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An Answer to the Question: What Is Enlightenment?
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An Answer to the Question: What Is Enlightenment?

Immanuel Kant · Plain English translation — Mouseia

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German

481 Beantwortung der Frage:

Was ist Aufklärung?

(S. Decemb. 1783. S. 516.)

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Theil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen482 (naturaliter majorennes), dennoch gerne Zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt der für mich die Diät beurtheilt, u. s. w. so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nöthig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Daß der bei weitem größte Theil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben, und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperreten, wagen durften; so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen drohet, wenn sie es versuchen allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemahl Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern, und schrekt gemeiniglich von allen ferneren Versuchen ab.

Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit 483 herauszuarbeiten. Er hat sie sogar lieb gewonnen, und ist vor der Hand wirklich unfähig, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, weil man ihn niemals den Versuch davon machen ließ. Satzungen und Formeln, diese mechanischen Werkzeuge eines vernünftigen Gebrauchs oder vielmehr Mißbrauchs seiner Naturgaben, sind die Fußschellen einer immerwährenden Unmündigkeit. Wer sie auch abwürfe, würde dennoch auch über den schmalesten Graben einen nur unsicheren Sprung thun, weil er zu dergleichen freier Bewegung nicht gewöhnt ist. Daher giebt es nur Wenige, denen es gelungen ist, durch eigene Bearbeitung ihres Geistes sich aus der Unmündigkeit heraus zu wikkeln, und dennoch einen sicheren Gang zu thun.

Daß aber ein Publikum sich selbst aufkläre, ist eher möglich; ja es ist, wenn man ihm nur Freiheit läßt, beinahe unausbleiblich. Denn da werden sich immer einige Selbstdenkende, sogar unter den eingesetzten Vormündern des großen Haufens, finden, welche, nachdem sie das Joch der Unmündigkeit selbst abgeworfen haben, den Geist einer vernünftigen Schätzung des eigenen Werths und des Berufs jedes Menschen selbst zu denken um sich verbreiten werden. Besonders ist hiebei: daß das Publikum, welches zuvor von ihnen unter dieses Joch gebracht worden, sie hernach selbst zwingt darunter zu bleiben, wenn es von einigen seiner Vormünder, die selbst aller Aufklärung unfähig sind, dazu aufgewiegelt 484 worden; so schädlich ist es Vorurtheile zu pflanzen, weil sie sich zuletzt an denen selbst rächen, die, oder deren Vorgänger, ihre Urheber gewesen sind. Daher kann ein Publikum nur langsam zur Aufklärung gelangen. Durch eine Revolution wird vielleicht wohl ein Abfall von persönlichem Despotism und gewinnsüchtiger oder herrschsüchtiger Bedrükkung, aber niemals wahre Reform der Denkungsart zu Stande kommen; sondern neue Vorurtheile werden, eben sowohl als die alten, zum Leitbande des gedankenlosen großen Haufens dienen.

Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stükken öffentlichen Gebrauch zu machen. Nun höre ich aber von allen Seiten rufen: räsonnirt nicht! Der Offizier sagt: räsonnirt nicht, sondern exercirt! Der Finanzrath: räsonnirt nicht, sondern bezahlt! Der Geistliche: räsonnirt nicht, sondern glaubt! (Nur ein einziger Herr in der Welt sagt: räsonnirt, so viel ihr wollt, und worüber ihr wollt; aber gehorcht!) Hier ist überall Einschränkung der Freiheit. Welche Einschränkung aber ist der Aufklärung hinderlich? welche nicht, sondern ihr wohl gar beförderlich? – Ich antworte: der öffentliche Gebrauch seiner Vernunft muß jederzeit frei sein, und der allein kann Aufklärung unter Menschen zu 485 Stande bringen; der Privatgebrauch derselben aber darf öfters sehr enge eingeschränkt sein, ohne doch darum den Fortschritt der Aufklärung sonderlich zu hindern. Ich verstehe aber unter dem öffentlichen Gebrauche seiner eigenen Vernunft denjenigen, den jemand als Gelehrter von ihr vor dem ganzen Publikum der Leserwelt macht. Den Privatgebrauch nenne ich denjenigen, den er in einem gewissen ihm anvertrauten bürgerlichen Posten, oder Amte, von seiner Vernunft machen darf. Nun ist zu manchen Geschäften, die in das Interesse des gemeinen Wesens laufen, ein gewisser Mechanism nothwendig, vermittelst dessen einige Glieder des gemeinen Wesens sich bloß passiv verhalten müssen, um durch eine künstliche Einhelligkeit von der Regierung zu öffentlichen Zwekken gerichtet, oder wenigstens von der Zerstörung dieser Zwekke abgehalten zu werden. Hier ist es nun freilich nicht erlaubt, zu räsonniren; sondern man muß gehorchen. So fern sich aber dieser Theil der Maschine zugleich als Glied eines ganzen gemeinen Wesens, ja sogar der Weltbürgergesellschaft ansieht, mithin in der Qualität eines Gelehrten, der sich an ein Publikum im eigentlichen Verstande durch Schriften wendet; kann er allerdings räsonniren, ohne daß dadurch die Geschäfte leiden, zu denen er zum Theile als passives Glied angesetzt ist. So würde es sehr verderblich sein, wenn ein Offizier, dem von seinen Oberen etwas anbefohlen wird, im Dienste 486 über die Zwekmäßigkeit oder Nützlichkeit dieses Befehls laut vernünfteln wollte; er muß gehorchen. Es kann ihm aber billigermaßen nicht verwehrt werden, als Gelehrter, über die Fehler im Kriegesdienste Anmerkungen zu machen, und diese seinem Publikum zur Beurtheilung vorzulegen. Der Bürger kann sich nicht weigern, die ihm auferlegten Abgaben zu leisten; sogar kann ein vorwitziger Tadel solcher Auflagen, wenn sie von ihm geleistet werden sollen, als ein Skandal (das allgemeine Widersetzlichkeiten veranlassen könnte) bestraft werden. Eben derselbe handelt demohngeachtet der Pflicht eines Bürgers nicht entgegen, wenn er, als Gelehrter, wider die Unschiklichkeit oder auch Ungerechtigkeit solcher Ausschreibungen öffentlich seine Gedanken äußert. Eben so ist ein Geistlicher verbunden, seinen Katechismusschülern und seiner Gemeine nach dem Symbol der Kirche, der er dient, seinen Vortrag zu thun; denn er ist auf diese Bedingung angenommen worden. Aber als Gelehrter hat er volle Freiheit, ja sogar den Beruf dazu, alle seine sorgfältig geprüften und wohlmeinenden Gedanken über das Fehlerhafte in jenem Symbol, und Vorschläge wegen besserer Einrichtung des Religions- und Kirchenwesens, dem Publikum mitzutheilen. Es ist hiebei auch nichts, was dem Gewissen zur Last gelegt werden könnte. Denn, was er zu Folge seines Amts, als Geschäftträger der Kirche, lehrt, das stellt er als etwas vor, in Ansehung 487 dessen er nicht freie Gewalt hat nach eigenem Gutdünken zu lehren, sondern das er nach Vorschrift und im Namen eines andern vorzutragen angestellt ist. Er wird sagen: unsere Kirche lehrt dieses oder jenes; das sind die Beweisgründe, deren sie sich bedient. Er zieht alsdann allen praktischen Nutzen für seine Gemeinde aus Satzungen, die er selbst nicht mit voller Ueberzeugung unterschreiben würde, zu deren Vortrag er sich gleichwohl anheischig machen kann, weil es doch nicht ganz unmöglich ist, daß darin Wahrheit verborgen läge, auf alle Fälle aber wenigstens doch nichts der innern Religion widersprechendes darin angetroffen wird. Denn glaubte er das letztere darin zu finden, so würde er sein Amt mit Gewissen nicht verwalten können; er müßte es niederlegen. Der Gebrauch also, den ein angestellter Lehrer von seiner Vernunft vor seiner Gemeinde macht, ist bloß ein Privatgebrauch; weil diese immer nur eine häusliche, obzwar noch so große, Versammlung ist; und in Ansehung dessen ist er, als Priester, nicht frei, und darf es auch nicht sein, weil er einen fremden Auftrag ausrichtet. Dagegen als Gelehrter, der durch Schriften zum eigentlichen Publikum, nämlich der Welt, spricht, mithin der Geistliche im öffentlichen Gebrauche seiner Vernunft, genießt einer uneingeschränkten Freiheit, sich seiner eigenen Vernunft zu bedienen und in seiner eigenen Person zu sprechen. Denn daß die Vormünder des Volks 488 (in geistlichen Dingen) selbst wieder unmündig sein sollen, ist eine Ungereimtheit, die auf Verewigung der Ungereimtheiten hinausläuft.

Aber sollte nicht eine Gesellschaft von Geistlichen, etwa eine Kirchenversammlung, oder eine ehrwürdige Klassis (wie sie sich unter den Holländern selbst nennt) berechtigt sein, sich eidlich unter einander auf ein gewisses unveränderliches Symbol zu verpflichten, um so eine unaufhörliche Obervormundschaft über jedes ihrer Glieder und vermittelst ihrer über das Volk zu führen, und diese so gar zu verewigen? Ich sage: das ist ganz unmöglich. Ein solcher Kontrakt, der auf immer alle weitere Aufklärung vom Menschengeschlechte abzuhalten geschlossen würde, ist schlechterdings null und nichtig; und sollte er auch durch die oberste Gewalt, durch Reichstäge und die feierlichsten Friedensschlüsse bestätigt sein. Ein Zeitalter kann sich nicht verbünden und darauf verschwören, das folgende in einen Zustand zu setzen, darin es ihm unmöglich werden muß, seine (vornehmlich so sehr angelegentliche) Erkenntnisse zu erweitern, von Irrthümern zu reinigen, und überhaupt in der Aufklärung weiter zu schreiten. Das wäre ein Verbrechen wider die menschliche Natur, deren ursprüngliche Bestimmung gerade in diesem Fortschreiten besteht; und die Nachkommen sind also vollkommen dazu berechtigt, jene Beschlüsse, als unbefugter und frevelhafter Weise genommen, zu verwerfen. Der Probierstein 489 alles dessen, was über ein Volk als Gesetz beschlossen werden kann, liegt in der Frage: ob ein Volk sich selbst wohl ein solches Gesetz auferlegen könnte? Nun wäre dieses wohl, gleichsam in der Erwartung eines bessern, auf eine bestimmte kurze Zeit möglich, um eine gewisse Ordnung einzuführen; indem man es zugleich jedem der Bürger, vornehmlich dem Geistlichen, frei ließe, in der Qualität eines Gelehrten öffentlich, d. i. durch Schriften, über das Fehlerhafte der dermaligen Einrichtung seine Anmerkungen zu machen, indessen die eingeführte Ordnung noch immer fortdauerte, bis die Einsicht in die Beschaffenheit dieser Sachen öffentlich so weit gekommen und bewähret worden, daß sie durch Vereinigung ihrer Stimmen (wenn gleich nicht aller) einen Vorschlag vor den Thron bringen könnte, um diejenigen Gemeinden in Schutz zu nehmen, die sich etwa nach ihren Begriffen der besseren Einsicht zu einer veränderten Religionseinrichtung geeinigt hätten, ohne doch diejenigen zu hindern, die es beim Alten wollten bewenden lassen. Aber auf eine beharrliche, von Niemanden öffentlich zu bezweifelnde Religionsverfassung, auch nur binnen der Lebensdauer eines Menschen, sich zu einigen, und dadurch einen Zeitraum in dem Fortgange der Menschheit zur Verbesserung gleichsam zu vernichten, und fruchtlos, dadurch aber wohl gar der Nachkommenschaft nachtheilig, zu machen, ist schlechterdings unerlaubt. Ein Mensch kann zwar für seine Person, 490 und auch alsdann nur auf einige Zeit, in dem was ihm zu wissen obliegt die Aufklärung aufschieben; aber auf sie Verzicht zu thun, es sei für seine Person, mehr aber noch für die Nachkommenschaft, heißt die heiligen Rechte der Menschheit verletzen und mit Füßen treten. Was aber nicht einmal ein Volk über sich selbst beschließen darf, das darf noch weniger ein Monarch über das Volk beschließen; denn sein gesetzgebendes Ansehen beruht eben darauf, daß er den gesammten Volkswillen in dem seinigen vereinigt. Wenn er nur darauf sieht, daß alle wahre oder vermeinte Verbesserung mit der bürgerlichen Ordnung zusammen bestehe; so kann er seine Unterthanen übrigens nur selbst machen lassen, was sie um ihres Seelenheils willen zu thun nöthig finden; das geht ihn nichts an, wohl aber zu verhüten, daß nicht einer den andern gewaltthätig hindere, an der Bestimmung und Beförderung desselben nach allem seinen Vermögen zu arbeiten. Es thut selbst seiner Majestät Abbruch, wenn er sich hierin mischt, indem er die Schriften, wodurch seine Unterthanen ihre Einsichten ins Reine zu bringen suchen, seiner Regierungsaufsicht würdigt, sowohl wenn er dieses aus eigener höchsten Einsicht thut, wo er sich dem Vorwurfe aussetzt: Caesar non est supra Grammaticos, als auch und noch weit mehr, wenn er seine oberste Gewalt so weit erniedrigt, den geistlichen Despotism einiger Tyrannen 491 in seinem Staate gegen seine übrigen Unterthanen zu unterstützen.

Wenn denn nun gefragt wird: Leben wir jetzt in einem aufgeklärten Zeitalter? so ist die Antwort: Nein, aber wohl in einem Zeitalter der Aufklärung. Daß die Menschen, wie die Sachen jetzt stehen, im Ganzen genommen, schon im Stande wären, oder darin auch nur gesetzt werden könnten, in Religionsdingen sich ihres eigenen Verstandes ohne Leitung eines Andern sicher und gut zu bedienen, daran fehlt noch sehr viel. Allein, daß jetzt ihnen doch das Feld geöffnet wird, sich dahin frei zu bearbeiten, und die Hindernisse der allgemeinen Aufklärung, oder des Ausganges aus ihrer selbst verschuldeten Unmündigkeit, allmälig weniger werden, davon haben wir doch deutliche Anzeigen. In diesem Betracht ist dieses Zeitalter das Zeitalter der Aufklärung, oder das Jahrhundert Friederichs.

Ein Fürst, der es seiner nicht unwürdig findet, zu sagen: daß er es für Pflicht halte, in Religionsdingen den Menschen nichts vorzuschreiben, sondern ihnen darin volle Freiheit zu lassen, der also selbst den hochmüthigen Namen der Toleranz von sich ablehnt: ist selbst aufgeklärt, und verdient von der dankbaren Welt und Nachwelt als derjenige gepriesen zu werden, der zuerst das menschliche Geschlecht der Unmündigkeit, wenigstens von Seiten der Regierung, entschlug, und Jedem frei ließ, sich 492in allem, was Gewissensangelegenheit ist, seiner eigenen Vernunft zu bedienen. Unter ihm dürfen verehrungswürdige Geistliche, unbeschadet ihrer Amtspflicht, ihre vom angenommenen Symbol hier oder da abweichenden Urtheile und Einsichten, in der Qualität der Gelehrten, frei und öffentlich der Welt zur Prüfung darlegen; noch mehr aber jeder andere, der durch keine Amtspflicht eingeschränkt ist. Dieser Geist der Freiheit breitet sich auch außerhalb aus, selbst da, wo er mit äußeren Hindernissen einer sich selbst mißverstehenden Regierung zu ringen hat. Denn es leuchtet dieser doch ein Beispiel vor, daß bei Freiheit, für die öffentliche Ruhe und Einigkeit des gemeinen Wesens nicht das mindeste zu besorgen sei. Die Menschen arbeiten sich von selbst nach und nach aus der Rohigkeit heraus, wenn man nur nicht absichtlich künstelt, um sie darin zu erhalten.

Ich habe den Hauptpunkt der Aufklärung, die des Ausganges der Menschen aus ihrer selbst verschuldeten Unmündigkeit, vorzüglich in Religionssachen gesetzt: weil in Ansehung der Künste und Wissenschaften unsere Beherrscher kein Interesse haben, den Vormund über ihre Unterthanen zu spielen; überdem auch jene Unmündigkeit, so wie die schädlichste, also auch die entehrendste unter allen ist. Aber die Denkungsart eines Staatsoberhaupts, der die erstere begünstigt, geht noch weiter, und sieht ein: daß selbst in Ansehung seiner Gesetzgebung 493 es ohne Gefahr sei, seinen Unterthanen zu erlauben, von ihrer eigenen Vernunft öffentlichen Gebrauch zu machen, und ihre Gedanken über eine bessere Abfassung derselben, sogar mit einer freimüthigen Kritik der schon gegebenen, der Welt öffentlich vorzulegen; davon wir ein glänzendes Beispiel haben, wodurch noch kein Monarch demjenigen vorging, welchen wir verehren.

Aber auch nur derjenige, der, selbst aufgeklärt, sich nicht vor Schatten fürchtet, zugleich aber ein wohldisciplinirtes zahlreiches Heer zum Bürgen der öffentlichen Ruhe zur Hand hat, – kann das sagen, was ein Freistaat nicht wagen darf: räsonnirt so viel ihr wollt, und worüber ihr wollt; nur gehorcht! So zeigt sich hier ein befremdlicher nicht erwarteter Gang menschlicher Dinge; so wie auch sonst, wenn man ihn im Großen betrachtet, darin fast alles paradox ist. Ein größerer Grad bürgerlicher Freiheit scheint der Freiheit des Geistes des Volks vortheilhaft, und setzt ihr doch unübersteigliche Schranken; ein Grad weniger von jener verschaft hingegen diesem Raum, sich nach allem seinen Vermögen auszubreiten. Wenn denn die Natur unter dieser harten Hülle den Keim, für den sie am zärtlichsten sorgt, nämlich den Hang und Beruf zum freien Denken, ausgewikkelt hat; so wirkt dieser allmählig zurük auf die Sinnesart des Volks (wodurch dieses der Freiheit zu handeln494 nach und nach fähiger wird), und endlich auch sogar auf die Grundsätze der Regierung, die es ihr selbst zuträglich findet, den Menschen, der nun mehr als Maschine ist, seiner Würde gemäß zu behandeln.1

I. Kant.

Königsberg in Preußen, den 30.Septemb. 1784.

1 In den Büsching’schen wöchentlichen Nachrichten vom 13. Sept. lese ich heute den 30sten eben dess. die Anzeige der Berlinischen Monatsschrift von diesem Monat, worin des Herrn Mendelssohn Beantwortung eben derselben Frage angeführt wird. Mir ist sie noch nicht zu Händen gekommen; sonst würde sie die gegenwärtige zurükgehalten haben, die jetzt nur zum Versuche da stehen mag, wiefern der Zufall Einstimmigkeit der Gedanken zuwege bringen könne.

English

481 An Answer to the Question:

What Is Enlightenment?

(S. Decemb. 1783. S. 516.)

Enlightenment means leaving behind immaturity that is your own fault. Immaturity means being unable to use your understanding without someone else guiding you. This immaturity is your own fault when the cause is not a lack of understanding, but a lack of resolve and courage to use it without someone else's guidance. Dare to know! Have the courage to use your own understanding! That is the motto of enlightenment.

Laziness and cowardice explain why so many people gladly remain immature all their lives, even though nature freed them from outside guidance long ago482 (as adults by nature). They also explain why others find it so easy to set themselves up as their guardians. Being immature is so convenient. If I have a book that does my understanding for me, a spiritual adviser who supplies my conscience, a doctor who decides on my diet, and others of that kind, I do not need to make any effort myself. I do not need to think, as long as I can pay. Others will take on that tiresome job for me. The guardians who have so kindly taken charge of supervising people make sure that the great majority of them—including all women—see the step toward maturity as not only difficult but also very dangerous. First they make their domestic animals stupid. They carefully keep these quiet creatures from daring to take a single step outside the walking frame in which they have shut them up. Then they show them the danger they face if they try to walk alone. The danger is actually not so great. After falling a few times, they would eventually learn to walk. But an example of that kind makes them timid and generally frightens them away from any further attempts.

So it is hard for any individual, whose immaturity has almost become second nature, 483 to work his way out of it. He has even grown fond of it. For now, he really cannot use his own understanding, because he has never been allowed to try. Rules and formulas are mechanical tools for using his natural gifts rationally—or rather, for misusing them. They are the shackles of a lasting immaturity. Even someone who threw them off would still be unsure of himself when jumping over the narrowest ditch, because he is not used to moving freely like that. That is why only a few have managed to develop their own minds, free themselves from immaturity, and still walk steadily.

But a public is more likely to enlighten itself. In fact, if it is simply left free, this is almost inevitable. There will always be a few people who think for themselves, even among those appointed to guard the masses. Once they have thrown off the yoke of immaturity themselves, they will spread a spirit of rational appreciation of their own worth and of every person's calling to think for themselves. There is something especially worth noticing here. The public, which these guardians had previously brought under this yoke, later forces the guardians themselves to stay under it, when some of its guardians who are incapable of any enlightenment have stirred it up 484 to do so. Planting prejudices is that harmful: in the end they take revenge on the very people who created them, or whose predecessors did. A public can therefore reach enlightenment only slowly. A revolution may bring an end to personal despotism and oppression driven by greed or the desire to rule. But it will never bring about a true reform in how people think. Instead, new prejudices, just like the old ones, will serve as leading strings for the unthinking masses.

All that this enlightenment requires is freedom; specifically, the most harmless kind of all: freedom to make public use of your reason in every matter. But now I hear shouts from every direction: "Do not argue!" The officer says, "Do not argue; drill!" The financial official says, "Do not argue; pay!" The clergyman says, "Do not argue; believe!" (Only one ruler in the world says, "Argue as much as you want, about whatever you want; but obey!") Everywhere there are restrictions on freedom. But which restriction gets in the way of enlightenment? Which does not, and may even help it? My answer is this: the public use of reason must always be free. Only that can lead people to enlightenment 485. But its private use may often be very narrowly restricted without particularly holding back the progress of enlightenment. By the public use of your own reason, I mean the use you make of it as a scholar before the whole reading public. By private use, I mean the use you are allowed to make of your reason in a particular civil position or office entrusted to you. Some affairs that concern the commonwealth require a certain mechanism. Some of its members must behave purely passively, so that the government can direct them toward public goals through an artificially produced agreement, or at least keep them from destroying those goals. Here, of course, you are not allowed to argue: you must obey. But this part of the machine can also see himself as a member of the whole commonwealth, and even of the society of world citizens. In that case, acting as a scholar who addresses a public in the true sense through his writings, he certainly can argue. This does not harm the affairs in which he has been assigned a partly passive role. For example, suppose an officer is given an order by his superiors. It would do great harm if, while on duty, 486 he openly questioned whether the order served its purpose or was useful. He must obey. But he cannot reasonably be forbidden, as a scholar, to comment on defects in military service and submit his comments to his public for judgment. A citizen cannot refuse to pay the taxes imposed on him. Indeed, an intrusive criticism of those charges at the time he is supposed to pay them can be punished as a scandal that could provoke widespread resistance. Still, that same person does not violate his duty as a citizen if, as a scholar, he publicly states his thoughts about how inappropriate or even unjust such tax demands are. Similarly, a clergyman is bound to teach his catechism students and his congregation according to the creed of the church he serves. He was hired on that condition. But as a scholar he is completely free, and even has a calling, to share with the public all his carefully examined, well-intentioned thoughts about faults in that creed, along with proposals for better arrangements in religion and the church. Nor is there anything here that could burden his conscience. What he teaches as part of his office, as the church's representative, he presents as something 487 he is not free to teach however he sees fit. Rather, he is employed to present it according to instructions and in someone else's name. He will say, "Our church teaches this or that; these are the arguments it uses." He then draws every practical benefit for his congregation from teachings he would not endorse with complete conviction himself. He can nevertheless commit himself to presenting them, because it is not entirely impossible that they contain some hidden truth. At any rate, they must contain nothing that contradicts inward religion. If he believed he found such a contradiction in them, he could not carry out his office with a clear conscience. He would have to resign. So an appointed teacher's use of reason before his congregation is only a private use; however large the gathering may be, it is still only a domestic one. In this respect, as a priest, he is not free, and should not be free, because he is carrying out someone else's commission. But as a scholar who addresses the true public—the world—through his writings, the clergyman makes public use of his reason. He then enjoys unlimited freedom to use his own reason and speak for himself. For it is absurd for the people's guardians 488 (in spiritual matters) to be immature themselves. That amounts to making absurdities last forever.

But could a society of clergymen—a church council, for example, or a respected church assembly, called a classis among the Dutch—be entitled to bind its members by oath to a fixed, unchangeable creed? Could it do this to keep each member, and through them the people, under a continuous supreme guardianship, and even make that guardianship permanent? I say that this is completely impossible. A contract aimed at keeping all further enlightenment away from the human race forever is absolutely null and void. It would remain so even if the highest authority, imperial diets, and the most solemn peace treaties confirmed it. One age cannot make a binding agreement and swear to put the next in a position where it cannot expand its knowledge—especially on matters of such great concern—clear away errors, or make any further progress in enlightenment. That would be a crime against human nature, whose original purpose consists precisely in this progress. Later generations are therefore fully entitled to reject those decisions as unauthorized and wrongful. The test 489 of anything that can be made law for a people lies in this question: could a people impose such a law on itself? It could do so for a fixed, short time, to establish a certain order while waiting, as it were, for something better. At the same time, every citizen, especially every clergyman, would have to remain free to act as a scholar and publicly comment, through writing, on the faults in the current arrangements. Meanwhile, the established order would continue. It would last until public understanding of these matters had advanced far enough and proved itself well enough to bring a proposal before the throne through the combined voices of those involved, though not necessarily all of them. The proposal would seek protection for congregations that had agreed to change their religious arrangements according to what they understood to be a better insight. It would not obstruct those who wanted to leave things as they were. But it is absolutely forbidden to agree on a lasting religious constitution that no one may publicly question, even for the span of a single human life. Doing so would, in effect, wipe out a period of humanity's progress toward improvement. It would make that time fruitless and perhaps even harmful to later generations. A person may, for himself, 490 and even then only for a time, put off enlightenment in matters he ought to know about. But to renounce it, whether for himself or, still worse, for later generations, means violating and trampling on humanity's sacred rights. A monarch has even less right to decide something for his people that the people themselves have no right to decide. His authority to make laws rests precisely on his uniting the will of the whole people in his own. Provided he makes sure that every real or supposed improvement is compatible with civil order, he can only leave his subjects to do what they find necessary for their salvation. That is no concern of his. What does concern him is preventing anyone from using force to stop someone else from working, with all their abilities, to determine and advance their salvation. He even diminishes his own majesty when he interferes in this. He does so when he considers the writings through which his subjects try to clarify their understanding worthy of his government's supervision. This is true when he acts on his own supreme insight, exposing himself to the criticism, "Caesar is not above the grammarians," and even more so when he lowers his supreme power to the point of supporting the spiritual despotism of a few tyrants 491 in his state against the rest of his subjects.

If we are now asked, "Do we live in an enlightened age?" the answer is, "No, but we do live in an age of enlightenment." As things stand, we are still very far from people generally being able, or even being put in a position, to use their own understanding confidently and well in religious matters without someone else's guidance. But there are clear signs that the way is now being opened for them to work freely toward that goal. The obstacles to general enlightenment, to leaving behind the immaturity that is their own fault, are gradually becoming fewer. In this respect, this age is the age of enlightenment, or the century of Frederick.

A ruler may consider it quite consistent with his dignity to say that he sees it as his duty not to prescribe anything to people in religious matters, but to leave them completely free. He therefore rejects even the arrogant label of tolerance. Such a ruler is himself enlightened. He deserves the praise of a grateful world, now and in the future, as the first to free the human race from immaturity, at least as far as the government was concerned, and to leave everyone free 492 to use their own reason in all matters of conscience. Under him, respected clergymen can act as scholars without neglecting their official duties. They can freely and publicly submit to the world's examination judgments and insights that differ here and there from the accepted creed. This applies even more to anyone else who is not restricted by official duties. This spirit of freedom also spreads abroad, even where it must struggle with external obstacles set up by a government that misunderstands itself. For even that government has before it a clear example showing that freedom gives no reason for the slightest worry about the commonwealth's public peace and unity. People will gradually work their own way out of an uncultivated condition, if only no deliberate schemes are used to keep them in it.

I have placed the main point of enlightenment—people leaving behind the immaturity that is their own fault—especially in religious matters. Our rulers have no interest in playing guardian to their subjects in the arts and sciences. Besides, immaturity in religion is both the most harmful and the most degrading kind of all. But the thinking of a head of state who encourages enlightenment goes further. He sees that even where his laws 493 are concerned, there is no danger in allowing his subjects to make public use of their own reason. They may publicly present their ideas to the world about how to improve those laws, even offering a frank criticism of laws already enacted. We have a shining example of this, in which no monarch has preceded the one we honor.

But only a ruler who is himself enlightened and unafraid of shadows, and who also has a large, well-disciplined army at hand to guarantee public peace, can say what a republic cannot dare to say: "Argue as much as you want, about whatever you want; just obey!" This shows a strange, unexpected course of human affairs. As elsewhere, almost everything about it seems paradoxical when viewed on a large scale. A greater degree of civil freedom seems to benefit the freedom of the people's mind, yet sets limits it cannot get past. One degree less of civil freedom, on the other hand, gives that mind room to develop all its abilities. Under this hard shell, nature develops the seed it cares for most tenderly: the tendency and calling to think freely. Once developed, this gradually affects the people's outlook in turn, making them more capable of acting freely 494 over time. Eventually it even affects the principles of government. The government finds that it benefits itself by treating people, who are now more than machines, in a way that respects their dignity.1

I. Kant.

Königsberg in Prussia, September 30,1784.

1 Today, the 30th of September, I read in Büsching's weekly news of September 13 the notice of this month's Berlinische Monatsschrift. It mentions Mr. Mendelssohn's answer to this very question. I have not yet received it. Otherwise, it would have held back the present answer. This one may now stand simply as an experiment to see how far chance can bring about agreement in thought.

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