüge?
Diess zu denken ist Wirbel und Schwindel menschlichen Gebeinen und noch dem Magen ein Erbrechen: wahrlich, die drehende Krankheit heisse ich's, Solches zu muthmaassen.
Böse heisse ich's und menschenfeindlich: all diess Lehren vom Einen und Vollen und Unbewegten und Satten und Unvergänglichen!
Alles Unvergängliche — das ist nur ein Gleichniss! Und die Dichter lügen zuviel. —
Aber von Zeit und Werden sollen die besten Gleichnisse reden: ein Lob sollen sie sein und eine Rechtfertigung aller Vergänglichkeit!
Schaffen — das ist die grosse Erlösung vom Leiden, und des Lebens Leichtwerden. Aber dass der Schaffende sei, dazu selber thut Leid noth und viel Verwandelung.
Ja, viel bitteres Sterben muss in eurem Leben sein, ihr Schaffenden! Also seid ihr Fürsprecher und Rechtfertiger aller Vergänglichkeit.
Dass der Schaffende selber das Kind sei, das neu geboren werde, dazu muss er auch die Gebärerin sein wollen und der Schmerz der Gebärerin.
Wahrlich, durch hundert Seelen gieng ich meinen Weg und durch hundert Wiegen und Geburtswehen. Manchen Abschied nahm ich schon, ich kenne die herzbrechenden letzten Stunden.
Aber so will's mein schaffender Wille, mein Schicksal. Oder, dass ich's euch redlicher sage: solches Schicksal gerade — will mein Wille.
Alles Fühlende leidet an mir und ist in Gefängnissen: aber mein Wollen kommt mir stets als mein Befreier und Freudebringer.
Wollen befreit: das ist die wahre Lehre von Wille und Freiheit — so lehrt sie euch Zarathustra.
Nicht-mehr-wollen und Nicht-mehr-schätzen und Nicht-mehr-schaffen! ach, dass diese grosse Müdigkeit mir stets ferne bleibe!
Auch im Erkennen fühle ich nur meines Willens Zeuge und Werde-Lust; und wenn Unschuld in meiner Erkenntniss ist, so geschieht diess, weil Wille zur Zeugung in ihr ist.
Hinweg von Gott und Göttern lockte mich dieser Wille; was wäre denn zu schaffen, wenn Götter — da wären!
Aber zum Menschen treibt er mich stets von Neuem, mein inbrünstiger Schaffens-Wille; so treibt's den Hammer hin zum Steine.
Ach, ihr Menschen, im Steine schläft mir ein Bild, das Bild meiner Bilder! Ach, dass es im härtesten, hässlichsten Steine schlafen muss!
Nun wüthet mein Hammer grausam gegen sein Gefängniss. Vom Steine stäuben Stücke: was schiert mich das?
Vollenden will ich's: denn ein Schatten kam zu mir — aller Dinge Stillstes und Leichtestes kam einst zu mir!
Des Übermenschen Schönheit kam zu mir als Schatten. Ach, meine Brüder! Was gehen mich noch — die Götter an! —
Also sprach Zarathustra.
Von den Mitleidigen.
Meine Freunde, es kam eine Spottrede zu eurem Freunde: „seht nur Zarathustra! Wandelt er nicht unter uns wie unter Thieren?“
Aber so ist es besser geredet: „der Erkennende wandelt unter Menschen als unter Thieren.“
Der Mensch selber aber heisst dem Erkennenden: das Thier, das rothe Backen hat.
Wie geschah ihm das? Ist es nicht, weil er sich zu oft hat schämen müssen?
Oh meine Freunde! So spricht der Erkennende: Scham, Scham, Scham — das ist die Geschichte des Menschen!
Und darum gebeut sich der Edle, nicht zu beschämen: Scham gebeut er sich vor allem Leidenden.
Wahrlich, ich mag sie nicht, die Barmherzigen, die selig sind in ihrem Mitleiden: zu sehr gebricht es ihnen an Scham.
Muss ich mitleidig sein, so will ich's doch nicht heissen; und wenn ich's bin, dann gern aus der Ferne.
Gerne verhülle ich auch das Haupt und fliehe davon, bevor ich noch erkannt bin: und also heisse ich euch thun, meine Freunde!
Möge mein Schicksal mir immer Leidlose, gleich euch, über den Weg führen, und Solche, mit denen mir Hoffnung und Mahl und Honig gemein sein darf!
Wahrlich, ich that wohl Das und Jenes an Leidenden: aber Besseres schien ich mir stets zu thun, wenn ich lernte, mich besser freuen.
Seit es Menschen giebt, hat der Mensch sich zu wenig gefreut: Das allein, meine Brüder, ist unsre Erbsünde!
Und lernen wir besser uns freuen, so verlernen wir am besten, Andern wehe zu thun und Wehes auszudenken.
Darum wasche ich mir die Hand, die dem Leidenden half, darum wische ich mir auch noch die Seele ab.
Denn dass ich den Leidenden leidend sah, dessen schämte ich mich um seiner Scham willen; und als ich ihm half, da vergieng ich mich hart an seinem Stolze.
Grosse Verbindlichkeiten machen nicht dankbar, sondern rachsüchtig; und wenn die kleine Wohlthat nicht vergessen wird, so wird noch ein Nage-Wurm daraus.
„Seid spröde im Annehmen! Zeichnet aus damit, dass ihr annehmt!“ — also rathe ich Denen, die Nichts zu verschenken haben.
Ich aber bin ein Schenkender: gerne schenke ich, als Freund den Freunden. Fremde aber und Arme mögen sich die Frucht selber von meinem Baume pflücken: so beschämt es weniger.
Bettler aber sollte man ganz abschaffen! Wahrlich, man ärgert sich ihnen zu geben und ärgert sich ihnen nicht zu geben.
Und insgleichen die Sünder und bösen Gewissen! Glaubt mir, meine Freunde: Gewissensbisse erziehn zum Beissen.
Das Schlimmste aber sind die kleinen Gedanken. Wahrlich, besser noch bös gethan, als klein gedacht!
Zwar ihr sagt: „die Lust an kleinen Bosheiten erspart uns manche grosse böse That.“ Aber hier sollte man nicht sparen wollen.
Wie ein Geschwür ist die böse That: sie juckt und kratzt und bricht heraus, — sie redet ehrlich.
„Siehe, ich bin Krankheit“ — so redet die böse That; das ist ihre Ehrlichkeit.
Aber dem Pilze gleich ist der kleine Gedanke: er kriecht und duckt sich und will nirgendswo sein — bis der ganze Leib morsch und welk ist vor kleinen Pilzen.
Dem aber, der vom Teufel besessen ist, sage ich diess Wort in's Ohr: besser noch, du ziehest deinen Teufel gross! Auch für dich giebt es noch einen Weg der Grösse!“ —
Ach, meine Brüder! Man weiss von Jedermann Etwas zu viel! Und Mancher wird uns durchsichtig, aber desshalb können wir noch lange nicht durch ihn hindurch.
Es ist schwer, mit Menschen zu leben, weil Schweigen so schwer ist.
Und nicht gegen Den, der uns zuwider ist, sind wir am unbilligsten, sondern gegen Den, welcher uns gar Nichts angeht.
Hast du aber einen leidenden Freund, so sei seinem Leiden eine Ruhestätte, doch gleichsam ein hartes Bett, ein Feldbett: so wirst du ihm am besten nützen.
Und thut dir ein Freund Übles, so sprich: „ich vergebe dir, was du mir thatest; dass du es aber dir thatest, — wie könnte ich das vergeben!“
Also redet alle grosse Liebe: die überwindet auch noch Vergebung und Mitleiden.
Man soll sein Herz festhalten; denn lässt man es gehn, wie bald geht Einem da der Kopf durch!
Ach, wo in der Welt geschahen grössere Thorheiten, als beiden Mitleidigen? Und was in der Welt stiftete mehr Leid, als die Thorheiten der Mitleidigen?
Wehe allen Liebenden, die nicht noch eine Höhe haben, welche über ihrem Mitleiden ist!
Also sprach der Teufel einst zu mir: „auch Gott hat seine Hölle: das ist seine Liebe zu den Menschen.“
Und jüngst hörte ich ihn diess Wort sagen: „Gott ist todt; an seinem Mitleiden mit den Menschen ist Gott gestorben.“ —
So seid mir gewarnt vor dem Mitleiden: daher kommt noch den Menschen eine schwere Wolke! Wahrlich, ich verstehe mich auf Wetterzeichen!
Merket aber auch diess Wort: alle grosse Liebe ist noch über all ihrem Mitleiden: denn sie will das Geliebte noch — schaffen!
„Mich selber bringe ich meiner Liebe dar, und meinen Nächsten gleich mir“ — so geht die Rede allen Schaffenden.
Alle Schaffenden aber sind hart. —
Also sprach Zarathustra.
Von den Priestern.
Und einstmals gab Zarathustra seinen Jüngern ein Zeichen und sprach diese Worte zu ihnen:
„Hier sind Priester: und wenn es auch meine Feinde sind, geht mir still an ihnen vorüber und mit schlafendem Schwerte!
Auch unter ihnen sind Helden; Viele von ihnen litten zuviel —: so wollen sie Andre leiden machen.
Böse Feinde sind sie: Nichts ist rachsüchtiger als ihre Demuth. Und leicht besudelt sich Der, welcher sie angreift.
Aber mein Blut ist mit dem ihren verwandt; und ich will mein Blut auch noch in dem ihren geehrt wissen.“ —
Und als sie vorüber gegangen waren, fiel Zarathustra der Schmerz an; und nicht lange hatte er mit seinem Schmerze gerungen, da hub er also an zu reden:
Es jammert mich dieser Priester. Sie gehen mir auch wider den Geschmack; aber das ist mir das Geringste, seit ich unter Menschen bin.
Aber ich leide und litt mit ihnen: Gefangene sind es mir und Abgezeichnete. Der, welchen sie Erlöser nennen, schlug sie in Banden: —
In Banden falscher Werthe und Wahn-Worte! Ach dass Einer sie noch von ihrem Erlöser erlöste!
Auf einem Eilande glaubten sie einst zu landen, als das Meer sie herumriss; aber siehe, es war ein schlafendes Ungeheuer!
Falsche Werthe und Wahn-Worte: das sind die schlimmsten Ungeheuer für Sterbliche, — lange schläft und wartet in ihnen das Verhängniss.
Aber endlich kommt es und wacht und frisst und schlingt, was auf ihm sich Hütten baute.
Oh seht mir doch diese Hütten an, die sich diese Priester bauten! Kirchen heissen sie ihre süssduftenden Höhlen.
Oh über diess verfälschte Licht, diese verdumpfte Luft! Hier, wo die Seele zu ihrer Höhe hinauf — nicht fliegen darf!
Sondern also gebietet ihr Glaube: „auf den Knien die Treppe hinan, ihr Sünder!“
Wahrlich, lieber sehe ich noch den Schamlosen, als die verrenkten Augen ihrer Scham und Andacht!
Wer schuf sich solche Höhlen und Buss-Treppen? Waren es nicht Solche, die sich verbergen wollten und sich vor dem reinen Himmel schämten?
Und erst wenn der reine Himmel wieder durch zerbrochne Decken blickt, und hinab auf Gras und rothen Mohn an zerbrochnen Mauern, — will ich den Stätten dieses Gottes wieder mein Herz zuwenden.
Sie nannten Gott, was ihnen widersprach und wehe that: und wahrlich, es war viel Helden-Art in ihrer Anbetung!
Und nicht anders wussten sie ihren Gott zu lieben, als indem sie den Menschen an's Kreuz schlugen!
Als Leichname gedachten sie zu leben, schwarz schlugen sie ihren Leichnam aus; auch aus ihren Reden rieche ich noch die üble Würze von Todtenkammern.
Und wer ihnen nahe lebt, der lebt schwarzen Teichen nahe, aus denen heraus die Unke ihr Lied mit süssem Tiefsinne singt.
Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne: erlöster müssten mir seine Jünger aussehen!
Nackt möchte ich sie sehn: denn allein die Schönheit sollte Busse predigen. Aber wen überredet wohl diese vermummte Trübsal!
Wahrlich, ihre Erlöser selber kamen nicht aus der Freiheit und der Freiheit siebentem Himmel! Wahrlich, sie selber wandelten niemals auf den Teppichen der Erkenntnis!
Aus Lücken bestand der Geist dieser Erlöser; aber in jede Lücke hatten sie ihren Wahn gestellt, ihren Lückenbüsser, den sie Gott nannten.
In ihrem Mitleiden war ihr Geist ertrunken, und wenn sie schwollen und überschwollen von Mitleiden, schwamm immer obenauf eine grosse Thorheit.
Eifrig trieben sie und mit Geschrei ihre Heerde über ihren Steg: wie als ob es zur Zukunft nur Einen Steg gäbe! Wahrlich, auch diese Hirten gehörten noch zu den Schafen!
Kleine Geister und umfängliche Seelen hatten diese Hirten: aber, meine Brüder, was für kleine Länder waren bisher auch die umfänglichsten Seelen!
Blutzeichen schrieben sie auf den Weg, den sie giengen, und ihre Thorheit lehrte, dass man mit Blut die Wahrheit beweise.
Aber Blut ist der schlechteste Zeuge der Wahrheit; Blut vergiftet die reinste Lehre noch zu Wahn und Hass der Herzen.
Und wenn Einer durch's Feuer geht für seine Lehre, — was beweist diess! Mehr ist's wahrlich, dass aus eignem Brande die eigne Lehre kommt!
Schwüles Herz und kalter Kopf: wo diess zusammen trifft, da entsteht der Brausewind, der „Erlöser.“
Grössere gab es wahrlich und Höher-Geborene, als Die, welche das Volk Erlöser nennt, diese hinreissenden Brausewinde!
Und noch von Grösseren, als alle Erlöser waren, müsst ihr, meine Brüder, erlöst werden, wollt ihr zur Freiheit den Weg finden!
Niemals noch gab es einen Übermenschen. Nackt sah ich Beide, den grössten und den kleinsten Menschen: —
Allzuähnlich sind sie noch einander. Wahrlich, auch den Grössten fand ich — allzumenschlich!
Also sprach Zarathustra.
Von den Tugendhaften.
Mit Donnern und himmlischen Feuerwerken muss man zu schlaffen und schlafenden Sinnen reden.
Aber der Schönheit Stimme redet leise: sie schleicht sich nur in die aufgewecktesten Seelen.
Leise erbebte und lachte mir heut mein Schild; das ist der Schönheit heiliges Lachen und Beben.
Über euch, ihr Tugendhaften, lachte heut meine Schönheit. Und also kam ihre Stimme zu mir: „sie wollen noch — bezahlt sein!“
Ihr wollt noch bezahlt sein, ihr Tugendhaften! Wollt Lohn für Tugend und Himmel für Erden und Ewiges für euer Heute haben?
Und nun zürnt ihr mir, dass ich lehre, es giebt keinen Lohn- und Zahlmeister? Und wahrlich, ich lehre nicht einmal, dass Tugend ihr eigener Lohn ist.
Ach, das ist meine Trauer: in den Grund der Dinge hat man Lohn und Strafe hineingelogen — und nun auch noch in den Grund eurer Seelen, ihr Tugendhaften!
Aber dem Rüssel des Ebers gleich soll mein Wort den Grund eurer Seelen aufreissen; Pflugschar will ich euch heissen.
Alle Heimlichkeiten eures Grundes sollen an's Licht; und wenn ihr aufgewühlt und zerbrochen in der Sonne liegt, wird auch eure Lüge von eurer Wahrheit ausgeschieden sein.
Denn diess ist eure Wahrheit: ihr seid zu reinlich für den Schmutz der Worte: Rache, Strafe, Lohn, Vergeltung.
Ihr liebt eure Tugend, wie die Mutter ihr Kind; aber wann hörte man, dass eine Mutter bezahlt sein wollte für ihre Liebe?
Es ist euer liebstes Selbst, eure Tugend. Des Ringes Durst ist in euch: sich selber wieder zu erreichen, dazu ringt und dreht sich jeder Ring.
Und dem Sterne gleich, der erlischt, ist jedes Werk eurer Tugend: immer ist sein Licht noch unterwegs und wandert — und wann wird es nicht mehr unterwegs sein?
Also ist das Licht eurer Tugend noch unterwegs, auch wenn das Werk gethan ist. Mag es nun vergessen und todt sein: sein Strahl von Licht lebt noch und wandert.
Dass eure Tugend euer Selbst sei und nicht ein Fremdes, eine Haut, eine Bemäntelung: das ist die Wahrheit aus dem Grunde eurer Seele, ihr Tugendhaften! —
Aber wohl giebt es Solche, denen Tugend der Krampf unter einer Peitsche heisst: und ihr habt mir zuviel auf deren Geschrei gehört!
Und Andre giebt es, die heissen Tugend das Faulwerden ihrer Laster; und wenn ihr Hass und ihre Eifersucht einmal die Glieder strecken, wird ihre „Gerechtigkeit“ munter und reibt sich die verschlafenen Augen.
Und Andre giebt es, die werden abwärts gezogen: ihre Teufel ziehn sie. Aber je mehr sie sinken, um so glühender leuchtet ihr Auge und die Begierde nach ihrem Gotte.
Ach, auch deren Geschrei drang zu euren Ohren, ihr Tugendhaften: „was ich nicht bin, das, das ist mir Gott und Tugend!“
Und Andre giebt es, die kommen schwer und knarrend daher, gleich Wägen, die Steine abwärts fahren: die reden viel von Würde und Tugend, — ihren Hemmschuh heissen sie Tugend!
Und Andre giebt es, die sind gleich Alltags-Uhren, die aufgezogen wurden; sie machen ihr Tiktak und wollen, dass man Tiktak — Tugend heisse.
Wahrlich, an Diesen habe ich meine Lust: wo ich solche Uhren finde, werde ich sie mit meinem Spotte aufziehn; und sie sollen mir dabei noch schnurren!
Und Andre sind stolz über ihre Handvoll Gerechtigkeit und begehen um ihrerwillen Frevel an allen Dingen: also dass die Welt in ihrer Ungerechtigkeit ertränkt wird.
Ach, wie übel ihnen das Wort „Tugend“ aus dem Munde läuft! Und wenn sie sagen: „ich bin gerecht,“ so klingt es immer gleich wie: „ich bin gerächt!“
Mit ihrer Tugend wollen sie ihren Feinden die Augen auskratzen; und sie erheben sich nur, um Andre zu erniedrigen.
Und wiederum giebt es Solche, die sitzen in ihrem Sumpfe und reden also heraus aus dem Schilfrohr: „Tugend — das ist still im Sumpfe sitzen.
Wir beissen Niemanden und gehen Dem aus dem Wege, der beissen will; und in Allem haben wir die Meinung, die man uns giebt.“
Und wiederum giebt es Solche, die lieben Gebärden und denken: Tugend ist eine Art Gebärde.
Ihre Kniee beten immer an, und ihre Hände sind Lobpreisungen der Tugend, aber ihr Herz weiss Nichts davon.
Und wiederum giebt es Solche, die halten es für Tugend, zu sagen: „Tugend ist nothwendig“; aber sie glauben im Grunde nur daran, dass Polizei nothwendig ist.
Und Mancher, der das Hohe an den Menschen nicht sehen kann, nennt es Tugend, dass er ihr Niedriges allzunahe sieht: also heisst er seinen bösen Blick Tugend.
Und Einige wollen erbaut und aufgerichtet sein und heissen es Tugend; und Andre wollen umgeworfen sein — und heissen es auch Tugend.
Und derart glauben fast Alle daran, Antheil zu haben an der Tugend; und zum Mindesten will ein Jeder Kenner sein über „gut“ und „böse“.
Aber nicht dazu kam Zarathustra, allen diesen Lügnern und Narren zu sagen: „was wisst ihr von Tugend! Was könntet ihr von Tugend wissen!“ —
Sondern, dass ihr, meine Freunde, der alten Worte müde würdet, welche ihr von den Narren und Lügnern gelernt habt:
Müde würdet der Worte „Lohn,“ „Vergeltung,“ „Strafe,“ „Rache in der Gerechtigkeit“ —
Müde würdet zu sagen: dass eine Handlung gut ist, das macht, sie ist selbstlos.“
Ach, meine Freunde! Dass euer Selbst in der Handlung sei, wie die Mutter im Kinde ist: das sei mir euer Wort von Tugend!
Wahrlich, ich nahm euch wohl hundert Worte und eurer Tugend liebste Spielwerke; und nun zürnt ihr mir, wie Kinder zürnen.
Sie spielten am Meere, — da kam die Welle und riss ihnen ihr Spielwerk in die Tiefe: nun weinen sie.
Aber die selbe Welle soll ihnen neue Spielwerke bringen und neue bunte Muscheln vor sie hin ausschütten!
So werden sie getröstet sein; und gleich ihnen sollt auch ihr, meine Freunde, eure Tröstungen haben — und neue bunte Muscheln! —
Also sprach Zarathustra.
Vom Gesindel.
Das Leben ist ein Born der Lust; aber wo das Gesindel mit trinkt, da sind alle Brunnen vergiftet.
Allem Reinlichen bin ich hold; aber ich mag die grinsenden Mäuler nicht sehn und den Durst der Unreinen.
Sie warfen ihr Auge hinab in den Brunnen: nun glänzt mir ihr widriges Lächeln herauf aus dem Brunnen.
Das heilige Wasser haben sie vergiftet mit ihrer Lüsternheit; und als sie ihre schmutzigen Träume Lust nannten, vergifteten sie auch noch die Worte.
Unwillig wird die Flamme, wenn sie ihre feuchten Herzen an's Feuer legen; der Geist selber brodelt und raucht, wo das Gesindel an's Feuer tritt.
Süsslich und übermürbe wird in ihrer Hand die Frucht: windfällig und wipfeldürr macht ihr Blick den Fruchtbaum.
Und Mancher, der sich vom Leben abkehrte, kehrte sich nur vom Gesindel ab: er wollte nicht Brunnen und Flamme und Frucht mit dem Gesindel theilen.
Und Mancher, der in die Wüste gieng und mit Raubthieren Durst litt, wollte nur nicht mit schmutzigen Kameeltreibern um die Cisterne sitzen.
Und Mancher, der wie ein Vernichter daher kam und wie ein Hagelschlag allen Fruchtfeldern, wollte nur seinen Fuss dem Gesindel in den Rachen setzen und also seinen Schlund stopfen.
Und nicht das ist der Bissen, an dem ich am meisten würgte, zu wissen, dass das Leben selber Feindschaft nöthig hat und Sterben und Marterkreuze: —
Sondern ich fragte einst und erstickte fast an meiner Frage: wie? hat das Leben auch das Gesindel nöthig?
Sind vergiftete Brunnen nöthig und stinkende Feuer und beschmutzte Träume und Maden im Lebensbrode?
Nicht mein Hass, sondern mein Ekel frass mir hungrig am Leben! Ach, des Geistes wurde ich oft müde, als ich auch das Gesindel geistreich fand!
Und den Herrschenden wandt' ich den Rücken, als ich sah, was sie jetzt Herrschen nennen: schachern und markten um Macht — mit dem Gesindel!
Unter Völkern wohnte ich fremder Zunge, mit verschlossenen Ohren: dass mir ihres Schacherns Zunge fremd bliebe und ihr Markten um Macht.
Und die Nase mir haltend, gieng ich unmuthig durch alles Gestern und Heute: wahrlich, übel riecht alles Gestern und Heute nach dem schreibenden Gesindel!
Einem Krüppel gleich, der taub und blind und stumm wurde: also lebte ich lange, dass ich nicht mit Macht- und Schreib- und Lust-Gesindel lebte.
Mühsam stieg mein Geist Treppen, und vorsichtig; Almosen der Lust waren sein Labsal; am Stabe schlich dem Blinden das Leben.
Was geschah mir doch? Wie erlöste ich mich vom Ekel? Wer verjüngte mein Auge? Wie erflog ich die Höhe, wo kein Gesindel mehr am Brunnen sitzt?
Schuf mein Ekel selber mir Flügel und quellenahnende Kräfte? Wahrlich, in's Höchste musste ich fliegen, dass ich den Born der Lust wiederfände!
Oh, ich fand ihn, meine Brüder! Hier im Höchsten quillt mir der Born der Lust! Und es giebt ein Leben, an dem kein Gesindel mit trinkt!
Fast zu heftig strömst du mir, Quell der Lust! Und oft leerst du den Becher wieder, dadurch dass du ihn füllen willst!
Und noch muss ich lernen, bescheidener dir zu nahen: allzuheftig strömt dir noch mein Herz entgegen: —
Mein Herz, auf dem mein Sommer brennt, der kurze, heisse, schwermüthige, überselige: wie verlangt mein Sommer-Herz nach deiner Kühle!
Vorbei die zögernde Trübsal meines Frühlings! Vorüber die Bosheit meiner Schneeflocken im Juni! Sommer wurde ich ganz und Sommer-Mittag!
Ein Sommer im Höchsten mit kalten Quellen und seliger Stille: oh kommt, meine Freunde, dass die Stille noch seliger werde!
Denn diess ist unsre Höhe und unsre Heimat: zu hoch und steil wohnen wir hier allen Unreinen und ihrem Durste.
Werft nur eure reinen Augen in den Born meiner Lust, ihr Freunde! Wie sollte er darob trübe werden! Entgegenlachen soll er euch mit seiner Reinheit.
Auf dem Baume Zukunft bauen wir unser Nest; Adler sollen uns Einsamen Speise bringen in ihren Schnäbeln!
Wahrlich, keine Speise, an der Unsaubere mitessen dürften! Feuer würden sie zu fressen wähnen und sich die Mäuler verbrennen!
Wahrlich, keine Heimstätten halten wir hier bereit für Unsaubere! Eishöhle würde ihren Leibern unser Glück heissen und ihren Geistern!
Und wie starke Winde wollen wir über ihnen leben, Nachbarn den Adlern, Nachbarn dem Schnee, Nachbarn der Sonne: also leben starke Winde.
Und einem Winde gleich will ich einst noch zwischen sie blasen und mit meinem Geiste ihrem Geiste den Athem nehmen: so will es meine Zukunft.
Wahrlich, ein starker Wind ist Zarathustra allen Niederungen; und solchen Rath räth er seinen Feinden und Allem, was spuckt und speit: „hütet euch, gegen den Wind zu speien!“
Also sprach Zarathustra
Von den Taranteln.
Siehe, das ist der Tarantel Höhle! Willst du sie selber sehn? Hier hängt ihr Netz: rühre daran, dass es erzittert.
Da kommt sie willig: willkommen, Tarantel! Schwarz sitzt auf deinem Rücken dein Dreieck und Wahrzeichen; und ich weiss auch, was in deiner Seele sitzt.
Rache sitzt in deiner Seele: wohin du beissest, da wächst schwarzer Schorf; mit Rache macht dein Gift die Seele drehend!
Also rede ich zu euch im Gleichniss, die ihr die Seelen drehend macht, ihr Prediger der Gleichheit! Taranteln seid ihr mir und versteckte Rachsüchtige!
Aber ich will eure Verstecke schon an's Licht bringen: darum lache ich euch in's Antlitz mein Gelächter der Höhe.
Darum reisse ich an eurem Netze, dass eure Wuth euch aus eurer Lügen-Höhle locke, und eure Rache hervorspringe hinter eurem Wort „Gerechtigkeit.“
Denn dass der Mensch erlöst werde von der Rache: das ist mir die Brücke zur höchsten Hoffnung und ein Regenbogen nach langen Unwettern.
Aber anders wollen es freilich die Taranteln. „Das gerade heisse uns Gerechtigkeit, dass die Welt voll werde von den Unwettern unsrer Rache“ — also reden sie mit einander.
„Rache wollen wir üben und Beschimpfung an Allen, die uns nicht gleich sind“ — so geloben sich die Tarantel-Herzen.
Und „Wille zur Gleichheit“ — das selber fürderhin der Name für Tugend werden; und gegen Alles, was Macht hat, wollen wir unser Geschrei erheben!“
Ihr Prediger der Gleichheit, der Tyrannen-Wahnsinn der Ohnmacht schreit also aus euch nach „Gleichheit“: eure heimlichsten Tyrannen-Gelüste vermummen sich also in Tugend -Worte!
Vergrämter Dünkel, verhaltener Neid, vielleicht eurer Väter Dünkel und Neid: aus euch bricht's als Flamme heraus und Wahnsinn der Rache.
Was der Vater schwieg, das kommt im Sohne zum Reden; und oft fand ich den Sohn als des Vaters entblösstes Geheimniss.
Den Begeisterten gleichen sie: aber nicht das Herz ist es, was sie begeistert, — sondern die Rache. Und wenn sie fein und kalt werden, ist's nicht der Geist, sondern der Neid, der sie fein und kalt macht.
Ihre Eifersucht führt sie auch auf der Denker Pfade; und diess ist das Merkmal ihrer Eifersucht — immer gehn sie zu weit: dass ihre Müdigkeit sich zuletzt noch auf Schnee schlafen legen muss.
Aus jeder ihrer Klagen tönt Rache, in jedem ihrer Lobsprüche ist ein Wehethun; und Richter-sein scheint ihnen Seligkeit.
Also aber rathe ich euch, meine Freunde: misstraut Allen, in welchen der Trieb, zu strafen, mächtig ist!
Das ist Volk schlechter Art und Abkunft; aus ihren Gesichtern blickt der Henker und der Spürhund.
Misstraut allen Denen, die viel von ihrer Gerechtigkeit reden! Wahrlich, ihren Seelen fehlt es nicht nur an Honig.
Und wenn sie sich selber „die Guten und Gerechten“ nennen, so vergesst nicht, dass ihnen zum Pharisäer Nichts fehlt als — Macht!
Meine Freunde, ich will nicht vermischt und verwechselt werden.
Es giebt Solche, die predigen meine Lehre vom Leben: und zugleich sind sie Prediger der Gleichheit und Taranteln.
Dass sie dem Leben zu Willen reden, ob sie gleich in ihrer Höhle sitzen, diese Gift-Spinnen, und abgekehrt vom Leben: das macht, sie wollen damit wehethun.
Solchen wollen sie damit wehethun. die jetzt die Macht haben: denn bei diesen ist noch die Predigt vom Tode am besten zu Hause.
Wäre es anders, so würden die Taranteln anders lehren: und gerade sie waren ehemals die besten Welt-Verleumder und Ketzer-Brenner.
Mit diesen Predigern der Gleichheit will ich nicht vermischt und verwechselt sein. Denn so redet mir die Gerechtigkeit: „die Menschen sind nicht gleich.“
Und sie sollen es auch nicht werden! Was wäre denn meine Liebe zum Übermenschen, wenn ich anders spräche?
Auf tausend Brücken und Stegen sollen sie sich drängen zur Zukunft, und immer mehr Krieg und Ungleichheit soll zwischen sie gesetzt sein: so lässt mich meine grosse Liebe reden!
Erfinder von Bildern und Gespenstern sollen sie werden in ihren Feindschaften, und mit ihren Bildern und Gespenstern sollen sie noch gegeneinander den höchsten Kampf kämpfen!
Gut und Böse, und Reich und Arm, und Hoch und Gering, und alle Namen der Werthe: Waffen sollen es sein und klirrende Merkmale davon, dass das Leben sich immer wieder selber überwinden muss!
In die Höhe will es sich bauen mit Pfeilern und Stufen, das Leben selber: in weite Fernen will es blicken und hinaus nach seligen Schönheiten, — darum braucht es Höhe!
Und weil es Höhe braucht, braucht es Stufen und Widerspruch der Stufen und Steigenden! Steigen will das Leben und steigend sich überwinden.
Und seht mir doch, meine Freunde! Hier, wo der Tarantel Höhle ist, heben sich eines alten Tempels Trümmer aufwärts, — seht mir doch mit erleuchteten Augen hin!
Wahrlich, wer hier einst seine Gedanken in Stein nach Oben thürmte, um das Geheimniss alles Lebens wusste er gleich dem Weisesten!
Dass Kampf und Ungleiches auch noch in der Schönheit sei und Krieg um Macht und Übermacht: das lehrt er uns hier im deutlichsten Gleichniss.
Wie sich göttlich hier Gewölbe und Bogen brechen, im Ringkampfe: wie mit Licht und Schatten sie wider einander streben, die göttlich-Strebenden —
Also sicher und schön lasst uns auch Feinde sein, meine Freunde! Göttlich wollen wir wider einander streben! —
Wehe! Da biss mich selber die Tarantel, meine alte Feindin! Göttlich sicher und schön biss sie mich in den Finger!
„Strafe muss sein und Gerechtigkeit — so denkt sie: nicht umsonst soll er hier der Feindschaft zu Ehren Lieder singen!“
Ja, sie hat sich gerächt! Und wehe! nun wird sie mit Rache auch noch meine Seele drehend machen!
Dass ich mich aber nicht drehe, meine Freunde, bindet mich fest hier an diese Säule! Lieber noch Säulen-Heiliger will ich sein, als Wirbel der Rachsucht!
Wahrlich, kein Dreh- und Wirbelwind ist Zarathustra; und wenn er ein Tänzer ist, nimmermehr doch ein Tarantel-Tänzer! —
Also sprach Zarathustra.
Von den berühmten Weisen.
Dem Volke habt ihr gedient und des Volkes Aberglauben, ihr berühmten Weisen alle! — und nicht der Wahrheit! Und gerade darum zollte man euch Ehrfurcht.
Und darum auch ertrug man euren Unglauben, weil er ein Witz und Umweg war zum Volke. So lässt der Herr seine Sclaven gewähren und ergötzt sich noch an ihrem Übermuthe.
Aber wer dem Volke verhasst ist wie ein Wolf den Hunden: das ist der freie Geist, der Fessel-Feind, der Nicht-Anbeter, der in Wäldern Hausende.
Ihn zu jagen aus seinem Schlupfe — das hiess immer dem Volke „Sinn für das Rechte“: gegen ihn hetzt es noch immer seine scharfzahnigsten Hunde.
„Denn die Wahrheit ist da: ist das Volk doch da! Wehe, wehe den Suchenden!“ — also scholl es von jeher.
Eurem Volke wolltet ihr Recht schaffen in seiner Verehrung: das hiesset ihr „Wille zur Wahrheit,“ ihr berühmten Weisen!
Und euer Herz sprach immer zu sich: „vom Volke kam ich: von dort her kam mir auch Gottes Stimme.“ Hart-nackig und klug, dem Esel gleich, wart ihr immer als des Volkes Fürsprecher.
Und mancher Mächtige, der gut fahren wollte mit dem Volke, spannte vor seine Rosse noch — ein Eselein, einen berühmten Weisen.
Und nun wollte ich, ihr berühmten Weisen, ihr würfet endlich das Fell des Löwen ganz von euch!
Das Fell des Raubthiers, das buntgefleckte, und die Zotten des Forschenden, Suchenden, Erobernden!
Ach, dass ich an eure „Wahrhaftigkeit“ glauben lerne, dazu müsstet ihr mir erst euren verehrenden Willen zerbrechen.
Wahrhaftig — so heisse ich Den, der in götterlose Wüsten geht und sein verehrendes Herz zerbrochen hat.
Im gelben Sande und verbrannt von der Sonne schielt er wohl durstig nach den quellenreichen Eilanden, wo Lebendiges unter dunkeln Bäumen ruht.
Aber sein Durst überredet ihn nicht, diesen Behaglichen gleich zu werden: denn wo Oasen sind, da sind auch Götzenbilder.
Hungernd, gewaltthätig, einsam, gottlos: so will sich selber der Löwen-Wille.
Frei von dem Glück der Knechte, erlöst von Göttern und Anbetungen, furchtlos und fürchterlich, gross und einsam: so ist der Wille des Wahrhaftigen.
In der Wüste wohnten von je die Wahrhaftigen, die freien Geister, als der Wüste Herren; aber in den Städten wohnen die gutgefütterten, berühmten Weisen, — die Zugthiere.
Immer nämlich ziehen sie, als Esel — des Volkes Karren!
Nicht dass ich ihnen darob zürne: aber Dienende bleiben sie mir und Angeschirrte, auch wenn sie von goldnem Geschirre glänzen.
Und oft waren sie gute Diener und preiswürdige. Denn so spricht die Tugend: „musst du Diener sein, so suche Den, welchem dein Dienst am besten nützt!
„Der Geist und die Tugend deines Herrn sollen wachsen, dadurch dass du sein Diener bist: so wächsest du selber mit seinem Geiste und seiner Tugend!“
Und wahrlich, ihr berühmten Weisen, ihr Diener des Volkes! Ihr selber wuchset mit des Volkes Geist und Tugend — und das Volk durch euch! Zu euren Ehren sage ich das!
Aber Volk bleibt ihr mir auch noch in euren Tugenden,Volk mit blöden Augen, — Volk, das nicht weiss, was Geist ist!
Geist ist das Leben, das selber in's Leben schneidet: an der eignen Qual mehrt es sich das eigne Wissen, — wusstet ihr das schon?
Und des Geistes Glück ist diess: gesalbt zu sein und durch Thränen geweiht zum Opferthier, — wusstet ihr das schon?
Und die Blindheit des Blinden und sein Suchen und Tappen soll noch von der Macht der Sonne zeugen, in die er schaute, — wusstet ihr das schon?
Und mit Bergen soll der Erkennende bauen lernen! Wenig ist es, dass der Geist Berge versetzt,— wusstet ihr das schon?
Ihr kennt nur des Geistes Funken: aber ihr seht den Ambos nicht, der er ist, und nicht die Grausamkeit seines Hammers!
Wahrlich, ihr kennt des Geistes Stolz nicht! Aber noch weniger würdet ihr des Geistes Bescheidenheit ertragen, wenn sie einmal reden wollte!
Und niemals noch durftet ihr euren Geist in eine Grube von Schnee werfen: ihr seid nicht heiss genug dazu! So kennt ihr auch die Entzückungen seiner Kälte nicht.
In Allem aber thut ihr mir zu vertraulich mit dem Geiste; und aus der Weisheit machtet ihr oft ein Armen- und Krankenhaus für schlechte Dichter.
Ihr seid keine Adler: so erfuhrt ihr auch das Glück im Schrecken des Geistes nicht. Und wer kein Vogel ist, soll sich nicht über Abgründen lagern.
Ihr seid mir Laue: aber kalt strömt jede tiefe Erkenntniss. Eiskalt sind die innersten Brunnen des Geistes: ein Labsal heissen Händen und Handelnden.
Ehrbar steht ihr mir da und steif und mit geradem Rücken, ihr berühmten Weisen! — euch treibt kein starker Wind und Wille.
Saht ihr nie ein Segel über das Meer gehn, geründet und gebläht und zitternd vor dem Ungestüm des Windes?
Dem Segel gleich, zitternd vor dem Ungestüm des Geistes, geht meine Weisheit über das Meer — meine wilde Weisheit!
Aber ihr Diener des Volkes, ihr berühmten Weisen, — wie könntet ihr mit mir gehn! —.
Also sprach Zarathustra.
Das Nachtlied.
Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen. Und auch meine Seele ist ein springender Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
Ein Ungestilltes, Unstillbares ist in mir; das will laut werden. Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Licht bin ich: ach, dass ich Nacht wäre! Aber diess ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
Ach, dass ich dunkel wäre und nächtig! Wie wollte ich an den Brüsten des Lichts saugen!
Und euch selber wollte ich noch segnen, ihr kleinen Funkelsterne und Leuchtwürmer droben! — und selig sein ob eurer Licht-Geschenke.
Aber ich lebe in meinem eignen Lichte, ich trinke die Flammen in mich zurück, die aus mir brechen.
Ich kenne das Glück des Nehmenden nicht; und oft träumte mir davon, dass Stehlen noch seliger sein müsse, als Nehmen.
Das ist meine Armuth, dass meine Hand niemals ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich wartende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Oh Unseligkeit aller Schenkenden! Oh Verfinsterung meiner Sonne! Oh Begierde nach Begehren! Oh Heisshunger in der Sättigung!
Sie nehmen von mir: aber rühre ich noch an ihre Seele? Eine Kluft ist zwischen Geben und Nehmen; und die kleinste Kluft ist am letzten zu überbrücken.
Ein Hunger wächst aus meiner Schönheit: wehethun möchte ich Denen, welchen ich leuchte, berauben möchte ich meine Beschenkten: — also hungere ich nach Bosheit.
Die Hand zurückziehend, wenn sich schon ihr die Hand entgegenstreckt; dem Wasserfalle gleich zögernd, der noch im Sturze zögert: — also hungere ich nach Bosheit.
Solche Rache sinnt meine Fülle aus; solche Tücke quillt aus meiner Einsamkeit.
Mein Glück im Schenken erstarb im Schenken, meine Tugend wurde ihrer selber müde an ihrem Überflusse!
Wer immer schenkt, dessen Gefahr ist, dass er die Scham verliere; wer immer austheilt, dessen Hand und Herz hat Schwielen vor lauter Austheilen.
Mein Auge quillt nicht mehr über vor der Scham der Bittenden; meine Hand wurde zu hart für das Zittern gefüllter Hände.
Wohin kam die Thräne meinem Auge und der Flaum meinem Herzen? Oh Einsamkeit aller Schenkenden! Oh Schweigsamkeit aller Leuchtenden!
Viel Sonnen kreisen im öden Raume: zu Allem, was dunkel ist, reden sie mit ihrem Lichte, — mir schweigen sie.
Oh diess ist die Feindschaft des Lichts gegen Leuchtendes; erbarmungslos wandelt es seine Bahnen.
Unbillig gegen Leuchtendes im tiefsten Herzen, kalt gegen Sonnen; — also wandelt jede Sonne.
Einem Sturme gleich fliegen die Sonnen ihre Bahnen, das ist ihr Wandeln. Ihrem unerbittlichen Willen folgen sie, das ist ihre Kälte.
Oh, ihr erst seid es, ihr Dunklen, ihr Nächtigen, die ihr Wärme schafft aus Leuchtendem! Oh, ihr erst trinkt euch Milch und Labsal aus des Lichtes Eutern!
Ach, Eis ist um mich, meine Hand verbrennt sich an Eisigem! Ach, Durst ist in mir, der schmachtet nach eurem Durste!
Nacht ist es: ach dass ich Licht sein muss! Und Durst nach Nächtigem! Und Einsamkeit!
Nacht ist es: nun bricht wie ein Born aus mir mein Verlangen, — nach Rede verlangt mich.
Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen. Und auch meine Seele ist ein springender Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden. Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden. —
Also sang Zarathustra.
Das Tanzlied.
Eines Abends gieng Zarathustra mit seinen Jüngern durch den Wald; und als er nach einem Brunnen suchte, siehe, da kam er auf eine grüne Wiese, die von Bäumen und Gebüsch still umstanden war: auf der tanzten Mädchen mit einander. Sobald die Mädchen Zarathustra erkannten, liesen sie vom Tanze ab; Zarathustra aber trat mit freundlicher Gebärde zu ihnen und sprach diese Worte:
„Lasst vom Tanze nicht ab, ihr lieblichen Mädchen! Kein Spielverderber kam zu euch mit bösem Blick, kein Mädchen-Feind.
Gottes Fürsprecher bin ich vor dem Teufel: der aber ist der Geist der Schwere. Wie sollte ich, ihr Leichten, göttlichen Tänzen feind sein? Oder Mädchen-Füssen mit schönen Knöcheln?
Wohl bin ich ein Wald und eine Nacht dunkler Bäume: doch wer sich vor meinem Dunkel nicht scheut, der findet auch Rosenhänge unter meinen Cypressen.
Und auch den kleinen Gott findet er wohl, der den Mädchen der liebste ist: neben dem Brunnen liegt er, still, mit geschlossenen Augen.
Wahrlich, am hellen Tage schlief er mir ein, der Tagedieb! Haschte er wohl zu viel nach Schmetterlingen?
Zürnt mir nicht, ihr schönen Tanzenden, wenn ich den kleinen Gott ein Wenig züchtige! Schreien wird er wohl und weinen, — aber zum Lachen ist er noch im Weinen!
Und mit Thränen im Auge soll er euch um einen Tanz bitten; und ich selber will ein Lied zu seinem Tanze singen:
Ein Tanz- und Spottlied auf den Geist der Schwere, meinen allerhöchsten grossmächtigsten Teufel, von dem sie sagen, dass er „der Herr der Welt“ sei.“ —
Und diess ist das Lied, welches Zarathustra sang, als Cupido und die Mädchen zusammen tanzten.
„In dein Auge schaute ich jüngst, oh Leben! Und in's Unergründliche schien ich mir da zu sinken.
Aber du zogst mich mit goldner Angel heraus; spöttisch lachtest du, als ich dich unergründlich nannte.
„So geht die Rede aller Fische, sprachst du; was sie nicht ergründen, ist unergründlich.
„Aber veränderlich bin ich nur und wild und in Allem ein Weib, und kein tugendhaftes:
„Ob ich schon euch Männern „die Tiefe“ heisse oder „die Treue“, „die Ewige“, die „Geheimnissvolle.“
„Doch ihr Männer beschenkt uns stets mit den eignen Tugenden — ach, ihr Tugendhaften!“
Also lachte sie, die Unglaubliche; aber ich glaube ihr niemals und ihrem Lachen, wenn sie bös von sich selber spricht.
Und als ich unter vier Augen mit meiner wilden Weisheit redete, sagte sie mir zornig: „Du willst, du begehrst, du liebst, darum allein lobst du das Leben!“
Fast hätte ich da bös geantwortet und der Zornigen die Wahrheit gesagt; und man kann nicht böser antworten, als wenn man seiner Weisheit „die Wahrheit sagt.“
So nämlich steht es zwischen uns Dreien. Von Grund aus liebe ich nur das Leben — und, wahrlich, am meisten dann, wenn ich es hasse!
Dass ich aber der Weisheit gut bin und oft zu gut: das macht, sie erinnert mich gar sehr an das Leben!
Sie hat ihr Auge, ihr Lachen und sogar ihr goldnes Angelrüthchen: was kann ich dafür, dass die Beiden sich so ähnlich sehen?
Und als mich einmal das Leben fragte: Wer ist denn das, die Weisheit? — da sagte ich eifrig: „Ach ja! die Weisheit!
Man dürstet um sie und wird nicht satt, man blickt durch Schleier, man hascht durch Netze.
Ist sie schön? Was weiss ich! Aber die ältesten Karpfen werden noch mit ihr geködert.
Veränderlich ist sie und trotzig; oft sah ich sie sich die Lippe beissen und den Kamm wider ihres Haares Strich führen.
Vielleicht ist sie böse und falsch, und in Allem ein Frauenzimmer; aber wenn sie von sich selber schlecht spricht, da gerade verführt sie am meisten.“
Als ich diess zu dem Leben sagte, da lachte es boshaft und machte die Augen zu. „Von wem redest du doch? sagte sie, wohl von mir?
Und wenn du Recht hättest, — sagt man das mir so in's Gesicht! Aber nun sprich doch auch von deiner Weisheit!“
Ach, und nun machtest du wieder dein Auge auf, oh geliebtes Leben! Und in's Unergründliche schien ich mir wieder zu sinken. —
Also sang Zarathustra. Als aber der Tanz zu Ende und die Mädchen fortgegangen waren, wurde er traurig.
„Die Sonne ist lange schon hinunter, sagte er endlich; die Wiese ist feucht, von den Wäldern her kommt Kühle.
Ein Unbekanntes ist um mich und blickt nachdenklich. Was! Du lebst noch, Zarathustra?
Warum? Wofür? Wodurch? Wohin? Wo? Wie? Ist es nicht Thorheit, noch zu leben? —
Ach, meine Freunde, der Abend ist es, der so aus mir fragt. Vergebt mir meine Traurigkeit!
Abend ward es: vergebt mir, dass es Abend ward!
Also sprach Zarathustra.
Das Grablied.
„Dort ist die Gräberinsel, die schweigsame; dort sind auch die Gräber meiner Jugend. Dahin will ich einen immergrünen Kranz des Lebens tragen.“
Also im Herzen beschliessend fuhr ich über das Meer. —
Oh ihr, meiner Jugend Gesichte und Erscheinungen! Oh, ihr Blicke der Liebe alle, ihr göttlichen Augenblicke! Wie starbt ihr mir so schnell! Ich gedenke eurer heute wie meiner Todten.
Von euch her, meinen liebsten Todten, kommt mir ein süsser Geruch, ein herz- und thränenlösender. Wahrlich, er erschüttert und löst das Herz dem einsam Schiffenden.
Immer noch bin ich der Reichste und Bestzubeneidende — ich der Einsamste! Denn ich hatte euch doch, und ihr habt mich noch: sagt, wem fielen, wie mir, solche Rosenäpfel vom Baume?
Immer noch bin ich eurer Liebe Erbe und Erdreich, blühend zu eurem Gedächtnisse von bunten wildwachsenen Tugenden, oh ihr Geliebtesten!
Ach, wir waren gemacht, einander nahe zu bleiben, ihr holden fremden Wunder; und nicht schüchternen Vögeln gleich kamt ihr zu mir und meiner Begierde — nein, als Trauende zu dem Trauenden!
Ja, zur Treue gemacht, gleich mir und zu zärtlichen Ewigkeiten: muss ich nun euch nach eurer Untreue heissen, ihr göttlichen Blicke und Augenblicke: keinen andern Namen lernte ich noch.
Wahrlich, zu schnell starbt ihr mir, ihr Flüchtlinge. Doch floht ihr mich nicht, noch floh ich euch: unschuldig sind wir einander in unsrer Untreue.
Mich zu tödten, erwürgte man euch, ihr Singvögel meiner Hoffnungen! Ja, nach euch, ihr Liebsten, schoss immer die Bosheit Pfeile — mein Herz zu treffen!
Und sie traf! Wart ihr doch stets mein Herzlichstes, mein Besitz und mein Besessen-sein: darum musstet ihr jung sterben und allzu frühe!
Nach dem Verwundbarsten, das ich besass, schoss man den Pfeil: das waret ihr, denen die Haut einem Flaume gleich ist und mehr noch dem Lächeln, das an einem Blick erstirbt!
Aber diess Wort will ich zu meinen Feinden reden: was ist alles Menschen-Morden gegen Das, was ihr mir thatet!
Böseres thatet ihr mir, als aller Menschen-Mord ist; Unwiederbringliches nahmt ihr mir: — also rede ich zu euch, meine Feinde!
Mordetet ihr doch meiner Jugend Gesichte und liebste Wunder! Meine Gespielen nahmt ihr mir, die seligen Geister! Ihrem Gedächtnisse lege ich diesen Kranz und diesen Fluch nieder.
Diesen Fluch gegen euch, meine Feinde! Machtet ihr doch mein Ewiges kurz, wie ein Ton zerbricht in kalter Nacht! Kaum als Aufblinken göttlicher Augen kam es mir nun, — als Augenblick!
Also sprach zur guten Stunde einst meine Reinheit: „göttlich sollen mir alle Wesen sein.“
Da überfielt ihr mich mit schmutzigen Gespenstern; ach, wohin floh nun jene gute Stunde!
„Alle Tage sollen mir heilig sein“ — so redete einst die Weisheit meiner Jugend: wahrlich, einer fröhlichen Weisheit Rede!
Aber da stahlt ihr Feinde mir meine Nächte und verkauftet sie zu schlafloser Qual: ach, wohin floh nun jene fröhliche Weisheit?
Einst begehrte ich nach glücklichen Vogelzeichen: da führtet ihr mir ein Eulen-Unthier über den Weg, ein widriges. Ach, wohin floh da meine zärtliche Begierde?
Allem Ekel gelobte ich einst zu entsagen: da verwandeltet ihr meine Nahen und Nächsten in Eiterbeulen. Ach, wohin floh da mein edelstes Gelöbniss?
Als Blinder gieng ich einst selige Wege: da warft ihr Unflath auf den Weg des Blinden: und nun ekelte ihn des alten Blinden-Fusssteigs.
Und als ich mein Schwerstes that und meiner Überwindungen Sieg feierte: da machtet ihr Die, welche mich liebten, schreien, ich thue ihnen am wehesten.
Wahrlich, das war immer euer Thun: ihr vergälltet mir meinen besten Honig und den Fleiss meiner besten Bienen.
Meiner Mildthätigkeit sandtet ihr immer die frechsten Bettler zu; um mein Mitleiden drängtet ihr immer die unheilbar Schamlosen. So verwundetet ihr meine Tugend in ihrem Glauben.
Und legte ich noch mein Heiligstes zum Opfer hin: flugs stellte eure „Frömmigkeit“ ihre fetteren Gaben dazu: also dass im Dampfe eures Fettes noch mein Heiligstes erstickte.
Und einst wollte ich tanzen, wie nie ich noch tanzte: über alle Himmel weg wollte ich tanzen. Da überredetet ihr meinen liebsten Sänger.
Und nun stimmte er eine schaurige dumpfe Weise an; ach, er tutete mir, wie ein düsteres Horn, zu Ohren!
Mörderischer Sänger, Werkzeug der Bosheit, Unschuldigster! Schon stand ich bereit zum besten Tanze: da mordetest du mit deinen Tönen meine Verzückung!
Nur im Tanze weiss ich der höchsten Dinge Gleichniss zu reden: — und nun blieb mir mein höchstes Gleichniss ungeredet in meinen Gliedern!
Ungeredet und unerlöst blieb mir die höchste Hoffnung! Und es starben mir alle Gesichte und Tröstungen meiner Jugend!
Wie ertrug ich's nur? Wie verwand und überwand ich solche Wunden? Wie erstand meine Seele wieder aus diesen Gräbern?
Ja, ein Unverwundbares, Unbegrabbares ist an mir, ein Felsensprengendes: das heisst mein Wille. Schweigsam schreitet es und unverändert durch die Jahre.
Seinen Gang will er gehn auf meinen Füssen, mein alter Wille; herzenshart ist ihm der Sinn und unverwundbar.
Unverwundbar bin ich allein an meiner Ferse. Immer noch lebst du da und bist dir gleich, Geduldigster! Immer noch brachst du dich durch alle Gräber!
In dir lebt auch noch das Unerlöste meiner Jugend; und als Leben und Jugend sitzest du hoffend hier auf gelben Grab-Trümmern.
Ja, noch bist du mir aller Gräber Zertrümmerer: Heil dir, mein Wille! Und nur wo Gräber sind, giebt es Auferstehungen. —
Also sang Zarathustra. —
Von der Selbst-Ueberwindung.
„Wille zur Wahrheit“ heisst ihr's, ihr Weisesten, was euch treibt und brünstig macht?
Wille zur Denkbarkeit alles Seienden: also heisse ich euren Willen!
Alles Seiende wollt ihr erst denkbar machen: denn ihr zweifelt mit gutem Misstrauen, ob es schon denkbar ist.
Aber es soll sich auch fügen und biegen! So will's euer Wille. Glatt soll es werden und dem Geiste unterthan, als sein Spiegel und Widerbild.
Das ist euer ganzer Wille, ihr Weisesten, als ein Wille zur Macht; und auch wenn ihr vom Guten und Bösen redet und von den Werthschätzungen.
Schaffen wollt ihr noch die Welt, vor der ihr knien könnt: so ist es eure letzte Hoffnung und Trunkenheit.
Die Unweisen freilich, das Volk, — die sind gleich dem Flusse, auf dem ein Nachen weiter schwimmt: und im Nachen sitzen feierlich und vermummt die Werthschätzungen.
Euren Willen und eure Werthe setztet ihr auf den Fluss des Werdens; einen alten Willen zur Macht verräth mir, was vom Volke als gut und böse geglaubt wird.
Ihr wart es, ihr Weisesten, die solche Gäste in diesen Nachen setzten und ihnen Prunk und stolze Namen gaben, — ihr und euer herrschender Wille!
Weiter trägt nun der Fluss euren Nachen: er muss ihn tragen. Wenig thut's, ob die gebrochene Welle schäumt und zornig dem Kiele widerspricht!
Nicht der Fluss ist eure Gefahr und das Ende eures Guten und Bösen, ihr Weisesten: sondern jener Wille selber, der Wille zur Macht, — der unerschöpfte zeugende Lebens-Wille.
Aber damit ihr mein Wort versteht vom Guten und Bösen: dazu will ich euch noch mein Wort vom Leben sagen und von der Art alles Lebendigen.
Dem Lebendigen gieng ich nach, ich gieng die grössten und die kleinsten Wege, dass ich seine Art erkenne.
Mit hundertfachem Spiegel fieng ich noch seinen Blick auf, wenn ihm der Mund geschlossen war: dass sein Auge mir rede. Und sein Auge redete mir.
Aber, wo ich nur Lebendiges fand, da hörte ich auch die Rede vom Gehorsame. Alles Lebendige ist ein Gehorchendes.
Und diess ist das Zweite: Dem wird befohlen, der sich nicht selber gehorchen kann. So ist es des Lebendigen Art.
Diess aber ist das Dritte, was ich hörte: dass Befehlen schwerer ist, als Gehorchen. Und nicht nur, dass der Befehlende die Last aller Gehorchenden trägt, und dass leicht ihn diese Last zerdrückt: —
Ein Versuch und Wagniss erschien mir in allem Befehlen; und stets, wenn es befiehlt, wagt das Lebendige sich selber dran.
Ja noch, wenn es sich selber befiehlt: auch da noch muss es sein Befehlen büssen. Seinem eignen Gesetze muss es Richter und Rächer und Opfer werden.
Wie geschieht diess doch! so fragte ich mich. Was überredet das Lebendige, dass es gehorcht und befiehlt und befehlend noch Gehorsam übt?
Hört mir nun mein Wort, ihr Weisesten! Prüft es ernstlich, ob ich dem Leben selber in's Herz kroch und bis in die Wurzeln seines Herzens!
Wo ich Lebendiges fand, da fand ich Willen zur Macht; und noch im Willen des Dienenden fand ich den Willen, Herr zu sein.
Dass dem Stärkeren diene das Schwächere, dazu überredet es sein Wille, der über noch Schwächeres Herr sein will: dieser Lust allein mag es nicht entrathen.
Und wie das Kleinere sich dem Grösseren hingiebt, dass es Lust und Macht am Kleinsten habe: also giebt sich auch das Grösste noch hin und setzt um der Macht willen — das Leben dran.
Das ist die Hingebung des Grössten, dass es Wagniss ist und Gefahr und um den Tod ein Würfelspielen.
Und wo Opferung und Dienste und Liebesblicke sind: auch da ist Wille, Herr zu sein. Auf Schleichwegen schleicht sich da der Schwächere in die Burg und bis in's Herz dem Mächtigeren — und stiehlt da Macht.
Und diess Geheimniss redete das Leben selber zu mir. „Siehe, sprach es, ich bin das, was sich immer selber überwinden muss.
„Freilich, ihr heisst es Wille zur Zeugung oder Trieb zum Zwecke, zum Höheren, Ferneren, Vielfacheren: aber all diess ist Eins und Ein Geheimniss.
„Lieber noch gehe ich unter, als dass ich diesem Einen absagte; und wahrlich, wo es Untergang giebt und Blätterfallen, siehe, da opfert sich Leben — um Macht!
„Dass ich Kampf sein muss und Werden und Zweck und der Zwecke Widerspruch: ach, wer meinen Willen erräth, erräth wohl auch, auf welchen krummen Wegen er gehen muss!
„Was ich auch schaffe und wie ich's auch liebe, — bald muss ich Gegner ihm sein und meiner Liebe: so will es mein Wille.
„Und auch du, Erkennender, bist nur ein Pfad und Fusstapfen meines Willens: wahrlich, mein Wille zur Macht wandelt auch auf den Füssen deines Willens zur Wahrheit!
„Der traf freilich die Wahrheit nicht, der das Wort nach ihr schoss vom „Willen zum Dasein“: diesen Willen — giebt es nicht!
„Denn: was nicht ist, das kann nicht wollen; was aber im Dasein ist, wie könnte das noch zum Dasein wollen!
„Nur, wo Leben ist, da ist auch Wille: aber nicht Wille zum Leben, sondern — so lehre ich's dich — Wille zur Macht!
„Vieles ist dem Lebenden höher geschätzt, als Leben selber; doch aus dem Schätzen selber heraus redet — der Wille zur Macht!“ —
Also lehrte mich einst das Leben: und daraus löse ich euch, ihr Weisesten, noch das Räthsel eures Herzens.
Wahrlich, ich sage euch: Gutes und Böses, das unvergänglich wäre — das giebt es nicht! Aus sich selber muss es sich immer wieder überwinden.
Mit euren Werthen und Worten von Gut und Böse übt ihr Gewalt, ihr Werthschätzenden: und diess ist eure verborgene Liebe und eurer Seele Glänzen, Zittern und Überwallen.
Aber eine stärkere Gewalt wächst aus euren Werthen und eine neue Überwindung: an der zerbricht Ei und Eierschale.
Und wer ein Schöpfer sein muss im Guten und Bösen: wahrlich, der muss ein Vernichter erst sein und Werthe zerbrechen.
Also gehört das höchste Böse zur höchsten Güte: diese aber ist die schöpferische. —
Reden wir nur davon, ihr Weisesten, ob es gleich schlimm ist. Schweigen ist schlimmer; alle verschwiegenen Wahrheiten werden giftig.
Und mag doch Alles zerbrechen, was an unseren Wahrheiten zerbrechen — kann! Manches Haus giebt es noch zu bauen!
Also sprach Zarathustra.
Von den Erhabenen.
Still ist der Grund meines Meeres: wer erriethe wohl, dass er scherzhafte Ungeheuer birgt!
Unerschütterlich ist meine Tiefe: aber sie glänzt von schwimmenden Räthseln und Gelächtern.
Einen Erhabenen sah ich heute, einen Feierlichen, einen Büsser des Geistes: oh wie lachte meine Seele ob seiner Hässlichkeit!
Mit erhobener Brust und Denen gleich, welche den Athem an sich ziehn: also stand er da, der Erhabene, und schweigsam:
Behängt mit hässlichen Wahrheiten, seiner Jagdbeute, und reich an zerrissenen Kleidern; auch viele Dornen hiengen an ihm — aber noch sah ich keine Rose.
Noch lernte er das Lachen nicht und die Schönheit. Finster kam dieser Jäger zurück aus dem Walde der Erkenntniss.
Vom Kampfe kehrte er heim mit wilden Thieren: aber aus seinem Ernste blickt auch noch ein wildes Thier — ein unüberwundenes!
Wie ein Tiger steht er immer noch da, der springen will; aber ich mag diese gespannten Seelen nicht, unhold ist mein Geschmack allen diesen Zurückgezognen.
Und ihr sagt mir, Freunde, dass nicht zu streiten sei über Geschmack und Schmecken? Aber alles Leben ist Streit um Geschmack und Schmecken!
Geschmack: das ist Gewicht zugleich und Wagschale und Wägender; und wehe allem Lebendigen, das ohne Streit um Gewicht und Wagschale und Wägende leben wollte!
Wenn er seiner Erhabenheit müde würde, dieser Erhabene: dann erst würde seine Schönheit anheben, — und dann erst will ich ihn schmecken und schmackhaft finden.
Und erst, wenn er sich von sich selber abwendet, wird er über seinen eignen Schatten springen — und, wahrlich! hinein in seine Sonne.
Allzulange sass er im Schatten, die Wangen bleichten dem Büsser des Geistes; fast verhungerte er an seinen Erwartungen.
Verachtung ist noch in seinem Auge; und Ekel birgt sich an seinem Munde. Zwar ruht er jetzt, aber seine Ruhe hat sich noch nicht in die Sonne gelegt.
Dem Stiere gleich sollte er thun; und sein Glück sollte nach Erde riechen und nicht nach Verachtung der Erde.
Als weissen Stier möchte ich ihn sehn, wie er schnaubend und brüllend der Pflugschar vorangeht: und sein Gebrüll sollte noch alles Irdische preisen!
Dunkel noch ist sein Antlitz; der Hand Schatten spielt auf ihm. Verschattet ist noch der Sinn seines Auges.
Seine That selber ist noch der Schatten auf ihm: die Hand verdunkelt den Handelnden. Noch hat er seine That nicht überwunden.
Wohl liebe ich an ihm den Nacken des Stiers: aber nun will ich auch noch das Auge des Engels sehn.
Auch seinen Helden-Willen muss er noch verlernen: ein Gehobener soll er mir sein und nicht nur ein Erhabener: — Aether selber sollte ihn heben, den Willenlosen!
Er bezwang Unthiere, er löste Räthsel: aber erlösen sollte er auch noch seine Unthiere und Räthsel, zu himmlischen Kindern sollte er sie noch verwandeln.
Noch hat seine Erkenntniss nicht lächeln gelernt und ohne Eifersucht sein; noch ist seine strömende Leidenschaft nicht stille geworden in der Schönheit.
Wahrlich, nicht in der Sattheit soll sein Verlangen schweigen und untertauchen, sondern in der Schönheit! Die Anmuth gehört zur Grossmuth des Grossgesinnten.
Den Arm über das Haupt gelegt: so sollte der Held ausruhn, so sollte er auch noch sein Ausruhen überwinden.
Aber gerade dem Helden ist das Schöne aller Dinge Schwerstes. Unerringbar ist das Schöne allem heftigen Willen.
Ein Wenig mehr, ein Wenig weniger: das gerade ist hier Viel, das ist hier das Meiste.
Mit lässigen Muskeln stehn und mit abgeschirrtem Willen: das ist das Schwerste euch Allen, ihr Erhabenen!
Wenn die Macht gnädig wird und herabkommt in's Sichtbare: Schönheit heisse ich solches Herabkommen.
Und von Niemandem will ich so als von dir gerade Schönheit, du Gewaltiger: deine Güte sei deine letzte Selbst-Überwältigung.
Alles Böse traue ich dir zu: darum will ich von dir das Gute.
Wahrlich, ich lachte oft der Schwächlinge, welche sich gut glauben, weil sie lahme Tatzen haben!
Der Säule Tugend sollst du nachstreben: schöner wird sie immer und zarter, aber inwendig härter und tragsamer, je mehr sie aufsteigt.
Ja, du Erhabener, einst sollst du noch schön sein und deiner eignen Schönheit den Spiegel vorhalten.
Dann wird deine Seele vor göttlichen Begierden schaudern; und Anbetung wird noch in deiner Eitelkeit sein!
Diess nämlich ist das Geheimniss der Seele: erst, wenn sie der Held verlassen hat, naht ihr, im Traume, — der Über-Held.
Also sprach Zarathustra.
Vom Lande der Bildung.
Zu weit hinein flog ich in die Zukunft: ein Grauen überfiel mich.
Und als ich um mich sah, siehe! da war die Zeit mein einziger Zeitgenosse.
Da floh ich rückwärts, heimwärts — und immer eilender: so kam ich zu euch, ihr Gegenwärtigen, und in's Land der Bildung.
Zum ersten Male brachte ich ein Auge mit für euch, und gute Begierde: wahrlich, mit Sehnsucht im Herzen kam ich.
Aber wie geschah mir? So angst mir auch war, — ich musste lachen! Nie sah mein Auge etwas so Buntgesprenkeltes!
Ich lachte und lachte, während der Fuss mir noch zitterte und das Herz dazu: „hier ist ja die Heimat aller Farbentöpfe!“ — sagte ich.
Mit fünfzig Klexen bemalt an Gesicht und Gliedern: so sasset ihr da zu meinem Staunen, ihr Gegenwärtigen!
Und mit fünfzig Spiegeln um euch, die eurem Farbenspiele schmeichelten und nachredeten!
Wahrlich, ihr könntet gar keine bessere Maske tragen, ihr Gegenwärtigen, als euer eignes Gesicht ist! Wer könnte euch — erkennen!
Vollgeschrieben mit den Zeichen der Vergangenheit, und auch diese Zeichen überpinselt mit neuen Zeichen: also habt ihr euch gut versteckt vor allen Zeichendeutern!
Und wenn man auch Nierenprüfer ist: wer glaubt wohl noch, dass ihr Nieren habt! Aus Farben scheint ihr gebacken und aus geleimten Zetteln.
Alle Zeiten und Völker blicken bunt aus euren Schleiern; alle Sitten und Glauben reden bunt aus euren Gebärden.
Wer von euch Schleier und Überwürfe und Farben und Gebärden abzöge: gerade genug würde er übrig behalten, um die Vögel damit zu erschrecken.
Wahrlich, ich selber bin der erschreckte Vogel, der euch einmal nackt sah und ohne Farbe; und ich flog davon, als das Gerippe mir Liebe zuwinkte.
Lieber wollte ich doch noch Tagelöhner sein in der Unterwelt und bei den Schatten des Ehemals! — feister und voller als ihr sind ja noch die Unterweltlichen!
Diess, ja diess ist Bitterniss meinen Gedärmen, dass ich euch weder nackt, noch bekleidet aushalte, ihr Gegenwärtigen!
Alles Unheimliche der Zukunft, und was je verflogenen Vögeln Schauder machte, ist wahrlich heimlicher noch und traulicher als eure „Wirklichkeit“.
Denn so sprecht ihr: „Wirkliche sind wir ganz, und ohne Glauben und Aberglauben“: also brüstet ihr euch — ach, auch noch ohne Brüste!
Ja, wie solltet ihr glauben können, ihr Buntgesprenkelten! — die ihr Gemälde seid von Allem, was je geglaubt wurde!
Wandelnde Widerlegungen seid ihr des Glaubens selber, und aller Gedanken Gliederbrechen. Unglaubwürdige: also heisse ich euch, ihr Wirklichen!
Alle Zeiten schwätzen wider einander in euren Geistern; und aller Zeiten Träume und Geschwätz waren wirklicher noch als euer Wachsein ist!
Unfruchtbare seid ihr: darum fehlt es euch an Glauben. Aber wer schaffen musste, der hatte auch immer seine Wahr-Träume und Stern-Zeichen — und glaubte an Glauben! —
Halboffne Thore seid ihr, an denen Todtengräber warten. Und das ist eure Wirklichkeit: „Alles ist werth, dass es zu Grunde geht.“
Ach, wie ihr mir dasteht, ihr Unfruchtbaren, wie mager in den Rippen! Und Mancher von euch hatte wohl dessen selber ein Einsehen.
Und er sprach: „es hat wohl da ein Gott, als ich schlief, mir heimlich Etwas entwendet? Wahrlich, genug, sich ein Weibchen daraus zu bilden!
Wundersam ist die Armuth meiner Rippen!“ also sprach schon mancher Gegenwärtige.
Ja, zum Lachen seid ihr mir, ihr Gegenwärtigen! Und sonderlich, wenn ihr euch über euch selber wundert!
Und wehe mir, wenn ich nicht lachen könnte über eure Verwunderung, und alles Widrige aus euren Näpfen hinunter trinken müsste!
So aber will ich's mit euch leichter nehmen, da ich Schweres zu tragen habe; und was thut's mir, wenn sich Käfer und Flügelwürmer noch auf mein Bündel setzen!
Wahrlich, es soll mir darob nicht schwerer werden! Und nicht aus euch, ihr Gegenwärtigen, soll mir die grosse Müdigkeit kommen. —
Ach, wohin soll ich nun noch steigen mit meiner Sehnsucht! Von allen Bergen schaue ich aus nach Vater- und Mutterländern.
Aber Heimat fand ich nirgends: unstät bin ich in allen Städten und ein Aufbruch an allen Thoren.
Fremd sind mir und ein Spott die Gegenwärtigen, zu denen mich jüngst das Herz trieb; und vertrieben bin ich aus Vater- und Mutterländern.
So liebe ich allein noch meiner Kinder Land, das unentdeckte, im fernsten Meere: nach ihm heisse ich meine Segel suchen und suchen.
An meinen Kindern will ich es gut machen, dass ich meiner Väter Kind bin: und an aller Zukunft — diese Gegenwart!
Also sprach Zarathustra.
Von der unbefleckten Erkenntniss.
Als gestern der Mond aufgieng, wähnte ich, dass er eine Sonne gebären wolle: so breit und trächtig lag er am Horizonte.
Aber ein Lügner war er mir mit seiner Schwangerschaft; und eher noch will ich an den Mann im Monde glauben als an das Weib.
Freilich, wenig Mann ist er auch, dieser schüchterne Nachtschwärmer. Wahrlich, mit schlechtem Gewissen wandelt er über die Dächer.
Denn er ist lüstern und eifersüchtig, der Mönch im Monde, lüstern nach der Erde und nach allen Freuden der Liebenden.
Nein, ich mag ihn nicht, diesen Kater auf den Dächern! Widerlich sind mir Alle, die um halbverschlossne Fenster schleichen!
Fromm und schweigsam wandelt er hin auf Sternen-Teppichen: — aber ich mag alle leisetretenden Mannsfüsse nicht, an denen auch nicht ein Sporen klirrt.
Jedes Redlichen Schritt redet; die Katze aber stiehlt sich über den Boden weg. Siehe, katzenhaft kommt der Mond daher und unredlich. —
Dieses Gleichniss gebe ich euch empfindsamen Heuchlern, euch, den „Rein-Erkennenden!“ Euch heisse ich — Lüsterne!
Auch ihr liebt die Erde und das Irdische: ich errieth euch wohl! — aber Scham ist in eurer Liebe und schlechtes Gewissen, — dem Monde gleicht ihr!
Zur Verachtung des Irdischen hat man euren Geist überredet, aber nicht eure Eingeweide: die aber sind das Stärkste an euch!
Und nun schämt sich euer Geist, dass er euren Eingeweiden zu Willen ist und geht vor seiner eignen Scham Schleich- und Lügenwege.
„Das wäre mir das Höchste — also redet euer verlogner Geist zu sich — auf das Leben ohne Begierde zu schaun und nicht gleich dem Hunde mit hängender Zunge:
„Glücklich zu sein im Schauen, mit erstorbenem Willen, ohne Griff und Gier der Selbstsucht — kalt und aschgrau am ganzen Leibe, aber mit trunkenen Mondesaugen!“
„Das wäre mir das Liebste. — also verführt sich selber der Verführte — die Erde zu lieben, wie der Mond sie liebt und nur mit dem Auge allein ihre Schönheit zu betasten.
„Und das heisse mir aller Dinge unbefleckte Erkenntniss, dass ich von den Dingen Nichts will: ausser dass ich vor ihnen da liegen darf wie ein Spiegel mit hundert Augen.“ —
Oh, ihr empfindsamen Heuchler, ihr Lüsternen! Euch fehlt die Unschuld in der Begierde: und nun verleumdet ihr drum das Begehren!
Wahrlich, nicht als Schaffende, Zeugende, Werdelustige liebt ihr die Erde!
Wo ist Unschuld? Wo der Wille zur Zeugung ist. Und wer über sich hinaus schaffen will, der hat mir den reinsten Willen.
Wo ist Schönheit? Wo ich mit allem Willen wollen muss; wo ich lieben und untergehn will, dass ein Bild nicht nur Bild bleibe.
Lieben und Untergehn: das reimt sich seit Ewigkeiten. Wille zur Liebe: das ist, willig auch sein zum Tode. Also rede ich zu euch Feiglingen!
Aber nun will euer entmanntes Schielen „Beschaulichkeit“ heissen! Und was mit feigen Augen sich tasten lässt, soll „schön“ getauft werden! Oh, ihr Beschmutzer edler Namen!
Aber das soll euer Fluch sein, ihr Unbefleckten, ihr Rein-Erkennenden, dass ihr nie gebären werdet: und wenn ihr auch breit und trächtig am Horizonte liegt!
Wahrlich, ihr nehmt den Mund voll mit edlen Worten: und wir sollen glauben, dass euch das Herz übergehe, ihr Lügenbolde?
Aber meine Worte sind geringe, verachtete, krumme Worte: gerne nehme ich auf, was bei eurer Mahlzeit unter den Tisch fällt.
Immer noch kann ich mit ihnen — Heuchlern die Wahrheit sagen! Ja, meine Gräten, Muscheln und Stachelblätter sollen — Heuchlern die Nasen kitzeln!
Schlechte Luft ist immer um euch und eure Mahlzeiten: eure lüsternen Gedanken, eure Lügen und Heimlichkeiten sind ja in der Luft!
Wagt es doch erst, euch selber zu glauben — euch und euren Eingeweiden! Wer sich selber nicht glaubt, lügt immer.
Eines Gottes Larve hängtet ihr um vor euch selber, ihr „Reinen“: in eines Gottes Larve verkroch sich euer greulicher Ringelwurm.
Wahrlich, ihr täuscht, ihr „Beschaulichen“! Auch Zarathustra war einst der Narr eurer göttlichen Häute; nicht errieth er das Schlangengeringel, mit denen sie gestopft waren.
Eines Gottes Seele wähnte ich einst spielen zu sehn in euren Spielen, ihr Rein-Erkennenden! Keine bessere Kunst wähnte ich einst als eure Künste!
Schlangen-Unflath und schlimmen Geruch verhehlte mir die Ferne: und dass einer Eidechse List lüstern hier herumschlich.
Aber ich kam euch nah: da kam mir der Tag — und nun kommt er euch, — zu Ende gieng des Mondes Liebschaft!
Seht doch hin! Ertappt und bleich steht er da — vor der Morgenröthe!
Denn schon kommt sie, die Glühende, — ihre Liebe zur Erde kommt! Unschuld und Schöpfer-Begier ist alle Sonnen-Liebe!
Seht doch hin, wie sie ungeduldig über das Meer kommt! Fühlt ihr den Durst und den heissen Athem ihrer Liebe nicht?
Am Meere will sie saugen und seine Tiefe zu sich in die Höhe trinken: da hebt sich die Begierde des Meeres mit tausend Brüsten.
Geküsst und gesaugt will es sein vom Durste der Sonne; Luft will es werden und Höhe und Fusspfad des Lichts und selber Licht!
Wahrlich, der Sonne gleich liebe ich das Leben und alle tiefen Meere.
Und diess heisst mir Erkenntniss: alles Tiefe soll hinauf — zu meiner Höhe!
Also sprach Zarathustra.
Von den Gelehrten.
Als ich im Schlafe lag, da frass ein Schaf am Epheukranze meines Hauptes, — frass und sprach dazu: „Zarathustra ist kein Gelehrter mehr.“
Sprach's und gieng stotzig davon und stolz. Ein Kind erzählte mir's.
Gerne liege ich hier, wo die Kinder spielen, an der zerbrochnen Mauer, unter Disteln und rothen Mohnblumen.
Ein Gelehrter bin ich den Kindern noch und auch den Disteln und rothen Mohnblumen. Unschuldig sind sie, selbst noch in ihrer Bosheit.
Aber den Schafen bin ich's nicht mehr: so will es mein Loos — gesegnet sei es!
Denn diess ist die Wahrheit: ausgezogen bin ich aus dem Hause der Gelehrten: und die Thür habe ich noch hinter mir zugeworfen.
Zu lange sass meine Seele hungrig an ihrem Tische; nicht, gleich ihnen, bin ich auf das Erkennen abgerichtet wie auf das Nüsseknacken.
Freiheit liebe ich und die Luft über frischer Erde; lieber noch will ich auf Ochsenhäuten schlafen, als auf ihren Würden und Achtbarkeiten.
Ich bin zu heiss und verbrannt von eigenen Gedanken: oft will es mir den Athem nehmen. Da muss ich in's Freie und weg aus allen verstaubten Stuben.
Aber sie sitzen kühl in kühlem Schatten: sie wollen in Allem nur Zuschauer sein und hüten sich dort zu sitzen, wo die Sonne auf die Stufen brennt.
Gleich Solchen, die auf der Strasse stehn und die Leute angaffen, welche vorübergehn: also warten sie auch und gaffen Gedanken an, die Andre gedacht haben.
Greift man sie mit Händen, so stäuben sie um sich gleich Mehlsäcken, und unfreiwillig: aber wer erriethe wohl, dass ihr Staub vom Korne stammt und von der gelben Wonne der Sommerfelder?
Geben sie sich weise, so fröstelt mich ihrer kleinen Sprüche und Wahrheiten: ein Geruch ist oft an ihrer Weisheit, als ob sie aus dem Sumpfe stamme: und wahrlich, ich hörte auch schon den Frosch aus ihr quaken!
Geschickt sind sie, sie haben kluge Finger: was will meine Einfalt bei ihrer Vielfalt! Alles Fädeln und Knüpfen und Weben verstehn ihre Finger: also wirken sie die Strümpfe des Geistes!
Gute Uhrwerke sind sie: nur sorge man, sie richtig aufzuziehn! Dann zeigen sie ohne Falsch die Stunde an und machen einen bescheidnen Lärm dabei.
Gleich Mühlwerken arbeiten sie und Stampfen: man werfe ihnen nur seine Fruchtkörner zu! — sie wissen schon, Korn klein zu mahlen und weissen Staub daraus zu machen.
Sie sehen einander gut auf die Finger und trauen sich nicht zum Besten. Erfinderisch in kleinen Schlauheiten warten sie auf Solche, deren Wissen auf lahmen Füssen geht, — gleich Spinnen warten sie.
Ich sah sie immer mit Vorsicht Gift bereiten; und immer zogen sie gläserne Handschuhe dabei an ihre Finger.
Auch mit falschen Würfeln wissen sie zu spielen; und so eifrig fand ich sie spielen, dass sie dabei schwitzten.
Wir sind einander fremd, und ihre Tugenden gehn mir noch mehr wider den Geschmack, als ihre Falschheiten und falschen Würfel.
Und als ich bei ihnen wohnte, da wohnte ich über ihnen. Darüber wurden sie mir gram.
Sie wollen Nichts davon hören, dass Einer über ihren Köpfen wandelt; und so legten sie Holz und Erde und Unrath zwischen mich und ihre Köpfe.
Also dämpften sie den Schall meiner Schritte: und am schlechtesten wurde ich bisher von den Gelehrtesten gehört.
Aller Menschen Fehl und Schwäche legten sie zwischen sich und mich: — „Fehlboden“ heissen sie das in ihren Häusern.
Aber trotzdem wandele ich mit meinen Gedanken über ihren Köpfen; und selbst, wenn ich auf meinen eignen Fehlern wandeln wollte, würde ich noch über ihnen sein und ihren Köpfen.
Denn die Menschen sind nicht gleich: so spricht die Gerechtigkeit. Und was ich will, dürften sie nicht wollen!
Also sprach Zarathustra.
Von den Dichtern.
„Seit ich den Leib besser kenne, — sagte Zarathustra zu einem seiner Jünger — ist mir der Geist nur noch gleichsam Geist; und alles das „Unvergängliche“ — das ist auch nur ein Gleichniss.“
„So hörte ich dich schon einmal sagen, antwortete der Jünger; und damals fügtest du hinzu: „aber die Dichter lügen zuviel.“ Warum sagtest du doch, dass die Dichter zuviel lügen?
„Warum? sagte Zarathustra. Du fragst warum? Ich gehöre nicht zu Denen, welche man nach ihrem Warum fragen darf.
Ist denn mein Erleben von Gestern? Das ist lange her, dass ich die Gründe meiner Meinungen erlebte.
Müsste ich nicht ein Fass sein von Gedächtniss, wenn ich auch meine Gründe bei mir haben wollte?
Schon zuviel ist mir's, meine Meinungen selber zu behalten; und mancher Vogel fliegt davon.
Und mitunter finde ich auch ein zugeflogenes Thier in meinem Taubenschlage, das mir fremd ist, und das zittert, wenn ich meine Hand darauf lege.
Doch was sagte dir einst Zarathustra? Dass die Dichter zuviel lügen? — Aber auch Zarathustra ist ein Dichter.
Glaubst du nun, dass er hier die Wahrheit redete? Warum glaubst du das?“
Der Jünger antwortete: „ich glaube an Zarathustra.“ Aber Zarathustra schüttelte den Kopf und lächelte.
„Der Glaube macht mich nicht selig, sagte er, zumal nicht der Glaube an mich.
Aber gesetzt, dass Jemand allen Ernstes sagte, die Dichter lügen zuviel: so hat er Recht, — wir lügen zuviel.
Wir wissen auch zu wenig und sind schlechte Lerner: so müssen wir schon lügen.
Und wer von uns Dichtern hätte nicht seinen Wein verfälscht? Manch giftiger Mischmasch geschah in unsern Kellern, manches Unbeschreibliche ward da gethan.
Und weil wir wenig wissen, so gefallen uns von Herzen die geistig Armen, sonderlich wenn es junge Weibchen sind!
Und selbst nach den Dingen sind wir noch begehrlich, die sich die alten Weibchen Abends erzählen. Das heissen wir selber an uns das Ewig-Weibliche.
Und als ob es einen besondren geheimen Zugang zum Wissen gäbe, der sich Denen verschütte, welche Etwas lernen: so glauben wir an das Volk und seine „Weisheit.“
Das aber glauben alle Dichter: dass wer im Grase oder an einsamen Gehängen liegend die Ohren spitze, Etwas von den Dingen erfahre, die zwischen Himmel und Erde sind.
Und kommen ihnen zärtliche Regungen, so meinen die Dichter immer, die Natur selber sei in sie verliebt:
Und sie schleiche zu ihrem Ohre, Heimliches hinein zu sagen und verliebte Schmeichelreden: dessen brüsten und blähen sie sich vor allen Sterblichen!
Ach, es giebt so viel Dinge zwischen Himmel und Erden, von denen sich nur die Dichter Etwas haben träumen lassen!
Und zumal über dem Himmel: denn alle Götter sind Dichter-Gleichniss, Dichter-Erschleichniss!
Wahrlich, immer zieht es uns hinan — nämlich zum Reich der Wolken: auf diese setzen wir unsre bunten Bälge und heissen sie dann Götter und Übermenschen: —
Sind sie doch gerade leicht genug für diese Stühle! — alle diese Götter und Übermenschen.
Ach, wie bin ich all des Unzulänglichen müde, das durchaus Ereigniss sein soll! Ach, wie bin ich der Dichter müde!
Als Zarathustra so sprach, zürnte ihm sein Jünger, aber er schwieg. Und auch Zarathustra schwieg; und sein Auge hatte sich nach innen gekehrt, gleich als ob es in weite Fernen sähe. Endlich seufzte er und holte Athem.
Ich bin von Heute und Ehedem, sagte er dann; aber Etwas ist in mir, das ist von Morgen und Übermorgen und Einstmals.
Ich wurde der Dichter müde, der alten und der neuen: Oberflächliche sind sie mir Alle und seichte Meere.
Sie dachten nicht genug in die Tiefe: darum sank ihr Gefühl nicht bis zu den Gründen.
Etwas Wollust und etwas Langeweile: das ist noch ihr bestes Nachdenken gewesen.
Gespenster-Hauch und -Huschen gilt mir all ihr Harfen-Klingklang; was wussten sie bisher von der Inbrunst der Töne! —
Sie sind mir auch nicht reinlich genug: sie trüben Alle ihr Gewässer, dass es tief scheine.
Und gerne geben sie sich damit als Versöhner: aber Mittler und Mischer bleiben sie mir und Halb-und-Halbe und Unreinliche! —
Ach, ich warf wohl mein Netz in ihre Meere und wollte gute Fische fangen; aber immer zog ich eines alten Gottes Kopf herauf.
So gab dem Hungrigen das Meer einen Stein. Und sie selber mögen wohl aus dem Meere stammen.
Gewiss, man findet Perlen in ihnen: um so ähnlicher sind sie selber harten Schalthieren. Und statt der Seele fand ich oft bei ihnen gesalzenen Schleim.
Sie lernten vom Meere auch noch seine Eitelkeit: ist nicht das Meer der Pfau der Pfauen?
Noch vor dem hässlichsten aller Büffel rollt es seinen Schweif hin, nimmer wird es seines Spitzenfächers von Silber und Seide müde.
Trutzig blickt der Büffel dazu, dem Sande nahe in seiner Seele, näher noch dem Dickicht, am nächsten aber dem Sumpfe.
Was ist ihm Schönheit und Meer und Pfauen-Zierath! Dieses Gleichniss sage ich den Dichtern.
Wahrlich, ihr Geist selber ist der Pfau der Pfauen und ein Meer von Eitelkeit!
Zuschauer will der Geist des Dichters: sollten's auch Büffel sein! —
Aber dieses Geistes wurde ich müde: und ich sehe kommen, dass er seiner selber müde wird.
Verwandelt sah ich schon die Dichter und gegen sich selber den Blick gerichtet.
Büsser des Geistes sah ich kommen: die wuchsen aus ihnen.
Also sprach Zarathustra.
Von grossen Ereignissen.
Es giebt eine Insel im Meere — unweit den glückseligen Inseln Zarathustra's — auf welcher beständig ein Feuerberg raucht; von der sagt das Volk, und sonderlich sagen es die alten Weibchen aus dem Volke, dass sie wie ein Felsblock vor das Thor der Unterwelt gestellt sei: durch den Feuerberg selber aber führe der schmale Weg abwärts, der zu diesem Thore der Unterwelt geleite.
Um jene Zeit nun, als Zarathustra auf den glückseligen Inseln weilte, geschah es, dass ein Schiff an der Insel Anker warf, auf welcher der rauchende Berg steht; und seine Mannschaft gieng an's Land, um Kaninchen zu schiessen. Gegen die Stunde des Mittags aber, da der Capitän und seine Leute wieder beisammen waren, sahen sie plötzlich durch die Luft einen Mann auf sich zukommen, und eine Stimme sagte deutlich: „es ist Zeit! Es ist die höchste Zeit!“ Wie die Gestalt ihnen aber am nächsten war — sie flog aber schnell gleich einem Schatten vorbei, in der Richtung, wo der Feuerberg lag — da erkannten sie mit grösster Bestürzung, dass es Zarathustra sei; denn sie hatten ihn Alle schon gesehn, ausgenommen der Capitän selber, und sie liebten ihn, wie das Volk liebt: also dass zu gleichen Theilen Liebe und Scheu beisammen sind.
„Seht mir an! sagte der alte Steuermann, da fährt Zarathustra zur Hölle!“ —
Um die gleiche Zeit, als diese Schiffer an der Feuerinsel landeten, lief das Gerücht umher, dass Zarathustra verschwunden sei; und als man seine Freunde fragte, erzählten sie, er sei bei Nacht zu Schiff gegangen, ohne zu sagen, wohin er reisen wolle.
Also entstand eine Unruhe; nach drei Tagen aber kam zu dieser Unruhe die Geschichte der Schiffsleute hinzu — und nun sagte alles Volk, dass der Teufel Zarathustra geholt habe. Seine Jünger lachten zwar ob dieses Geredes; und einer von ihnen sagte sogar: „eher glaube ich noch, dass Zarathustra sich den Teufel geholt hat.“ Aber im Grunde der Seele waren sie Alle voll Besorgniss und Sehnsucht: so war ihre Freude gross, als am fünften Tage Zarathustra unter ihnen erschien.
Und diess ist die Erzählung von Zarathustra's Gespräch mit dem Feuerhunde.
Die Erde, sagte er, hat eine Haut; und diese Haut hat Krankheiten. Eine dieser Krankheiten heisst zum Beispiel: „Mensch.“
Und eine andere dieser Krankheiten heisst „Feuerhund“: über den haben sich die Menschen Viel vorgelogen und vorlügen lassen.
Diess Geheimniss zu ergründen gieng ich über das Meer: und ich habe die Wahrheit nackt gesehn, wahrlich! barfuss bis zum Halse.
Was es mit dem Feuerhund auf sich hat, weiss ich nun; und insgleichen mit all den Auswurf- und Umsturz-Teufeln, vor denen sich nicht nur alte Weibchen fürchten.
Heraus mit dir, Feuerhund, aus deiner Tiefe! rief ich, und bekenne, wie tief diese Tiefe ist! Woher ist das, was du da heraufschnaubst?
Du trinkst reichlich am Meere: das verräth deine versalzte Beredsamkeit! Fürwahr, für einen Hund der Tiefe nimmst du deine Nahrung zu sehr von der Oberfläche!
Höchstens für den Bauchredner der Erde halt' ich dich: und immer, wenn ich Umsturz- und Auswurf-Teufel reden hörte, fand ich sie gleich dir: gesalzen, lügnerisch und flach.
Ihr versteht zu brüllen und mit Asche zu verdunkeln! Ihr seid die besten Grossmäuler und lerntet sattsam die Kunst, Schlamm heiss zu sieden?
Wo ihr seid, da muss stets Schlamm in der Nähe sein, und viel Schwammichtes, Höhlichtes, Eingezwängtes: das will in die Freiheit.
„Freiheit“ brüllt ihr Alle am liebsten: aber ich verlernte den Glauben an „grosse Ereignisse,“ sobald viel Gebrüll und Rauch um sie herum ist.
Und glaube mir nur, Freund Höllenlärm! Die grössten Ereignisse — das sind nicht unsre lautesten, sondern unsre stillsten Stunden.
Nicht um die Erfinder von neuem Lärme: um die Erfinder von neuen Werthen dreht sich die Welt; unhörbar dreht sie sich.
Und gesteh es nur! Wenig war immer nur geschehn, wenn dein Lärm und Rauch sich verzog. Was liegt daran, dass eine Stadt zur Mumie wurde, und eine Bildsäule im Schlamme liegt!
Und diess Wort sage ich noch den Umstürzern von Bildsäulen. Das ist wohl die grösste Thorheit, Salz in's Meer und Bildsäulen in den Schlamm zu werfen.
Im Schlamme eurer Verachtung lag die Bildsäule: aber das ist gerade ihr Gesetz, dass ihr aus der Verachtung wieder Leben und lebende Schönheit wächst!
Mit göttlicheren Zügen steht sie nun auf und leidendverführerisch; und wahrlich! sie wird euch noch Dank sagen, dass ihr sie umstürztet, ihr Umstürzer!
Diesen Rath aber rathe ich Königen und Kirchen und Allem, was alters- und tugendschwach ist — lasst euch nur umstürzen! Dass ihr wieder zum Leben kommt, und zu euch — die Tugend! —
Also redete ich vor dem Feuerhunde: da unterbrach er mich mürrisch und fragte: „Kirche? Was ist denn das?“
Kirche? antwortete ich, das ist eine Art von Staat, und zwar die verlogenste. Doch schweig still, du Heuchelhund! Du kennst deine Art wohl am besten schon!
Gleich dir selber ist der Staat ein Heuchelhund; gleich dir redet er gern mit Rauch und Gebrülle, — dass er glauben mache, gleich dir, er rede aus dem Bauch der Dinge.
Denn er will durchaus das wichtigste Thier auf Erden sein, der Staat; und man glaubt's ihm auch. —
Als ich das gesagt hatte, gebärdete sich der Feuerhund wie unsinnig vor Neid. „Wie? schrie er, das wichtigste Thier auf Erden? Und man glaubt's ihm auch?“ Und so viel Dampf und grässliche Stimmen kamen ihm aus dem Schlunde, dass ich meinte, er werde vor Ärger und Neid ersticken.
Endlich wurde er stiller, und sein Keuchen liess nach; sobald er aber stille war, sagte ich lachend:
Du ärgerst dich, Feuerhund: also habe ich über dich Recht!
Und dass ich auch noch Recht behalte, so höre von einem andern Feuerhunde: der spricht wirklich aus dem Herzen der Erde.
Gold haucht sein Athem und goldigen Regen: so will's das Herz ihm. Was ist ihm Asche und Rauch und heisser Schleim noch!
Lachen flattert aus ihm wie ein buntes Gewölke; abgünstig ist er deinem Gurgeln und Speien und Grimmen der Eingeweide!
Das Gold aber und das Lachen — das nimmt er aus dem Herzen der Erde: denn dass du's nur weisst, — das Herz der Erde ist von Gold.“
Als diess der Feuerhund vernahm, hielt er's nicht mehr aus, mir zuzuhören. Beschämt zog er seinen Schwanz ein, sagte auf eine kleinlaute Weise Wau! Wau! und kroch hinab in seine Höhle. —
Also erzählte Zarathustra. Seine Jünger aber hörten ihm kaum zu: so gross war ihre Begierde, ihm von den Schiffsleuten, den Kaninchen und dem fliegenden Manne zu erzählen.
„Was soll ich davon denken! sagte Zarathustra. Bin ich denn ein Gespenst?
Aber es wird mein Schatten gewesen sein. Ihr hörtet wohl schon Einiges vom Wanderer und seinem Schatten?
Sicher aber ist das: ich muss ihn kürzer halten, — er verdirbt mir sonst noch den Ruf.“
Und nochmals schüttelte Zarathustra den Kopf und wunderte sich. „Was soll ich davon denken!“ sagte er nochmals.
Warum schrie denn das Gespenst: es ist Zeit! Es ist die höchste Zeit!
Wozu ist es denn — höchste Zeit?“ —
Also sprach Zarathustra.
Der Wahrsager.
„— und ich sahe eine grosse Traurigkeit über die Menschen kommen. Die Besten wurden ihrer Werke müde.
Eine Lehre ergieng, ein Glauben lief neben ihr: „Alles ist leer, Alles ist gleich, Alles war!“
Und von allen Hügeln klang es wieder: „Alles ist leer, Alles ist gleich, Alles war!“
Wohl haben wir geerntet: aber warum wurden alle Früchte uns faul und braun? Was fiel vom bösen Monde bei der letzten Nacht hernieder?
Umsonst war alle Arbeit, Gift ist unser Wein geworden, böser Blick sengte unsre Felder und Herzen gelb.
Trocken wurden wir Alle; und fällt Feuer auf uns, so stäuben wir der Asche gleich: — ja das Feuer selber machten wir müde.
Alle Brunnen versiegten uns, auch das Meer wich zurück. Aller Grund will reissen, aber die Tiefe will nicht schlingen!
„Ach, wo ist noch ein Meer, in dem man ertrinken könnte“: so klingt unsre Klage — hinweg über flache Sümpfe.
Wahrlich, zum Sterben wurden wir schon zu müde; nun wachen wir noch und leben fort — in Grabkammern!“ —
Also hörte Zarathustra einen Wahrsager reden; und seine Weissagung gieng ihm zu Herzen und verwandelte ihn. Traurig gieng er umher und müde; und er wurde Denen gleich, von welchen der Wahrsager geredet hatte.
Wahrlich, so sagte er zu seinen Jüngern, es ist um ein Kleines, so kommt diese lange Dämmerung. Ach, wie soll ich mein Licht hinüber retten!
Dass es mir nicht ersticke in dieser Traurigkeit! Ferneren Welten soll es ja Licht sein und noch fernsten Nächten!
Dergestalt im Herzen bekümmert gieng Zarathustra umher; und drei Tage lang nahm er nicht Trank und Speise zu sich, hatte keine Ruhe und verlor die Rede. Endlich geschah es, dass er in einen tiefen Schlaf verfiel. Seine Jünger aber sassen um ihn in langen Nachtwachen und warteten mit Sorge, ob er wach werde und wieder rede und genesen sei von seiner Trübsal.
Diess aber ist die Rede, welche Zarathustra sprach, als er aufwachte; seine Stimme aber kam zu seinen Jüngern wie aus weiter Ferne.
Hört mir doch den Traum, den ich träumte, ihr Freunde, und helft mir seinen Sinn rathen!
Ein Räthsel ist er mir noch, dieser Traum; sein Sinn ist verborgen in ihm und eingefangen und fliegt noch nicht über ihn hin mit freien Flügeln.
Allem Leben hatte ich abgesagt, so träumte mir. Zum Nacht- und Grabwächter war ich worden, dort auf der einsamen Berg-Burg des Todes.
Droben hütete ich seine Särge: voll standen die dumpfen Gewölbe von solchen Siegeszeichen. Aus gläsernen Särgen blickte mich überwundenes Leben an.
Den Geruch verstaubter Ewigkeiten athmete ich: schwül und verstaubt lag meine Seele. Und wer hätte dort auch seine Seele lüften können!
Helle der Mitternacht war immer um mich, Einsamkeit kauerte neben ihr; und, zudritt, röchelnde Todesstille, die schlimmste meiner Freundinnen.
Schlüssel führte ich, die rostigsten aller Schlüssel; und ich verstand es, damit das knarrendste aller Thore zu öffnen.
Einem bitterbösen Gekrächze gleich lief der Ton durch die langen Gänge, wenn sich des Thores Flügel hoben: unhold schrie dieser Vogel, ungern wollte er geweckt sein.
Aber furchtbarer noch und herzzuschnürender war es, wenn es wieder schwieg und rings stille ward, und ich allein sass in diesem tückischen Schweigen.
So gieng mir und schlich die Zeit, wenn Zeit es noch gab: was weiss ich davon! Aber endlich geschah das, was mich weckte.
Dreimal schlugen Schläge an's Thor, gleich Donnern, es hallten und heulten die Gewölbe dreimal wieder: da gieng ich zum Thore.
Alpa! rief ich, wer trägt seine Asche zu Berge? Alpa! Alpa! Wer trägt seine Asche zu Berge?
Und ich drückte den Schlüssel und hob am Thore und mühte mich. Aber noch keinen Fingerbreit stand es offen:
Da riss ein brausender Wind seine Flügel aus einander: pfeifend, schrillend und schneidend warf er mir einen schwarzen Sarg zu:
Und im Brausen und Pfeifen und Schrillen zerbarst der Sarg und spie tausendfältiges Gelächter aus.
Und aus tausend Fratzen von Kindern, Engeln, Eulen, Narren und kindergrossen Schmetterlingen lachte und höhnte und brauste es wider mich.
Grässlich erschrak ich darob: es warf mich nieder. Und ich schrie vor Grausen, wie nie ich schrie.
Aber der eigne Schrei weckte mich auf: — und ich kam zu mir. —
Also erzählte Zarathustra seinen Traum und schwieg dann: denn er wusste noch nicht die Deutung seines Traumes. Aber der Jünger, den er am meisten lieb hatte, erhob sich schnell, fasste die Hand Zarathustra's und sprach:
„Dein Leben selber deutet uns diesen Traum, oh Zarathustra!
Bist du nicht selber der Wind mit schrillem Pfeifen, der den Burgen des Todes die Thore aufreisst?
Bist du nicht selber der Sarg voll bunter Bosheiten und Engelsfratzen des Lebens?
Wahrlich, gleich tausendfältigem Kindsgelächter kommt Zarathustra in alle Todtenkammern, lachend über diese Nacht- und Grabwächter, und wer sonst mit düstern Schlüsseln rasselt.
Schrecken und umwerfen wirst du sie mit deinem Gelächter; Ohnmacht und Wachwerden wird deine Macht über sie beweisen.
Und auch, wenn die lange Dämmerung kommt und die Todesmüdigkeit, wirst du an unserm Himmel nicht untergehn, du Fürsprecher des Lebens!
Neue Sterne liessest du uns sehen und neue Nachtherrlichkeiten; wahrlich, das Lachen selber spanntest du wie ein buntes Gezelt über uns.
Nun wird immer Kindes-Lachen aus Särgen quellen; nun wird immer siegreich ein starker Wind kommen aller Todesmüdigkeit: dessen bist du uns selber Bürge und Wahrsager!
Wahrlich, sie selber träumtest du, deine Feinde: das war dein schwerster Traum!
Aber wie du von ihnen aufwachtest und zu dir kamst, also sollen sie selber von sich aufwachen — und zu dir kommen!“ —
So sprach der Jünger; und alle Anderen drängten sich nun um Zarathustra und ergriffen ihn bei den Händen und wollten ihn bereden, dass er vom Bette und von der Traurigkeit lasse und zu ihnen zurückkehre. Zarathustra aber sass aufgerichtet auf seinem Lager, und mit fremdem Blicke. Gleichwie Einer, der aus langer Fremde heimkehrt, sah er auf seine Jünger und prüfte ihre Gesichter; und noch erkannte er sie nicht. Als sie aber ihn hoben und auf die Füsse stellten, siehe, da verwandelte sich mit Einem Male sein Auge; er begriff Alles, was geschehen war, strich sich den Bart und sagte mit starker Stimme: „Wohlan! Diess nun hat seine Zeit; sorgt mir aber dafür, meine Jünger, dass wir eine gute Mahlzeit machen, und in Kürze! Also gedenke ich Busse zu thun für schlimme Träume!
Der Wahrsager aber soll an meiner Seite essen und trinken: und wahrlich, ich will ihm noch ein Meer zeigen, in dem er ertrinken kann!“
Also sprach Zarathustra. Darauf aber blickte er dem Jünger, welcher den Traumdeuter abgegeben hatte, lange in's Gesicht und schüttelte dabei den Kopf. —
Von der Erlösung.
Als Zarathustra eines Tags über die grosse Brücke gieng, umringten ihn die Krüppel und Bettler, und ein Bucklichter redete also zu ihm:
Siehe, Zarathustra! Auch das Volk lernt von dir und gewinnt Glauben an deine Lehre: aber dass es ganz dir glauben soll, dazu bedarf es noch Eines — du musst erst noch uns Krüppel überreden! Hier hast du nun eine schöne Auswahl und wahrlich, eine Gelegenheit mit mehr als Einem Schopfe! Blinde kannst du heilen und Lahme laufen machen; und Dem, der zuviel hinter sich hat, könntest du wohl auch ein Wenig abnehmen: — das, meine ich, wäre die rechte Art, die Krüppel an Zarathustra glauben zu machen!“
Zarathustra aber erwiderte Dem, der da redete, also: Wenn man dem Bucklichten seinen Buckel nimmt, so nimmt man ihm seinen Geist — also lehrt das Volk. Und wenn man dem Blinden seine Augen giebt, so sieht er zuviel schlimme Dinge auf Erden: also dass er Den verflucht, der ihn heilte. Der aber, welcher den Lahmen laufen macht, der thut ihm den grössten Schaden an: denn kaum kann er laufen, so gehn seine Laster mit ihm durch — also lehrt das Volk über Krüppel. Und warum sollte Zarathustra nicht auch vom Volke lernen, wenn das Volk von Zarathustra lernt?
Das ist mir aber das Geringste, seit ich unter Menschen bin, dass ich sehe: „Diesem fehlt ein Auge und Jenem ein Ohr und einem Dritten das Bein, und Andre giebt es, die verloren die Zunge oder die Nase oder den Kopf.“
Ich sehe und sah Schlimmeres und mancherlei so Abscheuliches, dass ich nicht von Jeglichem reden und von Einigem nicht einmal schweigen möchte: nämlich Menschen, denen es an Allem fehlt, ausser dass sie Eins zuviel haben — Menschen, welche Nichts weiter sind als ein grosses Auge, oder ein grosses Maul oder ein grosser Bauch oder irgend etwas Grosses, — umgekehrte Krüppel heisse ich Solche.
Und als ich aus meiner Einsamkeit kam und zum ersten Male über diese Brücke gieng: da traute ich meinen Augen nicht und sah hin, und wieder hin, und sagte endlich: „das ist ein Ohr! Ein Ohr, so gross wie ein Mensch!“ Ich sah noch besser hin: und wirklich, unter dem Ohre bewegte sich noch Etwas, das zum Erbarmen klein und ärmlich und schmächtig war. Und wahrhaftig, das ungeheure Ohr sass auf einem kleinen dünnen Stiele, — der Stiel aber war ein Mensch! Wer ein Glas vor das Auge nahm, konnte sogar noch ein kleines neidisches Gesichtchen erkennen; auch, dass ein gedunsenes Seelchen am Stiele baumelte. Das Volk sagte mir aber, das grosse Ohr sei nicht nur ein Mensch, sondern ein grosser Mensch, ein Genie. Aber ich glaubte dem Volke niemals, wenn es von grossen Menschen redete — und behielt meinen Glauben bei, dass es ein umgekehrter Krüppel sei, der an Allem zu wenig und an Einem zu viel habe.“
Als Zarathustra so zu dem Bucklichten geredet hatte und zu Denen, welchen er Mundstück und Fürsprecher war, wandte er sich mit tiefem Unmuthe zu seinen Jüngern und sagte:
Wahrlich, meine Freunde, ich wandle unter den Menschen wie unter den Bruchstücken und Gliedmaassen von Menschen!
Diess ist meinem Auge das Fürchterliche, dass ich den Menschen zertrümmert finde und zerstreuet wie über ein Schlacht- und Schlächterfeld hin.
Und flüchtet mein Auge vom Jetzt zum Ehemals: es findet immer das Gleiche: Bruchstücke und Gliedmaassen und grause Zufälle — aber keine Menschen!
Das Jetzt und das Ehemals auf Erden — ach! meine Freunde — das ist mein Unerträglichstes; und ich wüsste nicht zu leben, wenn ich nicht noch ein Seher wäre, dessen, was kommen muss.
Ein Seher, ein Wollender, ein Schaffender, eine Zukunft selber und eine Brücke zur Zukunft — und ach, auch noch gleichsam ein Krüppel an dieser Brücke: das Alles ist Zarathustra.
Und auch ihr fragtet euch oft: „wer ist uns Zarathustra? Wie soll er uns heissen?“ Und gleich mir selber gabt ihr euch Fragen zur Antwort.
Ist er ein Versprechender? Oder ein Erfüller? Ein Erobernder? Oder ein Erbender? Ein Herbst? Oder eine Pflugschar? Ein Arzt? Oder ein Genesener?
Ist er ein Dichter? Oder ein Wahrhaftiger? Ein Befreier? Oder ein Bändiger? Ein Guter? Oder ein Böser?
Ich wandle unter Menschen als den Bruchstücken der Zukunft: jener Zukunft, die ich schaue.
Und das ist all mein Dichten und Trachten, dass ich in Eins dichte und zusammentrage, was Bruchstück ist und Räthsel und grauser Zufall.
Und wie ertrüge ich es, Mensch zu sein, wenn der Mensch nicht auch Dichter und Räthselrather und der Erlöser des Zufalls wäre!
Die Vergangnen zu erlösen und alles „Es war“ umzuschaffen in ein „So wollte ich es!“ — das hiesse mir erst Erlösung!
Wille — so heisst der Befreier und Freudebringer: also lehrte ich euch, meine Freunde! Aber nun lernt diess hinzu: der Wille selber ist noch ein Gefangener.
Wollen befreit: aber wie heisst Das, was auch den Befreier noch in Ketten schlägt?
„Es war“: also heisst des Willens Zähneknirschen und einsamste Trübsal. Ohnmächtig gegen Das, was gethan ist — ist er allem Vergangenen ein böser Zuschauer.
Nicht zurück kann der Wille wollen; dass er die Zeit nicht brechen kann und der Zeit Begierde, — das ist des Willens einsamste Trübsal.
Wollen befreit: was ersinnt sich das Wollen selber, dass es los seiner Trübsal werde und seines Kerkers spotte?
Ach, ein Narr wird jeder Gefangene! Närrisch erlöst sich auch der gefangene Wille.
Dass die Zeit nicht zurückläuft, das ist sein Ingrimm; „Das, was war“ — so heisst der Stein, den er nicht wälzen kann.
Und so wälzt er Steine aus Ingrimm und Unmuth und übt Rache an dem, was nicht gleich ihm Grimm und Unmuth fühlt.
Also wurde der Wille, der Befreier, ein Wehethäter: und an Allem, was leiden kann, nimmt er Rache dafür, dass er nicht zurück kann.
Diess, ja diess allein ist Rache selber: des Willens Widerwille gegen die Zeit und ihr „Es war.“
Wahrlich, eine grosse Narrheit wohnt in unserm Willen; und zum Fluche wurde es allem Menschlichen, dass diese Narrheit Geist lernte!
Der Geist der Rache: meine Freunde, das war bisher der Menschen bestes Nachdenken; und wo Leid war, da sollte immer Strafe sein.
„Strafe“ nämlich, so heisst sich die Rache selber: mit einem Lügenwort heuchelt sie sich ein gutes Gewissen.
Und weil im Wollenden selber Leid ist, darob dass es nicht zurück wollen kann, — also sollte Wollen selber und alles Leben — Strafe sein!
Und nun wälzte sich Wolke auf Wolke über den Geist: bis endlich der Wahnsinn predigte: „Alles vergeht, darum ist Alles werth zu vergehn!“
„Und diess ist selber Gerechtigkeit, jenes Gesetz der Zeit, dass sie ihre Kinder fressen muss“: also predigte der Wahnsinn.
„Sittlich sind die Dinge geordnet nach Recht und Strafe. Oh wo ist die Erlösung vom Fluss der Dinge und der Strafe „Dasein“? Also predigte der Wahnsinn.
„Kann es Erlösung geben, wenn es ein ewiges Recht giebt? Ach, unwälzbar ist der Stein „Es war“: ewig müssen auch alle Strafen sein!“ Also predigte der Wahnsinn.
„Keine That kann vernichtet werden: wie könnte sie durch die Strafe ungethan werden! Diess, diess ist das Ewige an der Strafe „Dasein“, dass das Dasein auch ewig wieder That und Schuld sein muss!
„Es sei denn, dass der Wille endlich sich selber erlöste und Wollen zu Nicht-Wollen würde —“: doch ihr kennt, meine Brüder, diess Fabellied des Wahnsinns!
Weg führte ich euch von diesen Fabelliedern, als ich euch lehrte: „der Wille ist ein Schaffender.“
Alles „Es war“ ist ein Bruchstück, ein Räthsel, ein grauser Zufall — bis der schaffende Wille dazu sagt: „aber so wollte ich es!“
— Bis der schaffende Wille dazu sagt: „Aber so will ich es! So werde ich's wollen!“
Aber sprach er schon so? Und wann geschieht diess? Ist der Wille schon abgeschirrt von seiner eignen Thorheit?
Wurde der Wille sich selber schon Erlöser und Freudebringer? Verlernte er den Geist der Rache und alles Zähneknirschen?
Und wer lehrte ihn Versöhnung mit der Zeit, und Höheres als alle Versöhnung ist?
Höheres als alle Versöhnung muss der Wille wollen, welcher der Wille zur Macht ist —: doch wie geschieht ihm das? Wer lehrte ihn auch noch das Zurückwollen?“
— Aber an dieser Stelle seiner Rede geschah es, dass Zarathustra plötzlich innehielt und ganz einem Solchen gleich sah, der auf das Äusserste erschrickt. Mit erschrecktem Auge blickte er auf seine Jünger; sein Auge durchbohrte wie mit Pfeilen ihre Gedanken und Hintergedanken. Aber nach einer kleinen Weile lachte er schon wieder und sagte begütigt:
„Es ist schwer, mit Menschen zu leben, weil Schweigen so schwer ist. Sonderlich für einen Geschwätzigen.“ —
Also sprach Zarathustra. Der Bucklichte aber hatte dem Gespräche zugehört und sein Gesicht dabei bedeckt; als er aber Zarathustra lachen hörte, blickte er neugierig auf und sagte langsam:
„Aber warum redet Zarathustra anders zu uns als zu seinen Jüngern?“
Zarathustra antwortete: „Was ist da zum Verwundern! Mit Bucklichten darf man schon bucklicht reden!“
„Gut, sagte der Bucklichte; und mit Schülern darf man schon aus der Schule schwätzen.
Aber warum redet Zarathustra anders zu seinen Schülern — als zu sich selber?“ —
Von der Menschen-Klugheit.
Nicht die Höhe: der Abhang ist das Furchtbare!
Der Abhang, wo der Blick hinunter stürzt und die Hand hinauf greift. Da schwindelt dem Herzen vor seinem doppelten Willen.
Ach, Freunde, errathet ihr wohl auch meines Herzens doppelten Willen?
Das, Das ist mein Abhang und meine Gefahr, dass mein Blick in die Höhe stürzt, und dass meine Hand sich halten und stützen möchte — an der Tiefe!
An den Menschen klammert sich mein Wille, mit Ketten binde ich mich an den Menschen, weil es mich hinauf reisst zum Übermenschen: denn dahin will mein andrer Wille.
Und dazu lebe ich blind unter den Menschen; gleich als ob ich sie nicht kennte: dass meine Hand ihren Glauben an Festes nicht ganz verliere.
Ich kenne euch Menschen nicht: diese Finsterniss und Tröstung ist oft um mich gebreitet.
Ich sitze am Thorwege für jeden Schelm und frage: wer will mich betrügen?
Das ist meine erste Menschen-Klugheit, dass ich mich betrügen lasse, um nicht auf der Hut zu sein vor Betrügern.
Ach, wenn ich auf der Hut wäre vor dem Menschen: wie könnte meinem Balle der Mensch ein Anker sein! Zu leicht risse es mich hinauf und hinweg!
Diese Vorsehung ist über meinem Schicksal, dass ich ohne Vorsicht sein muss.
Und wer unter Menschen nicht verschmachten will, muss lernen, aus allen Gläsern zu trinken; und wer unter Menschen rein bleiben will, muss verstehn, sich auch mit schmutzigem Wasser zu waschen.
Und also sprach ich oft mir zum Troste: „Wohlan! Wohlauf! Altes Herz! Ein Unglück missrieth dir: geniesse diess als dein — Glück!“
Diess aber ist meine andre Menschen-Klugheit: ich schone die Eitlen mehr als die Stolzen.
Ist nicht verletzte Eitelkeit die Mutter aller Trauerspiele? Wo aber Stolz verletzt wird, da wächst wohl etwas Besseres noch, als Stolz ist.
Damit das Leben gut anzuschaun sei, muss sein Spiel gut gespielt werden: dazu aber bedarf es guter Schauspieler.
Gute Schauspieler fand ich alle Eitlen: sie spielen und wollen, dass ihnen gern zugeschaut werde, — all ihr Geist ist bei diesem Willen.
Sie führen sich auf, sie erfinden sich; in ihrer Nähe liebe ich's, dem Leben zuzuschaun, — es heilt von der Schwermuth.
Darum schone ich die Eitlen, weil sie mir Ärzte sind meiner Schwermuth und mich am Menschen fest halten als an einem Schauspiele.
Und dann: wer ermisst am Eitlen die ganze Tiefe seiner Bescheidenheit! Ich bin ihm gut und mitleidig ob seiner Bescheidenheit.
Von euch will er seinen Glauben an sich lernen; er nährt sich an euren Blicken, er frisst das Lob aus euren Händen.
Euren Lügen glaubt er noch, wenn ihr gut über ihn lügt: denn im Tiefsten seufzt sein Herz: „was bin ich!“
Und wenn das die rechte Tugend ist, die nicht um sich selber weiss: nun, der Eitle weiss nicht um seine Bescheidenheit! —
Das ist aber meine dritte Menschen-Klugheit, dass ich mir den Anblick der Bösen nicht verleiden lasse durch eure Furchtsamkeit.
Ich bin selig, die Wunder zu sehn, welche heisse Sonne ausbrütet: Tiger und Palmen und Klapperschlangen.
Auch unter Menschen giebt es schöne Brut heisser Sonne und viel Wunderwürdiges an den Bösen.
Zwar, wie eure Weisesten mir nicht gar so weise erschienen: so fand ich auch der Menschen Bosheit unter ihrem Rufe.
Und oft fragte ich mit Kopfschütteln: Warum noch klappern, ihr Klapperschlangen?
Wahrlich, es giebt auch für das Böse noch eine Zukunft! Und der heisseste Süden ist noch nicht entdeckt für den Menschen.
Wie Manches heisst jetzt schon ärgste Bosheit, was doch nur zwölf Schuhe breit und drei Monate lang ist! Einst aber werden grössere Drachen zur Welt kommen.
Denn dass dem Übermenschen sein Drache nicht fehle, der Über-Drache, der seiner würdig ist: dazu muss viel heisse Sonne noch auf feuchten Urwald glühen!
Aus euren Wildkatzen müssen erst Tiger geworden sein und aus euren Giftkröten Krokodile: denn der gute Jäger soll eine gute Jagd haben!
Und wahrlich, ihr Guten und Gerechten! An euch ist Viel zum Lachen und zumal eure Furcht vor dem, was bisher „Teufel“ hiess!
So fremd seid ihr dem Grossen mit eurer Seele, dass euch der Übermensch furchtbar sein würde in seiner Güte!
Und ihr Weisen und Wissenden, ihr würdet vor dem Sonnenbrande der Weisheit flüchten, in dem der Übermensch mit Lust seine Nacktheit badet!
Ihr höchsten Menschen, denen mein Auge begegnete! das ist mein Zweifel an euch und mein heimliches Lachen: ich rathe, ihr würdet meinen Übermenschen — Teufel heissen!
Ach, ich ward dieser Höchsten und Besten müde: aus ihrer „Höhe“ verlangte mich hinauf, hinaus, hinweg zu dem Übermenschen!
Ein Grausen überfiel mich, als ich diese Besten nackend sah: da wuchsen mir die Flügel, fortzuschweben in ferne Zukünfte.
In fernere Zukünfte, in südlichere Süden, als je ein Bildner träumte: dorthin, wo Götter sich aller Kleider schämen!
Aber verkleidet will ich euch sehn, ihr Nächsten und Mitmenschen, und gut geputzt, und eitel, und würdig, als „die Guten und Gerechten,“ —
Und verkleidet will ich selber unter euch sitzen, — dass ich euch und mich verkenne: das ist nämlich meine letzte Menschen-Klugheit.
Also sprach Zarathustra.
Die stillste Stunde.
Was geschah mir, meine Freunde? Ihr seht mich verstört, fortgetrieben, unwillig-folgsam, bereit zu gehen — ach, von euch fortzugehen!
Ja, noch Ein Mal muss Zarathustra in seine Einsamkeit: aber unlustig geht diessmal der Bär zurück in seine Höhle!
Was geschah mir? Wer gebeut diess? — Ach, meine zornige Herrin will es so, sie sprach zu mir: nannte ich je euch schon ihren Namen?
Gestern gen Abend sprach zu mir meine stillste Stunde: das ist der Name meiner furchtbaren Herrin.
Und so geschah's,— denn Alles muss ich euch sagen, dass euer Herz sich nicht verhärte gegen den plötzlich Scheidenden!
Kennt ihr den Schrecken des Einschlafenden? — Bis in die Zehen hinein erschrickt er darob, dass ihm der Boden weicht und der Traum beginnt.
Dieses sage ich euch zum Gleichniss. Gestern, zur stillsten Stunde, wich mir der Boden: der Traum begann.
Der Zeiger rückte, die Uhr meines Lebens holte Athem —, nie hörte ich solche Stille um mich: also dass mein Herz erschrak.
Dann sprach es ohne Stimme zu mir: „Du weisst es, Zarathustra?“ —
Und ich schrie vor Schrecken bei diesem Flüstern, und das Blut wich aus meinem Gesichte: aber ich schwieg.
Dann sprach es abermals ohne Stimme zu mir: „Du weisst es, Zarathustra, aber du redest es nicht!“ —
Und ich antwortete endlich gleich einem Trotzigen: „Ja, ich weiss es, aber ich will es nicht reden!“
Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Du willst nicht, Zarathustra? Ist diess auch wahr? Verstecke dich nicht in deinen Trotz!“ —
Und ich weinte und zitterte wie ein Kind und sprach: „Ach, ich wollte schon, aber wie kann ich es! Erlass mir diess nur! Es ist über meine Kraft!“
Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Was liegt an dir, Zarathustra! Sprich dein Wort und zerbrich!“ —
Und ich antwortete: „Ach, ist es mein Wort? Wer bin ich? Ich warte des Würdigeren; ich bin nicht werth, an ihm auch nur zu zerbrechen.“
Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Was liegt an dir? Du bist mir noch nicht demüthig genug. Die Demuth hat das härteste Fell.“ —
Und ich antwortete: „Was trug nicht schon das Fell meiner Demuth! Am Fusse wohne ich meiner Höhe: wie hoch meine Gipfel sind? Niemand sagte es mir noch. Aber gut kenne ich meine Thäler.“
Da ſprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Oh Zarathustra, wer Berge zu versetzen hat, der versetzt auch Thäler und Niederungen.“ —
Und ich antwortete: „Noch versetzte mein Wort keine Berge, und was ich redete, erreichte die Menschen nicht. Ich gieng wohl zu den Menschen, aber noch langte ich nicht bei ihnen an.“
Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Was weisst du davon! Der Thau fällt auf das Gras, wenn die Nacht am verschwiegensten ist.“ —
Und ich antwortete: „sie verspotteten mich, als ich meinen eigenen Weg fand und gieng; und in Wahrheit zitterten damals meine Füsse.
Und so sprachen sie zu mir: du verlerntest den Weg, nun verlernst du auch das Gehen!“
Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Was liegt an ihrem Spotte! Du bist Einer, der das Gehorchen verlernt hat: nun sollst du befehlen!
Weisst du nicht, wer Allen am nöthigsten thut? Der Grosses befiehlt.
Grosses vollführen ist schwer: aber das Schwerere ist, Grosses befehlen.
Das ist dein Unverzeihlichstes: du hast die Macht, und du willst nicht herrschen.“ —
Und ich antwortete: „Mir fehlt des Löwen Stimme zu allem Befehlen.“
Da sprach es wieder wie ein Flüstern zu mir: „Die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen. Gedanken, die mit Taubenfüssen kommen, lenken die Welt.
Oh Zarathustra, du sollst gehen als ein Schatten dessen, was kommen muss: so wirst du befehlen und befehlend vorangehen.“ —
Und ich antwortete: „Ich schäme mich.“
Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Du musst noch Kind werden und ohne Scham.
Der Stolz der Jugend ist noch auf dir, spät bist du jung geworden: aber wer zum Kinde werden will, muss auch noch seine Jugend überwinden.“ —
Und ich besann mich lange und zitterte. Endlich aber sagte ich, was ich zuerst sagte: „Ich will nicht.“
Da geschah ein Lachen um mich. Wehe, wie diess Lachen mir die Eingeweide zerriss und das Herz aufschlitzte!
Und es sprach zum letzten Male zu mir: „Oh Zarathustra, deine Früchte sind reif, aber du bist nicht reif für deine Früchte!
So musst du wieder in die Einsamkeit: denn du sollst noch mürbe werden.“ —
Und wieder lachte es und floh: dann wurde es stille um mich wie mit einer zwiefachen Stille. Ich aber lag am Boden, und der Schweiss floss mir von den Gliedern.
— Nun hörtet ihr Alles, und warum ich in meine Einsamkeit zurück muss. Nichts verschwieg ich euch, meine Freunde.
Aber auch diess hörtet ihr von mir, wer immer noch aller Menschen Verschwiegenster ist — und es sein will!
Ach meine Freunde! Ich hätte euch noch Etwas zu sagen, ich hätte euch noch Etwas zu geben! Warum gebe ich es nicht? Bin ich denn geizig?“ —
Als Zarathustra aber diese Worte gesprochen hatte, überfiel ihn die Gewalt des Schmerzes und die Nähe des Abschieds von seinen Freunden, also dass er laut weinte; und Niemand wusste ihn zu trösten. Des Nachts aber gieng er allein fort und verliess seine Freunde.
Second Part
“—and only when you have all denied me will I return to you.
“Truly, then I will seek my lost ones with other eyes, my brothers; then I will love you with another love.”
Zarathustra, On the Giving Virtue (I. p. 112.)
The Child with the Mirror
After this Zarathustra returned to the mountains and the solitude of his cave, withdrawing from humanity: waiting like a sower who has scattered his seed. But his soul grew full of impatience and desire for those he loved, for he still had much to give them. This is the hardest thing: to close the open hand out of love and, as a giver, preserve one’s modesty.
Thus months and years passed for the solitary; but his wisdom grew, and its abundance caused him pain.
One morning he woke before dawn, reflected for a long time upon his bed, and at last spoke to his heart:
“What frightened me so in my dream that I awoke? Did a child not approach me carrying a mirror?
“‘Zarathustra,’ the child said to me, ‘look at yourself in the mirror!’
“But when I looked in the mirror, I cried out and my heart was shaken: for I saw not myself, but a devil’s grimace and mocking laughter.
“Truly, I understand the dream’s sign and warning all too well: my teaching is in danger. Weeds want to be called wheat!
“My enemies have grown powerful and distorted the image of my teaching, so that those dearest to me must be ashamed of the gifts I gave them.
“My friends have been lost to me; the hour has come to seek my lost ones!”—
With these words Zarathustra sprang up, not like a frightened man gasping for breath, but rather like a seer and singer seized by the spirit. His eagle and serpent looked at him in wonder: for a coming happiness lay upon his face like dawn.
“What has happened to me, my animals?” Zarathustra said. “Have I not changed? Has blessedness not come upon me like a storm wind?
“My happiness is foolish and will speak foolish things: it is still too young—so be patient with it!
“I am wounded by my happiness: let all who suffer be my physicians!
“I may descend again to my friends, and to my enemies too! Zarathustra may speak and give again, and do what is dearest for those he loves!
“My impatient love overflows in streams, downward, toward sunrise and sunset. From silent mountains and thunderstorms of pain, my soul roars into the valleys.
“Too long I longed and gazed into the distance. Too long I belonged to solitude: thus I forgot how to be silent.
“I have become mouth through and through, and the rushing of a brook from high cliffs: I will plunge my speech down into the valleys.
“And let my river of love plunge into pathless places! How could a river fail at last to find its way to the sea?
“There is indeed a lake within me, solitary and self-sufficient; but my river of love sweeps it down with itself—to the sea!
“I follow new paths; a new speech comes to me. Like all creators, I have grown weary of old tongues. My spirit no longer wants to walk on worn-out soles.
“All speech moves too slowly for me: into your chariot I leap, storm! And I will lash even you with my malice!
“Like a cry and a shout of joy I will pass over wide seas until I find the blissful islands where my friends dwell—
“And my enemies among them! How I now love everyone to whom I may speak! Even my enemies belong to my blessedness.
“And when I want to mount my wildest horse, my spear always helps me best: it is my foot’s ever-ready servant—
“The spear I hurl against my enemies! How grateful I am to my enemies that at last I may hurl it!
“My cloud’s tension was too great: amid the laughter of lightning I will cast hailstorms into the depths.
“Then mightily my breast will heave; mightily it will blow its storm across the mountains: thus relief comes to it.
“Truly, my happiness and freedom come like a storm! But let my enemies believe the Evil One is raging above their heads.
“Yes, you too, my friends, will be frightened by my wild wisdom; perhaps you will flee with my enemies.
“Ah, if only I knew how to lure you back with shepherds’ flutes! Ah, if only my lioness Wisdom learned to roar tenderly! And we have already learned so much together!
“My wild wisdom became pregnant on solitary mountains; on rough stones she bore her young, her youngest.
“Now she runs foolishly through the hard desert, searching and searching for soft turf—my old wild wisdom!
“For the soft turf of your hearts, my friends! Upon your love she would lay what she loves most!”
Thus spoke Zarathustra.
On the Blissful Islands
The figs fall from the trees; they are good and sweet, and as they fall their red skins split. I am a north wind to ripe figs.
Thus, like figs, these teachings fall to you, my friends: now drink their juice and sweet flesh! Autumn surrounds us, with clear sky and afternoon.
Look at the abundance around us! And from abundance it is beautiful to gaze out over distant seas.
Once people said God when they looked upon distant seas; but now I have taught you to say: overhuman.
God is a conjecture: but I want your conjecturing to reach no farther than your creating will.
Could you create a God? Then say nothing to me of any gods! But you could indeed create the overhuman.
Perhaps not you yourselves, my brothers! But you could remake yourselves into fathers and forebears of the overhuman: let that be your finest creation!—
God is a conjecture: but I want your conjecturing bounded by what can be thought.
Could you think a God? But let this mean will to truth for you: that everything be transformed into what human beings can think, see, and feel! You must think your own senses through to the end!
And what you called world must first be created by you: it must itself become your reason, your image, your will, your love! And truly, for your blessedness, you knowers!
And how could you bear life without this hope, you knowers? You must not have been born into either the incomprehensible or the irrational.
But to reveal my whole heart to you, my friends: if gods existed, how could I bear not to be a god? Therefore there are no gods.
I drew the conclusion, certainly; but now it draws me.—
God is a conjecture: but who could drink all the torment of this conjecture without dying? Should the creator be deprived of faith, and the eagle of its soaring in eagle distances?
God is a thought that makes everything straight crooked, and everything standing spin. What? Time would be gone, and everything transient only a lie?
To think this is whirl and dizziness to human bones, and vomiting even to the stomach: truly, I call it the spinning sickness to conjecture such things.
I call it evil and hostile to humanity, all this teaching of the One and the Full and the Unmoved and the Satisfied and the Imperishable!
Everything imperishable—that is only an image! And poets lie too much.—
But let the finest images speak of time and becoming: let them be praise and justification of all transience!
Creating—that is the great deliverance from suffering, and life’s becoming light. But for the creator to exist, suffering itself is needed, and much transformation.
Yes, there must be much bitter dying in your lives, you creators! Thus you are advocates and justifiers of all transience.
For the creator himself to be the child born anew, he must also want to be the mother and the mother’s pain.
Truly, I have made my way through a hundred souls, through a hundred cradles and birth pangs. I have taken many farewells already; I know the heart-breaking final hours.
But thus my creating will wills it, my fate. Or, to speak more honestly to you: precisely such a fate is what my will wills.
All that feels suffers because of me and lies in prisons: but my willing always comes to me as my liberator and bringer of joy.
Willing liberates: that is the true teaching of will and freedom—so Zarathustra teaches you.
No longer to will, no longer to value, no longer to create! Ah, may this great weariness always stay far from me!
Even in knowing I feel only my will’s delight in begetting and becoming; and if there is innocence in my knowledge, it is because the will to beget is within it.
This will lured me away from God and gods: what would there be to create if gods existed?
But my ardent will to create drives me back to humanity again and again; thus the hammer is driven toward the stone.
“Ah, you human beings, an image sleeps for me within the stone, the image of my images! Ah, that it must sleep in the hardest, ugliest stone!
“Now my hammer rages cruelly against its prison. Fragments fly from the stone: what do I care?
“I mean to finish it: for a shadow came to me—the stillest and lightest of all things once came to me!
“The overhuman’s beauty came to me as a shadow. Ah, my brothers! What do the gods matter to me now?”—
Thus spoke Zarathustra.
On the Pitying
My friends, a mocking saying reached your friend: “Just look at Zarathustra! Does he not walk among us as among animals?”
But better to say: “The knower walks among human beings as among animals.”
To the knower, however, the human being means the animal with red cheeks.
How did that happen? Is it not because humanity has had to feel ashamed too often?
Oh, my friends! Thus speaks the knower: shame, shame, shame—that is human history!
That is why the noble person commands himself not to cause shame: he commands himself to feel shame before all that suffers.
Truly, I do not like the merciful who find blessedness in their pity: they lack modesty too much.
If I must pity, I do not want to be called pitying; and when I am, I prefer it from a distance.
I also gladly cover my head and flee before I am recognized: and I bid you do the same, my friends!
May my fate always lead the untroubled across my path, like you, and those with whom I may share hope and a meal and honey!
Truly, I have done this and that for sufferers: but I always thought I did better when I learned to rejoice better.
Since human beings have existed, humanity has rejoiced too little: that alone, my brothers, is our original sin!
And if we learn to rejoice better, we best unlearn hurting others and devising hurts.
That is why I wash the hand that helped the sufferer; that is why I wipe my soul as well.
For I was ashamed to have seen the sufferer suffering, for the sake of his shame; and when I helped him, I deeply offended his pride.
Great obligations make people not grateful but vengeful; and if a small kindness is not forgotten, it becomes a gnawing worm.
“Be reserved in accepting! Distinguish someone by accepting!” That is my counsel to those who have nothing to give away.
But I am a giver: I gladly give as a friend to friends. Let strangers and the poor pick the fruit from my tree themselves: that causes less shame.
But beggars should be abolished altogether! Truly, one is irritated to give to them and irritated not to give.
And likewise sinners and bad consciences! Believe me, my friends: the bites of conscience teach people to bite.
Worst of all, however, are petty thoughts. Truly, better an evil deed than a petty thought!
You do say, “Pleasure in little malicious acts spares us many great evil deeds.” But here one should not wish to economize.
The evil deed is like an ulcer: it itches and scratches and breaks out—it speaks honestly.
“Look, I am sickness,” says the evil deed: that is its honesty.
But the petty thought is like a fungus: it creeps and crouches and wants to be nowhere—until the whole body is rotten and withered with little fungi.
To someone possessed by the devil, however, I whisper this word: “Better rear your devil to greatness! For you too there is still a way to greatness!”—
Ah, my brothers! We know a little too much about everyone! Many become transparent to us, but that by no means lets us pass through them.
It is hard to live with human beings, because silence is so hard.
And we are most unfair not to those we dislike, but to those who are no concern of ours.
But if you have a suffering friend, be a resting place for his suffering, though like a hard bed, a camp bed: thus you will help him best.
And if a friend does you harm, say, “I forgive what you did to me; but that you did it to yourself—how could I forgive that?”
Thus all great love speaks: it overcomes even forgiveness and pity.
One must hold fast to one’s heart: if one lets it go, how soon one loses one’s head!
Ah, where in the world have greater follies occurred than among the pitying? And what in the world has caused more suffering than the follies of the pitying?
Woe to all lovers who have no height above their pity!
Once the devil said to me, “Even God has his hell: it is his love for human beings.”
And lately I heard him say, “God is dead; God died of his pity for humanity.”—
So be warned against pity: from there a heavy cloud will yet come upon humanity! Truly, I understand weather signs!
But mark this word as well: all great love stands above all its pity, for it still wants to—create the beloved!
“I offer myself to my love, and my neighbor as myself”: so speaks every creator.
But all creators are hard.—
Thus spoke Zarathustra.
On Priests
And once Zarathustra made a sign to his disciples and spoke these words to them:
“Here are priests: though they are my enemies, pass quietly by them, with your swords asleep!
“Among them too are heroes; many of them suffered too much—so they want to make others suffer.
“They are dangerous enemies: nothing is more vengeful than their humility. And whoever attacks them is easily soiled.
“But my blood is kin to theirs, and I want my blood honored even in theirs.”—
And after they had passed, pain seized Zarathustra. He had not struggled long with his pain before he began to speak:
“These priests arouse my pity. They offend my taste as well; but since I have lived among human beings, that is the least of it.
“But I suffer and have suffered with them: to me they are prisoners and marked men. The one they call Redeemer put them in chains—
“In chains of false values and deluded words! Ah, if only someone would redeem them from their Redeemer!
“They once believed they had landed on an island as the sea tossed them about: but look, it was a sleeping monster!
“False values and deluded words are the worst monsters for mortals: doom sleeps and waits long within them.
“But at last it comes and wakes and eats and swallows whatever built its huts upon it.
“Oh, look at these huts the priests built! Churches, they call their sweet-smelling caves.
“Oh, this falsified light, this stifling air! Here the soul must not fly upward to its height!
“Instead, their faith commands, ‘Up the stairs on your knees, you sinners!’
“Truly, I would sooner look upon the shameless than the twisted eyes of their shame and devotion!
“Who created such caves and penitential stairways? Was it not those who wished to hide and were ashamed before the clear sky?
“Only when the clear sky looks again through broken roofs, down upon grass and red poppies beside broken walls, will I turn my heart again toward this God’s dwelling places.
“They called God whatever contradicted and hurt them: and truly, there was much of the heroic in their worship!
“And they knew no way to love their God except by nailing the human being to the cross!
“They planned to live as corpses; they lined their corpse in black. Even in their speech I still smell the foul spice of death chambers.
“And whoever lives near them lives near black pools, from which the toad sings its song with sweet profundity.
“They would have to sing better songs before I learned to believe in their Redeemer; his disciples would have to look more redeemed!
“I would like to see them naked: for beauty alone should preach repentance. But whom can this muffled melancholy persuade?
“Truly, their redeemers themselves did not come from freedom and freedom’s seventh heaven! Truly, they themselves never walked upon the carpets of knowledge!
“These redeemers’ spirit consisted of gaps: but into every gap they had placed their delusion, their gap-filler, whom they called God.
“Their spirit had drowned in their pity; and when they swelled and overflowed with pity, a great folly always floated on top.
“Eagerly and with shouting they drove their herd over their footbridge, as if only one bridge led into the future! Truly, these shepherds still belonged among the sheep!
“These shepherds had small spirits and expansive souls: but, my brothers, what small countries even the most expansive souls have been until now!
“They wrote signs of blood upon their path, and their folly taught that blood proves truth.
“But blood is truth’s worst witness; blood poisons even the purest teaching into delusion and hatred in the heart.
“And if someone walks through fire for his teaching—what does that prove? Truly, it is more when one’s own teaching comes from one’s own burning!
“A sultry heart and a cold head: where these meet, the raging whirlwind called ‘Redeemer’ arises.
“Truly, there have been greater and more highly born people than those the people call redeemers, these sweeping whirlwinds!
“And even from greater ones than all redeemers you must be redeemed, my brothers, if you would find the way to freedom!
“Never yet has there been an overhuman. Naked I saw both the greatest and the smallest human being—
“They are still all too similar. Truly, even the greatest I found—all too human!”
Thus spoke Zarathustra.
On the Virtuous
With thunder and heavenly fireworks one must speak to slack and sleeping senses.
But beauty’s voice speaks softly: it slips only into the most awakened souls.
Today my shield trembled softly and laughed: that is beauty’s sacred laughter and trembling.
Today my beauty laughed at you, you virtuous ones. And its voice came to me: “They still want—to be paid!”
You still want to be paid, you virtuous ones! You want wages for virtue, heaven for earth, and eternity for your today?
And now you are angry with me because I teach that there is no paymaster and rewarder? Truly, I do not even teach that virtue is its own reward.
Ah, this is my sorrow: people have lied reward and punishment into the foundation of things—and now into the foundation of your souls as well, you virtuous ones!
But like a boar’s snout, my word shall tear up the ground of your souls: a plowshare is what I want you to call me.
All the secrets of your depths shall come to light; and when you lie churned up and broken in the sun, your lie too will be separated from your truth.
For this is your truth: you are too clean for the filth of the words revenge, punishment, reward, retribution.
You love your virtue as a mother her child: but when has anyone heard of a mother wanting payment for her love?
Your virtue is your dearest self. The ring’s thirst is within you: every ring struggles and turns to reach itself again.
And every work of your virtue is like a star that goes out: its light is always still traveling—and when will it no longer be on its way?
Thus the light of your virtue is still traveling even when the work is done. Let it now be forgotten and dead: its ray of light still lives and travels.
That your virtue be your self and not something foreign, a skin, a cloak: that is the truth from the depths of your soul, you virtuous ones!—
But there are indeed those for whom virtue means convulsions beneath a whip: and you have listened too much to their cries!
And there are others who call the growing lazy of their vices virtue; and when their hatred and jealousy stretch their limbs, their “justice” wakes and rubs its sleepy eyes.
And there are others drawn downward: their devils draw them. But the farther they sink, the more ardently their eyes and their desire for their God shine.
Ah, their cries too reached your ears, you virtuous ones: “What I am not—that is God and virtue to me!”
And there are others who come heavily and creaking, like wagons carrying stones downhill: they speak much of dignity and virtue—they call their brake virtue!
And there are others like ordinary clocks that have been wound: they make their ticktock and want ticktock to be called virtue.
Truly, I take pleasure in these: wherever I find such clocks, I shall wind them up with my mockery—and let them whir for me as I do!
And others are proud of their handful of justice and for its sake outrage all things, so that the world is drowned in their injustice.
Ah, how foully the word “virtue” runs from their mouths! And when they say, “I am just,” it always sounds like, “I am avenged!”
With their virtue they want to scratch out their enemies’ eyes; they rise only to lower others.
And again there are those who sit in their swamp and speak from the reeds: “Virtue means sitting quietly in the swamp.
“We bite no one and avoid whoever wants to bite; and in everything we hold the opinion we are given.”
And again there are those who love gestures and think: virtue is a kind of gesture.
Their knees are always worshiping, and their hands are praises of virtue, but their hearts know nothing of it.
And again there are those who consider it virtue to say, “Virtue is necessary”; but at bottom they believe only that the police are necessary.
And many who cannot see the heights in human beings call it virtue to see their depths too closely: thus they call their evil eye virtue.
And some want to be edified and raised up, and call that virtue; others want to be thrown down—and call that virtue too.
And thus almost everyone believes they have a share in virtue; at the very least, everyone wants to be an authority on “good” and “evil.”
But Zarathustra did not come to say to all these liars and fools: “What do you know of virtue? What could you know of virtue?”—
Rather, he came so that you, my friends, might grow weary of the old words you learned from fools and liars:
“Weary of the words ‘reward,’ ‘retribution,’ ‘punishment,’ ‘revenge in justice’—
“Weary of saying, ‘What makes an action good is that it is selfless.’
“Ah, my friends! Let your self be in the action as the mother is in the child: let that be your word about virtue!”
Truly, I took a hundred words from you and your virtue’s dearest playthings: and now you are angry with me as children are angry.
They played beside the sea—then the wave came and swept their playthings into the depths: now they weep.
But the same wave shall bring them new playthings and pour out new bright shells before them!
Thus they will be comforted; and like them, my friends, you too shall have your comforts—and new bright shells!—
Thus spoke Zarathustra.
On the Rabble
Life is a spring of delight; but where the rabble drinks as well, every well is poisoned.
I am fond of all that is clean; but I do not want to see the grinning mouths and the thirst of the unclean.
They cast their eye down into the well: now their repulsive smile gleams up at me from it.
They poisoned the holy water with their lust; and when they called their dirty dreams delight, they poisoned words as well.
The flame grows indignant when they lay their damp hearts beside the fire; spirit itself seethes and smokes where the rabble approaches the fire.
In their hands the fruit grows cloying and overripe; their gaze leaves the fruit tree vulnerable to wind and withered at the crown.
And many who turned away from life turned away only from the rabble: they did not want to share spring and flame and fruit with the rabble.
And many who went into the desert and thirsted with beasts of prey merely did not want to sit around the cistern with dirty camel drivers.
And many who came like destroyers, like hail upon every orchard, wanted only to set their foot in the rabble’s jaws and stop its gullet.
And the morsel that choked me most was not knowing that life itself needs enmity and dying and crosses of torment—
Rather, once I asked and almost suffocated on my question: What? Does life need the rabble too?
Are poisoned wells necessary, and stinking fires, and soiled dreams, and maggots in life’s bread?
Not my hatred but my disgust gnawed hungrily at my life! Ah, I often grew weary of spirit when I found even the rabble spirited!
And I turned my back on the rulers when I saw what they now call ruling: haggling and bargaining for power—with the rabble!
Among peoples of foreign tongues I lived with ears closed, so that the tongue of their haggling and their bargaining for power might remain foreign to me.
And holding my nose, I passed discontentedly through all yesterday and today: truly, all yesterday and today stink of the writing rabble!
Like a cripple who had become deaf and blind and mute, I lived long, so as not to live with the rabble of power and writing and pleasure.
Laboriously and carefully my spirit climbed stairs; alms of delight refreshed it; life crept with a staff for the blind man.
What happened to me? How did I deliver myself from disgust? Who rejuvenated my eye? How did I fly to the height where no rabble sits beside the spring?
Did my disgust itself create wings for me, and powers of divining springs? Truly, I had to fly to the highest heights to find the spring of delight again!
Oh, I found it, my brothers! Here in the highest heights the spring of delight wells up for me! And there is a life from which no rabble drinks!
Almost too forcefully you stream for me, spring of delight! Often you empty the cup again by wanting to fill it!
And I must still learn to approach you more modestly: my heart still streams too forcefully toward you—
“My heart, upon which my summer burns, the short, hot, melancholy, over-blessed summer: how my summer heart longs for your coolness!
“Gone is the hesitant melancholy of my spring! Past is the malice of my snowflakes in June! I have become wholly summer and summer noon!”
A summer in the highest heights, with cold springs and blessed stillness: oh, come, my friends, that the stillness may grow more blessed still!
For this is our height and our home: here we live too high and steep for all the unclean and their thirst.
Only cast your pure eyes into the spring of my delight, my friends! How could that cloud it? It shall laugh toward you with its purity.
In the tree Future we build our nest; let eagles bring food in their beaks to us solitary ones!
Truly, no food the unclean might share! They would think they were eating fire and burn their mouths!
Truly, we keep no homes ready here for the unclean! An ice cave is what our happiness would mean to their bodies and spirits!
And like strong winds we will live above them, neighbors to eagles, neighbors to snow, neighbors to the sun: thus strong winds live.
And like a wind I will one day blow among them and with my spirit take their spirit’s breath away: so my future wills.
Truly, Zarathustra is a strong wind to every lowland; and this is his counsel to his enemies and to everything that spits and spews: “Beware of spitting against the wind!”
Thus spoke Zarathustra.
On the Tarantulas
Look, this is the tarantula’s cave! Do you want to see her herself? Her web hangs here: touch it and make it tremble.
There she comes willingly: welcome, tarantula! Your triangle and emblem sit black upon your back; and I know what sits within your soul as well.
Revenge sits within your soul: wherever you bite, black scabs grow; with revenge your poison makes the soul spin!
Thus I speak in an image to you who make souls spin, you preachers of equality! To me you are tarantulas and concealed seekers of revenge!
But I will bring your hiding places into the light: that is why I laugh my laughter of the heights into your faces.
That is why I tear at your web, so that your fury may lure you out of your cave of lies, and your revenge spring out from behind your word “justice.”
For that humanity be delivered from revenge: this is to me the bridge to the highest hope, and a rainbow after long storms.
But the tarantulas, of course, will it otherwise. “Let this precisely be justice to us: that the world become full of the storms of our revenge,” they say among themselves.
“We will practice revenge and abuse upon everyone who is not equal to us,” the tarantula hearts vow.
“And ‘will to equality’ shall henceforth become the very name of virtue; against everything with power we will raise our cries!”
You preachers of equality, the tyrant’s madness of impotence thus cries from you for “equality”: your most secret tyrannical desires disguise themselves in words of virtue!
Embittered conceit, suppressed envy, perhaps your fathers’ conceit and envy: these burst from you as flame and madness of revenge.
What the father kept silent comes to speech in the son; and often I found the son to be the father’s unveiled secret.
They resemble the inspired: but it is not the heart that inspires them—it is revenge. And when they become subtle and cold, it is not spirit but envy that makes them subtle and cold.
Their jealousy also leads them along thinkers’ paths; and this is the mark of their jealousy: they always go too far, until their weariness must at last lie down to sleep upon snow.
Revenge resounds from every complaint; every word of praise conceals an injury; and being judges seems blessedness to them.
But this is my counsel, my friends: distrust everyone in whom the drive to punish is powerful!
These are people of bad kind and descent; the executioner and the bloodhound look out from their faces.
Distrust all who speak much of their justice! Truly, honey is not the only thing their souls lack.
And if they call themselves “the good and the just,” do not forget that they lack nothing to be Pharisees except—power!
My friends, I do not want to be mixed up and confused with others.
There are those who preach my teaching of life, and at the same time are preachers of equality and tarantulas.
That these poisonous spiders speak in life’s favor, although they sit in their cave turned away from life, comes from their wanting to cause pain.
They want to hurt those who now hold power: for among those, the preaching of death is still most at home.
Were things otherwise, the tarantulas would teach otherwise: and formerly they themselves were the best slanderers of the world and burners of heretics.
I do not want to be mixed up and confused with these preachers of equality. For justice speaks thus to me: “Human beings are not equal.”
And they must not become equal either! What would my love of the overhuman be if I spoke otherwise?
On a thousand bridges and footbridges let them press toward the future, and let ever more war and inequality be set between them: thus my great love makes me speak!
Let them become inventors of images and ghosts in their enmities, and with their images and ghosts fight the highest struggle against one another!
Good and evil, rich and poor, high and low, and all the names of values: let them be weapons and clattering signs that life must overcome itself again and again!
Life itself wants to build upward with pillars and steps: it wants to gaze into wide distances and out toward blessed beauties—that is why it needs height!
And because it needs height, it needs steps, and contradiction among steps and climbers! Life wants to climb, and in climbing overcome itself.
And look, my friends! Here, where the tarantula’s cave is, the ruins of an ancient temple rise upward—look there with illuminated eyes!
Truly, whoever once piled his thoughts upward in stone here knew the secret of all life as well as the wisest!
That struggle and inequality exist even in beauty, and war for power and supremacy: this he teaches us here in the clearest image.
How divinely vault and arch break against each other here in wrestling; how, with light and shadow, these divine strivers strive against one another—
“Let us too be enemies as surely and beautifully, my friends! Divinely let us strive against one another!”—
Alas! The tarantula herself has bitten me, my old enemy! Divinely sure and beautiful, she bit my finger!
“There must be punishment and justice,” she thinks. “Not for nothing shall he sing songs here in enmity’s honor!”
Yes, she has taken revenge! And alas, now with revenge she will make my soul spin too!
But so that I do not spin, my friends, bind me fast here to this pillar! I would rather be a pillar saint than a whirl of vengeance!
Truly, Zarathustra is no spinning whirlwind; and if he is a dancer, he is certainly no tarantula dancer!—
Thus spoke Zarathustra.
On the Famous Sages
You have served the people and the people’s superstition, all you famous sages—and not truth! And that is precisely why people paid you reverence.
And that is also why they tolerated your unbelief: it was a jest and a detour toward the people. Thus the master lets his slaves have their way and even delights in their high spirits.
But the one hated by the people as a wolf by dogs is the free spirit, the enemy of fetters, the non-worshiper, the forest dweller.
To hunt him from his hiding place—that is what the people have always called “a sense of right”: they still set their sharpest-toothed dogs upon him.
“For truth is here: are the people not here? Woe, woe to the seekers!” So the cry has always gone.
You wanted to prove your people right in their reverence: that is what you called “will to truth,” you famous sages!
And your heart always said to itself, “I came from the people: God’s voice came to me from there as well.” Stubborn and clever as the donkey, you have always been the people’s advocates.
And many a powerful man who wanted to get on well with the people harnessed before his horses—a little donkey, a famous sage.
And now I wish you famous sages would at last throw off the lion’s skin entirely!
The beast of prey’s skin, dappled with spots, and the shaggy coat of the investigator, seeker, conqueror!
Ah, before I can learn to believe in your “truthfulness,” you must first break your revering will for me.
Truthful—that is my name for the one who goes into godless deserts and has broken his revering heart.
In yellow sand, burned by the sun, he may gaze thirstily toward islands rich in springs, where living things rest beneath dark trees.
But his thirst does not persuade him to become like those comfortable ones: for where oases are, there are idols too.
Hungry, violent, solitary, godless: that is how the lion’s will wants itself.
Free from the happiness of servants, delivered from gods and worship, fearless and fearsome, great and solitary: such is the truthful one’s will.
In the desert the truthful, the free spirits, have always dwelt as the desert’s masters; but in the cities dwell the well-fed famous sages—the draft animals.
For always, as donkeys, they pull—the people’s cart!
Not that I am angry with them for it: but to me they remain servants and harnessed beasts, even when they gleam in golden harness.
And often they were good servants, worthy of praise. For thus speaks virtue: “If you must be a servant, seek the one whom your service benefits most!
“Let your master’s spirit and virtue grow through your service: thus you yourself grow with his spirit and virtue!”
And truly, you famous sages, you servants of the people! You yourselves grew with the people’s spirit and virtue—and the people through you! I say this to your honor!
But even in your virtues you remain people to me, people with dull eyes—people who do not know what spirit is!
Spirit is life that itself cuts into life: through its own torment it increases its own knowledge—did you already know that?
And spirit’s happiness is this: to be anointed and consecrated through tears as a sacrificial animal—did you already know that?
And the blind man’s blindness, his searching and groping, shall still bear witness to the power of the sun into which he looked—did you already know that?
And the knower must learn to build with mountains! It is little that spirit moves mountains—did you already know that?
You know only spirit’s sparks: but you do not see the anvil it is, nor the cruelty of its hammer!
Truly, you do not know spirit’s pride! But still less could you bear spirit’s modesty if once it wished to speak!
And never yet were you entitled to throw your spirit into a pit of snow: you are not hot enough for that! So you do not know the raptures of its cold either.
But in everything you treat spirit too familiarly; and often you made wisdom a poorhouse and hospital for bad poets.
You are not eagles: so you have not experienced happiness in spirit’s terror. And whoever is no bird should not settle above abysses.
You are lukewarm to me: but every deep knowledge streams cold. Ice-cold are spirit’s innermost wells: a refreshment for hot hands and people of action.
You stand respectably before me, stiff and straight-backed, you famous sages! No strong wind or will drives you.
Have you never seen a sail pass over the sea, rounded and swollen and trembling before the wind’s impetuousness?
Like the sail, trembling before spirit’s impetuousness, my wisdom passes over the sea—my wild wisdom!
But you servants of the people, you famous sages—how could you go with me?—
Thus spoke Zarathustra.
The Night Song
It is night: now all leaping fountains speak more loudly. And my soul too is a leaping fountain.
It is night: only now do all lovers’ songs awaken. And my soul too is a lover’s song.
Something unappeased, unappeasable is within me; it wants to find a voice. A desire for love is within me, itself speaking love’s language.
I am light: ah, if only I were night! But this is my solitude: I am girded with light.
Ah, if only I were dark and of the night! How I would suck at the breasts of light!
And I would bless you yourselves, little glittering stars and glowworms above, and find blessedness in your gifts of light.
But I live in my own light; I drink back into myself the flames that break from me.
I do not know the happiness of receiving; and often I dreamed that stealing must be more blessed still than receiving.
This is my poverty: my hand never rests from giving. This is my envy: I see waiting eyes and the illuminated nights of longing.
Oh, the unhappiness of all givers! Oh, the darkening of my sun! Oh, desire for desire! Oh, ravenous hunger in satiety!
They take from me: but do I still touch their souls? A gulf lies between giving and receiving; and the smallest gulf is the last to be bridged.
A hunger grows from my beauty: I would hurt those for whom I shine; I would rob those I have gifted—thus I hunger for malice.
Drawing back the hand when another hand already reaches toward it; hesitating like the waterfall that hesitates even in its plunge—thus I hunger for malice.
Such revenge my abundance devises; such treachery wells from my solitude.
My happiness in giving died in giving; my virtue grew weary of itself through its abundance!
The one who always gives is in danger of losing modesty; the one who always distributes has hand and heart calloused from distributing.
My eye no longer overflows at the shame of those who ask; my hand has grown too hard for the trembling of filled hands.
Where have the tears gone from my eye, and the down from my heart? Oh, solitude of all givers! Oh, silence of all shining ones!
Many suns circle in desolate space: to all that is dark they speak with their light—to me they are silent.
Oh, this is light’s enmity toward what shines: mercilessly it follows its courses.
Unjust toward what shines in its deepest heart, cold toward suns—thus every sun goes its way.
Like a storm the suns fly their courses: that is their journey. They follow their inexorable will: that is their coldness.
Oh, only you, dark ones, night-born ones, create warmth from what shines! Oh, only you drink milk and refreshment from light’s udders!
Ah, ice surrounds me; my hand burns upon icy things! Ah, within me is thirst that yearns for your thirst!
It is night: ah, that I must be light! And thirst for the night! And solitude!
It is night: now my longing breaks from me like a spring—I long for speech.
It is night: now all leaping fountains speak more loudly. And my soul too is a leaping fountain.
It is night: only now do all lovers’ songs awaken. And my soul too is a lover’s song.—
Thus sang Zarathustra.
The Dance Song
One evening Zarathustra walked through the forest with his disciples. Searching for a spring, he came upon a green meadow quietly surrounded by trees and bushes: there girls were dancing together. As soon as they recognized Zarathustra, they stopped dancing; but Zarathustra approached with a friendly gesture and spoke:
“Do not stop dancing, lovely girls! No spoilsport with an evil eye has come among you, no enemy of girls.
“I am God’s advocate before the devil: but the devil is the spirit of gravity. How could I, you light-footed ones, be an enemy of divine dances? Or of girls’ feet with lovely ankles?
“I am indeed a forest and a night of dark trees: but whoever does not shrink from my darkness finds rose-covered slopes beneath my cypresses as well.
“And perhaps the little God dearest to girls is found there too: beside the spring he lies, still, with closed eyes.
“Truly, he fell asleep in broad daylight, the idler! Had he chased too many butterflies?
“Do not be angry, beautiful dancers, if I chastise the little God a little! He will probably cry out and weep—but even in weeping he is still laughable!
“And with tears in his eyes he shall ask you for a dance; and I myself will sing a song for his dance:
“A dancing, mocking song against the spirit of gravity, my highest and most mighty devil, of whom they say that he is ‘the lord of the world.’”—
And this is the song Zarathustra sang while Cupid and the girls danced together.
“Into your eye I looked lately, Life! And I seemed to sink into the unfathomable.
“But you drew me out with a golden hook; mockingly you laughed when I called you unfathomable.
“‘That is how all fish speak,’ you said. ‘What they cannot fathom is unfathomable.
“‘But I am merely changeable and wild, and in everything a woman, and no virtuous one:
“‘Though you men call me “the Deep,” or “the Faithful,” “the Eternal,” “the Mysterious.”
“‘But you men always bestow your own virtues upon us—ah, you virtuous ones!’
“Thus she laughed, the incredible one; but I never believe her or her laughter when she speaks ill of herself.
“And when I spoke privately with my wild Wisdom, she told me angrily, ‘You will, you desire, you love; that alone is why you praise life!’
“I almost answered angrily and told the angry one the truth; and one cannot answer more angrily than by ‘telling the truth’ to one’s wisdom.
“For this is how things stand among us three. At heart I love only Life—and truly, most of all when I hate her!
“But that I am fond of Wisdom, often too fond, comes from her reminding me so strongly of Life!
“She has her eye, her laughter, even her little golden fishing rod: is it my fault that the two look so alike?
“And when Life once asked me, ‘Who is this Wisdom?’ I answered eagerly, ‘Ah yes! Wisdom!
“‘One thirsts for her and is never satisfied; one peers through veils and snatches through nets.
“‘Is she beautiful? What do I know? But even the oldest carp are still baited with her.
“‘She is changeable and defiant; often I saw her bite her lip and draw the comb against the grain of her hair.
“‘Perhaps she is evil and false, and in everything a woman; but precisely when she speaks badly of herself, she is most seductive.’
“When I said this to Life, she laughed maliciously and closed her eyes. ‘Whom are you speaking of?’ she said. ‘Of me, perhaps?
“‘And even if you were right—does one say that to my face? But now speak of your Wisdom too!’
“Ah, and now you opened your eye again, beloved Life! And again I seemed to sink into the unfathomable.”—
Thus sang Zarathustra. But when the dance was over and the girls had gone, he grew sad.
“The sun has long since set,” he said at last. “The meadow is damp; coolness comes from the forests.
“Something unknown surrounds me and gazes thoughtfully. What! Are you still alive, Zarathustra?
“Why? For what? Through what? Toward what? Where? How? Is it not folly to live on?—
“Ah, my friends, it is the evening that questions through me like this. Forgive my sadness!
“It has become evening: forgive me that it has become evening!”
Thus spoke Zarathustra.
The Grave Song
“There is the island of graves, the silent one; there too are the graves of my youth. There I will carry an evergreen wreath of life.”
So resolving in my heart, I sailed across the sea.—
Oh, visions and apparitions of my youth! Oh, all you looks of love, you divine moments! How quickly you died for me! Today I remember you as my dead.
From you, my dearest dead, comes a sweet scent that loosens heart and tears. Truly, it shakes and loosens the heart of the solitary sailor.
Still I am the richest and most enviable—I, the loneliest! For I had you, and you still have me: tell me, for whom did such rose apples fall from the tree as for me?
Still I am your love’s heir and soil, blooming in your memory with bright, wild-grown virtues, you most beloved!
Ah, we were made to remain close, you lovely foreign wonders; and you came to me and my desire not like timid birds—no, as trusting ones to the trusting one!
Yes, made for faithfulness, like me, and for tender eternities: must I now name you by your faithlessness, you divine glances and moments? I have learned no other name yet.
Truly, you died too quickly for me, you fugitives. Yet you did not flee me, nor did I flee you: toward each other we are innocent in our faithlessness.
To kill me, they strangled you, singing birds of my hopes! Yes, malice always shot its arrows at you, my dearest, to strike my heart!
And it struck! For you were always what was dearest to my heart, my possession and my being possessed: that is why you had to die young and all too early!
They shot the arrow at the most vulnerable thing I possessed: that was you, whose skin is like down, and more like the smile that dies beneath a glance!
But I will speak this word to my enemies: what is all human murder beside what you did to me!
You did worse to me than any human murder; you took what cannot be restored: thus I speak to you, my enemies!
You murdered the visions and dearest wonders of my youth! You took my playmates from me, the blessed spirits! In their memory I lay down this wreath and this curse.
This curse against you, my enemies! You cut my eternal short, like a note breaking in the cold night! Now it came to me scarcely as a flash of divine eyes—as a moment!
Thus, once in a good hour, my purity spoke: “Let all beings be divine to me.”
Then you assailed me with dirty ghosts: ah, where did that good hour flee?
“Let all days be holy to me,” the wisdom of my youth once said: truly, the speech of a joyful wisdom!
But then, my enemies, you stole my nights and sold them into sleepless torment: ah, where did that joyful wisdom flee?
Once I longed for fortunate signs of birds: then you led a repulsive owl-monster across my path. Ah, where did my tender desire flee?
Once I vowed to renounce all disgust: then you transformed those close and closest to me into abscesses. Ah, where did my noblest vow flee?
Blind, I once walked blessed paths: then you threw filth upon the blind man’s way, and now he was disgusted with his old blind man’s footpath.
And when I did my hardest deed and celebrated the victory of my overcomings, you made those who loved me cry out that I hurt them most.
Truly, this was always your work: you embittered my finest honey and the diligence of my finest bees.
You always sent the most shameless beggars to my charity; around my pity you always crowded the incurably shameless. Thus you wounded my virtue in its faith.
And even when I laid down my holiest thing as a sacrifice, your “piety” swiftly set its fatter gifts beside it, so that even my holiest suffocated in the smoke of your fat.
And once I wished to dance as I had never danced: I wished to dance beyond all heavens. Then you persuaded my dearest singer.
And now he struck up a dreadful, muffled tune; ah, he blared into my ears like a gloomy horn!
Murderous singer, instrument of malice, most innocent one! Already I stood ready for my finest dance: then with your tones you murdered my rapture!
Only in dance do I know how to speak the image of the highest things—and now my highest image remained unspoken in my limbs!
Unspoken and unredeemed my highest hope remained! And all the visions and consolations of my youth died for me!
How did I bear it? How did I survive and overcome such wounds? How did my soul rise again from these graves?
Yes, something invulnerable, unburiable is in me, something that bursts rocks: it is called my will. Silently and unchanged it strides through the years.
My old will wants to go its way upon my feet; its purpose is hard-hearted and invulnerable.
Only in my heel am I invulnerable. Still you live there and remain yourself, most patient one! Still you have broken through every grave!
In you the unredeemed part of my youth still lives; and as life and youth you sit here hoping upon yellow grave ruins.
Yes, still you are the shatterer of every grave for me: hail to you, my will! And only where graves are is there resurrection.—
Thus sang Zarathustra.—
On Self-Overcoming
“Will to truth” is what you call the force that drives and inflames you, you wisest ones?
Will to the thinkability of everything that exists: that is what I call your will!
First you want to make everything that exists thinkable: for with good mistrust you doubt whether it is thinkable already.
But it must also yield and bend! So your will wills. It must become smooth and subject to spirit, as its mirror and reflected image.
That is your entire will, you wisest ones, as a will to power—even when you speak of good and evil and of valuations.
You still want to create the world before which you can kneel: that is your final hope and intoxication.
The unwise, of course, the people, are like the river on which a boat floats onward: and in the boat sit valuations, solemn and disguised.
You set your will and your values upon the river of becoming: what the people believe to be good and evil betrays to me an old will to power.
It was you, you wisest ones, who seated such guests in this boat and gave them splendor and proud names—you and your ruling will!
Now the river carries your boat onward: it must carry it. It matters little if the broken wave foams and angrily contradicts the keel!
The river is not your danger and the end of your good and evil, you wisest ones: it is that will itself, the will to power—the inexhaustible, begetting will of life.
But so that you understand my word about good and evil, I will also tell you my word about life and the nature of all living things.
I followed the living; I went the greatest and smallest paths to learn its nature.
With a hundredfold mirror I caught its gaze even when its mouth was closed, so that its eye might speak to me. And its eye spoke.
But wherever I found living things, I also heard the language of obedience. Everything living is an obeying thing.
And this is the second thing: the one who cannot obey himself is commanded. Such is the nature of the living.
But this is the third thing I heard: commanding is harder than obeying. Not only because the commander carries the burden of all who obey, and this burden can easily crush him—
In all commanding I saw an experiment and a risk; whenever it commands, the living thing risks itself.
Even when it commands itself, it must still pay for its commanding. It must become judge and avenger and victim of its own law.
How does this happen? I asked myself. What persuades the living to obey and command, and even in commanding to practice obedience?
Now hear my word, you wisest ones! Test it earnestly: have I crawled into life’s own heart and down to the roots of its heart?
Wherever I found living things, I found will to power; and even in the servant’s will I found the will to be master.
The weaker is persuaded to serve the stronger by its will to rule something weaker still: this pleasure alone it cannot forgo.
And as the smaller yields to the greater to have pleasure and power over the smallest, so even the greatest yields itself, and for the sake of power stakes—life.
This is the greatest one’s devotion: to be risk and danger and a casting of dice for death.
And where sacrifice and service and loving glances are, there too is the will to be master. By secret paths the weaker steals into the stronger one’s fortress and into its heart—and there steals power.
And life itself spoke this secret to me. “Look,” it said, “I am that which must always overcome itself.
“Of course, you call it will to beget, or a drive toward a goal, toward the higher, farther, more manifold: but all this is one thing and one secret.
“I would sooner go under than renounce this one thing; and truly, where there is going-under and falling leaves, look, life sacrifices itself—for power!
“That I must be struggle and becoming and purpose and the contradiction of purposes: ah, whoever divines my will also divines the crooked paths it must follow!
“Whatever I create, however I love it, soon I must become its opponent and the opponent of my love: so my will wills.
“And you too, knower, are only a path and footprint of my will: truly, my will to power walks even on the feet of your will to truth!
“The one who shot the phrase ‘will to existence’ at truth certainly missed truth: this will does not exist!
“For what does not exist cannot will; but what already exists—how could it still will existence?
“Only where life is, there is will: but not will to life—rather, so I teach you, will to power!
“Much is valued by the living more highly than life itself; yet from valuing itself speaks—the will to power!”—
Thus life once taught me: and from this I also solve for you, you wisest ones, the riddle of your hearts.
Truly, I tell you: there is no imperishable good and evil! Out of itself, it must overcome itself again and again.
With your values and words of good and evil you exercise force, you valuers: and this is your hidden love, and your soul’s shining, trembling, and overflowing.
But a stronger force grows from your values, a new overcoming: against it egg and eggshell break.
And whoever must be a creator in good and evil must first, truly, be a destroyer and break values.
Thus the highest evil belongs to the highest goodness: but that goodness is creative.—
Let us speak of it, you wisest ones, even if it is bad. Silence is worse; all truths kept silent become poisonous.
And let everything break that can break upon our truths! There are still many houses to build!
Thus spoke Zarathustra.
On the Sublime
Still is the bottom of my sea: who would guess that it shelters playful monsters!
Unshakable is my depth: but it gleams with swimming riddles and laughter.
Today I saw a sublime man, a solemn man, a penitent of the spirit: oh, how my soul laughed at his ugliness!
With chest raised, like those drawing in their breath, he stood there, the sublime man, silent:
Hung with ugly truths, the spoils of his hunt, and rich in torn clothes; many thorns hung upon him too—but I saw no rose yet.
He has not yet learned laughter or beauty. Gloomily this hunter returned from the forest of knowledge.
He came home from combat with wild beasts: but a wild beast still looks out of his seriousness—an unconquered one!
Still he stands like a tiger about to spring; but I do not like these tense souls, and my taste is hostile to all these withdrawn ones.
And you tell me, friends, that one must not dispute about taste and tasting? But all life is a dispute about taste and tasting!
Taste is at once weight and scales and weigher; and woe to all living things that would live without disputing over weight and scales and weighers!
If this sublime man grew weary of his sublimity, only then would his beauty begin—and only then would I taste him and find him pleasing.
And only when he turns away from himself will he leap over his own shadow—and truly, into his own sun.
Too long he sat in shadow; the penitent of the spirit grew pale in the cheeks; he almost starved upon his expectations.
Contempt is still in his eye, and disgust hides about his mouth. He rests now, certainly, but his rest has not yet lain down in the sun.
He should act like the bull; and his happiness should smell of earth, not contempt for earth.
I would like to see him as a white bull, snorting and bellowing before the plowshare; and his bellowing should praise everything earthly!
His face is still dark; the hand’s shadow plays upon it. The meaning of his eye is still shadowed.
His own deed is still the shadow upon him: the hand darkens the doer. He has not yet overcome his deed.
I love the bull’s neck in him, certainly: but now I want to see the angel’s eye as well.
He must unlearn even his heroic will: I want him lifted up, not merely sublime—let the ether itself lift him, the will-less one!
He subdued monsters and solved riddles: but he should also redeem his monsters and riddles, transform them into heavenly children.
His knowledge has not yet learned to smile and be without jealousy; his surging passion has not yet grown still in beauty.
Truly, his desire should fall silent and submerge not in satiety, but in beauty! Grace belongs to the magnanimity of the great-minded.
With arm laid over his head: thus the hero should rest, and thus overcome even his resting.
But precisely for the hero, beauty is the hardest of all things. Beauty cannot be wrested by any violent will.
A little more, a little less: that is precisely much here, that is the most.
To stand with relaxed muscles and unharnessed will: that is hardest for all of you, you sublime ones!
When power grows gracious and descends into the visible: beauty is my name for such a descent.
And from no one do I want beauty so much as from you, mighty one: let your goodness be your final self-conquest.
I believe you capable of every evil: that is why I want the good from you.
Truly, I often laughed at weaklings who thought themselves good because their paws were lame!
You should strive for the pillar’s virtue: it grows ever more beautiful and delicate, but inwardly harder and better able to bear weight, the higher it rises.
Yes, sublime one, one day you shall be beautiful and hold the mirror before your own beauty.
Then your soul will tremble with divine desires; and even in your vanity there will be worship!
For this is the soul’s secret: only when the hero has left it does the overhero approach it—in a dream.
Thus spoke Zarathustra.
On the Land of Culture
Too far into the future I flew: a horror seized me.
And when I looked around, look! Time was my only contemporary.
Then I fled backward, homeward, ever more hurriedly: thus I came to you, people of the present, and to the land of culture.
For the first time I brought an eye for you, and a willing desire: truly, I came with longing in my heart.
But what happened to me? Afraid as I was, I had to laugh! Never had my eye seen anything so brightly speckled!
I laughed and laughed while my foot and heart still trembled: “Here indeed is the home of every paint pot!” I said.
Painted with fifty blotches upon face and limbs: thus you sat before my astonishment, people of the present!
And with fifty mirrors around you, flattering and echoing your play of colors!
Truly, you could wear no better mask, people of the present, than your own faces! Who could recognize you?
Covered in the signs of the past, and those signs painted over with new signs: thus you have hidden yourselves well from all interpreters of signs!
And even if one probes the kidneys, who still believes you have kidneys? You seem baked from colors and pasted slips of paper.
All ages and peoples look brightly out of your veils; all customs and faiths speak brightly from your gestures.
Whoever stripped away your veils and coverings and colors and gestures would have just enough left to frighten birds.
Truly, I myself am the frightened bird that once saw you naked and unpainted; and I flew away when the skeleton beckoned love to me.
I would sooner be a day laborer in the underworld among the shadows of the past! Even the underworld’s inhabitants are plumper and fuller than you!
This, yes, this is bitterness to my entrails: I can bear you neither naked nor clothed, people of the present!
Everything uncanny in the future, everything that ever made lost birds shudder, is truly more homelike and familiar than your “reality.”
For you say, “We are wholly real, without faith or superstition”: thus you puff out your chests—ah, even without chests!
Yes, how could you believe, brightly speckled ones—paintings of everything ever believed!
You are walking refutations of faith itself, and the limb-breaking of every thought. Unbelievable: that is what I call you, real ones!
All ages chatter against one another in your spirits; and all ages’ dreams and chatter were more real than your waking!
You are barren: that is why you lack faith. But whoever had to create always had prophetic dreams and signs of stars—and believed in believing!—
You are half-open gates where gravediggers wait. And this is your reality: “Everything deserves to perish.”
Ah, how you stand before me, you barren ones, how lean about the ribs! And many among you have no doubt noticed it themselves.
And said, “Has a God perhaps secretly stolen something from me while I slept? Truly, enough to fashion a little woman from!
“Wonderful is the poverty of my ribs!” So many a person of the present has spoken.
Yes, people of the present, you make me laugh! Especially when you marvel at yourselves!
And woe to me if I could not laugh at your marveling, and had to drink down everything repulsive from your bowls!
But as things are, I will take you more lightly, because I have heavy things to carry; and what does it matter if beetles and winged worms settle upon my bundle as well?
Truly, it shall not grow heavier for me because of that! And the great weariness shall not come to me from you, people of the present.—
Ah, where shall I climb now with my longing? From every mountain I look out for fatherlands and motherlands.
But nowhere did I find a home: I am unsettled in every city, a departure at every gate.
The people of the present, toward whom my heart recently drove me, are strange and laughable to me; and I am driven out of fatherlands and motherlands.
So I love only my children’s land, undiscovered, in the farthest sea: I bid my sails search and search for it.
In my children I will make amends for being my fathers’ child—and in all the future, for this present!
Thus spoke Zarathustra.
On Immaculate Knowledge
When the moon rose yesterday, I thought it meant to give birth to a sun: so broad and pregnant it lay upon the horizon.
But with its pregnancy it was a liar to me; I would sooner believe in the man in the moon than the woman.
Of course, there is little man in him either, this shy night wanderer. Truly, with a bad conscience he walks over the roofs.
For he is lustful and jealous, the monk in the moon, lusting after the earth and all lovers’ joys.
No, I do not like him, this tomcat upon the roofs! Everyone who steals around half-closed windows disgusts me!
Piously and silently he walks upon carpets of stars—but I do not like any softly treading man’s feet upon which not even a spur jingles.
Every honest person’s step speaks; but the cat steals over the ground. Look, the moon approaches catlike and dishonestly.—
I give this image to you sensitive hypocrites, you “pure knowers”! I call you—lustful ones!
You too love the earth and earthly things: I have divined you well! But shame and bad conscience are in your love—you resemble the moon!
Your spirit has been persuaded to despise earthly things, but not your entrails: and they are the strongest part of you!
And now your spirit is ashamed of doing your entrails’ will, and before its own shame it follows paths of stealth and lies.
“This would be highest for me,” your lying spirit says to itself: “to look upon life without desire, not like a dog with its tongue hanging out:
“To be happy in looking, with will dead, without selfishness’s grasp and greed—cold and ash-gray throughout the body, but with drunken moon eyes!”
“This would be dearest to me,” the seduced one seduces himself, “to love the earth as the moon loves it, and touch its beauty with the eye alone.
“And let this be immaculate knowledge of all things: that I want nothing from things, except to lie before them like a mirror with a hundred eyes.”—
Oh, sensitive hypocrites, lustful ones! You lack innocence in desire: and now you slander desiring because of it!
Truly, you do not love the earth as creators, begetters, those delighting in becoming!
Where is innocence? Where the will to beget is. And whoever wants to create beyond themselves has, to me, the purest will.
Where is beauty? Where I must will with all my will; where I want to love and go under so that an image does not remain merely an image.
Loving and going-under have rhymed for eternities. Will to love means being willing for death as well. Thus I speak to you cowards!
But now your emasculated squint wants to be called “contemplation”! And whatever can be touched with cowardly eyes is to be christened “beautiful”! Oh, you defilers of noble names!
But let this be your curse, immaculate ones, pure knowers: you will never give birth, even if you lie broad and pregnant upon the horizon!
Truly, you fill your mouths with noble words: and we are supposed to believe your hearts overflow, you liars?
But my words are small, despised, crooked words: I gladly gather what falls beneath the table at your feast.
With them I can still—tell hypocrites the truth! Yes, my fish bones, shells, and prickly leaves shall—tickle hypocrites’ noses!
Bad air always surrounds you and your meals: your lustful thoughts, your lies and secrets are in the air!
First dare to believe yourselves—yourselves and your entrails! Whoever does not believe themselves always lies.
You put on a God’s mask before yourselves, you “pure ones”: your hideous segmented worm crept into a God’s mask.
Truly, you deceive, you “contemplatives”! Zarathustra too was once fooled by your divine skins: he did not divine the coiling serpents with which they were stuffed.
Once I thought I saw a God’s soul at play in your games, pure knowers! Once I imagined no finer art than your arts!
Distance concealed serpent filth and foul odor from me, and the lustful cunning of a lizard creeping here.
But I came close to you: then day came to me—and now it comes to you. The moon’s love affair has ended!
Look! Caught out and pale it stands—before the dawn!
For already she comes, the glowing sun—her love for the earth comes! All the sun’s love is innocence and desire to create!
Look how impatiently she comes over the sea! Do you not feel the thirst and hot breath of her love?
She wants to suck at the sea and drink its depth up to her height: then the sea’s desire rises with a thousand breasts.
It wants to be kissed and sucked by the sun’s thirst; it wants to become air and height and a footpath of light, and light itself!
Truly, like the sun I love life and all deep seas.
And this is what I call knowledge: let everything deep rise—up to my height!
Thus spoke Zarathustra.
On Scholars
While I lay asleep, a sheep ate at the ivy wreath upon my head—ate and said, “Zarathustra is no scholar anymore.”
So it spoke, and went stiffly and proudly away. A child told me this.
I like lying here where the children play, beside the broken wall, among thistles and red poppies.
To the children I am still a scholar, and to the thistles and red poppies too. They are innocent even in their malice.
But to the sheep I am a scholar no longer: so my fate wills—blessed be it!
For this is the truth: I have moved out of the scholars’ house, and slammed the door behind me as well.
Too long my soul sat hungry at their table; unlike them, I am not trained to knowing as to cracking nuts.
I love freedom and the air above fresh earth; I would sooner sleep on oxhides than upon their dignities and respectabilities.
I am too hot and burned by my own thoughts: often they threaten to take my breath away. Then I must go into the open, away from every dusty room.
But they sit cool in cool shade: in everything they want only to be spectators, and take care not to sit where the sun burns upon the steps.
Like people standing in the street gaping at passersby, they too wait and gape at thoughts others have thought.
If one takes hold of them, they scatter dust like sacks of flour, involuntarily: but who would guess their dust came from grain and the yellow delight of summer fields?
When they act wise, their little sayings and truths chill me: their wisdom often smells as if it came from a swamp; and truly, I have heard the frog croak from it already!
They are skillful, with clever fingers: what is my simplicity beside their multiplicity! Their fingers understand every threading and knotting and weaving: thus they knit the stockings of the spirit!
They are good clockworks: only take care to wind them correctly! Then they show the hour without deceit, making a modest noise.
Like mills and stamping machines they work: only throw them your grain! They know well how to grind grain small and make white dust from it.
They watch one another’s fingers closely and do not entirely trust one another. Inventive in little stratagems, they wait for those whose knowledge walks on lame feet—like spiders they wait.
I always saw them preparing poison cautiously; and always they put glass gloves upon their fingers.
They also know how to play with loaded dice; and I found them playing so eagerly that they sweated.
We are strangers to one another, and their virtues offend my taste even more than their falsehoods and loaded dice.
And when I lived among them, I lived above them. That made them resent me.
They want to hear nothing of someone walking above their heads; so they laid wood and earth and rubbish between me and their heads.
Thus they muffled the sound of my footsteps: and until now the most learned have heard me worst.
They placed all humanity’s failings and weaknesses between themselves and me: they call this the “false floor” in their houses.
But despite that, I walk with my thoughts above their heads; and even if I wished to walk upon my own failings, I would still be above them and their heads.
For human beings are not equal: so justice speaks. And what I will, they must not will!
Thus spoke Zarathustra.
On Poets
“Since I have known the body better,” Zarathustra said to one of his disciples, “spirit has become to me spirit only in a manner of speaking; and all that is ‘imperishable’ is only an image too.”
“I heard you say that once before,” the disciple answered, “and then you added, ‘But poets lie too much.’ Why did you say that poets lie too much?”
“Why?” said Zarathustra. “You ask why? I am not one of those whose why may be questioned.
“Is my experience from yesterday? It is long since I lived through the reasons for my opinions.
“Would I not have to be a barrel of memory if I wanted to keep my reasons with me as well?
“It is already too much for me to retain my opinions themselves; and many a bird flies away.
“And sometimes I find a strange creature in my dovecote, flown in from elsewhere, that trembles when I lay my hand upon it.
“But what did Zarathustra once tell you? That poets lie too much? Yet Zarathustra too is a poet.
“Do you now believe he spoke the truth here? Why do you believe that?”
The disciple answered, “I believe in Zarathustra.” But Zarathustra shook his head and smiled.
“Faith does not make me blessed,” he said, “especially not faith in me.
“But suppose someone said in all earnestness that poets lie too much: that person would be right—we lie too much.
“We also know too little and are poor learners: so we have to lie.
“And which of us poets has not adulterated his wine? Many a poisonous mixture has been made in our cellars; many an indescribable thing has been done there.
“And because we know little, we are heartily fond of the poor in spirit, especially when they are young women!
“And we still crave the things old women tell one another in the evening. We ourselves call this the Eternal Feminine within us.
“And as though there were a special secret access to knowledge that becomes blocked for those who learn something, we believe in the people and their ‘wisdom.’
“But all poets believe this: whoever lies in the grass or on lonely slopes and pricks up their ears will learn something of the things between heaven and earth.
“And when tender feelings come to them, poets always think nature herself has fallen in love with them:
“And creeps to their ears to whisper secrets and amorous flatteries. For that they puff themselves up before all mortals!
“Ah, there are so many things between heaven and earth that only poets have dreamed of!
“And above all, above heaven: for all gods are poets’ images, poets’ deceptions!
“Truly, we are always drawn upward—into the realm of clouds, that is. Upon them we set our bright stuffed skins, and then call them gods and overhumans—
“They are just light enough for these seats, after all! All these gods and overhumans.
“Ah, how weary I am of everything inadequate that insists on being an event! Ah, how weary I am of poets!”
When Zarathustra spoke thus, his disciple grew angry with him, but said nothing. Zarathustra too fell silent; his eye had turned inward, as though looking into far distances. At last he sighed and drew breath.
“I belong to today and the past,” he said then, “but something in me belongs to tomorrow and the day after and one day to come.
“I have grown weary of poets, old and new: to me they are all superficial and shallow seas.
“They did not think deeply enough: so their feeling never sank to the bottom.
“A little sensual pleasure and a little boredom: that has been their finest reflection.
“To me all their harps’ tinkling is a breath and rustle of ghosts; what have they known until now of the ardor of tones?—
“They are not clean enough for me either: they all muddy their waters to make them seem deep.
“And they gladly present themselves as reconcilers: but to me they remain mediators and mixers, half-and-halves and unclean ones!—
“Ah, I cast my net into their seas, hoping to catch good fish; but I always pulled up an old God’s head.
“Thus the sea gave the hungry man a stone. And perhaps they themselves came from the sea.
“Certainly, one finds pearls in them: all the more they themselves resemble hard shellfish. And instead of a soul, I often found salted slime in them.
“They learned the sea’s vanity from it as well: is the sea not the peacock of peacocks?
“Even before the ugliest buffalo it unrolls its tail, never tiring of its lace fan of silver and silk.
“The buffalo looks on defiantly, close to sand in its soul, closer to the thicket, but closest to the swamp.
“What do beauty and sea and peacock finery mean to it? I tell this image to the poets.
“Truly, their spirit itself is the peacock of peacocks and a sea of vanity!
“The poet’s spirit wants spectators—even if they are buffalo!—
“But I have grown weary of this spirit: and I see the time coming when it grows weary of itself.
“I have already seen poets transformed, their gaze turned against themselves.
“I saw penitents of the spirit coming: they grew out of the poets.”
Thus spoke Zarathustra.
On Great Events
There is an island in the sea, not far from Zarathustra’s blissful islands, upon which a volcano constantly smokes. The people, especially the old women among them, say it is set like a boulder before the gate of the underworld; through the volcano itself a narrow path leads down to that gate.
At the time when Zarathustra was staying upon the blissful islands, a ship anchored beside the island with the smoking mountain, and its crew went ashore to shoot rabbits. Around noon, when the captain and his men had gathered again, they suddenly saw a man coming toward them through the air, and a voice distinctly said, “It is time! It is high time!” But when the figure came nearest—it flew quickly past like a shadow toward the volcano—they recognized with the greatest consternation that it was Zarathustra. For they had all seen him before, except the captain himself, and loved him as the people love: with love and fear in equal measure.
“Just look!” said the old helmsman. “There goes Zarathustra to hell!”—
At the same time these sailors landed upon the fire island, a rumor spread that Zarathustra had disappeared. When his friends were asked, they said he had boarded a ship at night without saying where he meant to go.
Thus uneasiness arose; after three days the sailors’ story was added to it, and now everyone said the devil had fetched Zarathustra. His disciples laughed at this talk; one even said, “I would sooner believe Zarathustra had fetched the devil.” But at the bottom of their souls they were all full of worry and longing: so their joy was great when Zarathustra appeared among them on the fifth day.
And this is the account of Zarathustra’s conversation with the fire dog.
“The earth,” he said, “has a skin; and this skin has diseases. One of these diseases is called, for example, ‘humanity.’
“And another of these diseases is called ‘fire dog’: about him human beings have told themselves many lies and let many lies be told to them.
“To fathom this secret I went across the sea: and I have seen truth naked, truly, barefoot up to the neck.
“Now I know what there is to the fire dog, and likewise to all the devils of eruption and upheaval whom not only old women fear.
“‘Out with you, fire dog, from your depth!’ I cried. ‘Confess how deep this depth is! Where does what you snort up come from?
“‘You drink plentifully from the sea: your oversalted eloquence betrays it! Truly, for a dog of the depths, you take your nourishment too much from the surface!
“‘At most I consider you the earth’s ventriloquist: whenever I heard devils of upheaval and eruption speak, I found them like you—salty, lying, and shallow.
“‘You know how to roar and darken things with ash! You are the finest loudmouths—have you thoroughly learned the art of boiling mud?
“‘Where you are, mud must always be nearby, and much that is spongy, hollow, confined: it wants freedom.
“‘“Freedom” is what you all like best to roar: but I unlearned belief in “great events” whenever much roaring and smoke surround them.
“‘And believe me, friend Hellish Din! The greatest events are not our loudest hours, but our stillest.
“‘Not around the inventors of new noise, but around the inventors of new values, the world turns: inaudibly it turns.
“‘And admit it! Little had always happened when your noise and smoke cleared. What does it matter that a city became a mummy, and a statue lies in the mud?
“‘And I say this word to those who overthrow statues: surely it is the greatest folly to throw salt into the sea and statues into mud.
“‘The statue lay in the mud of your contempt: but precisely this is its law, that life and living beauty grow again out of contempt!
“‘Now it rises with more divine features, seductive in its suffering; and truly, it will yet thank you for overthrowing it, you overthrowers!
“‘But this is my counsel to kings and churches and everything feeble with age and failing in virtue: only let yourselves be overthrown! So that you return to life, and virtue—to you!’—
“So I spoke before the fire dog: then he interrupted gruffly and asked, ‘Church? What is that?’
“‘Church?’ I answered. ‘That is a kind of state, and indeed the most lying kind. But be silent, you hypocritical dog! You surely know your own kind best already!
“‘The state is a hypocritical dog like yourself; like you it likes speaking with smoke and roaring, to make people believe, like you, that it speaks from the belly of things.
“‘For it insists upon being the most important animal on earth, the state; and people believe it too.’—
“When I said that, the fire dog behaved as though mad with envy. ‘What?’ he cried. ‘The most important animal on earth? And people believe it too?’ So much steam and such dreadful voices came from his throat that I thought he would suffocate with anger and envy.
“At last he grew quieter, and his panting eased; as soon as he was silent, I said, laughing:
“‘You are angry, fire dog: so I am right about you!
“‘And so that I remain right, hear of another fire dog: he truly speaks from the earth’s heart.
“‘His breath exhales gold and golden rain: so his heart wills. What are ash and smoke and hot slime to him now?
“‘Laughter flutters from him like a bright cloud; he is ill disposed toward your gurgling and spitting and griping entrails!
“‘But gold and laughter he takes from the earth’s heart: for just so you know—the earth’s heart is made of gold.’
“When the fire dog heard this, he could bear listening no longer. Ashamed, he tucked his tail, said timidly, ‘Bow-wow! Bow-wow!’ and crept down into his cave.”—
Thus Zarathustra told his story. But his disciples hardly listened: so great was their desire to tell him of the sailors, the rabbits, and the flying man.
“What am I to think of that?” Zarathustra said. “Am I a ghost?
“But it will have been my shadow. You have probably heard something already about the wanderer and his shadow?
“One thing is certain: I must keep him on a shorter leash—otherwise he will spoil my reputation.”
And again Zarathustra shook his head in wonder. “What am I to think of that?” he said again.
“Why did the ghost cry, ‘It is time! It is high time!’?
“High time—for what?”—
Thus spoke Zarathustra.
The Soothsayer
“—And I saw a great sadness come over humanity. The best grew weary of their works.
“A teaching went out, with a faith beside it: ‘Everything is empty, everything is the same, everything has been!’
“And from every hill it echoed: ‘Everything is empty, everything is the same, everything has been!’
“We harvested, certainly: but why did every fruit grow rotten and brown for us? What fell from the evil moon last night?
“All labor was in vain; our wine has become poison; an evil eye scorched our fields and hearts yellow.
“We have all grown dry; if fire falls upon us, we scatter like ash—yes, we have wearied fire itself.
“All our wells dried up; even the sea withdrew. All ground wants to split, but the depths will not swallow!
“‘Ah, where is there still a sea in which one could drown?’ So our lament sounds—across shallow swamps.
“Truly, we have already grown too weary to die; now we stay awake and live on—in burial chambers!”—
Thus Zarathustra heard a soothsayer speak; and the prophecy went to his heart and changed him. He walked sadly and wearily, becoming like those of whom the soothsayer had spoken.
“Truly,” he said to his disciples, “a little while, and this long twilight will come. Ah, how shall I carry my light safely through it?
“Let it not suffocate in this sadness! It must shine for farther worlds and the farthest nights!”
So troubled in his heart Zarathustra walked about; for three days he took neither food nor drink, found no rest, and lost speech. At last he fell into a deep sleep. His disciples sat around him through long night watches, waiting anxiously to see whether he would wake and speak again, recovered from his melancholy.
This is what Zarathustra said when he awoke; but his voice came to his disciples as from a great distance.
“Listen to the dream I dreamed, my friends, and help me divine its meaning!
“It is still a riddle to me, this dream; its meaning lies hidden and imprisoned within it, and does not yet fly above it on free wings.
“I had renounced all life, so I dreamed. I had become a night watchman and grave guardian upon death’s lonely mountain fortress.
“Up there I guarded its coffins: the musty vaults were full of such trophies. From glass coffins, conquered life looked at me.
“I breathed the smell of dusty eternities: sultry and dusty lay my soul. And who could have aired their soul there?
“Midnight brightness always surrounded me; solitude crouched beside it; and third came rattling deathly silence, the worst of my women friends.
“I carried keys, the rustiest of all keys, and knew how to open the most creaking of all gates with them.
“Like a bitterly evil croaking, the sound ran through the long corridors when the gate’s wings rose: this bird cried harshly, reluctant to be awakened.
“But more terrible and heart-constricting still was when it fell silent again, everything around grew still, and I sat alone in that treacherous silence.
“Thus time passed and crept for me, if time still existed: what do I know of that! But at last the thing that woke me happened.
“Three times blows struck the gate like thunder; three times the vaults echoed and howled. Then I went to the gate.
“‘Alpa!’ I cried. ‘Who carries his ashes into the mountains? Alpa! Alpa! Who carries his ashes into the mountains?’
“And I pressed the key and heaved at the gate and struggled. But it was not yet open a finger’s breadth:
“Then a roaring wind tore its wings apart: whistling, shrilling, and piercing, it flung a black coffin toward me.
“And amid the roaring and whistling and shrilling, the coffin burst and spewed forth a thousandfold laughter.
“And from a thousand grimacing faces of children, angels, owls, fools, and child-sized butterflies, laughter and mockery and roaring came against me.
“I was dreadfully frightened: it threw me down. And I screamed in horror as I had never screamed.
“But my own scream woke me—and I came to myself.”—
Thus Zarathustra told his dream and fell silent: for he did not yet know its interpretation. But the disciple he loved most rose quickly, took Zarathustra’s hand, and spoke:
“Your life itself interprets this dream for us, Zarathustra!
“Are you not yourself the shrill-whistling wind that tears open the gates of death’s fortresses?
“Are you not yourself the coffin full of bright malice and life’s angelic grimaces?
“Truly, like a thousandfold children’s laughter, Zarathustra enters every death chamber, laughing at these night watchmen and grave guardians, and whoever else rattles gloomy keys.
“You will terrify and overthrow them with your laughter; fainting and awakening will prove your power over them.
“And even when the long twilight and death-weariness come, you will not set in our sky, advocate of life!
“You let us see new stars and new splendors of night; truly, you stretched laughter itself above us like a bright tent.
“Now children’s laughter will always pour from coffins; now a strong wind will always come victoriously against every weariness of death: you yourself are our pledge and soothsayer of that!
“Truly, you dreamed them themselves, your enemies: that was your hardest dream!
“But as you awoke from them and came to yourself, so they themselves shall awake from themselves—and come to you!”—
Thus the disciple spoke; and now all the others crowded around Zarathustra, took his hands, and tried to persuade him to leave his bed and sadness and return to them. But Zarathustra sat upright upon his bed with a strange gaze. Like someone returning home after a long foreign journey, he looked at his disciples and examined their faces; he did not recognize them yet. But when they lifted him and set him on his feet, suddenly his eye changed; he understood everything that had happened, stroked his beard, and said in a strong voice, “Well! That has its time now; but see to it, my disciples, that we have a good meal—and soon! This is how I intend to do penance for bad dreams!
“But let the soothsayer eat and drink beside me: truly, I will yet show him a sea in which he can drown!”
Thus spoke Zarathustra. Afterward, however, he looked long into the face of the disciple who had played the dream interpreter, and shook his head.—
On Redemption
One day, as Zarathustra crossed the great bridge, cripples and beggars surrounded him, and a hunchback spoke:
“Look, Zarathustra! Even the people learn from you and gain faith in your teaching. But for them to believe you entirely, one thing is still needed: first you must persuade us cripples! Here you have a fine selection, and truly an opportunity with more than one forelock! You can heal the blind and make the lame walk; and from someone with too much behind him, perhaps you could take a little away: that, I think, would be the right way to make cripples believe in Zarathustra!”
But Zarathustra answered the speaker: “If one takes the hunchback’s hump, one takes his spirit—so the people teach. And if one gives the blind man his eyes, he sees too many bad things on earth and curses the one who healed him. But whoever makes the lame walk does him the greatest harm: scarcely can he walk before his vices run away with him—so the people teach about cripples. And why should Zarathustra not learn from the people too, when the people learn from Zarathustra?
“But since I have lived among human beings, this has been the least of it: seeing that one lacks an eye, another an ear, a third a leg, while others have lost their tongue or nose or head.
“I see and have seen worse, and many things so hideous I would not speak of all of them, and of some would not even remain silent: people who lack everything except one thing they have too much of—people who are nothing but a great eye, or a great mouth, or a great belly, or something else great. I call them inverse cripples.
“And when I came out of my solitude and crossed this bridge for the first time, I did not trust my eyes. I looked and looked again, and at last said, ‘That is an ear! An ear as large as a human being!’ I looked more closely: indeed, beneath the ear something still moved that was pitifully small, poor, and frail. Truly, the enormous ear sat upon a small, thin stalk—but the stalk was a human being! Someone holding a magnifying glass to their eye could even recognize a little envious face, and a swollen little soul dangling from the stalk. But the people told me the great ear was not only a human being, but a great human being, a genius. Yet I never believed the people when they spoke of great human beings—and kept my belief that this was an inverse cripple, with too little of everything and too much of one thing.”
When Zarathustra had spoken thus to the hunchback and those for whom he was mouthpiece and advocate, he turned in deep discontent to his disciples and said:
“Truly, my friends, I walk among human beings as among fragments and limbs of human beings!
“What is terrible to my eye is finding humanity shattered and scattered as across a battlefield and slaughter ground.
“And if my eye flees from now to the past, it always finds the same: fragments and limbs and dreadful accidents—but no human beings!
“The now and the past upon earth—ah, my friends—that is my most unbearable thing; and I would not know how to live if I were not also a seer of what must come.
“A seer, a willing one, a creator, a future itself and a bridge to the future—and ah, also something like a cripple upon this bridge: all this is Zarathustra.
“And you too have often asked yourselves, ‘Who is Zarathustra to us? What should we call him?’ And like me, you gave yourselves questions for answers.
“Is he a promiser? Or a fulfiller? A conqueror? Or an heir? An autumn? Or a plowshare? A physician? Or a convalescent?
“Is he a poet? Or a truthful one? A liberator? Or a tamer? A good one? Or an evil one?
“I walk among human beings as among fragments of the future—the future I behold.
“And this is all my invention and striving: to compose into one and gather together what is fragment and riddle and dreadful accident.
“And how could I bear being human if the human being were not also poet and riddle solver and the redeemer of chance!
“To redeem those who have gone, and remake every ‘It was’ into a ‘Thus I willed it!’—that alone would I call redemption!
“Will—that is the liberator and bringer of joy: so I taught you, my friends! But now learn this as well: will itself is still a prisoner.
“Willing liberates: but what is the name of that which chains even the liberator?
“‘It was’: that is the name of the will’s gnashing of teeth and loneliest melancholy. Powerless before what has been done, it is an evil spectator of everything past.
“The will cannot will backward; that it cannot break time and time’s desire—that is the will’s loneliest melancholy.
“Willing liberates: what does willing itself devise to escape its melancholy and mock its prison?
“Ah, every prisoner becomes a fool! Foolishly the imprisoned will also redeems itself.
“That time does not run backward is its rage; ‘What was’ is the stone it cannot roll away.
“And so it rolls stones out of rage and discontent, and takes revenge upon whatever does not feel rage and discontent like itself.
“Thus the will, the liberator, became a bringer of pain: upon everything capable of suffering it takes revenge because it cannot go backward.
“This, yes, this alone is revenge itself: the will’s ill will against time and its ‘It was.’
“Truly, a great folly dwells in our will; and it became a curse upon everything human that this folly learned to be clever!
“The spirit of revenge: my friends, this has been humanity’s finest reflection until now; and wherever suffering was, punishment was always supposed to be.
“‘Punishment’ is what revenge calls itself: with a lying word it feigns a good conscience.
“And because there is suffering in the willing one, since it cannot will backward, willing itself and all life were supposed to be—punishment!
“And now cloud upon cloud rolled over spirit, until at last madness preached, ‘Everything passes away; therefore everything deserves to pass away!’
“‘And this itself is justice, this law of time that it must devour its children’: so madness preached.
“‘Things are morally ordered according to justice and punishment. Oh, where is redemption from the flow of things and the punishment “existence”?’ So madness preached.
“‘Can there be redemption if there is eternal justice? Ah, the stone “It was” cannot be rolled away: every punishment must be eternal too!’ So madness preached.
“‘No deed can be destroyed: how could punishment make it undone? This, this is what is eternal in the punishment “existence”: that existence must eternally become deed and guilt again!
“‘Unless the will at last redeemed itself, and willing became not-willing—’: but you know this fable song of madness, my brothers!
“I led you away from these fable songs when I taught you, ‘The will is a creator.’
“Every ‘It was’ is a fragment, a riddle, a dreadful accident—until the creating will says to it, ‘But thus I willed it!’
“—Until the creating will says to it, ‘But thus I will it! Thus shall I will it!’
“But has it spoken so already? And when does this happen? Is the will already unharnessed from its own folly?
“Has the will already become its own redeemer and bringer of joy? Has it unlearned the spirit of revenge and all gnashing of teeth?
“And who taught it reconciliation with time, and something higher than all reconciliation?
“The will that is will to power must will something higher than all reconciliation—but how does this happen to it? Who taught it even to will backward?”
But at this point in his speech Zarathustra suddenly stopped, looking just like someone frightened to the utmost. With a startled eye he looked at his disciples; his gaze pierced their thoughts and hidden thoughts like arrows. After a little while, however, he laughed again and said soothingly:
“It is hard to live with human beings, because silence is so hard. Especially for a chatterer.”—
Thus spoke Zarathustra. But the hunchback had listened to the conversation with his face covered. When he heard Zarathustra laugh, he looked up curiously and said slowly:
“But why does Zarathustra speak differently to us than to his disciples?”
Zarathustra answered, “What is there to wonder at? With hunchbacks one may speak hunchbackedly!”
“Good,” said the hunchback. “And with pupils one may tell tales out of school.
“But why does Zarathustra speak differently to his pupils—than to himself?”—
On Prudence among Human Beings
Not the height: the slope is terrible!
The slope where the gaze plunges downward and the hand reaches upward. There the heart grows dizzy before its double will.
Ah, friends, do you also divine my heart’s double will?
This, this is my slope and my danger: my gaze plunges toward the heights, while my hand wants to hold and support itself—upon the depths!
My will clings to humanity; with chains I bind myself to humanity, because I am torn upward toward the overhuman: for there my other will wants to go.
And that is why I live blindly among human beings, as though I did not know them: so that my hand does not entirely lose its faith in firmness.
I do not know you human beings: this darkness and comfort are often spread around me.
I sit at the gateway for every rogue and ask: Who wants to deceive me?
This is my first prudence among human beings: I let myself be deceived, so as not to be on guard against deceivers.
Ah, if I were on guard against humanity, how could humanity be an anchor for my balloon? Too easily I would be torn upward and away!
This providence stands over my fate: I must be without precaution.
And whoever does not want to perish of thirst among human beings must learn to drink from every glass; whoever wants to remain clean among human beings must know how to wash even with dirty water.
Thus I often spoke to comfort myself: “Come! Up! Old heart! A misfortune has failed to strike you: enjoy this as your—good fortune!”
But this is my second prudence among human beings: I spare the vain more than the proud.
Is wounded vanity not the mother of every tragedy? But where pride is wounded, something better than pride may yet grow.
For life to be good to watch, its play must be well performed: and for that good actors are needed.
I found all vain people good actors: they perform and want to be watched with pleasure—all their spirit is in this will.
They stage themselves, invent themselves; near them I love watching life—it cures melancholy.
That is why I spare the vain: they are physicians for my melancholy, and keep me fastened to humanity as to a play.
And then: who measures the whole depth of a vain person’s modesty? I am fond of him and pity him for his modesty.
From you he wants to learn belief in himself; he feeds upon your looks, eats praise from your hands.
He believes even your lies when you lie well about him: for deep within, his heart sighs, “What am I?”
And if true virtue is the virtue that does not know itself—well, the vain person does not know his modesty!—
But this is my third prudence among human beings: I do not let your timidity spoil my pleasure in the sight of the evil.
I am blessed to see the wonders a hot sun hatches: tigers and palms and rattlesnakes.
Among human beings too there is beautiful offspring of a hot sun, and much worth marveling at in the evil.
Certainly, just as your wisest did not seem so wise to me, I also found human malice fell short of its reputation.
And often I asked, shaking my head: Why still rattle, you rattlesnakes?
Truly, there is a future for evil too! And the hottest south has not yet been discovered for humanity.
How much is already called the worst malice that is only twelve feet wide and three months long! But one day greater dragons will come into the world.
For the overhuman must not lack its dragon, the overdragon worthy of it: for that, much hot sun must still glow upon moist primeval forest!
Your wildcats must first become tigers, and your poisonous toads crocodiles: for the good hunter should have a good hunt!
And truly, you good and just ones! There is much to laugh at in you, especially your fear of what has until now been called “devil”!
You are so estranged from greatness in your souls that the overhuman would be terrible to you in its goodness!
And you wise and knowing ones would flee from wisdom’s scorching sun, in which the overhuman bathes its nakedness with delight!
You highest human beings my eye has met! This is my doubt about you and my secret laughter: I guess you would call my overhuman—a devil!
Ah, I grew weary of these highest and best: from their “height” I longed upward, outward, away toward the overhuman!
Horror seized me when I saw these best ones naked: then wings grew for me, to soar into distant futures.
Into farther futures, into more southerly souths than any sculptor ever dreamed: where gods are ashamed of all clothes!
But I want to see you disguised, neighbors and fellow human beings, well dressed, vain and dignified as “the good and the just”—
And disguised I myself want to sit among you, so that I misrecognize you and myself: that is my final prudence among human beings.
Thus spoke Zarathustra.
The Stillest Hour
“What has happened to me, my friends? You see me distraught, driven away, unwillingly obedient, ready to go—ah, to go away from you!
“Yes, once more Zarathustra must enter his solitude: but this time the bear returns unwillingly to his cave!
“What has happened to me? Who commands this? Ah, my angry mistress wills it; she spoke to me: have I ever told you her name?
“Yesterday toward evening, my stillest hour spoke to me: that is the name of my terrible mistress.
“And this is how it happened—for I must tell you everything, so that your hearts do not harden against the one who suddenly leaves!
“Do you know the terror of someone falling asleep? Frightened to the toes because the ground gives way and the dream begins.
“I tell you this as an image. Yesterday, in the stillest hour, the ground gave way beneath me: the dream began.
“The hand moved; the clock of my life drew breath—I had never heard such stillness around me: it frightened my heart.
“Then it spoke to me without a voice: ‘You know it, Zarathustra?’—
“And I cried out in terror at this whisper, and the blood left my face: but I was silent.
“Then it spoke to me again without a voice: ‘You know it, Zarathustra, but you do not say it!’—
“And at last I answered defiantly, ‘Yes, I know it, but I will not say it!’
“Then it spoke to me again without a voice: ‘You will not, Zarathustra? Is that true? Do not hide in your defiance!’—
“And I wept and trembled like a child and said, ‘Ah, I would, but how can I? Only release me from this! It is beyond my strength!’
“Then it spoke to me again without a voice: ‘What do you matter, Zarathustra? Speak your word and break!’—
“And I answered, ‘Ah, is it my word? Who am I? I await the worthier one; I am not worthy even to break upon it.’
“Then it spoke to me again without a voice: ‘What do you matter? You are not humble enough for me yet. Humility has the toughest hide.’—
“And I answered, ‘What has the hide of my humility not already borne? I dwell at the foot of my height: how high are my summits? No one has yet told me. But I know my valleys well.’
“Then it spoke to me again without a voice: ‘Zarathustra, whoever has mountains to move also moves valleys and lowlands.’—
“And I answered, ‘My word has not yet moved mountains, and what I said did not reach humanity. I went to human beings, certainly, but I have not yet arrived among them.’
“Then it spoke to me again without a voice: ‘What do you know of that? Dew falls upon the grass when night is most silent.’—
“And I answered, ‘They mocked me when I found and followed my own way; and truly, my feet trembled then.
“‘And they said to me: you have forgotten the way; now you will forget how to walk as well!’
“Then it spoke to me again without a voice: ‘What does their mockery matter? You are one who has unlearned obedience: now you must command!
“‘Do you not know who is most necessary to everyone? The one who commands great things.
“‘To accomplish great things is hard: but commanding great things is harder.
“‘This is your most unforgivable thing: you have power, and you do not want to rule.’—
“And I answered, ‘I lack the lion’s voice for all commanding.’
“Then it spoke to me again like a whisper: ‘The stillest words bring the storm. Thoughts that come on doves’ feet guide the world.
“‘Zarathustra, you must go as a shadow of what must come: thus you will command and go before, commanding.’—
“And I answered, ‘I am ashamed.’
“Then it spoke to me again without a voice: ‘You must still become a child, without shame.
“‘The pride of youth is still upon you; late you became young: but whoever wants to become a child must overcome youth as well.’—
“And I reflected long and trembled. But at last I said what I had said first: ‘I will not.’
“Then laughter arose around me. Alas, how that laughter tore my entrails and slit my heart!
“And it spoke to me for the last time: ‘Zarathustra, your fruits are ripe, but you are not ripe for your fruits!
“‘So you must return to solitude: for you must still grow tender.’—
“And again it laughed and fled: then everything around me grew still as with a doubled stillness. But I lay upon the ground, sweat flowing from my limbs.
“Now you have heard everything, and why I must return to my solitude. I have hidden nothing from you, my friends.
“But you have also heard from me who is still the most silent of all human beings—and wants to be!
“Ah, my friends! I still have something to tell you; I still have something to give you! Why do I not give it? Am I stingy?”—
But when Zarathustra had spoken these words, the force of pain and the nearness of parting from his friends overcame him, so that he wept aloud; and no one knew how to comfort him. But in the night he went away alone and left his friends.
Part 3
Dritter Theil
„Ihr seht nach Oben, wenn ihr nach Erhebung verlangt. Und ich sehe hinab, weil ich erhoben bin.
Wer von euch kann zugleich lachen und erhoben sein?
Wer auf den höchsten Bergen steigt, der lacht über alle Trauer-Spiele und Trauer-Ernste.“
Zarathustra, vom Lesen und Schreiben. (I. p. 53.)
Der Wanderer.
Um Mitternacht war es, da nahm Zarathustra seinen Weg über den Rücken der Insel, dass er mit dem frühen Morgen an das andre Gestade käme: denn dort wollte er zu Schiff steigen. Es gab nämlich allda eine gute Rhede, an der auch fremde Schiffe gern vor Anker giengen; die nahmen Manchen mit sich, der von den glückseligen Inseln über das Meer wollte. Als nun Zarathustra so den Berg hinanstieg, gedachte er unterwegs des vielen einsamen Wanderns von Jugend an, und wie viele Berge und Rücken und Gipfel er schon gestiegen sei.
Ich bin ein Wanderer und ein Bergsteiger, sagte er zu seinem Herzen, ich liebe die Ebenen nicht und es scheint, ich kann nicht lange still sitzen.
Und was mir nun auch noch als Schicksal und Erlebniss komme, — ein Wandern wird darin sein und ein Bergsteigen: man erlebt endlich nur noch sich selber.
Die Zeit ist abgeflossen, wo mir noch Zufälle begegnen durften; und was könnte jetzt noch zu mir fallen, was nicht schon mein Eigen wäre!
Es kehrt nur zurück, es kommt mir endlich heim — mein eigen Selbst, und was von ihm lange in der Fremde war und zerstreut unter alle Dinge und Zufälle.
Und noch Eins weiss ich: ich stehe jetzt vor meinem letzten Gipfel und vor dem, was mir am längsten aufgespart war. Ach, meinen härtesten Weg muss ich hinan! Ach, ich begann meine einsamste Wanderung!
Wer aber meiner Art ist, der entgeht einer solchen Stunde nicht: der Stunde, die zu ihm redet: „Jetzo erst gehst du deinen Weg der Grösse! Gipfel und Abgrund — das ist jetzt in Eins beschlossen!
Du gehst deinen Weg der Grösse: nun ist deine letzte Zuflucht worden, was bisher deine letzte Gefahr hiess!
Du gehst deinen Weg der Grösse: das muss nun dein bester Muth sein, dass es hinter dir keinen Weg mehr giebt!
Du gehst deinen Weg der Grösse; hier soll dir Keiner nachschleichen! Dein Fuss selber löschte hinter dir den Weg aus, und über ihm steht geschrieben: Unmöglichkeit.
Und wenn dir nunmehr alle Leitern fehlen, so musst du verstehen, noch auf deinen eigenen Kopf zu steigen: wie wolltest du anders aufwärts steigen?
Auf deinen eigenen Kopf und hinweg über dein eigenes Herz! Jetzt muss das Mildeste an dir noch zum Härtesten werden.
Wer sich stets viel geschont hat, der kränkelt zuletzt an seiner vielen Schonung. Gelobt sei, was hart macht! Ich lobe das Land nicht, wo Butter und Honig — fliesst!
Von sich absehn lernen ist nöthig, um Viel zu sehn: — diese Härte thut jedem Berge-Steigenden Noth.
Wer aber mit den Augen zudringlich ist als Erkennender, wie sollte der von allen Dingen mehr als ihre vorderen Gründe sehn!
Du aber, oh Zarathustra, wolltest aller Dinge Grund schaun und Hintergrund: so musst du schon über dich selber steigen, — hinan, hinauf, bis du auch deine Sterne noch unter dir hast!
Ja! Hinab auf mich selber sehn und noch auf meine Sterne: das erst hiesse mir mein Gipfel, das blieb mir noch zurück als mein letzter Gipfel! —“
Also sprach Zarathustra im Steigen zu sich, mit harten Sprüchlein sein Herz tröstend: denn er war wund am Herzen wie noch niemals zuvor. Und als er auf die Höhe des Bergrückens kam, siehe, da lag das andere Meer vor ihm ausgebreitet: und er stand still und schwieg lange. Die Nacht aber war kalt in dieser Höhe und klar und hellgestirnt.
Ich erkenne mein Loos, sagte er endlich mit Trauer. Wohlan! Ich bin bereit. Eben begann meine letzte Einsamkeit.
Ach, diese schwarze traurige See unter mir! Ach, diese schwangere nächtliche Verdrossenheit! Ach, Schicksal und See! Zu euch muss ich nun hinab steigen!
Vor meinem höchsten Berge stehe ich und vor meiner längsten Wanderung: darum muss ich erst tiefer hinab als ich jemals stieg:
— tiefer hinab in den Schmerz als ich jemals stieg, bis hinein in seine schwärzeste Fluth! So will es mein Schicksal: Wohlan! Ich bin bereit.
Woher kommen die höchsten Berge? so fragte ich einst. Da lernte ich, dass sie aus dem Meere kommen.
Diess Zeugniss ist in ihr Gestein geschrieben und in die Wände ihrer Gipfel. Aus dem Tiefsten muss das Höchste zu seiner Höhe kommen. —
Also sprach Zarathustra auf der Spitze des Berges, wo es kalt war; als er aber in die Nähe des Meeres kam und zuletzt allein unter den Klippen stand, da war er unterwegs müde geworden und sehnsüchtiger als noch zuvor.
Es schläft jetzt Alles noch, sprach er; auch das Meer schläft. Schlaftrunken und fremd blickt sein Auge nach mir.
Aber es athmet warm, das fühle ich. Und ich fühle auch, dass es träumt. Es windet sich träumend auf harten Kissen.
Horch! Horch! Wie es stöhnt von bösen Erinnerungen! Oder bösen Erwartungen?
Ach, ich bin traurig mit dir, du dunkles Ungeheuer, und mir selber noch gram um deinetwillen.
Ach, dass meine Hand nicht Stärke genug hat! Gerne, wahrlich, möchte ich dich von bösen Träumen erlösen! —
Und indem Zarathustra so sprach, lachte er mit Schwermuth und Bitterkeit über sich selber. „Wie! Zarathustra! sagte er, willst du noch dem Meere Trost singen?
Ach, du liebreicher Narr Zarathustra, du Vertrauens-Überseliger! Aber so warst du immer: immer kamst du vertraulich zu allem Furchtbaren.
Jedes Ungethüm wolltest du noch streicheln. Ein Hauch warmen Athems, ein Wenig weiches Gezottel an der Tatze —: und gleich warst du bereit, es zu lieben und zu locken.
Die Liebe ist die Gefahr des Einsamsten, die Liebe zu Allem, wenn es nur lebt! Zum Lachen ist wahrlich meine Narrheit und meine Bescheidenheit in der Liebe! —
Also sprach Zarathustra und lachte dabei zum andern Male: da aber gedachte er seiner verlassenen Freunde —, und wie als ob er sich mit seinen Gedanken an ihnen vergangen habe, zürnte er sich ob seiner Gedanken. Und alsbald geschah es, dass der Lachende weinte: — vor Zorn und Sehnsucht weinte Zarathustra bitterlich.
Vom Gesicht und Räthsel.
1 Als es unter den Schiffsleuten ruchbar wurde, dass Zarathustra auf dem Schiffe sei, — denn es war ein Mann zugleich mit ihm an Bord gegangen, der von den glückseligen Inseln kam — da entstand eine grosse Neugierde und Erwartung. Aber Zarathustra schwieg zwei Tage und war kalt und taub vor Traurigkeit, also, dass er weder auf Blicke noch auf Fragen antwortete. Am Abende aber des zweiten Tages that er seine Ohren wieder auf, ob er gleich noch schwieg: denn es gab viel Seltsames und Gefährliches auf diesem Schiffe anzuhören, welches weither kam und noch weiterhin wollte. Zarathustra aber war ein Freund aller Solchen, die weite Reisen thun und nicht ohne Gefahr leben mögen. Und siehe! zuletzt wurde ihm im Zuhören die eigne Zunge gelöst, und das Eis seines Herzens brach: — da begann er also zu reden:
Euch, den kühnen Suchern, Versuchern, und wer je sich mit listigen Segeln auf furchtbare Meere einschiffte, —
euch, den Räthsel-Trunkenen, den Zwielicht-Frohen, deren Seele mit Flöten zu jedem Irr-Schlunde gelockt wird: — denn nicht wollt ihr mit feiger Hand einem Faden nachtasten; und, wo ihr errathen könnt, da hasst ihr es, zu erschliessen —
euch allein erzähle ich das Räthsel, das ich sah, — das Gesicht des Einsamsten. —
Düster gieng ich jüngst durch leichenfarbne Dämmerung, — düster und hart, mit gepressten Lippen. Nicht nur Eine Sonne war mir untergegangen.
Ein Pfad, der trotzig durch Geröll stieg, ein boshafter, einsamer, dem nicht Kraut, nicht Strauch mehr zusprach: ein Berg-Pfad knirschte unter dem Trotz meines Fusses.
Stumm über höhnischem Geklirr von Kieseln schreitend, den Stein zertretend, der ihn gleiten liess: also zwang mein Fuss sich aufwärts.
Aufwärts: — dem Geiste zum Trotz, der ihn abwärts zog, abgrundwärts zog, dem Geiste der Schwere, meinem Teufel und Erzfeinde.
Aufwärts: — obwohl er auf mir sass, halb Zwerg, halb Maulwurf; lahm; lähmend; Blei durch mein Ohr, Bleitropfen-Gedanken in mein Hirn träufelnd.
„Oh Zarathustra, raunte er höhnisch Silb' um Silbe, du Stein der Weisheit! Du warfst dich hoch, aber jeder geworfene Stein muss — fallen!
Oh Zarathustra, du Stein der Weisheit, du Schleuderstein, du Stern-Zertrümmerer! Dich selber warfst du so hoch, — aber jeder geworfene Stein — muss fallen!
Verurtheilt zu dir selber und zur eignen Steinigung: oh Zarathustra, weit warfst du ja den Stein, — aber auf dich wird er zurückfallen!“
Drauf schwieg der Zwerg; und das währte lange. Sein Schweigen aber drückte mich; und solchermaassen zu Zwein ist man wahrlich einsamer als zu Einem!
Ich stieg, ich stieg, ich träumte, ich dachte, — aber Alles drückte mich. Einem Kranken glich ich, den seine schlimme Marter müde macht, und den wieder ein schlimmerer Traum aus dem Einschlafen weckt. —
Aber es giebt Etwas in mir, das ich Muth heisse: das schlug bisher mir jeden Unmuth todt. Dieser Muth hiess mich endlich stille stehn und sprechen: „Zwerg! Du! Oder ich!“ —
Muth nämlich ist der beste Todtschläger, — Muth, welcher angreift: denn in jedem Angriffe ist klingendes Spiel.
Der Mensch aber ist das muthigste Thier: damit überwand er jedes Thier. Mit klingendem Spiele überwand er noch jeden Schmerz; Menschen-Schmerz aber ist der tiefste Schmerz.
Der Muth schlägt auch den Schwindel todt an Abgründen: und wo stünde der Mensch nicht an Abgründen! Ist Sehen nicht selber — Abgründe sehen?
Muth ist der beste Todtschläger: der Muth schlägt auch das Mitleiden todt. Mitleiden aber ist der tiefste Abgrund: so tief der Mensch in das Leben sieht, so tief sieht er auch in das Leiden.
Muth aber ist der beste Todtschläger, Muth, der angreift: der schlägt noch den Tod todt, denn er spricht: „War das das Leben? Wohlan! Noch Ein Mal!“
In solchem Spruche aber ist viel klingendes Spiel. Wer Ohren hat, der höre. —
2 „Halt! Zwerg! sprach ich. Ich! Oder du! Ich aber bin der Stärkere von uns Beiden —: du kennst meinen abgründlichen Gedanken nicht! Den — könntest du nicht tragen!“ —
Da geschah, was mich leichter machte: denn der Zwerg sprang mir von der Schulter, der Neugierige! Und er hockte sich auf einen Stein vor mich hin. Es war aber gerade da ein Thorweg, wo wir hielten.
„Siehe diesen Thorweg! Zwerg! sprach ich weiter: der hat zwei Gesichter. Zwei Wege kommen hier zusammen: die gieng noch Niemand zu Ende.
Diese lange Gasse zurück: die währt eine Ewigkeit. Und jene lange Gasse hinaus — das ist eine andre Ewigkeit.
Sie widersprechen sich, diese Wege; sie stossen sich gerade vor den Kopf: — und hier, an diesem Thorwege, ist es, wo sie zusammen kommen. Der Name des Thorwegs steht oben geschrieben: „Augenblick“.
Aber wer Einen von ihnen weiter gienge — und immer weiter und immer ferner: glaubst du, Zwerg, dass diese Wege sich ewig widersprechen?“ —
„Alles Gerade lügt, murmelte verächtlich der Zwerg. Alle Wahrheit ist krumm, die Zeit selber ist ein Kreis.“
„Du Geist der Schwere! sprach ich zürnend, mache dir es nicht zu leicht! Oder ich lasse dich hocken, wo du hockst, Lahmfuss, — und ich trug dich hoch!
Siehe, sprach ich weiter, diesen Augenblick! Von diesem Thorwege Augenblick läuft eine lange ewige Gasse rückwärts: hinter uns liegt eine Ewigkeit.
Muss nicht, was laufen kann von allen Dingen, schon einmal diese Gasse gelaufen sein? Muss nicht, was geschehn kann von allen Dingen, schon einmal geschehn, gethan, vorübergelaufen sein?
Und wenn Alles schon dagewesen ist: was hältst du Zwerg von diesem Augenblick? Muss auch dieser Thorweg nicht schon — dagewesen sein?
Und sind nicht solchermaassen fest alle Dinge verknotet, dass dieser Augenblick alle kommenden Dinge nach sich zieht? Also — — sich selber noch?
Denn, was laufen kann von allen Dingen: auch in dieser langen Gasse hinaus — muss es einmal noch laufen! —
Und diese langsame Spinne, die im Mondscheine kriecht, und dieser Mondschein selber, und ich und du im Thorwege, zusammenflüsternd, von ewigen Dingen flüsternd — müssen wir nicht Alle schon dagewesen sein?
— und wiederkommen und in jener anderen Gasse laufen, hinaus, vor uns, in dieser langen schaurigen Gasse — müssen wir nicht ewig wiederkommen? —
Also redete ich, und immer leiser: denn ich fürchtete mich vor meinen eignen Gedanken und Hintergedanken. Da, plötzlich, hörte ich einen Hund nahe heulen.
Hörte ich jemals einen Hund so heulen? Mein Gedanke lief zurück. Ja! Als ich Kind war, in fernster Kindheit:
— da hörte ich einen Hund so heulen. Und sah ihn auch, gesträubt, den Kopf nach Oben, zitternd, in stillster Mitternacht, wo auch Hunde an Gespenster glauben:
— also dass es mich erbarmte. Eben nämlich gieng der volle Mond, todtschweigsam, über das Haus, eben stand er still, eine runde Gluth, — still auf flachem Dache, gleich als auf fremdem Eigenthume: —
darob entsetzte sich damals der Hund: denn Hunde glauben an Diebe und Gespenster. Und als ich wieder so heulen hörte, da erbarmte es mich abermals.
Wohin war jetzt Zwerg? Und Thorweg? Und Spinne? Und alles Flüstern? Träumte ich denn? Wachte ich auf? Zwischen wilden Klippen stand ich mit Einem Male, allein, öde, im ödesten Mondscheine.
Aber da lag ein Mensch! Und da! Der Hund, springend, gesträubt, winselnd, — jetzt sah er mich kommen — da heulte er wieder, da schrie er: — hörte ich je einen Hund so Hülfe schrein?
Und, wahrlich, was ich sah, desgleichen sah ich nie. Einen jungen Hirten sah ich, sich windend, würgend, zuckend, verzerrten Antlitzes, dem eine schwarze schwere Schlange aus dem Munde hieng.
Sah ich je so viel Ekel und bleiches Grauen auf Einem Antlitze? Er hatte wohl geschlafen? Da kroch ihm die Schlange in den Schlund — da biss sie sich fest.
Meine Hand riss die Schlange und riss: — umsonst! sie riss die Schlange nicht aus dem Schlunde. Da schrie es aus mir: „Beiss zu! Beiss zu!
Den Kopf ab! Beiss zu!“ — so schrie es aus mir, mein Grauen, mein Hass, mein Ekel, mein Erbarmen, all mein Gutes und Schlimmes schrie mit Einem Schrei aus mir. —
Ihr Kühnen um mich! Ihr Sucher, Versucher, und wer von euch mit listigen Segeln sich in unerforschte Meere einschiffte! Ihr Räthsel-Frohen!
So rathet mir doch das Räthsel, das ich damals schaute, so deutet mir doch das Gesicht des Einsamsten!
Denn ein Gesicht war's und ein Vorhersehn: — was sah ich damals im Gleichnisse? Und wer ist, der einst noch kommen muss?
Wer ist der Hirt, dem also die Schlange in den Schlund kroch? Wer ist der Mensch, dem also alles Schwerste, Schwärzeste in den Schlund kriechen wird?
— Der Hirt aber biss, wie mein Schrei ihm rieth; er biss mit gutem Bisse! Weit weg spie er den Kopf der Schlange —: und sprang empor. —
Nicht mehr Hirt, nicht mehr Mensch, — ein Verwandelter, ein Umleuchteter, welcher lachte! Niemals noch auf Erden lachte je ein Mensch, wie er lachte!
Oh meine Brüder, ich hörte ein Lachen, das keines Menschen Lachen war, — — und nun frisst ein Durst an mir, eine Sehnsucht, die nimmer stille wird.
Meine Sehnsucht nach diesem Lachen frisst an mir: oh wie ertrage ich noch zu leben! Und wie ertrüge ich's, jetzt zu sterben! —
Also sprach Zarathustra.
Von der Seligkeit wider Willen.
Mit solchen Räthseln und Bitternissen im Herzen fuhr Zarathustra über das Meer. Als er aber vier Tagereisen fern war von den glückseligen Inseln und von seinen Freunden, da hatte er allen seinen Schmerz überwunden —: siegreich und mit festen Füssen stand er wieder auf seinem Schicksal. Und damals redete Zarathustra also zu seinem frohlockenden Gewissen:
Allein bin ich wieder und will es sein, allein mit reinem Himmel und freiem Meere; und wieder ist Nachmittag um mich.
Des Nachmittags fand ich zum ersten Male einst meine Freunde, des Nachmittags auch zum anderen Male: — zur Stunde, da alles Licht stiller wird.
Denn was von Glück noch unterwegs ist zwischen Himmel und Erde, das sucht sich nun zur Herberge noch eine lichte Seele: vor Glück ist alles Licht jetzt stiller worden.
Oh Nachmittag meines Lebens! Einst stieg auch mein Glück zu Thale, dass es sich eine Herberge suche: da fand es diese offnen gastfreundlichen Seelen.
Oh Nachmittag meines Lebens! Was gab ich nicht hin, dass ich Eins hätte: diese lebendige Pflanzung meiner Gedanken und diess Morgenlicht meiner höchsten Hoffnung!
Gefährten suchte einst der Schaffende und Kinder seiner Hoffnung: und siehe, es fand sich, dass er sie nicht finden könne, es sei denn, er schaffe sie selber erst.
Also bin ich mitten in meinem Werke, zu meinen Kindern gehend und von ihnen kehrend: um seiner Kinder willen muss Zarathustra sich selbst vollenden.
Denn von Grund aus liebt man nur sein Kind und Werk; und wo grosse Liebe zu sich selber ist, da ist sie der Schwangerschaft Wahrzeichen: so fand ich's.
Noch grünen mir meine Kinder in ihrem ersten Frühlinge, nahe bei einander stehend und gemeinsam von Winden geschüttelt, die Bäume meines Gartens und besten Erdreichs.
Und wahrlich! Wo solche Bäume bei einander stehn, da sind glückselige Inseln!
Aber einstmals will ich sie ausheben und einen Jeden für sich allein stellen: dass er Einsamkeit lerne und Trotz und Vorsicht.
Knorrig und gekrümmt und mit biegsamer Härte soll er mir dann am Meere dastehn, ein lebendiger Leuchtthurm unbesiegbaren Lebens.
Dort, wo die Stürme hinab in's Meer stürzen, und des Gebirgs Rüssel Wasser trinkt, da soll ein Jeder einmal seine Tag- und Nachtwachen haben, seiner Prüfung und Erkenntniss.
Erkannt und geprüft soll er werden, darauf, ob er meiner Art und Abkunft ist,— ob er eines langen Willens Herr sei, schweigsam, auch wenn er redet, und nachgebend also, dass er im Geben nimmt: —
— dass er einst mein Gefährte werde und ein Mitschaffender und Mitfeiernder Zarathustra's —: ein Solcher, der mir meinen Willen auf meine Tafeln schreibt: zu aller Dinge vollerer Vollendung.
Und um seinetwillen und seines Gleichen muss ich selber mich vollenden: darum weiche ich jetzt meinem Glücke aus und biete mich allem Unglücke an — zu meiner letzten Prüfung und Erkenntniss.
Und wahrlich, Zeit war's, dass ich gieng; und des Wanderers Schatten und die längste Weile und die stillste Stunde — alle redeten mir zu: „es ist höchste Zeit!“
Der Wind blies mir durch's Schlüsselloch und sagte „Komm!“ Die Thür sprang mir listig auf und sagte „Geh!“
Aber ich lag angekettet an die Liebe zu meinen Kindern: das Begehren legte mir diese Schlinge, das Begehren nach Liebe, dass ich meiner Kinder Beute würde und mich an sie verlöre.
Begehren — das heisst mir schon: mich verloren haben. Ich habe euch, meine Kinder! In diesem Haben soll Alles Sicherheit und Nichts Begehren sein.
Aber brütend lag die Sonne meiner Liebe auf mir, im eignen Safte kochte Zarathustra, — da flogen Schatten und Zweifel über mich weg.
Nach Frost und Winter gelüstete mich schon: „oh dass Frost und Winter mich wieder knacken und knirschen machten!“ seufzte ich: — da stiegen eisige Nebel aus mir auf.
Meine Vergangenheit brach ihre Gräber, manch lebendig begrabner Schmerz wachte auf —: ausgeschlafen hatte er sich nur, versteckt in Leichen-Gewänder.
Also rief mir Alles in Zeichen zu: „es ist Zeit!“ Aber ich — hörte nicht: bis endlich mein Abgrund sich rührte und mein Gedanke mich biss.
Ach, abgründlicher Gedanke, der du mein Gedanke bist! Wann finde ich die Stärke, dich graben zu hören und nicht mehr zu zittern?
Bis zur Kehle hinauf klopft mir das Herz, wenn ich dich graben höre! Dein Schweigen noch will mich würgen, du abgründlich Schweigender!
Noch wagte ich niemals, dich herauf zu rufen: genug schon, dass ich dich mit mir — trug! Noch war ich nicht stark genug zum letzten Löwen-Übermuthe und -Muthwillen.
Genug des Furchtbaren war mir immer schon deine Schwere: aber einst soll ich noch die Stärke finden und die Löwen-Stimme, die dich herauf ruft!
Wenn ich mich dessen erst überwunden habe, dann will ich mich auch des Grösseren noch überwinden; und ein Sieg soll meiner Vollendung Siegel sein! —
Inzwischen treibe ich noch auf ungewissen Meeren; der Zufall schmeichelt mir, der glattzüngige; vorwärts und rückwärts schaue ich —, noch schaue ich kein Ende.
Noch kam mir die Stunde meines letzten Kampfes nicht, — oder kommt sie wohl mir eben? Wahrlich, mit tückischer Schönheit schaut mich rings Meer und Leben an!
Oh Nachmittag meines Lebens! Oh Glück vor Abend! Oh Hafen auf hoher See! Oh Friede im Ungewissen! Wie misstraue ich euch Allen!
Wahrlich, misstrauisch bin ich gegen eure tückische Schönheit! Dem Liebenden gleiche ich, der allzusammtenem Lächeln misstraut.
Wie er die Geliebteste vor sich her stösst, zärtlich noch in seiner Härte, der Eifersüchtige —, also stosse ich diese selige Stunde vor mir her.
Hinweg mit dir, du selige Stunde! Mit dir kam mir eine Seligkeit wider Willen! Willig zu meinem tiefsten Schmerze stehe ich hier: — zur Unzeit kamst du!
Hinweg mit dir, du selige Stunde! Lieber nimm Herberge dort — bei meinen Kindern! Eile! und segne sie vor Abend noch mit meinem Glücke!
Da naht schon der Abend: die Sonne sinkt. Dahin — mein Glück! —
Also sprach Zarathustra. Und er wartete auf sein Unglück die ganze Nacht: aber er wartete umsonst. Die Nacht blieb hell und still, und das Glück selber kam ihm immer näher und näher. Gegen Morgen aber lachte Zarathustra zu seinem Herzen und sagte spöttisch: „das Glück läuft mir nach. Das kommt davon, dass ich nicht den Weibern nachlaufe. Das Glück aber ist ein Weib.“
Vor Sonnen-Aufgang.
Oh Himmel über mir, du Reiner! Tiefer! Du Licht-Abgrund! Dich schauend schaudere ich vor göttlichen Begierden.
In deine Höhe mich zu werfen — das ist meine Tiefe! In deine Reinheit mich zu bergen — das ist meine Unschuld!
Den Gott verhüllt seine Schönheit: so verbirgst du deine Sterne. Du redest nicht: so kündest du mir deine Weisheit.
Stumm über brausendem Meere bist du heut mir aufgegangen, deine Liebe und deine Scham redet Offenbarung zu meiner brausenden Seele.
Dass du schön zu mir kamst, verhüllt in deine Schönheit, dass du stumm zu mir sprichst, offenbar in deiner Weisheit:
Oh wie erriethe ich nicht alles Schamhafte deiner Seele! Vor der Sonne kamst du zu mir, dem Einsamsten.
Wir sind Freunde von Anbeginn: uns ist Gram und Grauen und Grund gemeinsam; noch die Sonne ist uns gemeinsam.
Wir reden nicht zu einander, weil wir zu Vieles wissen —: wir schweigen uns an, wir lächeln uns unser Wissen zu.
Bist du nicht das Licht zu meinem Feuer? Hast du nicht die Schwester-Seele zu meiner Einsicht?
Zusammen lernten wir Alles; zusammen lernten wir über uns zu uns selber aufsteigen und wolkenlos lächeln: —
— wolkenlos hinab lächeln aus lichten Augen und aus meilenweiter Ferne, wenn unter uns Zwang und Zweck und Schuld wie Regen dampfen.
Und wanderte ich allein: wes hungerte meine Seele in Nächten und Irr-Pfaden? Und stieg ich Berge, wen suchte ich je, wenn nicht dich, auf Bergen?
Und all mein Wandern und Bergsteigen: eine Noth war's nur und ein Behelf des Unbeholfenen: — fliegen allein will mein ganzer Wille, in dich hinein fliegen!
Und wen hasste ich mehr, als ziehende Wolken und Alles, was dich befleckt? Und meinen eignen Hass hasste ich noch, weil er dich befleckte!
Den ziehenden Wolken bin ich gram, diesen schleichenden Raub-Katzen: sie nehmen dir und mir, was uns gemein ist, — das ungeheure unbegrenzte Ja- und Amen-sagen.
Diesen Mittlern und Mischern sind wir gram, den ziehenden Wolken: diesen Halb- und Halben, welche weder segnen lernten, noch von Grund aus fluchen.
Lieber will ich noch unter verschlossnem Himmel in der Tonne sitzen, lieber ohne Himmel im Abgrund sitzen, als dich, Licht-Himmel, mit Zieh-Wolken befleckt sehn!
Und oft gelüstete mich, sie mit zackichten BlitzGolddrähten festzuheften, dass ich, gleich dem Donner, auf ihrem Kessel-Bauche die Pauke schlüge: —
— ein zorniger Paukenschläger, weil sie mir dein Ja! und Amen! rauben, du Himmel über mir, du Reiner! Lichter! Du Licht-Abgrund! — weil sie dir mein Ja! und Amen! rauben.
Denn lieber noch will ich Lärm und Donner und Wetter-Flüche, als diese bedächtige zweifelnde Katzen-Ruhe; und auch unter Menschen hasse ich am besten alle Leisetreter und Halb- und Halben und zweifelnde, zögernde Zieh-Wolken.
Und „wer nicht segnen kann, der soll fluchen lernen!“ — diese helle Lehre fiel mir aus hellem Himmel, dieser Stern steht auch noch in schwarzen Nächten an meinem Himmel.
Ich aber bin ein Segnender und ein Ja-sager, wenn du nur um mich bist, du Reiner! Lichter! Du Licht-Abgrund! — in alle Abgründe trage ich da noch mein segnendes Ja-sagen.
Zum Segnenden bin ich worden und zum Jasagenden: und dazu rang ich lange und war ein Ringer, dass ich einst die Hände frei bekäme zum Segnen.
Das aber ist mein Segnen: über jedwedem Ding als sein eigener Himmel stehn, als sein rundes Dach, seine azurne Glocke und ewige Sicherheit: und selig ist, wer also segnet!
Denn alle Dinge sind getauft am Borne der Ewigkeit und jenseits von Gut und Böse; Gut und Böse selber aber sind nur Zwischenschatten und feuchte Trübsale und Zieh-Wolken.
Wahrlich, ein Segnen ist es und kein Lästern, wenn ich lehre: „über allen Dingen steht der Himmel Zufall, der Himmel Unschuld, der Himmel Ohngefähr, der Himmel Übermuth.“
„Von Ohngefähr“ — das ist der älteste Adel der Welt, den gab ich allen Dingen zurück, ich erlöste sie von der Knechtschaft unter dem Zwecke.
Diese Freiheit und Himmels-Heiterkeit stellte ich gleich azurner Glocke über alle Dinge, als ich lehrte, dass über ihnen und durch sie kein „ewiger Wille“ — will.
Diesen Übermuth und diese Narrheit stellte ich an die Stelle jenes Willens, als ich lehrte: „bei Allem ist Eins unmöglich — Vernünftigkeit!“
Ein Wenig Vernunft zwar, ein Same der Weisheit zerstreut von Stern zu Stern, — dieser Sauerteig ist allen Dingen eingemischt: um der Narrheit willen ist Weisheit allen Dingen eingemischt!
Ein Wenig Weisheit ist schon möglich; aber diese selige Sicherheit fand ich an allen Dingen: dass sie lieber noch auf den Füssen des Zufalls — tanzen.
Oh Himmel über mir, du Reiner! Hoher! Das ist mir nun deine Reinheit, dass es keine ewige Vernunft-Spinne und -Spinnennetze giebt: —
— dass du mir ein Tanzboden bist für göttliche Zufälle, dass du mir ein Göttertisch bist für göttliche Würfel und Würfelspieler! —
Doch du erröthest? Sprach ich Unaussprechbares? Lästerte ich, indem ich dich segnen wollte?
Oder ist es die Scham zu Zweien, welche dich erröthen machte? — Heissest du mich gehn und schweigen, weil nun — der Tag kommt?
Die Welt ist tief —: und tiefer als je der Tag gedacht hat. Nicht Alles darf vor dem Tage Worte haben. Aber der Tag kommt: so scheiden wir nun!
Oh Himmel über mir, du Schamhafter! Glühender! Oh du mein Glück vor Sonnen-Aufgang! Der Tag kommt: so scheiden wir nun! —
Also sprach Zarathustra.
Von der verkleinernden Tugend.
1 Als Zarathustra wieder auf dem festen Lande war, gieng er nicht stracks auf sein Gebirge und seine Höhle los, sondern that viele Wege und Fragen und erkundete diess und das, also, dass er von sich selber im Scherze sagte: „siehe einen Fluss, der in vielen Windungen zurück zur Quelle fliesst!“ Denn er wollte in Erfahrung bringen, was sich inzwischen mit dem Menschen zugetragen habe: ob er grösser oder kleiner geworden sei. Und Ein Mal sah er eine Reihe neuer Häuser; da wunderte er sich und sagte:
Was bedeuten diese Häuser? Wahrlich, keine grosse Seele stellte sie hin, sich zum Gleichnisse!
Nahm wohl ein blödes Kind sie aus seiner Spielschachtel? Dass doch ein anderes Kind sie wieder in seine Schachtel thäte!
Und diese Stuben und Kammern: können Männer da aus- und eingehen? Gemacht dünken sie mich für Seiden-Puppen; oder für Naschkatzen, die auch wohl an sich naschen lassen.
Und Zarathustra blieb stehn und dachte nach. Endlich sagte er betrübt: „Es ist Alles kleiner geworden!“ Überall sehe ich niedrigere Thore: wer meiner Art ist, geht da wohl noch hindurch, aber — er muss sich bücken!
Oh wann komme ich wieder in meine Heimat, wo ich mich nicht mehr bücken muss — nicht mehr bücken muss vor den Kleinen!“ — Und Zarathustra seufzte und blickte in die Ferne. —
Desselbigen Tages aber redete er seine Rede über die verkleinernde Tugend.
2 Ich gehe durch diess Volk und halte meine Augen offen: sie vergeben mir es nicht, dass ich auf ihre Tugenden nicht neidisch bin.
Sie beissen nach mir, weil ich zu ihnen sage: für kleine Leute sind kleine Tugenden nöthig — und weil es mir hart eingeht, dass kleine Leute nöthig sind!
Noch gleiche ich dem Hahn hier auf fremdem Gehöfte, nach dem auch die Hennen beissen; doch darob bin ich diesen Hennen nicht ungut.
Ich bin höflich gegen sie wie gegen alles kleine Aergerniss; gegen das Kleine stachlicht zu sein dünkt mich eine Weisheit für Igel.
Sie reden Alle von mir, wenn sie Abends um's Feuer sitzen, — sie reden von mir, aber Niemand denkt — an mich!
Diess ist die neue Stille, die ich lernte: ihr Lärm um mich breitet einen Mantel über meine Gedanken.
Sie lärmen unter einander: „was will uns diese düstere Wolke? sehen wir zu, dass sie uns nicht eine Seuche bringe!“ Und jüngst riss ein Weib sein Kind an sich, das zu mir wollte: „nehmt die Kinder weg! schrie es; solche Augen versengen Kinder-Seelen.“
Sie husten, wenn ich rede: sie meinen, Husten sei ein Einwand gegen starke Winde, — sie errathen Nichts vom Brausen meines Glückes!
„Wir haben noch keine Zeit für Zarathustra“ — so wenden sie ein; aber was liegt an einer Zeit, die für Zarathustra „keine Zeit hat“?
Und wenn sie gar mich rühmen: wie könnte ich wohl auf ihrem Ruhme einschlafen? Ein Stachel-Gürtel ist mir ihr Lob: es kratzt mich noch, wenn ich es von mir thue.
Und auch das lernte ich unter ihnen: der Lobende stellt sich, als gäbe er zurück, in Wahrheit aber will er mehr beschenkt sein!
Fragt meinen Fuss, ob ihm ihre Lob- und Lock-Weise gefällt! Wahrlich, nach solchem Takt und Tiktak mag er weder tanzen, noch stille stehn.
Zur kleinen Tugend möchten sie mich locken und loben; zum Tiktak des kleinen Glücks möchten sie meinen Fuss überreden.
Ich gehe durch diess Volk und halte die Augen offen: sie sind kleiner geworden und werden immer kleiner: — das aber macht ihre Lehre von Glück und Tugend.
Sie sind nämlich auch in der Tugend bescheiden — denn sie wollen Behagen. Mit Behagen aber verträgt sich nur die bescheidene Tugend.
Wohl lernen auch sie auf ihre Art Schreiten und Vorwärts-Schreiten: das heisse ich ihr Humpeln —. Damit werden sie Jedem zum Anstosse, der Eile hat.
Und Mancher von ihnen geht vorwärts und blickt dabei zurück, mit versteiftem Nacken: dem renne ich gern wider den Leib.
Fuss und Augen sollen nicht lügen, noch sich einander Lügen strafen. Aber es ist viel Lügnerei bei den kleinen Leuten.
Einige von ihnen wollen, aber die Meisten werden nur gewollt. Einige von ihnen sind ächt, aber die Meisten sind schlechte Schauspieler.
Es giebt Schauspieler wider Wissen unter ihnen und Schauspieler wider Willen —, die Ächten sind immer selten, sonderlich die ächten Schauspieler.
Des Mannes ist hier wenig: darum vermännlichen sich ihre Weiber. Denn nur wer Mannes genug ist, wird im Weibe das Weib — erlösen.
Und diese Heuchelei fand ich unter ihnen am schlimmsten: dass auch Die, welche befehlen, die Tugenden Derer heucheln, welche dienen.
„Ich diene, du dienst, wir dienen“ — so betet hier auch die Heuchelei der Herrschenden, — und wehe, wenn der erste Herr nur der erste Diener ist!
Ach, auch in ihre Heucheleien verflog sich wohl meines Auges Neugier; und gut errieth ich all ihr Fliegen-Glück und ihr Summen um besonnte Fensterscheiben.
Soviel Güte, soviel Schwäche sehe ich. Soviel Gerechtigkeit und Mitleiden, soviel Schwäche.
Rund, rechtlich und gütig sind sie mit einander, wie Sandkörnchen rund, rechtlich und gütig mit Sandkörnchen sind.
Bescheiden ein kleines Glück umarmen — das heissen sie „Ergebung“! und dabei schielen sie bescheiden schon nach einem neuen kleinen Glücke aus.
Sie wollen im Grunde einfältiglich Eins am meisten: dass ihnen Niemand wehe thue. So kommen sie Jedermann zuvor und thun ihm wohl.
Diess aber ist Feigheit: ob es schon „Tugend“ heisst. —
Und wenn sie einmal rauh reden, diese kleinen Leute: ich höre darin nur ihre Heiserkeit, — jeder Windzug nämlich macht sie heiser.
Klug sind sie, ihre Tugenden haben kluge Finger. Aber ihnen fehlen die Fäuste; ihre Finger wissen nicht, sich hinter Fäuste zu verkriechen.
Tugend ist ihnen das, was bescheiden und zahm macht: damit machten sie den Wolf zum Hunde und den Menschen selber zu des Menschen bestem Hausthiere.
„Wir setzten unsern Stuhl in die Mitte — das sagt mir ihr Schmunzeln — und ebenso weit weg von sterbenden Fechtern wie von vergnügten Säuen.“
Diess aber ist — Mittelmässigkeit: ob es schon Mässigkeit heisst. —
3 Ich gehe durch diess Volk und lasse manches Wort fallen: aber sie wissen weder zu nehmen noch zu behalten.
Sie wundern sich, dass ich nicht kam, auf Lüste und Laster zu lästern; und wahrlich, ich kam auch nicht, dass ich vor Taschendieben warnte!
Sie wundern sich, dass ich nicht bereit bin, ihre Klugheit noch zu witzigen und zu spitzigen: als ob sie noch nicht genug der Klüglinge hätten, deren Stimme mir gleich Schieferstiften kritzelt!
Und wenn ich rufe: „Flucht allen feigen Teufeln in euch, die gerne winseln und Hände falten und anbeten möchten“: so rufen sie: „Zarathustra ist gottlos“.
Und sonderlich rufen es ihre Lehrer der Ergebung —; aber gerade ihnen liebe ich's, in das Ohr zu schrein: Ja! Ich bin Zarathustra, der Gottlose!
Diese Lehrer der Ergebung! Überall hin, wo es klein und krank und grindig ist, kriechen sie, gleich Läusen; und nur mein Ekel hindert mich, sie zu knacken.
Wohlan! Diess ist meine Predigt für ihre Ohren: ich bin Zarathustra, der Gottlose, der da spricht „wer ist gottloser denn ich, dass ich mich seiner Unterweisung freue?“
Ich bin Zarathustra, der Gottlose: wo finde ich Meines-Gleichen? Und alle Die sind Meines-Gleichen, die sich selber ihren Willen geben und alle Ergebung von sich abthun.
Ich bin Zarathustra der Gottlose: ich koche mir noch jeden Zufall in meinem Topfe. Und erst, wenn er da gar gekocht ist, heisse ich ihn willkommen, als meine Speise.
Und wahrlich, mancher Zufall kam herrisch zu mir: aber herrischer noch sprach zu ihm mein Wille, — da lag er schon bittend auf den Knieen —
— bittend, dass er Herberge finde und Herz bei mir, und schmeichlerisch zuredend: „sieh doch, oh Zarathustra, wie nur Freund zu Freunde kommt!“ —
Doch was rede ich, wo Niemand meine Ohren hat! Und so will ich es hinaus in alle Winde rufen:
Ihr werdet immer kleiner, ihr kleinen Leute! Ihr bröckelt ab, ihr Behaglichen! Ihr geht mir noch zu Grunde —
— an euren vielen kleinen Tugenden, an eurem vielen kleinen Unterlassen, an eurer vielen kleinen Ergebung!
Zu viel schonend, zu viel nachgebend: so ist euer Erdreich! Aber dass ein Baum gross werde, dazu will er um harte Felsen harte Wurzeln schlagen!
Auch was ihr unterlasst, webt am Gewebe aller Menschen-Zukunft; auch euer Nichts ist ein Spinnennetz und eine Spinne, die von der Zukunft Blute lebt.
Und wenn ihr nehmt, so ist es wie stehlen, ihr kleinen Tugendhaften; aber noch unter Schelmen spricht die Ehre: „man soll nur stehlen, wo man nicht rauben kann.“
„Es giebt sich“ — das ist auch eine Lehre der Ergebung. Aber ich sage euch, ihr Behaglichen: es nimmt sich und wird immer mehr noch von euch nehmen!
Ach, dass ihr alles halbe Wollen von euch abthätet und entschlossen würdet zur Trägheit wie zur That!
Ach, dass ihr mein Wort verstündet: „thut immerhin, was ihr wollt, — aber seid erst Solche, die wollen können!“
„Liebt immerhin euren Nächsten gleich euch, — aber seid mir erst Solche, die sich selber lieben —
— mit der grossen Liebe lieben, mit der grossen Verachtung lieben!“ Also spricht Zarathustra, der Gottlose. —
Doch was rede ich, wo Niemand meine Ohren hat! Es ist hier noch eine Stunde zu früh für mich.
Mein eigner Vorläufer bin ich unter diesem Volke, mein eigner Hahnen-Ruf durch dunkle Gassen.
Aber ihre Stunde kommt! Und es kommt auch die meine! Stündlich werden sie kleiner, ärmer, unfruchtbarer, — armes Kraut! armes Erdreich!
Und bald sollen sie mir dastehn wie dürres Gras und Steppe, und wahrlich! ihrer selber müde — und mehr, als nach Wasser, nach Feuer lechzend!
Oh gesegnete Stunde des Blitzes! Oh Geheimniss vor Mittag! — Laufende Feuer will ich einst noch aus ihnen machen und Verkünder mit Flammen-Zungen: —
— verkünden sollen sie einst noch mit Flammen-Zungen: Er kommt, er ist nahe, der grosse Mittag!
Also sprach Zarathustra.
Auf dem Oelberge.
Der Winter, ein schlimmer Gast, sitzt bei mir zu Hause; blau sind meine Hände von seiner Freundschaft Händedruck.
Ich ehre ihn, diesen schlimmen Gast, aber lasse gerne ihn allein sitzen. Gerne laufe ich ihm davon; und, läuft man gut, so entläuft man ihm!
Mit warmen Füssen und warmen Gedanken laufe ich dorthin, wo der Wind stille steht, — zum Sonnen-Winkel meines Oelbergs.
Da lache ich meines gestrengen Gastes und bin ihm noch gut, dass er zu Hause mir die Fliegen wegfängt und vielen kleinen Lärm stille macht.
Er leidet es nämlich nicht, wenn eine Mücke singen will, oder gar zwei; noch die Gasse macht er einsam, dass der Mondschein drin Nachts sich fürchtet.
Ein harter Gast ist er, — aber ich ehre ihn, und nicht bete ich, gleich den Zärtlingen, zum dickbäuchichten Feuer-Götzen.
Lieber noch ein Wenig zähneklappern als Götzen anbeten! — so will's meine Art. Und sonderlich bin ich allen brünstigen dampfenden dumpfigen Feuer-Götzen gram.
Wen ich liebe, den liebe ich Winters besser als Sommers; besser spotte ich jetzt meiner Feinde und herzhafter, seit der Winter mir im Hause sitzt.
Herzhaft wahrlich, selbst dann noch, wenn ich zu Bett krieche —: da lacht und muthwillt noch mein verkrochenes Glück; es lacht noch mein Lügen-Traum.
Ich ein — Kriecher? Niemals kroch ich im Leben vor Mächtigen; und log ich je, so log ich aus Liebe. Desshalb bin ich froh auch im Winter-Bette.
Ein geringes Bett wärmt mich mehr als ein reiches, denn ich bin eifersüchtig auf meine Armuth. Und im Winter ist sie mir am treuesten.
Mit einer Bosheit beginne ich jeden Tag, ich spotte des Winters mit einem kalten Bade: darob brummt mein gestrenger Hausfreund.
Auch kitzle ich ihn gerne mit einem Wachskerzlein: dass er mir endlich den Himmel herauslasse aus aschgrauer Dämmerung.
Sonderlich boshaft bin ich nämlich des Morgens: zur frühen Stunde, da der Eimer am Brunnen klirrt und die Rosse warm durch graue Gassen wiehern: —
Ungeduldig warte ich da, dass mir endlich der lichte Himmel aufgehe, der schneebärtige Winter-Himmel, der Greis und Weisskopf, —
— der Winter-Himmel, der schweigsame, der oft noch seine Sonne verschweigt!
Lernte ich wohl von ihm das lange lichte Schweigen? Oder lernte er's von mir? Oder hat ein Jeder von uns es selbst erfunden?
Aller guten Dinge Ursprung ist tausendfältig, — alle guten muthwilligen Dinge springen vor Lust in's Dasein: wie sollten sie das immer nur — Ein Mal thun!
Ein gutes muthwilliges Ding ist auch das lange Schweigen und gleich dem Winter-Himmel blicken aus lichtem rundäugichten Antlitze: —
— gleich ihm seine Sonne verschweigen und seinen unbeugsamen Sonnen-Willen: wahrlich, diese Kunst und diesen Winter-Muthwillen lernte ich gut!
Meine liebste Bosheit und Kunst ist es, dass mein Schweigen lernte, sich nicht durch Schweigen zu verrathen.
Mit Worten und Würfeln klappernd überliste ich mir die feierlichen Warter: allen diesen gestrengen Aufpassern soll mein Wille und Zweck entschlüpfen.
Dass mir Niemand in meinen Grund und letzten Willen hinab sehe, — dazu erfand ich mir das lange lichte Schweigen.
So manchen Klugen fand ich: der verschleierte sein Antlitz und trübte sein Wasser, dass Niemand ihm hindurch und hinunter sehe.
Aber zu ihm gerade kamen die klügeren Misstrauer und Nussknacker: ihm gerade fischte man seinen verborgensten Fisch heraus!
Sondern die Hellen, die Wackern, die Durchsichtigen — das sind mir die klügsten Schweiger: denen so tief ihr Grund ist, dass auch das hellste Wasser ihn nicht — verräth. —
Du schneebärtiger schweigender Winter-Himmel, du rundäugichter Weisskopf über mir! Oh du himmlisches Gleichniss meiner Seele und ihres Muthwillens!
Und muss ich mich nicht verbergen, gleich Einem, der Gold verschluckt hat, — dass man mir nicht die Seele aufschlitze?
Muss ich nicht Stelzen tragen, dass sie meine langen Beine übersehen, — alle diese Neidbolde und Leidholde, die um mich sind?
Diese räucherigen, stubenwarmen, verbrauchten, vergrünten, vergrämelten Seelen — wie könnte ihr Neid mein Glück ertragen!
So zeige ich ihnen nur das Eis und den Winter auf meinen Gipfeln — und nicht, dass mein Berg noch alle Sonnengürtel um sich schlingt!
Sie hören nur meine Winter-Stürme pfeifen: und nicht, dass ich auch über warme Meere fahre, gleich sehnsüchtigen, schweren, heissen Südwinden.
Sie erbarmen sich noch meiner Unfälle und Zufälle: — aber mein Wort heisst: „lasst den Zufall zu mir kommen: unschuldig ist er, wie ein Kindlein!“
Wie könnten sie mein Glück ertragen, wenn ich nicht Unfälle und Winter-Nöthe und Eisbären-Mützen und Schneehimmel-Hüllen um mein Glück legte!
— wenn ich mich nicht selbst ihres Mitleids erbarmte: des Mitleids dieser Neidbolde und Leidholde!
— wenn ich nicht selber vor ihnen seufzte und frostklapperte und mich geduldsam in ihr Mitleid wickeln liesse!
Diess ist der weise Muthwille und Wohlwille meiner Seele, dass sie ihren Winter und ihre Froststürme nicht verbirgt; sie verbirgt auch ihre Frostbeulen nicht.
Des Einen Einsamkeit ist die Flucht des Kranken; des Andern Einsamkeit die Flucht vor den Kranken.
Mögen sie mich klappern und seufzen hören vor Winterkälte, alle diese armen scheelen Schelme um mich! Mit solchem Geseufz und Geklapper flüchte ich noch vor ihren geheizten Stuben.
Mögen sie mich bemitleiden und bemitseufzen ob meiner Frostbeulen: „am Eis der Erkenntniss erfriert er uns noch!“ — so klagen sie.
Inzwischen laufe ich mit warmen Füssen kreuz und quer auf meinem Oelberge: im Sonnen-Winkel meines Oelberges singe und spotte ich alles Mitleids. —
Also sang Zarathustra.
Vom Vorübergehen.
Also, durch viel Volk und vielerlei Städte langsam hindurchschreitend, gieng Zarathustra auf Umwegen zurück zu seinem Gebirge und seiner Höhle. Und siehe, dabei kam er unversehens auch an das Stadtthor der grossen Stadt: hier aber sprang ein schäumender Narr mit ausgebreiteten Händen auf ihn zu und trat ihm in den Weg. Diess aber war der selbige Narr, welchen das Volk „den Affen Zarathustra's“ hiess: denn er hatte ihm Etwas vom Satz und Fall der Rede abgemerkt und borgte wohl auch gerne vom Schatze seiner Weisheit. Der Narr aber redete also zu Zarathustra:
Oh Zarathustra, hier ist die grosse Stadt: hier hast du Nichts zu suchen und Alles zu verlieren.
Warum wolltest du durch diesen Schlamm waten? Habe doch Mitleiden mit deinem Fusse! Speie lieber auf das Stadtthor und — kehre um!
Hier ist die Hölle für Einsiedler-Gedanken: hier werden grosse Gedanken lebendig gesotten und klein gekocht.
Hier verwesen alle grossen Gefühle: hier dürfen nur klapperdürre Gefühlchen klappern!
Riechst du nicht schon die Schlachthäuser und Garküchen des Geistes? Dampft nicht diese Stadt vom Dunst geschlachteten Geistes?
Siehst du nicht die Seelen hängen wie schlaffe schmutzige Lumpen? — Und sie machen noch Zeitungen aus diesen Lumpen!
Hörst du nicht, wie der Geist hier zum Wortspiel wurde? Widriges Wort-Spülicht bricht er heraus! — Und sie machen noch Zeitungen aus diesem Wort-Spülicht.
Sie hetzen einander und wissen nicht, wohin? Sie erhitzen einander und wissen nicht, warum? Sie klimpern mit ihrem Bleche, sie klingeln mit ihrem Golde.
Sie sind kalt und suchen sich Wärme bei gebrannten Wassern; sie sind erhitzt und suchen Kühle bei gefrorenen Geistern; sie sind Alle siech und süchtig an öffentlichen Meinungen.
Alle Lüste und Laster sind hier zu Hause; aber es giebt hier auch Tugendhafte, es giebt viel anstellige angestellte Tugend: —
Viel anstellige Tugend mit Schreibfingern und hartem Sitz- und Warte-Fleische, gesegnet mit kleinen Bruststernen und ausgestopften steisslosen Töchtern.
Es giebt hier auch viel Frömmigkeit und viel gläubige Speichel-Leckerei, Schmeichel-Bäckerei vor dem Gott der Heerschaaren.
„Von Oben“ her träufelt ja der Stern und der gnädige Speichel; nach Oben hin sehnt sich jeder sternenlose Busen.
Der Mond hat seinen Hof, und der Hof hat seine Mondkälber: zu Allem aber, was vom Hofe kommt, betet das Bettel-Volk und alle anstellige Bettel-Tugend.
„Ich diene, du dienst, wir dienen“ — so betet alle anstellige Tugend hinauf zum Fürsten: dass der verdiente Stern sich endlich an den schmalen Busen hefte!
Aber der Mond dreht sich noch um alles Irdische: so dreht sich auch der Fürst noch um das Aller-Irdischste —: das aber ist das Gold der Krämer.
Der Gott der Heerschaaren ist kein Gott der Goldbarren; der Fürst denkt, aber der Krämer — lenkt!
Bei Allem, was licht und stark und gut in dir ist, oh Zarathustra! Speie auf diese Stadt der Krämer und kehre um!
Hier fliesst alles Blut faulicht und lauicht und schaumicht durch alle Adern: speie auf die grosse Stadt, welche der grosse Abraum ist, wo aller Abschaum zusammenschäumt!
Speie auf die Stadt der eingedrückten Seelen und schmalen Brüste, der spitzen Augen, der klebrigen Finger —
— auf die Stadt der Aufdringlinge, der Unverschämten, der Schreib- und Schreihälse, der überheizten Ehrgeizigen: —
— wo alles Anbrüchige, Anrüchige, Lüsterne, Düstere, Übermürbe, Geschwürige, Verschwörerische zusammenschwärt: —
— speie auf die grosse Stadt und kehre um!“ — —
Hier aber unterbrach Zarathustra den schäumenden Narren und hielt ihm den Mund zu.
„Höre endlich auf! rief Zarathustra, mich ekelt lange schon deiner Rede und deiner Art!
Warum wohntest du so lange am Sumpfe, dass du selber zum Frosch und zur Kröte werden musstest?
Fliesst dir nicht selber nun ein faulichtes schaumichtes Sumpf-Blut durch die Adern, dass du also quaken und lästern lerntest?
Warum giengst du nicht in den Wald? Oder pflügtest die Erde? Ist das Meer nicht voll von grünen Eilanden?
Ich verachte dein Verachten; und wenn du mich warntest, — warum warntest du dich nicht selber?
Aus der Liebe allein soll mir mein Verachten und mein warnender Vogel auffliegen: aber nicht aus dem Sumpfe! —
Man heisst dich meinen Affen, du schäumender Narr: aber ich heisse dich mein Grunze-Schwein, — durch Grunzen verdirbst du mir noch mein Lob der Narrheit.
Was war es denn, was dich zuerst grunzen machte? Dass Niemand dir genug geschmeichelt hat: — darum setztest du dich hin zu diesem Unrathe, dass du Grund hättest viel zu grunzen, —
— dass du Grund hättest zu vieler Rache! Rache nämlich, du eitler Narr, ist all dein Schäumen, ich errieth dich wohl!
Aber dein Narren-Wort thut mir Schaden, selbst, wo du Recht hast! Und wenn Zarathustra's Wort sogar hundert Mal Recht hätte: du würdest mit meinem Wort immer — Unrecht thun!“
Also sprach Zarathustra; und er blickte die grosse Stadt an, seufzte und schwieg lange. Endlich redete er also:
Mich ekelt auch dieser grossen Stadt und nicht nur dieses Narren. Hier und dort ist Nichts zu bessern, Nichts zu bösern.
Wehe dieser grossen Stadt! — Und ich wollte, ich sähe schon die Feuersäule, in der sie verbrannt wird!
Denn solche Feuersäulen müssen dem grossen Mittage vorangehn. Doch diess hat seine Zeit und sein eigenes Schicksal. —
Diese Lehre aber gebe ich dir, du Narr, zum Abschiede: wo man nicht mehr lieben kann, da soll man — vorübergehn! —
Also sprach Zarathustra und gieng an dem Narren und der grossen Stadt vorüber.
Von den Abtrünnigen.
1 Ach, liegt Alles schon welk und grau, was noch jüngst auf dieser Wiese grün und bunt stand? Und wie vielen Honig der Hoffnung trug ich von hier in meine Bienenkörbe!
Diese jungen Herzen sind alle schon alt geworden,
— und nicht alt einmal! nur müde, gemein, bequem:
— sie heissen es „wir sind wieder fromm geworden.“
Noch jüngst sah ich sie in der Frühe auf tapferen Füssen hinauslaufen: aber ihre Füsse der Erkenntniss wurden müde, und nun verleumden sie auch noch ihre Morgen-Tapferkeit!
Wahrlich, Mancher von ihnen hob einst die Beine wie ein Tänzer, ihm winkte das Lachen in meiner Weisheit: — da besann er sich. Eben sah ich ihn krumm — zum Kreuze kriechen.
Um Licht und Freiheit flatterten sie einst gleich Mücken und jungen Dichtern. Ein Wenig älter, ein Wenig kälter: und schon sind sie Dunkler und Munkler und Ofenhocker.
Verzagte ihnen wohl das Herz darob, dass mich die Einsamkeit verschlang gleich einem Wallfische? Lauschte ihr Ohr wohl sehnsüchtig-lange umsonst nach mir und meinen Trompeten- und Herolds-Rufen?
— Ach! Immer sind ihrer nur Wenige, deren Herz einen langen Muth und Übermuth hat; und solchen bleibt auch der Geist geduldsam. Der Rest aber ist feige.
Der Rest: das sind immer die Allermeisten, der Alltag, der Überfluss, die Viel-zu-Vielen — diese alle sind feige! —
Wer meiner Art ist, dem werden auch die Erlebnisse meiner Art über den Weg laufen: also, dass seine ersten Gesellen Leichname und Possenreisser sein müssen.
Seine zweiten Gesellen aber — die werden sich seine Gläubigen heissen: ein lebendiger Schwarm viel Liebe, viel Thorheit, viel unbärtige Verehrung.
An diese Gläubigen soll Der nicht sein Herz binden, wer meiner Art unter Menschen ist; an diese Lenze und bunte Wiesen soll Der nicht glauben, wer die flüchtig-feige Menschenart kennt!
Könnten sie anders, so würden sie auch anders wollen. Halb- und Halbe verderben alles Ganze. Dass Blätter welk werden, — was ist da zu klagen!
Lass sie fahren und fallen, oh Zarathustra, und klage nicht! Lieber noch blase mit raschelnden Winden unter sie, —
— blase unter diese Blätter, oh Zarathustra: dass alles Welke schneller noch von dir davonlaufe! —
2 „Wir sind wieder fromm geworden“ — so bekennen diese Abtrünnigen; und Manche von ihnen sind noch zu feige, also zu bekennen.
Denen sehe ich in's Auge, — denen sage ich es in's Gesicht und in die Röthe ihrer Wangen: ihr seid Solche, welche wieder beten!
Es ist aber eine Schmach, zu beten! Nicht für Alle, aber für dich und mich und wer auch im Kopfe sein Gewissen hat. Für dich ist es eine Schmach, zu beten!
Du weisst es wohl: dein feiger Teufel in dir, der gerne Hände-falten und Hände-in-den-Schooss-legen und es bequemer haben möchte: — dieser feige Teufel redet dir zu „es giebt einen Gott!“
Damit aber gehörst du zur lichtscheuen Art, denen Licht nimmer Ruhe lässt; nun musst du täglich deinen Kopf tiefer in Nacht und Dunst stecken!
Und wahrlich, du wähltest die Stunde gut: denn eben wieder fliegen die Nachtvögel aus. Die Stunde kam allem lichtscheuen Volke, die Abend- und Feierstunde, wo es nicht — „feiert.“
Ich höre und rieche es: es kam ihre Stunde für Jagd und Umzug, nicht zwar für eine wilde Jagd, sondern für eine zahme lahme schnüffelnde Leisetreter-und Leisebeter-Jagd, —
— für eine Jagd auf seelenvolle Duckmäuser: alle Herzens-Mausefallen sind jetzt wieder aufgestellt! Und wo ich einen Vorhang aufhebe, da kommt ein Nachtfalterchen herausgestürzt.
Hockte es da wohl zusammen mit einem andern Nachtfalterchen? Denn überall rieche ich kleine verkrochne Gemeinden; und wo es Kämmerlein giebt, da giebt es neue Bet-Brüder drin und den Dunst von Bet-Brüdern.
Sie sitzen lange Abende bei einander und sprechen: „lasset uns wieder werden wie die Kindlein und „lieber Gott“ sagen!“ — an Mund und Magen verdorben durch die frommen Zuckerbäcker.
Oder sie sehen lange Abende einer listigen lauernden Kreuzspinne zu, welche den Spinnen selber Klugheit predigt und also lehrt: „unter Kreuzen ist gut spinnen!“
Oder sie sitzen Tags über mit Angelruthen an Sümpfen und glauben sich tief damit; aber wer dort fischt, wo es keine Fische giebt, den heisse ich noch nicht einmal oberflächlich!
Oder sie lernen fromm-froh die Harfe schlagen bei einem Lieder-Dichter, der sich gern jungen Weibchen in's Herz harfnen möchte: — denn er wurde der alten Weibchen müde und ihres Lobpreisens.
Oder sie lernen gruseln bei einem gelahrten Halb-Tollen, der in dunklen Zimmern wartet, dass ihm die Geister kommen — und der Geist ganz davonläuft!
Oder sie horchen einem alten umgetriebnen Schnurr-und Knurrpfeifer zu, der trüben Winden die Trübsal der Töne ablernte; nun pfeift er nach dem Winde und predigt in trüben Tönen Trübsal.
Und Einige von ihnen sind sogar Nachtwächter geworden: die verstehen jetzt in Hörner zu blasen und Nachts umherzugehn und alte Sachen aufzuwecken, die lange schon eingeschlafen sind.
Fünf Worte von alten Sachen hörte ich gestern Nachts an der Garten-Mauer: die kamen von solchen alten betrübten trocknen Nachtwächtern.
„Für einen Vater sorgt er nicht genug um seine Kinder: Menschen-Väter thun diess besser!“ —
„Er ist zu alt! Er sorgt schon gar nicht mehr um seine Kinder“ — also antwortete der andre Nachtwächter.
„Hat er denn Kinder? Niemand kann's beweisen, wenn er's selber nicht beweist! Ich wollte längst, er bewiese es einmal gründlich.“
„Beweisen? Als ob Der je Etwas bewiesen hätte! Beweisen fällt ihm schwer; er hält grosse Stücke darauf, dass man ihm glaubt.“
„Ja! Ja! Der Glaube macht ihn selig, der Glaube an ihn. Das ist so die Art alter Leute! So geht's uns auch!“ —
— Also sprachen zu einander die zwei alten Nachtwächter und Lichtscheuchen, und tuteten darauf betrübt in ihre Hörner: so geschah's gestern Nachts an der Garten-Mauer.
Mir aber wand sich das Herz vor Lachen und wollte brechen und wusste nicht, wohin? und sank in's Zwerchfell.
Wahrlich, das wird noch mein Tod sein, dass ich vor Lachen ersticke, wenn ich Esel betrunken sehe und Nachtwächter also an Gott zweifeln höre.
Ist es denn nicht lange vorbei auch für alle solche Zweifel? Wer darf noch solche alte eingeschlafne lichtscheue Sachen aufwecken!
Mit den alten Göttern gieng es ja lange schon zu Ende: — und wahrlich, ein gutes fröhliches Götter-Ende hatten sie!
Sie „dämmerten“ sich nicht zu Tode, — das lügt man wohl! Vielmehr: sie haben sich selber einmal zu Tode — gelacht!
Das geschah, als das gottloseste Wort von einem Gotte selber ausgieng, — das Wort: „Es ist Ein Gott! Du sollst keinen andern Gott haben neben mir!“ —
— ein alter Grimm-Bart von Gott, ein eifersüchtiger vergass sich also: —
Und alle Götter lachten damals und wackelten auf ihren Stühlen und riefen: „Ist das nicht eben Göttlichkeit, dass es Götter, aber keinen Gott giebt?“
Wer Ohren hat, der höre. —
Also redete Zarathustra in der Stadt, die er liebte und welche zubenannt ist „die bunte Kuh.“ Von hier nämlich hatte er nur noch zwei Tage zu gehen, dass er wieder in seine Höhle käme und zu seinen Thieren; seine Seele aber frohlockte beständig ob der Nähe seiner Heimkehr. —
Die Heimkehr.
Oh Einsamkeit! Du meine Heimat Einsamkeit! Zu lange lebte ich wild in wilder Fremde, als dass ich nicht mit Thränen zu dir heimkehrte!
Nun drohe mir nur mit dem Finger, wie Mütter drohn, nun lächle mir zu, wie Mütter lächeln, nun sprich nur: „Und wer war das, der wie ein Sturmwind einst von mir davonstürmte? —
„— der scheidend rief: zu lange sass ich bei der Einsamkeit, da verlernte ich das Schweigen! Das — lerntest du nun wohl?
„Oh Zarathustra, Alles weiss ich: und dass du unter den Vielen verlassener warst, du Einer, als je bei mir!
„Ein Anderes ist Verlassenheit, ein Anderes Einsamkeit: Das — lerntest du nun! Und dass du unter Menschen immer wild und fremd sein wirst:
„— wild und fremd auch noch, wenn sie dich lieben: denn zuerst von Allem wollen sie geschont sein!
„Hier aber bist du bei dir zu Heim und Hause; hier kannst du Alles hinausreden und alle Gründe ausschütten, Nichts schämt sich hier versteckter, verstockter Gefühle.
„Hier kommen alle Dinge liebkosend zu deiner Rede und schmeicheln dir: denn sie wollen auf deinem Rücken reiten. Auf jedem Gleichniss reitest du hier zu jeder Wahrheit.
„Aufrecht und aufrichtig darfst du hier zu allen Dingen reden: und wahrlich, wie Lob klingt es ihren Ohren, dass Einer mit allen Dingen — gerade redet!
„Ein Anderes aber ist Verlassensein. Denn, weisst du' noch, oh Zarathustra? Als damals dein Vogel über dir schrie, als du im Walde standest, unschlüssig, wohin? unkundig, einem Leichnam nahe: —
„— als du sprachst: mögen mich meine Thiere führen! Gefährlicher fand ich's unter Menschen, als unter Thieren: — Das war Verlassenheit!
„Und weisst du noch, oh Zarathustra? Als du auf deiner Insel sassest, unter leeren Eimern ein Brunnen Weins, gebend und ausgebend, unter Durstigen schenkend und ausschenkend:
„— bis du endlich durstig allein unter Trunkenen sassest und nächtlich klagtest „ist Nehmen nicht seliger als Geben? Und Stehlen noch seliger als Nehmen?“ — Das war Verlassenheit!
„Und weisst du noch, oh Zarathustra? Als deine stillste Stunde kam und dich von dir selber forttrieb, als sie mit bösem Flüstern sprach: „Sprich und zerbrich!“ —
„— als sie dir all dein Warten und Schweigen leid machte und deinen demüthigen Muth entmuthigte: Das war Verlassenheit!“ —
Oh Einsamkeit! Du meine Heimat Einsamkeit! Wie selig und zärtlich redet deine Stimme zu mir!
Wir fragen einander nicht, wir klagen einander nicht, wir gehen offen mit einander durch offne Thüren.
Denn offen ist es bei dir und hell; und auch die Stunden laufen hier auf leichteren Füssen. Im Dunklen nämlich trägt man schwerer an der Zeit, als im Lichte.
Hier springen mir alles Seins Worte und Wort-Schreine auf: alles Sein will hier Wort werden, alles Werden will hier von mir reden lernen.
Da unten aber — da ist alles Reden umsonst! Da ist Vergessen und Vorübergehn die beste Weisheit: Das — lernte ich nun!
Wer Alles bei den Menschen begreifen wollte, der müsste Alles angreifen. Aber dazu habe ich zu reinliche Hände.
Ich mag schon ihren Athem nicht einathmen; ach, dass ich so lange unter ihrem Lärm und üblem Athem lebte!
Oh selige Stille um mich! Oh reine Gerüche um mich! Oh wie aus tiefer Brust diese Stille reinen Athem holt! Oh wie sie horcht, diese selige Stille!
Aber da unten — da redet Alles, da wird Alles überhört. Man mag seine Weisheit mit Glocken einläuten: die Krämer auf dem Markte werden sie mit Pfennigen überklingeln!
Alles bei ihnen redet, Niemand weiss mehr zu verstehn. Alles fällt in's Wasser, Nichts fällt mehr in tiefe Brunnen.
Alles bei ihnen redet, Nichts geräth mehr und kommt zu Ende. Alles gackert, aber wer will noch still auf dem Neste sitzen und Eier brüten?
Alles bei ihnen redet, Alles wird zerredet. Und was gestern noch zu hart war für die Zeit selber und ihren Zahn: heute hängt es zerschabt und zernagt aus den Mäulern der Heutigen.
Alles bei ihnen redet, Alles wird verrathen. Und was einst Geheimniss hiess und Heimlichkeit tiefer Seelen, heute gehört es den Gassen-Trompetern und andern Schmetterlingen.
Oh Menschenwesen, du wunderliches! Du Lärm auf dunklen Gassen! Nun liegst du wieder hinter mir: — meine grösste Gefahr liegt hinter mir!
Im Schonen und Mitleiden lag immer meine grösste Gefahr; und alles Menschenwesen will geschont und gelitten sein.
Mit verhaltenen Wahrheiten, mit Narrenhand und vernarrtem Herzen und reich an kleinen Lügen des Mitleidens: — also lebte ich immer unter Menschen.
Verkleidet sass ich unter ihnen, bereit, mich zu verkennen, dass ich sie ertrüge, und gern mir zuredend „du Narr, du kennst die Menschen nicht!“
Man verlernt die Menschen, wenn man unter Menschen lebt: zu viel Vordergrund ist an allen Menschen, — was sollen da weitsichtige, weit-süchtige Augen!
Und wenn sie mich verkannten: ich Narr schonte sie darob mehr, als mich: gewohnt zur Härte gegen mich und oft noch an mir selber mich rächend für diese Schonung.
Zerstochen von giftigen Fliegen und ausgehöhlt, dem Steine gleich, von vielen Tropfen Bosheit, so sass ich unter ihnen und redete mir noch zu: „unschuldig ist alles Kleine an seiner Kleinheit!“
Sonderlich Die, welche sich „die Guten“ heissen, fand ich als die giftigsten Fliegen: sie stechen in aller Unschuld, sie lügen in aller Unschuld; wie vermöchten sie, gegen mich — gerecht zu sein!
Wer unter den Guten lebt, den lehrt Mitleid lügen. Mitleid macht dumpfe Luft allen freien Seelen. Die Dummheit der Guten nämlich ist unergründlich.
Mich selber verbergen und meinen Reichthum — das lernte ich da unten: denn Jeden fand ich noch arm am Geiste. Das war der Lug meines Mitleidens, dass ich bei Jedem wusste,
— dass ich Jedem es ansah und anroch, was ihm Geistes genug und was ihm schon Geistes zuviel war!
Ihre steifen Weisen: ich hiess sie weise, nicht steif, — so lernte ich Worte verschlucken. Ihre Todtengräber: ich hiess sie Forscher und Prüfer, — so lernte ich Worte vertauschen.
Die Todtengräber graben sich Krankheiten an. Unter altem Schutte ruhn schlimme Dünste. Man soll den Morast nicht aufrühren. Man soll auf Bergen leben.
Mit seligen Nüstern athme ich wieder Berges-Freiheit! Erlöst ist endlich meine Nase vom Geruch alles Menschenwesens!
Von scharfen Lüften gekitzelt, wie von schäumenden Weinen, niest meine Seele, — niest und jubelt sich zu: Gesundheit!
Also sprach Zarathustra.
Von den drei Bösen.
1 Im Traum, im letzten Morgentraume stand ich heut auf einem Vorgebirge, — jenseits der Welt, hielt eine Wage und wog die Welt.
Oh dass zu früh mir die Morgenröthe kam: die glühte mich wach, die Eifersüchtige! Eifersüchtig ist sie immer auf meine Morgentraum-Gluthen.
Messbar für Den, der Zeit hat, wägbar für einen guten Wäger, erfliegbar für starke Fittige, errathbar für göttliche Nüsseknacker: also fand mein Traum die Welt: —
Mein Traum, ein kühner Segler, halb Schiff, halb Windsbraut, gleich Schmetterlingen schweigsam, ungeduldig gleich Edelfalken: wie hatte er doch zum Welt-Wägen heute Geduld und Weile!
Sprach ihm heimlich wohl meine Weisheit zu, meine lachende wache Tags-Weisheit, welche über alle „unendliche Welten“ spottet? Denn sie spricht: „wo Kraft ist, wird auch die Zahl Meisterin: die hat mehr Kraft.“
Wie sicher schaute mein Traum auf diese endliche Welt, nicht neugierig, nicht altgierig, nicht fürchtend, nicht bittend: —
— als ob ein voller Apfel sich meiner Hand böte, ein reifer Goldapfel, mit kühl-sanfter sammtener Haut: — so bot sich mir die Welt: —
— als ob ein Baum mir winke, ein breitästiger, starkwilliger, gekrümmt zur Lehne und noch zum Fussbrett für den Wegmüden: so stand die Welt auf meinem Vorgebirge: —
— als ob zierliche Hände mir einen Schrein entgegentrügen. — einen Schrein offen für das Entzücken schamhafter verehrender Augen: also bot sich mir heute die Welt entgegen: —
— nicht Räthsel genug, um Menschen-Liebe davon zu scheuchen, nicht Lösung genug, um Menschen-Weisheit einzuschläfern: — ein menschlich gutes Ding war mir heut die Welt, der man so Böses nachredet!
Wie danke ich es meinem Morgentraum, dass ich also in der Frühe heut die Welt wog! Als ein menschlich gutes Ding kam er zu mir, dieser Traum und Herzenströster!
Und dass ich's ihm gleich thue am Tage und sein Bestes ihm nach- und ablerne: will ich jetzt die drei bösesten Dinge auf die Wage thun und menschlich gut abwägen. —
Wer da segnen lehrte, der lehrte auch fluchen: welches sind in der Welt die drei bestverfluchten Dinge? Diese will ich auf die Wage thun.
Wollust, Herrschsucht, Selbstsucht: diese Drei wurden bisher am besten verflucht und am schlimmsten beleu- und belügenmundet, — diese Drei will ich menschlich gut abwägen.
Wohlauf! Hier ist mein Vorgebirg und da das Meer: das wälzt sich zu mir heran, zottelig, schmeichlerisch, das getreue alte hundertköpfige Hunds-Ungethüm, das ich liebe.
Wohlauf! Hier will ich die Wage halten über gewälztem Meere: und auch einen Zeugen wähle ich, dass er zusehe, — dich, du Einsiedler-Baum, dich starkduftigen, breitgewölbten, den ich liebe! —
Auf welcher Brücke geht zum Dereinst das Jetzt? Nach welchem Zwange zwingt das Hohe sich zum Niederen? Und was heisst auch das Höchste noch — hinaufwachsen? —
Nun steht die Wage gleich und still: drei schwere Fragen warf ich hinein, drei schwere Antworten trägt die andre Wagschale.
2 Wollust: allen busshemdigen Leib-Verächtern ihr Stachel und Pfahl, und als „Welt“ verflucht bei allen Hinterweltlern: denn sie höhnt und narrt alle Wirr-und Irr-Lehrer.
Wollust: dem Gesindel das langsame Feuer, auf dem es verbrannt wird; allem wurmichten Holze, allen stinkenden Lumpen der bereite Brunst- und Brodel-Ofen.
Wollust: für die freien Herzen unschuldig und frei, das Garten-Glück der Erde, aller Zukunft Dankes-Überschwang an das Jetzt.
Wollust: nur dem Welken ein süsslich Gift, für die Löwen-Willigen aber die grosse Herzstärkung, und der ehrfürchtig geschonte Wein der Weine.
Wollust: das grosse Gleichniss-Glück für höheres Glück und höchste Hoffnung. Vielem nämlich ist Ehe verheissen und mehr als Ehe, —
— Vielem, das fremder sich ist, als Mann und Weib: — und wer begriff es ganz, wie fremd sich Mann und Weib sind!
Wollust: — doch ich will Zäune um meine Gedanken haben und auch noch um meine Worte: dass mir nicht in meine Gärten die Schweine und Schwärmer brechen! —
Herrschsucht: die Glüh-Geissel der härtesten Herzensharten; die grause Marter, die sich dem Grausamsten selber aufspart; die düstre Flamme lebendiger Scheiterhaufen.
Herrschsucht: die boshafte Bremse, die den eitelsten Völkern aufgesetzt wird; die Verhöhnerin aller ungewissen Tugend; die auf jedem Rosse und jedem Stolze reitet.
Herrschsucht: das Erdbeben, das alles Morsche und Höhlichte bricht und aufbricht; die rollende grollende strafende Zerbrecherin übertünchter Gräber; das blitzende Fragezeichen neben vorzeitigen Antworten.
Herrschsucht: vor deren Blick der Mensch kriecht und duckt und fröhnt und niedriger wird als Schlange und Schwein: — bis endlich die grosse Verachtung aus ihm aufschreit —,
Herrschsucht: die furchtbare Lehrerin der grossen Verachtung, welche Städten und Reichen in's Antlitz predigt „Hinweg mit dir!“ — bis es aus ihnen selber aufschreit „hinweg mit mir!“
Herrschsucht: die aber lockend auch zu Reinen und Einsamen und hinauf zu selbstgenugsamen Höhen steigt, glühend gleich einer Liebe, welche purpurne Seligkeiten lockend an Erdenhimmel malt.
Herrschsucht: doch wer hiesse es Sucht, wenn das Hohe hinab nach Macht gelüstet! Wahrlich, nichts Sieches und Süchtiges ist an solchem Gelüsten und Niedersteigen!
Dass die einsame Höhe sich nicht ewig vereinsame und selbst begnüge; dass der Berg zu Thale komme und die Winde der Höhe zu den Niederungen: —
Oh wer fände den rechten Tauf- und Tugendnamen für solche Sehnsucht! „Schenkende Tugend“ — so nannte das Unnennbare einst Zarathustra.
Und damals geschah es auch, — und wahrlich, es geschah zum ersten Male! — dass sein Wort die Selbstsucht selig pries, die heile, gesunde Selbstsucht, die aus mächtiger Seele quillt: —
— aus mächtiger Seele, zu welcher der hohe Leib gehört, der schöne, sieghafte, erquickliche, um den herum jedwedes Ding Spiegel wird:
— der geschmeidige überredende Leib, der Tänzer, dessen Gleichniss und Auszug die selbst-lustige Seele ist. Solcher Leiber und Seelen Selbst-Lust heisst sich selber: „Tugend.“
Mit ihren Worten von Gut und Schlecht schirmt sich solche Selbst-Lust wie mit heiligen Hainen; mit den Namen ihres Glücks bannt sie von sich alles Verächtliche.
Von sich weg bannt sie alles Feige; sie spricht: Schlecht — das ist feige! Verächtlich dünkt ihr der immer Sorgende, Seufzende, Klägliche und wer auch die kleinsten Vortheile aufliest.
Sie verachtet auch alle wehselige Weisheit: denn, wahrlich, es giebt auch Weisheit, die im Dunklen blüht, eine Nachtschatten-Weisheit: als welche immer seufzt: „Alles ist eitel!“
Das scheue Misstrauen gilt ihr gering, und Jeder, wer Schwüre statt Blicke und Hände will: auch alle allzu misstrauische Weisheit, — denn solche ist feiger Seelen Art.
Geringer noch gilt ihr der Schnell-Gefällige, der Hündische, der gleich auf dem Rücken liegt, der Demüthige; und auch Weisheit giebt es, die demüthig und hündisch und fromm und schnell-gefällig ist.
Verhasst ist ihr gar und ein Ekel, wer nie sich wehren will, wer giftigen Speichel und böse Blicke hinunterschluckt, der Allzu-Geduldige, Alles-Dulder, Allgenügsame: das nämlich ist die knechtische Art.
Ob Einer vor Göttern und göttlichen Fusstritten knechtisch ist, ob vor Menschen und blöden Menschen-Meinungen: alle Knechts-Art speit sie an, diese selige Selbstsucht!
Schlecht: so heisst sie Alles, was geknickt und knickerisch-knechtisch ist, unfreie Zwinker-Augen, gedrückte Herzen, und jene falsche nachgebende Art, welche mit breiten feigen Lippen küsst.
Und After-Weisheit: so heisst sie Alles, was Knechte und Greise und Müde witzeln; und sonderlich die ganze schlimme aberwitzige, überwitzige Priester-Narrheit!
Die After-Weisen aber, alle die Priester, Weltmüden und wessen Seele von Weibs- und Knechtsart ist, — oh wie hat ihr Spiel von jeher der Selbstsucht übel mitgespielt!
Und Das gerade sollte Tugend sein und Tugend heissen, dass man der Selbstsucht übel mitspiele! Und „selbstlos“ — so wünschten sich selber mit gutem Grunde alle diese weltmüden Feiglinge und Kreuzspinnen!
Aber denen Allen kommt nun der Tag, die Wandlung, das Richtschwert, der grosse Mittag: da soll Vieles offenbar werden!
Und wer das Ich heil und heilig spricht und die Selbstsucht selig, wahrlich, der spricht auch, was er weiss, ein Weissager: „Siehe, er kommt, er ist nahe, der grosse Mittag!“
Also sprach Zarathustra.
Vom Geist der Schwere.
1 Mein Mundwerk — ist des Volks: zu grob und herzlich rede ich für die Seidenhasen. Und noch fremder klingt mein Wort allen Tinten-Fischen und Feder-Füchsen.
Meine Hand — ist eine Narrenhand: wehe allen Tischen und Wänden, und was noch Platz hat für Narren-Zierath, Narren-Schmierath!
Mein Fuss — ist ein Pferdefuss; damit trapple und trabe ich über Stock und Stein, kreuz- und querfeld-ein und bin des Teufels vor Lust bei allem schnellen Laufen.
Mein Magen — ist wohl eines Adlers Magen? Denn er liebt am liebsten Lammfleisch. Gewisslich aber ist er eines Vogels Magen.
Von unschuldigen Dingen genährt und von Wenigem, bereit und ungeduldig zu fliegen, davonzufliegen — das ist nun meine Art: wie sollte nicht Etwas daran von Vogel-Art sein!
Und zumal, dass ich dem Geist der Schwere feind bin, das ist Vogel-Art: und wahrlich, todfeind, erzfeind, urfeind! Oh wohin flog und verflog sich nicht schon meine Feindschaft!
Davon könnte ich schon ein Lied singen — — und will es singen: ob ich gleich allein in leerem Hause bin und es meinen eignen Ohren singen muss.
Andre Sänger giebt es freilich, denen macht das volle Haus erst ihre Kehle weich, ihre Hand gesprächig, ihr Auge ausdrücklich, ihr Herz wach: — Denen gleiche ich nicht. —
2 Wer die Menschen einst fliegen lehrt, der hat alle Grenzsteine verrückt; alle Grenzsteine selber werden ihm in die Luft fliegen, die Erde wird er neu taufen — als „die Leichte.“
Der Vogel Strauss läuft schneller als das schnellste Pferd, aber auch er steckt noch den Kopf schwer in schwere Erde: also der Mensch, der noch nicht fliegen kann.
Schwer heisst ihm Erde und Leben; und so will es der Geist der Schwere! Wer aber leicht werden will und ein Vogel, der muss sich selber lieben: — also lehre ich.
Nicht freilich mit der Liebe der Siechen und Süchtigen: denn bei denen stinkt auch die Eigenliebe!
Man muss sich selber lieben lernen — also lehre ich — mit einer heilen und gesunden Liebe: dass man es bei sich selber aushalte und nicht umherschweife.
Solches Umherschweifen tauft sich „Nächstenliebe“: mit diesem Worte ist bisher am besten gelogen und geheuchelt worden, und sonderlich von Solchen, die aller Welt schwer fielen.
Und wahrlich, das ist kein Gebot für Heute und Morgen, sich lieben lernen. Vielmehr ist von allen Künsten diese die feinste, listigste, letzte und geduldsamste.
Für seinen Eigener ist nämlich alles Eigene gut versteckt; und von allen Schatzgruben wird die eigne am spätesten ausgegraben, — also schafft es der Geist der Schwere.
Fast in der Wiege giebt man uns schon schwere Worte und Werthe mit: „gut“ und „böse“ — so heisst sich diese Mitgift. Um derentwillen vergiebt man uns, dass wir leben.
Und dazu lässt man die Kindlein zu sich kommen, dass man ihnen bei Zeiten wehre, sich selber zu lieben: also schafft es der Geist der Schwere.
Und wir — wir schleppen treulich, was man uns mitgiebt, auf harten Schultern und über rauhe Berge! Und schwitzen wir, so sagt man uns: „Ja, das Leben ist schwer zu tragen!“
Aber der Mensch nur ist sich schwer zu tragen! Das macht, er schleppt zu vieles Fremde auf seinen Schultern. Dem Kameele gleich kniet er nieder und lässt sich gut aufladen.
Sonderlich der starke, tragsame Mensch, dem Ehrfurcht innewohnt: zu viele fremde schwere Worte und Werthe lädt er auf sich, — nun dünkt das Leben ihm eine Wüste!
Und wahrlich! Auch manches Eigene ist schwer zu tragen! Und viel Inwendiges am Menschen ist der Auster gleich, nämlich ekel und schlüpfrig und schwer erfasslich —,
— also dass eine edle Schale mit edler Zierath fürbitten muss. Aber auch diese Kunst muss man lernen: Schale haben und schönen Schein und kluge Blindheit!
Abermals trügt über Manches am Menschen, dass manche Schale gering und traurig und zu sehr Schale ist. Viel verborgene Güte und Kraft wird nie errathen; die köstlichsten Leckerbissen finden keine Schmecker!
Die Frauen wissen das, die köstlichsten: ein Wenig fetter, ein Wenig magerer — oh wie viel Schicksal liegt in so Wenigem!
Der Mensch ist schwer zu entdecken und sich selber noch am schwersten; oft lügt der Geist über die Seele. Also schafft es der Geist der Schwere.
Der aber hat sich selber entdeckt, welcher spricht: Das ist mein Gutes und Böses: damit hat er den Maulwurf und Zwerg stumm gemacht, welcher spricht „Allen gut, Allen bös.“
Wahrlich, ich mag auch Solche nicht, denen jegliches Ding gut und diese Welt gar die beste heisst. Solche nenne ich die Allgenügsamen.
Allgenügsamkeit, die Alles zu schmecken weiss: das ist nicht der beste Geschmack! Ich ehre die widerspänstigen wählerischen Zungen und Mägen, welche „Ich“ und „Ja“ und „Nein“ sagen lernten.
Alles aber kauen und verdauen — das ist eine rechte Schweine-Art! Immer I-a sagen — das lernte allein der Esel, und wer seines Geistes ist! —
Das tiefe Gelb und das heisse Roth: so will es mein Geschmack, — der mischt Blut zu allen Farben. Wer aber sein Haus weiss tüncht, der verräth mir eine weissgetünchte Seele.
In Mumien verliebt die Einen, die Andern in Gespenster; und Beide gleich feind allem Fleisch und Blute — oh wie gehen Beide mir wider den Geschmack! Denn ich liebe Blut.
Und dort will ich nicht wohnen und weilen, wo Jedermann spuckt und speit: das ist nun mein Geschmack, — lieber noch lebte ich unter Dieben und Meineidigen. Niemand trägt Gold im Munde.
Widriger aber sind mir noch alle Speichellecker; und das widrigste Thier von Mensch, das ich fand, das taufte ich Schmarotzer: das wollte nicht lieben und doch von Liebe leben.
Unselig heisse ich Alle, die nur Eine Wahl haben: böse Thiere zu werden oder böse Thierbändiger: bei Solchen würde ich mir keine Hütten bauen.
Unselig heisse ich auch Die, welche immer warten müssen, — die gehen mir wider den Geschmack: alle die Zöllner und Krämer und Könige und andren Länder- und Ladenhüter.
Wahrlich, ich lernte das Warten auch und von Grund aus, — aber nur das Warten auf mich. Und über Allem lernte ich stehn und gehn und laufen und springen und klettern und tanzen.
Das ist aber meine Lehre: wer einst fliegen lernen will, der muss erst stehn und gehn und laufen und klettern und tanzen lernen: — man erfliegt das Fliegen nicht!
Mit Strickleitern lernte ich manches Fenster erklettern, mit hurtigen Beinen klomm ich auf hohe Masten: auf hohen Masten der Erkenntniss sitzen dünkte mich keine geringe Seligkeit, —
— gleich kleinen Flammen flackern auf hohen Masten: ein kleines Licht zwar, aber doch ein grosser Trost für verschlagene Schiffer und Schiffbrüchige! —
Auf vielerlei Weg und Weise kam ich zu meiner Wahrheit; nicht auf Einer Leiter stieg ich zur Höhe, wo mein Auge in meine Ferne schweift.
Und ungern nur fragte ich stets nach Wegen, — das gieng mir immer wider den Geschmack! Lieber fragte und versuchte ich die Wege selber.
Ein Versuchen und Fragen war all mein Gehen: — und wahrlich, auch antworten muss man lernen auf solches Fragen! Das aber — ist mein Geschmack:
— kein guter, kein schlechter, aber mein Geschmack, dessen ich weder Scham noch Hehl mehr habe.
„Das — ist nun mein Weg, — wo ist der eure?“ so antwortete ich Denen, welche mich „nach dem Wege“ fragten. Den Weg nämlich — den giebt es nicht!
Also sprach Zarathustra.
Von alten und neuen Tafeln.
1 Hier sitze ich und warte, alte zerbrochene Tafeln um mich und auch neue halb beschriebene Tafeln. Wann kommt meine Stunde?
— die Stunde meines Niederganges, Unterganges: denn noch Ein Mal will ich zu den Menschen gehn.
Dess warte ich nun: denn erst müssen mir die Zeichen kommen, dass es meine Stunde sei, — nämlich der lachende Löwe mit dem Taubenschwarme.
Inzwischen rede ich als Einer, der Zeit hat, zu mir selber. Niemand erzählt mir Neues: so erzähle ich mir mich selber. —
2 Als ich zu den Menschen kam, da fand ich sie sitzen auf einem alten Dünkel: Alle dünkten sich lange schon zu wissen, was dem Menschen gut und böse sei.
Eine alte müde Sache dünkte ihnen alles Reden von Tugend; und wer gut schlafen wollte, der sprach vor Schlafengehen noch von „Gut“ und „Böse“.
Diese Schläferei störte ich auf, als ich lehrte: was gut und böse ist, das weiss noch Niemand: — es sei denn der Schaffende!
— Das aber ist Der, welcher des Menschen Ziel schafft und der Erde ihren Sinn giebt und ihre Zukunft: Dieser erst schafft es, dass Etwas gut und böse ist.
Und ich hiess sie ihre alten Lehr-Stühle umwerfen, und wo nur jener alte Dünkel gesessen hatte; ich hiess sie lachen über ihre grossen Tugend-Meister und Heiligen und Dichter und Welt-Erlöser.
Über ihre düsteren Weisen hiess ich sie lachen, und wer je als schwarze Vogelscheuche warnend auf dem Baume des Lebens gesessen hatte.
An ihre grosse Gräberstrasse setzte ich mich und selber zu Aas und Geiern — und ich lachte über all ihr Einst und seine mürbe verfallende Herrlichkeit.
Wahrlich, gleich Busspredigern und Narrn schrie ich Zorn und Zeter über all ihr Grosses und Kleines, — dass ihr Bestes so gar klein ist! Dass ihr Bösestes so gar klein ist! — also lachte ich.
Meine weise Sehnsucht schrie und lachte also aus mir, die auf Bergen geboren ist, eine wilde Weisheit wahrlich! — meine grosse flügelbrausende Sehnsucht.
Und oft riss sie mich fort und hinauf und hinweg und mitten im Lachen: da flog ich wohl schaudernd, ein Pfeil, durch sonnentrunkenes Entzücken:
— hinaus in ferne Zukünfte, die kein Traum noch sah, in heissere Süden, als je sich Bildner träumten: dorthin, wo Götter tanzend sich aller Kleider schämen: —
— dass ich nämlich in Gleichnissen rede und gleich Dichtern hinke und stammle: und wahrlich, ich schäme mich, dass ich noch Dichter sein muss! —
Wo alles Werden mich Götter-Tanz und Götter-Muthwillen dünkte, und die Welt los und ausgelassen und zu sich selber zurückfliehend: —
— als ein ewiges Sich-fliehn und -Wiedersuchen vieler Götter, als das selige Sich-Widersprechen, Sich-Wieder-hören, Sich-Wieder-Zugehören vieler Götter: —
Wo alle Zeit mich ein seliger Hohn auf Augenblicke dünkte, wo die Notwendigkeit die Freiheit selber war, die selig mit dem Stachel der Freiheit spielte: —
Wo ich auch meinen alten Teufel und Erzfeind wiederfand, den Geist der Schwere und Alles, was er schuf: Zwang, Satzung, Noth und Folge und Zweck und Wille und Gut und Böse: —
Denn muss nicht dasein, über das getanzt, hinweggetanzt werde? Müssen nicht um der Leichten, Leichtesten willen — Maulwürfe und schwere Zwerge dasein? — —
3 Dort war's auch, wo ich das Wort „Übermensch“ vom Wege auflas, und dass der Mensch Etwas sei, das überwunden werden müsse,
— dass der Mensch eine Brücke sei und kein Zweck: sich selig preisend ob seines Mittags und Abends, als Weg zu neuen Morgenröthen:
— das Zarathustra-Wort vom grossen Mittage, und was sonst ich über den Menschen aufhängte, gleich purpurnen zweiten Abendröthen.
Wahrlich, auch neue Sterne liess ich sie sehn sammt neuen Nächten; und über Wolken und Tag und Nacht spannte ich noch das Lachen aus wie ein buntes Gezelt.
Ich lehrte sie all mein Dichten und Trachten: in Eins zu dichten und zusammen zu tragen, was Bruchstück ist am Menschen und Räthsel und grauser Zufall, —
— als Dichter, Räthselrather und Erlöser des Zufalls lehrte ich sie an der Zukunft schaffen, und Alles, das war —, schaffend zu erlösen.
Das Vergangne am Menschen zu erlösen und alles „Es war“ umzuschaffen, bis der Wille spricht: „Aber so wollte ich es! So werde ich's wollen —“
— Diess hiess ich ihnen Erlösung, Diess allein lehrte ich sie Erlösung heissen. — —
Nun warte ich meiner Erlösung —, dass ich zum letzten Male zu ihnen gehe.
Denn noch Ein Mal will ich zu den Menschen: unter ihnen will ich untergehen, sterbend will ich ihnen meine reichste Gabe geben!
Der Sonne lernte ich Das ab, wenn sie hinabgeht, die Überreiche: Gold schüttet sie da in's Meer aus unerschöpflichem Reichthume, —
— also, dass der ärmste Fischer noch mit goldenem Ruder rudert! Diess nämlich sah ich einst und wurde der Thränen nicht satt im Zuschauen. — —
Der Sonne gleich will auch Zarathustra untergehn: nun sitzt er hier und wartet, alte zerbrochne Tafeln um sich und auch neue Tafeln, — halbbeschriebene.
4 Siehe, hier ist eine neue Tafel: aber wo sind meine Brüder, die sie mit mir zu Thale und in fleischerne Herzen tragen? —
Also heischt es meine grosse Liebe zu den Fernsten: schone deinen Nächsten nicht! Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden muss.
Es giebt vielerlei Weg und Weise der Überwindung: da siehe du zu! Aber nur ein Possenreisser denkt: „der Mensch kann auch übersprungen werden.“
Überwinde dich selber noch in deinem Nächsten: und ein Recht, das du dir rauben kannst, sollst du dir nicht geben lassen!
Was du thust, das kann dir Keiner wieder thun. Siehe, es giebt keine Vergeltung.
Wer sich nicht befehlen kann, der soll gehorchen. Und Mancher kann sich befehlen, aber da fehlt noch Viel, dass er sich auch gehorche!
5 Also will es die Art edler Seelen: sie wollen Nichts umsonst haben, am wenigsten das Leben.
Wer vom Pöbel ist, der will umsonst leben; wir Anderen aber, denen das Leben sich gab, — wir sinnen immer darüber, was wir am besten dagegen geben!
Und wahrlich, diess ist eine vornehme Rede, welche spricht: „was uns das Leben verspricht, das wollen wir — dem Leben halten!“
Man soll nicht geniessen wollen, wo man nicht zu geniessen giebt. Und — man soll nicht geniessen wollen!
Genuss und Unschuld nämlich sind die schamhaftesten Dinge: Beide wollen nicht gesucht sein. Man soll sie haben —, aber man soll eher noch nach Schuld und Schmerzen suchen! —
6 Oh meine Brüder, wer ein Erstling ist, der wird immer geopfert. Nun aber sind wir Erstlinge.
Wir bluten Alle an geheimen Opfertischen, wir brennen und braten Alle zu Ehren alter Götzenbilder.
Unser Bestes ist noch jung: das reizt alte Gaumen Unser Fleisch ist zart, unser Fell ist nur ein Lamm-Fell: — wie sollten wir nicht alte Götzenpriester reizen!
In uns selber wohnt er noch, der alte Götzenpriester, der unser Bestes sich zum Schmause brät. Ach, meine Brüder, wie sollten Erstlinge nicht Opfer sein!
Aber so will es unsre Art; und ich liebe Die, welche sich nicht bewahren wollen. Die Untergehenden liebe ich mit meiner ganzen Liebe: denn sie gehn hinüber. —
7 Wahr sein — das können Wenige! Und wer es kann, der will es noch nicht! Am wenigsten aber können es die Guten.
Oh diese Guten! — Gute Menschen reden nie die Wahrheit; für den Geist ist solchermaassen gut sein eine Krankheit.
Sie geben nach, diese Guten, sie ergeben sich, ihr Herz spricht nach, ihr Grund gehorcht: wer aber gehorcht, der hört sich selber nicht!
Alles, was den Guten böse heisst, muss zusammen kommen, dass Eine Wahrheit geboren werde: oh meine Brüder, seid ihr auch böse genug zu dieser Wahrheit?
Das verwegene Wagen, das lange Misstrauen, das grausame Nein, der Überdruss, das Schneiden in's Lebendige — wie selten kommt das zusammen! Aus solchem Samen aber wird — Wahrheit gezeugt!
Neben dem bösen Gewissen wuchs bisher alles Wissen! Zerbrecht, zerbrecht mir, ihr Erkennenden, die alten Tafeln!
8 Wenn das Wasser Balken hat, wenn Stege und Geländer über den Fluss springen: wahrlich, da findet Keiner Glauben, der da spricht: „Alles ist im Fluss.“
Sondern selber die Tölpel widersprechen ihm. „Wie? sagen die Tölpel, Alles wäre im Flusse? Balken und Geländer sind doch über dem Flusse?“ „Über dem Flusse ist Alles fest, alle die Werthe der Dinge, die Brücken, Begriffe, alles „Gut“ und „Böse“: das ist Alles fest!“ —
Kommt gar der harte Winter, der Fluss-Thierbändiger: dann lernen auch die Witzigsten Misstrauen; und, wahrlich, nicht nur die Tölpel sprechen dann: „Sollte nicht Alles — stille stehn?“
„Im Grunde steht Alles stille“ —, das ist eine rechte Winter-Lehre, ein gut Ding für unfruchtbare Zeit, ein guter Trost für Winterschläfer und Ofenhocker.
„Im Grund steht Alles still“ —: dagegen aber predigt der Thauwind!
Der Thauwind, ein Stier, der kein pflügender Stier ist, — ein wüthender Stier, ein Zerstörer, der mit zornigen Hörnern Eis bricht! Eis aber — — bricht Stege!
Oh meine Brüder, ist jetzt nicht Alles im Flusse? Sind nicht alle Geländer und Stege in's Wasser gefallen? Wer hielte sich noch an „Gut“ und „Böse“?
„Wehe uns! Heil uns! Der Thauwind weht!“ — Also predigt mir, oh meine Brüder, durch alle Gassen!
9 Es giebt einen alten Wahn, der heisst Gut und Böse. Um Wahrsager und Sterndeuter drehte sich bisher das Rad dieses Wahns.
Einst glaubte man an Wahrsager und Sterndeuter: und darum glaubte man „Alles ist Schicksal: du sollst, denn du musst!“ Dann wieder misstraute man allen Wahrsagern und Sterndeutern: und darum glaubte man „Alles ist Freiheit: du kannst, denn du willst!“
Oh meine Brüder, über Sterne und Zukunft ist bisher nur gewähnt, nicht gewusst worden: und darum ist über Gut und Böse bisher nur gewähnt, nicht gewusst worden!
10 „Du sollst nicht rauben! Du sollst nicht todtschlagen!“ — solche Worte hiess man einst heilig; vor ihnen beugte man Knie und Köpfe und zog die Schuhe aus.
Aber ich frage euch: wo gab es je bessere Räuber und Todtschläger in der Welt, als es solche heilige Worte waren?
Ist in allem Leben selber nicht — Rauben und Todtschlagen? Und dass solche Worte heilig hiessen, wurde damit die Wahrheit selber nicht — todtgeschlagen?
Oder war es eine Predigt des Todes, dass heilig hiess, was allem Leben widersprach und widerrieth? — Oh meine Brüder, zerbrecht, zerbrecht mir die alten Tafeln!
11 Diess ist mein Mitleid mit allem Vergangenen, dass ich sehe: es ist preisgegeben, —
— der Gnade, dem Geiste, dem Wahnsinne jedes Geschlechtes preisgegeben, das kommt und Alles, was war, zu seiner Brücke umdeutet!
Ein grosser Gewalt-Herr könnte kommen, ein gewitzter Unhold, der mit seiner Gnade und Ungnade alles Vergangene zwänge und zwängte: bis es ihm Brücke würde und Vorzeichen und Herold und Hahnenschrei.
Diess aber ist die andre Gefahr und mein andres Mitleiden: — wer vom Pöbel ist, dessen Gedenken geht zurück bis zum Grossvater, — mit dem Grossvater aber hört die Zeit auf.
Also ist alles Vergangene preisgegeben: denn es könnte einmal kommen, dass der Pöbel Herr würde und in seichten Gewässern alle Zeit ertränke.
Darum, oh meine Brüder, bedarf es eines neuen Adels, der allem Pöbel und allem Gewalt-Herrischen Widersacher ist und auf neue Tafeln neu das Wort schreibt „edel“.
Vieler Edlen nämlich bedarf es und vielerlei Edlen, dass es Adel gebe! Oder, wie ich einst im Gleichniss sprach: „Das eben ist Göttlichkeit, dass es Götter, aber keinen Gott giebt!“
12 Oh meine Brüder, ich weihe und weise euch zu einem neuen Adel: ihr sollt mir Zeuger und Züchter werden und Säemänner der Zukunft, —
— wahrlich, nicht zu einem Adel, den ihr kaufen könntet gleich den Krämern und mit Krämer-Golde: denn wenig Werth hat Alles, was seinen Preis hat.
Nicht, woher ihr kommt, mache euch fürderhin eure Ehre, sondern wohin ihr geht! Euer Wille und euer Fuss, der über euch selber hinaus will, — das mache eure neue Ehre!
Wahrlich nicht, dass ihr einem Fürsten gedient habt — was liegt noch an Fürsten! — oder dem, was steht, zum Bollwerk wurdet, dass es fester stünde!
Nicht, dass euer Geschlecht an Höfen höfisch wurde, und ihr lerntet, bunt, einem Flamingo ähnlich, lange Stunden in flachen Teichen stehn.
— Denn Stehen-können ist ein Verdienst bei Höflingen; und alle Höflinge glauben, zur Seligkeit nach dem Tode gehöre — Sitzen-dürfen! —
Nicht auch, dass ein Geist, den sie heilig nennen, eure Vorfahren in gelobte Länder führte, die ich nicht lobe: denn wo der schlimmste aller Bäume wuchs, das Kreuz, — an dem Lande ist Nichts zu loben! — — und wahrlich, wohin dieser „heilige Geist“ auch seine Ritter führte, immer liefen bei solchen Zügen — Ziegen und Gänse und Kreuz- und Querköpfe voran! —
Oh meine Brüder, nicht zurück soll euer Adel schauen, sondern hinaus! Vertriebene sollt ihr sein aus allen Vater- und Urväterländern!
Eurer Kinder Land sollt ihr lieben: diese Liebe sei euer neuer Adel, — das unentdeckte, im fernsten Meere! Nach ihm heisse ich eure Segel suchen und suchen!
An euren Kindern sollt ihr gut machen, dass ihr eurer Väter Kinder seid: alles Vergangene sollt ihr so erlösen! Diese neue Tafel stelle ich über euch!
13 „Wozu leben? Alles ist eitel! Leben — das ist Stroh dreschen; Leben — das ist sich verbrennen und doch nicht warm werden.“ —
Solch alterthümliches Geschwätz gilt immer noch als „Weisheit“; dass es aber alt ist und dumpfig riecht, darum wird es besser geehrt. Auch der Moder adelt. —
Kinder durften so reden: die scheuen das Feuer, weil es sie brannte! Es ist viel Kinderei in den alten Büchern der Weisheit.
Und wer immer „Stroh drischt“, wie sollte der auf das Dreschen lästern dürfen! Solchem Narren müsste man doch das Maul verbinden!
Solche setzen sich zu Tisch und bringen Nichts mit, selbst den guten Hunger nicht: — und nun lästern sie „Alles ist eitel!“
Aber gut essen und trinken, oh meine Brüder, ist wahrlich keine eitle Kunst! Zerbrecht, zerbrecht mir die Tafeln der Nimmer-Frohen!
14 „Dem Reinen ist Alles rein“ — so spricht das Volk. Ich aber sage euch: den Schweinen wird Alles Schwein!
Darum predigen die Schwärmer und Kopfhänger, denen auch das Herz niederhängt: „die Welt selber ist ein kothiges Ungeheuer.“ Denn diese Alle sind unsäuberlichen Geistes; sonderlich aber Jene, welche nicht Ruhe, noch Rast haben, es sei denn, sie sehen die Welt von hinten, — die Hinterweltler!
Denen sage ich in's Gesicht, ob es gleich nicht lieblich klingt: die Welt gleicht darin dem Menschen, dass sie einen Hintern hat, — so Viel ist wahr!
Es giebt in der Welt viel Koth: so Viel ist wahr! Aber darum ist die Welt selber noch kein kothiges Ungeheuer!
Es ist Weisheit darin, dass Vieles in der Welt übel riecht: der Ekel selber schafft Flügel und quellenahnende Kräfte!
An dem Besten ist noch Etwas zum Ekeln; und der Beste ist noch Etwas, das überwunden werden muss! —
Oh meine Brüder, es ist viel Weisheit darin, dass viel Koth in der Welt ist! —
15 Solche Sprüche hörte ich fromme Hinterweltler zu ihrem Gewissen reden; und wahrlich, ohne Arg und Falsch, — ob es schon nichts Falscheres in der Welt giebt, noch Ärgeres.
„Lass doch die Welt der Welt sein! Hebe dawider auch nicht Einen Finger auf!“
„Lass, wer da wolle, die Leute würgen und stechen und schneiden und schaben: hebe dawider auch nicht Einen Finger auf! Darob lernen sie noch der Welt absagen.“ „Und deine eigne Vernunft — die sollst du selber görgeln und würgen; denn es ist eine Vernunft von dieser Welt, — darob lernst du selber der Welt absagen.“ —
— Zerbrecht, zerbrecht mir, oh meine Brüder, diese alten Tafeln der Frommen! Zersprecht mir die Sprüche der Welt-Verleumder!
16 „Wer viel lernt, der verlernt alles heftige Begehren“ — das flüstert man heute sich zu auf allen dunklen Gassen.
„Weisheit macht müde, es lohnt sich — Nichts; du sollst nicht begehren!“ — diese neue Tafel fand ich hängen selbst auf offnen Märkten.
Zerbrecht mir, oh meine Brüder, zerbrecht mir auch diese neue Tafel! Die Welt-Müden hängten sie hin und die Prediger des Todes, und auch die Stockmeister: denn seht, es ist auch eine Predigt zur Knechtschaft! —
Dass sie schlecht lernten und das Beste nicht, und Alles zu früh und Alles zu geschwind: dass sie schlecht assen, daher kam ihnen jener verdorbene Magen, —
— ein verdorbener Magen ist nämlich ihr Geist: der räth zum Tode! Denn wahrlich, meine Brüder, der Geist ist ein Magen!
Das Leben ist ein Born der Lust: aber aus wem der verdorbene Magen redet, der Vater der Trübsal, dem sind alle Quellen vergiftet.
Erkennen: das ist Lust dem Löwen-willigen! Aber wer müde wurde, der wird selber nur „gewollt“, mit dem spielen alle Wellen.
Und so ist es immer schwacher Menschen Art: sie verlieren sich auf ihren Wegen. Und zuletzt fragt noch ihre Müdigkeit: „wozu giengen wir jemals Wege! Es ist Alles gleich!“
Denen klingt es lieblich zu Ohren, dass gepredigt wird: „Es verlohnt sich Nichts! Ihr sollt nicht wollen!“ Diess aber ist eine Predigt zur Knechtschaft.
Oh meine Brüder, ein frischer Brause-Wind kommt Zarathustra allen Weg-Müden; viele Nasen wird er noch niesen machen!
Auch durch Mauern bläst mein freier Athem, und hinein in Gefängnisse und eingefangne Geister!
Wollen befreit: denn Wollen ist Schaffen: so lehre ich. Und nur zum Schaffen sollt ihr lernen!
Und auch das Lernen sollt ihr erst von mir lernen, das Gut-Lernen! — Wer Ohren hat, der höre!
17 Da steht der Nachen, — dort hinüber geht es vielleicht in's grosse Nichts. — Aber wer will in diess „Vielleicht“ einsteigen?
Niemand von euch will in den Todes-Nachen einsteigen! Wie so wollt ihr dann Welt-Müde sein!
Weltmüde! Und noch nicht einmal Erd-Entrückte wurdet ihr! Lüstern fand ich euch immer noch nach Erde, verliebt noch in die eigne Erd-Müdigkeit!
Nicht umsonst hängt euch die Lippe herab: — ein kleiner Erden-Wunsch sitzt noch darauf! Und im Auge — schwimmt da nicht ein Wölkchen unvergessner Erden-Lust?
Es giebt auf Erden viel gute Erfindungen, die einen nützlich, die andern angenehm: derentwegen ist die Erde zu lieben.
Und mancherlei so gut Erfundenes giebt es da, dass es ist wie des Weibes Busen: nützlich zugleich und angenehm.
Ihr Welt- Müden aber! Ihr Erden-Faulen! Euch soll man mit Ruthen streichen! Mit Ruthenstreichen soll man euch wieder muntre Beine machen.
Denn: seid ihr nicht Kranke und verlebte Wichte, deren die Erde müde ist, so seid ihr schlaue Faulthiere oder naschhafte verkrochene Lust-Katzen. Und wollt ihr nicht wieder lustig laufen, so sollt ihr — dahinfahren!
An Unheilbaren soll man nicht Arzt sein wollen: also lehrt es Zarathustra: — so sollt ihr dahinfahren!
Aber es gehört mehr Muth dazu, ein Ende zu machen, als einen neuen Vers: das wissen alle Ärzte und Dichter. —
18 Oh meine Brüder, es giebt Tafeln, welche die Ermüdung, und Tafeln, welche die Faulheit schuf, die faulige: ob sie schon gleich reden, so wollen sie doch ungleich gehört sein. —
Seht hier diesen Verschmachtenden! Nur eine Spanne weit ist er noch von seinem Ziele, aber vor Müdigkeit hat er sich trotzig hier in den Staub gelegt: dieser Tapfere!
Vor Müdigkeit gähnt er Weg und Erde und Ziel und sich selber an: keinen Schritt will er noch weiter thun, — dieser Tapfere!
Nun glüht die Sonne auf ihn, und die Hunde lecken nach seinem Schweisse: aber er liegt da in seinem Trotze und will lieber verschmachten: —
— eine Spanne weit von seinem Ziele verschmachten! Wahrlich, ihr werdet ihn noch an den Haaren in seinen Himmel ziehen müssen, — diesen Helden!
Besser noch, ihr lasst ihn liegen, wohin er sich gelegt hat, dass der Schlaf ihm komme, der Tröster, mit kühlendem Rausche-Regen:
Lasst ihn liegen, bis er von selber wach wird, — bis er von selber alle Müdigkeit widerruft und was Müdigkeit aus ihm lehrte!
Nur, meine Brüder, dass ihr die Hunde von ihm scheucht, die faulen Schleicher, und all das schwärmende Geschmeiss: —
— all das schwärmende Geschmeiss der „Gebildeten“, das sich am Schweisse jedes Helden — gütlich thut! —
19 Ich schliesse Kreise um mich und heilige Grenzen; immer Wenigere steigen mit mir auf immer höhere Berge, — ich baue ein Gebirge aus immer heiligeren Bergen. —
Wohin ihr aber auch mit mir steigen mögt, oh meine Brüder: seht zu, dass nicht ein Schmarotzer mit euch steige!
Schmarotzer: das ist ein Gewürm, ein kriechendes, geschmiegtes, das fett werden will an euren kranken wunden Winkeln.
Und das ist seine Kunst, dass er steigende Seelen erräth, wo sie müde sind: in euren Gram und Unmuth, in eure zarte Scham baut er sein ekles Nest.
Wo der Starke schwach, der Edle allzumild ist, — dahinein baut er sein ekles Nest: der Schmarotzer wohnt, wo der Grosse kleine wunde Winkel hat.
Was ist die höchste Art alles Seienden und was die geringste? Der Schmarotzer ist die geringste Art; wer aber höchster Art ist, der ernährt die meisten Schmarotzer.
Die Seele nämlich, welche die längste Leiter hat und am tiefsten hinunter kann: wie sollten nicht an der die meisten Schmarotzer sitzen? —
— die umfänglichste Seele, welche am weitesten in sich laufen und irren und schweifen kann; die nothwendigste, welche sich aus Lust in den Zufall stürzt: —
— die seiende Seele, welche in's Werden taucht; die habende, welche in's Wollen und Verlangen will: —
— die sich selber fliehende, die sich selber im weitesten Kreise einholt; die weiseste Seele, welcher die Narrheit am süssesten zuredet: —
— die sich selber liebendste, in der alle Dinge ihr Strömen und Wiederströmen und Ebbe und Fluth haben: — oh wie sollte die höchste Seele nicht die schlimmsten Schmarotzer haben?
20 Oh meine Brüder, bin ich denn grausam? Aber ich sage: was fällt, das soll man auch noch stossen!
Das Alles von Heute — das fällt, das verfällt: wer wollte es halten! Aber ich — ich will es noch stossen!
Kennt ihr die Wollust, die Steine in steile Tiefen rollt? — Diese Menschen von heute: seht sie doch, wie sie in meine Tiefen rollen!
Ein Vorspiel bin ich besserer Spieler, oh meine Brüder! Ein Beispiel! Thut nach meinem Beispiele!
Und wen ihr nicht fliegen lehrt, den lehrt mir — schneller fallen! —
21 Ich liebe die Tapferen: aber es ist nicht genug, Hau-Degen sein, —man muss auch wissen Hau-schau-Wen!
Und oft ist mehr Tapferkeit darin, dass Einer an sich hält und vorübergeht: damit er sich dem würdigeren Feinde aufspare!
Ihr sollt nur Feinde haben, die zu hassen sind, aber nicht Feinde zum Verachten: ihr müsst stolz auf euren Feind sein: also lehrte ich schon Ein Mal.
Dem würdigeren Feinde, oh meine Freunde, sollt ihr euch aufsparen: darum müsst ihr an Vielem vorübergehn, —
— sonderlich an vielem Gesindel, das euch in die Ohren lärmt von Volk und Völkern.
Haltet euer Auge rein von ihrem Für und Wider! Da giebt es viel Recht, viel Unrecht: wer da zusieht, wird zornig.
Dreinschaun, dreinhaun — das ist da Eins: darum geht weg in die Wälder und legt euer Schwert schlafen!
Geht eure Wege! Und lasst Volk und Völker die ihren gehn! — dunkle Wege wahrlich, auf denen auch nicht Eine Hoffnung mehr wetterleuchtet!
Mag da der Krämer herrschen, wo Alles, was noch glänzt — Krämer-Gold ist! Es ist die Zeit der Könige nicht mehr: was sich heute Volk heisst, verdient keine Könige.
Seht doch, wie diese Völker jetzt selber den Krämern gleich thun: sie lesen sich die kleinsten Vortheile noch aus jedem Kehricht!
Sie lauern einander auf, sie lauern einander Etwas ab, — das heissen sie „gute Nachbarschaft.“ Oh selige ferne Zeit, wo ein Volk sich sagte: „ich will über Völker — Herr sein!“
Denn, meine Brüder: das Beste soll herrschen, das Beste will auch herrschen! Und wo die Lehre anders lautet, da — fehlt es am Besten.
22 Wenn Die —Brod umsonst hätten, wehe! Wonach würden Die schrein! Ihr Unterhalt — das ist ihre rechte Unterhaltung; und sie sollen es schwer haben!
Raubthiere sind es: in ihrem „Arbeiten“ — da ist auch noch Rauben, in ihrem „Verdienen“ — da ist auch noch Überlisten! Darum sollen sie es schwer haben!
Bessere Raubthiere sollen sie also werden, feinere, klügere, menschen-ähnlichere: der Mensch nämlich ist das beste Raubthier.
Allen Thieren hat der Mensch schon ihre Tugenden abgeraubt: das macht, von allen Thieren hat es der Mensch am schwersten gehabt.
Nur noch die Vögel sind über ihm. Und wenn der Mensch noch fliegen lernte, wehe! wohinauf — würde seine Raublust fliegen!
23 So will ich Mann und Weib: kriegstüchtig den Einen, gebärtüchtig das Andre, beide aber tanztüchtig mit Kopf und Beinen.
Und verloren sei uns der Tag, wo nicht Ein Mal getanzt wurde! Und falsch heisse uns jede Wahrheit, bei der es nicht Ein Gelächter gab!
24 Euer Eheschliessen: seht zu, dass es nicht ein schlechtes Schliessen sei! Ihr schlosset zu schnell: so folgt daraus — Ehebrechen!
Und besser noch Ehebrechen als Ehe-biegen, Ehelügen! — So sprach mir ein Weib: „wohl brach ich die Ehe, aber zuerst brach die Ehe — mich!“ Schlimm-Gepaarte fand ich immer als die schlimmsten Rachsüchtigen: sie lassen es aller Welt entgelten, dass sie nicht mehr einzeln laufen.
Desswillen will ich, dass Redliche zu einander reden: „wir lieben uns: lasst uns zusehn, dass wir uns lieb behalten! Oder soll unser Versprechen ein Versehen sein?“
— „Gebt uns eine Frist und kleine Ehe, dass wir zusehn, ob wir zur grossen Ehe taugen! Es ist ein grosses Ding, immer zu Zwein sein!“
Also rathe ich allen Redlichen; und was wäre denn meine Liebe zum Übermenschen und zu Allem, was kommen soll, wenn ich anders riethe und redete!
Nicht nur fort euch zu pflanzen, sondern hinauf — dazu, oh meine Brüder, helfe euch der Garten der Ehe!
25 Wer über alte Ursprünge weise wurde, siehe, der wird zuletzt nach Quellen der Zukunft suchen und nach neuen Ursprüngen. —
Oh meine Brüder, es ist nicht über Lange, da werden neue Völker entspringen und neue Quellen hinab in neue Tiefen rauschen.
Das Erdbeben nämlich — das verschüttet viel Brunnen, das schafft viel Verschmachten: das hebt auch innre Kräfte und Heimlichkeiten an's Licht.
Das Erdbeben macht neue Quellen offenbar. Im Erdbeben alter Völker brechen neue Quellen aus.
Und wer da ruft: „Siehe hier ein Brunnen für viele Durstige, Ein Herz für viele Sehnsüchtige, Ein Wille für viele Werkzeuge“: — um den sammelt sich ein Volk, das ist: viel Versuchende.
Wer befehlen kann, wer gehorchen muss — Das wird da versucht! Ach, mit welch langem Suchen und Rathen und Missrathen und Lernen und Neu-Versuchen!
Die Menschen-Gesellschaft: die ist ein Versuch, so lehre ich's, — ein langes Suchen: sie sucht aber den Befehlenden! —
— ein Versuch, oh meine Brüder! Und kein „Vertrag“! Zerbrecht, zerbrecht mir solch Wort der Weich-Herzen und Halb- und Halben!
26 Oh meine Brüder! Bei Welchen liegt doch die grösste Gefahr aller Menschen-Zukunft? Ist es nicht bei den Guten und Gerechten? —
— als bei Denen, die sprechen und im Herzen fühlen: „wir wissen schon, was gut ist und gerecht, wir haben es auch; wehe Denen, die hier noch suchen!“
Und was für Schaden auch die Bösen thun mögen: der Schaden der Guten ist der schädlichste Schaden!
Und was für Schaden auch die Welt-Verleumder thun mögen: der Schaden der Guten ist der schädlichste Schaden.
Oh meine Brüder, den Guten und Gerechten sah Einer einmal in's Herz, der da sprach: „es sind die Pharisäer.“ Aber man verstand ihn nicht.
Die Guten und Gerechten selber durften ihn nicht verstehen: ihr Geist ist eingefangen in ihr gutes Gewissen. Die Dummheit der Guten ist unergründlich klug.
Das aber ist die Wahrheit: die Guten müssen Pharisäer sein, — sie haben keine Wahl!
Die Guten müssen Den kreuzigen, der sich seine eigne Tugend erfindet! Das ist die Wahrheit!
Der Zweite aber, der ihr Land entdeckte, Land, Herz und Erdreich der Guten und Gerechten: das war, der da fragte: „wen hassen sie am meisten?“
Den Schaffenden hassen sie am meisten: den, der Tafeln bricht und alte Werthe, den Brecher — den heissen sie Verbrecher.
Die Guten nämlich — die können nicht schaffen: die sind immer der Anfang vom Ende: —
— sie kreuzigen Den, der neue Werthe auf neue Tafeln schreibt, sie opfern sich die Zukunft, — sie kreuzigen alle Menschen-Zukunft!
Die Guten — die waren immer der Anfang vom Ende. —
27 Oh meine Brüder, verstandet ihr auch diess Wort? Und was ich einst sagte vom „letzten Menschen“?
Bei Welchen liegt die grösste Gefahr aller Menschen-Zukunft? Ist es nicht bei den Guten und Gerechten?
Zerbrecht, zerbrecht mir die Guten und Gerechten! — Oh meine Brüder, verstandet ihr auch diess Wort?
28 Ihr flieht von mir? Ihr seid erschreckt? Ihr zittert vor diesem Worte?
Oh meine Brüder, als ich euch die Guten zerbrechen hiess und die Tafeln der Guten: da erst schiffte ich den Menschen ein auf seine hohe See.
Und nun erst kommt ihm der grosse Schrecken, das grosse Um-sich-sehn, die grosse Krankheit, der grosse Ekel, die grosse See-Krankheit.
Falsche Küsten und falsche Sicherheiten lehrten euch die Guten; in Lügen der Guten wart ihr geboren und geborgen. Alles ist in den Grund hinein verlogen und verbogen durch die Guten.
Aber wer das Land „Mensch“ entdeckte, entdeckte auch das Land „Menschen-Zukunft“. Nun sollt ihr mir Seefahrer sein, wackere, geduldsame!
Aufrecht geht mir bei Zeiten, oh meine Brüder, lernt aufrecht gehn! Das Meer stürmt: Viele wollen an euch sich wieder aufrichten.
Das Meer stürmt: Alles ist im Meere. Wohlan! Wohlauf! Ihr alten Seemanns-Herzen!
Was Vaterland! Dorthin will unser Steuer, wo unser Kinder-Land ist! Dorthinaus, stürmischer als das Meer, stürmt unsre grosse Sehnsucht! —
29 „Warum so hart! — sprach zum Diamanten einst die Küchen-Kohle; sind wir denn nicht Nah-Verwandte?“ —
Warum so weich? Oh meine Brüder, also frage ich euch: seid ihr denn nicht — meine Brüder?
Warum so weich, so weichend und nachgebend? Warum ist so viel Leugnung, Verleugnung in eurem Herzen? So wenig Schicksal in eurem Blicke?
Und wollt ihr nicht Schicksale sein und Unerbittliche: wie könntet ihr mit mir — siegen?
Und wenn eure Härte nicht blitzen und scheiden und zerschneiden will: wie könntet ihr einst mit mir — schaffen?
Die Schaffenden nämlich sind hart. Und Seligkeit muss es euch dünken, eure Hand auf Jahrtausende zu drücken wie auf Wachs, —
— Seligkeit, auf dem Willen von Jahrtausenden zu schreiben wie auf Erz, — härter als Erz, edler als Erz. Ganz hart ist allein das Edelste.
Diese neue Tafel, oh meine Brüder, stelle ich über euch: werdet hart! —
30 Oh du mein Wille! Du Wende aller Noth, du meine Nothwendigkeit! Bewahre mich vor allen kleinen Siegen!
Du Schickung meiner Seele, die ich Schicksal heisse! Du In-mir! Über-mir! Bewahre und spare mich auf zu Einem grossen Schicksale!
Und deine letzte Grösse, mein Wille, spare dir für dein Letztes auf, — dass du unerbittlich bist in deinem Siege! Ach, wer unterlag nicht seinem Siege!
Ach, wessen Auge dunkelte nicht in dieser trunkenen Dämmerung! Ach, wessen Fuss taumelte nicht und verlernte im Siege — stehen! —
— Dass ich einst bereit und reif sei im grossen Mittage: bereit und reif gleich glühendem Erze, blitzschwangrer Wolke und schwellendem Milch-Euter: —
— bereit zu mir selber und zu meinem verborgensten Willen: ein Bogen brünstig nach seinem Pfeile, ein Pfeil brünstig nach seinem Sterne: —
— ein Stern bereit und reif in seinem Mittage, glühend, durchbohrt, selig vor vernichtenden Sonnen-Pfeilen: —
— eine Sonne selber und ein unerbittlicher Sonnen-Wille, zum Vernichten bereit im Siegen!
Oh Wille, Wende aller Noth, du meine Nothwendigkeit! Spare mich auf zu Einem grossen Siege! — —
Also sprach Zarathustra.
Der Genesende.
1 Eines Morgens, nicht lange nach seiner Rückkehr zur Höhle, sprang Zarathustra von seinem Lager auf wie ein Toller, schrie mit furchtbarer Stimme und gebärdete sich, als ob noch Einer auf dem Lager läge, der nicht davon aufstehn wolle; und also tönte Zarathustra's Stimme, dass seine Thiere erschreckt hinzukamen, und dass aus allen Höhlen und Schlupfwinkeln, die Zarathustra's Höhle benachbart waren, alles Gethier davon huschte, — fliegend, flatternd, kriechend, springend, wie ihm nur die Art von Fuss und Flügel gegeben war. Zarathustra aber redete diese Worte:
Herauf, abgründlicher Gedanke, aus meiner Tiefe! Ich bin dein Hahn und Morgen-Grauen, verschlafener Wurm: auf! auf! Meine Stimme soll dich schon wach krähen!
Knüpfe die Fessel deiner Ohren los: horche! Denn ich will dich hören! Auf! Auf! Hier ist Donners genug, dass auch Gräber horchen lernen!
Und wische den Schlaf und alles Blöde, Blinde aus deinen Augen! Höre mich auch mit deinen Augen: meine Stimme ist ein Heilmittel noch für Blindgeborne.
Und bist du erst wach, sollst du mir ewig wach bleiben. Nicht ist das meine Art, Urgrossmütter aus dem Schlafe wecken, dass ich sie heisse — weiterschlafen!
Du regst dich, dehnst dich, röchelst? Auf! Auf! Nicht röcheln — reden sollst du mir! Zarathustra ruft dich, der Gottlose!
Ich, Zarathustra, der Fürsprecher des Lebens, der Fürsprecher des Leidens, der Fürsprecher des Kreises — dich rufe ich, meinen abgründlichsten Gedanken!
Heil mir! Du kommst — ich höre dich! Mein Abgrund redet, meine letzte Tiefe habe ich an's Licht gestülpt!
Heil mir! Heran! Gieb die Hand — — ha! lass!
Haha! — — Ekel, Ekel, Ekel — — — wehe mir!
2 Kaum aber hatte Zarathustra diese Worte gesprochen, da stürzte er nieder gleich einem Todten und blieb lange wie ein Todter. Als er aber wieder zu sich kam, da war er bleich und zitterte und blieb liegen und wollte lange nicht essen noch trinken. Solches Wesen dauerte an ihm sieben Tage; seine Thiere verliessen ihn aber nicht bei Tag und Nacht, es sei denn, dass der Adler ausflog, Speise zu holen. Und was er holte und zusammenraubte, das legte er auf Zarathustra's Lager: also dass Zarathustra endlich unter gelben und rothen Beeren, Trauben, Rosenäpfeln, wohlriechendem Krautwerke und Pinien-Zapfen lag. Zu seinen Füssen aber waren zwei Lämmer gebreitet, welche der Adler mit Mühe ihren Hirten abgeraubt hatte.
Endlich, nach sieben Tagen, richtete sich Zarathustra auf seinem Lager auf, nahm einen Rosenapfel in die Hand, roch daran und fand seinen Geruch lieblich. Da glaubten seine Thiere, die Zeit sei gekommen, mit ihm zu reden.
„Oh Zarathustra, sagten sie, nun liegst du schon sieben Tage so, mit schweren Augen: willst du dich nicht endlich wieder auf deine Füsse stellen?
Tritt hinaus aus deiner Höhle: die Welt wartet dein wie ein Garten. Der Wind spielt mit schweren Wohlgerüchen, die zu dir wollen; und alle Bäche möchten dir nachlaufen.
Alle Dinge sehnen sich nach dir, dieweil du sieben Tage allein bliebst, — tritt hinaus aus deiner Höhle! Alle Dinge wollen deine Ärzte sein!
Kam wohl eine neue Erkenntniss zu dir, eine saure, schwere? Gleich angesäuertem Teige lagst du, deine Seele gieng auf und schwoll über alle ihre Ränder. —“
— Oh meine Thiere, antwortete Zarathustra, schwätzt also weiter und lasst mich zuhören! Es erquickt mich so, dass ihr schwätzt: wo geschwätzt wird, da liegt mir schon die Welt wie ein Garten.
Wie lieblich ist es, dass Worte und Töne da sind: sind nicht Worte und Töne Regenbogen und Schein-Brücken zwischen Ewig-Geschiedenem?
Zu jeder Seele gehört eine andre Welt; für jede Seele ist jede andre Seele eine Hinterwelt.
Zwischen dem Ähnlichsten gerade lügt der Schein am schönsten; denn die kleinste Kluft ist am schwersten zu überbrücken.
Für mich — wie gäbe es ein Ausser-mir? Es giebt kein Aussen! Aber das vergessen wir bei allen Tönen; wie lieblich ist es, dass wir vergessen!
Sind nicht den Dingen Namen und Töne geschenkt, dass der Mensch sich an den Dingen erquicke? Es ist eine schöne Narrethei, das Sprechen: damit tanzt der Mensch über alle Dinge.
Wie lieblich ist alles Reden und alle Lüge der Töne! Mit Tönen tanzt unsre Liebe auf bunten Regenbögen. —
— „Oh Zarathustra, sagten darauf die Thiere, Solchen, die denken wie wir, tanzen alle Dinge selber: das kommt und reicht sich die Hand und lacht und flieht — und kommt zurück.
Alles geht, Alles kommt zurück; ewig rollt das Rad des Seins. Alles stirbt, Alles blüht wieder auf, ewig läuft das Jahr des Seins.
Alles bricht, Alles wird neu gefügt; ewig baut sich das gleiche Haus des Seins. Alles scheidet, Alles grüsst sich wieder; ewig bleibt sich treu der Ring des Seins.
In jedem Nu beginnt das Sein; um jedes Hier rollt sich die Kugel Dort. Die Mitte ist überall. Krumm ist der Pfad der Ewigkeit.“ —
— Oh ihr Schalks-Narren und Drehorgeln! antwortete Zarathustra und lächelte wieder, wie gut wisst ihr, was sich in sieben Tagen erfüllen musste: —
— und wie jenes Unthier mir in den Schlund kroch und mich würgte! Aber ich biss ihm den Kopf ab und spie ihn weg von mir.
Und ihr, — ihr machtet schon ein Leier-Lied daraus? Nun aber liege ich da, müde noch von diesem Beissen und Wegspein, krank noch von der eigenen Erlösung.
Und ihr schautet dem Allen zu? Oh meine Thiere, seid auch ihr grausam? Habt ihr meinem grossen Schmerze zuschaun wollen, wie Menschen thun? Der Mensch nämlich ist das grausamste Thier.
Bei Trauerspielen, Stierkämpfen und Kreuzigungen ist es ihm bisher am wohlsten geworden auf Erden; und als er sich die Hölle erfand, siehe, da war das sein Himmel auf Erden.
Wenn der grosse Mensch schreit —: flugs läuft der kleine hinzu; und die Zunge hängt ihm aus dem Halse vor Lüsternheit. Er aber heisst es sein „Mitleiden.“
Der kleine Mensch, sonderlich der Dichter — wie eifrig klagt er das Leben in Worten an! Hört hin, aber überhört mir die Lust nicht, die in allem Anklagen ist!
Solche Ankläger des Lebens: die überwindet das Leben mit einem Augenblinzeln. „Du liebst mich? sagt die Freche; warte noch ein Wenig, noch habe ich für dich nicht Zeit.“
Der Mensch ist gegen sich selber das grausamste Thier; und bei Allem, was sich „Sünder“ und „Kreuzträger“ und „Büsser“ heisst, überhört mir die Wollust nicht, die in diesem Klagen und Anklagen ist!
Und ich selber — will ich damit des Menschen Ankläger sein? Ach, meine Thiere, Das allein lernte ich bisher, dass dem Menschen sein Bösestes nöthig ist zu seinem Besten, —
— dass alles Böseste seine beste Kraft ist und der härteste Stein dem höchsten Schaffenden; und dass der Mensch besser und böser werden muss: — Nicht an diess Marterholz war ich geheftet, dass ich weiss: der Mensch ist böse, — sondern ich schrie, wie noch Niemand geschrien hat:
„Ach dass sein Bösestes so gar klein ist! Ach dass sein Bestes so gar klein ist!“
Der grosse Überdruss am Menschen — der würgte mich und war mir in den Schlund gekrochen: und was der Wahrsager wahrsagte: „Alles ist gleich, es lohnt sich Nichts, Wissen würgt.“
Eine lange Dämmerung hinkte vor mir her, eine todesmüde, todestrunkene Traurigkeit, welche mit gähnendem Munde redete.
„Ewig kehrt er wieder, der Mensch, dess du müde bist, der kleine Mensch“ — so gähnte meine Traurigkeit und schleppte den Fuss und konnte nicht einschlafen.
Zur Höhle wandelte sich mir die Menschen-Erde, ihre Brust sank hinein, alles Lebendige ward mir Menschen-Moder und Knochen und morsche Vergangenheit.
Mein Seufzen sass auf allen Menschen-Gräbern und konnte nicht mehr aufstehn; mein Seufzen und Fragen unkte und würgte und nagte und klagte bei Tag und Nacht:
— „ach, der Mensch kehrt ewig wieder! Der kleine Mensch kehrt ewig wieder! “ —
Nackt hatte ich einst Beide gesehn, den grössten Menschen und den kleinsten Menschen: allzuähnlich einander, — allzumenschlich auch den Grössten noch!
Allzuklein der Grösste! — Das war mein Überdruss am Menschen! Und ewige Wiederkunft auch des Kleinsten! — Das war mein Überdruss an allem Dasein!
Ach, Ekel! Ekel! Ekel! — — Also sprach Zarathustra und seufzte und schauderte; denn er erinnerte sich seiner Krankheit. Da liessen ihn aber seine Thiere nicht weiter reden.
„Sprich nicht weiter, du Genesender! — so antworteten ihm seine Thiere, sondern geh hinaus, wo die Welt auf dich wartet gleich einem Garten.
Geh hinaus zu den Rosen und Bienen und Taubenschwärmen! Sonderlich aber zu den Singe-Vögeln: dass du ihnen das Singen ablernst!
Singen nämlich ist für Genesende; der Gesunde mag reden. Und wenn auch der Gesunde Lieder will, will er andre Lieder doch als der Genesende.“
— „Oh ihr Schalks-Narren und Drehorgeln, so schweigt doch! — antwortete Zarathustra und lächelte über seine Thiere. Wie gut ihr wisst, welchen Trost ich mir selber in sieben Tagen erfand!
Dass ich wieder singen müsse, — den Trost erfand ich mir und diese Genesung: wollt ihr auch daraus gleich wieder ein Leier-Lied machen?“
— „Sprich nicht weiter, antworteten ihm abermals seine Thiere; lieber noch, du Genesender, mache dir erst eine Leier zurecht, eine neue Leier!
Denn siehe doch, oh Zarathustra! Zu deinen neuen Liedern bedarf es neuer Leiern.
Singe und brause über, oh Zarathustra, heile mit neuen Liedern deine Seele: dass du dein grosses Schicksal tragest, das noch keines Menschen Schicksal war!
Denn deine Thiere wissen es wohl, oh Zarathustra, wer du bist und werden musst: siehe, du bist der Lehrer der ewigen Wiederkunft —, das ist nun dein Schicksal!
Dass du als der Erste diese Lehre lehren musst, — wie sollte diess grosse Schicksal nicht auch deine grösste Gefahr und Krankheit sein!
Siehe, wir wissen, was du lehrst: dass alle Dinge ewig wiederkehren und wir selber mit, und dass wir schon ewige Male dagewesen sind, und alle Dinge mit uns.
Du lehrst, dass es ein grosses Jahr des Werdens giebt, ein Ungeheuer von grossem Jahre: das muss sich, einer Sanduhr gleich, immer wieder von Neuem umdrehn, damit es von Neuem ablaufe und auslaufe: —
— so dass alle diese Jahre sich selber gleich sind, im Grössten und auch im Kleinsten, — so dass wir selber in jedem grossen Jahre uns selber gleich sind, im Grössten und auch im Kleinsten.
Und wenn du jetzt sterben wolltest, oh Zarathustra: siehe, wir wissen auch, wie du da zu dir sprechen würdest: — aber deine Thiere bitten dich, dass du noch nicht sterbest!
Du würdest sprechen und ohne Zittern, vielmehr aufathmend vor Seligkeit: denn eine grosse Schwere und Schwüle wäre von dir genommen, du Geduldigster! —
„Nun sterbe und schwinde ich, würdest du sprechen, und im Nu bin ich ein Nichts. Die Seelen sind so sterblich wie die Leiber.
Aber der Knoten von Ursachen kehrt wieder, in den ich verschlungen bin, — der wird mich wieder schaffen! Ich selber gehöre zu den Ursachen der ewigen Wiederkunft.
Ich komme wieder, mit dieser Sonne, mit dieser Erde, mit diesem Adler, mit dieser Schlange — nicht zu einem neuen Leben oder besseren Leben oder ähnlichen Leben:
— ich komme ewig wieder zu diesem gleichen und selbigen Leben, im Grössten und auch im Kleinsten, dass ich wieder aller Dinge ewige Wiederkunft lehre, —
— dass ich wieder das Wort spreche vom grossen Erden- und Menschen-Mittage, dass ich wieder den Menschen den Übermenschen künde.
Ich sprach mein Wort, ich zerbreche an meinem Wort: so will es mein ewiges Loos —, als Verkündiger gehe ich zu Grunde!
Die Stunde kam nun, dass der Untergehende sich selber segnet. Also — endet Zarathustra's Untergang.“ — —
Als die Thiere diese Worte gesprochen hatten, schwiegen sie und warteten, dass Zarathustra Etwas zu ihnen sagen werde: aber Zarathustra hörte nicht, dass sie schwiegen. Vielmehr lag er still, mit geschlossenen Augen, einem Schlafenden ähnlich, ob er schon nicht schlief: denn er unterredete sich eben mit seiner Seele. Die Schlange aber und der Adler, als sie ihn solchermaassen schweigsam fanden, ehrten die grosse Stille um ihn und machten sich behutsam davon.
Von der grossen Sehnsucht.
Oh meine Seele, ich lehrte dich „Heute“ sagen wie „Einst“ und „Ehemals“ und über alles Hier und Da und Dort deinen Reigen hinweg tanzen.
Oh meine Seele, ich erlöste dich von allen Winkeln, ich kehrte Staub, Spinnen und Zwielicht von dir ab.
Oh meine Seele, ich wusch die kleine Scham und die Winkel-Tugend von dir ab und überredete dich nackt vor den Augen der Sonne zu stehn.
Mit dem Sturme, welcher „Geist“ heisst, blies ich über deine wogende See; alle Wolken blies ich davon, ich erwürgte selbst die Würgerin, die „Sünde“ heisst.
Oh meine Seele, ich gab dir das Recht, Nein zu sagen wie der Sturm und Ja zu sagen wie offner Himmel Ja sagt: still wie Licht stehst du und gehst du nun durch verneinende Stürme.
Oh meine Seele, ich gab dir die Freiheit zurück über Erschaffnes und Unerschaffnes: und wer kennt, wie du sie kennst, die Wollust des Zukünftigen?
Oh meine Seele, ich lehrte dich das Verachten, das nicht wie ein Wurmfrass kommt, das grosse, das liebende Verachten, welches am meisten liebt, wo es am meisten verachtet.
Oh meine Seele, ich lehrte dich so überreden, dass du zu dir die Gründe selber überredest: der Sonne gleich, die das Meer noch zu seiner Höhe überredet.
Oh meine Seele, ich nahm von dir alles Gehorchen, Kniebeugen und Herr-Sagen; ich gab dir selber den Namen „Wende der Noth“ und „Schicksal“.
Oh meine Seele, ich gab dir neue Namen und bunte Spielwerke, ich hiess dich „Schicksal“ und „Umfang der Umfänge“ und „Nabelschnur der Zeit“ und „azurne Glocke“.
Oh meine Seele, deinem Erdreich gab ich alle Weisheit zu trinken, alle neuen Weine und auch alle unvordenklich alten starken Weine der Weisheit.
Oh meine Seele, jede Sonne goss ich auf dich und jede Nacht und jedes Schweigen und jede Sehnsucht: — da wuchsest du mir auf wie ein Weinstock.
Oh meine Seele, überreich und schwer stehst du nun da, ein Weinstock mit schwellenden Eutern und gedrängten braunen Gold-Weintrauben: —
— gedrängt und gedrückt von deinem Glücke wartend vor Überflusse und schamhaft noch ob deines Wartens.
Oh meine Seele, es giebt nun nirgends eine Seele die liebender wäre und umfangender und umfänglicher! Wo wäre Zukunft und Vergangnes näher beisammen als bei dir?
Oh meine Seele, ich gab dir Alles, und alle meine Hände sind an dich leer geworden: — und nun! Nun sagst du mir lächelnd und voll Schwermuth: „Wer von uns hat zu danken? —
— hat der Geber nicht zu danken, dass der Nehmende nahm? Ist Schenken nicht eine Nothdurft? Ist Nehmen nicht — Erbarmen?“ —
Oh meine Seele, ich verstehe das Lächeln deiner Schwermuth: dein Über-Reichthum selber streckt nun sehnende Hände aus!
Deine Fülle blickt über brausende Meere hin und sucht und wartet; die Sehnsucht der Über-Fülle blickt aus deinem lächelnden Augen-Himmel!
Und wahrlich, oh meine Seele! Wer sähe dein Lächeln und schmölze nicht vor Thränen? Die Engel selber schmelzen vor Thränen ob der Über-Güte deines Lächelns.
Deine Güte und Über-Güte ist es, die nicht klagen und weinen will: und doch sehnt sich, oh meine Seele, dein Lächeln nach Thränen und dein zitternder Mund nach Schluchzen.
„Ist alles Weinen nicht ein Klagen? Und alles Klagen nicht ein Anklagen?“ Also redest du zu dir selber, und darum willst du, oh meine Seele, lieber lächeln, als dein Leid ausschütten
— in stürzende Thränen ausschütten all dein Leid über deine Fülle und über all die Drängniss des Weinstocks nach Winzer und Winzermesser!
Aber willst du nicht weinen, nicht ausweinen deine purpurne Schwermuth, so wirst du singen müssen, oh meine Seele! — Siehe, ich lächle selber, der ich dir solches vorhersage:
— singen, mit brausendem Gesange, bis alle Meere still werden, dass sie deiner Sehnsucht zuhorchen, —
— bis über stille sehnsüchtige Meere der Nachen schwebt, das güldene Wunder, um dessen Gold alle guten schlimmen wunderlichen Dinge hüpfen: —
— auch vieles grosse und kleine Gethier und Alles, was leichte wunderliche Füsse hat, dass es auf veilchenblauen Pfaden laufen kann, —
— hin zu dem güldenen Wunder, dem freiwilligen Nachen und zu seinem Herrn: das aber ist der Winzer, der mit diamantenem Winzermesser wartet, —
— dein grosser Löser, oh meine Seele, der Namenlose — — dem zukünftige Gesänge erst Namen finden! Und wahrlich, schon duftet dein Athem nach zukünftigen Gesängen, —
— schon glühst du und träumst, schon trinkst du durstig an allen tiefen klingenden Trost-Brunnen, schon ruht deine Schwermuth in der Seligkeit zukünftiger Gesänge! — —
Oh meine Seele, nun gab ich dir Alles und auch mein Letztes, und alle meine Hände sind an dich leer geworden: — dass ich dich singen hiess, siehe, das war mein Letztes!
Dass ich dich singen hiess, sprich nun, sprich: wer von uns hat jetzt — zu danken? — Besser aber noch: singe mir, singe, oh meine Seele! Und mich lass danken! —
Also sprach Zarathustra.
Das andere Tanzlied.
1 „In dein Auge schaute ich jüngst, oh Leben: Gold sah ich in deinem Nacht-Auge blinken, — mein Herz stand still vor dieser Wollust:
— einen goldenen Kahn sah ich blinken auf nächtigen Gewässern, einen sinkenden, trinkenden, wieder winkenden goldenen Schaukel-Kahn!
Nach meinem Fusse, dem tanzwüthigen, warfst du einen Blick, einen lachenden fragenden schmelzenden Schaukel-Blick:
Zwei Mal nur regtest du deine Klapper mit kleinen Händen — da schaukelte schon mein Fuss vor Tanz-Wuth. —
Meine Fersen bäumten sich, meine Zehen horchten, dich zu verstehen: trägt doch der Tänzer sein Ohr — in seinen Zehen!
Zu dir hin sprang ich: da flohst du zurück vor meinem Sprunge; und gegen mich züngelte deines fliehenden fliegenden Haars Zunge!
Von dir weg sprang ich und von deinen Schlangen: da standst du schon, halbgewandt, das Auge voll Verlangen.
Mit krummen Blicken — lehrst du mich krumme Bahnen; auf krummen Bahnen lernt mein Fuss — Tücken!
Ich fürchte dich Nahe, ich liebe dich Ferne; deine Flucht lockt mich, dein Suchen stockt mich: — ich leide, aber was litt ich um dich nicht gerne!
Deren Kälte zündet, deren Hass verführt, deren Flucht bindet, deren Spott — rührt:
— wer hasste dich nicht, dich grosse Binderin, Umwinderin, Versucherin, Sucherin, Finderin! Wer liebte dich nicht, dich unschuldige, ungeduldige, windseilige, kindsäugige Sünderin!
Wohin ziehst du mich jetzt, du Ausbund und Un-band? Und jetzt fliehst du mich wieder, du süsser Wildfang und Undank!
Ich tanze dir nach, ich folge dir auch auf geringer Spur. Wo bist du? Gieb mir die Hand! Oder einen Finger nur!
Hier sind Höhlen und Dickichte: wir werden uns verirren! — Halt! Steh still! Siehst du nicht Eulen und Fledermäuse schwirren?
Du Eule! Du Fledermaus! Du willst mich äffen? Wo sind wir? Von den Hunden lerntest du diess Heulen und Kläffen.
Du fletschest mich lieblich an mit weissen Zähnlein, deine bösen Augen springen gegen mich aus lockichtem Mähnlein!
Das ist ein Tanz über Stock und Stein: ich bin der Jäger, — willst du mein Hund oder meine Gemse sein?
Jetzt neben mir! Und geschwind, du boshafte Springerin! Jetzt hinauf! Und hinüber! — Wehe! Da fiel ich selber im Springen hin!
Oh sieh mich liegen, du Übermuth, und um Gnade flehn! Gerne möchte ich mit dir — lieblichere Pfade gehn!
— der Liebe Pfade durch stille bunte Büsche! Oder dort den See entlang: da schwimmen und tanzen Goldfische!
Du bist jetzt müde? Da drüben sind Schafe und Abendröthen: ist es nicht schön, zu schlafen, wenn Schäfer flöten?
Du bist so arg müde? Ich trage dich hin, lass nur die Arme sinken! Und hast du Durst, — ich hätte wohl Etwas, aber dein Mund will es nicht trinken! —
— Oh diese verfluchte flinke gelenke Schlange und Schlupf-Hexe! Wo bist du hin? Aber im Gesicht fühle ich von deiner Hand zwei Tupfen und rothe Klexe!
Ich bin es wahrlich müde, immer dein schafichter Schäfer zu sein! Du Hexe, habe ich dir bisher gesungen, nun sollst du mir — schrein!
Nach dem Takt meiner Peitsche sollst du mir tanzen und schrein! Ich vergass doch die Peitsche nicht? — Nein!“ —
2 Da antwortete mir das Leben also und hielt sich dabei die zierlichen Ohren zu:
„Oh Zarathustra! Klatsche doch nicht so fürchterlich mit deiner Peitsche! Du weisst es ja: Lärm mordet Gedanken, — und eben kommen mir so zärtliche Gedanken.
Wir sind Beide zwei rechte Thunichtgute und Thunichtböse. Jenseits von Gut und Böse fanden wir unser Eiland und unsre grüne Wiese — wir Zwei allein! Darum müssen wir schon einander gut sein!
Und lieben wir uns auch nicht von Grund aus —‚ muss man sich denn gram sein, wenn man sich nicht von Grund aus liebt?
Und dass ich dir gut bin und oft zu gut, Das weisst du: und der Grund ist, dass ich auf deine Weisheit eifersüchtig bin. Ah, diese tolle alte Närrin von Weisheit!
Wenn dir deine Weisheit einmal davonliefe, ach! da liefe dir schnell auch meine Liebe noch davon.“ —
Darauf blickte das Leben nachdenklich hinter sich und um sich und sagte leise: „Oh Zarathustra, du bist mir nicht treu genug!
Du liebst mich lange nicht so sehr wie du redest; ich weiss, du denkst daran, dass du mich bald verlassen willst.
Es giebt eine alte schwere schwere Brumm-Glocke: die brummt Nachts bis zu deiner Höhle hinauf: —
— hörst du diese Glocke Mitternachts die Stunde schlagen, so denkst du zwischen Eins und Zwölf daran —
— du denkst daran, oh Zarathustra, ich weiss es, dass du mich bald verlassen willst!“
„Ja, antwortete ich zögernd, aber du weisst es auch —“ Und ich sagte ihr Etwas in's Ohr, mitten hinein zwischen ihre verwirrten gelben thörichten Haar-Zotteln.
Du weisst Das, oh Zarathustra? Das weiss Niemand. — —
Und wir sahen uns an und blickten auf die grüne Wiese, über welche eben der kühle Abend lief; und weinten mit einander. — Damals aber war mir das Leben lieber, als je alle meine Weisheit. —
Also sprach Zarathustra.
3 Eins!Oh Mensch! Gieb Acht!
Zwei!Was spricht die tiefe Mitternacht?
Drei!„Ich schlief, ich schlief —,
Vier!„Aus tiefem Traum bin ich erwacht: —
Fünf!„Die Welt ist tief,
Sechs!„Und tiefer als der Tag gedacht.
Sieben!„Tief ist ihr Weh —,
Acht!„Lust — tiefer noch als Herzeleid:
Neun!„Weh spricht: Vergeh!
Zehn!„Doch alle Lust will Ewigkeit —,
Elf!„— will tiefe, tiefe Ewigkeit!
Zwölf!
Die sieben Siegel.
(Oder: das Ja- und Amen-Lied.)
1 Wenn ich ein Wahrsager bin und voll jenes wahrsagerischen Geistes, der auf hohem Joche zwischen zwei Meeren wandelt, —
zwischen Vergangenem und Zukünftigem als schwere Wolke wandelt, — schwülen Niederungen feind und Allem, was müde ist und nicht sterben, noch leben kann:
zum Blitze bereit im dunklen Busen und zum erlösenden Lichtstrahle, schwanger von Blitzen, die Ja! sagen, Ja! lachen, zu wahrsagerischen Blitzstrahlen: —
— selig aber ist der also Schwangere! Und wahrlich, lange muss als schweres Wetter am Berge hängen, wer einst das Licht der Zukunft zünden soll! —
oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, — dem Ring der Wiederkunft!
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, es sei denn dieses Weib, das ich liebe: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
2 Wenn mein Zorn je Gräber brach, Grenzsteine rückte und alte Tafeln zerbrochen in steile Tiefen rollte:
Wenn mein Hohn je vermoderte Worte zerblies, und ich wie ein Besen kam den Kreuzspinnen und als Fegewind alten verdumpften Grabkammern:
Wenn ich je frohlockend sass, wo alte Götter begraben liegen, weltsegnend, weltliebend neben den Denkmalen alter Welt -Verleumder: —
— denn selbst Kirchen und Gottes-Gräber liebe ich, wenn der Himmel erst reinen Auges durch ihre zerbrochenen Decken blickt; gern sitze ich gleich Gras und rothem Mohne auf zerbrochnen Kirchen — Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, — dem Ring der Wiederkunft?
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, es sei denn dieses Weib, das ich liebe: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
3 Wenn je ein Hauch zu mir kam vom schöpferischen Hauche und von jener himmlischen Noth, die noch Zufälle zwingt, Sternen-Reigen zu tanzen:
Wenn ich je mit dem Lachen des schöpferischen Blitzes lachte, dem der lange Donner der That grollend, aber gehorsam nachfolgt: Wenn ich je am Göttertisch der Erde mit Göttern Würfel spielte, dass die Erde bebte und brach und Feuerflüsse heraufschnob: —
— denn ein Göttertisch ist die Erde, und zitternd von schöpferischen neuen Worten und Götter-Würfen: —
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, — dem Ring der Wiederkunft?
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, es sei denn dieses Weib, das ich liebe: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
4 Wenn ich je vollen Zuges trank aus jenem schäumenden Würz- und Mischkruge, in dem alle Dinge gut gemischt sind:
Wenn meine Hand je Fernstes zum Nächsten goss und Feuer zu Geist und Lust zu Leid und Schlimmstes zum Gütigsten:
Wenn ich selber ein Korn bin von jenem erlösenden Salze, welches macht, dass alle Dinge im Mischkruge gut sich mischen: —
— denn es giebt ein Salz, das Gutes mit Bösem bindet; und auch das Böseste ist zum Würzen würdig und zum letzten Überschäumen: —
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, — dem Ring der Wiederkunft?
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, es sei denn dieses Weib, das ich liebe: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
5 Wenn ich dem Meere hold bin und Allem, was Meeres-Art ist, und am holdesten noch, wenn es mir zornig widerspricht:
Wenn jene suchende Lust in mir ist, die nach Unentdecktem die Segel treibt, wenn eine Seefahrer-Lust in meiner Lust ist:
Wenn je mein Frohlocken rief: „die Küste schwand, — nun fiel mir die letzte Kette ab —
— das Grenzenlose braust um mich, weit hinaus glänzt mir Raum und Zeit, wohlan! wohlauf! altes Herz!“ —
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, — dem Ring der Wiederkunft?
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, es sei denn dieses Weib, das ich liebe: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
6 Wenn meine Tugend eines Tänzers Tugend ist, und ich oft mit beiden Füssen in gold-smaragdenes Entzücken sprang: Wenn meine Bosheit eine lachende Bosheit ist, heimisch unter Rosenhängen und Lilien-Hecken:
— im Lachen nämlich ist alles Böse bei einander, aber heilig- und losgesprochen durch seine eigne Seligkeit: —
Und wenn Das mein A und O ist, dass alles Schwere leicht, aller Leib Tänzer, aller Geist Vogel werde: und wahrlich, Das ist mein A und O! —
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, — dem Ring der Wiederkunft!
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, es sei denn dieses Weib, das ich liebe: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
7 Wenn ich je stille Himmel über mir ausspannte und mit eignen Flügeln in eigne Himmel flog:
Wenn ich spielend in tiefen Licht-Fernen schwamm, und meiner Freiheit Vogel-Weisheit kam: —
— so aber spricht Vogel-Weisheit: „Siehe, es giebt kein Oben, kein Unten! Wirf dich umher, hinaus, zurück, du Leichter! Singe! sprich nicht mehr!
— „sind alle Worte nicht für die Schweren gemacht? Lügen dem Leichten nicht alle Worte! Singe! sprich nicht mehr!“ —
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, — dem Ring der Wiederkunft?
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, es sei denn dieses Weib, das ich liebe: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Third Part
“You look upward when you long to be uplifted. And I look down, because I am uplifted.
“Which of you can laugh and be uplifted at once?
“Whoever climbs the highest mountains laughs at all tragic plays and tragic solemnity.”
Zarathustra, On Reading and Writing. (I. p. 53.)
The Wanderer
It was around midnight when Zarathustra took the path across the island’s ridge, to reach the other shore early in the morning: there he meant to board a ship. A good anchorage lay there, where foreign ships too gladly dropped anchor; they took many aboard who wished to sail from the blissful islands. As Zarathustra climbed the mountain, he remembered his many solitary wanderings since youth, and how many mountains and ridges and summits he had climbed.
“I am a wanderer and a mountain climber,” he said to his heart. “I do not love plains, and it seems I cannot sit still for long.
“And whatever now comes to me as fate and experience, there will be wandering and mountain climbing in it: in the end one experiences only oneself.
“The time has flowed away when accidents might still befall me; and what could fall to me now that was not already mine?
“Only my own self returns; at last it comes home to me, with whatever of it was long abroad, scattered among all things and accidents.
“And one more thing I know: I stand now before my last summit and what has been held back for me longest. Ah, I must climb my hardest path! Ah, I have begun my loneliest wandering!
“But whoever is of my kind does not escape such an hour, the hour that says, ‘Only now do you follow your way to greatness! Summit and abyss are now joined in one!
“‘You follow your way to greatness: now what was your final danger has become your final refuge!
“‘You follow your way to greatness: let this now be your best courage—that there is no longer any path behind you!
“‘You follow your way to greatness: no one shall steal after you here! Your own foot erased the path behind you, and above it is written: Impossibility.
“‘And if you now lack every ladder, you must know how to climb even upon your own head: how else could you climb upward?
“‘Upon your own head and beyond your own heart! Now even your gentlest part must become your hardest.
“‘Whoever has always spared himself much grows sick at last from too much sparing. Praised be what makes hard! I do not praise the land where butter and honey flow!
“‘One must learn to look away from oneself to see much: every mountain climber needs this hardness.
“‘But whoever is intrusive with his eyes as a knower—how could he see more of things than their foregrounds?
“‘But you, Zarathustra, wanted to see the ground and background of all things: so you must climb beyond yourself—upward, higher, until even your stars lie beneath you!
“‘Yes! To look down upon myself and even upon my stars: that alone would I call my summit; that remained for me as my last summit!’”—
Thus Zarathustra spoke to himself as he climbed, comforting his heart with hard little sayings: for his heart was wounded as never before. When he reached the top of the ridge, the other sea lay spread before him; he stood still and remained silent a long time. Night was cold at that height, clear and bright with stars.
“I recognize my lot,” he said sadly at last. “Well! I am ready. My final solitude has just begun.
“Ah, this black, sad sea beneath me! Ah, this pregnant, nocturnal gloom! Ah, fate and sea! To you I must now descend!
“I stand before my highest mountain and my longest wandering: that is why I must first descend deeper than I have ever climbed—
“Deeper into pain than I have ever climbed, into its blackest flood! So my fate wills: well! I am ready.
“Where do the highest mountains come from? I once asked. Then I learned that they come from the sea.
“This testimony is written in their rock and upon the walls of their summits. From the deepest, the highest must come to its height.”—
Thus Zarathustra spoke upon the cold mountain peak. But when he approached the sea and at last stood alone among the cliffs, the journey had wearied him and made him more full of longing than before.
“Everything still sleeps now,” he said. “The sea sleeps too. Sleep-drunk and strange, its eye looks toward me.
“But it breathes warmly; I feel that. And I feel it dreaming too. Dreaming, it twists upon hard pillows.
“Listen! Listen! How it groans with evil memories! Or evil expectations?
“Ah, I am sad with you, dark monster, and angry with myself for your sake.
“Ah, that my hand is not strong enough! Truly, how gladly I would deliver you from bad dreams!”—
As Zarathustra spoke, he laughed at himself with melancholy and bitterness. “What, Zarathustra!” he said. “Do you mean to sing comfort even to the sea?
“Ah, you loving fool Zarathustra, you over-blessed with trust! But so you have always been: you always approached everything terrible with familiarity.
“You wanted to stroke every monster. A breath of warm air, a little soft shag upon a paw—and immediately you were ready to love and coax it.
“Love is the danger of the loneliest, love for everything if only it lives! Truly, my folly and modesty in love deserve laughter!”—
Thus Zarathustra spoke and laughed a second time. But then he remembered the friends he had left, and as though he had wronged them with his thoughts, he grew angry at those thoughts. And suddenly the laughing man wept: in anger and longing Zarathustra wept bitterly.
On the Vision and the Riddle
1 When word spread among the sailors that Zarathustra was aboard—for a man from the blissful islands had boarded with him—great curiosity and expectation arose. But Zarathustra was silent for two days, cold and deaf with sadness, answering neither looks nor questions. On the evening of the second day he opened his ears again, though he still said nothing: for much strange and dangerous could be heard aboard this ship, which came from far away and meant to travel farther. Zarathustra was a friend of all who make long journeys and do not wish to live without danger. And at last, through listening, his own tongue loosened and his heart’s ice broke: then he began to speak:
“To you, bold seekers and experimenters, and whoever has embarked with cunning sails upon terrible seas—
“To you, drunk with riddles and glad of twilight, whose souls are lured by flutes into every bewildering gulf—for you will not feel with cowardly hands along a thread, and where you can divine, you hate to deduce—
“To you alone I tell the riddle I saw, the vision of the loneliest.—
“Gloomily I walked lately through corpse-colored twilight, gloomy and hard, with lips pressed tight. More than one sun had set for me.
“A defiant path climbing through rubble, a malicious, lonely path encouraged by neither herb nor shrub: a mountain path crunched beneath my foot’s defiance.
“Stepping silently over the mocking clatter of pebbles, crushing the stone that made it slip: thus my foot forced itself upward.
“Upward—in defiance of the spirit pulling it down, toward the abyss, the spirit of gravity, my devil and archenemy.
“Upward—even though he sat upon me, half dwarf, half mole; lame; laming; pouring lead through my ear, dripping leaden thoughts into my brain.
“‘Zarathustra,’ he whispered mockingly, syllable by syllable, ‘you philosopher’s stone! You hurled yourself high, but every stone that is thrown must—fall!
“‘Zarathustra, you philosopher’s stone, you sling stone, you shatterer of stars! You hurled yourself so high—but every thrown stone must fall!
“‘Condemned to yourself and to your own stoning: Zarathustra, you have indeed thrown the stone far—but upon you it will fall back!’
“Then the dwarf was silent for a long time. But his silence weighed upon me; and in such company of two one is truly lonelier than alone!
“I climbed, I climbed, I dreamed, I thought—but everything weighed upon me. I was like a sick man wearied by his cruel torment, whom a worse dream wakes again from falling asleep.—
“But something within me I call courage: until now it has struck down every discouragement. At last this courage bade me stand still and speak: ‘Dwarf! You! Or I!’—
“For courage is the best killer, courage that attacks: for in every attack there is ringing music.
“But the human being is the most courageous animal: thus it overcame every animal. With ringing music it overcame every pain as well; but human pain is the deepest pain.
“Courage also kills dizziness at abysses: and where does the human being not stand at abysses? Is seeing not itself—seeing abysses?
“Courage is the best killer: courage kills pity too. But pity is the deepest abyss: as deeply as humanity looks into life, so deeply it looks into suffering.
“But courage is the best killer, courage that attacks: it kills even death, for it says, ‘Was that life? Well then! Once more!’
“But in such a saying there is much ringing music. Whoever has ears, let them hear.—
2 “‘Stop, dwarf!’ I said. ‘I! Or you! But I am the stronger of us two: you do not know my abyssal thought! That you could not bear!’—
“Then something happened that made me lighter: the dwarf sprang from my shoulder, the curious one! He crouched upon a stone before me. A gateway stood precisely where we had stopped.
“‘Look at this gateway, dwarf!’ I continued. ‘It has two faces. Two paths meet here: no one has yet followed either to its end.
“‘This long lane backward lasts an eternity. And that long lane outward is another eternity.
“‘These paths contradict one another; they collide head-on—and here at this gateway they meet. The gateway’s name is written above: “Moment.”
“‘But if someone followed one of them onward, ever onward and farther away, do you believe, dwarf, these paths would contradict one another eternally?’—
“‘Everything straight lies,’ the dwarf murmured contemptuously. ‘All truth is crooked; time itself is a circle.’
“‘You spirit of gravity!’ I said angrily. ‘Do not make it too easy for yourself! Or I will leave you crouching where you crouch, clubfoot—and I carried you high!
“‘Look,’ I continued, ‘at this moment! From this gateway Moment a long eternal lane runs backward: behind us lies an eternity.
“‘Must not everything that can run have already run along this lane once? Must not everything that can happen have already happened, been done, passed by?
“‘And if everything has already been here: what do you think of this moment, dwarf? Must this gateway too not already have been here?
“‘And are all things not so firmly knotted that this moment draws all things to come after it? Therefore—itself as well?
“‘For everything that can run must also run once more outward along this long lane—it must!—
“‘And this slow spider creeping in the moonlight, and this moonlight itself, and I and you at the gateway, whispering together of eternal things—must we not all have been here already?
“‘And return and run in that other lane, outward, before us, in this long dreadful lane—must we not return eternally?’—
“So I spoke, ever more softly: for I feared my own thoughts and hidden thoughts. Then suddenly I heard a dog howling nearby.
“Had I ever heard a dog howl like that? My thought ran backward. Yes! When I was a child, in earliest childhood—
“Then I heard a dog howl like that. And saw it too, bristling, head raised, trembling in the stillest midnight, when even dogs believe in ghosts—
“So that I pitied it. For the full moon had just passed over the house in deathly silence, had just stopped, a round glow, still upon the flat roof as though upon someone else’s property—
“That was what terrified the dog then: for dogs believe in thieves and ghosts. And when I heard such howling again, I pitied it again.
“Where was the dwarf now? And the gateway? And the spider? And all the whispering? Was I dreaming? Had I awoken? Suddenly I stood among wild cliffs, alone, desolate, in the most desolate moonlight.
“But there lay a human being! And there! The dog, leaping, bristling, whining—now it saw me coming, now it howled again, now it screamed: had I ever heard a dog scream so for help?
“And truly, what I saw was like nothing I had ever seen. I saw a young shepherd writhing, choking, convulsing, his face distorted, with a heavy black serpent hanging from his mouth.
“Had I ever seen so much disgust and pale horror upon one face? Had he been asleep? Then the serpent had crawled into his throat and bitten fast.
“My hand tugged and tugged at the serpent—in vain! It could not wrench the serpent from his throat. Then a cry broke from me: ‘Bite! Bite!
“‘Bite its head off! Bite!’ So the cry broke from me; my horror, my hatred, my disgust, my pity, all my good and bad cried out of me in one cry.—
“You bold ones around me! You seekers, experimenters, and those who have embarked with cunning sails upon unexplored seas! You who delight in riddles!
“Divine for me the riddle I saw then; interpret for me the vision of the loneliest!
“For it was a vision and a foreseeing: what did I see then in an image? And who is the one who must yet come?
“Who is the shepherd into whose throat the serpent crawled? Who is the human being into whose throat everything heaviest and blackest will crawl?
“But the shepherd bit as my cry counseled him; he bit with a good bite! Far away he spat the serpent’s head—and sprang up.—
“No longer shepherd, no longer human—a transformed one, surrounded by light, who laughed! Never yet on earth had a human being laughed as he laughed!
“Oh, my brothers, I heard a laughter that was no human laughter—and now a thirst gnaws at me, a longing that is never stilled.
“My longing for this laughter gnaws at me: oh, how do I bear living on? And how could I bear dying now?”—
Thus spoke Zarathustra.
On Blessedness against the Will
With such riddles and bitterness in his heart, Zarathustra traveled over the sea. But when he was four days’ journey from the blissful islands and his friends, he had overcome all his pain: victorious and sure-footed, he stood upon his fate again. Then Zarathustra spoke to his rejoicing conscience:
“I am alone again, and wish to be, alone with clear sky and free sea; and once again afternoon surrounds me.
“In the afternoon I first found my friends, and in the afternoon a second time—at the hour when all light grows stiller.
“For whatever happiness still travels between heaven and earth now seeks a bright soul for shelter: with happiness all light has now grown stiller.
“Oh, afternoon of my life! Once my happiness too descended into the valley to seek shelter: there it found these open, hospitable souls.
“Oh, afternoon of my life! What did I not give up to have this one thing: this living plantation of my thoughts and this morning light of my highest hope!
“Once the creator sought companions and children of his hope: and it turned out that he could not find them unless he first created them himself.
“Thus I am in the midst of my work, going to my children and returning from them: for his children’s sake Zarathustra must perfect himself.
“For at heart one loves only one’s child and work; and where there is great self-love, it is the sign of pregnancy: so I found.
“My children still stand green in their first spring, close together and shaken by the winds together, the trees of my garden and finest soil.
“And truly! Where such trees stand together, there are blissful islands!
“But one day I will transplant them and set each alone, so that it learns solitude and defiance and caution.
“Knotted and twisted, with supple hardness, each shall then stand beside the sea for me, a living lighthouse of unconquerable life.
“There, where storms plunge into the sea and the mountain’s trunk drinks water, each shall one day keep its day and night watches, for its own testing and knowledge.
“Each shall be known and tested: whether it is of my kind and descent, master of a long will, silent even in speaking, and yielding in such a way that in giving it takes—
“So that one day it becomes my companion, a fellow creator and celebrant with Zarathustra, one who writes my will upon my tablets for me, toward the fuller perfection of all things.
“And for its sake and its like, I myself must perfect myself: that is why I now avoid my happiness and offer myself to every misfortune—for my final testing and knowledge.
“And truly, it was time to go: the wanderer’s shadow, the longest boredom, and the stillest hour all urged me, ‘It is high time!’
“The wind blew through my keyhole and said, ‘Come!’ The door sprang cunningly open and said, ‘Go!’
“But I lay chained to love of my children: desire laid this snare for me, the desire for love, so that I became my children’s prey and lost myself to them.
“Desiring already means to me having lost myself. I have you, my children! In this having let everything be certainty and nothing desire.
“But the sun of my love lay brooding upon me; Zarathustra cooked in his own juices—then shadows and doubts flew over me.
“Already I longed for frost and winter: ‘Oh, if frost and winter would make me crack and crunch again!’ I sighed. Then icy mists rose from me.
“My past broke open its graves; many a pain buried alive awoke—it had merely slept its fill, hidden in burial clothes.
“Thus everything cried to me in signs, ‘It is time!’ But I did not hear, until at last my abyss stirred and my thought bit me.
“Ah, abyssal thought, you who are my thought! When shall I find the strength to hear you digging and tremble no more?
“My heart pounds up to my throat when I hear you digging! Even your silence threatens to choke me, you abyssally silent one!
“I have never yet dared to call you up: enough that I carried you with me! I was not yet strong enough for the lion’s final high spirits and daring.
“Your weight has always been terrible enough for me: but one day I shall find the strength and the lion’s voice that calls you up!
“Once I have overcome myself in this, I will overcome myself in greater things as well; and a victory shall be the seal of my perfection!—
“Meanwhile I still drift upon uncertain seas; chance, the smooth-tongued one, flatters me. Forward and backward I look—but I see no end yet.
“The hour of my final battle has not yet come—or is it coming now? Truly, sea and life gaze around me with treacherous beauty!
“Oh, afternoon of my life! Oh, happiness before evening! Oh, harbor on the high seas! Oh, peace amid uncertainty! How I mistrust you all!
“Truly, I mistrust your treacherous beauty! I am like the lover who mistrusts an all-too-velvety smile.
“As the jealous lover pushes the most beloved away, tender even in his hardness, so I push this blessed hour away.
“Away with you, blessed hour! With you came a blessedness against my will! Here I stand willing for my deepest pain—you came at the wrong time!
“Away with you, blessed hour! Find shelter instead with my children! Hurry, and before evening bless them with my happiness!
“Already evening approaches: the sun sinks. Away—my happiness!”—
Thus spoke Zarathustra. And all night he waited for his misfortune, but waited in vain. The night remained bright and still, and happiness itself came ever closer. Toward morning Zarathustra laughed to his heart and said mockingly, “Happiness runs after me. That comes of my not running after women. But happiness is a woman.”
Before Sunrise
Oh, sky above me, pure one! Deep one! Abyss of light! Looking at you, I tremble with divine desires.
To cast myself into your height—that is my depth! To hide myself in your purity—that is my innocence!
Beauty veils the God: thus you conceal your stars. You do not speak: thus you reveal your wisdom to me.
Silent above the roaring sea, you have risen for me today; your love and modesty speak revelation to my roaring soul.
That you came to me beautiful, veiled in your beauty; that you speak silently to me, revealed in your wisdom:
Oh, how could I fail to divine everything modest in your soul! Before the sun you came to me, the loneliest.
We have been friends from the beginning: we share grief and horror and ground; we share even the sun.
We do not speak to one another because we know too much: we keep silence together, smiling our knowledge to one another.
Are you not the light to my fire? Have you not the sister soul to my insight?
Together we learned everything; together we learned to rise above ourselves toward ourselves and smile cloudlessly—
To smile cloudlessly downward from bright eyes and miles of distance, while beneath us constraint and purpose and guilt steam like rain.
And when I wandered alone, for whom did my soul hunger on nights and lost paths? When I climbed mountains, whom did I ever seek upon them if not you?
And all my wandering and mountain climbing were only necessity and the helpless one’s expedient: my whole will wants only to fly, to fly into you!
And whom did I hate more than passing clouds and everything that stains you? I hated even my own hatred, because it stained you!
I resent the passing clouds, those stealthy predatory cats: they take from you and me what we share—the immense, unbounded saying of Yes and Amen.
We resent these mediators and mixers, the passing clouds, these half-and-halves who have learned neither to bless nor to curse to the core.
I would sooner sit in a barrel beneath a closed sky, sooner sit without a sky in the abyss, than see you, light-filled sky, stained by passing clouds!
And often I longed to pin them fast with jagged golden wires of lightning, so that like thunder I might beat the drum upon their kettle bellies—
An angry drummer, because they rob me of your Yes and Amen, sky above me, pure one! Bright one! Abyss of light! Because they rob you of my Yes and Amen.
For I would sooner have noise and thunder and storm curses than this deliberate, doubtful feline calm; and among human beings too I hate above all the soft-steppers and half-and-halves and doubting, hesitant passing clouds.
And “Whoever cannot bless should learn to curse!” This bright teaching fell to me from a bright sky; this star stands in my sky even on black nights.
But I am a blesser and a Yes-sayer whenever you surround me, pure one! Bright one! Abyss of light! Then into every abyss I carry my blessing Yes.
I have become a blesser and a Yes-sayer: for that I struggled long and was a wrestler, so that one day my hands might be free to bless.
But this is my blessing: to stand above each thing as its own sky, its rounded roof, its azure bell and eternal certainty; blessed is whoever blesses thus!
For all things are baptized at eternity’s spring and beyond good and evil; but good and evil themselves are only intervening shadows, damp sorrows, and passing clouds.
Truly, it is blessing and not blasphemy when I teach: “Above all things stands the sky Chance, the sky Innocence, the sky Accident, the sky High Spirits.”
“By accident”—that is the world’s oldest nobility, which I restored to all things, redeeming them from bondage to purpose.
This freedom and heavenly serenity I set like an azure bell above all things when I taught that no “eternal will” wills above them or through them.
This high-spiritedness and folly I put in that will’s place when I taught: “In everything, one thing is impossible—rationality!”
A little reason, certainly, a seed of wisdom scattered from star to star: this leaven is mixed into all things; for folly’s sake wisdom is mixed into all things!
A little wisdom is indeed possible; but I found this blessed certainty in all things: they would sooner dance upon the feet of chance.
Oh, sky above me, pure one! High one! This is your purity to me now: there is no eternal spider of reason and no spiderwebs—
You are a dance floor for divine accidents, a gods’ table for divine dice and dice players!—
But you blush? Did I speak the unspeakable? Did I blaspheme when I wanted to bless you?
Or is it the modesty of two together that made you blush? Do you bid me go and be silent because now—the day comes?
The world is deep, deeper than day has ever thought. Not everything may have words before day. But day comes: so let us part!
Oh, sky above me, modest one! Glowing one! Oh, my happiness before sunrise! Day comes: so let us part!—
Thus spoke Zarathustra.
On the Diminishing Virtue
1 When Zarathustra returned to the mainland, he did not go straight toward his mountain and cave, but followed many paths and questions, investigating this and that, so that he said of himself in jest, “Look, a river flowing back to its source in many windings!” For he wanted to discover what had meanwhile happened to humanity: whether it had grown greater or smaller. Once he saw a row of new houses; he wondered and said:
“What do these houses mean? Truly, no great soul set them here as its image!
“Did a foolish child take them from its toy box? If only another child would put them back!
“And these rooms and chambers: can men go in and out of them? They seem made for silken dolls, or for little greedy cats who let themselves be nibbled too.”
And Zarathustra stood still and reflected. At last he said sadly, “Everything has grown smaller! Everywhere I see lower doorways: someone of my kind may still pass through, but must stoop!
“Oh, when shall I return to my homeland, where I no longer have to stoop—no longer stoop before the small!” And Zarathustra sighed and gazed into the distance.—
On that same day he gave his discourse on the diminishing virtue.
2 “I pass through these people and keep my eyes open: they do not forgive me for not envying their virtues.
“They snap at me because I tell them small virtues are needed for small people—and because I find it hard to accept that small people are needed!
“I am still like the cock in a strange farmyard, at whom even the hens peck; but I bear these hens no ill will for that.
“I am courteous to them as to every little annoyance: to bristle against little things seems to me a wisdom for hedgehogs.
“They all speak of me when they sit around the fire at evening—they speak of me, but no one thinks of me!
“This is the new stillness I learned: their noise around me spreads a cloak over my thoughts.
“They clamor among themselves, ‘What does this gloomy cloud want with us? Let us see that it brings us no plague!’ And lately a woman snatched back her child as it tried to approach me: ‘Take the children away!’ she cried. ‘Such eyes scorch children’s souls.’
“They cough when I speak: they think coughing an objection to strong winds—they divine nothing of my happiness’s roaring!
“‘We have no time for Zarathustra yet,’ they object. But what does a time matter that ‘has no time’ for Zarathustra?
“And even when they praise me, how could I fall asleep upon their praise? Their praise is a belt of thorns: it scratches me even when I take it off.
“And this too I learned among them: the praiser acts as though repaying, but truly wants to receive more gifts!
“Ask my foot whether it likes their tunes of praise and enticement! Truly, to such beat and ticktock it wishes neither to dance nor stand still.
“They would entice and praise me toward a small virtue; they would persuade my foot to the ticktock of a small happiness.
“I pass through these people and keep my eyes open: they have grown smaller and grow smaller still—their teaching of happiness and virtue causes this.
“For even in virtue they are modest, because they want comfort. But only modest virtue agrees with comfort.
“They too learn, in their fashion, to stride and stride forward: I call it their limping. Thus they become a stumbling block to everyone in haste.
“And many go forward looking backward, with necks stiff: I gladly run into them.
“Feet and eyes should not lie, nor give one another the lie. But there is much lying among small people.
“Some of them will, but most are merely willed. Some are genuine, but most are bad actors.
“There are unwitting actors among them and unwilling actors; the genuine are always rare, especially genuine actors.
“There is little manhood here: that is why their women grow mannish. For only someone man enough will redeem woman herself in woman.
“And this hypocrisy I found worst among them: even those who command feign the virtues of those who serve.
“‘I serve, you serve, we serve’: thus even the rulers’ hypocrisy prays here—and woe if the first lord is only the first servant!
“Ah, my eye’s curiosity strayed even into their hypocrisies; and I divined well all their fly-happiness and buzzing about sunny windowpanes.
“So much goodness, so much weakness I see. So much justice and pity, so much weakness.
“They are round and fair and kind toward one another as grains of sand are round and fair and kind toward grains of sand.
“To embrace a little happiness modestly—that they call ‘submission’! And already they modestly squint toward another little happiness.
“At bottom they simply want one thing most: that no one hurt them. So they anticipate everyone and do them good.
“But this is cowardice, even though it is called ‘virtue.’—
“And when these small people speak roughly, I hear only their hoarseness: every draft makes them hoarse.
“They are clever; their virtues have clever fingers. But they lack fists; their fingers do not know how to hide behind fists.
“To them virtue is whatever makes modest and tame: with it they made the wolf a dog and humanity itself humanity’s best domestic animal.
“‘We set our chair in the middle,’ their smirk tells me, ‘equally far from dying gladiators and contented swine.’
“But this is mediocrity, even though it is called moderation.—
3 “I pass through these people and drop many a word: but they know neither how to take nor to retain.
“They wonder that I did not come to slander pleasures and vices; and truly, I did not come to warn against pickpockets either!
“They wonder that I am unwilling to make their cleverness still wittier and sharper: as though they did not already have enough clever fellows whose voices scratch me like slate pencils!
“And when I cry, ‘A curse upon all the cowardly devils within you, who would gladly whine and fold their hands and worship,’ they cry, ‘Zarathustra is godless!’
“Especially their teachers of submission cry it—but precisely into their ears I love to shout: Yes! I am Zarathustra the godless!
“These teachers of submission! Like lice they crawl everywhere things are small and sick and scabby; only my disgust keeps me from cracking them.
“Well! This is my sermon for their ears: I am Zarathustra the godless, who says, ‘Who is more godless than I, that I may rejoice in his teaching?’
“I am Zarathustra the godless: where do I find my equals? All who give themselves their own will and cast off all submission are my equals.
“I am Zarathustra the godless: I cook every accident in my pot. Only when it is cooked through do I welcome it as my food.
“And truly, many an accident came imperiously to me: but my will spoke more imperiously still—and there it lay on its knees, begging—
“Begging to find shelter and a heart with me, coaxing flatteringly, ‘Look, Zarathustra, how friend comes to friend!’—
“But why speak where no one has my ears? So I will cry it out to every wind:
“You grow smaller and smaller, small people! You crumble away, comfortable ones! You will yet perish—
“Through your many little virtues, your many little omissions, your many little submissions!
“Too sparing, too yielding: such is your soil! But for a tree to grow great, it wants to strike hard roots around hard rocks!
“Even what you leave undone weaves the fabric of all human future; even your nothing is a spiderweb and a spider living on the future’s blood.
“And when you take, it is like stealing, you small virtuous ones; but even among rogues honor says, ‘One should steal only where one cannot rob.’
“‘It will all come of itself’: that too is a teaching of submission. But I tell you, comfortable ones: it takes for itself, and will take ever more from you!
“Ah, if only you would cast off all half-willing and become resolute in idleness as in action!
“Ah, if only you understood my word: ‘Do whatever you will—but first become those who can will!’
“‘Love your neighbor as yourselves—but first become those who love themselves—
“‘Who love with great love, with great contempt!’ Thus speaks Zarathustra the godless.—
“But why speak where no one has my ears? Here I am still an hour too early.
“Among these people I am my own forerunner, my own cockcrow through dark streets.
“But their hour comes! And mine comes too! Hour by hour they grow smaller, poorer, more barren—poor growth! Poor soil!
“And soon they shall stand before me like dry grass and steppe, truly weary of themselves, thirsting for fire more than water!
“Oh, blessed hour of lightning! Oh, secret before noon! One day I will make running fires of them and heralds with tongues of flame—
“One day with tongues of flame they shall proclaim: He comes, he is near, the great noon!”
Thus spoke Zarathustra.
On the Mount of Olives
Winter, a harsh guest, sits at home with me; my hands are blue from his friendly handshake.
I honor this harsh guest, but gladly leave him sitting alone. Gladly I run away from him; and if one runs well, one escapes him!
With warm feet and warm thoughts I run where the wind stands still—to the sunny corner of my Mount of Olives.
There I laugh at my stern guest, and am fond of him for catching the flies at home and stilling much small noise.
For he will not tolerate a gnat singing, much less two; he even makes the street so lonely that moonlight grows frightened there at night.
He is a hard guest—but I honor him, and do not pray like the delicate ones to the potbellied fire idol.
Better a little chattering of teeth than worship of idols! Such is my nature. And especially I resent all lustful, steaming, stifling fire idols.
Those I love, I love better in winter than summer; I mock my enemies better and more heartily now that winter sits in my house.
Heartily indeed, even when I creep into bed: there my hidden happiness still laughs and plays; my lying dream still laughs.
I—a creeper? Never in life have I crawled before the powerful; if ever I lied, I lied out of love. That is why I am joyful even in my winter bed.
A poor bed warms me more than a rich one, for I am jealous of my poverty. In winter it is most faithful to me.
I begin each day with a malicious act: I mock winter with a cold bath; at that my stern housemate growls.
I also like tickling him with a little wax candle, so that at last he releases the sky from ash-gray twilight.
For I am especially malicious in the morning, in the early hour when the bucket rattles at the well and horses neigh warmly through gray streets—
Impatiently I wait for the bright sky to rise at last, the snow-bearded winter sky, the old man and white head—
The winter sky, the silent one, which often keeps even its sun silent!
Did I learn the long bright silence from him? Or did he learn it from me? Or did each of us invent it ourselves?
The origin of all good things is a thousandfold; all good, high-spirited things spring joyfully into existence: why should they always do so only once?
A good, high-spirited thing too is long silence, and looking like the winter sky from a bright, round-eyed face—
Keeping one’s sun silent like him, and one’s unbending sun-will: truly, this art and winter playfulness I learned well!
My dearest malice and art is that my silence learned not to betray itself through silence.
Rattling words and dice, I outwit the solemn watchers: my will and purpose shall slip away from all these stern observers.
So that no one looks down into my depths and final will, I invented long bright silence for myself.
I found many a clever person who veiled his face and muddied his water so that no one could see through him and down.
But precisely to him came the cleverer mistrusters and nutcrackers: precisely from him they fished out his most hidden fish!
Instead, the bright, brave, transparent ones are the cleverest keepers of silence to me: their depths are so deep that even the clearest water does not betray them.—
You snow-bearded, silent winter sky, round-eyed white head above me! Oh, heavenly image of my soul and its high spirits!
And must I not hide myself like someone who has swallowed gold, lest they slit open my soul?
Must I not wear stilts, so that they overlook my long legs, all these envious ones and lovers of suffering around me?
These smoky, room-warm, worn-out, greenish, embittered souls—how could their envy bear my happiness!
So I show them only the ice and winter upon my summits—and not that my mountain still winds every belt of sunshine around itself!
They hear only my winter storms whistling—and not that I also sail over warm seas like longing, heavy, hot south winds.
They still pity my mishaps and accidents—but my word is: ‘Let chance come to me: it is innocent as a little child!’
How could they bear my happiness if I did not wrap mishaps and winter troubles and polar-bear caps and snowy-sky coverings around it!
If I did not myself take pity on their pity, the pity of these envious ones and lovers of suffering!
If I did not myself sigh and shiver before them and patiently let them wrap me in their pity!
This is my soul’s wise playfulness and goodwill: it does not hide its winter and frosty storms; it does not hide its chilblains either.
One person’s solitude is the sick person’s flight; another’s solitude is flight from the sick.
Let all these poor, squinting rogues around me hear me shiver and sigh with winter cold! With such sighing and chattering I still escape their heated rooms.
Let them pity me and sigh with me over my chilblains: ‘He will yet freeze to death upon the ice of knowledge!’ they lament.
Meanwhile, with warm feet I run back and forth upon my Mount of Olives: in its sunny corner I sing and mock all pity.—
Thus sang Zarathustra.
On Passing By
Thus, slowly walking through many peoples and many kinds of cities, Zarathustra returned by roundabout ways toward his mountain and cave. And unexpectedly he came to the gate of the great city: here a foaming fool sprang toward him with outstretched hands and blocked his way. This was the fool the people called “Zarathustra’s ape”: for he had picked up something of his phrasing and cadence, and gladly borrowed from the treasure of his wisdom as well. The fool spoke to Zarathustra:
“Zarathustra, here is the great city: here you have nothing to seek and everything to lose.
“Why would you wade through this mud? Have pity on your foot! Spit instead upon the city gate and turn back!
“Here is hell for hermits’ thoughts: here great thoughts are boiled alive and cooked small.
“Here all great feelings rot: here only dry little feelings may rattle!
“Do you not already smell spirit’s slaughterhouses and cookshops? Does this city not steam with the vapor of slaughtered spirit?
“Do you not see souls hanging like limp, dirty rags? And they make newspapers from these rags!
“Do you not hear how spirit here has become a play on words? It vomits repulsive verbal dishwater! And they make newspapers from this verbal dishwater.
“They chase one another and do not know where! They inflame one another and do not know why! They jingle their tin and ring their gold.
“They are cold and seek warmth in distilled spirits; they are heated and seek coolness in frozen spirits; they are all sick and addicted to public opinions.
“All pleasures and vices are at home here; but there are virtuous people here too, much capable, employed virtue—
“Much capable virtue with writing fingers and tough flesh for sitting and waiting, blessed with little stars upon the breast and padded, rump-less daughters.
“There is much piety here too, much faithful spittle-licking and flattery-baking before the God of Hosts.
“From ‘above’ drip the star and gracious spittle; every starless breast longs upward.
“The moon has its court, and the court its mooncalves: but the begging people and all capable begging virtue pray to everything that comes from court.
“‘I serve, you serve, we serve’: thus all capable virtue prays upward to the prince, so that the earned star may at last fasten to its narrow breast!
“But the moon still revolves around everything earthly: so the prince too revolves around the most earthly thing of all—the merchants’ gold.
“The God of Hosts is no God of gold bars; the prince proposes, but the merchant—disposes!
“By everything bright and strong and good in you, Zarathustra! Spit upon this city of merchants and turn back!
“Here all blood flows rotten and lukewarm and frothy through every vein: spit upon the great city, the great refuse heap where all scum foams together!
“Spit upon the city of flattened souls and narrow breasts, pointed eyes and sticky fingers—
“Upon the city of intruders, shameless ones, scribblers and shouters, overheated climbers—
“Where everything tainted, disreputable, lustful, gloomy, overripe, ulcerous, conspiratorial festers together—
“Spit upon the great city and turn back!”— —
But here Zarathustra interrupted the foaming fool and covered his mouth.
“Stop at last!” Zarathustra cried. “Your speech and manner have long disgusted me!
“Why did you live beside the swamp so long that you had to become a frog and toad yourself?
“Does rotten, frothy swamp blood not flow through your own veins now, that you learned to croak and slander like this?
“Why did you not go into the forest? Or plow the earth? Is the sea not full of green islands?
“I despise your despising; and if you warned me, why did you not warn yourself?
“From love alone let my contempt and my warning bird take flight—not from the swamp!—
“They call you my ape, foaming fool: but I call you my grunting pig—with your grunting you spoil even my praise of folly.
“What first set you grunting? That no one flattered you enough: that is why you sat beside this rubbish, to have reason to grunt much—
“To have reason for much revenge! Revenge, vain fool, is all your foaming: I have divined you well!
“But your foolish word harms me, even where you are right! And even if Zarathustra’s word were right a hundred times over, you would always do wrong with my word!”
Thus spoke Zarathustra; he looked upon the great city, sighed, and was silent a long time. At last he spoke:
“I am disgusted with this great city too, not only this fool. Neither here nor there is anything to make better or worse.
“Woe to this great city! If only I already saw the pillar of fire in which it will burn!
“For such pillars of fire must precede the great noon. But this has its time and its own fate.—
“This teaching, however, I give you in farewell, fool: where one can no longer love, one should—pass by!”—
Thus spoke Zarathustra, and passed by the fool and the great city.
On the Apostates
1 “Ah, does everything already lie withered and gray that so recently stood green and bright upon this meadow? And how much honey of hope I carried from here into my hives!
“These young hearts have all grown old already—
“Not even old! Only tired, common, comfortable—
“They call it, ‘We have become pious again.’
“Only lately I saw them running out early upon brave feet: but their feet of knowledge grew weary, and now they slander even their morning courage!
“Truly, many once lifted their legs like dancers; the laughter in my wisdom beckoned them—then they reconsidered. Just now I saw one bent over, crawling toward the cross.
“Once they fluttered around light and freedom like gnats and young poets. A little older, a little colder: already they are darkeners and whisperers and hearth-sitters.
“Did their hearts fail because solitude swallowed me like a whale? Did their ears perhaps listen long and yearningly in vain for me, my trumpets and herald cries?
“Ah! There are always only a few whose hearts have long courage and high spirits; in them spirit too remains patient. But the rest are cowardly.
“The rest: that is always the great majority, the everyday, the surplus, the all-too-many—all these are cowardly!—
“Whoever is of my kind will meet experiences of my kind along the way: his first companions must be corpses and jesters.
“But his second companions will call themselves his believers: a living swarm, much love, much folly, much beardless reverence.
“Whoever is of my kind among human beings must not bind his heart to these believers; whoever knows humanity’s fleeting, cowardly nature must not believe in these springs and bright meadows!
“If they could do otherwise, they would will otherwise. Half-and-halves spoil everything whole. That leaves wither—what is there to lament?
“Let them go and fall, Zarathustra, and do not lament! Better blow among them with rustling winds—
“Blow among these leaves, Zarathustra, so that everything withered runs away from you faster still!—
2 “‘We have become pious again,’ these apostates confess; and some are still too cowardly even to confess it.
“I look them in the eye; I tell them to their faces and to their blushing cheeks: you are people who pray again!
“But praying is a disgrace! Not for everyone, but for you and me and whoever has a conscience in the head as well. For you praying is a disgrace!
“You know it well: your cowardly devil within, who would like to fold hands and lay them in the lap and be more comfortable—this cowardly devil persuades you, ‘There is a God!’
“But then you belong to the light-shunning kind, whom light never leaves in peace: now you must daily bury your head deeper in night and mist!
“And truly, you chose the hour well: for the night birds are flying out again. The hour has come for all light-shunning folk, their evening hour of rest, when they do not ‘rest.’
“I hear and smell it: their hour has come for hunting and procession—not a wild hunt, certainly, but a tame, lame, sniffing hunt of soft-steppers and soft-prayers—
“A hunt for soulful sneaks: all the heart’s mousetraps are set again! Wherever I lift a curtain, a little moth tumbles out.
“Was it crouching there with another little moth? Everywhere I smell small hidden congregations; wherever there are little chambers, there are new praying brothers and the fumes of praying brothers.
“They sit together through long evenings and say, ‘Let us become like little children again and say “dear God”!’—mouth and stomach spoiled by pious confectioners.
“Or through long evenings they watch a cunning, lurking cross-marked spider preaching cleverness even to spiders, teaching, ‘It is good spinning beneath crosses!’
“Or by day they sit with fishing rods beside swamps and think themselves deep for it; but whoever fishes where there are no fish is not even superficial to me!
“Or piously and gladly they learn to play the harp from a songwriter who would gladly harp his way into young women’s hearts: for he grew weary of old women and their praises.
“Or they learn to shudder from a learned half-madman waiting in dark rooms for spirits to come—while spirit runs away altogether!
“Or they listen to an old, much-traveled humming, growling piper who learned melancholy tones from melancholy winds: now he whistles with the wind and preaches sadness in sad tones.
“And some have even become night watchmen: they now know how to blow horns and roam at night and wake old things long asleep.
“Last night beside the garden wall I heard five sayings about old things: they came from such old, sad, dried-up night watchmen.
“‘For a father, he does not care enough about his children: human fathers do it better!’—
“‘He is too old! He no longer cares about his children at all,’ the other night watchman answered.
“‘Does he have children? No one can prove it unless he proves it himself! I have long wished he would prove it thoroughly for once.’
“‘Prove it? As though he had ever proved anything! Proving comes hard to him; he sets great store by being believed.’
“‘Yes! Yes! Faith makes him blessed, faith in him. That is how old people are! It is the same with us!’—
“Thus the two old night watchmen and light-shunners spoke together, then blew sadly into their horns: so it happened last night beside the garden wall.
“But my heart twisted with laughter, wanted to break, did not know where to go—and sank into my diaphragm.
“Truly, this will yet be my death: suffocating with laughter when I see drunken donkeys and hear night watchmen doubt God like this.
“Is it not long over, even for such doubts? Who may wake such old, sleeping, light-shunning things?
“The old gods ended long ago—and truly, they had a good, joyful gods’ end!
“They did not ‘twilight’ themselves to death—that is a lie! Rather, once they laughed themselves to death!
“That happened when the most godless word came from a God himself: ‘There is one God! You shall have no other God beside me!’—
“An old grim-bearded God, a jealous one, forgot himself like that—
“And all the gods laughed then and rocked upon their chairs and cried, ‘Is this not precisely divinity: that there are gods, but no God?’
“Whoever has ears, let them hear.”—
Thus Zarathustra spoke in the town he loved, called the Motley Cow. From here he had only two more days’ journey to reach his cave and his animals; but his soul rejoiced continually at the nearness of his homecoming.—
The Homecoming
Oh, solitude! My homeland, solitude! Too long I lived wild in a wild foreign land not to return to you in tears!
Now threaten me with your finger as mothers threaten; smile at me as mothers smile; say, “And who was it who once stormed away from me like a whirlwind?—
“Who cried as he left: I sat too long with solitude and forgot how to be silent! Have you learned that now?
“Zarathustra, I know everything: even that among the many you were more forsaken, solitary one, than ever with me!
“Forsakenness is one thing, solitude another: that you have now learned! And that among human beings you will always be wild and foreign—
“Wild and foreign even when they love you: for first of all they want to be spared!
“But here you are at home with yourself; here you can speak everything out and pour out every reason; here nothing is ashamed of hidden, hardened feelings.
“Here all things come caressingly to your speech and flatter you: they want to ride upon your back. Here you ride upon every image to every truth.
“Here you may speak uprightly and frankly to all things: truly, it sounds like praise to their ears when someone speaks straight with everything!
“But being forsaken is another thing. For do you remember, Zarathustra? When your bird cried above you as you stood in the forest, unsure where to go, unknowing, beside a corpse—
“When you said, ‘May my animals guide me! I found life more dangerous among human beings than among animals’—that was forsakenness!
“And do you remember, Zarathustra? When you sat upon your island, a spring of wine among empty buckets, giving and giving away, pouring gifts and drink among the thirsty—
“Until at last you sat thirsty and alone among the drunken, lamenting at night, ‘Is receiving not more blessed than giving? And stealing more blessed still than receiving?’—that was forsakenness!
“And do you remember, Zarathustra? When your stillest hour came and drove you away from yourself, whispering wickedly, ‘Speak and break!’—
“When it made all your waiting and silence painful and discouraged your humble courage: that was forsakenness!”—
Oh, solitude! My homeland, solitude! How blessedly and tenderly your voice speaks to me!
We do not question or complain to one another; we walk openly together through open doors.
For with you everything is open and bright; even the hours run upon lighter feet here. In darkness, time weighs more heavily than in light.
Here the words and word-shrines of all being spring open for me: here all being wants to become word; all becoming wants to learn speech from me.
But down there all speech is in vain! There forgetting and passing by are the finest wisdom: that I have now learned!
Whoever wanted to grasp everything among human beings would have to touch everything. But my hands are too clean for that.
I do not even want to breathe their breath; ah, that I lived so long amid their noise and foul breath!
Oh, blessed stillness around me! Oh, pure scents around me! Oh, how this stillness draws pure breath from a deep chest! Oh, how it listens, this blessed stillness!
But down there everything speaks and everything goes unheard. One may ring wisdom in with bells: the merchants in the marketplace will outjingle it with pennies!
Everything among them speaks; no one knows how to understand anymore. Everything falls into water; nothing falls into deep wells anymore.
Everything among them speaks; nothing succeeds and reaches completion. Everything cackles, but who still wants to sit quietly upon the nest and hatch eggs?
Everything among them speaks; everything is talked to pieces. And what yesterday was too hard even for time and its tooth hangs today scraped and gnawed from the mouths of today’s people.
Everything among them speaks; everything is betrayed. What once was called secret and the privacy of deep souls belongs today to street trumpeters and other butterflies.
Oh, human existence, you strange thing! You noise in dark streets! Now you lie behind me again: my greatest danger lies behind me!
My greatest danger always lay in sparing and pitying: and all human existence wants to be spared and pitied.
With truths held back, with a fool’s hand and an infatuated heart, rich in little lies of pity: thus I always lived among human beings.
Disguised I sat among them, ready to misrecognize myself so that I could bear them, gladly persuading myself, “You fool, you do not know humanity!”
One unlearns humanity when living among human beings: there is too much foreground in everyone—what use there are far-seeing, far-longing eyes!
And when they misrecognized me, I fool spared them more than myself: accustomed to hardness toward myself, often avenging myself upon myself for this sparing.
Pierced by poisonous flies and hollowed like stone by many drops of malice, I sat among them and still told myself, “Everything small is innocent of its smallness!”
Especially those who call themselves “the good” I found the most poisonous flies: they sting in all innocence, lie in all innocence; how could they be just toward me!
Whoever lives among the good is taught to lie by pity. Pity makes stifling air for every free soul. For the stupidity of the good is unfathomable.
To hide myself and my riches—that I learned down there: for I found everyone poor in spirit. This was my pity’s lie: with everyone I knew—
I saw and smelled in everyone what was spirit enough, and what was already too much spirit!
Their stiff sages I called wise, not stiff: thus I learned to swallow words. Their gravediggers I called researchers and investigators: thus I learned to exchange words.
Gravediggers dig up diseases for themselves. Foul vapors rest beneath old rubble. One should not stir up the mire. One should live upon mountains.
With blessed nostrils I breathe mountain freedom again! At last my nose is delivered from the smell of all human existence!
Tickled by sharp airs as by foaming wines, my soul sneezes—sneezes and cries joyfully to itself: Health!
Thus spoke Zarathustra.
On the Three Evils
1 In a dream, my last morning dream, I stood today upon a headland beyond the world, holding scales and weighing the world.
Oh, dawn came too early: the jealous one glowed me awake! She is always jealous of the fires of my morning dreams.
Measurable for one with time, weighable for a good weigher, reachable by strong wings, divinable for divine nutcrackers: thus my dream found the world—
My dream, a bold sailor, half ship and half whirlwind, silent as butterflies, impatient as noble falcons: what patience and leisure it had today for weighing the world!
Did my wisdom secretly encourage it, my laughing, waking daylight wisdom that mocks all “infinite worlds”? For she says, “Where force is, number becomes mistress too: it has more force.”
How surely my dream looked upon this finite world, neither curious nor greedy for old things, neither fearing nor begging—
As though a full apple offered itself to my hand, a ripe golden apple with cool, soft, velvety skin: thus the world offered itself to me—
As though a tree beckoned, broad-branched and strong-willed, bent into a backrest and even a footstool for the weary traveler: thus the world stood upon my headland—
As though delicate hands carried a shrine toward me, a shrine open to the delight of modest, revering eyes: thus the world offered itself to me today—
Not riddle enough to frighten human love away, not solution enough to lull human wisdom to sleep: a humanly good thing was the world to me today, this world so evilly spoken of!
How grateful I am to my morning dream that I weighed the world so early today! This dream and comforter of hearts came to me as a humanly good thing!
And to do likewise by day and learn its best from it, I will now place the three most evil things upon the scales and weigh them humanly well.—
Whoever taught blessing also taught cursing: what are the world’s three most thoroughly cursed things? These I will place upon the scales.
Sensual pleasure, lust for domination, selfishness: until now these three have been most thoroughly cursed, most evilly slandered and lied about—these three I will weigh humanly well.
Come! Here is my headland, and there the sea: it rolls toward me, shaggy and flattering, the faithful old hundred-headed dog-monster I love.
Come! Here above the rolling sea I will hold the scales; and I choose a witness to watch—you, solitary tree, strong-scented and broadly arched, whom I love!—
Upon what bridge does now cross toward one day? By what constraint does the high compel itself toward the low? And what commands even the highest—to grow upward?—
Now the scales stand level and still: three heavy questions I cast into them; three heavy answers the other pan carries.
2 Sensual pleasure: the thorn and stake of all hair-shirted despisers of the body, cursed as “world” by all believers in other worlds: for it mocks and fools all teachers of confusion and error.
Sensual pleasure: the slow fire upon which the rabble burns; the ready furnace of heat and seething for all worm-eaten wood and stinking rags.
Sensual pleasure: innocent and free for free hearts, the earth’s garden happiness, all the future’s overflowing gratitude toward now.
Sensual pleasure: a cloying poison only for the withered, but for the lion-willed the great strengthening of the heart, the reverently preserved wine of wines.
Sensual pleasure: the great happiness in an image of higher happiness and highest hope. For marriage is promised to much, and more than marriage—
To many things more foreign to one another than man and woman—and who has fully understood how foreign man and woman are to one another!
Sensual pleasure—but I want fences around my thoughts and words as well, lest swine and enthusiasts break into my gardens!—
Lust for domination: the glowing scourge of the hardest-hearted; the dreadful torment reserved for the cruelest themselves; the dark flame of living pyres.
Lust for domination: the malicious bridle set upon the vainest peoples; the mocker of all uncertain virtue, riding every horse and every pride.
Lust for domination: the earthquake that breaks and breaks open everything rotten and hollow; the rolling, rumbling, punishing shatterer of whitewashed tombs; the flashing question mark beside premature answers.
Lust for domination: before whose gaze the human being creeps and crouches and toils in bondage, becoming lower than serpent and swine, until at last great contempt cries out—
Lust for domination: the terrible teacher of great contempt, preaching into the faces of cities and kingdoms, “Away with you!” until they themselves cry, “Away with me!”
Lust for domination: which also climbs alluringly toward the pure and solitary and upward to self-sufficient heights, glowing like a love that enticingly paints purple blessedness upon earthly skies.
Lust for domination: yet who would call it a craving when the high longs downward for power! Truly, there is nothing sick or addicted in such longing and descent!
That the solitary height not remain eternally solitary and self-satisfied; that the mountain come to the valley and the winds of the heights to the lowlands—
Oh, who could find the right baptismal name and name of virtue for such longing! “Giving virtue”—thus Zarathustra once named the unnameable.
And then it also happened—and truly, for the first time!—that his word called selfishness blessed, the whole, healthy selfishness springing from a mighty soul—
From a mighty soul to which belongs the high body, beautiful, victorious, refreshing, around which each thing becomes a mirror—
The supple, persuasive body, the dancer, whose image and epitome is the self-delighting soul. The self-delight of such bodies and souls calls itself “virtue.”
With its words of good and bad, such self-delight shields itself as with sacred groves; with its happiness’s names it banishes everything contemptible.
It banishes everything cowardly; it says, bad—that means cowardly! Contemptible to it is the ever-worried, sighing, lamenting one, and whoever gathers even the smallest advantages.
It also despises all suffering-blessed wisdom: for truly, there is wisdom that blooms in darkness, a nightshade wisdom always sighing, “Everything is vanity!”
It thinks little of timid mistrust and everyone who wants oaths instead of looks and hands; likewise of all excessively mistrustful wisdom, for that is the nature of cowardly souls.
Still less does it value the quickly obliging, the doglike one who immediately lies upon his back, the humble one; there is also wisdom that is humble and doglike and pious and quickly obliging.
It hates and loathes whoever never wants to defend themselves, whoever swallows poisonous spittle and evil glances, the all-too-patient, all-enduring, all-contented: for that is the servile nature.
Whether someone is servile before gods and divine kicks, or before human beings and dull human opinions, this blessed selfishness spits upon every servile nature!
Bad: that is its name for everything bent and stingily servile, unfree blinking eyes, oppressed hearts, and that false yielding nature that kisses with broad, cowardly lips.
And counterfeit wisdom: that is its name for all the witticisms of servants and old men and the weary, especially all that evil, absurd, over-clever priestly folly!
But the counterfeit wise, all priests, the world-weary, and those whose souls are womanish or servile—oh, how their game has always played selfishness false!
And precisely that, playing selfishness false, was supposed to be virtue and be called virtue! And “selfless” is how all these world-weary cowards and cross-marked spiders wanted themselves—with good reason!
But for them all comes day, transformation, the sword of judgment, the great noon: then much shall be revealed!
And whoever declares the I whole and holy and selfishness blessed, truly, speaks what he knows as a prophet: “Look, he comes, he is near, the great noon!”
Thus spoke Zarathustra.
On the Spirit of Gravity
1 My mouth belongs to the people: I speak too roughly and heartily for silken hares. Stranger still my word sounds to all ink-fish and pen-foxes.
My hand is a fool’s hand: woe to every table and wall and whatever still has room for fool’s ornament, fool’s scribbling!
My foot is a horse’s hoof; with it I tramp and trot over stick and stone, crisscrossing the fields, devilish with delight in every swift run.
My stomach is perhaps an eagle’s stomach? For it loves lamb best of all. But certainly it is a bird’s stomach.
Fed upon innocent things and little food, ready and impatient to fly, to fly away—that is my nature now: how could there not be something birdlike in it!
And especially my enmity toward the spirit of gravity is birdlike: truly, mortal enmity, arch-enmity, primal enmity! Oh, where has my enmity not already flown and strayed!
I could sing a song of that—and will sing it, even though I am alone in an empty house and must sing to my own ears.
There are other singers, certainly, whose throats grow supple only in a full house, whose hands grow eloquent, eyes expressive, hearts awake: I am not like them.—
2 Whoever one day teaches humanity to fly will have moved every boundary stone; all the boundary stones themselves will fly into the air for him; he will baptize earth anew as “the light one.”
The ostrich runs faster than the fastest horse, yet even it thrusts its head heavily into heavy earth: so does the human being who cannot yet fly.
Earth and life seem heavy to that person: the spirit of gravity wills it so! But whoever wants to become light and a bird must love themselves—so I teach.
Not, certainly, with the love of the sick and addicted: for in them even self-love stinks!
One must learn to love oneself—so I teach—with a whole, healthy love, so that one can endure being with oneself and not roam about.
Such roaming calls itself “love of the neighbor”: with this word people have lied and dissembled most thoroughly until now, especially those who weighed heavily upon everyone.
And truly, learning to love oneself is no commandment for today and tomorrow. Rather, of all arts, this is the subtlest, cleverest, last, and most patient.
For everything one’s own is well hidden from its owner; of all treasure pits, one’s own is dug out last—so the spirit of gravity contrives.
Almost in the cradle we are given heavy words and values: “good” and “evil” are the names of this dowry. For their sake we are forgiven for living.
And that is why they let little children come to them: to prevent them in good time from loving themselves—so the spirit of gravity contrives.
And we faithfully haul what we are given, upon hard shoulders and over rough mountains! And if we sweat, they tell us, “Yes, life is hard to bear!”
But only humanity is hard for itself to bear! That comes from dragging too much foreign matter upon its shoulders. Like the camel, it kneels and lets itself be well laden.
Especially the strong, enduring person in whom reverence dwells loads too many foreign heavy words and values upon himself—and now life seems a desert!
And truly, much that is one’s own is hard to bear too! Much within humanity resembles the oyster: disgusting, slippery, hard to grasp—
So that a noble shell with noble ornament must plead for it. But this art too must be learned: to have a shell, beautiful appearance, and clever blindness!
Again, much in humanity deceives because some shells are poor and sad and too much shell. Much hidden goodness and strength is never divined; the choicest morsels find no tasters!
Women know this, the choicest ones: a little fatter, a little thinner—oh, how much fate lies in so little!
Humanity is hard to discover, and hardest for itself; often spirit lies about the soul. So the spirit of gravity contrives.
But whoever says, “This is my good and evil,” has discovered themselves: thus they have silenced the mole and dwarf who says, “Good for everyone, evil for everyone.”
Truly, I do not like those either who call everything good and this world the very best. These I call the all-contented.
Contentment with everything, a taste for everything, is not the finest taste! I honor the stubborn, choosy tongues and stomachs that learned to say “I” and “Yes” and “No.”
But to chew and digest everything—that is truly swinish! Always to say “hee-haw,” Yes—that only the donkey learned, and whoever shares its spirit!—
Deep yellow and hot red: that is what my taste wants, mixing blood into every color. But whoever whitewashes his house betrays a whitewashed soul to me.
Some love mummies, others ghosts, and both are equally hostile to all flesh and blood—oh, how both offend my taste! For I love blood.
And I will not live and linger where everyone spits and spews: that is my taste. I would sooner live among thieves and perjurers. No one carries gold in their mouth.
But more repulsive still to me are all lickspittles; and the most repulsive human animal I found, I christened parasite: it wanted not to love and yet to live upon love.
I call unhappy all who have only one choice: to become evil beasts or evil beast tamers. Among such people I would build no hut.
Unhappy too I call those who must always wait—they offend my taste: all customs collectors and merchants and kings and other keepers of lands and shops.
Truly, I learned waiting too, and thoroughly—but only waiting for myself. Above all, I learned standing and walking and running and leaping and climbing and dancing.
But this is my teaching: whoever wants to learn to fly must first learn standing and walking and running and climbing and dancing—one does not fly into flying!
With rope ladders I learned to climb many windows; with nimble legs I climbed high masts. To sit upon high masts of knowledge seemed no small blessedness—
To flicker like little flames upon high masts: a little light, certainly, but a great comfort to storm-tossed sailors and the shipwrecked!—
By many ways and methods I came to my truth; not upon one ladder did I climb to the height where my eye roams into my distance.
And I always asked for paths unwillingly—it offended my taste! I preferred asking and testing the paths themselves.
All my walking was a testing and questioning—and truly, one must also learn to answer such questioning! But that is my taste:
Neither good nor bad, but my taste, which I no longer hide or feel ashamed of.
“That is my way—where is yours?” I answered those who asked me “the way.” For the way does not exist!
Thus spoke Zarathustra.
On Old and New Tablets
1 Here I sit and wait, old broken tablets around me, and new tablets half inscribed. When will my hour come?
The hour of my descent, my going-under: for once more I want to go to human beings.
That is what I await: first the signs must come that it is my hour—the laughing lion with the flock of doves.
Meanwhile, like someone with time, I speak to myself. No one tells me anything new: so I tell myself to myself.—
2 When I came to human beings, I found them sitting upon an old conceit: they all thought they had long known what was good and evil for humanity.
All talk of virtue seemed to them an old, tired matter; whoever wanted sound sleep spoke of “good” and “evil” before going to bed.
I roused this sleepiness when I taught: what is good and evil, no one yet knows, except the creator!
But that is the one who creates humanity’s goal and gives the earth its meaning and future: this one alone creates the fact that something is good and evil.
And I bade them overthrow their old teaching chairs and whatever else that old conceit had sat upon; I bade them laugh at their great masters of virtue and saints and poets and world redeemers.
I bade them laugh at their gloomy sages and whoever had ever sat warningly like a black scarecrow upon life’s tree.
Beside their great road of graves I sat, even among carrion and vultures—and I laughed at all their past and its crumbling, decaying splendor.
Truly, like preachers of repentance and fools, I shouted anger and outcry over all their great and small things: how very small their best is! How very small their worst is! Thus I laughed.
Thus my wise longing cried and laughed from me, born upon mountains, truly a wild wisdom—my great longing with rushing wings.
And often it tore me away and upward and off, in the midst of laughter: then I flew shuddering, an arrow, through sun-drunk rapture—
Out into distant futures no dream has yet seen, into hotter souths than sculptors ever dreamed: where gods in dancing are ashamed of all clothes—
For I speak in images and limp and stammer like poets; and truly, I am ashamed that I must still be a poet!—
Where all becoming seemed to me gods’ dance and gods’ play, and the world loose and unbridled and fleeing back to itself—
As many gods eternally fleeing and seeking one another again, blessedly contradicting one another, hearing one another again, belonging to one another again—
Where all time seemed a blessed mockery of moments, where necessity was freedom itself, blessedly playing with freedom’s sting—
Where I also found my old devil and archenemy again, the spirit of gravity and everything it created: constraint, ordinance, necessity, consequence, purpose, will, good, and evil—
For must there not be something over which to dance, to dance away? Must there not, for the light and lightest ones’ sake, be moles and heavy dwarfs?— —
3 There too I picked up the word “overhuman” from the path, and that the human being is something that must be overcome—
That the human being is a bridge and not an end, blessing itself for its noon and evening as a way toward new dawns—
Zarathustra’s word of the great noon, and whatever else I hung above humanity like purple second sunsets.
Truly, I showed them new stars and new nights; and above clouds and day and night I stretched laughter like a bright tent.
I taught them all my invention and striving: to compose into one and gather together what is fragment and riddle and dreadful accident in humanity—
As poet, riddle solver, and redeemer of chance, I taught them to create the future, and creatively redeem everything that was.
To redeem the past in humanity and remake every “It was,” until the will says, “But thus I willed it! Thus shall I will it”—
This I called redemption to them; this alone I taught them to call redemption.— —
Now I await my redemption, to go to them for the last time.
For once more I want to go to humanity: among them I want to go under; dying, I want to give them my richest gift!
I learned this from the sun when it descends, the overflowing one: then from inexhaustible wealth it pours gold into the sea—
So that even the poorest fisherman rows with a golden oar! Once I saw this, and could not weep enough while watching.— —
Like the sun, Zarathustra too wants to go under: now he sits here and waits, old broken tablets around him, and new tablets half inscribed.
4 Look, here is a new tablet: but where are my brothers to carry it with me into the valley and into hearts of flesh?—
Thus my great love of the farthest demands: do not spare your neighbor! The human being is something that must be overcome.
There are many ways and methods of overcoming: see to that yourself! But only a jester thinks, “The human being can also be leaped over.”
Overcome yourself even in your neighbor: and a right you can seize for yourself, you must not let yourself be given!
What you do, no one can do back to you. Look, there is no repayment.
Whoever cannot command himself should obey. And many can command themselves, but are still far from obeying themselves!
5 Thus noble souls’ nature wills it: they want nothing for nothing, least of all life.
Whoever belongs to the rabble wants to live for nothing; but we others, to whom life gave itself, always ponder what we can best give in return!
And truly, this is a noble saying: “What life promises us, we will keep for life!”
One should not want enjoyment where one gives none. And one should not want enjoyment!
For enjoyment and innocence are the most modest things: neither wants to be sought. One should have them—but one should sooner seek guilt and pain!—
6 Oh, my brothers, whoever is a firstborn is always sacrificed. But now we are firstborn.
We all bleed upon secret sacrificial tables; we all burn and roast in honor of old idols.
Our best is still young: that tempts old palates. Our flesh is tender; our skin is only lambskin—how could we fail to tempt old idolatrous priests!
Within ourselves he still dwells, the old idolatrous priest who roasts our best for his feast. Ah, my brothers, how could firstborns fail to be sacrifices!
But such is our nature; and I love those who do not want to preserve themselves. Those going under I love with all my love: for they cross over.—
7 To be truthful—few can do that! And those who can still do not want to! Least of all can the good.
Oh, these good people! Good people never speak the truth: for the spirit, being good in this fashion is a sickness.
They yield, these good people; they submit; their hearts repeat; their depths obey: but whoever obeys does not hear himself!
Everything the good call evil must come together for one truth to be born: oh, my brothers, are you evil enough for this truth?
Daring risk, long mistrust, the cruel No, weariness, cutting into living flesh—how rarely these come together! But from such seed truth is begotten!
Beside bad conscience all knowledge has grown until now! Break, break the old tablets for me, you knowers!
8 When water has beams, when bridges and railings leap across the river, truly, no one believes the person who says, “Everything is in flux.”
Even blockheads contradict him. “What?” they say. “Everything in the river? But beams and railings are above the river!” “Above the river everything is fixed: all things’ values, bridges, concepts, everything ‘good’ and ‘evil’—all that is fixed!”—
And when hard winter comes, the tamer of rivers, even the wittiest learn mistrust; truly, not only blockheads then say, “Should everything not—stand still?”
“At bottom everything stands still”: that is a true winter teaching, good for barren times, a good comfort for hibernators and hearth-sitters.
“At bottom everything stands still”—but against this the thawing wind preaches!
The thawing wind, a bull that is no plowing bull, a raging bull, a destroyer breaking ice with angry horns! But ice—breaks bridges!
Oh, my brothers, is everything not now in flux? Have all railings and bridges not fallen into the water? Who would still hold fast to “good” and “evil”?
“Woe to us! Hail to us! The thawing wind blows!” Thus preach for me, my brothers, through every street!
9 There is an old delusion called good and evil. Around soothsayers and astrologers the wheel of this delusion has turned until now.
Once people believed in soothsayers and astrologers, and therefore believed, “Everything is fate: you shall, because you must!” Then they mistrusted all soothsayers and astrologers, and therefore believed, “Everything is freedom: you can, because you will!”
Oh, my brothers, until now people have only conjectured about stars and future, not known: and therefore they have only conjectured about good and evil, not known!
10 “You shall not rob! You shall not kill!” Such words were once called holy; before them people bent knees and heads and took off their shoes.
But I ask you: where have there ever been better robbers and killers in the world than such holy words?
Is there not robbing and killing in all life itself? And by calling such words holy, was truth itself not killed?
Or was it a preaching of death to call holy what contradicted and counseled against all life? Oh, my brothers, break, break the old tablets for me!
11 This is my pity for everything past: I see that it is abandoned—
Abandoned to the mercy, spirit, and madness of every generation that comes and reinterprets everything that was as its bridge!
A great tyrant might come, a cunning monster who with his favor and disfavor compelled and compressed everything past until it became his bridge and omen and herald and cockcrow.
But this is the other danger and my other pity: whoever belongs to the rabble remembers back to the grandfather—but with the grandfather time ends.
Thus everything past is abandoned: for one day the rabble might become master and drown all time in shallow waters.
That is why, my brothers, a new nobility is needed, opposed to all rabble and all tyranny, writing the word “noble” anew upon new tablets.
For many nobles and many kinds of nobles are needed for nobility to exist! Or, as I once said in an image: “This is precisely divinity: there are gods, but no God!”
12 Oh, my brothers, I consecrate and direct you toward a new nobility: become begetters and cultivators and sowers of the future for me—
Truly, not a nobility you could buy like merchants with merchants’ gold: for everything with a price has little value.
Henceforth let your honor come not from where you come from, but where you go! Your will and your foot that wants to go beyond yourselves—let that be your new honor!
Truly, not that you served a prince—what do princes matter now!—or became a bulwark for what stands, so that it might stand more firmly!
Not that your lineage grew courtly at courts, and you learned, bright as flamingos, to stand long hours in shallow pools.
For being able to stand is a merit among courtiers; and all courtiers believe that blessedness after death includes being allowed to sit!—
Nor that a spirit they call holy led your ancestors into promised lands that I do not praise: for where the worst of all trees grew, the cross, there is nothing to praise in that land! And truly, wherever this “holy spirit” led its knights, goats and geese and cross and crooked heads always went ahead upon such expeditions!—
Oh, my brothers, let your nobility look not backward, but outward! Be exiles from all fatherlands and ancestral lands!
Love your children’s land: let this love be your new nobility—the undiscovered land in the farthest sea! I bid your sails search and search for it!
In your children make amends for being your fathers’ children: thus redeem everything past! I set this new tablet above you!
13 “Why live? Everything is vanity! Living means threshing straw; living means burning oneself without growing warm.”—
Such ancient chatter still passes for “wisdom”; it is old and smells musty, and that is why it is honored more. Even mold ennobles.—
Children might speak like that: they fear fire because it burned them! There is much childishness in old books of wisdom.
And whoever always “threshes straw,” how could he be entitled to slander threshing? Such a fool’s mouth ought to be tied shut!
They sit at the table and bring nothing, not even a good hunger—and now they slander, “Everything is vanity!”
But eating and drinking well, my brothers, is truly no vain art! Break, break the tablets of the never-joyful for me!
14 “To the pure everything is pure,” the people say. But I tell you: to swine everything becomes swinish!
That is why enthusiasts and head-hangers whose hearts hang low too preach, “The world itself is a filthy monster.” All these are unclean in spirit, especially those who find neither rest nor peace unless they see the world from behind—the otherworld believers!
To them I say it to their faces, though it does not sound lovely: the world resembles humanity in having a backside—that much is true!
There is much filth in the world: that much is true! But that does not make the world itself a filthy monster!
There is wisdom in much of the world smelling foul: disgust itself creates wings and powers of divining springs!
Even the best has something disgusting; and the best is still something that must be overcome!—
Oh, my brothers, there is much wisdom in there being much filth in the world!—
15 I heard pious otherworld believers speak such sayings to their consciences, truly without malice or deceit—though nothing in the world is more deceitful or malicious.
“Let the world be the world! Do not raise even one finger against it!”
“Let whoever wishes strangle and stab and cut and scrape people: do not raise even one finger against it! Thus they will learn to renounce the world.” “And your own reason—you must gag and strangle it yourself, for it is a reason of this world: thus you yourself will learn to renounce the world.”—
Break, break these old tablets of the pious for me, my brothers! Shatter with speech the sayings of the world’s slanderers!
16 “Whoever learns much unlearns all violent desire,” people whisper today in every dark street.
“Wisdom makes weary; nothing is worthwhile; you must not desire!” I found this new tablet hanging even in open marketplaces.
Break this new tablet too for me, my brothers! The world-weary hung it there, and the preachers of death, and the jailers too: for look, it is also a preaching of servitude!—
That they learned badly and not the best, everything too early and too quickly; that they ate badly—from this came their spoiled stomach—
For their spirit is a spoiled stomach: it counsels death! Truly, my brothers, spirit is a stomach!
Life is a spring of delight: but for anyone through whom a spoiled stomach speaks, the father of melancholy, every spring is poisoned.
Knowing is delight for the lion-willed! But whoever has grown weary is only “willed” themselves, played with by every wave.
And this is always the nature of weak people: they lose themselves upon their paths. At last even their weariness asks, “Why did we ever follow paths? It is all the same!”
To them it sounds lovely when someone preaches, “Nothing is worthwhile! You must not will!” But this is a preaching of servitude.
Oh, my brothers, Zarathustra comes as a fresh roaring wind to everyone weary of the road: he will yet make many noses sneeze!
My free breath blows even through walls, into prisons and imprisoned spirits!
Willing liberates, for willing is creating: so I teach. And only for creating should you learn!
And even learning, good learning, you must first learn from me! Whoever has ears, let them hear!
17 There stands the boat; perhaps it takes one across into the great nothing—but who wants to board this “perhaps”?
None of you wants to board the boat of death! How then can you be weary of the world!
World-weary! You have not even become detached from earth! I always found you still lusting for earth, still in love with your own weariness of earth!
Not for nothing your lip hangs down: a little earthly wish still sits upon it! And in your eye—is there not a small cloud of unforgotten earthly delight?
There are many good inventions on earth, some useful, others pleasant: for their sake the earth deserves love.
And there are many things so well invented that they resemble a woman’s breast: useful and pleasant at once.
But you world-weary, earth-lazy ones! You should be struck with switches! Switch strokes should give you lively legs again.
For unless you are sick, worn-out wretches of whom the earth is weary, you are cunning sloths or greedy, hidden pleasure-cats. And if you will not run joyfully again, then pass away!
One should not want to be a physician to the incurable: so Zarathustra teaches—so pass away!
But ending takes more courage than adding a new verse: all physicians and poets know that.—
18 Oh, my brothers, there are tablets created by exhaustion, and tablets created by laziness, rotten laziness: though they speak alike, they want to be heard differently.—
Look at this languishing man! He is only a span from his goal, but in weariness he has defiantly lain down here in the dust, this brave man!
In weariness he yawns at path and earth and goal and himself: not one step farther will he take, this brave man!
Now the sun burns upon him, and dogs lick at his sweat: but he lies there in defiance and would sooner perish—
Perish a span from his goal! Truly, you will yet have to drag him by his hair into his heaven, this hero!
Better leave him where he has lain down, so that sleep, the comforter, may come with cooling, murmuring rain:
Leave him until he wakes by himself, until by himself he recants all weariness and whatever weariness taught through him!
Only, my brothers, drive the dogs from him, the lazy prowlers, and all the swarming vermin—
All the swarming vermin of the “cultured” who feast upon every hero’s sweat!—
19 I draw circles and sacred boundaries around myself; ever fewer climb ever higher mountains with me—I build a mountain range from ever holier mountains.—
But wherever you climb with me, my brothers, take care that no parasite climbs with you!
Parasite: a creeping, clinging worm that wants to grow fat in your sick, wounded corners.
And this is its art: to divine where ascending souls grow weary. In your grief and discontent, in your tender shame, it builds its disgusting nest.
Where the strong is weak, the noble all too gentle, there it builds its disgusting nest: the parasite dwells where greatness has little wounded corners.
What is the highest kind of all being, and what the lowest? The parasite is the lowest kind; but whoever is of the highest kind nourishes the most parasites.
The soul with the longest ladder, able to descend deepest: how could the most parasites not sit upon it?—
The most expansive soul, able to run and stray and roam farthest within itself; the most necessary, plunging joyfully into chance—
The soul that is, plunging into becoming; the possessing soul that wants to enter willing and desire—
The soul fleeing itself, catching itself upon the widest circle; the wisest soul, to which folly speaks most sweetly—
The soul loving itself most, in which all things have their streaming and return, ebb and flood: oh, how could the highest soul not have the worst parasites?
20 Oh, my brothers, am I cruel? But I say: whatever falls should also be pushed!
Everything of today falls, decays: who would hold it up? But I—I will push it too!
Do you know the sensual pleasure that rolls stones into steep depths? These people of today: look how they roll into my depths!
I am a prelude to better players, my brothers! An example! Follow my example!
And those you do not teach to fly, teach—to fall faster!—
21 I love the brave: but being a swordsman is not enough—one must also look carefully at whom one strikes!
And often there is more bravery in restraining oneself and passing by, so as to save oneself for the worthier enemy!
You should have only enemies to hate, not enemies to despise: you must be proud of your enemy—so I taught once before.
Save yourselves for the worthier enemy, my friends: that is why you must pass by much—
Especially much rabble clamoring into your ears about the people and peoples.
Keep your eyes pure of their For and Against! There is much right, much wrong: whoever looks on grows angry.
Looking in and striking in are one there: so go into the forests and lay your sword to sleep!
Follow your paths! Let the people and peoples follow theirs—dark paths, truly, upon which not one hope flashes anymore!
Let the merchant rule where everything still shining is merchants’ gold! It is no longer the age of kings: what now calls itself a people deserves no kings.
Look how these peoples now behave like merchants themselves: they glean the smallest advantages from every rubbish heap!
They lie in wait for one another, seeking to wrest something from each other: this they call “good neighborliness.” Oh, blessed distant age when a people said, “I will be master over peoples!”
For, my brothers, the best should rule; the best also wants to rule! And where the teaching says otherwise, there the best is missing.
22 If they had bread for nothing, alas! What would they cry for? Their livelihood is their true pastime: let it be hard for them!
They are beasts of prey: in their “working” there is still robbing; in their “earning” there is still outwitting! That is why it should be hard for them!
Thus they should become better beasts of prey, subtler, cleverer, more humanlike: for the human being is the finest beast of prey.
Humanity has already robbed every animal of its virtues: that is because, of all animals, humanity has had the hardest time.
Only birds are still above it. And if humanity learned to fly, alas! How high its appetite for plunder would fly!
23 Thus I want man and woman: the one fit for war, the other fit for giving birth, but both fit for dancing with head and legs.
Let the day be lost to us when we have not danced even once! And let every truth be called false that was not accompanied by at least one laugh!
24 Your concluding a marriage: take care it is not a bad conclusion! You concluded too quickly: so what follows is adultery!
Better breaking marriage than bending marriage, lying marriage! A woman said to me, “I broke my marriage, certainly, but first the marriage broke me!” I always found the badly paired the worst seekers of revenge: they make the whole world pay for their no longer going singly.
That is why I want honest people to say to one another, “We love each other: let us see to it that we keep loving! Or should our promise be a mistake?”
“Give us a term and a little marriage, to see whether we are fit for the great marriage! Being two forever is a great thing!”
Thus I counsel all honest people; what would my love of the overhuman and everything to come be if I counseled and spoke otherwise!
To propagate not merely onward, but upward—for that, my brothers, may the garden of marriage help you!
25 Whoever has grown wise about old origins, look, will at last seek springs of the future and new origins.—
Oh, my brothers, before long new peoples will spring up, and new springs rush down into new depths.
For the earthquake buries many wells and causes much thirst: it also brings inner powers and secrets to light.
The earthquake reveals new springs. In the earthquake of old peoples, new springs break out.
And around whoever cries, “Look, here is one spring for many thirsty ones, one heart for many longing ones, one will for many instruments,” a people gathers—that is, many experimenters.
Who can command, who must obey—that is tested there! Ah, with what long searching and divining and failing and learning and renewed experimenting!
Human society is an experiment, so I teach, a long search: but it seeks the commander!—
An experiment, my brothers, and not a “contract”! Break, break such a word of the soft-hearted and half-and-halves for me!
26 Oh, my brothers! Where lies the greatest danger to all humanity’s future? Is it not with the good and the just?—
With those who say and feel in their hearts, “We already know what is good and just; we possess it too; woe to those still seeking here!”
Whatever harm the evil may do, the harm of the good is the most harmful harm!
And whatever harm the world’s slanderers may do, the harm of the good is the most harmful harm.
Oh, my brothers, someone once looked into the hearts of the good and the just and said, “They are the Pharisees.” But no one understood him.
The good and the just themselves were not permitted to understand him: their spirit is imprisoned in their good conscience. The stupidity of the good is unfathomably clever.
But this is the truth: the good must be Pharisees—they have no choice!
The good must crucify whoever invents his own virtue! That is the truth!
But the second discoverer of their land, the land, heart, and soil of the good and the just, was the one who asked, “Whom do they hate most?”
The creator they hate most: whoever breaks tablets and old values, the breaker—they call him lawbreaker.
For the good cannot create: they are always the beginning of the end—
They crucify whoever writes new values upon new tablets; they sacrifice the future to themselves—they crucify all humanity’s future!
The good have always been the beginning of the end.—
27 Oh, my brothers, did you understand this word too? And what I once said about “the last human being”?
Where lies the greatest danger to all humanity’s future? Is it not with the good and the just?
Break, break the good and the just for me! Oh, my brothers, did you understand this word too?
28 You flee from me? You are frightened? You tremble before this word?
Oh, my brothers, only when I bade you break the good and the tablets of the good did I set humanity upon its high seas.
And only now come the great terror, the great looking around, the great sickness, the great disgust, the great seasickness.
The good taught you false shores and false securities; in the lies of the good you were born and sheltered. Everything is lied and bent to its foundation by the good.
But whoever discovered the land “humanity” also discovered the land “human future.” Now be sailors for me, brave and patient!
Walk upright in good time, my brothers; learn to walk upright! The sea rages: many want to stand upright again by leaning on you.
The sea rages: everything is in the sea. Come! Up! You old sailors’ hearts!
What fatherland! There our helm points, where our children’s land is! Out there, stormier than the sea, our great longing storms!—
29 “Why so hard?” the kitchen coal once said to the diamond. “Are we not close kin?”—
Why so soft? Oh, my brothers, thus I ask you: are you not my brothers?
Why so soft, so yielding and giving way? Why so much denial and disowning in your hearts? So little fate in your gaze?
And if you will not be fates and inexorable ones, how could you conquer with me?
And if your hardness will not flash and divide and cut, how could you one day create with me?
For creators are hard. And it must seem blessedness to press your hand upon millennia as upon wax—
Blessedness to write upon the will of millennia as upon bronze, harder than bronze, nobler than bronze. Only the noblest is wholly hard.
This new tablet, my brothers, I set above you: become hard!—
30 Oh, my will! You turning of all need, you my necessity! Preserve me from every little victory!
You dispensation of my soul, whom I call fate! You within me! Above me! Preserve and reserve me for one great fate!
And save your final greatness, my will, for your final task: to be inexorable in your victory! Ah, who has not succumbed to victory!
Ah, whose eye did not darken in this drunken twilight! Ah, whose foot did not stagger and forget how to stand in victory!—
Let me one day be ready and ripe at the great noon: ready and ripe as glowing bronze, a lightning-pregnant cloud, a swelling milk udder—
Ready for myself and my most hidden will: a bow ardent for its arrow, an arrow ardent for its star—
A star ready and ripe at its noon, glowing, pierced, blessed by annihilating arrows of sunlight—
A sun itself and an inexorable sun-will, ready to annihilate in victory!
Oh, will, turning of all need, you my necessity! Reserve me for one great victory!— —
Thus spoke Zarathustra.
The Convalescent
1 One morning, not long after returning to his cave, Zarathustra sprang from his bed like a madman, cried in a terrible voice, and behaved as though someone else lay upon the bed, unwilling to rise. Zarathustra’s voice rang so powerfully that his animals came in terror, and from every cave and hiding place near his cave all creatures darted away—flying, fluttering, crawling, leaping, according to the kind of foot and wing they had been given. But Zarathustra spoke these words:
“Up, abyssal thought, out of my depths! I am your rooster and dreadful dawn, sleepy worm: up! Up! My voice shall crow you awake!
“Unbind your ears’ fetters: listen! For I want to hear you! Up! Up! Here is thunder enough to teach even graves to listen!
“And wipe sleep and everything dull and blind from your eyes! Hear me with your eyes too: my voice is a remedy even for those born blind.
“And once awake, you shall remain awake for me forever. It is not my way to wake great-grandmothers merely to bid them—sleep on!
“You stir, stretch, gasp? Up! Up! Do not gasp—speak to me! Zarathustra the godless calls you!
“I, Zarathustra, advocate of life, advocate of suffering, advocate of the circle—I call you, my most abyssal thought!
“Hail to me! You come—I hear you! My abyss speaks; I have turned my final depth into the light!
“Hail to me! Come! Give me your hand—ha! Let go!
“Ha-ha! Disgust, disgust, disgust—woe to me!”
2 Scarcely had Zarathustra spoken these words when he fell like a dead man and lay a long time as though dead. But when he came to himself again, he was pale and trembling, and remained lying down, unwilling for a long time to eat or drink. This condition lasted seven days; his animals left him neither day nor night, except when the eagle flew out for food. Whatever it gathered and plundered it laid upon Zarathustra’s bed, until at last he lay among yellow and red berries, grapes, rose apples, fragrant herbs, and pinecones. At his feet lay two lambs the eagle had stolen from their shepherds with difficulty.
At last, after seven days, Zarathustra sat up in bed, took a rose apple, smelled it, and found its scent lovely. Then his animals believed the time had come to speak to him.
“Zarathustra,” they said, “you have lain like this seven days now, with heavy eyes: will you not stand upon your feet again at last?
“Step out of your cave: the world awaits you like a garden. The wind plays with heavy fragrances that want to reach you; all brooks would like to run after you.
“All things long for you, because you remained alone seven days—step out of your cave! All things want to be your physicians!
“Did some new knowledge come to you, sour and heavy? Like leavened dough you lay; your soul rose and swelled over every edge.”—
“Oh, my animals,” Zarathustra answered, “go on chattering like that and let me listen! Your chatter refreshes me: where there is chatter, the world already lies before me like a garden.
“How lovely that words and tones exist: are words and tones not rainbows and illusory bridges between things eternally separated?
“To every soul belongs another world; for every soul, every other soul is another world beyond.
“Precisely between the most alike, appearance lies most beautifully: for the smallest gulf is hardest to bridge.
“For me—how could there be an outside-me? There is no outside! But we forget that with every tone; how lovely that we forget!
“Were names and tones not given to things so that human beings might refresh themselves with things? Speaking is a beautiful folly: with it humanity dances over all things.
“How lovely are all speech and all the lying of tones! With tones our love dances upon bright rainbows.”—
“Zarathustra,” the animals then said, “for those who think as we do, all things dance themselves: they come and join hands and laugh and flee—and come back.
“Everything goes, everything returns; eternally the wheel of being rolls. Everything dies, everything blooms again; eternally the year of being runs.
“Everything breaks, everything is joined anew; eternally the same house of being builds itself. Everything parts, all things greet one another again; eternally the ring of being remains faithful to itself.
“In every instant being begins; around every Here the sphere There rolls. The center is everywhere. Crooked is eternity’s path.”—
“Oh, you mischievous fools and barrel organs!” Zarathustra answered, smiling again. “How well you know what had to be fulfilled in seven days—
“And how that monster crawled into my throat and choked me! But I bit off its head and spat it away.
“And you have already made a hurdy-gurdy song of it? But now I lie here, still weary of this biting and spitting away, still sick from my own redemption.
“And you watched all that? Oh, my animals, are you cruel too? Did you want to watch my great pain as human beings do? For humanity is the cruelest animal.
“At tragedies, bullfights, and crucifixions it has until now felt happiest on earth; and when it invented hell, look, that was its heaven on earth.
“When the great human being cries out, the small one runs up at once, tongue hanging from the throat with lust. But he calls it his ‘pity.’
“The small human being, especially the poet—how eagerly he accuses life in words! Listen, but do not fail to hear the pleasure in every accusation!
“Such accusers of life, life overcomes with a blink. ‘You love me?’ the impudent one says. ‘Wait a little longer; I have no time for you yet.’
“Humanity is the cruelest animal toward itself; and in everything called ‘sinner’ and ‘cross-bearer’ and ‘penitent,’ do not fail to hear the sensual pleasure in this complaining and accusing!
“And I myself—do I want to accuse humanity with this? Ah, my animals, this alone I have learned until now: humanity needs its worst for its best—
“That everything worst is its best strength and the hardest stone for the highest creator; and that humanity must grow better and more evil. I was not nailed to this stake of torment, knowing humanity is evil; rather, I cried as no one has yet cried:
“‘Ah, that its worst is so very small! Ah, that its best is so very small!’
“The great weariness of humanity—that choked me and crawled into my throat; and what the soothsayer foretold: ‘Everything is the same, nothing is worthwhile, knowledge chokes.’
“A long twilight limped before me, a death-weary, death-drunk sadness speaking with yawning mouth.
“‘Eternally returns the human being you are weary of, the small human being’: thus my sadness yawned, dragging its foot, unable to sleep.
“The human earth became a cave to me; its breast sank inward; everything living became human mold and bones and rotten past.
“My sighing sat upon every human grave and could no longer rise; my sighing and questioning croaked and choked and gnawed and lamented day and night:
“‘Ah, humanity returns eternally! The small human being returns eternally!’—
“Once I had seen both naked, the greatest and the smallest human being: all too similar—even the greatest all too human!
“The greatest all too small! That was my weariness of humanity! And eternal recurrence even of the smallest! That was my weariness of all existence!
“Ah, disgust! Disgust! Disgust!” Thus spoke Zarathustra, sighing and shuddering, for he remembered his sickness. But his animals would not let him speak further.
“Speak no more, convalescent!” his animals answered. “Go out instead, where the world awaits you like a garden.
“Go out to the roses and bees and flocks of doves! Especially to the songbirds, to learn singing from them!
“For singing is for convalescents; the healthy may speak. And even if the healthy want songs, they want different songs from the convalescent.”
“Oh, mischievous fools and barrel organs, be silent!” Zarathustra answered, smiling at his animals. “How well you know what comfort I invented for myself in seven days!
“That I must sing again—that comfort I invented, and this recovery: will you immediately make a hurdy-gurdy song of that too?”
“Speak no more,” his animals answered again. “Rather, convalescent, first prepare a lyre for yourself, a new lyre!
“For look, Zarathustra! Your new songs need new lyres.
“Sing and overflow, Zarathustra; heal your soul with new songs, so that you may bear your great fate, which has never yet been a human being’s fate!
“For your animals know well who you are and must become: look, you are the teacher of eternal recurrence—that is now your fate!
“That you must be the first to teach this teaching—how could this great fate not also be your greatest danger and sickness!
“Look, we know what you teach: all things return eternally, and we ourselves with them; we have already been here eternally many times, and all things with us.
“You teach that there is a great year of becoming, a monstrous great year: like an hourglass, it must turn itself over again and again to run down and run out anew—
“So that all these years are identical to one another, in greatest and smallest alike; so that in each great year we ourselves are equal to ourselves, in greatest and smallest alike.
“And if you wanted to die now, Zarathustra, look, we also know how you would speak to yourself—but your animals ask you not to die yet!
“You would speak without trembling, rather breathing freely in blessedness: for a great weight and stifling heat would have been taken from you, most patient one!—
“‘Now I die and vanish,’ you would say, ‘and in an instant I am nothing. Souls are as mortal as bodies.
“‘But the knot of causes in which I am entangled returns—it will create me again! I myself belong to the causes of eternal recurrence.
“‘I return with this sun, this earth, this eagle, this serpent—not to a new or better or similar life:
“‘I return eternally to this same and selfsame life, in greatest and smallest alike, to teach again the eternal recurrence of all things—
“‘To speak again the word of the great noon of earth and humanity, to proclaim the overhuman to humanity again.
“‘I spoke my word; I break upon my word: so my eternal lot wills—as a herald I perish!
“‘The hour has now come for the one going under to bless himself. Thus ends Zarathustra’s going-under.’”— —
When the animals had spoken these words, they fell silent and waited for Zarathustra to say something. But Zarathustra did not hear their silence. He lay still with closed eyes, like someone sleeping, though he was not asleep: for he was conversing with his soul. Finding him so silent, the serpent and eagle honored the great stillness around him and carefully withdrew.
On the Great Longing
Oh, my soul, I taught you to say “Today” like “One day” and “Once,” and dance your round beyond every Here and There and Over There.
Oh, my soul, I delivered you from every corner; I swept dust, spiders, and twilight from you.
Oh, my soul, I washed petty shame and corner virtue from you, persuading you to stand naked before the sun’s eyes.
With the storm called “spirit” I blew across your surging sea; I blew every cloud away, strangled even the strangler called “sin.”
Oh, my soul, I gave you the right to say No like the storm and Yes like the open sky: still as light you now stand and walk through negating storms.
Oh, my soul, I restored your freedom over the created and uncreated: who knows as you know the sensual delight of what is to come?
Oh, my soul, I taught you contempt that does not come like a worm’s gnawing, the great, loving contempt that loves most where it despises most.
Oh, my soul, I taught you to persuade so well that you persuade even the grounds of things toward you, like the sun persuading even the sea to its height.
Oh, my soul, I took from you all obeying, kneeling, and calling someone master; I gave you yourself the names “Turning of Need” and “Fate.”
Oh, my soul, I gave you new names and bright playthings; I called you “Fate” and “Compass of Compasses” and “Umbilical Cord of Time” and “Azure Bell.”
Oh, my soul, I gave your soil all wisdom to drink, all new wines and all the unimaginably ancient strong wines of wisdom.
Oh, my soul, I poured upon you every sun and every night, every silence and every longing: then you grew for me like a vine.
Oh, my soul, over-rich and heavy you stand now, a vine with swelling udders and crowded clusters of brown-gold grapes—
Crowded and pressed by your happiness, waiting in abundance and still ashamed of your waiting.
Oh, my soul, nowhere now is there a soul more loving, more embracing, more expansive! Where would future and past be closer together than with you?
Oh, my soul, I gave you everything, and all my hands have emptied themselves upon you—and now! Now, smiling and full of melancholy, you say to me, “Which of us must give thanks?—
“Must the giver not thank the receiver for receiving? Is giving not a need? Is receiving not—mercy?”—
Oh, my soul, I understand the smile of your melancholy: your very over-richness now stretches out longing hands!
Your fullness gazes over roaring seas, seeking and waiting; the longing of over-fullness looks from the smiling heaven of your eyes!
And truly, my soul! Who could see your smile without melting into tears? The angels themselves melt into tears at the overflowing goodness of your smile.
Your goodness and overflowing goodness refuse to complain and weep: yet, my soul, your smile longs for tears and your trembling mouth for sobs.
“Is all weeping not complaining? And all complaining not accusing?” Thus you speak to yourself, and that is why, my soul, you would rather smile than pour out your suffering—
Pour out in falling tears all your suffering over your fullness and all the vine’s yearning for the vintner and vintner’s knife!
But if you will not weep, not weep out your purple melancholy, then you must sing, my soul! Look, I smile myself as I foretell this to you:
Sing with a roaring song until all seas grow still to listen to your longing—
Until over still, longing seas floats the boat, the golden wonder, around whose gold all good, bad, wondrous things leap—
Many great and small creatures too, and everything with light, wondrous feet that can run upon violet-blue paths—
Toward the golden wonder, the willing boat and its master: but that is the vintner waiting with a diamond vintner’s knife—
Your great liberator, my soul, the nameless one, for whom only future songs will find names! And truly, already your breath smells of future songs—
Already you glow and dream, already you drink thirstily from every deep, resounding well of comfort; already your melancholy rests in the blessedness of future songs!— —
Oh, my soul, now I gave you everything, even my last, and all my hands have emptied themselves upon you: that I bade you sing, look, that was my last gift!
That I bade you sing—now speak, speak: which of us must give thanks? Better still: sing to me, sing, my soul! And let me give thanks!—
Thus spoke Zarathustra.
The Other Dance Song
1 “Into your eye I looked lately, Life: I saw gold glitter in your night-eye—my heart stood still at that delight:
“A golden boat I saw glitter upon night waters, sinking, drinking, beckoning again, a golden rocking boat!
“Toward my dance-mad foot you cast a glance, a laughing, questioning, melting, rocking glance:
“Only twice you shook your rattle with small hands—and already my foot rocked with dance-madness.—
“My heels reared, my toes listened to understand you: for the dancer carries his ear in his toes!
“Toward you I leaped: you fled back from my leap, and the tongue of your fleeing, flying hair flickered toward me!
“Away from you and your serpents I leaped: already you stood half turned, your eye full of desire.
“With crooked glances you teach me crooked paths; upon crooked paths my foot learns tricks!
“Near, I fear you; far, I love you. Your flight entices me; your seeking checks me: I suffer—but what would I not gladly suffer for you!
“She whose coldness kindles, whose hatred seduces, whose flight binds, whose mockery moves—
“Who has not hated you, great binder and entwiner, temptress, seeker, finder! Who has not loved you, innocent, impatient, wind-swift, child-eyed sinner!
“Where are you drawing me now, you paragon and unbridled one? And now you flee me again, sweet wild thing, ungrateful one!
“I dance after you, follow even your faintest trace. Where are you? Give me your hand! Or only a finger!
“Here are caves and thickets: we shall lose our way! Stop! Stand still! Do you not see owls and bats whirring?
“You owl! You bat! You mean to fool me? Where are we? You learned this howling and yapping from dogs.
“You bare your little white teeth sweetly at me; your evil eyes leap toward me from a little curling mane!
“This is a dance over stick and stone: I am the hunter—will you be my dog or my chamois?
“Now beside me! Quickly, malicious leaper! Now upward! And across! Alas! I myself fell in leaping!
“Oh, see me lying here, high-spirited one, begging for mercy! Gladly I would walk lovelier paths with you—
“Love’s paths through still, bright bushes! Or there along the lake, where goldfish swim and dance!
“Are you tired now? There are sheep and sunsets over there: is it not beautiful to sleep when shepherds play their flutes?
“Are you so terribly tired? I will carry you there; only let your arms fall! And if you thirst, I might have something—but your mouth will not drink it!—
“Oh, this cursed, swift, supple serpent and elusive witch! Where have you gone? But upon my face I feel two taps and red blotches from your hand!
“I am truly weary of always being your sheepish shepherd! Witch, if I have sung to you until now, now you shall scream for me!
“To the beat of my whip you shall dance and scream! Have I forgotten the whip? No!”—
2 Then Life answered me, covering her delicate ears:
“Zarathustra! Do not crack your whip so terribly! You know: noise murders thoughts—and such tender thoughts are coming to me just now.
“We are both genuine do-no-goods and do-no-evils. Beyond good and evil we found our island and green meadow, we two alone! So we must be fond of one another!
“And even if we do not love each other to the core, must people resent each other when they do not love to the core?
“And you know I am fond of you, often too fond: the reason is that I am jealous of your Wisdom. Ah, that mad old fool of a Wisdom!
“If your Wisdom once ran away from you, ah! My love too would quickly run away.”—
Then Life looked thoughtfully behind and around her and said softly, “Zarathustra, you are not faithful enough to me!
“You do not love me nearly as much as you say; I know you are thinking of leaving me soon.
“There is an old heavy, heavy booming bell: at night it booms up to your cave—
“When you hear this bell strike the hour at midnight, between one and twelve you think—
“You think, Zarathustra, I know it, that you want to leave me soon!”
“Yes,” I answered hesitantly, “but you know it too—” And I whispered something into her ear, amid her tangled, yellow, foolish locks.
“You know that, Zarathustra? No one knows that.”— —
And we looked at one another and at the green meadow over which the cool evening was passing, and wept together. But then Life was dearer to me than all my wisdom had ever been.—
Thus spoke Zarathustra.
3 One!Human being! Attend!
Two!What does deep midnight say?
Three!“I slept, I slept—
Four!“From deepest dream I woke:—
Five!“The world is deep,
Six!“Deeper than day has thought.
Seven!“Deep is its woe—
Eight!“Joy—deeper than heartache:
Nine!“Woe says: Pass away!
Ten!“But all joy wants eternity—
Eleven!“Wants deep, deep eternity!”
Twelve!
The Seven Seals
(Or: The Yes-and-Amen Song.)
1 If I am a soothsayer, full of that prophetic spirit that walks upon a high ridge between two seas—
Between past and future, like a heavy cloud, hostile to sultry lowlands and everything weary that can neither die nor live:
Ready for lightning in its dark breast and for the redeeming ray of light, pregnant with lightning that says Yes! Laughs Yes! With prophetic lightning bolts—
But blessed is the one thus pregnant! Truly, whoever shall one day kindle the future’s light must hang long upon the mountain like a heavy storm!—
Oh, how could I not be ardent for eternity and for the wedding ring of rings—the ring of recurrence!
Never yet have I found the woman from whom I wanted children, except this woman I love: for I love you, eternity!
For I love you, eternity!
2 If my anger ever broke graves, moved boundary stones, and rolled old broken tablets into steep depths:
If my mockery ever blew away rotten words, and I came like a broom to cross-marked spiders and like a sweeping wind to old musty burial chambers:
If ever I sat rejoicing where old gods lie buried, blessing the world, loving the world, beside the monuments of old slanderers of the world—
For I love even churches and gods’ tombs once the sky looks with pure eyes through their broken roofs; gladly I sit like grass and red poppies upon broken churches—oh, how could I not be ardent for eternity and for the wedding ring of rings—the ring of recurrence?
Never yet have I found the woman from whom I wanted children, except this woman I love: for I love you, eternity!
For I love you, eternity!
3 If ever a breath of the creative breath came to me, and of that heavenly need that compels even accidents to dance starry rounds:
If ever I laughed with the creative lightning’s laughter, followed by the long thunder of the deed, rumbling but obedient: if ever I played dice with gods upon the gods’ table of earth, so that earth shook and broke and snorted up rivers of fire—
For earth is a gods’ table, trembling with creative new words and gods’ dice throws—
Oh, how could I not be ardent for eternity and for the wedding ring of rings—the ring of recurrence?
Never yet have I found the woman from whom I wanted children, except this woman I love: for I love you, eternity!
For I love you, eternity!
4 If ever I drank deeply from that foaming cup of spice and mixture in which all things are well mixed:
If ever my hand poured the farthest into the nearest, fire into spirit, joy into suffering, and the worst into the kindest:
If I myself am a grain of that redeeming salt that makes all things mix well in the mixing cup—
For there is a salt that binds good with evil; and even the worst is worthy as seasoning and for the final overflowing—
Oh, how could I not be ardent for eternity and for the wedding ring of rings—the ring of recurrence?
Never yet have I found the woman from whom I wanted children, except this woman I love: for I love you, eternity!
For I love you, eternity!
5 If I am fond of the sea and everything sea-like, fondest when it contradicts me angrily:
If that searching delight is within me that drives sails toward the undiscovered, if a sailor’s delight lives within my delight:
If ever my rejoicing cried, “The shore has vanished—now my last chain has fallen—
“The boundless roars around me; far out space and time shine for me. Come! Up! Old heart!”—
Oh, how could I not be ardent for eternity and for the wedding ring of rings—the ring of recurrence?
Never yet have I found the woman from whom I wanted children, except this woman I love: for I love you, eternity!
For I love you, eternity!
6 If my virtue is a dancer’s virtue, and I often leaped with both feet into golden-emerald rapture: if my malice is a laughing malice, at home among rose slopes and lily hedges—
For in laughter all evil is together, but made holy and absolved by its own blessedness—
And if this is my A and O, that everything heavy become light, every body a dancer, every spirit a bird—and truly, this is my A and O!—
Oh, how could I not be ardent for eternity and for the wedding ring of rings—the ring of recurrence!
Never yet have I found the woman from whom I wanted children, except this woman I love: for I love you, eternity!
For I love you, eternity!
7 If ever I spread still skies above me and flew with my own wings into my own skies:
If playfully I swam in deep distances of light, and my freedom gained bird wisdom—
For thus speaks bird wisdom: “Look, there is no above, no below! Cast yourself around, outward, backward, light one! Sing! Speak no more!
“Were all words not made for the heavy? Do all words not lie to the light one? Sing! Speak no more!”—
Oh, how could I not be ardent for eternity and for the wedding ring of rings—the ring of recurrence?
Never yet have I found the woman from whom I wanted children, except this woman I love: for I love you, eternity!
For I love you, eternity!
Part 4
Vierter und letzter Theil
Ach, wo in der Welt geschahen grössere Thorheiten, als bei den Mitleidigen? Und was in der Welt stiftete mehr Leid, als die Thorheiten der Mitleidigen?
Wehe allen Liebenden, die nicht noch eine Höhe haben, welche über ihrem Mitleiden ist!
Also sprach der Teufel einst zu mir: „auch Gott hat seine Hölle: das ist seine Liebe zu den Menschen.“
Und jüngst hörte ich ihn diess Wort sagen: „Gott ist todt; an seinem Mitleiden mit den Menschen ist Gott gestorben.“
Also sprach Zarathustra 2 p. 12.
Das Honig-Opfer.
— Und wieder liefen Monde und Jahre über Zarathustra's Seele, und er achtete dessen nicht; sein Haar aber wurde weiss. Eines Tages, als er auf einem Steine vor seiner Höhle sass und still hinausschaute, — man schaut aber dort auf das Meer hinaus, und hinweg über gewundene Abgründe —, da giengen seine Thiere nachdenklich um ihn herum und stellten sich endlich vor ihn hin.
„Oh Zarathustra, sagten sie, schaust du wohl aus nach deinem Glücke?“ — „Was liegt am Glücke! antwortete er, ich trachte lange nicht mehr nach Glücke, ich trachte nach meinem Werke.“ — „Oh Zarathustra, redeten die Thiere abermals, Das sagst du als Einer, der des Guten übergenug hat. Liegst du nicht in einem himmelblauen See von Glück?“ — „Ihr Schalks-Narren, antwortete Zarathustra und lächelte, wie gut wähltet ihr das Gleichniss! Aber ihr wisst auch, dass mein Glück schwer ist und nicht wie eine flüssige Wasserwelle: es drängt mich und will nicht von mir und thut gleich geschmolzenem Peche.“ —
Da giengen die Thiere wieder nachdenklich um ihn herum und stellten sich dann abermals vor ihn hin. „Oh Zarathustra, sagten sie, daher also kommt es, dass du selber immer gelber und dunkler wirst, obschon dein Haar weiss und flächsern aussehen will? Siehe doch, du sitzest in deinem Peche!“ — „Was sagt ihr da, meine Thiere, sagte Zarathustra und lachte dazu, wahrlich, ich lästerte als ich von Peche sprach. Wie mir geschieht, so geht es allen Früchten, die reif werden. Es ist der Honig in meinen Adern, der mein Blut dicker und auch meine Seele stiller macht.“ — „So wird es sein, oh Zarathustra, antworteten die Thiere und drängten sich an ihn; willst du aber nicht heute auf einen hohen Berg steigen? Die Luft ist rein, und man sieht heute mehr von der Welt als jemals.“ — „Ja, meine Thiere, antwortete er, ihr rathet trefflich und mir nach dem Herzen: ich will heute auf einen hohen Berg steigen! Aber sorgt, dass dort Honig mir zur Hand sei, gelber, weisser, guter, eisfrischer Waben-Goldhonig. Denn wisset, ich will droben das Honig-Opfer bringen.“ —
Als Zarathustra aber oben auf der Höhe war, sandte er die Thiere heim, die ihn geleitet hatten, und fand, dass er nunmehr allein sei: — da lachte er aus ganzem Herzen, sah sich um und sprach also:
Dass ich von Opfern sprach und Honig-Opfern, eine List war's nur meiner Rede und, wahrlich, eine nützliche Thorheit! Hier oben darf ich schon freier reden, als vor Einsiedler-Höhlen und Einsiedler-Hausthieren.
Was opfern! Ich verschwende, was mir geschenkt wird, ich Verschwender mit tausend Händen: wie dürfte ich Das noch — Opfern heissen!
Und als ich nach Honig begehrte, begehrte ich nur nach Köder und süssem Seime und Schleime, nach dem auch Brummbären und wunderliche mürrische böse Vögel die Zunge lecken:
— nach dem besten Köder, wie er Jägern und Fischfängern noththut. Denn wenn die Welt wie ein dunkler Thierwald ist und aller wilden Jäger Lustgarten, so dünkt sie mich noch mehr und lieber ein abgründliches reiches Meer,
— ein Meer voll bunter Fische und Krebse, nach dem es auch Götter gelüsten möchte, dass sie an ihm zu Fischern würden und zu Netz-Auswerfern: so reich ist die Welt an Wunderlichem, grossem und kleinem!
Sonderlich die Menschen-Welt, das Menschen-Meer: — nach dem werfe ich nun meine goldene Angelruthe aus und spreche: thue dich auf, du Menschen-Abgrund!
Thue dich auf und wirf mir deine Fische und Glitzer-Krebse zu! Mit meinem besten Köder ködere ich mir heute die wunderlichsten Menschen-Fische!
— mein Glück selber werfe ich hinaus in alle Weiten und Fernen, zwischen Aufgang, Mittag und Niedergang, ob nicht an meinem Glücke viele Menschen-Fische zerrn und zappeln lernen.
Bis sie, anbeissend an meine spitzen verborgenen Haken, hinauf müssen in meine Höhe, die buntesten Abgrund-Gründlinge zu dem boshaftigsten aller Menschen-Fischfänger.
Der nämlich bin ich von Grund und Anbeginn, ziehend, heranziehend, hinaufziehend, aufziehend, ein Zieher, Züchter und Zuchtmeister, der sich nicht umsonst einstmals zusprach: „Werde, der du bist!“
Also mögen nunmehr die Menschen zu mir hinauf kommen: denn noch warte ich der Zeichen, dass es Zeit sei zu meinem Niedergange; noch gehe ich selber nicht unter, wie ich muss, unter Menschen.
Dazu warte ich hier, listig und spöttisch auf hohen Bergen, kein Ungeduldiger, kein Geduldiger, vielmehr Einer, der auch die Geduld verlernt hat, — weil er nicht mehr „duldet.“
Mein Schicksal nämlich lässt mir Zeit: es vergass mich wohl? Oder sitzt es hinter einem grossen Steine im Schatten und fängt Fliegen?
Und wahrlich, ich bin ihm gut darob, meinem ewigen Schicksale, dass es mich nicht hetzt und drängt und mir Zeit zu Possen lässt und Bosheiten: also dass ich heute zu einem Fischfange auf diesen hohen Berg stieg.
Fieng wohl je ein Mensch auf hohen Bergen Fische? Und wenn es auch eine Thorheit ist, was ich hier oben will und treibe: besser noch Diess, als dass ich da unten feierlich würde vor Warten und grün und gelb —
— ein gespreitzter Zornschnauber vor Warten, ein heiliger Heule-Sturm aus Bergen, ein Ungeduldiger, der in die Thäler hinab ruft: „Hört, oder ich peitsche euch mit der Geissel Gottes!“
Nicht dass ich solchen Zürnern darob gram würde: zum Lachen sind sie mir gut genung! Ungeduldig müssen sie schon sein, diese grossen Lärmtrommeln, welche heute oder niemals zu Worte kommen!
Ich aber und mein Schicksal — wir reden nicht zum Heute, wir reden auch nicht zum Niemals: wir haben zum Reden schon Geduld und Zeit und Überzeit. Denn einst muss er doch kommen und darf nicht vorübergehn.
Wer muss einst kommen und darf nicht vorübergehn? Unser grosser Hazar, das ist unser grosses fernes Menschen-Reich, das Zarathustra-Reich von tausend Jahren — —
Wie ferne mag solches „Ferne“ sein? was geht's mich an! Aber darum steht es mir doch nicht minder fest —, mit beiden Füssen stehe ich sicher auf diesem Grunde,
— auf einem ewigen Grunde, auf hartem Urgesteine, auf diesem höchsten härtesten Urgebirge, zu dem alle Winde kommen als zur Wetterscheide, fragend nach Wo? und Woher? und Wohinaus?
Hier lache, lache, meine helle heile Bosheit! Von hohen Bergen wirf hinab dein glitzerndes Spott-Gelächter! Ködere mit deinem Glitzern mir die schönsten Menschen-Fische!
Und was in allen Meeren mir zugehört, mein An-und-für-mich in allen Dingen — Das fische mir heraus, Das führe zu mir herauf: dess warte ich, der boshaftigste aller Fischfänger.
Hinaus, hinaus, meine Angel! Hinein, hinab, Köder meines Glücks! Träufle deinen süssesten Thau, mein Herzens-Honig! Beisse, meine Angel, in den Bauch aller schwarzen Trübsal!
Hinaus, hinaus, mein Auge! Oh welche vielen Meere rings um mich, welch' dämmernde Menschen-Zukünfte! Und über mir — welch rosenrothe Stille! Welch entwölktes Schweigen!
Der Nothschrei.
Des nächsten Tages sass Zarathustra wieder auf seinem Steine vor der Höhle, während die Thiere draussen in der Welt herumschweiften, dass sie neue Nahrung heimbrächten, — auch neuen Honig: denn Zarathustra hatte den alten Honig bis auf das letzte Korn verthan und verschwendet. Als er aber dermaassen dasass, mit einem Stecken in der Hand, und den Schatten seiner Gestalt auf der Erde abzeichnete, nachdenkend, und wahrlich! nicht über sich und seinen Schatten — da erschrak er mit Einem Male und fuhr zusammen: denn er sahe neben seinem Schatten noch einen andern Schatten. Und wie er schnell um sich blickte und aufstand, siehe, da stand der Wahrsager neben ihm, der selbe, den er einstmals an seinem Tische gespeist und getränkt hatte, der Verkündiger der grossen Müdigkeit, welcher lehrte: „Alles ist gleich, es lohnt sich Nichts, Welt ist ohne Sinn, Wissen würgt.“ Aber sein Antlitz hatte sich inzwischen verwandelt; und als ihm Zarathustra in die Augen blickte, wurde sein Herz abermals erschreckt: so viel schlimme Verkündigungen und aschgraue Blitze liefen über diess Gesicht.
Der Wahrsager, der es wahrgenommen, was sich in Zarathustra's Seele zutrug, wischte mit der Hand über sein Antlitz hin, wie als ob er dasselbe wegwischen wollte; desgleichen that auch Zarathustra. Und als Beide dergestalt sich schweigend gefasst und gekräftigt hatten, gaben sie sich die Hände, zum Zeichen, dass sie sich wiedererkennen wollten.
„Sei mir willkommen, sagte Zarathustra, du Wahrsager der grossen Müdigkeit, du sollst nicht umsonst einstmals mein Tisch- und Gastfreund gewesen sein. Iss und trink auch heute bei mir und vergieb es, dass ein vergnügter alter Mann mit dir zu Tische sitzt!“ — „Ein vergnügter alter Mann? antwortete der Wahrsager, den Kopf schüttelnd: wer du aber auch bist oder sein willst, oh Zarathustra, du bist es zum Längsten hier Oben gewesen, — dein Nachen soll über Kurzem nicht mehr im Trocknen sitzen!“ — „Sitze ich denn im Trocknen?“ fragte Zarathustra lachend. — „Die Wellen um deinen Berg, antwortete der Wahrsager, steigen und steigen, die Wellen grosser Noth und Trübsal: die werden bald auch deinen Nachen heben und dich davontragen.“ — Zarathustra schwieg hierauf und wunderte sich. — „Hörst du noch Nichts? fuhr der Wahrsager fort: rauscht und braust es nicht herauf aus der Tiefe?“ — Zarathustra schwieg abermals und horchte: da hörte er einen langen, langen Schrei, welchen die Abgründe sich zuwarfen und weitergaben, denn keiner wollte ihn behalten: so böse klang er.
„Du schlimmer Verkündiger, sprach endlich Zarathustra, das ist ein Nothschrei und der Schrei eines Menschen; der mag wohl aus einem schwarzen Meere kommen. Aber was geht mich Menschen-Noth an! Meine letzte Sünde, die mir aufgespart blieb, — weisst du wohl, wie sie heisst?“
— „Mitleiden!“ antwortete der Wahrsager aus einem überströmenden Herzen und hob beide Hände empor — „oh Zarathustra, ich komme, dass ich dich zu deiner letzten Sünde verführe!“ —
Und kaum waren diese Worte gesprochen, da erscholl der Schrei abermals, und länger und ängstlicher als vorher, auch schon viel näher. „Hörst du? Hörst du, oh Zarathustra? rief der Wahrsager, dir gilt der Schrei, dich ruft er: komm, komm, komm, es ist Zeit, es ist höchste Zeit!“ —
Zarathustra schwieg hierauf, verwirrt und erschüttert; endlich fragte er, wie Einer, der bei sich selber zögert: „Und wer ist das, der dort mich ruft?“
„Aber du weisst es ja, antwortete der Wahrsager heftig, was verbirgst du dich? Der höhere Mensch ist es, der nach dir schreit!“
„Der höhere Mensch? schrie Zarathustra von Grausen erfasst: was will der? Was will der? Der höhere Mensch! Was will der hier?“ — und seine Haut bedeckte sich mit Schweiss.
Der Wahrsager aber antwortete nicht auf die Angst Zarathustra's, sondern horchte und horchte nach der Tiefe zu. Als es jedoch lange Zeit dort stille blieb, wandte er seinen Blick zurück und sahe Zarathustra stehn und zittern.
„Oh Zarathustra, hob er mit trauriger Stimme an, du stehst nicht da wie Einer, den sein Glück drehend macht: du wirst tanzen müssen, dass du mir nicht umfällst!
Aber wenn du auch vor mir tanzen wolltest und alle deine Seitensprünge springen: Niemand soll mir doch sagen dürfen: „Siehe, hier tanzt der letzte frohe Mensch!“
Umsonst käme Einer auf diese Höhe, der den hier suchte: Höhlen fände er wohl und Hinter-Höhlen, Verstecke für Versteckte, aber nicht Glücks-Schachte und Schatzkammern und neue Glücks-Goldadern.
Glück — wie fände man wohl das Glück bei solchen Vergrabenen und Einsiedlern! Muss ich das letzte Glück noch auf glückseligen Inseln suchen und ferne zwischen vergessenen Meeren?
Aber Alles ist gleich, es lohnt sich Nichts, es hilft kein Suchen, es giebt auch keine glückseligen Inseln mehr!“ — —
Also seufzte der Wahrsager; bei seinem letzten Seufzer aber wurde Zarathustra wieder hell und sicher, gleich Einem, der aus einem tiefen Schlunde an's Licht kommt. „Nein! Nein! Drei Mal Nein! rief er mit starker Stimme und strich sich den Bart — Das weiss ich besser! Es giebt noch glückselige Inseln! Stille davon, du seufzender Trauersack!
Höre davon auf zu plätschern, du Regenwolke am Vormittag! Stehe ich denn nicht schon da, nass von deiner Trübsal und begossen wie ein Hund?
Nun schüttle ich mich und laufe dir davon, dass ich wieder trocken werde: dess darfst du nicht Wunder haben! Dünke ich dir unhöflich? Aber hier ist mein Hof.
Was aber deinen höheren Menschen angeht: wohlan! ich suche ihn flugs in jenen Wäldern: daher kam sein Schrei. Vielleicht bedrängt ihn da ein böses Thier.
Er ist in meinem Bereiche: darin soll er mir nicht zu Schaden kommen! Und wahrlich, es giebt viele böse Thiere bei mir.“ —
Mit diesen Worten wandte sich Zarathustra zum Gehen. Da sprach der Wahrsager: „Oh Zarathustra, du bist ein Schelm!
Ich weiss es schon: du willst mich los sein! Lieber noch läufst du in die Wälder und stellst bösen Thieren nach!
Aber was hilft es dir? Des Abends wirst du doch mich wiederhaben; in deiner eignen Höhle werde ich dasitzen, geduldig und schwer wie ein Klotz — und auf dich warten!“
„So sei's! rief Zarathustra zurück im Fortgehn: und was mein ist in meiner Höhle, gehört auch dir, meinem Gastfreunde!
Solltest du aber drin noch Honig finden, wohlan! so lecke ihn nur auf, du Brummbär, und versüsse deine Seele! Am Abende nämlich wollen wir Beide guter Dinge sein,
— guter Dinge und froh darob, dass dieser Tag zu Ende gieng! Und du selber sollst zu meinen Liedern als mein Tanzbär tanzen.
Du glaubst nicht daran? Du schüttelst den Kopf? Wohlan! Wohlauf! Alter Bär! Aber auch ich — bin ein Wahrsager.“
Also sprach Zarathustra.
Gespräch mit den Königen.
1 Zarathustra war noch keine Stunde in seinen Bergen und Wäldern unterwegs, da sahe er mit Einem Male einen seltsamen Aufzug. Gerade auf dem Wege, den er hinabwollte, kamen zwei Könige gegangen, mit Kronen und Purpurgürteln geschmückt und bunt wie Flamingo-Vögel: die trieben einen beladenen Esel vor sich her. „Was wollen diese Könige in meinem Reiche?“ sprach Zarathustra erstaunt zu seinem Herzen und versteckte sich geschwind hinter einem Busche. Als aber die Könige bis zu ihm herankamen, sagte er, halblaut, wie Einer, der zu sich allein redet: „Seltsam! Seltsam! Wie reimt sich Das zusammen? Zwei Könige sehe ich — und nur Einen Esel!“
Da machten die beiden Könige Halt, lächelten, sahen nach der Stelle hin, woher die Stimme kam und sahen sich nachher selber in's Gesicht. „Solcherlei denkt man wohl auch unter uns, sagte der König zur Rechten, aber man spricht es nicht aus.“
Der König zur Linken aber zuckte mit den Achseln und antwortete: „Das mag wohl ein Ziegenhirt sein. Oder ein Einsiedler, der zu lange unter Felsen und Bäumen lebte. Gar keine Gesellschaft nämlich verdirbt auch die guten Sitten.“
„Die guten Sitten? entgegnete unwillig und bitter der andre König: wem laufen wir denn aus dem Wege? Ist es nicht den „guten Sitten“? Unsrer „guten Gesellschaft“?
Lieber, wahrlich, unter Einsiedlern und Ziegenhirten als mit unserm vergoldeten falschen überschminkten Pöbel leben, — ob er sich schon „gute Gesellschaft“ heisst,
— ob er sich schon „Adel“ heisst. Aber da ist Alles falsch und faul, voran das Blut, Dank alten schlechten Krankheiten und schlechteren Heil-Künstlern.
Der Beste und Liebste ist mir heute noch ein gesunder Bauer, grob, listig, hartnäckig, langhaltig: das ist heute die vornehmste Art.
Der Bauer ist heute der beste; und Bauern-Art sollte Herr sein! Aber es ist das Reich des Pöbels, — ich lasse mir Nichts mehr vormachen. Pöbel aber, das heisst: Mischmasch.
Pöbel-Mischmasch: darin ist Alles in Allem durcheinander, Heiliger und Hallunke und Junker und Jude und jeglich Vieh aus der Arche Noäh.
Gute Sitten! Alles ist bei uns falsch und faul. Niemand weiss mehr zu verehren: dem gerade laufen wir davon. Es sind süssliche zudringliche Hunde, sie vergolden Palmenblätter.
Dieser Ekel würgt mich, dass wir Könige selber falsch wurden, überhängt und verkleidet durch alten vergilbten Grossväter-Prunk, Schaumünzen für die Dümmsten und die Schlauesten und wer heute Alles mit der Macht Schacher treibt!
Wir sind nicht die Ersten — und müssen es doch bedeuten: dieser Betrügerei sind wir endlich satt und ekel geworden.
Dem Gesindel giengen wir aus dem Wege, allen diesen Schreihälsen und Schreib-Schmeissfliegen, dem Krämer-Gestank, dem Ehrgeiz-Gezappel, dem üblen Athem —: pfui, unter dem Gesindel leben,
— pfui, unter dem Gesindel die Ersten zu bedeuten! Ach, Ekel! Ekel! Ekel! Was liegt noch an uns Königen!“ —
„Deine alte Krankheit fällt dich an, sagte hier der König zur Linken, der Ekel fällt dich an, mein armer Bruder. Aber du weisst es doch, es hört uns Einer zu.“
Sofort erhob sich Zarathustra, der zu diesen Reden Ohren und Augen aufgesperrt hatte, aus seinem Schlupfwinkel, trat auf die Könige zu und begann:
„Der Euch zuhört, der Euch gerne zuhört, ihr Könige, der heisst Zarathustra.
Ich bin Zarathustra, der einst sprach: „Was liegt noch an Königen!“ Vergebt mir, ich freute mich, als Ihr zu einander sagtet: „Was liegt an uns Königen!“
Hier aber ist mein Reich und meine Herrschaft: was mögt Ihr wohl in meinem Reiche suchen? Vielleicht aber fandet Ihr unterwegs, was ich suche: nämlich den höheren Menschen.“
Als Diess die Könige hörten, schlugen sie sich an die Brust und sprachen mit Einem Munde: „Wir sind erkannt!
Mit dem Schwerte dieses Wortes zerhaust du unsres Herzens dickste Finsterniss. Du entdecktest unsre Noth, denn siehe! Wir sind unterwegs, dass wir den höheren Menschen fänden —
— den Menschen, der höher ist als wir: ob wir gleich Könige sind. Ihm führen wir diesen Esel zu. Der höchste Mensch nämlich soll auf Erden auch der höchste Herr sein.
Es giebt kein härteres Unglück in allem Menschen-Schicksale, als wenn die Mächtigen der Erde nicht auch die ersten Menschen sind. Da wird Alles falsch und schief und ungeheuer.
Und wenn sie gar die letzten sind und mehr Vieh als Mensch: da steigt und steigt der Pöbel im Preise, und endlich spricht gar die Pöbel-Tugend: „siehe, ich allein bin Tugend!“ —
Was hörte ich eben? antwortete Zarathustra; welche Weisheit bei Königen! Ich bin entzückt, und, wahrlich, schon gelüstet's mich, einen Reim darauf zu machen: —
— mag es auch ein Reim werden, der nicht für Jedermanns Ohren taugt. Ich verlernte seit langem schon die Rücksicht auf lange Ohren. Wohlan! Wohlauf!
(Hier aber geschah es, dass auch der Esel zu Worte kam: er sagte aber deutlich und mit bösem Willen I-A.)
Einstmals — ich glaub', im Jahr des Heiles Eins —Sprach die Sibylle, trunken sonder Weins:„Weh, nun geht's schief!„Verfall! Verfall! Nie sank die Welt so tief!„Rom sank zur Hure und zur Huren-Bude,„Rom's Caesar sank zum Vieh, Gott selbst — ward Jude!“
2 An diesen Reimen Zarathustra's weideten sich die Könige; der König zur Rechten aber sprach: „oh Zarathustra, wie gut thaten wir, dass wir auszogen, dich zu sehn!
Deine Feinde nämlich zeigten uns dein Bild in ihrem Spiegel: da blicktest du mit der Fratze eines Teufels und hohnlachend: also dass wir uns vor dir fürchteten.
Aber was half's! Immer wieder stachst du uns in Ohr und Herz mit deinen Sprüchen. Da sprachen wir endlich: was liegt daran, wie er aussieht!
Wir müssen ihn hören, ihn, der lehrt „ihr sollt den Frieden lieben als Mittel zu neuen Kriegen, und den kurzen Frieden mehr als den langen!“
Niemand sprach je so kriegerische Worte: „Was ist gut? Tapfer sein ist gut. Der gute Krieg ist's, der jede Sache heiligt.“
Oh Zarathustra, unsrer Väter Blut rührte sich bei solchen Worten in unserm Leibe: das war wie die Rede des Frühlings zu alten Weinfässern.
Wenn die Schwerter durcheinander liefen gleich rothgefleckten Schlangen, da wurden unsre Väter dem Leben gut; alles Friedens Sonne dünkte sie flau und lau, der lange Frieden aber machte Scham.
Wie sie seufzten, unsre Väter, wenn sie an der Wand blitzblanke ausgedorrte Schwerter sahen! Denen gleich dürsteten sie nach Krieg. Ein Schwert nämlich will Blut trinken und funkelt vor Begierde.“ — —
— Als die Könige dergestalt mit Eifer von dem Glück ihrer Väter redeten und schwätzten, überkam Zarathustra keine kleine Lust, ihres Eifers zu spotten: denn ersichtlich waren es sehr friedfertige Könige, welche er vor sich sah, solche mit alten und feinen Gesichtern. Aber er bezwang sich. „Wohlan! sprach er, dorthin führt der Weg, da liegt die Höhle Zarathustra's; und dieser Tag soll einen langen Abend haben! Jetzt aber ruft mich eilig ein Nothschrei fort von Euch.
Es ehrt meine Höhle, wenn Könige in ihr sitzen und warten wollen: aber, freilich, Ihr werdet lange warten müssen!
Je nun! Was thut's! Wo lernt man heute besser warten als an Höfen? Und der Könige ganze Tugend, die ihnen übrig blieb, — heisst sie heute nicht: Warten-können?“
Also sprach Zarathustra.
Der Blutegel.
Und Zarathustra gieng nachdenklich weiter und tiefer, durch Wälder und vorbei an moorigen Gründen; wie es aber Jedem ergeht, der über schwere Dinge nachdenkt, so trat er unversehens dabei auf einen Menschen. Und siehe, da sprützten ihm mit Einem Male ein Weheschrei und zwei Flüche und zwanzig schlimme Schimpfworte in's Gesicht: also dass er in seinem Schrecken den Stock erhob und auch auf den Getretenen noch zuschlug. Gleich darauf aber kam ihm die Besinnung; und sein Herz lachte über die Thorheit, die er eben gethan hatte.
„Vergieb, sagte er zu dem Getretenen, der sich grimmig erhoben und gesetzt hatte, vergieb und vernimm vor Allem erst ein Gleichniss.
Wie ein Wanderer, der von fernen Dingen träumt, unversehens auf einsamer Strasse einen schlafenden Hund anstösst, einen Hund, der in der Sonne liegt:
— wie da Beide auffahren, sich anfahren, Todfeinden gleich, diese zwei zu Tod Erschrockenen: also ergieng es uns.
Und doch! Und doch — wie Wenig hat gefehlt, dass sie einander liebkosten, dieser Hund und dieser Einsame! Sind sie doch Beide — Einsame!
— „Wer du auch sein magst, sagte immer noch grimmig der Getretene, du trittst mir auch mit deinem Gleichniss zu nahe, und nicht nur mit deinem Fusse!
Siehe doch, bin ich denn ein Hund?“ — und dabei erhob sich der Sitzende und zog seinen nackten Arm aus dem Sumpfe. Zuerst nämlich hatte er ausgestreckt am Boden gelegen, verborgen und unkenntlich gleich Solchen, die einem Sumpf-Wilde auflauern.
„Aber was treibst du doch!“ rief Zarathustra erschreckt, denn sahe, dass über den nackten Arm weg viel Blut floss, — „was ist dir zugestossen? Biss dich, du Unseliger, ein schlimmes Thier?“
Der Blutende lachte, immer noch erzürnt. „Was geht's dich an! sagte er und wollte weitergehn. Hier bin ich heim und in meinem Bereiche. Mag mich fragen, wer da will: einem Tölpel aber werde ich schwerlich antworten.“
„Du irrst, sagte Zarathustra mitleidig und hielt ihn fest, du irrst: hier bist du nicht bei dir, sondern in meinem Reiche, und darin soll mir Keiner zu Schaden kommen.
Nenne mich aber immerhin, wie du willst, — ich bin, der ich sein muss. Ich selber heisse mich Zarathustra.
Wohlan! Dort hinauf geht der Weg zu Zarathustra's Höhle: die ist nicht fern, — willst du nicht bei mir deiner Wunden warten?
Es gieng dir schlimm, du Unseliger, in diesem Leben: erst biss dich das Thier, und dann — trat dich der Mensch!“ — —
Als aber der Getretene den Namen Zarathustra's hörte, verwandelte er sich. „Was geschieht mir doch! rief er aus, wer kümmert mich denn noch in diesem Leben, als dieser Eine Mensch, nämlich Zarathustra, und jenes Eine Thier, das vom Blute lebt, der Blutegel?
Des Blutegels halber lag ich hier an diesem Sumpfe wie ein Fischer, und schon war mein ausgehängter Arm zehn Mal angebissen, da beisst noch ein schönerer Igel nach meinem Blute, Zarathustra selber!
Oh Glück! Oh Wunder! Gelobt sei dieser Tag, der mich in diesen Sumpf lockte! Gelobt sei der beste lebendigste Schröpfkopf, der heut lebt, gelobt sei der grosse Gewissens-Blutegel Zarathustra!“ —
Also sprach der Getretene; und Zarathustra freute sich über seine Worte und ihre feine ehrfürchtige Art. „Wer bist du? fragte er und reichte ihm die Hand, zwischen uns bleibt Viel aufzuklären und aufzuheitern: aber schon, dünkt mich, wird es reiner heller Tag.“
„Ich bin der Gewissenhafte des Geistes, antwortete der Gefragte, und in Dingen des Geistes nimmt es nicht leicht Einer strenger, enger und härter als ich, ausgenommen Der, von dem ich's lernte, Zarathustra selber.
Lieber Nichts wissen, als Vieles halb wissen! Lieber ein Narr sein auf eigne Faust, als ein Weiser nach fremdem Gutdünken! Ich — gehe auf den Grund:
— was liegt daran, ob er gross oder klein ist? Ob er Sumpf oder Himmel heisst? Eine Hand breit Grund ist mir genung: wenn er nur wirklich Grund und Boden ist!
— eine Hand breit Grund: darauf kann man stehn. In der rechten Wissen-Gewissenschaft giebt es nichts Grosses und nichts Kleines.“
„So bist du vielleicht der Erkenner des Blutegels? fragte Zarathustra; und du gehst dem Blutegel nach bis auf die letzten Gründe, du Gewissenhafter?“
„Oh Zarathustra, antwortete der Getretene, das wäre ein Ungeheures, wie dürfte ich mich dessen unterfangen!
Wess ich aber Meister und Kenner bin, das ist des Blutegels Hirn: — das ist meine Welt!
Und es ist auch eine Welt! Vergieb aber, dass hier mein Stolz zu Worte kommt, denn ich habe hier nicht meines Gleichen. Darum sprach ich „hier bin ich heim.“
Wie lange gehe ich schon diesem Einen nach, dem Hirn des Blutegels, dass die schlüpfrige Wahrheit mir hier nicht mehr entschlüpfe! Hier ist mein Reich!
— darob warf ich alles Andere fort, darob wurde mir alles Andre gleich; und dicht neben meinem Wissen lagert mein schwarzes Unwissen.
Mein Gewissen des Geistes will es so von mir, dass ich Eins weiss und sonst Alles nicht weiss: es ekelt mich aller Halben des Geistes, aller Dunstigen, Schwebenden, Schwärmerischen.
Wo meine Redlichkeit aufhört, bin ich blind und will auch blind sein. Wo ich aber wissen will, will ich auch redlich sein, nämlich hart, streng, eng, grausam, unerbittlich.
Dass du einst sprachst, oh Zarathustra: „Geist ist das Leben, das selber in's Leben schneidet“, das führte und verführte mich zu deiner Lehre. Und, wahrlich, mit eignem Blute mehrte ich mir das eigne Wissen!“
— „Wie der Augenschein lehrt,“ fiel Zarathustra ein; denn immer noch floss das Blut an dem nackten Arme des Gewissenhaften herab. Es hatten nämlich zehn Blutegel sich in denselben eingebissen.
„Oh du wunderlicher Gesell, wie Viel lehrt mich dieser Augenschein da, nämlich du selber! Und nicht Alles dürfte ich vielleicht in deine strengen Ohren giessen!
Wohlan! So scheiden wir hier! Doch möchte ich gerne dich wiederfinden. Dort hinauf führt der Weg zu meiner Höhle: heute Nacht sollst du dort mein lieber Gast sein!
Gerne möchte ich's auch an deinem Leibe wieder gut machen, dass Zarathustra dich mit Füssen trat: darüber denke ich nach. Jetzt aber ruft mich ein Nothschrei eilig fort von dir.“
Also sprach Zarathustra.
Der Zauberer.
1 Als aber Zarathustra um einen Felsen herumbog, da sahe er, nicht weit unter sich, auf dem gleichen Wege, einen Menschen, der die Glieder warf wie ein Tobsüchtiger und endlich bäuchlings zur Erde niederstürzte. „Halt! sprach da Zarathustra zu seinem Herzen, Der dort muss wohl der höhere Mensch sein, von ihm kam jener schlimme Nothschrei, — ich will sehn, ob da zu helfen ist.“ Als er aber hinzulief, an die Stelle, wo der Mensch auf dem Boden lag, fand er einen zitternden alten Mann mit stieren Augen; und wie sehr sich Zarathustra mühte, dass er ihn aufrichte und wieder auf seine Beine stelle, es war umsonst. Auch schien der Unglückliche nicht zu merken, dass Jemand um ihn sei; vielmehr sah er sich immer mit rührenden Gebärden um, wie ein von aller Welt Verlassener und Vereinsamter. Zuletzt aber, nach vielem Zittern, Zucken und Sich-zusammen-Krümmen, begann er also zu jammern:
Wer wärmt mich, wer liebt mich noch?Gebt heisse Hände!gebt Herzens-Kohlenbecken!Hingestreckt, schaudernd,Halbtodtem gleich, dem man die Füsse wärmt —geschüttelt, ach! von unbekannten Fiebern,zitternd vor spitzen eisigen Frost-Pfeilen,von dir gejagt, Gedanke!Unnennbarer! Verhüllter! Entsetzlicher!du Jäger hinter Wolken!darniedergeblitzt von dir,du höhnisch Auge, das mich aus Dunklem anblickt:— so liege ich,biege mich, winde mich, gequältvon allen ewigen Martern,getroffenvon dir, grausamster Jäger,du unbekannter — Gott...
Triff tiefer!Triff Ein Mal noch!Zerstich, zerbrich diess Herz!Was soll diess Marternmit zähnestumpfen Pfeilen?Was blickst du wieder,der Menschen-Qual nicht müde,mit schadenfrohen Götter-Blitz-Augen?Nicht tödten willst du,nur martern, martern?Wozu — mich martern,du schadenfroher unbekannter Gott? —
Haha!Du schleichst heranbei solcher Mitternacht?...Was willst du?Sprich!Du drängst mich, drückst mich —Ha! schon viel zu nahe!Du hörst mich athmen,du behorchst mein Herz,du Eifersüchtiger!— worauf doch eifersüchtig?Weg! Weg!Wozu die Leiter?Willst du hinein,in's Herz, einsteigen,in meine heimlichstenGedanken einsteigen?Schamloser! Unbekannter! — Dieb!Was willst du dir erstehlen?Was willst du dir erhorchen?Was willst du dir erfoltern,du Folterer!du — Henker-Gott!Oder soll ich, dem Hunde gleich,vor dir mich wälzen?hingebend, begeistert-ausser-mir,dir Liebe — zuwedeln!
Umsonst!Stich weiter!grausamster Stachel!Kein Hund — dein Wild nur bin ich,grausamster Jäger!dein stolzester Gefangner,du Räuber hinter Wolken...Sprich endlich,du Blitz-Verhüllter! Unbekannter! sprich!Was willst du, Wegelagerer, von — mir?...
Wie?Lösegeld?Was willst du Lösegelds?Verlange Viel — das räth mein Stolz!und rede kurz — das räth mein andrer Stolz!
Haha!Mich — willst du? mich?mich — ganz?...
Haha!Und marterst mich, Narr, der du bist,zermarterst meinen Stolz?Gieb Liebe mir — wer wärmt mich noch?wer liebt mich noch? —gieb heisse Hände,gieb Herzens-Kohlenbecken,gieb mir, dem Einsamsten,den Eis, ach! siebenfaches Eisnach Feinden selber,nach Feinden schmachten lehrt,gieb, ja ergieb,grausamster Feind,mir — dich! — —
Davon!Da floh er selber,mein einziger Genoss,mein grosser Feind,mein Unbekannter,mein Henker-Gott!...
— Nein!Komm zurück!mit allen deinen Martern!All meine Thränen laufenzu dir den Lauf!Und meine letzte Herzensflamme —dir glüht sie auf!Oh komm zurück,mein unbekannter Gott! mein Schmerz!mein letztes Glück!
2 — Hier aber konnte sich Zarathustra nicht länger halten, nahm seinen Stock und schlug mit allen Kräften auf den Jammernden los. „Halt ein! schrie er ihm zu, mit ingrimmigem Lachen, halt ein, du Schauspieler! Du Falschmünzer! Du Lügner aus dem Grunde! Ich erkenne dich wohl!
Ich will dir schon warme Beine machen, du schlimmer Zauberer, ich verstehe mich gut darauf, Solchen wie du bist — einzuheizen!“
— „Lass ab, sagte der alte Mann und sprang vom Boden auf, schlage nicht mehr, oh Zarathustra! Ich trieb's also nur zum Spiele!
Solcherlei gehört zu meiner Kunst; dich selber wollte ich auf die Probe stellen, als ich dir diese Probe gab! Und, wahrlich, du hast mich gut durchschaut!
Aber auch du — gabst mir von dir keine kleine Probe, du bist hart, du weiser Zarathustra! Hart schlägst du zu mit deinen „Wahrheiten“, dein Knüttel erzwingt von mir — diese Wahrheit!“
— „Schmeichle nicht, antwortete Zarathustra, immer noch erregt und finsterblickend, du Schauspieler aus dem Grunde! Du bist falsch: was redest du — von Wahrheit!
Du Pfau der Pfauen, du Meer der Eitelkeit, was spieltest du vor mir, du schlimmer Zauberer, an wen sollte ich glauben, als du in solcher Gestalt jammertest?“
„Den Büsser des Geistes, sagte der alte Mann, den — spielte ich: du selber erfandest einst diess Wort —
— den Dichter und Zauberer, der gegen sich selber endlich seinen Geist wendet, den Verwandelten, der an seinem bösen Wissen und Gewissen erfriert.
Und gesteh es nur ein: es währte lange, oh Zarathustra, bis du hinter meine Kunst und Lüge kamst! Du glaubtest an meine Noth, als du mir den Kopf mit beiden Händen hieltest, —
— ich hörte dich jammern „man hat ihn zu wenig geliebt, zu wenig geliebt!“ Dass ich dich soweit betrog, darüber frohlockte inwendig meine Bosheit.“
„Du magst Feinere betrogen haben als mich, sagte Zarathustra hart. Ich bin nicht auf der Hut vor Betrügern, ich muss ohne Vorsicht sein: so will es mein Loos.
Du aber — musst betrügen: so weit kenne ich dich! Du musst immer zwei- drei- vier- und fünfdeutig sein! Auch was du jetzt bekanntest, war mir lange nicht wahr und nicht falsch genung!
Du schlimmer Falschmünzer, wie könntest du anders! Deine Krankheit würdest du noch schminken, wenn du dich deinem Arzte nackt zeigtest.
So schminktest du eben vor mir deine Lüge, als du sprachst: „ich trieb's also nur zum Spiele!“ Es war auch Ernst darin, du bist Etwas von einem Büsser des Geistes!
Ich errathe dich wohl: du wurdest der Bezauberer Aller, aber gegen dich hast du keine Lüge und List mehr übrig, — du selber bist dir entzaubert!
Du erntetest den Ekel ein, als deine Eine Wahrheit. Kein Wort ist mehr an dir ächt, aber dein Mund: nämlich der Ekel, der an deinem Munde klebt.“
— „Wer bist du doch! schrie hier der alte Zauberer mit einer trotzigen Stimme, wer darf also zu mir reden, dem Grössten, der heute lebt?“ — und ein grüner Blitz schoss aus seinem Auge nach Zarathustra. Aber gleich darauf verwandelte er sich und sagte traurig:
„Oh Zarathustra, ich bin's müde, es ekelt mich meiner Künste, ich bin nicht gross, was verstelle ich mich! Aber, du weisst es wohl — ich suchte nach Grösse!
Einen grossen Menschen wollte ich vorstellen und überredete Viele: aber diese Lüge gieng über meine Kraft. An ihr zerbreche ich.
Oh Zarathustra, Alles ist Lüge an mir; aber dass ich zerbreche — diess mein Zerbrechen ist ächt!“ —
„Es ehrt dich, sprach Zarathustra düster und zur Seite niederblickend, es ehrt dich, dass du nach Grösse suchtest, aber es verräth dich auch. Du bist nicht gross.
Du schlimmer alter Zauberer, das ist dein Bestes und Redlichstes, was ich an dir ehre, dass du deiner müde wurdest und es aussprachst: „ich bin nicht gross.“
Darin ehre ich dich als einen Büsser des Geistes: und wenn auch nur für einen Hauch und Husch, diesen Einen Augenblick warst du — ächt.
Aber sprich, was suchst du hier in meinen Wäldern und Felsen? Und wenn du mir dich in den Weg legtest, welche Probe wolltest du von mir? —
— wess versuchtest du mich?“ —
Also sprach Zarathustra, und seine Augen funkelten. Der alte Zauberer schwieg eine Weile, dann sagte er: „Versuchte ich dich? Ich — suche nur.
Oh Zarathustra, ich suche einen Ächten, Rechten, Einfachen, Eindeutigen, einen Menschen aller Redlichkeit, ein Gefäss der Weisheit, einen Heiligen der Erkenntniss, einen grossen Menschen!
Weisst du es denn nicht, oh Zarathustra? Ich suche Zarathustra.“
— Und hier entstand ein langes Stillschweigen zwischen Beiden; Zarathustra aber versank tief hinein in sich selber, also dass er die Augen schloss. Dann aber, zu seinem Unterredner zurückkehrend, ergriff er die Hand des Zauberers und sprach, voller Artigkeit und Arglist:
„Wohlan! Dort hinauf führt der Weg, da liegt die Höhle Zarathustra's. In ihr darfst du suchen, wen du finden möchtest.
Und frage meine Thiere um Rath, meinen Adler und meine Schlange: die sollen dir suchen helfen. Meine Höhle aber ist gross.
Ich selber freilich — ich sah noch keinen grossen Menschen. Was gross ist, dafür ist das Auge der Feinsten heute grob. Es ist das Reich des Pöbels.
So Manchen fand ich schon, der streckte und blähte sich, und das Volk schrie: „Seht da, einen grossen Menschen!“ Aber was helfen alle Blasebälge! Zuletzt fährt der Wind heraus.
Zuletzt platzt ein Frosch, der sich zu lange aufblies: da fährt der Wind heraus. Einem Geschwollnen in den Bauch stechen, das heisse ich eine brave Kurzweil. Hört das, ihr Knaben!
Diess Heute ist des Pöbels: wer weiss da noch, was gross, was klein ist! Wer suchte da mit Glück nach Grösse! Ein Narr allein: den Narren glückt's.
Du suchst nach grossen Menschen, du wunderlicher Narr? Wer lehrte's dich? Ist heute dazu die Zeit? Oh du schlimmer Sucher, was — versuchst du mich?“ — —
Also sprach Zarathustra, getrösteten Herzens, und gieng lachend seines Wegs fürbass.
Ausser Dienst.
Nicht lange aber, nachdem Zarathustra sich von dem Zauberer losgemacht hatte, sahe er wiederum Jemanden am Wege sitzen, den er gieng, nämlich einen schwarzen langen Mann mit einem hageren Bleichgesicht: der verdross ihn gewaltig. Wehe, sprach er zu seinem Herzen, da sitzt vermummte Trübsal, das dünkt mich von der Art der Priester: was wollen die in meinem Reiche?
Wie! Kaum bin ich jenem Zauberer entronnen: muss mir da wieder ein anderer Schwarzkünstler über den Weg laufen, —
— irgend ein Hexenmeister mit Handauflegen, ein dunkler Wunderthäter von Gottes Gnaden, ein gesalbter Welt-Verleumder, den der Teufel holen möge!
Aber der Teufel ist nie am Platze, wo er am Platze wäre: immer kommt er zu spät, dieser vermaledeite Zwerg und Klumpfuss!“ —
Also fluchte Zarathustra ungeduldig in seinem Herzen und gedachte, wie er abgewandten Blicks an dem schwarzen Manne vorüberschlüpfe: aber siehe, es kam anders. Im gleichen Augenblicke nämlich hatte ihn schon der Sitzende erblickt; und nicht unähnlich einem Solchen, dem ein unvermuthetes Glück zustösst, sprang er auf und gieng auf Zarathustra los.
„Wer du auch bist, du Wandersmann, sprach er, hilf einem Verirrten, einem Suchenden, einem alten Manne, der hier leicht zu Schaden kommt!
Diese Welt hier ist mir fremd und fern, auch hörte ich wilde Thiere heulen; und Der, welcher mir hätte Schutz bieten können, der ist selber nicht mehr.
Ich suchte den letzten frommen Menschen, einen Heiligen und Einsiedler, der allein in seinem Walde noch Nichts davon gehört hatte, was alle Welt heute weiss.“
„Was weiss heute alle Welt? fragte Zarathustra. Etwa diess, dass der alte Gott nicht mehr lebt, an den alle Welt einst geglaubt hat?“
„Du sagst es, antwortete der alte Mann betrübt. Und ich diente diesem alten Gotte bis zu seiner letzten Stunde.
Nun aber bin ich ausser Dienst, ohne Herrn, und doch nicht frei, auch keine Stunde mehr lustig, es sei denn in Erinnerungen.
Dazu stieg ich in diese Berge, dass ich endlich wieder ein Fest mir machte, wie es einem alten Papste und Kirchen-Vater zukommt: denn wisse, ich bin der letzte Papst! — ein Fest frommer Erinnerungen und Gottesdienste.
Nun aber ist er selber todt, der frömmste Mensch, jener Heilige im Walde, der seinen Gott beständig mit Singen und Brummen lobte.
Ihn selber fand ich nicht mehr, als ich seine Hütte fand, — wohl aber zwei Wölfe darin, welche um seinen Tod heulten — denn alle Thiere liebten ihn. Da lief ich davon.
Kam ich also umsonst in diese Wälder und Berge? Da entschloss sich mein Herz, dass ich einen Anderen suchte, den Frömmsten aller Derer, die nicht an Gott glauben —, dass ich Zarathustra suchte!“
Also sprach der Greis und blickte scharfen Auges Den an, welcher vor ihm stand; Zarathustra aber ergriff die Hand des alten Papstes und betrachtete sie lange mit Bewunderung.
„Siehe da, du Ehrwürdiger, sagte er dann, welche schöne und lange Hand! Das ist die Hand eines Solchen, der immer Segen ausgetheilt hat. Nun aber hält sie Den fest, welchen du suchst, mich, Zarathustra.
Ich bin's, der gottlose Zarathustra, der da spricht: wer ist gottloser als ich, dass ich mich seiner Unterweisung freue?“ —
Also sprach Zarathustra und durchbohrte mit seinen Blicken die Gedanken und Hintergedanken des alten Papstes. Endlich begann dieser:
„Wer ihn am meisten liebte und besass, der hat ihn nun am meisten auch verloren —:
— siehe, ich selber bin wohl von uns Beiden jetzt der Gottlosere? Aber wer könnte daran sich freuen!“ —
— „Du dientest ihm bis zuletzt, fragte Zarathustra nachdenklich, nach einem tiefen Schweigen, du weisst, wie er starb? Ist es wahr, was man spricht, dass ihn das Mitleiden erwürgte,
— dass er es sah, wie der Mensch am Kreuze hieng, und es nicht ertrug, dass die Liebe zum Menschen seine Hölle und zuletzt sein Tod wurde?“ — —
Der alte Papst aber antwortete nicht, sondern blickte scheu und mit einem schmerzlichen und düsteren Ausdrucke zur Seite.
„Lass ihn fahren, sagte Zarathustra nach einem langen Nachdenken, indem er immer noch dem alten Manne gerade in's Auge blickte.
Lass ihn fahren, er ist dahin. Und ob es dich auch ehrt, dass du diesem Todten nur Gutes nachredest, so weisst du so gut als ich, wer er war; und dass er wunderliche Wege gieng.“
„Unter drei Augen gesprochen, sagte erheitert der alte Papst (denn er war auf Einem Auge blind), in Dingen Gottes bin ich aufgeklärter als Zarathustra selber — und darf es sein.
Meine Liebe diente ihm lange Jahre, mein Wille gieng allem seinen Willen nach. Ein guter Diener aber weiss Alles, und Mancherlei auch, was sein Herr sich selbst verbirgt.
Es war ein verborgener Gott, voller Heimlichkeit. Wahrlich zu einem Sohne sogar kam er nicht anders als auf Schleichwegen. An der Thür seines Glaubens steht der Ehebruch.
Wer ihn als einen Gott der Liebe preist, denkt nicht hoch genug von der Liebe selber. Wollte dieser Gott nicht auch Richter sein? Aber der Liebende liebt jenseits von Lohn und Vergeltung.
Als er jung war, dieser Gott aus dem Morgenlande, da war er hart und rachsüchtig und erbaute sich eine Hölle zum Ergötzen seiner Lieblinge.
Endlich aber wurde er alt und weich und mürbe und mitleidig, einem Grossvater ähnlicher als einem Vater, am ähnlichsten aber einer wackeligen alten Grossmutter.
Da sass er, welk, in seinem Ofenwinkel, härmte sich ob seiner schwachen Beine, weltmüde, willensmüde, und erstickte eines Tags an seinem allzugrossen Mitleiden.“
„Du alter Papst, sagte hier Zarathustra dazwischen, hast du Das mit Augen angesehn? Es könnte wohl so abgegangen sein: so, und auch anders. Wenn Götter sterben, sterben sie immer viele Arten Todes.
Aber wohlan! So oder so, so und so — er ist dahin! Er gieng meinen Ohren und Augen wider den Geschmack, Schlimmeres möchte ich ihm nicht nachsagen.
Ich liebe Alles, was hell blickt und redlich redet. Aber er — du weisst es ja, du alter Priester, es war Etwas von deiner Art an ihm, von Priester-Art — er war vieldeutig.
Er war auch undeutlich. Was hat er uns darob gezürnt, dieser Zornschnauber, dass wir ihn schlecht verstünden! Aber warum sprach er nicht reinlicher?
Und lag es an unsern Ohren, warum gab er uns Ohren, die ihn schlecht hörten? War Schlamm in unsern Ohren, wohlan! wer legte ihn hinein?
Zu Vieles missrieth ihm, diesem Töpfer, der nicht ausgelernt hatte! Dass er aber Rache an seinen Töpfen und Geschöpfen nahm, dafür dass sie ihm schlecht geriethen, — das war eine Sünde wider den guten Geschmack.
Es giebt auch in der Frömmigkeit guten Geschmack: der sprach endlich „Fort mit einem solchen Gotte! Lieber keinen Gott, lieber auf eigne Faust Schicksal machen, lieber Narr sein, lieber selber Gott sein!“
— „Was höre ich! sprach hier der alte Papst mit gespitzten Ohren; oh Zarathustra, du bist frömmer als du glaubst, mit einem solchen Unglauben! Irgend ein Gott in dir bekehrte dich zu deiner Gottlosigkeit.
Ist es nicht deine Frömmigkeit selber, die dich nicht mehr an einen Gott glauben lässt? Und deine übergrosse Redlichkeit wird dich auch noch jenseits von Gut und Böse wegführen!
Siehe doch, was blieb dir aufgespart? Du hast Augen und Hand und Mund, die sind zum Segnen vorherbestimmt seit Ewigkeit. Man segnet nicht mit der Hand allein.
In deiner Nähe, ob du schon der Gottloseste sein willst, wittere ich einen heimlichen Weih- und Wohlgeruch von langen Segnungen: mir wird wohl und wehe dabei.
Lass mich deinen Gast sein, oh Zarathustra, für eine einzige Nacht! Nirgends auf Erden wird es mir jetzt wohler als bei dir!“ —
„Amen! So soll es sein! sprach Zarathustra mit grosser Verwunderung, dort hinauf führt der Weg, da liegt die Höhle Zarathustra's.
Gerne, fürwahr, würde ich dich selber dahin geleiten, du Ehrwürdiger, denn ich liebe alle frommen Menschen. Aber jetzt ruft mich eilig ein Nothschrei weg von dir.
In meinem Bereiche soll mir Niemand zu Schaden kommen; meine Höhle ist ein guter Hafen. Und am liebsten möchte ich jedweden Traurigen wieder auf festes Land und feste Beine stellen.
Wer aber nähme dir deine Schwermuth von der Schulter? Dazu bin ich zu schwach. Lange, wahrlich, möchten wir warten, bis dir Einer deinen Gott wieder aufweckt.
Dieser alte Gott nämlich lebt nicht mehr: der ist gründlich todt.“ —
Also sprach Zarathustra.
Der hässlichste Mensch.
— Und wieder liefen Zarathustra's Füsse durch Berge und Wälder, und seine Augen suchten und suchten, aber nirgends war Der zu sehen, welchen sie sehn wollten, der grosse Nothleidende und Nothschreiende. Auf dem ganzen Wege aber frohlockte er in seinem Herzen und war dankbar. „Welche guten Dinge, sprach er, schenkte mir doch dieser Tag, zum Entgelt, dass er schlimm begann! Welche seltsamen Unterredner fand ich!
An deren Worten will ich lange nun kauen gleich als an guten Körnern; klein soll mein Zahn sie mahlen und malmen, bis sie mir wie Milch in die Seele fliessen!“ —
Als aber der Weg wieder um einen Felsen bog, veränderte sich mit Einem Male die Landschaft, und Zarathustra trat in ein Reich des Todes. Hier starrten schwarze und rothe Klippen empor: kein Gras, kein Baum, keine Vogelstimme. Es war nämlich ein Thal, welches alle Thiere mieden, auch die Raubthiere; nur dass eine Art hässlicher, dicker, grüner Schlangen, wenn sie alt wurden, hierher kamen, um zu sterben. Darum nannten diess Thal die Hirten: Schlangen-Tod.
Zarathustra aber versank in eine schwarze Erinnerung, denn ihm war, als habe er schon ein Mal in diesem Thal gestanden. Und vieles Schwere legte sich ihm über den Sinn: also, dass er langsam gieng und immer langsamer und endlich still stand. Da aber sahe er, als er die Augen aufthat, Etwas, das am Wege sass, gestaltet wie ein Mensch, und kaum wie ein Mensch, etwas Unaussprechliches. Und mit Einem Schlage überfiel Zarathustra die grosse Scham darob, dass er so Etwas mit den Augen angesehn habe: erröthend bis hinauf an sein weisses Haar, wandte er den Blick ab und hob den Fuss, dass er diese schlimme Stelle verlasse. Da aber wurde die todte Öde laut: vom Boden auf nämlich quoll es gurgelnd und röchelnd, wie Wasser Nachts durch verstopfte Wasser-Röhren gurgelt und röchelt; und zuletzt wurde daraus eine Menschen-Stimme und Menschen-Rede: — die lautete also.
„Zarathustra! Zarathustra! Rathe mein Räthsel! Sprich, sprich! Was ist die Rache am Zeugen?
Ich locke dich zurück, hier ist glattes Eis! Sieh zu, sieh zu, ob dein Stolz sich hier nicht die Beine bricht!
Du dünkst dich weise, du stolzer Zarathustra! So rathe doch das Räthsel, du harter Nüsseknacker, — das Räthsel, das ich bin! So sprich doch: wer bin ich!“
— Als aber Zarathustra diese Worte gehört hatte, — was glaubt ihr wohl, dass sich da mit seiner Seele zutrug? Das Mitleiden fiel ihn an; und er sank mit Einem Male nieder, wie ein Eichbaum, der lange vielen Holzschlägern widerstanden hat, — schwer, plötzlich, zum Schrecken selber für Die, welche ihn fällen wollten. Aber schon stand er wieder vom Boden auf, und sein Antlitz wurde hart.
„Ich erkenne dich wohl, sprach er mit einer erzenen Stimme: du bist der Mörder Gottes! Lass mich gehn.
Du ertrugst Den nicht, der dich sah, — der dich immer und durch und durch sah, du hässlichster Mensch! Du nahmst Rache an diesem Zeugen!“
Also sprach Zarathustra und wollte davon; aber der Unaussprechliche fasste nach einem Zipfel seines Gewandes und begann von Neuem zu gurgeln und nach Worten zu suchen. „Bleib!“ sagte er endlich —
— bleib! Geh nicht vorüber! Ich errieth, welche Axt dich zu Boden schlug: Heil dir, oh Zarathustra, dass du wieder stehst!
Du erriethest, ich weiss es gut, wie Dem zu Muthe ist, der ihn tödtete, — dem Mörder Gottes. Bleib! Setze dich her zu mir, es ist nicht umsonst.
Zu wem wollte ich, wenn nicht zu dir? Bleib, setze dich! Blicke mich aber nicht an! Ehre also — meine Hässlichkeit!
Sie verfolgen mich: nun bist du meine letzte Zuflucht. Nicht mit ihrem Hasse, nicht mit ihren Häschern: — oh solcher Verfolgung würde ich spotten und stolz und froh sein!
War nicht aller Erfolg bisher bei den Gut-Verfolgten? Und wer gut verfolgt, lernt leicht folgen: — ist er doch einmal — hinterher! Aber ihr Mitleid ist's —
— ihr Mitleid ist's, vor dem ich flüchte und dir zuflüchte. Oh Zarathustra, schütze mich, du meine letzte Zuflucht, du Einziger, der mich errieth:
— du erriethest, wie Dem zu Muthe ist, welcher ihn tödtete. Bleib! Und willst du gehn, du Ungeduldiger: geh nicht den Weg, den ich kam. Der Weg ist schlecht.
Zürnst du mir, dass ich zu lange schon rede-radebreche? Dass ich schon dir rathe? Aber wisse, ich bin's, der hässlichste Mensch,
— der auch die grössten schwersten Füsse hat. Wo ich gieng, ist der Weg schlecht. Ich trete alle Wege todt und zu Schanden.
Dass du aber an mir vorübergiengst, schweigend; dass du erröthetest, ich sah es wohl: daran erkannte ich dich als Zarathustra.
Jedweder Andere hätte mir sein Almosen zugeworfen, sein Mitleiden, mit Blick und Rede. Aber dazu — bin ich nicht Bettler genug, das erriethest du —
— dazu bin ich zu reich, reich an Grossem, an Furchtbarem, am Hässlichsten, am Unaussprechlichsten! Deine Scham, oh Zarathustra, ehrte mich!
Mit Noth kam ich heraus aus dem Gedräng der Mitleidigen, — dass ich den Einzigen fände, der heute lehrt „Mitleiden ist zudringlich“ — dich, oh Zarathustra!
— sei es eines Gottes, sei es der Menschen Mitleiden: Mitleiden geht gegen die Scham. Und nicht-helfen-wollen kann vornehmer sein als jene Tugend, die zuspringt.
Das aber heisst heute Tugend selber bei allen kleinen Leuten, das Mitleiden: — die haben keine Ehrfurcht vor grossem Unglück, vor grosser Hässlichkeit, vor grossem Missrathen.
Über diese Alle blicke ich hinweg, wie ein Hund über die Rücken wimmelnder Schafheerden wegblickt. Es sind kleine wohlwollige wohlwillige graue Leute. Wie ein Reiher verachtend über flache Teiche wegblickt, mit zurückgelegtem Kopfe: so blicke ich über das Gewimmel grauer kleiner Wellen und Willen und Seelen weg.
Zu lange hat man ihnen Recht gegeben, diesen kleinen Leuten: so gab man ihnen endlich auch die Macht — nun lehren sie: „gut ist nur, was kleine Leute gut heissen.“
Und „Wahrheit“ heisst heute, was der Prediger sprach, der selber aus ihnen herkam, jener wunderliche Heilige und Fürsprecher der kleinen Leute, welcher von sich zeugte „ich — bin die Wahrheit.“
Dieser Unbescheidne macht nun lange schon den kleinen Leuten den Kamm hoch schwellen — er, der keinen kleinen Irrthum lehrte, als er lehrte „ich — bin die Wahrheit.“
Ward einem Unbescheidnen jemals höflicher geantwortet? — Du aber, oh Zarathustra, giengst an ihm vorüber und sprachst: „Nein! Nein! Drei Mal Nein!“
Du warntest vor seinem Irrthum, du warntest als der Erste vor dem Mitleiden — nicht Alle, nicht Keinen, sondern dich und deine Art.
Du schämst dich an der Scham des grossen Leidenden; und wahrlich, wenn du sprichst „von dem Mitleiden her kommt eine grosse Wolke, habt Acht, ihr Menschen!“
— wenn du lehrst „alle Schaffenden sind hart, alle grosse Liebe ist über ihrem Mitleiden“: oh Zarathustra, wie gut dünkst du mich eingelernt auf Wetter-Zeichen!
Du selber aber — warne dich selber auch vor deinem Mitleiden! Denn Viele sind zu dir unterwegs, viele Leidende, Zweifelnde, Verzweifelnde, Ertrinkende, Frierende —
Ich warne dich auch vor mir. Du erriethest mein bestes, schlimmstes Räthsel, mich selber und was ich that. Ich kenne die Axt, die dich fällt.
Aber er — musste sterben: er sah mit Augen, welche Alles sahn, — er sah des Menschen Tiefen und Gründe, alle seine verhehlte Schmach und Hässlichkeit.
Sein Mitleiden kannte keine Scham: er kroch in meine schmutzigsten Winkel. Dieser Neugierigste, Über-Zudringliche, Über-Mitleidige musste sterben.
Er sah immer mich: an einem solchen Zeugen wollte ich Rache haben — oder selber nicht leben.
Der Gott, der Alles sah, auch den Menschen: dieser Gott musste sterben! Der Mensch erträgt es nicht, dass solch ein Zeuge lebt.“
Also sprach der hässlichste Mensch. Zarathustra aber erhob sich und schickte sich an fortzugehn: denn ihn fröstelte bis in seine Eingeweide.
Du Unaussprechlicher, sagte er, du warntest mich vor deinem Wege. Zum Danke dafür lobe ich dir den meinen. Siehe, dort hinauf liegt die Höhle Zarathustra's.
Meine Höhle ist gross und tief und hat viele Winkel; da findet der Versteckteste sein Versteck. Und dicht bei ihr sind hundert Schlüpfe und Schliche für kriechendes, flatterndes und springendes Gethier.
Du Ausgestossener, der du dich selber ausstiessest, du willst nicht unter Menschen und Menschen-Mitleid wohnen? Wohlan, so thu's mir gleich! So lernst du auch von mir; nur der Thäter lernt.
Und rede zuerst und -nächst mit meinen Thieren! Das stolzeste Thier und das klügste Thier — die möchten uns Beiden wohl die rechten Rathgeber sein!“
Also sprach Zarathustra und gieng seiner Wege, nachdenklicher und langsamer noch als zuvor: denn er fragte sich Vieles und wusste sich nicht leicht zu antworten.
„Wie arm ist doch der Mensch! dachte er in seinem Herzen, wie hässlich, wie röchelnd, wie voll verborgener Scham!
Man sagt mir, dass der Mensch sich selber liebe: ach, wie gross muss diese Selber-Liebe sein! Wie viel Verachtung hat sie wider sich!
Auch dieser da liebte sich, wie er sich verachtete, — ein grosser Liebender ist er mir und ein grosser Verächter.
Keinen fand ich noch, der sich tiefer verachtet hätte: auch Das ist Höhe. Wehe, war Der vielleicht der höhere Mensch, dessen Schrei ich hörte?
Ich liebe die grossen Verachtenden. Der Mensch aber ist Etwas, das überwunden werden muss.“ — —
Der freiwillige Bettler.
Als Zarathustra den hässlichsten Menschen verlassen hatte, fror ihn, und er fühlte sich einsam: es gieng ihm nämlich vieles Kalte und Einsame durch die Sinne, also, dass darob auch seine Glieder kälter wurden. Indem er aber weiter und weiter stieg, hinauf, hinab, bald an grünen Weiden vorbei, aber auch über wilde steinichte Lager, wo ehedem wohl ein ungeduldiger Bach sich zu Bett gelegt hatte: da wurde ihm mit Einem Male wieder wärmer und herzlicher zu Sinne.
„Was geschah mir doch? fragte er sich, etwas Warmes und Lebendiges erquickt mich, das muss in meiner Nähe sein.
Schon bin ich weniger allein; unbewusste Gefährten und Brüder schweifen um mich, ihr warmer Athem rührt an meine Seele.“
Als er aber um sich spähete und nach den Tröstern seiner Einsamkeit suchte: siehe, da waren es Kühe, welche auf einer Anhöhe bei einander standen; deren Nähe und Geruch hatten sein Herz erwärmt. Diese Kühe aber schienen mit Eifer einem Redenden zuzuhören und gaben nicht auf Den Acht, der herankam. Wie aber Zarathustra ganz in ihrer Nähe war, hörte er deutlich, dass eine Menschen-Stimme aus der Mitte der Kühe heraus redete; und ersichtlich hatten sie allesammt ihre Köpfe dem Redenden zugedreht.
Da sprang Zarathustra mit Eifer hinauf und drängte die Thiere auseinander, denn er fürchtete, dass hier Jemandem ein Leids geschehn sei, welchem schwerlich das Mitleid von Kühen abhelfen mochte. Aber darin hatte er sich getäuscht; denn siehe, da sass ein Mensch auf der Erde und schien den Thieren zuzureden, dass sie keine Scheu vor ihm haben sollten, ein friedfertiger Mensch und Berg-Prediger, aus dessen Augen die Güte selber predigte. „Was suchst du hier?“ rief Zarathustra mit Befremden.
„Was ich hier suche? antwortete er: das Selbe, was du suchst, du Störenfried! nämlich das Glück auf Erden.
Dazu aber möchte ich von diesen Kühen lernen. Denn, weisst du wohl, einen halben Morgen schon rede ich ihnen zu, und eben wollten sie mir Bescheid geben. Warum doch störst du sie?
So wir nicht umkehren und werden wie die Kühe, so kommen wir nicht in das Himmelreich. Wir sollten ihnen nämlich Eins ablernen: das Wiederkäuen.
Und wahrlich, wenn der Mensch auch die ganze Welt gewönne und lernte das Eine nicht, das Wiederkäuen: was hülfe es! Er würde nicht seine Trübsal los
— seine grosse Trübsal: die aber heisst heute Ekel. Wer hat heute von Ekel nicht Herz, Mund und Augen voll? Auch du! Auch du! Aber siehe doch diese Kühe an!“ —
Also sprach der Berg-Prediger und wandte dann seinen eignen Blick Zarathustra zu, — denn bisher hieng er mit Liebe an den Kühen —: da aber verwandelte er sich. „Wer ist das, mit dem ich rede? rief er erschreckt und sprang vom Boden empor.
Diess ist der Mensch ohne Ekel, diess ist Zarathustra selber, der Überwinder des grossen Ekels, diess ist das Auge, diess ist der Mund, diess ist das Herz Zarathustra's selber.“
Und indem er also sprach, küsste er Dem, zu welchem er redete, die Hände, mit überströmenden Augen, und gebärdete sich ganz als Einer, dem ein kostbares Geschenk und Kleinod unversehens vom Himmel fällt. Die Kühe aber schauten dem Allen zu und wunderten sich.
„Sprich nicht von mir, du Wunderlicher! Lieblicher! sagte Zarathustra und wehrte seiner Zärtlichkeit, sprich mir erst von dir! Bist du nicht der freiwillige Bettler, der einst einen grossen Reichthum von sich warf, —
— der sich seines Reichthums schämte und der Reichen, und zu den Ärmsten floh, dass er ihnen seine Fülle und sein Herz schenke? Aber sie nahmen ihn nicht an.“
„Aber sie nahmen mich nicht an, sagte der freiwillige Bettler, du weisst es ja. So gieng ich endlich zu den Thieren und zu diesen Kühen.“
„Da lerntest du, unterbrach Zarathustra den Redenden, wie es schwerer ist, recht geben als recht nehmen, und dass gut schenken eine Kunst ist und die letzte listigste Meister-Kunst der Güte.
Sonderlich heutzutage, antwortete der freiwillige Bettler: heute nämlich, wo alles Niedrige aufständisch ward und scheu und auf seine Art hoffährtig: nämlich auf Pöbel-Art.
Denn es kam die Stunde, du weisst es ja, für den grossen schlimmen langen langsamen Pöbel- und Sklaven-Aufstand: der wächst und wächst!
Nun empört die Niedrigen alles Wohlthun und kleine Weggeben; und die Überreichen mögen auf der Hut sein!
Wer heute gleich bauchichten Flaschen tröpfelt aus allzuschmalen Hälsen: — solchen Flaschen bricht man heute gern den Hals.
Lüsterne Gier, gallichter Neid, vergrämte Rachsucht, Pöbel-Stolz: das sprang mir Alles in's Gesicht. Es ist nicht mehr wahr, dass die Armen selig sind. Das Himmelreich aber ist bei den Kühen.“
Und warum ist es nicht bei den Reichen? fragte Zarathustra versuchend, während er den Kühen wehrte, die den Friedfertigen zutraulich anschnauften.
„Was versuchst du mich? antwortete dieser. Du weisst es selber besser noch als ich. Was trieb mich doch zu den Ärmsten, oh Zarathustra? War es nicht der Ekel vor unsern Reichsten?
— vor den Sträflingen des Reichthums, welche sich ihren Vortheil aus jedem Kehricht auflesen, mit kalten Augen, geilen Gedanken, vor diesem Gesindel, das gen Himmel stinkt,
— vor diesem vergüldeten verfälschten Pöbel, dessen Väter Langfinger oder Aasvögel oder Lumpensammler waren, mit Weibern willfährig, lüstern, vergesslich: — sie haben's nämlich alle nicht weit zur Hure —
Pöbel oben, Pöbel unten! Was ist heute noch „Arm“ und „Reich“! Diesen Unterschied verlernte ich, — da floh ich davon, weiter, immer weiter, bis ich zu diesen Kühen kam.“
Also sprach der Friedfertige und schnaufte selber und schwitzte bei seinen Worten: also dass die Kühe sich von Neuem wunderten. Zarathustra aber sah ihm immer mit Lächeln in's Gesicht, als er so hart redete, und schüttelte dazu schweigend den Kopf.
„Du thust dir Gewalt an, du Berg-Prediger, wenn du solche harte Worte brauchst. Für solche Härte wuchs dir nicht der Mund, nicht das Auge.
Auch, wie mich dünkt, dein Magen selber nicht: dem widersteht all solches Zürnen und Hassen und Überschäumen. Dein Magen will sanftere Dinge: du bist kein Fleischer.
Vielmehr dünkst du mich ein Pflanzler und Wurzelmann. Vielleicht malmst du Körner. Sicherlich aber bist du fleischlichen Freuden abhold und liebst den Honig.“
„Du erriethst mich gut, antwortete der freiwillige Bettler, mit erleichtertem Herzen. Ich liebe den Honig, ich malme auch Körner, denn ich suchte, was lieblich mundet und reinen Athem macht:
— auch was lange Zeit braucht, ein Tag- und Maul-Werk für sanfte Müssiggänger und Tagediebe.
Am weitesten freilich brachten es diese Kühe: die erfanden sich das Wiederkäuen und In-der-Sonne-Liegen. Auch enthalten sie sich aller schweren Gedanken, welche das Herz blähn.“
— „Wohlan! sagte Zarathustra: du solltest auch meine Thiere sehn, meinen Adler und meine Schlange, — ihres Gleichen giebt es heute nicht auf Erden.
Siehe, dorthin führt der Weg zu meiner Höhle: sei diese Nacht ihr Gast. Und rede mit meinen Thieren vom Glück der Thiere, —
— bis ich selber heimkomme. Denn jetzt ruft ein Nothschrei mich eilig weg von dir. Auch findest du neuen Honig bei mir, eisfrischen Waben-Goldhonig: den iss!
Jetzt aber nimm flugs Abschied von deinen Kühen, du Wunderlicher! Lieblicher! ob es dir schon schwer werden mag. Denn es sind deine wärmsten Freunde und Lehrmeister!“ —
„— Einen ausgenommen, den ich noch lieber habe, antwortete der freiwillige Bettler. Du selber bist gut und besser noch als eine Kuh, oh Zarathustra!“
„Fort, fort mit dir! du arger Schmeichler! schrie Zarathustra mit Bosheit, was verdirbst du mich mit solchem Lob und Schmeichel-Honig?“
„Fort, fort von mir!“ schrie er noch Ein Mal und schwang seinen Stock nach dem zärtlichen Bettler: der aber lief hurtig davon.
Der Schatten.
Kaum aber war der freiwillige Bettler davongelaufen und Zarathustra wieder mit sich allein, da hörte er hinter sich eine neue Stimme: die rief „Halt! Zarathustra! So warte doch! Ich bin's ja, oh Zarathustra, ich, dein Schatten!“ Aber Zarathustra wartete nicht, denn ein plötzlicher Verdruss überkam ihn ob des vielen Zudrangs und Gedrängs in seinen Bergen. „Wo ist meine Einsamkeit hin? sprach er.
Es wird mir wahrlich zu viel; diess Gebirge wimmelt, mein Reich ist nicht mehr von dieser Welt, ich brauche neue Berge.
Mein Schatten ruft mich? Was liegt an meinem Schatten! Mag er mir nachlaufen! ich — laufe ihm davon.“
Also sprach Zarathustra zu seinem Herzen und lief davon. Aber Der, welcher hinter ihm war, folgte ihm nach: so dass alsbald drei Laufende hinter einander her waren, nämlich voran der freiwillige Bettler, dann Zarathustra und zudritt und -hinterst sein Schatten. Nicht lange liefen sie so, da kam Zarathustra zur Besinnung über seine Thorheit und schüttelte mit Einem Rucke allen Verdruss und Überdruss von sich.
„Wie! sprach er, geschahen nicht von je die lächerlichsten Dinge bei uns alten Einsiedlern und Heiligen?
Wahrlich, meine Thorheit wuchs hoch in den Bergen! Nun höre ich sechs alte Narren-Beine hinter einander her klappern!
Darf aber Zarathustra sich wohl vor einem Schatten fürchten? Auch dünkt mich zu guterletzt, dass er längere Beine hat als ich.“
Also sprach Zarathustra, lachend mit Augen und Eingeweiden, blieb stehen und drehte sich schnell herum — und siehe, fast warf er dabei seinen Nachfolger und Schatten zu Boden: so dicht schon folgte ihm derselbe auf den Fersen, und so schwach war er auch. Als er ihn nämlich mit Augen prüfte, erschrak er wie vor einem plötzlichen Gespenste: so dünn, schwärzlich, hohl und überlebt sah dieser Nachfolger aus.
„Wer bist du? fragte Zarathustra heftig, was treibst du hier? Und wesshalb heissest du dich meinen Schatten? Du gefällst mir nicht.“
„Vergieb mir, antwortete der Schatten, dass ich's bin; und wenn ich dir nicht gefalle, wohlan, oh Zarathustra! darin lobe ich dich und deinen guten Geschmack.
Ein Wanderer bin ich, der viel schon hinter deinen Fersen her gieng: immer unterwegs, aber ohne Ziel, auch ohne Heim: also dass mir wahrlich wenig zum ewigen Juden fehlt, es sei denn, dass ich nicht ewig, und auch nicht Jude bin.
Wie? Muss ich immerdar unterwegs sein? Von jedem Winde gewirbelt, unstät, fortgetrieben? Oh Erde, du wardst mir zu rund!
Auf jeder Oberfläche sass ich schon, gleich müdem Staube schlief ich ein auf Spiegeln und Fensterscheiben: Alles nimmt von mir, Nichts giebt, ich werde dünn, — fast gleiche ich einem Schatten.
Dir aber, oh Zarathustra, flog und zog ich am längsten nach, und, verbarg ich mich schon vor dir, so war ich doch dein bester Schatten: wo du nur gesessen hast, sass ich auch.
Mit dir bin ich in fernsten, kältesten Welten umgegangen, einem Gespenste gleich, das freiwillig über Winterdächer und Schnee läuft.
Mit dir strebte ich in jedes Verbotene, Schlimmste, Fernste: und wenn irgend Etwas an mir Tugend ist, so ist es, dass ich vor keinem Verbote Furcht hatte.
Mit dir zerbrach ich, was je mein Herz verehrte, alle Grenzsteine und Bilder warf ich um, den gefährlichsten Wünschen lief ich nach, — wahrlich, über jedwedes Verbrechen lief ich einmal hinweg.
Mit dir verlernte ich den Glauben an Worte und Werthe und grosse Namen. Wenn der Teufel sich häutet, fällt da nicht auch sein Name ab? Der ist nämlich auch Haut. Der Teufel selber ist vielleicht — Haut.
„Nichts ist wahr, Alles ist erlaubt“: so sprach ich mir zu. In die kältesten Wasser stürzte ich mich, mit Kopf und Herzen. Ach, wie oft stand ich darob nackt als rother Krebs da!
Ach, wohin kam mir alles Gute und alle Scham und aller Glaube an die Guten! Ach, wohin ist jene verlogne Unschuld, die ich einst besass, die Unschuld der Guten und ihrer edlen Lügen!
Zu oft, wahrlich, folgte ich der Wahrheit dicht auf dem Fusse: da trat sie mir vor den Kopf. Manchmal meinte ich zu lügen, und siehe! da erst traf ich — die Wahrheit.
Zu Viel klärte sich mir auf: nun geht es mich Nichts mehr an. Nichts lebt mehr, das ich liebe, — wie sollte ich noch mich selber lieben?
„Leben, wie ich Lust habe, oder gar nicht leben“: so will ich's, so will's auch der Heiligste. Aber, wehe! wie habe ich noch — Lust?
Habe ich — noch ein Ziel? Einen Hafen, nach dem mein Segel läuft?
Einen guten Wind? Ach, nur wer weiss, wohin er fährt, weiss auch, welcher Wind gut und sein Fahrwind ist.
Was blieb mir noch zurück? Ein Herz müde und frech; ein unstäter Wille; Flatter-Flügel; ein zerbrochnes Rückgrat.
Diess Suchen nach meinem Heim: oh Zarathustra, weisst du wohl, diess Suchen war meine Heimsuchung, es frisst mich auf.
„Wo ist — mein Heim?“ Darnach frage und suche und suchte ich, das fand ich nicht. Oh ewiges Überall, oh ewiges Nirgendswo, oh ewiges — Umsonst!“
Also sprach der Schatten, und Zarathustra's Gesicht verlängerte sich bei seinen Worten. „Du bist mein Schatten!“ sagte er endlich, mit Traurigkeit.
Deine Gefahr ist keine kleine, du freier Geist und Wanderer! Du hast einen schlimmen Tag gehabt: sieh zu, dass dir nicht noch ein schlimmerer Abend kommt!
Solchen Unstäten, wie du, dünkt zuletzt auch ein Gefängniss selig. Sahst du je, wie eingefangne Verbrecher schlafen? Sie schlafen ruhig, sie geniessen ihre neue Sicherheit.
Hüte dich, dass dich nicht am Ende noch ein enger Glaube einfängt, ein harter, strenger Wahn! Dich nämlich verführt und versucht nunmehr Jegliches, das eng und fest ist.
Du hast das Ziel verloren: wehe, wie wirst du diesen Verlust verscherzen und verschmerzen? Damit — hast du auch den Weg verloren!
Du armer Schweifender, Schwärmender, du müder Schmetterling! willst du diesen Abend eine Rast und Heimstätte haben? So gehe hinauf zu meiner Höhle!
Dorthin führt der Weg zu meiner Höhle. Und jetzo will ich schnell wieder von dir davonlaufen. Schon liegt es wie ein Schatten auf mir.
Ich will allein laufen, dass es wieder hell um mich werde. Dazu muss ich noch lange lustig auf den Beinen sein. Des Abends aber wird bei mir — getanzt!“ ——
Also sprach Zarathustra.
Mittags.
— Und Zarathustra lief und lief und fand Niemanden mehr und war allein und fand immer wieder sich und genoss und schlürfte seine Einsamkeit und dachte an gute Dinge, — stundenlang. Um die Stunde des Mittags aber, als die Sonne gerade über Zarathustra's Haupte stand, kam er an einem alten krummen und knorrichten Baume vorbei, der von der reichen Liebe eines Weinstocks rings umarmt und vor sich selber verborgen war: von dem hiengen gelbe Trauben in Fülle dem Wandernden entgegen. Da gelüstete ihn, einen kleinen Durst zu löschen und sich eine Traube abzubrechen; als er aber schon den Arm dazu ausstreckte, da gelüstete ihn etwas Anderes noch mehr: nämlich sich neben den Baum niederzulegen, um die Stunde des vollkommnen Mittags, und zu schlafen.
Diess that Zarathustra; und sobald er auf dem Boden lag, in der Stille und Heimlichkeit des bunten Grases, hatte er auch schon seinen kleinen Durst vergessen und schlief ein. Denn, wie das Sprichwort Zarathustra's sagt: Eins ist nothwendiger als das Andre. Nur dass seine Augen offen blieben: — sie wurden nämlich nicht satt, den Baum und die Liebe des Weinstocks zu sehn und zu preisen. Im Einschlafen aber sprach Zarathustra also zu seinem Herzen:
Still! Still! Ward die Welt nicht eben vollkommen? Was geschieht mir doch?
Wie ein zierlicher Wind, ungesehn, auf getäfeltem Meere tanzt, leicht, federleicht: so — tanzt der Schlaf auf mir.
Kein Auge drückt er mir zu, die Seele lässt er mir wach. Leicht ist er, wahrlich! federleicht.
Er überredet mich, ich weiss nicht wie?, er betupft mich innewendig mit schmeichelnder Hand, er zwingt mich. Ja, er zwingt mich, dass meine Seele sich ausstreckt: —
— wie sie mir lang und müde wird, meine wunderliche Seele! Kam ihr eines siebenten Tages Abend gerade am Mittage? Wandelte sie zu lange schon selig zwischen guten und reifen Dingen?
Sie streckt sich lang aus, lang, — länger! sie liegt stille, meine wunderliche Seele. Zu viel Gutes hat sie schon geschmeckt, diese goldene Traurigkeit drückt sie, sie verzieht den Mund.
— Wie ein Schiff, das in seine stillste Bucht einlief: — nun lehnt es sich an die Erde, der langen Reisen müde und der ungewissen Meere. Ist die Erde nicht treuer?
Wie solch ein Schiff sich dem Lande anlegt, anschmiegt: — da genügt's, dass eine Spinne vom Lande her zu ihm ihren Faden spinnt. Keiner stärkeren Taue bedarf es da.
Wie solch ein müdes Schiff in der stillsten Bucht: so ruhe auch ich nun der Erde nahe, treu, zutrauend, wartend, mit den leisesten Fäden ihr angebunden.
Oh Glück! Oh Glück! Willst du wohl singen, oh meine Seele? Du liegst im Grase. Aber das ist die heimliche feierliche Stunde, wo kein Hirt seine Flöte bläst.
Scheue Dich! Heisser Mittag schläft auf den Fluren. Singe nicht! Still! Die Welt ist vollkommen.
Singe nicht, du Gras-Geflügel, oh meine Seele! Flüstere nicht einmal! Sieh doch — still! der alte Mittag schläft, er bewegt den Mund: trinkt er nicht eben einen Tropfen Glücks —
— einen alten braunen Tropfen goldenen Glücks, goldenen Weins? Es huscht über ihn hin, sein Glück lacht. So — lacht ein Gott. Still! —
— „Zum Glück, wie wenig genügt schon zum Glücke!“ So sprach ich einst, und dünkte mich klug. Aber es war eine Lästerung: das lernte ich nun. Kluge Narrn reden besser.
Das Wenigste gerade, das Leiseste, Leichteste, einer Eidechse Rascheln, ein Hauch, ein Husch, ein Augen-Blick — Wenig macht die Art des besten Glücks. Still!
— Was geschah mir: Horch! Flog die Zeit wohl davon? Falle ich nicht? Fiel ich nicht — horch! in den Brunnen der Ewigkeit?
— Was geschieht mir? Still! Es sticht mich — wehe — in's Herz? In's Herz! Oh zerbrich, zerbrich, Herz, nach solchem Glücke, nach solchem Stiche!
— Wie? Ward die Welt nicht eben vollkommen? Rund und reif? Oh des goldenen runden Reifs — wohin fliegt er wohl? Laufe ich ihm nach! Husch!
Still — — (und hier dehnte sich Zarathustra und fühlte, dass er schlafe.)
Auf! sprach er zu sich selber, du Schläfer! Du Mittagsschläfer! Wohlan, wohlauf, ihr alten Beine! Zeit ist's und Überzeit, manch gut Stück Wegs blieb euch noch zurück —
Nun schlieft ihr euch aus, wie lange doch? Eine halbe Ewigkeit! Wohlan, wohlauf nun, mein altes Herz! Wie lange erst darfst du nach solchem Schlaf — dich auswachen?
(Aber da schlief er schon von Neuem ein, und seine Seele sprach gegen ihn und wehrte sich und legte sich wieder hin) — „Lass mich doch! Still! Ward nicht die Welt eben vollkommen? Oh des goldnen runden Balls!“ —
„Steh auf, sprach Zarathustra, du kleine Diebin, du Tagediebin! Wie? Immer noch sich strecken, gähnen, seufzen, hinunterfallen in tiefe Brunnen?
Wer bist du doch! Oh meine Seele!“ (und hier erschrak er, denn ein Sonnenstrahl fiel vom Himmel herunter auf sein Gesicht.)
„Oh Himmel über mir, sprach er seufzend und setzte sich aufrecht, du schaust mir zu? Du horchst meiner wunderlichen Seele zu?
Wann trinkst du diesen Tropfen Thau's, der auf alle Erden-Dinge niederfiel, — wann trinkst du diese wunderliche Seele —
— wann, Brunnen der Ewigkeit! du heiterer schauerlicher Mittags-Abgrund! wann trinkst du meine Seele in dich zurück?“
Also sprach Zarathustra und erhob sich von seinem Lager am Baume wie aus einer fremden Trunkenheit: und siehe, da stand die Sonne immer noch gerade über seinem Haupte. Es möchte aber Einer daraus mit Recht abnehmen, dass Zarathustra damals nicht lange geschlafen habe.
Die Begrüssung.
Am späten Nachmittage war es erst, dass Zarathustra, nach langem umsonstigen Suchen und Umherstreifen, wieder zu seiner Höhle heimkam. Als er aber derselben gegenüberstand, nicht zwanzig Schritt mehr von ihr ferne, da geschah Das, was er jetzt am wenigsten erwartete: von Neuem hörte er den grossen Nothschrei. Und, erstaunlich! diess Mal kam derselbige aus seiner eignen Höhle. Es war aber ein langer vielfältiger seltsamer Schrei, und Zarathustra unterschied deutlich, dass er sich aus vielen Stimmen zusammensetze: mochte er schon, aus der Ferne gehört, gleich dem Schrei aus einem einzigen Munde klingen.
Da sprang Zarathustra auf seine Höhle zu, und siehe! welches Schauspiel erwartete ihn erst nach diesem Hörspiele! Denn da sassen sie allesammt bei einander, an denen er des Tags vorübergegangen war: der König zur Rechten und der König zur Linken, der alte Zauberer, der Papst, der freiwillige Bettler, der Schatten, der Gewissenhafte des Geistes, der traurige Wahrsager und der Esel; der hässlichste Mensch aber hatte sich eine Krone aufgesetzt und zwei Purpurgürtel umgeschlungen, — denn er liebte es, gleich allen Hässlichen, sich zu verkleiden und schön zu thun. Inmitten aber dieser betrübten Gesellschaft stand der Adler Zarathustra's gesträubt und unruhig, denn er sollte auf zu Vieles antworten, wofür sein Stolz keine Antwort hatte; die kluge Schlange aber hieng um seinen Hals.
Diess Alles schaute Zarathustra mit grosser Verwunderung; dann aber prüfte er jeden Einzelnen seiner Gäste mit leutseliger Neugierde, las ihre Seelen ab und wunderte sich von Neuem. Inzwischen hatten sich die Versammelten von ihren Sitzen erhoben und warteten mit Ehrfurcht, dass Zarathustra reden werde. Zarathustra aber sprach also:
Ihr Verzweifelnden! Ihr Wunderlichen! Ich hörte also euren Nothschrei? Und nun weiss ich auch, wo Der zu suchen ist, den ich umsonst heute suchte: der höhere Mensch —:
— in meiner eignen Höhle sitzt er, der höhere Mensch! Aber was wundere ich mich! Habe ich ihn nicht selber zu mir gelockt, durch Honig-Opfer und listige Lockrufe meines Glücks?
Doch dünkt mir, ihr taugt euch schlecht zur Gesellschaft, ihr macht einander das Herz unwirsch, ihr Nothschreienden, wenn ihr hier beisammen sitzt? Es muss erst Einer kommen,
— Einer, der euch wieder lachen macht, ein guter fröhlicher Hanswurst, ein Tänzer und Wind und Wildfang, irgend ein alter Narr: — was dünket euch?
Vergebt mir doch, ihr Verzweifelnden, dass ich vor euch mit solch kleinen Worten rede, unwürdig, wahrlich! solcher Gäste! Aber ihr errathet nicht, was mein Herz muthwillig macht: —
— ihr selber thut es und euer Anblick, vergebt es mir! Jeder nämlich wird muthig, der einem Verzweifelnden zuschaut. Einem Verzweifelnden zuzusprechen — dazu dünkt sich Jeder stark genug.
Mir selber gabt ihr diese Kraft, — eine gute Gabe, meine hohen Gäste! Ein rechtschaffnes Gastgeschenk! Wohlan, so zürnt nun nicht, dass ich euch auch vom Meinigen anbiete.
Diess hier ist mein Reich und meine Herrschaft: was aber mein ist, für diesen Abend und diese Nacht soll es euer sein. Meine Thiere sollen euch dienen: meine Höhle sei eure Ruhestatt!
Bei mir zu Heim-und-Hause soll Keiner verzweifeln, in meinem Reviere schütze ich Jeden vor seinen wilden Thieren. Und das ist das Erste, was ich euch anbiete: Sicherheit!
Das Zweite aber ist: mein kleiner Finger. Und habt ihr den erst, so nehmt nur noch die ganze Hand, wohlan! und das Herz dazu! Willkommen hier, willkommen, meine Gastfreunde!“
Also sprach Zarathustra und lachte vor Liebe und Bosheit. Nach dieser Begrüssung verneigten sich seine Gäste abermals und schwiegen ehrfürchtig; der König zur Rechten aber antwortete ihm in ihrem Namen.
„Daran, oh Zarathustra, wie du uns Hand und Gruss botest, erkennen wir dich als Zarathustra. Du erniedrigtest dich vor uns; fast thatest du unserer Ehrfurcht wehe —:
— wer aber vermöchte gleich dir sich mit solchem Stolze zu erniedrigen? Das richtet uns selber auf, ein Labsal ist es unsern Augen und Herzen.
Diess allein nur zu schaun stiegen gern wir auf höhere Berge, als dieser Berg ist. Als Schaulustige nämlich kamen wir, wir wollten sehn, was trübe Augen hell macht.
Und siehe, schon ist es vorbei mit allem unsern Nothschrein. Schon steht Sinn und Herz uns offen und ist entzückt. Wenig fehlt: und unser Muth wird muthwillig.
Nichts, oh Zarathustra, wächst Erfreulicheres auf Erden, als ein hoher starker Wille: der ist ihr schönstes Gewächs. Eine ganze Landschaft erquickt sich an Einem solchen Baume.
Der Pinie vergleiche ich, wer gleich dir, oh Zarathustra, aufwächst: lang, schweigend, hart, allein, besten biegsamsten Holzes, herrlich, —
— zuletzt aber hinausgreifend mit starken grünen Ästen nach seiner Herrschaft, starke Fragen fragend vor Winden und Wettern und was immer auf Höhen heimisch ist,
— stärker antwortend, ein Befehlender, ein Siegreicher: oh wer sollte nicht, solche Gewächse zu schaun, auf hohe Berge steigen?
Deines Baumes hier, oh Zarathustra, erlabt sich auch der Düstere, der Missrathene, an deinem Anblicke wird auch der Unstäte sicher und heilt sein Herz.
Und wahrlich, zu deinem Berge und Baume richten sich heute viele Augen; eine grosse Sehnsucht hat sich aufgemacht, und Manche lernten fragen: wer ist Zarathustra?
Und wem du jemals dein Lied und deinen Honig in's Ohr geträufelt: alle die Versteckten, die Einsiedler, die Zweisiedler sprachen mit Einem Male zu ihrem Herzen:
„Lebt Zarathustra noch? Es lohnt sich nicht mehr zu leben, Alles ist gleich, Alles ist umsonst: oder — wir müssen mit Zarathustra leben!“
„Warum kommt er nicht, der sich so lange ankündigte? also fragen Viele; verschlang ihn die Einsamkeit? Oder sollen wir wohl zu ihm kommen?“
Nun geschieht's, dass die Einsamkeit selber mürbe wird und zerbricht, einem Grabe gleich, das zerbricht und seine Todten nicht mehr halten kann. Überall sieht man Auferstandene.
Nun steigen und steigen die Wellen um deinen Berg, oh Zarathustra. Und wie hoch auch deine Höhe ist, Viele müssen zu dir hinauf; dein Nachen soll nicht lange mehr im Trocknen sitzen.
Und dass wir Verzweifelnde jetzt in deine Höhle kamen und schon nicht mehr verzweifeln: ein Wahr-und Vorzeichen ist es nur, davon, dass Bessere zu dir unterwegs sind, —
— denn er selber ist zu dir unterwegs, der letzte Rest Gottes unter Menschen, das ist: alle die Menschen der grossen Sehnsucht, des grossen Ekels, des grossen Überdrusses,
— Alle, die nicht leben wollen, oder sie lernen wieder hoffen — oder sie lernen von dir, oh Zarathustra, die grosse Hoffnung!“
Also sprach der König zur Rechten und ergriff die Hand Zarathustra's, um sie zu küssen; aber Zarathustra wehrte seiner Verehrung und trat erschreckt zurück, schweigend und plötzlich wie in weite Fernen entfliehend. Nach einer kleinen Weile aber war er schon wieder bei seinen Gästen, blickte sie mit hellen, prüfenden Augen an und sprach:
„Meine Gäste, ihr höheren Menschen, ich will deutsch und deutlich mit euch reden. Nicht auf euch wartete ich hier in diesen Bergen.“
(„Deutsch und deutlich? Dass Gott erbarm! sagte hier der König zur Linken, bei Seite; man merkt, er kennt die lieben Deutschen nicht, dieser Weise aus dem Morgenlande!
Aber er meint „deutsch und derb“ — wohlan! Das ist heutzutage noch nicht der schlimmste Geschmack!“)
„Ihr mögt wahrlich insgesammt höhere Menschen sein, fuhr Zarathustra fort: aber für mich — seid ihr nicht hoch und stark genug.
Für mich, das heisst: für das Unerbittliche, das in mir schweigt, aber nicht immer schweigen wird. Und gehört ihr zu mir, so doch nicht als mein rechter Arm.
Wer nämlich selber auf kranken und zarten Beinen steht, gleich euch, der will vor Allem, ob er's weiss oder sich verbirgt: dass er geschont werde.
Meine Arme und meine Beine aber schone ich nicht, ich schone meine Krieger nicht: wieso könntet ihr zu meinem Kriege taugen?
Mit euch verdürbe ich mir jeden Sieg noch. Und Mancher von euch fiele schon um, wenn er nur den lauten Schall meiner Trommeln hörte.
Auch seid ihr mir nicht schön genug und wohlgeboren. Ich brauche reine glatte Spiegel für meine Lehren; auf eurer Oberfläche verzerrt sich noch mein eignes Bildniss.
Eure Schultern drückt manche Last, manche Erinnerung; manch schlimmer Zwerg hockt in euren Winkeln. Es giebt verborgenen Pöbel auch in euch.
Und seid ihr auch hoch und höherer Art: Vieles an euch ist krumm und missgestalt. Da ist kein Schmied in der Welt, der euch mir zurecht und gerade schlüge.
Ihr seid nur Brücken: mögen Höhere auf euch hinüber schreiten! Ihr bedeutet Stufen: so zürnt Dem nicht, der über euch hinweg in seine Höhe steigt!
Aus eurem Samen mag auch mir einst ein ächter Sohn und vollkommener Erbe wachsen: aber das ist ferne. Ihr selber seid Die nicht, welchen mein Erbgut und Name zugehört.
Nicht auf euch warte ich hier in diesen Bergen, nicht mit euch darf ich zum letzten Male niedersteigen. Als Vorzeichen kamt ihr mir nur, dass schon Höhere zu mir unterwegs sind, —
— nicht die Menschen der grossen Sehnsucht, des grossen Ekels, des grossen Überdrusses und Das, was ihr den Überrest Gottes nanntet.
— Nein! Nein! Drei Mal Nein! Auf Andere warte ich hier in diesen Bergen und will meinen Fuss nicht ohne sie von dannen heben,
— auf Höhere, Stärkere, Sieghaftere, Wohlgemuthere, Solche, die rechtwinklig gebaut sind an Leib und Seele: lachende Löwen müssen kommen!
Oh, meine Gastfreunde, ihr Wunderlichen, — hörtet ihr noch Nichts von meinen Kindern? Und dass sie zu mir unterwegs sind?
Sprecht mir doch von meinen Gärten, von meinen glückseligen Inseln, von meiner neuen schönen Art, — warum sprecht ihr mir nicht davon?
Diess Gastgeschenk erbitte ich mir von eurer Liebe, dass ihr mir von meinen Kindern sprecht. Hierzu bin ich reich, hierzu ward ich arm: was gab ich nicht hin,
— was gäbe ich nicht hin, dass ich Eins hätte: diese Kinder, diese lebendige Pflanzung, diese Lebensbäume meines Willens und meiner höchsten Hoffnung!“
Also sprach Zarathustra und hielt plötzlich inne in seiner Rede: denn ihn überfiel seine Sehnsucht, und er schloss Augen und Mund vor der Bewegung seines Herzens. Und auch alle seine Gäste schwiegen und standen still und bestürzt: nur dass der alte Wahrsager mit Händen und Gebärden Zeichen gab.
Das Abendmahl.
An dieser Stelle nämlich unterbrach der Wahrsager die Begrüssung Zarathustra's und seiner Gäste: er drängte sich vor, wie Einer, der keine Zeit zu verlieren hat, fasste die Hand Zarathustra's und rief: „Aber Zarathustra!
Eins ist nothwendiger als das Andre, so redest du selber: wohlan, Eins ist mir jetzt nothwendiger als alles Andere.
Ein Wort zur rechten Zeit: hast du mich nicht zum Mahle eingeladen? Und hier sind Viele, die lange Wege machten. Du willst uns doch nicht mit Reden abspeisen?
Auch gedachtet ihr Alle mir schon zu viel des Erfrierens, Ertrinkens, Erstickens und andrer Leibes-Nothstände: Keiner aber gedachte meines Nothstandes, nämlich des Verhungerns —“
(Also sprach der Wahrsager; wie die Thiere Zarathustra's aber diese Worte hörten, liefen sie vor Schrecken davon. Denn sie sahen, dass was sie auch am Tage heimgebracht hatten, nicht genug sein werde, den Einen Wahrsager zu stopfen.)
„Eingerechnet das Verdursten, fuhr der Wahrsager fort. Und ob ich schon Wasser hier plätschern höre, gleich Reden der Weisheit, nämlich reichlich und unermüdlich: ich — will Wein!
Nicht Jeder ist gleich Zarathustra ein geborner Wassertrinker. Wasser taugt auch nicht für Müde und Verwelkte: uns gebührt Wein, — der erst giebt plötzliches Genesen und stegreife Gesundheit!“
Bei dieser Gelegenheit, da der Wahrsager nach Wein begehrte, geschah es, dass auch der König zur Linken, der Schweigsame, einmal zu Worte kam. „Für Wein, sprach er, trugen wir Sorge, ich sammt meinem Bruder, dem Könige zur Rechten: wir haben Wein's genug, — einen ganzen Esel voll. So fehlt Nichts als Brod.“
„Brod? entgegnete Zarathustra und lachte dazu. Nur gerade Brod haben Einsiedler nicht. Aber der Mensch lebt nicht vom Brod allein, sondern auch vom Fleische guter Lämmer, deren ich zwei habe:
— Die soll man geschwinde schlachten und würzig, mit Salbei, zubereiten: so liebe ich's. Und auch an Wurzeln und Früchten fehlt es nicht, gut genug selbst für Lecker- und Schmeckerlinge; noch an Nüssen und andern Räthseln zum Knacken.
Also wollen wir in Kürze eine gute Mahlzeit machen. Wer aber mit essen will, muss auch mit Hand anlegen, auch die Könige. Bei Zarathustra nämlich darf auch ein König Koch sein.“
Mit diesem Vorschlage war Allen nach dem Herzen geredet: nur dass der freiwillige Bettler sich gegen Fleisch und Wein und Würzen sträubte.
„Nun hört mir doch diesen Schlemmer Zarathustra! sagte er scherzhaft: geht man dazu in Höhlen und Hoch-Gebirge, dass man solche Mahlzeiten macht?
Nun freilich verstehe ich, was er einst uns lehrte: „Gelobt sei die kleine Armuth!“ Und warum er die Bettler abschaffen will.“
„Sei guter Dinge, antwortete ihm Zarathustra, wie ich es bin. Bleibe bei deiner Sitte, du Trefflicher, malme deine Körner, trink dein Wasser, lobe deine Küche: wenn sie dich nur fröhlich macht!
Ich bin ein Gesetz nur für die Meinen, ich bin kein Gesetz für Alle. Wer aber zu mir gehört, der muss von starken Knochen sein, auch von leichten Füssen, —
— lustig zu Kriegen und Festen, kein Düsterling, kein Traum-Hans, bereit zum Schwersten wie zu seinem Feste, gesund und heil.
Das Beste gehört den Meinen und mir; und giebt man's uns nicht, so nehmen wir's: — die beste Nahrung, den reinsten Himmel, die stärksten Gedanken, die schönsten Fraun!“ —
Also sprach Zarathustra; der König zur Rechten aber entgegnete: „Seltsam! Vernahm man je solche kluge Dinge aus dem Munde eines Weisen?
Und wahrlich, das ist das Seltsamste an einem Weisen, wenn er zu alledem auch noch klug und kein Esel ist.“
Also sprach der König zur Rechten und wunderte sich; der Esel aber sagte zu seiner Rede mit bösem Willen I-A. Diess aber war der Anfang von jener langen Mahlzeit, welche „das Abendmahl“ in den Historien-Büchern genannt wird. Bei derselben wurde von nichts Anderem geredet als vom höheren Menschen.
Vom höheren Menschen.
1 Als ich zum ersten Male zu den Menschen kam, da that ich die Einsiedler-Thorheit, die grosse Thorheit: ich stellte mich auf den Markt.
Und als ich zu Allen redete, redete ich zu Keinem. Des Abends aber waren Seiltänzer meine Genossen, und Leichname; und ich selber fast ein Leichnam.
Mit dem neuen Morgen aber kam mir eine neue Wahrheit: da lernte ich sprechen „Was geht mich Markt und Pöbel und Pöbel-Lärm und lange Pöbel-Ohren an!“
Ihr höheren Menschen, Diess lernt von mir: auf dem Markt glaubt Niemand an höhere Menschen. Und wollt ihr dort reden, wohlan! Der Pöbel aber blinzelt „wir sind Alle gleich.“
„Ihr höheren Menschen, — so blinzelt der Pöbel — es giebt keine höheren Menschen, wir sind Alle gleich, Mensch ist Mensch, vor Gott — sind wir Alle gleich!“
Vor Gott! — Nun aber starb dieser Gott. Vor dem Pöbel aber wollen wir nicht gleich sein. Ihr höheren Menschen, geht weg vom Markt!
2 Vor Gott! — Nun aber starb dieser Gott! Ihr höheren Menschen, dieser Gott war eure grösste Gefahr.
Seit er im Grabe liegt, seid ihr erst wieder auferstanden. Nun erst kommt der grosse Mittag, nun erst wird der höhere Mensch — Herr!
Verstandet ihr diess Wort, oh meine Brüder? Ihr seid erschreckt: wird euren Herzen schwindlig? Klafft euch hier der Abgrund? Kläfft euch hier der Höllenhund?
Wohlan! Wohlauf! Ihr höheren Menschen! Nun erst kreisst der Berg der Menschen-Zukunft. Gott starb: nun wollen wir, — dass der Übermensch lebe.
3 Die Sorglichsten fragen heute: „wie bleibt der Mensch erhalten?“ Zarathustra aber fragt als der Einzige und Erste: „wie wird der Mensch überwunden?“
Der Übermensch liegt mir am Herzen, der ist mein Erstes und Einziges, — und nicht der Mensch: nicht der Nächste, nicht der Ärmste, nicht der Leidendste, nicht der Beste —
Oh meine Brüder, was ich lieben kann am Menschen, das ist, dass er ein Übergang ist und ein Untergang. Und auch an euch ist Vieles, das mich lieben und hoffen macht.
Dass ihr verachtetet, ihr höheren Menschen, das macht mich hoffen. Die grossen Verachtenden nämlich sind die grossen Verehrenden.
Dass ihr verzweifeltet, daran ist Viel zu ehren. Denn ihr lerntet nicht, wie ihr euch ergäbet, ihr lerntet die kleinen Klugheiten nicht.
Heute nämlich wurden die kleinen Leute Herr: die predigen Alle Ergebung und Bescheidung und Klugheit und Fleiss und Rücksicht und das lange Und-so-weiter der kleinen Tugenden.
Was von Weibsart ist, was von Knechtsart stammt und sonderlich der Pöbel-Mischmasch: Das will nun Herr werden alles Menschen-Schicksals — oh Ekel! Ekel! Ekel!
Das frägt und frägt und wird nicht müde: „wie erhält sich der Mensch, am besten, am längsten, am angenehmsten?“ Damit — sind sie die Herrn von Heute.
Diese Herrn von Heute überwindet mir, oh meine Brüder, — diese kleinen Leute: die sind des Übermenschen grösste Gefahr!
Überwindet mir, ihr höheren Menschen, die kleinen Tugenden, die kleinen Klugheiten, die Sandkorn-Rücksichten, den Ameisen-Kribbelkram, das erbärmliche Behagen, das „Glück der Meisten“ —!
Und lieber verzweifelt, als dass ihr euch ergebt. Und, wahrlich, ich liebe euch dafür, dass ihr heute nicht zu leben wisst, ihr höheren Menschen! So nämlich lebt ihr — am Besten!
4 Habt ihr Muth, oh meine Brüder? Seid ihr herzhaft? Nicht Muth vor Zeugen, sondern Einsiedler- und Adler-Muth, dem auch kein Gott mehr zusieht?
Kalte Seelen, Maulthiere, Blinde, Trunkene heissen mir nicht herzhaft. Herz hat, wer Furcht kennt, aber Furcht zwingt; wer den Abgrund sieht, aber mit Stolz.
Wer den Abgrund sieht, aber mit Adlers-Augen, — wer mit Adlers-Krallen den Abgrund fasst: Der hat Muth. — —
5 „Der Mensch ist böse“ — so sprachen mir zum Troste alle Weisesten. Ach, wenn es heute nur noch wahr ist! Denn das Böse ist des Menschen beste Kraft.
„Der Mensch muss besser und böser werden“ — so lehre ich. Das Böseste ist nöthig zu des Übermenschen Bestem.
Das mochte gut sein für jenen Prediger der kleinen Leute, dass er litt und trug an des Menschen Sünde. Ich aber erfreue mich der grossen Sünde als meines grossen Trostes. —
Solches ist aber nicht für lange Ohren gesagt. Jedwedes Wort gehört auch nicht in jedes Maul. Das sind feine ferne Dinge: nach denen sollen nicht Schafs-Klauen greifen!
6 Ihr höheren Menschen, meint ihr, ich sei da, gut zu machen, was ihr schlecht machtet?
Oder ich wollte fürderhin euch Leidende bequemer betten? Oder euch Unstäten, Verirrten, Verkletterten neue leichtere Fusssteige zeigen?
Nein! Nein! Drei Mal Nein! Immer Mehr, immer Bessere eurer Art sollen zu Grunde gehn, — denn ihr sollt es immer schlimmer und härter haben. So allein —
— so allein wächst der Mensch in die Höhe, wo der Blitz ihn trifft und zerbricht: hoch genug für den Blitz!
Auf Weniges, auf Langes, auf Fernes geht mein Sinn und meine Sehnsucht: was gienge mich euer kleines, vieles, kurzes Elend an!
Ihr leidet mir noch nicht genug! Denn ihr leidet an euch, ihr littet noch nicht am Menschen. Ihr würdet lügen, wenn ihr's anders sagtet! Ihr leidet Alle nicht, woran ich litt. — —
7 Es ist mir nicht genug, dass der Blitz nicht mehr schadet. Nicht ableiten will ich ihn: er soll lernen für mich — arbeiten. —
Meine Weisheit sammelt sich lange schon gleich einer Wolke, sie wird stiller und dunkler. So thut jede Weisheit, welche einst Blitze gebären soll. —
Diesen Menschen von Heute will ich nicht Licht sein, nicht Licht heissen. Die — will ich blenden. Blitz meiner Weisheit! stich ihnen die Augen aus!
8 Wollt Nichts über euer Vermögen: es giebt eine schlimme Falschheit bei Solchen, die über ihr Vermögen wollen.
Sonderlich, wenn sie grosse Dinge wollen! Denn sie wecken Misstrauen gegen grosse Dinge, diese feinen Falschmünzer und Schauspieler: —
— bis sie endlich falsch vor sich selber sind, schieläugig, übertünchter Wurmfrass, bemäntelt durch starke Worte, durch Aushänge-Tugenden, durch glänzende falsche Werke.
Habt da eine gute Vorsicht, ihr höheren Menschen! Nichts nämlich gilt mir heute kostbarer und seltner als Redlichkeit.
Ist diess Heute nicht des Pöbels? Pöbel aber weiss nicht, was gross, was klein, was gerade und redlich ist: der ist unschuldig krumm, der lügt immer.
9 Habt heute ein gutes Misstrauen, ihr höheren Menschen, ihr Beherzten! Ihr Offenherzigen! Und haltet eure Gründe geheim! Diess Heute nämlich ist des Pöbels.
Was der Pöbel ohne Gründe nicht glauben lernte, wer könnte ihm durch Gründe Das — umwerfen?
Und auf dem Markte überzeugt man mit Gebärden. Aber Gründe machen den Pöbel misstrauisch.
Und wenn da einmal die Wahrheit zum Siege kam, so fragt euch mit gutem Misstrauen: „welch starker Irrthum hat für sie gekämpft?“
Hütet euch auch vor den Gelehrten! Die hassen euch: denn sie sind unfruchtbar! Sie haben kalte vertrocknete Augen, vor ihnen liegt jeder Vogel entfedert.
Solche brüsten sich damit, dass sie nicht lügen: aber Ohnmacht zur Lüge ist lange noch nicht Liebe zur Wahrheit. Hütet euch!
Freiheit von Fieber ist lange noch nicht Erkenntniss! Ausgekälteten Geistern glaube ich nicht. Wer nicht lügen kann, weiss nicht, was Wahrheit ist.
10 Wollt ihr hoch hinaus, so braucht die eignen Beine! Lasst euch nicht empor tragen, setzt euch nicht auf fremde Rücken und Köpfe!
Du aber stiegst zu Pferde? Du reitest nun hurtig hinauf zu deinem Ziele? Wohlan, mein Freund! Aber dein lahmer Fuss sitzt auch mit zu Pferde!
Wenn du an deinem Ziele bist, wenn du von deinem Pferde springst: auf deiner Höhe gerade, du höherer Mensch, — wirst du stolpern!
11 Ihr Schaffenden, ihr höheren Menschen! Man ist nur für das eigne Kind schwanger.
Lasst euch Nichts vorreden, einreden! Wer ist denn euer Nächster? Und handelt ihr auch „für den Nächsten“, — ihr schafft doch nicht für ihn!
Verlernt mir doch diess „Für“, ihr Schaffenden: eure Tugend gerade will es, dass ihr kein Ding mit „für“ und „um“ und „weil“ thut. Gegen diese falschen kleinen Worte sollt ihr euer Ohr zukleben.
Das „für den Nächsten“ ist die Tugend nur der kleinen Leute: da heisst es „gleich und gleich“ und „Hand wäscht Hand“: — sie haben nicht Recht noch Kraft zu eurem Eigennutz!
In eurem Eigennutz, ihr Schaffenden, ist der Schwangeren Vorsicht und Vorsehung! Was Niemand noch mit Augen sah, die Frucht: die schirmt und schont und nährt eure ganze Liebe.
Wo eure ganze Liebe ist, bei eurem Kinde, da ist auch eure ganze Tugend! Euer Werk, euer Wille ist euer „Nächster“: lasst euch keine falschen Werthe einreden!
12 Ihr Schaffenden, ihr höheren Menschen! Wer gebären muss, der ist krank; wer aber geboren hat, ist unrein.
Fragt die Weiber: man gebiert nicht, weil es Vergnügen macht. Der Schmerz macht Hühner und Dichter gackern.
Ihr Schaffenden, an euch ist viel Unreines. Das macht, ihr musstet Mütter sein.
Ein neues Kind: oh wie viel neuer Schmutz kam auch zur Welt! Geht bei Seite! Und wer geboren hat, soll seine Seele rein waschen!
13 Seid nicht tugendhaft über eure Kräfte! Und wollt Nichts von euch wider die Wahrscheinlichkeit!
Geht in den Fusstapfen, wo schon eurer Väter Tugend gieng! Wie wolltet ihr hoch steigen, wenn nicht eurer Väter Wille mit euch steigt?
Wer aber Erstling sein will, sehe zu, dass er nicht auch Letztling werde! Und wo die Laster eurer Väter sind, darin sollt ihr nicht Heilige bedeuten wollen!
Wessen Väter es mit Weibern hielten und mit starken Weinen und Wildschweinen: was wäre es, wenn Der von sich Keuschheit wollte?
Eine Narrheit wäre es! Viel, wahrlich, dünkt es mich für einen Solchen, wenn er Eines oder zweier oder dreier Weiber Mann ist.
Und stiftete er Klöster und schriebe über die Thür: „der Weg zum Heiligen“, — ich spräche doch: wozu! es ist eine neue Narrheit!
Er stiftete sich selber ein Zucht- und Fluchthaus: wohl bekomm's! Aber ich glaube nicht daran.
In der Einsamkeit wächst, was Einer in sie bringt, auch das innere Vieh. Solchergestalt widerräth sich Vielen die Einsamkeit.
Gab es Schmutzigeres bisher auf Erden als Wüsten-Heilige? Um die herum war nicht nur der Teufel los, — sondern auch das Schwein.
14 Scheu, beschämt, ungeschickt, einem Tiger gleich, dem der Sprung missrieth: also, ihr höheren Menschen, sah ich oft euch bei Seite schleichen. Ein Wurf missrieth euch.
Aber, ihr Würfelspieler, was liegt daran! Ihr lerntet nicht spielen und spotten, wie man spielen und spotten muss! Sitzen wir nicht immer an einem grossen Spott- und Spieltische?
Und wenn euch Grosses missrieth, seid ihr selber darum — missrathen? Und missriethet ihr selber, missrieth darum — der Mensch? Missrieth aber der Mensch: wohlan! wohlauf!
15 Je höher von Art, je seltener geräth ein Ding. Ihr höheren Menschen hier, seid ihr nicht alle — missgerathen?
Seid guten Muths, was liegt daran! Wie Vieles ist noch möglich! Lernt über euch selber lachen, wie man lachen muss!
Was Wunders auch, dass ihr missriethet und halb geriethet, ihr Halbzerbrochenen! Drängt und stösst sich nicht in euch — des Menschen Zukunft?
Des Menschen Fernstes, Tiefstes, Sternen-Höchstes, seine ungeheure Kraft: schäumt Das nicht alles gegen einander in eurem Topfe?
Was Wunders, dass mancher Topf zerbricht! Lernt über euch lachen, wie man lachen muss! Ihr höheren Menschen, oh wie Vieles ist noch möglich!
Und wahrlich, wie Viel gerieth schon! Wie reich ist diese Erde an kleinen guten vollkommenen Dingen, an Wohlgerathenem!
Stellt kleine gute vollkommene Dinge um euch, ihr höheren Menschen! Deren goldene Reife heilt das Herz. Vollkommnes lehrt hoffen.
16 Welches war hier auf Erden bisher die grösste Sünde? War es nicht das Wort Dessen, der sprach: „Wehe Denen, die hier lachen!“
Fand er zum Lachen auf der Erde selber keine Gründe? So suchte er nur schlecht. Ein Kind findet hier noch Gründe.
Der — liebte nicht genug: sonst hätte er auch uns geliebt, die Lachenden! Aber er hasste und höhnte uns, Heulen und Zähneklappern verhiess er uns.
Muss man denn gleich fluchen, wo man nicht liebt? Das — dünkt mich ein schlechter Geschmack. Aber so that er, dieser Unbedingte. Er kam vom Pöbel.
Und er selber liebte nur nicht genug: sonst hätte er weniger gezürnt, dass man ihn nicht liebe. Alle grosse Liebe will nicht Liebe: — die will mehr.
Geht aus dem Wege allen solchen Unbedingten! Das ist eine arme kranke Art, eine Pöbel-Art: sie sehn schlimm diesem Leben zu, sie haben den bösen Blick für diese Erde.
Geht aus dem Wege allen solchen Unbedingten! Sie haben schwere Füsse und schwüle Herzen: — sie wissen nicht zu tanzen. Wie möchte Solchen wohl die Erde leicht sein!
17 Krumm kommen alle guten Dinge ihrem Ziele nahe. Gleich Katzen machen sie Buckel, sie schnurren innewendig vor ihrem nahen Glücke, — alle guten Dinge lachen.
Der Schritt verräth, ob Einer schon auf seiner Bahn schreitet: so seht mich gehn! Wer aber seinem Ziel nahe kommt, der tanzt.
Und, wahrlich, zum Standbild ward ich nicht, noch stehe ich nicht da, starr, stumpf, steinern, eine Säule; ich liebe geschwindes Laufen.
Und wenn es auf Erden auch Moor und dicke Trübsal giebt: wer leichte Füsse hat, läuft über Schlamm noch hinweg und tanzt wie auf gefegtem Eise.
Erhebt eure Herzen, meine Brüder, hoch! höher! Und vergesst mir auch die Beine nicht! Erhebt auch eure Beine, ihr guten Tänzer, und besser noch: ihr steht auch auf dem Kopf!
18 Diese Krone des Lachenden, diese Rosenkranz-Krone: ich selber setzte mir diese Krone auf, ich selber sprach heilig mein Gelächter. Keinen Anderen fand ich heute stark genug dazu.
Zarathustra der Tänzer, Zarathustra der Leichte, der mit den Flügeln winkt, ein Flugbereiter, allen Vögeln zuwinkend, bereit und fertig, ein Selig-Leichtfertiger: —
Zarathustra der Wahrsager, Zarathustra der Wahrlacher, kein Ungeduldiger, kein Unbedingter, Einer, der Sprünge und Seitensprünge liebt; ich selber setzte mir diese Krone auf!
19 Erhebt eure Herzen, meine Brüder, hoch! höher! Und vergesst mir auch die Beine nicht! Erhebt auch eure Beine, ihr guten Tänzer, und besser noch: ihr steht auch auf dem Kopf!
Es giebt auch im Glück schweres Gethier, es giebt Plumpfüssler von Anbeginn. Wunderlich mühn sie sich ab, einem Elephanten gleich, der sich müht auf dem Kopfe zu stehn.
Besser aber noch närrisch sein vor Glücke als närrisch vor Unglücke, besser plump tanzen als lahm gehn. So lernt mir doch meine Weisheit ab: auch das schlimmste Ding hat zwei gute Kehrseiten, —
— auch das schlimmste Ding hat gute Tanzbeine: so lernt mir doch euch selbst, ihr höheren Menschen, auf eure rechten Beine stellen!
So verlernt mir doch Trübsal-Blasen und alle Pöbel-Traurigkeit! Oh wie traurig dünken mich heute des Pöbels Hanswürste noch! Diess Heute aber ist des Pöbels.
20 Dem Winde thut mir gleich, wenn er aus seinen Berghöhlen stürzt: nach seiner eignen Pfeife will er tanzen, die Meere zittern und hüpfen unter seinen Fusstapfen.
Der den Eseln Flügel giebt, der Löwinnen melkt, gelobt sei dieser gute unbändige Geist, der allem Heute und allem Pöbel wie ein Sturmwind kommt, —
— der Distel- und Tiftelköpfen feind ist und allen welken Blättern und Unkräutern: gelobt sei dieser wilde gute freie Sturmgeist, welcher auf Mooren und Trübsalen wie auf Wiesen tanzt!
Der die Pöbel-Schwindhunde hasst und alles missrathene düstere Gezücht: gelobt sei dieser Geist aller freien Geister, der lachende Sturm, welcher allen Schwarzsichtigen, Schwärsüchtigen Staub in die Augen bläst!
Ihr höheren Menschen, euer Schlimmstes ist: ihr lerntet alle nicht tanzen, wie man tanzen muss — über euch hinweg tanzen! Was liegt daran, dass ihr missriethet!
Wie Vieles ist noch möglich! So lernt doch über euch hinweg lachen! Erhebt eure Herzen, ihr guten Tänzer, hoch! höher! Und vergesst mir auch das gute Lachen nicht!
Diese Krone des Lachenden, diese Rosenkranz-Krone: euch, meinen Brüdern, werfe ich diese Krone zu! Das Lachen sprach ich heilig; ihr höheren Menschen, lernt mir — lachen!
Das Lied der Schwermuth.
1 Als Zarathustra diese Reden sprach, stand er nahe dem Eingange seiner Höhle; mit den letzten Worten aber entschlüpfte er seinen Gästen und floh für eine kurze Weile in's Freie.
„Oh reine Gerüche um mich, rief er aus, oh selige Stille um mich! Aber wo sind meine Thiere? Heran, heran, mein Adler und meine Schlange!
Sagt mir doch, meine Thiere: diese höheren Menschen insgesammt — riechen sie vielleicht nicht gut? Oh reine Gerüche um mich! Jetzo weiss und fühle ich erst, wie ich euch, meine Thiere, liebe.“
— Und Zarathustra sprach nochmals: „ich liebe euch, meine Thiere!“ Der Adler aber und die Schlange drängten sich an ihn, als er diese Worte sprach, und sahen zu ihm hinauf. Solchergestalt waren sie zu drei still beisammen und schnüffelten und schlürften mit einander die gute Luft. Denn die Luft war hier draussen besser als bei den höheren Menschen.
2 Kaum aber hatte Zarathustra seine Höhle verlassen, da erhob sich der alte Zauberer, sah listig umher und sprach. „Er ist hinaus!
Und schon, ihr höheren Menschen — dass ich euch mit diesem Lob- und Schmeichel-Namen kitzle, gleich ihm selber — schon fällt mich mein schlimmer Trug-und Zaubergeist an, mein schwermüthiger Teufel,
— welcher diesem Zarathustra ein Widersacher ist aus dem Grunde: vergebt es ihm! Nun will er vor euch zaubern, er hat gerade seine Stunde; umsonst ringe ich mit diesem bösen Geiste.
Euch Allen, welche Ehren ihr euch mit Worten geben mögt, ob ihr euch „die freien Geister“ nennt oder „die Wahrhaftigen“ oder „die Büsser des Geistes“ oder „die Entfesselten“ oder „die grossen Sehnsüchtigen“ —
— euch Allen, die ihr am grossen Ekel leidet gleich mir, denen der alte Gott starb und noch kein neuer Gott in Wiegen und Windeln liegt, — euch Allen ist mein böser Geist und Zauber-Teufel hold.
Ich kenne euch, ihr höheren Menschen, ich kenne ihn, — ich kenne auch diesen Unhold, den ich wider Willen liebe, diesen Zarathustra: er selber dünkt mich öfter gleich einer schönen Heiligen-Larve,
— gleich einem neuen wunderlichen Mummenschanze, in dem sich mein böser Geist, der schwermüthige Teufel, gefällt: — ich liebe Zarathustra, so dünkt mich oft, um meines bösen Geistes Willen. —
Aber schon fällt der mich an und zwingt mich, dieser Geist der Schwermuth, dieser Abend-Dämmerungs-Teufel: und, wahrlich, ihr höheren Menschen, es gelüstet ihn —
— macht nur die Augen auf! — es gelüstet ihn, nackt zu kommen, ob männlich, ob weiblich, noch weiss ich's nicht: aber er kommt, er zwingt mich, wehe! macht eure Sinne auf!
Der Tag klingt ab, allen Dingen kommt nun der Abend, auch den besten Dingen; hört nun und seht, ihr höheren Menschen, welcher Teufel, ob Mann, ob Weib, dieser Geist der Abend-Schwermuth ist!
Also sprach der alte Zauberer, sah listig umher und griff dann zu seiner Harfe.
3 Bei abgeheilter Luft,wenn schon des Thau's Tröstungzur Erde niederquillt,unsichtbar, auch ungehört —denn zartes Schuhwerk trägtder Tröster Thau gleich allen Trost-Milden —:gedenkst du da, gedenkst du, heisses Herz,wie einst du durstetest,nach himmlischen Thränen und Thau-Geträufelversengt und müde durstetest,dieweil auf gelben Gras-Pfadenboshaft abendliche Sonnenblickedurch schwarze Bäume um dich liefen,blendende Sonnen-Gluthblicke, schadenfrohe.
„Der Wahrheit Freier? Du? — so höhnten sie —Nein! Nur ein Dichter!ein Thier, ein listiges, raubendes, schleichendes,das lügen muss,
das wissentlich, willentlich lügen muss:nach Beute lüstern,bunt verlarvt,sich selber Larve,sich selbst zur Beute —Das — der Wahrheit Freier?Nein! Nur Narr! nur Dichter!nur Buntes redend,aus Narren-Larven bunt herausschreiend,herumsteigend auf lügnerischen Wort-Brücken,auf bunten Regenbogen,zwischen falschen Himmelnund falschen Erden,herumschweifend, herumschwebend, —nur Narr! nur Dichter!
Das — der Wahrheit Freier?Nicht still, starr, glatt, kalt,zum Bilde worden,zur Gottes-Säule,nicht aufgestellt vor Tempeln,eines Gottes Thürwart:nein! feindselig solchen Wahrheits-Standbildern,in jeder Wildniss heimischer als vor Tempeln,voll Katzen-Muthwillens,durch jedes Fenster springendhusch! in jeden Zufall,jedem Urwalde zuschnüffelnd,süchtig-sehnsüchtig zuschnüffelnd,dass du in Urwäldernunter buntgefleckten Raubthieren
sündlich-gesund und bunt und schön liefest,mit lüsternen Lefzen,selig-höhnisch, selig-höllisch, selig-blutgierig,raubend, schleichend, lügend liefest: —
Oder, dem Adler gleich, der lange,lange starr in Abgründe blickt,in seine Abgründe: — —oh wie sie sich hier hinab,hinunter, hinein,in immer tiefere Tiefen ringeln! —dann,plötzlich, geraden Zugs,gezückten Flugs,auf Lämmer stossen,jach hinab, heisshungrig,nach Lämmern lüstern,gram allen Lamms-Seelen,grimmig-gram Allem, was blicktschafmässig, lammäugig, krauswollig,grau, mit Lamms-Schafs-Wohlwollen!
Alsoadlerhaft, pantherhaftsind des Dichters Sehnsüchte,sind deine Sehnsüchte unter tausend Larven,du Narr! du Dichter!
Der du den Menschen schautestso Gott als Schaf —:den Gott zerreissen im Menschen
wie das Schaf im Menschen,und zerreissend lachen —
Das, Das ist deine Seligkeit!Eines Panthers und Adlers Seligkeit!Eines Dichters und Narren Seligkeit!“ — —
Bei abgehellter Luft,wenn schon des Monds Sichelgrün zwischen Purpurröthenund neidisch hinschleicht:— dem Tage feind,mit jedem Schritte heimlichan Rosen-Hängemattenhinsichelnd, bis sie sinken,Nacht-abwärts blass hinabsinken: —
So sank ich selber einstmalsaus meinem Wahrheits-Wahnsinne,aus meines Tages-Sehnsüchten,des Tages müde, krank vom Lichte,— sank abwärts, abendwärts, schattenwärts:von Einer Wahrheitverbrannt und durstig:— gedenkst du noch, gedenkst du, heisses Herz,wie da du durstetest? —dass ich verbannt seivon aller Wahrheit!Nur Narr! Nur Dichter!
Von der Wissenschaft.
Also sang der Zauberer; und Alle, die beisammen waren, giengen gleich Vögeln unvermerkt in das Netz seiner listigen und schwermüthigen Wollust. Nur der Gewissenhafte des Geistes war nicht eingefangen: er nahm flugs dem Zauberer die Harfe weg und rief „Luft! Lasst gute Luft herein! Lasst Zarathustra herein! Du machst diese Höhle schwül und giftig, du schlimmer alter Zauberer!
Du verführst, du Falscher, Feiner, zu unbekannten Begierden und Wildnissen. Und wehe, wenn Solche, wie du, von der Wahrheit Redens und Wesens machen!
Wehe allen freien Geistern, welche nicht vor solchen Zauberern auf der Hut sind! Dahin ist es mit ihrer Freiheit: du lehrst und lockst zurück in Gefängnisse, —
— du alter schwermüthiger Teufel, aus deiner Klage klingt eine Lockpfeife, du gleichst Solchen, welche mit ihrem Lobe der Keuschheit heimlich zu Wollüsten laden!“
Also sprach der Gewissenhafte; der alte Zauberer aber blickte um sich, genoss seines Sieges und verschluckte darüber den Verdruss, welchen ihm der Gewissenhafte machte. „Sei still! sagte er mit bescheidener Stimme, gute Lieder wollen gut wiederhallen; nach guten Liedern soll man lange schweigen.
So thun es diese Alle, die höheren Menschen. Du aber hast wohl Wenig von meinem Lied verstanden? In dir ist Wenig von einem Zaubergeiste.“
„Du lobst mich, entgegnete der Gewissenhafte, indem du mich von dir abtrennst, wohlan! Aber ihr Anderen, was sehe ich? Ihr sitzt alle noch mit lüsternen Augen da —:
Ihr freien Seelen, wohin ist eure Freiheit! Fast, dünkt mich's, gleicht ihr Solchen, die lange schlimmen tanzenden nackten Mädchen zusahn: eure Seelen tanzen selber!
In euch, ihr höheren Menschen, muss Mehr von dem sein, was der Zauberer seinen bösen Zauber- und Truggeist nennt: — wir müssen wohl verschieden sein.
Und wahrlich, wir sprachen und dachten genug mitsammen, ehe Zarathustra heimkam zu seiner Höhle, als dass ich nicht wüsste: wir sind verschieden.
Wir suchen Verschiednes auch hier oben, ihr und ich. Ich nämlich suche mehr Sicherheit, desshalb kam ich zu Zarathustra. Der nämlich ist noch der festeste Thurm und Wille —
— heute, wo Alles wackelt, wo alle Erde bebt. Ihr aber, wenn ich eure Augen sehe, die ihr macht, fast dünkt mich's, ihr sucht mehr Unsicherheit,
— mehr Schauder, mehr Gefahr, mehr Erdbeben. Euch gelüstet, fast dünkt mich's so, vergebt meinem Dünkel, ihr höheren Menschen —
— euch gelüstet nach dem schlimmsten gefährlichsten Leben, das mir am meisten Furcht macht, nach dem Leben wilder Thiere, nach Wäldern, Höhlen, steilen Bergen und Irr-Schlünden.
Und nicht die Führer aus der Gefahr gefallen euch am besten, sondern die euch von allen Wegen abführen, die Verführer. Aber, wenn solch Gelüsten an euch wirklich ist, so dünkt es mich trotzdem unmöglich.
Furcht nämlich — das ist des Menschen Erb- und Grundgefühl; aus der Furcht erklärt sich Jegliches, Erbsünde und Erbtugend. Aus der Furcht wuchs auch meine Tugend, die heisst: Wissenschaft.
Die Furcht nämlich vor wildem Gethier — die wurde dem Menschen am längsten angezüchtet, einschliesslich das Thier, das er in sich selber birgt und fürchtet: — Zarathustra heisst es „das innere Vieh“.
Solche lange alte Furcht, endlich fein geworden, geistlich, geistig — heute, dünkt mich, heisst sie: Wissenschaft.“ —
Also sprach der Gewissenhafte; aber Zarathustra, der eben in seine Höhle zurückkam und die letzte Rede gehört und errathen hatte, warf dem Gewissenhaften eine Hand voll Rosen zu und lachte ob seiner „Wahrheiten“. „Wie! rief er, was hörte ich da eben? Wahrlich, mich dünkt, du bist ein Narr oder ich selber bin's: und deine „Wahrheit“ stelle ich rucks und flugs auf den Kopf.
Furcht nämlich — ist unsre Ausnahme. Muth aber und Abenteuer und Lust am Ungewissen, am Ungewagten, — Muth dünkt mich des Menschen ganze Vorgeschichte.
Den wildesten muthigsten Thieren hat er alle ihre Tugenden abgeneidet und abgeraubt: so erst wurde er — zum Menschen.
Dieser Muth, endlich fein geworden, geistlich, geistig, dieser Menschen-Muth mit Adler-Flügeln und Schlangen-Klugheit: der, dünkt mich, heisst heute —“
„Zarathustra“! schrien Alle, die beisammen sassen, wie aus Einem Munde und machten dazu ein grosses Gelächter; es hob sich aber von ihnen wie eine schwere Wolke. Auch der Zauberer lachte und sprach mit Klugheit: „Wohlan! Er ist davon, mein böser Geist!
Und habe ich euch nicht selber vor ihm gewarnt, als ich sagte, dass er ein Betrüger sei, ein Lug- und Truggeist?
Sonderlich nämlich, wenn er sich nackend zeigt. Aber was kann ich für seine Tücken! Habe ich ihn und die Welt geschaffen?
Wohlan! Seien wir wieder gut und guter Dinge! Und ob schon Zarathustra böse blickt — seht ihn doch! er ist mir gram —:
— bevor die Nacht kommt, lernt er wieder, mich lieben und loben, er kann nicht lange leben, ohne solche Thorheiten zu thun.
Der — liebt seine Feinde: diese Kunst versteht er am besten von Allen, die ich sah. Aber er nimmt Rache dafür — an seinen Freunden!“
Also sprach der alte Zauberer, und die höheren Menschen zollten ihm Beifall: so dass Zarathustra herumgieng und mit Bosheit und Liebe seinen Freunden die Hände schüttelte, — gleichsam als Einer, der an Allen Etwas gutzumachen und abzubitten hat. Als er aber dabei an die Thür seiner Höhle kam, siehe, da gelüstete ihn schon wieder nach der guten Luft da draussen und nach seinen Thieren, — und er wollte hinaus schlüpfen.
Unter Töchtern der Wüste.
1 „Gehe nicht davon! sagte da der Wanderer, welcher sich den Schatten Zarathustra's nannte, bleibe bei uns, es möchte uns sonst die alte dumpfe Trübsal wieder anfallen.
Schon gab uns jener alte Zauberer von seinem Schlimmsten zum Besten, und siehe doch, der gute fromme Papst da hat Thränen in den Augen und hat sich ganz wieder auf's Meer der Schwermuth eingeschifft.
Diese Könige mögen wohl vor uns noch gute Miene machen: das lernten Die nämlich von uns Allen heute am besten! Hätten sie aber keine Zeugen, ich wette, auch bei ihnen fienge das böse Spiel wieder an —
— das böse Spiel der ziehenden Wolken, der feuchten Schwermuth, der verhängten Himmel, der gestohlenen Sonnen, der heulenden Herbst-Winde!
— das böse Spiel unsres Heulens und Nothschreiens: bleibe bei uns, oh Zarathustra! Hier ist viel verborgenes Elend, das reden will, viel Abend, viel Wolke, viel dumpfe Luft!
Du nährtest uns mit starker Manns-Kost und kräftigen Sprüchen: lass es nicht zu, dass uns zum Nachtisch die weichlichen weiblichen Geister wieder anfallen!
Du allein machst die Luft um dich herum stark und klar! Fand ich je auf Erden so gute Luft, als bei dir in deiner Höhle?
Viele Länder sah ich doch, meine Nase lernte vielerlei Luft prüfen und abschätzen: aber bei dir schmecken meine Nüstern ihre grösste Lust!
Es sei denn, — es sei denn —, oh vergieb eine alte Erinnerung! Vergieb mir ein altes Nachtisch-Lied, das ich einst unter Töchtern der Wüste dichtete: —
— bei denen nämlich gab es gleich gute helle morgenländische Luft; dort war ich am fernsten vom wolkigen feuchten schwermüthigen Alt-Europa!
Damals liebte ich solcherlei Morgenland-Mädchen und andres blaues Himmelreich, über dem keine Wolken und keine Gedanken hängen.
Ihr glaubt es nicht, wie artig sie dasassen, wenn sie nicht tanzten, tief, aber ohne Gedanken, wie kleine Geheimnisse, wie bebänderte Räthsel, wie Nachtisch-Nüsse —
bunt und fremd fürwahr! aber ohne Wolken: Räthsel, die sich rathen lassen: solchen Mädchen zu Liebe erdachte ich damals einen Nachtisch-Psalm.“
Also sprach der Wanderer und Schatten; und ehe Jemand ihm antwortete, hatte er schon die Harfe des alten Zauberers ergriffen, die Beine gekreuzt und blickte gelassen und weise um sich: — mit den Nüstern aber zog er langsam und fragend die Luft ein, wie Einer, der in neuen Ländern neue fremde Luft kostet. Darauf hob er mit einer Art Gebrüll zu singen an.
2 Die Wüste wächst: weh Dem, der Wüsten birgt!
— Ha! Feierlich!In der That feierlich!Ein würdiger Anfang!Afrikanisch feierlich!Eines Löwen würdig,oder eines moralischen Brüllaffen —— aber Nichts für euch,ihr allerliebsten Freundinnen,zu deren Füssen mirzum ersten Male,einem Europäer, unter Palmenzu sitzen vergönnt ist. Sela.
Wunderbar wahrlich!Da sitze ich nun,der Wüste nahe und bereitsso fern wieder der Wüste,auch in Nichts noch verwüstet:nämlich hinabgeschlucktvon dieser kleinsten Oasis —:— sie sperrte gerade gähnendihr liebliches Maul auf,
das wohlriechendste aller Mäulchen:da fiel ich hinein,hinab, hindurch — unter euch,ihr allerliebsten Freundinnen! Sela.
Heil, Heil jenem Wallfische,wenn er also es seinem Gastewohl sein liess! — ihr verstehtmeine gelehrte Anspielung? —Heil seinem Bauche,wenn er alsoein so lieblicher Oasis-Bauch wargleich diesem: was ich aber in Zweifel ziehe,— dafür komme ich aus Europa,das zweifelsüchtiger ist als alleältlichen Eheweibchen.Möge Gott es bessern!Amen!
Da sitze ich nun,in dieser kleinsten Oasis,einer Dattel gleich,braun, durchsüsst, goldschwürig, lüsternnach einem runden Mädchenmunde,mehr noch aber nach mädchenhafteneiskalten schneeweissen schneidigenBeisszähnen: nach denen nämlichlechzt das Herz allen heissen Datteln. Sela.
Den genannten Südfrüchtenähnlich, allzuähnlich
liege ich hier, von kleinenFlügelkäfernumtänzelt und umspielt,insgleichen von noch kleinerenthörichteren boshafterenWünschen und Einfällen, —umlagert von euch,ihr stummen, ihr ahnungsvollenMädchen-Katzen,Dudu und Suleika,— umsphinxt, dass ich in Ein Wortviel Gefühle stopfe:(vergebe mir Gottdiese Sprach-Sünde!)— sitze hier, die beste Luft schnüffelnd,Paradieses-Luft wahrlich,lichte leichte Luft, goldgestreifte,so gute Luft nur jevom Monde herabfiel —sei es aus Zufall,oder geschah es aus Übermuthe?wie die alten Dichter erzählen.Ich Zweifler aber ziehe esin Zweifel, dafür aber komme ichaus Europa,das zweifelsüchtiger ist als alleältlichen Eheweibchen.Möge Gott es bessern!Amen!
Diese schönste Luft trinkend,
mit Nüstern geschwellt gleich Bechern,ohne Zukunft, ohne Erinnerungen,so sitze ich hier, ihrallerliebsten Freundinnen,und sehe der Palme zu,wie sie, einer Tänzerin gleich,sich biegt und schmiegt und in der Hüfte wiegt,— man thut es mit, sieht man lange zu! —einer Tänzerin gleich, die, wie mir scheinen will,zu lange schon, gefährlich lange,immer, immer nur auf Einem Beine stand?— da vergass sie darob, wie mir scheinen will,das andre Bein?Vergebens wenigstenssuchte ich das vermissteZwillings-Kleinod— nämlich das andre Bein —in der heiligen Näheihres allerliebsten, allerzierlichstenFächer- und Flatter- und Flitterröckchens.Ja, wenn ihr mir, ihr schönen Freundinnen,ganz glauben wollt:sie hat es verloren!Es ist dahin!auf ewig dahin!das andre Bein!Oh schade um dieses liebliche andre Bein!Wo — mag es wohl weilen und verlassen trauern?dieses einsame Bein?In Furcht vielleicht vor einemgrimmen gelben blondgelockten
Löwen-Unthiere? Oder gar schonabgenagt, abgeknabbert —erbärmlich, wehe! wehe! abgeknabbert! Sela.
Oh weint mir nicht,weiche Herzen!Weint mir nicht, ihrDattel-Herzen! Milch-Busen!Ihr Süssholz-Herz-Beutelchen!Weine nicht mehr,bleiche Dudu!Sei ein Mann, Suleika! Muth! Muth!— Oder sollte vielleichtetwas Stärkendes, Herz-Stärkendes,hier am Platze sein?Ein gesalbter Spruch?Ein feierlicher Zuspruch? —
Ha! Herauf, Würde!Tugend-Würde! Europäer-Würde!Blase, blase wieder,Blasebalg der Tugend!Ha!Noch Ein Mal brüllen,moralisch brüllen!Als moralischer Löwevor den Töchtern der Wüste brüllen!— Denn Tugend-Geheul,ihr allerliebsten Mädchen,ist mehr als Alles
Europäer-Inbrunst, Europäer-Heisshunger!Und da stehe ich schon,als Europäer,ich kann nicht anders, Gott helfe mir!Amen!
Die Wüste wächst: weh Dem, der Wüsten birgt!
Die Erweckung.
1 Nach dem Liede des Wanderers und Schattens wurde die Höhle mit Einem Male voll Lärmens und Lachens; und da die versammelten Gäste alle zugleich redeten, und auch der Esel, bei einer solchen Ermuthigung, nicht mehr still blieb, überkam Zarathustra ein kleiner Widerwille und Spott gegen seinen Besuch: ob er sich gleich ihrer Fröhlichkeit erfreute. Denn sie dünkte ihm ein Zeichen der Genesung. So schlüpfte er hinaus in's Freie und sprach zu seinen Thieren.
„Wo ist nun ihre Noth hin? sprach er, und schon athmete er selber von seinem kleinen Überdrusse auf, — bei mir verlernten sie, wie mich dünkt, das Nothschrein!
— wenn auch, leider, noch nicht das Schrein.“ Und Zarathustra hielt sich die Ohren zu, denn eben mischte sich das I-A des Esels wunderlich mit dem Jubel-Lärm dieser höheren Menschen.
„Sie sind lustig, begann er wieder, und wer weiss? vielleicht auf ihres Wirthes Unkosten; und lernten sie von mir lachen, so ist es doch nicht mein Lachen, das sie lernten.
Aber was liegt daran! Es sind alte Leute: sie genesen auf ihre Art, sie lachen auf ihre Art; meine Ohren haben schon Schlimmeres erduldet und wurden nicht unwirsch.
Dieser Tag ist ein Sieg: er weicht schon, er flieht, der Geist der Schwere, mein alter Erzfeind! Wie gut will dieser Tag enden, der so schlimm und schwer begann!
Und enden will er. Schon kommt der Abend: über das Meer her reitet er, der gute Reiter! Wie er sich wiegt, der Selige, Heimkehrende, in seinen purpurnen Sätteln!
Der Himmel blickt klar dazu, die Welt liegt tief: oh all ihr Wunderlichen, die ihr zu mir kamt, es lohnt sich schon, bei mir zu leben!“
Also sprach Zarathustra. Und wieder kam da das Geschrei und Gelächter der höheren Menschen aus der Höhle: da begann er von Neuem.
„Sie beissen an, mein Köder wirkt, es weicht auch ihnen ihr Feind, der Geist der Schwere. Schon lernen sie über sich selber lachen: höre ich recht?
Meine Manns-Kost wirkt, mein Saft- und Kraft-Spruch: und wahrlich, ich nährte sie nicht mit Bläh-Gemüsen! Sondern mit Krieger-Kost, mit Eroberer-Kost: neue Begierden weckte ich.
Neue Hoffnungen sind in ihren Armen und Beinen, ihr Herz streckt sich aus. Sie finden neue Worte, bald wird ihr Geist Muthwillen athmen.
Solche Kost mag freilich nicht für Kinder sein, noch auch für sehnsüchtige alte und junge Weibchen. Denen überredet man anders die Eingeweide; deren Arzt und Lehrer bin ich nicht.
Der Ekel weicht diesen höheren Menschen: wohlan! das ist mein Sieg. In meinem Reiche werden sie sicher, alle dumme Scham läuft davon, sie schütten sich aus.
Sie schütten ihr Herz aus, gute Stunden kehren ihnen zurück, sie feiern und käuen wieder, — sie werden dankbar.
Das nehme ich als das beste Zeichen: sie werden dankbar. Nicht lange noch, und sie denken sich Feste aus und stellen Denksteine ihren alten Freuden auf.
Es sind Genesende!“ Also sprach Zarathustra fröhlich zu seinem Herzen und schaute hinaus; seine Thiere aber drängten sich an ihn und ehrten sein Glück und sein Stillschweigen.
2 Plötzlich aber erschrak das Ohr Zarathustra's: die Höhle nämlich, welche bisher voller Lärmens und Gelächters war, wurde mit Einem Male todtenstill; — seine Nase aber roch einen wohlriechenden Qualm und Weihrauch, wie von brennenden Pinien-Zapfen.
„Was geschieht? Was treiben sie? fragte er sich und schlich zum Eingange heran, dass er seinen Gästen, unvermerkt, zusehn könne. Aber, Wunder über Wunder! was musste er da mit seinen eignen Augen sehn!
„Sie sind Alle wieder fromm geworden, sie beten, sie sind toll!“ — sprach er und verwunderte sich über die Maassen. Und, fürwahr!, alle diese höheren Menschen, die zwei Könige, der Papst ausser Dienst, der schlimme Zauberer, der freiwillige Bettler, der Wanderer und Schatten, der alte Wahrsager, der Gewissenhafte des Geistes und der hässlichste Mensch: sie lagen Alle gleich Kindern und gläubigen alten Weibchen auf den Knien und beteten den Esel an. Und eben begann der hässlichste Mensch zu gurgeln und zu schnauben, wie als ob etwas Unaussprechliches aus ihm heraus wolle; als er es aber wirklich bis zu Worten gebracht hatte, siehe, da war es eine fromme seltsame Litanei zur Lobpreisung des angebeteten und angeräucherten Esels. Diese Litanei aber klang also:
Amen! Und Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Stärke sei unserm Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit!
— Der Esel aber schrie dazu I-A.
Er trägt unsre Last, er nahm Knechtsgestalt an, er ist geduldsam von Herzen und redet niemals Nein; und wer seinen Gott liebt, der züchtigt ihn.
— Der Esel aber schrie dazu I-A.
Er redet nicht: es sei denn, dass er zur Welt, die er schuf, immer Ja sagt: also preist er seine Welt. Seine Schlauheit ist es, die nicht redet: so bekömmt er selten Unrecht.
— Der Esel aber schrie dazu I-A. Unscheinbar geht er durch die Welt. Grau ist die Leib-Farbe, in welche er seine Tugend hüllt. Hat er Geist, so verbirgt er ihn; Jedermann aber glaubt an seine langen Ohren.
— Der Esel aber schrie dazu I-A.
Welche verborgene Weisheit ist das, dass er lange Ohren trägt und allein Ja und nimmer Nein sagt! Hat er nicht die Welt erschaffen nach seinem Bilde, nämlich so dumm als möglich?
— Der Esel aber schrie dazu I-A.
Du gehst gerade und krumme Wege; es kümmert dich wenig, was uns Menschen gerade oder krumm dünkt. Jenseits von Gut und Böse ist dein Reich. Es ist deine Unschuld, nicht zu wissen, was Unschuld ist.
— Der Esel aber schrie dazu I-A.
Siehe doch, wie du Niemanden von dir stössest, die Bettler nicht, noch die Könige. Die Kindlein lässest du zu dir kommen, und wenn dich die bösen Buben locken, so sprichst du einfältiglich I-A.
— Der Esel aber schrie dazu I-A.
Du liebst Eselinnen und frische Feigen, du bist kein Kostverächter. Eine Distel kitzelt dir das Herz, wenn du gerade Hunger hast. Darin liegt eines Gottes Weisheit.
— Der Esel aber schrie dazu I-A.
Das Eselsfest.
1 An dieser Stelle der Litanei aber konnte Zarathustra sich nicht länger bemeistern, schrie selber I-A, lauter noch als der Esel, und sprang mitten unter seine tollgewordenen Gäste. „Aber was treibt ihr da, ihr Menschenkinder? rief er, indem er die Betenden vom Boden empor riss. Wehe, wenn euch Jemand Anderes zusähe als Zarathustra:
Jeder würde urtheilen, ihr wäret mit eurem neuen Glauben die ärgsten Gotteslästerer oder die thörichtsten aller alten Weiblein!
Und du selber, du alter Papst, wie stimmt Das mit dir selber zusammen, dass du solchergestalt einen Esel hier als Gott anbetest?“ —
„Oh Zarathustra, antwortete der Papst, vergieb mir, aber in Dingen Gottes bin ich aufgeklärter noch als du. Und so ist's billig.
Lieber Gott also anbeten, in dieser Gestalt, als in gar keiner Gestalt! Denke über diesen Spruch nach, mein hoher Freund: du erräthst geschwind, in solchem Spruch steckt Weisheit.
Der, welcher sprach „Gott ist ein Geist“ — der machte bisher auf Erden den grössten Schritt und Sprung zum Unglauben: solch Wort ist auf Erden nicht leicht wieder gut zu machen!
Mein altes Herz springt und hüpft darob, dass es auf Erden noch Etwas anzubeten giebt. Vergieb das, oh Zarathustra, einem alten frommen Papst-Herzen! —“
— „Und du, sagte Zarathustra zu dem Wanderer und Schatten, du nennst und wähnst dich einen freien Geist? Und treibst hier solchen Götzen- und Pfaffendienst?
Schlimmer, wahrlich, treibst du's hier noch als bei deinen schlimmen braunen Mädchen, du schlimmer neuer Gläubiger!“
„Schlimm genug, antwortete der Wanderer und Schatten, du hast Recht: aber was kann ich dafür! Der alte Gott lebt wieder, oh Zarathustra, du magst reden, was du willst.
Der hässlichste Mensch ist an Allem schuld: der hat ihn wieder auferweckt. Und wenn er sagt, dass er ihn einst getödtet habe: Tod ist bei Göttern immer nur ein Vorurtheil.“
Und du, sprach Zarathustra, du schlimmer alter Zauberer, was thatest du! Wer soll, in dieser freien Zeit, fürderhin an dich glauben, wenn du an solche Götter-Eseleien glaubst?
Es war eine Dummheit, was du thatest; wie konntest du, du Kluger, eine solche Dummheit thun!
„Oh Zarathustra, antwortete der kluge Zauberer, du hast Recht, es war eine Dummheit, — es ist mir auch schwer genug geworden.“
— „Und du gar, sagte Zarathustra zu dem Gewissenhaften des Geistes, erwäge doch und lege den Finger an deine Nase! Geht hier denn Nichts wider dein Gewissen? Ist dein Geist nicht zu reinlich für diess Beten und den Dunst dieser Betbrüder?“
„Es ist Etwas daran, antwortete der Gewissenhafte und legte den Finger an die Nase, es ist Etwas an diesem Schauspiele, das meinem Gewissen sogar wohlthut.
Vielleicht, dass ich an Gott nicht glauben darf: gewiss aber ist, dass Gott mir in dieser Gestalt noch am glaubwürdigsten dünkt.
Gott soll ewig sein, nach dem Zeugnisse der Frömmsten: wer so viel Zeit hat, lässt sich Zeit. So langsam und so dumm als möglich: damit kann ein Solcher es doch sehr weit bringen.
Und wer des Geistes zu viel hat, der möchte sich wohl in die Dumm- und Narrheit selber vernarren. Denke über dich selber nach, oh Zarathustra!
Du selber — wahrlich! auch du könntest wohl aus Überfluss und Weisheit zu einem Esel werden.
Geht nicht ein vollkommner Weiser gern auf den krümmsten Wegen? Der Augenschein lehrt es, oh Zarathustra, — dein Augenschein!“
— „Und du selber zuletzt, sprach Zarathustra und wandte sich gegen den hässlichsten Menschen, der immer noch auf dem Boden lag, den Arm zu dem Esel emporhebend (er gab ihm nämlich Wein zu trinken). Sprich, du Unaussprechlicher, was hast du da gemacht!
Du dünkst mich verwandelt, dein Auge glüht, der Mantel des Erhabenen liegt um deine Hässlichkeit: was thatest du?
Ist es denn wahr, was Jene sagen, dass du ihn wieder auferwecktest? Und wozu? War er nicht mit Grund abgetödtet und abgethan?
Du selber dünkst mich aufgeweckt: was thatest du? was kehrtest du um? Was bekehrtest du dich? Sprich, du Unaussprechlicher!“
„Oh Zarathustra, antwortete der hässlichste Mensch, du bist ein Schelm!
Ob Der noch lebt oder wieder lebt oder gründlich todt ist, — wer von uns Beiden weiss Das am Besten? Ich frage dich.
Eins aber weiss ich, — von dir selber lernte ich's einst, oh Zarathustra: wer am gründlichsten tödten will, der lacht.
„Nicht durch Zorn, sondern durch Lachen tödtet man“ — so sprachst du einst. Oh Zarathustra, du Verborgener, du Vernichter ohne Zorn, du gefährlicher Heiliger, — du bist ein Schelm!“
2 Da aber geschah es, dass Zarathustra, verwundert über lauter solche Schelmen-Antworten, zur Thür seiner Höhle zurück sprang und, gegen alle seine Gäste gewendet, mit starker Stimme schrie:
„Oh ihr Schalks-Narren allesammt, ihr Possenreisser! Was verstellt und versteckt ihr euch vor mir!
Wie doch einem Jeden von euch das Herz zappelte vor Lust und Bosheit, darob, dass ihr endlich einmal wieder wurdet wie die Kindlein, nämlich fromm, —
— dass ihr endlich wieder thatet wie Kinder thun, nämlich betetet, hände-faltetet und „lieber Gott“ sagtet!
Aber nun lasst mir diese Kinderstube, meine eigne Höhle, wo heute alle Kinderei zu Hause ist. Kühlt hier draussen euren heissen Kinder-Übermuth und Herzenslärm ab!
Freilich: so ihr nicht werdet wie die Kindlein, so kommt ihr nicht in das Himmelreich. (Und Zarathustra zeigte mit den Händen nach Oben.)
Aber wir wollen auch gar nicht in's Himmelreich: Männer sind wir worden, — so wollen wir das Erdenreich.“
3 Und noch einmal hob Zarathustra an zu reden. „Oh meine neuen Freunde, sprach er — ihr Wunderlichen, ihr höheren Menschen, wie gut gefallt ihr mir nun, —
— seit ihr wieder fröhlich wurdet! Ihr seid wahrlich alle aufgeblüht: mich dünkt, solchen Blumen, wie ihr seid, thun neue Feste Noth,
— ein kleiner tapferer Unsinn, irgend ein Gottesdienst und Eselsfest, irgend ein alter fröhlicher Zarathustra-Narr, ein Brausewind, der euch die Seelen hell bläst.
Vergesst diese Nacht und diess Eselsfest nicht, ihr höheren Menschen! Das erfandet ihr bei mir, Das nehme ich als gutes Wahrzeichen, — Solcherlei erfinden nur Genesende!
Und feiert ihr es abermals, dieses Eselsfest, thut's euch zu Liebe, thut's auch mir zu Liebe! Und zu meinem Gedächtniss!“
Also sprach Zarathustra.
Das Nachtwandler-Lied.
1 Inzwischen aber war Einer nach dem Andern hinaus getreten, in's Freie und in die kühle nachdenkliche Nacht; Zarathustra selber aber führte den hässlichsten Menschen an der Hand, dass er ihm seine Nacht-Welt und den grossen runden Mond und die silbernen Wasserstürze bei seiner Höhle zeige. Da standen sie endlich still bei einander, lauter alte Leute, aber mit einem getrösteten tapferen Herzen und verwundert bei sich, dass es ihnen auf Erden so wohl war; die Heimlichkeit der Nacht aber kam ihnen näher und näher an's Herz. Und von Neuem dachte Zarathustra bei sich: „oh wie gut sie mir nun gefallen, diese höheren Menschen!“ — aber er sprach es nicht aus, denn er ehrte ihr Glück und ihr Stillschweigen. —
Da aber geschah Das, was an jenem erstaunlichen langen Tage das Erstaunlichste war: der hässlichste Mensch begann noch ein Mal und zum letzten Mal zu gurgeln und zu schnauben, und als er es bis zu Worten gebracht hatte, siehe, da sprang eine Frage rund und reinlich aus seinem Munde, eine gute tiefe klare Frage, welche Allen, die ihm zuhörten, das Herz im Leibe bewegte.
„Meine Freunde insgesammt, sprach der hässlichste Mensch, was dünket euch? Um dieses Tags Willen — ich bin's zum ersten Male zufrieden, dass ich das ganze Leben lebte.
Und dass ich so viel bezeuge, ist mir noch nicht genug. Es lohnt sich auf der Erde zu leben: Ein Tag, Ein Fest mit Zarathustra lehrte mich die Erde lieben.
„War Das — das Leben?“ will ich zum Tode sprechen. „Wohlan! Noch Ein Mal!“
Meine Freunde, was dünket euch? Wollt ihr nicht gleich mir zum Tode sprechen: War Das — das Leben? Um Zarathustra's Willen, wohlan! Noch Ein Mal!“ — —
Also sprach der hässlichste Mensch; es war aber nicht lange vor Mitternacht. Und was glaubt ihr wohl, dass damals sich zutrug? Sobald die höheren Menschen seine Frage hörten, wurden sie sich mit Einem Male ihrer Verwandlung und Genesung bewusst, und wer ihnen dieselbe gegeben habe: da sprangen sie auf Zarathustra zu, dankend, verehrend, liebkosend, ihm die Hände küssend, so wie es der Art eines Jeden eigen war: also das Einige lachten, Einige weinten. Der alte Wahrsager aber tanzte vor Vergnügen; und wenn er auch, wie manche Erzähler meinen, damals voll süssen Weines war, so war er gewisslich noch voller des süssen Lebens und hatte aller Müdigkeit abgesagt. Es giebt sogar Solche, die erzählen, dass damals der Esel getanzt habe: nicht umsonst nämlich habe ihm der hässlichste Mensch vorher Wein zu trinken gegeben. Diess mag sich nun so verhalten oder auch anders; und wenn in Wahrheit an jenem Abende der Esel nicht getanzt hat, so geschahen doch damals grössere und seltsamere Wunderdinge als es das Tanzen eines Esels wäre. Kurz, wie das Sprichwort Zarathustra's lautet: „was liegt daran!“
2 Zarathustra aber, als sich diess mit dem hässlichsten Menschen zutrug, stand da, wie ein Trunkener: sein Blick erlosch, seine Zunge lallte, seine Füsse schwankten. Und wer möchte auch errathen, welche Gedanken dabei über Zarathustra's Seele liefen? Ersichtlich aber wich sein Geist zurück und floh voraus und war in weiten Fernen und gleichsam „auf hohem Joche, wie geschrieben steht, zwischen zwei Meeren,
— zwischen Vergangenem und Zukünftigem als schwere Wolke wandelnd.“ Allgemach aber, während ihn die höheren Menschen in den Armen hielten, kam er ein Wenig zu sich selber zurück und wehrte mit den Händen dem Gedränge der Verehrenden und Besorgten; doch sprach er nicht. Mit Einem Male aber wandte er schnell den Kopf, denn er schien Etwas zu hören: da legte er den Finger an den Mund und sprach: „Kommt!“
Und alsbald wurde es rings still und heimlich; aus der Tiefe aber kam langsam der Klang einer Glocke herauf. Zarathustra horchte darnach, gleich den höheren Menschen; dann aber legte er zum andern Male den Finger an den Mund und sprach wiederum: „Kommt! Kommt! Es geht gen Mitternacht!“ — und seine Stimme hatte sich verwandelt. Aber immer noch rührte er sich nicht von der Stelle: da wurde es noch stiller und heimlicher, und Alles horchte, auch der Esel, und Zarathustra's Ehrenthiere, der Adler und die Schlange, insgleichen die Höhle Zarathustra's und der grosse kühle Mond und die Nacht selber. Zarathustra aber legte zum dritten Male die Hand an den Mund und sprach:
Kommt! Kommt! Kommt! Lasst uns jetzo wandeln! Es ist die Stunde: lasst uns in die Nacht wandeln!
3 Ihr höheren Menschen, es geht gen Mitternacht: da will ich euch Etwas in die Ohren sagen, wie jene alte Glocke es mir in's Ohr sagt, —
— so heimlich, so schrecklich, so herzlich, wie jene Mitternachts-Glocke zu mir es redet, die mehr erlebt hat als Ein Mensch:
— welche schon eurer Väter Herzens-Schmerzens-Schläge abzählte — ach! ach! wie sie seufzt! wie sie im Traume lacht! die alte tiefe tiefe Mitternacht!
Still! Still! Da hört sich Manches, das am Tage nicht laut werden darf; nun aber, bei kühler Luft, da auch aller Lärm eurer Herzen stille ward, —
— nun redet es, nun hört es sich, nun schleicht es sich in nächtliche überwache Seelen: ach! ach! wie sie seufzt! wie sie im Traume lacht!
— hörst du's nicht, wie sie heimlich, schrecklich, herzlich zu dir redet, die alte tiefe tiefe Mitternacht? Oh Mensch, gieb Acht!
4 Wehe mir! Wo ist die Zeit hin? Sank ich nicht in tiefe Brunnen? Die Welt schläft —
Ach! Ach! Der Hund heult, der Mond scheint. Lieber will ich sterben, sterben, als euch sagen, was mein Mitternachts-Herz eben denkt.
Nun starb ich schon. Es ist dahin. Spinne, was spinnst du um mich? Willst du Blut? Ach! Ach! der Thau fällt, die Stunde kommt —
— die Stunde, wo mich fröstelt und friert, die fragt und fragt und fragt: „wer hat Herz genug dazu?
— wer soll der Erde Herr sein? Wer will sagen: so sollt ihr laufen, ihr grossen und kleinen Ströme!“
— die Stunde naht: oh Mensch, du höherer Mensch, gieb Acht! diese Rede ist für feine Ohren, für deine Ohren — was spricht die tiefe Mitternacht?
5 Es trägt mich dahin, meine Seele tanzt. Tagewerk! Tagewerk! Wer soll der Erde Herr sein?
Der Mond ist kühl, der Wind schweigt. Ach! Ach! Flogt ihr schon hoch genug? Ihr tanztet: aber ein Bein ist doch kein Flügel.
Ihr guten Tänzer, nun ist alle Lust vorbei: Wein ward Hefe, jeder Becher ward mürbe, die Gräber stammeln.
Ihr flogt nicht hoch genug: nun stammeln die Gräber „erlöst doch die Todten! Warum ist so lange Nacht? Macht uns nicht der Mond trunken?“
Ihr höheren Menschen, erlöst doch die Gräber, weckt die Leichname auf! Ach, was gräbt noch der Wurm? Es naht, es naht die Stunde, —
— es brummt die Glocke, es schnarrt noch das Herz, es gräbt noch der Holzwurm, der Herzenswurm. Ach! Ach! Die Welt ist tief!
6 Süsse Leier! Süsse Leier! Ich liebe deinen Ton, deinen trunkenen Unken-Ton! — wie lang her, wie fern her kommt mir dein Ton, weit her, von den Teichen der Liebe!
Du alte Glocke, du süsse Leier! Jeder Schmerz riss dir in's Herz, Vaterschmerz, Väterschmerz, Urväterschmerz; deine Rede wurde reif, —
— reif gleich goldenem Herbste und Nachmittage, gleich meinem Einsiedlerherzen — nun redest du: die Welt selber ward reif, die Traube bräunt,
— nun will sie sterben, vor Glück sterben. Ihr höheren Menschen, riecht ihr's nicht? Es quillt heimlich ein Geruch herauf,
— ein Duft und Geruch der Ewigkeit, ein rosenseliger brauner Gold-Wein-Geruch von altem Glücke,
— von trunkenem Mitternachts-Sterbeglücke, welches singt: die Welt ist tief und tiefer als der Tag gedacht!
7 Lass mich! Lass mich! Ich bin zu rein für dich. Rühre mich nicht an! Ward meine Welt nicht eben vollkommen?
Meine Haut ist zu rein für deine Hände. Lass mich, du dummer tölpischer dumpfer Tag! Ist die Mitternacht nicht heller?
Die Reinsten sollen der Erde Herrn sein, die Unerkanntesten, Stärksten, die Mitternachts-Seelen, die heller und tiefer sind als jeder Tag.
Oh Tag, du tappst nach mir? Du tastest nach meinem Glücke? Ich bin dir reich, einsam, eine Schatzgrube, eine Goldkammer?
Oh Welt, du willst mich? Bin ich dir weltlich? Bin ich dir geistlich? Bin ich dir göttlich? Aber Tag und Welt, ihr seid zu plump, —
— habt klügere Hände, greift nach tieferem Glücke, nach tieferem Unglücke, greift nach irgend einem Gotte, greift nicht nach mir:
— mein Unglück, mein Glück ist tief, du wunderlicher Tag, aber doch bin ich kein Gott, keine Gottes-Hölle: tief ist ihr Weh.
8 Gottes Weh ist tiefer, du wunderliche Welt! Greife nach Gottes Weh, nicht nach mir! Was bin ich! Eine trunkene süsse Leier, —
— eine Mitternachts-Leier, eine Glocken-Unke, die Niemand versteht, aber welche reden muss, vor Tauben, ihr höheren Menschen! Denn ihr versteht mich nicht!
Dahin! Dahin! Oh Jugend! Oh Mittag! Oh Nachmittag! Nun kam Abend und Nacht und Mitternacht, — der Hund heult, der Wind:
— ist der Wind nicht ein Hund? Er winselt, er kläfft, er heult. Ach! Ach! wie sie seufzt! wie sie lacht, wie sie röchelt und keucht, die Mitternacht!
Wie sie eben nüchtern spricht, diese trunkene Dichterin! sie übertrank wohl ihre Trunkenheit? sie wurde überwach? sie käut zurück?
— ihr Weh käut sie zurück, im Traume, die alte tiefe Mitternacht, und mehr noch ihre Lust. Lust nämlich, wenn schon Weh tief ist: Lust ist tiefer noch als Herzeleid.
9 Du Weinstock! Was preisest du mich! Ich schnitt dich doch! Ich bin grausam, du blutest —: was will dein Lob meiner trunkenen Grausamkeit?
„Was vollkommen ward, alles Reife — will sterben! so redest du. Gesegnet, gesegnet sei das Winzermesser! Aber alles Unreife will leben: wehe!
Weh spricht: „Vergeh! Weg, du Wehe!“ Aber Alles, was leidet, will leben, dass es reif werde und lustig und sehnsüchtig,
— sehnsüchtig nach Fernerem, Höherem, Hellerem. „Ich will Erben, so spricht Alles, was leidet, ich will Kinder, ich will nicht mich,“ —
Lust aber will nicht Erben, nicht Kinder, — Lust will sich selber, will Ewigkeit, will Wiederkunft, will Alles-sich-ewig-gleich.
Weh spricht: „Brich, blute, Herz! Wandle, Bein! Flügel, flieg! Hinan! Hinauf! Schmerz!“ Wohlan! Wohlauf! Oh mein altes Herz: Weh spricht: „vergeh!“
10 Ihr höheren Menschen, was dünket euch? Bin ich ein Wahrsager? Ein Träumender? Trunkener? Ein Traumdeuter? Eine Mitternachts-Glocke?
Ein Tropfen Thau's? Ein Dunst und Duft der Ewigkeit? Hört ihr's nicht? Riecht ihr's nicht? Eben ward meine Welt vollkommen, Mitternacht ist auch Mittag, —
Schmerz ist auch eine Lust, Fluch ist auch ein Segen, Nacht ist auch eine Sonne, — geht davon oder ihr lernt: ein Weiser ist auch ein Narr.
Sagtet ihr jemals Ja zu Einer Lust? Oh, meine Freunde, so sagtet ihr Ja auch zu allem Wehe. Alle Dinge sind verkettet, verfädelt, verliebt, —
— wolltet ihr jemals Ein Mal zweimal, spracht ihr jemals „du gefällst mir, Glück! Husch! Augenblick!“ so wolltet ihr Alles zurück!
— Alles von neuem, Alles ewig, Alles verkettet, verfädelt, verliebt, oh so liebtet ihr die Welt, —
— ihr Ewigen, liebt sie ewig und allezeit: und auch zum Weh sprecht ihr: vergeh, aber komm zurück! Denn alle Lust will — Ewigkeit!
11 Alle Lust will aller Dinge Ewigkeit, will Honig, will Hefe, will trunkene Mitternacht, will Gräber, will Gräber-Thränen-Trost, will vergüldetes Abendroth —
— was will nicht Lust! sie ist durstiger, herzlicher, hungriger, schrecklicher, heimlicher als alles Weh, sie will sich, sie beisst in sich, des Ringes Wille ringt in ihr, —
— sie will Liebe, sie will Hass, sie ist überreich, schenkt, wirft weg, bettelt, dass Einer sie nimmt, dankt dem Nehmenden, sie möchte gern gehasst sein, —
— so reich ist Lust, dass sie nach Wehe durstet, nach Hölle, nach Hass, nach Schmach, nach dem Krüppel, nach Welt, — denn diese Welt, oh ihr kennt sie ja!
Ihr höheren Menschen, nach euch sehnt sie sich, die Lust, die unbändige, selige, — nach eurem Weh, ihr Missrathenen! Nach Missrathenem sehnt sich alle ewige Lust.
Denn alle Lust will sich selber, drum will sie auch Herzeleid! Oh Glück, oh Schmerz! Oh brich, Herz! Ihr höheren Menschen, lernt es doch, Lust will Ewigkeit,
— Lust will aller Dinge Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit!
12 Lerntet ihr nun mein Lied? Erriethet ihr, was es will? Wohlan! Wohlauf! Ihr höheren Menschen, so singt mir nun meinen Rundgesang!
Singt mir nun selber das Lied, dess Name ist „Noch ein Mal“, dess Sinn ist „in alle Ewigkeit!“ — singt, ihr höheren Menschen Zarathustra's Rundgesang!
Oh Mensch! Gieb Acht!Was spricht die tiefe Mitternacht?„Ich schlief, ich schlief —,„Aus tiefem Traum bin ich erwacht: —„Die Welt ist tief,„Und tiefer als der Tag gedacht.„Tief ist ihr Weh —,„Lust — tiefer noch als Herzeleid:„Weh spricht: Vergeh!„Doch alle Lust will Ewigkeit —,„— will tiefe, tiefe Ewigkeit!“
Das Zeichen.
Des Morgens aber nach dieser Nacht sprang Zarathustra von seinem Lager auf, gürtete sich die Lenden und kam heraus aus seiner Höhle, glühend und stark, wie eine Morgensonne, die aus dunklen Bergen kommt.
„Du grosses Gestirn, sprach er, wie er einstmals gesprochen hatte, du tiefes Glücks-Auge, was wäre all dein Glück, wenn du nicht Die hättest, welchen du leuchtest!
Und wenn sie in ihren Kammern blieben, während du schon wach bist und kommst und schenkst und austheilst: wie würde darob deine stolze Scham zürnen!
Wohlan! sie schlafen noch, diese höheren Menschen, während ich wach bin: das sind nicht meine rechten Gefährten! Nicht auf sie warte ich hier in meinen Bergen.
Zu meinem Werke will ich, zu meinem Tage: aber sie verstehen nicht, was die Zeichen meines Morgens sind, mein Schritt — ist für sie kein Weckruf.
Sie schlafen noch in meiner Höhle, ihr Traum käut noch an meinen Mitternächten. Das Ohr, das nach mir horcht, — das gehorchende Ohr fehlt in ihren Gliedern.“
— Diess hatte Zarathustra zu seinem Herzen gesprochen, als die Sonne aufgieng: da blickte er fragend in die Höhe, denn er hörte über sich den scharfen Ruf seines Adlers. „Wohlan! rief er hinauf, so gefällt und gebührt es mir. Meine Thiere sind wach, denn ich bin wach.
Mein Adler ist wach und ehrt gleich mir die Sonne. Mit Adlers-Klauen greift er nach dem neuen Lichte. Ihr seid meine rechten Thiere; ich liebe euch.
Aber noch fehlen mir meine rechten Menschen!“ —
Also sprach Zarathustra; da aber geschah es, dass er sich plötzlich wie von unzähligen Vögeln umschwärmt und umflattert hörte, — das Geschwirr so vieler Flügel aber und das Gedräng um sein Haupt war so gross, dass er die Augen schloss. Und wahrlich, einer Wolke gleich fiel es über ihn her, einer Wolke von Pfeilen gleich, welche sich über einen neuen Feind ausschüttet. Aber siehe, hier war es eine Wolke der Liebe, und über einen neuen Freund.
„Was geschieht mir? dachte Zarathustra in seinem erstaunten Herzen und liess sich langsam auf dem grossen Steine nieder, der neben dem Ausgange seiner Höhle lag. Aber, indem er mit den Händen um sich und über sich und unter sich griff, und den zärtlichen Vögeln wehrte, siehe, da geschah ihm etwas noch Seltsameres: er griff nämlich dabei unvermerkt in ein dichtes warmes Haar-Gezottel hinein; zugleich aber erscholl vor ihm ein Gebrüll, — ein sanftes langes Löwen-Brüllen.
„Das Zeichen kommt“, sprach Zarathustra und sein Herz verwandelte sich. Und in Wahrheit, als es helle vor ihm wurde, da lag ihm ein gelbes mächtiges Gethier zu Füssen und schmiegte das Haupt an seine Knie und wollte nicht von ihm lassen vor Liebe und that einem Hunde gleich, welcher seinen alten Herrn wiederfindet. Die Tauben aber waren mit ihrer Liebe nicht minder eifrig als der Löwe; und jedes Mal, wenn eine Taube über die Nase des Löwen huschte, schüttelte der Löwe das Haupt und wunderte sich und lachte dazu.
Zu dem Allen sprach Zarathustra nur Ein Wort: „meine Kinder sind nahe, meine Kinder“ —, dann wurde er ganz stumm. Sein Herz aber war gelöst, und aus seinen Augen tropften Thränen herab und fielen auf seine Hände. Und er achtete keines Dings mehr und sass da, unbeweglich und ohne dass er sich noch gegen die Thiere wehrte. Da flogen die Tauben ab und zu und setzten sich ihm auf die Schulter und liebkosten sein weisses Haar und wurden nicht müde mit Zärtlichkeit und Frohlocken. Der starke Löwe aber leckte immer die Thränen, welche auf die Hände Zarathustra's herabfielen und brüllte und brummte schüchtern dazu. Also trieben es diese Thiere. —
Diess Alles dauerte eine lange Zeit, oder eine kurze Zeit: denn, recht gesprochen, giebt es für dergleichen Dinge auf Erden keine Zeit —. Inzwischen aber waren die höheren Menschen in der Höhle Zarathustra's wach geworden und ordneten sich mit einander zu einem Zuge an, dass sie Zarathustra entgegen giengen und ihm den Morgengruss böten: denn sie hatten gefunden, als sie erwachten, dass er schon nicht mehr unter ihnen weilte. Als sie aber zur Thür der Höhle gelangten, und das Geräusch ihrer Schritte ihnen voranlief, da stutzte der Löwe gewaltig, kehrte sich mit Einem Male von Zarathustra ab und sprang, wild brüllend, auf die Höhle los; die höheren Menschen aber, als sie ihn brüllen hörten, schrien alle auf, wie mit Einem Munde, und flohen zurück und waren im Nu verschwunden.
Zarathustra selber aber, betäubt und fremd, erhob sich von seinem Sitze, sah um sich, stand staunend da, fragte sein Herz, besann sich und war allein. „Was hörte ich doch? sprach er endlich langsam, was geschah mir eben?“
Und schon kam ihm die Erinnerung, und er begriff mit Einem Blicke Alles, was zwischen Gestern und Heute sich begeben hatte. „Hier ist ja der Stein, sprach er und strich sich den Bart, auf dem sass ich gestern am Morgen; und hier trat der Wahrsager zu mir, und hier hörte ich zuerst den Schrei, den ich eben hörte, den grossen Nothschrei.
Oh ihr höheren Menschen, von eurer Noth war's ja, dass gestern am Morgen jener alte Wahrsager mir wahrsagte, —
— zu eurer Noth wollte er mich verführen und versuchen: oh Zarathustra, sprach er zu mir, ich komme, dass ich dich zu deiner letzten Sünde verführe.
Zu meiner letzten Sünde? rief Zarathustra und lachte zornig über sein eigenes Wort: was blieb mir doch aufgespart als meine letzte Sünde?“
— Und noch ein Mal versank Zarathustra in sich und setzte sich wieder auf den grossen Stein nieder und sann nach. Plötzlich sprang er empor, —
„Mitleiden! Das Mitleiden mit dem höheren Menschen! schrie er auf, und sein Antlitz verwandelte sich in Erz. Wohlan! Das — hatte seine Zeit!
Mein Leid und mein Mitleiden — was liegt daran! Trachte ich denn nach Glücke? Ich trachte nach meinem Werke!
Wohlan! Der Löwe kam, meine Kinder sind nahe, Zarathustra ward reif, meine Stunde kam: —
Diess ist mein Morgen, mein Tag hebt an: herauf nun, herauf, du grosser Mittag!“ — —
Also sprach Zarathustra und verliess seine Höhle, glühend und stark, wie eine Morgensonne, die aus dunklen Bergen kommt.
Ende von Also sprach Zarathustra.
Fourth and Final Part
Ah, where in the world have greater follies occurred than among the pitying? And what in the world has caused more suffering than the follies of the pitying?
Woe to all lovers who have no height above their pity!
Once the devil said to me, “Even God has his hell: it is his love for human beings.”
And lately I heard him say, “God is dead; God died of his pity for humanity.”
Thus Spoke Zarathustra 2 p. 12.
The Honey Offering
Again months and years passed over Zarathustra’s soul, unnoticed by him; but his hair grew white. One day, sitting upon a stone before his cave and gazing silently outward—there one looks over the sea and beyond winding abysses—his animals walked thoughtfully around him and finally stood before him.
“Zarathustra,” they said, “are you looking out for your happiness?” “What does happiness matter?” he answered. “I have long ceased striving for happiness; I strive for my work.” “Zarathustra,” the animals said again, “you speak like someone with more than enough good things. Do you not lie in a sky-blue lake of happiness?” “You mischievous fools,” Zarathustra answered, smiling, “how well you chose your image! But you also know my happiness is heavy, not like a flowing wave of water: it presses upon me and will not leave me, behaving like melted pitch.”—
Then the animals walked thoughtfully around him again and stood before him once more. “Zarathustra,” they said, “is that why you yourself grow yellower and darker, although your hair wants to look white and flaxen? Look, you sit in your pitch!” “What are you saying, my animals?” Zarathustra said, laughing. “Truly, I slandered when I spoke of pitch. What happens to me happens to all ripening fruits. It is the honey in my veins that thickens my blood and stills my soul.” “So it must be, Zarathustra,” the animals answered, pressing against him. “But will you not climb a high mountain today? The air is clear; today one sees more of the world than ever.” “Yes, my animals,” he answered, “you counsel well and according to my heart: today I will climb a high mountain! But see that honey is at hand there, yellow, white, good, ice-fresh golden honey from the comb. For know this: up there I mean to make the honey offering.”—
But when Zarathustra stood upon the heights, he sent home the animals that had accompanied him, finding himself alone: then he laughed with his whole heart, looked around, and spoke:
“My talk of sacrifices and honey offerings was only a trick of speech, and truly a useful folly! Up here I may speak more freely than before hermits’ caves and hermits’ domestic animals.
“What sacrifice! I squander what I am given, a squanderer with a thousand hands: how could I still call that sacrifice!
“And when I desired honey, I desired only bait and sweet sap and slime, at which even growling bears and strange, grumpy, evil birds lick their tongues—
“The best bait hunters and fishermen need. For if the world resembles a dark forest of beasts, a pleasure garden for all wild hunters, to me it seems still more, and more gladly, an abyssal, abundant sea—
“A sea full of bright fish and crabs, which might tempt even gods to become fishermen and net-casters: so rich is the world in strange things, great and small!
“Especially the human world, the human sea: into that I now cast my golden fishing rod and say, Open, human abyss!
“Open, and throw me your fish and glittering crabs! With my finest bait I bait the strangest human fish today!
“I cast my happiness itself into every breadth and distance, between sunrise, noon, and sunset, to see whether many human fish learn to tug and wriggle at my happiness.
“Until, biting upon my sharp hidden hooks, the brightest bottom-dwelling fish of the abyss must rise to my height, to the most malicious of all human fishers.
“For that is what I am from the ground and beginning: drawing, attracting, drawing upward, rearing, a drawer and cultivator and disciplinarian who once told himself not for nothing, ‘Become who you are!’
“So now let human beings come up to me: for I still await the signs that it is time for my descent; I do not yet go under among human beings myself, as I must.
“For that I wait here, cunning and mocking upon high mountains, neither impatient nor patient, rather someone who has unlearned patience too—because he no longer ‘endures.’
“For my fate leaves me time: perhaps it has forgotten me? Or sits behind a great stone in the shade, catching flies?
“And truly, I am fond of my eternal fate for not hounding and pressing me, but leaving me time for pranks and malice: so that today I climbed this high mountain to fish.
“Has anyone ever caught fish upon high mountains? And even if what I want and do up here is folly, better this than growing solemn down there with waiting, green and yellow—
“A puffed-up snorter of rage from waiting, a holy howling storm out of the mountains, an impatient one crying into the valleys, ‘Listen, or I will lash you with God’s scourge!’
“Not that I resent such angry ones for it: they are good enough to laugh at! They must be impatient, these great noisy drums that speak today or never!
“But I and my fate speak neither to today nor to never: for speaking we have patience and time and more than time. For one day he must come, and must not pass by.
“Who must come one day and must not pass by? Our great Hazar, our great distant human kingdom, Zarathustra’s thousand-year kingdom—
“How distant may such ‘distance’ be? What is that to me? Yet it stands no less firmly for me; with both feet I stand surely upon this ground—
“Upon eternal ground, hard primeval rock, this highest and hardest ancient mountain range, where all winds come as to the weather’s divide, asking Where? From where? Toward where?
“Here laugh, laugh, my bright, whole malice! From high mountains cast down your glittering, mocking laughter! With your glitter bait the finest human fish for me!
“And whatever in all seas belongs to me, my in-and-for-me in all things, fish that out for me; bring that up to me: that is what I await, the most malicious of all fishermen.
“Out, out, my hook! Inward, downward, bait of my happiness! Drip your sweetest dew, honey of my heart! Bite, my hook, into the belly of all black melancholy!
“Out, out, my eye! Oh, so many seas around me, so many dawning human futures! And above me—what rose-red stillness! What cloudless silence!”
The Cry of Distress
The next day Zarathustra sat again upon his stone before the cave while his animals roamed the world for new food and new honey: for Zarathustra had used up and squandered every last grain of the old honey. Sitting thus with a stick in hand, tracing his figure’s shadow upon the earth, reflecting—and truly not upon himself and his shadow—he suddenly started in fright: for beside his shadow he saw another. Looking quickly around and rising, he found the soothsayer beside him, the same one he had once fed and given drink at his table, the herald of great weariness who taught, “Everything is the same, nothing is worthwhile, the world is without meaning, knowledge chokes.” But meanwhile his face had changed; when Zarathustra looked into his eyes, his heart was frightened again: so many evil proclamations and ash-gray flashes crossed this face.
The soothsayer, noticing what happened in Zarathustra’s soul, passed his hand across his face as though wiping it away; Zarathustra did likewise. When both had silently composed and strengthened themselves, they shook hands to signify their willingness to recognize one another again.
“Welcome,” said Zarathustra. “Soothsayer of great weariness, you shall not have been my table companion and guest-friend in vain. Eat and drink with me today too, and forgive a cheerful old man for sitting at table with you!” “A cheerful old man?” the soothsayer answered, shaking his head. “Whoever you are or want to be, Zarathustra, you have been it up here long enough: soon your boat will no longer sit upon dry land!” “Am I sitting upon dry land?” Zarathustra asked, laughing. “The waves around your mountain,” the soothsayer answered, “rise and rise, waves of great distress and melancholy: soon they will lift your boat and carry you away.” Zarathustra fell silent in wonder. “Do you hear nothing yet?” the soothsayer continued. “Does nothing rush and roar up from the depths?” Zarathustra was silent again and listened: then he heard a long, long cry that the abysses tossed to one another and passed along, for none wanted to keep it: so dreadful it sounded.
“Evil herald,” Zarathustra said at last, “that is a cry of distress, a human being’s cry; it may well come from a black sea. But what does human distress matter to me? My final sin, reserved for me—do you know its name?”
“Pity!” the soothsayer answered from an overflowing heart, raising both hands. “Zarathustra, I come to tempt you to your final sin!”—
Scarcely were these words spoken when the cry rang out again, longer and more fearful than before, much nearer already. “Do you hear? Do you hear, Zarathustra?” the soothsayer cried. “The cry is for you, calling you: come, come, come, it is time, it is high time!”—
Zarathustra fell silent, confused and shaken; at last, like someone hesitating within himself, he asked, “And who is calling me there?”
“But you know it,” the soothsayer answered vehemently. “Why hide yourself? It is the higher human being who cries for you!”
“The higher human being?” Zarathustra cried, seized with horror. “What does he want? What does he want? The higher human being! What does he want here?” Sweat covered his skin.
But the soothsayer did not answer Zarathustra’s fear; he listened and listened toward the depths. When silence lasted a long time, he turned back and saw Zarathustra standing and trembling.
“Zarathustra,” he began sadly, “you do not stand like someone made dizzy by happiness: you will have to dance to keep from falling!
“But even if you danced before me and leaped all your sideways leaps, no one should be allowed to tell me, ‘Look, here dances the last joyful human being!’
“Anyone seeking him here would come to this height in vain: caves and caves beyond caves he might find, hiding places for hidden ones, but not shafts of happiness and treasure chambers and new veins of happiness’s gold.
“Happiness—how could one find happiness among such buried ones and hermits! Must I seek the last happiness still upon blissful islands, far among forgotten seas?
“But everything is the same, nothing is worthwhile, no searching helps, and there are no blissful islands anymore!”— —
Thus the soothsayer sighed; but at his final sigh Zarathustra grew bright and sure again, like someone emerging from a deep chasm into light. “No! No! Three times No!” he cried strongly, stroking his beard. “That I know better! There are still blissful islands! Be silent about that, you sighing sack of sorrow!
“Stop splashing about that, raincloud in the morning! Am I not already standing here wet with your melancholy, drenched like a dog?
“Now I shake myself and run away to grow dry again: you must not wonder at that! Do I seem discourteous? But here is my court.
“As for your higher human being, well! I will seek him at once in those forests: from there his cry came. Perhaps an evil beast harasses him.
“He is within my domain: there he shall not come to harm! And truly, there are many evil beasts with me.”—
With these words Zarathustra turned to go. Then the soothsayer said, “Zarathustra, you are a rogue!
“I know already: you want to be rid of me! You would rather run into the forests and hunt evil beasts!
“But how does it help you? In the evening you will have me again; in your own cave I shall sit, patient and heavy as a block—and wait for you!”
“So be it!” Zarathustra called back as he left. “Whatever is mine in my cave is yours as well, my guest-friend!
“But if you find honey there, go on, lick it up, growling bear, and sweeten your soul! For in the evening we both mean to be of good cheer—
“Of good cheer and glad this day has ended! You yourself shall dance to my songs as my dancing bear.
“You do not believe it? You shake your head? Come! Up! Old bear! But I too am a soothsayer.”
Thus spoke Zarathustra.
Conversation with the Kings
1 Zarathustra had traveled less than an hour through his mountains and forests when he suddenly saw a strange procession. Along the very path he meant to descend came two kings, adorned with crowns and purple belts, bright as flamingos, driving a laden donkey before them. “What do these kings want in my kingdom?” Zarathustra said in astonishment to his heart, quickly hiding behind a bush. But when the kings reached him, he said half aloud, like someone speaking only to himself, “Strange! Strange! How does this fit together? I see two kings—and only one donkey!”
Then both kings stopped, smiled, looked toward the voice, and afterward into each other’s faces. “People think such things among us too,” said the king on the right, “but do not say them aloud.”
The king on the left shrugged and answered, “Perhaps it is a goatherd. Or a hermit who has lived too long among rocks and trees. No company at all spoils good manners too.”
“Good manners?” the other king retorted bitterly and indignantly. “What are we avoiding? Is it not ‘good manners’? Our ‘good society’?
“Better, truly, to live among hermits and goatherds than with our gilded, false, painted-over rabble, though it calls itself ‘good society’—
“Though it calls itself ‘nobility.’ But everything there is false and rotten, especially the blood, thanks to old bad diseases and worse healers.
“The best and dearest person to me today is still a healthy farmer, rough, cunning, stubborn, enduring: that is the noblest kind today.
“The farmer is the best today, and the farmer’s nature should rule! But it is the kingdom of the rabble—I will be deceived no longer. Rabble means mishmash.
“Rabble-mishmash: everything mingled with everything, saint and scoundrel and squire and Jew and every beast from Noah’s ark.
“Good manners! Everything among us is false and rotten. No one knows how to revere anymore: that is precisely what we flee. They are cloying, intrusive dogs; they gild palm leaves.
“This disgust chokes me: we kings ourselves have become false, draped and disguised in old, yellowed ancestral pomp, display coins for the stupidest and cleverest and everyone now trafficking in power!
“We are not the first—and yet must signify it: at last we have grown sick and disgusted with this deception.
“We avoided the rabble, all these loudmouths and scribbling blowflies, the merchant stench, the wriggling ambition, the foul breath—ugh, living among the rabble—
“Ugh, signifying the first among the rabble! Ah, disgust! Disgust! Disgust! What do we kings matter now?”—
“Your old sickness assails you,” the king on the left said. “Disgust assails you, my poor brother. But you know someone is listening.”
At once Zarathustra, who had opened his eyes and ears to this speech, rose from hiding, approached the kings, and began:
“The one listening, who gladly listens to you, kings, is called Zarathustra.
“I am Zarathustra, who once said, ‘What do kings matter now!’ Forgive me: I rejoiced when you said to each other, ‘What do we kings matter!’
“But here is my kingdom and dominion: what might you seek in my kingdom? Perhaps on the way you found what I seek: the higher human being.”
When the kings heard this, they beat their breasts and spoke with one voice: “We are recognized!
“With the sword of this word you cut through our hearts’ thickest darkness. You have discovered our distress: look, we travel to find the higher human being—
“The human being higher than ourselves, though we are kings. To him we bring this donkey. For the highest human being should also be the highest lord on earth.
“There is no harder misfortune in all human fate than when earth’s powerful are not also its foremost human beings. Then everything becomes false and crooked and monstrous.
“And when they are the last, more beast than human, the rabble rises and rises in value, until even rabble virtue says, ‘Look, I alone am virtue!’”—
“What have I just heard?” Zarathustra answered. “What wisdom among kings! I am delighted, and truly already tempted to make a rhyme upon it—
“Even if it becomes a rhyme unfit for everyone’s ears. I long ago unlearned consideration for long ears. Come! Up!”
(Here the donkey too found its voice: clearly and with ill will it said, “Hee-haw.”)
Once—I believe in salvation’s year one—The Sibyl, drunk without wine, cried:“Woe, now all goes awry!“Decline! Decline! The world never sank so low!“Rome sank to whore and brothel,“Rome’s Caesar sank to beast; God himself became a Jew!”
2 The kings feasted upon Zarathustra’s rhymes; but the king on the right said, “Zarathustra, how well we did to set out to see you!
“For your enemies showed us your image in their mirror: there you looked out with a devil’s grimace and mocking laughter, so that we feared you.
“But what did it help? Again and again your sayings pierced our ears and hearts. At last we said: what does it matter how he looks?
“We must hear him, who teaches, ‘Love peace as a means to new wars, and a short peace more than a long one!’
“No one ever spoke such warlike words: ‘What is good? Being brave is good. The good war sanctifies every cause.’
“Zarathustra, our fathers’ blood stirred within our bodies at such words: it was like spring speaking to old wine casks.
“When swords ran among one another like red-spotted serpents, our fathers became fond of life; the sun of every peace seemed faint and lukewarm to them, and long peace brought shame.
“How our fathers sighed when they saw bright-polished, dried-up swords upon the wall! Like those swords, they thirsted for war. For a sword wants to drink blood and glitters with desire.”— —
As the kings spoke and chattered so eagerly about their fathers’ happiness, Zarathustra felt no small desire to mock their enthusiasm: for plainly he saw very peaceable kings before him, with old and fine faces. But he restrained himself. “Well!” he said. “The path leads there; there lies Zarathustra’s cave; and this day shall have a long evening! But now a cry of distress calls me urgently away from you.
“It honors my cave if kings wish to sit and wait within it: but you will certainly have to wait long!
“Well then! What does it matter? Where does one learn waiting better today than at courts? And all the kings’ virtue that remains to them—is it not now called being able to wait?”
Thus spoke Zarathustra.
The Leech
Zarathustra walked thoughtfully onward and downward, through forests and past marshy ground; and as happens to anyone pondering difficult things, he unexpectedly stepped upon a human being. Suddenly a cry of pain, two curses, and twenty foul insults flew into his face: in fright he raised his stick and struck the man he had stepped upon as well. Immediately he came to his senses, and his heart laughed at the folly he had just committed.
“Forgive me,” he said to the man, who had risen furiously into a sitting position. “Forgive me, and first hear an image.
“A wanderer dreaming of distant things unexpectedly stumbles upon a sleeping dog along a lonely road, a dog lying in the sun—
“Both start up and snarl at each other like mortal enemies, these two frightened almost to death: so it happened to us.
“And yet! Yet how little was needed for them to caress each other, this dog and this solitary man! For both are solitary!”
“Whoever you may be,” the man said, still furious, “you come too close with your image as well as your foot!
“Look, am I a dog?” And the seated man rose, drawing his bare arm from the swamp. At first he had lain stretched upon the ground, hidden and unrecognizable like someone stalking marsh game.
“But what are you doing?” Zarathustra cried in fright, seeing much blood flow over the bare arm. “What happened to you? Did some evil beast bite you, unfortunate man?”
The bleeding man laughed, still angry. “What is that to you?” he said, trying to walk on. “Here I am at home and in my domain. Whoever likes may question me: but I will hardly answer a blockhead.”
“You are mistaken,” Zarathustra said pityingly, holding him fast. “Here you are not in your own place, but in my kingdom, where no one shall come to harm.
“But call me whatever you like: I am who I must be. I call myself Zarathustra.
“Well! Up there the path leads to Zarathustra’s cave, not far away: will you not tend your wounds with me?
“Life has treated you badly, unfortunate man: first the beast bit you, then humanity stepped upon you!”— —
But hearing Zarathustra’s name, the man changed. “What is happening to me?” he cried. “Who concerns me in this life except this one human being, Zarathustra, and that one blood-living animal, the leech?
“For the leech I lay here beside this swamp like a fisherman; already my dangling arm had been bitten ten times when a finer hedgehog bit at my blood—Zarathustra himself!
“Oh, happiness! Oh, wonder! Praised be this day that lured me into this swamp! Praised be the finest, liveliest cupping glass now alive; praised be the great conscience-leech Zarathustra!”—
Thus spoke the man Zarathustra had stepped upon; and Zarathustra rejoiced in his words and their delicate, reverent manner. “Who are you?” he asked, offering his hand. “Much remains to be clarified and brightened between us: but already, I think, clear daylight is coming.”
“I am the conscientious in spirit,” the man answered. “In matters of spirit, hardly anyone is stricter, narrower, harder than I, except the one from whom I learned it, Zarathustra himself.
“Better to know nothing than half-know much! Better a fool on one’s own account than a sage at another’s dictate! I go to the bottom—
“What does it matter whether it is great or small? Whether called swamp or sky? A hand’s breadth of ground is enough, if only it is truly ground and foundation!
“A hand’s breadth of ground: one can stand upon that. In true scientific conscientiousness there is nothing great and nothing small.”
“Then perhaps you are the knower of the leech?” Zarathustra asked. “You follow the leech down to its final foundations, conscientious one?”
“Zarathustra,” the man answered, “that would be an enormous undertaking: how could I presume upon it!
“But what I master and know is the leech’s brain: that is my world!
“And it is a world too! Forgive my pride speaking here: in this I have no equal. That is why I said, ‘Here I am at home.’
“How long I have pursued this one thing, the leech’s brain, so that slippery truth no longer slips away here! Here is my kingdom!
“For that I cast everything else away; for that everything else became indifferent to me. Beside my knowledge lies my black ignorance.
“My conscience of spirit demands that I know one thing and otherwise know nothing: all half-spiritedness disgusts me, everything hazy, hovering, rapturous.
“Where my honesty ends, I am blind and wish to be blind. But where I want to know, I also want honesty: hardness, strictness, narrowness, cruelty, inexorability.
“That you once said, Zarathustra, ‘Spirit is life that itself cuts into life,’ led and lured me to your teaching. Truly, with my own blood I increased my own knowledge!”
“As the evidence shows,” Zarathustra interrupted: for blood still flowed down the conscientious man’s bare arm. Ten leeches had bitten fast into it.
“Strange fellow, how much this evidence teaches me—you yourself! And perhaps I must not pour all of it into your strict ears!
“Well! Here let us part! But I would gladly find you again. Up there is the path to my cave: tonight you shall be my dear guest!
“Gladly I would make amends to your body too for Zarathustra’s trampling you: I shall think about it. But now a cry of distress calls me urgently away.”
Thus spoke Zarathustra.
The Magician
1 As Zarathustra rounded a rock, he saw a man upon the same path not far below him, flinging his limbs like a madman and finally falling face down upon the earth. “Wait!” Zarathustra said to his heart. “That must be the higher human being; that dreadful cry of distress came from him—I will see whether help is possible.” But running to where the man lay, he found a trembling old man with staring eyes. However hard Zarathustra tried to raise him to his feet, it was in vain. The unfortunate man seemed unaware that anyone was nearby; instead, he kept looking around with touching gestures, like someone forsaken and abandoned by the whole world. At last, after much trembling, twitching, and curling in upon himself, he began to lament:
“Who warms me, who still loves me?Give hot hands!Give braziers for the heart!Stretched out, shuddering,Like one half dead whose feet they warm—Shaken, ah, by unknown fevers,Trembling before sharp icy frost arrows,Hunted by you, Thought!Nameless! Veiled! Terrible!You hunter behind clouds!Struck down by your lightning,You mocking eye that looks from darkness:Thus I lie,Bending, writhing, tormentedBy every eternal torture,StruckBy you, cruelest hunter,You unknown—God …
“Strike deeper!Strike once more!Pierce, break this heart!Why this tormentWith blunt-toothed arrows?Why look again,Unwearied by human pain,With gloating divine lightning eyes?You do not want to kill,Only torture, torture?Why torture me,You gloating unknown God?—
“Ha-ha!You creep nearAt such a midnight? …What do you want?Speak!You press me, crush me—Ha! Already much too close!You hear me breathing,You listen to my heart,Jealous one!Jealous of what?Away! Away!Why the ladder?Will you climb inside,Into my heart,Into my most secretThoughts?Shameless! Unknown! Thief!What will you steal?What will you overhear?What will you torture out,You torturer!You—executioner-God!Or shall I, like a dog,Roll before you,Devoted, inspired, beside myself,Wagging love to you!
“In vain!Keep stabbing,Cruelest thorn!No dog—only your quarry am I,Cruelest hunter!Your proudest captive,Robber behind clouds …Speak at last,Lightning-veiled! Unknown! Speak!What, ambusher, do you want—from me? …
“What?Ransom?What ransom do you want?Demand much—my pride counsels it!And speak briefly—my other pride counsels it!
“Ha-ha!Me—you want? Me?Me—entirely? …
“Ha-ha!And you torment me, fool that you are,Torture my pride?Give me love—who still warms me?Who still loves me?—Give hot hands,Give braziers for the heart,Give to me, the loneliest,Whom ice, ah, sevenfold iceTeaches to long even for enemies,To yearn for enemies,Give, yes surrender,Cruelest enemy,To me—yourself!— —
“Away!There he himself fled,My only companion,My great enemy,My unknown one,My executioner-God! …
“No!Come back!With all your tortures!All my tears runTheir course toward you!And my heart’s final flame—For you it flares!Oh, come back,My unknown God! My pain!My final happiness!”
2 But here Zarathustra could restrain himself no longer: he took his stick and struck the lamenting man with all his strength. “Stop!” he cried with furious laughter. “Stop, actor! Counterfeiter! Liar to the core! I recognize you well!
“I will warm your legs for you, evil magician: I know how to put the heat on people like you!”
“Enough!” the old man said, springing from the ground. “Strike no more, Zarathustra! I did it only as a performance!
“Such things belong to my art: I wanted to test you by giving you this sample! And truly, you saw through me well!
“But you too gave me no small sample of yourself: you are hard, wise Zarathustra! Hard you strike with your ‘truths’; your cudgel forces this truth from me!”
“Do not flatter,” Zarathustra answered, still agitated and dark-eyed. “Actor to the core! You are false: why speak of truth!
“You peacock of peacocks, sea of vanity, what were you performing before me, evil magician? In whom was I to believe when you lamented in that shape?”
“The penitent of the spirit,” the old man said. “That is what I performed: you yourself once invented this phrase—
“The poet and magician who at last turns his spirit against himself, the transformed one who freezes at his evil knowledge and conscience.
“And admit it: it took a long time, Zarathustra, before you saw through my art and lie! You believed in my distress when you held my head in both hands—
“I heard you lament, ‘He has been loved too little, loved too little!’ My malice rejoiced within at having deceived you so far.”
“You may have deceived subtler people than I,” Zarathustra said harshly. “I am not on guard against deceivers; I must be without precaution: so my fate wills.
“But you must deceive: that much I know of you! You must always have two, three, four, five meanings! Even what you now confessed was nowhere near true or false enough for me!
“Evil counterfeiter, how could you do otherwise? You would paint over even your sickness when showing yourself naked to your physician.
“Thus you just painted your lie before me when you said, ‘I did it only as a performance!’ There was earnestness in it too: you are something of a penitent of the spirit!
“I divine you well: you became everyone’s enchanter, but for yourself you have no lie or trick left—you yourself are disenchanted with yourself!
“You harvested disgust as your one truth. No word of yours is genuine anymore, but your mouth is: the disgust clinging to your mouth.”
“Who are you!” the old magician cried defiantly. “Who may speak like this to me, the greatest alive today?” A green flash shot from his eye toward Zarathustra. But immediately he changed and said sadly:
“Zarathustra, I am weary; my arts disgust me; I am not great—why pretend! But you know I sought greatness!
“I wanted to portray a great human being and persuaded many: but this lie surpassed my strength. I break upon it.
“Zarathustra, everything in me is a lie; but that I break—this breaking of mine is genuine!”—
“It honors you,” Zarathustra said darkly, looking down and aside, “it honors you that you sought greatness, but also betrays you. You are not great.
“Evil old magician, this is your best and most honest part, which I honor: you grew weary of yourself and said, ‘I am not great.’
“In that I honor you as a penitent of the spirit: even if only for a breath and a flash, in that one moment you were genuine.
“But tell me, what do you seek here among my forests and rocks? And if you placed yourself in my path, what sample did you want from me—
“What were you testing me for?”—
Thus spoke Zarathustra, his eyes glittering. The old magician was silent a while, then said, “Testing you? I seek only.
“Zarathustra, I seek someone genuine, true, simple, unambiguous, a human being of complete honesty, a vessel of wisdom, a saint of knowledge, a great human being!
“Do you not know it, Zarathustra? I seek Zarathustra.”
A long silence arose between them; Zarathustra sank deeply within himself, closing his eyes. Then, returning to his companion, he took the magician’s hand and spoke with perfect courtesy and cunning:
“Well! Up there the path leads; there lies Zarathustra’s cave. Within it you may seek whoever you wish to find.
“And ask my animals for counsel, my eagle and serpent: they shall help you seek. My cave is large.
“But I myself have never yet seen a great human being. Today even the subtlest have a crude eye for greatness. It is the kingdom of the rabble.
“I have found many who stretched and swelled themselves, while the people cried, ‘Look, a great human being!’ But what use are all bellows? At last the wind escapes.
“At last a frog bursts when it has inflated itself too long: then the wind escapes. To prick a swollen one’s belly—that I call a fine pastime. Hear it, boys!
“This today belongs to the rabble: who still knows what is great or small? Who could successfully seek greatness? Only a fool: fools have luck.
“You seek great human beings, strange fool? Who taught you that? Is today the time for it? Evil seeker, why do you test me?”— —
Thus spoke Zarathustra, comforted at heart, and went laughing upon his way.
Out of Service
Not long after freeing himself from the magician, Zarathustra saw someone else sitting beside his path: a tall man in black with a gaunt, pale face. He greatly displeased him. “Alas,” he said to his heart, “there sits disguised melancholy, seemingly of the priestly kind: what do they want in my kingdom?
“What! Scarcely have I escaped that magician, and another practitioner of black arts must cross my path—
“Some sorcerer with laying-on of hands, a dark miracle worker by God’s grace, an anointed slanderer of the world, whom the devil may fetch!
“But the devil is never where he would be useful: always he comes too late, that accursed dwarf and clubfoot!”—
Thus Zarathustra cursed impatiently in his heart, considering how to slip past the man in black with his eyes averted. But things went otherwise: at that very moment the seated man had already seen him, and like someone meeting unexpected happiness, sprang up and approached.
“Whoever you are, wanderer,” he said, “help someone lost and searching, an old man who may easily come to harm here!
“This world is foreign and remote to me; I also heard wild beasts howling; and the one who could have sheltered me is himself no more.
“I sought the last pious human being, a holy hermit who alone in his forest had heard nothing of what the whole world knows today.”
“What does the whole world know today?” Zarathustra asked. “That the old God in whom everyone once believed no longer lives?”
“You have said it,” the old man answered sadly. “And I served this old God until his final hour.
“But now I am out of service, without a master and yet not free, no longer joyful for even an hour except in memories.
“That is why I climbed these mountains: to make myself a festival again at last, as befits an old pope and church father—for know that I am the last pope! A festival of pious memories and divine services.
“But now he too is dead, the most pious man, that holy one in the forest who constantly praised his God with singing and growling.
“When I found his hut, I found him no longer—but two wolves within, howling over his death, for all animals loved him. Then I ran away.
“Had I come to these forests and mountains in vain? Then my heart resolved to seek another, the most pious of all who do not believe in God—to seek Zarathustra!”
Thus spoke the old man, looking sharply at the one before him; but Zarathustra took the old pope’s hand and contemplated it long in admiration.
“Look, venerable one,” he said then, “what a beautiful, long hand! The hand of someone who has always distributed blessings. But now it holds the one you seek: me, Zarathustra.
“I am he, godless Zarathustra, who says: who is more godless than I, that I may rejoice in his teaching?”—
Thus spoke Zarathustra, piercing the old pope’s thoughts and hidden thoughts with his gaze. At last the pope began:
“Whoever loved and possessed him most has now lost him most as well—
“Look, perhaps of us two I am now the more godless? But who could rejoice in that!”—
“You served him to the end,” Zarathustra asked thoughtfully after a deep silence. “Do you know how he died? Is what people say true, that pity choked him—
“That he saw humanity hanging upon the cross and could not bear it, that love of humanity became his hell and finally his death?”— —
But the old pope did not answer; shyly he looked aside with a painful, gloomy expression.
“Let him go,” Zarathustra said after long reflection, still looking straight into the old man’s eye.
“Let him go: he is gone. Though it honors you to speak only well of this dead one, you know as well as I who he was, and how strangely he walked.”
“Speaking among three eyes,” the old pope said more cheerfully—for he was blind in one eye—“in God’s affairs I am more enlightened than Zarathustra himself, and may be.
“My love served him many years; my will followed all his will. But a good servant knows everything, including much the master hides from himself.
“He was a hidden God, full of secrecy. Truly, even a son came to him only by secret paths. At the door of his faith stands adultery.
“Whoever praises him as a God of love does not think highly enough of love itself. Did this God not also want to be judge? But the lover loves beyond reward and retribution.
“When he was young, this God from the East, he was hard and vengeful, and built himself a hell to delight his favorites.
“But at last he grew old and soft and tender and pitying, more like a grandfather than a father, but most like a tottering old grandmother.
“There he sat, withered, in his corner beside the stove, grieving over his weak legs, weary of world and will, until one day he suffocated upon his all-too-great pity.”
“Old pope,” Zarathustra interrupted, “did you see that with your own eyes? It could have happened so—so and otherwise. When gods die, they always die many kinds of death.
“But well! This way or that, this way and that—he is gone! He offended the taste of my ears and eyes; I would say nothing worse of him.
“I love everything that looks brightly and speaks honestly. But he—you know, old priest, there was something of your kind in him, something priestly—he had many meanings.
“He was unclear too. How he raged at us, that snorter of anger, for understanding him badly! But why did he not speak more clearly?
“And if our ears were at fault, why did he give us ears that heard him badly? If there was mud in our ears, well, who put it there?
“Too much went wrong for him, this potter who had not learned his craft! But taking revenge upon his pots and creatures because they turned out badly—that was a sin against good taste.
“There is good taste even in piety: at last it said, ‘Away with such a God! Better no God, better making fate on one’s own account, better a fool, better oneself God!’”
“What do I hear!” the old pope said, pricking up his ears. “Zarathustra, with such unbelief you are more pious than you think! Some God within you converted you to your godlessness.
“Is it not your piety itself that no longer lets you believe in a God? Your overflowing honesty will yet lead you even beyond good and evil!
“Look, what has been reserved for you? You have eyes and hand and mouth destined from eternity to bless. One does not bless with the hand alone.
“Near you, though you would be the most godless, I scent a secret fragrance of consecration and long blessings: it brings me joy and pain.
“Let me be your guest for one night, Zarathustra! Nowhere on earth would I feel better than with you!”—
“Amen! So be it!” Zarathustra said in great wonder. “Up there the path leads; there lies Zarathustra’s cave.
“Truly, I would gladly lead you there myself, venerable one, for I love all pious people. But now a cry of distress urgently calls me away.
“In my domain no one shall come to harm; my cave is a good harbor. Above all I would like to set every sad person back upon firm land and firm legs.
“But who could lift your melancholy from your shoulder? I am too weak for that. Long indeed we might wait for someone to wake your God again.
“For this old God no longer lives: he is thoroughly dead.”—
Thus spoke Zarathustra.
The Ugliest Human Being
Again Zarathustra’s feet ran through mountains and forests, his eyes searching and searching; but nowhere could he see the one they wished to see, the great sufferer crying in distress. Yet throughout the journey his heart rejoiced and was grateful. “What good things,” he said, “this day has given me in return for beginning badly! What strange companions in conversation I found!
“Long I will chew their words like good grain; my teeth shall grind and crush them small until they flow like milk into my soul!”—
But when the path turned around another rock, the landscape suddenly changed, and Zarathustra entered a kingdom of death. Black and red cliffs rose starkly here: no grass, no tree, no bird’s voice. It was a valley all animals avoided, even beasts of prey, except that a kind of ugly, fat, green serpent came here when old to die. So the shepherds called this valley Serpents’ Death.
Zarathustra sank into a black memory, for he felt he had stood in this valley before. Many heavy things settled upon his mind; he walked slowly, ever more slowly, and finally stopped. Opening his eyes, he saw something beside the path, shaped like a human being and scarcely like one, something unspeakable. At one stroke great shame assailed Zarathustra for having looked at such a thing: blushing to his white hair, he turned his gaze aside and lifted his foot to leave this dreadful place. But then the dead waste grew loud: from the ground rose gurgling and rattling, like water gurgling and rattling through clogged pipes at night; at last it became a human voice and human speech, saying:
“Zarathustra! Zarathustra! Solve my riddle! Speak, speak! What is revenge upon the witness?
“I lure you back: here is smooth ice! Take care, take care that your pride does not break its legs here!
“You think yourself wise, proud Zarathustra! Then solve the riddle, hard nutcracker—the riddle that I am! Speak: who am I?”
But when Zarathustra heard these words, what do you think happened to his soul? Pity assailed him; suddenly he sank like an oak that has long resisted many woodcutters—heavily, abruptly, terrifying even those who wanted to fell it. But already he rose again, his face hardening.
“I recognize you well,” he said in a bronze voice. “You are God’s murderer! Let me go.
“You could not bear the one who saw you, who always saw you through and through, ugliest human being! You took revenge upon this witness!”
Thus spoke Zarathustra, meaning to leave; but the unspeakable one caught a corner of his robe and began gurgling again, searching for words. “Stay!” he said at last—
“Stay! Do not pass by! I divined the ax that struck you down: hail to you, Zarathustra, for standing again!
“You divined, I know well, how the one who killed him feels, God’s murderer. Stay! Sit beside me: it will not be for nothing.
“To whom would I go except you? Stay, sit! But do not look at me! Thus honor my ugliness!
“They pursue me: now you are my last refuge. Not with their hatred, not with their pursuers—oh, I would mock such persecution and be proud and glad!
“Has success not always favored the well-persecuted? And whoever pursues well easily learns to follow: after all, he is already behind! But it is their pity—
“Their pity I flee, taking refuge with you. Zarathustra, protect me, my last refuge, the only one who divined me—
“You divined how the one who killed him feels. Stay! And if you want to go, impatient one, do not take the way I came. That path is bad.
“Are you angry because I have babbled and mangled speech too long? Because I already offer you counsel? But know that I am the ugliest human being—
“The one with the greatest and heaviest feet too. Where I went, the path is bad. I trample every path to death and disgrace.
“But that you passed me silently, that you blushed—I saw it well: by that I recognized you as Zarathustra.
“Anyone else would have thrown me alms, his pity, with look and speech. But for that I am not beggar enough: you divined it—
“For that I am too rich, rich in greatness, in terror, in the ugliest and most unspeakable! Your shame, Zarathustra, honored me!
“Only with difficulty did I escape the crowd of the pitying to find the one person now teaching, ‘Pity is intrusive’—you, Zarathustra!
“Whether a God’s pity or human pity, pity offends modesty. And unwillingness to help can be nobler than the virtue that leaps to help.
“But that, pity, all small people now call virtue itself: they have no reverence for great misfortune, great ugliness, great failure.
“I look beyond them all, as a dog looks over the backs of swarming sheep herds. They are small, benevolent, well-meaning gray people. As a heron looks contemptuously over shallow ponds with head drawn back, I look beyond the swarm of gray little waves and wills and souls.
“Too long they have been conceded the right, these small people: at last they were given power too. Now they teach, ‘Only what small people call good is good.’
“And ‘truth’ today means what the preacher said, who himself came from them, that strange holy man and advocate of small people who testified of himself, ‘I am the truth.’
“This immodest one has long made small people’s crests swell high—he who taught no small error when he taught, ‘I am the truth.’
“Was an immodest person ever answered more courteously? But you, Zarathustra, passed him by and said, ‘No! No! Three times No!’
“You warned against his error; you first warned against pity—not everyone, not no one, but yourself and your kind.
“You feel shame at the great sufferer’s shame; truly, when you say, ‘From pity comes a great cloud: take care, human beings!’—
“When you teach, ‘All creators are hard; all great love stands above its pity’: Zarathustra, how well taught in weather signs you seem to me!
“But you yourself—warn yourself against your pity too! For many are traveling toward you, many suffering, doubting, despairing, drowning, freezing—
“I warn you against me too. You divined my finest, worst riddle, myself and what I did. I know the ax that fells you.
“But he had to die: he saw with eyes that saw everything—the human being’s depths and foundations, all concealed disgrace and ugliness.
“His pity knew no shame: he crawled into my dirtiest corners. This most curious, over-intrusive, over-pitying one had to die.
“He always saw me: upon such a witness I wanted revenge—or not to live myself.
“The God who saw everything, even humanity: this God had to die! Humanity cannot bear such a witness living.”
Thus spoke the ugliest human being. But Zarathustra rose and prepared to leave, for he was chilled into his entrails.
“Unspeakable one,” he said, “you warned me against your path. In thanks I commend mine to you. Look, up there lies Zarathustra’s cave.
“My cave is large and deep and has many corners; the most hidden will find a hiding place there. Close by are a hundred hiding places and secret paths for creeping, fluttering, leaping creatures.
“Outcast who cast yourself out, you do not want to live among human beings and human pity? Well, do as I do! Thus you learn from me too; only the doer learns.
“And speak first and foremost with my animals! The proudest and cleverest animals might be the right counselors for us both!”
Thus spoke Zarathustra and went his way, more thoughtfully and slowly than before: for he asked himself much and could not easily answer.
“How poor humanity is!” he thought in his heart. “How ugly, how rattling, how full of hidden shame!
“They tell me humanity loves itself: ah, how great this self-love must be! How much contempt it faces!
“This one too loved himself as he despised himself: to me he is a great lover and a great despiser.
“I have found no one who despised himself more deeply: even that is height. Alas, was he perhaps the higher human being whose cry I heard?
“I love the great despisers. But the human being is something that must be overcome.”— —
The Voluntary Beggar
After leaving the ugliest human being, Zarathustra felt cold and lonely: much that was cold and solitary passed through his mind, chilling his limbs as well. But as he climbed onward, upward and downward, passing green pastures and wild beds of stone where an impatient brook had once perhaps lain down, his mind suddenly grew warmer and more cheerful.
“What has happened to me?” he asked himself. “Something warm and living refreshes me; it must be nearby.
“Already I am less alone; companions and brothers unknown to me roam around me; their warm breath touches my soul.”
But when he looked around for the comforters of his solitude, he found cows standing together upon a rise: their nearness and scent had warmed his heart. The cows seemed eagerly listening to a speaker and paid no attention to the approaching man. When Zarathustra came close, he distinctly heard a human voice speaking among them; plainly they had all turned their heads toward the speaker.
Then Zarathustra sprang eagerly up and pushed the animals apart, fearing someone had suffered harm that cows’ pity could hardly remedy. But he was mistaken: there sat a man upon the ground, apparently urging the animals not to fear him, a peaceable man and preacher upon mountains, from whose eyes goodness itself preached. “What do you seek here?” Zarathustra cried in surprise.
“What do I seek here?” he answered. “The same thing you seek, disturber of peace: happiness upon earth.
“But for that I would learn from these cows. For half the morning I have been speaking to them, and they were just about to answer. Why disturb them?
“Unless we turn and become like cows, we shall not enter the kingdom of heaven. We should learn one thing from them: chewing the cud.
“And truly, though humanity gained the whole world but did not learn this one thing, chewing the cud, what would it help? It would not escape its melancholy—
“Its great melancholy, now called disgust. Whose heart, mouth, and eyes are not full of disgust today? Yours too! Yours too! But look at these cows!”—
Thus spoke the mountain preacher, then turned his gaze toward Zarathustra—for until now it had clung lovingly to the cows. Suddenly he changed. “Who is this I speak to?” he cried in fright, springing up.
“This is the human being without disgust; this is Zarathustra himself, conqueror of great disgust; this is Zarathustra’s own eye and mouth and heart.”
As he spoke, he kissed the hands of the man he addressed, his eyes overflowing, behaving like someone upon whom a precious gift and jewel suddenly falls from heaven. The cows watched everything and wondered.
“Do not speak of me, strange, lovable man!” Zarathustra said, resisting his tenderness. “Speak first of yourself! Are you not the voluntary beggar who once cast away great wealth—
“Who was ashamed of his wealth and the rich, and fled to the poorest to give them his abundance and heart? But they did not receive him.”
“But they did not receive me,” said the voluntary beggar. “You know it. So at last I went to the animals and these cows.”
“There you learned,” Zarathustra interrupted, “that giving rightly is harder than receiving rightly, and good giving is an art, goodness’s final, cleverest master art.”
“Especially today,” the voluntary beggar answered, “now that everything low has become rebellious and wary and proud in its fashion—the rabble’s fashion.
“For the hour has come, as you know, for the great, evil, long, slow revolt of rabble and slaves: it grows and grows!
“Now all beneficence and little gifts offend the lowly; let the over-rich be on guard!
“Those who drip today like potbellied bottles from all-too-narrow necks—people gladly break such bottles’ necks today.
“Lustful greed, bilious envy, embittered vengeance, rabble pride: all leaped into my face. It is no longer true that the poor are blessed. But the kingdom of heaven is among cows.”
“And why not among the rich?” Zarathustra asked, testing him, while holding back cows that trustingly breathed upon the peaceable man.
“Why test me?” he answered. “You know better than I. What drove me to the poorest, Zarathustra? Was it not disgust with our richest—
“With wealth’s convicts, gleaning advantage from every rubbish heap, cold-eyed, lewd-minded, this rabble stinking to heaven—
“With this gilded, falsified rabble whose fathers were pickpockets or vultures or ragpickers, with women compliant, lustful, forgetful—for none of them is far from being a whore—
“Rabble above, rabble below! What now is ‘poor’ and ‘rich’? I unlearned that distinction, then fled farther and farther until I reached these cows.”
Thus spoke the peaceable man, himself panting and sweating with his words, so that the cows wondered again. Zarathustra kept smiling into his face as he spoke so harshly, silently shaking his head.
“You force yourself, mountain preacher, when you use such hard words. Your mouth and eye did not grow for such hardness.
“Nor, I think, did your stomach itself: it rejects all such rage and hatred and overflowing. Your stomach wants gentler things: you are no butcher.
“Rather, you seem a man of plants and roots. Perhaps you grind grain. Certainly you dislike fleshly pleasures and love honey.”
“You divined me well,” the voluntary beggar answered, his heart relieved. “I love honey, and grind grain too: for I sought what tastes pleasant and makes pure breath—
“Also what takes a long time, a day’s work for the mouth of gentle idlers and time-wasters.
“These cows have certainly gone farthest: they invented chewing the cud and lying in the sun. They also abstain from all heavy thoughts that bloat the heart.”
“Well!” Zarathustra said. “You should see my animals too, my eagle and serpent: their equals are nowhere upon earth today.
“Look, there is the path to my cave: be their guest tonight. Speak with my animals about animals’ happiness—
“Until I myself come home. For now a cry of distress calls me urgently away. You will also find new honey with me, ice-fresh golden honey from the comb: eat it!
“But now take quick leave of your cows, strange, lovable man, though it may be hard. For they are your warmest friends and teachers!”—
“Except one whom I love still more,” the voluntary beggar answered. “You yourself are good, better even than a cow, Zarathustra!”
“Away, away with you, wicked flatterer!” Zarathustra cried maliciously. “Why spoil me with such praise and honeyed flattery?”
“Away, away from me!” he cried again, swinging his stick toward the tender beggar: but the man ran swiftly away.
The Shadow
Scarcely had the voluntary beggar run away and Zarathustra become alone again when he heard a new voice behind him: “Stop, Zarathustra! Wait! It is I, Zarathustra, your shadow!” But Zarathustra did not wait, for sudden irritation seized him at all the pressing and crowding in his mountains. “Where has my solitude gone?” he said.
“Truly, this is too much: these mountains swarm; my kingdom is no longer of this world; I need new mountains.
“My shadow calls me? What does my shadow matter! Let it run after me—I run away from it.”
Thus Zarathustra spoke to his heart and ran. But the one behind followed, so that soon three runners went one after another: first the voluntary beggar, then Zarathustra, third and last his shadow. Before long Zarathustra recognized his folly and shook off all irritation and weariness in one movement.
“What!” he said. “Have the most ridiculous things not always happened among us old hermits and holy men?
“Truly, my folly has grown tall in the mountains! Now I hear six old fools’ legs clattering after one another!
“But may Zarathustra fear a shadow? Besides, I think his legs are longer than mine.”
Thus Zarathustra spoke, laughing with eyes and entrails, stopped, and turned quickly. He almost knocked his follower and shadow to the ground: so closely it followed upon his heels, and so weak it was. Examining it, he was frightened as by a sudden ghost: so thin, darkish, hollow, and worn-out this follower looked.
“Who are you?” Zarathustra asked sharply. “What are you doing here? Why call yourself my shadow? I do not like you.”
“Forgive me,” the shadow answered, “for being myself; and if you do not like me, well, Zarathustra, I praise you and your good taste for that.
“I am a wanderer who has long followed upon your heels, always traveling, but without goal or home, so that truly I lack little of being the Wandering Jew, except that I am not eternal, and not a Jew.
“What? Must I always travel? Whirled by every wind, unsettled, driven away? Oh, earth, you have become too round for me!
“I have sat upon every surface, slept like weary dust upon mirrors and windowpanes: everything takes from me, nothing gives; I grow thin—almost like a shadow.
“But after you, Zarathustra, I flew and followed longest; though I hid from you, I was your finest shadow: wherever you sat, I sat too.
“With you I roamed the farthest, coldest worlds, like a ghost voluntarily walking over winter roofs and snow.
“With you I strove toward everything forbidden, worst, farthest: if anything in me is virtue, it is fearing no prohibition.
“With you I broke whatever my heart revered, overthrew all boundary stones and images, pursued the most dangerous wishes: truly, I once passed across every crime.
“With you I unlearned belief in words and values and great names. When the devil sheds his skin, does his name not fall away too? For it too is skin. Perhaps the devil himself is skin.
“‘Nothing is true, everything is permitted,’ I told myself. Into the coldest waters I plunged with head and heart. Ah, how often afterward I stood naked as a red crab!
“Ah, where has all my good gone, all shame and belief in the good! Where is that lying innocence I once possessed, the innocence of the good and their noble lies!
“Too often, truly, I followed truth closely upon its heels: then it struck my head. Sometimes I thought I lied, and only then did I hit the truth.
“Too much became clear to me: now nothing concerns me anymore. Nothing I love still lives—how could I still love myself?
“‘Live as I please, or not live at all’: thus I will it, and the holiest too. But alas! What pleasure have I left?
“Have I still a goal? A harbor toward which my sail runs?
“A good wind? Ah, only whoever knows where they sail knows what wind is good and favorable.
“What remains to me? A weary, insolent heart; an unsettled will; fluttering wings; a broken backbone.
“This search for my home: Zarathustra, you know, this search was my affliction; it consumes me.
“‘Where is my home?’ I ask and seek and have sought; I did not find it. Oh, eternal Everywhere, eternal Nowhere, eternal In Vain!”
Thus spoke the shadow, and Zarathustra’s face lengthened at its words. “You are my shadow!” he said sadly at last.
“Your danger is no small one, free spirit and wanderer! You have had a bad day: take care that a worse evening does not follow!
“To unsettled ones like you, even prison finally seems blessed. Have you seen how captured criminals sleep? Peacefully: they enjoy their new security.
“Beware lest at last a narrow faith captures you, a hard, strict delusion! For now everything narrow and fixed seduces and tempts you.
“You have lost the goal: alas, how will you jest away and endure this loss? With it you have also lost the way!
“Poor roaming enthusiast, weary butterfly! Do you want rest and a home this evening? Go up to my cave!
“There is the path to my cave. Now I will quickly run away from you again. Already something lies upon me like a shadow.
“I want to run alone, so that it grows bright around me again. For that I must stay lively upon my legs a long time yet. But in the evening, at my home—there will be dancing!”— —
Thus spoke Zarathustra.
At Noon
Zarathustra ran and ran, finding no one else, alone, finding himself again and again, enjoying and sipping his solitude, thinking of good things for hours. Around noon, with the sun directly above his head, he passed an old, crooked, knotted tree embraced all around and hidden from itself by a vine’s rich love: abundant yellow grapes hung toward the wanderer. He longed to quench a little thirst and break off a cluster; but as he stretched his arm, he desired something else still more: to lie beside the tree at perfect noon and sleep.
This Zarathustra did; as soon as he lay upon the ground in the still privacy of bright grass, he forgot his little thirst and fell asleep. For, as Zarathustra’s proverb says, one thing is more necessary than another. Only his eyes stayed open: they could not have enough of seeing and praising the tree and the vine’s love. Falling asleep, Zarathustra spoke to his heart:
“Still! Still! Has the world not just become perfect? What is happening to me?
“As a delicate wind dances unseen upon a paneled sea, light, feather-light, so sleep dances upon me.
“It presses no eye shut, leaves my soul awake. Light it is, truly feather-light.
“It persuades me, I know not how, touches me within with a flattering hand, compels me. Yes, it compels my soul to stretch out—
“How long and weary my strange soul grows! Has the evening of a seventh day come upon it precisely at noon? Has it walked blessedly among good and ripe things too long?
“It stretches long, long—longer! My strange soul lies still. It has tasted too much good already; this golden sadness weighs upon it; it twists its mouth.
“Like a ship entering its stillest bay: now it leans against earth, weary of long voyages and uncertain seas. Is earth not more faithful?
“As such a ship nestles and clings to land, a spider spinning its thread from shore is enough. No stronger ropes are needed.
“Like such a weary ship in the stillest bay, I too now rest near earth, faithful, trusting, waiting, bound to it by the softest threads.
“Oh, happiness! Happiness! Do you want to sing, my soul? You lie in the grass. But this is the secret solemn hour when no shepherd plays his flute.
“Be modest! Hot noon sleeps upon the fields. Do not sing! Still! The world is perfect.
“Do not sing, grass-bird, my soul! Do not even whisper! Look—still! Old noon sleeps, moving its mouth: is it not just drinking a drop of happiness—
“An old brown drop of golden happiness, golden wine? Something flits over it; its happiness laughs. Thus a God laughs. Still!—
“‘For happiness, how little is enough!’ I once said, thinking myself clever. But it was blasphemy: that I have now learned. Clever fools speak better.
“The least, precisely, the softest, lightest, a lizard’s rustle, a breath, a flash, a glance—little makes the nature of the best happiness. Still!
“What happened to me: listen! Has time flown away? Am I not falling? Did I not fall—listen!—into eternity’s well?
“What is happening to me? Still! Something stabs me—alas—in the heart? In the heart! Oh, break, break, heart, after such happiness, such a stab!
“What? Has the world not just become perfect? Round and ripe? Oh, the golden rounded hoop—where is it flying? Let me run after it! Away!
“Still—” Here Zarathustra stretched and felt himself sleeping.
“Up!” he said to himself. “Sleeper! Noonday sleeper! Come, up, old legs! It is time and more than time; a good stretch of road still remains—
“Now you have slept your fill—for how long? Half an eternity! Come, up now, old heart! After such sleep, how long may you now—have your fill of waking?”
(But already he fell asleep again, and his soul spoke against him, resisting and lying down again.) “Leave me! Still! Has the world not just become perfect? Oh, the golden round ball!”—
“Stand up,” Zarathustra said, “little thief, time-thief! What? Still stretching, yawning, sighing, falling into deep wells?
“Who are you, my soul!” Here he started, for a sunbeam fell from the sky upon his face.
“Oh, sky above me,” he sighed, sitting upright, “you watch me? You listen to my strange soul?
“When will you drink this dewdrop fallen upon all earthly things—when will you drink this strange soul—
“When, well of eternity, bright, dreadful noonday abyss, when will you drink my soul back into yourself?”
Thus spoke Zarathustra, rising from his bed beside the tree as from a strange intoxication; and the sun still stood directly above his head. From this one might rightly infer that Zarathustra had not slept long that time.
The Welcome
Only late in the afternoon, after long, fruitless searching and wandering, did Zarathustra return to his cave. But standing opposite it, not twenty paces away, he met what he least expected: again he heard the great cry of distress. Astonishingly, this time it came from his own cave. It was a long, many-voiced, strange cry; Zarathustra distinctly heard it composed of many voices, though from afar it might sound like one mouth’s cry.
He sprang toward his cave: what spectacle awaited him after this drama of sound! All those he had passed that day sat together: the king on the right and the king on the left, the old magician, the pope, the voluntary beggar, the shadow, the conscientious in spirit, the sad soothsayer, and the donkey. The ugliest human being had put on a crown and wrapped himself in two purple belts: like all the ugly, he loved disguise and seeming beautiful. Amid this sad company Zarathustra’s eagle stood bristling and uneasy, expected to answer too much for which its pride had no answer; the clever serpent hung around its neck.
Zarathustra looked upon all this in great wonder, then examined each guest with friendly curiosity, reading their souls and wondering again. Meanwhile those assembled rose from their seats, waiting reverently for him to speak. Zarathustra said:
“You despairing ones! Strange ones! Then it was your cry of distress I heard? Now I know where to seek the one I sought in vain today: the higher human being—
“He sits in my own cave, the higher human being! But why wonder? Did I not lure him myself with honey offerings and my happiness’s cunning calls?
“Yet you seem ill suited to one another’s company: sitting together, you make one another’s hearts ill-tempered, you criers in distress? Someone must come first—
“Someone to make you laugh again, a good, cheerful clown, a dancer and wind and wild thing, some old fool—what do you think?
“Forgive me, despairing ones, for speaking before you in such little words, truly unworthy of such guests! But you do not divine what makes my heart playful—
“You yourselves and your appearance do it: forgive me! Everyone grows courageous at the sight of someone despairing. Everyone thinks himself strong enough to encourage a despairing person.
“You yourselves gave me this strength—a good gift, my high guests! An honest guest-gift! Well, do not be angry now if I offer you some of mine in return.
“This is my kingdom and dominion: whatever is mine shall be yours this evening and night. My animals shall serve you; my cave shall be your resting place!
“In my home no one shall despair; in my territory I protect everyone from their wild beasts. This is the first thing I offer: safety!
“The second is my little finger. Once you have that, take the whole hand as well, and my heart with it! Welcome here, welcome, my guest-friends!”
Thus spoke Zarathustra, laughing with love and malice. After this welcome his guests bowed again, silent in reverence; but the king on the right answered for them.
“By how you offered hand and greeting, Zarathustra, we recognize you as Zarathustra. You lowered yourself before us; you almost wounded our reverence—
“But who could lower himself with such pride as you? That raises us ourselves; it refreshes our eyes and hearts.
“Only to see this, we would gladly climb mountains higher than this one. For we came as spectators: we wanted to see what brightens clouded eyes.
“And look, all our cries of distress have ended already. Our minds and hearts stand open, delighted. A little more, and our courage will turn playful.
“Nothing more joyful grows upon earth than a high, strong will: that is its loveliest growth. A whole landscape is refreshed by one such tree.
“I compare whoever grows as you do, Zarathustra, to the pine: tall, silent, hard, alone, of the finest, most supple wood, splendid—
“At last reaching outward with strong green branches toward its own dominion, asking strong questions before winds and storms and whatever inhabits the heights—
“Answering more strongly, a commander, a victor: who would not climb high mountains to see such growth?
“Even the gloomy and ill-made find refreshment in your tree, Zarathustra; even the unsettled grow sure at your appearance, healing their hearts.
“Truly, many eyes turn toward your mountain and tree today; a great longing has set out, and many learned to ask: who is Zarathustra?
“And all those into whose ears you ever dripped song and honey—the hidden ones, hermits, solitary pairs—suddenly said to their hearts:
“‘Does Zarathustra still live? Life is no longer worthwhile, everything is the same, everything in vain—or we must live with Zarathustra!’
“‘Why does he not come, who announced himself so long?’ many ask. ‘Has solitude swallowed him? Or should we come to him?’
“Now solitude itself grows tender and breaks, like a grave breaking and unable to hold its dead. Everywhere one sees the risen.
“Now the waves rise and rise around your mountain, Zarathustra. However high your height, many must climb to you; your boat shall not sit long upon dry land.
“And that we despairing ones have now entered your cave and already despair no more is only a sign and omen that better ones travel toward you—
“For he himself travels toward you, God’s last remnant among humanity: all the human beings of great longing, great disgust, great weariness—
“All who refuse to live unless they learn to hope again—or learn from you, Zarathustra, the great hope!”
Thus spoke the king on the right, taking Zarathustra’s hand to kiss it; but Zarathustra resisted his reverence and recoiled in fright, silent and suddenly seeming to flee into far distances. After a little while he returned to his guests, looked with bright, searching eyes, and said:
“My guests, higher human beings, I will speak plain German and plainly with you. It was not for you I waited here in these mountains.”
(“German and plain? God have mercy!” the king on the left said aside. “Plainly this eastern sage does not know the dear Germans!
“But he means ‘German and blunt’—well! That is still not the worst taste today!”)
“You may indeed all be higher human beings,” Zarathustra continued, “but for me you are not high and strong enough.
“For me means for the inexorable thing silent within me, which will not always be silent. And if you belong to me, it is not as my right arm.
“For whoever stands upon sick and delicate legs, like you, wants above all, knowingly or secretly, to be spared.
“But I do not spare my arms and legs; I do not spare my warriors: how could you be fit for my war?
“With you I would spoil every victory. Many among you would already fall merely hearing my drums’ loud sound.
“Nor are you beautiful and well-born enough for me. I need clean, smooth mirrors for my teachings: upon your surface my own image is still distorted.
“Many burdens and memories press upon your shoulders; many an evil dwarf crouches in your corners. There is hidden rabble even within you.
“And though you are high and of higher kind, much in you is crooked and misshapen. No smith in the world could hammer you straight and right for me.
“You are only bridges: let higher ones cross upon you! You signify steps: do not be angry with whoever climbs beyond you into his own height!
“From your seed one day a genuine son and perfect heir may grow for me: but that is far away. You yourselves are not those to whom my inheritance and name belong.
“It is not for you I wait in these mountains; not with you may I descend for the last time. You came only as omens that higher ones already travel toward me—
“Not the human beings of great longing, great disgust, great weariness, and what you called God’s remnant.
“No! No! Three times No! For others I wait in these mountains, and without them I will not lift my foot to leave—
“For higher, stronger, more victorious, more cheerful ones, built squarely in body and soul: laughing lions must come!
“Oh, my guest-friends, strange ones, have you heard nothing of my children? That they travel toward me?
“Speak to me of my gardens, my blissful islands, my new, beautiful kind—why do you not speak of them?
“This guest-gift I ask from your love: speak to me of my children. For this I am rich; for this I grew poor: what have I not given—
“What would I not give to have this one thing: these children, this living plantation, these living trees of my will and highest hope!”
Thus spoke Zarathustra, suddenly stopping: his longing overcame him, and he closed eyes and mouth at his heart’s emotion. All his guests too fell silent, still and dismayed; only the old soothsayer made signs with hands and gestures.
The Supper
At this point the soothsayer interrupted Zarathustra’s welcome to his guests: he pushed forward like someone with no time to lose, seized Zarathustra’s hand, and cried, “But Zarathustra!
“One thing is more necessary than another, as you yourself say: well, one thing is now more necessary to me than anything else.
“A word at the proper time: did you not invite me to a meal? And here are many who have traveled far. Surely you will not feed us with speeches?
“Besides, you have all dwelt too much on freezing, drowning, suffocating, and other bodily distresses: no one considered my distress—starving!”
(Thus spoke the soothsayer; hearing his words, Zarathustra’s animals ran away in terror. They saw that everything they had brought home that day would not suffice to stuff this one soothsayer.)
“Including dying of thirst,” the soothsayer continued. “Though I hear water splashing here like speeches of wisdom, plentiful and tireless, I want wine!
“Not everyone is a born water drinker like Zarathustra. Nor is water fit for the weary and withered: we deserve wine—that alone brings sudden recovery and improvised health!”
When the soothsayer demanded wine, the silent king on the left also found his voice. “We provided wine,” he said, “I and my brother, the king on the right: we have enough, a whole donkey-load. Nothing is missing but bread.”
“Bread?” Zarathustra answered, laughing. “Precisely bread is what hermits lack. But humanity lives not by bread alone, also by the flesh of good lambs, of which I have two—
“They should be slaughtered quickly and prepared with spices and sage: that is how I like them. Nor do we lack roots and fruit, good enough even for gourmands and connoisseurs; or nuts and other riddles to crack.
“So shortly we shall have a good meal. But whoever wants to eat must lend a hand, kings included. For with Zarathustra even a king may be a cook.”
This suggestion pleased everyone; only the voluntary beggar resisted meat and wine and spices.
“Just listen to this glutton Zarathustra!” he said jokingly. “Is this why one goes into caves and high mountains—to have such meals?
“Now, certainly, I understand his former teaching, ‘Praised be a modest poverty!’ And why he wants to abolish beggars.”
“Be of good cheer,” Zarathustra answered, “as I am. Keep your custom, excellent man: grind your grain, drink your water, praise your kitchen—if only it makes you joyful!
“I am a law only for my own, not a law for everyone. But whoever belongs to me must have strong bones and light feet—
“Glad for wars and festivals, no gloomy one or dreamer, ready for the hardest task as for a festival, healthy and whole.
“The best belongs to my own and me; if it is not given, we take it: the finest food, purest sky, strongest thoughts, most beautiful women!”—
Thus spoke Zarathustra; but the king on the right replied, “Strange! Were such sensible things ever heard from a sage’s mouth?
“Truly, the strangest thing in a sage is being sensible as well as everything else, and no donkey.”
Thus spoke the king on the right in wonder; but the donkey answered his speech with an ill-willed “Hee-haw.” This was the beginning of that long meal called “the Supper” in history books. At it they spoke of nothing except the higher human being.
On the Higher Human Being
1 “When I first came to humanity, I committed the hermit’s folly, the great folly: I stood in the marketplace.
“Speaking to everyone, I spoke to no one. By evening tightrope walkers and corpses were my companions, and I myself almost a corpse.
“But with the new morning came a new truth: then I learned to say, ‘What do marketplace and rabble and rabble noise and long rabble ears matter to me!’
“Higher human beings, learn this from me: in the marketplace no one believes in higher human beings. If you speak there, well! But the rabble blinks, ‘We are all equal.’
“‘Higher human beings,’ the rabble blinks, ‘there are no higher human beings; we are all equal, human is human, before God—we are all equal!’
“Before God! But now this God has died. Before the rabble, however, we refuse to be equal. Higher human beings, leave the marketplace!
2 “Before God! But now this God has died! Higher human beings, this God was your greatest danger.
“Only since he lies in the grave have you risen again. Only now comes the great noon; only now does the higher human being become master!
“Did you understand this word, my brothers? You are frightened: do your hearts grow dizzy? Does the abyss gape here? Does hell’s hound bark here?
“Come! Up! Higher human beings! Only now does the mountain of humanity’s future labor in childbirth. God died: now we will that the overhuman should live.
3 “The most concerned ask today, ‘How is humanity preserved?’ But Zarathustra alone and first asks, ‘How is humanity overcome?’
“The overhuman lies close to my heart; that is my first and only concern—not humanity: not the neighbor, poorest, greatest sufferer, or best—
“Oh, my brothers, what I can love in humanity is its crossing-over and going-under. And in you too much makes me love and hope.
“That you despised, higher human beings, gives me hope. For the great despisers are the great reverers.
“That you despaired deserves much honor. For you did not learn submission; you did not learn petty prudences.
“For today the small people have become masters: they all preach submission and modesty and prudence and diligence and consideration, and the long et cetera of small virtues.
“What is womanish, what descends from servility, especially the rabble-mishmash: that now wants to master all human fate—oh, disgust! Disgust! Disgust!
“That asks and asks tirelessly, ‘How is humanity preserved best, longest, most pleasantly?’ Thus they are today’s masters.
“Overcome these masters of today for me, my brothers, these small people: they are the overhuman’s greatest danger!
“Higher human beings, overcome the small virtues, petty prudences, sand-grain considerations, swarming ant-business, pitiful contentment, the ‘happiness of the greatest number’!
“Rather despair than submit. Truly, I love you for not knowing how to live today, higher human beings! For thus you live best!
4 “Have you courage, my brothers? Are you brave at heart? Not courage before witnesses, but hermit courage and eagle courage, watched by no God anymore?
“Cold souls, mules, the blind, the drunken are not brave-hearted to me. Heart belongs to whoever knows fear but masters fear, whoever sees the abyss but with pride.
“Whoever sees the abyss with eagle eyes, whoever grasps the abyss with eagle claws—that person has courage.— —
5 “‘Humanity is evil,’ all the wisest told me in comfort. Ah, if only it were still true today! For evil is humanity’s finest strength.
“‘Humanity must become better and more evil’—so I teach. The worst is needed for the overhuman’s best.
“It may have suited that preacher of small people to suffer and bear humanity’s sin. But I rejoice in great sin as my great comfort.—
“Such things are not said for long ears. Nor does every word belong in every mouth. These are subtle, distant things: sheep’s hooves must not reach for them!
6 “Higher human beings, do you think I am here to make good what you did badly?
“Or that henceforth I would bed you sufferers more comfortably? Or show easier paths to you unsettled, lost, stranded climbers?
“No! No! Three times No! Ever more, ever better of your kind shall perish—for your lot must grow ever worse and harder. Only thus—
“Only thus does humanity grow to the height where lightning strikes and shatters it: high enough for lightning!
“Toward few things, lasting things, distant things go my mind and longing: what does your small, many, brief misery matter to me!
“You do not suffer enough yet! For you suffer from yourselves; you have not yet suffered from humanity. You would lie if you said otherwise! None of you suffers from what I suffered.— —
7 “It is not enough for me that lightning no longer harms. I do not want to divert it: it must learn to work for me.—
“My wisdom has long gathered like a cloud, growing stiller and darker. So does every wisdom that one day must give birth to lightning.—
“To today’s human beings I do not want to be light or be called light. Them I want to blind. Lightning of my wisdom! Put out their eyes!
8 “Will nothing beyond your capacity: there is a dangerous falsehood in those who will beyond their capacity.
“Especially when they will great things! For these subtle counterfeiters and actors awaken mistrust of greatness—
“Until at last they are false before themselves, squint-eyed, whitewashed worm-eaten wood, cloaked in strong words, display virtues, brilliant false works.
“Take good care here, higher human beings! For today nothing seems more precious and rare to me than honesty.
“Does this today not belong to the rabble? But the rabble does not know great or small, straight or honest: it is innocently crooked, always lying.
9 “Have good mistrust today, higher human beings, brave-hearted, openhearted ones! Keep your reasons secret! For this today belongs to the rabble.
“What the rabble did not learn to believe without reasons—who could overthrow that with reasons?
“And in the marketplace gestures persuade. But reasons make the rabble mistrustful.
“And if truth once conquered there, ask yourselves with good mistrust, ‘What strong error fought for it?’
“Beware of scholars too! They hate you, for they are barren! Their eyes are cold and dried up; before them every bird lies unfeathered.
“They boast of not lying: but inability to lie is far from love of truth. Beware!
“Freedom from fever is far from knowledge! I do not believe chilled spirits. Whoever cannot lie does not know what truth is.
10 “If you would rise high, use your own legs! Do not let yourselves be carried upward; do not sit upon others’ backs and heads!
“But you mounted a horse? You now ride swiftly toward your goal? Well, my friend! Your lame foot rides with you too!
“When you reach your goal and leap from your horse, precisely upon your height, higher human being, you will stumble!
11 “You creators, higher human beings! One is pregnant only with one’s own child.
“Let no one talk you into anything! Who is your neighbor? Even if you act ‘for your neighbor,’ you do not create for him!
“Unlearn this ‘for,’ creators: your very virtue wants you to do nothing with ‘for’ and ‘in order to’ and ‘because.’ Seal your ears against these false little words.
“‘For the neighbor’ is only small people’s virtue: there it means ‘like with like’ and ‘one hand washes the other’—they have neither right nor strength for your self-interest!
“In your self-interest, creators, lies the pregnant woman’s caution and providence! Your whole love protects and spares and nourishes the fruit no eye has yet seen.
“Where your whole love is, with your child, there too is your whole virtue! Your work, your will, is your ‘neighbor’: do not let false values be talked into you!
12 “You creators, higher human beings! Whoever must give birth is sick; whoever has given birth is unclean.
“Ask women: one does not give birth because it is pleasant. Pain makes hens and poets cackle.
“Creators, much in you is unclean. That is because you had to be mothers.
“A new child: oh, how much new dirt also entered the world! Step aside! Whoever has given birth should wash their soul clean!
13 “Do not be virtuous beyond your strength! Will nothing from yourselves against probability!
“Follow the footprints where your fathers’ virtue walked! How could you climb high unless your fathers’ will climbs with you?
“But whoever wants to be firstborn should see that he does not also become lastborn! Where your fathers’ vices are, do not try to signify saints!
“Someone whose fathers loved women and strong wines and wild boars: what would it mean for him to demand chastity of himself?
“It would be folly! Truly, I think it much for such a man to be the husband of one or two or three women.
“And if he founded monasteries, writing above the door ‘The way to sainthood,’ I would still say, Why? It is a new folly!
“He founded a prison and refuge for himself: may it agree with him! But I do not believe in it.
“In solitude grows whatever one brings there, including the inner beast. Thus solitude is inadvisable for many.
“Has anything dirtier existed upon earth than desert saints? Around them not only the devil ran loose, but the swine too.
14 “Shy, ashamed, awkward, like a tiger whose leap failed: thus, higher human beings, I often saw you creep aside. A throw went wrong for you.
“But dice players, what does it matter! You did not learn to play and mock as one must! Do we not always sit at a great table of mockery and play?
“And if a great thing failed for you, are you yourselves failures because of it? If you yourselves failed, did humanity fail? But if humanity failed—come! Up!
15 “The higher the kind, the more rarely a thing succeeds. You higher human beings here, are you not all failures?
“Be of good courage: what does it matter! How much is still possible! Learn to laugh at yourselves as one must laugh!
“No wonder you failed and half succeeded, half-broken ones! Does humanity’s future not press and push within you?
“Humanity’s farthest, deepest, star-highest, its monstrous strength: does all that not foam against itself in your pot?
“No wonder many a pot breaks! Learn to laugh at yourselves as one must laugh! Higher human beings, oh, how much is still possible!
“And truly, how much has already succeeded! How rich this earth is in little good, perfect things, in successful things!
“Set little good, perfect things around you, higher human beings! Their golden ripeness heals the heart. Perfection teaches hope.
16 “What has been the greatest sin upon earth until now? Was it not the word of the one who said, ‘Woe to those who laugh here!’?
“Did he find no reasons to laugh upon earth itself? Then he searched badly. Even a child finds reasons here.
“He did not love enough: otherwise he would have loved us laughing ones too! But he hated and mocked us, promising weeping and gnashing of teeth.
“Must one immediately curse where one does not love? That seems bad taste to me. But he did so, this absolutist. He came from the rabble.
“And he himself simply did not love enough: otherwise he would have been less angry at not being loved. All great love does not want love—it wants more.
“Avoid all such absolutists! They are a poor, sick kind, a rabble kind: they look evilly upon this life; they have the evil eye for this earth.
“Avoid all such absolutists! They have heavy feet and sultry hearts: they cannot dance. How could earth be light for them!
17 “All good things approach their goal crookedly. Like cats they arch their backs, purring inwardly at their near happiness—all good things laugh.
“A person’s step betrays whether they already follow their own course: so watch me walk! But whoever nears a goal dances.
“And truly, I have not become a statue; I do not yet stand rigid, dull, stony, a pillar: I love swift running.
“Even if earth has mire and thick melancholy, whoever has light feet runs even over mud, dancing as upon swept ice.
“Lift your hearts, my brothers, high! Higher! And do not forget your legs! Lift your legs too, good dancers; better still, stand upon your heads!
18 “This laughing one’s crown, this rose-wreath crown: I myself set it upon me; I myself declared my laughter holy. I found no one else strong enough today.
“Zarathustra the dancer, Zarathustra the light one, beckoning with wings, ready to fly, beckoning to all birds, ready and prepared, a blessed lighthearted one—
“Zarathustra the soothsayer, Zarathustra the truth-laugher, neither impatient nor absolute, a lover of leaps and sideways leaps: I myself set this crown upon me!
19 “Lift your hearts, my brothers, high! Higher! And do not forget your legs! Lift your legs too, good dancers; better still, stand upon your heads!
“Even in happiness there are heavy beasts, clumsy-footed from the beginning. Strangely they struggle, like an elephant trying to stand upon its head.
“But better foolish with happiness than foolish with unhappiness; better dancing clumsily than walking lame. Learn my wisdom: even the worst thing has two good reverse sides—
“Even the worst thing has good dancing legs: learn to set yourselves upon your proper legs, higher human beings!
“Unlearn blowing melancholy bubbles and all rabble sadness! Oh, how sad even the rabble’s clowns seem to me today! But this today belongs to the rabble.
20 “Be like the wind when it rushes from mountain caves: it wants to dance to its own piping; seas tremble and leap beneath its footsteps.
“The one giving donkeys wings, milking lionesses—praised be this good, unbridled spirit, coming like a storm wind to all today and all rabble—
“Hostile to thistle heads and nitpickers and every withered leaf and weed: praised be this wild, good, free storm spirit, dancing upon swamps and melancholy as upon meadows!
“Hating the rabble’s consumptive hounds and every ill-made, gloomy brood: praised be this spirit of all free spirits, the laughing storm blowing dust into the eyes of all black-seers and grumblers!
“Higher human beings, your worst is this: none of you learned to dance as one must dance—beyond yourselves! What does it matter that you failed!
“How much is still possible! Learn to laugh beyond yourselves! Lift your hearts, good dancers, high! Higher! And do not forget good laughter!
“This laughing one’s crown, this rose-wreath crown: to you, my brothers, I throw it! I declared laughter holy; higher human beings, learn to laugh!”
The Song of Melancholy
1 As Zarathustra gave these speeches, he stood near his cave’s entrance; with the final words he slipped away from his guests and fled briefly into the open.
“Oh, pure scents around me!” he cried. “Blessed stillness around me! But where are my animals? Come, come, my eagle and serpent!
“Tell me, my animals: perhaps all these higher human beings do not smell good? Oh, pure scents around me! Only now do I know and feel how I love you, my animals.”
And Zarathustra said again, “I love you, my animals!” Hearing this, eagle and serpent pressed against him and looked up. Thus the three stood quietly together, sniffing and sipping the good air. For the air outside was better than among the higher human beings.
2 But scarcely had Zarathustra left his cave when the old magician rose, looked cunningly around, and said, “He has gone out!
“And already, higher human beings—let me tickle you with this flattering name of praise, as he does—already my evil spirit of deception and enchantment assails me, my melancholy devil—
“The one opposed to this Zarathustra to the core: forgive him! Now he wants to enchant you; it is precisely his hour. In vain I struggle with this evil spirit.
“To all of you, whatever honors you give yourselves in words, whether calling yourselves ‘free spirits,’ ‘truthful ones,’ ‘penitents of the spirit,’ ‘unfettered ones,’ or ‘those of great longing’—
“To all of you suffering like me from the great disgust, for whom the old God died and no new God yet lies in cradle and swaddling clothes, my evil spirit and sorcerer-devil is well disposed.
“I know you, higher human beings; I know him—I also know this monster I love against my will, this Zarathustra: he himself often seems like a beautiful saint’s mask—
“Like a strange new masquerade in which my evil spirit, the melancholy devil, delights. Often, I think, I love Zarathustra for my evil spirit’s sake.—
“But already he assails and compels me, this spirit of melancholy, this twilight devil: truly, higher human beings, he desires—
“Open your eyes! He desires to come naked, whether male or female I do not yet know: but he comes, he compels me, alas! Open your senses!
“Day fades; evening comes to all things, even the best. Hear and see now, higher human beings, what devil, man or woman, this spirit of evening melancholy is!”
Thus spoke the old magician, looked cunningly around, and reached for his harp.
3 “In air grown cool,When already dew’s comfortPours down to earth,Unseen, unheard—For delicate shoes are wornBy Dew the comforter, like all gentle comforters—Do you remember, hot heart, rememberHow once you thirsted,For heavenly tears and dripping dew,Scorched and weary, thirsted,While on yellow grass pathsMalicious evening sun-glancesRan around you through black trees,Blinding sun-fire glances, gloating.
“‘Suitor of truth? You?’ they mocked.‘No! Only a poet!An animal, cunning, predatory, creeping,That must lie,
“‘That knowingly, willingly must lie:Lusting for prey,Brightly masked,A mask to itself,Prey to itself—That—truth’s suitor?No! Only fool! Only poet!Speaking only bright things,Crying brightly from fools’ masks,Climbing about upon lying word-bridges,Upon bright rainbows,Between false heavensAnd false earths,Roaming, hovering—Only fool! Only poet!
“‘That—truth’s suitor?Not still, rigid, smooth, cold,Become an image,A God’s pillar,Not set before temples,A God’s doorkeeper:No! Hostile to such statues of truth,More at home in every wilderness than before temples,Full of feline playfulness,Leaping through every window,Away! Into every chance,Sniffing toward every primeval forest,Craving, longing, sniffing,That in primeval forestsAmong brightly spotted predators
“‘You might run sinfully healthy, bright and beautiful,With lustful lips,Blessedly mocking, blessedly hellish, blessedly bloodthirsty,Robbing, creeping, lying as you ran—
“‘Or like the eagle that long,Long stares fixedly into abysses,Into its own abysses— —Oh, how they coil downward here,Downward, inward,Into ever deeper depths!—Then,Suddenly, straight down,In darting flight,Swooping upon lambs,Headlong down, ravenous,Lusting for lambs,Resenting every lamb-soul,Fiercely resenting everything that looksSheeplike, lamb-eyed, curly-wooled,Gray, with lamb-sheep goodwill!
“‘Thus,Eaglelike, pantherlike,Are the poet’s longings,Are your longings beneath a thousand masks,You fool! You poet!
“‘You who saw humanityAs both God and sheep—To tear apart the God in humanity
“‘As well as the sheep in humanity,And laugh while tearing—
“‘That, that is your blessedness!A panther’s and eagle’s blessedness!A poet’s and fool’s blessedness!’— —
“In air grown clear,When already the moon’s sickleCreeps green among purple reds,Enviously, secretly—Hostile to day,With every step stealthilySickling at rose hammocksUntil they sink,Pale downward into night—
“So once I sank myselfFrom my madness for truth,From my daylight longings,Weary of day, sick of light,Downward, eveningward, shadowward:By one truthBurned and thirsty—Do you remember, hot heart, rememberHow then you thirsted?—That I be banishedFrom all truth!Only fool! Only poet!”
On Science
Thus the magician sang; and all those gathered slipped like birds, unawares, into the net of his cunning, melancholy sensuality. Only the conscientious in spirit was not caught: he quickly took the magician’s harp and cried, “Air! Let good air in! Let Zarathustra in! You make this cave sultry and poisonous, evil old magician!
“You seduce us, false, subtle one, toward unknown desires and wildernesses. Woe when people like you make speech and spectacle of truth!
“Woe to all free spirits unguarded against such magicians! Their freedom is gone: you teach and lure them back into prisons—
“Old melancholy devil, a decoy pipe sounds from your lament; you resemble those who secretly invite sensual pleasures by praising chastity!”
Thus spoke the conscientious one; but the old magician looked around, enjoyed his victory, and swallowed the displeasure the conscientious one caused him. “Be silent!” he said modestly. “Good songs want good echoes; after good songs one should remain silent long.
“So all these higher human beings do. But perhaps you understood little of my song? There is little of an enchanting spirit in you.”
“You praise me,” the conscientious one replied, “by separating me from you: good! But the rest of you, what do I see? You all still sit with lustful eyes—
“Free souls, where has your freedom gone? You almost seem like people who have watched evil, naked dancing girls too long: your souls themselves dance!
“Higher human beings, there must be more within you of what the magician calls his evil spirit of enchantment and deception: we must be different.
“Truly, before Zarathustra returned, we spoke and thought together enough for me to know: we are different.
“Even up here we seek different things, you and I. I seek more security: that is why I came to Zarathustra. For he is still the firmest tower and will—
“Today, when everything totters and all earth trembles. But seeing your eyes, you almost seem to seek more uncertainty—
“More shuddering, danger, earthquakes. It seems you desire—forgive my presumption, higher human beings—
“The worst, most dangerous life, which frightens me most: the life of wild beasts, forests, caves, steep mountains, bewildering chasms.
“And you like best not those who guide you out of danger, but those who lead you off every path, the seducers. Yet if such desire in you is real, it still seems impossible to me.
“For fear is humanity’s inherited, fundamental feeling; everything is explained by fear, inherited sin and inherited virtue. From fear grew my virtue too, called science.
“Fear of wild beasts has been bred into humanity longest, including fear of the animal hidden within itself: Zarathustra calls it ‘the inner beast.’
“Such long, ancient fear, at last refined, made spiritual and intellectual, is now, I think, called science.”—
Thus spoke the conscientious one. But Zarathustra, returning to his cave and having heard and divined the final speech, threw a handful of roses at him and laughed at his “truths.” “What!” he cried. “What did I hear? Truly, either you are a fool or I am: and I turn your ‘truth’ head over heels at once.
“For fear is our exception. Courage, adventure, delight in uncertainty and the unattempted—courage seems to me humanity’s entire prehistory.
“From the wildest, most courageous animals it envied and stole all their virtues: only thus did it become human.
“This courage, at last refined, made spiritual and intellectual, this human courage with eagle wings and serpent cleverness—that, I think, is now called—”
“Zarathustra!” everyone seated cried as with one mouth, breaking into great laughter; a heavy cloud seemed to rise from them. The magician laughed too, and said shrewdly, “Well! My evil spirit is gone!
“And did I not warn you myself, saying he was a deceiver, a lying, cheating spirit?
“Especially when showing himself naked. But how can I help his tricks? Did I create him and the world?
“Well! Let us be good and cheerful again! Though Zarathustra looks angry—look, he resents me—
“Before night he will learn to love and praise me again: he cannot live long without such follies.
“He loves his enemies: of everyone I have seen, he understands this art best. But for it he takes revenge upon his friends!”
Thus spoke the old magician, and the higher human beings applauded. Zarathustra went around, shaking his friends’ hands with love and malice, like someone with something to make good and beg forgiveness for from everyone. But reaching his cave’s door, he already longed again for the good air outside and his animals, and wanted to slip away.
Among Daughters of the Desert
1 “Do not go away!” said the wanderer who called himself Zarathustra’s shadow. “Stay with us, or the old dull melancholy may assail us again.
“Already that old magician performed his worst for us: look, the good, pious pope has tears in his eyes and has embarked once more upon the sea of melancholy.
“These kings may still put on brave faces before us: of all of us, they learned that best today! But without witnesses, I wager, the evil game would begin again for them too—
“The evil game of passing clouds, damp melancholy, veiled skies, stolen suns, howling autumn winds!
“The evil game of our howling and cries of distress: stay with us, Zarathustra! Much hidden misery here wants to speak, much evening, much cloud, much musty air!
“You fed us strong manly food and powerful sayings: do not let soft, womanish spirits assail us again for dessert!
“You alone make the air around you strong and clear! Did I ever find such good air upon earth as in your cave?
“Yet I saw many lands; my nose learned to examine and assess many kinds of air: but with you my nostrils taste their greatest delight!
“Unless—unless—forgive an old memory! Forgive an old dessert song I once composed among daughters of the desert—
“For among them there was equally good, bright eastern air; there I was farthest from cloudy, damp, melancholy old Europe!
“Then I loved such eastern girls and other blue kingdoms of heaven, with neither clouds nor thoughts hanging above.
“You would not believe how prettily they sat when not dancing, deep but without thoughts, like little secrets, like ribboned riddles, like dessert nuts—
“Bright and foreign, truly, but without clouds: riddles one can solve. For love of such girls I devised a dessert psalm.”
Thus spoke the wanderer and shadow; before anyone answered, he had seized the old magician’s harp, crossed his legs, and looked calmly and wisely around, slowly and questioningly drawing air through his nostrils like someone tasting new, foreign air in new lands. Then with a kind of roar he began to sing.
2 “The desert grows: woe to the one who shelters deserts!
“Ha! Solemn!Solemn indeed!A worthy beginning!Africanly solemn!Worthy of a lion,Or of a moral howler monkey—But nothing for you,Dearest women friends,At whose feet,For the first time,I, a European, maySit beneath palms. Selah.
“Wonderful indeed!Here I sit now,Near the desert, alreadySo far again from the desert,And in no way yet laid waste:Swallowed, that is,By this smallest oasis—It had just yawned openIts lovely mouth,
“The sweetest-smelling little mouth:There I fell inside,Downward, through—among you,Dearest women friends! Selah.
“Hail, hail to that whale,If it made its guestSo comfortable! You understandMy learned allusion?—Hail to its belly,If it tooWas so lovely an oasis bellyAs this: though I doubt it,For I come from Europe,More addicted to doubt than allElderly married women.May God improve it!Amen!
“Here I sit now,In this smallest oasis,Like a date,Brown, sweet through and through, golden-sore, lustingFor a round girl’s mouth,But more still for girlish,Ice-cold, snow-white, sharpBiting teeth: for theseThe hearts of all hot dates yearn. Selah.
“Like those southern fruits,Like, all too like,
“I lie here, by littleWinged beetlesDanced around and played around,Likewise by still smaller,More foolish, more maliciousWishes and fancies—Surrounded by you,Silent, foreknowingGirl-cats,Dudu and Suleika,Sphinxed around, to stuffMany feelings into one word:(May God forgiveThis sin of language!)Here I sit, sniffing the finest air,Paradisal air indeed,Bright, light air, gold-striped,As good as any airEver fallen from the moon—By accident,Or did it happen from high spirits?As ancient poets tell.But I, doubter, put itIn doubt, for I comeFrom Europe,More addicted to doubt than allElderly married women.May God improve it!Amen!
“Drinking this loveliest air,
“With nostrils swollen like cups,Without future, without memories,Thus I sit here, youDearest women friends,Watching the palmBend and nestle like a dancer,Swaying at the hip—One joins in after watching long!—Like a dancer who, it seems to me,Has stood too long, dangerously long,Always, always upon one leg?And so forgot, it seems to me,The other leg?At least in vainI sought the missingTwin jewel—The other leg—In the sacred nearnessOf her dearest, daintiestFanning, fluttering, glittering skirt.Yes, beautiful friends,If you believe me entirely:She has lost it!It is gone!Gone forever!The other leg!Oh, what a pity for that lovely other leg!Where might it linger, abandoned and grieving,That lonely leg?Perhaps in fear of aFierce yellow, blond-curled
“Lion-monster? Or alreadyGnawed away, nibbled away—Pitiful, alas! Alas! Nibbled away! Selah.
“Oh, do not weep,Soft hearts!Do not weep, youDate-hearts! Milk-breasts!You little licorice-heartPouches!Weep no more,Pale Dudu!Be a man, Suleika! Courage! Courage!Or should perhapsSomething strengthening, heart-strengthening,Be fitting here?An anointed saying?A solemn encouragement?—
“Ha! Rise, dignity!Virtue’s dignity! European dignity!Blow, blow again,Bellows of virtue!Ha!Roar once more,Roar morally!As a moral lion,Roar before the daughters of the desert!For howling virtue,Dearest girls,Is above all
“European ardor, European ravenous hunger!And already I stand hereAs a European:I can do no other, God help me!Amen!
“The desert grows: woe to the one who shelters deserts!”
The Awakening
1 After the wanderer and shadow’s song, the cave suddenly filled with noise and laughter. Since all the guests spoke at once, and the donkey, encouraged by this, no longer stayed silent, Zarathustra felt a little distaste and mockery toward his visitors, though he rejoiced in their cheerfulness: it seemed a sign of recovery. So he slipped outside and spoke to his animals.
“Where has their distress gone now?” he said, already breathing freely after his little weariness. “With me they seem to have unlearned cries of distress—
“Though unfortunately not yet shouting.” Zarathustra covered his ears, for the donkey’s hee-haw was mingling strangely with these higher human beings’ jubilant noise.
“They are merry,” he began again, “and who knows? Perhaps at their host’s expense. If they learned laughter from me, it was not my laughter they learned.
“But what does it matter! They are old people: they recover in their fashion, laugh in their fashion. My ears have endured worse and did not grow ill-tempered.
“This day is a victory: already he yields and flees, the spirit of gravity, my old archenemy! How well this day means to end, that began so badly and heavily!
“And end it will. Evening already comes, riding across the sea, the good rider! How the blessed homecomer rocks in his purple saddles!
“The sky looks clear, the world lies deep: strange ones who came to me, living with me is worthwhile!”
Thus spoke Zarathustra. Again the higher human beings’ shouting and laughter came from the cave; he began anew.
“They bite; my bait works; their enemy, the spirit of gravity, yields for them too. Already they learn to laugh at themselves: do I hear rightly?
“My manly food works, my juicy, strengthening sayings; truly, I fed them no bloating vegetables! Rather, warriors’ food, conquerors’ food: I awakened new desires.
“New hopes live in their arms and legs; their hearts stretch out. They find new words; soon their spirit will breathe high spirits.
“Such food may not suit children, or longing women old and young. Their entrails require other persuasion; I am not their physician and teacher.
“Disgust leaves these higher human beings: well! That is my victory. In my kingdom they become secure; all stupid shame runs away; they pour themselves out.
“They pour out their hearts; good hours return; they celebrate and chew the cud—they become grateful.
“That I take as the best sign: they become grateful. Before long they will invent festivals and erect monuments to their old joys.
“They are convalescents!” Thus Zarathustra spoke joyfully to his heart, looking outward; his animals pressed against him, honoring his happiness and silence.
2 Suddenly Zarathustra’s ear was startled: the cave, until now full of noise and laughter, became deathly still. But his nose smelled fragrant smoke and incense, as from burning pinecones.
“What is happening? What are they doing?” he asked himself, creeping toward the entrance to watch his guests unnoticed. But wonder upon wonder! What did his own eyes have to see!
“They have all become pious again; they pray; they are mad!” he said in boundless astonishment. Truly, all these higher human beings—the two kings, the pope out of service, the evil magician, the voluntary beggar, the wanderer and shadow, the old soothsayer, the conscientious in spirit, and the ugliest human being—knelt like children and faithful old women, worshiping the donkey. Just then the ugliest human being began gurgling and snorting as though something unspeakable wanted to emerge; when he actually reached words, there came a pious, strange litany praising the worshiped, incense-offered donkey. The litany sounded thus:
“Amen! Praise and honor and wisdom and thanks and glory and strength be to our God, from eternity to eternity!”
And the donkey cried, “Hee-haw.”
“He carries our burden; he took a servant’s shape; he is patient of heart and never says No; whoever loves his God chastises him.”
And the donkey cried, “Hee-haw.”
“He does not speak, except always to say Yes to the world he created: thus he praises his world. It is his cunning that does not speak: so he is seldom found wrong.”
And the donkey cried, “Hee-haw.” “Unremarkable he walks through the world. Gray is the bodily color in which he wraps his virtue. If he has spirit, he hides it; but everyone believes in his long ears.”
And the donkey cried, “Hee-haw.”
“What hidden wisdom this is: he bears long ears and says only Yes, never No! Did he not create the world in his image—as stupid as possible?”
And the donkey cried, “Hee-haw.”
“You follow straight and crooked paths; little you care what seems straight or crooked to us human beings. Beyond good and evil is your kingdom. Your innocence is not knowing what innocence is.”
And the donkey cried, “Hee-haw.”
“Look how you repel no one, neither beggars nor kings. You let the little children come to you, and when naughty boys entice you, you simply say Hee-haw.”
And the donkey cried, “Hee-haw.”
“You love she-donkeys and fresh figs; you are no despiser of food. A thistle tickles your heart when you are hungry. Therein lies a God’s wisdom.”
And the donkey cried, “Hee-haw.”
The Donkey Festival
1 At this point in the litany Zarathustra could master himself no longer: he cried “Hee-haw” louder than the donkey and sprang among his maddened guests. “What are you doing, children of humanity?” he cried, pulling the worshipers from the ground. “Woe if anyone but Zarathustra saw you!
“Everyone would judge that with your new faith you were the worst blasphemers or the most foolish of old women!
“And you yourself, old pope, how does it agree with you to worship a donkey here as God?”—
“Zarathustra,” the pope answered, “forgive me, but in God’s affairs I am more enlightened even than you. Rightly so.
“Better to worship God thus, in this shape, than in no shape at all! Ponder this saying, high friend: you quickly divine that wisdom lies within it.
“The one who said ‘God is a spirit’ made the greatest stride and leap toward unbelief upon earth: such a word is not easily made good again!
“My old heart leaps and bounds because something still exists upon earth to worship. Forgive an old, pious pope’s heart for that, Zarathustra!”—
“And you,” Zarathustra said to the wanderer and shadow, “you call and think yourself a free spirit? Yet practice such idolatry and priestly service here?
“Truly, you behave worse here than among your evil brown girls, evil new believer!”
“Badly enough,” the wanderer and shadow answered. “You are right: but how can I help it? The old God lives again, Zarathustra, whatever you may say.
“The ugliest human being is to blame for everything: he resurrected him. And if he says he once killed him, death among gods is always only a prejudice.”
“And you,” Zarathustra said, “evil old magician, what have you done! In this free age, who will believe in you henceforth if you believe in such divine donkey business?
“What you did was stupidity: how could a clever man commit such stupidity!”
“Zarathustra,” the clever magician answered, “you are right; it was stupidity—and it cost me enough difficulty.”
“And you too,” Zarathustra said to the conscientious in spirit, “consider, lay your finger upon your nose! Does nothing here offend your conscience? Is your spirit not too clean for this praying and the fumes of these praying brothers?”
“There is something,” the conscientious one answered, laying his finger upon his nose, “something in this spectacle that even pleases my conscience.
“Perhaps I may not believe in God: but certainly in this shape God seems most believable to me.
“God is supposed to be eternal, according to the testimony of the most pious: whoever has so much time takes time. As slowly and stupidly as possible—with that such a one can go very far.
“And whoever has too much spirit might fall in love with stupidity and folly themselves. Reflect upon yourself, Zarathustra!
“You yourself—truly! Even you could become a donkey from abundance and wisdom.
“Does a perfect sage not gladly follow the crookedest paths? The evidence teaches it, Zarathustra—your evidence!”
“And you yourself, finally,” Zarathustra said, turning to the ugliest human being, still upon the ground with arm raised toward the donkey—for he was giving it wine. “Speak, unspeakable one: what have you done!
“You seem transformed; your eye glows; sublimity’s cloak lies around your ugliness: what did you do?
“Is what they say true, that you resurrected him? Why? Was he not killed and done away with for good reason?
“You yourself seem awakened: what did you do? What did you overturn? Why did you convert? Speak, unspeakable one!”
“Zarathustra,” the ugliest human being answered, “you are a rogue!
“Whether he still lives, lives again, or is thoroughly dead—which of us knows best? I ask you.
“But one thing I know, which I once learned from you: whoever would kill most thoroughly laughs.
“‘One kills not with anger, but with laughter,’ you once said. Zarathustra, hidden one, destroyer without anger, dangerous saint—you are a rogue!”
2 Then Zarathustra, astonished at all these roguish answers, sprang back to his cave’s door and, turning toward all his guests, cried strongly:
“Oh, all you mischievous fools, jesters! Why disguise and hide yourselves from me!
“How each heart wriggled with pleasure and malice because at last you became like little children again—pious—
“Because at last you did as children do: prayed, folded hands, and said ‘dear God’!
“But now leave this nursery, my own cave, where all childishness is at home today. Cool your hot childish spirits and noisy hearts outside!
“Certainly, unless you become like little children, you will not enter that kingdom of heaven.” Zarathustra pointed upward.
“Yet we do not want to enter the kingdom of heaven: we have become men—so we want the kingdom of earth.”
3 Again Zarathustra began to speak. “My new friends,” he said, “strange ones, higher human beings, how well I like you now—
“Since you grew joyful again! Truly, you have all blossomed: flowers like you seem to need new festivals—
“A little brave nonsense, some divine service and donkey festival, some old, cheerful Zarathustra-fool, a roaring wind blowing your souls bright.
“Do not forget this night and donkey festival, higher human beings! That you invented with me; I take it as a good sign—only convalescents invent such things!
“And if you celebrate it again, this donkey festival, do it for love of yourselves, and for love of me! And in my memory!”
Thus spoke Zarathustra.
The Night Wanderer’s Song
1 Meanwhile one after another had stepped outside into the cool, thoughtful night. Zarathustra himself led the ugliest human being by the hand to show him his night-world, the great round moon, and silver waterfalls beside his cave. At last they stood still together, old people all, but with comforted, courageous hearts, wondering how well they felt upon earth; the night’s intimacy drew ever nearer their hearts. Again Zarathustra thought, “How well I like these higher human beings now!” But he said nothing, honoring their happiness and silence.—
Then came the most astonishing event of that astonishing long day: the ugliest human being began once more and for the last time to gurgle and snort; when he reached words, a question sprang round and clean from his mouth, a good, deep, clear question that moved every listener’s heart.
“All my friends,” the ugliest human being said, “what do you think? For this day’s sake, for the first time I am content to have lived my whole life.
“Yet even testifying so much is not enough. Life upon earth is worthwhile: one day, one festival with Zarathustra taught me to love the earth.
“‘Was that life?’ I want to say to death. ‘Well then! Once more!’
“My friends, what do you think? Will you not speak to death as I do: was that life? For Zarathustra’s sake, well then! Once more!”— —
Thus spoke the ugliest human being; it was not long before midnight. What do you think happened then? Hearing his question, the higher human beings suddenly became aware of their transformation and recovery, and who had given it to them. They sprang toward Zarathustra, thanking, revering, caressing, kissing his hands, each according to their nature: some laughed, some wept. The old soothsayer danced with pleasure; even if, as some narrators think, he was full of sweet wine, he was certainly fuller still of sweet life and had renounced all weariness. Some even say the donkey danced then: for the ugliest human being had given it wine not for nothing. This may be so or otherwise; even if the donkey did not truly dance that evening, greater and stranger wonders happened than a donkey’s dance. In short, as Zarathustra’s proverb says, “What does it matter!”
2 But as this happened with the ugliest human being, Zarathustra stood like a drunkard: his gaze dimmed, his tongue stammered, his feet swayed. Who could divine the thoughts passing over his soul? Plainly his spirit withdrew and fled ahead into far distances, as though “upon a high ridge, as it is written, between two seas—
“Between past and future, walking like a heavy cloud.” Gradually, while the higher human beings held him in their arms, he returned a little to himself, holding back the crowd of reverent, anxious ones with his hands, yet saying nothing. Suddenly he turned his head quickly, seeming to hear something: he put his finger to his mouth and said, “Come!”
At once everything grew still and intimate; slowly a bell’s sound rose from the depths. Zarathustra listened, as did the higher human beings; then a second time he put his finger to his mouth and said, “Come! Come! Midnight approaches!” His voice had changed. Yet he still did not move: it grew stiller and more intimate, and everything listened, even the donkey, Zarathustra’s honored animals, eagle and serpent, his cave, the great cool moon, and night itself. A third time Zarathustra raised his hand to his mouth and spoke:
“Come! Come! Come! Let us walk now! It is the hour: let us walk into the night!”
3 “Higher human beings, midnight approaches: I will whisper something into your ears, as that old bell whispers into mine—
“As secretly, terribly, heartily as that midnight bell speaks to me, having experienced more than one human being—
“Having already counted your fathers’ heartbeats of pain—ah! Ah! How it sighs! How it laughs in its dream, the old deep, deep midnight!
“Still! Still! Much can be heard that must not find a voice by day; but now, in cool air, when even your hearts’ noise has fallen silent—
“Now it speaks, now it can be heard, now it steals into night-wakeful souls: ah! Ah! How it sighs! How it laughs in its dream!
“Do you not hear how secretly, terribly, heartily it speaks to you, the old deep, deep midnight? Human being, attend!
4 “Woe to me! Where has time gone? Did I not sink into deep wells? The world sleeps—
“Ah! Ah! The dog howls, the moon shines. I would sooner die, die, than tell you what my midnight heart now thinks.
“Already I have died. It is gone. Spider, what are you spinning around me? Do you want blood? Ah! Ah! Dew falls, the hour comes—
“The hour when I shiver and freeze, the hour that asks and asks and asks, ‘Who has heart enough for this—
“‘Who shall be earth’s master? Who will say: thus shall you run, great and small streams!’
“The hour approaches: human being, higher human being, attend! This speech is for subtle ears, your ears—what does deep midnight say?
5 “It carries me away; my soul dances. Day’s work! Day’s work! Who shall be earth’s master?
“The moon is cool, the wind silent. Ah! Ah! Have you flown high enough? You danced: but a leg is no wing.
“Good dancers, now all joy is past: wine became lees, every cup brittle, graves stammer.
“You did not fly high enough: now the graves stammer, ‘Redeem the dead! Why is night so long? Does the moon not intoxicate us?’
“Higher human beings, redeem the graves; wake the corpses! Ah, what does the worm still dig? The hour approaches, approaches—
“The bell booms, the heart still rasps, the woodworm, heartworm still digs. Ah! Ah! The world is deep!
6 “Sweet lyre! Sweet lyre! I love your sound, your drunken toad-song! How long ago, how far away it comes from, far from love’s ponds!
“Old bell, sweet lyre! Every pain tore your heart, father-pain, fathers’ pain, forefathers’ pain; your speech grew ripe—
“Ripe as golden autumn and afternoon, as my hermit heart. Now you speak: the world itself grew ripe, the grape browns—
“Now it wants to die, die of happiness. Higher human beings, do you not smell it? A scent secretly wells upward—
“A fragrance and scent of eternity, a rose-blessed, brown-gold wine scent of old happiness—
“Of drunken midnight dying-happiness, singing: the world is deep and deeper than day has thought!
7 “Leave me! Leave me! I am too pure for you. Do not touch me! Has my world not just become perfect?
“My skin is too pure for your hands. Leave me, stupid, clumsy, dull day! Is midnight not brighter?
“The purest shall be earth’s masters, the least known, strongest, midnight souls brighter and deeper than any day.
“Day, you grope for me? You feel for my happiness? To you I am rich, solitary, a treasure mine, a chamber of gold?
“World, you want me? Am I worldly to you? Spiritual? Divine? But day and world, you are too clumsy—
“Have cleverer hands, reach for deeper happiness and deeper unhappiness, reach for some God, do not reach for me—
“My unhappiness, my happiness is deep, strange day; yet I am no God, no God’s hell: deep is its woe.
8 “God’s woe is deeper, strange world! Reach for God’s woe, not me! What am I? A drunken, sweet lyre—
“A midnight lyre, a bell-toad no one understands, yet which must speak before the deaf, higher human beings! For you do not understand me!
“Gone! Gone! Oh, youth! Noon! Afternoon! Now came evening and night and midnight—the dog howls, the wind—
“Is the wind not a dog? It whines, yaps, howls. Ah! Ah! How it sighs! How it laughs, rattles, pants, midnight!
“How soberly this drunken poet speaks now! Has she drunk beyond her drunkenness? Grown over-wakeful? Is she chewing the cud?
“She chews her woe in dreams, old deep midnight, and still more her joy. For though woe is deep, joy is deeper still than heartache.
9 “Vine! Why praise me? I cut you! I am cruel; you bleed—what does your praise want from my drunken cruelty?
“‘Everything perfected, everything ripe wants to die!’ you say. ‘Blessed, blessed be the vintner’s knife! But everything unripe wants life: woe!’
“Woe says, ‘Pass away! Away, you woe!’ But everything suffering wants life, to become ripe and joyful and longing—
“Longing for farther, higher, brighter things. ‘I want heirs,’ says everything suffering. ‘I want children, not myself’—
“But joy wants neither heirs nor children: joy wants itself, wants eternity, recurrence, everything eternally the same.
“Woe says, ‘Break, bleed, heart! Walk, leg! Fly, wing! Upward! Higher! Pain!’ Come! Up! My old heart: woe says, ‘Pass away!’
10 “Higher human beings, what do you think? Am I a soothsayer? A dreamer? Drunkard? Dream interpreter? A midnight bell?
“A dewdrop? A vapor and fragrance of eternity? Do you not hear? Do you not smell? My world just became perfect; midnight is also noon—
“Pain is also joy, curse also blessing, night also sun—go away, or learn that a sage is also a fool.
“Did you ever say Yes to one joy? My friends, then you said Yes to all woe as well. All things are chained, threaded, in love—
“If ever you wanted one time twice, ever said, ‘You please me, happiness! How fleeting! A moment!’ then you wanted everything back!
“Everything anew, everything eternal, everything chained, threaded, in love: oh, thus you loved the world—
“Eternal ones, love it eternally and always; to woe too say: pass away, but return! For all joy wants—eternity!
11 “All joy wants all things’ eternity, wants honey, wants lees, wants drunken midnight, wants graves, wants graves’ tearful comfort, wants gilded sunset—
“What does joy not want! It is thirstier, more heartfelt, hungrier, more terrible, more secret than any woe; it wants itself, bites into itself, the ring’s will struggles within it—
“It wants love, wants hatred, is overflowing, gives, throws away, begs someone to take it, thanks the receiver, would gladly be hated—
“So rich is joy that it thirsts for woe, hell, hatred, disgrace, the cripple, world—for this world, you know it!
“Higher human beings, joy longs for you, unbridled, blessed joy—for your woe, you failures! All eternal joy longs for what has failed.
“For all joy wants itself, and therefore heartache too! Oh, happiness, pain! Oh, break, heart! Higher human beings, learn it: joy wants eternity—
“Joy wants all things’ eternity, wants deep, deep eternity!
12 “Have you learned my song now? Divined what it wants? Come! Up! Higher human beings, sing my round-song now!
“Sing yourselves the song named ‘Once More,’ whose meaning is ‘For all eternity!’ Sing, higher human beings, Zarathustra’s round-song!
“Human being! Attend!What does deep midnight say?‘I slept, I slept—‘From deepest dream I woke:—‘The world is deep,‘Deeper than day has thought.‘Deep is its woe—‘Joy—deeper than heartache:‘Woe says: Pass away!‘But all joy wants eternity—‘Wants deep, deep eternity!’”
The Sign
The morning after that night, Zarathustra sprang from his bed, girded his loins, and emerged from his cave glowing and strong, like a morning sun rising from dark mountains.
“Great star,” he said, as he had once said, “deep eye of happiness, what would all your happiness be without those for whom you shine!
“And if they stayed in their chambers while you already wake and come and give and distribute, how your proud modesty would rage!
“Well! They still sleep, these higher human beings, while I am awake: these are not my true companions! It is not for them I wait here in my mountains.
“I want my work, my day: but they do not understand my morning’s signs; my step is no awakening call to them.
“They still sleep in my cave; their dream still chews upon my midnights. The ear listening for me, the obeying ear, is absent from their limbs.”
Zarathustra had spoken this to his heart as the sun rose; then he looked questioningly upward, hearing his eagle’s sharp cry above. “Well!” he called up. “That pleases and befits me. My animals wake because I wake.
“My eagle wakes and honors the sun as I do. With eagle claws it grasps the new light. You are my true animals; I love you.
“But my true human beings are still missing!”—
Thus spoke Zarathustra; suddenly he heard countless birds swarming and fluttering around him. So great was the whirring of wings and crowding around his head that he closed his eyes. Truly, they fell upon him like a cloud, like a cloud of arrows showering upon a new enemy. But here it was a cloud of love, showering upon a new friend.
“What is happening to me?” Zarathustra thought in his astonished heart, slowly sitting upon the great stone beside his cave’s exit. As he reached around and above and below himself, warding off the tender birds, something stranger happened: unwittingly his hand entered a thick, warm shag of hair; at the same moment a roar sounded before him, a gentle, long lion’s roar.
“The sign comes,” Zarathustra said, and his heart changed. Truly, when his sight cleared, a yellow, mighty beast lay at his feet, pressing its head against his knees, unwilling to leave him for love, behaving like a dog that finds its old master again. The doves were no less eager in their love than the lion; whenever a dove flitted across its nose, the lion shook its head, wondered, and laughed.
At all this Zarathustra spoke only one phrase: “My children are near, my children”—then he fell entirely silent. But his heart was released; tears dripped from his eyes and fell upon his hands. He noticed nothing more and sat unmoving, no longer resisting the animals. Doves flew back and forth, settled upon his shoulder, caressed his white hair, tireless in tenderness and rejoicing. The strong lion kept licking the tears falling upon Zarathustra’s hands, roaring and growling shyly. Thus these animals behaved.—
All this lasted a long time, or a short time: properly speaking, for such things upon earth there is no time. Meanwhile the higher human beings had awakened in Zarathustra’s cave and formed a procession to meet him and offer morning greetings, finding upon waking that he was no longer among them. But when they reached the cave’s door and the sound of their footsteps ran ahead, the lion started violently, suddenly turned from Zarathustra, and sprang roaring wildly toward the cave. Hearing its roar, all the higher human beings cried out as with one mouth, fled back, and vanished in an instant.
But Zarathustra himself, stunned and estranged, rose from his seat, looked around, stood wondering, questioned his heart, reflected, and was alone. “What did I hear?” he said slowly at last. “What just happened to me?”
Already memory returned, and in one glance he understood everything between yesterday and today. “Here is the stone,” he said, stroking his beard, “upon which I sat yesterday morning; here the soothsayer approached me; here I first heard the cry I just heard, the great cry of distress.
“Higher human beings, it was your distress that old soothsayer foretold yesterday morning—
“Toward your distress he wanted to tempt and lure me: ‘Zarathustra,’ he said, ‘I come to tempt you to your final sin.’
“To my final sin?” Zarathustra cried, laughing angrily at his own words. “What was reserved for me as my final sin?”
Once more Zarathustra sank within himself, sat again upon the great stone, and reflected. Suddenly he sprang up—
“Pity! Pity for the higher human being!” he cried, his face becoming bronze. “Well! That had its time!
“My suffering and my pity—what do they matter! Do I strive for happiness? I strive for my work!
“Well! The lion came; my children are near; Zarathustra has ripened; my hour has come—
“This is my morning; my day begins: rise now, rise, great noon!”— —
Thus spoke Zarathustra and left his cave glowing and strong, like a morning sun rising from dark mountains.
End of Thus Spoke Zarathustra.