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The Art of Being Right
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The Art of Being Right

Arthur Schopenhauer · Musean translation — Mouseia

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Logic and dialectic

German

Logik und Dialektik wurden schon von den Alten als Synonyme gebraucht; obgleich λογιζεσθαι überdenken, überlegen, berechnen; — und διαλεγεσθαι sich unterreden, zwei sehr verschiedene Dinge sind. Den Namen Dialektik (διαλεκτικη, διαλεκτικη πραγματεια, διαλεκτικος ανηρ) hat (wie Diogenes Laertius berichtet) Plato zuerst gebraucht: und wir finden daß er im Phädrus, Sophista, Republik lib. 7 u. s. w. den regelmäßigen Gebrauch der Vernunft, und das Geübtseyn in selbigem darunter versteht. Aristoteles braucht τα διαλεκτικα im selben Sinne: er soll aber (nach Laurentius Valla) zuerst λογικην im selben Sinne gebraucht haben: wir finden bei ihm λογικας δυσχερειας, i. e. argutias, προτασιν λογικην, αποριαν λογικην. — Demnach wäre διαλεκτικην älter als λογικην. Cicero und Quinctilian brauchen in derselben allgemeinen Bedeutung Dialectica [und] Logica. Cic. in Lucullo: Dialecticam inventam esse, veri et falsi quasi disceptatricem. — Stoici enim judicandi vias diligenter persecuti sunt, ea scientia, quam Dialecticen appellant. Cic. Topica, c. 2. — Quinct. lib. [XII,2]: itaque haec pars dialecticae, sive illam disputatricem dicere malimus: letzteres scheint ihm also das Lateinische Aequivalent von διαλεκτικη. (So weit nach Petri Rami dialectica, Audomari Talaei praelectionibus illustrata. 1569.) Dieser Gebrauch der Worte Logik und Dialektik als Synonyme hat sich auch im Mittelalter und der neue[rn] Zeit, bis heute, erhalten. Jedoch hat man in neuerer Zeit, besonders Kant, „Dialektik“ öfter in einem schlimme[rn] Sinne gebraucht als „sophistische Disputirkunst“, und daher die Benennung „Logik“ als unschuldiger vorgezogen. Jedoch bedeutet beides von Haus aus dasselbe und in den letzten Jahren hat man sie auch wieder als synonym angesehn.

Es ist Schade daß „Dialektik“ und „Logik“ von Alters her als Synonyme gebraucht sind, und es mir daher nicht recht frei steht ihre Bedeutung zu sondern, wie ich sonst möchte, und „Logik“ (von λογιζεσθαι, überdenken, überrechnen, — von λογος, Wort und Vernunft, die unzertrennlich sind) zu definiren, „die Wissenschaft von den Gesetzen des Denkens, d. h. von der Verfahrungsart der Vernunft“ — und „Dialektik“ (von διαλεγεσθαι sich unterreden: jede Unterredung theilt aber entweder Thatsachen oder Meinungen mit: d. h. ist historisch, oder deliberativ), „die Kunst zu disputiren“ (dies Wort im modernen Sinne). — Offenbar hat dann die Logik einen rein apriori, ohne empirische Beimischung bestimmbaren Gegenstand, die Gesetze des Denkens, das Verfahren der Vernunft (des λογος), welches diese, sich selber überlassen, und ungestört, also beim einsamen Denken eines vernünftigen Wesens, welches durch nichts irre geführt würde, befolgt. Dialektik hingegen würde handeln von der Gemeinschaft zweier vernünftiger Wesen, die folglich zusammen denken, woraus sobald sie nicht wie zwei gleichgehende Uhren übereinstimmen, eine Disputation, d. i. ein geistiger Kampf wird. Als reine Vernunft müßten beide Individuen übereinstimmen. Ihre Abweichungen entspringen aus der Verschiedenheit die der Individualität wesentlich ist, sind also ein empirisches Element. Logik, Wissenschaft des Denkens d. i. des Verfahrens der reinen Vernunft, wäre also rein apriori konstruirbar; Dialektik großen Theils nur a posteriori, aus der Erfahrungserkenntniß von den Störungen die das reine Denken durch die Verschiedenheit der Individualität beim Zusammendenken zweier Vernünftiger Wesen erleidet, und von den Mitteln welche Individuen gegen einander gebrauchen, um Jeder sein individuelles Denken, als das reine und objektive geltend zu machen. Denn die menschliche Natur bringt es mit sich, daß wenn beim gemeinsamen Denken, διαλεγεσθαι, d. h. Mittheilen von Meinungen (historische Gespräche ausgeschlossen) A erfährt daß B's Gedanken über denselben Gegenstand von seinen eigenen abweichen, er nicht zuerst sein eignes Denken revidirt um den Fehler zu finden; sondern diesen im fremden Denken voraussetzt: d. h. der Mensch ist von Natur rechthaberisch: und was aus dieser Eigenschaft folgt, lehrt die Disciplin die ich Dialektik nennen möchte, jedoch um Mißverstand zu vermeiden „Eristische Dialektik“ nennen will. Sie wäre demnach die Lehre vom Verfahren der dem Menschen natürlichen Rechthaberei.

English

Logic and dialectic were already used as synonyms by the ancients, although logizesthai—to think over, consider, calculate—and dialegesthai—to converse—are two very different things. The name dialectic—dialectic, dialectical inquiry, dialectician—was first used by Plato, according to Diogenes Laertius. In the Phaedrus, Sophist, Republic, book 7, and elsewhere, we find that he understands it as the orderly use of reason and proficiency in its use. Aristotle uses “dialectical matters” in the same sense; but, according to Laurentius Valla, he was the first to use “logic” in this sense. In his writings we find “logical difficulties,” that is, subtleties, “a logical proposition,” and “a logical perplexity.” Accordingly, “dialectic” would be older than “logic.” Cicero and Quintilian use Dialectica and Logica in the same general sense. Cic. in Lucullo: “Dialectic was invented as, so to speak, an arbiter between truth and falsehood.” And: “The Stoics carefully pursued the methods of judgment in that science which they call dialectic.” Cic. Topica, c. 2. Quinct. lib. [XII,2]: “And so this part of dialectic—or, if we prefer to call it so, disputation.” He therefore seems to regard the latter as the Latin equivalent of “dialectic.” So far, following Petri Rami dialectica, Audomari Talaei praelectionibus illustrata. 1569. This use of the words logic and dialectic as synonyms persisted through the Middle Ages and into more recent times, down to the present. In modern times, however, especially in Kant, “dialectic” has often been used in a bad sense, as “the sophistical art of disputation”; hence the preference for the more innocent name “logic.” Yet the two originally mean the same thing, and in recent years they have once again been treated as synonyms.

It is a pity that “dialectic” and “logic” have been used as synonyms from ancient times, leaving me less freedom than I would otherwise wish to distinguish their meanings: to define “logic”—from logizesthai, to think over, calculate, itself from logos, word and reason, which are inseparable—as “the science of the laws of thought, that is, of the procedure of reason”; and “dialectic”—from dialegesthai, to converse, every conversation communicating either facts or opinions, and thus being historical or deliberative—as “the art of disputation,” in the modern sense of that word. Logic would then plainly have an object determinable purely a priori, without empirical admixture: the laws of thought, the procedure followed by reason, by logos, when left to itself and undisturbed—that is, in the solitary thinking of a rational being led astray by nothing. Dialectic, by contrast, would concern the association of two rational beings who consequently think together. As soon as they fail to agree like two clocks keeping the same time, this becomes a dispute, a contest of minds. As pure reason, the two individuals would necessarily agree. Their differences spring from the diversity essential to individuality and are therefore an empirical element. Logic, the science of thought, of the procedure of pure reason, could accordingly be constructed entirely a priori; dialectic, for the most part, only a posteriori: from experience of the disturbances that diversity of individuality brings to pure thought when two rational beings think together, and of the means individuals employ against one another to establish each one's own thinking as pure and objective. For human nature brings it about that when, in thinking together—dialegesthai, the communication of opinions, historical conversations excluded—A learns that B's thoughts on the same subject differ from his own, he does not first revise his own thinking to find the error, but assumes it to lie in the other's. In other words, a human being is by nature bent on being right. What follows from this quality is taught by the discipline I would like to call dialectic, but, to avoid misunderstanding, shall call “eristic dialectic.” It would therefore be the study of the procedures of humanity's natural insistence on being right.

Introduction

Eristische Dialektik [1] ist die Kunst zu disputiren, und zwar so zu disputiren, daß man Recht behält, also per fas et nefas.2 Man kann nämlich in der Sache selbst objective Recht haben und doch in den Augen der Beisteher, ja bisweilen in seinen eignen, Unrecht behalten. Wann nämlich der Gegner meinen Beweis widerlegt, und dies als Widerlegung der Behauptung selbst gilt, für die es jedoch andre Beweise geben kann; in welchem Fall natürlich für den Gegner das Verhältniß umgekehrt ist: er behält Recht, bei objektivem Unrecht. Also die objektive Wahrheit eines Satzes und die Gültigkeit desselben in der Approbation der Streiter und Hörer sind zweierlei. (Auf letztere ist die Dialektik gerichtet.)

Woher kommt das? — Von der natürlichen Schlechtigkeit des menschlichen Geschlechts. Wäre diese nicht, wären wir von Grund aus ehrlich, so würden wir bei jeder Debatte bloß darauf ausgeh[n] die Wahrheit zu Tage zu fördern, ganz unbekümmert ob solche unsrer zuerst aufgestellten Meinung oder der des Andern [3] gemäß ausfiele: dies würd[e] gleichgültig, oder wenigstens ganz und gar Nebensache seyn. Aber jetzt ist es Hauptsache. Die angeborne Eitelkeit, die besonders hinsichtlich der Verstandeskräfte reizbar ist, will nicht haben, daß was wir zuerst aufgestellt sich als falsch und das des Gegners als Recht ergebe. Hienach hätte nun zwar bloß Jeder sich zu bemühen nicht anders als richtig zu urtheilen: wozu er erst denken und nachher sprechen müßte. Aber zur angeb[ornen] Eitelkeit gesellt sich bei den Meisten Geschwätzigkeit und angeborne Unredlichkeit. Sie reden ehe sie gedacht haben und wenn sie auch hinterher merken, daß ihre Behauptung falsch ist und sie Unrecht haben; so soll es doch scheinen als wäre es umgekehrt. Das Interesse für die Wahrheit, welches wohl meistens bei Aufstellung des vermeintlich wahren Satzes das einzige Motiv gewesen, weicht jetzt ganz dem Interesse der Eitelkeit: wahr soll falsch und falsch wahr scheinen.

Jedoch hat selbst diese Unredlichkeit, das Beharren bei einem Satz der uns selbst schon falsch scheint, noch eine Entschuldigung: oft sind wir anfangs von der Wahrheit unsrer Behauptung fest überzeugt: aber das Argument des Gegners scheint jetzt sie umzustoßen: geben wir jetzt ihre Sache gleich auf; so finden wir oft hinterher, daß wir doch Recht hatten: unser Beweis war falsch; aber es konnte für die Behauptung einen richtigen geben: das rettende Argument war uns nicht gleich beigefallen. Daher entsteht nun in uns die Maxime, selbst wann das Gegenargument richtig und schlagend scheint, doch noch dagegen anzukämpfen, im Glauben daß dessen Richtigkeit selbst nur scheinbar sei, und uns während des Disputirens noch ein Argument jenes umzustoßen oder eines unsre Wahrheit anderweitig zu bestätigen einfallen werde: hiedurch werden wir zur Unredlichkeit im Disputiren beinahe genöthigt, wenigstens leicht verführt. Diesergestalt unterstützen sich wechselseitig die Schwäche uns[ers] Verstandes und die Verkehrtheit uns[eres] Willens. Daraus kommt es, daß wer disputirt in der Regel nicht für die Wahrheit, sondern für seinen Satz kämpft, wie pro ara et focis, und per fas et nefas verfährt, ja wie gezeigt nicht leicht anders kann. Jeder also wird in der Regel wollen seine Behauptung durchsetzen selbst w[a]nn sie ihm für den Augenblick falsch oder zweifelhaft scheint.4 Die Hülfsmittel hiezu giebt einem Jeden seine eigne Schlauheit und Schlechtigkeit einigermaaßen an die Hand: dies lehrt die tägliche Erfahrung beim Disputiren: es hat also jeder seine natürliche Dialektik, so wie er seine natürliche Logik hat. Allein jene leitet ihn lange nicht so sicher als diese. Gegen logische Gesetze denken, oder schließen, wird so leicht keiner: falsche Urtheile sind häufig, falsche Schlüsse höchst selten. Also Mangel an natürlicher Logik zeigt ein Mensch nicht leicht: hingegen wohl Mangel an natürlicher Dialektik: sie ist eine ungleich ausgetheilte Naturgabe (hierin der Urtheilskraft gleich, die sehr ungleich ausgetheilt ist, die Vernunft eigentlich gleich). Denn durch bloß scheinbare Argumentation sich konfundiren, sich refutiren lassen, wo man eigentlich Recht hat, oder das umgekehrte, geschieht oft: und wer als Sieger aus einem Streit geht, verdankt es sehr oft, nicht sowohl der Richtigkeit seiner Urtheilskraft bei Aufstellung seines Satzes, als vielmehr der Schlauheit und Gewandheit mit der er ihn vertheidigte. Angeboren ist hier wie in allen Fällen das beste:5 jedoch kann Uebung und auch Nachdenken über die Wendungen durch die man den Gegner wirft, oder die er meistens gebraucht um zu werfen, viel beitragen in dieser Kunst Meister zu werden.

Also wenn auch die Logik wohl keinen eigentl[ich] praktischen Nutzen haben kann: so kann ihn die Dialektik allerdings haben. Mir scheint auch Aristoteles seine eigentliche Logik (Analytik) hauptsächlich als Grundlage und Vorbereitung zur Dialektik aufgestellt zu haben und diese ihm die Hauptsache gewesen zu seyn. Die Logik beschäftigt sich mit der bloßen Form der Sätze, die Dialektik mit ihrem Gehalt oder Materie, dem Inhalt: daher eben mußte die Betrachtung der Form als des allgemeinen der des Inhalts als des besonder[en] vorhergehn.

Aristoteles bestimmt den Zweck der Dialektik nicht so scharf wie ich gethan: er giebt zwar als Hauptzweck das Disputiren an, aber zugleich auch das Auffinden der Wahrheit:6 später sagt er wieder: man behandle die Sätze philosophisch nach der Wahrheit, dialektisch nach dem Schein oder Beifall, Meinung Andrer (δοξα), Top. I, 12. Er ist sich der Unterscheidung und Trennung der objektiven Wahrheit eines Satzes von dem Geltendmachen desselben oder dem Erlangen der Approbation zwar bewußt: allein er hält sie nicht scharf genug auseinander um der Dialektik bloß letztere[s] anzuweisen.7 Seinen Regeln zu letzterem Zweck sind daher oft welche zum ersteren eingemengt. Daher es mir scheint daß er seine Aufgabe nicht rein gelöst hat.8

1 [Hiervor der Zusatz:] Bei den Alten werden Logik und Dialektik meistens als Synonyme gebraucht: Bei den Neueren ebenfalls: [folgt, mit Tinte durchgestrichen:] Ich aber sage

2 Eristik wäre nur ein härteres Wort für dieselbe Sache. Aristoteles (nach Diog. Laert. V, 28) stellte zusammen Rhetorik und Dialektik, deren Zweck die Ueberredung, το πιθανον, sei; sodann Analytik und Philosophie, deren Zweck die Wahrheit. — Διαλεκτικη δε εστι τεχνη λογων, δι’ ἧς ανασκευαζομεν τι η κατασκευαζομεν, εξ ερωτησεως και αποκρισεως των προσδιαλεγομενων. Diog. Laert. III, 48 in vita Platonis.

Aristoteles unterscheidet zwar 1) die Logik oder Analytik, als die Theorie oder Anweisung zu den wahren Schlüssen, den apodiktischen; 2) die Dialektik oder Anweisung zu den für wahr geltenden, als wahr kurrenten — ενδοξα, probabilia (Top. I. c. 1 [et] 12) — Schlüssen, wobei zwar nicht ausgemacht ist daß sie falsch sind, aber auch nicht daß sie wahr (an und für sich) sind; indem es darauf nicht ankommt. Was ist denn aber dies anders als die Kunst Recht zu behalten, gleichviel ob man es im Grunde habe oder nicht? Also die Kunst den Schein der Wahrheit zu erlangen unbekümmert um die Sache. Daher wie Anfangs gesagt. Aristoteles theilt eigentlich die Schlüsse in Logische, Dialektische, so wie eben gesagt: dann 3) in eristische (Eristik), bei denen die Schlußform richtig ist, die Sätze selbst aber, die Materie, nicht wahr sind, sondern nur wahr scheinen, und endlich 4) in sophistische (Sophistik), bei denen die Schlußform falsch ist, jedoch richtig scheint. Alle drei letzten Arten gehören eigentlich zur eristischen Dialektik, da sie alle ausgehn nicht auf die objektive Wahrheit, sondern auf den Schein derselben, unbekümmert um sie selbst, also auf das Recht behalten. Auch ist das Buch über die Sophistischen Schlüsse erst später allein edirt: es war das letzt[e] Buch der Dialektik.

3 [Darunter die Notiz:] (Siehe Buhles lateinische Einleitungen zu Topica und Elenchi.)

4 [Dabei die Notiz:] Machiavelli schreibt dem Fürsten vor jeden Augenblick der Schwäche seines Nachbarn zu benutzen um ihn anzugreifen: weil sonst dieser einmal den Augenblick benutzen kann wo jener schwach ist. Herrschte Treue und Redlichkeit, so wäre es ein andres: weil man sich aber deren nicht zu versehn hat, so darf man sie nicht üben, weil sie schlecht bezahlt wird: — eben so ist es beim Disputiren: gebe ich dem Gegner Recht sobald er es zu haben scheint; so wird er schwerlich dasselbe thun, wann der Fall sich umkehrt: er wird vielmehr per nefas verfahren: also muß ich's auch. Es ist leicht gesagt, man soll nur der Wahrheit nachgeh[n] ohne Vorliebe für seinen Satz: aber man darf nicht voraussetzen, daß der Andre es thun werde: also darf man's auch nicht. Zudem, wollte ich, sobald es mir scheint er habe Recht, meinen Satz aufgeben, den ich doch vorher durchdacht habe; so kann es leicht kommen, daß ich, durch einen augenblicklichen Eindruck verleitet, die Wahrheit aufgebe um den Irrthum anzunehmen

5 [Daneben am Rand:] Doctrina sed vim promovet insitam. [Hor.

6 [Daneben am Rand:] Top. I, 2.

7 [Dazu am Rand:] Und andrerseits ist er im Buche de elenchis sophisticis wieder zu sehr bemüht die Dialektik zu trennen von der Sophistik und Eristik: wo der Unterschied darin liegen soll, daß dialektisch[e] Schlüsse in Form und Gehalt wahr, Eristische oder Sophistische (die sich bloß durch den Zweck unterscheiden, der bei ersteren (Eristik) das Rechthaben an sich, bei leßtern (Sophistik) das dadurch zu erlangende Ansehn und das durch dieses zu erwerbende Geld ist) aber falsch sind. Ob Sätze dem Gehalt nach wahr sind, ist immer viel zu ungewiß, als daß man daraus den Unterscheidungsgrund nehmen sollte: und am wenigsten kann der Disputirende selbst darüber völlig gewiß seyn: selbst das Resultat der Disputation giebt erst einen unsichern Aufschluß darüber. Wir müssen also unter Dialektik des Aristoteles Sophistik, Eristik, Peirastik mitbegreifen und sie definiren als die Kunst im Disputiren Recht zu behalten: wobei freilich das größte Hülfsmittel ist zuvörderst in der Sache Recht zu haben: allein für sich ist dies bei der Sinnesart der Menschen nicht zureichend und andrerseits bei der Schwäche ihres Verstandes nicht durchaus nothwendig: es gehören also noch andre Kunstgriffe dazu, welche, eben weil sie vom objektiven Rechthaben unabhängig sind, auch gebraucht werden können, wenn man obj[ektiv] Unrecht hat: und ob dies der Fall sei, weiß man fast nie ganz gewiß. Meine Ansicht also ist, die Dialektik von der Logik schärfer zu sondern als Aristoteles gethan hat, der Logik die objektive Wahrheit, so weit sie formell ist, zu lassen: und die Dialektik auf das Rechtbehalten zu beschränken: dagegen aber Sophistik und Eristik nicht so von ihr zu trennen wie Aristoteles thut: da dieser Unterschied auf der objektiven materiellen Wahrheit beruht, über die wir nicht sicher zum voraus im klaren seyn können: sondern mit Pontius Pilatus sagen müssen: was ist die Wahrheit? — [d]enn veritas est in puteo: εν βυθω ἡ αληθεια: Spruch des Democrit: Diog. Laert. IX, 72. Es ist leicht zu sagen, daß man beim Streiten nichts [a]nderes bezwecken soll als die Zutageförderung der Wahrheit: allein man weiß ja noch nicht wo sie ist: man wird durch die Argumente des Gegners und durch seine eigenen irre geführt. — Uebrigens re intellecta, in verbis simus faciles: da man den Namen Dialektik im Ganzen für gleichbedeutend mit Logik zu nehmen pflegt, wollen wir unsre Disciplin Dialectica eristica, eristische Dialektik nennen. —

8 [Dabei der Zusatz:] (Man muß allemal den Gegenstand einer Disciplin von dem jeder andern rein sondern.)

Eristic dialectic [1] is the art of disputing, and of disputing in such a way that one remains in the right, by fair means or foul.2 One may be objectively right about the matter itself and yet come away wrong in the eyes of the bystanders, sometimes even in one's own. For when an opponent refutes my proof and this is taken as a refutation of the assertion itself, although other proofs of it may exist, the situation is naturally reversed for the opponent: he comes away right while objectively wrong. Thus the objective truth of a proposition and its acceptance by the disputants and their hearers are two different things. Dialectic is directed toward the latter.

Where does this come from? From the natural wickedness of the human race. Were this absent, were we honest to the core, we would seek in every debate only to bring the truth to light, quite unconcerned whether it favored the opinion we had first advanced or the other person's.3 That would be a matter of indifference, or at least wholly secondary. Now, however, it is the chief concern. Our inborn vanity, particularly sensitive about our intellectual powers, will not allow what we first asserted to prove false and the opponent's assertion right. Each of us should therefore strive only to judge correctly, thinking first and speaking afterward. But in most people, talkativeness and an inborn dishonesty join this inborn vanity. They speak before they have thought; even if they later notice that their assertion is false and they are wrong, they still want it to appear the other way around. The interest in truth, which was probably most often the sole motive for advancing the supposedly true proposition, now yields entirely to the interest of vanity: truth must appear false and falsehood true.

Yet even this dishonesty, this persistence in a proposition that already seems false to us, has an excuse. We are often firmly convinced at first of the truth of our assertion; now the opponent's argument seems to overthrow it. If we immediately abandon its cause, we often discover afterward that we were right after all. Our proof was false, but a correct proof of the assertion was possible; the saving argument simply did not occur to us at once. Thus there arises in us the maxim of continuing to fight even when the counterargument seems correct and decisive, in the belief that its correctness is merely apparent and that, as we dispute, an argument will occur to us that overturns it or otherwise confirms our own truth. This all but compels us to be dishonest in disputation, or at least readily tempts us. The weakness of our understanding and the perversity of our will thus support one another. Hence, as a rule, the disputant fights not for truth but for his proposition, as if for hearth and home, proceeding by fair means or foul; indeed, as we have seen, he can hardly do otherwise.

Each person will therefore generally wish to carry his assertion through even when it seems false or doubtful to him for the moment.4 His own cunning and wickedness put the means for this to some extent into his hands: daily experience in disputation teaches it. Everyone therefore has his natural dialectic, just as he has his natural logic. But the former guides him far less securely than the latter. Hardly anyone will readily think or infer against the laws of logic: false judgments are common, false inferences exceedingly rare. A person therefore seldom reveals a lack of natural logic, but may well reveal a lack of natural dialectic. This is an unequally distributed natural gift—in this resembling the power of judgment, which is distributed very unequally, whereas reason is essentially equal. For it often happens that we allow merely specious argument to confound and refute us when we are actually right, or the reverse. Whoever emerges victorious from a dispute very often owes it not so much to the correctness of his judgment in advancing his proposition as to the cunning and dexterity with which he defended it. Here, as everywhere, the inborn gift is best;5 yet practice and reflection upon the maneuvers by which one throws an opponent, or which he generally uses to throw others, can do much to make one a master of this art. Thus, even if logic can have no properly practical use, dialectic certainly can. It also seems to me that Aristotle developed his logic proper, the Analytics, chiefly as a foundation and preparation for dialectic, which was his main concern. Logic deals with the bare form of propositions; dialectic with their import or matter, their content. The consideration of form as the universal therefore had to precede that of content as the particular.

Aristotle does not define the purpose of dialectic as sharply as I have. He does name disputation as its chief purpose, but also the discovery of truth.6 Later he says again that propositions should be treated philosophically according to truth, dialectically according to appearance or approval, the opinion of others—doxa. Top. I, 12. He is aware of the distinction and separation between the objective truth of a proposition and establishing its acceptance, or obtaining approval. But he does not keep them sharply enough apart to assign dialectic only the latter.7 Rules directed toward this latter purpose are therefore often intermingled with rules directed toward the former. Hence it seems to me that he has not resolved his task in its purity.8

1 [Earlier addition:] The ancients generally use logic and dialectic as synonyms; so do the moderns. [The following is crossed out in ink:] I, however, say.

2 “Eristic” would merely be a harsher word for the same thing. Aristotle, according to Diog. Laert. V, 28, grouped rhetoric with dialectic, whose purpose is persuasion, to pithanon; then analytics with philosophy, whose purpose is truth. “Dialectic is the art of arguments by which we refute or establish something through the questioning and answering of the participants in the conversation.” Diog. Laert. III, 48 in vita Platonis.

Aristotle distinguishes 1) logic or analytics, the theory of or instruction in true, apodictic inferences; 2) dialectic, instruction in inferences that pass as true, that have currency as true—endoxa, probabilia (Top. I. c. 1 [et] 12). It is not established that these are false, but neither is it established that they are true in themselves; that is not what matters. Yet what is this but the art of remaining in the right, regardless of whether one is fundamentally right or not? It is the art of acquiring the appearance of truth, unconcerned with the matter itself. Hence what was said at the beginning. Aristotle actually divides inferences into logical and dialectical, as just described; then 3) eristic ones, eristic, in which the form of inference is correct but the propositions themselves, the matter, are not true and only appear so; and finally 4) sophistical ones, sophistry, in which the form of inference is false but appears correct. All three latter kinds properly belong to eristic dialectic, since all aim not at objective truth but at its appearance, unconcerned with truth itself: at remaining in the right. The book on sophistical inferences was only published separately later; it was the last book of dialectic.

3 [Note beneath:] See Buhle's Latin introductions to Topica and Elenchi.

4 [Accompanying note:] Machiavelli advises the prince to seize every moment of his neighbor's weakness to attack him, since otherwise that neighbor may one day seize the moment when the prince is weak. If loyalty and honesty prevailed, it would be different. But since one cannot count on them, one must not practice them: they are poorly rewarded. It is the same in disputation. If I concede that the opponent is right as soon as he seems so, he will hardly do the same when the case is reversed; rather, he will proceed wrongfully, and so must I. It is easy to say that one should follow truth alone without partiality toward one's proposition; but one must not assume that the other person will do so, and therefore must not do so oneself. Besides, if, as soon as he seems to be right, I were to abandon a proposition I had previously thought through, I could easily be misled by a momentary impression into abandoning truth and embracing error.

5 [Beside this in the margin:] Yet learning advances inborn strength. [Hor.

6 [Beside this in the margin:] Top. I, 2.

7 [Added in the margin:] Yet in the book de elenchis sophisticis, he is again too intent on separating dialectic from sophistry and eristic. The distinction is supposed to be that dialectical inferences are true in form and content, while eristic or sophistical inferences are false. These two differ only in purpose: the former, eristic, seeks to be right in itself; the latter, sophistry, seeks the reputation to be gained thereby and the money that reputation will earn. Whether propositions are true in content is always far too uncertain to furnish a basis for this distinction. Least of all can the disputant himself be perfectly certain of it: even the result of the dispute gives only an uncertain indication. Under Aristotle's dialectic we must therefore include sophistry, eristic and the art of examination, and define it as the art of remaining in the right in disputation. The greatest aid is certainly to be right about the matter at the outset. But given the disposition of human beings, this is insufficient by itself; given the weakness of their understanding, it is not even absolutely necessary. Other stratagems are needed, which, precisely because they are independent of objective rightness, can also be used when one is objectively wrong; and one almost never knows this with complete certainty.

My view, then, is to distinguish dialectic more sharply from logic than Aristotle did: to leave objective truth to logic, insofar as it is formal, and restrict dialectic to remaining in the right. On the other hand, sophistry and eristic should not be separated from it as Aristotle separates them. That distinction rests on objective material truth, of which we cannot be securely certain beforehand. Rather, we must say with Pontius Pilate: what is truth? For truth lies in a well: en bytho he aletheia, a saying of Democritus. Diog. Laert. IX, 72. It is easy to say that in a dispute one should seek nothing but to bring truth to light; but one does not yet know where it lies. One is led astray by the opponent's arguments and one's own. Besides, once the matter is understood, let us be easy about words. Since the name dialectic is generally taken as synonymous with logic, we will call our discipline eristic dialectic, Dialectica eristica.

8 [Accompanying addition:] One must always distinguish the subject of one discipline cleanly from that of every other.

Aristotle’s Topics

Aristoteles hat in den Topicis die Aufstellung der Dialektik mit seinem eignen wissenschaftlichen Geist äußerst methodisch und systematisch angegriffen und dies verdient Bewunderung, wenn gleich der Zweck, der hier offenbar praktisch ist, nicht sonderlich erreicht worden. Nachdem er in den Analyticis die Begriffe, Urtheile und Schlüsse der reinen Form nach betrachtet hatte, geht er nun zum Inhalt über, wobei er es eigentlich nur mit den Begriffen zu thun hat: denn in diesen liegt ja der Gehalt. Sätze und Schlüsse sind rein für sich bloße Form: die Begriffe sind ihr Gehalt.1 — Sein Gang ist folgender. Jede Disputation hat eine Thesis oder Problem (diese differiren bloß in der Form) und dann Sätze die es zu lösen dienen sollen. Es handelt sich dabei immer um das Verhältniß von Begriffen zu einander. Dieser Verhältnisse sind zunächst vier. Man sucht nämlich von einem Begriff, entweder 1) seine Definition, oder 2) sein Genus, oder 3) sein Eigenthümliches, wesentliches Merkmal, proprium, ιδιον, oder 4) sein accidens d. i. irgend eine Eigenschaft gleichviel ob Eigenthüm[liches] und Ausschließ[liches] oder nicht, kurz ein Prädikat. Auf eins dieser Verhältnisse ist das Problem jeder Disputation zurückzuführen. D[ie]s ist die Basis der ganzen Dialektik. In den 8 Büchern derselben stellt er nun alle Verhältnisse, die Begriffe in jenen vier Rücksichten wechselseitig zu einander haben können, auf und giebt die Regeln für jedes mögliche Verhältniß; wie nämlich ein Begriff sich zum andern verhalten müsse um dessen proprium, dessen accidens, dessen genus, dessen definitum oder Definition zu seyn: welche Fehler bei der Aufstellung leicht gemacht werden, und jedesmal was man demnach zu beobachten habe, wenn man selbst ein solches Verhältniß aufstellt (κατασκευαζειν) und was man, nachdem der andre es aufgestellt, thun könne es umzustoßen (ανασκευαζειν). Die Aufstellung jeder solchen Regel oder jedes solchen allgemeinen Verhältnisses jener Klassen-Begriffe zu einander nennt er τοπος, locus, und giebt 382 solcher τοποι: daher Topica. Diesem fügt er noch einige allgemein[e] Regeln bei, über das Disputiren überhaupt, die jedoch lange nicht erschöpfend sind. Der τοπος ist also kein rein materieller, bezieht sich nicht auf einen bestimmten Gegenstand, oder Begriff; sondern er betrifft immer ein Verhältniß ganzer Klassen von Begriffen, welches unzähligen Begriffen gemein seyn kann, sobald sie zu einander in einer der erwähnten vier Rücksichten betrachtet werden, welches bei jeder Disputation statt hat. Und diese vier Rücksichten haben wieder untergeordnete Klassen. Die Betrachtung ist hier also noch immer gewissermaaßen formal, jedoch nicht so rein formal wie in der Logik, da sie sich mit dem Inhalt der Begriffe beschäftigt, aber auf eine formelle Weise, nämlich sie giebt an wie der Inhalt des Begriffs A sich verhalten müsse zu dem des Begriffs B, damit dieser aufgestellt werden könne als dessen genus oder dessen proprium (Merkmal) oder dessen accidens oder dessen Definition oder nach den diesen untergeordneten Rubriken, von Gegentheil αντικειμενον, Ursach und Wirkung, Eigenschaft und Mangel u. s.w.: und um ein solches Verhältniß soll sich jede Disputation drehen. Die meisten Regeln die er nun eben als τοποι über diese Verhältnisse angiebt, sind solche die in der Natur der Begriffsverhältnisse liegen, deren jeder sich von selbst bewußt ist, und auf deren Befolgung vom Gegner er schon von selbst dringt, eben wie in der Logik, und die es leichter ist im speciellen Fall zu beobachten oder ihre Vernachlässigung zu bemerken, als sich des abstrakten τοπος darüber zu erinnern: daher eben der praktische Nutzen dieser Dialektik nicht groß ist. Er sagt fast lauter Dinge die sich von selbst verstehn und auf deren Beachtung die gesunde Vernunft von selbst geräth. Beispiele: „Wenn von einem Dinge das Genus behauptet wird, so muß ihm auch irgend eine Species dieses genus zukommen: ist dies nicht, so ist die Behauptung falsch: z. B. es wird behauptet, die Seele habe Bewegung; so muß ihr irgend eine bestimmte Art der Bewegung eigen seyn, Flug, Gang, Wachsthum, Abnahme u. s.w. — ist dies nicht, so hat sie auch keine Bewegung. — Also wem keine Species zukommt, dem auch nicht das genus: das ist der τοπος.“ Dieser τοπος gilt zum Aufstellen und zum Umwerfen. Es ist der 9. τοπος. Und umgekehrt: wem das Genus nicht zukommt, kommt auch keine Species zu: z. B. Einer soll (wird behauptet) von einem Andern schlecht geredet haben: — Beweisen wir, daß er gar nicht geredet hat; so ist auch jenes nicht: denn wo das genus nicht ist, kann die Species nicht seyn.

Unter der Rubrik d[a]s Eigenthüml[iche], proprium, lautet der 215. locus so: „Erstlich zum Umstoßen: wenn der Gegner als Eigenthümliches etwas angiebt, das nur sinnlich wahrzunehmen ist; so ists schlecht angegeben: denn alles Sinnliche wird ungewiß sobald es aus dem Bereich der Sinne hinaus kommt: z. B. er setzt als Eigenthümliches der Sonne, sie sei das hellste Gestirn das über die Erde zieht: — das taugt nicht: denn wenn die Sonne untergegangen, wissen wir nicht ob sie über die Erde zieht, weil sie dann außer dem Bereich der Sinne ist. — Zweitens zum Aufstellen: das Eigenthümliche wird richtig angegeben, wenn ein solches aufgestellt wird, das nicht sinnlich erkannt wird, oder wenn sinnlich erkannt, doch nothwendig vorhanden: z. B. als Eigenthümliches der Oberfläche werde angegeben, daß sie zuerst gefärbt wird; so ist dies zwar ein sinnliches Merkmal, aber ein solches, das offenbar allezeit vorhanden, also richtig.“ — Soviel um Ihnen einen Begriff von der Dialektik des Aristoteles zu geben. Sie scheint mir den Zweck nicht zu erreichen: ich habe es also anders versucht. Cicero’s Topica sind eine Nachahmung der Aristotelischen aus dem Gedächtniß: höchst seicht und elend: Cicero hat durchaus keinen deutlichen Begriff von dem was ein topus ist und bezweckt, und so radotirt er ex ingenio allerhand Zeug durcheinander, und staffirt es reichlich mit juristischen Beispielen aus. Eine seiner schlechtesten Schriften.

1 [Dazu am Rand:] Die Begriffe lassen sich aber unter gewisse Klassen bringen, wie Genus und Species, Ursach und Wirkung, Eigenschaft und Gegentheil, Haben und Mangel, u. dgl. m.; und für diese Klasse[n] gelten einige allgemeine Regeln: diese sind die loci, τοποι. — Z. B. ein Locus von Ursach und Wirkung ist: „die Ursach der Ursach ist Ursach der Wirkung“, angewandt: „die Ursach meines Glücks ist mein Reichthum: also ist auch der welcher mir den Reichthum gab Urheber meines Glücks.“ Loci von Gegensätzen: 1) Sie schließen sich aus, z. B. grad und krumm. 2) Sie sind im selben Subjekt: z. B. hat die Liebe ihren Sitz im Willen (επιθυμητικον), so hat der Haß ihn auch. — Ist aber dieser im Sitz des Gefühls (θυμοειδες), dann die Liebe auch. — Kann die Seele nicht weiß seyn, so auch nicht schwarz. — 3) Fehlt der niedrigre Grad, so fehlt auch der höhere: ist ein Mensch nicht gerecht, so ist er auch nicht wohlwollend. — Sie sehn hieraus daß die Loci sind gewisse allgemeine Wahrheiten, die ganze Klassen von Begriffen treffen, auf die man also bei vorkommenden einzelnen Fällen zurückgehn kann, um aus ihnen seine Argumente zu schöpfen, auch um sich auf sie als allgemein einleuchtend zu berufen. Jedoch sind die meisten sehr trüglich und vielen Ausnahmen unterworfen: z. B. es ist ein locus: entgegengesetzte Dinge haben entgegengesetzte Verhältnisse, z. B. die Tugend ist schön, das Laster häßlich. — Freundschaft ist wohlwollend, Feindschaft übelwollend. — Aber nun: Verschwendung ist ein Laster, also Geiz eine Tugend; Narren sagen die Wahrheit: also lügen die Weisen: geht nicht. Tod ist Vergehn, also Leben Entstehn: falsch.

[Zusatz:] Beispiel von der Trüglichkeit solcher topi: Scotus Erigena im Buch de praedestinatione cap. 3, will die Ketzer widerlegen, welche in Gott [zwei] praedestinationes (eine der Erwählten zum Heil, eine der Verworfnen zur Verdammniß) annahmen, und gebraucht dazu diesen (Gott weiß woher genommnen) topus: „Omnium, quae sunt inter se contraria, necesse est eorum causas inter se esse contrarias; unam enim eandemque causam diversa, inter se contraria efficere ratio prohibet.“ So! — aber die experientia docet, daß dieselbe Wärme den Ton hart und das Wachs weich macht, und hundert ähnliche Dinge. Und dennoch klingt der topus plausibel. Er baut seine Demonstration aber ruhig auf dem topus au[f] [Sch.: aus], die geht uns weiter nichts an. —

Eine ganze Sammlung von Locis mit ihren Widerlegungen hat Baco d[e] Ver[ulamio] zusammengestellt unter dem Titel Colores boni et mali. — Sie sind hier als Beispiel[e] zu brauchen. Er nennt sie Sophismata.

[Zusatz, nach Art der Eintragung zeitlich früher als der vorhergehende Zusatz:] Als ein Locus kann auch das Argument betrachtet werden durch welches im Symposium Socrates dem Agathon, der der Liebe alle vortreffliche[n] Eigenschaften, Schönheit, Güte u. s. w. beigelegt hatte, das Gegentheil beweist: „Was Einer sucht, das hat er nicht: nun sucht die Liebe das Schöne und Gute; also hat sie solche nicht.“

[Zusatz:] Es hat etwas Scheinbares, daß es gewisse allgemeingültige Wahrheiten gäbe, die auf Alles anwendbar wären und durch die man also alle vorkommenden einzelnen noch so verschiedenartigen Fälle, ohne näher auf ihr Specielles einzugehn, entscheiden könnte. (Das Gesetz der Kompensation ist ein ganz guter locus.) Allein es geht nicht, eben weil die Begriffe durch Abstraktion von den Differenzen entstanden sind und daher das Verschiedenartigste begreifen, welches sich wieder hervorthut, wenn mittelst der Begriffe die einzelnen Dinge der verschiedensten Arten aneinandergebracht werden und nu[r] nach den obern Begriffen entschieden wird. Es ist sogar dem Menschen natürlich beim Disputiren sich, wenn er bedrängt wird, hinter irgend einen allgemeinen topus zu retten. Loci sind auch die lex parsimoniae naturae; — auch: natura nihil facit frustra. — [Später Zusatz:] Ja, alle Sprichwörter sind loci mit praktischer Tendenz.

In the Topics, Aristotle undertook the construction of dialectic with his own scientific spirit, proceeding most methodically and systematically. This deserves admiration, although the purpose, plainly a practical one here, was not particularly well achieved. After considering concepts, judgments and inferences in the Analytics according to their pure form, he now turns to their content. In doing so he is really concerned only with concepts, for it is in these that the content lies. Propositions and inferences, taken by themselves, are bare form; concepts are their content.1 His procedure is as follows. Every dispute has a thesis or problem—these differ only in form—and then propositions intended to help resolve it. The matter at issue is always the relationship of concepts to one another. There are initially four such relationships. Of a concept one seeks either 1) its definition, 2) its genus, 3) its peculiar, essential characteristic, its proprium, idion, or 4) its accidens: some attribute, whether peculiar and exclusive or not—in short, a predicate. The problem of every dispute must be referred to one of these relationships. This is the basis of the whole of dialectic. Throughout its eight books he sets out all the relationships concepts can bear to one another in these four respects, and gives rules for every possible relationship: how one concept must relate to another to be its proprium, accidens, genus, definitum or definition; what errors are easily made in establishing such a relationship; and in each case what one must observe when establishing it oneself—kataskeuazein—and what one can do to overturn it after another has established it—anaskeuazein. He calls the formulation of each such rule, or each such general relationship between those classes of concepts, a topos, locus, and gives 382 such topoi: hence Topica. To these he adds a few general rules about disputation itself, though they are far from exhaustive.

A topos is thus not purely material: it does not refer to a particular object or concept, but always concerns a relationship between whole classes of concepts. This relationship may be shared by countless concepts as soon as they are considered in relation to one another in one of the four respects mentioned, as happens in every dispute. These four respects have subordinate classes in turn. The consideration is therefore still in a sense formal, though not as purely formal as in logic. It concerns the content of concepts, but in a formal way: it states how the content of concept A must relate to that of concept B for the latter to be established as its genus, proprium or characteristic, accidens, or definition, or under the subordinate headings of opposite, antikeimenon, cause and effect, attribute and privation, and so forth. Every dispute is supposed to turn upon such a relationship. Most of the rules he gives as topoi about these relationships are inherent in the nature of conceptual relationships, apparent to everyone without instruction, and such that everyone already insists on the opponent's observing them, just as in logic. It is easier to observe them in a particular case, or notice their neglect, than to recall the abstract topos concerning them. Hence the practical use of this dialectic is slight. He says almost nothing but what is self-evident and what sound reason naturally leads us to observe. Examples: “If a thing is asserted to have a genus, it must also have some species of that genus. Otherwise the assertion is false. For example, it is asserted that the soul has movement: it must therefore possess some particular kind of movement—flight, walking, growth, decline, and so forth. If it does not, it has no movement either. Thus what has no species has no genus either: that is the topos.” This topos serves both to establish and to overthrow. It is the ninth topos. Conversely, what has no genus has no species either. For example, someone is alleged to have spoken ill of another: if we prove that he did not speak at all, neither did he do that, for where there is no genus there can be no species.

Under the heading of the peculiar characteristic, proprium, the 215th locus runs as follows: “First, for overthrowing: if the opponent gives as a peculiar characteristic something perceptible only to the senses, he has given a poor account of it. For everything sensible becomes uncertain as soon as it passes beyond the reach of the senses. Suppose, for example, he assigns to the sun as its peculiar characteristic that it is the brightest star passing over the earth. This will not do: once the sun has set, we do not know whether it is passing over the earth, since it is then outside the reach of the senses. Second, for establishing: a peculiar characteristic is correctly assigned when one is advanced that is not known through the senses, or, if known through the senses, is nevertheless necessarily present. For example, suppose the peculiar characteristic assigned to a surface is that it is the first thing to be colored. This is indeed a sensible characteristic, but one plainly always present, and therefore correct.” So much to give you some idea of Aristotle's dialectic. It seems to me not to achieve its purpose; I have therefore attempted it differently. Cicero's Topica is an imitation of Aristotle's from memory, exceedingly shallow and wretched. Cicero has no clear conception whatever of what a topus is and what it aims at. So he rambles out all manner of things from his own invention and furnishes them lavishly with legal examples. One of his worst writings.

1 [Added in the margin:] Concepts, however, can be brought under certain classes, such as genus and species, cause and effect, attribute and opposite, possession and privation, and the like. Certain general rules hold for these classes: these are the loci, topoi. For example, a locus of cause and effect is: “The cause of the cause is the cause of the effect.” Applied: “The cause of my happiness is my wealth; therefore the person who gave me the wealth is also the author of my happiness.” Loci of opposites: 1) They exclude one another, as straight and curved do. 2) They reside in the same subject. For example, if love has its seat in the will, epithymetikon, so does hatred. But if the latter is seated in feeling, thymoeides, then so is love. If the soul cannot be white, neither can it be black. 3) Where the lower degree is absent, the higher is absent too: if a person is not just, neither is he benevolent. You see from this that loci are certain general truths applying to whole classes of concepts, to which one can turn in particular cases to draw arguments from them, and also appeal to them as generally evident. Most, however, are very deceptive and subject to many exceptions. For example, there is a locus: opposite things have opposite relationships. Virtue is beautiful, vice ugly; friendship benevolent, enmity malevolent. But now: extravagance is a vice, therefore miserliness a virtue; fools tell the truth, therefore the wise lie. That will not do. Death is passing away, therefore life is coming into being: false.

[Addition:] An example of the deceptiveness of such topoi: Scotus Erigena, in the book de praedestinatione cap. 3, seeks to refute the heretics who assumed two predestinations in God, one of the elect to salvation and one of the rejected to damnation. He uses this topos, taken from God knows where: “Of all things contrary to one another, their causes must also be contrary to one another; for reason forbids one and the same cause to produce different things contrary to one another.” Indeed! But experience teaches that the same heat hardens clay and softens wax, and a hundred similar things. Yet the topos sounds plausible. He calmly builds his demonstration upon it; the demonstration concerns us no further.

Bacon of Verulam assembled a whole collection of loci and their refutations under the title Colores boni et mali. These may be used here as examples. He calls them Sophismata.

[Addition, earlier in date than the preceding addition, judging by the manner of its entry:] Another locus may be seen in the argument by which, in the Symposium, Socrates proves to Agathon the opposite of what he had asserted when attributing every excellent quality—beauty, goodness and so forth—to Love: “What a person seeks, he does not have. Now love seeks the beautiful and the good; therefore it does not have them.”

[Addition:] There is something plausible in the idea of certain universally valid truths applicable to everything, by which one could decide every particular case, however different, without examining its particular nature more closely. The law of compensation is quite a good locus. But this will not work, precisely because concepts arise by abstraction from differences and therefore embrace the most diverse things. Their diversity reasserts itself when concepts bring together particular things of the most different kinds and a decision is made solely according to the higher concepts. Indeed, it is natural for a person under pressure in a dispute to take refuge behind some general topus. Loci also include the law of nature's economy, and “nature does nothing in vain.” [Later addition:] Yes, all proverbs are loci with a practical tendency.

The task of dialectic

Um die Dialektik rein aufzustellen muß man, unbekümmert um die objektive Wahrheit (welche Sache der Logik ist), sie bloß betrachten als die Kunst Recht zu behalten, welches freilich um so leichter seyn wird, wenn man in der Sache selbst Recht hat. Aber die Dialektik als solche muß bloß lehren, wie man sich gegen Angriffe aller Art, besonders gegen unredliche vertheidigt, und eben so wie man selbst angreifen kann, was der Andre behauptet, ohne sich selbst zu widersprechen und überhaupt ohne widerlegt zu werden. Man muß die Auffindung der objektiven Wahrheit rein trennen von der Kunst seine Sätze als wahr geltend zu machen: jenes ist [Sache] einer ganz ander[n] πραγματεια, es ist das Werk der Urtheilskraft, des Nachdenkens, der Erfahrung, und giebt es dazu keine eigne Kunst: das zweite aber ist der Zweck der Dialektik. Man hat sie definirt als die Logik des Scheins: falsch: dann wäre sie bloß brauchbar zur Vertheidigung falscher Sätze: allein auch wenn man Recht hat, braucht man Dialektik es zu verfechten, und muß die unredlichen Kunstgriffe kennen, um ihnen zu begegnen: ja oft selbst welche brauchen, um de[n] Gegner mit gleichen Waffen zu schlagen. Dieserhalb also muß bei der Dialektik die objektive Wahrheit bei Seite gesetzt oder als accidentell betrachtet werden: und bloß darauf geseh[n] werden, wie man seine Behauptung[en] vertheidigt und die des Andern umstößt: bei den Regeln hiezu darf man die objektive Wahrheit nicht berücksichtigen, weil meistens unbekannt ist wo sie liegt:1 oft weiß man selbst nicht ob man Recht hat oder nicht, oft glaubt man es und irrt sich, oft glauben es beide Theile: denn veritas est in puteo (εν βυθω ἡ αληθεια, Democrit): beim Entstehn des Streits glaubt in der Regel Jeder die Wahrheit auf seiner Seite zu haben: beim Fortgang werden beide zweifelhaft: das Ende soll eben erst die Wahrheit ausmachen, bestätigen. Also darauf hat sich die Dialektik nicht einzulassen: so wenig wie der Fechtmeister berücksichtigt wer bei dem Streit, der das Duell herbeiführte, eigentlich Recht hat: treffen und pariren, darauf kommt es an: eben so in der Dialektik: sie ist eine geistige Fechtkunst: nur so rein gefaßt, kann sie als eigne Disciplin aufgestellt werden: denn setzen wir uns zum Zweck die rein[e] objektive Wahrheit, so kommen wir auf bloße Logik zurück: setzen wir hingegen zum Zweck die Durchführung falscher Sätze, so haben wir bloße Sophistik. Und bei beiden würde vorausgesetzt seyn, daß wir schon wüßten, was objektiv wahr und falsch ist: das ist aber selten zum Voraus gewiß. Der wahre Begriff der Dialektik ist also der aufgestellte: geistige Fechtkunst zum Rechtbehalten im Disputiren: obwohl der Name Eristik passender wäre: am richtigsten wohl Eristische Dialektik: Dialectica eristica. Und sie ist sehr nützlich: man hat sie mit Unrecht in neuer[n] Zeiten vernachlässigt.

Da nun in diesem Sinne die Dialektik bloß eine auf System und Regel zurückgeführte Zusammenfassung und Darstellung jener von der Natur eingegebnen Künste seyn soll, deren sich die meisten Menschen bedienen, wenn sie merken daß im Streit die Wahrheit nicht auf ihrer Seite liegt, um dennoch Recht zu behalten; — so würde es auch dieserhalb sehr zweckwidrig seyn wenn man in der wissenschaftlichen Dialektik auf die objektive Wahrheit und deren Zutageförderung Rücksicht nehmen wollte, da es in jener ursprünglichen und natürlichen Dialektik nicht geschieht, sondern das Ziel bloß das Rechthaben ist. Die wissenschaftliche Dialektik in unserm Sinne hat demnach zur Hauptaufgabe, jene Kunstgriffe der Unredlichkeit im Disputiren aufzustellen und zu analysiren: damit man bei wirklichen Debatten sie gleich erkenne und vernichte. Eben daher muß sie in ihrer Darstellung eingeständlich bloß das Rechthaben, nicht die objektive Wahrheit, zum Endzweck nehmen.

Mir ist nicht bekannt daß in diesem Sinne etwas geleistet wäre obwohl ich mich weit und breit umgesehn habe2: es ist also ein noch unbebautes Feld. Um zum Zwecke zu kommen, müßte man aus der Erfahrung schöpfen, beachten, wie, bei den im Umgange häufig vorkommenden Debatten, dieser oder jener Kunstgriff von einem und dem andern Theil angewandt wird, sodann die unter andern Formen wiederkehrenden Kunstgriffe auf ihr Allgemeines zurückführen, und so gewisse allgemeine Stratagemata aufstellen, die dann sowohl zum eignen Gebrauch, als zum Vereiteln derselben, wenn der And[re] sie braucht, nützlich wären.

Folgendes sei als erster Versuch zu betrachten.

1 [Daneben am Rand:] Veritas est in puteo, εν βυθω ἡ αληθεια, Spruch des Demokrit, Diog. Laert. IX, 72. Oft streiten zwei sehr lebhaft; und dann geht Jeder mit der Meinung des Andern nach Hause: sie haben getauscht.

2 [Dazu am Rand:] Nach Diogenes Laertius gab es unter den vielen rhetorischen Schriften des Theophrastos, die sämmtlich verloren gegangen, eine, deren Titel war Αγωνιστικον της περι τους εριστικους λογους θεωριας. Das wäre unsre Sache.

To establish dialectic in its purity, we must leave objective truth aside—it is the concern of logic—and regard dialectic solely as the art of remaining in the right. This will of course be easier when one is actually right about the matter. But dialectic as such must teach only how to defend oneself against attacks of every kind, especially dishonest ones, and how in turn to attack another's assertions without contradicting oneself or being refuted at all. The discovery of objective truth must be cleanly separated from the art of securing acceptance for one's propositions as true. The former belongs to an entirely different inquiry: it is the work of judgment, reflection and experience, and there is no special art for it. The latter is the purpose of dialectic. Dialectic has been defined as the logic of appearances: falsely, for then it would serve only to defend false propositions. Yet even when one is right, one needs dialectic to uphold one's position, and must know dishonest stratagems to meet them, indeed often use some oneself to defeat the opponent with equal weapons. Thus objective truth must be set aside in dialectic or treated as incidental. We must consider only how to defend our assertions and overthrow the other's; rules for this must not take objective truth into account, since we generally do not know where it lies.1 Often we ourselves do not know whether we are right; often we believe we are and are mistaken; often both parties believe it. For truth lies in a well—truth is in the depths, Democritus. At the beginning of a dispute each generally believes truth to be on his side; as it proceeds, both become doubtful; the outcome is meant to determine and confirm the truth for the first time. Dialectic must therefore no more concern itself with this than the fencing master concerns himself with who was really right in the quarrel that brought about the duel. Striking and parrying are what matter. So too in dialectic: it is intellectual fencing. Only when conceived so purely can it be established as a separate discipline. For if we make pure objective truth our goal, we return to mere logic; if we make the successful assertion of false propositions our goal, we have mere sophistry. Both would presuppose that we already knew what was objectively true and false, but this is seldom certain beforehand. The true conception of dialectic is therefore the one advanced here: intellectual fencing to remain in the right in disputation. “Eristic” would be a more suitable name; most accurately, “eristic dialectic,” Dialectica eristica. It is very useful; it has been unjustly neglected in more recent times.

Since dialectic in this sense is to be only a systematic, rule-governed collection and presentation of the arts that nature inspires in most people when they notice that truth is not on their side in a dispute and nevertheless wish to remain in the right, it would also be quite contrary to its purpose for scientific dialectic to consider objective truth and the means of bringing it to light. Original, natural dialectic does not do so: its sole aim is being right. Scientific dialectic in our sense therefore has as its principal task to set out and analyze the stratagems of dishonesty in disputation, so that in actual debates they may be recognized and destroyed at once. Precisely for this reason, its presentation must avowedly make being right, not objective truth, its ultimate goal.

I know of nothing that has been accomplished in this sense, although I have looked far and wide.2 It is therefore an untilled field. To achieve the purpose, one would have to draw upon experience, observe how one stratagem or another is employed by either party in the debates that so often occur in conversation, then reduce stratagems recurring in different forms to their general character. In this way one would establish certain general stratagems, useful both for one's own employment and for thwarting them when the other person employs them.

Let the following be regarded as a first attempt.

1 [Beside this in the margin:] Truth lies in a well, truth is in the depths, a saying of Democritus. Diog. Laert. IX, 72.

Two people often dispute very vigorously, and then each goes home with the other's opinion: they have exchanged views.

2 [Added in the margin:] According to Diogenes Laertius, among the many rhetorical writings of Theophrastus, all now lost, there was one entitled The Theory of Eristic Arguments in Contest. That would be our subject.

Basis of all dialectic

Zuvörderst ist zu betrachten das Wesentliche jeder Disputation, was eigentlich dabei vorgeht.

Der Gegner hat eine These aufgestellt (oder wir selbst, das ist gleich). Sie zu widerlegen giebts zwei Modi und zwei Wege.

1) Die Modi: a) ad rem, b) ad hominem, oder ex concessis: d. h. wir zeigen entweder daß der Satz nicht übereinstimmt mit der Natur der Dinge, der absoluten objektiven Wahrheit: oder aber nicht mit ander[n] Behauptungen oder Einräumungen des Gegners, d. h. mit der relativen subjektiven Wahrheit: letzteres ist nur eine relative Ueberführung und macht nichts aus über die objektive Wahrheit.

2) Die Wege: a) direkte Widerlegung, b) indirekte. — Die direkte greift die These bei ihren Gründen an, die indirekte bei ihren Folgen: die direkte zeigt, daß die These nicht wahr ist, die indirekte daß sie nicht wahr seyn kann.

1) Bei der direkten können wir zweierlei. Entweder wir zeigen, daß die Gründe seiner Behauptung falsch sind (nego majorem; minorem): — oder wir geben die Gründe zu, zeigen aber daß die Behauptung nicht daraus folgt (nego consequentiam), greifen also die Konsequenz, die Form des Schlusses an.

2) Bei der indirekten Widerlegung gebrauchen wir entweder die Apagoge: oder die Instanz.

a) Apagoge: wir nehmen seinen Satz als wahr an: und nun zeigen wir was daraus folgt, wenn wir in Verbindung mit irgend einem andern als wahr anerkannten Satze selbigen als Prämisse zu einem Schlusse gebrauchen, und nun eine Konklusion entsteht, die offenbar falsch ist, indem sie entweder der Natur der Dinge1, oder den andern Behauptungen des Gegners selbst widerspricht, also ad rem oder ad hominem falsch ist (Socrates in Hippia maj. et alias): folglich auch der Satz falsch war: denn aus wahren Prämissen können nur wahre Sätze folgen: obwohl aus falschen nicht immer falsche.

b) Die Instanz, ενστασις, exemplum in contrarium: Widerlegung des allgemeinen Satzes durch direkte Nachweisung einzelner unter seiner Aussage begriffner Fälle, von denen er doch nicht gilt, also selbst falsch seyn muß.

Dies ist das Grundgerüst, das Skelett jeder Disputation: wir haben also ihre Osteologie. Denn hierauf läuft im Grunde alles Disputiren zurück: aber dies alles kann wirklich oder nur scheinbar, mit ächten oder mit unächten Gründen geschehn: und weil hierüber nicht leicht etwas sicher auszumachen ist, sind die Debatten so lang und hartnäckig. Wir können auch bei der Anweisung das wahre und scheinbare nicht trennen, weil es eben nie zum voraus bei den Streitenden selbst gewiß ist: daher gebe ich die Kunstgriffe ohne Rücksicht ob man objective Recht oder Unrecht hat: denn das kann man selbst nicht sicher wissen: und es soll ja erst durch den Streit ausgemacht werden. Uebrigens muß man, bei jeder Disputation oder Argumentation überhaupt, über irgend etwas einverstanden seyn, daraus man als einem Princip die vorliegende Frage beurtheilen will: Contra negantem principia non est disputandum.

1 [Zusatz zum Zusatz:] widerspricht sie einer ganz unbezweifelbaren Wahrheit gradezu, so haben wir den Gegner ad absurdum geführt.

First we must consider the essential character of every dispute: what actually happens in it.

The opponent has advanced a thesis—or we have ourselves; it makes no difference. There are two modes and two ways of refuting it.

1) The modes: a) ad rem; b) ad hominem, or ex concessis. We show either that the proposition does not agree with the nature of things, with absolute objective truth, or that it does not agree with the opponent's other assertions or concessions, with relative subjective truth. The latter is only a relative refutation and determines nothing about objective truth.

2) The ways: a) direct refutation; b) indirect. Direct refutation attacks the thesis through its grounds; indirect refutation through its consequences. The former shows that the thesis is not true; the latter that it cannot be true.

1) In direct refutation we can do two things. Either we show that the grounds of the assertion are false—“I deny the major premise; the minor premise”—or we concede the grounds but show that the assertion does not follow from them—“I deny the inference”—thus attacking the consequence, the form of the inference.

2) In indirect refutation we use either apagoge or the counterinstance.

a) Apagoge: we assume his proposition to be true and show what follows when we use it as a premise in an inference, in combination with some other proposition acknowledged to be true. A conclusion then emerges that is plainly false, contradicting either the nature of things1 or the opponent's own other assertions: false ad rem or ad hominem. Socrates in Hippia maj. et alias. Consequently, the proposition too was false, for only true propositions can follow from true premises, although false ones do not always follow from false premises.

b) The counterinstance, enstasis, exemplum in contrarium: the refutation of a general proposition by directly demonstrating particular cases included in its assertion to which it nevertheless does not apply, so that it must itself be false.

This is the framework, the skeleton of every dispute: we have its osteology. For all disputation fundamentally comes back to this. But it can all be real or merely apparent, accomplished with genuine or spurious grounds. Because it is not easy to determine anything certain about this, debates are so long and obstinate. Nor, in giving instruction, can we separate the true from the apparent, since the disputants themselves are never certain of it beforehand. I therefore give the stratagems without regard to whether one is objectively right or wrong: one cannot oneself know this securely; the dispute is meant to settle it for the first time. Besides, in every dispute or argument one must agree upon something from which, as a principle, to judge the question at hand: there is no disputing with someone who denies the principles.

1 [Addition to the addition:] If it directly contradicts an entirely indubitable truth, we have reduced the opponent to absurdity.

Stratagem 1

Die Erweiterung. Die Behauptung des Gegners über ihre natürliche Gränze hinausführen, sie möglichst allgemein deuten, in möglichst weitem Sinne nehmen und sie übertreiben; seine eigne dagegen in möglichst eingeschränktem Sinne, in möglichst enge Gränzen zusammenziehn: weil je allgemeiner eine Behauptung wird, desto mehreren Angriffen sie bloß steht. Das Gegenmittel ist die genaue Aufstellung des puncti oder status controversiae.

Exempel 1. Ich sagte: „Die Engländer sind die erste Dramatische Nation.“ — Der Gegner wollte eine instantia versuchen und erwiderte: „es wäre bekannt daß sie in der Musik folglich auch in der Oper nichts leisten könnten.“ — Ich trieb ihn ab, durch die Erinnerung „daß Musik nicht unter dem Dramatischen begriffen sei; dies bezeichne bloß Tragödie und Komödie“: was er sehr wohl wußte, und nur versuchte meine Behauptung so zu verallgemeinern, daß sie alle Theatralischen Darstellungen folglich die Oper folglich die Musik begriffe, um mich dann sicher zu schlagen.

Man rette umgekehrt seine eigne Behauptung durch Verengerung derselben über die erste Absicht hinaus, wenn der gebrauchte Ausdruck es begünstigt.

Exempel 2. A sagt: „Der Friede von 1814 gab sogar allen Deutschen Hansestädten ihre Unabhängigkeit wieder.“ B giebt die instantia in contrarium, daß Danzig die ih[m] von Bonaparte verliehene Unabhängigkeit durch jenen Frieden verloren. — A rettet sich so: „Ich sagte allen Deutschen Hansestädten: Danzig war eine Pollnische Hansestadt.“

Diesen Kunstgriff lehrt schon Aristoteles Topica Lib. VIII, c.12,11.

Exempel 3. Lamark (Philosophie zoologique Vol. 1, p 203) spricht den Polypen alle Empfindung ab, weil sie keine Nerven haben. Nun aber ist es gewiß daß sie wahrnehmen: denn sie gehn dem Lichte nach, indem sie sich künstlich von Zweig zu Zweig fortbewegen; — und sie haschen ihren Raub. Daher hat man angenommen, daß bei ihnen die Nervenmasse in der Masse des ganzen Körpers gleichmäßig verbreitet, gleichsam verschmolzen ist: denn sie haben offenbar Wahrnehmungen ohne gesonderte Sinnesorgane. Weil das dem Lamark seine Annahme umstößt, argumentirt er dialektisch so: „Dann müßten alle Theile des Körpers der Polypen jeder Art der Empfindung fähig seyn, und auch der Bewegung, des Willens, der Gedanken: Dann hätte der Polyp in jedem Punkt seines Körpers alle Organe des vollkommensten Thieres: jeder Punkt könnte sehn, riechen, schmecken, hören, u. s.w., ja denken, urtheilen, schließen: jede Partikel seines Körpers wäre ein vollkommnes Thier, und der Polyp selbst stände höher als der Mensch, da jedes Theilchen von ihm alle Fähigkeiten hätte, die der Mensch nur im Ganzen hat. — Es gäbe ferner keinen Grund, um was man vom Polypen behauptet nicht auch auf die Monade, das unvollkommenste aller Wesen, auszudehnen, und endlich auch auf die Pflanzen, die doch auch leben, u. sw. —“ — Durch Gebrauch solcher Dialekt[ischen] Kunstgriffe verräth ein Schriftsteller, daß er sich im Stillen bewußt ist, Unrecht zu haben. Weil man sagt[e]: „ihr ganzer Leib hat Empfindung für das Licht, ist also nervenartig“‘: macht er daraus daß der ganze Leib denkt.

Extension. Carry the opponent's assertion beyond its natural boundary: interpret it as generally as possible, take it in the widest possible sense, and exaggerate it. Your own assertion, by contrast, should be drawn back into the most restricted sense and the narrowest possible limits. The more general an assertion becomes, the more attacks it is exposed to. The remedy is a precise statement of the point or state of the controversy.

Example 1. I said: “The English are the leading nation in drama.” The opponent wished to attempt a counterinstance and replied: “It is well known that they can achieve nothing in music, and therefore in opera.” I drove him back by reminding him that “music is not included under drama: this means only tragedy and comedy.” He knew this perfectly well and was merely trying to generalize my assertion so that it embraced all theatrical performances, and thus opera, and thus music, in order then to defeat me with certainty.

Conversely, one may rescue one's own assertion by narrowing it beyond its original intention, if the wording admits it.

Example 2. A says: “The peace of 1814 restored independence even to all the German Hanseatic cities.” B gives the counterinstance that Danzig lost, through that peace, the independence Bonaparte had granted it. A saves himself as follows: “I said all the German Hanseatic cities: Danzig was a Polish Hanseatic city.”

Aristotle already teaches this stratagem. Topica Lib. VIII, c.12,11.

Example 3. Lamarck, Philosophie zoologique Vol. 1, p 203, denies polyps all sensation because they have no nerves. Yet they certainly perceive: they follow the light, moving deftly from branch to branch, and seize their prey. It has therefore been assumed that their nervous substance is evenly distributed throughout the mass of the body, as though fused into it, for they plainly have perceptions without separate sense organs. Since this overturns Lamarck's assumption, he argues dialectically as follows: “Then every part of a polyp's body would have to be capable of every kind of sensation, and also of movement, will and thought. The polyp would then possess in every point of its body all the organs of the most perfect animal. Every point could see, smell, taste, hear, and so forth—indeed, think, judge and infer. Every particle of its body would be a perfect animal, and the polyp itself would stand above the human being, since every little part of it would possess all the faculties that the human being possesses only as a whole. There would moreover be no reason not to extend what is asserted of the polyp to the monad, the most imperfect of all beings, and ultimately to plants as well, since they too live, and so forth.” Through such dialectical stratagems a writer betrays his inward awareness that he is wrong. Because it was said that “their whole body has sensation for light, and is therefore nerve-like,” he turns this into the claim that the whole body thinks.

Stratagem 2

Die Homonymie benutzen, um die aufgestellte Behauptung auch auf das auszudehnen, was außer dem gleichen Wort wenig oder nichts mit der in Rede stehenden Sache gemein hat, dies dann lukulent widerlegen, und so sich das Ansehn geben als habe man die Behauptung widerlegt.

Anmerkung. Synonyma sind zwei Worte für denselben Begriff: — Homonyma zwei Begriffe die durch dasselbe Wort bezeichnet werden. Siehe Aristot. Topica Lib. I. cap. 13. Tief, Schneidend, Hoch, bald von Körpern bald von Tönen gebraucht sind Homonyma. Ehrlich und Redlich Synonyma.

Man kann diesen Kunstgriff als identisch mit dem Sophisma ex homonymia betrachten: jedoch das offenbare Sophisma der Homonymie wird nicht im Ernst täuschen.

Omne lumen potest extinguiIntellectus est lumenIntellectus potest extingui.

Hier merkt man gleich daß vier termini sind: lumen eigentlich und lumen bildlich verstanden. Aber bei feinen Fällen täuscht es allerdings, namentlich wo die Begriffe die durch denselben Ausdruck bezeichnet werden verwandt sind und in einander übergehn.

Exempel 1.1 A. Sie sind noch nicht eingeweiht in die Myst[erien] d[er] K[anti]schen Phil[osophie].

B. Ach, wo Mysterien sind, davon will ich nicht[s] wissen.

[Exempel 2.] Ich tadelte das Princip der Ehre, nach welchem man durch eine erhaltene Beleidigung ehrlos wird, es sei denn, daß man sie durch eine größere Beleidigung erwidere, oder durch Blut, das des Gegners oder sein eigenes, abwasche, als unverständig; als Grund führte ich an, die wahre Ehre könne nicht verletzt werden durch das was man litte, sondern ganz allein durch das was man thäte; denn widerfahren könne Jedem Jedes. — Der Gegner machte den direkten Angriff auf den Grund: er zeigte mir lukulent, daß wenn einem Kaufmann Betrug oder Unrechtlichkeit, oder Nachlässigkeit in seinem Gewerbe fälschlich nachgesagt würde, dies ein Angriff auf seine Ehre sei, die hier verletzt würde, lediglich durch das was er leide, und die er nur herstellen könne, indem er solchen Angreifer zur Strafe und Widerruf brächte. —

Hier schob er also, durch die Homonymie, die Bürgerliche Ehre welche sonst Guter Name heißt und deren Verletzung durch Verläumdung geschieht, dem Begriff der ritterlichen Ehre unter, die sonst auch point d’honneur heißt und deren Verletzung durch Beleidigungen geschieht. Und weil ein Angriff auf erstere nicht unbeachtet zu lassen ist, sondern durch öffentliche Widerlegung abgewehrt werden muß; so müßte mit demselben Recht ein Angriff auf letztere auch nicht unbeachtet bleiben, sondern abgewehrt [werden] durch stärkere Beleidigung und Duell. — Also ein Vermengen [zwei] wesentlich verschiedener Dinge durch die Homonymie des Wort[e]s Ehre: und dadurch eine mutatio controversiae, zu Wege gebracht durch die Homonymie.

1 [Daneben am Rand:] (Die absichtlich ersonnenen Fälle sind nie fein genug, um täuschend zu seyn; man muß sie also aus der wirklichen eignen Erfahrung sammeln. Es wäre sehr gut, wenn man jedem Kunstgriff einen kurzen und treffen[d] bezeichnenden Namen geben könnte, mittelst dessen man, vorkommenden Falls, den Gebrauch dieses oder jenes Kunstgriffs augenblicklich vorwerfen könnte.)

Use homonymy to extend the assertion to something that, apart from the same word, has little or nothing in common with the matter under discussion. Then refute this decisively, giving the impression that you have refuted the assertion itself.

Observation. Synonyms are two words for the same concept; homonyms are two concepts designated by the same word. See Aristot. Topica Lib. I. cap. 13. “Deep,” “sharp” and “high,” used now of bodies, now of sounds, are homonyms. “Honest” and “upright” are synonyms.

One may regard this stratagem as identical with the sophism arising from homonymy. An obvious sophism of homonymy, however, will deceive no one in earnest.

Every light can be extinguished.The intellect is a light.The intellect can be extinguished.

Here one immediately notices that there are four terms: “light” understood literally and “light” understood figuratively. But in subtle cases it certainly deceives, particularly when the concepts designated by the same expression are related and shade into one another.

Example 1.1 A: “You have not yet been initiated into the mysteries of Kantian philosophy.”

B: “Ah, where there are mysteries, I want to know nothing of them.”

[Example 2.] I criticized as irrational the principle of honor according to which receiving an insult makes one dishonored unless one answers it with a greater insult or washes it away with blood, the opponent's or one's own. My reason was that true honor cannot be injured by what one suffers, but only by what one does; anything can happen to anyone. The opponent made a direct attack upon this ground. He showed me decisively that falsely accusing a merchant of fraud, dishonesty or negligence in his business constitutes an attack on his honor. Here his honor is injured solely through what he suffers, and he can restore it only by bringing the attacker to punishment and retraction.

Thus, by homonymy, he slipped civil honor, otherwise called a good name, which is injured by slander, under the concept of chivalric honor, also called point d’honneur, which is injured by insults. Since an attack on the former must not be ignored but must be repelled by public refutation, an attack on the latter, by the same right, must not be ignored either, but repelled by a stronger insult and a duel. Two essentially different things are thus confounded through the homonymy of the word “honor”, and a change in the point at issue is brought about through homonymy.

1 [Beside this in the margin:] Deliberately invented cases are never subtle enough to deceive; they must therefore be collected from one's own actual experience. It would be very good if every stratagem could be given a short, aptly descriptive name, by means of which, when it occurred, one could immediately reproach someone for employing this or that stratagem.

Stratagem 3

Die Behauptung [1] welche beziehungsweise, κατα τι, relative aufgestellt ist, nehmen, als sei sie allgemein, simpliciter, ἁπλως, absolute aufgestellt, oder wenigstens sie in einer ganz andern Beziehung auffassen, und dann sie in diesem Sinn widerlegen. Des Aristoteles Beispiel ist: der Mohr ist schwarz, hinsichtlich der Zähne aber weiß: also ist er schwarz und nicht schwarz zugleich. —

Das ist ein ersonnenes Beispiel, das Niemand im Ernst täuschen wird: nehmen wir dagegen eines aus der wirklichen Erfahrung.

Exempel. In einem Gespräch über Philosophie gab ich zu, daß mein System die Quietisten in Schutz nehme und lobe. — Bald darauf kam die Rede auf Hegel, und ich behauptete er habe großentheils Unsinn geschrieben oder wenigstens wären viele Stellen seiner Schriften solche, wo der Autor die Worte setzt, und der Leser den Sinn setzen soll. — Der Gegner unternahm nicht dies ad rem zu widerlegen, sondern begnügte sich das argumentum ad hominem aufzustellen „ich hätte so eben die Quietisten gelobt, und diese hätten ebenfalls viel Unsinn geschrieben“‘. —

Ich gab dies zu, berichtigte ihn aber darin, daß ich die Quietisten nicht lobe als Philosophen und Schriftsteller, also nicht wegen ihrer theoretischen Leistungen, sondern nur als Menschen, wegen ihres Thuns, bloß in praktischer Hinsicht: bei Hegel aber sei die Rede von theoretischen Leistungen. — So war der Angriff parirt.

Die ersten drei Kunstgriffe sind verwandt: sie haben dies gemein daß der Gegner eigentlich von etwas anderm redet als aufgestellt worden: man begienge also eine ignoratio elenchi, wenn man sich dadurch abfertigen ließe. — Denn in allen aufgestellten Beispielen ist was der Gegner sagt wahr: es steht aber nicht in wirklichem Widerspruch mit der These, sondern nur in scheinbarem; also negirt der von ihm Angegriffene die Consequenz seines Schlusses: nämlich den Schluß von der Wahrheit seines Satzes auf die Falschheit des unsrigen. Es ist also direkte Widerlegung seiner Widerlegung per negationem consequentiae.

Wahre Prämissen nicht zugeben, weil man die Konsequenz vorhersieht. Dagegen also folgende zwei Mittel, Regel 4 und 5.

1 [Daneben am Rand:] Sophisma a dicto secundum quid ad dictum simpliciter. Dies ist des Aristoteles zweiter elenchus sophisticus εξω της λεξεως: — το ἁπλως, η μη ἁπλως, αλλα πη, η που, η ποτε, η προς τι λεγεσθαι. De sophist. elenchis, c. 5.

Take an assertion1 made in a particular respect, relatively, as though it had been made generally, without qualification, absolutely; or at least understand it in an entirely different relation, and then refute it in that sense. Aristotle's example is: the Moor is black, but white in respect of his teeth; therefore he is black and not black at the same time.

This is an invented example that will deceive no one in earnest; let us take one instead from actual experience.

Example. In a conversation about philosophy, I conceded that my system defended and praised the Quietists. Soon afterward the conversation turned to Hegel, and I maintained that he had written mostly nonsense, or at least that many passages in his writings were such that the author supplied the words and the reader was supposed to supply the meaning. The opponent did not attempt to refute this ad rem, but contented himself with the argument ad hominem that “I had just praised the Quietists, and they too had written much nonsense.”

I conceded this, but corrected him: I praised the Quietists not as philosophers and writers, not for their theoretical achievements, but only as human beings, for their conduct, solely in a practical respect. In Hegel's case, however, theoretical achievements were at issue. Thus the attack was parried.

The first three stratagems are related. They have this in common: the opponent is actually speaking of something other than what was asserted. To let oneself be dismissed in this way would therefore be to mistake the point at issue. For in all the examples given, what the opponent says is true; but its contradiction of the thesis is only apparent, not real. The person attacked therefore denies the consequence of the opponent's inference: the inference from the truth of his proposition to the falsity of ours. This is thus a direct refutation of his refutation by denying the inference.

Refusing to concede true premises because one foresees the consequence. Against this, the following two remedies, rules 4 and 5.

1 [Beside this in the margin:] The fallacy of passing from a qualified statement to an unqualified one. This is Aristotle's second sophistical refutation independent of wording: speaking absolutely, or not absolutely but in a certain respect, or place, or time, or relation to something. De sophist. elenchis, c. 5.

Stratagem 4

Wenn man einen Schluß machen will, so lasse man denselben nicht vorhersehn, sondern lasse sich unvermerkt die Prämissen einzeln und zerstreut im Gespräch zugeben, sonst wird der Gegner allerhand Schikanen versuchen; oder wenn zweifelhaft ist, daß der Gegner sie zugebe, so stelle man die Prämissen dieser Prämissen auf; mache Prosyllogismen; lasse sich die Prämissen mehrerer solcher Prosyllogismen ohne Ordnung durcheinander zugeben, also verdecke sein Spiel, bis alles zugestanden ist, was man braucht. Führe also die Sache von Weitem herbei. Diese Regeln giebt Arist. Topic. Lib. VIII, c. 1. [1]

Bedarf keines Exempels.

1 [Dazu die Notiz:] (Siehe Adversaria p 269) [in unsr. Ausg. Bd. VII u. VIII].

When one wishes to draw an inference, do not let it be foreseen. Instead, obtain unnoticed concessions of the premises, separately and scattered through the conversation; otherwise the opponent will attempt all manner of obstruction. Or, if it is doubtful whether he will concede them, advance the premises of these premises: construct preliminary syllogisms, obtain concessions of the premises of several such syllogisms in a disordered mixture, and thus conceal your game until everything needed has been conceded. Bring the matter about from a distance. Aristotle gives these rules. Arist. Topic. Lib. VIII, c. 1.1

No example is needed.

1 [Accompanying note:] See Adversaria p 269 [in our edition, volumes VII and VIII].

Stratagem 5

1 Man kann zum Beweis seines Satzes auch falsche Vordersätze gebrauchen, wenn nämlich der Gegner die wahren nicht zugeben würde, entweder weil er ihre Wahrheit nicht einsieht, oder weil er sieht daß die Thesis sogleich daraus folgen würde: dann nehme man Sätze die an sich falsch, aber ad hominem wahr sind, und argumentire aus der Denkungsart des Gegners ex concessis. Denn das Wahre kann auch aus falschen Prämissen folgen: wiewohl nie das falsche aus wahren. Eben so kann man falsche Sätze des Gegners durch andre falsche Sätze widerlegen, die er aber für wahr hält: denn man hat es mit ihm zu thun und muß seine Denkungsart gebrauchen. Z. B. ist er Anhänger irgend einer Sekte, der wir nicht beistimmen; so können wir gegen ihn die Aussprüche dieser Sekte, als principia, gebrauchen. Arist. Top. VIII, c. 9.

1 [Dazu der späte Zusatz:] Gehört zum vorhergehenden.

1 To prove one's proposition, one may also use false premises when the opponent would not concede the true ones, either because he does not see their truth or because he sees that the thesis would follow immediately. Then take propositions false in themselves but true ad hominem, and argue from the opponent's way of thinking, from his concessions. For truth can follow from false premises, although falsehood can never follow from true ones. In the same way, one may refute an opponent's false propositions by other false propositions that he takes as true. We are dealing with him and must use his way of thinking. If, for example, he adheres to a sect with which we do not agree, we may use that sect's pronouncements against him as principles. Arist. Top. VIII, c. 9.

1 [The late addition here:] Belongs to the preceding passage.

Stratagem 6

Man macht eine versteckte petitio principii, indem man das was man zu beweisen hätte postulirt, entweder 1) unter einem andern Namen, z. B. statt Ehre guter Name, statt Jungfrauschaft Tugend u. s. w., auch Wechselbegriffe: — rothblütige Thiere, statt Wirbelthiere, 2) oder was im Einzelnen streitig ist, im Allgemeinen sich geben läßt, z. B. die Unsicherheit der Medicin behauptet, die Unsicherheit alles menschlichen Wissens postulirt: 3) Wenn vice versa zwei auseinander folgen, das eine zu beweisen ist, man postulirt das andre: 4) Wenn das Allgemeine zu beweisen und man jedes einzelne sich zugeben läßt. (Das umgekehrte von No. 2.) (Arist. Top. VIII, c. 11.)

Ueber die Uebung zur Dialektik enthält gute Regeln das letzte Kapitel der Topica des Aristoteles.

Make a concealed begging of the question by postulating what ought to be proved: 1) under another name—for example, good name instead of honor, virtue instead of virginity, and so forth; also interchangeable concepts, such as red-blooded animals instead of vertebrates. 2) Obtain a general concession of what is disputed in the particular case: for example, when the uncertainty of medicine is asserted, postulate the uncertainty of all human knowledge. 3) When, conversely, two things follow from one another and one must be proved, postulate the other. 4) When the general proposition must be proved, obtain concessions of each particular instance—the reverse of number 2. (Arist. Top. VIII, c. 11.)

The last chapter of Aristotle's Topica contains good rules for practice in dialectic.

Stratagem 7

Wenn die Disputation etwas streng und formell geführt wird und man sich recht deutlich verständigen will; so verfährt der welcher die Behauptung aufgestellt hat und sie beweisen soll gegen seinen Gegner fragend um aus seinen eignen Zugeständnissen die Wahrheit der Behauptung zu schließen. Diese erotematische Methode war besonders bei den Alten im Gebrauch (heißt auch Sokratische): auf dieselbe bezieht sich der gegenwärtige Kunstgriff und einige späte[r] folgende. (Sämmtlich frei bearbeitet nach des Aristoteles Liber de elenchis sophisticis c. 15.) [1]

Viel auf ein Mal und weitläuftig fragen, um das was man eigentlich zugestanden haben will zu verbergen. — Dagegen seine Argumentation aus dem zugestandenen schnell vortragen: denn die langsam von Verständniß sind, können nicht genau folgen und übersehn die etwanigen Fehler oder Lücken in der Beweisführung.

1 [Dazu die Notiz:] Adversaria p 269 [in unsr. Ausg. Bd. VII u. VIII].

When disputation is conducted somewhat strictly and formally, and one wishes to reach a perfectly clear understanding, the person who has advanced the assertion and must prove it proceeds against his opponent by questioning, so as to infer its truth from the opponent's own concessions. This interrogative method was especially customary among the ancients; it is also called Socratic. The present stratagem and several that follow refer to it. (All freely adapted from Aristotle's Liber de elenchis sophisticis c. 15.)1

Ask many questions at once and at length, to conceal what you actually want conceded. Present the argument from the concessions quickly: slow-witted people cannot follow it exactly and overlook possible errors or gaps in the proof.

1 [Accompanying note:] Adversaria p 269 [in our edition, volumes VII and VIII].

Stratagem 8

Den Gegner zum Zorn reizen: denn im Zorn ist er außer Stand richtig zu urtheilen und seinen Vortheil wahrzunehmen. Man bringt ihn in Zorn dadurch daß man unverholen ihm Unrecht thut und schikanirt und überhaupt unverschämt ist.

Provoke the opponent to anger, for in anger he is unable to judge correctly or perceive his own advantage. Make him angry by openly wronging and harassing him, and by being generally insolent.

Stratagem 9

Die Fragen nicht in der Ordnung thun, die der daraus zu ziehende Schluß erfordert, sondern in allerhand Versetzungen: er weiß dann nicht wo man hinaus will und kann nicht vorbauen: auch kann man dann seine Antworten zu verschiedenen Schlüssen benutzen, sogar zu entgegengesetzten, je nachdem sie ausfallen. Dies ist dem Kunstgriff 4 verwandt, daß man sein Verfahren maskiren soll.

Do not ask the questions in the order required by the inference to be drawn from them, but in a variety of transpositions. He then does not know where you are heading and cannot take precautions. His answers can also be used for different inferences, even opposite ones, according to how they turn out. This is related to stratagem 4: conceal your procedure.

Stratagem 10

Wenn man merkt daß der Gegner die Fragen, deren Bejahung für unsern Satz zu brauchen wäre, absichtlich verneint, so muß man das Gegentheil des zu gebrauchenden Satzes fragen, als wollte man das bejaht wissen, oder wenigstens ihm beides zur Wahl vorlegen, so daß er nicht merkt welchen Satz man bejaht haben will.

If one notices that the opponent deliberately answers no to questions whose affirmative answers could support one's proposition, ask about the opposite of the proposition needed, as though one wished this to be affirmed; or at least offer him both alternatives, so that he does not notice which proposition one wants affirmed.

Stratagem 11

Machen wir eine Induktion und er gesteht uns die einzelnen Fälle, durch die sie aufgestellt werden soll, zu; so müssen wir ihn nicht fragen ob er auch die aus diesen Fällen hervorgehende allgemeine Wahrheit zugebe; sondern sie nachher als ausgemacht und zugestanden einführen: denn bisweilen wird er dann selbst glauben sie zugegeben zu haben, und auch den Zuhörern wird es so vorkommen, weil sie sich der vielen Fragen nach den einzelnen Fällen erinnern, die denn doch zum Zweck geführt haben müssen.

When we are making an induction and he concedes the particular cases by which it is to be established, we must not ask whether he also concedes the general truth arising from them. Instead, introduce it afterward as settled and conceded. He will sometimes then believe he conceded it himself; the listeners too will think so, remembering the many questions about the particular cases, which must surely have achieved their purpose.

Stratagem 12

Ist die Rede über einen allgemeinen Begriff der keinen eignen Namen hat, sondern tropisch durch ein Gleichniß bezeichnet werden muß; so müssen wir das Gleichniß gleich so wählen, daß es unserer Behauptung günstig ist. So sind z. B. in Spanien die Namen, dadurch die beiden Politischen Partheien bezeichnet werden, serviles und liberales gewiß von letztern gewählt.

Der Name Protestanten ist von diesen gewählt, auch der Name Evangelische: der Name Ketzer aber von den Katholiken.

Es gilt vom Namen der Sachen auch wo sie mehr eigent[lich] sind: z. B. hat der Gegner irgend eine Veränderung vorgeschlagen, so nenne man sie „Neuerung“: denn dies Wort ist gehässig. Umgekehrt wenn man selbst der Vorschläger ist. — Im erste[rn] Fall nenne man als Gegensatz die „bestehende Ordnung“, im zweiten „den Bocksbeutel“. — Was ein ganz Absichtsloser und Unparteiischer etwa „Kultus“ oder „öffentliche Glaubenslehre“ nennen würde; das nennt Einer der für sie sprechen will „Frömmigkeit“, „Gottseligkeit“ und ein Gegner desselben „Bigottrie“, „Superstition“. Im Grunde ist dies eine feine petitio principii: was man erst darthun will, legt man zum voraus ins Wort, in die Benennung, aus welcher es dann durch ein bloß analytisches Urtheil hervorgeht. Was der Eine „sich seiner Person versichern“, „in Gewahrsa[m] bringen“ nennt, heißt sein Gegner „Einsperren“. — Ein Redner verräth oft schon zum Voraus seine Absicht durch die Namen, die er den Sachen giebt. — Der Eine sagt „die Geistlichkeit“ — der Andre „die Pfaffen“. Unter allen Kunstgriffen wird dieser am häufigsten gebraucht, instinktmäßig. Glaubenseifer ≅ Fanatismus. — Fehltritt oder Galanterie ≅ Ehebruch — Aequivoken ≅ Zoten. — Dérangirt ≅ Bankerott. — „Durch Einfluß und Konnexion“ ≅ „durch Bestechung und Nepotismus“. — „Aufrichtige Erkenntlichkeit“ ≅ „gute Bezahlung“. —

If the discussion concerns a general concept with no name of its own, which must therefore be designated figuratively through a comparison, choose the comparison at once so that it favors your assertion. Thus in Spain, the names of the two political parties, serviles and liberales, were certainly chosen by the latter. The names Protestants and Evangelicals were chosen by those who bear them, while the name heretics was chosen by the Catholics.

This also applies to the names of things where these are more literal. For example, if the opponent has proposed a change, call it an “innovation,” for that word is hostile; the reverse if you are the proposer. In the first case, call its opposite “the established order”; in the second, “dead convention.” What someone wholly disinterested and impartial might call “religious worship” or “public religious doctrine,” its advocate calls “piety” or “godliness,” its opponent “bigotry” or “superstition.” Fundamentally this is a subtle begging of the question: what one first wants to establish is put beforehand into the word, the name, from which it then emerges through a merely analytic judgment. What one person calls “securing a person” or “taking into custody,” his opponent calls “locking up.” A speaker often betrays his intention in advance through the names he gives things. One says “the clergy,” the other “the parsons.” Of all stratagems, this is the most frequently used, instinctively. Religious zeal ≅ fanaticism. A lapse or gallantry ≅ adultery. Double entendres ≅ obscenities. Disordered finances ≅ bankruptcy. “Through influence and connections” ≅ “through bribery and nepotism.” “Sincere gratitude” ≅ “good payment.”

Stratagem 13

Um zu machen daß er einen Satz annimmt, müssen wir das Gegentheil dazu geben und ihm die Wahl lassen, und dies Gegentheil recht grell aussprechen, so daß er um nicht paradox zu seyn, in unsern Satz eingehn muß, der ganz probabel dagegen aussieht. Z. B. Er soll zugeben daß Einer Alles thun muß was ihm sein Vater sagt: so fragen wir: „soll man in allen Dingen den Eltern ungehorsam oder gehorsam seyn?“ — Oder ist von irgend einer Sache gesagt „Oft“; so fragen wir ob unter „oft“ wenige Fälle oder viel verstanden sind: er wird sagen „viele“. Es ist wie wenn man Grau neben Schwarz legt, so kann es weiß heißen; und legt man es neben Weiß, so kann es schwarz heißen.

To make him accept a proposition, offer him its opposite and let him choose, putting this opposite in such stark terms that, to avoid appearing paradoxical, he must accept our proposition, which looks quite plausible beside it. For example, he is to concede that a person must do everything his father tells him. We ask: “Should one be disobedient or obedient to one's parents in everything?” Or something has been said to occur “often”: we ask whether “often” means few cases or many, and he will say “many.” It is like placing gray beside black, when it may be called white, or beside white, when it may be called black.

Stratagem 14

Ein unverschämter Streich ist es, wenn man nach mehreren Fragen die er beantwortet hat, ohne daß die Antworten zu Gunsten des Schlusses den wir beabsichtigen ausgefallen wären, nun den Schlußsatz, den man dadurch herbeiführen will, obgleich er gar nicht daraus folgt, dennoch als dadurch bewiesen aufstellt und triumphirend ausschreit. Wenn der Gegner schüchtern oder dumm ist, und man selbst viel Unverschämtheit und eine gute Stimme hat, so kann das recht gut gelingen. Gehört zur fallacia non causae ut causae.

An insolent stroke: after he has answered several questions, although his answers have not favored the inference we intend, advance the conclusion we wish to establish as nevertheless proved by them, even though it does not follow at all, and proclaim it triumphantly. If the opponent is timid or stupid, and one has ample insolence and a strong voice, this can succeed quite well. It belongs to the fallacy of treating a non-cause as a cause.

Stratagem 15

Wenn wir einen paradoxen Satz aufgestellt haben, um dessen Beweis wir verlegen sind; so legen wir dem Gegner irgend einen richtigen, aber doch nicht ganz handgreiflich richtigen Satz zur Annahme oder Verwerfung vor, als wollten wir daraus den Beweis schöpfen: verwirft er ihn aus Argwohn, so führen wir ihn ad absurdum und triumphiren: nimmt er ihn aber an, — so haben wir vor der Hand etwas vernünftiges gesagt, und müssen nun weiter sehn. Oder wir fügen nun den vorhergehenden Kunstgriff hinzu und behaupten nun, daraus sei unser Paradoxon bewiesen. Hiezu gehört die äußerste Unverschämtheit: aber es kommt in der Erfahrung vor: und es giebt Leute die dies alles instinktmäßig ausüben.

If we have advanced a paradoxical proposition and are at a loss to prove it, offer the opponent some correct proposition whose correctness is not entirely obvious, to accept or reject, as though we intended to draw our proof from it. If he rejects it out of suspicion, reduce him to absurdity and triumph. If he accepts it, we have for the moment said something reasonable and must see how to proceed. Or we add the preceding stratagem and now assert that our paradox has thereby been proved. This requires extreme insolence, but it occurs in experience, and some people do all of it instinctively.

Stratagem 16

Argumenta ad hominem oder ex concessis. [1] Bei einer Behauptung des Gegners müssen wir suchen ob sie nicht etwa irgendwie, nöthigenfalls auch nur scheinbar, im Widerspruch steht mit irgend etwas das er früher gesagt oder zugegeben hat, oder mit den Satzungen einer Schule oder Sekte die er gelobt und gebilligt hat, oder mit dem Thun der Anhänger dieser Sekte, oder auch nur der unächten und scheinbaren Anhänger, oder mit seinem eignen Thun und lassen. Vertheidigt er z. B. den Selbstmord, so schreit man gleich „warum hängst du dich nicht auf?“ Oder er behauptet z. B., Berlin sei ein unangenehmer Aufenthalt: gleich schreit man: warum fährst du nicht gleich mit der ersten Schnellpost ab?

Es wird sich doch irgendwie eine Schikane herausklauben lassen.

1 Siehe Hefte Appendix B zu B. 122 [der „Vorlesungen“; in unsr. Ausg. Bd. IX, S. 511,1—33].

Arguments ad hominem or ex concessis.1 When the opponent makes an assertion, look for some way in which it contradicts—if necessary, only apparently—something he has said or conceded before, the tenets of a school or sect he has praised and approved, the conduct of that sect's adherents, even merely its spurious and apparent adherents, or his own conduct and omissions. If, for example, he defends suicide, cry out at once: “Why don't you hang yourself?” Or he maintains that Berlin is an unpleasant place to live: immediately cry out, “Why don't you leave on the first express coach?”

Some quibble can surely be dug up somewhere.

1 See Hefte Appendix B zu B. 122 [of the “Lectures”; in our edition, volume IX, S. 511,1—33].

Stratagem 17

Wenn der Gegner uns durch einen Gegenbeweis bedrängt, so werden wir uns oft retten können durch eine feine Unterscheidung, an die wir früher freilich nicht gedacht haben, wenn die Sache irgend eine doppelte Bedeutung oder einen doppelten Fall zuläßt.

If the opponent presses us with a counterproof, we can often save ourselves by a subtle distinction that admittedly had not occurred to us before, provided the matter admits a double meaning or a double case.

Stratagem 18

Merken wir daß der Gegner eine Argumentation ergriffen hat, mit der er uns schlagen wird; so müssen wir es nicht dahin kommen lassen, ihn solche nicht zu Ende führen lassen, sondern bei Zeiten den Gang der Disputation unterbrechen, abspringen oder ablenken, und auf andre Sätze führen: kurz eine mutatio controversiae zu Wege bringen. [1]

1 [Daneben am Rand der späte Zusatz:] Hiezu Kunstgriff 29.

If we notice that the opponent has taken up an argument with which he will defeat us, we must not let it come to that or allow him to carry it through. Instead, interrupt the course of the dispute in good time, break off or divert it, and lead it toward other propositions: in short, bring about a change in the point at issue.1

1 [The late addition beside this in the margin:] For this, stratagem 29.

Stratagem 19

Fordert der Gegner uns ausdrücklich auf gegen irgend einen bestimmten Punkt seiner Behauptung etwas vorzubringen; wir haben aber nichts rechtes; so müssen wir die Sache recht ins Allgemeine spielen und dann gegen dieses reden. Wir sollen sagen warum einer bestimmten physikalischen Hypothese nicht zu trauen ist: so reden wir über die Trüglichkeit des menschlichen Wissens und erläutern sie an allerhand.

If the opponent expressly challenges us to bring something against a particular point in his assertion, but we have nothing worthwhile, turn it into a very general issue and then argue against that. We are supposed to say why a particular physical hypothesis is not to be trusted; instead we speak of the fallibility of human knowledge and illustrate it in all manner of ways.

Stratagem 20

Wenn wir ihm die Vordersätze abgefragt haben und er sie zugegeben hat, müssen wir den Schluß daraus, nicht etwa auch noch fragen, sondern gradezu selbst ziehn: ja sogar wenn von den Vordersätzen noch einer oder der andre fehlt, so nehmen wir ihn doch als gleichfalls eingeräumt an und ziehn den Schluß. Welches dann eine Anwendung der fallacia non causae ut causae ist.

Once we have questioned him about the premises and he has conceded them, we must not ask about the conclusion too, but draw it ourselves without more ado. Indeed, even if one or another premise is still missing, assume that it too has been conceded and draw the conclusion. This is another application of the fallacy of treating a non-cause as a cause.

Stratagem 21

Bei einem bloß scheinbaren oder sophistischen Argument des Gegners, welches wir durchschauen, können wir zwar es auflösen durch Auseinandersetzung seiner Verfänglichkeit und Scheinbarkeit; allein besser ist es, ihm mit einem eben so scheinbaren und sophistischen Gegenargument zu begegnen und so abzufertigen. Denn es kommt ja nicht auf die Wahrheit, sondern den Sieg an. Giebt er z. B. ein argumentum ad hominem, so ist es hinreichend es durch ein Gegenargument ad hominem (ex concessis) zu entkräftigen: und überhaupt ist es kürzer, statt einer langen Auseinandersetzung der wahren Beschaffenheit der Sache, ein argumentum ad hominem zu geben, wenn es sich darbietet.

When the opponent presents a merely apparent or sophistical argument that we see through, we can certainly dismantle it by explaining its deceptive and specious character. It is better, however, to meet it with an equally specious and sophistical counterargument and so dispose of him. For truth is not the concern: victory is. If, for example, he gives an argument ad hominem, it is enough to weaken it with a counterargument ad hominem, ex concessis. In general, it is shorter to give an argument ad hominem, when one presents itself, than to explain the true nature of the matter at length.

Stratagem 22

Fordert er daß wir etwas zugeben, daraus das in Streit stehende Problem unmittelbar folgen würde; so lehnen wir es ab, indem wir es für eine petitio principii ausgeben; denn er und die Zuhörer werden einen dem Problem nahe verwandten Satz leicht als mit dem Problem identisch ansehn: und so entziehn wir ihm sein bestes Argument.

If he demands that we concede something from which the question at issue would follow immediately, refuse by presenting it as a begging of the question. He and the listeners will readily take a proposition closely related to the problem as identical with it; thus we deprive him of his best argument.

Stratagem 23

Der Widerspruch und der Streit reizt zur Uebertreibung der Behauptung. Wir können also den Gegner durch Widerspruch reizen, eine an sich und in gehöriger Einschränkung allenfalls wahre Behauptung über die Wahrheit hinaus zu steigern: und wenn wir nun diese Uebertreibung widerlegt haben; so sieht es aus, als hätten wir auch seinen ursprünglichen Satz widerlegt. Dagegen haben wir selbst uns zu hüten, nicht uns durch Widerspruch zur Uebertreibung oder weitern Ausdehnung unsers Satzes verleiten zu lassen. Oft auch wird der Gegner selbst unmittelbar suchen unsre Behauptung weiter auszudehnen als wir sie gestellt haben: dem müssen wir dann gleich Einhalt thun, und ihn auf die Grenzlinie unsrer Behauptung zurückführen mit „so viel habe ich gesagt und nicht mehr“. —

Contradiction and contention provoke an exaggeration of an assertion. By contradicting the opponent, we can therefore provoke him into pushing beyond truth an assertion that, in itself and with proper qualifications, might be true. Once we have refuted this exaggeration, it appears that we have refuted his original proposition too. We ourselves must take care not to let contradiction tempt us into exaggerating or further extending our proposition. The opponent will also often try directly to extend our assertion beyond the terms in which we advanced it. We must stop him at once and return him to its boundary with: “This much I said, and no more.”

Stratagem 24

Die Konsequenzmacherei. Man erzwingt aus dem Satze des Gegners, durch falsche Folgerungen, und Verdrehung der Begriffe, Sätze die nicht darin liegen und gar nicht die Meinung des Gegners sind, hingegen absurd oder gefährlich sind: da es nun scheint daß aus seinem Satze solche Sätze, die entweder sich selbst oder anerkannten Wahrheiten widersprechen, hervorgehn; so gilt dies für eine indirekte Widerlegung, apagoge: und ist wieder eine Anwendung der fallacia non causae ut causa[e].

Manufacturing consequences. By false inferences and distortion of concepts, we force from the opponent's proposition other propositions that it does not contain and that are not at all his meaning, but are absurd or dangerous. Since it now appears that his proposition produces propositions contradicting either themselves or acknowledged truths, this passes for an indirect refutation, apagoge. It is again an application of the fallacy of treating a non-cause as a cause.

Stratagem 25

Er betrifft die Apagoge durch eine Instanz, exemplum in contrarium. Die επαγωγη, inductio bedarf einer großen Menge Fälle, um ihren allgemeinen Satz aufzustellen: die απαγωγη braucht nur einen einzigen Fall aufzustellen zu dem der Satz nicht paßt und er ist umgeworfen: ein solcher Fall heißt Instanz, ενστασις, exemplum in contrarium, instantia. Z. B. der Satz: „alle Wiederkäuer sind gehörnt“ wird umgestoßen durch die einzige Instanz der Kameele. Die Instanz ist ein Fall der Anwendung der allgemeinen Wahrheit, etwas unter den Hauptbegriff derselben zu subsumirendes, davon aber jene Wahrheit nicht gilt, und dadurch ganz umgestoßen wird. Allein dabei können Täuschungen vorgehn: wir haben also bei Instanzen, die der Gegner macht, folgendes zu beachten: 1) ob das Beispiel auch wirklich wahr ist: es giebt Probleme deren einzig wahre Lösung die ist, daß der Fall nicht wahr ist: z. B. viele Wunder, Geistergeschichten u. s. w.; 2) ob es auch wirklich unter den Begriff der aufgestellten Wahrheit gehört: das ist oft nur scheinbar und durch eine scharfe Distinktion zu lösen; 3) ob es auch wirklich in Widerspruch steht mit der aufgestellten Wahrheit: auch dies ist oft nur scheinbar.

This concerns apagoge by a counterinstance, exemplum in contrarium. Induction requires a large number of cases to establish its general proposition; apagoge needs only to establish a single case to which the proposition does not apply, and it is overturned. Such a case is called a counterinstance, enstasis, exemplum in contrarium, instantia. For example, the proposition “All ruminants have horns” is overturned by the single counterinstance of camels. A counterinstance is a case in which a general truth is applied, something to be subsumed under its principal concept, but to which that truth does not apply, and by which it is therefore entirely overturned. Yet deception can occur here. When the opponent presents counterinstances, we must therefore consider: 1) whether the example is actually true. There are problems whose only true solution is that the case is not true—for example, many miracles, ghost stories, and so forth. 2) Whether it really belongs under the concept of the truth advanced: often this is only apparent and must be resolved by a sharp distinction. 3) Whether it really contradicts the truth advanced: this too is often only apparent.

Stratagem 26

Ein brillianter Streich ist die retorsio argumenti: wenn das Argument, das er für sich gebrauchen will, besser gegen ihn gebraucht werden kann: z. B. er sagt: „es ist ein Kind, man muß ihm was zu gute halten“: retorsio „eben weil es ein Kind ist, muß man es züchtigen, damit es nicht verhärte in seinen bösen Angewohnheiten“.

A brilliant stroke is the retorsio argumenti, turning the argument back: the argument he wants to use in his favor can be used better against him. For example, he says: “He is a child; we must make allowances for him.” The retort: “Precisely because he is a child, he must be punished, so that he does not become hardened in his bad habits.”

Stratagem 27

Wird bei einem Argument der Gegner unerwartet besonders böse, so muß man dieses Argument eifrig urgiren: nicht bloß weil es gut ist ihn in Zorn zu versetzen, sondern weil zu vermuthen ist, daß man die schwache Seite seines Gedankenganges berührt hat und ihm an dieser Stelle wohl noch mehr anzuhaben ist, als man vor der Hand selber sieht.

If an argument makes the opponent unexpectedly angry, press it vigorously. Not only is it useful to put him into a rage, but we may presume that we have touched a weak point in his train of thought and that there is probably more to attack there than we ourselves yet see.

Stratagem 28

Dieser ist hauptsächlich anwendbar, wenn Gelehrte vor ungelehrten Zuhörern streiten. Wenn man kein argumentum ad rem hat und auch nicht einmal eines ad hominem, so macht man eines ad auditores, d. h. einen ungültigen Einwurf, dessen Ungültigkeit aber nur der Sachkundige einsieht: ein solcher ist der Gegner, aber die Hörer nicht: er wird also in ihren Augen geschlagen, zumal wenn der Einwurf seine Behauptung irgendwie in ein lächerliches Licht stellt: zum Lachen sind die Leute gleich bereit: und man hat die Lacher auf seiner Seite. Die Nichtigkeit des Einwurfs zu zeigen, müßte der Gegner eine lange Auseinandersetzung machen und auf die Principien der Wissenschaft oder sonstig[e] Angelegenh[eit] zurückgehn: dazu findet er nicht leicht Gehör.

Exempel. Der Gegner sagt: bei der Bildung des Urgebirgs, war die Masse aus welcher der Granit und alles übrige Urgebirg krystallisirt[e] flüssig durch Wärme, also geschmolzen: die Wärme mußte etwa 200° R seyn: die Masse krystallisirt[e] unter der sie bedeckenden Meeresfläche. — Wir machen das argumentum ad auditores, daß bei jener Temperatur, ja schon lange vorher bei 80°, das Meer längst verkocht wäre und in der Luft schwebt[e] als Dunst. — Die Zuhörer lachen. Um uns zu schlagen, hätte er zu zeigen, daß der Siedepunkt nicht allein von dem Wärmegrad, sondern eben so sehr vom Druck der Atmosphäre abhängt: und dieser, sobald etw[a] das halbe Meereswasser in Dunstgestalt schwebt, sosehr erhöht ist, daß auch bei 200° R noch kein Kochen statt findet. — Aber dazu kommt er nicht, da es bei Nichtphysikern einer Abhandlung bedarf. —

(Mitscherlich, Abhdlg. d. Berl. Akad. 1822.)

This is chiefly applicable when learned people dispute before an unlearned audience. If one has no argument ad rem, nor even one ad hominem, one makes an argument ad auditores, to the listeners: an invalid objection whose invalidity only an expert can see. The opponent is such an expert, but the listeners are not; in their eyes he is therefore defeated, especially if the objection casts his assertion in a ridiculous light. People are always ready to laugh, and one has the laughers on one's side. To show the objection's worthlessness, the opponent would have to give a long explanation and return to the principles of the science or other subject concerned. He will not readily find a hearing for this.

Example. The opponent says: when primitive rock was formed, the substance from which granite and all other primitive rock crystallized was fluid through heat, and therefore molten. Its temperature must have been about 200° R; the substance crystallized beneath the sea that covered it. We make the argument to the listeners that at that temperature—indeed, long before it, at 80°—the sea would long since have boiled away and be suspended in the air as vapor. The listeners laugh. To defeat us, he would have to show that boiling point depends not only upon temperature but just as much upon atmospheric pressure; and that, as soon as perhaps half the seawater is suspended as vapor, this pressure is so greatly increased that even at 200° R no boiling occurs. But he never gets that far, since among nonphysicists it requires a treatise.

(Mitscherlich, Abhdlg. d. Berl. Akad. 1822.)

Stratagem 29

Merkt man daß1 man geschlagen wird; so macht man eine Diversion: d. h. fängt mit einem Male von etwas ganz anderm an, als gehörte es zur Sache und wäre ein Argument gegen den Gegner. Dies geschieht mit einiger Bescheidenheit wenn die Diversion doch noch überhaupt das thema quaestionis betrifft; unverschämt, wenn es bloß den Gegner angeht und gar nicht von der Sache redet.

Z. B. Ich lobte daß in China kein Geburtsadel sei und die Aemter nur in Folge von Examina ertheilt werden. Mein Gegner behauptete daß Gelehrsamkeit eben so wenig als Vorzüge der Geburt (von denen er etwas hielt) zu Aemtern fähig machte. — Nun gieng es für ihn schief. Sogleich machte er die Diversion, daß in China alle Stände mit der Bastonade gestraft werden, welches er mit dem vielen Theetrinken in Verbindung brachte und beides den Chinesen zum Vorwurf machte. — Wer nun gleich auf alles sich einließe, würde sich dadurch haben ableiten lassen und den schon errungenen Sieg aus den Händen gelassen haben.

Unverschämt ist die Diversion wenn sie die Sache quaestionis ganz und gar verläßt, und etwa anhebt: „ja, und so behaupteten Sie neulich ebenfalls etc. — — —“ Denn da gehört sie gewissermaaßen zum „Persönlichwerden“, davon in dem letzten Kunstgriff die Rede seyn wird. Sie ist genau genommen eine Mittelstufe zwischen dem daselbst zu erörternden argumentum ad personam und dem argumentum ad hominem. —

Wie sehr gleichsam angeboren dieser Kunstgriff sei, zeigt jeder Zank zwischen gemeinen Leuten: wenn nämlich Einer dem Andern persönliche Vorwürfe macht; so antwortet dieser nicht etwa durch Widerlegung derselben; sondern durch persönliche Vorwürfe die er dem Ersten macht, die ihm selbst gemachten steh[n] lassend, also gleichsam zugebend. Er macht es wie Scipio der die Karthager nicht in Italien sondern in Afrika angriff.(?) Im Kriege mag solche Diversion zu Zeiten taugen. Im Zanken ist sie schlecht, weil man die empfang[nen] Vorwürfe stehn läßt, und der Zuhörer alles Schlechte von beiden Partheien erfährt. Im Disputiren ist sie faute de mieux gebräuchlich.

1 [Daneben am Rand der späte Zusatz:] Zu Kunstgriff 18.

If one notices that1 one is being defeated, make a diversion: suddenly begin speaking of something quite different, as though it belonged to the matter and were an argument against the opponent. This is done with some modesty if the diversion still concerns the general subject of the question; shamelessly if it concerns only the opponent and says nothing at all about the matter.

For example, I praised the fact that China had no hereditary nobility and that offices were granted only on the basis of examinations. My opponent maintained that learning qualified a person for office no more than the advantages of birth, which he valued. Things then went badly for him. At once he made the diversion that all classes in China are punished with the bastinado. He connected this with the drinking of much tea and reproached the Chinese for both. Anyone who immediately entered into all this would have allowed himself to be diverted and let an already-won victory slip from his hands.

The diversion is shameless when it entirely abandons the question at issue and begins, for example: “Yes, and you recently maintained something like that too, and so on.” Here it belongs in a sense to “becoming personal,” which will be discussed in the last stratagem. Strictly speaking, it is an intermediate stage between the argumentum ad personam to be examined there and the argumentum ad hominem.

How nearly inborn this stratagem is can be seen in every quarrel among common people. When one makes personal accusations against another, the other does not answer by refuting them, but by making personal accusations against the first, leaving those against himself standing and thus, as it were, conceding them. He acts like Scipio, who attacked the Carthaginians not in Italy but in Africa.(?) In war such a diversion may sometimes serve. In a quarrel it is poor, because it leaves the accusations received unanswered, and the listener learns everything bad about both parties. In disputation it is customary for want of anything better.

1 [The late addition beside this in the margin:] For stratagem 18.

Stratagem 30

Das argumentum ad verecundiam. Statt der Gründe brauche man Autoritäten nach Maaßgabe der Kenntnisse des Gegners. — Unusquisque mavult credere quam judicare: sagt Seneca: man hat also leichtes Spiel, wenn man eine Autorität für sich hat, die der Gegner respektirt. Es wird aber für ihn desto mehr gültige Autoritäten geben, je beschränkter seine Kenntnisse und Fähigkeiten sind. Sind etwa diese vom ersten Rang, so wird es höchst wenige und fast gar keine Autoritäten für ihn geben. Allenfalls wird er die der Leute vom Fach in einer ihm wenig oder gar nicht bekannten Wissenschaft, Kunst, oder Handwerk gelten lassen: und auch diese mit Mißtrauen. Hingegen haben die gewöhnlichen Leute tiefen Respekt für die Leute vom Fach jeder Art. Sie wissen nicht daß wer Profession von der Sache macht, nicht die Sache liebt, sondern seinen Erwerb: — noch daß wer eine Sache lehrt, sie selten gründlich weiß, denn wer sie gründlich studirt, dem bleibt meistens keine Zeit zum lehren übrig. Allein für das Vulgus giebt es gar viele Autoritäten die Respekt finden: hat man daher keine ganz passende; so nehme man eine scheinbar passende, führe an, was Einer in einem andern Sinn, oder in andern Verhältnissen gesagt hat. Autoritäten, die der Gegner gar nicht versteht, wirken meistens am meisten. Ungelehrte haben einen eignen Respekt vor Griechischen und Lateinischen Floskeln. Auch kann man die Autoritäten nöthigenfalls nicht bloß verdrehen sondern gradezu verfälschen, oder gar welche anführen die ganz aus eigner Erfindung sind: meistens hat er das Buch nicht zur Hand und weiß es auch nicht zu handhaben. Das schönste Beispiel hiezu giebt der Französische Curé, der, um nicht, wie die andern Bürger mußten, die Straße vor seinem Hause zu pflastern, einen Biblischen Spruch anführte: paveant illi, ego non pavebo. Das überzeugte die Gemeinde-Vorsteher. Auch sind allgemeine Vorurtheile als Autoritäten zu gebrauchen. Denn die meisten denken mit Aristoteles ἁ μεν πολλοις δοκει ταυτα γε ειναι φαμεν (ich glaube in der Ethik Nicomach.): ja, es giebt keine noch so absurde Meinung, die die Menschen nicht leicht zu der ihrigen machten, sobald man es dahin gebracht hat sie zu überreden, daß solche allgemein angenommen sei. Das Beispiel wirkt auf ihr Denken, wie auf ihr Thun. Sie sind Schaafe die dem Leithammel nachgehn, wohin er auch führt: es ist ihnen leichter zu sterben als zu denken. Es ist sehr seltsam daß die Allgemeinheit einer Meinung so viel Gewicht bei ihnen hat, da sie doch an sich selbst sehn können, wie ganz ohne Urtheil und bloß kraft des Beispiels man Meinungen annimmt. Aber das sehn sie nicht, weil alle Selbstkenntniß ihnen abgeht. — Nur die Auserlesenen sagen mit Plato τοις πολλοις πολλα δοκει, d. h. das Vulgus hat viele Flausen im Kopfe, und wollte man sich daran kehren, hätte man viel zu thun.

Die Allgemeinheit einer Meinung ist, im Ernst geredet, kein Beweis, ja nicht einmal ein Wahrscheinlichkeitsgrund ihrer Richtigkeit. Die welche es behaupten, müssen annehmen 1) daß die Entfernung in der Zeit jener Allgemeinheit ihre Beweiskraft raubt: sonst müßten sie alle alten Irrthümer zurückrufen, die einmal allgemein für Wahrheiten galten: z. B. das Ptol[e]mäische System, oder in allen protestantischen Ländern den Katholicismus herstellen: — 2) daß die Entfernung im Raum dasselbe leistet: sonst wird sie die Allgemeinheit der Meinung in den Bekennern des Buddhaismus, des Christenthums, und des Islams in Verlegenheit setzen. (Nach Bentham, Tactique des assemblées législatives, Vol 2, p 76.)

Was man so die allgemeine Meinung nennt, ist, beim Lichte betrachtet, die Meinung Zweier oder Dreier Personen; und davon würden wir uns überzeugen, wenn wir der Entstehungsart so einer allgemeingültigen Meinung zusehn könnten. Wir würden dann finden, daß Zwei oder Drei Leute es sind, die solche zuerst annahmen oder aufstellten und behaupteten, und denen man so gütig war zuzutrauen, daß sie solche recht gründlich geprüft hätten: auf das Vorurtheil der hinlänglichen Fähigkeit dieser nahmen zuerst einige Andre die Meinung ebenfalls an: diesen wiederum glaubten Viele andre, deren Trägheit ihnen anrieth, lieber gleich zu glauben, als erst mühsam zu prüfen. So wuchs von Tag zu Tag die Zahl solcher trägen und leichtgläubigen Anhänger: denn hatte die Meinung erst eine gute Anzahl Stimmen für sich; so schrieben die Folgenden dies dem zu, daß sie solche nur durch die Triftigkeit ihrer Gründe hätte erlangen können. Die noch Uebrigen waren jetzt genöthigt gelten zu lassen was allgemein galt, um nicht für unruhige Köpfe zu gelten, die sich gegen allgemeingültige Meinungen auflehnten, und naseweise Bursche, die klüger seyn wollten als alle Welt. Jetzt wurde die Beistimmung zur Pflicht. Nunmehr müssen die Wenigen welche zu urtheilen fähig sind, schweigen: und die da reden dürfen, sind solche, welche völlig unfähig eigne Meinungen und eignes Urtheil zu haben, das bloße Echo fremder Meinung sind: jedoch sind sie desto eifrigere und unduldsamere Vertheidiger derselben. Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht sowohl die andre Meinung zu der er sich bekennt, als die Vermessenheit selbst urtheilen zu wollen; was sie ja doch selbst nie unternehmen und im Stillen sich dessen bewußt sind. — Kurzum Denken können sehr Wenige, aber Meinungen wollen Alle haben: was bleibt da ander[e]s übrig als daß sie solche, statt sie sich selber zu machen, ganz fertig von Andern aufnehmen? — Da es so zugeht, was gilt noch die Stimme von hundert Millionen Menschen? — So viel wie etwa ein historisches Faktum, das man in hundert Geschichtsschreibern findet, dann aber nachweist, daß sie alle einer den andern ausgeschrieben haben, wodurch zuletzt alles auf die Aussage eines Einzigen zurückläuft. (Nach Bayle, Pensées sur les Comètes, Vol I, p 10.)

„Dico ego, tu dicis, sed denique dixit et ille:Dictaque post toties, nil nisi dicta vides.“

Nichts desto weniger kann man im Streit mit gewöhnlichen Leuten die allgemeine Meinung als Autorität gebrauchen. —

Ueberhaupt wird man finden, daß wenn zwei gewöhnliche Köpfe mit einander streiten, meistens die gemeinsam von ihnen erwählte Waffe Autoritäten sind: damit schlagen sie auf einander los. — Hat der bessere Kopf mit einem solchen zu thun, so ist das Räthlichste, daß er sich auch zu dieser Waffe bequeme, sie auslesend nach Maasgabe der Blößen seines Gegners. Denn gegen die Waffe der Gründe ist dieser, ex hypothesi, ein gehörnter Siegfried, eingetaucht in die Fluth der Unfähigkeit zu denken und zu urtheilen.

Vor Gericht wird eigentlich nur mit Autoritäten gestritten, die Autorität der Gesetze die fest steht: das Geschäft der Urtheilskraft ist das Auffinden des Gesetzes d. h. der Autorität die im gegebenen Fall Anwendung findet. [1] Die Dialektik hat aber Spielraum genug, indem, erforderlichen Falls, der Fall und ein Gesetz, die nicht eigentlich zu einander passen, gedreht werden, bis man sie für zu einander passend ansieht: auch umgekehrt.

1 (Siehe Cogitata p 116) [in unsr. Ausg. Bd. VII u. VIII].

The argumentum ad verecundiam. Use authorities instead of reasons, according to the extent of the opponent's knowledge. “Everyone prefers believing to judging,” says Seneca. We therefore have an easy game when an authority respected by the opponent is on our side. The more limited his knowledge and abilities, the more authorities will be valid for him. If these are of the first rank, he will recognize very few authorities, almost none at all. At most he will accept specialists in a science, art or craft of which he knows little or nothing, and even these with suspicion. Ordinary people, by contrast, have deep respect for specialists of every kind. They do not know that someone who makes a profession of a subject loves not the subject but his livelihood, nor that someone who teaches a subject seldom knows it thoroughly: those who study it thoroughly generally have no time left to teach. For the crowd, however, there are very many authorities that command respect. If none is quite suitable, choose one that seems suitable: quote what someone said in another sense or in different circumstances. Authorities the opponent does not understand generally work best. The unlearned have a peculiar respect for Greek and Latin phrases. If necessary, one may not merely twist authorities but falsify them outright, or even cite authorities of one's own invention. Usually he does not have the book to hand and does not know how to consult it either. The finest example is the French curé who, to avoid paving the street in front of his house as the other citizens were required to do, quoted a biblical saying: “paveant illi, ego non pavebo”—“Let them fear; I shall not fear.” This convinced the municipal officials. General prejudices, too, may be used as authorities. For most people think with Aristotle: “What many believe, we affirm to be so”—in the Nicomachean Ethics, I think. Indeed, there is no opinion so absurd that people will not readily adopt it once they have been persuaded that it is generally accepted. Example governs their thinking as it governs their conduct. They are sheep following the lead ram wherever he leads; it is easier for them to die than to think. It is very strange that the universality of an opinion carries such weight with them, since they can see in themselves how opinions are adopted without any judgment, solely through example. But they do not see this, for they lack all self-knowledge. Only the select few say with Plato: “The many have many notions.” That is, the crowd has many foolish notions in its head, and anyone who wished to heed them would have much to do.

The universality of an opinion is, seriously considered, no proof of its correctness, not even a ground of probability. Those who maintain otherwise must assume 1) that distance in time deprives universality of its evidential force; otherwise they would have to recall all the old errors once generally taken for truths, such as the Ptolemaic system, or restore Catholicism in all Protestant countries. 2) That distance in space has the same effect; otherwise the universality of opinion among adherents of Buddhism, Christianity and Islam will embarrass them. (After Bentham, Tactique des assemblées législatives, Vol 2, p 76.)

What is called general opinion is, examined in the light, the opinion of two or three people. We would be convinced of this if we could watch the formation of such a universally accepted opinion. We would then find that two or three people first adopted or advanced and maintained it, and others were kind enough to trust that they had thoroughly examined it. On the assumption that these people were sufficiently capable, a few others first adopted the opinion too. Many more believed these in turn, their laziness advising them to believe at once rather than undertake a laborious examination. Thus the number of these lazy and credulous adherents grew from day to day. Once the opinion had a good number of voices in its favor, those who followed attributed this solely to the cogency of its grounds. Those still remaining were now compelled to accept what was generally accepted, lest they be considered unruly minds resisting universally valid opinions, and impertinent fellows who wished to be wiser than the whole world. Assent now became a duty. The few capable of judging must now remain silent; those allowed to speak are wholly incapable of opinions and judgments of their own, mere echoes of another's opinion, yet all the more zealous and intolerant in defending it. For what they hate in the dissenter is not so much his different opinion as his presumption in wishing to judge for himself—something they never undertake themselves, and secretly know they do not. In short, very few can think, but everyone wants opinions. What remains but to take them ready-made from others instead of making them oneself? Since this is how matters stand, what is the voice of a hundred million people worth? As much as a historical fact found in a hundred historians, when it is then shown that they all copied one another, so that everything ultimately comes back to the statement of one person. (After Bayle, Pensées sur les Comètes, Vol I, p 10.)

“I say it, you say it, and he too has said it at last:After so many sayings, you see nothing but sayings.”

Nevertheless, in a dispute with ordinary people, one can use general opinion as an authority.

In general, when two ordinary minds dispute, one will find that authorities are usually their mutually chosen weapon: with these they strike at one another. If the better mind has to deal with such a person, the wisest course is to accommodate himself to this weapon too, choosing authorities according to his opponent's vulnerabilities. For against the weapon of reasons the opponent is, by hypothesis, a horn-armored Siegfried, bathed in the flood of his inability to think and judge.

In court, disputes are actually conducted only through authorities: the established authority of the laws. Judgment's task is to find the law, the authority applicable to the case at hand.1 Dialectic nevertheless has ample room to maneuver, since, when necessary, a case and a law that do not actually fit one another are twisted until they are taken to fit; and conversely.

1 See Cogitata p 116 [in our edition, volumes VII and VIII].

Stratagem 31

Wo man gegen die dargelegten Gründe des Gegners nichts vorzubringen weiß, erkläre man sich mit feiner Ironie für inkompetent: „was Sie da sagen, übersteigt meine schwache Fassungskraft: es mag sehr richtig seyn; allein ich kann es nicht verstehn, und begebe mich alles Urtheils.“ — Dadurch insinuirt man den Zuhörern, bei denen man in Ansehn steht, daß es Unsinn ist. So erklärten beim Erscheinen der Kritik der reinen Vernunft oder vielmehr beim Anfang ihres erregten Aufsehns viele Professoren von der alten eklektischen Schule „wir verstehn das nicht“, und glaubten sie dadurch abgethan zu haben. — Als aber einige Anhänger der neuen Schule ihnen zeigten, daß sie Recht hätten und es wirklich nur nicht verständen, wurden sie sehr übler Laune.

Man darf den Kunstgriff nur da brauchen, wo man sicher ist, bei den Zuhörern in entschieden höherm Ansehn zu stehn als der Gegner: z. B. ein Professor gegen einen Studenten. Eigentlich gehört dies zum vorigen Kunstgriff und ist ein Geltendmachen der eignen Autorität, statt der Gründe, auf besonders maliciöse Weise. — Der Gegenstreich ist: „Erlauben Sie, bei Ihrer großen Penetration, muß es [I]hnen ein leichtes seyn es zu verstehn, und kann nur meine schlechte Darstellung Schuld seyn“, — und nun ihm die Sache so ins Maul schmieren, daß er sie nolens volens verstehn muß und klar wird, daß er sie vorhin wirklich nur nicht verstand. — So ist's retorquirt: er wollte uns „Unsinn“ insinuiren: wir haben ihm „Unverstand“ bewiesen. Beides mit schönster Höflichkeit.

When one has nothing to offer against the opponent's stated reasons, declare oneself incompetent with subtle irony: “What you say exceeds my poor powers of comprehension. It may be perfectly correct, but I cannot understand it, and I refrain from all judgment.” In this way one insinuates to listeners who respect one that it is nonsense. Thus, when the Critique of Pure Reason appeared—or rather, when it first began to cause a sensation—many professors of the old eclectic school declared, “We do not understand this,” and thought they had thereby disposed of it. When some adherents of the new school showed them that they were right and really did not understand it, they became very ill-tempered.

One may use this stratagem only where one is certain of enjoying decidedly greater standing among the listeners than the opponent—for example, a professor against a student. Strictly speaking, this belongs to the preceding stratagem: it is a particularly malicious assertion of one's own authority instead of reasons. The counterstroke is: “Permit me: with your great discernment, you must find it easy to understand, and only my poor presentation can be to blame.” Then spoon-feed him the matter so that, willing or unwilling, he must understand it, and it becomes clear that he really had merely failed to understand it before. Thus the argument is turned back: he wanted to insinuate “nonsense” against us; we have proved his “lack of understanding.” Both with the finest courtesy.

Stratagem 32

Eine uns entgegenstehende Behauptung des Gegners können wir auf eine kurze Weise dadurch beseitigen oder wenigstens verdächtig machen daß wir sie unter eine verhaßte Kategorie bringen, wenn sie auch nur durch eine Aehnlichkeit oder sonst lose mit ihr zusammenhängt: z. B. „das ist Manichäismus, das ist A[r]ianismus; das ist Pelagianismus; das ist Idealismus; das ist Spinozismus; das ist Pantheismus; das ist Brownianismus; das ist Naturalismus; das ist Atheismus; das ist Rationalismus; das ist Spiritualismus; das ist Mysticismus; u. s. w.“ — Wir nehmen dabei zweierlei an: 1) daß jene Behauptung wirklich identisch oder wenigstens enthalten sei in jener Kategorie, rufen also aus: oh, das kennen wir schon! — und 2) daß diese Kategorie schon ganz widerlegt sei und kein wahres Wort enthalten könne. —

An assertion of the opponent that stands against us may be quickly disposed of, or at least made suspect, by placing it under a hated category, even if it is connected with that category only by a resemblance or in some loose way. For example: “That is Manichaeism; that is Arianism; that is Pelagianism; that is idealism; that is Spinozism; that is pantheism; that is Brownianism; that is naturalism; that is atheism; that is rationalism; that is spiritualism; that is mysticism,” and so forth. We assume two things: 1) that the assertion is actually identical with, or at least contained in, that category, and thus exclaim, “Oh, we know all about that already!” 2) That the category has already been entirely refuted and cannot contain a true word.

Stratagem 33

„Das mag in der Theorie richtig seyn; in der Praxis ist es falsch.“ — Durch dieses Sophisma giebt man die Gründe zu und leugnet doch die Folgen; im Widerspruch mit der Regel a ratione ad rationatum valet consequentia. — Jene Behauptung setzt eine Unmöglichkeit: was in der Theorie richtig ist, muß auch in der Praxis zutreffen: trifft es nicht zu, so liegt ein Fehler in der Theorie, irgend etwas ist übersehn und nicht in Anschlag gebracht worden, folglich ist's auch in der Theorie falsch.

“That may be correct in theory; in practice it is false.” Through this sophism one concedes the grounds but denies the consequences, contrary to the rule that the inference from ground to consequence is valid. That assertion posits an impossibility: what is correct in theory must also hold in practice. If it does not, there is an error in the theory: something has been overlooked and not taken into account. Consequently, it is false in theory too.

Stratagem 34

Wenn der Gegner auf eine Frage oder Argument keine direkte Antwort oder Bescheid giebt, sondern durch eine Gegenfrage, oder eine indirekte Antwort, oder gar etwas nicht zur Sache Gehöriges ausweicht und wo anders hinwill; so ist dies ein sicheres Zeichen, daß wir (bisweilen ohne es zu wissen) auf einen faulen Fleck getroffen haben: es ist ein relatives Verstummen seinerseits. Der von uns angeregte Punkt ist also zu urgiren und der Gegner nicht vom Fleck zu lassen; selbst dann wann wir noch nicht sehn, worin eigentlich die Schwäche besteht die wir hier getroffen haben. —

If the opponent gives no direct answer or response to a question or argument, but evades it with a counterquestion, an indirect answer, or something irrelevant, and tries to move elsewhere, this is a sure sign that we have touched a rotten spot, sometimes without knowing it. He has fallen silent on that point. The point we raised must therefore be pressed, and the opponent must not be allowed to move from it, even if we still cannot see what the weakness we have touched actually consists in.

Stratagem 35

der, sobald er praktikabel ist, alle übrigen entbehrlich macht: statt durch Gründe auf den Intellekt, wirke man durch Motive auf den Willen, und der Gegner, wie auch die Zuhörer, wenn sie gleiches Interesse mit ihm haben, sind sogleich für unsre Meinung gewonnen, und wäre diese aus dem Tollhause geborgt: denn meistens wiegt ein Loth Wille mehr als ein Centner Einsicht und Ueberzeugung. Freilich geht dies nur unter besondern Umständen an. Kann man dem Gegner fühlbar machen, daß seine Meinung, wenn sie gültig würde, seinem Interesse merklichen Abbruch thäte; so wird er sie so schnell fahren lassen, wie ein heißes Eisen, das er unvorsichtigerweise ergriffen hatte.

Z. E. ein Geistlicher vertheidigt ein philosophisches Dogma: — man gebe ihm zu vermerken, daß es mittelbar mit einem Grunddogma seiner Kirche in Widerspruch steht, und er wird es fahren lassen.

Ein Gutsbesitzer behauptet die Vortrefflichkei[t] des Maschinenwesens in England, wo eine Dampfmaschine vieler Menschen Arbeit thut: man gebe ihm zu verstehn, daß bald auch die Wagen durch Dampfmaschin[en] gezogen werden werden, wo denn die Pferde seiner zahlreichen Stuterei sehr im Preise sinken müssen; — und man wird sehn. In solchen Fällen ist das Gefühl ein[es] Jeden in der Regel: „quam temere in nosmet legem sancimus iniquam.“

Eben so, wenn die Zuhörer mit uns zu einer Sekte, Gilde, Gewerbe, Klubb u. s. w. gehören, der Gegner aber nicht. Seine These sei noch so richtig; sobald wir nur andeuten, daß solche dem gemeinsamen Interesse besagter Gilde u. s. w. zuwider läuft; so werden alle Zuhörer die Argumente des Gegners, seien sie auch vortrefflich, schwach und erbärmlich, unsre dagegen, und wären sie aus der Luft gegriffen, richtig und treffend finden, der Chor wird laut für uns sich vernehmen lassen, und der Gegner wird beschämt das Feld räumen. Ja die Zuhörer werden meistens glauben aus reiner Ueberzeugung gestimmt zu haben. Denn was uns unvortheilhaft ist, erscheint meistens dem Intellekt absurd. Intellectus luminis sicci non est etc. Dieser Kunstgriff könnte so bezeichnet werden „den Baum bei der Wurzel anfassen“: gewöhnlich heißt er das argumentum ab utili. [1]

1 Siehe Cogitata p 280 [in unsr. Ausg. Bd. VII u. VIII].

This stratagem, whenever practicable, makes all the others unnecessary: instead of acting upon the intellect through reasons, act upon the will through motives. The opponent, and the listeners too if they share his interest, are immediately won over to our opinion, even if it were borrowed from a madhouse. For a single lot-weight of will generally weighs more than a centner of insight and conviction. This is of course possible only in special circumstances. If one can make the opponent feel that his opinion, were it to prevail, would noticeably injure his interest, he will drop it as quickly as a hot iron he had carelessly grasped.

For example, a clergyman defends a philosophical dogma: make him notice that it indirectly contradicts a fundamental dogma of his church, and he will abandon it.

A landowner asserts the excellence of machinery in England, where one steam engine does the work of many people. Give him to understand that carriages will soon be drawn by steam engines too, whereupon the horses of his large stud must fall greatly in price, and we shall see. In such cases everyone's usual feeling is: “How rashly we enact a law unjust to ourselves.”

It is the same when the listeners belong with us to a sect, guild, trade, club, and so forth, but the opponent does not. His thesis may be perfectly correct: as soon as we hint that it conflicts with the common interest of that guild or the like, all the listeners will find his arguments weak and miserable, however excellent they may be, and ours correct and telling, even if plucked from thin air. The chorus will speak loudly for us, and the opponent will leave the field in shame. Indeed, the listeners will generally believe they have voted from pure conviction. For what disadvantages us usually appears absurd to the intellect. The intellect is not a dry light, and so forth. This stratagem might be called “seizing the tree by the root”; it is usually called the argument from advantage.1

1 See Cogitata p 280 [in our edition, volumes VII and VIII].

Stratagem 36

Den Gegner durch sinnlosen Wortschwall verdutzen, verblüffen. Es beruht darauf daß

„Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört,Es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.“

Wenn er nun sich sei[n]er eignen Schwäche im Stillen bewußt ist, wenn er gewohnt ist mancherlei zu hören, was er nicht versteht, und doch dabei zu thun als verstände er es; so kann man ihm dadurch imponiren, daß man ihm einen gelehrt oder tiefsinnig klingenden Unsinn bei dem ihm Hören, Sehn und Denken vergeht, mit ernsthafter Miene vorschwatzt, und solches für den unbestreitbarsten Beweis seiner eignen Thesis ausgiebt. Bekanntlich haben in neuern Zeiten selbst dem ganzen Deutschen Publiko gegenüber, einige Philosophen diesen Kunstgriff mit dem brilliantesten Erfolg angewandt. Weil aber exempla odiosa sind, wollen wir ein älteres Beispiel nehmen aus Goldsmith, Vicar of Wakefield, p 34.

Stun and bewilder the opponent with a senseless flood of words. This rests upon the fact that:

“A person generally believes, on merely hearing words,Some thought must surely lie within.”

If he is secretly conscious of his own weakness, if he is used to hearing much that he does not understand while pretending that he does, one can impress him by gravely spouting learned- or profound-sounding nonsense that bewilders his hearing, sight and thought, and passing it off as the most indisputable proof of one's own thesis. As everyone knows, in recent times some philosophers have employed this stratagem with the most brilliant success, even before the whole German public. But since examples are odious, let us take an older example from Goldsmith, Vicar of Wakefield, p 34.

Stratagem 37

(der einer der ersten seyn sollte). Wenn der Gegner auch in der Sache Recht hat, allein glücklicherweise für selbige einen schlechten Beweis wählt; so gelingt es uns leicht diesen Beweis zu widerlegen, und nun geben wir dies für eine Widerlegung der Sache aus. Im Grunde läuft dies darauf zurück, daß wir ein argumentum ad hominem für ein[e]s ad rem ausgeben. Fällt ihm oder den Umstehenden kein richtigerer Beweis bei; so haben wir gesiegt. — Z. B. wenn Einer für das Daseyn Gottes den ontologischen Beweis aufstell[t], der sehr wohl widerlegbar ist. Dies ist der Weg auf welchem schlechte Advokaten eine gute Sache verlieren: [sie] wollen sie durch ein Gesetz rechtfertigen, das darauf nicht paßt, und das passende fällt ihnen nicht ein.

(This ought to be one of the first.) Even when the opponent is right about the matter, if he fortunately chooses a bad proof of it, we can easily refute that proof and then pass this off as a refutation of the matter itself. Fundamentally this comes down to passing off an argument ad hominem as one ad rem. If neither he nor the bystanders can think of a better proof, we have won. For example, someone advances the ontological proof of God's existence, which can very well be refuted. This is how bad advocates lose a good case: they seek to justify it through a law that does not fit, and the appropriate one does not occur to them.

Stratagem 38

Wenn man merkt daß der Gegner überlegen ist und man Unrecht behalten wird; so werde man persönlich, beleidigend, grob. Das Persönlichwerden besteht darin, daß man von dem Gegenstand des Streites (weil man da verlornes Spiel hat) abgeht auf den Streitenden und seine Person irgend wie angreift: man könnte es nennen argumentum ad personam, zum Unterschied vom argumentum ad hominem: dieses geht vom rein objektiven Gegenstand ab, um sich an das zu halten, was der Gegner darüber gesagt oder zugegeben hat. Beim Persönlichwerden aber verläßt man den Gegenstand ganz, und richtet seinen Angriff auf die Person des Gegners: man wird also kränkend, hämisch, beleidigend, grob. Es ist eine Appellation von den Kräften des Geistes an die des Leibes, oder an die Thierheit. Diese Regel ist sehr beliebt, weil Jeder zur Ausführung tauglich ist, und wird daher häufig angewandt.1 Nun frägt sich welche Gegenregel hiebei für den andern Theil gilt. Denn will er dieselbe gebrauchen, so wirds eine Prügelei oder ein Duell oder ein Injurienproceß.

Man würde sich sehr irren, wenn man mein[t] es sei hinreichend selbst nicht persönlich zu werden. Denn dadurch daß man Einem ganz gelassen zeigt, daß er Unrecht hat und also falsch urtheilt und denkt, was bei jedem dialektischen Siege der Fall ist, erbittert man ihn mehr als durch einen groben, beleidigenden Ausdruck. Warum? Weil wie Hobbes de Cive, c. 1, sagt: Omnis animi voluptas, omnisque alacritas in eo sita est, quod quis habeat, quibuscum conferens se, possit magnifice sentire de seipso. — Dem Menschen geht nichts über die Befriedigung seiner Eitelkeit und keine Wunde schmerzt mehr als die dieser geschlagen wird. (Daraus stammen Redensarten wie „die Ehre gilt mehr als das Leben“ u. s. w.) Diese Befriedigung der Eitelkeit entsteht hauptsächlich aus der Vergleichung Seiner mit Andern, in jeder Beziehung, aber hauptsächlich in Beziehung auf die Geisteskräfte. Diese eben geschieht effective und sehr stark beim Disputiren. Daher die Erbitterung des Besiegten, ohne daß ihm Unrecht widerfahren, und daher sein Greifen zum letzten Mittel, diesem letzten Kunstgriff: dem man nicht entgehn kann durch bloße Höflichkeit seinerseits. Große Kaltblütigkeit kann jedoch auch hier aushelfen, wenn man nämlich, sobald der Gegner persönlich wird, ruhig antwortet, das gehöre nicht zur Sache, und sogleich auf diese zurücklenkt und fortfährt ihm hier sein Unrecht zu beweisen, ohne sein[er] Beleidigungen zu achten, also gleichsam wie Themistokles zum Eurybiades sagt: παταξον μεν, ακουσον δε. Das ist aber nicht Jedem gegeben. Die einzig sichere Gegenregel ist daher die, welche schon Aristoteles im letzten Kapitel der Topica giebt: Nicht mit dem Ersten dem Besten zu disputieren; sondern allein mit solchen die man kennt, und von denen man weiß, daß sie Verstand genug haben, nicht gar zu Absurdes vorzubringen und dadurch beschämt werden zu müssen; und um mit Gründen zu disputiren und nicht mit Machtsprüchen, und um auf Gründe zu hören und darauf einzugehn; und endlich daß sie die Wahrheit schätzen, gute Gründe gern hören, auch aus dem Munde des Gegners, und Billigkeit genug haben, um es ertragen zu können Unrecht zu behalten, wenn die Wahrheit auf der andern Seite liegt. Daraus folgt, daß unter Hundert kaum Einer ist, der werth ist daß man mit ihm disputirt. Die Uebrigen lasse man reden was sie wollen, denn desipere est juris gentium, und man bedenke was Voltaire sagt: La paix vaut encore mieux que la vérité: und ein Arabischer Spruch ist: „Am Baume des Schweigens hängt seine Frucht der Friede.“

Das Disputiren ist als Reibung der Köpfe allerdings oft von gegenseitigem Nutzen, zur Berichtigung der eig[nen] Gedanken und auch zur Erzeugung neuer Ansichten. All[ein] beide Disput[anten] müssen an Gelehrsamkeit und an Geist ziemlich gleichsteh[n]. Fehlt es Einem an der erst[en], so versteht er nicht Alles, ist nicht au niveau. Fehlt es ihm am zweiten, so wird die dadurch herbeigeführte Erbitterung ihn zu Unredlichkeit[en] und Kniffen [oder] zu Grobheit verleiten. [2]

Zwischen der Disputation in colloquio privato s. familiari und der disputatio sollemnis publica, pro gradu u.s.w. ist kein wesentlicher Unterschied. Bloß etwa, daß bei letzterer gefordert wird, daß der Respondens allemal gegen den Opponens Recht behalten soll und deshalb nöthigenfalls der praeses ihm beispringt; — oder auch daß man bei letzterer mehr förmlich argumentirt, sein[e] Argum[ente] gern in die strenge Schlußform kleidet.

1 [Dabei am Rand die Notiz:] Siehe Foliant p 261 [in unsr. Ausg. Bd. VII u. VIII].

2 Spic[ilegia] 334 [in unsr. Ausg. Bd. VII u. VIII].

When one notices that the opponent is superior and one is going to come away wrong, become personal, insulting and rude. Becoming personal consists in leaving the subject of the dispute, where one's game is lost, to attack the disputant and his person in some way. This may be called an argumentum ad personam, as distinct from the argumentum ad hominem. The latter departs from the purely objective subject to hold to what the opponent has said or conceded about it. In becoming personal, however, one abandons the subject altogether and directs the attack against the opponent's person: one becomes hurtful, spiteful, insulting and rude. It is an appeal from the powers of the mind to those of the body, or to brutishness. This rule is very popular because everyone is capable of carrying it out, and it is therefore frequently employed.1 The question now is what counterrule holds for the other party. If he wishes to use the same rule, there will be a brawl, a duel or legal proceedings for insult.

One would be greatly mistaken to think it enough merely to avoid becoming personal oneself. For by showing someone quite calmly that he is wrong, and therefore judges and thinks falsely—as happens in every dialectical victory—one embitters him more than through a rude, insulting expression. Why? Because, as Hobbes says in de Cive, c. 1: “All the mind's pleasure and all its cheerfulness consist in having others with whom to compare oneself and thereby form a high opinion of oneself.” Nothing matters more to a person than the satisfaction of his vanity, and no wound hurts more than one inflicted upon it. Hence sayings such as “Honor is worth more than life,” and so forth. This satisfaction of vanity arises chiefly from comparing oneself with others in every respect, but principally in intellectual powers. This very comparison takes place effectively and very forcefully in disputation. Hence the defeated person's bitterness, though no injustice has been done him, and his resort to the last resource, this last stratagem. Mere courtesy on one's own side cannot avert it. Great composure, however, can help even here: as soon as the opponent becomes personal, calmly reply that this is irrelevant, return at once to the subject, and continue proving him wrong there without heeding his insults. In effect, say what Themistocles said to Eurybiades: “Strike, but listen.” Not everyone, however, has this gift.

The only safe counterrule is therefore the one Aristotle already gives in the last chapter of the Topica: do not dispute with the first person who comes along, but only with people one knows to have enough understanding not to advance utter absurdities and be shamed by them; enough to dispute with reasons rather than pronouncements of authority, and to listen to and engage with reasons; and, finally, people who value truth, willingly hear good reasons even from the opponent's mouth, and possess enough fairness to bear coming away wrong when truth is on the other side. It follows that scarcely one person in a hundred is worth disputing with. Let the others say what they please, for folly is a right of all peoples. Remember what Voltaire says: “Peace is worth still more than truth.” And an Arabic saying runs: “On the tree of silence hangs its fruit, peace.”

Disputation, as a friction between minds, is certainly often of mutual benefit: it corrects one's own thoughts and produces new views. But both disputants must be fairly equal in learning and intellect. If one lacks the former, he does not understand everything and is not at the same level. If he lacks the latter, the bitterness this causes will tempt him into dishonesty and tricks, or rudeness.2

There is no essential difference between disputation in private or familiar conversation and solemn public disputation for a degree and the like. Only, perhaps, that in the latter the respondent is always required to remain in the right against the opponent, so the presiding officer comes to his aid if necessary; or that in the latter one argues more formally, readily clothing one's arguments in strict syllogistic form.

1 [The note beside this in the margin:] See Foliant p 261 [in our edition, volumes VII and VIII].

2 Spic[ilegia] 334 [in our edition, volumes VII and VIII].

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