Critique of Pure Reason
Front matter
German
B i Kritik der reinen Vernunft von Immanuel Kant
Professor in Königsberg, der Königl. Akademie der Wissenschaften in Berlin Mitglied
Zweite hin und wieder verbesserte Auflage (1787)
B ii Baco de Verulamio
Instauratio magna. Praefatio.
De nobis ipsis silemus: De re autem, quae agitur, petimus: ut homines eam non Opinionem, sed Opus esse cogitent; ac pro certo habeant, non Sectae nos alicuius, aut Placiti, sed utilitatis et amplitudinis humanae fundamenta moliri. Deinde ut suis commodis aequi in commune consulant et ipsi in partem veniant. Praeterea ut bene sperent, neque Instaurationem nostram ut quidam infinitum et ultra mortale fingant, et animo concipiant; quum revera sit infiniti erroris finis et terminus legitimus.
B iii Sr. Exzellenz, dem Königl. Staatsminister Freiherrn von Zedlitz
B v Gnädiger Herr!
Den Wachstum der Wissenschaften an seinem Teile befördern, heißt an Ew. Exzellenz eigenem Interesse arbeiten; denn dieses ist mit jenen, nicht bloß durch den erhabenen Posten eines Beschützers, sondern durch das viel vertrautere eines Liebhabers und erleuchteten Kenners, innigst verbunden. Deswegen bediene ich mich auch des einigen Mittels, das gewissermaßen in meinem Vermögen ist, meine Dankbarkeit für das gnädige Zutrauen zu bezeigen, womit Ew. Exzellenz mich beehren, als könne ich zu dieser Absicht etwas beitragen.
B vi Demselben gnädigen Augenmerke, dessen Ew. Exzellenz die erste Auflage dieses Werks gewürdigt haben, widme ich nun auch diese zweite und hiermit zugleich alle übrige Angelegenheit meiner literarischen Bestimmung, und bin mit der tiefsten Verehrung
Ew. Exzellenz untertänig gehorsamster Diener Königsberg den 23sten April 1787 Immanuel Kant
English
B i Critique of Pure Reason by Immanuel Kant
Professor at Königsberg, and a member of the Royal Academy of Sciences in Berlin
Second edition, improved here and there (1787)
B ii Bacon of Verulam
The Great Renewal. Preface.
About ourselves we keep silent. About the matter in hand we ask this: that people think of it as a work to be done and not as an opinion, and be sure that we are laying the foundations not for any sect or doctrine, but for human benefit and human greatness. Then we ask that they be fair about their own interests, take counsel together for the common good, and take a share in the work themselves. And we ask that they hope for the best. They shouldn’t picture our Renewal, as some do, as something endless and beyond what a mortal can do, or take it that way in their minds. In truth it is the end of endless error, and its rightful limit.
B iii To His Excellency, the Royal State Minister, Baron von Zedlitz
B v Gracious Sir!
Anyone who helps the sciences grow, in whatever small part, is working in Your Excellency’s own interest. Your interest is closely bound up with the sciences. It is tied to them not only by your high post as their protector, but by something much more personal: you are a lover of them and an enlightened expert. So I’m using the one means that lies, in some measure, within my power to show my thanks for the gracious trust with which Your Excellency honors me, as if I could contribute something to this aim.
B vi Your Excellency graciously gave your attention to the first edition of this work. To that same attention I now dedicate this second edition. With it I also hand over every other concern of my literary calling. I remain, with the deepest respect,
Your Excellency’s most humble and obedient servant, Königsberg, April 23rd, 1787 Immanuel Kant
Preface to the Second Edition
B vii Vorrede zur zweiten Auflage
Ob die Bearbeitung der Erkenntnisse, die zum Vernunftgeschäfte gehören, den sicheren Gang einer Wissenschaft gehe oder nicht, das läßt sich bald aus dem Erfolg beurteilen. Wenn sie nach viel gemachten Anstalten und Zurüstungen, sobald es zum Zweck kommt, in Stecken gerät, oder, um diesen zu erreichen, öfters wieder zurückgehen und einen andern Weg einschlagen muß; imgleichen wenn es nicht möglich ist, die verschiedenen Mitarbeiter in der Art, wie die gemeinschaftliche Absicht erfolgt werden soll, einhellig zu machen: so kann man immer überzeugt sein, daß ein solches Studium bei weitem noch nicht den sicheren Gang einer Wissenschaft eingeschlagen, sondern ein bloßes Herumtappen sei, und es ist schon ein Verdienst um die Vernunft, diesen Weg womöglich ausfindig zu machen, sollte auch manches als vergeblich aufgegeben werden müssen, was in dem ohne Überlegung vorher genommenen Zwecke enthalten war.
B viii Daß die Logik diesen sicheren Gang schon von den ältesten Zeiten her gegangen sei, läßt sich daraus ersehen, daß sie seit dem Aristoteles keinen Schritt rückwärts hat tun dürfen, wenn man ihr nicht etwa die Wegschaffung einiger entbehrlicher Subtilitäten, oder deutlichere Bestimmung des Vorgetragenen als Verbesserungen anrechnen will, welches aber mehr zur Eleganz, als zur Sicherheit der Wissenschaft gehört. Merkwürdig ist noch an ihr, daß sie auch bis jetzt keinen Schritt vorwärts hat tun können, und also allem Ansehen nach geschlossen und vollendet zu sein scheint. Denn, wenn einige Neuere sie dadurch zu erweitern dachten, daß sie teils psychologische Kapitel von den verschiedenen Erkenntniskräften (der Einbildungskraft, dem Witze), teils metaphysische über den Ursprung der Erkenntnis oder der verschiedenen Art der Gewißheit nach Verschiedenheit der Objekte (dem Idealismus, Skeptizismus usw.), teils anthropologische von Vorurteilen (den Ursachen derselben und Gegenmitteln) hineinschoben, so rührt dieses von ihrer Unkunde der eigentümlichen Natur dieser Wissenschaft her. Es ist nicht Vermehrung, sondern Verunstaltung der Wissenschaften, wenn man ihre Grenzen ineinander laufen läßt; die Grenze der Logik aber ist dadurch ganz genau bestimmt, daß sie eine Wissenschaft ist,
B ix welche nichts als die formalen Regeln alles Denkens (es mag a priori oder empirisch sein, einen Ursprung oder Objekt haben, welches es wolle, in unserem Gemüte zufällige oder natürliche Hindernisse antreffen) ausführlich darlegt und strenge beweist.
Daß es der Logik so gut gelungen ist, diesen Vorteil hat sie bloß ihrer Eingeschränktheit zu verdanken, dadurch sie berechtigt, ja verbunden ist, von allen Objekten der Erkenntnis und ihrem Unterschiede zu abstrahieren, und in ihr also der Verstand es mit nichts weiter, als sich selbst und seiner Form, zu tun hat. Weit schwerer mußte es natürlicherweise für die Vernunft sein, den sicheren Weg der Wissenschaft einzuschlagen, wenn sie nicht bloß mit sich selbst, sondern auch mit Objekten zu schaffen hat; daher jene auch als Propädeutik gleichsam nur den Vorhof der Wissenschaften ausmacht, und wenn von Kenntnissen die Rede ist, man zwar eine Logik zur Beurteilung derselben voraussetzt, aber die Erwerbung derselben in eigentlich und objektiv so genannten Wissenschaften suchen muß.
Sofern in diesen nun Vernunft sein soll, so muß darin etwas a priori erkannt werden, und ihre Erkenntnis kann auf zweierlei Art auf ihren Gegenstand bezogen werden, entweder diesen und seinen Begriff (der anderweitig gegeben werden muß) bloß zu
B x bestimmen, oder ihn auch wirklich zu machen. Die erste ist theoretische, die andere praktische Erkenntnis der Vernunft. Von beiden muß der reine Teil, soviel oder sowenig er auch enthalten mag, nämlich derjenige, darin Vernunft gänzlich a priori ihr Objekt bestimmt, vorher allein vorgetragen werden, und dasjenige, was aus anderen Quellen kommt, damit nicht vermengt werden, denn es gibt üble Wirtschaft, wenn man blindlings ausgibt, was einkommt, ohne nachher, wenn jene in Stecken gerät, unterscheiden zu können, welcher Teil der Einnahme den Aufwand tragen könne, und von welcher man denselben beschneiden muß.
Mathematik und Physik sind die beiden theoretischen Erkenntnisse der Vernunft, welche ihre Objekte a priori bestimmen sollen, die erstere ganz rein, die zweite wenigstens zum Teil rein, dann aber auch nach Maßgabe anderer Erkenntnisquellen als der der Vernunft.
Die Mathematik ist von den frühesten Zeiten her, wohin die Geschichte der menschlichen Vernunft reicht, in dem bewundernswürdigen Volke der Griechen den sicheren Weg einer Wissenschaft gegangen. Allein man darf nicht denken, daß es ihr so leicht geworden, wie der Logik, wo die Vernunft es nur mit sich selbst zu tun hat, jenen königlichen Weg zu
B xi treffen, oder vielmehr sich selbst zu bahnen; vielmehr glaube ich, daß es lange mit ihr (vornehmlich noch unter den Ägyptern) beim Herumtappen geblieben ist, und diese Umänderung einer Revolution zuzuschreiben sei, die der glückliche Einfall eines einzigen Mannes in einem Versuche zustande brachte, von welchem an die Bahn, die man nehmen mußte, nicht mehr zu verfehlen war, und der sichere Gang einer Wissenschaft für alle Zeiten und in unendliche Weiten eingeschlagen und vorgezeichnet war. Die Geschichte dieser Revolution der Denkart, welche viel wichtiger war, als die Entdeckung des Weges um das berühmte Vorgebirge, und des Glücklichen, der sie zustande brachte, ist uns nicht aufbehalten. Doch beweist die Sage, welche Diogenes der Laertier uns überliefert, der von den kleinsten, und, nach dem gemeinen Urteil, gar nicht einmal eines Beweises benötigten, Elementen der geometrischen Demonstrationen den angeblichen Erfinder nennt, daß das Andenken der Veränderung, die durch die erste Spur der Entdeckung dieses neuen Weges bewirkt wurde, den Mathematikern äußerst wichtig geschienen haben müsse, und dadurch unvergeßlich geworden sei. Dem ersten, der den gleichseitigen Triangel demonstrierte (er mag nun Thales oder wie man will geheißen haben), dem ging ein Licht auf; denn er fand, daß
B xii er nicht dem, was er in der Figur sah, oder auch dem bloßen Begriffe derselben nachspüren und gleichsam davon ihre Eigenschaften ablernen, sondern durch das, was er nach Begriffen selbst a priori hineindachte und darstellte (durch Konstruktion), hervorbringen müsse, und daß er, um sicher etwas a priori zu wissen, er der Sache nichts beilegen müsse, als was aus dem notwendig folgte, was er seinem Begriffe gemäß selbst in sie gelegt hat.
Mit der Naturwissenschaft ging es weit langsamer zu, bis sie den Heeresweg der Wissenschaft traf, denn es sind nur etwa anderthalb Jahrhunderte, daß der Vorschlag des sinnreichen Baco von Verulam diese Entdeckung teils veranlaßte, teils, da man bereits auf der Spur derselben war, mehr belebte, welche eben sowohl durch eine schnell vorgegangene Revolution der Denkart erklärt werden kann. Ich will hier nur die Naturwissenschaft, so fern sie auf empirische Prinzipien gegründet ist, in Erwägung ziehen.
Als Galilei seine Kugeln die schiefe Fläche mit einer von ihm selbst gewählten Schwere herabrollen, oder Torricelli die Luft ein Gewicht, was er sich zum voraus dem einer ihm bekannten Wassersäule gleich gedacht hatte, tragen ließ, oder in noch späterer Zeit Stahl Metalle in Kalk und diesen
B xiii wiederum in Metall verwandelte, indem er ihnen etwas entzog und wiedergab*; so ging allen Naturforschern ein Licht auf. Sie begriffen, daß die Vernunft nur das einsieht, was sie selbst nach ihrem Entwurfe hervorbringt, daß sie mit Prinzipien ihrer Urteile nach beständigen Gesetzen vorangehen und die Natur nötigen müsse auf ihre Fragen zu antworten, nicht aber sich von ihr allein gleichsam am Leitbande gängeln lassen müsse; denn sonst hängen zufällige, nach keinem vorher entworfenen Plane gemachte Beobachtungen gar nicht in einem notwendigen Gesetze zusammen, welches doch die Vernunft sucht und bedarf. Die Vernunft muß mit ihren Prinzipien, nach denen allein übereinkommende Erscheinungen für Gesetze gelten können, in einer Hand, und mit dem Experiment, das sie nach jenen ausdachte, in der anderen, an die Natur gehen, zwar um von ihr belehrt zu werden, aber nicht in der Qualität eines Schülers, der sich alles vorsagen läßt, was der Lehrer will, sondern eines bestallten Richters, der die Zeugen nötigt, auf die Fragen zu antworten, die er ihnen vorlegt. Und so hat sogar Physik die so vorteilhafte Revolution ihrer Denkart lediglich dem Einfalle zu verdanken,
B xiv demjenigen, was die Vernunft selbst in die Natur hineinlegt, gemäß, dasjenige in ihr zu suchen (nicht ihr anzudichten), was sie von dieser lernen muß, und wovon sie für sich selbst nichts wissen würde. Hierdurch ist die Naturwissenschaft allererst in den sicheren Gang einer Wissenschaft gebracht worden, da sie so viel Jahrhunderte durch nichts weiter als ein bloßes Herumtappen gewesen war.
* Ich folge hier nicht genau dem Faden der Geschichte der Experimentalmethode, deren erste Anfänge auch nicht wohl bekannt sind.
Der Metaphysik, einer ganz isolierten spekulativen Vernunfterkenntnis, die sich gänzlich über Erfahrungsbelehrung erhebt, und zwar durch bloße Begriffe (nicht wie Mathematik durch Anwendung derselben auf Anschauung), wo also Vernunft selbst ihr eigener Schüler sein soll, ist das Schicksal bisher noch so günstig nicht gewesen, daß sie den sicheren Gang einer Wissenschaft einzuschlagen vermocht hätte; ob sie gleich älter ist, als alle übrige, und bleiben würde, wenn gleich die übrigen insgesamt in dem Schlunde einer alles vertilgenden Barbarei gänzlich verschlungen werden sollten. Denn in ihr gerät die Vernunft kontinuierlich in Stecken, selbst wenn sie diejenigen Gesetze, welche die gemeinste Erfahrung bestätigt, (wie sie sich anmaßt) a priori einsehen will. In ihr muß man unzählige Male den Weg zurück tun, weil man findet, daß er dahin nicht führt, wo man hin will, und was die Einhelligkeit ihrer Anhänger in
B xv Behauptungen betrifft, so ist sie noch so weit davon entfernt, daß sie vielmehr ein Kampfplatz ist, der ganz eigentlich dazu bestimmt zu sein scheint, seine Kräfte im Spielgefechte zu üben, auf dem noch niemals irgend ein Fechter sich auch den kleinsten Platz hat erkämpfen und auf seinen Sieg einen dauerhaften Besitz gründen können. Es ist also kein Zweifel, daß ihr Verfahren bisher ein bloßes Herumtappen, und, was das Schlimmste ist, unter bloßen Begriffen, gewesen sei.
Woran liegt es nun, daß hier noch kein sicherer Weg der Wissenschaft hat gefunden werden können? Ist er etwa unmöglich? Woher hat denn die Natur unsere Vernunft mit der rastlosen Bestrebung heimgesucht, ihm als einer ihrer wichtigsten Angelegenheiten nachzuspüren? Noch mehr, wie wenig haben wir Ursache, Vertrauen in unsere Vernunft zu setzen, wenn sie uns in einem der wichtigsten Stücke unserer Wißbegierde nicht bloß verläßt, sondern durch Vorspiegelungen hinhält und am Ende betrügt! Oder ist er bisher nur verfehlt; welche Anzeige können wir benutzen, um bei erneuertem Nachsuchen zu hoffen, daß wir glücklicher sein werden, als andere vor uns gewesen sind?
Ich sollte meinen, die Beispiele der Mathematik und Naturwissenschaft, die durch eine auf
B xvi einmal zustande gebrachte Revolution das geworden sind, was sie jetzt sind, wäre merkwürdig genug, um dem wesentlichen Stücke der Umänderung der Denkart, die ihnen so vorteilhaft geworden ist, nachzusinnen, und ihnen, soviel ihre Analogie, als Vernunfterkenntnisse, mit der Metaphysik verstattet, hierin wenigstens zum Versuche nachzuahmen. Bisher nahm man an, alle unsere Erkenntnis müsse sich nach den Gegenständen richten, aber alle Versuche über sie a priori etwas durch Begriffe auszumachen, wodurch unsere Erkenntnis erweitert würde, gingen unter dieser Voraussetzung zunichte. Man versuche es daher einmal, ob wir nicht in den Aufgaben der Metaphysik damit besser fortkommen, daß wir annehmen, die Gegenstände müssen sich nach unserem Erkenntnis richten, welches so schon besser mit der verlangten Möglichkeit einer Erkenntnis derselben a priori zusammenstimmt, die über Gegenstände, ehe sie und gegeben werden, etwas festsetzen soll. Es ist hiermit ebenso, als mit den ersten Gedanken des Kopernikus bewandt, der, nachdem es mit der Erklärung der Himmelsbewegungen nicht gut fort wollte, wenn er annahm, das ganze Sternenheer drehe sich um den Zuschauer, versuchte, ob es nicht besser gelingen möchte, wenn er den Zuschauer sich drehen, und dagegen die Sterne in Ruhe ließ. In der Metaphysik kann man
B xvii nun, was die Anschauung der Gegenstände betrifft, es auf ähnliche Weise versuchen. Wenn die Anschauung sich nach der Beschaffenheit der Gegenstände richten müßte, so sehe ich nicht ein, wie man a priori von ihr etwas wissen könne; richtet sich aber der Gegenstand (als Objekt der Sinne) nach der Beschaffenheit unseres Anschauungsvermögens, so kann ich mir diese Möglichkeit ganz wohl vorstellen. Weil ich aber bei diesen Anschauungen, wenn sie Erkenntnisse werden sollen, nicht stehen bleiben kann, sondern sie als Vorstellungen auf irgend etwas als Gegenstand beziehen und diesen durch jene bestimmen muß, so kann ich entweder annehmen, die Begriffe, wodurch ich diese Bestimmung zustande bringe, richten sich auch nach dem Gegenstande, und dann bin ich wiederum in derselben Verlegenheit, wegen der Art, wie ich a priori hiervon etwas wissen könne; oder ich nehme an, die Gegenstände oder, welches einerlei ist, die Erfahrung, in welcher sie allein (als gegebene Gegenstände) erkannt werden, richte sich nach diesen Begriffen, so sehe ich sofort eine leichtere Auskunft, weil Erfahrung selbst eine Erkenntnisart ist, die Verstand erfordert, dessen Regel ich in mir, noch ehe mir Gegenstände gegeben werden, mithin a priori voraussetzen muß, welche in Begriffen a priori ausgedrückt wird, nach denen sich also alle Gegenstände der Erfahrung
B xviii notwendig richten und mit ihnen übereinstimmen müssen. Was Gegenstände betrifft, sofern sie bloß durch Vernunft und zwar notwendig gedacht, die aber (so wenigstens, wie die Vernunft sie denkt) gar nicht in der Erfahrung gegeben werden können, so werden die Versuche sie zu denken (denn denken müssen sie sich doch lassen), hernach einen herrlichen Probierstein desjenigen abgeben, was wir als die veränderte Methode der Denkungsart annehmen, daß wir nämlich von den Dingen nur das a priori erkennen, was wir selbst in sie legen.*
* Diese dem Naturforscher nachgeahmte Methode besteht also darin: die Elemente der reinen Vernunft in dem zu suchen, was sich durch ein Experiment bestätigen oder widerlegen läßt. Nun läßt sich zur Prüfung der Sätze der reinen Vernunft, vornehmlich wenn sie über alle Grenze möglicher Erfahrung hinaus gewagt werden, kein Experiment mit ihren Objekten machen (wie in der Naturwissenschaft): also wird es nur mit Begriffen und Grundsätzen, die wir a priori annehmen, tunlich sein, indem man sie nämlich so einrichtet, daß dieselben Gegenstände einerseits als Gegenstände der Sinne und des Verstandes für die Erfahrung, andererseits aber doch als Gegenstände, die man bloß denkt, allenfalls für die isolierte und über Erfahrungsgrenze hinausstrebende Vernunft, mithin von zwei verschiedenen Seiten betrachtet werden können. Findet es sich nun, daß, wenn man die Dinge aus jenem doppelten Gesichtspunkte betrachtet, Einstimmung mit dem Prinzip der reinen Vernunft stattfinde, bei einerlei Gesichtspunkte aber ein unvermeidlicher Widerstreit der Vernunft mit sich selbst entspringe, so entscheidet das Experiment für die Richtigkeit jener Unterscheidung.
Dieser Versuch gelingt nach Wunsch, und verspricht der Metaphysik in ihrem ersten Teile, da sie sich nämlich mit Begriffen a priori beschäftigt, davon die korrespondierenden Gegenstände in der Erfahrung jenen angemessen gegeben werden können, den
B xix sicheren Gang einer Wissenschaft. Denn man kann nach dieser Veränderung der Denkart die Möglichkeit einer Erkenntnis a priori ganz wohl erklären, und, was noch mehr ist, die Gesetze, welche a priori der Natur, als dem Inbegriffe der Gegenstände der Erfahrung, zum Grunde liegen, mit ihren genugtuenden Beweisen versehen, welches beides nach der bisherigen Verfahrungsart unmöglich war. Aber es ergibt sich aus dieser Deduktion unseres Vermögens a priori zu erkennen, im ersten Teile der Metaphysik ein befremdliches und dem ganzen Zwecke derselben, der den zweiten Teil beschäftigt, dem Anscheine nach sehr nachteiliges Resultat, nämlich daß wir mit ihm nie über die Grenze möglicher Erfahrung hinauskommen können, welches doch gerade die wesentlichste Angelegenheit dieser Wissenschaft ist. Aber hierin
B xx liegt eben das Experiment einer Gegenprobe der Wahrheit des Resultats jener ersten Würdigung unserer Vernunfterkenntnis a priori, daß sie nämlich nur auf Erscheinungen gehe, die Sache an sich selbst dagegen zwar als für sich wirklich, aber von uns unerkannt, liegen lasse. Denn das, was uns notwendig über die Grenze der Erfahrung und aller Erscheinungen hinaus zu gehen treibt, ist das Unbedingte, welches die Vernunft in den Dingen an sich selbst notwendig und mit allem Recht zu allem Bedingten, und dadurch die Reihe der Bedingungen als vollendet verlangt. Findet sich nun, wenn man annimmt, unsere Erfahrungserkenntnis richte sich nach den Gegenständen als Dingen an sich selbst, daß das Unbedingte ohne Widerspruch gar nicht gedacht werden könne; dagegen, wenn man annimmt, unsere Vorstellung der Dinge, wie sie uns gegeben werden, richte sich nicht nach diesen, als Dingen an sich selbst, sondern diese Gegenstände vielmehr, als Erscheinungen, richten sich nach unserer Vorstellungsart, der Widerspruch wegfalle; und daß folglich das Unbedingte nicht an Dingen, sofern wir sie kennen, (sie uns gegeben werden,) wohl aber an ihnen, sofern wir sie nicht kennen, als Sachen an sich selbst, angetroffen werden müsse: so zeigt sich, daß, was wir Anfangs nur zum Versuche annahmen,
B xxi gegründet sei.* Nun bleibt uns immer noch übrig, nachdem der spekulativen Vernunft alles Fortkommen in diesem Felde des Übersinnlichen abgesprochen worden, zu versuchen, ob sich nicht in ihrer praktischen Erkenntnis Data finden, jenen transzendenten Vernunftbegriff des Unbedingten zu bestimmen, und auf solche Weise, dem Wunsche der Metaphysik gemäß, über die Grenze aller möglichen Erfahrung hinaus mit unserem, aber nur in praktischer Absicht möglichen Erkenntnisse a priori zu gelangen. Und bei einem solchen Verfahren hat uns die spekulative Vernunft zu solcher Erweiterung immer doch wenigstens Platz verschafft, wenn sie ihn gleich leer lassen mußte, und es bleibt uns also noch unbenommen, ja wir sind gar dazu durch sie aufgefordert, ihn durch
B xxii praktische Data derselben, wenn wir können, auszufüllen.**
* Dieses Experiment der reinen Vernunft hat mit dem der Chemiker, welches sie manchmal den Versuch der Reduktion, im allgemeinen aber das synthetische Verfahren nennen, viel Ähnliches. Die Analysis des Metaphysikers schied die reine Erkenntnis a priori in zwei sehr ungleichartige Elemente, nämlich die der Dinge als Erscheinungen, und dann der Dinge an sich selbst. Die Dialektik verbindet beide wiederum zur Einhelligkeit mit der notwendigen Vernunftidee des Unbedingten und findet, daß diese Einhelligkeit niemals anders, als durch jene Unterscheidung herauskomme, welche also die wahre ist.
** So verschafften die Zentralgesetze der Bewegung der Himmelskörper dem, was Kopernikus, anfänglich nur als Hypothese annahm, ausgemachte Gewißheit und bewiesen zugleich die unsichtbare, den Weltbau verbindende Kraft (der Newtonischen Anziehung), welche auf immer unentdeckt geblieben wäre, wenn der erstere es nicht gewagt hätte, auf eine widersinnische, aber doch wahre Art, die beobachteten Bewegungen nicht in den Gegenständen des Himmels, sondern in ihrem Zuschauer zu suchen. Ich stelle in dieser Vorrede die in der Kritik vorgetragene, jener Hypothese analogische, Umänderung der Denkart auch nur als Hypothese auf, ob sie gleich in der Abhandlung selbst aus der Beschaffenheit unserer Vorstellungen von Raum und Zeit und den Elementarbegriffen des Verstandes, nicht hypothetisch, sondern apodiktisch bewiesen wird, um nur die ersten Versuche einer solchen Umänderung, welche allemal hypothetisch sind, bemerklich zu machen.
In jenem Versuche, das bisherige Verfahren der Metaphysik umzuändern, und dadurch, daß wir nach dem Beispiele der Geometer und Naturforscher eine gänzliche Revolution mit derselben vornehmen, besteht nun das Geschäft dieses Kritik der reinen spekulativen Vernunft. Sie ist ein Traktat von der Methode, nicht ein System der Wissenschaft selbst; aber sie verzeichnet gleichwohl den ganzen Umriß derselben, sowohl in Ansehung ihrer Grenzen, als auch
B xxiii den ganzen inneren Gliederbau derselben. Denn das hat die reine, spekulative Vernunft Eigentümliches an sich, daß sie ihr eigen Vermögen, nach Verschiedenheit der Art, wie sie sich Objekte zum Denken wählt, ausmessen, und auch selbst die mancherlei Arten, sich Aufgaben vorzulegen, vollständig vorzählen, und so den ganzen Vorriß zu einem System der Metaphysik verzeichnen kann und soll; weil, was das erste betrifft, in der Erkenntnis a priori den Objekten nichts beigelegt werden kann, als was das denkende Subjekt aus sich selbst hernimmt, und, was das zweite anlangt, sie in Ansehung der Erkenntnisprinzipien eine ganz abgesonderte, für sich bestehende Einheit ist, in welcher ein jedes Glied, wie in einem organisierten Körper, um aller anderen und alle um eines willen da sind, und kein Prinzip mit Sicherheit in einer Beziehung genommen werden kann, ohne es zugleich in der durchgängigen Beziehung zum ganzen reinen Vernunftgebrauch untersucht zu haben. Dafür aber hat auch die Metaphysik das seltene Glück, welches keiner anderen Vernunftwissenschaft, die es mit Objekten zu tun hat (denn die Logik beschäftigt sich nur mit der Form des Denkens überhaupt), zuteil werden kann, daß, wenn sie durch diese Kritik in den sicheren Gang einer Wissenschaft gebracht worden, sie das ganze Feld der für sie gehörigen Erkenntnisse völlig befassen
B xxiv und also ihr Werk vollenden und für die Nachwelt, als einen nie zu vermehrenden Hauptstuhl, zum Gebrauche niederlegen kann, weil sie es bloß mit Prinzipien und den Einschränkungen ihres Gebrauchs zu tun hat, welche durch jene selbst bestimmt werden. Zu dieser Vollständigkeit ist sie daher, als Grundwissenschaft, auch verbunden, und von ihr muß gesagt werden können: nil actum reputans, si quid superesset agendum.
Aber was ist denn das, wird man fragen, für ein Schatz, den wir der Nachkommenschaft mit einer solchen durch Kritik geläuterten, dadurch aber auch in einen beharrlichen Zustand gebrachten Metaphysik zu hinterlassen gedenken? Man wird bei einer flüchtigen Übersicht dieses Werkes wahrzunehmen glauben, daß der Nutzen davon doch nur negativ sei, uns nämlich mit der spekulativen Vernunft niemals über die Erfahrungsgrenze hinaus zu wagen, und das ist auch in der Tat ihr erster Nutzen. Dieser aber wird alsbald positiv, wenn man inne wird, daß die Grundsätze, mit denen sich spekulative Vernunft über ihre Grenze hinauswagt, in der Tat nicht Erweiterung, sondern, wenn man sie näher betrachtet, Verengung unseres Vernunftgebrauchs zum unausbleiblichen Erfolg haben, indem sie wirklich die Grenzen der Sinnlichkeit, zu der sie eigentlich gehören,
B xxv über alles zu erweitern und so den reinen (praktischen) Vernunftgebrauch gar zu verdrängen drohen. Daher ist eine Kritik, welche die erstere einschränkt, sofern zwar negativ, aber, indem sie dadurch zugleich ein Hindernis, welches den letzteren Gebrauch einschränkt oder gar zu vernichten droht, aufhebt, in der Tat von positivem und sehr wichtigem Nutzen, sobald man überzeugt wird, daß es einen schlechterdings notwendigen praktischen Gebrauch der reinen Vernunft (den moralischen) gebe, in welchem sie sich unvermeidlich über die Grenzen der Sinnlichkeit erweitert, dazu sie zwar von der spekulativen keiner Beihilfe bedarf, dennoch aber wider ihre Gegenwirkung gesichert sein muß, um nicht in Widerspruch mit sich selbst zu geraten. Diesem Dienste der Kritik den positiven Nutzen abzusprechen, wäre eben so viel, als sagen, daß Polizei keinen positiven Nutzen schaffe, weil ihr Hauptgeschäft doch nur ist, der Gewalttätigkeit, welche Bürger von Bürgern zu besorgen haben, einen Riegel vorzuschieben, damit ein jeder seine Angelegenheit ruhig und sicher treiben könne. Daß Raum und Zeit nur Formen der sinnlichen Anschauung, also nur Bedingungen der Existenz der Dinge als Erscheinungen sind, daß wir ferner keine Verstandesbegriffe, mithin auch gar keine Elemente zur Erkenntnis der Dinge haben, als sofern
B xxvi diesen Begriffen korrespondierende Anschauung gegeben werden kann, folglich wir von keinem Gegenstande als Dinge an sich selbst, nur sofern es Objekt der sinnlichen Anschauung ist, d.i. als Erscheinung, Erkenntnis haben können, wird im analytischen Teile der Kritik bewiesen; woraus denn freilich die Einschränkung aller nur möglichen spekulativen Erkenntnis der Vernunft auf bloße Gegenstände der Erfahrung folgt. Gleichwohl wird, welches wohl gemerkt werden muß, doch dabei immer vorbehalten, daß wir eben dieselben Gegenstände auch als Dinge an sich selbst, wenn gleich nicht erkennen, doch wenigstens müssen denken können*. Denn sonst würde der ungereimte Satz daraus folgen, daß
B xxvii Erscheinung ohne etwas wäre, was da erscheint. Nun wollen wir annehmen, die durch unsere Kritik notwendiggemachte Unterscheidung der Dinge als Gegenstände der Erfahrung, von eben denselben, als Dingen an sich selbst, wäre gar nicht gemacht, so mußte der Grundsatz der Kausalität und mithin der Naturmechanismus in Bestimmung derselben durchaus von allen Dingen überhaupt als wirkenden Ursachen gelten. Von eben demselben Wesen also, z.B. der menschlichen Seele, würde ich nicht sagen können, ihr Wille sei frei, und er sei doch zugleich der Naturnotwendigkeit unterworfen, d.i. nicht frei, ohne in einen offenbaren Widerspruch zu geraten; weil ich die Seele in beiden Sätzen in eben derselben Bedeutung, nämlich als Ding überhaupt (als Sache an sich selbst) genommen habe, und, ohne vorhergehende Kritik, auch nicht anders nehmen konnte. Wenn aber die Kritik nicht geirrt hat, da sie das Objekt in zweierlei Bedeutung nehmen lehrt, nämlich als Erscheinung, oder als Ding an sich selbst; wenn die Deduktion ihrer Verstandesbegriffe richtig ist, mithin auch der Grundsatz der Kausalität nur auf Dinge im ersten Sinne genommen, nämlich sofern sie Gegenstände der Erfahrung sind, geht, eben dieselben aber nach der zweiten Bedeutung ihm nicht unterworfen sind, so wird eben derselbe Wille in der
B xxviii Erscheinung (den sichtbaren Handlungen) als dem Naturgesetze notwendig gemäß und sofern nicht frei, und doch andererseits, als einem Dinge an sich selbst angehörig, jenem nicht unterworfen, mithin als frei gedacht, ohne daß hierbei ein Widerspruch vorgeht. Ob ich nun gleich meine Seele, von der letzteren Seite betrachtet, durch keine spekulative Vernunft (noch weniger durch empirische Beobachtung), mithin auch nicht die Freiheit als Eigenschaft eines Wesens, dem ich Wirkungen in der Sinnenwelt zuschreibe, erkennen kann, darum weil ich ein solches seiner Existenz nach, und doch nicht in der Zeit, bestimmt erkennen müßte, (welches, weil ich meinem Begriffe keine Anschauung unterlegen kann, unmöglich ist), so kann ich mir doch die Freiheit denken, d.i. die Vorstellung davon enthält wenigstens keinen Widerspruch in sich, wenn unsere kritische Unterscheidung beider (der sinnlichen und intellektuellen) Vorstellungsarten und die davon herrührende Einschränkung der reinen Verstandesbegriffe, mithin auch der aus ihnen fließenden Grundsätze, statt hat. Gesetzt nun, die Moral setze notwendig Freiheit (im strengsten Sinne) als Eigenschaft unseres Willens voraus, indem sie praktische in unserer Vernunft liegende ursprüngliche Grundsätze als Data derselben a priori anführt, die ohne Voraussetzung der
B xxix Freiheit schlechterdings unmöglich wären, die spekulative Vernunft aber hätte bewiesen, daß diese sich gar nicht denken lasse, so muß notwendig jene Voraussetzung, nämlich die moralische, derjenigen weichen, deren Gegenteil einen offenbaren Widerspruch enthält, folglich Freiheit und mit ihr Sittlichkeit (denn deren Gegenteil enthält keinen Widerspruch, wenn nicht schon Freiheit vorausgesetzt wird,) dem Naturmechanismus den Platz einräumen. So aber, da ich zur Moral nichts weiter brauche, als daß Freiheit sich nur nicht selbst widerspreche, und sich also doch wenigstem denken lasse, ohne nötig zu haben, sie weiter einzusehen, daß sie also dem Naturmechanismus eben derselben Handlung (in anderer Beziehung genommen) gar kein Hindernis in den Weg lege: so behauptet die Lehre der Sittlichkeit ihren Platz, und die Naturlehre auch den ihrigen, welches aber nicht stattgefunden hätte, wenn nicht Kritik uns zuvor von unserer unvermeidlichen Unwissenheit in Ansehung der Dinge an sich selbst belehrt, und alles, was wir theoretisch erkennen können, auf bloße Erscheinungen eingeschränkt hätte. Eben diese Erörterung des positiven Nutzens kritischer Grundsätze der reinen Vernunft läßt sich in Ansehung des Begriffs von Gott und der einfachen Natur unserer Seele zeigen, die ich aber der Kürze halber vorbeigehe. Ich kann also
B xxx Gott, Freiheit und Unsterblichkeit zum Behuf des notwendigen praktischen Gebrauchs meiner Vernunft nicht einmal annehmen, wenn ich nicht der spekulativen Vernunft zugleich ihre Anmaßung überschwenglicher Einsichten benehme, weil sie sich, um zu diesen zu gelangen, solcher Grundsätze bedienen muß, die, indem sie in der Tag bloß auf Gegenstände möglicher Erfahrung reichen, wenn sie gleichwohl auf das angewandt werden, was nicht ein Gegenstand der Erfahrung sein kann, wirklich dieses jederzeit in Erscheinung verwandeln, und so alle praktische Erweiterung der reinen Vernunft für unmöglich erklären. Ich mußte also das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen, und der Dogmatismus der Metaphysik, d.i. das Vorurteil, in ihr ohne Kritik der reinen Vernunft fortzukommen, ist die wahre Quelle alles der Moralität widerstreitenden Unglaubens, der jederzeit gar sehr dogmatisch ist. - Wem es also mit einer nach Maßgabe der Kritik der reinen Vernunft abgefaßten systematischen Metaphysik eben nicht schwer sein kann, der Nachkommenschaft ein Vermächtnis zu hinterlassen, so ist dies kein für gering zu achtendes Geschenk; man mag nun bloß auf die Kultur der Vernunft durch den sicheren Gang einer Wissenschaft überhaupt, in Vergleichung mit dem grundlosen Tappen und
B xxxi leichtsinnigen Herumstreifen derselben ohne Kritik sehen, oder auch auf bessere Zeitanwendung einer wißbegierigen Jugend, die beim gewöhnlichen Dogmatismus so frühe und so viele Aufmunterung bekommt, über Dinge, davon sie nichts versteht, und darin sie, so wie niemand in der Welt, auch nie etwas einsehen wird, bequem zu vernünfteln, oder gar auf Erfindung neuer Gedanken und Meinungen auszugehen, und so die Erlernung gründlicher Wissenschaften zu verabsäumen; am meisten aber, wenn man den unschätzbaren Vorteil in Anschlag bringt, allen Einwürfen wider Sittlichkeit und Religion auf sokratische Art, nämlich durch den klarsten Beweis der Unwissenheit der Gegner, auf alle künftige Zeit ein Ende zu machen. Denn irgend eine Metaphysik ist immer in der Welt gewesen, und wird auch wohl ferner, mit ihr aber auch eine Dialektik der reinen Vernunft, weil sie ihr natürlich ist, darin anzutreffen sein. Es ist also die erste und wichtigste Angelegenheit der Philosophie, einmal für allemal ihr dadurch, daß man die Quelle der Irrtümer verstopft, allen nachteiligen Einfluß zu benehmen.
* Einen Gegenstand erkennen, dazu wird erfordert, daß ich seine Möglichkeit (es sei nach dem Zeugnis der Erfahrung aus seiner Wirklichkeit, oder a priori durch Vernunft) beweisen könne. Aber denken kann ich, was ich will, wenn ich mir nur nicht selbst widerspreche, d.i. wenn mein Begriff nur ein möglicher Gedanke ist, ob ich zwar dafür nicht stehen kann, ob im Inbegriffe aller Möglichkeiten diesem auch ein Objekt korrespondiere oder nicht. Um einem solchen Begriffe aber objektive Gültigkeit (reale Möglichkeit, denn die erstere war bloß die logische) beizulegen, dazu wird etwas mehr erfordert. Dieses Mehrere aber braucht eben nicht in theoretischen Erkenntnisquellen gesucht zu werden, es kann auch in praktischen liegen.
Bei dieser wichtigen Veränderung im Felde der Wissenschaften, und dem Verluste, den spekulative Vernunft an ihrem bisher eingebildeten Besitze erleiden muß, bleibt dennoch alles mit der allgemeinen
B xxxii menschlichen Angelegenheit, und dem Nutzen, den die Welt bisher aus den Lehren der reinen Vernunft zog, in demselben vorteilhaften Zustande, als es jemalen war, und der Verlust trifft nur das Monopol der Schulen, keineswegs aber das Interesse der Menschen. Ich frage den unbiegsamsten Dogmatiker, ob der Beweis von der Fortdauer unserer Seele nach dem Tode aus der Einfachheit der Substanz, ob der von der Freiheit des Willens gegen den allgemeinen Mechanismus durch die subtilen, obzwar ohnmächtigen Unterscheidungen subjektiver und objektiver praktischer Notwendigkeit, oder ob der vom Dasein Gottes aus dem Begriffe eines allerrealsten Wesens, (der Zufälligkeit des Veränderlichen, und der Notwendigkeit eines ersten Bewegers,) nachdem sie von den Schulen ausgingen, jemals haben bis zum Publikum gelangen und auf dessen Überzeugung den mindesten Einfluß haben können? Ist dieses nun nicht geschehen, und kann es auch, wegen der Untauglichkeit des gemeinen Menschenverstandes zu so subtiler Spekulation, niemals erwartet werden; hat vielmehr, was das erstere betrifft, die jedem Menschen bemerkliche Anlage seiner Natur, durch das Zeitliche (als zu den Anlagen seiner ganzen Bestimmung unzulänglich) nie zufrieden gestellt werden zu können, die Hoffnung eines künftigen Lebens, in Ansehung des zweiten die bloße
B xxxiii klare Darstellung der Pflichten im Gegensatze aller Ansprüche der Neigungen das Bewußtsein der Freiheit, und endlich, was das dritte anlangt, die herrliche Ordnung, Schönheit und Fürsorge, die allerwärts in der Natur hervorblickt, allein den Glauben an einen weisen und großen Welturheber, die sich aufs Publikum verbreitende Überzeugung, sofern sie auf Vernunftgründen beruht, ganz allein bewirken müssen: so bleibt ja nicht allein dieser Besitz ungestört, sondern er gewinnt vielmehr dadurch noch an Ansehen, daß die Schulen nunmehr belehrt werden, sich keine höhere und ausgebreitetere Einsicht in einem Punkte anzumaßen, der die allgemeine menschliche Angelegenheit betrifft, als diejenige ist, zu der die große (für uns achtungswürdigste) Menge auch eben so leicht gelangen kann, und sich also auf die Kultur dieser allgemein faßlichen und in moralischer Absicht hinreichenden Beweisgründe allein einzuschränken. Die Veränderung betrifft also bloß die arroganten Ansprüche der Schulen, die sich gerne hierin (wie sonst mit Recht in vielen anderen Stücken) für die alleinigen Kenner und Aufbewahrer solcher Wahrheiten möchten halten lassen, von denen sie dem Publikum nur den Gebrauch mitteilen, den Schlüssel derselben aber für sich behalten (quod mecum nescit, solus vult scire videri). Gleichwohl ist doch auch für einen
B xxxiv billigeren Anspruch des spekulativen Philosophen gesorgt. Er bleibt immer ausschließlich Depositär einer dem Publikum ohne dessen Wissen nützlichen Wissenschaft, nämlich der Kritik der Vernunft; denn die kann niemals populär werden, hat aber auch nicht nötig, es zu sein; weil, so wenig dem Volke die fein gesponnenen Argumente für nützliche Wahrheiten in den Kopf wollen, ebensowenig kommen ihm auch die eben so subtilen Einwürfe dagegen jemals in den Sinn; dagegen, weil die Schule, so wie jeder sich zur Spekulation erhebende Mensch, unvermeidlich in beide gerät, jene dazu verbunden ist, durch gründliche Untersuchung der Rechte der spekulativen Vernunft einmal für allemal dem Skandal vorzubeugen, das über kurz oder lang selbst dem Volke aus den Streitigkeiten aufstoßen muß, in welche sich Metaphysiker (und als solche endlich auch wohl Geistliche) ohne Kritik unausbleiblich verwickeln, und die selbst nachher ihre Lehren verfälschen. Durch diese kann nun allein dem Materialismus, Fatalismus, Atheismus, dem freigeisterischen Unglauben, der Schwärmerei und Aberglauben, die allgemein schädlich werden können, zuletzt auch dem Idealismus und Skeptizismus, die mehr den Schulen gefährlich sind und schwerlich ins Publikum übergehen können, selbst die Wurzel abgeschnitten werden. Wenn Regierungen
B xxxv sich ja mit Angelegenheiten der Gelehrten zu befassen gut finden, so würde es ihrer weisen Fürsorge für Wissenschaften sowohl als Menschen weit gemäßer sein, die Freiheit einer solchen Kritik zu begünstigen, wodurch die Vernunftbearbeitungen allein auf einen festen Fuß gebracht werden können, als den lächerlichen Despotismus der Schulen zu unterstützen, welche über öffentliche Gefahr ein lautes Geschrei erheben, wenn man ihre Spinneweben zerreißt, von denen doch das Publikum niemals Notiz genommen hat, und deren Verlust es also auch nie fühlen kann.
Die Kritik ist nicht dem dogmatischen Verfahren der Vernunft in ihrem reinen Erkenntnis als Wissenschaft entgegengesetzt, (denn diese muß jederzeit dogmatisch, d.i. aus sicheren Prinzipien a priori strenge beweisend sein,) sondern dem Dogmatismus, d.i. der Anmaßung, mit einer reinen Erkenntnis aus Begriffen (der philosophischen), nach Prinzipien, so wie sie die Vernunft längst im Gebrauche hat, ohne Erkundigung der Art und des Rechts, womit sie dazu gelangt ist, allein fortzukommen. Dogmatismus ist also das dogmatische Verfahren der reinen Vernunft, ohne vorangehende Kritik ihres eigenen Vermögens. Diese Entgegensetzung soll daher nicht der geschwätzigen Seichtigkeit, unter dem angemaßten Namen der
B xxxvi Popularität, oder wohl gar dem Skeptizismus, der mit der ganzen Metaphysik kurzen Prozeß macht, das Wort reden; vielmehr ist die Kritik die notwendige vorläufige Veranstaltung zur Beförderung einer gründlichen Metaphysik als Wissenschaft, die notwendig dogmatisch und nach der strengsten Forderung systematisch, mithin schulgerecht (nicht populär) ausgeführt werden muß; denn diese Forderung an sie, da sie sich anheischig macht, gänzlich a priori, mithin zu völliger Befriedigung der spekulativen Vernunft ihr Geschäft auszuführen, ist unnachläßlich. In der Ausführung also des Plans, den die Kritik vorschreibt, d.i. im künftigen System der Metaphysik, müssen wir dereinst der strengen Methode des berühmten Wolf, des größten unter allen dogmatischen Philosophen, folgen, der zuerst das Beispiel gab, (und durch dies Beispiel der Urheber des bisher noch nicht erloschenen Geistes der Gründlichkeit in Deutschland wurde,) wie durch gesetzmäßige Feststellung der Prinzipien, deutliche Bestimmung der Begriffe, versuchte Strenge der Beweise, Verhütung kühner Sprünge in Folgerungen der sichere Gang einer Wissenschaft zu nehmen sei, der auch eben darum eine solche, als Metaphysik ist, in diesen Stand zu versetzen vorzüglich geschickt war, wenn es ihm beigefallen wäre, durch Kritik des Organs, nämlich der reinen Vernunft
B xxxvii selbst, sich das Feld vorher zu bereiten: ein Mangel, der nicht sowohl ihm, als vielmehr der dogmatischen Denkungsart seines Zeitalters beizumessen ist, und darüber die Philosophen seiner sowohl, als aller vorigen Zeiten einander nichts vorzuwerfen haben. Diejenigen, welche seine Lehrart und doch zugleich auch das Verfahren der Kritik der reinen Vernunft verwerfen, können nichts anderes im Sinne haben, als die Fesseln der Wissenschaft gar abzuwerfen, Arbeit in Spiel, Gewißheit in Meinung und Philosophie in Philodoxie zu verwandeln.
Was diese zweite Auflage betrifft, so habe ich, wie billig, die Gelegenheit derselben nicht vorbei lassen wollen, um den Schwierigkeiten und der Dunkelheit so viel möglich abzuhelfen, woraus manche Mißdeutungen entsprungen sein mögen, welche scharfsinnigen Männern, vielleicht nicht ohne meine Schuld, in der Beurteilung dieses Buchs aufgestoßen sind. In den Sätzen selbst und ihren Beweisgründen, imgleichen der Form sowohl als der Vollständigkeit des Plans, habe ich nichts zu ändern gefunden; welches teils der langen Prüfung, der ich sie unterworfen hatte, ehe ich es dem Publikum vorlegte, teils der Beschaffenheit der Sache selbst, nämlich der Natur einer reinen spekulativen Vernunft, beizumessen ist, die einen wahren Gliederbau enthält, worin alles Organ ist, nämlich alles um eines willen und ein
B xxxviii jedes Einzelne um aller willen, mithin jede noch so kleine Gebrechlichkeit, sie sei ein Fehler (Irrtum) oder Mangel, sich im Gebrauche unausbleiblich verraten muß. In dieser Unveränderlichkeit wird sich dieses System, wie ich hoffe, auch fernerhin behaupten. Nicht Eigendünkel, sondern bloß die Evidenz, welche das Experiment der Gleichheit des Resultats, im Ausgange von den mindesten Elementen bis zum Ganzen der reinen Vernunft, und im Rückgange vom Ganzen (denn auch dieses ist für sich durch die Endabsicht derselben im Praktischen gegeben) zu jedem Teile bewirkt, indem der Versuch, auch nur den kleinsten Teil abzuändern, sofort Widersprüche, nicht bloß des Systems, sondern der allgemeinen Menschenvernunft herbeiführt, berechtigt mich zu diesem Vertrauen. Allein in der Darstellung ist noch viel zu tun, und hierin habe ich mit dieser Auflage Verbesserungen versucht, welche teils dem Mißverstande der Ästhetik, vornehmlich dem im Begriffe der Zeit, teils der Dunkelheit der Deduktion der Verstandesbegriffe, teils dem vermeintlichen Mangel einer genügsamen Evidenz in den Beweisen der Grundsätze des reinen Verstandes, teils endlich der Mißdeutung der der rationalen Psychologie vorgerückten Paralogismen abhelfen sollen. Bis hierher (nämlich nur bis zu Ende des ersten Hauptstücks der
B xxxix transzendentalen Dialektik) und weiter nicht erstrecken sich meine Abänderungen der Darstellungsart*, weil
B xl die Zeit zu kurz und mir in Ansehung des übrigen auch kein Mißverstand sachkundiger und
B xli unparteiischer Prüfer vorgekommen war, welche, auch ohne daß ich sie mit dem ihnen gebührenden Lobe nennen
B xlii darf, die Rücksicht, die ich auf ihre Erinnerungen genommen habe, schon von selbst an ihren Stellen antreffen werden. Mit dieser Verbesserung aber ist ein kleiner Verlust für den Leser verbunden, der nicht zu verhüten war, ohne das Buch gar zu voluminös zu machen, nämlich, daß verschiedenes, was zwar nicht wesentlich zur Vollständigkeit des Ganzen gehört, mancher Leser aber doch ungern missen möchte, indem es sonst in anderer Absicht brauchbar sein kann, hat weggelassen oder abgekürzt vorgetragen werden müssen, um meiner, wie ich hoffe, jetzt faßlicheren Darstellung Platz zu machen, die im Grunde in Ansehung der Sätze und selbst ihrer Beweisgründe, schlechterdings nichts verändert, aber doch in der Methode des Vortrags hin und wieder so von der vorigen abgeht, daß sie durch Einschaltungen sich nicht bewerkstelligen ließ. Dieser kleine Verlust, der ohnedem, nach jedes Belieben, durch Vergleichung mit der ersten Auflage ersetzt werden kann, wird durch die größere Faßlichkeit, wie ich hoffe, überwiegend ersetzt. Ich habe in verschiedenen öffentlichen Schriften (teils bei Gelegenheit der Rezension mancher Bücher, teils in besonderen Abhandlungen) mit dankbarem Vergnügen wahrgenommen, daß der Geist der Gründlichkeit in Deutschland nicht erstorben, sondern nur durch den Modeton einer geniemäßigen
B xliii Freiheit im Denken auf kurze Zeit überschrieen worden, und daß die dornigen Pfade der Kritik, die zu einer schulgerechten, aber als solche allein dauerhaften und daher höchstnotwendigen Wissenschaft der reinen Vernunft führen, mutige und helle Köpfe nicht gehindert haben, sich derselben zu bemeistern. Diesen verdienten Männern, die mit der Gründlichkeit der Einsicht noch das Talent einer lichtvollen Darstellung (dessen ich mir eben nicht bewußt bin) so glücklich verbinden, überlasse ich meine in Ansehung der letzteren hin und wieder etwa noch mangelhafte Bearbeitung zu vollenden, denn widerlegt zu werden ist in diesem Falle keine Gefahr, wohl aber nicht verstanden zu werden. Meinerseits kann ich mich auf Streitigkeiten von nun an nicht einlassen, ob ich zwar auf alle Winke, es sei von Freunden oder Gegnern, sorgfältig achten werde, um sie in der künftigen Ausführung des Systems dieser Propädeutik gemäß zu benutzen. Da ich während dieser Arbeiten schon ziemlich tief ins Alter fortgerückt bin (in diesem Monat ins vierundsechzigste Jahr,) so muß ich, wenn ich meinen Plan, die Metaphysik der Natur sowohl als der Sitten, als Bestätigung der Richtigkeit der Kritik der spekulativen sowohl als praktischen Vernunft, zu liefern, ausführen will, mit der Zeit sparsam verfahren, und die Aufhellung sowohl der in diesem
B xliv Werke anfangs kaum vermeidlichen Dunkelheiten, als die Verteidigung den Ganzen von den verdienten Männern, die es sich zu eigen gemacht haben, erwarten. An einzelnen Stellen läßt sich jeder philosophische Vortrag zwacken, (denn er kann nicht so gepanzert auftreten, als der mathematische,) indessen, daß doch der Gliederbau des Systems, als Einheit betrachtet, dabei nicht die mindeste Gefahr läuft, zu dessen Übersicht, wenn es neu ist, nur wenige die Gewandtheit des Geistes, noch wenigere aber, weil ihnen alle Neuerung ungelegen kommt, Lust besitzen. Auch scheinbare Widersprüche lassen sich, wenn man einzelne Stellen, aus ihrem Zusammenhange gerissen, gegeneinander vergleicht, in jeder, vornehmlich als freie Rede fortgehenden Schrift ausklauben, die in den Augen dessen, der sich auf fremde Beurteilung verläßt, ein nachteiliges Licht auf diese werfen, demjenigen aber, der sich der Idee im Ganzen bemächtigt hat, sehr leicht aufzulösen sind. Indessen, wenn eine Theorie in sich Bestand hat, so dienen Wirkung und Gegenwirkung, die ihr anfänglich große Gefahr drohten, mit der Zeit nur dazu, um ihre Unebenheiten abzuschleifen, und wenn sich Männer von Unparteilichkeit, Einsicht und wahrer Popularität damit beschäftigen, ihr in kurzer Zeit auch die erforderliche Eleganz zu verschaffen.
Königsberg, im Aprilmonat 1787.
* Eigentliche Vermehrung, aber doch nur in der Beweisart, könnte ich nur die nennen, die ich durch eine neue Widerlegung des psychologischen Idealismus, und einen strengen (wie ich glaube auch einzig möglichen) Beweis von der objektiven Realität der äußeren Anschauung S. 273 gemacht habe. Der Idealismus mag in Ansehung der wesentlichen Zwecke der Metaphysik für noch so unschuldig gehalten werden, (das er in der Tat nicht ist,) so bleibt es immer ein Skandal der Philosophie und allgemeinen Menschenvernunft, das Dasein der Dinge außer uns (von denen wir doch den ganzen Stoff zu Erkenntnissen selbst für unseren inneren Sinn her haben) bloß auf Glauben annehmen zu müssen, und, wenn es jemand einfällt es zu bezweifeln, ihm keinen genugtuenden Beweis entgegenstellen zu können. Weil sich in den Ausdrücken des Beweises von der dritten Zeile bis zur sechsten einige Dunkelheit findet, so bitte ich diesen Period so umzuändern: »Dieses Beharrliche aber kann nicht eine Anschauung in mir sein. Denn alle Bestimmungsgründe meines Daseins, die in mir angetroffen werden können, sind Vorstellungen, und bedürfen, als solche, selbst ein von ihnen unterschiedenes Beharrliches, worauf in Beziehung der Wechsel derselben, mithin mein Dasein in der Zeit, darin sie wechseln, bestimmt werden könne.« Man wird gegen diesen Beweis vermutlich sagen: ich bin mir doch nur dessen, was in mir ist, d.i. meiner Vorstellung äußerer Dinge, unmittelbar bewußt; folglich bleibe es immer noch unausgemacht, ob etwas ihr Korrespondierendes außer mir sei, oder nicht. Allein ich bin mir meines Daseins in der Zeit (folglich auch der Bestimmbarkeit desselben in dieser) durch innere Erfahrung bewußt, und dieses ist mehr, als bloß mich meiner Vorstellung bewußt zu sein, doch aber einerlei mit dem empirischen Bewußtsein meines Daseins, welches nur durch Beziehung auf etwas, was mit meiner Existenz verbunden, außer mir ist, bestimmbar ist. Dieses Bewußtsein meines Daseins in der Zeit ist also mit dem Bewußtsein eines Verhältnisses zu etwas außer mir identisch verbunden, und es ist also Erfahrung und nicht Erdichtung, Sinn und nicht Einbildungskraft, welches das Äußere mit meinem inneren Sinn unzertrennlich verknüpft; denn der äußere Sinn ist schon an sich Beziehung der Anschauung auf etwas Wirkliches außer mir, und die Realität desselben, zum Unterschiede von der Einbildung, beruht nur darauf, daß er mit der inneren Erfahrung selbst, als die Bedingung der Möglichkeit derselben unzertrennlich verbunden werde, welches hier geschieht. Wenn ich mit dem intellektuellen Bewußtsein meines Daseins, in der Vorstellung Ich bin, welche alle meine Urteile und Verstandeshandlungen begleitet, zugleich eine Bestimmung meines Daseins durch intellektuelle Anschauung verbinden könnte, so wäre zu derselben das Bewußtsein eines Verhältnisses zu etwas außer mir nicht notwendig gehörig. Nun aber jenes intellektuelle Bewußtsein zwar vorangeht, aber die innere Anschauung, in der mein Dasein allein bestimmt werden kann, sinnlich und an Zeitbedingung gebunden ist, diese Bestimmung aber, mithin die innere Erfahrung selbst, von etwas Beharrlichem, welches in mir nicht ist, folglich nur in etwas außer mir, wogegen ich mich in Relation betrachten muß, abhängt: so ist die Realität des äußeren Sinnes mit der des inneren, zur Möglichkeit einer Erfahrung überhaupt, notwendig verbunden: d.i. ich bin mir eben so sicher bewußt, daß es Dinge außer mir gebe, die sich auf meinen Sinn beziehen, als ich mir bewußt bin, daß ich selbst in der Zeit bestimmt existiere. Welchen gegebenen Anschauungen nun aber wirklich Objekte außer mir korrespondieren, und die also zum äußeren Sinne gehören, welchem sie und nicht der Einbildungskraft zuzuschreiben sind, muß nach den Regeln, nach welchen Erfahrung überhaupt (selbst innere) von Einbildung unterschieden wird, in jedem besonderen Falle ausgemacht werden, wobei der Satz: daß es wirklich äußere Erfahrung gebe, immer zum Grunde liegt. Man kann hiezu noch die Anmerkung fügen: die Vorstellung von etwas Beharrlichem im Dasein ist nicht einerlei mit der beharrlichen Vorstellung; denn diese kann sehr wandelbar und wechselnd sein, wie alle unsere und selbst die Vorstellungen der Materie, und bezieht sich doch auf etwas Beharrliches, welches also ein von allen meinen Vorstellungen unterschiedenes und äußeres Ding sein muß, dessen Existenz in der Bestimmung meines eigenen Daseins notwendig mit eingeschlossen wird, und mit derselben nur eine einzige Erfahrung ausmacht, die nicht einmal innerlich stattfinden würde, wenn sie nicht (zum Teil) zugleich äußerlich wäre. Das Wie? läßt sich hier ebensowenig weiter erklären, als wie wir überhaupt das Stehende in der Zeit denken, dessen Zugleichsein mit dem Wechselnden den Begriff der Veränderung hervorbringt.
B vii Preface to the Second Edition
You can soon tell from the results whether work on the cognitions that belong to reason’s business is taking the secure path of a science. Suppose a study makes many arrangements and preparations, but gets stuck as soon as it comes to its goal. Or suppose it often has to go back and take another road to reach that goal. Or suppose the people working on it can’t agree among themselves on how to go after their shared aim. In any of these cases you can be sure that the study is still far from the secure path of a science. It is only groping around. Finding that path, if it can be found, already does reason a service. That holds even if some things have to be dropped as futile that were part of the aim adopted earlier without much thought.
B viii Logic has gone down this secure path since the earliest times. You can see it from the fact that it hasn’t had to take one step backward since Aristotle. (The exception would be if you counted as improvements the removal of a few needless subtleties or a clearer statement of what it teaches. But those have more to do with the elegance of the science than with its security.) What is also remarkable about logic is that, up to now, it hasn’t been able to take a single step forward either. By all appearances it is closed and complete. Some recent writers did think they could enlarge it. They pushed in some psychology, with chapters on the various powers of cognition (imagination, wit). They pushed in some metaphysics: chapters on where cognition comes from, or on how certainty varies with the kind of object (idealism, skepticism and the like). And they pushed in some anthropology: chapters on prejudices, with their causes and the cures for them. All of this comes from not knowing the special nature of this science. When you let the boundaries of sciences run into each other, you don’t enlarge them. You deform them. The boundary of logic is fixed quite exactly by what kind of science it is.
B ix All it does is lay out in full the formal rules of all thinking, and prove them rigorously. Those rules hold for any thinking at all, whether a priori or empirical, from any source and about anything, and whether it meets accidental or natural obstacles in our mind.
Logic owes its success only to its narrow scope. That scope entitles it, in fact obliges it, to set aside all objects of cognition and the differences between them. So in logic the understanding has nothing to deal with except itself and its form. It was naturally much harder for reason to find the secure path of a science when it has to deal not just with itself but with objects too. That is why logic, as a preliminary discipline, makes up only the forecourt of the sciences, so to speak. When we’re talking about bodies of knowledge, we do presuppose a logic for judging them. But their acquisition has to be sought in those sciences that are properly and objectively so called.
If these sciences are to involve reason, they have to contain something cognized a priori. Reason’s cognition can relate to its object in two ways. One way is simply to fix the object and its concept (which has to be given from somewhere else).
B x The other is to make the object actual as well. The first is theoretical cognition of reason, the second practical. In each of the two, the pure part has to be presented first and on its own. This is the part where reason fixes its object wholly a priori, however much or little there is of it. What comes from other sources must not be mixed in with it. Otherwise the household is badly run. You spend whatever comes in without looking. Then, when the money runs short, you can’t tell which part of the income can cover the spending, and which part of the spending you have to cut.
Reason has two theoretical cognitions whose job is to determine their objects a priori. They are mathematics and physics. Mathematics does so in entirely pure form. Physics does so at least partly in pure form, and beyond that by way of sources of cognition other than reason.
Mathematics took the secure path of a science from the earliest times that the history of human reason reaches, among the admirable people of the Greeks. But don’t think that mathematics had it as easy as logic, where reason deals only with itself. Hitting on that royal road was harder for mathematics.
B xi Or rather, it had to build that road for itself. I believe it kept groping around for a long time, especially among the Egyptians. And I think this change should be credited to a revolution. One lucky idea of a single man, in a single experiment, brought it about. After that nobody could miss the road that had to be taken, and a science’s secure course was set out and mapped for all time, reaching into endless distances. That revolution in the way of thinking mattered much more than finding the way around the famous cape. But the history of that revolution hasn’t been preserved for us, and neither has the story of the lucky man who brought it about. Still, there is the story told by Diogenes Laertius. He names the supposed discoverer of even the smallest elements of geometrical demonstrations, elements that ordinary judgment thinks need no proof at all. The story shows that mathematicians must have found the memory of the change extremely important, the change set off by the first glimpse of this new road. That is what made it unforgettable. A light dawned on the first man to demonstrate the equilateral triangle (call him Thales, or whatever name you like).
B xii That was because he found that he must not go looking in the figure as he saw it, or in the bare concept of the figure, and so to speak learn its properties from there. He had to bring them out by what he himself had thought into the figure a priori, according to concepts, and presented in it (by construction). And to know something a priori for certain, he could credit the thing with nothing beyond what must follow from whatever he had himself put into it through his concept.
Natural science took far longer to reach the main highway of science. That is because it was only about a century and a half ago that the proposal of that clever man, Bacon of Verulam, helped bring on this discovery. It also gave the discovery more life, because people were already on its track. This too can be explained by a quick revolution in the way of thinking. Here I’ll look only at natural science so far as it is founded on empirical principles.
Galileo let balls of a weight he had picked himself roll down a slope. Torricelli made the air carry a weight that he had thought beforehand to be equal to a column of water he knew. Later still, Stahl turned metals into calx.
B xiii He changed the calx into metal again by removing something from the metals and returning it*. Then a light dawned on all investigators of nature. They understood this: reason can see into only those things that it brings forth itself on a plan of its own. It must go ahead with the principles of its judgments, which follow constant laws, and force nature to answer its questions. It must not just let nature lead it around on a string, so to speak. Otherwise accidental observations, made on no plan drawn up beforehand, don’t connect up in any necessary law, and that is exactly what reason is looking for and needs. Reason must go up to nature holding its principles in one hand (these are the only thing that lets agreeing appearances pass as laws). In its other hand it must hold the experiment it has devised on their basis. It goes to learn from nature, certainly. But it doesn’t go like a pupil who just repeats whatever the teacher wants said. It goes like an appointed judge who makes the witnesses answer the questions put to them. So even physics owes its fortunate revolution in thinking to one idea alone.
B xiv The idea is to be guided by what reason itself puts into nature, and in that light to look in nature (not to invent it and hand it to nature) for what reason has to learn from nature and could never know by itself. Only this brought natural science onto the secure path of a science, after it had been nothing more than groping around for so many centuries.
* I’m not following the thread of the history of the experimental method exactly here. Its first beginnings aren’t well known either.
Metaphysics is a wholly isolated kind of speculative cognition of reason. It rises completely above what experience can teach, and it does this through concepts alone. Unlike mathematics, it doesn’t apply concepts to intuition. Here reason is supposed to be its own pupil. So far, fate hasn’t been kind enough to let metaphysics take the secure path of a science. And yet it is older than all the other sciences. It would remain even if all the others were swallowed up together in the abyss of an all-destroying barbarism. That is because reason constantly gets stuck in metaphysics, even when it wants to see a priori (as it presumes it can) the laws that the most ordinary experience confirms. In metaphysics you have to go back over the road countless times, because you find it doesn’t lead where you want to go.
B xv As for agreement among its followers in what they assert, metaphysics is so far from it that it is rather a battlefield. It seems to have been designed for exercising one’s strength in mock combat. On it no fighter has ever won even the smallest piece of ground, or built a lasting possession on that victory. So there is no doubt that its procedure has been nothing but groping around so far, and what is worst, groping among mere concepts.
So why hasn’t a secure scientific path been found here yet? Is it perhaps impossible? Then why did nature plague our reason with a restless drive to hunt for this path as one of its most important concerns? And there’s more. How little cause we have to put our trust in reason, when it fails us in one of the weightiest matters we’re curious about! It doesn’t just fail us. It strings us along with false promises and finally cheats us. Or has the path only been missed so far? Then what sign is there that we could use to hope for better luck than others had before us, if we search again?
I’d say the examples of mathematics and natural science, which became what they are now through a revolution brought about all at once, are remarkable enough.
B xvi That should make us think about the essential part of the change in thinking that did them so much good. And we should try imitating them in this respect, at least as an experiment, as far as their likeness to metaphysics, as cognitions of reason, allows. People have so far assumed that our cognition, all of it, has to conform to objects. But on that assumption, every attempt to establish something about objects a priori through concepts, something that would extend our cognition, came to nothing. So let’s try, for once, whether we get on better with the tasks of metaphysics if we assume that objects have to conform to our cognition. That agrees better with the demanded possibility of a priori cognition of objects, which is supposed to settle something about objects before they are given to us. It’s the same as with the first thoughts of Copernicus. He wasn’t getting far in explaining the motions of the heavens, so long as he assumed that the whole host of stars revolved around the spectator. So he tried whether he would do better by making the spectator revolve and leaving the stars at rest.
B xvii In metaphysics we can try something similar with the intuition of objects. If intuition had to conform to the nature of objects, I don’t see how anyone could know anything of it a priori. But if it’s the object (considered as an object of the senses) that fits itself to how our faculty of intuition is built, then I can picture that possibility very well. Still, if these intuitions are to become cognitions, I can’t leave it at that. I have to relate them, as representations, to something that serves as their object, and use them to determine that object. So there are two options. First, I could assume that the concepts by which I carry out this determination also conform to the object. Then I’m in the same difficulty again about how I could know anything about the object a priori. Second, I could assume that objects conform to these concepts—or, to say the same thing, that experience does, since experience is the only place where objects are cognized as given. Then I see an easier way out at once, because experience itself is a kind of cognition that requires understanding. I have to presuppose the understanding’s rule in myself before any objects are given to me, and so a priori. That rule is expressed in a priori concepts.
B xviii So all objects of experience must necessarily conform to these concepts and agree with them. As for objects that reason alone thinks, and thinks as necessary, though experience can’t supply them at all (not, at any rate, in the way reason thinks them): our attempts to think them—and think them we must—will afterward provide an excellent touchstone for what we adopt as the changed method of thinking. The method is this: the only thing we cognize a priori about things is what we ourselves put into them.*
* The method copied from the investigator of nature is to look for the elements of pure reason within whatever an experiment can confirm or refute. Now, no experiment can be run on the objects of pure reason’s propositions (as can be done in natural science) when those propositions are being tested, particularly when they dare to go past every boundary of possible experience. So an experiment will be workable only with concepts and principles that we adopt a priori. We have to set them up so that one and the same set of objects can be looked at from two sides. On one side they are objects of the senses and understanding for experience. On the other side they are objects that are merely thought—objects, at most, for reason in isolation, striving beyond the boundaries of experience. Suppose we find that, when we look at things from that double point of view, they agree with the principle of pure reason, while from a single point of view reason falls into an unavoidable conflict with itself. Then the experiment settles the matter: the distinction is correct.
This attempt works out as we hoped. The first part of metaphysics deals with a priori concepts, and the matching objects for these can be given in experience, to fit them. For that part, the attempt promises the secure path of a science.
B xix Once we change our way of thinking like this, we can explain the possibility of a priori cognition quite well. What is more, the laws that underlie nature a priori—nature understood as the sum of the objects of experience—can now be given proofs that satisfy. Both were impossible with the old procedure. But our deduction of the power to cognize a priori gives a strange result in the first part of metaphysics. The result seems to do great harm to the whole purpose of metaphysics, which is the business of its second part. It is that, with this power, we can never get beyond the boundary of possible experience. Yet getting beyond that boundary is exactly the most essential concern of this science.
B xx But right here lies an experiment that counter-checks the truth of the result of that first appraisal of our a priori cognition of reason. The result was that this cognition applies only to appearances, and leaves the thing in itself aside, as real on its own account but unknown to us. For something drives us necessarily past the boundary of experience and of every appearance: the unconditioned. Reason demands the unconditioned in things in themselves, necessarily and with every right, for everything conditioned. In that way it demands that the series of conditions be complete. Suppose we find the following. First case: we assume that objects, taken as things in themselves, are what our cognition of experience has to conform to. Then we find we cannot think the unconditioned without contradiction. Second case: we assume that our representation of things, as they are given to us, doesn’t conform to them as things in themselves; instead these objects, as appearances, conform to our manner of representing. Then the contradiction goes away. And we find that, as a consequence, the unconditioned has to turn up, not in things in so far as we know them (the things given to us), but in the same things in so far as we don’t know them, as things in themselves.
B xxi Then it turns out that what we first adopted merely as an experiment is well founded.* Speculative reason is denied any way forward in this field of the supersensible. What remains for us is to try whether practical cognition of reason contains data that can determine that transcendent concept of reason, the unconditioned. In that way, as metaphysics wishes, we would get past the boundary of all possible experience, using our a priori cognition—though one that is possible only for a practical purpose. In doing so, speculative reason has at the very least cleared a space for such an extension, even though the space had to be left empty.
B xxii We are still free to fill it, and reason itself urges us to, with its practical data, if we can.∗∗
* This experiment of pure reason is much like the chemists’ experiment. They sometimes call it the trial of reduction, and in general the synthetic procedure. The metaphysician’s analysis split pure a priori cognition into two very different elements: things as appearances, and things in themselves. Dialectic then combines the two again so that they agree with the necessary idea of reason, the unconditioned. It finds that the agreement can be had only by drawing that distinction, so that the distinction is the true one.
∗∗ Likewise, the central laws governing the motion of the heavenly bodies gave proven certainty to what Copernicus at first assumed only as a hypothesis. They also proved the existence of the invisible force that binds the structure of the world together (Newtonian attraction). That force would have stayed undiscovered forever if Copernicus hadn’t dared, in a way that went against the senses but was still true, to look for the observed motions not in the objects of the sky but in their spectator. In this preface I too put forward only as a hypothesis the change in the way of thinking that is set out in the Critique, which is analogous to that hypothesis. In the treatise itself, though, the proof isn’t hypothetical at all but apodictic, drawn from what space and time, as we represent them, are like, and from the basic concepts of the understanding. I do this just to make the first attempts at such a change noticeable. Such attempts are always hypothetical.
That attempt to change the old procedure of metaphysics is what this critique of pure speculative reason is all about. We carry out a complete revolution in metaphysics, following the example of the geometers and the investigators of nature. The critique is a treatise about method, not a system of the science as such. Even so, it sketches the whole outline of that science, including its boundaries. It also sketches the whole inner structure of its parts.
B xxiii That is because pure speculative reason has a peculiar feature. It can and should measure out its own power according to the different ways it chooses objects for thought. It can and should also list in full the many ways of setting itself problems. And so it can and should draw up the whole preliminary sketch for a system of metaphysics. This is so for the following reasons. On the first point: in a priori cognition, objects can be given only what the thinking subject draws out of itself. On the second point, as regards principles of cognition, pure reason is a wholly separate unit that stands on its own. In it each member is there for all the others, and all are there for each, as in an organized body. No principle can be taken with certainty in one relation unless it has also been examined in its thorough relation to the whole pure use of reason. In return, metaphysics has a rare good fortune, one that no other science of reason dealing with objects can share (for logic is concerned only with the form of thinking as such). Once this critique has put metaphysics on the secure path of a science, it can take in the whole field of cognitions that belong to it. It can then finish its work and lay it down for later generations to use, as capital that can never be increased.
B xxiv That is because the only things it deals with are principles and the restrictions on their use, and these are determined by the principles themselves. As a foundational science, then, it is also obliged to reach this completeness. And it has to be possible to say of metaphysics: nil actum reputans, si quid superesset agendum (“he counts nothing done while anything remains to be done”).
But what kind of treasure is it, someone will ask, that we mean to leave to later generations in a metaphysics that has been purified by critique, and so brought into a lasting state? A quick look at this work will make people think its usefulness is only negative. It teaches us never to venture beyond the boundary of experience with speculative reason. And that is in fact its first use. But the use becomes positive straight away, once we see what follows. Speculative reason ventures beyond its boundary by means of certain principles. Those principles don’t really widen our use of reason. Looked at closely, they inevitably narrow it. They actually threaten to stretch the boundaries of sensibility, where they properly belong, over everything.
B xxv In that way they threaten to push out the pure (practical) use of reason altogether. So a critique that restricts the speculative use of reason is negative, so far as that goes. But it also clears away an obstacle that restricts, or even threatens to wipe out, the practical use. In that way it is in fact of positive and very great value, once we are persuaded that pure reason has a practical use that is absolutely necessary—the moral use. In this use reason inevitably extends itself beyond the boundaries of sensibility. For that it needs no help from speculative reason. But it must be secured against speculative reason’s counteraction, so that it doesn’t fall into contradiction with itself. Denying that this service of the critique is of any positive use is just like saying the police do no good. After all, their chief job is only to bolt the door against the violence that citizens have to fear from one another, so that everybody can go about their affairs calmly and safely. The analytic part of the critique proves the following. Space and time are nothing but forms of sensible intuition, and so nothing but conditions under which things exist as appearances. Next, we have no concepts of the understanding, and so no elements for cognizing things, except under one condition.
B xxvi The condition is that an intuition matching those concepts can be given. So of no object can we have cognition as a thing in itself. We can cognize an object only as appearance, that is, only so far as it is something that sensible intuition can take as its object. From this it follows, of course, that all possible speculative cognition of reason is limited to mere objects of experience. Even so—and this must be well noted—it is always held in reserve that we have to be able at least to think these same objects as things in themselves, though we can’t cognize them that way*. Otherwise we’d get an absurd result.
B xxvii There would be an appearance with nothing there that appears. Suppose we had never drawn the distinction that our critique forces on us. One side of it is things as objects of experience. The other side is those very same things as things in themselves. Then the principle of causality, and with it the mechanism of nature, would have to govern the determination of all things whatever, since all would count as efficient causes. I couldn’t say of one and the same being, for instance the human soul, that its will is free and also that it is subject to natural necessity (which means not free), because I’d be contradicting myself plainly. In both statements I would have taken the soul in exactly the same meaning, as a thing in general (a thing in itself). And without a critique first, I couldn’t have taken it any other way. But the critique teaches us to take the object in two meanings, as appearance or as thing in itself. Suppose it hasn’t erred. Suppose the deduction of its concepts of the understanding is correct, so that the principle of causality holds only for things in the first sense, as objects of experience, while those same things in the second sense are exempt from it.
B xxviii Then the same will, in appearance (in its visible actions), necessarily conforms to the law of nature and so is not free. From the other side, as something that belongs to a thing in itself, that will isn’t subject to the law, and so it is thought of as free. No contradiction arises. Now, looked at from that second side, I can’t cognize my soul by any speculative reason, and still less by empirical observation. Nor can I have cognition of freedom, understood as a property of a being I credit with effects in the world of sense. For that I would have to cognize such a being as determined in its existence, yet not in time. This is impossible, because I can’t put any intuition under my concept. Even so, I can think freedom. That is, thinking of it at least involves no contradiction, as long as our critical distinction stands. That is the distinction between the two kinds of representation (sensible and intellectual), together with the limitation it brings on the pure concepts of the understanding, and so on the principles that flow from them. Suppose now that morality has to presuppose freedom, in its strictest sense, as something belonging to our will, and cites original practical principles in our reason as its a priori data.
B xxix Without freedom as a presupposition, those principles would be flatly impossible. And suppose speculative reason had proved that freedom can’t be thought at all. Then the moral presupposition would have to yield to the other one, the opposite of which contains a plain contradiction. So freedom, and with it morality (whose opposite contains no contradiction unless freedom has already been presupposed), would have to make room for the mechanism of nature. As things stand, though, I need nothing more for morality than this: freedom must only not contradict itself, and so must at least be thinkable, without my needing to see into it any further. It must also not stand in the way of the natural mechanism that governs this same action when it is viewed in a different respect. So the doctrine of morals holds its place, and the doctrine of nature holds its own. That would not have happened if the critique had not first taught us our unavoidable ignorance about things in themselves, and cut back whatever we can know in theory to appearances alone. The same account of the positive use of critical principles of pure reason applies equally to the concept of God and to the simple nature of our soul, though I pass over it to keep this short.
B xxx Unless I take away from speculative reason its pretension to excessive insights at the same time, I couldn’t even accept God, freedom and immortality to serve my reason’s necessary practical use. That is because, to reach those insights, speculative reason has to rely on principles that in truth reach no further than objects of possible experience. When these are applied to something that can’t be an object of experience, they always turn it into an appearance. That is how speculative reason ends up declaring every practical extension of pure reason impossible. So I had to set knowledge aside to make room for faith. The dogmatism of metaphysics—the prejudice that headway in metaphysics can be made with no critique of pure reason—is the real source of all the unbelief that clashes with morality, and that unbelief is, every time, highly dogmatic.—So if it won’t be hard for someone to leave later generations a legacy of systematic metaphysics, written in keeping with the critique of pure reason, that is a gift not to be thought small. It is so whether we look merely at the cultivation of reason through the secure path of a science in general, compared with reason’s baseless groping and careless roaming without a critique.
B xxxi Or we may look at the better use of time by inquisitive young people. Under ordinary dogmatism they get so much encouragement, and so early, to reason comfortably about things they don’t understand, and in which, like everyone in the world, they will never see anything. They are encouraged, too, to go in for inventing new thoughts and opinions, and so to neglect learning solid sciences. It is so most of all when we count the invaluable advantage of ending every objection to morality and religion for all future time, in the Socratic way: by proving beyond doubt that the objectors are ignorant. That matters because some metaphysics or other has been in the world all along, and probably always will be. And with it there will also be a dialectic of pure reason, since that is natural to reason. So the first and most important concern of philosophy is to rid it, once and for all, of every harmful influence by plugging the source of the errors.
* To cognize an object, I have to be able to prove that it is possible. The proof may come from experience, which attests to its actuality, or it may come a priori through reason. But I can think whatever I like, as long as I don’t contradict myself. That is, my concept just has to be a possible thought. I can’t vouch, though, for whether an object corresponding to it exists within the sum of all possibilities. To give such a concept objective validity (real possibility; the first kind was merely logical), something more is required. This something more doesn’t have to be looked for in theoretical sources of cognition. It can lie in practical ones as well.
This change in the field of the sciences is an important one. Speculative reason must lose what it has so far imagined it possessed.
B xxxii Even so, everything stays as it was with the common human concern, and with the benefit the world has so far drawn from the teachings of pure reason. It remains in just as good a state as it ever was. The loss hits only the monopoly of the schools. It doesn’t touch the interest of human beings at all. I ask the most unbending dogmatist: have any of these proofs, once they came out of the schools, ever reached the public and had the slightest influence on its conviction? There is the proof that our soul lasts after death, from the simplicity of substance. There is the proof that the will is free against the general mechanism, built on fine yet feeble distinctions between subjective and objective practical necessity. And there is the proof of God’s existence that starts out from the concept of a being that is the most real of all (or from how contingent anything changeable is, and how necessary a first mover is). That hasn’t happened. And since common human understanding is unfit for such subtle speculation, it can never be expected to happen. Instead, as for the first proof, there is a disposition of human nature that everyone notices: it can never be satisfied by what is temporal, which is inadequate to the dispositions of its whole vocation; that has produced the hope of a future life.
B xxxiii In the case of the second, the plain and clear statement of duties, set against every claim of the inclinations, has produced the consciousness of freedom. And in the third case, nature’s wonderful order, beauty and care, visible everywhere, have by themselves produced faith in a wise and great originator of the world. These alone must produce the conviction that spreads to the public, so far as it rests on grounds of reason. If so, this possession isn’t just left undisturbed. It gains even more standing from the fact that the schools are now taught not to claim any higher or wider insight, on a point that concerns the common human interest, than the insight that the large crowd (the one we have most reason to respect) can reach just as easily. The schools are taught, then, to limit themselves to cultivating only those grounds of proof that everyone can understand and that are enough for moral purposes. So the change affects only the arrogant claims of the schools. In this matter (as rightly in many others) they would like to be taken for the only experts and keepers of such truths. They share with the public only the use of these truths, and hold on to the key (quod mecum nescit, solus vult scire videri).
B xxxiv Even so, provision is also made for a fairer claim of the speculative philosopher. The philosopher remains the exclusive keeper of a science that benefits the public without its being aware of it, namely the critique of reason. For this science can never become popular, and doesn’t need to be. The people have no more taste for finely spun arguments in favor of useful truths than they ever think of equally subtle objections to them. The school, on the other hand, like every person who rises to speculation, inevitably gets caught up in both. So the school is obliged to examine the rights of speculative reason thoroughly, once and for all. That heads off a scandal that must sooner or later reach even the people from the disputes in which metaphysicians (and eventually clergymen too, as metaphysicians) are inevitably entangled without a critique, and which in the end distort their own teachings. Only this critique can cut off at the root materialism, fatalism, atheism, free-thinking unbelief, fanaticism and superstition, all of which can do damage to everyone. In the end it can also cut off idealism and skepticism, which threaten the schools more and are hardly likely to pass into the public.
B xxxv If governments choose to take an interest in the affairs of scholars, it would be much more in keeping with their wise concern for both sciences and people to give such a critique the freedom it needs. Only a critique can put the work of reason on a firm footing. Doing so would suit them far better than backing the schools in their absurd despotism. The schools raise a loud outcry over public danger when someone tears their cobwebs. The public has never taken notice of those cobwebs, and so can never feel their loss.
The critique is not opposed to the dogmatic procedure of reason in its pure cognition, as a science. (That procedure must always be dogmatic, that is, strictly proving from secure a priori principles.) What the critique opposes is dogmatism. Dogmatism is the presumption that one can get on with pure cognition from concepts (philosophical cognition), using principles reason has long been using, without finding out in what way and by what right reason came to them. So dogmatism means reason’s dogmatic procedure in pure cognition, with no critique of its own power beforehand. This opposition isn’t meant to defend talkative shallowness. That shallowness goes under the assumed name of popularity.
B xxxvi Nor is it meant to defend skepticism, which makes short work of all of metaphysics. On the contrary, the critique is the necessary preliminary arrangement for advancing a thorough metaphysics as a science. That science must necessarily be dogmatic, and carried out systematically by the strictest standard, and so in proper scholarly form (not popularly). This demand on metaphysics is not to be waived, since metaphysics undertakes to do its work entirely a priori, and so to the full satisfaction of speculative reason. When the plan that the critique prescribes is put into practice, in the system of metaphysics still to come, we will one day have to follow the strict method of the famous Wolf, the greatest of all dogmatic philosophers. He was the first to show how the secure path of a science is to be taken: by settling principles in a lawful way, defining concepts clearly, trying for strictness of proof, and avoiding bold leaps in drawing conclusions. With this example he also became the founder of Germany’s spirit of thoroughness, which hasn’t gone out yet. For that very reason he was especially able to bring a science like metaphysics into that state, if it had occurred to him to prepare the field first by a critique of the organ, that is, of pure reason itself.
B xxxvii That is a shortcoming to be charged not so much to him as to the dogmatic mindset of his time. Where this is concerned, the philosophers of his day and of every earlier day have no right to blame one another. Those who reject his method of teaching and, at the same time, the critique’s procedure can be after only one thing: shaking off the shackles of science altogether, so that what they get is play in place of work, opinion in place of certainty, and philodoxy in place of philosophy.
As for this second edition, I naturally didn’t want to let its occasion go by without remedying, as far as I could, the difficulties and obscurity. They may have led to some of the misreadings that sharp-minded men have run into when judging this book, perhaps not without fault of mine. I found nothing to change in the propositions as such, or in the arguments that support them, or in the form or completeness of the plan. This is due partly to the long examination I put them through before I laid the work before the public. It is due partly to the nature of the subject itself, namely a pure speculative reason. That reason has a genuine articulated structure, where everything works as an organ. In it everything exists for the sake of one thing.
B xxxviii And each single part exists for the sake of all. So every weakness, however slight, whether a fault (an error) or a lack, must inevitably show itself when the system is used. I hope this system will keep its ground, unchanged. My confidence comes not from conceit but from the evidence of one experiment, getting the same result both ways. One starts from the smallest elements and goes up to the whole of pure reason. The other goes back from the whole to every part (the whole too is given of itself, by reason’s final aim in the practical sphere). This is because any attempt to change even the smallest part brings on contradictions at once, not just in the system but in human reason in general. But the presentation still needs work. In this edition I have tried to improve it, to remedy several things. One is the misunderstanding of the Aesthetic, mainly of the concept of time. Another is the way the deduction of the understanding’s concepts is obscure. A third is the alleged shortage of convincing evidence in the proofs for the principles of the pure understanding. The last is the misreading of the paralogisms that are charged against rational psychology.
B xxxix My changes in the manner of presentation* extend this far and no farther. That is, they go only as far as the point where the first chapter of the transcendental dialectic ends.
B xl The reason is that the time was too short.
B xli And in the rest of the book no expert and impartial examiner had come across any misunderstanding.
B xlii Even though I may not name them and give them the praise they have earned, they will find, in the right places, the notice I took of their remarks. This improvement comes with a small loss for the reader, which couldn’t be prevented unless I let the book grow too bulky. Several things had to be left out or presented in shortened form. They don’t belong essentially to the completeness of the whole. But some readers would be sorry to lose them, because they may serve other purposes. They had to go to make room for my presentation, which I hope is now easier to follow. At bottom it alters not a thing in the propositions, or even in the arguments for them. But here and there it departs so far from the earlier one in its method of presenting that it couldn’t be done by inserting additions. Anyone who likes can make up this small loss by comparing the first edition. And I hope the greater clarity more than makes up for it. In various public writings (partly in reviews of books, partly in separate treatises) I’ve noticed, with grateful pleasure, two things. First, the German spirit of thoroughness is not dead. It was only shouted down, for a short time, by the fashionable tone of a genius-style freedom in thinking.
B xliii Second, the thorny paths of the critique lead to a science of pure reason that is scholarly in form, and as such alone lasting and therefore most necessary. Those paths haven’t kept courageous and bright minds from mastering that science. These deserving men combine so happily the thoroughness of insight with the talent for a clear presentation (which I’m not conscious of having). I leave it to them to finish my treatment where it may still be defective in the latter respect here and there. What an author risks in this situation isn’t refutation. It’s failing to be understood. For my part, I can’t get into disputes from now on. I will, though, pay careful attention to every hint, whether from friends or opponents, so that I can use them in the future working out of the system, in keeping with this preliminary study. In the course of this work I’ve grown fairly far into old age. This month I enter my sixty-fourth year. If I want to carry out my plan to deliver a metaphysics of nature and a metaphysics of morals, as confirmation that the critique of speculative and of practical reason is correct, I have to be sparing with my time. I expect two things from the deserving men who have adopted this work as their own.
B xliv One is the clearing up of the obscurities that were hardly avoidable in this work at first. The other is the defense of the whole. Any philosophical exposition can be picked at in individual passages (it can’t come armored the way a mathematical one does). Meanwhile the articulated structure of the system, viewed as a unity, isn’t in the slightest danger. When a system is new, few people have the nimbleness of mind to take it in at a glance, and fewer still the wish, since every novelty is inconvenient to them. Apparent contradictions can be dug out of any book, especially one written as free discourse, by tearing individual passages out of context and comparing them with each other. In the eyes of someone who relies on other people’s judgment, such contradictions cast an unfavorable light on the book. But someone who has got hold of the idea as a whole will find them easy to dissolve. Still, when a theory stands firm in itself, action and reaction, which at first threatened it with great danger, only serve over time to wear down its rough spots. And if men of impartiality, insight and true popularity take it up, they can also give it the necessary elegance in a short time.
Königsberg, April 1787.
* The only real addition I could name, and even that only in the way of proof, is the one I made through a new refutation of psychological idealism, and a strict proof (the only possible one, I believe) that outer intuition has objective reality, on page 273. Idealism may be taken to be as harmless as you like, so far as the essential aims of metaphysics go (it actually is not harmless). Even so, it remains a scandal to philosophy and to human reason in general that we have to accept the existence of things outside us on faith alone. (From these things we draw the whole material of cognitions, even for our inner sense.) And if someone happens to doubt that existence, we have no satisfying proof to set against them. Because the proof is somewhat obscure in its third through sixth lines, I ask that this sentence be altered to read: “This permanent thing, however, cannot be an intuition in me. For all the grounds that determine my existence and that can be found in me are representations. As representations they themselves require something permanent that is different from them. Only in relation to that permanent thing can their change—and therefore my existence in the time where they change—be determined.” People will probably object to this proof: I am immediately aware only of what is in me, namely my representation of outer things. So it remains undecided whether anything corresponding to it exists outside me or not. Yet I am aware of my existence in time (and thereby of its being determinable in time) through inner experience. That is more than being conscious merely of my representation. But it is the same as the empirical consciousness of my existence, which can be determined only by relation to something that is connected with my existence and is outside me. So my consciousness of existing in time is bound up, as one and the same thing, with consciousness of standing in a relation to something outside me. And what connects the outer inseparably with my inner sense is experience and not invention, sense and not imagination. Outer sense is, after all, in itself a relating of intuition to something real outside me. Its reality, as distinct from imagination, rests only on its being inseparably tied to inner experience itself, as the condition that makes inner experience possible. That is what happens here. Suppose I could join to my intellectual consciousness of existing—the representation I am, which goes along with all my judgments and acts of understanding—a determination of my existence by intellectual intuition. Then awareness of a relation to something outside me wouldn’t have to be part of that determination. As things are, that intellectual consciousness does come first. But my existence can be determined only in inner intuition, and that intuition is sensible and tied to the condition of time. This determination, and with it inner experience itself, depends on something permanent that is not in me. It can therefore depend only on something outside me, something I have to see myself as related to. So the reality of outer sense is tied by necessity to that of inner sense, if experience at all is to be possible. That is, I’m exactly as sure that there are things outside me which stand in relation to my sense as I am sure that I myself exist, determined in time. As for which given intuitions really have objects outside me answering to them, so that they belong to outer sense (to which, and not to imagination, they must be credited), this has to be settled case by case. It is settled using the rules that tell experience in general (inner experience included) from imagination. The proposition that there really is outer experience always underlies this. One more remark can be added. Having a representation of something permanent in existence is not the same as having a permanent representation. A permanent representation can be very changeable and shifting, like all our representations, even the representations of matter. Yet it relates to something permanent. That must therefore be an outer thing, distinct from all my representations. The existence of that thing is necessarily bound up with determining my own existence, and the two together make up a single experience. That experience wouldn’t even take place inwardly if it were not (in part) outward at the same time. The How? can’t be explained any further here, any more than we can explain how we think the abiding in time at all. Its existing together with what changes produces the concept of change.
Introduction
B 1 Einleitung
I. Von dem Unterschiede der reinen und empirischen Erkenntnis
Daß alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, daran ist gar kein Zweifel; denn wodurch sollte das Erkenntnisvermögen sonst zur Ausübung erweckt werden, geschähe es nicht durch Gegenstände, die unsere Sinne rühren und teils von selbst Vorstellungen bewirken, teils unsere Verstandestätigkeit in Bewegung bringen, diese zu vergleichen, sie zu verknüpfen oder zu trennen, und so den rohen Stoff sinnlicher Eindrücke zu einer Erkenntnis der Gegenstände zu verarbeiten, die Erfahrung heißt? Der Zeit nach geht also keine Erkenntnis in uns vor der Erfahrung vorher, und mit dieser fängt alle an.
Wenn aber gleich alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anhebt, so entspringt sie darum doch nicht eben alle aus der Erfahrung. Denn es könnte wohl sein, daß selbst unsere Erfahrungserkenntnis ein Zusammengesetztes aus dem sei, was wir durch Eindrücke empfangen, und dem, was unser eigenes Erkenntnisvermögen (durch sinnliche Eindrücke bloß veranlaßt) aus sich selbst hergibt, welchen Zusatz wir von jenem
B 2 Grundstoffe nicht eher unterscheiden, als bis lange Übung uns darauf aufmerksam und zur Absonderung desselben geschickt gemacht hat.
Es ist also wenigstens eine der näheren Untersuchung noch benötigte und nicht auf den ersten Anschein sogleich abzufertigende Frage: ob es ein dergleichen von der Erfahrung und selbst von allen Eindrücken der Sinne unabhängiges Erkenntnis gebe. Man nennt solche Erkenntnisse a priori, und unterscheidet sie von den empirischen, die ihre Quellen a posteriori nämlich in der Erfahrung, haben.
Jener Ausdruck ist indessen noch nicht bestimmt genug, um den ganzen Sinn, der vorgelegten Frage angemessen, zu bezeichnen. Denn man pflegt wohl von mancher aus Erfahrungsquellen abgeleiteten Erkenntnis zu sagen, daß wir ihrer a priori fähig oder teilhaftig sind, weil wir sie nicht unmittelbar aus der Erfahrung, sondern aus einer allgemeinen Regel, die wir gleichwohl selbst doch aus der Erfahrung entlehnt haben, ableiten. So sagt man von jemand, der das Fundament seines Hauses untergrub: er konnte es a priori wissen, daß es einfallen würde, d.i. er durfte nicht auf die Erfahrung, daß es wirklich einfiele, warten. Allein gänzlich a priori konnte er dieses doch auch nicht wissen. Denn daß die Körper schwer sind, und daher, wenn ihnen die Stütze entzogen wird, fallen, mußte ihm doch zuvor durch Erfahrung bekannt werden.
Wir werden also im Verfolg unter Erkenntnissen a priori nicht solche verstehen, die von dieser oder jener,
B 3 sondern die schlechterdings von aller Erfahrung unabhängig stattfinden. Ihnen sind empirische Erkenntnisse, oder solche, die nur a posteriori, d.i. durch Erfahrung, möglich sind, entgegengesetzt. Von den Erkenntnissen a priori heißen aber die jenigen rein, denen gar nichts Empirisches beigemischt ist. So ist z.B. der Satz: eine jede Veränderung hat ihre Ursache, ein Satz a priori, allein nicht rein, weil Veränderung ein Begriff ist, der nur aus der Erfahrung gezogen werden kann.
II. Wir sind im Besitze gewisser Erkenntnisse a priori, und selbst der gemeine Verstand ist niemals ohne solche
Es kommt hier auf ein Merkmal an, woran wir sicher ein reines Erkenntnis vom empirischen unterscheiden können. Erfahrung lehrt uns zwar, daß etwas so oder so beschaffen sei, aber nicht, daß es nicht anders sein könne. Findet sich also erstlich ein Satz, der zugleich mit seiner Notwendigkeit gedacht wird, so ist er ein Urteil a priori, ist er überdem auch von keinem abgeleitet, als der selbst wiederum als ein notwendiger Satz gültig ist, so ist er schlechterdings a priori. Zweitens: Erfahrung gibt niemals ihren Urteilen wahre oder strenge, sondern nur angenommene und komparative Allgemeinheit (durch Induktion), so daß es eigentlich heißen muß: soviel wir bisher
B 4 wahrgenommen haben, findet sich von dieser oder jener Regel keine Ausnahme. Wird also ein Urteil in strengen Allgemeinheit gedacht, d.i. so, daß gar keine Ausnahme als möglich verstattet wird, so ist es nicht von der Erfahrung abgeleitet, sondern schlechterdings a priori gültig. Die empirische Allgemeinheit ist also nur eine willkürliche Steigerung der Gültigkeit, von der, welche in den meisten Fällen, zu der, die in allen gilt, wie z.B. in dem Satze: alle Körper sind schwer; wo dagegen strenge Allgemeinheit zu einem Urteile wesentlich gehört, da zeigt diese auf einen besonderen Erkenntnisquell desselben, nämlich ein Vermögen des Erkenntnisses a priori. Notwendigkeit und strenge Allgemeinheit sind also sichere Kennzeichen einer Erkenntnis a priori, und gehören auch unzertrennlich zueinander. Weil es aber im Gebrauche derselben bisweilen leichter ist, die empirische Beschränktheit derselben, als die Zufälligkeit in den Urteilen, oder es auch manchmal einleuchtender ist, die unbeschränkte Allgemeinheit, die wir einem Urteile beilegen, als die Notwendigkeit desselben zu zeigen, so ist es ratsam, sich gedachter beider Kriterien, deren jedes für sich unfehlbar ist, abgesondert zu bedienen.
Daß es nun dergleichen notwendige und im strengsten Sinne allgemeine, mithin reine Urteile a priori, im menschlichen Erkenntnis wirklich gebe, ist leicht zu zeigen. Will man ein Beispiel aus Wissenschaften, so darf man nur auf alle Sätze der Mathematik hinaussehen, will man ein solches aus dem gemeinsten
B 5 Verstandesgebrauche, so kann der Satz, daß alle Veränderung eine Ursache haben müsse, dazu dienen; ja in dem letzteren enthält selbst der Begriff einer Ursache so offenbar den Begriff einer Notwendigkeit der Verknüpfung mit einer Wirkung und einer strengen Allgemeinheit der Regel, daß er gänzlich verlorengehen würde, wenn man ihn, wie Hume tat, von einer öftern Beigesellung dessen, was geschieht, mit dem, was vorhergeht, und einer daraus entspringenden Gewohnheit, (mithin bloß subjektiven Notwendigkeit,) Vorstellungen zu verknüpfen, ableiten wollte. Auch könnte man, ohne dergleichen Beispiele zum Beweise der Wirklichkeit reiner Grundsätze a priori in unserem Erkenntnisse zu bedürfen, dieser ihre Unentbehrlichkeit zur Möglichkeit der Erfahrung selbst, mithin a priori dartun. Denn wo wollte selbst Erfahrung ihre Gewißheit hernehmen, wenn alle Regeln, nach denen sie fortgeht, immer wieder empirisch, mithin zufällig wären; daher man diese schwerlich für erste Grundsätze gelten lassen kann. Allein hier können wir uns damit begnügen, den reinen Gebrauch unseres Erkenntnisvermögens als Tatsache samt den Kennzeichen desselben dargelegt zu haben. Aber nicht bloß in Urteilen, sondern selbst in Begriffen zeigt sich ein Ursprung einiger derselben a priori. Lasset von eurem Erfahrungsbegriffe eines Körpers alles, was daran empirisch ist, nach und nach weg: die Farbe, die Härte oder Weiche, die Schwere, selbst die Undurchdringlichkeit, so bleibt doch der Raum übrig, den er (welcher nun ganz verschwunden ist) einnahm, und den
B 6 könnt ihr nicht weglassen. Ebenso, wenn ihr von eurem empirischen Begriffe eines jeden, körperlichen oder nicht körperlichen, Objekts alle Eigenschaften weglaßt, die euch die Erfahrung lehrt; so könnt ihr ihm doch nicht diejenige nehmen, dadurch ihr es als Substanz oder einer Substanz anhängend denkt, (obgleich dieser Begriff mehr Bestimmung enthält, als der eines Objekts überhaupt). Ihr müßt also, überführt durch die Notwendigkeit, womit sich dieser Begriff euch aufdringt, gestehen, daß er in eurem Erkenntnisvermögen a priori seinen Sitz habe.
III. Die Philosophie bedarf einer Wissenschaft, welche die Möglichkeit, die Prinzipien und den Umfang aller Erkenntnisse a priori bestimme
Was noch weit mehr sagen will als alles vorige, ist dieses, daß gewisse Erkenntnisse sogar das Feld aller möglichen Erfahrungen verlassen, und durch Begriffe, denen überall kein entsprechender Gegenstand in der Erfahrung gegeben werden kann, den Umfang unserer Urteile über alle Grenzen derselben zu erweitern den Anschein haben.
Und gerade in diesen letzteren Erkenntnissen, welche über die Sinnenwelt hinausgehen, wo Erfahrung gar keinen Leitfaden, noch Berichtigung geben kann, liegen die Nachforschungen unserer Vernunft, die wir, der
B 7 Wichtigkeit nach, für weit vorzüglicher, und ihre Endabsicht für viel erhabener halten, als alles, was der Verstand im Felde der Erscheinungen lernen kann, wobei wir, sogar auf die Gefahr zu irren, eher alles wagen, als daß wir so angelegene Untersuchungen aus irgendeinem Grunde der Bedenklichkeit, oder aus Geringschätzung und Gleichgültigkeit aufgeben sollten. Diese unvermeidlichen Aufgaben der reinen Vernunft selbst sind Gott, Freiheit und Unsterblichkeit. Die Wissenschaft aber, deren Endabsicht mit allen ihren Zurüstungen eigentlich nur auf die Auflösung derselben gerichtet ist, heißt Metaphysik, deren Verfahren im Anfange dogmatisch ist, d.i. ohne vorhergehende Prüfung des Vermögens oder Unvermögens der Vernunft zu einer so großen Unternehmung zuversichtlich die Ausführung übernimmt.
Nun scheint es zwar natürlich, daß, sobald man den Boden der Erfahrung verlassen hat, man doch nicht mit Erkenntnissen, die man besitzt, ohne zu wissen woher, und auf den Kredit der Grundsätze, deren Ursprung man nicht kennt, sofort ein Gebäude errichten werde, ohne der Grundlegung desselben durch sorgfältige Untersuchungen vorher versichert zu sein, daß man also vielmehr die Frage vorlängst werde aufgeworfen haben, wie denn der Verstand zu allen diesen Erkenntnissen a priori kommen könne, und welchen Umfang, Gültigkeit und Wert sie haben mögen. In der Tat ist auch nichts natürlicher, wenn man unter dem Worte natürlich das versteht, was billiger- und vernünftigerweise geschehen
B 8 sollte; versteht man aber darunter das, was gewöhnlichermaßen geschieht, so ist hinwiederum nichts natürlicher und begreiflicher, als daß diese Untersuchung lange unterbleiben mußte. Denn ein Teil dieser Erkenntnisse, als die mathematischen, ist im alten Besitze der Zuverlässigkeit, und gibt dadurch eine günstige Erwartung auch für andere, ob diese gleich von ganz verschiedener Natur sein mögen. Überdem, wenn man über den Kreis der Erfahrung hinaus ist, so ist man sicher, durch Erfahrung nicht widerlegt zu werden. Der Reiz, seine Erkenntnisse zu erweitern, ist so groß, daß man nur durch einen klaren Widerspruch, auf den man stößt, in seinem Fortschritte aufgehalten werden kann. Dieser aber kann vermieden werden, wenn man seine Erdichtungen nur behutsam macht, ohne daß sie deswegen weniger Erdichtungen bleiben. Die Mathematik gibt uns ein glänzendes Beispiel, wie weit wir es, unabhängig von der Erfahrung, in der Erkenntnis a priori bringen können. Nun beschäftigt sie sich zwar mit Gegenständen und Erkenntnissen bloß so weit, als sich solche in der Anschauung darstellen lassen. Aber dieser Umstand wird leicht übersehen, weil gedachte Anschauung selbst a priori gegeben werden kann, mithin von einem bloßen reinen Begriff kaum unterschieden wird. Durch einen solchen Beweis von der Macht der Vernunft eingenommen, sieht der Trieb zur Erweiterung keine Grenzen. Die leichte Taube, indem sie im freien Fluge die Luft teilt, deren Widerstand sie fühlt, könnte die Vorstellung fassen, daß es ihr im luftleeren Raum noch viel l
B 9 besser gelingen werde. Ebenso verließ Plato die Sinnenwelt, weil sie dem Verstande so enge Schranken setzt, und wagte sich jenseit derselben, auf den Flügeln der Ideen, in den leeren Raum des reinen Verstandes. Er bemerkte nicht, daß er durch seine Bemühungen keinen Weg gewönne, denn er hatte keinen Widerhalt, gleichsam zur Unterlage, worauf er sich steifen, und woran er seine Kräfte anwenden konnte, um den Verstand von der Stelle zu bringen. Es ist aber ein gewöhnliches Schicksal der menschlichen Vernunft in der Spekulation, ihr Gebäude so früh, wie möglich, fertigzumachen, und hintennach allererst zu untersuchen, ob auch der Grund dazu gut gelegt sei. Alsdann aber werden allerlei Beschönigungen herbeigesucht, um uns wegen dessen Tüchtigkeit zu trösten, oder auch eine solche späte und gefährliche Prüfung lieber gar abzuweisen. Was uns aber während dem Bauen von aller Besorgnis und Verdacht frei hält, und mit scheinbarer Gründlichkeit schmeichelt, ist dieses. Ein großer Teil, und vielleicht der größte, von dem Geschäfte unserer Vernunft, besteht in Zergliederungen der Begriffe, die wir schon von Gegenständen haben. Dieses liefert uns eine Menge von Erkenntnissen, die, ob sie gleich nichts weiter als Aufklärungen oder Erläuterungen desjenigen sind, was in unsern Begriffen (wiewohl noch auf verworrene Art) schon gedacht worden, doch wenigstens der Form nach neuen Einsichten gleich geschätzt werden, wiewohl sie der Materie, oder dem Inhalte nach die Begriffe, die wir haben, nicht erweitern, sondern nur auseinander setzen.
B 10 Da dieses Verfahren nun eine wirkliche Erkenntnis a priori gibt, die einen sichern und nützlichen Fortgang hat, so erschleicht die Vernunft, ohne es selbst zu merken, unter dieser Vorspiegelung Behauptungen von ganz anderer Art, wo die Vernunft zu gegebenen Begriffen ganz fremde und zwar a priori hinzutut, ohne daß man weiß, wie sie dazu gelangen und ohne sich eine solche Frage auch nur in die Gedanken kommen zu lassen. Ich will daher gleich anfangs von dem Unterschiede dieser zweifachen Erkenntnisart handeln.
IV. Von dem Unterschiede analytischer und synthetischer Urteile
In allen Urteilen, worinnen das Verhältnis eines Subjekts zum Prädikat gedacht wird, (wenn ich nur die bejahenden erwäge, denn auf die verneinenden ist nachher die Anwendung leicht,) ist dieses Verhältnis auf zweierlei Art möglich. Entweder das Prädikat B gehört zum Subjekt A als etwas, was in diesem Begriffe A (versteckterweise) enthalten ist; oder B liegt ganz außer dem Begriff A, ob es zwar mit demselben in Verknüpfung steht. Im ersten Fall nenne ich das Urteil analytisch, in dem andern synthetisch. Analytische Urteile (die bejahenden) sind also diejenigen, in welchen die Verknüpfung des Prädikats mit dem Subjekt durch Identität, diejenigen aber, in denen diese Verknüpfung ohne Identität gedacht wird, sollen synthetische Urteile
B 11 heißen. Die ersteren könnte man auch Erläuterungs-, die andern Erweiterungs-Urteile heißen, weil jene durch das Prädikat nichts zum Begriff des Subjekts hinzutun, sondern diesen nur durch Zergliederung in seine Teilbegriffe zerfällen, die in selbigen schon (obgleich verworren) gedacht waren: dahingegen die letzteren zu dem Begriffe des Subjekts ein Prädikat hinzutun, welches in jenem gar nicht gedacht war, und durch keine Zergliederung desselben hätte können herausgezogen werden. Z.B. wenn ich sage: alle Körper sind ausgedehnt, so ist dies ein analytisch Urteil. Denn ich darf nicht über den Begriff, den ich mit dem Körper verbinde, hinausgehen, um die Ausdehnung, als mit demselben verknüpft, zu finden, sondern jenen Begriff nur zergliedern, d.i. des Mannigfaltigen, welches ich jederzeit in ihm denke, mir nur bewußt werden, um dieses Prädikat darin anzutreffen; es ist also ein analytisches Urteil. Dagegen, wenn ich sage: alle Körper sind schwer, so ist das Prädikat etwas ganz anderes, als das, was ich in dem bloßen Begriff eines Körpers überhaupt denke. Die Hinzufügung eines solchen Prädikats gibt also ein synthetisch Urteil.
Erfahrungsurteile, als solche, sind insgesamt synthetisch. Denn es wäre ungereimt, ein analytisches Urteil auf Erfahrung zu gründen, weil ich aus meinem Begriffe gar nicht hinausgehen darf, um das Urteil abzufassen, und also kein Zeugnis der Erfahrung dazu nötig habe. Daß ein Körper ausgedehnt sei, ist ein Satz, der a priori feststeht, und kein
B 12 Erfahrungsurteil. Denn, ehe ich zur Erfahrung gehe, habe ich alle Bedingungen zu meinem Urteile schon in dem Begriffe, aus welchem ich das Prädikat nach dem Satze des Widerspruchs nur herausziehen, und dadurch zugleich der Notwendigkeit des Urteils bewußt werden kann, welche mir Erfahrung nicht einmal lehren würde. Dagegen, ob ich schon in dem Begriff eines Körpers überhaupt das Prädikat der Schwere gar nicht einschließe, so bezeichnet jener doch einen Gegenstand der Erfahrung durch einen Teil derselben, zu welchem ich also noch andere Teile eben derselben Erfahrung, als zu dem ersteren gehörten, hinzufügen kann. Ich kann den Begriff des Körpers vorher analytisch durch die Merkmale der Ausdehnung, der Undurchdringlichkeit, der Gestalt usw., die alle in diesem Begriffe gedacht werden, erkennen. Nun erweitere ich aber meine Erkenntnis, und, indem ich auf die Erfahrung zurücksehe, von welcher ich diesen Begriff des Körpers abgezogen hatte, so finde ich mit obigen Merkmalen auch die Schwere jederzeit verknüpft, und füge also diese als Prädikat zu jenem Begriffe synthetisch hinzu. Es ist also die Erfahrung, worauf sich die Möglichkeit der Synthesis des Prädikats der Schwere mit dem Begriffe des Körpers gründet, weil beide Begriffe, ob zwar einer nicht in dem anderen enthalten ist, dennoch als Teile eines Ganzen, nämlich der Erfahrung, die selbst eine synthetische Verbindung der Anschauungen ist, zueinander, wiewohl nur zufälligerweise, gehören.
Aber bei synthetischen Urteilen a priori fehlt dieses Hilfsmittel ganz und gar. Wenn ich über den
B 13 Begriff A hinausgehen soll, um einen andern B als damit verbunden zu erkennen, was ist das, worauf ich mich stütze, und wodurch die Synthesis möglich wird? da ich hier den Vorteil nicht habe, mich im Felde der Erfahrung danach umzusehen. Man nehme den Satz: Alles, was geschieht, hat seine Ursache. In dem Begriff von etwas, das geschieht, denke ich zwar ein Dasein, vor welchem eine Zeit vorhergeht usw. und daraus lassen sich analytische Urteile ziehen. Aber der Begriff einer Ursache liegt ganz außer jenem Begriffe, und zeigt etwas von dem, was geschieht, Verschiedenes an, ist also in dieser letzteren Vorstellung gar nicht mit enthalten. Wie komme ich denn dazu, von dem, was überhaupt geschieht, etwas davon ganz Verschiedenes zu sagen, und den Begriff der Ursache, obzwar in jenem nicht enthalten, dennoch, als dazu und sogar notwendig gehörig, zu erkennen. Was ist hier das Unbekannte = X, worauf sich der Verstand stützt, wenn er außer dem Begriff von A ein demselben fremdes Prädikat B aufzufinden glaubt, welches er gleichwohl damit verknüpft zu sein erachtet? Erfahrung kann es nicht sein, weil der angeführte Grundsatz nicht allein mit größerer Allgemeinheit, sondern auch mit dem Ausdruck der Notwendigkeit, mithin gänzlich a priori und aus bloßen Begriffen, diese zweite Vorstellungen zu der ersteren hinzugefügt. Nun beruht auf solchen synthetischen d.i. Erweiterungs-Grundsätzen die ganze Endabsicht unserer spekulativen Erkenntnis a priori; denn die analytischen sind zwar höchst wichtig und nötig, aber nur
B 14 um zu derjenigen Deutlichkeit der Begriffe zu gelangen, die zu einer sicheren und ausgebreiteten Synthesis, als zu einem wirklich neuen Erwerb, erforderlich ist.
V. In allen theoretischen Wissenschaften der Vernunft sind synthetische Urteile a priori als Prinzipien enthalten
1 Mathematische Urteile sind insgesamt synthetisch. Dieser Satz scheint den Bemerkungen der Zergliederer der menschlichen Vernunft bisher entgangen, ja allen ihren Vermutungen gerade entgegengesetzt zu sein, ob er gleich unwidersprechlich gewiß und in der Folge sehr wichtig ist. Denn weil man fand, daß die Schlüsse der Mathematiker alle nach dem Satze des Widerspruchs fortgehen, (welches die Natur einer jeden apodiktischen Gewißheit erfordert,) so überredet man sich, daß auch die Grundsätze aus dem Satze des Widerspruchs erkannt würden; worin sie sich irrten; denn ein synthetischer Satz kann allerdings nach dem Satze des Widerspruchs eingesehen werden, aber nur so, daß ein anderer synthetischen Satz vorausgesetzt wird, aus dem er gefolgert werden kann, niemals aber an sich selbst.
Zuvörderst muß bemerkt werden: daß eigentliche mathematische Sätze jederzeit Urteile a priori und nicht empirisch sind, weil sie Notwendigkeit bei sich führen, welche aus Erfahrung nicht abgenommen werden kann.
B 15 Will man aber dieses nicht einräumen, wohlan, so schränke ich meinen Satz auf die reine Mathematik ein, deren Begriff es schon mit sich bringt, daß sie nicht empirische, sondern bloß reine Erkenntnis a priori enthalte.
Man sollte anfänglich zwar denken: daß der Satz 7 + 5 = 12 ein bloß analytischer Satz sei, der aus dem Begriffe einer Summe von Sieben und Fünf nach dem Satze des Widerspruches erfolge. Allein, wenn man es näher betrachtet, so findet man, daß der Begriff der Summe von 7 und 5 nichts weiter enthalte, als die Vereinigung beider Zahlen in eine einzige, wodurch ganz und gar nicht gedacht wird, welches diese einzige Zahl sei, die beide zusammenfaßt. Der Begriff von Zwölf ist keineswegs dadurch schon gedacht, daß ich mir bloß jene Vereinigung von Sieben und Fünf denke, und, ich mag meinen Begriff von einer solchen möglichen Summe noch solange zergliedern, so werde ich doch darin die Zwölf nicht antreffen. Man muß über diese Begriffe hinausgehen, indem man die Anschauung zu Hilfe nimmt, die einem von beiden korrespondiert, etwa seine fünf Finger, oder (wie Segner in seiner Arithmetik) fünf Punkte, und so nach und nach die Einheiten der in der Anschauung gegebenen Fünf zu dem Begriffe der Sieben hinzutut. Denn ich nehme zuerst die Zahl 7, und, indem ich für den Begriff der 5 die Finger meiner Hand als Anschauung zu Hilfe nehme, so tue ich die Einheiten, die ich vorher
B 16 zusammennahm, um die Zahl 5 auszumachen, nun an jenem meinem Bilde nach und nach zur Zahl 7, und sehe so die Zahl 12 entspringen. Daß 7 zu 5 hinzugetan werden sollten, habe ich zwar in dem Begriffe einer Summe = 7 + 5 gedacht, aber nicht, daß diese Summe der Zahl 12 gleich sei. Der arithmetische Satz ist also jederzeit synthetisch; welches man desto deutlicher inne wird, wenn man etwas größere Zahlen nimmt, da es dann klar einleuchtet, daß, wir möchten unsere Begriffe drehen und wenden, wie wir wollen, wir, ohne die Anschauung zu Hilfe zu nehmen, vermittels der bloßen Zergliederung unserer Begriffe die Summe niemals finden könnten.
Ebensowenig ist irgendein Grundsatz der reinen Geometrie analytisch. Daß die gerade Linie zwischen zwei Punkten die kürzeste sei, ist ein synthetischen Satz. Denn mein Begriff vom Geraden enthält nichts von Größe, sondern nur eine Qualität. Der Begriff des Kürzesten kommt also gänzlich hinzu, und kann durch keine Zergliederung aus dem Begriffe der geraden Linie gezogen werden. Anschauung muß also hier zu Hilfe genommen werden, vermittels deren allein die Synthesis möglich ist.
Einige wenige Grundsätze, welche die Geometer voraussetzen, sind zwar wirklich analytisch und beruhen auf dem Satze des Widerspruchs, sie dienen aber auch nur, wie identische Sätze, zur Kette der Methode und
B 17 nicht als Prinzipien, z.B. a = a, das Ganze ist sich selber gleich, oder (a + b) > a, d.i. das Ganze ist größer als sein Teil. Und doch auch diese selbst, ob sie gleich nach bloßen Begriffen gelten, werden in der Mathematik nur darum zugelassen, weil sie in der Anschauung können dargestellt werden. Was uns hier gemeiniglich glauben macht, als läge das Prädikat solcher apodiktischen Urteile schon in unserm Begriffe, und das Urteil sei also analytisch, ist bloß die Zweideutigkeit des Ausdrucks. Wir sollen nämlich zu einem gegebenen Begriffe ein gewisses Prädikat hinzudenken, und diese Notwendigkeit haftet schon an den Begriffen. Aber die Frage ist nicht, was wir zu dem gegebenen Begriffe hinzudenken sollen, sondern was wir wirklich in ihm, obzwar nur dunkel, denken, und da zeigt sich, daß das Prädikat jenen Begriffen zwar notwendig, aber nicht als im Begriffe selbst gedacht, sondern vermittels einer Anschauung, die zu dem Begriffe hinzukommen muß, anhänge.
2 Naturwissenschaft (Physica) enthält synthetische Urteile a priori als Prinzipien in sich. Ich will nur ein paar Sätze zum Beispiel anführen, als den Satz: daß in allen Veränderungen der körperlichen Welt die Quantität der Materie unverändert bleibe, oder daß, in aller Mitteilung der Bewegung, Wirkung und Gegenwirkung jederzeit einander gleich sein müssen. An beiden ist nicht allein die Notwendigkeit, mithin ihr Ursprung a priori, sondern auch, daß sie synthetische
B 18 Sätze sind, klar. Denn in dem Begriffe der Materie denke ich mir nicht die Beharrlichkeit, sondern bloß ihre Gegenwart im Raume durch die Erfüllung desselben. Also gehe ich wirklich über den Begriff von der- Materie hinaus, um etwas a priori zu ihm hinzuzudenken, was ich in ihm nicht dachte. Der Satz ist also nicht analytisch, sondern synthetisch und dennoch a priori gedacht, und so in den übrigen Sätzen des reinen Teils der Naturwissenschaft.
3 In der Metaphysik, wenn man sie auch nur für eine bisher bloß versuchte, dennoch aber durch die Natur der menschlichen Vernunft unentbehrliche Wissenschaft ansieht, sollen synthetische Erkenntnisse a priori enthalten sein, und es ist ihr gar nicht darum zu tun, Begriffe, die wir uns a priori von Dingen machen, bloß zu zergliedern und dadurch analytisch zu erläutern, sondern wir wollen unsere Erkenntnis a priori erweitern, wozu wir uns solcher Grundsätze bedienen müssen, die über den gegebenen Begriff etwas hinzutun, was in ihm nicht enthalten war, und durch synthetische Urteile a priori wohl gar so weit hinausgehen, daß uns die Erfahrung selbst nicht so weit folgen kann, z.B. in dem Satze: die Welt muß einen ersten Anfang haben, u. a. m. und so besteht Metaphysik wenigstens ihrem Zwecke nach aus lauter synthetischen Sätzen a priori.
B 19 VI. Allgemeine Aufgabe der reinen Vernunft
Man gewinnt dadurch schon sehr viel, wenn man eine Menge von Untersuchungen unter die Formel einer einzigen Aufgabe bringen kann. Denn dadurch erleichtert man sich nicht allein selbst sein eigenes Geschält, indem man es sich genau bestimmt, sondern auch jedem anderen, der es prüfen will, das Urteil, ob wir unserem Vorhaben ein Genüge getan haben oder nicht. Die eigentliche Aufgabe der reinen Vernunft ist nun in der Frage enthalten: Wie sind synthetische Urteile a priori möglich?
Daß die Metaphysik bisher in einem so schwankenden Zustande der Ungewißheit und Widersprüche geblieben ist, ist lediglich der Ursache zuzuschreiben, daß man sich diese Aufgabe und vielleicht sogar den Unterschied der analytischen und synthetischen Urteile nicht früher in Gedanken kommen ließ. Auf der Auflösung dieser Aufgabe, oder einem genugtuenden Beweise, daß die Möglichkeit, die sie erklärt zu wissen verlangt, in der Tat gar nicht stattfinde, beruht nun das Stehen und Fallen der Metaphysik. David Hume, der dieser Aufgabe unter allen Philosophen noch am nächsten trat, sie aber sich bei weitem nicht bestimmt genug und in ihrer Allgemeinheit dachte, sondern bloß bei dem synthetischen Satze der Verknüpfung der Wirkung mit ihren Ursachen (Principium causalitatis) stehen blieb, glaubte
B 20 herauszubringen, daß ein solcher Satz a priori gänzlich unmöglich sei, und nach seinen Schlüssen würde alles, was wir Metaphysik nennen, auf einen bloßen Wahn von vermeinter Vernunfteinsicht dessen hinauslaufen, was in der Tat bloß aus der Erfahrung erborgt und durch Gewohnheit den Schein der Notwendigkeit überkommen hat; auf welche, alle reine Philosophie zerstörende, Behauptung er niemals gefallen wäre, wenn er unsere Aufgabe in ihrer Allgemeinheit vor Augen gehabt hätte, da er dann eingesehen haben würde, daß, nach seinem Argumente, es auch keine reine Mathematik geben könnte, weil diese gewiß synthetische Sätze a priori enthält, vor welcher Behauptung ihn alsdann sein guter Verstand wohl würde bewahrt haben.
In der Auflösung obiger Aufgabe ist zugleich die Möglichkeit des reinen Vernunftgebrauches in Gründung und Ausführung aller Wissenschaften, die eine theoretische Erkenntnis a priori von Gegenständen enthalten, mit begriffen, d.i. die Beantwortung der Fragen:
Wie ist reine Mathematik möglich? Wie ist reine Naturwissenschaft möglich?
Von diesen Wissenschaften, da sie wirklich gegeben sind, läßt sich nun wohl geziemend fragen: wie sie möglich sind; denn daß sie möglich sein müssen, wird durch ihre Wirklichkeit bewiesen*. Was aber Metaphysik
B 21 betrifft, so muß ihr bisheriger schlechter Fortgang, und weil man von keiner einzigen bisher vorgetragenen, was ihren wesentlichen Zweck angeht, sagen kann, sie sei wirklich vorhanden, einen jeden mit Grund an ihrer Möglichkeit zweifeln lassen.
* Von der reinen Naturwissenschaft könnte mancher dieses letztere noch bezweifeln. Allein man darf nur die verschiedenen Sätze, die im Anfange der eigentlichen (empirischen) Physik vorkommen, nachsehen, als den von der Beharrlichkeit derselben Quantität Materie, von der Trägheit, der Gleichheit der Wirkung und Gegenwirkung usw., so wird man bald überzeugt werden, daß sie eine physicam puram (oder rationalem) ausmachen, die es wohl verdient, als eigene Wissenschaft, in ihrem engen oder weiten, aber doch ganzen Umfange, abgesondert aufgestellt zu werden.
Nun ist aber diese Art von Erkenntnis in gewissem Sinne doch auch als gegeben anzusehen, und Metaphysik ist, wenngleich nicht als Wissenschaft, doch als Naturanlage (metaphysica naturalis) wirklich. Denn die menschliche Vernunft geht unaufhaltsam, ohne daß bloße Eitelkeit des Vielwissens sie dazu bewegt, durch eigenes Bedürfnis getrieben bis zu solchen Fragen fort, die durch keinen Erfahrungsgebrauch der Vernunft und daher entlehnte Prinzipien beantwortet werden können, und so ist wirklich in allen Menschen, sobald Vernunft sich in ihnen bis zur Spekulation erweitert, irgendeine Metaphysik zu aller Zeit gewesen, und wird auch immer darin bleiben. Und nun ist auch von dieser die Frage:
B 22 Wie ist Metaphysik als Naturanlage möglich?
d.i. wie entspringen die Fragen, welche reine Vernunft sich aufwirft, und die sie, so gut als sie kann, zu beantworten durch ihr eigenes Bedürfnis getrieben wird, aus der Natur der allgemeinen Menschenvernunft?
Da sich aber bei allen bisherigen Versuchen, diese natürlichen Fragen, z.B. ob die Welt einen Anfang habe, oder von Ewigkeit her sei, usw. zu beantworten, jederzeit unvermeidliche Widersprüche gefunden haben, so kann man es nicht bei der bloßen Naturanlage zur Metaphysik, d.i. dem reinen Vernunftvermögen selbst, woraus zwar immer irgendeine Metaphysik (es sei welche es wolle) erwächst, bewenden lassen, sondern es muß möglich sein, mit ihr es zur Gewißheit zu bringen, entweder im Wissen oder Nicht-Wissen der Gegenstände, d.i. entweder der Entscheidung über die Gegenstände ihrer Fragen, oder über das Vermögen und Unvermögen der Vernunft in Ansehung ihrer etwas zu urteilen, also entweder unsere reine Vernunft mit Zuverlässigkeit zu erweitern, oder ihr bestimmte und sichere Schranken zu setzen. Diese letzte Frage, die aus der obigen allgemeinen Aufgabe fließt, würde mit Recht diese sein: Wie ist Metaphysik als Wissenschaft möglich?
Die Kritik der Vernunft führt also zuletzt notwendig zur Wissenschaft; der dogmatische Gebrauch derselben ohne Kritik dagegen auf grundlose Behauptungen,
B 23 denen man ebenso scheinbare entgegensetzen kann, mithin zum Skeptizismus.
Auch kann diese Wissenschaft nicht von großer abschreckender Weitläufigkeit sein, weil sie es nicht mit Objekten der Vernunft, deren Mannigfaltigkeit unendlich ist, sondern es bloß mit sich selbst, mit Aufgaben, die ganz aus ihrem Schoße entspringen, und ihr nicht durch die Natur der Dinge, die von ihr unterschieden sind, sondern durch ihre eigene vorgelegt sind, zu tun hat; da es denn, wenn sie zuvor ihr eigen Vermögen in Ansehung der Gegenstände, die ihr in der Erfahrung vorkommen mögen, vollständig hat kennenlernen, leicht werden muß, den Umfang und die Grenzen ihres über alle Erfahrungsgrenzen versuchten Gebrauchs vollständig und sicher zu bestimmen.
Man kann also und muß alle bisher gemachten Versuche, eine Metaphysik dogmatisch zustande zu bringen, als ungeschehen ansehen; denn was in der einen oder der anderen Analytisches, nämlich bloße Zergliederung der Begriffe ist, die unserer Vernunft a priori beiwohnen, ist noch gar nicht der Zweck, sondern nur eine Veranstaltung zu der eigentlichen Metaphysik, nämlich seine Erkenntnis a priori synthetisch zu erweitern, und ist zu diesem untauglich, weil sie bloß zeigt, was in diesen Begriffen enthalten ist, nicht aber, wie wir a priori zu solchen Begriffen gelangen, um danach auch ihren gültigen Gebrauch in Ansehung der
B 24 Gegenstände aller Erkenntnis überhaupt bestimmen zu können. Es gehört auch nur wenig Selbstverleugnung dazu, alle diese Ansprüche aufzugeben, da die nicht abzuleugnenden und im dogmatischen Verfahren auch unvermeidlichen Widersprüche der Vernunft mit sich selbst jede bisherige Metaphysik schon längst um ihr Ansehen gebracht haben. Mehr Standhaftigkeit wird dazu nötig sein, sich durch die Schwierigkeit innerlich und den Widerstand äußerlich nicht abhalten zu lassen, eine der menschlichen Vernunft unentbehrliche Wissenschaft, von der man wohl jeden hervorgeschossenen Stamm abhauen, die Wurzel aber nicht ausrotten kann, durch eine andere, der bisherigen ganz entgegengesetzte, Behandlung endlich einmal zu einem gedeihlichen und fruchtbaren Wuchse zu befördern.
VII. Idee und Einteilung einer besonderen Wissenschaft, unter dem Namen der Kritik der reinen Vernunft
Aus diesem allein ergibt sich nun die Idee einer besonderen Wissenschaft, die Kritik der reinen Vernunft heißen kann. Denn ist Vernunft das Vermögen, welches die Prinzipien der Erkenntnis a priori an die Hand gibt. Daher ist reine Vernunft diejenige, welche die Prinzipien, etwas schlechthin a priori zu erkennen, enthält. Ein Organon der reinen Vernunft würde ein Inbegriff derjenigen Prinzipien sein, nach denen alle
B 25 reinen Erkenntnisse a priori können erworben und wirklich zustande gebracht werden. Die ausführliche Anwendung eines solchen Organon würde ein System der reinen Vernunft verschaffen. Da dieses aber sehr viel verlangt ist, und es noch dahin steht, ob auch hier überhaupt eine Erweiterung unserer Erkenntnis, und in welchen Fällen sie möglich sei; so können wir eine Wissenschaft der bloßen Beurteilung der reinen Vernunft, ihrer Quellen und Grenzen, als die Propädeutik zum System der reinen Vernunft ansehen. Eine solche würde nicht eine Doktrin, sondern nur Kritik der reinen Vernunft heißen müssen, und ihr Nutzen würde in Ansehung der Spekulation wirklich nur negativ sein, nicht zur Erweiterung, sondern nur zur Läuterung unserer Vernunft dienen, und sie von Irrtümern frei halten, welches schon sehr viel gewonnen ist. Ich nenne alle Erkenntnis transzendental, die sich nicht sowohl mit Gegenständen, sondern mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen, insofern diese a priori möglich sein soll, überhaupt beschäftigt. Ein System solcher Begriffe würde Transzendental-Philosophie heißen. Diese ist aber wiederum für den Anfang noch zu viel. Denn, weil eine solche Wissenschaft sowohl die analytische Erkenntnis, als die synthetische a priori vollständig enthalten müßte, so ist sie, soweit es unsere Absicht betrifft, von zu weitem Umfange, indem wir die Analysis nur so weit treiben dürfen, als sie unentbehrlich notwendig ist, um die Prinzipien der Synthesis a priori, als warum es uns nur zu tun ist, in ihrem
B 26 ganzen Umfange einzusehen. Diese Untersuchung, die wir eigentlich nicht Doktrin, sondern nur transzendentale Kritik nennen können, weil sie nicht die Erweiterung der Erkenntnisse selbst, sondern nur die Berichtigung derselben zur Absicht hat, und den Probierstein des Werts oder Unwerts aller Erkenntnisse a priori abgeben soll, ist das, womit wir uns jetzt beschäftigen. Eine solche Kritik ist demnach eine Vorbereitung, wo möglich, zu einem Organon, und wenn dieses nicht gelingen sollte, wenigstens zu einem Kanon derselben, nach welchem allenfalls dereinst das vollständige System der Philosophie der reinen Vernunft, es mag nun in Erweiterung oder bloßer Begrenzung ihrer Erkenntnis bestehen, sowohl analytisch als synthetisch dargestellt werden könnte. Denn daß dieses möglich sei, ja daß ein solches System von nicht gar großem Umfange sein könne, um zu hoffen, es ganz zu vollenden, läßt sich schon zum voraus daraus ermessen, daß hier nicht die Natur der Dinge, welche unerschöpflich ist, sondern der Verstand, der über die Natur der Dinge urteilt, und auch dieser wiederum nur in Ansehung seiner Erkenntnis a priori, den Gegenstand ausmacht, dessen Vorrat, weil wir ihn doch nicht auswärtig suchen dürfen, uns nicht verborgen bleiben kann, und allem Vermuten nach klein genug ist, um vollständig aufgenommen, nach seinem Werte oder Unwerte beurteilt und unter richtige Schätzung gebracht zu
B 27 werden. Noch weniger darf man hier eine Kritik der Bücher und Systeme der reinen Vernunft erwarten, sondern die des reinen Vernunftvermögens selbst. Nur allein, wenn diese zum Grunde liegt, hat man einen sicheren Probierstein, den philosophischen Gehalt alter und neuer Werke in diesem Fache zu schätzen; widrigenfalls beurteilt der unbefugte Geschichtsschreiber und Richter grundlose Behauptungen anderer, durch seine eigenen, die ebenso grundlos sind.
Die Transzendental-Philosophie ist die Idee einer Wissenschaft, wozu die Kritik der reinen Vernunft den ganzen Plan architektonisch, d.i. aus Prinzipien, entwerfen soll, mit völliger Gewährleistung der Vollständigkeit und Sicherheit aller Stücke, die dieses Gebäude ausmachen. Sie ist das System aller Prinzipien der reinen Vernunft. Daß diese Kritik nicht schon selbst Transzendental-Philosophie heißt, beruht lediglich darauf, daß sie, um ein vollständiges System zu sein, auch eine ausführliche Analysis der ganzen menschlichen Erkenntnis a priori enthalten müßte. Nun muß zwar unsere Kritik allerdings auch eine vollständige Herzählung aller Stammbegriffe, welche die gedachte reine Erkenntnis ausmachen, vor Augen legen. Allein der ausführlichen Analysis dieser Begriffe selbst, wie auch der vollständigen Rezension der daraus abgeleiteten, enthält sie sich billig, teils weil diese Zergliederung nicht zweckmäßig wäre,
B 28 indem sie die Bedenklichkeit nicht hat, welche bei der Synthesis angetroffen wird, um deren willen eigentlich die ganze Kritik da ist, teils, weil es der Einheit des Planes zuwider wäre, sich mit der Verantwortung der Vollständigkeit einer solchen Analysis und Ableitung zu befassen, deren man in Ansehung seiner Absicht doch überhoben sein konnte. Diese Vollständigkeit der Zergliederung sowohl, als der Ableitung aus den künftig zu liefernden Begriffen a priori, ist indessen leicht zu ergänzen, wenn sie nur allererst als ausführliche Prinzipien der Synthesis da sind, und in Ansehung dieser wesentlichen Absicht nichts ermangelt.
Zur Kritik der reinen Vernunft gehört demnach alles, was die Transzendental-Philosophie ausmacht, und sie ist die vollständige Idee der Transzendental-Philosophie, aber diese Wissenschaft noch nicht selbst; weil sie in der Analysis nur so weit geht, als es zur vollständigen Beurteilung der synthetischen Erkenntnis a priori erforderlich ist.
Das vornehmste Augenmerk bei der Einteilung einer solchen Wissenschaft ist: daß gar keine Begriffe hineinkommen müssen, die irgend etwas Empirisches in sich enthalten; oder daß die Erkenntnis a priori völlig rein sei. Daher, obzwar die obersten Grundsätze der Moralität und die Grundbegriffe derselben, Erkenntnisse a priori sind, so gehören sie doch nicht in die Transzendental-Philosophie, weil sie die
B 29 Begriffe der Lust und Unlust, der Begierden und Neigungen usw., die insgesamt empirischen Ursprungs sind, zwar selbst nicht zum Grunde ihrer Vorschriften legen, aber doch im Begriffe der Pflicht, als Hindernis, das überwunden, oder als Anreiz, der nicht zum Bewegungsgrunde gemacht werden soll, notwendig in die Abfassung des Systems der reinen Sittlichkeit mit hineinziehen müssen. Daher ist die Transzendental-Philosophie eine Weltweisheit der reinen bloß spekulativen Vernunft. Denn alles Praktische, sofern es Triebfedern enthält, bezieht sich auf Gefühle, welche zu empirischen Erkenntnisquellen gehören.
Wenn man nun die Einteilung dieser Wissenschaft aus dem allgemeinen Gesichtspunkte eines Systems überhaupt anstellen will, so muß die, welche wir jetzt vortragen, erstlich eine Elementar-Lehre, zweitens eine Methoden-Lehre der reinen Vernunft enthalten. Jeder dieser Hauptteile würde seine Unterabteilung haben, deren Gründe sich gleichwohl hier noch nicht vortragen lassen. Nur so viel scheint zur Einleitung, oder Vorerinnerung, nötig zu sein, daß es zwei Stämme der menschlichen Erkenntnis gebe, die vielleicht aus einer gemeinschaftlichen, aber uns unbekannten Wurzel entspringen, nämlich Sinnlichkeit und Verstand, durch deren ersteren uns Gegenstände gegeben, durch den zweiten aber gedacht werden. Sofern nun die Sinnlichkeit Vorstellungen a priori enthalten sollte, welche die Bedingung ausmachen,
B 30 unter der uns Gegenstände gegeben werden, so würde sie zur Transzendental-Philosophie gehören. Die transzendentale Sinnenlehre würde zum ersten Teile der Elementarwissenschaft gehören müssen, weil die Bedingungen, worunter allein die Gegenstände der menschlichen Erkenntnis gegeben werden, denjenigen vorgehen, unter welchen selbige gedacht werden.
B 1 Introduction
I. How pure and empirical cognition differ
That all our cognition begins with experience is beyond any doubt. What else would wake our faculty of cognition into action, if not objects that stir our senses? In part these objects produce representations on their own. In part they set our activity of understanding in motion, so that it compares those representations, connects or separates them, and so processes the raw stuff of sense impressions into a cognition of objects, which goes by the name of experience. In time, then, no cognition in us comes before experience, and all of it begins with experience.
But even though all our cognition begins with experience, it doesn’t follow that it all arises out of experience. After all, it may well be that even our cognition from experience is a compound of two things. One is what we receive through impressions. The other is what our own faculty of cognition supplies from itself, merely prompted by sensible impressions.
B 2 We can’t tell this addition from the raw stuff until long practice has made us notice it and taught us to separate it out.
So at least this much is a question that needs closer investigation, and can’t be brushed aside at first glance: is there any cognition that does not depend on experience, or even on any sense impressions? Such cognitions are called a priori. They are distinguished from empirical cognitions, which have their sources a posteriori, that is, in experience.
That expression, though, isn’t yet precise enough to cover the full sense of the question before us. We commonly say of some cognition derived from sources in experience that we are capable of it, or have a share in it, a priori. We say so because we derive it not directly from experience but from a general rule, which we nevertheless took from experience ourselves. We say of someone who dug away the foundation of their house that they could have known a priori it would collapse. That is, they didn’t have to wait for the experience of it actually collapsing. Still, they couldn’t have known this entirely a priori. They had to learn through experience beforehand that bodies are heavy, and so fall when their support is taken away.
From here on, then, by a priori cognitions we won’t mean cognitions that are independent of this or that experience.
B 3 We will mean cognitions that occur absolutely independently of all experience. The opposite of these are empirical cognitions, or those that are possible only a posteriori, that is, only through experience. Among a priori cognitions, those are called pure into which nothing empirical is mixed. For example, “every change has its cause” is a proposition a priori, though not a pure one, since the concept of change is one that can only be taken from experience.
II. We possess certain cognitions a priori, and even ordinary understanding is never without them
What we need here is a mark that lets us reliably tell pure cognition from empirical. Experience teaches us that something is such and such, but not that it couldn’t be otherwise. So, first: suppose a proposition turns up that is thought together with its necessity. Then it is a judgment a priori. If, besides, it is derived only from a proposition that itself holds as necessary, it is absolutely a priori. Second: experience never lends its judgments true or strict universality. It lends them only supposed, relative universality (by way of induction). So what it really amounts to saying is this.
B 4 As far as we have observed so far, no exception turns up to this or that rule. Now take a judgment that is thought as strictly universal, which means one that allows no exception at all as even possible. It isn’t derived from experience. It is valid absolutely a priori. Empirical universality is thus only an arbitrary raising of validity, from the validity that holds in most cases to the one that holds in all, as in the proposition “all bodies are heavy.” But where strict universality is an essential part of a judgment, it points to a special source of cognition for that judgment, namely a faculty of cognition a priori. Necessity and strict universality are therefore sure marks of a priori cognition, and they belong together inseparably. In practice, though, it is sometimes easier to show how limited a judgment is in an empirical way than to show its contingency. And sometimes it is more evident to show the unlimited universality that we attribute to a judgment than its necessity. So it’s advisable to use these two criteria separately, since each of them is infallible by itself.
It is easy to show that human cognition really does contain such necessary and strictly universal, and therefore pure, a priori judgments. If you want an example from the sciences, you only have to look at all the propositions of mathematics.
B 5 If you want one from the commonest use of the understanding, the proposition that every change must have a cause will do. In fact, in the latter case the concept of a cause itself includes, so unmistakably, the idea of an effect tied to it by necessity and of a rule that is strictly universal, that the concept would be lost entirely if we tried to derive it, as Hume did, from the frequent pairing of what happens with what comes before it, and from the habit that grows out of that (a necessity that is merely subjective) of connecting representations. We could even do without such examples as proof that pure a priori principles actually exist in our cognition. We could show that these principles are indispensable for the possibility of experience itself, and so show it a priori. For where would experience itself get its certainty, if all the rules by which it proceeds were themselves empirical, and so contingent? So these rules can hardly be allowed to count as first principles. Here, though, we can be content to have set out the pure use of our faculty of cognition as a fact, together with its marks. But it isn’t only in judgments that an a priori origin of some of them shows up. It shows up in concepts too. Take away from your experiential concept of a body, step by step, everything empirical in it: color, hardness or softness, weight, even impenetrability. The space the body took up still remains (the body itself has now vanished entirely).
B 6 You can’t take that space away. In the same way, take away from your empirical concept of any object, bodily or not, all the properties that experience teaches you. You still can’t remove what makes you think of it as a substance, or as clinging to a substance (even though this concept packs in more determination than the concept of an object in general). Convinced by the necessity with which this concept presses itself on you, you have to admit that it has its seat in your faculty of cognition a priori.
III. Philosophy needs a science to determine the possibility, the principles and the range of all a priori cognitions
Something that says far more than all the above is this. Some cognitions even leave the whole field of possible experience. They seem to widen the range of our judgments beyond all its boundaries, by means of concepts for which no corresponding object can ever be given in experience.
And it is exactly in these latter cognitions that the inquiries of our reason lie. They go beyond the world of sense, into territory where experience can give neither guidance nor correction.
B 7 In importance we rank these inquiries far higher, and their final aim far more sublime, than anything the understanding can pick up on the territory of appearances. For their sake we would risk anything, even the danger of error, before we would give up such pressing inquiries from any scruple, or from contempt and indifference. The problems pure reason cannot avoid are God, freedom and immortality. The science whose final aim, with all its preparations, is really directed only at solving them is called metaphysics. Its procedure at the start is dogmatic. That is, it confidently takes on the job without first examining whether reason is able or unable to carry out so great an undertaking.
It does seem natural that, having left the ground of experience, we would not go and put up a building at once with cognitions we possess without knowing where from, and on the credit of principles whose origin we don’t know. It seems natural that we would first have made sure of the building’s foundation by careful investigation. We would surely have asked long ago how the understanding can come by all these a priori cognitions, and what range, validity and worth they may have. And really, nothing is more natural—if “natural” means what ought to happen, going by fairness and good sense.
B 8 But if you mean what usually happens, then nothing is more natural and understandable than that this investigation had to be put off for so long. For one part of these cognitions, the mathematical ones, has long been in possession of reliability, and so raises favorable expectations for the others as well, although they may be of a quite different nature. Besides, once you’re beyond the circle of experience, you’re safe from being refuted by experience. The pull of widening one’s cognitions is so strong that only running into a plain contradiction can stop one’s progress. And that can be avoided, if one is careful in making up one’s fictions. They remain fictions all the same. Mathematics offers a splendid example of how far we can get in a priori cognition without any help from experience. Now mathematics does deal with objects and cognitions only so far as they can be presented in intuition. But this circumstance is easily overlooked, because that intuition itself can be given a priori, and so is hardly distinguished from a mere pure concept. Taken in by such a proof of the power of reason, the drive to extend knowledge sees no boundaries. The light dove, as it cleaves the air in free flight and feels the air’s resistance, could form the idea that it would do much better in empty space.
B 9 In the same way, Plato left the world of sense because it sets such narrow limits on the understanding. He dared to go past it, carried on the wings of ideas, out into the empty space of pure understanding. He didn’t notice that he was making no headway by his efforts. That was because he had nothing pushing back against him, nothing like a support on which he could brace himself and put his strength to use to get the understanding moving. It is a usual fate of human reason, when it speculates, to get its building finished as soon as it can, and only then to ask whether the foundation was well laid. Then all sorts of excuses are sought to comfort us about its soundness, or even to turn away such a late and dangerous examination. While we are building, what keeps us untroubled and unsuspicious, and gives us a flattering air of thoroughness, is this. A large part of the business of our reason, perhaps the largest, consists in analyses of the concepts we already have of objects. This supplies us with a mass of cognitions. They are nothing more than clarifications or explanations of what our concepts already contained in thought (though still in a confused way). Yet they are at least valued, in form, as equal to new insights. In matter or content, though, they do not extend the concepts we have. They only spread them out. Since this procedure gives real a priori cognition, which moves ahead securely and usefully, reason slips in assertions of a quite different kind under this pretense, without even noticing it.
B 10 In these, reason adds to given concepts something wholly foreign, and does so a priori. We don’t know how reason arrives at this, and the question doesn’t even enter our minds. So I’ll deal right at the start with the difference between these two kinds of cognition.
IV. How analytic and synthetic judgments differ
In every judgment where a subject’s relation to a predicate is thought (I’m considering only the affirmative ones, since applying this to negative ones is easy afterward), that relation can come about in two ways. Either predicate B belongs to subject A as something already contained in the concept A, though hidden there. Or B lies wholly outside the concept A, although it is connected with it. I call the judgment analytic in the first case, synthetic in the second. So affirmative analytic judgments are the ones in which the predicate’s connection with the subject is thought through identity. Judgments in which that connection is thought without identity are what I mean by synthetic judgments.
B 11 The first kind could also be called judgments of clarification, and the others judgments of extension. The reason is that the first kind use the predicate to add nothing to the subject’s concept. They only split it up, by analysis, into the partial concepts that were already thought in it, if only confusedly. The second kind, by contrast, attach to the subject’s concept a predicate that wasn’t thought in it at all, and couldn’t have been drawn out of it by any analysis. Take “all bodies are extended.” That is an analytic judgment. I don’t have to go beyond the concept I combine with body to find extension as connected with it. I need only dissect that concept, which is to say, become aware of whatever manifold I think in it each time, to find this predicate there. So it is an analytic judgment. But take “all bodies are heavy.” Here the predicate is something altogether different from what I am thinking when I have the bare concept of body in general. Adding such a predicate therefore gives a synthetic judgment.
Any judgment of experience, taken as such, is synthetic. It would make no sense to base an analytic judgment on experience. To form an analytic judgment I never have to step outside my concept, so I don’t need any testimony from experience. Take the statement that a body is extended. It stands firm a priori.
B 12 It is no judgment of experience. Before I go to experience at all, every condition for my judgment is already in the concept. All I have to do is pull the predicate out of it by the principle of contradiction. In doing so I also become aware that the judgment is necessary, which experience would not even have taught me. It’s different with the predicate of weight. When I think of a body in general, I don’t count weight as part of the concept. Still, that concept designates an object of experience by means of one part of it, and to that part I can add other parts of the same experience, as belonging with the first. To begin with, I can know the concept of body analytically. That happens through the marks of extension, impenetrability and shape, among others, which are all thought in the concept. Then I broaden my cognition. I look back at the experience from which I had drawn this concept of body, and I find weight always connected with those marks as well. So I add weight to the concept as a predicate, and I do it synthetically. It is experience, then, that makes it possible to join weight, as a predicate, synthetically to the concept of body. Neither concept is contained in the other. Even so, the two go together, though only contingently, as parts of one whole. That whole is experience, and experience in turn is a synthetic combination of intuitions.
For synthetic a priori judgments this help is missing altogether.
B 13 Say I have to step outside concept A and recognize some other concept, B, as joined to it. What do I stand on? What makes that synthesis possible? I have no chance here to look around in the field of experience. Take the statement “Everything that happens has its cause.” When I think of something that happens, I do think of an existence with a stretch of time before it, and so on. Analytic judgments can be drawn from that. But the concept of a cause lies wholly outside that concept. It signals something different from what happens, so the representation of what happens doesn’t contain it at all. How, then, do I get to say something quite different about whatever happens? How do I get to recognize the concept of cause as belonging to it, and even necessarily, when it is not contained in it? What is the unknown = X that the understanding leans on, when it thinks it has found, beyond the concept of A, a foreign predicate B that it still takes to be tied to A? It can’t be experience, because the principle in question adds the second representation to the first with greater universality, and it also states necessity. So it works entirely a priori, from mere concepts. Now everything our speculative a priori cognition ultimately aims at depends on synthetic principles like this one, the ones that extend. Analytic principles are of course very important and necessary.
B 14 But they only serve to make concepts clear enough for a secure and far-reaching synthesis, which is what counts as the real new gain.
V. Every theoretical science of reason contains synthetic a priori judgments among its principles
1 Mathematical judgments are all synthetic. The people who dissect human reason seem to have missed this so far. It even seems to contradict everything they have supposed. Still, it is beyond dispute, and it will matter a great deal later on. Here is how they went wrong. They saw that mathematicians’ inferences all proceed by the principle of contradiction, which any apodictic certainty requires by its very nature. From that they persuaded themselves that the basic principles, too, are known by the principle of contradiction. They were mistaken. A synthetic proposition can be seen to be true by the principle of contradiction, but only when another synthetic proposition is assumed from which it can be inferred. It can never be seen that way by itself.
First, a point to note. Mathematical propositions in the proper sense are always a priori judgments, never empirical ones, since they bring necessity with them, and experience can’t yield necessity.
B 15 If someone won’t grant that, well then, I limit my claim to pure mathematics. By its very concept, pure mathematics contains no empirical cognition at all, only pure a priori cognition.
At first you would think that 7 + 5 = 12 is a merely analytic proposition. It would follow by the principle of contradiction from the concept of a sum made of seven and five. On a closer look, the concept “sum of 7 and 5” turns out to hold only the union of those two numbers in one single number. It says nothing at all about which single number takes in both. Merely thinking of seven and five joined together does not yet give me the concept of twelve. I can keep taking apart my concept of such a possible sum for as long as I like. I will never come upon twelve in it. To get there, we have to go beyond these concepts and use an intuition that matches one of them, for instance our five fingers, or five points, as Segner does in his Arithmetic. So we take the five that intuition gives us, and add its units, one after another, to the concept of seven. I start with the number 7. For the concept of 5 I use the fingers of my hand as the intuition.
B 16 The units I earlier put together to make the number 5, I now add one at a time to the number 7 in that image of mine, and I watch the number 12 come out. The concept of the sum 7 + 5 did include the thought of adding 7 to 5. But I did not think that the sum equals 12. So an arithmetical proposition is always synthetic. You see this more clearly with somewhat larger numbers. Then it is obvious that we could turn our concepts this way and that, and still never find the sum by merely taking them apart, unless intuition came to our aid.
No principle of pure geometry is analytic either. Take this claim: between two points, the straight line is the shortest. That is a synthetic proposition. My concept of the straight contains nothing about magnitude. It contains only a quality. So the concept of the shortest is a complete addition, and no analysis can pull it out of the concept of a straight line. Intuition has to be brought in to help here, and only through it is the synthesis possible.
Geometers do presuppose a few principles that really are analytic, and these rest on the principle of contradiction. But like identical propositions, they only serve as links in the chain of method.
B 17 They don’t serve as principles. Take a = a, which says that the whole equals itself. Or take (a + b) > a, which says that the whole is greater than its part. And yet even these are let into mathematics only because intuition can display them, even though they hold by concepts alone. We tend to think that, in judgments of this apodictic kind, the predicate already lies in our concept, so that the judgment is analytic. The only thing that makes us think so is an ambiguity in how we put it. We are supposed to add a certain predicate in thought to a given concept, and this necessity is already attached to the concepts. But the question isn’t what we are supposed to add in thought to the given concept. The question is what we actually think in it, even if only obscurely. That is where we find that the predicate does go with those concepts necessarily, though it is not thought within the concept itself. It attaches by means of an intuition that has to come in addition to the concept.
2 Natural science (Physica) has synthetic a priori judgments inside it, as its principles. I’ll cite just a couple of propositions as examples. One is that in all changes of the bodily world the quantity of matter stays unchanged. The other says that whenever motion is passed on, action and reaction must always be equal. In both, the necessity is clear, and with it their a priori origin. It is also clear that they are synthetic propositions.
B 18 For in the concept of matter I don’t think permanence. I think only its presence in space, by its filling of space. So I really do go beyond the concept of matter, in order to think in addition to it, a priori, something I did not think in it. The proposition is therefore not analytic but synthetic, and still thought a priori. The remaining propositions in the pure part of natural science work the same way.
3 Metaphysics, even if we see it only as a science that has so far merely been attempted, but that human reason’s nature makes indispensable, is meant to contain synthetic a priori cognitions. Its business isn’t at all just to take apart the concepts we make for ourselves a priori of things, and so to clarify them analytically. We want to extend our a priori cognition. For that we need principles that put something into the given concept which it did not hold before. And through synthetic a priori judgments we may even go so far beyond it that experience itself can’t follow us there. An example is the proposition that the world must have a first beginning, along with others of that kind. So metaphysics, at least in its aim, consists of nothing but synthetic a priori propositions.
B 19 VI. The general problem of pure reason
We gain a lot when we can sum up a whole series of investigations in the formula of one problem. It makes our own task easier, because we define it exactly. And it makes it easier for anyone else who wants to examine our work to judge whether we have done justice to our aim or not. The real problem of pure reason is contained in the question: How are synthetic a priori judgments possible?
The reason metaphysics has stayed so long in a shaky state of uncertainty and contradiction is simply that nobody thought of this problem earlier, and perhaps not even of the difference between analytic and synthetic judgments. Whether metaphysics stands or falls depends on solving this problem, or on giving a satisfying proof that the possibility it wants explained does not exist at all. Of all philosophers, David Hume came closest to this problem. But he was far from stating it precisely enough, or in its full generality. Instead he merely stopped at one synthetic proposition, the one about how an effect is connected with its causes (Principium causalitatis).
B 20 He believed he had worked out that such a proposition is completely impossible a priori. By his reasoning, everything we call metaphysics would come down to a delusion. We would think we had rational insight into something that is really just borrowed from experience, and that habit has dressed up with the illusion of necessity. He would never have come out with this claim, which would destroy all pure philosophy, if he had kept our problem in its full generality in view. He would then have noticed that his argument rules out pure mathematics too, because pure mathematics undoubtedly holds synthetic a priori propositions. His good sense would surely have kept him from that claim.
When we solve the problem above, we settle at the same time how reason can be used purely, in setting up and carrying out every science that includes theoretical a priori cognition of objects. In other words, it answers these questions:
How is pure mathematics possible? How is pure natural science possible?
Since these sciences actually exist, it is perfectly fitting to ask how they are possible. That they must be possible is proved by their being actual*. Metaphysics is another matter.
B 21 Its poor progress so far gives everyone good reason to doubt that it is possible. And of no metaphysics presented to date can we say, as far as its essential purpose goes, that it truly exists.
* Some might still doubt this last point about pure natural science. But all one has to do is look through the various propositions that appear at the start of physics proper (empirical physics). Among them are the permanence of the same amount of matter, inertia, equal action and reaction, and so forth. That will quickly persuade you that together they form a physicam puram (or rationalem), meaning a pure or rational physics. It well deserves to be set up on its own as a separate science, in its whole extent, whether narrow or wide.
Still, this kind of cognition must also be regarded, in a certain sense, as given. Metaphysics is real, if not as a science, then as a natural disposition (metaphysica naturalis). For human reason is driven by a need of its own, not by mere vanity about knowing a lot. It presses on, unstoppably, to questions that no use of reason in experience can answer, and no principles borrowed from experience either. So in all human beings, as soon as their reason broadens out into speculation, some metaphysics has always existed, and it will always remain there. And so the question arises about this metaphysics too:
B 22 How is metaphysics possible as a natural disposition?
In other words, what in the nature of universal human reason gives rise to the questions that pure reason puts to itself? Its own need drives it to answer them as well as it can.
Every attempt so far to answer these natural questions has landed in contradictions that couldn’t be avoided. Such questions include whether the world had a beginning or has always been there, and others of the sort. So we can’t stop at the bare natural disposition toward metaphysics. That disposition is just the pure faculty of reason itself, out of which some metaphysics or other, whichever it may be, always grows. It must be possible to use that disposition to reach certainty, either in knowing or in not knowing the objects. That is, we must be able either to decide about the objects of its questions, or to decide about reason’s ability or inability to judge anything about them. So we must either extend our pure reason reliably, or set definite and secure limits to it. The last question, which follows from the general problem stated above, would properly read: How is metaphysics possible as a science?
So the critique of reason ends up, necessarily, in science. Its dogmatic use without critique, on the other hand, ends up in groundless assertions.
B 23 Equally plausible assertions can be set against them. That leads to skepticism.
Nor can this science be so sprawling that it scares people off. Its business is not with objects of reason, whose variety is endless. Its business is only with reason itself. The problems it deals with arise entirely from within reason. They are not set for it by the nature of things that differ from it, but by reason’s own nature. Suppose reason has first come to know its own power completely, as regards the objects that may come up for it in experience. Then it has to be easy to settle fully and securely how far reason’s use extends, and where its boundaries lie, when it tries to venture past every boundary of experience.
That means we can and should treat every dogmatic attempt so far to set up a metaphysics as if it had never been made. Whatever is analytic in one attempt or another, namely the mere taking apart of concepts that live in our reason a priori, is not yet the goal at all. It is only preparation for metaphysics proper, whose goal is to extend one’s cognition a priori, synthetically. And it is useless for that goal. All it does is display what these concepts already contain. It never explains how we get hold of such concepts a priori in the first place.
B 24 Knowing that would let us go on to settle how they may validly be used on the objects of cognition in general. It takes little self-denial to give up all these claims. The contradictions of reason with itself cannot be denied, and in the dogmatic procedure they cannot be avoided either, and they have long since cost every metaphysics so far its standing. It will take more steadfastness not to let difficulty from within and resistance from outside hold us back. The task is to bring a science that human reason cannot do without to healthy, fruitful growth at last, by a treatment quite opposite to the previous one. One can chop off every shoot that science sends up, but one cannot pull out its root.
VII. Idea and division of a particular science, to be known as the critique of pure reason
This alone already gives us the idea of a distinct science. It can be named the critique of pure reason. Reason, after all, is the faculty that hands us the principles of a priori cognition. Pure reason, then, is the kind that holds the principles for cognizing anything wholly a priori. An organon of pure reason would be the sum total of those principles.
B 25 With them, all pure a priori cognitions could be acquired and actually produced. Applying such an organon in full detail would give us a system of pure reason. But that is asking a great deal. It is still open whether we can widen our cognition at all in this area, and in what cases it could be done. So we can regard a science that does nothing but assess pure reason, its sources and its boundaries, as the preliminary study, the propaedeutic, for the system of pure reason. It would have to be called critique of pure reason, not a doctrine. Its usefulness, as far as speculation goes, would really be only negative. It would not widen our reason. It would only cleanse it and keep it clear of mistakes, and that is already a lot to gain. Here is what I call transcendental: any cognition that deals less with objects than with how we can cognize objects, so far as that is meant to be possible a priori. A system built of such concepts would go by the name transcendental philosophy. But for a start even that is too much. Such a science would have to contain analytic cognition in full, and synthetic a priori cognition in full. So, for our purpose, it is too wide in scope. We may push the analysis only as far as we must to survey every principle of a priori synthesis, in its full range. That is our only concern.
B 26 We can’t properly call the investigation we are now engaged in a doctrine, only a transcendental critique. It doesn’t try to widen cognitions themselves. It tries only to set them right, and it is to be the test that shows whether an a priori cognition has any worth or none. So the critique prepares the way for an organon, if that can be done. If it can’t, it prepares at least for a canon of pure reason. A canon like that might one day let the full system of the philosophy of pure reason be laid out, both analytically and synthetically. That system could consist in extending its cognition, or merely in setting its boundaries. We can already judge in advance that this is possible, and that such a system need not be so large that we have to give up hope of completing it. The reason is that the subject matter here is not the nature of things, which is inexhaustible. The subject matter is the understanding, the faculty that judges about the nature of things, and only its a priori cognition at that. We are not to look for its stock outside, so it cannot stay hidden from us. In all likelihood it is small enough to be taken in completely, judged for its worth or worthlessness, and given its proper valuation.
B 27 Still less should anyone expect here a critique of the books and systems of pure reason. What we offer is the critique of the pure faculty of reason itself. Once that is in place, and not before, we have a trustworthy test for appraising the philosophical value of works in this field, old and new. Otherwise an unqualified historian and judge assesses the groundless assertions of others by means of his own, which are just as groundless.
Transcendental philosophy is the idea of a science. The critique of pure reason is to sketch its whole plan architectonically, that is, from principles, with full guarantee of the completeness and certainty of every part that makes up this building. It is the system of all the principles of pure reason. This critique isn’t itself called transcendental philosophy for one reason only. It would have to be a complete system, and for that it would also need a thorough analysis of everything in human cognition that is a priori. Of course our critique must also set out a complete list of all the basic concepts that make up the pure cognition in question. But it rightly refrains from a detailed analysis of these concepts themselves, and from a full review of the concepts derived from them. There are two reasons. First, such an analysis would not serve the purpose.
B 28 It lacks the cause for concern that comes with synthesis, and it is for the sake of that concern that the whole critique exists. Second, it would clash with the unity of the plan to be answerable for the completeness of such an analysis and derivation. Given our aim, we could be excused from that duty anyway. That completeness can easily be supplied later, both for the analysis and for the derivation from the a priori concepts still to be delivered. The one requirement is that those concepts first be there as full-fledged principles of synthesis, and that nothing is missing for this essential aim.
So everything that makes up transcendental philosophy belongs to the critique of pure reason. The critique is the complete idea of transcendental philosophy. It is not that science itself yet, since its analysis goes only as far as a full assessment of synthetic a priori cognition demands.
The main concern in dividing such a science is this: no concepts may enter it that contain anything empirical. The a priori cognition, in short, has to be wholly pure. So the supreme principles of morality and their basic concepts are indeed a priori cognitions, but they do not belong in transcendental philosophy. The reason is this.
B 29 They don’t base their prescriptions on the concepts of pleasure and displeasure, or on those of desires and inclinations, all of which are empirical in origin. Still, the concept of duty forces them to bring these concepts into the construction of a system of pure morality. There they show up as a hindrance to be conquered, or as an inducement that must not become the motive. That makes transcendental philosophy a philosophy of reason that is pure and merely speculative. Anything practical that involves incentives relates to feelings, and feelings are among the empirical sources of cognition.
Say we want to lay out the divisions of this science the way one would for any system whatever. The division we offer here then needs two parts. One is a doctrine of elements for pure reason. The other is a doctrine of method for it. Each part would split further, though the reasons for those splits can’t be laid out yet. For the introduction, or preliminary remark, only this much seems necessary. Human cognition has two stems, namely sensibility and understanding. Perhaps they grow from one common root that we don’t know. Through the first, objects are given to us. Through the second, they are thought. Now suppose sensibility does contain a priori representations. They form the condition for objects being given to us.
B 30 To that extent it would belong to transcendental philosophy. That makes the transcendental doctrine of the senses part of the first division of the science of elements. It has to come first, since the conditions under which objects of human cognition are given precede the conditions under which they are thought.
Transcendental Aesthetic
B 31 Kritik der reinen Vernunft
I. Transzendentale Elementarlehre
B 33 Der transzendentalen Elementarlehre Erster Teil Die transzendentale Ästhetik
§ 1
Auf welche Art und durch welche Mittel sich auch immer eine Erkenntnis auf Gegenstände beziehen mag, es ist doch diejenige, wodurch sie sich auf dieselbe unmittelbar bezieht, und worauf alles Denken als Mittel abzweckt, die Anschauung. Diese findet aber nur statt, sofern uns der Gegenstand gegeben wird; dieses aber ist wiederum, uns Menschen wenigstens, nur dadurch möglich, daß er das Gemüt auf gewisse Weise affiziere. Die Fähigkeit (Rezeptivität), Vorstellungen durch die Art, wie wir von Gegenständen affiziert werden, zu bekommen, heißt Sinnlichkeit. Vermittelst der Sinnlichkeit also werden uns Gegenstände gegeben, und sie allein liefert uns Anschauungen; durch den Verstand aber werden sie gedacht, und von ihm entspringen Begriffe. Alles Denken aber muß sich, es sei geradezu (direkte) oder im Umschweife (indirekte), vermittelst gewisser Merkmale, zuletzt auf Anschauungen, mithin, bei uns, auf Sinnlichkeit beziehen, weil uns auf andere Weise kein Gegenstand gegeben werden kann.
B 34 Die Wirkung eines Gegenstandes auf die Vorstellungsfähigkeit, sofern wir von demselben affiziert werden, ist Empfindung. Diejenige Anschauung, welche sich auf den Gegenstand durch Empfindung bezieht, heißt empirisch. Der unbestimmte Gegenstand einer empirischen Anschauung heißt Erscheinung.
In der Erscheinung nenne ich das, was der Empfindung korrespondiert, die Materie derselben, dasjenige aber, welches macht, daß das Mannigfaltige der Erscheinung in gewissen Verhältnissen geordnet werden kann, nenne ich die Form der Erscheinung. Da das, worinnen sich die Empfindungen allein ordnen, und in gewisse Form gestellt werden können, nicht selbst wiederum Empfindung sein kann, so ist uns zwar die Materie aller Erscheinung nur a posteriori gegeben, die Form derselben aber muß zu ihnen insgesamt im Gemüte a priori bereitliegen und daher abgesondert von aller Empfindung können betrachtet werden.
Ich nenne alle Vorstellungen rein (im transzendentalen Verstande), in denen nichts, was zur Empfindung gehört, angetroffen wird. Demnach wird die reine Form sinnlicher Anschauungen überhaupt im Gemüte a priori angetroffen werden, worinnen alles Mannigfaltige der Erscheinungen in gewissen Verhältnissen angeschaut wird. Diese reine Form der Sinnlichkeit wird auch selber reine
B 35 Anschauung heißen. So, wenn ich von der Vorstellung eines Körpers das, was der Verstand davon denkt, als Substanz, Kraft, Teilbarkeit usw., imgleichen, was davon zur Empfindung gehört, als Undurchdringlichkeit, Härte, Farbe usw. absondere, so bleibt mir aus dieser empirischen Anschauung noch etwas übrig, nämlich Ausdehnung und Gestalt. Diese gehören zur reinen Anschauung, die a priori, auch ohne einen wirklichen Gegenstand der Sinne oder Empfindung, als eine bloße Form der Sinnlichkeit im Gemüte stattfindet.
Eine Wissenschaft von allen Prinzipien der Sinnlichkeit a priori nenne ich die transzendentale Ästhetik*. Es muß also eine solche Wissenschaft geben, die
B 36 den ersten Teil der transzendentalen Elementarlehre ausmacht, im Gegensatz derjenigen, welche die Prinzipien des reinen Denkens enthält, und transzendentale Logik genannt wird.
* Die Deutschen sind die einzigen, welche sich jetzt des Worts Ästhetik bedienen, um dadurch das zu bezeichnen, was andere Kritik des Geschmacks heißen. Es liegt hier eine verfehlte Hoffnung zum Grunde, die der vortreffliche Analyst Baumgarten faßte, die kritische Beurteilung des Schönen unter Vernunftprinzipien zu bringen, und die Regeln derselben zur Wissenschaft zu erheben. Allein diese Bemühung ist vergeblich. Denn gedachte Regeln oder Kriterien sind ihren vornehmsten Quellen nach bloß empirisch, und können also niemals zu bestimmten Gesetzen a priori dienen, wonach sich unser Geschmacksurteil richten müßte, vielmehr macht das letztere den eigentlichen Probierstein der Richtigkeit der ersteren aus. Um deswillen ist es ratsam, diese Benennung entweder wiederum eingehen zu lassen, und sie derjenigen Lehre aufzubehalten, die wahre Wissenschaft ist, (wodurch man auch der Sprache und dem Sinne der Alten näher treten würde, bei denen die Einteilung der Erkenntnis in aistheta kai noeta sehr berühmt war), oder sich in die Benennung mit der spekulativen Philosophie zu teilen und die Ästhetik teils im transzendentalen Sinne, teils in psychologischer Bedeutung zu nehmen.
In der transzendentalen Ästhetik also werden wir zuerst die Sinnlichkeit isolieren, dadurch, daß wir alles absondern, was der Verstand durch seine Begriffe dabei denkt, damit nichts als empirische Anschauung übrigbleibe. Zweitens werden wir von dieser noch alles, was zur Empfindung gehört, abtrennen, damit nichts als reine Anschauung und die bloße Form der Erscheinungen übrigbleibe, welches das einzige ist, das die Sinnlichkeit a priori liefern kann. Bei dieser Untersuchung wird sich finden, daß es zwei reine Formen sinnlicher Anschauung, als Prinzipien der Erkenntnis a priori gebe, nämlich Raum und Zeit, mit deren Erwägung wir uns jetzt beschäftigen werden.
B 37 Der transzendentalen Ästhetik Erster Abschnitt Von dem Raume
§ 2 Metaphysische Erörterung dieses Begriffs
Vermittelst des äußeren Sinnes, (einer Eigenschaft unseres Gemüts), stellen wir uns Gegenstände als außer uns, und diese insgesamt im Raume vor. Darinnen ist ihre Gestalt, Größe und Verhältnis gegeneinander bestimmt, oder bestimmbar. Der innere Sinn, vermittelst dessen das Gemüt sich selbst, oder seinen inneren Zustand anschaut, gibt zwar keine Anschauung von der Seele selbst, als einem Objekt; allein es ist doch eine bestimmte Form, unter der die Anschauung ihres inneren Zustandes allein möglich ist, so daß alles, was zu den inneren Bestimmungen gehört, in Verhältnissen der Zeit vorgestellt wird. Äußerlich kann die Zeit nicht angeschaut werden, so wenig wie der Raum, als etwas in uns. Was sind nun Raum und Zeit? Sind es wirkliche Wesen? Sind es zwar nur Bestimmungen, oder auch Verhältnisse der Dinge, aber doch solche, welche ihnen auch an sich zukommen würden, wenn sie auch nicht angeschaut würden, oder sind sie solche, die nur an der Form der Anschauung allein haften, und mithin an
B 38 der subjektiven Beschaffenheit unseres Gemüts, ohne welche diese Prädikate gar keinem Dinge beigelegt werden können? Um uns hierüber zu belehren, wollen wir zuerst den Begriff des Raumes erörtern. Ich verstehe aber unter Erörterung (expositio) die deutliche, (wenn gleich nicht ausführliche) Vorstellung dessen, was zu einem Begriffe gehört; metaphysisch aber ist die Erörterung, wenn sie dasjenige enthält, was den Begriff, als a priori gegeben, darstellt.
1 Der Raum ist kein empirischer Begriff, der von äußeren Erfahrungen abgezogen worden. Denn damit gewiße Empfindungen auf etwas außer mich bezogen werden, (d.i. auf etwas in einem anderen Orte des Raumes, als darinnen ich mich befinde), imgleichen damit ich sie als außer- und nebeneinander, mithin nicht bloß verschieden, sondern als in verschiedenen Orten vorstellen könne, dazu muß die Vorstellung des Raumes schon zum Grunde liegen. Demnach kann die Vorstellung des Raumes nicht aus den Verhältnissen der äußeren Erscheinung durch Erfahrung erborgt sein, sondern diese äußere Erfahrung ist selbst nur durch gedachte Vorstellung allererst möglich.
2 Der Raum ist eine notwendige Vorstellung a priori, die allen äußeren Anschauungen zum Grunde liegt. Man kann sich niemals eine Vorstellung davon machen, daß kein Raum sei, ob man sich gleich ganz wohl denken kann, daß keine Gegenstände darin
B 39 angetroffen werden. Er wird also als die Bedingung der Möglichkeit der Erscheinungen, und nicht als eine von ihnen abhängende Bestimmung angesehen, und ist eine Vorstellung a priori, die notwendigerweise äußeren Erscheinungen zum Grunde liegt.
3 Der Raum ist kein diskursiver oder, wie man sagt, allgemeiner Begriff von Verhältnissen der Dinge überhaupt sondern eine reine Anschauung. Denn erstlich kann man sich nur einen einigen Raum vorstellen, und wenn man von vielen Räumen redet, so versteht man darunter nur Teile eines und desselben alleinigen Raumes. Diese Teile können auch nicht vor dem einigen allbefassenden Raume gleichsam als dessen Bestandteile (daraus seine Zusammensetzung möglich sei) vorhergehen, sondern nur in ihm gedacht werden. Er ist wesentlich einig, das Mannigfaltige in ihm, mithin auch der allgemeine Begriff von Räumen überhaupt, beruht lediglich auf Einschränkungen. Hieraus folgt, daß in Ansehung seiner eine Anschauung a priori (die nicht empirisch ist) allen Begriffen von demselben zum Grunde liegt. So werden auch alle geometrischen Grundsätze, z.E. daß in einem Triangel zwei Seiten zusammen größer sind, als die dritte, niemals aus allgemeinen Begriffen von Linie und Triangel, sondern aus der Anschauung und zwar a priori mit apodiktischer Gewißheit abgeleitet.
4 Der Raum wird als eine unendliche gegebene Größe vorgestellt. Nun muß man zwar einen jeden
B 40 Begriff als eine Vorstellung denken, die in einer unendlichen Menge von verschiedenen möglichen Vorstellungen (als ihr gemeinschaftliches Merkmal) enthalten ist, mithin diese unter sich enthält, aber kein Begriff, als ein solcher, kann so gedacht werden, als ob er eine unendliche Menge von Vorstellungen in sich enthielte. Gleichwohl wird der Raum so gedacht (denn alle Teile des Raumes ins Unendliche sind zugleich). Also ist die ursprüngliche Vorstellung vom Raume Anschauung a priori, und nicht Begriff.
§ 3 Transzendentale Erörterung des Begriffs vom Raume
Ich verstehe unter einer transzendentalen Erörterung die Erklärung eines Begriffes, als eines Prinzips, woraus die Möglichkeit anderer synthetischen Erkenntnisse a priori eingesehen werden kann. Zu dieser Absicht wird erfordert, 1) daß wirklich dergleichen Erkenntnisse aus dem gegebenen Begriffe herfließen, 2) daß diese Erkenntnisse nur unter der Voraussetzung einer gegebenen Erklärungsart dieses Begriffs möglich sind.
Geometrie ist eine Wissenschaft, welche die Eigenschaften des Raumes synthetisch und doch a priori bestimmt. Was muß die Vorstellung des Raumes denn sein, damit eine solche Erkenntnis von ihm möglich sei? Er muß ursprünglich Anschauung sein; denn aus einem
B 41 bloßen Begriffe lassen sich keine Sätze, die über den Begriff hinausgehen, ziehen, welches doch in der Geometrie geschieht (Einleitung V). Aber diese Anschauung muß a priori, d.i. vor aller Wahrnehmung eines Gegenstandes, in uns angetroffen werden, mithin reine, nicht empirische Anschauung sein. Denn die geometrischen Sätze sind insgesamt apodiktisch, d.i. mit dem Bewußtsein der Notwendigkeit verbunden, z.B. der Raum hat nur drei Abmessungen; dergleichen Sätze aber können nicht empirische oder Erfahrungsurteile sein, noch aus ihnen geschlossen werden (Einleitung II).
Wie kann nun eine äußere Anschauung dem Gemüte beiwohnen, die vor den Objekten selbst vorhergeht, und in welcher der Begriff der letzteren a priori bestimmt werden kann? Offenbar nicht anders, als so fern sie, bloß im Subjekte, als die formale Beschaffenheit desselben, von Objekten affiziert zu werden, und dadurch unmittelbare Vorstellung derselben d.i. Anschauung zu bekommen, ihren Sitz hat, also nur als Form des äußeren Sinnes überhaupt.
Also macht allein unsere Erklärung die Möglichkeit der Geometrie als einer synthetischen Erkenntnis a priori begreiflich. Eine jede Erklärungsart, die dieses nicht liefert, wenn sie gleich dem Anscheine nach mit ihr einige Ähnlichkeit hätte, kann an diesen Kennzeichen am sichersten von ihr unterschieden werden.
B 42 Schlüsse aus obigen Begriffen
a) Der Raum stellt gar keine Eigenschaft irgend einiger Dinge an sich, oder sie in ihrem Verhältnis aufeinander vor, d.i. keine Bestimmung derselben, die an Gegenständen selbst haftete, und welche bliebe, wenn man auch von allen subjektiven Bedingungen der Anschauung abstrahierte. Denn weder absolute, noch relative Bestimmungen können vor dem Dasein der Dinge, welchen sie zukommen, mithin nicht a priori angeschaut werden.
b) Der Raum ist nichts anderes, als nur die Form aller Erscheinungen äußerer Sinne, d.i. die subjektive Bedingung der Sinnlichkeit, unter der allein uns äußere Anschauung möglich ist. Weil nun die Rezeptivität des Subjekts, von Gegenständen affiziert zu werden, notwendigerweise vor allen Anschauungen dieser Objekte vorhergeht, so läßt sich verstehen, wie die Form aller Erscheinungen vor allen wirklichen Wahrnehmungen, mithin a priori im Gemüte gegeben sein könne, und wie sie als eine reine Anschauung, in der alle Gegenstände bestimmt werden müssen, Prinzipien der Verhältnisse derselben vor aller Erfahrung enthalten könne.
Wir können demnach nur aus dem Standpunkte eines Menschen, vom Raum, von ausgedehnten Wesen usw. reden. Gehen wir von der subjektiven Bedingung ab, unter welcher wir allein äußere Anschauung bekommen können, so wie wir nämlich von den Gegenständen affiziert werden mögen, so bedeutet die Vorstellung vom
B 43 Raume gar nichts. Dieses Prädikat wird den Dingen nur insofern beigelegt, als sie uns erscheinen, d.i. Gegenstände der Sinnlichkeit sind. Die beständige Form dieser Rezeptivität, welche wir Sinnlichkeit nennen, ist eine notwendige Bedingung aller Verhältnisse, darinnen Gegenstände als außer uns angeschaut werden, und, wenn man von diesen Gegenständen abstrahiert, eine reine Anschauung, welche den Namen Raum führt. Weil wir die besonderen Bedingungen der Sinnlichkeit nicht zu Bedingungen der Möglichkeit der Sachen, sondern nur ihrer Erscheinungen machen können, so können wir wohl sagen, daß der Raum alle Dinge befasse, die uns äußerlich erscheinen mögen, aber nicht alle Dinge an sich selbst, sie mögen nun angeschaut werden oder nicht, oder auch von welchem Subjekt man wolle. Denn wir können von den Anschauungen anderer denkenden Wesen gar nicht urteilen, ob sie an die nämlichen Bedingungen gebunden seien, welche unsere Anschauung einschränken und für uns allgemein gültig sind. Wenn wir die Einschränkung eines Urteils zum Begriff des Subjekts hinzufügen, so gilt das Urteil alsdann unbedingt. Der Satz: Alle Dinge sind nebeneinander im Raum, gilt unter der Einschränkung, wenn diese Dinge als Gegenstände unserer sinnlichen Anschauung genommen werden. Füge ich hier die Bedingung zum Begriffe, und sage: Alle Dinge, als äußere Erscheinungen, sind nebeneinander im Raum, so gilt diese Regel allgemein und ohne Einschränkung.
B 44 Unsere Erörterungen lehren demnach l die Realität (d.i. die objektive Gültigkeit) des Raumes in Ansehung alles dessen, was äußerlich als Gegenstand uns vorkommen kann, aber zugleich die Idealität des Raumes in Ansehung der Dinge, wenn sie durch die Vernunft an sich selbst erwogen werden, d.i. ohne Rücksicht auf die Beschaffenheit unserer Sinnlichkeit zu nehmen. Wir behaupten also die empirische Realität des Raumes (in Ansehung aller möglichen äußeren Erfahrung), ob zwar zugleich die transzendentale Idealität desselben, d.i. daß er nichts sei, sobald wir die Bedingung der Möglichkeit aller Erfahrung weglassen, und ihn als etwas, was den Dingen an sich selbst zum Grunde liegt, annehmen.
Es gibt aber auch außer dem Raum keine andere subjektive und auf etwas Äußeres bezogene Vorstellung, die a priori objektiv heißen könnte. Denn man kann von keiner derselben synthetische Sätze a priori, wie von der Anschauung im Raume, herleiten § 3. Daher ihnen, genau zu reden, gar keine Idealität zukommt, ob sie gleich darin mit der Vorstellung des Raumes übereinkommen, daß sie bloß zur subjektiven Beschaffenheit der Sinnesart gehören, z.B. des Gesichts, Gehörs, Gefühls, durch die Empfindungen der Farben, Töne und Wärme, die aber, weil sie bloß Empfindungen und nicht Anschauungen sind, an sich kein Objekt, am wenigsten a priori, erkennen lassen.
B 45 Die Absicht dieser Anmerkung geht nur dahin: zu verhüten, daß man die behauptete Idealität des Raumes nicht durch bei weitem unzulängliche Beispiele zu erläutern sich einfallen lasse, da nämlich etwa Farben, Geschmack usw. mit Recht nicht als Beschaffenheiten der Dinge, sondern bloß als Veränderungen unseres Subjekts, die sogar bei verschiedenen Menschen verschieden sein können, betrachtet werden. Denn in diesem Falle gilt das, was ursprünglich selbst nur Erscheinung ist, z.B. eine Rose, im empirischen Verstande für ein Ding an sich selbst, welches doch jedem Auge in Ansehung der Farbe anders erscheinen kann. Dagegen ist der transzendentale Begriff der Erscheinungen im Raume eine kritische Erinnerung, daß überhaupt nichts, was im Raume angeschaut wird, eine Sache an sich, noch daß der Raum eine Form der Dinge sei, die ihnen etwa an sich selbst eigen wäre, sondern daß uns die Gegenstände an sich gar nicht bekannt sind, und, was wir äußere Gegenstände nennen, nichts anderes als bloße Vorstellungen unserer Sinnlichkeit sind, deren Form der Raum ist, deren wahres Korrelatum aber, d.i. das Ding an sich selbst, dadurch gar nicht erkannt wird, noch erkannt werden kann, nach welchem aber auch in der Erfahrung niemals gefragt wird.
B 46 Der transzendentalen Ästhetik Zweiter Abschnitt Von der Zeit
§ 4 Metaphysische Erörterung des Begriffs der Zeit
Die Zeit ist 1. kein empirischer Begriff, der irgend von einer Erfahrung abgezogen worden. Denn das Zugleichsein oder Aufeinanderfolgen würde selbst nicht in die Wahrnehmung kommen, wenn die Vorstellung der Zeit nicht a priori zum Grunde läge. Nur unter deren Voraussetzung kann man sich vorstellen, daß einiges zu einer und derselben Zeit (zugleich) oder in verschiedenen Zeiten (nacheinander) sei.
2 Die Zeit ist eine notwendige Vorstellung, die allen Anschauungen zum Grunde liegt. Man kann in Ansehung der Erscheinungen überhaupt die Zeit selbst nicht aufheben, ob man zwar ganz wohl die Erscheinungen aus der Zeit wegnehmen kann. Die Zeit ist also a priori gegeben. In ihr allein ist alle Wirklichkeit der Erscheinungen möglich. Diese können insgesamt wegfallen, aber sie selbst (als die allgemeine Bedingung ihrer Möglichkeit,) kann nicht aufgehoben werden.
B 47 3. Auf diese Notwendigkeit a priori gründet sich auch die Möglichkeit apodiktischer Grundsätze von den Verhältnissen der Zeit, oder Axiomen von der Zeit überhaupt. Sie hat nur Eine Dimension: verschiedene Zeiten sind nicht zugleich, sondern nacheinander (so wie verschiedene Räume nicht nacheinander, sondern zugleich sind). Diese Grundsätze können aus der Erfahrung nicht gezogen werden, denn diese würde weder strenge Allgemeinheit, noch apodiktische Gewißheit geben. Wir würden nur sagen können: so lehrt es die gemeine Wahrnehmung; nicht aber: so muß es sich verhalten. Diese Grundsätze gelten als Regeln, unter denen überhaupt Erfahrungen möglich sind, und belehren uns vor derselben, und nicht durch dieselbe.
4 Die Zeit ist kein diskursiver, oder, wie man ihn nennt, allgemeiner Begriff, sondern eine reine Form der sinnlichen Anschauung. Verschiedene Zeiten sind nur Teile eben derselben Zeit. Die Vorstellung, die nur durch einen einzigen Gegenstand gegeben werden kann, ist aber Anschauung. Auch würde sich der Satz, daß verschiedene Zeiten nicht zugleich sein können, aus einem allgemeinen Begriff nicht herleiten lassen. Der Satz ist synthetisch, und kann aus Begriffen allein nicht entspringen. Er ist also in der Anschauung und Vorstellung der Zeit unmittelbar enthalten.
5 Die Unendlichkeit der Zeit bedeutet nichts weiter, als daß alle bestimmte Größe der Zeit nur durch
B 48 Einschränkungen einer einigen zum Grunde liegenden Zeit möglich sei. Daher muß die ursprüngliche Vorstellung Zeit als uneingeschränkt gegeben sein. Wovon aber die Teile selbst, und jede Größe eines Gegenstandes, nur durch Einschränkung bestimmt vorgestellt werden können, da muß die ganze Vorstellung nicht durch Begriffe gegeben sein, (denn die enthalten nur Teilvorstellungen,) sondern es muß ihnen unmittelbare Anschauung zum Grunde liegen.
§ 5 Transzendentale Erörterung des Begriffs der Zeit
Ich kann mich deshalb auf Nr. 3 berufen, wo ich, um kurz zu sein, das, was eigentlich transzendental ist, unter die Artikel der metaphysischen Erörterung gesetzt habe. Hier füge ich noch hinzu, daß der Begriff der Veränderung und, mit ihm, der Begriff der Bewegung (als Veränderung des Orts) nur durch und in der Zeitvorstellung möglich ist: daß, wenn diese Vorstellung nicht Anschauung (innere) a priori wäre, kein Begriff, welcher es auch sei, die Möglichkeit einer Veränderung, d.i. einer Verbindung kontradiktorisch entgegengesetzter Prädikate (z.B. das Sein an einem Orte und das Nichtsein eben desselben Dinges an demselben Orte) in einem und demselben Objekte begreiflich machen könnte. Nur in der Zeit können beide
B 49 kontradiktorisch-entgegengesetzte Bestimmungen in einem Dinge, nämlich nacheinander, anzutreffen sein. Also erklärt unser Zeitbegriff die Möglichkeit so vieler synthetischer Erkenntnis a priori, als die allgemeine Bewegungslehre, die nicht wenig fruchtbar ist, darlegt.
§ 6 Schlüsse aus diesen Begriffen
a) Die Zeit ist nicht etwas, was für sich selbst bestünde, oder den Dingen als objektive Bestimmung anhinge, mithin übrig bliebe, wenn man von allen subjektiven Bedingungen der Anschauung derselben abstrahiert; denn im ersten Fall würde sie etwas sein, was ohne wirklichen Gegenstand dennoch wirklich wäre. Was aber das zweite betrifft, so könnte sie als eine den Dingen selbst anhängende Bestimmung oder Ordnung nicht vor den Gegenständen als ihre Bedingung vorhergehen, und a priori durch synthetische Sätze erkannt und angeschaut werden. Diese letztere findet dagegen sehr wohl statt, wenn die Zeit nichts als die subjektive Bedingung ist, unter der alle Anschauungen in uns stattfinden können. Denn da kann diese Form der inneren Anschauung vor den Gegenständen, mithin a priori, vorgestellt werden.
b) Die Zeit ist nichts anderes, als die Form des inneren Sinnes, d.i. des Anschauens unserer selbst und unseres inneren Zustandes. Denn die Zeit kann keine Bestimmung äußerer Erscheinungen sein; sie gehört
B 50 weder zu einer Gestalt, oder Lage usw., dagegen bestimmt sie das Verhältnis der Vorstellungen in unserem inneren Zustande. Und, eben weil diese innere Anschauung keine Gestalt gibt, suchen wir auch diesen Mangel durch Analogien zu ersetzen, und stellen die Zeitfolge durch eine ins Unendliche fortgehende Linie vor, in welcher das Mannigfaltige eine Reihe ausmacht, die nur von einer Dimension ist, und schließen aus den Eigenschaften dieser Linie auf alle Eigenschaften der Zeit, außer dem einigen, daß die Teile der ersteren zugleich, die der letzteren aber jederzeit nacheinander sind. Hieraus erhellt auch, daß die Vorstellung der Zeit selbst Anschauung sei, weil alle ihre Verhältnisse sich an einer äußeren Anschauung ausdrücken lassen.
c) Die Zeit ist die formale Bedingung a priori aller Erscheinungen überhaupt. Der Raum, als die reine Form aller äußeren Anschauung ist als Bedingung a priori bloß auf äußere Erscheinungen eingeschränkt. Dagegen, weil alle Vorstellungen, sie mögen nun äußere Dinge zum Gegenstande haben, oder nicht, doch an sich selbst, als Bestimmungen des Gemüts, zum inneren Zustande gehören, dieser innere Zustand aber, unter der formalen Bedingung der inneren Anschauung, mithin der Zeit gehört, so ist die Zeit eine Bedingung a priori von aller Erscheinung überhaupt, und zwar die unmittelbare Bedingung der inneren (unserer Seelen) und eben dadurch mittelbar auch der äußeren Erscheinungen.
B 51 Wenn ich a priori sagen kann: alle äußeren Erscheinungen sind im Raume, und nach den Verhältnissen des Raumes a priori bestimmt, so kann ich aus dem Prinzip des inneren Sinnes ganz allgemein sagen: alle Erscheinungen überhaupt, d.i. alle Gegenstände der Sinne, sind in der Zeit, und stehen notwendigerweise in Verhältnissen der Zeit.
Wenn wir von unserer Art, uns selbst innerlich anzuschauen, und vermittelst dieser Anschauung auch alle äußeren Anschauungen in der Vorstellungskraft zu befassen, abstrahieren, und mithin die Gegenstände nehmen, so wie sie an sich selbst sein mögen, so ist die Zeit nichts. Sie ist nur von objektiver Gültigkeit in Ansehung der Erscheinungen, weil dieses schon Dinge sind, die wir als Gegenstände unserer Sinne annehmen; aber sie ist nicht mehr objektiv, wenn man von der Sinnlichkeit unserer Anschauung, mithin derjenigen Vorstellungsart, welche uns eigentümlich ist, abstrahiert, und von Dingen überhaupt redet. Die Zeit ist also lediglich eine subjektive Bedingung unserer (menschlichen) Anschauung, (welche jederzeit sinnlich ist, d.i. sofern wir von Gegenständen affiziert werden,) und an sich, außer dem Subjekte, nichts. Nichtsdestoweniger ist sie in Ansehung aller Erscheinungen, mithin auch aller Dinge, die uns in der Erfahrung vorkommen können, notwendigerweise objektiv. Wir können nicht sagen: alle Dinge sind in der Zeit, weil bei dem Begriff der Dinge
B 52 überhaupt von aller Art der Anschauung derselben abstrahiert wird, diese aber die eigentliche Bedingung ist, unter der die Zeit in die Vorstellung der Gegenstände gehört. Wird nun die Bedingung zum Begriffe hinzugefügt, und es heißt: alle Dinge, als Erscheinungen (Gegenstände der sinnlichen Anschauung), sind in der Zeit, so hat der Grundsatz seine gute objektive Richtigkeit und Allgemeinheit a priori.
Unsere Behauptungen lehren demnach empirische Realität der Zeit, d.i. objektive Gültigkeit in Ansehung aller Gegenstände, die jemals unseren Sinnen gegeben werden mögen. Und da unsere Anschauung jederzeit sinnlich ist, so kann uns in der Erfahrung niemals ein Gegenstand gegeben werden, der nicht unter die Bedingung der Zeit gehörte. Dagegen bestreiten wir der Zeit allen Anspruch auf absolute Realität, da sie nämlich, auch ohne auf die Form unserer sinnlichen Anschauung Rücksicht zu nehmen, schlechthin den Dingen als Bedingung oder Eigenschaft anhinge. Solche Eigenschaften, die den Dingen an sich zukommen, können uns durch die Sinne auch niemals gegeben werden. Hierin besteht also die transzendentale Idealität der Zeit, nach welcher sie, wenn man von den subjektiven Bedingungen der sinnlichen Anschauung abstrahiert, gar nichts ist, und den Gegenständen an sich selbst (ohne ihr Verhältnis auf unsere Anschauung,) weder subsistierend noch inhärierend beigezählt werden kann. Doch ist diese Idealität,
B 53 ebensowenig wie die des Raumes, mit den Subreptionen der Empfindung in Vergleichung zu stellen, weil man doch dabei von der Erscheinung selbst, der diese Prädikate inhärieren, voraussetzt, daß sie objektive Realität habe, die hier gänzlich wegfällt, außer, sofern sie bloß empirisch ist, d.i. den Gegenstand selbst bloß als Erscheinung ansieht: wovon die obige Anmerkung des ersteren Abschnitts nachzusehen ist.
§ 7 Erläuterung
Wider diese Theorie, welche der Zeit empirische Realität zugesteht, aber die absolute und transzendentale bestreitet, habe ich von einsehenden Männern einen Einwurf so einstimmig vernommen, daß ich daraus abnehme, er müsse sich natürlicherweise bei jedem Leser, dem diese Betrachtungen ungewohnt sind, vorfinden. Er lautet also: Veränderungen sind wirklich (dies beweist der Wechsel unserer eigenen Vorstellungen, wenn man gleich alle äußeren Erscheinungen, samt deren Veränderungen, leugnen wollte). Nun sind Veränderungen nur in der Zeit möglich, folglich ist die Zeit etwas Wirkliches. Die Beantwortung hat keine Schwierigkeit. Ich gebe das ganze Argument zu. Die Zeit ist allerdings etwas Wirkliches, nämlich die wirkliche Form der inneren Anschauung. Sie hat also subjektive Realität in Ansehung der inneren Erfahrung, d.i. ich habe wirklich die
B 54 Vorstellung von der Zeit und meinen Bestimmungen in ihr. Sie ist also wirklich nicht als Objekt, sondern als die Vorstellungsart meiner selbst als Objekts anzusehen. Wenn aber ich selbst, oder ein ander Wesen mich, ohne diese Bedingung der Sinnlichkeit, anschauen könnte, so würden eben dieselben Bestimmungen, die wir uns jetzt als Veränderungen vorstellen, eine Erkenntnis geben, in welcher die Vorstellung der Zeit, mithin auch der Veränderung, gar nicht vorkäme. Es bleibt also ihre empirische Realität als Bedingung aller unserer Erfahrungen. Nur die absolute Realität kann ihr nach dem oben Angeführten nicht zugestanden werden. Sie ist nichts, als die Form unserer inneren Anschauung*. Wenn man von ihr die besondere Bedingung unserer Sinnlichkeit wegnimmt, so verschwindet auch der Begriff der Zeit, und sie hängt nicht an den Gegenständen selbst, sondern bloß am Subjekte, welches sie anschaut.
* Ich kann zwar sagen: meine Vorstellungen folgen einander; aber das heißt nur, wir sind uns ihrer, als in einer Zeitfolge, d.i. nach der Form des inneren Sinnes, bewußt. Die Zeit ist darum nicht etwas an sich selbst, auch keine den Dingen objektiv anhängende Bestimmung.
Die Ursache aber, weswegen dieser Einwurf so einstimmig gemacht wird, und zwar von denen, die gleichwohl gegen die Lehre von der Idealität des Raumes nichts
B 55 Einleuchtendes einzuwenden wissen, ist diese. Die absolute Realität des Raumes hofften sie nicht apodiktisch dartun zu können, weil ihnen der Idealismus entgegensteht, nach welchem die Wirklichkeit äußerer Gegenstände keines strengen Beweises fähig ist: dagegen die des Gegenstandes unserer inneren Sinne (meiner selbst und meines Zustandes) unmittelbar durchs Bewußtsein klar ist. Jene konnten ein bloßer Schein sein, dieser aber ist, ihrer Meinung nach, unleugbar etwas Wirkliches. Sie bedachten aber nicht, daß beide, ohne daß man ihre Wirklichkeit als Vorstellungen bestreiten darf, gleichwohl nur zur Erscheinung gehören, welche jederzeit zwei Seiten hat, die eine, da das Objekt an sich selbst betrachtet wird, (unangesehen der Art, dasselbe anzuschauen, dessen Beschaffenheit aber eben darum jederzeit problematisch bleibt,) die andere, da auf die Form der Anschauung dieses Gegenstandes gesehen wird, welche nicht in dem Gegenstande an sich selbst, sondern im Subjekte, dem derselbe erscheint, gesucht werden muß, gleichwohl aber der Erscheinung dieses Gegenstandes wirklich und notwendig zukommt.
Zeit und Raum sind demnach zwei Erkenntnisquellen, aus denen a priori verschiedene synthetische Erkenntnisse geschöpft werden können, wie vornehmlich die reine Mathematik in Ansehung der Erkenntnisse vom Raume und dessen Verhältnissen ein glänzendes Beispiel
B 56 gibt. Sie sind nämlich beide zusammengenommen reine Formen aller sinnlichen Anschauung, und machen dadurch synthetische Sätze a priori möglich. Aber diese Erkenntnisquellen a priori bestimmen sich eben dadurch (daß sie bloß Bedingungen der Sinnlichkeit sind) ihre Grenzen, nämlich, daß sie bloß auf Gegenstände gehen, sofern sie als Erscheinungen betrachtet werden, nicht aber Dinge an sich selbst darstellen. Jene allein sind das Feld ihrer Gültigkeit, woraus, wenn man hinausgeht, weiter kein objektiver Gebrauch derselben stattfindet. Diese Realität des Raumes und der Zeit läßt übrigens die Sicherheit der Erfahrungserkenntnis unangetastet: denn wir sind derselben ebenso gewiß, ob diese Formen den Dingen an sich selbst, oder nur unserer Anschauung dieser Dinge notwendigerweise anhängen. Dagegen die, so die absolute Realität des Raumes und der Zeit behaupten, sie mögen sie nun als subsistierend, oder nur inhärierend annehmen, mit den Prinzipien der Erfahrung selbst uneinig sein müssen. Denn, entschließen sie sich zum ersteren, (welches gemeiniglich die Partei der mathematischen Naturforscher ist,) so müssen sie zwei ewige und unendliche für sich bestehende Undinge (Raum und Zeit) annehmen, welche da sind (ohne daß doch etwas Wirkliches ist), nur um alles Wirkliche in sich zu befassen. Nehmen sie die zweite Partei (von der einige metaphysische Naturlehrer sind), und Raum und Zeit gelten ihnen als von der Erfahrung abstrahierte, obzwar
B 57 in der Absonderung verworren vorgestellte, Verhältnisse der Erscheinungen (neben- oder nacheinander), so müssen sie den mathematischen Lehren a priori in Ansehung wirklicher Dinge (z.E. im Raume) ihre Gültigkeit, wenigstens die apodiktische Gewißheit bestreiten, indem diese a posteriori gar nicht stattfindet, und die Begriffe a priori von Raum und Zeit, dieser Meinung nach, nur Geschöpfe der Einbildungskraft sind, deren Quell wirklich in der Erfahrung gesucht werden muß, aus deren abstrahierten Verhältnissen die Einbildung etwas gemacht hat, was zwar das Allgemeine derselben enthält, aber ohne die Restriktionen, welche die Natur mit denselben verknüpft hat, nicht stattfinden kann. Die ersteren gewinnen so viel, daß sie für die mathematischen Behauptungen sich das Feld der Erscheinungen freimachen. Dagegen verwirren sie sich sehr durch eben diese Bedingungen, wenn der Verstand über dieses Feld hinausgehen will. Die zweiten gewinnen zwar in Ansehung des letzteren, nämlich, daß die Vorstellungen von Raum und Zeit ihnen nicht in den Weg kommen, wenn sie von Gegenständen nicht als Erscheinungen, sondern bloß im Verhältnis auf den Verstand urteilen wollen; können aber weder von der Möglichkeit mathematischer Erkenntnisse a priori (indem ihnen eine wahre und objektiv gültige Anschauung a priori fehlt) Grund angeben, noch die Erfahrungssätze mit jenen Behauptungen in notwendige Einstimmung bringen. In unserer
B 58 Theorie, von der wahren Beschaffenheit dieser zwei ursprünglichen Formen der Sinnlichkeit, ist beiden Schwierigkeiten abgeholfen.
Daß schließlich die transzendentale Ästhetik nicht mehr, als diese zwei Elemente, nämlich Raum und Zeit, enthalten könne, ist daraus klar, weil alle anderen zur Sinnlichkeit gehörigen Begriffe, selbst der der Bewegung, welcher beide Stücke vereinigt, etwas Empirisches voraussetzen. Denn diese setzt die Wahrnehmung von etwas Beweglichem voraus. Im Raum, an sich selbst betrachtet, ist aber nichts Bewegliches: daher das Bewegliche etwas sein muß, was im Raume nur durch Erfahrung gefunden wird, mithin ein empirisches Datum. Ebenso kann die transzendentale Ästhetik nicht den Begriff der Veränderung unter ihre Data a priori zählen: denn die Zeit selbst verändert sich nicht, sondern etwas, das in der Zeit ist. Also wird dazu die Wahrnehmung von irgendeinem Dasein, und der Sukzession seiner Bestimmungen, mithin Erfahrung erfordert.
B 59 § 8 Allgemeine Anmerkungen zur transzendentalen Ästhetik
I. Zuerst wird es nötig sein, uns so deutlich, als möglich, zu erklären, was in Ansehung der Grundbeschaffenheit der sinnlichen Erkenntnis überhaupt unsere Meinung sei, um aller Mißdeutung derselben vorzubeugen.
Wir haben also sagen wollen: daß alle unsere Anschauung nichts als die Vorstellung von Erscheinung sei: daß die Dinge, die wir anschauen, nicht das an sich selbst sind, wofür wir sie anschauen, noch ihre Verhältnisse so an sich selbst beschaffen sind, als sie uns erscheinen, und daß, wenn wir unser Subjekt oder auch nur die subjektive Beschaffenheit der Sinne überhaupt aufheben, alle die Beschaffenheit, alle Verhältnisse der Objekte im Raum und Zeit, ja selbst Raum und Zeit verschwinden würden, und als Erscheinungen nicht an sich selbst, sondern nur in uns existieren können. Was es für eine Bewandtnis mit den Gegenständen an sich und abgesondert von aller dieser Rezeptivität unserer Sinnlichkeit haben möge, bleibt uns gänzlich unbekannt. Wir kennen nichts, als unsere Art, sie wahrzunehmen, die uns eigentümlich ist, die auch nicht notwendig jedem Wesen, obzwar jedem Menschen, zukommen muß. Mit dieser haben wir es lediglich zu tun. Raum und Zeit sind die
B 60 reinen Formen derselben, Empfindung überhaupt die Materie. Jene können wir allein a priori, d.i. vor aller wirklichen Wahrnehmung erkennen, und sie heißt darum reine Anschauung; diese aber ist das in unserem Erkenntnis, was da macht, daß sie Erkenntnis a posteriori, d.i. empirische Anschauung heißt. Jene hängen unserer Sinnlichkeit schlechthin notwendig an, welcher Art auch unsere Empfindungen sein mögen; diese können sehr verschieden sein. Wenn wir diese unsere Anschauung auch zum höchsten Grade der Deutlichkeit bringen könnten, so würden wir dadurch der Beschaffenheit der Gegenstände an sich selbst nicht näher kommen. Denn wir würden auf allen Fall doch nur unsere Art der Anschauung, d.i. unsere Sinnlichkeit vollständig erkennen, und diese immer nur unter den, dem Subjekt ursprünglich anhängenden Bedingungen, von Raum und Zeit; was die Gegenstände an sich selbst sein mögen, würde uns durch die aufgeklärteste Erkenntnis der Erscheinung derselben, die uns allein gegeben ist, doch niemals bekannt werden.
Daß daher unsere ganze Sinnlichkeit nichts als die verworrene Vorstellung der Dinge sei, welche lediglich das enthält, was ihnen an sich selbst zukommt, aber nur unter einer Zusammenhäufung von Merkmalen und Teilvorstellungen, die wir nicht mit Bewußtsein auseinander setzen, ist eine Verfälschung des Begriffs von Sinnlichkeit und von Erscheinung, welche die ganze Lehre derselben unnütz und leer macht. Der Unterschied einer
B 61 undeutlichen von der deutlichen Vorstellung ist bloß logisch, und betrifft nicht den Inhalt. Ohne Zweifel enthält der Begriff von Recht, dessen sich der gesunde Verstand bedient, ebendasselbe, was die subtilste Spekulation aus ihm entwickeln kann, nur daß im gemeinen und praktischen Gebrauche man sich dieser mannigfaltigen Vorstellungen in diesen Gedanken nicht bewußt ist. Darum kann man nicht sagen, daß der gemeine Begriff sinnlich sei, und eine bloße Erscheinung enthalte, denn das Recht kann gar nicht erscheinen, sondern sein Begriff liegt im Verstande, und stellt eine Beschaffenheit (die moralische) der Handlungen vor, die ihnen an sich selbst zukommt. Dagegen enthält die Vorstellung eines Körpers in der Anschauung gar nichts, was einem Gegenstande an sich selbst zukommen könnte, sondern bloß die Erscheinung von etwas, und die Art, wie wir dadurch affiziert werden, und diese Rezeptivität unserer Erkenntnisfähigkeit heißt Sinnlichkeit, und bleibt von der Erkenntnis des Gegenstandes an sich selbst, ob man jene (die Erscheinung) gleich bis auf den Grund durchschauen möchte, dennoch himmelweit unterschieden.
Die Leibniz-Wolfische Philosophie hat daher allen Untersuchungen über die Natur und den Ursprung unserer Erkenntnisse einen ganz unrechten Gesichtspunkt angewiesen, indem sie den Unterschied der Sinnlichkeit vom Intellektuellen bloß als logisch betrachtete, da er offenbar transzendental ist, und nicht bloß die Form der
B 62 Deutlichkeit oder Undeutlichkeit, sondern den Ursprung und den Inhalt derselben betrifft, so daß wir durch die erstere die Beschaffenheit der Dinge an sich selbst nicht bloß undeutlich, sondern gar nicht erkennen, und, sobald wir unsere subjektive Beschaffenheit wegnehmen, das vorgestellte Objekt mit den Eigenschaften, die ihm die sinnliche Anschauung beilegte, überall nirgend anzutreffen ist, noch angetroffen werden kann, indem eben diese subjektive Beschaffenheit die Form desselben, als Erscheinung, bestimmt.
Wir unterscheiden sonst wohl unter Erscheinungen das, was der Anschauung derselben wesentlich anhängt, und für jeden menschlichen Sinn überhaupt gilt, von demjenigen, was derselben nur zufälligerweise zukommt, indem es nicht auf die Beziehung der Sinnlichkeit überhaupt, sondern nur auf eine besondere Stellung oder Organisation dieses oder jenes Sinnes gültig ist. Und da nennt man die erstere Erkenntnis eine solche, die den Gegenstand an sich selbst vorstellt, die zweite aber nur die Erscheinung desselben. Dieser Unterschied ist aber nur empirisch. Bleibt man dabei stehen, (wie es gemeiniglich geschieht,) und sieht jene empirische Anschauung nicht wiederum (wie es geschehen sollte) als bloße Erscheinung an, so daß darin gar nichts, was irgendeine Sache an sich selbst anginge, anzutreffen ist, so ist unser transzendentaler Unterschied verloren, und wir glauben alsdann doch, Dinge an sich zu erkennen, ob wir es gleich überall (in der Sinnenwelt) selbst bis zu der tiefsten
B 63 Erforschung ihrer Gegenstände mit nichts, als Erscheinungen, zu tun haben, So werden wir zwar den Regenbogen eine bloße Erscheinung bei einem Sonnregen nennen, diesen Regen aber die Sache an sich selbst, welches auch richtig ist, sofern wir den letzteren Begriff nur physisch verstehen, als das, was in der allgemeinen Erfahrung, unter allen verschiedenen Lagen zu den Sinnen, doch in der Anschauung so und nicht anders bestimmt ist. Nehmen wir aber dieses Empirische überhaupt, und fragen, ohne uns an die Einstimmung desselben mit jedem Menschensinne zu kehren, ob auch dieses einen Gegenstand an sich selbst (nicht die Regentropfen, denn die sind dann schon, als Erscheinungen, empirische Objekte,) vorstelle, so ist die Frage von der Beziehung der Vorstellung auf den Gegenstand transzendental, und nicht allein diese Tropfen sind bloße Erscheinungen, sondern selbst ihre runde Gestalt, ja sogar der Raum, in welchen sie fallen, sind nichts an sich selbst, sondern bloße Modifikationen, oder Grundlagen unserer sinnlichen Anschauung, das transzendentale Objekt aber bleibt uns unbekannt.
Die zweite wichtige Angelegenheit unserer transzendentalen Ästhetik ist, daß sie nicht bloß als scheinbare Hypothese einige Gunst erwerbe, sondern so gewiß und ungezweifelt sei, als jemals von einer Theorie gefordert werden kann, die zum Organon dienen soll. Um diese Gewißheit völlig einleuchtend zu machen, wollen wir irgendeinen Fall wählen, woran dessen Gültigkeit
B 64 augenscheinlich werden und zu mehrer Klarheit dessen, was § 3 angeführt worden, dienen kann.
Setzet demnach, Raum und Zeit seien an sich selbst objektiv und Bedingungen der Möglichkeit der Dinge an sich selbst, so zeigt sich erstlich: daß von beiden a priori apodiktische und synthetische Sätze in großer Zahl vornehmlich vom Raum vorkommen, welchen wir darum vorzüglich hier zum Beispiel untersuchen wollen. Da die Sätze der Geometrie synthetisch a priori und mit apodiktischer Gewißheit erkannt werden, so frage ich: woher nehmt ihr dergleichen Sätze, und worauf stützt sich unser Verstand, um zu dergleichen schlechthin notwendigen und allgemeingültigen Wahrheiten zu gelangen? Es ist kein anderer Weg, als durch Begriffe oder durch Anschauungen; beide aber, als solche, die entweder a priori oder a posteriori gegeben sind. Die letzteren, nämlich empirische Begriffe, imgleichen das, worauf sie sich gründen, die empirische Anschauung, können keinen synthetischen Satz geben, als nur einen solchen, der auch bloß empirisch, d.i. ein Erfahrungssatz ist, mithin niemals Notwendigkeit und absolute Allgemeinheit enthalten kann, dergleichen doch das Charakteristische aller Sätze der Geometrie ist. Was aber das erstere und einzige Mittel sein würde, nämlich durch bloße Begriffe oder durch Anschauungen a priori zu dergleichen Erkenntnissen zu gelangen, so ist klar, daß aus bloßen Begriffen gar keine synthetische Erkenntnis, sondern lediglich analytische erlangt werden
B 65 kann. Nehmet nur den Satz: daß durch zwei gerade Linien sich gar kein Raum einschließen lasse, mithin keine Figur möglich sei, und versucht ihn aus dem Begriff von geraden Linien und der Zahl zwei abzuleiten; oder auch, daß aus drei geraden Linien eine Figur möglich sei, und versucht es ebenso bloß aus diesen Begriffen. Alle eure Bemühung ist vergeblich, und ihr seht euch genötigt, zur Anschauung eure Zuflucht zu nehmen, wie es die Geometrie auch jederzeit tut. Ihr gebt euch also einen Gegenstand in der Anschauung; von welcher Art aber ist diese, ist es eine reine Anschauung a priori oder eine empirische? Wäre das letzte, so könnte niemals ein allgemeingültiger, noch weniger ein apodiktischer Satz daraus werden: denn Erfahrung kann dergleichen niemals liefern. Ihr müßt also euren Gegenstand a priori in der Anschauung geben, und auf diesen euren synthetischen Satz gründen. Läge nun in euch nicht ein Vermögen, a priori anzuschauen; wäre diese subjektive Bedingung der Form nach nicht zugleich die allgemeine Bedingung a priori, unter der allein das Objekt dieser (äußeren) Anschauung selbst möglich ist; wäre der Gegenstand (der Triangel) etwas an sich selbst ohne Beziehung auf euer Subjekt: wie könntet ihr sagen, daß, was in euren subjektiven Bedingungen einen Triangel zu konstruieren notwendig liegt, auch dem Triangel an sich selbst notwendig zukommen müsse? denn ihr könntet doch zu euren Begriffen (von drei Linien) nichts neues (die Figur) hinzufügen, welches
B 66 darum notwendig an dem Gegenstande angetroffen werden müßte, da dieser vor eurer Erkenntnis und nicht durch dieselbe gegeben ist. Wäre also nicht der Raum (und so auch die Zeit) eine bloße Form eurer Anschauung, welche Bedingungen a priori enthält, unter denen allein Dinge für euch äußere Gegenstände sein können, die ohne diese subjektiven Bedingungen an sich nichts sind, so könntet ihr a priori ganz und gar nichts über äußere Objekte synthetisch ausmachen. Es ist also ungezweifelt gewiß, und nicht bloß möglich, oder auch wahrscheinlich, daß Raum und Zeit, als die notwendigen Bedingungen aller (äußeren und inneren) Erfahrung, bloß subjektive Bedingungen aller unserer Anschauung sind, im Verhältnis auf welche daher alle Gegenstände bloße Erscheinungen und nicht für sich in dieser Art gegebene Dinge sind, von denen sich auch um deswillen, was die Form derselben betrifft, vieles a priori sagen läßt, niemals aber das Mindeste von dem Dinge an sich selbst, das diesen Erscheinungen zum Grunde liegen mag.
II. Zur Bestätigung dieser Theorie von der Idealität des äußeren sowohl als inneren Sinnes, mithin aller Objekte der Sinne, als bloßer Erscheinungen, kann vorzüglich die Bemerkung dienen: daß alles, was in unserem Erkenntnis zur Anschauung gehört, (also Gefühl der Lust und Unlust, und den Willen, die gar nicht Erkenntnisse, sind, ausgenommen,) nichts als bloße Verhältnisse enthalte, der Örter in einer Anschauung (Ausdehnung),
B 67 Veränderung der Örter (Bewegung), und Gesetze, nach denen diese Veränderung bestimmt wird (bewegende Kräfte). Was aber in dem Orte gegenwärtig sei, oder was es außer der Ortsveränderung in den Dingen selbst wirke, wird dadurch nicht gegeben. Nun wird durch bloße Verhältnisse doch nicht eine Sache an sich erkannt: also ist wohl zu urteilen, daß, da uns durch den äußeren Sinn nichts als bloße Verhältnisvorstellungen gegeben werden, dieser auch nur das Verhältnis eines Gegenstandes auf das Subjekt in seiner Vorstellung enthalten könne, und nicht das Innere, was dem Objekte an sich zukommt. Mit der inneren Anschauung ist es eben so bewandt. Nicht allein, daß darin die Vorstellungen äußerer Sinne den eigentlichen Stoff ausmachen, womit wir unser Gemüt besetzen, sondern die Zeit, in die wir diese Vorstellungen setzen, die selbst dem Bewußtsein derselben in der Erfahrung vorhergeht, und als formale Bedingung der Art, wie wir sie im Gemüte setzen, zum Grunde liegt, enthält schon Verhältnisse des Nacheinander-, des Zugleichseins und dessen, was mit dem Nacheinandersein zugleich ist (des Beharrlichen). Nun ist das, was, als Vorstellung, vor aller Handlung irgend etwas zu denken, vorhergehen kann, die Anschauung, und, wenn sie nichts als Verhältnisse enthält, die Form der Anschauung, welche, da sie nichts vorstellt, außer so fern etwas im Gemüte gesetzt wird, nichts anderes sein kann, als die Art, wie das Gemüt durch eigene Tätigkeit, nämlich dieses
B 68 Setzen ihrer Vorstellung, mithin durch sich selbst affiziert wird, d.i. ein innerer Sinn seiner Form nach. Alles, was durch einen Sinn vorgestellt wird, ist so fern jederzeit Erscheinung, und ein innerer Sinn würde also entweder gar nicht eingeräumt werden müssen, oder das Subjekt, welches der Gegenstand desselben ist, würde durch denselben nur als Erscheinung vorgestellt werden können, nicht wie es von sich selbst urteilen würde, wenn seine Anschauung bloße Selbsttätigkeit, d.i. intellektuell, wäre. Hierbei beruht alle Schwierigkeit nur darauf, wie ein Subjekt sich selbst innerlich anschauen könne, allein diese Schwierigkeit ist jeder Theorie gemein. Das Bewußtsein seiner selbst (Apperzeption) ist die einfache Vorstellung des Ich, und, wenn dadurch allein alles Mannigfaltige im Subjekt selbsttätig gegeben wäre, so würde die innere Anschauung intellektuell sein. Im Menschen erfordert dieses Bewußtsein innere Wahrnehmung von dem Mannigfaltigen, was im Subjekte vorher gegeben wird, und die Art, wie dieses ohne Spontaneität im Gemüte gegeben wird, muß, um dieses Unterschiedes willen, Sinnlichkeit heißen. Wenn das Vermögen sich bewußt zu werden, das, was im Gemüte liegt, aufsuchen (apprehendieren) soll, so muß es dasselbe affizieren, und kann allein auf solche Art eine Anschauung seiner selbst hervorbringen, deren Form aber, die vorher im Gemüte zugrunde liegt, die Art, wie das Mannigfaltige im Gemüte beisammen ist, in der Vorstellung
B 69 der Zeit bestimmt, da es denn sich selbst anschaut, nicht wie es sich unmittelbar selbsttätig vorstellen würde, sondern nach der Art, wie es von innen affiziert wird, folglich wie es sich erscheint, nicht wie es ist.
III. Wenn ich sage: im Raum und der Zeit stellt die Anschauung, sowohl der äußeren Objekte, als auch die Selbstanschauung des Gemüts, beides vor, so wie es unsere Sinne affiziert, d.i. wie es erscheint; so will das nicht sagen, daß diese Gegenstände ein bloßer Schein wären. Denn in der Erscheinung werden jederzeit die Objekte, ja selbst die Beschaffenheiten, die wir ihnen beilegen, als etwas wirklich Gegebenes angesehen, nur daß, sofern diese Beschaffenheit nur von der Anschauungsart des Subjekts in der Relation des gegebenen Gegenstandes zu ihm abhängt, dieser Gegenstand als Erscheinung von ihm selber als Objekt an sich unterschieden wird. So sage ich nicht, die Körper scheinen bloß außer mir zu sein, oder meine Seele scheint nur in meinem Selbstbewußtsein gegeben zu sein, wenn ich behaupte, daß die Qualität des Raumes und der Zeit, welcher, als Bedingung ihres Daseins, gemäß ich beide setze, in meiner Anschauungsart und nicht in diesen Objekten an sich liege. Es wäre meine eigene Schuld, wenn ich aus dem, was ich zur Erscheinung zählen sollte, bloßen Schein machte*.
B 70 Dieses geschieht aber nicht nach unserem Prinzip der Idealität aller unserer sinnlichen Anschauungen; vielmehr, wenn man jenen Vorstellungsformen objektive Realität beilegt, so kann man nicht vermeiden, daß nicht alles dadurch in bloßen Schein verwandelt werde. Denn, wenn man den Raum und die Zeit als Beschaffenheiten ansieht, die ihrer Möglichkeit nach in Sachen an sich angetroffen werden müßten, und überdenkt die Ungereimtheiten, in die man sich alsdann verwickelt, indem zwei unendliche Dinge, die nicht Substanzen, auch nicht etwas wirklich den Substanzen Inhärierendes, dennoch aber
B 71 Existierendes, ja die notwendige Bedingung der Existenz aller Dinge sein müssen, auch übrig bleiben, wenn gleich alle existierenden Dinge aufgehoben werden; so kann man es dem guten Berkeley wohl nicht verdenken, wenn er die Körper zu bloßem Schein herabsetzte, ja es müßte sogar unsere eigene Existenz, die, auf solche Art von der für sich bestehenden Realität eines Undinges, wie die Zeit, abhängig gemacht wäre, mit dieser in lauter Schein verwandelt werden, eine Ungereimtheit, die sich bisher noch niemand hat zuschulden kommen lassen.
* Die Prädikate der Erscheinung können dem Objekte selbst beigelegt werden, in Verhältnis auf unseren Sinn, z.B. der Rose die rote Farbe, oder der Geruch; aber der Schein kann niemals als Prädikat dem Gegenstande beigelegt werden, eben darum, weil er, was diesem nur in Verhältnis auf die Sinne, oder überhaupt aufs Subjekt zukommt, dem Objekt für sich beilegt, z.B. die zwei Henkel, die man anfänglich dem Saturn beilegte. Was gar nicht am Objekte an sich selbst, jederzeit aber im Verhältnisse desselben zum Subjekt anzutreffen und von der Vorstellung des ersteren unzertrennlich ist, ist Erscheinung, und so werden die Prädikate des Raumes und der Zeit mit Recht den Gegenständen der Sinne, als solchen, beigelegt, und hierin ist kein Schein. Dagegen, wenn ich der Rose an sich die Röte, dem Saturn die Henkel, oder allen äußeren Gegenständen die Ausdehnung an sich beilege, ohne auf ein bestimmtes Verhältnis dieser Gegenstände zum Subjekt zu sehen und mein Urteil darauf einzuschränken; alsdann allererst entspringt der Schein.
IV. In der natürlichen Theologie, da man sich einen Gegenstand denkt, der nicht allein für uns gar kein Gegenstand der Anschauung, sondern der ihm selbst durchaus kein Gegenstand der sinnlichen Anschauung sein kann, ist man sorgfältig darauf bedacht, von aller seiner Anschauung (denn dergleichen muß alles sein Erkenntnis sein, und nicht Denken, welches jederzeit Schranken beweist) die Bedingungen der Zeit und des Raumes wegzuschaffen. Aber mit welchem Rechte kann man dieses tun, wenn man beide vorher zu Formen der Dinge an sich selbst gemacht hat, und zwar solchen, die, als Bedingungen der Existenz der Dinge a priori, übrig bleiben, wenn man gleich die Dinge selbst aufgehoben hätte: denn, als Bedingungen alles Daseins überhaupt, müßten sie es auch vom Dasein Gottes sein. Es bleibt nichts übrig, wenn man sie nicht zu objektiven Formen
B 72 aller Dinge machen will, als daß man sie zu subjektiven Formen unserer äußeren sowohl als inneren Anschauungsart macht, die darum sinnlich heißt, weil sie nicht ursprünglich, d.i. eine solche ist, durch die selbst das Dasein des Objekts der Anschauung gegeben wird (und die, soviel wir einsahen, nur dem Urwesen zukommen kann), sondern von dem Dasein des Objekts abhängig, mithin nur dadurch, daß die Vorstellungsfähigkeit des Subjekts durch dasselbe affiziert wird, möglich ist.
Es ist auch nicht nötig, daß wir die Anschauungsart in Raum und Zeit auf die Sinnlichkeit des Menschen einschränken, es mag sein, daß alles endliche denkende Wesen hierin mit dem Menschen notwendig übereinkommen müsse, (wiewohl wir dieses nicht entscheiden können,) so hört sie um dieser Allgemeingültigkeit willen doch nicht auf Sinnlichkeit zu sein, eben darum, weil sie abgeleitet (intuitus derivativus), nicht ursprünglich (intuitus originarius), mithin nicht intellektuelle Anschauung ist, als welche aus dem eben angeführten Grunde allein dem Urwesen, niemals aber einem, seinem Dasein sowohl als seiner Anschauung nach (die sein Dasein in Beziehung auf gegebene Objekte bestimmt), abhängigen Wesen zuzukommen scheint; wiewohl die letztere Bemerkung zu unserer ästhetischen Theorie nur als Erläuterung, nicht als Beweisgrund gezählt werden muß.
B 73 Beschluß der transzendentalen Ästhetik
Hier haben wir nun eines von den erforderlichen Stücken zur Auflösung der allgemeinen Aufgabe der Transzendentalphilosophie: wie sind synthetische Sätze a priori möglich? nämlich reine Anschauungen a priori, Raum und Zeit, in welchen wir, wenn wir im Urteile a priori über den gegebenen Begriff hinausgehen wollen, dasjenige antreffen, was nicht im Begriffe, wohl aber in der Anschauung, die ihm entspricht, a priori entdeckt werden und mit jenem synthetisch verbunden werden kann, welche Urteile aber aus diesem Grunde nie weiter, als auf Gegenstände der Sinne reichen, und nur für Objekte möglicher Erfahrung gelten können.
B 31 Critique of Pure Reason
I. Transcendental Doctrine of Elements
B 33 Of the Transcendental Doctrine of Elements First Part The Transcendental Aesthetic
§ 1
Whatever way a cognition relates to objects, and whatever means it uses, intuition is the way it connects to them directly. All thinking works toward intuition as its means. But intuition happens only when the object is given to us. And that, for us humans at least, can happen only if the object affects the mind in some way. We call the capacity (receptivity) to get representations through the way objects affect us sensibility. Objects are therefore given to us through sensibility, and only sensibility gives us intuitions. The understanding, by contrast, thinks objects, and concepts come from it. Still, all thinking has to refer back to intuitions in the end, whether straight on (directly) or by a roundabout way (indirectly), and it does so by means of certain marks. For us that means going back to sensibility, since an object can be given to us by no other route.
B 34 The effect an object has on our capacity for representation, when it affects us, is sensation. Intuition that refers to its object through sensation is called empirical. What we call an appearance is the undetermined object of an empirical intuition.
In an appearance, I call the part that corresponds to sensation its matter. I call the part that makes it possible for the manifold of the appearance to be ordered in certain relations the form of the appearance. The thing in which sensations alone can be ordered and put into a certain form cannot itself be sensation again. So the matter of every appearance is given to us only a posteriori. Its form, however, must lie ready for all appearances together in the mind a priori, and so it can be considered apart from all sensation.
I call a representation pure (in the transcendental sense) when it has nothing in it that belongs to sensation. It follows that a priori, in the mind, we meet the pure form of sensible intuition in general. In that form the whole manifold of appearances gets intuited in certain relations. This pure form of sensibility we will also call pure intuition.
B 35 Suppose I take the representation of a body and separate out what the understanding thinks in it, such as substance, force and divisibility. Suppose I also separate out what belongs to sensation, such as impenetrability, hardness and color. Something is still left over from this empirical intuition, namely extension and shape. These belong to pure intuition, which exists in the mind a priori as a bare form of sensibility, whether or not any real object of sense or sensation is there.
What I call transcendental aesthetic* is the science of all the a priori principles of sensibility. There has to be such a science.
B 36 It is Part One of the transcendental doctrine of elements. Its counterpart is the science that holds the principles of pure thinking, which is named transcendental logic.
* Only the Germans use the word “aesthetic” these days for what other peoples call the critique of taste. The word rests on a hope that failed. The excellent analyst Baumgarten hoped to bring the critical assessment of the beautiful under rational principles and to lift its rules to the level of a science. But this effort is in vain. Such rules, or criteria, are merely empirical in their main sources. They can therefore never serve as definite a priori laws that our judgment of taste would have to follow. It is rather the judgment of taste that is the real touchstone for whether the rules are correct. For this reason it is advisable to let the term lapse again and keep it for the doctrine that is true science. That would also move us nearer to the speech and thinking of the ancients. For them, dividing cognition into aistheta kai noeta (what can be sensed and what can be thought) was very well known. The other option is to share the term with speculative philosophy, and to take “aesthetic” partly in the transcendental sense, partly in the psychological sense.
So in the transcendental aesthetic we begin by isolating sensibility. To do that, we set aside everything the understanding thinks about it with its concepts, so that only empirical intuition remains. Next we split off from that intuition everything that belongs to sensation, leaving only pure intuition and the bare form of appearances. Sensibility can supply nothing else a priori. As we go, we will find that sensible intuition has two pure forms, serving as principles of a priori cognition: space and time. We turn to examine them now.
B 37 Of the Transcendental Aesthetic First Section On Space
§ 2 Metaphysical exposition of this concept
Outer sense is a property of our mind. By means of it we picture objects as lying outside us, every one of them in space. Space is where their shape, size and relation to one another are fixed, or can be fixed. Inner sense is how the mind looks at itself, or at its inner state. It does not, to be sure, hand us any intuition of the soul itself taken as an object. But there is a definite form under which alone we can intuit our inner state. That is why everything among our inner determinations is represented as standing in temporal relations. Neither can time be intuited as something outer, just as space cannot be intuited as something in us. So what are space and time? Are they real beings? Or are they merely determinations, or also relations, of things, but of a kind that would belong to them even in themselves, whether anyone intuited them or not? Or do they cling only to the form of intuition?
B 38 And so to the subjective makeup of our mind alone? Without that makeup, these predicates could not be given to any thing at all. To find out, we first lay out the concept of space. Under the heading of exposition (expositio) I understand a representation that is distinct, though not exhaustive, of whatever belongs to a concept. An exposition is called metaphysical when it covers whatever shows the concept to be given a priori.
1 Space is not an empirical concept drawn from outer experiences. Two things have to be possible. One is that I can refer certain sensations to something outside me. By that I mean something at another spot in space than the spot where I am. The other is that I can represent sensations as outside one another and side by side, so as not just different but in different places. For both, the representation of space must already be the foundation. That means experience cannot have lent us the representation of space from the relations among outer appearances. It is the other way around: this outer experience itself becomes possible only through that representation.
2 Space is a necessary representation, given a priori, which underlies every outer intuition. We can never picture there being no space, though we can easily think of it as containing no objects at all.
B 39 For that reason space counts as the condition that makes appearances possible, not as a determination that depends on them. It is an a priori representation, and it necessarily underlies outer appearances.
3 Space is not a discursive concept, or what people call a general concept of the relations of things as such. It is a pure intuition. To begin with, we can only imagine a single space. If we talk of many spaces, we really mean parts of one and the same space. Nor can these parts precede the one all-embracing space as its building blocks, as if its composition were made possible by them. They can only be thought within it. Space is essentially one. What is manifold in it, and with that the general concept of spaces as such, depends solely on limitations. The consequence is that every concept of space rests on an intuition of it that is a priori and not empirical. That also explains why geometrical principles never come from general concepts of line and triangle. Take the principle that two sides of a triangle together are greater than the third. Such principles are derived from intuition, and a priori, with apodictic certainty.
4 Space is represented as a given magnitude that is infinite.
B 40 Every concept has to be thought of as a representation contained in infinitely many different possible representations, as the mark they share. A concept therefore holds those representations under it. Yet no concept as a concept can be pictured as having infinitely many representations within it. Space is thought of that way, though, since all the parts of space, going on without end, exist at once. So the original representation of space is an a priori intuition and not a concept.
§ 3 Transcendental exposition of the concept of space
By a transcendental exposition I mean the explanation of a concept as a principle from which the possibility of other synthetic a priori cognitions can be understood. This requires two things: 1) that such cognitions actually follow from the given concept, and 2) that they are possible only if this concept is explained in a certain given way.
The science of geometry determines the properties of space, and does so synthetically yet a priori. So what must the representation of space be, for cognition of that kind to be possible at all? It has to be an intuition from the start.
B 41 That’s because no propositions going beyond a concept can be drawn from a mere concept, yet geometry draws them (Introduction V). That intuition must also be found in us a priori, before any perception of an object. So it is pure intuition and not empirical. After all, every geometrical proposition is apodictic, meaning it is joined with a consciousness of its necessity. Space has only three dimensions, for example. Such propositions can’t be empirical, or judgments of experience, and can’t be concluded from them (Introduction II).
Now, how can an outer intuition exist in the mind before the objects themselves, and in such a way that the concept of those objects can be fixed a priori? Plainly it can only be if the intuition has its seat in the subject alone. It would be the subject’s formal makeup for being affected by objects and so getting an immediate representation of them, that is, an intuition. So it can only be the form of outer sense in general.
Only our explanation lets us understand how geometry can be a synthetic a priori cognition. Any way of explaining things that does not deliver this can be told apart from ours most reliably by this sign, even if it seems at first glance to resemble ours somewhat.
B 42 Conclusions from the concepts above
a) Space does not represent any property of things in themselves, nor of those things in their relation to one another. In other words, it shows no determination that clings to the objects themselves and would stay once we leave out every subjective condition of intuition. Absolute determinations and relative ones alike cannot be intuited before the things they belong to exist. So they can’t be intuited a priori either.
b) Space is simply the form of all appearances to the outer senses, in other words the subjective condition of sensibility under which outer intuition is possible for us at all. The subject’s receptivity to being affected by objects necessarily comes before every intuition of those objects. That is how we can grasp that the form of every appearance is given in the mind before any real perception, which is to say a priori. And we can grasp how the same form, being a pure intuition in which every object has to be determined, can contain principles for the relations of those objects before any experience at all.
So we can speak of space, of extended beings and so on, only from the human standpoint. Say we drop the subjective condition under which alone we get outer intuition, namely the way objects may affect us. The representation of space then signifies nothing whatsoever.
B 43 Things get this predicate only to the degree that they appear to us, meaning that they are objects of sensibility. Sensibility is the name for this receptivity, and its form is permanent. It is the necessary condition of every relation within which objects get intuited as external to us. Leave those objects out of account, and what remains is a pure intuition that goes by the name of space. We can only turn the particular conditions of sensibility into conditions for the possibility of appearances, not of things. So we can fairly say that space takes in everything that may appear to us outwardly. It does not take in all things in themselves, whether or not they are intuited, and whoever the subject may be. We cannot tell, for other thinking beings, whether their intuition is bound by the very conditions that limit ours and hold universally for us. Suppose we attach a judgment’s restriction to the concept of the subject. Then the judgment holds without condition. The proposition “All things are side by side in space” is valid with a restriction, the restriction being that we regard the things as objects of our sensible intuition. Suppose I add that condition to the concept and say “As outer appearances, all things are side by side in space.” Then the rule holds universally and with no restriction.
B 44 Our expositions thus teach us the reality (the objective validity) of space for everything that can meet us outwardly as an object. They teach the ideality of space as well, with regard to things that reason weighs as they are in themselves, with no account taken of the nature of our sensibility. We therefore claim the empirical reality of space (for all possible outer experience), and in the same breath its transcendental ideality. That is, space is nothing at all as soon as we set aside what makes all experience possible, and treat space as something that lies at the base of things in themselves.
Apart from space, no other subjective representation that relates to something outer deserves to be called objective a priori. For none of the others lets us derive synthetic propositions a priori, as the intuition in space does (§ 3). So, strictly speaking, they have no ideality at all. They do resemble the representation of space in one respect: they belong only to the subjective makeup of a kind of sense, such as sight, hearing or touch, through sensations of colors, tones and warmth. But these are mere sensations, not intuitions. By themselves they let us cognize no object, least of all a priori.
B 45 This remark has just one aim: to stop anyone from trying to illustrate the claimed ideality of space with examples that fall far short. Colors, taste and the like, for instance, are rightly regarded not as qualities of things but only as changes in our subject, and these can even vary from one person to the next. In that case what is originally only an appearance, a rose for example, counts in the empirical sense as a thing in itself, though it can look different in color to each eye. By contrast, the concept of appearances in space, taken transcendentally, serves as a critical reminder. Whatever we intuit in space is not a thing in itself. Nor is space a form that would belong to things in their own right. Objects in themselves are simply unknown to us. What we call outer objects are only representations of our sensibility, and space is the form of that sensibility. Through them we do not cognize their true correlate, the thing in itself, and we cannot. And experience never asks about it.
B 46 Of the Transcendental Aesthetic Second Section On Time
§ 4 Metaphysical exposition of the concept of time
First (1.), time is not an empirical concept drawn from any experience. Without the representation of time underlying it a priori, we could not perceive simultaneity or succession at all. Time has to be presupposed before one can picture some things as simultaneous (in one and the same time), or as successive (in different times).
2 Time is a necessary representation underlying all intuitions. As far as appearances go, we can’t remove time itself, though we can easily remove the appearances from time. So time is given a priori. All actuality of appearances is possible only in it. The appearances may all vanish, but time itself, as the general condition of their possibility, can’t be abolished.
B 47 3. On this a priori necessity rests, too, the possibility of apodictic principles concerning time-relations, or of axioms about time generally. Time has only one dimension. Different times are not together but one after another, just as different spaces are not one after another but together. Experience cannot be the source of these principles, since it would give neither strict universality nor apodictic certainty. We could report that common perception shows things this way, but never that they have to be this way. These principles hold as the rules under which any experience is possible, and they instruct us ahead of experience, not by means of it.
4 Time is no discursive concept, nor what people call a general concept. It is a pure form of sensible intuition. Different times are merely parts of the very same time. A representation that only a single object can give is an intuition. Besides, no general concept could yield the proposition that different times can’t exist together. That proposition is synthetic, and concepts alone cannot produce it. So it is contained directly in the intuition and representation of time.
5 To say that time is infinite means only that any determinate length of time is possible by limiting one underlying time.
B 48 So the original representation, time, has to be given as unlimited. Whenever the parts themselves, and every magnitude of an object, can be represented as determinate only through limitation, the whole representation cannot be given by concepts, because concepts hold only partial representations. Immediate intuition must lie at its base.
§ 5 Transcendental exposition of the concept of time
So I can point to number 3, where, to keep it short, I put what is properly transcendental under the entries of the metaphysical exposition. Here I add the following. The concept of change is possible only through and within the representation of time. So is the concept of motion, which is change of place. Suppose this representation were not an (inner) intuition a priori. No concept of any kind could then explain to us how a change is possible. A change is a combination of predicates that contradict each other, in one and the same object. Take a thing’s being at a place and the very same thing’s not being at that place.
B 49 Only in time can a single thing be found with both of those contradictory determinations, namely one after the other. So our concept of time explains how there can be as much synthetic a priori cognition as the general doctrine of motion lays out, a doctrine that is far from barren.
§ 6 Conclusions from these concepts
a) Time is not something that would exist by itself, nor something attached to things as an objective determination, which would then remain if one abstracted from all the subjective conditions of intuiting them. If it were the first, time would be real without anything real to go with it. If it were the second, time would be a determination or an order inhering in the things themselves. As such it could not come ahead of the objects as their condition. Nor could synthetic propositions make it known and intuited a priori. Being known and intuited a priori in that way does work, by contrast, if time is merely the subjective condition under which any intuition can occur in us. In that case we can represent this form of inner intuition ahead of the objects, hence a priori.
b) Time is only the form of inner sense, meaning the way we look at ourselves and at our inner state. It cannot be a determination of outer appearances.
B 50 It has nothing to do with shape or position and the like. What it determines is the relation among representations in our inner state. And because this inner intuition gives us no shape, we try to make up the lack through analogies. We represent the sequence of time as a line extending to infinity. The manifold in it forms a series with only one dimension. Every property of time but one we read off from the properties of this line: the parts of the line exist together, but the parts of time are always one after another. This also makes plain that the representation of time is itself an intuition: all its relations can be put into an outer intuition.
c) Time is the formal a priori condition of all appearances in general. Space is the pure form of all outer intuition, and as an a priori condition it reaches no further than outer appearances. Time has no such restriction. Every representation, whether it has outer things as its object or not, belongs in itself, as a determination of the mind, to the inner state. This inner state stands under the formal condition of inner intuition and therefore under time. Time is thus an a priori condition of every appearance. It is the direct condition of inner appearances (those of our souls) and, by that very fact, the indirect condition of outer ones too.
B 51 I can say a priori that every outer appearance is in space and is fixed a priori according to spatial relations. In just the same way, the principle of inner sense lets me say quite generally: every appearance there is, that is, every object of the senses, is in time and necessarily stands in time-relations.
Suppose we leave aside our way of intuiting ourselves inwardly, the way through which all outer intuitions get taken up into our power of representation. Suppose we then consider objects as they might be in themselves. In that case time is nothing. It is objectively valid only for appearances, because those are already things we accept as objects of our senses. Leave out the sensibility of our intuition, our own peculiar way of representing, and speak of things in general: then time is no longer objective. Time is therefore nothing more than a subjective condition for our (human) intuition. Our intuition is always sensible, meaning it depends on objects affecting us. In itself, outside the subject, time is nothing. Even so, it is necessarily objective for all appearances, and so for all things that can meet us in experience. We cannot say that all things are in time.
B 52 The reason is that the concept of things in general leaves out every kind of intuition of them, and that intuition is the real condition under which time enters the representation of objects. Now join the condition to the concept. The principle then reads: when things count as appearances, as objects of sensible intuition, they are all in time. In that form it has sound objective correctness and a priori universality.
Our claims thus teach the empirical reality of time, in other words its objective validity for any object that can ever be presented to our senses. Our intuition is always sensible. So in experience we can never be given an object that escapes the condition of time. What we deny to time is any claim to absolute reality, that is, the idea that time would belong to things simply as a condition or property, even apart from the form of our sensible intuition. The senses could never hand us properties of that sort, the kind that belong to things in themselves. This is what the transcendental ideality of time consists in. According to it, time is simply nothing when the subjective conditions of sensible intuition are set aside. Take objects as they are in themselves, with no regard to how they relate to our intuition. Time can’t be counted among them, whether as subsisting or as inhering.
B 53 Still, this ideality, just like that of space, must not be set beside the subreptions of sensation. In those cases one assumes that the appearance itself, the thing these predicates inhere in, has objective reality. Here that reality disappears altogether, except so far as it is merely empirical, that is, where the object itself is regarded purely as an appearance. For this, see the remark above in the first section.
§ 7 Clarification
The theory allows time to be empirically real while contesting that it is absolutely or transcendentally real. I have heard one objection to it from insightful men, so unanimously that I conclude every reader unused to these thoughts must naturally come up with it. It runs as follows. Changes are real. (Our own representations keep alternating, and that proves it, even if someone wished to deny every outer appearance and its changes.) Now changes are possible only in time. So time is something real. The reply is not hard. I accept the whole argument. Time is indeed something real, namely the real form of inner intuition. It therefore has subjective reality in respect of inner experience. In other words, I truly have the representation of time.
B 54 I also have a representation of my determinations in it. So time is not, in fact, an object. It is the way in which I represent myself as an object. But suppose that I, or another being, were able to intuit me without the condition of sensibility. The same determinations that now appear to us as changes would then give a cognition containing no representation of time and so none of change. Its empirical reality thus stays, as the condition of all our experiences. Absolute reality is the one thing we cannot grant it, in light of the earlier points. Time is no more than the form that our inner intuition takes*. Take away the special condition of our sensibility and the concept of time disappears too. It does not cling to the objects themselves. It clings only to the subject doing the intuiting.
* I can indeed say that my representations follow one another. That says only that we are aware of them in a time sequence, which is to say, in the form of inner sense. Time is not, for that reason, something in itself, or a determination attached objectively to things.
The reason why this objection is raised so unanimously, even by people who can find nothing convincing to say against the doctrine of the ideality of space, is this.
B 55 They did not hope to prove the absolute reality of space apodictically, because idealism stands in their way. According to idealism, the actual existence of outer objects can’t be strictly proved. Our inner senses, by contrast, have an object (myself and my state), and its actuality is plain straight from consciousness. The former could be a mere illusion. The latter, they thought, is undeniably something actual. What they overlooked is that both belong only to appearance, even though no one may dispute their actuality as representations. An appearance always has two sides. In one, the object is considered in itself, whatever the way of intuiting it. For that very reason, its nature always stays problematic. In the other, we look to the form of intuition of this object. That form is not to be sought in the object itself but in the subject to which the object appears. Even so, it belongs to the appearance of this object really and necessarily.
So time and space are two sources of cognition. Various synthetic cognitions can be drawn from them a priori, as pure mathematics shows brilliantly, above all in its cognitions of space and its relations.
B 56 That is because the two together are the pure forms of all sensible intuition, and for that reason they make synthetic a priori propositions possible. Yet by the very fact that they are mere conditions of sensibility, these a priori sources set their own boundaries. They reach only objects viewed as appearances. They never present things in themselves. Only appearances make up the field where they hold. Outside it they have no further objective use. This reality of space and time, incidentally, leaves the certainty of empirical cognition untouched. Our certainty about it is the same either way: it makes no difference whether these forms necessarily cling to things in themselves or only to how we intuit those things. People who claim absolute reality for space and time, on the other hand, whether as subsisting or merely as inhering, are bound to clash with the principles of experience itself. Take the first choice (commonly the party of the mathematical natural scientists). They then have to accept two eternal and infinite entities that exist on their own and yet are not real things (space and time). These are there, though nothing real is there, merely to contain everything real. Now take the second choice (some metaphysical natural philosophers hold it). Space and time then count for them as relations among appearances (side by side or one after another), relations abstracted from experience.
B 57 Considered in isolation, they are represented only in a confused way. Then they must deny that the doctrines of a priori mathematics are valid for actual things (in space, for instance), or at least deny their apodictic certainty. The reason is that apodictic certainty never comes from the a posteriori. In their view, the concepts we hold a priori of space and time are mere products of imagination. Their source has to be sought in experience. Out of relations abstracted from experience, imagination has made something that contains what they have in common but cannot exist without the restrictions that nature has tied to them. The first group gains this much: the field of appearances is cleared for mathematical claims. But these same conditions badly trip them up when the understanding wants to go past that field. The second group gains something regarding the latter. The representations of space and time cause them no trouble when they judge objects not as appearances but purely by their relation to the understanding. What they cannot do is explain how a priori mathematical cognition is possible, since they have no true, objectively valid a priori intuition. Nor can they make the propositions of experience agree necessarily with those claims.
B 58 Our theory of the true nature of these two original forms of sensibility removes both difficulties.
Lastly, the transcendental aesthetic can contain only these two elements, space and time, and the reason is clear. Every other concept belonging to sensibility presupposes something empirical, even the concept of motion, which unites both. Motion presupposes the perception of something movable. But nothing movable exists in space considered in itself. So the movable has to be something found in space only by experience, and therefore an empirical datum. Likewise the transcendental aesthetic cannot count the concept of change among its a priori data. Time itself does not change. Something in time does. So the concept needs the perception of some existing thing and of the succession of its determinations, and therefore it needs experience.
B 59 § 8 General remarks on the transcendental aesthetic
I. To begin, we must say as plainly as we can what we think about the basic makeup of sensible cognition in general, so as to prevent any misreading of it.
What we meant to say was this. All our intuition is only the representation of appearance. The things we intuit are not what we take them to be in themselves, and their relations are not in themselves as they look to us. If we removed our subject, or even only the subjective makeup of the senses in general, all properties and relations of objects in space and time would vanish, and space and time themselves too. As appearances they can exist not in themselves but only in us. How objects are constituted in themselves, taken apart from this whole receptivity of our sensibility, is something we never learn. All we know is our way of perceiving them. It is peculiar to us, and it need not belong to every being, even though it belongs to every human. We have to do only with this way. Space and time are its pure forms.
B 60 Sensation in general is its matter. The pure forms alone can we cognize a priori, before any actual perception, and that is why they are called pure intuition. Sensation is what makes a cognition one a posteriori, an empirical intuition, as we call it. Pure forms are bound to our sensibility with sheer necessity, no matter what kind of sensations we have. Sensations can differ widely. Say we managed to make this intuition of ours as distinct as it can possibly be. We still would not come nearer to the nature of objects in themselves. For we would still cognize completely only our own way of intuiting, our sensibility, and always under the conditions of space and time that are original to the subject. What objects may be in themselves would never be known to us, however enlightened our cognition of their appearance is, the only thing that is given to us.
To say that our whole sensibility is just a confused representation of things is a falsification of the concepts of sensibility and appearance. It makes the whole doctrine of them useless and empty. On that idea, sensibility contains only what the things have in themselves, but heaped together with marks and partial representations that we don’t consciously sort out.
B 61 Distinct versus indistinct is only a logical difference between representations. It leaves their content alone. Doubtless the concept of right that sound understanding uses holds exactly what the subtlest speculation can unfold from it. In everyday practical use, though, we are not aware of the many representations contained in these thoughts. For that reason the everyday concept can’t be called sensible or said to contain mere appearance. Right can’t appear at all. Its concept lies in the understanding and stands for a property (the moral one) that actions have in themselves. The representation of a body in intuition is different. Nothing in it could belong to an object in itself. All it holds is the appearance of something and the way that thing affects us. We call this receptivity of our faculty of cognition sensibility. Even if we could see through the appearance to its very bottom, sensibility would still be worlds away from cognition of the object in itself.
Leibniz-Wolfian philosophy gave every inquiry into where our cognitions come from, and what they are, a wholly mistaken starting point. It regarded the difference between sensibility and what is intellectual as purely logical. In fact the difference is transcendental.
B 62 It is not only a matter of the form of distinctness or indistinctness. It also concerns origin and content. The consequence is that sensibility does not merely show us the nature of things in themselves indistinctly. It does not show it at all. Take away our subjective makeup and the represented object, with all the properties sensible intuition gave it, is not to be met with anywhere, nor could it be. For that makeup is just what fixes its form as an appearance.
We are used to sorting appearances into two kinds. One kind belongs essentially to their intuition and is valid for any human sense at all. The other kind belongs to it only by chance. The second kind is not valid for sensibility generally, but only for the particular position or organization of this sense or that. The first kind is then said to be cognition that presents the object in itself, and the second to present only its appearance. This distinction, though, is only empirical. Suppose we stop there, as usually happens, and fail to look at that empirical intuition in turn as mere appearance (as we should), so that nothing in it touches any thing in itself. Then our transcendental distinction is lost. We still believe that we cognize things in themselves. Yet everywhere in the world of sense we deal with appearances only.
B 63 This holds even for the deepest investigation of its objects. We would call a rainbow a mere appearance in a sun shower, and call the rain the thing in itself. That is even right, provided the second concept is understood merely physically: as whatever general experience finds determined in intuition in just this way and not otherwise, from every position relative to the senses. But take this empirical thing in general, and ask, without regard to whether it agrees with every human sense, whether it too presents an object in itself (not the raindrops, for those are empirical objects already, as appearances). The question about how the representation relates to the object is then transcendental. Not only are these drops mere appearances. Even their round shape is nothing in itself, and so is the space in which they fall. They are only modifications, or foundations, of our sensible intuition. The transcendental object remains unknown to us.
A second weighty matter for our transcendental aesthetic is this: it should not merely earn some goodwill as a plausible hypothesis. It should be as certain and beyond doubt as any theory can be asked to be that is meant to serve as an organon. To make this certainty fully evident, we will choose a case.
B 64 Through it, the validity of the theory can become obvious. It can also make clearer what was said in § 3.
Suppose space and time were objective in themselves and conditions for the possibility of things in themselves. Then, to begin with, a great many apodictic and synthetic propositions arise a priori from both, above all from space, which we will therefore use as our main example. Geometry’s propositions are cognized as synthetic a priori and with apodictic certainty. So I ask: where do you get such propositions? What does our understanding stand on, to reach truths that are so absolutely necessary and universally valid? The only routes are concepts and intuitions, and each of these is given either a priori or a posteriori. Empirical concepts, and the empirical intuition they are based on, can give only a synthetic proposition that is itself empirical, a proposition of experience. Such a proposition can never contain necessity and absolute universality, yet those are exactly what mark all geometrical propositions. That leaves the a priori kind as the only means left: to reach such cognitions through concepts alone or through a priori intuitions. Here it is clear that concepts alone give no synthetic cognition, only analytic.
B 65 Take the proposition that two straight lines can enclose no space, so that no figure is possible, and try to get it out of the concept of straight lines together with the number two. Or take the claim that three straight lines make a figure possible, and try the same with nothing but those concepts. All your effort is wasted. You are forced to run to intuition, as geometry always does. So you give yourselves an object in intuition. What sort of intuition is it, though, pure and a priori or empirical? Were it empirical, it could never yield a universally valid proposition, let alone an apodictic one, because experience cannot provide that. So you must give your object in intuition a priori and build your synthetic proposition on it. Now suppose you had no capacity to intuit a priori. Suppose also that this subjective condition were not, in its form, at once the universal a priori condition for the very possibility of the object of this (outer) intuition. Suppose, too, that the object (the triangle) existed in itself, unconnected to you as a subject. Then how could you claim that whatever your own subjective conditions necessarily involve in constructing a triangle must hold necessarily of the triangle in itself? You could not add anything new (the figure) to your concepts (of three lines).
B 66 That new thing would then have to turn up in the object as a matter of necessity, because the object is given ahead of your cognition, not by means of it. Suppose space, and time too, were not a mere form of your intuition, containing the a priori conditions under which alone things can be outer objects for you (objects that are nothing in themselves without these subjective conditions). Then you could establish nothing at all synthetically, a priori, about outer objects. It is therefore not merely possible, or probable, but certain, that space and time are nothing but subjective conditions of all our intuition. They are the necessary conditions of all experience, outer and inner. In relation to them all objects are mere appearances, not things given for themselves in this way. About their form, therefore, much can be said a priori, but never the slightest about the thing in itself that may lie beneath these appearances.
II. One remark does a lot to back up this theory. The theory says outer sense and inner sense are ideal, so every object of the senses is a mere appearance. Here is the remark. Whatever in our cognition counts as intuition holds relations and nothing else. (I set aside feelings of pleasure and pain, and the will, because those aren’t cognitions at all.) There are relations among places within an intuition, which gives us extension.
B 67 There are changes of place, which give us motion. And there are the laws that fix those changes, which give us the moving forces. None of this shows us what is actually present in a place. It doesn’t show what the things themselves do besides move about. Bare relations can never get us to a cognition of a thing in itself. So we should conclude the following. Outer sense hands us only representations of relations. All it can carry, then, is how an object stands to the subject, within the subject’s representation. It can’t carry the inner nature that belongs to the object by itself. The same goes for inner intuition. For one thing, the representations of the outer senses are the real material we fill our mind with. But there is more to it. We place those representations in time. Time comes before our awareness of them in experience, and it lies beneath our placing of them in the mind, as a formal condition. And time already holds relations: of one thing after another, of things at once, and of what lasts while other things follow one another (the permanent). Now whatever can precede every act of thinking something, as a representation, is intuition. When intuition holds only relations, what we have is its form. This form presents nothing unless something is placed in the mind. So the only thing it can be is the way the mind gets affected by its own activity.
B 68 That activity is this very placing of its representation. Thus the mind is affected by itself. Put differently, this is inner sense, taken as to its form. Anything a sense represents is, in that respect, always an appearance. So either we should not grant inner sense at all, or the subject that is its object can show up through it only as an appearance. It couldn’t show up the way it would judge itself to be, supposing its intuition were pure self-activity, that is, intellectual. All the difficulty here comes down to one question: how can a subject look inward at itself? But every theory faces that difficulty. Being conscious of oneself (apperception) is just the bare representation of the I. Suppose that representation alone gave the subject everything manifold in it, by the subject’s own activity. Then inner intuition would be intellectual. In human beings, this consciousness needs an inner perception of the manifold that was already given to the subject. How that manifold gets into the mind without any spontaneity has to be called sensibility, to mark the difference. Now take the capacity to become conscious of oneself. If it is to hunt for whatever lies in the mind (to apprehend it), it has to affect the mind. That is the only way it can bring about an intuition of itself. But the form of this intuition already lies in the mind as a ground. It fixes how the manifold sits together in the mind.
B 69 It does this within the representation of time. So the mind looks at itself, not as it would present itself straight from its own activity, but as it is affected from within. It sees itself as it seems to itself, not as it is.
III. When I say that intuition in space and time represents two things as they affect our senses, that is, as they appear, I do not mean that these objects are mere illusion. The two things are the outer objects and the mind’s intuition of itself. For when something appears, its objects are always taken as really given, and so are the properties we assign them. The one catch is this. Suppose a property hangs only on how the subject intuits, within the relation between the given object and the subject. Then we tell the object as appearance apart from that same object as it is in itself. So I am not claiming that bodies only seem to exist outside me, or that my soul merely seems to be given in my consciousness of myself. I claim that space and time owe their character to how I intuit, not to these objects in themselves. I place both bodies and soul by that character, as the condition of their existence. I would have only myself to blame if I made illusion out of what I should count as appearance*.
B 70 But that doesn’t happen under our principle that all our sensible intuitions are ideal. Rather, if you give those forms of representation objective reality, you cannot avoid turning everything into mere illusion. Suppose you treat space and time as properties that could only exist if they were found in things in themselves. Now look at the absurdities you get tangled in. You end up with two infinite things. They aren’t substances, and they aren’t anything really belonging to substances, and yet they exist.
B 71 They are even the necessary condition for the existence of all things. And they would stay put even if every existing thing were taken away. With all that on the table, nobody can fairly criticize good Berkeley for demoting bodies to mere illusion. Worse, our own existence would turn into pure illusion along with time. Our existence would then hang on the self-standing reality of a non-thing like time. No one so far has been guilty of such an absurdity.
* We can ascribe predicates of appearance to the object itself, as it relates to our sense. The red color of a rose, or its smell, is an example. Illusion, though, can never be treated as a predicate of the object. The reason is exactly that illusion hands the object, taken alone, something that belongs to it only through the senses, or through the subject generally. The two handles people first gave Saturn are an example. Whatever is never in the object by itself, but always in how it stands to the subject, and can’t be pulled apart from the representation of it, is appearance. So it is right to give the objects of the senses, as such, the predicates of space and time. There is no illusion in that. It is different when I credit the rose with redness in itself, or Saturn with handles, or all outer objects with extension in themselves. That happens when I overlook how these objects stand to the subject in some definite way, and fail to hold my judgment to that. Only then does illusion arise.
IV. In natural theology we imagine an object that is no object of intuition for us whatever. More than that, it can’t be an object of sensible intuition even for itself. So people take great care to strip the conditions of time and space away from all of its intuition. (Everything it cognizes must be intuition, not thinking, since thinking always shows limits.) But by what right do we do that? We would already have turned space and time into forms of things in themselves. They would be forms that stay, as a priori conditions for the existence of things, even if the things were removed. They would hold for all existence whatever, so they would hold for God’s existence too. Suppose we refuse to treat them as objective forms of everything. Then we have one choice left.
B 72 We must treat them as forms that belong to the subject, to our way of intuiting, outer and inner alike. We call this way of intuiting sensible because it isn’t original. An original intuition would be one in which the object’s very existence gets given. (As far as we could tell, only the original being could have that.) Ours depends instead on the object’s existence. It is possible only when the object affects the subject’s capacity for representation.
We also needn’t limit the intuiting that happens in space and time to the sensibility of human beings. Perhaps every finite thinking being has to match human beings here. (We can’t settle that.) Even so, being universal doesn’t stop it from being sensibility. The reason is that this intuition is derived (intuitus derivativus) and not original (intuitus originarius). So it is not intellectual intuition. As just argued, only the original being seems to have intellectual intuition. It never belongs to a being that is dependent, in its existence as well as in its intuition (the intuition that fixes its existence relative to given objects). Still, we should count that last remark as an illustration of our aesthetic theory only, and not as a proof.
B 73 Conclusion of the Transcendental Aesthetic
Here we have one piece of what we need in order to solve the general problem of transcendental philosophy: how are synthetic propositions a priori possible? The piece is the pure intuitions a priori, space and time. Say we want to leave a given concept behind in a judgment a priori. In these intuitions we meet what the concept lacks. It can be discovered a priori in the intuition that fits the concept, and joined to the concept synthetically. For that very reason, though, such judgments reach no further than objects of the senses. They hold only for objects of possible experience.
Transcendental Analytic
B 74 Der transzendentalen Elementarlehre Zweiter Teil Die transzendentale Logik
Einleitung Idee einer transzendentalen Logik
I. Von der Logik überhaupt
Unsere Erkenntnis entspringt aus zwei Grundquellen des Gemüts, deren die erste ist, die Vorstellungen zu empfangen (die Rezeptivität der Eindrücke), die zweite das Vermögen, durch diese Vorstellungen einen Gegenstand zu erkennen (Spontaneität der Begriffe); durch die erstere wird uns ein Gegenstand gegeben, durch die zweite wird dieser im Verhältnis auf jene Vorstellung (als bloße Bestimmung des Gemüts) gedacht. Anschauung und Begriffe machen also die Elemente aller unserer Erkenntnis aus, so daß weder Begriffe, ohne ihnen auf einige Art korrespondierende Anschauung, noch Anschauung ohne Begriffe, ein Erkenntnis abgeben können. Beide sind entweder rein, oder empirisch. Empirisch, wenn Empfindung (die die wirkliche Gegenwart des Gegenstandes voraussetzt) darin enthalten ist: rein aber, wenn der Vorstellung keine Empfindung beigemischt ist. Man kann die letztere die Materie der sinnlichen Erkenntnis nennen. Daher enthält reine
B 75 Anschauung lediglich die Form, unter welcher etwas angeschaut wird, und reiner Begriff allein die Form des Denkens eines Gegenstandes überhaupt. Nur allein reine Anschauungen oder Begriffe sind a priori möglich, empirische nur a posteriori.
Wollen wir die Rezeptivität unseres Gemüts, Vorstellungen zu empfangen, sofern es auf irgendeine Weise affiziert wird, Sinnlichkeit nennen, so ist dagegen das Vermögen, Vorstellungen selbst hervorzubringen, oder die Spontaneität des Erkenntnisses, der Verstand. Unsere Natur bringt es so mit sich, daß die Anschauung niemals anders als sinnlich sein kann, d.i. nur die Art enthält, wie wir von Gegenständen affiziert werden. Dagegen ist das Vermögen, den Gegenstand sinnlicher Anschauung zu denken, der Verstand. Keine dieser Eigenschaften ist der anderen vorzuziehen. Ohne Sinnlichkeit würde uns kein Gegenstand gegeben, und ohne Verstand keiner gedacht werden. Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind. Daher ist es ebenso notwendig, seine Begriffe sinnlich zu machen, (d.i. ihnen den Gegenstand in der Anschauung beizufügen,) als seine Anschauungen sich verständlich zu machen (d.i. sie unter Begriffe zu bringen). Beide Vermögen, oder Fähigkeiten, können auch ihre Funktionen nicht vertauschen. Der Verstand vermag nichts anzuschauen, und die Sinne nichts zu denken. Nur daraus, daß sie sich vereinigen, kann
B 76 Erkenntnis entspringen. Deswegen darf man aber doch nicht ihren Anteil vermischen, sondern man hat große Ursache, jedes von dem andern sorgfältig abzusondern, und zu unterscheiden. Daher unterscheiden wir die Wissenschaft der Regeln der Sinnlichkeit überhaupt, d.i. Ästhetik, von der Wissenschaft der Verstandesregeln überhaupt, d.i. der Logik.
Die Logik kann nun wiederum in zwiefacher Absicht unternommen werden, entweder als Logik des allgemeinen, oder des besonderen Verstandesgebrauchs. Die erste enthält die schlechthin notwendigen Regeln des Denkens, ohne welche gar kein Gebrauch des Verstandes stattfindet, und geht also auf diesen, unangesehen der Verschiedenheit der Gegenstände, auf welche er gerichtet sein mag. Die Logik des besonderen Verstandesgebrauchs enthält die Regeln, über eine gewisse Art von Gegenständen richtig zu denken. Jene kann man die Elementarlogik nennen, diese aber das Organon dieser oder jener Wissenschaft. Die letztere wird mehrenteils in den Schulen als Propädeutik der Wissenschaften vorangeschickt, ob sie zwar, nach dem Gange der menschlichen Vernunft, das späteste ist, wozu sie allererst gelangt, wenn die Wissenschaft schon lange fertig ist, und nur die letzte Hand zu ihrer Berichtigung und Vollkommenheit bedarf. Denn man muß die Gegenstände schon in ziemlich hohem Grade kennen, wenn
B 77 man die Regel angeben will, wie sich eine Wissenschaft von ihnen zustande bringen lasse.
Die allgemeine Logik ist nun entweder die reine, oder die angewandte Logik. In der ersteren abstrahieren wir von allen empirischen Bedingungen, unter denen unser Verstand ausgeübt wird, z.B. vom Einfluß der Sinne, vom Spiele der Einbildung, den Gesetzen des Gedächtnisses, der Macht der Gewohnheit, der Neigung usw., mithin auch den Quellen der Vorurteile, ja gar überhaupt von allen Ursachen, daraus uns gewisse Erkenntnisse entspringen, oder untergeschoben werden mögen, weil sie bloß den Verstand unter gewissen Umständen seiner Anwendung betreffen, und, um diese zu kennen, Erfahrung erfordert wird. Eine allgemeine, aber reine Logik, hat es also mit lauter Prinzipien a priori zu tun, und ist ein Kanon des Verstandes und der Vernunft, aber nur in Ansehung des Formalen ihres Gebrauchs, der Inhalt mag sein, welcher er wolle, (empirisch oder transzendental). Eine allgemeine Logik heißt aber alsdann angewandt, wenn sie auf die Regeln des Gebrauchs des Verstandes unter den subjektiven empirischen Bedingungen, die uns die Psychologie lehrt, gerichtet ist. Sie hat also empirische Prinzipien, ob sie zwar insofern allgemein ist, daß sie auf den Verstandesgebrauch ohne Unterschied der Gegenstände geht. Um deswillen ist sie auch weder ein Kanon des Verstandes überhaupt, noch ein Organon besonderer
B 78 Wissenschaften, sondern lediglich ein Kathartikon des gemeinen Verstandes.
In der allgemeinen Logik muß also der Teil, der die reine Vernunftlehre ausmachen soll, von demjenigen gänzlich abgesondert werden, welcher die angewandte (obzwar noch immer allgemeine) Logik ausmacht. Der erstere ist eigentlich nur allein Wissenschaft, obzwar kurz und trocken, und wie es die schulgerechte Darstellung einer Elementarlehre des Verstandes erfordert. In dieser müssen also die Logiker jederzeit zwei Regeln vor Augen haben.
1 Als allgemeine Logik abstrahiert sie von allem Inhalt der Verstandeserkenntnis, und der Verschiedenheit ihrer Gegenstände, und hat mit nichts als der bloßen Form des Denkens zu tun.
2 Als reine Logik hat sie keine empirischen Prinzipien, mithin schöpft sie nichts (wie man sich bisweilen überredet hat) aus der Psychologie, die also auf den Kanon des Verstandes gar keinen Einfluß hat. Sie ist eine demonstrierte Doktrin, und alles muß in ihr völlig a priori gewiß sein.
Was ich die angewandte Logik nenne, (wider die gemeine Bedeutung dieses Wortes, nach der sie gewisse Exerzitien, dazu die reine Logik die Regel gibt, enthalten soll,) so ist sie eine Vorstellung des Verstandes und der Regeln seines notwendigen Gebrauchs in concreto, nämlich unter den zufälligen Bedingungen des Subjekts,
B 79 die diesen Gebrauch hindern oder befördern können, und die insgesamt nur empirisch gegeben werden. Sie handelt von der Aufmerksamkeit, deren Hindernis und Folgen, dem Ursprunge des Irrtums, dem Zustande des Zweifels, des Skrupels, der Überzeugung usw. und zu ihr verhält sich die allgemeine und reine Logik wie die reine Moral, welche bloß die notwendigen sittlichen Gesetze eines freien Willens überhaupt enthält, zu der eigentlichen Tugendlehre, welche diese Gesetze unter den Hindernissen der Gefühle, Neigungen und Leidenschaften, denen die Menschen mehr oder weniger unterworfen sind, erwägt, und welche niemals eine wahre und demonstrierte Wissenschaft abgeben kann, weil sie ebensowohl als jene angewandte Logik empirische und psychologische Prinzipien bedarf.
II. Von der transzendentalen Logik
Die allgemeine Logik abstrahiert, wie wir gewiesen, von allem Inhalt der Erkenntnis, d.i. von aller Beziehung derselben auf das Objekt, und betrachtet nur die logische Form im Verhältnisse der Erkenntnisse aufeinander, d.i. die Form des Denkens überhaupt. Weil es nun aber sowohl reine, als empirische Anschauungen gibt, (wie die transzendentale Ästhetik dartut,) so könnte auch wohl ein Unterschied zwischen reinem und empirischem
B 80 Denken der Gegenstände angetroffen werden. In diesem Falle würde es eine Logik geben, in der man nicht von allem Inhalt der Erkenntnis abstrahierte; denn diejenige, welche bloß die Regeln des reinen Denkens eines Gegenstandes enthielte, würde alle diejenigen Erkenntnisse ausschließen, welche von empirischem Inhalte wären. Sie würde auch auf den Ursprung unserer Erkenntnisse von Gegenständen gehen, sofern er nicht den Gegenständen zugeschrieben werden kann; da hingegen die allgemeine Logik mit diesem Ursprunge der Erkenntnis nichts zu tun hat, sondern die Vorstellungen, sie mögen uranfänglich a priori in uns selbst, oder nur empirisch gegeben sein, bloß nach den Gesetzen betrachtet, nach welchen der Verstand sie im Verhältnis gegeneinander braucht, wenn er denkt, und also nur von der Verstandesform handelt, die den Vorstellungen verschafft werden kann, woher sie auch sonst entsprungen sein mögen.
Und hier mache ich eine Anmerkung, die ihren Einfluß auf alle nachfolgenden Betrachtungen erstreckt, und die man wohl vor Augen haben muß, nämlich: daß nicht eine jede Erkenntnis a priori, sondern nur die, dadurch wir erkennen, daß und wie gewisse Vorstellungen (Anschauungen oder Begriffe) lediglich a priori angewandt werden, oder möglich sind, transzendental (d.i. die Möglichkeit der Erkenntnis oder der Gebrauch derselben a priori) heißen müsse. Daher ist weder der Raum,
B 81 noch irgendeine geometrische Bestimmung desselben a priori eine transzendentale Vorstellung, sondern nur die Erkenntnis, daß diese Vorstellungen gar nicht empirischen Ursprungs sind, und die Möglichkeit, wie sie sich gleichwohl a priori auf Gegenstände der Erfahrung beziehen könne, kann transzendental heißen. Imgleichen würde der Gebrauch des Raumes von Gegenständen überhaupt auch transzendental sein: aber ist er lediglich auf Gegenstände der Sinne eingeschränkt, so heißt er empirisch. Der Unterschied des Transzendentalen und Empirischen gehört also nur zur Kritik der Erkenntnisse, und betrifft nicht die Beziehung derselben auf ihren Gegenstand.
In der Erwartung also, daß es vielleicht Begriffe geben könne, die sich a priori auf Gegenstände beziehen mögen, nicht als reine oder sinnliche Anschauungen, sondern bloß als Handlungen des reinen Denkens, die mithin Begriffe, aber weder empirischen noch ästhetischen Ursprungs sind, so machen wir uns zum voraus die Idee von einer Wissenschaft des reinen Verstandes und Vernunfterkenntnisses, dadurch wir Gegenstände völlig a priori denken. Eine solche Wissenschaft, welche den Ursprung, den Umfang und die objektive Gültigkeit solcher Erkenntnisse bestimmte, würde transzendentale Logik heißen müssen, weil sie es bloß mit den Gesetzen des Verstandes und der Vernunft zu tun hat, aber lediglich, sofern sie auf Gegenstände a priori bezogen
B 82 wird, und nicht, wie die allgemeine Logik, auf die empirischen sowohl, als reinen Vernunfterkenntnisse ohne Unterschied.
III. Von der Einteilung der allgemeinen Logik in Analytik und Dialektik
Die alte und berühmte Frage, womit man die Logiker in die Enge zu treiben vermeinte, und sie dahin zu bringen suchte, daß sie sich entweder auf einer elenden Dialexe mußten betreffen lassen, oder ihre Unwissenheit, mithin die Eitelkeit ihrer ganzen Kunst bekennen sollten, ist diese: Was ist Wahrheit? Die Namenerklärung der Wahrheit, daß sie nämlich die Übereinstimmung der Erkenntnis mit ihrem Gegenstande sei, wird hier geschenkt, und vorausgesetzt; man verlangt aber zu wissen, welches das allgemeine und sichere Kriterium der Wahrheit einer jeden Erkenntnis sei.
Es ist schon ein großer und nötiger Beweis der Klugheit oder Einsicht, zu wissen, was man vernünftigerweise fragen solle. Denn, wenn die Frage an sich ungereimt ist, und unnötige Antworten verlangt, so hat sie, außer der Beschämung dessen, der sie aufwirft, bisweilen noch den Nachteil, den unbehutsamen Anhörer derselben zu ungereimten Antworten zu verleiten, und den belachenswerten Anblick zu geben, daß einer
B 83 (wie die Alten sagten) den Bock melkt, der andere ein Sieb unterhält.
Wenn Wahrheit in der Übereinstimmung einer Erkenntnis mit ihrem Gegenstande besteht, so muß dadurch dieser Gegenstand von anderen unterschieden werden; denn eine Erkenntnis ist falsch, wenn sie mit dem Gegenstande, worauf sie bezogen wird, nicht übereinstimmt, ob sie gleich etwas enthält, was wohl von anderen Gegenständen gelten könnte. Nun würde ein allgemeines Kriterium der Wahrheit dasjenige sein, welches von allen Erkenntnissen, ohne Unterschied ihrer Gegenstände, gültig wäre. Es ist aber klar, daß, da man bei demselben von allem Inhalt der Erkenntnis (Beziehung auf ihr Objekt) abstrahiert, und Wahrheit gerade diesen Inhalt angeht, es ganz unmöglich und ungereimt sei, nach einem Merkmale der Wahrheit dieses Inhalts der Erkenntnisse zu fragen, und daß also ein hinreichendes, und doch zugleich allgemeines Kennzeichen der Wahrheit unmöglich angegeben werden könne. Da wir oben schon den Inhalt einer Erkenntnis die Materie derselben genannt haben, so wird man sagen müssen: von der Wahrheit der Erkenntnis der Materie nach läßt sich kein allgemeines Kennzeichen verlangen, weil es in sich selbst widersprechend ist.
Was aber das Erkenntnis der bloßen Form nach (mit Beiseitesetzung alles Inhalts) betrifft, so ist ebenso klar: daß eine Logik, sofern sie die allgemeinen
B 84 und notwendigen Regeln des Verstandes vorträgt, eben in diesen Regeln Kriterien der Wahrheit darlegen müsse. Denn, was diesen widerspricht, ist falsch, weil der Verstand dabei seinen allgemeinen Regeln des Denkens, mithin sich selbst widerstreitet. Diese Kriterien aber betreffen nur die Form der Wahrheit, d.i. des Denkens überhaupt, und sind sofern ganz richtig, aber nicht hinreichend. Denn obgleich eine Erkenntnis der logischen Form völlig gemäß sein möchte, d.i. sich selbst nicht widerspräche, so kann sie doch noch immer dem Gegenstande widersprechen. Also ist das bloß logische Kriterium der Wahrheit, nämlich die Übereinstimmung einer Erkenntnis mit den allgemeinen und formalen Gesetzen des Verstandes und der Vernunft zwar die conditio sine qua non, mithin die negative Bedingung aller Wahrheit: weiter aber kann die Logik nicht gehen, und den Irrtum, der nicht die Form, sondern den Inhalt trifft, kann die Logik durch keinen Probierstein entdecken.
Die allgemeine Logik löst nun das ganze formale Geschäft des Verstandes und der Vernunft in seine Elemente auf, und stellt sie als Prinzipien aller logischen Beurteilung unserer Erkenntnis dar. Dieser Teil der Logik kann daher Analytik heißen, und ist eben darum der wenigstens negative Probierstein der Wahrheit, indem man zuvörderst alle Erkenntnis, ihrer Form nach, an diesen Regeln prüfen und schätzen muß, ehe man sie selbst ihrem Inhalt nach untersucht, um auszumachen, ob
B 85 sie in Ansehung des Gegenstandes positive Wahrheit enthalten. Weil aber die bloße Form des Erkenntnisses, so sehr sie auch mit logischen Gesetzen übereinstimmen mag, noch lange nicht hinreicht, materielle (objektive) Wahrheit dem Erkenntnisse darum auszumachen, so kann sich niemand bloß mit der Logik wagen, über Gegenstände zu urteilen, und irgend etwas zu behaupten, ohne von ihnen vorher gegründete Erkundigung außer der Logik eingezogen zu haben, um hernach bloß die Benutzung und die Verknüpfung derselben in einem zusammenhängenden Ganzen nach logischen Gesetzen zu versuchen, noch besser aber, sie lediglich danach zu prüfen. Gleichwohl liegt so etwas Verleitendes in dem Besitze einer so scheinbaren Kunst, allen unseren Erkenntnissen die Form des Verstandes zu geben, ob man gleich in Ansehung des Inhalts derselben noch sehr leer und arm sein mag, daß jene allgemeine Logik, die bloß ein Kanon zur Beurteilung ist, gleichsam wie ein Organon zur wirklichen Hervorbringung wenigstens zum Blendwerk von objektiven Behauptungen gebraucht, und mithin in der Tat dadurch gemißbraucht worden. Die allgemeine Logik nun, als vermeintes Organon, heißt Dialektik.
So verschieden auch die Bedeutung ist, in der die Alten dieser Benennung einer Wissenschaft oder Kunst sich bedienten, so kann man doch aus dem wirklichen Gebrauche derselben sicher abnehmen, daß sie bei ihnen
B 86 nichts anderes war, als die Logik des Scheins. Eine sophistische Kunst, seiner Unwissenheit, ja auch seinen vorsätzlichen Blendwerken den Anstrich der Wahrheit zu geben, daß man die Methode der Gründlichkeit, welche die Logik überhaupt vorschreibt, nachahmte, und ihre Topik zu Beschönigung jedes leeren Vorgebens benutzte. Nun kann man es als eine sichere und brauchbare Warnung anmerken: daß die allgemeine Logik, als Organon betrachtet, jederzeit eine Logik des Scheins, d.i. dialektisch sei. Denn da sie uns gar nichts über den Inhalt der Erkenntnis lehrt, sondern nur bloß die formalen Bedingungen der Übereinstimmung mit dem Verstande, welche übrigens in Ansehung der Gegenstände gänzlich gleichgültig sind, so muß die Zumutung, sich derselben als eines Werkzeugs (Organon) zu gebrauchen, um seine Kenntnisse, wenigstens dem Vorgeben nach, auszubreiten und zu erweitern, auf nichts als Geschwätzigkeit hinauslaufen, alles, was man will, mit einigem Schein zu behaupten, oder auch nach Belieben anzufechten.
Eine solche Unterweisung ist der Würde der Philosophie auf keine Weise gemäß. Um deswillen hat man diese Benennung der Dialektik lieber, als eine Kritik des dialektischen Scheins, der Logik beigezählt, und als eine solche wollen wir sie auch hier verstanden wissen.
B 87 IV. Von der Einteilung der transz. Logik in die transzendentale Analytik und Dialektik
In einer transzendentalen Logik isolieren wir den Verstand, (so wie oben in der transzendentalen Ästhetik die Sinnlichkeit) und heben bloß den Teil des Denkens aus unserem Erkenntnisse heraus, der lediglich seinen Ursprung in dem Verstande hat. Der Gebrauch dieser reinen Erkenntnis aber beruht darauf, als ihrer Bedingung: daß uns Gegenstände in der Anschauung gegeben seien, worauf jene angewandt werden können. Denn ohne Anschauung fehlt es aller unserer Erkenntnis an Objekten, und sie bleibt alsdann völlig leer. Der Teil der transzendentalen Logik also, der die Elemente der reinen Verstandeserkenntnis vorträgt, und die Prinzipien, ohne welche überall kein Gegenstand gedacht werden kann, ist die transzendentale Analytik, und zugleich, eine Logik der Wahrheit. Denn ihr kann keine Erkenntnis widersprechen, ohne daß sie zugleich allen Inhalt verlöre, d.i. alle Beziehung auf irgendein Objekt, mithin alle Wahrheit. Weil es aber sehr anlockend und verleitend ist, sich dieser reinen Verstandeserkenntnisse und Grundsätze allein, und selbst über die Grenzen der Erfahrung hinaus, zu bedienen, welche doch einzig und allein uns die Materie (Objekte) an die Hand geben
B 88 kann, worauf jene reinen Verstandesbegriffe angewandt werden können: so gerät der Verstand in Gefahr, durch leere Vernünfteleien von den bloßen formalen Prinzipien des reinen Verstandes einen materialen Gebrauch zu machen, und über Gegenstände ohne Unterschied zu urteilen, die uns doch nicht gegeben sind, ja vielleicht auf keinerlei Weise gegeben werden können. Da sie also eigentlich nur ein Kanon der Beurteilung des empirischen Gebrauchs sein sollte, so wird sie gemißbraucht, wenn man sie als das Organon eines allgemeinen und unbeschränkten Gebrauchs gelten läßt, und sich mit dem reinen Verstande allein wagt, synthetisch über Gegenstände überhaupt zu urteilen, zu behaupten, und zu entscheiden. Also würde der Gebrauch des reinen Verstandes alsdann dialektisch sein. Der zweite Teil der transzendentalen Logik muß also eine Kritik dieses dialektischen Scheines sein, und heißt transzendentale Dialektik, nicht als eine Kunst, dergleichen Schein dogmatisch zu erregen, (eine leider sehr gangbare Kunst mannigfaltiger metaphysischer Gaukelwerke) sondern als eine Kritik des Verstandes und der Vernunft in Ansehung ihres hyperphysischen Gebrauchs, um den falschen Schein ihrer grundlosen Anmaßungen aufzudecken, und ihre Ansprüche auf Erfindung und Erweiterung, die sie bloß durch transzendentale Grundsätze zu erreichen vermeint, zur bloßen Beurteilung und Verwahrung des reinen Verstandes vor sophistischem Blendwerke herabzusetzen.
B 89 Der transzendentalen Logik Erste Abteilung Die transzendentale Analytik
Diese Analytik ist die Zergliederung unseres gesamten Erkenntnisses a priori in die Elemente der reinen Verstandeserkenntnis. Es kommt hiebei auf folgende Stücke an: 1. Daß die Begriffe reine und nicht empirische Begriffe seien. 2. Daß sie nicht zur Anschauung und zur Sinnlichkeit, sondern zum Denken und Verstande gehören. 3. Daß sie Elementarbegriffe seien und von den abgeleiteten, oder daraus zusammengesetzten, wohl unterschieden werden. 4. Daß ihre Tafel vollständig sei, und sie das ganze Feld des reinen Verstandes gänzlich ausfüllen. Nun kann diese Vollständigkeit einer Wissenschaft nicht auf den Überschlag, eines bloß durch Versuche zustande gebrachten Aggregats, mit Zuverlässigkeit angenommen werden; daher ist sie nur vermittelst einer Idee des Ganzen der Verstandeserkenntnis a priori und durch die daraus bestimmte Abteilung der Begriffe, welche sie ausmachen, mithin nur durch ihren Zusammenhang in einem System möglich. Der reine Verstand sondert sich nicht allein von allem Empirischen, sondern sogar von aller Sinnlichkeit völlig aus. Er ist also eine für sich selbst beständige, sich selbst genugsame,
B 90 und durch keine äußerlich hinzukommenden Zusätze zu vermehrende Einheit. Daher wird der Inbegriff seiner Erkenntnis ein unter einer Idee zu befassendes und zu bestimmendes System ausmachen, dessen Vollständigkeit und Artikulation zugleich einen Probierstein der Richtigkeit und Echtheit aller hineinpassenden Erkenntnisstücke abgeben kann. Es besteht aber dieser ganze Teil der transzendentalen Logik aus zwei Büchern, deren das eine die Begriffe, das andere die Grundsätze des reinen Verstandes enthält.
Der transzendentalen Analytik Erstes Buch Die Analytik der Begriffe
Ich verstehe unter der Analytik der Begriffe nicht die Analysis derselben, oder das gewöhnliche Verfahren in philosophischen Untersuchungen, Begriffe, die sich darbieten, ihrem Inhalte nach zu zergliedern und zur Deutlichkeit zu bringen, sondern die noch wenig versuchte Zergliederung des Verstandesvermögens selbst, um die Möglichkeit der Begriffe a priori dadurch zu erforschen, daß wir sie im Verstande allein, als ihrem Geburtsorte, aufsuchen und dessen reinen Gebrauch überhaupt analysieren; denn dieses ist das eigentümliche Geschäft einer
B 91 Transzendental-Philosophie; das übrige ist die logische Behandlung der Begriffe in der Philosophie überhaupt. Wir werden also die reinen Begriffe bis zu ihren ersten Keimen und Anlagen im menschlichen Verstande verfolgen, in denen sie vorbereitet liegen, bis sie endlich bei Gelegenheit der Erfahrung entwickelt und durch ebendenselben Verstand, von den ihnen anhängenden empirischen Bedingungen befreit, in ihrer Lauterkeit dargestellt werden.
Der Analytik der Begriffe Erstes Hauptstück Von dem Leitfaden der Entdeckung aller reinen Verstandesbegriffe
Wenn man ein Erkenntnisvermögen ins Spiel setzt, so tun sich, nach den mancherlei Anlässen, verschiedene Begriffe hervor, die dieses Vermögen kennbar machen und sich in einem mehr oder weniger ausführlichen Aufsatz sammeln lassen, nachdem die Beobachtung derselben längere Zeit, oder mit größerer Scharfsinnigkeit angestellt worden. Wo diese Untersuchung werde vollendet sein, läßt sich, nach diesem gleichsam mechanischen Verfahren, niemals mit Sicherheit bestimmen. Auch entdecken sich die Begriffe, die man nur so bei Gelegenheit auffindet, in keiner Ordnung und systematischen
B 92 Einheit, sondern werden zuletzt nur nach Ähnlichkeiten gepaart und nach der Größe ihres Inhalts, von den einfachen an, zu den mehr zusammengesetzten, in Reihen gestellt, die nichts weniger als systematisch, obgleich auf gewisse Weise methodisch zustande gebracht werden.
Die Transzendental-Philosophie hat den Vorteil, aber auch die Verbindlichkeit, ihre Begriffe nach einem Prinzip aufzusuchen; weil sie aus dem Verstande, als absoluter Einheit, rein und unvermischt entspringen, und daher selbst nach einem Begriffe, oder Idee, unter sich zusammenhängen müssen. Ein solcher Zusammenhang aber gibt eine Regel an die Hand, nach welcher jedem reinen Verstandesbegriff seine Stelle und allen insgesamt ihre Vollständigkeit a priori bestimmt werden kann, welches alles sonst vom Belieben, oder vom Zufall abhängen würde.
Des transzendentalen Leitfadens der Entdeckung aller reinen Verstandesbegriffe Erster Abschnitt Von dem logischen Verstandesgebrauche überhaupt
Der Verstand wurde oben bloß negativ erklärt: durch ein nichtsinnliches Erkenntnisvermögen. Nun können wir, unabhängig von der Sinnlichkeit, keiner Anschauung teilhaftig werden. Also ist der Verstand kein Vermögen der Anschauung. Es gibt aber, außer der
B 93 Anschauung, keine andere Art, zu erkennen, als durch Begriffe. Also ist die Erkenntnis eines jeden, wenigstens des menschlichen, Verstandes, eine Erkenntnis durch Begriffe, nicht intuitiv, sondern diskursiv. Alle Anschauungen, als sinnlich, beruhen auf Affektionen, die Begriffe also auf Funktionen. Ich verstehe aber unter Funktion die Einheit der Handlung, verschiedene Vorstellungen unter einer gemeinschaftlichen zu ordnen. Begriffe gründen sich also auf der Spontaneität des Denkens, wie sinnliche Anschauungen auf der Rezeptivität der Eindrücke. Von diesen Begriffen kann nun der Verstand keinen anderen Gebrauch machen, als daß er dadurch urteilt. Da keine Vorstellung unmittelbar auf den Gegenstand geht, als bloß die Anschauung, so wird ein Begriff niemals auf einen Gegenstand unmittelbar, sondern auf irgendeine andere Vorstellung von demselben (sie sei Anschauung oder selbst schon Begriff) bezogen. Das Urteil ist also die mittelbare Erkenntnis eines Gegenstandes, mithin die Vorstellung einer Vorstellung desselben. In jedem Urteil ist ein Begriff, der für viele gilt, und unter diesem Vielen auch eine gegebene Vorstellung begreift, welche letztere denn auf den Gegenstand unmittelbar bezogen wird. So bezieht sich z.B. in dem Urteile: alle Körper sind veränderlich, der Begriff des Teilbaren auf verschiedene andere Begriffe; unter diesen aber wird er hier besonders auf den Begriff des Körpers bezogen, dieser aber auf gewisse uns vorkommende Erscheinungen. Also
B 94 werden diese Gegenstände durch den Begriff der Teilbarkeit mittelbar vorgestellt. Alle Urteile sind demnach Funktionen der Einheit unter unseren Vorstellungen, da nämlich statt einer unmittelbaren Vorstellung eine höhere, die diese und mehrere unter sich begreift, zur Erkenntnis des Gegenstandes gebraucht, und viel mögliche Erkenntnisse dadurch in einer zusammengezogen werden. Wir können aber alle Handlungen des Verstandes auf Urteile zurückführen, so daß der Verstand überhaupt als ein Vermögen zu urteilen vorgestellt werden kann. Denn er ist nach dem obigen ein Vermögen zu denken. Denken ist das Erkenntnis durch Begriffe. Begriffe aber beziehen sich, als Prädikate möglicher Urteile, auf irgendeine Vorstellung von einem noch unbestimmten Gegenstande. So bedeutet der Begriff des Körpers etwas, z.B. Metall, was durch jenen Begriff erkannt werden kann. Er ist also nur dadurch Begriff, daß unter ihm andere Vorstellungen enthalten sind, vermittelst deren er sich auf Gegenstände beziehen kann. Es ist also das Prädikat zu einem möglichen Urteile, z.B. ein jedes Metall ist ein Körper. Die Funktionen des Verstandes können also insgesamt gefunden werden, wenn man die Funktionen der Einheit in den Urteilen vollständig darstellen kann. Daß dies aber sich ganz wohl bewerkstelligen lasse, wird der folgende Abschnitt vor Augen stellen.
B 95 Des Leitfadens der Entdeckung aller reinen Verstandesbegriffe Zweiter Abschnitt
§ 9 Von der logischen Funktion des Verstandes in Urteilen
Wenn wir von allem Inhalte eines Urteils überhaupt abstrahieren, und nur auf die bloße Verstandesform darin achtgeben, so finden wir, daß die Funktion des Denkens in demselben unter vier Titel gebracht werden könne, deren jeder drei Momente unter sich enthält. Sie können füglich in folgender Tafel vorgestellt werden.
1 Quantität der Urteile Allgemeine Besondere Einzelne
2 Qualität Bejahende Verneinende Unendliche
3 Relation Kategorische Hypothetische Disjunktive
4 Modalität Problematische Assertorische Apodiktische
B 96 Da diese Einteilung in einigen, obgleich nicht wesentlichen Stücken, von der gewohnten Technik der Logiker abzuweichen scheint, so werden folgende Verwahrungen wider den besorglichen Mißverstand nicht unnötig sein.
1 Die Logiker sagen mit Recht, daß man beim Gebrauch der Urteile in Vernunftschlüssen die einzelnen Urteile gleich den allgemeinen behandeln könne. Denn eben darum, weil sie gar keinen Umfang haben, kann das Prädikat derselben nicht bloß auf einiges dessen, was unter dem Begriff des Subjekts enthalten ist, gezogen, von einigem aber ausgenommen werden. Es gilt also von jenem Begriffe ohne Ausnahme, gleich als wenn derselbe ein gemeingültiger Begriff wäre, der einen Umfang hätte, von dessen ganzer Bedeutung das Prädikat gelte. Vergleichen wir dagegen ein einzelnes Urteil mit einem gemeingültigen, bloß als Erkenntnis, der Größe nach, so verhält sie sich zu diesem wie Einheit zur Unendlichkeit, und ist also an sich selbst davon wesentlich unterschieden. Also, wenn ich ein einzelnes Urteil (judicium singulare) nicht bloß nach seiner inneren Gültigkeit, sondern auch, als Erkenntnis überhaupt, nach der Größe, die es in Vergleichung mit anderen Erkenntnissen hat, schätze, so ist es allerdings von gemeingültigen Urteilen (judicia communia) unterschieden, und verdient in einer vollständigen Tafel der Momente des Denkens überhaupt (obzwar freilich nicht in der bloß auf den
B 97 Gebrauch der Urteile untereinander eingeschränkten Logik) eine besondere Stelle.
2 Ebenso müssen in einer transzendentalen Logik unendliche Urteile von bejahenden noch unterschieden werden, wenn sie gleich in der allgemeinen Logik jenen mit Recht beigezählt sind und kein besonderes Glied der Einteilung ausmachen. Diese nämlich abstrahiert von allem Inhalt des Prädikats (ob es gleich verneinend ist) und sieht nur darauf, ob dasselbe dem Subjekt beigelegt, oder ihm entgegengesetzt werde. Jene aber betrachtet das Urteil auch nach dem Werte oder Inhalt dieser logischen Bejahung vermittelst eines bloß verneinenden Prädikats, und was diese in Ansehung des gesamten Erkenntnisses für einen Gewinn verschafft. Hätte ich von der Seele gesagt, sie ist nicht sterblich, so hätte ich durch ein verneinendes Urteil wenigstens einen Irrtum abgehalten. Nun habe ich durch den Satz: die Seele ist nicht sterblich, zwar der logischen Form nach wirklich bejaht, indem ich die Seele in den unbeschränkten Umfang der nichtsterbenden Wesen setze. Weil nun von dem ganzen Umfange möglicher Wesen das Sterbliche einen Teil enthält, das Nichtsterbende aber den anderen, so ist durch meinen Satz nichts anderes gesagt, als daß die Seele eines von der unendlichen Menge Dinge sei, die übrigbleiben, wenn ich das Sterbliche insgesamt wegnehme. Dadurch aber wird nur die unendliche Sphäre alles Möglichen insoweit beschränkt, daß das Sterbliche davon abgetrennt,
B 98 und in dem übrigen Umfang ihres Raums die Seele gesetzt wird. Dieser Raum bleibt aber bei dieser Ausnahme noch immer unendlich, und können noch mehrere Teile desselben weggenommen werden, ohne daß darum der Begriff von der Seele im mindesten wächst, und bejahend bestimmt wird. Diese unendlichen Urteile also in Ansehung des logischen Umfanges sind wirklich bloß beschränkend in Ansehung des Inhalts der Erkenntnis überhaupt, und insofern müssen sie in der transzendentalen Tafel aller Momente des Denkens in den Urteilen nicht übergangen werden, weil die hierbei ausgeübte Funktion des Verstandes vielleicht in dem Felde seiner reinen Erkenntnis a priori wichtig sein kann.
3 Alle Verhältnisse des Denkens in Urteilen sind die a) des Prädikats zum Subjekt, b) des Grundes zur Folge, c) der eingeteilten Erkenntnis und der gesammelten Glieder der Einteilung untereinander. In der ersteren Art der Urteile sind nur zwei Begriffe, in der zweiten zwei Urteile, in der dritten mehrere Urteile im Verhältnis gegeneinander betrachtet. Der hypothetische Satz: wenn eine vollkommene Gerechtigkeit da ist, so wird der beharrlich Böse bestraft, enthält eigentlich das Verhältnis zweier Sätze: Es ist eine vollkommene Gerechtigkeit da, und der beharrlich Böse wird bestraft. Ob beide dieser Sätze an sich wahr seien, bleibt hier unausgemacht. Es ist nur die Konsequenz, die durch dieses Urteil gedacht wird. Endlich enthält das disjunktive
B 99 Urteil ein Verhältnis zweier, oder mehrerer Sätze gegeneinander, aber nicht der Abfolge, sondern der logischen Entgegensetzung, sofern die Sphäre des einen die des anderen ausschließt, aber doch zugleich der Gemeinschaft, insofern sie zusammen die Sphäre der eigentlichen Erkenntnis erfüllen, also ein Verhältnis der Teile der Sphäre eines Erkenntnisses, da die Sphäre eines jeden Teils ein Ergänzungsstück der Sphäre des anderen zu dem ganzen Inbegriff der eingeteilten Erkenntnis ist, z.E. die Welt ist entweder durch einen blinden Zufall da, oder durch innere Notwendigkeit, oder durch eine äußere Ursache. Jeder dieser Sätze nimmt einen Teil der Sphäre des möglichen Erkenntnisses über das Dasein einer Welt überhaupt ein, alle zusammen die ganze Sphäre. Das Erkenntnis aus einer dieser Sphären wegnehmen, heißt, sie in eine der übrigen setzen, und dagegen sie in eine Sphäre setzen, heißt, sie aus den übrigen wegnehmen. Es ist also in einem disjunktiven Urteile eine gewisse Gemeinschaft der Erkenntnisse, die darin besteht, daß sie sich wechselseitig einander ausschließen, aber dadurch doch im Ganzen die wahre Erkenntnis bestimmen, indem sie zusammengenommen den ganzen Inhalt einer einzigen gegebenen Erkenntnis ausmachen. Und dieses ist es auch nur, was ich des Folgenden wegen hiebei anzumerken nötig finde.
4 Die Modalität der Urteile ist eine ganz besondere Funktion derselben, die das Unterscheidende an sich
B 100 hat, daß sie nichts zum Inhalte des Urteils beiträgt, (denn außer Größe, Qualität und Verhältnis ist nichts mehr, was den Inhalt eines Urteils ausmachte,) sondern nur den Wert der Copula in Beziehung auf das Denken überhaupt angeht. Problematische Urteile sind solche, wo man das Bejahen oder Verneinen als bloß möglich (beliebig) annimmt. Assertorische, da es als wirklich (wahr) betrachtet wird. Apodiktische, in denen man es als notwendig ansieht*. So sind die beiden Urteile, deren Verhältnis das hypothetische Urteil ausmacht, (antecedens und consequens), imgleichen in deren Wechselwirkung das Disjunktive besteht, (Glieder der Einteilung) insgesamt nur problematisch. In dem obigen Beispiel wird der Satz: es ist eine vollkommene Gerechtigkeit da, nicht assertorisch gesagt, sondern nur als ein beliebiges Urteil, wovon es möglich ist, daß jemand es annehme, gedacht, und nur die Konsequenz ist assertorisch. Daher können solche Urteile auch offenbar falsch sein, und doch, problematisch genommen, Bedingungen der Erkenntnis der Wahrheit sein. So ist das Urteil: die Welt ist durch blinden Zufall da, in dem disjunktiven Urteil nur von problematischer Bedeutung, nämlich, daß jemand diesen Satz etwa auf
B 101 eignen Augenblick annehmen möge, und dient doch, (wie die Verzeichnung des falschen Weges, unter der Zahl aller derer, die man nehmen kann,) den wahren zu finden. Der problematische Satz ist also derjenige, der nur logische Möglichkeit (die nicht objektiv ist) ausdrückt, d.i. eine freie Wahl einen solchen Satz gelten zu lassen, eine bloß willkürliche Aufnehmung desselben in den Verstand. Der assertorische sagt von logischer Wirklichkeit oder Wahrheit, wie etwa in einem hypothetischen Vernunftschluß das Antecedens im Obersatze problematisch, im Untersatze assertorisch vorkommt, und zeigt an, daß der Satz mit dem Verstande nach dessen Gesetzen schon verbunden sei, der apodiktische Satz denkt sich den assertorischen durch diese Gesetze des Verstandes selbst bestimmt, und daher a priori behauptend, und drückt auf solche Weise logische Notwendigkeit aus. Weil nun hier alles sich gradweise dem Verstande einverleibt, so daß man zuvor etwas problematisch urteilt, darauf auch wohl es assertorisch als wahr annimmt, endlich als unzertrennlich mit dem Verstande verbunden, d.i. als notwendig und apodiktisch behauptet, so kann man diese drei Funktionen der Modalität auch so viel Momente des Denkens überhaupt nennen.
* Gleich, als wenn das Denken im ersten Fall eine Funktion des Verstandes, im zweiten der Urteilskraft, im dritten der Vernunft wäre. Eine Bemerkung, die erst in der Folge ihre Aufklärung erwartet.
B 102 Des Leitfadens der Entdeckung aller reinen Verstandesbegriffe Dritter Abschnitt
§ 10 Von den reinen Verstandesbegriffen oder Kategorien
Die allgemeine Logik abstrahiert, wie mehrmalen schon gesagt worden, von allem Inhalt der Erkenntnis, und erwartet, daß ihr anderwärts, woher es auch sei, Vorstellungen gegeben werden, um diese zuerst in Begriffe zu verwandeln, welches analytisch zugeht. Dagegen hat die transzendentale Logik ein Mannigfaltiges der Sinnlichkeit a priori vor sich liegen, welches die transzendentale Ästhetik ihr darbietet, um zu den reinen Verstandesbegriffen einen Stoff zu geben, ohne den sie ohne allen Inhalt, mithin völlig leer sein würde. Raum und Zeit enthalten nun ein Mannigfaltiges der reinen Anschauung a priori, gehören aber gleichwohl zu den Bedingungen der Rezeptivität unseres Gemüts, unter denen es allein Vorstellungen von Gegenständen empfangen kann, die mithin auch den Begriff derselben jederzeit affizieren müssen. Allein die Spontaneität unseres Denkens erfordert es, daß dieses Mannigfaltige zuerst auf gewisse Weise durchgegangen, aufgenommen, und verbunden werde, um daraus eine Erkenntnis zu machen. Diese Handlung nenne ich Synthesis.
B 103 Ich verstehe aber unter Synthesis in der allgemeinsten Bedeutung die Handlung, verschiedene Vorstellungen zueinander hinzuzutun, und ihre Mannigfaltigkeit in einer Erkenntnis zu begreifen. Eine solche Synthesis ist rein, wenn das Mannigfaltige nicht empirisch, sondern a priori gegeben ist (wie das im Raum und der Zeit). Vor aller Analysis unserer Vorstellungen müssen diese zuvor gegeben sein, und es können keine Begriffe dem Inhalte nach analytisch entspringen. Die Synthesis eines Mannigfaltigen aber (es sei empirisch oder a priori gegeben), bringt zuerst eine Erkenntnis hervor, die zwar anfänglich noch roh und verworren sein kann, und also der Analysis bedarf; allein die Synthesis ist doch dasjenige, was eigentlich die Elemente zu Erkenntnissen sammelt, und zu einem gewissen Inhalte vereinigt; sie ist also das erste, worauf wir acht zu geben haben, wenn wir über den ersten Ursprung unserer Erkenntnis urteilen wollen.
Die Synthesis überhaupt ist, wie wir künftig sehen werden, die bloße Wirkung der Einbildungskraft, einer blinden, obgleich unentbehrlichen Funktion der Seele, ohne die wir überall gar keine Erkenntnis haben würden, der wir uns aber selten nur einmal bewußt sind. Allein, diese Synthesis auf Begriffe zu bringen, das ist eine Funktion, die dem Verstande zukommt, und wodurch er uns allererst die Erkenntnis in eigentlicher Bedeutung verschafft.
B 104 Die reine Synthesis, allgemein vorgestellt, gibt nun den reinen Verstandesbegriff. Ich verstehe aber unter dieser Synthesis diejenige, welche auf einem Grunde der synthetischen Einheit a priori beruht: so ist unser Zählen (vornehmlich ist es in größeren Zahlen merklicher) eine Synthesis nach Begriffen, weil sie nach einem gemeinschaftlichen Grunde der Einheit geschieht (z.E. der Dekadik). Unter diesem Begriffe wird also die Einheit in der Synthesis des Mannigfaltigen notwendig.
Analytisch werden verschiedene Vorstellungen unter einen Begriff gebracht, (ein Geschäft, wovon die allgemeine Logik handelt). Aber nicht die Vorstellungen, sondern die reine Synthesis der Vorstellungen auf Begriffe zu bringen, lehrt die transz. Logik. Das erste, was uns zum Behuf der Erkenntnis aller Gegenstände a priori gegeben sein muß, ist das Mannigfaltige der reinen Anschauung; die Synthesis dieses Mannigfaltigen durch die Einbildungskraft ist das zweite, gibt aber noch keine Erkenntnis. Die Begriffe, welche dieser reinen Synthesis Einheit geben, und lediglich in der Vorstellung dieser notwendigen synthetischen Einheit bestehen, tun das dritte zum Erkenntnisse eines vorkommenden Gegenstandes, und beruhen auf dem Verstande.
Dieselbe Funktion, welche den verschiedenen Vorstellungen in einem Urteile Einheit gibt, die gibt auch
B 105 der bloßen Synthesis verschiedene Vorstellungen in einer Anschauung Einheit, welche, allgemein ausgedrückt, der reine Verstandesbegriff heißt. Derselbe Verstand also, und zwar durch eben dieselben Handlungen, wodurch er in Begriffen, vermittelst der analytischen Einheit, die logische Form eines Urteils zustande brachte, bringt auch, vermittelst der synthetischen Einheit des Mannigfaltigen in der Anschauung überhaupt, in seine Vorstellungen einen transzendentalen Inhalt, weswegen sie reine Verstandesbegriffe heißen, die a priori auf Objekte gehen, welches die allgemeine Logik nicht leisten kann.
Auf solche Weise entspringen gerade so viel reine Verstandesbegriffe, welche a priori auf Gegenstände der Anschauung überhaupt gehen, als es in der vorigen Tafel logische Funktionen in allen möglichen Urteilen gab: denn der Verstand ist durch gedachte Funktionen völlig erschöpft, und sein Vermögen dadurch gänzlich ausgemessen. Wir wollen diese Begriffe, nach dem Aristoteles Kategorien nennen, indem unsere Absicht uranfänglich mit der seinigen zwar einerlei ist, ob sie sich gleich davon in der Ausführung gar sehr entfernt.
B 106 Tafel der Kategorien
1 Der Quantität: Einheit Vielheit Allheit.
2 Der Qualität: Realität Negation Limitation.
3 Der Relation: der Inhärenz und Subsistenz (substantia et accidens) der Kausalität und Dependenz (Ursache und Wirkung) der Gemeinschaft (Wechselwirkung zwischen dem Handelnden und Leidenden).
4 Der Modalität: Möglichkeit - Unmöglichkeit Dasein - Nichtsein Notwendigkeit - Zufälligkeit.
Dieses ist nun die Verzeichnung aller ursprünglich reinen Begriffe der Synthesis, die der Verstand a priori in sich enthält, und um derentwillen er auch nur ein reiner Verstand ist; indem er durch sie allein etwas bei dem Mannigfaltigen der Anschauung verstehen, d.i. ein Objekt derselben denken kann. Diese Einteilung ist systematisch aus einem gemeinschaftlichen Prinzip, nämlich dem Vermögen zu urteilen, (welches ebensoviel ist, als das Vermögen zu denken,) erzeugt, und nicht rhapsodistisch, aus einer auf gut Glück unternommenen Aufsuchung reiner Begriffe entstanden, von deren Vollzähligkeit
B 107 man niemals gewiß sein kann, da sie nur durch Induktion geschlossen wird, ohne zu gedenken, daß man noch auf die letztere Art niemals einsieht, warum denn gerade diese und nicht andere Begriffe dem reinen Verstande beiwohnen. Es war ein eines scharfsinnigen Mannes würdiger Anschlag des Aristoteles, diese Grundbegriffe aufzusuchen. Da er aber kein Prinzipium hatte, so raffte er sie auf, wie sie ihm aufstießen, und trieb deren zuerst zehn auf, die er Kategorien (Prädikamente) nannte. In der Folge glaubte er noch ihrer fünfe aufgefunden zu haben, die er unter dem Namen der Postprädikamente hinzufügte. Allein seine Tafel blieb noch immer mangelhaft. Außerdem finden sich auch einige modi der reinen Sinnlichkeit darunter, (quando, ubi, situs, imgleichen prius, simul,) auch ein empirischer, (motus) die in dieses Stammregister des Verstandes gar nicht gehören, oder es sind auch die abgeleiteten Begriffe mit unter die Urbegriffe gezählt, (actio, passio,) und an einigen der letzteren fehlt es gänzlich.
Um der letzteren willen ist also noch zu bemerken: daß die Kategorien, als die wahren Stammbegriffe des reinen Verstandes, auch ihre ebenso reinen abgeleiteten Begriffe haben, die in einem vollständigen System der Transzendental-Philosophie keineswegs übergangen werden können, mit deren bloßer Erwähnung aber ich in einem bloß kritischen Versuch zufrieden sein kann.
B 108 Es sei mir erlaubt, diese reinen, aber abgeleiteten Verstandesbegriffe die Prädikabilien des reinen Verstandes (im Gegensatz der Prädikamente) zu nennen. Wenn man die ursprünglichen und primitiven Begriffe hat, so lassen sich die abgeleiteten und subalternen leicht hinzufügen, und der Stammbaum des reinen Verstandes völlig ausmalen. Da es mir hier nicht um die Vollständigkeit des Systems, sondern nur der Prinzipien zu einem System zu tun ist, so verspare ich diese Ergänzung auf eine andere Beschäftigung. Man kann aber diese Absicht ziemlich erreichen, wenn man die Ontologischen Lehrbücher zur Hand nimmt, und z.B. der Kategorie der Kausalität die Prädikabilien der Kraft, der Handlung, des Leidens; der der Gemeinschaft die der Gegenwart, des Widerstandes; den Prädikamenten der Modalität die des Entstehens, Vergehens, der Veränderung usw. unterordnet. Die Kategorien mit den modis der reinen Sinnlichkeit oder auch untereinander verbunden, geben eine große Menge abgeleiteter Begriffe a priori, die zu bemerken, und wo möglich, bis zur Vollständigkeit zu verzeichnen, eine nützliche und nicht unangenehme, hier aber entbehrliche Bemühung sein würde.
Der Definitionen dieser Kategorien überhebe ich mich in dieser Abhandlung geflissentlich, ob ich gleich im Besitz derselben sein möchte. Ich werde diese Begriffe in der Folge bis auf den Grad zergliedern, welcher in Beziehung auf die Methodenlehre, die ich bearbeite,
B 109 hinreichend ist. In einem System der reinen Vernunft würde man sie mit Recht von mir fordern können: aber hier würden sie nur den Hauptpunkt der Untersuchung aus den Augen bringen, indem sie Zweifel und Angriffe erregten, die man, ohne der wesentlichen Absicht etwas zu entziehen, gar wohl auf eine andere Beschäftigung verweisen kann. Indessen leuchtet doch aus dem wenigen, was ich hievon angeführt habe, deutlich hervor, daß ein vollständiges Wörterbuch mit allen dazu erforderlichen Erklärungen nicht allein möglich, sondern auch leicht sei zustande zu bringen. Die Fächer sind einmal da; es ist nur nötig, sie auszufüllen, und eine systematische Topik, wie die gegenwärtige, laßt nicht leicht die Stelle verfehlen, dahin ein jeder Begriff eigentümlich gehört, und zugleich diejenige leicht bemerken, die noch leer ist.
§ 11
Über diese Tafel der Kategorien lassen sich artige Betrachtungen anstellen, die vielleicht erhebliche Folgen in Ansehung der wissenschaftlichen Form aller Vernunfterkenntnisse haben könnten. Denn daß diese Tafel im theoretischen Teile der Philosophie ungemein dienlich, ja unentbehrlich sei, den Plan zum Ganzen einer Wissenschaft, sofern sie auf Begriffen a priori beruht, vollständig zu entwerfen, und sie mathematisch nach bestimmten Prinzipien abzuteilen, erhellt schon von selbst daraus, daß gedachte Tafel alle Elementarbegriffe des Verstandes vollständig, ja selbst die Form eines
B 110 Systems derselben im menschlichen Verstande enthält, folglich auf alle Momente einer vorhabenden spekulativen Wissenschaft, ja sogar ihre Ordnung, Anweisung gibt, wie ich denn auch davon anderwärts* eine Probe gegeben habe. Hier sind nun einige dieser Anmerkungen.
* Metaphys. Anfangsgr. der Naturwissensch.
Die erste ist: daß sich diese Tafel, welche vier Klassen von Verstandesbegriffen enthält, zuerst in zwei Abteilungen zerfällen lasse, deren erstere auf Gegenstände der Anschauung (der reinen sowohl als empirischen), die zweite aber auf die Existenz dieser Gegenstände (entweder in Beziehung aufeinander oder auf den Verstand) gerichtet sind.
Die erste Klasse würde ich die der mathematischen, die zweite der dynamischen Kategorien nennen. Die erste Klasse hat, wie man sieht, keine Korrelate, die allein in der zweiten Klasse angetroffen werden. Dieser Unterschied muß doch einen Grund in der Natur des Verstandes haben.
2te Anmerk. Daß allerwärts eine gleiche Zahl der Kategorien jeder Klasse, nämlich drei sind, welches eben sowohl zum Nachdenken auffordert, da sonst alle Einteilung a priori durch Begriffe Dichtomie sein muß. Dazu kommt aber noch, daß die dritte Kategorie allenthalben aus der Verbindung der zweiten mit der ersten ihrer Klasse entspringt.
B 111 So ist die Allheit (Totalität) nichts anderes als die Vielheit als Einheit betrachtet, die Einschränkung nichts anderes als Realität mit Negation verbunden, die Gemeinschaft ist die Kausalität einer Substanz in Bestimmung der anderen wechselseitig, endlich die Notwendigkeit nichts anderes als die Existenz, die durch die Möglichkeit selbst gegeben ist. Man denke aber ja nicht, daß darum die dritte Kategorie ein bloß abgeleiteter und kein Stammbegriff des reinen Verstandes sei. Denn die Verbindung der ersten und zweiten, um den dritten Begriff hervorzubringen, erfordert einen besonderen Aktus des Verstandes, der nicht mit dem einerlei ist, der beim ersten und zweiten ausgeübt wird. So ist der Begriff einer Zahl (die zur Kategorie, der Allheit gehört) nicht immer möglich, wo die Begriffe der Menge und der Einheit sind (z.B. in der Vorstellung des Unendlichen), oder daraus, daß ich den Begriff einer Ursache und den einer Substanz beide verbinde, noch nicht sofort der Einfluß, d.i. wie eine Substanz Ursache von etwas in einer anderen Substanz werden könne, zu verstehen. Daraus erhellt, daß dazu ein besonderer Aktus des Verstandes erforderlich sei; und so bei den übrigen.
3te Anmerk. Von einer einzigen Kategorie, nämlich der der Gemeinschaft, die unter dem dritten Titel befindlich ist, ist die Übereinstimmung mit der in der Tafel der Logischen Funktionen ihm korrespondierenden
B 112 Form eines disjunktiven Urteils nicht so in die Augen fallend, als bei den übrigen.
Um sich dieser Übereinstimmung zu versichern, muß man bemerken: daß in allen disjunktiven Urteilen die Sphäre (die Menge alles dessen, was unter ihm enthalten ist) als ein Ganzes in Teile (die untergeordneten Begriffe) geteilt vorgestellt wird, und, weil einer nicht unter dem anderen enthalten sein kann, sie als einander koordiniert, nicht subordiniert, so daß sie einander nicht einseitig, wie in einer Reihe, sondern wechselseitig, wie in einem Aggregat, bestimmen (wenn ein Glied der Einteilung gesetzt wird, alle übrigen ausgeschlossen werden, und so umgekehrt), gedacht werden.
Nun wird eine ähnliche Verknüpfung in einem Ganzen der Dinge gedacht, da nicht eines, als Wirkung, dem anderen, als Ursache seines Daseins, untergeordnet, sondern zugleich und wechselseitig als Ursache in Ansehung der Bestimmung der anderen beigeordnet wird, (z.B. in einem Körper, dessen Teile einander wechselseitig ziehen, und auch widerstehen,) welches eine ganz andere Art der Verknüpfung ist, als die, so im bloßen Verhältnis der Ursache zur Wirkung (des Grundes zur Folge) angetroffen wird, in welchem die Folge nicht wechselseitig wiederum den Grund bestimmt, und darum mit diesem (wie der Weltschöpfer mit der Welt) nicht ein Ganzes ausmacht. Dasselbe Verfahren des Verstandes, wenn er sich die Sphäre eines eingeteilten
B 113 Begriffes vorstellt, beobachtet er auch, wenn er ein Ding als teilbar denkt, und, wie die Glieder der Einteilung im ersteren einander ausschließen und doch in einer Sphäre verbunden sind, so stellt er sich die Teile des letzteren als solche, deren Existenz (als Substanzen) jedem auch ausschließlich von den übrigen zukommt, doch als in einem Ganzen verbunden vor.
§ 12
Es findet sich aber in der Transzendentalphilosophie der Alten noch ein Hauptstück vor, welches reine Verstandesbegriffe enthält, die, ob sie gleich nicht unter die Kategorien gezählt werden, dennoch, nach ihnen, als Begriffe a priori von Gegenständen gelten sollten, in welchem Falle sie aber die Zahl der Kategorien vermehren würden, welches nicht sein kann. Diese trägt der unter den Scholastikern so berufene Satz vor: quodlibet ens est unum, verum, bonum. Ob nun zwar der Gebrauch dieses Prinzips in Absicht auf die Folgerungen (die lauter tautologische Sätze gaben) sehr kümmerlich ausfiel, so, daß man es auch in neueren Zeiten beinahe nur ehrenhalber in der Metaphysik aufzustellen pflegt, so verdient doch ein Gedanke, der sich so lange Zeit erhalten hat, so leer er auch zu sein scheint, immer eine Untersuchung seines Ursprunges, und berechtigt zur Vermutung, daß er in irgend einer Verstandesregel seinen Grund habe, der nur, wie es oft geschieht, falsch gedolmetscht worden. Diese vermeintlich transzendentalen
B 114 Prädikate der Dinge sind nichts anderes als Logische Erfordernisse und Kriterien aller Erkenntnis der Dinge überhaupt, und legen ihr die Kategorien der Quantität, nämlich der Einheit, Vielheit und Allheit, zum Grunde, nur daß sie diese, welche, eigentlich material, als zur Möglichkeit der Dinge selbst gehörig, genommen werden müßten, in der Tat nur in formaler Bedeutung als zur logischen Forderung in Ansehung jeder Erkenntnis gehörig brauchten, und doch diese Kriterien des Denkens unbehutsamerweise zu Eigenschaften der Dinge an sich selbst machten. In jedem Erkenntnisse eines Objektes ist nämlich Einheit des Begriffes, welche man qualitative Einheit nennen kann, sofern darunter nur die Einheit der Zusammenfassung des Mannigfaltigen der Erkenntnisse gedacht wird, wie etwa die Einheit des Thema in einem Schauspiel, einer Rede, einer Fabel. Zweitens Wahrheit in Ansehung der Folgen. Je mehr wahre Folgen aus einem gegebenen Begriffe, desto mehr Kennzeichen seiner objektiven Realität. Dieses könnte man die qualitative Vielheit der Merkmale, die zu einem Begriffe als einem gemeinschaftlichen Grunde gehören, (nicht in ihm als Größe gedacht werden,) nennen. Endlich drittens Vollkommenheit, die darin besteht, daß umgekehrt diese Vielheit zusammen auf die Einheit des Begriffes zurückführt, und zu diesem und keinem anderen völlig zusammenstimmt, welches man die qualitative Vollständigkeit (Totalität) nennen kann. Woraus
B 115 erhellt, daß diese logischen Kriterien der Möglichkeit der Erkenntnis überhaupt die drei Kategorien der Größe, in denen die Einheit in der Erzeugung des Quantums durchgängig gleichartig angenommen werden muß, hier nur in Absicht auf die Verknüpfung auch ungleichartiger Erkenntnisstücke in einem Bewußtsein durch die Qualität eines Erkenntnisses als Prinzips verwandeln. So ist das Kriterium der Möglichkeit eines Begriffs (nicht des Objekts derselben) die Definition, in der die Einheit des Begriffs, die Wahrheit alles dessen, was zunächst aus ihm abgeleitet werden mag, endlich die Vollständigkeit dessen, was aus ihm gezogen worden, zur Herstellung des ganzen Begriffs das Erforderliche desselben ausmacht; oder so ist auch das Kriterium einer Hypothese die Verständlichkeit des angenommenen Erklärungsgrundes oder dessen Einheit (ohne Hilfshypothese) die Wahrheit (Übereinstimmung unter sich selbst und mit der Erfahrung) der daraus abzuleitenden Folgen, und endlich die Vollständigkeit des Erklärungsgrundes zu ihnen, die auf nichts mehr noch weniger zurückweisen, als in der Hypothese angenommen worden, und das, was a priori synthetisch gedacht war, a posteriori analytisch wieder liefern und dazu zusammenstimmen. - Also wird durch die Begriffe von Einheit, Wahrheit und Vollkommenheit die transzendentale Tafel der Kategorien gar nicht, als wäre sie etwa mangelhaft, ergänzt, sondern nur, indem das Verhältnis dieses Begriffe auf Objekte
B 116 gänzlich beiseite gesetzt wird, das Verfahren mit ihnen unter allgemeine logische Regeln der Übereinstimmung der Erkenntnis mit sich selbst gebracht.
Der transzendentalen Analytik Zweites Hauptstück Von der Deduktion der reinen Verstandesbegriffe
Erster Abschnitt
§ 13 Von den Prinzipien einer transz. Deduktion überhaupt
Die Rechtslehrer, wenn sie von Befugnissen und Anmaßungen reden, unterscheiden in einem Rechtshandel die Frage über das, was Rechtens ist, (quid juris) von der, die die Tatsache angeht, (quid facti) und indem sie von beiden Beweis fordern, so nennen sie den ersteren, der die Befugnis, oder auch den Rechtsanspruch dartun soll, die Deduktion. Wir bedienen uns einer Menge empirischer Begriffe ohne jemandes Widerrede, und halten uns auch ohne Deduktion berechtigt, ihnen einen Sinn und eingebildete Bedeutung zuzueignen, weil wir jederzeit die Erfahrung bei der Hand
B 117 haben, ihre objektive Realität zu beweisen. Es gibt indessen auch usurpierte Begriffe, wie etwa Glück, Schicksal, die zwar mit fast allgemeiner Nachsicht herumlaufen, aber doch bisweilen durch die Frage: quid juris, in Anspruch genommen werden, da man alsdann wegen der Deduktion derselben in nicht geringe Verlegenheit gerät, indem man keinen deutlichen Rechtsgrund weder aus der Erfahrung, noch der Vernunft anführen kann, dadurch die Befugnis seines Gebrauchs deutlich würde.
Unter den mancherlei Begriffen aber, die das sehr vermischte Gewebe der menschlichen Erkenntnis ausmachen, gibt es einige, die auch zum reinen Gebrauch a priori (völlig unabhängig von aller Erfahrung) bestimmt sind, und dieser ihre Befugnis bedarf jederzeit einer Deduktion; weil zu der Rechtmäßigkeit eines solchen Gebrauchs Beweise aus der Erfahrung nicht hinreichend sind, man aber doch wissen muß, wie diese Begriffe sich auf Objekte beziehen können, die sie doch aus keiner Erfahrung hernehmen. Ich nenne daher die Erklärung der Art, wie sich Begriffe a priori auf Gegenstände beziehen können, die transzendentale Deduktion derselben, und unterscheide sie von der empirischen Deduktion, welche die Art anzeigt, wie ein Begriff durch Erfahrung und Reflexion über dieselbe erworben worden, und daher nicht die Rechtmäßigkeit, sondern das Faktum betrifft, wodurch der Besitz entsprungen.
B 118 Wir haben jetzt schon zweierlei Begriffe von ganz verschiedener Art, die doch darin miteinander übereinkommen, daß sie beiderseits völlig a priori sich auf Gegenstände beziehen, nämlich, die Begriffe des Raumes und der Zeit, als Formen der Sinnlichkeit, und die Kategorien, als Begriffe des Verstandes. Von ihnen eine empirische Deduktion versuchen wollen, würde ganz vergebliche Arbeit sein; weil eben darin das Unterscheidende ihrer Natur liegt, daß sie sich auf ihre Gegenstände beziehen, ohne etwas zu deren Vorstellung aus der Erfahrung entlehnt zu haben. Wenn also eine Deduktion derselben nötig ist, so wird sie jederzeit transzendental sein müssen.
Indessen kann man von diesen Begriffen, wie von allem Erkenntnis, wo nicht das Prinzipium ihrer Möglichkeit, doch die Gelegenheitsursachen ihrer Erzeugung in der Erfahrung aufsuchen, wo alsdann die Eindrücke der Sinne den ersten Anlaß geben, die ganze Erkenntniskraft in Ansehung ihrer zu eröffnen, und Erfahrung zustande zu bringen, die zwei sehr ungleichartige Elemente enthält, nämlich eine Materie zur Erkenntnis aus den Sinnen und eine gewisse Form, sie zu ordnen, aus dem inneren Quell des reinen Anschauens und Denkens, die, bei Gelegenheit der ersteren, zuerst in Ausübung gebracht werden, und Begriffe hervorbringen. Ein solches Nachspüren der ersten Bestrebungen unserer Erkenntniskraft, um von einzelnen Wahrnehmungen zu
B 119 allgemeinen Begriffen zu steigen, hat ohne Zweifel seinen großen Nutzen, und man hat es dem berühmten Locke zu verdanken, daß er dazu zuerst den Weg eröffnet hat. Allein eine Deduktion der reinen Begriffe a priori kommt dadurch niemals zustande, denn sie liegt ganz und gar nicht auf diesem Wege, weil in Ansehung ihres künftigen Gebrauchs, der von der Erfahrung gänzlich unabhängig sein soll, sie einen ganz anderen Geburtsbrief, als den der Abstammung von Erfahrungen, müssen aufzuzeigen haben. Diese versuchte physiologische Ableitung, die eigentlich gar nicht Deduktion heißen kann, weil sie eine quaestionem facti betrifft, will ich daher die Erklärung des Besitzes einer reinen Erkenntnis nennen. Es ist also klar, daß von diesen allein es eine transzendentale Deduktion und keineswegs eine empirische geben könne, und daß letztere, in Ansehung der reinen Begriffe a priori, nichts als eitle Versuche sind, womit sich nur derjenige beschäftigen kann, welcher die ganz eigentümliche Natur dieser Erkenntnisse nicht begriffen hat.
Ob nun aber gleich die einzige Art einer möglichen Deduktion der reinen Erkenntnis a priori, nämlich die auf dem transzendentalen Wege eingeräumt wird, so erhellt dadurch doch eben nicht, daß sie so unumgänglich notwendig sei. Wir haben oben die Begriffe des Raumes und der Zeit, vermittelst einer transzendentalen Deduktion zu ihren Quellen verfolgt, und ihre
B 120 objektive Gültigkeit a priori erklärt und bestimmt. Gleichwohl geht die Geometrie ihren sicheren Schritt durch lauter Erkenntnisse a priori, ohne daß sie sich, wegen der reinen und gesetzmäßigen Abkunft ihres Grundbegriffs vom Raume, von der Philosophie einen Beglaubigungsschein erbitten darf. Allein der Gebrauch des Begriffs geht in dieser Wissenschaft auch nur auf die äußere Sinnenwelt, von welcher der Raum die reine Form ihrer Anschauung ist, in welcher also alle geometrische Erkenntnis, weil sie sich auf Anschauung a priori gründet, unmittelbare Evidenz hat, und die Gegenstände durch die Erkenntnis selbst, a priori (der Form nach) in der Anschauung, gegeben werden. Dagegen fängt mit den reinen Verstandesbegriffen die unumgängliche Bedürfnis an, nicht allein von ihnen selbst, sondern auch vom Raum die transzendentale Deduktion zu suchen, weil, da sie von Gegenständen nicht durch Prädikate der Anschauung und der Sinnlichkeit, sondern des reinen Denkens a priori redet, sie sich auf Gegenstände ohne alle Bedingungen der Sinnlichkeit allgemein beziehen, und die, da sie nicht auf Erfahrung gegründet sind, auch in der Anschauung a priori kein Objekt vorzeigen können, worauf sie vor aller Erfahrung ihre Synthesis gründeten, und daher nicht allein wegen der objektiven Gültigkeit und Schranken ihres Gebrauchs Verdacht erregen, sondern auch jenen Begriff des Raumes zweideutig machen, dadurch, daß sie ihn über die
B 121 Bedingungen der sinnlichen Anschauung zu gebrauchen geneigt sind, weshalb auch oben von ihm eine transzendentale Deduktion vonnöten war. So muß denn der Leser von der unumgänglichen Notwendigkeit einer solchen transzendentalen Deduktion, ehe er einen einzigen Schritt im Felde der reinen Vernunft getan hat, überzeugt werden; weil er sonst blind verfährt, und, nachdem er mannigfaltig umhergeirrt hat, doch wieder zu der Unwissenheit zurückkehren muß, von der er ausgegangen war. Er muß aber auch die unvermeidliche Schwierigkeit zum voraus deutlich einsehen, damit er nicht über Dunkelheit klage, wo die Sache selbst tief eingehüllt ist, oder über die Wegräumung der Hindernisse zu früh verdrossen werden, weil es darauf ankommt, entweder alle Ansprüche zu Einsichten der reinen Vernunft, als das beliebteste Feld, nämlich dasjenige über die Grenzen aller möglichen Erfahrung hinaus, völlig aufzugeben, oder diese kritische Untersuchung zur Vollkommenheit zu bringen.
Wir haben oben an den Begriffen des Raumes und der Zeit mit leichter Mühe begreiflich machen können, wie diese als Erkenntnisse a priori sich gleichwohl auf Gegenstände notwendig beziehen müssen; und eine synthetische Erkenntnis derselben, unabhängig von aller Erfahrung, möglich machten. Denn da nur vermittelst solcher reinen Formen der Sinnlichkeit uns ein Gegenstand erscheinen, d.i. ein Objekt der empirischen Anschauung sein kann, so sind Raum und Zeit reine Anschauungen, welche die
B 122 Bedingung der Möglichkeit der Gegenstände als Erscheinungen a priori enthalten, und die Synthesis in denselben hat objektive Gültigkeit.
Die Kategorien des Verstandes dagegen stellen uns gar nicht die Bedingungen vor, unter denen Gegenstände in der Anschauung gegeben werden, mithin können uns allerdings Gegenstände erscheinen, ohne daß sie sich notwendig auf Funktionen des Verstandes beziehen müssen, und dieser also die Bedingungen derselben a priori enthielte. Daher zeigt sich hier eine Schwierigkeit, die wir im Felde der Sinnlichkeit nicht antrafen, wie nämlich subjektive Bedingungen des Denkens sollten objektive Gültigkeit haben, d.i. Bedingungen der Möglichkeit aller Erkenntnis der Gegenstände abgeben: denn ohne Funktionen des Verstandes können allerdings Erscheinungen in der Anschauung gegeben werden. Ich nehme z.B. den Begriff der Ursache, welcher eine besondere Art der Synthesis bedeutet, da auf etwas A was ganz verschiedenes B nach einer Regel gesetzt wird. Es ist a priori nicht klar, warum Erscheinungen etwas dergleichen enthalten sollten, (denn Erfahrungen kann man nicht zum Beweise anführen, weil die objektive Gültigkeit dieses Begriffs a priori muß dargetan werden können,) und es ist daher a priori zweifelhaft, ob ein solcher Begriff nicht etwa gar leer sei und überall unter den Erscheinungen keinen Gegenstand antreffe. Denn daß Gegenstände der sinnlichen Anschauung den im Gemüt a priori
B 123 liegenden formalen Bedingungen der Sinnlichkeit gemäß sein müssen, ist daraus klar, weil sie sonst nicht Gegenstände für uns sein würden; daß sie aber auch überdem den Bedingungen, deren der Verstand zur synthetischen Einsicht des Denkens bedarf, gemäß sein müssen, davon ist die Schlußfolge nicht so leicht einzusehen. Denn es könnten wohl allenfalls Erscheinungen so beschaffen sein, daß der Verstand sie den Bedingungen seiner Einheit gar nicht gemäß fände, und alles so in Verwirrung läge, daß z.B. in der Reihenfolge der Erscheinungen sich nichts darböte, was eine Regel der Synthesis an die Hand gäbe, und also dem Begriffe der Ursache und Wirkung entspräche, so daß dieser Begriff also ganz leer, nichtig und ohne Bedeutung wäre. Erscheinungen würden nichtsdestoweniger unserer Anschauung Gegenstände darbieten, denn die Anschauung bedarf der Funktionen des Denkens auf keine Weise.
Gedächte man sich von der Mühsamkeit dieser Untersuchungen dadurch loszuwickeln, daß man sagte: Die Erfahrung böte unablässig Beispiele einer solchen Regelmäßigkeit der Erscheinungen dar, die genugsam Anlaß geben, den Begriff der Ursache davon abzusondern, und dadurch zugleich die objektive Gültigkeit eines solchen Begriffs zu bewähren, so bemerkt man nicht, daß auf diese Weise der Begriff der Ursache gar nicht entspringen kann, sondern daß er entweder völlig a priori im Verstande müsse gegründet sein, oder als ein bloßes Hirngespinst
B 124 gänzlich aufgegeben werden müsse. Denn dieser Begriff erfordert durchaus, daß etwas A von der Art sei, daß ein anderes B daraus notwendig und nach einer schlechthin allgemeinen Regel folge. Erscheinungen geben gar wohl Fälle an die Hand, aus denen eine Regel möglich ist, nach der etwas gewöhnlichermaßen geschieht, aber niemals, daß der Erfolg notwendig sei: daher der Synthesis der Ursache und Wirkung auch eine Dignität anhängt, die man gar nicht empirisch ausdrücken kann, nämlich, daß die Wirkung nicht bloß zu der Ursache hinzukomme, sondern durch dieselbe gesetzt sei, und aus ihr erfolge. Die strenge Allgemeinheit der Regel ist auch gar keine Eigenschaft empirischer Regeln, die durch Induktion keine andere als komparative Allgemeinheit, d.i. ausgebreitete Brauchbarkeit bekommen können. Nun würde sich aber der Gebrauch der reinen Verstandesbegriffe gänzlich ändern, wenn man sie nur als empirische Produkte behandeln wollte.
§ 14 Übergang zur transz. Deduktion der Kategorien
Es sind nur zwei Fälle möglich, unter denen synthetische Vorstellung und ihre Gegenstände zusammentreffen, sich aufeinander notwendigerweise beziehen, und gleichsam einander begegnen können. Entweder wenn der Gegenstand die Vorstellung, oder diese den
B 125 Gegenstand allein möglich macht. Ist das erstere, so ist diese Beziehung nur empirisch, und die Vorstellung ist niemals a priori möglich. Und dies ist der Fall mit Erscheinung, in Ansehung dessen, was an ihnen zur Empfindung gehört. Ist aber das zweite, weil Vorstellung an sich selbst (denn von dessen Kausalität, vermittelst des Willens, ist hier gar nicht die Rede,) ihren Gegenstand dem Dasein nach nicht hervorbringt, so ist doch die Vorstellung in Ansehung des Gegenstandes alsdann a priori bestimmend, wenn durch sie allein es möglich ist, etwas als einen Gegenstand zu erkennen. Es sind aber zwei Bedingungen, unter denen allein die Erkenntnis eines Gegenstandes möglich ist, erstlich Anschauung, dadurch derselbe, aber nur als Erscheinung, gegeben wird: zweitens Begriff, dadurch ein Gegenstand gedacht wird, der dieser Anschauung entspricht. Es ist aber aus dem obigen klar, daß die erste Bedingung, nämlich die, unter der allein Gegenstände angeschaut werden können, in der Tat den Objekten der Form nach a priori im Gemüt zum Grunde liegen. Mit dieser formalen Bedingung der Sinnlichkeit stimmen also alle Erscheinungen notwendig überein, weil sie nur durch dieselbe erscheinen, d.i. empirisch angeschaut und gegeben werden können. Nun frägt es sich, ob nicht auch Begriffe a priori vorausgehen, als Bedingungen, unter denen allein etwas, wenngleich nicht angeschaut, dennoch als Gegenstand überhaupt gedacht wird, denn alsdann ist alle
B 126 empirische Erkenntnis der Gegenstände solchen Begriffen notwendigerweise gemäß, weil, ohne deren Voraussetzung, nichts als Objekt der Erfahrung möglich ist. Nun enthält aber alle Erfahrung außer der Anschauung der Sinne, wodurch etwas gegeben wird, noch einen Begriff von einem Gegenstande, der in der Anschauung gegeben wird, oder erscheint: demnach werden Begriffe von Gegenständen überhaupt, als Bedingungen a priori aller Erfahrungserkenntnis zum Grunde liegen: folglich wird die objektive Gültigkeit der Kategorien, als Begriffe a priori, darauf beruhen, daß durch sie allein Erfahrung (der Form des Denkens nach) möglich sei. Denn alsdann beziehen sie sich notwendigerweise und a priori auf Gegenstände der Erfahrung, weil nur vermittelst ihrer überhaupt irgendein Gegenstand der Erfahrung gedacht werden kann.
Die transz. Deduktion aller Begriffe a priori hat also ein Prinzipium, worauf die ganze Nachforschung gerichtet werden muß, nämlich dieses: daß sie als Bedingungen a priori der Möglichkeit der Erfahrungen erkannt werden müssen, (es sei der Anschauung, die in ihr angetroffen wird, oder des Denkens). Begriffe, die den objektiven Grund der Möglichkeit der Erfahrung abgeben, sind eben darum notwendig. Die Entwicklung der Erfahrung aber, worin sie angetroffen werden, ist nicht ihre Deduktion, (sondern Illustration,) weil sie dabei doch nur zufällig sein würden. Ohne diese ursprüngliche
B 127 Beziehung auf mögliche Erfahrung, in welcher alle Gegenstände der Erkenntnis vorkommen, würde die Beziehung derselben auf irgendein Objekt gar nicht begriffen werden können.
Der berühmte Locke hatte, aus Ermangelung dieser Betrachtung, und weil er reine Begriffe des Verstandes in der Erfahrung antraf, sie auch von der Erfahrung abgeleitet, und verfuhr doch so inkonsequent, daß er damit Versuche zu Erkenntnissen wagte, die weit über alle Erfahrungsgrenze hinausgehen. David Hume erkannte, um das letztere tun zu können, sei es notwendig, daß diese Begriffe ihren Ursprung a priori haben müßten. Da er sich aber gar nicht erklären konnte, wie es möglich sei, daß der Verstand Begriffe, die an sich im Verstande nicht verbunden sind, doch als im Gegenstande notwendig verbunden denken müsse, und darauf nicht verfiel, daß vielleicht der Verstand durch diese Begriffe selbst Urheber der Erfahrung, worin seine Gegenstände angetroffen werden, sein könne, so leitete er sie, durch Not gedrungen, von der Erfahrung ab (nämlich von einer durch öftere Assoziation in der Erfahrung entsprungenen subjektiven Notwendigkeit, welche zuletzt fälschlich für objektiv gehalten wird, d.i. der Gewohnheit), verfuhr aber hernach sehr konsequent, darin, daß er es für unmöglich erklärte, mit diesen Begriffen und den Grundsätzen, die sie veranlassen, über die Erfahrungsgrenze hinauszugehen. Die empirische Ableitung
B 128 aber, worauf beide verfielen, läßt sich mit der Wirklichkeit der wissenschaftlichen Erkenntnisse a priori, die wir haben, nämlich der reinen Mathematik und allgemeinen Naturwissenschaft, nicht vereinigen, und wird also durch das Faktum widerlegt.
Der erste dieser beiden berühmten Männer öffnete der Schwärmerei Tür und Tor, weil die Vernunft, wenn sie einmal Befugnisse auf ihrer Seite hat, sich nicht mehr durch unbestimmte Anpreisungen der Mäßigung in Schranken halten läßt; der zweite ergab sich gänzlich dem Skeptizismus, da er einmal eine so allgemeine für Vernunft gehaltene Täuschung unseres Erkenntnisvermögens glaubte entdeckt zu haben. Wir sind jetzt im Begriffe einen Versuch zu machen, ob man nicht die menschliche Vernunft zwischen diesen beiden Klippen glücklich durchbringen, ihr bestimmte Grenzen anweisen, und dennoch das ganze Feld ihrer zweckmäßigen Tätigkeit für sie geöffnet erhalten können.
Vorher will ich nur noch die Erklärung der Kategorien voranschicken. Sie sind Begriffe von einem Gegenstande überhaupt, dadurch dessen Anschauung in Ansehung einer der logischen Funktionen zu Urteilen als bestimmt angesehen wird. So war die Funktion des kategorischen Urteils die des Verhältnisses des Subjekts zum Prädikat, z.B. alle Körper sind teilbar. Allein in Ansehung des bloß logischen Gebrauchs des Verstandes blieb es unbestimmt, welcher von beiden
B 129 Begriffen die Funktion des Subjekts, und welchem die des Prädikates man geben wolle. Denn man kann auch sagen: Einiges Teilbare ist ein Körper. Durch die Kategorie der Substanz aber, wenn ich den Begriff eines Körpers darunter bringe, wird es bestimmt: daß seine empirische Anschauung in der Erfahrung immer nur als Subjekt, niemals als bloßen Prädikat betrachtet werden müsse; und so in allen übrigen Kategorien.
Der Deduktion der reinen Verstandesbegriffe Zweiter Abschnitt Transzendentale Deduktion der reinen Verstandesbegriffe
§ 15 Von der Möglichkeit einer Verbindung überhaupt
Das Mannigfaltige der Vorstellungen kann in einer Anschauung gegeben werden, die bloß sinnlich d.i. nichts als Empfänglichkeit ist, und die Form dieser Anschauung kann a priori in unserem Vorstellungsvermögen liegen, ohne doch etwas anderes, als die Art zu sein, wie das Subjekt affiziert wird. Allein die Verbindung (conjunctio) eines Mannigfaltigen überhaupt, kann niemals durch Sinne in uns kommen, und kann also auch nicht in der reinen Form der sinnlichen Anschauung
B 130 zugleich mit enthalten sein; denn sie ist ein Aktus der Spontaneität der Vorstellungskraft, und, da man diese, zum Unterschiede von der Sinnlichkeit, Verstand nennen muß, so ist alle Verbindung, wir mögen uns ihrer bewußt werden oder nicht, es mag eine Verbindung des Mannigfaltigen der Anschauung, oder mancherlei Begriffe, und an der ersteren der sinnlichen, oder nicht sinnlichen Anschauung sein, eine Verstandeshandlung, die wir mit der allgemeinen Benennung Synthesis belegen würden, um dadurch zugleich bemerklich zu machen, daß wir uns nichts, als im Objekt verbunden, vorstellen können, ohne es vorher selbst verbunden zu haben, und unter allen Vorstellungen die Verbindung die einzige ist, die nicht durch Objekte gegeben, sondern nur vom Subjekte selbst verrichtet werden kann, weil sie ein Aktus seiner Selbsttändigkeit ist. Man wird hier leicht gewahr, daß diese Handlung ursprünglich einig, und für alle Verbindung gleichgeltend sein müsse, und daß die Auflösung Analysis, die ihr Gegenteil zu sein scheint, sie doch jederzeit voraussetze; denn wo der Verstand vorher nichts verbunden hat, da kann er auch nichts auflösen, weil es nur durch ihn als verbunden der Vorstellungskraft hat gegeben werden können.
Aber der Begriff der Verbindung führt außer dem Begriffe des Mannigfaltigen, und der Synthesis desselben, noch den der Einheit desselben bei sich. Verbindung ist Vorstellung der synthetischen Einheit des
B 131 Mannigfaltilgen*. Die Vorstellung dieser Einheit kann also nicht aus der Verbindung entstehen, sie macht vielmehr dadurch, daß sie zur Vorstellung des Mannigfaltigen hinzukommt, den Begriff der Verbindung allererst möglich. Diese Einheit, die a priori vor allen Begriffen der Verbindung vorhergeht, ist nicht etwa jene Kategorie der Einheit (§ 10); denn alle Kategorien gründen sich auf logische Funktionen in Urteilen, in diesen aber ist schon Verbindung, mithin Einheit gegebener Begriffe gedacht. Die Kategorie setzt also schon Verbindung voraus. Also müssen wir diese Einheit (als qualitative § 12) noch höher suchen, nämlich in demjenigen, was selbst den Grund der Einheit verschiedener Begriffe in Urteilen, mithin der Möglichkeit des Verstandes, sogar in seinem logischen Gebrauche, enthält.
* Ob die Vorstellungen selbst identisch sind, und also eine durch die andere analytisch könne gedacht werden, das kommt hier nicht in Betrachtung. Das Bewußtsein der einen ist, sofern vom Mannigfaltigen die Rede ist, vom Bewußtsein der anderen doch immer zu unterscheiden, und auf die Synthesis dieses (möglichen) Bewußtseins kommt es hier allein an.
§ 16 Von der ursprünglich-synthetischen Einheit der Apperzeption
Das: Ich denke, muß alle meine Vorstellungen begleiten können; denn sonst würde etwas in mir vorgestellt
B 132 werden, was garnicht gedacht werden könnte, welches ebensoviel heißt, als die Vorstellung würde entweder unmöglich, oder wenigstens für mich nichts sein. Diejenige Vorstellung, die vor allem Denken gegeben sein kann, heißt Anschauung. Also hat alles Mannigfaltige der Anschauung eine notwendige Beziehung auf das: Ich denke, in demselben Subjekt, darin dieses Mannigfaltige angetroffen wird. Diese Vorstellung aber ist ein Aktus der Spontaneität, d.i. sie kann nicht als zur Sinnlichkeit gehörig angesehen werden. Ich nenne sie die reine Apperzeption, um sie von der empirischen zu unterscheiden, oder auch die ursprüngliche Apperzeption, weil sie dasjenige Selbstbewußtsein ist, was, indem es die Vorstellung Ich denke hervorbringt, die alle anderen muß begleiten können, und in allem Bewußtsein ein und dasselbe ist, von keiner weiter begleitet werden kann. Ich nenne auch die Einheit derselben die transzendentale Einheit des Selbstbewußtseins, um die Möglichkeit der Erkenntnis a priori aus ihr zu bezeichnen. Denn die mannigfaltigen Vorstellungen, die in einer gewissen Anschauung gegeben werden, würden nicht insgesamt meine Vorstellungen sein, wenn sie nicht insgesamt zu einem Selbstbewußtsein gehörten, d.i. als meine Vorstellungen (ob ich mich ihrer gleich nicht als solcher bewußt bin) müssen sie doch der Bedingung notwendig gemäß sein, unter der sie allein in einem allgemeinen Selbstbewußtsein zusammenstehen können, weil sie sonst nicht durchgängig mir
B 133 angehören würden. Aus dieser ursprünglichen Verbindung läßt sich vieles folgern.
Nämlich diese durchgängige Identität der Apperzeption eines in der Anschauung gegebenen Mannigfaltigen, enthält eine Synthesis der Vorstellungen, und ist nur durch das Bewußtsein dieser Synthesis möglich. Denn das empirische Bewußtsein, welches verschiedene Vorstellungen begleitet, ist an sich zerstreut und ohne Beziehung auf die Identität des Subjekts. Diese Beziehung geschieht also dadurch noch nicht, daß ich jede Vorstellung mit Bewußtsein begleite, sondern daß ich eine zu der anderen hinzusetze und mir der Synthesis derselben bewußt bin. Also nur dadurch, daß ich ein Mannigfaltiges gegebener Vorstellungen in einem Bewußtsein verbinden kann, ist es möglich, daß ich mir die Identität des Bewußtseins in diesen Vorstellungen selbst vorstelle, d.i. die analytische Einheit der Apperzeption ist nur unter der Voraussetzung irgendeiner synthetischen möglich*.
B 134 Der Gedanke: diese in der Anschauung gegebenen Vorstellungen gehören mir insgesamt zu, heißt demnach soviel, als ich vereinige sie in einem Selbstbewußtsein, oder kann sie wenigstens darin vereinigen, und ob er gleich selbst noch nicht das Bewußtsein der Synthesis der Vorstellungen ist, so setzt er doch die Möglichkeit der letzteren voraus, d.i. nur dadurch, daß ich das Mannigfaltige derselben in einem Bewußtsein begreifen kann, nenne ich dieselben insgesamt meine Vorstellungen; denn sonst würde ich ein so vielfarbiges verschiedenes Selbst haben, als ich Vorstellungen habe, deren ich mir bewußt bin. Synthetische Einheit des Mannigfaltigen der Anschauungen, als a priori gegeben, ist also der Grund der Identität der Apperzeption selbst, die a priori allem meinem bestimmten Denken vorhergeht. Verbindung liegt aber nicht in den Gegenständen, und kann von ihnen nicht etwa durch Wahrnehmung entlehnt und in den Verstand dadurch allererst aufgenommen werden, sondern ist allein
B 135 eine Verrichtung des Verstandes, der selbst nichts weiter ist, als das Vermögen, a priori zu verbinden, und das Mannigfaltige gegebener Vorstellungen unter Einheit der Apperzeption zu bringen, welcher Grundsatz der oberste im ganzen menschlichen Erkenntnis ist.
* Die analytische Einheit des Bewußtseins hängt allen gemeinsamen Begriffen, als solchen, an, z.B. wenn ich mir rot überhaupt denke, so stelle ich mir dadurch eine Beschaffenheit vor, die (als Merkmal) irgendworan angetroffen, oder mit anderen Vorstellungen verbunden sein kann; also nur vermöge einer vorausgedachten möglichen synthetischen Einheit kann ich mir die analytische vorstellen. Eine Vorstellung, die als verschiedenen gemein gedacht werden soll, wird als zu solchen gehörig angesehen, die außer ihr noch etwas Verschiedenes an sich haben, folglich muß sie in synthetischer Einheit mit anderen (wenngleich nur möglichen Vorstellungen) vorher gedacht werden, ehe ich die analytische Einheit des Bewußtseins, welche sie zum conceptus communis macht, an ihr denken kann. Und so ist die synthetische Einheit der Apperzeption der höchste Punkt, an dem man allen Verstandesgebrauch, selbst die ganze Logik, und, nach ihr, die Transzendental-Philosophie heften muß, ja dieses Vermögen ist der Verstand selbst.
Dieser Grundsatz, der notwendigen Einheit der Apperzeption, ist nun zwar selbst identisch, mithin ein analytischer Satz, erklärt aber doch eine Synthesis des in einer Anschauung gegebenen Mannigfaltigen als notwendig, ohne welche jene, durchgängige Identität des Selbstbewußtseins nicht gedacht werden kann. Denn durch das Ich, als einfache Vorstellung, ist nichts Mannigfaltiges gegeben; in der Anschauung, die davon unterschieden ist, kann es nur gegeben und durch Verbindung in einem Bewußtsein gedacht werden. Ein Verstand, in welchem durch das Selbstbewußtsein zugleich alles Mannigfaltige gegeben würde, würde anschauen; der unsere kann nur denken und muß in den Sinnen die Anschauung suchen. Ich bin mir also des identischen Selbst bewußt, in Ansehung des Mannigfaltigen der mir in einer Anschauung gegebenen Vorstellungen, weil ich sie insgesamt meine Vorstellungen nenne, die eine ausmachen. Das ist aber soviel, als, daß ich mir einer notwendigen Synthesis derselben a priori bewußt bin, welche die ursprüngliche synthetische Einheit der Apperzeption heißt, unter der alle mir gegebenen Vorstellungen
B 136 stehen, aber unter die sie auch durch eine Synthesis gebracht werden müssen.
§ 17 Der Grundsatz der synthetischen Einheit der Apperzeption ist das oberste Prinzip alles Verstandesgebrauchs
Der oberste Grundsatz der Möglichkeit aller Anschauung in Beziehung auf die Sinnlichkeit war laut der transz. Ästhetik: daß alles Mannigfaltige derselben unter den formalen Bedingungen des Raumes und der Zeit stehen. Der oberste Grundsatz eben derselben in Beziehung auf den Verstand ist: daß alles Mannigfaltige der Anschauung unter Bedingungen der ursprünglich-synthetischen Einheit der Apperzeption stehe*. Unter dem ersteren stehen alle mannigfaltigen Vorstellungen der Anschauung, sofern sie uns gegeben werden, unter dem zweiten sofern sie in einem Bewußtsein müssen
B 137 verbunden werden können; denn ohne das kann nichts dadurch gedacht oder erkannt werden, weil die gegebenen Vorstellungen den Aktus der Apperzeption, Ich denke, nicht gemein haben, und dadurch nicht in einem Selbstbewußtsein zusammengefaßt sein würden.
* Der Raum und die Zeit und alle Teile derselben sind Anschauungen, mithin einzelne Vorstellungen mit dem Mannigfaltigen, das sie in sich enthalten (siehe die transz. Ästhetik), mithin nicht bloße Begriffe, durch die eben dasselbe Bewußtsein, als in vielen Vorstellungen, sondern viel Vorstellungen als in einer, und deren Bewußtsein, enthalten, mithin als zusammengesetzt, folglich die Einheit des Bewußtseins, als synthetisch, aber doch ursprünglich angetroffen wird. Diese Einzelnheit derselben ist wichtig in der Anwendung (siehe § 25).
Verstand ist, allgemein zu reden, das Vermögen der Erkenntnisse. Diese bestehen in der bestimmten Beziehung gegebener Vorstellungen auf ein Objekt. Objekt aber ist das, in dessen Begriff das Mannigfaltige einer gegebenen Anschauung vereinigt ist. Nun erfordert aber alle Vereinigung der Vorstellungen Einheit des Bewußtseins in der Synthesis derselben. Folglich ist die Einheit des Bewußtseins dasjenige, was allein die Beziehung der Vorstellungen auf einen Gegenstand, mithin ihre objektive Gültigkeit, folglich, daß sie Erkenntnisse werden, ausmacht, und worauf folglich selbst die Möglichkeit des Verstandes beruht.
Das erste reine Verstandeserkenntnis also, worauf sein ganzer übriger Gebrauch sich gründet, welches auch zugleich von allen Bedingungen der sinnlichen Anschauung ganz unabhängig ist, ist nun der Grundsatz der ursprünglichen synthetischen Einheit der Apperzeption. So ist die bloße Form der äußeren sinnlichen Anschauung, der Raum, noch gar keine Erkenntnis; er gibt nur das Mannigfaltige der Anschauung a priori zu einem möglichen Erkenntnis. Um aber irgend etwas im Raume zu erkennen, z.B. eine Linie, muß ich sie ziehen, und also
B 138 eine bestimmte Verbindung des gegebenen Mannigfaltigen synthetisch zustande, bringen, so, daß die Einheit dieser Handlung zugleich die Einheit des Bewußtseins (im Begriffe einer Linie) ist, und dadurch allererst ein Objekt (ein bestimmter Raum) erkannt wird. Die synthetische Einheit des Bewußtseins ist also eine objektive Bedingung aller Erkenntnis, nicht deren ich bloß selbst bedarf, um ein Objekt zu erkennen, sondern unter der jede Anschauung stehen muß, um für mich Objekt zu werden, weil auf andere Art, und ohne diese Synthesis, das Mannigfaltige sich nicht in einem Bewußtsein vereinigen würde.
Dieser letztere Satz ist, wie gesagt, selbst analytisch, ob er zwar die synthetische Einheit zur Bedingung alles Denkens macht, denn er sagt nichts weiter, als, daß alle meine Vorstellungen in irgendeiner gegebenen Anschauung unter der Bedingung stehen müssen, unter der ich sie allein als meine Vorstellungen zu dem identischen Selbst rechnen, und also, als in einer Apperzeption synthetisch verbunden durch den Allgemeinen Ausdruck Ich denke zusammenfassen kann.
Aber dieser Grundsatz ist doch nicht ein Prinzip für jeden überhaupt möglichen Verstand, sondern nur für den, durch dessen reine Apperzeption in der Vorstellung: Ich bin, noch gar nichts Mannigfaltiges gegeben ist. Derjenige Verstand, durch dessen Selbstbewußtsein zugleich das Mannigfaltige der Anschauung gegeben würde,
B 139 ein Verstand, durch dessen Vorstellung zugleich die Objekte dieser Vorstellung existierten, würde einen besonderen Aktus der Synthesis der Mannigfaltigen zu der Einheit des Bewußtseins nicht bedürfen, deren der menschliche Verstand, der bloß denkt, nicht anschaut, bedarf. Aber für den menschlichen Verstand ist er doch unvermeidlich der erste Grundsatz, so, daß er sich sogar von einem anderen möglichen Verstande, entweder einem solchen, der selbst anschaute, oder, wenngleich eine sinnliche Anschauung, aber doch von anderer Art, als die im Raume und der Zeit, zum Grunde liegend besäße, sich nicht den mindesten Begriff machen kann.
§ 18 Was objektive Einheit des Selbstbewußtseins sei
Die transzendentale Einheit der Apperzeption ist diejenige, durch welche alles in einer Anschauung gegebene Mannigfaltige in einen Begriff vom Objekt vereinigt wird. Sie heißt darum objektiv, und muß von der subjektiven Einheit des Bewußtseins unterschieden werden, die eine Bestimmung des inneren Sinnes ist, dadurch jenes Mannigfaltige der Anschauung zu einer solchen Verbindung empirisch gegeben wird. Ob ich mir des Mannigfaltigen als zugleich, oder nacheinander, empirisch bewußt sein könne, kommt auf Umstände, oder empirische Bedingungen, an. Daher die empirische
B 140 Einheit des Bewußtseins, durch Assoziation der Vorstellungen, selbst eine Erscheinung betrifft, und ganz zufällig ist. Dagegen steht die reine Form der Anschauung in der Zeit, bloß als Anschauung überhaupt, die ein gegebenes Mannigfaltiges enthält, unter der ursprünglichen Einheit des Bewußtseins, lediglich durch die notwendige Beziehung des Mannigfaltigen der Anschauung zum Einen: Ich denke; also durch die reine Synthesis des Verstandes, welche a priori der empirischen zum Grunde liegt. Jene Einheit ist allein objektiv gültig; die empirische Einheit der Apperzeption, die wir hier nicht erwägen, und die auch nur von der ersteren, unter gegebenen Bedingungen in concreto, abgeleitet ist, hat nur subjektive Gültigkeit. Einer verbindet die Vorstellung eines gewissen Wortes mit einer Sache, der andere mit einer anderen Sache, und die Einheit des Bewußtseins, in dem, was empirisch ist, ist in Ansehung dessen, was gegeben ist, nicht notwendig und allgemein geltend.
§ 19 Die logische Form aller Urteile besteht in der objektiven Einheit der Apperzeption der darin enthaltenen Begriffe
Ich habe, mich niemals durch die Erklärung, welche die Logiker von einem Urteile überhaupt geben, befriedigen können: es ist, wie sie sagen, die Vorstellung eines Verhältnisses zwischen zwei Begriffen. Ohne nun
B 141 hier über das Fehlerhafte der Erklärung, daß sie allenfalls nur auf kategorische, aber nicht hypothetische und disjunktive Urteile paßt, (als welche letztere nicht ein Verhältnis von Begriffen, sondern selbst von Urteilen enthalten,) mit ihnen zu zanken, (ohnerachtet aus diesem Versehen der Logik manche lästige Folgen erwachsen sind,)* merke ich nur an, daß, worin dieses Verhältnis bestehe, hier nicht bestimmt ist.
* Die weitläufige Lehre von den vier syllogistischen Figuren betrifft nur die kategorischen Vernunftschlüsse, und, ob sie zwar nichts weiter ist, als eine Kunst, durch Versteckung unmittelbarer Schlüsse (consequentiae immediatiae) unter die Prämissen eines reinen Vernunftschlusses, den Schein mehrerer Schlußarten, als des in der ersten Figur, zu erschleichen, so wurde sie doch dadurch allein kein sonderliches Glück gemacht haben, wenn es ihr nicht gelungen wäre, die kategorischen Urteile, als die, worauf sich alle andere müssen beziehen lassen, in ausschließliches Ansehen zu bringen, welches aber nach § 9 falsch ist.
Wenn ich aber die Beziehung gegebener Erkenntnisse, in jedem Urteile, genauer untersuche, und sie, als dem Verstande angehörige, von dem Verhältnisse nach Gesetzen der reproduktiven Einbildungskraft (welches nur subjektive Gültigkeit hat) unterscheide, so finde ich, daß ein Urteil nichts anderes sei, als die Art, gegebene Erkenntnisse zur objektiven Einheit der Apperzeption zu bringen. Darauf zielt das Verhältniswörtchen ist in
B 142 denselben, um die objektive Einheit gegebener Vorstellungen von der subjektiven zu unterscheiden. Denn dieses bezeichnet die Beziehung derselben auf die ursprüngliche Apperzeption und die notwendige Einheit derselben, wenngleich das Urteil selbst empirisch, mithin zufällig ist, z.B. die Körper sind schwer. Damit ich zwar nicht sagen will, diese Vorstellungen gehören in der empirischen Anschauung notwendig zueinander, sondern sie gehören vermöge der notwendigen Einheit der Apperzeption in der Synthesis der Anschauungen zueinander, d.i. nach Prinzipien der objektiven Bestimmung aller Vorstellungen, sofern daraus Erkenntnis werden kann, welche Prinzipien alle aus dem Grundsatze der transzendentalen Einheit der Apperzeption abgeleitet sind. Dadurch allein wird aus diesem Verhältnisse ein Urteil, d.i. ein Verhältnis, das objektiv gültig ist, und sich von dem Verhältnisse, eben derselben Vorstellungen, worin bloß subjektive Gültigkeit wäre, z.B. nach Gesetzen der Assoziation, hinreichend unterscheidet. Nach den letzteren würde ich nur sagen können: Wenn ich einen Körper trage, so fühle ich einen Druck der Schwert; aber nicht: er, der Körper, ist schwer; welches soviel sagen will, als, diese beiden Vorstellungen sind im Objekt, d.i. ohne Unterschied des Zustandes des Subjekts, verbunden, und nicht bloß in der Wahrnehmung (so oft sie auch wiederholt sein mag) beisammen.
B 143 § 20 Alle sinnlichen Anschauungen stehen unter den Kategorien, als Bedingungen, unter denen allein das Mannigfaltige derselben in ein Bewußtsein zusammenkommen kann
Das mannigfaltige in einer sinnlichen Anschauung Gegebene gehört notwendig unter die ursprüngliche synthetische Einheit der Apperzeption, weil durch diese die Einheit der Anschauung allein möglich ist. (§ 17). Diejenige Handlung des Verstandes aber, durch die das Mannigfaltige gegebener Vorstellungen (sie mögen Anschauungen oder Begriffe sein) unter eine Apperzeption überhaupt gebracht wird, ist die, logische Funktion der Urteile. (§ 19). Also ist alles Mannigfaltige, sofern es in Einer empirischen Anschauung gegeben ist, in Ansehung einer der logischen Funktionen zu urteilen bestimmt, durch die es nämlich zu einem Bewußtsein überhaupt gebracht wird. Nun sind aber die Kategorien nichts anderes, als eben diese Funktionen zu urteilen, sofern das Mannigfaltige einer gegebenen Anschauung in Ansehung ihrer bestimmt ist. (§ 13). Also steht auch das Mannigfaltige in einer gegebenen Anschauung notwendig unter Kategorien.
B 144 § 21 Anmerkung
Ein Mannigfaltiges, das in einer Anschauung, die ich die meinige nenne, enthalten ist, wird durch die Synthesis des Verstandes als zur notwendigen Einheit des Selbstbewußtseins gehörig vorgestellt, und dieses geschieht durch die Kategorie*. Diese zeigt also an: daß das empirische Bewußtsein eines gegebenen Mannigfaltigen Einer Anschauung ebensowohl unter einem reinen Selbstbewußtsein a priori, wie empirische Anschauung unter einer reinen sinnlichen, die gleichfalls a priori statt hat, stehe. - Im obigen Satze ist also der Anfang einer Deduktion der reinen Verstandesbegriffe gemacht, in welcher ich, da die Kategorien unabhängig von Sinnlichkeit bloß im Verstande entspringen, noch von der Art, wie das Mannigfaltige zu einer empirischen Anschauung gegeben werde, abstrahieren muß, um nur auf die Einheit, die in die Anschauung vermittelst der Kategorie durch den Verstand hinzukommt, zu sehen. In der Folge (§ 26) wird aus der Art, wie in der Sinnlichkeit die empirische Anschauung gegeben wird,
B 145 gezeigt werden, daß die Einheit derselben keine, andere sei, als welche die Kategorie nach dem vorigen § 20 dem Mannigfaltigen einer gegebenen Anschauung überhaupt vorschreibt, und dadurch also, daß ihre Gültigkeit a priori in Ansehung aller Gegenstände unserer Sinne erklärt wird, die Absicht der Deduktion allererst völlig erreicht werden.
* Der Beweisgrund beruht auf der vorgestellten Einheit der Anschauung, dadurch ein Gegenstand gegeben wird, welche jederzeit eine Synthesis des mannigfaltigen zu einer Anschauung Gegebenen in sich schließt, und schon die Beziehung dieses letzteren auf Einheit der Apperzeption enthält.
Allein von einem Stücke konnte ich im obigen Beweise doch nicht abstrahieren, nämlich davon, daß das Mannigfaltige für die Anschauung noch vor der Synthesis des Verstandes, und unabhängig von ihr, gegeben sein müsse; wie aber, bleibt hier unbestimmt. Denn, wollte ich mir einen Verstand denken, der selbst anschaute (wie etwa einen göttlichen, der nicht gegebene Gegenstände sich vorstellte, sondern durch dessen Vorstellung die Gegenstände selbst zugleich gegeben, oder hervorgebracht würden), so würden die Kategorien in Ansehung eines solchen Erkenntnisses gar keine Bedeutung haben. Sie sind nur Regeln für einen Verstand, dessen ganzes Vermögen im Denken besteht, d.i. in der Handlung, die Synthesis des Mannigfaltigen, welches ihm anderweitig in der Anschauung gegeben worden, zur Einheit der Apperzeption zu bringen, der also für sich gar nichts erkennt, sondern nur den Stoff zum Erkenntnis, die Anschauung, die ihm durchs Objekt gegeben werden muß, verbindet und ordnet. Von der Eigentümlichkeit unseres Verstandes aber, nur vermittelst der Kategorien und
B 146 nur gerade durch diese Art und Zahl derselben Einheit der Apperzeption a priori zustande zu bringen, laßt sich ebensowenig ferner ein Grund angeben, als warum wir gerade diese und keine anderen Funktionen zu urteilen haben, oder warum Zeit und Raum die einzigen Formen unserer möglichen Anschauung sind.
§ 22 Die Kategorie hat keinen andern Gebrauch zum Erkenntnisse der Dinge, als ihre Anwendung auf Gegenstände der Erfahrung
Sich einen Gegenstand denken, und einen Gegenstand erkennen, ist also nicht einerlei. Zum Erkenntnisse gehören nämlich zwei Stücke: erstlich der Begriff, dadurch überhaupt ein Gegenstand gedacht wird (die Kategorie), und zweitens die Anschauung, dadurch er gegeben wird; denn, könnte dem Begriffe eine korrespondierende Anschauung gar nicht gegeben werden, so wäre er ein Gedanke der Form nach, aber ohne allen Gegenstand, und durch ihn gar keine Erkenntnis von irgendeinem Dinge möglich; weil es, soviel ich wüßte, nichts gäbe, noch geben- könnte, worauf mein Gedanke angewandt werden könne. Nun ist alle uns mögliche Anschauung sinnlich (Ästhetik), also kann das Denken eines Gegenstandes überhaupt durch einen reinen Verstandesbegriff bei uns nur Erkenntnis werden, sofern dieser auf Gegenstände der Sinne bezogen wird. Sinnliche
B 147 Anschauung ist entweder reine Anschauung (Raum und Zeit) oder empirische Anschauung desjenigen, was im Raum und der Zeit unmittelbar als wirklich, durch Empfindung, vorgestellt wird. Durch Bestimmung der ersteren können wir Erkenntnisse a priori, von Gegenständen (in der Mathematik) bekommen, aber nur ihrer Form nach, als Erscheinungen; ob es Dinge geben könne, die in dieser Form angeschaut werden müssen, bleibt doch dabei noch unausgemacht. Folglich sind alle mathematischen Begriffe für sich nicht Erkenntnisse, außer, sofern man voraussetzt, daß es Dinge gibt, die sich nur der Form jener reinen sinnlichen Anschauung gemäß uns darstellen lassen. Dinge im Raum und der Zeit werden aber nur gegeben, sofern sie Wahrnehmungen (mit Empfindung begleitete Vorstellungen) sind, mithin durch empirische Vorstellung. Folglich verschaffen die reinen Verstandesbegriffe, selbst wenn sie auf Anschauungen a priori (wie in der Mathematik) angewandt werden, nur sofern Erkenntnis, als diese, mithin auch die Verstandesbegriffe vermittelst ihrer, auf empirische Anschauungen angewandt werden können. Folglich liefern uns die Kategorien vermittelst der Anschauung auch keine Erkenntnis von Dingen, als nur durch ihre mögliche Anwendung auf empirische Anschauung, d.i. sie dienen nur zur Möglichkeit empirischer Erkenntnis. Diese aber heißt Erfahrung. Folglich haben die Kategorien keinen anderen Gebrauch zum Erkenntnisse der Dinge, als nur
B 148 sofern diese als Gegenstände möglicher Erfahrung angenommen werden.
§ 23
Der obige Satz ist von der größten Wichtigkeit; denn er bestimmt ebensowohl die Grenzen des Gebrauchs der reinen Verstandesbegriffe in Ansehung der Gegenstände, als die transzendentale Ästhetik die Grenzen des Gebrauchs der reinen Form unserer sinnlichen Anschauung bestimmte. Raum und Zeit gelten, als Bedingungen der Möglichkeit, wie uns Gegenstände gegeben werden können, nicht weiter, als für Gegenstände der Sinne, mithin mir der Erfahrung. Über diese Grenzen hinaus stellen sie gar nichts vor, denn sie sind nur in den Sinnen und haben außer ihnen keine Wirklichkeit. Die reinen Verstandesbegriffe sind von dieser Einschränkung frei und erstrecken sich auf Gegenstände der Anschauung überhaupt, sie mag der unsrigen ähnlich sein oder nicht, wenn sie nur sinnlich und nicht intellektuell ist. Diese weitere Ausdehnung der Begriffe über unsere sinnliche Anschauung hinaus, hilft uns aber zu nichts. Denn es sind alsdann leere Begriffe von Objekten, von denen, ob sie nur einmal möglich sind oder nicht, wir durch jene gar nicht urteilen können, bloße Gedankenformen ohne objektive Realität, weil wir keine Anschauung zur Hand haben, auf welche die synthetische Einheit der Apperzeption, die jene allein enthalten, angewandt werden, und sie so einen Gegenstand
B 149 bestimmen könnten. Unsere sinnliche, und empirische Anschauung kann ihnen allein Sinn und Bedeutung verschaffen.
Nimmt man also ein Objekt einer nicht-sinnlichen Anschauung als gegeben an, so kann man es freilich durch alle die Prädikate vorstellen, die schon in der Voraussetzung liegen, daß ihm nichts zur sinnlichen Anschauung Gehöriges zukomme: also, daß es nicht ausgedehnt, oder im Raume sei, daß die Dauer desselben keine Zeit sei, daß in ihm keine Veränderung (Folge der Bestimmungen in der Zeit) angetroffen werde, usw. Allein das ist doch kein eigentliches Erkenntnis, wenn ich bloß anzeige, wie die Anschauung des Objekts nicht sei, ohne sagen zu kennen, was in ihr denn enthalten sei; denn alsdann habe ich gar nicht die Möglichkeit eines Objekts zu meinem reinen Verstandesbegriff vorgestellt, weil ich keine Anschauung habe geben können, die ihm korrespondierte, sondern nur sagen konnte, daß die unsrige nicht für ihn gelte. Aber das Vornehmste ist hier, daß auf ein solches Etwas auch nicht einmal eine einzige Kategorie angewandt werden könnte: z.B. der Begriff einer Substanz, d.i. von etwas, das als Subjekt, niemals aber als bloßes Prädikat existieren könne, wovon ich gar nicht weiß, ob es irgendein Ding geben könne, das dieser Gedankenbestimmung korrespondierte, wenn nicht empirische Anschauung mir den Fall der Anwendung gäbe. Doch mehr hiervon in der Folge.
B 150 § 24 Von der Anwendung der Kategorien auf Gegenstände der Sinne überhaupt
Die reinen Verstandesbegriffe beziehen sich durch den bloßen Verstand auf Gegenstände der Anschauung überhaupt, unbestimmt ob sie die unsrige oder irgendeine andere, doch sinnliche, sei, sind aber eben darum bloße Gedankenformen, wodurch noch kein bestimmter Gegenstand erkannt wird. Die Synthesis oder Verbindung des Mannigfaltigen in denselben, bezog sich bloß auf die Einheit der Apperzeption, und war dadurch der Grund der Möglichkeit der Erkenntnis a priori, sofern sie auf dem Verstande beruht, und mithin nicht allein transzendental, sondern auch bloß rein intellektual. Weil in uns aber eine gewisse Form der sinnlichen Anschauung a priori zum Grunde liegt, welche auf der Rezeptiviät der Vorstellungsfähigkeit (Sinnlichkeit) beruht, so kann der Verstand, als Spontaneität, den inneren Sinn durch das Mannigfaltige gegebener Vorstellungen der synthetischen Einheit der Apperzeption gemäß bestimmen, und so synthetische Einheit der Apperzeption des Mannigfaltigen der sinnlichen Anschauung a priori denken, als die Bedingung, unter welcher alle Gegenstände unserer (der menschlichen) Anschauung notwendigerweise stehen müssen, dadurch denn die Kategorien, als bloße Gedankenformen, objektive Realität, d.i. Anwendung auf
B 151 Gegenstände, die uns in der Anschauung gegeben werden können, aber nur als Erscheinungen bekommen; denn nur von diesen sind wir der Anschauung a priori fähig.
Diese Synthesis des Mannigfaltigen der sinnlichen Anschauung, die a priori möglich und notwendig ist, kann figürlich (synthesis speciosa) genannt werden, zum Unterschiede von derjenigen, welche in Ansehung des Mannigfaltigen einer Anschauung überhaupt in der bloßen Kategorie gedacht wurde, und Verstandesverbindung (synthesis intellectualis) heißt; beide sind transzendental, nicht bloß weil sie selbst a priori vorgehen, sondern auch die Möglichkeit anderer Erkenntnis a priori gründen.
Allein die figürliche Synthesis, wenn sie bloß auf die ursprünglich synthetische Einheit der Apperzeption, d.i. diese transzendentale Einheit geht, welche in den Kategorien gedacht wird, muß, zum Unterschiede von der bloß intellektuellen Verbindung, die transzendentale Synthesis der Einbildungskraft heißen. Einbildungskraft ist das Vermögen, einen Gegenstand auch ohne dessen Gegenwart in der Anschauung vorzustellen. Da nun alle unsere Anschauung sinnlich ist, so gehört die Einbildungskraft, der subjektiven Bedingung wegen, unter der sie allein den Verstandesbegriffen eine korrespondierende Anschauung geben kann, zur Sinnlichkeit; sofern aber doch ihre Synthesis eine Ausübung der Spontaneität ist, welche bestimmend, und nicht, wie der Sinn,
B 152 bloß bestimmbar ist, mithin a priori den Sinn seiner Form nach der Einheit der Apperzeption gemäß bestimmen kann, so ist die Einbildungskraft sofern ein Vermögen, die Sinnlichkeit a priori zu bestimmen, und ihre Synthesis der Anschauungen, den Kategorien gemäß, muß die transzendentale Synthesis der Einbildungskraft sein, welches eine Wirkung des Verstandes auf die Sinnlichkeit und die erste Anwendung desselben (zugleich der Grund aller übrigen) auf Gegenstände der uns möglichen Anschauung ist. Sie ist, als figürlich, von der intellektuellen Synthesis ohne alle Einbildungskraft bloß durch den Verstand unterschieden. Sofern die Einbildungskraft nun Spontaneität ist, nenne ich sie auch bisweilen die produktive Einbildungskraft, und unterscheide sie dadurch von der reproduktiven, deren Synthesis lediglich empirischen Gesetzen, nämlich denen der Assoziation, unterworfen ist, und welche daher zur Erklärung der Möglichkeit der Erkenntnis a priori nichts beiträgt, und um deswillen nicht in die Transzendentalphilosophie, sondern in die Psychologie gehört.
* * *
Hier ist nun der Ort, das Paradoxe, was jedermann bei der Exposition der Form des inneren Sinnes (§ 6) auffallen mußte, verständlich zu machen: nämlich wie dieser auch sogar uns selbst, nur wie wir uns erscheinen, nicht wie wir an uns selbst sind, dem
B 153 Bewußtsein darstelle, weil wir nämlich uns nur anschauen wie wir innerlich affiziert werden, welches widersprechend zu sein scheint, indem wir uns gegen um selbst als leidend verhalten müßten; daher man auch lieber den inneren Sinn mit dem Vermögen der Apperzeption (welche wir sorgfältig unterscheiden) in den Systemen der Psychologie für einerlei auszugeben pflegt.
Das, was den inneren Sinn bestimmt, ist der Verstand und dessen ursprüngliches Vermögen das Mannigfaltige der Anschauung zu verbinden, d.i. unter eine Apperzeption (als worauf selbst seine Möglichkeit beruht) zu bringen. Weil nun der Verstand in uns Menschen selbst kein Vermögen der Anschauungen ist, und diese, wenn sie auch in der Sinnlichkeit gegeben wäre, doch nicht in sich aufnehmen kann, um gleichsam das Mannigfaltige seiner eigenen Anschauung zu verbinden, so ist seine Synthesis, wenn er für sich allein betrachtet wird, nichts anderes, als die Einheit der Handlung, deren er sich, als einer solchen, auch ohne Sinnlichkeit bewußt ist, durch die er aber selbst die Sinnlichkeit innerlich in Ansehung des Mannigfaltigen, was der Form ihrer Anschauung nach ihm gegeben werden mag, zu bestimmen vermögend ist. Er also übt, unter der Benennung einer transzendentalen Synthesis der Einbildungskraft, diejenige Handlung aufs passive Subjekt, dessen Vermögen er ist, aus, wovon wir mit Recht sagen, daß der innere Sinn
B 154 dadurch affiziert werde. Die Apperzeption und deren synthetische Einheit ist mit dem inneren Sinne so gar nicht einerlei, daß jene vielmehr, als der Quell aller Verbindung, auf das Mannigfaltige der Anschauungen überhaupt unter dem Namen der Kategorien, vor aller sinnlichen Anschauung auf Objekte überhaupt geht, dagegen der innere Sinn die bloße Form der Anschauung, aber ohne Verbindung des Mannigfaltigen in derselben, mithin noch gar keine bestimmte Anschauung enthält, welche nur durch das Bewußtsein der Bestimmung desselben durch die transzendentale Handlung der Einbildungskraft, (synthetischer Einfluß des Verstandes auf den inneren Sinn) welche ich die figürliche Synthesis genannt habe, möglich ist.
Dieses nehmen wir auch jederzeit in uns wahr. Wir können uns keine Linie denken, ohne sie in Gedanken zu ziehen, keinen Zirkel denken, ohne ihn zu beschreiben, die drei Abmessungen des Raumes gar nicht vorstellen, ohne aus demselben Punkte drei Linien senkrecht aufeinander zu setzen, und selbst die Zeit nicht, ohne, indem wir im Ziehen einer geraden Linie (die die äußerlich figürliche Vorstellung der Zeit sein soll) bloß auf die Handlung der Synthesis des Mannigfaltigen, dadurch wir den inneren Sinn sukzessiv bestimmen, und dadurch auf die Sukzession dieser Bestimmung in demselben, achthaben. Bewegung, als Handlung des Subjekts, (nicht als
B 155 Bestimmung eines Objekts)*, folglich die Synthesis des Mannigfaltigen im Raume, wenn wir von diesem abstrahieren und bloß auf die Handlung achthaben, dadurch wir den inneren Sinn seiner Form gemäß bestimmen, bringt sogar den Begriff der Sukzession zuerst hervor. Der Verstand findet also in diesem nicht etwa schon eine dergleichen Verbindung des Mannigfaltigen, sondern bringt sie hervor, indem er ihn affiziert. Wie aber das Ich, der ich denke, von dem Ich, das sich selbst anschaut, unterschieden (indem ich mir noch andere Anschauungsart wenigstens als möglich vorstellen kann) und doch mit diesem letzteren als dasselbe Subjekt einerlei sei, wie ich also sagen könne: Ich, als Intelligenz und denkend Subjekt, erkenne mich selbst als gedachtes Objekt, sofern ich mir noch über das in der Anschauung gegeben bin, nur, gleich anderen Phänomen, nicht wie ich vor dem Verstande bin, sondern wie ich mir erscheine, hat nicht mehr auch nicht weniger Schwierigkeit bei sich, als wie ich mir selbst überhaupt ein Objekt und zwar der
B 156 Anschauung und innerer Wahrnehmungen sein könne. Daß es aber doch wirklich so sein müsse, kann, wenn man den Raum für eine bloße reine Form der Erscheinungen äußerer Sinne gelten läßt, dadurch klar dargetan werden, daß wir die Zeit, die doch gar kein Gegenstand äußerer Anschauung ist, uns nicht anders vorstellig machen können, als unter dem Bilde einer Linie, sofern wir sie ziehen, ohne welche Darstellungsart wir die Einheit ihrer Abmessung gar nicht erkennen könnten, imgleichen daß wir die Bestimmung der Zeitlänge, oder auch der Zeitstellen für alle inneren Wahrnehmungen, immer von dem hernehmen müssen, was uns äußere Dinge Veränderliches darstellen, folglich die Bestimmungen des inneren Sinnes gerade auf dieselbe Art als Erscheinungen in der Zeit ordnen müssen, wie wir die der äußeren Sinne im Raume ordnen, mithin, wenn wir von den letzteren einräumen, daß wir dadurch Objekte nur sofern erkennen, als wir äußerlich affiziert werden, wir auch vom inneren Sinne zugestehen müssen, daß wir dadurch uns selbst nur so anschauen, wie wir innerlich von uns selbst affiziert werden, d.i. was die innere Anschauung betrifft, unser eigenes Subjekt nur als Erscheinung, nicht aber nach dem, was es an sich selbst ist, erkennen**.
* Bewegung eines Objekts im Raume gehört nicht in eine reine Wissenschaft, folglich auch nicht in die Geometrie; weil, daß etwas beweglich sei, nicht a priori, sondern nur durch Erfahrung erkannt werden kann. Aber Bewegung, als Beschreibung eines Raumes, ist ein reiner Aktus der sukzessiven Synthesis des Mannigfaltigen in der äußeren Anschauung überhaupt durch produktive Einbildungskraft, und gehört nicht allein zur Geometrie, sondern sogar zur Transzendentalphilosophie.
** Ich sehe nicht, wie man so viel Schwierigkeiten darin finden könne, daß der innere Sinn von uns selbst affiziert werde. Jeder Aktus der Aufmerksamkeit kann uns ein Beispiel davon geben. Der Verstand bestimmt darin jederzeit den inneren Sinn der Verbindung, die er denkt, gemäß, zur inneren Anschauung, die dem Mannigfaltigen in der Synthesis des Verstandes korrespondiert. Wie sehr das Gemüt gemeiniglich hierdurch affiziert werde, wird ein jeder in sich wahrnehmen können.
§ 25
B 157 Dagegen bin ich mir meiner selbst in der transzendentalen Synthesis des Mannigfaltigen der Vorstellungen überhaupt, mithin in der synthetischen ursprünglichen Einheit der Apperzeption, bewußt, nicht wie ich mir erscheine, noch wie ich an mir selbst bin, sondern nur daß ich bin. Diese Vorstellung ist ein Denken, nicht ein Anschauen. Da nun zum Erkenntnis unserer selbst außer der Handlung des Denkens, die das Mannigfaltige einer jeden möglichen Anschauung zur Einheit der Apperzeption bringt, noch eine bestimmte Art der Anschauung, dadurch dieses Mannigfaltige gegeben wird, erforderlich ist, so ist zwar mein eigenes Dasein nicht Erscheinung (viel weniger bloßer Schein), aber die Bestimmung meines Daseins*
B 158 kann nur der Form des inneren Sinnes gemäß nach der besonderen Art, wie das Mannigfaltige, das ich verbinde, in der inneren Anschauung gegeben wird, geschehen, und ich habe also demnach keine Erkenntnis von mir wie ich bin, sondern bloß wie ich mir selbst erscheine. Das Bewußtsein seiner selbst ist also noch lange nicht ein Erkenntnis seiner selbst, unerachtet aller Kategorien, welche das Denken eines Objekts überhaupt durch Verbindung des Mannigfaltigen in einer Apperzeption ausmachen. So wie zum Erkenntnisse eines von mir verschiedenen Objekts, außer dem Denken eines Objekts überhaupt (in der Kategorie), ich doch noch einer Anschauung bedarf, dadurch ich jenen allgemeinen Begriff bestimme, so bedarf ich auch zum Erkenntnisse meiner selbst außer dem Bewußtsein, oder außer dem, daß ich mich denke, noch einer Anschauung des Mannigfaltigen in mir, wodurch ich diesen Gedanken bestimme, und ich existiere als Intelligenz, die sich lediglich ihres Verbindungsvermögens bewußt ist, in
B 159 Ansehung des Mannigfaltigen aber, das sie verbinden soll, einer einschränkenden Bedingung, die sie den inneren Sinn nennt, unterworfen, jene Verbindung nur nach Zeitverhältnissen, welche ganz außerhalb den eigentlichen Verstandesbegriffen liegen, anschaulich machen, und sich daher selbst doch nur erkennen kann, wie sie, in Absicht auf eine Anschauung (die nicht intellektuell und durch den Verstand selbst gegeben sein kann), ihr selbst bloß erscheint, nicht wie sie sich erkennen würde, wenn ihre Anschauung intellektuell wäre.
* Das, Ich denke, drückt den Aktus aus, mein Dasein zu bestimmen. Das Dasein ist dadurch also schon gegeben, aber die Art, wie ich es bestimmen, d.i. das Mannigfaltige, zu demselben gehörige, in mir setzen solle, ist dadurch noch nicht gegeben. Dazu gehört Selbstanschauung, die eine a priori gegebene Form, d.i. die Zeit, zum Grunde liegen hat, welche sinnlich und zur Rezeptivität des Bestimmbaren gehörig ist. Habe ich nun nicht noch eine andere Selbstanschauung, die das Bestimmende in mir, dessen Spontaneität ich mir nur bewußt bin, ebenso vor dem Aktus des Bestimmens gibt, wie die Zeit das Bestimmbare, so kann ich mein Dasein, als eines selbsttätigen Wesens, nicht bestimmen, sondern ich stelle mir nur die Spontaneität meines Denkens, d.i. des Bestimmens, vor, und mein Dasein bleibt immer nur sinnlich, d.i. als das Dasein einer Erscheinung, bestimmbar. Doch macht diese Spontaneität, daß ich mich Intelligenz nenne.
§ 26 Transzendentale Deduktion des allgemein möglichen Erfahrungsgebrauchs der reinen Verstandesbegriffe
In der metaphysischen Deduktion wurde der Ursprung der Kategorien a priori überhaupt durch ihre völlige Zusammentreffung mit den allgemeinen logischen Funktionen des Denkens dargetan, in der transzendentalen aber die Möglichkeit derselben als Erkenntnisse a priori von Gegenständen einer Anschauung überhaupt (§§ 20, 21) dargestellt. Jetzt soll die Möglichkeit, durch Kategorien die Gegenstände, die nur immer unseren Sinnen vorkommen mögen, und zwar nicht der Form ihrer Anschauung, sondern den Gesetzen ihrer Verbindung nach, a priori zu erkennen, also der Natur gleichsam das Gesetz vorzuschreiben und sie sogar möglich zu machen,
B 160 erklärt werden. Denn ohne diese ihre Tauglichkeit würde nicht erhellen, wie alles, was unseren Sinnen nur vorkommen mag, unter den Gesetzen stehen müsse, die a priori aus dem Verstande allein entspringen.
Zuvörderst merke ich an, daß ich unter der Synthesis der Apprehension die Zusammensetzung des Mannigfaltigen in einer empirischen Anschauung verstehe, dadurch Wahrnehmung, d.i. empirisches Bewußtsein derselben, (als Erscheinung) möglich wird.
Wir haben Formen der äußeren sowohl als inneren sinnlichen Anschauung a priori an den Vorstellungen von Raum und Zeit, und diesen muß die Synthesis der Apprehension des Mannigfaltigen der Erscheinung jederzeit gemäß sein, weil sie selbst nur nach dieser Form geschehen kann. Aber Raum und Zeit sind nicht bloß als Formen der sinnlichen Anschauung, sondern als Anschauungen selbst (die ein Mannigfaltiges enthalten) also mit der Bestimmung der Einheit dieses Mannigfaltigen in ihnen a priori vorgestellt (siehe transz. Ästhet.)*.
B 161 Also ist selbst schon Einheit der Synthesis des Mannigfaltigen, außer oder in uns, mithin auch eine Verbindung, der alles, was im Raume oder der Zeit bestimmt vorgestellt werden soll, gemäß sein muß, a priori als Bedingung der Synthesis aller Apprehension schon mit (nicht in) diesen Anschauungen zugleich gegeben. Diese synthetische Einheit aber kann keine andere sein, als die der Verbindung des Mannigfaltigen einer gegebenen Anschauung überhaupt in einem ursprünglichen Bewußtsein, den Kategorien gemäß, nur auf unsere sinnliche Anschauung angewandt. Folglich steht alle Synthesis, wodurch selbst Wahrnehmung möglich wird, unter den Kategorien, und, da Erfahrung Erkenntnis durch verknüpfte Wahrnehmungen ist, so sind die Kategorien Bedingungen der Möglichkeit der Erfahrung, und gelten also a priori auch von allen Gegenständen der Erfahrung.
* Der Raum, als Gegenstand vorgestellt, (wie man es wirklich in der Geometrie bedarf,) enthält mehr, als bloße Form der Anschauung, nämlich Zusammenfassung des Mannigfaltigen, nach der Form der Sinnlichkeit gegebenen, in eine anschauliche Vorstellung, so daß die Form der Anschauung bloß Mannigfaltiges, die formale Anschauung aber Einheit der Vorstellung gibt. Diese Einheit hatte ich in der Ästhetik bloß zur Sinnlichkeit gezählt, um nur zu bemerken, daß sie vor allem Begriffe vorhergehe, ob sie zwar eine Synthesis, die nicht den Sinnen angehört, durch welche aber alle Begriffe von Raum und Zeit zuerst möglich werden, voraussetzt. Denn da durch sie (indem der Verstand die Sinnlichkeit bestimmt) der Raum oder die Zeit als Anschauungen zuerst gegeben werden, so gehört die Einheit dieser Anschauung a priori zum Raume und der Zeit, und nicht zum Begriffe des Verstandes. (§ 24.)
* * *
B 162 Wenn ich also z.B. die empirische Anschauung eines Hauses durch Apprehension des Mannigfaltigen derselben zur Wahrnehmung mache, so liegt mir die notwendige Einheit des Raumes und der äußeren sinnlichen Anschauung überhaupt zum Grunde, und ich zeichne gleichsam seine Gestalt, dieser synthetischen Einheit des Mannigfaltigen im Raume gemäß. Eben dieselbe synthetische Einheit aber, wenn ich von der Form des Raumes abstrahiere, hat im Verstande ihren Sitz, und ist die Kategorie der Synthesis des Gleichartigen in einer Anschauung überhaupt, d.i. die Kategorie der Größe, welcher also jene Synthesis der Apprehension, d.i. die Wahrnehmung, durchaus gemäß sein muß*.
* Auf solche Weise wird bewiesen: daß die Synthesis der Apprehension, welche empirisch ist, der Synthesis der Apperzeption, welche intellektuell und gänzlich a priori in der Kategorie enthalten ist, notwendig gemäß sein müsse. Es ist eine und dieselbe Spontaneität, welche dort, unter dem Namen der Einbildungskraft, hier des Verstandes, Verbindung in das Mannigfaltige der Anschauung hineinbringt.
Wenn ich (in einem anderen Beispiele) das Gefrieren des Wassers wahrnehme, so apprehendiere ich zwei Zustände (der Flüssigkeit und Festigkeit) als solche, die in einer Relation der Zeit gegeneinander stehen. Aber in der Zeit, die ich der Erscheinung als inneren Anschauung
B 163 zum Grunde lege, stelle ich mir notwendig synthetische Einheit des Mannigfaltigen vor, ohne die jene Relation nicht in einer Anschauung bestimmt (in Ansehung der Zeitfolge) gegeben werden konnte. Nun ist aber diese synthetische Einheit, als Bedingung a priori, unter der ich das Mannigfaltige einer Anschauung überhaupt verbinde, wenn ich von der beständigen Form meiner inneren Anschauung, der Zeit, abstrahiere, die Kategorie der Ursache, durch welche ich, wenn ich sie auf meine Sinnlichkeit anwende, alles, was geschieht, in der Zeit überhaupt seiner Relation nach bestimme. Also steht die Apprehension in einer solchen Begebenheit, mithin diese selbst, der möglichen Wahrnehmung nach, unter dem Begriffe des Verhältnisses der Wirkungen und Ursachen, und so in allen anderen Fällen.
* * *
Kategorien sind Begriffe, welche den Erscheinungen, mithin der Natur, als dem Inbegriffe aller Erscheinungen (natura materialiter spectata), Gesetze a priori vorschreiben, und nun fragt sich, da sie nicht von der Natur abgeleitet werden und sich nach ihr als ihrem Muster richten (weil sie sonst bloß empirisch sein würden), wie es zu begreifen sei, daß die Natur sich nach ihnen richten müsse, d.i. wie sie die Verbindung des Mannigfaltigen der Natur, ohne sie von dieser abzunehmen, a priori bestimmen können. Hier ist die Auflösung dieses Rätsels.
B 164 Es ist nun nichts befremdlicher, wie die Gesetze der Erscheinungen in der Natur mit dem Verstande und seiner Form a priori, d.i. seinem Vermögen das Mannigfaltige überhaupt zu verbinden, als wie die Erscheinungen selbst mit der Form der sinnlichen Anschauung a priori übereinstimmen müssen. Denn Gesetze existieren ebensowenig in den Erscheinungen, sondern nur relativ auf das Subjekt, dem die Erscheinungen inhärieren, sofern es Verstand hat, als Erscheinungen nicht an sich existieren, sondern nur relativ auf dasselbe Wesen, sofern es Sinne hat. Dingen an sich selbst würde ihre Gesetzmäßigkeit notwendig, auch außer einem Verstande, der sie erkennt, zukommen. Allein Erscheinungen sind nur Vorstellungen von Dingen, die, nach dem, was sie an sich sein mögen, unerkannt da sind. Als bloße Vorstellungen aber stehen sie unter gar keinem Gesetze der Verknüpfung, als demjenigen, welches das verknüpfende Vermögen vorschreibt. Nun ist das, was das Mannigfaltige der sinnlichen Anschauung verknüpft, Einbildungskraft, die vom Verstande der Einheit ihrer intellektuellen Synthesis, und von der Sinnlichkeit der Mannigfaltigkeit der Apprehension nach abhängt. Da nun von der Synthesis der Apprehension alle mögliche Wahrnehmung, sie selbst aber, diese empirische Synthesis, von der transzendentalen, mithin den Kategorien abhängt, so müssen alle möglichen Wahrnehmungen, mithin auch alles, was zum empirischen Bewußtsein immer gelangen kann, d.i.
B 165 alle Erscheinungen der Natur, ihrer Verbindung nach, unter den Kategorien stehen, von welchen die Natur (bloß als Natur überhaupt betrachtet), als dem ursprünglichen Grunde ihrer notwendigen Gesetzmäßigkeit (als natura formaliter spectata), abhängt. Auf mehrere Gesetze aber, als die, auf denen eine Natur überhaupt, als Gesetzmäßigkeit der Erscheinungen in Raum und Zeit, beruht, reicht auch das reine Verstandesvermögen nicht zu, durch bloße Kategorien den Erscheinungen a priori Gesetze vorzuschreiben. Besondere Gesetze, weil sie empirisch bestimmte Erscheinungen betreffen, können davon nicht vollständig abgeleitet werden, ob sie gleich alle insgesamt unter jenen stehen. Es muß Erfahrung dazu kommen, um die letzteren überhaupt kennen zu lernen; von Erfahrung aber überhaupt, und dem, was als ein Gegenstand derselben erkannt werden kann, geben allein jene Gesetze a priori die Belehrung.
§ 27 Resultat dieser Deduktion der Verstandesbegriffe
Wir können uns keinen Gegenstand denken, ohne durch Kategorien; wir können keinen gedachten Gegenstand erkennen, ohne durch Anschauungen, die jenen Begriffen entsprechen. Nun sind alle unsere Anschauungen sinnlich, und diese Erkenntnis, sofern der Gegenstand derselben gegeben ist, ist empirisch. Empirische Erkenntnis aber
B 166 ist Erfahrung. Folglich ist uns keine Erkenntnis a priori möglich, als lediglich von Gegenständen möglicher Erfahrung*.
* Damit man sich nicht voreiligerweise an den besorglichen nachteiligen Folgen dieses Satzes stoße, will ich nur in Erinnerung bringen, daß die Kategorien im Denken durch die Bedingungen unserer sinnlichen Anschauung nicht eingeschränkt sind, sondern ein unbegrenztes Feld haben, und nur das Erkennen dessen, was wir uns denken, das Bestimmen des Objekts, Anschauung bedürfe, wo, beim Mangel der letzeren, der Gedanke vom Objekte übrigens noch immer seine wahren und nützlichen Folgen auf den Vernunftgebrauch des Subjekts haben kann, der sich aber, weil er nicht immer auf die Bestimmung des Objekts, mithin aufs Erkenntnis, sondern auch auf die des Subjekts und dessen Wollen gerichtet ist, hier noch nicht vortragen läßt.
Aber diese Erkenntnis, die bloß auf Gegenstände der Erfahrung eingeschränkt ist, ist darum nicht alle von der Erfahrung entlehnt, sondern, was sowohl die reinen Anschauungen, als die reinen Verstandesbegriffe betrifft, so sind Elemente der Erkenntnis, die in uns a priori angetroffen werden. Nun sind nur zwei Wege, auf welchen eine notwendige Übereinstimmung der Erfahrung mit den Begriffen von ihren Gegenständen gedacht werden kann: entweder die Erfahrung macht diese Begriffe, oder diese Begriffe machen die Erfahrung möglich. Das
B 167 erstere findet nicht in Ansehung der Kategorien (auch nicht der reinen sinnlichen Anschauung) statt; denn sie sind Begriffe a priori, mithin unabhängig von der Erfahrung (die Behauptung eines empirischen Ursprungs wäre eine Art von generatio aequivoca). Folglich bleibt nur das zweite übrig (gleichsam ein System der Epigenesis der reinen Vernunft): daß nämlich die Kategorien von seiten des Verstandes die Gründe der Möglichkeit aller Erfahrung überhaupt enthalten. Wie sie aber die Erfahrung möglich machen, und welche Grundsätze der Möglichkeit derselben sie in ihrer Anwendung auf Erscheinungen an die Hand geben, wird das folgende Hauptstück von dem transz. Gebrauche der Urteilskraft das mehrere lehren.
Wollte jemand zwischen den zwei genannten einzigen Wegen noch einen Mittelweg vorschlagen, nämlich, daß sie weder selbstgedachte erste Prinzipien a priori unserer Erkenntnis, noch auch aus der Erfahrung geschöpft, sondern subjektive, uns mit unserer Existenz zugleich eingepflanzte Anlagen zum Denken wären, die von unserem Urheber so eingerichtet worden, daß ihr Gebrauch mit den Gesetzen der Natur, an welchen die Erfahrung fortläuft, genau stimmte, (eine Art von Präformationssystem der reinen Vernunft) so würde (außer dem, daß bei einer solchen Hypothese kein Ende abzusehen ist, wie weit man die Voraussetzung vorbestimmter Anlagen zu künftigen Urteilen treiben möchte) das wider gedachten
B 168 Mittelweg entscheidend sein: daß in solchem Falle den Kategorien die Notwendigkeit mangeln würde, die ihrem Begriffe wesentlich angehört. Denn z.B. der Begriff der Ursache, welcher die Notwendigkeit eines Erfolges unter einer vorausgesetzten Bedingung aussagt, würde falsch sein, wenn er nur auf einer beliebigen uns eingepflanzten subjektiven Notwendigkeit, gewisse empirische Vorstellungen nach einer solchen Regel des Verhältnisses zu verbinden, beruhte. Ich würde nicht sagen können: die Wirkung ist mit der Ursache im Objekte (d.i. notwendig) verbunden, sondern ich bin nur so eingerichtet, daß ich diese Vorstellung nicht anders als so verknüpft denken kann, welches gerade das ist, was der Skeptiker am meisten wünscht, denn alsdann ist alle unsere Einsicht, durch vermeinte objektive Gültigkeit unserer Urteile, nichts als lauter Schein, und es würde auch an Leuten nicht fehlen, die diese subjektive Notwendigkeit (die gefühlt werden muß) von sich nicht gestehen würden; zum wenigsten könnte man mit niemandem über dasjenige hadern, was bloß auf der Art beruht, wie sein Subjekt organisiert ist.
Kurzer Begriff dieser Deduktion
Sie ist die Darstellung der reinen Verstandesbegriffe, (und mit ihnen aller theoretischen Erkenntnis a priori, als Prinzipien der Möglichkeit der Erfahrung, dieser aber, als Bestimmung der Erscheinungen in Raum und
B 169 Zeit überhaupt, - endlich dieser aus dem Prinzip der ursprünglichen synthetischen Einheit der Apperzeption, als der Form des Verstandes in Beziehung auf Raum und Zeit, als ursprüngliche Formen der Sinnlichkeit.
* * *
Nur bis hierher halte ich die Paragraphenabteilung für nötig, weil wir es mit den Elementarbegriffen zu tun hatten. Nun wir den Gebrauch derselben vorstellig machen wollen, wird der Vortrag in kontinuierlichem Zusammenhange, ohne dieselbe, fortgehen dürfen.
Der transzendentalen Analytik Zweites Buch
Die Analytik der Grundsätze
Die allgemeine Logik ist über einem Grundrisse erbaut, der ganz genau mit der Einteilung der oberen Erkenntnisvermögen zusammentrifft. Diese sind: Verstand, Urteilskraft und Vernunft. Jene Doktrin handelt daher in ihrer Analytik von Begriffen, Urteilen und Schlüssen, gerade den Funktionen und der Ordnung jener Gemütskräfte gemäß, die man unter der weitläufigen Benennung des Verstandes überhaupt begreift.
B 170 Da gedachte bloß formale Logik von allem Inhalte der Erkenntnis (ob sie rein und empirisch sei) abstrahiert, und sich bloß mit der Form des Denkens (der diskursiven Erkenntnis) überhaupt beschäftigt: so kann sie in ihrem analytischen Teile auch den Kanon für die Vernunft mitbefassen, deren Form ihre sichere Vorschrift hat, die, ohne die besondere Natur der dabei gebrauchten Erkenntnis in Betracht zu ziehen, a priori, durch bloße Zergliederung der Vernunfthandlungen in ihre Momente, eingesehen werden kann.
Die transzendentale Logik, da sie auf einen bestimmten Inhalt, nämlich bloß der reinen Erkenntnisse a priori, eingeschränkt ist, kann es ihr in dieser Einteilung nicht nachtun. Denn es zeigt sich: daß der transzendentale Gebrauch der Vernunft gar nicht objektiv gültig sei, mithin nicht zur Logik der Wahrheit, d.i. der Analytik gehöre, sondern, als eine Logik des Scheins, einen besonderen Teil des scholastischen Lehrgebäudes, unter dem Namen der transzendentalen Dialektik, erfordere.
Verstand und Urteilskraft haben demnach ihren Kanon des objektiv gültigen, mithin wahren Gebrauchs, in der transzendentalen Logik, und gehören also in ihren analytischen Teil. Allein Vernunft in ihren Versuchen, über Gegenstände a priori etwas auszumachen, und das Erkenntnis über die Grenzen möglicher
B 171 Erfahrung zu erweitern, ist ganz und gar dialektisch, und ihre Scheinbehauptungen schicken sich durchaus nicht in einen Kanon, dergleichen doch die Analytik enthalten soll.
Die Analytik der Grundsätze wird demnach lediglich ein Kanon für die Urteilskraft sein, der sie lehrt, die Verstandesbegriffe, welche die Bedingung zu Regeln a priori enthalten, auf Erscheinungen anzuwenden. Aus dieser Ursache werde ich, indem ich die eigentlichen Grundsätze des Verstandes zum Thema nehme, mich der Benennung einer Doktrin der Urteilskraft bedienen, wodurch dieses Geschäft genauer bezeichnet wird.
Einleitung Von der transzendentalen Urteilskraft überhaupt
Wenn der Verstand überhaupt als das Vermögen der Regeln erklärt wird, so ist Urteilskraft das Vermögen unter Regeln zu subsumieren, d.i. zu unterscheiden, ob etwas unter einer gegebenen Regel (casus datae legis) stehe, oder nicht. Die allgemeine Logik enthält gar keine Vorschriften für die Urteilskraft, und kann sie auch nicht enthalten. Denn da sie von allem Inhalte der Erkenntnis abstrahiert, so bleibt ihr nichts übrig, als das Geschäft, die bloße Form der Erkenntnis in Begriffen, Urteilen und Schlüssen analytisch
B 172 auseinander zu setzen, und dadurch formale Regeln alles Verstandesgebrauchs zustande zu bringen. Wollte sie nun allgemein zeigen, wie man unter diese Regeln subsumieren, d.i. unterscheiden sollte, ob etwas darunter stehe oder nicht, so könnte dieses nicht anders, als wieder durch eine Regel geschehen. Diese aber erfordert eben darum, weil sie eine Regel ist, aufs neue eine Unterweisung der Urteilskraft, und so zeigt sich, daß zwar der Verstand einer Belehrung und Ausrüstung durch Regeln fähig, Urteilskraft aber ein besonderes Talent sei, welches gar nicht belehrt, sondern nur geübt sein will. Daher ist diese auch das Spezifische des sogenannten Mutterwitzes, dessen Mangel keine Schule ersetzen kann; denn, ob diese gleich einem eingeschränkten Verstande Regeln vollauf, von fremder Einsicht entlehnt, darreichen und gleichsam einpfropfen kann; so muß doch das Vermögen, sich ihrer richtig zu bedienen, dem Lehrlinge selbst angehören, und keine Regel, die man ihm in dieser Absicht vorschreiben möchte, ist, in Ermangelung einer solchen Naturgabe, vor Mißbrauch sicher*. Ein Arzt
B 173 daher, ein Richter, oder ein Staatskundiger, kann viel schöne pathologische, juristische oder politische Regeln im Kopfe haben, in dem Grade, daß er selbst darin gründlicher Lehrer werden kann, und wird dennoch in der Anwendung derselben leicht verstoßen, entweder, weil es ihm an natürlicher Urteilskraft (obgleich nicht am Verstande) mangelt, und er zwar das Allgemeine in abstracto einsehen, aber ob ein Fall in concreto darunter gehöre, nicht unterscheiden kann, oder auch darum, weil er nicht genug durch Beispiele und wirkliche Geschäfte zu diesem Urteile abgerichtet worden. Dieses ist auch der einige und große Nutzen der Beispiele: daß sie die Urteilskraft schärfen. Denn was die Richtigkeit und Präzision der Verstandeseinsicht betrifft, so tun sie derselben vielmehr gemeiniglich einigen Abbruch, weil sie nur selten die Bedingung der Regel adäquat erfüllen (als casus in terminis) und überdem diejenige Anstrengung des Verstandes oftmals schwächen, Regeln im allgemeinen, und unabhängig von den besonderen Umständen der Erfahrung, nach ihrer Zulänglichkeit, einzusehen, und sie daher zuletzt mehr wie Formeln, als Grundsätze, zu gebrauchen angewöhnen. So sind Beispiele der
B 174 Gängelwagen der Urteilskraft, welchen derjenige, dem es am natürlichen Talent desselben mangelt, niemals entbehren kann.
* Der Mangel an Urteilskraft ist eigentlich das, was man Dummheit nennt, und einem solchen Gebrechen ist gar nicht abzuhelfen. Ein stumpfer oder eingeschränkter Kopf, dem es an nichts, als am gehörigen Grade des Verstandes und eigenen Begriffen desselben mangelt, ist durch Erlernung sehr wohl, sogar bis zur Gelehrsamkeit, auszurüsten. Da es aber gemeiniglich alsdann auch an jenem (der secunda Petri) zu fehlen pflegt, so ist es nichts ungewöhnliches, sehr gelehrte Männer anzutreffen, die, im Gebrauche ihrer Wissenschaft, jenen nie zu bessernden Mangel häufig blicken lassen.
Ob nun aber gleich die allgemeine Logik der Urteilskraft keine Vorschriften geben kann, so ist es doch mit der transzendentalen ganz anders bewandt, sogar daß es scheint, die letztere habe es zu ihrem eigentlichen Geschäfte, die Urteilskraft im Gebrauch des reinen Verstandes, durch bestimmte Regeln zu berichtigen und zu sichern. Denn, um dem Verstande im Felde reiner Erkenntnisse a priori Erweiterung zu verschaffen, mithin als Doktrin scheint Philosophie gar nicht nötig, oder vielmehr übel angebracht zu sein, weil man nach allen bisherigen Versuchen damit doch wenig oder gar kein Land gewonnen hat, sondern als Kritik, um die Fehltritte der Urteilskraft (lapsus judicii) im Gebrauch der wenigen reinen Verstandesbegriffe, die wir haben, zu verhüten, dazu (obgleich der Nutzen alsdann nur negativ ist) wird Philosophie mit ihrer ganzen Scharfsinnigkeit und Prüfungskunst aufgeboten.
Es hat aber die Transzendental-Philosophie das Eigentümliche: daß sie außer der Regel (oder vielmehr der allgemeinen Bedingung zu Regeln), die in dem reinen Begriffe des Verstandes gegeben wird, zugleich a priori den Fall anzeigen kann, worauf sie angewandt
B 175 werden sollen. Die Ursache von dem Vorzuge, den sie in diesem Stücke vor allen anderen belehrenden Wissenschaften hat, (außer der Mathematik) liegt eben darin: daß sie von Begriffen handelt, die sich auf ihre Gegenstände a priori beziehen sollen, mithin kann ihre objektive Gültigkeit nicht a posteriori dargetan werden; denn das würde jene Dignität derselben ganz unberührt lassen, sondern sie muß zugleich die Bedingungen, unter welchen Gegenstände in Übereinstimmung mit jenen Begriffen gegeben werden können, in allgemeinen aber hinreichenden Kennzeichen darlegen, widrigenfalls sie ohne allen Inhalt, mithin bloße logische Formen und nicht reine Verstandesbegriffe sein würden.
Diese transzendentale Doktrin der Urteilskraft wird nun zwei Hauptstücke enthalten: das erste, welches von der sinnlichen Bedingung handelt, unter welcher reine Verstandesbegriffe allein gebraucht werden können, d.i. von dem Schematismus des reinen Verstandes; das zweite aber von denen synthetischen Urteilen, welche aus reinen Verstandesbegriffen unter diesen Bedingungen a priori herfließen, und allen übrigen Erkenntnissen a priori zum Grunde liegen, d.i. von den Grundsätzen des reinen Verstandes.
B 176 Der transzendentalen Doktrin der Urteilskraft (oder Analytik der Grundsätze) Erstes Hauptstück Von dem Schematismus der reinen Verstandesbegriffe
In allen Subsumtionen eines Gegenstandes unter einen Begriff muß die Vorstellung des ersteren mit der letzteren gleichartig sein, d.i. der Begriff muß dasjenige enthalten, was in dem darunter zu subsumierenden Gegenstande vorgestellt wird, denn das bedeutet eben der Ausdruck: ein Gegenstand sei unter einem Begriffe enthalten. So hat der empirische Begriff eines Tellers mit dem reinen geometrischen eines Zirkels Gleichartigkeit, indem die Rundung, die in dem ersteren gedacht wird, sich im letzteren anschauen läßt.
Nun sind aber reine Verstandesbegriffe, in Vergleichung mit empirischen (ja überhaupt sinnlichen) Anschauungen, ganz ungleichartig, und können niemals in irgendeiner Anschauung angetroffen werden. Wie ist nun die Subsumtion der letzteren unter die erste, mithin die Anwendung der Kategorie auf Erscheinungen möglich, da doch niemand sagen wird: diese, z.B. die Kausalität, könne auch durch Sinne
B 177 angeschaut werden und sei in der Erscheinung enthalten? Diese so natürliche und erhebliche Frage ist nun eigentlich die Ursache, welche eine transzendentale Doktrin der Urteilskraft notwendig macht, um nämlich die Möglichkeit zu zeigen, wie reine Verstandesbegriffe auf Erscheinungen überhaupt angewandt werden können. In allen anderen Wissenschaften, wo die Begriffe, durch die der Gegenstand allgemein gedacht wird, von denen, die diesen in concreto vorstellen, wie er gegeben wird, nicht so unterschieden und heterogen sind, ist es unnötig, wegen der Anwendung des ersteren auf den letzten besondere Erörterung zu geben.
Nun ist klar, daß es ein Drittes geben müsse, was einerseits mit der Kategorie, andererseits mit der Erscheinung in Gleichartigkeit stehen muß, und die Anwendung der ersteren auf die letzte möglich macht. Diese vermittelnde Vorstellung muß rein (ohne alles Empirische) und doch einerseits intellektuell, andererseits sinnlich sein. Eine solche ist das transzendentale Schema.
Der Verstandesbegriff enthält reine synthetische Einheit des Mannigfaltigen überhaupt. Die Zeit, als die formale Bedingung des Mannigfaltigen des inneren Sinnes, mithin der Verknüpfung aller Vorstellungen, enthält ein Mannigfaltiges a priori in der reinen Anschauung. Nun ist eine transzendentale Zeitbestimmung mit der Kategorie (die die Einheit derselben ausmacht) sofern gleichartig, als sie allgemein ist und auf einer
B 178 Regel a priori beruht. Sie ist aber andererseits mit der Erscheinung sofern gleichartig, als die Zeit in jeder empirischen Vorstellung des Mannigfaltigen enthalten ist. Daher wird eine Anwendung der Kategorie auf Erscheinungen möglich sein, vermittelst der transzendentalen Zeitbestimmung, welche, als das Schema der Verstandesbegriffe, die Subsumtion der letzteren unter die erste vermittelt.
Nach demjenigen, was in der Deduktion der Kategorien gezeigt worden, wird hoffentlich niemand im Zweifel stehen, sich über die Frage zu entschließen: ob diese reinen Verstandesbegriffe von bloß empirischem oder auch von transzendentalem Gebrauche sind, d.i. ob sie lediglich, als Bedingungen einer möglichen Erfahrung, sich a priori auf Erscheinungen beziehen, oder ob sie, als Bedingungen der Möglichkeit der Dinge überhaupt, auf Gegenstände an sich selbst (ohne einige Restriktion auf unsere Sinnlichkeit) erstreckt werden können. Denn da haben wir gesehen, daß Begriffe ganz unmöglich sind, noch irgend einige Bedeutung haben können, wo nicht, entweder ihnen selbst, oder wenigstens den Elementen, daraus sie bestehen, ein Gegenstand gegeben ist, mithin auf Dinge an sich (ohne Rücksicht, ob und wie sie uns gegeben werden mögen) gar nicht gehen können; daß ferner die einzige Art, wie uns Gegenstände gegeben werden, die Modifikation unserer Sinnlichkeit sei; endlich, daß reine Begriffe a priori, außer der
B 179 Funktion des Verstandes in der Kategorie, noch formale Bedingungen der Sinnlichkeit (namentlich des inneren Sinnes) a priori enthalten müssen, welche die allgemeine Bedingung enthalten, unter der die Kategorie allein auf irgendeinen Gegenstand angewandt werden kann. Wir wollen diese formale und reine Bedingung der Sinnlichkeit, auf welche der Verstandesbegriff in seinem Gebrauch restringiert ist, das Schema dieses Verstandesbegriffs, und das Verfahren des Verstandes mit diesen Schematen den Schematismus des reinen Verstandes nennen.
Das Schema ist an sich selbst jederzeit nur ein Produkt der Einbildungskraft; aber indem die Synthesis der letzteren keine einzelne Anschauung, sondern die Einheit in der Bestimmung der Sinnlichkeit allein zur Absicht hat, so ist das Schema doch vom Bilde zu unterscheiden. So, wenn ich fünf Punkte hintereinander setze,..... ist dieses ein Bild von der Zahl fünf. Dagegen, wenn ich eine Zahl überhaupt nur denke, die nun fünf oder hundert sein kann, so ist dieses Denken mehr die Vorstellung einer Methode, einem gewissen Begriffe gemäß eine Menge (z.E. tausend) in einem Bilde vorzustellen, als dieses Bild selbst, welches ich im letzteren Falle schwerlich würde übersehen und mit dem Begriff vergleichen können. Diese Vorstellung nun von einem allgemeinen Verfahren der Einbildungskraft, einem
B 180 Begriff sein Bild zu verschaffen, nenne ich das Schema zu diesem Begriffe.
In der Tat liegen unseren reinen sinnlichen Begriffen nicht Bilder der Gegenstände, sondern Schemate zum Grunde. Dem Begriffe von einem Triangel überhaupt würde gar kein Bild desselben jemals adäquat sein. Denn es würde die Allgemeinheit des Begriffs nicht erreichen, welche macht, daß dieser für alle, recht- oder schiefwinklige usw. gilt, sondern immer nur auf einen Teil dieser Sphäre eingeschränkt sein. Das Schema des Triangels kann niemals anderswo als in Gedanken existieren, und bedeutet eine Regel der Synthesis der Einbildungskraft, in Ansehung reiner Gestalten im Raume. Noch viel weniger erreicht ein Gegenstand der Erfahrung oder Bild desselben jemals den empirischen Begriff, sondern dieser bezieht sich jederzeit unmittelbar auf das Schema der Einbildungskraft, als eine Regel der Bestimmung unserer Anschauung, gemäß einem gewissen allgemeinen Begriffe. Der Begriff vorn Hunde bedeutet eine Regel, nach welcher meine Einbildungskraft die Gestalt eines vierfüßigen Tieres allgemein verzeichnen kann, ohne auf irgendeine einzige besondere Gestalt, die mir die Erfahrung darbietet, oder auch ein jedes mögliche Bild, was ich in concreto darstellen kann, eingeschränkt zu sein. Dieser Schematismus unseres Verstandes, in Ansehung der Erscheinungen und ihrer bloßen Form, ist eine verborgene Kunst in den Tiefen der menschlichen Seele, deren wahre
B 181 Handgriffe wir der Natur schwerlich jemals abraten, und sie unverdeckt vor Augen legen werden. So viel können wir nur sagen: das Bild ist ein Produkt des empirischen Vermögens der produktiven Einbildungskraft, das Schema sinnlicher Begriffe (als der Figuren im Raume) ein Produkt und gleichsam ein Monogramm der reinen Einbildungskraft a priori, wodurch und wonach die Bilder allererst möglich werden, die aber mit dem Begriffe nur immer vermittelst des Schema, welches sie bezeichnen, verknüpft werden müssen, und an sich demselben nicht völlig kongruieren. Dagegen ist das Schema eines reinen Verstandesbegriffs etwas, was in gar kein Bild gebracht werden kann, sondern ist nur die reine Synthesis, gemäß einer Regel der Einheit nach Begriffen überhaupt, die die Kategorie ausdrückt, und ist ein transzendentales Produkt der Einbildungskraft, welches die Bestimmung des inneren Sinnes überhaupt, nach Bedingungen ihrer Form, (der Zeit,) in Ansehung aller Vorstellungen, betrifft, sofern diese der Einheit der Apperzeption gemäß a priori in einem Begriff zusammenhängen sollten.
Ohne uns nun bei einer trockenen und langweiligen Zergliederung dessen, was zu transzendentalen Schematen reiner Verstandesbegriffe überhaupt erfordert wird, aufzuhalten, wollen wir sie lieber nach der Ordnung der Kategorien und in Verknüpfung mit diesen darstellen.
B 182 Das reine Bild aller Größen (quantorum) vor dem äußeren Sinne, ist der Raum; aller Gegenstände der Sinne aber überhaupt, die Zeit. Das reine Schema der Größe aber (quantitatis), als eines Begriffs des Verstandes, ist die Zahl, welche eine Vorstellung ist, die die sukzessive Addition von Einem zu Einem (gleichartigen) zusammenbefaßt. Also ist die Zahl nichts anderes, als die Einheit der Synthesis des Mannigfaltigen einer gleichartigen Anschauung überhaupt, dadurch, daß ich die Zeit selbst in der Apprehension der Anschauung erzeuge.
Realität ist im reinen Verstandesbegriffe das, was einer Empfindung überhaupt korrespondiert; dasjenige also, dessen Begriff an sich selbst ein Sein (in der Zeit) anzeigt; Negation, dessen Begriff ein Nichtsein (in der Zeit) vorstellt. Die Entgegensetzung beider geschieht also in dem Unterschiede derselben Zeit, als einer erfüllten, oder leeren Zeit. Da die Zeit nur die Form der Anschauung, mithin der Gegenstände, als Erscheinungen, ist, so ist das, was an diesen der Empfindung entspricht, die transzendentale Materie aller Gegenstände, als Dinge an sich (die Sachheit, Realität). Nun hat jede Empfindung einen Grad oder Größe, wodurch sie dieselbe Zeit, d.i. den inneren Sinn in Ansehung derselben Vorstellung eines Gegenstandes, mehr oder weniger erfüllen kann, bis sie in Nichts (= 0 = negatio) aufhört. Daher ist ein Verhältnis und Zusammenhang oder
B 183 vielmehr ein Übergang von Realität zur Negation, welcher jede Realität als ein Quantum vorstellig macht, und das Schema einer Realität, als der Quantität von Etwas, sofern es die Zeit erfüllt, ist eben diese kontinuierliche und gleichförmige Erzeugung derselben in der Zeit, indem man von der Empfindung, die einen gewissen Grad hat, in der Zeit bis zum Verschwinden derselben hinabgeht, oder von der Negation zu der Größe derselben allmählich aufsteigt.
Das Schema der Substanz ist die Beharrlichkeit des Realen in der Zeit, d.i. die Vorstellung desselben, als eines Substratum der empirischen Zeitbestimmung überhaupt, welches also bleibt, indem alles andere wechselt. (Die Zeit verläuft sich nicht, sondern in ihr verläuft sich das Dasein des Wandelbaren. Der Zeit also, die selbst unwandelbar und bleibend ist, korrespondiert in der Erscheinung das Unwandelbare im Dasein, d.i. die Substanz, und bloß an ihr kann die Folge und das Zugleichsein der Erscheinungen der Zeit nach bestimmt werden.)
Das Schema der Ursache und der Kausalität eines Dinges überhaupt ist das Reale, worauf, wenn es nach Belieben gesetzt wird, jederzeit etwas anderes folgt. Es besteht also in der Sukzession des Mannigfaltigen, insofern sie einer Regel unterworfen ist.
Das Schema der Gemeinschaft (Wechselwirkung), oder der wechselseitigen Kausalität der Substanzen in Ansehung ihrer Akzidenzen, ist das Zugleichsein der
B 184 Bestimmungen der Einen, mit denen der Anderen, nach einer allgemeinen Regel.
Das Schema der Möglichkeit ist die Zusammenstimmung der Synthesis verschiedener Vorstellungen mit den Bedingungen der Zeit überhaupt (z.B. da das Entgegengesetzte in einem Dinge nicht zugleich, sondern nur nacheinander sein kann,) also die Bestimmung der Vorstellung eines Dinges zu irgendeiner Zeit.
Das Schema der Wirklichkeit ist das Dasein in einer bestimmten Zeit.
Das Schema der Notwendigkeit ist das Dasein eines Gegenstandes zu aller Zeit.
Man sieht nun aus allem diesem, daß das Schema einer jeden Kategorie, als das der Größe, die Erzeugung, (Synthesis) der Zeit selbst, in der sukzessiven Apprehension eines Gegenstandes, das Schema der Qualität die Synthesis der Empfindung (Wahrnehmung) mit der Vorstellung der Zeit, oder die Erfüllung der Zeit, das der Relation das Verhältnis der Wahrnehmungen untereinander zu aller Zeit (d.i. nach einer Regel der Zeitbestimmung), endlich das Schema der Modalität und ihrer Kategorien, die Zeit selbst, als das Korrelatum der Bestimmung eines Gegenstandes, ob und wie er zur Zeit gehöre, enthalte und vorstellig mache. Die Schemate sind daher nichts als Zeitbestimmungen a priori nach Regeln, und diese gehen nach der Ordnung der Kategorien, auf die Zeitreihe, den Zeitinhalt, die
B 185 Zeitordnung, endlich den Zeitinbegriff in Ansehung aller möglichen Gegenstände.
Hieraus erhellt nun, daß der Schematismus des Verstandes durch die transzendentale Synthesis der Einbildungskraft auf nichts anderes, als die Einheit alles Mannigfaltigen der Anschauung in dem inneren Sinne, und so indirekt auf die Einheit der Apperzeption, als Funktion, welche dem inneren Sinn (einer Rezeptivität) korrespondiert, hinauslaufe. Also sind die Schemate der reinen Verstandesbegriffe die wahren und einzigen Bedingungen, diesen eine Beziehung auf Objekte, mithin Bedeutung zu verschaffen, und die Kategorien sind daher am Ende von keinem anderen, als einem möglichen empirischen Gebrauche, indem sie bloß dazu dienen, durch Gründe einer a priori notwendigen Einheit (wegen der notwendigen Vereinigung alles Bewußtseins in einer ursprünglichen Apperzeption) Erscheinungen allgemeinen Regeln der Synthesis zu unterwerfen, und sie dadurch zur durchgängigen Verknüpfung in einer Erfahrung schicklich zu machen.
In dem Ganzen aller möglichen Erfahrung liegen aber alle unsere Erkenntnisse, und in der allgemeinen Beziehung auf dieselbe besteht die transzendentale Wahrheit, die vor aller empirischen vorhergeht, und sie möglich macht.
Es fällt aber doch auch in die Augen: daß, obgleich die Schemate der Sinnlichkeit die Kategorien allererst
B 186 realisieren, sie doch selbige gleichwohl auch restringieren, d.i. auf Bedingungen einschränken, die außer dem Verstande liegen (nämlich in der Sinnlichkeit). Daher ist das Schema eigentlich nur das Phänomenon, oder der sinnliche Begriff eines Gegenstandes, in Übereinstimmung mit der Kategorie. (Numerus est quantitas phaenomenon, sensatio realitas phaenomenon, constans et perdurabile rerum substantia phaenomenon - - aeternitas, necessitas, phaenomena usw.) Wenn wir nun eine restringierende Bedingung weglassen, so amplifizieren wir, wie es scheint, den vorher eingeschränkten Begriff; so sollten die Kategorien in ihrer reinen Bedeutung, ohne alle Bedingungen der Sinnlichkeit, von Dingen überhaupt gelten, wie sie sind, anstatt, daß ihre Schemate sie nur vorstellen, wie sie erscheinen, jene also eine von allen Schematen unabhängige und viel weiter erstreckte Bedeutung haben. In der Tat bleibt den reinen Verstandesbegriffen allerdings, auch nach Absonderung aller sinnlichen Bedingung, eine, aber nur logische Bedeutung der bloßen Einheit der Vorstellungen, denen aber kein Gegenstand, mithin auch keine Bedeutung gegeben wird, die einen Begriff vom Objekt abgeben könnte. So würde z.B. Substanz, wenn man die sinnliche Bestimmung der Beharrlichkeit wegließe, nichts weiter als ein Etwas bedeuten, das als Subjekt (ohne ein Prädikat von etwas anderem zu sein) gedacht werden kann. Aus dieser Vorstellung kann ich nun nichts machen, indem sie mir
B 187 gar nicht anzeigt, welche Bestimmungen das Ding hat, welches als ein solches erstes Subjekt gelten soll. Also sind die Kategorien, ohne Schemate, nur Funktionen des Verstandes zu Begriffen, stellen aber keinen Gegenstand vor. Diese Bedeutung kommt ihnen von der Sinnlichkeit, die den Verstand realisiert, indem sie ihn zugleich restringiert.
Der transzendentalen Doktrin der Urteilskraft (oder Analytik der Grundsätze) Zweites Hauptstück
System aller Grundsätze des reinen Verstandes
Wir haben in dem vorigen Hauptstücke die transzendentale Urteilskraft nur nach den allgemeinen Bedingungen erwogen, unter denen sie allein die reinen Verstandesbegriffe zu synthetischen Urteilen zu brauchen befugt ist. Jetzt ist unser Geschäft: die Urteile, die der Verstand unter dieser kritischen Vorsicht wirklich a priori zustande bringt, in systematischer Verbindung darzustellen, wozu uns ohne Zweifel unsere Tafel der Kategorien die natürliche und sichere Leitung geben muß. Denn diese sind es eben, deren Beziehung auf mögliche Erfahrung alle reine Verstandeserkenntnis a priori ausmachen muß, und deren Verhältnis zur Sinnlichkeit überhaupt
B 188 um deswillen alle transzendentalen Grundsätze des Verstandesgebrauchs vollständig und in einem System darlegen wird.
Grundsätze a priori führen diesen Namen nicht bloß deswegen, weil sie die Gründe anderer Urteile in sich enthalten, sondern auch weil sie selbst nicht in höheren und allgemeineren Erkenntnissen gegründet sind. Diese Eigenschaft überhebt sie doch nicht allemal eines Beweises. Denn obgleich dieser nicht weiter objektiv geführt werden könnte, sondern vielmehr alle Erkenntnis seines Objekts zum Grunde liegt, so hindert dies doch nicht, daß nicht ein Beweis, aus den subjektiven Quellen der Möglichkeit einer Erkenntnis des Gegenstandes überhaupt, zu schaffen möglich, ja auch nötig wäre, weil der Satz sonst gleichwohl den größten Verdacht einer bloß erschlichenen Behauptung auf sich haben würde.
Zweitens werden wir uns bloß auf diejenigen Grundsätze, die sich auf die Kategorien beziehen, einschränken. Die Prinzipien der transzendentalen Ästhetik, nach welchen Raum und Zeit die Bedingungen der Möglichkeit aller Dinge als Erscheinungen sind, imgleichen die Restriktion dieser Grundsätze: daß sie nämlich nicht auf Dinge an sich selbst bezogen werden können, gehören also nicht in unser abgestochenes Feld der Untersuchung. Ebenso machen die mathematischen Grundsätze keinen Teil dieses Systems aus, weil sie nur aus der Anschauung, aber nicht aus dem reinen
B 189 Verstandesbegriffe gezogen sind; doch wird die Möglichkeit derselben, weil sie gleichwohl synthetische Urteile a priori sind, hier notwendig Platz finden, zwar nicht, um ihre Richtigkeit und apodiktische Gewißheit zu beweisen, welches sie gar nicht nötig haben, sondern nur die Möglichkeit solcher evidenten Erkenntnisse a priori begreiflich zu machen und zu deduzieren.
Wir werden aber auch von dem Grundsatze analytischer Urteile reden müssen, und dieses zwar im Gegensatz mit der synthetischen, als mit welchen wir uns eigentlich beschäftigen, weil eben diese Gegenstellung die Theorie der letzteren von allem Mißverstande befreit, und sie in ihrer eigentümlichen Natur deutlich vor Augen legt.
Das System der Grundsätze des reinen Verstandes Erster Abschnitt Von dem obersten Grundsatze aller analytischen Urteile
Von welchem Inhalt auch unsere Erkenntnis sei, und wie sie sich auf das Objekt beziehen mag, so ist doch die allgemeine, obzwar nur negative Bedingung aller unserer Urteile überhaupt, daß sie sich nicht selbst widersprechen; widrigenfalls diese Urteile an sich selbst (auch ohne Rücksicht aufs Objekt) nichts sind. Wenn aber
B 190 auch gleich in unserem Urteile kein Widerspruch ist, so kann es dem ungeachtet doch Begriffe so verbinden, wie es der Gegenstand nicht mit sich bringt, oder auch, ohne daß uns irgendein Grund weder a priori noch a posteriori gegeben ist, welcher ein solches Urteil berechtigte, und so kann ein Urteil bei allem dem, daß es von allem inneren Widerspruche frei ist, doch entweder falsch oder grundlos sein.
Der Satz nun: Keinem Dinge kommt ein Prädikat zu, welches ihm widerspricht, heißt der Satz des Widerspruchs, und ist ein allgemeines, obzwar bloß negatives, Kriterium aller Wahrheit, gehört aber auch darum bloß in die Logik, weil er von Erkenntnissen, bloß als Erkenntnissen überhaupt, unangesehen ihres Inhalts gilt, und sagt: daß der Widerspruch sie gänzlich vernichte und aufhebe.
Man kann aber doch von demselben auch einen positiven Gebrauch machen, d.i. nicht bloß, um Falschheit und Irrtum (sofern es auf dem Widerspruch beruht) zu verbannen, sondern auch Wahrheit zu erkennen. Denn, wenn das Urteil analytisch ist, es mag nun verneinend oder bejahend sein, so muß dessen Wahrheit jederzeit nach dem Satze des Widerspruchs hinreichend können erkannt werden. Denn von dem, was in der Erkenntnis des Objekts schon als Begriff liegt und gedacht wird, wird das Widerspiel jederzeit richtig verneint, der Begriff selber aber notwendig von ihm bejaht werden müssen,
B 191 darum, weil das Gegenteil desselben dem Objekte widersprechen würde.
Daher müssen wir auch den Satz des Widerspruchs als das allgemeine und völlig hinreichende Prinzipium aller analytischen Erkenntnis gelten lassen; aber weiter geht auch sein Ansehen und Brauchbarkeit nicht, als eines hinreichenden Kriterium der Wahrheit. Denn daß ihm gar keine Erkenntnis zuwider sein könne, ohne sich selbst zu vernichten, das macht diesen Satz wohl zur conditio sine qua non, aber nicht zum Bestimmungsgrunde der Wahrheit unserer Erkenntnis. Da wir es nun eigentlich nur mit dem synthetischen Teile unserer Erkenntnis zu tun haben, so werden wir zwar jederzeit bedacht sein, diesem unverletzlichen Grundsatz niemals zuwider zu handeln, von ihm aber, in Ansehung der Wahrheit von dergleichen Art der Erkenntnis, niemals einigen Aufschluß gewärtigen können.
Es ist aber doch eine Formel dieses berühmten, obzwar von allem Inhalt entblößten und bloß formalen Grundsatzes, die eine Synthesis enthält, welche aus Unvorsichtigkeit und ganz unnötigerweise in ihr gemischt worden. Sie heißt: es ist unmöglich, daß etwas zugleich sei und nicht sei. Außer dem, daß hier die apodiktische Gewißheit (durch das Wort unmöglich) überflüssigerweise angehängt worden, die sich doch von selbst aus dem Satz muß verstehen lassen, so ist der Satz durch die Bedingung der Zeit affiziert, und sagt gleichsam: Ein
B 192 Ding = A, welches etwas = B ist, kann nicht zu gleicher Zeit non B sein; aber es kann gar wohl beides (B sowohl, als non B) nacheinander sein. Z.B. ein Mensch, der jung ist, kann nicht zugleich alt sein; ebenderselbe kann aber sehr wohl zu einer Zeit jung, zur anderen nicht-jung, d.i. alt sein. Nun muß der Satz des Widerspruchs, als ein bloß logischer Grundsatz, seine Aussprüche gar nicht auf die Zeitverhältnisse einschränken, daher ist eine solche Formel der Absicht desselben ganz zuwider. Der Mißverstand kommt bloß daher: daß man ein Prädikat eines Dinges zuvörderst von dem Begriff desselben absondert, und nachher sein Gegenteil mit diesem Prädikate verknüpft, welches niemals einen Widerspruch mit dem Subjekte, sondern nur mit dessen Prädikate, welches mit jenem synthetisch verbunden worden, abgibt, und zwar nur dann, wenn das erste und zweite Prädikat zu gleicher Zeit gesetzt werden. Sage ich, ein Mensch, der ungelehrt ist, ist nicht gelehrt, so muß die Bedingung: zugleich, dabei stehen, denn der, so zu einer Zeit ungelehrt ist, kann zu einer anderen gar wohl gelehrt sein. Sage ich aber, kein ungelehrter Mensch ist gelehrt, so ist der Satz analytisch, weil das Merkmal (der Ungelehrtheit) nunmehr den Begriff des Subjekts mit ausmacht, und alsdann erhellt der verneinende Satz unmittelbar aus dem Satze des Widerspruchs, ohne daß die Bedingung: zugleich, hinzukommen darf. Dieses ist denn auch die Ursache, weswegen ich oben die Formel
B 193 desselben so verändert habe, daß die Natur eines analytischen Satzes dadurch deutlich ausgedrückt wird.
Des Systems der Grundsätze des reinen Verstandes Zweiter Abschnitt Von dem obersten Grundsatze aller synthetischen Urteile
Die Erklärung der Möglichkeit synthetischer Urteile, ist eine Aufgabe, mit der die allgemeine Logik gar nichts zu schaffen hat, die auch sogar ihren Namen nicht einmal kennen darf. Sie ist aber in einer transzendentalen Logik das wichtigste Geschäft unter allen, und sogar das einzige, wenn von der Möglichkeit synthetischer Urteile a priori die Rede ist, imgleichen den Bedingungen und dem Umfange ihrer Gültigkeit. Denn nach Vollendung desselben, kann sie ihrem Zwecke, nämlich den Umfang und die Grenzen des reinen Verstandes zu bestimmen, vollkommen ein Genüge tun.
Im analytischen Urteile bleibe ich bei dem gegebenen Begriffe, um etwas von ihm auszumachen. Soll es bejahend sein, so lege ich diesem Begriffe nur dasjenige bei, was in ihm schon gedacht war; soll es verneinend sein, so schließe ich nur das Gegenteil desselben von ihm aus. In synthetischen Urteilen aber soll ich aus dem gegebenen Begriff hinausgehen, um etwas ganz anderes, als in ihm gedacht war, mit demselben im Verhältnis zu
B 194 betrachten, welches daher niemals, weder ein Verhältnis der Identität, noch des Widerspruchs ist, und wobei dem Urteile an ihm selbst weder die Wahrheit, noch der Irrtum angesehen werden kann.
Also zugegeben: daß man aus einem gegebenen Begriffe hinausgehen müsse, um ihn mit einem anderen synthetisch zu vergleichen, so ist ein Drittes nötig, worin allein die Synthesis zweier Begriffe entstehen kann. Was ist nun aber dieses Dritte, als das Medium aller synthetischen Urteile? Es ist nur ein Inbegriff, darin alle unsere Vorstellungen enthalten sind, nämlich der innere Sinn, und die Form desselben a priori, die Zeit. Die Synthesis der Vorstellungen beruht auf der Einbildungskraft, die synthetische Einheit derselben aber (die zum Urteile erforderlich ist) auf der Einheit der Apperzeption. Hierin wird also die Möglichkeit synthetischer Urteile, und da alle drei die Quellen zu Vorstellungen a priori enthalten, auch die Möglichkeit reiner synthetischer Urteile zu suchen sein, ja sie werden sogar aus diesen Gründen notwendig sein, wenn eine Erkenntnis von Gegenständen zustande kommen soll, die lediglich auf der Synthesis der Vorstellungen beruht.
Wenn eine Erkenntnis objektive Realität haben, d.i. sich auf einen Gegenstand beziehen, und in demselben Bedeutung und Sinn haben soll, so muß der Gegenstand auf irgendeine Art gegeben werden können. Ohne das sind die Begriffe leer, und man hat dadurch zwar gedacht,
B 195 in der Tat aber durch dieses Denken nichts erkannt, sondern bloß mit Vorstellungen gespielt. Einen Gegenstand geben, wenn dieses nicht wiederum nur mittelbar gemeint sein soll, sondern unmittelbar in der Anschauung darstellen, ist nichts anderes, als dessen Vorstellung auf Erfahrung (es sei wirkliche oder doch mögliche) beziehen. Selbst der Raum und die Zeit, so rein diese Begriffe auch von allem Empirischen sind, und so gewiß es auch ist, daß sie völlig a priori im Gemüte vorgestellt werden, würden doch ohne objektive Gültigkeit und ohne Sinn und Bedeutung sein, wenn ihr notwendiger Gebrauch an den Gegenständen der Erfahrung nicht gezeigt würde, ja ihre Vorstellung ist ein bloßes Schema, das sich immer auf die reproduktive Einbildungskraft bezieht, welche die Gegenstände der Erfahrung herbeiruft, ohne die sie keine Bedeutung haben würden; und so ist es mit allen Begriffen ohne Unterschied.
Die Möglichkeit der Erfahrung ist also das, was allen unseren Erkenntnissen a priori objektive Realität gibt. Nun beruht Erfahrung auf der synthetischen Einheit der Erscheinungen, d.i. auf einer Synthesis nach Begriffen vom Gegenstande der Erscheinungen überhaupt, ohne welche sie nicht einmal Erkenntnis, sondern eine Rhapsodie von Wahrnehmungen sein würde, die sich in keinem Kontext nach Regeln eines durchgängig verknüpften (möglichen) Bewußtseins, mithin auch nicht zur transzendentalen und notwendigen Einheit der Apperzeption,
B 196 zusammen schicken würden. Die Erfahrung hat also Prinzipien ihrer Form a priori zum Grunde liegen, nämlich allgemeine Regeln der Einheit in der Synthesis der Erscheinungen, deren objektive Realität, als notwendige Bedingungen, jederzeit in der Erfahrung, ja sogar ihrer Möglichkeit gewiesen werden kann. Außer dieser Beziehung aber sind synthetische Sätze a priori gänzlich unmöglich, weil sie kein Drittes, nämlich reinen Gegenstand haben, an dem die synthetische Einheit ihrer Begriffe objektive Realität dartun könnte.
Ob wir daher gleich vom Raume überhaupt, oder den Gestalten, welche die produktive Einbildungskraft in ihm verzeichnet, so vieles a priori in synthetischen Urteilen erkennen, so, daß wir wirklich hierzu gar keiner Erfahrung bedürfen; so würde doch dieses Erkenntnis gar nichts, sondern die Beschäftigung mit einem bloßen Hirngespinst sein, wäre der Raum nicht, als Bedingung der Erscheinungen, welche den Stoff zur äußeren Erfahrung ausmachen, anzusehen; daher sich jene reinen synthetischen Urteile, obzwar nur mittelbar, auf mögliche Erfahrung oder vielmehr auf dieser ihre Möglichkeit selbst beziehen, und darauf allein die objektive Gültigkeit ihrer Synthesis gründen.
Da also Erfahrung, als empirische Synthesis, in ihrer Möglichkeit die einzige Erkenntnisart ist, welche aller anderen Synthesis Realität gibt, so hat diese als Erkenntnis a priori auch nur dadurch Wahrheit,
B 197 (Einstimmung mit dem Objekt,) daß sie nichts weiter enthält, als was zur synthetischen Einheit der Erfahrung überhaupt notwendig ist.
Das oberste Principium aller synthetischen Urteile ist also: ein jeder Gegenstand steht unter den notwendigen Bedingungen der synthetischen Einheit des Mannigfaltigen der Anschauung in einer möglichen Erfahrung.
Auf solche Weise sind synthetische Urteile a priori möglich, wenn wir die formalen Bedingungen der Anschauung a priori, die Synthesis der Einbildungskraft, und die notwendige Einheit derselben in einer transzendentalen Apperzeption, auf ein mögliches Erfahrungserkenntnis überhaupt beziehen, und sagen: die Bedingungen der Möglichkeit der Erfahrung überhaupt sind zugleich Bedingungen der Möglichkeit der Gegenstände der Erfahrung, und haben darum objektive Gültigkeit in einem synthetischen Urteile a priori.
Des Systems der Grundsätze des reinen Verstandes Dritter Abschnitt Systematische Vorstellung aller synthetischen Grundsätze desselben
Daß überhaupt irgendwo Grundsätze stattfinden, das ist lediglich dem reinen Verstande zuzuschreiben, der nicht allein das Vermögen der Regeln ist, in
B 198 Ansehung dessen, was geschieht, sondern selbst der Quell der Grundsätze, nach welchem alles (was uns nur als Gegenstand vorkommen kann) notwendig unter Regeln steht, weil, ohne solche, den Erscheinungen niemals Erkenntnis eines ihnen korrespondierenden Gegenstandes zukommen könnte. Selbst Naturgesetze, wenn sie als Grundgesetze des empirischen Verstandesgebrauchs betrachtet werden, führen zugleich einen Ausdruck der Notwendigkeit, mithin wenigstens die Vermutung einer Bestimmung aus Gründen, die a priori und vor aller Erfahrung gültig sind, bei sich. Aber ohne Unterschied stehen alle Gesetze der Natur unter höheren Grundsätzen des Verstandes, indem sie diese nur auf besondere Fälle der Erscheinung anwenden. Diese allein geben also den Begriff, der die Bedingung und gleichsam den Exponenten zu einer Regel überhaupt enthält, Erfahrung aber gibt den Fall, der unter der Regel steht.
Daß man bloß empirische Grundsätze für Grundsätze des reinen Verstandes, oder auch umgekehrt ansehe, deshalb kann wohl eigentlich keine Gefahr sein; denn die Notwendigkeit nach Begriffen, welche die letztere auszeichnet, und deren Mangel in jedem empirischen Satze, so allgemein er auch gelten mag, leicht wahrgenommen wird, kann diese Verwechslung leicht verhüten. Es gibt aber reine Grundsätze a priori, die ich gleichwohl doch nicht dem reinen Verstande eigentümlich beimessen möchte, darum, weil sie nicht aus reinen Begriffen,
B 199 sondern aus reinen Anschauungen (obgleich vermittelst des Verstandes) gezogen sind; Verstand ist aber das Vermögen der Begriffe. Die Mathematik hat dergleichen, aber ihre Anwendung auf Erfahrung, mithin ihre objektive Gültigkeit, ja die Möglichkeit solcher synthetischer Erkenntnis a priori (die Deduktion derselben) beruht doch immer auf dem reinen Verstande.
Daher werde ich unter meine Grundsätze die der Mathematik nicht mitzählen, aber wohl diejenigen, worauf sich dieser ihre Möglichkeit und objektive Gültigkeit a priori gründet, und die mithin als Principium dieser Grundsätze anzusehen sind, und von Begriffen zur Anschauung, nicht aber von der Anschauung zu Begriffen ausgehen.
In der Anwendung der reinen Verstandesbegriffe auf mögliche Erfahrung ist der Gebrauch ihrer Synthesis entweder mathematisch, oder dynamisch: denn sie geht teils bloß auf die Anschauung, teils auf das Dasein einer Erscheinung überhaupt. Die Bedingungen a priori der Anschauung sind aber in Ansehung einer möglichen Erfahrung durchaus notwendig, die des Daseins der Objekte einer möglichen empirischen Anschauung an sich nur zufällig. Daher werden die Grundsätze des mathematischen Gebrauchs unbedingt notwendig d.i. apodiktisch lauten, die aber des dynamischen Gebrauchs werden zwar auch den Charakter einer Notwendigkeit a priori, aber nur unter der Bedingung des empirischen Denkens in einer Erfahrung, mithin nur mittelbar und
B 200 indirekt bei sich führen, folglich diejenige unmittelbare Evidenz nicht enthalten, (obzwar ihrer auf Erfahrung allgemein bezogenen Gewißheit unbeschadet,) die jenen eigen ist. Doch dies wird sich beim Schlusse dieses Systems von Grundsätzen besser beurteilen lassen.
Die Tafel der Kategorien gibt uns die ganz natürliche Anweisung zur Tafel der Grundsätze, weil diese doch nichts anderes, als Regeln des objektiven Gebrauchs der ersteren sind. Alle Grundsätze des reinen Verstandes sind demnach
1 Axiome der Anschauung
2 Antizipationen der Wahrnehmung
3 Analogien der Erfahrung
4 Postulate des empirischen Denkens überhaupt
Diese Benennungen habe ich mit Vorsicht gewählt, um die Unterschiede in Ansehung der Evidenz und der Ausübung dieser Grundsätze nicht unbemerkt zu lassen. Es wird sich aber bald zeigen: daß, was sowohl die
B 201 Evidenz, als die Bestimmung der Erscheinungen a priori, nach den Kategorien der Größe und der Qualität (wenn man lediglich auf die Form der letzteren acht hat) betrifft, die Grundsätze derselben sich darin von den zwei übrigen namhaft unterscheiden; indem jene einer intuitiven, diese aber einer bloß diskursiven, obzwar beiderseits einer völligen Gewißheit fähig sind. Ich werde daher jene die mathematischen, diese die dynamischen Grundsätze nennen*. Man wird aber wohl bemerken: daß ich
B 202 hier ebensowenig die Grundsätze der Mathematik in Einem Falle, als die Grundsätze der allgemeinen (physischen) Dynamik im anderen, sondern nur die des reinen Verstandes im Verhältnis auf den inneren Sinn (ohne Unterschied der darin gegebenen Vorstellungen) vor Augen habe, dadurch denn jene insgesamt ihre Möglichkeit bekommen. Ich benenne sie also mehr in Betracht der Anwendung, als um ihres Inhalts willen, und gehe nun zur Erwägung derselben in der nämlichen Ordnung, wie sie in der Tafel vorgestellt werden.
* Alle Verbindung (conjunctio) ist entweder Zusammensetzung (compositio) oder Verknüpfung (nexus). Die erstere ist die Synthesis des Mannigfaltigen, was nicht notwendig zueinander gehört, wie z.B. die zwei Triangel, darin ein Quadrat durch die Diagonale geteilt wird, für sich nicht notwendig zueinander gehören, und dergleichen ist die Synthesis des Gleichartigen in allem, was mathematisch erwogen werden kann, (welche Synthesis wiederum in die der Aggregation und Koalition eingeteilt werden kann, davon die erstere auf extensive, die andere auf intensive Größen gerichtet ist). Die zweite Verbindung (nexus) ist die Synthesis des Mannigfaltigen, sofern es notwendig zueinander gehört, wie z.B. das Akzidens zu irgendeiner Substanz, oder die Wirkung zu der Ursache, - mithin auch als ungleichartig doch a priori verbunden vorgestellt wird, welche Verbindung, weil sie nicht willkürlich ist, ich darum dynamisch nenne, weil sie die Verbindung des Daseins des Mannigfaltigen betrifft (die wiederum in die physische der Erscheinungen untereinander, und metaphysische, ihre Verbindung im Erkenntnisvermögen a priori, eingeteilt werden können).
1 Axiome der Anschauung
Das Prinzip derselben ist: Alle Anschauungen sind extensive Größen.
Beweis
Alle Erscheinungen enthalten, der Form nach, eine Anschauung im Raum und Zeit, welche ihnen insgesamt a priori zum Grunde liegt. Sie können also nicht anders apprehendiert, d.i. ins empirische Bewußtsein aufgenommen werden, als durch die Synthesis des Mannigfaltigen, wodurch die Vorstellungen eines bestimmten Raumes oder Zeit erzeugt werden, d.i. durch die Zusammensetzung des Gleichartigen und das Bewußtsein der
B 203 synthetischen Einheit dieses Mannigfaltigen (Gleichartigen). Nun ist das Bewußtsein des mannigfaltigen Gleichartigen in der Anschauung überhaupt, sofern dadurch die Vorstellung eines Objekts zuerst möglich wird, der Begriff einer Größe (quanti). Also ist selbst die Wahrnehmung eines Objekts, als Erscheinung, nur durch dieselbe synthetische Einheit des Mannigfaltigen der gegebenen sinnlichen Anschauung möglich, wodurch die Einheit der Zusammensetzung des mannigfaltigen Gleichartigen im Begriffe einer Größe gedacht wird; d.i. die Erscheinungen sind insgesamt Größen, und zwar extensive Größen, weil sie als Anschauungen im Raume oder der Zeit durch dieselbe Synthesis vorgestellt werden müssen, als wodurch Raum und Zeit überhaupt bestimmt werden.
Eine extensive Größe nenne ich diejenige, in welcher die Vorstellung der Teile die Vorstellung des Ganzen möglich macht, (und also notwendig vor dieser vorhergeht). Ich kann mir keine Linie, so klein sie auch sei, vorstellen, ohne sie in Gedanken zu ziehen, d.i. von einem Punkte alle Teile nach und nach zu erzeugen, und dadurch allererst diese Anschauung zu verzeichnen. Ebenso ist es auch mit jeder auch der kleinsten Zeit bewandt. Ich denke mir darin nur den sukzessiven Fortgang von einem Augenblick zum anderen, wo durch alle Zeitteile und deren Hinzutun endlich eine bestimmte Zeitgröße erzeugt wird. Da die bloße Anschauung an allen Erscheinungen entweder der Raum, oder die Zeit ist, so ist
B 204 jede Erscheinung als Anschauung eine extensive Größe, indem sie nur durch sukzessive Synthesis (von Teil zu Teil) in der Apprehension erkannt werden kann. Alle Erscheinungen werden demnach schon als Aggregate (Menge vorher gegebener Teile) angeschaut, welches eben nicht der Fall bei jeder Art Größen, sondern nur derer ist, die uns extensiv als solche vorgestellt und apprehendiert werden.
Auf diese sukzessive Synthesis der produktiven Einbildungskraft, in der Erzeugung der Gestalten, gründet sich die Mathematik der Ausdehnung (Geometrie) mit ihren Axiomen, welche die Bedingungen der sinnlichen Anschauung a priori ausdrücken, unter denen allein das Schema eines reinen Begriffs der äußeren Erscheinung zustande kommen kann; z.E. zwischen zwei Punkten ist nur eine gerade Linie möglich; zwei gerade Linien schließen keinen Raum ein usw. Dies sind die Axiome, welche eigentlich nur Größen (quanta) als solche betreffen.
Was aber die Größe, (quantitas) d.i. die Antwort auf die Frage: wie groß etwas sei? betrifft, so gibt es in Ansehung derselben, obgleich verschiedene dieser Sätze synthetisch und unmittelbar gewiß (indemonstrabilia) sind, dennoch im eigentlichen Verstande keine Axiome. Denn daß gleiches zu gleichem hinzugetan, oder von diesem abgezogen, ein gleiches gebe, sind analytische Sätze, indem ich mir der Identität der einen
B 205 Größenerzeugung mit der anderen unmittelbar bewußt bin; Axiome aber sollen synthetische Sätze a priori sein. Dagegen sind die evidenten Sätze der Zahlverhältnis zwar allerdings synthetisch, aber nicht allgemein, wie die der Geometrie, und eben um deswillen auch nicht Axiome, sondern können Zahlformeln genannt werden. Daß 7+5=12 sei, ist kein analytischer Satz. Denn ich denke weder in der Vorstellung von 7, noch von 5, noch in der Vorstellung von der Zusammensetzung beider die Zahl 12, (daß ich diese in der Addition beider denken solle, davon ist hier nicht die Rede; denn bei dem analytischen Satze ist nur die Frage, ob ich das Prädikat wirklich in der Vorstellung des Subjekts denke). Ob er aber gleich synthetisch ist, so ist er doch nur ein einzelner Satz. Sofern hier bloß auf die Synthesis des Gleichartigen (der Einheiten) gesehen wird, so kann die Synthesis hier nur auf eine einzige Art geschehen, wiewohl der Gebrauch dieser Zahlen nachher allgemein ist. Wenn ich sage: durch drei Linien, deren zwei zusammengenommen größer sind, als die dritte, läßt sich ein Triangel zeichnen; so habe ich hier die bloße Funktion der produktiven Einbildungskraft, welche die Linien größer und kleiner ziehen, imgleichen nach allerlei beliebigen Winkeln kann zusammenstoßen lassen. Dagegen ist die Zahl 7 nur auf eine einzige Art möglich, und auch die Zahl 12, die durch die Synthesis der ersteren mit 5 erzeugt wird. Dergleichen Sätze muß man also nicht
B 206 Axiome, (denn sonst gäbe es deren unendliche,) sondern Zahlformeln nennen.
Dieser transzendentale Grundsatz der Mathematik der Erscheinungen gibt unserem Erkenntnis a priori große Erweiterung. Denn er ist es allein, welcher die reine Mathematik in ihrer ganzen Präzision auf Gegenstände der Erfahrung anwendbar macht, welches ohne diesen Grundsatz nicht so von selbst erhellen möchte, ja auch manchen Widerspruch veranlaßt hat. Erscheinungen sind keine Dinge an sich selbst. Die empirische Anschauung ist nur durch die reine (des Raumes und der Zeit) möglich; was also die Geometrie von dieser sagt, gilt auch ohne Widerrede von jener, und die Ausflüchte, als wenn Gegenstände der Sinne nicht den Regeln der Konstruktion im Raume (z.E. der unendlichen Teilbarkeit der Linien oder Winkel) gemäß sein dürfe, muß wegfallen. Denn dadurch spricht man dem Raume und mit ihm zugleich aller Mathematik objektive Gültigkeit ab, und weiß nicht mehr, warum und wie weit sie auf Erscheinungen anzuwenden sei. Die Synthesis der Räume und Zeiten, als der wesentlichen Form aller Anschauung, ist das, was zugleich die Apprehension der Erscheinung, mithin jede äußere Erfahrung, folglich auch alle Erkenntnis der Gegenstände derselben, möglich macht, und was die Mathematik im reinen Gebrauch von jener beweist, das gilt auch notwendig von dieser. Alle Einwürfe dawider sind nur Schikanen einer falsch
B 207 belehrten Vernunft, die irrigerweise die Gegenstände der Sinne von der formalen Bedingung unserer Sinnlichkeit loszumachen gedenkt, und sie, obgleich sie bloß Erscheinungen sind, als Gegenstände an sich selbst, dem Verstande gegeben, vorstellt; in welchem Falle freilich von ihnen a priori gar nichts, mithin auch nicht durch reine Begriffe vom Raume, synthetisch erkannt werden könnte, und die Wissenschaft, die diese bestimmt, nämlich die Geometrie, selbst nicht möglich sein würde.
2 Antizipationen der Wahrnehmung
Das Prinzip derselben ist: In allen Erscheinungen hat das Reale, was ein Gegenstand der Empfindung ist, intensive Größe, d.i. einen Grad.
Beweis
Wahrnehmung ist das empirische Bewußtsein, d.i. ein solches, in welchem zugleich Empfindung ist. Erscheinungen, als Gegenstände der Wahrnehmung, sind nicht reine (bloß formale) Anschauungen, wie Raum und Zeit, (denn die können an sich gar nicht wahrgenommen werden). Sie enthalten also über die Anschauung noch die Materien zu irgendeinem Objekte überhaupt (wodurch etwas Existierendes im Raume oder der Zeit vorgestellt wird), d.i. das Reale der Empfindung, also bloß subjektive Vorstellung, von der man sich nur bewußt werden kann, daß das Subjekt affiziert sei, und die man
B 208 auf ein Objekt überhaupt bezieht, in sich. Nun ist vom empirischen Bewußtsein zum reinen eine stufenartige Veränderung möglich, da das Reale desselben ganz verschwindet, und ein bloß formales Bewußtsein (a priori) des Mannigfaltigen im Raum und Zeit übrig bleibt: also auch eine Synthesis der Größenerzeugung einer Empfindung, von ihrem Anfange, der reinen Anschauung = 0, an, bis zu einer beliebigen Größe derselben. Da nun Empfindung an sich gar keine objektive Vorstellung ist und in ihr weder die Anschauung vom Raum, noch von der Zeit, angetroffen wird, so wird ihr zwar keine extensive, aber doch eine Größe (und zwar durch die Apprehension derselben, in welcher das empirische Bewußtsein in einer gewissen Zeit von nichts = 0 zu ihrem gegebenen Maße erwachsen kann), also eine intensive Größe zukommen, welcher korrespondierend allen Objekten der Wahrnehmung, sofern diese Empfindung enthält, intensive Größe, d.i. ein Grad des Einflusses auf den Sinn, beigelegt werden muß.
Man kann alle Erkenntnis, wodurch ich dasjenige, was zur empirischen Erkenntnis gehört, a priori erkennen und bestimmen kann, eine Antizipation nennen, und ohne Zweifel ist das die Bedeutung, in welcher Epikur seinen Ausdruck προληψις brauchte. Da aber an den Erscheinungen etwas ist, was niemals a priori erkannt wird, und welches daher auch den eigentlichen Unterschied des Empirischen von dem Erkenntnis a priori
B 209 ausmacht, nämlich die Empfindung (als Materie der Wahrnehmung), so folgt, daß diese es eigentlich sei, was gar nicht antizipiert werden kann. Dagegen würden wir die reinen Bestimmungen im Raume und der Zeit, sowohl in Ansehung der Gestalt, als Größe, Antizipationen der Erscheinungen nennen können, weil sie dasjenige a priori vorstellen, was immer a posteriori in der Erfahrung gegeben werden mag. Gesetzt aber, es finde sich doch etwas, was sich an jeder Empfindung, als Empfindung überhaupt, (ohne daß eine besondere gegeben sein mag,) a priori erkennen läßt; so würde dieses im ausnehmenden Verstande Antizipation genannt zu werden verdienen, weil es befremdlich scheint, der Erfahrung in demjenigen vorzugreifen, was gerade die Materie derselben angeht, die man nur aus ihr schöpfen kann. Und so verhält es sich hier wirklich.
Die Apprehension, bloß vermittelst der Empfindung, erfüllt nur einen Augenblick, (wenn ich nämlich nicht die Sukzession vieler Empfindungen in Betracht ziehe). Als etwas in der Erscheinung, dessen Apprehension keine sukzessive Synthesis ist, die von Teilen zur ganzen Vorstellung fortgeht, hat sie also keine extensive Größe; der Mangel der Empfindung in demselben Augenblicke würde diesen als leer vorstellen, mithin = 0. Was nun in der empirischen Anschauung der Empfindung korrespondiert, ist Realität (realitas phaenomenon); was dem Mangel derselben entspricht, Negation = 0. Nun ist aber jede
B 210 Empfindung einer Verringerung fähig, so daß sie abnehmen, und so allmählich verschwinden kann. Daher ist zwischen Realität in der Erscheinung und Negation ein kontinuierlicher Zusammenhang vieler möglichen Zwischenempfindungen, deren Unterschied voneinander immer kleiner ist, als der Unterschied zwischen der gegebenen und dem Zero, oder der gänzlichen Negation. Das ist: das Reale in der Erscheinung hat jederzeit eine Größe, welche aber nicht in der Apprehension angetroffen wird, indem diese vermittelst der bloßen Empfindung in einem Augenblicke und nicht durch sukzessive Synthesis vieler Empfindungen geschieht, und also nicht von den Teilen zum Ganzen geht; es hat also zwar eine Größe, aber keine extensive.
Nun nenne ich diejenige Größe, die nur als Einheit apprehendiert wird, und in welcher die Vielheit nur durch Annäherung zur Negation = 0 vorgestellt werden kann, die intensive Größe. Also hat jede Realität in der Erscheinung intensive Größe, d.i. einen Grad. Wenn man diese Realität als Ursache (es sei der Empfindung oder anderer Realität in der Erscheinung, z.B. einer Veränderung,) betrachtet; so nennt man den Grad der Realität als Ursache, ein Moment, z.B. das Moment der Schwere, und zwar darum, weil der Grad nur die Größe bezeichnet, deren Apprehension nicht sukzessiv, sondern augenblicklich ist. Dieses berühre ich aber hier nur beiläufig, denn mit der Kausalität habe ich für jetzt noch nicht zu tun.
B 211 So hat demnach jede Empfindung, mithin auch jede Realität in der Erscheinung, so klein sie auch sein mag, einen Grad, d.i. eine intensive Größe, die noch immer vermindert werden kann, und zwischen Realität und Negation ist ein kontinuierlicher Zusammenhang möglicher Realitäten, und möglicher kleinerer Wahrnehmungen. Eine jede Farbe, z. E. die rote, hat einen Grad, der, so klein er auch sein mag, niemals der kleinste ist, und so ist es mit der Wärme, dem Momente der Schwere usw. überall bewandt.
Die Eigenschaft der Größen, nach welcher an ihnen kein Teil der kleinstmögliche (kein Teil einfach) ist, heißt die Kontinuität derselben. Raum und Zeit sind quanta continua, weil kein Teil derselben gegeben werden kann, ohne ihn zwischen Grenzen (Punkten und Augenblicken) einzuschließen, mithin nur so, daß dieser Teil selbst wiederum ein Raum, oder eine Zeit ist. Der Raum besteht also nur aus Räumen, die Zeit aus Zeiten. Punkte und Augenblicke sind nur Grenzen, d.i. bloße Stellen ihrer Einschränkung; Stellen aber setzen jederzeit jene Anschauungen, die sie beschränken oder bestimmen sollen, voraus, und aus bloßen Stellen, als aus Bestandteilen, die noch vor dem Raume oder der Zeit gegeben werden könnten, kann weder Raum noch Zeit zusammengesetzt werden. Dergleichen Größen kann man auch fließende nennen, weil die Synthesis (der produktiven Einbildungskraft) in ihrer Erzeugung ein Fortgang in der Zeit ist, deren
B 212 Kontinuität man besonders durch den Ausdruck des Fließens (Verfließens) zu bezeichnen pflegt.
Alle Erscheinungen überhaupt sind demnach kontinuierliche Größen, sowohl ihrer Anschauung nach, als extensive, oder der bloßen Wahrnehmung (Empfindung und mithin Realität) nach, als intensive Größen. Wenn die Synthesis des Mannigfaltigen der Erscheinung unterbrochen ist, so ist dieses ein Aggregat von vielen Erscheinungen, und nicht eigentlich Erscheinung als ein Quantum, welches nicht durch die bloße Fortsetzung der produktiven Synthesis einer gewissen Art, sondern durch Wiederholung einer immer aufhörenden Synthesis erzeugt wird. Wenn ich 13 Taler ein Geldquantum nenne, so benenne ich es sofern richtig, als ich darunter den Gehalt von einer Mark fein Silber verstehe; welche aber allerdings eine kontinuierliche Größe ist, in welcher kein Teil der kleinste ist, sondern jeder Teil ein Geldstück ausmachen könnte, welches immer Materie zu noch kleineren enthielte. Wenn ich aber unter jener Benennung 13 runde Taler verstehe, als so viel Münzen, (ihr Silbergehalt mag sein, welcher er wolle,) so benenne ich es unschicklich durch ein Quantum von Talern, sondern muß es ein Aggregat, d.i. eine Zahl Geldstücke, nennen. Da nun bei aller Zahl doch Einheit zum Grunde liegen muß, so ist die Erscheinung als Einheit ein Quantum, und als ein solches jederzeit ein Kontinuum.
Wenn nun alle Erscheinungen, sowohl extensiv, als intensiv betrachtet, kontinuierliche Größen sind, so würde
B 213 der Satz: daß auch alle Veränderung (Übergang eines Dinges aus einem Zustande in den anderen) kontinuierlich sein, leicht und mit mathematischer Evidenz hier bewiesen werden können, wenn nicht die Kausalität einer Veränderung überhaupt ganz außerhalb den Grenzen einer Transzendental-Philosophie läge, und empirische Prinzipien voraussetzte. Denn daß eine Ursache möglich sei, welche den Zustand der Dinge verändere, d.i. sie zum Gegenteil eines gewissen gegebenen Zustandes bestimme, davon gibt uns der Verstand a priori gar keine Eröffnung, nicht bloß deswegen, weil er die Möglichkeit davon gar nicht einsieht, (denn diese Einsicht fehlt uns in mehreren Erkenntnissen a priori,) sondern weil die Veränderlichkeit nur gewisse Bestimmungen der Erscheinungen trifft, welche die Erfahrung allein lehren kann, indessen daß ihre Ursache in dem Unveränderlichen anzutreffen ist. Da wir aber hier nichts vor uns haben, dessen wir uns bedienen können, als die reinen Grundbegriffe aller möglichen Erfahrung, unter welchen durchaus nichts Empirisches sein muß; so können wir, ohne die Einheit des Systems zu verletzen, der allgemeinen Naturwissenschaft, welche auf gewisse Grunderfahrungen gebaut ist, nicht vorgreifen.
Gleichwohl mangelt es uns nicht an Beweistümern des großen Einflusses, den dieser unser Grundsatz hat, Wahrnehmungen zu antizipieren, und sogar deren Mangel sofern zu ergänzen, daß er allen falschen Schlüssen, die daraus gezogen werden möchten, den Riegel vorschiebt.
B 214 Wenn alle Realität in der Wahrnehmung einen Grad hat, zwischen dem und der Negation eine unendliche Stufenfolge immer minderer Grade stattfindet, und gleichwohl ein jeder Sinn einen bestimmten Grad der Rezeptivität der Empfindungen haben muß; so ist keine Wahrnehmung, mithin auch keine Erfahrung möglich, die einen gänzlichen Mangel alles Realen in der Erscheinung, es sei unmittelbar oder mittelbar, (durch welchen Umschweif im Schließen man immer wolle,) bewiese, d.i. es kann aus der Erfahrung niemals ein Beweis vom leeren Raume oder einer leeren Zeit gezogen werden. Denn der gänzliche Mangel des Realen in der sinnlichen Anschauung kann erstlich selbst nicht wahrgenommen werden, zweitens kann er aus keiner einzigen Erscheinung und dem Unterschiede des Grades ihrer Realität gefolgert, oder darf auch zur Erklärung derselben niemals angenommen werden. Denn wenn auch die ganze Anschauung eines bestimmten Raumes oder Zeit durch und durch real, d.i. kein Teil derselben leer ist; so muß es doch, weil jede Realität ihren Grad hat, der, bei unveränderter extensiver Größe der Erscheinung bis zum Nichts (dem Leeren) durch unendliche Stufen abnehmen kann, unendlich verschiedene Grade, mit welchen Raum oder Zeit erfüllt sei, geben, und die intensive Größe in verschiedenen Erscheinungen kleiner oder größer sein können, obschon die extensive Größe der Anschauung gleich ist.
B 215 Wir wollen ein Beispiel davon geben. Beinahe alle Naturlehrer, da sie einen großen Unterschied der Quantität der Materie von verschiedener Art unter gleichem Volumen (teils durch das Moment der Schwere, oder des Gewichts, teils durch das Moment des Widerstandes gegen andere bewegte Materien) wahrnehmen, schließen daraus einstimmig: dieses Volumen (extensive Größe der Erscheinung) müsse in allen Materien, obzwar in verschiedenem Maße, leer sein. Wer hätte aber von diesen größtenteils mathematischen und mechanischen Naturforschern sich wohl jemals einfallen lassen, daß sie diesen ihren Schluß lediglich auf eine metaphysische Voraussetzung, welche sie doch so sehr zu vermeiden vorgeben, gründeten? indem sie annehmen, daß das Reale im Raume (ich mag es hier nicht Undurchdringlichkeit oder Gewicht nennen, weil dieses empirische Begriffe sind), allerwärts einerlei sei, und sich nur der extensiven Größe d.i. der Menge nach unterscheiden könne. Dieser Voraussetzung, dazu sie keinen Grund in der Erfahrung haben konnten, und die also bloß metaphysisch ist, setze ich einen transzendentalen Beweis entgegen, der zwar den Unterschied in der Erfüllung der Räume nicht erklären soll, aber doch die vermeinte Notwendigkeit jener Voraussetzung, gedachten Unterschied nicht anders, als durch anzunehmende leere Räume, erklären zu können, völlig aufhebt, und das Verdienst hat, den Verstand wenigstens in Freiheit zu versetzen, sich diese Verschiedenheit auch auf andere Art zu
B 216 denken, wenn die Naturerklärung hierzu irgendeine Hypothese notwendig machen sollte. Denn da sehen wir, daß, obschon gleiche Räume von verschiedenen Materien vollkommen erfüllt sein mögen, so, daß in keinem von beiden ein Punkt ist, in welchem nicht ihre Gegenwart anzutreffen wäre, so habe doch jedes Reale bei derselben Qualität ihren Grad (des Widerstandes oder des Wiegens), welcher ohne Verminderung der extensiven Größe oder Menge ins Unendliche kleiner sein kann, ehe sie in das Leere übergeht, und verschwindet. So kann eine Ausspannung, die einen Raum erfüllt, z.B. Wärme, und auf gleiche Weise jede andere Realität (in der Erscheinung), ohne im mindesten den kleinsten Teil dieses Raumes leer zu lassen, in ihren Graden ins Unendliche abnehmen, und nichtsdestoweniger den Raum mit diesen kleineren Graden ebensowohl erfüllen, als eine andere Erscheinung mit größeren. Meine Absicht ist hier keineswegs, zu behaupten: daß dieses wirklich mit der Verschiedenheit der Materien, ihrer spezifischen Schwere nach, so bewandt sei, sondern nur aus einem Grundsatze des reinen Verstandes darzutun: daß die Natur unserer Wahrnehmungen eine solche Erklärungsart möglich mache, und daß man fälschlich das Reale der Erscheinung dem Grade nach als gleich, und nur der Aggregation und deren extensiven Größe nach als verschieden annehme, und dieses sogar, vorgeblichermaßen, durch einen Grundsatz des Verstandes a priori behaupte.
B 217 Es hat gleichwohl diese Antizipation der Wahrnehmung für einen der transzendentalen gewohnten und dadurch behutsam gewordenen Nachforscher, immer etwas Auffallendes an sich, und erregt darüber einiges Bedenken, daß der Verstand einen dergleichen synthetischen Satz, als der von dem Grad alles Realen in den Erscheinungen ist, und mithin der Möglichkeit des inneren Unterschiedes der Empfindung selbst, wenn man von ihrer empirischen Qualität abstrahiert, antizipieren könne; und es ist also noch eine der Auflösung nicht unwürdige Frage: wie der Verstand hierin synthetisch über Erscheinungen a priori aussprechen, und diese sogar in demjenigen, was eigentlich und bloß empirisch ist, nämlich die Empfindung angeht, antizipieren könne?
Die Qualität der Empfindung ist jederzeit bloß empirisch und kann a priori gar nicht vorgestellt werden, (z.B. Farben, Geschmack usw.). Aber das Reale, was den Empfindungen überhaupt korrespondiert, im Gegensatz mit der Negation = 0, stellt nur etwas vor, dessen Begriff an sich ein Sein enthält, und bedeutet nichts als die Synthesis in einem empirischen Bewußtsein überhaupt. In dem inneren Sinn nämlich kann das empirische Bewußtsein von 0 bis zu jedem größeren Grade erhöht werden, so daß eben dieselbe extensive Größe der Anschauung (z.B. erleuchtete Fläche) so große Empfindung erregt, als ein Aggregat von vielem anderen (minder erleuchteten) zusammen. Man kann also von der extensiven Größe der Erscheinung
B 218 gänzlich abstrahieren, und sich doch an der bloßen Empfindung in einem Moment eine Synthesis der gleichförmigen Steigerung von 0 bis zu dem gegebenen empirischen Bewußtsein vorstellen. Alle Empfindungen werden daher, als solche, zwar nur a posteriori gegeben, aber die Eigenschaft derselben, daß sie einen Grad haben, kann a priori erkannt werden. Es ist merkwürdig, daß wir an Größen überhaupt a priori nur eine einzige Qualität, nämlich die Kontinuität, an aller Qualität aber (dem Realen der Erscheinungen) nichts weiter a priori, als die intensive Quantität derselben, nämlich daß sie einen Grad haben, erkennen können, alles übrige bleibt der Erfahrung überlassen.
3 Analogien der Erfahrung
Das Prinzip derselben ist: Erfahrung ist nur durch die Vorstellung einer notwendigen Verknüpfung der Wahrnehmungen möglich.
Beweis
Erfahrung ist ein empirisches Erkenntnis, d.i. ein Erkenntnis, das durch Wahrnehmungen ein Objekt bestimmt. Sie ist also eine Synthesis der Wahrnehmungen, die selbst nicht in der Wahrnehmung enthalten ist, sondern die synthetische Einheit des Mannigfaltigen derselben in einem Bewußtsein enthält, welche das Wesentliche einer Erkenntnis der Objekte der Sinne, d.i. der Erfahrung (nicht
B 219 bloß der Anschauung oder Empfindung der Sinne) ausmacht. Nun kommen zwar in der Erfahrung die Wahrnehmungen nur zufälligerweise zueinander, so, daß keine Notwendigkeit ihrer Verknüpfung aus den Wahrnehmungen selbst erhellt, noch erhellen kann, weil Apprehension nur eine Zusammenstellung des Mannigfaltigen der empirischen Anschauung, aber keine Vorstellung von der Notwendigkeit der verbundenen Existenz der Erscheinungen, die sie zusammenstellt, im Raum und Zeit in derselben angetroffen wird. Da aber Erfahrung ein Erkenntnis der Objekte durch Wahrnehmungen ist, folglich das Verhältnis im Dasein des Mannigfaltigen, nicht wie es in der Zeit zusammengestellt wird, sondern wie es objektiv in der Zeit ist, in ihr vorgestellt werden soll, die Zeit selbst aber nicht wahrgenommen werden kann, so kann die Bestimmung der Existenz der Objekte in der Zeit nur durch ihre Verbindung in der Zeit überhaupt, mithin nur durch a priori verknüpfte Begriffe, geschehen. Da diese nun jederzeit zugleich Notwendigkeit bei sich führen, so ist Erfahrung nur durch eine Vorstellung der notwendigen Verknüpfung der Wahrnehmungen möglich.
Die drei modi der Zeit sind Beharrlichkeit, Folge und Zugleichsein. Daher werden drei Regeln aller Zeitverhältnisse der Erscheinungen, wonach jeder ihr Dasein in Ansehung der Einheit aller Zeit bestimmt werden kann, vor aller Erfahrung vorangehen, und diese allererst möglich machen.
B 220 Der allgemeine Grundsatz aller drei Analogien beruht auf der notwendigen Einheit der Apperzeption, in Ansehung alles möglichen empirischen Bewußtseins, (der Wahrnehmung,) zu jeder Zeit, folglich, da jene a priori zum Grunde liegt, auf der synthetischen Einheit aller Erscheinungen nach ihrem Verhältnisse in der Zeit. Denn die ursprüngliche Apperzeption bezieht sich auf den inneren Sinn (den Inbegriff aller Vorstellungen), und zwar a priori auf die Form desselben, d.i. das Verhältnis des mannigfaltigen empirischen Bewußtseins in der Zeit. In der ursprünglichen Apperzeption soll nun alle dieses Mannigfaltige, seinen Zeitverhältnissen nach, vereinigt werden; denn dieses sagt die transzendentale Einheit derselben a priori, unter welcher alles steht, was zu meinem (d.i. meinem einigen) Erkenntnisse gehören soll, mithin ein Gegenstand für mich werden kann. Diese synthetische Einheit in dem Zeitverhältnisse aller Wahrnehmungen, welche a priori bestimmt ist, ist also das Gesetz: daß alle empirischen Zeitbestimmungen unter Regeln der allgemeinen Zeitbestimmung stehen müssen, und die Analogien der Erfahrung, von denen wir jetzt handeln wollen, müssen dergleichen Regeln sein.
Diese Grundsätze haben das Besondere an sich, daß sie nicht die Erscheinungen, und die Synthesis ihrer empirischen Anschauung, sondern bloß das Dasein, und ihr Verhältnis untereinander in Ansehung dieses ihres Daseins, erwägen. Nun kann die Art, wie etwas in der
B 221 Erscheinung apprehendiert wird, a priori dergestalt bestimmt sein, daß die Regel ihrer Synthesis zugleich diese Anschauung a priori in jedem vorliegenden empirischen Beispiele geben, d.i. sie daraus zustande bringen kann. Allein das Dasein der Erscheinungen kann a priori nicht erkannt werden, und ob wir gleich auf diesem Wege dahin gelangen könnten, auf irgendein Dasein zu schließen, so würden wir dieses doch nicht bestimmt erkennen, d.i. das, wodurch seine empirische Anschauung sich von anderen unterschiede, antizipieren können.
Die vorigen zwei Grundsätze, welche ich die mathematischen nannte, in Betracht dessen, daß sie die Mathematik auf Erscheinungen anzuwenden berechtigten, gingen auf Erscheinungen ihrer bloßen Möglichkeit nach, und lehrten, wie sie sowohl ihrer Anschauung, als dem Realen ihrer Wahrnehmung nach, nach Regeln einer mathematischen Synthesis erzeugt werden könnten; daher sowohl bei der einen, als bei der anderen die Zahlgrößen, und, mit ihnen, die Bestimmung der Erscheinung als Größe, gebraucht werden können. So werde ich z.B. den Grad der Empfindungen des Sonnenlichts aus etwa 200 000 Erleuchtungen durch den Mond zusammensetzen und a priori bestimmt geben, d.i. konstruieren können. Daher können wir die ersteren Grundsätze konstitutive nennen.
Ganz anders muß es mit denen bewandt sein, die das Dasein der Erscheinungen a priori unter Regeln bringen sollen. Denn, da dieses sich nicht konstruieren läßt,
B 222 so werden sie nur auf das Verhältnis des Daseins gehen, und keine andere als bloß regulative Prinzipien abgeben können. Da ist also weder an Axiome, noch an Antizipationen zu denken, sondern, wenn uns eine Wahrnehmung in einem Zeitverhältnisse gegen andere (obzwar unbestimmte) gegeben ist, so wird a priori nicht gesagt werden können: welche andere und wie große Wahrnehmung, sondern, wie sie dem Dasein nach, in diesem modo der Zeit, mit jener notwendig verbunden sei. In der Philosophie bedeuten Analogien etwas sehr Verschiedenes von demjenigen, was sie in der Mathematik vorstellen. In dieser sind es Formeln, welche die Gleichheit zweier Größenverhältnisse aussagen, und jederzeit konstitutiv, so, daß, wenn zwei Glieder der Proportion gegeben sind, auch das dritte dadurch gegeben wird, d.i. konstruiert werden kann. In der Philosophie aber ist die Analogie nicht die Gleichheit zweier quantitativen, sondern qualitativen Verhältnisse, wo ich aus drei gegebenen Gliedern nur das Verhältnis zu einem vierten, nicht aber dieses vierte Glied selbst erkennen, und a priori geben kann, wohl aber eine Regel habe, es in der Erfahrung zu suchen, und ein Merkmal, es in derselben aufzufinden. Eine Analogie der Erfahrung wird also nur eine Regel sein, nach welcher aus Wahrnehmungen Einheit der Erfahrung (nicht wie Wahrnehmung selbst, als empirische Anschauung überhaupt) entspringen soll, und als Grundsatz von den Gegenständen (der Erscheinungen) nicht konstitutiv, sondern bloß
B 223 regulativ gelten. Ebendasselbe aber wird auch von den Postulaten des empirischen Denkens überhaupt, welche die Synthesis der bloßen Anschauung (der Form der Erscheinung), der Wahrnehmung (der Materie derselben), und der Erfahrung (des Verhältnisses dieser Wahrnehmungen) zusammen betreffen, gelten, nämlich daß sie nur regulative Grundsätze sind, und sich von den mathematischen, die konstitutiv sind, zwar nicht in der Gewißheit, welche in beiden a priori feststeht, aber doch in der Art der Evidenz, d.i. dem Intuitiven derselben (mithin auch der Demonstration) unterscheiden.
Was aber bei allen synthetischen Grundsätzen erinnert ward, und hier vorzüglich angemerkt werden muß, ist dieses: daß diese Analogien nicht als Grundsätze des transzendentalen, sondern bloß des empirischen Verstandesgebrauchs, ihre alleinige Bedeutung und Gültigkeit halben, mithin auch nur als solche bewiesen werden können, daß folglich die Erscheinungen nicht unter die Kategorien schlechthin, sondern nur unter ihre Schemate subsumiert werden müssen. Denn, wären die Gegenstände, auf welche diese Grundsätze bezogen werden sollen, Dinge an sich selbst, so wäre es ganz unmöglich, etwas von ihnen a priori synthetisch zu erkennen. Nun sind es nichts als Erscheinungen, deren vollständige Erkenntnis, auf die alle Grundsätze a priori zuletzt doch immer auslaufen müssen, lediglich die mögliche Erfahrung ist, folglich können jene nichts, als bloß die Bedingungen der Einheit des
B 224 empirischen Erkenntnisses in der Synthesis der Erscheinungen zum Ziele haben; diese aber wird nur allein in dem Schema des reinen Verstandesbegriffs gedacht, von deren Einheit, als einer Synthesis überhaupt, die Kategorie die durch keine sinnliche Bedingung restringierte Funktion enthält. Wir werden also durch diese Grundsätze die Erscheinungen nur nach einer Analogie, mit der logischen und allgemeinen Einheit der Begriffe, zusammenzusetzen berechtigt werden, und daher uns in dem Grundsatze selbst zwar der Kategorie bedienen, in der Ausführung aber (der Anwendung auf Erscheinungen) das Schema derselben, als den Schlüssel ihres Gebrauchs, an dessen Stelle, oder jener vielmehr, als restringierende Bedingung, unter dem Namen einer Formel des ersteren, zur Seite setzen.
A. Erste Analogie
Grundsatz der Beharrlichkeit der Substanz
Bei allem Wechsel der Erscheinungen beharrt die Substanz, und das Quantum derselben wird in der Natur weder vermehrt noch vermindert.
Beweis
Alle Erscheinungen sind in der Zeit, in welcher, als Substrat, (als beharrlicher Form der inneren Anschauung,) das Zugleichsein sowohl als die Folge allein vorgestellt werden kann. Die Zeit also in der aller
B 225 Wechsel der Erscheinungen gedacht werden soll, bleibt und wechselt nicht; weil sie dasjenige ist, in welchem das Nacheinander- oder Zugleichsein nur als Bestimmungen derselben vorgestellt werden können. Nun kann die Zeit für sich nicht wahrgenommen werden. Folglich muß in den Gegenständen der Wahrnehmung, d.i. den Erscheinungen, das Substrat anzutreffen sein, welches die Zeit überhaupt vorstellt, und an dem aller Wechsel oder Zugleichsein durch das Verhältnis der Erscheinungen zu demselben in der Apprehension wahrgenommen werden kann. Es ist aber das Substrat alles Realen, d.i. zur Existenz der Dinge Gehörigen, die Substanz, an welcher alles, was zum Dasein gehört, nur als Bestimmung kann gedacht werden. Folglich ist das Beharrliche, womit in Verhältnis alle Zeitverhältnisse der Erscheinungen allein bestimmt werden können, die Substanz in der Erscheinung, d.i. das Reale derselben, was als Substrat alles Wechsels immer dasselbe bleibt. Da diese also im Dasein nicht wechseln kann, so kann ihr Quantum in der Natur auch weder vermehrt noch vermindert werden.
Unsere Apprehension des Mannigfaltigen der Erscheinung ist jederzeit sukzessiv, und ist also immer wechselnd. Wir können also dadurch allein niemals bestimmen, ob dieses Mannigfaltige, als Gegenstand der Erfahrung, zugleich sei, oder nacheinander folge, wo an ihr nicht etwas zum Grunde liegt, was jederzeit ist, d.i. etwas Bleibendes und Beharrliches, von welchem aller
B 226 Wechsel und Zugleichsein nichts, als so viel Arten (modi der Zeit) sind, wie das Beharrliche existiert. Nur in dem Beharrlichen sind also Zeitverhältnisse möglich (denn Simultaneität und Sukzession sind die einzigen Verhältnisse in der Zeit), d.i. das Beharrliche ist das Substratum der empirischen Vorstellung der Zeit selbst, an welchem alle Zeitbestimmung allein möglich ist. Die Beharrlichkeit drückt überhaupt die Zeit, als das beständige Korrelatum alles Daseins der Erscheinungen, alles Wechsels und aller Begleitung, aus. Denn der Wechsel trifft die Zeit selbst nicht, sondern nur die Erscheinungen in der Zeit, (so wie das Zugleichsein nicht ein modus der Zeit selbst ist, als in welcher gar keine Teile zugleich, sondern alle nacheinander sind). Wollte man der Zeit selbst eine Folge nacheinander beilegen, so müßte man noch eine andere Zeit denken, in welcher diese Folge möglich wäre. Durch das Beharrliche allein bekommt das Dasein in verschiedenen Teilen der Zeitreihe nacheinander eine Größe, die man Dauer nennt. Denn in der bloßen Folge allein ist das Dasein immer verschwindend und anhebend, und hat niemals die mindeste Größe. Ohne dieses Beharrliche ist also kein Zeitverhältnis. Nun kann die Zeit an sich selbst nicht wahrgenommen werden; mithin ist dieses Beharrliche an den Erscheinungen das Substratum aller Zeitbestimmung, folglich auch die Bedingung der Möglichkeit aller synthetischen Einheit der Wahrnehmungen, d.i. der Erfahrung,
B 227 und an diesem Beharrlichen kann alles Dasein und aller Wechsel in der Zeit nur als ein modus der Existenz dessen, was bleibt und beharrt, angesehen werden. Also ist in allen Erscheinungen das Beharrliche der Gegenstand selbst, d.i. die Substanz (phaenomenon), alles aber, was wechselt, oder wechseln kann, gehört nur zu der Art, wie diese Substanz oder Substanzen existieren, mithin zu ihren Bestimmungen.
Ich finde, daß zu allen Zeiten nicht bloß der Philosoph, sondern selbst der gemeine Verstand diese Beharrlichkeit, als ein Substratum alles Wechsels der Erscheinungen, vorausgesetzt haben, und auch jederzeit als ungezweifelt annehmen werden, nur daß der Philosoph sich hierüber etwas bestimmter ausdrückt, indem er sagt: bei allen Veränderungen in der Welt bleibt die Substanz, und nur die Akzidenzen wechseln. Ich treffe aber von diesem so synthetischen Satze nirgends auch nur den Versuch von einem Beweise an, ja er steht auch nur selten, wie es ihm doch gebührt, an der Spitze der reinen und völlig a priori bestehenden Gesetze der Natur. In der Tat ist der Satz, daß die Substanz beharrlich sei, tautologisch. Denn bloß diese Beharrlichkeit ist der Grund, warum wir auf die Erscheinung die Kategorie der Substanz anwenden, und man hätte beweisen müssen, daß in allen Erscheinungen etwas Beharrliches sei, an welchem das Wandelbare nichts als Bestimmung seines Daseins ist. Da aber ein solcher Beweis niemals
B 228 dogmatisch, d.i. aus Begriffen, geführt werden kann, weil er einen synthetischen Satz a priori betrifft, und man niemals daran dachte, daß dergleichen Sätze nur in Beziehung auf mögliche Erfahrung gültig sind, mithin auch nur durch eine Deduktion der Möglichkeit der letzteren bewiesen werden können; so ist kein Wunder, wenn er zwar bei aller Erfahrung zum Grunde gelegt (weil man dessen Bedürfnis bei der empirischen Erkenntnis fühlt), niemals aber bewiesen worden ist.
Ein Philosoph wurde gefragt: wieviel wiegt der Rauch? Er antwortete: ziehe von dem Gewichte des verbrannten Holzes das Gewicht der übrigbleibenden Asche ab, so hast du das Gewicht des Rauchs. Er setzte also als unwidersprechlich voraus: daß, selbst im Feuer, die Materie (Substanz) nicht vergehe, sondern nur die Form derselben eine Abänderung erleide. Ebenso war der Satz: aus nichts wird nichts, nur ein anderer Folgesatz aus dem Grundsatze der Beharrlichkeit, oder vielmehr des immerwährenden Daseins des eigentlichen Subjekts an den Erscheinungen. Denn, wenn dasjenige an der Erscheinung, was man Substanz nennen will, das eigentliche Substratum aller Zeitbestimmung sein soll, so muß sowohl alles Dasein in der vergangenen, als das der künftigen Zeit, daran einzig und allein bestimmt werden können. Daher können wir einer Erscheinung nur darum den Namen Substanz geben, weil wir ihr Dasein zu aller Zeit voraussetzen, welches durch das Wort
B 229 Beharrlichkeit nicht einmal wohl ausgedrückt wird, indem dieses mehr auf künftige Zeit geht. Indessen ist die innere Notwendigkeit zu beharren, doch unzertrennlich mit der Notwendigkeit, immer gewesen zu sein, verbunden, und der Ausdruck mag also bleiben. Gigni de nihilo nihil, in nihilum nil posse reverti, waren zwei Sätze, welche die Alten unzertrennt verknüpften, und die man aus Mißverstand jetzt bisweilen trennt, weil man sich vorstellt, daß sie Dinge an sich selbst angehen, und der erstere der Abhängigkeit der Welt von einer obersten Ursache (auch sogar ihrer Substanz nach) entgegen sein dürfte; welche Besorgnis unnötig ist, indem hier nur von Erscheinungen im Felde der Erfahrung die Rede ist, deren Einheit niemals möglich sein würde, wenn wir neue Dinge (der Substanz nach) wollten entstehen lassen. Denn alsdann fiele dasjenige weg, welches die Einheit der Zeit allein vorstellen kann, nämlich die Identität des Substratum, als woran aller Wechsel allein durchgängige Einheit hat. Diese Beharrlichkeit ist indes doch weiter nichts, als die Art, uns das Dasein der Dinge (in der Erscheinung) vorzustellen.
Die Bestimmungen einer Substanz, die nichts anderes sind, als besondere Arten derselben zu existieren, heißen Akzidenzen. Sie sind jederzeit real, weil sie das Dasein der Substanz betreffen, (Negationen sind nur Bestimmungen, die das Nichtsein von etwas an der Substanz ausdrücken). Wenn man nun diesem Realen
B 230 an der Substanz ein besonderes Dasein beigelegt, (z.E. der Bewegung, als einem Akzidens der Materie,) so nennt man dieses Dasein die Inhärenz, zum Unterschiede vom Dasein der Substanz, die man Subsistenz nennt. Allein hieraus entspringen viel Mißdeutungen, und es ist genauer und richtiger geredet, wenn man das Akzidens nur durch die Art, wie das Dasein einer Substanz positiv bestimmt ist, bezeichnet. Indessen ist es doch, vermöge der Bedingungen des logischen Gebrauchs unseres Verstandes, unvermeidlich, dasjenige, was im Dasein einer Substanz wechseln kann, indessen, daß die Substanz bleibt, gleichsam abzusondern, und in Verhältnis auf das eigentliche Beharrliche und Radikale zu betrachten; daher denn auch diese Kategorie unter dem Titel der Verhältnisse steht, mehr als die Bedingung derselben, als daß sie selbst ein Verhältnis enthielte.
Auf dieser Beharrlichkeit gründet sich nun auch die Berichtigung des Begriffs von Veränderung. Entstehen und Vergehen sind nicht Veränderungen desjenigen, was entsteht oder vergeht. Veränderung ist eine Art zu existieren, welche auf eine andere Art zu existieren eben desselben Gegenstandes erfolgt. Daher ist alles, was sich verändert, bleibend, und nur sein Zustand wechselt. Da dieser Wechsel also nur die Bestimmungen trifft, die aufhören oder auch anheben können, so können wir, in einem etwas paradox scheinenden Ausdruck, sagen: nur das Beharrliche (die Substanz) wird
B 231 verändert, das Wandelbare erleidet keine Veränderung, sondern einen Wechsel, da einige Bestimmungen aufhören, und andere anheben.
Veränderung kann daher nur an Substanzen wahrgenommen werden, und das Entstehen oder Vergehen, schlechthin, ohne daß es bloß eine Bestimmung des Beharrlichen betreffe, kann gar keine mögliche Wahrnehmung sein, weil eben dieses Beharrliche die Vorstellung von dem Übergange aus dem Zustande in den anderen, und von Nichtsein zum Sein, möglich macht, die also nur als wechselnde Bestimmungen dessen, was bleibt, empirisch erkannt werden können. Nehmet an, daß etwas schlechthin anfange zu sein; so müßt ihr einen Zeitpunkt haben, in dem es nicht war. Woran wollt ihr aber diesen heften, wenn nicht an demjenigen, was schon da ist? Denn eine leere Zeit, die vorherginge, ist kein Gegenstand der Wahrnehmung; knüpft ihr dieses Entstehen aber an Dinge, die vorher waren, und bis zu dem, was entsteht, fortdauern, so war das letztere nur eine Bestimmung des ersteren, als des Beharrlichen. Ebenso ist es auch mit dem Vergehen: denn dieses setzt die empirische Vorstellung einer Zeit voraus, da eine Erscheinung nicht mehr ist.
Substanzen (in der Erscheinung) sind die Substrate aller Zeitbestimmungen. Das Entstehen einiger, und das Vergehen anderer derselben, würde selbst die einzige Bedingung der empirischen Einheit der Zeit aufheben,
B 232 und die Erscheinungen würden sich alsdann auf zweierlei Zeiten beziehen, in denen nebeneinander das Dasein verflösse, welches ungereimt ist. Denn es ist nur Eine Zeit, in welcher alle verschiedenen Zeiten nicht zugleich, sondern nacheinander gesetzt werden müssen.
So ist demnach die Beharrlichkeit eine notwendige Bedingung, unter welcher allein Erscheinungen, als Dinge oder Gegenstände, in einer möglichen Erfahrung bestimmbar sind. Was aber das empirische Kriterium dieser notwendigen Beharrlichkeit und mit ihr der Substantialität der Erscheinungen sei, davon wird uns die Folge Gelegenheit geben, das Nötige anzumerken.
B. Zweite Analogie
Grundsatz der Zeitfolge nach dem Gesetze der Kausalität
Alle Veränderungen geschehen nach dem Gesetze der Verknüpfung der Ursache und Wirkung.
Beweis
(Daß alle Erscheinungen der Zeitfolge insgesamt nur Veränderungen, d.i. ein sukzessives Sein und Nichtsein der Bestimmungen der Substanz sind, die da beharrt, folglich das Sein der Substanz selbst, welches aufs Nichtsein derselben folgt, oder das Nichtsein derselben, welches aufs Dasein folgt, mit anderen
B 233 Worten, daß das Entstehen oder Vergehen der Substanz selbst nicht stattfinde, hat der vorige Grundsatz dargetan. Dieser hätte auch so ausgedrückt werden können: Aller Wechsel (Sukzession) der Erscheinungen ist nur Veränderung, denn Entstehen oder Vergehen der Substanz sind keine Veränderungen derselben, weil der Begriff der Veränderung eben dasselbe Subjekt mit zwei entgegengesetzten Bestimmungen als existierend, mithin als beharrend, voraussetzt. - Nach dieser Vorerinnerung folgt der Beweis.)
Ich nehme, wahr, daß Erscheinungen aufeinander folgen, d.i. daß ein Zustand der Dinge zu einer Zeit ist, dessen Gegenteil im vorigen Zustande war. Ich verknüpfe also eigentlich zwei Wahrnehmungen in der Zeit. Nun ist Verknüpfung kein Werk des bloßen Sinnes und der Anschauung, sondern hier das Produkt eines synthetischen Vermögens der Einbildungskraft, die den inneren Sinn in Ansehung des Zeitverhältnisses bestimmt. Diese kann aber gedachte zwei Zustände auf zweierlei Art verbinden, so, daß der eine oder der andere in der Zeit vorausgehe; denn die Zeit kann an sich selbst nicht wahrgenommen, und in Beziehung auf sie gleichsam empirisch, was vorübergehe und was folge, am Objekte bestimmt werden. Ich bin mir also nur bewußt, daß meine Imagination eines vorher, das andere nachher setze, nicht daß im Objekte der eine Zustand vor dem anderen vorhergehe; oder, mit anderen Worten, es bleibt
B 234 durch die bloße Wahrnehmung das objektive Verhältnis der einander folgenden Erscheinungen unbestimmt. Damit dieses nun als bestimmt erkannt werde, muß das Verhältnis zwischen den beiden Zuständen so gedacht werden, daß dadurch als notwendig bestimmt wird, welcher derselben vorher, welcher nachher und nicht umgekehrt müsse gesetzt werden. Der Begriff aber, der eine Notwendigkeit der synthetischen Einheit bei sich führt, kann nur ein reiner Verstandesbegriff sein, der nicht in der Wahrnehmung liegt, und das ist hier der Begriff des Verhältnisses der Ursache und Wirkung, wovon die erstere die letztere in der Zeit, als die Folge, und nicht als etwas, was bloß in der Einbildung vorhergehen (oder gar überall nicht wahrgenommen sein) könnte, bestimmt. Also ist nur dadurch, daß wir die Folge der Erscheinungen, mithin alle Veränderung dem Gesetze der Kausalität unterwerfen, selbst Erfahrung d.i. empirisches Erkenntnis von denselben möglich, mithin sind sie selbst, als Gegenstände der Erfahrung, nur nach eben dem Gesetze möglich.
Die Apprehension des Mannigfaltigen der Erscheinung ist jederzeit sukzessiv. Die Vorstellungen der Teile folgen aufeinander. Ob sie sich auch im Gegenstande folgen, ist ein zweiter Punkt der Reflexion, der in dem ersteren nicht enthalten ist. Nun kann man zwar alles, und sogar jede Vorstellung, sofern man sich ihrer bewußt ist, Objekt nennen; allein was dieses Wort bei
B 235 Erscheinungen zu bedeuten habe, nicht, insofern sie (als Vorstellungen) Objekte sind, sondern nur ein Objekt bezeichnen, ist von tieferer Untersuchung. Sofern sie, nur als Vorstellungen zugleich Gegenstände des Bewußtseins sind, so sind sie von der Apprehension, d.i. der Aufnahme in die Synthesis der Einbildungskraft, gar nicht unterschieden, und man muß also sagen: das Mannigfaltige der Erscheinungen wird im Gemüt jederzeit sukzessiv erzeugt. Wären Erscheinungen Dinge an sich selbst, so würde kein Mensch aus der Sukzession der Vorstellungen von ihrem Mannigfaltigen ermessen können, wie dieses in dem Objekt verbunden sei. Denn wir haben es doch nur mit unseren Vorstellungen zu tun; wie Dinge an sich selbst (ohne Rücksicht auf Vorstellungen, dadurch sie uns affizieren,) sein mögen, ist gänzlich außer unserer Erkenntnissphäre. Ob nun gleich die Erscheinungen nicht Dinge an sich selbst, und gleichwohl doch das einzige sind, was uns zur Erkenntnis gegeben werden kann, so soll ich anzeigen, was dem Mannigfaltigen an den Erscheinungen selbst für eine Verbindung in der Zeit zukomme, indessen daß die Vorstellung desselben in der Apprehension jederzeit sukzessiv ist. So ist z.E. die Apprehension des Mannigfaltigen in der Erscheinung eines Hauses, das vor mir steht, sukzessiv. Nun ist die Frage: ob das Mannigfaltige dieses Hauses selbst auch in sich sukzessiv sei, welches freilich niemand zugeben wird. Nun ist aber, sobald ich meine Begriffe
B 236 von einem Gegenstande bis zur transzendentalen Bedeutung steigere, das Haus gar kein Ding an sich selbst, sondern nur eine Erscheinung, d.i. Vorstellung, deren transzendentaler Gegenstand unbekannt ist; was verstehe ich also unter der Frage: wie das Mannigfaltige in der Erscheinung selbst (die doch nichts an sich selbst ist) verbunden sein möge? Hier wird das, was in der sukzessiven Apprehension liegt, als Vorstellung, die Erscheinung aber, die mir gegeben ist, ohnerachtet sie nichts weiter als ein Inbegriff dieser Vorstellungen ist, als der Gegenstand derselben betrachtet, mit welchem mein Begriff, den ich aus den Vorstellungen der Apprehension ziehe, zusammenstimmen soll. Man sieht bald, daß, weil Übereinstimmung der Erkenntnis mit dem Objekt Wahrheit ist, hier nur nach den formalen Bedingungen der empirischen Wahrheit gefragt werden kann, und Erscheinung, im Gegenverhältnis mit den Vorstellungen der Apprehension, nur dadurch als das davon unterschiedene Objekt derselben könne vorgestellt werden, wenn sie unter einer Regel steht, welche sie von jeder anderen Apprehension unterscheidet, und eine Art der Verbindung des Mannigfaltigen notwendig macht. Dasjenige an der Erscheinung, was die Bedingung dieser notwendigen Regel der Apprehension enthält, ist das Objekt.
Nun laßt uns zu unserer Aufgabe fortgehen. Daß etwas geschehe, d.i. etwas, oder ein Zustand werde, der vorher nicht war, kann nicht empirisch wahrgenommen
B 237 werden, wo nicht eine Erscheinung vorhergeht, welche diesen Zustand nicht in sich enthält; denn eine Wirklichkeit, die auf eine leere Zeit folge mithin ein Entstehen, vor dem kein Zustand der Dinge vorhergeht, kann ebensowenig, als die leere Zeit selbst apprehendiert werden. Jede Apprehension einer Begebenheit ist also eine Wahrnehmung, welche auf eine andere folgt. Weil dieses aber bei aller Synthesis der Apprehension so beschaffen ist, wie ich oben an der Erscheinung eines Hauses gezeigt habe, so unterscheidet sie sich dadurch noch nicht von anderen. Allein ich bemerke auch. daß, wenn ich an einer Erscheinung, welche ein Geschehen enthält, den vorhergehenden Zustand der Wahrnehmung A, den folgenden aber B nenne, daß B auf A in der Apprehension nur folgen, die Wahrnehmung A aber auf B nicht folgen, sondern nur vorhergehen kann. Ich sehe z.B. ein Schiff den Strom hinabtreiben. Meine Wahrnehmung seiner Stelle unterhalb, folgt auf die Wahrnehmung der Stelle desselben oberhalb dem Laufe des Flusses, und es ist unmöglich, daß in der Apprehension dieser Erscheinung das Schiff zuerst unterhalb, nachher aber oberhalb des Stromes wahrgenommen werden sollte. Die Ordnung in der Folge der Wahrnehmungen in der Apprehension ist hier also bestimmt, und an dieselbe ist die letztere gebunden. In dem vorigen Beispiele von einem Hause konnten meine Wahrnehmungen in der Apprehension von der Spitze desselben anfangen, und beim Boden endigen, aber auch
B 238 von unten anfangen, und oben endigen, imgleichen rechts oder links das Mannigfaltige der empirischen Anschauung apprehendieren. In der Reihe dieser Wahrnehmungen war also keine bestimmte Ordnung, welche es notwendig machte, wenn ich in der Apprehension anfangen müßte, um das Mannigfaltige empirisch zu verbinden. Diese Regel aber ist bei der Wahrnehmung von dem, was geschieht, jederzeit anzutreffen, und sie macht die Ordnung der einander folgenden Wahrnehmungen (in der Apprehension dieser Erscheinung) notwendig.
Ich werde also, in unserem Fall, die subjektive Folge der Apprehension von der objektiven Folge der Erscheinungen ableiten müssen, weil jene sonst gänzlich unbestimmt ist, und keine Erscheinung von der anderen unterscheidet. Jene allein beweist nichts von der Verknüpfung des Mannigfaltigen am Objekt, weil sie ganz beliebig ist. Diese also wird in der Ordnung des Mannigfaltigen der Erscheinung bestehen, nach welcher die Apprehension des einen (was geschieht) auf die des anderen (das vorhergeht) nach einer Regel folgt. Nur dadurch kann ich von der Erscheinung selbst, und nicht bloß von meiner Apprehension, berechtigt sein zu sagen: daß in jener eine Folge anzutreffen sei, welches so viel bedeutet, als daß ich die Apprehension nicht anders anstellen könne, als gerade in dieser Folge.
Nach einer solchen Regel also muß in dem, was überhaupt vor einer Begebenheit vorhergeht, die
B 239 Bedingung zu einer Regel liegen, nach welcher jederzeit und notwendigerweise diese Begebenheit folgt; umgekehrt aber kann ich nicht von der Begebenheit zurückgehen, und dasjenige bestimmen (durch Apprehension) was vorhergeht. Denn von dem folgenden Zeitpunkt geht keine Erscheinung zu dem vorigen zurück, aber bezieht sich doch auf irgendeinen vorigen; von einer gegebenen Zeit ist dagegen der Fortgang auf die bestimmte folgende notwendig. Daher, weil es doch etwas ist, was folgt, so muß ich es notwendig auf etwas anderes überhaupt beziehen, was vorhergeht, und worauf es nach einer Regel, d.i. notwendigerweise, folgt, so daß die Begebenheit, als das Bedingte, auf irgendeine Bedingung sichere Anweisung gibt, diese aber die Begebenheit bestimmt.
Man setze, es gehe vor einer Begebenheit nichts vorher, worauf dieselbe nach einer Regel folgen müßte, so wäre alle Folge der Wahrnehmung nur lediglich in der Apprehension, d.i. bloß subjektiv, aber dadurch gar nicht objektiv bestimmt, welches eigentlich das Vorhergehende, und welches das Nachfolgende der Wahrnehmungen sein müßte. Wir würden auf solche Weise nur ein Spiel der Vorstellungen haben, das sich auf gar kein Objekt bezöge, d.i. es würde durch unsere Wahrnehmung eine Erscheinung von jeder anderen, dem Zeitverhältnisse nach, gar nicht unterschieden werden; weil die Sukzession im Apprehendieren allerwärts einerlei, und also nichts in der Erscheinung ist, was sie bestimmt, so daß dadurch eine
B 240 gewisse Folge als objektiv notwendig gemacht wird. Ich werde also nicht sagen: daß in der Erscheinung zwei Zustände aufeinander folgen; sondern nur: daß eine Apprehension auf die andere folgt, welches bloß etwas Subjektives ist, und kein Objekt bestimmt, mithin gar nicht vor Erkenntnis irgendeines Gegenstandes (selbst nicht in der Erscheinung) gelten kann.
Wenn wir also erfahren, daß etwas geschieht, so setzen wir dabei jederzeit voraus, daß irgend etwas vorausgehe, worauf es nach einer Regel folgt. Denn ohne dieses würde ich nicht von dem Objekt sagen, daß es folge, weil die bloße Folge in meiner Apprehension, wenn sie nicht durch eine Regel in Beziehung auf ein Vorhergehendes bestimmt ist, keine Folge im Objekte berechtigt. Also geschieht es immer in Rücksicht auf eine Regel, nach welcher die Erscheinungen in ihrer Folge, d.i. so wie sie geschehen, durch den vorigen Zustand bestimmt sind, daß ich meine subjektive Synthesis (der Apprehension) objektiv mache, und, nur lediglich unter dieser Voraussetzung allein, ist selbst die Erfahrung von etwas, was geschieht, möglich.
Zwar scheint es, als widerspreche dieses allen Bemerkungen, die man jederzeit über den Gang unseres Verstandesgebrauchs gemacht hat, nach welchen wir nur allererst durch die wahrgenommenen und verglichenen übereinstimmenden Folgen vieler Begebenheiten auf vorhergehende Erscheinungen, eine Regel zu entdecken,
B 241 geleitet worden, der gemäß gewisse Begebenheiten auf gewisse Erscheinungen jederzeit folgen, und dadurch zuerst veranlaßt worden, uns den Begriff von Ursache zu machen. Auf solchen Fuß würde dieser Begriff bloß empirisch sein, und die Regel, die er verschafft, daß alles, was geschieht, eine Ursache habe, würde ebenso zufällig sein, als die Erfahrung selbst: seine Allgemeinheit und Notwendigkeit wären alsdann nur angedichtet, und hätten keine wahre allgemeine Gültigkeit, weil sie nicht a priori, sondern nur auf Induktion gegründet wären. Es geht aber hiemit so, wie mit anderen reinen Vorstellungen a priori, (z.B. Raum und Zeit) die wir darum allein aus der Erfahrung als klare Begriffe herausziehen können, weil wir sie in die Erfahrung gelegt hatten, und diese daher durch jene allererst zustande brachten. Freilich ist die logische Klarheit dieser Vorstellung, einer die Reihe der Begebenheiten bestimmenden Regel, als eines Begriffs von Ursache, nur alsdann möglich, wenn wir davon in der Erfahrung Gebrauch gemacht haben, aber eine Rücksicht auf dieselbe, als Bedingung der synthetischen Einheit der Erscheinungen in der Zeit, war doch der Grund der Erfahrung selbst, und ging also a priori vor ihr vorher.
Es kommt also darauf an, im Beispiele zu zeigen, daß wir niemals selbst in der Erfahrung die Folge (einer Begebenheit, da etwas geschieht, was vorher nicht war) dem Objekt beilegen, und sie von der subjektiven unserer
B 242 Apprehension unterscheiden, als wenn eine Regel zum Grunde liegt, die uns nötigt, diese Ordnung der Wahrnehmungen vielmehr als eine andere zu beobachten, ja daß diese Nötigung es eigentlich sei, was die Vorstellung einer Sukzession im Objekt allererst möglich macht.
Wir haben Vorstellungen in uns, deren wir uns auch bewußt werden können. Dieses Bewußtsein aber mag so weit erstreckt, und so genau oder pünktlich sein, als man wolle, so bleiben es doch nur immer Vorstellungen, d.i. innere Bestimmungen unseres Gemüts in diesem oder jenem Zeitverhältnisse. Wie kommen wir nun dazu, daß wir diesen Vorstellungen ein Objekt setzen, oder über ihre subjektive Realität, als Modifikationen, ihnen noch, ich weiß nicht, was für eine, objektive beilegen? Objektive Bedeutung kann nicht in der Beziehung auf eine andere Vorstellung (von dem, was man vom Gegenstande nennen wollte) bestehen, denn sonst erneuert sich die Frage: wie geht diese Vorstellung wiederum aus sich selbst heraus, und bekommt objektive Bedeutung noch über die subjektive, welche ihr, als Bestimmung des Gemütszustandes, eigen ist? Wenn wir untersuchen, was denn die Beziehung auf einen Gegenstand unseren Vorstellungen für eine neue Beschaffenheit gebe, und welches die Dignität sei, die sie dadurch erhalten, so finden wir, daß sie nichts weiter tue, als die Verbindung der Vorstellungen auf eine gewisse Art notwendig zu machen, und sie einer Regel zu unterwerfen; daß umgekehrt nur
B 243 dadurch, daß eine gewisse Ordnung in dem Zeitverhältnisse unserer Vorstellungen notwendig ist, ihnen objektive Bedeutung erteilt wird.
In der Synthesis der Erscheinungen folgt das Mannigfaltige der Vorstellungen jederzeit nacheinander. Hiedurch wird nun gar kein Objekt vorgestellt; weil durch diese Folge, die allen Apprehensionen gemein ist, nichts vom anderen unterschieden wird. Sobald ich aber wahrnehme, oder voraus annehme, daß in dieser Folge eine Beziehung auf den vorhergehenden Zustand sei, aus welchem die Vorstellung nach einer Regel folgt, so stellt sich etwas vor als Begebenheit, oder was da geschieht, d.i. ich erkenne einen Gegenstand, den ich in der Zeit auf eine gewisse bestimmte Stelle setzen muß, die ihm, nach dem vorhergehenden Zustande, nicht anders erteilt werden kann. Wenn ich also wahrnehme, daß etwas geschieht, so ist in dieser Vorstellung erstlich enthalten: daß etwas vorhergehe, weil eben in Beziehung auf dieses die Erscheinung ihre Zeitverhältnis bekommt, nämlich, nach einer vorhergehenden Zeit, in der sie nicht war, zu existieren. Aber ihre bestimmte Zeitstelle in diesem Verhältnisse kann sie nur dadurch bekommen, daß im vorhergehenden Zustande etwas vorausgesetzt wird, worauf es jederzeit, d.i. nach einer Regel, folgt: woraus sich denn ergibt, daß ich erstlich nicht die Reihe umkehren, und das, was geschieht, demjenigen voransetzen kann, worauf es folgt: zweitens daß, wenn der Zustand, der
B 244 vorhergeht, gesetzt wird, diese bestimmte Begebenheit unausbleiblich und notwendig folge. Dadurch geschieht es: daß eine Ordnung unter unseren Vorstellungen wird, in welcher das Gegenwärtige (sofern es geworden) auf irgendeinen vorhergehenden Zustand Anweisung gibt, als ein, obzwar noch unbestimmtes Korrelatum dieser Ereignis, die gegeben ist, welches sich aber auf diese, als seine Folge, bestimmend bezieht, und sie notwendig mit sich in der Zeitreihe verknüpft.
Wenn es nun ein notwendiges Gesetz unserer Sinnlichkeit, mithin eine formale Bedingung aller Wahrnehmungen ist: daß die vorige Zeit die folgende notwendig bestimmt (indem ich zur folgenden nicht anders gelangen kann, als durch die vorhergehende); so ist es auch ein unentbehrliches Gesetz der empirischen Vorstellung der Zeitreihe, daß die Erscheinungen der vergangenen Zeit jedes Dasein in der folgenden bestimmen, und daß diese, als Begebenheiten, nicht stattfinden, als sofern jene ihnen ihr Dasein in der Zeit bestimmen, d.i. nach einer Regel festsetzen. Denn nur an den Erscheinungen können wir diese Kontinuität im Zusammenhange der Zeiten empirisch erkennen.
Zu aller Erfahrung und deren Möglichkeit gehört Verstand, und das erste, was er dazu tut, ist nicht: daß er die Vorstellung der Gegenstände deutlich macht, sondern daß er die Vorstellung eines Gegenstandes überhaupt möglich macht. Dieses geschieht nun dadurch,
B 245 daß er die Zeitordnung auf die Erscheinungen und deren Dasein überträgt, indem er jeder derselben als Folge eine, in Ansehung der vorhergehenden Erscheinungen, a priori bestimmte Stelle in der Zeit zuerkennt, ohne welche sie nicht mit der Zeit selbst, die allen ihren Teilen a priori ihre Stelle bestimmt, übereinkommen würde. Diese Bestimmung der Stelle kann nun nicht von dem Verhältnis der Erscheinungen gegen die absolute Zeit entlehnt werden, (denn die ist kein Gegenstand der Wahrnehmung,) sondern umgekehrt, die Erscheinungen müssen einander ihre Stellen in der Zeit selbst bestimmen, und dieselbe in der Zeitordnung notwendig machen, d.i. dasjenige, was da folgt, oder geschieht, muß nach einer allgemeinen Regel auf das, was im vorigen Zustande enthalten war, folgen, woraus eine Reihe der Erscheinungen wird, die vermittelst des Verstandes eben dieselbige Ordnung und stetigen Zusammenhang in der Reihe möglicher Wahrnehmungen hervorbringt, und notwendig macht, als sie in der Form der inneren Anschauung, (der Zeit) darin alle Wahrnehmungen ihre Stelle haben müßten, a priori angetroffen wird.
Daß also etwas geschieht, ist eine Wahrnehmung, die zu einer möglichen Erfahrung gehört, die dadurch wirklich wird, wenn ich die Erscheinung, ihrer Stelle nach, in der Zeit, als bestimmt, mithin als ein Objekt ansehe, welches nach einer Regel im Zusammenhange der Wahrnehmungen jederzeit gefunden werden kann. Diese
B 246 Regel aber, etwas der Zeitfolge nach zu bestimmen, ist: daß in dem, was vorhergeht, die Bedingung anzutreffen sei, unter welcher die Begebenheit jederzeit (d.i. notwendigerweise) folgt. Also ist der Satz vom zureichenden Grunde der Grund möglicher Erfahrung, nämlich der objektiven Erkenntnis der Erscheinungen, in Ansehung des Verhältnisses derselben, in Reihenfolge der Zeit.
Der Beweisgrund dieses Satzes aber beruht lediglich auf folgenden Momenten. Zu aller empirischen Erkenntnis gehört die Synthesis des Mannigfaltigen durch die Einbildungskraft, die jederzeit sukzessiv ist; d.i. die Vorstellungen folgen in ihr jederzeit aufeinander. Die Folge aber ist in der Einbildungskraft der Ordnung nach (was vorgehen und was folgen müsse) gar nicht bestimmt, und die Reihe der einen der folgenden Vorstellungen kann ebensowohl rückwärts als vorwärts genommen werden. Ist aber diese Synthesis eine Synthesis der Apprehension (des Mannigfaltigen einer gegebenen Erscheinung), so ist die Ordnung im Objekt bestimmt, oder, genauer zu reden, es ist darin eine Ordnung der sukzessiven Synthesis, die ein Objekt bestimmt, nach welcher etwas notwendig vorausgehen, und wenn dieses gesetzt ist, das andere notwendig folgen müsse. Soll also meine Wahrnehmung die Erkenntnis einer Begebenheit enthalten, da nämlich etwas wirklich geschieht; so muß sie ein empirisches Urteil sein, in welchem man sich denkt, daß die Folge bestimmt sei, d.i. daß sie eine andere Erscheinung der
B 247 Zeit nach voraussetze, worauf sie notwendig, oder nach einer Regel folgt. Widrigenfalls, wenn ich das Vorhergehende setze, und die Begebenheit folgte nicht darauf notwendig, so würde ich sie nur für ein subjektives Spiel meiner Einbildungen halten müssen, und stellte ich mir darunter doch etwas Objektives vor, sie einen bloßen Traum nennen. Also ist das Verhältnis der Erscheinungen (als möglicher Wahrnehmungen), nach welchem das Nachfolgende (was geschieht) durch etwas Vorhergehendes seinem Dasein nach notwendig, und nach einer Regel in der Zeit bestimmt ist, mithin das Verhältnis der Ursache zur Wirkung die Bedingung der objektiven Gültigkeit unserer empirischen Urteile, in Ansehung der Reihe der Wahrnehmungen, mithin der empirischen Wahrheit derselben, und also der Erfahrung. Der Grundsatz des Kausalverhältnisses in der Folge der Erscheinungen gilt daher auch vor allen Gegenständen der Erfahrung (unter den Bedingungen der Sukzession), weil er selbst der Grund der Möglichkeit einer solchen Erfahrung ist.
Hier äußert sich aber noch eine Bedenklichkeit, die gehoben werden muß. Der Satz der Kausalverknüpfung unter den Erscheinungen ist in unserer Formel auf die Reihenfolge derselben eingeschränkt, da es sich doch bei dem Gebrauch desselben findet, daß er auch auf ihre Begleitung passe, und Ursache und Wirkung zugleich sein könne. Es ist z.B. Wärme im Zimmer, die nicht in freier Luft
B 248 angetroffen wird. Ich sehe mich nach der Ursache um, und finde einen geheizten Ofen. Nun ist dieser, als Ursache, mit seiner Wirkung, der Stubenwärme, zugleich; also ist hier keine Reihenfolge, der Zeit nach, zwischen Ursache und Wirkung, sondern sie sind zugleich, und das Gesetz gilt doch. Der größte Teil der wirkenden Ursache in der Natur ist mit ihren Wirkungen zugleich, und die Zeitfolge der letzteren wird nur dadurch veranlaßt, daß die Ursache ihre ganze Wirkung nicht in einem Augenblick verrichten kann. Aber in dem Augenblicke, da sie zuerst entsteht, ist sie mit der Kausalität ihrer Ursache jederzeit zugleich, weil, wenn jene einen Augenblick vorher aufgehört hätte zu sein, diese gar nicht entstanden wäre. Hier muß man wohl bemerken, daß es auf die Ordnung der Zeit, und nicht auf den Ablauf derselben angesehen sei; das Verhältnis bleibt, wenngleich keine Zeit verlaufen ist. Die Zeit zwischen der Kausalität der Ursache, und deren unmittelbaren Wirkung, kann verschwindend (sie also zugleich) sein, aber das Verhältnis der einen zur anderen bleibt doch immer, der Zeit nach, bestimmbar. Wenn ich eine Kugel, die auf einem ausgestopften Kissen liegt, und ein Grübchen darin drückt, als Ursache betrachte, so ist sie mit der Wirkung zugleich. Allein ich unterscheide doch beide durch das Zeitverhältnis der dynamischen Verknüpfung beider. Denn, wenn ich die Kugel auf das Kissen lege, so folgt auf die vorige glatte Gestalt desselben das Grübchen; hat aber das Kissen (ich weiß
B 249 nicht woher) ein Grübchen, so folgt darauf nicht eine bleierne Kugel.
Demnach ist die Zeitfolge allerdings das einzige empirische Kriterium der Wirkung, in Beziehung auf die Kausalität der Ursache, die vorhergeht. Das Glas ist die Ursache von dem Steigen des Wassers über seine Horizontalfläche, obgleich beide Erscheinungen zugleich sind. Denn sobald ich dieses aus einem größeren Gefäß mit dem Glase schöpfe, so erfolgt etwas, nämlich die Veränderung des Horizontalstandes, den es dort hatte, in einen konkaven, den es im Glase annimmt.
Diese Kausalität führt auf den Begriff der Handlung, diese auf den Begriff der Kraft, und dadurch auf den Begriff der Substanz. Da ich mein kritisches Vorhaben, welches lediglich auf die Quellen der synthetischen Erkenntnis a priori geht, nicht mit Zergliederungen bemengen will, die bloß die Erläuterung (nicht Erweiterung) der Begriffe angehen, so überlasse ich die umständliche Erörterung derselben einem künftigen System der reinen Vernunft: wiewohl man eine solche Analysis im reichen Maße, auch schon in den bisher bekannten Lehrbüchern dieser Art, antrifft. Allein das empirische Kriterium einer Substanz, sofern sie sich nicht durch die Beharrlichkeit der Erscheinung, sondern besser und leichter durch Handlung zu offenbaren scheint, kann ich nicht unberührt lassen.
B 250 Wo Handlung, mithin Tätigkeit und Kraft ist, da ist auch Substanz, und in dieser allein muß der Sitz jener fruchtbaren Quelle der Erscheinungen gesucht werden. Das ist ganz gut gesagt; aber, wenn man sich darüber erklären soll, was man unter Substanz verstehe, und dabei den fehlerhaften Zirkel vermeiden will, so ist es nicht so leicht verantwortet. Wie will man aus der Behandlung sogleich auf die Beharrlichkeit des Handelnden schließen, welches doch ein so wesentliches und eigentümliches Kennzeichen der Substanz (phaenomenon) ist? Allein, nach unserem vorigen hat die Auflösung der Frage doch keine solche Schwierigkeit, ob sie gleich nach der gemeinen Art (bloß analytisch mit seinen Begriffen zu verfahren) ganz unauflöslich sein würde. Handlung bedeutet schon das Verhältnis des Subjekts der Kausalität zur Wirkung. Weil nun alle Wirkung in dem besteht, was da geschieht, mithin im Wandelbaren, was die Zeit der Sukzession nach bezeichnet; so ist das letzte Subjekt desselben das Beharrliche, als das Substratum alles Wechselnden, d.i. die Substanz. Denn nach dem Grundsatze der Kausalität sind Handlungen immer der erste Grund von allem Wechsel der Erscheinungen, und können also nicht in einem Subjekt liegen, was selbst wechselt, weil sonst andere Handlungen und ein anderes Subjekt, welches diesen Wechsel bestimmte, erforderlich wären. Kraft dessen beweist nun Handlung, als ein hinreichendes empirisches Kriterium, die Substantialität,
B 251 ohne daß ich die Beharrlichkeit desselben durch verglichene Wahrnehmungen allererst zu suchen nötig hätte, welches auch auf diesem Wege mit der Ausführlichkeit nicht geschehen könnte, die zu der Größe und strengen Allgemeingültigkeit des Begriffs erforderlich ist. Denn daß das erste Subjekt der Kausalität alles Entstehens und Vergehens selbst nicht (im Felde der Erscheinungen) entstehen und vergehen könne, ist ein sicherer Schluß, der auf empirische Notwendigkeit und Beharrlichkeit im Dasein, mithin auf den Begriff einer Substanz als Erscheinung ausläuft.
Wenn etwas geschieht, so ist das bloße Entstehen, ohne Rücksicht auf das, was da entsteht, schon an sich selbst ein Gegenstand der Untersuchung. Der Übergang aus dem Nichtsein eines Zustandes in diesen Zustand, gesetzt, daß dieser auch keine Qualität in der Erscheinung enthielte, ist schon allein nötig zu untersuchen. Dieses Entstehen trifft, wie in der Nummer A gezeigt worden, nicht die Substanz (denn die entsteht nicht), sondern ihren Zustand. Es ist also bloß Veränderung, und nicht Ursprung aus Nichts. Wenn dieser Ursprung als Wirkung von einer fremden Ursache angesehen wird, so heißt er Schöpfung, welche als Begebenheit unter den Erscheinungen nicht zugelassen werden kann, indem ihre Möglichkeit allein schon die Einheit der Erfahrung aufheben würde, obzwar, wenn ich alle Dinge nicht als Phänomene, sondern als Dinge an sich betrachte, und als
B 252 Gegenstände des bloßen Verstandes, sie, obschon sie Substanzen sind, dennoch wie abhängig ihrem Dasein nach von fremder Ursache angesehen werden können; welches aber alsdann ganz andere Wortbedeutungen nach sich ziehen, und auf Erscheinungen, als mögliche Gegenstände der Erfahrung, nicht passen würde.
Wie nun überhaupt etwas verändert werden könne; wie es möglich sei, daß auf einen Zustand in einem Zeitpunkte ein entgegengesetzter im anderen folgen könne: davon haben wir a priori nicht den mindesten Begriff. Hierzu wird die Kenntnis wirklicher Kräfte erfordert, welche nur empirisch gegeben werden kann, z.B. der bewegenden Kräfte, oder, welches einerlei ist, gewisser sukzessiver Erscheinungen, (als Bewegungen) welche solche Kräfte anzeigen. Aber die Form einer jeden Veränderung, die Bedingung, unter welcher sie, als ein Entstehen eines anderen Zustandes, allein vorgehen kann, (der Inhalt derselben, d.i. der Zustand, der verändert wird, mag sein, welcher er wolle), mithin die Sukzession der Zustände selbst (das Geschehene) kann doch nach dem Gesetze der Kausalität und den Bedingungen der Zeit a priori erwogen werden*.
* Man merke wohl: daß ich nicht von der Veränderung gewisser Relationen überhaupt, sondern von Veränderung des Zustandes rede. Daher, wenn ein Körper sich gleichförmig bewegt, so verändert er seinen Zustand (der Bewegung) gar nicht; aber wohl, wenn seine Bewegung zu- und abnimmt.
B 253 Wenn eine Substanz aus einem Zustande a in einen anderen b übergeht, so ist der Zeitpunkt des zweiten vom Zeitpunkte des ersteren Zustandes unterschieden, und folgt demselben. Ebenso ist auch der zweite Zustand als Realität (in der Erscheinung) vom ersteren, darin diese nicht war, wie b vom Zero unterschieden; d.i. wenn der Zustand b sich auch von dem Zustande a nur der Größe nach unterschiede, so ist die Veränderung ein Entstehen von b-a, welches im vorigen Zustande nicht war, und in Ansehung dessen er = 0 ist.
Es frägt sich also, wie ein Ding aus einem Zustande = a in einen anderen = b übergehe. Zwischen zwei Augenblicken ist immer eine Zeit, und zwischen zwei Zuständen in denselben immer ein Unterschied, der eine Größe hat, (denn alle Teile der Erscheinungen sind immer wiederum Größen). Also geschieht jeder Übergang aus einem Zustande in den anderen in einer Zeit, die zwischen zwei Augenblicken enthalten ist, deren der erste den Zustand bestimmt, aus welchem das Ding herausgeht, der zweite den, in welchen es gelangt. Beide also sind Grenzen der Zeit einer Veränderung, mithin des Zwischenzustandes zwischen beiden Zuständen, und gehören als solche mit zu der ganzen Veränderung. Nun hat jede Veränderung eine Ursache, welche in der ganzen Zeit, in welcher jene vorgeht, ihre Kausalität beweist. Also bringt diese Ursache ihre Veränderung nicht plötzlich (auf einmal oder in einem Augenblicke) hervor, sondern
B 254 in einer Zeit, so, daß, wie die Zeit vom Anfangsaugenblicke a bis zu ihrer Vollendung in b wächst, auch die Größe der Realität (b-a) durch alle kleineren Grade, die zwischen dem ersten und letzten enthalten sind, erzeugt wird. Alle Veränderung ist also nur durch eine kontinuierliche Handlung der Kausalität möglich, welche, sofern sie gleichförmig ist, ein Moment heißt. Aus diesen Momenten besteht nicht die Veränderung, sondern wird dadurch erzeugt als ihre Wirkung.
Das ist nun das Gesetz der Kontinuität aller Veränderung, dessen Grund dieser ist: daß weder die Zeit, noch auch die Erscheinung in der Zeit, aus Teilen besteht, die die kleinsten sind, und daß doch der Zustand des Dinges bei seiner Veränderung durch alle diese Teile, als Elemente, zu seinem zweiten Zustande übergehe. Es ist kein Unterschied des Realen in der Erscheinung, so wie kein Unterschied in der Größe der Zeiten, der kleinste, und so erwächst der neue Zustand der Realität von dem ersten an, darin diese nicht war, durch alle unendlichen Grade derselben, deren Unterschiede voneinander insgesamt kleiner sind, als der zwischen 0 und a.
Welchen Nutzen dieser Satz in der Naturforschung haben möge, das geht uns hier nichts an. Aber, wie ein solcher Satz, der unsere Erkenntnis der Natur so zu erweitern scheint, völlig a priori möglich sei, das erfordert gar sehr unsere Prüfung, wenngleich der Augenschein beweist, daß er wirklich und richtig sei, und man
B 255 also der Frage, wie er möglich gewesen, überhoben zu sein glauben möchte. Denn es gibt so mancherlei ungegründete Anmaßungen der Erweiterung unserer Erkenntnis durch reine Vernunft: daß es zum allgemeinen Grundsatz angenommen werden muß, deshalb durchaus mißtrauisch zu sein, und ohne Dokumente, die eine gründliche Deduktion verschaffen können, selbst auf den klarsten dogmatischen Beweis nichts dergleichen zu glauben und anzunehmen.
Aller Zuwachs des empirischen Erkenntnisses, und jeder Fortschritt der Wahrnehmung ist nichts, als eine Erweiterung der Bestimmung des inneren Sinnes, d.i. ein Fortgang in der Zeit, die Gegenstände mögen sein, welche sie wollen, Erscheinungen, oder reine Anschauungen. Dieser Fortgang in der Zeit bestimmt alles, und ist an sich selbst durch nichts weiter bestimmt: d.i. die Teile desselben sind nur in der Zeit, und durch die Synthesis derselben, sie aber nicht vor ihr gegeben. Um deswillen ist ein jeder Übergang in der Wahrnehmung zu etwas, was in der Zeit folgt, eine Bestimmung der Zeit durch die Erzeugung dieser Wahrnehmung, und da jene, immer und in allen ihren Teilen, eine Größe ist, die Erzeugung einer Wahrnehmung als einer Größe durch alle Grade, deren keiner der kleinste ist, von dem Zero an, bis zu ihrem bestimmten Grad. Hieraus erhellt nun die Möglichkeit, ein Gesetz der Veränderungen, ihrer Form nach, a priori zu erkennen. Wir
B 256 antizipieren nur unsere eigene Apprehension, deren formale Bedingung, da sie uns vor aller gegebenen Erscheinung selbst beiwohnt, allerdings a priori muß erkannt werden können.
So ist demnach, ebenso, wie die Zeit die sinnliche Bedingung a priori von der Möglichkeit eines kontinuierlichen Fortganges des Existierenden zu dem Folgenden enthält, der Verstand, vermittelst der Einheit der Apperzeption, die Bedingung a priori der Möglichkeit einer kontinuierlichen Bestimmung aller Stellen für die Erscheinungen in dieser Zeit, durch die Reihe von Ursachen und Wirkungen, deren die ersteren der letzteren ihr Dasein unausbleiblich nach sich ziehen, und dadurch die empirische Erkenntnis der Zeitverhältnisse für jede Zeit (allgemein) mithin objektiv gültig machen.
C. Dritte Analogie
Grundsatz des Zugleichseins, nach dem Gesetze der Wechselwirkung, oder Gemeinschaft
Alle Substanzen, sofern sie im Raume, als zugleich wahrgenommen werden können, sind in durchgängiger Wechselwirkung.
Beweis
Zugleich sind Dinge, wenn in der empirischen Anschauung die Wahrnehmung des einen auf die
B 257 Wahrnehmung des anderen wechselseitig folgen kann, (welches in der Zeitfolge der Erscheinungen, wie beim zweiten Grundsatze gezeigt, worden, nicht geschehen kann). So kann ich meine Wahrnehmung zuerst am Monde, und nachher an der Erde, oder auch umgekehrt zuerst an der Erde und dann am Monde anstellen und darum, weil die Wahrnehmungen dieser Gegenstände einander wechselseitig folgen können, sage ich, sie existieren zugleich. Nun ist das Zugleichsein die Existenz des Mannigfaltigen in derselben Zeit. Man kann aber die Zeit selbst nicht wahrnehmen, um daraus, daß Dinge in derselben Zeit gesetzt sind, abzunehmen, daß die Wahrnehmungen derselben einander wechselseitig folgen können. Die Synthesis der Einbildungskraft in der Apprehension würde also nur eine jede dieser Wahrnehmungen als eine solche angeben, die im Subjekte da ist, wenn die andere nicht ist, und wechselsweise, nicht aber daß die Objekte zugleich seien, d.i. wenn das eine ist, das andere auch in derselben Zeit sei, und daß dieses notwendig sei, damit die Wahrnehmungen wechselseitig aufeinander folgen können. Folglich wird ein Verstandesbegriff von der wechselseitigen Folge der Bestimmungen dieser außer einander zugleich existierenden Dinge erfordert, um zu sagen, daß die wechselseitige Folge der Wahrnehmungen im Objekte gegründet sei, und das Zugleichsein dadurch als objektiv vorzustellen. Nun ist aber das Verhältnis der Substanzen, in welchem die eine Bestimmungen
B 258 enthält, wovon der Grund in der anderen enthalten ist, das Verhältnis des Einflusses, und, wenn wechselseitig dieses den Grund der Bestimmungen in dem anderen enthält, das Verhältnis der Gemeinschaft oder Wechselwirkung. Also kann das Zugleichsein der Substanzen im Raume nicht anders in der Erfahrung erkannt werden, als unter Voraussetzung einer Wechselwirkung derselben untereinander; diese ist also auch die Bedingung der Möglichkeit der Dinge selbst als Gegenstände der Erfahrung.
Dinge sind zugleich, sofern sie in einer und derselben Zeit existieren. Woran erkennt man aber: daß sie in einer und derselben Zeit sind? Wenn die Ordnung in der Synthesis der Apprehension dieses Mannigfaltigen gleichgültig ist, d.i. von A durch B, C, D auf E, oder auch umgekehrt von E zu A gehen kann. Denn, wäre sie in der Zeit nacheinander (in der Ordnung, die von A anhebt, und in E endigt), so ist es unmöglich, die Apprehension in der Wahrnehmung von E anzuheben, und rückwärts zu A fortzugehen, weil A zur vergangenen Zeit gehört, und also kein Gegenstand der Apprehension mehr sein kann.
Nehmet nun an: in einer Mannigfaltigkeit von Substanzen als Erscheinungen wäre jede derselben völlig isoliert, d.i. keine wirkte in die andere, und empfinge von dieser wechselseitig Einflüsse, so sage ich: daß das Zugleichsein derselben kein Gegenstand einer möglichen
B 259 Wahrnehmung sein würde, und daß das Dasein der einen, durch keinen Weg der empirischen Synthesis, auf das Dasein der anderen führen könnte. Denn, wenn ihr euch gedenkt, sie wären durch einen völlig leeren Raum getrennt, so würde die Wahrnehmung, die von der einen zur anderen in der Zeit fortgeht, zwar dieser ihr Dasein, vermittelst einer folgenden Wahrnehmung bestimmen, aber nicht unterscheiden können, ob die Erscheinung objektiv auf die erstere folge, oder mit jener vielmehr zugleich sei.
Es muß also noch außer dem bloßen Dasein etwas sein, wodurch A dem B seine Stelle in der Zeit bestimmt, und umgekehrt auch wiederum B dem A, weil nur unter dieser Bedingung gedachte Substanzen, als zugleich existierend, empirisch vorgestellt werden können. Nun bestimmt nur dasjenige dem anderen seine Stelle in der Zeit, was die Ursache von ihm oder seinen Bestimmungen ist. Also muß jede Substanz (da sie nur in Ansehung ihrer Bestimmungen Folge sein kann) die Kausalität gewisser Bestimmungen in der anderen, und zugleich die Wirkungen von der Kausalität der anderen in sich enthalten, d.i. sie müssen in dynamischer Gemeinschaft (unmittelbar oder mittelbar) stehen, wenn das Zugleichsein in irgendeiner möglichen Erfahrung erkannt werden soll. Nun ist aber alles dasjenige in Ansehung der Gegenstände der Erfahrung notwendig, ohne welches die Erfahrung von diesen Gegenständen selbst unmöglich sein
B 260 würde. Also ist es allen Substanzen in der Erscheinung, sofern sie zugleich sind, notwendig, in durchgängiger Gemeinschaft der Wechselwirkung untereinander zu stehen.
Das Wort Gemeinschaft ist in unserer Sprache zweideutig, und kann soviel als communio, aber auch als commercium bedeuten. Wir bedienen uns hier desselben im letzteren Sinn, als einer dynamischen Gemeinschaft, ohne welche selbst die lokale (communio spatii) niemals empirisch erkannt werden könnte. Unseren Erfahrungen ist es leicht anzumerken, daß nur die kontinuierlichen Einflüsse in allen Stellen des Raumes unseren Sinn von einem Gegenstande zum anderen leiten können, daß das Licht, welches zwischen unserem Auge und den Weltkörpern spielt, eine mittelbare Gemeinschaft zwischen uns und diesen bewirken und dadurch das Zugleichsein der letzteren beweisen, daß wir keinen Ort empirisch verändern (diese Veränderung wahrnehmen) können, ohne daß uns allerwärts Materie die Wahrnehmung unserer Stelle möglich mache, und diese nur vermittelst ihres wechselseitigen Einflusses ihr Zugleichsein, und dadurch, bis zu den entlegensten Gegenständen, die Koexistenz derselben (obzwar nur mittelbar) dartun kann. Ohne Gemeinschaft ist jede Wahrnehmung (der Erscheinung im Raume) von der anderen abgebrochen, und die Kette empirischer Vorstellungen, d.i. Erfahrung, würde bei einem neuen Objekt ganz von vorne anfangen,
B 261 ohne daß die vorige damit im geringsten zusammenhänge, oder im Zeitverhältnisse stehen könnte. Den leeren Raum will ich hierdurch gar nicht widerlegen; denn der mag immer sein, wohin Wahrnehmungen gar nicht reichen, und also keine empirische Erkenntnis des Zugleichseins stattfindet; er ist aber alsdann für alle unsere mögliche Erfahrung gar kein Objekt.
Zur Erläuterung kann folgendes dienen. In unserem Gemüte müssen alle Erscheinungen, als in einer möglichen Erfahrung enthalten, in Gemeinschaft (communio) der Apperzeption stehen, und sofern die Gegenstände als zugleich existierend verknüpft vorgestellt werden sollen, so müssen sie ihre Stelle in einer Zeit wechselseitig bestimmen, und dadurch ein Ganzes ausmachen. Soll diese subjektive Gemeinschaft auf einem objektiven Grunde beruhen, oder auf Erscheinungen als Substanzen bezogen werden, so muß die Wahrnehmung der einen, als Grund, die Wahrnehmung der anderen, und so umgekehrt, möglich machen, damit die Sukzession, die jederzeit in den Wahrnehmungen, als Apprehensionen ist, nicht den Objekten beigelegt werde, sondern diese als zugleichexistierend vorgestellt werden können. Dieses ist aber ein wechselseitiger Einfluß, d.i. eine reale Gemeinschaft (commercium) der Substanzen, ohne welche also das empirische Verhältnis des Zugleichseins nicht in der Erfahrung stattfinden könnte. Durch dieses Commercium machen die Erscheinungen, sofern sie
B 262 außereinander und doch in Verknüpfung stehen, ein Zusammengesetztes aus (compositum reale), und dergleichen Composita werden auf mancherlei Art möglich. Die drei dynamischen Verhältnisse, daraus alle übrigen entspringen, sind daher das der Inhärenz, der Konsequenz und der Komposition.
* * *
Dies sind denn also die drei Analogien der Erfahrung. Sie sind nichts anderes, als Grundsätze der Bestimmung des Daseins der Erscheinungen in der Zeit, nach allen drei modis derselben, dem Verhältnisse zu der Zeit selbst, als einer Größe (die Größe des Daseins, d.i. die Dauer), dem Verhältnisse in der Zeit, als einer Reihe (nacheinander), endlich auch in ihr, als einem Inbegriff alles Daseins (zugleich). Diese Einheit der Zeitbestimmung ist durch und durch dynamisch, d.i. die Zeit wird nicht als dasjenige angesehen, worin die Erfahrung unmittelbar jedem Dasein seine Stelle bestimmte, welches unmöglich ist, weil die absolute Zeit kein Gegenstand der Wahrnehmung ist, womit Erscheinungen könnten zusammengehalten werden; sondern die Regel des Verstandes, durch welche allein das Dasein der Erscheinungen synthetische Einheit nach Zeitverhältnissen bekommen kann, bestimmt jeder derselben ihre Stelle in der Zeit, mithin a priori, und gültig für alle und jede Zeit.
B 263 Unter Natur (im empirischen Verstande) verstehen wir den Zusammenhang der Erscheinungen ihrem Dasein nach, nach notwendigen Regeln, d.i. nach Gesetzen. Es sind also gewisse Gesetze, und zwar a priori, welche allererst eine Natur möglich machen; die empirischen können nur vermittelst der Erfahrung, und zwar zufolge jener ursprünglichen Gesetze, nach welchen selbst Erfahrung allererst möglich wird, stattfinden, und gefunden werden. Unsere Analogien stellen also eigentlich die Natureinheit im Zusammenhange aller Erscheinungen unter gewissen Exponenten dar, welche nichts anderes ausdrücken, als das Verhältnis der Zeit (sofern sie alles Dasein in sich begreift) zur Einheit der Apperzeption, die nur in der Synthesis nach Regeln stattfinden kann. Zusammen sagen sie also: alle Erscheinungen liegen in einer Natur, und müssen darin liegen, weil ohne diese Einheit a priori keine Einheit der Erfahrung, mithin auch keine Bestimmung der Gegenstände in derselben möglich wäre.
Über die Beweisart aber, deren wir uns bei diesen transzendentalen Naturgesetzen bedient haben, und die Eigentümlichkeit derselben, ist eine Anmerkung zu machen, die zugleich als Vorschrift für jeden anderen Versuch, intellektuelle und zugleich synthetische Sätze a priori zu beweisen, sehr wichtig sein muß. Hätten wir diese Analogien dogmatisch, d.i. aus Begriffen, beweisen wollen: daß nämlich alles, was existiert, nur in
B 264 dem angetroffen werde, was beharrlich ist, daß jede Begebenheit etwas im vorigen Zustande voraussetze, worauf es nach einer Regel folgt, endlich in dem Mannigfaltigen, das zugleich ist, die Zustände in Beziehung aufeinander nach einer Regel zugleich seien (in Gemeinschaft stehen), so wäre alle Bemühung gänzlich vergeblich gewesen. Denn man kann von einem Gegenstande und dessen Dasein auf das Dasein des anderen, oder seine Art zu existieren, durch bloße Begriffe dieser Dinge gar nicht kommen, man mag dieselben zergliedern, wie man wolle. Was blieb uns nun übrig? Die Möglichkeit der Erfahrung, als einer Erkenntnis, darin uns alle Gegenstände zuletzt müssen gegeben werden können, wenn ihre Vorstellung für uns objektive Realität haben soll. In diesem Dritten nun, dessen wesentliche Form in der synthetischen Einheit der Apperzeption aller Erscheinungen besteht, fanden wir Bedingungen a priori der durchgängigen und notwendigen Zeitbestimmung alles Daseins in der Erscheinung, ohne welche selbst die empirische Zeitbestimmung unmöglich sein würde, und fanden Regeln der synthetischen Einheit a priori, vermittelst deren wir die Erfahrung antizipieren konnten. In Ermanglung dieser Methode, und bei dem Wahne, synthetische Sätze, welche der Erfahrungsgebrauch des Verstandes als seine Prinzipien empfiehlt, dogmatisch beweisen zu wollen, ist es denn geschehen, daß von dem Satze des zureichenden Grundes so oft, aber immer
B 265 vergeblich ein Beweis ist versucht worden. An die beiden übrigen Analogien hat niemand gedacht, ob man sich ihrer gleich immer stillschweigend bediente*, weil der Leitfaden der Kategorien fehlte, der allein jede Lücke des Verstandes, sowohl in Begriffen als Grundsätzen, entdecken und merklich machen kann.
* Die Einheit des Weltganzen, in welchem alle Erscheinungen verknüpft sein sollen, ist offenbar eine bloße Folgerung des insgeheim angenommenen Grundsatzes der Gemeinschaft aller Substanzen, die zugleich sind: denn, wären sie isoliert, so würden sie nicht als Teile ein Ganzes ausmachen, und wäre ihre Verknüpfung (Wechselwirkung des Mannigfaltigen) nicht schon um des Zugleichseins willen notwendig, so könnte man aus diesem, als einem bloß idealen Verhältnis, auf jene, als ein reales, nicht schließen. Wiewohl wir an seinem Ort gezeigt haben: daß die Gemeinschaft eigentlich der Grund der Möglichkeit einer empirischen Erkenntnis, der Koexistenz sei, und daß man also eigentlich nur aus dieser auf jene, als ihre Bedingung, zurückschließe.
4 Die Postulate des empirischen Denkens überhaupt
1 Was mit den formalen Bedingungen der Erfahrung (der Anschauung und den Begriffen nach) übereinkommt, ist möglich.
2 B 266 Was mit den materialen Bedingungen der Erfahrung (der Empfindung) zusammenhängt, ist wirklich.
3 Dessen Zusammenhang mit dem Wirklichen nach allgemeinen Bedingungen der Erfahrung bestimmt ist, ist (existiert) notwendig.
Erläuterung
Die Kategorien der Modalität haben das Besondere an sich: daß sie den Begriff, dem sie als Prädikate beigefügt werden, als Bestimmung des Objekts nicht im mindesten vermehren, sondern nur das Verhältnis zum Erkenntnisvermögen ausdrücken. Wenn der Begriff eines Dinges schon ganz vollständig ist, so kann ich doch noch von diesem Gegenstande fragen, ob er bloß möglich, oder auch wirklich, oder, wenn er das letztere ist, ob er gar auch notwendig sei? Hierdurch werden keine Bestimmungen mehr im Objekte selbst gedacht, sondern es frägt sich nur, wie es sich (samt allen seinen Bestimmungen) zum Verstande und dessen empirischen Gebrauche, zur empirischen Urteilskraft, und zur Vernunft (in ihrer Anwendung auf Erfahrung) verhalte?
Eben um deswillen sind auch die Grundsätze der Modalität nichts weiter, als Erklärungen der Begriffe der Möglichkeit, Wirklichkeit und Notwendigkeit in ihrem empirischen Gebrauche, und hiermit zugleich Restriktionen aller Kategorien auf den bloß empirischen Gebrauch, ohne den transzendentalen zuzulassen und zu erlauben.
B 267 Denn, wenn diese nicht eine bloß logische Bedeutung haben, und die Form des Denkens analytisch ausdrücken sollen, sondern Dinge und deren Möglichkeit, Wirklichkeit oder Notwendigkeit betreffen sollen, so müssen sie auf die mögliche Erfahrung und deren synthetische Einheit gehen, in welcher allein Gegenstände der Erkenntnis gegeben werden.
Das Postulat der Möglichkeit der Dinge fordert also, daß der Begriff derselben mit den formalen Bedingungen einer Erfahrung überhaupt zusammenstimme. Diese, nämlich die objektive Form der Erfahrung überhaupt, enthält aber alle Synthesis, welche zur Erkenntnis der Objekte erfordert wird. Ein Begriff, der eine Synthesis in sich faßt, ist für leer zu halten, und bezieht sich auf keinen Gegenstand, wenn diese Synthesis nicht zur Erfahrung gehört, entweder als von ihr erborgt, und dann heißt er ein empirischer Begriff, oder als eine solche, auf der, als Bedingung a priori, Erfahrung überhaupt (die Form derselben) beruht, und dann ist es ein reiner Begriff, der dennoch zur Erfahrung gehört, weil sein Objekt nur in dieser angetroffen werden kann. Denn wo will man den Charakter der Möglichkeit eines Gegenstandes, der durch einen synthetischen Begriff a priori gedacht worden, hernehmen, wenn es nicht von der Synthesis geschieht, welche die Form der empirischen Erkenntnis der Objekte ausmacht? Daß in einem solchen Begriffe kein Widerspruch enthalten
B 268 sein müsse, ist zwar eine notwendige logische Bedingung; aber zur objektiven Realität des Begriffs, d.i. der Möglichkeit eines solchen Gegenstandes, als durch den Begriff gedacht wird, bei weitem nicht genug. So ist in dem Begriffe einer Figur, die in zwei geraden Linien eingeschlossen ist, kein Widerspruch, denn die Begriffe von zwei geraden Linien und deren Zusammenstoßung enthalten keine Verneinung einer Figur; sondern die Unmöglichkeit beruht nicht auf dem Begriffe an sich selbst, sondern der Konstruktion desselben im Raume, d.i. den Bedingungen des Raumes und der Bestimmung desselben, diese haben aber wiederum ihre objektive Realität, d.i. sie gehen auf mögliche Dinge, weil sie die Form der Erfahrung überhaupt a priori in sich enthalten.
Und nun wollen wir den ausgebreiteten Nutzen und Einfluß dieses Postulats der Möglichkeit vor Augen legen. Wenn ich mir ein Ding vorstelle, das beharrlich ist, so, daß alles, was da wechselt, bloß zu seinem Zustande gehört, so kann ich niemals aus einem solchen Begriffe allein erkennen, daß ein dergleichen Ding möglich sei. Oder, ich stelle mir etwas vor, welches so beschaffen sein soll, daß, wenn es gesetzt wird, jederzeit und unausbleiblich etwas anderes darauf erfolgt, so mag dieses allerdings ohne Widerspruch so gedacht werden können; ob aber dergleichen Eigenschaft (als Kausalität) an irgendeinem möglichen Dinge angetroffen werde, kann dadurch nicht geurteilt werden. Endlich kann ich mir verschiedene Dinge
B 269 (Substanzen) vorstellen, die so beschaffen sind, daß der Zustand des einen eine Folge im Zustande des anderen nach sich zieht, und so wechselweise; aber, ob dergleichen Verhältnis irgend Dingen zukommen könne, kann aus diesen Begriffen, welche eine bloß willkürliche Synthesis enthalten, gar nicht abgenommen werden. Nur daran also, daß diese Begriffe die Verhältnisse der Wahrnehmungen in jeder Erfahrung a priori ausdrücken, erkennt man ihre objektive Realität, d.i. ihre transzendentale Wahrheit, und zwar freilich unabhängig von der Erfahrung, aber doch nicht unabhängig von aller Beziehung auf die Form einer Erfahrung überhaupt, und die synthetische Einheit, in der allein Gegenstände empirisch können erkannt werden.
Wenn man sich aber gar neue Begriffe von Substanzen, von Kräften, von Wechselwirkungen, aus dem Stoffe, den uns die Wahrnehmung darbietet, machen wollte, ohne von der Erfahrung selbst das Beispiel ihrer Verknüpfung zu entlehnen, so würde man in lauter Hirngespinste geraten, deren Möglichkeit ganz und gar kein Kennzeichen für sich hat, weil man bei ihnen nicht Erfahrung zur Lehrerin annimmt, noch diese Begriffe von ihr entlehnt. Dergleichen gedichtete Begriffe können den Charakter ihrer Möglichkeit nicht so, wie die Kategorien, a priori, als Bedingungen, von denen alle Erfahrung abhängt, sondern nur a posteriori, als solche, die durch die Erfahrung selbst gegeben werden, bekommen, und
B 270 ihre Möglichkeit muß entweder a posteriori und empirisch, oder sie kann gar nicht erkannt werden. Eine Substanz, welche beharrlich im Raume gegenwärtig wäre, doch ohne ihn zu erfüllen, (wie dasjenige Mittelding zwischen Materie und denkenden Wesen, welches einige haben einführen wollen,) oder eine besondere Grundkraft unseres Gemüts, das Künftige zum voraus anzuschauen (nicht etwa bloß zu folgern), oder endlich ein Vermögen desselben, mit anderen Menschen in Gemeinschaft der Gedanken zu stehen (so entfernt sie auch sein mögen), das sind Begriffe, deren Möglichkeit ganz grundlos ist, weil sie nicht auf Erfahrung und deren bekannte Gesetze gegründet werden kann, und ohne sie eine willkürliche Gedankenverbindung ist, die, ob sie zwar keinen Widerspruch enthält, doch keinen Anspruch auf objektive Realität, mithin auf die Möglichkeit eines solchen Gegenstandes, als man sich hier denken will, machen kann. Was Realität betrifft, so verbietet es sich wohl von selbst, sich eine solche in concreto zu denken, ohne die Erfahrung zu Hilfe zu nehmen, weil sie nur auf Empfindung, als Materie der Erfahrung, gehen kann, und nicht die Form des Verhältnisses betrifft, mit der man allenfalls in Erdichtungen spielen könnte.
Aber ich lasse alles vorbei, dessen Möglichkeit nur aus der Wirklichkeit in der Erfahrung kann abgenommen werden, und erwäge hier nur die Möglichkeit der Dinge durch Begriffe a priori, von denen ich fortfahre zu
B 271 behaupten, daß sie niemals aus solchen Begriffen für sich allein, sondern jederzeit nur als formale und objektive Bedingungen einer Erfahrung überhaupt stattfinden können.
Es hat zwar den Anschein, als wenn die Möglichkeit eines Triangels aus seinem Begriffe an sich selbst könne erkannt werden (von der Erfahrung ist er gewiß unabhängig); denn in der Tat können wir ihm gänzlich a priori einen Gegenstand geben, d.i. ihn konstruieren. Weil dieses aber nur die Form von einem Gegenstande ist, so würde er doch immer nur ein Produkt der Einbildung bleiben, von dessen Gegenstand die Möglichkeit noch zweifelhaft bliebe, als wozu noch etwas mehr erfordert wird, nämlich daß eine solche Figur unter lauter Bedingungen, auf denen alle Gegenstände der Erfahrung beruhen, gedacht sei. Daß nun der Raum eine formale Bedingung a priori von äußeren Erfahrungen ist, daß eben dieselbe bildende Synthesis, wodurch wir in der Einbildungskraft einen Triangel konstruieren, mit derjenigen gänzlich einerlei sei, welche wir in der Apprehension einer Erscheinung ausüben, um uns davon einen Erfahrungsbegriff zu machen, das ist es allein, was mit diesem Begriffe die Vorstellung von der Möglichkeit eines solchen Dinges verknüpft. Und so ist die Möglichkeit kontinuierlicher Größen, ja sogar der Größen überhaupt, weil die Begriffe davon insgesamt synthetisch sind, niemals aus den Begriffen selbst, sondern aus ihnen, als
B 272 formalen Bedingungen der Bestimmung der Gegenstände in der Erfahrung überhaupt allererst klar; und wo sollte man auch Gegenstände suchen wollen, die den Begriffen korrespondierten, wäre es nicht in der Erfahrung, durch die uns allein Gegenstände gegeben werden? wiewohl wir, ohne eben Erfahrung selbst voranzuschicken, bloß in Beziehung auf die formalen Bedingungen, unter welchen in ihr überhaupt etwas als Gegenstand bestimmt wird, mithin völlig a priori, aber doch nur in Beziehung auf sie, und innerhalb ihren Grenzen, die Möglichkeit der Dinge erkennen und charakterisieren können.
Das Postulat, die Wirklichkeit der Dinge zu erkennen, fordert Wahrnehmung, mithin Empfindung, deren man sich bewußt ist, zwar nicht eben unmittelbar, von dem Gegenstande selbst, dessen Dasein erkannt werden soll, aber doch Zusammenhang desselben mit irgendeiner wirklichen Wahrnehmung, nach den Analogien der Erfahrung, welche alle reale Verknüpfung in einer Erfahrung überhaupt darlegen.
In dem bloßen Begriffe eines Dinges kann gar kein Charakter seines Daseins angetroffen werden. Denn ob derselbe gleich noch so vollständig sei, daß nicht das mindeste ermangle, um ein Ding mit allen seinen inneren Bestimmungen zu denken, so hat das Dasein mit allem diesem doch gar nichts zu tun, sondern nur mit der Frage: ob ein solches Ding uns gegeben sei, so, daß die Wahrnehmung desselben vor dem Begriffe allenfalls
B 273 vorhergehen könne. Denn, daß der Begriff vor der Wahrnehmung vorhergeht, bedeutet dessen bloße Möglichkeit; die Wahrnehmung aber, die den Stoff zum Begriff hergibt, ist der einzige Charakter der Wirklichkeit. Man kann aber auch vor der Wahrnehmung des Dinges, und also komparative a priori das Dasein desselben erkennen, wenn es nur mit einigen Wahrnehmungen, nach den Grundsätzen der empirischen Verknüpfung derselben (den Analogien), zusammenhängt. Denn alsdann hängt doch das Dasein des Dinges mit unseren Wahrnehmungen in einer möglichen Erfahrung zusammen, und wir können nach dem Leitfaden jener Analogien, von unserer wirklichen Wahrnehmung zu dem Dinge in der Reihe möglicher Wahrnehmungen gelangen. So erkennen wir das Dasein einer alle Körper durchdringenden magnetischen Materie aus der Wahrnehmung des gezogenen Eisenfeiligs, obzwar eine unmittelbare Wahrnehmung dieses Stoffs uns nach der Beschaffenheit unserer Organe unmöglich ist. Denn überhaupt würden wir, nach Gesetzen der Sinnlichkeit und dem Kontext unserer Wahrnehmungen, in einer Erfahrung auch auf die unmittelbare empirische Anschauung derselben stoßen, wenn unsere Sinne feiner wären, deren Grobheit die Form möglicher Erfahrung überhaupt nichts angeht. Wo also Wahrnehmung und deren Anhang nach empirischen Gesetzen hinreicht, dahin reicht auch unsere Erkenntnis vom Dasein der Dinge. Fangen wir nicht von Erfahrung an, oder gehen
B 274 wir nicht nach Gesetzen des empirischen Zusammenhanges der Erscheinungen fort, so machen wir uns vergeblich Staat, das Dasein irgendeines Dinges erraten oder erforschen zu wollen. Einen mächtigen Einwurf aber wider diese Regeln, das Dasein mittelbar zu beweisen, macht der Idealismus, dessen Widerlegung hier an der rechten Stelle, ist.
Widerlegung des Idealismus
Der Idealismus (ich verstehe den materialen) ist die Theorie, welche das Dasein der Gegenstände im Raum außer uns entweder bloß für zweifelhaft und unerweislich, oder für falsch und unmöglich erklärt; der erstere ist der problematische des Cartesius, der nur Eine empirische Behauptung (assertio), nämlich: Ich bin, für ungezweifelt erklärt; der zweite ist der dogmatische des Berkeley, der den Raum, mit allen den Dingen, welchen er als unabtrennliche Bedingung anhängt, für etwas, was an sich selbst unmöglich sei, und darum auch die Dinge im Raum für bloße Einbildungen erklärt. Der dogmatische Idealismus ist unvermeidlich, wenn man den Raum als Eigenschaft, die den Dingen an sich selbst zukommen soll, ansieht; denn da ist er mit allem, dem er zur Bedingung dient, ein Unding. Der Grund zu diesem Idealismus aber ist von uns in der transzendentalen Ästhetik gehoben. Der problematische, der nichts hierüber behauptet, sondern nur
B 275 das Unvermögen, ein Dasein außer dem unserigen durch unmittelbare Erfahrung zu beweisen, vorgibt, ist vernünftig und einer gründlichen philosophischen Denkungsart gemäß; nämlich, bevor ein hinreichender Beweis gefunden worden, kein entscheidendes Urteil zu erlauben. Der verlangte Beweis muß also dartun, daß wir von äußeren Dingen auch Erfahrung und nicht bloß Einbildung haben; welches wohl nicht anders wird geschehen können, als wenn man beweisen kann, daß selbst unsere innere, dem Cartesius unbezweifelte, Erfahrung nur unter Voraussetzung äußerer Erfahrung möglich sei.
Lehrsatz
Das bloße, aber empirisch bestimmte, Bewußtsein meines eigenen Daseins beweist das Dasein der Gegenstände im Raum außer mir.
Beweis
Ich bin mir meines Daseins als in der Zeit bestimmt bewußt. Alle Zeitbestimmung setzt etwas Beharrliches in der Wahrnehmung voraus. Dieses Beharrliche aber kann nicht etwas in mir sein, weil eben mein Dasein in der Zeit durch dieses Beharrliche allererst bestimmt werden kann 1). Also ist die Wahrnehmung dieses Beharrlichen nur durch ein Ding außer mir und nicht durch die bloße Vorstellung eines Dinges außer mir möglich. Folglich ist die Bestimmung meines Daseins in der Zeit nur durch die Existenz wirklicher Dinge, die ich
B 276 außer mir wahrnehme, möglich. Nun ist das Bewußtsein in der Zeit mit dem Bewußtsein der Möglichkeit dieser Zeitbestimmung notwendig verbunden: Also ist es auch mit der Existenz der Dinge außer mir, als Bedingung der Zeitbestimmung, notwendig verbunden; d.i. das Bewußtsein meines eigenen Daseins ist zugleich ein unmittelbares Bewußtsein des Daseins anderer Dinge außer mir.
1 Der Satz ist nach Kants Vorrede zu dieser zweiten Ausgabe folgendermaßen umzuändern: "Dieses Beharrliche aber kann nicht eine Anschauung in mir sein. Denn alle Bestimmungsgründe meines Daseins, die in mir angetroffen werden können, sind Vorstellungen, und bedürfen als solche, selbst ein von ihnen unterschiedenes Beharrliches, worauf in Beziehung der Wechsel derselben, mithin mein Dasein in der Zeit, darin sie wechseln, bestimmt werden können".
Anmerkung 1. Man wird in dem vorhergehenden Beweise gewahr, daß das Spiel, welches der Idealismus trieb, ihm mit mehrerem Rechte umgekehrt vergolten wird. Dieser nahm an, daß die einzige unmittelbare Erfahrung die innere sei, und daraus auf äußere Dinge nur geschlossen werde, aber, wie allemal, wenn man aus gegebenen Wirkungen auf bestimmte Ursachen schließt, nur unzuverlässig, weil auch in uns selbst die Ursache der Vorstellungen liegen kann, die wir äußeren Dingen, vielleicht fälschlich, zuschreiben. Allein hier wird bewiesen, daß äußere Erfahrung eigentlich unmittelbar sei,* daß
B 277 nur vermittelst ihrer, zwar nicht das Bewußtsein unserer eigenen Existenz, aber doch die Bestimmung derselben in der Zeit, d.i. innere Erfahrung, möglich sei. Freilich ist die Vorstellung: ich bin, die das Bewußtsein ausdrückt, welches alles Denken begleiten kann, das, was unmittelbar die Existenz eines Subjekts in sich schließt, aber noch keine Erkenntnis desselben, mithin auch nicht empirische, d.i. Erfahrung; denn dazu gehört, außer dem Gedanken von etwas Existierendem, noch Anschauung und hier innere, in Ansehung deren, d.i. der Zeit, das Subjekt bestimmt werden muß, wozu durchaus äußere Gegenstände erforderlich sind, so, daß folglich innere Erfahrung selbst nur mittelbar und nur durch äußere möglich ist.
* Das unmittelbare Bewußtsein des Daseins äußerer Dinge wird in dem vorstehenden Lehrsatze nicht vorausgesetzt, sondern bewiesen, die Möglichkeit dieses Bewußtseins mögen wir einsehen, oder nicht. Die Frage wegen der letzteren würde sein: ob wir nur einen inneren Sinn, aber keinen äußeren, sondern bloß äußere Einbildung hätten. Es ist aber klar, daß, um uns auch nur etwas als äußerlich einzubilden, d.i. dem Sinne in der Anschauung darzustellen, wir schon einen äußeren Sinn haben, und dadurch die bloße Rezeptivität einer äußeren Anschauung von der Spontaneität, die jede Einbildung charakterisiert, unmittelbar unterscheiden müssen. Denn sich auch einen äußeren Sinn bloß einzubilden, würde das Anschauungsvermögen, welches durch die Einbildungskraft bestimmt werden soll, selbst vernichten.
Anmerkung 2. Hiermit stimmt nun aller Erfahrungsgebrauch unseres Erkenntnisvermögens in Bestimmung der Zeit vollkommen überein. Nicht allein, daß wir alle Zeitbestimmung nur durch den Wechsel in äußeren Verhältnissen (die Bewegung) in Beziehung auf das Beharrliche im Raume (z.B. Sonnenbewegung in
B 278 Ansehung der Gegenstände. der Erde,) vornehmen können, so haben wir so gar nichts Beharrliches, was wir dem Begriffe einer Substanz, als Anschauung, unterlegen könnten, als bloß die Materie und selbst diese Beharrlichkeit wird nicht aus äußerer Erfahrung geschöpft, sondern a priori als notwendige Bedingung aller Zeitbestimmung, mithin auch als Bestimmung des inneren Sinnes in Ansehung unseres eigenen Daseins durch die Existenz äußerer Dinge vorausgesetzt. Das Bewußtsein meiner selbst in der Vorstellung Ich ist gar keine Anschauung, sondern eine bloß intellektuelle Vorstellung der Selbsttätigkeit eines denkenden Subjekts. Daher hat dieses Ich auch nicht das mindeste Prädikat der Anschauung, welches, als beharrlich, der Zeitbestimmung im inneren Sinne zum Korrelat dienen könnte: wie etwa Undurchdringlichkeit an der Materie, als empirischer Anschauung, ist.
Anmerkung 3. Daraus, daß die Existenz äußerer Gegenstände zur Möglichkeit eines bestimmten Bewußtseins unserer selbst erfordert wird, folgt nicht, daß jede anschauliche Vorstellung äußerer Dinge zugleich die Existenz derselben einschließe, denn jene kann gar wohl die bloße Wirkung der Einbildungskraft (in Träumen sowohl als im Wahnsinn) sein; sie ist es aber bloß durch die Reproduktion ehemaliger äußerer Wahrnehmungen, welche, wie gezeigt worden, nur durch die Wirklichkeit äußerer Gegenstände möglich sind. Es hat hier, nur, bewiesen werden sollen, daß innere Erfahrung überhaupt nur
B 279 durch äußere Erfahrung überhaupt möglich sei. Ob diese oder jene vermeinte Erfahrung nicht bloße Einbildung sei, muß nach den besonderen Bestimmungen derselben und durch Zusammenhaltung mit den Kriterien aller wirklichen Erfahrung, ausgemittelt werden.
* * *
Was endlich das dritte Postulat betrifft, so geht es auf die materiale Notwendigkeit im Dasein, und nicht die bloß formale und logische in Verknüpfung der Begriffe. Da nun keine Existenz der Gegenstände der Sinne völlig a priori erkannt werden kann, aber doch komparative a priori relativisch auf ein anderes schon gegebenes Dasein, gleichwohl aber auch alsdann nur auf diejenige Existenz kommen kann, die irgendwo in dem Zusammenhange der Erfahrung, davon die gegebene Wahrnehmung ein Teil ist, enthalten sein muß: so kann die Notwendigkeit der Existenz, niemals aus Begriffen, sondern jederzeit nur aus der Verknüpfung mit demjenigen, was wahrgenommen wird, nach allgemeinen Gesetzen der Erfahrung erkannt werden können. Da ist nun kein Dasein, was unter der Bedingung anderer gegebener Erscheinungen, als notwendig erkannt werden könnte, als das Dasein der Wirkungen aus gegebenen Ursachen nach Gesetzen der Kausalität. Also ist es nicht das Dasein der Dinge (Substanzen), sondern ihres Zustandes, wovon wir allein die Notwendigkeit erkennen können, und
B 280 zwar aus anderen Zuständen, die in der Wahrnehmung gegeben sind, nach empirischen Gesetzen der Kausalität. Hieraus folgt: daß das Kriterium der Notwendigkeit lediglich in dem Gesetze der möglichen Erfahrung liege: daß alles, was geschieht, durch ihre Ursache in der Erscheinung a priori bestimmt sei. Daher erkennen wir nur die Notwendigkeit der Wirkungen in der Natur, deren Ursachen uns gegeben sind, und das Merkmal der Notwendigkeit im Dasein reicht nicht weiter, als das Feld möglicher Erfahrung, und selbst in diesem gilt es nicht von der Existenz der Dinge, als Substanzen, weil diese niemals, als empirische Wirkungen, oder etwas, das geschieht und entsteht, können angesehen werden. Die Notwendigkeit betrifft also nur die Verhältnisse der Erscheinungen nach dem dynamischen Gesetze der Kausalität, und die darauf sich gründende Möglichkeit, aus irgendeinem gegebenen Dasein (einer Ursache) a priori auf ein anderes Dasein (der Wirkung) zu schließen. Alles, was geschieht, ist hypothetisch notwendig; das ist ein Grundsatz, welcher die Veränderung in der Welt einem Gesetze unterwirft, d.i. einer Regel des notwendigen Daseins, ohne welche gar nicht einmal Natur stattfinden würde. Daher ist der Satz: nichts geschieht durch ein blindes Ohngefähr (in mundo non datur casus) ein Naturgesetz a priori; imgleichen: keine Notwendigkeit in der Natur ist blinde, sondern bedingte, mithin verständliche Notwendigkeit (non datur fatum). Beide sind solche
B 281 Gesetze, durch welche das Spiel der Veränderungen einer Natur der Dinge (als Erscheinungen) unterworfen wird, oder, welches einerlei ist, der Einheit des Verstandes, in welchem sie allein zu einer Erfahrung, als der synthetischen Einheit der Erscheinungen, gehören können. Diese beiden Grundsätze gehören zu den dynamischen. Der erstere ist eigentlich eine Folge des Grundsatzes von der Kausalität (unter den Analogien der Erfahrung). Der zweite gehört zu den Grundsätzen der Modalität, welche zu der Kausalbestimmung noch den Begriff der Notwendigkeit, die aber unter einer Regel des Verstandes steht, hinzutut. Das Prinzip der Kontinuität verbot in der Reihe der Erscheinungen (Veränderungen) allen Absprung (in mundo non datur saltus), aber auch in dem Inbegriff aller empirischen Anschauungen im Raume alle Lücke oder Kluft zwischen zwei Erscheinungen (non datur hiatus); denn so kann man den Satz ausdrücken: das in die Erfahrung nichts hineinkommen kann, was ein Vakuum bewiese, oder auch nur als einen Teil der empirischen Synthesis zuließe. Denn was das Leere betrifft, welches man sich außerhalb dem Felde möglicher Erfahrung (der Welt) denken mag, so gehört dieses nicht vor die Gerichtsbarkeit des bloßen Verstandes, welcher nur über die Fragen entscheidet, die die Nutzung gegebener Erscheinungen zur empirischen Erkenntnis betreffen, und ist eine Aufgabe für die idealische Vernunft, die noch über die Sphäre einer möglichen Erfahrung hinausgeht,
B 282 und von dem urteilen will, was diese selbst umgibt und begrenzt, muß daher in der transszendentalen Dialektik erwogen werden. Diese vier Sätze (in mundo non datur hiatus, non datur saltus, non datur casus, non datur fatum) könnten wir leicht, so wie alle Grundsätze transzendentalen Ursprungs, nach ihrer Ordnung, gemäß der Ordnung der Kategorien vorstellig machen, und jedem seine Stelle beweisen, allein der schon geübte Leser wird dieses von selbst tun, oder den Leitfaden dazu leicht entdecken. Sie vereinigen sich aber alle lediglich dahin, um in der empirischen Synthesis nichts zuzulassen, was dem Verstande und dem kontinuierlichen Zusammenhange aller Erscheinungen, d.i. der Einheit seiner Begriffe, Abbruch oder Eintrag tun könnte. Denn er ist es allein, worin die Einheit der Erfahrung, in der alle Wahrnehmungen ihre Stelle haben müssen, möglich wird.
Ob das Feld der Möglichkeit größer sei, als das Feld, was alles Wirkliche enthält, dieses aber wiederum größer, als die Menge desjenigen, was notwendig ist, das sind artige Fragen, und zwar von synthetischer Auflösung, die aber auch nur der Gerichtsbarkeit der Vernunft anheimfallen; denn sie wollen ungefähr soviel sagen, als, ob alle Dinge, als Erscheinungen, insgesamt in den Inbegriff und den Kontext einer einzigen Erfahrung gehören, von der jede gegebene Wahrnehmung ein Teil ist, der also mit keinen anderen Erscheinungen
B 283 könne verbunden werden, oder ob meine Wahrnehmungen zu mehr als einer möglichen Erfahrung (in ihrem allgemeinen Zusammenhange) gehören können. Der Verstand gibt a priori der Erfahrung überhaupt nur die Regel, nach den subjektiven und formalen Bedingungen, sowohl der Sinnlichkeit als der Apperzeption, welche sie allein möglich machen. Andere Formen der Anschauung, (als Raum und Zeit,) imgleichen andere Formen des Verstandes, (als die diskursive des Denkens, oder der Erkenntnis durch Begriffe,) ob sie gleich möglich wären, können wir uns doch auf keinerlei Weise erdenken und faßlich machen, aber, wenn wir es auch könnten, so würden sie doch nicht zur Erfahrung, als dem einzigen Erkenntnis gehören, worin uns Gegenstände gegeben werden. Ob andere Wahrnehmungen, als überhaupt, zu unserer gesamten möglichen Erfahrung gehören, und also ein ganz anderes Feld der Materie noch stattfinden könne, kann der Verstand nicht entscheiden, er hat es nur mit der Synthesis dessen zu tun, was gegeben ist. Sonst ist die Armseligkeit unserer gewöhnlichen Schlüsse, wodurch wir ein großes Reich der Möglichkeit herausbringen, davon alles Wirkliche (aller Gegenstand der Erfahrung) nur ein kleiner Teil sei, sehr in die Augen fallend. Alles Wirkliche ist möglich; hieraus folgt natürlicherweise, nach den logischen Regeln der Umkehrung, der bloß partikulare Satz: einiges Mögliche ist wirklich, welches denn soviel zu bedeuten
B 284 scheint, als: es ist vieles möglich, was nicht wirklich ist. Zwar hat es den Anschein, als könne man auch geradezu die Zahl des Möglichen über die des Wirklichen dadurch hinaussetzen, weil zu jener noch etwas hinzukommen muß, um diese auszumachen. Allein dieses Hinzukommen zum Möglichen kenne ich nicht. Denn was über dasselbe noch zugesetzt werden sollte, wäre unmöglich. Es kann nur zu meinem Verstande etwas über die Zusammenstimmung mit den formalen Bedingungen der Erfahrung, nämlich die Verknüpfung mit irgendeiner Wahrnehmung, hinzukommen; was aber mit dieser nach empirischen Gesetzen verknüpft ist, ist wirklich, ob es gleich unmittelbar nicht wahrgenommen wird. Daß aber im durchgängigen Zusammenhange mit dem, was mir in der Wahrnehmung gegeben ist, eine andere Reihe von Erscheinungen, mithin mehr als eine einzige alles befassende Erfahrung möglich sei, läßt sich aus dem, was gegeben ist, nicht schließen, und, ohne daß irgend etwas gegeben ist, noch viel weniger; weil ohne Stoff sich überall nichts denken läßt. Was unter Bedingungen, die selbst bloß möglich sind, allein möglich ist, ist es nicht in aller Absicht. In dieser aber wird die Frage genommen, wenn man wissen will, ob die Möglichkeit der Dinge sich weiter erstrecke, als Erfahrung reichen kann.
Ich habe dieser Fragen nur Erwähnung getan, um keine Lücke in demjenigen zu lassen, was, der
B 285 gemeinen Meinung nach, zu den Verstandesbegriffen gehört. In der Tat ist aber die absolute Möglichkeit (die in aller Absicht gültig ist) kein bloßer Verstandesbegriff, und kann auf keinerlei Weise von empirischem Gebrauche sein, sondern er gehört allein der Vernunft zu, die über allen möglichen empirischen Verstandesgebrauch hinausgeht. Daher haben wir uns hierbei mit einer bloß kritischen Anmerkung begnügen müssen, übrigens aber die Sache bis zum weiteren künftigen Verfahren in der Dunkelheit gelassen.
Da ich eben diese vierte Nummer, und mit ihr zugleich das System aller Grundsätze des reinen Verstandes schließen will, so muß ich noch Grund angeben, warum ich die Prinzipien der Modalität gerade Postulate genannt habe. Ich will diesen Ausdruck hier nicht in der Bedeutung nehmen, welche ihm einige neuere philosophische Verfasser, wider den Sinn der Mathematiker, denen er doch eigentlich angehört, gegeben haben, nämlich: daß Postulieren so viel heißen solle, als einen Satz für unmittelbar gewiß, ohne Rechtfertigung, oder Beweis ausgeben; denn, wenn wir das bei synthetischen Sätzen, so evident sie auch sein mögen, einräumen sollten, daß man sie ohne Deduktion, auf das Ansehen ihres eigenen Ausspruchs, dem unbedingten Beifalle aufheften dürfe, so ist alle Kritik des Verstandes verloren, und, da es an dreisten Anmaßungen nicht fehlt, deren sich auch der gemeine Glaube, (der aber kein
B 286 Kreditiv ist) nicht weigert; so wird unser Verstand jedem Wahne offen stehen, ohne daß er seinen Beifall denen Aussprüchen versagen kann, die, obgleich unrechtmäßig, doch in eben demselben Tone der Zuversicht, als wirkliche Axiome eingelassen zu werden verlangen. Wenn also zu dem Begriffe eines Dinges eine Bestimmung a priori synthetisch hinzukommt, so muß von einem solchen Satze, wo nicht ein Beweis, doch wenigstens eine Deduktion der Rechtmäßigkeit seiner Behauptung unnachläßlich hinzugefügt werden.
Die Grundsätze der Modalität sind aber nicht objektiv synthetisch, weil die Prädikate der Möglichkeit, Wirklichkeit und Notwendigkeit den Begriff, von dem sie gesagt werden, nicht im mindesten vermehren, dadurch daß sie der Vorstellung des Gegenstandes noch etwas hinzusetzten. Da sie aber gleichwohl doch immer synthetisch sind, so sind sie es nur subjektiv, d.i. sie fügen zu dem Begriffe eines Dinges, (Realen,) von dem sie sonst nichts sagen, die Erkenntniskraft hinzu, worin er entspringt und seinen Sitz hat, so, daß, wenn er bloß im Verstande mit den formalen Bedingungen der Erfahrung in Verknüpfung ist, sein Gegenstand möglich heißt; ist er mit der Wahrnehmung (Empfindung, als Materie der Sinne) im Zusammenhange, und durch dieselben vermittelst des Verstandes bestimmt, so ist das Objekt wirklich; ist er durch den Zusammenhang der Wahrnehmungen nach Begriffen bestimmt, so heißt der
B 287 Gegenstand notwendig. Die Grundsätze der Modalität also sagen von einem Begriffe nichts anderes, als die Handlung des Erkenntnisvermögens, dadurch er erzeugt wird. Nun heißt ein Postulat in der Mathematik der praktische Satz, der nichts als die Synthesis enthält, wodurch wir einen Gegenstand uns zuerst geben, und dessen Begriff erzeugen, z.B. mit einer gegebenen Linie, aus einem gegebenen Punkt auf einer Ebene einen Zirkel zu beschreiben, und ein dergleichen Satz kann darum nicht bewiesen werden, weil das Verfahren, was er fordert, gerade das ist, wodurch wir den Begriff von einer solchen Figur zuerst erzeugen. So können wir demnach mit ebendemselben Rechte die Grundsätze der Modalität postulieren, weil sie ihren Begriff von Dingen überhaupt nicht vermehren*, sondern nur die Art anzeigen, wie er überhaupt mit der Erkenntniskraft verbunden wird.
* Durch die Wirklichkeit eines Dinges, setze ich freilich mehr, als die Möglichkeit, aber nicht in dem Dinge; denn das kann niemals mehr in der Wirklichkeit enthalten, als was in dessen vollständiger Möglichkeit enthalten war. Sondern da die Möglichkeit bloß eine Position des Dinges in Beziehung auf den Verstand (dessen empirischen Gebrauch) war, so ist die Wirklichkeit zugleich eine Verknüpfung desselben mit der Wahrnehmung.
B 288 Allgemeine Anmerkung zum System der Grundsätze
Es ist etwas sehr Bemerkungswürdiges, daß wir die Möglichkeit keines Dinges nach der bloßen Kategorie einsehen können, sondern immer eine Anschauung bei der Hand haben müssen, um an derselben die objektive Realität des reinen Verstandesbegriffs darzulegen. Man nehme z.B. die Kategorien der Relation. Wie 1) etwas nur als Subjekt, nicht als bloße Bestimmung anderer Dinge existieren, d.i. Substanz sein könne, oder wie 2) darum, weil etwas ist, etwas anderes sein müsse, mithin wie, etwas überhaupt Ursache sein könne, oder 3) wie, wenn mehrere Dinge da sind, daraus, daß eines derselben da ist, etwas auf die übrigen und so wechselseitig folge, und auf diese Art eine Gemeinschaft von Substanzen statthaben könne, läßt sich gar nicht aus bloßen Begriffen einsehen. Eben dieses gilt auch von den übrigen Kategorien, z.B. wie ein Ding mit vielen zusammen einerlei, d.i. eine Größe sein könne usw. Solange es also an Anschauung fehlt, weiß man nicht, ob man durch die Kategorien ein Objekt denkt, und ob ihnen auch überall gar irgend ein Objekt zukommen könne, und so bestätigt sich, daß sie für sich gar keine Erkenntnisse, sondern bloße Gedankenformen sind, um aus gegebenen Anschauungen Erkenntnisse zu machen. -
B 289 Eben daher kommt es auch, daß aus bloßen Kategorien kein synthetischer Satz gemacht werden kann. Z.B. in allem Dasein ist Substanz, d.i. etwas, was nur als Subjekt und nicht als bloßes Prädikat existieren kann; oder, ein jedes Ding ist ein Quantum usw., wo gar nichts ist, was uns dienen könnte, über einen gegebenen Begriff hinauszugehen und einen anderen damit zu verknüpfen. Daher es auch niemals gelungen ist, aus bloßen reinen Verstandesbegriffen einen synthetischen Satz zu beweisen, z.B. den Satz: alles zufällig Existierende hat eine Ursache. Man konnte niemals weiter kommen, als zu beweisen, daß, ohne diese Beziehung, wir die Existenz des Zufälligen gar nicht begreifen, d.i. a priori durch den Verstand die Existenz eines solchen Dinges nicht erkennen könnten; woraus aber nicht folgt, daß eben dieselbe auch die Bedingung der Möglichkeit der Sachen selbst sei. Wenn man daher nach unserem Beweise des Grundsatzes der Kausalität zurück sehen will, so wird man gewahr werden, daß wir denselben nur von Objekten möglicher Erfahrung beweisen konnten: alles was geschieht (eine jede Begebenheit) setzt eine Ursache voraus, und zwar so, daß wir ihn auch nur als Prinzip der Möglichkeit der Erfahrung, mithin der Erkenntnis eines in der empirischen Anschauung gegebenen Objekts, und nicht aus bloßen Begriffen beweisen konnten. Daß gleichwohl der Satz: alles Zufällige müsse eine Ursache haben, doch jedermann aus bloßen
B 290 Begriffen klar einleuchte, ist nicht zu leugnen; aber alsdann ist der Begriff des Zufälligen schon so gefaßt, daß er nicht die Kategorie der Modalität (als etwas, dessen Nichtsein sich denken läßt), sondern die der Relation (als etwas, das nur als Folge von einem anderen existieren kann) enthält, und da ist es freilich ein identischer Satz: was nur als Folge existieren kann, hat seine Ursache. In der Tat, wenn wir Beispiele vom zufälligen Dasein geben sollen, berufen wir uns immer auf Veränderungen und nicht bloß auf die Möglichkeit des Gedankens vom Gegenteil*. Veränderung aber ist Begebenheit, die,
B 291 als solche, nur durch eine Ursache möglich, deren Nichtsein also für sich möglich ist, und so erkennt man die Zufälligkeit daraus, daß etwas nur als Wirkung einer Ursache existieren kann; wird daher ein Ding als zufällig angenommen, so ist's ein analytischer Satz, zu sagen, es habe eine Ursache.
* Man kann sich das Nichtsein der Materie leicht denken, aber die Alten folgerten daraus doch nicht ihre Zufälligkeit. Allein selbst der Wechsel des Seins und Nichtseins eines gegebenen Zustandes eines Dinges, darin alle Veränderung besteht, beweist gar nicht die Zufälligkeit dieses Zustandes, gleichsam aus der Wirklichkeit seines Gegenteils, z.B. die Ruhe eines Körpers, welche auf die Bewegung folgt, noch nicht die Zufälligkeit der Bewegung desselben, daraus, weil die erstere das Gegenteil der letzteren ist. Denn dieses Gegenteil ist hier nur logisch, nicht realiter dem anderen entgegengesetzt. Man müßte beweisen, daß, anstatt der Bewegung im vorhergehenden Zeitpunkte, es möglich gewesen, daß der Körper damals geruht hatte, um die Zufälligkeit seiner Bewegung zu beweisen, nicht daß er hernach ruhe; denn da können beide Gegenteile gar wohl miteinander bestehen.
Noch merkwürdiger aber ist, daß wir, um die Möglichkeit der Dinge, zufolge der Kategorien, zu verstehen, und also die objektive Realität der letzteren darzutun, nicht bloß Anschauungen, sondern sogar immer äußere Anschauungen bedürfen. Wenn wir z.B. die reinen Begriffe der Relation nehmen, so finden wir, daß 1) um dem Begriffe der Substanz korrespondierend etwas Beharrliches in der Anschauung zu geben, (und dadurch die objektive Realität dieses Begriffs darzutun) wir eine Anschauung im Raume (der Materie) bedürfen, weil der Raum allein beharrlich bestimmt, die Zeit aber, mithin alles, was im inneren Sinne ist, beständig fließt. Um Veränderung, als die dem Begriffe der Kausalität korrespondierende Anschauung, darzustellen, müssen wir Bewegung, als Veränderung im Raume, zum Beispiele nehmen, ja sogar dadurch allein können wir uns Veränderungen, deren Möglichkeit kein reiner Verstand begreifen kann, anschaulich machen. Veränderung ist Verbindung kontradiktorisch einander entgegengesetzter Bestimmungen im Dasein eines und desselben Dinges. Wie es nun möglich sei, daß aus einem gegebenen
B 292 Zustande, ein ihm entgegengesetzter desselben Dinges folge, kann nicht allein keine Vernunft sich ohne Beispiel begreiflich, sondern nicht einmal ohne Anschauung verständlich machen, und diese Anschauung ist die der Bewegung eines Punktes im Raume, dessen Dasein in verschiedenen Ortern (als eine Folge entgegengesetzter Bestimmungen) zuerst uns allein Veränderung anschaulich macht; denn, um uns nachher selbst innere Veränderungen denkbar zu machen, müssen wir die Zeit, als die Form des inneren Sinnes, figürlich durch eine Linie, und die innere Veränderung durch das Ziehen dieses Linie (Bewegung), mithin die sukzessive Existenz unser selbst in verschiedenem Zustande durch äußere Anschauung uns faßlich machen, wovon der eigentliche Grund dieser ist, daß alle Veränderung etwas Beharrliches in der Anschauung voraussetzt, um auch selbst nur als Veränderung wahrgenommen zu werden, im inneren Sinne aber gar keine beharrliche Anschauung angetroffen wird. - Endlich ist die Kategorie der Gemeinschaft, ihrer Möglichkeit nach, gar nicht durch die bloße Vernunft zu begreifen, und also die objektive Realität dieses Begriffs ohne Anschauung, und zwar äußere im Raum, nicht einzusehen möglich. Denn wie will man sich die Möglichkeit denken, daß, wenn mehrere Substanzen existieren, aus der Existenz der einen auf die Existenz der anderen wechselseitig etwas (als Wirkung) folgen könne, und also, weil in der ersteren etwas ist, darum auch in den
B 293 anderen etwas sein müsse, was aus der Existenz der letzteren allein nicht verstanden werden kann? Denn dieses wird zur Gemeinschaft erfordert, ist aber unter Dingen, die sich ein jedes durch seine Subsistenz völlig isolieren, gar nicht begreiflich. Daher Leibniz, indem er den Substanzen der Welt, nur, wie sie der Verstand allein denkt, eine Gemeinschaft beilegte, eine Gottheit zur Vermittlung brauchte; denn aus ihrem Dasein allein schien sie ihm mit Recht unbegreiflich. Wir können aber die Möglichkeit der Gemeinschaft (der Substanzen als Erscheinungen) uns gar wohl faßlich machen, wenn wir sie uns im Raume, also in der äußeren Anschauung vorstellen. Denn dieser enthält schon a priori formale äußere Verhältnisse als Bedingungen der Möglichkeit der realen (in Wirkung und Gegenwirkung, mithin der Gemeinschaft) in sich. - Ebenso kann leicht dargetan werden, daß die Möglichkeit der Dinge als Größen, und also die objektive Realität der Kategorie der Größe, auch nur in der äußeren Anschauung könne dargelegt, und vermittelst ihrer allein hernach auch auf den inneren Sinn angewandt werden. Allein ich muß, um Weitläufigkeit zu vermeiden, die Beispiele davon dem Nachdenken dem Lesers überlassen.
Diese ganze Bemerkung ist von großer Wichtigkeit, nicht allein um unsere vorhergehende Widerlegung des Idealismus zu bestätigen, sondern vielmehr noch, um, wenn vom Selbsterkenntnisse aus dem bloßen inneren
B 294 Bewußtsein und der Bestimmung unserer Natur ohne Beihilfe äußerer empirischer Anschauungen die Rede sein wird, uns die Schranken der Möglichkeit einer solchen Erkenntnis anzuzeigen.
Die letzte Folgerung aus diesem ganzen Abschnitte ist also: alle Grundsätze des reinen Verstandes sind nichts weiter als Prinzipien a priori der Möglichkeit der Erfahrung, und auf die letztere allein beziehen sich auch alle synthetischen Sätze a priori, ja ihre Möglichkeit beruht selbst gänzlich auf dieser Beziehung.
Der transzendentalen Doktrin der Urteilskraft (Analytik der Grundsätze) Drittes Hauptstück
Von dem Grunde der Unterscheidung aller Gegenstände überhaupt in Phaenomena und Noumena
Wir haben jetzt das Land des reinen Verstandes nicht allein durchreist, und jeden Teil davon sorgfältig in Augenschein genommen, sondern es auch durchmessen, und jedem Dinge auf demselben seine Stelle bestimmt. Dieses Land aber ist eine Insel, und durch die Natur selbst in unveränderliche Grenzen eingeschlossen. Es ist das Land der Wahrheit (ein reizender Name),
B 295 umgeben von einem weiten und stürmischen Ozeane, dem eigentlichen Sitze des Scheins, wo manche Nebelbank, und manches bald wegschmelzende Eis neue Länder lügt, und indem es den auf Entdeckungen herumschwärmenden Seefahrer unaufhörlich mit leeren Hoffnungen täuscht, ihn in Abenteuer verflechtet, von denen er niemals ablassen und sie doch auch niemals zu Ende bringen kann. Ehe wir uns aber auf dieses Meer wagen, um es nach allen Breiten zu durchsuchen, und gewiß zu werden, ob etwas in ihnen zu hoffen sei, so wird es nützlich sein, zuvor noch einen Blick auf die Karte des Landes zu werfen, das wir eben verlassen wollen, und erstlich zu fragen, ob wir mit dem, was es in sich enthält, nicht allenfalls zufrieden sein könnten, oder auch aus Not zufrieden sein müssen, wenn es sonst überall keinen Boden gibt, auf dem wir uns anbauen könnten; zweitens, unter welchem Titel wir denn selbst dieses Land besitzen, und uns wider alle feindseligen Ansprüche gesichert halten können. Obschon wir diese Fragen in dem Lauf der Analytik schon hinreichend beantwortet haben, so kann doch ein summarischer Überschlag ihrer Auflösungen die Überzeugung dadurch verstärken, daß er die Momente derselben in einem Punkt vereinigt.
Wir haben nämlich gesehen: daß alles, was der Verstand aus sich selbst schöpft, ohne es von der Erfahrung zu borgen, das habe er dennoch zu keinem anderen Behuf, als lediglich zum Erfahrungsgebrauch. Die
B 296 Grundsätze des reinen Verstandes, sie mögen nun a priori konstitutiv sein (wie die mathematischen), oder bloß regulativ (wie die dynamischen), enthalten nichts als gleichsam nur das reine Schema zur möglichen Erfahrung; denn diese hat ihre Einheit nur von der synthetischen Einheit, welche der Verstand der Synthesis der Einbildungskraft in Beziehung auf die Apperzeption ursprünglich und von selbst erteilt, und auf welche die Erscheinungen, als data zu einem möglichen Erkenntnisse, schon a priori in Beziehung und Einstimmung stehen müssen. Ob nun aber gleich diese Verstandesregeln nicht allein a priori wahr sind, sondern sogar der Quell aller Wahrheit, d.i. der Übereinstimmung unserer Erkenntnis mit Objekten, dadurch, daß sie den Grund der Möglichkeit der Erfahrung, als des Inbegriffes aller Erkenntnis, darin uns Objekte gegeben werden mögen, in sich enthalten, so scheint es uns doch nicht genug, sich bloß dasjenige vortragen zu lassen, was wahr ist, sondern, was man zu wissen begehrt. Wenn wir also durch diese kritische Untersuchung nichts Mehreres lernen, als was wir im bloß empirischen Gebrauche des Verstandes, auch ohne so subtile Nachforschung, von selbst wohl würden ausgeübt haben, so scheint es, sei der Vorteil, den man aus ihr zieht, den Aufwand und die Zurüstung nicht wert. Nun kann man zwar hierauf antworten: daß kein Vorwitz der Erweiterung unserer Erkenntnis nachteiliger sei, als der, so den Nutzen jederzeit zum
B 297 voraus wissen will, ehe man sich auf Nachforschungen einläßt, und ehe man noch sich den mindesten Begriff von diesem Nutzen machen könnte, wenn derselbe auch vor Augen gestellt würde. Allein es gibt doch einen Vorteil, der auch dem schwierigsten und unlustigsten Lehrlinge solcher transzendentalen Nachforschung begreiflich, und zugleich angelegen gemacht werden kann, nämlich dieser: daß der bloß mit seinem empirischen Gebrauche beschäftigte Verstand, der über die Quellen seiner eigenen Erkenntnis nicht nachsinnt, zwar sehr gut fortkommen, eines aber gar nicht leisten könne, nämlich, sich selbst die Grenzen seines Gebrauchs zu bestimmen, und zu wissen, was innerhalb oder außerhalb seiner ganzen Sphäre liegen mag; denn dazu werden eben die tiefen Untersuchungen erfordert, die wir angestellt haben. Kann er aber nicht unterscheiden, ob gewisse Fragen in seinem Horizonte liegen, oder nicht, so ist er niemals seiner Ansprüche und seines Besitzes sicher, sondern darf sich nur auf vielfältige beschämende Zurechtweisungen Rechnung machen, wenn er die Grenzen seines Gebiets (wie es unvermeidlich ist) unaufhörlich überschreitet, und sich in Wahn und Blendwerke verirrt.
Daß also der Verstand von allen seinen Grundsätzen a priori, ja von allen seinen Begriffen keinen anderen als empirischen, niemals aber einen transzendentalen Gebrauch machen könne, ist ein Satz, der, wenn er mit Überzeugung erkannt werden kann, in wichtige Folgen
B 298 hinaussieht. Der transzendentale Gebrauch eines Begriffs in irgendeinem Grundsatze ist dieser: daß er auf Dinge überhaupt und an sich selbst, der empirische aber, wenn er bloß auf Erscheinungen, d.i. Gegenstände einer möglichen Erfahrung, bezogen wird. Daß aber überall nur der letztere stattfinden könne, ersieht man daraus. Zu jedem Begriff wird erstlich die logische Form eines Begriffs (des Denkens) überhaupt, und dann zweitens auch die Möglichkeit, ihm einen Gegenstand zu geben, darauf er sich beziehe, erfordert. Ohne diesen letzteren hat er keinen Sinn, und ist völlig leer an Inhalt, ob er gleich noch immer die logische Funktion enthalten mag, aus etwaigen datis einen Begriff zu machen. Nun kann der Gegenstand einem Begriffe nicht anders gegeben werden, als in der Anschauung, und, wenn eine reine Anschauung noch vor dem Gegenstande a priori möglich ist, so kann doch auch diese selbst ihren Gegenstand, mithin die objektive Gültigkeit, nur durch die empirische Anschauung bekommen, wovon sie die bloße Form ist. Also beziehen sich alle Begriffe und mit ihnen alle Grundsätze, so sehr sie auch a priori möglich sein mögen, dennoch auf empirische Anschauungen, d.i. auf data zur möglichen Erfahrung. Ohne dieses haben sie gar keine objektive Gültigkeit, sondern sind ein bloßes Spiel, es sei der Einbildungskraft, oder des Verstandes, respektive mit ihren Vorstellungen. Man nehme nur die Begriffe der Mathematik zum
B 299 Beispiele, und zwar erstlich in ihren reinen Anschauungen. Der Raum hat drei Abmessungen, zwischen zwei Punkten kann nur eine gerade Linie sein, usw. Obgleich alle diese Grundsätze, und die Vorstellung des Gegenstandes, womit sich jene Wissenschaft beschäftigt, völlig a priori im Gemüt erzeugt werden, so würden sie doch gar nichts bedeuten, könnten wir nicht immer an Erscheinungen (empirischen Gegenständen) ihre Bedeutung darlegen. Daher erfordert man auch, einen abgesonderten Begriff sinnlich zu machen, d.i. das ihm korrespondierende Objekt in der Anschauung darzulegen, weil, ohne dieses, der Begriff (wie man sagt) ohne Sinn, d.i. ohne Bedeutung bleiben würde. Die Mathematik erfüllt diese Forderung durch die Konstruktion der Gestalt, welche eine den Sinnen gegenwärtige (obzwar a priori zustande gebrachte) Erscheinung ist. Der Begriff der Größe sucht in eben der Wissenschaft seine Haltung und Sinn in der Zahl, diese aber an den Fingern, den Korallen des Rechenbretts, oder den Strichen und Punkten, die vor Augen gestellt werden. Der Begriff bleibt immer a priori erzeugt, samt den synthetischen Grundsätzen oder Formeln aus solchen Begriffen; aber der Gebrauch derselben, und Beziehung auf angebliche Gegenstände kann am Ende doch nirgend, als in der Erfahrung gesucht werden, deren Möglichkeit (der Form nach) jene a priori enthalten.
B 300 Daß dieses aber auch der Fall mit allen Kategorien, und den daraus gesponnenen Grundsätzen sei, erhellt auch daraus: daß wir so gar keine einzige derselben real definieren, d.i. die Möglichkeit ihres Objekts verständlich machen können, ohne uns sofort zu Bedingungen der Sinnlichkeit, mithin der Form der Erscheinungen, herabzulassen, als auf welche, als ihre einzigen Gegenstände, sie folglich eingeschränkt sein müssen, weil, wenn man diese Bedingung wegnimmt, alle Bedeutung, d.i. Beziehung aufs Objekt, wegfällt, und man durch kein Beispiel sich selbst faßlich machen kann, was unter dergleichen Begriffe denn eigentlich für ein Ding gemeint sei.
Den Begriff der Größe überhaupt kann niemand erklären, als etwa so: daß sie die Bestimmung eines Dinges sei, dadurch, wie vielmal Eines in ihm gesetzt ist, gedacht werden kann. Allein dieses Wievielmal gründet sich auf die sukzessive Wiederholung, mithin auf die Zeit und die Synthesis (des Gleichartigen) in derselben. Realität kann man im Gegensatze mit der Negation nur alsdann erklären, wenn man sich eine Zeit (als den Inbegriff von allem Sein) gedenkt, die entweder womit erfüllt, oder leer ist. Lasse ich die Beharrlichkeit (welche ein Dasein zu aller Zeit ist) weg, so bleibt mir zum Begriffe der Substanz nichts übrig, als die logische Vorstellung vom Subjekt, welche ich dadurch zu realisieren vermeine, daß ich mir Etwas vorstelle, welches bloß als Subjekt (ohne wovon ein Prädikat zu sein) stattfinden
B 301 kann. Aber nicht allein, daß ich gar keine Bedingungen weiß, unter welchen denn dieser logische Vorzug irgendeinem Dinge eigen sein werde: so ist auch gar nichts weiter daraus zu machen, und nicht die mindeste Folgerung zu ziehen, weil dadurch gar kein Objekt des Gebrauchs dieses Begriffs bestimmt wird, und man also gar nicht weiß, ob dieser überall irgend etwas bedeute. Vom Begriffe der Ursache würde ich (wenn ich die Zeit weglasse, in der etwas auf etwas anderes nach einer Regel folgt,) in der reinen Kategorie nichts weiter finden, als daß es so etwas sei, woraus sich auf das Dasein eines anderen schließen läßt, und es würde dadurch nicht allein Ursache und Wirkung gar nicht voneinander unterschieden werden können, sondern weil dieses Schließenkönnen doch bald Bedingungen erfordert, von denen ich nichts weiß, so würde der Begriff gar keine Bestimmung haben, wie er auf irgendein Objekt passe. Der vermeinte Grundsatz: alles Zufällige hat eine Ursache, tritt zwar ziemlich gravitätisch auf, als habe er seine eigene Würde in sich selbst. Allein, frage ich: was versteht ihr unter Zufällig? und ihr antwortet, dessen Nichtsein möglich ist, so möchte ich gern wissen, woran ihr diese Möglichkeit des Nichtseins erkennen wollt, wenn ihr euch nicht in der Reihe der Erscheinungen eine Sukzession und in dieser ein Dasein, welches auf das Nichtsein folgt, (oder umgekehrt,) mithin einen Wechsel vorstellt; denn, daß das Nichtsein eines Dinges sich selbst nicht widerspreche, ist eine lahme
B 302 Berufung auf eine logische Bedingung, die zwar zum Begriffe notwendig, aber zur realen Möglichkeit bei weitem nicht hinreichend ist; wie ich denn eine jede existierende Substanz in Gedanken aufheben kann, ohne mir selbst zu widersprechen, daraus aber auf die objektive Zufälligkeit derselben in ihrem Dasein, d.i. die Möglichkeit seines Nichtseins an sich selbst, gar nicht schließen kann. Was den Begriff der Gemeinschaft betrifft, so ist leicht zu ermessen: daß, da die reinen Kategorien der Substanz sowohl, als Kausalität, keine das Objekt bestimmende Erklärung zulassen, die wechselseitige Kausalität in der Beziehung der Substanzen aufeinander (commercium) ebensowenig derselben fähig sei. Möglichkeit, Dasein und Notwendigkeit hat noch niemand anders als durch offenbare Tautologie erklären können, wenn man ihre Definition lediglich aus dem reinen Verstande schöpfen wollte. Denn das Blendwerk, die logische Möglichkeit des Begriffs (da er sich selbst nicht widerspricht) der transzendentalen Möglichkeit der Dinge (da dem Begriff ein Gegenstand korrespondiert) zu unterschieben, kann nur Unversuchte hintergehen und zufrieden stellen*.
* Mit einem Worte, alle diese Begriffe lassen sich durch nichts belegen, und dadurch ihre reale Möglichkeit dartun, wenn alle sinnliche Anschauung (die einzige, die wir haben), weggenommen wird, und es bleibt dann nur noch die logische Möglichkeit übrig, d.i. daß der Begriff (Gedanke) möglich sei, wovon aber nicht die Rede ist, sondern ob er sich auf ein Objekt beziehe, und also irgend was bedeute.
B 303 Hierzu fließt nun unwidersprechlich: daß die reinen Verstandesbegriffe niemals von transzendentalem, sondern jederzeit nur von empirischem Gebrauche sein können, und daß die Grundsätze des reinen Verstandes nur in Beziehung auf die allgemeinen Bedingungen einer möglichen Erfahrung, auf Gegenstände der Sinne, niemals aber auf Dinge überhaupt, (ohne Rücksicht auf die Art zu nehmen, wie wir sie anschauen mögen,) bezogen werden können.
Die transzendentale Analytik hat demnach dieses wichtige Resultat: daß der Verstand a priori niemals mehr leisten könne, als die Form einer möglichen Erfahrung überhaupt zu antizipieren, und, da dasjenige, was nicht Erscheinung ist, kein Gegenstand der Erfahrung sein kann, daß er die Schranken der Sinnlichkeit, innerhalb denen uns allein Gegenstände gegeben werden, niemals überschreiten könne. Seine Grundsätze sind bloß Prinzipien der Exposition der Erscheinungen, und der stolze Name einer Ontologie, welche sich anmaßt, von Dingen überhaupt synthetische Erkenntnisse a priori in einer systematischen Doktrin zu geben (z. E. den Grundsatz der Kausalität) muß dem bescheidenen, einer bloßen Analytik des reinen Verstandes, Platz machen.
B 304 Das Denken ist die Handlung, gegebene Anschauung auf einen Gegenstand zu beziehen. Ist die Art dieser Anschauung auf keinerlei Weise gegeben, so ist der Gegenstand bloß transzendental, und der Verstandesbegriff hat keinen anderen, als transzendentalen Gebrauch, nämlich die Einheit des Denkens eines Mannigfaltigen überhaupt. Durch eine reine Kategorie nun, in welcher von aller Bedingung der sinnlichen Anschauung, als der einzigen, die uns möglich ist, abstrahiert wird, wird also kein Objekt bestimmt, sondern nur das Denken eines Objekts überhaupt, nach verschiedenen modis, ausgedrückt. Nun gehört zum Gebrauche eines Begriffs noch eine Funktion der Urteilskraft, worauf ein Gegenstand unter ihm subsumiert wird, mithin die wenigstens formale Bedingung, unter der etwas in der Anschauung gegeben werden kann. Fehlt diese Bedingung der Urteilskraft, (Schema) so fällt alle Subsumtion weg; denn es wird nichts gegeben, was unter den Begriff subsumiert werden könne. Der bloß transzendentale Gebrauch also der Kategorien ist in der Tat gar kein Gebrauch, und hat keinen bestimmten, oder auch nur, der Form nach, bestimmbaren Gegenstand. Hieraus folgt, daß die reine Kategorie auch zu keinem synthetischen Grundsatze a priori zulange, und daß die Grundsätze des reinen Verstandes nur von empirischem, niemals aber von transzendentalem Gebrauche sind, über das Feld möglicher Erfahrung
B 305 hinaus aber es überall keine synthetischen Grundsätze a priori geben könne.
Es kann daher ratsam sein, sich also auszudrücken: die reinen Kategorien, ohne formale Bedingungen der Sinnlichkeit, haben bloß transzendentale Bedeutung, sind aber von keinem transzendentalen Gebrauch, weil dieser an sich selbst unmöglich ist, indem ihnen alle Bedingungen irgendeines Gebrauchs (in Urteilen) abgehen, nämlich die formalen Bedingungen der Subsumtion irgendeines angeblichen Gegenstandes unter diese Begriffe. Da sie also (als bloß reine Kategorien) nicht von empirischem Gebrauche sein sollen, und von transzendentalem nicht sein können, so sind sie von gar keinem Gebrauche, wenn man sie von aller Sinnlichkeit absondert, d.i. sie können auf gar keinen angeblichen Gegenstand angewandt werden; vielmehr sind sie bloß die reine Form des Verstandesgebrauchs in Ansehung der Gegenstände überhaupt und des Denkens, ohne doch durch sie allein irgendein Objekt denken oder bestimmen zu können.
Es liegt indessen hier eine schwer zu vermeidende Täuschung zum Grunde. Die Kategorien gründen sich ihrem Ursprunge nach nicht auf Sinnlichkeit, wie die Anschauungsformen, Raum und Zeit, scheinen also eine über alle Gegenstände der Sinne erweiterte Anwendung zu verstatten. Allein sie sind ihrerseits wiederum nichts als Gedankenformen, die bloß das logische Vermögen enthalten, das mannigfaltige in der Anschauung
B 306 Gegebene in ein Bewußtsein a priori zu vereinigen, und da können sie, wenn man ihnen die uns allein mögliche Anschauung wegnimmt, noch weniger Bedeutung haben, als jene reinen sinnlichen Formen, durch die doch wenigstens ein Objekt gegeben wird, anstatt daß eine unserem Verstande eigene Verbindungsart des Mannigfaltigen, wenn diejenige Anschauung, darin dieses allein gegeben werden kann, nicht hinzukommt, gar nachts bedeutet. - Gleichwohl liegt es doch schon in unserem Begriffe, wenn wir gewisse Gegenstände, als Erscheinungen, Sinnenwesen (Phänomena) nennen, indem wir die Art, wie wir sie anschauen, von ihrer Beschaffenheit an sich selbst unterscheiden, daß wir entweder eben dieselbe nach dieses letzteren Beschaffenheit, wenn wir sie gleich in derselben nicht anschauen, oder auch andere mögliche Dinge, die gar nicht Objekte unserer Sinne sind, als Gegenstände bloß durch den Verstand gedacht, jenen gleichsam gegenüberstellen, und sie Verstandeswesen (Noumena) nennen. Nun frägt sich: ob unsere reinen Verstandesbegriffe nicht in Ansehung dieser Letzteren Bedeutung haben, und eine Erkenntnisart derselben sein könnten?
Gleich anfangs aber zeigt sich hier eine Zweideutigkeit, welche großen Mißverstand veranlassen kann: daß, da der Verstand, wenn er einen Gegenstand in einer Beziehung bloß Phänomen nennt, er sich zugleich außer dieser Beziehung noch eine Vorstellung von einem Gegenstande an sich selbst macht, und sich daher vorstellt, er
B 307 könne sich auch von dergleichen Gegenstande Begriffe machen, und, da der Verstand keine anderen als die Kategorien liefert, der Gegenstand in der letzteren Bedeutung wenigstens durch diese reinen Verstandesbegriffe müsse gedacht werden können, dadurch aber verleitet wird, den ganz unbestimmten Begriff von einem Verstandeswesen, als einem Etwas überhaupt außer unserer Sinnlichkeit, für einen bestimmten Begriff von einem Wesen, welches wir durch den Verstand auf einige Art erkennen können, zu halten.
Wenn wir unter Noumenon ein Ding verstehen, so fern es nicht Objekt unserer sinnlichen Anschauung ist, indem wir von unserer Anschauungsart desselben abstrahieren; so ist dieses ein Noumenon im negativen Verstande. Verstehen wir aber darunter ein Objekt einer nichtsinnlichen Anschauung, so nehmen wir eine besondere Anschauungsart an, nämlich die intellektuelle, die aber nicht die unsrige ist, von welcher wir auch die Möglichkeit nicht einsehen können, und das wäre das Noumenon in positiver Bedeutung.
Die Lehre von der Sinnlichkeit ist nun zugleich die Lehre von den Noumenen im negativen Verstande, d.i. von Dingen, die der Verstand sich ohne diese Beziehung auf unsere Anschauungsart, mithin nicht bloß als Erscheinungen, sondern als Dinge an sich selbst denken muß, von denen er aber in dieser Absonderung zugleich begreift, daß er von seinen Kategorien in dieser Art sie
B 308 zu erwägen, keinen Gebrauch machen könne, weil diese nur in Beziehung auf die Einheit der Anschauungen in Raum und Zeit Bedeutung haben, sie eben diese Einheit auch nur wegen der bloßen Idealität des Raums und der Zeit durch allgemeine Verbindungsbegriffe a priori bestimmen können. Wo diese Zeiteinheit nicht angetroffen werden kann, mithin beim Noumenon, da hört der ganze Gebrauch, ja selbst alle Bedeutung der Kategorien völlig auf; denn selbst die Möglichkeit der Dinge, die den Kategorien entsprechen sollen, läßt sich gar nicht einsehen; weshalb ich mich nur auf das berufen darf, was ich in der allgemeinen Anmerkung zum vorigen Hauptstücke gleich zu Anfang anführte. Nun kann aber die Möglichkeit einer Dinges niemals bloß aus dem Nichtwidersprechen eines Begriffs desselben, sondern nur dadurch, daß man diesen durch eine ihm korrespondierende Anschauung belegt, bewiesen werden. Wenn wir also die Kategorien auf Gegenstände, die nicht als Erscheinungen betrachtet werden, anwenden wollten, so müßten wir eine andere Anschauung, als die sinnliche, zum Grunde legen, und alsdann wäre der Gegenstand ein Noumenon in positiver Bedeutung. Da nun eine solche, nämlich die intellektuelle Anschauung, schlechterdings außer unserem Erkenntnisvermögen liegt, so kann auch der Gebrauch der Kategorien keineswegs über die Grenze der Gegenstände der Erfahrung hinausreichen, und den Sinnenwesen korrespondieren zwar freilich Verstandeswesen,
B 309 auch mag es Verstandeswesen geben, auf welche unser sinnliches Anschauungsvermögen gar keine Beziehung hat, aber unsere Verstandesbegriffe, als bloße Gedankenformen für unsere sinnliche Anschauung, reichen nicht im mindesten auf diese hinaus; was also von uns Noumenon genannt wird, muß als ein solches nur in negativer Bedeutung verstanden werden.
Wenn ich alles Denken (durch Kategorien) aus einer empirischen Erkenntnis wegnehme, so bleibt gar keine Erkenntnis irgendeines Gegenstandes übrig; denn durch bloße Anschauung wird gar nichts gedacht, und, daß diese Affektion der Sinnlichkeit in mir ist, macht gar keine Beziehung von dergleichen Vorstellung auf irgend ein Objekt aus. Lasse ich aber hingegen alle Anschauung weg, so bleibt doch noch die Form des Denkens, d.i. die Art, dem Mannigfaltigen einer möglichen Anschauung einen Gegenstand zu bestimmen. Daher erstrecken sich die Kategorien sofern weiter, als die sinnliche Anschauung, weil sie Objekte überhaupt denken, ohne noch auf die besondere Art (der Sinnlichkeit) zu sehen, in der sie gegeben werden mögen. Sie bestimmen aber dadurch nicht eine größere Sphäre von Gegenständen, weil, daß solche gegeben werden können, man nicht annehmen kann, ohne daß man eine andere als sinnliche Art der Anschauung als möglich voraussetzt, wozu wir aber keineswegs berechtigt sind.
B 310 Ich nenne einen Begriff problematisch, der keinen Widerspruch enthält, der auch als eine Begrenzung gegebener Begriffe mit anderen Erkenntnissen zusammenhängt, dessen objektive Realität aber auf keine Weise erkannt werden kann. Der Begriff eines Noumenon, d.i. eines Dinges, welches gar nicht als Gegenstand der Sinne, sondern als ein Ding an sich selbst, (lediglich durch einen reinen Verstand) gedacht werden soll, ist gar nicht widersprechend; denn man kann von der Sinnlichkeit doch nicht behaupten, daß sie die einzige mögliche Art der Anschauung sei. Ferner ist dieser Begriff notwendig, um die sinnliche Anschauung nicht bis über die Dinge an sich selbst auszudehnen, und also, um die objektive Gültigkeit der sinnlichen Erkenntnis einzuschränken, (denn das übrige, worauf jene nicht reicht, heißen eben darum Noumena, damit man dadurch anzeige, jene Erkenntnisse können ihr Gebiet nicht über alles, was der Verstand denkt, erstrecken). Am Ende aber ist doch die Möglichkeit solcher Noumenorum gar nicht einzusehen, und der Umfang außer der Sphäre der Erscheinungen ist (für uns) leer, d.i. wir haben einen Verstand, der sich problematisch weiter erstreckt, als jene, aber keine Anschauung, ja auch nicht einmal den Begriff von einer möglichen Anschauung, wodurch uns außer dem Felde der Sinnlichkeit Gegenstände gegeben, und der Verstand über dieselbe hinaus assertorisch gebraucht werden könne. Der Begriff eines Noumenon ist also bloß ein
B 311 Grenzbegriff, um die Anmaßung der Sinnlichkeit einzuschränken, und also nur von negativem Gebrauche. Er ist aber gleichwohl nicht willkürlich erdichtet, sondern hängt mit der Einschränkung der Sinnlichkeit zusammen, ohne doch etwas Positives außer dem Umfange derselben setzen zu können.
Die Einteilung der Gegenstände in Phaenomena und Noumena, und der Welt in eine Sinnen- und Verstandeswelt, kann daher in positiver Bedeutung gar nicht zugelassen werden, obgleich Begriffe allerdings die Einteilung in sinnliche und intellektuelle zulassen; denn man kann den letzteren keinen Gegenstand bestimmen, und sie also auch nicht für objektiv gültig ausgeben. Wenn man von den Sinnen abgeht, wie will man begreiflich machen, daß unsere Kategorien (welche die einzigen übrigbleibenden Begriffe für Noumena sein würden) noch überall etwas bedeuten, da zu ihrer Beziehung auf irgendeinen Gegenstand noch etwas mehr, als bloß die Einheit des Denkens, nämlich überdem eine mögliche Anschauung gegeben sein muß, darauf jene angewandt werden können? Der Begriff eines Noumeni, bloß problematisch genommen, bleibt demungeachtet nicht allein zulässig, sondern, auch als ein die Sinnlichkeit in Schranken setzender Begriff, unvermeidlich. Aber alsdann ist das nicht ein besonderer intelligibler Gegenstand für unseren Verstand, sondern ein Verstand, für den es gehörte, ist selbst ein Problema, nämlich, nicht diskursiv durch
B 312 Kategorien, sondern intuitiv in einer nichtsinnlichen Anschauung seinen Gegenstand zu erkennen, als von welchem wir uns nicht die geringste Vorstellung seiner Möglichkeit machen können. Unser Verstand bekommt nun auf diese Weise eine negative Erweiterung, d.i. er wird nicht durch die Sinnlichkeit eingeschränkt, sondern schränkt vielmehr dieselbe ein, dadurch, daß er Dinge an sich selbst (nicht als Erscheinungen betrachtet) Noumena nennt. Aber er setzt sich auch sofort selbst Grenzen, sie durch keine Kategorien zu erkennen, mithin sie nur unter dem Namen eines unbekannten Etwas zu denken.
Ich finde indessen in den Schriften der Neueren einen ganz anderen Gebrauch der Ausdrücke eines mundi sensibilis und intelligibilis*, der von dem Sinne der Alten ganz abweicht, und wobei es freilich keine Schwierigkeit hat, aber auch nichts als leere Wortkrämerei angetroffen wird. Nach demselben hat es einigen beliebt, den Inbegriff der Erscheinungen, sofern er angeschaut wird, die Sinnenwelt, sofern aber der Zusammenhang derselben nach allgemeinen Verstandesgesetzen gedacht wird,
B 313 die Verstandeswelt zu nennen. Die theoretische Astronomie, welche die bloße Beobachtung des bestirnten Himmels vorträgt, würde die erstere, die kontemplative dagegen (etwa nach dem kopernikanischen Weltsystem, oder gar nach Newtons Gravitationsgesetzen erklärt), die zweite, nämlich eine intelligible Welt vorstellig machen. Aber eine solche Wortverdrehung ist eine bloße sophistische Ausflucht, um einer beschwerlichen Frage auszuweichen, dadurch, daß man ihren Sinn zu seiner Gemächlichkeit herabstimmt. In Ansehung der Erscheinungen läßt sich allerdings Verstand und Vernunft brauchen; aber es fragt sich, ob diese auch noch einigen Gebrauch haben, wenn der Gegenstand nicht Erscheinung (Noumenon) ist, und in diesem Sinne nimmt man ihn, wenn er an sich als bloß intelligibel, d.i. dem Verstande allein, und gar nicht den Sinnen gegeben, gedacht wird. Es ist also die Frage: ob außer jenem empirischen Gebrauche des Verstandes (selbst in der Newtonischen Vorstellung des Weltbaues) noch ein transzendentaler möglich sei, der, auf das Noumenon als einen Gegenstand gehe, welche Frage wir verneinend beantwortet haben.
* Man muß nicht, statt dieses Ausdrucks, den einer intellektuellen Welt, wie man im deutschen Vortrage gemeinhin zu tun pflegt, brauchen; denn intellektuell, oder sensitiv, sind nur die Erkenntnisse. Was aber nur ein Gegenstand der einen oder der anderen Anschauungsart sein kann, der Objekte also, müssen (unerachtet der Härte des Lauts) intelligibel oder sensibel heißen.
Wenn wir denn also sagen: die Sinne stellen uns die Gegenstände vor, wie sie erscheinen, der Verstand aber, wie sie sind, so ist das letztere nicht in transzendentaler, sondern bloß empirischer Bedeutung zu nehmen, nämlich wie sie als Gegenstände der Erfahrung, im durchgängigen Zusammenhange der Erscheinungen,
B 314 müssen vorgestellt werden, und nicht nach dem, was sie, außer der Beziehung auf mögliche Erfahrung, und folglich auf Sinne überhaupt, mithin als Gegenstände des reinen Verstandes sein mögen. Denn dieses wird uns immer unbekannt bleiben, sogar, daß es auch unbekannt bleibt, ob eine solche transzendentale (außerordentliche) Erkenntnis überall möglich sei, zum wenigsten als eine solche, die unter unseren gewöhnlichen Kategorien steht. Verstand und Sinnlichkeit können bei uns nur in Verbindung Gegenstände bestimmen. Wenn wir sie trennen, so haben wir Anschauungen ohne Begriffe, oder Begriffe ohne Anschauungen, in beiden Fällen aber Vorstellungen, die wir auf keinen bestimmten Gegenstand beziehen können.
Wenn jemand noch Bedenken trägt, auf alle diese Erörterungen dem bloß transzendentalen Gebrauche der Kategorien zu entsagen, so mache er einen Versuch von ihnen in irgendeiner synthetischen Behauptung. Denn eine analytische bringt den Verstand nicht weiter, und da er nur mit dem beschäftigt ist, was in dem Begriffe schon gedacht wird, so läßt er es unausgemacht, ob dieser an sich selbst auf Gegenstände Beziehung habe, oder nur die Einheit des Denkens überhaupt bedeute, (welche von der Art, wie ein Gegenstand gegeben werden mag, völlig abstrahiert.) es ist ihm genug zu wissen, was in seinem Begriffe liegt; worauf der Begriff selber gehen möge, ist ihm gleichgültig. Er versuche es demnach mit
B 315 irgendeinem synthetischen und vermeintlich transzendentalen Grundsatze, als: alles, was da ist, existiert als Substanz, oder eine derselben anhängende Bestimmung: alles Zufällige existiert als Wirkung eines anderen Dinges, nämlich seiner Ursache, usw. Nun frage ich: woher will er diese synthetischen Sätze nehmen, da die Begriffe nicht beziehungsweise auf mögliche Erfahrung, sondern von Dingen an sich selbst (Noumena) gelten sollen? Wo ist hier das Dritte, welches jederzeit zu einem synthetischen Satze erfordert wird, um in demselben Begriffe, die gar keine logische (analytische) Verwandtschaft haben, miteinander zu verknüpfen? Er wird seinen Satz niemals beweisen, ja was noch mehr ist, sich nicht einmal wegen der Möglichkeit einer solchen reinen Behauptung rechtfertigen können, ohne auf den empirischen Verstandesgebrauch Rücksicht zu nehmen, und dadurch dem reinen und sinnenfreien Urteile völlig zu entsagen. So ist denn der Begriff reiner bloß intelligibler Gegenstände gänzlich leer von allen Grundsätzen ihrer Anwendung, weil man keine Art ersinnen kann, wie sie gegeben werden sollten, und der problematische Gedanke, der doch einen Platz für sie offen läßt, dient nur, wie ein leerer Raum, die empirischen Grundsätze einzuschränken, ohne doch irgendein anderes Objekt der Erkenntnis, außer der Sphäre der letzteren, in sich zu enthalten und aufzuweisen.
B 316 Anhang Von der Amphibolie der Reflexionsbegriffe durch die Verwechslung des empirischen Verstandesgebrauchs mit dem transzendentalen
Die Überlegung (reflexio) hat es nicht mit den Gegenständen selbst zu tun, um geradezu von ihnen Begriffe zu bekommen, sondern ist der Zustand des Gemüts, in welchem wir uns zuerst dazu anschicken, um die subjektiven Bedingungen ausfindig zu machen, unter denen wir zu Begriffen gelangen können. Sie ist das Bewußtsein des Verhältnisses gegebener Vorstellungen zu unseren verschiedenen Erkenntnisquellen, durch welches allein ihr Verhältnis untereinander richtig bestimmt werden kann. Die erste Frage vor aller weiteren Behandlung unserer Vorstellung ist die: in welchem Erkenntnisvermögen gehören sie zusammen? Ist es der Verstand, oder sind es die Sinne, vor denen sie verknüpft, oder verglichen werden? Manches Urteil wird aus Gewohnheit angenommen, oder durch Neigung geknüpft; weil aber keine Überlegung vorhergeht, oder wenigstens kritisch darauf folgt, so gilt es für ein solches, das im Verstande seinen Ursprung erhalten hat. Nicht alle Urteile bedürfen einer Untersuchung, d.i. einer Aufmerksamkeit auf die Gründe der Wahrheit; denn, wenn sie
B 317 unmittelbar gewiß sind: z.B. zwischen zwei Punkten kann nur eine gerade Linie sein; so läßt sich von ihnen kein noch näheres Merkmal der Wahrheit, als das sie selbst ausdrücken, anzeigen. Aber alle Urteile, ja alle Vergleichungen bedürfen einer Überlegung, d.i. einer Unterscheidung der Erkenntniskraft, wozu die gegebenen Begriffe gehören. Die Handlung, dadurch ich die Vergleichung der Vorstellungen überhaupt mit der Erkenntniskraft zusammenhalte, darin sie angestellt wird, und wodurch ich unterscheide, ob sie als zum reinen Verstande oder zur sinnlichen Anschauung gehörend untereinander verglichen werden, nenne ich die transzendentale Überlegung. Das Verhältnis aber, in welchem die Begriffe in einem Gemütszustande zueinander gehören können, sind die der Einerleiheit und Verschiedenheit, der Einstimmung und des Widerstreits, des Inneren und des Äußeren, endlich des Bestimmbaren und der Bestimmung (Materie und Form). Die richtige Bestimmung dieses Verhältnisses beruht darauf, in welcher Erkenntniskraft sie subjektiv zueinander gehören, ob in der Sinnlichkeit oder dem Verstande. Denn der Unterschied der letzteren macht einen großen Unterschied in der Art, wie man sich die ersten denken solle.
Vor allen objektiven Urteilen vergleichen wir die Begriffe, um auf die Einerleiheit (vieler Vorstellungen unter einem Begriffe) zum Behuf der allgemeinen Urteile, oder der Verschiedenheit derselben, zur
B 318 Erzeugung besonderer, auf die Einstimmung, daraus bejahende, und den Widerstreit, daraus verneinende Urteile werden können usw. Aus diesem Grunde sollten wir, wie es scheint, die angeführten Begriffe Vergleichungsbegriffe nennen (conceptus comparationis). Weil aber, wenn es nicht auf die logische Form, sondern auf den Inhalt der Begriffe ankommt, d.i. ob die Dinge selbst einerlei oder verschieden, einstimmig oder im Widerstreit sind usw., die Dinge ein zwiefaches Verhältnis zu unserer Erkenntniskraft, nämlich zur Sinnlichkeit und zum Verstande haben können, auf diese Stelle aber, darin sie gehören, die Art ankommt, wie sie zueinander gehören sollen: so wird die transzendentale Reflexion, d.i. das Verhältnis gegebener Vorstellungen zu einer oder der anderen Erkenntnisart, ihr Verhältnis untereinander allein bestimmen können, und ob die Dinge einerlei oder verschieden, einstimmig oder widerstreitend sind usw., wird nicht sofort aus den Begriffen selbst durch bloße Vergleichung (comparatio), sondern allererst durch die Unterscheidung der Erkenntnisart, wozu sie gehören, vermittelst einer transzendentalen Überlegung (reflexio) ausgemacht werden können. Man könnte also zwar sagen: daß die logische Reflexion eine bloße Komparation sei, denn bei ihr wird von der Erkenntniskraft, wozu die gegebenen Vorstellungen gehören, gänzlich abstrahiert, und sie sind also so fern ihrem Sitze nach, im Gemüte, als gleichartig zu
B 319 behandeln, die transzendentale Reflexion aber (welche auf die Gegenstände selbst geht) enthält den Grund der Möglichkeit der objektiven Komparation der Vorstellungen untereinander, und ist also von der letzteren gar sehr verschieden, weil die Erkenntniskraft, dazu sie gehören, nicht eben dieselbe ist. Diese transzendentale Überlegung ist eine Pflicht, von der sich niemand lossagen kann, wenn er a priori etwas über Dinge urteilen will. Wir wollen sie jetzt zur Hand nehmen, und werden daraus für die Bestimmung des eigentlichen Geschäfts des Verstandes nicht wenig Licht ziehen.
1 Einerleiheit und Verschiedenheit. Wenn uns ein Gegenstand mehrmalen, jedesmal aber mit ebendenselben inneren Bestimmungen, (qualitas et quantitas) dargestellt wird, so ist derselbe, wenn er als Gegenstand des reinen Verstandes gilt, immer eben derselbe, und nicht viel, sondern nur Ein Ding (numerica identitas); ist er aber Erscheinung, so kommt es auf die Vergleichung der Begriffe gar nicht an, sondern, so sehr auch in Ansehung derselben alles einerlei sein mag, ist doch die Verschiedenheit der Oerter dieser Erscheinung zu gleicher Zeit ein genugsamer Grund der numerischen Verschiedenheit des Gegenstandes (der Sinne) selbst. So kann man bei zwei Tropfen Wasser von aller inneren Verschiedenheit (der Qualität und Quantität) völlig abstrahieren, und es ist genug, daß sie in verschiedenen Örtern zugleich angeschaut werden, um sie
B 320 numerisch verschieden zu halten. Leibniz nahm die Erscheinungen als Dinge an sich selbst, mithin für intelligibilia, d.i. Gegenstände des reinen Verstandes, (ob er gleich, wegen der Verworrenheit ihrer Vorstellungen, dieselben mit dem Namen der Phänomene belegte,) und da konnte sein Satz des Nichtzuunterscheidenden (principium identitatis indiscernibilium) allerdings nicht bestritten werden; da sie aber Gegenstände der Sinnlichkeit sind, und der Verstand in Ansehung ihrer nicht von reinem, sondern bloß empirischen Gebrauche ist, so wird die Vielheit und numerische Verschiedenheit schon durch den Raum selbst als die Bedingung der äußeren Erscheinungen angegeben. Denn ein Teil des Raums, ob er zwar einem anderen völlig ähnlich und gleich sein mag, ist doch außer ihm, und eben dadurch ein vom ersteren verschiedener Teil, der zu ihm hinzukommt, um einen größeren Raum auszumachen, und dieses muß daher von allem, was in den mancherlei Stellen des Raums zugleich ist, gelten, so sehr es sich sonsten auch ähnlich und gleich sein mag.
2 Einstimmung und Widerstreit. Wenn Realität nur durch den reinen Verstand vorgestellt wird (realitas noumenon), so läßt sich zwischen den Realitäten kein Widerstreit denken, d.i. ein solches Verhältnis, da sie in einem Subjekt verbunden einander ihre Folgen aufheben, und 3-3=0 sei. Dagegen kann das Reale in der Erscheinung (realitas phaenomenon)
B 321 untereinander allerdings im Widerstreit sein, und vereint in demselben Subjekt, eines die Folge des anderen ganz oder zum Teil vernichten, wie zwei bewegende Kräfte in derselben geraden Linie, sofern sie einen Punkt in entgegengesetzter Richtung entweder ziehen, oder drücken, oder auch ein Vergnügen, was dem Schmerze die Wage hält.
3 Das Innere und Äußere. An einem Gegenstande des reinen Verstandes ist nur dasjenige innerlich, welches gar keine Beziehung (dem Dasein nach) auf irgend etwas von ihm Verschiedenes hat. Dagegen sind die inneren Bestimmungen einer substantia phaenomenon im Raume nichts als Verhältnisse, und sie selbst ganz und gar ein Inbegriff von lauter Relationen. Die Substanz im Raume können wir nur durch Kräfte, die in demselben wirksam sind, entweder andere dahin zu treiben (Anziehung), oder vom Eindringen in ihn abzuhalten (Zurückstoßung und Undurchdringlichkeit); andere Eigenschaften kennen wir nicht, die den Begriff von der Substanz, die im Raum erscheint, und die wir Materie nennen, ausmachen. Als Objekt des reinen Verstandes muß jede Substanz dagegen innere Bestimmungen und Kräfte haben, die auf die innere Realität gehen. Allein was kann ich mir für innere Akzidenzen denken, als diejenigen, so mein innerer Sinn mir darbietet? nämlich das, was entweder selbst ein Denken, oder mit diesem analogisch ist. Daher machte Leibniz aus allen
B 322 Substanzen, weil er sie sich als Noumena vorstellte, selbst aus den Bestandteilen der Materie, nachdem er ihnen alles, was äußere Relation bedeuten mag, mithin auch die Zusammensetzung, in Gedanken genommen hatte, einfache Subjekte mit Vorstellungskräften begabt, mit einem Worte, Monaden.
4 Materie und Form. Dieses sind zwei Begriffe, welche aller anderen Reflexion zum Grunde gelegt werden, so sehr sind sie mit jedem Gebrauch des Verstandes unzertrennlich verbunden. Der erstere bedeutet das Bestimmbare überhaupt, der zweite dessen Bestimmung, (beides in transzendentalem Verstande, da man von allem Unterschiede dessen, was gegeben wird, und der Art, wie es bestimmt wird, abstrahiert). Die Logiker nannten ehedem das Allgemeine die Materie, den spezifischen Unterschied aber die Form. In jedem Urteile kann man die gegebenen Begriffe logische Materie (zum Urteile), das Verhältnis derselben (vermittelst der Copula) die Form des Urteils nennen. In jedem Wesen sind die Bestandstücke desselben (essentialia) die Materie; die Art, wie sie in einem Dinge verknüpft sind, die wesentliche Form. Auch wurde in Ansehung der Dinge überhaupt unbegrenzte Realität als die Materie aller Möglichkeit, Einschränkung derselben aber (Negation) als diejenige Form angesehen, wodurch sich ein Ding vom anderen nach transzendentalen Begriffen unterscheidet. Der Verstand nämlich verlangt zuerst, daß etwas gegeben sei,
B 323 (wenigstens im Begriffe,) um es auf gewisse Art bestimmen zu können. Daher geht im Begriffe des reinen Verstandes die Materie der Form vor, und Leibniz nahm um deswillen zuerst Dinge an (Monaden) und innerlich eine Vorstellungskraft derselben, um danach das äußere Verhältnis derselben und die Gemeinschaft ihrer Zustände (nämlich der Vorstellungen) darauf zu gründen. Daher waren Raum und Zeit, jener nur durch das Verhältnis der Substanzen, diese durch die Verknüpfung der Bestimmungen derselben untereinander, als Gründe und Folgen, möglich. So würde es auch in der Tat sein müssen, wenn der reine Verstand unmittelbar auf Gegenstände bezogen werden könnte, und wenn Raum und Zeit Bestimmungen der Dinge an sich selbst wären. Sind es aber nur sinnliche Anschauungen, in denen wir alle Gegenstände lediglich als Erscheinungen bestimmen, so geht die Form der Anschauung (als eine subjektive Beschaffenheit der Sinnlichkeit) vor aller Materie (den Empfindungen), mithin Raum und Zeit vor allen Erscheinungen und allen datis der Erfahrung vorher, und macht diese vielmehr allererst möglich. Der Intellektualphilosoph konnte es nicht leiden: daß die Form vor den Dingen selbst vorhergehen, und dieser ihre Möglichkeit bestimmen sollte; eine ganz richtige Zensur, wenn er annahm, daß wir die Dinge anschauen, wie sie sind, (obgleich mit verworrener Vorstellung). Da aber die sinnliche Anschauung eine ganz besondere subjektive
B 324 Bedingung ist, welche aller Wahrnehmung a priori zum Grunde liegt, und deren Form ursprünglich ist; so ist die Form für sich allein gegeben, und, weit gefehlt, daß die Materie (oder die Dinge selbst, welche erschienen) zum Grunde liegen sollte (wie man nach bloßen Begriffen urteilen müßte), so setzt die Möglichkeit derselben vielmehr eine formale Anschauung (Zeit und Raum) als gegeben voraus.
Anmerkung zur Amphibolie der Reflexionsbegriffe
Man erlaube mir, die Stelle, welche wir einem Begriffe entweder in der Sinnlichkeit, oder im reinen Verstande erteilen, den transzendentalen Ort zu nennen. Auf solche Weise wäre die Beurteilung dieser Stelle, die jedem Begriffe nach Verschiedenheit seines Gebrauchs zukommt, und die Anweisung nach Regeln, diesen Ort allen Begriffen zu bestimmen, die transzendentale Topik; eine Lehre, die vor Erschleichungen des reinen Verstandes und daraus entspringenden Blendwerken gründlich bewahren würde, indem sie jederzeit unterschiede, welcher Erkenntniskraft die Begriffe eigentlich angehören. Man kann einen jeden Begriff, einen jeden Titel, darunter viele Erkenntnisse gehören, einen logischen Ort nennen. Hierauf gründet sich die logische Topik des Aristoteles, deren sich Schullehrer und Redner bedienen konnten, um unter gewissen Titeln des Denkens
B 325 nachzusehen, was sich am besten für seine vorliegende Materie schickte, und darüber, mit einem Schein von Gründlichkeit, zu vernünfteln, oder wortreich zu schwatzen.
Die transzendentale Topik enthält dagegen nicht mehr, als die angeführten vier Titel aller Vergleichung und Unterscheidung, die sich dadurch von Kategorien unterscheiden, daß durch jene nicht der Gegenstand, nach demjenigen, was seinen Begriff ausmacht, (Größe, Realität,) sondern nur die Vergleichung der Vorstellungen, welche vor dem Begriffe von Dingen vorhergeht, in aller ihrer Mannigfaltigkeit dargestellt wird. Diese Vergleichung aber bedarf zuvörderst einer Überlegung, d.i. einer Bestimmung desjenigen Orts, wo die Vorstellungen der Dinge, die verglichen werden, hingehören, ob sie der reine Verstand denkt, oder die Sinnlichkeit in der Erscheinung gibt.
Die Begriffe können logisch verglichen werden, ohne sich darum zu bekümmern, wohin ihre Objekte gehören, ob als Noumena für den Verstand, oder als Phänomena für die Sinnlichkeit. Wenn wir aber mit diesen Begriffen zu den Gegenständen gehen wollen, so ist zuvörderst transzendentale Überlegung nötig, für welche Erkenntniskraft sie Gegenstände sein sollen, ob für den reinen Verstand, oder die Sinnlichkeit. Ohne diese Überlegung mache ich einen sehr unsicheren Gebrauch von diesen Begriffen, und es entspringen vermeinte
B 326 synthetische Grundsätze, welche die kritische Vernunft nicht anerkennen kann, und die sich lediglich auf einer transzendentalen Amphibolie, d.i. einer Verwechslung des reinen Verstandesobjekts mit der Erscheinung, gründen.
In Ermanglung einer solchen transzendentalen Topik, und mithin durch die Amphibolie der Reflexionsbegriffe hintergangen, errichtete der berühmte Leibniz ein intellektuelles System der Welt, oder glaubte vielmehr der Dinge innere Beschaffenheit zu erkennen, indem er alle Gegenstände nur mit dem Verstande und den abgesonderten formalen Begriffen seines Denkens verglich. Unsere Tafel der Reflexionsbegriffe schafft uns den unerwarteten Vorteil, das Unterscheidende seines Lehrbegriffs in allen seinen Teilen, und zugleich den leitenden Grund dieser eigentümlichen Denkungsart vor Augen zu legen, der auf nichts, als einem Mißverstande, beruhte. Er verglich alle Dinge bloß durch Begriffe miteinander, und fand, wie natürlich, keine anderen Verschiedenheiten, als die, durch welche der Verstand seine reinen Begriffe voneinander unterscheidet. Die Bedingungen der sinnlichen Anschauung, die ihre eigenen Unterschiede bei sich führen, sah er nicht für ursprünglich an; denn die Sinnlichkeit war ihm nur eine verworrene Vorstellungsart, und kein besonderer Quell der Vorstellungen; Erscheinung war ihm die Vorstellung des Dinges an sich selbst, obgleich von der Erkenntnis durch den Verstand, der logischen Form nach, unterschieden,
B 327 da nämlich jene, bei ihrem gewöhnlichen Mangel der Zergliederung, eine gewisse Vermischung von Nebenvorstellungen in den Begriff des Dinges zieht, die der Verstand davon abzusondern weiß. Mit einem Worte: Leibniz intellektuierte die Erscheinungen, so wie Locke die Verstandesbegriffe nach einem System der Noogonie (wenn es mir erlaubt ist, mich dieser Ausdrücke zu bedienen,) insgesamt sensifiziert, d.i. für nichts, als empirische, oder abgesonderte Reflexionsbegriffe ausgegeben hatte. Anstatt im Verstande und der Sinnlichkeit zwei ganz verschiedene Quellen von Vorstellungen zu suchen, die aber nur in Verknüpfung objektiv gültig von Dingen urteilen könnten, hielt sich ein jeder dieser großen Männer nur an eine von beiden, die sich ihrer Meinung nach unmittelbar auf Dinge an sich selbst bezöge, indessen daß die andere nichts tat, als die Vorstellungen der ersteren zu verwirren oder zu ordnen.
Leibniz verglich demnach die Gegenstände der Sinne als Dinge überhaupt bloß im Verstande untereinander. Erstlich, sofern sie von diesem als einerlei oder verschieden geurteilt werden sollen. Da er also lediglich ihre Begriffe, und nicht ihre Stelle in der Anschauung, darin die Gegenstände allein gegeben werden können, vor Augen hatte, und den transzendentalen Ort dieser Begriffe (ob das Objekt unter Erscheinungen, oder unter Dinge an sich selbst zu zählen sei,) gänzlich aus der acht ließ, so konnte es nicht anders ausfallen, als daß er
B 328 seinen Grundsatz des Nichtzuunterscheidenden, der bloß von Begriffen der Dinge überhaupt gilt, auch auf die Gegenstände der Sinne (mundus phaenomenon) ausdehnte, und der Naturerkenntnis dadurch keine geringe Erweiterung verschafft zu haben glaubte. Freilich, wenn ich einen Tropfen Wasser als ein Ding an sich selbst nach allen seinen inneren Bestimmungen kenne, so kann ich keinen derselben von dem anderen für verschieden gelten lassen, wenn der ganze Begriff desselben mit ihm einerlei ist. Ist er aber Erscheinung im Raume, so hat er seinen Ort nicht bloß im Verstande (unter Begriffen), sondern in der sinnlichen äußeren Anschauung (im Raume), und da sind die physischen Örter, in Ansehung der inneren Bestimmungen der Dinge, ganz gleichgültig, und ein Ort = b kann ein Ding, welches einem anderen in dem Orte = a völlig ähnlich und gleich ist, ebensowohl aufnehmen, als wenn es von diesem noch so sehr innerlich verschieden wäre. Die Verschiedenheit der Örter macht die Vielheit und Unterscheidung der Gegenstände, als Erscheinungen, ohne weitere Bedingungen, schon für sich nicht allein möglich, sondern auch notwendig. Also ist jenes scheinbare Gesetz kein Gesetz der Natur. Es ist lediglich eine analytische Regel oder Vergleichung der Dinge durch bloße Begriffe.
Zweitens, der Grundsatz: daß Realitäten (als bloße Bejahungen) einander niemals logisch widerstreiten, ist ein ganz wahrer Satz von dem Verhältnisse der
B 329 Begriffe, bedeutet aber, weder in Ansehung der Natur, noch überall in Ansehung irgendeines Dinges an sich selbst, (von diesem haben wir keinen Begriff,) das mindeste. Denn der reale Widerstreit findet allerwärts statt, wo A - B = 0 ist, d.i. wo eine Realität mit der anderen, in einem Subjekt verbunden, eine die Wirkung der anderen aufhebt, welches alle Hindernisse und Gegenwirkungen in der Natur unaufhörlich vor Augen legen, die gleichwohl, da sie auf Kräften beruhen, realitates phaenomena genannt werden müssen. Die allgemeine Mechanik kann sogar die empirische Bedingung dieses Widerstreits in einer Regel a priori angeben, indem sie auf die Entgegensetzung der Richtungen sieht: eine Bedingung, von welcher der transzendentale Begriff der Realität gar nichts weiß. Obzwar Herr von Leibniz diesen Satz nicht eben mit dem Pomp eines neuen Grundsatzes ankündigte, so bediente er sich doch desselben zu neuen Behauptungen, und seine Nachfolger trugen ihn ausdrücklich in ihre Leibniz-Wolfianischen Lehrgebäude ein. Nach diesem Grundsatze sind z. E. alle Übel nichts als Folgen von den Schranken der Geschöpfe, d.i. Negationen, weil diese das einzige Widerstreitende der Realität sind, (in dem bloßen Begriffe eines Dinges überhaupt ist es auch wirklich so, aber nicht in den Dingen als Erscheinungen). Imgleichen finden die Anhänger desselben es nicht allein möglich, sondern auch natürlich, alle Realität, ohne irgendeinen besorglichen Widerstreit,
B 330 in einem Wesen zu vereinigen, weil sie keinen anderen, als den des Widerspruchs (durch den der Begriff eines Dinges selbst aufgehoben wird), nicht aber den des wechselseitigen Abbruchs kennen, da ein Realgrund die Wirkung des anderen aufhebt, und dazu wir nur in der Sinnlichkeit die Bedingungen antreffen, uns einen solchen vorzustellen.
Drittens, die Leibnizische Monadologie hat gar keinen anderen Grund, als daß dieser Philosoph den Unterschied des Inneren und Äußeren bloß im Verhältnis auf den Verstand vorstellte. Die Substanzen überhaupt müssen etwas Inneres haben, was also von allen äußeren Verhältnissen, folglich auch der Zusammensetzung, frei ist. Das Einfache ist also die Grundlage des Inneren der Dinge an sich selbst. Das Innere aber ihres Zustandes kann auch nicht in Ort, Gestalt, Berührung oder Bewegung, (welche Bestimmungen alle äußere Verhältnisse sind,) bestehen, und wir können daher den Substanzen keinen anderen inneren Zustand, als denjenigen, wodurch wir unseren Sinn selbst innerlich bestimmen, nämlich den Zustand der Vorstellungen, beilegen. So wurden denn die Monaden fertig, welche den Grundstoff des ganzen Universum ausmachen sollen, deren tätige Kraft aber nur in Vorstellungen besteht, wodurch sie eigentlich bloß in sich selbst wirksam sind.
Eben darum mußte aber auch sein Principium der möglichen Gemeinschaft der Substanzen
B 331 untereinander eine vorherbestimmte Harmonie, und konnte kein physischer Einfluß sein. Denn weil alles nur innerlich, d.i. mit seinen Vorstellungen beschäftigt ist, so konnte der Zustand der Vorstellungen der einen mit dem der anderen Substanz in ganz und gar keiner wirksamen Verbindung stehen, sondern es mußte irgendeine dritte und in alle insgesamt einfließende Ursache ihre Zustände einander korrespondierend machen, zwar nicht eben durch gelegentlichen und in jedem einzelnen Falle besonders angebrachten Beistand (systema assistentiae), sondern durch die Einheit der Idee einer für alle gültigen Ursache, in welcher sie insgesamt ihr Dasein und Beharrlichkeit, mithin auch wechselseitige Korrespondenz untereinander, nach allgemeinen Gesetzen bekommen müssen.
Viertens, der berühmte Lehrbegriff desselben von Zeit und Raum, darin er diese Formen der Sinnlichkeit intellektuierte, war lediglich aus eben derselben Täuschung der transzendentalen Reflexion entsprungen. Wenn ich mir durch den bloßen Verstand äußere Verhältnisse der Dinge vorstellen will, so kann dieses nur vermittelst eines Begriffs ihrer wechselseitigen Wirkung geschehen, und soll ich einen Zustand ebendesselben Dinges mit einem anderen Zustande verknüpfen, so kann dieses nur in der Ordnung der Gründe und Folgen geschehen. So dachte sich also Leibniz den Raum als eine gewisse Ordnung in der Gemeinschaft der Substanzen, und die Zeit als die dynamische Folge ihrer Zustände. Das Eigentümliche
B 332 aber, und von Dingen Unabhängige, was beide an sich zu haben scheinen, schrieb er der Verworrenheit dieser Begriffe zu, welche machte, daß dasjenige, was eine bloße Form dynamischer Verhältnisse ist, für eine eigene für sich bestehende, und vor den Dingen selbst vorhergehende Anschauung gehalten wird. Also waren Raum und Zeit die intelligible Form der Verknüpfung der Dinge (Substanzen und ihrer Zustände) an sich selbst. Die Dinge aber waren intelligible Substanzen (substantiae noumena). Gleichwohl wollte er diese Begriffe für Erscheinungen geltend machen, weil er der Sinnlichkeit keine eigene Art der Anschauung zugestand, sondern alle, selbst die empirische Vorstellung der Gegenstände, im Verstande suchte, und den Sinnen nichts als das verächtliche Geschäft ließ, die Vorstellungen des ersteren zu verwirren und zu verunstalten.
Wenn wir aber auch von Dingen an sich selbst etwas durch den reinen Verstand synthetisch sagen könnten, (welches gleichwohl unmöglich ist,) so würde dieses doch gar nicht auf Erscheinungen, welche nicht Dinge an sich selbst vorstellen, gezogen werden können. Ich werde also in diesem letzteren Falle in der transzendentalen Überlegung meine Begriffe jederzeit nur unter den Bedingungen der Sinnlichkeit vergleichen müssen, und so werden Raum und Zeit nicht Bestimmungen der Dinge an sich, sondern der Erscheinungen sein; was die Dinge an sich sein mögen, weiß ich nicht, und brauche es auch nicht
B 333 zu wissen, weil mir doch niemals ein Ding anders, als in der Erscheinung vorkommen kann.
So verfahre ich auch mit den übrigen Reflexionsbegriffen. Die Materie ist substantia phaenomenon. Was ihr innerlich zukomme, suche ich in allen Teilen des Raumes, den sie einnimmt, und in allen Wirkungen, die sie ausübt, und die freilich nur immer Erscheinungen äußerer Sinne sein können. Ich habe also zwar nichts Schlechthin-, sondern lauter Komparativ-Innerliches, das selber wiederum aus äußeren Verhältnissen besteht. Allein, das schlechthin, dem reinen Verstande nach, Innerliche der Materie ist auch eine bloße Grille; denn diese ist überall kein Gegenstand für den reinen Verstand, das transzendentale Objekt aber, welches der Grund dieser Erscheinung sein mag, die wir Materie nennen, ist ein bloßes Etwas, wovon wir nicht einmal verstehen würden, was es sei, wenn es uns auch jemand sagen könnte. Denn wir können nichts verstehen, als was ein unseren Worten Korrespondierendes in der Anschauung mit sich führt. Wenn die Klagen: Wir sehen das Innere der Dinge gar nicht ein, so viel bedeuten sollen, als, wir begreifen nicht durch den reinen Verstand, was die Dinge, die uns erscheinen, an sich sein mögen; so sind sie ganz unbillig und unvernünftig; denn sie wollen, daß man ohne Sinne doch Dinge erkennen, mithin anschauen könne, folglich daß wir ein von dem menschlichen nicht bloß dem Grade, sondern sogar der Anschauung und
B 334 Art nach, gänzlich unterschiedenes Erkenntnisvermögen haben, also nicht Menschen, sondern Wesen sein sollen, von denen wir selbst nicht angeben können, ob sie einmal möglich, viel weniger, wie sie beschaffen sind. Ins Innere der Natur dringt Beobachtung und Zergliederung der Erscheinungen, und man kann nicht wissen, wie weit dieses mit der Zeit gehen werde. Jene transzendentalen Fragen aber, die über die Natur hinausgehen, würden wir bei allem dem doch niemals beantworten können, wenn uns auch die ganze Natur aufgedeckt wäre, da es uns nicht einmal gegeben ist, unser eigenes Gemüt mit einer anderen Anschauung, als der unseres inneren Sinnes, zu beobachten. Denn in demselben liegt das Geheimnis des Ursprungs unserer Sinnlichkeit. Ihre Beziehung auf ein Objekt, und was der transzendentale Grund dieser Einheit sei, liegt ohne Zweifel zu tief verborgen, als daß wir, die wir sogar uns selbst nur durch inneren Sinn, mithin als Erscheinung, kennen, ein so unschickliches Werkzeug unserer Nachforschung dazu brauchen könnten, etwas anderes, als immer wiederum Erscheinungen, aufzufinden, deren nichtsinnliche Ursache wir doch gern erforschen wollten.
Was diese Kritik der Schlüsse, aus den bloßen Handlungen der Reflexion, überaus nützlich macht, ist: daß sie die Nichtigkeit aller Schlüsse über Gegenstände, die man lediglich im Verstande miteinander vergleicht, deutlich dartut, und dasjenige zugleich bestätigt, was wir
B 335 hauptsächlich eingeschärft haben: daß, obgleich Erscheinungen nicht als Dinge an sich selbst unter den Objekten des reinen Verstandes mit begriffen sind, sie doch die einzigen sind, an denen unsere Erkenntnis objektive Realität haben kann, nämlich, wo den Begriffen Anschauung entspricht.
Wenn wir bloß logisch reflektieren, so vergleichen wir lediglich unsere Begriffe untereinander im Verstande, ob beide eben dasselbe enthalten, ob sie sich widersprechen oder nicht, ob etwas in dem Begriffe innerlich enthalten sei, oder zu ihm hinzukomme, und welcher von beiden gegeben, welcher aber nur als eine Art, den gegebenen zu denken, gelten soll. Wende ich aber diese Begriffe auf einen Gegenstand überhaupt (im transz. Verstande) an, ohne diesen weiter zu bestimmen, ob er ein Gegenstand der sinnlichen oder intellektuellen Anschauung sei, so zeigen sich sofort Einschränkungen (nicht aus diesem Begriffe hinauszugehen), welche allen empirischen Gebrauch derselben verkehren, und eben dadurch beweisen, daß die Vorstellung eines Gegenstandes, als Dinges überhaupt, nicht etwa bloß unzureichend, sondern ohne sinnliche Bestimmung derselben, und, unabhängig von empirischer Bedingung, in sich selbst widerstreitend sei, daß man also entweder von allem Gegenstande abstrahieren (in der Logik), oder, wenn man einen annimmt, ihn unter Bedingungen der sinnlichen Anschauung denken müsse, mithin das Intelligible eine ganz besondere Anschauung,
B 336 die wir nicht haben, erfordern würde, und in Ermanglung derselben für uns nichts sei, dagegen aber auch die Erscheinungen nicht Gegenstände an sich selbst sein können. Denn, wenn ich mir bloß Dinge überhaupt denke, so kann freilich die Verschiedenheit der äußeren Verhältnisse nicht eine Verschiedenheit der Sachen selbst ausmachen, sondern setzt diese vielmehr voraus, und, wenn der Begriff von dem Einen innerlich von dem des Andern gar nicht unterschieden ist, so setze ich nur ein und dasselbe Ding in verschiedene Verhältnisse. Ferner, durch Hinzukunft einer bloßen Bejahung (Realität) zur anderen, wird ja das Positive vermehrt, und ihm nichts entzogen, oder aufgehoben; daher kann das Reale in Dingen überhaupt einander nicht widerstreiten, usw.
* * *
Die Begriffe der Reflexion haben, wie wir gezeigt haben, durch eine gewisse Mißdeutung einen solchen Einfluß auf den Verstandesgebrauch, daß sie sogar einen der scharfsichtigsten unter allen Philosophen zu einem vermeinten System intellektueller Erkenntnis, welches seine Gegenstände ohne Dazukunft der Sinne zu bestimmen unternimmt, zu verleiten imstande gewesen. Eben um deswillen ist die Entwicklung der täuschenden Ursache der Amphibolie dieser Begriffe, in Veranlassung falscher Grundsätze, von großem Nutzen, die Grenzen des Verstandes zuverlässig zu bestimmen und zu sichern.
B 337 Man muß zwar sagen: was einem Begriff allgemein zukommt, oder widerspricht, das kommt auch zu, oder widerspricht, allem Besonderen, was unter jenem Begriff enthalten ist; (dictum de Omni et Nullo;) es wäre aber ungereimt, diesen logischen Grundsatz dahin zu verändern, daß er so lautete: was in einem allgemeinen Begriffe nicht enthalten ist, das ist auch in den besonderen nicht enthalten, die unter demselben stehen; denn diese sind eben darum besondere Begriffe, weil sie mehr in sich enthalten, als im allgemeinen gedacht wird. Nun ist doch wirklich auf diesen letzteren Grundsatz das ganze intellektuelle System Leibnizens erbaut; es fällt also zugleich mit demselben, samt aller aus ihm entspringenden Zweideutigkeit im Verstandesgebrauche.
Der Satz des Nichtzuunterscheidenden gründete sich eigentlich auf der Voraussetzung: daß, wenn in dem Begriffe von einem Dinge überhaupt eine gewisse Unterscheidung nicht angetroffen wird, so sei sie auch nicht in den Dingen selbst anzutreffen; folglich seien alle Dinge völlig einerlei (numero eadem), die sich nicht schon in ihrem Begriffe (der Qualität oder Quantität nach) voneinander unterscheiden. Weil aber bei dem bloßen Begriffe von irgendeinem Dinge von manchen notwendigen Bedingungen einer Anschauung abstrahiert worden, so wird, durch eine sonderbare Übereilung, das, wovon abstrahiert wird, dafür genommen, daß es überall nicht
B 338 anzutreffen sei, und dem Dinge nichts eingeräumt, als was in seinem Begriffe enthalten ist.
Der Begriff von einem Kubikfuße Raum, ich mag mir diesen denken, wo und wie oft ich wolle, ist an sich völlig einerlei. Allein zwei Kubikfüße sind im Raume dennoch bloß durch ihre Örter unterschieden (numero diversa); diese sind Bedingungen der Anschauung, worin das Objekt dieses Begriffs gegeben wird, die nicht zum Begriffe, aber doch zur ganzen Sinnlichkeit gehören. Gleichergestalt ist in dem Begriffe von einem Dinge gar kein Widerstreit, wenn nichts Verneinendes mit einem Bejahenden verbunden worden, und bloß bejahende Begriffe können, in Verbindung, gar keine Aufhebung bewirken. Allein in der sinnlichen Anschauung, darin Realität (z.B. Bewegung) gegeben wird, finden sich Bedingungen (entgegengesetzte Richtungen), von denen im Begriffe der Bewegung überhaupt abstrahiert war, die einen Widerstreit, der freilich nicht logisch ist, nämlich aus lauter Positivem ein Zero = 0 möglich machen, und man konnte nicht sagen: daß darum alle Realität untereinander Einstimmung sei, weil unter ihren Begriffen kein Widerstreit angetroffen wird*. Nach bloßen Begriffen
B 339 ist das Innere das Substratum aller Verhältnis oder äußeren Bestimmungen. Wenn ich also von allen Bedingungen der Anschauung abstrahiere, und mich lediglich an den Begriff von einem Dinge überhaupt halte, so kann ich von allem äußeren Verhältnis abstrahieren, und es muß dennoch ein Begriff von dem übrigbleiben, das gar kein Verhältnis, sondern bloß innere Bestimmungen bedeutet. Da scheint es nun, es folge daraus: in jedem Dinge (Substanz) sei etwas, was schlechthin innerlich ist, und allen äußeren Bestimmungen vorgeht, indem es sie allererst möglich macht, mithin sei dieses Substratum so etwas, das keine äußeren Verhältnisse mehr in sich enthält, folglich einfach: (denn die körperlichen Dinge sind doch immer nur Verhältnisse, wenigstens der Teile außereinander;) und weil wir keine schlechthin inneren Bestimmungen kennen, als die durch unseren inneren Sinn, so sei dieses Substratum nicht allein einfach, sondern auch (nach der Analogie mit unserem inneren Sinn) durch Vorstellungen bestimmt, d.i. alle Dinge wären
B 340 eigentlich Monaden, oder mit Vorstellungen begabte einfache Wesen. Dieses würde auch alles seine Richtigkeit haben, gehörte nicht etwa mehr, als der Begriff von einem Dinge überhaupt, zu den Bedingungen, unter denen allein uns Gegenstände der äußeren Anschauung gegeben werden können, und von denen der reine Begriff abstrahiert. Denn da zeigt sich, daß eine beharrliche Erscheinung im Raume (undurchdringliche Ausdehnung) lauter Verhältnisse, und gar nichts schlechthin Innerliches enthalten, und dennoch das erste Substratum aller äußeren Wahrnehmung sein könne. Durch bloße Begriffe kann ich freilich ohne etwas Innerem nichts Äußeres denken, eben darum, weil Verhältnisbegriffe doch schlechthin gegebene Dinge voraussetzen, und ohne diese nicht möglich sind. Aber, da in der Anschauung etwas enthalten ist, was im bloßen Begriffe von einem Dinge überhaupt gar nicht liegt, und dieses das Substratum, welches durch bloße Begriffe gar nicht erkannt werden würde, an die Hand gibt, nämlich, ein Raum, der, mit allem, was er enthält, aus lauter formalen, oder auch realen Verhältnissen besteht, so kann ich nicht sagen: weil, ohne ein Schlechthininneres, kein Ding durch bloße Begriffe vorgestellt werden kann, so sei auch in den Dingen selbst, die unter diesen Begriffen enthalten sind, und ihrer Anschauung nichts Äußeres, dem nicht etwas Schlechthininnerliches zum Grunde läge. Denn, wenn wir von allen Bedingungen der Anschauung abstrahiert haben, so
B 341 bleibt uns freilich im bloßen Begriffe nichts übrig, als das Innere überhaupt, und das Verhältnis desselben untereinander, wodurch allein das Äußere möglich ist. Diese Notwendigkeit aber, die sich allein auf Abstraktion gründet, findet nicht bei den Dingen statt, sofern sie in der Anschauung mit solchen Bestimmungen gegeben werden, die bloße Verhältnisse ausdrücken, ohne etwas Inneres zum Grunde zu haben, darum, weil sie nicht Dinge an sich selbst, sondern lediglich Erscheinungen sind. Was wir auch nur an der Materie kennen, sind lauter Verhältnisse, (das, was wir innere Bestimmungen derselben nennen, ist nur komparativ innerlich;) aber es sind darunter selbständige und beharrliche, dadurch uns ein bestimmter Gegenstand gegeben wird. Daß ich, wenn ich von diesen Verhältnissen abstrahiere, gar nichts weiter zu denken habe, hebt den Begriff von einem Dinge, als Erscheinung, nicht auf, auch nicht den Begriff von einem Gegenstande in abstracto, wohl aber alle Möglichkeit eines solchen, der nach bloßen Begriffen bestimmbar ist, d.i. eines Noumenon. Freilich macht es stutzig, zu hören, daß ein Ding ganz und gar aus Verhältnissen bestehen solle, aber ein solches Ding ist auch bloße Erscheinung, und kann gar nicht durch reine Kategorien gedacht werden; es besteht selbst in dem bloßen Verhältnisse von Etwas überhaupt zu den Sinnen. Ebenso kann man die Verhältnisse der Dinge in abstracto, wenn man es mit bloßen Begriffen anfängt, wohl nicht anders
B 342 denken, als daß eines die Ursache von Bestimmungen in dem anderen sei; denn das ist unser Verstandesbegriff von Verhältnissen selbst. Allein, da wir alsdann von aller Anschauung abstrahieren, so fällt eine ganze Art, wie das Mannigfaltige einander seinen Ort bestimmen kann, nämlich die Form der Sinnlichkeit (der Raum), weg, der doch vor aller empirischen Kausalität vorhergeht.
* Wollte man sich hier der gewöhnlichen Ausflucht bedienen: daß wenigstens realitates Noumena einander nicht entgegenwirken können, so müßte man doch ein Beispiel von dergleichen reiner und sinnenfreier Realität anführen, damit man verstände, ob eine solche überhaupt etwas oder gar nichts vorstelle. Aber es kann kein Beispiel woher anders, als aus der Erfahrung genommen werden, die niemals mehr als Phänomena darbietet, und so bedeutet dieser Satz nichts weiter, als daß der Begriff, der lauter Bejahungen enthält, nichts Verneinendes enthalte; ein Satz, an dem wir niemals gezweifelt haben.
Wenn wir unter bloß intelligiblen Gegenständen diejenigen Dinge verstehen, die durch reine Kategorien, ohne alles Schema der Sinnlichkeit, gedacht werden, so sind dergleichen unmöglich. Denn die Bedingung des objektiven Gebrauchs aller unserer Verstandesbegriffe ist bloß die Art unserer sinnlichen Anschauung, wodurch uns Gegenstände gegeben werden, und, wenn wir von der letzteren abstrahieren, so haben die ersteren gar keine Beziehung auf irgendein Objekt. Ja, wenn man auch eine andere Art der Anschauung, als diese unsere sinnliche ist, annehmen wollte, so würden doch unsere Funktionen zu denken in Ansehung derselben von gar keiner Bedeutung sein. Verstehen wir darunter nur Gegenstände einer nichtsinnlichen Anschauung, von denen unsere Kategorien zwar freilich nicht gelten, und von denen wir also gar keine Erkenntnis (weder Anschauung, noch Begriff) jemals haben können, so müssen Noumena in dieser bloß negativen Bedeutung allerdings zugelassen werden: da sie denn nichts anderes sagen, als: daß unsere Art der Anschauung nicht auf alle Dinge, sondern bloß auf
B 343 Gegenstände unserer Sinne geht, folglich ihre objektive Gültigkeit begrenzt ist, und mithin für irgendeine andere Art Anschauung, und also auch für Dinge als Objekte derselben, Platz übrigbleibt. Aber alsdann ist der Begriff eines Noumenon problematisch, d.i. die Vorstellung eines Dinges, von dem wir weder sagen können, daß es möglich, noch daß es unmöglich sei, indem wir gar keine Art der Anschauung, als unsere sinnliche kennen, und keine Art der Begriffe, als die Kategorien, keine von beiden aber einem außersinnlichen Gegenstande angemessen ist. Wir können daher das Feld der Gegenstände unseres Denkens über die Bedingungen unserer Sinnlichkeit darum noch nicht positiv erweitern, und außer den Erscheinungen noch Gegenstände des reinen Denkens, d.i. Noumena, annehmen, weil jene keine anzugebende positive Bedeutung haben. Denn man muß von den Kategorien eingestehen: daß sie allein noch nicht zur Erkenntnis der Dinge an sich selbst zureichen, und ohne die data der Sinnlichkeit bloß subjektive Formen der Verstandeseinheit, aber ohne Gegenstand, sein würden. Das Denken ist zwar an sich kein Produkt der Sinne, und sofern durch sie auch nicht eingeschränkt, aber darum nicht sofort von eigenem und reinem Gebrauche, ohne Beitritt der Sinnlichkeit, weil es alsdann ohne Objekt ist. Man kann auch das Noumenon nicht ein solches Objekt nennen; denn dieses bedeutet eben den problematischen Begriff von einem Gegenstande für eine ganz
B 344 andere Anschauung und einen ganz anderen Verstand, als der unsrige, der mithin selbst ein Problem ist. Der Begriff des Noumenon ist also nicht der Begriff von einem Objekt, sondern die unvermeidlich mit der Einschränkung unserer Sinnlichkeit zusammenhängende Aufgabe, ob es nicht von jener ihrer Anschauung ganz entbundene Gegenstände geben möge, welche Frage nur unbestimmt beantwortet werden kann, nämlich: daß, weil die sinnliche Anschauung nicht auf alle Dinge ohne Unterschied geht, für mehr und andere Gegenstände Platz übrigbleibe, sie also nicht schlechthin abgeleugnet, in Ermanglung eines bestimmten Begriffs aber (da keine Kategorie dazu tauglich ist) auch nicht als Gegenstände für unseren Verstand behauptet werden können.
Der Verstand begrenzt demnach die Sinnlichkeit, ohne darum sein eigenes Feld zu erweitern, und, indem er jene warnt, daß sie sich nicht anmaße, auf Dinge an sich selbst zu gehen, sondern lediglich auf Erscheinungen, so denkt er sich einen Gegenstand an sich selbst, aber nur als transzendentales Objekt, das die Ursache der Erscheinung (mithin selbst nicht Erscheinung) ist, und weder als Größe, noch als Realität, noch als Substanz usw. gedacht werden kann (weil diese Begriffe immer sinnliche Formen erfordern, in denen sie einen Gegenstand bestimmen;) wovon also völlig unbekannt ist, ob es in uns, oder auch außer uns anzutreffen sei, ob es mit der Sinnlichkeit zugleich aufgehoben werden, oder wenn wir jene
B 345 wegnehmen, noch übrigbleiben würde. Wollen wir dieses Objekt Noumenon nennen, darum, weil die Vorstellung von ihm nicht sinnlich ist, so steht dieses uns frei. Da wir aber keine von unseren Verstandesbegriffen darauf anwenden können, so bleibt diese Vorstellung doch für uns leer, und dient zu nichts, als die Grenzen unserer sinnlichen Erkenntnis zu bezeichnen, und einen Raum übrig zu lassen, den wir weder durch mögliche Erfahrung, noch durch den reinen Verstand ausfüllen können.
Die Kritik dieses reinen Verstandes erlaubt es also nicht, sich ein neues Feld von Gegenständen, außer denen, die ihm als Erscheinungen vorkommen können, zu schaffen, und in intelligible Welten, sogar nicht einmal in ihren Begriff, auszuschweifen. Der Fehler, welcher hierzu auf die allerscheinbarste Art verleitet, und allerdings entschuldigt, obgleich nicht gerechtfertigt werden kann, liegt darin: daß der Gebrauch des Verstandes, wider seine Bestimmung, transzendental gemacht, und die Gegenstände, d.i. mögliche Anschauungen, sich nach Begriffen, nicht aber Begriffe sich nach möglichen Anschauungen (als auf denen allein ihre objektive Gültigkeit beruht) richten müssen. Die Ursache hiervon aber ist wiederum: daß die Apperzeption, und, mit ihr, das Denken vor aller möglichen bestimmten Anordnung der Vorstellungen vorhergeht. Wir denken also Etwas überhaupt, und bestimmen es einerseits sinnlich, allein
B 346 unterscheiden doch den allgemeinen und in abstracto vorgestellten Gegenstand von dieser Art ihn anzuschauen; da bleibt uns nun eine Art, ihn bloß durch Denken zu bestimmen, übrig, welche zwar eine bloße logische Form ohne Inhalt ist, uns aber dennoch eine Art zu sein scheint, wie das Objekt an sich existiere (Noumenon), ohne auf die Anschauung zu sehen, welche auf unsere Sinne eingeschränkt ist.
* * *
Ehe wir die transzendentale Analytik verlassen, müssen wir noch etwas hinzufügen, was, obgleich an sich von nicht sonderlicher Erheblichkeit, dennoch zur Vollständigkeit des Systems erforderlich scheinen dürfte. Der höchste Begriff, von dem man eine Transzendentalphilosophie anzufangen pflegt, ist gemeiniglich die Einteilung in das Mögliche und Unmögliche. Da aber alle Einteilung einen eingeteilten Begriff voraussetzt, so muß noch ein höherer angegeben werden, und dieser ist der Begriff von einem Gegenstande überhaupt (problematisch genommen, und unausgemacht, ob er Etwas oder Nichts sei). Weil die Kategorien die einzigen Begriffe sind, die sich auf Gegenstände überhaupt beziehen, so wird die Unterscheidung eines Gegenstandes, ob er Etwas, oder Nichts sei, nach der Ordnung und Anweisung der Kategorien fortgehen.
1 B 347 Den Begriffen von Allem, Vielem und Einem ist der, so alles aufhebt, d.i. Keines, entgegengesetzt und so ist der Gegenstand eines Begriffs, dem gar keine anzugebende Anschauung korrespondiert, = Nichts, d.i. ein Begriff ohne Gegenstand, wie die Noumena, die nicht unter die Möglichkeiten gezählt werden können, obgleich auch darum nicht für unmöglich ausgegeben werden müssen, (ens rationis,) oder wie etwa gewisse neue Grundkräfte, die man sich denkt, zwar ohne Widerspruch, aber auch ohne Beispiel aus der Erfahrung gedacht werden, und also nicht unter die Möglichkeiten gezählt werden müssen.
2 Realität ist Etwas, Negation ist Nichts, nämlich, ein Begriff von dem Mangel eines Gegenstandes, wie der Schatten, die Kälte, (nihil privativum).
3 Die bloße Form der Anschauung, ohne Substanz, ist an sich kein Gegenstand, sondern die bloß formale Bedingung desselben (als Erscheinung), wie der reine Raum, und die reine Zeit, die zwar Etwas sind, als Formen anzuschauen, aber selbst keine Gegenstände sind, die angeschaut werden (ens imaginarium).
4 B 348 Der Gegenstand eines Begriffs, der sich selbst widerspricht, ist Nichts, weil der Begriff Nichts ist, das Unmögliche, wie etwa die geradlinige Figur von zwei Seiten, (nihil negativum).
Die Tafel dieser Einteilung des Begriffs von Nichts (denn die dieser gleichlaufende Einteilung des Etwas folgt von selber,) würde daher so angelegt werden müssen:
Nichts, als
1 Leerer Begriff ohne Gegenstand, ens rationis.
2 Leerer Gegenstand eines Begriffs, nihil privativum.
3 Leere Anschauung ohne Gegenstand, ens imaginarium.
4 Leerer Gegenstand ohne Begriff, nihil negativum.
Man sieht, daß das Gedankending (n. 1.) von dem Undinge (n. 4.) dadurch unterschieden werde, daß jenes nicht unter die Möglichkeiten gezählt werden darf, weil es bloß Erdichtung (obzwar nicht widersprechende) ist, dieses aber der Möglichkeit entgegengesetzt ist, indem der Begriff sogar sich selbst aufhebt. Beide sind
B 349 aber leere Begriffe. Dagegen sind das nihil privativum (n. 2.) und ens imaginarium (n. 3.) leere Data zu Begriffen. Wenn das Licht nicht den Sinnen gegeben worden, so kann man sich auch keine Finsternis, und, wenn nicht ausgedehnte Wesen wahrgenommen worden, keinen Raum vorstellen. Die Negation sowohl, als die bloße Form der Anschauung, sind, ohne ein Reales, keine Objekte.
B 74 Of the Transcendental Doctrine of Elements Second Part The Transcendental Logic
Introduction The idea of a transcendental logic
I. Logic in general
Our cognition has two basic sources in the mind. One is the taking in of representations, which is receptivity to impressions. The other is the power to cognize an object by means of those representations, which is the spontaneity of concepts. Through the first we are given an object. Through the second the object is thought, in relation to that representation, which is only a determination of the mind. So intuition and concepts together are the elements of all our cognition. A concept with no intuition matching it in some way can’t yield a cognition, and neither can an intuition with no concepts. Either kind can be pure or empirical. It is empirical if it includes sensation, which presupposes that the object is really present. It is pure if the representation has no sensation mixed in. Sensation is what we may call the matter of sensible cognition.
B 75 That is why pure intuition holds only the form in which something gets intuited, and a pure concept holds only the form of thinking an object at all. Pure intuitions and pure concepts alone are possible a priori. The empirical ones are possible only a posteriori.
Call the mind’s receptivity, its ability to take in representations when it is affected in some way, sensibility. Then the ability to produce representations on its own, the spontaneity of cognition, is the understanding. Our nature is such that intuition can only be sensible. It holds nothing but the way objects affect us. The ability to think the object of a sensible intuition is the understanding. Neither of these qualities ranks higher than the other. If we had no sensibility, no object would come to us. If we had no understanding, none would be thought. Thoughts with no content are empty, and intuitions with no concepts are blind. So we need to make our concepts sensible, by giving them an object in intuition. We equally need to make our intuitions understandable, by bringing them under concepts. The two abilities, or capacities, can’t swap their jobs either. The understanding can’t intuit a thing, and the senses can’t think a thing. Only when the two unite can cognition arise.
B 76 Still, that is no reason to blend their contributions. There is good cause to keep each carefully apart from the other and to tell them apart. That is why we distinguish aesthetic, the science of the rules of sensibility as such, from logic, the science of the understanding’s rules as such.
Logic can in turn be taken up with either of two aims. It can deal with the understanding’s use in general, or with its use in some particular field. The first sets out the absolutely necessary rules of thinking. Without them the understanding isn’t used at all. They apply whatever the objects are that the understanding may be aimed at. The logic of the particular use gives rules for thinking correctly about one certain kind of object. We can call the first elementary logic. The second is the organon of this or that science. Schools mostly put the second first, as preliminary training for the sciences. Yet in the actual course of human reason it comes last. Reason gets to it only when a science has long been finished and needs just a final touch to be corrected and perfected. That is because you must already know the objects quite well.
B 77 Only then can you give the rule for how to set up a science of them.
General logic is either pure or applied. In pure logic we leave out all the empirical conditions under which our understanding works. Some examples are how the senses influence us, how imagination plays, the laws memory follows, the sway of habit, inclination, and so on. That also removes the sources of prejudice, and in fact every cause that might produce certain cognitions in us or slip them in. Such causes bear on the understanding only in certain circumstances where it is applied, and you need experience to know those circumstances. So a general but pure logic deals only with principles a priori. It is a canon for the understanding and for reason, but only for the formal side of how they are used, no matter what the content is, empirical or transcendental. A general logic counts as applied when it is directed at how the understanding is to be used under the subjective, empirical conditions that psychology teaches us. It therefore has empirical principles, though it is general in covering the use of the understanding with no regard to its objects. This is why it is not a canon for the understanding as such, and not an organon of particular sciences either.
B 78 It serves only as a purgative for the common understanding.
So within general logic, the part that is to be the pure doctrine of reason must be kept strictly apart from the part that is applied logic (which is still general). Only the former is truly a science. It is short and dry, as a school-style presentation of the elements of the understanding has to be. Logicians must always bear two rules in mind here.
1 As general logic, it ignores all content of the understanding’s cognition and every difference among its objects. It deals with the bare form of thinking and with nothing else.
2 Considered as pure logic, it contains no empirical principles. So it takes nothing from psychology (as people have at times been talked into believing), and psychology has no say in the canon of the understanding. Pure logic is a demonstrated doctrine, and every part of it must be certain a priori without exception.
What I call applied logic is not what that word usually means. Normally it would hold certain exercises for which pure logic provides the rule. My applied logic represents the understanding together with the rules that govern its necessary use in concreto. By that I mean its use under the subject’s accidental conditions.
B 79 Those conditions can hinder or help that use, and all of them are given only empirically. This logic treats attention, what gets in its way and what follows from it, where error comes from, and the states of doubt, scruple and conviction, and so on. General and pure logic relates to it the way pure morals relates to the proper doctrine of virtue. Pure morals holds just the moral laws that any free will, as such, must obey. The doctrine of virtue weighs those laws against the obstacles of feelings, inclinations and passions, to which people are more or less subject. It can never be a true, demonstrated science, since like that applied logic it needs empirical and psychological principles.
II. Transcendental logic
As we showed, general logic ignores all content of cognition, that is, every relation of cognition to its object. It looks only at logical form, at how cognitions are related to each other, which is the form of thinking in general. But intuitions come in pure and empirical kinds (as the transcendental aesthetic shows).
B 80 So perhaps thinking about objects might likewise divide into pure and empirical. If so, there would be a logic that doesn’t set aside all content of cognition. A logic holding only the rules for pure thinking of an object would shut out every cognition with empirical content. It would also reach the origin of our cognitions of objects, so far as that origin can’t be attributed to the objects. General logic has nothing to do with that origin. It considers representations solely by the laws that govern how the understanding sets them in relation to each other as it thinks. Whether the representations were first given a priori in us or only empirically makes no difference. It concerns only the form the understanding can give to representations, wherever they may otherwise have come from.
At this point I make a remark whose influence reaches all the investigations that follow, so it should stay in view. Not every a priori cognition should be called transcendental. The name belongs only to a cognition by which we know that certain representations (intuitions or concepts) are used purely a priori, and how, or that they are possible that way. (Here transcendental means an a priori possibility of cognition, or an a priori use of it.)
B 81 So space is not a transcendental representation, and neither is any geometrical determination of space a priori. What can be called transcendental is the cognition that these representations have no empirical origin, along with the cognition of how they can still relate a priori to objects of experience. In the same way, using space for objects in general would also be transcendental. Restrict that use to objects of the senses, though, and it is called empirical. The difference between the transcendental and the empirical thus belongs only to the critique of cognitions. It has nothing to do with how they relate to their object.
We can expect, then, that perhaps there are concepts that refer to objects a priori. They would do so not as pure or sensible intuitions do, but only as acts of pure thinking. They would be concepts, yet neither empirical nor aesthetic in origin. With that in mind, we sketch ahead of time the idea of a science of pure understanding and rational cognition, one by which we think objects entirely a priori. A science of this sort would settle the origin, the range and the objective validity of such cognitions. It would have to be called transcendental logic, because it is concerned just with the laws of the understanding and of reason, and only as those apply to objects a priori.
B 82 Unlike general logic, it doesn’t cover empirical and pure rational cognitions without distinction.
III. How general logic divides into analytic and dialectic
The old, famous question was meant to corner the logicians. People hoped it would force them either to be caught in some wretched quibble or to admit their ignorance, and with it the vanity of their whole art. The question is this: What is truth? The definition of the word truth, that it means cognition agreeing with its object, is granted and taken as given here. What people want to know is the general and reliable criterion for the truth of any cognition.
Knowing what it is reasonable to ask already shows a lot of sense and insight, and it is necessary. A question that is absurd in itself, and demands pointless answers, embarrasses whoever raises it. Sometimes it does more harm. It can lure an unsuspecting listener into absurd answers.
B 83 It also produces a laughable sight: one person (as the ancients put it) milks a he-goat while another holds a sieve underneath.
If truth consists in a cognition’s agreeing with its object, then that agreement must tell this object apart from others. A cognition is false when it fails to agree with the object it refers to, even if it contains something that could be true of other objects. A criterion of truth that was general would have to hold for every cognition, whatever its objects. But clearly any such criterion would have to ignore everything a cognition contains (including its relation to its object), and truth is about exactly that. So to ask for a sign by which to tell that this content is true is impossible and absurd. A sign of truth that is both sufficient and general therefore cannot be given. Earlier we named a cognition’s content its matter. So we have to say that for the truth of a cognition as to its matter, no general mark can be demanded, because that demand contradicts itself.
Now take cognition as to its mere form, with all content set aside. It is just as clear here that a logic must supply criteria of truth.
B 84 It supplies them in the rules it sets out as the general and necessary rules of the understanding. Whatever contradicts those rules is false, since then the understanding goes against its own general rules of thinking, and so against itself. But these criteria bear only on the form of truth, which means the form of thinking in general. As far as they go they are entirely right, but they aren’t enough. A cognition can fit the logical form perfectly, that is, not contradict itself, and still contradict its object. The merely logical criterion of truth is a cognition’s agreement with the general, formal laws of the understanding and of reason. It is the conditio sine qua non (the condition without which there is no truth), and so the negative condition of all truth. But logic can’t go beyond that. It has no touchstone that could detect an error which affects not the form but the content.
General logic takes the entire formal business of the understanding and of reason apart into its elements, and presents these as the principles for any logical assessment of our cognition. So we can give this part of logic the name analytic. For that very reason it is at least the negative touchstone of truth. We have to test and size up every cognition by these rules as to its form first. Only afterwards do we examine its content.
B 85 We examine it to find out whether it holds positive truth about its object. But the mere form of cognition, however perfectly it fits logical laws, is far from enough to establish the cognition’s material (objective) truth. So no one can dare to judge objects or claim anything about them by logic alone. First they must have collected sound information about the objects from outside logic. After that, they can try to use and connect it in a coherent whole according to logical laws. Better still, they can simply test it against those laws. Even so, there is something so tempting in having such a showy art, one that puts the understanding’s form on every one of our cognitions, even when we remain very empty and poor in content. Because of this, that general logic, which is only a canon of assessment, has come to be used as though it were an organon for really producing something. At least it has been used to produce a dazzling show of objective claims. In fact it has been misused. General logic taken as this supposed organon is called dialectic.
The ancients meant quite different things by this label for a science or an art. Still, how they actually used it makes one thing certain. What they called dialectic was only the logic of illusion.
B 86 It was a sophist’s trick for giving an air of truth to one’s ignorance, and even to one’s deliberate dazzling tricks. The trick worked by imitating the thorough method that logic prescribes, and by using logic’s topics to dress up any empty claim. Here is a warning we can take as sure and useful. Treat general logic as an organon, and it is always a logic of illusion, in other words dialectical. For it tells us nothing at all about what a cognition contains. All it gives are the formal conditions for fitting the understanding, and those are completely indifferent to objects. So the suggestion that we use it as a tool (an organon) for spreading and extending our knowledge, at least in appearance, can only lead to chatter. We would be able to assert whatever we like with some show of truth, or attack it just as we please.
Teaching of that kind doesn’t suit the dignity of philosophy at all. That is why people have preferred to file this name, dialectic, under logic as a critique of dialectical illusion. We want it understood that way here too.
B 87 IV. How transcendental logic divides into transcendental analytic and dialectic
In a transcendental logic we single out the understanding, just as the transcendental aesthetic singled out sensibility earlier. We pull out of our cognition only the part of thinking that originates in the understanding alone. This pure cognition, however, can be used only on one condition: objects must be given to us in intuition, so that it has something to apply to. Without intuition, all our cognition has no objects and stays entirely empty. One part of transcendental logic presents the elements of the understanding’s pure cognition. It also presents the principles that any thinking of an object at all depends on. This part is the transcendental analytic, and it is also a logic of truth. For no cognition can go against it without losing all content on the spot, that is, all relation to any object, and so all truth. Now it is very tempting and alluring to use these pure cognitions and principles on their own, even beyond the boundaries of experience. But only experience can hand us the matter (objects) to which those pure concepts of the understanding can be applied.
B 88 Thus the understanding risks putting the bare formal principles of pure understanding to a material use, through empty reasoning. It would end up judging about objects without discrimination, though they aren’t given to us and may not be givable in any way. The analytic is really supposed to be only a canon for judging empirical use. It gets abused if we let it stand as the organon for a general, unlimited use. That happens when someone ventures, relying on pure understanding by itself, to judge synthetically about objects in general, and to assert and decide things about them. Using the pure understanding that way would be dialectical. Hence the second part of transcendental logic has to be a critique of this dialectical illusion. Its name is transcendental dialectic. It isn’t an art of stirring up such illusion dogmatically. (Sadly, that art is very popular, and it consists of many kinds of metaphysical conjuring.) It is a critique that examines understanding and reason in their hyperphysical use. Its job is to expose the false illusion in their groundless pretensions. They claim to discover and extend knowledge, and they think they can manage it through transcendental principles alone. The critique brings those claims down to something modest: judging the pure understanding and protecting it from sophistical dazzle.
B 89 Of the Transcendental Logic First Division The Transcendental Analytic
This analytic takes all our a priori cognition apart into the elements of the pure understanding’s cognition. Four things matter here. 1. The concepts must be pure, not empirical. 2. They must belong to thinking and the understanding, not to intuition and sensibility. 3. They must be elementary concepts, kept clearly distinct from derived ones and from ones assembled from others. 4. Their table must be complete, and between them they must cover the entire territory of the pure understanding. Now, the completeness of a science can’t be trusted when it rests on a rough count of a heap pieced together by trial and error. Completeness can come only from an idea of the understanding’s a priori cognition as a whole, together with the division of its concepts that this idea determines. In other words, it is possible only if the concepts are connected in a system. The pure understanding sets itself completely apart, not just from everything empirical but from all sensibility. It is therefore a unity that stands on its own and suffices for itself.
B 90 No addition from outside can enlarge it. The whole sum of its cognition will thus form a system, grasped and determined under one idea. How complete and how well articulated that system is can serve at the same time as a touchstone for the correctness and genuineness of every piece of cognition that fits into it. This entire part of transcendental logic has two books. One holds the concepts of the pure understanding, and the other holds its principles.
Of the Transcendental Analytic First Book The Analytic of Concepts
By the analytic of concepts I don’t mean analysis of them. Analysis is the usual way of working in philosophical inquiry: you take concepts that come to hand, break them down by their content and make them distinct. I mean something that has seldom been tried, a dissection of the power of understanding itself. The aim is to investigate how concepts a priori are possible, by hunting for them in the understanding alone, where they are born, and by analyzing the understanding’s pure use as a whole.
B 91 That is the proper job of a transcendental philosophy. Anything else is the logical handling of concepts in philosophy generally. We will therefore follow the pure concepts down to their earliest germs and dispositions in human understanding. That is where they lie prepared, until experience gives the occasion for them to unfold. The same understanding then frees them from the empirical conditions attached to them and presents them in their purity.
Of the Analytic of Concepts First Chapter On the guiding thread for discovering all pure concepts of the understanding
When a faculty of cognition is set in motion, various concepts come forward as the occasions vary. They make the faculty known, and they can be gathered into a more or less detailed account, once someone has watched for them over a longer time or with sharper insight. With this mechanical method, as it were, we can never say for sure when the inquiry will be done. What is more, the concepts one finds only on occasion like this turn up in no order at all. They lack systematic unity too.
B 92 In the end they are just paired by likeness and ranked by the size of their content, from simple ones to more composite ones. These rankings are anything but systematic, although in their way they are produced by method.
Transcendental philosophy has an advantage, and an obligation too: it must look for its concepts by a principle. The reason is that they spring pure and unmixed out of the understanding, which is an absolute unity, and so they must hang together under one concept or idea. Such a connection provides a rule. By it we can fix, a priori, the place each pure concept of the understanding has, and how complete the whole set is. Otherwise everything here would be left to taste or chance.
Of the Transcendental Guiding Thread for Discovering All Pure Concepts of the Understanding First Section On the logical use of the understanding in general
Earlier we explained the understanding only in negative terms, as a faculty of cognition that isn’t sensible. Without sensibility, we can have no intuition at all. So the understanding is not a faculty of intuition.
B 93 But apart from intuition there is no way to cognize except by concepts. So the cognition of any understanding, human ones at least, works through concepts. It is not intuitive but discursive. All intuitions, being sensible, depend on affections. Concepts depend on functions instead. By function I mean the unity of the act of arranging various representations under one that they share. So concepts rest on the spontaneity of thinking, as sensible intuitions rest on the receptivity of impressions. The only use the understanding can make of concepts is to judge with them. No representation goes straight to the object except intuition. A concept therefore never relates directly to an object. It relates to another representation of the object, which may be an intuition or may itself be a concept already. Judgment is thus cognition of an object at one remove: the representation of a representation of it. Every judgment has a concept that holds of many things. Among them it takes in a given representation, and that representation is the one related directly to the object. Consider “All bodies are changeable.” The concept of the divisible refers to a number of other concepts. Among them, here, it refers especially to the concept of body. And body in turn is referred to certain appearances that come our way.
B 94 So these objects are represented at one remove, through the concept of divisibility. All judgments are therefore functions of unity among our representations. A higher representation replaces the immediate one in cognizing the object. It takes in the immediate one and several others besides, and in this way many possible cognitions are pulled together into one. We can trace all acts of the understanding back to judgments. So the understanding in general can be pictured as a power to judge. For, as said above, it is a power to think, and thinking is cognition by concepts. Concepts, as predicates of possible judgments, refer to some representation of an object not yet determined. The concept of body, for example, means something such as metal, which that concept can be used to cognize. It is a concept only because other representations fall under it, and by means of them it can refer to objects. So it is the predicate in a possible judgment, such as “Every metal is a body.” We can find all the functions of the understanding, then, if we can present the functions of unity in judgments completely. The next section will show that this can be done quite well.
B 95 Of the Guiding Thread for Discovering All Pure Concepts of the Understanding Second Section
§ 9 On the logical function of the understanding in judgments
Take any judgment and set aside all of its content. Look only at the form of the understanding in it. We then find that the function of thinking in a judgment can be brought under four headings, and that each heading contains three moments. A table can set them out conveniently, as follows.
1 Quantity of judgments: universal, particular, singular
2 Quality: affirmative, negative, infinite
3 Relation: categorical, hypothetical, disjunctive
4 Modality: problematic, assertoric, apodictic
B 96 This division seems to depart from the logicians’ customary technique in a few points, though not essential ones. So the following safeguards against a possible misunderstanding won’t be out of place.
1 Logicians rightly say that when judgments are used in syllogisms, singular judgments can be treated like universal ones. For singular judgments have no extension at all. Precisely for that reason, their predicate can’t be drawn to apply to just some of what is contained under the subject concept while being excepted from the rest. It holds without exception for that concept, just as though it were a concept with general validity and an extension, with the predicate true of everything it means. Now compare a singular judgment with a universally valid one purely as a piece of cognition, in terms of size. The singular stands to the universal as one stands to infinity, so the two differ essentially in themselves. Suppose, then, that I assess a singular judgment (judicium singulare) not only for its inner validity but also, as a cognition in general, for its size relative to other cognitions. It then certainly differs from generally valid judgments (judicia communia), and it deserves a place of its own in a complete table of all the moments of thinking.
B 97 (It would not deserve one in a logic limited merely to the way judgments are used with one another.)
2 Likewise, a transcendental logic must still distinguish infinite judgments from affirmative ones. General logic is right to file them with the affirmative ones, and it does not treat them as a separate item in its division. For general logic ignores the whole content of the predicate (even a negative one). It asks only whether the predicate is laid on the subject or set against it. Transcendental logic goes further. It also weighs what such a logical affirmation, made through a merely negative predicate, is worth and contains. And it asks what that adds to cognition overall. Suppose I had said the soul is not mortal. A negative judgment like that would at least have kept an error out. But now I say that the soul is non-mortal. In logical form I have truly affirmed something, since I place the soul in the unbounded range of beings that do not die. The range of possible beings has the mortal as one part and the deathless as another. So my proposition says only that the soul is among the endless number of things left over once I remove everything mortal. But that merely narrows the infinite sphere of the possible. The mortal is cut away from it.
B 98 Then the soul is placed in the leftover stretch of that space. The space stays infinite even after this exception. More parts can be taken out, and still the soul’s concept does not grow by a bit or receive a positive determination. So as to logical range, these infinite judgments only limit, when we look at the content of cognition generally. To that extent they mustn’t be skipped in the transcendental table of all the moments of thinking in judgments. The function the understanding performs in them might prove important within the territory of its pure cognition a priori.
3 There are three kinds of relation that thinking can have in judgments: a) of predicate to subject, b) of ground to consequence, c) of a divided cognition and the gathered members of the division to each other. The first kind of judgment relates just two concepts. The second relates two judgments, and the third relates several judgments, to one another. Consider the hypothetical statement “If perfect justice exists, the persistently wicked are punished.” It really holds a relation between two statements: perfect justice exists, and the persistently wicked are punished. Whether either statement is true in itself stays undecided here. The judgment thinks only the link of consequence.
B 99 Finally, a disjunctive judgment contains a relation among two or more statements. That relation is not one of succession, but of logical opposition, since the sphere of one rules out the sphere of the other. Yet it is also one of community, since together the spheres fill out the sphere of the cognition proper. So it is a relation among the parts of a cognition’s sphere. Each part’s sphere supplements the other’s, to make up the whole range of the divided cognition. For example: the world is there either by blind chance, by inner necessity, or by an external cause. Each statement occupies one part of the sphere of possible cognition about the existence of a world as such, and together they occupy the whole sphere. Taking the cognition out of any one of these spheres means placing it in another one. And placing it in one sphere means taking it out of the others. So a disjunctive judgment has a certain community of cognitions: they shut each other out, yet by doing so they fix the true cognition as a whole, since together they make up the entire content of one given cognition. That is all I find I need to say about this here, given what follows.
4 Modality in judgments is a quite special function of its own.
B 100 What marks it out is that it adds nothing to the content of the judgment. (Beyond magnitude, quality and relation, nothing else makes up the content of a judgment.) It bears only on the worth of the copula, in its connection to thinking as a whole. In problematic judgments, affirming or denying is taken as merely possible (up to one’s choice). In assertoric ones, it is seen as actual (true). In apodictic ones, it is seen as necessary*. Thus the two judgments whose relation forms a hypothetical judgment (antecedens and consequens) are both only problematic. So are the judgments whose interplay forms the disjunctive (the members of the division). In the example above, “There is perfect justice” is not asserted. It is thought of as a judgment one may take up or not, one that someone could possibly accept, and only the consequence is asserted. Judgments like these can therefore be plainly false and yet, taken problematically, serve as conditions for cognizing truth. In the disjunctive judgment, for instance, “The world exists by blind chance” has only problematic force. That is, someone might accept the proposition for a moment.
B 101 And still it helps us find the true one, the way marking a false path helps among all the paths one could take. The problematic proposition is thus one that expresses only logical possibility (which is not objective). It expresses a free choice to let a proposition count, a purely arbitrary taking of it into the understanding. An assertoric proposition tells of logical actuality, that is, of truth. Take a hypothetical syllogism: the antecedent turns up problematic in the major premise and assertoric in the minor. The assertoric form shows that the proposition is already tied to the understanding by the understanding’s laws. An apodictic proposition thinks of the assertoric one as fixed by these same laws of the understanding, and so as asserting a priori. This is how it expresses logical necessity. Here everything gets absorbed into the understanding by degrees. First one judges something problematically. Then perhaps one accepts it as true, assertorically. Finally one maintains that it is bound to the understanding inseparably, so that it is necessary and apodictic. So we may also name these three functions of modality three moments of thinking in general.
* It’s as though thinking belonged to the understanding in the first case, to the power of judgment in the second, and to reason in the third. This is a remark that will only be cleared up later.
B 102 Of the Guiding Thread for Discovering All Pure Concepts of the Understanding Third Section
§ 10 On the pure concepts of the understanding, or categories
As I have said several times, general logic sets aside all the content of cognition. It waits for representations to be given to it from somewhere else, wherever that is, so that it can first turn them into concepts. That process is analytic. Transcendental logic, in contrast, has a manifold of sensibility a priori laid out before it. The transcendental aesthetic supplies it, so as to give the pure concepts of the understanding some stuff to work on. Lacking it, they would hold no content whatever and be completely empty. Space and time hold a manifold of pure intuition a priori. They are nonetheless among the conditions of our mind’s receptivity, the ones under which alone it can take in representations of objects. So they must always affect the concept of those objects too. But the spontaneity of our thinking demands more. The manifold has first to be gone through in a certain way, taken up, and combined, if a cognition is to come of it. I call this act synthesis.
B 103 By synthesis, in the widest sense, I mean the act of putting different representations together and grasping their variety in one cognition. A synthesis is pure when the manifold comes not from experience but a priori, as with space and time. Before we can analyze our representations at all, they must have been given to us. No concepts can arise analytically as far as their content goes. Synthesizing a manifold, whether it was given empirically or a priori, is what first yields a cognition. At the start that cognition may still be crude and confused, and so call for analysis. Yet synthesis is what actually gathers the elements into cognitions and joins them into a definite content. So it is the first thing we need to look at if we are to judge where our cognition begins.
As we will see later, synthesis in general is simply the work of the imagination. The imagination is a blind but indispensable function of the soul. We would have no cognition at all without it, yet we are hardly ever aware of it. Bringing that synthesis under concepts, however, is a job for the understanding. Only through that does the understanding first give us cognition in the strict sense.
B 104 Pure synthesis, stated in general terms, yields the pure concept of the understanding. By this synthesis I mean the kind that depends on a ground of synthetic unity a priori. Counting is an example (you notice it most with large numbers). It is a synthesis by concepts, since it follows a shared ground of unity, such as the decimal system. So under this concept, the unity in the synthesis of the manifold becomes necessary.
Representations are brought under a concept analytically. (General logic handles that job.) What transcendental logic teaches is different. It teaches how to bring under concepts, not the representations, but their pure synthesis. For the cognition of all objects a priori, the manifold of pure intuition is the first thing that has to be given. The imagination’s synthesis of that manifold comes second, but it still yields no cognition. Third come the concepts that give this pure synthesis its unity. They consist only in the representation of that necessary synthetic unity. They contribute the third element toward cognizing an object that presents itself, and they rest on the understanding.
One function unifies different representations in a judgment.
B 105 That same function also unifies the bare synthesis of different representations in an intuition. Put generally, that is what we call the pure concept of the understanding. So one and the same understanding, by the very same acts through which it produces the logical form of a judgment in concepts by means of analytic unity, also brings a transcendental content into its representations by means of the synthetic unity of the manifold in intuition as such. That is why they are called pure concepts of the understanding: they go to objects a priori. General logic can’t manage that.
In this way the pure concepts of the understanding that arise number exactly as many as the logical functions that the previous table found in every possible judgment. They relate a priori to objects of any intuition at all. For the understanding is used up completely by the functions we have named, and its capacity is fully measured by them. We will call these concepts categories, after Aristotle. Our aim is at bottom the same as his, though in execution it departs from his a great deal.
B 106 Table of Categories
1 Of quantity: unity, plurality, totality.
2 Of quality: reality, negation, limitation.
3 Of relation: inherence and subsistence (substantia et accidens); causality and dependence (cause and effect); community (interaction between what acts and what is acted on).
4 Of modality: possibility—impossibility, existence—nonbeing, necessity—contingency.
This is the register of every original, pure concept of synthesis which the understanding holds within itself a priori. They are the reason it is a pure understanding at all, since only through them can it understand anything about the manifold of an intuition, which means thinking an object of it. The division is produced systematically from one shared principle, namely the power to judge, which amounts to the power to think. It did not turn up piecemeal, from a search for pure concepts launched at random.
B 107 One can never be sure such a search is complete, since completeness is only inferred by induction. And I won’t even mention that, with the second method, one never sees why exactly these concepts, and no others, dwell in the pure understanding. Aristotle’s plan to look for these basic concepts was worthy of a keen mind. But he had no principle. So he scooped them up as they came his way. First he turned up ten, which he called categories (predicaments). Later he thought he had found five more, and added them under the name postpredicaments. Even so his table stayed deficient. It also contains some modi of pure sensibility (quando, ubi, situs, and likewise prius, simul), and one empirical item (motus). These don’t belong in this ancestral register of the understanding at all. Or else it counts derived concepts among the original ones (actio, passio), while some of the derived ones are missing entirely.
As for those derived ones, there is a further point to make. The categories are the true root concepts of the pure understanding, and they have derived concepts of their own that are just as pure. A complete system of transcendental philosophy could not possibly pass these over. In a purely critical essay I am content just to mention them.
B 108 Allow me to call these concepts of the understanding, pure yet derived, the predicables of pure understanding, as opposed to the predicaments. With the original, primitive concepts in hand, the derived and subordinate ones are easy to add on, and the pure understanding’s genealogy can be drawn in full. My concern here is not for the system’s completeness but only for the principles of a system. I am saving the supplement for another undertaking. Still, you can come close to that goal by taking up ontology textbooks. Under the category of causality, for instance, they place the predicables force, action and being acted on. Under community, they place presence and resistance. Under the predicaments of modality they place arising, passing away, change and so on. Categories combined with the modi of pure sensibility, or with one another, give a large number of derived concepts a priori. It would be a useful and not unpleasant labor to take note of these and, where possible, list them completely, but it can be spared here.
I deliberately decline to give definitions of these categories in this treatise, though I may well have them ready. I will break these concepts down later, as far as the doctrine of method I’m working on requires.
B 109 In a system of pure reason, people could fairly demand definitions from me. Here, though, they would only pull attention away from the main point of the inquiry, because they would provoke doubts and attacks. These can safely be deferred to another project without taking anything from the essential aim. Meanwhile the little I have said on the matter makes one thing plain. A complete dictionary, with all the explanations it needs, is possible and also easy to put together. The compartments exist already, and they only need filling. And a systematic topic like the present one makes it hard to miss the spot where a given concept properly belongs. It also shows us at once which spot is still empty.
§ 11
Some neat observations can be made about this table of categories. They could perhaps carry weighty consequences for the scientific form of all cognitions of reason. Here is why. In the theoretical part of philosophy the table is uncommonly useful. It is even indispensable for drawing up the plan of a whole science in full, so long as that science rests on concepts a priori, and for dividing the science mathematically on fixed principles. This is evident from the table itself. It sets out every elementary concept of the understanding in full.
B 110 It even gives the form that a system of them takes in the human understanding. So it gives direction for each moment of a planned speculative science, and for their order as well. I have given a sample of this elsewhere*, too. Here, then, are a few of the remarks.
* Metaphysical Foundations of Natural Science.
The first is that this table has four classes of concepts of the understanding, and that it splits first into two divisions. One division is aimed at objects of intuition, pure and empirical alike. The other is aimed at the existence of those objects, whether in relation to each other or to the understanding.
I would name the first class the mathematical categories and the second the dynamical ones. As you see, only the second class has correlates, and the first has none. This difference has to have a basis in the nature of the understanding.
2nd remark. In every class the number of categories is the same, namely three. This too is worth thinking about, because otherwise any division a priori by concepts has to be a dichotomy. On top of that, the third category in each class always comes from joining the second to the first one in its class.
B 111 Totality, for instance, is just plurality regarded as a unity. Limitation is just reality joined to negation. Community is one substance’s causality in determining another reciprocally. And necessity is just existence given through possibility itself. Do not conclude, however, that the third category is therefore only derived and not a root concept of the pure understanding. For to combine the first and second so as to produce the third concept takes a special act of the understanding. It is not the same act as the one used for the first and second. Number belongs to the category of totality, yet it is not always possible even where the concepts of multitude and of unity are present. The representation of the infinite is an example. Likewise, combining the concept of a cause with that of a substance does not yet make influence understandable at once. By influence I mean how one substance can come to be the cause of something in another substance. This shows that the understanding has to perform a special act here, and the same holds for the rest.
3rd remark. Of just one category, community, which stands under the third heading, the agreement is less obvious than it is for the others. The agreement is with the form that corresponds to it in the table of logical functions.
B 112 That form is the disjunctive judgment.
To be sure of this agreement, we have to notice that in every disjunctive judgment the sphere (everything that falls under the concept) is pictured as a whole split up into parts (the subordinate concepts). The parts are thought of as side by side, not one under another, since none can be contained in another. So they fix one another’s place not in one direction, as in a series, but mutually, as in an aggregate. (Posit one member of the division and all the rest are ruled out, and vice versa.)
We think of a like connection in a whole of things. There one thing is not placed under another as its effect, with the other as the cause of its existence. Instead the things stand side by side, at once and mutually, as causes with regard to fixing each other’s state. (A body whose parts pull on each other and also resist each other is an example.) That is a connection of a wholly different kind from the one found in the bare relation of cause and effect (ground and consequence). In that relation the consequence does not in turn determine the ground, so it does not form a whole with the ground. The creator of the world, for instance, does not form one with the world. The understanding uses the same method when it pictures the sphere of a divided concept.
B 113 It also uses it when it thinks of a thing as divisible. In the first case the members of the division exclude each other and yet are joined in one sphere. In the same way the understanding pictures the parts of a divisible thing. The existence of each part (as a substance) belongs to it to the exclusion of the others, and yet the parts are joined in one whole.
§ 12
The transcendental philosophy of the ancients holds one further chapter. It contains pure concepts of the understanding that are not counted as categories. Even so, they ought to rank, right after the categories, as concepts of objects that hold a priori. But then they would swell the number of categories, which can’t happen. The proposition so famous among the scholastics sets these concepts out: quodlibet ens est unum, verum, bonum (any being whatever is one, true and good). In the conclusions drawn from it, which were only tautologies, this principle has proved very meager indeed. In more recent times it gets hauled out in metaphysics, almost solely for the sake of honor. Still, an idea that has lasted this long, however hollow it seems, always deserves a look at its origin. It suggests that the thought rests on some rule of the understanding, one that has simply, as so often happens, been misread.
B 114 These supposed transcendental predicates of things are just logical requirements and criteria that every cognition of things must meet. They are founded on the categories of quantity: unity, plurality and totality. The difference is this. Strictly, those categories should be taken as material, as belonging to the possibility of the things themselves. But the predicates actually used them in a formal sense only, as part of the logical demand on any cognition. And yet they carelessly made these criteria of thinking into properties of things in themselves. Every cognition of an object has unity of concept. We can call it qualitative unity, to the extent that only the unity of gathering the manifold of cognitions together is meant. The single theme of a play, a speech or a fable is an example. Second comes truth with regard to consequences. A given concept shows more signs of objective reality the more true consequences can be drawn from it. We could call this the qualitative plurality of the marks that belong to a concept as their shared ground (they are not thought as a quantity in the concept). Third and finally comes perfection. It consists in this: conversely, the plurality taken together leads back to the unity of the concept, and fits that concept completely and no other. We may call this qualitative completeness (totality).
B 115 It is clear from this that these logical criteria for the possibility of any cognition transform the three categories of magnitude. In the categories of magnitude, unity in producing a quantum has to be assumed homogeneous throughout. Here the transformation serves only to connect even unlike pieces of cognition in one consciousness, and it does so by the quality of a cognition as a principle. Thus the definition is the test of whether a concept is possible (not whether its object is). A definition needs the concept’s unity and the truth of whatever can first be derived from it. In the end it needs completeness in what has been drawn out. Together these supply what the whole concept requires. A hypothesis likewise has a criterion: the explanatory ground it assumes must be intelligible, or have unity (with no auxiliary hypothesis). The consequences derived from it must be true (consistent with each other and with experience). And the explanatory ground must be complete for them. They then point back to exactly what the hypothesis assumed, neither more nor less. They give back analytically, a posteriori, the very thing that had been thought synthetically a priori, and they agree with it. —So the transcendental table of categories gets no supplement from the concepts of unity, truth and perfection, as if it were somehow lacking. All that happens is that the relation of these concepts to objects is set entirely aside.
B 116 The procedure with them is then brought under general logical rules for how cognition agrees with itself.
Of the Transcendental Analytic Second Chapter On the Deduction of the Pure Concepts of the Understanding
First Section
§ 13 On the principles of a transcendental deduction in general
When legal scholars talk about entitlements and presumptions, they separate two questions in a lawsuit: what is lawful (quid juris) and what is the fact (quid facti). They demand proof on both. The proof that is to show the entitlement, the legal claim, they call the deduction. We use a great many empirical concepts and nobody objects. Even with no deduction we feel entitled to give them a sense and a supposed meaning. We can do so because we always have experience at hand.
B 117 With it we can prove their objective reality. There are also usurped concepts, though, fortune and fate for instance. They go around with nearly everyone’s tolerance. But now and then someone confronts them with the question quid juris. Then we are in no small difficulty about their deduction, because we can name no clear legal ground, whether from experience or from reason, that would clarify the right to use them.
Among the many concepts that make up the very mixed web of human cognition, some are also destined for pure use a priori, entirely apart from experience. The entitlement for these always calls for a deduction, because proofs drawn from experience don’t suffice to make such use lawful. Yet we must still find out how such concepts are able to refer to objects that they take from no experience. I therefore name the explanation of how concepts a priori can relate to objects their transcendental deduction. I set it apart from empirical deduction, which shows how a concept was acquired through experience and through reflection on experience. That kind concerns not lawfulness but the fact from which possession arose.
B 118 We now have two kinds of concepts, very different in character, which agree in this: both relate to objects wholly a priori. They are the concepts of space and time, which are forms of sensibility, and the categories, which are concepts of the understanding. Attempting an empirical deduction of them would be pure wasted labor. That is because what sets their nature apart is exactly that they relate to their objects without borrowing anything from experience to represent them. So if they need a deduction, it must always be transcendental.
Still, one can look in experience for the occasions on which these concepts, like all cognition, are produced, even if not for the principle of their possibility. There the impressions of the senses give the first push to open up our entire power of cognition in regard to them, and to build up experience. Experience has two very different elements. One is a matter for cognition, from the senses. The other is a form for ordering that matter, which comes from the inner well of pure intuiting and thinking. These first get exercised on the occasion of the matter, and they produce concepts. We can trace the first efforts of our cognitive power in this way.
B 119 The aim is to climb from single perceptions to general concepts. Doing so is, no doubt, of great use. The famous Locke deserves credit for first opening the way. But a deduction of pure concepts a priori is never produced by it. It doesn’t lie on that path at all. Their later use is meant to be wholly independent of experience, so they must show a very different birth certificate from descent out of experience. This attempted physiological derivation can’t properly be called a deduction at all, as it concerns a quaestionem facti (a question of fact). So I will call it the explanation of how a pure cognition came to be possessed. It is thus clear that only for these concepts can there be a transcendental deduction, and in no way an empirical one. As for pure concepts a priori, the empirical kind is nothing but idle attempts, which only someone who hasn’t grasped the quite special nature of these cognitions could busy themselves with.
Suppose we grant that the transcendental route is the only possible kind of deduction for pure a priori cognition. That still doesn’t show that this deduction is so absolutely necessary. Earlier we used a transcendental deduction to follow the concepts of space and time all the way back to their sources.
B 120 We also explained their objective validity a priori and fixed it. Even so, geometry moves ahead with sure steps through nothing but a priori cognitions. Its basic concept, space, has a pure and lawful origin, so geometry has no need to ask philosophy for a certificate vouching for it. But in this science the concept is used only for the outer world of the senses. Space is the pure form of our intuition of that world. All geometrical cognition rests on a priori intuition, and that is why it is immediately evident. The objects are given in the intuition a priori (as to their form) by the cognition itself. The pure concepts of the understanding are another matter. Here a need arises that cannot be avoided: to look for a transcendental deduction of them, and of space as well. The reason is this. These concepts speak of objects a priori through predicates of pure thinking, not through predicates of intuition and sensibility. So they relate to objects in general, apart from every condition of sensibility. They aren’t grounded in experience. They also can’t show any object in a priori intuition on which they could base their synthesis before all experience. For these reasons they arouse suspicion about the objective validity and the limits of their use. They make the concept of space ambiguous as well. The cause is a habit of theirs.
B 121 They use it outside the conditions of sensible intuition. That is why a transcendental deduction of space was needed above, too. Before readers take even one step into the field of pure reason, they have to be persuaded that this kind of transcendental deduction cannot be avoided. Otherwise they proceed blindly, wander about in all directions, and still end up back in the ignorance they started from. The reader must also see the unavoidable difficulty clearly ahead of time. Then they won’t complain of obscurity where the subject itself lies deeply hidden, and they won’t lose patience too soon over clearing away the obstacles. That is because what matters is this: either we abandon every claim to insight by pure reason in its favorite territory, the territory beyond the boundaries of all possible experience, completely and for good, or we bring this critical investigation to completion.
Earlier, with the concepts of space and time, we were able without much effort to make clear how these, as cognitions a priori, must still relate to objects of necessity, and how they make possible a synthetic cognition of objects independent of all experience. Such pure forms of sensibility are the only way an object can appear to us. In other words, they are the only way it can be an object of empirical intuition. So space and time are pure intuitions.
B 122 In them lies, a priori, what objects need in order to be possible as appearances. And the synthesis found in them is objectively valid.
The categories of the understanding are different. They show us nothing of the circumstances in which intuition gives us objects. Objects, then, may well show up for us with no need to be tied to any functions of the understanding. The understanding then wouldn’t contain their conditions a priori. Here a difficulty shows up that we didn’t meet in the field of sensibility. How can subjective conditions of thinking have objective validity? That is, how can they supply conditions for the possibility of all cognition of objects? Appearances can, after all, be handed to us in intuition when the understanding’s functions play no part. Take the concept of cause. It means a particular kind of synthesis: when something A is given, something quite different, B, is posited after it according to a rule. Nothing a priori tells us why appearances should hold anything like it. (We can’t point to experiences as proof, since it must be possible to show this concept’s objective validity a priori.) So it is doubtful a priori whether such a concept might be completely empty and find no object anywhere among appearances. Objects of sensible intuition must fit certain conditions.
B 123 These are the formal conditions of sensibility that lie a priori in the mind. That much is clear, because otherwise they wouldn’t be objects for us. But they must also fit the conditions the understanding needs for its synthetic insight in thinking, and the inference to that is not so easy to see. For appearances might well be such that the understanding found them in no way fitting the conditions of its unity. Everything might lie in such confusion that, for example, the sequence of appearances offered nothing to suggest a rule of synthesis and so to match the concept of cause and effect. The concept would then be entirely empty. It would be null, with no meaning at all. Even so, appearances would still present objects to our intuition, since intuition doesn’t need the functions of thinking in any way.
Someone might hope to escape the hard work of these investigations by saying this: experience never stops supplying examples of this kind of regularity among appearances. These give us ample reason to draw the concept of cause out of them, and thereby to prove its objective validity as well. But that overlooks something. The concept of cause can’t arise in this way at all. It has to be rooted wholly a priori in the understanding. Otherwise we must drop it altogether as a mere fantasy.
B 124 What the concept requires is that a thing A be such that another thing B follows from it. This must happen of necessity, and by a rule with no exceptions at all. Appearances do offer cases from which we can get a rule. It is a rule saying what usually happens. But they never show that the result is necessary. That is why putting a cause together with an effect has a special standing, which no empirical statement can express: the effect doesn’t just come in addition to the cause, but is posited by it and follows from it. Strict universality of a rule isn’t a property of empirical rules, either. Through induction they can gain only comparative universality, that is, wide usefulness. But the use of the pure concepts of the understanding would change completely if we wanted to treat them as merely empirical products.
§ 14 Transition to the transcendental deduction of the categories
There are only two cases in which a synthetic representation and its objects can come together, relate to each other necessarily, and, so to speak, meet. Either the object is the only thing that makes the representation possible.
B 125 Or the representation is the only thing that makes the object possible. In the first case the relation is only empirical. The representation can then never be possible a priori. That is how it is with appearances, as far as the sensation in them goes. In the second case, a representation by itself does not produce its object as far as existence goes. (We aren’t talking here about the causality it has through the will.) Still, the representation determines the object a priori when it alone makes it possible to cognize something as an object. Now there are two conditions under which alone the cognition of an object is possible. The first is intuition, by which the object is given, though only as appearance. The second is a concept, by which an object corresponding to that intuition is thought. It is clear from what came before that the first condition, the one under which alone objects can be intuited, does in fact lie a priori in the mind as the ground of the objects, as to their form. Every appearance must therefore fit this formal condition of sensibility. Only through that condition can it appear at all, which is to say, be intuited and given empirically. Now the question is whether concepts also come first a priori, as conditions under which alone something is thought as an object in general, even though it isn’t intuited.
B 126 If they do, then every empirical cognition of objects has to fit such concepts. The reason is that without them nothing could be an object of experience. All experience contains two things: first, the sensory intuition that gives us something, and second, a concept of the object that is given in that intuition or appears in it. Concepts of objects in general will thus lie at the base of all cognition drawn from experience, as a priori conditions. The categories are a priori concepts. Their objective validity will therefore depend on the following: only through them is experience possible (as to the form of thinking). For then they relate necessarily and a priori to objects of experience, since it is only by means of them that any object of experience can be thought at all.
This means the transcendental deduction of every a priori concept rests on one principle, and the whole inquiry has to be aimed at it. It is this: we have to recognize these concepts as a priori conditions that make experiences possible (conditions of the intuition we find in experience, or of the thinking). Concepts that supply the objective ground for the possibility of experience are necessary for exactly that reason. But setting out the experience in which they turn up is not their deduction. It is only an illustration, because on that approach they would still be merely contingent.
B 127 Without this original relation to possible experience, the setting in which all objects of cognition occur, we couldn’t understand at all how they relate to any object.
The famous Locke never considered this. He found pure concepts of the understanding in experience, so he derived them from experience as well. Yet he was so inconsistent that he used them to attempt cognitions that go far beyond every boundary of experience. David Hume recognized that such an attempt would need these concepts to originate a priori. But he couldn’t explain how the understanding is bound to think concepts as necessarily combined in the object when they aren’t combined in the understanding itself. He also never thought of this possibility: through these same concepts the understanding itself might be what produces the experience where its objects turn up. Forced by necessity, he derived the concepts from experience. That is, he derived them from a subjective necessity that arises through frequent association in experience and is finally mistaken for an objective one. In other words, he derived them from habit. After that, though, he was very consistent. He called it impossible to use these concepts, or the principles they lead to, to get past the boundary of experience.
B 128 But the empirical derivation that both men fell back on can’t be squared with the actual a priori scientific cognitions we have, namely pure mathematics and general natural science. So the fact refutes it.
The first of these two famous men threw the doors wide open to fanaticism. Once reason has entitlements on its side, vague appeals to moderation can no longer hold it within limits. The second gave himself up completely to skepticism, once he believed he had found so general a deception in our faculty of cognition, a deception taken for reason. We are now about to try an experiment. Can human reason be steered safely between these two rocks, be given definite boundaries, and still be left open to the whole field of its fitting activity?
First I want to set down the definition of the categories. Each one is a concept of an object as such. Through such a concept, that object’s intuition counts as determined in respect to one of the logical functions in judging. Take the function of the categorical judgment. That function was the relation of a subject to a predicate. Here is an example: “All bodies are divisible.” Yet the merely logical use of the understanding left one thing undetermined.
B 129 It did not say which of the two concepts plays subject and which plays predicate. We can just as well say, “Something divisible is a body.” The category of substance settles this. Put the concept of a body under it, and the question is decided: the empirical intuition of a body must in experience always be taken as a subject, and never as a bare predicate. The same goes for all the other categories.
Of the Deduction of the Pure Concepts of the Understanding Second Section Transcendental Deduction of the Pure Concepts of the Understanding
§ 15 On the possibility of combination in general
An intuition that is purely sensible, which is to say nothing but receptivity, can have a manifold of representations given in it. Its form can already be present in our faculty of representing, a priori. Even so, it is only the manner in which the subject is affected. Combination (conjunctio) is another matter. When a manifold in general is combined, that combination can never reach us through the senses. So it can’t be contained along with the pure form of sensible intuition, either.
B 130 It is an act in which the power of representation shows its spontaneity. To tell this power apart from sensibility, we have to call it understanding. So all combination is an action of the understanding. That holds whether or not we become aware of it, and whether it combines the manifold of intuition or various concepts, and, in the case of intuition, whether the intuition is sensible or nonsensible. We would give this action the general name synthesis. That also points out that we can’t represent anything as combined in the object unless we have first combined it ourselves. Combination is unique among representations: objects never give it to us. Only the subject itself can carry it out, because it is an act of the subject’s own self-activity. It is easy to see here that this action must be originally one, and the same for all combination. And taking apart, which is analysis and seems to be its opposite, always presupposes it. Where the understanding hasn’t combined anything beforehand, it can’t take anything apart either, since the power of representation could be given something as combined only by the understanding.
But the concept of combination brings along more than the concept of the manifold and its synthesis. It also brings the concept of the manifold’s unity. What combination amounts to is a representation of a manifold’s synthetic unity*.
B 131 So the representation of this unity cannot come out of the combination. Rather, it is added to the representation of the manifold, and that is what first makes the concept of combination possible. This unity comes before all concepts of combination, a priori. It is not the category of unity (§ 10), because all categories rest on logical functions in judgments. In those judgments combination, and so unity of given concepts, is already thought. The category therefore already presupposes combination. So we have to look for this unity (as qualitative, § 12) higher still. We must look for it in whatever holds the ground for different concepts being unified in judgments. That same thing holds the ground for the understanding being possible at all, even when it is used only logically.
* Whether the representations are themselves identical, so that one could be thought through another analytically, is not a question here. As long as we are talking about a manifold, the consciousness of one representation must always be told apart from the consciousness of another. All that matters here is the synthesis of this (possible) consciousness.
§ 16 On the original synthetic unity of apperception
The “I think” must be able to go along with all my representations. Otherwise something would get represented in me.
B 132 That something could not be thought at all. And that comes to the same thing as saying the representation would be impossible, or at least would be nothing to me. A representation that can be given before any thinking is called intuition. Every manifold in intuition therefore stands in a necessary relation to the “I think.” It does so in the very subject where that manifold is found. This representation, though, is an act: an act of spontaneity. That is, it cannot be counted as belonging to sensibility. I call it pure apperception, to tell it apart from empirical apperception. I also call it original apperception. It is the kind of self-consciousness that brings forth the representation “I think.” This representation has to be able to go along with all the others. In all consciousness it is one and the same. No further representation can accompany it. I also call the unity of this apperception the transcendental unity of self-consciousness, to mark that cognition a priori is possible from it. If the manifold representations given in some intuition did not all belong to a single self-consciousness, they would not all be mine. Put differently, as my representations they must meet a certain condition, whether or not I am aware of them as mine. Under that condition, and no other, they can be gathered into one general self-consciousness. Otherwise they would not belong to me completely.
B 133 We can draw many conclusions from this original combination.
Namely, a manifold is given in intuition, and its apperception is identical throughout. That identity contains a synthesis of the representations. It is possible only through consciousness of this synthesis. Empirical consciousness, which goes along with different representations, is scattered in itself and has no relation to the identity of the subject. That relation doesn’t come about just because I accompany each representation with consciousness. It comes about because I add one representation to another and am conscious of their synthesis. I can represent the identity of consciousness within these very representations only because I am able to combine a manifold of given representations in a single consciousness. To say it differently: analytic unity of apperception is possible only if some synthetic unity is assumed*.
B 134 So when I think, “All these representations given in intuition belong to me,” I am saying: “I unite them in one self-consciousness, or at least I can.” This thought is not yet awareness of the synthesis of the representations itself. But it does presuppose the possibility of that synthesis. I call all these representations mine only because I can grasp their manifold in one consciousness. Otherwise I would have a self as many-colored and varied as the number of representations I am conscious of. Synthetic unity belongs to the manifold of intuitions, and it is given a priori. That unity is therefore the ground of apperception’s identity, and that identity precedes, a priori, every determinate thought of mine. Combination, however, does not lie in the objects. We cannot borrow it from the objects by way of perception and so bring it into the understanding for the first time.
B 135 It is solely a performance of the understanding. The understanding itself is just the ability to combine a priori, and to bring the manifold of given representations under apperception’s unity. This principle is the highest in all of human cognition.
* All common concepts, as such, carry with them the analytic unity of consciousness. Suppose I think of red in general. Then I represent a property that can be found (as a mark) in something or other, or can be combined with other representations. So I can represent the analytic unity only by way of a synthetic unity that I have thought of beforehand as possible. Suppose a representation is to be thought of as shared by different things. Then it is counted as belonging to things that also have something distinct in themselves, apart from it. It has to be thought beforehand in synthetic unity with other representations, possible ones at least. Only after that can I think of the analytic unity of consciousness in it, the unity that turns it into a conceptus communis, a common concept. That is how the synthetic unity of apperception comes to be the highest point. All use of the understanding has to be fastened to it, including logic as a whole and, after logic, transcendental philosophy. In fact this faculty is the understanding itself.
The principle of apperception’s necessary unity is itself an identity, which makes it an analytic proposition. Still, it declares a synthesis necessary: a synthesis of the manifold given in one intuition. Without it, the thoroughgoing identity of self-consciousness cannot be thought. The I, as a simple representation, gives no manifold at all. A manifold can only be given in intuition, which is different from the I, and it can be thought only by being combined in one consciousness. An understanding in which self-consciousness would at the same time give all the manifold would intuit. Ours can only think, and has to look in the senses for intuition. I am therefore conscious of an identical self in relation to the manifold of representations given me in one intuition. The reason is that I call them all mine, and so they make up one. It comes to this: I have, a priori, a consciousness of a necessary synthesis of them. This is called the original synthetic unity of apperception.
B 136 All the representations given to me stand under it, but they also have to be brought under it by a synthesis.
§ 17 The principle of the synthetic unity of apperception is the highest principle of all use of the understanding
The Transcendental Aesthetic gave us the highest principle for the possibility of any intuition, so far as sensibility goes. It was this: the whole manifold of that intuition comes under space and time as its formal conditions. The supreme principle of the very same thing, in relation to the understanding, is this: all that is manifold in intuition stands under the conditions set by the original synthetic unity of apperception*. Under the first stand all the manifold representations of intuition, insofar as they are given to us. Under the second they stand insofar as they must be able to be combined in one consciousness.
B 137 If that fails, they can yield no thought and no cognition. The given representations would not share the act of apperception, the “I think,” and so they would not be gathered together in one self-consciousness.
* Space and time, together with all their parts, are intuitions. So they are single representations, together with the manifold they contain in themselves (see the Transcendental Aesthetic). They are therefore not mere concepts. A concept contains one and the same consciousness as being in many representations. Space and time contain many representations as being in one, together with the consciousness of them. They therefore show up as composite, and so the unity of consciousness is found in them as synthetic, though still as original. This singleness of theirs matters in application (see § 25).
Speaking generally, the understanding is the faculty of cognitions. A cognition is the determinate way given representations are related to an object. By an object we mean whatever has, in its concept, the manifold of a given intuition united. Any uniting of representations needs consciousness to be one in synthesizing them. So the unity of consciousness is the one thing that makes up the relation of representations to an object, and with it their objective validity and their becoming cognitions. The very possibility of the understanding rests on it.
So the understanding’s first pure cognition is the principle of apperception’s original synthetic unity. All the rest of the understanding’s use is based on it, and it is also entirely independent of all conditions of sensible intuition. Consider space, the bare form of outer sensible intuition. It is not yet any cognition. All it does is provide, a priori, the manifold of intuition for a cognition that may come. To cognize anything in space, a line for instance, I have to draw it.
B 138 So I have to produce, synthetically, a determinate combination of the given manifold. The unity of the action must at the same time be unity of consciousness, found in the concept of a line. Only then is an object (a determinate space) cognized. So the synthetic unity of consciousness is an objective condition of all cognition. I don’t need it merely for my own cognizing of an object. Each intuition must stand under it if it is to become an object for me. Otherwise, and without this synthesis, the manifold would never come together in one consciousness.
As noted, this last proposition is analytic in itself, although it makes synthetic unity a condition for all thinking. It says only this: each of my representations, in whatever intuition is given, must meet one condition. Only if they meet it can I count them as mine, as belonging to the identical self, and gather them as synthetically combined in one apperception under the general expression “I think.”
Still, this principle does not hold for every understanding that could exist. It holds only for an understanding whose pure apperception gives no manifold whatever in the representation “I am.” Take an understanding whose self-consciousness would at the same time give the manifold of intuition.
B 139 Suppose its representation would at the same time make the objects of that representation exist. A special act of synthesizing the manifold into one consciousness would be unnecessary for it. The human understanding, which only thinks and does not intuit, does need it. For the human understanding, though, this principle is unavoidably the first one. It cannot form the slightest concept of any other possible understanding. That other understanding might be one that itself intuited. Or it might have a sensible intuition as its ground, but one of a different kind from the intuition in space and time.
§ 18 What the objective unity of self-consciousness is
The transcendental unity of apperception is the unity through which everything manifold given in an intuition is united into a concept of the object. That is why it is called objective. Do not confuse it with the subjective unity of consciousness. That one is a determination of inner sense. Through that determination the manifold of intuition is given empirically for such a combination. Whether the manifold reaches my empirical awareness as simultaneous or as one thing after another depends on circumstances, that is, on empirical conditions.
B 140 So the empirical unity of consciousness, produced by associating representations, is about an appearance itself, and it is wholly contingent. The pure form of intuition in time is different. Taken simply as intuition in general, which contains a given manifold, it stands under the original unity of consciousness. It does so only because the manifold of intuition is necessarily related to the one “I think.” That is to say, it does so by way of the understanding’s pure synthesis, which lies a priori beneath the empirical synthesis. Only the first unity is objectively valid. We aren’t looking here at empirical unity of apperception. It is derived from the first kind, under given conditions in concreto. It has merely subjective validity. Take two people. One combines the idea of a given word with one thing, and the other combines it with another thing. In the empirical realm, consciousness’s unity is not necessary, and it is not universally valid, regarding what is given.
§ 19 Every judgment’s logical form lies in the objective unity of apperception among the concepts it holds
I have never been able to feel satisfied with the definition that logicians give of a judgment in general. In their words, it is the representation of how two concepts are related.
B 141 I won’t quarrel with them here over what is wrong with that definition. At best it fits categorical judgments but not hypothetical and disjunctive ones, since these contain a relation not of concepts but of judgments themselves. (This oversight in logic has led to a number of awkward results.)* I only remark that the definition leaves open what the relation consists of.
* The drawn-out theory of the four syllogistic figures deals only with categorical inferences of reason. It is nothing more than a trick. Immediate inferences (consequentiae immediatiae) are tucked in among the premises when a pure inference of reason is drawn. That slips in an illusion of extra kinds of inference beyond the one in the first figure. Even so, this trick alone would have had no great success if it had not also managed to give categorical judgments exclusive standing, as the ones to which all others must be traceable. According to § 9, that is false.
I examine more closely how given cognitions are related inside any judgment. I tell this relation, which belongs to the understanding, apart from the relation that follows the laws of the reproductive imagination (which has only subjective validity). What I find is this: a judgment is simply the way of bringing given cognitions under apperception’s objective unity. That is what the little relating word “is” aims at in judgments.
B 142 It separates the objective unity of given representations from the subjective unity. For “is” marks the relation of the representations to original apperception and their necessary unity, even when the judgment itself is empirical and therefore contingent, as in “Bodies are heavy.” By this I don’t mean that these representations belong together necessarily in empirical intuition. My point is that they belong together because apperception is necessarily one when intuitions are synthesized. In other words, they go together according to principles that determine all representations objectively, to the extent that cognition can arise from them. Every one of these principles is derived from the principle of apperception’s transcendental unity. Only this makes the relation a judgment, meaning a relation with objective validity. It is then clearly different from a relation among the same representations that has only subjective validity, for example one that follows the laws of association. By those laws I could say only this: “When I carry a body, I feel the pressure of its weight.” I could not say, “The body itself is heavy.” To say that would be to say the two representations are combined in the object, whatever state the subject is in. It would not be merely that they turn up together in perception, however often that repeats.
B 143 § 20 Every sensible intuition falls under the categories, which are the only conditions for its manifold to join in a single consciousness
A manifold given in a sensible intuition must belong under apperception’s original synthetic unity. Only through that unity can intuition itself be a unity (§ 17). The understanding acts to bring a manifold of given representations under one apperception. These representations may be intuitions, or they may be concepts. That action is the logical function of judgments (§ 19). So the manifold in a single empirical intuition is fixed, in relation to one logical function of judging. Through it the manifold is brought to a consciousness as such. But the categories are just these functions of judging, so far as a given intuition’s manifold is determined in respect of them (§ 13). It follows that the manifold in a given intuition is also bound to stand under categories.
B 144 § 21 Remark
A manifold contained in an intuition that I call mine is represented, through the understanding’s synthesis, as belonging to the necessary unity of self-consciousness. This happens through the category*. What the category shows is that the empirical consciousness of a manifold given in one intuition stands beneath a pure self-consciousness, a priori. That parallels empirical intuition, which stands beneath a pure sensible intuition that also holds a priori.—So the proposition above begins a deduction, and its subject is the pure concepts of the understanding. In that deduction the categories arise in the understanding alone, independent of sensibility. That means I must still set aside how the manifold gets given for an empirical intuition. I look only at the unity that the understanding adds to the intuition by means of the category. Later (§ 26) we will look at how empirical intuition is given in sensibility.
B 145 It will turn out that this unity is exactly the one the category prescribes (see § 20 just above) for any given intuition’s manifold. Once the category’s a priori validity for all objects of our senses is explained in that way, the deduction will at last reach its goal in full.
* The ground of the proof is the represented unity of intuition, by which an object is given. That unity always involves a synthesis of whatever manifold is given for one intuition. It also already holds the relation of this manifold to apperception’s unity.
But there was one point in the proof above that I could not abstract from. It was this: the manifold for intuition has to be given ahead of the understanding’s synthesis, and apart from it. How it is given is left undetermined here. Suppose I tried to conceive an understanding that itself intuited, a divine one, say. It would not represent objects that are given to it. Its very representation would give or produce the objects at the same time. The categories would mean nothing at all for cognition of that kind. They are rules, and rules only, for an understanding whose entire power lies in thinking. What it can do is act: it takes a manifold that has reached it by way of intuition, from some other source, and brings the synthesis of that manifold to apperception’s unity. Such an understanding cognizes nothing by itself. The most it does is combine and arrange the raw stuff of cognition, namely intuition, which the object has to give it. Our understanding has a peculiarity: it can bring about the unity of apperception a priori only by means of the categories.
B 146 And it can do so only by just this kind and number of them. No further ground can be given for this. Equally, we cannot explain why we have exactly these functions of judging and no others. Nor can we explain why time and space are the sole forms of intuition possible for us.
§ 22 The category has no use for cognizing things except its application to objects of experience
Thinking an object and cognizing an object are therefore not the same thing. Cognition takes two things. One is the concept (the category) through which an object as such is thought. The second is the intuition by which the object is given. Suppose no intuition corresponding to the concept could ever be given. In that case the concept would be a thought in form only. It would have no object, and no cognition of any thing could come through it. For as far as I could know, there would be nothing, and nothing that could be, to which my thought could be applied. Every intuition that we can have is sensible (Aesthetic). For us, then, thinking an object as such by a pure concept of the understanding becomes cognition only when that concept is referred to objects of the senses.
B 147 Sensible intuition comes in two kinds. One is pure intuition (space and time). The other is empirical intuition of whatever is represented in space and time immediately as real, by means of sensation. By determining the first, we can get cognitions a priori of objects (in mathematics), but only as to their form, as appearances. Whether any things exist that have to be intuited in this form remains undecided. Mathematical concepts are therefore not cognitions on their own. They become cognitions only if we presuppose things that can show themselves to us solely in the form of that pure sensible intuition. But in space and time, things are given to us only as perceptions, and a perception is a representation that comes with sensation. So they are given through empirical representation. Even when pure concepts of the understanding are applied to a priori intuitions (mathematics does this), they provide cognition only on one condition: those intuitions can themselves be applied to empirical intuitions, and the concepts of the understanding along with them. In the same way the categories, working through intuition, offer no cognition of things except by being possibly applied to empirical intuition. All they do is make empirical cognition possible. And that is called experience. The categories have no other use in cognizing things.
B 148 They can be used only insofar as those things are taken as objects of possible experience.
§ 23
The proposition above is of the greatest importance. It marks out the boundaries within which the pure concepts of the understanding can be used on objects. Earlier, the Transcendental Aesthetic did this for how the pure form of our sensible intuition may be used. Space and time are the conditions that allow objects to be given to us. They hold only for objects of the senses, which means only for experience. Past these boundaries they stand for nothing, because they exist only in the senses and have no reality apart from them. The pure concepts of the understanding are free of this restriction. They reach to objects of intuition as such. It makes no difference whether that intuition resembles ours, provided it is sensible and not intellectual. But stretching the concepts further, beyond our sensible intuition, does us no good. They would then be empty concepts of objects. Through them we can’t judge at all whether such objects are even possible or not. They are bare forms of thought with no objective reality. We lack any intuition to which they could apply the synthetic unity of apperception. That unity is all they contain.
B 149 Without such an intuition they cannot determine an object. Only our sensible and empirical intuition can give them sense and meaning.
Suppose, then, that we assume an object of a nonsensible intuition as given. We can of course represent such an object through all the predicates that the assumption itself carries, namely that nothing belonging to sensible intuition fits it. It is not extended, or in space. Its duration is not time. No change (the succession of determinations in time) is found in it. And so on. But that is no real cognition. I am only indicating how the object’s intuition is not, without being able to say what it does contain. In that case I have given my pure concept of the understanding no possible object whatever. I was unable to give an intuition to match it. I could only say that ours doesn’t hold for it. The chief point, though, is that no category, not even one, could be applied to such a something. Consider the concept of substance, meaning something that can exist as a subject and never as a mere predicate. Whether any thing could match this way of determining a thought, I have no idea, unless empirical intuition supplies a case where it applies. But more of this later.
B 150 § 24 On the application of the categories to objects of the senses in general
Through the understanding alone, the pure concepts of the understanding relate to objects of intuition in general. It is left open whether that intuition is ours or some other one, though still a sensible one. That is precisely why they are only forms of thought. Through them no determinate object has yet been cognized. Their synthesis or combination of the manifold had to do only with apperception’s unity, and so it was the ground of the possibility of cognition a priori, so far as that cognition rests on the understanding. It is therefore not only transcendental but also purely intellectual. In us, though, a certain form of sensible intuition lies underneath, a priori. It rests on the receptivity of the faculty of representation (sensibility). That lets the understanding, being spontaneous, determine inner sense by means of the manifold of given representations, matching apperception’s synthetic unity. Thus it can think, a priori, of the manifold of sensible intuition as having synthetic unity of apperception. It takes this unity as the condition that all objects of our (human) intuition are bound to meet. Through this the categories, which are mere forms of thought, get objective reality.
B 151 They can be applied, that is, to objects that may be given to us in intuition, though only as appearances. For only of appearances are we capable of intuition a priori.
This synthesis is possible and necessary a priori, and it concerns the manifold of sensible intuition. It may be called figurative (synthesis speciosa). The other synthesis is thought in the bare category, for the manifold of an intuition as such. It is called combination by the understanding (synthesis intellectualis). The names keep the two apart. Both are transcendental. The reason is not only that they themselves proceed a priori. They also provide the basis for other cognition a priori to be possible.
Figurative synthesis can aim solely at the original synthetic unity of apperception, which is the transcendental unity thought in the categories. When it does, we must call it the transcendental synthesis of imagination. This sets it apart from the merely intellectual combination. Imagination is our ability to represent an object in intuition when it isn’t there. All our intuition is sensible. For this reason imagination counts as part of sensibility: it can supply a matching intuition for the concepts of the understanding only under that subjective condition. Still, its synthesis exercises spontaneity. Spontaneity determines; sense, by contrast, can only be determined.
B 152 So imagination can determine sense a priori as to its form, in line with the unity of apperception. To that extent imagination is a faculty for determining sensibility a priori. When it synthesizes intuitions as the categories require, that has to be the transcendental synthesis of imagination. This synthesis is something the understanding does to sensibility. It is the first way the understanding gets applied to objects of the intuition we can have, and it is the ground of every other application too. As figurative, this synthesis is distinguished from the intellectual synthesis, which is carried out by the understanding alone, without any imagination. Insofar as imagination is spontaneity, I sometimes also call it productive imagination. I use that name to distinguish it from reproductive imagination. The synthesis of the reproductive kind answers only to empirical laws, those of association. It adds nothing toward explaining how cognition a priori is possible. For that reason it belongs to psychology, not to transcendental philosophy.
* * *
This is the point at which to clear up a paradox. Everyone who read the account of the form of inner sense (§ 6) must have noticed it. It is this: inner sense shows us to our own consciousness only as we appear to ourselves, and not as we are in ourselves.
B 153 The reason is that we intuit ourselves only in the way we are affected from within. That seems contradictory, since we would have to relate to ourselves as passive. That is why psychological systems like to give out inner sense as identical with the faculty of apperception (which we keep carefully apart).
What determines inner sense is the understanding, with its original power to combine the manifold of intuition, that is, to bring it under one apperception (on which its own possibility rests). In us humans the understanding is not itself a power of intuitions. And even when an intuition is given in sensibility, the understanding can’t take it up into itself, so as to combine, so to speak, the manifold of its own intuition. So when the understanding is considered on its own, its synthesis is nothing other than the unity of an action. It is aware of this action as such even without sensibility. By this action it is able to determine sensibility inwardly, with respect to whatever manifold may be given to it in the form of sensibility’s intuition. The understanding, then, acts on the subject whose faculty it is, and that subject is passive. The action goes by the name of transcendental synthesis of imagination. Because of this action we are justified in saying that inner sense is affected.
B 154 Apperception, with its synthetic unity, is anything but the same thing as inner sense. Apperception is the source of all combination. Under the name of the categories it applies to the manifold of intuitions in general, and to objects in general, before any sensible intuition. Inner sense, by contrast, contains only the bare form of intuition, without combination of the manifold in it, and so no determinate intuition yet. No determinate intuition can exist unless we are conscious of the way the manifold is determined. The determining comes from imagination’s transcendental action. That action is the understanding’s synthetic influence on inner sense, and figurative synthesis is what I have named it.
We also always perceive this in ourselves. To think a line, we have to draw it in thought. We can’t think a circle without describing it. We can’t represent the three dimensions of space at all without setting three lines at right angles to each other from the same point. We can’t even represent time without attending, as we draw a straight line (which is to be the outward, figurative representation of time), solely to the action of synthesizing the manifold by which we determine inner sense in succession. In doing so we attend to the succession of this determination within inner sense. Consider motion as an action of the subject.
B 155 Do not take it as a determination of an object*. Motion is thus the synthesis of the manifold in space. And this synthesis is what first gives rise to the very concept of succession. This happens when we abstract from space and attend solely to the action by which we determine inner sense in line with its form. So the understanding doesn’t find a combination of the manifold of that kind already there in inner sense. It produces the combination by affecting inner sense. Now how can the I that thinks be different from the I that intuits itself (since I can represent another kind of intuition as at least possible), and yet be the same subject as the latter? How can I say: “I am an intelligence and a thinking subject. I cognize myself as an object that is thought, insofar as intuition also gives me to myself. Even then I am cognized only as other phenomena are, not as I am for the understanding, but as I appear to myself”? That puzzle is exactly as hard as another one: how can I be an object for myself at all?
B 156 I mean an object of intuition and of inner perceptions. That things really must be this way can be made plain, provided we accept that space is merely the pure form of the appearances of the outer senses. Time is no object of outer intuition. Still, the only way we can picture it is as a line, and only while we draw that line. Without such a presentation we would have no way to recognize that time’s extent is one. The same goes for fixing how long a time lasts, or where something sits in time, for any inner perception. We always have to take that from the changing things that outer objects show us. From all this we must put the determinations of inner sense in order, as appearances in time, in exactly the way we put the outer senses’ determinations in order in space. So suppose we are willing to concede that the outer senses let us cognize objects only to the extent that we are affected from outside. Then we must concede the same about inner sense: it lets us intuit ourselves only as we are affected from within, by ourselves. In inner intuition, then, our own subject is cognized only as an appearance, and not according to what it is in itself∗∗.
* A pure science has no place for the motion of an object in space, and so neither does geometry. That something is movable can’t be cognized a priori, only through experience. Motion taken as the describing of a space is another matter. It is a pure act: a synthesis of the manifold that proceeds step by step, in outer intuition as such, performed by productive imagination. Such motion belongs to geometry, and to transcendental philosophy as well.
∗∗ I don’t see why people find so much difficulty in inner sense’s being affected by ourselves. Any act of paying attention gives us an example. In attention, the understanding determines inner sense each time. It does so to match the combination it is thinking, and the result is the inner intuition that corresponds to the manifold in the understanding’s synthesis. How strongly the mind is commonly affected by this, everyone can notice in themselves.
§ 25
B 157 By contrast, I am conscious of myself in the transcendental synthesis of the manifold of representations in general, and so in the original synthetic unity of apperception. I am conscious neither of how I appear to myself nor of how I am in myself. I am conscious only that I am. This representation is a matter of thinking, not of intuiting. Cognizing ourselves takes more than the action of thinking, which brings the manifold of any possible intuition to the unity of apperception. It also takes a certain kind of intuition, by which this manifold is given. So my own existence is not appearance (much less mere illusion).
B 158 But the determination of my existence* can happen only in line with the form of inner sense, and in the particular way the manifold that I combine is given in inner intuition. So of myself as I am, I have no cognition. I have it only as I appear to myself. Being conscious of oneself is far from cognizing oneself. That holds despite all the categories, which make up the thinking of an object as such by combining the manifold in a single apperception. Cognizing an object other than myself takes more than thinking an object in general (in the category). I also need an intuition by which I determine that general concept. In the same way, to cognize myself I need more than the consciousness, or the fact that I think myself. I also need an intuition of the manifold in me, by which I determine this thought. And I exist as an intelligence that is conscious only of its power of combining.
B 159 With respect to the manifold it is to combine, it is subject to a limiting condition that it calls inner sense. The only way it can make that combination intuitable is through relations of time, and these lie wholly outside the understanding’s concepts proper. So it can cognize itself only as it appears to itself, in view of an intuition (one that cannot be intellectual and given by the understanding itself). It cannot cognize itself as it would if its intuition were intellectual.
* “I think” is the expression of an act: the act of determining my existence. My existence is thereby already given. What that does not give is the way I am to determine it, meaning how I am to posit in myself the manifold that belongs to it. For that, self-intuition is needed. Self-intuition rests on a form given a priori, which is time. Time is sensible, and it belongs to the receptivity of what can be determined. Now suppose I have no further self-intuition of this kind: one that would give me the determining element in myself, the element whose spontaneity is all I am conscious of. Such an intuition would give it before the act of determining, the way time gives what is determinable. In that case I can’t determine my existence as the existence of a self-acting being. All I can do is picture to myself the spontaneity of my thinking, which is to say, of determining. My existence stays determinable only in a sensible way, as the existence of an appearance. Still, it is this spontaneity that makes me call myself an intelligence.
§ 26 Transcendental deduction of the generally possible use of the pure concepts of the understanding in experience
The metaphysical deduction showed where the categories come from a priori: they agree completely with the general logical functions of thinking. The transcendental deduction then presented how they are possible as a priori cognitions of objects of any intuition at all (§§ 20, 21). What has to be explained now is how the categories let us cognize a priori any and all objects that can ever come before our senses. This holds not as to the form of their intuition but as to the laws of their combination. That is, we must explain how the categories can, so to speak, prescribe the law to nature and even make it possible.
B 160 If the categories lacked this fitness, we could not see why everything that comes before our senses has to obey laws arising a priori from the understanding alone.
To begin, a note: I take the synthesis of apprehension to be the composing of a manifold inside an empirical intuition. This makes perception possible, that is, empirical consciousness of that intuition (as appearance).
Space and time, as representations, give us a priori forms for outer and for inner sensible intuition alike. Whenever we apprehend the manifold of appearance by synthesis, it has to conform to those forms, since it can only take place in this form. Yet space and time are not represented a priori merely as forms of sensible intuition. They are represented as intuitions themselves (which contain a manifold), and so with the determination of the unity of that manifold in them (see Transcendental Aesthetic)*. It follows that a unity of synthesis of the manifold, whether outside us or in us, is given a priori already.
B 161 It comes along with these intuitions (but not in them). It is the condition of the synthesis of all apprehension. It is also a combination, and everything that is to be represented as determinate in space or time must conform to it. This synthetic unity can only be one thing: the unity of combining the manifold of any given intuition in one original consciousness, according to the categories. The only difference is that here it is applied to our sensible intuition. So all synthesis through which perception itself becomes possible stands under the categories. Experience is cognition by way of perceptions that are connected. That makes the categories conditions for experience being possible. So they also hold a priori for every object of experience.
* When space is represented as an object, as geometry really needs it to be, it holds more than the bare form of intuition. It also holds a gathering together of the manifold that sensibility’s form supplies, into a single intuitive representation. So the form of intuition gives only manifold, while the formal intuition gives unity of representation. In the Aesthetic I counted this unity as belonging merely to sensibility. I wanted only to note that it comes before all concepts. Even so, this unity presupposes a synthesis that isn’t the senses’ business. That synthesis is what makes any concept of space and time possible in the first place. Space or time is first given as an intuition by way of that synthesis, in which the understanding determines sensibility. The unity of such an intuition therefore belongs a priori to space and time themselves, and not to a concept of the understanding. (§ 24.)
* * *
B 162 Take an empirical intuition of a house. I make it a perception by apprehending its manifold. The necessary unity of space, and of outer sensible intuition in general, lies at the base of this. I sketch the shape of the house, as it were, in keeping with the synthetic unity of the manifold in space. Leave aside the form of space, and this same synthetic unity turns out to have its seat in the understanding. It is the category for synthesizing what is homogeneous in an intuition as such. In other words, it is the category of magnitude. The synthesis of apprehension, meaning perception, has to fit this category in every respect*.
* This is how it gets proved that the empirical synthesis of apprehension must conform of necessity to the synthesis of apperception. The latter is intellectual and is contained wholly a priori in the category. A single spontaneity is at work in both. It puts combination into the manifold of intuition. In the one place it goes under the name of imagination, in the other the name of understanding.
Take another example: I perceive water freezing. I apprehend two states, a fluid state and a solid state, as related to each other in time. But take the time that I put under the appearance, as inner intuition.
B 163 In that time I represent a synthetic unity of the manifold, and I can’t do otherwise. Without it, that relation could not be given determinately in an intuition (with regard to the time sequence). This synthetic unity is an a priori condition. I combine under it the manifold of an intuition as such. Set aside the abiding form of my inner intuition, which is time. What remains of the unity is the category of cause. I apply that category to my sensibility. By it I determine the relation of everything that happens in time as such. So the apprehension in an event of this sort falls under the concept of how effects and causes are related. So does the event itself, so far as possible perception of it goes. And so it is in all other cases.
* * *
Categories are concepts that lay down laws a priori for appearances, and so for nature, understood as the sum total of appearances (natura materialiter spectata). Now a question arises. The categories are not drawn from nature, and nature is not their model, since they would then be merely empirical. So how can we understand that nature must conform to them? That is, how can they determine a priori the combination of nature’s manifold without taking it from nature? Here is the solution to this riddle.
B 164 It is no more puzzling that the laws of appearances in nature have to fit the understanding and its a priori form than that appearances themselves have to fit the a priori form of sensible intuition. That form of the understanding is its power to combine the manifold as such. Laws don’t exist in the appearances any more than appearances exist in themselves. Laws exist only in relation to the subject that the appearances inhere in, and only because that subject has understanding. Appearances likewise exist only in relation to that same being, and only because it has senses. Things in themselves would have their lawfulness of necessity, whether or not an understanding cognizes them. But appearances are only representations of things, and those things exist unknown, as to whatever they may be in themselves. Being mere representations, they are bound by no law of connection other than the one that the faculty doing the connecting lays down. Imagination is the faculty that does the connecting of the manifold of sensible intuition. For the unity of its intellectual synthesis, imagination relies on the understanding. For the variety in apprehension, it relies on sensibility. Every possible perception rests on the synthesis of apprehension. That empirical synthesis itself depends on the transcendental one, and so on the categories. Hence all possible perceptions must, as to how they are combined, stand under the categories.
B 165 So must everything that can ever come into empirical consciousness. That means all appearances of nature. Nature (considered simply as nature in general) depends on the categories as the original ground of its necessary lawfulness (as natura formaliter spectata). The pure power of the understanding, using mere categories, cannot prescribe any further a priori laws to appearances. It stops at the laws on which a nature as such rests, namely the lawfulness of appearances in space and time. Particular laws concern empirically determined appearances. They can’t be fully derived from the categories, even though they all stand under them. Experience has to be added to get to know the particular laws at all. Only the a priori laws instruct us about experience in general and about what can be cognized as an object in it.
§ 27 Result of this deduction of the concepts of the understanding
We can’t think an object except through categories. We can’t cognize a thought object except through intuitions that correspond to those concepts. All our intuitions, however, are sensible. A cognition whose object is given is therefore empirical. Empirical cognition is experience.
B 166 That leaves us with no possible a priori cognition except of objects of possible experience*.
* I want to head off a rash stumble over the harmful consequences that may be feared from this proposition. So let me only remind readers that the categories, in thinking, are not held back by the conditions of our sensible intuition. They have an unbounded field. Only the cognizing of what we think, the determining of the object, needs intuition. When intuition is absent, thinking of the object may still have true and useful effects on how the subject uses reason. But this use of reason is directed not always at determining the object, and so at cognition, but also at determining the subject and its willing. So it can’t be set out here yet.
Now this cognition, though limited to objects of experience, is not for that reason all borrowed from experience. Take both the pure intuitions and the pure concepts of the understanding. These are elements of cognition, and they are found in us a priori. Only two routes are open if we want to think of a necessary agreement between experience and the concepts of its objects. Either experience is what makes these concepts, or else these concepts are what make experience possible.
B 167 The first does not hold for the categories (or for pure sensible intuition either). They are concepts a priori, and so independent of experience. To claim an empirical origin for them would be a kind of generatio aequivoca, or spontaneous generation. Only the second is left (a kind of system of epigenesis of pure reason): the point being that the categories, coming from the understanding’s side, hold the grounds that make any experience possible at all. How the power of judgment is used transcendentally is the subject of the next chapter. That chapter will say more about how the categories make experience possible. It will also cover which principles of its possibility they hand us when they are applied to appearances.
Imagine someone offering a middle path between the only two ways we named. Namely, the categories would be neither first principles of our cognition thought up by ourselves a priori, nor drawn from experience. These would be dispositions for thinking, subjective ones, that were placed in us at the very moment we came to exist. Our Maker would have arranged them so that using them matches precisely the laws of nature that experience follows (a sort of preformation system of pure reason). Besides the fact that there is no end in sight to how far one might push the assumption of predetermined dispositions toward future judgments on such a hypothesis, one thing would settle the case against this middle way.
B 168 On that view, the categories would lack the necessity that is part of what their concept means. Consider cause. Its concept states that a result follows necessarily once a condition is presupposed. The concept would then be false, if all it rested on were some arbitrary subjective necessity, built into us, that makes us combine certain empirical representations by a rule of that kind. I couldn’t say the effect and the cause are combined in the object, meaning that they are combined necessarily. I could only say, “I am built in such a way that I cannot think these representations as connected in any other way.” The skeptic could ask for nothing better. Our insight would then be nothing but sheer illusion, since our judgments would only seem to be objectively valid. And there would be no lack of people who wouldn’t admit this subjective necessity in themselves (it has to be felt). At the very least, one could quarrel with no one over what rests merely on how that person’s subject is organized.
Brief account of this deduction
It lays out the pure concepts of the understanding (and with them all theoretical cognition a priori) as principles of the possibility of experience. Next it presents experience as the determining of appearances in space and time as such.
B 169 Last it presents this determining as derived from the principle of the original synthetic unity of apperception. That principle is the understanding’s form, taken in relation to space and time, the original forms of sensibility.
* * *
I consider the division into numbered sections necessary only up to this point, because we were dealing with the elementary concepts. Now we want to show how these concepts are used. From here the exposition can go on as one continuous argument, without such numbering.
Of the Transcendental Analytic Second Book
The Analytic of Principles
A ground plan underlies general logic, and it coincides exactly with how the higher faculties of cognition are divided. Those faculties are understanding, power of judgment, and reason. So in its analytic, that doctrine deals with concepts, judgments and inferences, exactly in line with the functions and the order of those powers of the mind, which are all included under the broad name of the understanding in general.
B 170 Formal logic of this bare kind sets aside all content of cognition, pure or empirical. It is concerned solely with the form of thinking as such, that is, of discursive cognition. So in its analytic part it can include the canon for reason as well. The form of reason has a reliable prescription of its own. It can be seen a priori, without looking at the special nature of whatever cognition is in use, just by analyzing the acts of reason into their moments.
Transcendental logic can’t imitate general logic in this division, because it is limited to a definite content, namely pure cognitions a priori only. As it turns out, reason has no objectively valid transcendental use. So it doesn’t belong to the logic of truth, that is, the analytic. As a logic of illusion, it calls for a special part of the scholastic system, under the name of transcendental dialectic.
Understanding and power of judgment therefore find, in transcendental logic, their canon for a use that is objectively valid and so true. That puts them in its analytic part. Reason is another story. It tries to settle things about objects a priori and to widen cognition past the boundaries of possible experience.
B 171 In all of this it is dialectical through and through. Its illusory assertions don’t fit into a canon at all, and the analytic is supposed to contain such a canon.
The analytic of principles will therefore be only a canon for the power of judgment. It instructs the power of judgment in applying to appearances the understanding’s concepts. These concepts hold the condition for rules a priori. That is why, in treating the understanding’s actual principles as my topic, I will call the work a doctrine of the power of judgment. It marks this task more exactly.
Introduction On the Transcendental Power of Judgment in General
Define the understanding in general as the faculty of rules. The power of judgment is then the faculty of subsuming things under rules. That is, it tells whether something falls under a given rule (casus datae legis) or not. General logic has no instructions for the power of judgment, and it could not have any. It abstracts from all content of cognition, so nothing is left to it but one task: to take apart, analytically, the bare form of cognition as it appears in concepts, judgments and inferences.
B 172 In this way it arrives at formal rules covering every use of the understanding. Suppose it wanted to show in general how to subsume under these rules, that is, how to tell whether something falls under them or not. That could be done only through another rule. But this rule, just because it is a rule, again needs guidance from the power of judgment. Here we see that the understanding can be instructed and furnished by rules. The power of judgment, by contrast, is a talent of a special sort. It can’t be taught at all. It can only be practiced. That is why the power of judgment is the specific mark of so-called mother wit, and no school can make up for a lack of it. A school can hand a limited understanding plenty of rules, borrowed from other people’s insight, and graft them on, so to speak. But the ability to use them correctly must belong to the pupil, and no rule one might prescribe for this purpose is safe from misuse if the pupil lacks such a natural gift*.
B 173 So a doctor, a judge or a statesman may carry many fine pathological, legal or political rules in their head, to the point where they could become a thorough teacher of them. And yet they can easily slip in applying them. Perhaps they lack natural power of judgment (though not understanding). In abstracto they can see the general rule, but whether a case in concreto belongs under it, they can’t tell. Or perhaps they haven’t been trained enough for this judgment through examples and real business. This is also the one great use of examples: they sharpen the power of judgment. As for the correctness and precision of insight by the understanding, examples usually do it some harm instead. Seldom do they satisfy the rule’s condition adequately (as casus in terminis). Often, too, they sap the understanding’s effort to see rules in all their sufficiency, in general and apart from the particular circumstances of experience. They get us used to using rules more like formulas than like principles.
B 174 So examples are the baby walker of the power of judgment, and anyone who lacks the natural talent for it can never do without one.
* Lack of power of judgment is really what we call stupidity, and nothing can be done about such a defect. A dull or limited mind that lacks nothing except the proper degree of understanding and concepts of its own can be well equipped by learning, even up to scholarship. Such a mind usually lacks judgment too (the secunda Petri). So it is common to find very learned men who, when they put their science to use, keep revealing that incurable lack.
The power of judgment gets no prescriptions from general logic. Transcendental logic is quite different, so much so that it seems its real task is to correct and secure the power of judgment, by definite rules, in the use of the pure understanding. To extend the understanding in the field of pure cognitions a priori, philosophy as a doctrine seems not to be needed at all. Or rather, it seems out of place, since after all attempts so far, little or no ground has been gained that way. As critique it is different. There, philosophy is called up with all its sharpness and skill at testing, to guard against slips of the power of judgment (lapsus judicii) when we use the few pure concepts of the understanding that we have. The benefit is then only negative.
Transcendental philosophy has this distinctive feature. The pure concept of the understanding supplies a rule, or better, the general condition for rules. Transcendental philosophy can, in addition, point out a priori the case where the rule is to be applied.
B 175 It enjoys this advantage over every other teaching science (mathematics excepted), and the cause of it is this: it deals with concepts that are supposed to relate to their objects a priori. So their objective validity can’t be shown a posteriori, since that would leave their dignity entirely untouched. What transcendental philosophy must do instead is spell out the conditions that allow objects to be given in line with those concepts. It must do so through marks that are general yet sufficient. Otherwise the concepts would be without any content, mere logical forms and not pure concepts of the understanding.
The power of judgment gets its transcendental doctrine in two chapters. The first treats the sensible condition that alone allows pure concepts of the understanding to be used. That is the schematism of pure understanding. The second treats synthetic judgments. On those conditions, a priori, these judgments follow from pure concepts of the understanding. They also lie beneath every other a priori cognition. These judgments are the principles of the pure understanding.
B 176 Of the Transcendental Doctrine of the Power of Judgment (or Analytic of Principles) First Chapter On the Schematism of the Pure Concepts of the Understanding
Think of any case where an object is subsumed under a concept. The representation of the object has to be of one kind with the concept. In other words, whatever is represented in the object being subsumed must be something the concept contains. That is all it means to say an object is contained under a concept. Take the empirical concept of a plate and the pure geometrical concept of a circle. They are of one kind, because the roundness thought in the plate can be intuited in the circle.
Pure concepts of the understanding are a different matter. Set beside empirical intuitions, and indeed beside any sensible intuitions, they are not of one kind with them at all, and no intuition will ever contain one of them. So how can intuitions be subsumed under such concepts? How can a category be applied to appearances? Nobody will say of a category, causality for instance, that it can also be intuited.
B 177 Nobody will say that the senses can intuit it, or that it is contained in the appearance. The question is natural and weighty. This is the actual reason why the power of judgment must have a transcendental doctrine. Its task is to show how appearances as such can have pure concepts of the understanding applied to them. Other sciences don’t face this. In them, the concepts that think the object in general are not so different from, or so unlike, the concepts that present it in concreto just as it is given. So no special discussion is needed there of how the first kind is applied to the second.
One thing is clear. A third item has to exist. It must be of one kind with the category on one side and with the appearance on the other, and it has to make the category’s application to the appearance possible. This go-between representation must be pure, with nothing empirical in it. Yet it must be intellectual in one respect and sensible in another. The transcendental schema is such a thing.
A concept of the understanding holds the pure synthetic unity of the manifold as such. Time is what formally conditions the manifold of inner sense. That makes it the formal condition for the connecting of all representations. In pure intuition, time holds a manifold a priori. Now take a transcendental determination of time. It resembles the category, which makes up its unity, in being universal and in resting on a rule a priori.
B 178 But it also resembles the appearance, because time is contained in each empirical representation of a manifold. So the category can be applied to appearances, through the transcendental determination of time. Such a determination serves as the schema for concepts of the understanding. It is what brings the appearances under the category.
After what the deduction of the categories has shown, I hope nobody is unsure how to settle a certain question. Are these pure concepts of the understanding meant only for empirical use, or can they also be used transcendentally? In other words, do they relate a priori only to appearances, as conditions of possible experience? Or can they reach out to objects in themselves, as conditions of the possibility of things as such, with no restriction to our sensibility? The deduction showed several things. First, no concept can exist, or mean anything, unless an object is given for it, or at least for the parts it is made of. So concepts cannot apply to things in themselves, no matter whether or how such things may be given to us. Second, objects are given to us in one way only: as a modification of our sensibility. Third, pure concepts a priori have to hold something besides the function of the understanding found in the category.
B 179 They must also contain formal conditions of sensibility, in particular of inner sense, a priori. These conditions hold the general requirement under which a category can be applied to any object at all. We will name this formal and pure condition of sensibility the schema of the concept of the understanding that is restricted to it in use. And we will call the understanding’s way of handling these schemata the schematism of pure understanding.
By itself, a schema is always just a product of imagination. Even so, a schema must be told apart from an image. The reason is that imagination’s synthesis aims at no single intuition. It aims only at unity in how sensibility is determined. Put five points in a row:..... You then have an image of the number five. Now suppose I just think of a number as such, which might be five or a hundred. Thinking it amounts more to representing a method than to forming an image. The method is a way of picturing a multitude (a thousand, for example) in an image, following a certain concept. If it were the image I had in mind, I could hardly take it in at a glance and compare it with the concept. Consider the representation of a general procedure of imagination. The procedure gives a concept its image.
B 180 I call that representation the schema of the concept.
Our pure sensible concepts rest, in truth, on schemata, not on images of objects. No image would ever fit the concept of a triangle as such. It could not reach the generality of the concept, which lets the concept cover all triangles, right-angled, oblique and the rest. An image would always cover only one part of that range. A triangle’s schema exists only in thought, and nowhere else. It stands for a rule by which imagination synthesizes pure figures in space. Still less does any object of experience, or image of one, ever attain the empirical concept. The empirical concept relates directly to imagination’s schema. That schema is a rule telling how to determine our intuition under a given general concept. Take the concept of a dog. It means a rule: my imagination can follow it to outline a four-footed animal’s shape in a general way. It is not tied to any one particular shape that experience gives me, or to any image I might present in concreto. This schematism of our understanding, where appearances and their bare form are concerned, is a hidden art deep in the human soul. We will hardly ever pry its true tricks from nature and lay them open to view.
B 181 This much we can say. An image is a product of the empirical power of productive imagination. A sensible concept’s schema, as for figures in space, is made by pure imagination a priori. You could call it a monogram. Images first become possible through this schema and in keeping with it. Images can be linked to the concept only through the schema that they mark out, and taken alone they never fully match the concept. A pure concept of the understanding has a schema of another kind. It cannot be turned into any image at all. It is nothing but the pure synthesis that follows a rule of unity according to concepts in general, the rule that the category expresses. It is a transcendental product of imagination. It has to do with how inner sense in general is determined, by the conditions of its form (time), for all representations that are supposed to hang together a priori in one concept, in keeping with the unity of apperception.
Let us skip a dull and tiresome breakdown of what transcendental schemata for pure concepts of the understanding call for. We would prefer to present them following the order of the categories, each linked to its category.
B 182 Space is the pure image of all magnitudes (quantorum) for outer sense. For the senses’ objects in general, time is that image. The pure schema of magnitude (quantitatis), which is a concept of the understanding, is number. A number is a representation that sums up the step-by-step addition of one unit to another, units of the same kind. Number, then, is simply the oneness of synthesizing the manifold of an intuition that is homogeneous, whatever it may be. It comes about by my generating time itself while I apprehend the intuition.
In the pure concept of the understanding, reality means what answers to sensation as such. That means it is whatever has a concept that in itself points to being (in time). Negation is whatever has a concept that represents not-being (in time). The two are set against each other through a difference within one and the same time: it can be filled or empty. Time is only the form of intuition, and so of objects as appearances. So whatever in those objects answers to sensation is the transcendental matter of every object considered as a thing in itself (thinghood, reality). Every sensation has a degree or magnitude. By it the sensation can fill the same time, that is, inner sense in regard to one and the same representation of an object, more or less, until it ends in nothing (= 0 = negatio).
B 183 So there is a relation and a coherence, or better a passage, from reality to negation. This makes every reality representable as a quantum. A reality’s schema is the quantity of something so far as it fills time. That schema is exactly this continuous, uniform production of the reality in time. One either descends in time from a sensation of a certain degree until it vanishes, or climbs gradually from negation up to the sensation’s magnitude.
The schema of substance is the permanence of the real in time. It is the representation of the real as a substratum for the empirical determination of time in general. The substratum stays while everything else changes. (Time itself does not run on. What runs on in time is the existence of whatever can change. To time, which is itself fixed and lasting, there answers in appearance what is fixed in existence, namely substance. Only by substance can succession and simultaneity of appearances be determined with respect to time.)
The schema of cause, and of the causality of a thing as such, is the real, which is always followed by something else whenever it is posited at will. It therefore consists in the succession of the manifold, so far as the succession is subject to a rule.
Community (interaction) is the reciprocal causality of substances regarding their accidents.
B 184 Its schema is the coexistence of the determinations of the one substance with the other’s, following a general rule.
The schema of possibility is the agreement between the synthesis of various representations and the conditions of time in general. An example is that opposites cannot be in one thing at once but only one after the other. So possibility is the determination of a thing’s representation at some time.
The schema of actuality is existence in a determinate time.
The schema of necessity is the existence of an object at all times.
All of this shows what the schema of each category holds and makes representable. For magnitude, the schema contains the creation (synthesis) of time itself as an object is apprehended one part after another. For quality, it contains sensation (perception) synthesized with the representation of time, which is to say the filling of time. For relation, it contains the way perceptions are related to each other at every time (that is, by a rule for determining time). Finally, for modality and its categories, it contains time itself, as the correlate for determining whether and how an object belongs to time. The schemata are therefore nothing but determinations of time a priori, by rules. These rules follow the order of the categories. They bear on the time series and on what time contains.
B 185 They also bear on time’s order, and last on time taken as a whole, for every possible object.
This makes it plain where the schematism of the understanding leads, by way of imagination’s transcendental synthesis. It leads to nothing but the unity of the whole manifold of intuition in inner sense. Indirectly it leads to the unity of apperception, which is a function matching inner sense (a receptivity). Thus the schemata of pure concepts of the understanding are the real and sole conditions under which those concepts relate to objects and so have meaning. The categories end up with no use except a possible empirical one. All they do is subject appearances to general rules of synthesis, resting on a unity that is necessary a priori (because all consciousness has to be united in one original apperception). In that way they make appearances suitable for complete connection in a single experience.
Every cognition we have lies inside the whole of possible experience. Transcendental truth consists in the general relation to that whole. It comes ahead of every empirical truth, and empirical truth is possible only because of it.
Still, one more thing stands out. The schemata of sensibility are what first realize the categories.
B 186 Yet they also restrict the categories, confining them to conditions that lie outside the understanding, in sensibility. A schema is thus really only the phenomenon, or sensible concept of an object, as it fits the category. (Numerus est quantitas phaenomenon, sensatio realitas phaenomenon, constans et perdurabile rerum substantia phaenomenon—aeternitas, necessitas, phaenomena, and so on.) Say we drop a restricting condition. It seems we then widen the concept that was narrowed before. The categories in their pure meaning, free of every condition of sensibility, would then hold of things as they are. Their schemata, in contrast, only show things as they appear. The categories would then have a meaning that depends on no schemata and reaches much further. In fact, once every sensible condition has been put aside, the pure concepts of the understanding do keep a meaning. It is a logical meaning only, that of the bare unity of representations. No object is given to those representations. So they get no meaning either that could provide a concept of an object. Substance is an example. Leave out the sensible determination of permanence, and substance means only a something that can be thought as a subject, without being a predicate of anything else. I can do nothing with that idea.
B 187 It doesn’t show me what determinations belong to the thing that is supposed to count as such a first subject. Without schemata, the categories are only functions the understanding uses for forming concepts. They don’t present any object. Their meaning comes from sensibility, which makes the understanding real by restricting it at the same time.
Of the Transcendental Doctrine of the Power of Judgment (or Analytic of Principles) Second Chapter
System of All Principles of the Pure Understanding
In the last chapter we looked at the transcendental power of judgment only for the general conditions under which, and only under which, it may use the pure concepts of the understanding to form synthetic judgments. Our job now is to set out, in a connected system, the judgments that the understanding really does produce a priori when it works with this critical care. For this, our table of categories must without doubt give us a natural and safe guide. For the categories are the very concepts whose relation to possible experience must make up all pure cognition of the understanding a priori.
B 188 How the categories relate to sensibility in general will therefore lay out all the transcendental principles that govern how the understanding is used, fully and as one system.
Principles a priori have that name for two reasons. They contain the grounds of other judgments, and they are not themselves grounded in any higher or more general cognitions. Still, this second quality doesn’t always excuse them from needing a proof. A proof can’t be carried any further on the side of the object, since the principle itself lies at the base of all cognition of its object. But that doesn’t stop a proof from being possible, and even necessary, if it draws on the subjective sources that make cognition of an object in general possible. Without one, the proposition would fall under the heaviest suspicion of being a claim slipped in by trickery.
Second, we’ll stick to the principles that concern the categories. So the principles of the transcendental aesthetic, which say that space and time are what make all things possible as appearances, don’t belong in the field we’ve marked out. Neither does the restriction on those principles, namely that they can’t be applied to things in themselves. The mathematical principles aren’t a part of this system either. That is because they are drawn from intuition alone, not from a pure concept of the understanding.
B 189 Still, they are synthetic judgments a priori, so we must make room here for the question of how they are possible. We won’t be proving that they’re correct or apodictically certain; they don’t need that. We only want to make it understandable how such evident cognitions a priori are possible, and to deduce that possibility.
We will also have to talk about the principle of analytic judgments. We will set it against the principle of synthetic judgments, which are what we are really concerned with. Putting the two side by side frees the theory of the synthetic ones from every misunderstanding. It also lays their special nature plainly before our eyes.
The System of the Principles of Pure Understanding First Section The Supreme Principle of All Analytic Judgments
Our cognition may have any content, and it may relate to its object in any way. Even so, there is one general condition that all our judgments must meet, though it’s only a negative one: they mustn’t contradict themselves. If they do, they are nothing in themselves, even apart from any object.
B 190 But a judgment can contain no contradiction and still tie concepts together in a way the object doesn’t allow. Or it may have no ground at all, whether a priori or a posteriori, to justify making it. So a judgment can be free of every inner contradiction and still be false, or without ground.
“A predicate that contradicts a thing can’t belong to that thing.” This proposition is called the principle of contradiction. It is a universal criterion of truth, though only a negative one. It does, however, belong to logic and to nothing else, since it holds of cognitions simply as cognitions, whatever they’re about. And what it says is that contradiction wipes them out and cancels them completely.
The principle can be used positively, too. It doesn’t just serve to banish falsehood and error where these rest on a contradiction. It also lets us recognize truth. If a judgment is analytic, whether it affirms or denies, the principle of contradiction is always enough to recognize its truth. Here’s why. Take whatever our cognition of the object already contains as a concept and thinks in it. Its opposite will always be correctly denied of the object. The concept itself, on the other hand, has to be affirmed of it.
B 191 The reason is that the opposite of the concept would contradict the object.
So we have to grant the principle of contradiction the status of universal, fully adequate principle for all analytic cognition. But that’s as far as its authority and usefulness go, as a criterion of truth that suffices. No cognition can go against it without wiping itself out. That makes the principle a conditio sine qua non, a condition without which nothing could be true. But it does not make the principle what determines whether our cognition is true. Our real business is just the synthetic part of cognition, so we’ll always be careful never to act against this principle, which can’t be broken. But when it comes to the truth of cognition of that kind, we can never hope to learn anything from it.
Here is a formula of this famous principle (a purely formal one, empty of all content) that does contain a synthesis. The synthesis got into it through carelessness, and quite needlessly. The formula says: “It’s impossible for something to be and not be at once.” The word “impossible” adds apodictic certainty, and that was unnecessary. The certainty ought to follow from the proposition by itself. On top of that, the formula is affected by the condition of time.
B 192 It says, in effect: a thing = A, which is something = B, can’t at the same time be non B. But it can very well be both, B and non B, one after the other. Example: someone who is young can’t be old at the same time. Yet one and the same person can be young at one time, and at another time not young, which means old. Now the principle of contradiction is purely logical. It mustn’t limit what it says to relations of time. So a formula like this one runs against the principle’s whole point. The misunderstanding comes only from this. First people split a predicate off from a thing’s concept. Then they join its opposite to that predicate. This never yields a contradiction with the subject. It yields one only with the subject’s predicate, the one that was joined to it synthetically. And even that happens only when the first and second predicates are set down at the same time. Say I claim that an unlearned person is not learned. Then I must add the condition “at once,” because someone unlearned at one time may well be learned at another. Say instead that no unlearned person is learned. Then the proposition is analytic, because the mark (being unlearned) now helps form the concept of the subject. The negative proposition then follows straight from the principle of contradiction, with no need to add “at once.”
B 193 That’s also why I changed the formula above: so that it shows clearly what an analytic proposition is.
The System of the Principles of Pure Understanding Second Section The Supreme Principle of All Synthetic Judgments
Explaining how synthetic judgments are possible is a task that general logic has nothing to do with. It isn’t even allowed to know the task’s name. In a transcendental logic, though, it is the most important job of all. It is even the only job, when the question is the possibility of synthetic judgments a priori, along with the conditions and the extent of their validity. For once it is done, transcendental logic can fully meet its aim, which is to fix the extent and the boundaries of the pure understanding.
In an analytic judgment I stay with the concept I’ve been given and settle something about it. If the judgment affirms, I give the concept nothing except what it already held in thought. If it denies, I just shut out the concept’s opposite. In synthetic judgments, though, I must go outside the given concept. I have to consider something entirely different from what was thought in it, and consider how that stands in relation to the concept.
B 194 That relation is never one of identity or of contradiction. And you can’t tell from the judgment itself whether it’s true or mistaken.
Suppose we grant that to compare a given concept synthetically with another, we have to step outside it. Then a third thing is required, and only within it can two concepts be synthesized. But what could this third thing be, this medium of all synthetic judgments? It is nothing but the whole collection that contains all our representations: inner sense, together with its form a priori, which is time. The synthesis of representations depends on imagination. Their synthetic unity, which judgment needs, depends on the unity of apperception. So here is where we have to look for what makes synthetic judgments possible. All three of these hold sources of representations a priori, so this is also where we must look for the possibility of pure synthetic judgments. Given these grounds, such judgments are even necessary, if any cognition of objects is to come about that depends on nothing but the synthesis of representations.
For a cognition to have objective reality, that is, to refer to an object and have meaning and sense in it, the object must be able to be given in some way. Without that, concepts are empty. With them you have thought, yes.
B 195 But in fact that thinking cognized nothing; you’ve only played with representations. Now, giving an object (not merely in an indirect way, but by presenting it directly in intuition) comes down to relating its representation to experience, actual or at least possible. Even space and time are as free of everything empirical as concepts can be, and it’s certain that they are represented in the mind completely a priori. Even so, they would have no objective validity, sense or meaning unless we could show that they must be used on objects of experience. Indeed, our representation of them is just a schema, and a schema always points back to the reproductive imagination, the faculty that summons the objects of experience. Without those objects the representation would mean nothing. The same goes for every concept, without exception.
So the possibility of experience is what gives objective reality to all our cognitions a priori. Experience, in turn, rests on the synthetic unity of appearances. That means it rests on a synthesis that goes by concepts of the object of appearances as such. Without that synthesis, appearances wouldn’t even amount to cognition. They’d be a rhapsody of perceptions that wouldn’t fit together within any context ruled by a thoroughly connected (possible) consciousness. They wouldn’t fit the transcendental, necessary unity of apperception either.
B 196 Experience therefore has principles of its form lying beneath it a priori. These are general rules for unity in the synthesis of appearances. As necessary conditions, they can always be shown to have objective reality in experience, even in its very possibility. Apart from this relation, synthetic propositions a priori are altogether impossible. There’s no third thing for them, no pure object, where the synthetic unity of their concepts could show objective reality.
In synthetic judgments about space as such, and about the shapes productive imagination sketches in it, we can know a great deal a priori. We don’t actually need any experience for that. Even so, this cognition would be nothing at all. It would be an occupation with a mere figment of the brain, unless space counts as a condition of the appearances that supply the stuff of outer experience. So these pure synthetic judgments refer to possible experience, or rather to the possibility of experience itself, though only indirectly. They rest the objective validity of their synthesis on that alone.
Experience, as empirical synthesis, is the only way of cognizing that lends reality to all other synthesis, through its own possibility. So that other synthesis, as cognition a priori, has truth in only one way.
B 197 Its truth, its agreement with the object, comes only from containing nothing more than the synthetic unity of experience in general requires.
The highest principle of all synthetic judgments, then, is this: any object stands under the conditions that are necessary if the manifold of intuition is to have synthetic unity within a possible experience.
This is how synthetic judgments a priori become possible. We start from the formal conditions of intuition a priori, plus the synthesis of imagination, plus the necessary unity of that synthesis in a transcendental apperception. We relate all of them to a possible cognition by experience as such. Then we can say that the conditions for the possibility of experience as such are the same conditions that make the objects of experience possible. That is why they have objective validity in a synthetic judgment a priori.
The System of the Principles of Pure Understanding Third Section Systematic Presentation of All Its Synthetic Principles
The fact that there are principles anywhere is owed entirely to the pure understanding. It is more than the faculty of rules for what happens.
B 198 It is itself the source of principles, which make everything that can ever show up for us as an object stand necessarily under rules. Without rules like these, appearances could never provide cognition of an object matching them. Even natural laws, when we regard them as basic laws of how the understanding is used empirically, bring along an expression of necessity. At the very least they suggest that they’re settled by grounds that hold a priori, before any experience. And yet every law of nature, without exception, is subordinate to higher principles of the understanding, because it only applies them to particular cases of appearance. Only these higher principles give us the concept that contains the condition for a rule in general, and in a way its exponent. Experience gives us the case that falls under the rule.
There is really no danger of mistaking merely empirical principles for principles of the pure understanding, or the other way around. That is because the pure principles are marked by a necessity according to concepts. Any empirical proposition lacks that necessity, however generally it may hold, and the lack is easy to notice. So this mix-up is easy to avoid. But there are some pure principles a priori that I still wouldn’t assign specifically to the pure understanding. My reason is that they are not drawn from pure concepts.
B 199 They are drawn from pure intuitions (though by means of the understanding). And understanding is the faculty of concepts. Mathematics has principles of this kind. But their application to experience, and with it their objective validity, still always rests on the pure understanding. So does the possibility of such synthetic cognition a priori (the deduction of it).
That’s why the principles of mathematics won’t be listed among mine. What I will list are the principles on which the possibility of mathematics and its objective validity a priori are founded. They should be seen as the principium, the source, of the mathematical principles. They begin with concepts and move toward intuition. They do not begin with intuition and move toward concepts.
When pure concepts of the understanding are applied to possible experience, their synthesis is used in one of two ways: mathematically or dynamically. The reason is that the synthesis is directed partly at intuition alone and partly at the existence of an appearance as such. The conditions of intuition a priori are completely necessary for any possible experience. The conditions for objects of some possible empirical intuition actually existing are merely contingent in themselves. So the principles that govern mathematical use will state something unconditionally necessary, that is, apodictic. The principles of dynamic use will carry a character of necessity a priori too. But that necessity holds only on the condition that empirical thinking goes on in some experience.
B 200 So they carry it only mediately and indirectly, and they lack the immediate evidence that the mathematical principles have (although this doesn’t harm their certainty, which extends to experience in general). We’ll be able to judge this better at the close of this system of principles.
The table of categories points us quite naturally to the table of principles. The principles, after all, are just rules for putting the categories to objective use. So the principles of the pure understanding, all of them, are
1 Axioms of intuition
2 Anticipations of perception
3 Analogies of experience
4 Postulates of empirical thinking in general
I chose these names with care, so that the differences in evidence and in the way these principles are carried out wouldn’t slip by unnoticed. But it will soon be clear that they do differ.
B 201 In evidence, and in how they determine appearances a priori, the principles of quantity and quality (if we look only at the form of the latter) stand sharply apart from the other two. The first two admit of intuitive certainty. The other two admit only of discursive certainty. But both kinds can be completely certain. So I will call the first group the mathematical principles and the second the dynamic principles*.
B 202 Please notice, though, that I have in mind neither the principles of mathematics (in the first case) nor those of general, physical dynamics (in the second). I mean only the principles of the pure understanding, in relation to inner sense, whatever representations are given in it. These are what give all those other principles their possibility. So I’m naming them for how they’re applied, more than for what they contain. Now I’ll consider them in the same order the table presents them.
* Combination (conjunctio) comes in two kinds: composition (compositio) and connection (nexus). Composition is the synthesis of a manifold that doesn’t have to belong together. Take the two triangles you get when a diagonal cuts a square in half. By themselves they don’t have to belong together. That is also how things of the same kind are synthesized in everything that can be treated mathematically. (This synthesis can itself be split into aggregation and coalition. The first deals with extensive magnitudes, the second with intensive ones.) The second kind of combination, connection (nexus), is the synthesis of a manifold whose parts do have to belong together. An accident belongs to some substance this way, and an effect to its cause—so such a manifold is also represented as combined a priori, even though its parts are different in kind. This combination is not arbitrary. I call it dynamic because it concerns how the existence of the manifold is combined. (This kind splits again, into the physical kind, which joins appearances to one another, and the metaphysical kind, which joins them in the faculty of cognition a priori.)
1 Axioms of Intuition
The principle for these is: all intuitions are extensive magnitudes.
Proof
Each appearance has, in its form, an intuition in space and time, and that intuition lies beneath all of them a priori. So the only way to apprehend them, meaning to take them into empirical consciousness, is through the synthesis of the manifold. This synthesis produces the representation of a definite space or time. It does so by composing what is of one kind.
B 203 And it brings with it consciousness of the synthetic unity of that (homogeneous) manifold. Now consciousness of a homogeneous manifold in intuition as such is the concept of a magnitude (quanti), to the extent that this consciousness is what first makes representing an object possible. So even the perception of an object, taken as appearance, depends on the very same synthetic unity in the manifold of the given sensible intuition. Through that unity we think the unity of composition of the homogeneous manifold in the concept of a magnitude. In other words, all appearances are magnitudes, and specifically extensive ones. They appear as intuitions in space or time. So the synthesis that represents them has to be the one that also determines space and time as such.
I call a magnitude extensive when representing its parts is what makes it possible to represent the whole (so the representation of the parts necessarily comes first). However short a line is, I can’t picture it without drawing it in my thought. That means generating all its parts one by one from a point, and only in this way sketching the intuition at all. Time is exactly the same, even the tiniest bit of time. All I think in it is the step-by-step advance from one instant to the next. Out of all the parts of time and their being added together, a definite stretch of time finally results. Space or time is the bare intuition in all appearances.
B 204 So every appearance, as an intuition, is an extensive magnitude: it can be cognized in apprehension only by a successive synthesis, from part to part. Hence all appearances are already intuited as aggregates (collections of parts given beforehand). This isn’t so for every kind of magnitude. It’s so only for magnitudes that are represented and apprehended by us as extensive.
Geometry, the mathematics of extension, and its axioms are built on this successive synthesis by productive imagination as it produces shapes. The axioms express the conditions of sensible intuition a priori. Only under these conditions can a pure concept of outer appearance get its schema. For example: two points allow just one straight line; two straight lines can’t enclose a space; and so on. These are the axioms, and they properly concern only magnitudes (quanta) as such.
Now take magnitude in the sense of quantitas, the answer to the question “How big is it?” Several propositions about this are synthetic and immediately certain (indemonstrabilia). Even so, strictly speaking, none of them is an axiom. Consider the statements that adding equals to equals, or subtracting equals from equals, gives equals. These are analytic, since I am directly aware that one way of generating a magnitude is the same as the other.
B 205 But axioms are supposed to be synthetic propositions a priori. The evident propositions about relations of number are synthetic, to be sure. But they aren’t universal the way geometry’s propositions are. For exactly that reason they aren’t axioms either; call them numerical formulas. The statement 7+5=12 is not analytic. In the representation of 7, in that of 5, and in the representation of putting the two together, I nowhere think the number 12. (Whether I’m supposed to think it in adding the two isn’t at issue here. With an analytic proposition, the only question is whether the predicate is really thought in what I represent as the subject.) The proposition is synthetic, but it’s still a single, particular proposition. Since we look here only at the synthesis of what is of one kind (units), the synthesis can only go one way, even though these numbers can be used generally afterward. Take the statement that a triangle can be drawn from three lines, two of which together are longer than the third. What I have here is nothing but the function of productive imagination, which is free to draw the lines longer or shorter and to let them meet at any angles you like. The number 7, on the other hand, can arise in only one way, and so can 12, which is produced by combining that number with 5.
B 206 Propositions like these shouldn’t be called axioms (there would be infinitely many then), but numerical formulas.
This transcendental principle behind the mathematics of appearances gives our a priori cognition a large extension. For it alone lets pure mathematics, with all its precision, be applied to objects of experience. Without the principle that would not be so obvious, and it has even stirred up quite a few objections. Appearances are not things in themselves. Empirical intuition is possible only by way of pure intuition (of space and time). So what geometry says about pure intuition holds without argument for empirical intuition, too. We have to drop the evasions that say objects of the senses needn’t follow the rules of construction in space (the infinite divisibility of lines or angles, for instance). That would take objective validity away from space, and with it from all of mathematics. We would no longer know why mathematics applies to appearances, or how far. The synthesis of spaces and times, which are the essential form of all intuition, is the very thing that makes it possible to apprehend an appearance, and so makes outer experience possible, and with it all cognition of the objects of that experience. Whatever mathematics proves about that synthesis in its pure use must hold necessarily for apprehension of appearances as well.
B 207 All objections to this are the tricks of a reason that has been taught wrongly. It mistakenly thinks it can pull the objects of the senses free of the formal condition that our sensibility imposes. It pictures them as things in themselves, given to the understanding, even though they are only appearances. In that case, of course, nothing could be known about them a priori by synthesis, not even through pure concepts of space. And geometry itself, the science that fixes those concepts, wouldn’t be possible.
2 Anticipations of Perception
Their principle is this: in every appearance what is real, the object of sensation, has an intensive magnitude, which is to say a degree.
Proof
Perception is empirical consciousness, meaning consciousness that includes sensation. As objects of perception, appearances are no pure intuitions, no merely formal ones like space and time, since those can’t be perceived in themselves at all. So an appearance holds more than intuition. It also holds the matter for some object as such (this is what represents something existing in space or time). That matter is the real of sensation. It is a purely subjective representation. All we can be aware of through it is that the subject is affected.
B 208 And we relate it to an object as such. Now a gradual transition is possible from empirical consciousness to pure consciousness. The real of empirical consciousness fades away completely, and what remains is a merely formal consciousness (a priori) of the manifold in space and time. So there is also a synthesis that generates the magnitude of a sensation, beginning at pure intuition = 0 and running up to any magnitude you like. Sensation in itself is no objective representation at all. It contains no intuition of space and none of time. So it has no extensive magnitude. But it does have a magnitude, which comes to it through apprehension. In apprehension, empirical consciousness can grow in some stretch of time from nothing = 0 up to its given amount. So sensation has an intensive magnitude. And correspondingly an intensive magnitude, a degree of influence on the sense, has to be ascribed to every object of perception, insofar as it contains sensation.
If a cognition lets me know and fix a priori something that belongs to empirical cognition, we can name it an anticipation. No doubt this is the sense in which Epicurus used his word προληψις. But there is something in appearances that can never be cognized a priori. It is also exactly what separates the empirical from cognition a priori.
B 209 That is sensation, the matter of perception. It follows that sensation is the very thing that cannot be anticipated. On the other hand, the pure determinations in space and time, concerning both shape and magnitude, we could call anticipations of appearances. They represent a priori what is always going to be given a posteriori in experience. But suppose something turns out to be knowable a priori of every sensation as sensation in general (without any particular one being given). That would deserve the name “anticipation” in an outstanding sense, because it seems odd to get ahead of experience in just the part that makes up its matter, which we can get only from experience. And that is truly how things stand here.
Apprehension through sensation alone fills just one instant (if I set aside the succession of many sensations). As something in the appearance, it is not apprehended by a successive synthesis moving from parts to the whole representation. So it has no extensive magnitude. If the sensation is absent in that instant, the instant would be represented as empty, hence = 0. Reality (realitas phaenomenon) is what answers to sensation in empirical intuition. What answers to the lack of sensation is negation = 0.
B 210 But every sensation can be diminished, so that it fades and gradually disappears. That gives a continuous chain of many possible intermediate sensations linking reality in appearance to negation. Their differences from one another are always less than the gap from the given sensation down to zero, that is, to complete negation. In other words, the real in an appearance always has a magnitude. We just don’t meet that magnitude in apprehension, because apprehension by mere sensation happens in an instant, not by the successive synthesis of many sensations, and so it doesn’t go from parts to the whole. The real thus does have a magnitude, though not an extensive one.
A magnitude that is apprehended only as a unit, and in which plurality can be represented only as an approach to negation = 0, I call intensive. Every reality in appearance, then, has an intensive magnitude, a degree. If we regard this reality as a cause (whether of a sensation or of some other reality showing up in appearance, an alteration for instance), the degree of the reality as a cause is called a moment, the moment of gravity for example. It is called that because a degree names only a magnitude whose apprehension is instantaneous, not successive. I mention this only in passing, because I don’t yet have to deal with causality.
B 211 So every sensation, and with it every reality in appearance, has a degree, no matter how small it is. That is, it has an intensive magnitude, and there is always room to reduce it further. Reality and negation are linked by an unbroken chain of possible realities, and of possible smaller perceptions. Take any color, red for instance. Its degree, however small, is never the smallest one. Heat is the same, and so is the moment of gravity, and so on, everywhere.
Continuity is what we call it when no part of a magnitude is the smallest possible, that is, no part is simple. Space and time are quanta continua. We never get a part of them except by fencing it in with boundaries, the points and instants. So any part you give is itself a space, or a time. Space is therefore made up of nothing but spaces, and time of nothing but times. A point or an instant is only a boundary, a mere position marking where something is limited. Positions, however, always presuppose the intuitions they’re supposed to limit or determine. And you can’t build space or time out of mere positions, as if they were ingredients that could be given ahead of space or time. We may also call magnitudes of this kind flowing, because the synthesis (of productive imagination) that generates them is a progress through time.
B 212 Time’s continuity is what we usually mark with the word “flowing” (or “flowing away”).
Appearances in general are therefore all continuous magnitudes, extensive ones in their intuition and intensive ones in mere perception (sensation, and so reality). Suppose the synthesis of an appearance’s manifold breaks off. Then we have an aggregate of many appearances, and not properly one appearance as a quantum. An aggregate isn’t produced by simply carrying on one kind of productive synthesis. It is produced by repeating a synthesis that keeps stopping. Calling 13 thalers a quantum of money is right only on one reading: that I mean what one mark of fine silver contains. A mark of fine silver is a continuous magnitude. No part of it is the smallest; any part could make a coin, and that coin would always contain material for smaller ones. But if I take that name to mean 13 round thalers, counted as that many coins (their silver content being whatever it may be), then calling it a quantum of thalers is improper. I have to call it an aggregate, a number of coins. Every number needs unity as its base. So an appearance, as a unity, is a quantum, and as a quantum it is always a continuum.
Now all appearances, considered extensively or intensively, are continuous magnitudes.
B 213 Given that, the claim that every alteration (a thing’s passing from one state into another) is continuous as well could be proved here easily, with mathematical evidence. It could, if the causality of an alteration in general did not lie completely beyond the boundaries of transcendental philosophy and presuppose empirical principles. The understanding tells us nothing a priori about whether a cause is possible that changes the state of things, meaning one that sets them to the opposite of some given state. There are two reasons. First, the understanding doesn’t see how such a thing could be possible. (We lack that insight in several cognitions a priori, too.) Second, being open to change affects only certain determinations of appearances, which only experience can teach, while their cause is found in what doesn’t change. And here all we have to work with are the pure basic concepts of all possible experience, with nothing empirical allowed among them. So we can’t jump ahead to general natural science, which rests on certain basic experiences, without damaging the unity of the system.
Still, we have plenty of proof of how much influence our principle has. It anticipates perceptions, and it even makes up for their absence, to the point of shutting the door on all false conclusions that could be drawn from their absence.
B 214 Perception shows every reality with a degree, and an endless series of ever lower degrees runs between it and negation. Still, every sense must have some definite degree of receptivity for sensations. Given both, no perception is possible, and so no experience either, that would prove a total absence of everything real in the appearance. It doesn’t matter whether the proof would be direct or indirect, or what detour of reasoning one takes. In other words, experience can never give a proof of empty space or empty time. That is because, first, a total absence of the real in sensible intuition can’t itself be perceived. Second, it can’t be concluded from any single appearance and the differences in its degree of reality. And it must never be assumed in order to explain one. Even if the whole intuition of a given space or time were real through and through, with no part empty, there would still have to be infinitely many different degrees in which space or time is filled. That is because each reality has its degree, and that degree can drop by infinite steps all the way to nothing (the empty) while the appearance’s extensive magnitude stays the same. So the intensive magnitude can be smaller or greater in different appearances, even when the extensive magnitude of the intuition is the same.
B 215 Here’s an example. Nearly all natural philosophers see a big difference in how much matter of different kinds there is in the same volume. They see it partly in the moment of gravity, or weight, and partly in the moment with which it resists other matter in motion. From this they all draw the same conclusion: this volume (the extensive magnitude of the appearance) must be empty in every kind of matter, though to different degrees. Which of these investigators of nature, who are mostly mathematicians and mechanists, would ever have guessed that their conclusion rests entirely on a metaphysical assumption, one they claim so firmly to avoid? Yet that’s what it does, because they assume that the real in space is the same everywhere (I won’t call it impenetrability or weight here, since those are empirical concepts) and that it can be told apart only by extensive magnitude, which means by amount. They couldn’t have had any ground in experience for this assumption, which makes it purely metaphysical. Against it I set a transcendental proof. It isn’t meant to explain the difference in how space is filled. But it entirely removes the supposed need for the assumption, namely that the difference can only be explained by positing empty spaces. And it has the merit of leaving the understanding free, at least, to think this variety in another way as well.
B 216 It has that merit in case the explanation of nature should ever make some hypothesis necessary for this. For we can see that equal spaces may be filled perfectly by different matters, so that not a single point in either lacks their presence. Still, whatever is real, at the same quality, has some degree (of resistance or of heaviness). That degree can keep getting smaller without end, without any decrease in extensive magnitude or amount, before it passes into the empty and vanishes. In the same way, an expansion that fills a space, such as heat, and likewise any other reality (in appearance), can shrink in degree without end, without leaving even the smallest part of that space empty. It can still fill the space with these lower degrees every bit as well as another appearance fills it with higher ones. I don’t mean here to claim that things really are like this with different matters and their specific gravity. I only want to show, using a principle of pure understanding, that our perceptions are of a kind that makes such an explanation possible. And I want to show that people go wrong in assuming that the real in appearance has equal degrees everywhere and varies only through aggregation and extensive magnitude, and even claim, supposedly, to assert this by a principle of the understanding a priori.
B 217 Still, to an investigator who is used to the transcendental, and has become careful because of it, this anticipation of perception always seems striking. It also stirs some doubt that the understanding can anticipate a synthetic proposition like this one, on the degree that every real thing in appearances has, and so on the possibility of an inner difference in sensation itself (once we set aside its empirical quality). So there remains a question that deserves an answer: how can the understanding rule synthetically, a priori, on appearances, and even anticipate them in just the point that is strictly and merely empirical, namely sensation?
Sensation’s quality is always purely empirical. It can’t be represented a priori at all (colors, tastes, and the like). But what is real and corresponds to sensations as such, as opposed to negation = 0, stands for something whose concept in itself contains being. It signifies only the synthesis in an empirical consciousness as such. For in inner sense, empirical consciousness can be pushed up from 0 to whatever higher degree you like. So one and the same extensive magnitude of intuition (an illuminated surface, say) can produce as strong a sensation as a whole collection of other, less illuminated surfaces put together.
B 218 We can therefore abstract entirely from the appearance’s extensive magnitude. Even then, in the bare sensation at a moment, we can represent a synthesis of steady rise, starting at 0 and reaching the empirical consciousness we’re given. So all sensations, as such, are given only a posteriori. But the property they have of possessing a degree can be known a priori. It is remarkable that of magnitudes in general we can know only one quality a priori, continuity. Of all quality (the real in appearances), we can know nothing a priori except its intensive quantity, which is that it has a degree. Everything else is left to experience.
3 Analogies of Experience
Their principle: only if we represent perceptions as necessarily connected is experience possible.
Proof
Experience is empirical cognition, cognition that determines an object by way of perceptions. So it is a synthesis of perceptions. This synthesis isn’t itself contained in perception. It contains the synthetic unity of the perceptions’ manifold in one consciousness. That unity is what is essential to cognition of the objects of the senses, that is, to experience.
B 219 Experience is not just intuition or sensation of the senses. Now it’s true that in experience perceptions come together only by chance. No necessity in their connection shows up from the perceptions themselves, and none can. That’s because apprehension merely puts together a manifold of empirical intuition. Nothing in it represents the appearances it puts together, in space and time, as existing together of necessity. But experience is cognition of objects through perceptions. So the way the manifold’s existence is related has to be represented in experience. It has to be represented not the way the manifold is assembled in time, but the way it objectively stands in time. Time itself, though, can’t be perceived. So the existence of objects in time can only be determined by combining them in time as such, and so only through concepts that are connected a priori. Such concepts always carry necessity with them. Therefore experience is possible only if we represent perceptions as necessarily connected.
The three modi, or modes, of time are persistence, succession and simultaneity. So there are three rules for all the time relations of appearances. By them the existence of each appearance can be fixed in terms of the unity of all time. These rules come before all experience, and they first make it possible.
B 220 The common principle of the three analogies is grounded in the necessary unity of apperception. This unity covers every possible empirical consciousness (that is, perception), whenever it occurs. And since this unity lies at the base a priori, the principle rests too on the synthetic unity of all appearances in their time relations. For original apperception refers to inner sense (the sum of all representations), and specifically to its form a priori, meaning the relation of the manifold of empirical consciousness in time. Now in original apperception, all of this manifold is to be united in accordance with its time relations. That is what the transcendental unity of apperception says a priori, and under it stands everything that is to belong to my cognition (that is, my one cognition) and so be able to become an object for me. This synthetic unity in the time relation of all perceptions is determined a priori. So the law is that empirical determinations of time all have to answer to rules for the general determination of time. The analogies of experience, which we’re about to take up, have to be rules of exactly this sort.
What is special about these principles is that they don’t deal with appearances, or with the synthesis behind their empirical intuition. They look only at existence and at how appearances relate to one another as regards that existence.
B 221 Now the way something gets apprehended in an appearance can be fixed a priori, so that the rule for its synthesis can supply this intuition a priori in any empirical example at hand, that is, bring it about. But the existence of appearances can’t be cognized a priori. Suppose we managed to infer some existence by this route. We still wouldn’t know it determinately. We couldn’t anticipate what makes its empirical intuition different from others.
I called the two earlier principles mathematical, because they entitled us to apply mathematics to appearances. They concerned appearances only as to their bare possibility. They taught how appearances can be produced, both as to what is intuited and as to the real that is perceived in them, by the rules of a mathematical synthesis. In both cases, therefore, numerical magnitudes can be put to use, and with them the determination of an appearance as magnitude. For instance, I could compose the degree of the sensations that sunlight causes from about 200,000 illuminations by the moon, and present it as determined a priori, that is, construct it. That’s why we can call the first principles constitutive.
It has to be quite different with the principles that are meant to put the existence of appearances under rules a priori. For existence can’t be constructed.
B 222 So these principles can only bear on the relation of existence, and the most they can offer are regulative principles. There’s no room here for axioms or anticipations. Suppose one perception is given to us in a time relation to others (which stay indeterminate). We won’t be able to say a priori which other perception that is, or how large. We can say only how that other perception is necessarily combined with the given one as regards existence, in this modus of time. In philosophy, “analogy” means something very different from what it stands for in mathematics. There it is a formula that asserts the equality of two relations of magnitude, and it is always constitutive: given two terms of the proportion, the third is thereby given, which is to say it can be constructed. In philosophy, an analogy is the equality of two relations that are not quantitative but qualitative. With three terms given, all I can know and give a priori is how a fourth term would be related to them. The fourth term itself I can neither know nor give a priori. But I do have a rule for looking for it in experience, and a mark for finding it there. An analogy of experience will thus be just a rule by which unity of experience is to arise out of perceptions (not the way perception itself arises, as empirical intuition as such). As a principle about objects (of appearances) it holds not constitutively, only regulatively.
B 223 The very same holds for the postulates of empirical thinking in general. Taken together, they concern the synthesis of intuition alone (appearance’s form), of perception (its matter), and of experience (how those perceptions relate). They too are only regulative principles. They differ from mathematical principles, and those are constitutive. The difference lies not in certainty, which is settled a priori for both, but in the kind of evidence: in how intuitive they are (and so also in whether they can be demonstrated).
One thing was remarked about all synthetic principles, and it deserves special notice here: these analogies can only be proved as principles of the empirical use of the understanding, not the transcendental use. That’s the only meaning and validity they have, and so it’s the only way they can be proved. It follows that appearances don’t get subsumed straight under the categories, but only under their schemata. Suppose the objects these principles apply to were things in themselves. Then we couldn’t cognize anything about them synthetically a priori. But they are nothing except appearances. Full cognition of them is where all principles a priori finally have to end up, and that is nothing but possible experience. So these principles can aim at nothing except conditions for the unity of empirical cognition within the synthesis of appearances.
B 224 This synthesis is thought only through the schema belonging to the pure concept of the understanding. Of its unity, as a synthesis as such, the category contains the function that no sensible condition restricts. These principles give us the right to put appearances together only in a way that is analogous to the logical, general unity of concepts. In the principle itself we do use the category. But in carrying it out, when we apply it to appearances, we put its schema in the category’s place as the key to its use. Or better, we set the schema next to the category as a restricting condition, calling it a formula of the category.
A. First Analogy
Principle of the Persistence of Substance
Whatever changes among appearances, substance persists. Its quantum is neither increased nor reduced in nature.
Proof
All appearances are in time. Only in time, as their substrate (the lasting form of inner intuition), can being simultaneous and following one another be represented at all.
B 225 So time, which all change of appearances has to be thought in, remains and does not change. For it is that in which being after one another and being together can be represented only as ways time is determined. Time can’t be perceived by itself. So among the objects of perception, the appearances, there has to be a substrate to find. It represents time as such, and in apprehension all change or simultaneity can be perceived through the appearances’ relation to it. Now the substrate of everything real, that is, of everything that belongs to the existence of things, is substance. Anything that has to do with existence can only be thought of as a determination of substance. Therefore what lasts, and what alone lets us determine all the time relations of appearances, is substance in the appearance: its real, the substrate under all change that never varies. And since substance can’t change in existence, its quantum in nature can’t be increased or reduced either.
Our apprehension of the manifold of an appearance is always successive, so it is always changing. By it alone we can never decide if the parts of this manifold, taken as an object of experience, exist together or follow one another, unless something lies at its base that always is: something enduring and lasting.
B 226 All change and all simultaneity are just the different modi of time, the ways that lasting thing exists. Time relations are possible only in what lasts (there are just two relations in time, simultaneity and succession). In other words, what lasts is the substratum of the empirical representation of time itself, and only on it can time be determined at all. Persistence is how time as such gets expressed: the constant correlate of every appearance’s existence, of all change and all accompaniment. For change doesn’t touch time itself, only the appearances in time. (And being simultaneous isn’t a modus of time itself, since in time there are no parts that are simultaneous. All are one after another.) If we ascribed succession to time itself, we’d have to think of yet another time in which that succession could happen. Only through what lasts does existence get a magnitude, called duration, in the different parts of the series of time one after another. In mere succession existence is always vanishing and starting up, and never has the slightest magnitude. Without this lasting thing, then, there are no time relations. Time can’t be perceived in itself. So this lasting thing in appearances is the substratum for fixing anything in time. It is thus also the condition that makes possible any synthetic unity of perceptions, meaning experience.
B 227 On this lasting thing, any existence and any change in time can only be viewed as a modus of how what remains and lasts exists. So in all appearances, the object itself is what lasts, that is, substance (phaenomenon). Whatever changes, or could change, has to do only with how this substance (or these substances) exists, so only with their determinations.
I find that people have always assumed this persistence as a substratum of all change in appearances, and always will take it as beyond doubt. That goes for the ordinary understanding as much as for the philosopher. The philosopher just says it a little more precisely: in every alteration within the world, the substance stays and only the accidents change. But I find no one making even an attempt to prove a proposition that is so thoroughly synthetic. It also seldom stands, as it ought to, at the head of the laws of nature that are pure and rest wholly a priori. In truth, the proposition that substance persists is a tautology. For it’s only this persistence that gives us a reason to apply the category of substance to appearance. What would have had to be proved is that in every appearance there is something lasting, and that what can change is nothing but a determination of that thing’s existence.
B 228 But a proof like that can’t be given dogmatically, that is, out of concepts, since it concerns a synthetic proposition a priori. And nobody ever thought that propositions of this kind hold only in relation to possible experience, and can therefore be proved only by a deduction of that experience’s possibility. So it’s no wonder that the proposition was put at the base of all experience (people feel its need in empirical cognition) but never proved.
A philosopher was asked how much smoke weighs. The philosopher answered: take the weight of the ashes that are left from the weight of the wood that burned, and the difference is the weight of the smoke. So the philosopher took it as beyond dispute that even in fire matter (substance) doesn’t perish; only its form is modified. In the same way, the proposition “nothing comes from nothing” was just one more consequence flowing from the principle of persistence, or rather from the principle that the real subject of appearances exists forever. For if what we choose to call substance in an appearance is to be the true substratum for fixing everything in time, then all existence, past and future alike, has to be fixable in it, and in it alone. That is why we can give an appearance the name substance only because we assume that its existence holds at all times.
B 229 The word “persistence” doesn’t even capture this well, because it looks more toward future time; still, the inner necessity of lasting is bound up inseparably with the necessity of having always been, so the word can stay. Gigni de nihilo nihil (nothing comes from nothing) and in nihilum nil posse reverti (nothing can go back into nothing) were two propositions that the ancients always linked together. Today people sometimes pull them apart, by mistake. They imagine these propositions are about things in themselves. They fear the first one could clash with the world’s being dependent on a highest cause (even as to its substance). That worry is groundless, since we are talking only about appearances in the field of experience. The unity of such appearances would never be possible if we let new things (as to substance) come into being. We would then lose the one thing that can represent the unity of time, namely the identity of the substratum, in which alone all change has complete unity. This persistence is, after all, only our way of representing the existence of things (in appearance).
The determinations of a substance are nothing but particular ways for it to exist, and they’re called accidents. Accidents are always something real, since they have to do with the existence of the substance. (Negations are determinations too, but they only express that something is missing in the substance.)
B 230 Now suppose we credit this real element in the substance with a separate existence (motion, say, as an accident of matter). Then we call that existence inherence, as opposed to the substance’s existence, which we call subsistence. But this causes many misreadings. It is more exact and more correct to describe an accident only by saying how a substance’s existence is determined in a positive way. Even so, given the conditions that govern the logical use of our understanding, we cannot avoid setting apart, so to speak, whatever in a substance’s existence can change while the substance stays. We have to look at it in relation to what truly lasts, and is the root. That’s why this category sits under the heading of relations: it is more the condition of relations than something that holds a relation in itself.
This persistence also lets us correct the concept of alteration. Coming into being and passing away aren’t alterations of the thing that comes into being or passes away. Alteration is one way of existing that follows another way of existing in the very same object. So whatever alters, lasts, and only its state changes. This change touches only determinations, which can stop or start. We can therefore say, in a phrase that sounds a little paradoxical, that only what lasts (substance) is altered.
B 231 What can vary undergoes no alteration but a change, since some determinations stop and others start.
So alteration can be perceived only in substances. Coming into being or passing away in the strict sense, not just as a determination of what lasts, can’t be a possible perception at all. For the lasting thing is what makes it possible to represent the passage from one state to another, and from non-being to being, and such passages can be known empirically only as shifting determinations of what remains. Suppose something simply began to be. Then you would need a point of time at which it wasn’t. But to what would you fasten that point, if not to something already there? For an earlier empty time is no object of perception. If you tie the coming into being to things that existed beforehand and last until that which comes to be, then the later thing was merely a determination belonging to the earlier one, the lasting thing. Passing away works the same way, because it presupposes an empirical representation of a time in which the appearance is gone.
Substances, as they appear, are what underlies every determination of time. If some came to be and others passed away, that would remove the single condition of the empirical unity of time.
B 232 Appearances would then relate to two kinds of time, with existence flowing along in both side by side. That is absurd. There is only one time, and all the different times have to be set in it, not together but one after another.
So persistence is a necessary condition. Only under it can appearances be determined as things or objects within a possible experience. We’ll have a chance later to say what needs saying on the empirical criterion for this necessary persistence, and so for the substantiality of appearances.
B. Second Analogy
Principle of Succession in Time According to the Law of Causality
Every alteration happens in line with the law that links cause and effect.
Proof
(The previous principle showed that all appearances of temporal succession are only alterations, that is, a successive being and non-being of the determinations of the substance that persists. So it also showed that the being of the substance itself, as following its non-being, or its non-being, as following its existence, does not take place.
B 233 In other words, a substance itself neither comes to be nor passes away. That principle could also have been put this way: Every change of appearances (every succession of them) is only alteration. For coming to be and passing away of a substance are not alterations of it, because the concept of alteration presupposes one and the same subject existing with two opposite determinations, and therefore persisting.—After this preliminary remark, the proof follows.)
I notice that appearances follow one another. That is, at one time a state of things exists whose opposite existed in the state before. So what I’m really doing is connecting two perceptions in time. But connecting isn’t something bare sense and intuition can do. Here it’s the product of a synthesizing power of imagination, which fixes inner sense with respect to time. This power can combine the two states in either of two ways, so that either one or the other comes first in time. For time can’t be perceived by itself, and so we can’t settle, empirically in relation to time as it were, what goes before and what follows in the object. All I’m conscious of is that my imagination sets one state first and the other after. I’m not conscious of one state coming before the other in the object.
B 234 Put differently, mere perception leaves the objective relation of the successive appearances open. For that relation to be recognized as settled, we have to think the relation between the two states in such a way that it settles as necessary which of them must be placed first and which second, and not the reverse. A concept that carries necessity of synthetic unity along with it can be nothing but a pure concept of the understanding. It doesn’t lie in perception. Here the concept is that of how a cause relates to its effect. The cause fixes the effect in time as its consequence, rather than as something that might merely come first in imagination (or might not be perceived at all). So experience of appearances, that is, empirical cognition of them, is possible only because we subject the succession of appearances, and with it every alteration, to the law of causality. And that means appearances themselves can be objects of experience only under that same law.
Apprehension of the manifold of an appearance always goes step by step. The representations of the parts come one after another. Whether the parts also come one after another in the object is a separate matter for reflection, and the first doesn’t include it. We can, of course, call anything an object, even any representation, so long as we’re conscious of it.
B 235 But what the word means when applied to appearances takes deeper study. We’re not asking about appearances as objects in the sense of being representations. We’re asking what it means to say they designate an object. As mere representations that are also objects of consciousness, they’re no different from apprehension, which is their being taken into the synthesis of imagination. So the manifold of appearances, we have to say, gets produced in the mind step by step, every time. If appearances were things in themselves, nobody could infer, from the order in which the representations of their manifold arrive, how it is combined in the object. We only ever deal with our own representations. How things in themselves might be (apart from the representations by which they affect us) is completely outside our sphere of cognition. Appearances aren’t things in themselves, though they’re all that can be given to us to cognize. So I have to say how the manifold is combined in time within the appearances themselves, even though our representation of it in apprehension is always step by step. Take a house standing in front of me. Apprehending the manifold in its appearance goes step by step. Now, is the manifold of the house also step by step in itself? Of course no one will say so.
B 236 But once I push my concepts of an object up to the transcendental meaning, the house is not a thing in itself at all. It’s only an appearance, which is to say a representation, and its transcendental object is unknown. So what is the question really asking when it wants to know how the manifold in the appearance itself (which is nothing in itself) might be combined? Here what lies in the successive apprehension counts as representation. The appearance that’s given to me, though it’s nothing more than a sum of those representations, counts as their object. My concept, which I pull out of the representations of apprehension, is supposed to agree with that object. We see quickly that agreement of cognition with its object is truth. So all we can ask about here is the formal conditions of empirical truth. Appearance, set against the representations of apprehension, can be represented as their distinct object only if it falls under a rule. That rule sets it apart from any other apprehension, and it makes one way of combining the manifold necessary. Whatever in the appearance carries the condition for this necessary rule of apprehension, that is the object.
Now back to our task. Something happens when something, or some state, comes to be that wasn’t there before.
B 237 We can’t perceive that empirically unless an earlier appearance exists that doesn’t contain the state. For a reality following an empty time, a coming to be that no state of things precedes, can be apprehended no more than empty time itself. So any apprehension of an event is a perception that follows another one. But every synthesis of apprehension is like that, as the house example showed earlier. So this doesn’t yet set it apart from other apprehensions. Something else, though, I do notice. Take an appearance that involves something happening. Call the earlier state of the perception A and the later one B. B can then only follow A in apprehension. Perception A can’t follow B; it can only come before it. For example, I see a ship floating downstream. My perception of its position farther down follows my perception of its position farther up the river’s course. And in apprehending this appearance it’s impossible to perceive the ship first lower down and afterward higher up. The order in which perceptions succeed each other in apprehension is therefore fixed here, and apprehension is bound by it. In the earlier house example, my perceptions could start at the top and finish at the ground.
B 238 They could just as well start from the bottom and finish at the top, or take in the manifold of empirical intuition from the right or from the left. No fixed order in the series of these perceptions made it necessary for me to begin at one point rather than another in order to combine the manifold empirically. But when I perceive something happening, this kind of rule is always found. It makes it necessary that these perceptions succeed each other in a set order as this appearance is apprehended.
So in our case I have to derive the subjective sequence of apprehension from the objective sequence of the appearances. Otherwise the subjective sequence is wholly undetermined and doesn’t tell any appearance from another. By itself it proves nothing about how the manifold is connected in the object, because it’s entirely arbitrary. The objective sequence will therefore be found in the order of the manifold of the appearance. By that order, apprehending the one (what happens) follows, by a rule, apprehending the other (what precedes). Only then am I entitled to claim something about the appearance itself, and not just about my apprehension: that there’s a sequence in the appearance. That amounts to saying I can’t carry out the apprehension in any order but this very one.
So, by a rule of this kind, what precedes an event has to contain the condition for a rule.
B 239 It is a rule by which that event follows always and of necessity. The reverse doesn’t hold. I can’t go back from the event and fix (by apprehension) what precedes it. For no appearance returns from a later point of time to an earlier one, even though it does refer to some earlier one. Going forward from a given time to the determinate time after it, on the other hand, is necessary. Because something does follow, I must relate it of necessity to something else in general that comes before, and which it follows by a rule, that is, of necessity. In this way the event, as the conditioned, gives reliable direction to some condition, and the condition determines the event.
Suppose nothing came before an event that it was bound to follow by a rule. Then every sequence in perception would lie only in apprehension. It would be merely subjective, and it would settle nothing objectively about which of the perceptions has to be the earlier and which the later. We would have nothing but a play of representations related to no object. Our perception wouldn’t set one appearance apart from another as regards time relation. The reason is that the succession in apprehending is the same everywhere, so nothing in the appearance determines it.
B 240 Nothing makes any given sequence objectively necessary. So I won’t say that two states follow each other in the appearance. I’ll say only that one apprehension follows another. That’s merely subjective. It determines no object, and so it can’t pass for cognition of any object (not even of one within appearance).
Whenever we experience something happening, we presuppose that there is something earlier which it follows by a rule. Without that, I wouldn’t say the object follows. A bare sequence in my apprehension, not fixed by a rule in relation to something earlier, gives no right to claim a sequence in the object. So I always act with a rule in view: the rule by which appearances, in their order of succession (which is to say, as they take place), are determined by the previous state. That’s how I give objective status to my subjective synthesis (the one belonging to apprehension). And only on this presupposition is it possible even to experience something that happens.
This does seem to clash with every remark ever made about how our understanding proceeds. According to those remarks, we are led to a rule only by perceiving and comparing the matching sequences of many events after earlier appearances.
B 241 That rule says certain events always follow certain appearances, and it’s what first prompted us to form the concept of cause. If so, the concept would be merely empirical. The rule it provides, “whatever happens has a cause,” would be as much a matter of chance as experience itself. Its universality and necessity would be made up, with no true general validity, since they would rest on induction and not on anything a priori. But this is how it goes with other pure representations a priori too (space and time, for instance). We can extract these from experience as clear concepts only because we’d already put them into it, and so brought experience about through them in the first place. Granted, the logical clarity of the idea, a rule that governs the course of events, taken as the concept of cause, is possible only after we’ve used it in experience. But taking account of such a rule, as the condition for the synthetic unity of appearances in time, is what grounded experience in the first place. So it came before experience, a priori.
What matters, then, is to show with an example that even in experience we ascribe the sequence of an event (where something happens that wasn’t there before) to the object only under one condition.
B 242 We distinguish it from the subjective sequence of our apprehension only when a rule lies at the base. This rule forces us to follow this particular order of perceptions rather than any other. And in fact this compulsion is what first makes it possible to represent a succession in the object.
Representations exist in us, and we can become conscious of them. However far this consciousness reaches, and however exact or precise it is, they still remain only representations: inner determinations of our mind within one time relation or another. How, then, do we get to positing an object for these representations? How do we give them an objective reality beyond their subjective reality as modifications, though I couldn’t say what kind? Objective meaning can’t consist in a relation to another representation (one of the sort we’d call a representation of the object). If it did, the question would simply return: how does that representation, in turn, step outside itself and gain objective meaning beyond the subjective meaning that belongs to it as a determination of a state of mind? Suppose we examine what new quality our representations receive from being related to an object, and what rank they acquire by that. We find it does nothing more than make the combination of the representations necessary in a certain way, and put them under a rule.
B 243 And conversely, they get objective meaning only because a certain order in the time relation of our representations is necessary.
When appearances are synthesized, the manifold of representations always arrives one item after another. No object is represented by that alone, since this sequence is common to all apprehensions and sets nothing apart from anything else. But suppose I perceive, or take for granted, that this sequence involves a relation to the earlier state, from which the representation follows by a rule. Then something presents itself as an event, as something that happens. In other words, I cognize an object, and I have to put it at a certain determinate place in time. Given the earlier state, that place can’t be assigned to it any other way. So when I perceive that something happens, that representation holds, to begin with, the thought that something comes before. After all, it’s in relation to that earlier something that the appearance gets its time relation: to exist after a prior time in which it wasn’t. But it can get its determinate place in time within this relation only if something is presupposed in the earlier state which it always follows, that is, follows by a rule. From this we get two results. First, I can’t turn the series around and put what happens ahead of what it follows.
B 244 Second, once the earlier state is posited, this determinate event inevitably and necessarily follows. The upshot is that an order arises among our representations. In that order, the present (as something that has come to be) points back to some earlier state, as a correlate (still undetermined) of this given event. That correlate, however, relates to the event as its consequence, determining it, and connects it of necessity with itself in the series of time.
Suppose our sensibility is under a necessary law, and so a formal condition of all perceptions: the earlier time necessarily determines the later one (I can only reach the later time by going through the earlier). Then it is also an indispensable law for how we represent the series of time empirically. Appearances from past time fix whatever exists in the time that follows. And those later appearances, as events, occur only to the extent that the earlier ones fix their existence in time, that is, settle it by a rule. For it is only in the appearances that we can recognize this continuity in how times connect empirically.
Understanding is part of all experience and of its possibility. Its first contribution is not to give objects distinct representations, but to make representing an object possible at all. Here’s how it does that.
B 245 It carries the order of time over to appearances and to their existence. It assigns each appearance, as a consequence, a place in time fixed a priori in relation to the earlier appearances. Without such a place the appearance wouldn’t match time itself, which fixes the place of all its parts a priori. This fixing of place can’t be taken over from the way appearances relate to absolute time (that is no object of perception). It works the other way around: appearances have to fix each other’s places in time itself, and make those places necessary in the order of time. In other words, whatever follows or happens must follow, by a general rule, what the earlier state contained. This gives a series of appearances. By means of the understanding, the series produces in the sequence of possible perceptions the same order and unbroken connection that we find a priori in time, the form of inner intuition, where all perceptions would have to have their places, and it makes that order necessary.
So the fact that something happens is a perception belonging to a possible experience. It becomes actual when I treat the appearance as fixed in its place in time, and thus as an object one can always come upon, by a rule, in the connection of perceptions.
B 246 This rule for fixing something in the time sequence is as follows: the condition under which the event always follows (that is, follows of necessity) is to be found in what comes before. The principle of sufficient reason, then, is the ground of possible experience, that is, of objective cognition of appearances as regards how they relate in the order of time.
The proof of this proposition rests on just these points. All empirical cognition involves the synthesis of the manifold by imagination, and that synthesis always works in sequence. That is, representations always come one after another in it. But imagination doesn’t fix the order of the sequence at all (what has to come first and what has to follow), and a series of representations can be run through backward as easily as forward. Now if this synthesis is a synthesis of apprehension, covering the manifold of a given appearance, the order is settled in the object. More exactly, it contains an ordering of the step-by-step synthesis, and that ordering determines an object. By that order, one thing has to come first, and when it is posited, the other has to follow of necessity. For my perception to hold cognition of an event, where something truly happens, it has to be an empirical judgment. In it we think of the sequence as fixed.
B 247 That is, we think of it as presupposing another appearance earlier in time, which it follows of necessity, or by a rule. Otherwise, if I posited the earlier thing and the event didn’t have to follow it, I’d have to take the event for a subjective play of my imaginings. And if I still pictured something objective in it, I’d have to call it a mere dream. So the relation of appearances (as possible perceptions), by which what follows (what happens) is determined in its existence by something earlier, necessarily and by a rule in time, is the relation of cause to effect. It is the condition under which our empirical judgments about the series of perceptions have objective validity, and so empirical truth, and thus experience. For this reason the principle that governs causal relations within the sequence of appearances holds for all objects of experience as well (under the conditions of succession). It is itself the ground of what makes such experience possible.
A further worry comes up here, and it has to be cleared away. In our formula, the proposition of causal connection among appearances is limited to their sequence. Yet when we use it we find it fits their accompaniment too, so that cause and effect can be simultaneous. For instance, a room is warm. The open air is not.
B 248 I search for the cause and come upon a heated stove. Now the stove is the cause, and it exists at the same time as its effect, the warmth in the room. So there is no sequence in time here between cause and effect. They are simultaneous, and the law still applies. Most efficient causes in nature coexist with their effects. The effects follow each other in time only because a cause can’t complete its whole effect in a single instant. But at the instant it first arises, an effect is always simultaneous with its cause’s causality, because if the cause had stopped being even an instant sooner, the effect would never have come about. We must keep in mind that what counts is the order of time, not its running out. The relation holds even if no time has gone by. The gap in time between the cause’s causality and the effect that follows right away may shrink to nothing (so they’re simultaneous), yet how one stands to the other can still always be fixed in time. A ball lies on a stuffed cushion and presses a dimple into it. If I treat the ball as cause, it’s simultaneous with its effect. Still, I tell them apart by the time relation in their dynamic connection. For when I put the ball on the cushion, the dimple follows the cushion’s earlier smooth shape.
B 249 But if the cushion has a dimple (I don’t know how), no lead ball follows.
So succession in time is, after all, the only empirical criterion for telling an effect, in terms of the causality of the cause that comes before it. The glass causes the water to climb above its level surface, even though the two appearances occur together. For the moment I scoop water out of a larger container with the glass, something results: the horizontal level the water had there changes into the concave one it takes on in the glass.
Causality leads to the concept of action, action leads to the concept of force, and through force we arrive at the concept of substance. My critical project goes only to the sources of synthetic cognition a priori. I don’t want to burden it with analyses that only clarify concepts (and don’t extend them). So I leave the detailed treatment of them to a future system of pure reason. Such analysis is, after all, abundantly available even in the textbooks of this kind that we already have. But I can’t pass over the empirical criterion of a substance, to the extent that substance seems to show itself not through the appearance’s persistence but better and more easily through action.
B 250 Where there is action, and so activity and force, there is also substance, and that is where the seat of this fruitful source of appearances has to be looked for. That’s well put. But if you must explain what you mean by substance, and want to avoid a bad circle, the answer isn’t so easy. How can anyone conclude straight from action to the persistence of the one who acts, which is such an essential and distinctive mark of substance (phaenomenon)? Given what we’ve said before, though, answering the question isn’t so hard, even though by the ordinary method (dealing with your concepts merely analytically) it would be impossible. Action already means how the subject of causality stands toward the effect. Every effect consists in what happens, and so in what can change, marking time by succession. So the ultimate subject of the effect is what lasts, the substratum of everything changing, that is, substance. For the principle of causality makes actions the original ground of every change among appearances. They can’t, then, reside in a subject that itself changes, because other actions, and another subject to determine that change, would be needed. By virtue of this, action proves substantiality as a sufficient empirical criterion.
B 251 I don’t have to go looking first for the subject’s persistence through compared perceptions. That wouldn’t even work well this way, given the thoroughness that the scale and strict universal validity of the concept demand. For it is a secure conclusion that the first subject of the causality of all coming to be and passing away cannot itself come to be or pass away (in the field of appearances). That conclusion ends up at empirical necessity and persistence in existence, and so at the concept of a substance as appearance.
When something happens, the mere coming to be, leaving aside what comes to be, is already an object of investigation in itself. The passage from the non-being of a state to that state, even supposing the state held no quality in the appearance, needs investigating all on its own. As the discussion under A showed, this coming to be does not touch the substance (which doesn’t come to be) but its state. It is merely alteration, and not origin from nothing. If this origin is regarded as the effect of a foreign cause, it’s called creation. Creation can’t be allowed as an event among appearances, because its mere possibility would wreck the unity of experience. It’s different if I consider all things as things in themselves instead of as phenomena.
B 252 And I may regard them as objects of the mere understanding. Then, although they are substances, they can still be seen as dependent on a foreign cause for their existence. But that would bring in entirely different meanings of words, and it wouldn’t fit appearances, as possible objects of experience.
How anything at all can be altered, and how a state at one point of time can be succeeded by its opposite at a different point: of that we have not the slightest concept a priori. We’d need knowledge of actual forces for that, and such knowledge can only be given empirically. Moving forces are an example, or what comes to the same, certain successive appearances (motions) that point to such forces. But the form of any alteration is another matter. By form I mean the condition under which alone alteration can occur as the coming to be of another state (no matter what its content is, that is, no matter which state is being altered). This form, and with it the succession of the states themselves (what has happened), can be examined a priori, using the causal law and the conditions that time imposes*.
* Notice that I’m not talking about alteration of certain relations in general, but about alteration of state. So a body that moves uniformly doesn’t alter its state (of motion) at all, but it does if its motion speeds up or slows down.
B 253 When a substance goes from a state a to another state b, the point of time of the second state differs from that of the first, and comes after it. Likewise the second state differs from the first, in which reality (in appearance) was missing, just as b differs from zero. So even if state b differed from a only in size, the alteration would be the arising of b-a, which was not in the previous state, and relative to which that state is = 0.
So the question is how a thing goes from a state = a to another state = b. Between two instants there’s always some time. Between two states at those instants there’s always a difference, and it has a magnitude (every part of an appearance is itself a magnitude). Every transition from one state to another therefore happens in a stretch of time lying between two instants. The earlier instant settles which state the thing is leaving, the later one which state it reaches. Both are therefore boundaries of the time an alteration takes, and so also of the state in between them. As such, they belong to the alteration as a whole. Now every alteration has a cause, and the cause shows its causality throughout the whole time the alteration goes on. So the cause doesn’t produce its alteration abruptly (at once, in one instant). It produces it in time.
B 254 While time runs on from the opening instant a until it is complete in b, the magnitude of the reality (b-a) is likewise being generated, passing through all the smaller degrees between the first and the last. Every alteration is therefore possible only through the continuous action of causality. When that action is uniform it’s called a moment. The alteration doesn’t consist of such moments. It is produced by them, as their effect.
This is the law of continuity of all alteration. Its ground is this. Neither time nor an appearance within time is made of smallest parts. And yet the thing’s state, as it alters, passes through all these parts, like elements, on its way to the second state. In the real of appearance there is no smallest difference, and in the magnitude of times there is none either. That’s how the new state of reality develops out of the first, where it was absent, through every one of its infinitely many degrees. The gaps between these degrees are each smaller than the gap between 0 and a.
What use this proposition may have in the study of nature is no business of ours here. But how such a proposition can be possible entirely a priori, when it seems to extend our cognition of nature so far, calls for close examination. That’s so even though it’s plain to see that the proposition is real and correct.
B 255 And so one might think one need not ask how it was possible. For there are so many baseless claims to extend our cognition by pure reason that we must take it as a general principle to be deeply suspicious. Without documents that can supply a thorough deduction, we must neither believe nor accept anything like that, not even when the dogmatic proof is as clear as can be.
Our empirical cognition never grows, and perception never advances, except by extending the determination of inner sense. That is a progress through time, whatever the objects are, appearances or pure intuitions. This progress determines everything, and nothing further determines it. That is, its parts exist only in time, and only by being synthesized. They aren’t given ahead of that synthesis. So whenever perception moves on to something later in time, time gets determined, because the perception is being produced. Time is always a magnitude, and so are all its parts. So what is produced is a perception that has magnitude, built up through every degree from zero to the degree it finally has. None of those degrees is the smallest. That shows how we can cognize a law of alterations a priori, as far as its form goes.
B 256 We only anticipate our own apprehension, whose formal condition is there in us before any appearance is given, so we must be able to cognize it a priori.
Time carries the sensible a priori condition that makes it possible to move continuously from what exists to whatever comes next. The understanding does the same kind of job. By way of the unity of apperception, it carries the a priori condition for a continuous determination of every position that appearances can take in this time. It does this through the series of causes and effects. A cause always draws its effect’s existence after it. That is how empirical cognition of time relations becomes valid for any time at all, that is, universally, and so objectively valid.
C. Third Analogy
Principle of Simultaneity, by the Law of Interaction, or Community
All substances, in so far as we can perceive them in space as existing at the same time, are in thoroughgoing interaction.
Proof
Simultaneity is what we have when, in empirical intuition, perceiving one thing can be followed by perceiving the other, and the reverse.
B 257 (In the temporal sequence of appearances this can’t happen, as the second principle showed.) So I may begin by perceiving the moon and move on to the earth, or begin with the earth and move on to the moon. These perceptions can follow each other in either direction. That’s why I say the two exist at the same time. Now simultaneity is the existence of a manifold in the same time. But time itself can’t be perceived. So I can’t see that things are placed in the same time and conclude from it that perceptions of them can follow each other either way. Imagination’s synthesis in apprehension would give me only this: each perception is present in me while the other is absent, and the reverse. It wouldn’t tell me that the objects are simultaneous. That would mean: when one exists, the other exists in the same time, and it has to be so, or the perceptions couldn’t follow each other both ways. So a concept of the understanding is needed. It must be about the reciprocal sequence of determinations in these things, which exist together though outside one another. With it we can say that the two-way sequence of perceptions has its basis in the object, and so represent the simultaneity as objective. Now consider a relation between substances in which one contains determinations.
B 258 The ground of those determinations is contained in the other. That is the relation of influence. And when the second in turn contains the ground of determinations in the first, the relation is community, or interaction. So experience can recognize substances in space as simultaneous only if we presuppose that they interact. That interaction is therefore also the condition for the things themselves to be possible as objects of experience.
Simultaneous things exist in one and the same time. How do we know they do? By this test: it must make no difference in what order the synthesis of apprehension runs through this manifold. We might go from A through B, C and D to E, or just as well from E back to A. Suppose instead the things came one after another in time, in the order that starts at A and ends at E. Then we couldn’t start apprehension with the perception of E and go back to A. A already belongs to past time. So it can’t be an object of apprehension any more.
Now suppose a manifold of substances taken as appearances, with every one of them fully isolated. None acts on any other, and none gets influences back from another. I say then that nobody could ever perceive that they exist together.
B 259 And no path of empirical synthesis could lead from one’s existence to another’s. Imagine them cut off from each other by completely empty space. A perception that travels in time from one to the other could, with a later perception, fix the second one’s existence. But it couldn’t tell apart two cases: the second appearance objectively comes after the first, or it is rather simultaneous with it.
Besides bare existence, then, something else must be there. Through it A fixes B’s place in time, and B fixes A’s. Only so can substances we think of as co-existing be represented in empirical terms as existing together. Now one thing fixes another’s place in time only by being a cause, either of that other or of its determinations. So each substance (a substance can be a consequence only with regard to its determinations) has to hold two things. It must exercise causality over certain determinations in the other, and it must take in the effects of the other’s causality. In short, they must be in dynamic community, directly or indirectly, if their being simultaneous is ever to be cognized in some possible experience. Now whatever objects of experience can’t do without, if experience of them is to be possible, is necessary for them.
B 260 So all substances in appearance, in so far as they are simultaneous, necessarily stand in thoroughgoing community of interaction with one another.
The word “community” is ambiguous in our language. It can mean communio, a sharing in common, but it can also mean commercium, an exchange. Here we use it in the second sense, as a dynamic community. Without that, even the community of place (communio spatii) could never be cognized empirically. It’s easy to see from our experiences that only continuous influences at every point of space can lead our sense from one object to another. The light that plays between our eye and the heavenly bodies produces an indirect community between us and them, and so proves that they exist at the same time. We can’t change our place empirically (that is, perceive the change) unless matter everywhere makes it possible to perceive where we are. And this matter can show its own simultaneity, and so the coexistence of even the most distant objects (though only indirectly), only by means of its reciprocal influence. If there were no community, each perception (of an appearance in space) would break off from the next. The chain of empirical representations that we call experience would start from scratch with every new object.
B 261 Nothing earlier would connect with it even slightly, or stand in any time relation to it. I don’t mean to refute empty space by this. It can exist wherever perceptions don’t reach, so that no empirical cognition of simultaneity takes place. But then, for all our possible experience, it is no object at all.
An illustration may help. In our mind, every appearance that belongs to a possible experience must stand in community of apperception (communio). If objects are to be represented as connected and existing together, they must also fix each other’s places in a single time, and so form a whole. Now suppose that this community in the subject is to have an objective ground, or to apply to appearances taken as substances. Then the perception of one must make the perception of the other possible, as its ground, and the same the other way round. That is so that the succession always present in perceptions, as apprehensions, isn’t ascribed to the objects, and the objects can instead be represented as existing together. But that is a reciprocal influence, that is, a real community (commercium) of substances. Without it, experience couldn’t contain the empirical relation of simultaneity.
B 262 Through this commercium, appearances that are outside one another and still connected form a composite (compositum reale). Composites like this become possible in many ways. The three dynamic relations that all others come from are therefore inherence, consequence and composition.
* * *
That makes three analogies of experience. All they do is give principles for determining how appearances exist in time. They cover time’s three modi (modes). The first is how an appearance stands to time itself, taken as a magnitude: the magnitude of existence, which is duration. The second is how appearances stand to one another in time, taken as a series: one after another. The third is how they stand in time taken as the sum of all existence: at the same time. This unity of time-determination is dynamic through and through. That is, we don’t treat time as something in which experience can directly assign each existing thing its place. That can’t be done, since absolute time is no object of perception, so there is nothing to hold appearances up against. Instead it is the rule of the understanding that gives each appearance its place in time. Only by this rule can the existence of appearances take on synthetic unity according to time relations. So the rule works a priori, and it is valid for every time, whichever one.
B 263 When we speak of nature (in the empirical sense), we mean appearances as linked together in their existence by necessary rules, that is, by laws. So certain laws, and a priori ones, are what first make a nature possible. Empirical laws operate and can be found only through experience, and only in line with those original laws, which are what first make experience possible. What our analogies really show, then, is nature’s unity, in the way all appearances hang together, expressed through certain exponents. Each exponent says only how time (in so far as it takes in all existence) relates to the unity of apperception, which can exist only in synthesis by rules. Taken together, the analogies say this: all appearances lie within one nature, and must. Without that unity a priori, experience could have no unity, and objects within it could not be determined.
A remark is needed about the kind of proof we used for these transcendental laws of nature, and what is special about it. The remark should also be very important as a guide for anyone who tries to prove an a priori proposition that is both intellectual and synthetic. Suppose we had wanted to prove the analogies dogmatically, that is, from concepts. We would have had to prove that everything that exists is found only in what persists.
B 264 We would have had to prove that every event presupposes something in the earlier state, on which it follows by a rule. And we would have had to prove that in a manifold of coexisting things the states are simultaneous with respect to each other by a rule (they stand in community). All that effort would have been entirely wasted. From one object and its existence, we can never reach the existence of another, or its way of existing, by means of the mere concepts of these things. It makes no difference how we take them apart. So what did we have left? The possibility of experience, a cognition in which every object must finally be able to be given to us, if our representation of it is to have objective reality. The essential form of this third thing is the synthetic unity of apperception across all appearances. In it we found a priori conditions for determining time thoroughly and necessarily for all existence in appearance. Without them, no empirical determination of time could be made either. We also found rules of a priori synthetic unity, which let us anticipate experience. People lacked this method. They also imagined they could prove dogmatically the synthetic propositions that the understanding’s use in experience recommends as its principles. That is why the principle of sufficient reason has been given proofs so often, and always in vain.
B 265 Nobody thought of the other two analogies, even though people always silently relied on them*, since nobody had the guiding thread of the categories. Only that thread can uncover each gap the understanding has, whether in its concepts or in its principles, and make the gap visible.
* The unity of the whole world, in which all appearances are supposed to be connected, is plainly just a conclusion from the principle of community among all coexisting substances, which has been assumed in secret. If substances were isolated, they would not form a whole as its parts. And suppose their connection (the manifold’s interaction) were not necessary already, for the sake of simultaneity. Then we couldn’t reason from simultaneity, a merely ideal relation, to that connection as a real one. Still, we showed in its place that community is really the ground of the possibility of empirical cognition of coexistence. So what we are actually doing is to infer back from that cognition to community, which is its condition.
4 The Postulates of Empirical Thinking in General
1 What fits the formal conditions of experience, as regards both intuition and concepts, is possible.
2 B 266 Whatever connects with experience’s material conditions (sensation) is actual.
3 Whatever has its connection with the actual determined by the general conditions of experience is (exists) necessarily.
Explanation
The categories of modality have one special trait. When they are attached to a concept as predicates, they add nothing to it as a determination of the object. They only express how the concept stands toward the faculty of cognition. Even if a thing’s concept is already complete, I can still ask whether the thing is merely possible, or actual too, and if actual, whether it’s even necessary. No further determinations of the object itself are thought by this. The question is only how the object, with all its determinations, stands toward the understanding and its empirical use; toward the empirical power of judgment; and toward reason, where reason is applied to experience.
That is exactly why the principles of modality only explain what possibility, actuality and necessity mean when they are applied in experience. They also restrict every category to merely empirical use, and they refuse to allow any transcendental use.
B 267 For if these concepts aren’t meant to be merely logical, expressing the form of thinking in an analytic way, but are meant to be about things and about their possibility, actuality or necessity, then they have to point to possible experience, and to the synthetic unity found there. That is the only place where objects of cognition are given.
So the postulate of the possibility of things asks for this: a thing’s concept must fit the formal conditions of experience in general. Those conditions are the objective form of experience in general, and they hold all the synthesis that cognizing objects takes. Any concept that takes a synthesis into itself must count as empty, and it refers to no object, unless the synthesis belongs to experience. There are two ways it can. Either the synthesis is borrowed from experience, and then we call the concept empirical. Or it is a synthesis on which experience as such (its form) depends, as an a priori condition. Then the concept is pure, yet it still belongs to experience, since its object can be met with only there. After all, where would we find the mark of possibility for an object that we think through an a priori synthetic concept? It could only come from the synthesis that forms the empirical cognition of objects. It is true that a concept like this has to be free of contradiction.
B 268 That is a necessary logical condition. But it falls far short of what objective reality needs, I mean the possibility of an object like the one the concept thinks. Consider a figure bounded by two straight lines. Its concept has no contradiction in it. The concepts of two straight lines and of their coming together contain no negation of a figure. The impossibility lies elsewhere. It is not in the concept itself but in constructing it in space, that is, in the conditions of space and how space is determined. Those conditions have objective reality in their turn. They relate to possible things, since they contain the form of experience as such a priori.
Now let’s see how far this postulate of possibility reaches and what difference it makes. I might picture a thing that persists, so that all its changes belong only to its state. From that concept alone, I could never cognize that such a thing is possible. Or I might picture something built so that, once it is posited, something else always follows without fail. There is surely no contradiction in thinking that. But it tells me nothing about whether any possible thing has such a property (causality). Or, last, I might picture several things (substances).
B 269 They would be made so that the state of one brings a consequence in the state of another, and the reverse. Whether things can stand in such a relation cannot be read off these concepts at all, since the synthesis in them is merely arbitrary. The only way to recognize the objective reality of these concepts, that is, their transcendental truth, is that they express a priori how perceptions relate in any experience. Of course, cognizing their reality in this way is independent of experience. But it does depend on a relation to the form that any experience has, and to the synthetic unity that alone lets objects be cognized empirically.
Suppose, on the other hand, that we tried to invent brand-new concepts of substances, forces and interactions, out of the material perception offers us, without taking from experience any example of how such things are connected. We would end up with sheer fantasies. Nothing marks their possibility, because we never made experience our teacher or took these concepts from it. Concepts invented like this can’t get their mark of possibility a priori, as the categories do, as conditions that all experience depends on. They can get it only a posteriori, as marks that experience itself hands over.
B 270 So their possibility has to be cognized empirically, after the fact, or it can’t be cognized at all. Take a substance that is permanently present in space without filling it (the halfway thing between matter and thinking beings that some people wanted to bring in). Or take a fundamental power, special to our mind, of seeing the future ahead of time (not just working it out). Or, finally, take a power of the mind to share thoughts with other people, however far away they are. The possibility of such concepts has no basis whatever. It can’t be based on experience and the laws we know from it. Without that basis, each concept is an arbitrary combination of thoughts. No contradiction is in it. But it has no claim to objective reality, and so none to the possibility of an object of the sort we are trying to think here. About reality in particular, it is surely obvious that we should not try to think it concretely without the help of experience. Reality can bear only on sensation, which is the matter of experience. It has nothing to do with the form of the relation, and that form is what one could play games with in fictions.
But I will pass over everything whose possibility can be learned only from its actually showing up in experience. Here I look only at the possibility that things get from concepts a priori.
B 271 On these I go on asserting that their possibility never comes from such concepts by themselves. It always comes only from their serving as formal and objective conditions of experience in general.
It does look as if a triangle’s possibility could be known from its concept itself (the triangle is surely independent of experience). After all, we really can give it an object entirely a priori; that is, we can construct it. But that gives us only the form of an object. The triangle would still be nothing but a product of imagination, and whether its object is possible would remain doubtful. For that, something more is needed: the figure must be thought under conditions that all objects of experience rest on, and nothing else. Space is a formal condition of outer experience, and it is a priori. Also, when we build a triangle in imagination, the shaping synthesis we use is entirely the same as the one we use in apprehending an appearance, to form an experiential concept of it. These two facts alone connect the thought of such a thing’s possibility with the concept. The same goes for continuous magnitudes, and for magnitudes at all. Their concepts are all synthetic, so their possibility is never clear from the concepts themselves.
B 272 It becomes clear only when the concepts are taken as the formal conditions by which objects get determined in experience at all. And where would we look for objects that match the concepts, if not in experience, which is the only way objects are given to us? Still, we can cognize and describe the possibility of things without first bringing in experience itself. We do it only through the formal conditions under which anything in experience gets determined as an object. That makes it fully a priori. But it holds only in relation to those conditions and inside their boundaries.
To know that things are actual, the postulate demands perception, and with it sensation we are conscious of. It need not be a direct perception of the same object whose existence we are trying to cognize. But the object must be connected with some actual perception, following the analogies of experience, which lay out every real connection within experience at all.
You can’t find any mark of a thing’s existence in the bare concept of the thing. The concept may be so complete that nothing at all is lacking for thinking the thing with every one of its inner determinations. Existence still has nothing to do with all of that. It depends only on this: is such a thing given to us, in such a way that perceiving it could come ahead of the concept?
B 273 The concept coming before perception means just that the thing is possible. Perception, which supplies the stuff of the concept, is the one mark of actuality. Still, we can cognize that a thing exists even before we perceive it, and so cognize it a priori in a comparative way. This works whenever the thing is connected with certain perceptions by the principles of empirical connection (the analogies). In that case the thing’s existence is connected with our perceptions within a possible experience. With the analogies as guide, we can move from our actual perception to the thing, along the series of possible perceptions. In this way we cognize that a magnetic matter runs through all bodies, from perceiving iron filings being pulled. Our organs make it impossible to perceive this matter directly. Still, under the laws of sensibility, and given how our perceptions fit together, we would meet a direct empirical intuition of it somewhere in experience, if our senses were finer. The coarseness of our senses has no bearing on the form of possible experience at all. So we can cognize that things exist exactly as far as perception and its attachments reach, following empirical laws. Suppose we don’t begin from experience.
B 274 Or suppose we don’t proceed by the laws of empirical connection among appearances. Then we flatter ourselves in vain when we try to guess or discover that any thing exists. Idealism, though, raises a mighty objection to these rules, which prove existence by indirect means. This is the right place to refute it.
Refutation of Idealism
By idealism I mean the material kind. It is the theory that says objects in space outside us either can only be doubted and can’t be proved, or are false and impossible. The first is the problematic idealism of Descartes, which holds just one empirical assertion (assertio) to be beyond doubt: I am. The other is Berkeley’s dogmatic idealism, which declares space, along with all the things it is attached to as an inseparable condition, to be something impossible in itself. So it also calls the things in space mere imaginings. Dogmatic idealism cannot be avoided if we take space to be a property that belongs to things in themselves. Then space and everything it is the condition of would be a non-thing. But we removed the basis for this idealism in the Transcendental Aesthetic. The problematic kind says nothing about that.
B 275 It merely claims that we can’t prove an existence beyond our own through immediate experience. This is reasonable, and it suits a thorough philosophical way of thinking, namely to allow no decisive judgment until a sufficient proof has been found. So the proof that is asked for must show that we also have experience of outer things, and not merely imagination. That can hardly be done in any way except by proving that even our inner experience, the one Descartes does not doubt, is possible only if outer experience is presupposed.
Theorem
Mere consciousness of my own existence, though a consciousness that is empirically determined, proves that objects exist in space outside me.
Proof
I am aware that my existence is determined in time. Determining time always presupposes something persistent in perception. That persistent element can’t be something in me, because only through it can my existence in time first be determined 1). So perceiving this persistent element requires a thing outside me. A mere representation of such a thing won’t do. It follows that my existence in time can be determined only because actual things exist that I perceive outside me.
B 276 Now consciousness in time is, of necessity, combined with consciousness of how this time-determination can be possible. Thus the existence of things outside me, which is the condition of time-determination, is also necessarily combined with it. That is, my consciousness of my own existence is at once an immediate consciousness that other things exist outside me.
1 Kant’s preface to this second edition says the sentence should be changed to read: “But this persistent element can’t be an intuition in me. All the grounds that determine my existence and can be found in me are representations. As representations they need something persistent, distinct from themselves, in relation to which their change, and with it my existence in the very time they change in, can be determined.”
Remark 1. The proof above shows that idealism’s own game is turned back on it, and with better right. Idealism claimed that the only immediate experience is inner. Outer things, it said, are merely inferred from it. But such an inference is shaky, as it always is when we reason from given effects to definite causes. The cause of the representations we ascribe to outer things, perhaps falsely, could lie in us. Here, however, the proof shows that outer experience is in fact immediate*.
B 277 It also shows that only through outer experience is something else possible: not consciousness of our own existence, but the determination of that existence in time, that is, inner experience. Admittedly the representation I am, which expresses the consciousness that can go along with all thinking, immediately includes the existence of a subject. But it is not yet a cognition of the subject, and so not an empirical cognition, that is, not experience. Experience takes more than the thought of something existing. It also takes intuition, in this case inner intuition, in relation to which (time) the subject must be determined. For that, outer objects are altogether required. Inner experience itself is therefore possible only indirectly, and only by way of outer experience.
* The theorem above doesn’t presuppose that we are immediately conscious of the existence of outer things. It proves this, whether we can understand how such consciousness is possible or not. The question about its possibility would be this: do we have an inner sense only, with no outer sense, and merely an imagination of outer things? But it is clear that we need an outer sense already, just to imagine something as outside us, that is, to put it before sense in intuition. With that sense, we must be able to tell directly between two things: an outer intuition, which merely receives, and the spontaneity that marks every act of imagination. For imagining even an outer sense would wipe out the very capacity for intuition that imagination is supposed to determine.
Remark 2. Everything our faculty of cognition does with experience, when it determines time, agrees perfectly with this. Time can be determined only by way of change in outer relations (motion), measured against something that persists in space (the sun’s motion, for instance, against the objects of the earth).
B 278 Beyond that, we have nothing persistent at all that could stand under the concept of a substance as its intuition, other than matter. And this persistence is not taken from outer experience either. It is assumed a priori, since every time-determination needs it as a condition. That means it is also assumed as the way inner sense gets determined, for our own existence, by way of the existence of outer things. When I am conscious of myself in the representation I, that is not an intuition. It is an intellectual representation only, of a thinking subject acting by itself. So this I has no predicate of intuition at all that could be persistent and serve as the correlate for time-determination in inner sense. Take impenetrability in matter, which is an empirical intuition: that is the kind of predicate I mean.
Remark 3. For a determinate consciousness of ourselves to be possible, outer objects have to exist. That does not mean every intuitive representation of outer things includes their existence. Such a representation may be nothing but a product of imagination, as in dreams and in madness. Even so, imagination produces it only by reproducing earlier outer perceptions, and, as we have shown, those are possible only because outer objects are actual. What had to be proved here was only this: inner experience at all is possible only through outer experience at all.
B 279 Whether this or that supposed experience is really just imagination has to be settled by looking at its particular determinations and by holding it up to the criteria of all actual experience.
* * *
Now the third postulate. It is about material necessity in existence, not the merely formal, logical necessity that holds in how concepts are connected. We can never cognize any existence of objects of the senses entirely a priori. We can cognize it comparatively a priori, in relation to some other existence that is already given. Even then, what we reach is only an existence that has to lie somewhere in the experience-context to which the given perception belongs as a part. So necessity of existence is never something we learn from concepts. We learn it only from its connection with what is perceived, following the general laws of experience. And in that way only one existence can be cognized as necessary, given other appearances: the existence of effects, from causes that are given, according to laws of causality. So what we can cognize as necessary is never the existence of things (substances) themselves. It is the existence of their state, and that alone.
B 280 We come to know it from other states that perception gives us, by way of the empirical laws of causality. This means the criterion of necessity lies entirely in the law of possible experience: whatever happens is determined a priori in appearance by its cause. The only necessity we can cognize in nature, then, is that of effects whose causes are given to us. The mark of necessity in existence stops where possible experience stops. Even inside that field it does not hold of the existence of things as substances, because we can never see substances as empirical effects, as something that happens and arises. Necessity thus concerns only how appearances relate under the dynamic law of causality. It also concerns the possibility, which rests on that law, of inferring a priori from one given existence (a cause) to another (its effect). Everything that happens is hypothetically necessary. That principle puts change in the world under a law. In other words, it puts it under a rule of necessary existence, and without such a rule there would not even be a nature. So here is an a priori law of nature: nothing comes about through mere blind accident (in mundo non datur casus). So is this one: no necessity in nature is blind; it is conditioned, and therefore intelligible, necessity (non datur fatum). Both of these are laws.
B 281 Through them the play of alterations is brought under a nature of things (as appearances). Or, to say the same, they bring it under the unity of the understanding, since only there can alterations belong to an experience, which is the synthetic unity of appearances. Both principles are among the dynamic ones. The first really follows from the causality principle (among the analogies of experience). The second falls under modality’s principles. Those add to the determination by cause the concept of necessity, which stands under a rule of the understanding. The principle of continuity ruled out any leap in the series of appearances (alterations): in mundo non datur saltus. It also ruled out any gap or chasm between two appearances in the whole of empirical intuitions in space: non datur hiatus. The proposition can be put this way: nothing that would prove a vacuum, or merely allow one as part of the empirical synthesis, can come into experience. What about emptiness that one might think of beyond the field of possible experience (the world)? That does not come under the jurisdiction of the mere understanding. The understanding decides only questions about using given appearances for empirical cognition. Emptiness is a task for ideal reason, which steps out past the sphere that possible experience covers.
B 282 It wants to judge what surrounds and bounds that sphere, and so emptiness has to be weighed in the Transcendental Dialectic. We could easily set out all four of the propositions here (in mundo non datur hiatus, non datur saltus, non datur casus, non datur fatum), like all principles of transcendental origin, in an order that follows the order of the categories, and prove each one’s place. But a practiced reader will do this alone, or will easily find the guiding thread. All four serve a single aim: to admit nothing into the empirical synthesis that could harm or cut into the understanding, or the way all appearances hang together without a break, which is the unity of its concepts. For only in the understanding is the unity of experience possible, the unity in which every perception must have its place.
Is the field of the possible larger than the field that holds everything actual? And is that field in turn larger than the stock of what is necessary? These are neat questions, and their solution would be a synthetic one. But they too come only under reason’s jurisdiction. They ask, more or less, whether all things as appearances belong together to the totality and context of one single experience, so that every given perception is a part of it and could not be combined with any other appearances.
B 283 Or they ask if my perceptions may be spread over more than one possible experience (as connected in general). The understanding supplies a priori only the rule for experience as such. That rule follows from the subjective, formal conditions, both of sensibility and of apperception, which alone make experience possible. Other forms of intuition (besides space and time) might be possible, and so might other forms of understanding (besides the discursive one of thinking, or of cognizing through concepts). Yet we can neither think them up nor make them comprehensible to ourselves in any way. And even if we could, they would not belong to experience, which is the only cognition where objects are given to us. Might there be perceptions beyond all that belongs to our possible experience, and so a wholly different field of matter? The understanding can’t decide that. The only thing it deals with is the synthesis of whatever is given. In other respects the poverty of our ordinary inferences stands out: by them we produce a vast realm of the possible, and everything actual (every object of experience) is supposed to be only a small part of it. Everything actual is possible. By the logical rules of conversion, it follows quite naturally that the merely particular proposition holds: some things possible are actual.
B 284 That seems to mean: many things are possible that are not actual. It also looks as if one might simply say that the number of the possible exceeds the number of the actual, because something must be added to the possible to make the actual. But I know of no such addition to the possible. Whatever was to be added to it would be impossible. Only to my understanding can something be added beyond fitting the formal conditions of experience, namely a connection with some perception. If something is connected with a perception by empirical laws, it is actual, though nobody perceives it directly. But what is given gives us no way to infer that some other series of appearances is possible, one in thoroughgoing connection with what my perception supplies, and so more than a single experience embracing everything. Even less can we infer it when nothing is given at all, since without material nothing can be thought anywhere. Something that is possible just on conditions which are themselves only possible is not possible in every respect. But that is the sense in which the question is meant, when we want to know whether the possibility of things reaches further than experience does.
I touched on these questions merely so that nothing would be missing from what, in common opinion, counts among the concepts of the understanding.
B 285 In fact absolute possibility, which holds in every respect, is not a mere concept of the understanding, and cannot have empirical use in any way. It belongs to reason alone, and reason reaches past any empirical use the understanding could possibly have. So here we had to be satisfied with a critical remark and nothing more. For the rest, we have left the matter in obscurity until we proceed further in the future.
I am closing this fourth part, and with it the whole system of principles of the pure understanding. So I owe the reason why I called the principles of modality postulates. I don’t want to take the word here as some recent philosophical authors have taken it. They go against the mathematicians, to whom the word really belongs. For these writers, to postulate means to offer a proposition as immediately certain, with no justification or proof. For suppose we had to concede this for synthetic propositions, however evident they are: that you may demand unconditional approval for them without any deduction, on the strength of what they themselves declare. Then every critique of the understanding is lost. Bold claims are plentiful, and ordinary belief (which is not a letter of credit) does not turn them away.
B 286 So our understanding would lie open to every delusion. It could not refuse its approval to pronouncements which, though without right, demand in the same confident tone to be admitted as true axioms. So when a determination is added a priori and synthetically to the concept of a thing, a proposition of that kind must unfailingly have a deduction of the legitimacy of its claim added to it, if not a proof.
The principles of modality are not objectively synthetic. The predicates possibility, actuality and necessity don’t add anything to the concept they are said of; they put nothing further into the representation of the object. But since they are nonetheless always synthetic, they can be so only subjectively. That is, they add something to the concept of a thing (a real thing), though otherwise they say nothing about it. What they add is the faculty of cognition in which the concept arises and has its place. If it is merely connected, within the understanding, with the formal conditions of experience, we call its object possible. If the concept is bound up with perception (sensation, the matter of the senses), and perception, by way of the understanding, determines it, the object is actual. Suppose the connection of perceptions determines it, according to concepts.
B 287 Then the object is called necessary. So the principles of modality say nothing about a concept except the act of the faculty of cognition that produces it. Now in mathematics, the word postulate means a practical proposition. It contains only the synthesis by which we first get ourselves an object and generate its concept. One example is to draw a circle on a plane, starting from a given point, with a given line. A proposition of this kind can’t be proved, because the procedure it asks for is exactly the way in which we first produce the concept of such a figure. That gives us exactly the same right to postulate the principles of modality. They don’t increase their concept of things in general*, but only show how that concept is combined with the faculty of cognition.
* When I say a thing is actual, I posit more than I do by saying it is possible. But the more is not in the thing. A thing can never hold more in its actuality than its complete possibility already held. Rather, since possibility was only a way of positing the thing with respect to the understanding (its empirical use), actuality at the same time connects the thing with perception.
B 288 General Remark on the System of Principles
Something here deserves special notice. We can’t see that any thing is possible just from the bare category. An intuition must always be at hand, because only in it can a pure concept of the understanding show that it has objective reality. Take the categories of relation, for example. 1) How can something exist purely as a subject, without being just a determination of other things? That is, how can it be a substance? Or 2) how can it be that, because something is, something else must be, so that something can be a cause at all? Or 3) when several things exist, how can the existence of one of them have some result for the rest, and the reverse, so that substances can stand in community? None of this can be seen from mere concepts. The same holds for the other categories too. For example, how can one thing be the same as many things together, that is, be a magnitude, and so on? So as long as intuition is missing, we don’t know whether we are thinking an object through the categories, or whether any object at all could correspond to them. This confirms that by themselves they are no cognitions at all. They are mere forms of thought, and their job is to turn given intuitions into cognitions.
B 289 —This is also the reason that mere categories can never yield a synthetic proposition. For example: in all existence there is substance, that is, something that can exist only as a subject and not as a mere predicate. Or: each thing is a quantum, and so forth. In such propositions nothing helps us go beyond a given concept and connect another one with it. That is also why every attempt has failed to prove a synthetic proposition out of pure concepts of the understanding alone. One example is the proposition that everything that exists contingently has a cause. Nobody ever got further than showing this: without that relation, we would be unable to grasp the contingent’s existence at all. That is, we couldn’t cognize a priori through the understanding that such a thing exists. But that does not make the same relation a condition for the things themselves to be possible. Think back to how we proved the causality principle. You will see that we could prove it only for objects of possible experience: whatever happens (any event whatever) presupposes a cause. And the only way we could prove it was as a principle that makes experience possible, and so makes it possible to cognize an object that empirical intuition gives us. We couldn’t prove it from mere concepts. Still, nobody can deny that the saying “anything contingent must have a cause” is plain to everyone from mere concepts.
B 290 In that case, though, we have already built the concept of the contingent so that it contains not the category of modality (what could be thought not to exist) but the category of relation (what can exist only as the consequence of another thing). And then, of course, the proposition is an identical one: anything that can only exist as a consequence has a cause. In fact, whenever we are asked for examples of contingent existence, we always point to alterations, and not just to the possibility of thinking the opposite*. An alteration is an event.
B 291 Taken as an event, it is possible only by way of a cause, so its nonbeing is possible in itself. This is how we recognize contingency: something can exist only as the effect of a cause. So if we assume a thing to be contingent, then “it has a cause” is an analytic proposition.
* We can easily think of the nonexistence of matter, but the ancients didn’t infer its contingency from that. Even the alternation of being and nonbeing in a given state of a thing, which is what all alteration consists in, doesn’t prove that the state is contingent, as if proving it from the actuality of its opposite. Take a body’s rest following motion. That doesn’t yet prove the contingency of its motion, on the ground that rest is the opposite of motion. For here the opposite stands against the other only in a logical way, not realiter, in actual fact. To prove the contingency of the motion, we would have to prove that at the earlier point in time the body could have been at rest instead of moving. Proving that it rests afterward would not do; for in that case both opposites can well exist side by side.
More remarkable still is this: to understand how things are possible according to the categories, and so to show that the categories have objective reality, we need not just intuitions but always outer intuitions. Take the pure concepts of relation, for example. We find that 1) the concept of substance needs something persistent to correspond to it in intuition (and that is what shows the concept’s objective reality). For that we need an intuition of matter in space, since space determines everything in a persisting way, while time, and so everything in inner sense, keeps flowing. Alteration is the intuition that corresponds to the concept of causality. To exhibit it, our example has to be motion, which is alteration in space. Only through motion can we make alterations, whose possibility no pure understanding can grasp, something we can see in intuition. Alteration is the combination of determinations that contradict each other, in the existence of a single thing.
B 292 How can a state of a thing be followed, in the same thing, by a state that is its opposite? No reason can make this graspable without an example. It can’t even make it understandable without an intuition. That intuition is the motion of a point in space. The point’s existing in different places (as a sequence of opposite determinations) is the first thing, and the only thing, that makes alteration visible to us in intuition. Afterwards, to make even inner alterations thinkable, we have to picture time, the form of inner sense, in a figure, as a line. We picture inner alteration as the drawing of this line (motion). So we grasp our own successive existence in different states by way of outer intuition. The real reason for this is that every alteration presupposes something persistent in intuition, if it is to be perceived even as alteration. But inner sense contains no persistent intuition at all.—Finally, take the category of community. Mere reason cannot grasp how it is possible. So we can’t see the objective reality of this concept without intuition, and outer intuition in space at that. How are we to think the possibility of this: several substances exist, and from the existence of one something follows (as effect) for the existence of the others, and the reverse? Because something is in the first, something must also be in the others.
B 293 And it can’t be understood from the existence of the others alone. Community requires exactly this. But among things that each isolate themselves wholly through their own subsistence, it can’t be grasped at all. That is why Leibniz called in a deity as go-between. Leibniz ascribed community to the world’s substances only as the understanding alone thinks them. And from their existence alone, community seemed to Leibniz, rightly, impossible to grasp. But we can make the possibility of community (of substances as appearances) quite graspable if we represent it in space, that is, in outer intuition. For space contains a priori the formal outer relations that are conditions of real ones (in action and reaction, and so of community).—It is just as easy to show this for the possibility of things as magnitudes. The category of magnitude, too, can show its objective reality only in outer intuition, and only by means of that intuition can it later be applied to inner sense. To avoid going on at length, I must leave it to the reader to think up examples.
This whole remark is very important. It confirms our earlier refutation of idealism. But it matters even more for another reason.
B 294 We will come to self-knowledge drawn from mere inner consciousness and from the determination of our nature, without the help of outer empirical intuitions. When we do, this remark will show us the limits on the possibility of such cognition.
The last conclusion of this whole section, then, is that all principles of the pure understanding are no more than principles, a priori, for experience to be possible. Every synthetic a priori proposition refers to experience alone, and the possibility of such propositions depends wholly on that reference.
Of the Transcendental Doctrine of the Power of Judgment (Analytic of Principles) Third Chapter
The Ground for Distinguishing All Objects in General into Phaenomena and Noumena
We have now journeyed through the land of pure understanding. We looked closely at each part. We have also measured it out and given everything in it its place. But this land is an island, shut in by nature itself within boundaries that can’t be changed. It is the land of truth (a charming name).
B 295 Around it lies a wide and stormy ocean, the real home of illusion. Out there, many a fog bank and many a block of ice that soon melts passes itself off as new land. They keep deceiving a seafarer who roams about hunting for discoveries, and they offer nothing but empty hopes. The seafarer is drawn into adventures that can’t be dropped and can’t be finished. Before we dare to go out on that sea, to search it in every latitude and make sure whether anything there is worth hoping for, it will be useful to look once more at the map, before we leave this land behind. We should ask first whether we might be content with what the land holds, or even must be content out of need, if nowhere else offers ground where we could settle. We should ask second by what title we hold this land ourselves, and how we can keep it safe against all hostile claims. We have already answered these questions well enough in the course of the Analytic. But a short summary of the answers can strengthen our conviction, by bringing their separate points together in one place.
What we have seen is this: anything the understanding draws out of itself, without borrowing it from experience, serves it for nothing except use in experience.
B 296 The principles of pure understanding may be constitutive a priori (the mathematical ones) or only regulative (the dynamical ones). Either way, all they hold is, so to speak, the pure schema for a possible experience. Experience has its unity from only one source: the synthetic unity that the understanding gives, originally and by itself, to the imagination’s synthesis with respect to apperception. Appearances, as data for a possible cognition, already have to relate and conform to that unity a priori. These rules of the understanding are not only true a priori. They are the very source of all truth, which is our cognition’s agreement with objects, since they hold the ground that makes experience possible, and experience is the sum of all cognition in which objects can be given to us. Even so, being told only what is true doesn’t seem to us enough. We want to be told what we are eager to know. Now suppose this critical inquiry teaches us nothing beyond what we would have done on our own in the merely empirical use of the understanding, with no such subtle research. Then the benefit seems not worth the effort and preparation. To that one can reply, it’s true, that no rash curiosity does more harm to the growth of our cognition than the kind that insists on knowing the use beforehand, before beginning an inquiry.
B 297 Before the inquiry, one can’t form even the faintest notion of that use, even when it is put in front of one’s eyes. There is, however, an advantage that even the hardest and most unwilling student of such transcendental research can be made to understand and care about. An understanding busy only with its empirical use, and not pondering where its own cognition comes from, can get on very well. But there is one thing it can’t do. It cannot fix for itself the boundaries of its own use, or know what may lie inside or outside its whole sphere. That takes exactly the deep investigations we have made. And if the understanding can’t distinguish whether some questions lie in its horizon or not, it is never sure of its claims and possessions. It can only expect many shameful corrections, as it keeps crossing the borders of its territory (which is unavoidable) and wanders into delusion and dazzling tricks.
Here is a proposition with important consequences, if we can really see it to be true: the understanding can make only empirical use of all its principles a priori, and of all its concepts too, and never transcendental use.
B 298 A concept is used transcendentally in a principle when the principle applies it to things in general, things in themselves. It is used empirically when the principle applies it merely to appearances, that is, to objects of a possible experience. Only the second use can ever take place anywhere. We see this as follows. Every concept needs two things. The first is the logical form that any concept (any act of thinking) has. The second is that it must be possible to give the concept an object to refer to. Without the second, the concept means nothing and holds no content at all. All it keeps is the logical function of making a concept from whatever data there happen to be. Now there is only one way to give a concept its object: in intuition. Although a pure intuition is possible a priori even before the object, that intuition itself can get its object, and with it objective validity, only through empirical intuition, whose mere form it is. So every concept, and every principle with it, however possible a priori, still refers to empirical intuitions, that is, to data for possible experience. Without that, they have no objective validity whatever. They are only a game, played by imagination or understanding with its own representations. Take the concepts of mathematics, and begin with their pure intuitions.
B 299 Space has three dimensions. Between two points there can be only a single straight line. And so on. All these principles are produced in the mind entirely a priori, and so is the representation of the object that this science works on. Yet they would mean nothing if we could not always show their meaning in appearances (empirical objects). That is why an abstract concept has to be made sensible: the object that corresponds to it must be shown in intuition. Otherwise the concept would stay (as the saying goes) without sense, which means without meaning. Mathematics meets the demand by constructing the figure. A figure is an appearance, and the senses can face it, though it was brought about a priori. That same science has the concept of magnitude find its footing and sense in number. Number in turn seeks it in fingers, in the beads of an abacus, or in strokes and dots placed before the eyes. The concept itself is always generated a priori, and so are the synthetic principles or formulas built from such concepts. But using them, and relating them to supposed objects, can be looked for in the end only in experience. Those a priori concepts and principles contain the possibility of that experience, as far as its form goes.
B 300 The same is true of all the categories, and of the principles spun out of them. This also becomes clear from the following. We can’t give a real definition of even one category, that is, we can’t explain how its object could be possible, without at once stepping down to conditions of sensibility, and thus to the form of appearances. The categories must therefore be restricted to appearances, which are their only objects. Take that condition away, and all meaning, which is relation to the object, falls away. No example can then help us grasp what thing could really be meant by concepts like these.
Nobody can explain the concept of magnitude as such, except roughly as follows: magnitude is what makes it possible to think a thing by how many times a unit has been put into it. But this “how many times” depends on successive repetition, and so on time and on synthesis (of what is of the same kind) in time. Reality, as opposed to negation, can be explained only by imagining a time (the sum of all being) that is either full of something or empty. Suppose I drop persistence (which is existence at all times). Then the concept of substance has nothing left except the logical representation of a subject. I try to make it real by representing something that can occur merely as a subject (without being the predicate of anything).
B 301 Yet I can’t name any conditions under which a thing would have this logical advantage. Worse, nothing further can be made of it, and not the slightest conclusion can be drawn, since no object of use is thereby fixed for this concept, and so we don’t know at all whether it means anything. Take the concept of cause (leaving out time, in which one thing follows another by a rule). In the pure category I would find only that a cause is something from which the existence of something else can be inferred. Then cause and effect could not be told apart. And since inferring soon takes conditions I know nothing about, the concept would have no determination for how it fits any object. The so-called principle “everything contingent has a cause” enters with quite a solemn air, as if its dignity lay in itself. But if I ask, “What do you mean by contingent?” and you answer, “Something whose nonbeing is possible,” then I would like to know how you will recognize this possibility of nonbeing. You will have to picture, in the series of appearances, a succession, and in the succession an existence that follows on nonbeing (or the other way round), and so a change. For to say that a thing’s nonbeing does not contradict itself is a lame appeal to a logical condition.
B 302 The condition is necessary for the concept, but far from enough for real possibility. Indeed, I can cancel any existing substance in thought without contradicting myself. Yet I can’t infer from this its objective contingency in its existence, that is, the possibility of its nonbeing in itself. Now take the concept of community. It is easy to see that the pure categories of substance and of causality admit no explanation that determines their object. The reciprocal causality of substances toward one another (commercium) is equally incapable of one. Possibility, existence and necessity have never yet been explained otherwise than by obvious tautology, if the definition was to come from pure understanding alone. For the trick of substituting the logical possibility of the concept (which does not contradict itself) for the transcendental possibility of things (where an object corresponds to the concept) can deceive and satisfy only the inexperienced*.
* In short, nothing can back up any of these concepts, so their real possibility can’t be shown, if all sensible intuition (the only one we have) is removed. Then only logical possibility is left, that is, that the concept (thought) is possible. But that is not what is at issue. What is at issue is whether the concept refers to an object, and so means anything at all.
B 303 It follows beyond dispute that the pure concepts of the understanding are never to be used transcendentally; their use is always and only empirical. It also follows that the principles of the pure understanding can be applied only to the general conditions of a possible experience, that is, to objects of the senses. They can never be applied to things in general (without regard to how we might intuit them).
So the Transcendental Analytic leaves us with an important result. A priori, the understanding can do no more than anticipate the form of any possible experience. And whatever is not an appearance can’t be an object of experience. So the understanding can never step over the limits of sensibility, the only place where objects are given to us. Its principles only set out appearances. The proud name of an ontology claims to offer, in a systematic doctrine, synthetic cognitions a priori about things in general (the principle of causality, for example). That name has to give way to the modest one: a mere analytic of the pure understanding.
B 304 To think is to relate a given intuition to an object. If the kind of intuition is not given in any way, the object is only transcendental, and the concept of the understanding can have no use other than a transcendental one: the unity of thinking a manifold as such. A pure category leaves out every condition of sensible intuition, the only intuition we can have. So no object is determined through a pure category. It merely expresses, in various modi (modes), the thinking of an object as such. Now using a concept also takes a function of the power of judgment: an object has to be subsumed under the concept. That means at least the formal condition that something must meet to be given in intuition. If the power of judgment lacks this condition (the schema), no subsumption can happen, because nothing is given to bring under the concept. Categories used only transcendentally are therefore, in fact, not used at all. They have no determinate object, nor even one that could be determined as to form. From this it follows that a pure category is not enough for any synthetic principle a priori. It follows too that the principles of the pure understanding have only empirical use, never transcendental use.
B 305 Beyond the reach of possible experience, there are no synthetic principles a priori at all.
It may therefore be wise to say it this way: without the formal conditions of sensibility, the pure categories have only transcendental meaning, and they have no transcendental use. Such use is impossible in itself, because they lack all the conditions of any use (in judgments). Those are the formal conditions for placing some supposed object under these concepts. As mere pure categories they are not supposed to have empirical use, and they cannot have transcendental use. So if we detach them from all sensibility, they have no use whatsoever. They can’t be applied to any supposed object. What they are is only the pure form for using the understanding on objects as such, and for thinking. By them alone, however, we can neither think nor determine any object.
A deception lies under this, and it is hard to avoid. By their origin the categories do not rest on sensibility, as the forms of intuition, space and time, do. So they seem to permit an application that reaches beyond all objects of the senses. But they too are only forms of thought. They contain only the logical power to unite, in one consciousness a priori, the manifold given in intuition.
B 306 If the only intuition possible for us is taken from them, they have still less meaning than those pure sensible forms. The sensible forms at least give an object. A way of combining the manifold that belongs to our understanding means nothing at all if the intuition, the only place the manifold can be given, does not come along.—Still, our concept itself already says something. When we call certain objects appearances, beings of sense (phaenomena), we distinguish how we intuit them from what they are in themselves. That already means we set something over against them, as it were. It might be those very objects, according to how they are constituted in themselves, although we don’t intuit them in that constitution. Or it might be other possible things that our senses can never have as objects, things we think as objects through the understanding alone. These we call beings of understanding (noumena). Now the question comes up: do our pure concepts of the understanding mean anything with respect to the latter, and could they be a way of cognizing them?
Right at the start, however, an ambiguity appears here that can lead to a great misunderstanding. When the understanding calls an object a phaenomenon, only in a certain respect, it also forms for itself, apart from that respect, a representation of an object in itself.
B 307 So it supposes it can form concepts of an object of that sort as well. The understanding supplies no concepts other than the categories. So it supposes that the object in this second sense must at least be thinkable through these pure concepts of the understanding. This leads it astray. It takes the wholly indeterminate concept of a being of understanding, meaning a something in general outside our sensibility, to be a determinate concept of a being we can cognize in some way through the understanding.
Take noumenon to mean a thing to the extent that our sensible intuition does not take it as an object, because we abstract from our way of intuiting it. Then we have a noumenon in the negative meaning of the word. Take it instead to mean an object of a nonsensible intuition. Then we assume a special way of intuiting, namely the intellectual one. That way is not ours, and we can’t even see that it is possible. This would be a noumenon in the positive meaning.
The teaching about sensibility is at once the teaching about noumena in the negative sense. These are things the understanding has to think of without any tie to our way of intuiting. So it has to think of them as things in themselves, and not just as appearances. But once the understanding sets them apart like this, it also sees that it can’t use its categories to look at them that way.
B 308 The categories mean something only when they’re tied to the unity that intuitions have in space and time. And they can fix that unity a priori, through general concepts of combination, only because space and time are merely ideal. Where this unity of time can’t be found, which is the case with the noumenon, the categories stop being usable and stop meaning anything at all. We can’t even see how the things that are supposed to match the categories could be possible. So all I can do is point back to what I said at the very start of the general remark on the previous chapter. Now, no thing’s possibility can be proved merely because its concept doesn’t contradict itself. It can be proved only by backing the concept with an intuition that corresponds to it. Suppose we wanted to use the categories on objects that we don’t treat as appearances. Then we’d have to base the categories on some intuition that isn’t the sensible kind. That object would count as a noumenon in the positive meaning of the word. But an intuition like that, an intellectual intuition, lies entirely outside our power of cognition. So the categories can’t be used on anything beyond the boundary of the objects of experience. Beings of the understanding do, to be sure, correspond to beings of the senses.
B 309 There may even be beings of the understanding that our sensible power of intuition has no relation to at all. Our concepts of the understanding, though, are only forms of thought for our sensible intuition. They don’t reach those beings in the slightest. So whatever we call a noumenon has to be understood as one only in the negative sense.
Take an empirical cognition and subtract all the thinking done through categories. No cognition of any object is left, because nothing at all is thought through mere intuition. That my sensibility is affected in this way gives that representation no relation to any object. Now suppose I leave out all intuition instead. What’s left then is the form of thinking: the way of settling on an object for whatever manifold a possible intuition offers. In this respect the categories reach further than sensible intuition does. They think objects as such, without yet looking at the particular manner (of sensibility) in which those objects might be given. But that doesn’t give them a bigger sphere of objects. We can’t suppose such objects could be given unless we also suppose that some intuition other than the sensible kind is possible. And we have no right to suppose that.
B 310 I use the word problematic for a concept that holds no contradiction, hangs together with other cognitions as a way of bounding given concepts, and has an objective reality that can’t be cognized in any way. The concept of a noumenon is like that. A noumenon is a thing meant to be thought of as it is in itself, by pure understanding alone, and not as something the senses can take as an object. The concept isn’t contradictory at all, since we can’t claim that sensibility is the only possible kind of intuition. The concept is also necessary. It keeps sensible intuition from being stretched over things in themselves, and so it keeps the objective validity of sensible cognition limited. (Whatever sensible cognition doesn’t reach gets called noumena for just this reason: to show that such cognitions can’t extend their territory over everything the understanding thinks.) In the end, though, we can’t see how such noumena could be possible. And whatever lies beyond the sphere of appearances is, for us, empty. We have an understanding that reaches further than appearances do, but only problematically. What we lack is any intuition, or even the concept of a possible one, that could give us objects beyond sensibility’s field. Without that, we can’t use the understanding assertorically outside that field either.
B 311 So the concept of a noumenon is only a boundary concept. Its job is to rein in the presumption of sensibility, and so it has a negative use only. But it isn’t made up at random. It is tied to the limiting of sensibility, though it can’t set up anything positive outside sensibility’s range.
In a positive sense, we can’t allow objects to be divided into phaenomena and noumena, or the world to be split into one world for the senses and another for the understanding. Concepts, it’s true, can be divided into sensible and intellectual ones. But we can’t assign any object to the intellectual ones, so we can’t pass them off as objectively valid. Once we leave the senses, how can we make it clear that our categories still mean anything at all? They would be the only concepts left for noumena. For the categories to relate to any object, something more than the mere unity of thinking is needed. A possible intuition must also be given, one they can be applied to. Even so, the concept of a noumenon, taken merely problematically, stays not only admissible but unavoidable, as a concept that puts sensibility within limits. But then it isn’t a special intelligible object for our understanding. What it points to is an understanding to which such an object would belong, and that understanding is itself a problem (Problema). Such an understanding would not cognize its object discursively, working through categories.
B 312 It would cognize it intuitively, in a nonsensible intuition. We can’t form the slightest representation of how that could be possible. In this way our understanding gets a negative extension. Sensibility doesn’t set limits for the understanding. Instead, the understanding sets limits for sensibility, by giving the name noumena to things in themselves (things not viewed as appearances). But it also sets boundaries for itself right away: it won’t cognize those things through any categories, and so it can think of them only by the name “unknown something.”
In the writings of more recent authors, however, I find that the expressions mundi sensibilis and intelligibilis* (of a sensible and of an intelligible world) are used in a quite different way. It departs completely from the sense the ancients gave them. It involves no difficulty, of course, but nothing is found in it except empty haggling over words. Some have liked to call the sum of appearances the world of the senses, in so far as it is intuited, though the connection of appearances can also be thought according to general laws of the understanding.
B 313 In that respect they have liked to call it the world of the understanding. Theoretical astronomy, which just reports observation of the starry sky, would present the first. Contemplative astronomy would present the second, an intelligible world. That second kind might be astronomy explained by the Copernican world-system, or even by Newton’s laws of gravitation. But twisting words like this is only a sophist’s trick for dodging a hard question: you shrink its meaning until it’s comfortable to answer. Of course understanding and reason can be applied to appearances. What we’re asking is whether they’re any use at all when the object isn’t an appearance (a noumenon). That is how one takes an object when it is thought of in itself as merely intelligible, that is, as given to the understanding alone and not to the senses at all. So the question is this: besides that empirical use of the understanding (even in Newton’s picture of how the world is built), is a transcendental use also possible, one that goes to the noumenon as an object? We have answered that question in the negative.
* We must not use the expression “intellectual world” in its place, as people commonly do in German presentations. Only cognitions are intellectual or sensitive. But what can be an object of only one or the other kind of intuition—that is, objects—must be called intelligible or sensible, however harsh that sounds.
So when we say that the senses show us objects as they appear while the understanding shows them as they are, we must take the second part in an empirical sense, not a transcendental one. It means how objects must be represented as objects of experience, in the thoroughgoing connection of appearances.
B 314 It doesn’t mean what they might be apart from any relation to possible experience, and so to the senses in general, that is, as objects of pure understanding. That will always stay unknown to us. We can’t even tell whether this kind of transcendental (extraordinary) cognition could exist at all, at least one that works under our ordinary categories. For us, understanding and sensibility determine objects only when they are combined. Pull them apart and we are left with intuitions lacking concepts, or concepts lacking intuitions. In both cases we have representations that we can’t relate to any determinate object.
Suppose someone, even after all this, can’t bring themselves to give up the purely transcendental use of the categories. Let them test the categories in some synthetic assertion. For an analytic assertion doesn’t take the understanding any further. All it handles is what the concept already holds in thought. So it never settles whether the concept itself is about objects, or whether it just stands for the unity of thinking as such (a unity that ignores entirely how an object might be given). Knowing what its concept contains is all it needs. What the concept itself may be about makes no difference to it.
B 315 So let them take a synthetic principle that is supposed to be transcendental, such as this: everything that is exists as a substance or as a determination attached to a substance; everything contingent exists as the effect of another thing, namely its cause; and so on. Now I ask: where will they get these synthetic propositions from, when the concepts are meant to hold of things in themselves (noumena) and not in relation to possible experience? Every synthetic proposition needs a third element, to connect concepts that aren’t logically (analytically) related at all. Where is it here? They will never prove their proposition. More than that: they couldn’t even defend the possibility of a pure claim like this without turning to the empirical use of the understanding. That would mean giving up completely on pure judgment free of the senses. So the concept of purely intelligible objects is wholly empty of principles for applying it. We can’t think up any way in which such objects could be given. The problematic thought still keeps a place open for them. But all it does, like an empty space, is to put limits on the empirical principles. It contains no other object of cognition outside their sphere, and shows none.
B 316 Appendix The Amphiboly of Concepts of Reflection Through Confusing the Empirical Use of Understanding with the Transcendental
Reflection (reflexio) doesn’t deal with the objects themselves in order to get concepts directly from them. It is the frame of mind we get into first, when we get ready to discover the subjective conditions that let us arrive at concepts. It is the consciousness of how given representations relate to our different sources of cognition. Only through this can their relation to one another be determined correctly. Before we do anything else with our representations, the first question is this: in which power of cognition do they belong together? Are they being connected or compared in front of the understanding, or in front of the senses? Many a judgment is accepted out of habit, or tied together by inclination. But no reflection comes before it, or at least follows it critically, and so it passes for a judgment that originated in the understanding. Not every judgment calls for investigation, meaning a look at the grounds of its truth.
B 317 Some judgments are certain at once. Take “Between two points there can lie just one straight line.” For a judgment like that, no closer mark of truth can be given than what it states itself. But all judgments, indeed all comparisons, need reflection, that is, a distinction of the power of cognition to which the given concepts belong. There is an act in which I hold the comparison of representations up against the power of cognition where the comparison takes place. In that act I also tell whether the representations are compared as things that belong to pure understanding or to sensible intuition. I call this act transcendental reflection. In a state of mind, concepts can be related to one another in these ways: sameness and difference; agreement and conflict; the inner and the outer; and last, the determinable and its determination (matter and form). Getting this relation right depends on which power of cognition the concepts subjectively belong together in, sensibility or understanding. For the difference between these two powers makes a great difference in how we should think the relations.
Before making any objective judgments, we compare concepts. We look for sameness (of many representations under one concept), which serves general judgments, or for their difference, which serves to produce particular ones.
B 318 We look for agreement, from which affirmative judgments can come, and for conflict, from which negative judgments can come, and so on. On this ground, it seems, we ought to call the concepts just named concepts of comparison (conceptus comparationis). But sometimes the logical form isn’t what matters. What matters is what the concepts contain, that is, whether the things themselves are the same or different, in agreement or in conflict, and so on, things can stand in a twofold relation to our power of cognition, namely to sensibility and to understanding. And how they are supposed to belong to one another is settled by the place where each of them belongs. So only transcendental reflection, that is, the relation of given representations to one kind of cognition or the other, can determine how they relate to each other. Whether things are the same or different, in agreement or in conflict, and so on, can’t be settled directly from the concepts themselves by mere comparison (comparatio). It can be settled only after we tell apart the kind of cognition they belong to, by means of a transcendental reflection (reflexio). So one could indeed say that logical reflection is a mere comparison. In it we abstract completely from the power of cognition to which the given representations belong. So as far as their seat in the mind goes, we have to treat them as being of one kind.
B 319 Transcendental reflection is different. It goes to the objects themselves, and it holds the ground that makes an objective comparison of representations with one another possible. So it is very different from logical comparison, because the power of cognition the representations belong to is not the same. This transcendental reflection is a duty that no one can get out of who wants to judge anything about things a priori. We’ll take it up now, and it will shed no small amount of light on what the understanding’s real business is.
1 Sameness and difference. Suppose an object shows up before us on several occasions, and each time its inner determinations are exactly alike (qualitas et quantitas). If pure understanding is what takes it as its object, then it is always the same object. It is not many things but only one thing (numerica identitas). But if it is an appearance, comparing concepts doesn’t matter at all. The concepts may match in every respect. Even so, if the appearance is in different places at the same moment, that is reason enough to count the object (of the senses) as numerically different. Take two drops of water. We can set aside every inner difference between them, in quality and in quantity. It’s enough that they are intuited in different places at once for us to hold them numerically different.
B 320 Leibniz took appearances to be things in themselves, and so to be intelligibilia, that is, objects of pure understanding. (He did give them the name of phenomena, because the representations of them are confused.) Given that, nobody could really contest his proposition of the indiscernible (principium identitatis indiscernibilium). But appearances are objects of sensibility, and the understanding is used on them not purely but only empirically. Space is the condition of outer appearances, and space by itself already gives us multiplicity and numerical difference. One part of space may be perfectly similar and equal to another. Still, it lies outside that other part, and for exactly that reason it is a different part, one that is added to the first to make a larger space. And that must hold of everything in the various places of space at once, no matter how alike and equal those things are otherwise.
2 Agreement and conflict. When reality is represented by pure understanding alone (realitas noumenon), you can’t think of any conflict among realities. By conflict I mean a relation in which realities, joined in one subject, cancel each other’s consequences, so that 3-3=0. On the other hand, take what is real in appearance (realitas phaenomenon).
B 321 It can certainly be in conflict with other real things. United in the same subject, one can destroy the consequence of another, wholly or in part. Take two moving forces on one straight line, pulling or pushing a point in opposite directions. Or take a pleasure that balances out a pain.
3 Inner and outer. In an object of pure understanding, a thing is inner only if, as far as its existence goes, it has no relation to anything besides itself. A substantia phaenomenon in space is different. Its inner determinations are nothing but relations, and the whole substance is simply a sum of nothing but relations. The only way we know substance in space is through forces working in it. They either drive other things toward it (attraction) or keep them from entering it (repulsion and impenetrability). We know no other properties that make up the concept of the substance that appears in space, which we call matter. But as an object of pure understanding, a substance has to have inner determinations, and forces that have to do with inner reality. What inner accidents can I think of, though, except the ones my inner sense offers me? That is, something that is either itself a thinking or analogous to thinking.
B 322 That is why Leibniz made simple subjects out of all substances, endowed with powers of representation: in a word, monads. He pictured them as noumena. He did the same even with the components of matter, after he had removed in thought everything that could mean outer relation, and with it composition.
4 Matter and form. These two concepts underlie all other reflection, for they are so inseparably combined with each use of the understanding. The first means the determinable in general. The second means its determination. (Both are meant in the transcendental sense, since we abstract from any difference in what is given and in the way it is determined.) Logicians used to call the general the matter and the specific difference the form. In a judgment, we can call the concepts that are given its logical matter, and call their relation (through the copula) the judgment’s form. In any being, the parts it consists of (essentialia) are the matter, and the way they are connected in the thing is the essential form. With regard to things in general, unlimited reality was also regarded as the matter of all possibility. The limiting of it (negation) was regarded as the form by which, according to transcendental concepts, one thing differs from another. The understanding first demands that something be given.
B 323 That must happen at least in the concept, so that the understanding can then determine it in some way. So in the concept of pure understanding, matter comes before form. That is why Leibniz first assumed things (monads), with an inner power of representation in them. On that he then built their outer relation, and the community among their states, meaning their representations. That made space possible only through how substances relate. It made time possible only through how their determinations connect to one another, as grounds and consequences. It would really have to be that way, if pure understanding could relate straight to objects, and space and time were features of things in themselves. Suppose instead that they are only sensible intuitions, ones in which we determine objects purely as appearances. Then the form of intuition (as a subjective feature of sensibility) comes before all matter (sensations). So space and time precede every appearance and every datum of experience, and they are what make those possible at all. The intellectual philosopher couldn’t stand the idea that the form should come before the things themselves and determine their possibility. He was quite right to object, if he thought that we intuit things as they are (even if confusedly).
B 324 But sensible intuition is a very special subjective condition of its own. It underlies every perception a priori. Its form is original. So the form is given on its own. Matter (or the things themselves that appeared) is not the ground, as judging by mere concepts would require. On the contrary, such things are only possible if a formal intuition (time and space) is already given.
Note on the Amphiboly of Concepts of Reflection
Allow me to use the term transcendental place for the position we give a concept, whether in sensibility or in pure understanding. Judging this place, which belongs to each concept according to how it is used, and giving rules for fixing the place of all concepts, would then be the transcendental topic. This doctrine would thoroughly protect us from the stealthy errors of pure understanding and the delusions that spring from them, because it would always tell us which power of cognition a concept properly belongs to. Any concept, any title under which many cognitions fall, can be called a logical place. Aristotle’s logical topic is built on this. Schoolteachers and speakers could use it, going to certain titles of thinking.
B 325 There they could look up whatever best suited the matter at hand. Then, with a show of thoroughness, they could argue cleverly about it or chatter on at length.
The transcendental topic, by contrast, contains nothing more than the four titles of all comparison and distinction that I listed. They differ from the categories in this way. They don’t present the object by what makes up its concept (magnitude, reality). They present only the comparison of representations, in all its variety, which comes before the concept of things. This comparison first needs a reflection, that is, a decision about where the representations of the things we are comparing belong: do they belong to what pure understanding thinks, or to what sensibility gives in appearance?
Concepts can be compared logically without worrying about where their objects belong—whether they are noumena for the understanding or phaenomena for sensibility. But if we want to go with these concepts to the objects, we first need a transcendental reflection about which power of cognition they are supposed to be objects for, pure understanding or sensibility. Without this reflection, my use of these concepts is very unsafe.
B 326 Supposed synthetic principles arise that critical reason can’t accept, and that rest solely on a transcendental amphiboly, that is, on a confusion of an object of pure understanding with an appearance.
Lacking such a transcendental topic, and so deceived by the amphiboly of the concepts of reflection, the famous Leibniz set up an intellectual system of the world. Or rather, he believed he knew the inner nature of things, by comparing all objects only with the understanding and with the abstracted formal concepts of its thinking. Our table of the concepts of reflection gives us an unexpected advantage. It sets before our eyes what is distinctive in his doctrine in all its parts, and at the same time the guiding ground of this peculiar way of thinking, which rested on nothing but a misunderstanding. He set all things beside one another by means of concepts only. Naturally, he found no differences except the ones by which the understanding tells its pure concepts apart. Sensible intuition has conditions that bring differences of their own. He didn’t count these as original. For to him sensibility was nothing more than a muddled way of representing things, not a separate source of representations. Appearance, as he saw it, was just how the thing in itself is represented. It differed from cognition through the understanding in logical form only.
B 327 That is because appearance, as he saw it, usually lacks analysis, and so it draws into the concept of the thing a certain mixture of side-representations, which the understanding knows how to separate out. In short, Leibniz intellectualized appearances, just as Locke, going by a system of noogony, had sensified all the concepts of the understanding (I hope I may use such words). That is, Locke passed them off as nothing but empirical or abstracted concepts of reflection. Instead of seeing understanding and sensibility as two entirely different sources of representations, which give valid judgments about things only when connected, each of these great men clung to just one of them. In his view, that one was directly about things in themselves, and the other only muddled or ordered what the first one supplied.
So Leibniz compared the objects of the senses with one another merely in the understanding, as things in general. First, he compared them insofar as the understanding is to judge them the same or different. All he looked at was their concepts. Their position in intuition, the only place where objects can be given, he ignored. And he left the transcendental place of these concepts (whether the object is to be counted among appearances or among things in themselves) entirely out of account, and so it could not turn out any other way than this.
B 328 He carried his principle of the indiscernible over to the objects of the senses (mundus phaenomenon), although it holds only of concepts of things in general. And he thought he had thereby given our knowledge of nature no small expansion. Of course, suppose a drop of water were a thing in itself, and I knew all its inner determinations. Then I couldn’t count it as different from another drop, if the whole concept of it matched the other’s. But if the drop is an appearance in space, its place is not just in the understanding (under concepts). It is in the sensible outer intuition (in space). And there the physical places don’t matter at all with regard to the inner determinations of things. A place = b can take in a thing perfectly similar and equal to another thing in place = a, just as well as it could if that thing were as different from it inside as could be. The difference of places already makes the multiplicity and distinction of objects, as appearances, not only possible but necessary, without any further conditions. That seeming law, then, is not a law of nature at all. It is merely an analytic rule, a comparison of things through mere concepts.
Second, there is a principle that realities never clash logically, since they are mere affirmations. That is a perfectly true statement about how concepts relate.
B 329 But it means nothing at all, whether for nature or for any thing in itself (we have no concept of such a thing). For real conflict happens wherever A - B = 0. That is, it happens wherever two realities are joined in one subject and one cancels the other’s effect. Nature shows us this constantly in its obstacles and counteractions. Because these rest on forces, they have to be called realitates phaenomena. General mechanics can even state, in an a priori rule, the empirical condition under which this conflict arises. It does so by looking at how directions oppose each other. The transcendental concept of reality knows nothing of that condition. Mr. von Leibniz didn’t announce this principle with much fuss, as a new principle. But he did use it for new claims, and his followers wrote it expressly into their Leibniz-Wolfian systems. By this principle, for instance, every evil is just a consequence of creatures’ limits, that is, of negations. Negations are the only thing that conflicts with reality. (That’s really so when we consider just the concept of a thing in general, but not for things as appearances.) In the same way, those who follow this view think it is not just possible but natural for all reality to come together in a single being, without any fear of conflict.
B 330 They think so because the only conflict they know is contradiction (which cancels the concept of a thing itself). They don’t know the kind where one real ground cancels what another one brings about. And for picturing that kind, we find the conditions only in sensibility.
Third, the only ground of Leibniz’s monadology is that this philosopher pictured the difference between inner and outer purely in relation to the understanding. Substances in general must have something inner. So that inner part must be free of all outer relations, composition included. So the simple is what the inner side of things in themselves is founded on. Now the inner side of a substance’s state can’t consist of place, shape, contact or motion, since all of these are outer relations. So the only inner state we can give to substances is the one by which we ourselves determine our own sense from inside: the state of representations. And so the monads were made. They are meant to be the basic stuff of the whole universe. Their active force consists only in representations, so they are properly active only within themselves.
For the same reason, his principium of how substances can form a community with one another had to be a pre-established harmony.
B 331 It could not be physical influence. Everything is busy only with its inside, that is, with its own representations. So the state of one substance’s representations could not be combined in any effective way with that of another. Some third cause had to flow into all of them together and make their states match one another. This could not be done by occasional help, supplied separately in each single case (systema assistentiae). It had to come from the unity of the idea of one cause valid for all. In that cause they all have to get their existence and their continuing, and their correspondence with each other as well, all under general laws.
Fourth, he made a famous doctrine out of time and space, treating these forms of sensibility as intellectual. That doctrine came from the very same deception of transcendental reflection. If I try to represent the outer relations of things through the understanding alone, I can do it only through a concept of how they act on one another. And if I want to connect one state of a thing with another state of that same thing, that can only be done by the order of grounds and consequences. So for Leibniz, space was a certain order among substances in community, and time was the dynamic succession of their states. Both appear to have something peculiar about them.
B 332 That something is independent of things. He blamed it on the confusion in those concepts. Because of the confusion, what is only a form of dynamic relations is taken for an intuition of its own, existing by itself and coming before the things themselves. In that case space and time were the intelligible form in which things (substances and their states) are connected in themselves. And the things were intelligible substances (substantiae noumena). All the same, he wanted these concepts to be valid for appearances, because he would not grant sensibility an intuition of its own kind. He sought every representation in the understanding, even the empirical representation of objects. The senses were left with only the despised job of muddling and distorting the understanding’s representations.
Suppose we could say something synthetic about things in themselves through pure understanding (though that is impossible). It still couldn’t be stretched to cover appearances, since appearances don’t represent things in themselves. In that case, then, in transcendental reflection, I will always have to compare my concepts under the conditions of sensibility alone. Space and time will then be determinations of appearances, not of things in themselves. What things in themselves may be, I don’t know, and I have no need to.
B 333 A thing can only ever reach me in appearance.
I treat the other concepts of reflection the same way. Matter is substantia phaenomenon. What belongs to it on the inside I look for in every part of the space it fills and in every effect it has, and these, naturally, can only ever be appearances of the outer senses. So nothing I find is absolutely inner. It is all inner only by comparison, and it in turn is made of outer relations. And the absolutely inner side of matter, as pure understanding would define it, is a mere whim too. For matter is not an object for pure understanding at all. The transcendental object, though, which may be the ground of the appearance we call matter, is nothing but a bare something. If someone could tell us what it is, we still wouldn’t understand. We understand only what brings along, in intuition, something matching our words. Suppose people complain, “We can’t see the inner side of things at all,” and mean by this, “We don’t grasp by pure understanding what the things that appear to us may be in themselves.” Then the complaint is quite unfair and unreasonable.
B 334 It demands that we cognize things, and so intuit them, without senses, and that our power of cognition be wholly unlike the human one. It would differ not merely in degree, but also in intuition and kind. We would then be not humans but beings that we can’t even say are possible, let alone describe. Observation and analysis of appearances do reach into the inside of nature, and nobody can say how far that will go over time. The transcendental questions reach beyond nature. We could never answer them, even if all of nature were uncovered for us. We can’t even observe our own mind by any intuition other than inner sense. The secret of where our sensibility comes from lies in the mind. How sensibility relates to an object, and what the transcendental ground of that unity is, surely lie hidden too deeply. Even ourselves we know only by inner sense, and so only as appearance. With a tool so badly suited to inquiry, all we could ever find is more appearances. What we would like to explore is their nonsensible cause.
This critique of inferences drawn from mere acts of reflection is extremely useful because it makes clear that inferences about objects, drawn from merely comparing them in the understanding, are void.
B 335 It also confirms what we mainly stressed: appearances, though they aren’t things in themselves and so don’t figure among the objects of pure understanding, are still the only place where our cognition can have objective reality, that is, where an intuition matches the concepts.
When we reflect in a purely logical way, we only compare our concepts with each other in the understanding. We ask whether both contain the same thing, whether they contradict each other or not, whether the concept holds something inside itself or has it added on, and which of the two counts as given, and which is only a way of thinking about the given one. Now suppose I use these concepts for an object as such, taken transcendentally, without deciding if it’s an object for sensible intuition or for intellectual intuition. Restrictions show up at once (don’t go beyond this concept), and they turn every empirical use of the concepts upside down. What they show is that to represent an object merely as a thing in general is worse than inadequate. Take away the sensible determination and every empirical condition, and the representation conflicts with itself. So we must either abstract from every object (that is what logic does) or, if we assume one, think of it under the conditions of sensible intuition. The intelligible would then call for a quite special intuition.
B 336 We lack any such intuition, and without it the intelligible is nothing for us. On the other hand, appearances can’t be objects in themselves either. If I think merely of things in general, differences in outer relations can’t make for a difference in the things themselves. Such differences presuppose one instead. And if the concept of one thing isn’t inwardly different at all from the concept of another, I am only putting a single thing into different relations. Also, when one mere affirmation (reality) is added to another, the positive grows, and nothing is removed or canceled. So what is real in things in general can’t conflict with itself, and so on.
* * *
The concepts of reflection, as we have shown, exert a certain misleading influence on how the understanding is used. They managed to lure one of the sharpest of all philosophers into building a supposed system of intellectual cognition. Such a system sets out to determine its objects without the senses taking any part. That is exactly why it is so useful to lay bare the deceptive cause of these concepts’ amphiboly, which gave rise to false principles. It lets us fix and secure the understanding’s boundaries reliably.
B 337 We must grant that whatever belongs to a concept universally, or conflicts with it, belongs to or conflicts with every particular thing that falls under the concept (dictum de Omni et Nullo). But it would be absurd to turn this logical principle around to read: what is not contained in a general concept is not contained in the particular concepts under it either. Those are particular concepts exactly because they contain more than the general concept thinks. Yet Leibniz’s whole intellectual system is actually built on that last principle. It collapses with it, and so does all the ambiguity in the use of the understanding that comes from it.
The principle of the indiscernible really rested on this assumption: if the concept of a thing in general shows no certain distinction, then none is to be found in the things themselves. So all things that don’t already differ in their concept (in quality or quantity) are completely one and the same (numero eadem). But the mere concept of a thing leaves out many conditions that an intuition necessarily needs. By a strange hastiness, what was left out is taken for something not to be found anywhere.
B 338 And the thing is allowed nothing except what its concept contains.
Think of a cubic foot of space, wherever and however often you like. The concept is in itself entirely the same each time. Yet two cubic feet in space differ from each other only in where they are (numero diversa). The places are conditions of the intuition that gives us the object of this concept. They aren’t part of the concept, but they are part of sensibility as a whole. Likewise, a thing’s concept contains no conflict as long as nothing negating has been joined to something affirming. Concepts that are merely affirmative, when combined, can’t cancel anything. But sensible intuition is where reality (motion, for example) is given, and it contains conditions that the concept of motion in general leaves out: opposite directions. These make a conflict possible, though not a logical one, in which pure positives produce a zero = 0. So one couldn’t say that all reality agrees with itself just because its concepts show no conflict*. Now think in terms of mere concepts alone.
B 339 In those terms, the inner is the substratum of every relation, that is, of every outer determination. So I can set aside every outer relation, once I leave out all conditions of intuition and hold to the bare concept of a thing in general. Even so, I must still have a concept left of what is no relation at all but only inner determinations. It now seems to follow that every thing (substance) has something in it that is absolutely inner. This inner part comes before all outer determinations, because it first makes them possible. So the substratum would contain no outer relations at all, and would therefore be simple. (Bodily things are always only relations, after all, at least relations of parts outside one another.) And we know no absolutely inner determinations except those of our inner sense. So this substratum would not only be simple. It would also be determined by representations, following the pattern of our inner sense.
B 340 In other words, all things would really be monads: simple beings endowed with representations. All this would be quite right, except for one thing. Only under certain conditions can objects of outer intuition be given to us, and the pure concept leaves those conditions out. Those conditions take in more than just the concept of a thing in general. For we find that something that persists as an appearance in space (impenetrable extension) can hold nothing but relations, nothing absolutely inner, and yet still be the first substratum of all outer perception. By mere concepts, I really can’t think of anything outer without something inner. That’s because concepts of relation presuppose things that are simply given, and can’t exist without them. But intuition holds something that the concept of a thing in general lacks altogether. It supplies the substratum that mere concepts could never make known: a space which, with everything in it, consists of nothing but formal, or even real, relations. So I can’t say: since mere concepts can’t represent a thing without an absolutely inner side, there’s likewise nothing outer in the things themselves that fall under these concepts, or in their intuition, with no absolutely inner ground beneath it. Suppose we have set aside all conditions of intuition.
B 341 Then the mere concept leaves us only the inner in general and the relations of the inner things among themselves, which alone make the outer possible. But this necessity rests purely on abstraction. It doesn’t hold for things when they are given in intuition through determinations that only express relations, with no inner ground beneath them. The reason is that they aren’t things in themselves but merely appearances. Everything we know of matter is relations. (What we call matter’s inner determinations are inner only by comparison.) Among them, though, are some that stand on their own and persist, and through these a determinate object is given to us. If I set these relations aside, there is nothing left for me to think. That doesn’t cancel the concept of a thing as appearance, or the concept of an object in the abstract. What it does cancel is all possibility of an object that mere concepts could determine, that is, a noumenon. It does give one pause to hear that a thing might consist wholly of relations. But a thing like that is a mere appearance, and pure categories can’t think it at all. It consists in nothing more than how something in general stands to the senses. Likewise, if we start from mere concepts, we can think the relations of things in the abstract in no other way.
B 342 It has to be this: one thing is the cause of determinations in another. For that is our concept of the understanding for relations itself. But then we are abstracting from all intuition. One whole way in which the manifold can fix one another’s place falls away, namely the form of sensibility (space), which comes before all empirical causality.
* Suppose someone used the usual way out here and said that at least noumenal realities (realitates noumena) can’t work against one another. Even then one would have to produce an example of such a pure reality, free of the senses. Only that would show whether it stands for anything or for nothing. But an example can come from nowhere except experience, which gives us nothing beyond phaenomena. So the proposition says only that a concept made of affirmations alone has no negation in it. We’ve never doubted that.
Suppose we mean by merely intelligible objects the things that are thought through pure categories, with no schema of sensibility. Then there can be no such things. Our concepts of the understanding can be used on objects only on one condition: our own kind of sensible intuition, which is what gives us objects. Leave that out, and the concepts refer to no object at all. Even if we assumed some other kind of intuition besides this sensible one of ours, our functions of thinking would mean nothing for it. Now suppose instead that we mean objects of a nonsensible intuition. Our categories don’t hold of them, and so we can never have any cognition of them, neither intuition nor concept. In that merely negative sense, noumena must certainly be allowed. They say only that our kind of intuition doesn’t reach all things, but only the objects of our senses.
B 343 Its objective validity is therefore bounded, and there is room left for some other kind of intuition, and so for things as its objects. But then the concept of a noumenon is problematic. It represents a thing that we can’t call possible or impossible. The only intuition we know is our sensible one, and the only concepts we know are the categories, and neither suits an object beyond the senses. So we can’t broaden the field of what our thinking can be about beyond the conditions of our sensibility, in a positive way. We can’t add objects of pure thinking, that is, noumena, to appearances. Such objects have no positive meaning that we could specify. About the categories we have to admit that they alone are not enough to cognize things in themselves. Without the data of sensibility they would be only subjective forms of the unity of the understanding, with no object. Thinking, to be sure, doesn’t in itself come from the senses, and to that extent it isn’t limited by them either. But that doesn’t make it usable on its own, in a pure way, without sensibility joining in, because then it has no object. And one can’t call the noumenon an object of that sort either. For a noumenon is exactly the problematic concept of some object.
B 344 That object is for an intuition and an understanding of a kind quite different from ours, and that kind of understanding is itself a problem. So the concept of a noumenon isn’t the concept of an object. It is a task that comes inevitably with the limiting of our sensibility: might there be objects entirely free of that intuition? This can be answered only vaguely. Sensible intuition doesn’t extend to all things without distinction. So there is room left for more and other objects. They can’t be denied outright. But we have no determinate concept of them (no category fits), so they can’t be asserted either as objects for our understanding.
So the understanding sets a boundary to sensibility without widening its own field. It warns sensibility not to presume to reach things in themselves, but only appearances. In doing so, it thinks of an object in itself. But it thinks it only as a transcendental object, the cause of the appearance (and so not an appearance itself). We can’t think of it as a magnitude, as reality, as substance, and so on (those concepts always need sensible forms in which to determine an object). So it is entirely unknown whether this object is in us or outside us, and whether it would vanish along with sensibility or remain if sensibility were taken away.
B 345 We may call this object a noumenon, since the representation of it isn’t sensible. That’s up to us. But none of our concepts of the understanding can be applied to it. The representation therefore stays empty for us. Its only use is to show where the boundaries of our sensible cognition lie, and to leave a space open that neither possible experience nor pure understanding can fill.
So the critique of this pure understanding forbids us to invent a new field of objects, other than the ones that can come before it as appearances. It won’t let us wander off into intelligible worlds, or even into the concept of one. The mistake that tempts us most plausibly into this, and that is excusable though not justified, is the following. The understanding is used in a transcendental way, against its purpose. Objects, that is, possible intuitions, are made to follow concepts, when concepts ought to follow possible intuitions (the only thing their objective validity rests on). And the reason for that mistake is that apperception, and thinking with it, comes first, ahead of any possible determinate ordering of representations. We think something in general, and in one respect we determine it sensibly.
B 346 Still, we distinguish the general object, represented in the abstract, from this way of intuiting it. That leaves us a way of determining it by thinking alone. It’s a mere logical form with no content. Yet it looks to us like a way for the object to exist in itself (noumenon), when we ignore the intuition that is limited to our senses.
* * *
Before we leave the transcendental analytic, one more thing needs adding. It isn’t very important in itself, but it seems necessary to complete the system. The highest concept that a transcendental philosophy usually starts from is the division into possible and impossible. But any division presupposes a concept that gets divided. So a higher one has to be named. It is the concept of an object in general. We take it problematically, leaving open whether it is something or nothing. The categories are the only concepts that relate to objects in general. So we will decide if an object is something or nothing by following the order and guidance of the categories.
1 B 347 The concepts of all, many and one have an opposite: the concept that cancels everything, that is, none. So the object of a concept with no intuition that could be specified for it is = nothing. That is a concept without an object, like noumena. They can’t be counted among the possibilities, but they needn’t be declared impossible for that reason (ens rationis). The same goes for certain new fundamental powers that people imagine. They are thought without contradiction, but also without any example from experience, so they too aren’t to be counted among the possibilities.
2 Reality is something. Negation is nothing: it is a concept of an object that is lacking, like shadow or cold (nihil privativum).
3 The mere form of intuition, without substance, isn’t an object in itself. It is only the formal condition of an object (as appearance), like pure space and pure time. They are something, as forms of intuiting, but they aren’t themselves objects that get intuited (ens imaginarium).
4 B 348 If a concept contradicts itself, its object is nothing, because the concept is nothing: the impossible. A straight-lined figure with two sides is an example (nihil negativum).
Here is how the table for dividing the concept of nothing would have to be set out (the parallel division of something follows on its own):
Nothing, as
1 An empty concept without an object: ens rationis.
2 An empty object of a concept: nihil privativum.
3 An empty intuition without an object: ens imaginarium.
4 An empty object without a concept: nihil negativum.
We see that a thing of thought (no. 1) differs from a non-thing (no. 4) in that the first must not be counted among the possibilities, because it is a mere invention (though not a contradictory one). The second is the opposite of possibility, since the concept does away with itself.
B 349 Both, however, are empty concepts. By contrast, the nihil privativum (no. 2) and the ens imaginarium (no. 3) are empty data for concepts. Without light given to the senses, we couldn’t represent darkness, and without perceived extended beings, we couldn’t represent space. Negation and the mere form of intuition alike are not objects without something real.
Transcendental Dialectic
Der transzendentalen Logik Zweite Abteilung Die transzendentale Dialektik
Einleitung
I. Vom transzendentalen Schein
Wir haben oben die Dialektik überhaupt eine Logik des Scheins genannt. Das bedeutet nicht, sie sei eine Lehre der Wahrscheinlichkeit; denn diese ist Wahrheit, aber durch unzureichende Gründe erkannt, deren Erkenntnis also zwar mangelhaft, aber darum doch nicht trüglich ist, und mithin von dem analytischen Teile der Logik nicht getrennt werden muß. Noch weniger dürfen Erscheinung und Schein für einerlei
B 350 gehalten werden. Denn Wahrheit oder Schein sind nicht im Gegenstande, sofern er angeschaut wird, sondern im Urteile über denselben, sofern er gedacht wird. Man kann also zwar richtig sagen: daß die Sinne nicht irren, aber nicht darum, weil sie jederzeit richtig urteilen, sondern weil sie gar nicht urteilen. Daher sind Wahrheit sowohl als Irrtum, mithin auch der Schein, als die Verleitung zum letzteren, nur im Urteile, d.i. nur in dem Verhältnisse des Gegenstandes zu unserem Verstande anzutreffen. In einem Erkenntnis, das mit den Verstandesgesetzen durchgängig zusammenstimmt, ist kein Irrtum. In einer Vorstellung der Sinne ist (weil sie gar kein Urteil enthält) auch kein Irrtum. Keine Kraft der Natur kann aber von selbst von ihren eigenen Gesetzen abweichen. Daher würden weder der Verstand für sich allein (ohne Einfluß einer anderen Ursache), noch die Sinne für sich, irren; der erstere darum nicht, weil, wenn er bloß nach seinen Gesetzen handelt, die Wirkung (das Urteil) mit diesen Gesetzen notwendig übereinstimmen muß. In der Übereinstimmung mit den Gesetzen des Verstandes besteht aber das Formale aller Wahrheit. In den Sinnen ist gar kein Urteil, weder ein wahres, noch falsches. Weil wir nun außer diesen beiden Erkenntnisquellen keine anderen haben, so folgt: daß der Irrtum nur durch den unbemerkten Einfluß der Sinnlichkeit auf den Verstand bewirkt werde, wodurch es geschieht, daß die subjektiven Gründe des Urteils
B 351 mit den objektiven zusammenfließen, und diese von ihrer Bestimmung abweichend machen*, so wie ein bewegter Körper zwar für sich jederzeit die gerade Linie in derselben Richtung halten würde, die aber, wenn eine andere Kraft nach einer anderen Richtung zugleich auf ihn einfließt, in krummlinige Bewegung ausschlägt. Um die eigentümliche Handlung des Verstandes von der Kraft, die sich mit einmengt, zu unterscheiden, wird es daher nötig sein, das irrige Urteil als die Diagonale zwischen zwei Kräften anzusehen, die das Urteil nach zwei verschiedenen Richtungen bestimmen, die gleichsam einen Winkel einschließen, und jene zusammengesetzte Wirkung in die einfache des Verstandes und der Sinnlichkeit aufzulösen, welches in reinen Urteilen a priori durch transzendentale Überlegung geschehen muß, wodurch (wie schon angezeigt worden) jeder Vorstellung ihre Stelle in der ihr angemessenen Erkenntniskraft angewiesen, mithin auch der Einfluß der letzteren auf jene unterschieden wird.
* Die Sinnlichkeit, dem Verstande untergelegt, als das Objekt, worauf dieser seine Funktion anwendet, ist der Quell realer Erkenntnisse. Eben dieselbe aber, sofern sie auf die Verstandeshandlung selbst einfließt, und ihn zum Urteilen bestimmt, ist der Grund des Irrtums.
Unser Geschäft ist hier nicht, vom empirischen Scheine (z.B. dem optischen) zu handeln, der sich bei
B 352 dem empirischen Gebrauche sonst richtiger Verstandesregeln vorfindet, und durch welchen die Urteilskraft, durch den Einfluß der Einbildung verleitet wird, sondern wir haben es mit dem transzendentalen Scheine allein zu tun, der auf Grundsätze einfließt, deren Gebrauch nicht einmal auf Erfahrung angelegt ist, als in welchem Falle wir doch wenigstens einen Probierstein ihrer Richtigkeit haben würden, sondern der uns selbst, wider alle Warnungen der Kritik, gänzlich über den empirischen Gebrauch der Kategorien wegführt und uns mit dem Blendwerke einer Erweiterung des reinen Verstandes hinhält. Wir wollen die Grundsätze, deren Anwendung sich ganz und gar in den Schranken möglicher Erfahrung hält, immanente, diejenigen aber, welche diese Grenzen überfliegen sollen, transzendente Grundsätze nennen. Ich verstehe aber unter diesen nicht den transzendentalen Gebrauch oder Mißbrauch der Kategorien, welcher ein bloßer Fehler der nicht gehörig durch Kritik gezügelten Urteilskraft ist, die auf die Grenze des Bodens, worauf allein dem reinen Verstande sein Spiel erlaubt ist, nicht genug achthat; sondern wirkliche Grundsätze, die uns zumuten, alle jene Grenzpfähle niederzureißen und sich einen ganz neuen Boden, der überall keine Demarkation erkennt, anzumaßen. Daher sind transzendental und transzendent nicht einerlei. Die Grundsätze des reinen Verstandes, die wir oben vortrugen, sollen bloß von empirischem und nicht von
B 353 transzendentalem, d.i. über die Erfahrungsgrenze hinausreichendem Gebrauche sein. Ein Grundsatz aber, der diese Schranken wegnimmt, ja gar sie zu überschreiten gebietet, heißt transzendent. Kann unsere Kritik dahin gelangen, den Schein dieser angemaßten Grundsätze aufzudecken, so werden jene Grundsätze des bloß empirischen Gebrauchs, im Gegensatz mit den letzteren, immanente Grundsätze des reinen Verstandes genannt werden können.
Der logische Schein, der in der bloßen Nachahmung der Vernunftform besteht, (der Schein der Trugschlüsse,) entspringt lediglich aus einem Mangel der Achtsamkeit auf die logische Regel. Sobald daher diese auf den vorliegenden Fall geschärft wird, so verschwindet er gänzlich. Der transzendentale Schein dagegen hört gleichwohl nicht auf, ob man ihn schon aufgedeckt und seine Nichtigkeit durch die transzendentale Kritik deutlich eingesehen hat. (Z.B. der Schein in dem Satze: die Welt muß der Zeit nach einen Anfang haben.) Die Ursache hiervon ist diese, daß in unserer Vernunft (subjektiv als ein menschliches Erkenntnisvermögen betrachtet) Grundregeln und Maximen ihres Gebrauchs liegen, welche gänzlich das Ansehen objektiver Grundsätze haben, und wodurch es geschieht, daß die subjektive Notwendigkeit einer gewissen Verknüpfung unserer Begriffe, zugunsten des Verstandes, für eine objektive Notwendigkeit, der Bestimmung der Dinge an sich selbst, gehalten wird. Eine Illusion, die gar nicht zu vermeiden ist, so
B 354 wenig als wir es vermeiden können, daß uns das Meer in der Mitte nicht höher scheine, wie an dem Ufer, weil wir jene durch höhere Lichtstrahlen als diese sehen, oder, noch mehr, so wenig selbst der Astronom verhindern kann, daß ihm der Mond im Aufgange nicht größer scheine, ob er gleich durch diesen Schein nicht betrogen wird.
Die transzendentale Dialektik wird also sich damit begnügen, den Schein transzendenter Urteile aufzudecken, und zugleich zu verhüten, daß er nicht betrüge; daß er aber auch (wie der logische Schein) sogar verschwinde, und ein Schein zu sein aufhöre, das kann sie niemals bewerkstelligen. Denn wir haben es mit einer natürlichen und unvermeidlichen Illusion zu tun, die selbst auf subjektiven Grundsätzen beruht, und sie als objektive unterschiebt, anstatt daß die logische Dialektik in Auflösung der Trugschlüsse es nur mit einem Fehler, in Befolgung der Grundsätze, oder mit einem gekünstelten Scheine, in Nachahmung derselben, zu tun hat. Es gibt also eine natürliche und unvermeidliche Dialektik der reinen Vernunft, nicht eine, in die sich etwa ein Stümper, durch Mangel an Kenntnissen, selbst verwickelt, oder die irgendein Sophist, um vernünftige Leute zu verwirren, künstlich ersonnen hat, sondern die der menschlichen Vernunft unhintertreiblich anhängt, und selbst, nachdem wir ihr Blendwerk aufgedeckt haben, dennoch nicht aufhören wird, ihr vorzugaukeln und sie
B 355 unablässig in augenblickliche Verirrungen zu stoßen, die jederzeit gehoben zu werden bedürfen.
II. Von der reinen Vernunft als dem Sitze des transzendentalen Scheins
A. Von der Vernunft überhaupt
Alle unsere Erkenntnis hebt von den Sinnen an, geht von da zum Verstande, und endigt bei der Vernunft, über welche nichts Höheres in uns angetroffen wird, den Stoff der Anschauung zu bearbeiten und unter die höchste Einheit des Denkens zu bringen. Da ich jetzt von dieser obersten Erkenntniskraft eine Erklärung geben soll, so finde ich mich in einiger Verlegenheit. Es gibt von ihr, wie von dem Verstande, einen bloß formalen, d.i. logischen Gebrauch, da die Vernunft von allem Inhalte der Erkenntnis abstrahiert, aber auch einen realen, da sie selbst den Ursprung gewisser Begriffe und Grundsätze enthält, die sie weder von den Sinnen, noch vom Verstande entlehnt. Das erstere Vermögen ist nun freilich vorlängst von den Logikern durch das Vermögen mittelbar zu schließen (zum Unterschiede von den unmittelbaren Schlüssen, consequentiis immediatis,) erklärt worden; das zweite aber, welches selbst Begriffe erzeugt, wird dadurch noch nicht eingesehen. Da nun hier eine Einteilung der Vernunft in ein logisches und
B 356 transzendentales Vermögen vorkommt, so muß ein höherer Begriff von dieser Erkenntnisquelle gesucht werden, welcher beide Begriffe unter sich befaßt, indessen wir nach der Analogie mit den Verstandesbegriffen erwarten können, daß der logische Begriff zugleich den Schlüssel zum transzendentalen, und die Tafel der Funktionen der ersteren zugleich die Stammleiter der Vernunftbegriffe an die Hand geben werde.
Wir erklärten, im ersteren Teile unserer transzendentalen Logik, den Verstand durch das Vermögen der Regeln; hier unterscheiden wir die Vernunft von demselben dadurch, daß wir sie das Vermögen der Prinzipien nennen wollen.
Der Ausdruck eines Prinzips ist zweideutig, und bedeutet gemeiniglich nur ein Erkenntnis, das als Prinzip gebraucht werden kann, ob es zwar an sich selbst und seinem eigenen Ursprunge nach kein Prinzipium ist. Ein jeder allgemeiner Satz, er mag auch sogar aus Erfahrung (durch Induktion) hergenommen sein, kann zum Obersatz in einem Vernunftschlusse dienen; er ist darum aber nicht selbst ein Prinzipium. Die mathematischen Axiome (z.B. zwischen zwei Punkten kann nur eine gerade Linie sein,) sind sogar allgemeine Erkenntnisse a priori, und werden daher mit Recht, relativisch auf die Fälle, die unter ihnen subsumiert werden können, Prinzipien genannt. Aber ich kann darum doch nicht sagen, daß ich diese Eigenschaft der geraden Linien
B 357 überhaupt und an sich, aus Prinzipien erkenne, sondern nur in der reinen Anschauung.
Ich würde daher Erkenntnis aus Prinzipien diejenige nennen, da ich das Besondere im allgemeinen durch Begriffe erkenne. So ist denn ein jeder Vernunftschluß eine Form der Ableitung einer Erkenntnis aus einem Prinzip. Denn der Obersatz gibt jederzeit einen Begriff, der da macht, daß alles, was unter der Bedingung desselben subsumiert wird, aus ihm nach einem Prinzip erkannt wird. Da nun jede allgemeine Erkenntnis zum Obersatze in einem Vernunftschlusse dienen kann, und der Verstand dergleichen allgemeine Sätze a priori darbietet, so können diese denn auch, in Ansehung ihres möglichen Gebrauchs, Prinzipien genannt werden.
Betrachten wir aber diese Grundsätze des reinen Verstandes an sich selbst ihrem Ursprunge nach, so sind sie nichts weniger als Erkenntnisse aus Begriffen. Denn sie würden auch nicht einmal a priori möglich sein, wenn wir nicht die reine Anschauung, (in der Mathematik,) oder Bedingungen einer möglichen Erfahrung überhaupt herbeizögen. Daß alles, was geschieht, eine Ursache habe, kann gar nicht aus dem Begriffe dessen, was überhaupt geschieht, geschlossen werden; vielmehr zeigt der Grundsatz, wie man allererst von dem, was geschieht, einen bestimmten Erfahrungsbegriff bekommen könne.
Synthetische Erkenntnisse aus Begriffen kann der Verstand also gar nicht verschaffen, und diese sind es
B 358 eigentlich, welche ich schlechthin Prinzipien nenne; indessen, daß alle allgemeinen Sätze überhaupt komparative Prinzipien heißen können.
Es ist ein alter Wunsch, der, wer weiß wie spät, vielleicht einmal in Erfüllung gehen wird: daß man doch einmal, statt der endlosen Mannigfaltigkeit bürgerlicher Gesetze, ihre Prinzipien aufsuchen möge; denn darin kann allein das Geheimnis bestehen, die Gesetzgebung, wie man sagt, zu simplifizieren. Aber die Gesetze sind hier auch nur Einschränkungen unserer Freiheit auf Bedingungen, unter denen sie durchgängig mit sich selbst zusammenstimmt; mithin gehen sie auf etwas, was gänzlich unser eigen Werk ist, und wovon wir durch jene Begriffe selbst die Ursache sein können. Wie aber Gegenstände an sich selbst, wie die Natur der Dinge unter Prinzipien stehe und nach bloßen Begriffen bestimmt werden solle, ist, wo nicht etwas Unmögliches, wenigstens doch sehr Widersinnisches in seiner Forderung. Es mag aber hiermit bewandt sein, wie es wolle, (denn darüber haben wir die Untersuchung noch vor uns,) so erhellt wenigstens daraus: daß Erkenntnis aus Prinzipien (an sich selbst) ganz etwas anderes sei, als bloße Verstandeserkenntnis, die zwar auch anderen Erkenntnissen in der Form eines Prinzips vorgehen kann, an sich selbst aber (sofern sie synthetisch ist) nicht auf bloßem Denken beruht, noch ein Allgemeines nach Begriffen in sich enthält.
B 359 Der Verstand mag ein Vermögen der Einheit der Erscheinungen vermittelst der Regeln sein, so ist die Vernunft das Vermögen der Einheit der Verstandesregeln unter Prinzipien. So geht also niemals zunächst auf Erfahrung, oder auf irgendeinen Gegenstand, sondern auf den Verstand, um den mannigfaltigen Erkenntnissen desselben Einheit a priori durch Begriffe zu geben, welche Vernunfteinheit heißen mag, und von ganz anderer Art ist, als sie von dem Verstande geleistet werden kann.
Das ist der allgemeine Begriff von dem Vernunftvermögen, so weit er, bei gänzlichem Mangel an Beispielen (als die erst in der Folge gegeben werden sollen), hat begreiflich gemacht werden können.
B. Vom logischen Gebrauche der Vernunft
Man macht einen Unterschied zwischen dem, was unmittelbar erkannt, und dem, was nur geschlossen wird. Daß in einer Figur, die durch drei gerade Linien begrenzt ist, drei Winkel sind, wird unmittelbar erkannt; daß diese Winkel aber zusammen zwei rechten gleich sind, ist nur geschlossen. Weil wir des Schließens beständig bedürfen und es dadurch endlich ganz gewohnt werden, so bemerken wir zuletzt diesen Unterschied nicht mehr, und halten oft, wie bei dem sogenannten Betruge der Sinne, etwas für unmittelbar wahrgenommen, was wir doch nur geschlossen haben. Bei jedem Schlusse
B 360 ist ein Satz, der zum Grunde liegt, und ein anderer, nämlich die Folgerung, die aus jenem gezogen wird, und endlich die Schlußfolge (Konsequenz), nach welcher die Wahrheit des letzteren unausbleiblich mit der Wahrheit des ersteren verknüpft ist. Liegt das geschlossene Urteil schon so in dem ersten, daß es ohne Vermittlung einer dritten Vorstellung daraus abgeleitet werden kann, so heißt der Schluß unmittelbar (consequentia immediata); ich möchte ihn lieber den Verstandesschluß nennen. Ist aber, außer der zum Grunde gelegten Erkenntnis, noch ein anderes Urteil nötig, um die Folge zu bewirken, so heißt der Schluß ein Vernunftschluß. In dem Satze: alle Menschen sind sterblich, liegen schon die Sätze: einige Menschen sind sterblich, einige Sterbliche sind Menschen, nichts, was unsterblich ist, ist ein Mensch, und diese sind also unmittelbare Folgerungen aus dem ersteren. Dagegen liegt der Satz: alle Gelehrten sind sterblich, nicht in dem untergelegten Urteile (denn der Begriff der Gelehrten kommt in ihm gar nicht vor), und er kann nur vermittelst eines Zwischenurteils aus diesem gefolgert werden.
In jedem Vernunftsschlusse denke ich zuerst eine Regel (major) durch den Verstand. Zweitens subsumiere ich ein Erkenntnis unter die Bedingung der Regel (minor) vermittelst der Urteilskraft. Endlich bestimme ich mein Erkenntnis durch das Prädikat der Regel
B 361 (conclusio), mithin a priori durch die Vernunft. Das Verhältnis also, welches der Obersatz, als die Regel, zwischen einer Erkenntnis und ihrer Bedingung vorstellt, macht die verschiedenen Arten der Vernunftschlüsse aus. Sie sind also gerade dreifach, so wie alle Urteile überhaupt, sofern sie sich in der Art unterscheiden, wie sie das Verhältnis des Erkenntnisses im Verstande ausdrücken, nämlich: kategorische oder hypothetische oder disjunktive Vernunftschlüsse.
Wenn, wie mehrenteils geschieht, die Konklusion als ein Urteil aufgegeben worden, um zu sehen, ob es nicht aus schon gegebenen Urteilen, durch die nämlich ein ganz anderer Gegenstand gedacht wird, fließe: so suche ich im Verstande die Assertion dieses Schlußsatzes auf, ob sie sich nicht in demselben unter gewissen Bedingungen nach einer allgemeinen Regel vorfinde. Finde ich nun eine solche Bedingung und läßt sich das Objekt des Schlußsatzes unter der gegebenen Bedingung subsumieren, so ist dieser aus der Regel, die auch für andere Gegenstände der Erkenntnis gilt, gefolgert. Man sieht daraus: daß die Vernunft im Schließen die große Mannigfaltigkeit der Erkenntnis des Verstandes auf die kleinste Zahl der Prinzipien (allgemeiner Bedingungen) zu bringen und dadurch die höchste Einheit derselben zu bewirken suche.
B 362 C. Von dem reinen Gebrauche der Vernunft
Kann man die Vernunft isolieren, und ist sie alsdann noch ein eigener Quell von Begriffen und Urteilen, die lediglich aus ihr entspringen, und dadurch sie sich auf Gegenstände bezieht, oder ist sie ein bloß subalternes Vermögen, gegebenen Erkenntnissen eine gewisse Form zu geben, welche logisch heißt, und wodurch die Verstandeserkenntnisse nur einander und niedrige Regeln anderen höheren (deren Bedingung die Bedingung der ersteren in ihrer Sphäre befaßt) untergeordnet werden, so viel sich durch die Vergleichung derselben will bewerkstelligen lassen? Dies ist die Frage, mit der wir uns jetzt nur vorläufig beschäftigen. In der Tat ist Mannigfaltigkeit der Regeln und Einheit der Prinzipien eine Forderung der Vernunft, um den Verstand mit sich selbst in durchgängigen Zusammenhang zu bringen, so wie der Verstand das Mannigfaltige der Anschauung unter Begriffe und dadurch jene in Verknüpfung bringt. Aber ein solcher Grundsatz schreibt den Objekten kein Gesetz vor, und enthält nicht den Grund der Möglichkeit, sie als solche überhaupt zu erkennen und zu bestimmen, sondern ist bloß ein subjektives Gesetz der Haushaltung mit dem Vorrate unseres Verstandes, durch Vergleichung seiner Begriffe, den allgemeinen Gebrauch derselben auf die kleinstmögliche Zahl derselben zu bringen, ohne daß man deswegen von den Gegenständen selbst eine solche Einhelligkeit, die
B 363 der Gemächlichkeit und Ausbreitung unseres Verstandes Vorschub tue, zu fordern, und jener Maxime zugleich objektive Gültigkeit zu geben, berechtigt wäre. Mit einem Worte, die Frage ist: ob Vernunft an sich d.i. die reine Vernunft a priori synthetische Grundsätze und Regeln enthalte, und worin diese Prinzipien bestehen mögen?
Das formale und logische Verfahren derselben in Vernunftschlüssen gibt uns hierüber schon hinreichende Anleitung, auf welchem Grunde das transzendentale Prinzipium derselben in der synthetischen Erkenntnis durch reine Vernunft beruhen werde.
Erstlich geht der Vernunftschluß nicht auf Anschauungen, um dieselbe unter Regeln zu bringen (wie der Verstand mit seinen Kategorien), sondern auf Begriffe und Urteile. Wenn also reine Vernunft auch auf Gegenstände geht, so hat sie doch auf diese und deren Anschauung keine unmittelbare Beziehung, sondern nur auf den Verstand und dessen Urteile, welche sich zunächst an die Sinne und deren Anschauung wenden, um diesen ihren Gegenstand zu bestimmen. Vernunfteinheit ist also nicht Einheit einer möglichen Erfahrung, sondern von dieser, als der Verstandeseinheit, wesentlich unterschieden. Daß alles, was geschieht, eine Ursache habe, ist gar kein durch Vernunft erkannter und vorgeschriebener Grundsatz. Er macht die Einheit der Erfahrung möglich und entlehnt nichts von der Vernunft, welche,
B 364 ohne diese Beziehung auf mögliche Erfahrung, aus bloßen Begriffen keine solche synthetische Einheit hätte gebieten können.
Zweitens sucht die Vernunft in ihrem logischen Gebrauche die allgemeine Bedingung ihres Urteils (des Schlußsatzes), und der Vernunftschluß ist selbst nichts anderes als ein Urteil, vermittelst der Subsumtion seiner Bedingung unter eine allgemeine Regel (Obersatz). Da nun diese Regel wiederum eben demselben Versuche der Vernunft ausgesetzt ist, und dadurch die Bedingung der Bedingung (vermittelst eines Prosyllogismus) gesucht werden muß, so lange es angeht, so sieht man wohl, der eigentümliche Grundsatz der Vernunft überhaupt (im logischen Gebrauche) sei: zu dem bedingten Erkenntnisse des Verstandes das Unbedingte zu finden, womit die Einheit desselben vollendet wird.
Diese logische Maxime kann aber nicht anders ein Prinzipium der reinen Vernunft werden, als dadurch, daß man annimmt: wenn das Bedingte gegeben ist, so sei auch die ganze Reihe einander untergeordneter Bedingungen, die mithin selbst unbedingt ist, gegeben, (d.i. in dem Gegenstande und seiner Verknüpfung enthalten).
Ein solcher Grundsatz der reinen Vernunft ist aber offenbar synthetisch; denn das Bedingte bezieht sich analytisch zwar auf irgendeine Bedingung, aber nicht aufs Unbedingte. Es müssen aus demselben auch verschiedene synthetische Sätze entspringen, wovon der reine Verstand
B 365 nichts weiß, als der nur mit Gegenständen einer möglichen Erfahrung zu tun hat, deren Erkenntnis und Synthesis jederzeit bedingt ist. Das Unbedingte aber, wenn es wirklich statthat, kann besonders erwogen werden, nach allen den Bestimmungen, die es von jedem Bedingten unterscheiden, und muß dadurch Stoff zu manchen synthetischen Sätzen a priori geben.
Die aus diesem obersten Prinzip der reinen Vernunft entspringenden Grundsätze werden aber in Ansehung aller Erscheinungen transzendent sein, d.i. es wird kein ihm adäquater empirischer Gebrauch von demselben jemals gemacht werden können. Er wird sich also von allen Grundsätzen des Verstandes (deren Gebrauch völlig immanent ist, indem sie nur die Möglichkeit der Erfahrung zu ihrem Thema haben,) gänzlich unterscheiden. Ob nun jener Grundsatz: daß sich die Reihe der Bedingungen (in der Synthesis der Erscheinungen, oder auch des Denkens der Dinge überhaupt,) bis zum Unbedingten erstrecke, seine objektive Richtigkeit habe, oder nicht; welche Folgerungen daraus auf den empirischen Verstandesgebrauch fließen, oder ob es vielmehr überall keinen dergleichen objektivgültigen Vernunftsatz gebe, sondern eine bloß logische Vorschrift, sich im Aufsteigen zu immer höheren Bedingungen, der Vollständigkeit derselben zu nähern und dadurch die höchste uns mögliche Vernunfteinheit in unsere Erkenntnis zu bringen; ob, sage ich, dieses Bedürfnis der Vernunft durch einen Mißverstand
B 366 für einen transzendentalen Grundsatz der reinen Vernunft gehalten worden, der eine solche unbeschränkte Vollständigkeit übereilterweise von der Reihe der Bedingungen in den Gegenständen selbst postuliert; was aber auch in diesem Falle für Mißdeutungen und Verblendungen in die Vernunftschlüsse, deren Obersatz aus reiner Vernunft genommen worden, (und der vielleicht mehr Petition als Postulat ist,) und die von der Erfahrung aufwärts zu ihren Bedingungen steigen, einschleichen mögen: das wird unser Geschäft in der transzendentalen Dialektik sein, welche wir jetzt aus ihren Quellen, die tief in der menschlichen Vernunft verborgen sind, entwickeln wollen. Wir werden sie in zwei Hauptstücke teilen, deren ersteres von den transzendenten Begriffen der reinen Vernunft, das zweite von transzendenten und dialektischen Vernunftsschlüssen derselben handeln soll.
Der transzendentalen Dialektik Erstes Buch Von den Begriffen der reinen Vernunft
Was es auch mit der Möglichkeit der Begriffe aus reiner Vernunft für eine Bewandtnis haben mag: so sind sie doch nicht bloß reflektierte, sondern geschlossene Begriffe. Verstandesbegriffe werden auch a priori vor
B 367 der Erfahrung und zum Behuf derselben gedacht; aber sie enthalten nichts weiter, als die Einheit der Reflexion über die Erscheinungen, insofern sie notwendig zu einem möglichen empirischen Bewußtsein gehören sollen. Durch sie allein wird Erkenntnis und Bestimmung eines Gegenstandes möglich. Sie geben also zuerst Stoff zum Schließen, und vor ihnen gehen keine Begriffe a priori von Gegenständen vorher, aus denen sie könnten geschlossen werden. Dagegen gründet sich ihre objektive Realität doch lediglich darauf: daß, weil sie die intellektuelle Form aller Erfahrung ausmachen, ihre Anwendung jederzeit in der Erfahrung muß gezeigt werden können.
Die Benennung eines Vernunftbegriffs aber zeigt schon vorläufig: daß er sich nicht innerhalb der Erfahrung wolle beschränken lassen, weil er eine Erkenntnis betrifft, von der jede empirische nur ein Teil ist, (vielleicht das Ganze der möglichen Erfahrung oder ihrer empirischen Synthesis,) bis dahin zwar keine wirkliche Erfahrung jemals völlig zureicht, aber doch jederzeit dazu gehörig ist. Vernunftbegriffe dienen zum Begreifen, wie Verstandesbegriffe zum Verstehen (der Wahrnehmungen). Wenn sie das Unbedingte enthalten, so betreffen sie etwas, worunter alle Erfahrung gehört, welches selbst aber niemals ein Gegenstand der Erfahrung ist: etwas, worauf die Vernunft in ihren Schlüssen aus der Erfahrung führt, und wornach sie den Grad ihres empirischen Gebrauchs schätzt und abmißt, niemals aber
B 368 ein Glied der empirischen Synthesis ausmacht. Haben dergleichen Begriffe dessen ungeachtet, objektive Gültigkeit, so können sie conceptus ratiocinati (richtig geschlossene Begriffe) heißen; wo nicht, so sind sie wenigstens durch einen Schein des Schließens erschlichen, und mögen conceptus ratiocinantes (vernünftelnde Begriffe) genannt werden. Da dieses aber allererst in dem Hauptstücke von den dialektischen Schlüssen der reinen Vernunft ausgemacht werden kann, so können wir darauf noch nicht Rücksicht nehmen, sondern werden vorläufig, so wie wir die reinen Verstandesbegriffe Kategorien nannten, die Begriffe der reinen Vernunft mit einem neuen Namen belegen und sie transzendentale Ideen nennen, diese Benennung aber jetzt erläutern und rechtfertigen.
Des ersten Buchs der transzendentalen Dialektik Erster Abschnitt Von den Ideen überhaupt
Bei dem großen Reichtum unserer Sprachen findet sich doch oft der denkende Kopf wegen des Ausdrucks verlegen, der seinem Begriffe genau anpaßt, und in dessen Ermanglung er weder anderen, noch sogar sich selbst recht verständlich werden kann. Neue Wörter
B 369 zu schmieden, ist eine Anmaßung zum Gesetzgeben in Sprachen, die selten gelingt, und ehe man zu diesem verzweifelten Mittel schreitet, ist es ratsam, sich in einer toten und gelehrten Sprache umzusehen, ob sich daselbst nicht dieser Begriff samt seinem angemessenen Ausdrucke vorfinde, und wenn der alte Gebrauch desselben durch Unbehutsamkeit ihrer Urheber auch etwas schwankend geworden wäre, so ist es doch besser, die Bedeutung, die ihm vorzüglich eigen war, zu befestigen, (sollte es auch zweifelhaft bleiben, ob man damals genau ebendieselbe im Sinne gehabt habe,) als sein Geschäft nur dadurch zu verderben, daß man sich unverständlich machte.
Um deswillen, wenn sich etwa zu einem gewissen Begriffe nur ein einziges Wort vorfände, das in schon eingeführter Bedeutung diesem Begriffe genau anpaßt, dessen Unterscheidung von anderen verwandten Begriffen von großer Wichtigkeit ist, so ist es ratsam, damit nicht verschwenderisch umzugehen, oder es bloß zur Abwechslung, synonymisch, statt anderer zu gebrauchen, sondern ihm seine eigentümliche Bedeutung sorgfältig aufzubehalten; weil es sonst leichtlich geschieht, daß, nachdem der Ausdruck die Aufmerksamkeit nicht besonders beschäftigt, sondern sich unter dem Haufen anderer von sehr abweichender Bedeutung verliert, auch der Gedanke verloren gehe, den er allein hätte aufbehalten können.
B 370 Plato bediente sich des Ausdrucks Idee so, daß man wohl sieht, er habe darunter etwas verstanden, was nicht allein niemals von den Sinnen entlehnt wird, sondern welches sogar die Begriffe des Verstandes, mit denen sich Aristoteles beschäftigte, weit übersteigt, indem in der Erfahrung niemals etwas damit Kongruierendes angetroffen wird. Die Ideen sind bei ihm Urbilder der Dinge selbst, und nicht bloß Schlüssel zu möglichen Erfahrungen, wie die Kategorien. Nach seiner Meinung flossen sie aus der höchsten Vernunft aus, von da sie der menschlichen zuteil geworden, die sich aber jetzt nicht mehr in ihrem ursprünglichen Zustande befindet, sondern mit Mühe die alten, jetzt sehr verdunkelten, Ideen durch Erinnerung (die Philosophie heißt) zurückrufen muß. Ich will mich hier in keine literarische Untersuchung einlassen, um den Sinn auszumachen, den der erhabene Philosoph mit seinem Ausdrucke verband. Ich merke nur an, daß es gar nichts Ungewöhnliches sei, sowohl im gemeinen Gespräche, als in Schriften, durch die Vergleichung der Gedanken, welche ein Verfasser über seinen Gegenstand äußert, ihn sogar besser zu verstehen, als er sich selbst verstand, indem er seinen Begriff nicht genugsam bestimmte, und dadurch bisweilen seiner eigenen Absicht entgegen redete, oder auch dachte.
Plato bemerkte sehr wohl, daß unsere Erkenntniskraft ein weit höheres Bedürfnis fühle, als bloß Erscheinungen nach synthetischer Einheit buchstabieren, um sie
B 371 als Erfahrung lesen zu können, und daß unsere Vernunft natürlicherweise sich zu Erkenntnissen aufschwinge, die viel weiter gehen, als daß irgendein Gegenstand, den Erfahrung geben kann, jemals mit ihnen kongruieren könne, die aber nichtsdestoweniger ihre Realität haben und keineswegs bloße Hirngespinste sind.
Plato fand seine Ideen vorzüglich in allem was praktisch ist*, d.i. auf Freiheit beruht, welche ihrerseits unter Erkenntnissen steht, die ein eigentümliches Produkt der Vernunft sind. Wer die Begriffe der Tugend aus Erfahrung schöpfen wollte, wer das, was nur allenfalls als Beispiel zur unvollkommenen Erläuterung dienen kann, als Muster zum Erkenntnisquell machen wollte (wie wirklich viele getan haben), der würde aus der Tugend ein nach Zeit und Umständen wandelbares, zu keiner Regel brauchbares zweideutiges Unding machen. Dagegen wird ein jeder inne, daß, wenn ihm jemand
B 372 als Muster der Tugend vorgestellt wird, er doch immer das wahre Original bloß in seinem eigenen Kopfe habe, womit er dieses angebliche Muster vergleicht, und es bloß darnach schätzt. Dieses ist aber die Idee der Tugend, in Ansehung deren alle möglichen Gegenstände der Erfahrung zwar als Beispiele, (Beweise der Tunlichkeit desjenigen im gewissen Grade, was der Begriff der Vernunft heischt,) aber nicht als Urbilder Dienste tun. Daß niemals ein Mensch demjenigen adäquat handeln werde, was die reine Idee der Tugend enthält, beweist gar nicht etwas Chimärisches in diesem Gedanken. Denn es ist gleichwohl alles Urteil, über den moralischen Wert oder Unwert, nur vermittelst dieser Idee möglich; mithin liegt sie jeder Annäherung zur moralischen Vollkommenheit notwendig zum Grunde, soweit auch die ihrem Grade nach nicht zu bestimmenden Hindernisse in der menschlichen Natur uns davon entfernt halten mögen.
* Er dehnte seinen Begriff freilich auch auf spekulative Erkenntnisse aus, wenn sie nur rein und völlig a priori gegeben waren, sogar über die Mathematik, ob diese gleich ihren Gegenstand nirgend anders, als in der möglichen Erfahrung hat. Hierin kann ich ihm nun nicht folgen, so wenig als in der mystischen Deduktion dieser Ideen, oder den Übertreibungen, dadurch er sie gleichsam hypostasierte; wiewohl die hohe Sprache, deren er sich in diesem Felde bediente, einer milderen und der Natur der Dinge angemessenen Auslegung ganz wohl fähig ist.
Die platonische Republik ist, als ein vermeintlich auffallendes Beispiel von erträumter Vollkommenheit, die nur im Gehirn des müßigen Denkers ihren Sitz haben kann, zum Sprichwort geworden, und Brucker findet es lächerlich, daß der Philosoph behauptete, niemals würde ein Fürst wohl regieren, wenn er nicht der Ideen teilhaftig wäre. Allein man würde besser tun, diesem Gedanken mehr nachzugehen, und ihn (wo der vortreffliche Mann uns ohne Hilfe läßt) durch neue Bemühung in Licht zu stellen, als ihn, unter dem sehr elenden
B 373 und schädlichen Vorwande der Untunlichkeit, als unnütz beiseite zu setzen. Eine Verfassung von der größten menschlichen Freiheit nach Gesetzen, welche machen, daß jedes Freiheit mit der anderen ihrer zusammen bestehen kann, (nicht von der größten Glückseligkeit, denn diese wird schon von selbst folgen;) ist doch wenigstens eine notwendige Idee, die man nicht bloß im ersten Entwurfe einer Staatsverfassung, sondern auch bei allen Gesetzen zum Grunde legen muß, und wobei man anfänglich von den gegenwärtigen Hindernissen abstrahieren muß, die vielleicht nicht sowohl aus der menschlichen Natur unvermeidlich entspringen mögen, als vielmehr aus der Vernachlässigung der echten Ideen bei der Gesetzgebung. Denn nichts kann Schädlicheres und eines Philosophen Unwürdigeres gefunden werden, als die pöbelhafte Berufung auf vergeblich widerstreitende Erfahrung, die doch gar nicht existieren würde, wenn jene Anstalten zu rechter Zeit nach den Ideen getroffen würden, und an deren Statt nicht rohe Begriffe, eben darum, weil sie aus Erfahrung geschöpft worden, alle gute Absicht vereitelt hätten. Je übereinstimmender die Gesetzgebung und Regierung mit dieser Idee eingerichtet wären, desto seltener würden allerdings die Strafen werden, und da ist es denn ganz vernünftig, (wie Plato behauptet), daß bei einer vollkommenen Anordnung derselben gar keine dergleichen nötig sein würden. Ob nun gleich das letztere niemals zustande kommen mag, so ist die Idee doch
B 374 ganz richtig, welche dieses Maximum zum Urbilde aufstellt, um nach demselben die gesetzliche Verfassung der Menschen der möglich größten Vollkommenheit immer näher zu bringen. Denn welches der höchste Grad sein mag, bei welchem die Menschheit stehenbleiben müsse, und wie groß also die Kluft, die zwischen der Idee und ihrer Ausführung notwendig übrigbleibt, sein möge, das kann und soll niemand bestimmen, eben darum, weil es Freiheit ist, welche jede angegebene Grenze übersteigen kann.
Aber nicht bloß in demjenigen, wobei die menschliche Vernunft wahrhafte Kausalität zeigt, und wo Ideen wirkende Ursachen (der Handlungen und ihrer Gegenstände) werden, nämlich im Sittlichen, sondern auch in Ansehung der Natur selbst, sieht Plato mit Recht deutliche Beweise ihres Ursprungs aus Ideen. Ein Gewächs, ein Tier, die regelmäßige Anordnung des Weltbaues (vermutlich also auch die ganze Naturordnung) zeigen deutlich, daß sie nur nach Ideen möglich sind; daß zwar kein einzelnes Geschöpf, unter den einzelnen Bedingungen seines Daseins, mit der Idee des Vollkommensten seiner Art kongruiere (so wenig wie der Mensch mit der Idee der Menschheit, die er sogar selbst als das Urbild seiner Handlungen in seiner Seele trägt,) daß gleichwohl jene Ideen im höchsten Verstande einzeln, unveränderlich, durchgängig bestimmt, und die ursprünglichen Ursachen der Dinge sind, und nur das Ganze ihrer Verbindung im
B 375 Weltall einzig und allein jener Idee völlig adäquat sei. Wenn man das Übertriebene des Ausdrucks absondert, so ist der Geistesschwung des Philosophen, von der copeilichen Betrachtung des Physischen der Weltordnung zu der architektonischen Verknüpfung derselben nach Zwecken, d.i. nach Ideen, hinaufzusteigen, eine Bemühung, die Achtung und Nachfolge verdient, in Ansehung desjenigen aber, was die Prinzipien der Sittlichkeit, der Gesetzgebung und der Religion betrifft, wo die Ideen die Erfahrung selbst (des Guten) allererst möglich machen, obzwar niemals darin völlig ausgedrückt werden können, ein ganz eigentümliches Verdienst, welches man nur darum nicht erkennt, weil man es durch eben die empirischen Regeln beurteilt, deren Gültigkeit, als Prinzipien, eben durch sie hat aufgehoben werden sollen. Denn in Betracht der Natur gibt uns Erfahrung die Regel an die Hand und ist der Quell der Wahrheit; in Ansehung der sittlichen Gesetze aber ist Erfahrung (leider!) die Mutter des Scheins, und es ist höchst verwerflich, die Gesetze über das, was ich tun soll, von demjenigen herzunehmen, oder dadurch einschränken zu wollen, was getan wird.
Statt aller dieser Betrachtungen, deren gehörige Ausführung in der Tat die eigentümliche Würde der Philosophie ausmacht, beschäftigen wir uns jetzt mit einer nicht so glänzenden, aber doch auch nicht verdienstlosen Arbeit, nämlich: den Boden zu jenen majestätischen
B 376 sittlichen Gebäuden eben und baufest zu machen, in welchem sich allerlei Maulwurfsgänge einer vergeblich, aber mit guter Zuversicht, auf Schätze grabenden Vernunft vorfinden, und die jenes Bauwerk unsicher machen. Der transzendentale Gebrauch der reinen Vernunft, ihre Prinzipien und Ideen, sind es also, welche genau zu kennen uns jetzt obliegt, um den Einfluß der reinen Vernunft und den Wert derselben gehörig bestimmen und schätzen zu können. Doch, ehe ich diese vorläufige Einleitung beiseite lege, ersuche ich diejenige, denen Philosophie am Herzen liegt, (welches mehr gesagt ist, als man gemeiniglich antrifft,) wenn sie sich durch dieses und das Nachfolgende überzeugt finden sollten, den Ausdruck Idee seiner ursprünglichen Bedeutung nach in Schutz zu nehmen, damit er nicht fernerhin unter die übrigen Ausdrücke, womit gewöhnlich allerlei Vorstellungsarten in sorgloser Unordnung bezeichnet werden, gerate, und die Wissenschaft dabei einbüße. Fehlt es uns doch nicht an Benennungen, die jeder Vorstellungsart gehörig angemessen sind, ohne daß wir nötig haben, in das Eigentum einer anderen einzugreifen. Hier ist eine Stufenleiter derselben. Die Gattung ist Vorstellung überhaupt (repraesentatio). Unter ihr steht die Vorstellung mit Bewußtsein (perceptio). Eine Perception, die sich lediglich auf das Subjekt, als die Modifikation seines Zustandes bezieht, ist Empfindung (sensatio), eine objektive Perzeption ist Erkenntnis (cognitio). Diese ist
B 377 entweder Anschauung oder Begriff (intuitus vel conceptus). Jene bezieht sich unmittelbar auf den Gegenstand und ist einzeln; dieser mittelbar, vermittelst eines Merkmals, was mehreren Dingen gemein sein kann. Der Begriff ist entweder ein empirischer oder reiner Begriff, und der reine Begriff, sofern er lediglich im Verstande seinen Ursprung hat (nicht im reinen Bilde der Sinnlichkeit) heißt Notio. Ein Begriff aus Notionen, der die Möglichkeit der Erfahrung übersteigt, ist die Idee, oder der Vernunftbegriff. Dem, der sich einmal an diese Unterscheidung gewöhnt hat, muß es unerträglich fallen, die Vorstellung der roten Farbe Idee nennen zu hören. Sie ist nicht einmal Notion (Verstandesbegriff) zu nennen.
Des ersten Buchs der transzendentalen Dialektik Zweiter Abschnitt Von den transzendentalen Ideen
Die transzendentale Analytik gab uns ein Beispiel, wie die bloße logische Form unserer Erkenntnis den Ursprung von reinen Begriffen a priori enthalten könne, welche vor aller Erfahrung Gegenstände vorstellen, oder vielmehr die synthetische Einheit anzeigen, welche allein
B 378 eine empirische Erkenntnis von Gegenständen möglich macht. Die Form der Urteile (in einen Begriff von der Synthesis der Anschauungen verwandelt) brachte Kategorien hervor, welche allen Verstandesgebrauch in der Erfahrung leiten. Ebenso können wir erwarten, daß die Form der Vernunftschlüsse, wenn man sie auf die synthetische Einheit der Anschauungen, nach Maßgebung der Kategorien, anwendet, den Ursprung besonderer Begriffe a priori enthalten werde, welche wir reine Vernunftbegriffe, oder transzendentale Ideen nennen können, und die den Verstandesgebrauch im Ganzen der gesamten Erfahrung nach Prinzipien bestimmen werden.
Die Funktion der Vernunft bei ihren Schlüssen bestand in der Allgemeinheit der Erkenntnis nach Begriffen, und der Vernunftschluß selbst ist ein Urteil, welches a priori in dem ganzen Umfange seiner Bedingung bestimmt wird. Den Satz: Cajus ist sterblich, könnte ich auch bloß durch den Verstand aus der Erfahrung schöpfen. Allein ich suche einen Begriff, der die Bedingung enthält, unter welcher das Prädikat (Assertion überhaupt) dieses Urteils gegeben wird (d.i. hier, den Begriff des Menschen;) und nachdem ich unter diese Bedingung, in ihrem ganzen Umfange genommen, (alle Menschen sind sterblich) subsumiert habe; so bestimme ich darnach die Erkenntnis meines Gegenstandes (Cajus ist sterblich).
Demnach restringieren wir in der Conclusion eines Vernunftschlusses ein Prädikat auf einen gewissen
B 379 Gegenstand, nachdem wir es vorher in dem Obersatz in seinem ganzen Umfange unter einer gewissen Bedingung gedacht haben. Diese vollendete Größe des Umfanges, in Beziehung auf eine solche Bedingung, heißt die Allgemeinheit (Universalitas). Dieser entspricht in der Synthesis der Anschauungen die Allheit (Universitas) oder Totalität der Bedingungen. Also ist der transzendentale Vernunftbegriff kein anderer, als der von der Totalität der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten. Da nun das Unbedingte allein die Totalität der Bedingungen möglich macht, und umgekehrt die Totalität der Bedingungen jederzeit selbst unbedingt ist; so kann ein reiner Vernunftbegriff überhaupt durch den Begriff des Unbedingten, sofern er einen Grund der Synthesis des Bedingten enthält, erklärt werden.
Soviel Arten des Verhältnisses es nun gibt, die der Verstand vermittelst der Kategorien sich vorstellt, so vielerlei reine Vernunftbegriffe wird es auch geben, und es wird also erstlich ein Unbedingtes der kategorischen Synthesis in einem Subjekt, zweitens der hypothetischen Synthesis der Glieder einer Reihe, drittens der disjunktiven Synthesis der Teile in einem System zu suchen sein.
Es gibt nämlich ebensoviel Arten von Vernunftschlüssen, deren jede durch Prosyllogismen zum Unbedingten fortschreitet, die eine zum Subjekt, welches selbst nicht mehr Prädikat ist, die andere zur Voraussetzung,
B 380 die nichts weiter voraussetzt, und die dritte zu einem Aggregat der Glieder der Einteilung, zu welchen nichts weiter erforderlich ist, um die Einteilung eines Begriffs zu vollenden. Daher sind die reinen Vernunftbegriffe von der Totalität in der Synthesis der Bedingungen wenigstens als Aufgaben, um die Einheit des Verstandes, womöglich, bis zum Unbedingten fortzusetzen, notwendig und in der Natur der menschlichen Vernunft gegründet, es mag auch übrigens diesen transzendentalen Begriffen an einem ihnen angemessenen Gebrauch in concreto fehlen, und sie mithin keinen anderen Nutzen haben, als den Verstand in die Richtung zu bringen, darin sein Gebrauch, indem er aufs äußerste erweitert, zugleich mit sich selbst durchgehende einstimmig gemacht wird.
Indem wir aber hier von der Totalität der Bedingungen und dem Unbedingten, als dem gemeinschaftlichen Titel aller Vernunftbegriffe reden, so stoßen wir wiederum auf einen Ausdruck, den wir nicht entbehren und gleichwohl, nach einer ihm durch langen Mißbrauch anhängenden Zweideutigkeit, nicht sicher brauchen können. Das Wort absolut ist eines von den wenigen Wörtern, die in ihrer uranfänglichen Bedeutung einem Begriffe angemessen worden, welchem nach der Hand gar kein anderes Wort eben derselben Sprache genau anpaßt, und dessen Verlust, oder welches ebensoviel ist, sein schwankender Gebrauch daher auch den Verlust
B 381 des Begriffs selbst nach sich ziehen muß, und zwar eines Begriffs, der, weil er die Vernunft gar sehr beschäftigt, ohne großen Nachteil aller transzendentalen Beurteilungen nicht entbehrt werden kann. Das Wort absolut wird jetzt öfters gebraucht, um bloß anzuzeigen, daß etwas von einer Sache an sich selbst betrachtet und also innerlich gelte. In dieser Bedeutung würde absolutmöglich das bedeuten, was an sich selbst (interne) möglich ist, welches in der Tat das wenigste ist, was man von einem Gegenstande sagen kann. Dagegen wird es auch bisweilen gebraucht, um anzuzeigen, daß etwas in aller Beziehung (uneingeschränkt) gültig ist (z.B. die absolute Herrschaft,) und absolutmöglich würde in dieser Bedeutung dasjenige bedeuten, was in aller Absicht in aller Beziehung möglich ist, welches wiederum das meiste ist, was ich über die Möglichkeit eines Dinges sagen kann. Nun treffen zwar diese Bedeutungen manchmal zusammen. So ist z.E., was innerlich unmöglich ist, auch in aller Beziehung, mithin absolut unmöglich. Aber in den meisten Fällen sind sie unendlich weit auseinander, und ich kann auf keine Weise schließen, daß, weil etwas an sich selbst möglich ist, es darum auch in aller Beziehung, mithin absolut, möglich sei. Ja von der absoluten Notwendigkeit werde ich in der Folge zeigen, daß sie keineswegs in allen Fällen von der inneren abhänge, und also mit dieser nicht als gleichbedeutend angesehen werden müsse. Dessen Gegenteil
B 382 innerlich unmöglich ist, dessen Gegenteil ist freilich auch in aller Absicht unmöglich, mithin ist es selbst absolut notwendig; aber ich kann nicht umgekehrt schließen, was absolut notwendig ist, dessen Gegenteil sei innerlich unmöglich, d.i. die absolute Notwendigkeit der Dinge sei eine innere Notwendigkeit; denn diese innere Notwendigkeit ist in gewissen Fällen ein ganz leerer Ausdruck, mit welchem wir nicht den mindesten Begriff verbinden können; dagegen der von der Notwendigkeit eines Dinges in aller Beziehung (auf alles Mögliche) ganz besondere Bestimmungen bei sich führt. Weil nun der Verlust eines Begriffs von großer Anwendung in der spekulativen Weltweisheit dem Philosophen niemals gleichgültig sein kann, so hoffe ich, es werde ihm die Bestimmung und sorgfältige Aufbewahrung des Ausdrucks, an dem der Begriff hängt, auch nicht gleichgültig sein.
In dieser erweiterten Bedeutung werde ich mich dann des Wortes: absolut, bedienen und es dem bloß komparativ oder in besonderer Rücksicht Gültigen entgegensetzen; denn dieses letztere ist auf Bedingungen restringiert, jenes aber gilt ohne Restriktion.
Nun geht der transzendentale Vernunftbegriff jederzeit nur auf die absolute Totalität in der Synthesis der Bedingungen, und endigt niemals, als bei den schlechthin, d.i. in jeder Beziehung, Unbedingten. Denn die reine Vernunft überläßt alles dem Verstande, der
B 383 sich zunächst auf die Gegenstände der Anschauung oder vielmehr deren Synthesis in der Einbildungskraft bezieht. Jene behält sich allein die absolute Totalität im Gebrauche der Verstandesbegriffe vor, und sucht die synthetische Einheit, welche in der Kategorie gedacht wird, bis zum Schlechthinunbedingten hinauszuführen. Man kann daher diese die Vernunfteinheit der Erscheinungen, so wie jene, welche die Kategorie ausdrückt, Verstandeseinheit nennen. So bezieht sich demnach die Vernunft nur auf den Verstandesgebrauch, und zwar nicht sofern dieser den Grund möglicher Erfahrung enthält, (denn die absolute Totalität der Bedingungen ist kein in einer Erfahrung brauchbarer Begriff, weil keine Erfahrung unbedingt ist,) sondern um ihm die Richtung auf eine gewisse Einheit vorzuschreiben, von der der Verstand keinen Begriff hat, und die darauf hinausgeht, alle Verstandeshandlungen, in Ansehung eines jeden Gegenstandes, in ein absolutes Ganzes zusammenzufassen. Daher ist der objektive Gebrauch der reinen Vernunftbegriffe jederzeit transzendent, indessen daß der von den reinen Verstandesbegriffen, seiner Natur nach, jederzeit immanent sein muß, indem er sich bloß auf mögliche Erfahrung einschränkt.
Ich verstehe unter der Idee einen notwendigen Vernunftbegriff, dem kein kongruierender Gegenstand in den Sinnen gegeben werden kann. Also sind unsere jetzt erwogenen reinen Vernunftbegriffe transzendentale Ideen.
B 384 Sie sind Begriffe der reinen Vernunft; denn sie betrachten alles Erfahrungserkenntnis als bestimmt durch eine absolute Totalität der Bedingungen. Sie sind nicht willkürlich erdichtet, sondern durch die Natur der Vernunft selbst aufgegeben, und beziehen sich daher notwendigerweise auf den ganzen Verstandesgebrauch. Sie sind endlich transzendent und übersteigen die Grenze aller Erfahrung, in welcher also niemals ein Gegenstand vorkommen kann, der der transzendentalen Idee adäquat wäre. Wenn man eine Idee nennt, so sagt man dem Objekt nach (als von einem Gegenstande des reinen Verstandes) sehr viel, dem Subjekte nach aber (d.i. in Ansehung seiner Wirklichkeit unter empirischer Bedingung) eben darum sehr wenig, weil sie, als der Begriff eines Maximum, in concreto niemals kongruent kann gegeben werden. Weil nun das letztere im bloß spekulativen Gebrauch der Vernunft eigentlich die ganze Absicht ist, und die Annäherung zu einem Begriffe, der aber in der Ausübung doch niemals erreicht wird, ebensoviel ist, als ob der Begriff ganz und gar verfehlt würde, so heißt es von einem dergleichen Begriffe: er ist nur eine Idee. So würde man sagen können: das absolute Ganze aller Erscheinungen ist nur eine Idee, denn, da wir dergleichen niemals im Bilde entwerfen können, so bleibt es ein Problem ohne alle Auflösung. Dagegen, weil es im praktischen Gebrauch des Verstandes ganz allein um die Ausübung nach Regeln zu tun
B 385 ist, so kann die Idee der praktischen Vernunft jederzeit wirklich, obzwar nur zum Teil, in concreto gegeben werden, ja sie ist die unentbehrliche Bedingung jedes praktischen Gebrauchs der Vernunft. Ihre Ausübung ist jederzeit begrenzt und mangelhaft, aber unter nicht bestimmbaren Grenzen, also jederzeit unter dem Einflusse des Begriffs einer absoluten Vollständigkeit. Demnach ist die praktische Idee jederzeit höchst fruchtbar und in Ansehung der wirklichen Handlungen unumgänglich notwendig. In ihr hat die reine Vernunft sogar Kausalität, das wirklich hervorzubringen, was ihr Begriff enthält; daher kann man von der Weisheit nicht gleichsam geringschätzig sagen: sie ist nur eine Idee; sondern eben darum, weil sie die Idee von der notwendigen Einheit aller möglichen Zwecke ist, so muß sie allem Praktischen als ursprüngliche, zum wenigsten einschränkende, Bedingung zur Regel dienen.
Ob wir nun gleich von den transzendentalen Vernunftbegriffen sagen müssen: sie sind nur Ideen, so werden wir sie doch keineswegs für überflüssig und nichtig anzusehen haben. Denn, wenn schon dadurch kein Objekt bestimmt werden kann, so können sie doch im Grunde und unbemerkt dem Verstande zum Kanon seines ausgebreiteten und einhelligen Gebrauchs dienen, dadurch er zwar keinen Gegenstand mehr erkennt, als er nach seinen Begriffen erkennen würde, aber doch in dieser Erkenntnis besser und weiter geleitet wird. Zu
B 386 geschweigen, daß sie vielleicht von den Naturbegriffen zu den praktischen einen Übergang möglich machen, und den moralischen Ideen selbst auf solche Art Haltung und Zusammenhang mit den spekulativen Erkenntnissen der Vernunft verschaffen können. Über alles dieses muß man den Aufschluß in dem Verfolg erwarten.
Unserer Absicht gemäß setzen wir aber hier die praktischen Ideen beiseite, und betrachten daher die Vernunft nur im spekulativen, und in diesem noch enger, nämlich nur im transzendentalen Gebrauch. Hier müssen wir nun denselben Weg einschlagen, den wir oben bei der Deduktion der Kategorien nahmen; nämlich, die logische Form der Vernunfterkenntnis erwägen, und sehen, ob nicht etwa die Vernunft dadurch auch ein Quell von Begriffen werde, Objekte an sich selbst, als synthetisch a priori bestimmt, in Ansehung einer oder der anderen Funktion der Vernunft, anzusehen.
Vernunft, als Vermögen einer gewissen logischen Form der Erkenntnis betrachtet, ist das Vermögen zu schließen, d.i. mittelbar (durch die Subsumtion der Bedingung eines möglichen Urteils unter die Bedingung eines gegebenen) zu urteilen. Das gegebene Urteil ist die allgemeine Regel (Obersatz, Major). Die Subsumtion der Bedingung eines anderen möglichen Urteils unter die Bedingung der Regel ist der Untersatz (Minor). Das wirkliche Urteil, welches die Assertion der Regel in dem subsumierten Falle aussagt, ist der Schlußsatz
B 387 (Conclusio). Die Regel nämlich sagt etwas allgemein unter einer gewissen Bedingung. Nun findet in einem vorkommenden Falle die Bedingung der Regel statt. Also wird das, was unter jener Bedingung allgemein galt, auch in dem vorkommenden Falle (der diese Bedingung bei sich führt) als gültig angesehen. Man sieht leicht, daß die Vernunft durch Verstandeshandlungen, welche eine Reihe von Bedingungen ausmachen, zu einem Erkenntnisse gelange. Wenn ich zu dem Satze: alle Körper sind veränderlich, nur dadurch gelangen daß ich von dem entfernteren Erkenntnis (worin der Begriff des Körpers noch nicht vorkommt, der aber doch davon die Bedingung enthält,) anfange: alles Zusammengesetzte ist veränderlich; von diesem zu einem näheren gehe, der unter der Bedingung des ersteren steht: die Körper sind zusammengesetzt; und von diesem allererst zu einem dritten, der nunmehr das entfernte Erkenntnis (veränderlich) mit dem vorliegenden verknüpft: folglich sind die Körper veränderlich; so bin ich durch eine Reihe von Bedingungen (Prämissen) zu einer Erkenntnis (Conclusion) gelangt. Nun läßt sich eine jede Reihe, deren Exponent (des kategorischen oder hypothetischen Urteils) gegeben ist, fortsetzen; mithin führt ebendieselbe Vernunfthandlung zur ratiocinatio polysyllogistica, welches eine Reihe von Schlüssen ist, die entweder auf der Seite der Bedingungen (per prosyllogismos), oder
B 388 des Bedingten (per episyllogismos), in unbestimmte Weiten fortgesetzt werden kann.
Man wird aber bald inne, daß die Kette, oder Reihe der Prosyllogismen, d.i. der gefolgerten Erkenntnisse auf der Seite der Gründe, oder der Bedingungen zu einem gegebenen Erkenntnis, mit anderen Worten: die aufsteigende Reihe der Vernunftschlüsse, sich gegen das Vernunftvermögen doch anders verhalten müsse, als die absteigende Reihe, d.i. der Fortgang der Vernunft auf der Seite des Bedingten durch Episyllogismen. Denn, da im ersteren Falle das Erkenntnis (conclusio) nur als bedingt gegeben ist; so kann man zu demselben vermittelst der Vernunft nicht anders gelangen, als wenigstens unter der Voraussetzung, daß alle Glieder der Reihe auf der Seite der Bedingungen gegeben sind, (Totalität in der Reihe der Prämissen,) weil nur unter deren Voraussetzung das vorliegende Urteil a priori möglich ist; dagegen auf der Seite des Bedingten, oder der Folgerungen, nur eine werdende und nicht schon ganz vorausgesetzte oder gegebene Reihe, mithin nur ein potentialer Fortgang gedacht wird. Daher, wenn eine Erkenntnis als bedingt angesehen wird, so ist die Vernunft genötigt, die Reihe der Bedingungen in aufsteigender Linie als vollendet und ihrer Totalität nach gegeben anzusehen. Wenn aber eben dieselbe Erkenntnis zugleich als Bedingung anderer Erkenntnisse
B 389 angesehen wird, die untereinander eine Reihe von Folgerungen in absteigender Linie ausmachen, so kann die Vernunft ganz gleichgültig sein, wie weit dieser Fortgang sich a parte posteriori erstrecke, und ob gar überall Totalität dieser Reihe möglich sei; weil sie einer dergleichen Reihe zu der vor ihr liegenden Konklusion nicht bedarf, indem diese durch ihre Gründe a parte priori schon hinreichend bestimmt und gesichert ist. Es mag nun sein, daß auf der Seite der Bedingungen die Reihe der Prämissen ein Erstes habe, als oberste Bedingung, oder nicht, und also a parte priori ohne Grenzen; so muß sie doch Totalität der Bedingung enthalten, gesetzt, daß wir niemals dahin gelangen könnten, sie zu fassen, und die ganze Reihe muß unbedingt wahr sein, wenn das Bedingte, welches als eine daraus entspringende Folgerung angesehen wird, als wahr gelten soll. Dieses ist eine Forderung der Vernunft, die ihr Erkenntnis als a priori bestimmt und als notwendig ankündigt, entweder an sich selbst, und dann bedarf es keiner Gründe, oder, wenn es abgeleitet ist, als ein Glied einer Reihe von Gründen, die selbst unbedingterweise wahr ist.
B 390 Des ersten Buchs der transzendentalen Dialektik Dritter Abschnitt System der transzendentalen Ideen
Wir haben es hier nicht mit einer logischen Dialektik zu tun, welche von allem Inhalte der Erkenntnis abstrahiert, und lediglich den falschen Schein in der Form der Vernunftschlüsse aufdeckt, sondern mit einer transzendentalen, welche, völlig a priori, den Ursprung gewisser Erkenntnisse aus reiner Vernunft, und geschlossener Begriffe, deren Gegenstand empirisch gar nicht gegeben werden kann, die also gänzlich außer dem Vermögen des reinen Verstandes liegen, enthalten soll. Wir haben aus der natürlichen Beziehung, die der transzendentale Gebrauch unserer Erkenntnis, sowohl in Schlüssen als Urteilen, auf den logischen haben muß, abgenommen: daß es nur drei Arten von dialektischen Schlüssen geben werde, die sich auf die dreierlei Schlußarten beziehen, durch welche Vernunft aus Prinzipien zu Erkenntnissen gelangen kann, und daß in allem ihr Geschäft sei, von der bedingten Synthesis, an die der Verstand jederzeit gebunden bleibt, zur unbedingten aufzusteigen, die er niemals erreichen kann.
Nun ist das Allgemeine aller Beziehung, die unsere Vorstellungen haben können, 1. die Beziehung aufs
B 391 Subjekt, 2. die Beziehung auf Objekte, und zwar entweder als Erscheinungen, oder als Gegenstände des Denkens überhaupt. Wenn man diese Untereinteilung mit der oberen verbindet, so ist alles Verhältnis der Vorstellungen, davon wir uns entweder einen Begriff, oder Idee machen können, dreifach: 1. das Verhältnis zum Subjekt, 2. zum Mannigfaltigen des Objekts in der Erscheinung, 3. zu allen Dingen überhaupt.
Nun haben es alle reinen Begriffe überhaupt mit der synthetischen Einheit der Vorstellungen, Begriffe der reinen Vernunft (transszendentale Ideen) aber mit der unbedingten synthetischen Einheit aller Bedingungen überhaupt zu tun. Folglich werden alle transzendentalen Ideen sich unter drei Klassen bringen lassen, davon die erste die absolute (unbedingte) Einheit des denkenden Subjekts, die zweite die absolute Einheit der Reihe der Bedingungen der Erscheinung, die dritte die absolute Einheit der Bedingung aller Gegenstände des Denkens überhaupt enthält.
Das denkende Subjekt ist der Gegenstand der Psychologie, der Inbegriff aller Erscheinungen (die Welt) der Gegenstand der Kosmologie, und das Ding, welches die oberste Bedingung der Möglichkeit von allem, was gedacht werden kann, enthält, (das Wesen aller Wesen) der Gegenstand der Theologie. Also gibt die reine Vernunft die Idee zu einer transzendentalen Seelenlehre (psychologia rationalis), zu einer
B 392 transzendentalen Weltwissenschaft (cosmologia rationalis), endlich auch zu einer transzendentalen Gotteserkenntnis (Theologia transzendentalis) an die Hand. Der bloße Entwurf sogar zu einer sowohl als der anderen dieser Wissenschaften, schreibt sich gar nicht von dem Verstande her, selbst wenn er gleich mit dem höchsten logischen Gebrauche der Vernunft, d.i. allen erdenklichen Schlüssen, verbunden wäre, um von einem Gegenstande desselben (Erscheinung) zu allen anderen bis in die entlegensten Glieder der empirischen Synthesis fortzuschreiten, sondern ist lediglich ein reines und echtes Produkt, oder Problem der reinen Vernunft.
Was unter diesen drei Titeln aller transzendentalen Ideen für modi der reinen Vernunftbegriffe stehen, wird in dem folgenden Hauptstücke vollständig dargelegt werden. Sie laufen am Faden der Kategorien fort. Denn die reine Vernunft bezieht sich niemals geradezu auf Gegenstände, sondern auf die Verstandesbegriffe von denselben. Ebenso wird sich auch nur in der völligen Ausführung deutlich machen lassen, wie die Vernunft lediglich durch den synthetischen Gebrauch eben derselben Funktion, deren sie sich zum kategorischen Vernunftschlusse bedient, notwendigerweise auf den Begriff der absoluten Einheit des denkenden Subjekts kommen müsse, wie das logische Verfahren in hypothetischen Ideen die vom Schlechthinunbedingten in einer Reihe gegebener Bedingungen, endlich die bloße Form des
B 393 disjunktiven Vernunftschlusses den höchsten Vernunftbegriff von einem Wesen aller Wesen notwendigerweise nach sich ziehen müsse; ein Gedanke, der beim ersten Anblick äußerst paradox zu sein scheint.
Von diesen transzendentalen Ideen ist eigentlich keine objektive Deduktion möglich, so wie wir sie von den Kategorien liefern konnten. Denn in der Tat haben sie keine Beziehung auf irgendein Objekt, was ihnen kongruent gegeben werden könnte, eben darum, weil sie nur Ideen sind. Aber eine subjektive Anleitung derselben aus der Natur unserer Vernunft konnten wir unternehmen, und die ist im gegenwärtigen Hauptstücke auch geleistet worden.
Man sieht leicht, daß die reine Vernunft nichts anderes zur Absicht habe, als die absolute Totalität der Synthesis auf der Seite der Bedingungen, (es sei der Inhärenz, oder der Dependenz, oder der Konkurrenz,) und daß sie mit der absoluten Vollständigkeit von seiten des Bedingten nichts zu schaffen habe. Denn nur allein jener bedarf sie, um die ganze Reihe der Bedingungen vorauszusetzen, und sie dadurch dem Verstande a priori zu geben. Ist aber eine vollständig (und unbedingt) gegebene Bedingung einmal da, so bedarf es nicht mehr eines Vernunftbegriffs in Ansehung der Fortsetzung der Reihe; denn der Verstand tut jeden Schritt abwärts,
B 394 von der Bedingung zum Bedingten, von selber. Auf solche Weise dienen die transzendentalen Ideen nur zum Aufsteigen in der Reihe der Bedingungen, bis zum Unbedingten, d.i. zu den Prinzipien. In Ansehung des Hinabgehens zum Bedingten aber, gibt es zwar einen weit erstreckten logischen Gebrauch, den unsere Vernunft von den Verstandesgesetzen macht, aber gar keinen transzendentalen, und, wenn wir uns von der absoluten Totalität einer solchen Synthesis (des progressus) eine Idee machen, z.B. von der ganzen Reihe aller künftigen Weltveränderungen, so ist dieses ein Gedankending (ens rationis), welches nur willkürlich gedacht, und nicht durch die Vernunft notwendig vorausgesetzt wird. Denn zur Möglichkeit des Bedingten wird zwar die Totalität seiner Bedingungen, aber nicht seiner Folgen, vorausgesetzt. Folglich ist ein solcher Begriff keine transzendentale Idee, mit der wir es doch hier lediglich zu tun haben.
Zuletzt wird man auch gewahr, daß unter den transzendentalen Ideen selbst ein gewisser Zusammenhang und Einheit hervorleuchte, und daß die reine Vernunft, vermittelst ihrer, alle ihre Erkenntnisse in ein System bringe. Von der Erkenntnis seiner selbst (der Seele) zur Welterkenntnis, und, vermittelst dieser, zum Urwesen fortzugehen, ist ein so natürlicher Fortschritt, daß er dem logischen Fortgange der Vernunft von den
B 395 Prämissen zum Schlußsatze ähnlich scheint*. Ob nun hier wirklich eine Verwandtschaft von der Art, als zwischen dem logischen und transzendentalen Verfahren, insgeheim zum Grunde liege, ist auch eine von den Fragen, deren Beantwortung man in dem Verfolg dieser Untersuchungen allererst erwarten muß. Wir haben vorläufig unseren Zweck schon erreicht, da wir die
B 396 transzendentalen Begriffe der Vernunft, die sich sonst gewöhnlich in der Theorie der Philosophen unter andere mischen, ohne daß diese sie einmal von Verstandesbegriffen gehörig unterscheiden, aus dieser zweideutigen Lage haben herausziehen, ihren Ursprung, und dadurch zugleich ihre bestimmte Zahl, über die es gar keine mehr geben kann, angeben und sie in einem systematischen Zusammenhange haben vorstellen können, wodurch ein besonderes Feld für die reine Vernunft abgesteckt und eingeschränkt wird.
* Die Metaphysik hat zum eigentlichen Zwecke ihrer Nachforschung nur drei Ideen: Gott, Freiheit und Unsterblichkeit, so daß der zweite Begriff, mit dem ersten verbunden, auf den dritten, als einen notwendigen Schlußsatz, führen soll. Alles, womit sich diese Wissenschaft sonst beschäftigt, dient ihr bloß zum Mittel, um zu diesen Ideen und ihrer Realität zu gelangen. Sie bedarf sie nicht zum Behuf der Naturwissenschaft, sondere um über die Natur hinaus zu kommen. Die Einsicht in dieselben würde Theologie, Moral, und durch beider Verbindung, Religion, mithin die höchsten Zwecke unseres Daseins, bloß vom spekulativen Vernunftvermögen und sonst von nichts anderem abhängig machen. In einer systematischen Vorstellung jener Ideen würde die angeführte Ordnung, als die synthetische, die schicklichste sein; aber in der Bearbeitung, die vor ihr notwendig vorhergehen muß, wird die analytische, welche diese Ordnung umkehrt, dem Zwecke angemessener sein, um, indem wir von demjenigen, was uns Erfahrung unmittelbar an die Hand gibt, der Seelenlehre, zur Weltlehre, und von da bis zur Erkenntnis Gottes fortgehen, unseren großen Entwurf zu vollziehen.
Der transzendentalen Dialektik Zweites Buch Von den dialektischen Schlüssen der reinen Vernunft
Man kann sagen, der Gegenstand einer bloßen transzendentalen Idee sei etwas, wovon man keinen Begriff hat, obgleich diese Idee ganz notwendig in der Vernunft nach ihren ursprünglichen Gesetzen erzeugt worden. Denn in der Tat ist auch von einem Gegenstande, der der Forderung der Vernunft adäquat sein soll, kein Verstandesbegriff möglich, d.i. ein solcher, welcher in einer möglichen Erfahrung gezeigt und anschaulich gemacht werden kann. Besser würde man sich doch und mit weniger Gefahr des Mißverständnisses, ausdrücken, wenn
B 397 man sagte: daß wir vom Objekt, welches einer Idee korrespondiert, keine Kenntnis, obzwar einen problematischen Begriff, haben können.
Nun beruht wenigstens die transzendentale (subjektive) Realität der reinen Vernunftbegriffe darauf, daß wir durch einen notwendigen Vernunftschluß auf solche Ideen gebracht werden. Also wird es Vernunftschlüsse geben, die keine empirischen Prämissen enthalten, und vermittelst deren wir von etwas, das wir kennen, auf etwas anderes schließen, wovon wir doch keinen Begriff haben, und dem wir gleichwohl, durch einen unvermeidlichen Schein, objektive Realität geben. Dergleichen Schlüsse sind in Ansehung ihres Resultats also eher vernünftelnde, als Vernunftschlüsse zu nennen; wiewohl sie, ihrer Veranlassung wegen, wohl den letzteren Namen führen können, weil sie doch nicht erdichtet, oder zufällig entstanden, sondern aus der Natur der Vernunft entsprungen sind. Es sind Sophistikationen, nicht der Menschen, sondern der reinen Vernunft selbst, von denen selbst der Weiseste unter allen Menschen sich nicht losmachen, und vielleicht zwar nach vieler Bemühung den Irrtum verhüten, den Schein aber, der ihn unaufhörlich zwackt und äfft, niemals völlig loswerden kann.
Dieser dialektischen Vernunftschlüsse gibt es also nur dreierlei Arten, so vielfach, als die Ideen sind, auf die ihre Schlußsätze auslaufen. In dem Vernunftschlusse der ersten Klasse schließe ich von dem transzendentalen
B 398 Begriffe des Subjekts, der nichts Mannigfaltiges enthält, auf die absolute Einheit dieses Subjekts selber, von welchem ich auf diese Weise gar keinen Begriff habe. Diesen dialektischen Schluß werde ich den transzendentalen Paralogismus nennen. Die zweite Klasse der vernünftelnden Schlüsse ist auf den transzendentalen Begriff der absoluten Totalität, der Reihe der Bedingungen zu einer gegebenen Erscheinung überhaupt, angelegt, und ich schließe daraus, daß ich von der unbedingten synthetischen Einheit der Reihe auf einer Seite, jederzeit einen sich selbst widersprechenden Begriff habe, auf die Richtigkeit der entgegenstehenden Einheit, wovon ich gleichwohl auch keinen Begriff habe. Den Zustand der Vernunft bei diesen dialektischen Schlüssen, werde ich die Antinomie der reinen Vernunft nennen. Endlich schließe ich, nach der dritten Art vernünftelnder Schlüsse, von der Totalität der Bedingungen, Gegenstände überhaupt, sofern sie mir gegeben werden können, zu denken, auf die absolute synthetische Einheit aller Bedingungen der Möglichkeit der Dinge überhaupt, d.i. von Dingen, die ich nach ihrem bloßen transzendentalen Begriff nicht kenne, auf ein Wesen aller Wesen, welches ich durch einen transzendenten Begriff noch weniger kenne, und von dessen unbedingter Notwendigkeit ich mir keinen Begriff machen kann. Diesen dialektischen Vernunftschluß werde ich das Ideal der reinen Vernunft nennen.
B 399 Des zweiten Buchs der transzendentalen Dialektik Erstes Hauptstück Von den Paralogismen der reinen Vernunft
Der logische Paralogismus besteht in der Falschheit eines Vernunftschlusses der Form nach, sein Inhalt mag übrigens sein, welcher er wolle. Ein transzendentaler Paralogismus aber hat einen transzendentalen Grund: der Form nach falsch zu schließen. Auf solche Weise wird ein dergleichen Fehlschluß in der Natur der Menschenvernunft seinen Grund haben, und eine unvermeidliche, obzwar nicht unauflösliche, Illusion bei sich führen.
Jetzt kommen wir auf einen Begriff, der oben, in der allgemeinen Liste der transzendentalen Begriffe, nicht verzeichnet worden, und dennoch dazu gezählt werden muß, ohne doch darum jene Tafel im mindesten zu verändern und für mangelhaft zu erklären. Dieses ist der Begriff, oder, wenn man lieber will, das Urteil: Ich denke. Man sieht aber leicht, daß er das Vehikel aller Begriffe überhaupt, und mithin auch der transzendentalen sei, und also unter diesen jederzeit mit begriffen werde, und daher ebensowohl transzendental sei, aber keinen besonderen Titel haben könne, weil er nur dazu
B 400 dient, alles Denken, als zum Bewußtsein gehörig, aufzuführen. Indessen, so rein er auch vom Empirischen (dem Eindrucke der Sinne) ist, so dient er doch dazu, zweierlei Gegenstände aus der Natur unserer Vorstellungskraft zu unterscheiden. Ich, als denkend, bin ein Gegenstand des inneren Sinnes, und heiße Seele. Dasjenige, was ein Gegenstand äußerer Sinne ist, heißt Körper. Demnach bedeutet der Ausdruck: Ich, als ein denkend Wesen, schon den Gegenstand der Psychologie, welche die rationale Seelenlehre heißen kann, wenn ich von der Seele nichts weiter zu wissen verlange, als was unabhängig von aller Erfahrung (welche mich näher und in concreto bestimmt) aus diesem Begriffe Ich, sofern er bei allem Denken vorkommt, geschlossen werden kann.
Die rationale Seelenlehre ist nun wirklich ein Unterfangen von dieser Art; denn, wenn das mindeste Empirische meines Denkens, irgendeine besondere Wahrnehmung meines inneren Zustandes, noch unter die Erkenntnisgründe dieser Wissenschaft gemischt würde, so wäre sie nicht mehr rationale, sondern empirische Seelenlehre. Wir haben also schon eine angebliche Wissenschaft vor uns, welche auf dem einzigen Satze: Ich denke, erbaut worden, und deren Grund oder Ungrund wir hier ganz schicklich, und der Natur einer Transzendentalphilosophie gemäß, untersuchen können. Man darf sich daran nicht stoßen, daß ich doch an diesem Satze, der die Wahrnehmung seiner selbst ausdrückt, eine innere Erfahrung
B 401 habe, und mithin die rationale Seelenlehre, welche darauf erbaut wird, niemals rein, sondern zum Teil auf ein empirisches Prinzipium gegründet sei. Denn diese innere Wahrnehmung ist nichts weiter, als die bloße Apperzeption: Ich denke; welche sogar alle transzendentalen Begriffe möglich macht, in welchen es heißt: Ich denke die Substanz, die Ursache usw. Denn innere Erfahrung überhaupt und deren Möglichkeit, oder Wahrnehmung überhaupt und deren Verhältnis zu anderer Wahrnehmung, ohne daß irgendein besonderer Unterschied derselben und Bestimmung empirisch gegeben ist, kann nicht als empirische Erkenntnis, sondern muß als Erkenntnis des Empirischen überhaupt angesehen werden, und gehört zur Untersuchung der Möglichkeit einer jeden Erfahrung, welche allerdings transzendental ist. Das mindeste Objekt der Wahrnehmung (z.B. nur Lust oder Unlust), welche zu der allgemeinen Vorstellung des Selbstbewußtseins hinzukäme, würde die rationale Psychologie sogleich in eine empirische verwandeln.
Ich denke, ist also der alleinige Text der rationalen Psychologie, aus welchem sie ihre ganze Weisheit auswickeln soll. Man sieht leicht, daß dieser Gedanke, wenn er auf einen Gegenstand (mich selbst) bezogen werden soll, nichts anderes, als transzendentale Prädikate desselben, enthalten könne; weil das mindeste empirische Prädikat die rationale Reinigkeit und Unabhängigkeit der Wissenschaft von aller Erfahrung, verderben würde.
B 402 Wir werden aber hier bloß dem Leitfaden der Kategorien zu folgen haben, nur, da hier zuerst ein Ding, Ich, als denkend Wesen, gegeben worden, so werden wir zwar die obige Ordnung der Kategorien untereinander, wie sie in ihrer Tafel vorgestellt ist, nicht verändern, aber doch hier von der Kategorie der Substanz anfangen, dadurch ein Ding an sich selbst vorgestellt wird, und so ihrer Reihe rückwärts nachgehen. Die Topik der rationalen Seelenlehre, woraus alles übrige, was sie nur enthalten mag, abgeleitet werden muß, ist demnach folgende:
1 Die Seele ist Substanz.
2 Ihrer Qualität nach einfach.
3 Den verschiedenen Zeiten nach, in welchen sie da ist, numerisch-identisch, d.i. Einheit (nicht Vielheit).
4 Im Verhältnisse zu möglichen Gegenständen im Raume*.
* Der Leser, der aus diesen Ausdrücken, in ihrer transzendentalen Abgezogenheit, nicht so leicht den psychologischen Sinn derselben, und warum das letztere Attribut der Seele zur Kategorie der Existenz gehöre, erraten wird, wird sie in dem Folgenden hinreichend erklärt und gerechtfertigt finden. Übrigens habe ich wegen der lateinischen Ausdrücke, die statt der gleichbedeutenden deutschen, wider den Geschmack der guten Schreibart, eingeflossen sind, sowohl bei diesem Abschnitte, als auch in Ansehung des ganzen Werks, zur Entschuldigung anzuführen: daß ich lieber etwas der Zierlichkeit der Sprache habe entziehen, als den Schulgebrauch durch die mindeste Unverständlichkeit erschweren wollen.
B 403 Aus diesen Elementen entspringen alle Begriffe der reinen Seelenlehre, lediglich durch die Zusammensetzung, ohne im mindesten ein anderes Prinzipium zu erkennen. Diese Substanz, bloß als Gegenstand des inneren Sinnes, gibt den Begriff der Immaterialität; als einfache Substanz, der Inkorruptibilität; die Identität derselben, als intellektueller Substanz, gibt die Personalität; alle diese drei Stücke zusammen die Spiritualität; das Verhältnis zu den Gegenständen im Raume gibt das Kommerzium mit Körpern; mithin stellt sie die denkende Substanz, als das Prinzipium des Lebens in der Materie, d.i. sie als Seele (anima) und als den Grund der Animalität vor; diese durch die Spiritualität eingeschränkt, Immortalität.
Hierauf beziehen sich nun vier Paralogismen einer transzendentalen Seelenlehre, welche fälschlich für eine Wissenschaft der reinen Vernunft, von der Natur unseres denkenden Wesens gehalten wird. Zum Grunde
B 404 derselben können wir aber nichts anderes legen, als die einfache und für sich selbst an Inhalt gänzlich leere Vorstellung: Ich; von der man nicht einmal sagen kann, daß sie ein Begriff sei, sondern ein bloßes Bewußtsein, das alle Begriffe begleitet. Durch dieses Ich, oder Er, oder Es (das Ding), welches denkt, wird nun nichts weiter, als ein transzendentales Subjekt der Gedanken vorgestellt = x, welches nur durch die Gedanken, die seine Prädikate sind, erkannt wird, und wovon wir, abgesondert, niemals den mindesten Begriff haben können; um welches wir uns daher in einem beständigen Zirkel herumdrehen, indem wir uns seiner Vorstellung jederzeit schon bedienen müssen, um irgend etwas von ihm zu urteilen; eine Unbequemlichkeit, die davon nicht zu trennen ist, weil das Bewußtsein an sich nicht sowohl eine Vorstellung ist, die ein besonderes Objekt unterscheidet, sondern eine Form derselben überhaupt, sofern sie Erkenntnis genannt werden soll; denn von der allein kann ich sagen, daß ich dadurch irgend etwas denke.
Es muß aber gleich anfangs befremdlich scheinen, daß die Bedingung, unter der ich überhaupt denke, und die mithin bloß eine Beschaffenheit meines Subjekts ist, zugleich für alles, was denkt, gültig sein solle, und daß wir auf einen empirisch scheinenden Satz ein apodiktisches und allgemeines Urteil zu gründen uns anmaßen können, nämlich: daß alles, was denkt, so beschaffen sei, als der Ausspruch des Selbstbewußtseins es an mir
B 405 aussagt. Die Ursache aber hiervon liegt darin: daß wir den Dingen a priori alle die Eigenschaften notwendig beilegen müssen, die die Bedingungen ausmachen, unter welchen wir sie allein denken. Nun kann ich von einem denkenden Wesen durch keine äußere Erfahrung, sondern bloß durch das Selbstbewußtsein die mindeste Vorstellung haben. Also sind dergleichen Gegenstände nichts weiter, als die Übertragung dieses meines Bewußtseins auf andere Dinge, welche nur dadurch als denkende Wesen vorgestellt werden. Der Satz: Ich denke, wird aber hierbei nur problematisch genommen; nicht sofern er eine Wahrnehmung von einem Dasein enthalten mag, (das Cartesianische cogito, ergo sum,) sondern seiner bloßen Möglichkeit nach, um zu sehen, welche Eigenschaften aus diesem so einfachen Satze auf das Subjekt desselben (es mag dergleichen nun existieren oder nicht) fließen mögen.
Läge unserer reinen Vernunftserkenntnis von denkenden Wesen überhaupt mehr, als das cogito zum Grunde; würden wir die Beobachtungen, über das Spiel unserer Gedanken und die daraus zu schöpfenden Naturgesetze des denkenden Selbst, auch zu Hilfe nehmen: so würde eine empirische Psychologie entspringen, welche eine Art der Physiologie des inneren Sinnes sein würde, und vielleicht die Erscheinungen desselben zu erklären, niemals aber dazu dienen könnte, solche Eigenschaften, die gar nicht zur möglichen Erfahrung gehören (als die des
B 406 Einfachen), zu eröffnen, noch von denkenden Wesen überhaupt etwas, das ihre Natur betrifft, apodiktisch zu lehren; sie wäre also keine rationale Psychologie.
Da nun der Satz: Ich denke, (problematisch genommen,) die Form eines jeden Verstandesurteils überhaupt enthält, und alle Kategorien als ihr Vehikel begleitet, so ist klar, daß die Schlüsse aus demselben einen bloß transzendentalen Gebrauch des Verstandes enthalten können, welcher alle Beimischung der Erfahrung ausschlägt, und von dessen Fortgang wir, nach dem, was wir oben gezeigt haben, uns schon zum voraus keinen vorteilhaften Begriff machen können. Wir wollen ihn also durch alle Prädikamente der reinen Seelenlehre mit einem kritischen Auge verfolgen, doch um der Kürze willen ihre Prüfung in einem ununterbrochenen Zusammenhange fortgehen lassen.
Zuvörderst kann folgende allgemeine Bemerkung unsere Achtsamkeit auf diese Schlußart schärfen. Nicht dadurch, daß ich bloß denke, erkenne ich irgendein Objekt, sondern nur dadurch, daß ich eine gegebene Anschauung in Absicht auf die Einheit des Bewußtseins, darin alles Denken besteht, bestimme, kann ich irgend einen Gegenstand erkennen. Also erkenne ich mich nicht selbst dadurch, daß ich mich meiner als denkend bewußt bin, sondern wenn ich mir die Anschauung meiner selbst, als in Ansehung der Funktion des Denkens bestimmt, bewußt bin. Alle modi des Selbstbewußtseins im
B 407 Denken an sich, sind daher noch keine Verstandesbegriffe von Objekten, (Kategorien) sondern bloße Funktionen, die dem Denken gar keinen Gegenstand, mithin mich selbst auch nicht als Gegenstand, zu erkennen geben. Nicht das Bewußtsein des Bestimmenden, sondern nur die des bestimmbaren Selbst, d.i. meiner inneren Anschauung (sofern ihr Mannigfaltiges der allgemeinen Bedingung der Einheit der Apperzeption im Denken gemäß verbunden werden kann), ist das Objekt.
1) In allen Urteilen bin ich nun immer das bestimmende Subjekt desjenigen Verhältnisses, welches das Urteil ausmacht. Daß aber Ich, der ich denke, im Denken immer als Subjekt, und als etwas, was nicht bloß wie Prädikat dem Denken anhänge, betrachtet werden kann, gelten müsse, ist ein apodiktischer und selbst identischer Satz; aber er bedeutet nicht, daß ich, als Objekt, ein, für mich, selbst bestehendes Wesen, oder Substanz sei. Das letztere geht sehr weit, erfordert daher auch Data, die im Denken gar nicht angetroffen werden, vielleicht (sofern ich bloß das denkende als ein solches betrachte) mehr, als ich überall (in ihm) jemals antreffen werde.
2) Daß das Ich der Apperzeption, folglich in jedem Denken, ein Singular sei, der nicht in eine Vielheit der Subjekte aufgelöst werden kann, mithin ein logisch einfaches Subjekt bezeichne, liegt schon im Begriffe des Denkens, ist folglich ein analytischer Satz; aber das
B 408 bedeutet nicht, daß das denkende Ich eine einfache Substanz sei, welches ein synthetischer Satz sein würde. Der Begriff der Substanz bezieht sich immer auf Anschauungen, die bei mir nicht anders als sinnlich sein können, mithin ganz außer dem Felde des Verstandes und seinem Denken liegen, von welchem doch eigentlich hier nur geredet wird, wenn gesagt wird, daß das Ich im Denken einfach sei. Es wäre auch wunderbar, wenn ich das, was sonst so viele Anstalt erfordert, um in dem, was die Anschauung darlegt, das zu unterscheiden, was darin Substanz sei; noch mehr aber, ob diese auch einfach sein könne, (wie bei den Teilen der Materie) hier so geradezu in der ärmsten Vorstellung unter allen, gleichsam wie durch eine Offenbarung, gegeben würde.
3) Der Satz der Identität meiner selbst bei allem Mannigfaltigen, dessen ich mir bewußt bin, ist ein ebensowohl in den Begriffen selbst liegender, mithin analytischer Satz; aber diese Identität des Subjekts, deren ich mir in allen seinen Vorstellungen bewußt werden kann, betrifft nicht die Anschauung desselben, dadurch es als Objekt gegeben ist, kann also auch nicht die Identität der Person bedeuten, wodurch das Bewußtsein der Identität seiner eigenen Substanz, als denkenden Wesens, in allem Wechsel der Zustände verstanden wird, wozu, um sie zu beweisen, es mit der bloßen Analysis des Satzes, ich denke, nicht ausgerichtet sein, sondern verschiedene
B 409 synthetische Urteile, welche sich auf die gegebene Anschauung gründen, würden erfordert werden.
4) Ich unterscheide meine eigene Existenz, als eines denkenden Wesens, von anderen Dingen außer mir (wozu auch mein Körper gehört), ist ebensowohl ein analytischer Satz, denn andere Dinge sind solche, die ich als von mir unterschieden denke. Aber ob dieses Bewußtsein meiner selbst ohne Dinge außer mir, dadurch mir Vorstellungen gegeben werden, gar möglich sei, und ich also bloß als denkend Wesen (ohne Mensch zu sein) existieren könne, weiß ich dadurch gar nicht.
Also ist durch die Analysis des Bewußtseins meiner selbst im Denken überhaupt in Ansehung der Erkenntnis meiner selbst als Objekts nicht das mindeste gewonnen. Die logische Erörterung des Denkens überhaupt wird fälschlich für eine metaphysische Bestimmung des Objekts gehalten.
Ein großer, ja sogar der einzige Stein des Anstoßes wider unsere ganze Kritik würde es sein, wenn es eine Möglichkeit gäbe, a priori zu beweisen, daß alle denkenden Wesen an sich einfache Substanzen sind, als solche also (welches eine Folge aus dem nämlichen Beweisgrunde ist) Persönlichkeit unzertrennlich bei sich führen, und sich ihrer von aller Materie abgesonderten Existenz bewußt sind. Denn auf diese Art hätten wir doch einen Schritt über die Sinnenwelt hinaus getan, wir wären in das Feld der Noumenen getreten, und nun spreche
B 410 uns niemand die Befugnis ab, in diesem uns weiter auszubreiten, anzubauen, und, nachdem einen jeden sein Glückstern begünstigt, darin Besitz zu nehmen. Denn der Satz: Ein jedes denkende Wesen, als ein solches, ist einfache Substanz; ist ein synthetischer Satz a priori, weil er erstlich über den ihm zum Grunde gelegten Begriff hinausgeht und die Art des Daseins zum Denken überhaupt dazutut, und zweitens zu jenem Begriffe ein Prädikat (der Einfachheit) hinzufügt, welches in gar keiner Erfahrung gegeben werden kann. Also sind synthetische Sätze a priori nicht bloß, wie wir behauptet haben, in Beziehung auf Gegenstände möglicher Erfahrung, und zwar als Prinzipien der Möglichkeit dieser Erfahrung selbst, tunlich und zulässig, sondern sie können auch auf Dinge überhaupt und an sich selbst gehen, welche Folgerung dieser ganzen Kritik ein Ende macht und gebieten würde, es beim Alten bewenden zu lassen. Allein die Gefahr ist hier nicht so groß, wenn man der Sache näher tritt.
In dem Verfahren der rationalen Psychologie herrscht ein Paralogism, der durch folgenden Vernunftschluß dargestellt wird,
Was nicht anders als Subjekt gedacht werden kann, existiert auch nicht anders als Subjekt, und ist also Substanz.
B 411 Nun kann ein denkendes Wesen, bloß als ein solches betrachtet, nicht anders als Subjekt gedacht werden.
Also existiert es auch nur als ein solches, d.i. als Substanz.
Im Obersatze wird von einem Wesen geredet, das überhaupt in jeder Absicht, folglich auch so wie es in der Anschauung gegeben werden mag, gedacht werden kann. Im Untersatze aber ist nur von demselben die Rede, sofern es sich selbst, als Subjekt, nur relativ auf das Denken und die Einheit des Bewußtseins, nicht aber zugleich in Beziehung auf die Anschauung, wodurch sie als Objekt zum Denken gegeben wird, betrachtet. Also wird per Sophisma figurae dictionis, mithin durch einen Trugschluß die Konklusion gefolgert*.
* Das Denken wird in beiden Prämissen in ganz verschiedener Bedeutung genommen: im Obersatze, wie es auf ein Objekt überhaupt (mithin wie es in der Anschauung gegeben werden mag) geht; im Untersatze aber nur, wie es in der Beziehung aufs Selbstbewußtsein besteht, wobei also an gar kein Objekt gedacht wird, sondern nur die Beziehung auf Sich, als Subjekt, (als die Form des Denkens) vorgestellt wird. Im ersteren wird von Dingen geredet, die nicht anders als Subjekte gedacht werden können; im zweiten aber nicht von Dingen, sondern vom Denken (indem man von allem Objekte abstrahiert), in welchem das Ich immer zum Subjekt des Bewußtseins dient; daher im Schlußsatze nicht folgen kann: ich kann nicht anders als Subjekt existieren, sondern nur: ich kann im Denken meiner Existenz mich nur zum Subjekt des Urteils brauchen, welches ein identischer Satz ist, der schlechterdings nichts über die Art meines Daseins eröffnet.
B 412 Daß diese Auflösung des berühmten Arguments in einem Paralogism so ganz richtig sei, erhellt deutlich, wenn man die allgemeine Anmerkung zur systematischen Vorstellung der Grundsätze und den Abschnitt von den Noumenen hierbei nachsehen will, da bewiesen worden, daß der Begriff eines Dinges, was für sich selbst als Subjekt, nicht aber als bloßes Prädikat existieren kann, noch gar keine objektive Realität bei sich führe, d.i. daß man nicht wissen könne, ob ihm überall ein Gegenstand zukommen könne, indem man die Möglichkeit einer solchen Art zu existieren nicht einsieht, folglich daß es schlechterdings keine Erkenntnis abgebe. Soll er also unter der Benennung einer Substanz ein Objekt, das gegeben werden kann, anzeigen; soll er ein Erkenntnis werden: so muß eine beharrliche Anschauung, als die unentbehrliche Bedingung der objektiven Realität eines Begriffs, nämlich das, wodurch allein der Gegenstand gegeben wird, zum Grunde gelegt werden. Nun haben wir aber in der
B 413 inneren Anschauung gar nichts Beharrliches, denn das Ich ist nur das Bewußtsein meines Denkens; also fehlt es uns auch, wenn wir bloß beim Denken stehenbleiben, an der notwendigen Bedingung, den Begriff der Substanz, d.i. eines für sich bestehenden Subjekts, auf sich selbst als denkend Wesen anzuwenden, und die damit verbundene Einfachheit der Substanz fällt mit der objektiven Realität dieses Begriffs gänzlich weg, und wird in eine bloße logische qualitative Einheit des Selbstbewußtseins im Denken überhaupt, das Subjekt mag zusammengesetzt sein oder nicht, verwandelt.
Widerlegung des Mendelssohnschen Beweises der Beharrlichkeit der Seele
Dieser scharfsinnige Philosoph merkte bald in dem gewöhnlichen Argumente, dadurch bewiesen werden soll, daß die Seele (wenn man einräumt, sie sei ein einfaches Wesen) nicht durch Zerteilung zu sein aufhören könne, einen Mangel der Zulänglichkeit zu der Absicht, ihr die notwendige Fortdauer zu sichern, indem man noch ein Aufhören ihres Daseins durch Verschwinden annehmen könnte. In seinem Phädon suchte er nun diese Vergänglichkeit, welche eine wahre Vernichtung sein würde, von ihr dadurch abzuhalten, daß er sich zu beweisen getraute, ein einfaches Wesen könne gar nicht aufhören zu sein, weil, da es gar nicht vermindert werden und also nach und nach etwas an seinem Dasein verlieren, und so
B 414 allmählich in nichts verwandelt werden könne, (indem es keine Teile, also auch keine Vielheit in sich habe,) zwischen einem Augenblicke, darin es ist, und dem andern, darin es nicht mehr ist, gar keine Zeit angetroffen werden würde, welches unmöglich ist. - Allein er bedachte nicht, daß, wenn wir gleich der Seele diese einfache Natur einräumen, da sie nämlich kein Mannigfaltiges außereinander, mithin keine extensive Größe enthält, man ihr doch, so wenig wie irgendeinem Existierenden, intensive Größe, d.i. einen Grad der Realität in Ansehung aller ihrer Vermögen, ja überhaupt alles dessen, was das Dasein ausmacht, ableugnen könne, welcher durch alle unendlich vielen kleineren Grade abnehmen, und so die vorgebliche Substanz, (das Ding, dessen Beharrlichkeit nicht sonst schon fest steht,) obgleich nicht durch Zerteilung, doch durch allmähliche Nachlassung (remissio) ihrer Kräfte, (mithin durch Elangueszenz, wenn es mir erlaubt ist, mich dieses Ausdrucks zu bedienen,) in nichts verwandelt werden könne. Denn selbst das Bewußtsein hat jederzeit einen Grad, der immer noch vermindert werden kann*, folglich auch das Vermögen sich seiner bewußt
B 415 zu sein, und so alle übrigen Vermögen. - Also bleibt die Beharrlichkeit der Seele, als bloß Gegenstandes des inneren Sinnes, unbewiesen, und selbst unerweislich, obgleich ihre Beharrlichkeit im Leben, da das denkende Wesen (als Mensch) sich zugleich ein Gegenstand äußerer Sinne ist, für sich klar ist, womit aber dem rationalen Psychologen gar nicht Genüge geschieht, der die absolute Beharrlichkeit derselben selbst über das Leben hinaus aus bloßen Begriffen zu beweisen unternimmt**.
* Klarheit ist nicht, wie die Logiker sagen, das Bewußtsein einer Vorstellung; denn ein gewisser Grad des Bewußtseins, der aber zur Erinnerung nicht zureicht, muß selbst in manchen dunklen Vorstellungen anzutreffen sein, weil ohne alles Bewußtsein wir in der Verbindung dunkler Vorstellungen keinen Unterschied machen würden, welches wir doch bei den Merkmalen mancher Begriffe (wie der von Recht und Billigkeit, und des Tonkünstlers, wenn er viele Noten im Phantasieren zugleich greift,) zu tun vermögen. Sondern eine Vorstellung ist klar, in der das Bewußtsein zum Bewußtsein des Unterschiedes derselben von andern zureicht. Reicht dieses zwar zur Unterscheidung, aber nicht zum Bewußtsein des Unterschiedes zu, so müßte die Vorstellung noch dunkel genannt werden. Also gibt es unendlich viele Grade des Bewußtseins bis zum Verschwinden.
** Diejenigen, welche, um eine neue Möglichkeit auf die Bahn zu bringen, schon genug getan zu haben glauben, wenn sie darauf trotzen, daß man ihnen keinen Widerspruch in ihren Voraussetzungen zeigen könne, (wie diejenigen insgesamt sind, die die Möglichkeit des Denkens, wovon sie nur bei den empirischen Anschauungen im menschlichen Leben ein Beispiel haben, auch nach dessen Aufhörung einzusehen glauben,) können durch andere Möglichkeiten, die nicht im mindesten kühner sind, in große Verlegenheit gebracht werden. Dergleichen ist die Möglichkeit der Teilung einer einfachen Substanz in mehrere Substanzen, und umgekehrt das Zusammenfließen (Koalition) mehrerer in eine einfache. Denn, obzwar die Teilbarkeit ein Zusammengesetztes voraussetzt, so erfordert sie doch nicht notwendig ein Zusammengesetztes von Substanzen, sondern bloß von Graden (der mancherlei Vermögen) einer und derselben Substanz. Gleichwie man sich nun alle Kräfte und Vermögen der Seele, selbst das des Bewußtseins, als auf die Hälfte geschwunden denken kann, so doch, daß immer noch Substanz übrig bliebe; so kann man sich auch diese erloschene Hälfte als aufbehalten, aber nicht in ihr, sondern außer ihr, ohne Widerspruch vorstellen, und daß, da hier alles was in ihr nur immer real ist, folglich einen Grad hat, mithin die ganze Existenz derselben, so, daß nichts mangelt, halbiert worden, außer ihr alsdann eine besondere Substanz entspringen würde. Denn die Vielheit, welche geteilt worden, war schon vorher, aber nicht als Vielheit der Substanzen, sondern jeder Realität, als Quantum der Existenz in ihr, und die Einheit der Substanz war nur eine Art zu existieren, die durch diese Teilung allein in eine Mehrheit der Subsistenz verwandelt werden. So könnten aber auch mehrere einfache Substanzen in eine wiederum zusammenfließen, dabei nichts verloren ginge, als bloß die Mehrheit der Subsistenz, indem die eine den Grad der Realität aller vorigen zusammen in sich enthielte, und vielleicht möchten die einfachen Substanzen, welche uns die Erscheinung einer Materie geben, (freilich zwar nicht durch einen mechanischen oder chemischen Einfuß aufeinander, aber doch durch einen uns unbekannten, davon jener nur die Erscheinung wäre,) durch dergleichen dynamische Teilung der Elternseelen, als intensiver Größen, Kinderseelen hervorbringen, indessen, daß jene ihren Abgang wiederum durch Koalition mit neuem Stoffe von derselben Art ergänzten. Ich bin weit entfernt, dergleichen Hirngespinsten den mindesten Wert oder Gültigkeit einzuräumen, auch haben die obigen Prinzipien der Analytik hinreichend eingeschärft, von den Kategorien (als der der Substanz) keinen anderen als Erfahrungsgebrauch zu machen. Wenn aber der Rationalist aus dem bloßen Denkungsvermögen, ohne irgendeine beharrliche Anschauung, dadurch ein Gegenstand gegeben würde, ein für sich bestehendes Wesen zu machen kühn genug ist, bloß weil die Einheit der Apperzeption im Denken ihm keine Erklärung aus dem Zusammengesetzten erlaubt, statt daß er besser tun würde, zu gestehen, er wisse die Möglichkeit einer denkenden Natur nicht zu erklären, warum soll der Materialist, ob er gleich ebensowenig zum Behuf seiner Möglichkeiten Erfahrung anführen kann, nicht zu gleicher Kühnheit berechtigt sein, sich seines Grundsatzes, mit Beibehaltung der formalen Einheit des ersteren, zum entgegengesetzten Gebrauche zu bedienen?
B 416 Nehmen wir nun unsere obigen Sätze, wie sie auch, als für alle denkenden Wesen gültig, in der rationalen Psychologie ab System genommen werden müssen, in synthetischem Zusammenhange, und gehen, von der Kategorie der Relation, mit dem Satze: alle
B 417 denkenden Wesen sind, als solche, Substanzen, rückwärts die Reihe derselben, bis sich der Zirkel schließt, durch, stoßen wir zuletzt auf die Existenz derselben, deren sie sich in diesem System, unabhängig von äußeren Dingen, nicht allein bewußt sind, sondern diese auch (in Ansehung
B 418 der Beharrlichkeit, die notwendig zum Charakter der Substanz gehört,) aus sich selbst bestimmen können. Hieraus folgt aber, daß der Idealism in ebendemselben rationalistischen System unvermeidlich sei, wenigstens der problematische, und, wenn das Dasein äußerer Dinge zu Bestimmung seines eigenen in der Zeit gar nicht erforderlich ist, jenes auch nur ganz umsonst angenommen werde, ohne jemals einen Beweis davon geben zu können.
Befolgen wir dagegen das analytische Verfahren, da das Ich denke, als ein Satz, der schon ein Dasein in sich schließt, als gegeben, mithin die Modalität, zum Grunde liegt, und zergliedern ihn, um seinen Inhalt, ob und wie nämlich dieses Ich im Raum oder der Zeit bloß dadurch sein Dasein bestimmt, zu erkennen, so würden die Sätze der rationalen Seelenlehre nicht vom Begriffe eines denkenden Wesens überhaupt, sondern von einer Wirklichkeit anfangen, und aus der Art, wie diese gedacht wird, nachdem alles, was dabei empirisch ist, abgesondert
B 419 worden, das was einem denkenden Wesen überhaupt zukommt gefolgert werden, wie folgende Tafel zeigt.
1 Ich denke,
2 als Subjekt,
3 als einfaches Subjekt,
4 als identisches Subjekt, in jedem Zustande meines Denkens.
Weil hier nun im zweiten Satz nicht bestimmt wird, ob ich nur als Subjekt und nicht auch als Prädikat eines andern existieren und gedacht werden könne, so ist der Begriff eines Subjekts hier bloß logisch genommen, und es bleibt unbestimmt, ob darunter Substanz verstanden werden solle oder nicht. Allein in dem dritten Satze wird die absolute Einheit der Apperzeption, das einfache Ich, in der Vorstellung, drauf sich alle Verbindung oder Trennung, welche das Denken ausmacht, bezieht, auch für sich wichtig, wenn ich gleich noch nichts über des Subjekts Beschaffenheit oder Subsistenz ausgemacht habe. Die Apperzeption ist etwas Reales, und die Einfachheit derselben liegt schon in ihrer Möglichkeit. Nun ist im Raum nicht Reales, was einfach wäre, denn Punkte (die das einzige Einfache im Raum ausmachen) sind bloß Grenzen, nicht selbst aber etwas, was den Raum als Teil auszumachen dient. Also folgt daraus
B 420 die Unmöglichkeit einer Erklärung meiner, als bloß denkenden Subjekts, Beschaffenheit aus Gründen des Materialismus. Weil aber mein Dasein in dem ersten Satze als gegeben betrachtet wird, indem es nicht heißt, ein jedes denkendes Wesen existiert, (welches zugleich absolute Notwendigkeit, und also zuviel, von ihnen sagen würde,) sondern nur: ich existiere denkend, so ist er empirisch, und enthält die Bestimmbarkeit meines Daseins bloß in Ansehung meiner Vorstellungen in der Zeit. Da ich aber wiederum hierzu zuerst etwas Beharrliches bedarf, dergleichen mir, sofern ich mich denke, gar nicht in der inneren Anschauung gegeben ist; so ist die Art, wie ich existiere, ob als Substanz oder als Akzidens, durch dieses einfache Selbstbewußtsein gar nicht zu bestimmen möglich. Also, wenn der Materialism zur Erklärungsart meinen Daseins untauglich ist, so ist der Spiritualism zu derselben ebensowohl unzureichend, und die Schlußfolge, ist, daß wir auf keine Art, welche es auch sei, von der Beschaffenheit unserer Seele, die die Möglichkeit ihrer abgesonderten Existenz überhaupt betrifft, irgend etwas erkennen können.
Und wie sollte es auch möglich sein, durch die Einheit des Bewußtseins, die wir selbst nur dadurch kennen, daß wir sie zur Möglichkeit der Erfahrung unentbehrlich brauchen, über Erfahrung (unser Dasein im Leben) hinauszukommen, und sogar unsere Erkenntnis auf die Natur aller denkenden Wesen überhaupt
B 421 durch den empirischen, aber in Ansehung aller Art der Anschauung unbestimmten, Satz, Ich denke, zu erweitern?
Es gibt also keine rationale Psychologie als Doktrin, die uns einen Zusatz zu unserer Selbsterkenntnis verschaffte, sondern nur als Disziplin, welche der spekulativen Vernunft in diesem Felde unüberschreitbare Grenzen setzt, einerseits um sich nicht dem seelenlosen Materialism in den Schoß zu werfen, andererseits sich nicht in dem, für uns im Leben, grundlosen Spiritualism herumschwärmend zu verlieren, sondern uns vielmehr erinnert, diese Weigerung unserer Vernunft, den neugierigen über dieses Leben hinausreichenden Fragen befriedigende Antwort zu geben, als einen Wink derselben anzusehen, unser Selbsterkenntnis von der fruchtlosen überschwenglichen Spekulation zum fruchtbaren praktischen Gebrauche anzuwenden, welches, wenn es gleich auch nur immer auf Gegenstände der Erfahrung gerichtet ist, seine Prinzipien doch höher hernimmt, und das Verhalten so bestimmt, als ob unsere Bestimmung unendlich weit über die Erfahrung, mithin über dieses Leben hinaus reiche.
Man sieht aus allem diesem, daß ein bloßer Mißverstand der rationalen Psychologie ihren Ursprung gebe. Die Einheit des Bewußtseins, welche den Kategorien zum Grunde liegt, wird hier für Anschauung des Subjekts als Objekts genommen, und darauf die Kategorie
B 422 der Substanz angewandt. Sie ist aber nur die Einheit im Denken, wodurch allein kein Objekt gegeben wird, worauf also die Kategorie der Substanz, als die jederzeit gegebene Anschauung voraussetzt, nicht angewandt, mithin dieses Subjekt gar nicht erkannt werden kann. Das Subjekt der Kategorien kann also dadurch, daß es diese denkt, nicht von sich selbst als einem Objekte der Kategorien einen Begriff bekommen; denn, um diese zu denken, muß es sein reines Selbstbewußtsein, welches doch hat erklärt werden sollen, zum Grunde legen. Ebenso kann das Subjekt, in welchem die Vorstellung der Zeit ursprünglich ihren Grund hat, ihr eigen Dasein in der Zeit dadurch nicht bestimmen, und wenn das letztere nicht sein kann, so kann auch das erstere als Bestimmung seiner selbst (als denkenden Wesens überhaupt) durch Kategorien nicht stattfinden*.
* Das Ich denke, ist, wie schon gesagt, ein empirischer Satz, und enthält den Satz, Ich existiere, in sich. Ich kann aber nicht sagen: alles, was denkt, existiert; denn da würde die Eigenschaft des Denkens alle Wesen, die sie besitzen, zu notwendigen Wesen machen. Daher kann meine Existenz auch nicht aus dem Satze: Ich denke, als gefolgert angesehen werden, wie Cartesius dafür hielt, (weil sonst der Obersatz: alles. was denkt, existiert, vorausgehen müßte), sondern ist mit ihm identisch. Er drückt eine unbestimmte empirische Anschauung, d.i. Wahrnehmung, aus, (mithin beweist er doch, daß schon Empfindung, die folglich zur Sinnlichkeit gehört, diesem Existenzialsatz zum Grunde liege,) geht aber vor der Erfahrung vorher, die das Objekt der Wahrnehmung durch die Kategorie in Ansehung der Zeit bestimmen soll, und die Existenz ist hier noch keine Kategorie, als welche nicht auf ein unbestimmt gegebenes Objekt, sondern nur ein solches, davon man einen Begriff hat, und wovon man wissen will, ob es auch außer diesem Begriffe gesetzt sei, oder nicht, Beziehung hat. Eine unbestimmte Wahrnehmung bedeutet hier nur etwas Reales, das gegeben worden, und zwar nur zum Denken überhaupt, also nicht als Erscheinung, auch nicht als Sache an sich selbst, (Noumenon) sondern als etwas, was in der Tat existiert, und in dem Satze, ich denke, als ein solcher bezeichnet wird. Denn es ist zu merken, daß, wenn ich den Satz: ich denke, einen empirischen Satz genannt habe, ich dadurch nicht sagen will, das Ich in diesem Satze sei empirische Vorstellung, vielmehr ist sie rein intellektuell, weil sie zum Denken überhaupt gehört. Allein ohne irgendeine empirische Vorstellung, die den Stoff zum Denken abgibt, würde der Aktus, Ich denke, doch nicht stattfinden, und das Empirische ist nur die Bedingung der Anwendung, oder des Gebrauchs des reinen intellektuellen Vermögens.
* * *
B 423 So verschwindet denn ein über die Grenzen möglicher Erfahrung hinaus versuchtes und doch zum höchsten Interesse der Menschheit gehöriges Erkenntnis, soweit es der spekulativen Philosophie verdankt werden soll,
B 424 in getäuschte Erwartung; wobei gleichwohl die Strenge der Kritik dadurch, daß sie zugleich die Unmöglichkeit beweist, von einem Gegenstande der Erfahrung über die Erfahrungsgrenze hinaus etwas dogmatisch auszumachen, der Vernunft bei diesem ihrem Interesse den ihr nicht unwichtigen Dienst tut, sie ebensowohl wider alle möglichen Behauptungen des Gegenteils in Sicherheit zu stellen; welches nicht anders geschehen kann, als so, daß man entweder seinen Satz apodiktisch beweist, oder, wenn dieses nicht gelingt, die Quellen dieses Unvermögens aufsucht, welche, wenn sie in den notwendigen Schranken unseres Vernunft liegen, alsdann jeden Gegner gerade demselben Gesetze der Entsagung aller Ansprüche auf dogmatische Behauptung unterwerfen müssen.
Gleichwohl wird hierdurch für die Befugnis, ja gar die Notwendigkeit, der Annehmung eines künftigen Lebens, nach Grundsätzen des mit dem spekulativen verbundenen praktischen Vernunftgebrauchs, hierbei nicht das mindeste verloren; denn der bloß spekulative Beweis hat auf die gemeine Menschenvernunft ohnedem niemals einigen Einfluß haben können. Er ist so auf einer Haaresspitze gestellt, daß selbst die Schule ihn auf derselben nur so lange erhalten kann, als sie ihn als einen Kreisel um demselben sich unaufhörlich drehen läßt, und er in ihren eigenen Augen also keine beharrliche Grundlage abgibt, worauf etwas gebaut werden könnte. Die Beweise, die für die Welt brauchbar sind, bleiben
B 425 hierbei alle in ihrem unverminderten Werte, und gewinnen vielmehr durch Abstellung jener dogmatischen Anmaßungen an Klarheit und ungekünstelter Überzeugung, indem sie die Vernunft in ihr eigentümliches Gebiet, nämlich die Ordnung der Zwecke, die doch zugleich eine Ordnung der Natur ist, versetzen, die dann aber zugleich, als praktisches Vermögen an sich selbst, ohne auf die Bedingungen der letzteren eingeschränkt zu sein, die erstere und mit ihr unsere eigene Existenz über die Grenzen der Erfahrung und des Lebens hinaus zu erweitern berechtigt ist. Nach der Analogie mit der Natur lebender Wesen in dieser Welt, an welchen die Vernunft es notwendig zum Grundsatze annehmen muß, daß kein Organ, kein Vermögen, kein Antrieb, also nichts Entbehrliches, oder für den Gebrauch Unproportioniertes, mithin Unzweckmäßiges anzutreffen, sondern alles seiner Bestimmung im Leben genau angemessen sei, zu urteilen, müßte der Mensch, der doch allein den letzten Endzweck von allem diesem in sich erhalten kann, das einzige Geschöpf sein, welches davon ausgenommen wäre. Denn seine Naturanlagen, nicht bloß den Talenten und Antrieben nach, davon Gebrauch zu machen, sondern vornehmlich das moralische Gesetz in ihm, gehen so weit über allen Nutzen und Vorteil, den er in diesem Leben daraus ziehen könnte, daß das letztere sogar das bloße Bewußtsein der Rechtschaffenheit der Gesinnung, bei Ermangelung aller Vorteile,
B 426 selbst sogar des Schattenwerks vom Nachruhm, über alles hochschätzen lehrt, und sich innerlich dazu berufen fühlt, sich durch sein Verhalten in dieser Welt, mit Verzichtung auf viele Vorteile, zum Bürger einer besseren, die er in der Idee hat, tauglich zu machen. Dieser mächtige, niemals zu widerlegende Beweisgrund, begleitet durch eine sich unaufhörlich vermehrende Erkenntnis der Zweckmäßigkeit in allem, was wir vor uns sehen, und durch eine Aussicht in die Unermeßlichkeit der Schöpfung, mithin auch durch das Bewußtsein einer gewissen Unbegrenztheit in der möglichen Erweiterung unserer Kenntnisse, samt einem dieser angemessenen Triebe bleibt immer noch übrig, wenn wir es gleich aufgeben müssen, die notwendige Fortdauer unserer Existenz aus der bloß theoretischen Erkenntnis unserer selbst einzusehen.
Beschluß der Auflösung des psychologischen Paralogisms
Der dialektische Schein in der rationalen Psychologie beruht auf der Verwechslung einer Idee der Vernunft (einer reinen Intelligenz) mit dem in allen Stücken unbestimmten Begriffe eines denkenden Wesens überhaupt. Ich denke mich selbst zum Behuf einer möglichen Erfahrung, indem ich noch von aller wirklichen Erfahrung abstrahiere, und schließe daraus, daß ich mich meiner Existenz auch außer der Erfahrung und den
B 427 empirischen Bedingungen derselben bewußt werden könne. Folglich verwechsle ich die mögliche Abstraktion von meiner empirisch bestimmten Existenz mit dem vermeinten Bewußtsein einer abgesondert möglichen Existenz meines denkenden Selbst, und glaube das Substantiale in mir als das transzendentale Subjekt zu erkennen, indem ich bloß die Einheit des Bewußtseins, welche allem Bestimmen, als der bloßen Form der Erkenntnis, zum Grunde liegt, in Gedanken habe.
Die Aufgabe, die Gemeinschaft der Seele mit dem Körper zu erklären, gehört nicht eigentlich zu derjenigen Psychologie, wovon hier die Rede ist, weil sie die Persönlichkeit der Seele auch außer dieser Gemeinschaft (nach dem Tode) zu beweisen die Absicht hat, und also im eigentlichen Verstande transzendent ist, ob sie sich gleich mit einem Objekte der Erfahrung beschäftigt, aber nur sofern es aufhört ein Gegenstand der Erfahrung zu sein. Indessen kann auch hierauf nach unserem Lehrbegriffe hinreichende Antwort gegeben werden. Die Schwierigkeit, welche diese Aufgabe veranlaßt hat, besteht, wie bekannt, in der vorausgesetzten Ungleichartigkeit des Gegenstandes des inneren Sinnes (der Seele) mit den Gegenständen äußerer Sinne, da jenem nur die Zeit, diesen auch der Raum zur formalen Bedingung ihrer Anschauung anhängt. Bedenkt man aber, daß beiderlei Art von Gegenständen hierin sich nicht innerlich, sondern nur, sofern eines dem andern äußerlich erscheint, von
B 428 einander unterscheiden, mithin das, was der Erscheinung der Materie, als Ding an sich selbst, zum Grunde liegt, vielleicht so ungleichartig nicht sein dürfte, so verschwindet diese Schwierigkeit, und es bleibt keine andere übrig, als die, wie überhaupt eine Gemeinschaft von Substanzen möglich sei, welche zu lösen ganz außer dem Felde der Psychologie, und, wie der Leser, nach dem, was in der Analytik von Grundkräften und Vermögen gesagt worden, leicht urteilen wird, ohne allen Zweifel auch außer dem Felde aller menschlichen Erkenntnis liegt.
Allgemeine Anmerkung, den Übergang von der rationalen Psychologie zur Kosmologie betreffend
Der Satz, Ich denke, oder, ich existiere denkend, ist ein empirischer Satz. Einem solchen aber liegt empirische Anschauung, folglich auch das gedachte Objekt als Erscheinung, zum Grunde, und so scheint es, als wenn nach unserer Theorie die Seele ganz und gar, selbst im Denken, in Erscheinung verwandelt würde, und auf solche Weise unser Bewußtsein selbst, als bloßer Schein, in der Tat auf nichts gehen müßte.
Das Denken, für sich genommen, ist bloß die logische Funktion, mithin lauter Spontaneität der Verbindung des Mannigfaltigen einer bloß möglichen Anschauung, und stellt das Subjekt des Bewußtseins keineswegs als
B 429 Erscheinung dar, bloß darum, weil es gar keine Rücksicht auf die Art der Anschauung nimmt, ob sie sinnlich oder intellektuell sei. Dadurch stelle ich mich mir selbst, weder wie ich bin, noch wie ich mir erscheine, vor, sondern ich denke mich nur wie ein jedes Objekt überhaupt, von dessen Art der Anschauung ich abstrahiere. Wenn ich mich hier als Subjekt der Gedanken, oder auch als Grund des Denkens, vorstelle, so bedeuten diese Vorstellungsarten nicht die Kategorien der Substanz, oder der Ursache, denn diese sind jene Funktionen des Denkens (Urteilens) schon auf unsere sinnliche Anschauung angewandt, welche freilich erfordert werden würden, wenn ich mich erkennen wollte. Nun will ich mich meiner aber nur als denkend bewußt werden; wie mein eigenes Selbst in der Anschauung gegeben sei, das setze ich beiseite, und da könnte es mir, der ich denke, aber nicht sofern ich denke, bloß Erscheinung sein; im Bewußtsein meiner Selbst beim bloßen Denken bin ich das Wesen selbst, von dem mir aber freilich dadurch noch nichts zum Denken gegeben ist.
Der Satz aber, Ich denke, sofern er soviel sagt, als: Ich existiere denkend, ist nicht bloße logische Funktion, sondern bestimmt das Subjekt (welches denn zugleich Objekt ist) in Ansehung der Existenz, und kann ohne den inneren Sinn nicht stattfinden, dessen Anschauung jederzeit das Objekt nicht als Ding an sich selbst, sondern bloß als Erscheinung an die Hand gibt. In ihm ist also
B 430 schon nicht mehr bloße Spontaneität des Denkens, sondern auch Rezeptivität der Anschauung, d.i. das Denken meiner selbst auf die empirische Anschauung ebendesselben Subjekts angewandt. In dieser letzteren müßte denn nun das denkende Selbst die Bedingungen des Gebrauchs seiner logischen Funktionen zu Kategorien der Substanz, der Ursache usw. suchen, um sich als Objekt an sich selbst nicht bloß durch das Ich zu bezeichnen, sondern auch die Art seines Daseins zu bestimmen, d.i. sich als Noumenon zu erkennen, welches aber unmöglich ist, indem die innere empirische Anschauung sinnlich ist, und nichts als Data der Erscheinung an die Hand gibt, die dem Objekte des reinen Bewußtseins zur Kenntnis seiner abgesonderten Existenz nichts liefern, sondern bloß der Erfahrung zum Behufe dienen kann.
Gesetzt aber, es fände sich in der Folge, nicht in der Erfahrung, sondern in gewissen (nicht bloß logischen Regeln, sondern) a priori feststehenden, unsere Existenz betreffenden Gesetzen des reinen Vernunftgebrauchs, Veranlassung, um völlig a priori in Ansehung unseres eigenen Daseins als gesetzgebend und diese Existenz auch selbst bestimmend vorauszusetzen, so würde sich dadurch eine Spontaneität entdecken, wodurch unsere Wirklichkeit bestimmbar wäre, ohne dazu der Bedingungen der empirischen Anschauung zu bedürfen; und hier würden wir innewerden, daß im Bewußtsein unseres Daseins a priori etwas enthalten sei, was unsere nur sinnlich
B 431 durchgängig bestimmbare Existenz, doch in Ansehung eines gewissen inneren Vermögens in Beziehung auf eine intelligible (freilich nur gedachte) Welt zu bestimmen, dienen kann.
Aber dieses würde nichtsdestoweniger alle Versuche in der rationalen Psychologie nicht im mindesten weiter bringen. Denn ich würde durch jenes bewunderungswürdige Vermögen, welches mir das Bewußtsein des moralischen Gesetzes allererst offenbart, zwar ein Prinzip der Bestimmung meiner Existenz, welches rein intellektuell ist, haben, aber durch welche Prädikate? Durch keine anderen, als die mir in der sinnlichen Anschauung gegeben werden müssen, und so würde ich da wiederum hingeraten, wo ich in der rationalen Psychologie war, nämlich in das Bedürfnis sinnlicher Anschauungen, um meinen Verstandesbegriffen, Substanz, Ursache usw., wodurch ich allein Erkenntnis von mir haben kann, Bedeutung zu verschaffen; jene Anschauungen können mich aber über das Feld der Erfahrung niemals hinaushelfen. Indessen würde ich doch diese Begriffe in Ansehung des praktischen Gebrauchs, welcher doch immer auf Gegenstände der Erfahrung gerichtet ist, der im theoretischen Gebrauche analogischen Bedeutung gemäß, auf die Freiheit und das Subjekt derselben anzuwenden befugt sein, indem ich bloß die logischen Funktionen des Subjekts und Prädikats des Grundes und der Folge darunter verstehe, denen gemäß die Handlungen oder die
B 432 Wirkungen jenen Gesetzen gemäß so bestimmt werden, daß sie zugleich mit den Naturgesetzen, den Kategorien der Substanz und der Ursache allemal gemäß erklärt werden können, ob sie gleich aus ganz anderem Prinzip entspringen. Dieses hat nur zur Verhütung des Mißverstandes, dem die Lehre von unserer Selbstanschauung, als Erscheinung, leicht ausgesetzt ist, gesagt sein sollen. Im folgenden wird man davon Gebrauch zu machen Gelegenheit haben.
Der transzendentalen Dialektik Zweites Buch
Zweites Hauptstück Die Antinomie der reinen Vernunft
Wir haben in der Einleitung zu diesem Teile unseres Werks gezeigt, daß aller transzendentale Schein der reinen Vernunft auf dialektischen Schlüssen beruhe, deren Schema die Logik in den drei formalen Arten der Vernunftschlüsse überhaupt an die Hand gibt, so wie etwa die Kategorien ihr logisches Schema in den vier Funktionen aller Urteile antreffen. Die erste Art dieser vernünftelnden Schlüsse ging auf die unbedingte Einheit der subjektiven Bedingungen aller Vorstellungen überhaupt (des Subjekts oder der Seele), in Korrespondenz mit den kategorischen Vernunftschlüssen, deren Obersatz, als Prinzip, die Beziehung eines Prädikats auf ein
B 433 Subjekt aussagt. Die zweite Art des dialektischen Arguments wird also, nach der Analogie mit hypothetischen Vernunftschlüssen, die unbedingte Einheit der objektiven Bedingungen in der Erscheinung zu ihrem Inhalte machen, so wie die dritte Art, die im folgenden Hauptstücke vorkommen wird, die unbedingte Einheit der objektiven Bedingungen der Möglichkeit der Gegenstände überhaupt zum Thema hat.
Es ist aber merkwürdig, daß der transzendentale Paralogismus einen bloß einseitigen Schein, in Ansehung der Idee von dem Subjekte unseres Denkens, bewirkte, und zur Behauptung des Gegenteils sich nicht der mindeste Schein aus Vernunftbegriffen vorfinden will. Der Vorteil ist gänzlich auf der Seite des Pneumatismus, obgleich dieser den Erbfehler nicht verleugnen kann, bei allem ihm günstigen Schein in der Feuerprobe der Kritik sich in lauter Dunst aufzulösen.
Ganz anders fällt es aus, wenn wir die Vernunft auf die objektive Synthesis der Erscheinungen anwenden, wo sie ihr Prinzipium der unbedingten Einheit zwar mit vielem Scheine geltend zu machen denkt, sich aber bald in solche Widersprüche verwickelt, daß sie genötigt wird, in kosmologischer Absicht, von ihrer Forderung abzustehen.
Hier zeigt sich nämlich ein neues Phänomen der menschlichen Vernunft, nämlich: eine ganz natürliche Antithetik, auf die keiner zu grübeln und künstlich Schlingen
B 434 zu legen braucht, sondern in welche die Vernunft von selbst und zwar unvermeidlich gerät, und dadurch zwar vor den Schlummer einer eingebildeten Überzeugung, den ein bloß einseitiger Schein hervorbringt, verwahrt, aber zugleich in Versuchung gebracht wird, sich entweder einer skeptischen Hoffnungslosigkeit zu überlassen, oder einen dogmatischen Trotz anzunehmen und den Kopf steif auf gewisse Behauptungen zu setzen, ohne den Gründen des Gegenteils Gehör und Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Beides ist der Tod einer gesunden Philosophie, wiewohl jener allenfalls noch die Euthanasie der reinen Vernunft genannt werden könnte.
Ehe wir die Auftritte des Zwiespalts und der Zerrüttungen sehen lassen, welche dieser Widerstreit der Gesetze (Antinomie) der reinen Vernunft veranlaßt, wollen wir gewisse Erörterungen geben, welche die Methode erläutern und rechtfertigen können, deren wir uns in Behandlung unseres Gegenstandes bedienen. Ich nenne alle transzendentalen Ideen, sofern sie die absolute Totalität in der Synthesis der Erscheinungen betreffen, Weltbegriffe, teils wegen eben dieser unbedingten Totalität, worauf auch der Begriff des Weltganzen beruht, der selbst nur eine Idee ist, teils weil sie lediglich auf die Synthesis der Erscheinungen, mithin die empirische, gehen, da hingegen die absolute Totalität, in der Synthesis der Bedingungen aller möglichen Dinge überhaupt,
B 435 ein Ideal der reinen Vernunft veranlassen wird, welches von dem Weltbegriffe gänzlich unterschieden ist, ob es gleich darauf in Beziehung steht. Daher, so wie die Paralogismen der reinen Vernunft den Grund zu einer dialektischen Psychologie legten, so wird die Antinomie der reinen Vernunft die transzendentalen Grundsätze einer vermeinten reinen (rationalen) Kosmologie vor Augen stellen, nicht, um sie gültig zu finden und sich zuzueignen, sondern, wie es auch schon die Benennung von einem Widerstreit der Vernunft anzeigt, um sie als eine Idee, die sich mit Erscheinungen nicht vereinbaren läßt, in ihrem blendenden aber falschen Scheine darzustellen.
Der Antinomie der reinen Vernunft Erster Abschnitt System der kosmologischen Ideen
Um nun diese Ideen nach einem Prinzip mit systematischer Präzision aufzählen zu können, müssen wir erstlich bemerken, daß nur der Verstand es sei, aus welchem reine und transzendentale Begriffe entspringen können, daß die Vernunft eigentlich gar keinen Begriff erzeuge, sondern allenfalls nur den Verstandesbegriff, von den unvermeidlichen Einschränkungen einer möglichen Erfahrung, frei mache, und ihn also über die Grenzen des Empirischen, doch aber in Verknüpfung mit
B 436 demselben zu erweitern suche. Dieses geschieht dadurch, daß sie zu einem gegebenen Bedingten auf der Seite der Bedingungen (unter denen der Verstand alle Erscheinungen der synthetischen Einheit unterwirft) absolute Totalität fordert, und dadurch die Kategorie zur transzendentalen Idee macht, um der empirischen Synthesis, durch die Fortsetzung derselben bis zum Unbedingten, (welches niemals in der Erfahrung, sondern nur in der Idee angetroffen wird,) absolute Vollständigkeit zu geben. Die Vernunft fordert dieses nach dem Grundsatze: wenn das Bedingte gegeben ist, so ist auch die ganze Summe der Bedingungen, mithin das schlechthin Unbedingte gegeben, wodurch jenes allein möglich war. Also werden erstlich die transzendentalen Ideen eigentlich nichts, als bis zum Unbedingten erweiterte Kategorien sein, und jene werden sich in eine Tafel bringen lassen, die nach den Titeln der letzteren angeordnet ist. Zweitens aber werden doch auch nicht alle Kategorien dazu taugen, sondern nur diejenige, in welchen die Synthesis eine Reihe ausmacht, und zwar der einander untergeordneten (nicht beigeordneten) Bedingungen zu einem Bedingten. Die absolute Totalität wird von der Vernunft nur sofern gefordert, als sie die aufsteigende Reihe der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten angeht, mithin nicht, wenn von der absteigenden Linie der Folgen, noch auch von dem Aggregat koordinierter Bedingungen zu diesen Folgen, die Rede ist. Denn Bedingungen sind in
B 437 Ansehung des gegebenen Bedingten schon vorausgesetzt und mit diesem auch als gegeben anzusehen, anstatt daß, da die Folgen ihre Bedingungen nicht möglich machen, sondern vielmehr voraussetzen, man im Fortgange zu den Folgen (oder im Absteigen von der gegebenen Bedingung zu dem Bedingten) unbekümmert sein kann, ob die Reihe aufhöre oder nicht, und überhaupt die Frage, wegen ihrer Totalität, gar keine Voraussetzung der Vernunft ist.
So denkt man sich notwendig eine bis auf den gegebenen Augenblick völlig abgelaufene Zeit, auch als gegeben, (wenngleich nicht durch uns bestimmbar). Was aber die künftige betrifft, da sie die Bedingung nicht ist, zu der Gegenwart zu gelangen, so ist es, um diese zu begreifen, ganz gleichgültig, wie wir es mit der künftigen Zeit halten wollen, ob man sie irgendwo aufhören, oder ins Unendliche laufen lassen will. Es sei die Reihe m, n, o, worin n als bedingt in Ansehung m, aber zugleich als Bedingung von o gegeben ist, die Reihe gehe aufwärts von dem bedingten n zu m (l, k, i, etc.), imgleichen abwärts von der Bedingung n zum bedingten o (p, q, r, etc.), so muß ich die erstere Reihe voraussetzen, um n als gegeben anzusehen, und n ist nach der Vernunft (der Totalität der Bedingungen) nur vermittelst jener Reihe möglich, seine Möglichkeit beruht aber nicht auf der folgenden Reihe o, p, q, r, die daher auch nicht
B 438 als gegeben, sondern nur als dabilis angesehen werden könne.
Ich will die Synthesis einer Reihe auf der Seite der Bedingungen, also von derjenigen an, welche die nächste zur gegebenen Erscheinung ist, und so zu den entfernteren Bedingungen, die regressive, diejenige aber, die auf der Seite des Bedingten, von der nächsten Folge zu den entfernteren fortgeht, die progressive Synthesis nennen. Die erstere geht in antecedentia, die zweite in consequentia. Die kosmologischen Ideen also beschäftigen sich mit der Totalität der regressiven Synthesis, und gehen in antecedentia, nicht in consequentia. Wenn dieses letztere geschieht, so ist es ein willkürliches und nicht notwendiges Problem der reinen Vernunft, weil wir zur vollständigen Begreiflichkeit dessen, was in der Erscheinung gegeben ist, wohl der Gründe, nicht aber der Folgen bedürfen.
Um nun nach der Tafel der Kategorien die Tafel der Ideen einzurichten, so nehmen wir zuerst die zwei ursprünglichen quanta aller unserer Anschauung, Zeit und Raum. Die Zeit ist an sich selbst eine Reihe (und die formale Bedingung aller Reihen), und daher sind in ihr, in Ansehung einer gegebenen Gegenwart, die antecedentia als Bedingungen (das Vergangene) von den consequentibus (dem Künftigen) a priori zu unterscheiden. Folglich geht die transzendentale Idee, der absoluten Totalität der Reihe der Bedingungen zu einem
B 439 gegebenen Bedingten, nur auf alle vergangene Zeit. Es wird nach der Idee der Vernunft die ganze verlaufene Zeit als Bedingung des gegebenen Augenblicks notwendig als gegeben gedacht. Was aber den Raum betrifft, so ist in ihm an sich selbst kein Unterschied des Progressus vom Regressus, weil er ein Aggregat, aber keine Reihe ausmacht, indem seine Teile insgesamt zugleich sind. Den gegenwärtigen Zeitpunkt konnte ich in Ansehung der vergangenen Zeit nur als bedingt, niemals aber als Bedingung derselben, ansehen, weil dieser Augenblick nur durch die verflossene Zeit (oder vielmehr durch das Verfliessen der vorhergehenden Zeit) allererst entspringt. Aber da die Teile des Raumes einander nicht untergeordnet, sondern beigeordnet sind, so ist ein Teil nicht die Bedingung der Möglichkeit des anderen, und er macht nicht, so wie die Zeit, an sich selbst eine Reihe aus. Allein die Synthesis der mannigfaltigen Teile des Raumes, wodurch wir ihn apprehendieren, ist doch successiv, geschieht also in der Zeit und enthält eine Reihe. Und da in dieser Reihe der aggregierten Räume (z.B. der Füße in einer Rute) von einem gegebenen an, die weiter hinzugedachten immer die Bedingung von der Grenze der vorigen sind, so ist das Messen eines Raumes auch als eine Synthesis einer Reihe der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten anzusehen, nur daß die Seite der Bedingungen, von der Seite, nach welcher das Bedingte hin liegt, an sich selbst nicht unterschieden ist, folglich
B 440 regressus und progressus im Raume einerlei zu sein scheint. Weil indessen ein Teil des Raumes nicht durch den anderen gegeben, sondern nur begrenzt wird, so müssen wir jeden begrenzten Raum insofern auch als bedingt ansehen, der einen anderen Raum als die Bedingung seiner Grenze voraussetzt, und so fortan. In Ansehung der Begrenzung ist also der Fortgang im Raume auch ein Regressus, und die transzendentale Idee der absoluten Totalität der Synthesis in der Reihe der Bedingungen trifft auch den Raum, und ich kann ebensowohl nach der absoluten Totalität der Erscheinung im Raume, als der in der verflossenen Zeit, fragen. Ob aber überall darauf auch eine Antwort möglich sei, wird sich künftig bestimmen lassen.
Zweitens, so ist die Realität im Raume, d.i. die Materie, ein Bedingtes, dessen innere Bedingungen seine Teile, und die Teile der Teile die entfernten Bedingungen sind, so daß hier eine regressive Synthesis stattfindet, deren absolute Totalität die Vernunft fordert, welche nicht anders als durch eine vollendete Teilung, dadurch die Realität der Materie entweder in Nichts oder doch in das, was nicht mehr Materie ist, nämlich das Einfache, verschwindet, stattfinden kann. Folglich ist hier auch eine Reihe von Bedingungen und ein Fortschritt zum Unbedingten.
B 441 Drittens, was die Kategorien des realen Verhältnisses unter den Erscheinungen anlangt, so schickt sich die Kategorie der Substanz mit ihren Akzidenzen nicht zu einer transzendentalen Idee; d.i. die Vernunft hat keinen Grund, in Ansehung ihrer, regressiv auf Bedingungen zu gehen. Denn Akzidenzen sind (sofern sie einer einigen Substanz inhärieren) einander koordiniert, und machen keine Reihe aus. In Ansehung der Substanz aber sind sie derselben eigentlich nicht subordiniert, sondern die Art zu existieren der Substanz selber. Was hierbei noch scheinen könnte eine Idee der transzendentalen Vernunft zu sein, wäre der Begriff von Substantiale. Allein, da dieses nichts anderes bedeutet, als den Begriff vom Gegenstande überhaupt, welcher subsistiert, sofern man an ihm bloß das transzendentale Subjekt ohne alle Prädikate denkt, hier aber nur die Rede vom Unbedingten in der Reihe der Erscheinungen ist, so ist klar, daß das Substantiale kein Glied in derselben ausmachen könne. Eben dasselbe gilt auch von Substanzen in Gemeinschaft, welche bloße Aggregate sind, und keinen Exponenten einer Reihe haben, indem sie nicht einander als Bedingungen ihrer Möglichkeit subordiniert sind, welches man wohl von den Räumen sagen konnte, deren Grenze niemals an sich, sondern immer durch einen anderen Raum bestimmt war. Es bleibt also nur die Kategorie der Kausalität übrig, welche eine Reihe der Ursachen zu einer gegebenen Wirkung darbietet, in welcher man
B 442 von der letzteren, als dem Bedingten, zu jenen, als Bedingungen, aufsteigen und der Vernunftfrage antworten kann.
Viertens, die Begriffe des Möglichen, Wirklichen und Notwendigen führen auf keine Reihe, außer nur, sofern das Zufällige im Dasein jederzeit als bedingt angesehen werden muß, und nach der Regel des Verstandes auf eine Bedingung weist, darunter es notwendig ist, diese auf eine höhere Bedingung zu weisen bis die Vernunft nur in der Totalität diese Reihe die unbedingte Notwendigkeit antrifft.
Es sind demnach nicht mehr, als vier kosmologische Ideen, nach den vier Titeln der Kategorien, wenn man diejenigen aushebt, welche eine Reihe in der Synthesis des Mannigfaltigen notwendig bei sich führen.
B 443 1. Die absolute Vollständigkeit der Zusammensetzung des gegebenen Ganzen aller Erscheinungen
2 Die absolute Vollständigkeit der Teilung eines gegebenen Ganzen in der Erscheinung
3 Die absolute Vollständigkeit der Entstehung einer Erscheinung
4 Die absolute Vollständigkeit der Abhängigkeit des Daseins des Veränderlichen in der Erscheinung
Zuerst ist hierbei anzumerken, daß die Idee der absoluten Totalität nichts anderes, als die Exposition der Erscheinungen, betreffe, mithin nicht den reinen Verstandesbegriff von einen Ganzen der Dinge überhaupt. Es werden hier also Erscheinungen als gegeben betrachtet, und die Vernunft fordert die absolute Vollständigkeit der Bedingungen ihrer Möglichkeit, sofern diese eine Reihe ausmachen, mithin eine schlechthin (d.i. in aller Absicht) vollständige Synthesis, wodurch die Erscheinung nach Verstandesgesetzen exponiert werden könne.
Zweitens ist es eigentlich nur das Unbedingte, was die Vernunft, in dieser, reihenweise, und zwar reggressiv,
B 444 fortgesetzten Synthesis der Bedingungen, sucht, gleichsam die Vollständigkeit in der Reihe der Prämissen, die zusammen weiter keine andere voraussetzen. Dieses Unbedingte ist nun jederzeit in der absoluten Totalität der Reihe, wenn man sie sich in der Einbildung vorstellt, enthalten. Allein diese schlechthin vollendete Synthesis ist wiederum nur eine Idee; denn man kann, wenigstens zum voraus, nicht wissen, ob eine solche bei Erscheinungen auch möglich sei. Wenn man sich alles durch bloße reine Verstandesbegriffe, ohne Bedingungen der sinnlichen Anschauung, vorstellt, so kann man geradezu sagen: daß zu einem gegebenen Bedingten auch die ganze Reihe einander subordinierter Bedingungen gegeben sei; denn jenes ist allein durch diese gegeben. Allein bei Erscheinungen ist eine besondere Einschränkung der Art, wie Bedingungen gegeben werden, anzutreffen, nämlich durch die sukzessive Synthesis des Mannigfaltigen der Anschauung, die im Regressus vollständig sein soll. Ob diese Vollständigkeit nun sinnlich möglich sei, ist noch ein Problem. Allein die Idee dieser Vollständigkeit liegt doch in der Vernunft, unangesehen der Möglichkeit, oder Unmöglichkeit, ihr adäquat empirische Begriffe zu verknüpfen. Also, da in der absoluten Totalität der regressiven Synthesis des Mannigfaltigen in der Erscheinung (nach Anleitung der Kategorien, die sie als eine Reihe von Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten vorstellen,) das Unbedingte notwendig
B 445 enthalten ist, man mag auch unausgemacht lassen, ob und wie diese Totalität zustande zu bringen sei: so nimmt die Vernunft hier den Weg, von der Idee der Totalität auszugehen, ob sie gleich eigentlich das Unbedingte, es sei der ganzen Reihe, oder eines Teils derselben, zur Endabsicht hat.
Dieses Unbedingte kann man sich nun gedenken, entweder als bloß in der ganzen Reihe bestehend, in der also alle Glieder ohne Ausnahme bedingt und nur das Ganze derselben schlechthin unbedingt wäre, und dann heißt der Regressus unendlich; oder das absolut Unbedingte ist nur ein Teil der Reihe, dem die übrigen Glieder derselben untergeordnet sind, der selbst aber unter keiner anderen Bedingung steht.* In dem ersteren Falle ist die Reihe a parte priori ohne Grenzen (ohne Anfang), d.i. unendlich, und gleichwohl ganz gegeben, der Regressus in ihr aber ist niemals vollendet, und kann nur potentialiter unendlich genannt werden. Im
B 446 zweiten Falle gibt es ein Erstes der Reihe, welches in Ansehung der verflossenen Zeit der Weltanfang, in Ansehung des Raums die Weltgrenze, in Ansehung der Teile, eines in seinen Grenzen gegebenen Ganzen, das Einfache, in Ansehung der Ursachen die absolute Selbsttätigkeit (Freiheit), in Ansehung des Daseins veränderlicher Dinge die absolute Naturnotwendigkeit heißt.
* Das absolute Ganze der Reihe von Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten ist jederzeit unbedingt; weil außer ihr keine Bedingungen mehr sind, in Ansehung deren es bedingt sein könnte. Allein dieses absolute Ganze einer solchen Reihe ist nur eine Idee, oder vielmehr ein problematischer Begriff, dessen Möglichkeit untersucht werden muß, und zwar in Beziehung auf die Art, wie das Unbedingte, als die eigentliche transzendentale Idee, worauf es ankommt, darin enthalten sein mag.
Wir haben zwei Ausdrücke: Welt und Natur, welche bisweilen ineinander laufen. Das erste bedeutet das mathematische Ganze aller Erscheinungen und die Totalität ihrer Synthesis, im Großen sowohl als im Kleinen, d.i. sowohl in dem Fortschritt derselben durch Zusammensetzung, als durch Teilung. Eben dieselbe Welt wird aber Natur* genannt, sofern sie als ein dynamisches Ganzes betrachtet wird, und man nicht auf die Aggregation im Raume oder der Zeit, um sie als
B 447 eine Größe zustande zu bringen, sondern auf die Einheit im Dasein der Erscheinungen sieht. Da heißt nun die Bedingung von dem, was geschieht, die Ursache, und die unbedingte Kausalität der Ursache in der Erscheinung die Freiheit, die bedingte dagegen heißt im engeren Verstande Naturursache. Das Bedingte im Dasein überhaupt heißt zufällig, und das Unbedingte notwendig. Die unbedingte Notwendigkeit der Erscheinungen kann Naturnotwendigkeit heißen.
* Natur, adjektive (formaliter) genommen, bedeutet den Zusammenhang der Bestimmungen eines Dinges nach einem inneren Prinzip der Kausalität. Dagegen versteht man unter Natur, substantive (materialiter), den Inbegriff der Erscheinungen, sofern diese vermöge eines inneren Prinzips der Kausalität durchgängig zusammenhängen. Im ersteren Verstande spricht man von der Natur der flüssigen Materie, des Feuers etc., und bedient sich dieses Worts adjective; dagegen wenn man von den Dingen der Natur redet, so hat man ein bestehendes Ganzes in Gedanken.
Die Ideen, mit denen wir uns jetzt beschäftigen, habe ich oben kosmologische Ideen genannt, teils darum, weil unter Welt der Inbegriff aller Erscheinungen verstanden wird, und unsere Ideen auch nur auf das Unbedingte unter den Erscheinungen gerichtet sind, teils auch, weil das Wort Welt, im transzendentalen Verstande, die absolute Totalität des Inbegriffs existierender Dinge bedeutet, und wir auf die Vollständigkeit der Synthesis (wiewohl nur eigentlich im Regressus zu den Bedingungen) allein unser Augenmerk richten. In Betracht dessen, daß überdem diese Ideen insgesamt transzendent sind, und, ob sie zwar das Objekt, nämlich Erscheinungen, der Art nach nicht überschreiten, sondern es lediglich mit der Sinnenwelt (nicht mit Noumenis) zu tun haben, dennoch die Synthesis bis auf einen Grad, der alle mögliche Erfahrung übersteigt, treiben, so kann man sie insgesamt meiner Meinung nach ganz schicklich Weltbegriffe nennen. In Ansehung des Unterschiedes des
B 448 Mathematisch- und des Dynamischunbedingten, worauf der Regressus abzielt, würde ich doch die zwei ersteren in engerer Bedeutung Weltbegriffe (der Welt im Großen und Kleinen), die zwei übrigen aber transzendente Naturbegriffe nennen. Diese Unterscheidung ist vorjetzt noch nicht von sonderlicher Erheblichkeit, sie kann aber im Fortgange wichtiger werden.
Der Antinomie der reinen Vernunft Zweiter Abschnitt Antithetik der reinen Vernunft
Wenn Thetik ein jeder Inbegriff dogmatischer Lehren ist, so verstehe ich unter Antithetik nicht dogmatische Behauptungen des Gegenteils, sondern den Widerstreit der dem Scheine nach dogmatischen Erkenntnisse, (thesin cum antithesi), ohne daß man einer vor der anderen einen vorzüglichen Anspruch auf Beifall beilegt. Die Antithetik beschäftigt sich also gar nicht mit einseitigen Behauptungen, sondern betrachtet allgemeine Erkenntnisse der Vernunft nur nach dem Widerstreite derselben untereinander und den Ursachen desselben. Die transzendentale Antithetik ist eine Untersuchung über die Antinomie der reinen Vernunft, die Ursachen und das Resultat derselben. Wenn wir unsere Vernunft nicht bloß, zum Gebrauch der Verstandesgrundsätze, auf
B 449 Gegenstände der Erfahrung verwenden, sondern jene über die Grenze der letzteren hinaus auszudehnen wagen, so entspringen vernünftelnde Lehrsätze, die in der Erfahrung weder Bestätigung hoffen, noch Widerlegung fürchten dürfen, und deren jeder nicht allein an sich selbst ohne Widerspruch ist, sondern sogar in der Natur der Vernunft Bedingungen seiner Notwendigkeit antrifft, nur daß unglücklicherweise der Gegensatz ebenso gültige und notwendige Gründe der Behauptung auf seiner Seite hat.
Die Fragen, welche bei einer solchen Dialektik der reinen Vernunft sich natürlich darbieten, sind also: 1. Bei welchen Sätzen denn eigentlich die reine Vernunft einer Antinomie unausbleiblich unterworfen sei. 2. Auf welchen Ursachen diese Antinomie beruhe. 3. Ob und auf welche Art dennoch der Vernunft unter diesem Widerspruch ein Weg zur Gewißheit offen bleibe.
Ein dialektischer Lehrsatz der reinen Vernunft muß demnach dieses, ihn von allen sophistischen Sätzen unterscheidendes, an sich haben, daß er nicht eine willkürliche Frage betrifft, die man nur in gewisser beliebiger Absicht aufwirft, sondern eine solche, auf die jede menschliche Vernunft in ihrem Fortgange notwendig stoßen muß; und zweitens, daß er, mit seinem Gegensatze, nicht bloß einen gekünstelten Schein, der, wenn man ihn einsieht, sogleich verschwindet, sondern einen natürlichen und unvermeidlichen Schein bei sich führe, der selbst, wenn
B 450 man nicht mehr durch ihn hintergangen wird, noch immer täuscht, obschon nicht betrügt, und also zwar unschädlich gemacht, aber niemals vertilgt werden kann.
Eine solche dialektische Lehre wird sich nicht auf die Verstandeseinheit in Erfahrungsbegriffen, sondern auf die Vernunfteinheit in bloßen Ideen beziehen, deren Bedingungen, da sie erstlich, als Synthesis nach Regeln. dem Verstande, und doch zugleich, als absolute Einheit derselben, der Vernunft kongruieren soll, wenn sie der Vernunfteinheit adäquat ist, für den Verstand zu groß, und, wenn sie dem Verstande angemessen, für die Vernunft zu klein sein wird; woraus denn ein Widerstreit entspringen muß, der nicht vermieden werden kann, man mag es anfangen, wie man will.
Diese vernünftelnden Behauptungen eröffnen also einen dialektischen Kampfplatz, wo jeder Teil die Oberhand behält, der die Erlaubnis hat, den Angriff zu tun, und derjenige gewiß unterliegt, der bloß verteidigungsweise zu verfahren genötigt ist. Daher auch rüstige Ritter, sie mögen sich für die gute oder schlimme Sache verbürgen, sicher sind, den Siegeskranz davon zu tragen, wenn sie nur dafür sorgen, daß sie den letzten Angriff zu tun das Vorrecht haben, und nicht verbunden sind, einen neuen Anfall des Gegners auszuhalten. Man kann sich leicht vorstellen, daß dieser Tummelplatz von jeher oft genug betreten worden, daß viele Siege von beiden Seiten erfochten, für den letzteren aber,
B 451 der die Sache entschied, jederzeit so gesorgt worden sei, daß der Verfechter der guten Sache den Platz allein behielte, dadurch, daß seinem Gegner verboten wurde, fernerhin Waffen in die Hände zu nehmen. Als unparteiische Kampfrichter müssen wir es ganz beiseite setzen, ob es die gute oder die schlimme Sache sei, um welche die Streitenden fechten, und sie ihre Sache erst unter sich ausmachen lassen. Vielleicht daß, nachdem sie einander mehr ermüdet als geschadet haben, sie die Nichtigkeit ihres Streithandels von selbst einsehen und als gute Freunde auseinander gehen.
Diese Methode, einem Streite der Behauptungen zuzusehen, oder vielmehr ihn selbst zu veranlassen, nicht, um endlich zum Vorteile des einen oder des anderen Teils zu entscheiden, sondern, um zu untersuchen, ob der Gegenstand desselben nicht vielleicht ein bloßes Blendwerk sei, wonach jeder vergeblich hascht, und bei welchem er nichts gewinnen kann, wenn ihm gleich gar nicht widerstanden würde, dieses Verfahren, sage ich, kann man die skeptische Methode nennen. Sie ist vom Skeptizismus gänzlich unterschieden, einem Grundsatze einer kunstmäßigen und szientifischen Unwissenheit, welcher die Grundlagen aller Erkenntnis untergräbt, um, wo möglich, überall keine Zuverlässigkeit und Sicherheit derselben übrigzulassen. Denn die skeptische Methode geht auf Gewißheit, dadurch, daß sie in einem solchen, auf beiden Seiten redlich gemeinten und mit Verstande
B 452 geführten Streite, den Punkt des Mißverständnisses zu entdecken sucht, um, wie weise Gesetzgeber tun, aus der Verlegenheit der Richter bei Rechtshändeln für sich selbst Belehrung, von dem Mangelhaften und nicht genau Bestimmten in ihren Gesetzen, zu ziehen. Die Antinomie, die sich in der Anwendung der Gesetze offenbart, ist bei unserer eingeschränkten Weisheit der beste Prüfungsversuch der Nomothetik, um die Vernunft, die in abstrakter Spekulation ihre Fehltritte nicht leicht gewahr wird, dadurch auf die Momente in Bestimmung ihrer Grundsätze aufmerksam zu machen.
Diese skeptische Methode ist aber nur der Transzendentalphilosophie allein wesentlich eigen, und kann allenfalls in jedem anderen Felde der Untersuchungen, nur in diesem nicht, entbehrt werden. In der Mathematik würde ihr Gebrauch ungereimt sein; weil sich in ihr keine falschen Behauptungen verbergen und unsichtbar machen können, indem die Beweise jederzeit an dem Faden der reinen Anschauung, und zwar durch jederzeit evidente Synthesis fortgehen müssen. In der Experimentalphilosophie kann wohl ein Zweifel des Aufschubs nützlich sein, allein es ist doch wenigstens kein Mißverstand möglich, der nicht leicht gehoben werden könnte, und in der Erfahrung müssen doch endlich die letzten Mittel der Entscheidung des Zwistes liegen, sie mögen nun früh oder spät aufgefunden werden. Die Moral kann ihre
B 453 Grundsätze insgesamt auch in concreto, zusamt den praktischen Folgen, wenigstens in möglichen Erfahrungen geben und dadurch den Mißverstand der Abstraktion vermeiden. Dagegen sind die transzendentalen Behauptungen, welche selbst über das Feld aller möglichen Erfahrungen hinaus sich erweiternde Einsichten anmaßen, weder in dem Falle, daß ihre abstrakte Synthesis in irgendeiner Anschauung a priori könnte gegeben, noch so beschaffen, daß der Mißverstand vermittelst irgendeiner Erfahrung entdeckt werden könnte. Die transzendentale Vernunft also verstattet keinen anderen Probierstein, als den Versuch der Vereinigung ihrer Behauptungen unter sich selbst, und mithin zuvor des freien und ungehinderten Wettstreits derselben untereinander, und diesen wollen wir anjetzt anstellen.*
* Die Antinomien folgen einander nach der Ordnung der oben angeführten transzendentalen Ideen.
Die Antinomie der reinen Vernunft
B 454 Erster Widerstreit der transzendentalen Ideen
Thesis
Die Welt hat einen Anfang in der Zeit, und ist dem Raum nach auch in Grenzen eingeschlossen.
Beweis
Denn, man nehme an, die Welt habe der Zeit nach keinen Anfang: so ist bis zu jedem gegebenen Zeitpunkte eine Ewigkeit abgelaufen, und mithin eine unendliche Reihe aufeinander folgender Zustände der Dinge in der Welt verflossen. Nun besteht aber eben darin die Unendlichkeit einer Reihe, daß sie durch sukzessive Synthesis niemals vollendet sein kann. Also ist eine unendliche verflossene Weltreihe unmöglich, mithin ein Anfang der Welt eine notwendige Bedingung ihres Daseins; welches zuerst zu beweisen war.
In Ansehung des zweiten nehme man wiederum das Gegenteil an: so wird die Welt ein unendliches gegebenes Ganzes von zugleich existierenden Dingen sein. Nun können wir die Größe eines Quanti, welches nicht innerhalb gewisser Grenzen jeder Anschauung gegeben wird,* auf
B 456 keine andere Art, als nur durch die Synthesis der Teile, und die Totalität eines solchen Quanti nur durch die vollendete Synthesis, oder durch wiederholte Hinzusetzung der Einheit zu sich selbst, gedenken.** Demnach, um sich die Welt, die alle Räume erfüllt, als ein Ganzes zu denken, müßte die sukzessive Synthesis der Teile einer unendlichen Welt als vollendet angesehen, d.i., eine unendliche Zeit müßte, in der Durchzählung aller koexistierenden Dinge, als abgelaufen angesehen werden; welches unmöglich ist. Demnach kann ein unendliches Aggregat wirklicher Dinge, nicht als ein gegebenes Ganzes, mithin auch nicht als zugleich gegeben, angesehen werden. Eine Welt ist folglich, der Ausdehnung im Raume nach, nicht unendlich, sondern in ihren Grenzen eingeschlossen, welches das zweite war.
* Wir können ein unbestimmtes Quantum als ein Ganzes anschauen, wenn es in Grenzen eingeschlossen ist, ohne die Totalität desselben durch Messung, d.i. die sukzessive Synthesis seiner Teile, konstruieren zu dürfen. Denn die Grenzen bestimmen schon die Vollständigkeit, indem sie alles Mehreres abschneiden.
** Der Begriff der Totalität ist in diesem Falle nichts anderes, als die Vorstellung der vollendeten Synthesis, seiner Teile, weil, da wir nicht von der Anschauung des Ganzen (als welche in diesem Falle unmöglich ist) den Begriff abziehen können, wir diesen nur durch die Synthesis der Teile, bis zur Vollendung des Unendlichen, wenigstens in der Idee fassen können.
B 455 Antithesis
Die Welt hat keinen Anfang, und keine Grenzen im Raume, sondern ist, sowohl in Ansehung der Zeit, als des Raumes, unendlich.
Beweis
Denn man setze: sie habe einen Anfang. Da der Anfang ein Dasein ist, wovor eine Zeit vorhergeht, darin das Ding nicht ist, so muß eine Zeit vorhergegangen sein, darin die Welt nicht war, d.i. eine leere Zeit. Nun ist aber in einer leeren Zeit kein Entstehen irgend eines Dinges möglich; weil kein Teil einer solchen Zeit vor einem anderen irgendeine unterscheidende Bedingung des Daseins, vor die des Nichtseins, an sich hat (man mag annehmen, daß sie von sich selbst, oder durch eine andere Ursache entstehe). Also kann zwar in der Welt manche Reihe der Dinge anfangen, die Welt selber aber kann keinen Anfang haben, und ist also in Ansehung der vergangenen Zeit unendlich.
Was das zweite betrifft, so nehme man zuvörderst das Gegenteil an, daß nämlich die Welt dem Raume nach endlich und begrenzt ist; so befindet sie sich in einem leeren Raum, der nicht begrenzt ist. Es würde also nicht allein ein Verhältnis der Dinge im Raum, sondern auch der Dinge zum Raume angetroffen werden. Da nun die Welt ein absolutes Ganzes ist, außer welchem kein
B 457 Gegenstand der Anschauung, und mithin kein Korrelatum der Welt, angetroffen wird, womit dieselbe im Verhältnis stehe, so würde das Verhältnis der Welt zum leeren Raum ein Verhältnis derselben zu keinem Gegenstande sein. Ein dergleichen Verhältnis aber, mithin auch die Begrenzung der Welt durch den leeren Raum, ist nichts; also ist die Welt, dem Raume nach, gar nicht begrenzt, d.i. sie ist in Ansehung der Ausdehnung unendlich.*
* Der Raum ist bloß die Form der äußeren Anschauung (formale Anschauung), aber kein wirklicher Gegenstand, der äußerlich angeschaut werden kann. Der Raum, vor allen Dingen, die ihn bestimmen (erfüllen oder begrenzen), oder die vielmehr eine seiner Form gemäße empirische Anschauung geben, ist, unter dem Namen des absoluten Raumes, nichts anderes, als die bloße Möglichkeit äußerer Erscheinungen, sofern sie entweder an sich existieren, oder zu gegebenen Erscheinungen noch hinzukommen können. Die empirische Anschauung ist also nicht zusammengesetzt aus Erscheinungen und dem Raume (der Wahrnehmung und der leeren Anschauung). Eines ist nicht des anderen Korrelatum der Synthesis, sondern nur in einer und derselben empirischen Anschauung verbunden, als Materie und Form derselben. Will man eines dieser zwei Stücke außer dem anderen setzen (Raum außerhalb allen Erscheinungen), so entstehen daraus allerlei leere Bestimmungen der äußeren Anschauung, die doch nicht mögliche Wahrnehmungen sind. Z.B. Bewegung oder Ruhe der Welt im unendlichen leeren Raum, eine Bestimmung des Verhältnisses beider untereinander, welche niemals wahrgenommen werden kann, und also auch das Prädikat eines bloßen Gedankendinges ist.
B 458 Anmerkung zur ersten Antinomie I. zur Thesis
Ich habe bei diesen einander widerstreitenden Argumenten nicht Blendwerke gesucht, um etwa (wie man sagt) einen Advokatenbeweis zu führen, welcher sich der Unbehutsamkeit des Gegners zu seinem Vorteile bedient, und seine Berufung auf ein mißverstandenes Gesetz gerne gelten läßt, um seine eigenen unrechtmäßigen Ansprüche auf die Widerlegung desselben zu bauen. Jeder dieser Beweise ist aus der Sache Natur gezogen und der Vorteil beiseite gesetzt worden, den uns die Fehlschlüsse der Dogmatiker von beiden Teilen geben könnten.
Ich hätte die Thesis auch dadurch dem Scheine nach beweisen können, daß ich von der Unendlichkeit einer gegebenen Größe, nach der Gewohnheit der Dogmatiker, einen fehlerhaften Begriff vorangeschickt hätte. Unendlich ist eine Größe, über die keine größere (d.i. über die darin enthaltene Menge einer gegebenen Einheit) möglich ist. Nun ist keine Menge die größte, weil noch immer eine oder mehrere Einheiten hinzugetan werden können. Also ist eine unendliche gegebene Größe, mithin auch eine (der verflossenen Reihe sowohl, als der Ausdehnung nach) unendliche Welt unmöglich: sie ist also beiderseitig begrenzt. So hätte ich meinen Beweis führen können: allein dieser Begriff stimmt nicht mit dem, was man unter einem unendlichen Ganzen versteht. Es wird dadurch nicht vorgestellt, wie groß es sei, mithin ist sein Begriff auch nicht der Begriff eines Maximum, sondern es wird dadurch nur
B 460 sein Verhältnis zu einer beliebig anzunehmenden Einheit, in Ansehung deren dasselbe größer ist als alle Zahl, gedacht. Nachdem die Einheit nun größer oder kleiner angenommen wird, würde das Unendliche größer oder kleiner sein; allein die Unendlichkeit, da sie bloß in dem Verhältnisse zu dieser gegebenen Einheit besteht, würde immer dieselbe bleiben, obgleich freilich die absolute Größe des Ganzen dadurch gar nicht erkannt würde, davon auch hier nicht die Rede ist.
Der wahre (transzendentale) Begriff der Unendlichkeit ist: daß die sukzessive Synthesis der Einheit in Durchmessung eines Quantum niemals vollendet sein kann.* Hieraus folgt ganz sicher, daß eine Ewigkeit wirklicher aufeinanderfolgenden Zustände bis zu einem gegebenen (dem gegenwärtigen) Zeitpunkte nicht verflossen sein kann, die Welt also einen Anfang haben müsse.
* Dieses enthält dadurch eine Menge (von gegebener Einheit), die größer ist als alle Zahl, welches der mathematische Begriff des Unendlichen ist.
In Ansehung des zweiten Teils der Thesis fällt die Schwierigkeit, von einer unendlichen und doch abgelaufenen Reihe zwar weg; denn das Mannigfaltige einer der Ausdehnung nach unendlichen Welt ist zugleich gegeben. Allein, um die Totalität einer solchen Menge zu denken, da wir uns nicht auf Grenzen berufen können, welche diese Totalität von selbst in der Anschauung ausmachen, müssen wir von unserem Begriffe Rechenschaft geben, der in solchem Falle nicht vom Ganzen zu der bestimmten Menge der Teile gehen kann, sondern die Möglichkeit eines Ganzen durch die sukzessive Synthesis der Teile dartun muß. Da diese Synthesis nun eine nie zu vollendende Reihe ausmachen müßte; so kann man sich nicht vor ihr, und mithin auch nicht durch sie, eine Totalität denken. Denn der Begriff der Totalität selbst ist in diesem Falle die Vorstellung einer vollendeten Synthesis der Teile, und diese Vollendung, mithin auch der Begriff derselben, ist unmöglich.
B 459 II. Anmerkung zur Antithesis
Der Beweis für die Unendlichkeit der gegebenen Weltreihe und des Weltinbegriffs beruht darauf: daß im entgegengesetzten Falle eine leere Zeit, imgleichen ein leerer Raum, die Weltgrenze ausmachen müßte. Nun ist mir nicht unbekannt, daß wider diese Konsequenz Ausflüchte gesucht werden, indem man vorgibt: es sei eine Grenze der Welt, der Zeit und dem Raume nach, ganz wohl möglich, ohne daß man eben eine absolute Zeit vor der Welt Anfang, oder einen absoluten, außer der wirklichen Welt ausgebreiteten Raum annehmen dürfe; welches unmöglich ist. Ich bin mit dem letzteren Teile dieser Meinung der Philosophen aus der Leibnitzischen Schule ganz wohl zufrieden. Der Raum ist bloß die Form der äußeren Anschauung, aber kein wirklicher Gegenstand, der äußerlich angeschaut werden kann, und kein Korrelatum der Erscheinungen, sondern die Form der Erscheinungen selbst. Der Raum also kann absolut (für sich allein) nicht als etwas Bestimmendes in dem Dasein der Dinge vorkommen, weil er gar kein Gegenstand ist, sondern nur die Form möglicher Gegenstände. Dinge also, als Erscheinungen, bestimmen wohl den Raum, d.i. unter allen möglichen Prädikaten desselben (Größe und Verhältnis) machen sie es, daß diese oder jene zur Wirklichkeit gehören; aber umgekehrt kann der Raum, als etwas, welches für sich besteht, die Wirklichkeit der Dinge in Ansehung der Größe oder Gestalt nicht bestimmen, weil er an sich selbst nichts Wirkliches ist. Es kann also wohl ein Raum (er sei voll oder leer)* durch Erscheinungen begrenzt,
B 461 Erscheinungen aber können nicht durch einen leeren Raum außer denselben begrenzt werden. Eben dieses gilt auch von der Zeit. Alles dieses nun zugegeben, so ist gleichwohl unstreitig, daß man diese zwei Undinge, den leeren Raum außer und die leere Zeit vor der Welt, durchaus annehmen müsse, wenn man eine Weltgrenze, es sei dem Raume oder der Zeit nach, annimmt.
* Man bemerkt leicht, daß hierdurch gesagt werden wolle: der leere Raum, sofern er durch Erscheinungen begrenzt wird, mithin derjenige innerhalb der Welt, widerspreche wenigstens nicht den transzendentalen Prinzipien, und könne also in Ansehung dieser eingeräumt (obgleich darum seine Möglichkeit nicht sofort behauptet werden).
Denn was den Ausweg betrifft, durch den man der Konsequenz auszuweichen sucht, nach welcher wir sagen: daß, wenn die Welt (der Zeit und dem Raum nach) Grenzen hat, das unendliche Leere das Dasein wirklicher Dinge ihrer Größe nach bestimmen müsse, so besteht er insgeheim nur darin: daß man statt einer Sinnenwelt sich, wer weiß welche, intelligible Welt gedenkt, und, statt des ersten Anfanges, (ein Dasein, vor welchem eine Zeit des Nichtseins vorhergeht) sich überhaupt ein Dasein denkt, welches keine andere Bedingung in der Welt voraussetzt, statt der Grenze der Ausdehnung, Schranken des Weltganzen denkt, und dadurch der Zeit und dem Raume aus dem Wege geht. Es ist hier aber nur von dem mundus phaenomenon die Rede, und von dessen Größe, bei dem man von gedachten Bedingungen der Sinnlichkeit keineswegs abstrahieren kann, ohne das Wesen desselben aufzuheben. Die Sinnenwelt, wenn sie begrenzt ist, liegt notwendig in dem unendlichen Leeren. Will man dieses, und mithin den Raum überhaupt als Bedingung der Möglichkeit der Erscheinungen a priori weglassen, so fällt die ganze Sinnenwelt weg. In unserer Aufgabe ist uns diese allein gegeben. Der mundus intelligibilis ist nichts als der allgemeine Begriff einer Welt überhaupt, in welchem man von allen Bedingungen der Anschauung derselben abstrahiert, und in Ansehung dessen folglich gar kein synthetischer Satz, weder bejahend, noch verneinend möglich ist.
Der Antinomie der reinen Vernunft
B 462 Zweiter Widerstreit der transzendentalen Ideen
Thesis
Eine jede zusammengesetzte Substanz in der Welt besteht aus einfachen Teilen, und es existiert überall nichts als das Einfache, oder das, was aus diesem zusammengesetzt ist.
Beweis
Denn, nehmet an, die zusammengesetzten Substanzen beständen nicht aus einfachen Teilen; so würde wenn alle Zusammensetzung in Gedanken aufgehoben würde, kein zusammengesetzter Teil, und (da es keine einfachen Teile gibt) auch kein einfacher, mithin gar nichts übrigbleiben, folglich keine Substanz sein gegeben worden. Entweder also läßt sich unmöglich alle Zusammensetzung in Gedanken aufheben, oder es muß nach deren Aufhebung etwas ohne alle Zusammensetzung Bestehendes, d.i. das Einfache, übrigbleiben. Im ersteren Falle aber würde das Zusammengesetzte wiederum nicht aus Substanzen bestehen (weil bei diesen die Zusammensetzung nur eine zufällige Relation der Substanzen ist, ohne welche diese, als für sich beharrliche Wesen, bestehen müssen). Da nun
B 464 dieser Fall der Voraussetzung widerspricht, so bleibt nur der zweite übrig: daß nämlich das substantielle Zusammengesetzte in der Welt aus einfachen Teilen bestehe.
Hieraus folgt unmittelbar, daß die Dinge der Welt insgesamt einfache Wesen sind, daß die Zusammensetzung nur ein äußerer Zustand derselben sei, und daß, wenn wir die Elementarsubstanzen gleich niemals völlig aus diesem Zustande der Verbindung setzen und isolieren können, doch die Vernunft sie als die ersten Subjekte aller Komposition, und mithin, vor derselben, als einfache Wesen denken müsse.
B 463 Antithesis
Kein zusammengesetztes Ding in der Welt besteht aus einfachen Teilen, und es existiert überall nichts Einfaches in derselben.
Beweis
Setzet: ein zusammengesetztes Ding (als Substanz) bestehe aus einfachen Teilen. Weil alles äußere Verhältnis, mithin auch alle Zusammensetzung aus Substanzen, nur im Raume möglich ist: so muß, aus so viel Teilen das Zusammengesetzte besteht, aus ebensoviel Teilen auch der Raum bestehen, den es einnimmt. Nun besteht der Raum nicht aus einfachen Teilen, sondern aus Räumen. Also muß jeder Teil des Zusammengesetzten einen Raum einnehmen. Die schlechthin ersten Teile aber alles Zusammengesetzten sind einfach. Also nimmt das Einfache einen Raum ein. Da nun alles Reale, was einen Raum einnimmt, ein außerhalb einander befindliches Mannigfaltiges in sich faßt, mithin zusammengesetzt ist, und zwar als ein reales Zusammengesetztes, nicht aus Akzidenzen, (denn die können nicht ohne Substanz außereinander sein,) mithin aus Substanzen; so würde das Einfache ein substantielles Zusammengesetztes sein, welches sich widerspricht.
Der zweite Satz der Antithesis, daß in der Welt gar nichts Einfaches existiere, soll hier nur so viel
B 465 bedeuten, als: Es könne das Dasein des schlechthin Einfachen aus keiner Erfahrung oder Wahrnehmung, weder äußeren, noch inneren, dargetan werden, und das schlechthin Einfache sei also eine bloße Idee, deren objektive Realität niemals in irgend einer möglichen Erfahrung kann dargetan werden, mithin in der Exposition der Erscheinungen ohne alle Anwendung und Gegenstand. Denn wir wollen annehmen, es ließe sich für diese transzendentale Idee ein Gegenstand der Erfahrung finden: so müßte die empirische Anschauung irgendeines Gegenstandes als eine solche erkannt werden, welche schlechthin kein Mannigfaltiges außerhalb einander, und zur Einheit verbunden, enthält. Da nun von dem Nichtbewußtsein eines solchen Mannigfaltigen auf die gänzliche Unmöglichkeit desselben in irgendeiner Anschauung eines Objekts, kein Schluß gilt, dieses letztere aber zur absoluten Simplizität durchaus nötig ist, so folgt, daß diese aus keiner Wahrnehmung, welche sie auch sei, könne geschlossen werden. Da also etwas als ein schlechthin einfaches Objekt niemals in irgend einer möglichen Erfahrung kann gegeben werden, die Sinnenwelt aber als der Inbegriff aller möglichen Erfahrungen angesehen werden muß: so ist überall in ihr nichts Einfaches gegeben.
Dieser zweite Satz der Antithesis geht viel weiter als der erste, der das Einfache nur von der Anschauung des Zusammengesetzten verbannt, da hingegen dieser es aus der ganzen Natur wegschafft; daher er auch nicht aus dem Begriffe eines gegebenen Gegenstandes der äußeren Anschauung (des Zusammengesetzten), sondern aus dem Verhältnis desselben zu einer möglichen Erfahrung überhaupt hat bewiesen werden können.
B 466 Anmerkung zur zweiten Antinomie I. zur Thesis
Wenn ich von einem Ganzen rede, welches notwendig aus einfachen Teilen besteht, so verstehe ich darunter nur ein substantielles Ganzes als das eigentliche Kompositum, d.i. die zufällige Einheit des Mannigfaltigen, welches abgesondert (wenigstens in Gedanken) gegeben, in eine wechselseitige Verbindung gesetzt wird, und dadurch Eines ausmacht. Den Raum sollte man eigentlich nicht Kompositium, sondern Totum nennen, weil die Teile desselben nur im Ganzen und nicht das Ganze durch die Teile möglich ist. Er würde allenfalls ein compositum ideale, aber nicht reale heißen können. Doch dieses ist nur Subtilität. Da der Raum kein Zusammengesetztes aus Substanzen (nicht einmal aus realen Akzidenzen) ist, so muß, wenn ich alle Zusammensetzung in ihm aufhebe, nichts, auch nicht einmal der Punkt übrigbleiben; denn dieser ist nur als die Grenze eines Raumes, (mithin eines Zusammengesetzten) möglich. Raum und
B 468 Zeit bestehen also nicht aus einfachen Teilen. Was nur zum Zustande einer Substanz gehört, ob es gleich eine Größe hat (z.B. die Veränderung), besteht auch nicht aus dem Einfachen, d.i. ein gewisser Grad der Veränderung entsteht nicht durch einen Anwachs vieler einfachen Veränderungen. Unser Schluß vom Zusammengesetzten auf das Einfache gilt nur von für sich selbst bestehenden Dingen. Akzidenzen aber des Zustandes, bestehen nicht für sich selbst. Man kann also den Beweis für die Notwendigkeit des Einfachen, als der Bestandteile alles substantiellen Zusammengesetzten, und dadurch überhaupt seine Sache leichtlich verderben, wenn man ihn zu weit ausdehnt und ihn für alles Zusammengesetzte ohne Unterschied geltend machen will, wie es wirklich mehrmalen schon geschehen ist.
Ich rede übrigens hier nur von dem Einfachen, sofern es notwendig im Zusammengesetzten gegeben ist, indem dieses darin, als in seine Bestandteile, aufgelöst werden kann. Die eigentliche Bedeutung des Wortes
B 470 Monas (nach Leibnitzens Gebrauch) sollte wohl nur auf das Einfache gehen, welches unmittelbar als einfache Substanz gegeben ist (z.B. im Selbstbewußtsein) und nicht als Element des Zusammengesetzten, welches man besser den Atomus nennen könnte. Und da ich nur in Ansehung des Zusammengesetzten die einfachen Substanzen, als deren Elemente, beweisen will, so könnte ich die Antithese der zweiten Antinomie die transzendentale Atomistik nennen. Weil aber dieses Wort schon vorlängst zur Bezeichnung einer besonderen Erklärungsart körperlicher Erscheinungen (molecularum) gebraucht worden, und also empirische Begriffe voraussetzt, so mag er der dialektische Grundsatz der Monadologie heißen.
B 467 II. Anmerkung zur Antithesis
Wider diesen Satz einer unendlichen Teilung der Materie, dessen Beweisgrund bloß mathematisch ist, werden von den Monadisten Einwürfe vorgebracht, welche sich dadurch schon verdächtig machen, daß sie die klarsten mathematischen Beweise nicht für Einsichten in die Beschaffenheit des Raumes, sofern er in der Tat die formale Bedingung der Möglichkeit aller Materie ist, wollen gelten lassen, sondern sie nur als Schlüsse aus abstrakten aber willkürlichen Begriffen ansehen, die auf wirkliche Dinge nicht bezogen werden könnten. Gleich als wenn es auch nur möglich wäre, eine andere Art der Anschauung zu erdenken, als die in der ursprünglichen Anschauung des Raumes gegeben wird, und die Bestimmungen desselben a priori nicht zugleich alles dasjenige beträfen, was dadurch allein möglich ist, daß es diesen Raum erfüllt. Wenn man ihnen Gehör gibt, so müßte man, außer dem mathematischen Punkte, der einfach, aber kein Teil, sondern bloß die Grenze eines Raumes ist, sich noch physische Punkte denken, die zwar auch einfach sind, aber den Vorzug haben, als Teile des Raumes, durch ihre bloße Aggregation denselben zu erfüllen. Ohne nun hier die gemeinen und klaren Widerlegungen dieser Ungereimtheit, die man in Menge antrifft, zu wiederholen, wie es denn gänzlich umsonst ist, durch bloß diskursive Begriffe die Evidenz der Mathematik weg vernünfteln zu wollen, so bemerke ich nur, daß, wenn die Philosophie hier mit der Mathematik
B 469 schikaniert, es darum geschehe, weil sie vergißt, daß es in dieser Frage nur um Erscheinungen und deren Bedingung zu tun sei. Hier ist es aber nicht genug, zum reinen Verstandesbegriffe des Zusammengesetzten den Begriff des Einfachen, sondern zur Anschauung des Zusammengesetzten (der Materie) die Anschauung des Einfachen zu finden, und dieses ist nach Gesetzen der Sinnlichkeit, mithin auch bei Gegenständen der Sinne, gänzlich unmöglich. Es mag also von einem Ganzen aus Substanzen, welches bloß durch den reinen Verstand gedacht wird, immer gelten, daß wir vor aller Zusammensetzung desselben das Einfache haben müssen; so gilt dieses doch nicht vom totum substantiale phaenomenon, welches, als empirische Anschauung im Raume, die notwendige Eigenschaft bei sich führt, daß kein Teil desselben einfach ist, darum, weil kein Teil des Raumes einfach ist. Indessen sind die Monadisten fein genug gewesen, dieser Schwierigkeit dadurch ausweichen zu wollen, daß sie nicht den Raum als eine Bedingung der Möglichkeit der Gegenstände äußerer Anschauung (Körper), sondern diese, und das dynamische Verhältnis der Substanzen überhaupt, als die Bedingung der Möglichkeit des Raumes voraussetzen. Nun haben wir von Körpern nur als Erscheinungen einen Begriff, als solche aber setzen sie den Raum als die Bedingung der Möglichkeit aller äußeren Erscheinung notwendig voraus, und die Ausflucht ist also vergeblich, wie sie denn auch oben in der transzendentalen Ästhetik hinreichend ist abgeschnitten worden. Wären sie Dinge an sich selbst, so würde der Beweis der Monadisten allerdings gelten.
B 471 Die zweite dialektische Behauptung hat das Besondere an sich, daß sie eine dogmatische Behauptung wider sich hat, die unter allen vernünftelnden die einzige ist, welche sich unternimmt, an einem Gegenstande der Erfahrung die Wirklichkeit dessen, was wir oben bloß zu transzendentalen Ideen rechneten, nämlich die absolute Simplizität der Substanz, augenscheinlich zu beweisen: nämlich daß der Gegenstand des inneren Sinnes, das Ich, was da denkt, eine schlechthin einfache Substanz sei. Ohne mich hierauf jetzt einzulassen, (da es oben ausführlicher erwogen ist,) so bemerke ich nur: daß wenn etwas bloß als Gegenstand gedacht wird, ohne irgendeine synthetische Bestimmung seiner Anschauung hinzuzusetzen, (wie denn dieses durch die ganz nackte Vorstellung: Ich, geschieht,) so könne freilich nichts Mannigfaltiges und keine Zusammensetzung in einer solchen Vorstellung wahrgenommen werden. Da überdem die Prädikate, wodurch ich diesen Gegenstand denke, bloß Anschauungen des inneren Sinnes sind, so kann darin auch nichts vorkommen, welches ein Mannigfaltiges außerhalb einander, mithin reale Zusammensetzung bewiese. Es bringt also nur das Selbstbewußtsein es so mit sich, daß, weil das Subjekt, welches denkt, zugleich sein eigenes Objekt ist, es sich selber nicht teilen kann (obgleich die ihm inhärierenden Bestimmungen); denn in Ansehung seiner selbst ist jeder Gegenstand absolute Einheit. Nichtsdestoweniger, wenn dieses Subjekt äußerlich, als ein Gegenstand der Anschauung, betrachtet wird, so würde es doch wohl Zusammensetzung in der Erscheinung an sich zeigen. So muß es aber jederzeit betrachtet werden, wenn man wissen will, ob in ihm ein Mannigfaltiges außerhalb einander sei, oder nicht.
Der Antinomie der reinen Vernunft
B 472 Dritter Widerstreit der transzendentalen Ideen
Thesis
Die Kausalität nach Gesetzen der Natur ist nicht die einzige, aus welcher die Erscheinungen der Welt insgesamt abgeleitet werden können. Es ist noch eine Kausalität durch Freiheit zur Erklärung derselben anzunehmen notwendig.
Beweis
Man nehme an, es gebe keine andere Kausalität, als nach Gesetzen der Natur; so setzt alles, was geschieht, einen vorigen Zustand voraus, auf den es unausbleiblich nach einer Regel folgt. Nun muß aber der vorige Zustand selbst etwas sein, was geschehen ist (in der Zeit geworden, da es vorher nicht war), weil, wenn es jederzeit gewesen wäre, seine Folge auch nicht allererst entstanden, sondern immer gewesen sein würde. Also ist die Kausalität der Ursache, durch welche etwas geschieht, selbst etwas Geschehenes, welches nach dem Gesetz der Natur wiederum einen vorigen Zustand und dessen Kausalität, dieser aber eben so einen noch älteren voraussetzt usw. Wenn also alles nach bloßen Gesetzen der Natur geschieht, so gibt es jederzeit nur einen subalternen, niemals aber
B 474 einen ersten Anfang, und also überhaupt keine Vollständigkeit der Reihe auf der Seite der voneinander abstammenden Ursachen. Nun besteht aber eben darin das Gesetz der Natur: daß ohne hinreichend a priori bestimmte Ursache nichts geschehe. Also widerspricht der Satz, als wenn alle Kausalität nur nach Naturgesetzen möglich sei, sich selbst in seiner unbeschränkten Allgemeinheit, und diese kann also nicht als die einzige angenommen werden.
Diesem nach muß eine Kausalität angenommen werden, durch welche etwas geschieht, ohne daß die Ursache davon noch weiter, durch eine andere vorhergehende Ursache, nach notwendigen Gesetzen bestimmt sei, d.i. eine absolute Spontaneität der Ursachen, eine Reihe von Erscheinungen, die nach Naturgesetzen läuft, von selbst anzufangen, mithin transzendentale Freiheit, ohne welche selbst im Laufe der Natur die Reihenfolge der Erscheinungen auf der Seite der Ursachen niemals vollständig ist.
B 473 Antithesis
Es ist keine Freiheit, sondern alles in der Welt geschieht lediglich nach Gesetzen der Natur.
Beweis
Setzet: es gehe eine Freiheit im transzendentalen Verstande, als eine besondere Art von Kausalität, nach welcher die Begebenheiten der Welt erfolgen könnten, nämlich ein Vermögen, einen Zustand, mithin auch eine Reihe von Folgen desselben, schlechthin anzufangen; so wird nicht allein eine Reihe durch diese Spontaneität, sondern die Bestimmung dieser Spontaneität selbst zur Hervorbringung der Reihe, d.i. die Kausalität, wird schlechthin anfangen, so daß nichts vorhergeht, wodurch diese geschehende Handlung nach beständigen Gesetzen bestimmt sei. Es setzt aber ein jeder Anfang zu handeln einen Zustand der noch nicht handelnden Ursache voraus, und ein dynamisch erster Anfang der Handlung einen Zustand, der mit dem vorhergehenden eben derselben Ursache gar keinen Zusammenhang der Kausalität hat, d.i. auf keine Weise daraus erfolgt. Also ist die transzendentale Freiheit dem Kausalgesetze entgegen, und eine solche Verbindung der
B 475 sukzessiven Zustände wirkender Ursachen, nach welcher keine Einheit der Erfahrung möglich ist, die also auch in keiner Erfahrung angetroffen wird, mithin ein leeres Gedankending.
Wir haben also nichts als Natur, in welcher wir den Zusammenhang und Ordnung der Weltbegebenheiten suchen müssen. Die Freiheit (Unabhängigkeit) von den Gesetzen der Natur, ist zwar eine Befreiung vom Zwange, aber auch vom Leitfaden aller Regeln. Denn man kann nicht sagen, daß, anstatt der Gesetze der Natur, Gesetze der Freiheit in die Kausalität des Weltlaufs eintreten, weil, wenn diese nach Gesetzen bestimmt wäre, sie nicht Freiheit, sondern selbst nichts anderes als Natur wäre. Natur also und transzendentale Freiheit unterscheiden sich wie Gesetzmäßigkeit und Gesetzlosigkeit, davon jene zwar den Verstand mit der Schwierigkeit belästigt, die Abstammung der Begebenheiten in der Reihe der Ursachen immer höher hinauf zu suchen, weil die Kausalität an ihnen jederzeit bedingt ist, aber zur Schadloshaltung durchgängige und gesetzmäßige Einheit der Erfahrung verspricht, dahingegen das Blendwerk von Freiheit zwar dem forschenden Verstande in der Kette der Ursachen Ruhe verheißt, indem sie ihn zu einer unbedingten Kausalität führt, die von selbst zu handeln anhebt, die aber, da sie selbst blind ist, den Leitfaden der Regeln abreißt, an welchem allein eine durchgängig zusammenhängende Erfahrung möglich ist.
B 476 Anmerkung zur dritten Antinomie I. zur Thesis
Die transzendentale Idee der Freiheit macht zwar bei weitem nicht den ganzen Inhalt des psychologischen Begriffs dieses Namens aus, welcher großenteils empirisch ist, sondern nur den der absoluten Spontaneität der Handlung, als den eigentlichen Grund der Imputabilität derselben; ist aber dennoch der eigentliche Stein des Anstoßes für die Philosophie, welche unüberwindliche Schwierigkeiten findet, dergleichen Art von unbedingter Kausalität einzuräumen. Dasjenige also in der Frage über die Freiheit des Willens, was die spekulative Vernunft von jeher in so große Verlegenheit gesetzt hat, ist eigentlich nur transzendental, und geht lediglich darauf, ob ein Vermögen angenommen werden müsse, eine Reihe von sukzessiven Dingen oder Zuständen von selbst anzufangen. Wie ein solches möglich sei, ist nicht ebenso notwendig beantworten zu können, da wir uns ebensowohl bei der Kausalität nach Naturgesetzen damit begnügen müssen, a priori zu erkennen, daß eine solche vorausgesetzt werden müsse, ob wir gleich die Möglichkeit, wie durch ein gewisses Dasein das Dasein eines anderen gesetzt werde, auf keine Weise begreifen, und uns desfalls lediglich an die Erfahrung halten müssen. Nun haben wir diese Notwendigkeit eines ersten Anfangs einer Reihe von Erscheinungen aus Freiheit, zwar nur eigentlich insofern dargetan, als zur Begreiflichkeit eines Ursprungs der Welt erforderlich ist, indessen daß man alle nachfolgenden Zustände für eine Abfolge nach bloßen Naturgesetzen
B 478 nehmen kann. Weil aber dadurch doch einmal das Vermögen, eine Reihe in der Zeit ganz von selbst anzufangen, bewiesen (obzwar nicht eingesehen) ist, so ist es uns nunmehr auch erlaubt, mitten im Laufe der Welt verschiedene Reihen, der Kausalität nach, von selbst anfangen zu lassen, und den Substanzen derselben ein Vermögen beizulegen, aus Freiheit zu handeln. Man lasse sich aber hierbei nicht durch einen Mißverstand aufhalten: daß, da nämlich eine sukzessive Reihe in der Welt nur einen komparativ ersten Anfang haben kann, indem doch immer ein Zustand der Dinge in der Welt vorhergeht, etwa kein absolut erster Anfang der Reihen während dem Weltlaufe möglich sei. Denn wir reden hier nicht vom absolut ersten Anfange der Zeit nach, sondern der Kausalität nach. Wenn ich jetzt (zum Beispiel) völlig frei, und ohne den notwendig bestimmenden Einfluß der Naturursachen, von meinem Stuhle aufstehe, so fängt in dieser Begebenheit, samt deren natürlichen Folgen ins Unendliche, eine neue Reihe schlechthin an, obgleich der Zeit nach diese Begebenheit nur die Fortsetzung einer vorhergehenden Reihe ist. Denn diese Entschließung und Tat liegt gar nicht in der Abfolge bloßer Naturwirkungen, und ist nicht eine bloße Fortsetzung derselben, sondern die bestimmenden Naturursachen hören oberhalb derselben, in Ansehung dieser Ereignis, ganz auf, die zwar auf jene folgt, aber daraus nicht erfolgt, und daher zwar nicht der Zeit nach, aber doch in Ansehung der Kausalität, ein schlechthin erster Anfang einer Reihe von Erscheinungen genannt werden muß.
Die Bestätigung von der Bedürfnis der Vernunft, in der Reihe der Naturursachen sich auf einen ersten Anfang aus Freiheit zu berufen, leuchtet daran sehr klar in die Augen: daß (die epikurische Schule ausgenommen) alle Philosophen des Altertums sich gedrungen sahen, zur Erklärung der Weltbewegungen einen ersten Beweger anzunehmen, d.i. eine freihandelnde Ursache, welche diese Reihe von Zuständen zuerst und von selbst anfing. Denn aus bloßer Natur unterfangen sie sich nicht, einen ersten Anfang begreiflich zu machen.
B 477 II. Anmerkung zur Antithesis
Der Verteidiger der Allvermögenheit der Natur (transzendentale Physiokratie), im Widerspiel mit der Lehre von der Freiheit, würde seinen Satz, gegen die vernünftelnden Schlüsse der letzteren, auf folgende Art behaupten. Wenn ihr kein mathematisch Erstes der Zeit nach in der Welt annehmt, so habt ihr auch nicht nötig, ein dynamisch Erstes der Kausalität nach zu suchen. Wer hat euch geheißen, einen schlechthin ersten Zustand der Welt, und mithin einen absoluten Anfang der nach und nach ablaufenden Reihe der Erscheinungen, zu erdenken, und, damit ihr eurer Einbildung einen Ruhepunkt verschaffen möget, der unumschränkten Natur Grenzen zu setzen? Da die Substanzen in der Welt jederzeit gewesen sind, wenigstens die Einheit der Erfahrung eine solche Voraussetzung notwendig macht, so hat es keine Schwierigkeit, auch anzunehmen, daß der Wechsel ihrer Zustände, d.i. eine Reihe ihrer Veränderungen, jederzeit gewesen sei, und mithin kein erster Anfang, weder mathematisch, noch dynamisch, gesucht werden dürfe. Die Möglichkeit einer solchen unendlichen Abstammung, ohne ein erstes Glied, in Ansehung dessen alles übrige bloß nachfolgend ist, läßt sich, seiner Möglichkeit nach, nicht begreiflich machen. Aber wenn ihr diese Naturrätsel darum wegwerfen wollt, so werdet ihr euch genötigt sehen, viel synthetische Grundbeschaffenheiten zu verwerfen, (Grundkräfte) die ihr ebensowenig begreifen könnt,
B 479 und selbst die Möglichkeit einer Veränderung überhaupt muß euch anstößig werden. Denn, wenn ihr nicht durch Erfahrung fändet, daß sie wirklich ist, so würdet ihr niemals a priori ersinnen können, wie eine solche unaufhörliche Folge von Sein und Nichtsein möglich sei.
Wenn auch indessen allenfalls ein transzendentales Vermögen der Freiheit nachgegeben wird, um die Weltveränderungen anzufangen, so würde dieses Vermögen doch wenigstens nur außerhalb der Welt sein müssen, (wiewohl es immer eine kühne Anmaßung bleibt, außerhalb dem Inbegriffe aller möglichen Anschauungen, noch einen Gegenstand anzunehmen, der in keiner möglichen Wahrnehmung gegeben werden kann). Allein, in der Welt selbst, den Substanzen ein solches Vermögen beizumessen, kann nimmermehr erlaubt sein, weil alsdann der Zusammenhang nach allgemeinen Gesetzen sich einander notwendig bestimmender Erscheinungen, den man Natur nennt, und mit ihm das Merkmal empirischer Wahrheit, welches Erfahrung vom Traum unterscheidet, größtenteils verschwinden würde. Denn es läßt sich neben einem solchen gesetzlosen Vermögen der Freiheit, kaum mehr Natur denken; weil die Gesetze der letzteren durch die Einflüsse der ersteren unaufhörlich abgeändert, und das Spiel der Erscheinungen, welches nach der bloßen Natur regelmäßig und gleichförmig sein würde, dadurch verwirrt und unzusammenhängend gemacht wird.
Der Antinomie der reinen Vernunft
B 480 Vierter Widerstreit der transzendentalen Ideen
Thesis
Zu der Welt gehört etwas, das, entweder als ihr Teil, oder ihre Ursache, ein schlechthin notwendiges Wesen ist.
Beweis
Die Sinnenwelt, als das Ganze aller Erscheinungen, enthält zugleich eine Reihe von Veränderungen. Denn, ohne diese, würde selbst die Vorstellung der Zeitreihe, als einer Bedingung der Möglichkeit der Sinnenwelt, uns nicht gegeben sein*. Eine jede Veränderung aber steht unter ihrer Bedingung, die der Zeit nach vorhergeht, und unter welcher sie notwendig ist. Nun setzt ein jedes Bedingte, das gegeben ist, in Ansehung seiner Existenz, eine vollständige Reihe von Bedingungen bis zum Schlechthinunbedingten voraus, welches allein absolutnotwendig ist. Also muß etwas Absolutnotwendiges existieren, wenn eine Veränderung als seine Folge existiert. Dieses Notwendige aber gehört selber zur Sinnenwelt. Denn setzet, es sei außer derselben, so würde von ihm die Reihe der Weltveränderungen ihren Anfang ableiten, ohne
B 482 daß doch diese notwendige Ursache selbst zur Sinnenwelt gehörte. Nun ist dieses unmöglich. Denn, da der Anfang einer Zeitreihe nur durch dasjenige, was der Zeit nach vorhergeht, bestimmt werden kann: so muß die oberste Bedingung des Anfangs einer Reihe von Veränderungen in der Zeit existieren, da diese noch nicht war, (denn der Anfang ist ein Dasein, vor welchem eine Zeit vorhergeht, darin das Ding, welches anfängt, noch nicht war). Also gehört die Kausalität der notwendigen Ursache der Veränderungen, mithin auch die Ursache selbst, zu der Zeit, mithin zur Erscheinung (an welcher die Zeit allein als deren Form möglich ist), folglich kann sie von der Sinnenwelt, als dem Inbegriff aller Erscheinungen, nicht abgesondert gedacht werden. Also ist in der Welt selbst etwas Schlechthinnotwendiges enthalten (es mag nun dieses die ganze Weltreihe selbst, oder ein Teil derselben sein).
* Die Zeit geht zwar als formale Bedingung der Möglichkeit der Veränderungen vor dieser objektiv vorher, allein subjektiv, und in der Wirklichkeit des Bewußtseins, ist, diese Vorstellung doch nur, so wie jede andere, durch Veranlassung der Wahrnehmungen gegeben.
B 481 Antithesis
Es existiert überall kein schlechthin notwendiges Wesen, weder in der Welt, noch außer der Welt, als ihre Ursache.
Beweis
Setzet: die Welt selber, oder in ihr, sei ein notwendiges Wesen, so würde in der Reihe ihrer Veränderungen, entweder ein Anfang sein, der unbedingtnotwendig, mithin ohne Ursache wäre, welches dem dynamischen Gesetze der Bestimmung aller Erscheinungen in der Zeit widerstreitet; oder die Reihe selbst wäre ohne allen Anfang, und, obgleich in allen ihren Teilen zufällig und bedingt, im Ganzen dennoch schlechthinnotwendig und unbedingt, welches sich selbst widerspricht, weil das Dasein einer Menge nicht notwendig sein kann, wenn kein einziger Teil derselben ein an sich notwendiges Dasein besitzt.
Setzet dagegen: es gebe eine schlechthin notwendige Weltursache außer der Welt, so würde dieselbe als das
B 483 oberste Glied in der Reihe der Ursachen der Weltveränderungen, das Dasein der letzteren und ihre Reihe zuerst anfangen*. Nun müßte sie aber alsdann auch anfangen zu handeln, und ihre Kausalität würde in die Zeit, eben darum aber in den Inbegriff der Erscheinungen, d.i. in die Welt gehören, folglich sie selbst, die Ursache, nicht außer der Welt sein, welches der Voraussetzung widerspricht. Also ist weder in der Welt, noch außer derselben (aber mit ihr in Kausalverbindung) irgendein schlechthinnotwendiges Wesen.
* Das Wort: Anfangen, wird in zwiefacher Bedeutung genommen. Die erste ist aktiv, da die Ursache eine Reihe von Zuständen als ihre Wirkung anfängt (infit.). Die zweite passiv, da die Kausalität in der Ursache selbst anhebt (fit.). Ich schließe hier aus der ersteren auf die letzte.
B 484 Anmerkung zur vierten Antinomie I. zur Thesis
Um das Dasein eines notwendigen Wesens zu beweisen, liegt mir hier ob, kein anderes als kosmologisches Argument zu brauchen, welches nämlich von dem Bedingten in der Erscheinung zum Unbedingten im Begriffe aufsteigt, indem man dieses als die notwendige Bedingung der absoluten Totalität der Reihe ansieht. Den Beweis, aus der bloßen Idee eines obersten aller Wesen überhaupt, zu versuchen, gehört zu einem anderen Prinzip der Vernunft, und ein solcher wird daher besonders vorkommen müssen.
Der reine kosmologische Beweis kann nun das Dasein eines notwendigen Wesens nicht anders dartun, als daß er es zugleich unausgemacht lasse, ob dasselbe die Welt selbst, oder ein von ihr unterschiedenes Ding sei. Denn, um das letztere auszumitteln, dazu werden Grundsätze erfordert, die nicht mehr kosmologisch sind, und nicht in der Reihe der Erscheinungen fortgehen, sondern Begriffe von zufälligen Wesen überhaupt, (sofern sie bloß als Gegenstände des Verstandes erwogen werden,) und ein Prinzip, solche mit einem notwendigen Wesen, durch bloße Begriffe, zu verknüpfen, welches alles für eine transzendente Philosophie gehört, für welche hier noch nicht der Platz ist.
Wenn man aber einmal den Beweis kosmologisch anfängt, indem man die Reihe von Erscheinungen, und den Regressus in derselben nach empirischen Gesetzen der Kausalität, zum Grunde legt: so kann man nachher davon nicht abspringen und auf etwas übergehen, was gar nicht in die Reihe als ein Glied gehört. Denn in eben
B 486 derselben Bedeutung muß etwas als Bedingung angesehen werden, in welcher die Relation des Bedingten zu seiner Bedingung in der Reihe genommen wurde, die auf diese höchste Bedingung in kontinuirlichem Fortschritte führen sollte. Ist nun dieses Verhältnis sinnlich und gehört zum möglichen empirischen Verstandesgebrauch, so kann die oberste Bedingung oder Ursache nur nach Gesetzen der Sinnlichkeit, mithin nur als zur Zeitreihe gehörig den Regressus beschließen, und das notwendige Wesen muß als das oberste Glied der Weltreihe angesehen werden.
Gleichwohl hat man sich die Freiheit genommen, einen solchen Absprung (metabasis eis allo genos) zu tun. Man schloß nämlich aus den Veränderungen in der Welt auf die empirische Zufälligkeit, d.i. die Abhängigkeit derselben von empirisch bestimmenden Ursachen, und bekam eine aufsteigende Reihe empirischer Bedingungen, welches auch ganz recht war. Da man aber hierin keinen ersten Anfang und kein oberstes Glied finden konnte, so ging man plötzlich vom empirischen Begriff der Zufälligkeit ab und nahm die reine Kategorie, welche alsdann eine bloß intelligible Reihe veranlaßte, deren Vollständigkeit auf dem Dasein einer schlechthin notwendigen Ursache beruhte, die nunmehr, da sie an keine sinnliche Bedingungen gebunden war, auch von der Zeitbedingung, ihre Kausalität selbst anzufangen, befreit wurde. Dieses Verfahren ist aber ganz widerrechtlich, wie man aus folgendem schließen kann.
Zufällig, im reinen Sinne der Kategorie, ist das, dessen kontradiktorisches Gegenteil möglich ist. Nun kann man aus der empirischen Zufälligkeit auf jene intelligible gar nicht schließen. Was verändert wird, dessen
B 488 Gegenteil (seines Zustandes) ist zu einer anderen Zeit wirklich, mithin auch möglich; mithin ist dieses nicht das kontradiktorische Gegenteil des vorigen Zustandes, wozu erfordert wird, daß in derselben Zeit, da der vorige Zustand war, an der Stelle desselben sein Gegenteil hätte sein können, welches aus der Veränderung gar nicht geschlossen werden kann. Ein Körper, der in Bewegung war = A, kommt in Ruhe = non A. Daraus nun, daß ein entgegengesetzter Zustand vom Zustande A auf diesen folgt, kann gar nicht geschlossen werden, daß das kontradiktorische Gegenteil von A möglich, mithin A zufällig sei; denn dazu würde erfordert werden, daß in derselben Zeit, da die Bewegung war, anstatt derselben die Ruhe habe sein können. Nun wissen wir nichts weiter, als daß die Ruhe in der folgenden Zeit wirklich, mithin auch möglich war. Bewegung aber zu einer Zeit, und Ruhe zu einer anderen Zeit, sind einander nicht kontradiktorisch entgegengesetzt. Also beweist die Sukzession entgegengesetzter Bestimmungen, d.i. die Veränderung, keineswegs die Zufälligkeit nach Begriffen des reinen Verstandes, und kann also auch nicht auf das Dasein eines notwendigen Wesens, nach reinen Verstandesbegriffen, führen. Die Veränderung beweist nur die empirische Zufälligkeit, d.i. daß der neue Zustand für sich selbst, ohne eine Ursache, die zur vorigen Zeit gehört, gar nicht hätte stattfinden können, zufolge dem Gesetze der Kausalität. Diese Ursache, und wenn sie auch als schlechthin notwendig angenommen wird, muß auf diese Art doch in der Zeit angetroffen werden, und zur Reihe der Erscheinungen gehören.
B 485 II. Anmerkung zur Antithesis
Wenn man, beim Aufsteigen in der Reihe der Erscheinungen, wider das Dasein einer schlechthin notwendigen obersten Ursache, Schwierigkeiten anzutreffen vermeint, so müssen sich diese auch nicht auf bloße Begriffe vom notwendigen Dasein eines Dinges überhaupt gründen, und mithin nicht ontologisch sein, sondern sich aus der Kausalverbindung mit einer Reihe von Erscheinungen, um zu derselben eine Bedingung anzunehmen, die selbst unbedingt ist, hervorfinden, folglich kosmologisch und nach empirischen Gesetzen gefolgert sein. Es muß sich nämlich zeigen, daß das Aufsteigen in der Reihe der Ursachen (in der Sinnenwelt) niemals bei einer empirisch unbedingten Bedingung endigen könne, und daß das kosmologische Argument aus der Zufälligkeit der Weltzustände, laut ihrer Veränderungen, wider die Annehmung einer ersten und die Reihe schlechthin zuerst anhebenden Ursache ausfalle.
B 487 Es zeigt sich aber in dieser Antinomie ein seltsamer Kontrast: daß nämlich aus eben demselben Beweisgrunde, woraus in der Thesis das Dasein eines Urwesens geschlossen wurde, in der Antithesis das Nichtsein desselben, und zwar mit derselben Schärfe. geschlossen wird. Erst hieß es: es ist ein notwendiges Wesen, weil die ganze vergangene Zeit die Reihe aller Bedingungen und hiermit also auch das Unbedingte (Notwendige) in sich faßt. Nun heißt es: es ist kein notwendiges Wesen, eben darum, weil die ganze verflossene Zeit die Reihe aller Bedingungen (die mithin insgesamt wiederum bedingt sind) in sich faßt. Die Ursache hiervon ist diese. Das erste Argument sieht nur auf die absolute Totalität der Reihe der Bedingungen, deren eine die andere in der Zeit bestimmt, und bekommt dadurch ein Unbedingtes und Notwendiges. Das zweite zieht dagegen die Zufälligkeit alles dessen, was in der Zeitreihe bestimmt ist, in Betrachtung, (weil vor jedem eine Zeit vorhergeht, darin die Bedingung selbst wiederum als bedingt bestimmt sein muß,) wodurch denn alles Unbedingte,
B 489 und alle absolute Notwendigkeit, gänzlich wegfällt. Indessen ist die Schlußart in beiden, selbst der gemeinen Menschenvernunft ganz angemessen, welche mehrmalen in den Fall gerät, sich mit sich selbst zu entzweien, nachdem sie ihren Gegenstand aus zwei verschiedenen Standpunkten erwägt. Herr von Mairan hielt den Streit zweier berühmter Astronomen, der aus einer ähnlichen Schwierigkeit über die Wahl des Standpunktes entsprang, für ein genugsam merkwürdiges Phänomen, um darüber eine besondere Abhandlung abzufassen. Der eine schloß nämlich so: der Mond dreht sich um seine Achse, darum, weil er der Erde beständig dieselbe Seite zukehrt; der andere: der Mond dreht sich nicht um seine Achse, eben darum, weil er der Erde beständig dieselbe Seite zukehrt. Beide Schlüsse waren richtig; je nachdem man den Standpunkt nahm, aus dem man die Mondbewegung beobachten wollte.
B 490 Der Antinomie der reinen Vernunft Dritter Abschnitt Von dem Interesse der Vernunft bei diesem ihrem Widerstreite
Da haben wir nun das ganze dialektische Spiel der kosmologischen Ideen, die es gar nicht verstatten, daß ihnen ein kongruierender Gegenstand in irgendeiner möglichen Erfahrung gegeben werde, ja nicht einmal, daß die Vernunft sie einstimmig mit allgemeinen Erfahrungsgesetzen denke, die gleichwohl doch nicht willkürlich erdacht sind, sondern auf welche die Vernunft im kontinuierlichen Fortgange der empirischen Synthesis notwendig geführt wird, wenn sie das, was nach Regeln der Erfahrung jederzeit nur bedingt bestimmt werden kann, von aller Bedingung befreien und in seiner unbedingten Totalität fassen will. Diese vernünftelnden Behauptungen sind so viele Versuche, vier natürliche und unvermeidliche Probleme der Vernunft aufzulösen, deren es also nur gerade so viel, nicht mehr, auch nicht weniger, geben kann, weil es nicht mehr Reihen synthetischer Voraussetzungen gibt, welche die empirische Synthesis a priori begrenzen.
Wir haben die glänzenden Anmaßungen der ihr Gebiet über alle Grenzen der Erfahrung erweiternden Vernunft nur in trockenen Formeln, welche bloß den Grund
B 491 ihrer rechtlichen Ansprüche enthalten, vorgestellt, und, wie es einer Transzendentalphilosophie geziemt, diese von allem Empirischen entkleidet, obgleich die ganze Pracht der Vernunftbehauptungen nur in Verbindung mit demselben hervorleuchten kann. In dieser Anwendung aber, und der fortschreitenden Erweiterung des Vernunftgebrauchs, indem sie von dem Felde der Erfahrungen anhebt, und sich bis zu diesen erhabenen Ideen allmählich hinaufschwingt, zeigt die Philosophie eine Würde, welche, wenn sie ihre Anmaßungen nur behaupten könnte, den Wert aller anderen menschlichen Wissenschaft weit unter sich lassen würde, indem sie die Grundlage zu unseren größesten Erwartungen und Aussichten auf die letzten Zwecke, in welchen alle Vernunftbemühungen sich endlich vereinigen müssen, verheißt. Die Fragen: ob die Welt einen Anfang und irgendeine Grenze ihrer Ausdehnung im Raume habe, ob es irgendwo und vielleicht in meinem denkenden Selbst eine unteilbare und unzerstörliche Einheit, oder nichts als das Teilbare und Vergängliche gebe, ob ich in meinen Handlungen frei, oder, wie andere Wesen, an dem Faden der Natur und des Schicksals geleitet sei, ob es endlich eine oberste Weltursache gebe, oder die Naturdinge und deren Ordnung den letzten Gegenstand ausmachen, bei dem wir in allen unseren Betrachtungen stehenbleiben müssen: das sind Fragen, um deren Auflösung der Mathematiker gerne seine ganze Wissenschaft dahingäbe; denn diese kann ihm doch in Ansehung der höchsten und angelegentsten Zwecke der
B 492 Menschheit keine Befriedigung verschaffen. Selbst die eigentliche Würde der Mathematik (dieses Stolzes der menschlichen Vernunft) beruht darauf, daß, da sie der Vernunft die Leitung gibt, die Natur im Großen sowohl als im Kleinen in ihrer Ordnung und Regelmäßigkeit, imgleichen in der bewunderungswürdigen Einheit der sie bewegenden Kräfte, weit über alle Erwartung der auf gemeine Erfahrung bauenden Philosophie einzusehen, sie dadurch selbst zu dem über alle Erfahrung erweiterten Gebrauch der Vernunft, Anlaß und Aufmunterung gibt, imgleichen die damit beschäftigte Weltweisheit mit den vortrefflichsten Materialien versorgt, ihre Nachforschung, so viel deren Beschaffenheit es erlaubt, durch angemessene Anschauungen zu unterstützen.
Unglücklicherweise für die Spekulation (vielleicht aber zum Glück für die praktische Bestimmung des Menschen) sieht sich die Vernunft, mitten unter ihren größesten Erwartungen, in einem Gedränge von Gründen und Gegengründen so befangen, daß, da es sowohl ihrer Ehre, als auch sogar ihrer Sicherheit wegen nicht tunlich ist, sich zurückzuziehen, und diesem Zwist als einem bloßen Spielgefechte gleichgültig zuzusehen, noch weniger schlechthin Friede zu gebieten, weil der Gegenstand des Streits sehr interessiert, ihr nichts weiter übrigbleibt, als über den Ursprung dieser Veruneinigung der Vernunft mit sich selbst nachzusinnen, ob nicht etwa ein bloßer Mißverstand daran schuld sei, nach dessen Erörterung zwar
B 493 beiderseits stolze Ansprüche vielleicht wegfallen, aber dafür ein dauerhaft ruhiges Regiment der Vernunft über Verstand und Sinne seinen Anfang nehmen würde.
Wir wollen vorjetzt diese gründliche Erörterung noch etwas aussetzen, und zuvor in Erwägung ziehen: auf welche Seite wir uns wohl am liebsten schlagen möchten, wenn wir etwa genötigt würden, Partei zu nehmen. Da wir in diesem Falle, nicht den logischen Probierstein der Wahrheit, sondern bloß unser Interesse befragen, so wird eine solche Untersuchung, ob sie gleich in Ansehung des streitigen Rechts beider Teile nichts ausmacht, dennoch den Nutzen haben, es begreiflich zu machen, warum die Teilnehmer an diesem Streite sich lieber auf die eine Seite, als auf die andere geschlagen haben, ohne daß eben eine vorzügliche Einsicht des Gegenstandes daran Ursache gewesen, angleichen noch andere Nebendinge zu erklären, z.B. die zelotische Hitze des einen und die kalte Behauptung des anderen Teils, warum sie gerne der einen Partei freudigen Beifall zujauchzen, und wider die andere zum voraus, unversöhnlich eingenommen sind.
Es ist aber etwas, das bei dieser vorläufigen Beurteilung den Gesichtspunkt bestimmt, aus dem sie allein mit gehöriger Gründlichkeit angestellt werden kann, und dieses ist die Vergleichung der Prinzipien, von denen beide Teile ausgehen. Man bemerkt unter den Behauptungen der Antithesis, eine vollkommene Gleichförmigkeit der Denkungsart und völlige Einheit der Maxime, nämlich
B 494 ein Prinzipium des reinen Empirismus, nicht allein in Erklärung der Erscheinungen in der Welt, sondern auch in Auflösung der transzendentalen Ideen, vom Weltall selbst. Dagegen legen die Behauptungen der Thesis, außer der empirischen Erklärungsart innerhalb der Reihe der Erscheinungen, noch intellektuelle Anfänge zum Grunde, und die Maxime ist sofern nicht einfach. Ich will sie aber, von ihrem wesentlichen Unterscheidungsmerkmal, den Dogmatism der reinen Vernunft nennen.
Auf der Seite also des Dogmatismus, in Bestimmung der kosmologischen Vernunftideen, oder der Thesis, zeigt sich
Zuerst ein gewisses praktisches Interesse, woran jeder Wohlgesinnter, wenn er sich auf seinen wahren Vorteil versteht, herzlich teilnimmt. Daß die Welt einen Anfang habe, daß mein denkendes Selbst einfacher und daher unverweslicher Natur, daß dieses zugleich in seinen willkürlichen Handlungen frei und über den Naturzwang erhoben sei, und daß endlich die ganze Ordnung der Dinge, welche die Welt ausmachen, von einem Urwesen abstamme, von welchem alles seine Einheit und zweckmäßige Verknüpfung entlehnt, das sind so viel Grundsteine der Moral und Religion. Die Antithesis raubt uns alle diese Stützen, oder scheint wenigstens sie uns zu rauben.
Zweitens äußert sich auch ein spekulatives Interesse der Vernunft auf dieser Seite. Denn, wenn man die transzendentalen Ideen auf solche Art annimmt und
B 495 gebraucht, so kann man völlig a priori die ganze Kette der Bedingungen fassen, und die Ableitung des Bedingten begreifen, indem man vom Unbedingten anfängt, welches die Antithesis nicht leistet, die dadurch sich sehr übel empfiehlt, daß sie auf die Frage, wegen der Bedingungen ihrer Synthesis, keine Antwort geben kann, die nicht ohne Ende immer weiter zu fragen übrig ließe. Nach ihr muß man von einem gegebenen Anfange zu einem noch höheren aufsteigen, jeder Teil führt auf einen noch kleineren Teil, jede Begebenheit hat immer noch eine andere Begebenheit als Ursache über sich, und die Bedingungen des Daseins überhaupt stützen sich immer wiederum auf andere, ohne jemals in einem selbständigen Dinge als Urwesen unbedingte Haltung und Stütze zu bekommen.
Drittens hat diese Seite auch den Vorzug der Popularität, der gewiß nicht den kleinsten Teil seiner Empfehlung ausmacht. Der gemeine Verstand findet in den Ideen des unbedingten Anfangs aller Synthesis nicht die mindeste Schwierigkeit, da er ohnedem mehr gewohnt ist, zu den Folgen abwärts zu gehen, als zu den Gründen hinaufzusteigen, und hat in den Begriffen des absolut Ersten (über dessen Möglichkeit er nicht grübelt) eine Gemächlichkeit und zugleich einen festen Punkt, um die Leitschnur seiner Schritte daran zu knüpfen, da er hingegen an dem rastlosen Aufsteigen vom Bedingten zur Bedingung, jederzeit mit einem Fuße in der Luft, gar keinen Wohlgefallen finden kann.
B 496 Auf der Seite des Empirismus in Bestimmung der kosmologischen Ideen, oder der Antithesis, findet sich erstlich kein solches praktisches Interesse aus reinen Prinzipien der Vernunft, als Moral und Religion bei sich führen. Vielmehr scheint der bloße Empirism beiden alle Kraft und Einfluß zu benehmen. Wenn es kein von der Welt unterschiedenes Urwesen gibt, wenn die Welt ohne Anfang und also auch ohne Urheber, unser Wille nicht frei und die Seele von gleicher Teilbarkeit und Verweslichkeit mit der Materie ist, so verlieren auch die moralischen Ideen und Grundsätze alle Gültigkeit, und fallen mit den transzendentalen Ideen, welche ihre theoretische Stütze ausmachten.
Dagegen bietet aber der Empirism dem spekulativen Interesse der Vernunft Vorteile an, die sehr anlockend sind und diejenigen weit übertreffen, die der dogmatische Lehrer der Vernunftideen versprechen mag. Nach jenem ist der Verstand jederzeit auf seinem eigentümlichen Boden, nämlich dem Felde von lauter möglichen Erfahrungen, deren Gesetzen er nachspüren, und vermittelst derselben er seine sichere und faßliche Erkenntnis ohne Ende erweitern kann. Hier kann und soll er den Gegenstand, sowohl an sich selbst, als in seinen Verhältnissen, der Anschauung darstellen, oder doch in Begriffen, deren Bild in gegebenen ähnlichen Anschauungen klar und deutlich vorgelegt werden kann. Nicht allein, daß er nicht nötig hat, diese Kette der Naturordnung zu verlassen, um sich
B 497 an Ideen zu hängen, deren Gegenstände er nicht kennt, weil sie als Gedankendinge niemals gegeben werden können; sondern es ist ihm nicht einmal erlaubt, sein Geschäft zu verlassen, und unter dem Vorwande, es sei nunmehr zu Ende gebracht, in das Gebiet der idealisierenden Vernunft und zu transzendenten Begriffe überzugehen, wo er nicht weiter nötig hat zu beobachten und den Naturgesetzen gemäß zu forschen, sondern nur zu denken und zu dichten, sicher, daß er nicht durch Tatsachen der Natur widerlegt werden könne, weil er an ihr Zeugnis eben nicht gebunden ist, sondern sie vorbeigehen, oder sie sogar selbst einem höheren Ansehen, nämlich dem der reinen Vernunft, unterordnen darf.
Der Empirist wird es daher niemals erlauben, irgendeine Epoche der Natur für die schlechthin erste anzunehmen, oder irgendeine Grenze seiner Aussicht in den Umfang derselben als die äußerste anzusehen, oder von den Gegenständen der Natur, die er durch Beobachtung und Mathematik auflösen und in der Anschauung synthetisch bestimmen kann, (dem Ausgedehnten,) zu denen überzugehen, die weder Sinn, noch Einbildungskraft jemals in concreto darstellen kann (dem Einfachen); noch einräumen, daß man selbst in der Natur ein Vermögen, unabhängig von Gesetzen der Natur zu wirken, (Freiheit,) zum Grunde lege, und dadurch dem Verstande sein Geschäft schmälere, an dem Leitfaden notwendiger Regeln dem Entstehen der Erscheinungen nachzuspüren; noch
B 498 endlich zugeben, daß man irgend wozu die Ursache außerhalb der Natur suche, (Urwesen,) weil wir nichts weiter, als diese kennen, indem sie es allein ist, welche uns Gegenstände darbietet, und von ihren Gesetzen unterrichten kann.
Zwar, wenn der empirische Philosoph mit seiner Antithese keine andere Absicht hat, als, den Vorwitz und die Vermessenheit der ihre wahre Bestimmung verkennenden Vernunft niederzuschlagen, welche mit Einsicht und Wissen groß tut, da wo eigentlich Einsicht und Wissen aufhören, und das, was man in Ansehung des praktischen Interesse gelten läßt, für eine Beförderung des spekulativen Interesse ausgeben will, um, wo es ihrer Gemächlichkeit zuträglich ist, den Faden physischer Untersuchungen abzureißen, und mit einem Vorgeben von Erweiterung der Erkenntnis, ihn an transzendentale Ideen zu knüpfen, durch die man eigentlich nur erkennt, daß man nichts wisse; wenn, sage ich, der Empirist sich hiermit begnügte, so würde sein Grundsatz eine Maxime der Mäßigung in Ansprüchen, der Bescheidenheit in Behauptungen und zugleich der größest möglichen Erweiterung unseres Verstandes, durch den eigentlich uns vorgesetzten Lehrer, nämlich die Erfahrung, sein. Denn, in solchem Falle, würden uns intellektuelle Voraussetzungen und Glaube, zum Behuf unserer praktischen Angelegenheit, nicht genommen werden; nur könnte man sie nicht unter dem Titel und dem Pompe von Wissenschaft und
B 499 Vernunfteinsicht auftreten lassen, weil das eigentliche spekulative Wissen überall keinen anderen Gegenstand, als den der Erfahrung treffen kann, und, wenn man ihre Grenze überschreitet, die Synthesis, welche neue und von jener unabhängige Erkenntnisse versucht, kein Substratum der Anschauung hat, an welchem sie ausgeübt werden könnte.
So aber, wenn der Empirismus in Ansehung der Ideen (wie es mehrenteils geschieht) selbst dogmatisch wird und dasjenige dreist verneint, was über der Sphäre seiner anschauenden Erkenntnisse ist, so fällt er selbst in den Fehler der Unbescheidenheit, der hier um desto tadelbarer ist, weil dadurch dem praktischen Interesse der Vernunft ein unersetzlicher Nachteil verursacht wird.
Dies ist der Gegensatz des Epikureisms* gegen den Platonisms.
* Es ist indessen noch die Frage, ob Epikur diese Grundsätze als objektive Behauptungen jemals vorgetragen habe. Wenn sie etwa weiter nichts als Maximen des spekulativen Gebrauchs der Vernunft waren, so zeigte er daran einen echteren philosophischen Geist, als irgendeiner der Weltweisen des Altertums. Daß man in Erklärung der Erscheinungen so zu Werke gehen müsse, als ob das Feld der Untersuchung durch keine Grenze oder Anfang der Welt abgeschnitten sei; den Stoff der Welt so annehmen, wie er sein muß, wenn wir von ihm durch Erfahrung belehrt werden wollen; daß keine andere Erzeugung der Begebenheiten, als wie sie durch unveränderliche Naturgesetze bestimmt werden, und endlich keine von der Welt unterschiedene Ursache müsse gebraucht werden; sind noch jetzt sehr richtige, aber wenig beobachtete Grundsätze, die spekulative Philosophie zu erweitern, so wie auch die Prinzipien der Moral, unabhängig von fremden Hilfsquellen auszufinden, ohne daß darum derjenige, welcher verlangt, jene dogmatischen Sätze, so lange als wir mit der bloßen Spekulation beschäftigt sind, zu ignorieren, darum beschuldigt werden darf, er wolle sie leugnen.
B 500 Ein jeder von beiden sagt mehr, als er weiß, doch so, daß der erstere das Wissen, obzwar zum Nachteile des Praktischen, aufmuntert und befördert, der zweite zwar zum Praktischen vortreffliche Prinzipien an die Hand gibt, aber eben dadurch in Ansehung alles dessen, worin uns allein ein spekulatives Wissen vergönnt ist, der Vernunft erlaubt, idealischen Erklärungen der Naturerscheinungen nachzuhängen und darüber die physische Nachforschung zu verabsäumen.
Was endlich das dritte Moment, worauf bei der vorläufigen Wahl zwischen beiden strittigen Teilen gesehen werden kann, anlangt: so ist es überaus befremdlich, daß der Empirismus aller Popularität gänzlich zuwider ist, ob man gleich glauben sollte, der gemeine Verstand werde einen Entwurf begierig aufnehmen, der ihn durch nichts als Erfahrungserkenntnisse und deren vernunftmäßigen Zusammenhang zu befriedigen verspricht, anstatt daß die transzendentale Dogmatik ihn nötigt, zu Begriffen hinaufzusteigen, welche die Einsicht und das Vernunftvermögen der im Denken geübtesten Köpfe weit übersteigen.
B 501 Aber eben dieses ist sein Bewegungsgrund. Denn er befindet sich alsdann in einem Zustande, in welchem sich auch der Gelehrteste über ihn nichts herausnehmen kann. Wenn er wenig oder nichts davon versteht, so kann sich doch auch niemand rühmen, viel mehr davon zu verstehen, und, ob er gleich hierüber nicht so schulgerecht als andere sprechen kann, so kann er doch darüber unendlich mehr vernünfteln, weil er unter lauter Ideen herumwandelt, über die man eben darum am beredtsten ist, weil man davon nichts weiß; anstatt, daß er über der Nachforschung der Natur ganz verstummen und seine Unwissenheit gestehen müßte. Gemächlichkeit und Eitelkeit also sind schon eine starke Empfehlung dieser Grundsätze. Überdem, ob es gleich einem Philosophen sehr schwer wird, etwas als Grundsatz anzunehmen, ohne deshalb sich selbst Rechenschaft geben zu können, oder gar Begriffe, deren objektive Realität nicht eingesehen werden kann, einzuführen: so ist doch dem gemeinen Verstande nichts gewöhnlicher. Er will etwas haben, womit er zuversichtlich anfangen könne. Die Schwierigkeit, eine solche Voraussetzung selbst zu begreifen, beunruhigt ihn nicht, weil sie ihm, (der nicht weiß, was Begreifen heißt,) niemals in den Sinn kommt, und er hält das für bekannt, was ihm durch öfteren Gebrauch geläufig ist. Zuletzt aber verschwindet alles spekulative Interesse bei ihm vor dem Praktischen, und er bildet sich ein, das einzusehen und zu wissen, was anzunehmen, oder zu glauben, ihn
B 502 seine Besorgnisse oder Hoffnungen antreiben. So ist der Empirismus der transzendental-idealisierenden Vernunft aller Popularität gänzlich beraubt, und, so viel Nachteiliges wider die obersten praktischen Grundsätze sie auch enthalten mag, so ist doch gar nicht zu besorgen, daß sie die Grenzen der Schule jemals überschreiten und im gemeinen Wesen ein nur einigermaßen beträchtliches Ansehen und einige Gunst bei der großen Menge erwerben werde.
Die menschliche Vernunft ist ihrer Natur nach architektonisch, d.i. sie betrachtet alle Erkenntnisse als gehörig zu einem möglichen System, und verstattet daher auch nur solche Prinzipien, die eine vorhabende Erkenntnis wenigstens nicht unfähig machen, in irgendeinem System mit anderen zusammen zu stehen. Die Sätze der Antithesis sind aber von der Art, daß sie die Vollendung eines Gebäudes von Erkenntnissen gänzlich unmöglich machen. Nach ihnen gibt es über einen Zustand der Welt immer einen noch älteren, in jedem Teile immer noch andere, wiederum teilbare, vor jeder Begebenheit eine andere, die wiederum ebensowohl anderweitig erzeugt war, und im Dasein überhaupt alles immer nur bedingt, ohne irgendein unbedingtes und erstes Dasein anzuerkennen. Da also die Antithesis nirgend ein Erstes einräumt, und keinen Anfang, der schlechthin zum Grunde des Baues dienen könnte, so ist ein vollständiges Gebäude der Erkenntnis, bei dergleichen Voraussetzungen, gänzlich unmöglich.
B 503 Daher führt das architektonische Interesse der Vernunft (welches nicht empirische, sondern reine Vernunfteinheit a priori fordert,) eine natürliche Empfehlung für die Behauptungen der Thesis bei sich.
Könnte sich aber ein Mensch von allem Interesse lossagen, und die Behauptungen der Vernunft, gleichgültig gegen alle Folgen, bloß nach dem Gehalte ihrer Gründe in Betrachtung ziehen: so würde ein solcher, gesetzt, daß er keinen Ausweg wüßte, anders aus dem Gedränge zu kommen, als daß er sich zu einer oder anderen der strittigen Lehren bekennte, in einem unaufhörlich schwankenden Zustande sein. Heute würde es ihm überzeugend vorkommen, der menschliche Wille sei frei; morgen, wenn er die unauflösliche Naturkette in Betrachtung zöge, würde er dafür halten, die Freiheit sei nichts als Selbsttäuschung, und alles sei bloß Natur. Wenn es nun aber zum Tun und Handeln käme, so würde dieses Spiel der bloß spekulativen Vernunft, wie Schattenbilder eines Traums, verschwinden, und er würde seine Prinzipien bloß nach dem praktischen Interesse wählen. Weil es aber doch einem nachdenkenden und forschenden Wesen anständig ist, gewisse Zeiten lediglich der Prüfung seiner eigenen Vernunft zu widmen, hierbei aber alle Parteilichkeit gänzlich auszuziehen, und so seine Bemerkungen anderen zur Beurteilung öffentlich mitzuteilen; so kann es niemanden verargt, noch weniger verwehrt werden, die Sätze und
B 504 Gegensätze, so wie sie sich, durch keine Drohung geschreckt, vor Geschworenen von seinem eigenen Stande (nämlich dem Stande schwacher Menschen) verteidigen können, auftreten zu lassen.
Der Antinomie der reinen Vernunft Vierter Abschnitt Von den Transzendentalen Aufgaben der reinen Vernunft, insofern sie schlechterdings müssen aufgelöst werden können
Alle Aufgaben auflösen und alle Fragen beantworten zu wollen, würde eine unverschämte Großsprecherei und ein so ausschweifender Eigendünkel sein, daß man dadurch sich sofort um alles Zutrauen bringen müßte. Gleichwohl gibt es Wissenschaften, deren Natur es so mit sich bringt, daß eine jede darin vorkommende Frage, aus dem, was man weiß, schlechthin beantwortlich sein muß, weil die Antwort aus denselben Quellen entspringen muß, daraus die Frage entspringt, und wo es keineswegs erlaubt ist, unvermeidliche Unwissenheit vorzuschützen, sondern die Auflösung gefordert werden kann. Was in allen möglichen Fällen Recht oder Unrecht sei, muß man der Regel nach wissen können, weil es unsere Verbindlichkeit betrifft, und wir zu dem, was wir nicht wissen können, auch keine Verbindlichkeit haben. In der Erklärung der
B 505 Erscheinungen der Natur muß uns indessen vieles ungewiß und manche Frage unauflöslich bleiben, weil das, was wir von der Natur wissen, zu dem, was wir erklären sollen, bei weitem nicht in allen Fällen zureichend ist. Es fragt sich nun: ob in der Transzendentalphilosophie irgendeine Frage, die ein der Vernunft vorgelegtes Objekt betrifft, durch eben diese reine Vernunft unbeantwortlich sei, und ob man sich ihrer entscheidenden Beantwortung dadurch mit Recht entziehen könne, daß man es als schlechthin ungewiß (aus allem dem, was wir erkennen können) demjenigen beizählt, wovon wir zwar so viel Begriff haben, um eine Frage aufzuwerfen, es uns aber gänzlich an Mitteln oder am Vermögen fehlt, sie jemals zu beantworten.
Ich behaupte nun, daß die Transzendentalphilosophie unter allem spekulativen Erkenntnis dieses Eigentümliche habe: daß gar keine Frage, welche einen der reinen Vernunft gegebenen Gegenstand betrifft, für eben dieselbe menschliche Vernunft unauflöslich sei, und daß kein Vorschützen einer unvermeidlichen Unwissenheit und unergründlichen Tiefe der Aufgabe von der Verbindlichkeit frei sprechen könne, sie gründlich und vollständig zu beantworten; weil eben derselbe Begriff, der uns in den Stand setzt zu fragen, durchaus uns auch tüchtig machen muß, auf diese Frage zu antworten, indem der Gegenstand außer dem Begriffe gar nicht angetroffen wird (wie bei Recht und
B 506 Unrecht).
Es sind aber in der Transzendentalphilosophie keine anderen, als nur die kosmologischen Fragen, in Ansehung deren man mit Recht eine genugtuende Antwort, die die Beschaffenheit des Gegenstandes betrifft, fordern kann, ohne daß dem Philosophen erlaubt ist, sich derselben dadurch zu entziehen, daß er undurchdringliche Dunkelheit vorschützt, und diese Fragen können nur kosmologische Ideen betreffen. Denn der Gegenstand muß empirisch gegeben sein, und die Frage geht nur auf die Angemessenheit desselben mit einer Idee. Ist der Gegenstand transzendental und also selbst unbekannt, z.B. ob das Etwas, dessen Erscheinung (in uns selbst) das Denken ist, (Seele,) ein an sich einfaches Wesen sei, ob es eine Ursache aller Dinge insgesamt gebe, die schlechthin notwendig ist, usw., so sollen wir zu unserer Idee einen Gegenstand suchen, von welchem wir gestehen können, daß er uns unbekannt, aber deswegen doch nicht unmöglich sei.* Die
B 507 kosmologischen Ideen haben allein das Eigentümliche an sich, daß sie ihren Gegenstand und die zu dessen Begriff erforderliche empirische Synthesis als gegeben voraussetzen können, und die Frage, die aus ihnen entspringt, betrifft nur den Fortgang dieser Synthesis, sofern er absolute Totalität enthalten soll, welche letztere nichts Empirisches mehr ist, indem sie in keiner Erfahrung gegeben werden kann. Da nun hier lediglich von einem Dinge als Gegenstande einer möglichen Erfahrung und nicht als einer Sache an sich selbst die Rede ist, so kann die Beantwortung der transzendenten kosmologischen Frage, außer der Idee sonst nirgend liegen, denn sie betrifft keinen Gegenstand an sich selbst; und in Ansehung der möglichen Erfahrung wird nicht nach demjenigen gefragt, was in concreto in irgendeiner Erfahrung gegeben werden kann, sondern was in der Idee liegt, der sich die empirische Synthesis bloß nähern soll: also muß sie aus der Idee allein aufgelöst werden können; denn diese ist ein bloßes Geschöpf der Vernunft, welche also die Verantwortung nicht von sich abweisen und auf den unbekannten Gegenstand schieben kann.
* Man kann zwar auf die Frage, was ein transzendentaler Gegenstand für eine Beschaffenheit habe, keine Antwort geben, nämlich was er sei, aber wohl, daß die Frage selbst nichts sei, darum, weil kein Gegenstand derselben gegeben worden. Daher sind alle Fragen der transzendentalen Seelenlehre auch beantwortlich und wirklich beantwortet; denn sie betreffen das transz. Subjekt aller inneren Erscheinungen, welches selbst nicht Erscheinung ist und also nicht als Gegenstand gegeben ist, und worauf keine der Kategorien (auf welche doch eigentlich die Frage gestellt ist) Bedingungen ihrer Anwendung antreffen. Also ist hier der Fall, da der gemeine Ausdruck gilt, daß keine Antwort auch eine Antwort sei, nämlich daß eine Frage nach der Beschaffenheit desjenigen Etwas, was durch kein bestimmtes Prädikat gedacht werden kann, weil es gänzlich außer der Sphäre der Gegenstände gesetzt wird, die uns gegeben werden können, gänzlich nichtig und leer sei.
B 508 Es ist nicht so außerordentlich, als es anfangs scheint: daß eine Wissenschaft in Ansehung aller in ihren Inbegriff gehörigen Fragen (quaestiones domesticae) lauter gewisse Auflösungen fordern und erwarten könne, ob sie gleich zur Zeit noch vielleicht nicht gefunden sind. Außer der Transzendentalphilosophie gibt es noch zwei reine Vernunftwissenschaften, eine bloß spekulativen, die andere praktischen Inhalts: reine Mathematik, und reine Moral. Hat man wohl jemals gehört: daß, gleichsam wegen einer notwendigen Unwissenheit der Bedingungen, es für ungewiß sei ausgegeben worden, welches Verhältnis der Durchmesser zum Kreise ganz genau in Rational- oder Irrationalzahlen habe? Da es durch erstere gar nicht kongruent gegeben werden kann, durch die zweite aber noch nicht gefunden ist, so urteilte man, daß wenigstens die Unmöglichkeit solcher Auflösung mit Gewißheit erkannt werden könne, und Lambert gab einen Beweis davon. In den allgemeinen Prinzipien der Sitten kann nichts Ungewisses sein, weil die Sätze entweder ganz und gar nichtig und sinnleer sind, oder bloß aus unseren Vernunftbegriffen fließen müssen. Dagegen gibt es in der Naturkunde eine Unendlichkeit von Vermutungen, in Ansehung deren niemals Gewißheit erwartet werden kann, weil die Naturerscheinungen Gegenstände sind, die uns unabhängig von unseren Begriffen gegeben werden, zu denen also der Schlüssel nicht in uns und unserem reinen Denken, sondern außer uns liegt, und eben darum in vielen Fällen nicht aufgefunden,
B 509 mithin kein sicherer Aufschluß erwartet werden kann. Ich rechne die Fragen der transzendentalen Analytik, welche die Deduktion unserer reinen Erkenntnis betreffen, nicht hierher, weil wir jetzt nur von der Gewißheit der Urteile in Ansehung der Gegenstände und nicht in Ansehung des Ursprungs unserer Begriffe selbst handeln.
Wir werden also der Verbindlichkeit einer wenigstens kritischen Auflösung der vorgelegten Vernunftfragen dadurch nicht ausweichen können, daß wir über die engen Schranken unserer Vernunft Klagen erheben, und mit dem Scheine einer demutsvollen Selbsterkenntnis bekennen, es sei über unsere Vernunft, auszumachen, ob die Welt von Ewigkeit her sei, oder einen Anfang habe; ob der Weltraum ins Unendliche mit Wesen erfüllt, oder innerhalb gewisser Grenzen eingeschlossen sei; ob irgend in der Welt etwas einfach sei, oder ob alles ins Unendliche geteilt werden müsse; ob es eine Erzeugung und Hervorbringung aus Freiheit gebe, oder ob alles an der Kette der Naturordnung hänge; endlich ob es irgendein gänzlich unbedingt und an sich notwendiges Wesen gebe, oder ob alles seinem Dasein nach bedingt und mithin äußerlich abhängend und an sich zufällig sei. Denn alle diese Fragen betreffen einen Gegenstand, der nirgend anders als in unseren Gedanken gegeben werden kann, nämlich die schlechthin unbedingte Totalität der Synthesis der Erscheinungen. Wenn wir darüber aus unseren eigenen Begriffen nichts Gewisses
B 510 sagen und ausmachen können, so dürfen wir nicht die Schuld auf die Sache schieben, die sich uns verbirgt; denn es kann uns dergleichen Sache (weil sie außer unserer Idee nirgends angetroffen wird) gar nicht gegeben werden, sondern wir müssen die Ursache in unserer Idee selbst suchen, welche ein Problem ist, das keine Auflösung verstattet, und wovon wir doch hartnäckig annehmen, als entspreche ihr ein wirklicher Gegenstand. Eine deutliche Darlegung der Dialektik, die in unserem Begriffe selbst liegt, würde uns bald zur völligen Gewißheit bringen, von dem, was wir in Ansehung einer solchen Frage zu urteilen haben.
Man kann euerem Vorwande der Ungewißheit in Ansehung dieser Probleme zuerst diese Frage entgegensetzen, die ihr wenigstens deutlich beantworten müßt: Woher kommen euch die Ideen, deren Auflösung euch hier in solche Schwierigkeit verwickelt? Sind es etwa Erscheinungen, deren Erklärung ihr bedürft, und wovon ihr, zufolge dieser Ideen, nur die Prinzipien, oder die Regel ihrer Exposition zu suchen habt? Nehmet an, die Natur sei ganz vor euch aufgedeckt; euren Sinnen, und dem Bewußtsein alles dessen, was eurer Anschauung vorgelegt ist, sei nichts verborgen: so werdet ihr doch durch keine einzige Erfahrung den Gegenstand eurer Ideen in concreto erkennen können, (denn es wird, außer dieser vollständigen Anschauung, noch eine vollendete Synthesis
B 511 und das Bewußtsein ihrer absoluten Totalität erfordert, welches durch gar kein empirisches Erkenntnis möglich ist,) mithin kann eure Frage keineswegs zur Erklärung von irgendeiner vorkommenden Erscheinung notwendig und also gleichsam durch den Gegenstand selbst aufgegeben sein. Denn der Gegenstand kann euch niemals vorkommen, weil er durch keine mögliche Erfahrung gegeben werden kann. Ihr bleibt mit allen möglichen Wahrnehmungen immer unter Bedingungen, es sei im Raume, oder in der Zeit, befangen, und kommt an nichts Unbedingtes, um auszumachen, ob dieses Unbedingte in einem absoluten Anfange der Synthesis, oder einer absoluten Totalität der Reihe, ohne allen Anfang, zu setzen sei. Das All aber in empirischer Bedeutung ist jederzeit nur komparativ. Das absolute All der Größe (das Weltall), der Teilung, der Abstammung, der Bedingung des Daseins überhaupt, mit allen Fragen, ob es durch endliche, oder ins Unendliche fortzusetzende Synthesis zustande zu bringen sei, geht keine mögliche Erfahrung etwas an. Ihr würdet z.B. die Erscheinungen eines Körpers nicht im mindesten besser, oder auch nur anders erklären können, ob ihr annehmet, er bestehe aus einfachen, oder durchgehends immer aus zusammengesetzten Teilen; denn es kann euch keine einfache Erscheinung und ebensowenig auch eine unendliche Zusammensetzung jemals vorkommen. Die Erscheinungen verlangen nur erklärt zu werden, so weit ihre Erklärungsbedingungen in der
B 512 Wahrnehmung gegeben sind, alles aber, was jemals an ihnen gegeben werden mag, in einem absoluten Ganzen zusammengenommen, ist selbst eine Wahrnehmung. Dieses All aber ist es eigentlich, dessen Erklärung in den transzendentalen Vernunftaufgaben gefordert wird.
Da also selbst die Auflösung dieser Aufgaben niemals in der Erfahrung vorkommen kann, so könnt ihr nicht sagen, daß es ungewiß sei, was hierüber dem Gegenstande beizulegen sei. Denn euer Gegenstand ist bloß in eurem Gehirne, und kann außer demselben gar nicht gegeben werden; daher ihr nur dafür zu sorgen habt, mit euch selbst einig zu werden, und die Amphibolie zu verhüten, die eure Idee zu einer vermeintlichen Vorstellung eines empirisch Gegebenen, und also auch nach Erfahrungsgesetzen zu erkennenden Objekts macht. Die dogmatische Auflösung ist also nicht etwa ungewiß, sondern unmöglich. Die kritische aber, welche völlig gewiß sein kann, betrachtet die Frage gar nicht objektiv, sondern nach dem Fundamente der Erkenntnis, worauf sie gegründet ist.
B 513 Der Antinomie der reinen Vernunft Fünfter Abschnitt Skeptische Vorstellung der kosmologischen Fragen durch alle vier transzendentalen Ideen
Wir würden von der Forderung gern abstehen, unsere Fragen dogmatisch beantwortet zu sehen, wenn wir schon zum voraus begriffen: die Antwort möchte ausfallen, wie sie wollte, so würde sie unsere Unwissenheit nur noch vermehren, und uns aus einer Unbegreiflichkeit in eine andere, aus einer Dunkelheit in eine noch größere und vielleicht gar in Widersprüche stürzen. Wenn unsere Frage bloß auf Bejahung oder Verneinung gestellt ist, so ist es klüglich gehandelt, die vermutlichen Gründe der Beantwortung vorderhand dahingestellt sein zu lassen, und zuvörderst in Erwägung zu ziehen, was man denn gewinnen würde, wenn die Antwort auf die eine, und was, wenn sie auf die Gegenseite ausfiele. Trifft es sich nun, daß in beiden Fällen lauter Sinnleeres (Nonsens) herauskommt, so haben wir eine gegründete Aufforderung, unsere Frage selbst kritisch zu untersuchen, und zu sehen: ob sie nicht selbst auf einer grundlosen Voraussetzung beruhe, und mit einer Idee spiele, die ihre Falschheit besser in der Anwendung und durch ihre Folgen, als in der abgesonderten Vorstellung verrät. Das ist der große Nutzen,
B 514 den die skeptische Art hat, die Fragen zu behandeln, welche reine Vernunft an reine Vernunft tut, und wodurch man eines großen dogmatischen Wustes mit wenig Aufwand überhoben sein kann, um an dessen Statt eine nüchterne Kritik zu setzen, die, als ein wahres Katarktikon den Wahn, zusamt seinem Gefolge, der Vielwisserei, glücklich abführen wird.
Wenn ich demnach von einer kosmologischen Idee zum voraus einsehen könnte, daß, auf welche Seite des Unbedingten der regressiven Synthesis der Erscheinungen sie sich auch schlüge, so würde sie doch für einen jeden Verstandesbegriff entweder zu groß oder zu klein sein; so würde ich begreifen, daß, da jene doch es nur mit einem Gegenstande der Erfahrung zu tun hat, welche einem möglichen Verstandesbegriffe angemessen sein soll, sie ganz leer und ohne Bedeutung sein müsse, weil ihr der Gegenstand nicht anpaßt, ich mag ihn derselben bequemen, wie ich will. Und dieses ist wirklich der Fall mit allen Weltbegriffen, welche auch eben um deswillen, die Vernunft, so lange sie ihnen anhängt, in eine unvermeidliche Antinomie verwickeln. Denn nehmt
Erstlich an: die Welt habe keinen Anfang, so ist sie für euren Begriff zu groß; denn dieser, welcher in einem sukzessiven Regressus besteht, kann die ganze verflossene Ewigkeit niemals erreichen. Setzet: sie habe einen Anfang, so ist sie wiederum für euren Verstandesbegriff in dem notwendigen empirischen Regressus zu
B 515 klein. Denn, weil der Anfang noch immer eine Zeit, die vorhergeht, voraussetzt, so ist er noch nicht unbedingt, und das Gesetz des empirischen Gebrauchs des Verstandes legt es euch auf, noch nach einer höheren Zeitbedingung zu fragen, und die Welt ist also offenbar für dieses Gesetz zu klein.
Ebenso ist es mit der doppelten Beantwortung der Frage, wegen der Weltgröße, dem Raum nach, bewandt. Denn, ist sie unendlich und unbegrenzt, so ist sie für allen möglichen empirischen Begriff zu groß. Ist sie endlich und begrenzt, so fragt ihr mit Recht noch: was bestimmt diese Grenze? Der leere Raum ist nicht ein für sich bestehendes Korrelatum der Dinge, und kann keine Bedingung sein, bei der ihr stehenbleiben könnt, noch viel weniger eine empirische Bedingung, die einen Teil einer möglichen Erfahrung ausmachte. (Denn wer kann eine Erfahrung vom Schlechthinleeren haben?) Zur absoluten Totalität aber der empirischen Synthesis wird jederzeit erfordert, daß das Unbedingte ein Erfahrungsbegriff sei. Also ist eine begrenzte Welt für euren Begriff zu klein.
Zweitens, besteht jede Erscheinung im Raume (Materie) aus unendlich viel Teilen, so ist der Regressus der Teilung für euren Begriff jederzeit zu groß; und soll die Teilung des Raumes irgend bei einem Gliede derselben (dem Einfachen) aufhören, so ist er für die Idee des Unbedingten zu klein. Denn dieses
B 516 Glied läßt noch immer einen Regressus zu mehreren in ihm enthaltenen Teilen übrig.
Drittens, nehmt ihr an: in allem, was in der Welt geschieht, sei nichts, als Erfolg nach Gesetzen der Natur, so ist die Kausalität der Ursache immer wiederum etwas, das geschieht, und euren Regressus zu noch höherer Ursache, mithin die Verlängerung der Reihe von Bedingungen a parte priori ohne Aufhören notwendig macht. Die bloße wirkende Natur ist also für allen euren Begriff, in der Synthesis der Weltbegebenheiten, zu groß.
Wählt ihr, hin und wieder, von selbst gewirkte Begebenheiten, mithin Erzeugung aus Freiheit: so verfolgt euch das Warum nach einem unvermeidlichen Naturgesetze, und nötigt euch, über diesen Punkt nach dem Kausalgesetze der Erfahrung hinauszugehen, und ihr findet, daß dergleichen Totalität der Verknüpfung für euren notwendigen empirischen Begriff zu klein ist.
Viertens. Wenn ihr ein schlechthin notwendiges Wesen (es sei die Welt selbst, oder etwas in der Welt, oder die Weltursache) annehmt; so setzt ihr es in eine, von dem gegebenen Zeitpunkt unendlich entfernte Zeit; weil es sonst von einem anderen und älteren Dasein abhängend sein würde. Alsdann ist aber diese Existenz für euren empirischen Begriff unzugänglich und zu groß, als daß ihr jemals durch irgendeinen fortgesetzten Regressus dazu gelangen könntet.
B 517 Ist aber, eurer Meinung nach, alles was zur Welt (es sei als Bedingt oder als Bedingung) gehört, zufällig: so ist jede euch gegebene Existenz für euren Begriff zu klein. Denn sie nötigt euch, euch noch immer nach einer anderen Existenz umzusehen, von der sie abhängig ist.
Wir haben in allen diesen Fällen gesagt, daß die Weltidee für den empirischen Regressus, mithin jeden möglichen Verstandesbegriff, entweder zu groß, oder auch für denselben zu klein sei. Warum haben wir uns nicht umgekehrt ausgedrückt, und gesagt: daß im ersteren Falle der empirische Begriff für die Idee jederzeit zu klein, im zweiten aber zu groß sei, und mithin gleichsam die Schuld auf dem empirischen Regressus hafte; anstatt, daß wir die kosmologische Idee anklagten, daß sie im Zuviel oder Zuwenig von ihrem Zwecke, nämlich der möglichen Erfahrung, abwiche? Der Grund war dieser. Mögliche Erfahrung ist das, was unseren Begriffen allein Realität geben kann; ohne das ist aller Begriff nur Idee, ohne Wahrheit und Beziehung auf einen Gegenstand. Daher war der mögliche empirische Begriff das Richtmaß, wonach die Idee beurteilt werden mußte, ob sie bloße Idee und Gedankending sei, oder in der Welt ihren Gegenstand antreffe. Denn man sagt nur von demjenigen, daß es verhältnisweise auf etwas anderes zu groß oder zu klein sei, was nur um dieses letzteren willen angenommen wird, und darnach eingerichtet sein muß. Zu dem Spielwerke der
B 518 alten dialektischen Schulen gehörte auch diese Frage: wenn eine Kugel nicht durch ein Loch geht, was soll man sagen: Ist die Kugel zu groß, oder das Loch zu klein? In diesem Falle ist es gleichgültig, wie ihr euch ausdrücken wollt; denn ihr wißt nicht, welches von beiden um des anderen willen da ist. Dagegen werdet ihr nicht sagen: der Mann ist für sein Kleid zu lang, sondern das Kleid ist für den Mann zu kurz.
Wir sind also wenigstens auf den gegründeten Verdacht gebracht. daß die kosmologischen Ideen, und mit ihnen alle untereinander in Streit gesetzten vernünftelnden Behauptungen, vielleicht einen leeren und bloß eingebildeten Begriff, von der Art, wie uns der Gegenstand dieser Ideen gegeben wird, zum Grunde liegen haben, und dieser Verdacht kann uns schon auf die rechte Spur führen, das Blendwerk zu entdecken, was uns so lange irregeführt hat.
Der Antinomie der reinen Vernunft Sechster Abschnitt Der transzendentale Idealism als der Schlüssel zu Auflösung der kosmologischen Dialektik
Wir haben in der transzendentalen Ästhetik hinreichend bewiesen: daß alles, was im Raume oder der Zeit angeschaut wird, mithin alle Gegenstände einer uns möglichen Erfahrung, nichts als Erscheinungen, d.i.
B 519 bloße Vorstellungen sind, die, so wie sie vorgestellt werden, als ausgedehnte Wesen, oder Reihen von Veränderungen, außer unseren Gedanken keine an sich gegründete Existenz haben. Diesen Lehrbegriff nenne ich den transzendentalen Idealism.* Der Realist in transzendentaler Bedeutung macht aus diesen Modifikationen unserer Sinnlichkeit an sich subsistierende Dinge, und daher bloße Vorstellungen zu Sachen an sich selbst.
* Ich habe ihn auch sonst bisweilen den formalen Idealism genannt, um ihn von dem materialen, d.i. dem gemeinen, der die Existenz äußerer Dinge selbst bezweifelt oder leugnet, zu unterscheiden. In manchen Fällen scheint es ratsam zu sein, sich lieber dieser als der obgenannten Ausdrücke zu bedienen, um alle Mißdeutung zu verhüten.
Man würde uns Unrecht tun, wenn man uns den schon längst so verschrienen empirischen Idealismus zumuten wollte, der, indem er die eigene Wirklichkeit des Raumes annimmt, das Dasein der ausgedehnten Wesen in denselben leugnet, wenigstens zweifelhaft findet, und zwischen Traum und Wahrheit in diesem Stücke keinen genugsam erweislichen Unterschied einräumt. Was die Erscheinungen des inneren Sinnes in der Zeit betrifft, an denen, als wirklichen Dingen, findet er keine Schwierigkeit; ja er behauptet sogar, daß diese innere Erfahrung das wirkliche Dasein ihres Objekts (an sich selbst), (mit aller dieser Zeitbestimmung,) einzig und allein hinreichend beweise.
B 520 Unser transzendentaler Idealism erlaubt es dagegen: daß die Gegenstände äußerer Anschauung, ebenso wie sie im Raume angeschaut werden, auch wirklich sind, und in der Zeit alle Veränderungen, so wie sie der innere Sinn vorstellt. Denn, da der Raum schon eine Form derjenigen Anschauung ist, die wir die äußere nennen, und, ohne Gegenstände in demselben, es gar keine empirische Vorstellung geben würde: so können und müssen wir darin ausgedehnte Wesen als wirklich annehmen, und ebenso ist es auch mit der Zeit. Jener Raum selber aber, samt dieser Zeit, und, zugleich mit beiden, alle Erscheinungen, sind doch an sich selbst keine Dinge, sondern nichts als Vorstellungen, und können gar nicht außer unserem Gemüt existieren, und selbst ist die innere und sinnliche Anschauung unseres Gemüts, (als Gegenstandes des Bewußtseins,) dessen Bestimmung durch die Sukzession verschiedener Zustände in der Zeit vorgestellt wird, auch nicht das eigentliche Selbst, so wie es an sich existiert, oder das transzendentale Subjekt, sondern nur eine Erscheinung, die der Sinnlichkeit dieses uns unbekannten Wesens gegeben worden. Das Dasein dieser inneren Erscheinung, als eines so an sich existierenden Dinges, kann nicht eingeräumt werden, weil ihre Bedingung die Zeit ist, welche keine Bestimmung irgendeines Dinges an sich selbst sein kann. In dem Raume aber und der Zeit ist die empirische Wahrheit der Erscheinungen genugsam gesichert, und von der Verwandtschaft mit dem Traume hinreichend
B 521 unterschieden, wenn beide nach empirischen Gesetzen in einer Erfahrung richtig und durchgängig zusammenhängen.
Es sind demnach die Gegenstände der Erfahrung niemals an sich selbst, sondern nur in der Erfahrung gegeben, und existieren außer derselben gar nicht. Daß es Einwohner im Monde geben könne, ob sie gleich kein Mensch jemals wahrgenommen hat, muß allerdings eingeräumt werden, aber es bedeutet nur so viel: daß wir in dem möglichen Fortschritt der Erfahrung auf sie treffen könnten; denn alles ist wirklich, was mit einer Wahrnehmung nach Gesetzen des empirischen Fortgangs in einem Kontext steht. Sie sind also alsdann wirklich, wenn sie mit meinem wirklichen Bewußtsein in einem empirischen Zusammenhange stehen, ob sie gleich darum nicht an sich, d.i. außer diesem Fortschritt der Erfahrung, wirklich sind.
Uns ist wirklich nichts gegeben, als die Wahrnehmung und der empirische Fortschritt von dieser zu anderen möglichen Wahrnehmungen. Denn an sich selbst sind die Erscheinungen, als bloße Vorstellungen, nur in der Wahrnehmung wirklich, die in der Tat nichts anderes ist, als die Wirklichkeit einer empirischen Vorstellung, d.i. Erscheinung. Vor der Wahrnehmung eine Erscheinung ein wirkliches Ding nennen, bedeutet entweder, daß wir im Fortgange der Erfahrung auf eine solche Wahrnehmung treffen müssen, oder es hat gar keine Bedeutung. Denn, daß sie an sich selbst, ohne Beziehung auf unsere Sinne und mögliche Erfahrung existiere, könnte allerdings gesagt
B 522 werden, wenn von einem Dinge an sich selbst die Rede wäre. Es ist aber bloß von einer Erscheinung im Raume und der Zeit, die beides keine Bestimmungen der Dinge an sich selbst, sondern nur unserer Sinnlichkeit sind, die Rede; daher das, was in ihnen ist, (Erscheinungen) nicht an sich Etwas, sondern bloße Vorstellungen sind, die, wenn sie nicht in uns (in der Wahrnehmung) gegeben sind, überall nirgend angetroffen werden.
Das sinnliche Anschauungsvermögen ist eigentlich nur eine Rezeptivität, auf gewisse Weise mit Vorstellungen affiziert zu werden, deren Verhältnis zueinander eine reine Anschauung des Raumes und der Zeit ist, (lauter Formen unserer Sinnlichkeit,) und welche, sofern sie in diesem Verhältnisse (dem Raume und der Zeit) nach Gesetzen der Einheit der Erfahrung verknüpft und bestimmbar sind, Gegenstände heißen. Die nichtsinnliche Ursache dieser Vorstellungen ist uns gänzlich unbekannt, und diese können wir daher nicht als Objekt anschauen; denn dergleichen Gegenstand würde weder im Raume, noch der Zeit (als bloßen Bedingungen der sinnlichen Vorstellung) vorgestellt werden müssen, ohne welche Bedingungen wir uns gar keine Anschauung denken können. Indessen können wir die bloß intelligible Ursache der Erscheinungen überhaupt, das transzendentale Objekt nennen, bloß, damit wir etwas haben, was der Sinnlichkeit als einer Rezeptivität korrespondiert. Diesem transzendentalen Objekt können wir allen Umfang und Zusammenhang unserer
B 523 möglichen Wahrnehmungen zuschreiben, und sagen: daß es vor aller Erfahrung an sich selbst gegeben sei. Die Erscheinungen aber sind, ihm gemäß, nicht an sich, sondern nur in dieser Erfahrung gegeben, weil sie bloße Vorstellungen sind, die nur als Wahrnehmungen einen wirklichen Gegenstand bedeuten, wenn nämlich diese Wahrnehmung mit allen anderen nach den Regeln der Erfahrungseinheit zusammenhängt. So kann man sagen: die wirklichen Dinge der vergangenen Zeit sind in dem transzendentalen Gegenstande der Erfahrung gegeben; sie sind aber für mich nur Gegenstände und in der vergangenen Zeit wirklich, sofern als ich mir vorstelle, daß eine regressive Reihe möglicher Wahrnehmungen, (es sei am Leitfaden der Geschichte, oder an den Fußtapfen der Ursachen und Wirkungen,) nach empirischen Gesetzen, mit einem Worte, der Weltlauf auf eine verflossene Zeitreihe als Bedingung der gegenwärtigen Zeit führt, welche alsdann doch nur in dem Zusammenhange einer möglichen Erfahrung und nicht an sich selbst als wirklich vorgestellt wird, so, daß alle von undenklicher Zeit her vor meinem Dasein verflossenen Begebenheiten doch nichts anderes bedeuten, als die Möglichkeit der Verlängerung der Kette der Erfahrung, von der gegenwärtigen Wahrnehmung an, aufwärts zu den Bedingungen, welche diese der Zeit nach bestimmen.
Wenn ich mir demnach alle existierenden Gegenstände der Sinne in aller Zeit und allen Räumen insgesamt vorstelle: so setze ich solche nicht vor der Erfahrung in beide
B 524 hinein, sondern diese Vorstellung ist nichts anderes, als der Gedanke von einer möglichen Erfahrung, in ihrer absoluten Vollständigkeit. In ihr allein sind jene Gegenstände (welche nichts als bloße Vorstellungen sind) gegeben. Daß man aber sagt, sie existieren vor aller meiner Erfahrung, bedeutet nur, daß sie in dem Teile der Erfahrung, zu welchem ich, von der Wahrnehmung anhebend, allererst fortschreiten muß, anzutreffen sind. Die Ursache der empirischen Bedingungen dieses Fortschritts, mithin auf welche Glieder, oder auch, wie weit ich auf dergleichen im Regressus treffen könne, ist transzendental und mir daher notwendig unbekannt. Aber um diese ist es auch nicht zu tun, sondern nur um die Regel des Fortschritts der Erfahrung, in der mir die Gegenstände, nämlich Erscheinungen, gegeben werden. Es ist auch im Ausgange ganz einerlei, ob ich sage, ich könne im empirischen Fortgange im Raume auf Sterne treffen, die hundertmal weiter entfernt sind, als die äußersten, die ich sehe: oder ob ich sage, es sind vielleicht deren im Weltraume anzutreffen, wenn sie gleich niemals ein Mensch wahrgenommen hat, oder wahrnehmen wird; denn, wenn sie gleich als Dinge an sich selbst, ohne Beziehung auf mögliche Erfahrung, überhaupt gegeben wären, so sind sie doch für mich nichts, mithin keine Gegenstände, als sofern sie in der Reihe des empirischen Regressus enthalten sind. Nur in anderweitiger Beziehung, wenn eben diese Erscheinungen zur kosmologischen Idee von einem
B 525 absoluten Ganzen gebraucht werden sollen, und, wenn es also um eine Frage zu tun ist, die über die Grenzen möglicher Erfahrung hinausgeht, ist die Unterscheidung derart, wie man die Wirklichkeit gedachter Gegenstände der Sinne nimmt, von Erheblichkeit, um einem trüglichen Wahne vorzubeugen, welcher aus der Mißdeutung unserer eigenen Erfahrungsbegriffe unvermeidlich entspringen muß.
Der Antinomie der reinen Vernunft Siebenter Abschnitt Kritische Entscheidung des kosmologischen Streits der Vernunft mit sich selbst
Die ganze Antinomie der reinen Vernunft beruht auf dem dialektischen Argumente: Wenn das Bedingte gegeben ist, so ist auch die ganze Reihe aller Bedingungen desselben gegeben: nun sind uns Gegenstände der Sinne als bedingt gegeben, folglich usw. Durch diesen Vernunftschluß, dessen Obersatz so natürlich und einleuchtend scheint, werden nun, nach Verschiedenheit der Bedingungen (in der Synthesis der Erscheinungen), sofern sie eine Reihe ausmachen, ebensoviel kosmologische Ideen eingeführt, welche die absolute Totalität dieser Reihen postulieren und eben dadurch die Vernunft unvermeidlich in Widerstreit mit sich selbst versetzen. Ehe wir aber das Trügliche dieses vernünftelnden Arguments aufdecken, müssen wir uns durch
B 526 Berichtigung und Bestimmung gewisser darin vorkommender Begriffe dazu instand setzen.
Zuerst ist folgender Satz klar und ungezweifelt gewiß: daß, wenn das Bedingte gegeben ist, uns eben dadurch ein Regressus in der Reihe aller Bedingungen zu demselben aufgegeben sei; denn dieses bringt schon der Begriff des Bedingten so mit sich, daß dadurch etwas auf eine Bedingung, und, wenn diese wiederum bedingt ist, auf eine entferntere Bedingung, und so durch alle Glieder der Reihe bezogen wird. Dieser Satz ist also analytisch und erhebt sich über alle Furcht vor eine transzendentale Kritik. Er ist ein logisches Postulat der Vernunft: diejenige Verknüpfung eines Begriffs mit seinen Bedingungen durch den Verstand zu verfolgen und soweit als möglich fortzusetzen, die schon dem Begriffe selbst anhängt.
Ferner: wenn das Bedingte sowohl, als seine Bedingung, Dinge an sich selbst sind, so ist, wenn das Erstere gegeben worden, nicht bloß der Regressus zu dem Zweiten aufgegeben, sondern dieses ist dadurch wirklich schon mit gegeben, und, weil dieses von allen Gliedern der Reihe gilt, so ist die vollständige Reihe der Bedingungen, mithin auch das Unbedingte dadurch zugleich gegeben, oder vielmehr vorausgesetzt, daß das Bedingte, welches nur durch jene Reihe möglich war, gegeben ist. Hier ist die Synthesis des Bedingten mit seiner Bedingung eine Synthesis des bloßen Verstandes, welcher die Dinge vorstellt, wie sie sind, ohne darauf zu achten, ob, und wie wir
B 527 zur Kenntnis derselben gelangen können. Dagegen wenn ich es mit Erscheinungen zu tun habe, die, als bloße Vorstellungen, gar nicht gegeben sind, wenn ich nicht zu ihrer Kenntnis (d.i. zu ihnen selbst, denn sie sind nichts, als empirische Kenntnisse,) gelangen so kann ich nicht in eben der Bedeutung sagen: wenn das Bedingte gegeben ist, so sind auch alle Bedingungen (als Erscheinungen) zu demselben gegeben, und kann mithin auf die absolute Totalität der Reihe derselben keineswegs schließen. Denn die Erscheinungen sind, in der Apprehension, selber nichts anderes, als eine empirische Synthesis (im Raume und der Zeit) und sind also nur in dieser gegeben. Nun folgt es gar nicht, daß, wenn das Bedingte (in der Erscheinung) gegeben ist, auch die Synthesis, die seine empirische Bedingung ausmacht, dadurch mitgegeben und vorausgesetzt sei, sondern diese findet allererst im Regressus, und niemals ohne denselben, statt. Aber das kann man wohl in einem solchen Falle sagen, daß ein Regressus zu den Bedingungen, d.i. eine fortgesetzte empirische Synthesis auf dieser Seite geboten oder aufgegeben sei, und daß es nicht an Bedingungen fehlen könne, die durch diesen Regressus gegeben werden.
Hieraus erhellt, daß der Obersatz des kosmologischen Vernunftschlusses das Bedingte in transzendentaler Bedeutung einer reinen Kategorie, der Untersatz aber in empirischer Bedeutung eines auf bloße Erscheinungen angewandten Verstandesbegriffs nehmen, folglich derjenige
B 528 dialektische Betrug darin angetroffen werde, den man Sophisma figurae dictionis nennt. Dieser Betrug ist aber nicht erkünstelt, sondern eine ganz natürliche Täuschung der gemeinen Vernunft. Denn durch dieselbe setzen wir (im Obersatze) die Bedingungen und ihre Reihe, gleichsam unbesehen, voraus, wenn etwas als bedingt gegeben ist, weil dieses nichts anderes, als die logische Forderung ist, vollständige Prämissen zu einem gegebenen Schlußsatze anzunehmen, und da ist in der Verknüpfung des Bedingten mit seiner Bedingung keine Zeitordnung anzutreffen; sie werden an sich, als zugleich gegeben, vorausgesetzt. Ferner ist es ebenso natürlich (im Untersatze) Erscheinungen als Dinge an sich und ebensowohl dem bloßen Verstande gegebene Gegenstände anzusehen, wie es im Obersatze geschah, da ich von allen Bedingungen der Anschauung, unter denen allein Gegenstände gegeben werden können, abstrahierte. Nun hatten wir aber hierbei einen merkwürdigen Unterschied zwischen den Begriffen übersehen. Die Synthesis des Bedingten mit seiner Bedingung und die ganze Reihe der letzteren (im Obersatze) führte gar nichts von Einschränkung durch die Zeit und keinen Begriff der Sukzession bei sich. Dagegen ist die empirische Synthesis und die Reihe der Bedingungen in der Erscheinung (die im Untersatze subsumiert wird,) notwendig sukzessiv und nur in der Zeit nacheinander gegeben; folglich konnte ich die absolute Totalität der Synthesis und der dadurch vorgestellten Reihe hier nicht ebensowohl, als dort
B 529 voraussetzen, weil dort alle Glieder der Reihe an sich (ohne Zeitbedingung) gegeben sind, hier aber nur durch den sukzessiven Regressus möglich sind, der nur dadurch gegeben ist, daß man ihn wirklich vollführt.
Nach der Überweisung eines solchen Fehltritts, des gemeinschaftlich zum Grunde (der kosmologischen Behauptungen) gelegten Arguments, können beide streitenden Teile mit Recht, als solche, die ihre Forderung auf keinen gründlichen Titel gründen, abgewiesen werden. Dadurch aber ist ihr Zwist noch nicht insofern geendigt, daß sie überführt worden wären, sie, oder einer von beiden, hätte in der Sache selbst, die er behauptet, (im Schlußsatze) Unrecht, wenn er sie gleich nicht auf tüchtige Beweisgründe zu bauen wußte. Es scheint doch nichts klarer, als daß von zweien, deren der eine behauptet: die Welt hat einen Anfang, der andere: die Welt hat keinen Anfang, sondern sie ist von Ewigkeit her, doch einer Recht haben müsse. Ist aber dieses, so ist es, weil die Klarheit auf beiden Seiten gleich ist, doch unmöglich, jemals auszumitteln, auf welcher Seite das Recht sei, und der Streit dauert nach wie vor, wenn die Parteien gleich bei dem Gerichtshofe der Vernunft zur Ruhe verwiesen worden. Es bleibt also kein Mittel übrig, den Streit gründlich und zur Zufriedenheit beider Teile zu endigen, als daß, da sie einander doch so schön widerlegen können, sie endlich überführt werden, daß sie um nichts streiten, und ein gewisser transzendentaler Schein ihnen da eine
B 530 Wirklichkeit vorgemalt habe, wo keine anzutreffen ist.
Diesen Weg der Beilegung eines nicht abzuurteilenden Streits wollen wir jetzt einschlagen.
* * *
Der eleatische Zeno, ein subtiler Dialektiker, ist schon vom Plato als ein mutwilliger Sophist darüber sehr getadelt worden, daß er, um seine Kunst zu zeigen, einerlei Satz durch scheinbare Argumente zu beweisen und bald darauf durch andere ebenso starke wieder umzustürzen suchte. Er behauptete, Gott (vermutlich war es bei ihm nichts als die Welt) sei weder endlich, noch unendlich, er sei weder in Bewegung, noch in Ruhe, sei keinem anderen Dinge weder ähnlich, noch unähnlich. Es schien denen, die ihn hierüber beurteilten, er habe zwei einander widersprechende Sätze gänzlich ableugnen wollen, welches ungereimt ist. Allein ich finde nicht, daß ihm dieses mit Recht zur Last gelegt werden könne. Den ersteren dieser Sätze werde ich bald näher beleuchten. Was die übrigen betrifft, wenn er unter dem Worte: Gott, das Universum verstand, so mußte er allerdings sagen: daß dieses weder in seinem Orte beharrlich gegenwärtig (in Ruhe) sei, noch denselben verändere (sich bewege), weil alle Örter nur im Univers, dieses selbst also in keinem Orte ist. Wenn das Weltall alles, was existiert, in sich faßt, so ist es auch sofern keinem anderen Dinge, weder ähnlich noch unähnlich, weil es außer ihm kein anderes Ding
B 531 gibt, mit dem es könnte verglichen werden. Wenn zwei einander entgegengesetzte Urteile eine unstatthafte Bedingung voraussetzen, so fallen sie, unerachtet ihres Widerstreits (der gleichwohl kein eigentlicher Widerspruch ist), alle beide weg, weil die Bedingung wegfällt, unter der allein jeder dieser Sätze gelten sollte.
Wenn jemand sagte, ein jeder Körper riecht entweder gut, oder er riecht nicht gut, so findet ein Drittes statt, nämlich, daß er gar nicht rieche, (ausdufte) und so können beide widerstreitenden Sätze falsch sein. Sage ich, er ist entweder wohlriechend, oder er ist nicht wohlriechend: (vel suaveolens vel non suaveolens) so sind beide Urteile einander kontradiktorisch entgegengesetzt und nur der erste ist falsch, sein kontradiktorisches Gegenteil aber, nämlich einige Körper sind nicht wohlriechend, befaßt auch die Körper in sich, die gar nicht riechen. In der vorigen Entgegenstellung (per disparata) blieb die zufällige Bedingung des Begriffs der Körper (der Geruch) noch bei dem widerstreitenden Urteile, und wurde durch dieses also nicht mit aufgehoben, daher war das letztere nicht das kontradiktorische Gegenteil des ersteren.
Sage ich demnach: die Welt ist dem Raume nach entweder unendlich, oder sie ist nicht unendlich (non est infinitus), so muß, wenn der erstere Satz falsch ist, sein kontradiktorisches Gegenteil: die Welt ist nicht unendlich, wahr sein. Dadurch würde ich nur eine unendliche Welt aufheben, ohne eine andere, nämlich die endliche, zu setzen.
B 532 Hieße es aber: die Welt ist entweder unendlich, oder endlich (nichtunendlich,) so könnten beide falsch sein. Denn ich sehe alsdann die Welt, als an sich selbst, ihrer Größe nach bestimmt an, indem ich in dem Gegensatz nicht bloß die Unendlichkeit aufhebe, und, mit ihr, vielleicht ihre ganze abgesonderte Existenz, sondern eine Bestimmung zur Welt, als einem an sich selbst wirklichen Dinge, hinzusetzen welches ebensowohl falsch sein kann, wenn nämlich die Welt gar nicht als ein Ding an sich, mithin auch nicht ihrer Größe nach, weder als unendlich, noch als endlich gegeben sein sollte. Man erlaube mir, daß ich dergleichen Entgegensetzung die dialektische, die des Widerspruchs aber die analytische Opposition nennen darf. Also können von zwei dialektisch einander entgegengesetzten Urteilen alle beide falsch sein, darum, weil eines dem anderen nicht bloß widerspricht, sondern etwas mehr sagt, als zum Widerspruche erforderlich ist.
Wenn man die zwei Sätze: die Welt ist der Größe nach unendlich, die Welt ist ihrer Größe nach endlich, als einander kontradiktorisch entgegengesetzte ansieht, so nimmt man an, daß die Welt (die ganze Reihe der Erscheinungen) ein Ding an sich selbst sei. Denn sie bleibt, ich mag den unendlichen oder endlichen Regressus in der Reihe ihrer Erscheinungen aufheben. Nehme ich aber diese Voraussetzung, oder diesen transzendentalen Schein weg, und leugne, daß sie ein Ding an sich selbst sei, so verwandelt
B 533 sich der kontradiktorische Widerstreit beider Behauptungen in einen bloß dialektischen, und weil die Welt gar nicht an sich (unabhängig von der regressiven Reihe meiner Vorstellungen) existiert, so existiert sie weder als ein an sich unendliches, noch als ein an sich endliches Ganzes. Sie ist nur im empirischen Regressus der Reihe der Erscheinungen und für sich selbst gar nicht anzutreffen. Daher, wenn diese jederzeit bedingt ist, so ist sie niemals ganz gegeben, und die Welt ist also kein unbedingtes Ganzes, existiert also auch nicht als ein solches, weder mit unendlicher, noch endlicher Größe.
Was hier von der ersten kosmologischen Idee, nämlich der absoluten Totalität der Größe in der Erscheinung gesagt worden, gilt auch von allen übrigen. Die Reihe der Bedingungen ist nur in der regressiven Synthesis selbst, nicht aber an sich in der Erscheinung, als einem eigenen, vor allem Regressus gegebenen Dinge, anzutreffen. Daher werde ich auch sagen müssen: die Menge der Teile in einer gegebenen Erscheinung ist an sich weder endlich, noch unendlich, weil Erscheinung nichts an sich selbst Existierendes ist, und die Teile allererst durch den Regressus der dekomponierenden Synthesis, und in demselben, gegeben werden, welcher Regressus niemals schlechthin ganz, weder als endlich, noch als unendlich gegeben ist. Eben das gilt von der Reihe der übereinander geordneten Ursachen, oder der bedingten bis zur unbedingt notwendigen
B 534 Existenz, welche niemals weder an sich ihrer Totalität nach als endlich, noch als unendlich angesehen werden kann, weil sie als Reihe subordinierter Vorstellungen nur im dynamischen Regressus besteht, vor demselben aber, und als für sich bestehende Reihe von Dingen, an sich selbst gar nicht existieren kann.
So wird demnach die Antinomie der reinen Vernunft bei ihren kosmologischen Ideen gehoben, dadurch, daß gezeigt wird, sie sei bloß dialektisch und ein Widerstreit eines Scheins, der daher entspringt, daß man die Idee der absoluten Totalität, welche nur als eine Bedingung der Dinge an sich selbst gilt, auf Erscheinungen angewandt hat, die nur in der Vorstellung, und, wenn sie eine Reihe ausmachen, im sukzessiven Regressus, sonst aber gar nicht existieren. Man kann aber auch umgekehrt aus dieser Antinomie einen wahren, zwar nicht dogmatischen, aber doch so kritischen und doktrinalen Nutzen ziehen: nämlich die transzendentale Idealität der Erscheinungen dadurch indirekt zu beweisen, wenn jemand etwa an dem direkten Beweise in der transzendentalen Ästhetik nicht genug hätte. Der Beweis würde in diesem Dilemma bestehen. Wenn die Welt ein an sich existierendes Ganzes ist: so ist sie entweder endlich, oder unendlich. Nun ist das erstere sowohl als das zweite falsch (laut der oben angeführten Beweise der Antithesis, einer-, und der Thesis andererseits). Also ist es auch falsch, daß die Welt (der
B 535 Inbegriff aller Erscheinungen) ein an sich existierendes Ganzes sei. Woraus denn folgt, daß Erscheinungen überhaupt außer unseren Vorstellungen nichts sind, welches wir eben durch die transzendentale Idealität derselben sagen wollten.
Diese Anmerkung ist von Wichtigkeit. Man sieht daraus, daß die obigen Beweise der vierfachen Antinomie nicht Blendwerke, sondern gründlich waren, unter der Voraussetzung nämlich, daß Erscheinungen oder eine Sinnenwelt, die sie insgesamt in sich begreift, Dinge an sich selbst wären. Der Widerstreit der daraus gezogenen Sätze entdeckt aber, daß in der Voraussetzung eine Falschheit liege, und bringt uns dadurch zu einer Entdeckung der wahren Beschaffenheit der Dinge, als Gegenstände der Sinne. Die transzendentale Dialektik tut also keineswegs dem Skeptizism einigen Vorschub, wohl aber der skeptischen Methode, welche an ihr ein Beispiel ihres großen Nutzens aufweisen kann, wenn man die Argumente der Vernunft in ihrer größten Freiheit gegeneinander auftreten läßt, die, ob sie gleich zuletzt nicht dasjenige, was man suchte, dennoch jederzeit etwas Nützliches und zur Berichtigung unserer Urteile Dienliches, liefern werden.
B 536 Der Antinomie der reinen Vernunft Achter Abschnitt Regulatives Prinzip der reinen Vernunft in Ansehung der kosmologischen Ideen
Da durch den kosmologischen Grundsatz der Totalität kein Maximum der Reihe von Bedingungen in einer Sinnenwelt, als einem Dinge an sich selbst, gegeben wird, sondern bloß im Regressus derselben aufgegeben werden kann, so behält der gedachte Grundsatz der reinen Vernunft, in seiner dergestalt berichtigten Bedeutung, annoch seine gute Gültigkeit, zwar nicht als Axiom, die Totalität im Objekt als wirklich zu denken, sondern als ein Problem für den Verstand, also für das Subjekt, um, der Vollständigkeit in der Idee gemäß, den Regressus in der Reihe der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten anzustellen und fortzusetzen. Denn in der Sinnlichkeit, d.i. im Raume und der Zeit, ist jede Bedingung, zu der wir in der Exposition gegebener Erscheinungen gelangen können, wiederum bedingt; weil diese keine Gegenstände an sich selbst sind, an denen allenfalls das Schlechthinunbedingte stattfinden könnte, sondern bloß empirische Vorstellungen, die jederzeit in der Anschauung ihre Bedingung finden müssen, welche sie dem Raume oder der Zeit nach bestimmt. Der Grundsatz der Vernunft also ist eigentlich nur eine Regel, welche in der Reihe der Bedingungen
B 537 gegebener Erscheinungen einen Regressus gebietet, dem es niemals erlaubt ist, bei einem Schlechthinunbedingten stehen zu bleiben. Er ist also kein Prinzipium der Möglichkeit der Erfahrung und der empirischen Erkenntnis der Gegenstände der Sinne, mithin kein Grundsatz des Verstandes; denn jede Erfahrung ist in ihren Grenzen (der gegebenen Anschauung gemäß) eingeschlossen, auch kein konstitutives Prinzip der Vernunft, den Begriff der Sinnenwelt über alle mögliche Erfahrung zu erweitern, sondern ein Grundsatz der größtmöglichen Fortsetzung und Erweiterung der Erfahrung, nach welchem keine empirische Grenze für absolute Grenze gelten muß, also ein Prinzipium der Vernunft, welches, als Regel, postuliert, was von uns im Regressus geschehen soll, und nicht antizipiert, was im Objekte vor allem Regressus an sich gegeben ist. Daher nenne ich es ein regulatives Prinzip der Vernunft, da hingegen der Grundsatz der absoluten Totalität der Reihe der Bedingungen, als im Objekte (den Erscheinungen) an sich selbst gegeben, ein konstitutives kosmologisches Prinzip sein würde, dessen Nichtigkeit ich eben durch diese Unterscheidung habe anzeigen und dadurch verhindern wollen, daß man nicht, wie sonst unvermeidlich geschieht, (durch transzendentale Subreption,) einer Idee, welche bloß zur Regel dient, objektive Realität beimesse.
Um nun den Sinn dieser Regel der reinen Vernunft gehörig zu bestimmen, so ist zuvörderst zu bemerken, daß
B 538 sie nicht sagen könne, was das Objekt sei, sondern wie der empirische Regressus anzustellen sei, um zu dem vollständigen Begriffe des Objekts zu gelangen. Denn, fände das erstere statt, so würde sie ein konstitutives Prinzipium sein, dergleichen aus reiner Vernunft niemals möglich ist. Man kann also damit keineswegs die Absicht haben, zu sagen, die Reihe der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten sei an sich endlich, oder unendlich; denn dadurch würde eine bloße Idee der absoluten Totalität, die lediglich in ihr selbst geschaffen ist, einen Gegenstand denken, der in keiner Erfahrung gegeben werden kann, indem einer Reihe von Erscheinungen eine von der empirischen Synthesis unabhängige objektive Realität erteilt würde. Die Vernunftidee wird also nur der regressiven Synthesis in der Reihe der Bedingungen eine Regel vorschreiben, nach welcher sie vom Bedingten, vermittelst aller einander untergeordneten Bedingungen, zum Unbedingten fortgeht, obgleich dieses niemals erreicht wird. Denn das Schlechthinunbedingte wird in der Erfahrung gar nicht angetroffen.
Zu diesem Ende ist nun erstlich die Synthesis einer Reihe, sofern sie niemals vollständig ist, genau zu bestimmen. Man bedient sich in dieser Absicht gewöhnlich zweier Ausdrücke, die darin etwas unterscheiden sollen, ohne daß man doch den Grund dieser Unterscheidung recht anzugeben weiß. Die Mathematiker sprechen lediglich von einem progressus in infinitum. Die Forscher der Begriffe
B 539 (Philosophen) wollen an dessen Statt nur den Ausdruck von einem progressus in indefinitum gelten lassen. Ohne mich bei der Prüfung der Bedenklichkeit, die diesen eine solche Unterscheidung angeraten hat, und dem guten oder fruchtlosen Gebrauch derselben aufzuhalten, will ich diese Begriffe in Beziehung auf meine Absicht genau zu bestimmen suchen.
Von einer geraden Linie kann man mit Recht sagen, sie könne ins Unendliche verlängert werden, und hier würde die Unterscheidung des Unendlichen und des unbestimmbar weiten Fortgangs (progressus in indefinitum) eine leere Subtilität sein. Denn, obgleich, wenn es heißt: ziehet eine Linie fort, es freilich richtiger lautet, wenn man hinzusetzt, in indefinitum, als wenn es heißt, in infinitum; weil das erstere nicht mehr bedeutet, als: verlängert sie, so weit ihr wollt, das zweite aber: ihr sollt niemals aufhören sie zu verlängern, (welches hierbei eben nicht die Absicht ist,) so ist doch, wenn nur vom können die Rede ist, der erstere Ausdruck ganz richtig; denn ihr könnt sie ins Unendliche immer größer machen. Und so verhält es sich auch in allen Fällen, wo man nur vom Progressus, d.i. dem Fortgange von der Bedingung zum Bedingten, spricht; dieser mögliche Fortgang geht in der Reihe der Erscheinungen ins Unendliche. Von einem Elternpaar könnt ihr in absteigender Linie der Zeugung ohne Ende fortgehen und euch auch ganz wohl denken, daß sie wirklich
B 540 in der Welt so fortgehe. Denn hier bedarf die Vernunft niemals absolute Totalität der Reihe, weil sie solche nicht als Bedingung und wie gegeben (datum) vorausgesetzt, sondern nur als was Bedingtes, das nur angeblich (dabile) ist, und ohne Ende hinzugesetzt wird.
Ganz anders ist es mit der Aufgabe bewandt: wie weit sich der Regressus, der von dem gegebenen Bedingten zu den Bedingungen in einer Reihe aufsteigt, erstrecke, ob ich sagen könne: es sei ein Rückgang ins Unendliche, oder nur ein unbestimmbar weit (in indefinitum) sich erstreckender Rückgang, und ob ich also von den jetztlebenden Menschen, in der Reihe ihrer Voreltern, ins Unendliche aufwärts steigen könne, oder ob nur gesagt werden könne: daß, so weit ich auch zurückgegangen bin, niemals ein empirischer Grund angetroffen werde, die Reihe irgendwo für begrenzt zu halten, so daß ich berechtigt und zugleich verbunden bin, zu jedem der Urväter noch fernerhin seinen Vorfahren aufzusuchen, obgleich eben nicht vorauszusetzen.
Ich sage demnach: wenn das Ganze in der empirischen Anschauung gegeben worden, so geht der Regressus in der Reihe seiner inneren Bedingungen ins Unendliche. Ist aber nur ein Glied der Reihe gegeben, von welchem der Regressus zur absoluten Totalität allererst fortgehen soll: so findet nur ein Rückgang in unbestimmte Weise
B 541 (in indefinitum) statt. So muß von der Teilung einer zwischen ihren Grenzen gegebenen Materie (eines Körpers) gesagt werden: sie gehe ins Unendliche. Denn diese Materie ist ganz, folglich mit allen ihren möglichen Teilen, in der empirischen Anschauung gegeben. Da nun die Bedingung dieses Ganzen sein Teil, und die Bedingung dieses Teils der Teil vom Teile usw. ist, und in diesem Regressus der Dekomposition niemals ein unbedingtes (unteilbares) Glied dieser Reihe von Bedingungen angetroffen wird, so ist nicht allein nirgend ein empirischer Grund, in der Teilung aufzuhören, sondern die ferneren Glieder der fortzusetzenden Teilung sind selbst vor dieser weitergehenden Teilung empirisch gegeben, d.i. die Teilung geht ins Unendliche. Dagegen ist die Reihe der Voreltern zu einem gegebenen Menschen in keiner möglichen Erfahrung, in ihrer absoluten Totalität, gegeben, der Regressus aber geht doch von jedem Gliede dieser Zeugung zu einem höheren, so, daß keine empirische Grenze anzutreffen ist, die ein Glied, als schlechthin unbedingt, darstellte. Da aber gleichwohl auch die Glieder, die hierzu die Bedingung abgeben könnten, nicht in der empirischen Anschauung des Ganzen schon vor dem Regressus liegen: so geht dieser nicht ins Unendliche (der Teilung des Gegebenen), sondern in unbestimmbare Weite, der Aufsuchung mehrerer Glieder zu den gegebenen, die wiederum jederzeit nur bedingt gegeben sind.
B 542 In keinem von beiden Fällen, sowohl dem regressus in infinitum, als dem in indefinitum, wird die Reihe der Bedingungen als unendlich im Objekt gegeben angesehen. Es sind nicht Dinge, die an sich selbst, sondern nur Erscheinungen, die, als Bedingungen voneinander, nur im Regressus selbst gegeben werden. Also ist die Frage nicht mehr: wie groß diese Reihe der Bedingungen an sich selbst sei, ob endlich oder unendlich, denn sie ist nichts an sich selbst, sondern: wie wir den empirischen Regressus anstellen, und wie weit wir ihn fortsetzen sollen. Und da ist denn ein namhafter Unterschied in Ansehung der Regel dieses Fortschritts. Wenn das Ganze empirisch gegeben worden, so ist es möglich, ins Unendliche in der Reihe seiner inneren Bedingungen zurückzugehen. Ist jenes aber nicht gegeben, sondern soll durch empirischen Regressus allererst gegeben werden, so kann ich nur sagen: es ist ins Unendliche möglich, zu noch höheren Bedingungen der Reihe fortzugehen. Im ersteren Falle konnte ich sagen: es sind immer mehr Glieder da, und empirisch gegeben, als ich durch den Regressus (der Dekomposition) erreiche; im zweiten aber: ich kann im Regressus noch immer weiter gehen, weil kein Glied als schlechthin unbedingt empirisch gegeben ist, und also noch immer ein höheres Glied als möglich und mithin die Nachfrage nach demselben als notwendig zuläßt. Dort war es notwendig, mehr Glieder der Reihe anzutreffen, hier aber ist es immer notwendig, nach mehreren zu fragen, weil keine
B 543 Erfahrung absolut begrenzt. Denn ihr habt entweder keine Wahrnehmung, die euren empirischen Regressus schlechthin begrenzt, und dann müßt ihr euren Regressus nicht für vollendet halten, oder habt eine solche eure Reihe begrenzende Wahrnehmung, so kann diese nicht ein Teil eurer zurückgelegten Reihe sein, (weil das, was begrenzt, von dem, was dadurch begrenzt wird, unterschieden sein muß,) und ihr müßt also euren Regressus auch zu dieser Bedingung weiter fortsetzen, und so fortan.
Der folgende Abschnitt wird diese Bemerkungen durch ihre Anwendung in ihr gehöriges Licht setzen.
Der Antinomie der reinen Vernunft Neunter Abschnitt Von dem empirischen Gebrauche des regulativen Prinzips der Vernunft, in Ansehung aller kosmologischen Ideen
Da es, wie wir mehrmalen gezeigt haben, keinen transzendentalen Gebrauch so wenig von reinen Verstandes- als Vernunftbegriffen gibt, da die absolute Totalität der Reihen der Bedingungen in der Sinnenwelt sich lediglich auf einen transzendentalen Gebrauch der Vernunft fußt, welche diese unbedingte Vollständigkeit von demjenigen fordert, was sie als Ding an sich selbst
B 544 voraussetzt; da die Sinnenwelt aber dergleichen nicht enthält, so kann die Rede niemals mehr von der absoluten Größe der Reihen in derselben sein, ob sie begrenzt, oder an sich unbegrenzt sein mögen, sondern nur, wie weit wir im empirischen Regressus, bei Zurückführung der Erfahrung auf ihre Bedingungen, zurückgehen sollen, um nach der Regel der Vernunft bei keiner anderen, als dem Gegenstande angemessenen Beantwortung der Fragen derselben stehenzubleiben.
Es ist also nur die Gültigkeit des Vernunftprinzips, als einer Regel der Fortsetzung und Größe einer möglichen Erfahrung, die uns allein übrig bleibt, nachdem seine Ungültigkeit, als eines konstitutiven Grundsatzes der Erscheinungen an sich selbst, hinlänglich dargetan worden. Auch wird, wenn wir jene ungezweifelt vor Augen legen können, der Streit der Vernunft mit sich selbst völlig geendigt, indem nicht allein durch kritische Auflösung der Schein, der sie mit sich entzweite, aufgehoben worden, sondern an dessen Statt der Sinn, in welchem sie mit sich selbst zusammenstimmt und dessen Mißdeutung allein den Streit veranlaßte, aufgeschlossen, und ein sonst dialektischer Grundsatz in einen doktrinalen verwandelt wird. In der Tat, wenn dieser, seiner subjektiven Bedeutung nach, den größtmöglichen Verstandesgebrauch in der Erfahrung den Gegenständen derselben angemessen zu bestimmen, bewährt werden kann: so ist es gerade ebensoviel, als ob
B 545 er wie ein Axiom (welches aus reiner Vernunft unmöglich ist) die Gegenstände an sich selbst a priori bestimmte; denn auch dieses könnte in Ansehung der Objekte der Erfahrung keinen größeren Einfluß auf die Erweiterung und Berichtigung unserer Erkenntnis haben, als daß es sich in dem ausgebreitetsten Erfahrungsgebrauche unseres Verstandes tätig bewiese.
I. Auflösung der kosmologischen Idee von der Totalität der Zusammensetzung der Erscheinungen von einem Weltganzen
Sowohl hier, als bei den übrigen kosmologischen Fragen, ist der Grund des regulativen Prinzips der Vernunft der Satz: daß im empirischen Regressus keine Erfahrung von einer absoluten Grenze, mithin von keiner Bedingung, als einer solchen, die empirisch schlechthin unbedingt sei, angetroffen werden könne. Der Grund davon aber ist: daß eine dergleichen Erfahrung eine Begrenzung der Erscheinungen durch Nichts, oder das Leere, darauf der fortgeführte Regressus vermittelst einer Wahrnehmung stoßen könnte, in sich enthalten müßte, welches unmöglich ist.
Dieser Satz nun, der ebensoviel sagt, als: daß ich im empirischen Regressus jederzeit nur zu einer Bedingung
B 546 gelange, die selbst wiederum als empirisch bedingt angesehen werden muß, enthält die Regel in terminis: daß, so weit ich auch damit in der aufsteigenden Reihe gekommen sein möge, ich jederzeit nach einem höheren Gliede der Reihe fragen müsse, es mag mir dieses nun durch Erfahrung bekannt werden, oder nicht.
Nun ist zur Auflösung der ersten kosmologischen Aufgabe nichts weiter nötig, als noch auszumachen: ob in dem Regressus zu der unbedingten Größe des Weltganzen (der Zeit und dem Raume nach) dieses niemals begrenzte Aufsteigen ein Rückgang ins Unendliche heißen könne, oder nur ein unbestimmbar fortgesetzter Regressus (in indefinitum).
Die bloße allgemeine Vorstellung der Reihe aller vergangenen Weltzustände, imgleichen der Dinge, welche im Weltraume zugleich sind, ist selbst nichts anderes, als ein möglicher empirischer Regressus, den ich mir, obzwar noch unbestimmt, denke, und wodurch der Begriff einer solchen Reihe von Bedingungen zu der gegebenen Wahrnehmung allein entstehen kann*. Nun habe ich das
B 547 Weltganze jederzeit nur im Begriffe, keineswegs aber (als Ganzes) in der Anschauung. Also kann ich nicht von seiner Größe auf die Größe des Regressus schließen, und diese jener gemäß bestimmen, sondern ich muß mir allererst einen Begriff von der Weltgröße durch die Größe des empirischen Regressus machen. Von diesem aber weiß ich niemals etwas mehr, als daß ich von jedem gegebenen Gliede der Reihe von Bedingungen immer noch zu einem höheren (entfernteren) Gliede empirisch fortgehen müsse. Also ist dadurch die Größe des Ganzen der Erscheinungen gar nicht schlechthin bestimmt, mithin kann man auch nicht sagen, daß dieser Regressus ins Unendliche gehe, weil dieses die Glieder, dahin der Regressus noch nicht gelangt ist, antizipieren und ihre Menge so groß vorstellen würde, daß keine empirische Synthesis dazu gelangen kann, folglich die Weltgröße vor dem Regressus (wenn gleich nur negativ) bestimmen würde, welches unmöglich ist. Denn diese ist mir durch keine Anschauung (ihrer Totalität nach) mithin auch ihre Größe vor dem Regressus gar nicht gegeben. Demnach können wir von der Weltgröße an sich gar nichts sagen, auch nicht einmal, daß in ihr ein regressus in infinitum stattfinde, sondern müssen nur nach der Regel, die den empirischen Regressus in ihr bestimmt, den Begriff von ihrer Größe suchen. Diese Regel aber sagt nichts mehr, als daß, so weit wir auch in der Reihe der empirischen Bedingungen gekommen sein mögen, wir nirgend eine absolute Grenze annehmen sollen,
B 548 sondern jede Erscheinung, als bedingt, einer anderen, als ihrer Bedingung, unterordnen, zu dieser also ferner fortschreiten müssen, welches der regressus in indefinitum ist, der, weil er keine Größe im Objekt bestimmt, von dem in infinitum deutlich genug zu unterscheiden ist.
* Diese Weltreihe kann also auch weder größer, noch kleiner sein, als der mögliche empirische Regressus, auf dem allein ihr Begriff beruht. Und da dieser kein bestimmtes Unendliches, ebensowenig aber auch ein bestimmtendliches (schlechthin Begrenztes) geben kann: so ist daraus klar, daß wir die Weltgröße weder als endlich, noch unendlich annehmen können, weil der Regressus (dadurch jene vorgestellt wird) keines von beiden zuläßt.
Ich kann demnach nicht sagen: die Welt ist der vergangenen Zeit, oder dem Raume nach unendlich. Denn dergleichen Begriff von Größe, als einer gegebenen Unendlichkeit, ist empirisch, mithin auch in Ansehung der Welt, als eines Gegenstandes der Sinne, schlechterdings unmöglich. Ich werde auch nicht sagen: der Regressus von einer gegebenen Wahrnehmung an, zu allen dem, was diese im Raume sowohl, als der vergangenen Zeit, in einer Reihe begrenzt, geht ins Unendliche; denn dieses setzt die unendliche Weltgröße voraus; auch nicht: sie ist endlich; denn die absolute Grenze ist gleichfalls empirisch unmöglich. Demnach werde ich nichts von dem ganzen Gegenstande der Erfahrung (der Sinnenwelt), sondern nur von der Regel, nach welcher Erfahrung ihrem Gegenstande angemessen, angestellt und fortgesetzt werden soll, sagen können.
Auf die kosmologische Frage also, wegen der Weltgröße, ist die erste und negative Antwort: die Welt hat keinen ersten Anfang der Zeit und keine äußerste Grenze dem Raume nach.
Denn im entgegengesetzten Falle würde sie durch die leere Zeit einer-, und durch den leeren Raum
B 549 andererseits begrenzt sein. Da sie nun, als Erscheinung, keines von beiden an sich selbst sein kann, denn Erscheinung ist kein Ding an sich selbst, so müßte eine Wahrnehmung der Begrenzung durch schlechthin leere Zeit, oder leeren Raum, möglich sein, durch welche diese Weltenden in einer möglichen Erfahrung gegeben wären. Eine solche Erfahrung aber, als völlig leer an Inhalt, ist unmöglich. Also ist eine absolute Weltgrenze empirisch, mithin auch schlechterdings unmöglich*.
* Man wird bemerken: daß der Beweis hier auf ganz andere Art geführt worden, als der dogmatische, oben in der Antithesis der ersten Antinomie. Daselbst hatten wir die Sinnenwelt, nach der gemeinen und dogmatischen Vorstellungsart, für ein Ding, was an sich selbst, vor allem Regressus, seiner Totalität nach gegeben war, gelten lassen, und hatten ihr, wenn sie nicht alle Zeit und alle Räume einnähme, überhaupt irgendeine bestimmte Stelle in beiden abgesprochen. Daher war die Folgerung auch anders, als hier, nämlich es wurde auf die wirkliche Unendlichkeit derselben geschlossen.
Hieraus folgt denn zugleich die bejahende Antwort: der Regressus in der Reihe der Welterscheinungen, als eine Bestimmung der Weltgröße, geht in indefinitum, welches ebenso viel sagt, als: die Sinnenwelt hat keine absolute Größe, sondern der empirische Regressus (wodurch sie auf der Seite ihrer Bedingungen allein gegeben werden kann) hat seine Regel, nämlich von einem jeden Gliede der Reihe, als einem Bedingten, jederzeit zu einem noch entfernteren (es sei durch eigene Erfahrung, oder
B 550 den Leitfaden der Geschichte, oder die Kette der Wirkungen und ihrer Ursachen,) fortzuschreiten, und sich der Erweiterung des möglichen empirischen Gebrauchs seines Verstandes nirgend zu überheben, welches denn auch das eigentliche und einzige Geschäft der Vernunft bei ihren Prinzipien ist.
Ein bestimmter empirischer Regressus, der in einer gewissen Art von Erscheinungen ohne Aufhören fortginge, wird hierdurch nicht vorgeschrieben, z.B. daß man von einem lebenden Menschen immer in einer Reihe von Voreltern aufwärts steigen müsse, ohne ein erstes Paar zu erwarten, oder in der Reihe der Weltkörper, ohne eine äußerste Sonne zuzulassen; sondern es wird nur der Fortschritt von Erscheinungen zu Erscheinungen geboten, sollten diese auch keine wirkliche Wahrnehmung (wenn sie dem Grade nach für unser Bewußtsein zu schwach ist, um Erfahrung zu werden) abgeben, weil sie dem ungeachtet doch zur möglichen Erfahrung gehören.
Aller Anfang ist in der Zeit, und alle Grenze des Ausgedehnten im Raume. Raum und Zeit aber sind nur in der Sinnenwelt. Mithin sind nur Erscheinungen in der Welt bedingterweise, die Welt aber selbst weder bedingt, noch auf unbedingte Art begrenzt.
Eben um deswillen, und da die Welt niemals ganz, und selbst die Reihe der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten nicht, als Weltreihe, ganz gegeben werden kann, ist der Begriff von der Weltgröße nur durch den
B 551 Regressus, und nicht vor demselben in einer kollektiven Anschauung, gegeben. Jener besteht aber immer nur im Bestimmen der Größe, und gibt also keinen bestimmten Begriff, als auch keinen Begriff von einer Größe, die in Ansehung eines gewissen Maßes unendlich wäre, geht also nicht ins Unendliche (gleichsam gegebene), sondern in unbestimmte Weite, um eine Größe (der Erfahrung) zu geben, die allererst durch diesen Regressus wirklich wird.
II. Auflösung der kosmologischen Idee von der Totalität der Teilung eines gegebenen Ganzen in der Anschauung
Wenn ich ein Ganzes, das in der Anschauung gegeben ist, teile, so gehe ich von einem Bedingten zu den Bedingungen seiner Möglichkeit. Die Teilung der Teile (subdivisio oder decompositio) ist ein Regressus in der Reihe dieser Bedingungen. Die absolute Totalität dieser Reihe würde nur alsdann gegeben sein, wenn der Regressus bis zu einfachen Teilen gelangen könnte. Sind aber alle Teile in einer kontinuierlich fortgehenden Dekomposition immer wiederum teilbar, so geht die Teilung, d.i. der Regressus, von dem Bedingten zu seinen Bedingungen in infinitum; weil die Bedingungen (die Teile) in dem Bedingten selbst enthalten sind, und, da dieses in einer
B 552 zwischen seinen Grenzen eingeschlossenen Anschauung ganz gegeben ist, insgesamt auch mit gegeben sind. Der Regressus darf also nicht bloß ein Rückgang in indefinitum genannt werden, wie es die vorige kosmologische Idee allein erlaubte, da ich vom Bedingten zu seinen Bedingungen, die, außer demselben, mithin nicht dadurch zugleich mit so gegeben waren, sondern die im empirischen Regressus allererst hinzukamen, fortgehen sollte. Diesem ungeachtet ist es doch keineswegs erlaubt, von einem solchen Ganzen, das ins Unendliche teilbar ist, zu sagen: es bestehe aus unendlich viel Teilen. Denn obgleich alle Teile in der Anschauung des Ganzen enthalten sind, so ist doch darin nicht die ganze Teilung enthalten, welche nur in der fortgehenden Dekomposition, oder dem Regressus selbst besteht, der die Reihe allererst wirklich macht. Da dieser Regressus nun unendlich ist, so sind zwar alle Glieder (Teile), zu denen er gelangt, in dem gegebenen Ganzen als Aggregate enthalten, aber nicht die ganze Reihe der Teilung, welche sukzessivunendlich und niemals ganz ist, folglich keine unendliche Menge, und keine Zusammennehmung derselben in einem Ganzen darstellen kann.
Diese allgemeine Erinnerung läßt sich zuerst sehr leicht auf den Raum anwenden. Ein jeder in seinen Grenzen angeschauter Raum ist ein solches Ganzes, dessen Teile bei aller Dekomposition immer wiederum Räume sind, und ist daher ins Unendliche teilbar.
B 553 Hieraus folgt auch ganz natürlich die zweite Anwendung, auf eine in ihren Grenzen eingeschlossene äußere Erscheinung (Körper). Die Teilbarkeit desselben gründet sich auf die Teilbarkeit des Raumes, der die Möglichkeit des Körpers, als eines ausgedehnten Ganzen, ausmacht. Dieser ist also ins Unendliche teilbar, ohne doch darum aus unendlich viel Teilen zu bestehen.
Es scheint zwar: daß, da ein Körper als Substanz im Raume vorgestellt werden muß, er, was das Gesetz der Teilbarkeit des Raumes betrifft, hierin von diesem unterschieden sein werde: denn man kann es allenfalls wohl zugeben: daß die Dekomposition im letzteren niemals alle Zusammensetzung wegschaffen könne, indem alsdann sogar aller Raum, der sonst nichts Selbstständiges hat, aufhören würde (welches unmöglich ist); allein daß, wenn alle Zusammensetzung der Materie in Gedanken aufgehoben würde, gar nichts übrigbleiben solle, scheint sich nicht mit dem Begriffe einer Substanz vereinigen zu lassen, die eigentlich das Subjekt aller Zusammensetzung sein sollte, und in ihren Elementen übrigbleiben müßte, wenngleich die Verknüpfung derselben im Raume, dadurch sie einen Körper ausmachen, aufgehoben wäre. Allein mit dem, was in der Erscheinung Substanz heißt, ist es nicht so bewandt, als man es wohl von einem Dinge an sich selbst durch reinen Verstandesbegriff denken würde. Jenes ist nicht absolutes Subjekt, sondern beharrliches Bild der
B 554 Sinnlichkeit und nichts als Anschauung, in der überall nichts Unbedingtes angetroffen wird.
Ob nun aber gleich diese Regel des Fortschritts ins Unendliche bei der Subdivision einer Erscheinung, als einer bloßen Erfüllung des Raumes, ohne allen Zweifel stattfindet: so kann sie doch nicht gelten, wenn wir sie auch auf die Menge der auf gewisse Weise in dem gegebenen Ganzen schon abgesonderten Teile, dadurch diese ein quantum discretum ausmachen, erstrecken wollen. Annehmen, daß in jedem gegliederten (organisierten) Ganzen ein jeder Teil wiederum gegliedert sei, und daß man auf solche Art, bei Zerlegung der Teile ins Unendliche, immer neue Kunstteile antreffe, mit einem Worte, daß das Ganze ins Unendliche gegliedert sei, will sich gar nicht denken lassen, obzwar wohl, daß die Teile der Materie, bei ihrer Dekomposition ins Unendliche, gegliedert werden könnten. Denn die Unendlichkeit der Teilung einer gegebenen Erscheinung im Raume gründet sich allein darauf, daß durch diese bloß die Teilbarkeit, d.i. eine an sich schlechthin unbestimmte Menge von Teilen gegeben ist, die Teile selbst aber nur durch die Subdivision gegeben und bestimmt werden, kurz, daß das Ganze nicht an sich selbst schon eingeteilt ist. Daher die Teilung eine Menge in demselben bestimmen kann, die so weit geht, als man im Regressus der Teilung fortschreiten will. Dagegen wird bei einem ins Unendliche gegliederten organischen Körper
B 555 das Ganze eben durch diesen Begriff schon als eingeteilt vorgestellt, und eine an sich selbst bestimmte, aber unendliche Menge der Teile, vor allem Regressus der Teilung, in ihm angetroffen, wodurch man sich selbst widerspricht; indem diese unendliche Entwicklung als eine niemals zu vollendende Reihe (unendlich), und gleichwohl doch in einer Zusammennehmung als vollendet, angesehen wird. Die unendliche Teilung bezeichnet nur die Erscheinung als quantum continuum und ist von der Erfüllung des Raumes unzertrennlich; weil eben in derselben der Grund der unendlichen Teilbarkeit liegt. Sobald aber etwas als quantum discretum angenommen wird: so ist die Menge der Einheiten darin bestimmt; daher auch jederzeit einer Zahl gleich. Wie weit also die Organisierung in einem gegliederten Körper gehen möge, kann nur die Erfahrung ausmachen, und wenn sie gleich mit Gewißheit zu keinem unorganischen Teile gelangte, so müssen solche doch wenigstens in der möglichen Erfahrung liegen. Aber wie weit sich die transzendentale Teilung einer Erscheinung überhaupt erstrecke, ist gar keine Sache der Erfahrung, sondern ein Prinzipium der Vernunft, den empirischen Regressus, in der Dekomposition des Ausgedehnten, der Natur dieser Erscheinung gemäß, niemals für schlechthin vollendet zu halten.
B 556 Schlußanmerkung zur Auflösung der mathematisch-transzendentalen, und Vorerinnerung zur Auflösung der dynamisch-transzendentalen Ideen
Als wir die Antinomie der reinen Vernunft durch alle transzendentalen Ideen in einer Tafel vorstellten, da wir den Grund dieses Widerstreits und das einzige Mittel, ihn zu heben, anzeigten, welches darin bestand, daß beide entgegengesetzte Behauptungen für falsch erklärt wurden: so haben wir allenthalben die Bedingungen, als zu ihrem Bedingten nach Verhältnissen des Raumes und der Zeit gehörig, vorgestellt, welches die gewöhnliche Voraussetzung des gemeinen Menschenverstandes ist, worauf denn auch jener Widerstreit gänzlich beruhte. In dieser Rücksicht waren auch alle dialektischen Vorstellungen der Totalität, in der Reihe der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten, durch und durch von gleicher Art. Es war immer eine Reihe, in welcher die Bedingung mit dem Bedingten, als Glieder derselben, verknüpft und dadurch gleichartig waren, da denn der Regressus niemals vollendet gedacht, oder, wenn dieses geschehen sollte, ein an sich bedingtes Glied fälschlich als ein erstes, mithin als unbedingt angenommen werden müßte. Es würde also zwar nicht allerwärts das Objekt, d.i. das Bedingte, aber doch die
B 557 Reihe der Bedingungen zu demselben, bloß ihrer Größe nach erwogen, und da bestand die Schwierigkeit, die durch keinen Vergleich, sondern durch gänzliche Abschneidung des Knotens allein gehoben werden konnte, darin, daß die Vernunft es dem Verstande entweder zu lang oder zu kurz machte, so, daß dieser ihrer Idee niemals gleich kommen konnte.
Wir haben aber hierbei einen wesentlichen Unterschied übersehen, der unter den Objekten d.i. den Verstandesbegriffen herrscht, welche die Vernunft zu Ideen zu erheben trachtet, da nämlich, nach unserer obigen Tafel der Kategorien, zwei derselben mathematische, die zwei übrigen aber eine dynamische Synthesis der Erscheinungen bedeuten. Bis hierher konnte dieses auch gar wohl geschehen, indem, so wie wir in der allgemeinen Vorstellung aller transzendentalen Ideen immer nur unter Bedingungen in der Erscheinung blieben, eben so auch in den zwei mathematischtranszendentalen keinen anderen Gegenstand, als den in der Erscheinung hatten. Jetzt aber, da wir zu dynamischen Begriffen des Verstandes, sofern sie der Vernunftidee anpassen sollen, fortgehen, wird jene Unterscheidung wichtig, und eröffnet uns eine ganz neue Aussicht in Ansehung des Streithandels, darin die Vernunft verflochten ist, und welcher, da er vorher, als auf beiderseitige falsche Voraussetzungen gebaut, abgewiesen worden, jetzt, da vielleicht in der dynamischen
B 558 Antinomie eine solche Voraussetzung stattfindet, die mit der Prätension der Vernunft zusammen bestehen kann, aus diesem Gesichtspunkte, und, da der Richter den Mangel der Rechtsgründe, die man beiderseits verkannt hatte, ergänzt, zu beider Teile Genugtuung verglichen werden kann, welches sich bei dem Streite in der mathematischen Antinomie nicht tun ließ.
Die Reihen der Bedingungen sind freilich insofern alle gleichartig, als man lediglich auf die Erstreckung derselben sieht: ob sie der Idee angemessen sind, oder ob diese für jene zu groß, oder zu klein seien. Allein der Verstandesbegriff, der diesen Ideen zum Grunde liegt, enthält entweder lediglich eine Synthesis des Gleichartigen, (welches bei jeder Größe, in der Zusammensetzung sowohl als Teilung derselben, vorausgesetzt wird,) oder auch des Ungleichartigen, welches in der dynamischen Synthesis, der Kausalverbindung sowohl, als der des Notwendigen mit dem Zufälligen, wenigstens zugelassen werden kann.
Daher kommt es, daß in der mathematischen Verknüpfung der Reihen der Erscheinungen keine andere als sinnliche Bedingung hineinkommen kann, d.i. eine solche, die selbst ein Teil der Reihe ist; da hingegen die dynamische Reihe sinnlicher Bedingungen doch noch eine ungleichartige Bedingung zuläßt, die nicht ein Teil der Reihe ist, sondern, als bloß intelligibel, außer der Reihe liegt,
B 559 wodurch denn der Vernunft ein Genüge getan und das Unbedingte den Erscheinungen vorgesetzt wird, ohne die Reihe der letzteren, als jederzeit bedingt, dadurch zu verwirren und, den Verstandesgrundsätzen zuwider, abzubrechen.
Dadurch nun, daß die dynamischen Ideen eine Bedingung der Erscheinungen außer der Reihe derselben, d.i. eine solche, die selbst nicht Erscheinung ist, zulassen, geschieht etwas, was von dem Erfolg der Antinomie gänzlich unterschieden ist. Diese nämlich verursachte, daß beide dialektischen Gegenbehauptungen für falsch erklärt werden mußten. Dagegen das Durchgängigbedingte der dynamischen Reihen, welches von ihnen als Erscheinungen unzertrennlich ist, mit der zwar empirischunbedingten, aber auch nichtsinnlichen Bedingung verknüpft, dem Verstande einerseits und der Vernunft andererseits* Genüge leisten, und, indem die dialektischen Argumente, welche unbedingte Totalität in bloßen Erscheinungen auf eine oder andere Art suchten, wegfallen, dagegen die
B 560 Vernunftsätze, in der auf solche Weise berichtigten Bedeutung, alle beide wahr sein können; welches bei den kosmologischen Ideen, die bloß mathematischunbedingte Einheit betreffen, niemals stattfinden kann, weil bei ihnen keine Bedingung der Reihe der Erscheinungen angetroffen wird, als die auch selbst Erscheinung ist und als solche mit ein Glied der Reihe ausmacht.
* Denn der Verstand erlaubt unter Erscheinungen keine Bedingung, die selbst empirisch unbedingt wäre. Ließe sich aber eine intelligible Bedingung, die also nicht in die Reihe der Erscheinungen, als ein Glied, mit gehörte, zu einem Bedingten (in der Erscheinung) gedenken, ohne doch dadurch die Reihe empirischer Bedingungen im mindesten zu unterbrechen: so könnte eine solche als empirisch unbedingt zugelassen werden, so daß dadurch dem empirischen kontinuierlichen Regressus nirgend Abbruch geschähe.
III. Auflösung der kosmologischen Ideen von der Totalität der Ableitung der Weltbegebenheiten aus ihren Ursachen
Man kann sich nur zweierlei Kausalität in Ansehung dessen, was geschieht, denken, entweder nach der Natur, oder aus Freiheit. Die erste ist die Verknüpfung eines Zustandes mit einem vorigen in der Sinnenwelt, worauf jener nach einer Regel folgt. Da nun die Kausalität der Erscheinungen auf Zeitbedingungen beruht, und der vorige Zustand, wenn er jederzeit gewesen wäre, auch keine Wirkung, die allererst in der Zeit entspringt, hervorgebracht hätte: so ist die Kausalität der Ursache dessen, was geschieht, oder entsteht, auch entstanden, und bedarf nach dem Verstandesgrundsatze selbst wiederum eine Ursache.
B 561 Dagegen verstehe ich unter Freiheit, im kosmologischen Verstande, das Vermögen, einen Zustand von selbst anzufangen, deren Kausalität also nicht nach dem Naturgesetze wiederum unter einer anderen Ursache steht, welche sie der Zeit nach bestimmte. Die Freiheit ist in dieser Bedeutung eine reine transzendentale Idee, die erstlich nichts von der Erfahrung Entlehntes enthält, zweitens deren Gegenstand auch in keiner Erfahrung bestimmt gegeben werden kann, weil es ein allgemeines Gesetz, selbst der Möglichkeit aller Erfahrung, ist, daß alles, was geschieht, eine Ursache, mithin auch die Kausalität der Ursache, die selbst geschehen, oder entstanden, wiederum eine Ursache haben müsse; wodurch denn das ganze Feld der Erfahrung, so weit es sich erstrecken mag, in einen Inbegriff bloßer Natur verwandelt wird. Da aber auf solche Weise keine absolute Totalität der Bedingungen im Kausalverhältnisse herauszubekommen ist, so schafft sich die Vernunft die Idee von einer Spontaneität, die von selbst anheben könne zu handeln, ohne daß eine andere Ursache vorangeschickt werden dürfe, sie wiederum nach dem Gesetze der Kausalverknüpfung zur Handlung zu bestimmen.
Es ist überaus merkwürdig, daß auf diese transzendentale Idee der Freiheit sich der praktische Begriff derselben gründe, und jene in dieser das eigentliche Moment der Schwierigkeiten ausmache, welche die Frage über ihre Möglichkeit von jeher umgeben haben. Die
B 562 Freiheit im praktischen Verstande ist die Unabhängigkeit der Willkür von der Nötigung durch Antriebe der Sinnlichkeit. Denn eine Willkür ist sinnlich, sofern sie pathologisch (durch Bewegursachen der Sinnlichkeit) affiziert ist; sie heißt tierisch (arbitrium brutum), wenn sie pathologisch necessitiert werden kann. Die menschliche Willkür ist zwar ein arbitrium sensitivum, aber nicht brutum, sondern liberum, weil Sinnlichkeit ihre Handlung nicht notwendig macht, sondern dem Menschen ein Vermögen beiwohnt, sich, unabhängig von der Nötigung durch sinnliche Antriebe, von selbst zu bestimmen.
Man sieht leicht, daß, wenn alle Kausalität in der Sinnenwelt bloß Natur wäre, so würde jede Begebenheit durch eine andere in der Zeit nach notwendigen Gesetzen bestimmt sein, und mithin, da die Erscheinungen, sofern sie die Willkür bestimmen, jede Handlung als ihren natürlichen Erfolg notwendig machen müßten, so würde die Aufhebung der transzendentalen Freiheit zugleich alle praktische Freiheit vertilgen. Denn diese setzt voraus, daß, obgleich etwas nicht geschehen ist, es doch habe geschehen sollen, und seine Ursache in der Erscheinung also nicht so bestimmend war, daß nicht in unserer Willkür eine Kausalität liege, unabhängig von jenen Naturursachen und selbst wider ihre Gewalt und Einfluß etwas hervorzubringen, was in der Zeitordnung nach empirischen Gesetzen bestimmt ist, mithin eine Reihe von Begebenheiten ganz von selbst anzufangen.
B 563 Es geschieht also hier, was überhaupt in dem Widerstreit einer sich über die Grenzen möglicher Erfahrung hinauswagenden Vernunft angetroffen wird, daß die Aufgabe eigentlich nicht physiologisch, sondern transzendental ist. Daher die Frage von der Möglichkeit der Freiheit die Psychologie zwar anficht, aber, da sie auf dialektischen Argumenten der bloß reinen Vernunft beruht, samt ihrer Auflösung lediglich die Transzendentalphilosophie beschäftigen muß. Um nun diese, welche eine befriedigende Antwort hierüber nicht ablehnen kann, dazu in Stand zu setzen, muß ich zuvörderst ihr Verfahren bei dieser Aufgabe durch eine Bemerkung näher zu bestimmen suchen.
Wenn Erscheinungen Dinge an sich selbst wären, mithin Raum und Zeit Formen des Daseins der Dinge an sich selbst: so würden die Bedingungen mit dem Bedingten jederzeit als Glieder zu einer und derselben Reihe gehören, und daraus auch in gegenwärtigem Falle die Antinomie entspringen, die allen transzendentalen Ideen gemein ist, daß diese Reihe unvermeidlich für den Verstand zu groß, oder zu klein ausfallen müßte. Die dynamischen Vernunftbegriffe aber, mit denen wir uns in dieser und der folgenden Nummer beschäftigen, haben dieses besondere: daß, da sie es nicht mit einem Gegenstande, als Größe betrachtet, sondern nur mit seinem Dasein zu tun haben, man auch von der Größe der Reihe der Bedingungen abstrahieren kann, und es bei ihnen bloß auf das
B 564 dynamische Verhältnis der Bedingung zum Bedingten ankommt, so, daß wir in der Frage über Natur und Freiheit schon die Schwierigkeit antreffen, ob Freiheit überall nur möglich sei, und ob, wenn sie es ist, sie mit der Allgemeinheit des Naturgesetzes der Kausalität zusammen bestehen könne; mithin ob es ein richtigdisjunktiver Satz sei, daß eine jede Wirkung in der Welt entweder aus Natur, oder aus Freiheit entspringen müsse, oder ob nicht vielmehr beides in verschiedener Beziehung bei einer und derselben Begebenheit zugleich stattfinden könne. Die Richtigkeit jenes Grundsatzes, von dem durchgängigen Zusammenhange aller Begebenheiten der Sinnenwelt, nach unwandelbaren Naturgesetzen, steht schon als ein Grundsatz der transzendentalen Analytik fest und leidet keinen Abbruch. Es ist also nur die Frage: ob demungeachtet in Ansehung eben derselben Wirkung, die nach der Natur bestimmt ist, auch Freiheit stattfinden könne, oder diese durch jene unverletzliche Regel völlig ausgeschlossen sei. Und hier zeigt die zwar gemeine, aber betrügliche Voraussetzung der absoluten Realität der Erscheinungen, sogleich ihren nachteiligen Einfluß, die Vernunft zu verwirren. Denn, sind Erscheinungen Dinge an sich selbst, so ist Freiheit nicht zu retten. Alsdann ist Natur die vollständige und an sich hinreichend bestimmende Ursache jeder Begebenheit, und die Bedingung derselben ist jederzeit nur in der Reihe der Erscheinungen enthalten, die, samt ihrer Wirkung, unter jedem Naturgesetze notwendig sind. Wenn dagegen
B 565 Erscheinungen für nichts mehr gelten, als sie in der Tat sind, nämlich nicht für Dinge an sich, sondern bloße Vorstellungen, die nach empirischen Gesetzen zusammenhängen, so müssen sie selbst noch Gründe haben, die nicht Erscheinungen sind. Eine solche intelligible Ursache aber wird in Ansehung ihrer Kausalität nicht durch Erscheinungen bestimmt, obzwar ihre Wirkungen erscheinen, und so durch andere Erscheinungen bestimmt werden können. Sie ist also samt ihrer Kausalität außer der Reihe; dagegen ihre Wirkungen in der Reihe der empirischen Bedingungen angetroffen werden. Die Wirkung kann also in Ansehung ihrer intelligiblen Ursache als frei, und doch zugleich in Ansehung der Erscheinungen als Erfolg aus denselben nach der Notwendigkeit der Natur, angesehen werden; eine Unterscheidung, die, wenn sie im Allgemeinen und ganz abstrakt vorgetragen wird, äußerst subtil und dunkel erscheinen muß, die sich aber in der Anwendung aufklären wird. Hier habe ich nur die Anmerkung machen wollen: daß, da der durchgängige Zusammenhang aller Erscheinungen, in einem Kontext der Natur, ein unnachlaßliches Gesetz ist, dieses alle Freiheit notwendig umstürzen müßte, wenn man der Realität der Erscheinungen hartnäckig anhängen wollte. Daher auch diejenigen, welche hierin der gemeinen Meinung folgen, niemals dahin haben gelangen können, Natur und Freiheit miteinander zu vereinigen.
B 566 Möglichkeit der Kausalität durch Freiheit, in Vereinigung mit dem allgemeinen Gesetze der Naturnotwendigkeit
Ich nenne dasjenige an einem Gegenstande der Sinne, was selbst nicht Erscheinung ist, intelligibel. Wenn demnach dasjenige, was in der Sinnenwelt als Erscheinung angesehen werden muß, an sich selbst auch ein Vermögen hat, welches kein Gegenstand der sinnlichen Anschauung ist, wodurch es aber doch die Ursache von Erscheinungen sein kann: so kann man die Kausalität dieses Wesens auf zwei Seiten betrachten, als intelligibel nach ihrer Handlung, als eines Dinges an sich selbst, und als sensibel, nach den Wirkungen derselben, als einer Erscheinung in der Sinnenwelt. Wir würden uns demnach von dem Vermögen eines solchen Subjekts einen empirischen, imgleichen auch einen intellektuellen Begriff seiner Kausalität machen, welche bei einer und derselben Wirkung zusammen stattfinden. Eine solche doppelte Seite, das Vermögen eines Gegenstandes der Sinne sich zu denken, widerspricht keinem von den Begriffen, die wir uns von Erscheinungen und von einer möglichen Erfahrung zu machen haben. Denn, da diesen, weil sie an sich keine Dinge sind, ein transzendentaler Gegenstand zum Grunde liegen muß, der sie als bloße Vorstellungen bestimmt, so hindert nichts, daß wir diesem transzendentalen
B 567 Gegenstande, außer der Eigenschaft, dadurch er erscheint, nicht auch eine Kausalität beilegen sollten, die nicht Erscheinung ist, obgleich ihre Wirkung dennoch in der Erscheinung angetroffen wird. Es muß aber eine jede wirkende Ursache einen Charakter haben, d.i. ein Gesetz ihrer Kausalität, ohne welches sie gar nicht Ursache sein würde. Und da würden wir an einem Subjekte der Sinnenwelt erstlich einen empirischen Charakter haben, wodurch seine Handlungen, als Erscheinungen, durch und durch mit anderen Erscheinungen nach beständigen Naturgesetzen im Zusammenhange ständen, und von ihnen, als ihren Bedingungen, abgeleitet werden könnten, und also, mit diesen in Verbindung, Glieder einer einzigen Reihe der Naturordnung ausmachten. Zweitens würde man ihm noch einen intelligiblen Charakter einräumen müssen, dadurch es zwar die Ursache jener Handlungen als Erscheinungen ist, der aber selbst unter keinen Bedingungen der Sinnlichkeit steht, und selbst nicht Erscheinung ist. Man könnte auch den ersteren den Charakter eines solchen Dinges in der Erscheinung, den zweiten den Charakter des Dinges an sich selbst nennen.
Dieses handelnde Subjekt würde nun, nach seinem intelligiblen Charakter, unter keinen Zeitbedingungen stehen, denn die Zeit ist nur die Bedingung der Erscheinungen, nicht aber der Dinge an sich selbst. In ihm würde keine Handlung entstehen, oder vergehen, mithin würde
B 568 es auch nicht dem Gesetze aller Zeitbestimmung, alles Veränderlichen, unterworfen sein: daß alles, was geschieht, in den Erscheinungen (des vorigen Zustandes) seine Ursache antreffe. Mit einem Worte, die Kausalität desselben, sofern sie intellektuell ist, stände gar nicht in der Reihe empirischer Bedingungen, welche die Begebenheit in der Sinnenwelt notwendig machen. Dieser intelligible Charakter könnte zwar niemals unmittelbar gekannt werden, weil wir nichts wahrnehmen können, als sofern es erscheint, aber er würde doch den empirischen Charakter gemäß gedacht werden müssen, so wie wir überhaupt einen transzendentalen Gegenstand den Erscheinungen in Gedanken zum Grunde legen müssen, ob wir zwar von ihm, was er an sich selbst sei, nichts wissen.
Nach seinem empirischen Charakter würde also dieses Subjekt, als Erscheinung, allen Gesetzen der Bestimmung nach, der Kausalverbindung unterworfen sein, und es wäre sofern nichts, als ein Teil der Sinnenwelt, dessen Wirkungen, so wie jede andere Erscheinung, aus der Natur unausbleiblich abflossen. So wie äußere Erscheinungen in dasselbe einflössen, wie sein empirischer Charakter, d.i. das Gesetz seiner Kausalität, durch Erfahrung erkannt wäre, müßten sich alle seine Handlungen nach Naturgesetzen erklären lassen, und alle Requisite zu einer vollkommenen und notwendigen Bestimmung derselben müßten in einer möglichen Erfahrung angetroffen werden.
B 569 Nach dem intelligiblen Charakter desselben aber (ob wir zwar davon nichts als bloß den allgemeinen Begriff desselben haben können) würde dasselbe Subjekt dennoch von allem Einflusse der Sinnlichkeit und Bestimmung durch Erscheinungen freigesprochen werden müssen, und, da in ihm, sofern es Noumenon ist, nichts geschieht, keine Veränderung, welche dynamische Zeitbestimmung erheischt, mithin keine Verknüpfung mit Erscheinungen als Ursachen angetroffen wird, so würde dieses tätige Wesen, so fern in seinen Handlungen von aller Naturnotwendigkeit, als die lediglich in der Sinnenwelt angetroffen wird, unabhängig und frei sein. Man würde von ihm ganz richtig sagen, daß es seine Wirkungen in der Sinnenwelt von selbst anfange, ohne daß die Handlung in ihm selbst anfängt; und dieses würde gültig sein, ohne daß die Wirkungen in der Sinnenwelt darum von selbst anfangen dürfen, weil sie in derselben jederzeit durch empirische Bedingungen in der vorigen Zeit, aber doch nur vermittelst des empirischen Charakters (der bloß die Erscheinung des intelligiblen ist), vorher bestimmt, und nur als eine Fortsetzung der Reihe der Naturursachen möglich sind. So würde denn Freiheit und Natur, jedes in seiner vollständigen Bedeutung, bei eben denselben Handlungen, nachdem man sie mit ihrer intelligiblen oder sensiblen Ursache vergleicht, zugleich und ohne allen Widerstreit angetroffen werden.
B 570 Erläuterung der kosmologischen Idee einer Freiheit in Verbindung mit der allgemeinen Naturnotwendigkeit
Ich habe gut gefunden, zuerst den Schattenriß der Auflösung unseres transzendentalen Problems zu entwerfen, damit man den Gang der Vernunft in Auflösung desselben dadurch besser übersehen möge. Jetzt wollen wir die Momente ihrer Entscheidung, auf die es eigentlich ankommt, auseinander setzen, und jedes besonders in Erwägung ziehen.
Das Naturgesetz, daß alles, was geschieht, eine Ursache habe, daß die Kausalität dieser Ursache, d.i. die Handlung, da sie in der Zeit vorhergeht und in Betracht einer Wirkung, die da entstanden, selbst nicht immer gewesen sein kann, sondern geschehen sein muß, auch ihre Ursache unter den Erscheinungen habe, dadurch sie bestimmt wird, und daß folglich alle Begebenheiten in einer Naturordnung empirisch bestimmt sind; dieses Gesetz, durch welches Erscheinungen allererst eine Natur ausmachen und Gegenstände einer Erfahrung abgeben können, ist ein Verstandesgesetz, von welchem es unter keinem Vorwande erlaubt ist abzugehen, oder irgend eine Erscheinung davon auszunehmen; weil man sie sonst außerhalb aller möglichen Erfahrung setzen, dadurch aber von allen Gegenständen
B 571 möglicher Erfahrung unterscheiden und sie zum bloßen Gedankendinge und einem Hirngespinst machen würde.
Ob es aber gleich hierbei lediglich nach einer Kette von Ursachen aussieht, die im Regressus zu ihren Bedingungen gar keine absolute Totalität verstattet, so hält uns diese Bedenklichkeit doch gar nicht auf; denn sie ist schon in der allgemeinen Beurteilung der Antinomie der Vernunft, wenn sie in der Reihe der Erscheinungen aufs Unbedingte ausgeht, gehoben worden. Wenn wir der Täuschung des transzendentalen Realismus nachgeben wollen: so bleibt weder Natur, noch Freiheit übrig. Hier ist nur die Frage: ob, wenn man in der ganzen Reihe aller Begebenheiten lauter Naturnotwendigkeit anerkennt, es doch möglich sei, eben dieselbe, die einerseits bloße Naturwirkung ist, doch andererseits als Wirkung aus Freiheit anzusehen, oder ob zwischen diesen zwei Arten von Kausalität ein gerader Widerspruch angetroffen werde.
Unter den Ursachen in der Erscheinung kann sicherlich nichts sein, welches eine Reihe schlechthin und von selbst anfangen könnte. Jede Handlung, als Erscheinung, sofern sie eine Begebenheit hervorbringt, ist selbst Begebenheit, oder Ereignis, welche einen anderen Zustand voraussetzt, darin die Ursache angetroffen werde, und so ist alles, was geschieht, nur eine Fortsetzung der Reihe, und kein Anfang, der sich von selbst zutrüge, in derselben möglich.
B 572 Also sind alle Handlungen der Naturursachen in der Zeitfolge selbst wiederum Wirkungen, die ihre Ursachen ebensowohl in der Zeitreihe voraussetzen. Eine ursprüngliche Handlung, wodurch etwas geschieht, was vorher nicht war, ist von der Kausalverknüpfung der Erscheinungen nicht zu erwarten.
Ist es denn aber auch notwendig, daß, wenn die Wirkungen Erscheinungen sind, die Kausalität ihrer Ursache, die (nämlich Ursache) selbst auch Erscheinung ist, lediglich empirisch sein müsse? und ist es nicht vielmehr möglich, daß, obgleich zu jeder Wirkung in der Erscheinung eine Verknüpfung mit ihrer Ursache, nach Gesetzen der empirischen Kausalität, allerdings erfordert wird, dennoch diese empirische Kausalität selbst, ohne ihren Zusammenhang mit den Naturursachen im mindestens zu unterbrechen, doch eine Wirkung einer nichtempirischen, sondern intelligiblen Kausalität sein könne? d.i. einer, in Ansehung der Erscheinungen, ursprünglichen Handlung einer Ursache, die also insofern nicht Erscheinung, sondern diesem Vermögen nach intelligibel ist, ob sie gleich übrigens gänzlich, als ein Glied der Naturkette, mit zu der Sinnenwelt gezählt werden muß.
Wir bedürfen des Satzes der Kausalität der Erscheinungen untereinander, um von Naturbegebenheiten Naturbedingungen, d.i. Ursachen in der Erscheinung, zu suchen und angeben zu können. Wenn dieses eingeräumt und durch keine Ausnahme geschwächt wird, so hat der Verstand, der bei seinem empirischen Gebrauche in allen
B 573 Ereignissen nichts als Natur sieht, und dazu auch berechtigt ist, alles, was er fordern kann, und die physischen Erklärungen gehen ihren ungehinderten Gang fort. Nun tut ihm das nicht den mindesten Abbruch, gesetzt daß es übrigens auch bloß erdichtet sein sollte, wenn man annimmt, daß unter den Naturursachen es auch welche gebe, die ein Vermögen haben, welches nur intelligibel ist, indem die Bestimmung desselben zur Handlung niemals auf empirischen Bedingungen, sondern auf bloßen Gründen des Verstandes beruht, so doch, daß die Handlung in der Erscheinung von dieser Ursache allen Gesetzen der empirischen Kausalität gemäß sei. Denn auf diese Art würde das handelnde Subjekt, als causa phaenomenon, mit der Natur in unzertrennter Abhängigkeit aller ihrer Handlungen verkettet sein, und nur das phaenomenon, dieses Subjekts (mit aller Kausalität desselben in der Erscheinung) würde gewisse Bedingungen enthalten, die, wenn man von dem empirischen Gegenstande zu dem transzendentalen aufsteigen will, als bloß intelligibel müßten angesehen werden. Denn wenn wir nur in dem, was unter den Erscheinungen die Ursache sein mag, der Naturregel folgen: so können wir darüber unbekümmert sein, was in dem transzendentalen Subjekt, welches uns empirisch unbekannt ist, für ein Grund von diesen Erscheinungen und deren Zusammenhange gedacht werde. Dieser intelligible Grund ficht gar nicht die empirischen Fragen an, sondern betrifft etwa bloß das Denken im reinen Verstande
B 574 und, obgleich die Wirkungen dieses Denkens und Handelns des reinen Verstandes in den Erscheinungen angetroffen werden, so müssen diese doch nichts desto minder aus ihrer Ursache in der Erscheinung nach Naturgesetzen vollkommen erklärt werden können, indem man den bloß empirischen Charakter derselben, als den obersten Erklärungsgrund, befolgt, und den intelligiblen Charakter, der die transzendentale Ursache von jenem ist, gänzlich als unbekannt vorbeigeht, außer sofern er nur durch den empirischen als das sinnliche Zeichen desselben angegeben wird. Laßt uns dieses auf Erfahrung anwenden. Der Mensch ist eine von den Erscheinungen der Sinnenwelt, und insofern auch eine der Naturursachen, deren Kausalität unter empirischen Gesetzen stehen muß. Als eine solche muß er demnach auch einen empirischen Charakter haben, so wie alle anderen Naturdinge. Wir bemerken denselben durch Kräfte und Vermögen, die es in seinen Wirkungen äußert. Bei der leblosen, oder bloß tierischbelebten Natur, finden wir keinen Grund, irgendein Vermögen uns anders als bloß sinnlich bedingt zu denken. Allein der Mensch, der die ganze Natur sonst lediglich nur durch Sinne kennt, erkennt sich selbst auch durch bloße Apperzeption, und zwar in Handlungen und inneren Bestimmungen, die er gar nicht zum Eindrucke der Sinne zählen kann, und ist sich selbst freilich einesteils Phänomen, anderenteils aber, nämlich in Ansehung gewisser Vermögen, ein bloß intelligibler Gegenstand, weil die Handlung desselben
B 575 gar nicht zur Rezeptivität der Sinnlichkeit gezählt werden kann. Wir nennen diese Vermögen Verstand und Vernunft, vornehmlich wird die letztere ganz eigentlich und vorzüglicherweise von allen empirischbedingten Kräften unterschieden, da sie ihre Gegenstände bloß nach Ideen erwägt und den Verstand darnach bestimmt, der dann von seinen (zwar auch reinen) Begriffen einen empirischen Gebrauch macht.
Daß diese Vernunft nun Kausalität habe, wenigstens wir uns eine dergleichen an ihr vorstellen, ist aus den Imperativen klar, welche wir in allem Praktischen den ausübenden Kräften als Regeln aufgeben. Das Sollen drückt eine Art von Notwendigkeit und Verknüpfung mit Gründen aus, die in der ganzen Natur sonst nicht vorkommt. Der Verstand kann von dieser nur erkennen, was da ist, oder gewesen ist, oder sein wird. Es ist unmöglich, daß etwas darin anders sein soll, als es in allen diesen Zeitverhältnissen in der Tat ist, ja das Sollen, wenn man bloß den Lauf der Natur vor Augen hat, hat ganz und gar keine Bedeutung. Wir können gar nicht fragen: was in der Natur geschehen soll; ebensowenig, als: was für Eigenschaften ein Zirkel haben soll, sondern, was darin geschieht, oder welche Eigenschaften der letztere hat.
Dieses Sollen nun drückt eine mögliche Handlung aus, davon der Grund nichts anderes, als ein bloßer Begriff ist; da hingegen von einer bloßen Naturhandlung der
B 576 Grund jederzeit eine Erscheinung sein muß. Nun muß die Handlung allerdings unter Naturbedingungen möglich sein, wenn auf sie das Sollen gerichtet ist; aber diese Naturbedingungen betreffen nicht die Bestimmung der Willkür selbst, sondern nur die Wirkung und den Erfolg derselben in der Erscheinung. Es mögen noch so viel Naturgründe sein, die mich zum Wollen antreiben, noch so viel sinnliche Anreize, so können sie nicht das Sollen hervorbringen, sondern nur ein noch lange nicht notwendiges, sondern jederzeit bedingtes Wollen, dem dagegen das Sollen, das die Vernunft ausspricht, Maß und Ziel, ja Verbot und Ansehen entgegen setzt. Es mag ein Gegenstand der bloßen Sinnlichkeit (das Angenehme) oder auch der reinen Vernunft (das Gute) sein: so gibt die Vernunft nicht demjenigen Grunde, der empirisch gegeben ist, nach, und folgt nicht der Ordnung der Dinge, so wie sie sich in der Erscheinung darstellen, sondern macht sich mit völliger Spontaneität eine eigene Ordnung nach Ideen, in die sie die empirischen Bedingungen hinein paßt, und nach denen sie sogar Handlungen für notwendig erklärt, die doch nicht geschehen sind und vielleicht nicht geschehen werden, von allen aber gleichwohl voraussetzt, daß die Vernunft in Beziehung auf sie Kausalität haben könne; denn, ohne das, würde sie nicht von ihren Ideen Wirkungen in der Erfahrung erwarten.
Nun laßt uns hierbei stehenbleiben und es wenigstens als möglich annehmen: die Vernunft habe wirklich
B 577 Kausalität in Ansehung der Erscheinungen: so muß sie, so sehr sie auch Vernunft ist, dennoch einen empirischen Charakter von sich zeigen, weil jede Ursache eine Regel voraussetzt, darnach gewisse Erscheinungen als Wirkungen folgen, und jede Regel eine Gleichförmigkeit der Wirkungen erfordert, die den Begriff der Ursache (als eines Vermögens) gründet, welchen wir, sofern er aus bloßen Erscheinungen erhellen muß, seinen empirischen Charakter heißen können, der beständig ist, indessen die Wirkungen, nach Verschiedenheit der begleitenden und zum Teil einschränkenden Bedingungen, in veränderlichen Gestalten erscheinen.
So hat denn jeder Mensch einen empirischen Charakter seiner Willkür, welcher nichts anderes ist, als eine gewisse Kausalität seiner Vernunft, sofern diese an ihren Wirkungen in der Erscheinung eine Regel zeigt, darnach man die Vernunftgründe und die Handlungen derselben nach ihrer Art und ihren Graden abnehmen, und die subjektiven Prinzipien seiner Willkür beurteilen kann. Weil dieser empirische Charakter selbst aus den Erscheinungen als Wirkung und aus der Regel derselben, welche Erfahrung an die Hand gibt, gezogen werden muß: so sind alle Handlungen des Menschen in der Erscheinung aus seinem empirischen Charakter und den mitwirkenden anderen Ursachen nach der Ordnung der Natur bestimmt, und wenn wir alle Erscheinungen seiner Willkür bis auf
B 578 den Grund erforschen könnten, so würde es keine einzige menschliche Handlung geben, die wir nicht mit Gewißheit vorhersagen und aus ihren vorhergehenden Bedingungen als notwendig erkennen könnten. In Ansehung dieses empirischen Charakters gibt es also keine Freiheit, und nach diesem können wir doch allein den Menschen betrachten, wenn wir lediglich beobachten, und, wie es in der Anthropologie geschieht, von seinen Handlungen die bewegenden Ursachen physiologisch erforschen wollen.
Wenn wir aber eben dieselben Handlungen in Beziehung auf die Vernunft erwägen, und zwar nicht die spekulative, um jene ihrem Ursprunge nach zu erklären, sondern ganz allein, sofern Vernunft die Ursache ist, sie selbst zu erzeugen; mit einem Worte, vergleichen wir sie mit dieser in praktischer Absicht, so finden wir eine ganz andere Regel und Ordnung, als die Naturordnung ist. Denn da sollte vielleicht alles das nicht geschehen sein, was doch nach dem Naturlaufe geschehen ist, und nach seinen empirischen Gründen unausbleiblich geschehen mußte. Bisweilen aber finden wir, oder glauben wenigstens zu finden, daß die Ideen der Vernunft wirklich Kausalität in Ansehung der Handlungen des Menschen, als Erscheinungen, bewiesen haben, und daß sie darum geschehen sind, nicht weil sie durch empirische Ursachen, nein, sondern weil sie durch Gründe der Vernunft bestimmt waren.
B 579 Gesetzt nun, man könnte sagen: die Vernunft habe Kausalität in Ansehung der Erscheinung; könnte da wohl die Handlung derselben frei heißen, da sie im empirischen Charakter derselben (der Sinnesart) ganz genau bestimmt und notwendig ist? Dieser ist wiederum im intelligiblen Charakter (der Denkungsart) bestimmt. Die letztere kennen wir aber nicht, sondern bezeichnen sie durch Erscheinungen, welche eigentlich nur die Sinnesart (empirischen Charakter) unmittelbar zu erkennen geben*. Die Handlung nun, sofern sie der Denkungsart, als ihrer Ursache, beizumessen ist, erfolgt dennoch daraus gar nicht nach empirischen Gesetzen, d.i. so, daß die Bedingungen der reinen Vernunft, sondern nur so, daß deren Wirkungen in der Erscheinung des inneren Sinnes vorhergehen. Die reine Vernunft, als ein bloß intelligibles Vermögen, ist der Zeitform, und mithin auch den Bedingungen der Zeitfolge, nicht unterworfen. Die Kausalität der Vernunft im intelligiblen Charakter entsteht nicht, oder hebt nicht etwa zu einer gewissen Zeit an, um eine Wirkung hervorzubringen. Denn
B 580 sonst würde sie selbst dem Naturgesetz der Erscheinungen, sofern es Kausalreihen der Zeit nach bestimmt, unterworfen sein, und die Kausalität wäre alsdann Natur, und nicht Freiheit. Also werden wir sagen können: wenn Vernunft Kausalität in Ansehung der Erscheinungen haben kann; so ist sie ein Vermögen, durch welches die sinnliche Bedingung einer empirischen Reihe von Wirkungen zuerst anfängt. Denn die Bedingung, die in der Vernunft liegt, ist nicht sinnlich, und fängt also selbst nicht an. Demnach findet alsdann dasjenige statt, was wir in allen empirischen Reihen vermißten: daß die Bedingung einer sukzessiven Reihe von Begebenheiten selbst empirischunbedingt sein konnte. Denn hier ist die Bedingung außer der Reihe der Erscheinungen (im Intelligiblen) und mithin keiner sinnlichen Bedingung und keiner Zeitbestimmung durch vorbeigehende Ursache unterworfen.
* Die eigentliche Moralität der Handlungen (Verdienst und Schuld) bleibt uns daher, selbst die unseres eigenen Verhaltens, gänzlich verborgen. Unsere Zurechnungen können nur auf den empirischen Charakter bezogen werden. Wie viel aber davon reine Wirkung der Freiheit, wie viel der bloßen Natur und dem unverschuldeten Fehler des Temperaments, oder dessen glücklicher Beschaffenheit (merito fortunae) zuzuschreiben sei, kann niemand ergründen, und daher auch nicht nach völliger Gerechtigkeit richten.
Gleichwohl gehört doch eben dieselbe Ursache in einer anderen Beziehung auch zur Reihe der Erscheinungen. Der Mensch ist selbst Erscheinung. Seine Willkür hat einen empirischen Charakter, der die (empirische) Ursache aller seiner Handlungen ist. Es ist keine der Bedingungen, die den Menschen diesem Charakter gemäß bestimmen, welche nicht in der Reihe der Naturwirkungen enthalten wäre und dem Gesetze derselben gehorchte, nach welchem gar keine empirischunbedingte Kausalität von dem, was in der Zeit geschieht, angetroffen wird. Daher kann keine gegebene Handlung (weil sie nur als Erscheinung
B 581 wahrgenommen werden kann) schlechthin von selbst anfangen. Aber von der Vernunft kann man nicht sagen, daß vor demjenigen Zustande, darin sie die Willkür bestimmt, ein anderer vorhergehe, darin dieser Zustand selbst bestimmt wird. Denn da Vernunft selbst keine Erscheinung und gar keinen Bedingungen der Sinnlichkeit unterworfen ist, so findet in ihr, selbst in Betreff ihrer Kausalität, keine Zeitfolge statt, und auf sie kann also das dynamische Gesetz der Natur, was die Zeitfolge nach Regeln bestimmt, nicht angewandt werden.
Die Vernunft ist also die beharrliche Bedingung aller willkürlichen Handlungen, unter denen der Mensch erscheint. Jede derselben ist im empirischen Charakter des Menschen vorher bestimmt, ehe noch als sie geschieht. In Ansehung des intelligiblen Charakters, wovon jener nur das sinnliche Schema ist, gilt kein Vorher, oder Nachher, und jede Handlung, unangesehen des Zeitverhältnisses, darin sie mit anderen Erscheinungen steht, ist die unmittelbare Wirkung des intelligiblen Charakters der reinen Vernunft, welche mithin frei handelt, ohne in der Kette der Naturursachen, durch äußere oder innere, aber der Zeit nach vorhergehende Gründe, dynamisch bestimmt zu sein, und diese ihre Freiheit kann man nicht allein negativ als Unabhängigkeit von empirischen Bedingungen ansehen, (denn dadurch würde das Vernunftvermögen aufhören, eine Ursache der Erscheinungen zu sein,) sondern
B 582 auch positiv durch ein Vermögen bezeichnen, eine Reihe von Begebenheiten von selbst anzufangen, so, daß in ihr selbst nichts anfängt, sondern sie, als unbedingte Bedingung jeder willkürlichen Handlung, über sich keine der Zeit nach vorhergehende Bedingungen verstattet, indessen daß doch ihre Wirkung in der Reihe der Erscheinungen anfängt, aber darin niemals einen schlechthin ersten Anfang ausmachen kann.
Um das regulative Prinzip der Vernunft durch ein Beispiel aus dem empirischen Gebrauche desselben zu erläutern, nicht um es zu bestätigen (denn dergleichen Beweise sind zu transzendentalen Behauptungen untauglich), so nehme man eine willkürliche Handlung, z. E. eine boshafte Lüge, durch die ein Mensch eine gewisse Verwirrung in die Gesellschaft gebracht hat, und die man zuerst ihren Bewegursachen nach, woraus sie entstanden, untersucht, und darauf beurteilt, wie sie samt ihren Folgen ihm zugerechnet werden könne. In der ersten Absicht geht man seinen empirischen Charakter bis zu den Quellen desselben durch, die man in der schlechten Erziehung, übler Gesellschaft, zum Teil auch in der Bösartigkeit eines für Beschämung unempfindlichen Naturells, aufsucht, zum Teil auf den Leichtsinn und Unbesonnenheit schiebt; wobei man denn die veranlassenden Gelegenheitsursachen nicht aus der Acht läßt. In allem diesem verfährt man, wie überhaupt in Untersuchung der Reihe bestimmender Ursachen zu einer gegebenen Naturwirkung. Ob man nun gleich
B 583 die Handlung dadurch bestimmt zu sein glaubt: so tadelt man nichtsdestoweniger den Täter, und zwar nicht wegen seines unglücklichen Naturells, nicht wegen der auf ihn einfließenden Umstände, ja sogar nicht wegen seines vorher geführten Lebenswandels, denn man setzt voraus, man könne es gänzlich beiseite setzen, wie dieser beschaffen gewesen, und die verflossene Reihe von Bedingungen als ungeschehen, diese Tat aber als gänzlich unbedingt in Ansehung des vorigen Zustandes ansehen, als ob der Täter damit eine Reihe von Folgen ganz von selbst anhebe. Dieser Tadel gründet sich auf ein Gesetz der Vernunft, wobei man diese als eine Ursache ansieht, welche das Verhalten des Menschen, unangesehen aller genannten empirischen Bedingungen, anders habe bestimmen können und sollen. Und zwar sieht man die Kausalität der Vernunft nicht etwa bloß wie Konkurrenz, sondern an sich selbst als vollständig an, wenngleich die sinnlichen Triebfedern gar nicht dafür, sondern wohl gar dawider wären; die Handlung wird seinem intelligiblen Charakter beigemessen, er hat jetzt, in dem Augenblicke, da er lügt, gänzlich Schuld; mithin war die Vernunft, unerachtet aller empirischen Bedingungen der Tat, völlig frei, und ihrer Unterlassung ist diese gänzlich beizumessen.
Man sieht diesem zurechnenden Urteil es leicht an, daß man dabei in Gedanken habe, die Vernunft werde durch alle jene Sinnlichkeit gar nicht affiziert, sie verändere sich nicht (wenngleich ihre Erscheinungen,
B 584 nämlich die Art, wie sie sich in ihren Wirkungen zeigt, verändern,) in ihr gehe kein Zustand vorher, der den folgenden bestimme, mithin gehöre sie gar nicht in die Reihe der sinnlichen Bedingungen, welche die Erscheinungen nach Naturgesetzen notwendig machen. Sie, die Vernunft, ist allen Handlungen des Menschen in allen Zeitumständen gegenwärtig und einerlei, selbst aber ist sie nicht in der Zeit, und gerät etwa in einen neuen Zustand, darin sie vorher nicht war; sie ist bestimmend, aber nicht bestimmbar in Ansehung desselben. Daher kann man nicht fragen: warum hat sich nicht die Vernunft anders bestimmt? sondern nur: warum hat sie die Erscheinungen durch ihre Kausalität nicht anders bestimmt? Darauf aber ist keine Antwort möglich. Denn ein anderer intelligibler Charakter würde einen anderen empirischen gegeben haben, und wenn wir sagen, daß unerachtet seines ganzen, bis dahin geführten, Lebenswandels, der Täter die Lüge doch hätte unterlassen können, so bedeutet dieses nur, daß sie unmittelbar unter der Macht der Vernunft stehe, und die Vernunft in ihrer Kausalität keinen Bedingungen der Erscheinung und des Zeitlaufs unterworfen ist, der Unterschied der Zeit auch, zwar einen Hauptunterschied der Erscheinungen respektive gegeneinander, da diese aber keine Sachen, mithin auch nicht Ursachen an sich selbst sind, keinen Unterschied der Handlung in Beziehung auf die Vernunft machen könne.
B 585 Wir können also mit der Beurteilung freier Handlungen, in Ansehung ihrer Kausalität, nur bis an die intelligible Ursache, aber nicht über dieselbe hinaus kommen; wir können erkennen, daß sie frei, d.i. von der Sinnlichkeit unabhängig bestimmt, und, auf solche Art, die sinnlichunbedingte Bedingung der Erscheinungen sein könne. Warum aber der intelligible Charakter gerade diese Erscheinungen und diesen empirischen Charakter unter vorliegenden Umständen gebe, das überschreitet so weit alles Vermögen unserer Vernunft es zu beantworten, ja alle Befugnis derselben nur zu fragen, als ob man früge: woher der transzendentale Gegenstand unserer äußeren sinnlichen Anschauung gerade nur Anschauung im Raume und nicht irgendeine andere gebe. Allein die Aufgabe, die wir aufzulösen hatten, verbindet uns hierzu gar nicht, denn sie war nur diese: ob Freiheit der Naturnotwendigkeit in einer und derselben Handlung widerstreite, und dieses haben wir hinreichend beantwortet, da wir zeigten, daß, da bei jener eine Beziehung auf eine ganz andere Art von Bedingungen möglich ist, als bei dieser, das Gesetz der letzteren die erstere nicht affiziere, mithin beide voneinander unabhängig und durcheinander ungestört stattfinden können.
* * *
Man muß wohl bemerken: daß wir hierdurch nicht die Wirklichkeit der Freiheit, als eines der Vermögen,
B 586 welche die Ursache von den Erscheinungen unserer Sinnenwelt enthalten, haben dartun wollen Denn, außer daß dieses gar keine transzendentale Betrachtung, die bloß mit Begriffen zu tun hat, gewesen sein würde, so könnte es auch nicht gelingen, indem wir aus der Erfahrung niemals auf etwas, was gar nicht nach Erfahrungsgesetzen gedacht werden muß, schließen können. Ferner haben wir auch gar nicht einmal die Möglichkeit der Freiheit beweisen wollen; denn dieses wäre auch nicht gelungen, weil wir überhaupt von keinem Realgrunde und keiner Kausalität, aus bloßen Begriffen a priori, die Möglichkeit erkennen können. Die Freiheit wird hier nur als transzendentale Idee behandelt, wodurch die Vernunft die Reihe der Bedingungen in der Erscheinung durch das Sinnlichunbedingte schlechthin anzuheben denkt, dabei sich aber in eine Antinomie mit ihren eigenen Gesetzen, welche sie dem empirischen Gebrauche des Verstandes vorschreibt, verwickelt. Daß nun diese Antinomie auf einem bloßen Scheine beruhe, und, daß Natur der Kausalität aus Freiheit wenigstens nicht widerstreite, das war das einzige, was wir leisten konnten, und woran es uns auch einzig und allein gelegen war.
B 587 IV. Auflösung der kosmologischen Idee von der Totalität der Abhängigkeit der Erscheinungen, ihrem Dasein nach überhaupt
In der vorigen Nummer betrachteten wir die Veränderungen der Sinnenwelt in ihrer dynamischen Reihe, da eine jede unter einer anderen, als ihrer Ursache, steht. Jetzt dient uns diese Reihe der Zustände nur zur Leitung, um zu einem Dasein zu gelangen, das die höchste Bedingung alles Veränderlichen sein könne, nämlich dem notwendigen Wesen. Es ist hier nicht um die unbedingte Kausalität, sondern die unbedingte Existenz der Substanz selbst zu tun. Also ist die Reihe, welche wir vor uns haben, eigentlich nur die von Begriffen, und nicht von Anschauungen, insofern die eine die Bedingung der anderen ist.
Man sieht aber leicht: daß, da alles in dem Inbegriffe der Erscheinungen veränderlich, mithin im Dasein bedingt ist, es überall in der Reihe des abhängigen Daseins kein unbedingtes Glied geben könne, dessen Existenz schlechthin notwendig wäre, und daß also, wenn Erscheinungen Dinge an sich selbst wären, eben darum aber ihre Bedingung mit dem Bedingten jederzeit zu einer und derselben Reihe der Anschauungen gehörte, ein
B 588 notwendiges Wesen, als Bedingung des Daseins der Erscheinungen der Sinnenwelt, niemals stattfinden könnte.
Es hat aber der dynamische Regressus dieses Eigentümliche und Unterscheidende von dem mathematischen an sich: daß, da dieser es eigentlich nur mit der Zusammensetzung der Teile zu einem Ganzen, oder der Zerfällung eines Ganzen in seine Teile, zu tun hat, die Bedingungen dieser Reihe immer als Teile derselben, mithin als gleichartig, folglich als Erscheinungen angesehen werden müssen, anstatt daß in jenem Regressus, da es nicht um die Möglichkeit eines unbedingten Ganzen aus gegebenen Teilen, oder eines unbedingten Teils zu einem gegebenen Ganzen, sondern um die Ableitung eines Zustandes von seiner Ursache, oder des zufälligen Daseins der Substanz selbst von der notwendigen zu tun ist, die Bedingung nicht eben notwendig mit dem Bedingten eine empirische Reihe ausmachen dürfe.
Also bleibt uns, bei der vor uns liegenden scheinbaren Antinomie, noch ein Ausweg offen, da nämlich alle beide einander widerstreitenden Sätze in verschiedener Beziehung zugleich wahr sein können, so, daß alle Dinge der Sinnenwelt durchaus zufällig sind, mithin auch immer nur empirischbedingte Existenz haben, gleichwohl von der ganzen Reihe, auch eine nichtempirische Bedingung, d.i. ein unbedingtnotwendiges Wesen stattfinde. Denn dieses würde, als intelligible Bedingung, gar nicht zur Reihe als ein Glied derselben (nicht einmal als das oberste Glied)
B 589 gehören, und auch kein Glied der Reihe empirischunbedingt machen, sondern die ganze Sinnenwelt in ihrem durch alle Glieder gehenden empirischbedingten Dasein lassen. Darin würde sich also diese Art, ein unbedingtes Dasein den Erscheinungen zum Grunde zu legen, von der empirischunbedingten Kausalität (der Freiheit), im vorigen Artikel, unterscheiden, daß bei der Freiheit das Ding selbst, als Ursache (Substantia phaenomenon), dennoch in die Reihe der Bedingungen gehörte, und nur seine Kausalität als intelligibel gedacht wurde, hier aber das notwendige Wesen ganz außer der Reihe der Sinnenwelt (als ens extramundanum) und bloß intelligibel gedacht werden müßte, wodurch allein es verhütet werden kann, daß es nicht selbst dem Gesetze der Zufälligkeit und Abhängigkeit aller Erscheinungen unterworfen werde.
Das regulative Prinzip der Vernunft ist also in Ansehung dieser unserer Aufgabe: daß alles in der Sinnenwelt empirischbedingte Existenz habe, und daß es überall in ihr in Ansehung keiner Eigenschaft eine unbedingte Notwendigkeit gebe: daß kein Glied der Reihe von Bedingungen sei, davon man nicht immer die empirische Bedingung in einer möglichen Erfahrung erwarten, und, soweit man kann, suchen müsse, und nichts uns berechtige, irgendein Dasein von einer Bedingung außerhalb der empirischen Reihe abzuleiten, oder auch es als in der Reihe selbst für schlechterdings unabhängig und selbständig zu halten, gleichwohl aber dadurch gar nicht in Abrede zu ziehen,
B 590 daß nicht die ganze Reihe in irgendeinem intelligiblen Wesen (welches darum von aller empirischen Bedingung frei ist, und vielmehr den Grund der Möglichkeit aller dieser Erscheinungen enthält,) gegründet sein könne.
Es ist aber hierbei gar nicht die Meinung, das unbedingtnotwendige Dasein eines Wesens zu beweisen, oder auch nur die Möglichkeit einer bloß intelligiblen Bedingung der Existenz der Erscheinungen der Sinnenwelt hierauf zu gründen, sondern nur eben so, wie wir die Vernunft einschränken, daß sie nicht den Faden der empirischen Bedingungen verlasse, und sich in transzendente und keiner Darstellung in concreto fähige Erklärungsgründe verlaufe, also auch, andererseits, das Gesetz des bloß empirischen Verstandesgebrauchs dahin einzuschränken, daß es nicht über die Möglichkeit der Dinge überhaupt entscheide, und das Intelligible, ob es gleich von uns zur Erklärung der Erscheinungen nicht zu gebrauchen ist, darum nicht für unmöglich erkläre. Es wird also dadurch nur gezeigt, daß die durchgängige Zufälligkeit aller Naturdinge und aller ihrer (empirischen) Bedingungen, ganz wohl mit der willkürlichen Voraussetzung einer notwendigen, obzwar bloß intelligiblen Bedingung zusammen bestehen könne, also kein wahrer Widerspruch zwischen diesen Behauptungen anzutreffen sei, mithin sie beiderseits wahr sein können. Es mag immer ein solches schlechthinnotwendiges Verstandeswesen an sich unmöglich sein, so kann dieses doch aus der
B 591 allgemeinen Zufälligkeit und Abhängigkeit alles dessen, was zur Sinnenwelt gehört, imgleichen aus dem Prinzip, bei keinem einzigen Gliede derselben, sofern es zufällig ist, aufzuhören und sich auf eine Ursache außer der Welt zu berufen, keineswegs geschlossen werden. Die Vernunft geht ihren Gang im empirischen und ihren besonderen Gang im transzendentalen Gebrauche.
Die Sinnenwelt enthält nichts als Erscheinungen, diese aber sind bloße Vorstellungen, die immer wiederum sinnlich bedingt sind, und, da wir hier niemals Dinge an sich selbst zu unseren Gegenständen haben, so ist nicht zu verwundern, daß wir niemals berechtigt sind, von einem Gliede der empirischen Reihen, welches es auch sei, einen Sprung außer dem Zusammenhange der Sinnlichkeit zu tun, gleich als wenn es Dinge an sich selbst wären, die außer ihrem transzendentalen Grunde existierten, und die man verlassen könnte, um die Ursache ihres Daseins außer ihnen zu suchen; welches bei zufälligen Dingen allerdings endlich geschehen müßte, aber nicht bei blossen Vorstellungen von Dingen, deren Zufälligkeit selbst nur Phänomen ist, und auf keinen anderen Regressus, als denjenigen, der die Phänomena bestimmt, d.i. der empirisch ist, führen kann. Sich aber einen intelligiblen Grund der Erscheinungen, d.i. der Sinnenwelt, und denselben befreit von der Zufälligkeit der letzteren, denken, ist weder dem uneingeschränkten empirischen Regressus in der Reihe der Erscheinungen, noch der durchgängigen
B 592 Zufälligkeit derselben entgegen. Das ist aber auch das Einzige, was wir zur Hebung der scheinbaren Antinomie zu leisten hatten, und was sich nur auf diese Weise tun ließ. Denn, ist die jedesmalige Bedingung zu jedem Bedingten (dem Dasein nach) sinnlich, und eben darum zur Reihe gehörig, so ist sie selbst wiederum bedingt (wie die Antithesis der vierten Antinomie es aufweist). Es mußte also entweder ein Widerstreit mit der Vernunft, die das Unbedingte fordert, bleiben, oder dieses außer der Reihe in dem Intelligiblen gesetzt werden, dessen Notwendigkeit keine empirische Bedingung erfordert, noch verstattet, und also, respektive auf Erscheinungen, unbedingt notwendig ist.
Der empirische Gebrauch der Vernunft (in Ansehung der Bedingungen des Daseins in der Sinnenwelt) wird durch die Einräumung eines bloß intelligiblen Wesens nicht affiziert, sondern geht nach dem Prinzip der durchgängigen Zufälligkeit, von empirischen Bedingungen zu höheren, die immer ebensowohl empirisch sind. Ebensowenig schließt aber auch dieser regulative Grundsatz die Annehmung einer intelligiblen Ursache, die nicht in der Reihe ist, aus, wenn es um den reinen Gebrauch der Vernunft (in Ansehung der Zwecke) zu tun ist. Denn da bedeutet jene nur den für uns bloß transzendentalen und unbekannten Grund der Möglichkeit der sinnlichen Reihe überhaupt, dessen, von allen Bedingungen der letzteren unabhängiges und in Ansehung dieser
B 593 unbedingtnotwendiges, Dasein der unbegrenzten Zufälligkeit der ersteren, und darum auch dem nirgend geendigten Regressus in der Reihe empirischer Bedingungen, gar nicht entgegen ist.
Schlußanmerkung zur ganzen Antinomie der reinen Vernunft
Solange wir mit unseren Vernunftbegriffen bloß die Totalität der Bedingungen in der Sinnenwelt, und was in Ansehung ihrer der Vernunft zu Diensten geschehen kann, zum Gegenstande haben: so sind unsere Ideen zwar transzendental, aber doch kosmologisch. Sobald wir aber das Unbedingte (um das es doch eigentlich zu tun ist) in demjenigen setzen, was ganz außerhalb der Sinnenwelt, mithin außer aller möglichen Erfahrung ist, so werden die Ideen transzendent; sie dienen nicht bloß zur Vollendung des empirischen Vernunftgebrauchs (der immer eine nie auszuführende, aber dennoch zu befolgende Idee bleibt), sondern sie trennen sich davon gänzlich, und machen sich selbst Gegenstände, deren Stoff nicht aus Erfahrung genommen, deren objektive Realität auch nicht auf der Vollendung der empirischen Reihe, sondern auf reinen Begriffen a priori beruht. Dergleichen transzendente Ideen haben einen bloß intelligiblen Gegenstand, welchen als ein transzendentales Objekt, von dem man übrigens nichts weiß, zuzulassen, allerdings erlaubt ist, wozu aber, um es als ein durch seine unterscheidenden und inneren Prädikate bestimmbares Ding zu denken, wir weder
B 594 Gründe der Möglichkeit (als unabhängig von allen Erfahrungsbegriffen), noch die mindeste Rechtfertigung, einen solchen Gegenstand anzunehmen, auf unserer Seite haben, und welches daher ein bloßes Gedankending ist. Gleichwohl dringt uns, unter allen kosmologischen Ideen, diejenige, so die vierte Antinomie veranlaßte, diesen Schritt zu wagen. Denn das in sich selbst ganz und gar nicht gegründete, sondern stets bedingte, Dasein der Erscheinungen fordert uns auf: uns nach etwas von allen Erscheinungen unterschiedenem, mithin einem intelligiblen Gegenstande umzusehen, bei welchem diese Zufälligkeit aufhöre. Weil aber, wenn wir uns einmal die Erlaubnis genommen haben, außer dem Feld der gesamten Sinnlichkeit eine für sich bestehende Wirklichkeit anzunehmen, Erscheinungen nur als zufällige Vorstellungsarten intelligibler Gegenstände, von solchen Wesen, die selbst Intelligenzen sind, anzusehen: so bleibt uns nichts anderes übrig als die Analogie, nach der wir die Erfahrungsbegriffe nutzen, um uns von intelligiblen Dingen, von denen wir an sich nicht die mindeste Kenntnis haben, doch irgend einigen Begriff zu machen. Weil wir das Zufällige nicht anders als durch Erfahrung kennenlernen, hier aber von Dingen, die gar nicht Gegenstände der Erfahrung sein sollen, die Rede ist, so werden wir ihre Kenntnis aus dem, was an sich notwendig ist, aus reinen Begriffen von Dingen überhaupt, ableiten müssen. Daher nötigt uns der erste Schritt, den wir außer der Sinnenwelt tun,
B 595 unsere neuen Kenntnisse von der Untersuchung des schlechthinnotwendigen Wesens anzufangen, und von den Begriffen desselben die Begriffe von allen Dingen, sofern sie bloß intelligibel sind, abzuleiten, und diesen Versuch wollen wir in dem folgenden Hauptstücke anstellen.
Des zweiten Buchs der transzendentalen Dialektik Drittes Hauptstück Das Ideal der reinen Vernunft
Erster Abschnitt Von dem Ideal überhaupt
Wir haben oben gesehen, daß durch reine Verstandesbegriffe, ohne alle Bedingungen der Sinnlichkeit, gar keine Gegenstände können vorgestellt werden, weil die Bedingungen der objektiven Realität derselben fehlen, und nichts, als die bloße Form des Denkens, in ihnen angetroffen wird. Gleichwohl können sie in concreto dargestellt werden, wenn man sie auf Erscheinungen anwendet; denn an ihnen haben sie eigentlich den Stoff zum Erfahrungsbegriffe, der nichts als ein Verstandesbegriff in concreto ist. Ideen aber sind noch weiter von der objektiven Realität entfernt, als Kategorien; denn es kann keine Erscheinung gefunden werden, an der sie sich in concreto vorstellen ließen. Sie enthalten eine gewisse
B 596 Vollständigkeit, zu welcher keine mögliche empirische Erkenntnis zulangt, und die Vernunft hat dabei nur eine systematische Einheit im Sinne, welcher sie die empirische mögliche Einheit zu nähern sucht, ohne sie jemals völlig zu erreichen.
Aber noch weiter, als die Idee, scheint dasjenige von der objektiven Realität entfernt zu sein, was ich das Ideal nenne, und worunter ich die Idee, nicht bloß in concreto, sondern in individuo, d.i. als ein einzelnes, durch die Idee allein bestimmbares, oder gar bestimmtes Ding, verstehe.
Die Menschheit in ihrer ganzen Vollkommenheit, enthält nicht allein die Erweiterung aller zu dieser Natur gehörigen wesentlichen Eigenschaften, welche unseren Begriff von derselben ausmachen, bis zur vollständigen Kongruenz mit ihren Zwecken, welches unsere Idee der vollkommenen Menschheit sein würde, sondern auch alles, was außer diesem Begriffe zu der durchgängigen Bestimmung der Idee gehört; denn von allen entgegengesetzten Prädikaten kann sich doch nur ein einziges zu der Idee des vollkommensten Menschen schicken. Was uns ein Ideal ist, war dem Plato eine Idee des göttlichen Verstandes, ein einzelner Gegenstand in der reinen Anschauung desselben, das Vollkommenste einer jeden Art möglicher Wesen und der Urgrund aller Nachbilder in der Erscheinung.
B 597 Ohne uns aber so weit zu versteigen, müssen wir gestehen, daß die menschliche Vernunft nicht allein Ideen, sondern auch Ideale enthalte, die zwar nicht, wie die platonischen, schöpferische, aber doch praktische Kraft (als regulative Prinzipien) haben, und der Möglichkeit der Vollkommenheit gewisser Handlungen zum Grunde liegen. Moralische Begriffe sind nicht gänzlich reine Vernunftbegriffe, weil ihnen etwas Empirisches (Lust oder Unlust) zum Grunde liegt. Gleichwohl können sie in Ansehung des Prinzips, wodurch die Vernunft der an sich gesetzlosen Freiheit Schranken setzt, (also wenn man bloß auf ihre Form acht hat,) gar wohl zum Beispiele reiner Vernunftbegriffe dienen. Tugend, und, mit ihr, menschliche Weisheit in ihrer ganzen Reinigkeit, sind Ideen. Aber der Weise (des Stoikers) ist ein Ideal, d.i. ein Mensch, der bloß in Gedanken existiert, der aber mit der Idee der Weisheit völlig kongruiert. So wie die Idee die Regel gibt, so dient das Ideal in solchem Falle zum Urbilde, der durchgängigen Bestimmung des Nachbildes, und wir haben kein anderes Richtmaß unserer Handlungen, als das Verhalten dieses göttlichen Menschen in uns, womit wir uns vergleichen, beurteilen, und dadurch uns bessern, obgleich es niemals erreichen können. Diese Ideale, ob man ihnen gleich nicht objektive Realität (Existenz) zugestehen möchte, sind doch um deswillen nicht für Hirngespinste anzusehen, sondern geben ein unentbehrliches Richtmaß der Vernunft ab, die des Begriffs von dem, was
B 598 in seiner Art ganz vollständig ist, bedarf, um danach den Grad und die Mängel des Unvollständigen zu schätzen und abzumessen. Das Ideal aber in einem Beispiele, d.i. in der Erscheinung, realisieren wollen, wie etwa den Weisen in einem Roman, ist untunlich, und hat überdem etwas Widersinnisches und wenig Erbauliches an sich, indem die natürlichen Schranken, welche der Vollständigkeit in der Idee kontinuierlich Abbruch tun, alle Illusion in solchem Versuche unmöglich und dadurch das Gute, das in der Idee liegt, selbst verdächtig und einer bloßen Erdichtung ähnlich machen.
So ist es mit dem Ideale der Vernunft bewandt, welches jederzeit auf bestimmten Begriffen beruhen und zur Regel und Urbilde, es sei der Befolgung, oder Beurteilung, dienen muß. Ganz anders verhält es sich mit denen Geschöpfen der Einbildungskraft, darüber sich niemand erklären und einen verständlichen Begriff geben kann, gleichsam Monogrammen, die nur einzelne, obzwar nach keiner angeblichen Regel bestimmte Züge sind, welche mehr eine im Mittel verschiedener Erfahrungen gleichsam schwebende Zeichnung, als ein bestimmtes Bild ausmachen, dergleichen Maler und Physiognomen in ihrem Kopfe zu haben vorgeben, und die ein nicht mitzuteilendes Schattenbild ihrer Produkte oder auch Beurteilungen sein sollen. Sie können, obzwar nur uneigentlich, Ideale der Sinnlichkeit genannt werden, weil sie das nicht erreichbare Muster möglicher empirischer Anschauungen sein sollen, und
B 599 gleichwohl keine der Erklärung und Prüfung fähige Regel abgeben.
Die Absicht der Vernunft mit ihrem Ideale ist dagegen die durchgängige Bestimmung nach Regeln a priori; daher sie sich einen Gegenstand denkt, der nach Prinzipien durchgängig bestimmbar sein soll, obgleich dazu die hinreichenden Bedingungen in der Erfahrung mangeln und der Begriff selbst also transzendent ist.
Des dritten Hauptstücks Zweiter Abschnitt Von dem transzendentalen Ideal (Prototypon transzendentale)
Ein jeder Begriff ist in Ansehung dessen, was in ihm selbst nicht enthalten ist, unbestimmt, und steht unter dem Grundsatze der Bestimmbarkeit; daß nur eines, von jeden zween einander kontradiktorischentgegengesetzten Prädikaten, ihm zukommen könne, welcher auf dem Satze des Widerspruchs beruht, und daher ein bloß logisches Prinzip ist, das von allem Inhalte der Erkenntnis abstrahiert, und nichts, als die logische Form derselben vor Augen hat.
Ein jedes Ding aber, seiner Möglichkeit nach, steht noch unter dem Grundsatze der durchgängigen Bestimmung, nach welchem ihm von allen möglichen Prädikaten der
B 600 Dinge, sofern sie mit ihren Gegenteilen verglichen werden, eines zukommen muß. Dieses beruht nicht bloß auf dem Satze des Widerspruchs; denn es betrachtet, außer dem Verhältnis zweier einander widerstreitenden Prädikate, jedes Ding noch im Verhältnis auf die gesamte Möglichkeit, als den Inbegriff aller Prädikate der Dinge überhaupt, und, indem es solche als Bedingung a priori voraussetzt, so stellt es ein jedes Ding so vor, wie es von dem Anteil, den es an jener gesamten Möglichkeit hat, seine eigene Möglichkeit ableite.* Das Prinzipium der durchgängigen Bestimmung betrifft also den Inhalt, und nicht bloß die logische Form. Es ist der Grundsatz der Synthesis aller Prädikate, die den vollständigen Begriff von einem Dinge machen sollen, und nicht bloß der analytischen Vorstellung, durch eines zweier entgegengesetzten Prädikate, und enthält eine transzendentale Voraussetzung, nämlich
B 601 die der Materie zu aller Möglichkeit, welche a priori die Data zur besonderen Möglichkeit jedes Dinges enthalten soll.
* Es wird also durch diesen Grundsatz jedes Ding auf ein gemeinschaftliches Korrelatum, nämlich die gesamte Möglichkeit, bezogen, welche, wenn sie (d.i. der Stoff zu allen möglichen Prädikaten) in der Idee eines einzigen Dinges angetroffen würde, eine Affinität alles Möglichen durch die Identität des Grundes der durchgängigen Bestimmung desselben beweisen würde. Die Bestimmbarkeit eines jeden Begriffs ist der Allgemeinheit (Universalitas) des Grundsatzes der Ausschließung eines Mittleren zwischen zwei entgegengesetzten Prädikaten, die Bestimmung aber eines Dinges der Allheit (Universitas) oder dem Inbegriffe aller möglichen Prädikate untergeordnet.
Der Satz: alles Existierende ist durchgängig bestimmt, bedeutet nicht allein, daß von jedem Paare einander entgegengesetzter gegebenen, sondern auch von allen möglichen Prädikaten ihm immer eines zukomme; es werden durch diesen Satz nicht bloß Prädikate untereinander logisch, sondern das Ding selbst, mit dem Inbegriff aller möglichen Prädikate, transzendental verglichen. Er will so viel sagen, als: um ein Ding vollständig zu erkennen, muß man alles Mögliche erkennen, und es dadurch, es sei bejahend oder verneinend, bestimmen. Die durchgängige Bestimmung ist folglich ein Begriff, den wir niemals in concreto seiner Totalität nach darstellen können, und gründet sich also auf einer Idee, welche lediglich in der Vernunft ihren Sitz hat, die dem Verstande die Regel seines vollständigen Gebrauchs vorschreibt.
Ob nun zwar diese Idee von dem Inbegriffe aller Möglichkeit, sofern er als Bedingung der durchgängigen Bestimmung eines jeden Dinges zum Grunde liegt, in Ansehung der Prädikate, die denselben ausmachen mögen, selbst noch unbestimmt ist, und wir dadurch nichts weiter als einen Inbegriff aller möglichen Prädikate überhaupt denken, so finden wir doch bei näherer Untersuchung, daß diese Idee, als Urbegriff, eine Menge von Prädikaten ausstoße, die als abgeleitet durch andere schon gegeben
B 602 sind, oder nebeneinander nicht stehen können, und daß sie sich bis zu einem durchgängig a priori bestimmten Begriffe läutere, und dadurch der Begriff von einem einzelnen Gegenstande werde, der durch die bloße Idee durchgängig bestimmt ist, mithin ein Ideal der reinen Vernunft genannt werden muß.
Wenn wir alle möglichen Prädikate nicht bloß logisch, sondern transzendental, d.i. nach ihrem Inhalte, der an ihnen a priori gedacht werden kann, erwägen, so finden wir, daß durch einige derselben ein Sein, durch andere ein bloßes Nichtsein vorgestellt wird. Die logische Verneinung, die lediglich durch das Wörtchen: Nicht, angezeigt wird, hängt eigentlich niemals einem Begriffe, sondern nur dem Verhältnisse desselben zu einem anderen im Urteile an, und kann also dazu bei weitem nicht hinreichend sein, einen Begriff in Ansehung seines Inhaltes zu bezeichnen. Der Ausdruck: Nichtsterblich, kann gar nicht zu erkennen geben, daß dadurch ein bloßes Nichtsein am Gegenstande vorgestellt werde, sondern läßt allen Inhalt unberührt. Eine transzendentale Verneinung bedeutet dagegen das Nichtsein an sich selbst, dem die transzendentale Bejahung entgegengesetzt wird, welche ein Etwas ist, dessen Begriff an sich selbst schon ein Sein ausdrückt, und daher Realität (Sachheit) genannt wird, weil durch sie allein, und so weit sie reicht, Gegenstände Etwas (Dinge) sind, die entgegenstehende Negation hingegen
B 603 einen bloßen Mangel bedeutet, und, wo diese allein gedacht wird, die Aufhebung alles Dinges vorgestellt wird.
Nun kann sich niemand eine Verneinung bestimmt denken, ohne daß er die entgegengesetzte Bejahung zum Grunde liegen habe. Der Blindgeborene kann sich nicht die mindeste Vorstellung von Finsternis machen, weil er keine vom Lichte hat; der Wilde nicht von der Armut, weil er den Wohlstand nicht kennt.* Der Unwissende hat keinen Begriff von seiner Unwissenheit, weil er keinen von der Wissenschaft hat, usw. Es sind also auch alle Begriffe der Negationen abgeleitet, und die Realitäten enthalten die Data und sozusagen die Materie, oder den transzendentalen Inhalt, zu der Möglichkeit und durchgängigen Bestimmung aller Dinge.
* Die Beobachtungen und Berechnungen der Sternkundigen haben uns viel Bewunderungswürdiges gelehrt, aber das Wichtigste ist wohl, daß sie uns den Abgrund der Unwissenheit aufgedeckt haben, den die menschliche Vernunft, ohne diese Kenntnisse, sich niemals so groß hätte vorstellen können, und worüber das Nachdenken eine große Veränderung in der Bestimmung der Endabsichten unseres Vernunftgebrauchs hervorbringen muß.
Wenn also der durchgängigen Bestimmung in unserer Vernunft ein transzendentales Substratum zum Grunde gelegt wird, welches gleichsam den ganzen Vorrat des Stoffes, daher alle möglichen Prädikate der Dinge genommen werden können, enthält, so ist dieses Substratum nichts anderes, als die Idee von einem All der
B 604 Realität (omnitudo realitatis). Alle wahren Verneinungen sind alsdann nichts als Schranken, welches sie nicht genannt werden könnten, wenn nicht das Unbeschränkte (das All) zum Grunde läge.
Es ist aber auch durch diesen Allbesitz der Realität der Begriff eines Dinges an sich selbst, als durchgängig bestimmt, vorgestellt, und der Begriff eines entis realissimi ist der Begriff eines einzelnen Wesens, weil von allen möglichen entgegengesetzten Prädikaten eines, nämlich das, was zum Sein schlechthin gehört, in seiner Bestimmung angetroffen wird. Also ist es ein transzendentales Ideal, welches der durchgängigen Bestimmung, die notwendig bei allem, was existiert, angetroffen wird, zum Grunde liegt, und die oberste und vollständige materiale Bedingung seiner Möglichkeit ausmacht, auf welcher alles Denken der Gegenstände überhaupt ihrem Inhalte nach zurückgeführt werden muß. Es ist aber auch das einzige eigentliche Ideal, dessen die menschliche Vernunft fähig ist; weil nur in diesem einzigen Falle ein an sich allgemeiner Begriff von einem Dinge durch sich selbst durchgängig bestimmt, und als die Vorstellung von einem Individuum erkannt wird.
Die logische Bestimmung eines Begriffs durch die Vernunft beruht auf einem disjunktiven Vernunftschlusse, in welchem der Obersatz eine logische Einteilung (die Teilung der Sphäre eines allgemeinen Begriffs) enthält, der Untersatz diese Sphäre bis auf einen Teil einschränkt
B 605 und der Schlußsatz den Begriff durch diesen bestimmt. Der allgemeine Begriff einer Realität überhaupt kann a priori nicht eingeteilt werden, weil man ohne Erfahrung keine bestimmten Arten von Realität kennt, die unter jener Gattung enthalten wären. Also ist der transzendentale Obersatz der durchgängigen Bestimmung aller Dinge nichts anderes, als die Vorstellung des Inbegriffs aller Realität, nicht bloß ein Begriff, der alle Prädikate ihrem transzendentalen Inhalte nach unter sich, sondern der sie in sich begreift, und die durchgängige Bestimmung eines jeden Dinges beruht auf der Einschränkung dieses All der Realität, indem Einiges derselben dem Dinge beigelegt, das übrige aber ausgeschlossen wird, welches mit dem Entweder und Oder des disjunktiven Obersatzes und der Bestimmung des Gegenstandes, durch eins der Glieder dieser Teilung im Untersatze, übereinkommt. Demnach ist der Gebrauch der Vernunft, durch den sie das transzendentale Ideal zum Grunde ihrer Bestimmung aller möglichen Dinge legt, demjenigen analogisch, nach welchem sie in disjunktiven Vernunftschlüssen verfährt; welches der Satz war, den ich oben zum Grunde der systematischen Einteilung aller transzendentalen Ideen legte, nach welchem sie den drei Arten von Vernunftschlüssen parallel und korrespondierend erzeugt werden.
Es versteht sich von selbst, daß die Vernunft zu dieser ihrer Absicht, nämlich sich lediglich die notwendige durchgängige Bestimmung der Dinge vorzustellen, nicht
B 606 die Existenz eines solchen Wesens, das dem Ideale gemäß ist, sondern nur die Idee desselben voraussetze, um von einer unbedingten Totalität der durchgängigen Bestimmung die bedingte, d.i. die des Eingeschränkten abzuleiten. Das Ideal ist ihr also das Urbild (Prototypon) aller Dinge, welche insgesamt, als mangelhafte Kopien (ectypa), den Stoff zu ihrer Möglichkeit daher nehmen, und indem sie demselben mehr oder weniger nahekommen, dennoch jederzeit unendlich weit daran fehlen, es zu erreichen.
So wird denn alle Möglichkeit der Dinge (der Synthesis des Mannigfaltigen ihrem Inhalte nach) als abgeleitet, und nur allein die desjenigen, was alle Realität in sich schließt, als ursprünglich angesehen. Denn alle Verneinungen (welche doch die einzigen Prädikate sind, wodurch sich alles andere vom realsten Wesen unterscheiden läßt,) sind bloße Einschränkungen einer größeren und endlich der höchsten Realität, mithin setzen sie diese voraus, und sind dem Inhalte nach von ihr bloß abgeleitet. Alle Mannigfaltigkeit der Dinge ist nur eine eben so vielfältige Art, den Begriff der höchsten Realität, der ihr gemeinschaftliches Substratum ist, einzuschränken, so wie alle Figuren nur als verschiedene Arten, den unendlichen Raum einzuschränken, möglich sind. Daher wird der bloß in der Vernunft befindliche Gegenstand ihres Ideals auch das Urwesen (ens originarium), sofern es keines über sich hat, das höchste Wesen (ens summum), und, sofern alles, als bedingt, unter ihm steht, das Wesen
B 607 aller Wesen (ens entium) genannt. Alles dieses aber bedeutet nicht das objektive Verhältnis eines wirklichen Gegenstandes zu anderen Dingen, sondern der Idee zu Begriffen, und läßt uns wegen der Existenz eines Wesens von so ausnehmendem Vorzuge in völliger Unwissenheit.
Weil man auch nicht sagen kann, daß ein Urwesen aus viel abgeleiteten Wesen bestehe, indem ein jedes derselben jenes voraussetzt, mithin es nicht ausmachen kann, so wird das Ideal des Urwesens auch als einfach gedacht werden müssen.
Die Ableitung aller anderen Möglichkeit von diesem Urwesen wird daher, genau zu reden, auch nicht als eine Einschränkung seiner höchsten Realität und gleichsam als eine Teilung derselben angesehen werden können; denn alsdann würde das Urwesen als ein bloßes Aggregat von abgeleiteten Wesen angesehen werden, welches nach dem vorigen unmöglich ist, ob wir es gleich anfänglich im ersten rohen Schattenrisse so vorstellten. Vielmehr würde der Möglichkeit aller Dinge die höchste Realität als ein Grund und nicht als Inbegriff zum Grunde liegen, und die Mannigfaltigkeit der ersteren nicht auf der Einschränkung des Urwesens selbst, sondern seiner vollständigen Folge beruhen, zu welcher denn auch unsere ganze Sinnlichkeit, samt aller Realität in der Erscheinung, gehören würde, die zu der Idee des höchsten Wesens, als ein Ingredienz, nicht gehören kann.
B 608 Wenn wir nun dieser unserer Idee, indem wir sie hypostasieren, so ferner nachgehen, so werden wir das Urwesen durch den bloßen Begriff der höchsten Realität als ein einiges, einfaches, allgenugsames, ewiges usw., mit einem Worte, es in seiner unbedingten Vollständigkeit durch alle Prädikamente bestimmen können. Der Begriff eines solchen Wesens ist der von Gott, in transzendentalem Verstande gedacht, und so ist das Ideal der reinen Vernunft der Gegenstand einer transzendentalen Theologie, so wie ich es auch oben angeführt habe.
Indessen würde dieser Gebrauch der transzendentalen Idee doch schon die Grenzen ihrer Bestimmung und Zulässigkeit überschreiten. Denn die Vernunft legte sie nur, als den Begriff von aller Realität, der durchgängigen Bestimmung der Dinge überhaupt zum Grunde, ohne zu verlangen, daß alle diese Realität objektiv gegeben sei und selbst ein Ding ausmache. Dieses letztere ist eine bloße Erdichtung, durch welche wir das Mannigfaltige unserer Idee in einem Ideale, als einem besonderen Wesen, zusammenfassen und realisieren, wozu wir keine Befugnis haben, sogar nicht einmal die Möglichkeit einer solchen Hypothese geradezu anzunehmen, wie denn auch alle Folgerungen, die aus einem solchen Ideale abfließen, die durchgängige Bestimmung der Dinge überhaupt, als zu deren Behuf die Idee allein nötig war, nichts angehen, und darauf nicht den mindesten Einfluß haben.
B 609 Es ist nicht genug, das Verfahren unserer Vernunft und ihre Dialektik zu beschreiben, man muß auch die Quellen derselben zu entdecken suchen, um diesen Schein selbst, wie ein Phänomen des Verstandes, erklären zu können; denn das Ideal, wovon wir reden, ist auf einer natürlichen und nicht bloß willkürlichen Idee gegründet. Daher frage ich: wie kommt die Vernunft dazu, alle Möglichkeit der Dinge als abgeleitet von einer einzigen, die zum Grunde liegt, nämlich der der höchsten Realität, anzusehen, und diese sodann, als in einem besonderen Urwesen enthalten vorauszusetzen?
Die Antwort bietet sich aus den Verhandlungen der transzendentalen Analytik von selbst dar. Die Möglichkeit der Gegenstände der Sinne ist ein Verhältnis derselben zu unserem Denken, worin etwas (nämlich die empirische Form) a priori gedacht werden kann, dasjenige aber, was die Materie ausmacht, die Realität in der Erscheinung, (was der Empfindung entspricht) gegeben sein muß, ohne welches es auch gar nicht gedacht und mithin seine Möglichkeit nicht vorgestellt werden könnte. Nun kann ein Gegenstand der Sinne nur durchgängig bestimmt werden, wenn er mit allen Prädikaten der Erscheinung verglichen und durch dieselbe bejahend oder verneinend vorgestellt wird. Weil aber darin dasjenige, was das Ding selbst (in der Erscheinung) ausmacht, nämlich das Reale, gegeben sein muß, ohne welches es auch gar nicht gedacht werden könnte; dasjenige aber, worin
B 610 das Reale aller Erscheinungen gegeben ist, die einige allbefassende Erfahrung ist: so muß die Materie zur Möglichkeit aller Gegenstände der Sinne, als in einem Inbegriffe gegeben, vorausgesetzt werden, auf dessen Einschränkung allein alle Möglichkeit empirischer Gegenstände, ihr Unterschied voneinander und ihre durchgängige Bestimmung, beruhen kann. Nun können uns in der Tat keine anderen Gegenstände, als die der Sinne, und nirgends als in dem Kontext einer möglichen Erfahrung gegeben werden, folglich ist nichts für uns ein Gegenstand, wenn es nicht den Inbegriff aller empirischen Realität als Bedingung seiner Möglichkeit voraussetzt. Nach einer natürlichen Illusion sehen wir nun das für einen Grundsatz an, der von allen Dingen überhaupt gelten müsse, welcher eigentlich nur von denen gilt, die als Gegenstände unserer Sinne gegeben werden. Folglich werden wir das empirische Prinzip unserer Begriffe der Möglichkeit der Dinge, als Erscheinungen, durch Weglassung dieser Einschränkung, für ein transzendentales Prinzip der Möglichkeit der Dinge überhaupt halten.
Daß wir aber hernach diese Idee vom Inbegriffe aller Realität hypostasieren, kommt daher: weil wir die distributive Einheit des Erfahrungsgebrauchs des Verstandes in die kollektive Einheit eines Erfahrungsganzen dialektisch verwandeln, und an diesem Ganzen der Erscheinung uns ein einzelnes Ding denken, was alle empirische Realität in sich enthält, welches dann, vermittelst der
B 611 schon gedachten transzendentalen Subreption, mit dem Begriffe eines Dinges verwechselt wird, was an der Spitze der Möglichkeit aller Dinge steht, zu deren durchgängiger Bestimmung es die realen Bedingungen hergibt.*
* Dieses Ideal des allerrealsten Wesens wird also, ob es zwar eine bloße Vorstellung ist, zuerst realisiert, d.i. zum Objekt gemacht, darauf hypostasiert, endlich, durch einen natürlichen Fortschritt der Vernunft zur Vollendung der Einheit, sogar personifiziert, wie wir bald anführen werden; weil die regulative Einheit der Erfahrung nicht auf den Erscheinungen selbst (der Sinnlichkeit allein), sondern auf der Verknüpfung ihres Mannigfaltigen durch den Verstand (in einer Apperzeption) beruht, mithin die Einheit der höchsten Realität und die durchgängige Bestimmbarkeit (Möglichkeit) aller Dinge in einem höchsten Verstande, mithin in einer Intelligenz zu liegen scheint.
Des dritten Hauptstücks Dritter Abschnitt Von den Beweisgründen der spekulativen Vernunft, auf das Dasein eines höchsten Wesens zu schließen
Ungeachtet dieser dringenden Bedürfnis der Vernunft, etwas vorauszusetzen, was dem Verstande zu der durchgängigen Bestimmung seiner Begriffe vollständig zum Grunde liegen könne, so bemerkt sie doch das Idealische und bloß Gedichtete einer solchen Voraussetzung viel zu leicht, als daß sie dadurch allein überredet werden sollte, ein
B 612 bloßes Selbstgeschöpf ihres Denkens sofort für ein wirkliches Wesen anzunehmen, wenn sie nicht wodurch anders gedrungen würde, irgendwo ihren Ruhestand, in dem Regressus vom Bedingten, das gegeben ist, zum Unbedingten, zu suchen, das zwar an sich und seinem bloßen Begriff nach nicht als wirklich gegeben ist, welches aber allein die Reihe der zu ihren Gründen hinausgeführten Bedingungen vollenden kann. Dieses ist nun der natürliche Gang, den jede menschliche Vernunft, selbst die gemeinste, nimmt, obgleich nicht eine jede in demselben aushält. Sie fängt nicht von Begriffen, sondern von der gemeinen Erfahrung an, und legt also etwas Existierendes zum Grunde. Dieser Boden aber sinkt, wenn er nicht auf dem unbeweglichen Felsen des Absolutnotwendigen ruht. Dieser selber aber schwebt ohne Stütze, wenn noch außer und unter ihm leerer Raum ist, und er nicht selbst alles erfüllt und dadurch keinen Platz zum Warum mehr übrig läßt, d.i. der Realität nach unendlich ist.
Wenn etwas, was es auch sei, existiert, so muß auch eingeräumt werden, daß irgend etwas notwendigerweise existiere. Denn das Zufällige existiert nur unter der Bedingung eines anderen, als seiner Ursache, und von dieser gilt der Schluß fernerhin, bis zu einer Ursache, die nicht zufällig und eben darum ohne Bedingung notwendigerweise da ist. Das ist das Argument, worauf die Vernunft ihren Fortschritt zum Urwesen gründet.
B 613 Nun sieht sich die Vernunft nach dem Begriffe eines Wesens um, das sich zu einem solchen Vorzuge der Existenz, als die unbedingte Notwendigkeit, schicke, nicht sowohl, um alsdann von dem Begriffe desselben a priori auf sein Dasein zu schließen, (denn, getraute sie sich dieses, so dürfte sie überhaupt nur unter bloßen Begriffen forschen, und hätte nicht nötig, ein gegebenes Dasein zum Grunde zu legen,) sondern nur um unter allen Begriffen möglicher Dinge denjenigen zu finden, der nichts der absoluten Notwendigkeit Widerstreitendes in sich hat. Denn, daß doch irgend etwas schlechthin notwendig existieren müsse, hält sie nach dem ersteren Schlusse schon für ausgemacht. Wenn sie nun alles wegschaffen kann, was sich mit dieser Notwendigkeit nicht verträgt, außer einem; so ist dieses das schlechthin notwendige Wesen, man mag nun die Notwendigkeit desselben begreifen, d.i. aus seinem Begriffe allein ableiten können, oder nicht.
Nun scheint dasjenige, dessen Begriff zu allem Warum das Darum in sich enthält, das in keinem Stücke und in keiner Absicht defekt ist, welches allerwärts als Bedingung hinreicht, eben darum das zur absoluten Notwendigkeit schickliche Wesen zu sein, weil es, bei dem Selbstbesitz aller Bedingungen zu allem Möglichen, selbst keiner Bedingung bedarf, ja derselben nicht einmal fähig ist, folglich, wenigstens in einem Stücke, dem Begriffe der unbedingten Notwendigkeit ein Genüge tut, darin es kein anderer Begriff ihm
B 614 gleichtun kann, der, weil er mangelhaft und der Ergänzung bedürftig ist, kein solches Merkmal der Unabhängigkeit von allen ferneren Bedingungen an sich zeigt. Es ist wahr, daß hieraus noch nicht sicher gefolgert werden könne, daß, was nicht die höchste und in aller Absicht vollständige Bedingung in sich enthält, darum selbst seiner Existenz nach bedingt sein müsse; aber es hat denn doch das einzige Merkzeichen des unbedingten Daseins nicht an sich, dessen die Vernunft mächtig ist, um durch einen Begriff a priori irgendein Wesen als unbedingt zu erkennen.
Der Begriff eines Wesens von der höchsten Realität würde sich also unter allen Begriffen möglicher Dinge zu dem Begriffe eines unbedingt notwendigen Wesens am besten schicken, und, wenn er diesem auch nicht völlig genugtut, so haben wir doch keine Wahl, sondern sehen uns genötigt, uns an ihn zu halten, weil wir die Existenz eines notwendigen Wesens nicht in den Wind schlagen dürfen; geben wir sie aber zu, doch in dem ganzen Felde der Möglichkeit nichts finden können, was auf einen solchen Vorzug im Dasein einen gegründeteren Anspruch machen könnte.
So ist also der natürliche Gang der menschlichen Vernunft beschaffen. Zuerst überzeugt sie sich vom Dasein irgendeines notwendigen Wesens. In diesem erkennt sie eine unbedingte Existenz. Nun sucht sie den Begriff des Unabhängigen von aller Bedingung, und findet
B 615 ihn in dem, was selbst die zureichende Bedingung zu allem anderen ist, d.i. in demjenigen, was alle Realität enthält. Das All aber ohne Schranken ist absolute Einheit, und führt den Begriff eines einigen, nämlich des höchsten Wesens bei sich, und so schließt sie, daß das höchste Wesen, als Urgrund aller Dinge, schlechthin notwendigerweise da sei.
Diesem Begriffe kann eine gewisse Gründlichkeit nicht gestritten werden, wenn von Entschließungen die Rede ist, nämlich, wenn einmal das Dasein irgendeines notwendigen Wesens zugegeben wird und man darin übereinkommt, daß man seine Partei ergreifen müsse, worin man dasselbe setzen wolle; denn alsdann kann man nicht schicklicher wählen, oder man hat vielmehr keine Wahl, sondern ist genötigt, der absoluten Einheit der vollständigen Realität, als dem Urquelle der Möglichkeit, seine Stimme zu geben. Wenn uns aber nichts treibt, uns zu entschließen, und wir lieber diese ganze Sache dahingestellt sein ließen, bis wir durch das volle Gewicht der Beweisgründe zum Beifalle gezwungen würden, d.i. wenn es bloß um Beurteilung zu tun ist, wie viel wir von dieser Aufgabe wissen, und was wir uns nur zu wissen schmeicheln; dann erscheint obiger Schluß bei weitem nicht in so vorteilhafter Gestalt, und bedarf Gunst, um den Mangel seiner Rechtsansprüche zu ersetzen.
Denn, wenn wir alles so gut sein lassen, wie es hier vor uns liegt, daß nämlich erstlich von irgendeiner
B 616 gegebenen Existenz (allenfalls auch bloß meiner eigenen) ein richtiger Schluß auf die Existenz eines unbedingt notwendigen Wesens stattfinde, zweitens, daß ich ein Wesen, welches alle Realität, mithin auch alle Bedingung enthält, als schlechthin unbedingt ansehen müsse, folglich der Begriff des Dinges, welches sich zur absoluten Notwendigkeit schickt, hierdurch gefunden sei: so kann daraus doch gar nicht geschlossen werden, daß der Begriff eines eingeschränkten Wesens, das nicht die höchste Realität hat, darum der absoluten Notwendigkeit widerspreche. Denn, ob ich gleich in seinem Begriffe nicht das Unbedingte antreffe, was das All der Bedingungen schon bei sich führt, so kann daraus doch gar nicht gefolgert werden, daß sein Dasein eben darum bedingt sein müsse; so wie ich in einem hypothetischen Vernunftschlusse nicht sagen kann: wo eine gewisse Bedingung (nämlich hier der Vollständigkeit nach Begriffen) nicht ist, da ist auch das Bedingte nicht. Es wird uns vielmehr unbenommen bleiben, alle übrigen eingeschränkten Wesen ebensowohl für unbedingt notwendig gelten zu lassen, ob wir gleich ihre Notwendigkeit aus dem allgemeinen Begriffe, den wir von ihnen haben, nicht schließen können. Auf diese Weise aber hätte dieses Argument uns nicht den mindesten Begriff von Eigenschaften eines notwendigen Wesens verschafft, und überall gar nichts geleistet.
Gleichwohl bleibt diesem Argumente eine gewisse Wichtigkeit, und ein Ansehen, das ihm, wegen dieser objektiven
B 617 Unzulänglichkeit, noch nicht sofort genommen werden kann. Denn setzet, es gebe Verbindlichkeiten, die in der Idee der Vernunft ganz richtig, aber ohne alle Realität in Anwendung auf uns selbst, d.i. ohne Triebfedern sein würden, wo nicht ein höchstes Wesen vorausgesetzt würde, das den praktischen Gesetzen Wirkung und Nachdruck geben könnte: so würden wir auch eine Verbindlichkeit haben, den Begriffen zu folgen, die, wenn sie gleich nicht objektiv zulänglich sein möchten, doch nach dem Maße unserer Vernunft überwiegend sind, und in Vergleichung mit denen wir doch nichts Besseres und Überführenderes erkennen. Die Pflicht zu wählen, würde hier die Unschliessigkeit der Spekulation durch einen praktischen Zusatz aus dem Gleichgewichte bringen, ja die Vernunft würde bei ihr selbst, als dem nachsehendsten Richter, keine Rechtfertigung finden, wenn sie unter dringenden Bewegursachen, obzwar nur mangelhafter Einsicht, diesen Gründen ihres Urteils, über die wir doch wenigstens keine besseren kennen, nicht gefolgt wäre.
Dieses Argument, ob es gleich in der Tat transzendental ist, indem es auf der inneren Unzulänglichkeit des Zufälligen beruht, ist doch so einfältig und natürlich, daß es dem gemeinsten Menschensinne angemessen ist, sobald dieser nur einmal darauf geführt wird. Man sieht Dinge sich verändern, entstehen und vergehen; sie müssen also, oder wenigstens ihr Zustand, eine Ursache haben. Von jeder Ursache aber, die jemals in der Erfahrung gegeben
B 618 werden mag, läßt sich eben dieses wiederum fragen. Wohin sollen wir nun die oberste Kausalität billiger verlegen, als dahin, wo auch die höchste Kausalität ist, d.i. in dasjenige Wesen, was zu der möglichen Wirkung die Zulänglichkeit in sich selbst ursprünglich enthält, dessen Begriff auch durch den einzigen Zug einer allbefassenden Vollkommenheit sehr leicht zustande kommt. Diese höchste Ursache halten wir dann für schlechthin notwendig, weil wir es schlechterdings notwendig finden, bis zu ihr hinaufzusteigen, und keinen Grund, über sie noch weiter hinauszugehen. Daher sehen wir bei allen Völkern durch ihre blindeste Vielgötterei doch einige Funken des Monotheismus durchschimmern, wozu nicht Nachdenken und tiefe Spekulation, sondern nur ein nach und nach verständlich gewordener natürlicher Gang des gemeinen Verstandes geführt hat.
Es sind nur drei Beweisarten vom Dasein Gottes aus spekulativer Vernunft möglich.
Alle Wege, die man in dieser Absicht einschlagen mag, fangen entweder von der bestimmten Erfahrung und der dadurch erkannten besonderen Beschaffenheit unserer Sinnenwelt an, und steigen von ihr nach Gesetzen der Kausalität bis zur höchsten Ursache außer der Welt hinauf: oder sie legen nur unbestimmte Erfahrung, d.i. irgendein Dasein, empirisch zum Grunde, oder sie abstrahieren endlich von aller Erfahrung, und schließen gänzlich a priori aus bloßen Begriffen auf das Dasein einer höchsten
B 619 Ursache. Der erste Beweis ist der physikotheologische, der zweite der kosmologische, der dritte der ontologische Beweis. Mehr gibt es ihrer nicht, und mehr kann es auch nicht geben.
Ich werde dartun: daß die Vernunft, auf dem einen Wege (dem empirischen) so wenig, als auf dem anderen (dem transzendentalen), etwas ausrichte, und daß sie vergeblich ihre Flügel ausspanne, um über die Sinnenwelt durch die bloße Macht der Spekulation hinaus zu kommen. Was aber die Ordnung betrifft, in welcher diese Beweisarten der Prüfung vorgelegt werden müssen, so wird sie gerade die umgekehrte von derjenigen sein, welche die sich nach und nach erweiternde Vernunft nimmt, und in der wir sie auch zuerst gestellt haben. Denn es wird sich zeigen: daß, obgleich Erfahrung den ersten Anlaß dazu gibt, dennoch bloß der transzendentale Begriff die Vernunft in dieser ihrer Bestrebung leite und in allen solchen Versuchen das Ziel ausstecke, das sie sich vorgesetzt hat. Ich werde also von der Prüfung des transzendentalen Beweises anfangen, und nachher sehen, was der Zusatz des Empirischen zur Vergrößerung seiner Beweiskraft tun könne.
B 620 Des dritten Hauptstücks Vierter Abschnitt Von der Unmöglichkeit eines ontologischen Beweises vom Dasein Gottes
Man sieht aus dem bisherigen leicht: daß der Begriff eines absolut notwendigen Wesens ein reiner Vernunftbegriff, d.i. eine bloße Idee sei, deren objektive Realität dadurch, daß die Vernunft ihrer bedarf, noch lange nicht bewiesen ist, welche auch nur auf eine gewisse obzwar unerreichbare Vollständigkeit Anweisung gibt, und eigentlich mehr dazu dient, den Verstand zu begrenzen, als ihn auf neue Gegenstände zu erweitern. Es findet sich hier nun das Befremdliche und Widersinnische, daß der Schluß von einem gegebenen Dasein überhaupt auf irgendein schlechthin notwendiges Dasein, dringend und richtig zu sein scheint, und wir gleichwohl alle Bedingungen des Verstandes, sich einen Begriff von einer solchen Notwendigkeit zu machen, gänzlich wider uns haben.
Man hat zu aller Zeit von dem absolut notwendigen Wesen geredet, und sich nicht sowohl Mühe gegeben, zu verstehen, ob und wie man sich ein Ding von dieser Art auch nur denken könne, als vielmehr dessen Dasein zu beweisen. Nun ist zwar eine Namenerklärung von diesem Begriffe ganz leicht, daß es nämlich so etwas sei, dessen Nichtsein unmöglich ist; aber man wird hierdurch um nichts
B 621 klüger, in Ansehung der Bedingungen, die es unmöglich machen, das Nichtsein eines Dinges als schlechterdings undenklich anzusehen, und die eigentlich dasjenige sind, was man wissen will, nämlich, ob wir uns durch diesen Begriff überall etwas denken, oder nicht. Denn alle Bedingungen, die der Verstand jederzeit bedarf, um etwas als notwendig anzusehen, vermittelst des Worts: Unbedingt, wegwerfen, macht mir noch lange nicht verständlich, ob ich alsdann durch einen Begriff eines Unbedingtnotwendigen noch etwas, oder vielleicht gar nichts denke.
Noch mehr: diesen auf das bloße Geratewohl gewagten und endlich ganz geläufig gewordenen Begriff hat man noch dazu durch eine Menge Beispiele zu erklären geglaubt, so, daß alle weitere Nachfrage wegen seiner Verständlichkeit ganz unnötig erschienen. Ein jeder Satz der Geometrie, z.B. daß ein Triangel drei Winkel habe, ist schlechthin notwendig, und so redete man von einem Gegenstande, der ganz außerhalb der Sphäre unseres Verstandes liegt, als ob man ganz wohl verstände, was man mit dem Begriffe von ihm sagen wolle.
Alle vorgegebenen Beispiele sind ohne Ausnahme nur von Urteilen, aber nicht von Dingen und deren Dasein hergenommen. Die unbedingte Notwendigkeit der Urteile aber ist nicht eine absolute Notwendigkeit der Sachen. Denn die absolute Notwendigkeit des Urteils ist nur eine bedingte Notwendigkeit der Sache, oder des
B 622 Prädikats im Urteile. Der vorige Satz sagte nicht, daß drei Winkel schlechterdings notwendig sind, sondern, unter der Bedingung, daß ein Triangel da ist, (gegeben ist) sind auch drei Winkel (in ihm) notwendigerweise da. Gleichwohl hat diese logische Notwendigkeit eine so große Macht ihrer Illusion bewiesen, daß, indem man sich einen Begriff a priori von einem Dinge gemacht hatte, der so gestellt war, daß man seiner Meinung nach das Dasein mit in seinen Umfang begriff, man daraus glaubte sicher schließen zu können, daß, weil dem Objekt dieses Begriffs das Dasein notwendig zukommt, d.i. unter der Bedingung, daß ich dieses Ding als gegeben (existierend) setze, auch sein Dasein notwendig (nach der Regel der Identität) gesetzt werde, und dieses Wesen daher selbst schlechterdings notwendig sei, weil sein Dasein in einem nach Belieben angenommenen Begriffe und unter der Bedingung, daß ich den Gegenstand desselben setze, mitgedacht wird.
Wenn ich das Prädikat in einem identischen Urteile aufhebe und behalte das Subjekt, so entspringt ein Widerspruch, und daher sage ich: jenes kommt diesem notwendigerweise zu. Hebe ich aber das Subjekt zusamt dem Prädikate auf, so entspringt kein Widerspruch; denn es ist nichts mehr, welchem widersprochen werden könnte. Einen Triangel setzen und doch die drei Winkel desselben aufheben, ist widersprechend; aber den Triangel samt seinen drei Winkeln aufheben, ist kein Widerspruch. Gerade ebenso ist es mit dem Begriffe eines absolut notwendigen
B 623 Wesens bewandt. Wenn ihr das Dasein desselben aufhebt, so hebt ihr das Ding selbst mit allen seinen Prädikaten auf; wo soll alsdann der Widerspruch herkommen? Äußerlich ist nichts, dem widersprochen würde, denn das Ding soll nicht äußerlich notwendig sein; innerlich auch nichts, denn ihr habt, durch Aufhebung des Dinges selbst, alles Innere zugleich aufgehoben. Gott ist allmächtig; das ist ein notwendiges Urteil. Die Allmacht kann nicht aufgehoben werden, wenn ihr eine Gottheit, d.i. ein unendliches Wesen, setzt, mit dessen Begriff jener identisch ist. Wenn ihr aber sagt: Gott ist nicht, so ist weder die Allmacht, noch irgendein anderes seiner Prädikate gegeben; denn sie sind alle zusamt dem Subjekte aufgehoben, und es zeigt sich in diesem Gedanken nicht der mindeste Widerspruch.
Ihr habt also gesehen, daß, wenn ich das Prädikat eines Urteils zusamt dem Subjekte aufhebe, niemals ein innerer Widerspruch entspringen könne, das Prädikat mag auch sein, welches es wolle. Nun bleibt euch keine Ausflucht übrig, als, ihr müßt sagen: es gibt Subjekte, die gar nicht aufgehoben werden können, die also bleiben müssen. Das würde aber ebensoviel sagen, als: es gibt schlechterdings notwendige Subjekte; eine Voraussetzung, an deren Richtigkeit ich eben gezweifelt habe, und deren Möglichkeit ihr mir zeigen wolltet. Denn ich kann mir nicht den geringsten Begriff von einem Dinge machen, welches, wenn es mit allen seinen Prädikaten aufgehoben
B 624 würde, einen Widerspruch zurück ließe, und ohne den Widerspruch habe ich, durch bloße reine Begriffe a priori, kein Merkmal der Unmöglichkeit.
Wider alle diese allgemeinen Schlüsse (deren sich kein Mensch weigern kann) fordert ihr mich durch einen Fall auf, den ihr, als einen Beweis durch die Tat, aufstellt: daß es doch einen und zwar nur diesen Einen Begriff gebe, da das Nichtsein oder das Aufheben seines Gegenstandes in sich selbst widersprechend sei, und dieses ist der Begriff des allerrealsten Wesens. Es hat, sagt ihr, alle Realität, und ihr seid berechtigt, ein solches Wesen als möglich anzunehmen, (welches ich vorjetzt einwillige, obgleich der sich nicht widersprechende Begriff noch lange nicht die Möglichkeit des Gegenstandes beweist)*. Nun ist unter aller Realität auch das Dasein mitbegriffen: Also liegt das Dasein in dem Begriffe von einem Möglichen. Wird
B 625 dieses Ding nun aufgehoben, so wird die innere Möglichkeit des Dinges aufgehoben, welches widersprechend ist.
* Der Begriff ist allemal möglich, wenn er sich nicht widerspricht. Das ist das logische Merkmal der Möglichkeit, und dadurch wird sein Gegenstand vom nihil negativum unterschieden. Allein er kann nichtsdestoweniger ein leerer Begriff sein, wenn die objektive Realität der Synthesis, dadurch der Begriff erzeugt wird, nicht besonders dargetan wird; welches aber jederzeit, wie oben gezeigt worden, auf Prinzipien möglicher Erfahrung und nicht auf dem Grundsatze der Analysis (dem Satze des Widerspruchs) beruht. Das ist eine Warnung, von der Möglichkeit der Begriffe (logische) nicht sofort auf die Möglichkeit der Dinge (reale) zu schließen.
Ich antworte: Ihr habt schon einen Widerspruch begangen, wenn ihr in den Begriff eines Dinges, welches ihr lediglich seiner Möglichkeit nach denken wolltet, es sei unter welchem versteckten Namen, schon den Begriff seiner Existenz hinein brachtet. Räumt man euch dieses ein, so habt ihr dem Scheine nach gewonnen Spiel, in der Tat aber nichts gesagt; denn ihr habt eine bloße Tautologie begangen. Ich frage euch, ist der Satz: dieses oder jenes Ding (welches ich euch als möglich einräume, es mag sein, welches es wolle,) existiert, ist, sage ich, dieser Satz ein analytischer oder synthetischer Satz? Wenn er das erstere ist, so tut ihr durch das Dasein des Dinges zu euerem Gedanken von dem Dinge nichts hinzu, aber alsdann müßte entweder der Gedanke, der in euch ist, das Ding selber sein, oder ihr habt ein Dasein, als zur Möglichkeit gehörig, vorausgesetzt, und alsdann das Dasein dem Vorgeben nach aus der inneren Möglichkeit geschlossen, welches nichts als eine elende Tautologie ist. Das Wort: Realität, welches im Begriffe des Dinges anders klingt, als Existenz im Begriffe des Prädikats, macht es nicht aus. Denn, wenn ihr auch alles Setzen (unbestimmt was ihr setzt) Realität nennt, so habt ihr das Ding schon mit allen seinen Prädikaten im Begriffe des Subjekts gesetzt und als wirklich angenommen, und im Prädikate
B 626 wiederholt ihr es nur. Gesteht ihr dagegen, wie es billigermaßen jeder Vernünftige gestehen muß, daß ein jeder Existenzialsatz synthetisch sei, wie wollt ihr dann behaupten, daß das Prädikat der Existenz sich ohne Widerspruch nicht aufheben lasse? da dieser Vorzug nur den analytischen, als deren Charakter eben darauf beruht, eigentümlich zukommt.
Ich würde zwar hoffen, diese grüblerische Argutation, ohne allen Umschweif, durch eine genaue Bestimmung des Begriffs der Existenz zunichte zu machen, wenn ich nicht gefunden hätte, daß die Illusion, in Verwechslung eines logischen Prädikats mit einem realen, (d.i. der Bestimmung eines Dinges,) beinahe alle Belehrung ausschlage. Zum logischen Prädikate kann alles dienen, was man will, sogar das Subjekt kann von sich selbst prädiziert werden; denn die Logik abstrahiert von allem Inhalte. Aber die Bestimmung ist ein Prädikat, welches über den Begriff des Subjekts hinzukommt und ihn vergrößert. Sie muß also nicht in ihm schon enthalten sein.
Sein ist offenbar kein reales Prädikat, d.i. ein Begriff von irgend etwas, was zu dem Begriffe eines Dinges hinzukommen könne. Es ist bloß die Position eines Dinges, oder gewisser Bestimmungen an sich selbst. Im logischen Gebrauche ist es lediglich die Copula eines Urteils. Der Satz: Gott ist allmächtig, enthält zwei Begriffe, die ihre Objekte haben: Gott und Allmacht; das Wörtchen: ist, ist nicht noch ein Prädikat obenein,
B 627 sondern nur das, was das Prädikat beziehungsweise aufs Subjekt setzt. Nehme ich nun das Subjekt (Gott) mit allen seinen Prädikaten (worunter auch die Allmacht gehört) zusammen, und sage: Gott ist, oder es ist ein Gott, so setze ich kein neues Prädikat zum Begriffe von Gott, sondern nur das Subjekt an sich selbst mit allen seinen Prädikaten, und zwar den Gegenstand in Beziehung auf meinen Begriff. Beide müssen genau einerlei enthalten, und es kann daher zu dem Begriffe, der bloß die Möglichkeit ausdrückt, darum, daß ich dessen Gegenstand als schlechthin gegeben (durch den Ausdruck: er ist) denke, nichts weiter hinzukommen. Und so enthält das Wirkliche nichts mehr als das bloß Mögliche. Hundert wirkliche Taler enthalten nicht das mindeste mehr, als hundert mögliche. Denn, da diese den Begriff, jene aber den Gegenstand und dessen Position an sich selbst bedeuten, so würde, im Fall dieser mehr enthielte als jener, mein Begriff nicht den ganzen Gegenstand ausdrücken, und also auch nicht der angemessene Begriff von ihm sein. Aber in meinem Vermögenszustande ist mehr bei hundert wirklichen Talern, als bei dem bloßen Begriffe derselben, (d.i. ihrer Möglichkeit). Denn der Gegenstand ist bei der Wirklichkeit nicht bloß in meinem Begriffe analytisch enthalten, sondern kommt zu meinem Begriffe (der eine Bestimmung meines Zustandes ist) synthetisch hinzu, ohne daß durch dieses Sein außerhalb meinem Begriffe diese gedachten hundert Taler selbst im mindesten vermehrt werden.
B 628 Wenn ich also ein Ding, durch welche und wie viel Prädikate ich will, (selbst in der durchgängigen Bestimmung) denke, so kommt dadurch, daß ich noch hinzusetze, dieses Ding ist, nicht das mindeste zu dem Dinge hinzu. Denn sonst würde nicht eben dasselbe, sondern mehr existieren, als ich im Begriffe gedacht hatte, und ich könnte nicht sagen, daß gerade der Gegenstand meines Begriffs existiere. Denke ich mir auch sogar in einem Dinge alle Realität außer einer, so kommt dadurch, daß ich sage, ein solches mangelhaftes Ding existiert, die fehlende Realität nicht hinzu, sondern es existiert gerade mit demselben Mangel behaftet, als ich es gedacht habe, sonst würde etwas anderes, als ich dachte, existieren. Denke ich mir nun ein Wesen als die höchste Realität (ohne Mangel), so bleibt noch immer die Frage, ob es existiere, oder nicht. Denn, obgleich an meinem Begriffe, von dem möglichen realen Inhalte eines Dinges überhaupt, nichts fehlt, so fehlt doch noch etwas an dem Verhältnisse zu meinem ganzen Zustande des Denkens, nämlich daß die Erkenntnis jenes Objekts auch a posteriori möglich sei. Und hier zeigt sich auch die Ursache der hierbei obwaltenden Schwierigkeit. Wäre von einem Gegenstande der Sinne die Rede, so würde ich die Existenz des Dinges mit dem bloßen Begriffe des Dinges nicht verwechseln können. Denn durch den Begriff wird der Gegenstand nur mit den allgemeinen Bedingungen einer möglichen empirischen Erkenntnis überhaupt als einstimmig, durch die Existenz aber als in dem Kontext der gesamten
B 629 Erfahrung enthalten gedacht; da denn durch die Verknüpfung mit dem Inhalte der gesamten Erfahrung der Begriff vom Gegenstande nicht im mindesten vermehrt wird, unser Denken aber durch denselben eine mögliche Wahrnehmung mehr bekommt. Wollen wir dagegen die Existenz durch die reine Kategorie allein denken, so ist kein Wunder, daß wir kein Merkmal angeben können, sie von der bloßen Möglichkeit zu unterscheiden.
Unser Begriff von einem Gegenstande mag also enthalten, was und wie viel er wolle, so müssen wir doch aus ihm herausgehen, um diesem die Existenz zu erteilen. Bei Gegenständen der Sinne geschieht dieses durch den Zusammenhang mit irgendeiner meiner Wahrnehmungen nach empirischen Gesetzen; aber für Objekte des reinen Denkens ist ganz und gar kein Mittel, ihr Dasein zu erkennen, weil es gänzlich a priori erkannt werden müßte, unser Bewußtsein aller Existenz aber (es sei durch Wahrnehmung unmittelbar, oder durch Schlüsse, die etwas mit der Wahrnehmung verknüpfen,) gehört ganz und gar zur Einheit der Erfahrung, und eine Existenz außer diesem Felde kann zwar nicht schlechterdings für unmöglich erklärt werden, sie ist aber eine Voraussetzung, die wir durch nichts rechtfertigen können.
Der Begriff eines höchsten Wesens ist eine in mancher Absicht sehr nützliche Idee; sie ist aber eben darum, weil sie bloß Idee ist, ganz unfähig, um vermittelst ihrer allein unsere Erkenntnis in Ansehung dessen, was existiert,
B 630 zu erweitern. Sie vermag nicht einmal so viel, daß sie uns in Ansehung der Möglichkeit eines Mehreren belehrte. Das analytische Merkmal der Möglichkeit, das darin besteht, daß bloße Positionen (Realitäten) keinen Widerspruch erzeugen, kann ihm zwar nicht gestritten werden; da aber die Verknüpfung aller realen Eigenschaften in einem Dinge eine Synthesis ist, über deren Möglichkeit wir a priori nicht urteilen können, weil uns die Realitäten spezifisch nicht gegeben sind, und, wenn dieses auch geschähe, überall gar kein Urteil darin stattfindet, weil das Merkmal der Möglichkeit synthetischer Erkenntnisse immer nur in der Erfahrung gesucht werden muß, zu welcher aber der Gegenstand einer Idee nicht gehören kann; so hat der berühmte Leibniz bei weitem das nicht geleistet, wessen er sich schmeichelte, nämlich eines so erhabenen idealischen Wesens Möglichkeit a priori einsehen zu wollen.
Es ist also an dem so berühmten ontologischen (Cartesianischen) Beweise, vom Dasein eines höchsten Wesens, aus Begriffen, alle Mühe und Arbeit verloren, und ein Mensch möchte wohl ebensowenig aus bloßen Ideen an Einsichten reicher werden, als ein Kaufmann an Vermögen, wenn er, um seinen Zustand zu verbessern, seinem Kassenbestande einige Nullen anhängen wollte.
B 631 Des dritten Hauptstücks Fünfter Abschnitt Von der Unmöglichkeit eines kosmologischen Beweises vom Dasein Gottes
Es war etwas ganz Unnatürliches und eine bloße Neuerung des Schulwitzes, aus einer ganz willkürlich entworfenen Idee das Dasein des ihr entsprechenden Gegenstandes selbst ausklauben zu wollen. In der Tat würde man es nie auf diesem Wege versucht haben, wäre nicht die Bedürfnis unserer Vernunft, zur Existenz überhaupt irgend etwas Notwendiges (bei dem man im Aufsteigen stehenbleiben könne) anzunehmen, vorhergegangen, und wäre nicht die Vernunft, da diese Notwendigkeit unbedingt und a priori gewiß sein muß, gezwungen worden, einen Begriff zu suchen, der, wo möglich, einer solchen Forderung ein Genüge täte, und ein Dasein völlig a priori zu erkennen gebe. Diesen glaubte man nun in der Idee eines allerrealsten Wesens zu finden und so wurde diese nur zur bestimmteren Kenntnis desjenigen, wovon man schon anderweitig überzeugt oder überredet war, es müsse existieren, nämlich des notwendigen Wesens, gebraucht. Indes verhehlte man diesen natürlichen Gang der Vernunft, und, anstatt bei diesem Begriffe zu endigen, versuchte man von ihm anzufangen, um die Notwendigkeit des Daseins aus ihm abzuleiten, die er doch nur zu ergänzen
B 632 bestimmt war. Hieraus entsprang nun der verunglückte ontologische Beweis, der weder für den natürlichen und gesunden Verstand, noch für die schulgerechte Prüfung etwas Genugtuendes bei sich führt.
Der kosmologische Beweis, den wir jetzt untersuchen wollen, behält die Verknüpfung der absoluten Notwendigkeit mit der höchsten Realität bei, aber anstatt, wie der vorige, von der höchsten Realität auf die Notwendigkeit im Dasein zu schließen, schließt er vielmehr von der zum voraus gegebenen unbedingten Notwendigkeit irgendeines Wesens, auf dessen unbegrenzte Realität, und bringt sofern alles wenigstens in das Geleis einer, ich weiß nicht ob vernünftigen, oder vernünftelnden, wenigstens natürlichen Schlußart, welche nicht allein für den gemeinen, sondern auch den spekulativen Verstand die meiste Überredung bei sich führt; wie sie denn auch sichtbarlich zu allen Beweisen der natürlichen Theologie die ersten Grundlinien zieht, denen man jederzeit nachgegangen ist und ferner nachgehen wird, man mag sie nun durch noch so viel Laubwerk und Schnörkel verzieren und verstecken, als man immer will. Diesen Beweis, den Leibniz auch den a contingentia mundi nannte, wollen wir jetzt vor Augen stellen und der Prüfung unterwerfen.
Er lautet also: Wenn etwas existiert, so muß auch ein schlechterdings notwendiges Wesen existieren. Nun existiere, zum mindesten, ich selbst: also existiert ein absolut notwendiges Wesen. Der Untersatz enthält eine
B 633 Erfahrung, der Obersatz die Schlußfolge aus einer Erfahrung überhaupt auf das Dasein des Notwendigen.* Also hebt der Beweis eigentlich von der Erfahrung an, mithin ist er nicht gänzlich a priori geführt, oder ontologisch, und weil der Gegenstand aller möglichen Erfahrung Welt heißt, so wird er darum der kosmologische Beweis genannt. Da er auch von aller besonderen Eigenschaft der Gegenstände der Erfahrung, dadurch sich diese Welt von jeder möglichen unterscheiden mag, abstrahiert: so wird er schon in seiner Benennung auch vom physikotheologischen Beweise unterschieden, welcher Beobachtungen der besonderen Beschaffenheit dieser unserer Sinnenwelt zu Beweisgründen braucht.
* Diese Schlußfolge ist zu bekannt, als das es nötig wäre, sie hier weitläufig vorzutragen. Sie beruht auf dem vermeintlich transzendentalen Naturgesetz der Kausalität: daß alles Zufällige seine Ursache habe, die, wenn sie wiederum zufällig ist, ebensowohl eine Ursache haben muß, bis die Reihe der einander untergeordneten Ursachen sich bei einer schlechthin notwendigen Ursache endigen muß, ohne welche sie keine Vollständigkeit haben würde.
Nun schließt der Beweis weiter: das notwendige Wesen kann nur auf eine einzige Art, d.i. in Ansehung aller möglichen entgegengesetzten Prädikate nur durch eines derselben, bestimmt werden, folglich muß es durch seinen Begriff durchgängig bestimmt sein. Nun ist nur ein einziger Begriff von einem Dinge möglich, der dasselbe a priori durchgängig bestimmt, nämlich der des entis realissimi: Also ist der Begriff des allerrealsten Wesens der
B 634 einzige, dadurch ein notwendiges Wesen gedacht werden kann, d.i. es existiert ein höchstes Wesen notwendigerweise.
In diesem kosmologischen Argumente kommen so viel vernünftelnde Grundsätze zusammen, daß die spekulative Vernunft hier alle ihre dialektische Kunst aufgeboten zu haben scheint, um den größtmöglichen transzendentalen Schein zustande zu bringen. Wir wollen ihre Prüfung indessen eine Weile beiseite setzen, um nur eine List derselben offenbar zu machen, mit welcher sie ein altes Argument in verkleideter Gestalt für ein neues aufstellt und sich auf zweier Zeugen Einstimmung beruft, nämlich einen reinen Vernunftzeugen und einen anderen von empirischer Beglaubigung, da es doch nur der erstere allein ist, welcher bloß seinen Anzug und Stimme verändert, um für einen zweiten gehalten zu werden. Um seinen Grund recht sicher zu legen, fußt sich dieser Beweis auf Erfahrung und gibt sich dadurch das Ansehen, als sei er vom ontologischen Beweise unterschieden, der auf lauter reine Begriffe a priori sein ganzes Vertrauen setzt. Dieser Erfahrung aber bedient sich der kosmologische Beweis nur, um einen einzigen Schritt zu tun, nämlich zum Dasein eines notwendigen Wesens überhaupt. Was dieses für Eigenschaften habe, kann der empirische Beweisgrund nicht lehren, sondern da nimmt die Vernunft gänzlich von ihm Abschied und forscht hinter lauter Begriffen: was nämlich ein absolut notwendiges Wesen überhaupt
B 635 für Eigenschaften haben müsse, (d.i. welches unter allen möglichen Dingen die erforderlichen Bedingungen (requisita) zu einer absoluten Notwendigkeit in sich enthalte. Nun glaubt sie im Begriffe eines allerrealsten Wesens einzig und allein diese Requisite anzutreffen, und schließt sodann: das ist das schlechterdings notwendige Wesen. Es ist aber klar, daß man hierbei voraussetzt, der Begriff eines Wesens von der höchsten Realität tue dem Begriffe der absoluten Notwendigkeit im Dasein völlig genug, d.i. es lasse sich aus jener auf diese schließen; ein Satz, den das ontologische Argument behauptete, welches man also im kosmologischen Beweise annimmt und zum Grunde legt, da man es doch hatte vermeiden wollen. Denn die absolute Notwendigkeit ist ein Dasein aus bloßen Begriffen. Sage ich nun: der Begriff des entis realissimi ist ein solcher Begriff, und zwar der einzige, der zu dem notwendigen Dasein passend und ihm adäquat ist; so muß ich auch einräumen, daß aus ihm das letztere geschlossen werden könne. Es ist also eigentlich nur der ontologische Beweis aus lauter Begriffen, der in dem sogenannten kosmologischen alle Beweiskraft enthält, und die angebliche Erfahrung ist ganz müßig, vielleicht, um uns nur auf den Begriff der absoluten Notwendigkeit zu führen, nicht aber um diese an irgendeinem bestimmten Dinge darzutun. Denn sobald wir dieses zur Absicht haben, müssen wir sofort alle Erfahrung verlassen, und unter reinen Begriffen suchen, welcher von ihnen wohl die
B 636 Bedingungen der Möglichkeit eines absolut notwendigen Wesens enthalte. Ist aber auf solche Weise nur die Möglichkeit eines solchen Wesens eingesehen, so ist auch sein Dasein dargetan; denn es heißt so viel, als: unter allem Möglichen ist Eines, das absolute Notwendigkeit bei sich führt, d.i. dieses Wesen existiert schlechterdings notwendig.
Alle Blendwerke im Schließen entdecken sich am leichtesten, wenn man sie auf schulgerechte Art vor Augen stellt. Hier ist eine solche Darstellung.
Wenn der Satz richtig ist: ein jedes schlechthin notwendiges Wesen ist zugleich das allerrealste Wesen; (als welches der nervus probandi des kosmologischen Beweises ist;) so muß er sich, wie alle bejahenden Urteile, wenigstens per accidens umkehren lassen; also: einige allerrealste Wesen sind zugleich schlechthin notwendige Wesen. Nun ist aber ein ens realissimum von einem anderen in keinem Stücke unterschieden, und, was also von einigen unter diesem Begriffe enthaltenen gilt, das gilt auch von allen. Mithin werde ich's (in diesem Falle) auch schlechthin umkehren können, d.i. ein jedes allerrealstes Wesen ist ein notwendiges Wesen. Weil nun dieser Satz bloß aus seinen Begriffen a priori bestimmt ist: so muß der bloße Begriff des realsten Wesens auch die absolute Notwendigkeit desselben bei sich führen; welches eben der ontologische Beweis behauptete, und der kosmologische nicht
B 637 anerkennen wollte, gleichwohl aber seinen Schlüssen, obzwar versteckter Weise, unterlegte.
So ist denn der zweite Weg, den die spekulative Vernunft nimmt, um das Dasein des höchsten Wesens zu beweisen, nicht allein mit dem ersten gleich trüglich, sondern hat noch dieses Tadelhafte an sich, daß er eine ignoratio elenchi begeht, indem er uns verheißt, einen neuen Fußsteig zu führen, aber, nach einem kleinen Umschweif, uns wiederum auf den alten zurückbringt, den wir seinetwegen verlassen hatten.
Ich habe kurz vorher gesagt, daß in diesem kosmologischen Argumente sich ein ganzes Nest von dialektischen Anmaßungen verborgen halte, welches die transzendentale Kritik leicht entdecken und zerstören kann. Ich will sie jetzt nur anführen und es dem schon geübten Leser überlassen, den trüglichen Grundsätzen weiter nachzuforschen und sie aufzuheben.
Da befindet sich denn z.B. 1. der transzendentale Grundsatz, vom Zufälligen auf eine Ursache zu schließen, welcher nur in der Sinnenwelt von Bedeutung ist, außerhalb derselben aber auch nicht einmal einen Sinn hat. Denn der bloß intellektuelle Begriff des Zufälligen kann gar keinen synthetischen Satz, wie den der Kausalität, hervorbringen, und der Grundsatz der letzteren hat gar keine Bedeutung und kein Merkmal seines Gebrauchs, als nur in der Sinnenwelt; hier aber sollte er gerade dazu dienen, um über die Sinnenwelt hinaus zu kommen. 2. Der
B 638 Schluß, von der Unmöglichkeit einer unendlichen Reihe übereinander gegebener Ursachen in der Sinnenwelt auf eine erste Ursache zu schließen, wozu uns die Prinzipien des Vernunftgebrauchs selbst in der Erfahrung nicht berechtigen, vielweniger diesen Grundsatz über dieselbe (wohin diese Kette gar nicht verlängert werden kann) ausdehnen können. 3. Die falsche Selbstbefriedigung der Vernunft, in Ansehung der Vollendung dieser Reihe, dadurch, daß man endlich alle Bedingung, ohne welche doch kein Begriff einer Notwendigkeit stattfinden kann, wegschafft, und, da man alsdann nichts weiter begreifen kann, dieses für eine Vollendung seines Begriffs annimmt. 4. Die Verwechslung der logischen Möglichkeit eines Begriffs von aller vereinigten Realität (ohne inneren Widerspruch) mit der transzendentalen, welche ein Prinzipium der Tunlichkeit einer solchen Synthesis bedarf, das aber wiederum nur auf das Feld möglicher Erfahrungen gehen kann, usw.
Das Kunststück des kosmologischen Beweises zielt bloß darauf ab, um dem Beweise des Daseins eines notwendigen Wesens a priori durch bloße Begriffe auszuweichen, der ontologisch geführt werden müßte, wozu wir uns aber gänzlich unvermögend fühlen. In dieser Absicht schließen wir aus einem zum Grunde gelegten wirklichen Dasein (einer Erfahrung überhaupt), so gut es sich will tun lassen, auf irgendeine schlechterdings notwendige Bedingung desselben. Wir haben alsdann dieser ihre Möglichkeit nicht nötig zu erklären. Denn, wenn
B 639 bewiesen ist, daß sie da sei, so ist die Frage wegen ihrer Möglichkeit ganz unnötig. Wollen wir nun dieses notwendige Wesen nach seiner Beschaffenheit näher bestimmen, so suchen wir nicht dasjenige, was hinreichend ist, aus seinem Begriffe die Notwendigkeit des Daseins zu begreifen; denn, könnten wir dieses, so hätten wir keine empirische Voraussetzung nötig; nein, wir suchen nur die negative Bedingung, (conditio sine qua non,) ohne welche ein Wesen nicht absolut notwendig sein würde. Nun würde das in aller anderen Art von Schlüssen, aus einer gegebenen Folge auf ihren Grund, wohl angehen; es trifft sich aber hier unglücklicherweise, daß die Bedingung, die man zur absoluten Notwendigkeit fordert, nur in einem einzigen Wesen angetroffen werden kann, welches daher in seinem Begriffe alles, was zur absoluten Notwendigkeit erforderlich ist, enthalten müßte, und also einen Schluß a priori auf dieselbe möglich macht; d.i. ich müßte auch umgekehrt schließen können: welchem Dinge dieser Begriff (der höchsten Realität) zukommt, das ist schlechterdings notwendig, und, kann ich so nicht schließen, (wie ich denn dieses gestehen muß, wenn ich den ontologischen Beweis vermeiden will,) so bin ich auch auf meinem neuen Wege verunglückt und befinde mich wiederum da, von wo ich ausging. Der Begriff des höchsten Wesens tut wohl allen Fragen a priori ein Genüge, die wegen der inneren Bestimmungen eines Dinges können aufgeworfen werden, und ist darum auch ein Ideal ohne
B 640 Gleiches, weil der allgemeine Begriff dasselbe zugleich als ein Individuum unter allen möglichen Dingen auszeichnet. Er tut aber der Frage wegen seines eigenen Daseins gar kein Genüge, als warum es doch eigentlich nur zu tun war, und man konnte auf die Erkundigung dessen, der das Dasein eines notwendigen Wesens annahm, und nur wissen wollte, welches denn unter allen Dingen dafür angesehen werden müsse, nicht antworten: Dies hier ist das notwendige Wesen.
Es mag wohl erlaubt sein, das Dasein eines Wesens von der höchsten Zulänglichkeit, als Ursache zu allen möglichen Wirkungen, anzunehmen, um der Vernunft die Einheit der Erklärungsgründe, welche sie sucht, zu erleichtern. Allein, sich so viel herauszunehmen, daß man sogar sage: ein solches Wesen existiert notwendig, ist nicht mehr die bescheidene Äußerung einer erlaubten Hypothese, sondern die dreiste Anmaßung einer apodiktischen Gewißheit; denn, was man als schlechthin notwendig zu erkennen vorgibt, davon muß auch die Erkenntnis absolute Notwendigkeit bei sich führen.
Die ganze Aufgabe des transzendentalen Ideals kommt darauf an: entweder zu der absoluten Notwendigkeit einen Begriff, oder zu dem Begriffe von irgendeinem Dinge die absolute Notwendigkeit desselben zu finden. Kann man das eine, so muß man auch das andere können; denn als schlechthin notwendig erkennt die Vernunft nur dasjenige, was aus seinem Begriffe notwendig ist. Aber
B 641 beides übersteigt gänzlich alle äußersten Bestrebungen, unseren Verstand über diesen Punkt zu befriedigen, aber auch alle Versuche, ihn wegen dieses seines Unvermögens zu beruhigen.
Die unbedingte Notwendigkeit, die wir, als den letzten Träger aller Dinge, so unentbehrlich bedürfen, ist der wahre Abgrund für die menschliche Vernunft. Selbst die Ewigkeit, so schauderhaft erhaben sie auch ein Haller schildern mag, macht lange den schwindligen Eindruck nicht auf das Gemüt; denn sie mißt nur die Dauer der Dinge, aber trägt sie nicht. Man kann sich des Gedanken nicht erwehren, man kann ihn aber auch nicht ertragen: daß ein Wesen, welches wir uns auch als das höchste unter allen möglichen vorstellen, gleichsam zu sich selbst sage: Ich bin von Ewigkeit zu Ewigkeit, außer mir ist nichts, ohne das, was bloß durch meinen Willen etwas ist; aber woher bin ich denn? Hier sinkt alles unter uns, und die größte Vollkommenheit, wie die kleinste, schwebt ohne Haltung bloß vor der spekulativen Vernunft, der es nichts kostet, die eine so wie die andere ohne die mindeste Hindernis verschwinden zu lassen.
Viele Kräfte der Natur, die ihr Dasein durch gewisse Wirkungen äußern, bleiben für uns unerforschlich; denn wir können ihnen durch Beobachtung nicht weit genug nachspüren. Das den Erscheinungen zum Grunde liegende transzendentale Objekt, und mit demselben der Grund, warum unsere Sinnlichkeit diese vielmehr
B 642 als andere oberste Bedingungen habe, sind und bleiben für uns unerforschlich, obzwar die Sache selbst übrigens gegeben, aber nur nicht eingesehen ist. Ein Ideal der reinen Vernunft kann aber nicht unerforschlich heißen, weil es weiter keine Beglaubigung seiner Realität aufzuweisen hat, als die Bedürfnis der Vernunft, vermittelst desselben alle synthetische Einheit zu vollenden. Da es also nicht einmal als denkbarer Gegenstand gegeben ist, so ist es auch nicht als ein solcher unerforschlich; vielmehr muß er, als bloße Idee, in der Natur der Vernunft seinen Sitz und seine Auflösung finden, und also erforscht werden können; denn eben darin besteht Vernunft, daß wir von allen unseren Begriffen, Meinungen und Behauptungen, es sei aus objektiven, oder, wenn sie ein bloßer Schein sind, aus subjektiven Gründen Rechenschaft geben können.
Entdeckung und Erklärung des dialektischen Scheins in allen transzendentalen Beweisen vom Dasein eines notwendigen Wesens.
Beide bisher geführten Beweise waren transzendental, d.i. unabhängig von empirischen Prinzipien versucht. Denn, obgleich der kosmologische eine Erfahrung überhaupt zum Grunde legt, so ist er doch nicht aus irgendeiner besonderen Beschaffenheit derselben, sondern aus reinen Vernunftprinzipien, in Beziehung auf eine durchs empirische Bewußtsein überhaupt gegebene Existenz, geführt
B 643 und verläßt sogar diese Anleitung, um sich auf lauter reine Begriffe zu stützen. Was ist nun in diesen transzendentalen Beweisen die Ursache des dialektischen, aber natürlichen Scheins, welcher die Begriffe der Notwendigkeit und höchsten Realität verknüpft, und dasjenige, was doch nur Idee sein kann, realisiert und hypostasiert? Was ist die Ursache der Unvermeidlichkeit, etwas als an sich notwendig unter den existierenden Dingen anzunehmen, und doch zugleich vor dem Dasein eines solchen Wesens als einem Abgrunde zurückzubeben, und wie fängt man es an, daß sich die Vernunft hierüber selbst verstehe, und aus dem schwankenden Zustande eines schüchternen, und immer wiederum zurückgenommenen Beifalls, zur ruhigen Einsicht gelange?
Es ist etwas überaus Merkwürdiges, daß, wenn man voraussetzt, etwas existiere, man der Folgerung nicht Umgang haben kann, daß auch irgend etwas notwendigerweise existiere. Auf diesem ganz natürlichen (obzwar darum noch nicht sicheren) Schlusse beruhte das kosmologische Argument. Dagegen mag ich einen Begriff von einem Dinge annehmen, welchen ich will, so finde ich, daß sein Dasein niemals von mir als schlechterdings notwendig vorgestellt werden könne, und daß mich nichts hindere, es mag existieren was da wolle, das Nichtsein desselben zu denken, mithin ich zwar zu dem Existierenden überhaupt etwas Notwendiges annehmen müsse, kein einziges Ding aber selbst als an sich notwendig denken könne. Das
B 644 heißt: ich kann das Zurückgehen zu den Bedingungen des Existierens niemals vollenden, ohne ein notwendiges Wesen anzunehmen, ich kann aber von demselben niemals anfangen.
Wenn ich zu existierenden Dingen überhaupt etwas Notwendiges denken muß, kein Ding aber an sich selbst als notwendig zu denken befugt bin, so folgt daraus unvermeidlich, daß Notwendigkeit und Zufälligkeit nicht die Dinge selbst angehen und treffen müsse, weil sonst ein Widerspruch vorgehen würde; mithin keiner dieser beiden Grundsätze objektiv sei, sondern sie allenfalls nur subjektive Prinzipien der Vernunft sein können, nämlich einerseits zu allem, was als existierend gegeben ist, etwas zu suchen, das notwendig ist, d.i. niemals anderswo als bei einer a priori vollendeten Erklärung aufzuhören, andererseits aber auch diese Vollendung niemals zu hoffen, d.i. nichts Empirisches als unbedingt anzunehmen, und sich dadurch fernerer Ableitung zu überheben. In solcher Bedeutung können beide Grundsätze als bloß heuristisch und regulativ, die nichts als das formale Interesse der Vernunft besorgen, ganz wohl beieinander bestehen. Denn der eine sagt, ihr sollt so über die Natur philosophieren, als ob es zu allem, was zur Existenz gehört, einen notwendigen ersten Grund gebe, lediglich um systematische Einheit in eure Erkenntnis zu bringen, indem ihr einer solchen Idee, nämlich einem eingebildeten obersten Grunde, nachgeht: der andere aber warnt euch, keine
B 645 einzige Bestimmung, die die Existenz der Dinge betrifft, für einen solchen obersten Grund, d.i. als absolut notwendig anzunehmen, sondern euch noch immer den Weg zur ferneren Ableitung offen zu erhalten, und sie daher jederzeit noch als bedingt zu behandeln. Wenn aber von uns alles, was an den Dingen wahrgenommen wird, als bedingt notwendig betrachtet werden muß: so kann auch kein Ding (das empirisch gegeben sein mag) als absolut notwendig angesehen werden.
Es folgt aber hieraus, daß ihr das absolut Notwendige außerhalb der Welt annehmen müßt; weil es nur zu einem Prinzip der größtmöglichen Einheit der Erscheinungen, als deren oberster Grund, dienen soll, und ihr in der Welt niemals dahin gelangen könnt, weil die zweite Regel euch gebietet, alle empirischen Ursachen der Einheit jederzeit als abgeleitet anzusehen.
Die Philosophen des Altertums sehen alle Form der Natur als zufällig, die Materie aber, nach dem Urteile der gemeinen Vernunft, als ursprünglich und notwendig an. Würden sie aber die Materie nicht als Substratum der Erscheinungen respektive sondern an sich selbst ihrem Dasein nach betrachtet haben, so wäre die Idee der absoluten Notwendigkeit sogleich verschwunden. Denn es ist nichts, was die Vernunft an dieses Dasein schlechthin bindet, sondern sie kann solches, jederzeit und ohne Widerstreit, in Gedanken aufheben; in Gedanken aber lag auch allein die absolute Notwendigkeit.
B 646 Es mußte also bei dieser Überredung ein gewisses regulatives Prinzip zum Grunde liegen. In der Tat ist auch Ausdehnung und Undurchdringlichkeit (die zusammen den Begriff von Materie ausmachen) das oberste empirische Prinzipium der Einheit der Erscheinungen, und hat, sofern als es empirisch unbedingt ist, eine Eigenschaft des regulativen Prinzips an sich. Gleichwohl, da jede Bestimmung der Materie, welche das Reale derselben ausmacht, mithin auch die Undurchdringlichkeit, eine Wirkung (Handlung) ist, die ihre Ursache haben muß, und daher immer noch abgeleitet ist, so schickt sich die Materie doch nicht zur Idee eines notwendigen Wesens, als eines Prinzips aller abgeleiteten Einheit; weil jede ihrer realen Eigenschaften, als abgeleitet, nur bedingt notwendig ist, und also an sich aufgehoben werden kann, hiermit aber das ganze Dasein der Materie aufgehoben werden würde, wenn dieses aber nicht geschähe, wir den höchsten Grund der Einheit empirisch erreicht haben würden, welches durch das zweite regulative Prinzip verboten wird, so folgt: daß die Materie, und überhaupt, was zur Welt gehörig ist, zu der Idee eines notwendigen Urwesens, als eines bloßen Prinzips der größten empirischen Einheit, nicht schicklich sei, sondern daß es außerhalb der Welt gesetzt werden müsse, da wir denn die Erscheinungen der Welt und ihr Dasein immer getrost von anderen ableiten können, als ob es kein notwendiges Wesen gäbe, und dennoch zu der Vollständigkeit der Ableitung unaufhörlich streben
B 647 können, als ob ein solches, als ein oberster Grund, vorausgesetzt wäre.
Das Ideal des höchsten Wesens ist nach diesen Betrachtungen nichts anderes, als ein regulatives Prinzip der Vernunft, alle Verbindung in der Welt so anzusehen, als ob sie aus einer allgenugsamen notwendigen Ursache entspränge, um darauf die Regel einer systematischen und nach allgemeinen Gesetzen notwendigen Einheit in der Erklärung derselben zu gründen, und ist nicht eine Behauptung einer an sich notwendigen Existenz. Es ist aber zugleich unvermeidlich, sich, vermittelst einer transzendentalen Subreption, dieses formale Prinzip als konstitutiv vorzustellen, und sich diese Einheit hypostatisch zu denken. Denn, so wie der Raum, weil er alle Gestalten, die lediglich verschiedene Einschränkungen desselben sind, ursprünglich möglich macht, ob er gleich nur ein Prinzipium der Sinnlichkeit, ist dennoch eben darum für ein schlechterdings notwendiges für sich bestehendes Etwas und einen a priori an sich selbst gegebenen Gegenstand gehalten wird, so geht es auch ganz natürlich zu, daß, da die systematische Einheit der Natur auf keinerlei Weise zum Prinzip des empirischen Gebrauchs unserer Vernunft aufgestellt werden kann, als sofern wir die Idee eines allerrealsten Wesens, als der obersten Ursache, zum Grunde legen, diese Idee dadurch als ein wirklicher Gegenstand, und dieser wiederum, weil er die oberste Bedingung ist, als notwendig vorgestellt, mithin ein regulatives
B 648 Prinzip in ein konstitutives verwandelt werde; welche Unterschiebung sich dadurch offenbart, daß, wenn ich nun dieses oberste Wesen, welches respektiv auf die Welt schlechthin (unbedingt) notwendig war, als Ding für sich betrachte, diese Notwendigkeit keines Begriffs fähig ist, und also nur als formale Bedingung des Denkens, nicht aber als materiale und hypostatische Bedingung des Daseins, in meiner Vernunft anzutreffen gewesen sein müsse.
Des dritten Hauptstücks Sechster Abschnitt Von der Unmöglichkeit des physikotheologischen Beweises
Wenn denn weder der Begriff von Dingen überhaupt, noch die Erfahrung von irgendeinem Dasein überhaupt, das, was gefordert wird, leisten kann, so bleibt noch ein Mittel übrig, zu versuchen, ob nicht eine bestimmte Erfahrung, mithin die der Dinge der gegenwärtigen Welt, ihre Beschaffenheit und Anordnung, einen Beweisgrund abgebe, der uns sicher zur Überzeugung von dem Dasein eines höchsten Wesens verhelfen könne. Einen solchen Beweis würden wir den physikotheologischen nennen. Sollte dieser auch unmöglich sein: so ist überall kein genugtuender Beweis aus bloß spekulativer Vernunft für das Dasein eines Wesens, welches unserer transzendentalen Idee entspräche, möglich.
B 649 Man wird nach allen obigen Bemerkungen bald einsehen, daß der Bescheid auf diese Nachfrage ganz leicht und bündig erwartet werden könne. Denn, wie kann jemals Erfahrung gegeben werden, die einer Idee angemessen sein sollte? Darin besteht eben das Eigentümliche der letzteren, daß ihr niemals irgendeine Erfahrung kongruieren könne. Die transzendentale Idee von einem notwendigen allgenugsamen Urwesen ist so überschwenglich groß, so hoch über alles Empirische, das jederzeit bedingt ist, erhaben, daß man teils niemals Stoff genug in der Erfahrung auftreiben kann, um einen solchen Begriff zu füllen, teils immer unter dem Bedingten herumtappt, und stets vergeblich nach dem Unbedingten, wovon uns kein Gesetz irgendeiner empirischen Synthesis ein Beispiel oder dazu die mindeste Leitung gibt, suchen wird.
Würde das höchste Wesen in dieser Kette der Bedingungen stehen, so würde es selbst ein Glied der Reihe derselben sein, und, ebenso, wie die niederen Glieder, denen es vorgesetzt ist, noch fernere Untersuchung wegen seines noch höheren Grundes erfordern. Will man es dagegen von dieser Kette trennen, und, als ein bloß intelligibles Wesen, nicht in der Reihe der Naturursachen mitbegreifen: welche Brücke kann die Vernunft alsdann wohl schlagen, um zu demselben zu gelangen? Da alle Gesetze des Überganges von Wirkungen zu Ursachen, ja alle Synthesis und Erweiterung unserer Erkenntnis überhaupt auf nichts anderes, als mögliche Erfahrung, mithin bloß auf
B 650 Gegenstände der Sinnenwelt gestellt sind und nur in Ansehung ihrer eine Bedeutung haben können.
Die gegenwärtige Welt eröffnet uns einen so unermeßlichen Schauplatz von Mannigfaltigkeit, Ordnung, Zweckmäßigkeit und Schönheit, man mag diese nun in der Unendlichkeit des Raumes, oder in der unbegrenzten Teilung desselben verfolgen, daß selbst nach den Kenntnissen, welche unser schwacher Verstand davon hat erwerben können, alle Sprache, über so viele und unabsehlich große Wunder, ihren Nachdruck, alle Zahlen ihre Kraft zu messen, und Selbst unsere Gedanken alle Begrenzung vermissen, so, daß sich unser Urteil vom Ganzen in ein sprachloses, aber desto beredteres Erstaunen auflösen muß. Allerwärts sehen wir eine Kette von Wirkungen und Ursachen, von Zwecken und den Mitteln, Regelmäßigkeit im Entstehen oder Vergehen, und, indem nichts von selbst in den Zustand getreten ist, darin es sich befindet, so weist er immer weiter hin nach einem anderen Dinge, als seiner Ursache, welche gerade eben dieselbe weitere Nachfrage notwendig macht, so, daß auf solche Weise das ganze All im Abgrunde des Nichts versinken müßte, nähme man nicht etwas an, das außerhalb diesem unendlichen Zufälligen, für sich selbst ursprünglich und unabhängig bestehend, dasselbe hielte, und als die Ursache seines Ursprungs ihm zugleich seine Fortdauer sicherte. Diese höchste Ursache (in Ansehung aller Dinge der Welt) wie groß soll man sie sich denken? Die Welt kennen wir nicht ihrem ganzen
B 651 Inhalte nach, noch weniger wissen wir ihre Größe durch die Vergleichung mit allem, was möglich ist, zu schätzen. Was hindert uns aber, daß, da wir einmal in Absicht auf Kausalität ein äußerstes und oberstes Wesen bedürfen, wir es nicht zugleich dem Grade der Vollkommenheit nach über alles andere Mögliche setzen sollten? welches wir leicht, obzwar freilich nur durch den zarten Umriß eines abstrakten Begriffs, bewerkstelligen können, wenn wir uns in ihm, als einer einigen Substanz, alle mögliche Vollkommenheit vereinigt vorstellen; welcher Begriff der Forderung unserer Vernunft in der Ersparung der Prinzipien günstig, in sich selbst keinen Widersprüchen unterworfen und selbst der Erweiterung des Vernunftgebrauchs mitten in der Erfahrung, durch die Leitung, welche eine solche Idee auf Ordnung und Zweckmäßigkeit gibt, zuträglich, nirgend aber einer Erfahrung auf entschiedene Art zuwider ist.
Dieser Beweis verdient jederzeit mit Achtung genannt zu werden. Er ist der älteste, klarste und der gemeinen Menschenvernunft am meisten angemessene. Er belebt das Studium der Natur, so wie er selbst von diesem sein Dasein hat und dadurch immer neue Kraft bekommt. Er bringt Zwecke und Absichten dahin, wo sie unsere Beobachtung nicht von selbst entdeckt hätte, und erweitert unsere Naturkenntnisse durch den Leitfaden einer besonderen Einheit, deren Prinzip außer der Natur ist. Diese Kenntnisse wirken aber wieder auf ihre Ursache, nämlich die
B 652 veranlassende Idee, zurück, und vermehren den Glauben an einen höchsten Urheber bis zu einer unwiderstehlichen Überzeugung.
Es würde daher nicht allein trostlos, sondern auch ganz umsonst sein, dem Ansehen dieses Beweises etwas entziehen zu wollen. Die Vernunft, die durch so mächtige und unter ihren Händen immer wachsende, obzwar nur empirische Beweisgründe, unablässig gehoben wird, kann durch keine Zweifel subtiler abgezogener Spekulation so niedergedrückt werden, daß sie nicht aus jeder grüblerischen Unentschlossenheit, gleich als aus einem Traume, durch einen Blick, den sie auf die Wunder der Natur und der Majestät des Weltbaues wirft, gerissen werden sollte, um sich von Größe zu Größe bis zur allerhöchsten, vom Bedingten zur Bedingung, bis zum obersten und unbedingten Urheber zu erheben.
Ob wir aber gleich wider die Vernunftmäßigkeit und Nützlichkeit dieses Verfahrens nichts einzuwenden, sondern es vielmehr zu empfehlen und aufzumuntern haben, so können wir darum doch die Ansprüche nicht billigen, welche diese Beweisart auf apodiktische Gewißheit und auf einen gar keiner Gunst oder fremden Unterstützung bedürftigen Beifall machen möchte, und es kann der guten Sache keineswegs schaden, die dogmatische Sprache eines hohnsprechenden Vernünftlers auf den Ton der Mäßigung und Bescheidenheit, eines zur Beruhigung hinreichenden, obgleich eben nicht unbedingte Unterwerfung gebietenden
B 653 Glaubens, herabzustimmen. Ich behaupte demnach, daß der physikotheologische Beweis das Dasein eines höchsten Wesens niemals allein dartun könne, sondern es jederzeit dem ontologischen (welchem er nur zur Introduktion dient) überlassen müsse, diesen Mangel zu ergänzen, mithin dieser immer noch den einzig möglichen Beweisgrund (wofern überall nur ein spekulativer Beweis stattfindet) enthalte, den keine menschliche Vernunft vorbeigehen kann.
Die Hauptmomente des gedachten physischtheologischen Beweises sind folgende: 1. In der Welt finden sich allerwärts deutliche Zeichen einer Anordnung nach bestimmter Absicht, mit großer Weisheit ausgeführt, und in einem Ganzen von unbeschreiblicher Mannigfaltigkeit des Inhalts sowohl, als auch unbegrenzter Größe des Umfangs. 2. Den Dingen der Welt ist diese zweckmäßige Anordnung ganz fremd, und hängt ihnen nur zufällig an, d.i. die Natur verschiedener Dinge konnte von selbst, durch so vielerlei sich vereinigende Mittel, zu bestimmten Endabsichten nicht zusammenstimmen, wären sie nicht durch ein anordnendes vernünftiges Prinzip, nach zum Grunde liegenden Ideen, dazu ganz eigentlich gewählt und angelegt worden. 3. Es existiert also eine erhabene und weise Ursache (oder mehrere), die nicht bloß, als blindwirkende allvermögende Natur, durch Fruchtbarkeit, sondern, als Intelligenz, durch Freiheit die Ursache der Welt sein muß. 4. Die Einheit derselben läßt sich aus der Einheit der wechselseitigen Beziehung der Teile der Welt, als Glieder von
B 654 einem künstlichen Bauwerk, an demjenigen, wohin unsere Beobachtung reicht, mit Gewißheit, weiterhin aber, nach allen Grundsätzen der Analogie, mit Wahrscheinlichkeit schließen.
Ohne hier mit der natürlichen Vernunft über ihren Schluß zu schikanieren, da sie aus der Analogie einiger Naturprodukte mit demjenigen, was menschliche Kunst hervorbringt, wenn sie der Natur Gewalt tut, und sie nötigt, nicht nach ihren Zwecken zu verfahren, sondern sich in die unsrigen zu schmiegen, (der Ähnlichkeit derselben mit Häusern, Schiffen, Uhren,) schließt, es werde eben eine solche Kausalität, nämlich Verstand und Wille, bei ihr zum Grunde liegen, wenn sie die innere Möglichkeit der freiwirkenden Natur (die alle Kunst und vielleicht selbst sogar die Vernunft zuerst möglich macht), noch von einer anderen, obgleich übermenschlichen Kunst ableitet, welche Schlußart vielleicht die schärfste transz. Kritik nicht aushalten dürfte; muß man doch gestehen, daß, wenn wir einmal eine Ursache nennen sollen, wir hier nicht sicherer, als nach der Analogie mit dergleichen zweckmäßigen Erzeugungen, die die einzigen sind, wovon uns die Ursachen und Wirkungsart völlig bekannt sind, verfahren können. Die Vernunft würde es bei sich selbst nicht verantworten können, wenn sie von der Kausalität, die sie kennt, zu dunkeln und unerweislichen Erklärungsgründen, die sie nicht kennt, übergehen wollte.
Nach diesem Schlusse müßte die Zweckmäßigkeit und Wohlgereimtheit so vieler Naturanstalten bloß die
B 655 Zufälligkeit der Form, aber nicht der Materie, d.i. der Substanz in der Welt beweisen; denn zu dem letzteren würde noch erfordert werden, daß bewiesen werden könnte, die Dinge der Welt wären an sich selbst zu dergleichen Ordnung und Einstimmung, nach allgemeinen Gesetzen, untauglich, wenn sie nicht, selbst ihrer Substanz nach, das Produkt einer höchsten Weisheit wären; wozu aber ganz andere Beweisgründe, als die von der Analogie mit menschlicher Kunst, erfordert werden würden. Der Beweis könnte also höchstens einen Weltbaumeister, der durch die Tauglichkeit des Stoffs, den er bearbeitet, immer sehr eingeschränkt wäre, aber nicht einen Weltschöpfer, dessen Idee alles unterworfen ist, dartun, welches zu der großen Absicht, die man vor Augen hat, nämlich ein allgenugsames Urwesen zu beweisen, bei weitem nicht hinreichend ist. Wollten wir die Zufälligkeit der Materie selbst beweisen, so müßten wir zu einem transzendentalen Argumente unsere Zuflucht nehmen, welches aber hier eben hat vermieden werden sollen.
Der Schluß geht also von der in der Welt so durchgängig zu beobachtenden Ordnung und Zweckmäßigkeit, als einer durchaus zufälligen Einrichtung, auf das Dasein einer ihr proportionierten Ursache. Der Begriff dieser Ursache aber muß uns etwas ganz Bestimmtes von ihr zu erkennen geben, und er kann also kein anderer sein, als der von einem Wesen, das alle Macht, Weisheit usw., mit einem Worte alle Vollkommenheit, als ein allgenugsames
B 656 Wesen, besitzt. Denn die Prädikate von sehr großer, von erstaunlicher, von unermeßlicher Macht und Trefflichkeit geben gar keinen bestimmten Begriff, und sagen eigentlich nicht, was das Ding an sich selbst sei, sondern sind nur Verhältnisvorstellungen von der Größe des Gegenstandes, den der Beobachter (der Welt) mit sich selbst und seiner Fassungskraft vergleicht, und die gleich hochpreisend ausfallen, man mag den Gegenstand vergrößern, oder das beobachtende Subjekt in Verhältnis auf ihn kleiner machen. Wo es auf Größe (der Vollkommenheit) eines Dinges überhaupt ankommt, da gibt es keinen bestimmten Begriff als den, so die ganze mögliche Vollkommenheit begreift, und nur das All (omnitudo) der Realität ist im Begriffe durchgängig bestimmt.
Nun will ich nicht hoffen, daß sich jemand unterwinden sollte, das Verhältnis der von ihm beobachteten Weltgröße (nach Umfang sowohl als Inhalt) zur Allmacht, der Weltordnung zur höchsten Weisheit, der Welteinheit zur absoluten Einheit des Urhebers usw. einzusehen. Also kann die Physikotheologie keinen bestimmten Begriff von der obersten Weltursache geben, und daher zu einem Prinzip der Theologie, welche wiederum die Grundlage der Religion ausmachen soll nicht hinreichend sein.
Der Schritt zu der absoluten Totalität ist durch den empirischen Weg ganz und gar unmöglich. Nun tut man ihn doch aber im physischtheologischen Beweise.
B 657 Welches Mittels bedient man sich also wohl, über eine so weite Kluft zu kommen?
Nachdem man bis zur Bewunderung der Größe der Weisheit, der Macht usw. des Welturhebers gelangt ist, und nicht weiter kommen kann, so verläßt man auf einmal dieses durch empirische Beweisgründe geführte Argument, und geht zu der gleich anfangs aus der Ordnung und Zweckmäßigkeit der Welt geschlossenen Zufälligkeit derselben. Von dieser Zufälligkeit allein geht man nun, lediglich durch transzendentale Begriffe, zum Dasein eines schlechthin Notwendigen, und von dem Begriffe der absoluten Notwendigkeit der ersten Ursache auf den durchgängig bestimmten oder bestimmenden Begriff desselben, nämlich einer allbefassenden Realität. Also blieb der physischtheologische Beweis in seiner Unternehmung stecken, sprang in dieser Verlegenheit plötzlich zu dem kosmologischen Beweise über, und da dieser nur ein versteckter ontologischer Beweis ist, so vollführte er seine Absicht wirklich bloß durch reine Vernunft, ob er gleich anfänglich alle Verwandtschaft mit dieser abgeleugnet und alles auf einleuchtende Beweise aus Erfahrung ausgesetzt hatte.
Die Physikotheologen haben also gar nicht Ursache, gegen die transzendentale Beweisart so spröde zu tun, und auf sie mit dem Eigendünkel hellsehender Naturkenner, als auf das Spinnengewebe finsterer Grübler, herabzusehen. Denn, wenn sie sich nur selbst prüfen wollten, so würden sie finden, daß, nachdem sie eine gute Strecke auf dem
B 658 Boden der Natur und Erfahrung fortgegangen sind, und sich gleichwohl immer noch eben so weit von dem Gegenstande sehen, der ihrer Vernunft entgegen scheint, sie plötzlich diesen Boden verlassen, und ins Reich bloßer Möglichkeiten übergehen, wo sie auf den Flügeln der Ideen demjenigen nahe zu kommen hoffen, was sich aller ihrer empirischen Nachsuchung entzogen hatte. Nachdem sie endlich durch einen so mächtigen Sprung festen Fuß gefaßt zu haben vermeinen, so verbreiten sie den nunmehr bestimmten Begriff (in dessen Besitz sie, ohne zu wissen wie, gekommen sind,) über das ganze Feld der Schöpfung, und erläutern das Ideal, welches lediglich ein Produkt der reinen Vernunft war, obzwar kümmerlich genug, und weit unter der Würde seines Gegenstandes, durch Erfahrung, ohne doch gestehen zu wollen, daß sie zu dieser Kenntnis oder Voraussetzung durch einen anderen Fußsteig, als den der Erfahrung, gelangt sind.
So liegt demnach dem physikotheologischen Beweise der kosmologische, diesem aber der ontologische Beweis, vom Dasein eines einigen Urwesens als höchsten Wesens, zum Grunde, und da außer diesen dreien Wegen keiner mehr der spekulativen Vernunft offen ist, so ist der ontologische Beweis, aus lauter reinen Vernunftbegriffen, der einzige mögliche, wenn überall nur ein Beweis von einem so weit über allen empirischen Verstandesgebrauch erhabenen Satze möglich ist.
B 659 Des dritten Hauptstücks Siebenter Abschnitt Kritik aller Theologie aus spekulativen Prinzipien der Vernunft
Wenn ich unter Theologie die Erkenntnis des Urwesens verstehe, so ist sie entweder die aus bloßer Vernunft (theologia rationalis) oder aus Offenbarung (revelata). Die erstere denkt sich nun ihren Gegenstand entweder bloß durch reine Vernunft, vermittelst lauter transzendentaler Begriffe, (ens originarium, realissimum, ens entium,) und heißt die transzendentale Theologie, oder durch einen Begriff, den sie aus der Natur (unserer Seele) entlehnt, als die höchste Intelligenz, und müßte die natürliche Theologie heißen. Der, so allein eine transzendentale Theologie einräumt, wird Deist, der, so auch eine natürliche Theologie annimmt, Theist genannt. Der erstere gibt zu, daß wir allenfalls das Dasein eines Urwesens durch bloße Vernunft erkennen können, wovon aber unser Begriff bloß transzendental sei, nämlich nur als von einem Wesen, das alle Realität hat, die man aber nicht näher bestimmen kann. Der zweite behauptet, die Vernunft sei imstande, den Gegenstand nach der Analogie mit der Natur näher zu bestimmen, nämlich als ein Wesen, das durch Verstand und Freiheit den Urgrund aller anderen Dinge in sich enthalte. Jener stellt sich also unter demselben bloß eine Weltursache, (ob durch die
B 660 Notwendigkeit seiner Natur, oder durch Freiheit, bleibt unentschieden,) dieser einen Welturheber vor.
Die transzendentale Theologie ist entweder diejenige, welche das Dasein des Urwesens von einer Erfahrung überhaupt (ohne über die Welt, wozu sie gehört, etwas näher zu bestimmen,) abzuleiten gedenkt, und heißt Kosmotheologie, oder glaubt durch bloße Begriffe, ohne Beihilfe der mindesten Erfahrung, sein Dasein zu erkennen, und wird Ontotheologie genannt.
Die natürliche Theologie schließt auf die Eigenschaften und das Dasein eines Welturhebers, aus der Beschaffenheit, der Ordnung und Einheit, die in dieser Welt angetroffen wird, in welcher zweierlei Kausalität und deren Regel angenommen werden muß, nämlich Natur und Freiheit. Daher steigt sie von dieser Welt zur höchsten Intelligenz auf, entweder als dem Prinzip aller natürlichen, oder aller sittlichen Ordnung und Vollkommenheit. Im ersteren Falle heißt sie Physikotheologie, im letzten Moraltheologie.*
* Nicht theologische Moral; denn die enthält sittliche Gesetze, welche das Dasein eines höchsten Weltregierers voraussetzen, da hingegen die Moraltheologie eine Überzeugung vom Dasein eines höchsten Wesens ist, welche sich auf sittliche Gesetze gründet.
Da man unter dem Begriffe von Gott nicht etwa bloß eine blindwirkende ewige Natur, als die Wurzel der Dinge, sondern ein höchstes Wesen, das durch Verstand
B 661 und Freiheit der Urheber der Dinge sein soll, zu verstehen gewohnt ist, und auch dieser Begriff allein uns interessiert, so könnte man, nach der Strenge, dem Deisten allen Glauben an Gott absprechen, und ihm lediglich die Behauptung eines Urwesens, oder obersten Ursache, übrig lassen. Indessen, da niemand darum, weil er etwas sich nicht zu behaupten getraut, beschuldigt werden darf, er wolle es gar leugnen, so ist es gelinder und billiger, zu sagen: der Deist glaube einen Gott, der Theist aber einen lebendigen Gott (summam intelligentiam). Jetzt wollen wir die Möglichen Quellen aller dieser Versuche der Vernunft aufsuchen.
Ich begnüge mich hier, die theoretische Erkenntnis durch eine solche zu erklären, wodurch ich erkenne, was da ist, die praktische aber, dadurch ich mir vorstelle, was da sein soll. Diesem nach ist der theoretische Gebrauch der Vernunft derjenige, durch den ich a priori (als notwendig) erkenne, daß etwas sei; der praktische aber, durch den a priori erkannt wird, was geschehen solle. Wenn nun entweder, daß etwas sei, oder geschehen solle, ungezweifelt gewiß, aber doch nur bedingt ist: so kann doch entweder eine gewisse bestimmte Bedingung dazu schlechthin notwendig sein, oder sie kann nur als beliebig und zufällig vorausgesetzt werden. Im ersteren Falle wird die Bedingung postuliert (per thesin), im zweiten supponiert (per hypothesin). Da es praktische Gesetze gibt, die schlechthin notwendig sind (die moralischen), so muß,
B 662 wenn diese irgendein Dasein, als die Bedingung der Möglichkeit ihrer verbindenden Kraft, notwendig voraussetzen, dieses Dasein postuliert werden, darum, weil das Bedingte, von welchem der Schluß auf diese bestimmte Bedingung geht, selbst a priori als schlechterdings notwendig erkannt wird. Wir werden künftig von den moralischen Gesetzen zeigen, daß sie das Dasein eines höchsten Wesens nicht bloß voraussetzen, sondern auch, da sie in anderweitiger Betrachtung schlechterdings notwendig sind, es mit Recht, aber freilich nur praktisch, postulieren; jetzt setzen wir diese Schlußart noch beiseite.
Da, wenn bloß von dem, was da ist, (nicht, was sein soll,) die Rede ist, das Bedingte, welches uns in der Erfahrung gegeben wird, jederzeit auch als zufällig gedacht wird, so kann die zu ihm gehörige Bedingung daraus nicht als schlechthin notwendig erkannt werden, sondern dient nur als eine respektiv notwendige, oder vielmehr nötige, an sich selbst aber und a priori willkürliche Voraussetzung zum Vernunfterkenntnis des Bedingten. Soll also die absolute Notwendigkeit eines Dinges im theoretischen Erkenntnis erkannt werden, so könnte dieses allein aus Begriffen a priori geschehen, niemals aber als einer Ursache, in Beziehung auf ein Dasein, das durch Erfahrung gegeben ist.
Eine theoretische Erkenntnis ist spekulativ, wenn sie auf einen Gegenstand, oder solche Begriffe von einem Gegenstande, geht, wozu man in keiner Erfahrung
B 663 gelangen kann. Sie wird der Naturerkenntnis entgegengesetzt, welche auf keine anderen Gegenstände oder Prädikate derselben geht, als die in einer möglichen Erfahrung gegeben werden können.
Der Grundsatz, von dem, was geschieht, (dem empirisch Zufälligen,) als Wirkung, auf eine Ursache zu schließen, ist ein Prinzip der Naturerkenntnis, aber nicht der spekulativen. Denn, wenn man von ihm, als einem Grundsatze, der die Bedingung möglicher Erfahrung überhaupt enthält, abstrahiert, und, indem man alles Empirische wegläßt, ihn vom Zufälligen überhaupt aussagen will, so bleibt nicht die mindeste Rechtfertigung eines solchen synthetischen Satzes übrig, um daraus zu ersehen, wie ich von etwas, was da ist, zu etwas davon ganz Verschiedenem (genannt Ursache) übergehen könne; ja der Begriff einer Ursache verliert ebenso, wie des Zufälligen, in solchem bloß spekulativen Gebrauche, alle Bedeutung, deren objektive Realität sich in concreto begreiflich machen lasse.
Wenn man nun vom Dasein der Dinge in der Welt auf ihre Ursache schließt, so gehört dieses nicht zum natürlichen, sondern zum spekulativen Vernunftgebrauch; weil jener nicht die Dinge selbst (Substanzen), sondern nur das, was geschieht, also ihre Zustände, als empirisch zufällig, auf irgendeine Ursache bezieht; daß die Substanz selbst (die Materie) dem Dasein nach zufällig sei, würde ein bloß spekulatives Vernunfterkenntnis sein
B 664 müssen. Wenn aber auch nur von der Form der Welt, der Art ihrer Verbindung und dem Wechsel derselben die Rede wäre, ich wollte aber daraus auf eine Ursache schließen, die von der Welt gänzlich unterschieden ist; so würde dieses wiederum ein Urteil der bloß spekulativen Vernunft sein, weil der Gegenstand hier gar kein Objekt einer möglichen Erfahrung ist. Aber alsdann würde der Grundsatz der Kausalität, der nur innerhalb dem Felde der Erfahrungen gilt, und außer demselben ohne Gebrauch, ja selbst ohne Bedeutung ist, von seiner Bestimmung gänzlich abgebracht.
Ich behaupte nun, daß alle Versuche eines bloß spekulativen Gebrauchs der Vernunft in Ansehung der Theologie gänzlich fruchtlos und ihrer inneren Beschaffenheit nach null und nichtig sind; daß aber die Prinzipien ihres Naturgebrauchs ganz und gar auf keine Theologie führen, folglich, wenn man nicht moralische Gesetze zum Grunde legt, oder zum Leitfaden braucht, es überall keine Theologie der Vernunft geben könne. Denn alle synthetischen Grundsätze des Verstandes sind von immanentem Gebrauch; zu der Erkenntnis eines höchsten Wesens aber wird ein transzendenter Gebrauch derselben erfordert, wozu unser Verstand gar nicht ausgerüstet ist. Soll das empirisch gültige Gesetz der Kausalität zu dem Urwesen führen, so müßte dieses in die Kette der Gegenstände der Erfahrung mitgehören; alsdann wäre es aber, wie alle Erscheinungen, selbst wiederum bedingt. Erlaubte man
B 665 aber auch den Sprung über die Grenze der Erfahrung hinaus, vermittelst des dynamischen Gesetzes der Beziehung der Wirkungen auf ihre Ursachen; welchen Begriff kann uns dieses Verfahren verschaffen? Bei weitem keinen Begriff von einem höchsten Wesen, weil uns Erfahrung niemals die größte aller möglichen Wirkungen (als welche das Zeugnis von ihrer Ursache ablegen soll) darreicht. Soll es uns erlaubt sein, bloß, um in unserer Vernunft nichts Leeres übrigzulassen, diesen Mangel der völligen Bestimmung durch eine bloße Idee der höchsten Vollkommenheit und ursprünglichen Notwendigkeit auszufüllen: so kann dieses zwar aus Gunst eingeräumt, aber nicht aus dem Rechte eines unwiderstehlichen Beweises gefordert werden. Der physischtheologische Beweis könnte also vielleicht wohl anderen Beweisen (wenn solche zu haben sind) Nachdruck geben, indem er Spekulation mit Anschauung verknüpft: für sich selbst aber bereitet er mehr den Verstand zur theologischen Erkenntnis vor, und gibt ihm dazu eine gerade und natürliche Richtung, als daß er allein das Geschäft vollenden könnte.
Man sieht also hieraus wohl, daß transzendentale Fragen nur transzendentale Antworten, d.i. aus lauter Begriffen a priori ohne die mindeste empirische Beimischung, erlauben. Die Frage ist hier aber offenbar synthetisch und verlangt eine Erweiterung unserer Erkenntnis über alle Grenzen der Erfahrung hinaus, nämlich zu dem Dasein eines Wesens, das unserer bloßen Idee
B 666 entsprechen soll, der niemals irgendeine Erfahrung gleichkommen kann. Nun ist, nach unseren obigen Beweisen, alle synthetische Erkenntnis a priori nur dadurch möglich, daß sie die formalen Bedingungen einer möglichen Erfahrung ausdrückt, und alle Grundsätze sind also nur von immanenter Gültigkeit, d.i. sie beziehen sich lediglich auf Gegenstände empirischer Erkenntnis, oder Erscheinungen. Also wird auch durch transzendentales Verfahren in Absicht auf die Theologie einer bloß spekulativen Vernunft nichts ausgerichtet.
Wollte man aber lieber alle obigen Beweise der Analytik in Zweifel ziehen, als sich die Überredung von dem Gewichte der so lange gebrauchten Beweisgründe rauben lassen; so kann man sich doch nicht weigern, der Aufforderung ein Genüge zu tun, wenn ich verlange, man solle sich wenigstens darüber rechtfertigen, wie und vermittelst welcher Erleuchtung man sich denn getraue, alle mögliche Erfahrung durch die Macht bloßer Ideen zu überfliegen. Mit neuen Beweisen, oder ausgebesserter Arbeit alter Beweise, würde ich bitten mich zu verschonen. Denn, ob man zwar hierin eben nicht viel zu wählen hat, indem endlich doch alle bloß spekulativen Beweise auf einen einzigen, nämlich den ontologischen, hinauslaufen, und ich also eben nicht fürchten darf, sonderlich durch die Fruchtbarkeit der dogmatischen Verfechter jener sinnenfreien Vernunft belästigt zu werden; obgleich ich überdem auch, ohne mich darum sehr streitbar zu dünken, die Ausforderung
B 667 nicht ausschlagen will, in jedem Versuche dieser Art den Fehlschluß aufzudecken, und dadurch seine Anmaßung zu vereiteln: so wird daher doch die Hoffnung besseren Glücks bei denen, welche einmal dogmatischer Überredungen gewohnt sind, niemals völlig aufgehoben, und ich halte mich daher an der einzigen billigen Forderung, daß man sich allgemein und aus der Natur des menschlichen Verstandes, samt allen übrigen Erkenntnisquellen, darüber rechtfertige, wie man es anfangen wolle, sein Erkenntnis ganz und gar a priori zu erweitern, und bis dahin zu erstrecken, wo keine mögliche Erfahrung und mithin kein Mittel hinreicht, irgendeinem von uns selbst ausgedachten Begriffe seine objektive Realität zu versichern. Wie der Verstand auch zu diesem Begriffe gelangt sein mag, so kann doch das Dasein des Gegenstandes desselben nicht analytisch in demselben gefunden werden, weil eben darin die Erkenntnis der Existenz des Objekts besteht, daß dieses außer dem Gedanken an sich selbst gesetzt ist. Es ist aber gänzlich unmöglich, aus einem Begriffe von selbst hinauszugehen, und, ohne daß man der empirischen Verknüpfung folgt, (wodurch aber jederzeit nur Erscheinungen gegeben werden,) zu Entdeckung neuer Gegenstände und überschwenglicher Wesen zu gelangen.
Ob aber gleich die Vernunft in ihrem bloß spekulativen Gebrauche zu dieser so großen Absicht bei weitem nicht zulänglich ist, nämlich zum Dasein eines obersten Wesens zu gelangen; so hat sie doch darin sehr großen
B 668 Nutzen, die Erkenntnis desselben, im Fall sie anders woher geschöpft werden könnte, zu berichtigen, mit sich selbst und jeder intelligiblen Absicht einstimmig zu machen, und von allem, was dem Begriffe eines Urwesens zuwider sein möchte, und aller Beimischung empirischer Einschränkungen zu reinigen.
Die transzendentale Theologie bleibt demnach, aller ihrer Unzulänglichkeit ungeachtet, dennoch von wichtigem negativen Gebrauche, und ist eine beständige Zensur unserer Vernunft, wenn sie bloß mit reinen Ideen zu tun hat, die eben darum kein anderes, als transzendentales Richtmaß zulassen. Denn, wenn einmal, in anderweitiger, vielleicht praktischer Beziehung, die Voraussetzung eines höchsten und allgenugsamen Wesens, als oberster Intelligenz, ihre Gültigkeit ohne Widerrede behauptete: so wäre es von der größten Wichtigkeit, diesen Begriff auf seiner transzendentalen Seite, als den Begriff eines notwendigen und allerrealsten Wesens, genau zu bestimmen, und, was der höchsten Realität zuwider ist, was zur bloßen Erscheinung (dem Anthropomorphismus im weiteren Verstande) gehört, wegzuschaffen, und zugleich alle entgegengesetzten Behauptungen, sie mögen nun atheistisch, oder deistisch, oder anthropomorphistisch sein, aus dem Wege zu räumen; welches in einer solchen kritischen Behandlung sehr leicht ist, indem dieselben Gründe, durch welche das Unvermögen der menschlichen Vernunft, in Ansehung der Behauptung des Daseins eines dergleichen
B 669 Wesens, vor Augen gelegt wird, notwendig auch zureichen, um die Untauglichkeit einer jeden Gegenbehauptung zu beweisen. Denn, wo will jemand durch reine Spekulation der Vernunft die Einsicht hernehmen, daß es kein höchstes Wesen, als Urgrund von Allem, gebe, oder daß ihm keine von den Eigenschaften zukomme, welche wir, ihren Folgen nach, als analogisch mit den dynamischen Realitäten eines denkenden Wesens, uns vorstellen, oder daß sie, in dem letzteren Falle, auch allen Einschränkungen unterworfen sein müßten, welche die Sinnlichkeit den Intelligenzen, die wir durch Erfahrung kennen, unvermeidlich auferlegt.
Das höchste Wesen bleibt also für den bloß spekulativen Gebrauch der Vernunft ein bloßes, aber doch fehlerfreies Ideal, ein Begriff, welcher die ganze menschliche Erkenntnis schließt und krönt, dessen objektive Realität auf diesem Wege zwar nicht bewiesen, aber auch nicht widerlegt werden kann, und, wenn es eine Moraltheologie geben sollte, die diesen Mangel ergänzen kann, so beweist alsdann die vorher nur problematische transzendentale Theologie ihre Unentbehrlichkeit, durch Bestimmung ihres Begriffs und unaufhörliche Zensur einer durch Sinnlichkeit oft genug getäuschten und mit ihren eigenen Ideen nicht immer einstimmigen Vernunft. Die Notwendigkeit, die Unendlichkeit, die Einheit, das Dasein außer der Welt (nicht als Weltseele), die Ewigkeit, ohne Bedingungen der Zeit, die Allgegenwart, ohne Bedingungen
B 670 des Raumes, die Allmacht usw. sind lauter transzendentale Prädikate, und daher kann der gereinigte Begriff derselben, den eine jede Theologie so sehr nötig hat, bloß aus der transzendentalen gezogen werden.
Anhang zur transzendentalen Dialektik Von dem regulativen Gebrauch der Ideen der reinen Vernunft
Der Ausgang aller dialektischen Versuche der reinen Vernunft bestätigt nicht allein, was wir schon in der transzendentalen Analytik bewiesen, nämlich daß alle unsere Schlüsse, die uns über das Feld möglicher Erfahrung hinausführen wollen, trüglich und grundlos seien; sondern er lehrt uns zugleich dieses Besondere: daß die menschliche Vernunft dabei einen natürlichen Hang habe, diese Grenze zu überschreiten, daß transzendentale Ideen ihr ebenso natürlich seien, als dem Verstande die Kategorien, obgleich mit dem Unterschiede, daß, so wie die letzteren zur Wahrheit, d.i. der Übereinstimmung unserer Begriffe mit dem Objekte führen, die ersteren einen bloßen, aber unwiderstehlichen Schein bewirken, dessen Täuschung man kaum durch die schärfste Kritik abhalten kann.
Alles, was in der Natur unserer Kräfte gegründet ist, muß zweckmäßig und mit dem richtigen Gebrauche derselben einstimmig sein, wenn wir nur einen gewissen
B 671 Mißverstand verhüten und die eigentliche Richtung derselben ausfindig machen können. Also werden die transzendentalen Ideen allem Vermuten nach ihren guten und folglich immanenten Gebrauch haben, obgleich, wenn ihre Bedeutung verkannt und sie für Begriffe von wirklichen Dingen genommen werden, sie transzendent in der Anwendung und eben darum trüglich sein können. Denn nicht die Idee an sich selbst, sondern bloß ihr Gebrauch kann, entweder in Ansehung der gesamten möglichen Erfahrung überfliegend (transzendent), oder einheimisch (immanent) sein, nachdem man sie entweder geradezu auf einen ihr vermeintlich entsprechenden Gegenstand, oder nur auf den Verstandesgebrauch überhaupt, in Ansehung der Gegenstände, mit welchen er zu tun hat, richtet, und alle Fehler der Subreption sind jederzeit einem Mangel der Urteilskraft, niemals aber dem Verstande oder der Vernunft zuzuschreiben.
Die Vernunft bezieht sich niemals geradezu auf einen Gegenstand, sondern lediglich auf den Verstand, und vermittelst desselben auf ihren eigenen empirischen Gebrauch, schafft also keine Begriffe (von Objekten), sondern ordnet sie nur, und gibt ihnen diejenige Einheit, welche sie in ihrer größtmöglichen Ausbreitung haben können, d.i. in Beziehung auf die Totalität der Reihen, als auf welche der Verstand gar nicht sieht, sondern nur auf diejenige Verknüpfung, dadurch allerwärts Reihen der Bedingungen nach Begriffen zustande kommen. Die Vernunft hat
B 672 also eigentlich nur den Verstand und dessen zweckmäßige Anstellung zum Gegenstande, und, wie dieser das Mannigfaltige im Objekt durch Begriffe vereinigt, so vereinigt jene ihrerseits das Mannigfaltige der Begriffe durch Ideen, indem sie eine gewisse kollektive Einheit zum Ziele der Verstandeshandlungen setzt, welche sonst nur mit der distributiven Einheit beschäftigt sind.
Ich behaupte demnach: die transzendentalen Ideen sind niemals von konstitutivem Gebrauche, so, daß dadurch Begriffe gewisser Gegenstände gegeben würden, und in dem Falle, daß man sie so versteht, sind es bloß vernünftelnde (dialektische) Begriffe. Dagegen aber haben sie einen vortrefflichen und unentbehrlich notwendigen regulativen Gebrauch, nämlich den Verstand zu einem gewissen Ziele zu richten, in Aussicht auf welches die Richtungslinien aller seiner Regeln in einen Punkt zusammenlaufen, der, ob er zwar nur eine Idee (focus imaginarius), d.i. ein Punkt ist, aus welchem die Verstandesbegriffe wirklich nicht ausgehen, indem er ganz außerhalb den Grenzen möglicher Erfahrung liegt, dennoch dazu dient, ihnen die größte Einheit neben der größten Ausbreitung zu verschaffen. Nun entspringt uns zwar hieraus die Täuschung, als wenn diese Richtungslinien von einem Gegenstande selbst, der außer dem Felde empirisch möglicher Erkenntnis läge, ausgeschossen wären (so wie die Objekte hinter der Spiegelfläche gesehen werden), allein diese Illusion (welche man doch hindern kann, daß sie nicht betrügt,) ist gleichwohl
B 673 unentbehrlich notwendig, wenn wir außer den Gegenständen, die uns vor Augen sind, auch diejenigen zugleich sehen wollen, die weit davon uns im Rücken liegen, d.i. wenn wir, in unserem Falle, den Verstand über jede gegebene Erfahrung (dem Teile der gesamten möglichen Erfahrung) hinaus, mithin auch zur größtmöglichen und äußersten Erweiterung abrichten wollen.
Übersehen wir unsere Verstandeserkenntnisse in ihrem ganzen Umfange, so finden wir, daß dasjenige, was Vernunft ganz eigentümlich darüber verfügt und zustande zu bringen sucht, das Systematische der Erkenntnis sei, d.i. der Zusammenhang derselben aus einem Prinzip. Diese Vernunfteinheit setzt jederzeit eine Idee voraus, nämlich die von der Form eines Ganzen der Erkenntnis, welches vor der bestimmten Erkenntnis der Teile vorhergeht und die Bedingungen enthält, jedem Teile seine Stelle und Verhältnis zu den übrigen a priori zu bestimmen. Diese Idee postuliert demnach vollständige Einheit der Verstandeserkenntnis, wodurch diese nicht bloß ein zufälliges Aggregat, sondern ein nach notwendigen Gesetzen zusammenhängendes System wird. Man kann eigentlich nicht sagen, daß diese Idee ein Begriff vom Objekte sei, sondern von der durchgängigen Einheit dieser Begriffe, sofern dieselbe dem Verstande zur Regel dient. Dergleichen Vernunftbegriffe werden nicht aus der Natur geschöpft, vielmehr befragen wir die Natur nach diesen Ideen, und halten unsere Erkenntnis für mangelhaft, solange sie
B 674 denselben nicht adäquat ist. Man gesteht: daß sich schwerlich reine Erde, reines Wasser, reine Luft usw. finde. Gleichwohl hat man die Begriffe davon doch nötig (die also, was die völlige Reinigkeit betrifft, nur in der Vernunft ihren Ursprung haben), um den Anteil, den jede dieser Naturursachen an der Erscheinung hat, gehörig zu bestimmen, und so bringt man alle Materien auf die Erden (gleichsam die bloße Last), Salze und brennliche Wesen (als die Kraft), endlich auf Wasser und Luft als Vehikeln (gleichsam Maschinen, vermittelst deren die vorigen wirken), um nach der Idee eines Mechanismus die chemischen Wirkungen der Materien untereinander zu erklären. Denn, wiewohl man sich nicht wirklich so ausdrückt, so ist doch ein solcher Einfluß der Vernunft auf die Einteilungen der Naturforscher sehr leicht zu entdecken.
Wenn die Vernunft ein Vermögen ist, das Besondere aus dem Allgemeinen abzuleiten, so ist entweder das Allgemeine schon an sich gewiß und gegeben, und alsdann erfordert es nur Urteilskraft zur Subsumtion, und das Besondere wird dadurch notwendig bestimmt. Dieses will ich den apodiktischen Gebrauch der Vernunft nennen. Oder das Allgemeine wird nur problematisch angenommen, und ist eine bloße Idee, das Besondere ist gewiß, aber die Allgemeinheit der Regel zu dieser Folge ist noch ein Problem; so werden mehrere besondere Fälle, die insgesamt gewiß sind, an der Regel versucht, ob sie daraus fließen, und in diesem Falle, wenn es den Anschein hat, daß alle
B 675 anzugebenden besonderen Fälle daraus abfolgen, wird auf die Allgemeinheit der Regel, aus dieser aber nachher auf alle Fälle, die auch an sich nicht gegeben sind, geschlossen. Diesen will ich den hypothetischen Gebrauch der Vernunft nennen.
Der hypothetische Gebrauch der Vernunft aus zum Grunde gelegten Ideen, als problematischer Begriffe, ist eigentlich nicht konstitutiv, nämlich nicht so beschaffen, daß dadurch, wenn man nach aller Strenge urteilen will, die Wahrheit der allgemeinen Regel, die als Hypothese angenommen worden, folge; denn wie will man alle möglichen Folgen wissen, die, indem sie aus demselben angenommenen Grundsatze folgen, seine Allgemeinheit beweisen? Sondern er ist nur regulativ, um dadurch, soweit als es möglich ist, Einheit in die besonderen Erkenntnisse zu bringen, und die Regel dadurch der Allgemeinheit zu nähern.
Der hypothetische Vernunftgebrauch geht also auf die systematische Einheit der Verstandeserkenntnisse, diese aber ist der Probierstein der Wahrheit der Regeln. Umgekehrt ist die systematische Einheit (als bloße Idee) lediglich nur projektierte Einheit, die man an sich nicht als gegeben, sondern nur als Problem ansehen muß; welche aber dazu dient, zu dem Mannigfaltigen und besonderen Verstandesgebrauche ein Prinzipium zu finden, und diesen dadurch auch über die Fälle, die nicht gegeben sind, zu leiten und zusammenhängend zu machen.
B 676 Man sieht aber hieraus nur, daß die systematische oder Vernunfteinheit der mannigfaltigen Verstandeserkenntnis ein logisches Prinzip sei, um, da wo der Verstand allein nicht zu Regeln hinlangt, ihm durch Ideen fortzuhelfen, und zugleich der Verschiedenheit seiner Regeln Einhelligkeit unter einem Prinzip (systematische) und dadurch Zusammenhang zu verschaffen, soweit als es sich tun läßt. Ob aber die Beschaffenheit der Gegenstände, oder die Natur des Verstandes, der sie als solche erkennt, an sich zur systematischen Einheit bestimmt sei, und ob man diese a priori, auch ohne Rücksicht auf ein solches Interesse der Vernunft in gewisser Maaße postulieren, und also sagen könne: alle möglichen Verstandeserkenntnisse (darunter die empirischen) haben Vernunfteinheit, und stehen unter gemeinschaftlichen Prinzipien, woraus sie, unerachtet ihrer Verschiedenheit, abgeleitet werden können; das würde ein transzendentaler Grundsatz der Vernunft sein, welcher die systematische Einheit nicht bloß subjektiv- und logisch-, als Methode, sondern objektiv notwendig machen würde.
Wir wollen dieses durch einen Fall des Vernunftgebrauchs erläutern. Unter die verschiedenen Arten von Einheit nach Begriffen des Verstandes gehört auch die der Kausalität einer Substanz, welche Kraft genannt wird. Die verschiedenen Erscheinungen eben derselben Substanz zeigen beim ersten Anblicke soviel Ungleichartigkeit, daß man daher anfänglich beinahe so vielerlei Kräfte derselben annehmen muß, als Wirkungen sich hervortun, wie in
B 677 dem menschlichen Gemüte die Empfindung, Bewußtsein, Einbildung, Erinnerung, Witz, Unterscheidungskraft, Lust, Begierde usw. Anfänglich gebietet eine logische Maxime, diese anscheinende Verschiedenheit soviel als möglich dadurch zu verringern, daß man durch Vergleichung die versteckte Identität entdecke, und nachsehe, ob nicht Einbildung, mit Bewußtsein verbunden, Erinnerung, Witz, Unterscheidungskraft, vielleicht gar Verstand und Vernunft sei. Die Idee einer Grundkraft, von welcher aber die Logik gar nicht ausmittelt, ob es dergleichen gebe, ist wenigstens das Problem einer systematischen Vorstellung der Mannigfaltigkeit von Kräften. Das logische Vernunftprinzip erfordert diese Einheit soweit als möglich zustande zu bringen, und je mehr die Erscheinungen der einen und anderen Kraft unter sich identisch gefunden werden, desto wahrscheinlicher wird es, daß sie nichts, als verschiedene Äußerungen einer und derselben Kraft seien, welche (komparativ) ihre Grundkraft heißen kann. Ebenso verfährt man mit den übrigen.
Die komparativen Grundkräfte müssen wiederum untereinander verglichen werden, um sie dadurch, daß man ihre Einhelligkeit entdeckt, einer einzigen radikalen, d.i. absoluten Grundkraft nahe zu bringen. Diese Vernunfteinheit aber ist bloß hypothetisch. Man behauptet nicht, daß eine solche in der Tat angetroffen werden müsse, sondern, daß man sie zugunsten der Vernunft, nämlich zu Errichtung gewisser Prinzipien, für die mancherlei Regeln,
B 678 die die Erfahrung an die Hand geben mag, suchen, und, wo es sich tun läßt, auf solche Weise systematische Einheit ins Erkenntnis bringen müsse.
Es zeigt sich aber, wenn man auf den transzendentalen Gebrauch des Verstandes achthat, daß diese Idee einer Grundkraft überhaupt, nicht bloß als Problem zum hypothetischen Gebrauche bestimmt sei, sondern objektive Realität vorgebe, dadurch die systematische Einheit der mancherlei Kräfte einer Substanz postuliert und ein apodiktisches Vernunftprinzip errichtet wird. Denn, ohne daß wir einmal die Einhelligkeit der mancherlei Kräfte versucht haben, ja selbst wenn es uns nach allen Versuchen mißlingt, sie zu entdecken, setzen wir doch voraus: es werde eine solche anzutreffen sein, und dieses nicht allein, wie in dem angeführten Falle, wegen der Einheit der Substanz, sondern, wo so gar viele, obzwar in gewissem Grade gleichartige, angetroffen werden, wie an der Materie überhaupt, setzt die Vernunft systematische Einheit mannigfaltiger Kräfte voraus, da besondere Naturgesetze unter allgemeineren stehen, und die Ersparung der Prinzipien nicht bloß ein ökonomischer Grundsatz der Vernunft, sondern inneres Gesetz der Natur wird.
In der Tat ist auch nicht abzusehen, wie ein logisches Prinzip der Vernunfteinheit der Regeln stattfinden könne, wenn nicht ein transzendentales vorausgesetzt würde, durch welches eine solche systematische Einheit, als den Objekten selbst anhängend, a priori als notwendig
B 679 angenommen wird. Denn mit welcher Befugnis kann die Vernunft im logischen Gebrauche verlangen, die Mannigfaltigkeit der Kräfte, welche uns die Natur zu erkennen gibt, als eine bloß versteckte Einheit zu behandeln, und sie aus irgendeiner Grundkraft, soviel an ihr ist, abzuleiten, wenn es ihr freistände zuzugeben, daß es ebensowohl möglich sei, alle Kräfte wären ungleichartig, und die systematische Einheit ihrer Ableitung der Natur nicht gemäß? denn alsdann würde sie gerade wider ihre Bestimmung verfahren, indem sie sich eine Idee zum Ziele setzte, die der Natureinrichtung ganz widerspräche. Auch kann man nicht sagen, sie habe zuvor von der zufälligen Beschaffenheit der Natur diese Einheit nach Prinzipien der Vernunft abgenommen. Denn das Gesetz der Vernunft, sie zu suchen, ist notwendig, weil wir ohne dasselbe gar keine Vernunft, ohne diese aber keinen zusammenhängenden Verstandesgebrauch, und in dessen Ermanglung kein zureichendes Merkmal empirischer Wahrheit haben würden, und wir also in Ansehung des letzteren die systematische Einheit der Natur durchaus als objektiv gültig und notwendig voraussetzen müssen.
Wir finden diese transzendentale Voraussetzung auch auf eine bewundernswürdige Weise in den Grundsätzen der Philosophen versteckt, wiewohl sie solche darin nicht immer erkannt, oder sich selbst gestanden haben. Daß alle Mannigfaltigkeiten einzelner Dinge die Identität der Art nicht ausschließen; daß die mancherlei Arten nur als
B 680 verschiedentliche Bestimmungen von wenigen Gattungen, diese aber von noch höheren Geschlechtern usw. behandelt werden müssen; daß also eine gewisse systematische Einheit aller möglichen empirischen Begriffe, sofern sie von höheren und allgemeineren abgeleitet werden können, gesucht werden müsse; ist eine Schulregel oder logisches Prinzip, ohne welches kein Gebrauch der Vernunft stattfände, weil wir nur sofern vom Allgemeinen aufs Besondere schließen können, als allgemeine Eigenschaften der Dinge zum Grunde gelegt werden, unter denen die besonderen stehen.
Daß aber auch in der Natur eine solche Einhelligkeit angetroffen werde, setzen die Philosophen in der bekannten Schulregel voraus: daß man die Anfänge (Prinzipien) nicht ohne Not vervielfältigen müsse (entia praeter necessitatem non esse multiplicanda). Dadurch wird gesagt: daß die Natur der Dinge selbst zur Vernunfteinheit Stoff darbiete, und die anscheinende unendliche Verschiedenheit dürfe uns nicht abhalten, hinter ihr Einheit der Grundeigenschaften zu vermuten, von welchen die Mannigfaltigkeit nur durch mehrere Bestimmung abgeleitet werden kann. Dieser Einheit, ob sie gleich eine bloße Idee ist, ist man zu allen Zeiten so eifrig nachgegangen, daß man eher Ursache gefunden, die Begierde nach ihr zu mäßigen, als sie aufzumuntern. Es war schon viel, daß die Scheidekünstler alle Salze auf zwei Hauptgattungen, saure und laugenhafte, zurückführen konnten, sie versuchen sogar auch diesen Unterschied bloß als eine Varietät
B 681 oder verschiedene Äußerung eines und desselben Grundstoffs anzusehen. Die mancherlei Arten von Erden (den Stoff der Steine und sogar der Metalle) hat man nach und nach auf drei, endlich auf zwei, zu bringen gesucht; allein damit noch nicht zufrieden, können sie sich des Gedankens nicht entschlagen, hinter diesen Varietäten dennoch eine einzige Gattung, ja wohl gar zu diesen und den Salzen ein gemeinschaftliches Prinzip zu vermuten. Man möchte vielleicht glauben, dieses sei ein bloß ökonomischer Handgriff der Vernunft, um sich soviel als möglich Mühe zu ersparen, und ein hypothetischer Versuch, der, wenn er gelingt, dem vorausgesetzten Erklärungsgrunde eben durch diese Einheit Wahrscheinlichkeit gibt. Allein eine solche selbstsüchtige Absicht ist sehr leicht von der Idee zu unterscheiden, nach welcher jedermann voraussetzt, diese Vernunfteinheit sei der Natur selbst angemessen, und daß die Vernunft hier nicht bettle, sondern gebiete, obgleich ohne die Grenzen dieser Einheit bestimmen zu können.
Wäre unter den Erscheinungen, die sich uns darbieten, eine so große Verschiedenheit, ich will nicht sagen der Form (denn darin mögen sie einander ähnlich sein), sondern dem Inhalte, d.i. der Mannigfaltigkeit existierender Wesen nach, daß auch der allerschärfste menschliche Verstand durch Vergleichung der einen mit der anderen nicht die mindeste Ähnlichkeit ausfindig machen könnte (ein Fall, der sich wohl denken läßt), so würde das logische Gesetz der Gattungen ganz und gar nicht stattfinden, und es würde
B 682 selbst kein Begriff von Gattung, oder irgendein allgemeiner Begriff, ja sogar kein Verstand stattfinden, als der es lediglich mit solchen zu tun hat. Das logische Prinzip der Gattungen setzt also ein transzendentales voraus, wenn es auf Natur (darunter ich hier nur Gegenstände, die uns gegeben werden, verstehe,) angewandt werden soll. Nach demselben wird in dem Mannigfaltigen einer möglichen Erfahrung notwendig Gleichartigkeit vorausgesetzt (ob wir gleich ihren Grad a priori nicht bestimmen können), weil ohne dieselbe keine empirischen Begriffe, mithin keine Erfahrung möglich wäre.
Dem logischen Prinzip der Gattungen, welches Identität postuliert, steht ein anderes, nämlich das der Arten entgegen, welches Mannigfaltigkeit und Verschiedenheiten der Dinge, unerachtet ihrer Übereinstimmung unter derselben Gattung, bedarf, und es dem Verstande zur Vorschrift macht, auf diese nicht weniger als auf jene aufmerksam zu sein. Dieser Grundsatz (der Scharfsinnigkeit, oder des Unterscheidungsvermögens) schränkt den Leichtsinn des ersteren (des Witzes) sehr ein, und die Vernunft zeigt hier ein doppeltes, einander widerstreitendes Interesse, einerseits das Interesse des Umfanges (der Allgemeinheit) in Ansehung der Gattungen, andererseits des Inhalts (der Bestimmtheit), in Absicht auf die Mannigfaltigkeit der Arten, weil der Verstand im ersteren Falle zwar viel unter seinen Begriffen, im zweiten aber desto mehr in denselben denkt. Auch äußert sich dieses
B 683 an der sehr verschiedenen Denkungsart der Naturforscher, deren einige (die vorzüglich spekulativ sind), der Ungleichartigkeit gleichsam feind, immer auf die Einheit der Gattung hinaussehen, die anderen (vorzüglich empirische Köpfe) die Natur unaufhörlich in so viel Mannigfaltigkeit zu spalten suchen, daß man beinahe die Hoffnung aufgeben müßte, ihre Erscheinungen nach allgemeinen Prinzipien zu beurteilen.
Dieser letzteren Denkungsart liegt offenbar auch ein logisches Prinzip zum Grunde, welches die systematische Vollständigkeit aller Erkenntnisse zur Absicht hat, wenn ich, von der Gattung anhebend, zu dem Mannigfaltigen, das darunter enthalten sein mag, herabsteige, und auf solche Weise dem System Ausbreitung, wie im ersteren Falle, da ich zur Gattung aufsteige, Einfalt zu verschaffen suche. Denn aus der Sphäre des Begriffs, der eine Gattung bezeichnet, ist ebensowenig, wie aus dem Raume, den Materie einnehmen kann, zu ersehen, wie weit die Teilung derselben gehen könne. Daher jede Gattung verschiedene Arten, diese aber verschiedene Unterarten erfordert, und, da keine der letzteren stattfindet, die nicht immer wiederum eine Sphäre (Umfang als conceptus communis) hätte, so verlangt die Vernunft in ihrer ganzen Erweiterung, daß keine Art als die unterste an sich selbst angesehen werde, weil, da sie doch immer ein Begriff ist, der nur das, was verschiedenen Dingen gemein ist, in sich enthält, dieser nicht durchgängig bestimmt, mithin auch nicht
B 684 zunächst auf ein Individuum bezogen sein könne, folglich jederzeit andere Begriffe, d.i. Unterarten, unter sich enthalten müsse. Dieses Gesetz der Spezifikation könnte so ausgedrückt werden: entium varietates non temere esse minuendas.
Man sieht aber leicht, daß auch dieses logische Gesetz ohne Sinn und Anwendung sein würde, läge nicht ein transzendentales Gesetz der Spezifikation zum Grunde, welches zwar freilich nicht von den Dingen, die unsere Gegenstände werden können, eine wirkliche Unendlichkeit in Ansehung der Verschiedenheiten fordert; denn dazu gibt das logische Prinzip, als welches lediglich die Unbestimmtheit der logischen Sphäre in Ansehung der möglichen Einteilung behauptet, keinen Anlaß; aber dennoch dem Verstande auferlegt, unter jeder Art, die uns vorkommt, Unterarten, und zu jeder Verschiedenheit kleinere Verschiedenheiten zu suchen. Denn, würde es keine niederen Begriffe geben, so gäbe es auch keine höheren. Nun erkennt der Verstand alles nur durch Begriffe: folglich, soweit er in der Einteilung reicht, niemals durch bloße Anschauung, sondern immer wiederum durch niedere Begriffe. Die Erkenntnis der Erscheinungen in ihrer durchgängigen Bestimmung (welche nur durch Verstand möglich ist) fordert eine unaufhörlich fortzusetzende Spezifikation seiner Begriffe, und einen Fortgang zu immer noch bleibenden Verschiedenheiten, wovon in dem Begriffe der Art, und noch mehr dem der Gattung, abstrahiert worden.
B 685 Auch kann dieses Gesetz der Spezifikation nicht von der Erfahrung entlehnt sein; denn diese kann keine so weitgehende Eröffnungen geben. Die empirische Spezifikation bleibt in der Unterscheidung des Mannigfaltigen bald stehen, wenn sie nicht durch das schon vorhergehende transzendentale Gesetz der Spezifikation, als ein Prinzip der Vernunft, geleitet worden, solche zu suchen, und sie noch immer zu vermuten, wenn sie sich gleich nicht den Sinnen offenbart. Daß absorbierende Erden nach verschiedener Art (Kalk- und muriatische Erden) sind, bedurfte zur Entdeckung eine zuvorkommende Regel der Vernunft, welche dem Verstande es zur Aufgabe machte, die Verschiedenheit zu suchen, indem sie die Natur so reichhaltig voraussetzte, sie zu vermuten. Denn wir haben ebensowohl nur unter Voraussetzung der Verschiedenheiten in der Natur Verstand, als unter der Bedingung, daß ihre Objekte Gleichartigkeit an sich haben, weil eben die Mannigfaltigkeit desjenigen, was unter einem Begriffe zusammengefaßt werden kann, den Gebrauch dieses Begriffs, und die Beschäftigung des Verstandes ausmacht.
Die Vernunft bereitet also dem Verstande sein Feld, 1. durch ein Prinzip der Gleichartigkeit des Mannigfaltigen unter höheren Gattungen, 2. durch einen Grundsatz der Varietät des Gleichartigen unter niederen Arten; und um die systematische Einheit zu vollenden, fügt sie 3. noch ein Gesetz der Affinität aller Begriffe hinzu, welches einen kontinuierlichen Übergang von einer jeden
B 686 Art zu jeder anderen durch stufenartiges Wachstum der Verschiedenheit gebietet. Wir können sie die Prinzipien der Homogenität, der Spezifikation und der Kontinuität der Formen nennen. Das letztere entspringt dadurch, daß man die zwei ersteren vereinigt, nachdem man, sowohl im Aufsteigen zu höheren Gattungen, als im Herabsteigen zu niederen Arten, den systematischen Zusammenhang in der Idee vollendet hat; denn alsdann sind alle Mannigfaltigkeiten untereinander verwandt, weil sie insgesamt durch alle Grade der erweiterten Bestimmung von einer einzigen obersten Gattung abstammen.
Man kann sich die systematische Einheit unter den drei logischen Prinzipien auf folgende Art sinnlich machen. Man kann einen jeden Begriff als einen Punkt ansehen, der, als der Standpunkt eines Zuschauers, seinen Horizont hat, d.i. eine Menge von Dingen, die aus demselben können vorgestellt und gleichsam überschaut werden. Innerhalb diesem Horizonte muß eine Menge von Punkten ins Unendliche angegeben werden können, deren jeder wiederum seinen engeren Gesichtskreis hat; d.i. jede Art enthält Unterarten, nach dem Prinzip der Spezifikation, und der logische Horizont besteht nur aus kleineren Horizonten (Unterarten), nicht aber aus Punkten, die keinen Umfang haben (Individuen). Aber zu verschiedenen Horizonten, d.i. Gattungen, die aus ebensoviel Begriffen bestimmt werden, läßt sich ein gemeinschaftlicher Horizont, daraus man sie insgesamt als aus einem Mittelpunkte überschaut,
B 687 gezogen denken, welcher die höhere Gattung ist, bis endlich die höchste Gattung der allgemeine und wahre Horizont ist, der aus dem Standpunkte des höchsten Begriffs bestimmt wird, und alle Mannigfaltigkeit, als Gattungen, Arten und Unterarten, unter sich befaßt.
Zu diesem höchsten Standpunkte führt mich das Gesetz der Homogenität, zu allen niedrigen und deren größten Varietät das Gesetz der Spezifikation. Da aber auf solche Weise in dem ganzen Umfange aller möglichen Begriffe nichts Leeres ist, und außer demselben nichts angetroffen werden kann, so entspringt aus der Voraussetzung jenes allgemeinen Gesichtskreises und der durchgängigen Einteilung desselben der Grundsatz: non datur vacuum formarum, d.i. es gibt nicht verschiedene ursprüngliche und erste Gattungen, die gleichsam isoliert und voneinander (durch einen leeren Zwischenraum) getrennt wären, sondern alle mannigfaltigen Gattungen sind nur Abteilungen einer einzigen obersten und allgemeinen Gattung; und aus diesem Grundsatze dessen unmittelbare Folge: datur continuum formarum, d.i. alle Verschiedenheiten der Arten grenzen aneinander und erlauben keinen Übergang zueinander durch einen Sprung, sondern nur durch alle kleineren Grade des Unterschiedes, dadurch man von einer zu der anderen gelangen kann; mit einem Worte, es gibt keine Arten oder Unterarten, die einander (im Begriffe der Vernunft) die nächsten wären, sondern es sind noch immer Zwischenarten möglich, deren Unterschied von der ersten
B 688 und zweiten kleiner ist, als dieser ihr Unterschied voneinander.
Das erste Gesetz also verhütet die Ausschweifung in die Mannigfaltigkeit verschiedener ursprünglichen Gattungen, und empfiehlt die Gleichartigkeit; das zweite schränkt dagegen diese Neigung zur Einhelligkeit wiederum ein, und gebietet Unterscheidung der Unterarten, bevor man sich mit seinem allgemeinen Begriffe zu den Individuen wende. Das dritte vereinigt jene beiden, indem sie bei der höchsten Mannigfaltigkeit dennoch die Gleichartigkeit durch den stufenartigen Übergang von einer Spezies zur anderen vorschreibt, welches eine Art von Verwandtschaft der verschiedenen Zweige anzeigt, insofern sie insgesamt aus einem Stamme entsprossen sind.
Dieses logische Gesetz des continui specierum (formarum logicarum) setzt aber ein transzendentales voraus (lex continui in natura), ohne welches der Gebrauch des Verstandes durch jene Vorschrift nur irre geleitet werden würde, indem sie vielleicht einen der Natur gerade entgegengesetzten Weg nehmen würde. Es muß also dieses Gesetz auf reinen transzendentalen und nicht empirischen Gründen beruhen. Denn in dem letzteren Falle würde es später kommen als die Systeme; es hat aber eigentlich das Systematische der Naturerkenntnis zuerst hervorgebracht. Es sind hinter diesen Gesetzen auch nicht etwa Absichten auf eine mit ihnen, als bloßen Versuchen, anzustellende Probe verborgen, obwohl freilich dieser
B 689 Zusammenhang, wo er zutrifft, einen mächtigen Grund abgibt, die hypothetisch ausgedachte Einheit für gegründet zu halten, und sie also auch in dieser Absicht ihren Nutzen haben, sondern man sieht es ihnen deutlich an, daß sie die Sparsamkeit der Grundursachen, die Mannigfaltigkeit der Wirkungen, und eine daherrührende Verwandtschaft der Glieder der Natur an sich selbst für vernunftmäßig und der Natur angemessen urteilen, und diese Grundsätze also direkt und nicht bloß als Handgriffe der Methode ihre Empfehlung bei sich führen.
Man sieht aber leicht, daß diese Kontinuität der Formen eine bloße Idee sei, der ein kongruierender Gegenstand in der Erfahrung gar nicht aufgewiesen werden kann, nicht allein um deswillen, weil die Spezies in der Natur wirklich abgeteilt sind, und daher an sich ein quantum discretum ausmachen müssen, und, wenn der stufenartige Fortgang in der Verwandtschaft derselben kontinuierlich wäre, sie auch eine wahre Unendlichkeit der Zwischenglieder, die innerhalb zweier gegebener Arten lägen, enthalten müßte, welches unmöglich ist: sondern auch, weil wir von diesem Gesetz gar keinen bestimmten empirischen Gebrauch machen können, indem dadurch nicht das geringste Merkmal der Affinität angezeigt wird, nach welchem und wie weit wir die Gradfolge ihrer Verschiedenheit zu suchen, sondern nichts weiter, als eine allgemeine Anzeige, daß wir sie zu suchen haben.
B 690 Wenn wir die jetzt angeführten Prinzipien ihrer Ordnung nach versetzen, um sie dem Erfahrungsgebrauch gemäß zu stellen, so würden die Prinzipien der systematischen Einheit etwa so stehen: Mannigfaltigkeit, Verwandtschaft und Einheit, jede derselben aber als Ideen im höchsten Grade ihrer Vollständigkeit genommen. Die Vernunft setzt die Verstandeserkenntnisse voraus, die zunächst auf Erfahrung angewandt werden, und sucht ihre Einheit nach Ideen, die viel weiter geht, als Erfahrung reichen kann. Die Verwandtschaft des Mannigfaltigen, unbeschadet seiner Verschiedenheit, unter einem Prinzip der Einheit, betrifft nicht bloß die Dinge, sondern weit mehr noch die bloßen Eigenschaften und Kräfte der Dinge. Daher, wenn uns z.B. durch eine (noch nicht völlig berichtigte) Erfahrung der Lauf der Planeten als kreisförmig gegeben ist, und wir finden Verschiedenheiten, so vermuten wir sie in demjenigen, was den Zirkel nach einem beständigen Gesetze durch alle unendlichen Zwischengrade, zu einer dieser abweichenden Umläufe abändern kann, d.i. die Bewegungen der Planeten, die nicht Zirkel sind, werden etwa dessen Eigenschaften mehr oder weniger nahe kommen, und fallen auf die Ellipse. Die Kometen zeigen eine noch größere Verschiedenheit ihrer Bahnen, da sie (soweit Beobachtung reicht) nicht einmal im Kreise zurückkehren; allein wir raten auf einen parabolischen Lauf, der doch mit der Ellipsis verwandt ist, und, wenn die lange Achse der letzteren sehr weit gestreckt ist, in allen
B 691 unseren Beobachtungen von ihr nicht unterschieden werden kann. So kommen wir, nach Anleitung jener Prinzipien, auf Einheit der Gattungen dieser Bahnen in ihrer Gestalt, dadurch aber weiter auf Einheit der Ursache aller Gesetze ihrer Bewegung (die Gravitation), von da wir nachher unsere Eroberungen ausdehnen, und auch alle Varietäten und scheinbare Abweichungen von jenen Regeln aus demselben Prinzip zu erklären suchen, endlich gar mehr hinzufügen, als Erfahrung jemals bestätigen kann, nämlich, uns nach den Regeln der Verwandtschaft selbst hyperbolische Kometenbahnen zu denken, in welchen diese Körper ganz und gar unsere Sonnenwelt verlassen, und, indem sie von Sonne zu Sonne gehen, die entfernteren Teile eines für uns unbegrenzten Weltsystems, das durch eine und dieselbe bewegende Kraft zusammenhängt, in ihrem Laufe vereinigen.
Was bei diesen Prinzipien merkwürdig ist, und uns auch allein beschäftigt, ist dieses: daß sie transzendental zu sein scheinen, und, ob sie gleich bloße Ideen zur Befolgung des empirischen Gebrauchs der Vernunft enthalten, denen der letztere nur gleichsam asymptotisch, d.i. bloß annähernd folgen kann, ohne sie jemals zu erreichen, sie gleichwohl, als synthetische Sätze a priori, objektive, aber unbestimmte Gültigkeit haben, und zur Regel möglicher Erfahrung dienen, auch wirklich in Bearbeitung derselben, als heuristische Grundsätze, mit gutem Glücke gebraucht werden, ohne daß man doch eine transzendentale Deduktion
B 692 derselben zustande bringen kann, welches, wie oben bewiesen worden, in Ansehung der Ideen jederzeit unmöglich ist.
Wir haben in der transzendentalen Analytik unter den Grundsätzen des Verstandes die dynamischen, als bloß regulativen Prinzipien der Anschauung, von den mathematischen, die in Ansehung der letzteren konstitutiv sind, unterschieden. Diesem ungeachtet sind gedachte dynamische Gesetze allerdings konstitutiv in Ansehung der Erfahrung, indem sie die Begriffe, ohne welche keine Erfahrung stattfindet, a priori möglich machen. Prinzipien der reinen Vernunft können dagegen nicht einmal in Ansehung der empirischen Begriffe konstitutiv sein, weil ihnen kein korrespondierendes Schema der Sinnlichkeit gegeben werden kann, und sie also keinen Gegenstand in konkreto haben können. Wenn ich nun von einem solchen empirischen Gebrauch derselben, als konstitutiver Grundsätze, abgehe, wie will ich ihnen dennoch einen regulativen Gebrauch, und mit demselben einige objektive Gültigkeit sichern, und was kann derselbe für Bedeutung haben?
Der Verstand macht für die Vernunft ebenso einen so Gegenstand aus, als die Sinnlichkeit für den Verstand. Die Einheit aller möglichen empirischen Verstandeshandlungen systematisch zu machen, ist ein Geschäft der Vernunft, sowie der Verstand das Mannigfaltige der Erscheinungen durch Begriffe verknüpft und unter empirische Gesetze bringt. Die Verstandeshandlungen aber, ohne Schemate der Sinnlichkeit, sind unbestimmt: ebenso ist die
B 693 Vernunfteinheit auch in Ansehung der Bedingungen, unter denen, und des Grades, wie weit, der Verstand seine Begriffe systematisch verbinden soll, an sich selbst unbestimmt. Allein, obgleich für die durchgängige systematische Einheit aller Verstandesbegriffe kein Schema in der Anschauung ausfindig gemacht werden kann, so kann und muß doch ein Analogon eines solchen Schema gegeben werden, welches die Idee des Maximum der Abteilung und der Vereinigung der Verstandeserkenntnis in einem Prinzip ist. Denn das Größeste und absolut Vollständige läßt sich bestimmt gedenken, weil alle restringierenden Bedingungen, welche unbestimmte Mannigfaltigkeit geben, weggelassen werden. Also ist die Idee der Vernunft ein Analogon von einem Schema der Sinnlichkeit, aber mit dem Unterschiede, daß die Anwendung der Verstandesbegriffe auf das Schema der Vernunft nicht ebenso eine Erkenntnis des Gegenstandes selbst ist (wie bei der Anwendung der Kategorien auf ihre sinnlichen Schemate), sondern nur eine Regel oder Prinzip der systematischen Einheit alles Verstandesgebrauchs. Da nun jeder Grundsatz, der dem Verstande durchgängige Einheit seines Gebrauchs a priori festsetzt, auch, obzwar nur indirekt, von dem Gegenstande der Erfahrung gilt: so werden die Grundsätze der reinen Vernunft auch in Ansehung dieses letzteren objektive Realität haben, allein nicht um etwas an ihnen zu bestimmen, sondern nur um das Verfahren anzuzeigen, nach welchem der empirische und bestimmte
B 694 Erfahrungsgebrauch des Verstandes mit sich selbst durchgängig zusammenstimmend werden kann, dadurch, daß er mit dem Prinzip der durchgängigen Einheit, soviel als möglich, in Zusammenhang gebracht, und davon abgeleitet wird.
Ich nenne alle subjektiven Grundsätze, die nicht von der Beschaffenheit des Objekts, sondern dem Interesse der Vernunft, in Ansehung einer gewissen möglichen Vollkommenheit der Erkenntnis dieses Objekts, hergenommen sind, Maximen der Vernunft. So gibt es Maximen der spekulativen Vernunft, die lediglich auf dem spekulativen Interesse derselben beruhen, ob es zwar scheinen mag, sie wären objektive Prinzipien.
Wenn bloß regulative Grundsätze als konstitutiv betrachtet werden, so können sie als objektive Prinzipien widerstreitend sein; betrachtet man sie aber bloß als Maximen, so ist kein wahrer Widerstreit, sondern bloß ein verschiedenes Interesse der Vernunft, welches die Trennung der Denkungsart verursacht. In der Tat hat die Vernunft nur ein einiges Interesse und der Streit ihrer Maximen ist nur eine Verschiedenheit und wechselseitige Einschränkung der Methoden, diesem Interesse ein Genüge zu tun.
Auf solche Weise vermag bei diesem Vernünftler mehr das Interesse der Mannigfaltigkeit (nach dem Prinzip der Spezifikation), bei jenem aber das Interesse der Einheit (nach dem Prinzip der Aggregation). Ein jeder
B 695 derselben glaubt sein Urteil aus der Einsicht des Objekts zu haben, und gründet es doch lediglich auf der größeren oder kleineren Anhänglichkeit an einen von beiden Grundsätzen, deren keine auf objektiven Gründen beruht, sondern nur auf dem Vernunftinteresse, und die daher besser Maximen als Prinzipien genannt werden könnten. Wenn ich einsehende Männer miteinander wegen der Charakteristik der Menschen, der Tiere oder Pflanzen, ja selbst der Körper des Mineralreichs im Streite sehe, da die einen z.B. besondere und in der Abstammung gegründete Volkscharaktere, oder auch entschiedene und erbliche Unterschiede der Familien, Rassen usw. annehmen, andere dagegen ihren Sinn darauf setzen, daß die Natur in diesem Stücke ganz und gar einerlei Anlagen gemacht habe, und aller Unterschied nur auf äußeren Zufälligkeiten beruhe, so darf ich nur die Beschaffenheit des Gegenstandes in Betrachtung ziehen, um zu begreifen, daß er für beide viel zu tief verborgen liege, als daß sie aus Einsicht in die Natur des Objekts sprechen könnten. Es ist nichts anderes, als das zwiefache Interesse der Vernunft, davon dieser Teil das eine, jener das andere zu Herzen nimmt, oder auch affektiert, mithin die Verschiedenheit der Maximen der Naturmannigfaltigkeit, oder der Natureinheit, welche sich gar wohl vereinigen lassen, aber solange sie für objektive Einsichten gehalten werden, nicht allein Streit, sondern auch Hindernisse veranlassen, welche die Wahrheit lange aufhalten, bis ein Mittel gefunden wird, das
B 696 streitige Interesse zu vereinigen, und die Vernunft hierüber zufrieden zu stellen.
Ebenso ist es mit der Behauptung oder Anfechtung des so berufenen, von Leibniz in Gang gebrachten und durch Bonnet trefflich aufgestutzten Gesetzes der kontinuierlichen Stufenleiter der Geschöpfe bewandt, welche nichts als eine Befolgung des auf dem Interesse der Vernunft beruhenden Grundsatzes der Affinität ist; denn Beobachtung und Einsicht in die Einrichtung der Natur konnte es gar nicht als objektive Behauptung an die Hand geben. Die Sprossen einer solchen Leiter, so wie sie uns Erfahrung angeben kann, stehen viel zu weit auseinander, und unsere vermeintlich kleinen Unterschiede sind gemeiniglich in der Natur selbst so weite Klüfte, daß auf solche Beobachtungen (vornehmlich bei einer großen Mannigfaltigkeit von Dingen, da es immer leicht sein muß, gewisse Ähnlichkeiten und Annäherungen zu finden,) als Absichten der Natur gar nichts zu rechnen ist. Dagegen ist die Methode, nach einem solchen Prinzip Ordnung in der Natur aufzusuchen, und die Maxime, eine solche, obzwar unbestimmt, wo, oder wie weit, in einer Natur überhaupt als gegründet anzusehen, allerdings ein rechtmäßiges und treffliches regulatives Prinzip der Vernunft; welches aber, als ein solches, viel weiter geht, als daß Erfahrung oder Beobachtung ihr gleichkommen könnte, doch ohne etwas zu bestimmen, sondern ihr nur zur systematischen Einheit den Weg vorzuzeichnen.
B 697 Von der Endabsicht der natürlichen Dialektik der menschlichen Vernunft
Die Ideen der reinen Vernunft können nimmermehr an sich selbst dialektisch sein, sondern ihr bloßer Mißbrauch muß es allein machen, daß uns von ihnen ein trüglicher Schein entspringt; denn sie sind uns durch die Natur unserer Vernunft aufgegeben, und dieser oberste Gerichtshof aller Rechte und Ansprüche unserer Spekulation kann unmöglich selbst ursprüngliche Täuschungen und Blendwerke enthalten. Vermutlich werden sie also ihre gute und zweckmäßige Bestimmung in der Naturanlage unserer Vernunft haben. Der Pöbel der Vernünftler schreit aber, wie gewöhnlich, über Ungereimtheit und Widersprüche, und schmäht auf die Regierung, in deren innerste Pläne er nicht zu dringen vermag, deren wohltätigen Einflüssen er auch selbst seine Erhaltung und sogar die Kultur verdanken sollte, die ihn in den Stand setzt, sie zu tadeln und zu verurteilen.
Man kann sich eines Begriffs a priori mit keiner Sicherheit bedienen, ohne seine transzendentale Deduktion zustande gebracht zu haben. Die Ideen der reinen Vernunft verstatten zwar keine Deduktion von der Art, als die Kategorien; sollen sie aber im mindesten einige, wenn auch nur unbestimmte, objektive Gültigkeit haben, und nicht bloß leere Gedankendinge (entia rationis ratiocinantis) vorstellen,
B 698 so muß durchaus eine Deduktion derselben möglich sein, gesetzt, daß sie auch von derjenigen weit abwichen die man mit den Kategorien vornehmen kann. Das ist die Vollendung des kritischen Geschäftes der reinen Vernunft, und dieses wollen wir jetzt übernehmen.
Es ist ein großer Unterschied, ob etwas meiner Vernunft als ein Gegenstand schlechthin, oder nur als ein Gegenstand in der Idee gegeben wird. In dem ersteren Falle gehen meine Begriffe dahin, den Gegenstand zu bestimmen; im zweiten ist es wirklich nur ein Schema, dem direkt kein Gegenstand, auch nicht einmal hypothetisch zugegeben wird, sondern welches nur dazu dient, um andere Gegenstände, vermittelst der Beziehung auf diese Idee, nach ihrer systematischen Einheit, mithin indirekt uns vorzustellen. So sage ich, der Begriff einer höchsten Intelligenz ist eine bloße Idee, d.i. seine objektive Realität soll nicht darin bestehen, daß er sich geradezu auf einen Gegenstand bezieht (denn in solcher Bedeutung würden wir seine objektive Gültigkeit nicht rechtfertigen können), sondern er ist nur ein nach Bedingungen der größten Vernunfteinheit geordnetes Schema, von dem Begriffe eines Dinges überhaupt, welches nur dazu dient, um die größte systematische Einheit im empirischen Gebrauche unserer Vernunft zu erhalten, indem man den Gegenstand der Erfahrung gleichsam von dem eingebildeten Gegenstande dieser Idee, als seinem Grunde, oder Ursache, ableitet. Alsdann heißt es z.B. die Dinge der Welt müssen
B 699 so betrachtet werden, als ob sie von einer höchsten Intelligenz ihr Dasein hätten. Auf solche Weise ist die Idee eigentlich nur ein heuristischer und nicht ostensiver Begriff, und zeigt an, nicht wie ein Gegenstand beschaffen ist, sondern wie wir, unter der Leitung desselben, die Beschaffenheit und Verknüpfung der Gegenstände der Erfahrung überhaupt suchen sollen. Wenn man nun zeigen kann, daß, obgleich die dreierlei transzendentalen Ideen (psychologische, kosmologische, und theologische) direkt auf keinen ihnen korrespondierenden Gegenstand und dessen Bestimmung bezogen werden, dennoch alle Regeln des empirischen Gebrauchs der Vernunft unter Voraussetzung eines solchen Gegenstandes in der Idee auf systematische Einheit führen und die Erfahrungserkenntnis jederzeit erweitern, niemals aber derselben zuwider sein können: so ist es eine notwendige Maxime der Vernunft, nach dergleichen Ideen zu verfahren. Und dieses ist die transzendentale Deduktion aller Ideen der spekulativen Vernunft, nicht als konstitutiver Prinzipien der Erweiterung unserer Erkenntnis über mehr Gegenstände, als Erfahrung geben kann, sondern als regulativer Prinzipien der systematischen Einheit des Mannigfaltigen der empirischen Erkenntnis überhaupt, welche dadurch in ihren eigenen Grenzen mehr angebaut und berichtigt wird, als es ohne solche Ideen durch den bloßen Gebrauch der Verstandesgrundsätze geschehen könnte.
B 700 Ich will dieses deutlicher machen. Wir wollen den genannten Ideen als Prinzipien zufolge erstlich (in der Psychologie) alle Erscheinungen, Handlungen und Empfänglichkeit unseres Gemüts an dem Leitfaden der inneren Erfahrung so verknüpfen, als ob dasselbe eine einfache Substanz wäre, die, mit persönlicher Identität, beharrlich (wenigstens im Leben) existiert, indessen daß ihre Zustände, zu welcher die des Körpers nur als äußere Bedingungen gehören, kontinuierlich wechseln. Wir müssen zweitens (in der Kosmologie) die Bedingungen, der inneren sowohl als der äußeren Naturerscheinungen, in einer solchen nirgend zu vollendenden Untersuchung verfolgen, als ob dieselbe an sich unendlich und ohne ein erstes oder oberstes Glied sei, obgleich wir darum, außerhalb aller Erscheinungen, die bloß intelligiblen ersten Gründe derselben nicht leugnen, aber sie doch niemals in den Zusammenhang der Naturerklärungen bringen dürfen, weil wir sie gar nicht kennen. Endlich und drittens müssen wir (in Ansehung der Theologie) alles, was nur immer in den Zusammenhang der möglichen Erfahrung gehören mag, so betrachten, als ob diese eine absolute, aber durch und durch abhängige und immer noch innerhalb der Sinnenwelt bedingte Einheit ausmache, doch aber zugleich, als ob der Inbegriff aller Erscheinungen (die Sinnenwelt selbst) einen einzigen obersten und allgenugsamen Grund außer ihrem Umfange habe, nämlich eine gleichsam selbstständige, ursprüngliche und schöpferische Vernunft, in Beziehung auf welche wir allen
B 701 empirischen Gebrauch unserer Vernunft in seiner größten Erweiterung so richten, als ob die Gegenstände selbst aus jenem Urbilde aller Vernunft entsprungen wären, das heißt: nicht von einer einfachen denkenden Substanz die inneren Erscheinungen der Seele, sondern nach der Idee eines einfachen Wesens jene voneinander ableiten; nicht von einer höchsten Intelligenz die Weltordnung und systematische Einheit derselben ableiten, sondern von der Idee einer höchstweisen Ursache die Regel hernehmen, nach welcher die Vernunft bei der Verknüpfung der Ursachen und Wirkungen in der Welt zu ihrer eigenen Befriedigung am besten zu brauchen sei.
Nun ist nicht das mindeste, was uns hindert, diese Ideen auch als objektiv und hypostatisch anzunehmen, außer allein die kosmologische, wo die Vernunft auf eine Antinomie stößt, wenn sie solche zustande bringen will (die psychologische und theologische enthalten dergleichen gar nicht). Denn ein Widerspruch ist in ihnen nicht, wie sollte uns daher jemand ihre objektive Realität streiten können, da er von ihrer Möglichkeit ebensowenig weiß, um sie zu verneinen, als wir, um sie zu bejahen. Gleichwohl ist's, um etwas anzunehmen, noch nicht genug, daß kein positives Hindernis dawider ist, und es kann uns nicht erlaubt sein, Gedankenwesen, welche alle unsere Begriffe übersteigen, obgleich keinem widersprechen, auf den bloßen Kredit der ihr Geschäft gern vollendenden spekulativen Vernunft, als wirkliche und bestimmte Gegenstände
B 702 einzuführen. Also sollen sie an sich selbst nicht angenommen werden, sondern nur ihre Realität, als eines Schema des regulativen Prinzips der systematischen Einheit aller Naturerkenntnis, gelten, mithin sollen sie nur als Analoga von wirklichen Dingen, aber nicht als solche an sich selbst zum Grunde gelegt werden. Wir heben von dem Gegenstande der Idee die Bedingungen auf, welche unseren Verstandesbegriff einschränken, die aber es auch allein möglich machen, daß wir von irgendeinem Dinge einen bestimmten Begriff haben können. Und nun denken wir uns ein Etwas, wovon wir, was es an sich selbst sei, gar keinen Begriff haben, aber wovon wir uns doch ein Verhältnis zu dem Inbegriffe der Erscheinungen denken, das demjenigen analogisch ist, welches die Erscheinungen untereinander haben.
Wenn wir demnach solche idealische Wesen annehmen, so erweitern wir eigentlich nicht unsere Erkenntnis über die Objekte möglicher Erfahrung, sondern nur die empirische Einheit der letzteren, durch die systematische Einheit, wozu uns die Idee das Schema gibt, welche mithin nicht als konstitutives, sondern bloß als regulatives Prinzip gilt. Denn, daß wir ein der Idee korrespondierendes Ding, ein Etwas, oder wirkliches Wesen setzen, dadurch ist nicht gesagt, wir wollten unsere Erkenntnis der Dinge mit transzendenten Begriffen erweitern; denn dieses Wesen wird nur in der Idee und nicht an sich selbst zum Grunde gelegt, mithin nur um die systematische
B 703 Einheit auszudrücken, die uns zur Richtschnur des empirischen Gebrauchs der Vernunft dienen soll, ohne doch etwas darüber auszumachen, was der Grund dieser Einheit, oder die innere Eigenschaft eines solchen Wesens sei, auf welchem, als Ursache, sie beruhe.
So ist der transzendentale und einzige bestimmte Begriff, den uns die bloß spekulative Vernunft von Gott gibt, im genauesten Verstande deistisch, d.i. die Vernunft gibt nicht einmal die objektive Gültigkeit eines solchen Begriffs, sondern nur die Idee von Etwas an die Hand, worauf alle empirische Realität ihre höchste und notwendige Einheit gründet, und welches wir uns nicht anders, als nach der Analogie einer wirklichen Substanz, welche nach Vernunftgesetzen die Ursache aller Dinge sei, denken können, wofern wir es ja unternehmen, es überall als einen besonderen Gegenstand zu denken, und nicht lieber, mit der bloßen Idee des regulativen Prinzips der Vernunft zufrieden, die Vollendung aller Bedingungen des Denkens, als überschwenglich für den menschlichen Verstand, beiseite setzen wollen, welches aber mit der Absicht einer vollkommenen systematischen Einheit in unserem Erkenntnis, der wenigstens die Vernunft keine Schranken setzt, nicht zusammen bestehen kann.
Daher geschieht's nun, daß, wenn ich ein göttliches Wesen annehme, ich zwar weder von der inneren Möglichkeit seiner höchsten Vollkommenheit, noch der Notwendigkeit seines Daseins, den mindesten Begriff habe,
B 704 aber alsdann doch allen anderen Fragen, die das Zufällige betreffen, ein Genüge tun kann, und der Vernunft die vollkommenste Befriedigung in Ansehung der nachzuforschenden größten Einheit in ihrem empirischen Gebrauche, aber nicht in Ansehung dieser Voraussetzung selbst, verschaffen kann; welches beweist, daß ihr spekulatives Interesse und nicht ihre Einsicht sie berechtige, von einem Punkte, der so weit über ihrer Sphäre liegt, auszugehen, um daraus ihre Gegenstände in einem vollständigen Ganzen zu betrachten.
Hier zeigt sich nun ein Unterschied der Denkungsart, bei einer und derselben Voraussetzung, der ziemlich subtil, aber gleichwohl in der Transzendentalphilosophie von großer Wichtigkeit ist. Ich kann genugsamen Grund haben, etwas relativ anzunehmen (suppositio relativa), ohne doch befugt zu sein, es schlechthin anzunehmen (suppositio absoluta). Diese Unterscheidung trifft zu, wenn es bloß um ein regulatives Prinzip zu tun ist, wovon wir zwar die Notwendigkeit an sich selbst, aber nicht den Quell derselben erkennen, und dazu wir einen obersten Grund bloß in der Absicht annehmen, um desto bestimmter die Allgemeinheit des Prinzips zu denken, als z.B. wenn ich mir ein Wesen als existierend denke, das einer bloßen und zwar transzendentalen Idee korrespondiert. Denn, da kann ich das Dasein dieses Dinges niemals an sich selbst annehmen, weil keine Begriffe, dadurch ich mir irgend
B 705 einen Gegenstand bestimmt denken kann, dazu gelangen, und die Bedingungen der objektiven Gültigkeit meiner Begriffe durch die Idee selbst ausgeschlossen sind. Die Begriffe der Realität, der Substanz, der Kausalität, selbst die der Notwendigkeit im Dasein, haben, außer dem Gebrauche, da sie die empirische Erkenntnis eines Gegenstandes möglich machen, gar keine Bedeutung, die irgendein Objekt bestimmte. Sie können also zwar zu Erklärung der Möglichkeit der Dinge in der Sinnenwelt, aber nicht der Möglichkeit eines Weltganzen selbst gebraucht werden, weil dieser Erklärungsgrund außerhalb der Welt und mithin kein Gegenstand einer möglichen Erfahrung sein müßte. Nun kann ich gleichwohl ein solches unbegreifliches Wesen, den Gegenstand einer bloßen Idee, relativ auf die Sinnenwelt, obgleich nicht an sich selbst, annehmen. Denn, wenn dem größtmöglichen empirischen Gebrauche meiner Vernunft eine Idee (der systematisch vollständigen Einheit, von der ich bald bestimmter reden werde) zum Grunde liegt, die an sich selbst niemals adäquat in der Erfahrung kann dargestellt werden, ob sie gleich, um die empirische Einheit dem höchstmöglichen Grade zu nähern, unumgänglich notwendig ist, so werde ich nicht allein befugt, sondern auch genötigt sein, diese Idee zu realisieren, d.i. ihr einen wirklichen Gegenstand zu setzen, aber nur als ein Etwas überhaupt, das ich an sich selbst gar nicht kenne, und dem ich nur, als einem Grunde jener systematischen Einheit, in Beziehung auf diese letztere solche Eigenschaft gebe,
B 706 als den Verstandesbegriffen im empirischen Gebrauche analogisch sind. Ich werde mir also nach der Analogie der Realitäten in der Welt der Substanzen, der Kausalität und der Notwendigkeit, ein Wesen denken, das alles dieses in der höchsten Vollkommenheit besitzt, und, indem diese Idee bloß auf meiner Vernunft beruht, dieses Wesen als selbstständige Vernunft, was durch Ideen der größten Harmonie und Einheit, Ursache vom Weltganzen ist, denken können, so daß ich alle, die Idee einschränkenden, Bedingungen weglasse, lediglich um, unter dem Schutze eines solchen Urgrundes, systematische Einheit des Mannigfaltigen im Weltganzen, und, vermittelst derselben, den größtmöglichen empirischen Vernunftgebrauch möglich zu machen, indem ich alle Verbindungen so ansehe, als ob sie Anordnungen einer höchsten Vernunft wären, von der die unsrige ein schwaches Nachbild ist. Ich denke mir alsdann dieses höchste Wesen durch lauter Begriffe, die eigentlich nur in der Sinnenwelt ihre Anwendung haben; da ich aber auch jene transzendentale Voraussetzung zu keinem anderen als relativen Gebrauch habe, nämlich, daß sie das Substratum der größtmöglichen Erfahrungseinheit abgeben solle, so darf ich ein Wesen, das ich von der Welt unterscheide, ganz wohl durch Eigenschaften denken, die lediglich zur Sinnenwelt gehören. Denn ich verlange keineswegs, und bin auch nicht befugt es zu verlangen, diesen Gegenstand meiner Idee, nach dem, was er an sich sein mag, zu erkennen; denn dazu habe ich keine
B 707 Begriffe, und selbst die Begriffe von Realität, Substanz, Kausalität, ja sogar der Notwendigkeit im Dasein, verlieren alle Bedeutung, und sind leere Titel zu Begriffen, ohne allen Inhalt, wenn ich mich außer dem Felde der Sinne damit hinauswage. Ich denke mir nur die Relation eines mir an sich ganz unbekannten Wesens zur größten systematischen Einheit des Weltganzen, lediglich um es zum Schema des regulativen Prinzips des größtmöglichen empirischen Gebrauchs meiner Vernunft zu machen.
Werfen wir unseren Blick nun auf den transzendentalen Gegenstand unserer Idee, so sehen wir, daß wir seine Wirklichkeit nach den Begriffen von Realität, Substanz, Kausalität usw. an sich selbst nicht voraussetzen können, weil diese Begriffe auf etwas, das von der Sinnenwelt ganz unterschieden ist, nicht die mindeste Anwendung haben. Also ist die Supposition der Vernunft von einem höchsten Wesen, als oberster Ursache, bloß relativ, zum Behuf der systematischen Einheit der Sinnenwelt gedacht, und ein bloßes Etwas in der Idee, wovon wir, was es an sich sei, keinen Begriff haben. Hierdurch erklärt sich auch, woher wir zwar in Beziehung auf das, was existierend den Sinnen gegeben ist, der Idee eines an sich notwendigen Urwesens bedürfen, niemals aber von diesem und seiner absoluten Notwendigkeit den mindesten Begriff haben können.
Nunmehr können wir das Resultat der ganzen transzendentalen Dialektik deutlich vor Augen stellen, und die
B 708 Endabsicht der Ideen der reinen Vernunft, die nur durch Mißverstand und Unbehutsamkeit dialektisch werden, genau bestimmen. Die reine Vernunft ist in der Tat mit nichts als sich selbst beschäftigt, und kann auch kein anderes Geschäft haben, weil ihr nicht die Gegenstände zur Einheit des Erfahrungsbegriffs, sondern die Verstandeserkenntnisse zur Einheit des Vernunftbegriffs, d.i. des Zusammenhanges in einem Prinzip gegeben werden. Die Vernunfteinheit ist die Einheit des Systems, und diese systematische Einheit dient der Vernunft nicht objektiv zu einem Grundsatze, um sie über die Gegenstände, sondern subjektiv als Maxime, um sie über alles mögliche empirische Erkenntnis der Gegenstände zu verbreiten. Gleichwohl befördert der systematische Zusammenhang, den die Vernunft dem empirischen Verstandesgebrauche geben kann, nicht allein dessen Ausbreitung, sondern bewährt auch zugleich die Richtigkeit desselben, und das Prinzipium einer solchen systematischen Einheit ist auch objektiv, aber auf unbestimmte Art (principium vagum), nicht als konstitutives Prinzip, um etwas in Ansehung seines direkten Gegenstandes zu bestimmen, sondern um, als bloß regulativer Grundsatz und Maxime, den empirischen Gebrauch der Vernunft durch Eröffnung neuer Wege, die der Verstand nicht kennt, ins Unendliche (Unbestimmte) zu befördern und zu befestigen, ohne dabei jemals den Gesetzen des empirischen Gebrauchs im mindesten zuwider zu sein.
B 709 Die Vernunft kann aber diese systematische Einheit nicht anders denken, als daß sie ihrer Idee zugleich einen Gegenstand gibt, der aber durch keine Erfahrung gegeben werden kann; denn Erfahrung gibt niemals ein Beispiel vollkommener systematischer Einheit. Dieses Vernunftwesen (ens rationis ratiocinatae) ist nun zwar eine bloße Idee, und wird also nicht schlechthin und an sich selbst als etwas Wirkliches angenommen, sondern nur problematisch zum Grunde gelegt (weil wir es durch keine Verstandesbegriffe erreichen können), um alle Verknüpfung der Dinge der Sinnenwelt so anzusehen, als ob sie in diesem Vernunftwesen ihren Grund hätten, lediglich aber in der Absicht, um darauf die systematische Einheit zu gründen, die der Vernunft unentbehrlich, der empirischen Verstandeserkenntnis aber auf alle Weise beförderlich und ihr gleichwohl niemals hinderlich sein kann.
Man verkennt sogleich die Bedeutung dieser Idee, wenn man sie für die Behauptung, oder auch nur die Voraussetzung einer wirklichen Sache hält, welcher man den Grund der systematischen Weltverfassung zuzuschreiben gedächte; vielmehr läßt man es gänzlich unausgemacht, was der unseren Begriffen sich entziehende Grund derselben an sich für Beschaffenheit habe, und setzt sich nur eine Idee zum Gesichtspunkte, aus welchem einzig und allein man jene, der Vernunft so wesentliche und dem Verstande so heilsame, Einheit verbreiten kann; mit einem Worte:
B 710 dieses transzendentale Ding ist bloß das Schema jenes regulativen Prinzips, wodurch die Vernunft, so viel an ihr ist, systematische Einheit über alle Erfahrung verbreitet. Das erste Objekt einer solchen Idee bin ich selbst, bloß als denkende Natur (Seele) betrachtet. Will ich die Eigenschaften, mit denen ein denkendes Wesen an sich existiert, aufsuchen, so muß ich die Erfahrung befragen, und selbst von allen Kategorien kann ich keine auf diesen Gegenstand anwenden, als insofern das Schema derselben in der sinnlichen Anschauung gegeben ist. Hiermit gelange ich aber niemals zu einer systematischen Einheit aller Erscheinungen des inneren Sinnes. Statt des Erfahrungsbegriffs also (von dem, was die Seele wirklich ist), der uns nicht weit führen kann, nimmt die Vernunft den Begriff der empirischen Einheit alles Denkens, und macht dadurch, daß sie diese Einheit unbedingt und ursprünglich denkt, aus demselben einen Vernunftbegriff (Idee) von einer einfachen Substanz, die an sich selbst unwandelbar (persönlich identisch), mit anderen wirklichen Dingen außer ihr in Gemeinschaft stehe; mit einem Worte: von einer einfachen selbständigen Intelligenz. Hierbei aber hat sie nichts anderes vor Augen, als Prinzipien der systematischen Einheit in Erklärung der Erscheinungen der Seele, nämlich: alle Bestimmungen, als in einem einigen Subjekte, alle Kräfte, so viel möglich, als abgeleitet von einer einigen Grundkraft, allen Wechsel, als gehörig zu den Zuständen
B 711 eines und desselben beharrlichen Wesens zu betrachten, und alle Erscheinungen im Raume, als von den Handlungen des Denkens ganz unterschieden vorzustellen. Jene Einfachheit der Substanz usw. sollte nur das Schema zu diesem regulativen Prinzip sein, und wird nicht vorausgesetzt, als sei sie der wirkliche Grund der Seeleneigenschaften. Denn diese können auch auf ganz anderen Gründen beruhen, die wir gar nicht kennen, wie wir denn die Seele auch durch diese angenommenen Prädikate eigentlich nicht an sich selbst erkennen könnten, wenn wir sie gleich von ihr schlechthin wollten gelten lassen, indem sie eine bloße Idee ausmachen, die in concreto gar nicht vorgestellt werden kann. Aus einer solchen psychologischen Idee kann nun nichts anderes als Vorteil entspringen, wenn man sich nur hütet, sie für etwas mehr als bloße Idee, d.i. bloß relativisch auf den systematischen Vernunftsgebrauch in Ansehung der Erscheinungen unserer Seele, gelten zu lassen. Denn da mengen sich keine empirischen Gesetze körperlicher Erscheinungen, die ganz von anderer Art sind, in die Erklärungen dessen, was bloß für den inneren Sinn gehört; da werden keine windigen Hypothesen, von Erzeugung, Zerstörung und Palingenesie der Seelen usw. zugelassen; also wird die Betrachtung dieses Gegenstandes des inneren Sinnes ganz rein und unvermengt mit ungleichartigen Eigenschaften angestellt, überdem die Vernunftuntersuchung darauf gerichtet, die Erklärungsgründe in diesem Subjekte, so weit es möglich ist, auf ein einziges Prinzip hinaus zu
B 712 führen, welches alles durch ein solches Schema, als ob es ein wirkliches Wesen wäre, am besten, ja sogar einzig und allein, bewirkt wird. Die psychologische Idee kann auch nichts anderes als das Schema eines regulativen Begriffs bedeuten. Denn, wollte ich auch nur fragen, ob die Seele nicht an sich geistiger Natur sei, so hätte diese Frage gar keinen Sinn. Denn durch einen solchen Begriff nehme ich nicht bloß die körperliche Natur, sondern überhaupt alle Natur weg, d.i. alle Prädikate irgendeiner möglichen Erfahrung, mithin alle Bedingungen, zu einem solchen Begriffe einen Gegenstand zu denken, als welches doch einzig und allein es macht, daß man sagt, er habe einen Sinn.
Die zweite regulative Idee der bloß spekulativen Vernunft ist der Weltbegriff überhaupt. Denn Natur ist eigentlich nur das einzige gegebene Objekt, in Ansehung dessen die Vernunft regulative Prinzipien bedarf. Diese Natur ist zwiefach, entweder die denkende, oder die körperliche Natur. Allein zu der letzteren, um sie ihrer inneren Möglichkeit nach zu denken, d.i. die Anwendung der Kategorien auf dieselbe zu bestimmen, bedürfen wir keiner Idee, d.i. einer die Erfahrung übersteigenden Vorstellung; es ist auch keine in Ansehung derselben möglich, weil wir darin bloß durch sinnliche Anschauung geleitet werden, und nicht wie in dem psychologischen Grundbegriffe (Ich), welcher eine gewisse Form des Denkens, nämlich die Einheit desselben, a priori enthält. Also bleibt uns für die
B 713 reine Vernunft nichts übrig, als Natur überhaupt, und die Vollständigkeit der Bedingungen in derselben nach irgendeinem Prinzip. Die absolute Totalität der Reihen dieser Bedingungen, in der Ableitung ihrer Glieder, ist eine Idee, die zwar im empirischen Gebrauche der Vernunft niemals völlig zustande kommen kann, aber doch zur Regel dient, wie wir in Ansehung derselben verfahren sollen, nämlich in der Erklärung gegebener Erscheinungen (im Zurückgehen oder Aufsteigen) so, als ob die Reihe an sich unendlich wäre, d.i. in indefinitum, aber wo die Vernunft selbst als bestimmende Ursache betrachtet wird (in der Freiheit), also bei praktischen Prinzipien, als ob wir nicht ein Objekt der Sinne, sondern des reinen Verstandes vor uns hätten, wo die Bedingungen nicht mehr in der Reihe der Erscheinungen, sondern außer derselben gesetzt werden können, und die Reihe der Zustände angesehen werden kann, als ob sie schlechthin (durch eine intelligible Ursache) angefangen würde; welches alles beweist, daß die kosmologischen Ideen nichts als regulative Prinzipien, und weit davon entfernt sind, gleichsam konstitutiv, eine wirkliche Totalität solcher Reihen zu setzen. Das übrige kann man an seinem Orte unter der Antinomie der reinen Vernunft suchen.
Die dritte Idee der reinen Vernunft, welche eine bloß relative Supposition eines Wesens enthält, als der einigen und allgenugsamen Ursache aller kosmologischen Reihen, ist der Vernunftbegriff von Gott. Den Gegenstand
B 714 dieser Idee, haben wir nicht den mindesten Grund, schlechthin anzunehmen (an sich zu supponieren); denn was kann uns wohl dazu vermögen, oder auch nur berechtigen, ein Wesen von der höchsten Vollkommenheit, und als seiner Natur nach schlechthin notwendig, aus dessen bloßem Begriffe an sich selbst zu glauben, oder zu behaupten, wäre es nicht die Welt, in Beziehung auf welche diese Supposition allein notwendig sein kann; und da zeigt es sich klar, daß die Idee desselben, so wie alle spekulativen Ideen, nichts weiter sagen wolle, als daß die Vernunft gebiete, alle Verknüpfung der Welt nach Prinzipien einer systematischen Einheit zu betrachten, mithin als ob sie insgesamt aus einem einzigen allbefassenden Wesen, als oberster und allgenugsamer Ursache, entsprungen wären. Hieraus ist klar, daß die Vernunft hierbei nichts als ihre eigene formale Regel in Erweiterung ihres empirischen Gebrauchs zur Absicht haben könne, niemals aber eine Erweiterung über alle Grenzen des empirischen Gebrauchs, folglich unter dieser Idee kein konstitutives Prinzip ihres auf mögliche Erfahrung gerichteten Gebrauchs verborgen liege.
Diese höchste formale Einheit, welche allein auf Vernunftbegriffen beruht, ist die zweckmäßige Einheit der Dinge, und das spekulative Interesse der Vernunft macht es notwendig, alle Anordnung in der Welt so anzusehen, als ob sie aus der Absicht einer allerhöchsten Vernunft entsprossen wäre. Ein solches Prinzip eröffnet nämlich unserer
B 715 auf das Feld der Erfahrungen angewandten Vernunft ganz neue Aussichten, nach teleologischen Gesetzen die Dinge der Welt zu verknüpfen, und dadurch zu der größten systematischen Einheit derselben zu gelangen. Die Voraussetzung einer obersten Intelligenz, als der alleinigen Ursache des Weltganzen, aber freilich bloß in der Idee, kann also jederzeit der Vernunft nutzen und dabei doch niemals schaden. Denn, wenn wir in Ansehung der Figur der Erde (der runden, doch etwas abgeplatteten)*, der Gebirge und Meere usw. lauter weise Absichten eines Urhebers zum voraus annehmen, so können wir auf diesem Wege eine Menge von Entdeckungen machen. Bleiben wir nur bei dieser Voraussetzung, als einem bloß regulativen Prinzip, so kann selbst der Irrtum uns nicht schaden. Denn es kann allenfalls daraus nichts weiter folgen, als daß, wo wir einen teleologischen Zusammenhang (nexus finalis) erwarteten, ein bloß mechanischer oder physischer (nexus effectivus)
B 716 angetroffen werde, wodurch wir, in einem solchen Falle, nur eine Einheit mehr vermissen, aber nicht die Vernunfteinheit in ihrem empirischen Gebrauche verderben. Aber sogar dieser Querstrich kann das Gesetz selbst in allgemeiner und teleologischer Absicht überhaupt nicht treffen. Denn, obzwar ein Zergliederer eines Irrtums überführt werden kann, wenn er irgend ein Gliedmaß eines tierischen Körpers auf einen Zweck bezieht, von welchem man deutlich zeigen kann, daß er daraus nicht erfolge: so ist es doch gänzlich unmöglich, in einem Falle zu beweisen, daß eine Natureinrichtung, es mag sein welche es wolle, ganz und gar keinen Zweck habe. Daher erweitert auch die Physiologie (der Ärzte) ihre sehr eingeschränkte empirische Kenntnis von den Zwecken des Gliederbaues eines organischen Körpers durch einen Grundsatz, welchen bloß reine Vernunft eingab, so weit, daß man darin ganz dreist und zugleich mit aller Verständigen Einstimmung annimmt, es habe alles an dem Tiere seinen Nutzen und gute Absicht; welche Voraussetzung, wenn sie konstitutiv sein sollte, viel weiter geht, als uns bisherige Beobachtung berechtigen kann; woraus denn zu ersehen ist, daß sie nichts als ein regulatives Prinzip der Vernunft sei, um zur höchsten systematischen Einheit, vermittelst der Idee der zweckmäßigen Kausalität der obersten Weltursache, und, als ob diese, als höchste Intelligenz, nach der weisesten Absicht die Ursache von allem sei, zu gelangen.
* Der Vorteil, den eine kugelichte Erdgestalt schafft, ist bekannt genug; aber wenige wissen, daß ihre Abplattung, als eines Sphäroids, es allein verhindert, daß nicht die Hervorragungen des festen Landes, oder auch kleinerer, vielleicht durch Erdbeben aufgeworfener Berge, die Achse der Erde kontinuierlich und in nicht eben langer Zeit ansehnlich verrücken, wäre nicht die Aufschwellung der Erde unter der Linie ein so gewaltiger Berg, den der Schwung jedes anderen Berges niemals merklich aus seiner Lage in Ansehung der Achse bringen kann. Und doch erklärt man diese weise Anstalt ohne Bedenken aus dem Gleichgewicht der ehemals flüssigen Erdmasse.
B 717 Gehen wir aber von dieser Restriktion der Idee auf den bloß regulativen Gebrauch ab, so wird die Vernunft auf so mancherlei Weise irregeführt, indem sie alsdann den Boden der Erfahrung, der doch die Merkzeichen ihres Ganges enthalten muß, verläßt, und sich über denselben zu dem Unbegreiflichen und Unerforschlichen hinwagt, über dessen Höhe sie notwendig schwindlicht wird, weil sie sich aus dem Standpunkte desselben von allem mit der Erfahrung stimmigen Gebrauch gänzlich abgeschnitten sieht.
Der erste Fehler, der daraus entspringt, daß man die Idee eines höchsten Wesens nicht bloß regulativ, sondern (welches der Natur einer Idee zuwider ist) konstitutiv braucht, ist die faule Vernunft (ignava ratio)*. Man kann jeden Grundsatz so nennen, welcher macht, daß man seine Naturuntersuchung, wo es auch sei, für
B 718 schlechthin vollendet ansieht, und die Vernunft sich also zur Ruhe begibt, als ob sie ihr Geschäft völlig ausgerichtet habe. Daher selbst die psychologische Idee, wenn sie als ein konstitutives Prinzip für die Erklärung der Erscheinungen unserer Seele, und hernach gar, zur Erweiterung unserer Erkenntnis dieses Subjekts, noch über alle Erfahrung hinaus (ihren Zustand nach dem Tode) gebraucht wird, es der Vernunft zwar sehr bequem macht, aber auch allen Naturgebrauch derselben nach der Leitung der Erfahrungen ganz verdirbt und zugrunde richtet. So erklärt der dogmatische Spiritualist die durch allen Wechsel der Zustände unverändert bestehende Einheit der Person aus der Einheit der denkenden Substanz, die er in dem Ich unmittelbar wahrzunehmen glaubt, das Interesse, was wir an Dingen nehmen, die sich allererst nach unserem Tode zutragen sollen, aus dem Bewußtsein der immateriellen Natur unseres denkenden Subjekts usw. und überhebt sich aller Naturuntersuchung der Ursache dieser unserer inneren Erscheinungen aus physischen Erklärungsgründen, indem er gleichsam durch den Machtspruch einer transzendenten Vernunft die immanenten Erkenntnisquellen der Erfahrung, zum Behuf seiner Gemächlichkeit, aber mit Einbuße aller Einsicht, vorbeigeht. Noch deutlicher fällt diese nachteilige Folge bei dem Dogmatismus unserer Idee von einer höchsten Intelligenz und dem darauf fälschlich gegründeten theologischen System der Natur
B 719 (Physikotheologie) in die Augen. Denn da dienen alle sich in der Natur zeigenden, oft nur von uns selbst dazu gemachten Zwecke dazu, es uns in der Erforschung der Ursachen recht bequem zu machen, nämlich, anstatt sie in den allgemeinen Gesetzen des Mechanismus der Materie zu suchen, sich geradezu auf den unerforschlichen Ratschluß der höchsten Weisheit zu berufen, und die Vernunftbemühung alsdann für vollendet anzusehen, wenn man sich ihres Gebrauchs überhebt, der doch nirgend einen Leitfaden findet, als wo ihn uns die Ordnung der Natur und die Reihe der Veränderungen, nach ihren inneren und allgemeineren Gesetzen, an die Hand gibt. Dieser Fehler kann vermieden werden, wenn wir nicht bloß einige Naturstücke, als z.B. die Verteilung des festen Landes, das Bauwerk desselben, und die Beschaffenheit und Lage der Gebirge, oder wohl gar nur die Organisation im Gewächs- und Tierreiche aus dem Gesichtspunkte der Zwecke betrachten, sondern diese systematische Einheit der Natur, in Beziehung auf die Idee einer höchsten Intelligenz, ganz allgemein machen. Denn alsdann legen wir eine Zweckmäßigkeit nach allgemeinen Gesetzen der Natur zum Grunde, von denen keine besondere Einrichtung ausgenommen, sondern nur mehr oder weniger kenntlich für uns ausgezeichnet worden, und haben ein regulatives Prinzip der systematischen Einheit einer teleologischen Verknüpfung, die wir aber nicht zum voraus bestimmen, sondern nur in Erwartung
B 720 derselben die physischmechanische Verknüpfung nach allgemeinen Gesetzen verfolgen dürfen. Denn so allein kann das Prinzip der zweckmäßigen Einheit den Vernunftgebrauch in Ansehung der Erfahrung jederzeit erweitern, ohne ihm in irgendeinem Falle Abbruch zu tun.
* So nannten die alten Dialektiker einen Trugschluß, der so lautete: Wenn es dein Schicksal mit sich bringt, du sollst von dieser Krankheit genesen, so wird es geschehen, du magst einen Arzt brauchen, oder nicht. Cicero sagt, daß diese Art zu schließen ihren Namen daher habe, daß, wenn man ihr folgt, gar kein Gebrauch der Vernunft im Leben übrig bleibe. Dieses ist die Ursache, warum ich das sophistische Argument der reinen Vernunft mit demselben Namen belege.
Der zweite Fehler, der aus der Mißdeutung des gedachten Prinzips der systematischen Einheit entspringt, ist der der verkehrten Vernunft (perversa ratio, ysteron proteron rationis). Die Idee der systematischen Einheit sollte nur dazu dienen, um als regulatives Prinzip sie in der Verbindung der Dinge nach allgemeinen Naturgesetzen zu suchen, und, soweit sich etwas davon auf dem empirischen Wege antreffen läßt, um so viel auch zu glauben, daß man sich der Vollständigkeit ihres Gebrauchs genähert habe, ob man sie freilich niemals erreichen wird. Anstatt dessen kehrt man die Sache um, und fängt davon an, daß man die Wirklichkeit eines Prinzips der zweckmäßigen Einheit als hypostatisch zum Grunde legt, den Begriff einer solchen höchsten Intelligenz, weil er an sich gänzlich unerforschlich ist, anthropomorphistisch bestimmt, und dann der Natur Zwecke, gewaltsam und diktatorisch, aufdringt, anstatt sie, wie billig, auf dem Wege der physischen Nachforschung zu suchen, so daß nicht allein Teleologie, die bloß dazu dienen sollte, um die Natureinheit nach allgemeinen Gesetzen zu ergänzen, nun vielmehr dahin wirkt, sie
B 721 aufzuheben, sondern die Vernunft sich noch dazu selbst um ihren Zweck bringt, nämlich das Dasein einer solchen intelligenten obersten Ursache, nach diesem, aus der Natur zu beweisen. Denn, wenn man nicht die höchste Zweckmäßigkeit in der Natur a priori, d.i. als zum Wesen derselben gehörig, voraussetzen kann, wie will man denn angewiesen sein, sie zu suchen und auf der Stufenleiter derselben sich der höchsten Vollkommenheit eines Urhebers, als einer schlechterdings notwendigen, mithin a priori erkennbaren Vollkommenheit, zu nähern? Das regulative Prinzip verlangt, die systematische Einheit als Natureinheit, welche nicht bloß empirisch erkannt, sondern a priori, obzwar noch unbestimmt, vorausgesetzt wird, schlechterdings, mithin als aus dem Wesen der Dinge folgend, vorauszusetzen. Lege ich aber zuvor ein höchstes ordnendes Wesen zum Grunde, so wird die Natureinheit in der Tat aufgehoben. Denn sie ist der Natur der Dinge ganz fremd und zufällig, und kann auch nicht aus allgemeinen Gesetzen derselben erkannt werden. Daher entspringt ein fehlerhafter Zirkel im Beweisen, da man das voraussetzt, was eigentlich hat bewiesen werden sollen.
Das regulative Prinzip der systematischen Einheit der Natur für ein konstitutives nehmen, und, was nur in der Idee zum Grunde des einhelligen Gebrauchs der Vernunft gelegt wird, als Ursache hypostatisch
B 722 voraussetzen, heißt nur die Vernunft verwirren. Die Naturforschung geht ihren Gang ganz allein an der Kette der Naturursachen nach allgemeinen Gesetzen derselben, zwar nach der Idee eines Urhebers, aber nicht um die Zweckmäßigkeit, der sie allerwärts nachgeht, von demselben abzuleiten, sondern sein Dasein aus dieser Zweckmäßigkeit, die in den Wesen der Naturdinge gesucht wird, womöglich auch in den Wesen aller Dinge überhaupt, mithin als schlechthin notwendig zu erkennen. Das Letztere mag nun gelingen oder nicht, so bleibt die Idee immer richtig, und ebensowohl auch deren Gebrauch, wenn er auf die Bedingungen eines bloß regulativen Prinzips restringiert worden.
Vollständige zweckmäßige Einheit ist Vollkommenheit (schlechthin betrachtet). Wenn wir diese nicht in dem Wesen der Dinge, welche den ganzen Gegenstand der Erfahrung, d.i. aller unserer objektiv gültigen Erkenntnis, ausmachen, mithin in allgemeinen und notwendigen Naturgesetzen finden; wie wollen wir daraus gerade auf die Idee einer höchsten und schlechthin notwendigen Vollkommenheit eines Urwesens schließen, welches der Ursprung aller Kausalität ist? Die größte systematische, folglich auch die zweckmäßige Einheit ist die Schule und selbst die Grundlage der Möglichkeit des größten Gebrauchs der Menschenvernunft. Die Idee derselben ist also mit dem Wesen
B 723 unserer Vernunft unzertrennlich verbunden. Eben dieselbe Idee ist also für uns gesetzgebend, und so ist es sehr natürlich, eine ihr korrespondierende gesetzgebende Vernunft (intellectus archetypus) anzunehmen, von der alle systematische Einheit der Natur, als dem Gegenstande unserer Vernunft, abzuleiten sei.
Wir haben bei Gelegenheit der Antinomie der reinen Vernunft gesagt: daß alle Fragen, welche die reine Vernunft aufwirft, schlechterdings beantwortlich sein müssen, und daß die Entschuldigung mit den Schranken unserer Erkenntnis, die in vielen Naturfragen ebenso unvermeidlich als billig ist, hier nicht gestattet werden könne, weil uns hier nicht von der Natur der Dinge, sondern allein durch die Natur der Vernunft und lediglich über ihre innere Einrichtung, die Fragen vorgelegt werden. Jetzt können wir diese dem ersten Anscheine nach kühne Behauptung in Ansehung der zwei Fragen, wobei die reine Vernunft ihr größtes Interesse hat, bestätigen, und dadurch unsere Betrachtung über die Dialektik derselben zur gänzlichen Vollendung bringen.
Frägt man denn also (in Absicht auf eine transzendentale Theologie)* erstlich: ob es etwas von der Welt
B 724 Unterschiedenes gebe, was den Grund der Weltordnung und ihres Zusammenhanges nach allgemeinen Gesetzen enthalte, so ist die Antwort: ohne Zweifel. Denn die Welt ist eine Summe von Erscheinungen, es muß also irgendein transzendentaler, d.i. bloß dem reinen Verstande denkbarer Grund derselben sein. Ist zweitens die Frage: ob dieses Wesen Substanz, von der größten Realität, notwendig usw. sei; so antworte ich: daß diese Frage gar keine Bedeutung habe. Denn alle Kategorien, durch welche ich mir einen Begriff von einem solchen Gegenstande zu machen versuche, sind von keinem anderen als empirischen Gebrauche, und haben gar keinen Sinn, wenn sie nicht auf Objekte möglicher Erfahrung, d.i. auf die Sinnenwelt angewandt werden. Außer diesem Felde sind sie bloß Titel zu Begriffen, die man einräumen, dadurch man aber auch nichts verstehen kann. Ist endlich drittens die Frage: ob wir nicht wenigstens dieses von der Welt unterschiedene Wesen nach einer Analogie mit den Gegenständen der Erfahrung denken dürfen? so ist die Antwort: allerdings, aber nur als Gegenstand in der
B 725 Idee und nicht in der Realität, nämlich nur, sofern er ein uns unbekanntes Substratum der systematischen Einheit, Ordnung und Zweckmäßigkeit der Welteinrichtung ist, welche sich die Vernunft zum regulativen Prinzip ihrer Naturforschung machen muß. Noch mehr, wir können in dieser Idee gewisse Anthropomorphismen, die dem gedachten regulativen Prinzip beförderlich sind, ungescheut und ungetadelt erlauben. Denn es ist immer nur eine Idee, die gar nicht direkt auf ein von der Welt unterschiedenes Wesen, sondern auf das regulative Prinzip der systematischen Einheit der Welt, aber nur vermittelst eines Schema derselben, nämlich einer obersten Intelligenz, die nach weisen Absichten Urheber derselben sei, bezogen wird. Was dieser Urgrund der Welteinheit an sich selbst sei, hat dadurch nicht gedacht werden sollen, sondern wie wir ihn, oder vielmehr seine Idee, relativ auf den systematischen Gebrauch der Vernunft in Ansehung der Dinge der Welt, brauchen sollen.
* Dasjenige, was ich schon vorher von der psychologischen Idee und deren eigentlichen Bestimmung, als Prinzips zum bloß regulativen Vernunftgebrauch, gesagt habe, überhebt mich der Weitläufigkeit, die transzendentale Illusion, nach der jene systematische Einheit aller Mannigfaltigkeit des inneren Sinnes hypostatisch vorgestellt wird, noch besonders zu erörtern. Das Verfahren hierbei ist demjenigen sehr ähnlich, welches die Kritik in Ansehung des theologischen Ideals beobachtet.
Auf solche Weise aber können wir doch (wird man fortfahren zu fragen) einen einigen weisen und allgewaltigen Welturheber annehmen? Ohne allen Zweifel; und nicht allein dies, sondern wir müssen einen solchen voraussetzen. Aber alsdann erweitern wir doch unsere Erkenntnis über das Feld möglicher Erfahrung? Keineswegs. Denn wir haben nur ein Etwas vorausgesetzt,
B 726 wovon wir gar keinen Begriff haben, was es an sich selbst sei (einen bloß transzendentalen Gegenstand), aber, in Beziehung auf die systematische und zweckmäßige Ordnung des Weltbaues, welche wir, wenn wir die Natur studieren, voraussetzen müssen, haben wir jenes uns unbekannte Wesen nur nach der Analogie mit einer Intelligenz (ein empirischer Begriff) gedacht, d.i. es in Ansehung der Zwecke und der Vollkommenheit, die sich auf demselben gründen, gerade mit denen Eigenschaften begabt, die nach den Bedingungen unserer Vernunft den Grund einer solchen systematischen Einheit enthalten können. Diese Idee ist also respektiv auf den Weltgebrauch unserer Vernunft ganz gegründet. Wollten wir ihr aber schlechthin objektive Gültigkeit erteilen, so würden wir vergessen, daß es lediglich ein Wesen in der Idee sei, das wir denken, und, indem wir alsdann von einem durch die Weltbetrachtung gar nicht bestimmbaren Grunde anfingen, würden wir dadurch außerstand gesetzt, dieses Prinzip dem empirischen Vernunftgebrauch angemessen anzuwenden.
Aber (wird man ferner fragen) auf solche Weise kann ich doch von dem Begriffe und der Voraussetzung eines höchsten Wesens in der vernünftigen Weltbetrachtung Gebrauch machen? Ja, dazu war auch eigentlich diese Idee von der Vernunft zum Grunde gelegt. Allein darf ich nun zweckähnliche Anordnungen als Absichten ansehen, indem
B 727 ich sie vom göttlichen Willen, obzwar vermittelst besonderer dazu in der Welt darauf gestellten Anlagen, ableite? Ja, das könnt ihr auch tun, aber so, daß es euch gleich viel gelten muß, ob jemand sage, die göttliche Weisheit hat alles so zu seinen obersten Zwecken geordnet, oder die Idee der höchsten Weisheit ist ein Regulativ in der Nachforschung der Natur und ein Prinzip der systematischen und zweckmäßigen Einheit derselben nach allgemeinen Naturgesetzen, auch selbst da, wo wir jene nicht gewahr werden, d.i. es muß euch da, wo ihr sie wahrnehmt, völlig einerlei sein, zu sagen: Gott hat es weislich so gewollt, oder die Natur hat es also weislich geordnet. Denn die größte systematische und zweckmäßige Einheit, welche eure Vernunft aller Naturforschung als regulatives Prinzip zum Grunde zu legen verlangte, war eben das, was euch berechtigte, die Idee einer höchsten Intelligenz als ein Schema des regulativen Prinzips zum Grunde zu legen, und, so viel ihr nun, nach demselben, Zweckmäßigkeit in der Welt antrefft, so viel habt ihr Bestätigung der Rechtmäßigkeit eurer Idee; da aber gedachtes Prinzip nichts anderes zur Absicht hatte, als notwendige und größtmögliche Natureinheit zu suchen, so werden wir diese zwar, so weit als wir sie erreichen, der Idee eines höchsten Wesens zu danken haben, können aber die allgemeinen Gesetze der Natur, als in Absicht auf welche die Idee nur zum Grunde gelegt wurde, ohne mit uns selbst in Widerspruch zu geraten,
B 728 nicht vorbeigehen, um diese Zweckmäßigkeit der Natur als zufällig und hyperphysisch ihrem Ursprunge nach anzusehen, weil wir nicht berechtigt waren, ein Wesen über die Natur von den gedachten Eigenschaften anzunehmen, sondern nur die Idee desselben zum Grunde zu legen, um nach der Analogie einer Kausalbestimmung der Erscheinungen als systematisch untereinander verknüpft anzusehen.
Eben daher sind wir auch berechtigt, die Weltursache in der Idee nicht allein nach einem subtileren Anthropomorphismus (ohne welchen sich gar nichts von ihm denken lassen würde), nämlich als ein Wesen, das Verstand, Wohlgefallen und Mißfallen, imgleichen eine demselben gemäße Begierde und Willen hat usw. zu denken, sondern demselben unendliche Vollkommenheit beizulegen, die also diejenige weit übersteigt, dazu wir durch empirische Kenntnis der Weltordnung berechtigt sein können. Denn das regulative Gesetz der systematischen Einheit will, daß wir die Natur so studieren sollen, als ob allenthalben ins Unendliche systematische und zweckmäßige Einheit, bei der größtmöglichen Mannigfaltigkeit, angetroffen würde. Denn, wiewohl wir nur wenig von dieser Weltvollkommenheit ausspähen, oder erreichen werden, so gehört es doch zur Gesetzgebung unserer Vernunft, sie allerwärts zu suchen und zu vermuten, und es muß uns jederzeit vorteilhaft sein, niemals aber kann es nachteilig werden, nach diesem
B 729 Prinzip die Naturbetrachtung anzustellen. Es ist aber, unter dieser Vorstellung, der zum Grunde gelegten Idee eines höchsten Urhebers, auch klar: daß ich nicht das Dasein und die Kenntnis eines solchen Wesens, sondern nur die Idee desselben zum Grunde lege, und also eigentlich nichts von diesem Wesen, sondern bloß von der Idee desselben, d.i. von der Natur der Dinge der Welt, nach einer solchen Idee, ableite. Auch scheint ein gewisses, obzwar unentwickeltes Bewußtsein, des echten Gebrauchs dieses unseren Vernunftbegriffs, die bescheidene und billige Sprache der Philosophen aller Zeiten veranlaßt zu haben, da sie von der Weisheit und Vorsorge der Natur, und der göttlichen Weisheit, als gleichbedeutenden Ausdrücken reden, ja den ersteren Ausdruck, so lange es um bloß spekulative Vernunft zu tun ist, vorziehen, weil er die Anmaßung einer größeren Behauptung, als die ist, wozu wir befugt sind, zurückhält, und zugleich die Vernunft auf ihr eigentümliches Feld, die Natur, zurückweist.
So enthält die reine Vernunft, die uns anfangs nichts Geringeres, als Erweiterung der Kenntnisse über alle Grenzen der Erfahrung, zu versprechen schiene, wenn wir sie recht verstehen, nichts als regulative Prinzipien, die zwar größere Einheit gebieten, als der empirische Verstandesgebrauch erreichen kann, aber eben dadurch, daß sie das Ziel der Annäherung desselben so weit hinausrücken,
B 730 die Zusammenstimmung desselben mit sich selbst durch systematische Einheit zum höchsten Grade bringen, wenn man sie aber mißversteht, und sie für konstitutive Prinzipien transzendenter Erkenntnisse hält, durch einen zwar glänzenden, aber trüglichen Schein, Überredung und eingebildetes Wissen, hiermit aber ewige Widersprüche und Streitigkeiten hervorbringen.
* * *
So fängt denn alle menschliche Erkenntnis mit Anschauungen an, geht von da zu Begriffen, und endigt mit Ideen. Ob sie zwar in Ansehung aller dreien Elemente Erkenntnisquellen a priori hat, die beim ersten Anblicke die Grenzen aller Erfahrung zu verschmähen scheinen, so überzeugt doch eine vollendete Kritik, daß alle Vernunft im spekulativen Gebrauche mit diesen Elementen niemals über das Feld möglicher Erfahrung hinauskommen könne, und daß die eigentliche Bestimmung dieses obersten Erkenntnisvermögens sei, sich aller Methoden und der Grundsätze derselben nur zu bedienen, um der Natur nach allen möglichen Prinzipien der Einheit, worunter die der Zwecke die vornehmste ist, bis in ihr Innerstes nachzugehen, niemals aber ihre Grenze zu überfliegen, außerhalb welcher für uns nichts als leerer Raum ist. Zwar hat uns die kritische Untersuchung aller Sätze, welche unsere
B 731 Erkenntnis über die wirkliche Erfahrung hinaus erweitern können, in der transzendentalen Analytik hinreichend überzeugt, daß sie niemals zu etwas mehr, als einer möglichen Erfahrung leiten können, und, wenn man nicht selbst gegen die klarsten abstrakten und allgemeinen Lehrsätze mißtrauisch wäre, wenn nicht reizende und scheinbare Aussichten uns lockten, den Zwang der ersteren abzuwerfen, so hätten wir allerdings der mühsamen Abhörung aller dialektischen Zeugen, die eine transzendente Vernunft zum Behuf ihrer Anmaßungen auftreten läßt, überhoben sein können; denn wir wußten es schon zum voraus mit völliger Gewißheit, daß alles Vorgeben derselben zwar vielleicht ehrlich gemeint, aber schlechterdings nichtig sein müsse, weil es eine Kundschaft betraf, die kein Mensch jemals bekommen kann. Allein, weil doch des Redens kein Ende wird, wenn man nicht hinter die wahre Ursache des Scheins kommt, wodurch selbst der Vernünftigste hintergangen werden kann, und die Auflösung aller unserer transzendenten Erkenntnis in ihre Elemente (als ein Studium unserer inneren Natur) an sich selbst keinen geringen Wert hat, dem Philosophen aber sogar Pflicht ist, so war es nicht allein nötig, diese ganze, obzwar eitle Bearbeitung der spekulativen Vernunft bis zu ihren ersten Quellen ausführlich nachzusuchen, sondern, da der dialektische Schein hier nicht allein dem Urteile nach täuschend, sondern
B 732 auch dem Interesse nach, das man hier am Urteile nimmt, anlockend, und jederzeit natürlich ist, und so in alle Zukunft bleiben wird, so war es ratsam, gleichsam die Akten dieses Prozesses ausführlich abzufassen, und sie im Archive der menschlichen Vernunft, zur Verhütung künftiger Irrungen ähnlicher Art, niederzulegen.
Transcendental Logic Second Division Transcendental Dialectic
Introduction
I. Transcendental Illusion
Earlier we described dialectic as a whole as a logic of illusion. That doesn’t mean it is a theory of probability. For probability is truth known from insufficient grounds. Such knowledge is deficient, but it isn’t deceptive. So probability need not be cut off from the analytic part of logic. Even less may appearance and illusion be taken as the same.
B 350 For truth and illusion are not in the object as it is intuited. They are in the judgment about the object as it is thought. It is therefore right to say that the senses never err. That’s not because they always judge correctly. It is because they don’t judge at all. So truth and error, and with them illusion as the lure toward error, exist only in judgment, that is, only in how the object stands to our understanding. A cognition that fully agrees with the laws of the understanding contains no error. A representation of the senses contains no error either, since it holds no judgment. No force of nature, though, can swerve from its own laws on its own. So neither the understanding alone (with no other cause acting on it) nor the senses alone would err. The understanding wouldn’t, because if it acts purely by its own laws, its effect (the judgment) has to agree with those laws. And agreement with the laws of the understanding is the formal side of all truth. In the senses there is no judgment, either true or false. Since we have no sources of cognition besides these two, it follows that error comes about only when sensibility influences the understanding without being noticed. That influence mixes the subjective grounds of judgment into the objective ones.
B 351 It pulls the objective ones away from their purpose*. Compare a moving body. Left to itself it would always keep to a straight line in one direction. But if another force acts on it at the same time in a different direction, its motion bends into a curve. To separate the understanding’s own action from the force that gets mixed in, we need to treat the erring judgment as a diagonal between two forces. The two forces pull the judgment in different directions, as if enclosing an angle. That compound effect then has to be split into its two simple parts: the effect of understanding and the effect of sensibility. For pure judgments a priori, transcendental reflection does this. As already noted, it assigns every representation its place in the power of cognition that suits it, and so it also separates the influence of the one power on the other.
* Sensibility, set beneath the understanding as the object that the understanding’s activity works on, is the source of real cognitions. The same sensibility is the ground of error, however, when it flows into the understanding’s own activity and moves it to judge.
We are not here to deal with empirical illusion (optical illusion, for example).
B 352 It appears when rules of the understanding that are otherwise correct are used empirically, and it misleads the power of judgment through the influence of imagination. Our concern is transcendental illusion alone. It affects principles that aren’t even meant to be used on experience; if they were, we would at least have a touchstone for checking them. Instead, in spite of every warning from critique, it carries us entirely past the empirical use of the categories. It keeps stringing us along with the deceptive prospect of widening pure understanding. Principles that are applied wholly inside the limits of possible experience we will call immanent. Principles that are meant to fly over those boundaries we will call transcendent. By transcendent principles I don’t mean the transcendental use or misuse of the categories. That is a plain fault of a power of judgment that critique hasn’t properly reined in, and that doesn’t take enough care about the boundary of the ground where pure understanding alone is allowed to play. I mean real principles that call on us to pull up all those boundary posts and claim a whole new ground, one that acknowledges no boundary line anywhere. So transcendental and transcendent are different things. The principles of pure understanding that we presented above are meant for empirical use only, and not for transcendental use.
B 353 Transcendental use means a use that goes beyond the boundary of experience. A principle that removes these limits, or even commands us to cross them, is called transcendent. If our critique can uncover the illusion in such presumptuous principles, then the principles of purely empirical use can be called immanent principles of pure understanding, as opposed to the transcendent ones.
Logical illusion is the illusion of fallacies. It consists in simply copying the form of reason, and it comes only from not paying attention to the logical rule. As soon as the rule is brought to bear on the case in front of us, the illusion vanishes completely. Transcendental illusion is different. It doesn’t stop even once it has been uncovered, and transcendental critique has shown plainly that it is empty. (Example: the illusion in the statement that, in time, the world must have a beginning.) The reason is this. Our reason (viewed subjectively, as a human power of cognition) contains basic rules and maxims for its own use, and they have the complete look of objective principles. So the subjective necessity of connecting our concepts in a certain way, which suits the understanding, gets taken for an objective necessity: a determination of things in themselves. There’s no escaping this illusion.
B 354 We can’t help seeing the sea as higher out in the middle than it is at the shore (we see the middle by higher rays of light). Or take something stronger still: even an astronomer can’t stop the moon from looking larger when it rises, although this illusion doesn’t deceive the astronomer.
So transcendental dialectic will settle for uncovering the illusion in transcendent judgments and preventing it from deceiving us. It can never make that illusion disappear, as logical illusion does, and stop it from being an illusion. For here we face a natural and unavoidable illusion, which rests on subjective principles itself and slips them in as objective ones. Logical dialectic, when it resolves fallacies, faces only a mistake in following principles, or an artificial illusion produced by imitating them. So there is a dialectic of pure reason that is natural and unavoidable. It’s not a dialectic that some bungler stumbles into for lack of knowledge, or that some sophist has devised to confuse sensible people. It is stuck to human reason beyond any hope of removal. Even after we have exposed its deceptive show, it won’t stop playing tricks on reason.
B 355 It will keep pushing reason again and again into momentary errors, which always have to be corrected.
II. Pure Reason as the Seat of Transcendental Illusion
A. Reason in General
All our cognition starts with the senses, moves on to the understanding, and finishes in reason. Nothing higher in us can work over the material of intuition and bring it under the highest unity of thinking. Now I must explain this highest power of cognition, and I’m somewhat at a loss. Reason, like the understanding, has a merely formal use, a logical one, in which it ignores all content of cognition. It also has a real use, because it holds within itself the source of certain concepts and principles, which it takes neither from the senses nor from the understanding. Logicians explained the first use long ago: it is the power of inferring mediately (as distinct from immediate inferences, consequentiis immediatis). That doesn’t yet make the second use clear, the one that produces concepts itself. Here reason is split into a logical power and a transcendental one.
B 356 So we must find a higher concept for this source of cognition, one that takes in both. We can expect, following the model of the understanding’s concepts, that the logical concept will also give us the key to the transcendental one, and that the table of the logical functions will give us the family tree of the concepts of reason.
The first part of our transcendental logic defined the understanding as the power of rules. Here we set reason apart from it by calling reason the power of principles.
The word “principle” is ambiguous. Usually it means just a cognition that can be put to work as a principle, even if in itself and by origin it isn’t a principium. Any general proposition can be the major premise of an inference of reason, even one drawn from experience by induction. That doesn’t make the proposition a principium. The mathematical axioms are even general cognitions a priori (for example, “only one straight line can lie between two points”). So we rightly call them principles, relative to the cases that can fall under them. Yet that doesn’t let me say I know this property of straight lines from principles, in general and in itself.
B 357 I cognize it only in pure intuition.
I would therefore call cognition from principles the cognition in which I know the particular in the general by means of concepts. Every inference of reason is thus a way of deriving a cognition from a principle. The major premise, you see, always supplies a concept, and that concept makes everything that is subsumed under its condition known from the concept, according to a principle. Any general cognition can serve as the major premise of an inference of reason, and the understanding supplies general propositions of this kind a priori. So these, too, can be called principles, in view of how they might be used.
Look at these principles of pure understanding in themselves, though, and at where they come from. They are nothing like cognitions from concepts. For they wouldn’t even be possible a priori if we didn’t call on pure intuition (in mathematics) or on the conditions of possible experience in general. You can’t infer, from the concept of anything at all that happens, that whatever happens has a cause. The principle instead shows how we can first form a determinate empirical concept of what happens.
The understanding therefore can’t provide synthetic cognitions from concepts.
B 358 These are what I properly call principles, pure and simple, while all general propositions can be called comparative principles.
People have long wished (and who knows, the wish may come true, however late) that someone would look for the principles behind civil laws, instead of their endless variety. For simplifying legislation, as the saying goes, may lie only there. But laws here are just limits on our freedom, which keep it within conditions where it agrees with itself throughout. They therefore concern something that is entirely our own work, and that we can cause through those very concepts. A different matter is how objects in themselves, the very nature of things, could stand under principles and be determined by concepts alone. To demand that is, if not impossible, at least very absurd. Whatever the truth of that (we still have to investigate it), this much is clear: cognition from principles (in itself) is quite different from mere cognition by the understanding. Cognition of the understanding can also go ahead of other cognitions, in the shape of a principle. Taken in itself, though, as far as it is synthetic, it doesn’t rest on mere thinking and holds nothing general according to concepts.
B 359 The understanding may be a power of unifying appearances by rules. Reason is then the power of unifying the rules of the understanding under principles. It therefore never goes first to experience or to some object. It goes to the understanding, to give a priori unity, through concepts, to the understanding’s varied cognitions. Call this the unity of reason. It is a completely different sort of unity from anything the understanding can achieve.
That is the general concept of the power of reason, as far as it could be made clear with no examples at all (they can only come later).
B. The Logical Use of Reason
We distinguish between what is known directly and what is only inferred. A figure enclosed by three straight lines has three angles: that is known directly. That these angles add up to two right angles is only inferred. Because we need to infer all the time, we end up used to it. We stop noticing the difference. Often we treat as directly perceived what we have only inferred, as with the so-called deception of the senses.
B 360 Every inference has a proposition at its base, another that is drawn from it (the conclusion), and the consequence, by which the truth of the second is unfailingly connected with the truth of the first. If the inferred judgment is already so contained in the first that it can be derived without a third representation in between, the inference is called immediate (consequentia immediata). I’d prefer to call it an inference of the understanding. But if another judgment is needed besides the cognition used as the base, to produce the conclusion, then the inference is called an inference of reason. The proposition “All humans are mortal” already holds the propositions “Some humans are mortal,” “Some mortals are human,” and “Nothing immortal is human.” These are immediate conclusions from the first. “All scholars are mortal” is different. It isn’t in the underlying judgment, which never mentions the concept of scholars. It can be inferred from that judgment only through a mediating judgment.
In every inference of reason, I start by thinking a rule (major) by means of the understanding. Next, I place a cognition under the condition of that rule (minor), using the power of judgment. Last, I fix my cognition by the rule’s predicate (conclusio).
B 361 I do this a priori, then, by means of reason. The major premise is the rule, and it represents a relation between a cognition and its condition. That relation is what sets the different kinds of inference of reason apart. There are exactly three, just like the kinds of judgment in general. Judgments are divided by the way they express a cognition’s relation in the understanding. The three are categorical, hypothetical and disjunctive inferences of reason.
In most cases the conclusion is put forward as a judgment to be tested. The question is whether it follows from judgments we already have, through which a wholly different object is thought. So I search the understanding for the assertion made in this conclusion. I want to know whether it turns up there, under certain conditions, according to a general rule. Suppose I do find such a condition, and the conclusion’s object fits under it. Then the conclusion is derived from a rule that also holds for other objects of cognition. This shows that reason, when it infers, tries to reduce the great variety of the understanding’s cognitions to the fewest possible principles (general conditions), and so to bring about the highest unity among them.
B 362 C. The Pure Use of Reason
Can reason be isolated? If so, is it still a source of its own, producing concepts and judgments that come from it alone, and through which it relates to objects? Or is it only a subordinate power that gives given cognitions a certain form, called logical? Through it the understanding’s cognitions get ranked beneath one another, and lower rules beneath higher ones, as far as comparison can carry this out. (A higher rule’s condition takes in the condition of the lower ones within its range.) We are now dealing with this question only for a first look. It is true that variety of rules and unity of principles is something reason demands. Reason wants the understanding to hang together with itself all the way through. The understanding does the same for the manifold of intuition: it brings it under concepts and so connects it. But a principle like that gives objects no law. Nor does it hold the ground that would let us cognize and determine them as such. It is merely a subjective law of thrift, for handling what our understanding has in store. By comparing the concepts, it cuts their general use down to the fewest possible. It doesn’t give us the right to demand a certain harmony from the objects themselves.
B 363 Such a harmony would favor the convenience and growth of our understanding. Nor does it let us give that maxim objective validity at the same time. In short, the question is whether reason in itself, that is, pure reason, contains synthetic principles and rules a priori, and what those principles may be.
The formal and logical way reason proceeds in its inferences already gives us enough to go on here. It shows what ground the transcendental principium of reason will have in synthetic cognition from pure reason.
First, an inference of reason isn’t aimed at intuitions, to put them under rules the way the understanding does with its categories. It goes to concepts and judgments. Even when pure reason does go to objects, it has no direct relation to them or to their intuition. It relates only to the understanding and its judgments, which turn first to the senses and their intuition to fix an object for them. Reason’s unity is therefore not the unity of a possible experience. It is essentially different, since the unity of experience is the understanding’s unity. That everything that happens has a cause is not at all a principle that reason knows and lays down. It is what makes the unity of experience possible. It borrows nothing from reason.
B 364 Reason, lacking this relation to possible experience, could never have commanded such a synthetic unity from mere concepts.
Second, in its logical use, reason looks for the general condition of its judgment (the conclusion). The inference of reason is itself just a judgment, reached by subsuming its condition under a general rule (the major premise). That rule faces the same attempt by reason in turn, and so the condition of the condition has to be looked for (by a prosyllogism) as long as that can be done. So we can see what reason’s distinctive principle is, in its logical use generally: for the understanding’s conditioned cognition, find the unconditioned, which completes its unity.
A logical maxim like this can become a principium of pure reason only if we assume something. If the conditioned is given, then the whole series of conditions that are subordinate to one another is given too, and that series is itself unconditioned (that is, it lies in the object itself and in its connection).
A principle of pure reason of this kind is plainly synthetic. From the conditioned we can analytically reach some condition, but not the unconditioned. Various synthetic propositions must also come from it, and pure understanding knows nothing of them.
B 365 Pure understanding deals only with objects of a possible experience, and the cognition and synthesis of such objects are always conditioned. The unconditioned, though, if it really exists, can be considered on its own, with all the determinations that set it apart from anything conditioned. That must supply the material for many synthetic propositions a priori.
Still, the principles that follow from this highest principle of pure reason will be transcendent toward all appearances. No empirical use that fits it will ever be possible. It will therefore be entirely unlike all the principles of the understanding, which are used wholly immanently, since their only topic is the possibility of experience. Take the principle that the series of conditions extends to the unconditioned, whether in the synthesis of appearances or in thinking of things in general. Is it objectively correct, or not? What follows from it for the empirical use of the understanding? Or is there perhaps no objectively valid proposition of reason like it at all? Perhaps there is only a logical rule: climbing toward ever higher conditions, we should come closer to completing them, and so give our cognition the greatest unity of reason that we can achieve. Has this need of reason been mistaken, through a misunderstanding?
B 366 Has it been counted as a transcendental principle of pure reason? Such a principle would rashly postulate that the objects themselves contain an unlimited, complete series of conditions. And what misreadings and delusions may creep in, even then, to inferences of reason that take their major premise from pure reason (a premise that may be closer to a petition than to a postulate), and that climb from experience up to its conditions? All of this will be our task in transcendental dialectic. We now want to develop that dialectic out of its sources, which lie deep in human reason. We will divide it into two chapters. The first will treat the transcendent concepts of pure reason. The second will treat its transcendent and dialectical inferences of reason.
Transcendental Dialectic First Book The Concepts of Pure Reason
However concepts from pure reason may be possible, they are not merely reflected concepts. They are inferred. The understanding’s concepts are likewise thought a priori, prior to experience and serving it.
B 367 But they hold only the unity of reflection on appearances, as far as appearances are supposed to belong necessarily to a possible empirical consciousness. They alone make cognition and determination of an object possible. They therefore supply the first material for inferring, and no earlier concepts a priori of objects exist from which they could be inferred. Their objective reality rests on one thing only. They make up the intellectual form of all experience, and so it must always be possible to show them at work in experience.
The very name “concept of reason” gives a first hint that such a concept won’t be confined within experience. It is about a cognition, and every empirical cognition is only one part of it. That cognition might be the whole of possible experience, or its empirical synthesis. No actual experience ever fully reaches that whole, but every one belongs to it. Concepts of reason serve to comprehend, as concepts of the understanding serve to understand (perceptions). Where they contain the unconditioned, they are about something that all experience falls under, though it is itself never an object of experience. Reason is led to it by its inferences from experience. It uses this thing to estimate and measure how far its empirical use extends.
B 368 But it never forms a member of the empirical synthesis. If such concepts have objective validity all the same, we may call them conceptus ratiocinati (concepts correctly inferred). If they have none, they have at least been got by trickery, through an illusion of inference, and can be called conceptus ratiocinantes (sophistical concepts). That can be settled only in the chapter about pure reason’s dialectical inferences, so for now we can’t take it up. For now, we’ll do what we did when we named the pure concepts of the understanding categories. We’ll give a new name of its own to the concepts of pure reason, transcendental ideas. We will now explain and justify that name.
First Book of the Transcendental Dialectic First Section Ideas in General
Languages are very rich, yet a thinking person is often stuck for the expression that exactly fits their concept. Without it, they can’t make themselves properly understood to others, or even to themselves.
B 369 To forge new words is to presume to make laws for a language, and that rarely works. Before resorting to such a desperate means, it is wise to look around in some dead, learned language. The concept and its fitting expression may already be there. Perhaps the old use of the word has become shaky through its creators’ carelessness. Even so, it is better to pin down the meaning that was especially its own (even if we stay unsure that people then had exactly this meaning in mind) than to ruin one’s purpose by being unintelligible.
So suppose a certain concept has just one word that fits it exactly, in an established meaning, and it is very important to distinguish that concept from related ones. Then it is wise not to be wasteful with the word. Don’t use it for variety’s sake as a synonym for others. Keep its own meaning for it, with care. Otherwise it easily happens that the word doesn’t draw special attention, and gets lost in the crowd of other words with very different meanings. Then the thought is lost as well, the one thought that the word alone could have kept.
B 370 Plato used the word “idea” in a way that makes clear he meant something that is never borrowed from the senses. It even goes far beyond the concepts of the understanding that Aristotle dealt with, since nothing in experience is ever found to match it. Ideas, for Plato, are archetypes of the things themselves, and not merely keys to possible experiences, as the categories are. In his view they flowed from the highest reason, and human reason received them from there. Human reason is no longer in its original state. It has to call the old ideas back, now much dimmed, by effort and recollection (which is called philosophy). I don’t mean to start a literary investigation into the sense this exalted philosopher gave his word. I only point out that it is nothing unusual, in ordinary conversation as in writing, to understand an author better than the author understood themselves. You do this by comparing the thoughts the author gives on the subject. Perhaps the author didn’t define the concept well enough, and so now and then spoke, or even thought, against their own intention.
Plato saw clearly that our power of cognition feels a much higher need than just spelling out appearances by synthetic unity so that they can be read as experience.
B 371 He saw that our reason naturally climbs to cognitions that go much further than any object experience can give could ever match. Yet these cognitions are real, and are in no way mere figments of the brain.
Plato found his ideas mainly in everything practical*, that is, everything that rests on freedom, which in turn is among the cognitions that are a special product of reason. Imagine someone trying to get the concepts of virtue out of experience. Suppose they took what can serve at best as an example for imperfect illustration, and made it a model that is a source of cognition (as many have really done). They would turn virtue into an ambiguous non-thing that shifts with time and circumstances and can’t be used as a rule.
B 372 Everyone, on the other hand, becomes aware of this. When someone is held up to them as a model of virtue, they still carry the true original only in their own head. They compare the supposed model against it, and judge it only by that. That original is the idea of virtue. For this idea, all possible objects of experience are useful as examples (proof that what the concept of reason demands can be done to some degree), but not as archetypes. That no human will ever act fully as the pure idea of virtue requires does not show that the thought is somehow chimerical. For all judgment of moral worth or worthlessness is possible only by means of this idea. So the idea has to lie beneath every approach to moral perfection, even if obstacles in human nature, which can’t be measured by degree, hold us far from it.
* Of course he stretched his concept to speculative cognitions as well, as long as they were given purely and wholly a priori. He even stretched it to mathematics, though mathematics finds its object only in possible experience. I can’t follow him there. I can’t follow his mystical deduction of these ideas either, or the exaggerations that made them, so to speak, into things in their own right. Still, the elevated way he spoke on this subject can easily be read more gently, in a way that suits how things really are.
Plato’s Republic has become a proverb. People take it for a striking example of dreamed-up perfection, the kind that could live only in the head of an idle thinker. Brucker finds it ridiculous that the philosopher said that no prince would ever rule well without a share in the ideas. But we would do better to follow this thought further. Where the excellent man leaves us without help, we should bring it to light by fresh effort, and not push it aside as useless on the excuse that it can’t be done.
B 373 That excuse is very wretched and harmful. Consider a constitution that gives people the greatest freedom possible, under laws that let each person’s freedom stand together with everyone else’s. (I don’t mean the greatest happiness, because happiness will follow of itself.) At the very least that is a necessary idea. We have to put it at the base of every law, and not only of the first draft of a state constitution. And at the start we have to look past the obstacles in our way today. Those obstacles may not spring unavoidably from human nature so much as from neglect of the true ideas when laws were made. For nothing is more harmful, or less worthy of a philosopher, than the crude appeal to an experience that objects to the idea to no purpose. That experience wouldn’t even exist if the right arrangements had been made in good time, following the ideas. It exists because crude concepts took their place, and these concepts, just because they were drawn from experience, have wrecked every good intention. Suppose lawmaking and government were set up to fit this idea ever more closely. Punishments would certainly become rarer. So Plato is quite reasonable when he says that a perfect arrangement of lawmaking and government would need no punishments of that kind at all. This last point may never come about.
B 374 Even so, the idea is entirely right when it sets up this maximum as the archetype, so that we can bring the lawful constitution of human beings closer and closer to the greatest perfection possible. For no one can say, and no one should try to say, what the highest degree is at which humanity has to stop. No one can say how wide the gap must be that always remains between the idea and its carrying out. That is just because it is freedom, and freedom can go beyond any boundary anyone names.
Plato is right to see clear proofs that things originate in ideas. He sees them in morals, where human reason shows real causality and ideas become effective causes (of actions and of their objects). But he also sees them in nature itself. A plant, an animal, the orderly layout of the cosmos, and presumably the whole order of nature along with it, make it plain that they could exist only by following ideas. No single creature, under the particular conditions of its existence, matches the idea of the most perfect of its kind. In the same way a human being doesn’t match the idea of humanity, which each of us carries in our own soul as the archetype of our actions. Yet in the highest understanding those ideas are individual, unchangeable and thoroughly determined, and they are the original causes of things.
B 375 Only the whole that they form together in the universe fits that idea completely. Strip away the exaggeration in how he puts it. Then the philosopher’s soaring leap deserves respect and imitation. He rises from a copy-like way of looking at the physical side of the world’s order up to its architectonic connection by purposes, that is, by ideas. In the area of the principles of morality, lawmaking and religion, though, it is a quite special merit. Here the ideas are what make experience (of the good) possible at all, even though experience can never express them completely. People fail to see this merit only because they judge it by the same empirical rules whose validity as principles the ideas were meant to abolish. For where nature is concerned, experience gives us the rule and is where truth comes from. Where moral laws are concerned, experience is (sadly!) the mother of illusion. It is utterly objectionable to take the laws for my conduct from what people actually do, or to hem them in by it.
Working out all these reflections properly would, in fact, give philosophy its own special dignity. But instead of them we are busy now with a job that is less splendid, though not without merit.
B 376 We must level the ground for those majestic moral buildings and make it firm enough to build on. That ground is full of mole tunnels, dug by a reason that goes on digging for treasure, in vain but with good confidence, and these tunnels make the building unsafe. So what we now have to know exactly is the transcendental use of pure reason, with its principles and ideas. Only then can we properly determine and assess the influence and value of pure reason. Before I put this preliminary introduction aside, though, I have a request. It is for those who really care about philosophy (which is more than you commonly find). If this and what follows convinces them, I ask them to take the word “idea” under their protection in its original meaning. It shouldn’t slip any further in among the other words that people use for all sorts of representations, in careless disorder, with science the loser. We aren’t short of names that fit each kind of representation properly, and we don’t need to trespass on what belongs to another. Here is a ladder of them. The genus is representation in general (repraesentatio). Below it comes representation with consciousness (perceptio). A perception that refers only to the subject, as a change in its state, is sensation (sensatio). An objective perception is cognition (cognitio).
B 377 Cognition comes in two kinds, intuition and concept (intuitus vel conceptus); an intuition refers directly to the object and is singular, while a concept refers to it indirectly, by means of a mark that several things can share. A concept is either empirical or pure. If a pure concept comes only from the understanding (and not from the pure image of sensibility), it is named a notio. A concept built from notions that goes beyond the possibility of experience is the idea, or concept of reason. Anyone who has got used to this distinction will find it unbearable that the representation of the color red should be called an idea. It doesn’t even deserve the name notion (a concept of the understanding).
First Book of the Transcendental Dialectic Second Section The Transcendental Ideas
The analytic showed us by example that the bare logical form of our cognition can be where pure concepts a priori come from. These concepts represent objects before all experience. Or rather, they indicate a synthetic unity.
B 378 That unity alone makes an empirical cognition of objects possible. The form of judgments, once changed into a concept of how intuitions are synthesized, gave rise to the categories, which guide every use of the understanding in experience. In the same way we can expect the form of inferences of reason to hold the source of special concepts a priori. This will happen when we apply that form to the synthetic unity of intuitions, as the categories direct. We can call these concepts pure concepts of reason, or transcendental ideas. They will determine, by principles, how the understanding is used in all of experience.
In its inferences, the function of reason was to give cognition universality through concepts. An inference of reason is itself a judgment that is settled a priori across the whole range of its condition. I could take the proposition “Caius is mortal” from experience, through the understanding alone. But I look for a concept that contains the condition under which the predicate of this judgment (assertion in general) is given. Here that is the concept of a human being. Once I have subsumed my object under that condition, taken in its full range (all human beings are mortal), I determine my cognition of it accordingly (Caius is mortal).
In the conclusion of an inference of reason, then, we narrow a predicate down.
B 379 We narrow it to one particular object, after first thinking the predicate in the major premise, in its whole extent, under some condition. When the extent is complete with respect to such a condition, we call its size universality (Universalitas). In the synthesis of intuitions, what matches it is allness (Universitas), the totality of conditions. So the transcendental concept of reason is just the concept of a totality of conditions for any conditioned thing that is given. Only the unconditioned can make a totality of conditions possible. And the other way around, a totality of conditions is itself always unconditioned. That lets us explain a pure concept of reason, in general, through the concept of the unconditioned, to the extent that it holds a ground for the synthesis of what is conditioned.
The categories give the understanding a certain number of kinds of relation. So there will be that many different pure concepts of reason. So we shall have to look for three things. First, an unconditioned for the categorical synthesis in a subject. Second, one for the hypothetical synthesis that links the members of a series. Third, one for the disjunctive synthesis that joins the parts in a system.
For there are just as many kinds of inferences of reason. Each kind climbs through prosyllogisms toward the unconditioned. One climbs to a subject that is itself no longer a predicate. Another climbs to a presupposition.
B 380 That presupposition presupposes nothing further. The third climbs to a collection made up of the members of a division, and nothing more is needed to complete the division of a concept. Pure concepts of reason about totality in the synthesis of conditions are therefore necessary, and they are rooted in the nature of human reason. They are so at least as tasks: the task of carrying the unity of the understanding on, if possible, all the way to the unconditioned. This stays true even if these transcendental concepts have no fitting use in concrete cases. They would then serve no purpose beyond steering the understanding in a direction where its use is stretched as far as it will go and, at the same time, brought into complete agreement with itself.
Now we are speaking of the totality of conditions and of the unconditioned, as the common title of all concepts of reason. Here again we meet an expression that we can’t do without, yet can’t use safely either, because long misuse has left it ambiguous. “Absolute” is among the few words that began life fitted to one concept, a concept for which no other word of the same language fits exactly afterwards. Suppose the word is lost. Or suppose, and it comes to the same thing, that its use keeps wavering.
B 381 Then the concept itself must be lost with it, and this concept occupies reason a great deal, so that all transcendental judging would suffer badly without it. These days “absolute” is often used merely to say that something is true of a thing as it is in itself, and so inwardly. Then “absolutely possible” would mean possible in itself (interne). That is really the least we can say about an object. At other times the word is used to say that something is valid in every relation, without restriction (absolute rule, for example). Then “absolutely possible” would mean possible in every respect and in every relation. That, in turn, is as much as I can say about whether a thing is possible. These two meanings do sometimes coincide. Whatever is inwardly impossible, for example, is also impossible in every relation, and so absolutely impossible. But in most cases they lie infinitely far apart. Because something is possible in itself, I can’t conclude that it is possible in every relation, and so absolutely possible. Indeed, I’ll show later that absolute necessity by no means depends on inner necessity in every case. The two must not be treated as having the same meaning. Take something whose opposite is inwardly impossible.
B 382 Its opposite is of course also impossible in every respect, and so the thing itself is absolutely necessary. But I can’t turn this around. I can’t say that if something is absolutely necessary, its opposite is inwardly impossible. That would mean that, for things, absolute necessity and inner necessity are the same. For in certain cases inner necessity is a completely empty expression, and we can’t connect the slightest concept with it. By contrast, the concept of a thing’s necessity in every relation (to everything possible) brings quite particular determinations with it. A philosopher can never be indifferent to losing a concept that serves speculative philosophy so widely. So I hope they won’t be indifferent to fixing the expression the concept hangs on, and to keeping it with care.
I will use the word “absolute” in this wider meaning, then. I will set it against what is valid only comparatively, or in some particular respect. The latter is restricted to conditions. The former holds without restriction.
The transcendental concept of reason always aims at one thing only: absolute totality in the synthesis of conditions. It never comes to rest until it reaches what is unconditioned without qualification, that is, unconditioned in every respect. For pure reason leaves everything to the understanding.
B 383 The understanding is the faculty that first deals with objects of intuition, or rather with their synthesis in the imagination. Reason reserves for itself alone the absolute totality that comes up when concepts of the understanding are used. It tries to push the synthetic unity that a category thinks all the way to what is unconditioned without qualification. So we may call this kind of unity reason’s unity of appearances, and call the unity that a category expresses the understanding’s unity. Reason, then, is concerned only with how the understanding is used. It is not concerned with the understanding as the ground of possible experience. (The absolute totality of conditions can’t be used as a concept in any experience, because no experience is unconditioned.) What reason does is prescribe a direction for the understanding, toward a certain unity of which the understanding itself has no concept. This unity aims to gather all the understanding’s acts, for each object, into one absolute whole. That is why pure concepts of reason, when used on objects, are always transcendent. Pure concepts of the understanding are different. By their nature they must always be used immanently, because they are confined to possible experience.
By an idea I mean a necessary concept of reason for which no matching object can ever be given to the senses. The pure concepts of reason we have been weighing are therefore transcendental ideas. They are concepts of pure reason, because they treat all cognition from experience as settled by an absolute totality of conditions.
B 384 Nobody invented them at will. The nature of reason itself sets them as a task, so they necessarily bear on the whole use of the understanding. Finally, they are transcendent. They go beyond the boundary of all experience, and so no object can ever turn up in experience that would be adequate to a transcendental idea. To call something an idea says a great deal about the object, if we think of it as an object of the pure understanding. It says very little about the subject, meaning its actuality under empirical conditions. The reason is this: as the concept of a maximum, an idea can never be given in concreto as a perfect match. In the merely speculative use of reason, though, that match is really the whole point. And getting close to a concept that is never reached in practice is no better than missing it altogether. So people say of such a concept: it is only an idea. They could say, for instance, of the absolute whole made up of all appearances that it is only an idea, because we can never draw up anything of the kind as an image, so it stays a problem with no solution. The practical use of the understanding is different. There all that matters is acting by rules.
B 385 So the idea of practical reason can always be actually given in concreto, though only in part. It is even indispensable: no practical use of reason works without it. Acting on it is always bounded and falls short, but within boundaries that can’t be fixed. So the concept of absolute completeness always has some influence on it. For that reason the practical idea is always highly fruitful, and for real actions it can’t be done without. In it pure reason actually has causality: it brings about in fact what its concept contains. So we can’t say of wisdom, as if brushing it off: it is only an idea. Wisdom is the idea of one necessary unity among all possible purposes, and for exactly that reason it has to serve as the rule for everything practical, as the original condition, or at least a restricting one.
We have to say that the transcendental concepts of reason are only ideas. That doesn’t make them superfluous or empty. For even though they can’t determine any object, deep down and without our noticing, they can serve the understanding as a canon for using itself widely and consistently. They don’t let the understanding cognize more objects than it would by its own concepts. But they do guide it better and further in that cognition.
B 386 Not to mention that they may perhaps open a way over from concepts of nature to practical ones. In that way they could give the moral ideas themselves a hold, and a connection with the speculative cognitions of reason. We will have to wait for light on all this in what follows.
Our aim lets us set the practical ideas aside here. We consider reason in its speculative use alone, and within that, more narrowly still, in its transcendental use alone. The path to take is the one we took earlier in deducing the categories. We weigh the logical form of the cognition of reason, and we ask whether that form might also make reason a source of concepts. Such concepts would let us regard objects in themselves as determined synthetically a priori, in connection with one or another function of reason.
Reason, taken as the power behind one particular logical form of cognition, is the power of inferring, which means judging indirectly: the condition of one possible judgment is brought under the condition of a given one. The given judgment is the general rule (major premise, Major). Next comes a second possible judgment. Its condition is brought under the rule’s condition, and that gives the minor premise (Minor). The actual judgment states the rule’s assertion in the case brought under it.
B 387 That judgment is the conclusion (Conclusio). The rule, after all, says something in general under a certain condition. In the case at hand that condition is met. So what held in general under that condition is also taken to hold in this case, which carries the condition with it. It is easy to see that reason gets to a cognition by acts of the understanding that make up a series of conditions. Say I reach the proposition “All bodies are changeable” only like this. I begin with a more remote cognition, in which the concept of body does not yet occur but which holds the condition for it: “Everything composite is changeable.” From there I move to a nearer one that stands under the first one’s condition: “Bodies are composite.” Only then do I move to a third cognition. This one now connects the remote cognition (changeable) with the one in front of me: “So bodies are changeable.” Through a series of conditions (premises) I have reached a cognition (conclusion). Now take any series whose exponent is given (whether of a categorical or of a hypothetical judgment). Such a series can always be continued. The very same act of reason therefore leads to the ratiocinatio polysyllogistica, a chain of inferences that can be run on to any length. It can run toward the conditions (per prosyllogismos).
B 388 Or it can go the other way, toward what is conditioned (per episyllogismos).
Soon, though, we notice something. The chain, or series, of prosyllogisms has to stand differently toward the faculty of reason than the downward series does. By prosyllogisms I mean the inferred cognitions on the side of the grounds, or conditions, of a given cognition, so, in other words, the upward series of inferences of reason. The downward series is how reason moves forward toward what is conditioned, through episyllogisms. For in the first case the cognition (conclusio) is given only as something conditioned. Reason can reach it only by assuming, at the very least, that every member of the series on the side of the conditions is given (a totality in the series of premises). Only if that is assumed can the judgment in front of us be made a priori. On the side of the conditioned, the consequences, we think only of a series that is still becoming. It isn’t already fully presupposed or given, so what we think is merely a potential advance. So when a cognition is viewed as conditioned, reason is forced to treat the upward series of conditions as complete and as given in its totality. Now suppose the same cognition is also viewed as the condition of other cognitions.
B 389 These form a series of consequences running downward. Then reason doesn’t care how far this progression reaches a parte posteriori, or whether this series can ever be a totality at all. It has no need of such a series for the conclusion lying before it, since its grounds a parte priori already determine and secure that conclusion well enough. On the side of the conditions, the series of premises may or may not have a first member, a highest condition, and so may or may not be unbounded a parte priori. Either way it has to hold a totality of the condition, even if we could never succeed in grasping it. And the series as a whole must be true without condition, if what is conditioned, which counts as a consequence flowing from it, is to be accepted as true. This is a demand of reason. Reason announces its cognition as determined a priori and as necessary. That cognition is necessary either in itself, and then it needs no grounds, or, if it is derived, as one link in a chain of grounds that is itself true without condition.
B 390 First Book of the Transcendental Dialectic Third Section System of the Transcendental Ideas
This is not a logical dialectic that sets aside all the content of cognition and does nothing but expose the false illusion in the form of inferences of reason. We are dealing with a transcendental dialectic. It has to hold, wholly a priori, the source of certain cognitions out of pure reason, and of inferred concepts. Their object can’t be given empirically at all, so they lie entirely beyond the power of the pure understanding. Our use of cognition in the transcendental way must relate naturally to the logical way, in inferences and in judgments alike. From that relation we concluded two things. First, there can be only three kinds of dialectical inference, matching the three kinds of inference by which reason moves from principles to cognitions. Second, all their work is to climb from the conditioned synthesis, to which the understanding stays bound, up to the unconditioned one, which the understanding can never reach.
Now what is common to every kind of relation that our representations can have is: 1.
B 391 the relation to the subject, 2. the relation to objects, taken as appearances or else as objects of thought generally. Combine this subdivision with the one above. Every relation among representations that we can turn into a concept or an idea is then threefold: 1. the relation to the subject, 2. the relation to what is manifold in the object as it appears, 3. the relation to all things in general.
All pure concepts, in general, deal with the synthetic unity of representations. Concepts of pure reason (transcendental ideas) deal with the unconditioned synthetic unity of all conditions, whatever they may be. So we can sort all transcendental ideas into three classes. The first class holds one thing: the thinking subject’s absolute (unconditioned) unity. The second holds the series of conditions of appearance, in its absolute unity. The third holds the condition of all objects of thought, in its absolute unity.
Psychology has the thinking subject as its object. Cosmology has the sum of all appearances, the world. Theology has the thing that holds the highest condition for the possibility of everything thinkable, the being of all beings. From this, pure reason hands us the idea of a transcendental teaching about the soul (psychologia rationalis).
B 392 It hands us another idea for a transcendental world-science (cosmologia rationalis). And it hands us a last one for a transcendental knowledge of God (Theologia transzendentalis). The understanding is not where even a bare outline of one of these sciences comes from. That holds even if the understanding were joined with reason’s highest logical use, meaning every inference one can think of, to move on from one of its objects (appearance) to all the others, out to the farthest links of the empirical synthesis. The outline is simply a pure, authentic product of pure reason, or a problem it poses.
Which modi of the pure concepts of reason fall under these three headings of transcendental ideas will be set out in full in the next chapter. They follow the thread of the categories. For pure reason never relates straight to objects. It relates to the concepts of the understanding about them. Likewise only a full working-out can make clear how reason, simply by using in a synthetic way the same function it uses in the categorical inference of reason, has to reach the concept of the thinking subject’s absolute unity. It will also show how the logical procedure in the hypothetical kind has to lead to the idea of the absolutely unconditioned within a series of given conditions.
B 393 And it will show how the bare form of the disjunctive inference of reason has to bring with it the highest concept of reason: the concept of a being of all beings. At first glance this thought seems very paradoxical.
An objective deduction of these transcendental ideas, like the one we could give for the categories, isn’t really possible. For in fact there is no object for them to relate to that could be given as a match, simply because they are only ideas. A subjective account of where they come from in the nature of our reason was something we could attempt, and the present chapter has done that.
It’s plain that pure reason has one aim: the absolute totality of the synthesis, on the side of the conditions (whether of inherence, of dependence, or of concurrence). Reason has no business with absolute completeness on the conditioned side. It needs only the former, in order to presuppose the whole series of conditions and so to give it to the understanding a priori. Once a condition has been given completely (and unconditionally), no concept of reason is needed any more for carrying on the series. The understanding takes every step downward by itself. It goes from the condition to the conditioned.
B 394 In this way the transcendental ideas serve only for climbing up the series of conditions, as far as the unconditioned, that is, as far as the principles. Going down to the conditioned is another matter. Our reason does make wide logical use of the laws of the understanding there, but no transcendental use at all. Say we try to form an idea of such a synthesis (of the progressus) in its absolute totality, for example the whole series of every future change in the world. That is a thing of thought (ens rationis), which we think up at will and which reason does not necessarily presuppose. The possibility of something conditioned does presuppose the totality of its conditions, but not the totality of its consequences. So such a concept is not a transcendental idea, and transcendental ideas are all we are dealing with here.
Last of all, we also notice that a certain connection and unity shows among the transcendental ideas themselves. Through them pure reason puts all its cognitions into a system. Going from the cognition of oneself (the soul) to the cognition of the world, and by way of that to the original being, is such a natural step that it seems to resemble the logical progress of reason.
B 395 That progress runs from the premises to the conclusion*. Whether a hidden kinship really lies underneath here, like the one between the logical and the transcendental procedure, is another question. We can expect its answer only later, as these investigations go on. For now we have already reached our aim.
B 396 That is because we were able to pull the transcendental concepts of reason out of an ambiguous position, in which they usually get mixed in with other concepts in philosophers’ theories, and philosophers don’t even properly tell them apart from concepts of the understanding. We have been able to give their origin and, with it, their definite number, beyond which there can be none. We have also been able to present them in a systematic connection. This marks off and limits a special field for pure reason.
* Metaphysics has only three ideas as the real purpose of its inquiry: God, freedom and immortality. The second, together with the first, is meant to bring us to the third, as a conclusion that has to follow. Everything else this science deals with serves it only as a means of reaching these ideas and their reality. It doesn’t need them for the sake of natural science. It needs them to get beyond nature. Insight into them would make theology, morals and, through the two together, religion, and so the highest purposes of our existence, depend only on the speculative power of reason and on nothing else. In a systematic presentation of those ideas, the order just given, as the synthetic one, would be the most fitting. But in the work that has to come before it, the analytic order, which turns this order around, will suit the purpose better. We start with what experience hands us directly, the doctrine of the soul. We go on to the doctrine of the world, and then to the cognition of God, and so carry out our great plan.
Transcendental Dialectic Second Book The Dialectical Inferences of Pure Reason
One might put it this way: for a mere transcendental idea there is an object of which we have no concept at all, even though reason produces the idea quite necessarily by its original laws. Indeed, for an object that is to meet the demand of reason, no concept of the understanding can exist. By that I mean a concept that can be shown, and made intuitive, in a possible experience. It would still be better, and less risky for misunderstanding, to put it another way.
B 397 We should say that we can know nothing of the object that answers to an idea, though we can form a problematic concept of it.
Now the transcendental (subjective) reality of the pure concepts of reason rests, at least, on this: that a necessary inference of reason leads us to such ideas. So there will be inferences of reason that contain no empirical premises. Using them, we reason from something known to something else, of which we have no concept, and to which we nonetheless give objective reality through an unavoidable illusion. Judged by their result, such inferences should be called sophistical rather than inferences of reason. Because of what prompts them, though, they can still carry the latter name, since they aren’t made up and didn’t arise by chance. They sprang from the nature of reason. These are tricks of argument that come not from people but from pure reason itself. Not even the wisest person can break free of them. After much effort, they may perhaps avoid the error. But they can never get rid of the illusion that keeps nagging and mocking them.
These dialectical inferences of reason come in only three kinds, one for each of the ideas in which their conclusions end. Take the first class.
B 398 I start with the subject’s transcendental concept, which holds nothing manifold, and conclude to the absolute unity of that very subject. In that way I have no concept at all of the subject. This dialectical inference I will name the transcendental paralogism. The second class of sophistical inferences starts from the transcendental concept of an absolute totality: the series of conditions for any given appearance. From the fact that my concept of the series’ unconditioned synthetic unity is always self-contradictory on one side, I conclude that the opposite unity is the correct one. Yet of this one too I have no concept. The condition reason is in during these dialectical inferences I will call the antinomy of pure reason. Finally, in the third kind of sophistical inference I start from the totality of conditions needed to think objects in general, as far as they can be given to me. From that I conclude to an absolute synthetic unity that covers every condition of the possibility of things in general. That is, from things I don’t know through their bare transcendental concept, I infer to a being of all beings. I know this being through a transcendent concept even less, and I can form no concept of its unconditioned necessity. This dialectical inference of reason I will name the Ideal of pure reason.
B 399 Second Book of the Transcendental Dialectic First Chapter The Paralogisms of Pure Reason
A logical paralogism is an inference of reason that is false in form, whatever its content may be. A transcendental paralogism, though, has a transcendental ground for reasoning falsely in form. Such a fallacy, then, is rooted in the nature of human reason. It carries with it an illusion that can’t be avoided, though it can be resolved.
Now we come to a concept that didn’t appear in the general list of transcendental concepts earlier. It still has to be counted among them, yet that doesn’t change the table in the slightest, nor does it show the table to be defective. This is the concept, or, if you prefer, the judgment: I think. But one can see right away that it serves as the vehicle for every concept, the transcendental ones included. It is always counted in among them, and so it is transcendental as well. But it can have no special heading of its own.
B 400 That is because it serves only to bring in all thinking as belonging to consciousness. Even so, though it is free of anything empirical (the impression of the senses), it serves to tell apart, by how our power of representation works, two kinds of objects. As thinking, I am an object of inner sense, and I am called soul. What is an object of the outer senses is called body. So the word “I,” said of a thinking being, already points to the object of psychology. We may call that psychology the rational doctrine of the soul, as long as all I ask to know about the soul is what can be concluded from the concept “I” as it occurs in all thinking, apart from any experience (which would determine me more closely and in concreto).
The rational doctrine of the soul really is an undertaking of that sort. For if even the slightest empirical element of my thinking, some particular perception of my inner state, got mixed into what this science rests its knowledge on, it would no longer be a rational doctrine of the soul. It would be an empirical one. So we have a science already, or so it is claimed, resting on the single proposition “I think.” We can quite fittingly examine whether it has a ground or not, as the nature of a transcendental philosophy requires. We needn’t be bothered that I do have an inner experience in this proposition, the one that states my perception of myself.
B 401 Nor should it bother us that, as a result, the rational doctrine of the soul built on this proposition is never pure but rests partly on an empirical principium. For this inner perception is nothing more than the bare apperception “I think.” It is this that makes all transcendental concepts possible, the ones in which we say: I think substance, cause, and so on. Inner experience in general and how it is possible, or perception in general and how it relates to other perception, can’t be counted as empirical cognition so long as no particular difference or determination of it is given empirically. Instead it has to be taken as cognition of the empirical in general. It belongs in the study of how any experience is possible, and that study is certainly transcendental. The slightest object of perception (pleasure or displeasure, say) added to the general representation of self-consciousness would at once turn rational psychology into an empirical one.
So the only text rational psychology has is “I think.” From it, this science is supposed to unfold all its wisdom. One can see at once that this thought, once it is applied to an object (myself), can hold only transcendental predicates of that object. The slightest empirical predicate would spoil the rational purity of the science and its independence from all experience.
B 402 Here we will only have to follow the guiding thread of the categories. But a thing, I, as a thinking being, is given here first. So we will not alter the order the table gives the categories among themselves. We will, however, begin here with substance, since that category represents a thing in itself, and then work back through the others in order. The topics of rational psychology, from which all its other content has to be derived, are therefore these:
1 The soul is substance.
2 Simple in its quality.
3 Numerically identical across the different times in which it exists, that is, unity (not plurality).
4 In relation to possible objects in space*.
* A reader may not easily guess from these expressions, in their transcendental abstractness, what they mean psychologically, or why the last attribute of the soul belongs to the category of existence. That reader will find them explained and justified well enough in what follows. As for the Latin expressions that have crept in where equivalent German ones should stand, against the taste of good style, I have this excuse to offer, for this section and for the whole work: I preferred to give up some elegance of language rather than make school use harder by the slightest obscurity.
B 403 The pure doctrine of the soul gets all its concepts from these elements, simply by putting them together, without recognizing any other principium at all. Substance considered only as an object of inner sense yields the concept of immateriality. As simple substance, it yields incorruptibility. Its identity, as intellectual substance, gives personality. All three of these together give spirituality. Being related to objects in space gives rise to commerce with bodies. The result is thinking substance presented as the principium of life in matter: soul (anima), and the ground of animality. Animality, restricted by spirituality, gives immortality.
Four paralogisms connect with this. They belong to a transcendental doctrine of the soul, which people wrongly take for a science of pure reason about the nature of our thinking being.
B 404 The only thing we can lay at its base is the simple representation “I,” which is completely empty of content in itself. One can’t even say it is a concept. It is a bare consciousness that accompanies all concepts. All that is represented through this I, or this he or it (the thing that thinks), is a transcendental subject of thoughts = x and nothing more. We know this subject solely by the thoughts that serve as its predicates. Taken apart from them, we can have no concept of it, not even the slightest. So we keep turning around it in a constant circle, because we always have to use its representation already in order to judge anything about it. This inconvenience can’t be separated from it, because consciousness by itself isn’t so much a representation that picks out some particular object as the form that any representation has, so far as it deserves to be called cognition. For only of cognition can I say that by it I think something.
It has to seem strange right from the start that the condition under which I think at all, which is therefore only a feature of my own subject, should hold at the same time for everything that thinks. It also seems strange that we can presume to build an apodictic and universal judgment on a proposition that looks empirical. The judgment is this: that everything that thinks is constituted as the declaration of self-consciousness says it is in me.
B 405 The reason for this lies in the fact that we necessarily have to attribute to things a priori all the properties that make up the conditions under which we can think them at all. Now no outer experience can give me even the faintest representation of a thinking being. Only self-consciousness can. So such objects are simply this consciousness of mine, carried over to other things. Only by that transfer are they represented as thinking beings at all. The proposition “I think” is taken here only problematically. I do not take it as holding the perception of any existence (the Cartesian cogito, ergo sum). I take it in its bare possibility. My only aim is to see which properties might follow, for the subject of this very simple proposition, whether or not such a subject exists.
Suppose our pure cognition by reason of thinking beings in general had more than the cogito underneath it. Suppose we also drew on observations of how our thoughts play out, and on the laws of nature governing the thinking self that could be gathered from them. The result would be an empirical psychology, a sort of physiology of inner sense. It could perhaps explain the appearances of inner sense. But it could never serve to uncover properties that lie outside possible experience altogether (such as simplicity).
B 406 It also couldn’t teach anything apodictically about thinking beings in general, about their nature. So it would not be a rational psychology.
Taken problematically, the proposition “I think” holds the form of every judgment of the understanding. It also accompanies all the categories as their vehicle. So it is clear that the inferences drawn from it can involve only a transcendental use of the understanding. This use turns away every admixture of experience. From what we showed above, we can already tell in advance that we can form no favorable idea of how it will turn out. Let us trace it with a critical eye through every predicament of the pure doctrine of the soul. To keep it short, though, we will let the examination run on in one continuous line.
First, a general remark can make us more watchful about this kind of inference. Merely thinking never gives me cognition of an object. I cognize an object only when I determine a given intuition in light of the unity of consciousness, which is what all thinking consists of. So I don’t cognize myself just by being aware that I think. I cognize myself when I am aware of my own intuition as determined in light of the function of thinking.
B 407 None of the modi of self-consciousness in thinking, taken by itself, is yet a concept of the understanding for objects (a category); they are mere functions, and from them thinking gets no object to cognize, so it doesn’t get me myself as an object either. What counts as the object is not the consciousness of what determines. It is only the consciousness of the self that can be determined, meaning my inner intuition, so far as its manifold can be combined in keeping with the general requirement of apperception’s unity in thinking.
1) In every judgment, it is always I who am the subject that determines the relation making up the judgment. That I, who think, can always be taken in thinking as a subject, as something that doesn’t merely attach to thinking like a predicate, and must count as one, is an apodictic and even identical proposition. But it doesn’t mean that I, as an object, am a being that subsists on its own, or a substance. That claim goes very far. It therefore requires data that are not found in thinking at all, and perhaps, if I regard the thinker purely as a thinker, more than I will ever meet in it.
2) In every act of thinking, the I of apperception is a singular, and it can’t be dissolved into a plurality of subjects. So it stands for a logically simple subject. That much is already contained in the concept of thinking, so this is an analytic proposition.
B 408 But that doesn’t mean the thinking I is a simple substance. That would be a synthetic proposition. The concept of substance always refers to intuitions, and in my case these can only be sensible. These lie entirely outside the field of the understanding and its thinking. Yet when we call the I simple in thinking, the only thing we are really talking about is thinking. It would also be a wonder if something that otherwise takes so much effort were handed to me here so directly, in the poorest representation of all, as if by a revelation. I mean the effort of working out which part of what an intuition lays out is substance, and, still harder, whether that substance might be simple too (the way the parts of matter are).
3) The proposition of my identity amid whatever manifold I am conscious of is likewise one that lies in the concepts themselves, and so it is an analytic proposition. But this identity of the subject, which I can become aware of in each of its representations, has nothing to do with the intuition by which it is given as an object. So it also can’t mean personal identity, which is the consciousness that one’s own substance, as a thinking being, stays the same through every change of state. Merely analyzing the proposition “I think” could not prove that.
B 409 We would need various synthetic judgments, which rest on the given intuition.
4) I set apart the existence that is mine, that of a thinking being, from the things outside me (my body is one of them). That too is an analytic proposition. After all, other things are simply what I think of as different from me. But I learn nothing from this about whether I could be conscious of myself at all without things outside me, the things that supply my representations. So I learn nothing about whether I could exist as a mere thinking being (without being a human being).
So analyzing my consciousness of myself in thinking in general gains not the slightest thing toward cognizing myself as an object. A logical account of thinking in general is wrongly taken to be a metaphysical determination of the object.
Our whole Critique would face a great stumbling block, in fact its only one, if some way existed to prove a priori that thinking beings, one and all, are simple substances in themselves. As such they would inseparably carry personality with them (which follows from the same ground of proof), and they would be conscious of their existence as separate from all matter. For in that way we would have taken a step beyond the sensible world. We would have entered the field of noumena.
B 410 Now let no one dispute our right to spread out further in that field, to cultivate it and, if each person’s lucky star favors them, to take possession of it. The reason is that the claim “A thinking being is, just as such, a simple substance” is a synthetic proposition a priori. For one thing, it goes beyond the concept at its base and adds a kind of existence to thinking in general. For another, it attaches to that concept a predicate (simplicity) that no experience can supply. So synthetic propositions a priori would be workable and admissible not merely, as we have claimed, in relation to objects of possible experience, and as principles of the possibility of that experience itself. They could also apply to things in general and in themselves. That consequence would put an end to this whole Critique and would order us to leave everything as it was. But the danger is not so great here, once one looks at the matter more closely.
In the procedure of rational psychology a paralogism is at work. It is set out in the following inference of reason:
What can’t be thought other than as a subject also doesn’t exist other than as a subject, and so is substance.
B 411 Now, if we regard a thinking being just as such, it cannot be thought except as a subject.
Therefore it exists only as a subject too, that is, as a substance.
The major premise talks about a being that can be thought of in any respect at all, and so also in whatever way intuition may give it. The minor premise, though, talks about that being only as it considers itself, as subject, purely in connection with thinking and the unity of consciousness, and not also in connection with the intuition by which it is given as an object for thinking. So the conclusion is drawn per sophisma figurae dictionis, that is, by a fallacy*.
* Thinking is taken in two quite different meanings in the two premises. In the major premise it means thinking as it goes to an object in general (and so as the object may be given in intuition). In the minor premise it means thinking only as it consists in the relation to self-consciousness. There no object at all is thought. What gets represented is only one’s relation to oneself as subject, which is the form of thinking. The first premise speaks of things that can only be thought as subjects. The second does not speak of things at all. It speaks of thinking (leaving every object out of account), in which the I is always what serves as consciousness’s subject. So the conclusion cannot be: I can’t exist other than as a subject. It can only be: in thinking my existence I can use myself only as the subject of the judgment. That is an identical proposition, and it reveals absolutely nothing about the kind of existence I have.
B 412 That this resolution of the famous argument into a paralogism is quite correct is plainly shown if one turns to the general remark attached to the systematic presentation of the principles, and to the section on noumena. That discussion proved that the concept of a thing able to exist for itself as subject, and not as a mere predicate, has no objective reality of its own. That is, one can’t know whether any object can correspond to it, because we can’t see how such a way of existing could be possible. So it yields no cognition whatsoever. Suppose the concept is to point, under the name of substance, to an object that can be given, and to become a cognition. Then a persistent intuition has to be laid at its base. Such an intuition is the one condition a concept cannot do without for objective reality: it is what alone gives the object.
B 413 Now inner intuition gives us nothing persistent whatsoever, because the I is nothing but the awareness of my thinking. So long as we stay with thinking alone, the necessary condition is missing for applying the concept of substance (a subject subsisting for itself) to ourselves as thinking beings. The simplicity of substance connected with that concept then drops away entirely along with the concept’s objective reality. What remains is only a logical unity of self-consciousness in thinking generally, a unity of quality, whether or not the subject is composite.
Refutation of Mendelssohn’s Proof of the Soul’s Persistence
This sharp-minded philosopher soon noticed a shortcoming in the usual argument meant to prove that the soul (if one grants that it is a simple being) cannot cease to be by being divided. The argument isn’t sufficient for the aim of securing its necessary continuation, because one could still assume that its existence ends by vanishing. In his Phaedo he then tried to keep this perishing, which would be a true annihilation, away from the soul. He dared to prove that a simple being cannot stop existing at all. His reason was this. A simple being can’t be diminished. So it can’t lose something of its existence little by little.
B 414 And so it can’t be turned gradually into nothing (it has no parts, and so no plurality in itself). Then no time at all would lie between the moment when it is and the next moment when it is no longer, and that is impossible.—But he didn’t consider this. Grant the soul this simple nature, in that it contains no manifold outside one another and so no extensive magnitude. Even so, nobody can deny it intensive magnitude, any more than they can deny it to anything else that exists. Intensive magnitude is a degree of reality with regard to all its faculties, indeed to everything that makes up its existence. That degree can sink through all the infinitely many lesser degrees. And so the supposed substance (the thing whose persistence isn’t already established otherwise) can be turned into nothing. It does not happen by division, but by a gradual slackening (remissio) of its forces (that is, by elanguescence, if I may use this expression). For consciousness too always has some degree, and that degree can always be lowered further*.
B 415 So can the faculty of self-awareness, and so can all the other faculties.—The soul’s persistence, then, as the mere object of inner sense, stays unproved and even unprovable. That it persists during life is obvious by itself, since the thinker, as a human being, is also an object of the outer senses. That doesn’t satisfy a rational psychologist, who sets out to prove, from bare concepts alone, that the soul persists absolutely, even beyond life∗∗.
* Clarity is not, as the logicians say, the consciousness of a representation. For a certain degree of consciousness, one that is not enough for recollection, must be found even in some obscure representations, because with no consciousness whatever we could tell nothing apart when obscure representations are combined. Yet we can do just that with the marks of some concepts (for instance those of right and fairness, or of a musician who plays many notes at once while improvising). Rather, a representation is clear when the consciousness in it is enough for consciousness of its difference from others. If it is enough for telling them apart, but not enough for being conscious of the difference, we would still have to call the representation obscure. Consciousness therefore has infinitely many degrees, all the way down to vanishing.
∗∗ People who think they’ve done enough to bring a new possibility forward, simply by insisting that no one can show them a contradiction in their assumptions, can be thrown into great embarrassment by other possibilities that are no bolder at all. (All who believe they can see the possibility of thinking continuing after life has ended, though they have an example of thinking only in empirical intuitions within human life, are in this position.) One of these is that a simple substance might be divided into several substances. The reverse is the possibility of several substances flowing together (coalition) into one simple one. For divisibility presupposes something composite. But it doesn’t necessarily require something composite of substances. It requires only a composite of degrees (of the soul’s various faculties) belonging to one and the same substance. We can think of all the forces and faculties of the soul, even that of consciousness, as dwindled by half, so that substance would still remain. In the same way we can picture this extinguished half, without contradiction, as preserved, not in the soul but outside it. Everything in the soul that is real has a degree, and so the soul’s whole existence, with nothing lacking, would have been halved here. Outside it, a substance of its own would then come into being. For the plurality that was divided was there beforehand. It was not a plurality of substances, though. It was a plurality of every reality, each being a quantum of existence in the soul. The unity of the substance was only one way of existing, and this division alone would turn it into a plurality of subsistence. In the same way, several simple substances could flow together again into one. The only loss would be the plurality of subsistence, because the single substance would hold within itself the degree of reality that all the earlier ones had between them. Perhaps the simple substances that appear to us as matter could produce child-souls by a dynamic division of parent-souls, understood as intensive magnitudes. (They would do so not by a mechanical or chemical action on one another, but by some action unknown to us, of which those would be only the appearance.) The parent-souls would make good their loss in turn, by coalition with fresh matter of the same sort. I am far from granting such figments of the brain the slightest value or validity. The principles of the Analytic above have also impressed on us enough that we should use the categories (the category of substance, for instance) only in experience. But suppose the rationalist is bold enough to turn the mere power of thinking into a self-subsisting being, with no persistent intuition by which an object would be given. The only reason is that the unity of apperception in thinking allows no explanation from something composite. It would be wiser for the rationalist to confess that they can’t explain how a thinking nature is possible. If they do it anyway, why shouldn’t the materialist be entitled to the same boldness, even though the materialist can no more cite experience for their own possibilities? Why shouldn’t the materialist use their own principle for the opposite purpose, while keeping the rationalist’s formal unity?
B 416 Let us now put our propositions above into synthetic connection, as rational psychology has to when it treats them as one system that holds good for every thinking being. Start from the category of relation.
B 417 The proposition is: all thinking beings, as such, are substances; then work backward through the series of categories until the circle closes. In the end we meet the existence of these beings. In this system they are conscious of this existence independently of outer things.
B 418 And they can determine it from themselves, as regards the persistence that necessarily goes with being a substance. It follows from this that idealism is unavoidable in this same rationalist system, at least problematic idealism. And suppose determining one’s own existence in time doesn’t require outer things to exist at all. Then their existence is assumed for nothing, and no proof of it can ever be given.
Suppose instead we follow the analytic procedure. Then “I think” lies at the base as given. It is a proposition that already includes an existence, and so modality. We take it apart to learn what it contains: whether this I settles its existence in space or in time, and how, simply by thinking. In that case the propositions of the rational doctrine of the soul would begin with an actuality. They would not begin with the concept of a thinking being at large. They would work from the way this actuality is thought, once everything empirical in it has been set aside.
B 419 From that they would infer whatever belongs to any thinking being, as the following table shows.
1 I think,
2 as subject,
3 as simple subject,
4 as identical subject, whatever state my thinking is in.
The second proposition doesn’t settle whether I can exist and be thought of solely as a subject, or also as the predicate of something else. So the concept of a subject is taken here as merely logical. Nothing is settled about whether substance is meant by it. In the third proposition, though, the simple I, apperception’s absolute unity, becomes important in its own right. It is the I in the representation to which every combination or separation that makes up thinking relates. This holds even though I haven’t yet settled anything about the constitution or subsistence of the subject. Apperception is something real, and its simplicity lies already in its possibility. Now nothing real in space is simple, since points (the only simple things in space) are merely boundaries. They are not themselves something that serves to make up space as a part.
B 420 So it follows from this that it is impossible to explain my constitution, as a merely thinking subject, from the grounds of materialism. In the first proposition, however, my existence is regarded as given. It doesn’t say that every thinking being exists (which would say absolute necessity of them, and so too much). It says only: I exist thinking. So that proposition is empirical. It contains the determinability of my existence only with regard to my representations in time. But for this I again need something persistent first, and as far as I think myself, nothing of the kind is given to me in inner intuition. So the way in which I exist, whether as substance or as accident, can’t possibly be determined by this simple self-consciousness. If materialism is unfit to explain my existence, then spiritualism is just as inadequate for it. The conclusion is that we cannot cognize anything at all, in any way whatever, about the make-up of our soul as it bears on whether it could exist separately at all.
How could we possibly get beyond experience (our existence in life) by means of the unity of consciousness? The only reason we know that unity is that we cannot do without it for experience to be possible. And how could we widen our cognition to cover the nature of every thinking being whatever?
B 421 We would have to do it by the proposition “I think,” which is empirical but undetermined with regard to every kind of intuition.
So rational psychology doesn’t exist as a doctrine that would add anything to our self-knowledge. It exists only as a discipline. It sets uncrossable boundaries for speculative reason in this field. One purpose is to keep reason from throwing itself into the lap of soulless materialism. The other is to keep it from losing itself, wandering aimlessly in a spiritualism that, for us in this life, has no ground. Instead the discipline reminds us to see our reason’s refusal to give a satisfying answer to curious questions that reach beyond this life as a hint. The hint is to turn our self-knowledge away from fruitless, excessive speculation and toward fruitful practical use. This practical use is always directed at objects of experience. Even so, it takes its principles from higher up, and it determines conduct as if what we are meant for reached infinitely far beyond experience, and so beyond this life.
All of this shows that rational psychology originates in a mere misunderstanding. The unity of consciousness that lies at the base of the categories is taken here for an intuition of the subject as an object.
B 422 Then substance, the category, is applied to it; but that unity is only the unity in thinking, and by it alone no object is given. So substance, a category that always presupposes a given intuition, can’t be applied to it. And so this subject can’t be cognized at all. The subject of the categories, then, cannot gain a concept of itself as something the categories apply to just by thinking them. For to think them it has to lay its pure self-consciousness at the base, and that is exactly what was supposed to be explained. In the same way, the subject that is the original ground of the representation of time can’t determine its own existence in time by this means. And if that can’t happen, then the other can’t happen either: the subject’s determining itself, as a thinking being at large, through categories*.
* “I think” is, as already said, an empirical proposition, and it contains the proposition “I exist.” But I can’t say: everything that thinks exists. For if I could, the property of thinking would turn every being that has it into a necessary being. So my existence can’t be treated as something inferred from “I think,” which is what Descartes believed (otherwise the major premise would have to come first: everything that thinks exists). Instead, my existence is identical with it. It expresses an undetermined empirical intuition, that is, a perception. (So it does prove that sensation, which therefore belongs to sensibility, lies at the base of this existential proposition.) But it comes before the experience that is meant to determine the object of perception, by means of the category, in respect of time. And existence here is not yet a category. A category refers not to an object given undetermined, but only to one of which one has a concept and about which one wants to learn whether or not it is also posited outside that concept. Here an undetermined perception means just something real that was given, given only to thinking in general. So it is not given as an appearance, and not as a thing in itself (noumenon) either. It is given as something that actually exists, and the proposition “I think” marks it as such. For note this: I called “I think” an empirical proposition. By that I didn’t mean that the I in it is an empirical representation. It is rather purely intellectual, since it belongs to thinking as such. But without some empirical representation that supplies thinking with its matter, the act “I think” could not occur. The empirical is merely what has to be present for the pure intellectual faculty to be applied or used.
* * *
B 423 So a cognition that was attempted beyond the boundaries of possible experience, and that yet belongs to the highest interest of humanity, disappears, as far as it is supposed to be owed to speculative philosophy.
B 424 It ends in disappointed expectation. Even so, the strictness of the Critique does reason a service in this interest of its own, and not an unimportant one. It proves at the same time the impossibility of settling anything dogmatically, beyond the boundary of experience, about an object of experience. That also secures reason against all possible assertions of the opposite. This can happen in no other way than this: either one proves one’s proposition apodictically or, if that fails, one looks for the sources of this inability. If they are rooted in our reason’s own necessary limits, they must hold every opponent to the identical rule: give up every claim to dogmatic assertion.
Even so, nothing at all is lost here as regards the right, indeed even the necessity, of assuming a future life, on the principles of the practical use of reason that is joined with the speculative. For the merely speculative proof could never have affected ordinary human reason anyway. It is balanced on the point of a hair. Even the schools can keep it balanced there only by making it spin like a top, without pause. By their own lights, then, it offers no lasting footing to build anything on. The proofs that are usable for the world all keep their undiminished worth here.
B 425 Rather, they gain in clarity and unforced conviction when those dogmatic presumptions are removed. They move reason into its own proper territory, namely the order of purposes, which is at the same time an order of nature. There reason is entitled, as a practical faculty in itself, to stretch the former order, and our own existence along with it, past the boundaries of experience and of life. It is not limited to the conditions of the latter. Consider by analogy the living creatures of this world. In them reason must assume, as a principle, that you will find no organ, no faculty, no drive that could be spared, or that is out of proportion to its use, and so unsuited to its purpose. Everything is exactly fitted to what it is meant for in life. Judging by that analogy, the human being would have to be the one creature exempted from it. Yet the human being alone can hold within themselves the final end of all this. For their natural predispositions, not merely the talents and impulses as far as making use of them goes, but above all the moral law within them, go so far beyond any benefit or advantage that this life could bring them that the moral law even teaches them to esteem above everything the bare consciousness of an upright disposition, when all advantages are lacking.
B 426 That holds even when the mere shadow of fame after death is lacking too. They also feel an inner call to qualify themselves, by how they behave in this world and at the cost of many advantages, as citizens of a better world, one they hold in the idea. This powerful ground of proof, which can never be refuted, remains in place. It is accompanied by a steadily growing cognition of purposiveness in all we see around us, and by a view into the immensity of creation. It is accompanied too by the sense that our knowledge could grow without any fixed end, along with a drive to match. All of this remains even though we must give up seeing, from merely theoretical cognition of ourselves, that our existence necessarily continues.
Conclusion of the Resolution of the Psychological Paralogism
The dialectical illusion in rational psychology comes from a mix-up. An idea of reason (a pure intelligence) gets confused with the concept of a thinking being in general, a concept that is undetermined in every respect. I think of myself for the sake of a possible experience, abstracting from all actual experience while I do. From this I conclude that I could become aware of my existence even outside experience, apart from its empirical conditions.
B 427 In doing so I mistake two things for each other. The first is the possibility of abstracting from my existence as experience determines it. The second is an alleged awareness that my thinking self could exist on its own, set apart from all that. And I take myself to cognize the substantial in me, the transcendental subject, when all I have in thought is the unity of consciousness, which underlies all determining as the mere form of cognition.
Explaining how the soul and the body are in community isn’t really a job for the psychology we’re discussing here. That psychology means to prove that the soul stays a person even without this community (after death). In the strict sense, then, it is transcendent. It does deal with something from experience, but only as that thing ceases to be something we can experience. Still, our own doctrine can answer this question adequately too. The difficulty, as is well known, comes from an assumed difference in kind. The soul is what inner sense takes as its object, and the things the outer senses take as theirs are supposed to be of another sort. For the soul, only time is the formal condition of its intuition. For the others, space is one too. But the two sorts of things don’t differ from one another inwardly in this; they differ only in that one appears outside the other.
B 428 So the thing in itself that lies at the basis of matter’s appearance may well not be so different in kind. Then the difficulty vanishes. What is left is only the question how a community of substances is possible at all. Solving that lies completely outside the field of psychology. And, as the reader will readily see from the Analytic’s remarks on fundamental powers and faculties, it surely lies outside the field of all human cognition, too.
General remark on the move from rational psychology to cosmology
Take the sentence “I think,” or “I exist thinking.” It is an empirical sentence. Such a sentence rests on empirical intuition, and so the object thought in it counts as an appearance. That makes it seem as if our theory turned the soul completely into appearance, even in its thinking. In that case our own consciousness would be mere illusion, and it would really be of nothing.
Thinking, taken by itself, is only the logical function. It is pure spontaneity in combining the manifold of a merely possible intuition. It does not present the subject of consciousness as an appearance.
B 429 The reason is simply that thinking pays no attention to what kind of intuition there is, whether sensible or intellectual. Through thinking, then, what I represent is not myself as I am, and not myself as I appear either. I only think of myself as I would think of any object whatever, with its kind of intuition left aside. When I take myself here to be a subject of thoughts, or even the ground of thinking, these ways of representing do not stand for the categories of substance or of cause. Those categories are the functions of thinking (of judging) once they are applied to our sensible intuition, and they would be needed if I wanted to cognize myself. But all I want is to become aware of myself as thinking. In what way my own self is given to intuition, I leave aside. On that question I, the one who thinks, could be mere appearance to myself, though not insofar as I think. In my consciousness of myself while merely thinking, I am the being itself. But of course nothing about this being is thereby given to me to think.
But the statement “I think,” insofar as it says the same as “I exist thinking,” is not just a logical function. It determines the subject (which is an object as well) in respect of existence. And it can’t occur without inner sense, whose intuition always supplies its object as appearance only, never as a thing in itself.
B 430 So this statement already holds more than the bare spontaneity of thinking; it also holds the receptivity of intuition, that is, my thinking about myself brought to bear on the empirical intuition of this very same subject. In that empirical intuition the thinking self would then have to look for the conditions under which its logical functions can be put to work as the categories substance, cause, and the rest. Only then could it do more than mark itself with the word “I” as an object in itself. Only then could it also determine how it exists, which means cognizing itself as a noumenon. That can’t be done, since inner empirical intuition is sensible and supplies only data of appearance. These data give the object of pure consciousness nothing toward knowing its separate existence. They are good only for serving experience.
Suppose, though, that we later found grounds, not in experience but in certain laws of the pure use of reason that concern our existence and stand fixed a priori (laws, and not merely logical rules), for assuming, completely a priori, that we legislate for our own being and also determine that existence ourselves. Then we would discover a spontaneity by which our reality could be determined without any need for the conditions of empirical intuition. And we would notice that something a priori is already contained in our consciousness of being here. This something would serve to fix our existence, which is determinable all the way through only by way of the senses.
B 431 It would do so with regard to a certain inner faculty, with a view to an intelligible world, though to be sure one we can only think.
Even so, this would not move any attempt of rational psychology forward in the least. That admirable faculty, which first discloses to me the consciousness of the moral law, would indeed give me a principle for determining my existence, and a purely intellectual one. But through which predicates? Only those that have to be given to me in sensible intuition. So I would end up back where I stood in rational psychology. Once more I would need sensible intuitions, in order to give meaning to the concepts of the understanding I use (substance, cause and so on), the only concepts through which I can have cognition of myself. And those intuitions can never help me out beyond the field of experience. In practical use, though, which always aims at objects of experience, I would still have the right to bring these concepts to bear on freedom and on the subject that has it. The meaning would be analogous to the one they have in theoretical use. For all I mean by them is the logical functions of subject and predicate, of ground and consequence.
B 432 In line with these functions, actions or effects are determined, according to those laws, in such a way that they can at the same time always be explained in agreement with the laws of nature, that is, with the categories of substance and cause, even though they come from a wholly different principle. All this has been said only to prevent a misunderstanding, to which the teaching about our intuition of ourselves as appearance is easily exposed. We will have a chance to put it to use later.
The Transcendental Dialectic Book Two
Chapter Two The Antinomy of Pure Reason
We showed, in the introduction to this division of the book, that the transcendental illusion of pure reason, all of it, is founded on dialectical inferences. Logic provides their pattern in the three formal kinds of inference by reason, just as the categories find their logical pattern in the four functions of all judgments. The first kind of these sophistical inferences went after unconditioned unity among subjective conditions, those of every representation whatever (that is, those of the subject or soul). It corresponds to categorical inferences, whose major premise, as a principle, asserts that a predicate relates to a subject.
B 433 By analogy with hypothetical inferences, then, the second kind of dialectical argument is going to deal with an unconditioned unity again, but among objective conditions, in appearance. The third kind, which comes in the next chapter, deals with unconditioned unity among the objective conditions that make objects as such possible.
It is remarkable, though, that the transcendental paralogism produced only a one-sided illusion, when it comes to the idea we have of our thinking subject. For the opposite claim, not the slightest illusion from concepts of reason can be found. The advantage lies wholly with pneumatism. Yet pneumatism can’t deny its inherited flaw. For all the illusion that favors it, it dissolves into pure vapor in the fire test of critique.
Things turn out very differently once reason is applied to the objective synthesis of appearances. There reason thinks it can make its principle of unconditioned unity count, and with a great deal of illusion. But it soon gets tangled in such contradictions that, for cosmological purposes, it has to give up its demand.
Here a new phenomenon of human reason shows itself: a completely natural antithetic. No one has to rack their brains over it or lay artful traps to find it.
B 434 Reason runs into it on its own, and unavoidably. That keeps reason safe from the slumber of an imagined conviction, which a merely one-sided illusion produces. But it also tempts reason either to hand itself over to skeptical hopelessness, or to take up a dogmatic defiance and stubbornly dig in on certain claims, without giving the grounds of the opposite side a hearing or a fair judgment. Either one is the death of a healthy philosophy, though the former might at most be called pure reason’s euthanasia.
Before we display the scenes of discord and confusion that this conflict of laws (antinomy) brings on pure reason, we want to give some explanations. They are meant to clarify and justify the method we use in handling our subject. I call a transcendental idea a world concept when it has to do with absolute totality in how appearances are synthesized. There are two reasons for the name. One is this very unconditioned totality. The concept of the world as a whole also rests on it, and that concept is itself only an idea. The other is that these ideas go only to the synthesis of appearances, and so only to the empirical. Absolute totality is a different matter when it is found in synthesizing the conditions of all possible things whatever.
B 435 That will lead to an ideal of pure reason, which is wholly distinct from the world concept, although it refers back to it. The paralogisms of pure reason laid the groundwork for a dialectical psychology. In the same way, the antinomy will put before our eyes the transcendental principles of a so-called pure (rational) cosmology. It will not do this to find them valid and appropriate them. As the very name for a conflict of reason already indicates, it will do it to show them for what they are: an idea that can’t be reconciled with appearances, shining with a dazzling but false illusion.
Pure Reason’s Antinomy First Section The Cosmological Ideas as a System
To list these ideas systematically, by one principle and with precision, we first have to note a few things. Pure, transcendental concepts can only spring from the understanding. Reason doesn’t really produce any concept. At most it takes a concept of the understanding and frees it from the unavoidable restrictions of possible experience, so that it reaches past the boundaries of the empirical while still staying connected with the empirical.
B 436 Reason does this as follows. For any conditioned thing that is given, it asks that the conditions be gathered up in an absolute totality. (The understanding brings all appearances under synthetic unity by way of these conditions.) That turns the category into a transcendental idea. Reason wants to make the empirical synthesis absolutely complete by continuing it until it reaches the unconditioned, and the unconditioned is met with only in the idea, never in experience. Its principle is this: if a conditioned thing is given, the entire sum of its conditions is given as well, and so is the absolutely unconditioned, which alone made that thing possible. First, then, the transcendental ideas will turn out to be nothing other than categories stretched out to the unconditioned, and they can be put in a table arranged under the headings of the categories. Second, not every category will suit this. Only those will do in which the synthesis forms a series, a series of conditions for a conditioned thing that are subordinate to one another (not coordinate). Reason asks for absolute totality only on the way up: the rising series of conditions that leads to a conditioned thing already given. It does not ask for it where the talk is of the line of consequences running down, or of the aggregate of coordinate conditions for those consequences.
B 437 For conditions, in relation to the conditioned thing that is given, are already presupposed, and so are to be regarded as given along with it. Consequences do not make their conditions possible; they presuppose them. So as we go forward to consequences (or down from a given condition to what it conditions), we can be unconcerned whether the series ends. Whether that series is a totality is nothing reason has to assume.
In the same way we necessarily think of the time that has fully run its course up to the present moment as given, too (though we can’t determine it). As for future time, it is not the condition of our reaching the present. So, for grasping the present, it makes no difference how we choose to handle the future, whether to end it somewhere or to let it run on without end. Suppose a series m, n, o. In it n is given as conditioned by m and at the same time as the condition for o. The series goes upward, from n as the conditioned one back to m (l, k, i, and so on), and also downward, from n as condition to o as the conditioned (p, q, r, and so on). To regard n as given, I have to presuppose the first series. Reason’s standard, the totality of conditions, lets n be possible only by means of that first series. But its possibility does not depend on the later series, o, p, q, r.
B 438 That series therefore can’t count as given either, only as dabilis (something that can be given).
I’ll use the name regressive synthesis for the synthesis of a series on the conditions’ side. It begins with the condition closest to the appearance we’re given and goes on to conditions farther away. I’ll use progressive synthesis for the one on the side of the conditioned: it runs from the nearest consequence out to those farther along. The regressive one heads in antecedentia (toward what comes before), the progressive one in consequentia (toward what follows). The cosmological ideas, then, are about the regressive synthesis taken as a whole, and they head in antecedentia, never in consequentia. Heading the other way would be a problem reason might take up if it liked, but doesn’t have to. For a complete grasp of what appearance gives us, we need grounds. We have no need of consequences.
To build the table of ideas on the pattern of the table of categories, we start with the two original quanta in all of our intuition: time and space. Time is a series by its own nature, and it is the formal condition for every series. So once a present moment is given, we can tell a priori the antecedentia, which serve as conditions (the past), from the consequentibus (the future). The transcendental idea asks for a series of conditions to be complete.
B 439 Where a conditioned thing is given, that idea reaches only as far as the whole of past time. The idea of reason requires us to think of all the time that has gone by as given, because it is what conditions the moment we are in. Space is different. Space has no built-in difference between progressus and regressus, since it is an aggregate and not a series: all its parts exist together. I could treat the present instant, relative to the past, only as conditioned and never as a condition of it, because the instant arises only out of the time that has passed (or rather out of the passing of earlier time). The parts of space, though, are not ranked under one another. They stand side by side. So no part conditions the possibility of another, and space is not a series the way time is. Even so, we take in the manifold parts of space by a synthesis that goes step by step. That happens in time, and it contains a series. Look at a series of spaces added together (the feet in a rod, say). From any given one on, each further space we think of adding is always the condition for the boundary of the one before it. Measuring a space is therefore also a synthesis of a series of conditions, leading to something conditioned that is given. The only difference is that nothing in space itself separates the conditions’ side from the side where the conditioned thing lies.
B 440 For that reason, regressus and progressus look like one and the same thing in space. But one part of space is not handed to us by another part; the other part only bounds it. So we have to regard any bounded space as conditioned in this way too, since it assumes a second space to condition its boundary, and that one a third, and so on. Where bounding is concerned, then, moving on in space is also a regressus. The transcendental idea of absolute totality in the synthesis of a series of conditions therefore reaches space too. I may ask for a complete totality of appearance in space, just as I may for the time that has passed. Whether there can be an answer at all will be decided later.
Second, matter, which is reality in space, has conditions too. Its parts are its inner conditions, and the parts of those parts are conditions farther out. So we find a regressive synthesis here, and reason wants it carried to absolute totality. The only way to do that is complete division, which makes the reality of matter disappear: either into nothing, or into something that is no longer matter, the simple. So this too gives us a series of conditions and a way forward to the unconditioned.
B 441 Third, consider the categories of real relation among appearances. The category of substance, along with its accidents, doesn’t fit a transcendental idea. In other words, reason has no ground for going back to conditions where substance is concerned. Accidents that belong to one and the same substance are on the same level as each other, and they don’t form a series. With respect to the substance, they aren’t strictly subordinated to it either; they are simply its way of existing. One thing that might still seem an idea of transcendental reason is the concept of the substantial. But this concept means just the concept of an object that subsists, when all that is thought in it is the transcendental subject with no predicates. Here the topic is only the unconditioned in the series of appearances. So the substantial clearly can’t be one of the links in that series. The same goes for substances in community. They are mere aggregates, and there is no exponent of a series in them. They aren’t ranked under one another as conditions that make each other possible. One could well say that of spaces, since the boundary of a space was never fixed by the space itself, only by another space. So only the category of causality remains. It supplies a series of causes behind a given effect.
B 442 In that series one can climb from the effect, which is the conditioned thing, to the causes, which are its conditions, and so answer the question reason puts.
As for the fourth heading, the possible, the actual and the necessary give us a series in only one way: contingent existence always has to be seen as conditioned. The rule of the understanding sends it back to a condition, and under that condition it is necessary to refer this condition in turn to a still higher one. That goes on until reason meets unconditioned necessity, which it meets only in the totality of the series.
That gives us only four cosmological ideas, matching the four headings of the categories, once we select the categories that bring a series along with them in the synthesis of the manifold.
B 443 1. Absolute completeness in putting together the given whole made up of all appearances
2 Absolute completeness in dividing up a given whole within appearance
3 Absolute completeness in how an appearance comes to be
4 Absolute completeness in the dependence of existence, for whatever changes in appearance
A first point to note: the idea of absolute totality has to do with the setting out of appearances and nothing else. It is not about the pure concept of the understanding for a whole of things in general. So appearances are being treated as given, and what reason demands is that the conditions for their being possible be complete, as far as they form a series. That means a synthesis complete without qualification (that is, in every respect), through which an appearance could be set out according to laws of the understanding.
Second, what reason is really after is just the unconditioned.
B 444 It looks for it in this synthesis of conditions, which it carries on in a series, step by step, backward. The unconditioned is, so to speak, completeness in the line of premises, where all the premises together call for no further one. Now the unconditioned is always included in the absolute totality of such a series, if we form a picture of that totality in the imagination. Yet a synthesis finished in this complete sense is itself only an idea. At least ahead of time, we can’t know whether a synthesis like that can exist for appearances at all. Suppose we picture everything by means of bare pure concepts of the understanding, without the conditions of sensible intuition. Then we could simply say that when something conditioned is given, the full series of conditions ranked under one another is given with it, since only through the conditions is the conditioned thing given. With appearances, however, there is a particular restriction on how conditions are given. They are given by a synthesis of the manifold of intuition that proceeds in succession, and that synthesis is meant to be complete as it goes backward. Whether such completeness is possible for the senses remains a problem. All the same, the idea of that completeness is there in reason, whether or not empirical concepts that match it can be connected with it. Take the synthesis of the manifold in appearance, carried out as a regress, and view it as an absolute totality, following the lead of the categories, which present it as a series of conditions behind a given conditioned thing.
B 445 That totality necessarily contains the unconditioned. We can leave open whether, and how, that totality could ever be achieved. So reason goes about it by setting out from the idea of totality, even though what it ultimately aims at is the unconditioned, either of the entire series or of some part of it.
There are two ways to think of this unconditioned. In one, it exists only in the series as a whole: every member of the series is conditioned, without exception, and only the series taken together is unconditioned. In that case the regressus is called infinite. In the other, the absolutely unconditioned is a part of the series, which the remaining members are subordinate to, while it is not itself under any other condition.* On the first view, the series has no boundary a parte priori (looking backward), and so no beginning. That makes it infinite, and yet the whole of it is given. The regressus through it never gets finished, though, and can be called infinite only potentialiter (potentially).
B 446 On the second view, the series has a first member. Reckoned in elapsed time, this first member is called the beginning of the world. Reckoned in space, it is the world’s boundary. Reckoned among the parts of a whole that is given inside its boundaries, it is the simple. Among causes it is absolute self-activity (freedom), and in the existence of things that change, it is absolute natural necessity.
* A series of conditions for a given conditioned thing, taken as an absolute whole, is unconditioned every time, since there are no conditions outside it that could condition it. This absolute whole of such a series, however, is only an idea, or really a problematic concept. We need to investigate whether it is possible, specifically in regard to how the unconditioned, the true transcendental idea we are concerned with, might be contained in it.
Two terms, “world” and “nature,” sometimes get run together. “World” means the mathematical whole formed by all appearances, with the totality of their synthesis, whether large or small, that is, whether the synthesis advances by composing or by dividing. The very same world is called “nature”* once it is viewed as a dynamical whole. Then the thing we look at is not an aggregate in space or time, put together to make a quantity.
B 447 It is the unity in the existence of appearances. In this view, whatever conditions an event is called its cause. The cause’s unconditioned causality in appearance is called freedom; its conditioned causality, in the narrower sense, is called natural cause. In existence generally, the conditioned is called contingent and the unconditioned necessary. The unconditioned necessity found in appearances may be named natural necessity.
* “Nature” taken adjectivally (formaliter) means how the determinations of a thing hang together by an inner principle of causality. Taken as a noun (substantively, materialiter), it means the sum of appearances insofar as they are linked all the way through by an inner principle of causality. In the first meaning we talk about the nature of liquid matter, of fire, and so on, and use the word as an adjective. But when we talk about things of nature, we have in mind an existing whole.
The ideas we’re dealing with now are the ones I called cosmological ideas earlier. I had two reasons. First, “world” is understood as the sum of all appearances, and our ideas aim only at what is unconditioned among appearances. Second, in the transcendental sense, “world” means the absolute totality of all existing things taken together, and we are directing our attention only to the completeness of the synthesis (though strictly only in going back to the conditions). Besides, all these ideas are transcendent. They don’t overstep their object, appearances, as to its kind, since they concern the world of sense alone (not noumena). They still drive the synthesis to a degree beyond all possible experience. For these reasons I think they can all quite fittingly be called world concepts.
B 448 In view of the difference between the mathematically unconditioned and the dynamically unconditioned, at which the regressus aims, I would use “world concepts” in the narrower meaning for the first two (they deal with the world on the large scale and the small), and I would call the other two transcendent concepts of nature. For now this distinction is not especially important, but it may become more so as we go further.
Pure Reason’s Antinomy Second Section The Antithetic of Pure Reason
If a thetic is any collection of dogmatic teachings, then by antithetic I mean something else: not assertions of the opposite that are themselves dogmatic, but the clash among cognitions that seem to be dogmatic (thesin cum antithesi, a thesis against an antithesis), with neither side granted a better claim to our assent. The antithetic is never about one-sided assertions. It looks at general cognitions of reason solely for how they clash with each other and why. The transcendental antithetic is an inquiry into the antinomy of pure reason, covering its causes and its result. Suppose we do more than use reason, along with the principles of the understanding, on objects of experience.
B 449 Suppose we venture to stretch it beyond the boundary of experience. Out come sophistical doctrines. These can’t expect experience to confirm them, and they needn’t fear that it will refute them. Each is free of contradiction within itself, and it even meets the conditions of its necessity in the very nature of reason. The only trouble, and an unlucky one, is that its opposite has just as valid and necessary grounds for its own claim.
The questions that present themselves naturally with a dialectic like this one are the following. 1. Which propositions, exactly, is pure reason bound to fall into an antinomy over? 2. What causes lie behind the antinomy? 3. Does a way to certainty remain open to reason, despite this contradiction? If so, in what manner?
So a dialectical proposition of pure reason has to carry the following mark, which separates it from every sophistical proposition. First, it does not concern an arbitrary question, one raised only for some purpose or other. It concerns a question that any human reason, as it advances, is bound to meet. Second, it comes with its opposite, and together they carry not a contrived illusion that vanishes the moment someone sees through it, but a natural and unavoidable illusion.
B 450 Even when you are no longer led astray by it, this illusion still deceives, though it does not trick you. So it can be made harmless, but never wiped out.
A dialectical doctrine like this will not deal with the understanding’s unity in empirical concepts. It will deal with reason’s unity in mere ideas. The conditions of that unity have to fit two things at once. As a synthesis that follows rules, they have to fit the understanding, and yet as the absolute unity of that synthesis, they have to fit reason. If they match the unity of reason, they will be too big for the understanding. If they suit the understanding, they will be too small for reason. A conflict has to come out of this, and no one can avoid it, however they go about it.
These sophistical claims therefore open up a dialectical battlefield. There the side that is allowed to attack keeps the upper hand, and the side that is forced to merely defend is bound to lose. So sturdy knights, whether they stand surety for the good cause or the bad one, are sure to carry off the victor’s wreath, provided they make sure they have the privilege of the last attack and needn’t withstand a fresh assault from the other side. You can easily picture how often this field has been trodden since long ago, and how many victories each side has won.
B 451 But as for the last victory, the one that settled the question, it was always arranged that the defender of the good cause held the field alone. That was done by forbidding the opponent to take up arms any longer. As impartial referees, we have to set aside entirely whether the cause they are fighting over is the good one or the bad one. We should let them settle it first between themselves. Perhaps, after they have tired each other out more than they have hurt each other, they will see for themselves how worthless their quarrel is and part as good friends.
This method of watching a quarrel between assertions, or rather of starting one ourselves, is not meant to decide in the end for one side or the other. Its aim is to investigate whether what they are fighting over is perhaps a mere mirage, one that each side grabs at in vain and could gain nothing from even if no one stood in its way. This procedure, I say, can be called the skeptical method. It is completely different from skepticism, which is a principle of ignorance practiced as an art and a science. Skepticism undermines the foundations of all cognition, so that, if possible, no reliability or certainty is left anywhere. The skeptical method aims at certainty. The dispute it looks at is one that both sides mean honestly and carry on with intelligence.
B 452 In it, the method tries to find the point of misunderstanding. Wise lawgivers do the same: they draw a lesson for themselves, about what is defective or imprecise in their laws, from the judges’ perplexity in lawsuits. The antinomy that shows itself when laws are applied is, given our limited wisdom, the best way to test the lawmaking. It makes reason, which doesn’t easily notice its own missteps in abstract speculation, aware of the moments that matter in fixing its principles.
This skeptical method belongs essentially to transcendental philosophy alone. In any other field of inquiry it could be done without, though not in this one. In mathematics, using it would be absurd. No false claims can hide there or make themselves invisible, because proofs there always have to follow the guiding thread of pure intuition, one evident synthesis after another. In experimental philosophy, a doubt that holds back judgment can be useful. But at least no misunderstanding is possible that couldn’t easily be removed, and the last means for settling the dispute must lie in experience, whether they are found sooner or later.
B 453 Morality can show every one of its principles in concreto too, together with what follows from them in practice, at least within possible experiences, and so it can avoid the misunderstanding that comes from abstraction. Transcendental claims are different. They presume to insights that reach beyond the field of all possible experience. Their abstract synthesis can’t be given in any intuition a priori, and they aren’t the kind of claim whose misunderstanding could be found out through some experience. Transcendental reason therefore allows no other touchstone than the attempt to unite its claims with one another. For that, it needs first of all a free and unhindered contest among them. This is what we now want to stage.*
* The antinomies come one after another in the sequence of the transcendental ideas given earlier.
Pure Reason’s Antinomy
B 454 First Conflict among the Transcendental Ideas
Thesis
In time, the world has a beginning. In space, it is also enclosed within boundaries.
Proof
Take it that the world has no start in time. Then by any moment you pick, an eternity has run out, and an unending series of states of the world’s things, each following the last, has gone by. But what makes a series unending is exactly this: successive synthesis can never finish it. An unending series of world-states that has already elapsed is therefore impossible. So a beginning of the world is a condition its existence necessarily requires. That is what had to be proved first.
For the second claim, again assume the opposite. The world would then be an infinite, given whole of things that exist at the same time. Now, the magnitude of a quantum that isn’t given within certain boundaries of any intuition* can be thought in only one way.
B 456 That way is the synthesis of its parts. And the totality of such a quantum can be thought only through the completed synthesis, or through adding the unit to itself over and over.∗∗ Now think of the world, which fills every space, as a single whole. For that, we would have to treat the step-by-step synthesis of an infinite world’s parts as finished. That means an infinite time would have to count as run out while we go through all the things that exist side by side. This can’t be. So an infinite aggregate of actual things can’t be regarded as a given whole, and so not as given all at once either. Therefore a world is not infinite in its extent in space. It is enclosed within boundaries. That was the second claim.
* An indeterminate quantum that is enclosed within boundaries can be intuited as a whole. We don’t have to build up its totality by measuring, that is, by the step-by-step synthesis of its parts. The boundaries already fix its completeness, because they cut off whatever more there might be.
∗∗ Here the concept of totality simply stands for the finished synthesis of the parts. We can’t get the concept out of an intuition of the whole, since that is impossible in this case. The only way to reach it is by synthesizing the parts, all the way to the end of the infinite, in the idea at least.
B 455 Antithesis
There is no beginning to the world and no boundary to it in space. It is infinite in respect of time, and equally so in respect of space.
Proof
Suppose, for the sake of argument, that it does have a beginning. A beginning is a kind of existence. It is preceded by a time when the thing was not there. So a time must have gone before in which the world was not, that is, an empty time. But nothing can come to be in an empty time. No part of such a time has, over another part, any distinguishing condition for existing rather than not existing (whether we assume the thing arises of itself or through some other cause). So within the world many a series of things can begin, but the world itself can’t have a beginning. In regard to past time it is therefore infinite.
As for the second claim, first assume the opposite: the world is finite in space and has boundaries. It would then lie in an empty space with no boundary. So we would find not only a relation of things within space, but also a relation of things to space. Now the world is an absolute whole.
B 457 Outside it there is no object of intuition at all, and so no correlate of the world for it to be related to. If the world stood in a relation to empty space, it would stand in a relation to no object whatever. But a relation like that is nothing, and so is any bounding of the world by empty space. So the world is not bounded in space at all. That is, it is infinite in extent.*
* Space is nothing but the form of outer intuition (formal intuition); it is not a real object that outer intuition could take in. Before any things that determine it (by filling or bounding it), or rather that supply an empirical intuition fitting its form, space is what people call absolute space. Under that name it is merely the possibility of outer appearances, whether they exist in themselves or could still be added to appearances already given. Empirical intuition is not, then, put together out of appearances and space (that is, out of perception and empty intuition). Neither one is the other’s correlate in a synthesis. They are united only inside a single empirical intuition, as its matter and its form. Someone who wants to set one of the two apart from the other (space apart from all appearances) ends up with all kinds of empty determinations of outer intuition, none of which could be perceived. For example, take the world’s moving or resting in infinite empty space. That determines how the two stand to each other, and it can never be perceived. It is therefore also just the predicate of a thing of thought.
B 458 Remark on the First Antinomy I. On the Thesis
In these conflicting arguments I haven’t looked for deceptive tricks, to put on what’s called a lawyer’s proof. A lawyer’s proof takes advantage of the opponent’s carelessness, and gladly lets the opponent lean on a law that has been misunderstood, so that it can then base its own unjust claims on refuting that law. All of these proofs came out of the nature of the case itself. I have set aside the advantage that the fallacies of the dogmatists on both sides could have given us.
I could also have “proved” the thesis, so it would seem, by first laying down, as dogmatists tend to, a mistaken notion of what it is for a given magnitude to be infinite. A magnitude is infinite if none larger than it is possible, larger, that is, than the amount of a given unit it holds. But no amount is the largest, since a unit or more can always be added to any. So no given magnitude can be infinite, and neither can a world that is infinite, whether in its elapsed series or in its extent. It follows that the world is bounded on both sides. That is how I could have conducted my proof. But the concept doesn’t match what is meant by an infinite whole. It doesn’t tell us how big the whole is, so its concept isn’t the concept of a maximum either.
B 460 What is thought through it is only the whole’s relation to a unit we may take as we please, and relative to that unit the whole exceeds every number. If the unit is taken bigger or smaller, the infinite would be bigger or smaller too. Yet the infinity, because it consists only in the relation to this given unit, would remain the same. Of course the absolute size of the whole would not be known from this at all, and that isn’t the point here.
The true (transcendental) concept of the infinite is as follows: when a quantum is measured through, the successive synthesis of the unit can never reach its end.* It follows with complete certainty that no eternity of actual successive states can have run out by a given moment (the present one), so the world must have a beginning.
* In this way it holds a multitude (of a given unit) larger than any number. That is the mathematical concept of the infinite.
The second part of the thesis is free of the difficulty about a series that is infinite and yet already run through. The manifold of a world infinite in extent is given all at once. Even so, there is a problem in thinking the totality of such a multitude. We can’t point to boundaries that would form this totality by themselves in intuition. So we have to account for our concept. In a case like this the concept can’t start from the whole and move to a definite number of parts. It has to establish the possibility of a whole by synthesizing the parts one after another. That synthesis would have to form a series that can never be finished. So one cannot think a totality ahead of the synthesis, and therefore cannot think one by means of it. The concept of totality is itself, here, the thought of a synthesis of the parts brought to completion. Such completion, and with it the concept of it, is impossible.
B 459 II. Remark on the Antithesis
The proof that the world’s given series, and the world as a sum, are infinite rests on this: if they were not, an empty time and an empty space would have to be what bounds the world. I know that people look for ways out of this consequence. They claim that the world can very well have a boundary in time and in space without our needing to assume an absolute time before the world began, or an absolute space spread out beyond the real world, which is impossible. I am quite satisfied with the second half of this view, held by philosophers of the Leibnizian school. Space is only the form of outer intuition. It is no actual object to be intuited outwardly, and it is not a correlate of appearances. It is the very form of appearances. So space cannot, taken absolutely and by itself, figure as something that determines the existence of things. It is no object, just the form of possible objects. Things, as appearances, do determine space. Among all of its possible predicates (size and relation), they decide which belong to what is real. But space, as something that exists by itself, cannot determine the reality of things as to their size or shape, since in itself it is nothing real. So it is quite possible for a space (full or empty)* to be bounded by appearances.
B 461 But no empty space outside them can bound appearances. The same is true of time. Once all this is granted, it remains beyond dispute that anyone who assumes a boundary of the world, in space or in time, has to assume these two non-things as well: the empty space beyond the world and the empty time that precedes it.
* It’s easy to see what this is meant to say. Empty space that appearances bound, that is, empty space inside the world, at least doesn’t contradict the transcendental principles. As far as those principles go, then, it can be granted (though that doesn’t mean its possibility is straightaway asserted).
People try to get around the consequence we draw. We say that a world with boundaries in time and space would have the infinite void fixing the size of the real things that exist. The way they do it, though they don’t say so, is this. They put some intelligible world, who knows which, where a world of sense should be. Where the first beginning should be (an existence with a time of non-being before it), they put an existence of some sort that needs no other condition in the world. Where a boundary of extent should be, they put limits of the whole world. This lets them step around time and space. Our topic here, though, is only the mundus phaenomenon (the world as appearance), and how big it is. You can’t set aside the conditions of sensibility that we think into it without doing away with what it is. A world of sense that is bounded lies, necessarily, within the infinite void. Drop that void and, with it, space in general as the a priori condition that makes appearances possible, and the whole world of sense is gone. In our problem it is the only world we are given. The mundus intelligibilis (the intelligible world) is just the general concept of a world, in which we abstract from all the conditions of its intuition. So no synthetic proposition about it is possible, either to affirm or to deny.
B 462 Pure Reason’s Antinomy Second Conflict among the Transcendental Ideas
Thesis
Each composite substance in the world is made of simple parts. Nothing exists anywhere except the simple and whatever is put together out of it.
Proof
Let’s suppose that composite substances are not built from simple parts. Imagine all composition being removed in thought. No composite part would be left. There would be no simple part left either, since by assumption there are none, so nothing at all would be left, and that means no substance would have been given. So either it can’t be done at all, to remove all composition in thought, or something that exists without any composition has to remain after it is removed. That something is the simple. If the first is the case, then the composite again would not be made up of substances. (In substances, composition is just a contingent relation among them, and without that relation they have to continue to exist as beings that persist on their own.)
B 464 But that contradicts the assumption. So only the second option is left: whatever is composite in the world, and substantial, is built from simple parts.
It follows directly that the things of the world are all simple beings, that composition is only an external state of them, and that reason has to think of the elementary substances as the subjects that come first in every composition, and so as simple beings before any composing. This holds even if we can never take those substances entirely out of this state of combination and isolate them.
B 463 Antithesis
Nothing composite in the world is made of simple parts. And nothing simple exists anywhere in the world.
Proof
Suppose a composite thing (as a substance) is made up of simple parts. All outer relation, and so all composition out of substances, is possible only in space. That means the space a composite occupies must have as many parts as the composite does. Now space is not made of simple parts, but of spaces. So every portion of what is composite takes up some space. But the very first parts of anything composite are simple. So the simple occupies a space. Whatever is real and occupies a space includes a manifold whose members are outside one another. So it is composite, and since it is a real composite, it is composed not of accidents (they can’t be outside one another without a substance) but of substances. That would make the simple a substantial composite, and that is a contradiction.
In the antithesis, the second proposition is that nothing simple exists at all in the world.
B 465 It means only the following. No experience or perception, outer or inner, can establish that the absolutely simple exists. That makes the absolutely simple nothing but an idea. Its objective reality can’t be established in any possible experience, so in setting out appearances it has no use and no object. Consider this. Say that experience did offer an object matching this transcendental idea. We would then have to recognize, in the empirical intuition of some object, one that contains no manifold at all in which the members are outside one another and joined into a unity. But we can’t infer from not being aware of such a manifold that it is wholly impossible in any intuition of an object. And that impossibility is exactly what absolute simplicity requires. So absolute simplicity can’t be concluded from any perception whatsoever. Something absolutely simple can never be given as an object in any possible experience. The world of sense, though, has to be taken as the sum of all possible experiences. So nothing simple is given anywhere in it.
The second proposition of the antithesis reaches far beyond the first. The first only keeps the simple out of the intuition of the composite. The second wipes it out of nature as a whole. For that reason its proof couldn’t start from the concept of a composite, an object given in outer intuition. It had to come from how such an object relates to possible experience in general.
B 466 Note on the Second Antinomy I. Concerning the Thesis
By a whole that must consist of simple parts, I mean a substantial whole only: the true compositum. A compositum is a contingent unity of a manifold. The manifold is given as separate (in thought, at least), is put in mutual combination, and so makes one thing. Space, strictly speaking, shouldn’t be called a compositum at all. It should be called a totum, because its parts are possible only inside the whole, and the whole isn’t possible through the parts. You might call it a compositum ideale, but never a reale. That, however, is mere hairsplitting. Space is not composed of substances (nor even of real accidents). So when I remove all composition from it, nothing remains, not even a point. A point is only possible as a space’s boundary, and a space is something composite.
B 468 Space and time, then, are not made of simple parts. Something that only belongs to the state of a substance, though it has a magnitude (change, for instance), is not made of the simple either. A given degree of change does not arise by many simple changes piling up. Our inference from composite to simple is valid only for things that exist on their own. Accidents of a state don’t exist on their own. It is easy, then, to spoil the proof that the simple is necessary as the component of everything substantially composite, and with it one’s whole position. One does this by overextending the proof and trying to make it count for every composite without distinction, which has in fact been done more than once.
Note also that I am speaking of the simple here only insofar as it is necessarily given within the composite, which can be broken down into it as its components.
B 470 The word monas (Leibniz’s usage) should properly apply only to what is simple and given directly as a simple substance (in self-consciousness, for example), not as an element of a composite. For that second kind, atomus would be the better name. I only want to prove simple substances as elements of the composite. So I might give the name transcendental atomism to the second antinomy’s antithesis. Yet this word was long ago taken up to name a special way of explaining bodily appearances (molecularum), which presupposes empirical concepts. So it may instead be called the dialectical principle of monadology.
B 467 II. Remark on the Antithesis
The monadists object to this proposition of infinite divisibility of matter, whose ground of proof is purely mathematical. Their objections are suspect right from the start. The clearest mathematical proofs they won’t let count as insights into how space is made, although space truly is the formal condition for the possibility of any matter. They see them merely as conclusions drawn from concepts that are abstract but arbitrary, and so can’t be applied to real things. As though anyone could even dream up an intuition of a different kind from the one that space gives us originally. As though the determinations of space a priori did not also cover everything that is possible only by filling this space. If we listened to them, we would have to think of physical points besides the mathematical point. The mathematical point is simple, but it is no part of space, only a boundary of a space. Physical points are simple too, and they have the privilege of being parts of space and filling it up just by being aggregated. There are many common, clear refutations of this absurdity. I won’t repeat them here, since it is entirely pointless to try to argue away the evidence of mathematics with nothing but discursive concepts. I’ll only remark this.
B 469 When philosophy quibbles with mathematics here, the reason is that it forgets the question concerns only appearances and their condition. And here it isn’t enough to find a concept of the simple to match the pure concept of the composite in the understanding. We need to find an intuition of the simple to match the intuition of the composite (matter). By the laws of sensibility, and so for objects of the senses too, that is completely impossible. Now take a whole of substances that is thought through the pure understanding alone. For it, it may always be valid that we must have the simple before any composition of it. But that is not valid for the totum substantiale phaenomenon. As an empirical intuition in space, it necessarily carries this property: none of its parts is simple, since no part of space is simple. The monadists were still sharp enough to want to evade this difficulty. They don’t take space to be what makes outer objects of intuition (bodies) possible. They take the reverse to be true: bodies, and substances in their dynamical relation in general, make space possible. But the only concept we have of bodies is as appearances. As such, they necessarily presuppose space as the condition that makes every outer appearance possible. So the evasion is in vain, and it was cut off sufficiently in the Transcendental Aesthetic above. If bodies were things in themselves, the monadists’ proof would hold.
B 471 The second dialectical claim has one special feature. The dogmatic claim set against it is the only one, among all the sophistical claims, that sets out to prove clearly, on an object of experience, the reality of something we earlier ranked as a mere transcendental idea: the absolute simplicity of substance. The claim is that the object of inner sense, the thinking I, is a substance that is simple without qualification. I won’t get into this now, since it was weighed at greater length earlier. I only note this. Suppose something is thought only as an object, and no synthetic determination of how it is intuited is added to it (as happens with the completely bare representation “I”). Then of course no manifold and no composition can be noticed in the representation. Besides, the predicates by which I think this object are only intuitions of inner sense. Nothing in them can show a manifold with members outside one another, and so real composition. It is only self-consciousness, then, that makes it so: because the thinking subject is at the same time its own object, it cannot divide itself (though it can divide the determinations that inhere in it). With respect to itself, after all, every object is absolute unity. Even so, if this subject is considered from outside, as an object of intuition, it would surely show composition in appearance. And it has to be considered that way whenever the question is whether it contains a manifold with members outside one another, or not.
B 472 Pure Reason’s Antinomy Third Conflict among the Transcendental Ideas
Thesis
Causality that follows natural laws is not the only causality that can account for all the appearances of the world. We also have to assume a causality through freedom in order to explain them.
Proof
Suppose there is no causality other than the kind that follows laws of nature. Then every event presupposes an earlier state, and the event follows that state inevitably, by a rule. But the earlier state must itself be something that happened, something that came to be in time since it wasn’t there before. For if it had always been there, its consequence too would have always been there, and not just now come about. So the causality of the cause by which something happens is itself something that happened. By the law of nature it, in turn, presupposes an earlier state with its causality, and that presupposes a still older one, and so on. If everything happens by laws of nature alone, then, there is only ever a subordinate beginning.
B 474 There is never a first beginning, and so the series on the side of causes that stem from one another is never complete. Yet the law of nature is just this: nothing happens without a cause that is adequately determined a priori. So the claim that all causality is possible only by laws of nature contradicts itself when it is stated with no restriction on its generality. That claim can’t, then, be accepted as the only kind of causality.
We therefore have to assume a causality through which something happens although its cause is not determined, in turn, by an earlier cause according to necessary laws. In other words: an absolute spontaneity on the part of causes, which starts a series of appearances running by natural laws entirely on its own. That is transcendental freedom. Without it, even in nature’s own course, the causal side of the sequence of appearances can never be completed.
B 473 Antithesis
Freedom does not exist. All that happens in the world takes place by the laws of nature and by nothing else.
Proof
Suppose there is such a thing as freedom in the transcendental sense. It would be a special kind of causality by which the events of the world could come about, namely a power to begin a state absolutely, and with it a series of its consequences. Then not only would a series begin through this spontaneity. The very determination of this spontaneity to produce the series, that is, the causality itself, would begin absolutely, so that nothing goes before it by which this action that takes place would be determined according to permanent laws. But every beginning to act presupposes a state of the cause that is not yet acting. And a dynamically first beginning of the action presupposes a state that has no causal link at all with the earlier state of that same cause, that is, a state that does not follow from it in any way. So transcendental freedom runs against the law of causality.
B 475 It is also a kind of combination of the successive states of acting causes under which no unity of experience is possible. Nothing like it is ever found in any experience, and so it is an empty thing of thought.
All we have, then, is nature, and in it we have to look for the coherence and order of the events of the world. Freedom (independence) from the laws of nature frees us from compulsion, true. It also cuts us loose from every rule that could serve us as a guide. For we can’t say that laws of freedom step in to take the place of the laws of nature in the causality of the world’s course. If that causality were determined by laws, it would not be freedom. It would be nothing other than nature. So nature and transcendental freedom differ as lawfulness and lawlessness. Nature burdens the understanding with a difficulty: it has to keep looking higher and higher up the series of causes for where events come from, because the causality in them is always conditioned. But to make up for that, nature promises a thoroughgoing, law-governed unity of experience. The mirage of freedom does the opposite. To the understanding as it investigates the chain of causes, it promises rest, because it leads the understanding to an unconditioned causality that starts to act on its own. But that causality is itself blind, and so it tears away the guiding thread of rules, which is the only thing that makes a thoroughly connected experience possible.
B 476 Note on the Third Antinomy I. Concerning the Thesis
The transcendental idea of freedom comes nowhere near covering all that the psychological concept of the same name contains, and that concept is mostly empirical. The transcendental idea is just the absolute spontaneity of an action, taken as what really grounds our holding the agent responsible for it. Still, this idea is the true stumbling block for philosophy, because philosophy finds it impossibly hard to allow an unconditioned causality of this kind. So whatever it was in the question of free will that has always left speculative reason so embarrassed is, strictly, a transcendental matter. The only question is whether we have to assume a power of starting a series of successive things or states from itself. We are not equally obliged to explain how such a power could be possible. After all, in the case of causality by natural laws we also have to settle for knowing a priori that such causality must be assumed. We don’t grasp at all how the existence of one thing sets up the existence of another, and we simply have to go by experience. Now, what we have shown is this necessity of a first beginning, from freedom, for a series of appearances. We have shown it only to the extent needed to make an origin of the world understandable; every later state can be treated as following by natural laws alone.
B 478 But once the power to start a series in time wholly from itself has been proved (though not seen into), we may also let several series begin on their own, as far as causality goes, at points along the world’s course, and credit the substances in them with a power to act out of freedom. A misunderstanding shouldn’t hold us up here. A successive series in the world, it is said, can have only a relatively first beginning, because one state or another of the world’s things always lies before it. So perhaps no absolutely first beginning of series can occur while the world runs its course. But we aren’t talking about an absolutely first beginning in time. We mean one in causality. Say I get up from my chair right now, entirely freely, with no necessarily determining pressure from natural causes. Then a new series begins outright, and this event is its start. Its natural consequences stretch on without end. In time, the event is just the continuation of an earlier series. But this decision and deed isn’t part of the sequence of mere natural effects, and doesn’t merely continue it. The determining natural causes cease altogether above it, so far as this event is concerned. It follows them, but it doesn’t result from them. So in terms of causality, though not in terms of time, this must be called the absolutely first beginning of a run of appearances.
The need of reason, when it deals with the series of natural causes, to fall back on a first beginning from freedom, shows up very plainly in the following. Apart from the Epicurean school, all the thinkers of antiquity saw themselves forced to posit a first mover to account for the motions of the world. In other words, they posited a freely acting cause that began this series of states first, and by itself. They did not dare to rely on nature alone to make a first beginning intelligible.
B 477 II. Remark on the Antithesis
The defender of nature’s omnipotence (transcendental physiocracy), the opponent of the doctrine of freedom, would defend the position against the latter’s sophistical inferences like this. “If you don’t posit anything first in the world in the mathematical sense, as to time, you needn’t hunt for something first in the dynamical sense, as to causality. Who ordered you to make up a first state of the world, absolute and unqualified, and so an absolute starting point for the series of appearances unrolling bit by bit, and then, to give your imagination a resting place, to put boundaries on nature, which has none? Substances in the world have always existed. At the very least, the unity of experience makes that assumption necessary. So there is no problem in assuming that the alternation of their states, that is, the run of their changes, has also always been going on. Then no first beginning, mathematical or dynamical, should be sought at all. That such an infinite descent, with no first member to which all the rest merely succeed, is possible can’t be made comprehensible. But if you want to throw these riddles of nature away because of that, you will be compelled to discard many basic synthetic properties (fundamental powers) that you can no more comprehend.
B 479 Even the possibility of change in general will have to look objectionable to you. Unless experience showed you it is real, you could never think up a priori how such a constant succession of being and not-being could be possible.”
Now suppose a transcendental power of freedom is granted, at a pinch, for beginning the world’s changes. Even then, it would have to lie, at the least, outside the world. (Even so, it would remain a bold presumption to assume, beyond the sum of all possible intuitions, yet another object that can’t be given in any possible perception.) But it can never be permitted to credit substances within the world itself with such a power. If it were, the coherence of appearances that necessarily determine one another by universal laws, which is what we call nature, would largely vanish. So would the mark of empirical truth that separates experience from a dream. Next to a lawless power of freedom like that, hardly any nature can be thought at all. The influences of freedom would constantly change nature’s laws, and the play of appearances, which under nature alone would be regular and uniform, would turn confused and disconnected.
B 480 Pure Reason’s Antinomy Fourth Conflict among the Transcendental Ideas
Thesis
Something that belongs to the world, whether as a part of it or as its cause, is a being that is necessary without any qualification.
Proof
The world of sense, being the whole of all appearances, includes a series of changes. Without them we wouldn’t even have the representation of the time series, which is a condition that makes the world of sense possible.* Each change falls under a condition that comes earlier in time, and given that condition the change is necessary. Now whenever a conditioned thing is given, then as far as its existence goes, a complete series of conditions is presupposed, extending to what is unconditioned without qualification, and that alone is absolutely necessary. Something absolutely necessary must therefore exist if there is a change that exists as its consequence. This necessary thing, however, belongs to the world of sense itself, for suppose it were outside that world, so that the series of world changes drew its start from it.
B 482 Yet this necessary cause would not itself belong to the world of sense. But that is impossible. A time series can have its beginning fixed only by what precedes it in time. So the supreme condition for the beginning of a series of changes has to exist in time, at a point when that series was not yet there. (A beginning is an existence with a time before it in which the thing that begins was not yet there.) The causality of the necessary cause of the changes, and so the cause itself, therefore belongs to time and so to appearance (time is possible only as appearance’s form). It follows that it can’t be thought of as separated from the world of sense, the sum of all appearances. So the world itself contains something absolutely necessary (whether it be the entire world series or only a part of it).
* As the formal condition for changes to be possible, time does come before them objectively. But subjectively, and in the reality of consciousness, the representation of time is given only on occasion of perceptions, just as any other representation is.
B 481 Antithesis
An absolutely necessary being does not exist anywhere, neither within the world nor outside it as its cause.
Proof
Suppose the world itself, or something within it, is a necessary being. In the series of its changes there would then be one of two things. One is a beginning that is unconditionally necessary and therefore has no cause. That clashes with the dynamical law governing how all appearances in time are determined. The other is that the series has no beginning whatsoever. Every part of it would be contingent and conditioned, and yet the whole would be absolutely necessary and unconditioned. This is self-contradictory, since a multitude can’t exist necessarily if no single part of it has existence that is necessary in itself.
Suppose, on the other hand, that an absolutely necessary cause of the world existed outside the world.
B 483 As the supreme member in the series of causes of the world’s changes, it would be the one that first started those changes and their series.* But then it would also have to start acting, and its causality would fall in time, and for that very reason within the sum of appearances, that is, in the world. That makes the cause itself no longer external to the world, which goes against the assumption. So there is no absolutely necessary being, either in the world or outside it (though causally combined with it).
* “Begin” is used in two ways. In the active sense, the cause sets going a series of states that are its effect (infit.). In the passive sense, the causality begins in the cause itself (fit.). I am inferring here from the former to the latter.
B 484 Note on the Fourth Antinomy I. Concerning the Thesis
My task here, in proving that a necessary being exists, is to use nothing but a cosmological argument. Such an argument climbs from what is conditioned in appearance to what is unconditioned in concept, by seeing the unconditioned as the condition that the series’ absolute totality necessarily needs. An attempt at a proof from the bare idea of a supreme being among all beings falls under a different principle of reason, so that kind of proof will have to be taken up on its own.
The pure cosmological proof can establish that a necessary being exists only if it also leaves open whether the necessary being is the very world, or a thing that differs from it. To find out which, we would need principles that are no longer cosmological and don’t go along the series of appearances. They would be concepts of contingent beings as such (considered only as objects of the understanding), along with a principle that lets us connect them with a necessary being by concepts alone. All this belongs to transcendent philosophy, which has no place here yet.
But once the proof begins cosmologically, with the series of appearances, and the regressus that runs through it by empirical laws of causality, as its basis, it can’t later leap away from that to something that isn’t a member of the series at all.
B 486 After all, whatever counts as a condition has to count in the same sense in which the conditioned stood to its condition when the series was set up, a series that was to lead us by continuous steps to the highest condition. Now suppose this relation is sensible and falls within the possible empirical use of the understanding. Then the supreme condition or cause can only end the regressus by laws of sensibility, that is, only as part of the time series, and the necessary being has to be seen as the highest link of the world series.
All the same, people have allowed themselves the freedom to make a jump of this kind (metabasis eis allo genos, a shift into another kind). They reasoned from the changes in the world to their empirical contingency, that is, to the fact that they depend on empirically determining causes. This gave them a series of empirical conditions rising upward, and that was perfectly correct. But they could find no first beginning or highest member in that series. So all at once they dropped the empirical concept of contingency and adopted the pure category. This gave rise to a series that is merely intelligible. That series was complete only if an absolutely necessary cause existed. And because this cause was tied to no sensible conditions, it was released from the condition of time as well, the condition that its causality has to begin itself. This procedure is entirely unjustified, as the following shows.
A thing is contingent, taking the category in its pure sense, if the opposite that contradicts it is possible. But empirical contingency gives us no basis for inferring that intelligible kind.
B 488 If something changes, its opposite state is actual at some other time, and so also possible. But that doesn’t make it the contradictory opposite of the earlier state. For that we would need to know that, at the very time the earlier state was there, its opposite could have taken its place. Change can’t tell us this. Take a body at first in motion (= A) that then comes to rest (= non A). That a state opposed to A comes after A doesn’t allow us to infer that A’s contradictory opposite is possible, and therefore that A is contingent. We would need rest to have been possible during the time of the motion, as its replacement. But what we know is only that rest was actual later, and therefore possible. Being in motion at one time and being at rest at another are not set against each other as contradictories. So the succession of opposed determinations, that is, change, doesn’t show contingency in the sense of the pure concepts of the understanding. Nor can it take us, through pure concepts of the understanding, to the existence of a necessary being. What change shows is only empirical contingency. By the law of causality, the new state couldn’t have arisen by itself, without a cause that belongs to the earlier time. This cause, even if it is assumed to be absolutely necessary, has to turn up in time on this account, and belong to the series of appearances.
B 485 II. Remark on the Antithesis
Suppose someone thinks they find, in climbing up the series of appearances, difficulties that tell against a supreme cause which is necessary without qualification. Such difficulties can’t be grounded on bare concepts of a thing’s necessary existence as such. They would not be ontological then. They have to emerge from the causal combination of a cause with a series of appearances, that is, from positing, for that series, a condition that is unconditioned in itself. They have to be cosmological and drawn according to empirical laws. What has to be shown is that the climb along the series of causes (in the world of sense) can never stop at a condition that is empirically unconditioned. And it has to be shown that the cosmological argument, which starts from how contingent the world’s states are as their changes show, comes out against assuming a first cause that starts the series absolutely.
B 487 This antinomy shows a strange contrast, though. The thesis and the antithesis both use one and the same ground of proof, and they use it with equal sharpness. The thesis concludes from it that an original being exists. The antithesis concludes from it that no such being exists. First the argument was: a necessary being exists, because all of past time contains the whole series of conditions, and with it the unconditioned (the necessary). Now it is: no necessary being exists, for the very reason that all elapsed time contains the whole series of conditions (and these are all conditioned in turn). The cause of this is the following. The first argument looks only at the series of conditions as an absolute totality, where one condition determines another in time, and so it ends up with something unconditioned and necessary. The second argument takes into account the contingency of everything determined in the time series. (Each of them is preceded by a time, and in that time the condition itself has to be determined, in its turn, as conditioned.)
B 489 That makes everything unconditioned, and all absolute necessity, vanish altogether. Still, the way of inferring in both suits even common human reason, which often ends up divided against itself when it weighs its object from two different standpoints. Mr. von Mairan took the dispute between two famous astronomers, which came from a similar difficulty over the choice of standpoint, to be a phenomenon remarkable enough to deserve a special treatise. One of them argued: the moon turns on its axis, because it always turns the same side toward the earth. The other: the moon doesn’t turn on its axis, precisely because it always turns the same side toward the earth. Each inference was right, according to which standpoint a person took for observing how the moon moves.
B 490 Pure Reason’s Antinomy Third Section On Reason’s Interest in This Conflict with Itself
There we have it: the whole dialectical play of the cosmological ideas. No object matching them can be given in any possible experience. Reason can’t even think them in harmony with the general laws of experience. Yet these ideas aren’t dreamed up at will. When reason, advancing steadily through empirical synthesis, tries to free from every condition what the rules of experience can only ever determine conditionally, and to take it in as an unconditioned totality, it is led to them of necessity. These sophistical claims are each an attempt to solve one of four natural, unavoidable problems of reason. There can be just that many, neither more nor fewer, since there are only so many series of synthetic presuppositions bounding empirical synthesis a priori.
The dazzling pretensions of a reason that widens its territory beyond all boundaries of experience have been shown here only in dry formulas.
B 491 These contain just the basis for its legitimate claims. And, as befits a transcendental philosophy, we stripped them of everything empirical, though the whole glory of reason’s assertions can shine out only together with the empirical. When philosophy is applied this way, though, and reason’s use keeps widening, starting in the field of experience and gradually rising to these exalted ideas, philosophy shows a dignity. If it could only make good on its pretensions, this dignity would leave the worth of every other human science far behind. For philosophy promises a foundation for our greatest hopes and prospects, concerning the final ends in which all the efforts of reason must finally come together. Consider these questions. Does the world have a beginning, and some boundary to its extent in space? Is there anywhere, maybe in my own thinking self, a unity that can’t be divided or destroyed, or is there only what can be divided and what passes away? Am I free in what I do, or, like other beings, led along by the thread of nature and fate? Is there, in the end, a supreme cause of the world, or do natural things and their order form the last object, where we must stop in all our thinking? A mathematician would gladly give up the whole of mathematics to get these questions resolved. For mathematics can bring no satisfaction when it comes to the highest and most urgent purposes of humanity.
B 492 Even the true dignity of mathematics (the pride of human reason) rests on this. Mathematics guides reason in seeing how orderly and regular nature is, from the largest things to the smallest, and in seeing the wonderful unity of the forces that move it. This goes far beyond anything a philosophy built on ordinary experience could expect. In this way mathematics gives reason itself an occasion and encouragement to use itself beyond all experience. It also supplies the philosophy dealing with these matters with excellent materials, so that its inquiry can be backed up, as far as its nature permits, with fitting intuitions.
Unfortunately for speculation (though perhaps happily for humanity’s practical vocation), reason finds itself, in the very midst of its greatest hopes, so caught in a throng of arguments and counterarguments that it is stuck. Retreating isn’t possible, either for its honor or for its safety, and neither is looking on indifferently at the quarrel as if it were a mere skirmish for show. Ordering outright peace is even less possible, since the object of the dispute holds great interest. Nothing is left but to ponder where this division of reason against itself comes from, and whether a mere misunderstanding might be at fault.
B 493 Clearing that up may well make the proud claims on both sides drop away, but in return a lasting, quiet government of reason over understanding and senses would get its start.
For now we will put this thorough inquiry off a little. First let us consider which side we would most like to take if we were somehow forced to take sides. In this case we consult only our interest, not the logical touchstone of truth. So an inquiry like this settles nothing about the disputed rights of the two parties. Still, it will be useful. It will make clear why the participants in this dispute have taken one side rather than the other, though no superior insight into the matter was the reason. It will also explain some side issues, for example the zealous heat of one party and the cold assertion of the other, and why people gladly cheer one party with joyful applause and are implacably prejudiced against the other beforehand.
There is one thing that settles the viewpoint for this preliminary assessment, the only viewpoint from which it can be done with real thoroughness. That is the comparison of the principles the two parties start out from. In the claims of the antithesis one notices perfect uniformity in the way of thinking, and complete unity of maxim.
B 494 That maxim is the principle of pure empiricism, applied not just in explaining appearances in the world but in solving the transcendental ideas about the cosmos itself. The claims of the thesis, on the other hand, base themselves on intellectual beginnings in addition to the empirical way of explaining things within the series of appearances, and for this reason their maxim isn’t simple. From what chiefly marks it out, I would name it pure reason’s dogmatism.
On the side of dogmatism, then, in settling the cosmological ideas of reason, that is, on the side of the thesis, we find:
First of all there is a practical interest, one that every well-disposed person, if they understand their own true advantage, shares warmly. That the world has a beginning, that my thinking self has a simple, and therefore indestructible, nature, that this self is at the same time free in its deliberate actions and lifted above natural compulsion, and finally that the entire order of the things that make up the world has an original being as its source, and from that being everything borrows its unity and its purposeful connection: these are so many cornerstones of morality and religion. The antithesis takes all these supports away from us, or seems to.
Second, reason has a speculative interest on this side too. Accept the transcendental ideas and use them in this way.
B 495 Then one can take in the entire chain of conditions entirely a priori, and see how the conditioned is derived, by beginning with the unconditioned. The antithesis can’t do that, and this makes it a poor recommendation. Ask it about the conditions for its synthesis, and any answer it gives leaves us asking further, endlessly. It says we must rise from a given beginning to a higher one, that each part leads on to a smaller part, that each event has yet another event above it as its cause, and that the conditions of existence as such lean on further conditions again and again, never finding unconditioned hold and support in a self-standing thing, an original being.
Third, this side has the advantage of being popular, and that is certainly a major part of its appeal. Ordinary understanding finds no difficulty at all in the ideas of an unconditioned beginning for all synthesis. It is in any case more used to moving down toward consequences than up toward grounds. Concepts of the absolutely first give it ease, and a fixed point where it can fasten the line that guides its steps. It doesn’t brood over whether that first is even possible. Rising ceaselessly from conditioned to condition, always with one foot in midair, can’t please it at all.
B 496 On the side of empiricism, in settling the cosmological ideas (the antithesis), there is, first, no practical interest of the kind morality and religion bring with them out of pure principles of reason. If anything, plain empiricism seems to strip both of all their force and influence. Suppose no original being exists apart from the world, and the world has no beginning and so no creator. Suppose we have no free will, and the soul can be split up and can decay just as matter can. Then the moral ideas and principles lose all validity too, and they collapse along with the transcendental ideas that were their theoretical support.
Empiricism, though, does hold out advantages for reason’s speculative interest. They are enticing, and they exceed by far those that the dogmatic teacher of the ideas of reason might promise. In empiricism the understanding is always standing on ground of its own, the field of nothing but possible experiences. It can trace their laws, and through them it can enlarge its cognition without limit, a cognition that is secure and easy to grasp. The understanding can, and should, show the object to intuition, both as it is and in how it stands to other things, or else in concepts whose picture can be shown clearly and distinctly in similar given intuitions. The understanding has no need to step out of this chain of the natural order.
B 497 If it did, it would be attaching itself to ideas whose objects it doesn’t know, since as things of thought they can never be given. Beyond that, the understanding is not even allowed to quit its work. It can’t say the job is now done and move on into the territory of idealizing reason and transcendent concepts. In that territory it would no longer have to observe and to investigate by the laws of nature. It would only have to think and make things up. It would be sure that facts about nature could never refute it, since it isn’t bound by what they testify. It may simply ignore them, or even place them beneath a higher authority, that of pure reason.
So the empiricist will never allow anyone to take some epoch of nature as the absolutely first one. The empiricist will never treat any boundary of the view into nature’s extent as the outermost one. Nor will the empiricist move on from the objects of nature, which can be broken down by observation and mathematics and determined synthetically in intuition (the extended), to objects that neither the senses nor the imagination can ever present in a concrete case (the simple). The empiricist also won’t agree to lay down, even inside nature itself, a power to act independently of the laws of nature (freedom). That would cut into the job of the understanding, which is to trace how appearances arise with necessary rules as its guide.
B 498 And in the end the empiricist will not grant that anyone should look for the cause of anything outside nature (an original being). We know nothing except nature, because it alone presents objects to us and can teach us its laws.
Granted, the empirical philosopher may mean the antithesis to do just one job: to put down the nosy presumption of a reason that misjudges its true vocation. That kind of reason puts on a big show of insight and knowledge at the very point where insight and knowledge stop. It wants to sell what we allow for practical purposes as a boost to the speculative interest. And whenever it suits its comfort, it snaps the thread of physical inquiry, then ties it to transcendental ideas while claiming to widen our cognition. All those ideas really teach us is that we know nothing. Now suppose the empiricist stopped there. Then the empiricist’s principle would be a rule of restraint in what we claim and modesty in what we assert. It would also be a rule for stretching our understanding as far as it can go, under the teacher we were actually given, which is experience. We would not lose our intellectual assumptions or our faith, which serve our practical affairs. We just couldn’t put them forward under the grand title and show of science.
B 499 Nor could we call them rational insight. Real speculative knowledge can only ever reach objects of experience. Step across the boundary of experience, and the synthesis that tries for new cognitions, independent of experience, has no intuition underneath it to work on.
But empiricism often turns dogmatic itself when it comes to ideas. When it does, and flatly denies whatever goes beyond the cognitions it gets through intuition, it falls into the very same fault of immodesty. Here the fault is worse, because it does irreplaceable damage to reason’s practical interest.
That is the conflict between Epicureanism* and Platonism.
* It is still unsettled whether Epicurus ever offered these principles as claims about objects. If they were only rules for how reason should work in speculation, he showed a truer philosophical spirit than any thinker of the ancient world. The rules are these. Explain appearances as if no boundary or beginning of the world shut off the field of inquiry. Take the world’s matter to be whatever it must be if experience is to teach us about it. Allow events to come about only through unchanging laws of nature. And bring in no cause that is different from the world. These rules are still very sound, though few follow them, for widening speculative philosophy. They are just as sound for finding the principles of morals without outside help. And someone who asks us to leave those dogmatic claims aside while we are busy with pure speculation can’t fairly be accused, for that, of wanting to deny them.
B 500 Each side says more than it knows. But they differ. The first encourages and advances knowledge, even though it harms the practical side. The second does offer excellent principles for practical matters. Yet by that very fact, in everything where only speculative knowledge is open to us, it lets reason chase idealizing explanations of natural appearances and neglect physical research.
The third point to weigh in choosing provisionally between the two sides is popular appeal. Here something is very strange. Empiricism has no popular appeal at all. You would expect common understanding to jump at a scheme that promises to satisfy it with nothing but knowledge from experience and the reasoned links between such items. Transcendental dogmatism, on the other hand, makes common understanding climb up to concepts that are far beyond the insight and reasoning power of the best-trained thinkers. But that is just what attracts it.
B 501 For then common understanding finds itself in a position where even the most learned person can claim no advantage over it. If it understands little or nothing here, nobody else can boast of understanding much more. It may not be able to talk about these matters in proper school style, but it can reason about them endlessly. It is wandering among ideas, and people are most eloquent about ideas precisely because they know nothing about them. When it comes to studying nature, though, it would have to keep quiet and admit that it doesn’t know. So comfort and vanity are already a strong recommendation for these principles. There is more. A philosopher has a hard time taking anything as a principle without being able to give an account of it, or bringing in concepts whose objective reality can’t be seen. Common understanding finds nothing more ordinary. It wants something to start from with confidence. It isn’t bothered by the difficulty of grasping such an assumption, since it doesn’t know what grasping means and the difficulty never crosses its mind. What frequent use has made familiar, it counts as known. In the end, though, speculative interest gives way entirely to the practical, and common understanding fancies that it sees and knows whatever it feels pushed to assume or believe.
B 502 What pushes it is worry or hope. So the empiricism of transcendentally idealizing reason has no popular appeal whatever. It may hold a good deal that is harmful to the highest practical principles. Still, there is nothing to fear: it will never get out of the schools, or win any real standing or favor with the crowd.
Human reason is by nature architectonic. That is, it looks at all cognitions as parts of a possible system. So it allows only principles that at the least don’t stop a planned piece of cognition from fitting alongside others in some system. The propositions of the antithesis, though, make it entirely impossible to complete a building of cognitions. On them, every state of the world has an older one behind it. Every part has other parts in it, and those can be divided again. Every event has an earlier one before it, which was itself produced by something else. Everything in existence is conditioned only, and no unconditioned, first existence is ever recognized. So the antithesis nowhere grants anything first, no beginning that could be the base of the structure. A complete building of cognition is therefore wholly impossible on these assumptions.
B 503 That is why reason’s architectonic interest (which asks for pure unity of reason, a priori, and not for empirical unity) carries a natural recommendation for the claims of the thesis.
Suppose someone could drop every interest and judge the assertions of reason only by the weight of their grounds, whatever the consequences. Suppose too that the only way out of the squeeze was to side with one of the two disputed doctrines. That person would waver without end. Today it would seem convincing that the human will is free. Tomorrow, looking at the unbreakable chain of nature, they would decide that freedom is only self-deception and that everything is nature. Yet once they had to act, this game played by purely speculative reason would vanish like the figures in a dream, and they would choose their principles by practical interest alone. Still, a being that thinks and inquires should set aside certain times for testing its own reason, drop all partiality while doing it, and share its observations in public for others to judge. So nobody can be blamed for this, let alone stopped, if they let the claims and counterclaims have their say.
B 504 Let them defend themselves as well as they can, frightened by no threat, before a jury of their own kind: weak human beings.
Pure Reason’s Antinomy Section Four Problems of Transcendental Philosophy That Reason Absolutely Must Be Able to Solve
Trying to solve every problem and answer every question would be shameless bragging. It would be such wild conceit that you would lose everyone’s trust at once. Yet some sciences are built so that any question arising inside them must have an answer drawn from what is already known. That is because the answer has to spring from the same sources as the question. In those sciences you can’t plead unavoidable ignorance. A solution can be demanded. We must be able to know, as a rule, what is right and what is wrong in every possible case, because that is a matter of our duty, and we have no duty regarding what we can’t know.
B 505 When it comes to explaining the appearances of nature, by contrast, a lot has to stay uncertain and many questions have to stay unsolved, because what we know of nature falls far short, in many cases, of everything we are asked to explain. So here is the question. Does transcendental philosophy contain any question, about an object put before reason, that this same pure reason can’t answer? And may we rightly get out of giving a decisive answer by filing the matter as absolutely uncertain, given everything we can cognize? That is, may we put it among the things for which we have just enough of a concept to ask a question, but have no means or power to answer it?
I claim that transcendental philosophy has this special feature among all speculative knowledge: no question about an object given to pure reason is unsolvable for that same human reason. Nobody can plead unavoidable ignorance, or a problem too deep to fathom, to get free of the duty to answer it fully and thoroughly. The very concept that lets us ask the question must also make us able to answer it, since the object is nowhere to be found outside the concept.
B 506 Right and wrong are like that.
In transcendental philosophy the cosmological questions are the only ones where we may rightly demand a satisfying answer about the nature of the object. The philosopher isn’t allowed to dodge them by pleading impenetrable obscurity. These questions can only be about cosmological ideas. The reason is that the object has to be given empirically, and the only issue is whether it matches an idea. Things differ when the object is transcendental, and so itself unknown. Examples are these: whether the something that appears (in us) as thinking, the soul, is a simple being in itself; whether there is a cause of all things together that is absolutely necessary; and so on. Here we have to look for an object to go with our idea, one that we can admit is unknown to us, though not for that reason impossible*.
B 507 Only the cosmological ideas have this distinctive feature: they can take their object, and the empirical synthesis its concept requires, as already given. The question they raise concerns just how that synthesis goes on, as far as it is supposed to reach absolute totality. Such totality is no longer anything empirical, because no experience can give it. Now, here we are dealing with a thing only as an object that experience could give us, never as something that exists on its own. So the transcendent cosmological question can be answered only from within the idea, since it isn’t about any object in itself. And as for possible experience, we aren’t asking what might be given in some concrete experience. We are asking what the idea contains, the idea that empirical synthesis is only meant to approach. So the question has to be solvable from the idea alone. The idea is just a creation of reason. Reason therefore can’t disown responsibility for it, or push that responsibility onto the unknown object.
* Asked what a transcendental object is like, that is, what it is, we can give no answer. What we can say is that the question itself amounts to nothing, since no object for it has been given. For that reason all the questions of transcendental psychology can be answered, and in fact have been. They concern the transcendental subject that underlies all inner appearances. That subject is not itself an appearance, so it is not given as an object, and none of the categories (which are what the question is really aimed at) finds any conditions for being applied to it. This is a case where the common saying holds that no answer is also an answer. Suppose we ask about the nature of a something that no determinate predicate can express, since it is set entirely outside the range of objects that could ever be given to us. Such a question is completely void and empty.
B 508 It is not as odd as it first seems that a science could demand certain answers to all the questions inside its own territory (quaestiones domesticae, “home questions”), and expect to get them, even if some haven’t been found yet. Transcendental philosophy isn’t the only science of pure reason. There are two more: pure mathematics, purely speculative in content, and pure morals, practical in content. Who has ever been told that the exact ratio of a circle’s diameter to the circle is uncertain, in rational or in irrational numbers, as if we were bound to be ignorant of the conditions? Rational numbers can’t give that ratio exactly, and irrational ones haven’t yielded it yet. So people concluded that we could at least know for certain that no such solution is possible, and Lambert gave a proof. In the general principles of morals nothing can be uncertain. Either the propositions are wholly empty and meaningless, or they must follow simply from our concepts of reason. In the study of nature it is different. There are endless conjectures there that can never be certain. The appearances of nature are objects that reach us apart from our concepts. So the key to them lies outside us, not within us or our pure thinking. For that reason it often can’t be found.
B 509 So no certain answer can be expected. I’m not counting here the questions of the transcendental analytic that concern the deduction of our pure cognition. We are concerned now only with how certain our judgments about objects are, not with where our concepts themselves come from.
So we can’t wriggle out of the duty to give at least a critical answer to the questions put to reason. We can’t do it by complaining about the narrow limits of our reason and, with the illusion of humble self-knowledge, admitting that it is beyond us to settle these matters: whether the world has always existed or had a beginning; whether space is filled with beings forever or is closed in by certain boundaries; whether anything in the world is a simple unit, or all of it divides forever; whether things are generated and produced by freedom, or all of them hang from the chain of natural order; and finally whether some being is wholly unconditioned and necessary in itself, or everything exists conditionally, depends on something outside, and is contingent in itself. All of these questions are about an object found only in our thinking: the wholly unconditioned totality of the synthesis of appearances.
B 510 Suppose that from our own concepts we can’t state or settle anything sure about it. Then we mustn’t put the blame on the thing for hiding from us. No such thing can be given to us at all, because it is found nowhere outside our idea. The cause has to be sought in our idea itself. That idea is a problem with no solution, and yet we stubbornly assume that a real object matches it. If we laid out clearly the dialectic that lies in our concept itself, we would soon be completely certain what we ought to judge about such a question.
Your excuse is that these problems are uncertain. To that we can first reply with a question that you at least must answer clearly. Where do the ideas come from, whose solution tangles you in such difficulty? Are they perhaps appearances that you need explained, so that these ideas only send you looking for principles, or for the rule for setting those appearances out? Imagine nature laid wide open to you. Nothing is hidden from your senses or from your awareness of all that is set before your intuition. Still, no experience at all would let you know the object of your ideas in a concrete case. (Besides the complete intuition, a finished synthesis would be needed.
B 511 And you would need to be conscious of its absolute totality, which no empirical cognition can provide.) So your question can’t be needed to explain any appearance that comes up. The object itself doesn’t set it for you, so to speak. The object can never come up for you, because no possible experience can give it. All your possible perceptions leave you stuck inside conditions, in space or in time. You never reach anything unconditioned that would let you decide whether the unconditioned lies in an absolute first beginning of the synthesis, or in an absolute totality of a series with no beginning. But “all” in the empirical sense is only ever relative. The absolute all of size (the universe), of division, of descent, of the condition of existence in general, with every question whether it could be reached by a finite synthesis or by one that goes on forever, is none of experience’s business. Take a body. You couldn’t explain its appearances any better, or even differently, whether you assume it consists of simple parts or of parts that are made up of further parts all the way down. No simple appearance, and no infinite composition either, can ever come up for you. Appearances need explaining only as far as the conditions for explaining them are given in perception.
B 512 Everything that might ever be given in them, gathered into one absolute whole, would itself have to be a perception. And it is exactly this all that the transcendental problems of reason ask us to explain.
Experience can never contain even the solution of these problems. So you can’t claim it is uncertain what to ascribe to the object here. Your object is just in your head. It can’t be given anywhere outside it. All you have to do is make sure you are in agreement with yourselves, and avoid the amphiboly that makes your idea look like the representation of something given empirically, an object to be known by the laws of experience. So a dogmatic solution isn’t uncertain; it is impossible. A critical solution, which can be perfectly certain, doesn’t treat the question objectively at all. It looks to the ground of cognition on which the question is built.
B 513 Pure Reason’s Antinomy Section Five A Skeptical Presentation of the Cosmological Questions Across All Four Transcendental Ideas
We would gladly drop our demand for dogmatic answers if we could see in advance that any answer would only increase our ignorance. It would throw us from one thing we can’t grasp to another, from darkness into deeper darkness, and perhaps even into contradictions. If our question asks only for a yes or a no, it is smart to put the likely grounds for an answer aside for the moment. First weigh what we would gain if the answer went one way, and what we would gain if it went the other. Suppose both turn out to be pure nonsense (Nonsens). Then we have good reason to examine the question itself critically, and to see whether it rests on a groundless assumption and toys with an idea whose falseness shows up better when the idea is applied, and in its consequences, than when it is taken by itself. That is the great advantage of the skeptical way.
B 514 It lies in how it treats the questions that pure reason puts to pure reason, and at little cost it can spare us a huge pile of dogmatic clutter and put a sober critique in its place. Like a true purge (Katarktikon), that critique will happily clear out the delusion, together with its companion, the habit of knowing many things.
Suppose I could see ahead of time that a cosmological idea would come out either too big or too small for any concept of the understanding. It would do so in the regressive synthesis of appearances, on whichever side of the unconditioned it came down. Then I would understand the following. The idea is only about an object of experience, and experience has to fit some possible concept of the understanding. So the idea must be wholly empty and meaningless, because no object fits it however I bend the object to suit. And that is exactly the case with every concept of the world. This is why these concepts tangle reason in an unavoidable antinomy for as long as it holds on to them. For consider the following.
First, suppose the world has no beginning. Then it is too big for your concept. Your concept is a successive regress, and that can never get back through all the eternity that has passed. Now suppose the world has a beginning. Then it is too small again, this time for your concept of the understanding in the necessary empirical regress.
B 515 A beginning still presupposes an earlier time, so it is not yet unconditioned. And the law that governs the understanding’s empirical use makes you ask for a time-condition still further back. So plainly the world is too small for this law.
The same goes for the two possible answers about the size of the world in space. If the world is infinite and unbounded, it is too big for any possible empirical concept. If it is finite and bounded, you can fairly go on to ask what fixes the boundary. Empty space isn’t something that stands on its own as a correlate of things. It can’t be a condition where you could stop, and it is even less an empirical condition that could be part of a possible experience. (Who can have an experience of the completely empty?) But for the absolute totality of the empirical synthesis, the unconditioned must always be a concept taken from experience. A bounded world, then, turns out too small for your concept.
Second, suppose every appearance in space (matter) is made of infinitely many parts. Then the regress of division is always too big for your concept. Suppose instead the division of space is to end at some member (the simple). Then the regress turns out too small to match the idea of the unconditioned.
B 516 That member still leaves room for a regress to further parts inside it.
Third, suppose you assume that everything that happens in the world is nothing but a result following laws of nature. Then the causality of the cause is itself again something that happens. That forces you to regress to a still higher cause, and so to extend the series of conditions a parte priori (backward) without end. Mere working nature is therefore too big for any concept you have, in the synthesis of world events.
Now suppose you pick, here and there, events that bring themselves about, and so production from freedom. Even then the question “why” chases you back to a law of nature you can’t avoid. It forces you to go past this point, following the causal law of experience. And you find that a totality of connection like this proves too small for the empirical concept you cannot do without.
Fourth. You might assume a being that is absolutely necessary. It may be the world itself, or a part of the world, or the world’s cause. Then you have to place it in a time infinitely far from any given moment. Otherwise it would depend on an older existence. But then this existence is out of reach for your empirical concept. It is too big for you ever to get to it by any continuing regress.
B 517 Suppose instead you hold that everything belonging to the world, as conditioned or as condition, is contingent. Then any existence you are given is too small for your concept, because it forces you always to look around for another existence on which it depends.
In all these cases we said that the idea of the world is too big for the empirical regress, or else too small, and so for every possible concept of the understanding. Why didn’t we say it the other way around? We might have said that in the first case our empirical concept always turns out too small beside the idea, and in the second too large, so that the fault lies, in a way, with the empirical regress. Instead we blamed the cosmological idea for missing its goal, which is possible experience, by going too far or not far enough. Here is why. Possible experience is the one thing that can give our concepts reality. Without it, any concept is only an idea, with no truth and no relation to an object. So the possible empirical concept had to be the measuring stick for judging the idea: is it a mere idea, a thing of thought, or does it find its object in the world? We only call something too big or too small relative to something else when it was taken on because of that other thing, and has to be shaped to suit it.
B 518 The old schools of dialectic had a puzzle like this to play with. A ball won’t fit through a hole. Should we say the ball is too big, or the hole too small? In that case it doesn’t matter how you put it, since you don’t know which of the two exists for the other’s sake. But no one will say a man is too long for his coat. They’ll say that it is the coat that is too short.
So at least we have a well-founded suspicion. The cosmological ideas, and with them all the sophistical assertions that are set against one another, may rest on a concept that is empty and only imagined, a notion of the way their object is given to us. This suspicion alone can set us on the right track to uncovering the mirage that has led us astray for so long.
Pure Reason’s Antinomy Section Six Transcendental Idealism: The Key to Resolving the Cosmological Dialectic
In the transcendental aesthetic we proved well enough that whatever is intuited in space or time, and so every object of any experience we can have, is only appearance. That is, it is mere representation.
B 519 As such, whether it is shown as extended beings or as series of changes, it has no existence of its own outside our thoughts. I call this theory transcendental idealism.* The transcendental realist makes these modifications of our sensibility into things that stand on their own. In that way the realist turns mere representations into things in themselves.
* I have at times also called it formal idealism, to set it apart from the material kind, the ordinary idealism that questions or denies the very existence of outer things. In some cases it seems wiser to use this name rather than the one above, so as to prevent any misunderstanding.
It would be unjust to pin on us the empirical idealism that has been shouted down for so long. This idealism grants that space is real in its own right. But it denies that extended beings exist in space, or at least calls their existence doubtful. On this point it allows no difference between dream and truth that could be proved well enough. Inner sense is another matter. This idealism has no trouble with the appearances of inner sense in time, which it treats as actual things. It even claims that inner experience, by itself, fully proves that its object actually exists (in itself), along with all this determination in time.
B 520 Our transcendental idealism, on the other hand, lets the objects of outer intuition be real as well, exactly as we intuit them in space. The same goes for every change in time, as inner sense presents it. Space is already a form of what we call outer intuition. With no objects in space, we would have no empirical representation whatever. So we can and must treat extended beings in space as actual. Time works the same way. But space itself, together with time, and with both of them all appearances, are not things in themselves. They are nothing but representations and can’t exist anywhere outside our mind. Now take the inner, sensible intuition we have of our own mind (the mind as an object of consciousness), in which its determination is represented as a succession of different states in time. This is not the true self as it exists in itself, and not the transcendental subject. It is only an appearance, handed to the sensibility of a being we know nothing about. We can’t concede that this inner appearance exists as a thing existing in itself in that way, because its condition is time, and time can’t describe any thing in itself. Inside space and time, though, appearances have all the empirical truth they need to count as secure, and they are kept clearly apart from the kinship with a dream.
B 521 That holds whenever both hang together correctly and without a gap, by empirical laws, in a single experience.
So objects of experience never come to us as they are in themselves. They come only within experience, and outside it they don’t exist at all. We do have to allow that the moon might have inhabitants, even though nobody has ever perceived them. But all that means is that we might meet them as experience moves forward. Anything is actual if it stands in one context with some perception, by the laws of the empirical advance. So those inhabitants are actual if they are linked, empirically, to my actual consciousness. That doesn’t make them actual in themselves, apart from this forward movement of experience.
Nothing is actually given to us except perception, and the empirical move from it to other possible perceptions. Appearances in themselves are mere representations, and they are actual only in perception. Perception just is the reality of an empirical representation, which means an appearance. To call an appearance a real thing before any perception can mean only that, as experience goes on, we will have to run into such a perception. Otherwise it means nothing at all. Of course one could say that an appearance exists in itself, with no relation to our senses or possible experience.
B 522 But that would be right only if we were talking about a thing in itself. Here we are talking about an appearance in space and time. Neither is a determination of things in themselves; both belong only to our sensibility. So whatever is in space and time, namely appearances, is nothing in itself. It is representation only, and if it isn’t given in us (in perception), it is found nowhere at all.
Our sensible power of intuition is really just a receptivity: it can be affected by representations in a certain way. Their relation to one another amounts to a pure intuition of space and time (nothing but forms of our sensibility). Insofar as laws that unify experience connect them and make them determinable in this relation (space and time), they are called objects. The cause of these representations isn’t sensible, and we know nothing of it. So we can’t intuit it as an object. An object like that would have to be represented in neither space nor time, which are only conditions of sensible representation, and without those conditions we can’t think of any intuition at all. Still, we may call the cause of appearances in general, a cause that exists only for the intellect, the “transcendental object,” purely so that something answers to sensibility as a receptivity. To this transcendental object we can assign the entire reach and connection of our possible perceptions.
B 523 We can then say that it is given in itself before all experience. Appearances, according to it, are given not in themselves but only within this experience. They are mere representations. As perceptions they mean an actual object only if that perception connects with all the others by the rules of the unity of experience. So the real things of past time can be called given in the transcendental object of experience. For me, though, they are objects, and real in past time, only to the extent that I picture a backward series of possible perceptions. The series follows empirical laws, whether the thread of history or the traces of causes and effects; in short, the way the world runs. It leads back to an earlier stretch of time as the condition of the present time. And even that earlier time is represented as actual only in the setting of a possible experience, and never as it is in itself. So all the events that happened in times beyond remembering, before I existed, mean nothing other than this: it is possible to extend the chain of experience upward, starting from my present perception, to the conditions that fix it in time.
So when I picture all the existing objects of the senses together, in all time and all spaces, I am not placing them into time and space before experience.
B 524 What I am picturing is just the thought of a possible experience, complete in every respect. Only in that experience are those objects given. (They are nothing but representations.) To say they exist before all my experience means only that they will be found in the part of experience that I have yet to reach, starting from perception. What causes the empirical conditions of that advance, which members I will meet in the regress, or how far I will run into them, is transcendental, and so necessarily unknown to me. But that isn’t the concern anyway. The concern is the rule for how experience advances, the experience in which objects (appearances) are given to me. It also comes to the same thing in the end whether I say that, advancing empirically through space, I might meet stars a hundred times farther off than the most distant ones I can see; or whether I say that there may be such stars out in space, even though no human has ever perceived them or ever will. For suppose they were given as things in themselves, with no relation to possible experience. They would still be nothing to me, and so not objects, except to the degree that they are contained in the series of the empirical regress. Only in a different connection does it matter how one understands the reality of objects of the senses that are merely thought: namely, when these same appearances are put to work for the cosmological idea of a whole that is absolute.
B 525 Then the question reaches past the boundaries of any possible experience, and the distinction matters, in order to head off a deceptive delusion. That delusion is bound to arise, unavoidably, from our misreading of our own concepts of experience.
Pure Reason’s Antinomy Section Seven Settling Reason’s Cosmological Quarrel with Itself, Critically
The whole antinomy of pure reason rests on one dialectical argument: if the conditioned is given, then the entire series of its conditions is given too. What our senses give us as objects is conditioned. Therefore, and so on. The major premise of this syllogism looks so natural and obvious. Through it, cosmological ideas come in, one for each kind of condition (in the synthesis of appearances), to the extent that the conditions form a series. These ideas demand the absolute totality of such series. By that very demand they throw reason, unavoidably, into conflict with itself. Before we can expose what is misleading in this sophistical argument, we have to prepare ourselves.
B 526 We do it by correcting and pinning down certain concepts that appear in the argument.
First, here is a proposition that is clear and certain beyond doubt. Whenever the conditioned is given, a regress through the series of all its conditions is thereby set before us as a task. The concept of the conditioned already carries this with it: something is tied to a condition, then, if that condition is itself conditioned, to a more distant condition, and so on through every member of the series. This proposition is therefore analytic, and it has nothing to fear from a transcendental critique. It is a logical demand of reason: to follow, by means of the understanding, the connection that a concept already has with its conditions, and to carry it as far as possible.
Next, suppose the conditioned and its condition are both things in themselves. Then once the first is given, the regress to the second isn’t only set as a task. The second is actually already given along with the first. And since that holds for every member of the series, the whole series of conditions, and the unconditioned with it, is given at the same time. Or better, it is presupposed in the very fact that the conditioned, which was possible only by way of that series, is given. In this case the joining of the conditioned to its condition is the work of the bare understanding. The understanding represents things as they are.
B 527 It doesn’t ask whether, or how, we could come to know them. But take the case where I am dealing with appearances. As mere representations they aren’t given at all unless I arrive at some knowledge of them (that is, at the appearances themselves, for they are nothing but empirical knowledge). Then it isn’t open to me to say, in that same sense: the conditioned is given, so its conditions are given too, as appearances. So I can’t conclude to the absolute totality of their series. In apprehension, appearances are themselves nothing but an empirical synthesis carried out in space and time, and they are given only in that synthesis. It doesn’t follow that giving the conditioned (in appearance) also gives and presupposes the synthesis that makes up its empirical condition. That synthesis happens first in the regress, and never without it. In a case like this, though, we can say something: a regress to the conditions, meaning an empirical synthesis that keeps going on this side, is ordered or set as a task. And there can be no shortage of conditions, since the regress supplies them.
From this it is clear what happens. The major premise of the cosmological syllogism uses “conditioned” in the transcendental meaning of a pure category. The minor premise uses it in the empirical meaning, as an understanding-concept applied to nothing more than appearances.
B 528 So the dialectical trick in it is the one called a sophisma figurae dictionis (a fallacy resting on a figure of speech). The trick isn’t contrived. It is a quite natural deception of common reason. We presuppose the conditions and their series in the major premise almost unseen, any time something is given as conditioned. That’s because this is only the logical demand to take complete premises for a given conclusion. In the connection of a conditioned thing with its condition there is no time order at all. They are presupposed in themselves as given together. And in the minor premise it is just as natural to treat appearances as things in themselves, and also as objects that the bare understanding is handed, as we did in the major premise when we set aside all the conditions of intuition, though only under those conditions can objects be given at all. But here we overlooked a striking difference between the concepts. In the major premise, joining a conditioned thing to its condition, and the whole series of conditions, carried no restriction by time and no idea of succession. In the minor premise, empirical synthesis, and the line of conditions inside appearance (which is what gets placed under that premise), are necessarily successive. They are given one after another, in time only. So here I couldn’t presuppose the absolute totality of the synthesis, and of the series it stands for, the way I could there.
B 529 There, each link in the series is given in itself, with no time condition. Here they are possible only through the successive regress, and the regress is given only by really carrying it out.
Once the common argument behind the cosmological assertions has been shown to contain such a slip, both parties to the dispute can rightly be thrown out of court. Neither has a sound title for its claim. Yet that doesn’t settle their quarrel, if settling it means proving that they, or one of them, is wrong about the matter itself, the conclusion, even if it couldn’t base its claim on solid proofs. Nothing seems clearer than this. If one says the world has a beginning and the other says it has none but has existed from eternity, one of them has to be right. If so, then since both sides are equally clear, nobody can ever work out which side is right. The quarrel carries on just as it did, though the court of reason has told both parties to keep quiet. So the one remedy left, for ending the quarrel for good and to both sides’ satisfaction, is this. They refute each other so well that they must finally be shown they are fighting over nothing.
B 530 They must also see that a certain transcendental illusion has painted before them something actual, where nothing of the kind is to be found.
This is the way we will now take to settle a dispute that cannot be decided.
* * *
Zeno of Elea, a clever dialectician, was already scolded by Plato as a reckless sophist. To show off his art, he would try to prove one statement with arguments that looked sound, and soon afterward overthrow it with others just as strong. He claimed that God (for him, probably nothing but the world) was neither finite nor infinite, neither moving nor at rest, and neither like nor unlike anything else. To the people who passed judgment on him here, it seemed he wanted to deny flat out two statements that contradict each other, which is absurd. I don’t think that charge is fair. I will look at the first of those statements closely in a moment. Take the others. Suppose by “God” he meant the universe. Then he had to say it neither stays put in its place (rest) nor changes that place (motion), since all places exist only inside the universe, so the universe itself is in no place. And if the universe takes in everything that exists, then it also resembles no other thing, and is unlike none.
B 531 That is because there is no other thing outside it to compare it with. When two opposed judgments presuppose a condition that can’t stand, both drop out, despite their conflict (which is not a true contradiction), since the condition on which alone each of the statements was meant to hold falls away.
Suppose someone says: every body either smells good or doesn’t smell good. Then a third case exists, namely that it doesn’t smell at all (it gives off no scent whatever), and so both of the conflicting statements can be false. Now say instead that it is sweet-scented or it is not sweet-scented (vel suaveolens vel non suaveolens). These two judgments are contradictory opposites, and only the first is false. Its contradictory opposite, “some bodies are not sweet-scented,” also covers the bodies that have no smell at all. In the earlier opposition (per disparata, between unlike things) the accidental condition of the concept of body (smell) stayed in the opposing judgment too, so that judgment didn’t cancel it. That is why the second judgment wasn’t the contradictory opposite of the first.
Now take the statement: in space the world is either infinite or not infinite (non est infinitus). If the first is false, its contradictory opposite, “the world is not infinite,” has to be true. All I would be doing is canceling an infinite world, without putting any other world, the finite one, in its place.
B 532 But suppose the statement were: the world is either infinite or finite (non-infinite). Then both could be false. For now I would be treating the world as something whose size is fixed in itself. In the opposition I would not merely be canceling infinity, and with it perhaps the world’s whole separate existence. I would be adding to the world a determination, as if it were a thing actual in itself. That addition can just as easily be false, namely if the world is not a thing in itself in any way, and so has no size of its own, neither infinite nor finite. Let me call this kind of opposition dialectical, and the opposition of contradiction analytic. Then two judgments opposed dialectically can both be false. The reason is that one doesn’t merely contradict the other. It says something more than a contradiction needs.
Now treat these two claims as contradictory opposites: the world is infinite in size, and the world is finite in size. Then we are taking the world (the entire run of appearances) to be a thing in itself. The world stays put whether I cancel the infinite regress or the finite one in the series of its appearances. But take that assumption away, the transcendental illusion, and say the world is not a thing in itself.
B 533 Then the contradictory conflict between the two claims turns into a merely dialectical one. The world doesn’t exist in itself at all, independent of the backward series of my representations. So it exists neither as a whole that is infinite in itself nor as a whole that is finite in itself. It can be found only in the empirical regress through the series of appearances, and by itself not at all. A series that is conditioned at every step is never given complete. The world is therefore not an unconditioned whole, and it doesn’t exist as one either, neither with infinite size nor with finite size.
What I have just said about the first cosmological idea, the absolute totality of size in appearance, is true of all the rest. The series of conditions can be met with only in the regressive synthesis itself. It isn’t found in the appearance on its own account, as a separate thing given ahead of any regress. So I will also have to say that the multitude of parts a given appearance has is neither finite nor infinite in itself. An appearance isn’t anything that exists in itself, and its parts are given first of all through the regress of dividing it up (the decomposing synthesis), and only within that regress. That regress is never given as absolutely complete, as finite or as infinite. The same goes for a series of causes stacked one above the other, or of conditioned things leading up to unconditionally necessary existence.
B 534 Such a series can never be regarded, in itself and in its totality, as either finite or infinite. As a series of subordinate representations it exists only in the dynamic regress. Before that regress, as a series of things standing on its own, it can’t exist in itself at all.
In this way the antinomy of pure reason is lifted for its cosmological ideas. It is shown to be merely dialectical: a conflict produced by an illusion. The illusion arises from using the idea of absolute totality, which is valid solely as a condition of things in themselves, on appearances. Appearances exist only in representation and, when they form a series, only in the successive regress, and otherwise not at all. But we can also turn this around and draw a real benefit from the antinomy. It isn’t a dogmatic benefit; it is critical and doctrinal. We can use it to prove, indirectly, the transcendental ideality of appearances, if someone isn’t convinced by the direct proof given in the transcendental aesthetic. The proof would be this dilemma. Suppose the world is a whole that exists in itself. Then it is either finite or infinite. But the first is false, and so is the second, according to the proofs given earlier for the antithesis and the thesis respectively.
B 535 So the world, the sum of all appearances, can’t be a whole that exists in itself either. It follows that appearances, taken generally, are nothing apart from our representations. That is exactly what we meant by their transcendental ideality.
This remark is important. It shows that the proofs of the fourfold antinomy given above were not deceptive tricks, but sound, on the assumption that appearances, or a world of sense that contains them all, are things in themselves. But the conflict of the propositions drawn from that assumption reveals that the assumption holds a falsehood, and so brings us to a discovery of the true nature of things as objects of the senses. The transcendental dialectic therefore does nothing to help skepticism. It does help the skeptical method, which can point to it as an example of its great usefulness. That happens when the arguments of reason are let loose against each other in their fullest freedom. Even if they don’t in the end deliver what was sought, they will always deliver something useful for correcting our judgments.
B 536 Pure Reason’s Antinomy Section Eight Pure Reason’s Regulative Principle, as It Bears on the Cosmological Ideas
The cosmological principle of totality gives us no maximum for the series of conditions in a world of sense that is treated as a thing in itself. That maximum can only be set as a task within the regress of the series. So this principle of pure reason, once corrected in this way, still keeps its good validity. It is not an axiom telling us to think of the totality as actually there in the object. It is a problem for the understanding, and so for the subject: to start and continue the regress through the conditions of a given conditioned, as the idea’s completeness requires. In sensibility, meaning in space and time, any condition we can reach when we set out given appearances is conditioned in turn. These appearances aren’t objects in themselves, where the absolutely unconditioned could perhaps turn up. They are just empirical representations, and each must find in intuition its condition, which fixes it in space or in time. So the principle of reason is really only a rule, a rule that commands a regress in the series of the conditions of given appearances.
B 537 That regress is never allowed to stop at anything absolutely unconditioned. The principle is therefore not a principle of the possibility of experience or of empirical cognition of the objects of the senses, and so it is not a principle of the understanding. Every experience stays within the boundaries set by the intuition it is given. It is also not a constitutive principle, one that would stretch the concept of the world of sense beyond all possible experience. It is a principle for carrying experience on and widening it as far as possible. By it, no empirical boundary may count as an absolute boundary. So reason’s principle here works as a rule: it lays down what we are to do in the regress. It doesn’t anticipate what is given in the object itself before any regress. That is why I name it a regulative principle for reason. A principle that treated the series of conditions as an absolute totality given in the object (the appearances) itself would, on the other hand, be a constitutive cosmological principle. I wanted to show by this distinction that such a principle is void. I also wanted to prevent what would otherwise happen unavoidably (through transcendental subreption): giving objective reality to an idea that serves only as a rule.
To pin down the sense of this rule of pure reason correctly, we must first note one thing.
B 538 The rule cannot say what the object is. It says how the empirical regress is to proceed, so as to reach the object’s complete concept. If it did say what the object is, it would be a constitutive principle, and pure reason can never yield one of those. So the rule can’t possibly be saying that a given conditioned’s series of conditions is finite in itself, or infinite. If it did, a mere idea of absolute totality, which is created only in itself, would be thinking an object that no experience can give. It would lend a series of appearances an objective reality that doesn’t depend on empirical synthesis. What the idea of reason will do is prescribe a rule to the backward synthesis in the series of conditions. By that rule the synthesis goes from the conditioned through all the conditions subordinate to one another toward the unconditioned, though it never gets there. The absolutely unconditioned is simply not met with in experience.
For this purpose we first have to define precisely what the synthesis of a series is when it can never be completed. People usually use two expressions here that are meant to differ somehow, though no one really knows how to state the ground of the difference. Mathematicians talk only of a progressus in infinitum (a progress to infinity).
B 539 The investigators of concepts (philosophers) will accept only the expression progressus in indefinitum (a progress with no fixed end). I won’t stop to examine the scruple that led them to recommend this distinction, or whether it has been put to good use or none. I will try to fix these concepts exactly for my own purpose.
About a straight line one may rightly say that it can be extended to infinity. Here the distinction between the infinite and an advance of unspecified length (progressus in indefinitum) would be a hollow quibble. Granted, if you say “draw a line further,” it is more accurate to add in indefinitum than in infinitum. The first means only “make it as long as you like”; the second means “never stop making it longer,” which is not what is meant here. But when the question is only what is possible, the first phrase is quite correct, because you can always make the line longer without limit. It is the same in every case where we speak only of the progress, that is, the step from condition to conditioned. In the series of appearances this possible progress goes on to infinity. Starting from a pair of parents, you can go down the line of generation without end, and you can quite well imagine that the line really does go on like this in the world.
B 540 For here reason never needs the absolute totality of the series. It doesn’t presuppose that totality as a condition, as something given (datum). It presupposes only something conditioned, something merely able to be given (dabile), and added on without end.
The task is quite different when the question is how far the regress reaches, the regress that rises from the given conditioned up to the conditions in a series. Can I say that it goes back without end, or only that it reaches back indefinitely far (in indefinitum)? Can I climb to infinity from people now living up through their ancestors? Or can I only say that no matter how far back I have gone, I never meet an empirical reason to think the series stops anywhere? If so, I am entitled, and also bound, to look for a forebear of each ancestor, though I am not really to presuppose one.
Here is my claim. Suppose the whole is given to us in empirical intuition. Then the regress through the series of its inner conditions goes on to infinity. But suppose only a single member of the series is given, and the regress to absolute totality is only now to start from it; then the backward move is merely indefinite (in indefinitum).
B 541 Take the division of a piece of matter (a body) that is given within its boundaries. We have to say it goes on to infinity. That piece of matter is given whole in empirical intuition, and so with all its possible parts. Its whole has the part as its condition, that part has its own part as a condition, and so on. In this regress of decomposition we never meet an unconditioned (indivisible) member of the series. So we have no empirical reason anywhere to stop dividing. What is more, the further members of the division yet to be carried out are themselves empirically given before that further division. In other words, the division goes on to infinity. Compare the line of ancestors leading back from a given person. No possible experience gives it in its absolute totality. The regress still goes from each member of the line to a higher one, and no empirical boundary turns up that would show some member to be absolutely unconditioned. Yet before the regress begins, the members that could supply that condition are not yet part of what we empirically intuit of the whole. So the regress does not go to infinity, as the division of what is given does. It goes on indefinitely far, as we look for further members beyond those given, and those are again always given only as conditioned.
B 542 In neither case, the regressus in infinitum or the one in indefinitum, is the series of conditions treated as given in the object as infinite. They aren’t things in themselves. They are appearances, which as conditions of one another are given only within the regress. So the question stops being how big this series of conditions is in itself, finite or infinite, since in itself it is nothing. The question becomes how we should carry out the empirical regress and how far we should push it. And here the rule for moving forward differs in a way that matters. If the whole has been given empirically, we can go back without end through the series of its inner conditions. If instead the whole isn’t given, and is only to be given by empirical regress, all I can say is this: it is possible to go on without end to ever higher conditions of the series. In the former case, more members always exist, and are empirically given, than my regress (of decomposition) reaches. In the latter I can say that I can always go further in the regress. No member is given empirically as absolutely unconditioned. So a higher member is still possible, and asking after it is still necessary. In the one case it was necessary to find more members of the series. In the other it is always necessary to ask for more.
B 543 The reason is that no experience is absolutely bounded. Either no perception of yours sets an outright boundary to your empirical regress, and then you mustn’t regard your regress as finished. Or you do have a perception that bounds your series. Then that perception can’t belong to the stretch of the series you have already covered (what bounds must differ from what it bounds). So you have to carry the regress on to this condition too, and so on.
The next section will show these remarks in their proper light, by applying them.
Pure Reason’s Antinomy Section Nine The Empirical Use of Reason’s Regulative Principle, as It Bears on All the Cosmological Ideas
We have shown more than once that pure concepts, whether of the understanding or of reason, have no transcendental use. A series of conditions in the world of sense can be absolutely total only on the basis of a transcendental use of reason. Reason demands this unconditioned completeness from whatever it takes to be a thing in itself.
B 544 The world of sense contains nothing like that. So we can no longer talk about the absolute size of the series in the world of sense, about whether they are bounded or unbounded in themselves. The only matter left is how far back we should go in the empirical regress when we trace experience to its conditions. According to the rule of reason, we are to stop at no answer to its questions except one that fits the object.
All that remains is the validity of the principle of reason as a rule for continuing experience and enlarging a possible experience, now that we have shown clearly enough that it is invalid as a constitutive principle about appearances in themselves. If we can put that validity beyond doubt, reason’s quarrel with itself comes to a complete end. Critical resolution doesn’t just remove the illusion that split reason against itself. It also opens up the sense in which reason agrees with itself, a sense whose misreading was the only cause of the quarrel. A principle that would otherwise be dialectical becomes doctrinal. Suppose this principle can be confirmed in its subjective meaning, as a way of fixing how far the understanding may be used in experience at most, so that this use fits the objects of experience. Then the result is exactly the same.
B 545 It would be as if this principle were an axiom (impossible from pure reason) fixing the objects in themselves a priori. Even an axiom, with respect to objects of experience, could have no greater effect on enlarging and correcting our cognition than showing itself at work in the widest empirical use of our understanding.
I. Solving the Cosmological Idea of Totality in the Composition of Appearances Making Up a World-Whole
In this question, as in the other cosmological ones, reason’s regulative principle rests on one proposition: as we regress empirically, we can never experience an absolute boundary, and so never a condition that is empirically absolutely unconditioned. That in turn is because such an experience would have to include a boundary of appearances set by nothing, by the void. The regress, driven forward by a perception, would have to run into that void. And this is impossible.
This proposition amounts to the following. In the empirical regress I never arrive at more than a condition.
B 546 That condition itself has to be seen, once more, as empirically conditioned. So in terminis (in plain words) it contains the rule: no matter how far up the series I have got, I must always ask about a higher member, whether or not experience ever tells me about it.
Now, to settle the first cosmological problem, only one thing is left to decide. When the regress climbs to the unconditioned size of the world-whole (in time and in space), is this climb that never meets a boundary a regress to infinity, or just a regress continued indefinitely (in indefinitum)?
The bare general idea of all the world’s past states in a series, together with the things that exist side by side in space, is just a possible empirical regress. I think of that regress, though so far undetermined. Through it alone does the concept arise of a series of conditions reaching up from the perception we are given*.
B 547 Now, the world-whole is always only in my concept, and never (as a whole) in intuition. So I can’t infer from the world’s size to the size of the regress, or fix the regress by it. I first have to make myself a concept of the size of the world, by way of the size of the empirical regress. About that regress I never know more than this: from whatever member of the series of conditions happens to be given, I have to go on empirically to a higher (more remote) member. So the size of the whole of appearances isn’t fixed absolutely by it. That is also why it can’t be said that this regress goes to infinity. To say so would anticipate the members that the regress hasn’t reached yet, and would picture their number as so large that no empirical synthesis could get to them. It would then determine the world’s size before the regress (though only negatively), and that is impossible. No intuition gives me the world in its totality, so no intuition gives me its size before the regress. We therefore can say nothing at all about the size of the world in itself. We can’t even say that a regressus in infinitum happens in it. All we can do is look for the concept of its size by following the rule that governs the empirical regress in it. That rule says only this: however far we have got in the series of empirical conditions, we are not to assume an absolute boundary anywhere.
B 548 Instead, we have to put every appearance, as conditioned, under another as its condition, and go on further to that one. That is the regressus in indefinitum. It fixes no size in the object, and so it is clearly different from the one in infinitum.
* So this series of the world can be neither bigger nor smaller than the possible empirical regress, the only thing its concept rests on. This regress can give neither a determinate infinite nor, just as little, a determinately finite thing (one that is absolutely bounded). It is clear from this that we can’t take the world’s size as finite, or as infinite, since the regress, by which it is pictured, allows neither.
So I can’t say that the world is infinite, whether in past time or in space. A concept of size like that, as a given infinity, is empirical. It is therefore completely impossible for the world, which is an object of the senses. I also won’t say that the regress from a given perception, through everything that bounds it in a series, in space as well as in past time, goes on to infinity. That would presuppose an infinite size for the world. I won’t claim it is finite either, because an absolute boundary is empirically impossible too. So about the whole object of experience (the world of sense) I will be able to say nothing. I can speak only of the rule by which experience, fitted to its object, is to be carried out and continued.
The first answer to the cosmological question about the size of the world is a negative one. In time the world has no first beginning, and in space it has no outermost boundary.
If it were otherwise, the world would be bounded by empty time on one side and by empty space on the other.
B 549 As an appearance, though, it can’t be either of those in itself, because an appearance is not a thing in itself. So it would have to be possible to perceive such a limit, set by wholly empty time or empty space, and by that perception the world’s ends would be there for a possible experience to meet. But an experience like that, with no content whatever, is impossible. An absolute boundary of the world is thus impossible empirically, and so impossible outright*.
* You will notice that the proof here is built in a quite different way from the dogmatic proof given earlier, in the antithesis of the first antinomy. There we accepted the common, dogmatic way of picturing the world of sense: as a thing already given, in itself and as a complete whole, before any regress. And we denied it any definite place in time and space at all, if it didn’t fill all of time and every space. So the inference was different from the one here. There we inferred that the world is actually infinite.
This also gives the affirmative answer. The regress through the series of world appearances, as a way of fixing the world’s size, goes on in indefinitum. That is to say, the world of sense has no absolute size. The empirical regress does have its rule, and only through that regress can the world be given as far as its conditions go. The rule says: from each member of the series, as something conditioned, always go on to one still more remote.
B 550 That can happen through one’s own experience, or by the thread of history, or along the chain of effects and their causes. And never excuse oneself from widening the possible empirical use of the understanding. That is also the real and only business of reason in its principles.
This doesn’t prescribe a particular empirical regress that goes on forever within one kind of appearance. For example, it doesn’t say that from a living person you must always climb a line of ancestors without expecting a first pair. Nor does it say that in the line of heavenly bodies you must never allow an outermost sun. All it commands is the move from appearance to appearance, even if these gave no actual perception (when a perception is too weak in degree for our awareness to make it experience), because they belong to possible experience all the same.
A beginning is always in time, and the boundary of anything extended is always in space. But time and space exist only in the world of sense. So appearances are conditioned within the world, but the world itself is neither conditioned nor bounded in an unconditioned way.
For that reason, and since the world can never come to us whole, nor can even the conditions of a given conditioned be given whole as a world-series, we get the concept of how big the world is through the regress only.
B 551 It isn’t given in advance, in an all-at-once intuition. The regress, though, consists only in fixing a size. So it gives no determinate concept, and no concept of a size that would be infinite relative to a given measure. It doesn’t go on to the infinite, as if that were given. It goes on indefinitely far, to supply a size (of experience) that becomes actual only through this regress.
II. Solving the Cosmological Idea of Totality in the Division of a Whole That Is Given in Intuition
Say I divide a whole that is given in intuition. I am then going from something conditioned back to the conditions that make it possible. Dividing the parts further (subdivisio or decompositio) is a step back through the series of those conditions. That series would be given as an absolute totality only if the regress could end at simple parts. But if decomposing never stops, and every part can always be divided again, then the division goes on in infinitum. This division is the regress from the conditioned to its conditions. It has no end, because the conditions (the parts) lie inside the conditioned itself.
B 552 The conditioned is given whole in an intuition. That intuition is shut in between its boundaries, and so all the conditions are given with it too. This means we can’t just call the regress a going back in indefinitum. That was the most the earlier cosmological idea allowed. There the conditions lay outside the thing I started from, so they were not given along with it, and I had to move on to them. They were added only as the empirical regress went forward. Still, we may not say that a whole divisible to infinity is made up of infinitely many parts. Each part is included in the intuition of the whole, but the complete division is not. The division consists only in the continuing decomposition, the regress itself, and the regress is what first turns the series into something actual. Because the regress is endless, each member (each part) that it reaches is held in the given whole as an aggregate. The entire series of division is not. It is endless by succession and is never complete. So it can’t present an infinite multitude, and it can’t present a gathering of that multitude into one whole.
This general reminder is easiest to apply first to space. Any space that is intuited within its boundaries is a whole of this kind. Its parts, however far it is decomposed, are always spaces again. So it can be divided to infinity.
B 553 The second application follows from this quite naturally. It concerns an outer appearance that is shut in by its boundaries: a body. Whether a body can be divided depends on whether space can, since space is what makes a body possible as an extended whole. So a body can be divided to infinity, and yet it does not consist of infinitely many parts.
It does seem that a body must differ from space in the law of divisibility, because a body has to be represented in space as a substance. We might grant that however far decomposition goes in space, it can never take away all composition. For then even space as a whole would cease to exist, space which otherwise has nothing self-standing about it (and that cannot happen). But it seems that the concept of substance can’t be reconciled with the claim that nothing at all would remain once all composition of matter is removed in thought. Substance is supposed to be the subject of all composition. Its elements would have to stay behind, even if the connection that makes them a body in space were lifted. But the substance we speak of in appearance is not like this. It isn’t what we would think a thing in itself to be, through a pure concept of the understanding. It is no absolute subject.
B 554 It is a lasting image in sensibility, nothing but intuition, and no unconditioned is met with anywhere in intuition.
The rule of going on to infinity certainly holds when an appearance is subdivided, as long as the appearance is a mere filling of space. But it fails once we try to carry it over to the multitude of parts that are already marked off in some way inside the given whole. Parts marked off like this make a quantum discretum. Suppose every articulated (organized) whole had parts that are themselves articulated, so that when we break the parts down to infinity we keep finding new, artfully made parts. In short, suppose the whole were articulated to infinity. That can’t be thought at all. What can be thought is that the parts of matter might become articulated as they are decomposed to infinity. Here is why. A given appearance in space can be divided without end for one reason only. The appearance supplies divisibility and nothing more, that is, a multitude of parts that is, taken by itself, completely undetermined. The parts themselves get given and determined only by the act of subdividing. The whole, in other words, isn’t already divided in itself. So division can fix a multitude in it, and that multitude reaches exactly as far as we choose to carry the regress of division. An organic body articulated to infinity is another matter.
B 555 Its concept already presents the whole as divided. Before any regress of division, it would hold a multitude of parts that is fixed in itself and yet infinite. That is a contradiction. The endless unfolding would have to count as a series with no possible end (infinite), and in the same breath as a series that is finished once its members are taken together. Infinite division marks an appearance only as a quantum continuum. It can’t be pulled apart from the filling of space, since the ground of endless divisibility lies right there. As soon as something is taken to be a quantum discretum, however, the multitude of units in it is fixed, and it therefore always equals a number. Only experience can decide how far organization runs in an articulated body. Even if experience certainly never reached a part that isn’t organized, such parts must still lie at least within possible experience. But how far an appearance in general can be divided transcendentally is not a question for experience at all. What decides it is a principle of reason: given what this appearance is like, never treat the empirical regress, when the extended is decomposed, as absolutely finished.
B 556 Closing Note on Solving the Mathematical-Transcendental Ideas, and an Introductory Note on Solving the Dynamical-Transcendental Ideas
Earlier we set out the antinomy of pure reason in one table, covering all the transcendental ideas. We named the source of the conflict and the one way of ending it, which was to declare both of the opposed assertions false. In every case we pictured the conditions as belonging to what they condition by relations of space and time. Common human understanding usually assumes this, and the whole conflict depended on it. So, looked at this way, every dialectical picture of totality was alike. Each concerned the series of conditions behind some given conditioned thing. In each, the condition and the conditioned were connected as members of one series, and so were alike in kind. Then the regress can never be thought of as complete. If it is to be complete, some member that is itself conditioned has to be wrongly taken as the first, and so as unconditioned. The object, the conditioned, may not have been weighed everywhere.
B 557 But the series of conditions behind it was, and only by its magnitude. No compromise could remove the difficulty there. Only cutting the knot altogether could. It was this: reason stretched the series out too long for the understanding, or cut it too short, and either way the understanding could never come up to reason’s idea.
But in all this we overlooked an important difference among the objects. By objects I mean the concepts of the understanding that reason tries to lift up into ideas. Look at the table of categories given earlier. Two of them stand for a mathematical synthesis of appearances, and the other two for a dynamical one. Up to this point the oversight could easily occur. In the general presentation of all the transcendental ideas we stayed among conditions within appearance. In just the same way the two mathematical-transcendental ideas had for us no object but one within appearance. Now we turn to the dynamical concepts of the understanding, as far as they are meant to fit reason’s idea. At this point the distinction matters. It opens a wholly new view of the dispute in which reason is tangled. We threw that dispute out earlier, since each side rested on a false assumption.
B 558 The dynamical antinomy, though, may contain an assumption that can live alongside reason’s claim. Then the dispute could be looked at from this angle. The judge would fill in the missing grounds in law that both sides had failed to see, and the parties could be reconciled to the satisfaction of both. In the mathematical antinomy this could not be done.
It is true that the series of conditions are all alike, if we look only at how far each extends, that is, whether it matches the idea or the idea turns out too large or too small for it. The concept of the understanding that lies under these ideas, however, can contain two different things. It can contain only a synthesis of things of the same kind. Every magnitude is assumed to have this, both when it is put together and when it is divided. Or it can contain a synthesis of things of different kinds too. At least dynamical synthesis can allow this, when a cause is combined with its effect, and also when the necessary is combined with the contingent.
So when series of appearances are connected mathematically, the only condition that can enter is a sensible one, which means one that is itself a part of the series. A dynamical series of sensible conditions can take a further condition of a different kind. That condition is no part of the series. It is merely intelligible, and so it lies outside the series.
B 559 This satisfies reason. The unconditioned is placed before the appearances, and the series of appearances, which is always conditioned, is neither muddled by it nor, against the principles of the understanding, cut off.
The dynamical ideas allow a condition of the appearances outside their series. Such a condition is not an appearance itself. This leads to a result quite unlike that of the antinomy. The antinomy made us declare both dialectical counter-assertions false. Now the thoroughly conditioned character of the dynamical series, inseparable from them as appearances, can be connected with a condition that is non-sensible and, empirically, unconditioned. It then does justice to the understanding on one side and to reason on the other*. The dialectical arguments, which in some way or other sought unconditioned totality in mere appearances, fall away.
B 560 The propositions of reason, with their sense set right in this manner, can then both be true. This can never happen with the cosmological ideas that deal only with mathematically unconditioned unity. With these, the only condition to be found for the series of appearances is one that is an appearance as well, and so a member of the series itself.
* For the understanding permits no condition among appearances that could itself be empirically unconditioned. Now imagine that we could conceive, for something conditioned (in appearance), an intelligible condition that doesn’t belong to the series of appearances as one of its members, and that doesn’t break into the series of empirical conditions in the least. Such a condition could then be allowed as empirically unconditioned, and the continuous empirical regress would suffer no interruption anywhere.
III. Solving the Cosmological Ideas of Totality in Deriving World Events from Their Causes
We can think of only two kinds of causality for what happens: one working by nature, the other from freedom. Causality by nature connects a state in the world of sense with an earlier state, and the state follows that earlier one by a rule. But the causality of appearances depends on conditions of time. If the earlier state had always been there, it could not have brought about an effect that begins only in time. So the cause of whatever happens or comes to be has a causality that itself came to be, and under the principle of the understanding it needs a further cause.
B 561 By freedom, in the cosmological sense, I mean the power to start a state on its own. The causality of such a power is not itself placed, under natural law, beneath another cause that fixes it in time. Taken this way, freedom is a pure transcendental idea. For one thing, it holds nothing borrowed from experience. For another, no experience can give its object in a determinate form. The reason is a universal law, which holds even for the possibility of any experience at all: whatever happens must have a cause, and that includes the causality of a cause that has itself happened or come to be. So the entire field of experience, however far it extends, gets changed into a mere sum of nature. But by this route we never get an absolute totality of conditions for causal relations. Reason therefore produces its own idea of a spontaneity, one that could start acting on its own. No other cause need be sent ahead to set it acting under the law of causal connection.
It is highly striking that the practical concept of freedom rests on this transcendental idea. In the practical concept, the transcendental idea is the real core of the difficulties that have always hung over the question of how freedom is possible.
B 562 Freedom in the practical sense means that the power of choice is independent of compulsion by the impulses of sensibility. For a power of choice counts as sensible when it is affected pathologically, that is, by motives that come from sensibility. It is called animal choice (arbitrium brutum) when it can be compelled pathologically. The human power of choice is an arbitrium sensitivum, true, but it is not brutum. It is liberum, since sensibility does not make its action necessary. Human beings have within them a capacity to determine themselves, independent of compulsion by sensible impulses.
One can see easily that if all causality in the world of sense were mere nature, each event would be fixed by another event in time, by necessary laws. Appearances, in so far as they fix the power of choice, would have to make each action necessary, as its natural outcome. Doing away with transcendental freedom would therefore destroy all practical freedom as well. For practical freedom assumes that something that did not happen still ought to have happened. Its cause in appearance was therefore not so decisive as to rule out a causality in our power of choice. That causality works independently of the natural causes, and even against their power and influence it can bring about something that the empirical laws fix in the order of time. It can thus start a series of events entirely by itself.
B 563 This is what happens in any conflict of a reason that dares to go beyond the boundaries of possible experience: the task turns out to be transcendental, not physiological. The question how freedom is possible does bother psychology. Because it depends on dialectical arguments from pure reason alone, though, both the question and its answer fall to transcendental philosophy, and to nothing else. That philosophy can’t turn down a satisfying answer here. To equip it for giving one, I first have to explain more closely, in a remark, how it should proceed on this task.
Suppose appearances were things in themselves, and space and time were the forms in which things in themselves exist. Then conditions and conditioned would always be links in one and the same series. Here, as with every transcendental idea, an antinomy would follow: the series would inevitably come out too long for the understanding, or too short. The dynamical concepts of reason, which occupy us in this number and the next, are special in one way. They concern an object’s existence, not the object as a magnitude. So we may leave aside how long the series of conditions is. In them, only one thing matters.
B 564 It is the dynamical relation between condition and conditioned. The difficulty then shows up already in the question of nature and freedom. Is freedom possible in the first place? If so, can it live alongside the universal natural law of causality? Put differently, is it a sound either/or to say that every effect in the world has to come from nature or else from freedom? Or might both hold at once for a single event, taken in different relations? The principle that all events of the world of sense are thoroughly connected under unchangeable laws of nature is already settled as a principle of the Transcendental Analytic. It stays unharmed. What remains to ask, then, is this. Could freedom still apply to the very same effect that nature determines? Or does that unbreakable rule shut freedom out completely? Here the common but deceptive assumption that appearances are absolutely real quickly does its damage, by confusing reason. For if appearances are things in themselves, there is no rescuing freedom. Nature would then be the complete cause of every event, fully sufficient by itself to determine it. The condition of the event would lie only in the series of appearances, and these are necessary under every law of nature, along with their effect.
B 565 If instead appearances count for only what they truly are, namely representations tied together by empirical laws and not things in themselves, then they must have grounds of their own that are not appearances. Such an intelligible cause is not determined by appearances as to its causality. Its effects, however, do appear, and so other appearances can determine them. The cause and its causality therefore lie outside the series, whereas the effects are met with in the series of empirical conditions. So the effect may be viewed as free with respect to its intelligible cause, while with respect to the appearances it may at the same moment be viewed as following from them by the necessity of nature. When stated in general and in the abstract, this distinction is bound to seem extremely subtle and obscure. Applying it will make it clear. All I wanted to point out here is the following. The thorough connection of all appearances in one context of nature is a law that allows no exception. If someone held on stubbornly to the reality of appearances, that law would have to wipe out all freedom. That is why people who hold the common view on this point have never managed to unite nature with freedom.
B 566 The Possibility of Causality through Freedom, Joined With the General Law of Natural Necessity
I call intelligible whatever in an object of the senses is not itself an appearance. Now suppose that something we must regard as an appearance in the world of sense also has a power in itself. This power is no object of sensible intuition, yet through it the thing can be a cause of appearances. Then the causality of such a being can be looked at in two ways. Its action, as the action of a thing in itself, is intelligible. Its effects, as an appearance in the world of sense, are sensible. So for what such a subject can do, we would form two concepts of its causality, an empirical one and an intellectual one, and both apply to one and the same effect. To think of an object of the senses as having a power with two sides like this conflicts with no concept that we need to have of appearances or of possible experience. For appearances are not things in themselves, so a transcendental object has to underlie them, one that determines them as mere representations. Nothing stops us, then, from attributing a causality to this transcendental object.
B 567 That causality would not be appearance. It would come in addition to the property by which the object appears. And its effect is nevertheless met with in appearance. Each cause that acts has to have a character. By that I mean a law of its causality, and without it the cause wouldn’t be a cause at all. In a subject of the world of sense we would therefore have, first, an empirical character. Through it, the subject’s actions, being appearances, would hang together with other appearances by steady laws of nature. They could be derived from those appearances as their conditions, and in combination with them they would be members of one single series of the natural order. Second, we would have to grant the subject an intelligible character too. Through it the subject causes those actions in their form as appearances, but this character is bound by no condition of sensibility, and is no appearance either. The first could be called the character of the thing in appearance, the second its character as a thing in itself.
According to its intelligible character, this acting subject would be under no conditions of time. Time is a condition only of appearances, not of things in themselves. No action would arise or pass away in it.
B 568 It would therefore not be subject to the law governing every determination in time and everything that changes, the law that whatever happens has its cause in the appearances (in the previous state). To put it briefly, its causality, to the extent that it is intellectual, would have no place in the series of empirical conditions that make events in the world of sense necessary. We could never know this intelligible character directly, since we can perceive only what appears. Yet we would have to think of it in agreement with the empirical character. We do the same when we place a transcendental object beneath appearances in our thinking, even though we have no knowledge of what that object is in itself.
As for its empirical character, then, this subject would be an appearance, subject to every law that fixes things by causal combination. In that respect it would be only a part of the world of sense. Its effects would pour out of nature with no exception, as with any other appearance. To the extent that outer appearances act upon it, and its empirical character (meaning the rule by which it acts as a cause) is known from experience, all its actions would have to be explainable by laws of nature. Whatever is required to determine them completely and necessarily would be found in a possible experience.
B 569 By its intelligible character, though, the same subject would have to be released from all influence of sensibility and from all determination by appearances. (All we can have of this character is its general concept.) In the subject, as noumenon, nothing happens. No change takes place there that would demand a dynamical determination in time. Hence no connection with appearances as causes turns up in it. So this acting being would be independent and free, in its actions, of all natural necessity, which is found only in the world of sense. It would be entirely right to say that it starts its effects in the world of sense by itself, although the action does not start in the being itself. This remains true even though the effects in the world of sense need not for that reason start by themselves. In the world of sense, those effects are always fixed in advance by empirical conditions of the preceding time, and only by way of the empirical character, which is just the appearance of the intelligible one. They are possible only as the continuation of the series of natural causes. So freedom and nature, each in its full sense, would exist together in the same actions, without any conflict, according to whether we compare the actions with their intelligible cause or their sensible one.
B 570 An Explanation of the Cosmological Idea of Freedom as Joined to Universal Natural Necessity
I decided to draw a rough sketch of how our transcendental problem is solved before anything else. It lets us survey more easily the path reason takes in solving it. Next we’ll set out the decisive points, the ones that really matter, and take up each of them by itself.
There is a law of nature that everything that happens has a cause. The causality of this cause, its action, comes earlier in time. Since an effect has come into being, the action can’t have gone on forever. It must itself have happened, and so it has its own cause among the appearances, which determines it. All events are therefore empirically determined within an order of nature. This law alone lets appearances form a nature at all and become objects of experience. It is a law of the understanding, and on no pretext may we depart from it or exempt any appearance from it. To do so would put that appearance outside possible experience altogether.
B 571 It would be set apart from every object of possible experience, and become a mere thought-thing, a creature of the brain.
True, all this looks like nothing but a chain of causes that allows no absolute totality in the regress toward its conditions. But this worry doesn’t hold us up at all, because it was already removed in the general assessment of the antinomy of reason, when reason aims at the unconditioned in the series of appearances. If we give in to the deception of transcendental realism, neither nature nor freedom is left. Here the only question is this. Grant that we recognize nothing but natural necessity in the whole series of all events. Is it still possible to regard one and the same event, which on one side is a mere effect of nature, as on the other side an effect from freedom? Or is a flat contradiction found between these two kinds of causality?
Nothing among the causes in appearance can start a series absolutely, from itself. Any action, as appearance, that brings about an event is itself an event, a happening. Such an event presupposes a prior state where its cause is found. In this way everything that happens only continues the series. No beginning that comes about by itself is possible within it.
B 572 All the actions of natural causes, in their order in time, are in turn effects, and they equally presuppose their causes in the series of time. From the causal connection of appearances, we cannot expect an original action, by which something happens that wasn’t there before.
Is it truly necessary, though, that the causality of a cause must be merely empirical, if the effects are appearances and the cause is itself an appearance? Isn’t it possible after all that each effect in appearance does require a connection with its cause under laws of empirical causality, and yet this empirical causality is itself the effect of a causality that isn’t empirical but intelligible? It could be so without in the least interrupting its tie to the natural causes. That would be an action of a cause that is original in regard to appearances. To that extent the cause is not appearance, but intelligible by its power, though in all other respects it must be counted as a link in the chain of nature, and so as belonging to the world of sense.
To look for natural conditions of natural events, and to name them, we need the principle that appearances cause one another. These conditions are causes within appearance. If this principle is granted and no exception weakens it, the understanding gets all that it can demand.
B 573 In its empirical use it sees only nature in every event, and it is entitled to do so. Physical explanations then proceed without any obstacle. Now take the following supposition: some of the causes in nature have a power that is only intelligible. What moves such a power to act never depends on empirical conditions. It depends only on grounds of the understanding. (Grant, for the rest, that this may be a mere invention.) Even so, the action this cause produces among the appearances must conform to every law of empirical causality. The supposition does the understanding no harm at all. In that case the acting subject, called causa phaenomenon, would be tied into nature through all its actions, with no break in its dependence. Only this subject’s phaenomenon would hold certain conditions (together with everything the subject causes in appearance). These conditions would have to count as merely intelligible for anyone who wants to climb up from the empirical object toward the transcendental one. For as long as we follow nature’s rule in whichever thing among the appearances serves as the cause, we can stay unconcerned about whatever ground of these appearances, and of how they hang together, may be thought to lie in the transcendental subject. That subject is unknown to us empirically. This intelligible ground leaves the empirical questions untouched. It may concern only thinking in the pure understanding.
B 574 Pure understanding thinks and acts, and the effects of that do turn up among the appearances. Still, they must be completely explainable from their cause in appearance, through laws of nature. The way to do that is to keep to the merely empirical character as the highest ground of explanation, and to pass over the intelligible character entirely as unknown. The intelligible character is the transcendental cause of the empirical one. We mention it only to the extent that the empirical character points to it as its sensible sign. Let us apply this to experience. Human beings are among the appearances of the world of sense. To that extent they are among the natural causes, and their causality has to follow empirical laws. As natural causes they must also have an empirical character, as every other natural thing does. We notice the character through the forces and powers a thing shows in its effects. With lifeless nature, or with nature that is alive only in the way animals are, we have no ground to think of any power as anything but conditioned by the senses. A human being is different. Humans know the whole rest of nature only through their senses, but they know themselves too, through mere apperception. They do this in actions and inner determinations that they can’t possibly count as impressions of the senses. To themselves, humans are phenomena on one side. On the other side, namely for certain powers, they are purely intelligible objects.
B 575 That is because the action of those powers can’t be counted as part of sensibility’s receptivity. We call these powers understanding and reason. Reason especially is properly and sharply set apart from every force that depends on empirical conditions. It considers its objects solely in terms of ideas, and it determines the understanding by them. The understanding then uses its concepts empirically, though they too are pure.
The imperatives we set up as rules for the active powers, throughout the practical realm, make it clear that reason has some causality, or that we at least picture it so. “Ought” expresses a kind of necessity, and a connection with grounds, found nowhere else in nature. Where nature is concerned, the understanding can know only what is, what has been, or what will be. Nothing in nature can possibly be other than it is in all these time-relations. When our eyes are only on the course of nature, “ought” simply means nothing. It makes no sense to ask what should happen in nature, just as it makes none to ask what properties a circle should have. The question is what does happen there, or what properties the circle does have.
“Ought” points to a possible action, and the ground of that action is nothing more than a concept. Take a mere action of nature instead.
B 576 Its ground has to be an appearance every time. It’s true that an action which the “ought” is aimed at must be possible under natural conditions. But those conditions do not bear on how the power of choice is determined. They bear only on what it brings about, and how, in appearance. Natural grounds may push me to will something, and there may be any number of sensible attractions. They still cannot produce the “ought.” They can produce only a willing that is anything but necessary and is always conditioned. Against that willing the “ought” spoken by reason sets a measure and an aim, and even a prohibition and an authority. It makes no difference whether the object belongs to mere sensibility (the pleasant) or to pure reason (the good). Either way, reason won’t give way to a ground that is given empirically. It doesn’t follow the order of things as they show themselves in appearance. In complete spontaneity, reason sets up its own order for itself, shaped by ideas. It makes the empirical conditions fit into that order. By that order it even declares actions necessary that haven’t happened, and perhaps never will. Of all of them, though, it presupposes that reason could have causality over them. Otherwise it wouldn’t expect its ideas to have any effects in experience.
Let’s stay with this point. Suppose, at least as a possibility, that reason really has causality over appearances.
B 577 Then reason, for all that it is reason, has to display an empirical character. Every cause presupposes a rule, by which certain appearances follow as its effects. Every rule needs the effects to be uniform. That uniformity is what grounds the concept of a cause (as a power). Because this concept has to be made clear from appearances alone, we can call it the empirical character. It stays constant, whereas the effects show up in shifting forms, depending on the conditions that accompany them and partly restrict them.
This means every person has an empirical character of choice. That character is nothing but a certain causality of their reason, to the extent that reason shows a rule in its effects among the appearances. By this rule we can infer the grounds of reason and its actions, their kind and degree, and form a judgment on the subjective principles of the person’s power of choice. That empirical character has to be taken from the appearances themselves, as their effect, and from their rule, which experience hands us. So everything a person does in appearance is determined, in the order of nature, by their empirical character together with the other causes that help produce it. Suppose we could investigate all the appearances of their power of choice.
B 578 Suppose we could follow them right down to the ground. Then there would be not one human action that we couldn’t predict for certain and see as necessary from its earlier conditions. Regarding this empirical character, then, there’s no freedom. It is the only character through which we can consider a human being, when we simply observe and try to investigate the driving causes of their actions physiologically, as anthropology does.
Now consider the very same actions in relation to reason. I don’t mean speculative reason, in order to explain where they come from. I mean reason alone, as the cause that produces them. In a word, we compare the actions with reason for a practical purpose. Then we find a rule and an order that are entirely different from the order of nature. For in that order, perhaps, none of what has happened by the course of nature should have happened, though by its empirical grounds it could not fail to happen. At times, however, we find (or think we find, at least) that the ideas of reason have actually shown causality in human actions as appearances. Those actions happened, we find, not because empirical causes determined them but because grounds of reason did.
B 579 Suppose we can say that reason has causality over appearance. Could its action be called free, then, when it is fixed precisely and necessarily in its empirical character, its way of sensing? That character is in turn fixed in the intelligible character, its way of thinking. We don’t know this second one. We mark it by appearances, and these, strictly speaking, reveal directly only the way of sensing, the empirical character*. Now take the action insofar as it is to be put down to the way of thinking, which is its cause. Even then it doesn’t follow from that cause by empirical laws. That is, it is not that the conditions of pure reason come first. Only the effects of pure reason, in the appearance of inner sense, come first. As a purely intelligible power, pure reason isn’t subject to the form of time, and so not to the conditions of temporal succession. The causality of reason in the intelligible character doesn’t come into being, and doesn’t start at some moment to produce an effect.
B 580 For if it did, it would itself be bound by the natural law of appearances, to the extent that this law sets causal series in time. Its causality would then be nature and not freedom. So we may say: if reason can have causality over appearances, it is a power through which the sensible condition for an empirical series of effects begins for the first time. The condition in reason isn’t sensible, so it does not itself start. Then we get what was missing in every empirical series. The condition for a series of events following one another can itself be unconditioned empirically. For here the condition stands apart from the series of appearances, in the realm of the intelligible, and so it is subject to no sensible condition and to no time-determination by a cause that comes before it.
* So the real morality of actions (merit and guilt) stays entirely hidden from us, even in the case of our own conduct. What we hold ourselves or others accountable for can be referred only to the empirical character. How much of it is the pure effect of freedom, though, and how much belongs to mere nature and to faults of temperament that aren’t anyone’s fault, or to a fortunate makeup of temperament (merito fortunae), nobody can work out. For that reason nobody can pass judgment with full justice either.
Still, in another respect this same cause also belongs to the series of appearances. People are themselves appearances. Their power of choice has an empirical character, and this is the (empirical) cause of everything they do. Every condition that determines a person according to this character belongs to the series of natural effects and obeys the law of that series. By that law, no empirically unconditioned causality is found in anything that happens in time. So no given action can begin absolutely by itself.
B 581 After all, it can be perceived only as appearance. But of reason we can’t say that another state precedes the one in which it determines the power of choice, a state in which the first state is itself determined. For reason is no appearance and is not subject to any conditions of sensibility. So no succession in time occurs in it, even regarding its causality. The dynamical law of nature, which sets succession in time by rules, can’t therefore be applied to reason.
Reason is therefore the lasting condition of all the voluntary actions in which a human being appears. Each of them is fixed beforehand in the person’s empirical character, before it happens. In the intelligible character, of which the empirical one is only the sensible schema, there is no earlier or later. Whatever the time relations that an action has to other appearances, it flows directly from the intelligible character of pure reason. Pure reason, then, acts freely. Within the chain of natural causes, no ground that comes earlier in time, outer or inner, determines it dynamically. This freedom shouldn’t be viewed only negatively, as independence from empirical conditions (that would stop reason from being a cause of appearances).
B 582 It can also be described positively, as a power to start a series of events by itself. Nothing starts in reason itself. Being the unconditioned condition of each voluntary action, it allows no earlier condition above it in time. Its effect, though, does start in the series of appearances. It can never make an absolutely first beginning there.
An example from the empirical use of reason can illustrate its regulative principle. It is meant only to illustrate, not to confirm, since this kind of proof is no good for transcendental claims. Take a voluntary action, say a malicious lie by which someone has thrown society into some confusion. First we look into the motives out of which the lie came about. Then we judge how the lie, with its consequences, can be blamed on that person. For the first purpose, finding out the motives, we trace the person’s empirical character back to its sources. We look for them in a poor upbringing, in bad company, and partly in the wickedness of a temperament that feels no shame. Part of it we put down to frivolity and thoughtlessness. In doing so, we don’t lose sight of the chance occasions that set the lie off. In all of this we go about it as we do in any investigation of the chain of determining causes behind a given effect in nature.
B 583 We may believe that all this determines the action. Even so, we blame the person who did it. We don’t blame them for an unlucky temperament, or for the circumstances that acted on them, or even for the way they lived before. For we assume that we can set aside entirely how that life went. We assume we can treat the earlier series of conditions as if it had never happened, and treat this deed as wholly unconditioned by the earlier state, as though the person began a series of consequences entirely on their own. The ground of this blame is a law of reason. In it we look on reason as a cause that could have determined the person’s conduct differently, and should have, whatever the empirical conditions named above. And we see the causality of reason not merely as one contributor among others. We see it as complete in itself, even if the sensible drives were not for the action at all and were, in fact, against it. The action is charged to the liar’s intelligible character. At the moment of the lie, the guilt is wholly theirs. So reason was fully free, whatever the empirical conditions of the deed, and the deed is to be put wholly down to reason’s failure to act.
It is easy to see what this judgment of blame has in mind. It has in mind that sensibility doesn’t affect reason at all. Reason doesn’t change.
B 584 Its appearances do change, in other words, how it appears in what it does, but reason itself does not. No state in it comes before the next and determines it. So it doesn’t belong in the series of sensible conditions that make appearances necessary by laws of nature. Reason is present in all the actions of a human being, in all circumstances of time, and is the same in all of them. But it is not itself in time, and it doesn’t fall into some new state it wasn’t in before. In relation to that state it is determining but not determinable. So the question can’t be why reason failed to determine itself otherwise. The only question can be why its causality did not determine the appearances in some other way. And to that no answer is possible. For with another intelligible character we would have been given another empirical one. When we say that the liar could still have refrained from the lie, in spite of their whole earlier way of life, we mean only this. The act stands directly under the power of reason. Reason’s causality is not tied to any condition that belongs to appearance or to the passing of time. Time does mark a main difference when appearances are compared with each other. Yet it cannot change anything about how the action stands to reason, because appearances are not things, and so are not causes in themselves.
B 585 In judging free actions, then, as to their causality, we can get as far as the intelligible cause but no further. We can recognize that it may be free, meaning that sensibility does not decide it, and that in this way it may be the condition of appearances which has no sensible condition behind it. But why the intelligible character gives just these appearances and this empirical character in the circumstances at hand goes beyond anything our reason can answer. It even goes beyond reason’s right to ask. It is like asking why the transcendental object behind our outer, sensible intuition yields intuition in space only, and none of any other kind. But the task we had to solve doesn’t oblige us to do this at all, for it was only this: can freedom and natural necessity clash within a single action? We have answered that well enough. We showed that freedom can refer to a quite different kind of conditions than natural necessity does, so the law of natural necessity doesn’t touch freedom. The two can therefore both be present, independent of each other and undisturbed by each other.
* * *
We must note that we have not tried to show that freedom is real.
B 586 We did not try to show it as one of the powers that contain the cause of the appearances of our world of sense. For one thing, that would not have been a transcendental inquiry, which handles concepts alone. For another, it couldn’t have succeeded in any case, since from experience we can never infer to something that need not be thought by the laws of experience at all. Nor have we tried even to prove that freedom is possible. That too would have failed, because from concepts a priori alone we can’t know how any real ground or causality is possible. Here freedom is treated only as a transcendental idea. By means of it, reason thinks it can open the series of conditions among appearances with an absolute beginning, using something that has no sensible conditions. In doing so, reason gets itself tangled in an antinomy with its own laws, which it prescribes for the empirical use of the understanding. We could do just one thing, and it was the only thing we cared about: to show that this antinomy rests on mere illusion, and that nature at any rate does not clash with causality from freedom.
B 587 IV. Solving the Cosmological Idea of Totality in the Dependence of Appearances as to Their Existence in General
In the previous number we looked at the changes of the world of sense in their dynamical series, where each change stands under another as its cause. Now this series of states serves us only as a guide, to arrive at an existence that might be the supreme condition of all that changes, namely the necessary being. Here the issue is not an unconditioned causality. It is the unconditioned existence of substance itself. So the series before us is really only a series of concepts and not of intuitions, to the extent that one is the condition of the other.
It is easy to see, though, the following. All that is contained in the sum of appearances can change, and so is conditioned as to its existence. That means the series of dependent existence can have no unconditioned member, none whose existence would be necessary without qualification. Suppose, then, that appearances were things in themselves. For that very reason a condition would always belong to the same series of intuitions as what it conditions.
B 588 In that case a necessary being could never exist as the condition of the existence of the appearances of the world of sense.
The dynamical regress, though, has something peculiar to it that sets it apart from the mathematical one. The mathematical regress deals only with putting parts together into a whole, or breaking a whole down into its parts. So the conditions in its series must always count as parts of the series, hence as of the same kind, and so as appearances. In the dynamical regress it is otherwise. There, the question is not whether an unconditioned whole could be made from given parts, or an unconditioned part found for a given whole. The question is how a state comes from its cause, or how the contingent existence of substance itself comes from a necessary one. There the condition need not form an empirical series with the conditioned.
So in the apparent antinomy before us, one way out is still open. Both of the conflicting propositions can be true at once, in different respects. All things of the world of sense are altogether contingent, and so always have only empirically conditioned existence. Yet there can still be a non-empirical condition for the whole series, that is, an unconditionally necessary being. For such a being, as an intelligible condition, would not belong to the series as one of its members. It would not belong even as the highest member.
B 589 Nor would it turn any member of the series into an empirically unconditioned one. The entire world of sense would stay as it is, empirically conditioned in its existence through every member. This way of placing an unconditioned existence beneath the appearances therefore differs from the empirically unconditioned causality (freedom) of the previous article. In the case of freedom, the thing itself, as a cause (Substantia phaenomenon), still had its place among the conditions of the series; only its causality was conceived as intelligible. Here, the necessary being has to be conceived as lying wholly outside the series of the world of sense (as ens extramundanum), and as merely intelligible. This is the only way to prevent it from falling itself under the law of contingency and dependence that governs all appearances.
For our present task, then, the regulative principle of reason is this. Everything in the world of sense has empirically conditioned existence. Nowhere in it is there an unconditioned necessity as to any property. For every member of the series of conditions we should always expect an empirical condition in a possible experience, and search for it as far as we can. Nothing gives us the right to trace any existence back to a condition that lies beyond the empirical series, nor to treat an existence inside the series as wholly independent and self-sufficient.
B 590 Yet this in no way denies that the whole series may be grounded in some intelligible being. That being is free of all empirical conditions, and instead holds the ground that makes all these appearances possible.
The aim here is not to prove that some being exists with unconditional necessity. Nor is it meant to base on this the mere possibility of a merely intelligible condition for the existence of the appearances of the world of sense. The point is only this. We restrict reason so that it won’t drop the thread of empirical conditions and wander off into transcendent grounds of explanation, which could never be shown in a concrete case (in concreto). So, from the other side, we must hold the law of the understanding’s purely empirical use within bounds as well. It may not rule on whether things in general are possible, and it may not declare the intelligible impossible just because we can’t use it to explain appearances. What this shows, then, is only that all natural things, along with every one of their (empirical) conditions, can be contingent through and through, and that this fits perfectly well with the optional assumption of a necessary condition, though only an intelligible one. So no true contradiction is to be found between these claims, and both can be true. It may be that a being like this, absolutely necessary and of the understanding only, is impossible in itself.
B 591 Even so, that cannot be concluded from the general contingency and dependence of everything that belongs to the world of sense, or from the principle of never stopping at any single member of the world, so far as it is contingent, to appeal to a cause outside the world. Reason goes its own way in its empirical use and its own special way in its transcendental use.
The world of sense contains nothing but appearances. These are mere representations, which are in turn always conditioned by the senses. Here we never have things in themselves as our objects. So we should not be surprised that we have no right ever to jump, from any member of the empirical series at all, out of the connection of sensibility. We can’t act as if the members were things in themselves that existed apart from their transcendental ground, and that we could leave behind in order to look for the cause of their existence outside them. With contingent things this would indeed eventually have to happen. It need not happen with mere representations of things, though, because their contingency is itself only a phenomenon. That contingency can lead to no other regress than the one that determines the phenomena, that is, the empirical one. But to think of an intelligible ground of the appearances, that is, of the world of sense, and to think of it as freed from the contingency of the world of sense, is not opposed to the unlimited empirical regress in the series of appearances.
B 592 It is not opposed to their thoroughgoing contingency either. This was all we had to do to clear up the seeming antinomy, and there was no other way to do it. For suppose the condition of each conditioned thing, in respect of existence, is sensible. Then it belongs to the series for that reason, and is itself conditioned again. The antithesis of the fourth antinomy shows this. Two outcomes were possible. Reason demands the unconditioned, so either the clash with reason had to stay, or the unconditioned had to be set outside the series, in the intelligible. The necessity of the intelligible requires no empirical condition and permits none, and so it is unconditionally necessary in relation to appearances.
To allow a merely intelligible being leaves the empirical use of reason untouched, that use being concerned with conditions of existence in the world of sense. It keeps going on the principle of complete contingency, moving from empirical conditions to higher conditions, and these are empirical too. Equally, though, this regulative principle does not rule out accepting an intelligible cause that is not in the series, when it is a matter of the pure use of reason (in regard to ends). For there that cause means only the ground that makes the sensible series possible at all, a ground that for us is only transcendental and unknown. This ground exists independently of all the conditions of that series, and is unconditionally necessary in relation to them.
B 593 So it is not at all opposed to the unlimited contingency of the series, or to the regress that never ends in the series of empirical conditions.
Closing Note on the Whole Antinomy of Pure Reason
For as long as our concepts of reason deal only with the totality of conditions inside the world of sense, and with what can be done there to serve reason, our ideas are transcendental yet still cosmological. The situation changes when we locate the unconditioned, which is what we are really after, in something wholly beyond the world of sense, and therefore beyond all possible experience. The ideas then turn transcendent. Their job is no longer only to round off reason’s use on experience. (That use remains an idea we can never carry out in full, though we must keep following it.) The ideas cut loose from that use altogether. They create objects of their own, whose stuff isn’t taken from experience, and whose objective reality doesn’t rest on completing the empirical series. It rests on concepts that are pure and a priori. Such transcendent ideas have an object that is merely intelligible. We are, to be sure, permitted to accept that object as a transcendental object, one about which nothing else is known. But to think of it as a thing that can be fixed by its own distinguishing, inner predicates, we have no grounds of possibility on our side.
B 594 Such grounds would need to be independent of every concept drawn from experience. We also lack even the faintest warrant for accepting an object like that. It is therefore just a thing of thought. Even so, one cosmological idea above the rest drives us to venture this step: the one that gave rise to the fourth antinomy. For the existence of appearances has no ground in itself, and is always conditioned. This calls on us to look about for something that differs from every appearance, an intelligible object, where this contingency comes to an end. Now, suppose we have once allowed ourselves to assume a reality standing on its own outside the whole field of sensibility. Suppose we have also allowed ourselves to regard appearances only as chance ways in which beings who are themselves intelligences represent intelligible objects. Then we have nothing left but analogy. We use it to apply concepts from experience, and so form some sort of concept of intelligible things, though we know nothing at all of them in themselves. Contingent things are known to us only through experience. But the things in question here are not supposed to be objects of experience at all. So what we know of them has to be drawn out of whatever is necessary in itself, out of the pure concepts that apply to things as such. That is why our first step outside the world of sense puts us under a constraint.
B 595 Our new knowledge has to begin with an inquiry into the absolutely necessary being, and the concept of that being must give us the concepts of every other thing, to the extent that those things are merely intelligible. We’ll make this attempt in the next chapter.
Transcendental Dialectic, Second Book Third Chapter The Ideal of Pure Reason
Section One On the Ideal in General
We saw above that pure concepts of the understanding can’t represent any objects when every condition of sensibility is taken away. What makes them objectively real is then missing, and all that can be found in them is the bare form of thinking. Yet they can be presented in concreto, in a real case, once they are applied to appearances. For appearances give them what they lack: the material for a concept of experience. And a concept of experience is nothing other than an understanding concept in concreto. Ideas reach even less far toward objective reality than the categories do. For no appearance exists in which an idea could be pictured in concreto.
B 596 Ideas carry a kind of completeness that no empirical cognition we could ever have would reach. Reason, in dealing with them, has only systematic unity in view. It tries to bring the unity that experience makes possible closer to that systematic unity, and never fully reaches it.
The ideal, as I use the word, seems to stand even further from objective reality than the idea does. I take the idea there not just in concreto but in individuo, meaning as one individual thing that the idea alone can determine, or has determined.
Take humanity in all its perfection. It includes the full extension of all the essential properties that belong to human nature and make up our concept of it, carried to complete agreement with the ends of that nature. This would be our idea of perfect humanity. But it includes something more besides. It includes everything that, apart from this concept, belongs to the complete determination of the idea. For only one out of each set of opposed predicates can fit the idea of the most perfect human. What for us is an ideal was for Plato an idea in the divine understanding, an individual object of that understanding’s pure intuition. It was the most perfect specimen of each kind of possible being, and the first ground of all the copies found in appearance.
B 597 Let’s not go so far, though. We have to grant that human reason holds ideals as well as ideas. Plato’s were creative, and these are not, but they do have practical force (as regulative principles), and they underlie the possibility that certain actions can be perfect. Moral concepts aren’t completely pure products of reason, since beneath them lies something empirical, namely pleasure or displeasure. Still, they make good examples of pure rational concepts in respect of the principle by which reason sets limits to freedom, which is lawless in itself, that is, when we attend only to their form. Virtue is an idea, and so is human wisdom in complete purity. The Stoic’s sage, though, is an ideal: a human being who exists only in thought but who fits the idea of wisdom completely. The idea gives the rule. In this case, the ideal is the original pattern for fully determining the copy. We have no yardstick for our actions other than how this godlike human being within us behaves. We compare ourselves with that figure, judge ourselves by it, and improve in that way, though we can never get there. One may be unwilling to grant these ideals objective reality (existence). Still, they are not to be dismissed as fantasies spun in the head. They provide reason with a measure it can’t do without.
B 598 Reason needs the concept of whatever is wholly complete of its kind, so that it can gauge the degree and the shortcomings of what is incomplete. To realize the ideal in some example, meaning in appearance, the way a novelist might portray the sage, is not feasible. It also has something absurd about it, and is not very uplifting. The natural limits keep cutting into the completeness in the idea, which makes any illusion impossible in such an attempt. And that makes even the good in the idea look suspicious, and like a mere invention.
That is how things stand with reason’s ideal. It always has to rest on determinate concepts, and it has to work as the rule and original pattern, whether we use it to guide our conduct or to judge. Things are very different with the creations of the imagination. No one can explain them or give an intelligible concept of them. They resemble monograms: single lines that follow no rule anyone could state. Put together, they form less a definite image than a sketch that floats, as it were, in the midst of different experiences. Painters and physiognomists say they have such things in their heads. They are supposed to be a shadowy picture, impossible to hand on, of what these people produce or judge. People could name them ideals of sensibility, though the name fits only loosely. The reason is that they are meant to serve as the model, out of reach, for possible empirical intuitions.
B 599 And yet they give no rule that could be explained and tested.
What reason wants from its ideal, in contrast, is complete determination by rules a priori. For this reason it conceives an object that is to be completely determinable by principles. Experience, though, lacks the conditions sufficient for that, so the concept itself is transcendent.
Third Chapter Second Section On the Transcendental Ideal (Prototypon transzendentale)
A concept is undetermined in regard to anything that isn’t contained in it. It falls under the principle of determinability, which says that of any two contradictory predicates, opposed to each other, only one can belong to the concept. This principle rests on the law of contradiction. That makes it a purely logical principle. It leaves out all the content of cognition and looks at nothing but its logical form.
Every thing, however, is also subject, as regards its possibility, to the principle of complete determination.
B 600 According to this principle, of all the possible predicates of things, when these are set against their opposites, one must belong to it. The law of contradiction alone doesn’t ground this. For the principle looks beyond the relation between two conflicting predicates. It also views each thing in relation to the whole of possibility, which is the whole collection of predicates for things as such. By assuming that sum as an a priori condition, the principle represents every thing as getting its own possibility from the part it has in that whole.* So the principle of complete determination is about content, not only logical form. It is the principle of synthesis for all the predicates that are supposed to make up the complete concept of a thing. It isn’t just the principle of analytic representation through one of two opposed predicates. And it carries a transcendental presupposition.
B 601 That presupposition is the matter for all possibility, and this matter is supposed to supply, a priori, the data for the special possibility of every thing.
* This principle thus relates every thing to a shared correlate, the whole of possibility. Suppose that whole (that is, the stuff for all possible predicates) turned up in the idea of a single thing. It would then demonstrate an affinity among everything possible, because the ground of its complete determination would be identical. The determinability of any concept falls under the universality (Universalitas) of the principle that excludes a middle between two opposed predicates. The determination of a thing falls under the allness (Universitas), the sum total of all possible predicates.
“Everything that exists is completely determined.” This statement does not only mean that for each pair of given opposed predicates, one belongs to the thing. It also means that one of all possible predicates always belongs to it. The statement doesn’t compare predicates only with each other, logically. It sets the thing itself beside the whole collection of possible predicates, and does so transcendentally. In effect it says that knowing a thing completely requires knowing everything possible, and determining the thing by that, one way or the other, affirmatively or negatively. Complete determination is therefore a concept that we can never display in concreto, in its totality. It is based on an idea that has its seat in reason alone. This idea prescribes to the understanding the rule for using itself completely.
Take the sum total of all possibility, as it underlies the complete determination of every thing. This idea is itself still undetermined as to the predicates that might make it up. All we think by means of it is the collected whole of possible predicates in general. A closer look shows, however, that as a primitive concept the idea excludes many predicates. Some are already given, as derived from others.
B 602 Some can’t stand together. The idea refines itself until it is a concept completely determined a priori. In this way it becomes the concept of an individual object, completely determined by the mere idea, and so it has to be called an ideal of pure reason.
Now weigh all possible predicates, not merely in a logical way but in a transcendental one, meaning by the content that each of them lets us think a priori. We then find that some represent a being and others a mere not-being. Logical negation is indicated only by the small word “not.” It never really attaches to a concept itself, but only to the relation between that concept and another within a judgment. So it falls far short of marking a concept with respect to its content. The expression “not-mortal” can’t show that a mere not-being in the object is meant. It leaves the content wholly untouched. Transcendental negation means not-being in itself. Its opposite is transcendental affirmation, a something whose concept already expresses a being. For this reason it is called reality (thinghood). Only through it, and only as far as it reaches, are objects something (things). The negation opposed to it means a mere lack.
B 603 Where negation alone is thought, the cancellation of all thinghood is represented.
Nobody can think a negation determinately unless the opposed affirmation underlies it. A person born blind can have no idea at all of darkness, since they have none of light. A savage can have none of poverty, since they know nothing of prosperity.* Someone ignorant has no concept of their ignorance, since they have none of science, and so on. So concepts of negations are also all derived. The realities supply the data and, so to speak, the matter, or the transcendental content, for the possibility and complete determination of all things.
* The observations and calculations of astronomers taught us much to admire. Probably the most important thing, though, is that they exposed to us the abyss of ignorance. Without this knowledge, human reason could never have imagined that abyss to be so great. Reflecting on it must make a large difference to how we fix the final aims of our use of reason.
Now suppose reason takes a transcendental substratum as the basis of complete determination. This substratum is, as it were, the entire supply of stuff, and every predicate that things can possibly have is taken from it. Nothing but the idea of reality as an All (omnitudo realitatis) is this substratum.
B 604 Every true negation, then, is simply a limit. That word wouldn’t fit if the unlimited (the All) did not lie underneath.
To possess all of reality in this way is also to represent the concept of a thing in itself as completely determined. An ens realissimum, a most real being, is conceived as one single being. The reason is that, of all the possible opposed predicates, one turns up in its determination: the one that belongs to being without qualification. So it is a transcendental ideal. It underlies the complete determination that is necessarily found in everything that exists, and it is the highest and complete material condition of that thing’s possibility. All thinking of objects in general, as far as its content goes, has to be traced back to this condition. It is also the only true ideal that human reason is capable of. For only in this one case is a concept that is general in itself determined completely through itself, and recognized as the representation of an individual.
Reason determines a concept logically by means of a disjunctive syllogism. The major premise contains a logical division, a splitting-up of the sphere of a general concept. The minor premise cuts that sphere down to a single part.
B 605 The conclusion then settles the concept by that part. A general concept of reality as such can’t be split up a priori. The reason is that without experience we know of no particular kinds of reality that could fall under that genus. Thus the transcendental major premise behind the complete determination of all things is simply the representation of the totality of all reality. It is not merely a concept that has all predicates under it, as to their transcendental content. It is a concept that includes them within itself. The complete determination of each thing rests on narrowing down this All of reality. Some of it is assigned to the thing, and the rest is excluded. That fits the “either … or” found in the disjunctive major premise, and fits the minor premise too, which fixes the object by one member of the division. So the use reason makes of the transcendental ideal, as the basis on which it determines all possible things, is analogous to its way of proceeding in disjunctive syllogisms. This was the proposition on which I earlier built the systematic division of all transcendental ideas. They arise in step with the three kinds of syllogisms, each matching one.
It goes without saying that reason has an aim here: merely to represent the necessary complete determination of things.
B 606 For this aim it takes for granted not that a being exists that matches the ideal, but only the idea of such a being. It wants to derive the conditioned kind of complete determination, the kind found in limited things, from a totality of complete determination that is unconditioned. So reason sees the ideal as the original model (Prototypon) for all things. Those things, as defective copies (ectypa), take the material for their possibility from it. They come more or less close to it, yet they always fall infinitely short of reaching it.
In this way the possibility of all things (the synthesis of the manifold, as to its content) counts as derived. Only the possibility of that which holds all reality inside it counts as original. The reason: every negation is a mere limitation of some larger reality, and in the end of the highest reality. (Negations are the only predicates that set everything else apart from the most real being.) So they presuppose that reality, and as to content they are only derived from it. The many different things amount to nothing but just as many different ways of restricting the concept of highest reality, which is the substratum they share. Figures work the same way: each is possible only as one of the different ways of restricting infinite space. So the object of reason’s ideal, which exists only in reason, is called the original being (ens originarium). Insofar as it has none above it, it is called the highest being (ens summum). Everything stands under it as conditioned.
B 607 In that respect it is called the being of all beings (ens entium). None of this describes how an actual object relates to other things. It describes how an idea is related to concepts. And it leaves us wholly ignorant whether a being of such outstanding rank exists.
Also, an original being cannot be said to be made up of many derived beings, because every one of those presupposes it and so can’t constitute it. This means the ideal of the original being must be thought of as simple as well.
Strictly speaking, then, deriving all other possibility from this original being cannot be seen as a limiting of its highest reality, or as a kind of division of it. For then the original being would be seen as a mere aggregate of derived beings. By what was said just now, that is impossible, although in the first rough outline we did picture it that way. Instead, all things would owe their possibility to the highest reality as a ground, and not as a sum total. On that view the variety of those possibilities depends not on any restriction of the original being itself but on everything that follows from it. All of our sensibility belongs among those consequences, together with all the reality in appearance. Such reality cannot be a component of the idea of the highest being.
B 608 Suppose we follow our idea further in this way, by hypostasizing it. We will then be in a position to determine the original being, from the bare concept of the highest reality, as single, simple, all-sufficient, everlasting, and so forth. In a word, we can determine it in its unconditioned completeness through all the predicaments. The concept of such a being is the concept of God, thought in the transcendental sense. That makes the ideal of pure reason the subject matter of a transcendental theology, just as I said earlier.
This use of the transcendental idea, however, would already go beyond the boundaries of its purpose and of what is allowed. For reason put the idea, as the concept of all reality, only at the base of the complete determination of things in general. It did not require that all this reality be given objectively and itself make up a thing. That second thing is a mere fiction. In it we gather the manifold of our idea together into an ideal, as a particular being, and make it real. We have no authority for this. We have no authority even to accept the possibility of such a hypothesis outright. Besides, whatever follows from such an ideal does not touch the complete determination of things in general at all. The idea was needed for that purpose alone, and the consequences have not the slightest effect on it.
B 609 It’s not enough to describe how our reason proceeds and its dialectic. We must also try to find its sources, so that we can account for this illusion itself, the way we would for a phenomenon of the understanding. For the ideal we’re talking about is founded on a natural idea, not a merely arbitrary one. So I ask how reason comes to treat the possibility of all things as derived from a single basic one, that of the highest reality. And how does it then go on to presuppose this reality as contained in a particular original being?
The answer comes of its own accord out of the Transcendental Analytic. Objects of the senses are possible by standing in a relation to our thinking. In that relation one thing, the empirical form, can be thought a priori. The matter is another thing: reality in appearance, which corresponds to sensation. It has to be given. Without it nothing could be thought, and the object’s possibility couldn’t be represented. An object of the senses is completely determined only when we compare it with every predicate of appearance and represent it through these, by affirming or denying them. Yet what constitutes the thing itself in appearance, the real, must be given in the comparison, or the thing could not be thought.
B 610 And the real of all appearances is given in one all-embracing experience. So for objects of the senses to be possible at all, their matter must be presupposed as given in one totality. Only by restricting this totality can empirical objects be possible, differ from each other, and be completely determined. Now only objects of the senses can actually be given to us, and only in the context of a possible experience. So nothing counts as an object for us unless, as the condition of its being possible, it presupposes all empirical reality taken together. A natural illusion leads us to count this as a principle valid for all things whatsoever, though it holds only for things given as objects of our senses. We drop the restriction, and so we take the empirical principle behind our concepts of how things are possible, as appearances, to be a transcendental principle of how things in general are possible.
We then go on to hypostasize this idea of the totality of all reality. It happens like this. When the understanding is used on experience, its unity is distributive. We dialectically change this into the collective unity of an experiential whole. In this whole of appearance we think of a single thing that holds all empirical reality in itself.
B 611 Then the transcendental subreption mentioned above does its work. By it, that thing is confused with the concept of a thing at the head of the possibility of all things, which supplies the real conditions for their complete determination.*
* This ideal of the most real being is only a representation. Even so, it is first made real, that is, turned into an object. Then it is hypostasized. Finally, as reason naturally moves on toward completing the unity, it is even personified, as we will soon show. This happens because the unity that regulates experience does not depend on the appearances themselves (on sensibility alone). It depends on the understanding connecting their manifold (in one apperception). Hence it seems that all things are completely determinable (possible) in a highest understanding, and that the highest reality has its unity there too. In other words, both seem to lie in an intelligence.
Third Chapter Third Section On the Proofs That Speculative Reason Offers for Concluding That a Highest Being Exists
Reason is under strong pressure to presuppose something that might lie fully at the base of the understanding’s complete determination of all the concepts it uses. Yet reason notices much too easily how ideal such a presupposition is, how much it is only a fiction, something merely invented.
B 612 That alone could not talk it into accepting a mere creature of its own thinking, straight away, as an actual being. It would do so only if something else drove it to look somewhere for a place to rest, in the regress from the conditioned that is given to the unconditioned. In itself, and by its bare concept, the unconditioned is not given as actual. Still, only the unconditioned can bring the series of conditions, followed back to their grounds, to completion. This is the natural course that every human reason takes, even the most ordinary, although not every one holds out in it. Reason does not start from concepts but from common experience, and so lays something existing at its base. This ground sinks, though, if it is not resting on the unshakeable rock of what is absolutely necessary. The rock itself, in turn, floats unsupported if empty space remains outside it and below it, and if the rock does not fill everything itself and so leave no further room for a “Why?”, in other words, if it is not infinite in reality.
If anything at all exists, whatever it may be, we must also grant that something exists necessarily. For the contingent exists only on the condition of another thing, as its cause. The same inference applies to that cause, and so on, until we reach a cause that is not contingent, and for that very reason is there, necessarily and without condition. This is the argument on which reason bases its advance to the original being.
B 613 Now reason looks around for the concept of a being that would suit so great a privilege of existence as unconditioned necessity. Its aim is not to infer from that concept, a priori, the being’s existence. (If reason dared to do that, it could research among mere concepts and would not need to put a given existence at its base.) Its aim is only to find, among all the concepts of possible things, the one that has nothing in it which conflicts with absolute necessity. For that something must exist with absolute necessity it regards as already settled, by the first inference. If, then, reason can remove everything that does not fit with this necessity, except for one thing, that one thing is the absolutely necessary being. That is so regardless of whether we are able to grasp its necessity, in the sense of deriving it from its concept alone.
Now take what contains in its concept the “Because” for every “Why,” what is defective in no part and in no respect, and what suffices everywhere as a condition. That is exactly why it looks like the being fit for absolute necessity. Since it possesses all the conditions for everything possible, it needs no condition itself, and is not even capable of one. So at least in one respect it satisfies the concept of unconditioned necessity.
B 614 No other concept can match it in this respect. Every other concept is lacking and needs something added, so none shows this sign of independence from further conditions. We cannot, it’s true, conclude for certain from this that something which does not contain the highest, fully complete condition must for that reason be conditioned in its own existence. But it does lack the one mark of unconditioned existence that reason has at its command for cognizing, through a concept a priori, any being as unconditioned.
Among everything we can conceive as possible, the concept of a being with the highest reality would fit best with the concept of a being that is unconditionally necessary. Even if it falls short of satisfying that concept completely, there is no alternative. We have to stay with it, since we can’t just ignore the existence of a necessary being. And if we grant that existence, we can find nothing in the whole field of possibility that could lay a better-founded claim to such a privilege in existence.
This, then, is how the natural course of human reason is made. First reason convinces itself that some necessary being exists. In that being it recognizes an unconditioned existence. Then it looks for the concept of something independent of every condition.
B 615 It finds that concept in what is itself the sufficient condition for everything else, that is, in what contains all reality. An All without any limits is absolute unity, and that brings with it the concept of a single being, the highest being. Reason therefore concludes that the highest being, being the primal ground of all things, exists absolutely and of necessity.
You can’t deny that this concept has a certain solidity when the question is one of making a decision. Suppose we’ve admitted that some necessary being exists, and we agree that we have to pick a side on what to identify it with. Then we couldn’t choose anything more fitting. In fact we’d have no choice at all. We’d be obliged to give our vote to the absolute unity of complete reality, since all possibility comes from it in the first place. But suppose nothing pushes us to decide. Suppose we’d rather leave the whole matter open until the full weight of the evidence compels our agreement. That is, suppose we only want to judge how much we know about this problem, and how much we merely flatter ourselves that we know. Then the argument above looks nothing like so favorable. It needs some indulgence to make up for having no rightful claim of its own.
Let’s allow everything to stand as it is put here.
B 616 First, from some given existence (perhaps only my own) we can validly infer the existence of an unconditionally necessary being. Second, I have to treat a being that contains all reality, and so every condition too, as absolutely unconditioned. So the concept of the thing that suits absolute necessity has been found. Even so, we can’t conclude from this that the concept of a limited being, one without the highest reality, therefore conflicts with absolute necessity. I may not find in its concept the unconditioned, which already carries the whole of the conditions with it. But I can’t infer from that that its existence must be conditioned. It’s the same in a hypothetical syllogism. I can’t say: where a certain condition is missing (here, completeness according to concepts), the conditioned thing is missing as well. We remain free to treat all other limited beings as just as unconditionally necessary, even though the general concept we have of them gives us no way to conclude that they are necessary. But then this argument would not have given us the faintest concept of what a necessary being is like. It would have achieved nothing at all.
Even so, this argument keeps some weight and standing, which its objective inadequacy can’t remove at once.
B 617 Suppose there are obligations that are perfectly sound in the idea of reason, but that would have no reality when applied to ourselves, that is, no motives to act on, unless a highest being were presupposed to give the practical laws effect and force. Then we would also be obliged to follow those concepts which may not be objectively sufficient but which, by the measure of our reason, carry more weight. We know nothing better or more convincing to compare with them. Here the duty to choose would tip the scales of speculation, which can’t settle the matter, by adding a practical weight. Reason couldn’t even justify itself before itself, though it is the most forgiving judge, if, under pressing motives, it had not followed these grounds of judgment, even though its insight was imperfect. And we know no better grounds.
This argument is transcendental in fact, because it rests on the inner inadequacy of whatever is contingent. Yet it is so simple and natural that ordinary common sense takes to it, as soon as it is pointed that way. We see things change, come to be, and pass away. So they, or at least their state, must have a cause. But the same question can be asked again of every cause that might ever be given in experience.
B 618 Where would it be fairer to place the supreme causality than at the place where the highest causality already is? That place is the being that has within itself, from the start, all it takes to bring about the possible effect. Its concept is also very easy to form, by the one feature of an all-embracing perfection. We then hold this highest cause to be necessary without qualification, because we find it absolutely necessary to climb up to it, and see no reason to go further past it. That’s why we see sparks of monotheism shining through the blindest polytheism of every people. It wasn’t reflection or deep speculation that led them there. It was only the natural course of common understanding, which gradually became clear to them.
Speculative reason can offer just three kinds of proof that God exists.
Every route that might be taken to this end starts in one of three ways. It might start from determinate experience, and from the particular character of our world of the senses that this experience reveals. From there it climbs, following the laws of cause and effect, up to a highest cause beyond the world. Or it might use only indeterminate experience, some existence or other, as its empirical basis. Or finally it might put aside all experience and argue entirely a priori, from mere concepts, that a highest cause exists.
B 619 The first is the physicotheological proof, the second the cosmological proof, the third the ontological proof. There are no others, and there can’t be any more.
I’ll show that reason gets nowhere on the one path (the empirical) any more than on the other (the transcendental). It spreads its wings in vain, trying to rise above the world of the senses by the mere power of speculation. As for the order in which these proofs have to be examined, it will be exactly the reverse of the one reason follows as it gradually widens its reach. That is also the order in which we first listed them. For it will turn out that experience gives the first occasion, but only the transcendental concept guides reason in this effort and sets the goal it has in mind in every such attempt. So I’ll begin by examining the transcendental proof. After that I’ll look at how much the empirical element can add to its force when it’s brought in.
B 620 Third Chapter Fourth Section Why There Can Be No Ontological Proof of God’s Existence
From what we’ve said so far, you can easily see that the idea of a being that is absolutely necessary is a pure concept of reason, which is to say a mere idea. The fact that reason needs it is nowhere near enough to prove that it has objective reality. It only points toward a certain completeness, which can’t be reached. And it really serves to set a boundary for the understanding more than to extend it to new objects. Here we run into something strange and absurd. Reasoning from any given existence at all to some existence that is absolutely necessary seems urgent and correct. And yet we have every condition of the understanding against us when we try to form a concept of such necessity.
People have always talked about the absolutely necessary being. They’ve worked less at understanding whether and how one could even think a thing of this kind than at proving that it exists. Giving a verbal definition of this concept is certainly easy: it is something whose nonexistence is impossible.
B 621 But that doesn’t make us any wiser about the conditions that would make it impossible to regard the nonexistence of a thing as completely unthinkable. And those conditions are exactly what we want to know. We want to know whether we are thinking anything at all through this concept, or not. If I throw out, with the word “unconditioned,” every condition the understanding always needs in order to see something as necessary, I’m still far from understanding whether I then think something through the concept of the unconditionally necessary, or perhaps nothing at all.
There’s more. People have ventured this concept at random, and in time it has become quite familiar. On top of that, they’ve believed they could explain it with a whole series of examples, so that any further question about whether it is understandable seemed pointless. Every proposition of geometry is absolutely necessary, for instance that a triangle has three angles. So people spoke about an object that lies completely beyond the reach of our understanding, as though they knew very well what they were saying when they used its concept.
Every example they give, with no exceptions, comes from judgments. None comes from things and whether they exist. Yet a judgment’s unconditional necessity is not the same as absolute necessity in the things themselves. For the absolute necessity of a judgment amounts to just a conditional necessity for the thing, or for the judgment’s predicate.
B 622 The proposition just given didn’t say that three angles are absolutely necessary. It said that if a triangle is there (is given), then three angles are necessarily there too (in it). Still, this logical necessity has shown so great a power of illusion that it has led people astray in the following way. They would form an a priori concept of a thing, and set it up so that, as they saw it, existence was included within its scope. From this they thought they could draw a safe conclusion. Existence belongs necessarily to the object of this concept. That is, if I posit the thing as given (existing), then its existence is also posited necessarily (by the rule of identity). So, they said, this being itself is absolutely necessary, because its existence gets thought along with it in a concept that people simply chose to adopt, provided I posit that concept’s object.
Suppose I remove the predicate in an identical judgment but keep the subject. Then a contradiction arises, and so I say that the predicate belongs to the subject necessarily. But suppose I remove the subject together with the predicate. Then no contradiction arises, because nothing is left that could be contradicted. To posit a triangle and yet remove its three angles is contradictory. But taking away the triangle along with its three angles is no contradiction. The concept of an absolutely necessary being is in exactly the same position.
B 623 If you remove its existence, you remove the thing itself with all its predicates. So where would the contradiction come from? Outside the thing there is nothing to be contradicted, because the thing isn’t supposed to be necessary from outside. And inside there is nothing either, since by removing the thing itself you’ve removed everything inside it at the same time. “God is almighty” is a necessary judgment. Almightiness can’t be removed once you posit a deity, an infinite being, whose concept is identical with it. But if you say “God is not,” then neither almightiness nor any other of his predicates is given. They’re all removed together with the subject, and the thought doesn’t show the slightest contradiction.
So you’ve seen it now: take away a judgment’s predicate and its subject together, and no inner contradiction can ever come up, whatever the predicate happens to be. You have no way out left except to say this: there are subjects that can’t be removed at all, so they have to remain. But that would mean there are absolutely necessary subjects. That is the very assumption whose correctness I doubted, and whose possibility you set out to show me. I have no idea at all of a thing such that removing it, predicates and all, would leave a contradiction behind.
B 624 And without a contradiction, I have no mark of impossibility from mere pure concepts a priori.
You challenge me, against all these general conclusions (which no one can refuse), with a case that you put forward as a proof by deed. You say there is one concept, and only this one, for which the nonexistence or removal of its object contradicts itself. This is the concept of the most real being. It has all reality, you say, and you’re entitled to assume that such a being is possible. (I’ll agree to that for now, although a concept that doesn’t contradict itself is far from proving that its object is possible.)* Now existence is also included in all reality. So the concept of something possible has existence in it.
B 625 If this thing is removed, the thing’s inner possibility is removed, and that is a contradiction.
* A concept is always possible if it doesn’t contradict itself. That is the logical mark of possibility, and it is what sets its object apart from the nihil negativum. But the concept can still be empty. That happens if the objective reality of the synthesis that produces the concept is not specifically shown. As we showed above, this always depends on principles of possible experience, and not on the basic rule of analysis, the law of contradiction. This is a warning not to infer straight away from the possibility of concepts (logical possibility) to the possibility of things (real possibility).
I answer: you’ve already contradicted yourself. You wanted to think of a thing only as to its possibility, and yet you slipped the concept of its existence into the concept of that thing, under some disguised name or other. If we let you have that, you seem to have won the game, but in fact you’ve said nothing. All you’ve done is state a tautology. Let me ask you something. Take any thing you like (I grant you that it is possible, whatever it may be). Is the proposition “it exists” an analytic or a synthetic proposition? If it is analytic, then saying the thing exists adds nothing to what you were already thinking of. But then one of two things must be true. Either the thought in your head is the thing itself, or you took existence to belong to possibility and then pretended to infer it from inner possibility. That is nothing but a wretched tautology. The word “reality” in the concept of the thing sounds different from the word “existence” in the predicate’s concept, but that settles nothing. Suppose you call every act of positing “reality,” whatever it is that you posit. Even then you have already set down the thing, with every one of its predicates, inside the subject’s concept, and treated it as actual. In the predicate you only repeat it.
B 626 On the other hand, you may admit, as every reasonable person fairly has to, that every existential proposition is synthetic. Then how can you maintain that the predicate of existence can’t be removed without contradiction? This privilege belongs only to analytic propositions, whose very character rests on it.
I would have hoped to wipe out this brooding, hair-splitting argument at once, just by defining the concept of existence precisely. But I’ve found that the illusion comes from mistaking a logical predicate for a real one (that is, for a determination of a thing). That illusion almost shuts out any correction. Anything you like can serve as a logical predicate. The subject itself can even be stated as its own predicate, since logic ignores all content. A determination is different. It is a predicate that goes beyond the subject’s concept and makes that concept bigger. So it must not already be contained in that concept.
Being is obviously not a real predicate. In other words, it is not the concept of any extra item that could join the concept of a thing. All it does is posit a thing, or certain determinations, as they are in themselves. In logic it is only the copula of a judgment. Take “God is almighty.” It contains two concepts, each with its own object: God and almightiness. The little word “is” isn’t a further predicate on top of those two.
B 627 It only puts the predicate into its relation to the subject. Now suppose I take the subject (God) together with all his predicates (almightiness is one of them) and say “God is,” or “A God exists.” Then I’m adding no new predicate to the concept of God. I posit only the subject itself with all its predicates, that is, the object in relation to my concept. Both must contain exactly the same thing. So the concept, which expresses mere possibility, gains nothing more when I think of its object as given outright (by saying “it is”). The actual, then, contains nothing more than the merely possible. A hundred real thalers hold nothing at all more than a hundred possible thalers do. The possible ones stand for the concept. The actual ones stand for the object and its positing in itself. Suppose the object had more in it than the concept. Then my concept would fail to express the whole object, and so wouldn’t be the right concept of it. But I am better off, in my financial position, with a hundred actual thalers than with the mere concept of them (that is, their possibility). With an actual thing, the object isn’t just analytically contained in my concept. It joins my concept synthetically, and my concept is itself a determination of my state. Yet those hundred thalers I’ve thought of aren’t increased in the least by this being outside my concept.
B 628 Suppose, then, that I think of a thing through whatever predicates I like, and as many as I like (even in its complete determination). By adding “this thing is,” I add nothing at all to the thing. If I did, then what exists would not be exactly the same thing. There would be more of it than I had in mind when I formed the concept, and I couldn’t say that the very object of my concept exists. Say I even think of a thing as having all reality except one. By saying that such a defective thing exists, I don’t supply the missing reality. It exists with exactly the same defect that I thought it with. If not, something different from what I thought of would be there. Now I think of a being as the highest reality (with no defect). We can still ask whether it exists or not. My concept may be missing none of the real content a thing could have, in general. Still, something is lacking in its relation to my whole state of thinking: namely, that cognition of that object should also be possible a posteriori. And here we can see why this is so hard. Were it an object of the senses we were talking about, I couldn’t confuse the thing’s existence with the mere concept of the thing. By way of the concept, we think of the object merely as fitting the general conditions of any possible empirical cognition. By way of existence, we think of it as lying within the whole context of experience.
B 629 Connecting it with the content of all experience doesn’t enlarge the concept of the object in the least. Our thinking, however, gains one more possible perception through it. But suppose we try to think existence by means of the pure category and nothing else. Then it’s no wonder we can’t name any mark that tells it apart from mere possibility.
So whatever our concept of an object may contain, and however much, we still have to go outside it in order to give the object existence. With objects of the senses, this happens through their link with one of my perceptions, by empirical laws. For objects of pure thought, though, there is no means at all of cognizing their existence, since it would have to be known purely a priori. But all our consciousness of any existence (whether we get it straight from perception or through inferences linking something to perception) is part of the unity of experience, without remainder. An existence outside this field can’t be declared flatly impossible. But it is an assumption that nothing can justify.
The concept of a highest being is, in some respects, a very useful idea. But it is only an idea, and for that very reason it is quite unable, by itself, to extend our cognition of what exists.
B 630 It can’t even teach us anything about the possibility of anything more. Nobody can deny it the analytic mark of possibility, which is that mere positings (realities) produce no contradiction. Yet when all real properties are connected in one thing, that is a synthesis. We can’t judge its possibility a priori, and for two reasons. The realities aren’t given to us specifically. And even if they were, no judgment would be made at all, because the mark of possibility for synthetic cognitions has to be sought in experience alone, and the object of an idea can’t belong to experience. So the famous Leibniz was far from achieving what he flattered himself he could do: to see a priori the possibility of so lofty an ideal being.
All the effort and labor spent on the famous ontological (Cartesian) proof of a highest being’s existence, from concepts, is therefore wasted. A person could grow richer in insight from mere ideas about as little as a merchant could grow richer in wealth by tacking a few zeros onto the cash on hand, hoping to improve their position.
B 631 Third Chapter Fifth Section Why There Can Be No Cosmological Proof of God’s Existence
It was thoroughly unnatural, and a mere novelty of school cleverness, to try to dig out the existence of the matching object itself from an idea sketched quite arbitrarily. In fact, nobody would ever have tried it this way, if something hadn’t come first. Our reason has a need: it wants to accept, for existence in general, something necessary (a point where the climb upward can come to rest). This necessity has to be unconditioned and certain a priori. So reason was forced to look for a concept that would, if possible, meet such a demand and give us cognition of an existence entirely a priori. People believed the idea of a most real being was where to find it. So this idea was used only to know more definitely something that people were already convinced of, or persuaded of, on other grounds: that it must exist. That something is the necessary being. But people hid this natural course of reason. Instead of ending with this concept, they tried to begin with it, hoping to get the necessity of existence out of it, when it was only meant to fill that in.
B 632 This is how the failed ontological proof arose. It offers nothing satisfying to natural, healthy understanding, and nothing satisfying to examination by the rules of the schools.
The cosmological proof, which we’re about to examine, keeps the connection between absolute necessity and highest reality. But the previous proof inferred necessity of existence from highest reality, and this one doesn’t. It infers the unlimited reality of some being from that being’s unconditioned necessity, which is given in advance. In this way it brings everything at least onto the track of a natural kind of inference. I can’t say whether it is sound reasoning or only sophistry. Either way, it persuades most, and not just ordinary understanding but speculative understanding too. It also visibly lays down the first outlines for all the proofs of natural theology. People have always followed those outlines and always will, however much foliage and flourish they use to decorate and hide them. Leibniz also called this proof the one a contingentia mundi (from the contingency of the world). We’ll now set it out and put it to the test.
It runs like this. When something exists, there must also be an absolutely necessary being. Now at least I myself exist. So an absolutely necessary being exists. The minor premise contains an experience.
B 633 The major premise holds the step from any experience at all to the existence of something necessary.* So the proof really begins from experience. It is therefore not carried out wholly a priori, or ontologically. And since the object of all possible experience goes by the name “world,” the proof is named the cosmological one. It also sets aside every particular property of the objects of experience that might distinguish this world from any other possible world. So even its name tells it apart from the physicotheological proof. That proof takes its grounds of proof from observing the particular character of this world of ours, the world of the senses.
* This inference is too well known to need a long statement here. It depends on the so-called transcendental law of nature about causality, that everything contingent has its cause. If that cause is contingent in turn, it must have a cause too. This goes on until the series of causes, each below the next, has to stop at a cause that is absolutely necessary. Without it the series would not be complete.
The proof goes on as follows. There is only one way to determine the necessary being. That is, of all the possible opposite predicates, it can be determined by only one of each pair. So it must be completely determined by its concept. Now there is just one possible concept of a thing that can determine it completely a priori. That is the concept of the entis realissimi (the most real being). So the most real being’s concept is the only one there is for this.
B 634 Through it alone can a necessary being be thought. That is, a highest being exists necessarily.
This cosmological argument brings together so many sophistical principles that speculative reason seems to have called up all its dialectical skill here to produce the greatest possible transcendental illusion. For now, though, we’ll set the examination of it aside for a while. We only want to expose one trick it plays. It dresses an old argument up as a new one, and calls on two witnesses who are supposed to agree. One is a witness of pure reason, the other a witness with empirical credentials. But there is only the first, alone. It has merely changed its clothes and its voice to pass for a second. To lay its foundation securely, this proof stands on experience. That makes it look different from the ontological proof, the one that trusts nothing but pure concepts a priori. Still, the cosmological proof needs this experience for one single step, the step to the existence of some necessary being, any at all. What properties this being has, the empirical ground of proof can’t teach. There reason takes leave of it entirely and investigates among nothing but concepts. The question it asks is which properties any absolutely necessary being would have to have.
B 635 Put differently: of all possible things, which one holds within itself the conditions (requisita) that absolute necessity requires? Reason thinks these requirements are found in one place only: the concept of a most real being. It then concludes: that is the absolutely necessary being. But it’s clear that this assumes something. It assumes that a being of the highest reality, taken as a concept, completely meets what the concept of absolute necessity in existence demands. In other words, it assumes that you can go from the first to the second by inference. That is the claim the ontological argument made. So the cosmological proof accepts it and builds on it, though it had meant to avoid it. For absolute necessity is existence from mere concepts. Suppose I say that the entis realissimi gives us just such a concept, and the only one that suits necessary existence and matches it. Then I must also grant that necessary existence follows from it by inference. So really it is only the ontological proof, from nothing but concepts, that holds all the proving force in the so-called cosmological one. The supposed experience is quite idle. At best it may bring us to the concept of absolute necessity. It can’t demonstrate that necessity in any particular thing. As soon as we have that aim, we have to leave all experience at once and search among pure concepts.
B 636 We have to ask which one of them contains the conditions needed for the possibility of an absolutely necessary being. But once the possibility of such a being has been seen in this way, its existence has been shown too. For that amounts to saying: of all possible things, one carries absolute necessity with it. That is, this being exists absolutely necessarily.
Deceptive tricks in reasoning are easiest to uncover when they’re laid out in proper school form. Here is such a layout.
Suppose this proposition is correct: every absolutely necessary being is at the same time the most real being. (That is the sinew of the cosmological proof, its nervus probandi.) If so, then it must be possible to turn it around, as with all affirmative judgments, at least per accidens. So: some most real beings are at the same time absolutely necessary beings. Now one ens realissimum doesn’t differ from another in any respect. So whatever holds of some of the beings contained under this concept holds of all of them. So here I can turn it around without limiting it: any most real being at all is a necessary being. And this proposition is determined a priori from its concepts alone. So the plain concept of the most real being has to bring its absolute necessity along with it. That is exactly what the ontological proof claimed.
B 637 The cosmological proof refused to acknowledge it, and yet it slipped it in under its conclusions, in a hidden way.
So the second route that speculative reason takes, in order to prove that the highest being exists, misleads just as the first does. It has one more fault besides: it commits an ignoratio elenchi (an argument that misses the point at issue). It promises to lead us along a new footpath. But after a small detour it brings us back to the old one, which we had left on its account.
A moment ago I said that this cosmological argument hides a whole nest of dialectical presumptions, and that transcendental critique can easily find and destroy it. Now I’ll only list them. I’ll leave it to the practiced reader to look further into the deceptive principles and take them apart.
Here we find, for example: 1. The transcendental principle that lets us conclude from the contingent to a cause. It has meaning only in the world of the senses. Outside that world it doesn’t even make sense. The merely intellectual concept of the contingent can’t produce any synthetic proposition, such as the one about causality. The principle of causality has no meaning and no mark of its use except in the world of the senses. Yet here it was supposed to do the job of getting us beyond that world. 2.
B 638 The conclusion that, because a never-ending series of causes stacked one on another is impossible in the world of the senses, there must be a first cause. The principles by which reason is used don’t entitle us to this even within experience. Much less can they let us stretch the principle beyond experience (where the chain can’t be extended at all). 3. Reason’s false self-satisfaction about completing this series. In the end it gets rid of every condition, without which no concept of a necessity can exist. Then, since nothing more can be grasped, it takes this for the completion of its concept. 4. Mixing up two kinds of possibility. One is the logical possibility of a concept that unites all reality (it has no inner contradiction). The other is transcendental possibility. That needs a principle saying such a synthesis can be done, and that principle in turn can only extend as far as possible experience, and so on.
The clever trick of the cosmological proof aims at one thing only: to dodge the a priori proof, through mere concepts, that a necessary being exists. That proof would have to be carried out ontologically, and we feel wholly unable to do that. So we take an actual existence as our basis (an experience in general) and infer from it, as well as we can manage, some absolutely necessary condition of that existence. We then don’t need to explain how that condition is possible.
B 639 Once it’s proved that the condition exists, the question of its possibility is entirely unnecessary. Now suppose we want to say more exactly what this necessary being is like. We aren’t looking for what would be enough to grasp the necessity of its existence from its concept. If we could do that, we’d need no empirical premise. No: all we look for is the condition in the negative sense (conditio sine qua non), the one a being cannot be absolutely necessary without. With any other kind of inference, one that goes from a given consequence back to its ground, this would work well enough. Here, unluckily, it turns out that the condition one demands for absolute necessity is to be found in one single being only. That being would have to hold, within its concept, everything absolute necessity calls for, and so it makes an inference a priori to that necessity possible. That is, I would have to be able to infer in reverse as well: whatever thing this concept (of highest reality) belongs to is absolutely necessary. And if I can’t infer that way (as I must admit if I want to avoid the ontological proof), then I’ve come to grief on my new road too, and I’m back where I started. The concept of the highest being does answer, a priori, every question that can be raised about a thing’s inner determinations, and so it is also an ideal without equal.
B 640 That’s because the general concept marks it out, at the same time, as an individual among all possible things. But it doesn’t answer the question about its own existence at all, and that was what the whole matter was really about. Someone accepted that a necessary being exists and only wanted to know which of all things should be taken for it. You couldn’t answer that person by saying: This here is the necessary being.
It may well be permitted to assume that a being of the highest sufficiency exists, as the cause of all possible effects, so as to make it easier for reason to find the unity of explanatory grounds that it seeks. But it takes far too much on oneself to go further and say, “Such a being exists necessarily.” That is no longer the modest statement of a permitted hypothesis. It is the bold presumption of apodictic certainty. After all, if you claim to cognize something as absolutely necessary, your cognition of it must carry absolute necessity with it.
The whole task of the transcendental ideal comes down to this: either to find a concept for absolute necessity, or to find, for the concept of some thing, that thing’s absolute necessity. If you can do the one, you must be able to do the other. Reason recognizes something as absolutely necessary only when it is necessary just from its concept.
B 641 But both lie wholly beyond our utmost efforts to satisfy our understanding on this point. They also lie beyond every attempt to calm it about its inability to do so.
We can’t do without unconditioned necessity as the last thing that bears all other things. Yet it is the real abyss for human reason. Even eternity, however shudderingly sublime a Haller may paint it, is far from making so dizzying an impression on the mind. Eternity only measures the duration of things. It doesn’t bear them up. We can’t keep the thought away, but we can’t bear it either: that a being we picture as the highest of all possible beings might say to itself, as it were: “I am from eternity to eternity. Apart from me there is nothing at all, except what exists only through my will. But then where do I come from?” Here everything sinks beneath us. The greatest perfection, like the smallest, hovers without support before speculative reason. It costs speculative reason nothing to let the one vanish as readily as the other, without the slightest obstacle.
Many forces of nature show that they exist through certain effects, and yet remain beyond our investigation, because we can’t trace them far enough by observation. The transcendental object underlying appearances is one of these, along with the reason why our sensibility has these highest conditions and not others.
B 642 They are and remain beyond our investigation, although the thing itself is given, only not understood. An ideal of pure reason, though, can’t be called beyond investigation. It has no credentials for its reality except reason’s need to complete all synthetic unity by means of it. Since it isn’t even given as a thinkable object, it isn’t beyond investigation as one either. As a mere idea, it must instead have its seat, and its resolution, in the nature of reason, and so it must be possible to investigate it. For this is exactly what reason is: the ability to give reasons for each of our concepts, opinions and assertions. If they rest on objective grounds, we can give those. If they are mere illusion, we can give the subjective grounds.
Uncovering and Explaining the Dialectical Illusion in All Transcendental Proofs That a Necessary Being Exists.
Both proofs so far were transcendental. That is, they were attempted independently of empirical principles. The cosmological proof does rest on an experience in general. But it isn’t drawn from any particular character of that experience. It comes from pure principles of reason, applied to an existence that empirical consciousness gives us in general.
B 643 It even leaves that guidance behind, to rest on pure concepts alone. Now what is the cause, in these transcendental proofs, of the dialectical but natural illusion that connects the concept of necessity with that of highest reality, and that realizes and hypostasizes what can only be an idea? What is the cause of this unavoidable need to assume something among existing things that is necessary in itself, and yet at the same time to shrink back from the existence of such a being as from an abyss? And how can one bring reason to understand itself on this matter, and to pass from a wavering state of timid approval, always taken back again, to calm insight?
It is something very remarkable that once we suppose something exists, we can’t avoid the conclusion that something also exists necessarily. The cosmological argument rested on this thoroughly natural inference (though that doesn’t make it certain). But whatever concept of a thing I may take up, I find that I can never picture its existence as absolutely necessary. Nothing stops me from thinking its nonexistence, whatever may exist. So I do have to assume something necessary for existing things in general, but I can’t think any single thing as necessary in itself.
B 644 That is, I can’t ever finish going back through the conditions of existence unless I assume a necessary being. But I can’t ever start out from one.
For existing things in general I have to think of something as necessary. But I have no right to think any one thing as necessary in itself. From this it follows unavoidably that necessity and contingency can’t concern and affect the things themselves. Otherwise there would be a contradiction. So neither of these two principles is objective. At most they can be subjective principles of reason. One tells reason to look, for everything given as existing, for something that is necessary. That is, never to stop anywhere except at an explanation completed a priori. The other tells reason never to hope for that completion. That is, to accept nothing empirical as unconditioned, and so to spare itself any further derivation. In this sense both principles can stand side by side quite well, as merely heuristic and regulative principles that look after nothing but the formal interest of reason. For the one says: you should philosophize about nature as if there were a necessary first ground for everything that belongs to existence, only so that your cognition gets systematic unity, by following up an idea of that kind, namely an imagined supreme ground.
B 645 The other, though, warns you against accepting any single determination that concerns the existence of things as such a supreme ground, that is, as absolutely necessary. It tells you to keep the way open for further derivation, and so always to treat such determinations as still conditioned. But if we must treat everything perceived in things as necessary only on a condition, then no thing (anything that may be empirically given) can count as absolutely necessary either.
What follows from this is that the absolutely necessary has to be assumed outside the world. Its only job is to be a principle for the greatest unity appearances can have, their supreme ground. Within the world you can never reach it, because the second rule orders you always to treat every empirical cause of unity as derived.
The philosophers of antiquity regarded every form in nature as contingent, but matter, by the judgment of common reason, as original and necessary. If they had looked at matter not merely in relation to appearances, as their substratum, but as it exists in itself, then the idea of absolute necessity would have disappeared immediately. For nothing binds reason to this existence outright. Reason can always, and without conflict, remove it in thought. And in thought alone lay the absolute necessity. So some regulative principle must have lain at the bottom of this conviction.
B 646 In fact, extension and impenetrability (which together make up the concept of matter) are the supreme empirical principle of the unity of appearances. Insofar as it is empirically unconditioned, this principle has a property of a regulative principle. Still, every determination of matter that makes up its reality, impenetrability included, is an effect (an action) that must have its cause, and so it is always still derived. For that reason matter can’t serve as the idea of a necessary being, a principle behind all derived unity. Each of its real properties, being derived, is only conditionally necessary, and so can be removed in itself. But removing it would remove the whole existence of matter. And if that did not happen, we would have reached the supreme ground of unity empirically, which the second regulative principle forbids. It follows that matter, and in general whatever belongs to the world, does not fit the idea of a necessary original being, when that being is meant only as a principle of the highest degree of empirical unity. Such a being must be placed outside the world. Then we can calmly keep deriving the world’s appearances and their existence from other things, as if there were no necessary being. And we can still strive without end for completeness of the derivation.
B 647 And we can do so while behaving as though we had assumed such a being, a supreme ground.
After all this, the ideal of the highest being turns out to be only a regulative principle of reason. It tells reason to look at every combination in the world as though it came from a necessary cause that is enough for everything. On that, reason can build its rule of systematic unity, necessary by general laws, for explaining that combination. It does not assert any existence that is necessary in itself. But it is at the same time unavoidable that, by a transcendental subreption, we picture this formal principle as constitutive, and think of this unity hypostatically. Take space. It makes all figures originally possible, and these figures are merely different restrictions of it. It is only a principle of sensibility, and yet for that very reason it is taken for something absolutely necessary that exists on its own, and for an object given a priori in itself. In just the same way, it happens quite naturally that the systematic unity of nature can be set up as a principle for the empirical use of our reason only if the supreme cause, the idea of a most real being, is put at the base. So this idea is pictured as an actual object, and that object, being the supreme condition, as necessary. A regulative principle is thereby turned into a constitutive one.
B 648 The substitution shows itself like this. Take this supreme being, which was unconditionally necessary relative to the world, as a thing for itself. Its necessity can’t be grasped through any concept. So the only place it can have turned up in my reason is as a condition of thinking that is merely formal. It cannot be a material and hypostatic condition of existence.
Third Chapter Sixth Section Why There Can Be No Physicotheological Proof
What is demanded can’t be delivered by the concept of things as such, and it can’t be delivered by experience of some existence or other either. One means is left to try. We can see whether a determinate experience might supply a ground of proof that could safely help us reach the conviction that a highest being exists. That would be the experience of the things in the present world, with their nature and arrangement. We would call such a proof the physicotheological one. If this proof turned out to be impossible too, then speculative reason alone has no way at all to give a satisfying proof that a being exists which would match our transcendental idea.
B 649 After all the remarks above, you’ll soon see that the answer to this inquiry can be expected to come easily and briefly. For how could an experience ever be given that would be adequate to an idea? That is just what is peculiar to an idea: no experience can ever fit it. The transcendental idea of an original being, necessary and sufficient for everything, is so excessively large, so far above anything empirical (and the empirical is always conditioned) that two things happen. On one hand, we can never scrape together enough material in experience to fill out such a concept. On the other, we keep groping around among the conditioned, and we will always search in vain for the unconditioned. Not one law of empirical synthesis shows us a case of it, or gives us the slightest guide.
Suppose the highest being had its place in this chain of conditions. Then it would itself be a member of the series. Just like the lower members it is placed above, it would call for further inquiry into a still higher ground. Suppose instead that we cut it off from the chain, and treat it, as a merely intelligible being, as not included in the series of natural causes. What bridge can reason then build to reach it? For all the laws by which we pass from effects to causes, and in fact every synthesis and every widening of our cognition, rest on nothing but possible experience.
B 650 That is, they rest only on objects of the world of the senses, and they mean something only when applied to those objects.
The present world opens before us such an immeasurable stage of variety, order, purposiveness and beauty, whether we trace them out into the endlessness of space or down through its unlimited divisibility, that even given what our weak understanding has managed to learn of it, all language loses its force in the face of so many wonders of such unforeseeable size. All numbers lose their power to measure them, and even our thoughts find no boundary. So our judgment of the whole has to dissolve into a speechless but all the more eloquent amazement. On every side we find a chain of effects and causes, of purposes and the means to them, and regularity in how things arise and pass away. Nothing has come by itself into the state it is in. Each state sends us on to some other thing as its cause, and that cause calls for exactly the same further question. On those terms the whole universe would have to fall into the abyss of nothing, if we did not assume something outside all this endless contingency. It would have to exist originally and independently by itself, hold the contingent up, and, as the cause of its origin, secure its continuing existence as well.
B 651 How great should we think this highest cause is (with respect to all the things of the world)? We don’t know everything the world contains. Still less can we estimate its size by comparing it with all that is possible. Since we do need an ultimate, supreme being for causality, what stops us from also placing it higher than anything else possible in how perfect it is? We can do that easily, although admittedly only by the delicate outline of an abstract concept, if we picture all possible perfection united in it, as one single substance. This concept suits reason’s wish to economize on principles. It is not subject to any contradictions in itself. It even helps widen how reason is used inside experience, because an idea like this points the way toward order and purposiveness. And nowhere does it clearly conflict with any experience.
This proof deserves to be spoken of with respect every time. It is the oldest, the clearest, and the one best suited to ordinary human reason. It gives life to the study of nature, just as it gets its own existence from that study and so keeps gaining new strength. It brings ends and purposes in where our observation would not have found them by itself. And it widens what we know of nature, with a special unity to guide it, a unity whose principle lies outside nature. But this knowledge has an effect on its own cause in turn. That cause is the idea that gave the occasion for it.
B 652 And so it increases belief in a highest author until the belief becomes an irresistible conviction.
So it would be not only dismal but also quite pointless to try to take anything away from the standing of this proof. Reason is lifted up without pause by grounds of proof that are so powerful and keep growing under its hands, even though they are only empirical. No doubts of subtle, abstract speculation can weigh it down so much that one look at nature’s wonders and the grandeur of the world’s structure wouldn’t pull it out of every brooding indecision, as if out of a dream. That look lifts it from one greatness to the next until the very highest, from the conditioned to its condition, until it reaches the supreme author who is unconditioned.
We have no objection to the rationality and usefulness of this way of proceeding. We would rather recommend and encourage it. Still, we can’t approve the claims this kind of proof would like to make to apodictic certainty, or to an assent that needs no favor or outside support. And it can do the good cause no harm to tone down the dogmatic language of a scoffing reasoner to a note of moderation and modesty. That is the note of a faith that is enough to bring calm, though it doesn’t demand unconditional submission.
B 653 So I maintain that the physicotheological proof can never establish the existence of a highest being on its own. It must always count on the ontological proof, of which it is only the introduction, to fill this gap. So the ontological proof is still the one that holds the only ground of proof there can be, if a speculative proof is possible at all, and no human reason can pass it by.
The main points of the physicotheological proof are these. 1. Everywhere in the world there are clear signs of an arrangement made for a definite aim and executed with great wisdom, within a whole that is beyond description in the variety of what it contains and boundless in its extent. 2. The things of the world have nothing of this purposive arrangement in themselves. It clings to them only by contingency. That is, the natures of different things could not have come together on their own, through so many different means working together, toward definite final aims. They could do so only if they had been chosen and set up for exactly that purpose by an arranging, rational principle, according to ideas lying at the base. 3. So there is a sublime and wise cause (perhaps more than one). It has to be the world’s cause, and not just as a blindly working, all-powerful nature acting through fertility, but as an intelligence acting through freedom. 4. We can conclude that this cause is one, from the unity in how the parts of the world are related to each other, as members of an artfully made structure.
B 654 As far as our observation reaches, the inference is certain. Beyond that, by all the principles of analogy, it is probable.
I won’t quarrel here with natural reason about its inference. Natural reason reasons from the analogy between some natural products and what human art makes when it forces nature, compelling it not to follow its own purposes but to bend to ours (the likeness of such products to houses, ships, clocks). It concludes that the same kind of causality, namely understanding and will, must lie at the base of nature. It does this when it derives the inner possibility of nature working freely (nature, which is what first makes all art possible, and perhaps even reason itself) from another art, though a superhuman one. Perhaps the sharpest transcendental critique could not withstand that kind of inference. Still, we have to admit that if we’re to name a cause at all, we can’t proceed more safely here than by analogy with such purposive productions. They are the only ones whose causes and manner of working are fully known to us. Reason could not answer to itself if it wanted to pass from the causality it knows to dark and unprovable grounds of explanation that it doesn’t know.
On this line of reasoning, the fit and purposiveness of so many arrangements in nature would show only that their form is contingent.
B 655 They could not show that the matter is contingent, meaning the substance in the world. For proving that, we would also need to show that the things of the world could not by themselves have fit together in such order and agreement, by general laws, unless they were, even in their substance, the product of a highest wisdom. For that we’d need grounds of proof of a very different kind from the analogy with human art. So the proof could at most establish a world-builder, always very much limited by how suitable the material is that it works on, but not a world-creator, to whose idea everything is subject. That is far from enough for the great aim we have in view, which is to prove an all-sufficient original being. Should we want to show that matter itself is contingent, we’d have to fall back on a transcendental argument. And that is exactly what we were trying to avoid here.
So the inference starts from the order and purposiveness we observe throughout the world, which it treats as an entirely contingent set-up, and concludes that a cause proportioned to it exists. The concept of this cause, however, must let us know something quite definite about it. So it can be no other than the concept of a being that has all power, wisdom and the like, in short every perfection, being sufficient for everything.
B 656 For predicates such as very great, astonishing, immeasurable power and excellence give no definite concept at all. They don’t really say what the thing is in itself. They are only representations of relation, of the size of the object, which the observer (of the world) measures against their own self and their own power to take it in. They come out equally high-sounding whether you make the object bigger or make the observing subject smaller in relation to it. Where it matters how great (in perfection) a thing is, there is no definite concept except the one that takes in all possible perfection. Only the All (omnitudo) of reality is completely determined in the concept.
Now I don’t expect anyone to presume to claim insight into how the size of the world they have observed (in both extent and content) relates to almighty power, how the order of the world relates to supreme wisdom, how the unity of the world relates to the absolute unity of its author, and so on. So physicotheology can’t hand us a definite concept of what the world’s supreme cause is. That means it falls short of being a principle for theology, and theology in turn is meant to be the foundation of religion.
The step to absolute totality is entirely impossible by the empirical path. Yet people do take it in the physicotheological proof.
B 657 What means do they use, then, to get across so wide a gap?
People get as far as marveling at how great the wisdom, the power and so forth of the world’s author are, and can’t go any further. Then they suddenly drop this argument, which was led by empirical grounds of proof, and move to the world’s contingency, which they had inferred at the very start from the order and purposiveness of the world. From that contingency alone they move on, using only transcendental concepts, to something absolutely necessary that exists. Then they go from the first cause’s absolute necessity, as a concept, to the concept that is completely determined, or determining, for it: a concept of all-embracing reality. So the physicotheological proof got stuck in its undertaking. In this predicament it jumped suddenly to the cosmological proof. And since that is only a hidden ontological proof, it really carried out its aim by pure reason alone, although at first it had denied any kinship with pure reason and had staked everything on evident proofs from experience.
So the physicotheologians have no reason at all to act so standoffish toward the transcendental kind of proof, or to look down on it, as clear-sighted students of nature full of self-regard, the way one looks down on the cobweb of gloomy brooders. A little self-examination would show them this: they have covered a good stretch of the way.
B 658 They covered it on the soil of nature and experience, and yet they find themselves still as far away as ever from the object their reason sees ahead. Then they suddenly leave this ground and cross into the realm of mere possibilities, where they hope, on the wings of ideas, to come close to what had escaped all their empirical searching. At last they think they have gained a firm footing through so mighty a leap. They then spread the concept, now definite, over all of creation. (They came to possess it without knowing how.) And they illustrate the ideal, which was only a product of pure reason, through experience, though poorly enough and far below the dignity of its object. All the while they refuse to admit that they reached this knowledge, or this assumption, by any other footpath than that of experience.
So the cosmological proof lies at the base of the physicotheological one, and under the cosmological proof lies the ontological proof, that one original being exists as the highest being. Speculative reason has no way open to it besides these three. So the only proof still possible is the ontological one, built from pure concepts of reason alone, if a proof is possible at all for a proposition raised so far above every empirical use of the understanding.
B 659 Third Chapter Seventh Section Critique of All Theology Drawn from Speculative Principles of Reason
By theology I mean cognition of the original being. It is either theology from mere reason (theologia rationalis) or theology from revelation (revelata). The first thinks of its object in one of two ways. One way is through pure reason alone, by means of purely transcendental concepts (ens originarium, realissimum, ens entium). This is called transcendental theology. The other way is by using a concept taken over from nature (our soul): the concept of the highest intelligence. This would have to be called natural theology. A person who allows only transcendental theology is called a deist. A person who accepts natural theology as well is called a theist. The deist concedes that mere reason might, at the most, let us cognize that an original being exists, but says our concept of it is merely transcendental. That is, it is the concept of a being that has all reality, which can’t be determined any more closely. The theist claims that reason, reasoning by analogy with nature, can pin the object down more closely. It can determine it as a being that contains within itself, through understanding and freedom, the original ground of all other things. So the deist pictures under it merely a cause of the world.
B 660 Whether that cause acts by the necessity of its nature or by freedom is left undecided. The theist pictures an author of the world.
Transcendental theology is of two kinds. One kind intends to get the original being’s existence out of experience taken in general, without settling anything more specific about the world to which that experience belongs. It is called cosmotheology. The other kind believes it can cognize the being’s existence through mere concepts, without the help of the slightest experience. It is called ontotheology.
Natural theology reasons to the properties of an author of the world, and to its existence, starting from the character, order and unity met with in this world. This world calls for us to assume two kinds of causality and the rule for each: nature and freedom. That is why it climbs out of this world up to the highest intelligence, which it takes either as the principle behind all natural order and perfection, or as the principle behind all moral order and perfection. In the first case it is called physicotheology, in the second moral theology.*
* Not theological morality. That contains moral laws that presuppose the existence of a supreme ruler of the world. Moral theology, by contrast, is a conviction that a highest being exists, a conviction grounded on moral laws.
By the concept of God we are used to understanding not just a blind, eternally working nature that things grow from, but a highest being who is supposed to bring things about, as their author, by means of understanding and freedom.
B 661 Only this concept interests us. So, strictly speaking, one could deny the deist any belief in God, and leave the deist only the claim of an original being, or supreme cause. Still, nobody may be accused of wanting to deny something outright just because they don’t dare to assert it. So a milder and fairer way to put it is that the deist believes in a God, while the theist believes in a living God (summam intelligentiam). Next we want to look for where all these attempts of reason could come from.
Here I’ll be content to explain theoretical cognition as the kind by which I cognize what is, and practical cognition as the kind by which I represent to myself what ought to be. By this, the theoretical use of reason is the use through which I come to know a priori, as something necessary, that a thing is. The practical use is the one by which it is cognized a priori what ought to happen. Now suppose that either that something is, or that something ought to happen, is beyond doubt certain but only conditioned. Then there are two possibilities. A certain determinate condition for it may be absolutely necessary. Or it may be presupposed merely as something optional and contingent. When the first holds, the condition gets postulated (per thesin). When the second holds, it gets supposed (per hypothesin). Some practical laws are absolutely necessary, namely the moral ones.
B 662 So suppose these laws must presuppose some existence, as the condition that makes their binding force possible. Then that existence has to be postulated. The reason is that the conditioned thing, the one the inference starts from on its way to this determinate condition, is itself known a priori to be absolutely necessary. Later we will show that moral laws do more than presuppose a highest being’s existence. Since they are absolutely necessary in another respect, they also rightly postulate it, though of course only practically. For now we leave this kind of inference aside.
When we speak only of what is (not of what ought to be), the conditioned that is given to us in experience is always thought of as contingent too. So the condition that belongs to it can’t be cognized from this as absolutely necessary. It serves only as a presupposition that is relatively necessary, or rather needed, but arbitrary in itself and a priori, for the rational cognition of the conditioned. So suppose we want to cognize a thing’s absolute necessity in theoretical cognition. That could happen only from concepts a priori. It could never happen by treating the thing as a cause, in relation to an existence that is given through experience.
A theoretical cognition counts as speculative when it deals with an object, or with concepts of one, that no experience can reach.
B 663 It is the opposite of cognition of nature, which deals only with objects, and their predicates, that a possible experience can give.
Inferring a cause from whatever happens, treating it (the empirically contingent) as an effect, is a principle for cognizing nature. It is not a principle of speculative cognition. For suppose we set aside this principle as one that contains the condition of possible experience in general. Suppose we drop everything empirical and want to say it of the contingent as such. Then not the slightest justification remains for such a synthetic proposition. Nothing would let us see how I get from something that exists to something quite different from it (called a cause). In fact, once it is used this way, in pure speculation, the concept of a cause loses all meaning, just as the concept of the contingent does, any meaning whose objective reality we could make understandable in a concrete case.
Now suppose we infer from the existence of the things in the world to their cause. This belongs to the speculative use of reason, not to the natural use. The reason is that the natural use does not relate the things themselves (substances) to a cause. It relates to a cause only what happens, which means the states of things, seen as empirically contingent. To know that substance itself (matter) is contingent in being there would have to be a purely speculative cognition of reason.
B 664 And suppose we were speaking only of the form of the world, the way its parts are combined and how they change, but wanted to infer from this a cause that is wholly different from the world. That too would be a judgment of purely speculative reason, since in this case the object is not an object of any possible experience. But then the principle of causality, which holds only inside the field of experiences and is of no use, indeed has no meaning, outside it, would be taken wholly away from its purpose.
My claim now is this: all attempts to use reason in a purely speculative way on theology are fruitless from start to finish and, by their inner nature, null and void. I also maintain that the principles of reason’s use in nature lead to no theology at all. So unless we lay moral laws as the foundation or use them as a guide, there can be no theology of reason anywhere. For all synthetic principles of the understanding are of immanent use. Cognizing a highest being, however, calls for a transcendent use of them, and our understanding is not equipped for that at all. Suppose the law of causality, which is valid for experience, is to lead us to the original being. Then that being would need to be part of the chain of objects of experience. But then it would itself be conditioned in turn, like all appearances.
B 665 Suppose, though, that we permitted a leap across the boundary of experience, using the dynamical law that relates effects to their causes. What concept can this procedure give us? Nowhere near a concept of the highest being. Experience, after all, never hands us the greatest effect that is possible (the one that is meant to bear witness to its cause). Suppose we are permitted, merely so that nothing is left empty in our reason, to fill this lack of complete determination with a mere idea of highest perfection and original necessity. That can be granted as a favor, but it can’t be demanded by the right of an irresistible proof. So the physicotheological proof might perhaps add weight to other proofs (if there are any), by connecting speculation with intuition. On its own, though, it prepares the understanding for theological cognition rather than finishing the work, and gives the understanding a straight, natural heading toward it.
You can see from this that transcendental questions permit only transcendental answers, that is, answers built wholly from concepts a priori, with not the least empirical mixed in. But the question here is plainly synthetic. It calls for us to extend our cognition past every boundary of experience, namely to the existence of a being that is supposed to correspond to our mere idea.
B 666 No experience can ever equal that idea. Now, as our earlier proofs showed, all synthetic cognition a priori is possible just because it states the formal conditions of a possible experience. So all principles have only immanent validity. That is, they relate only to objects of empirical cognition, or appearances. So a merely speculative reason accomplishes nothing for theology even by a transcendental procedure.
Suppose, though, that people would rather doubt all the proofs of the Analytic above than let themselves be robbed of their persuasion about the weight of the grounds of proof used for so long. Even so, they can’t refuse to meet this demand of mine: they should at least justify themselves on how, and thanks to what illumination, they dare to soar above all possible experience on the strength of mere ideas. I’d ask to be spared new proofs, or touched-up versions of old ones. It’s true that there isn’t much to choose from here, since all merely speculative proofs finally boil down to one only, the ontological. So I needn’t fear being troubled much by the productivity of the dogmatic champions of that reason which claims to be free of the senses. Without thinking myself very combative on that account, I am also not willing to turn down the challenge.
B 667 It is the challenge to uncover the fallacy in each attempt of this kind, and so to defeat its presumption. Even so, the hope of better luck is never wholly abandoned among those who are used to dogmatic persuasions. That is why I hold to the one fair demand: that people justify themselves in general terms, starting from the nature of human understanding and every other source of cognition, on how they mean to go about extending their cognition wholly a priori. They must say how they mean to carry it to where no possible experience, and so no means at all, is enough to assure any concept we have thought up ourselves of its objective reality. However the understanding may have arrived at such a concept, the existence of its object can’t be found analytically in it. For the cognition of an object’s existence consists precisely in this: that the object is posited outside the thought, in itself. But it is wholly impossible to go out beyond a concept by itself and, without following empirical connection (which only ever gives appearances), to reach the discovery of new objects and excessive beings.
Reason in its merely speculative use is far from adequate to this great aim, which is to arrive at the existence of a supreme being. Even so, it is very useful.
B 668 It can correct the cognition of that being, in case it could be drawn from somewhere else. It can bring that cognition into agreement with itself and with every intelligible aim. And it can clear it of whatever might clash with the concept of an original being, as well as of every trace of empirical restriction.
Transcendental theology therefore remains, for all its inadequacy, of important negative use. It acts as a permanent censor of our reason whenever reason deals with pure ideas alone. Pure ideas allow no standard of measure but a transcendental one. For suppose that, in some other relation, perhaps a practical one, the assumption of a supreme intelligence, a highest being sufficient for everything, turned out to be valid beyond dispute. Then it would matter enormously to fix this concept exactly on its transcendental side: a being that is necessary and most real. It would matter just as much to strip away whatever clashes with highest reality, whatever belongs to mere appearance (anthropomorphism, taken broadly). And it would matter, at the same time, to clear out of the way all opposing claims, whether atheistic, deistic or anthropomorphistic. That is very easy in a critical treatment like this. Grounds are at hand that bring to light the inability of human reason to assert that such a being exists.
B 669 Those very same grounds must also be enough to prove the unfitness of every counter-assertion. After all, how could anyone, by reason’s pure speculation, reach the insight that no highest being exists to serve as the original ground of all things? Or that it has none of the properties that we picture, judging by their consequences, as comparable with the dynamical realities of a thinking being? Or that, in the latter case, those properties would also have to carry every restriction that sensibility inevitably places on the intelligences we know from experience?
So where reason is used in a purely speculative way, the highest being stays a mere ideal, though a faultless one: a concept that closes and crowns all human cognition. On this path its objective reality can’t be proved, but it can’t be refuted either. And suppose there should be a moral theology that can make up this lack. Then transcendental theology, which until then was only problematic, proves itself indispensable, by determining its concept and constantly censoring a reason that is often enough deceived by sensibility and doesn’t always agree with its own ideas. Necessity, infinity, unity, existence apart from the world (not as a world soul) and eternity free of conditions of time are purely transcendental predicates.
B 670 So are omnipresence without conditions of space, almightiness and so on. That is why the purified concept of them, which every theology needs so badly, can be drawn only from transcendental theology.
Appendix to the Transcendental Dialectic Using the Ideas of Pure Reason in a Regulative Way
How all the dialectical attempts of pure reason turn out confirms what we already proved in the Transcendental Analytic: every inference that tries to lead us beyond the field of possible experience is deceptive and has no ground. But the outcome also teaches us something more particular. Here human reason has a natural tendency to overstep that boundary. Transcendental ideas are as natural to reason as the categories are to the understanding. There is one difference. The categories lead to truth, that is, to our concepts agreeing with their object. The ideas produce a mere illusion, but an irresistible one, and even the sharpest critique can hardly stop its deception from working on us.
Whatever is rooted in the nature of our forces must be suited to its purpose and agree with the proper use of those forces.
B 671 This holds as long as we can prevent a certain misunderstanding and find out which way those forces really point. So, in all likelihood, the transcendental ideas have a good use, and therefore an immanent one. If their meaning is mistaken, though, and they are taken for concepts of real things, then their application can be transcendent, and for that very reason deceptive. That is because it is not the idea in itself but only its use that can fly beyond the whole of possible experience (transcendent) or stay at home within it (immanent). Which it is depends on where we aim the idea. We can aim it straight at an object we imagine corresponds to it, or only at the use of the understanding in general, in relation to the objects the understanding deals with. And every fault of subreption must always be blamed on a defect of the power of judgment, never on the understanding or on reason.
Reason never relates straight to an object. It relates only to the understanding, and by way of the understanding to its own empirical use. So it creates no concepts (of objects). It only puts them in order, and gives them the unity they can have at their widest extent, that is, unity in relation to the totality of the series. The understanding doesn’t look at that totality at all. It looks only at the connection through which series of conditions come about everywhere according to concepts.
B 672 What reason really has as its object, then, is only the understanding and its purposeful employment. The understanding binds the manifold in an object together through concepts. Reason does the same for the manifold of concepts, using ideas. It puts a certain collective unity before the understanding’s acts as their target, whereas left to themselves those acts are busy only with distributive unity.
So here is my claim: transcendental ideas are never constitutive, in the sense of giving us concepts of certain objects. If we understand them that way, they are merely sophistical (dialectical) concepts. They do have an excellent and absolutely necessary regulative use, though. Their job is to aim the understanding at a certain goal. Looking toward that goal, the lines of direction of all the understanding’s rules meet in a single point. That point is just an idea, a focus imaginarius. No concept of the understanding really starts out from it, because it lies wholly outside the boundaries of possible experience. Even so, it serves to give those concepts the greatest unity along with the greatest breadth. Now this does give rise to a deception. It looks as if these lines of direction shot out from an object situated outside the field in which empirical cognition is possible (like the objects we see behind the face of a mirror). But this illusion (which we can keep from actually deceiving us) is still absolutely indispensable.
B 673 We need it if we want to see not only the objects right before our eyes but also those lying far off behind our backs. In our case that means we want to train the understanding to reach beyond every given experience (which is only a part of all possible experience), and so to its greatest and utmost expansion.
Look over our cognitions of the understanding across their whole range. We find that reason contributes something of its own to them and works to achieve it: the systematic side of cognition, meaning how it hangs together from one principle. Behind this unity of reason there is always an idea, namely the idea of the form of a whole body of cognition. That whole comes before the determinate cognition of the parts, and it contains the conditions for fixing a priori each part’s place and its relation to the others. So this idea postulates complete unity in the understanding’s cognition. That unity turns the cognition from an accidental collection into a system connected by necessary laws. Strictly speaking, we can’t say the idea is a concept of an object. What it is a concept of is the unity that runs through all those concepts, to the extent that this unity works as a rule for the understanding. Concepts of reason like this aren’t drawn from nature. Rather, we question nature in the light of these ideas, and we count our cognition as deficient. It stays deficient as long as it doesn’t match them.
B 674 People concede that you will hardly find pure earth, or pure water, or pure air, or anything of the kind. Still, we need the concepts of them (so, as far as complete purity goes, these concepts originate only in reason) in order to settle properly how much each of these natural causes contributes to the appearance. So all materials are reduced to the earths (the mere weight, so to speak), then salts and combustible substances (the force), and last of all water and air, which serve as vehicles (machines, so to speak, through which the others work). The aim is to explain the chemical effects of materials on one another by the idea of a mechanism. For although nobody actually puts it in these words, the influence of reason on the classifications of natural scientists is very easy to spot.
If reason is a power of deriving the particular from the universal, there are two cases. In the first, the universal is certain on its own account and already given. Then all that’s needed is the power of judgment to subsume under it, and through it the particular is determined by necessity. I’ll call this the apodictic use of reason. In the second, the universal is only assumed problematically and is a mere idea. The particular is certain, but whether the rule is universal for this consequence is still a problem. So a number of particular cases, every one of them certain, are run past the rule, to check whether they flow from it.
B 675 If it looks as if every particular case we can name follows from it, we infer that the rule is universal, and from that we infer to all cases, even those not given in themselves. I’ll call this the hypothetical use of reason.
The hypothetical use of reason works from ideas laid down as problematic concepts. Strictly speaking, it isn’t constitutive. That is, if we judge with full rigor, it doesn’t make the truth of the universal rule, which was adopted as a hypothesis, follow from it. After all, how could anyone know all the possible consequences that would prove the rule’s universality by following from the same adopted principle? The hypothetical use is only regulative. Its job is to bring unity into the particular cognitions as far as possible, and so to bring the rule closer to universality.
So the hypothetical use of reason is aimed at systematic unity among the understanding’s cognitions, and that unity is how we test whether rules are true. Turn it around, and systematic unity (taken as a mere idea) is nothing but a unity we have projected. We shouldn’t treat it as something given. It is only a problem. Still, it helps us find a principle for the varied, particular uses of the understanding, and with that principle it leads the understanding into cases that haven’t been given, and ties its work together.
B 676 But all this lets us see is that systematic unity, the unity that reason brings to the many cognitions of the understanding, is a logical principle. Where the understanding can’t get to rules by itself, ideas help it along. At the same time they bring its different rules into harmony under one principle (systematically), and so into connection, as far as that can be done. A separate question is whether the objects are by their own constitution, or the understanding that cognizes them as objects is by its nature, destined for systematic unity. A further question is whether we may, to a certain extent, postulate that unity a priori, even without regard to this interest of reason, and so say: all possible cognitions of the understanding (the empirical ones included) have unity of reason and stand under common principles from which they can be derived, however different they are. That would be a transcendental principle of reason. It would make systematic unity not merely subjective and logical, as a method, but objectively necessary.
Let’s illustrate this with a case where reason is used. One kind of unity according to the understanding’s concepts is the unity of the causality of a substance, which we call a force. The different appearances of one and the same substance look so unlike at first glance that we have to begin by assuming almost as many forces in it as there are effects showing up.
B 677 In the human mind, for example, there are sensation, consciousness, imagination, memory, wit, discernment, pleasure, desire, and so on. At the outset, a logical maxim commands us to reduce this apparent variety as far as possible. We do so by comparing, to discover the hidden identity, and by checking whether imagination combined with consciousness might not be memory, wit, discernment, or perhaps even understanding and reason. The idea of a fundamental power is at minimum a problem: how to represent the many forces systematically. Logic can’t find out at all whether there is any such power. Reason’s logical principle requires us to achieve as much of this unity as we can. The more identical the appearances of the various forces prove to be, the likelier it gets that they are only different outward expressions of a single force, which we may call (in a comparative sense) their fundamental power. We proceed the same way with the rest.
Next we have to compare the comparative fundamental powers with one another. If we find that they agree, we can draw them closer to a single root, an absolute fundamental power. This unity of reason is merely hypothetical, though. We don’t claim that such a power must actually be found. We claim only that, for the sake of reason, we must look for one, in order to set up certain principles for the many rules.
B 678 Experience may supply those rules. And wherever possible, we must work systematic unity into our cognition by that route.
But watch the transcendental use of the understanding, and it turns out that the general idea of a fundamental power is not meant merely as a problem for hypothetical use. It lays claim to objective reality, and through that the systematic unity of the many forces of one substance is postulated and an apodictic principle of reason is set up. For even before we have tried to find the agreement of the many forces—and even if every attempt to find it fails—we still presuppose that such agreement will be found. We do this not only because of the unity of the substance, as in the case just given. Even where very many forces turn up that are alike only to some degree, as in matter in general, reason presupposes systematic unity among the many forces. That is because particular laws of nature stand under more general ones, and so the saving of principles becomes not just an economizing rule for reason but an inner law of nature.
Indeed, it’s hard to see how a logical principle of unity of reason among rules could hold unless a transcendental one were presupposed. That transcendental principle assumes, a priori and as necessary, that such systematic unity belongs to the objects themselves.
B 679 What entitles reason, in its logical use, to demand that we treat the manifold of forces which nature lets us know as a merely hidden unity, and derive it from some fundamental power, to the extent that it can? Reason could not demand this if it were free to admit that all forces might just as well be unlike, and that the systematic unity of their derivation might not fit nature. In that case reason would be acting against its own vocation, since it would set itself an idea as its goal that flatly contradicts how nature is arranged. Nor can we say that reason first took this unity from the contingent constitution of nature, following principles of reason. That is because the law of reason that tells us to seek this unity is necessary: if it were removed, there would be no reason left at all. Without reason we would have no coherent use of the understanding, and without that, no sufficient mark of empirical truth. So, as far as this last is concerned, we must presuppose the systematic unity of nature as altogether objectively valid and necessary.
This transcendental presupposition turns up, hidden in a remarkable way, in the principles of philosophers too, although they haven’t always noticed it there or owned up to it. The school rule, or logical principle, is this. The variety of single things doesn’t rule out sameness of species.
B 680 The many species must be treated only as various determinations of a handful of genera, and those genera as determinations of higher ones still, and so on. So we have to look for a certain systematic unity among all possible empirical concepts, to the degree that they can be traced back to higher, more general concepts. No use of reason would take place without this rule. We can reason from the universal down to the particular only when general properties of things are laid down as a basis, with the particular ones falling under them.
Philosophers also take it for granted that this same agreement is found in nature. They do so in the well-known school rule that we shouldn’t multiply the beginnings (principles) without need (entia praeter necessitatem non esse multiplicanda). What this says is that the nature of things itself supplies material for unity of reason. The endless variety we seem to see must not stop us from suspecting a unity of basic properties behind it, from which the variety can be derived only by further determination. People have chased this unity in every age, even though it is a mere idea, and so eagerly that there has been more cause to hold back the appetite for it than to encourage it. It was already a great deal when chemists managed to trace all salts back to two main kinds, acid and alkaline. They even try to treat this difference as only a variety.
B 681 In other words, they take it as one and the same basic substance expressing itself in different ways. The many kinds of earth (the stuff of stones and even of metals) people have tried, step by step, to bring down to three kinds and finally to two. Still not satisfied, chemists can’t shake the thought that behind these varieties there is a single kind. They even suspect a common principle for these earths and the salts together. One might think this is only an economical trick of reason, a way to spare itself as much trouble as it can, and a hypothetical experiment that, if it works, lends probability to the proposed explanation just through this unity. But a self-serving aim like that is very easy to tell apart from the idea. Everyone presupposes, in line with the idea, that this unity of reason fits nature itself, and that here reason isn’t begging but commanding, even though it can’t fix the boundaries of this unity.
Suppose the appearances offered to us differed so greatly that even the sharpest human understanding, by comparing one with another, could not find the slightest similarity. I don’t mean a difference of form (in that they may resemble each other). I mean a difference in content, in the variety of beings that exist. We can certainly imagine such a case. Then the logical law of genera would have no place at all.
B 682 There would not even be a concept of a genus or any general concept, and there would be no understanding either, because the understanding works with nothing but such concepts. So when the logical principle of genera is applied to nature (and here by nature I mean only the objects that are given to us), a transcendental principle has to stand behind it. That principle requires us to presuppose sameness of kind in whatever variety a possible experience contains, though we can’t settle its degree a priori. Without such sameness there would be no empirical concepts, and so no experience.
Opposed to the logical principle of genera, which demands sameness, there is a second, the principle of species. It needs variety and differences among things, even though they agree in falling under the same genus, and it tells the understanding to give these as much attention as it gives the likeness. This principle (of acuteness, or the power to discriminate) puts a firm check on the light-mindedness of the first (the principle of wit). So reason shows a double interest here, and the two interests pull against each other. One is the interest in extent (generality), with regard to genera. The other is the interest in content (determinateness), with regard to the variety of species. In the first case a great deal is thought under the concepts. In the second, even more is thought within them.
B 683 This also shows in the sharply different mindsets of natural scientists. Some of them (the mainly speculative ones) are almost enemies of unlikeness, and always aim at unity of genus. The others (the mainly empirical minds) keep trying to split nature into so much variety that one would almost have to give up hope of judging its appearances by general principles.
The latter way of thinking plainly rests on a logical principle too, one that aims at the systematic completeness of all cognitions. I start from the genus and go down to whatever variety it may hold, and in this way I try to give the system breadth. In the first case, when I climb up to the genus, I try to give it simplicity. The sphere of a concept that marks a genus doesn’t show how far its division can go, any more than the space matter can fill shows how far matter can be divided. So every genus needs different species, and these need different subspecies. And there is no subspecies that wouldn’t again have a sphere (an extent, as conceptus communis). So reason, at its fullest reach, demands that no species be regarded as the lowest in itself. That is because a species is always a concept that contains only what is common to different things. So it isn’t thoroughly determined.
B 684 Nor can it be related directly to an individual. It must therefore always contain other concepts under itself, that is, subspecies. This law of specification could be put this way: entium varietates non temere esse minuendas.
It’s easy to see, though, that this logical law too would have no sense and no use unless a transcendental law of specification lay beneath it. That transcendental law does not, of course, require the things that can become our objects to be actually infinite in their differences. The logical principle gives no occasion for that, since all it asserts is that the logical sphere is indeterminate with regard to possible division. What the transcendental law does is require the understanding to look for subspecies under every species it meets, and for smaller differences within every difference. Without lower concepts there could be no higher ones either. The understanding cognizes by means of concepts alone. So, as far as it carries its division, it never cognizes by mere intuition, but always again through lower concepts. Cognition of appearances, if it is to be fully determined (and only the understanding can do that), requires us to keep specifying its concepts without end. It also requires us to advance to differences that always remain, differences that the concept of the species, and even more the concept of the genus, has abstracted from.
B 685 This law of specification can’t have been taken from experience either, since experience can’t disclose anything so far-reaching. Empirical specification soon stops short in telling the manifold apart, unless a transcendental law of specification is already in place, as a principle of reason, to guide it. That law leads it to look for such differences, and to keep suspecting them even when they don’t reveal themselves to the senses. It took a rule of reason running ahead of experience to discover that absorbent earths come in different kinds (lime earths and muriatic earths). That rule set the understanding the task of looking for the difference, because it presupposed nature to be rich enough to make us suspect it. We have understanding only if nature contains differences. Equally, we have it only if nature’s objects are alike in kind. After all, the very manifoldness of what can be gathered under one concept is what makes up the use of that concept and the business of the understanding.
Reason thus prepares the understanding’s field 1. through a principle of sameness of kind in the manifold under higher genera, and 2. through a principle of variety among things of the same kind under lower species. To complete the systematic unity, it also adds 3. a law of affinity among all concepts.
B 686 This law demands a continuous passage from each species to every other, by a stepwise growth of difference. They can be named the principles of homogeneity, of specification, and of the continuity of forms. The last arises when we unite the first two. First we complete the systematic connection in the idea, both by going up to higher genera and by going down to lower species. After that, all the manifold things are related to one another, because they all descend, through every degree of further determination, from a single highest genus.
We can picture the systematic unity among the three logical principles in the following way. Take every concept as a point. As the standpoint of a spectator, the point has its horizon, that is, a number of things that can be pictured from it and, as it were, looked over. Within this horizon it must be possible to name a multitude of points without end, and each of them again has its own narrower field of view. By the principle of specification, every species has subspecies in it. A logical horizon is made up of smaller horizons (subspecies), never of points without extent (individuals). Now take several horizons, meaning genera each fixed by its own concept. We can think of a common horizon drawn around them, from which we survey them all as from one center.
B 687 That common horizon is the higher genus, and so on, until at last the top genus gives the universal and true horizon. It is fixed from the viewpoint of the supreme concept, and it takes in under itself all manifoldness, as genera, species and subspecies.
Homogeneity brings me up to this highest standpoint. Specification brings me down to all the low ones and to their greatest variety. In this way nothing in the whole extent of all possible concepts is empty, and nothing can be found outside it. So when we assume that all-embracing field of view, divided through and through, a principle follows: non datur vacuum formarum. That is, there are not several different original and first genera, cut off from each other, so to speak, with an empty gap between them. All the manifold genera are only divisions of a single highest, universal genus. And from this principle comes its immediate consequence, datur continuum formarum. That is, all the differences among species border on one another. There is no jumping from one to another. One gets there only by way of all the smaller steps of difference. Put briefly, no species or subspecies is the very nearest to another (in the concept of reason). Intermediate species always remain possible.
B 688 Their difference from the first and from the second is smaller than the difference between those two.
So the first law guards against running wild into a variety of different original genera, and it recommends sameness of kind. The second law sets a check on this leaning toward agreement. It commands us to tell the subspecies apart before we turn with our general concept to the individuals. The third law unites the first two. Even in the greatest variety, it prescribes sameness of kind through the stepwise passage from one species to another. This shows a sort of kinship between the branches, in that they all grew from one trunk.
This logical law of the continuity of species, continui specierum (formarum logicarum), rests on a transcendental one (lex continui in natura). Without that, the prescription would only lead the understanding astray in its use, because it might take a road exactly opposite to nature’s. So this law has to rest on pure transcendental grounds, not empirical ones. If it were empirical, it would come later than the systems. In fact it first brought forth what is systematic in our cognition of nature. Nor are there, hidden behind these laws, any designs for running a test with them as mere trials.
B 689 It is true that this connection, where it fits, gives a strong reason to hold the unity we thought up hypothetically to be well founded, and so the laws are useful in that respect too. But one can plainly see that the laws judge the thrift of fundamental causes, the manifoldness of effects, and the resulting kinship among the members of nature to be reasonable in themselves and fitting to nature. So these principles recommend themselves directly, and not merely as devices of method.
It is easy to see, though, that continuity of forms is nothing but an idea. No matching object can be shown for it in experience. One reason is that the species in nature really are divided off from one another, and so must in themselves make up a quantum discretum. If the stepwise progress in their kinship were continuous, they would have to hold a real infinity of links in between any two given species, and that is impossible. The other reason is that this law can’t be put to any definite use in empirical work. It doesn’t give even a faint sign of affinity that would tell us by what, or how far, to look for the series of degrees in their differences. It gives nothing but a general indication that we have to look for them.
B 690 Suppose we rearrange the principles just listed, putting them in the order that suits their use in experience. The principles of systematic unity would then stand roughly like this: manifoldness, kinship and unity. Each of these is to be taken as an idea, at the top degree of its completeness. Reason takes for granted the cognitions of the understanding, which are applied first of all to experience, and it looks for their unity according to ideas that reach much further than experience can. Kinship among the manifold, with its variety left intact, under one principle of unity, concerns not only things but even more their bare properties and forces. Say experience (not yet fully corrected) gives us the course of the planets as circular, and then we find differences. We suspect those differences in whatever can change the circle, by a constant law, through all the endless intermediate degrees into one of the deviating orbits. In other words, the motions of planets that aren’t circles will come more or less close to the properties of a circle, and they land on the ellipse. Comets show orbits that vary still more. As far as we can observe, they don’t even come back around in a circle. But we guess at a parabolic course, which is related to the ellipse. When the long axis of the ellipse is stretched very far, a parabola can’t be told apart from it in any of our observations.
B 691 So, led by those principles, we arrive at a unity of kind among the shapes of these orbits. Through that we go on to the unity of the cause behind every law of their movement, which is gravitation. From there we push our conquests further. We try to explain all the varieties and seeming departures from those rules by the same principle. In the end we even add more than experience could ever confirm. By the rules of kinship, we think up hyperbolic comet orbits, paths on which these bodies would depart from our solar system entirely. Traveling from sun to sun, they join in their course the more distant parts of a world system that has no bounds for us, and that is held together by one and the same moving force.
What is remarkable about these principles, and what alone concerns us here, is this. They seem to be transcendental. They contain mere ideas that the empirical use of reason is to follow, and that use can follow them only, so to speak, asymptotically, that is, by merely approaching them without ever reaching them. Even so, as synthetic propositions a priori they have objective but indeterminate validity. They serve as a rule of possible experience, and in working on experience they are indeed used successfully, as heuristic principles.
B 692 Yet no one can produce a transcendental deduction of them. As we proved above, that is always impossible for ideas.
In the Transcendental Analytic we sorted the principles of the understanding into two groups. The dynamical ones are merely regulative principles of intuition. The mathematical ones are constitutive with respect to intuition. Even so, those dynamical laws are certainly constitutive for experience, because through them the concepts without which there would be no experience become possible a priori. Principles of pure reason, by contrast, can’t be constitutive even with respect to empirical concepts. Sensibility can supply no matching schema for them, so they can’t have an object in the concrete. Now suppose I give up that empirical use of them as constitutive principles. How can I still guarantee them a regulative use, and with it a measure of objective validity? And what meaning can that use have?
For reason, the understanding is an object just as sensibility is for the understanding. It falls to reason to organize into a system the unity of every possible empirical act of the understanding, just as the understanding ties together the manifold of appearances by concepts and brings it under empirical laws. But acts of the understanding without schemata of sensibility are indeterminate.
B 693 In the same way, the unity of reason is indeterminate in itself: it doesn’t settle under what conditions, or how far, the understanding is to link its concepts into a system. No schema in intuition can be found for the thoroughgoing systematic unity of all the understanding’s concepts. Still, an analogue of such a schema can be given, and it must be. It is the idea of a maximum: the greatest division and the greatest union of the understanding’s cognition under a single principle. For the greatest, the absolutely complete, can be thought determinately, because all restricting conditions, which give an indeterminate manifold, are left out. So the idea of reason is an analogue of a schema of sensibility. There is this difference, though. Applying concepts of the understanding to the schema of reason is not a cognition of the object itself (as it is when the categories are applied to their sensory schemata). It is a rule, a principle for making all use of the understanding hang together as a system. Now every principle that fixes a priori the thoroughgoing unity of the understanding’s use also holds, though only indirectly, of the object of experience. So the principles of pure reason will have objective reality with regard to that object too. But that is not in order to determine anything in it. It is only to indicate the procedure.
B 694 By that procedure, the understanding’s use in experience, empirical and determinate as it is, can come to agree with itself all the way through. It does so by being connected, as far as possible, with the principle of thoroughgoing unity, and derived from it.
I call all those subjective principles that come not from how the object is made but from the interest of reason, in view of a certain possible perfection in our cognition of that object, maxims of reason. So there are maxims of speculative reason that rest solely on its speculative interest, even though they may look like objective principles.
Treat purely regulative principles as constitutive, and as objective principles they may clash. Regard them only as maxims, and there is no true clash. There is only a different interest of reason, and that is what splits the ways of thinking apart. In fact reason has just one interest, and the quarrel between its maxims is only a difference between methods and a mutual limiting of them, each trying to satisfy that interest.
So for one would-be reasoner variety counts for more (that is the principle of specification), and for another unity counts for more (the principle of aggregation).
B 695 Each of them believes his judgment comes from insight into the object, yet he rests it on nothing but how strongly he is attached to one of the two principles. Neither rests on objective grounds. They rest only on the interest of reason, so they would be better called maxims than principles. I see discerning men quarreling over the characteristics of people, animals or plants, even of bodies in the mineral kingdom. Some, for example, suppose there are distinct national characters rooted in ancestry, or else definite, hereditary differences between families, races and so on. Others set their minds on the view that nature made all dispositions in this respect exactly the same, and that all difference rests on outward chance. When I see this, I only have to consider the nature of the object to grasp that it lies buried far too deep for either side to speak from insight into the nature of the object. It is nothing but the double interest of reason. One party takes one interest to heart, or merely affects to, and the other party takes the other. So it is the difference between maxims of nature’s manifoldness and maxims of nature’s unity. These can very well be reconciled. But so long as people mistake them for objective insights, they create not only dispute but also obstacles that hold up the truth for a long while, until some means is found.
B 696 It will be a means of uniting the conflicting interests and satisfying reason on the point.
The same goes for asserting or challenging the famous law of the continuous ladder of creatures, which Leibniz brought into circulation and Bonnet splendidly polished up. This law is nothing but a following of the principle of affinity, which rests on the interest of reason. Observation and insight into how nature is arranged could not have offered it as an objective claim. Experience can show us the rungs of such a ladder, but they stand much too far apart. What we imagine to be small differences are usually such wide gaps in nature itself that such observations count for nothing as designs of nature. This is especially so where there is a great variety of things, since it is always easy to come up with some resemblances and near-matches. By contrast, the method of hunting for order in nature under a principle like that is quite legitimate and excellent as a regulative principle of reason. So is the maxim of taking such order to have its basis somewhere in nature as a whole, though without settling where or how far. As such a principle, it goes much further than experience or observation could ever equal. Yet it determines nothing. It only marks out the way to systematic unity.
B 697 The Ultimate Aim of the Natural Dialectic in Human Reason
No idea of pure reason is ever dialectical in itself. Only their misuse can make a deceptive illusion arise from them. Our reason’s own nature sets them as tasks for us. Reason is the supreme tribunal for all rights and claims of our speculation, and it can’t possibly contain original deceptions and delusions. So we can presume they have a good and purposeful vocation in the natural makeup of our reason. The mob of would-be reasoners, though, shouts as always about nonsense and contradictions. They slander the government whose innermost plans they can’t penetrate, and to whose beneficial influence they should themselves owe their survival, and even the culture that puts them in a position to criticize and condemn it.
We can’t use an a priori concept with any certainty until we have carried out its transcendental deduction. The ideas of pure reason don’t allow a deduction of the kind the categories do. But suppose they are to have at least some objective validity, even an indeterminate one, and not stand for merely empty thought-things (entia rationis ratiocinantis).
B 698 Then a deduction of them has to be possible, even if it departs widely from the one we can carry out for the categories. That completes the critical work of pure reason, and we’ll now take it on.
It makes a big difference whether something is given to my reason as an object outright, or only as an object in the idea. In the first case my concepts aim at determining the object. In the second, what I have is really just a schema. No object is granted to it directly, not even hypothetically. All it does is help us represent other objects indirectly, by relating them to this idea, according to their systematic unity. Take the concept of a highest intelligence. It is a mere idea. That is, its objective reality is not supposed to consist in its relating straight to an object (taken that way, its objective validity couldn’t be justified). What it gives us is a schema for the concept of a thing in general, built to meet the demands of the largest possible unity of reason. Its only purpose is to secure the greatest systematic unity in the empirical use of our reason. We do this by deriving the object of experience as if from its ground or cause, namely the imagined object of the idea. Then, for example, the rule says this.
B 699 Regard the things in the world as though they had their existence from a supreme intelligence; in this way the idea is really only a heuristic concept, not an ostensive one. It doesn’t tell us what an object is like. It tells us how, with its guidance, we should look for the constitution and connection of the objects of experience in general. Now suppose we can show the following. There are three kinds of transcendental ideas: psychological, cosmological and theological. None of them relates directly to any object corresponding to it, or to its determination. Yet every rule for the empirical use of reason, on the assumption of such an object in the idea, leads toward systematic unity, always extends our cognition of experience, and can never run against it. If we can show that, then it is a necessary maxim of reason to proceed by such ideas. And this is the transcendental deduction of all the ideas of speculative reason. They are not constitutive principles that would stretch our cognition to cover more objects than experience can supply. They are regulative principles, serving to bring the manifold of empirical cognition in general into systematic unity. Within its own boundaries, that cognition is developed and put right further than the bare use of the principles of the understanding could manage without such ideas.
B 700 Let me make this clearer. Let us take the ideas just named as principles. First, in psychology: we should connect the mind’s appearances, actions and receptivity, following the thread of inner experience, as though the mind were one simple substance. It would last (at least through life) with a personal identity, while its states keep changing, and the states of the body would count only as outer conditions of those. Second, in cosmology: we have to trace the conditions of natural appearances, both inner and outer, in an inquiry that can never be finished, and we should proceed as though the series went on forever in itself and had no first or topmost member. This doesn’t mean denying that there are first grounds of appearances outside all appearances, grounds that are purely intelligible. But we may never bring them into explanations of nature, since we don’t know them at all. Third and last, in theology: whatever can belong to the context of possible experience, we have to regard as though it formed an absolute unity, one that is thoroughly dependent and still conditioned within the world of sense. And at the same time we have to regard the sum of all appearances (the world of sense itself) as though it had a single supreme, all-sufficient ground outside its own range. That ground is a reason that is, so to speak, independent, original and creative.
B 701 With this reason in view, we steer every empirical use of our reason toward its widest reach, as though the objects themselves had come from that original model for all reason. What this means is as follows. We are not to trace the soul’s inner appearances back to a simple thinking substance. We are to derive them from one another, in line with the idea of a simple being. We are not to trace the order of the world and its systematic unity back to a highest intelligence. Instead the idea of a supremely wise cause supplies us with the rule that tells reason how to satisfy itself best when it connects causes and effects in the world.
Only the cosmological idea gives us any trouble. When reason tries to treat that one as objective, it runs into an antinomy. Nothing at all stops us from taking the other ideas as objective and hypostatic. (The psychological and theological ideas contain no such antinomy.) No contradiction lies in them, so how could anyone challenge their objective reality? He knows no more about their possibility, to deny it, than we do to affirm it. Still, it isn’t enough, for assuming something, that nothing positive stands against it. We are not allowed, on the mere credit of a speculative reason that likes to wrap up its business, to take thought-beings that go beyond all our concepts (though they contradict none) and introduce them as real and determinate objects.
B 702 So they must not be accepted in themselves. Their reality should count only as the schema for the regulative principle of systematic unity in all our cognition of nature. They should be laid down only as analogues of real things, and not as such things in themselves. From the object of the idea we remove the conditions that confine our concept of the understanding. But those same conditions are the only thing that makes it possible for us to have a definite concept of any thing at all. And now we think of a something. We have no concept whatever of what it is in itself. But we do think of it as standing in a relation to the sum of appearances, and that relation is analogous to the one the appearances have to each other.
So assuming such ideal beings doesn’t actually stretch our cognition past the objects of possible experience. What it stretches is only the empirical unity of those objects. It does that by way of the systematic unity, for which the idea furnishes the schema. For that reason the idea counts as a regulative principle and not as a constitutive one. We may posit a thing that corresponds to the idea—a something, a real being. That doesn’t amount to saying we want to widen our cognition of things by means of transcendent concepts. The being is put at the base only in the idea, and not in itself, so it is there merely to express the systematic unity.
B 703 That unity is meant to be a guide for the empirical use of reason. In doing so we settle nothing about what grounds that unity, or about the inner nature of the being on which, as its cause, the unity depends.
The transcendental concept of God, the single definite concept that bare speculative reason provides, is deistic in the strictest sense. In other words, reason doesn’t even vouch for such a concept being objectively valid. It supplies only the idea of a something. All empirical reality rests its highest and necessary unity on that something. We can’t think of it except by analogy with a real substance that is the cause of everything according to the laws of reason. That holds on one condition: that we do try to think of it as a particular object at all. The alternative is to be content with the bare idea of reason’s regulative principle and put aside, as excessive for the human understanding, the completion of all the conditions of thought. But that cannot be reconciled with the goal of perfect systematic unity in our cognition, a goal on which reason at least imposes no limits.
So suppose I assume a divine being. I then have not the faintest concept of how its highest perfection could be possible in itself, or why its existence is necessary.
B 704 Yet then I can do justice to all other questions about the contingent, and I can give reason the fullest satisfaction regarding the greatest unity it is to look for in its empirical use. I cannot give it any satisfaction regarding the assumption itself. This proves that reason’s speculative interest, and not any insight of its own, gives it the right to set out from a point so far beyond its sphere, to look at its objects from there as a complete whole.
Here we find a difference in the way of thinking, with one and the same assumption. It’s quite subtle, but it matters a lot in transcendental philosophy. I may have enough ground to assume something in a relative way (suppositio relativa) and still lack the right to assume it outright (suppositio absoluta). The distinction fits when we are dealing only with a regulative principle. We see that such a principle is necessary in itself, but we don’t see its source. We assume a highest ground for it merely so as to think its generality more determinately. For example, I might think of a being as existing that corresponds to a mere, and indeed transcendental, idea. Then I can never assume that this thing exists in itself. No concepts we have could reach it, none by which I can think any object determinately.
B 705 And the idea itself rules out the conditions under which my concepts would be objectively valid. Reality, substance, causality, even necessity in existence: these concepts have no meaning that determines any object, except in the use that makes empirical cognition of an object possible. So they can help explain how things in the world of sense are possible, but not how a whole world is possible. Its ground would have to sit beyond the world, and then it could never be an object of possible experience. All the same, I can accept a being like that, beyond our grasp and the object of nothing but an idea, relative to the world of sense, though not in itself. Suppose that behind my reason’s widest possible empirical use lies an idea (of a systematically complete unity, which I’ll discuss more exactly before long). Experience can never present this idea adequately in itself. Yet it’s indispensable if empirical unity is to come as near as possible to the highest degree. In that case I am not only entitled but compelled to realize the idea, that is, to give it an actual object. But the object is only a something in general, which I don’t know in itself at all. To it, as the ground of that systematic unity, I give properties only in relation to that unity.
B 706 And the properties I give it are only the ones analogous to the concepts of the understanding in empirical use. Following the analogy of the realities in the world (substances, causality, necessity), I will therefore think of a being that has all of this in the highest perfection. This idea rests only on my reason. So I can think of the being as an independent reason that causes the whole world by way of ideas of the greatest harmony and unity. I leave out every condition that limits the idea. My only purpose, sheltered by such a primal ground, is to make possible a systematic unity of the manifold throughout the world, and through that unity the widest possible empirical use of reason. To do this I look at every combination as though a supreme reason had arranged it, a reason of which ours is a weak copy. Then I think of this highest being solely through concepts that properly apply only in the world of sense. But I use that transcendental assumption in no way other than relatively, namely to supply the substratum for the greatest possible unity of experience. So I may quite properly picture a being, distinct from the world, using properties that belong only to the world of sense. I’m not asking to know this object of my idea as it may be in itself, and I’d have no right to ask. I have no concepts for that.
B 707 Risk them beyond the field of the senses, and reality, substance, causality, even necessity in existence, lose all meaning. They are empty labels for concepts, with no content at all. All I think is how a being stands to the largest possible systematic unity of the entire world, a being of which I know nothing in itself. My only purpose is to turn that being into the schema of the regulative principle that serves my reason’s widest possible empirical use.
Now consider the transcendental object of our idea. We can see that we can’t presuppose its reality in itself by means of the concepts of reality, substance, causality and the like, because those concepts don’t apply in the least to something wholly different from the world of sense. So reason’s supposition of a highest being as the supreme cause is merely relative. It is thought up for the benefit of the systematic unity of the world of sense. In the idea, it is a bare something, and we have no concept of what it is in itself. This also explains something else. Anything that exists and is given to the senses makes us need the idea of a primal being that is necessary in itself. And yet we can never form the faintest concept of that being or of its absolute necessity.
At this point we can set out plainly the outcome of the entire transcendental dialectic.
B 708 We can also determine precisely what the ideas of pure reason are finally aimed at. They become dialectical only by being misunderstood and handled carelessly. Pure reason is really occupied with nothing but itself, and it can have no other business. What is given to it is not objects, for the unity of the concept of experience. What is given to it is the understanding’s cognitions, for the unity of the concept of reason, which is to say, connection under one principle. The kind of unity reason has is the unity of a system. For reason, this systematic unity is not an objective principle that extends it over objects. It is a subjective maxim, whose job is to carry reason across the whole of possible empirical cognition of objects. Even so, the systematic connection that reason can give to the empirical use of the understanding does more than promote its extension. It also confirms its correctness. The principle of such a systematic unity is objective too, but in an indeterminate way (principium vagum). It isn’t a constitutive principle for determining anything about its direct object. It is a purely regulative principle and maxim. Its work is to advance and firm up reason’s empirical use without end (indeterminately), by opening new paths that the understanding does not know, and without ever running against the laws of empirical use in the least.
B 709 But reason can think this systematic unity only by giving its idea an object at the same time. No experience can give that object, because experience never provides an example of perfect systematic unity. This being of reason is a mere idea (ens rationis ratiocinatae). So it isn’t accepted outright, as something real in itself. It is taken as a basis only problematically, because no concept of the understanding can reach it. The purpose is to look at all connection among the things of the world of sense as though they were grounded in this reasoned being. The sole reason for doing so is to found systematic unity on it. Reason can’t do without that unity. For empirical cognition by the understanding it helps in every way, and it can never get in its way.
If we take this idea as a claim, or even just a premise, about some real thing to which we would credit the ground of the world’s systematic makeup, we have missed its point right away. What we really do is leave open what that ground is like in itself, because it slips beyond our concepts. We simply adopt an idea as a vantage point. From it, and only from it, can we spread that unity which reason needs so much and which does the understanding so much good.
B 710 In short, this transcendental thing is only the schema of the regulative principle by which reason spreads systematic unity over all experience, as far as it can. Such an idea has as its first object myself, considered purely as a thinking nature (soul). To find out what properties a thinking being has as it exists in itself, I have to ask experience. Even among the categories, there is none I can apply to this object, except where its schema is given in sensory intuition. But that route never leads me to a systematic unity of all the appearances of inner sense. So reason sets aside the concept drawn from experience (of what the soul actually is), which can’t carry us far. In its place reason takes up the concept of the empirical unity in all thinking. It thinks this unity as unconditioned and original, and so turns it into a concept of reason (an idea): the idea of a simple substance. This substance is unchanging in itself (personally identical), and it stands in community with other real things outside it. In a word, it is a simple, self-standing intelligence. Yet here reason has in view only one thing: principles of systematic unity for explaining the soul’s appearances. It wants us to treat all determinations as belonging to one subject, and all forces, as far as we can, as derived from one fundamental power. It wants us to see every change as belonging to the states of a being.
B 711 That being is one and the same throughout, and it abides. And it wants us to picture all appearances in space as altogether different from acts of thinking. The simplicity of the substance and the rest were meant merely as the schema of this regulative principle. They are not presupposed as if they were the real ground of the soul’s properties. Those properties might rest on quite different grounds, which we don’t know at all. Even if we wanted to grant these predicates of the soul outright, we still couldn’t cognize the soul in itself through them, since they amount to a mere idea that can’t be presented in any concrete case. Such a psychological idea can only bring advantage, so long as we are careful not to let it count as more than an idea, that is, as holding only relative to the systematic use of reason on the appearances of our soul. In that case laws drawn from experience about bodily appearances, a completely different sort of thing, don’t get mixed into the explanations of what belongs to inner sense alone. No empty hypotheses of the generation, destruction and rebirth (palingenesis) of souls are admitted either. We examine this object of inner sense in a pure state, uncontaminated by properties of another kind. What’s more, the inquiry of reason aims to reduce the explanatory grounds in this subject to a single principle, as far as it can.
B 712 A schema of this kind, treating the subject as though it were a real being, does that best, and in fact does it alone. The psychological idea can also stand for only one thing: the schema of a regulative concept. Suppose I even asked whether the soul is by nature spiritual. The question would make no sense at all. By a concept like that, I remove not only bodily nature but nature altogether, that is, all the predicates of any possible experience, and therefore every condition for thinking an object for the concept. Yet those conditions alone are what allow us to say that the concept has a sense.
Merely speculative reason has a second regulative idea, the concept of the world as such. Nature is, after all, the only given object for which reason needs regulative principles. Nature comes in two kinds: thinking nature and bodily nature. For the second kind we need no idea, if all we want is to think it in its inner possibility, that is, to determine how the categories apply to it. An idea means a representation that goes beyond experience, and none is even possible for bodily nature, because in dealing with it we are led only by sensory intuition. That is unlike the psychological basic concept (the I), which contains a definite form of thinking—its unity—a priori.
B 713 So for pure reason nothing remains except nature as a whole, together with the completeness of the conditions in nature under some principle. The series of these conditions, taken as an absolute totality as we trace their members, is an idea. In the empirical use of reason it can never be fully reached, yet it serves as a rule for how to go about it. When we explain given appearances (by going back or going up), we should act as though the series were endless in itself, in indefinitum. But where reason itself is taken as the determining cause (in freedom), that is, in practical principles, we should act as though what lay before us were not an object of the senses but an object of pure understanding. There the conditions can no longer be placed in the series of appearances. They can be placed outside it, and then the series of states can be looked at as if it started absolutely (through an intelligible cause). All of this proves that the cosmological ideas are only regulative principles. They are far from positing, constitutively as it were, a real totality of such series. The rest can be looked up in its own place, under the antinomy of pure reason.
The third idea of pure reason is reason’s concept of God. It holds a merely relative supposition of a being: the one, all-sufficient cause of all cosmological series.
B 714 As for the object of this idea, we have not the slightest ground to accept it outright (to suppose it in itself). What could bring us to believe in a being of the highest perfection, one that is by its nature absolutely necessary, or to assert such a being, just from its own bare concept? What could even give us the right? Nothing could, except the world, since only in relation to the world can this supposition be necessary. And there it shows clearly that this being’s idea, like every speculative idea, says only one thing: reason commands us to treat all connections in the world as governed by principles of systematic unity. That is, we are to look at it as though it all sprang from a single, all-embracing being, as the highest and all-sufficient cause. It is clear from this that reason has nothing in view here except its own formal rule for widening its empirical use. It never aims to widen it past every boundary of empirical use. So no constitutive principle for its use, directed to possible experience, lies hidden under this idea.
This highest formal unity rests on concepts of reason alone, and it is the unity of things in respect of their purposes. Reason’s speculative interest requires us to see every single arrangement in the world as if a supreme reason had intended it.
B 715 For our reason, applied to the field of experience, such a principle opens wholly new prospects. It lets us connect the things of the world by teleological laws and so arrive at their greatest systematic unity. Assuming a supreme intelligence as the sole cause of the whole world—though only in the idea, of course—can therefore always help reason and never harm it. Suppose we assume in advance that a maker had wise purposes for the shape of the earth (round, though somewhat flattened)*, for mountains, seas and so on. Following this path, we can make a great many discoveries. As long as we hold to the assumption as a purely regulative principle, even a mistake can’t hurt us. All that can follow, at worst, is this: where we expected a purposive connection (nexus finalis), we run into nothing but a mechanical or physical connection (nexus effectivus).
B 716 In such a case we only lose one more unity. We don’t ruin reason’s unity in its empirical use. This setback can’t strike the law itself, taken in its general and teleological meaning, at all. An anatomist can be shown to be wrong if he ties a limb of an animal body to a purpose that clearly doesn’t follow from it. But it’s completely impossible to prove, in any single case, that an arrangement of nature, whatever it is, has no purpose whatever. That’s why physiology (the doctors’ science) widens its very narrow empirical knowledge of the purposes of an organic body’s structure by a principle that pure reason alone supplied. It carries this so far that people quite boldly assume, with the agreement of everyone sensible, that nothing in an animal lacks a use and a good purpose. If this assumption were meant constitutively, it would go much further than our observations to date entitle us to go. We can see from this that it is only a regulative principle of reason. Its aim is the highest systematic unity, reached by way of the idea that the supreme cause of the world acts with purpose—as though this cause, being the highest intelligence, had made everything for the wisest purpose.
* The advantage of a spherical earth is well known enough. Few people know, however, that its flattening, as a spheroid, is the one thing that stops projecting lands, or smaller mountains perhaps pushed up by earthquakes, from steadily shifting the earth’s axis by a good deal in a fairly short time. They would do so if the swelling of the earth at the equator were not such a huge mountain that the thrust of any other mountain can never move it noticeably from its place relative to the axis. And yet no one hesitates to explain this wise arrangement by the equilibrium of the earth’s once-fluid mass.
B 717 But suppose we step away from this restriction of the idea to its merely regulative use. Reason is then led astray in all sorts of ways. It leaves the ground of experience, which has to hold the markers of its path, and ventures out beyond that ground into the incomprehensible and unfathomable. At those heights it inevitably gets dizzy, because from there it sees itself cut off completely from any use that fits with experience.
The first mistake that arises when the idea of a highest being is used not just regulatively but constitutively (against the nature of an idea) is lazy reason (ignava ratio)*. This name fits any principle that makes us see our inquiry into nature, wherever it stands, as absolutely finished.
B 718 Reason then goes to rest, as if it had done its job entirely. Even the psychological idea makes things very comfortable for reason when it is treated as a constitutive principle, first to explain the soul’s appearances and then even to carry our cognition of this subject out past all experience (to its state after death). But it also wrecks and ruins every natural use of reason that follows the guidance of experience. Consider the dogmatic spiritualist. He accounts for the unity of the person, which stays the same however its states change, by the unity of a thinking substance that he thinks he perceives directly in the I. Our concern for things that will happen only after our death he explains from the awareness that our thinking subject is immaterial, and the like. And so he excuses himself from any investigation of nature, through physical grounds of explanation, into what causes these inner appearances. He does it by skipping past the immanent sources of cognition in experience, as if by decree of a transcendent reason, for the sake of his own ease but at the loss of all insight. The damaging result is even easier to see in the dogmatism about our idea of a highest intelligence, and in the theological system of nature wrongly built upon it (physico-theology).
B 719 There, all the purposes that show up in nature (often made purposes only by ourselves) are used to make the search for causes very comfortable. Instead of looking for them in the general laws governing the mechanism of matter, we turn straight to the unsearchable decree of supreme wisdom. And we consider the work of reason finished when we spare ourselves its use. Yet that use of reason finds a guide nowhere except where the order of nature, and the series of changes under their inner and more general laws, hand one to us. We can avoid this mistake if we do not look at only a few parts of nature from the viewpoint of purposes, such as the way the solid land is distributed, its structure, and the nature and position of the mountains, or even just the organization in the plant and animal kingdoms. We must make this systematic unity of nature quite general, by relating it to the idea of a highest intelligence. Then we lay down a purposiveness according to general laws of nature as our basis. No particular arrangement is exempt from those laws. Some are simply marked out for us more clearly than others. And what we get is a regulative principle for systematic unity in a teleological connection. We do not fix that connection beforehand.
B 720 Only in expectation of it may we pursue the physical-mechanical connection under general laws. Only so can the principle of purposive unity extend the use of reason about experience in every case, without damaging it in any.
* The ancient dialecticians used this name for a fallacious argument that ran: Suppose your fate is to get well from this sickness. Then you will get well whether or not you call a doctor. Cicero says the way of arguing got its name because following it would leave no use of reason in life. That is the reason I give the same name to the sophistical argument of pure reason.
The second mistake comes from misreading the principle of systematic unity just described. It is the mistake of upside-down reason (perversa ratio, ysteron proteron rationis). The idea of systematic unity was meant only as a regulative principle for looking for that unity in the combination of things under general laws of nature. To the extent that any of it can be found by the empirical route, we are also to believe that we have come that much nearer to the completeness of its use, though we will never reach it. People do the opposite. They start by laying down, as a hypostasis, the reality of a principle of purposive unity. Because the concept of such a highest intelligence is in itself completely unfathomable, they define it in human terms (anthropomorphically). Then they impose purposes on nature, forcefully and like dictators, when they should properly look for them by way of physical research. The consequences are twofold. Teleology, which was supposed only to round out the unity of nature under general laws, now works to cancel that unity.
B 721 And reason also defeats its own aim, which is to use nature to prove that such an intelligent supreme cause exists. For suppose the highest purposiveness can’t be presupposed in nature a priori, that is, as part of its essence. Then what could direct us to look for it at all, and to climb its ladder toward the highest perfection of an author, a perfection that is absolutely necessary and therefore knowable a priori? The regulative principle asks us to assume systematic unity outright, as the unity of nature. That unity is not merely discovered by experience. It is assumed a priori, if still without being determined, and so as following from the essence of things. If I instead start by laying down a supreme ordering being, nature’s unity is in fact destroyed. It then becomes completely foreign to the nature of things, and accidental. And it can’t be known from nature’s general laws either. So a faulty circle appears in the proof, because we presuppose what should have been proved.
If we treat the principle that nature is a systematic unity as constitutive, when it is only regulative, we do nothing but confuse reason. The idea is laid down merely as the basis for a harmonious use of reason.
B 722 To presuppose it as a cause that really exists, a hypostasis, confuses reason too. The study of nature takes its own course, strictly along the chain of natural causes and by their general laws. It does follow the idea of an author. But the point is not to get from him the purposiveness it hunts for everywhere. The point is the reverse: to recognize his existence, as absolutely necessary, from that purposiveness, which we look for in what natural things essentially are and, if possible, in what all things in general essentially are. Whether this succeeds or not, the idea stays correct, and so does its use, as long as that use is kept within the terms of a merely regulative principle.
Complete purposive unity is perfection (considered absolutely). Suppose we don’t find this in the essence of the things that together make up the entire object of experience (that is, of everything we cognize with objective validity), and so in general and necessary laws of nature. How then could we infer from this, of all things, the idea of a supreme, absolutely necessary perfection of a primal being, the origin of all causality? The greatest systematic unity, and so purposive unity as well, is the school of human reason and even the foundation that makes its greatest use possible.
B 723 So the idea of this unity is inseparable from the essence of our reason. The same idea is therefore a lawgiver for us. It is then perfectly natural to assume a lawgiving reason to match it (intellectus archetypus), and to derive from that reason all the systematic unity of nature, which is the object our reason deals with.
When we dealt with the antinomy of pure reason, we claimed that every question pure reason poses has to be answerable. The excuse of the limits of our cognition, which is as unavoidable as it is fair in many questions about nature, can’t be allowed here. For these questions come to us not from the nature of things but from the nature of reason alone, and they concern only its inner makeup. We can now confirm that claim, bold as it looked at first sight, for the two questions in which pure reason has its greatest interest. That brings our examination of its dialectic to a full close.
Suppose we ask, regarding a transcendental theology,* a first question.
B 724 Is there anything distinct from the world that holds the ground of the world’s order and of how it hangs together under general laws? The answer is: no doubt. The world is a sum of appearances, so some transcendental ground must exist for it, that is, a ground that pure understanding alone can think. Second, we might ask whether this being is a substance, of the greatest reality, necessary, and so on. My answer is that the question has no meaning. Whatever category I reach for in trying to conceive such an object has an empirical use only. None has any sense unless it is applied to objects of possible experience, in other words to the world of sense. Outside that field, categories are just labels for concepts. We may admit such concepts, but we can’t understand anything through them. Third, we might ask whether this being, which is distinct from the world, can at least be conceived by analogy with the objects of experience. The answer is: certainly, but only as an object within the idea.
B 725 It is not an object in reality; it is one only as a substratum we do not know, beneath the order, purposiveness and systematic unity in how the world is set up. Reason has to make that the regulative principle of its study of nature. More than that, we can allow certain anthropomorphisms in this idea, without fear or reproach, as long as they serve that regulative principle. For it is always only an idea. It doesn’t refer directly to a being apart from the world. What it refers to is the regulative principle of the world being a systematic unity, and it does so only through a schema of that unity: a supreme intelligence that is, by wise purposes, the world’s author. The idea was not meant to say what the primal ground behind the world’s unity is in itself. It was meant to say how we are to put that ground to use, or rather its idea, relative to the systematic use of reason on the things of the world.
* What I said earlier about the psychological idea, and what it is properly for as a principle of the merely regulative use of reason, saves me the trouble of treating in particular the transcendental illusion that makes us picture that systematic unity of all the manifold of inner sense as a hypostasis. The procedure here is very close to the one the Critique follows with regard to the theological ideal.
But in this way, someone will go on to ask, can we assume one wise and all-powerful author of the world? Without any doubt. And more than that, we must presuppose one. But then we are enlarging what we know past the range of possible experience, aren’t we? No, not at all. All we have presupposed is a something.
B 726 As to what it is in itself, we have no concept at all (it is a merely transcendental object). But take the systematic, purposive order built into the world, which we have to assume whenever we study nature. In relation to that order we have thought of the unknown being solely on the pattern of an intelligence (an empirical concept). That is, with respect to purposes and the perfection that rests on them, we have given it exactly those properties which, under the conditions of our reason, can hold the ground of such a systematic unity. So, relative to the use our reason makes of it in dealing with the world, the idea is thoroughly well grounded. Now suppose we tried to grant it objective validity outright. We would then forget that what we are thinking of is only a being in the idea. We would be starting from a ground that no contemplation of the world can determine, and that would leave us unable to apply the principle in a way that fits the empirical use of reason.
But, someone will ask next, can I in this way make use of the concept and assumption of a highest being when I look at the world rationally? Yes. That is in fact what reason laid this idea down for. Then may I regard arrangements that look as if they had purposes as intentions?
B 727 May I do so by tracing them back to the divine will, although by way of particular dispositions placed in the world for that purpose? Yes, you may do that too. But it must not matter to you whether someone says divine wisdom arranged everything this way for its highest purposes, or says instead that the idea of highest wisdom is a guide for inquiring into nature and a principle of the systematic and purposive unity of nature under general laws of nature, even where we don’t perceive it. In other words, where you do perceive it, it has to be all one to you whether you say: God wisely willed it so, or nature wisely arranged it so. That is because the greatest systematic and purposive unity was precisely what your reason required, as a regulative principle for all study of nature, and it was just what entitled you to put the idea of a highest intelligence at the base, as a schema of the regulative principle. As much purposiveness as you find in the world by that idea, that much confirmation you have that your idea is legitimate. But the principle aimed at nothing except finding a necessary and the greatest possible unity of nature. So whatever we achieve of that unity, we will owe it to the idea of a supreme being. The general laws of nature are the very ones for which the idea was laid down.
B 728 Without contradicting ourselves, we cannot pass over them in order to treat this purposiveness of nature as contingent in its origin and hyperphysical. We had no right to assume a being above nature that has these properties. We could only lay down its idea, so as to see appearances as systematically tied together, by analogy with causal determination.
For the same reason we may also think of the world’s cause, in the idea, in a subtler anthropomorphic way (we couldn’t think anything of it without that): as a being with understanding, with pleasure and displeasure, and with a desire and a will that fit these, and so on. And we may go further and attribute infinite perfection to it, which is far more than anything empirical knowledge of the world’s order could entitle us to. For the regulative law of systematic unity tells us to study nature on the assumption that systematic and purposive unity, together with the greatest possible manifoldness, turns up everywhere, without end. Only a small part of this perfection will we ever spy out or attain. Even so, it belongs to the lawgiving of our own reason to look for this perfection everywhere and to suspect it everywhere.
B 729 Studying nature by this principle must always be to our advantage, and can never be to our harm. Under this conception, it is also clear that what I lay at the base is not the existence or knowledge of such a being, only its idea. So, strictly speaking, I derive nothing from this being, only from its idea, meaning from the nature of the things in the world as that idea would have it. A certain awareness, though undeveloped, of the right use of this concept of our reason seems also to have shaped the modest and fair language of philosophers of all ages. They speak of the wisdom and foresight of nature and of divine wisdom as expressions meaning the same. They even prefer the first expression for as long as the question concerns merely speculative reason. It holds back the arrogance of a bigger claim than we have a right to make. And it points reason back toward its own special field, which is nature.
So pure reason, which at the start seemed to promise nothing less than a widening of knowledge past all the boundaries of experience, contains, if we understand it correctly, nothing except regulative principles. These principles demand a unity greater than the understanding can reach in empirical use. They set the goal of its approach very far out.
B 730 In doing so they bring the understanding into the fullest harmony with itself, by means of systematic unity. But if we misunderstand them, and take them for constitutive principles of transcendent cognitions, through a shining yet deceiving illusion they breed mere persuasion and imagined knowledge, and with them endless contradictions and quarrels.
* * *
So every kind of human cognition begins with intuitions, moves on to concepts, and finishes with ideas. In all three of these elements we have sources of cognition a priori, and at first glance they seem to look down on the boundaries of all experience. Even so, a finished critique convinces us of this: when reason works speculatively, these elements will never carry it past the field of possible experience. It also tells us what this highest cognitive faculty is really meant for. It should use all its methods and principles only to follow nature to its very core, guided by every possible principle of unity, the unity of purposes being the foremost. It should never fly beyond nature’s boundary, because past that line all we have is empty space. In the Transcendental Analytic, it’s true, we examined critically every proposition that could extend our cognition beyond actual experience.
B 731 That examination gave us enough reason to be sure that these propositions never lead to more than a possible experience. Suppose we didn’t distrust even the clearest abstract and general doctrines, and suppose appealing, plausible prospects didn’t tempt us to cast off the constraint those doctrines put on us. Then we could certainly have skipped the exhausting questioning of all the dialectical witnesses that a transcendent reason brings forward to support its claims. For we knew beforehand, with total certainty, that whatever these witnesses assert may be honestly meant but has to be completely worthless, since it concerned news that no human being can ever get. Yet there is no end to the talk until we find the true cause of the illusion, which can mislead even the most sensible person. Besides, our transcendent cognition can be analyzed into its elements. That analysis is a study of our own inner nature, it is worth a good deal on its own account, and a philosopher is even obliged to carry it out. So it was necessary to track this whole effort of speculative reason, empty though it is, back to its first sources, and to do so in detail. That wasn’t the only point, though. The dialectical illusion in this case misleads not just in the judgment it produces.
B 732 It also draws us in through the interest we take in that judgment. It is natural, it always has been, and it will remain so forever. So it was also wise to write out, so to speak, the complete record of this trial and to place it in the archive of human reason, so that similar mistakes can be avoided in the future.
Transcendental Doctrine of Method
B 733 II. Transzendentale Methodenlehre
B 735 Wenn ich den Inbegriff aller Erkenntnis der reinen und spekulativen Vernunft wie ein Gebäude ansehe, dazu wir wenigstens die Idee in uns haben, so kann ich sagen, wir haben in der transzendentalen Elementarlehre den Bauzeug überschlagen und bestimmt, zu welchem Gebäude, von welcher Höhe und Festigkeit er zulange. Freilich fand es sich, daß, ob wir zwar einen Turm im Sinne hatten, der bis an den Himmel reichen sollte, der Vorrat der Materialien doch nur zu einem Wohnhause zureichte, welches zu unseren Geschäften auf der Ebene der Erfahrung gerade geräumig und hoch genug war, sie zu übersehen; daß aber jene kühne Unternehmung aus Mangel an Stoff fehlschlagen mußte, ohne einmal auf die Sprachverwirrung zu rechnen, welche die Arbeiter über den Plan unvermeidlich entzweien, und sie in alle Welt zerstreuen mußte, um sich, ein jeder nach seinem Entwurfe, besonders anzubauen. Jetzt ist es uns nicht sowohl um die Materialien, als vielmehr um den Plan zu tun, und, indem wir gewarnt sind, es nicht auf einen beliebigen blinden Entwurf, der vielleicht unser ganzes Vermögen übersteigen könnte, zu wagen, gleichwohl doch von der Errichtung eines festen Wohnsitzes nicht wohl abstehen können, den Anschlag zu einem Gebäude in Verhältnis auf den Vorrat, der uns gegeben und zugleich unserem Bedürfnis angemessen ist, zu machen.
Ich verstehe also unter der transzendentalen Methodenlehre die Bestimmung der formalen Bedingungen eines
B 736 vollständigen Systems der reinen Vernunft. Wir werden es in dieser Absicht mit einer Disziplin, einem Kanon, einer Architektonik, endlich einer Geschichte der reinen Vernunft zu tun haben, und dasjenige in transzendentaler Absicht leisten, was, unter dem Namen einer praktischen Logik, in Ansehung des Gebrauchs des Verstandes überhaupt in den Schulen gesucht, aber schlecht geleistet wird; weil, da die allgemeine Logik auf keine besondere Art der Verstandeserkenntnis (z.B. nicht auf die reine), auch nicht auf gewisse Gegenstände eingeschränkt ist, sie, ohne Kenntnisse aus anderen Wissenschaften zu borgen, nichts mehr tun kann, als Titel zu möglichen Methoden und technische Ausdrücke, deren man sich in Ansehung des Systematischen in allerlei Wissenschaften bedient, vorzutragen, die den Lehrling zum voraus mit Namen bekannt machen, deren Bedeutung und Gebrauch er künftig allererst soll kennenlernen.
Der transzendentalen Methodenlehre Erstes Hauptstück Die Disziplin der reinen Vernunft
Die negativen Urteile, die es nicht bloß der logischen Form, sondern auch dem Inhalte nach sind, stehen bei der Wißbegierde der Menschen in keiner sonderlichen Achtung, man sieht sie wohl gar als neidische Feinde unseres unablässig zur Erweiterung strebenden Erkenntnistriebes
B 737 an, und es bedarf beinahe einer Apologie, um ihnen nur Duldung, und noch mehr, um ihnen Gunst und Hochschätzung zu verschaffen.
Man kann zwar logisch alle Sätze, die man will, negativ ausdrücken, in Ansehung des Inhalts aber unserer Erkenntnis überhaupt, ob sie durch ein Urteil erweitert, oder beschränkt wird, haben die verneinenden das eigentümliche Geschäft, lediglich den Irrtum abzuhalten. Daher auch negative Sätze, welche eine falsche Erkenntnis abhalten sollen, wo doch niemals ein Irrtum möglich ist, zwar sehr wahr, aber doch leer, d.i. ihrem Zwecke gar nicht angemessen, und eben darum oft lächerlich sind. Wie der Satz jenes Schulredners: daß Alexander ohne Kriegsheer keine Länder hätte erobern können.
Wo aber die Schranken unserer möglichen Erkenntnis sehr enge, der Anreiz zum Urteilen groß, der Schein, der sich darbietet, sehr betrüglich, und der Nachteil aus dem Irrtum erheblich ist, da hat das Negative der Unterweisung, welches bloß dazu dient, um uns vor Irrtümer zu verwahren, noch mehr Wichtigkeit, als manche positive Belehrung, dadurch unser Erkenntnis Zuwachs bekommen könnte. Man nennt den Zwang, wodurch der beständige Hang, von gewissen Regeln abzuweichen, eingeschränkt, und endlich vertilgt wird, die Disziplin. Sie ist von der Kultur unterschieden, welche bloß eine Fertigkeit verschaffen soll, ohne eine andere, schon vorhandene, dagegen aufzuheben. Zu der Bildung eines Talents,
B 738 welches schon vor sich selbst einen Antrieb zur Äußerung hat, wird also die Disziplin einen negativen*, die Kultur aber und Doktrin einen positiven Beitrag leisten.
* Ich weiß wohl, daß man in der Schulsprache den Namen der Disziplin mit dem der Unterweisung gleichgeltend zu brauchen pflegt. Allein, es gibt dagegen so viele andere Fälle, da der erstere Ausdruck, als Zucht, von dem zweiten, als Belehrung, sorgfältig unterschieden wird, und die Natur der Dinge erheischt es auch selbst, für diesen Unterschied die einzigen schicklichen Ausdrücke aufzubewahren, daß ich wünsche, man möge niemals erlauben, jenes Wort in anderer als negativer Bedeutung zu brauchen.
Daß das Temperament, imgleichen daß Talente, die sich gern eine freie und uneingeschränkte Bewegung erlauben, (als Einbildungskraft und Witz,) in mancher Absicht einer Disziplin bedürfen, wird jedermann leicht zugeben. Daß aber die Vernunft, der es eigentlich obliegt, allen anderen Bestrebungen ihre Disziplin vorzuschreiben, selbst noch eine solche nötig habe, das mag allerdings befremdlich scheinen, und in der Tat ist sie auch einer solchen Demütigung eben darum bisher entgangen, weil, bei der Feierlichkeit und dem gründlichen Anstande, womit sie auftritt, niemand auf den Verdacht eines leichtsinnigen Spiels, mit Einbildungen statt Begriffen, und Worten statt Sachen, leichtlich geraten konnte.
Es bedarf keiner Kritik der Vernunft im empirischen Gebrauche, weil ihre Grundsätze am Probierstein der
B 739 Erfahrung einer kontinuierlichen Prüfung unterworfen werden; imgleichen auch nicht in der Mathematik, wo ihre Begriffe an der reinen Anschauung sofort in concreto dargestellt werden müssen, und jedes Ungegründete und Willkürliche dadurch alsbald offenbar wird. Wo aber weder empirische noch reine Anschauung die Vernunft in einem sichtbaren Geleise halten, nämlich in ihrem transzendentalen Gebrauche, nach bloßen Begriffen, da bedarf sie so sehr einer Disziplin, die ihren Hang zur Erweiterung, über die engen Grenzen möglicher Erfahrung, bändige, und sie von Ausschweifung und Irrtum abhalte, daß auch die ganze Philosophie der reinen Vernunft bloß mit diesem negativen Nutzen zu tun hat. Einzelnen Verirrungen kann durch Zensur und den Ursachen derselben durch Kritik abgeholfen werden. Wo aber, wie in der reinen Vernunft, ein ganzes System von Täuschungen und Blendwerken angetroffen wird, die unter sich wohl verbunden und unter gemeinschaftlichen Prinzipien vereinigt sind, da scheint eine ganz eigene und zwar negative Gesetzgebung erforderlich zu sein, welche unter dem Namen einer Disziplin aus der Natur der Vernunft und der Gegenstände ihres reinen Gebrauchs gleichsam ein System der Vorsicht und Selbstprüfung errichte, vor welchem kein falscher vernünftelnder Schein bestehen kann, sondern sich sofort, unerachtet aller Gründe seiner Beschönigung, verraten muß.
B 740 Es ist aber wohl zu merken: daß ich in diesem zweiten Hauptteile der transzendentalen Kritik die Disziplin der reinen Vernunft nicht auf den Inhalt, sondern bloß auf die Methode der Erkenntnis aus reiner Vernunft richte. Das erstere ist schon in der Elementarlehre geschehen. Es hat aber der Vernunftgebrauch so viel Ähnliches, auf welchen Gegenstand er auch angewandt werden mag, und ist doch, sofern er transzendental sein soll, zugleich von allem anderen so wesentlich unterschieden, daß, ohne die warnende Negativlehre einer besonders darauf gestellten Disziplin, die Irrtümer nicht zu verhüten sind, die aus einer unschicklichen Befolgung solcher Methoden, die zwar sonst der Vernunft, aber nur nicht hier anpassen, notwendig entspringen müssen.
Des ersten Hauptstücks Erster Abschnitt Die Disziplin der reinen Vernunft im dogmatischen Gebrauche
Die Mathematik gibt das glänzendste Beispiel, einer sich, ohne Beihilfe der Erfahrung, von selbst glücklich erweiternden reinen Vernunft. Beispiele sind ansteckend, vornehmlich für dasselbe Vermögen, welches sich natürlicherweise schmeichelt, eben dasselbe Glück in anderen Fällen zu haben, welches ihm in einem Falle zuteil worden. Daher hofft reine Vernunft im transzendentalen
B 741 Gebrauche sich ebenso glücklich und gründlich erweitern zu können, als es ihr im mathematischen gelungen ist, wenn sie vornehmlich dieselbe Methode dort anwendet, die hier von so augenscheinlichem Nutzen gewesen ist. Es liegt uns also viel daran, zu wissen: ob die Methode, zur apodiktischen Gewißheit zu gelangen, die man in der letzteren Wissenschaft mathematisch nennt, mit derjenigen einerlei sei, womit man eben dieselbe Gewißheit in der Philosophie sucht, und die daselbst dogmatisch genannt werden müßte.
Die philosophische Erkenntnis ist die Vernunfterkenntnis aus Begriffen, die mathematische aus der Konstruktion der Begriffe. Einen Begriff aber konstruieren, heißt: die ihm korrespondierende Anschauung a priori darstellen. Zur Konstruktion eines Begriffs wird also eine nicht empirische Anschauung erfordert, die folglich, als Anschauung, ein einzelnes Objekt ist, aber nichtsdestoweniger, als die Konstruktion eines Begriffs (einer allgemeinen Vorstellung), Allgemeingültigkeit für alle möglichen Anschauungen, die unter denselben Begriff gehören, in der Vorstellung ausdrücken muß. So konstruiere ich einen Triangel, indem ich den diesem Begriffe entsprechenden Gegenstand, entweder durch bloße Einbildung, in der reinen, oder nach derselben auch auf dem Papier, in der empirischen Anschauung, beidemal aber völlig a priori, ohne das Muster dazu aus irgendeiner Erfahrung geborgt zu haben, darstelle. Die einzelne hingezeichnete Figur ist
B 742 empirisch, und dient gleichwohl den Begriff, unbeschadet seiner Allgemeinheit, auszudrücken, weil bei dieser empirischen Anschauung immer nur auf die Handlung der Konstruktion des Begriffs, welchem viele Bestimmungen, z.E. der Größe, der Seiten und der Winkel, ganz gleichgültig sind, gesehen, und also von diesen Verschiedenheiten, die den Begriff des Triangels nicht verändern, abstrahiert wird.
Die philosophische Erkenntnis betrachtet also das Besondere nur im Allgemeinen, die mathematische das Allgemeine im Besonderen, ja gar im Einzelnen, gleichwohl doch a priori und vermittelst der Vernunft, so daß, wie dieses Einzelne unter gewissen allgemeinen Bedingungen der Konstruktion bestimmt ist, ebenso der Gegenstand des Begriffs, dem dieses Einzelne nur als sein Schema korrespondiert, allgemein bestimmt gedacht werden muß.
In dieser Form besteht also der wesentliche Unterschied dieser beiden Arten der Vernunfterkenntnis, und beruht nicht auf dem Unterschied ihrer Materie, oder Gegenstände. Diejenigen, welche Philosophie von Mathematik dadurch zu unterscheiden vermeinten, daß sie von jener sagten, sie habe bloß die Qualität, diese aber nur die Quantität zum Objekt, haben die Wirkung für die Ursache genommen. Die Form der mathematischen Erkenntnis ist die Ursache, daß diese lediglich auf Quanta gehen kann. Denn nur der Begriff von Größen läßt sich konstruieren, d.i. a priori in der Anschauung darlegen,
B 743 Qualitäten aber lassen sich in keiner anderen als empirischen Anschauung darstellen. Daher kann eine Vernunfterkenntnis derselben nur durch Begriffe möglich sein. So kann niemand eine dem Begriff der Realität korrespondierende Anschauung anders woher, als aus der Erfahrung nehmen, niemals aber a priori aus sich selbst und vor dem empirischen Bewußtsein derselben teilhaftig werden. Die konische Gestalt wird man ohne alle empirische Beihilfe, bloß nach dem Begriffe, anschauend machen können, aber die Farbe dieses Kegels wird in einer oder anderer Erfahrung zuvor gegeben sein müssen. Den Begriff einer Ursache überhaupt kann ich auf keine Weise in der Anschauung darstellen, als an einem Beispiele, das mir Erfahrung an die Hand gibt, usw. Übrigens handelt die Philosophie ebensowohl von Größen, als die Mathematik, z.B. von der Totalität, der Unendlichkeit usw. Die Mathematik beschäftigt sich auch mit dem Unterschiede der Linien und Flächen, als Räumen, von verschiedener Qualität, mit der Kontinuität der Ausdehnung, als einer Qualität derselben. Aber, obgleich sie in solchen Fällen einen gemeinschaftlichen Gegenstand haben, so ist die Art, ihn durch die Vernunft zu behandeln, doch ganz anders in der philosophischen, als mathematischen Betrachtung. Jene hält sich bloß an allgemeinen Begriffen, diese kann mit dem bloßen Begriffe nichts ausrichten, sondern eilt sogleich zur Anschauung, in welcher sie den Begriff in concreto betrachtet, aber doch nicht empirisch, sondern bloß in einer
B 744 solchen, die sie a priori darstellt, d.i. konstruiert hat, und in welcher dasjenige, was aus den allgemeinen Bedingungen der Konstruktion folgt, auch von dem Objekte des konstruierten Begriffs allgemein gelten muß.
Man gebe einem Philosophen den Begriff eines Triangels, und lasse ihn nach seiner Art ausfindig machen, wie sich wohl die Summe seiner Winkel zum rechten verhalten möge. Er hat nun nichts als den Begriff von einer Figur, die in drei geraden Linien eingeschlossen ist, und an ihr den Begriff von ebensoviel Winkeln. Nun mag er diesem Begriffe nachdenken, so lange er will, er wird nichts Neues herausbringen. Er kann den Begriff der geraden Linie, oder eines Winkels, oder der Zahl drei zergliedern und deutlich machen, aber nicht auf andere Eigenschaften kommen, die in diesen Begriffen gar nicht liegen. Allein der Geometer nehme diese Frage vor. Er fängt sofort davon an, einen Triangel zu konstruieren. Weil er weiß, daß zwei rechte Winkel zusammen gerade so viel austragen, als alle berührenden Winkel, die aus einem Punkte auf einer geraden Linie gezogen werden können, zusammen, so verlängert er eine Seite seines Triangels, und bekommt zwei berührende Winkel, die zweien rechten zusammen gleich sind. Nun teilt er den äußeren von diesen Winkeln, indem er eine Linie mit der gegenüberstehenden Seite des Triangels parallel zieht, und sieht, daß hier ein äußerer berührender Winkel entspringe, der einem inneren gleich ist, usw. Er gelangt auf solche Weise durch eine
B 745 Kette von Schlüssen, immer von der Anschauung geleitet, zur völlig einleuchtenden und zugleich allgemeinen Auflösung der Frage.
Die Mathematik aber konstruiert nicht bloß Größen (quanta), wie in der Geometrie, sondern auch die bloße Größe (quantitatem), wie in der Buchstabenrechnung, wobei sie von der Beschaffenheit des Gegenstandes, der nach einem solchen Größenbegriff gedacht werden soll, gänzlich abstrahiert. Sie wählt sich alsdann eine gewisse Bezeichnung aller Konstruktionen von Größen überhaupt (Zahlen, als der Addition, Subtraktion usw.), Ausziehung der Wurzel, und, nachdem sie den allgemeinen Begriff der Größen nach den verschiedenen Verhältnissen derselben auch bezeichnet hat, so stellt sie alle Behandlung, die durch die Größe erzeugt und verändert wird, nach gewissen allgemeinen Regeln in der Anschauung dar; wo eine Größe durch die andere dividiert werden soll, setzt sie beider ihre Charaktere nach der bezeichnenden Form der Division zusammen usw., und gelangt also vermittelst einer symbolischen Konstruktion ebensogut, wie die Geometrie nach einer ostensiven oder geometrischen (der Gegenstände selbst) dahin, wohin die diskursive Erkenntnis vermittelst bloßer Begriffe niemals gelangen könnte.
Was mag die Ursache dieser so verschiedenen Lage sein, darin sich zwei Vernunftkünstler befinden, deren der eine seinen Weg nach Begriffen, der andere nach Anschauungen nimmt, die er a priori den Begriffen gemäß
B 746 darstellt. Nach den oben vorgetragenen transzendentalen Grundlehren ist diese Ursache klar. Es kommt hier nicht auf analytische Sätze an, die durch bloße Zergliederung der Begriffe erzeugt werden können, (hierin würde der Philosoph ohne Zweifel den Vorteil über seinen Nebenbuhler haben,) sondern auf synthetische, und zwar solche, die a priori sollen erkannt werden. Denn ich soll nicht auf dasjenige sehen, was ich in meinem Begriffe vom Triangel wirklich denke, (dieses ist nichts weiter, als die bloße Definition,) vielmehr soll ich über ihn zu Eigenschaften, die in diesem Begriffe nicht liegen, aber doch zu ihm gehören, hinausgehen. Nun ist dieses nicht anders möglich, als daß ich meinen Gegenstand nach den Bedingungen, entweder der empirischen Anschauung, oder der reinen Anschauung bestimme. Das erstere würde nur einen empirischen Satz (durch Messen seiner Winkel), der keine Allgemeinheit, noch weniger Notwendigkeit enthielte, abgeben, und von dergleichen ist gar nicht die Rede. Das zweite Verfahren aber ist die mathematische und zwar hier die geometrische Konstruktion, vermittelst deren ich in einer reinen Anschauung, ebenso wie in der empirischen, das Mannigfaltige, was zu dem Schema eines Triangels überhaupt, mithin zu seinem Begriffe gehört, hinzusetzen wodurch allerdings allgemeine synthetische Sätze konstruiert werden müssen.
Ich würde also umsonst über den Triangel philosophieren, d.i. diskursiv nachdenken, ohne dadurch im
B 747 mindesten weiter zu kommen, als auf die bloße Definition, von der ich aber billig anfangen müßte. Es gibt zwar eine transzendentale Synthesis aus lauter Begriffen, die wiederum allein dem Philosophen gelingt, die aber niemals mehr als ein Ding überhaupt betrifft, unter welchen Bedingungen dessen Wahrnehmung zur möglichen Erfahrung gehören könne. Aber in den mathematischen Aufgaben ist hiervon und überhaupt von der Existenz gar nicht die Frage, sondern von den Eigenschaften der Gegenstände an sich selbst, lediglich sofern diese mit dem Begriffe derselben verbunden sind.
Wir haben in dem angeführten Beispiele nur deutlich zu machen gesucht, welcher große Unterschied zwischen dem diskursiven Vernunftgebrauch nach Begriffen und dem intuitiven durch die Konstruktion der Begriffe anzutreffen sei. Nun frägts sich natürlicherweise, was die Ursache sei, die einen solchen zwiefachen Vernunftgebrauch notwendig macht, und an welchen Bedingungen man erkennen könne, ob nur der erste, oder auch der zweite stattfinde.
Alle unsere Erkenntnis bezieht sich doch zuletzt auf mögliche Anschauungen: denn durch diese allein wird ein Gegenstand gegeben. Nun enthält ein Begriff a priori (ein nicht empirischer Begriff) entweder schon eine reine Anschauung in sich, und alsdann kann er konstruiert werden; oder nichts als die Synthesis möglicher Anschauungen, die a priori nicht gegeben sind, und alsdann kann man
B 748 wohl durch ihn synthetisch und a priori urteilen, aber nur diskursiv, nach Begriffen, und niemals intuitiv durch die Konstruktion des Begriffes.
Nun ist von aller Anschauung keine a priori gegeben, als die bloße Form der Erscheinungen, Raum und Zeit, und ein Begriff von diesen, als Quantis, läßt sich entweder zugleich mit der Qualität derselben (ihre Gestalt), oder auch bloß ihre Quantität (die bloße Synthesis des gleichartig Mannigfaltigen) durch Zahl a priori in der Anschauung darstellen, d.i. konstruieren. Die Materie aber der Erscheinungen, wodurch uns Dinge im Raume und der Zeit gegeben werden, kann nur in der Wahrnehmung, mithin a posteriori vorgestellt werden. Der einzige Begriff, der a priori diesen empirischen Gehalt der Erscheinungen vorstellt, ist der Begriff des Dinges überhaupt, und die synthetische Erkenntnis von demselben a priori kann nichts weiter, als die bloße Regel der Synthesis desjenigen, was die Wahrnehmung a posteriori geben mag, niemals aber die Anschauung des realen Gegenstandes a priori liefern, weil diese notwendig empirisch sein muß.
Synthetische Sätze, die auf Dinge überhaupt, deren Anschauung sich a priori gar nicht geben läßt, gehen, sind transzendental. Demnach lassen sich transzendentale Sätze niemals durch Konstruktion der Begriffe, sondern nur nach Begriffen a priori geben. Sie enthalten bloß die Regel, nach der eine gewisse synthetische Einheit desjenigen, was nicht a priori anschaulich vorgestellt
B 749 werden kann, (der Wahrnehmungen,) empirisch gesucht werden soll. Sie können aber keinen einzigen ihrer Begriffe a priori in irgendeinem Falle darstellen, sondern tun dieses nur a posteriori, vermittelst der Erfahrung, die nach jenen synthetischen Grundsätzen allererst möglich wird.
Wenn man von einem Begriffe synthetisch urteilen soll, so muß man aus diesem Begriffe hinausgehen, und zwar zur Anschauung, in welcher er gegeben ist. Denn, bliebe man bei dem stehen, was im Begriffe enthalten ist, so wäre das Urteil bloß analytisch, und eine Erklärung des Gedanken, nach demjenigen, was wirklich in ihm enthalten ist. Ich kann aber von dem Begriffe zu der ihm korrespondierenden reinen oder empirischen Anschauung gehen, um ihn in derselben in concreto zu erwägen, und, was dem Gegenstande desselben zukommt, a priori oder a posteriori zu erkennen. Das erstere ist die rationale und mathematische Erkenntnis durch die Konstruktion des Begriffs, das zweite die bloße empirische (mechanische) Erkenntnis, die niemals notwendige und apodiktische Sätze geben kann. So könnte ich meinen empirischen Begriff vom Golde zergliedern, ohne dadurch etwas weiter zu gewinnen, als alles, was ich bei diesem Worte wirklich denke, herzählen zu können, wodurch in meinem Erkenntnis zwar eine logische Verbesserung vorgeht, aber keine Vermehrung oder Zusatz erworben wird. Ich nehme aber die Materie, welche unter diesem Namen vorkommt, und stelle mit ihr Wahrnehmungen an, welche mir verschiedene
B 750 synthetische, aber empirische Sätze an die Hand geben werden. Den mathematischen Begriff eines Triangels würde ich konstruieren, d.i. a priori in der Anschauung geben, und auf diesem Wege eine synthetische, aber rationale Erkenntnis bekommen. Aber, wenn mir der transzendentale Begriff einer Realität, Substanz, Kraft usw. gegeben ist, so bezeichnet er weder eine empirische, noch reine Anschauung, sondern lediglich die Synthesis der empirischen Anschauungen (die also a priori nicht gegeben werden können), und es kann also aus ihm, weil die Synthesis nicht a priori zu der Anschauung, die ihm korrespondiert, hinausgehen kann, auch kein bestimmender synthetischer Satz, sondern nur ein Grundsatz der Synthesis* möglicher empirischer Anschauungen entspringen. Also ist ein transzendentaler Satz ein synthetisches Vernunfterkenntnis nach bloßen Begriffen, und mithin diskursiv, indem dadurch alle synthetische Einheit der empirischen Erkenntnis allererst möglich, keine Anschauung aber dadurch a priori gegeben wird.
* Vermittelst des Begriffs der Ursache gehe ich wirklich aus dem empirischen Begriffe von einer Begebenheit (da etwas geschieht) heraus, aber nicht zu der Anschauung, die den Begriff der Ursache in concreto darstellt, sondern zu den Zeitbedingungen überhaupt, die in der Erfahrung dem Begriffe der Ursache gemäß gefunden werden möchten. Ich verfahre also bloß nach Begriffen, und kann nicht durch Konstruktion der Begriffe verfahren, weil der Begriff eine Regel der Synthesis der Wahrnehmungen ist, die keine reine Anschauungen sind, und sich also a priori nicht geben lassen.
B 751 So gibt es denn einen doppelten Vernunftgebrauch, der, unerachtet der Allgemeinheit der Erkenntnis und ihrer Erzeugung a priori, welche sie gemein haben, dennoch im Fortgange sehr verschieden ist, und zwar darum, weil in der Erscheinung, als wodurch uns alle Gegenstände gegeben werden, zwei Stücke sind: die Form der Anschauung (Raum und Zeit), die völlig a priori erkannt und bestimmt werden kann, und die Materie (das Physische), oder der Gehalt, welcher ein Etwas bedeutet, das im Raume und der Zeit angetroffen wird, mithin ein Dasein enthält und der Empfindung korrespondiert. In Ansehung des letzteren, welches niemals anders auf bestimmte Art, als empirisch gegeben werden kann, können wir nichts a priori haben, als unbestimmte Begriffe der Synthesis möglicher Empfindungen, sofern sie zur Einheit der Apperzeption (in einer möglichen Erfahrung) gehören. In Ansehung der ersteren können wir unsere Begriffe in der Anschauung a priori bestimmen, indem wir uns im Raume und der Zeit die Gegenstände selbst durch gleichförmige Synthesis schaffen, indem wir sie bloß als Quanta betrachten. Jener heißt der Vernunftgebrauch nach Begriffen, indem wir nichts weiter tun können, als Erscheinungen dem realen Inhalte nach unter Begriffe zu bringen, welche darauf nicht anders als empirisch, d.i. a posteriori, (aber jenen Begriffen als Regeln einer empirischen Synthesis gemäß,) können bestimmt werden; dieser ist der Vernunftgebrauch durch Konstruktion der
B 752 Begriffe, indem diese, da sie schon auf eine Anschauung a priori gehen, auch eben darum a priori und ohne alle empirische data in der reinen Anschauung bestimmt gegeben werden können. Alles, was da ist (ein Ding im Raum oder der Zeit), zu erwägen, ob und wiefern es ein Quantum ist oder nicht, daß ein Dasein in demselben oder Mangel vorgestellt werden müsse, wie fern dieses Etwas (welches Raum oder Zeit erfüllt) ein erstes Substratum, oder bloße Bestimmung sei, eine Beziehung seines Daseins auf etwas anderes, als Ursache oder Wirkung, habe, und endlich isoliert oder in wechselseitiger Abhängigkeit mit anderen in Ansehung des Daseins stehe, die Möglichkeit dieses Daseins, die Wirklichkeit und Notwendigkeit, oder die Gegenteile derselben zu erwägen: dieses alles gehört zum Vernunfterkenntnis aus Begriffen, welches philosophisch genannt wird. Aber im Raume eine Anschauung a priori zu bestimmen (Gestalt), die Zeit zu teilen (Dauer), oder bloß das Allgemeine der Synthesis von einem und demselben in der Zeit und dem Raume, und die daraus entspringende Größe einer Anschauung überhaupt (Zahl) zu erkennen, das ist ein Vernunftgeschäft durch Konstruktion der Begriffe, und heißt mathematisch.
Das große Glück, welches die Vernunft vermittelst der Mathematik macht, bringt ganz natürlicherweise die Vermutung zuwege, daß es, wo nicht ihr selbst, doch ihrer Methode, auch außer dem Felde der Größen gelingen werde, indem sie alle ihre Begriffe auf
B 753 Anschauungen bringt, die sie a priori geben kann, und wodurch sie, so zu reden, Meister über die Natur wird; da hingegen reine Philosophie mit diskursiven Begriffen a priori in der Natur herumpfuscht, ohne die Realität derselben a priori anschauend und eben dadurch beglaubigt machen zu können. Auch scheint es den Meistern in dieser Kunst an dieser Zuversicht zu sich selbst und dem gemeinen Wesen an großen Erwartungen von ihrer Geschicklichkeit, wenn sie sich einmal hiermit befassen sollten, gar nicht zu fehlen. Denn da sie kaum jemals über ihre Mathematik philosophiert haben, (ein schweres Geschäft!) so kommt ihnen der spezifische Unterschied des einen Vernunftgebrauchs von dem anderen gar nicht in Sinn und Gedanken. Gangbare und empirisch gebrauchte Regeln, die sie von der gemeinen Vernunft borgen, gelten ihnen dann statt Axiomen. Wo ihnen die Begriffe von Raum und Zeit, womit sie sich (als den einzigen ursprünglichen Quantis) beschäftigen, herkommen mögen, daran ist ihnen gar nichts gelegen, und ebenso scheint es ihnen unnütz zu sein, den Ursprung reiner Verstandesbegriffe, und hiermit auch den Umfang ihrer Gültigkeit zu erforschen, sondern nur sich ihrer zu bedienen. In allem diesem tun sie ganz recht, wenn sie nur ihre angewiesene Grenze, nämlich die der Natur nicht überschreiten. So aber geraten sie unvermerkt, von dem Felde der Sinnlichkeit, auf den unsicheren Boden reiner und selbst transzendentaler Begriffe, wo der Grund (instabilis tellus, innabilis unda) ihnen weder zu stehen,
B 754 noch zu schwimmen erlaubt, und sich nur flüchtige Schritte tun lassen, von denen die Zeit nicht die mindeste Spur aufbehält, da hingegen ihr Gang in der Mathematik eine Heeresstraße macht, welche noch die späteste Nachkommenschaft mit Zuversicht betreten kann.
Da wir es uns zur Pflicht gemacht haben, die Grenzen der reinen Vernunft im transzendentalen Gebrauche genau und mit Gewißheit zu bestimmen, diese Art der Bestrebung aber das Besondere an sich hat, unerachtet der nachdrücklichsten und klarsten Warnungen, sich noch immer durch Hoffnung hinhalten zu lassen, ehe man den Anschlag gänzlich aufgibt, über Grenzen der Erfahrungen hinaus in die reizenden Gegenden des Intellektuellen zu gelangen: so ist es notwendig, noch gleichsam den letzten Anker einer phantasiereichen Hoffnung wegzunehmen, und zu zeigen, daß die Befolgung der mathematischen Methode in dieser Art Erkenntnis nicht den mindesten Vorteil schaffen könne, es müßte denn der sein, die Blößen ihrer selbst desto deutlicher aufzudecken, daß Meßkunst und Philosophie zwei ganz verschiedene Dinge seien, ob sie sich zwar in der Naturwissenschaft einander die Hand bieten, mithin das Verfahren des einen niemals von dem anderen nachgeahmt werden könne.
Die Gründlichkeit der Mathematik beruht auf Definitionen, Axiomen, Demonstrationen. Ich werde mich damit begnügen, zu zeigen: daß keines dieser Stücke in dem Sinne, darin sie der Mathematiker nimmt, von der
B 755 Philosophie könne geleistet, noch nachgeahmt werden. Daß der Meßkünstler, nach seiner Methode, in der Philosophie nichts als Kartengebäude zustande bringe, der Philosoph nach der seinigen in dem Anteil der Mathematik nur ein Geschwätz erregen könne, wiewohl eben darin Philosophie besteht, seine Grenzen zu kennen, und selbst der Mathematiker, wenn das Talent desselben nicht etwa schon von der Natur begrenzt und auf sein Fach eingeschränkt ist, die Warnungen der Philosophie nicht ausschlagen, noch sich über sie wegsetzen kann.
1 Von den Definitionen. Definieren soll, wie es der Ausdruck selbst gibt, eigentlich nur so viel bedeuten, als, den ausführlichen Begriff eines Dinges innerhalb seiner Grenzen ursprünglich darstellen*. Nach einer solchen Forderung kann ein empirischer Begriff gar nicht definiert, sondern nur expliziert werden. Denn, da wir an ihm nur einige Merkmale von einer gewissen Art Gegenstände der Sinne haben, so ist es niemals sicher, ob man unter dem Worte, der denselben Gegenstand bezeichnet, nicht einmal mehr, das andere Mal weniger
B 756 Merkmale desselben denke. So kann der eine im Begriffe vom Golde sich außer dem Gewichte, der Farbe, der Zähigkeit, noch die Eigenschaft, daß es nicht rostet, denken, der andere davon vielleicht nichts wissen. Man bedient sich gewisser Merkmale nur so lange, als sie zum Unterscheiden hinreichend sind; neue Bemerkungen dagegen nehmen welche weg und setzen einige hinzu, der Begriff steht also niemals zwischen sicheren Grenzen. Und wozu sollte es auch dienen, einen solchen Begriff zu definieren, da, wenn z.B. von dem Wasser und dessen Eigenschaften die Rede ist, man sich bei dem nicht aufhalten wird, was man bei dem Worte Wasser denkt, sondern zu Versuchen schreitet, und das Wort, mit den wenigen Merkmalen, die ihm anhängen, nur eine Bezeichnung und nicht einen Begriff der Sache ausmachen soll, mithin die angebliche Definition nichts anderes als Wortbestimmung ist. Zweitens kann auch, genau zu reden, kein a priori gegebener Begriff definiert werden, z.B. Substanz, Ursache, Recht, Billigkeit usw. Denn ich kann niemals sicher sein, daß die deutliche Vorstellung eines (noch verworren) gegebenen Begriffs ausführlich entwickelt worden, als wenn ich weiß, daß dieselbe dem Gegenstande adäquat sei. Da der Begriff desselben aber, so wie er gegeben ist, viel dunkle Vorstellungen enthalten kann, die wir in der Zergliederung übergehen, ob wir sie zwar in der Anwendung jederzeit brauchen: so ist die Ausführlichkeit der Zergliederung meines Begriffs immer zweifelhaft, und kann nur durch
B 757 vielfältig zutreffende Beispiele vermutlich, niemals aber apodiktisch gewiß gemacht werden. Anstatt des Ausdrucks: Definition, würde ich lieber den der Exposition brauchen, der immer noch behutsam bleibt, und bei dem der Kritiker sie auf einen gewissen Grad gelten lassen und doch wegen der Ausführlichkeit noch Bedenken tragen kann. Da also weder empirisch, noch a priori gegebene Begriffe definiert werden können, so bleiben keine anderen als willkürlich gedachte übrig, an denen man dieses Kunststück versuchen kann. Meinen Begriff kann ich in solchem Falle jederzeit definieren; denn ich muß doch wissen, was ich habe denken wollen, da ich ihn selbst vorsetzlich gemacht habe, und er mir weder durch die Natur des Verstandes, noch durch die Erfahrung gegeben worden, aber ich kann nicht sagen, daß ich dadurch einen wahren Gegenstand definiert habe. Denn, wenn der Begriff auf empirischen Bedingungen beruht, z.B. eine Schiffsuhr, so wird der Gegenstand und dessen Möglichkeit durch diesen willkürlichen Begriff noch nicht gegeben; ich weiß daraus nicht einmal, ob er überall einen Gegenstand habe, und meine Erklärung kann besser eine Deklaration (meines Projekts) als Definition eines Gegenstandes heißen. Also blieben keine anderen Begriffe übrig, die zum Definieren taugen, als solche, die eine willkürliche Synthesis enthalten, welche a priori konstruiert werden kann, mithin hat nur die Mathematik Definitionen. Denn, den Gegenstand, den sie denkt, stellt sie auch a priori in der Anschauung dar, und dieser kann sicher nicht
B 758 mehr noch weniger enthalten, als der Begriff, weil durch die Erklärung der Begriff von dem Gegenstande ursprünglich, d.i. ohne die Erklärung irgend wovon abzuleiten, gegeben wurde. Die deutsche Sprache hat für die Ausdrücke der Exposition, Explikation, Deklaration und Definition nichts mehr, als das eine Wort: Erklärung, und daher müssen wir schon von der Strenge der Forderung, da wir nämlich den philosophischen Erklärungen den Ehrennamen der Definition verweigerten, etwas ablassen, und wollen diese ganze Anmerkung darauf einschränken, daß philosophische Definitionen nur als Expositionen gegebener, mathematische aber als Konstruktionen ursprünglich gemachter Begriffe, jene nur analytisch durch Zergliederung (deren Vollständigkeit nicht apodiktisch gewiß ist), diese synthetisch zustande gebracht werden, und also den Begriff selbst machen, dagegen die ersteren ihn nur erklären. Hieraus folgt:
* Ausführlichkeit bedeutet die Klarheit und Zulänglichkeit der Merkmale; Grenzen die Präzision, daß deren nicht mehr sind, als zum ausführlichen Begriffe gehören; ursprünglich aber, daß diese Grenzbestimmung nicht irgend woher abgeleitet sei und also noch eines Beweises bedürfe, welches die vermeintliche Erklärung unfähig machen würde, an der Spitze aller Urteile über einen Gegenstand zu stehen.
a) daß man es in der Philosophie der Mathematik nicht so nachtun müsse, die Definition voranzuschicken, als nur etwa zum bloßen Versuche. Denn, da sie Zergliederungen gegebener Begriffe sind, so gehen diese Begriffe, obzwar nur noch verworren, voran, und die unvollständige Exposition geht vor der vollständigen, so, daß wir aus einigen Merkmalen, die wir aus einer noch unvollendeten Zergliederung gezogen haben, manches vorher schließen können, ehe wir zur vollständigen Exposition, d.i. zur Definition gelangt sind; mit einem Worte, daß in
B 759 der Philosophie die Definition, als abgemessene Deutlichkeit, das Werk eher schließe, als anfangen müsse*. Dagegen haben wir in der Mathematik gar keinen Begriff vor der Definition, als durch welche der Begriff allererst gegeben wird, sie muß also und kann auch jederzeit davon anfangen.
* Die Philosophie wimmelt von fehlerhaften Definitionen, vornehmlich solchen, die zwar wirklich Elemente zur Definition, aber noch nicht vollständig enthalten. Würde man nun eher gar nichts mit einem Begriffe anfangen können, als bis man ihn definiert hätte, so würde es gar schlecht mit allem Philosophieren stehen. Da aber, so weit die Elemente (der Zergliederung) reichen, immer ein guter und sicherer Gebrauch davon zu machen ist, so können auch mangelhafte Definitionen, d.i. Sätze, die eigentlich noch nicht Definitionen, aber übrigens wahr und also Annäherungen zu ihnen sind, sehr nützlich gebraucht werden. In der Mathematik gehört die Definition ad esse, in der Philosophie ad melius esse. Es ist schön, aber oft sehr schwer, dazu zu gelangen. Noch suchen die Juristen eine Definition zu ihrem Begriffe vom Recht.
b) Mathematische Definitionen können niemals irren. Denn, weil der Begriff durch die Definition zuerst gegeben wird, so enthält er gerade nur das, was die Definition durch ihn gedacht haben will. Aber, obgleich dem Inhalte nach nichts Unrichtiges darin vorkommen kann, so kann doch bisweilen, obzwar nur selten, in der Form (der Einkleidung) gefehlt werden, nämlich in Ansehung der Präzision. So hat die gemeine Erklärung der Kreislinie, daß sie eine krumme Linie sei, deren alle Punkte von einem
B 760 einigen (dem Mittelpunkte) gleich weit abstehen, den Fehler, daß die Bestimmung krumm unnötiger Weise eingeflossen ist. Denn es muß einen besonderen Lehrsatz geben, der aus der Definition gefolgert wird und leicht bewiesen werden kann: daß eine jede Linie, deren alle Punkte von einem einigen gleich weit abstehen, krumm (kein Teil von ihr gerade) sei. Analytische Definitionen können dagegen auf vielfältige Art irren, entweder indem sie Merkmale hineinbringen, die wirklich nicht im Begriffe lagen, oder an der Ausführlichkeit ermangeln, die das Wesentliche einer Definition ausmacht, weil man der Vollständigkeit seiner Zergliederung nicht so völlig gewiß sein kann. Um deswillen läßt sich die Methode der Mathematik im Definieren in der Philosophie nicht nachahmen.
2 Von den Axiomen. Diese sind synthetische Grundsätze a priori, sofern sie unmittelbar gewiß sind. Nun läßt sich nicht ein Begriff mit dem anderen synthetisch und doch unmittelbar verbinden, weil, damit wir über einen Begriff hinausgehen können, ein drittes vermittelndes Erkenntnis nötig ist. Da nun Philosophie bloß die Vernunfterkenntnis nach Begriffen ist, so wird in ihr kein Grundsatz anzutreffen sein, der den Namen eines Axioms verdiene. Die Mathematik dagegen ist der Axiomen fähig, weil sie vermittelst der Konstruktion der Begriffe in der Anschauung des Gegenstandes die Prädikate desselben a priori und unmittelbar verknüpfen kann, z.B.
B 761 daß drei Punkte jederzeit in einer Ebene liegen. Dagegen kann ein synthetischer Grundsatz bloß aus Begriffen niemals unmittelbar gewiß sein; z.B. der Satz: alles, was geschieht, hat seine Ursache, da ich mich nach einem dritten herumgehen muß, nämlich der Bedingung der Zeitbestimmung in einer Erfahrung, und nicht direkt unmittelbar aus den Begriffen allein einen solchen Grundsatz erkennen konnte. Diskursive Grundsätze sind also ganz etwas anderes als intuitive, d.i. Axiomen. Jene erfordern jederzeit noch eine Deduktion, deren die letzteren ganz und gar entbehren können, und, da diese eben um desselben Grundes willen evident sind, welches die philosophischen Grundsätze, bei aller ihrer Gewißheit, doch niemals vorgeben können, so fehlt unendlich viel daran, daß irgendein synthetischer Satz der reinen und transzendentalen Vernunft so augenscheinlich sei (wie man sich trotzig auszudrücken pflegt), als der Satz: daß zweimal zwei vier geben. Ich habe zwar in der Analytik, bei der Tafel der Grundsätze des reinen Verstandes, auch gewisser Axiomen der Anschauung gedacht; allein der daselbst angeführte Grundsatz war selbst kein Axiom, sondern diente nur dazu, das Prinzipium der Möglichkeit der Axiomen überhaupt anzugeben, und selbst nur ein Grundsatz aus Begriffen. Denn sogar die Möglichkeit der Mathematik muß in der Transzendentalphilosophie gezeigt werden. Die Philosophie hat also keine Axiomen und darf niemals ihre Grundsätze a priori so schlechthin gebieten, sondern muß
B 762 sich dazu bequemen, ihre Befugnis wegen derselben durch gründliche Deduktion zu rechtfertigen.
3 Von den Demonstrationen. Nur ein apodiktischer Beweis, sofern er intuitiv ist, kann Demonstration heißen. Erfahrung lehrt uns wohl, was da sei, aber nicht, daß es gar nicht anders sein könne. Daher können empirische Beweisgründe keinen apodiktischen Beweis verschaffen. Aus Begriffen a priori (im diskursiven Erkenntnisse) kann aber niemals anschauende Gewißheit d.i. Evidenz entspringen, so sehr auch sonst das Urteil apodiktisch gewiß sein mag. Nur die Mathematik enthält also Demonstrationen, weil sie nicht aus Begriffen, sondern der Konstruktion derselben, d.i. der Anschauung, die den Begriffen entsprechend a priori gegeben werden kann, ihr Erkenntnis ableitet. Selbst das Verfahren der Algeber mit ihren Gleichungen, aus denen sie durch Reduktion die Wahrheit zusamt dem Beweise hervorbringt, ist zwar keine geometrische, aber doch charakteristische Konstruktion, in welcher man an den Zeichen die Begriffe, vornehmlich von dem Verhältnisse der Größen, in der Anschauung darlegt, und, ohne einmal auf das Heuristische zu sehen, alle Schlüsse vor Fehlern dadurch sichert, daß jeder derselben vor Augen gestellt wird. Da hingegen das philosophische Erkenntnis dieses Vorteils entbehren muß, indem es das Allgemeine jederzeit in abstracto (durch Begriffe) betrachten muß, indessen daß Mathematik das Allgemeine in concreto (in der einzelnen Anschauung) und doch durch reine
B 763 Vorstellung a priori erwägen kann, wobei jeder Fehltritt sichtbar wird. Ich möchte die ersteren daher lieber akroamatische (diskursive) Beweise nennen, weil sie sich nur durch lauter Worte (den Gegenstand in Gedanken) führen lassen, als Demonstrationen, welche, wie der Ausdruck es schon anzeigt, in der Anschauung des Gegenstandes fortgehen.
Aus allem diesem folgt nun, daß es sich für die Natur der Philosophie gar nicht schicke, vornehmlich im Felde der reinen Vernunft, mit einem dogmatischen Gange zu strotzen und sich mit den Titeln und Bändern der Mathematik auszuschmücken, in deren Orden sie doch nicht gehört, ob sie zwar auf schwesterliche Vereinigung mit derselben zu hoffen alle Ursache hat. Jene sind eitle Anmaßungen, die niemals gelingen können, vielmehr ihre Absicht rückgängig machen müssen, die Blendwerke einer ihre Grenzen verkennenden Vernunft zu entdecken, und, vermittelst hinreichender Aufklärung unserer Begriffe, den Eigendünkel der Spekulation auf das bescheidene, aber gründliche Selbsterkenntnis zurückzuführen. Die Vernunft wird also in ihren transzendentalen Versuchen nicht so zuversichtlich vor sich hinsehen können, gleich als wenn der Weg, den sie zurückgelegt hat, so ganz gerade zum Ziele führe, und auf ihre zum Grunde gelegten Prämissen nicht so mutig rechnen können, daß es nicht nötig wäre, öfters zurück zu sehen und achtzuhaben, ob sich nicht etwa im Fortgange der Schlüsse Fehler entdecken, die in den Prinzipien
B 764 übersehen worden, und es nötig machen, sie entweder mehr zu bestimmen, oder ganz abzuändern.
Ich teile alle apodiktischen Sätze (sie mögen nun erweislich oder auch unmittelbar gewiß sein) in Dogmata und Mathemata ein. Ein direkt synthetischer Satz aus Begriffen ist ein Dogma; hingegen ein dergleichen Satz durch Konstruktion der Begriffe, ist ein Mathema. Analytische Urteile lehren uns eigentlich nichts mehr vom Gegenstande, als was der Begriff, den wir von ihm haben, schon in sich enthält, weil sie die Erkenntnis über den Begriff des Subjekts nicht erweitern, sondern diesen nur erläutern. Sie können daher nicht füglich Dogmen heißen (welches Wort man vielleicht durch Lehrsprüche übersetzen könnte). Aber unter den gedachten zwei Arten synthetischer Sätze a priori können, nach dem gewöhnlichen Redegebrauch, nur die zum philosophischen Erkenntnisse gehörigen diesen Namen führen, und man würde schwerlich die Sätze der Rechenkunst, oder Geometrie, Dogmata nennen. Also bestätigt dieser Gebrauch die Erklärung, die wir gaben, daß nur Urteile aus Begriffen, und nicht die aus der Konstruktion der Begriffe, dogmatisch heißen können.
Nun enthält die ganze reine Vernunft in ihrem bloß spekulativen Gebrauche nicht ein einziges direkt synthetisches Urteil aus Begriffen. Denn durch Ideen ist sie, wie wir gezeigt haben, gar keiner synthetischen Urteile, die objektive Gültigkeit hätten, fähig; durch
B 765 Verstandesbegriffe aber errichtet sie zwar sichere Grundsätze, aber gar nicht direkt aus Begriffen, sondern immer nur indirekt durch Beziehung dieser Begriffe auf etwas ganz Zufälliges, nämlich mögliche Erfahrung; da sie denn, wenn diese (etwas als Gegenstand möglicher Erfahrungen) vorausgesetzt wird, allerdings apodiktisch gewiß sind, an sich selbst aber (direkt) a priori gar nicht einmal erkannt werden können. So kann niemand den Satz: alles, was geschieht, hat seine Ursache, aus diesen gegebenen Begriffen allein gründlich einsehen. Daher ist er kein Dogma, ob er gleich in einem anderen Gesichtspunkte, nämlich dem einzigen Felde seines möglichen Gebrauchs, d.i. der Erfahrung, ganz wohl und apodiktisch bewiesen werden kann. Er heißt aber Grundsatz und nicht Lehrsatz, ob er gleich bewiesen werden muß, darum, weil er die besondere Eigenschaft hat, daß er seinen Beweisgrund, nämlich Erfahrung, selbst zuerst möglich macht, und bei dieser immer vorausgesetzt werden muß.
Gibt es nun im spekulativen Gebrauche der reinen Vernunft auch dem Inhalte nach gar keine Dogmate, so ist alle dogmatische Methode, sie mag nun dem Mathematiker abgeborgt sein, oder eine eigentümliche Manier werden sollen, für sich unschicklich. Denn sie verbirgt nur die Fehler und Irrtümer, und täuscht die Philosophie, deren eigentliche Absicht ist, alle Schritte der Vernunft in ihrem klarsten Lichte sehen zu lassen. Gleichwohl kann die Methode immer systematisch sein. Denn unsere Vernunft
B 766 (subjektiv) ist selbst ein System, aber in ihrem reinen Gebrauche, vermittelst bloßer Begriffe, nur ein System der Nachforschung nach Grundsätzen der Einheit, zu welcher Erfahrung allein den Stoff hergeben kann. Von der eigentümlichen Methode einer Transzendentalphilosophie läßt sich aber hier nichts sagen, da wir es nur mit einer Kritik unserer Vermögensumstände zu tun haben, ob wir überall bauen, und wie hoch wir wohl unser Gebäude, aus dem Stoffe, den wir haben, (den reinen Begriffen a priori,) aufführen können.
Des ersten Hauptstücks Zweiter Abschnitt Die Disziplin der reinen Vernunft in Ansehung ihres polemischen Gebrauchs
Die Vernunft muß sich in allen ihren Unternehmungen der Kritik unterwerfen, und kann der Freiheit derselben durch kein Verbot Abbruch tun, ohne sich selbst zu schaden und einen ihr nachteiligen Verdacht auf sich zu ziehen. Da ist nun nichts so wichtig, in Ansehung des Nutzens, nichts so heilig, das sich dieser prüfenden und musternden Durchsuchung, die kein Ansehen der Person kennt, entziehen dürfte. Auf dieser Freiheit beruht sogar die Existenz der Vernunft, die kein diktatorisches Ansehen hat, sondern deren Ausspruch jederzeit nichts als die Einstimmung freier Bürger ist, deren jeglicher seine
B 767 Bedenklichkeiten, ja sogar sein veto, ohne Zurückhalten muß äußern können.
Ob nun aber gleich die Vernunft sich der Kritik niemals verweigern kann, so hat sie doch nicht jederzeit Ursache, sie zu scheuen. Aber die reine Vernunft in ihrem dogmatischen (nicht mathematischen) Gebrauche ist sich nicht so sehr der genauesten Beobachtung ihrer obersten Gesetze bewußt, daß sie nicht mit Blödigkeit, ja mit gänzlicher Ablegung alles angemaßten dogmatischen Ansehens, vor dem kritischen Auge einer höheren und richterlichen Vernunft erscheinen müßte.
Ganz anders ist es bewandt, wenn sie es nicht mit der Zensur des Richters, sondern den Ansprüchen ihres Mitbürgers zu tun hat, und sich dagegen bloß verteidigen soll. Denn, da diese ebensowohl dogmatisch sein wollen, obzwar im Verneinen, als jene im Bejahen: so findet eine Rechtfertigung kat' anthropon statt, die wider alle Beeinträchtigung sichert, und einen titulierten Besitz verschafft, der keine fremden Anmaßungen scheuen darf, ob er gleich selbst kat' aletheian nicht hinreichend bewiesen werden kann.
Unter dem polemischen Gebrauche der reinen Vernunft verstehe ich nun die Verteidigung ihrer Sätze gegen die dogmatischen Verneinungen derselben. Hier kommt es nun nicht darauf an, ob ihre Behauptungen nicht vielleicht auch falsch sein möchten, sondern nur, daß niemand das Gegenteil jemals mit apodiktischer Gewißheit (ja auch
B 768 nur mit größerem Scheine) behaupten könne. Denn wir sind alsdann doch nicht bittweise in unserem Besitz, wenn wir einen, obzwar nicht hinreichenden, Titel derselben vor uns haben, und es völlig gewiß ist, daß niemand die Unrechtmäßigkeit dieses Besitzes jemals beweisen könne.
Es ist etwas Bekümmerndes und Niederschlagendes, daß es überhaupt eine Antithetik der reinen Vernunft geben, und diese, die doch den obersten Gerichtshof über alle Streitigkeiten vorstellt, mit sich selbst in Streit geraten soll. Zwar hatten wir oben eine solche scheinbare Antithetik derselben vor uns; aber es zeigte sich, daß sie auf einem Mißverstande beruhte, da man nämlich, dem gemeinen Vorurteile gemäß, Erscheinungen für Sachen an sich selbst nahm, und dann eine absolute Vollständigkeit ihrer Synthesis, auf eine oder andere Art (die aber auf beiderlei Art gleich unmöglich war), verlangte, welches aber von Erscheinungen gar nicht erwartet werden kann. Es war also damals kein wirklicher Widerspruch der Vernunft mit ihr selbst bei den Sätzen: die Reihe an sich gegebener Erscheinungen hat einen absolut ersten Anfang, und: diese Reihe ist schlechthin und an sich selbst ohne allen Anfang; denn beide Sätze bestehen gar wohl zusammen, weil Erscheinungen nach ihrem Dasein (als Erscheinungen) an sich selbst gar nichts d.i. etwas Widersprechendes sind, und also deren Voraussetzung natürlicherweise widersprechende Folgerungen nach sich ziehen muß.
B 769 Ein solcher Mißverstand kann aber nicht vorgewandt und dadurch der Streit der Vernunft beigelegt werden, wenn etwa theistisch behauptet würde: es ist ein höchstes Wesen, und dagegen atheistisch: es ist kein höchstes Wesen; oder, in der Psychologie: alles, was denkt, ist von absoluter beharrlicher Einheit und also von aller vergänglichen materiellen Einheit unterschieden, welchem ein anderer entgegengesetzte: die Seele ist nicht immaterielle Einheit und kann von der Vergänglichkeit nicht ausgenommen werden. Denn der Gegenstand der Frage ist hier von allem Fremdartigen, das seiner Natur widerspricht, frei, und der Verstand hat es nur mit Sachen an sich selbst und nicht mit Erscheinungen zu tun. Es würde also hier freilich ein wahrer Widerstreit anzutreffen sein, wenn nur die reine Vernunft auf der verneinenden Seite etwas zu sagen hätte, was dem Grunde einer Behauptung nahe käme; denn was die Kritik der Beweisgründe des dogmatisch Bejahenden betrifft, die kann man ihm sehr wohl einräumen, ohne darum diese Sätze aufzugeben, die doch wenigstens das Interesse der Vernunft für sich haben, darauf sich der Gegner gar nicht berufen kann.
Ich bin zwar nicht der Meinung, welche vortreffliche und nachdenkende Männer (z.B. Sulzer) so oft geäußert haben, da sie die Schwäche der bisherigen Beweise fühlten: daß man hoffen könne, man werde dereinst noch evidente Demonstrationen der zwei Kardinalsätze unserer reinen Vernunft: es ist ein Gott, es ist ein künftiges
B 770 Leben, erfinden. Vielmehr bin ich gewiß, daß dieses niemals geschehen werde. Denn, wo will die Vernunft den Grund zu solchen synthetischen Behauptungen, die sich nicht auf Gegenstände der Erfahrung und deren innere Möglichkeit beziehen, hernehmen? Aber es ist auch apodiktisch gewiß, daß niemals irgendein Mensch auftreten werde, der das Gegenteil mit dem mindesten Scheine, geschweige dogmatisch behaupten könne. Denn, weil er dieses doch bloß durch reine Vernunft dartun könnte, so müßte er es unternehmen, zu beweisen: daß ein höchstes Wesen, daß das in uns denkende Subjekt, als reine Intelligenz, unmöglich sei. Wo will er aber die Kenntnisse hernehmen, die ihn, von Dingen über alle mögliche Erfahrung hinaus so synthetisch zu urteilen, berechtigten. Wir können also darüber ganz unbekümmert sein, daß uns jemand das Gegenteil einstens beweisen werde; daß wir darum eben nicht nötig haben, auf schulgerechte Beweise zu sinnen, sondern immerhin diejenigen Sätze annehmen können, welche mit dem spekulativen Interesse unserer Vernunft im empirischen Gebrauch ganz wohl zusammenhängen, und überdem es mit dem praktischen Interesse zu vereinigen die einzigen Mittel sind. Für den Gegner (der hier nicht bloß als Kritiker betrachtet werden muß,) haben wir unser non liquet in Bereitschaft, welches ihn unfehlbar verwirren muß, indessen daß wir die Retorsion desselben auf uns nicht weigern, indem wir die subjektive Maxime der Vernunft beständig im Rückhalte
B 771 haben, die dem Gegner notwendig fehlt, und unter deren Schutz wir alle seine Luftstreiche mit Ruhe und Gleichgültigkeit ansehen können.
Auf solche Weise gibt es eigentlich gar keine Antithetik der reinen Vernunft. Denn der einzige Kampfplatz für sie würde auf dem Felde der reinen Theologie und Psychologie zu suchen sein; dieser Boden aber trägt keinen Kämpfer in seiner ganzen Rüstung, und mit Waffen, die zu fürchten wären. Er kann nur mit Spott oder Großsprecherei auftreten, welches als ein Kinderspiel belacht werden kann. Das ist eine tröstende Bemerkung, die der Vernunft wieder Mut gibt; denn, worauf wollte sie sich sonst verlassen, wenn sie, die allein alle Irrungen abzutun berufen ist, in sich selbst zerrüttet wäre, ohne Frieden und ruhigen Besitz hoffen zu können?
Alles, was die Natur selbst anordnet, ist zu irgendeiner Absicht gut. Selbst Gifte dienen dazu, andere Gifte, welche sich in unseren eigenen Säften erzeugen, zu überwältigen, und dürfen daher in einer vollständigen Sammlung von Heilmitteln (Offizin) nicht fehlen. Die Einwürfe, wider die Überredungen und den Eigendünkel unserer bloß spekulativen Vernunft, sind selbst durch die Natur dieser Vernunft aufgegeben, und müssen also ihre gute Bestimmung und Absicht haben, die man nicht in den Wind schlagen muß. Wozu hat uns die Vorsehung manche Gegenstände, ob sie gleich mit unserem höchsten Interesse zusammenhängen, so hoch gestellt, daß uns fast
B 772 nur vergönnt ist, sie in einer undeutlichen und von uns selbst bezweifelten Wahrnehmung anzutreffen, dadurch ausspähende Blicke mehr gereizt, als befriedigt werden, ob es nützlich sei, in Ansehung solcher Aussichten dreiste Bestimmungen zu wagen, ist wenigstens zweifelhaft, vielleicht gar schädlich. Allemal aber und ohne allen Zweifel ist es nützlich, die forschende sowohl, als prüfende Vernunft in völlige Freiheit zu versetzen, damit sie ungehindert ihr eigen Interesse besorgen könne, welches ebensowohl dadurch befördert wird, daß sie ihren Einsichten Schranken setzt, als daß sie solche erweitert, und welches allemal leidet, wenn sich fremde Hände einmengen, um sie wider ihren natürlichen Gang nach erzwungenen Absichten zu lenken.
Lasset demnach euren Gegner nur Vernunft sagen, und bekämpfst ihn bloß mit Waffen der Vernunft. Übrigens seid wegen der guten Sache (des praktischen Interesses) außer Sorgen, denn die kommt in bloß spekulativem Streite niemals mit ins Spiel. Der Streit entdeckt alsdann nichts, als eine gewisse Antinomie der Vernunft, die, da sie auf ihrer Natur beruht, notwendig angehört und geprüft werden muß. Er kultiviert dieselbe durch Betrachtung ihres Gegenstandes auf zweien Seiten, und berichtigt ihr Urteil dadurch, daß er solches einschränkt. Das, was hierbei streitig wird, ist nicht die Sache, sondern der Ton. Denn es bleibt euch noch genug übrig, um die vor der schärfsten Vernunft gerechtfertigte Sprache eines festen
B 773 Glaubens zu sprechen, wenn ihr gleich die des Wissens habt aufgeben müssen.
Wenn man den kaltblütigen, zum Gleichgewichte des Urteils eigentlich geschaffenen David Hume fragen sollte: was bewog euch, durch mühsam ergrübelte Bedenklichkeiten, die für den Menschen so tröstliche und nützliche Überredung, daß ihre Vernunfteinsicht zur Behauptung und zum bestimmten Begriff eines höchsten Wesens zulange, zu untergraben? so würde er antworten: nichts, als die Absicht, die Vernunft in ihrer Selbsterkenntnis weiter zu bringen, und zugleich ein gewisser Unwille über den Zwang, den man der Vernunft antun will, indem man mit ihr groß tut, und sie zugleich hindert, ein freimütiges Geständnis ihrer Schwächen abzulegen, die ihr bei der Prüfung ihrer selbst offenbar werden. Fragt ihr dagegen den, den Grundsätzen des empirischen Vernunftgebrauchs allein ergebenen, und aller transzendenten Spekulation abgeneigten Priestley, was er für Bewegungsgründe gehabt habe, unserer Seele Freiheit und Unsterblichkeit (die Hoffnung des künftigen Lebens ist bei ihm nur die Erwartung eines Wunders der Wiedererweckung), zwei solche Grundpfeiler aller Religion niederzureißen, er, der selbst ein frommer und eifriger Lehrer der Religion ist; so würde er nichts anderes antworten können, als: das Interesse der Vernunft, welche dadurch verliert, daß man gewisse Gegenstände den Gesetzen der materiellen Natur, den einzigen, die wir genau kennen und bestimmen können,
B 774 entziehen will. Es würde unbillig scheinen, den letzteren, der seine paradoxe Behauptung mit der Religionsabsicht zu vereinigen weiß, zu verschreien, und einem wohldenkenden Manne wehe zu tun, weil er sich nicht zurechtfinden kann, sobald er sich aus dem Felde der Naturlehre verloren hatte. Aber diese Gunst muß dem nicht minder gut gesinnten und seinem sittlichen Charakter nach untadelhaften Hume ebensowohl zustatten kommen, der seine abgezogene Spekulation darum nicht verlassen kann, weil er mit Recht dafür hält, daß ihr Gegenstand ganz außerhalb den Grenzen der Naturwissenschaft im Felde reiner Ideen liege.
Was ist nun hierbei zu tun, vornehmlich in Ansehung der Gefahr, die daraus dem gemeinen Besten zu drohen scheint? Nichts ist natürlicher, nichts billiger, als die Entschließung, die ihr deshalb zu nehmen habt. Laßt diese Leute nur machen; wenn sie Talent, wenn sie tiefe und neue Nachforschung, mit einem Worte, wenn sie nur Vernunft zeigen, so gewinnt jederzeit die Vernunft. Wenn ihr andere Mittel ergreift, als die einer zwanglosen Vernunft, wenn ihr über Hochverrat schreiet, das gemeine Wesen, das sich auf so subtile Bearbeitungen gar nicht versteht, gleichsam als zum Feuerlöschen zusammenruft, so macht ihr euch lächerlich. Denn es ist die Rede gar nicht davon, was dem gemeinen Besten hierunter vorteilhaft, oder nachteilig sei, sondern nur, wie weit die Vernunft es wohl in ihrer von allem Interesse abstrahierenden
B 775 Spekulation bringen könne, und ob man auf diese überhaupt etwas rechnen, oder sie lieber gegen das Praktische gar aufgeben müsse. Anstatt also mit dem Schwerte drein zu schlagen, so sehet vielmehr von dem sicheren Sitze der Kritik diesem Streite geruhig zu, der für die Kämpfenden mühsam, für euch unterhaltend, und bei einem gewiß unblutigen Ausgange, für eure Einsichten ersprießlich ausfallen muß. Denn es ist sehr was Ungereimtes, von der Vernunft Aufklärung zu erwarten, und ihr doch vorher vorzuschreiben, auf welche Seite sie notwendig ausfallen müsse. Überdem wird Vernunft schon von selbst durch Vernunft so wohl gebändigt und in Schranken gehalten, daß ihr gar nicht nötig habt, Scharwachen aufzubieten, um demjenigen Teile, dessen besorgliche Obermacht euch gefährlich scheint, bürgerlichen Widerstand entgegenzusetzen. In dieser Dialektik gibt's keinen Sieg, über den ihr besorgt zu sein Ursache hättet.
Auch bedarf die Vernunft gar sehr eines solchen Streits, und es wäre zu wünschen, daß er eher und mit uneingeschränkter öffentlicher Erlaubnis wäre geführt worden. Denn um desto früher wäre eine reife Kritik zustande gekommen, bei deren Erscheinung alle diese Streithändel von selbst wegfallen müssen, indem die Streitenden ihre Verblendung und Vorurteile, welche sie veruneinigt haben, einsehen lernen.
Es gibt eine gewisse Unlauterkeit in der menschlichen Natur, die am Ende doch, wie alles, was von der
B 776 Natur kommt, eine Anlage zu guten Zwecken enthalten muß, nämlich eine Neigung, seine wahren Gesinnungen zu verhehlen, und gewisse angenommene, die man für gut und rühmlich hält, zur Schau zu tragen. Ganz gewiß haben die Menschen durch diesen Hang, sowohl sich zu verhehlen, als auch einen ihnen vorteilhaften Schein anzunehmen, sich nicht bloß zivilisiert, sondern nach und nach, in gewisser Maße, moralisiert, weil keiner durch die Schminke der Anständigkeit, Ehrbarkeit und Sittsamkeit durchdringen konnte, also an vermeintlich echten Beispielen des Guten, die er um sich sah, eine Schule der Besserung für sich selbst fand. Allein diese Anlage, sich besser zu stellen, als man ist, und Gesinnungen zu äußern, die man nicht hat, dient nur gleichsam provisorisch dazu, um den Menschen aus der Rohigkeit zu bringen, und ihn zuerst wenigstens die Manier des Guten, das er kennt, annehmen zu lassen; denn nachher, wenn die echten Grundsätze einmal entwickelt und in die Denkungsart übergegangen sind, so muß jene Falschheit nach und nach kräftig bekämpft werden, weil sie sonst das Herz verdirbt, und gute Gesinnungen unter dem Wucherkraute des schönen Scheins nicht aufkommen läßt.
Es tut mir leid, eben dieselbe Unlauterkeit, Verstellung und Heuchelei sogar in den Äußerungen der spekulativen Denkungsart wahrzunehmen, worin doch Menschen, das Geständnis ihrer Gedanken billigermaßen offen und unverhohlen zu entdecken, weit weniger Hindernisse und
B 777 gar keinen Vorteil haben. Denn was kann den Einsichten nachteiliger sein, als sogar bloße Gedanken verfälscht einander mitzuteilen, Zweifel, die wir wider unsere eigenen Behauptungen fühlen, zu verhehlen, oder Beweisgründen, die uns selbst nicht genugtun, einen Anstrich von Evidenz zu geben? So lange indessen bloß die Privateitelkeit diese geheimen Ränke anstiftet (welches in spekulativen Urteilen, die kein besonderes Interesse haben und nicht leicht einer apodiktischen Gewißheit fähig sind, gemeiniglich der Fall ist), so widersteht denn doch die Eitelkeit anderer mit öffentlicher Genehmigung, und die Sachen kommen zuletzt dahin, wo die lauterste Gesinnung und Aufrichtigkeit, obgleich weit früher, sie hingebracht haben würde. Wo aber das gemeine Wesen dafür hält, daß spitzfindige Vernünftler mit nichts minderem umgehen, als die Grundfeste der öffentlichen Wohlfahrt wankend zu machen, da scheint es nicht allein der Klugheit gemäß, sondern auch erlaubt und wohl gar rühmlich, der guten Sache eher durch Scheingründe zu Hilfe zu kommen, als den vermeintlichen Gegnern derselben auch nur den Vorteil zu lassen, unseren Ton zur Mäßigung einer bloß praktischen Überzeugung herabzustimmen, und uns zu nötigen, den Mangel der spekulativen und apodiktischen Gewißheit zu gestehen. Indessen sollte ich denken, daß sich mit der Absicht, eine gute Sache zu behaupten, in der Welt wohl nichts übler, als Hinterlist, Verstellung und Betrug vereinigen lasse. Daß es in der Abwiegung der
B 778 Vernunftgründe, einer bloßen Spekulation alles ehrlich zugehen müsse, ist wohl das wenigste, was man fordern kann. Könnte man aber auch nur auf dieses Wenige sicher rechnen, so wäre der Streit der spekulativen Vernunft über die wichtigen Fragen von Gott, der Unsterblichkeit (der Seele) und der Freiheit, entweder längst entschieden, oder würde sehr bald zu Ende gebracht werden. So steht öfters die Lauterkeit der Gesinnung im umgekehrten Verhältnisse der Gutartigkeit der Sache selbst, und diese hat vielleicht mehr aufrichtige und redliche Gegner, als Verteidiger.
Ich setze also Leser voraus, die keine gerechte Sache mit Unrecht verteidigt wissen wollen. In Ansehung deren ist es nun entschieden, daß, nach unseren Grundsätzen der Kritik, wenn man nicht auf dasjenige sieht, was geschieht, sondern was billig geschehen sollte, es eigentlich gar keine Polemik der reinen Vernunft geben müsse. Denn wie können zwei Personen einen Streit über eine Sache führen, deren Realität keiner von beiden in einer wirklichen, oder auch nur möglichen Erfahrung darstellen kann, über deren Idee er allein brütet, um aus ihr etwas mehr als Idee, nämlich die Wirklichkeit des Gegenstandes selbst, herauszubringen? Durch welches Mittel wollen sie aus dem Streite herauskommen, da keiner von beiden seine Sache geradezu begreiflich und gewiß machen, sondern nur die seines Gegners angreifen und widerlegen kann? Denn dieses ist das Schicksal aller Behauptungen der
B 779 reinen Vernunft: daß, da sie über die Bedingungen aller möglichen Erfahrung hinausgehen, außerhalb welchen kein Dokument der Wahrheit irgendwo angetroffen wird, sich aber gleichwohl der Verstandesgesetze, die bloß zum empirischen Gebrauche bestimmt sind, ohne die sich aber kein Schritt im synthetischen Denken tun läßt, bedienen müssen, sie dem Gegner jederzeit Blößen geben und sich gegenseitig die Blöße ihres Gegners zunutze machen können.
Man kann die Kritik der reinen Vernunft als den wahren Gerichtshof für alle Streitigkeiten derselben ansehen; denn sie ist in die letzteren, als welche auf Objekte unmittelbar gehen, nicht mit verwickelt, sondern ist dazu gesetzt, die Rechtsame der Vernunft überhaupt nach den Grundsätzen ihrer ersten Institution zu bestimmen und zu beurteilen.
Ohne dieselbe ist die Vernunft gleichsam im Stande der Natur, und kann ihre Behauptungen und Ansprüche nicht anders geltend machen, oder sichern, als durch Krieg. Die Kritik dagegen, welche alle Entscheidungen aus den Grundregeln ihrer eigenen Einsetzung hernimmt, deren Ansehen keiner bezweifeln kann, verschafft uns die Ruhe eines gesetzlichen Zustandes, in welchem wir unsere Streitigkeit nicht anders führen sollen, als durch Prozeß. Was die Händel in dem ersten Zustande endigt, ist ein Sieg, dessen sich beide Teile rühmen, auf den mehrenteils ein nur unsicherer Friede folgt, den die Obrigkeit stiftet, welche sich
B 780 ins Mittel legt, im zweiten aber die Sentenz, die, weil sie hier die Quelle der Streitigkeiten selbst trifft, einen ewigen Frieden gewähren muß. Auch nötigen die endlosen Streitigkeiten einer bloß dogmatischen Vernunft, endlich in irgendeiner Kritik dieser Vernunft selbst, und in einer Gesetzgebung, die sich auf sie gründet, Ruhe zu suchen; so wie Hobbes behauptet: der Stand der Natur sei ein Stand des Unrechts und der Gewalttätigkeit, und man müsse ihn notwendig verlassen, um sich dem gesetzlichen Zwange zu unterwerfen, der allein unsere Freiheit dahin einschränkt, daß sie mit jedes anderen Freiheit und eben dadurch mit dem gemeinen Besten zusammen bestehen könne.
Zu dieser Freiheit gehört denn auch die, seine Gedanken, seine Zweifel, die man sich nicht selbst auflösen kann, öffentlich zur Beurteilung auszustellen, ohne darüber für einen unruhigen und gefährlichen Bürger verschrieen zu werden. Dies liegt schon in dem ursprünglichen Rechte der menschlichen Vernunft, welche keinen anderen Richter erkennt, als selbst wiederum die allgemeine Menschenvernunft, worin ein jeder seine Stimme hat; und, da von dieser alle Besserung, deren unser Zustand fähig ist, herkommen muß, so ist ein solches Recht heilig, und darf nicht geschmälert werden. Auch ist es sehr unweise, gewisse gewagte Behauptungen oder vermessene Angriffe auf die, welche schon die Beistimmung des größten und besten Teils des gemeinen Wesens auf ihrer Seite haben, für gefährlich auszuschreien: denn das heißt, ihnen eine
B 781 Wichtigkeit geben, die sie gar nicht haben sollten. Wenn ich höre, daß ein nicht gemeiner Kopf die Freiheit des menschlichen Willens, die Hoffnung eines künftigen Lebens, und das Dasein Gottes wegdemonstriert haben solle, so bin ich begierig, das Buch zu lesen, denn ich erwarte von seinem Talent, daß er meine Einsichten weiter bringen werde. Das weiß ich schon zum voraus völlig gewiß, daß er nichts von allem diesem wird geleistet haben, nicht darum, weil ich etwa schon im Besitze unbezwinglicher Beweise dieser wichtigen Sätze zu sein glaubte, sondern weil mich die transzendentale Kritik, die mir den ganzen Vorrat unserer reinen Vernunft aufdeckte, völlig überzeugt hat, daß, so wie sie zu bejahenden Behauptungen in diesem Felde ganz unzulänglich ist, so wenig und noch weniger werde sie wissen, um über diese Fragen etwas verneinend behaupten zu können. Denn, wo will der angebliche Freigeist seine Kenntnis hernehmen, daß es z.B. kein höchstes Wesen gebe? Dieser Satz liegt außerhalb dem Felde möglicher Erfahrung, und darum auch außer den Grenzen aller menschlichen Einsicht. Den dogmatischen Verteidiger der guten Sache gegen diesen Feind würde ich gar nicht lesen, weil ich zum voraus weiß, daß er nur darum die Scheingründe des anderen angreifen werde, um seinen eigenen Eingang zu verschaffen, überdem ein alltägiger Schein doch nicht so viel Stoff zu neuen Bemerkungen gibt, als ein befremdlicher und sinnreich ausgedachter. Hingegen würde der nach seiner Art auch
B 782 dogmatische Religionsgegner, meiner Kritik gewünschte Beschäftigung und Anlaß zu mehrerer Berichtigung ihrer Grundsätze geben, ohne daß seinetwegen im mindesten etwas zu befürchten wäre.
Aber die Jugend, welche dem akademischen Unterrichte anvertraut ist, soll doch wenigstens vor dergleichen Schriften gewarnt, und von der frühen Kenntnis so gefährlicher Sätze abgehalten werden, ehe ihre Urteilskraft gereift, oder vielmehr die Lehre, welche man in ihnen gründen will, fest gewurzelt ist, um aller Überredung zum Gegenteil, woher sie auch kommen möge, kräftig zu widerstehen?
Müßte es bei dem dogmatischen Verfahren in Sachen der reinen Vernunft bleiben, und die Abfertigung der Gegner eigentlich polemisch, d.i. so beschaffen sein, daß man sich ins Gefecht einließe, und mit Beweisgründen zu entgegengesetzten Behauptungen bewaffnete, so wäre freilich nichts ratsamer vor der Hand, aber zugleich nichts eitler und fruchtloser auf die Dauer, als die Vernunft der Jugend eine Zeitlang unter Vormundschaft zu setzen, und wenigstens so lange vor Verführung zu bewahren. Wenn aber in der Folge entweder Neugierde, oder der Modeton des Zeitalters ihr dergleichen Schriften in die Hände spielen: wird alsdann jene jugendliche Überredung noch Stich halten? Derjenige, der nichts als dogmatische Waffen mitbringt, um den Angriffen seines Gegners zu widerstehen, und die verborgene Dialektik, die nicht minder
B 783 in seinem eigenen Busen, als in dem des Gegenteils liegt, nicht zu entwickeln weiß, sieht Scheingründe, die den Vorzug der Neuigkeit haben, gegen Scheingründe, welche dergleichen nicht mehr haben, sondern vielmehr den Verdacht einer mißbrauchten Leichtgläubigkeit der Jugend erregen, auftreten. Er glaubt nicht besser zeigen zu können, daß er der Kinderzucht entwachsen sei, als wenn er sich über jene wohlgemeinten Warnungen wegsetzt, und, dogmatisch gewohnt, trinkt er das Gift, das seine Grundsätze dogmatisch verdirbt, in langen Zügen in sich.
Gerade das Gegenteil von dem, was man hier anrät, muß in der akademischen Unterweisung geschehen, aber freilich nur unter der Voraussetzung eines gründlichen Unterrichts in der Kritik der reinen Vernunft. Denn, um die Prinzipien derselben so früh als möglich in Ausübung zu bringen, und ihre Zulänglichkeit bei dem größten dialektischen Scheine zu zeigen, ist es durchaus nötig, die für den Dogmatiker so furchtbaren Angriffe wider seine, obzwar noch schwache, aber durch Kritik aufgeklärte Vernunft zu richten, und ihn den Versuch machen zu lassen, die grundlosen Behauptungen des Gegners Stück für Stück an jenen Grundsätzen zu prüfen. Es kann ihm gar nicht schwer werden, sie in lauter Dunst aufzulösen, und so fühlt er frühzeitig seine eigene Kraft, sich wider dergleichen schädliche Blendwerke, die für ihn zuletzt allen Schein verlieren müssen, völlig zu sichern. Ob nun zwar eben dieselben
B 784 Streiche, die das Gebäude des Feindes niederschlagen, auch seinem eigenen spekulativen Bauwerke, wenn er etwa dergleichen zu errichten gedächte, ebenso verderblich sein müssen: so ist er darüber doch gänzlich unbekümmert, indem er es gar nicht bedarf, darinnen zu wohnen, sondern noch eine Aussicht in das praktische Feld vor sich hat, wo er mit Grund einen festeren Boden hoffen kann, um darauf sein vernünftiges und heilsames System zu errichten.
So gibts demnach keine eigentliche Polemik im Felde der reinen Vernunft. Beide Teile sind Luftfechter, die sich mit ihrem Schatten herumbalgen, denn sie gehen über die Natur hinaus, wo für ihre dogmatischen Griffe nichts vorhanden ist, was sich fassen und halten ließe. Sie haben gut kämpfen; die Schatten, die sie zerhauen, wachsen, wie die Helden in Walhalla, in einem Augenblicke wiederum zusammen, um sich aufs neue in unblutigen Kämpfen belustigen zu können.
Es gibt aber auch keinen zulässigen skeptischen Gebrauch der reinen Vernunft, welchen man den Grundsatz der Neutralität bei allen ihren Streitigkeiten nennen könnte. Die Vernunft wider sich selbst zu verhetzen, ihr auf beiden Seiten Waffen zu reichen, und alsdann ihrem hitzigsten Gefechte ruhig und spöttisch zuzusehen, sieht aus einem dogmatischen Gesichtspunkte nicht wohl aus, sondern hat das Ansehen einer schadenfrohen und hämischen Gemütsart an sich. Wenn man indessen die unbezwingliche Verblendung und das Großtun der Vernünftler, die sich
B 785 durch keine Kritik will mäßigen lassen, ansieht, so ist doch wirklich kein anderer Rat, als der Großsprecherei auf einer Seite, eine andere, welche auf eben dieselben Rechte fußt, entgegen zu setzen, damit die Vernunft durch den Widerstand eines Feindes wenigstens nur stutzig gemacht werde, um in ihre Anmaßungen einigen Zweifel zu setzen, und der Kritik Gehör zu geben. Allein es bei diesen Zweifeln gänzlich bewenden zu lassen, und es darauf auszusetzen, die Überzeugung und das Geständnis seiner Unwissenheit, nicht bloß als ein Heilmittel wider den dogmatischen Eigendünkel, sondern zugleich als die Art, den Streit der Vernunft mit sich selbst zu beendigen, empfehlen zu wollen, ist ein ganz vergeblicher Anschlag, und kann keineswegs dazu tauglich sein, der Vernunft einen Ruhestand zu verschaffen, sondern ist höchstens nur ein Mittel, sie aus ihrem süßen dogmatischen Traume zu erwecken, um ihren Zustand in sorgfältigere Prüfung zu ziehen. Da indessen diese skeptische Manier, sich aus einem verdrießlichen Handel der Vernunft zu ziehen, gleichsam der kurze Weg zu sein scheint, zu einer beharrlichen philosophischen Ruhe zu gelangen, wenigstens die Heeresstraße, welche diejenigen gern einschlagen, die sich in einer spöttischen Verachtung aller Nachforschungen dieser Art ein philosophisches Ansehen zu geben meinen, so finde ich es nötig, diese Denkungsart in ihrem eigentümlichen Lichte darzustellen.
B 786 Von der Unmöglichkeit einer skeptischen Befriedigung der mit sich selbst veruneinigten reinen Vernunft
Das Bewußtsein meiner Unwissenheit, (wenn diese nicht zugleich als notwendig erkannt wird,) statt daß sie meine Untersuchungen endigen sollte, ist vielmehr die eigentliche Ursache, sie zu erwecken. Alle Unwissenheit ist entweder die der Sachen, oder der Bestimmung und Grenzen meiner Erkenntnis. Wenn die Unwissenheit nun zufällig ist, so muß sie mich antreiben, im ersteren Falle den Sachen (Gegenständen) dogmatisch, im zweiten den Grenzen meiner möglichen Erkenntnis kritisch nachzuforschen. Daß aber meine Unwissenheit schlechthin notwendig sei, und mich daher von aller weiteren Nachforschung freispreche, läßt sich nicht empirisch, aus Beobachtung, sondern allein kritisch, durch Ergründung der ersten Quellen unserer Erkenntnis ausmachen. Also kann die Grenzbestimmung unserer Vernunft nur nach Gründen a priori geschehen; die Einschränkung derselben aber, welche eine obgleich nur unbestimmte Erkenntnis einer nie völlig zu hebenden Unwissenheit ist, kann auch a posteriori, durch das, was uns bei allem Wissen immer noch zu wissen übrigbleibt, erkannt werden. Jene durch Kritik der Vernunft selbst allein mögliche Erkenntnis seiner Unwissenheit ist also Wissenschaft, diese ist nichts als Wahrnehmung, von der
B 787 man nicht sagen kann, wie weit der Schluß aus selbiger reichen möge. Wenn ich mir die Erdfläche (dem sinnlichen Scheine gemäß) als einen Teller vorstelle, so kann ich nicht wissen, wie weit sie sich erstrecke. Aber das lehrt mich die Erfahrung: daß, wohin ich nur komme, ich immer einen Raum um mich sehe, dahin ich weiter fortgehen könnte; mithin erkenne ich Schranken meiner jedesmal wirklichen Erdkunde, aber nicht die Grenzen aller möglichen Erdbeschreibung. Bin ich aber doch so weit gekommen, zu wissen, daß die Erde eine Kugel und ihre Fläche eine Kugelfläche sei, so kann ich auch aus einem kleinen Teil derselben, z.B. der Größe eines Grades, den Durchmesser, und, durch diesen, die völlige Begrenzung der Erde, d.i. ihre Oberfläche, bestimmt und nach Prinzipien a priori erkennen; und ob ich gleich in Ansehung der Gegenstände, die diese Fläche enthalten mag, unwissend bin, so bin ich es doch nicht in Ansehung des Umfanges, der sie enthält, der Größe und Schranken derselben.
Der Inbegriff aller möglichen Gegenstände für unsere Erkenntnis scheint uns eine ebene Fläche zu sein, die ihren scheinbaren Horizont hat, nämlich das, was den ganzen Umfang derselben befaßt und von uns der Vernunftbegriff der unbedingten Totalität genannt worden. Empirisch denselben zu erreichen, ist unmöglich, und nach einem gewissen Prinzip ihn a priori zu bestimmen, dazu sind alle Versuche vergeblich gewesen. Indessen gehen doch
B 788 alle Fragen unserer reinen Vernunft auf das, was außerhalb diesem Horizonte, oder allenfalls auch in seiner Grenzlinie liegen möge.
Der berühmte David Hume war einer dieser Geographen der menschlichen Vernunft, welcher jene Fragen insgesamt dadurch hinreichend abgefertigt zu haben vermeinte, daß er sie außerhalb den Horizont derselben verwies, den er doch nicht bestimmen konnte. Er hielt sich vornehmlich bei dem Grundsatze der Kausalität auf, und bemerkte von ihm ganz richtig, daß man seine Wahrheit (ja nicht einmal die objektive Gültigkeit des Begriffs einer wirkenden Ursache überhaupt) auf gar keine Einsicht, d.i. Erkenntnis a priori, fuße, daß daher auch nicht im mindesten die Notwendigkeit dieses Gesetzes, sondern eine bloße allgemeine Brauchbarkeit desselben in dem Laufe der Erfahrung und eine daher entspringende subjektive Notwendigkeit, die er Gewohnheit nennt, sein ganzes Ansehen ausmache. Aus dem Unvermögen unserer Vernunft nun, von diesem Grundsatze einen über alle Erfahrung hinausgehenden Gebrauch zu machen, schloß er die Nichtigkeit aller Anmaßungen der Vernunft überhaupt über das Empirische hinauszugehen.
Man kann ein Verfahren dieser Art, die Fakta der Vernunft der Prüfung und nach Befinden dem Tadel zu unterwerfen, die Zensur der Vernunft nennen. Es ist außer Zweifel, daß diese Zensur unausbleiblich auf Zweifel gegen allen transzendenten Gebrauch der Grundsätze
B 789 führe. Allein dies ist nur der zweite Schritt, der noch lange nicht das Werk vollendet. Der erste Schritt in Sachen der reinen Vernunft, der das Kindesalter derselben auszeichnet ist dogmatisch. Der obengenannte zweite Schritt ist skeptisch, und zeugt von Vorsichtigkeit der durch Erfahrung gewitzigten Urteilskraft. Nun ist aber noch ein dritter Schritt nötig, der nur der gereiften und männlichen Urteilskraft zukommt, welche feste und ihrer Allgemeinheit nach bewährte Maximen zum Grunde hat; nämlich, nicht die Fakta der Vernunft, sondern die Vernunft selbst, nach ihrem ganzen Vermögen und Tauglichkeit zu reinen Erkenntnissen a priori, der Schätzung zu unterwerfen; welches nicht die Zensur, sondern Kritik der Vernunft ist, wodurch nicht bloß Schranken, sondern die bestimmten Grenzen derselben, nicht bloß Unwissenheit an einem oder anderen Teil, sondern in Ansehung aller möglichen Fragen von einer gewissen Art, und zwar nicht etwa nur vermutet, sondern aus Prinzipien bewiesen wird. So ist der Skeptizismus ein Ruheplatz für die menschliche Vernunft, da sie sich über ihre dogmatische Wanderung besinnen und den Entwurf von der Gegend machen kann, wo sie sich befindet, um ihren Weg fernerhin mit mehrerer Sicherheit wählen zu können, aber nicht ein Wohnplatz zum beständigen Aufenthalte; denn dieser kann nur in einer völligen Gewißheit angetroffen werden, es sei nun der Erkenntnis der Gegenstände selbst, oder der Grenzen, innerhalb
B 790 denen alle unsere Erkenntnis von Gegenständen eingeschlossen ist.
Unsere Vernunft ist nicht etwa eine unbestimmbar weit ausgebreitete Ebene, deren Schranken man nur so überhaupt erkennt, sondern muß vielmehr mit einer Sphäre verglichen werden, deren Halbmesser sich aus der Krümmung des Bogens auf ihrer Oberfläche (der Natur synthetischer Sätze a priori) finden, daraus aber auch der Inhalt und die Begrenzung derselben mit Sicherheit angeben läßt. Außer dieser Sphäre (Feld der Erfahrung) ist nichts für ihr Objekt, ja selbst Fragen über dergleichen vermeintliche Gegenstände betreffen nur subjektive Prinzipien einer durchgängigen Bestimmung der Verhältnisse, welche unter den Verstandesbegriffen innerhalb dieser Sphäre vorkommen können.
Wir sind wirklich im Besitz synthetischer Erkenntnis a priori, wie dieses die Verstandesgrundsätze, welche die Erfahrung antizipieren, dartun. Kann jemand nun die Möglichkeit derselben sich gar nicht begreiflich machen, so mag er zwar anfangs zweifeln, ob sie uns auch wirklich a priori beiwohnen; er kann dieses aber noch nicht für eine Unmöglichkeit derselben, durch bloße Kräfte des Verstandes, und alle Schritte, die die Vernunft nach der Richtschnur derselben tut, für nichtig ausgeben. Er kann nur sagen: wenn wir ihren Ursprung und Echtheit einsähen, so würden wir den Umfang und die Grenzen unserer Vernunft bestimmen können; ehe aber dieses geschehen ist,
B 791 sind alle Behauptungen der letzten blindlings gewagt. Und auf solche Weise wäre ein durchgängiger Zweifel an aller dogmatischen Philosophie, die ohne Kritik der Vernunft selbst ihren Gang geht, ganz wohl gegründet; allein darum könnte doch der Vernunft nicht ein solcher Fortgang, wenn er durch bessere Grundlegung vorbereitet und gesichert würde, gänzlich abgesprochen werden. Denn, einmal liegen alle Begriffe, ja alle Fragen, welche uns die reine Vernunft vorlegt, nicht etwa in der Erfahrung, sondern selbst wiederum nur in der Vernunft, und müssen daher können aufgelöst und ihrer Gültigkeit oder Nichtigkeit nach begriffen werden. Wir sind auch nicht berechtigt, diese Aufgaben, als läge ihre Auflösung wirklich in der Natur der Dinge, doch unter dem Vorwande unseres Unvermögens abzuweisen, und uns ihrer weiteren Nachforschung zu weigern, da die Vernunft in ihrem Schoße allein diese Ideen selbst erzeugt hat, von deren Gültigkeit oder dialektischem Scheine sie also Rechenschaft zu geben gehalten ist.
Alles skeptische Polemisieren ist eigentlich nur wider den Dogmatiker gekehrt, der, ohne ein Mißtrauen auf seine ursprünglichen objektiven Prinzipien zu setzen, d.i. ohne Kritik, gravitätisch seinen Gang fortsetzt, bloß um ihm das Konzept zu verrücken und ihn zur Selbsterkenntnis zu bringen. An sich macht sie in Ansehung dessen, was wir wissen und was wir dagegen nicht wissen können, ganz und gar nichts aus. Alle fehlgeschlagenen dogmatischen Versuche
B 792 der Vernunft sind Fakta, die der Zensur zu unterwerfen immer nützlich ist. Dieses aber kann nichts über die Erwartungen der Vernunft entscheiden, einen besseren Erfolg ihrer künftigen Bemühungen zu hoffen und darauf Ansprüche zu machen; die bloße Zensur kann also die Streitigkeit über die Rechtsame der menschlichen Vernunft niemals zu Ende bringen.
Da Hume vielleicht der geistreichste unter allen Skeptikern, und ohne Widerrede der vorzüglichste in Ansehung des Einflusses ist, den das skeptische Verfahren auf die Erweckung einer gründlichen Vernunftprüfung haben kann, so verlohnt es sich wohl der Mühe, den Gang seiner Schlüsse und die Verirrungen eines so einsehenden und schätzbaren Mannes, die doch auf der Spur der Wahrheit angefangen haben, so weit es zu meiner Absicht schicklich ist, vorstellig zu machen.
Hume hatte es vielleicht in Gedanken, wiewohl er es niemals völlig entwickelte, daß wir in Urteilen von gewisser Art, über unseren Begriff vom Gegenstande hinausgehen. Ich habe diese Art von Urteilen synthetisch genannt. Wie ich aus meinem Begriffe, den ich bis dahin habe, vermittelst der Erfahrung hinausgehen könne, ist keiner Bedenklichkeit unterworfen. Erfahrung ist selbst eine solche Synthesis der Wahrnehmungen, welche meinen Begriff, den ich vermittelst einer Wahrnehmung habe, durch andere hinzukommende vermehrt. Allein wir glauben auch a priori aus unserem Begriffe hinausgehen und
B 793 unsere Erkenntnis erweitern zu können. Dieses versuchen wir entweder durch den reinen Verstand, in Ansehung desjenigen, was wenigstens ein Objekt der Erfahrung sein kann, oder sogar durch reine Vernunft, in Ansehung solcher Eigenschaften der Dinge, oder auch wohl des Daseins solcher Gegenstände, die in der Erfahrung niemals vorkommen können. Unser Skeptiker unterschied diese beiden Arten der Urteile nicht, wie er es doch hätte tun sollen, und hielt geradezu diese Vermehrung der Begriffe aus sich selbst, und, sozusagen, die Selbstgebärung unseres Verstandes (samt der Vernunft), ohne durch Erfahrung geschwängert zu sein, für unmöglich, mithin alle vermeintlichen Prinzipien derselben a priori für eingebildet, und fand, daß sie nichts als eine aus Erfahrung und deren Gesetzen entspringende Gewohnheit, mithin bloß empirische d.i. an sich zufällige Regeln sind, denen wir eine vermeinte Notwendigkeit und Allgemeinheit beimessen. Er bezog sich aber zu Behauptung dieses befremdlichen Satzes auf den allgemein anerkannten Grundsatz von dem Verhältnis der Ursache zur Wirkung. Denn da uns kein Verstandesvermögen von dem Begriffe eines Dinges zu dem Dasein von etwas anderem, was dadurch allgemein und notwendig gegeben sei, führen kann: so glaubte er daraus folgern zu können, daß wir ohne Erfahrung nichts haben, was unseren Begriff vermehren und uns zu einem solchen a priori sich selbst erweiternden Urteile berechtigen könnte. Daß das Sonnenlicht, welches das Wachs beleuchtet, es
B 794 zugleich schmelze, indessen es den Ton härtet, könne kein Verstand aus Begriffen, die wir vorher von diesen Dingen hatten, erraten, viel weniger gesetzmäßig schließen, und nur Erfahrung könne uns ein solches Gesetz lehren. Dagegen haben wir in der transzendentalen Logik gesehen: daß, ob wir zwar niemals unmittelbar über den Inhalt des Begriffs, der uns gegeben ist, hinausgehen können, wir doch völlig a priori, aber in Beziehung auf ein drittes, nämlich mögliche Erfahrung, also doch a priori, das Gesetz der Verknüpfung mit anderen Dingen erkennen können. Wenn also vorher fest gewesenes Wachs schmilzt, so kann ich a priori erkennen, daß etwas vorausgegangen sein müsse, (z.B. Sonnenwärme,) worauf dieses nach einem beständigen Gesetze gefolgt ist, ob ich zwar, ohne Erfahrung, aus der Wirkung weder die Ursache noch aus der Ursache, die Wirkung, a priori und ohne Belehrung der Erfahrung bestimmt erkennen könnte. Er schloß also fälschlich aus der Zufälligkeit unserer Bestimmung nach dem Gesetze, auf die Zufälligkeit des Gesetzes selbst, und das Herausgehen aus dem Begriffe eines Dinges auf mögliche Erfahrung (welches a priori geschieht und die objektive Realität desselben ausmacht,) verwechselte er mit der Synthesis der Gegenstände wirklicher Erfahrung, welche freilich jederzeit empirisch ist; dadurch machte er aber aus einem Prinzip der Affinität, welches im Verstande seinen Sitz hat, und notwendige Verknüpfung aussagt, eine Regel der Assoziation, die bloß in der nachbildenden
B 795 Einbildungskraft angetroffen wird, und nur zufällige, gar nicht objektive Verbindungen darstellen kann.
Die skeptischen Verirrungen aber dieses sonst äußerst scharfsinnigen Mannes entsprangen vornehmlich aus einem Mangel, den er doch mit allen Dogmatikern gemein hatte nämlich, daß er nicht alle Arten der Synthesis des Verstandes a priori systematisch übersah. Denn da würde er, ohne der übrigen hier Erwähnung zu tun, z.B. den Grundsatz der Beharrlichkeit als einen solchen gefunden haben, der ebensowohl, als der der Kausalität, die Erfahrung antizipiert. Dadurch würde er auch dem a priori sich erweiternden Verstande und der reinen Vernunft bestimmte Grenzen haben vorzeichnen können. Da er aber unseren Verstand nur einschränkt, ohne ihn zu begrenzen, und, zwar ein allgemeines Mißtrauen, aber keine bestimmte Kenntnis der uns unvermeidlichen Unwissenheit zustande bringt, da er einige Grundsätze des Verstandes unter Zensur bringt, ohne diesen Verstand in Ansehung seines ganzen Vermögens auf die Probierwage der Kritik zu bringen, und, indem er ihm dasjenige abspricht, was er wirklich nicht leisten kann, weiter geht, und ihm alles Vermögen, sich a priori zu erweitern, bestreitet, unerachtet er dieses ganze Vermögen nicht zur Schätzung gezogen; so widerfährt ihm das, was jederzeit den Skeptizismus niederschlägt, nämlich, daß er selbst bezweifelt wird, indem seine Einwürfe nur auf Faktis, welche zufällig sind, nicht aber auf
B 796 Prinzipien beruhen, die eine notwendige Entsagung auf das Recht dogmatischer Behauptungen bewirken könnten.
Da er auch zwischen den gegründeten Ansprüchen des Verstandes und den dialektischen Anmaßungen der Vernunft, wider welche doch hauptsächlich seine Angriffe gerichtet sind, keinen Unterschied kennt: so fühlt die Vernunft, deren ganz eigentümlicher Schwung hierbei nicht im mindesten gestört, sondern nur gehindert worden, den Raum zu ihrer Ausbreitung nicht verschlossen, und kann von ihren Versuchen, unerachtet sie hier oder da gezwackt wird, niemals gänzlich abgebracht werden. Denn wider Angriffe rüstet man sich zur Gegenwehr, und setzt noch um desto steifer seinen Kopf darauf, um seine Forderungen durchzusetzen. Ein völliger Überschlag aber seines ganzen Vermögens und die daraus entspringende Überzeugung der Gewißheit eines kleinen Besitzes, bei der Eitelkeit höherer Ansprüche, hebt allen Streit auf, und bewegt, sich an einem eingeschränkten, aber unstrittigen Eigentume friedfertig zu begnügen.
Wider den unkritischen Dogmatiker, der die Sphäre seines Verstandes nicht gemessen, mithin die Grenzen seiner möglichen Erkenntnis nicht nach Prinzipien bestimmt hat, der also nicht schon zum voraus weiß, wie viel er kann, sondern es durch bloße Versuche ausfindig zu machen denkt, sind diese skeptischen Angriffe nicht allein gefährlich, sondern ihm sogar verderblich. Denn, wenn er auf einer einzigen Behauptung betroffen wird, die er nicht
B 797 rechtfertigen, deren Schein er aber auch nicht aus Prinzipien entwickeln kann, so fällt der Verdacht auf alle, so überredend sie auch sonst immer sein mögen.
Und so ist der Skeptiker der Zuchtmeister des dogmatischen Vernünftlers auf eine gesunde Kritik des Verstandes und der Vernunft selbst. Wenn er dahin gelangt ist, so hat er weiter keine Anfechtung zu fürchten; denn er unterscheidet alsdann seinen Besitz von dem, was gänzlich außerhalb demselben liegt, worauf er keine Ansprüche macht und darüber auch nicht in Streitigkeiten verwickelt werden kann. So ist das skeptische Verfahren zwar an sich selbst für die Vernunftfragen nicht befriedigend, aber doch vorübend, um ihre Vorsichtigkeit zu erwecken und auf gründliche Mittel zu weisen, die sie in ihren rechtmäßigen Besitzen sichern können.
Des ersten Hauptstücks Dritter Abschnitt Die Disziplin der reinen Vernunft in Ansehung der Hypothesen
Weil wir denn durch Kritik unserer Vernunft endlich so viel wissen, daß wir in ihrem reinen und spekulativen Gebrauche in der Tat gar nichts wissen können; sollte sie nicht ein desto weiteres Feld zu Hypothesen eröffnen, da es wenigstens vergönnt ist, zu dichten und zu meinen, wenngleich nicht zu behaupten?
B 798 Wo nicht etwa Einbildungskraft schwärmen, sondern, unter der strengen Aufsicht der Vernunft, dichten soll, so muß immer vorher etwas völlig gewiß und nicht erdichtet, oder bloße Meinung sein, und das ist die Möglichkeit des Gegenstandes selbst. Alsdann ist es wohl erlaubt, wegen der Wirklichkeit desselben, zur Meinung seine Zuflucht zu nehmen, die aber, um nicht grundlos zu sein, mit dem, was wirklich gegeben und folglich gewiß ist, als Erklärungsgrund in Verknüpfung gebracht werden muß, und alsdann Hypothese heißt.
Da wir uns nun von der Möglichkeit der dynamischen Verknüpfung a priori nicht den mindesten Begriff machen können, und die Kategorie des reinen Verstandes nicht dazu dient, dergleichen zu erdenken, sondern nur, wo sie in der Erfahrung angetroffen wird, zu verstehen: so können wir nicht einen einzigen Gegenstand, nach einer neuen und empirisch nicht anzugebenden Beschaffenheit, diesen Kategorien gemäß, ursprünglich aussinnen und sie einer erlaubten Hypothese zum Grunde legen; denn dieses hieße, der Vernunft leere Hirngespinste, statt der Begriffe von Sachen, unterzulegen. So ist es nicht erlaubt, sich irgend neue ursprüngliche Kräfte zu erdenken, z.B. einen Verstand, der vermögend sei, seinen Gegenstand ohne Sinne anzuschauen, oder eine Anziehungskraft ohne alle Berührung, oder eine neue Art Substanzen, z.B. die ohne Undurchdringlichkeit im Raume gegenwärtig wäre, folglich auch keine Gemeinschaft der Substanzen, die von aller derjenigen
B 799 unterschieden ist, welche Erfahrung an die Hand gibt: keine Gegenwart anders, als im Raume; keine Dauer, als bloß in der Zeit. Mit einem Worte: es ist unserer Vernunft nur möglich, die Bedingungen möglicher Erfahrung als Bedingungen der Möglichkeit der Sachen zu brauchen; keineswegs aber, ganz unabhängig von diesen, sich selbst welche gleichsam zu schaffen, weil dergleichen Begriffe, obzwar ohne Widerspruch, dennoch auch ohne Gegenstand sein würden.
Die Vernunftbegriffe sind, wie gesagt, bloße Ideen, und haben freilich keinen Gegenstand in irgendeiner Erfahrung, aber bezeichnen darum doch nicht gedichtete und zugleich dabei für möglich angenommene Gegenstände. Sie sind bloß problematisch gedacht, um, in Beziehung auf sie (als heuristische Fiktionen), regulative Prinzipien des systematischen Verstandesgebrauchs im Felde der Erfahrung zu gründen. Geht man davon ab, so sind es bloße Gedankendinge, deren Möglichkeit nicht erweislich ist, und die daher auch nicht der Erklärung wirklicher Erscheinungen durch eine Hypothese zum Grunde gelegt werden können. Die Seele sich als einfach denken, ist ganz wohl erlaubt, um, nach dieser Idee, eine vollständige und notwendige Einheit aller Gemütskräfte, ob man sie gleich nicht in concreto einsehen kann, zum Prinzip unserer Beurteilung ihrer inneren Erscheinungen zu legen. Aber die Seele als einfache Substanz anzunehmen (ein transzendenter Begriff), wäre ein Satz, der nicht allein
B 800 unerweislich, (wie es mehrere physische Hypothesen sind,) sondern auch ganz willkürlich und blindlings gewagt sein würde, weil das Einfache in ganz und gar keiner Erfahrung vorkommen kann, und, wenn man unter Substanz hier das beharrliche Objekt der sinnlichen Anschauung versteht, die Möglichkeit einer einfachen Erscheinung gar nicht einzusehen ist. Bloß intelligible Wesen, oder bloß intelligible Eigenschaften der Dinge der Sinnenwelt, lassen sich mit keiner gegründeten Befugnis der Vernunft als Meinung annehmen, obzwar (weil man von ihrer Möglichkeit oder Unmöglichkeit keine Begriffe hat) auch durch keine vermeinte bessere Einsicht dogmatisch ableugnen.
Zur Erklärung gegebener Erscheinungen können keine anderen Dinge und Erklärungsgründe, als die, so nach schon bekannten Gesetzen der Erscheinungen mit den gegebenen in Verknüpfung gesetzt worden, angeführt werden. Eine transzendentale Hypothese, bei der eine bloße Idee der Vernunft zur Erklärung der Naturdinge gebraucht würde, würde daher gar keine Erklärung sein, indem das, was man aus bekannten empirischen Prinzipien nicht hinreichend versteht, durch etwas erklärt werden würde, davon man gar nichts versteht. Auch würde das Prinzip einer solchen Hypothese eigentlich nur zur Befriedigung der Vernunft und nicht zur Beförderung des Verstandesgebrauchs in Ansehung der Gegenstände dienen. Ordnung und Zweckmäßigkeit in der Natur muß wiederum aus Naturgründen und nach Naturgesetzen erklärt werden, und
B 801 hier sind selbst die wildesten Hypothesen, wenn sie nur physisch sind, erträglicher, als eine hyperphysische, d.i. die Berufung auf einen göttlichen Urheber, den man zu diesem Behuf voraussetzt. Denn das wäre ein Prinzip der faulen Vernunft (ignava ratio), alle Ursachen, deren objektive Realität, wenigstens der Möglichkeit nach, man noch durch fortgesetzte Erfahrung kann kennenlernen, auf einmal vorbeizugehen, um in einer bloßen Idee, die der Vernunft sehr bequem ist, zu ruhen. Was aber die absolute Totalität des Erklärungsgrundes in der Reihe derselben betrifft, so kann das kein Hindernis in Ansehung der Weltobjekte machen, weil, da diese nichts als Erscheinungen sind, an ihnen niemals etwas Vollendetes in der Synthesis der Reihen von Bedingungen gehofft werden kann.
Transzendentale Hypothesen des spekulativen Gebrauchs der Vernunft, und eine Freiheit, zu Ersetzung des Mangels an physischen Erklärungsgründen, sich allenfalls hyperphysischer zu bedienen, kann gar nicht gestattet werden, teils weil die Vernunft dadurch gar nicht weiter gebracht wird, sondern vielmehr den ganzen Fortgang ihres Gebrauchs abschneidet, teils weil diese Lizenz sie zuletzt um alle Früchte der Bearbeitung ihres eigentümlichen Bodens, nämlich der Erfahrung, bringen müßte. Denn, wenn uns die Naturerklärung hier oder da schwer wird, so haben wir beständig einen transzendenten Erklärungsgrund bei der Hand, der uns jener Untersuchung überhebt,
B 802 und unsere Nachforschung schließt nicht durch Einsicht, sondern durch gänzliche Unbegreiflichkeit eines Prinzips, welches so schon zum voraus ausgedacht war, daß es den Begriff des absolut Ersten enthalten mußte.
Das zweite erforderliche Stück zur Annehmungswürdigkeit einer Hypothese ist die Zulänglichkeit derselben, um daraus a priori die Folgen, welche gegeben sind, zu bestimmen. Wenn man zu diesem Zwecke hilfleistende Hypothesen herbeizurufen genötigt ist, so geben sie den Verdacht einer bloßen Erdichtung, weil jede derselben an sich dieselbe Rechtfertigung bedarf, welche der zum Grunde gelegte Gedanke nötig hatte, und daher keinen tüchtigen Zeugen abgeben kann. Wenn, unter Voraussetzung einer unbeschränkt vollkommenen Ursache, zwar an Erklärungsgründen aller Zweckmäßigkeit, Ordnung und Größe, die sich in der Welt finden, kein Mangel ist, so bedarf jene doch, bei den, wenigstens nach unseren Begriffen, sich zeigenden Abweichungen und Übeln, noch neuer Hypothesen, um gegen diese, als Einwürfe, gerettet zu werden. Wenn die einfache Selbständigkeit der menschlichen Seele, die zum Grunde ihrer Erscheinungen gelegt worden, durch die Schwierigkeiten ihrer, den Abänderungen einer Materie (dem Wachstum und Abnahme) ähnlichen Phänomene angefochten wird, so müssen neue Hypothesen zu Hilfe gerufen werden, die zwar nicht ohne Schein, aber doch ohne alle Beglaubigung sind, außer derjenigen,
B 803 welche ihnen die zum Hauptgrunde angenommene Meinung gibt, der sie gleichwohl das Wort reden sollen.
Wenn die hier zum Beispiele angeführten Vernunftbehauptungen (unkörperliche Einheit der Seele und Dasein eines höchsten Wesens) nicht als Hypothesen, sondern a priori bewiesene Dogmate gelten sollen, so ist alsdann von ihnen gar nicht die Rede. In solchem Falle aber sehe man sich ja vor, daß der Beweis die apodiktische Gewißheit einer Demonstration habe. Denn die Wirklichkeit solcher Ideen bloß wahrscheinlich machen zu wollen, ist ein ungereimter Vorsatz, ebenso, als wenn man einen Satz der Geometrie bloß wahrscheinlich zu beweisen gedächte. Die von aller Erfahrung abgesonderte Vernunft kann alles nur a priori und als notwendig oder gar nicht erkennen; daher ist ihr Urteil niemals Meinung, sondern entweder Enthaltung von allem Urteile, oder apodiktische Gewißheit. Meinungen und wahrscheinliche Urteile von dem, was Dingen zukommt, können nur als Erklärungsgründe dessen, was wirklich gegeben ist, oder Folgen nach empirischen Gesetzen von dem, was als wirklich zum Grunde liegt, mithin nur in der Reihe der Gegenstände der Erfahrung vorkommen. Außer diesem Felde ist meinen so viel, als mit Gedanken spielen, es müßte denn sein, daß man von einem unsicheren Wege des Urteils bloß die Meinung hätte, vielleicht auf ihm die Wahrheit zu finden.
B 804 Ob aber gleich bei bloß spekulativen Fragen der reinen Vernunft keine Hypothesen stattfinden, um Sätze darauf zu gründen, so sind sie dennoch ganz zulässig, um sie allenfalls nur zu verteidigen, d.i. zwar nicht im dogmatischen, aber doch im polemischen Gebrauche. Ich verstehe aber unter Verteidigung nicht die Vermehrung der Beweisgründe seiner Behauptung, sondern die bloße Vereitlung der Scheineinsichten des Gegners, welche unserem behaupteten Satze Abbruch tun sollen. Nun haben aber alle synthetischen Sätze aus reiner Vernunft das Eigentümliche an sich: daß, wenn der, welcher die Realität gewisser Ideen behauptet, gleich niemals so viel weiß, um diesen seinen Satz gewiß zu machen, auf der anderen Seite der Gegner ebensowenig wissen kann, um das Widerspiel zu behaupten. Diese Gleichheit des Loses der menschlichen Vernunft, begünstigt nun zwar im spekulativen Erkenntnisse keinen von beiden, und da ist auch der rechte Kampfplatz nimmer beizulegender Fehden. Es wird sich aber in der Folge zeigen, daß doch, in Ansehung des praktischen Gebrauchs, die Vernunft ein Recht habe, etwas anzunehmen, was sie auf keine Weise im Felde der bloßen Spekulation, ohne hinreichende Beweisgründe, vorauszusetzen befugt wäre; weil alle solche Voraussetzungen der Vollkommenheit der Spekulation Abbruch tun, um welche sich aber das praktische Interesse gar nicht bekümmert. Dort ist sie also im Besitze, dessen Rechtmäßigkeit sie nicht beweisen darf, und wovon sie in der Tat den Beweis auch
B 805 nicht führen könnte. Der Gegner soll also beweisen. Da dieser aber ebensowenig etwas von dem bezweifelten Gegenstande weiß, um dessen Nichtsein darzutun, als der erstere, der dessen Wirklichkeit behauptet: so zeigt sich hier ein Vorteil auf der Seite desjenigen, der etwas als praktisch notwendige Voraussetzung behauptet (melior est conditio possidentis). Es steht ihm nämlich frei, sich gleichsam aus Notwehr eben derselben Mittel für seine gute Sache, als der Gegner wider dieselbe, d.i. der Hypothesen zu bedienen, die gar nicht dazu dienen sollen, um den Beweis derselben zu verstärken, sondern nur zu zeigen, daß der Gegner viel zu wenig von dem Gegenstande des Streites verstehe, als daß er sich eines Vorteils der spekulativen Einsicht in Ansehung unserer schmeicheln könne.
Hypothesen sind also im Felde der reinen Vernunft nur als Kriegswaffen erlaubt, nicht um darauf ein Recht zu gründen, sondern nur es zu verteidigen. Den Gegner aber müssen wir hier jederzeit in uns selbst suchen. Denn spekulative Vernunft in ihrem transzendentalen Gebrauche ist an sich dialektisch. Die Einwürfe, die zu fürchten sein möchten, liegen in uns selbst. Wir müssen sie, gleich alten, aber niemals verjährenden Ansprüchen, hervorsuchen, um einen ewigen Frieden auf deren Vernichtigung zu gründen. Äußere Ruhe ist nur scheinbar. Der Keim der Anfechtungen, der in der Natur der Menschenvernunft liegt, muß ausgerottet werden; wie können wir
B 806 ihn aber ausrotten, wenn wir ihm nicht Freiheit, ja selbst Nahrung geben, Kraut auszuschießen, um sich dadurch zu entdecken, und es nachher mit der Wurzel zu vertilgen? Sinnet demnach selbst auf Einwürfe, auf die noch kein Gegner gefallen ist, und leihet ihm sogar Waffen, oder räumet ihm den günstigsten Platz ein, den er sich nur wünschen kann. Es ist hierbei gar nichts zu fürchten, wohl aber zu hoffen, nämlich, daß ihr euch einen in alle Zukunft niemals mehr anzufechtenden Besitz verschaffen werdet.
Zu euerer vollständigen Rüstung gehören nun auch die Hypothesen der reinen Vernunft, welche, obzwar nur bleierne Waffen (weil sie durch kein Erfahrungsgesetz gestählt sind), dennoch immer so viel vermögen, als die, deren sich irgendein Gegner wider euch bedienen mag. Wenn euch also, wider die (in irgendeiner anderen nicht spekulativen Rücksicht) angenommene immaterielle und keiner körperlichen Umwandlung unterworfene Natur der Seele, die Schwierigkeit aufstößt, daß gleichwohl die Erfahrung sowohl die Erhebung, als Zerrüttung unserer Geisteskräfte bloß als verschiedene Modifikation unserer Organen zu beweisen scheine; so könnt ihr die Kraft dieses Beweises dadurch schwächen, daß ihr annehmt, unser Körper sei nichts, als die Fundamentalerscheinung, worauf, als Bedingung, sich in dem jetzigen Zustande (im Leben) das ganze Vermögen der Sinnlichkeit und hiermit alles Denken bezieht. Die Trennung vom Körper sei das Ende dieses sinnlichen Gebrauchs eurer Erkenntniskraft und der Anfang
B 807 des intellektuellen. Der Körper wäre also nicht die Ursache des Denkens, sondern eine bloß restringierende Bedingung desselben, mithin zwar als Beförderung des sinnlichen und animalischen, aber desto mehr auch als Hindernis des reinen und spirituellen Lebens anzusehen, und die Abhängigkeit des ersteren von der körperlichen Beschaffenheit bewiese nichts für die Abhängigkeit des ganzen Lebens von dem Zustande unserer Organen. Ihr könnt aber noch weiter gehen, und wohl gar neue, entweder nicht aufgeworfene, oder nicht weit genug getriebene Zweifel ausfindig machen.
Die Zufälligkeit der Zeugungen, die bei Menschen, sowie beim vernunftslosen Geschöpfe, von der Gelegenheit, überdem aber auch oft vom Unterhalte, von der Regierung, deren Launen und Einfällen, oft sogar vom Laster abhängt, macht eine große Schwierigkeit wider die Meinung der auf Ewigkeiten sich erstreckenden Fortdauer eines Geschöpfs, dessen Leben unter so unerheblichen und unserer Freiheit so ganz und gar überlassenen Umständen zuerst angefangen hat. Was die Fortdauer der ganzen Gattung (hier auf Erden) betrifft, so hat diese Schwierigkeit in Ansehung derselben wenig auf sich, weil der Zufall im Einzelnen nichtsdestoweniger einer Regel im Ganzen unterworfen ist; aber in Ansehung eines jeden Individuum eine so mächtige Wirkung von so geringfügigen Ursachen zu erwarten, scheint allerdings bedenklich. Hiewider könnt ihr aber eine transzendentale Hypothese aufbieten: daß alles Leben eigentlich nur
B 808 intelligibel sei, den Zeitveränderungen gar nicht unterworfen, und weder durch Geburt angefangen habe, noch durch den Tod geendigt werde. Daß dieses Leben nichts als eine bloße Erscheinung, d.i. eine sinnliche Vorstellung von dem reinen geistigen Leben, und die ganze Sinnenwelt ein bloßes Bild sei, welches unserer jetzigen Erkenntnisart vorschwebt, und, wie ein Traum, an sich keine objektive Realität habe: dass, wenn wir die Sachen und uns selbst anschauen sollen, wie sie sind, wir uns in einer Welt geistiger Naturen sehen würden, mit welcher unsere einzig wahre Gemeinschaft weder durch Geburt angefangen habe, noch durch den Leibestod (als bloße Erscheinungen) aufhören werde, usw.
Ob wir nun gleich von allem diesem, was wir hier wider den Angriff hypothetisch vorschützen, nicht das Mindeste wissen, noch im Ernste behaupten, sondern alles nicht einmal Vernunftidee, sondern bloß zur Gegenwehr ausgedachter Begriff ist, so verfahren wir doch hierbei ganz vernunftmäßig, indem wir dem Gegner, welcher alle Möglichkeit erschöpft zu haben meint, indem er den Mangel ihrer empirischen Bedingungen für einen Beweis der gänzlichen Unmöglichkeit des von uns Geglaubten fälschlich ausgibt, nur zeigen: daß er ebensowenig durch bloße Erfahrungsgesetze das ganze Feld möglicher Dinge an sich selbst umspannen, als wir außerhalb der Erfahrung für unsere Vernunft irgend etwas auf gegründete Art erwerben können. Der solche hypothetische Gegenmittel
B 809 wider die Anmaßungen des dreist verneinenden Gegners verkehrt, muß nicht dafür gehalten werden, als wolle er sie sich als seine wahren Meinungen eigen machen. Er verläßt sie, sobald er den dogmatischen Eigendünkel des Gegners abgefertigt hat. Denn so bescheiden und gemäßigt es auch anzusehen ist, wenn jemand sich in Ansehung fremder Behauptungen bloß weigernd und verneinend verhält, so ist doch jederzeit, sobald er diese seine Einwürfe als Beweise des Gegenteils geltend machen will, der Anspruch nicht weniger stolz und eingebildet, als ob er die bejahende Partei und deren Behauptung ergriffen hätte.
Man sieht also hieraus, daß im spekulativen Gebrauche der Vernunft Hypothesen keine Gültigkeit als Meinungen an sich selbst, sondern nur relativ auf entgegengesetzte transzendente Anmaßungen haben. Denn die Ausdehnung der Prinzipien möglicher Erfahrung auf die Möglichkeit der Dinge überhaupt ist ebensowohl transzendent, als die Behauptung der objektiven Realität solcher Begriffe, welche ihre Gegenstände nirgends als außerhalb der Grenze aller möglichen Erfahrung finden können. Was reine Vernunft assertorisch urteilt, muß (wie alles, was Vernunft erkennt,) notwendig sein, oder es ist gar nichts. Demnach enthält sie in der Tat gar keine Meinungen. Die gedachten Hypothesen aber sind nur problematische Urteile, die wenigstens nicht widerlegt, obgleich freilich durch nichts bewiesen werden können, und
B 810 sind also keine Privatmeinungen, können aber doch nicht füglich (selbst zur inneren Beruhigung) gegen sich regende Skrupel entbehrt werden. In dieser Qualität aber muß man sie erhalten, und ja sorgfältig verhüten, daß sie nicht als an sich selbst beglaubigt, und von einiger absoluten Gültigkeit, auftreten, und die Vernunft unter Erdichtungen und Blendwerken ersäufen.
Des ersten Hauptstücks Vierter Abschnitt Die Disziplin der reinen Vernunft in Ansehung ihrer Beweise
Die Beweise transzendentaler und synthetischer Sätze haben das Eigentümliche, unter allen Beweisen einer synthetischen Erkenntnis a priori, an sich, daß die Vernunft bei jenen vermittelst ihrer Begriffe sich nicht geradezu an den Gegenstand wenden darf, sondern zuvor die objektive Gültigkeit der Begriffe und die Möglichkeit der Synthesis derselben a priori dartun muß. Dieses ist nicht etwa bloß eine nötige Regel der Behutsamkeit, sondern betrifft das Wesen und die Möglichkeit der Beweise selbst. Wenn ich über den Begriff von einem Gegenstande a priori hinausgehen soll, so ist dieses, ohne einen besonderen und außerhalb diesem Begriffe befindlichen Leitfaden, unmöglich. In der Mathematik ist es die Anschauung a priori, die meine Synthesis leitet, und da können alle Schlüsse unmittelbar von der reinen
B 811 Anschauung geführt werden. Im transzendentalen Erkenntnis, so lange es bloß mit Begriffen des Verstandes zu tun hat, ist diese Richtschnur die mögliche Erfahrung. Der Beweis zeigt nämlich nicht, daß der gegebene Begriff (z.B. von dem, was geschieht,) geradezu auf einen anderen Begriff (den einer Ursache) führe; denn dergleichen Übergang wäre ein Sprung, der sich gar nicht verantworten ließe; sondern er zeigt, daß die Erfahrung selbst, mithin das Objekt der Erfahrung, ohne eine solche Verknüpfung unmöglich wäre. Also mußte der Beweis zugleich die Möglichkeit anzeigen, synthetisch und a priori zu einer gewissen Erkenntnis von Dingen zu gelangen, die in dem Begriffe von ihnen nicht enthalten war. Ohne diese Aufmerksamkeit laufen die Beweise wie Wasser, welche ihre Ufer durchbrechen, wild und querfeldein, dahin, wo der Hang der verborgenen Assoziation sie zufälligerweise herleitet. Der Schein der Überzeugung, welcher auf subjektiven Ursachen der Assoziation beruht, und für die Einsicht einer natürlichen Affinität gehalten wird, kann der Bedenklichkeit gar nicht die Wage halten, die sich billigermaßen über dergleichen gewagte Schritte einfinden muß. Daher sind auch alle Versuche, den Satz des zureichenden Grundes zu beweisen, nach dem allgemeinen Geständnisse der Kenner, vergeblich gewesen, und ehe die transzendentale Kritik auftrat, hat man lieber, da man diesen Grundsatz doch nicht verlassen konnte, sich trotzig auf den gesunden Menschenverstand berufen, (eine Zuflucht, die
B 812 jederzeit beweist, daß die Sache der Vernunft verzweifelt ist,) als neue dogmatische Beweise versuchen wollen.
Ist aber der Satz, über den ein Beweis geführt werden soll, eine Behauptung der reinen Vernunft, und will ich sogar vermittelst bloßer Ideen über meine Erfahrungsbegriffe hinausgehen, so müßte derselbe noch vielmehr die Rechtfertigung eines solchen Schrittes der Synthesis (wenn er anders möglich wäre) als eine notwendige Bedingung seiner Beweiskraft in sich enthalten. So scheinbar daher auch der vermeintliche Beweis der einfachen Natur unserer denkenden Substanz aus der Einheit der Apperzeption sein mag, so steht ihm doch die Bedenklichkeit unabweislich entgegen: daß, da die absolute Einfachheit doch kein Begriff ist, der unmittelbar auf eine Wahrnehmung bezogen werden kann, sondern als Idee bloß geschlossen werden muß, gar nicht einzusehen ist, wie mich das bloße Bewußtsein, welches in allem Denken enthalten ist, oder wenigstens sein kann, ob es zwar sofern eine einfache Vorstellung ist, zu dem Bewußtsein und der Kenntnis eines Dinges überführen solle, in welchem das Denken allein enthalten sein kann. Denn, wenn ich mir die Kraft meines Körpers in Bewegung vorstelle, so ist er sofern für mich absolute Einheit, und meine Vorstellung von ihm ist einfach; daher kann ich diese auch durch die Bewegung eines Punkts ausdrücken, weil sein Volumen hierbei nichts tut, und, ohne Verminderung der Kraft, so klein, wie man will, und also auch als in einem Punkt
B 813 befindlich gedacht werden kann. Hieraus werde ich aber doch nicht schließen: daß, wenn mir nichts, als die bewegende Kraft eines Körpers, gegeben ist, der Körper als einfache Substanz gedacht werden könne, darum, weil seine Vorstellung von aller Größe des Raumesinhalts abstrahiert und also einfach ist. Hierdurch nun, daß das Einfache in der Abstraktion vom Einfachen im Objekt ganz unterschieden ist, und daß das Ich, welches im ersteren Verstande gar keine Mannigfaltigkeit in sich faßt, im zweiten, da es die Seele selbst bedeutet, ein sehr komplexen Begriff sein kann, nämlich sehr vieles unter sich zu enthalten und zu bezeichnen, entdecke ich einen Paralogismus. Allein, um diesen vorher zu ahnden, (denn ohne eine solche vorläufige Vermutung würde man gar keinen Verdacht gegen den Beweis fassen,) ist durchaus nötig, ein immerwährendes Kriterium der Möglichkeit solcher synthetischen Sätze die mehr beweisen sollen, als Erfahrung geben kann, bei Hand zu haben, welches darin besteht: daß der Beweis nicht geradezu auf das verlangte Prädikat, sondern nur vermittelst eines Prinzips der Möglichkeit, unseren gegebenen Begriff a priori bis zu Ideen zu erweitern, und diese zu realisieren, geführt werde. Wenn diese Behutsamkeit immer gebraucht wird, wenn man, ehe der Beweis noch versucht wird, zuvor weislich bei sich zu Rate geht, wie und mit welchem Grunde der Hoffnung man wohl eine solche Erweiterung durch reine Vernunft erwarten könne, und woher man, in dergleichen Falle, diese
B 814 Einsichten, die nicht aus Begriffen entwickelt, und auch nicht in Beziehung auf mögliche Erfahrung antizipiert werden können, denn hernehmen wolle: so kann man sich viel schwere und dennoch fruchtlose Bemühungen ersparen, indem man der Vernunft nichts zumutet, was offenbar über ihr Vermögen geht, oder vielmehr sie, die, bei Anwandlungen ihrer spekulativen Erweiterungssucht, sich nicht gerne einschränken läßt, der Disziplin der Enthaltsamkeit unterwirft.
Die erste Regel ist also diese: keine transzendentalen Beweise zu versuchen, ohne zuvor überlegt und sich desfalls gerechtfertigt zu haben, woher man die Grundsätze nehmen wolle, auf welche man sie zu errichten gedenkt, und mit welchem Rechte man von ihnen den guten Erfolg der Schlüsse erwarten könne. Sind es Grundsätze des Verstandes (z.B. der Kausalität), so ist es umsonst, vermittelst ihrer zu Ideen der reinen Vernunft zu gelangen; denn jene gelten nur für Gegenstände möglicher Erfahrung. Sollen es Grundsätze aus reiner Vernunft sein, so ist wiederum alle Mühe umsonst. Denn die Vernunft hat deren zwar, aber als objektive Grundsätze sind sie insgesamt dialektisch, und können allenfalls nur wie regulative Prinzipien des systematisch zusammenhängenden Erfahrungsgebrauchs gültig sein. Sind aber dergleichen angebliche Beweise schon vorhanden: so setzet der trüglichen Überzeugung das non liquet eurer gereiften Urteilskraft
B 815 entgegen, und, ob ihr gleich das Blendwerk derselben noch nicht durchdringen könnt, so habt ihr doch völliges Recht, die Deduktion der darin gebrauchten Grundsätze zu verlangen, welche, wenn sie aus bloßer Vernunft entsprungen sein sollen, euch niemals geschafft werden kann. Und so habt ihr nicht einmal nötig, euch mit der Entwicklung und Widerlegung eines jeden grundlosen Scheins zu befassen, sondern könnt alle an Kunstgriffen unerschöpfliche Dialektik am Gerichtshofe einer kritischen Vernunft, welche Gesetze verlangt, in ganzen Haufen auf einmal abweisen.
Die zweite Eigentümlichkeit transzendentaler Beweise ist diese: daß zu jedem transzendentalen Satze nur ein einziger Beweis gefunden werden könne. Soll ich nicht aus Begriffen, sondern aus der Anschauung, die einem Begriffe korrespondiert, es sei nun eine reine Anschauung, wie in der Mathematik, oder empirische, wie in der Naturwissenschaft, schließen: so gibt mir die zum Grunde gelegte Anschauung mannigfaltigen Stoff zu synthetischen Sätzen, welchen ich auf mehr als eine Art verknüpfen, und, indem ich von mehr als einem Punkte ausgehen darf, durch verschiedene Wege zu demselben Satze gelangen kann.
Nun geht aber ein jeder transzendentaler Satz bloß von Einem Begriffe aus, und sagt die synthetische Bedingung der Möglichkeit des Gegenstandes nach diesem Begriffe. Der Beweisgrund kann also nur ein einziger sein, weil außer diesem Begriffe nichts weiter ist, wodurch der
B 816 Gegenstand bestimmt werden könnte, der Beweis also nichts weiter, als die Bestimmung eines Gegenstandes überhaupt nach diesem Begriffe, der auch nur ein einziger ist, enthalten kann. Wir hatten z.B. in der transzendentalen Analytik den Grundsatz: alles, was geschieht, hat eine Ursache, aus der einzigen Bedingung der objektiven Möglichkeit eines Begriffs, von dem, was überhaupt geschieht, gezogen: daß die Bestimmung einer Begebenheit in der Zeit, mithin diese (Begebenheit) als zur Erfahrung gehörig, ohne unter einer solchen dynamischen Regel zu stehen, unmöglich wäre. Dieses ist nun auch der einzig mögliche Beweisgrund; denn dadurch nur, daß dem Begriffe vermittelst des Gesetzes der Kausalität ein Gegenstand bestimmt wird, hat die vorgestellte Begebenheit objektive Gültigkeit, d.i. Wahrheit. Man hat zwar noch andere Beweise von diesem Grundsatze z.B. aus der Zufälligkeit versucht; allein, wenn dieser beim Lichte betrachtet wird, so kann man kein Kennzeichen der Zufälligkeit auffinden, als das Geschehen, d.i. das Dasein, vor welchem ein Nichtsein des Gegenstandes vorhergeht, und kommt also immer wiederum auf den nämlichen Beweisgrund zurück. Wenn der Satz bewiesen werden soll: alles, was denkt, ist einfach; so hält man sich nicht bei dem Mannigfaltigen des Denkens auf, sondern beharrt bloß bei dem Begriffe des Ich, welcher einfach ist und worauf alles Denken bezogen wird. Ebenso ist es mit dem transzendentalen Beweise vom Dasein Gottes bewandt, welcher lediglich auf der
B 817 Reziprokabilität der Begriffe vom realsten und notwendigen Wesen beruht, und nirgends anders gesucht werden kann.
Durch diese warnende Anmerkung wird die Kritik der Vernunftbehauptungen sehr ins Kleine gebracht. Wo Vernunft ihr Geschäft durch bloße Begriffe treibt, da ist nur ein einziger Beweis möglich, wenn überall nur irgendeiner möglich ist. Daher, wenn man schon den Dogmatiker mit zehn Beweisen auftreten sieht, da kann man sicher glauben, daß er gar keinen habe. Denn, hätte er einen, der (wie es in Sachen der reinen Vernunft sein muß) apodiktisch bewiese, wozu bedürfte er der übrigen? Seine Absicht ist nur, wie die von jenem Parlamentsadvokaten: das eine Argument ist für diesen, das andere für jenen, nämlich, um sich die Schwäche seiner Richter zunutze zu machen, die, ohne sich tief einzulassen, und, um von dem Geschäft bald loszukommen, das Erstebeste, was ihnen eben auffällt, ergreifen und darnach entscheiden.
Die dritte eigentümliche Regel der reinen Vernunft, wenn sie in Ansehung transzendentaler Beweise einer Disziplin unterworfen wird, ist: daß ihre Beweise niemals apagogisch, sondern jederzeit ostensiv sein müssen. Der direkte oder ostensive Beweis ist in aller Art der Erkenntnis derjenige, welcher mit der Überzeugung von der Wahrheit, zugleich Einsicht in die Quellen derselben verbindet; der apagogische dagegen kann zwar Gewißheit, aber nicht Begrifflichkeit der Wahrheit in Ansehung des Zusammenhanges mit den Gründen ihrer Möglichkeit hervorbringen.
B 818 Daher sind die letzteren mehr eine Nothilfe, als ein Verfahren, welches allen Absichten der Vernunft ein Genüge tut. Doch haben diese einen Vorzug der Evidenz vor den direkten Beweisen, darin: daß der Widerspruch allemal mehr Klarheit in der Vorstellung bei sich führt, als die beste Verknüpfung, und sich dadurch dem Anschaulichen einer Demonstration mehr nähert.
Die eigentliche Ursache des Gebrauchs apagogischer Beweise in verschiedenen Wissenschaften ist wohl diese. Wenn die Gründe, von denen eine gewisse Erkenntnis abgeleitet werden soll, zu mannigfaltig oder zu tief verborgen liegen: so versucht man, ob sie nicht durch die Folgen zu erreichen sei. Nun wäre der modus ponens, auf die Wahrheit einer Erkenntnis aus der Wahrheit ihrer Folgen zu schließen, nur alsdann erlaubt, wenn alle möglichen Folgen daraus wahr sind; denn alsdann ist zu diesem nur ein einziger Grund möglich, der also auch der wahre ist. Dieses Verfahren aber ist untunlich, weil es über unsere Kräfte geht, alle möglichen Folgen von irgendeinem angenommenen Satze einzusehen; doch bedient man sich dieser Art zu schließen, obzwar freilich mit einer gewissen Nachsicht, wenn es darum zu tun ist, um etwas bloß als Hypothese zu beweisen, indem man den Schluß nach der Analogie einräumt: daß, wenn so viele Folgen, als man nur immer versucht hat, mit einem angenommenen Grunde wohl zusammenstimmen, alle übrigen möglichen auch darauf einstimmen werden. Um deswillen kann durch diesen
B 819 Weg niemals eine Hypothese in demonstrierte Wahrheit verwandelt werden. Der modus tollens der Vernunftschlüsse, die von den Folgen auf die Gründe schließen, beweist nicht allein ganz strenge, sondern auch überaus leicht. Denn, wenn auch nur eine einzige falsche Folge aus einem Satze gezogen werden kann, so ist dieser Satz falsch. Anstatt nun die ganze Reihe der Gründe in einem ostensiven Beweise durchzulaufen, die auf die Wahrheit einer Erkenntnis, vermittelst der vollständigen Einsicht in ihre Möglichkeit, führen kann, darf man nur unter den aus dem Gegenteil derselben fließenden Folgen eine einzige falsch finden, so ist dieses Gegenteil auch falsch, mithin die Erkenntnis, welche man zu beweisen hatte, wahr.
Die apagogische Beweisart kann aber nur in den Wissenschaften erlaubt sein, wo es unmöglich ist, das Subjektive unserer Vorstellungen dem Objektiven, nämlich der Erkenntnis desjenigen, was am Gegenstande ist, unterzuschieben. Wo dieses letztere aber herrschend ist, da muß es sich häufig zutragen, daß das Gegenteil eines gewissen Satzes entweder bloß den subjektiven Bedingungen des Denkens widerspricht, aber nicht dem Gegenstande, oder daß beide Sätze nur unter einer subjektiven Bedingung, die, fälschlich für objektiv gehalten, einander widersprechen, und da die Bedingung falsch ist, alle beide falsch sein können, ohne daß von der Falschheit des einen auf die Wahrheit des anderen geschlossen werden kann.
B 820 In der Mathematik ist diese Subreption unmöglich; daher haben sie daselbst auch ihren eigentlichen Platz. In der Naturwissenschaft, weil sich daselbst alles auf empirische Anschauungen gründet, kann jene Erschleichung durch viel verglichene Beobachtungen zwar so mehrenteils verhütet werden; aber diese Beweisart ist daselbst doch mehrenteils unerheblich. Aber die transzendentalen Versuche der reinen Vernunft werden insgesamt innerhalb dem eigentlichen Medium des dialektischen Scheins angestellt, d.i. des Subjektiven, welches sich der Vernunft in ihren Prämissen als objektiv anbietet, oder gar aufdrängt. Hier nun kann es, was synthetische Sätze betrifft, gar nicht erlaubt werden, seine Behauptungen dadurch zu rechtfertigen, daß man das Gegenteil widerlegt. Denn, entweder diese Widerlegung ist nichts anderes, als die bloße Vorstellung des Widerstreits der entgegengesetzten Meinung, mit den subjektiven Bedingungen der Begreiflichkeit durch unsere Vernunft, welches gar nichts dazu tut, um die Sache selbst darum zu verwerfen, (sowie z.B. die unbedingte Notwendigkeit im Dasein eines Wesens schlechterdings von uns nicht begriffen werden kann, und sich daher subjektiv jedem spekulativen Beweise eines notwendigen obersten Wesens mit Recht, der Möglichkeit eines solchen Urwesens aber an sich selbst mit Unrecht widersetzt,) oder beide, sowohl der behauptende, als der verneinende Teil, legen, durch den transzendentalen Schein betrogen, einen unmöglichen Begriff vom Gegenstande zum Grunde, und
B 821 da gilt die Regel: non entis nulla sunt praedicata, d.i. sowohl was man bejahend, als was man verneinend von dem Gegenstande behauptete, ist beides unrichtig, und man kann nicht apagogisch durch die Widerlegung des Gegenteils zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. So zum Beispiel, wenn vorausgesetzt wird, daß die Sinnenwelt an sich selbst ihrer Totalität nach gegeben sei, so ist es falsch, daß sie entweder unendlich dem Raume nach, oder endlich und begrenzt sein müsse, darum weil beides falsch ist. Denn Erscheinungen (als bloße Vorstellungen), die doch an sich selbst (als Objekte) gegeben wären, sind etwas Unmögliches, und die Unendlichkeit dieses eingebildeten Ganzen würde zwar unbedingt sein, widerspräche aber (weil alles an Erscheinungen bedingt ist) der unbedingten Größenbestimmung, die doch im Begriffe vorausgesetzt wird.
Die apagogische Beweisart ist auch das eigentliche Blendwerk, womit die Bewunderer der Gründlichkeit unserer dogmatischen Vernünftler jederzeit hingehalten worden: sie ist gleichsam der Champion, der die Ehre und das unstreitige Recht seiner genommenen Partei dadurch beweisen will, daß er sich mit jedermann zu raufen anheischig macht, der es bezweifeln wollte, obgleich durch solche Großsprecherei nichts in der Sache, sondern nur der respektiven Stärke der Gegner ausgemacht wird, und zwar auch nur auf der Seite desjenigen, der sich angreifend verhält. Die Zuschauer, indem sie sehen, daß ein jeder
B 822 in seiner Reihe bald Sieger ist, bald unterliegt, nehmen oftmals daraus Anlaß, das Objekt des Streites selbst skeptisch zu bezweifeln. Aber sie haben nicht Ursache dazu, und es ist genug, ihnen zuzurufen: non defensoribus istis tempus eget. Ein jeder muß seine Sache vermittelst eines durch transzendentale Deduktion der Beweisgründe geführten rechtlichen Beweises, d.i. direkt, führen, damit man sehe, was seine Vernunftansprüche für sich selbst anzuführen haben. Denn, fußet sich sein Gegner auf subjektive Gründe, so ist er freilich leicht zu widerlegen, aber ohne Vorteil für den Dogmatiker, der gemeiniglich ebenso den subjektiven Ursachen des Urteils anhängt, und gleichergestalt von seinem Gegner in die Enge getrieben werden kann. Verfahren aber beide Teile bloß direkt, so werden sie entweder die Schwierigkeit, ja Unmöglichkeit, den Titel ihrer Behauptungen auszufinden, von selbst bemerken, und sich zuletzt nur auf Verjährung berufen können, oder die Kritik wird den dogmatischen Schein leicht entdecken, und die reine Vernunft nötigen, ihre zu hoch getriebenen Anmaßungen im spekulativen Gebrauch aufzugeben, und sich innerhalb die Grenzen ihres eigentümlichen Bodens, nämlich praktischer Grundsätze, zurückzuziehen.
B 823 Der transzendentalen Methodenlehre Zweites Hauptstück Der Kanon der reinen Vernunft
Es ist demütigend für die menschliche Vernunft, daß sie in ihrem reinen Gebrauche nichts ausrichtet, und sogar noch einer Disziplin bedarf, um ihre Ausschweifungen zu bändigen, und die Blendwerke, die ihr daher kommen, zu verhüten. Allein andererseits erhebt es sie wiederum und gibt ihr ein Zutrauen zu sich selbst, daß sie diese Disziplin selbst ausüben kann und muß, ohne eine andere Zensur über sich zu gestatten, imgleichen daß die Grenzen, die sie ihrem spekulativen Gebrauche zu setzen genötigt ist, zugleich die vernünftelnden Anmaßungen jeden Gegners einschränken, und mithin alles, was ihr noch von ihren vorher übertriebenen Forderungen übrigbleiben möchte, gegen alle Angriffe sicherstellen könne. Der größte und vielleicht einzige Nutzen aller Philosophie der reinen Vernunft ist also wohl nur negativ; da sie nämlich nicht, als Organon, zur Erweiterung, sondern, als Disziplin, zur Grenzbestimmung dient, und, anstatt Wahrheit zu entdecken, nur das stille Verdienst hat, Irrtümer zu verhüten.
Indessen muß es doch irgendwo einen Quell von positiven Erkenntnissen geben, welche ins Gebiet der reinen Vernunft gehören, und die vielleicht nur durch Mißverstand
B 824 zu Irrtümern Anlaß geben, in der Tat aber das Ziel der Beeiferung der Vernunft ausmachen. Denn welcher Ursache sollte sonst wohl die nicht zu dämpfende Begierde, durchaus über die Grenze der Erfahrung hinaus irgendwo festen Fuß zu fassen, zuzuschreiben sein? Sie ahndet Gegenstände, die ein großes Interesse für sie bei sich führen. Sie tritt den Weg der bloßen Spekulation an, um sich ihnen zu nähern; aber diese fliehen vor sie. Vermutlich wird auf dem einzigen Wege, der ihr noch übrig ist, nämlich dem des praktischen Gebrauchs, besseres Glück für sie zu hoffen sein.
Ich verstehe unter einem Kanon den Inbegriff der Grundsätze a priori des richtigen Gebrauchs gewisser Erkenntnisvermögen überhaupt. So ist die allgemeine Logik in ihrem analytischen Teile ein Kanon für Verstand und Vernunft überhaupt, aber nur der Form nach, denn sie abstrahiert von allem Inhalte. So war die transzendentale Analytik der Kanon des reinen Verstandes; denn der ist allein wahrer synthetischer Erkenntnisse a priori fähig. Wo aber kein richtiger Gebrauch einer Erkenntniskraft möglich ist, da gibt es keinen Kanon. Nun ist alle synthetische Erkenntnis der reinen Vernunft in ihrem spekulativen Gebrauche, nach allen bisher geführten Beweisen, gänzlich unmöglich. Also gibt es gar keinen Kanon des spekulativen Gebrauchs derselben (denn dieser ist durch und durch dialektisch), sondern alle transzendentale Logik ist in dieser Absicht nichts als Disziplin. Folglich, wenn es
B 825 überall einen richtigen Gebrauch der reinen Vernunft gibt, in welchem Fall es auch einen Kanon derselben geben muß, so wird dieser nicht den spekulativen, sondern den praktischen Vernunftgebrauch betreffen, den wir also jetzt untersuchen wollen.
Des Kanons der reinen Vernunft Erster Abschnitt Von dem letzten Zwecke des reinen Gebrauchs unserer Vernunft
Die Vernunft wird durch einen Hang ihrer Natur getrieben, über den Erfahrungsgebrauch hinauszugehen, sich in einem reinen Gebrauche und vermittelst bloßer Ideen zu den äußersten Grenzen aller Erkenntnis hinaus zu wagen, und nur allererst in der Vollendung ihres Kreises, in einem für sich bestehenden systematischen Ganzen, Ruhe zu finden. Ist nun diese Bestrebung bloß auf ihr spekulatives, oder vielmehr einzig und allein auf ihr praktisches Interesse gegründet?
Ich will das Glück, welches die reine Vernunft in spekulativer Absicht macht, jetzt beiseite setzen, und frage nur nach den Aufgaben, deren Auflösung ihren letzten Zweck ausmacht, sie mag diesen nun erreichen oder nicht, und in Ansehung dessen alle anderen bloß den Wert der Mittel haben. Diese höchsten Zwecke werden, nach der Natur
B 826 der Vernunft, wiederum Einheit haben müssen, um dasjenige Interesse der Menschheit, welches keinem höheren untergeordnet ist, vereinigt zu befördern.
Die Endabsicht, worauf die Spekulation der Vernunft im transzendentalen Gebrauche zuletzt hinausläuft, betrifft drei Gegenstände: die Freiheit des Willens, die Unsterblichkeit der Seele, und das Dasein Gottes. In Ansehung aller drei ist das bloß spekulative Interesse der Vernunft nur sehr gering, und in Absicht auf dasselbe würde wohl schwerlich eine ermüdende, mit unaufhörlichen Hindernissen ringende Arbeit transz. Nachforschung übernommen werden, weil man von allen Entdeckungen, die hierüber zu machen sein möchten, doch keinen Gebrauch machen kann, der in concreto, d.i. in der Naturforschung, seinen Nutzen bewiese. Der Wille mag auch frei sein, so kann dieses doch nur die intelligible Ursache unseres Wollens angehen. Denn, was die Phänomene der Äußerungen desselben, d.i. die Handlungen betrifft, so müssen wir, nach einer unverletzlichen Grundmaxime, ohne welche wir keine Vernunft im empirischen Gebrauche ausüben können, sie niemals anders als alle übrigen Erscheinungen der Natur, nämlich nach unwandelbaren Gesetzen derselben, erklären. Es mag zweitens auch die geistige Natur der Seele (und mit derselben ihre Unsterblichkeit) eingesehen werden können, so kann darauf doch, weder in Ansehung der Erscheinungen dieses Lebens, als einen Erklärungsgrund, noch
B 827 auf die besondere Beschaffenheit des künftigen Zustandes Rechnung gemacht werden, weil unser Begriff einer unkörperlichen Natur bloß negativ ist, und unsere Erkenntnis nicht im mindesten erweitert, noch einigen tauglichen Stoff zu Folgerungen darbietet, als etwa zu solchen, die nur für Erdichtungen gelten können, die aber von der Philosophie nicht gestattet werden. Wenn auch drittens das Dasein einer höchsten Intelligenz bewiesen wäre: so würden wir uns zwar daraus das Zweckmäßige in der Welteinrichtung und Ordnung in allgemeinen begreiflich machen, keineswegs aber befugt sein, irgendeine besondere Anstalt und Ordnung daraus abzuleiten, oder, wo sie nicht wahrgenommen wird, darauf kühnlich zu schließen, indem es eine notwendige Regel des spekulativen Gebrauchs der Vernunft ist, Naturursachen nicht vorbeizugehen, und das, wovon wir uns durch Erfahrung belehren können, aufzugeben, um etwas, was wir kennen, von demjenigen abzuleiten, was alle unsere Kenntnis gänzlich übersteigt. Mit einem Worte, diese drei Sätze bleiben für die spekulative Vernunft jederzeit transzendent, und haben gar keinen immanenten, d.i. für Gegenstände der Erfahrung zulässigen, mithin für uns auf einige Art nützlichen Gebrauch, sondern sind an sich betrachtet ganz müßige und dabei noch äußert schwere Anstrengungen unserer Vernunft.
Wenn demnach diese drei Kardinalsätze uns zum Wissen gar nicht nötig sind, und uns gleichwohl durch unsere Vernunft dringend empfohlen werden; so wird ihre
B 828 Wichtigkeit wohl eigentlich nur das Praktische angehen müssen.
Praktisch ist alles, was durch Freiheit möglich ist. Wenn die Bedingungen der Ausübung unserer freien Willkür aber empirisch sind, so kann die Vernunft dabei keinen anderen als regulativen Gebrauch haben, und nur die Einheit empirischer Gesetze zu bewirken dienen, wie z.B. in der Lehre der Klugheit die Vereinigung aller Zwecke, die uns von unseren Neigungen aufgegeben sind, in den einigen, die Glückseligkeit, und die Zusammenstimmung der Mittel, um dazu zu gelangen, das ganze Geschäft der Vernunft ausmacht, die um deswillen keine anderen als pragmatische Gesetze des freien Verhaltens, zu Erreichung der uns von den Sinnen empfohlenen Zwecke, und also keine reinen Gesetze, völlig a priori bestimmt, liefern kann. Dagegen würden reine praktische Gesetze, deren Zweck durch die Vernunft völlig a priori gegeben ist, und die nicht empirisch bedingt, sondern schlechthin gebieten, Produkte der reinen Vernunft sein. Dergleichen aber sind die moralischen Gesetze, mithin gehören diese allein zum praktischen Gebrauche der reinen Vernunft, und erlauben einen Kanon.
Die ganze Zurüstung also der Vernunft, in der Bearbeitung, die man reine Philosophie nennen kann, ist in der Tat nur auf die drei gedachten Probleme gerichtet. Diese selber aber haben wiederum ihre entferntere Absicht, nämlich, was zu tun sei, wenn der Wille frei, wenn ein Gott und eine künftige Welt ist. Da dieses nun unser
B 829 Verhalten in Beziehung auf den höchsten Zweck betrifft, so ist die letzte Absicht der weislich uns versorgenden Natur, bei der Einrichtung unserer Vernunft, eigentlich nur aufs Moralische gestellt.
Es ist aber Behutsamkeit nötig, um, da wir unser Augenmerk auf einen Gegenstand werfen, der der transzendentalen Philosophie fremd* ist, nicht in Episoden auszuschweifen und die Einheit des Systems zu verletzen, andererseits auch, um, indem man von seinem neuen Stoffe zu wenig sagt, es an Deutlichkeit oder Überzeugung nicht fehlen zu lassen. Ich hoffe beides dadurch zu leisten, daß ich mich so nahe als möglich am Transzendentalen halte und das, was etwa hierbei psychologisch, d.h. empirisch sein möchte, gänzlich beiseite setze.
* Alle praktischen Begriffe gehen auf Gegenstände des Wohlgefallens, oder Mißfallens, d.i. der Lust oder Unlust, mithin, wenigstens indirekt, auf Gegenstände unseres Gefühls. Da dieses aber keine Vorstellungskraft der Dinge ist, sondern außer der gesamten Erkenntniskraft liegt, so gehören die Elemente unserer Urteile, sofern sie sich auf Lust oder Unlust beziehen, mithin der praktischen, nicht in den Inbegriff der Transzendentalphilosophie, welche lediglich mit reinen Erkenntnissen a priori zu tun hat.
Und da ist denn zuerst anzumerken, daß ich mich vorjetzt des Begriffs der Freiheit nur im praktischen Verstande bedienen werde, und den in transzendentaler Bedeutung, welcher nicht als ein Erklärungsgrund der
B 830 Erscheinungen empirisch vorausgesetzt werden kann, sondern selbst ein Problem für die Vernunft ist, hier, als oben abgetan, beiseite setze. Eine Willkür nämlich ist bloß tierisch (arbitrium brutum), die nicht anders als durch sinnliche Antriebe, d.i. pathologisch bestimmt werden kann. Diejenige aber, welche unabhängig von sinnlichen Antrieben, mithin durch Bewegursachen, welche nur von der Vernunft vorgestellt werden, bestimmt werden kann, heißt die freie Willkür (arbitrium liberum), und alles, was mit dieser, es sei als Grund oder Folge, zusammenhängt, wird Praktisch genannt. Die praktische Freiheit kann durch Erfahrung bewiesen werden. Denn, nicht bloß das, was reizt, d.i. die Sinne unmittelbar affiziert, bestimmt die menschliche Willkür, sondern wir haben ein Vermögen, durch Vorstellungen von dem, was selbst auf entferntere Art nützlich oder schädlich ist, die Eindrücke auf unser sinnliches Begehrungsvermögen zu überwinden; diese Überlegungen aber von dem, was in Ansehung unseres ganzen Zustandes begehrungswert, d.i. gut und nützlich ist, beruhen auf der Vernunft. Diese gibt daher auch Gesetze, welche Imperative, d.i. objektive Gesetze der Freiheit sind, und welche sagen, was geschehen soll, ob es gleich vielleicht nie geschieht, und sich darin von Naturgesetzen, die nur von dem handeln, was geschieht, unterscheiden, weshalb sie auch praktische Gesetze genannt werden.
B 831 Ob aber die Vernunft selbst in diesen Handlungen, dadurch sie Gesetze vorschreibt, nicht wiederum durch anderweitige Einflüsse bestimmt sei, und das, was in Absicht auf sinnliche Antriebe Freiheit heißt, in Ansehung höherer und entfernterer wirkender Ursachen nicht wiederum Natur sein möge, das geht uns im Praktischen, da wir nur die Vernunft um die Vorschrift des Verhaltens zunächst befragen, nichts an, sondern ist eine bloß spekulative Frage, die wir, so lange als unsere Absicht aufs Tun oder Lassen gerichtet ist, beiseite setzen können. Wir erkennen also die praktische Freiheit durch Erfahrung, als eine von den Naturursachen, nämlich eine Kausalität der Vernunft in Bestimmung des Willens, indessen daß die transzendentale Freiheit eine Unabhängigkeit dieser Vernunft selbst (in Ansehung ihrer Kausalität, eine Reihe von Erscheinungen anzufangen,) von allen bestimmenden Ursachen der Sinnenwelt fordert, und sofern dem Naturgesetze, mithin aller möglichen Erfahrung, zuwider zu sein scheint, und also ein Problem bleibt. Allein vor die Vernunft im praktischen Gebrauche gehört dieses Problem nicht, also haben wir es in einem Kanon der reinen Vernunft nur mit zwei Fragen zu tun, die das praktische Interesse der reinen Vernunft angehen, und in Ansehung deren ein Kanon ihres Gebrauchs möglich sein muß, nämlich: ist ein Gott? ist ein künftiges Leben? Die Frage wegen der transzendentalen Freiheit betrifft bloß das spekulative Wissen, welche wir als ganz gleichgültig beiseite setzen können, wenn es um das
B 832 Praktische zu tun ist, und worüber in der Antinomie der reinen Vernunft schon hinreichende Erörterung zu finden ist.
Des Kanons der reinen Vernunft Zweiter Abschnitt Von dem Ideal des höchsten Guts, als einem Bestimmungsgrunde des letzten Zwecks der reinen Vernunft
Die Vernunft führte uns in ihrem spekulativen Gebrauche durch das Feld der Erfahrungen, und, weil daselbst für sie niemals völlige Befriedigung anzutreffen ist, von da zu spekulativen Ideen, die uns aber am Ende wiederum auf Erfahrung zurückführten, und also ihre Absicht auf eine zwar nützliche, aber unserer Erwartung gar nicht gemäße Art erfüllten. Nun bleibt uns noch ein Versuch übrig: ob nämlich auch reine Vernunft im praktischen Gebrauche anzutreffen sei, ob sie in demselben zu den Ideen führe, welche die höchsten Zwecke der reinen Vernunft, die wir eben angeführt haben, erreichen, und diese also aus dem Gesichtspunkte ihres praktischen Interesses nicht dasjenige gewähren könne, was sie uns in Ansehung des spekulativen ganz und gar abschlägt.
Alles Interesse meiner Vernunft (das spekulative sowohl, als das praktische) vereinigt sich in folgenden drei Fragen:
1 B 833 Was kann ich wissen?2. Was soll ich tun?3. Was darf ich hoffen?
Die erste Frage ist bloß spekulativ. Wir haben (wie ich mir schmeichle) alle möglichen Beantwortungen derselben erschöpft und endlich diejenige gefunden, mit welcher sich die Vernunft zwar befriedigen muß, und, wenn sie nicht aufs Praktische sieht, auch Ursache hat zufrieden zu sein; sind aber von den zwei großen Zwecken, worauf diese ganze Bestrebung der reinen Vernunft eigentlich gerichtet war, ebenso weit entfernt geblieben, als ob wir uns aus Gemächlichkeit dieser Arbeit gleich anfangs verweigert hätten. Wenn es also um Wissen zu tun ist, so ist wenigstens so viel sicher und ausgemacht, daß uns dieses, in Ansehung jener zwei Aufgaben, niemals zuteil werden könne.
Die zweite Frage ist bloß praktisch. Sie kann als eine solche zwar der reinen Vernunft angehören, ist aber alsdann doch nicht transzendental, sondern moralisch, mithin kann sie unsere Kritik an sich selbst nicht beschäftigen.
Die dritte Frage, nämlich: wenn ich nun tue, was ich soll, was darf ich alsdann hoffen? ist praktisch und theoretisch zugleich, so, daß das Praktische nur als ein Leitfaden zur Beantwortung der theoretischen, und, wenn diese hoch geht, spekulativen Frage führt. Denn alles Hoffen geht auf Glückseligkeit, und ist in Absicht auf das Praktische und das Sittengesetz eben dasselbe, was das Wissen und das Naturgesetz in Ansehung der theoretischen Erkenntnis
B 834 der Dinge ist. Jenes läuft zuletzt auf den Schluß hinaus, daß etwas sei (was den letzten möglichen Zweck bestimmt), weil etwas geschehen soll; dieses, daß etwas sei (was als oberste Ursache wirkt), weil etwas geschieht.
Glückseligkeit ist die Befriedigung aller unserer Neigungen, (sowohl extensive, der Mannigfaltigkeit der selben, als intensive, dem Grade, und auch protensive, der Dauer nach). Das praktische Gesetz aus dem Bewegungsgrunde der Glückseligkeit nenne ich pragmatisch (Klugheitsregel); dasjenige aber, wofern ein solches ist, das zum Bewegungsgrunde nichts anderes hat, als die Würdigkeit, glücklich zu sein, moralisch (Sittengesetz). Das erstere rät, was zu tun sei, wenn wir der Glückseligkeit wollen teilhaftig, das zweite gebietet, wie wir uns verhalten sollen, um nur der Glückseligkeit würdig zu werden. Das erstere gründet sich auf empirische Prinzipien; denn anders, als vermittelst der Erfahrung, kann ich weder wissen, welche Neigungen da sind, die befriedigt werden wollen, noch welches die Naturursachen sind, die ihre Befriedigung bewirken können. Das zweite abstrahiert von Neigungen, und Naturmitteln sie zu befriedigen, und betrachtet nur die Freiheit eines vernünftigen Wesens überhaupt, und die notwendigen Bedingungen, unter denen sie allein mit der Austeilung der Glückseligkeit nach Prinzipien zusammenstimmt, und kann also wenigstens auf bloßen Ideen der reinen Vernunft beruhen und a priori erkannt werden.
B 835 Ich nehme an, daß es wirklich reine moralische Gesetze gebe, die völlig a priori (ohne Rücksicht auf empirische Bewegungsgründe, d.i. Glückseligkeit,) das Tun und Lassen, d.i. den Gebrauch der Freiheit eines vernünftigen Wesens überhaupt, bestimmen, und daß diese Gesetze schlechterdings (nicht bloß hypothetisch unter Voraussetzung anderer empirischen Zwecke) gebieten, und also in aller Absicht notwendig sind. Diesen Satz kann ich mit Recht voraussetzen, nicht allein, indem ich mich auf die Beweise der aufgeklärtesten Moralisten, sondern auf das sittliche Urteil eines jeden Menschen berufe, wenn er sich ein dergleichen Gesetz deutlich denken will.
Die reine Vernunft enthält also, zwar nicht in ihrem spekulativen, aber doch in einem gewissen praktischen, nämlich dem moralischen Gebrauche, Prinzipien der Möglichkeit der Erfahrung, nämlich solcher Handlungen, die den sittlichen Vorschriften gemäß in der Geschichte des Menschen anzutreffen sein könnten. Denn, da sie gebietet, daß solche geschehen sollen, so müssen sie auch geschehen können, und es muß also eine besondere Art von systematischer Einheit, nämlich die moralische, möglich sein, indessen daß die systematische Natureinheit nach spekulativen Prinzipien der Vernunft nicht bewiesen werden konnte, weil die Vernunft zwar in Ansehung der Freiheit überhaupt, aber nicht in Ansehung der gesamten Natur Kausalität hat, und moralische Vernunftprinzipien zwar freie Handlungen, aber nicht Naturgesetze hervorbringen
B 836 können. Demnach haben die Prinzipien der reinen Vernunft in ihrem praktischen, namentlich aber, dem moralischen Gebrauche, objektive Realität.
Ich nenne die Welt, sofern sie allen sittlichen Gesetzen gemäß wäre, (wie sie es denn, nach der Freiheit der vernünftigen Wesen, sein kann, und, nach den notwendigen Gesetzen der Sittlichkeit, sein soll,) eine moralische Welt. Diese wird sofern bloß als intelligible Welt gedacht, weil darin von allen Bedingungen (Zwecken) und selbst von allen Hindernissen der Moralität in derselben (Schwäche oder Unlauterkeit der menschlichen Natur) abstrahiert wird. Sofern ist sie also eine bloße, aber doch praktische Idee, die wirklich ihren Einfluß auf die Sinnenwelt haben kann und soll, um sie dieser Idee so viel als möglich gemäß zu machen. Die Idee einer moralischen Welt hat daher objektive Realität, nicht als wenn sie auf einen Gegenstand einer intelligiblen Anschauung ginge (dergleichen wir uns gar nicht denken können), sondern auf die Sinnenwelt, aber als einen Gegenstand der reinen Vernunft in ihrem praktischen Gebrauche, und ein corpus mysticum der vernünftigen Wesen in ihr, sofern deren freie Willkür unter moralischen Gesetzen sowohl mit sich selbst, als mit jedes anderen Freiheit durchgängige systematische Einheit an sich hat.
Das war die Beantwortung der ersten von den zwei Fragen der reinen Vernunft, die das praktische Interesse betrafen: Tue das, wodurch du würdig wirst,
B 837 glücklich zu sein. Die zweite frägt nun: wie, wenn ich mich nun so verhalte, daß ich der Glückseligkeit nicht unwürdig sei, darf ich auch hoffen, ihrer dadurch teilhaftig werden zu können? Es kommt bei der Beantwortung derselben darauf an, ob die Prinzipien der reinen Vernunft, welche a priori das Gesetz vorschreiben, auch diese Hoffnung notwendigerweise damit verknüpfen.
Ich sage demnach: daß ebensowohl, als die moralischen Prinzipien nach der Vernunft in ihrem praktischen Gebrauche notwendig sind, ebenso notwendig sei es auch nach der Vernunft, in ihrem theoretischen Gebrauch anzunehmen, daß jedermann die Glückseligkeit in demselben Maße zu hoffen Ursache habe, als er sich derselben in seinem Verhalten würdig gemacht hat, und daß also das System der Sittlichkeit mit dem der Glückseligkeit unzertrennlich, aber nur in der Idee der reinen Vernunft verbunden sei.
Nun läßt sich in einer intelligiblen, d.i. der moralischen Welt, in deren Begriff wir von allen Hindernissen der Sittlichkeit (der Neigungen,) abstrahieren, ein solches System der mit der Moralität verbundenen proportionierten Glückseligkeit auch als notwendig denken, weil die durch sittliche Gesetze teils bewegte, teils restringierte Freiheit, selbst die Ursache der allgemeinen Glückseligkeit, die vernünftigen Wesen also selbst, unter der Leitung solcher Prinzipien, Urheber ihrer eigenen und zugleich anderer dauerhafter Wohlfahrt sein würden. Aber dieses System der sich selbst lohnenden Moralität ist nur
B 838 eine Idee, deren Ausführung auf der Bedingung beruht, daß jedermann tue, was er soll, d.i. alle Handlungen vernünftiger Wesen so geschehen, als ob sie aus einem obersten Willen, der alle Privatwillkür in sich, oder unter sich befaßt, entsprängen. Da aber die Verbindlichkeit aus dem moralischen Gesetze für jedes besonderen Gebrauch der Freiheit gültig bleibt, wenngleich andere diesem Gesetze sich nicht gemäß verhielten, so ist weder aus der Natur der Dinge der Welt, noch der Kausalität der Handlungen selbst und ihrem Verhältnisse zur Sittlichkeit bestimmt, wie sich ihre Folgen zur Glückseligkeit verhalten werden, und die angeführte notwendige Verknüpfung der Hoffnung, glücklich zu sein, mit dem unablässigen Bestreben, sich der Glückseligkeit würdig zu machen, kann durch die Vernunft nicht erkannt werden, wenn man bloß Natur zum Grunde legt, sondern darf nur gehofft werden, wenn eine höchste Vernunft, die nach moralischen Gesetzen gebietet, zugleich als Ursache der Natur zum Grunde gelegt wird.
Ich nenne die Idee einer solchen Intelligenz, in welcher der moralisch vollkommenste Wille, mit der höchsten Seligkeit verbunden, die Ursache aller Glückseligkeit in der Welt ist, sofern sie mit der Sittlichkeit (als der Würdigkeit glücklich zu sein) in genauem Verhältnisse steht, das Ideal des höchsten Guts. Also kann die reine Vernunft nur in dem Ideal des höchsten ursprünglichen Guts den Grund der praktisch notwendigen Verknüpfung beider
B 839 Elemente des höchsten abgeleiteten Gutes, nämlich einer intelligiblen d.i. moralischen Welt, antreffen. Da wir uns nun notwendigerweise durch die Vernunft, als zu einer solchen Welt gehörig, vorstellen müssen, obgleich die Sinne uns nichts als eine Welt von Erscheinungen darstellen, so werden wir jene als eine Folge unseres Verhaltens in der Sinnenwelt, da uns diese eine solche Verknüpfung nicht darbietet, als eine für uns künftige Welt annehmen müssen. Gott also und ein künftiges Leben, sind zwei von der Verbindlichkeit, die uns reine Vernunft auferlegt, nach Prinzipien eben derselben Vernunft nicht zu trennende Voraussetzungen.
Die Sittlichkeit an sich selbst macht ein System aus, aber nicht die Glückseligkeit, außer, sofern sie der Moralität genau angemessen ausgeteilt ist. Dieses aber ist nur möglich in der intelligiblen Welt, unter einem weisen Urheber und Regierer. Einen solchen, samt dem Leben in einer solchen Welt, die wir als eine künftige ansehen müssen, sieht sich die Vernunft genötigt anzunehmen, oder die moralischen Gesetze als leere Hirngespinste anzusehen, weil der notwendige Erfolg derselben, den dieselbe Vernunft mit ihnen verknüpft, ohne jene Voraussetzung wegfallen müßte. Daher auch jedermann die moralischen Gesetze als Gebote ansieht, welches sie aber nicht sein könnten, wenn sie nicht a priori angemessene Folgen mit ihrer Regel verknüpften, und also Verheißungen und Drohungen bei sich führten. Dieses können sie aber
B 840 auch nicht tun, wo sie nicht in einem notwendigen Wesen, als dem höchsten Gut liegen, welches eine solche zweckmäßige Einheit allein möglich machen kann.
Leibnitz nannte die Welt, sofern man darin nur auf die vernünftigen Wesen und ihren Zusammenhang nach moralischen Gesetzen unter der Regierung des höchsten Guts achthat, das Reich der Gnaden, und unterschied es vom Reiche der Natur, da sie zwar unter moralischen Gesetzen stehen, aber keine anderen Erfolge ihres Verhaltens erwarten, als nach dem Laufe der Natur unserer Sinnenwelt. Sich also im Reiche der Gnaden zu sehen, wo alle Glückseligkeit auf uns wartet, außer sofern wir unseren Anteil an derselben durch die Unwürdigkeit, glücklich zu sein, nicht selbst einschränken, ist eine praktisch notwendige Idee der Vernunft.
Praktische Gesetze, sofern sie zugleich subjektive Gründe der Handlungen, d.i. subjektive Grundsätze werden, heißen Maximen. Die Beurteilung der Sittlichkeit, ihrer Reinigkeit und Folgen nach, geschieht nach Ideen, die Befolgung ihrer Gesetze nach Maximen.
Es ist notwendig, daß unser ganzer Lebenswandel sittlichen Maximen untergeordnet werde; es ist aber zugleich unmöglich, daß dieses geschehe, wenn die Vernunft nicht mit dem moralischen Gesetze, welches eine bloße Idee ist, eine wirkende Ursache verknüpft, welche dem Verhalten nach demselben einen unseren höchsten Zwecken genau entsprechenden Ausgang, es sei in diesem, oder einem
B 841 anderen Leben, bestimmt. Ohne also einen Gott und eine für uns jetzt nicht sichtbare, aber gehoffte Welt, sind die herrlichen Ideen der Sittlichkeit zwar Gegenstände des Beifalls und der Bewunderung, aber nicht Triebfedern des Vorsatzes und der Ausübung, weil sie nicht den ganzen Zweck, der einem jeden vernünftigen Wesen natürlich und durch eben dieselbe reine Vernunft a priori bestimmt und notwendig ist, erfüllen.
Glückseligkeit allein ist für unsere Vernunft bei weitem nicht das vollständige Gut. Sie billigt solche nicht (so sehr als auch Neigung dieselbe wünschen mag), wofern sie nicht mit der Würdigkeit, glücklich zu sein, d.i. dem sittlichen Wohlverhalten, vereinigt ist. Sittlichkeit allein, und, mit ihr, die bloße Würdigkeit, glücklich zu sein, ist aber auch noch lange nicht das vollständige Gut. Um dieses zu vollenden, muß der, so sich als der Glückseligkeit nicht unwert verhalten hatte, hoffen können, ihrer teilhaftig zu werden. Selbst die von aller Privatabsicht freie Vernunft, wenn sie, ohne dabei ein eigenes Interesse in Betracht zu ziehen, sich in die Stelle eines Wesens setzte, das alle Glückseligkeit anderen auszuteilen hätte, kann nicht anders urteilen; denn in der praktischen Idee sind beide Stücke wesentlich verbunden, obzwar so, daß die moralische Gesinnung, als Bedingung, den Anteil an Glückseligkeit, und nicht umgekehrt die Aussicht auf Glückseligkeit die moralische Gesinnung zuerst möglich mache. Denn im letzteren Falle wäre sie nicht moralisch und also
B 842 auch nicht der ganzen Glückseligkeit würdig, die vor der Vernunft keine andere Einschränkung erkennt, als die, welche von unserem eigenen unsittlichen Verhalten herrührt.
Glückseligkeit also, in dem genauen Ebenmaße mit der Sittlichkeit der vernünftigen Wesen, dadurch sie derselben würdig sind, macht allein das höchste Gut einer Welt aus, darin wir uns nach den Vorschriften der reinen aber praktischen Vernunft durchaus versetzen müssen, und welche freilich nur eine intelligible Welt ist, da die Sinnenwelt uns von der Natur der Dinge dergleichen systematische Einheit der Zwecke nicht verheißt, deren Realität auch auf nichts anderes gegründet werden kann, als auf die Voraussetzung eines höchsten ursprünglichen Guts, da selbständige Vernunft, mit aller Zulänglichkeit einer obersten Ursache ausgerüstet, nach der vollkommensten Zweckmäßigkeit die allgemeine, obgleich in der Sinnenwelt uns sehr verborgene Ordnung der Dinge gründet, erhält und vollführt.
Diese Moraltheologie hat nun den eigentümlichen Vorzug vor der spekulativen, daß sie unausbleiblich auf den Begriff eines einigen, allervollkommensten und vernünftigen Urwesens führt, worauf uns spekulative Theologie nicht einmal aus objektiven Gründen hinweist, geschweige uns davon überzeugen konnte. Denn, wir finden weder in der transzendentalen, noch natürlichen Theologie, so weit uns auch Vernunft darin führen mag, einigen bedeutenden Grund, nur ein einiges Wesen
B 843 anzunehmen, welches wir allen Naturursachen vorsetzen, und von dem wir zugleich diese in allen Stücken abhängend zu machen hinreichende Ursache hätten. Dagegen, wenn wir aus dem Gesichtspunkte der sittlichen Einheit, als einem notwendigen Weltgesetze, die Ursache erwägen, die diesem allein den angemessenen Effekt, mithin auch für uns verbindende Kraft geben kann, so muß es ein einiger oberster Wille sein, der alle diese Gesetze in sich befaßt. Denn, wie wollten wir unter verschiedenen Willen vollkommene Einheit der Zwecke finden? Dieser Wille muß allgewaltig sein, damit die ganze Natur und deren Beziehung auf Sittlichkeit in der Welt ihm unterworfen sei; allwissend, damit er das Innerste der Gesinnungen und deren moralischen Wert erkenne; allgegenwärtig, damit er unmittelbar allem Bedürfnisse, welches das höchste Weltbeste erfordert, nahe sei; ewig, damit in keiner Zeit diese Übereinstimmung der Natur und Freiheit ermangle, usw.
Aber diese systematische Einheit der Zwecke in dieser Welt der Intelligenzen, welche, obzwar, als bloße Natur, nur Sinnenwelt, als ein System der Freiheit aber, intelligible, d.i. moralische Welt (regnum gratiae) genannt werden kann, führt unausbleiblich auch auf die zweckmäßige Einheit aller Dinge, die dieses große Ganze ausmachen, nach allgemeinen Naturgesetzen, so wie die erstere nach allgemeinen und notwendigen Sittengesetzen, und vereinigt die praktische Vernunft mit der spekulativen. Die Welt muß als aus einer Idee entsprungen
B 844 vorgestellt werden, wenn sie mit demjenigen Vernunftgebrauch, ohne welchen wir uns selbst der Vernunft unwürdig halten würden, nämlich dem moralischen, als welcher durchaus auf der Idee des höchsten Guts beruht, zusammenstimmen soll. Dadurch bekommt alle Naturforschung eine Richtung nach der Form eines Systems der Zwecke, und wird in ihrer höchsten Ausbreitung Physikotheologie. Diese aber, da sie doch von sittlicher Ordnung, als einer in dem Wesen der Freiheit gegründeten und nicht durch äußere Gebote zufällig gestifteten Einheit, anhob, bringt die Zweckmäßigkeit der Natur auf Gründe, die a priori mit der inneren Möglichkeit der Dinge unzertrennlich verknüpft sein müssen, und dadurch auf eine transzendentale Theologie, die sich das Ideal der höchsten ontologischen Vollkommenheit zu einem Prinzip der systematischen Einheit nimmt, welches nach allgemeinen und notwendigen Naturgesetzen alle Dinge verknüpft, weil sie alle in der absoluten Notwendigkeit eines einigen Urwesens ihren Ursprung haben.
Was können wir für einen Gebrauch von unserem Verstande machen, selbst in Ansehung der Erfahrung, wenn wir uns nicht Zwecke vorsetzen? Die höchsten Zwecke aber sind die der Moralität, und diese kann uns nur reine Vernunft zu erkennen geben. Mit diesen nun versehen, und an dem Leitfaden derselben, können wir von der Kenntnis der Natur selbst keinen zweckmäßigen Gebrauch in Ansehung der Erkenntnis machen, wo die Natur nicht selbst
B 845 zweckmäßige Einheit hingelegt hat; denn ohne diese hätten wir sogar selbst keine Vernunft, weil wir keine Schule für dieselbe haben würden, und keine Kultur durch Gegenstände, welche den Stoff zu solchen Begriffen darböten. Jene zweckmäßige Einheit ist aber notwendig, und in dem Wesen der Willkür selbst gegründet, diese also, welche die Bedingung der Anwendung derselben in concreto enthält, muß es auch sein, und so würde die transzendentale Steigerung unserer Vernunfterkenntnis nicht die Ursache, sondern bloß die Wirkung von der praktischen Zweckmäßigkeit sein, die uns die reine Vernunft auferlegt.
Wir finden daher auch in der Geschichte der menschlichen Vernunft: daß, ehe die moralischen Begriffe genugsam gereinigt, bestimmt, und die systematische Einheit der Zwecke nach denselben und zwar aus notwendigen Prinzipien eingesehen waren, die Kenntnis der Natur und selbst ein ansehnlicher Grad der Kultur der Vernunft in manchen anderen Wissenschaften, teils nur rohe und umherschweifende Begriffe von der Gottheit hervorbringen konnte, teils eine zu bewundernde Gleichgültigkeit überhaupt in Ansehung dieser Frage übrig ließ. Eine größere Bearbeitung sittlicher Ideen, die durch das äußerst reine Sittengesetz unserer Religion notwendig gemacht wurde, schärfte die Vernunft auf den Gegenstand, durch das Interesse, das sie an demselben zu nehmen nötigte, und, ohne daß weder erweiterte Naturerkenntnisse, noch richtige und zuverlässige transzendentale Einsichten (dergleichen zu aller Zeit
B 846 gemangelt haben), dazu beitrugen, brachten sie einen Begriff vom göttlichen Wesen zustande, den wir jetzt für den richtigen halten, nicht weil uns spekulative Vernunft von dessen Richtigkeit überzeugt, sondern weil er mit den moralischen Vernunftprinzipien vollkommen zusammenstimmt. Und so hat am Ende doch immer nur reine Vernunft, aber nur in ihrem praktischen Gebrauche, das Verdienst, ein Erkenntnis, das die bloße Spekulation nur wähnen, aber nicht geltend machen kann, an unser höchstes Interesse zu knüpfen, und dadurch zwar nicht zu einem demonstrierten Dogma, aber doch zu einer schlechterdings notwendigen Voraussetzung bei ihren wesentlichsten Zwecken zu machen.
Wenn aber praktische Vernunft nun diesen hohen Punkt erreicht hat, nämlich den Begriff eines einigen Urwesens, als des höchsten Guts, so darf sie sich gar nicht unterwinden, gleich als hätte sie sich über alle empirischen Bedingungen seiner Anwendung erhoben, und zur unmittelbaren Kenntnis neuer Gegenstände emporgeschwungen, um von diesem Begriffe auszugehen, und die moralischen Gesetze selbst von ihm abzuleiten. Denn diese waren es eben, deren innere praktische Notwendigkeit uns zu der Voraussetzung einer selbständigen Ursache, oder eines weisen Weltregierers führte, um jenen Gesetzen Effekt zu geben, und daher können wir sie nicht nach diesem wiederum als zufällig und vom bloßen Willen abgeleitet ansehen, insonderheit von einem solchen Willen, von dem
B 847 wir gar keinen Begriff haben würden, wenn wir ihn nicht jenen Gesetzen gemäß gebildet hätten. Wir werden, soweit praktische Vernunft uns zu führen das Recht hat, Handlungen nicht darum für verbindlich halten, weil sie Gebote Gottes sind, sondern sie darum als göttliche Gebote ansehen, weil wir dazu innerlich verbindlich sind. Wir werden die Freiheit, unter der zweckmäßigen Einheit nach Prinzipien der Vernunft, studieren, und nur sofern glauben dem göttlichen Willen gemäß zu sein, als wir das Sittengesetz, welches uns die Vernunft aus der Natur der Handlungen selbst lehrt, heilig halten, ihm dadurch allein zu dienen glauben, daß wir das Weltbeste an uns und an anderen befördern. Die Moraltheologie ist also nur von immanentem Gebrauche, nämlich unsere Bestimmung hier in der Welt zu erfüllen, indem wir in das System aller Zwecke passen, und nicht schwärmerisch oder wohl gar frevelhaft den Leitfaden einer moralisch gesetzgebenden Vernunft im guten Lebenswandel zu verlassen, um ihn unmittelbar an die Idee des höchsten Wesens zu knüpfen, welches einen transzendenten Gebrauch geben würde, aber ebenso, wie der der bloßen Spekulation, die letzten Zwecke der Vernunft verkehren und vereiteln muß.
B 848 Des Kanons der reinen Vernunft Dritter Abschnitt Vom Meinen, Wissen und Glauben
Das Fürwahrhalten ist eine Begebenheit in unserem Verstande, die auf objektiven Gründen beruhen mag, aber auch subjektive Ursachen im Gemüte dessen, der da urteilt, erfordert. Wenn es für jedermann gültig ist, sofern er nur Vernunft hat, so ist der Grund desselben objektiv hinreichend, und das Fürwahrhalten heißt alsdann Überzeugung. Hat es nur in der besonderer Beschaffenheit des Subjekts seinen Grund, so wird es Überredung genannt.
Überredung ist ein bloßer Schein, weil der Grund des Urteils, welcher lediglich im Subjekte liegt, für objektiv gehalten wird. Daher hat ein solches Urteil auch nur Privatgültigkeit, und das Fürwahrhalten läßt sich nicht mitteilen. Wahrheit aber beruht auf der Übereinstimmung mit dem Objekte, in Ansehung dessen folglich die Urteile eines jeden Verstandes einstimmig sein müssen (consentientia uni tertio, consentiunt inter se). Der Probierstein des Fürwahrhaltens, ob es Überzeugung oder bloße Überredung sei, ist also, äußerlich, die Möglichkeit, dasselbe mitzuteilen und das Fürwahrhalten für jedes Menschen Vernunft gültig zu befinden; denn alsdann ist wenigstens eine Vermutung, der Grund der
B 849 Einstimmung aller Urteile, ungeachtet der Verschiedenheit der Subjekte untereinander, werde auf dem gemeinschaftlichen Grunde, nämlich dem Objekte, beruhen, mit welchem sie daher alle zusammenstimmen und dadurch die Wahrheit des Urteils beweisen werden.
Überredung demnach kann von der Überzeugung subjektiv zwar nicht unterschieden werden, wenn das Subjekt das Fürwahrhalten, bloß als Erscheinung seines eigenen Gemüts, vor Augen hat; der Versuch aber, den man mit den Gründen desselben, die für uns gültig sind, an anderer Verstand macht, ob sie auf fremde Vernunft eben dieselbe Wirkung tun, als auf die unsrige, ist doch ein, obzwar nur subjektives, Mittel, zwar nicht Überzeugung zu bewirken, aber doch die bloße Privatgültigkeit des Urteils, d.i. etwas in ihm, was bloße Überredung ist, zu entdecken.
Kann man überdem die subjektiven Ursachen des Urteils, welche wir für objektive Gründe desselben nehmen, entwickeln, und mithin das trügliche Fürwahrhalten als eine Begebenheit in unserem Gemüte erklären, ohne dazu die Beschaffenheit des Objekts nötig zu haben, so entblößen wir den Schein und werden dadurch nicht mehr hintergangen, obgleich immer noch in gewissem Grade versucht, wenn die subjektive Ursache des Scheins unserer Natur anhängt.
Ich kann nichts behaupten, d.i. als ein für jedermann notwendig gültiges Urteil aussprechen, als was
B 850 Überzeugung wirkt. Überredung kann ich für mich behalten, wenn ich mich dabei wohlbefinde, kann sie aber und soll sie außer mir nicht geltend machen wollen.
Das Fürwahrhalten, oder die subjektive Gültigkeit des Urteils, in Beziehung auf die Überzeugung (welche zugleich objektiv gilt), hat folgende drei Stufen: Meinen, Glauben und Wissen. Meinen ist ein mit Bewußtsein sowohl subjektiv, als objektiv unzureichendes Fürwahrhalten. Ist das letztere nur subjektiv zureichend und wird zugleich für objektiv unzureichend gehalten, so heißt es Glauben. Endlich heißt das sowohl subjektiv als objektiv zureichende Fürwahrhalten das Wissen. Die subjektive Zulänglichkeit heißt Überzeugung (für mich selbst), die objektive, Gewißheit (für jedermann). Ich werde mich bei der Erläuterung so faßlicher Begriffe nicht aufhalten.
Ich darf mich niemals unterwinden, zu meinen, ohne wenigstens etwas zu wissen, vermittelst dessen das an sich bloß problematische Urteil eine Verknüpfung mit Wahrheit bekommt, die, ob sie gleich nicht vollständig, doch mehr als willkürliche Erdichtung ist. Das Gesetz einer solchen Verknüpfung muß überdem gewiß sein. Denn, wenn ich in Ansehung dessen auch nichts als Meinung habe, so ist alles nur Spiel der Einbildung, ohne die mindeste Beziehung auf Wahrheit. In Urteilen aus reiner Vernunft ist es gar nicht erlaubt, zu meinen. Denn, weil sie nicht auf Erfahrungsgründe gestützt werden,
B 851 sondern alles a priori erkannt werden soll, wo alles notwendig ist, so erfordert das Prinzip der Verknüpfung Allgemeinheit und Notwendigkeit, mithin völlige Gewißheit, widrigenfalls gar keine Leitung auf Wahrheit angetroffen wird. Daher ist es ungereimt, in der reinen Mathematik zu meinen; man muß wissen, oder sich alles Urteilens enthalten. Ebenso ist es mit den Grundsätzen der Sittlichkeit bewandt, da man nicht auf bloße Meinung, daß etwas erlaubt sei, eine Handlung wagen darf, sondern dieses wissen muß.
Im transzendentalen Gebrauche der Vernunft ist dagegen Meinen freilich zu wenig, aber Wissen auch zu viel. In bloß spekulativer Absicht können wir also hier gar nicht urteilen; weil subjektive Gründe des Fürwahrhaltens, wie die, so das Glauben bewirken können, bei spekulativen Fragen keinen Beifall verdienen, da sie sich frei von aller empirischen Beihilfe nicht halten, noch in gleichem Maße anderen mitteilen lassen.
Es kann aber überall bloß in praktischer Beziehung das theoretisch unzureichende Fürwahrhalten Glauben genannt werden. Diese praktische Absicht ist nun entweder die der Geschicklichkeit, oder der Sittlichkeit, die erste zu beliebigen und zufälligen, die zweite aber zu schlechthin notwendigen Zwecken.
Wenn einmal ein Zweck vorgesetzt ist, so sind die Bedingungen der Erreichung desselben hypothetisch notwendig. Diese Notwendigkeit ist subjektiv, aber doch nur
B 852 komparativ zureichend, wenn ich gar keine anderen Bedingungen weiß, unter denen der Zweck zu erreichen wäre; aber sie ist schlechthin und für jedermann zureichend, wenn ich gewiß weiß, daß niemand andere Bedingungen kennen könne, die auf den vorgesetzten Zweck führen. Im ersten Falle ist meine Voraussetzung und das Fürwahrhalten gewisser Bedingungen ein bloß zufälliger, im zweiten Falle aber ein notwendiger Glaube. Der Arzt muß bei einem Kranken, der in Gefahr ist, etwas tun, kennt aber die Krankheit nicht. Er sieht auf die Erscheinungen, und urteilt, weil er nichts Besseres weiß, es sei die Schwindsucht. Sein Glaube ist selbst in seinem eigenen Urteile bloß zufällig, ein anderer möchte es vielleicht besser treffen. Ich nenne dergleichen zufälligen Glauben, der aber dem wirklichen Gebrauche der Mittel zu gewissen Handlungen zum Grunde liegt, den pragmatischen Glauben.
Der gewöhnliche Probierstein: ob etwas bloße Überredung, oder wenigstens subjektive Überzeugung, d.i. festes Glauben sei, was jemand behauptet, ist das Wetten. Öfters spricht jemand seine Sätze mit so zuversichtlichem und unlenkbarem Trotze aus, daß er alle Besorgnis des Irrtums gänzlich abgelegt zu haben scheint. Eine Wette macht ihn stutzig. Bisweilen zeigt sich, daß er zwar Überredung genug, die auf einen Dukaten an Wert geschätzt werden kann, aber nicht auf zehn, besitze. Denn den ersten wagt er noch wohl, aber bei zehn wird er
B 853 allererst inne, was er vorher nicht bemerkte, daß es nämlich doch wohl möglich sei, er habe sich geirrt. Wenn man sich in Gedanken vorstellt, man solle worauf das Glück des ganzen Lebens verwetten, so schwindet unser triumphierendes Urteil gar sehr, wir werden überaus schüchtern und entdecken so allererst, daß unser Glaube so weit nicht zulange. So hat der pragmatische Glaube nur einen Grad, der nach Verschiedenheit des Interesses, das dabei im Spiele ist, groß oder auch klein sein kann.
Weil aber, ob wir gleich in Beziehung auf ein Objekt gar nichts unternehmen können, also das Fürwahrhalten bloß theoretisch ist, wir doch in vielen Fällen eine Unternehmung in Gedanken fassen und uns einbilden können, zu welcher wir hinreichende Gründe zu haben vermeinen, wenn es ein Mittel gäbe, die Gewißheit der Sache auszumachen, so gibt es in bloß theoretischen Urteilen ein Analogon von praktischen, auf deren Fürwahrhaltung das Wort Glauben paßt, und den wir den doktrinalen Glauben nennen können. Wenn es möglich wäre durch irgendeine Erfahrung auszumachen, so möchte ich wohl alles das Meinige darauf verwetten, daß es wenigstens in irgendeinem von den Planeten, die wir sehen, Einwohner gebe. Daher sage ich, ist es nicht bloß Meinung, sondern ein starker Glaube (auf dessen Richtigkeit ich schon viele Vorteile des Lebens wagen würde), daß es auch Bewohner anderer Welten gebe.
B 854 Nun müssen wir gestehen, daß die Lehre vom Dasein Gottes zum doktrinalen Glauben gehöre. Denn, ob ich gleich in Ansehung der theoretischen Weltkenntnis nichts zu verfügen habe, was diesen Gedanken, als Bedingung meiner Erklärungen der Erscheinungen der Welt, notwendig voraussetze, sondern vielmehr verbunden bin, meiner Vernunft mich so zu bedienen, als ob alles bloß Natur sei; so ist doch die zweckmäßige Einheit eine so große Bedingung der Anwendung der Vernunft auf Natur, daß ich, da mir überdem Erfahrung reichlich davon Beispiele darbietet, sie gar nicht vorbeigehen kann. Zu dieser Einheit aber kenne ich keine andere Bedingung, die sie mir zum Leitfaden der Naturforschung machte, als wenn ich voraussetze, daß eine höchste Intelligenz alles nach den weisesten Zwecken so geordnet habe. Folglich ist es eine Bedingung einer zwar zufälligen, aber doch nicht unerheblichen Absicht, nämlich, um eine Leitung in der Nachforschung der Natur zu haben, einen weisen Welturheber vorauszusetzen. Der Ausgang meiner Versuche bestätigt auch so oft die Brauchbarkeit dieser Voraussetzung, und nichts kann auf entscheidende Art dawider angeführt werden; daß ich viel zu wenig sage, wenn ich mein Fürwahrhalten bloß ein Meinen nennen wollte, sondern es kann selbst in diesem theoretischen Verhältnisse gesagt werden, daß ich festiglich einen Gott glaube; aber alsdann ist dieser Glaube in strenger Bedeutung dennoch nicht praktisch, sondern muß ein doktrinaler Glaube genannt werden, den die
B 855 Theologie der Natur (Physikotheologie) notwendig allerwärts bewirken muß. In Ansehung eben derselben Weisheit, in Rücksicht auf die vortreffliche Ausstattung der menschlichen Natur und die derselben so schlecht angemessene Kürze des Lebens, kann ebensowohl genugsamer Grund zu einem doktrinalen Glauben des künftigen Lebens der menschlichen Seele angetroffen werden.
Der Ausdruck des Glaubens ist in solchen Fällen ein Ausdruck der Bescheidenheit in objektiver Absicht, aber doch zugleich der Festigkeit des Zutrauens in subjektiver. Wenn ich das bloß theoretische Fürwahrhalten hier auch nur Hypothese nennen wollte, die ich anzunehmen berechtigt wäre, so würde ich mich dadurch schon anheischig machen, mehr, von der Beschaffenheit einer Weltursache und einer anderen Welt, Begriff zu haben, als ich wirklich aufzeigen kann; denn was ich auch nur als Hypothese annehme, davon muß ich wenigstens seinen Eigenschaften nach so viel kennen, daß ich nicht seinen Begriff, sondern nur sein Dasein erdichten darf. Das Wort Glauben aber geht nur auf die Leitung, die mir eine Idee gibt, und den subjektiven Einfluß auf die Beförderung meiner Vernunfthandlungen, die mich an derselben festhält, ob ich gleich von ihr nicht imstande bin, in spekulativer Absicht Rechenschaft zu geben.
Aber der bloß doktrinale Glaube hat etwas Wankendes in sich; man wird oft durch Schwierigkeiten, die sich in der Spekulation vorfinden, aus demselben gesetzt,
B 856 ob man zwar unausbleiblich dazu immer wiederum zurückkehrt.
Ganz anders ist es mit dem moralischen Glauben bewandt. Denn da ist es schlechterdings notwendig, daß etwas geschehen muß, nämlich, daß ich dem sittlichen Gesetze in allen Stücken Folge leiste. Der Zweck ist hier unumgänglich festgestellt, und es ist nur eine einzige Bedingung nach aller meiner Einsicht möglich, unter welcher dieser Zweck mit allen gesamten Zwecken zusammenhängt, und dadurch praktische Gültigkeit habe, nämlich, daß ein Gott und eine künftige Welt sei: ich weiß auch ganz gewiß, daß niemand andere Bedingungen kenne, die auf dieselbe Einheit der Zwecke unter dem moralischen Gesetze führe. Da aber also die sittliche Vorschrift zugleich meine Maxime ist (wie denn die Vernunft gebietet, daß sie es sein soll), so werde ich unausbleiblich ein Dasein Gottes und ein künftiges Leben glauben, und ich bin sicher, daß diesen Glauben nichts wankend machen könnte, weil dadurch meine sittlichen Grundsätze selbst umgestürzt werden würden, denen ich nicht entsagen kann, ohne in meinen eigenen Augen verabscheuungswürdig zu sein.
Auf solche Weise bleibt uns, nach Vereitlung aller ehrsüchtigen Absichten einer über die Grenzen aller Erfahrung hinaus herumschweifenden Vernunft, noch genug übrig, daß wir damit in praktischer Absicht zufrieden zu sein Ursache haben. Zwar wird freilich sich niemand rühmen können: er wisse, daß ein Gott und daß ein künftig
B 857 Leben sei; denn, wenn er das weiß, so ist er gerade der Mann, den ich längst gesucht habe. Alles Wissen (wenn es einen Gegenstand der bloßen Vernunft betrifft) kann man mitteilen, und ich würde also auch hoffen können, durch seine Belehrung mein Wissen in so bewunderungswürdigem Maße ausgedehnt zu sehen. Nein, die Überzeugung ist nicht logische, sondern moralische Gewißheit, und, da sie auf subjektiven Gründen (der moralischen Gesinnung) beruht, so muß ich nicht einmal sagen: es ist moralisch gewiß, daß ein Gott sei usw., sondern, ich bin moralisch gewiß usw. Das heißt: der Glaube an einen Gott und eine andere Welt ist mit meiner moralischen Gesinnung so verwebt, daß, so wenig ich Gefahr laufe, die erstere einzubüßen, ebensowenig besorge ich, daß mir der zweite jemals entrissen werden könne.
Das einzige Bedenkliche, das sich hierbei findet, ist, daß sich dieser Vernunftglaube auf die Voraussetzung moralischer Gesinnungen gründet. Gehen wir davon ab, und nehmen einen, der in Ansehung sittlicher Gesetze gänzlich gleichgültig wäre, so wird die Frage, welche die Vernunft aufwirft, bloß eine Aufgabe für die Spekulation, und kann alsdann zwar noch mit starken Gründen aus der Analogie, aber nicht mit solchen, denen sich die hartnäckigste Zweifelsucht ergeben müßte, unterstützt werden*. Es ist aber
B 858 kein Mensch bei diesen Fragen frei von allem Interesse. Denn, ob er gleich von dem moralischen, durch den Mangel guter Gesinnungen, getrennt sein möchte: so bleibt doch auch in diesem Falle genug übrig, um zu machen, daß er ein göttliches Dasein und eine Zukunft fürchte. Denn hierzu wird nichts mehr erfordert, als daß er wenigstens keine Gewißheit vorschützen könne, daß kein solches Wesen und kein künftig Leben anzutreffen sei, wozu, weil es durch bloße Vernunft, mithin apodiktisch bewiesen werden müßte, er die Unmöglichkeit von beiden darzutun haben würde, welches gewiß kein vernünftiger Mensch übernehmen kann. Das würde ein negativer Glaube sein, der zwar nicht Moralität und gute Gesinnungen, aber doch das Analogon derselben bewirken, nämlich den Ausbruch der bösen mächtig zurückhalten könnte.
* Das menschliche Gemüt nimmt (so wie ich glaube, daß es bei jedem vernünftigen Wesen notwendig geschieht) ein natürliches Interesse an der Moralität, ob es gleich nicht ungeteilt und praktisch überwiegend ist. Befestigt und vergrößert dieses Interesse, und ihr werdet die Vernunft sehr gelehrig und selbst aufgeklärter finden, um mit dem praktischen auch das spekulative Interesse zu vereinigen. Sorget ihr aber nicht dafür, daß ihr vorher, wenigstens auf dem halben Wege, gute Menschen macht, so werdet ihr auch niemals aus ihnen aufrichtiggläubige Menschen machen!
Ist das aber alles, wird man sagen, was reine Vernunft ausrichtet, indem sie über die Grenzen der Erfahrung hinaus Aussichten eröffnet? nichts mehr, als zwei Glaubensartikel? so viel hätte auch wohl der gemeine
B 859 Verstand, ohne darüber die Philosophen zu Rate zu ziehen, ausrichten können!
Ich will hier nicht das Verdienst rühmen, das Philosophie durch die mühsame Bestrebung ihrer Kritik um die menschliche Vernunft habe; gesetzt, es sollte auch beim Ausgange bloß negativ befunden werden; denn davon wird in dem folgenden Abschnitte noch etwas vorkommen. Aber verlangt ihr denn, daß ein Erkenntnis, welches alle Menschen angeht, den gemeinen Verstand übersteigen, und euch nur von Philosophen entdeckt werden solle? Eben das, was ihr tadelt, ist die beste Bestätigung von der Richtigkeit der bisherigen Behauptungen, da es das, was man anfangs nicht vorhersehen konnte, entdeckt, nämlich, daß die Natur, in dem, was Menschen ohne Unterschied angelegen ist, keiner parteiischen Austeilung ihrer Gaben zu beschuldigen sei, und die höchste Philosophie in Ansehung der wesentlichen Zwecke der menschlichen Natur es nicht weiter bringen könne, als die Leitung, welche sie auch dem gemeinsten Verstande hat angedeihen lassen.
B 860 Der transzendentalen Methodenlehre Drittes Hauptstück Die Architektonik der reinen Vernunft
Ich verstehe unter einer Architektonik die Kunst der Systeme. Weil die systematische Einheit dasjenige ist, was gemeine Erkenntnis allererst zur Wissenschaft, d.i. aus einem bloßen Aggregat derselben ein System macht, so ist Architektonik die Lehre des Scientifischen in unserer Erkenntnis überhaupt, und sie gehört also notwendig zur Methodenlehre.
Unter der Regierung der Vernunft dürfen unsere Erkenntnisse überhaupt keine Rhapsodie, sondern sie müssen ein System ausmachen, in welchem sie allein die wesentlichen Zwecke derselben unterstützen und befördern können. Ich verstehe aber unter einem Systeme die Einheit der mannigfaltigen Erkenntnisse unter einer Idee. Diese ist der Vernunftbegriff von der Form eines Ganzen, sofern durch denselben der Umfang des Mannigfaltigen sowohl, als die Stelle der Teile untereinander, a priori bestimmt wird. Der szientifische Vernunftbegriff enthält also den Zweck und die Form des Ganzen, das mit demselben kongruiert. Die Einheit des Zwecks, worauf sich alle Teile und in der Idee desselben auch untereinander beziehen, macht, daß ein jeder Teil bei der Kenntnis der übrigen vermißt
B 861 werden kann, und keine zufällige Hinzusetzung, oder unbestimmte Größe der Vollkommenheit, die nicht ihre a priori bestimmten Grenzen habe, stattfindet. Das Ganze ist also gegliedert (articulatio) und nicht gehäuft (coacervatio); es kann zwar innerlich (per intus susceptionem), aber nicht äußerlich (per appositionem) wachsen, wie ein tierischer Körper, dessen Wachstum kein Glied hinzusetzt, sondern, ohne Veränderung der Proportion, ein jedes zu seinen Zwecken stärker und tüchtiger macht.
Die Idee bedarf zur Ausführung ein Schema, d.i. eine a priori aus dem Prinzip des Zwecks bestimmte wesentliche Mannigfaltigkeit und Ordnung der Teile. Das Schema, welches nicht nach einer Idee, d.i. aus dem Hauptzwecke der Vernunft, sondern empirisch, nach zufällig sich darbietenden Absichten (deren Menge man nicht voraus wissen kann), entworfen wird, gibt technische, dasjenige aber, was nur zufolge einer Idee entspringt (wo die Vernunft die Zwecke a priori aufgibt, und nicht empirisch erwartet), gründet architektonische Einheit. Nicht technisch, wegen der Ähnlichkeit des Mannigfaltigen, oder des zufälligen Gebrauchs der Erkenntnis in concreto zu allerlei beliebigen äußeren Zwecken, sondern architektonisch, um der Verwandtschaft willen und der Ableitung von einem einigen obersten und inneren Zwecke, der das Ganze allererst möglich macht, kann dasjenige entspringen, was wir Wissenschaft nennen, dessen Schema den Umriß (monogramma) und die Einteilung des Ganzen in
B 862 Glieder, der Idee gemäß, d.i. a priori enthalten, und dieses von allen anderen sicher und nach Prinzipien unterscheiden muß.
Niemand versucht es, eine Wissenschaft zustande zu bringen, ohne daß ihm eine Idee zum Grunde liege. Allein, in der Ausarbeitung derselben entspricht das Schema, ja sogar die Definition, die er gleich zu Anfang von seiner Wissenschaft gibt, sehr selten seiner Idee; denn diese liegt, wie ein Keim, in der Vernunft, in welchem alle Teile noch sehr eingewickelt und kaum der mikroskopischen Beobachtung kennbar, verborgen liegen. Um deswillen muß man Wissenschaften, weil sie doch alle aus dem Gesichtspunkte eines gewissen allgemeinen Interesses ausgedacht werden, nicht nach der Beschreibung, die der Urheber derselben davon gibt, sondern nach der Idee, welche man aus der natürlichen Einheit der Teile, die er zusammengebracht hat, in der Vernunft selbst gegründet findet, erklären und bestimmen. Denn da wird sich finden, daß der Urheber und oft noch seine spätesten Nachfolger um eine Idee herumirren, die sie sich selbst nicht haben deutlich machen und daher den eigentümlichen Inhalt, die Artikulation (systematische Einheit) und Grenzen der Wissenschaft nicht bestimmen können.
Es ist schlimm, daß nur allererst, nachdem wir lange Zeit, nach Anweisung einer in uns versteckt liegenden Idee, rhapsodistisch viele dahin sich beziehenden Erkenntnisse, als Bauzeug, gesammelt, ja gar lange Zeiten hindurch sie
B 863 technisch zusammengesetzt haben, es uns dann allererst möglich ist, die Idee in hellerem Lichte zu erblicken, und ein Ganzes nach den Zwecken der Vernunft architektonisch zu entwerfen. Die Systeme scheinen, wie Gewürme, durch eine generatio aequivoca, aus dem bloßen Zusammenfluß von aufgesammelten Begriffen, anfangs verstümmelt, mit der Zeit vollständig, gebildet worden zu sein, ob sie gleich alle insgesamt ihr Schema, als den ursprünglichen Keim, in der sich bloß auswickelnden Vernunft hatten, und darum, nicht allein ein jedes für sich nach einer Idee gegliedert, sondern noch dazu alle untereinander in einem System menschlicher Erkenntnis wiederum als Glieder eines Ganzen zweckmäßig vereinigt sind, und eine Architektonik alles menschlichen Wissens erlauben, die jetziger Zeit, da schon so viel Stoff gesammelt ist, oder aus Ruinen eingefallener alter Gebäude genommen werden kann, nicht allein möglich, sondern nicht einmal sogar schwer sein würde. Wir begnügen uns hier mit der Vollendung unseres Geschäftes, nämlich, lediglich die Architektonik aller Erkenntnis aus reiner Vernunft zu entwerfen, und fangen nur von dem Punkte an, wo sich die allgemeine Wurzel unserer Erkenntniskraft teilt und zwei Stämme auswirft, deren einer Vernunft ist. Ich verstehe hier aber unter Vernunft das ganze obere Erkenntnisvermögen, und setze also das Rationale dem Empirischen entgegen.
Wenn ich von allem Inhalte der Erkenntnis, objektiv betrachtet, abstrahiere, so ist alles Erkenntnis,
B 864 subjektiv, entweder historisch oder rational. Die historische Erkenntnis ist cognitio ex datis, die rationale aber cognitio ex principiis. Eine Erkenntnis mag ursprünglich gegeben sein, woher sie wolle, so ist sie doch bei dem, der sie besitzt, historisch, wenn er nur in dem Grade und so viel erkennt, als ihm anderwärts gegeben worden, es mag dieses ihm nun durch unmittelbare Erfahrung oder Erzählung, oder auch Belehrung (allgemeiner Erkenntnisse) gegeben sein. Daher hat der, welcher ein System der Philosophie, z.B. das Wolfische, eigentlich gelernt hat, ob er gleich alle Grundsätze, Erklärungen und Beweise, zusamt der Einteilung des ganzen Lehrgebäudes, im Kopfe hätte, und alles an den Fingern abzählen könnte, doch keine andere als vollständige historische Erkenntnis der Wolfischen Philosophie; er weiß und urteilt nur so viel, als ihm gegeben war. Streitet ihm eine Definition, so weiß er nicht, wo er eine andere hernehmen soll. Er bildete sich nach fremder Vernunft, aber das nachbildende Vermögen ist nicht das erzeugende, d.i. das Erkenntnis entsprang bei ihm nicht aus Vernunft, und, ob es gleich, objektiv, allerdings ein Vernunfterkenntnis war, so ist es doch, subjektiv, bloß historisch. Er hat gut gefaßt und behalten, d.i. gelernt, und ist ein Gipsabdruck von einem lebenden Menschen. Vernunfterkenntnisse, die es objektiv sind, (d.i. anfangs nur aus der eigenen Vernunft des Menschen entspringen können,) dürfen nur dann allein auch subjektiv diesen Namen führen, wenn sie aus allgemeinen
B 865 Quellen der Vernunft, woraus auch die Kritik, ja selbst die Verwerfung des Gelernten entspringen kann, d.i. aus Prinzipien geschöpft worden.
Alle Vernunfterkenntnis ist nun entweder die aus Begriffen, oder aus der Konstruktion der Begriffe; die erstere heißt philosophisch, die zweite mathematisch. Von dem inneren Unterschiede beider habe ich schon im ersten Hauptstücke gehandelt. Ein Erkenntnis demnach kann objektiv philosophisch sein, und ist doch subjektiv historisch, wie bei den meisten Lehrlingen, und bei allen, die über die Schule niemals hinausgehen und zeitlebens Lehrlinge bleiben. Es ist aber doch sonderbar, daß das mathematische Erkenntnis, so wie man es erlernt hat, doch auch subjektiv für Vernunfterkenntnis gelten kann, und ein solcher Unterschied bei ihr nicht so, wie bei dem philosophischen stattfindet. Die Ursache ist, weil die Erkenntnisquellen, aus denen der Lehrer allein schöpfen kann, nirgend anders als in den wesentlichen und echten Prinzipien der Vernunft liegen, und mithin von dem Lehrlinge nirgend anders hergenommen, noch etwa gestritten werden können, und dieses zwar darum, weil der Gebrauch der Vernunft hier nur in concreto, obzwar dennoch a priori, nämlich an der reinen, und eben deswegen fehlerfreien, Anschauung geschieht, und alle Täuschung und Irrtum ausschließt. Man kann also unter allen Vernunftwissenschaften (a priori) nur allein Mathematik, niemals aber Philosophie (es sei denn historisch), sondern, was die Vernunft betrifft, höchstens nur philosophieren lernen.
B 866 Das System aller philosophischen Erkenntnis ist nun Philosophie. Man muß sie objektiv nehmen, wenn man darunter das Urbild der Beurteilung aller Versuche zu philosophieren versteht, welche jede subjektive Philosophie zu beurteilen dienen soll, deren Gebäude oft so mannigfaltig und so veränderlich ist. Auf diese Weise ist Philosophie eine bloße Idee von einer möglichen Wissenschaft, die nirgend in concreto gegeben ist, welcher man sich aber auf mancherlei Wegen zu nähern sucht, so lange, bis der einzige, sehr durch Sinnlichkeit verwachsene Fußsteig entdeckt wird, und das bisher verfehlte Nachbild, so weit als es Menschen vergönnt ist, dem Urbilde gleich zu machen gelingt. Bis dahin kann man keine Philosophie lernen; denn, wo ist sie, wer hat sie im Besitze, und woran läßt sie sich erkennen? Man kann nur philosophieren lernen, d.i. das Talent der Vernunft in der Befolgung ihrer allgemeinen Prinzipien an gewissen vorhandenen Versuchen üben, doch immer mit Vorbehalt des Rechts der Vernunft, jene selbst in ihren Quellen zu untersuchen und zu bestätigen, oder zu verwerfen.
Bis dahin ist aber der Begriff von Philosophie nur ein Schulbegriff, nämlich von einem System der Erkenntnis, die nur als Wissenschaft gesucht wird, ohne etwas mehr als die systematische Einheit dieses Wissens, mithin die logische Vollkommenheit der Erkenntnis zum Zwecke zu haben. Es gibt aber noch einen Weltbegriff (conceptus cosmicus), der dieser Benennung jederzeit zum Grunde gelegen hat, vornehmlich wenn man ihn
B 867 gleichsam personifizierte und in dem Ideal des Philosophen sich als ein Urbild vorstellte. In dieser Absicht ist Philosophie die Wissenschaft von der Beziehung aller Erkenntnis auf die wesentlichen Zwecke der menschlichen Vernunft (teleologia rationis humanae), und der Philosoph ist nicht ein Vernunftkünstler, sondern der Gesetzgeber der menschlichen Vernunft. In solcher Bedeutung wäre es sehr ruhmredig, sich selbst einen Philosophen zu nennen, und sich anzumaßen, dem Urbilde, das nur in der Idee liegt, gleichgekommen zu sein.
Der Mathematiker, der Naturkündiger, der Logiker sind, so vortrefflich die ersteren auch überhaupt im Vernunfterkenntnisse, die zweiten besonders im philosophischen Erkenntnisse Fortgang haben mögen, doch nur Vernunftkünstler. Es gibt noch einen Lehrer im Ideal, der alle diese ansetzt, sie als Werkzeuge nutzt, um die wesentlichen Zwecke der menschlichen Vernunft zu befördern. Diesen allein müßten wir den Philosophen nennen; aber, da er selbst doch nirgend, die Idee aber seiner Gesetzgebung allenthalben in jeder Menschenvernunft angetroffen wird, so wollen wir uns lediglich an der letzteren halten, und näher bestimmen, was Philosophie, nach diesem Weltbegriffe*, für
B 868 systematische Einheit aus dem Standpunkte der Zwecke vorschreibe.
* Weltbegriff heißt hier derjenige, der das betrifft, was jedermann notwendig interessiert; mithin bestimme ich die Absicht einer Wissenschaft nach Schulbegriffen, wenn sie nur als eine von den Geschicklichkeiten zu gewissen beliebigen Zwecken angesehen wird.
Wesentliche Zwecke sind darum noch nicht die höchsten, deren (bei vollkommener systematischer Einheit der Vernunft) nur ein einziger sein kann. Daher sind sie entweder der Endzweck, oder subalterne Zwecke, die zu jenem als Mittel notwendig gehören. Der erstere ist kein anderer, als die ganze Bestimmung des Menschen, und die Philosophie über dieselbe heißt Moral. Um dieses Vorzugs willen, den die Moralphilosophie vor aller anderen Vernunftbewerbung hat, verstand man auch bei den Alten unter dem Namen des Philosophen jederzeit zugleich und vorzüglich den Moralisten, und selbst macht der äußere Schein der Selbstbeherrschung durch Vernunft, daß man jemanden noch jetzt, bei seinem eingeschränkten Wissen, nach einer gewissen Analogie, Philosoph nennt.
Die Gesetzgebung der menschlichen Vernunft (Philosophie) hat nun zwei Gegenstände, Natur und Freiheit, und enthält also sowohl das Naturgesetz, als auch das Sittengesetz, anfangs in zwei besonderen, zuletzt aber in einem einzigen philosophischen System. Die Philosophie der Natur geht auf alles, was da ist; die der Sitten, nur auf das, was da sein soll.
Alle Philosophie aber ist entweder Erkenntnis aus reiner Vernunft, oder Vernunfterkenntnis aus empirischen Prinzipien. Die erstere heißt reine, die zweite empirische Philosophie.
B 869 Die Philosophie der reinen Vernunft ist nun entweder Propädeutik (Vorübung), welche das Vermögen der Vernunft in Ansehung aller reinen Erkenntnis a priori untersucht, und heißt Kritik, oder zweitens das System der reinen Vernunft (Wissenschaft), die ganze (wahre sowohl als scheinbare) philosophische Erkenntnis aus reiner Vernunft im systematischen Zusammenhange, und heißt Metaphysik; wiewohl dieser Name auch der ganzen reinen Philosophie mit Inbegriff der Kritik gegeben werden kann, um, sowohl die Untersuchung alles dessen, was jemals a priori erkannt werden kann, als auch die Darstellung desjenigen, was ein System reiner philosophischer Erkenntnisse dieser Art ausmacht, von allein empirischen aber, imgleichen dem mathematischen Vernunftgebrauche unterschieden ist, zusammen zu fassen.
Die Metaphysik teilt sich in die des spekulativen und praktischen Gebrauchs der reinen Vernunft, und ist also entweder Metaphysik der Natur, oder Metaphysik der Sitten. Jene enthält alle reinen Vernunftprinzipien aus bloßen Begriffen (mithin mit Ausschließung der Mathematik) von dem theoretischen Erkenntnisse aller Dinge; diese die Prinzipien, welche das Tun und Lassen a priori bestimmen und notwendig machen. Nun ist die Moralität die einzige Gesetzmäßigkeit der Handlungen, die völlig a priori aus Prinzipien abgeleitet werden kann. Daher ist die Metaphysik der Sitten eigentlich die reine Moral, in welcher keine Anthropologie (keine empirische
B 870 Bedingung) zum Grunde gelegt wird. Die Metaphysik der spekulativen Vernunft ist nun das, was man im engeren Verstande Metaphysik zu nennen pflegt; sofern aber reine Sittenlehre doch gleichwohl zu dem besonderen Stamme menschlicher und zwar philosophischer Erkenntnis aus reiner Vernunft gehört, so wollen wir ihr jene Benennung erhalten, obgleich wir sie, als zu unserem Zwecke jetzt nicht gehörig, hier beiseite setzen.
Es ist von der äußersten Erheblichkeit, Erkenntnisse, die ihrer Gattung und Ursprunge nach von anderen unterschieden sind, zu isolieren, und sorgfältig zu verhüten, daß sie nicht mit anderen, mit welchen sie im Gebrauche gewöhnlich verbunden sind, in ein Gemisch zusammenfließen. Was Chemiker beim Scheiden der Materien, was Mathematiker in ihrer reinen Größenlehre tun, das liegt noch weit mehr dem Philosophen ob, damit er den Anteil, den eine besondere Art der Erkenntnis am herumschweifenden Verstandesgebrauch hat, ihren eigenen Wert und Einfluß sicher bestimmen könne. Daher hat die menschliche Vernunft seitdem, daß sie gedacht, oder vielmehr nachgedacht hat, niemals einer Metaphysik entbehren, aber gleichwohl sie nicht, genugsam geläutert von allem Fremdartigen, darstellen können. Die Idee einer solchen Wissenschaft ist ebenso alt, als spekulative Menschenvernunft; und welche Vernunft spekuliert nicht, es mag nun auf scholastische, oder populäre Art geschehen? Man muß indessen gestehen, daß die Unterscheidung der zwei
B 871 Elemente unserer Erkenntnis, deren die einen völlig a priori in unserer Gewalt sind, die anderen nur a posteriori aus der Erfahrung genommen werden können, selbst bei Denkern von Gewerbe, nur sehr undeutlich blieb, und daher niemals die Grenzbestimmung einer besonderen Art von Erkenntnis, mithin nicht die echte Idee einer Wissenschaft, die so lange und so sehr die menschliche Vernunft beschäftigt hat, zustande bringen konnte. Wenn man sagte: Metaphysik ist die Wissenschaft von den ersten Prinzipien der menschlichen Erkenntnis, so bemerkte man dadurch nicht eine ganz besondere Art, sondern nur einen Rang in Ansehung der Allgemeinheit, dadurch sie also vom Empirischen nicht kenntlich unterschieden werden konnte; denn auch unter empirischen Prinzipien sind einige allgemeiner, und darum höher als andere, und, in der Reihe einer solchen Unterordnung, (da man das, was völlig a priori, von dem, was nur a posteriori erkannt wird, nicht unterscheidet,) wo soll man den Abschnitt machen, der den ersten Teil und die obersten Glieder von dem letzten und den untergeordneten unterschiede? Was würde man dazu sagen, wenn die Zeitrechnung die Epochen der Welt nur so bezeichnen könnte, daß sie sie in die ersten Jahrhunderte und in die darauffolgenden einteilte? Gehört das fünfte, das zehnte usw. Jahrhundert auch zu den ersten? würde man fragen; ebenso frage ich: gehört der Begriff des Ausgedehnten zur Metaphysik? ihr antwortet, ja! ei, aber auch der des Körpers? ja! und der des flüssigen Körpers? ihr
B 872 werdet stutzig, denn, wenn es so weiterfortgeht, so wird alles in die Metaphysik gehören. Hieraus sieht man, daß der bloße Grad der Unterordnung (das Besondere unter dem Allgemeinen) keine Grenzen einer Wissenschaft bestimmen könne, sondern in unserem Falle die gänzliche Ungleichartigkeit und Verschiedenheit des Ursprungs. Was aber die Grundidee der Metaphysik noch auf einer anderen Seite verdunkelte, war, daß sie als Erkenntnis a priori mit der Mathematik eine gewisse Gleichartigkeit zeigt, die zwar, was den Ursprung a priori betrifft, sie einander verwandt, was aber die Erkenntnisart aus Begriffen bei jener, in Vergleichung mit der Art, bloß durch Konstruktion der Begriffe a priori zu urteilen, bei dieser, mithin den Unterschied einer philosophischen Erkenntnis von der mathematischen anlangt; so zeigt sich eine so entschiedene Ungleichartigkeit, die man zwar jederzeit gleichsam fühlte, niemals aber auf deutliche Kriterien bringen konnte. Dadurch ist es nun geschehen, daß, da Philosophen selbst in der Entwicklung der Idee ihrer Wissenschaften fehlten, die Bearbeitung derselben keinen bestimmten Zweck und keine sichere Richtschnur haben konnte, und sie, bei einem so willkürlich gemachten Entwurfe, unwissend in dem Wege, den sie zu nehmen hätten, und jederzeit unter sich streitig, über die Entdeckungen, die ein jeder auf dem seinigen gemacht haben wollte, ihre Wissenschaft zuerst bei anderen und endlich sogar bei sich selbst in Verachtung brachten.
B 873 Alle reine Erkenntnis a priori macht also, vermöge des besonderen Erkenntnisvermögens, darin es allein seinen Sitz haben kann, eine besondere Einheit aus, und Metaphysik ist diejenige Philosophie, welche jene Erkenntnis in dieser systematischen Einheit darstellen soll. Der spekulative Teil derselben, der sich diesen Namen vorzüglich zugeeignet hat, nämlich die, welche wir Metaphysik der Natur nennen, und alles, sofern es ist, (nicht das, was sein soll,) aus Begriffen a priori erwägt, wird nun auf folgende Art eingeteilt.
Die im engeren Verstande so genannte Metaphysik besteht aus der Transzendentalphilosophie und der Physiologie der reinen Vernunft. Die erstere betrachtet nur den Verstand, und Vernunft selbst in einem System aller Begriffe und Grundsätze, die sich auf Gegenstände überhaupt beziehen, ohne Objekte anzunehmen, die gegeben wären (Ontologia); die zweite betrachtet Natur, d.i. den Inbegriff gegebener Gegenstände, (sie mögen nun den Sinnen, oder, wenn man will, einer anderen Art von Anschauung gegeben sein,) und ist also Physiologie (obgleich nur rationalis). Nun ist aber der Gebrauch der Vernunft in dieser rationalen Naturbetrachtung entweder physisch, oder hyperphysisch, oder besser, entweder immanent oder transzendent. Der erstere geht auf die Natur, so weit als ihre Erkenntnis in der Erfahrung (in concreto) kann angewandt werden, der zweite auf diejenige Verknüpfung der Gegenstände der Erfahrung, welche alle Erfahrung
B 874 übersteigt. Diese transzendente Physiologie hat daher entweder eine innere Verknüpfung, oder äußere, die aber beide über mögliche Erfahrung hinausgehen, zu ihrem Gegenstande; jene ist die Physiologie der gesamten Natur, d.i. die transzendentale Welterkenntnis, diese des Zusammenhanges der gesamten Natur mit einem Wesen über der Natur, d.i. die transzendentale Gotteserkenntnis.
Die immanente Physiologie betrachtet dagegen Natur als den Inbegriff aller Gegenstände der Sinne, mithin so wie sie uns gegeben ist, aber nur nach Bedingungen a priori, unter denen sie uns überhaupt gegeben werden kann. Es sind aber nur zweierlei Gegenstände derselben. 1. Die der äußeren Sinne, mithin der Inbegriff derselben, die körperliche Natur. 2. Der Gegenstand des inneren Sinnes, die Seele, und, nach den Grundbegriffen derselben überhaupt, die denkende Natur. Die Metaphysik der körperlichen Natur heißt Physik, aber, weil sie nur die Prinzipien ihrer Erkenntnis a priori enthalten soll, rationale Physik. Die Metaphysik der denkenden Natur heißt Psychologie und aus der eben angeführten Ursache ist hier nur die rationale Erkenntnis derselben zu verstehen.
Demnach besteht das ganze System der Metaphysik aus vier Hauptteilen. 1. Der Ontologie. 2. Der rationalen Physiologie. 3. Der rationalen Kosmologie. 4. Der rationalen Theologie. Der zweite Teil, nämlich die Naturlehre der reinen Vernunft, enthält zwei
B 875 Abteilungen, die physica rationalis* und psychologia rationalis.
* Man denke ja nicht, daß ich hierunter dasjenige verstehe, was man gemeiniglich physica generalis nennt, und mehr Mathematik, als Philosophie der Natur ist. Denn die Metaphysik der Natur sondert sich gänzlich von der Mathematik ab, hat auch bei weitem nicht so viel erweiternde Einsichten anzubieten, als diese, ist aber doch sehr wichtig, in Ansehung der Kritik des auf die Natur anzuwendenden reinen Verstandeserkenntnisses überhaupt; in Ermanglung deren selbst Mathematiker, indem sie gewissen gemeinen, in der Tat doch metaphysischen Begriffen anhängen, die Naturlehre unvermerkt mit Hypothesen belästigt haben, welche bei einer Kritik dieser Prinzipien verschwinden, ohne dadurch doch dem Gebrauche der Mathematik in diesem Felde (der ganz unentbehrlich ist) im mindesten Abbruch zu tun.
Die ursprüngliche Idee einer Philosophie der reinen Vernunft schreibt diese Abteilung selbst vor; sie ist also architektonisch, ihren wesentlichen Zwecken gemäß, und nicht bloß technisch, nach zufällig wahrgenommenen Verwandtschaften und gleichsam auf gut Glück angestellt, eben darum aber auch unwandelbar und legislatorisch. Es finden sich aber hierbei einige Punkte, die Bedenklichkeit erregen, und die Überzeugung von der Gesetzmäßigkeit derselben schwächen könnten.
Zuerst, wie kann ich eine Erkenntnis a priori, mithin Metaphysik, von Gegenständen erwarten, sofern sie unseren Sinnen, mithin a posteriori gegeben sind? und, wie ist es möglich, nach Prinzipien a priori, die Natur der
B 876 Dinge zu erkennen und zu einer rationalen Physiologie zu gelangen? Die Antwort ist: wir nehmen aus der Erfahrung nichts weiter, als was nötig ist, uns ein Objekt, teils des äußeren, teils des inneren Sinnes zu geben. Jenes geschieht durch den bloßen Begriff Materie (undurchdringliche leblose Ausdehnung), dieses durch den Begriff eines denkenden Wesens (in der empirischen inneren Vorstellung: Ich denke). Übrigens müßten wir in der ganzen Metaphysik dieser Gegenstände, uns aller empirischen Prinzipien gänzlich enthalten, die über den Begriff noch irgendeine Erfahrung hinzusetzen möchten, um etwas über diese Gegenstände daraus zu urteilen.
Zweitens: wo bleibt denn die empirische Psychologie, welche von jeher ihren Platz in der Metaphysik behauptet hat, und von welcher man in unseren Zeiten so große Dinge zur Aufklärung derselben erwartet hat, nachdem man die Hoffnung aufgab, etwas Taugliches a priori auszurichten? Ich antworte: sie kommt dahin, wo die eigentliche (empirische) Naturlehre hingestellt werden muß, nämlich auf die Seite der angewandten Philosophie, zu welcher die reine Philosophie die Prinzipien a priori enthält, die also mit jener zwar verbunden, aber nicht vermischt werden muß. Also muß empirische Psychologie aus der Metaphysik gänzlich verbannt sein, und ist schon durch die Idee derselben davon gänzlich ausgeschlossen. Gleichwohl wird man ihr nach dem Schulgebrauch doch noch immer (obzwar nur als Episode) ein Plätzchen darin
B 877 verstatten müssen, und zwar aus ökonomischen Bewegursachen, weil sie noch nicht so reich ist, daß sie allein ein Studium ausmachen, und doch zu wichtig, als daß man sie ganz ausstoßen, oder anderwärts anheften sollte, wo sie noch weniger Verwandtschaft als in der Metaphysik antreffen dürfte. Es ist also bloß ein so lange aufgenommener Fremdling, dem man auf einige Zeit einen Aufenthalt vergönnt, bis er in einer ausführlichen Anthropologie (dem Pendant zu der empirischen Naturlehre) seine eigene Behausung wird beziehen können.
Das ist also die allgemeine Idee der Metaphysik, welche, da man ihr anfänglich mehr zumutete, als billigerweise verlangt werden kann, und sich eine zeitlang mit angenehmen Erwartungen ergötzte, zuletzt in allgemeine Verachtung gefallen ist, da man sich in seiner Hoffnung betrogen fand. Aus dem ganzen Verlauf unserer Kritik wird man sich hinlänglich überzeugt haben: daß, wenngleich Metaphysik nicht die Grundfeste der Religion sein kann, so müsse sie doch jederzeit als die Schutzwehr derselben stehenbleiben, und daß die menschliche Vernunft, welche schon durch die Richtung ihrer Natur dialektisch ist, einer solchen Wissenschaft niemals entbehren könnte, die sie zügelt, und, durch ein szientifisches und völlig einleuchtendes Selbsterkenntnis, die Verwüstungen abhält, welche eine gesetzlose spekulative Vernunft sonst ganz unfehlbar, in Moral sowohl als Religion, anrichten würde. Man kann also sicher sein, so spröde, oder geringschätzend auch
B 878 diejenigen tun, die eine Wissenschaft nicht nach ihrer Natur, sondern allein aus ihren zufälligen Wirkungen zu beurteilen wissen, man werde jederzeit zu ihr, wie zu einer mit uns entzweiten Geliebten zurückkehren, weil die Vernunft, da es hier wesentliche Zwecke betrifft, rastlos, entweder auf gründliche Einsicht oder Zerstörung schon vorhandener guter Einsichten arbeiten muß.
Metaphysik also, sowohl der Natur, als der Sitten, vornehmlich die Kritik der sich auf eigenen Flügeln wagenden Vernunft, welche vorübend (propädeutisch) vorhergeht, machen eigentlich allein dasjenige aus, was wir im echten Verstande Philosophie nennen können. Diese bezieht alles auf Weisheit, aber durch den Weg der Wissenschaft, den einzigen, der, wenn er einmal gebahnt ist, niemals verwächst, und keine Verirrungen verstattet. Mathematik, Naturwissenschaft, selbst die empirische Kenntnis des Menschen, haben einen hohen Wert als Mittel, größtenteils zu zufälligen, am Ende aber doch zu notwendigen und wesentlichen Zwecken der Menschheit, aber alsdann nur durch Vermittlung einer Vernunfterkenntnis aus bloßen Begriffen, die, man mag sie benennen, wie man will, eigentlich nichts als Metaphysik ist.
Eben deswegen ist Metaphysik auch die Vollendung aller Kultur der menschlichen Vernunft, die
B 879 unentbehrlich ist, wenn man gleich ihren Einfluß, als Wissenschaft, auf gewisse bestimmte Zwecke bei Seite setzt. Denn sie betrachtet die Vernunft nach ihren Elementen und obersten Maximen, die selbst der Möglichkeit einiger Wissenschaften, und dem Gebrauche aller, zum Grunde liegen müssen. Daß sie, als bloße Spekulation, mehr dazu dient, Irrtümer abzuhalten, als Erkenntnis zu erweitern, tut ihrem Werte keinen Abbruch, sondern gibt ihr vielmehr Würde und Ansehen durch das Zensoramt, welches die allgemeine Ordnung und Eintracht, ja den Wohlstand des wissenschaftlichen gemeinen Wesens sichert, und dessen mutige und fruchtbare Bearbeitungen abhält, sich nicht von dem Hauptzwecke, der allgemeinen Glückseligkeit, zu entfernen.
B 880 Der transzendentalen Methodenlehre Viertes Hauptstück Die Geschichte der reinen Vernunft
Dieser Titel steht nur hier, um eine Stelle zu bezeichnen, die im System übrigbleibt, und künftig ausgefüllt werden muß. Ich begnüge mich, aus einem bloß transzendentalen Gesichtspunkte, nämlich der Natur der reinen Vernunft, einen flüchtigen Blick auf das Ganze der bisherigen Bearbeitungen derselben zu werfen, welches freilich meinem Auge zwar Gebäude, aber nur in Ruinen vorstellt.
Es ist merkwürdig genug, ob es gleich natürlicherweise nicht anders zugehen konnte, daß die Menschen im Kindesalter der Philosophie davon anfingen, wo wir jetzt lieber endigen möchten, nämlich, zuerst die Erkenntnis Gottes, und die Hoffnung oder wohl gar die Beschaffenheit einer anderen Welt zu studieren. Was auch die alten Gebräuche, die noch von dem rohen Zustande der Völker übrig waren, für grobe Religionsbegriffe eingeführt haben mochten, so hinderte dieses doch nicht den aufgeklärteren Teil, sich freien Nachforschungen über diesen Gegenstand zu widmen, und man sah leicht ein, daß es keine gründliche und zuverlässigere Art geben könne, der unsichtbaren Macht, die die Welt regiert, zu gefallen, um wenigstens in einer anderen
B 881 Welt glücklich zu sein, als den guten Lebenswandel. Daher waren Theologie und Moral die zwei Triebfedern, oder besser, Beziehungspunkte zu allen abgezogenen Vernunftforschungen, denen man sich nachher jederzeit gewidmet hat. Die erstere war indessen eigentlich das, was die bloß spekulative Vernunft nach und nach in das Geschäft zog, welches in der Folge unter dem Namen der Metaphysik so berühmt geworden.
Ich will jetzt die Zeiten nicht unterscheiden, auf welche diese oder jene Veränderung der Metaphysik traf, sondern nur die Verschiedenheit der Idee, welche die hauptsächlichsten Revolutionen veranlaßte, in einem flüchtigen Abrisse darstellen. Und da finde ich eine dreifache Absicht, in welcher die namhaftesten Veränderungen auf dieser Bühne des Streits gestiftet worden.
1 In Ansehung des Gegenstandes aller unserer Vernunfterkenntnisse, waren einige bloß Sensual-, andere bloß Intellektualphilosophen. Epikur kann der vornehmste Philosoph der Sinnlichkeit, Plato des Intellektuellen genannt werden. Dieser Unterschied der Schulen aber, so subtil er auch ist, hatte schon in den frühesten Zeiten angefangen, und hat sich lange ununterbrochen erhalten. Die von der ersteren behaupteten, in den Gegenständen der Sinne sei allein Wirklichkeit, alles übrige sei Einbildung; die von der zweiten sagten dagegen: in den Sinnen ist
B 882 nichts als Schein, nur der Verstand erkennt das Wahre. Darum stritten aber die ersteren den Verstandesbegriffen doch eben nicht Realität ab, sie war aber bei ihnen nur logisch, bei den anderen aber mystisch. Jene räumten intellektuelle Begriffe ein, aber nahmen bloß sensible Gegenstände an. Diese verlangten, daß die wahren Gegenstände bloß intelligibel wären, und behaupteten eine Anschauung durch den von keinen Sinnen begleiteten und ihrer Meinung nach nur verwirrten reinen Verstand.
2 In Ansehung des Ursprungs reiner Vernunfterkenntnisse, ob sie aus der Erfahrung abgeleitet, oder, unabhängig von ihr, in der Vernunft ihre Quelle haben. Aristoteles kann als das Haupt der Empiristen, Plato aber der Noologisten angesehen werden. Locke, der in neueren Zeiten dem ersteren, und Leibnitz, der dem letzteren (obzwar in einer genugsamen Entfernung von dessen mystischem Systeme) folgte, haben es gleichwohl in diesem Streite noch zu keiner Entscheidung bringen können. Wenigstens verfuhr Epikur seinerseits viel konsequenter nach seinem Sensualsystem (denn er ging mit seinen Schlüssen niemals über die Grenze der Erfahrung hinaus), als Aristoteles und Locke, (vornehmlich aber der letztere,) der, nachdem er alle Begriffe und Grundsätze von der Erfahrung abgeleitet hatte, soweit im Gebrauche derselben geht, daß er behauptet, man könne das Dasein Gottes und die Unsterblichkeit der Seele (obzwar beide Gegenstände ganz außer den
B 883 Grenzen möglicher Erfahrung liegen) ebenso evident beweisen, als irgendeinen mathematischen Lehrsatz.
3 In Ansehung der Methode. Wenn man etwas Methode nennen soll, so muß es ein Verfahren nach Grundsätzen sein. Nun kann man die jetzt in diesem Fache der Naturforschung herrschende Methode in die naturalistische und szientifische einteilen. Der Naturalist der reinen Vernunft nimmt es sich zum Grundsatze: daß durch gemeine Vernunft ohne Wissenschaft (welche er die gesunde Vernunft nennt) sich in Ansehung der erhabensten Fragen, die die Aufgabe der Metaphysik ausmachen, mehr ausrichten lasse, als durch Spekulation. Er behauptet also, daß man die Größe und Weite des Mondes sicherer nach dem Augenmaße, als durch mathematische Umschweife bestimmen könne. Es ist bloße Misologie, auf Grundsätze gebracht, und, welches das ungereimteste ist, die Vernachlässigung aller künstlichen Mittel, als eine eigene Methode angerühmt, seine Erkenntnis zu erweitern. Denn was die Naturalisten aus Mangel mehrerer Einsicht betrifft, so kann man ihnen mit Grunde nichts zur Last legen. Sie folgen der gemeinen Vernunft, ohne sich ihrer Unwissenheit als einer Methode zu rühmen, die das Geheimnis enthalten solle, die Wahrheit aus Demokrits tiefem Brunnen herauszuholen. Quod sapio, satis est mihi; non ego curo, esse quod Arcesilas aerumnosique Solones, Pers. ist ihr Wahlspruch, bei dem sie vergnügt und
B 884 beifallswürdig leben können, ohne sich um die Wissenschaft zu bekümmern, noch deren Geschäft zu verwirren.
Was nun die Beobachter einer szientifischen Methode betrifft, so haben sie hier die Wahl, entweder dogmatisch oder skeptisch, in allen Fällen aber doch die Verbindlichkeit systematisch zu verfahren. Wenn ich hier in Ansehung der ersteren den berühmten Wolf, bei der zweiten David Hume nenne, so kann ich die übrigen, meiner jetzigen Absicht nach, ungenannt lassen. Der kritische Weg ist allein noch offen. Wenn der Leser diesen in meiner Gesellschaft durchzuwandern Gefälligkeit und Geduld gehabt hat, so mag er jetzt urteilen, ob nicht, wenn es ihm beliebt, das Seinige dazu beizutragen, um diesen Fußsteig zur Heeresstraße zu machen, dasjenige, was viele Jahrhunderte nicht leisten konnten, noch vor Ablauf des gegenwärtigen erreicht werden möge: nämlich, die menschliche Vernunft in dem, was ihre Wißbegierde jederzeit, bisher aber vergeblich, beschäftigt hat, zur völligen Befriedigung zu bringen.
B 733 II. Transcendental Doctrine of Method
B 735 Suppose I look at the sum of all cognition that pure, speculative reason can have as one building, one that we at least carry the idea of within us. In the Transcendental Doctrine of Elements, I’d say, we added up the building materials and worked out what building they would be enough for, and how tall and how sturdy it could be. It turned out, of course, that we had a tower in mind, one that was to reach the sky, but the supply of materials was enough only for a dwelling. That dwelling was roomy enough for what we do down on the plain of experience, and tall enough to look out over that plain. The bold project had to fail for lack of material. And that leaves out the confusion of languages, which was bound to split the workers over the plan and scatter them across the world, each going off to build alone to their own design. Now the plan matters to us more than the materials. We have been warned not to gamble on some arbitrary, blind design that might be beyond all our powers. Still, we can hardly give up on putting up a solid place to live. So what we need is an estimate for a building that fits the supply we actually have and also suits our needs.
So the Transcendental Doctrine of Method, as I use the term, settles what the formal conditions are.
B 736 It settles them for a complete system of pure reason. To that end our subjects will be a discipline, a canon, an architectonic and, last of all, a history of pure reason. In the transcendental setting we will accomplish what the schools look for, and do badly, under the name of a practical logic for the use of the understanding in general. The reason they do it badly is that general logic isn’t restricted to any special kind of cognition by the understanding (the pure kind, for example), or to certain objects. If it borrows nothing from other sciences, all it can do is set out headings for possible methods, along with the technical terms that all sorts of sciences use for systematic matters. These give the beginner a first acquaintance with names, whose meaning and use the beginner has yet to learn.
Transcendental Doctrine of Method First Chapter Pure Reason’s Discipline
Take negative judgments, the ones that are negative in content and not just in logical form. People hungry for knowledge don’t hold them in much regard. Some even see them as jealous enemies of our restless drive to widen our cognition.
B 737 It takes almost an apology just to get them tolerated, and even more to win them favor and respect.
Logically, you can put any proposition you like in negative form. But look at the content of our cognition in general, and ask whether a judgment widens it or narrows it. Then denying judgments have one job of their own, which is simply to keep error out. That is why negative propositions meant to block a false cognition, where no error is possible anyway, are perfectly true but empty. They don’t suit their purpose at all, and for that very reason they are often silly. Take the claim of a certain school orator that Alexander couldn’t have conquered countries without an army.
But take a case where the limits on our possible cognition are very narrow, the urge to judge is strong, the illusion on offer is very deceptive, and the harm from error is serious. In that case the negative side of instruction, which does nothing except guard us against errors, matters even more than a good deal of positive teaching that might add to our cognition. We call discipline the constraint that holds back, and in the end wipes out, a constant tendency to stray from certain rules. Discipline differs from culture. Culture is meant only to give a skill, without abolishing another skill that is already there. So take the shaping of a talent.
B 738 A talent already has a drive of its own to show itself. In its case discipline will make a negative* contribution, while culture and doctrine make a positive one.
* I know that in the language of the schools “discipline” is usually treated as if it meant the same as “instruction.” But in many other cases the first word, in the sense of training, is carefully kept apart from the second, in the sense of teaching. The nature of things also calls for keeping the only fitting words for this difference. So I wish that no one would ever permit the word “discipline” to be used in anything but a negative sense.
Everyone will readily grant that temperament needs discipline in some respects. So do talents that like to allow themselves free and unlimited movement, such as imagination and wit. That reason should need it too may well seem strange. After all, reason is the very faculty whose business is to lay down discipline for all other efforts. And in fact reason has escaped such a humbling until now, for just this reason: it comes on with such solemnity and such a thorough air of dignity that no one could easily suspect it of a frivolous game, played with fancies instead of concepts and with words instead of things.
Reason needs no critique in its empirical use, since its principles are put to the test again and again on the touchstone.
B 739 That touchstone is experience. It needs none in mathematics either, where its concepts must be shown at once in pure intuition, in concreto, so that anything baseless or arbitrary comes to light immediately. But there is a use where neither empirical nor pure intuition holds reason to a visible track. That is its transcendental use, working from bare concepts. There it needs discipline so badly, to tame its urge to expand past the tight boundaries of possible experience and to keep it from excess and error, that the entire philosophy of pure reason deals only with this negative benefit. Individual lapses can be put right by censure, and their causes by critique. But when we meet, as in pure reason, a whole system of deceptions and delusions, closely tied together and joined under shared principles, a legislation all of its own seems to be called for, and a negative one. Under the name of discipline it would set up, out of the nature of reason and of the objects of its pure use, a kind of system of caution and self-examination. No false, quibbling illusion could survive before it. Whatever reasons it offered to dress itself up, it would give itself away at once.
B 740 But note this well. Here in the second main division of the transcendental critique, I aim the discipline of pure reason not at content but only at the method of cognition from pure reason. The content was already dealt with in the Doctrine of Elements. Now, the way reason is used has a lot in common, no matter what object it is applied to. Yet to the extent that it is to be transcendental, it also differs so essentially from every other use that errors can’t be prevented without the warning, negative teaching of a discipline set up especially for it. Those errors must unavoidably come from applying, in the wrong way, methods that suit reason elsewhere but just don’t fit here.
First Chapter Section One Pure Reason’s Discipline in Its Dogmatic Use
Mathematics gives the most brilliant example of pure reason expanding happily by its own power, with no help from experience. Examples are catching, above all for a faculty that naturally flatters itself it will have in other cases the very same luck it had in one. So pure reason hopes for the same luck when it is used transcendentally.
B 741 It hopes to expand there as happily and as soundly as it did in mathematics, most of all by using there the same method that has been of such plain benefit here. For us it is therefore a big question whether the method for reaching apodictic certainty, which in mathematics is called mathematical, is the same as the one by which philosophy seeks that very same certainty, and which there would have to be called dogmatic.
Philosophical cognition is cognition by reason from concepts. Mathematical cognition is cognition by reason from the construction of concepts. To construct a concept means to present a priori the intuition that corresponds to it. So constructing a concept requires a non-empirical intuition. As an intuition, that is a single object. But it is also the construction of a concept, which is a general representation, so it has to express in the representation a universal validity for all possible intuitions that come under the same concept. Here is how I construct a triangle. I present the object that matches this concept, either through imagination alone, in pure intuition, or afterward on paper, in empirical intuition. Either way it is done wholly a priori, with no model borrowed from any experience. The figure I draw is one single figure.
B 742 It is empirical, and yet it serves to express the concept without harming the concept’s generality. For in this empirical intuition we look only at the act of constructing the concept. Many determinations, size, sides and angles among them, make no difference to the concept. So we set aside these differences, which leave the concept of the triangle unchanged.
So philosophical cognition looks at the particular only in the universal. Mathematical cognition looks at the universal in the particular, even in the single case, and yet it does so a priori and by means of reason. This single case is fixed by certain universal conditions of construction. In the same way the object of the concept, which the single case matches only as its schema, has to be thought of as universally determined.
These two kinds of rational cognition differ essentially in this form. The difference doesn’t rest on their matter, or objects. Some people thought they could tell philosophy from mathematics by saying that philosophy has only quality as its object and mathematics only quantity. They took the effect for the cause. The form of mathematical cognition is the reason it can deal only with quanta. Magnitudes are the only things whose concept can be constructed, meaning laid out in intuition a priori.
B 743 Qualities can be presented in no intuition other than an empirical one. So a rational cognition of them can be possible only through concepts. In the same way, an intuition for the concept of reality can come from experience only. Nobody can ever come to have one a priori, out of themselves, before they have empirical consciousness of it. We can make the shape of a cone intuitable, with no empirical help, by the concept alone. But the color of this cone will have to have been given beforehand in one experience or another. Take cause in general. The only way I can show that concept in intuition is by an example that experience happens to put in my hands, and so on. Besides, philosophy is concerned with magnitudes no less than mathematics is, for instance with totality and infinity. Mathematics also concerns itself with the difference between lines and planes, which are spaces of different quality, and with the continuity of extension, which counts as one of its qualities. In such cases they have a shared object. Even so, the way reason handles that object is entirely different in philosophical and in mathematical study. Philosophy keeps strictly to general concepts. Mathematics can do nothing with the bare concept. It hurries at once to intuition, where it considers the concept in concreto, but not empirically.
B 744 It does so only in an intuition it has presented, that is constructed, a priori. There, whatever follows from the general conditions of the construction must hold universally for the object of the constructed concept too.
Say a philosopher is given the concept of a triangle. The job is to find out, in the way philosophers work, how the total of its angles relates to a right angle. Their whole stock is the concept of a figure bounded by three straight lines, and, within that, the concept of as many angles. They can ponder this concept as long as they like and will produce nothing new. They can take apart the concept of a straight line, or an angle, or the number three, and make it clear. But they can’t arrive at other properties that don’t lie in these concepts at all. Now let the geometer take up the same question. The geometer begins at once by constructing a triangle. They know that two right angles together amount to exactly as much as the sum of all adjacent angles that can be drawn at one point on a straight line. So they extend one side of the triangle and get two adjacent angles that together equal two right angles. Next the outer one of these angles is divided, by a line drawn parallel with the side opposite. The geometer now sees that an outer adjacent angle arises here that equals an inner one, and so on. They go on in this way.
B 745 Guided by intuition at every step, a chain of inferences brings them to a solution of the question that is perfectly clear and universal at once.
Mathematics doesn’t only construct magnitudes (quanta), as in geometry. It also constructs bare magnitude (quantitatem), as in algebra, and there it sets aside entirely the nature of the object that is to be thought through such a concept of magnitude. It then picks a notation for all constructions of magnitude in general (numbers, for addition, subtraction and so on, and extraction of roots). Once it has also given signs for the general concept of magnitudes in all their various relations, it displays in intuition, by certain general rules, every operation that magnitude produces and alters. To divide one magnitude by another, it writes the signs of both together in the form that stands for division, and so on. In this way a symbolic construction takes mathematics, just as well as an ostensive or geometric construction (of the objects themselves) does in geometry, to a place that discursive cognition by bare concepts could never reach.
Why do two craftsmen of reason find themselves in such different positions, when one goes by concepts and the other by intuitions that they present a priori to match those concepts?
B 746 The transcendental first principles laid out above make the answer clear. What matters here is not analytic propositions, which can be produced just by taking concepts apart. (There the philosopher would no doubt have the edge over a rival.) What matters is synthetic propositions, and in particular ones that are to be cognized a priori. I am not supposed to attend to what I really think when I think my concept of a triangle, which is nothing more than the bare definition. I am meant to go beyond the concept to properties that aren’t in it but still belong to it. That can be done in only one way, by determining my object under the conditions of either empirical or pure intuition. The first way would give only an empirical proposition, obtained by measuring the angles. It would contain no universality, let alone necessity, and we aren’t talking about anything of that sort. The second way is mathematical construction, in this case geometrical construction. Working in a pure intuition, as I would in an empirical one, I add whatever manifold belongs to the general schema for triangles, and so to the triangle’s concept. And that is how universal synthetic propositions have to be constructed.
So I would philosophize about the triangle in vain, that is, think it over discursively.
B 747 I would get not an inch further than the bare definition, which is where I would have to start anyway. There is, it is true, a transcendental synthesis made of nothing but concepts, and again only the philosopher can manage it. But all it ever concerns is a thing in general, namely under what conditions perception of such a thing could belong to possible experience. Mathematical problems don’t ask this, and they don’t ask about existence at all. They ask what properties the objects have in themselves, solely so far as these are bound up with their concept.
In the example we gave, we tried only to bring out how large a difference there is between two uses of reason. One is the discursive use, by concepts. The other is the intuitive use, through the construction of concepts. The natural question now is what makes it necessary to use reason in two ways, and by what conditions we can tell whether only the first is at work or the second as well.
All our cognition does relate in the end to possible intuitions, since an object is given only through these. Now a concept a priori (a non-empirical concept) either has a pure intuition already in it, and then it can be constructed. Or it has nothing but the synthesis of possible intuitions that are not given a priori. In that case we can indeed judge by means of it.
B 748 The judgments are synthetic and a priori, but they can only be discursive, made by concepts, and never intuitive, made by constructing the concept.
Of all intuition, the only part given a priori is the mere form of appearances, namely space and time. Treating these as quanta, we can present a concept of them a priori in intuition, that is, construct it. We can do this together with their quality, their shape, or for their quantity alone, by number. That quantity is the bare synthesis of the homogeneous manifold. Appearances also have matter, and that is what gives us things in space and time. It can be represented only in perception, so a posteriori. Just one concept stands for this empirical content of appearances a priori, the concept of a thing in general. Synthetic cognition of a thing in general, a priori, gives nothing beyond the bare rule for synthesizing whatever perception may deliver a posteriori. It never delivers an intuition of the real object a priori, since that intuition has to be empirical.
A synthetic proposition is transcendental when it is about things in general and their intuition can’t be given a priori at all. So transcendental propositions can never be given by constructing concepts, only by concepts a priori. They contain nothing but the rule for looking, through experience, for a certain synthetic unity in what can’t be presented in intuition a priori.
B 749 I mean perceptions. And in no case can they present even one of their concepts a priori. They do that only a posteriori, by way of the experience that first becomes possible under those synthetic principles.
Suppose we want to make a synthetic judgment about a concept. Then we have to move outside it, to the intuition where it is given. Staying with what the concept contains would give a merely analytic judgment, which only explains the thought by what is actually in it. But I can move from the concept to the pure or empirical intuition that matches it. In that intuition I look at the concept in concreto and find out, either a priori or a posteriori, what applies to its object. The first is rational, mathematical cognition, obtained by constructing the concept. The second is merely empirical, or mechanical, cognition, and it can never yield necessary, apodictic propositions. Here is an example. Say I break down my empirical concept of gold. All I would gain is the ability to list everything I actually think when I say the word. That improves my cognition logically, but adds nothing to it. Now suppose I take the matter that goes by this name and make observations with it.
B 750 They will hand me various synthetic but empirical propositions. Or take the mathematical concept of a triangle. I would construct it, meaning give it a priori in intuition, and that yields synthetic but rational cognition. A transcendental concept is different: say reality, substance, force and so on. Once I am given one, it points to neither an empirical nor a pure intuition, only to the synthesis of empirical intuitions, and those can’t be given a priori. The synthesis can’t reach out a priori to an intuition matching the concept. So no determining synthetic proposition can come from it, only a principle governing the synthesis* of possible empirical intuitions. A transcendental proposition is therefore synthetic rational cognition from bare concepts, so a discursive one. It first makes all synthetic unity of empirical cognition possible, yet gives no intuition a priori.
* With the concept of cause I do really step outside the empirical concept of an event (something happening). But I don’t step to an intuition that presents the concept of cause in concreto. I step to the conditions of time in general, which might be found in experience to fit the concept of cause. So I proceed by concepts alone, and can’t proceed by constructing concepts. That is because a concept of this kind is a rule for combining perceptions into a synthesis, and perceptions are not pure intuitions, so they can’t be given a priori.
B 751 So reason is used in two ways. In what they share they are alike, since the cognition is universal and is produced a priori. In how they proceed they differ widely. The reason is that every appearance, which is the way all objects reach us, has two parts. One is the form of intuition, space and time, and that can be fully known and fixed a priori. The other is the matter, the physical element or content. It means something that turns up in space and time, so it carries existence and answers to sensation. The matter can never be given in a determinate way except empirically. About it we can have nothing a priori except indefinite concepts of how possible sensations are synthesized, provided they belong to the unity of apperception (within a possible experience). About the form we can fix our concepts a priori in intuition. By a uniform synthesis we generate the objects themselves, in space and time, simply by treating them as quanta. The first of these is called the use of reason by concepts. There we can do nothing except bring appearances, as far as their real content goes, under concepts. Afterward those concepts can be fixed only empirically, a posteriori, though following the concepts as rules of an empirical synthesis. The second is the use of reason by the construction of concepts.
B 752 These concepts already go to an intuition a priori, and for that very reason they can be given in a fixed way a priori, in pure intuition, with no empirical data at all. Take whatever there is, some thing in space or time. We can ask whether it is a quantum, and how far. We can ask whether existence, or a lack of it, must be represented in it. Is the something that fills space or time a first substratum, or only a determination? Does its existence stand in relation to something else, as cause or as effect? Finally, does it stand alone, or in mutual dependence with other things where existence is concerned? We can weigh whether this existence is possible, actual or necessary, or the opposite of these. All this is the business of rational cognition from concepts, and that is what we call philosophical. But fixing an intuition a priori in space (shape), dividing time (duration), or knowing only the general element in synthesizing the same item in time and in space, plus the magnitude of an intuition in general that follows from it (number): that is a task for reason through the construction of concepts, and it is called mathematical.
Reason has had great luck through mathematics. Quite naturally that luck suggests that its success will carry over outside the field of magnitudes too, if not for reason itself then at least for its method.
B 753 In mathematics, after all, reason turns every one of its concepts into intuitions it can supply a priori, and that makes it master of nature, so to speak. Pure philosophy, in contrast, fumbles around in nature with a priori concepts that work discursively. It can’t show the reality of those concepts a priori in intuition, and so it can’t make them trustworthy either. The masters of this art also seem to lack neither confidence in themselves nor the public’s great hopes of their skill, should they ever take this matter on. They have hardly ever philosophized about their mathematics (a hard job!). So the specific difference between one use of reason and the other never occurs to them. Rules that are in common circulation and used empirically, borrowed from ordinary reason, count for them as axioms. Where the concepts of space and time come from, which they work with as the only original quanta, is of no concern to them. In the same way it seems pointless to them to look into where the pure concepts of the understanding come from, and with that how far they hold. They just want to use them. In all this they are quite right, as long as they don’t cross the boundary assigned to them, which is the boundary of nature. But in fact they slip without noticing from the field of sensibility onto the unsteady ground of pure and even transcendental concepts. There the footing (instabilis tellus, innabilis unda) won’t let them stand.
B 754 Nor will it let them swim. They can take only fleeting steps, of which time keeps not the slightest trace. In mathematics, by contrast, their course makes a highway that even the latest descendants can walk with confidence.
We have made it our duty to mark out exactly, and with certainty, where the boundaries of pure reason lie when it is used transcendentally. But this kind of striving has a peculiar feature. Despite the most emphatic and clearest warnings, people still let hope string them along before they give up the plan of getting beyond the boundaries of experience into the charming regions of the intellectual. So it is necessary to pull up, so to speak, the final anchor of an imaginative hope. We have to show that bringing the mathematical method into this kind of cognition can bring no advantage at all. The only thing it can do is show all the more plainly its own weak spots, namely that the art of measuring and philosophy are two entirely different things. They do join hands in natural science, but neither can copy the other’s way of working.
Mathematics gets its thoroughness from definitions, axioms and demonstrations. I will be content to show this: none of these three, as the mathematician understands them, can be supplied by philosophy.
B 755 Nor can philosophy imitate them. And I will show that a geometer working by their method can build only card houses in philosophy, and that a philosopher working by theirs can stir up only chatter in mathematics’ share, even though knowing its boundaries is exactly what philosophy consists in. I will also show that even the mathematician, unless nature has already limited their talent and confined it to their own field, can’t brush aside the warnings of philosophy or set themselves above them.
1 On definitions. To define, as the word itself suggests, really means no more than this: originally to present, inside its boundaries, the complete concept of a thing*. By that standard an empirical concept can’t be defined at all. It can only be explicated. In such a concept we hold just a few marks of a certain kind of object of the senses. So we can never be sure that a word naming the same object doesn’t make us think of more of its marks one time and fewer another time.
B 756 One person might think of gold as having weight, color and toughness, and also the property of not rusting. Another person might know nothing of that last one. We use certain marks only as long as they are enough for telling things apart. New observations drop some marks and bring in others. A concept like this therefore never sits between firm boundaries. And what would be the point of defining it anyway? Suppose we are talking about water and its properties. We won’t stop at what we think when we hear the word “water.” We go on to experiments. Water, with the handful of marks that cling to the word, is supposed to be only a label for the thing, not a concept of it. So the so-called definition is nothing more than a fixing of what a word means. Strictly speaking, concepts given a priori can’t be defined either. That is the second point. Take substance, cause, right, equity and so on. Only if I know that a distinct representation of a concept (a concept given, as yet, only confusedly) is adequate to its object can I be sure it has been developed completely. A concept, in the shape in which it is given, may carry many obscure representations that we leave out when we analyze it, even though we depend on them every time we use it. So whether my analysis of the concept is complete is always doubtful.
B 757 It can be made probable by many fitting examples, but never apodictically certain. In place of the word “definition” I would rather use “exposition.” That word stays cautious, and a critic can accept an exposition up to a point and still have doubts about its completeness. Since neither empirical nor a priori concepts can be defined, the only ones left for this trick are concepts that someone has made up at will. In that case I can always define my concept. After all, I must know what I meant to think, since I made the concept myself on purpose. Neither the nature of the understanding nor experience handed it to me. But I can’t claim that I have defined a true object by doing so. If the concept depends on empirical conditions (a ship’s clock, for example), this made-up concept still doesn’t give the object or its possibility. From it I don’t even know whether there is any object at all. My explanation deserves the name of a declaration (of my project) more than that of a definition of an object. So the only concepts left that suit defining are those that hold a self-chosen synthesis, one that can be constructed a priori. Therefore only mathematics has definitions. Mathematics presents the object it thinks a priori in intuition.
B 758 That object can’t contain more or less than the concept does, because the explanation gave the concept of the object originally, that is, without deriving it from anything else. German has only one word, “Erklärung” (explanation), for “exposition,” “explication,” “declaration” and “definition.” So we must relax our strict demand a little, since we denied philosophical explanations the honorable name of definition. We’ll limit this remark to the following. In philosophy, definitions come about only as expositions of concepts already given. In mathematics they come about as constructions of concepts made originally. The first kind arises only analytically, by taking the concept apart (and the completeness of that is not apodictically certain). The second arises synthetically, and so it makes the concept itself, while the first only explains it. From this it follows:
* Completeness means that the marks are clear and sufficient. Boundaries means precision, that is, having no more marks than the complete concept calls for. And original means that this setting of boundaries isn’t derived from anywhere else. If it were, it would still need a proof, and that would disqualify the supposed explanation from coming first among all judgments about an object.
a) Philosophy shouldn’t copy mathematics by sending the definition ahead of everything else, apart from perhaps a rough try. Philosophical definitions are analyses of given concepts. So those concepts come first, though still confused, and the incomplete exposition comes before the complete one. From a few marks drawn out of an analysis that isn’t finished yet, we can infer a good deal in advance, before we arrive at the complete exposition, which is the definition.
B 759 To put it briefly, in philosophy a definition, being exactly measured distinctness, should close the work and not open it*. Mathematics is different. Before the definition we have no concept whatever, because the definition is what first provides one. So mathematics must begin with it, and always can.
* Philosophy teems with faulty definitions, above all ones that hold real elements of a definition but not the full set. If we could do nothing at all with a concept until we had defined it, all philosophizing would be in bad shape. But as far as the elements (of the analysis) reach, we can always make good and safe use of them. So even defective definitions can be used to great benefit. By these I mean propositions that are not yet really definitions but are otherwise true, and so come close to being definitions. In mathematics the definition belongs ad esse, to the thing’s being. In philosophy it belongs ad melius esse, to its being better. It is fine to reach one, but often very hard. Jurists are still looking for a definition of their concept of right.
b) Mathematical definitions can never be wrong. Since the concept is first given by the definition, it contains exactly what the definition wants thought through it. Nothing incorrect can turn up in the content. Still, there can occasionally be a mistake in the form (the dress), though only rarely, and the mistake is one of precision. Take the common explanation of the circle. It says the circle is a curved line.
B 760 All the points on it are the same distance from a single point (the center). The fault here is that the word “curved” has slipped in without need. There has to be a separate theorem, which follows from the definition and is easy to prove: any line whose points are all the same distance from one point is curved (no part of it is straight). Analytic definitions, by contrast, can go wrong in many ways. They can bring in marks that really weren’t in the concept. Or they can lack the completeness that is the essential point of a definition, since we can’t be fully certain that our analysis is complete. That is why the mathematical way of defining can’t be copied in philosophy.
2 On axioms. These are synthetic principles a priori, in so far as they are immediately certain. Now one concept can’t be connected with another both synthetically and immediately. That is because, to go beyond a concept, we need a third, mediating cognition. Now philosophy is nothing but rational cognition by concepts, so no principle will be found in it that deserves the name of an axiom. Mathematics, however, is capable of axioms, because by constructing concepts in the intuition of the object it can link the object’s predicates a priori and immediately. For example, three points always lie in one plane.
B 761 A synthetic principle from concepts alone, by contrast, can never be immediately certain. Consider this proposition: whatever happens has a cause. Here I have to look around for a third thing, namely the condition of determining time in an experience. The concepts alone could never have shown me such a principle, immediately and directly. So discursive principles are quite different from intuitive ones, that is, axioms. Discursive principles always require a deduction as well, while axioms can do without one entirely. Axioms are evident for that very reason, and philosophical principles, certain as they may be, can never claim that. So no synthetic proposition of pure, transcendental reason comes anywhere near being as plainly evident (to use the defiant phrase) as the statement that two times two gives four. In the Analytic, where I set out the principles of pure understanding in a table, I did speak of certain axioms of intuition. But the principle given there was itself no axiom. It was meant only to name the underlying principle that makes axioms possible at all, and it was itself just a principle from concepts. For even the possibility of mathematics has to be shown in transcendental philosophy. So philosophy has no axioms, and it may never simply command its principles a priori.
B 762 It has to bring itself to justify its right to them by a thorough deduction.
3 On demonstrations. Only an apodictic proof that is also intuitive deserves the name demonstration. Experience does teach us what is there, but not that it couldn’t be otherwise. So empirical grounds of proof can never yield an apodictic proof. And from concepts a priori (in discursive cognition), intuitive certainty, that is, evidence, can never arise, no matter how apodictically certain the judgment itself may be. That is why only mathematics has demonstrations. It draws its cognition not from concepts but from constructing them, which means from an intuition that can be supplied a priori to fit them. Even the method algebra uses with its equations is a construction, though not a geometrical one. From the equations it produces the truth together with the proof by reduction. It is a construction by symbols, in which we lay out the concepts in intuition by means of signs, above all concepts of the relation of magnitudes. It secures every inference against errors by putting each one before our eyes, quite apart from any use in discovery. Philosophical cognition has to do without this advantage, because it must always look at what is universal abstractly, in abstracto, by means of concepts. Mathematics looks at what is universal in concreto, in a single intuition.
B 763 And it still works a priori with pure representation, where every misstep shows. That is why I would rather call the philosophical ones acroamatic (discursive) proofs than demonstrations. They can be carried on only through words alone (the object in thought), whereas demonstrations, as the word itself indicates, proceed in the intuition of the object.
All this shows that it simply doesn’t suit philosophy’s nature, above all in the realm of pure reason, to strut around in a dogmatic manner and dress itself up in the titles and ribbons of mathematics. Philosophy isn’t a member of that order, though it has good cause to hope for a sisterly alliance with it. Such claims are empty conceit, and they can never work. They can only reverse philosophy’s own aim, which is to uncover the delusions of a reason that misjudges its boundaries and, by clearing up our concepts enough, to bring the self-conceit of speculation back to modest but thorough self-knowledge. So in its transcendental attempts reason can’t look straight ahead with such confidence, as if the road it has traveled led so directly to the goal. And it can’t count so boldly on the premises it started from that it never needs to look back and watch for errors. Such errors may turn up as the inferences go on, and may have been overlooked in the principles.
B 764 They would make it necessary either to define the principles more closely or to change them altogether.
I divide all apodictic propositions (whether provable or immediately certain) into dogmata and mathemata. A dogma is a synthetic proposition drawn directly from concepts. A mathema is a proposition of that sort that comes through the construction of concepts. Analytic judgments teach us nothing more about the object than what is already in the concept we have of it. They don’t widen cognition past the concept of the subject. They only make it clearer. So they can hardly be named dogmas (a word we might render as “doctrinal sayings”). Of those two sorts of a priori synthetic propositions, ordinary speech lets only the ones in philosophical cognition wear this name. Hardly anyone would call the propositions of arithmetic or geometry dogmata. So this usage confirms the explanation we gave: only judgments from concepts, and not those from the construction of concepts, can be called dogmatic.
Taken in its purely speculative use, pure reason as a whole holds no directly synthetic judgment from concepts at all, not even one. As we have shown, it can make no synthetic judgments through ideas that carry objective validity.
B 765 Through concepts of the understanding it does set up secure principles, but never directly from concepts. It does so only indirectly, by tying those concepts to something completely contingent, namely possible experience. Once that is presupposed (something as an object of possible experiences), the principles are indeed apodictically certain. But in themselves they can’t be cognized (directly) a priori at all. No one can see the truth of the proposition that whatever happens has a cause, in a thorough way, from those given concepts alone. That is why it is not a dogma, even though from another point of view it can be proved quite well and apodictically. That point of view is the single field of its possible use, experience. It is called a principle and not a theorem, even though it has to be proved, because it has a special property: it first makes possible its own ground of proof, namely experience, and must always be presupposed in that experience.
Suppose there are no dogmata at all in the speculative use of pure reason, not even as to content. Then every dogmatic method is unsuitable in itself, whether it is borrowed from the mathematician or is meant to become a manner of its own. All it does is hide faults and errors, and it deceives philosophy, whose real aim is to let every step of reason be seen in the clearest light. Still, the method can always be systematic.
B 766 Our reason, taken subjectively, is itself a system, but when it works in its pure use, with bare concepts alone, it amounts to just a system of searching for principles of unity, and only experience can supply the material for that unity. A transcendental philosophy has a method peculiar to itself, but there is nothing to say about it here. We are dealing only with a critique of our resources. The questions are whether any building can go up at all, and how tall a structure we might put up using the materials on hand, namely pure concepts a priori.
First Chapter Section Two Pure Reason’s Discipline with Regard to Its Polemical Use
In all its undertakings reason must submit to critique. No ban can cut into critique’s freedom without hurting reason itself and bringing on it a suspicion that does it harm. Nothing is so important for its usefulness, and nothing so sacred, that it may slip away from this testing and inspecting search, which pays no regard to persons. Reason’s very existence rests on this freedom. Reason has no dictatorial authority. Its verdict is always only the agreement of free citizens.
B 767 Each of them has to be able to voice their reservations, even their veto, without holding back.
Reason can never refuse critique, but that doesn’t mean it always has cause to fear it. When pure reason works dogmatically (not mathematically), it isn’t so conscious of having kept its supreme laws with perfect care. So it would have to stand under the scrutiny of a higher reason sitting as judge. It would do so timidly, with every claim to dogmatic authority laid aside.
Things are quite different when reason isn’t up against a judge’s censure but is answering what a fellow citizen claims, and only has to defend itself. The fellow citizen’s claims want to be dogmatic too, though in denying, just as reason’s own claims are dogmatic in affirming. So a justification kat’ anthropon is available. It protects against every encroachment and secures a titled possession that need not fear anyone else’s pretensions, even though the possession itself can’t be proved sufficiently kat’ aletheian.
I call it the polemical use of pure reason when it defends its propositions against dogmatic denials of them. The issue here isn’t whether reason’s claims could be false after all. The issue is only that nobody can ever claim the opposite with apodictic certainty.
B 768 Nobody can claim it even with greater plausibility. For we don’t hold our possession as a favor granted on request when we have a title to it, even an insufficient one, and when it is completely certain that nobody can ever prove the possession unlawful.
It is saddening and dispiriting that pure reason should have an antithetic at all. Pure reason stands as the highest court over all disputes, and yet it is supposed to fall into conflict with itself. Above, to be sure, we did have such an apparent antithetic of reason before us. But it turned out to rest on a misunderstanding. Going along with a widespread prejudice, people treated appearances as things in themselves. Then they demanded an absolute completeness of the synthesis of appearances, in one way or another (and either way was equally impossible). That can’t be expected of appearances at all. So at that time there was no real contradiction of reason with itself between two propositions. One was that the series made up of appearances given in themselves has a first beginning that is absolute. The other was that the same series, taken purely in itself, has no beginning at all. The two go together quite well. For appearances, as far as their existence goes (as appearances), are nothing in themselves, that is, something self-contradictory, and so assuming them naturally has to draw contradictory conclusions after it.
B 769 But a misunderstanding of this kind can’t be pleaded, and the dispute of reason can’t be settled that way, in the following cases. Suppose one side claimed, as a theist, that a highest being exists, and the other claimed, as an atheist, that none does. Or take psychology. One claim there is that everything that thinks is of absolute, permanent unity, and so is distinct from all perishable material unity. The opposite claim is that the soul isn’t a unity free of matter, and so can’t escape perishing. For the subject of the question here is free of anything alien that conflicts with its nature, and the understanding is concerned only with things in themselves, not appearances. So a true conflict would indeed turn up here, if only pure reason had something to say on the denying side that came close to the ground of an assertion. As for criticism of the grounds of proof offered by the dogmatic affirmer, that can be granted to them quite readily without giving up these propositions. These propositions do at least have the interest of reason behind them, which the opponent can’t invoke at all.
I do not share the opinion that excellent, thoughtful men (Sulzer, for example) have so often voiced when they felt the weakness of the proofs so far. They hoped that someday we might prove, with demonstrations that are plain to see, our pure reason’s two cardinal propositions: there is a God, there is a future life.
B 770 I am rather certain that this will never happen. For where could reason get the ground for such synthetic assertions, which have nothing to do with objects of experience or with their inner possibility? It is just as apodictically certain, though, that nobody will ever step forward who can maintain the opposite with the slightest plausibility, let alone dogmatically. They could demonstrate it only through pure reason. So they would have to try proving that a highest being cannot exist, and likewise the thinking subject in us as pure intelligence. But where would they get the knowledge that entitled them to judge synthetically in this way about things beyond all possible experience? So we can be quite unconcerned about anyone someday proving the opposite to us. That means we have no need to devise textbook-style proofs either. We can go on adopting those propositions that fit well with the speculative interest of our reason in its empirical use, and that are, besides, the only means of uniting it with the practical interest. Against the opponent (who must not be regarded here as a mere critic) we hold our non liquet (“it is not clear”) ready, and it is bound to confuse them. We don’t refuse their retort against us, since we always keep in reserve the subjective maxim of reason.
B 771 The opponent necessarily lacks it, and under its protection we can watch all their blows at the air with calm and indifference.
In this way there really is no antithetic of pure reason at all. The only battlefield for it would have to be sought in pure theology and psychology. But that ground bears no fighter in full armor, armed with weapons to be feared. The opponent can show up only with mockery or bragging, and these can be laughed off as child’s play. This is a comforting remark, and it gives reason courage again. For what else could reason rely on if it, the only faculty called to do away with all errors, were itself in disarray, with no hope of peace and quiet possession?
Everything nature itself arranges is good for some purpose. Even poisons serve to overpower other poisons that form in our own bodily fluids, and so they must not be missing from a complete stock of remedies (an apothecary’s shop). The objections against the persuasions and self-conceit of our merely speculative reason are themselves set for us by the nature of this reason. So they must have their good purpose and aim, which should not be thrown to the wind. Why has providence set certain objects so high, though they connect with our highest interest?
B 772 We are almost only permitted to come upon them in a perception that is vague, and that we ourselves doubt. Searching glances are provoked by this more than satisfied. Whether it does any good to venture bold claims about such views is open to doubt at the least, and may even do harm. But it is always, and beyond all doubt, useful to give reason, both as inquirer and as examiner, complete freedom, so that it can look after its own interest unhindered. That interest is served just as much by setting limits to its insights as by widening them. And it always suffers when outside hands interfere to steer reason against its natural course toward forced aims.
So let your opponent speak only in terms of reason, and fight them only with the weapons of reason. As for the good cause (the practical interest), put your worries aside, because it never comes into play in a merely speculative dispute. All the dispute reveals is a certain antinomy of reason. Since it rests on reason’s nature, it must necessarily be heard and examined. The dispute cultivates reason by viewing its object from two sides, and it corrects reason’s judgment by restricting it. The quarrel in all this concerns not the subject itself but the tone. For you still have enough left to speak the language of a firm belief.
B 773 That language is justified before the sharpest reason, even though you have had to give up the language of knowledge.
Suppose we were to ask David Hume, that cool-headed man, truly made for balance in judgment: what moved you, with laboriously brooded scruples, to undermine the persuasion, so comforting and useful to human beings, that their rational insight is enough to claim, and to frame a definite concept of, a highest being? He would answer that it was nothing but the aim of carrying reason further in its self-knowledge. At the same time he felt a measure of resentment over the pressure people try to place on reason, by making a great show of it while stopping it from freely confessing the weaknesses that show up when it examines itself. Now ask Priestley, who is devoted to the principles of the empirical use of reason alone and averse to all transcendent speculation. What motives did he have for tearing down the freedom and immortality of our soul, two such pillars of all religion? (For him the hope of a future life is just the expectation of a miraculous resurrection.) And this from a man who is himself a devout, eager teacher of religion. He could answer nothing other than this: the interest of reason. Reason loses out when people want to put certain objects out of the reach of the laws of material nature, which are the only laws we can know and fix with precision.
B 774 It would seem unfair to decry Priestley, who knows how to unite his paradoxical claim with his religious purpose, and to hurt a well-meaning man because he is lost the moment he has wandered out of natural science. But the same favor has to be granted to Hume, who is no less well-meaning and whose moral character is beyond reproach. Hume can’t give up his abstract speculation, since he is right to hold that its object lies entirely beyond natural science’s boundaries, in the field of pure ideas.
What should be done about this, especially when the common good seems to be in danger from it? Nothing is more natural, nothing fairer, than the decision you should take. Just let these people go on. If they show talent, if they show profound new research, in short, if they simply display reason, reason always gains. Suppose you use means other than those of free, unforced reason. Suppose you shout “treason!” and summon the public to the scene as if for a fire, though it has no understanding of such subtle work. Then you make yourselves ridiculous. The question is not what helps or harms the common good here. The only questions are these. How far can reason get in speculation cut off from every interest?
B 775 And can we count on such speculation at all, or would we rather give it up entirely in favor of the practical? So instead of striking out with the sword, watch this dispute calmly from the safe seat of critique. It must turn out tiring for the fighters, entertaining for you, and, since the outcome is sure to be bloodless, useful for your insights. It is quite absurd to expect enlightenment from reason and yet tell it beforehand which side it has to come down on. Besides, reason is already tamed and held within limits by reason itself so well that you needn’t summon the guard to set civil resistance against the side whose worrying superior power seems dangerous to you. In this dialectic there is no victory you would have cause to worry about.
Reason also badly needs such a dispute, and it would have been desirable for it to have been fought earlier, with unrestricted public permission. That would have brought a ripe critique that much earlier. When it appeared, all these quarrels would have to drop away of themselves, because the disputants would learn to see the blindness and prejudices that had set them at odds.
There is a certain insincerity in human nature.
B 776 Like everything that comes from nature, it must in the end contain a predisposition to good purposes. This is an inclination to hide one’s true convictions and to display certain adopted ones that one considers good and honorable. Certainly through this tendency, both to hide themselves and to put on a show that flatters them, human beings have not only become civilized but gradually, to a certain degree, moralized. No one could see through the rouge of decency, respectability and modesty. So each person found, in the supposedly genuine examples of good that they saw around them, a school of improvement for themselves. But this knack for looking better than one really is, and for voicing convictions one lacks, serves only provisionally, as it were. It is there to bring human beings out of crudeness and let them at first at least take on the manner of the good that they know. Later, once genuine principles have been developed and have passed into their way of thinking, that falseness has to be fought vigorously, bit by bit. Otherwise it corrupts the heart, and it lets good convictions find no room to grow under the rank weeds of a fine-looking show.
I’m sorry to see the same insincerity, pretense and hypocrisy even in speculative thinking. Here people have far less to stop them from confessing their thoughts openly and frankly, as they fairly should.
B 777 And they have nothing at all to gain by hiding them. For what could be worse for insight than passing on even our bare thoughts to each other in a falsified form, hiding the doubts we feel about our own claims, or giving proofs that don’t satisfy even us a look of clear certainty? As long as private vanity alone stirs up these secret schemes, other people’s vanity pushes back, with the public’s approval. (That is usually how it goes with speculative judgments, which hold no special interest and can’t easily reach apodictic certainty.) In the end things arrive where the purest intentions and honesty would have brought them, only much sooner. But suppose the community believes that hair-splitting reasoners are out to shake the very foundations of public welfare. Then it seems not just prudent but allowed, even admirable, to help the good cause with sham arguments. That beats handing its supposed opponents even this small win: getting us to lower our voice to the modest level of a conviction that is only practical, and making us confess that we lack speculative, apodictic certainty. Still, I’d think that nothing in the world goes worse with the aim of defending a good cause than trickery, pretense and fraud.
B 778 That everything should be honest when we weigh reasons in a mere speculation is surely the least anyone can ask. But if we could count on even that little, the dispute of speculative reason over the weighty questions of God, the immortality of the soul and freedom would have been settled long ago, or would be over very soon. As it is, purity of intention often runs in inverse proportion to the goodness of the cause itself. The good cause perhaps has more sincere and honest opponents than defenders.
So I assume readers who don’t want a just cause defended by unjust means. For them the principles of our critique settle it: if we look at what ought to happen rather than at what does happen, strictly speaking there shouldn’t be any polemic of pure reason at all. How can two people argue over something when neither can show its reality in any actual experience, or even any possible one? All either of them does is brood over its idea, hoping to squeeze something more than an idea out of it, namely the actuality of the object itself. How do they plan to get out of the quarrel, when neither can make their own side directly understandable and certain, and each can only attack and refute the other’s? This is the fate of every claim of pure reason.
B 779 They reach past the conditions that make any experience possible, and outside those conditions no documentary proof of truth turns up anywhere. Yet they still have to use the laws of the understanding, which are meant only for empirical use, and without which we can’t take one step in synthetic thinking. So they always leave themselves open to the opponent, and each side can take advantage of the other’s exposed weak spots.
We can see the critique of pure reason as the true court for all of pure reason’s disputes. It isn’t tangled up in those disputes, which deal directly with objects. It was set up to fix and judge the rights of reason in general, according to the principles of reason’s original founding.
Without critique, reason is in a kind of state of nature. It can make its claims and demands count, or protect them, only by war. Critique, on the other hand, takes all its decisions from the basic rules of reason’s own establishment, and no one can doubt their authority. It brings us the calm of life under law, where we are to carry on our dispute only through a trial. In the first state, what ends the quarrels is a victory, and both sides boast of it. Mostly only an uncertain peace follows, one that the authorities set up. They step in between the parties.
B 780 In the second state, what ends them is a verdict, and since it reaches the source of the quarrels themselves, it has to bring an everlasting peace. The endless quarrels of a merely dogmatic reason also force us, in the end, to look for peace in some critique of that reason itself, and in a legislation based on it. Hobbes says the same about the state of nature: it is a state of injustice and violence, and we must leave it and submit to the constraint of law. Only that constraint limits our freedom so that it can exist alongside everyone else’s freedom, and by that very fact alongside the common good.
Part of this freedom is the freedom to put our thoughts and our doubts, the ones we can’t settle ourselves, before the public for judgment, without being shouted down as a restless and dangerous citizen. This is already contained in the original right of human reason. Reason accepts no judge except the general reason of all people, where each person has a say. Since every improvement our condition allows has to come from there, this right is sacred and must not be cut back. It’s also very unwise to raise an alarm over certain daring claims or arrogant attacks on views that already have the backing of the biggest and best share of the community. That only gives them an importance they shouldn’t have.
B 781 Suppose I hear that a man of no ordinary mind has supposedly proved that the human will isn’t free, that there’s no hope of a life to come, and that God doesn’t exist. I’m eager to read his book. I expect his talent to take my insights further. But I know beforehand, with complete certainty, that he won’t have achieved any of this. That isn’t because I think I already hold unbeatable proofs of these important propositions. It’s because transcendental critique showed me everything our pure reason has in stock, and it has left me completely convinced of this: reason is quite inadequate to make positive claims in this field, and it knows just as little, or even less, that would let it claim anything negative about these questions. Where would the so-called freethinker get his knowledge that there is, say, no supreme being? That claim lies beyond the field of possible experience, and therefore beyond the boundaries of all human insight. As for the dogmatic champion who defends the good cause against this enemy, I wouldn’t read him at all. I know in advance that he’ll attack the other man’s sham arguments only to win a hearing for his own. Besides, an everyday illusion doesn’t give as much material for new observations as a strange and cleverly devised one.
B 782 An opponent of religion, on the other hand, who is dogmatic too in his own way, would give my critique welcome work and a reason to correct its principles further. And there would be nothing at all to fear from him.
But shouldn’t young people who are entrusted to academic teaching at least be warned against writings like these? Shouldn’t they also be kept from early knowledge of such dangerous propositions, until their power of judgment has ripened? Or rather, until the doctrine we want to plant in them has taken root so firmly that it can strongly resist any persuasion to the opposite, whatever its source?
Suppose dogmatic procedure had to stay in place in matters of pure reason. Suppose dealing with opponents had to be properly polemical, that is, such that we’d go into battle and arm ourselves with proofs for the opposite claims. Then nothing would be more advisable for the moment. But in the long run nothing would be emptier or more fruitless than to put the reason of the young under a guardian for a while and shield it from seduction at least that long. Suppose, though, that later on, through curiosity or the fashion of the times, they come across such writings. Will that youthful persuasion still stand up? Take someone who brings only dogmatic weapons to fend off his opponent’s attacks. He doesn’t know how to bring out the hidden dialectic.
B 783 It lies no less in his own heart than in his opponent’s. He sees sham arguments with the pull of novelty line up against sham arguments that no longer have it, and that instead stir up the suspicion that young people’s gullibility was abused. He thinks the best way to show that he’s outgrown the discipline of childhood is to brush aside those well-meant warnings. Dogmatic by habit, he drinks in great gulps of the poison that dogmatically ruins his principles.
In university teaching we have to do exactly the reverse of what’s advised here, though only if students have first been thoroughly taught the critique of pure reason. To put its principles to work as early as possible, and to show that they hold up even against the greatest dialectical illusion, it’s absolutely necessary to aim the attacks that frighten the dogmatist so much at his own reason. That reason is still weak, but critique has enlightened it. We have to let him try testing the opponent’s groundless claims, piece by piece, against those principles. It can’t be hard for him to dissolve them into plain smoke. In this way he feels early on how strong he is, strong enough to make himself fully safe against such harmful deceptions, which in the end must lose all their illusion for him.
B 784 Of course, the very same blows that knock down the enemy’s building must be just as ruinous to his own speculative structure, if he ever thought of putting one up. But this doesn’t trouble him in the least. He has no need of living in it. He still has a view ahead into the practical field, where he can hope with good reason for firmer ground on which to build his own sound and wholesome system.
So there is no real polemic in the field of pure reason. Both sides are fencing with the air and grappling with their own shadows. They have gone beyond nature, and there is nothing there for their dogmatic holds to grab and keep. They can fight all they like. Like the heroes of Valhalla, the shadows they hack in two join up again in an instant, so that the fun of bloodless fighting can start over.
Nor does pure reason have any acceptable skeptical use, which we might call the principle of staying neutral in all its disputes. To set reason against itself, to hand it weapons on both sides, and then to watch its fiercest fight with calm and mockery, doesn’t look good from a dogmatic point of view. It has the air of a spiteful, gloating temper. Still, look at the unbeatable blindness and bragging of those reasoners.
B 785 They refuse to be moderated by any critique. In that case there really is no other course than to set against the bragging on one side another that stands on exactly the same rights. Then the resistance of an enemy will at least stop reason short, make it doubt its pretensions a little, and get it to listen to critique. But to leave things entirely at these doubts is a wholly futile plan. The same goes for urging people to be convinced of their ignorance, and to confess it, as something more than a cure for dogmatic self-conceit, namely as the way to end reason’s conflict with itself. It can’t possibly bring reason to rest. At most it is a means of waking reason from its sweet dogmatic dream, so that it examines its condition more carefully. This skeptical manner of getting out of an irritating business of reason seems to be the short road to lasting philosophical calm. At least it is the highway that people like to take when they think a mocking contempt for every inquiry of this kind gives them philosophical standing. So I find it necessary to show this way of thinking in its own proper light.
B 786 On the Impossibility of a Skeptical Satisfaction for a Pure Reason at Odds with Itself
Awareness of my ignorance (unless that ignorance is also recognized as necessary) is not what ends my inquiries, though it may seem it should. It is rather the real cause that stirs them up. All ignorance is either ignorance of things, or ignorance of the determination and boundaries of my cognition. If the ignorance is accidental, it has to drive me to look into the things (the objects) dogmatically in the first case, and into the boundaries of my possible cognition critically in the second. Whether my ignorance is absolutely necessary, and so lets me off all further inquiry, can’t be decided empirically, by observing. Only a critical test can decide it, by probing the first sources of our cognition. So the setting of our reason’s boundary can happen only on grounds a priori. Its restriction, on the other hand, is a cognition, though only an indefinite one, of an ignorance that can never be fully removed. That can also be recognized a posteriori, from what is always still left to know in spite of all our knowing. The first kind of knowledge of one’s ignorance, which only a critique of reason itself makes possible, is therefore science, while the second is nothing but perception.
B 787 About that, no one can say how far an inference from it might reach. Suppose I picture the earth’s surface as a plate, as the illusion of the senses suggests. Then I can’t know how far it extends. But experience does teach me this: wherever I get to, I always see space around me that I could go on into. So I do see limits to the earth-knowledge I actually have each time, but not the boundaries of any possible description of the earth. Now suppose I’ve got as far as knowing that the earth is a ball and that its surface is spherical. Then from a small piece of it, say the length of one degree, I can work out the diameter, and through the diameter the complete boundary of the earth, that is, its surface. I can know this definitely and by principles a priori. And although I’m ignorant about the objects this surface may hold, I’m not ignorant about the extent that holds them, about its size and limits.
Everything that could possibly be an object of our cognition seems to us a flat surface with an apparent horizon. That horizon is whatever takes in the whole extent of the surface, and we have called it the concept of reason of unconditioned totality. We can’t reach it empirically. All the attempts to fix it a priori by some principle have failed.
B 788 Yet every question our pure reason asks is about something that may lie beyond this horizon, or at most right on its boundary line.
One of these geographers of human reason was the famous David Hume. He thought he had dealt with those questions well enough by sending them all outside the horizon, though he could not fix where the horizon was. He dwelt mainly on the principle of causality. About it he saw, quite rightly, that its truth rests on no insight, meaning no cognition a priori. The same goes for the notion of an efficient cause as such: not even its objective validity rests on insight. So the necessity of this law has no part at all in giving it its standing. What gives it its whole standing is only that it can be used everywhere as experience goes on, together with a subjective necessity that arises from this, which he calls habit. Our reason can’t use this principle beyond all experience. From that inability he concluded that all the pretensions of reason to go beyond the empirical in general are void.
A procedure like this, which puts the facts of reason to the test and, where it finds fault, blames them, can be called the censure of reason. Beyond question, a censure like this must lead to doubts about every transcendent use of the principles.
B 789 But this is only the second step, and it is far from finishing the job. In dealing with pure reason, the first step, the one that characterizes its childhood, is dogmatic. The second step, named above, is skeptical. It shows the carefulness of a power of judgment that experience has made wiser. A third step is still needed, and it belongs only to a mature, adult power of judgment, one that rests on firm maxims proven in their universality. That step is to assess reason itself rather than the facts it produces: its whole capacity, and how well suited it is to pure cognitions a priori. That isn’t censure but critique of reason. It shows not just limits but the definite boundaries of reason. It shows ignorance not just in this or that area, but about every possible question of a certain type. And this isn’t merely suspected but proved from principles. So skepticism gives human reason a place to rest. There it can reflect on its dogmatic wandering and draw a sketch of the region where it stands, so that it can pick its path with more confidence from then on. But it is not a place to live permanently. A permanent home exists only where certainty is complete, whether it is certainty about the objects themselves or about the boundaries.
B 790 All our cognition of objects lies enclosed inside those boundaries.
Our reason is not a plane that spreads out without any determinable end, one whose limits we know only in a general way. We should compare it instead to a sphere. We can work out its radius from the bend of an arc on its surface (which is the nature of synthetic propositions a priori). From the radius we can also give, with certainty, its content and its boundary. Beyond this sphere (which is the field of experience) reason has no object at all. Even questions about such alleged objects touch only subjective principles. These are principles for fully determining the relations that can occur among the concepts of the understanding inside this sphere.
We really do possess synthetic cognition a priori. Those principles of the understanding that anticipate experience prove it. Now suppose someone can’t make its possibility understandable to himself. At first he may doubt whether we really have such cognition a priori. But he can’t yet declare it impossible through the mere forces of the understanding, or declare worthless every step reason takes by that guideline. All he can say is this: if we saw where these cognitions come from and whether they’re genuine, we could fix the extent and the boundaries of our reason.
B 791 Until that is done, all the claims of reason are ventured blindly. In that case a thoroughgoing doubt about all dogmatic philosophy that goes its way without a critique of reason itself would be well founded. Even so, reason could not be denied such progress altogether, if better groundwork prepared and secured it. For one thing, all the concepts, indeed all the questions, that pure reason puts to us do not lie in experience. They lie in reason itself. So they must be capable of being solved, and of being understood as either valid or void. Nor may we dismiss these tasks by claiming we’re not up to them, as if the answer really did lie in how things are, or refuse to investigate any further. Reason alone, in its own womb, produced these very ideas. So it is bound to give an account of their validity, or of their dialectical illusion.
All skeptical polemic is really aimed at one target, the dogmatist. He goes solemnly on his way without ever doubting the objective principles he began with, which means without critique. The skeptic only wants to upset his plans and bring him to self-knowledge. Taken by itself, such polemic decides nothing at all about what we are able to know and what we aren’t.
B 792 Reason’s failed dogmatic attempts are all facts, and it’s always useful to put them to censure. But censure can decide nothing about what reason may expect. It can’t say whether reason may hope for better success in its future efforts, or lay claim to it. That is why censure alone can never finish the dispute about what human reason is entitled to.
Hume may well be the cleverest of all skeptics. Beyond dispute he is the foremost, in the influence that the skeptical procedure can have in stirring up a thorough examination of reason. So it is worth the effort to lay out how his reasoning ran, and where such a perceptive and valuable man went astray, since his errors began on the trail of truth. I’ll do this only as far as my purpose requires.
Perhaps Hume sensed, without ever working it out fully, that certain judgments take us past the concept we have of the object. I have called this kind of judgment synthetic. There is no difficulty about how I can go beyond the concept I have so far by means of experience. Experience is itself a synthesis of perceptions of this sort. It takes the concept I have by means of one perception and enlarges it with other perceptions that come in. But we also believe we can go out beyond our concept a priori and widen our cognition that way.
B 793 We try this in one of two ways: through the pure understanding, concerning whatever may at least become an object in experience, or through pure reason, which covers features of things, and even the existence of objects, that experience can never present. Our skeptic didn’t tell these two kinds of judgment apart, though he should have. He simply held it impossible for our understanding (together with reason) to enlarge its concepts out of itself and, so to speak, to give birth to itself, without being made pregnant by experience. So he took all its supposed principles a priori to be imagined. What he found was that they amount to nothing more than a habit that grows out of experience and its laws. They are therefore merely empirical rules, that is, rules accidental in themselves, and we credit them with a supposed necessity and universality. To back up this odd claim, he appealed to the generally accepted principle about the relation of cause to effect. No power of the understanding can lead us from a thing’s concept to the existence of something else, something that would be given by that concept universally and necessarily. From that he thought he could infer that apart from experience we have nothing to widen our concept, nothing that would justify a judgment that expands itself a priori like this. Sunlight shines on wax.
B 794 That it melts the wax while it hardens clay, he said, no understanding could guess from the concepts we had of these things beforehand, let alone infer according to a law. Only experience could teach us such a law. But in the transcendental logic we saw otherwise. We can never go directly beyond what is contained in the concept we are given. Yet we can know the law of connection with other things completely a priori, in relation to a third thing, namely possible experience. So the knowledge is still a priori. When wax that was solid melts, then, I can know a priori that something must have come before (the sun’s warmth, say), and that the melting followed it according to a constant law. Still, without experience I couldn’t work out a definite cause from the effect, or a definite effect from the cause, a priori and without being taught by experience. So he wrongly inferred, from the accidental character of our determination according to the law, that the law itself is accidental. And he confused two things. One is stepping out of a thing’s concept toward possible experience. That happens a priori, and it constitutes the concept’s objective reality. The other is the synthesis of the objects that real experience gives, and that is of course always empirical. In this way he turned a principle of affinity, which has its seat in the understanding and states a necessary connection, into a rule of association.
B 795 It is found only in the reproductive imagination, and it can present only accidental combinations, not objective ones at all.
The skeptical errors of this man, who was otherwise extremely sharp, came mainly from a shortcoming that he shared with all dogmatists. He did not survey, systematically, all the kinds of synthesis of the understanding a priori. If he had, he would have found (to leave the rest aside here) that the principle of persistence, for one, anticipates experience exactly as the principle of causality does. That would have let him mark out definite boundaries both for the understanding as it expands itself a priori and for pure reason. As it was, he only restricts our understanding without bounding it. He produces a general distrust, but no definite knowledge of the ignorance we cannot escape. He puts some principles of the understanding under censure, without weighing the understanding itself, in its whole capacity, on the testing scales of critique. And in denying it what it really cannot do, he goes further and disputes its whole capacity to extend itself a priori, even though he never put that whole capacity to the test. So the same thing happens to him that always brings skepticism down: he himself is doubted. His objections rest only on facts, which are accidental.
B 796 They do not rest on principles that could make giving up the right to dogmatic claims a matter of necessity.
He also fails to tell apart what the understanding can rightly claim from the dialectical pretensions of reason, though his attacks are mostly aimed at the latter. So reason feels that the room for its expansion has not been shut off. Its very own momentum isn’t disturbed at all, only held back. It may be nipped at now and then, but it can never be argued out of its attempts completely. For people arm themselves against attacks, and dig in their heels all the harder to get their demands through. A complete survey of one’s whole capacity is different. From it comes the conviction that one’s possession is certain though small, and that higher claims are vanity. That ends all quarrel, and moves one to be peacefully content with a limited property that nobody disputes.
Skeptical attacks are not just dangerous to the uncritical dogmatist. They are ruinous to him. He hasn’t measured the sphere of his understanding, and so hasn’t fixed by principles the boundaries of his possible cognition. He doesn’t know beforehand how much he can do, and thinks he’ll find out by trying. Suppose he is caught out on a single claim.
B 797 He can’t justify it, and he can’t develop its illusion from principles either. Then suspicion falls on all of his claims, however persuasive they may otherwise be.
And so the skeptic is the taskmaster who drives the dogmatic reasoner toward a sound critique of the understanding and of reason itself. Once the dogmatist has got that far, he has no further challenge to fear. For he then tells his own possession apart from what lies entirely outside it. He makes no claims on that, and so can’t be drawn into disputes about it. So the skeptical procedure, though it does not satisfy us about the questions of reason in itself, is still a useful preliminary exercise. It wakes reason’s caution, and it points to thorough means by which reason can secure its rightful possessions.
First Chapter Section Three Pure Reason’s Discipline with Regard to Hypotheses
At long last the critique of our reason has taught us this much: when we use it purely and speculatively, we really can know nothing whatever. So shouldn’t reason now have all the wider a field open to hypotheses? After all, we’re at least allowed to invent and to hold opinions, even if we can’t assert anything.
B 798 Where imagination isn’t to run wild but to invent under the strict supervision of reason, something must always come first that is completely certain, neither invented nor mere opinion. That something is the possibility of the object itself. Only then is it allowed to fall back on opinion about the object’s actuality. But to avoid being groundless, that opinion has to be connected, as an explanatory ground, with what is actually given and therefore certain. It is then called a hypothesis.
We can’t form the faintest concept of how dynamic connection could be possible a priori. And the category of the pure understanding isn’t there to invent such things. It serves only to understand them where they turn up in experience. So we can’t originally think up even one object with a new quality, one that experience can’t show us, in line with these categories, and then lay it down as the basis of an allowed hypothesis. That would mean giving reason empty fantasies in place of concepts of things. In the same way, we may not think up any new original forces. One example would be an understanding able to intuit its object without senses. Another would be a force of attraction without any contact. A third would be a new kind of substance, say one that would be present in space without impenetrability. It follows that we may not think up a community of substances either.
B 799 It must not differ from any that experience offers: no presence except in space, no duration except in time. To sum up: the only thing our reason can do is take what makes experience possible and treat it as what makes things possible. It can’t, quite independently of those conditions, create some of its own, so to speak. Concepts like that, though free of contradiction, would still have no object.
As I said, concepts of reason are mere ideas. They have no object in any experience. Still, that doesn’t mean they stand for objects that are made up and, at the same time, taken to be possible. They are thought only problematically. Their purpose is to serve (as heuristic fictions) as the basis for regulative principles that guide how the understanding is used systematically within experience. Take that away and they are mere thought-things. Their possibility can’t be proved, so they can’t be used as the basis of a hypothesis that explains actual appearances. It’s perfectly allowed to think of the soul as simple. Guided by this idea, we can adopt a complete and necessary unity of all the mind’s forces as our principle for judging its inner appearances, though we can’t see that unity concretely. But to accept the soul as a simple substance, which is a transcendent concept, is another matter.
B 800 That would be a proposition that can’t be proved, as with many physical hypotheses, and in addition is entirely arbitrary and risked blindly. For the simple can’t turn up in any experience at all. And if by substance here we mean the persisting object of sensible intuition, we can’t see at all how a simple appearance could be possible. Merely intelligible beings, or merely intelligible properties of the things of the world of sense, can’t be adopted even as an opinion on any well-grounded authority of reason. We have no concept of whether they are possible or impossible. So we can’t flatly deny them, dogmatically, on the strength of some supposedly better insight either.
To explain given appearances, we can bring in only those things and grounds of explanation that have been connected with the given appearances according to already known laws of appearances. A transcendental hypothesis, in which a mere idea of reason was used to explain things in nature, would therefore explain nothing. What we don’t sufficiently understand from known empirical principles would be explained by something we understand nothing about at all. Such a hypothesis would really just give reason some satisfaction. It would do nothing to help the understanding in dealing with its objects. Order and purposiveness in nature, in turn, have to be explained from natural grounds and by natural laws.
B 801 Here even the wildest hypothesis is easier to put up with, provided it is physical, than a hyperphysical one, which would mean appealing to a divine author assumed for the occasion. For that is the principle of lazy reason (ignava ratio): to walk past, in one stroke, every cause whose objective reality we could still learn, at least as something possible, through more experience, just so that we can settle down with a bare idea that suits reason very well. As for the absolute totality of the ground of explanation in the series of such grounds, it can’t be an obstacle for the objects of the world. They are nothing but appearances, so we can never hope to see the synthesis of a series of conditions for them completed.
Transcendental hypotheses for the speculative use of reason can’t be allowed at all. Neither can a freedom to make up for a lack of physical grounds of explanation by turning, when need be, to hyperphysical ones. One reason is that this gets reason no further. It cuts off the whole progress of its use. The other is that this license would in the end cost reason all the fruits of working its own proper soil, namely experience. For whenever explaining nature gets hard for us here or there, we would always have a transcendent ground of explanation at hand to excuse us from that investigation.
B 802 Our inquiry then ends not in insight but in the total incomprehensibility of some principle, one that was designed beforehand so that it had to include the concept of what is absolutely first.
The second requirement for a hypothesis to deserve acceptance is that it be sufficient to determine a priori the consequences that are given. If we’re forced to call in helper hypotheses for this purpose, they raise the suspicion of mere invention. Each of them needs, in itself, the same justification that the underlying thought needed, and so none can serve as a reliable witness. Suppose we assume an unlimitedly perfect cause. Then we are never short of grounds to account for the purposiveness, order and size we find in the world. But that cause still needs new hypotheses to rescue it from the deviations and evils that show up, at least by our concepts, as objections to it. Suppose the soul has been laid down as a simple thing that stands on its own, at the base of its appearances. And suppose this is challenged by difficulties in its phenomena, which resemble the changes of a material (growth and decline). Then new hypotheses must be called in to help. They have a certain look of plausibility, but no warrant at all.
B 803 The only warrant they have is the one that the opinion taken as the main ground gives them, and they’re supposed to speak up for that very opinion.
Take the claims of reason used here as examples: the incorporeal unity of the soul and the existence of a highest being. Suppose they are meant to be taken not as hypotheses but as dogmas that have been proved a priori. Then they don’t come up here at all. In that case we have to make sure the proof is as apodictically certain as a demonstration. To want to make the actuality of such ideas merely probable is an absurd undertaking, as if someone planned to prove a proposition of geometry only as probable. When reason is cut off from all experience, it can know things only a priori, and only as necessary, or it can’t know them at all. So its judgment is never opinion. It is either withholding of all judgment or apodictic certainty. Opinions, and judgments that are merely probable, about what pertains to things have a place only in two roles: as grounds that explain something actually given, or as consequences, by empirical laws, of something actual lying at the base. So they can occur only within the series of objects of experience. Outside this field, to hold an opinion is as good as playing with thoughts. The one exception would be if someone held, as an opinion only, that an uncertain way of judging might perhaps lead him to the truth.
B 804 When the questions are purely speculative questions of pure reason, hypotheses can’t serve as the basis for any proposition. Still, they are perfectly fine for defending such propositions where needed. That means using them polemically, not dogmatically. By defense I don’t mean adding to the proofs of one’s own claim. I mean only foiling the sham insights of the opponent, which are meant to damage our asserted proposition. All synthetic propositions that come from pure reason share one peculiarity. Whoever asserts that certain ideas are real never knows enough to make that claim certain. But on the other side, the opponent can know just as little in order to assert the opposite. In speculative cognition this equal lot of human reason favors neither of them. And that is the real battlefield of feuds that never get settled. We’ll see later, however, that in practical use reason does have a right to assume things that it could never presuppose in mere speculation without adequate proofs. Every such presupposition damages the perfection of speculation, and practical interest doesn’t care about that at all. There reason is in possession. It doesn’t have to prove that its possession is lawful, and in fact it couldn’t supply the proof anyway.
B 805 So the opponent is the one who has to prove. But the opponent knows just as little about the doubted object as the first person, who asserts that it is real. He knows too little to show that it doesn’t exist. So the advantage here goes to whoever asserts something as a presupposition that practice requires (melior est conditio possidentis). As a kind of self-defense, he is free to use hypotheses, the same tools his opponent uses against his good cause. They’re not meant to strengthen the proof of his case. Their only job is to show that the opponent knows so little about what the quarrel is over that he can’t boast of any gain in speculative insight over us.
So in the field of pure reason hypotheses are allowed only as weapons of war. They’re not for founding a right on, but only for defending one. We have to look for the opponent here always in ourselves. Speculative reason in its transcendental use is dialectical in itself. The objections we might have to fear lie within us. We have to dig them out, like old claims that never expire, in order to found an everlasting peace on their annulment. Outer calm is only apparent. The seed of these challenges is planted in the nature of human reason, and it has to be rooted out.
B 806 But how can we root it out unless we give it freedom, even food, to shoot up its weeds so that it shows itself, and then destroy it root and all? So think up objections yourselves, ones no opponent has yet hit on, and even lend him weapons, or give him the most favorable ground he could wish for. There is nothing to fear in this, but there is something to hope for: that you’ll win a possession that will never again be challenged, for all time to come.
Your full armor now includes the hypotheses of pure reason too. They are only lead weapons, since no law of experience has tempered them into steel. Still, they are always as strong as the ones any opponent may use against you. Suppose you run into a difficulty against the nature of the soul, which you have assumed (on some other, non-speculative ground) to be immaterial and not subject to bodily change. Experience seems to prove that the raising up and the breakdown of our mental forces are just different modifications of our organs. You can weaken that proof if you suppose our body to be only the fundamental appearance. In our present state (in life) the whole capacity of sensibility, and with it all thinking, relates to it as its condition. Leaving the body behind would end this sensory use of your cognitive power and begin its intellectual use.
B 807 So the body would not be the cause of thinking but only a restricting condition of it. We’d therefore have to regard the body as something that promotes the life of the senses and the animal side of us, and even more as something that holds back the pure, spiritual life. The sensory life’s dependence on the body’s condition would prove nothing about whether our whole life depends on the state of our organs. You can go further still, and even find new doubts that haven’t been raised or haven’t been pushed far enough.
Procreation is a matter of chance. In human beings, as in creatures without reason, it depends on opportunity. It also often depends on means of support, on the government and its moods and whims, and often even on vice. This is a big difficulty for the opinion that a creature goes on existing for eternities, when its life first began under such trivial circumstances, circumstances left entirely to our freedom. As for the species as a whole continuing here on earth, this difficulty matters little, since chance in single cases is still ruled by a law in the whole. But to expect such a mighty effect from such trivial causes for each individual does seem questionable. Against this you can bring forward a transcendental hypothesis. Its claim is that all life is really only intelligible.
B 808 Such life is not subject to changes in time at all, and it neither began with birth nor ends with death. The hypothesis adds that this life is just an appearance, in other words a sensory representation of the pure spiritual life, and that the whole world of sense is a mere picture that floats before our present way of knowing and, like a dream, has no objective reality in itself. It adds that, were we to intuit things, and ourselves, as they really are, we would find ourselves in a world made up of spiritual natures, and that our one true community with that world neither began with birth nor will stop with bodily death (these being mere appearances), and so on.
We know nothing at all of what we put forward here, as hypotheses, against the attack, and we don’t seriously assert any of it. It isn’t even an idea of reason. It is only a concept thought up for defense. Even so, we are acting entirely in line with reason. The opponent thinks he has used up every possibility. He falsely passes off the lack of their empirical conditions as proof that what we believe is wholly impossible. All we do is show him this: he can no more reach all possible things in themselves with laws of experience alone than we can obtain anything for our reason, outside experience, on firm ground.
B 809 If someone turns such hypothetical antidotes against the arrogance of an opponent who denies things boldly, nobody should think he is adopting them as opinions he truly holds. He drops them as soon as he has dealt with the opponent’s dogmatic self-conceit. It can look modest and restrained when someone just declines and says no to other people’s claims. But once he wants his objections to pass as proofs of the contrary, his pretension is just as proud and conceited as if he had taken the affirmative side and its assertion.
This shows that when reason is used speculatively, hypotheses don’t count as valid opinions in their own right. They are valid only relative to opposing transcendent presumptions. It is every bit as transcendent to carry the principles of possible experience over to the possibility of things in general as it is to claim objective reality for concepts whose objects can only be found beyond the boundary of any possible experience. What pure reason judges assertorically has to be necessary (as does everything reason cognizes), or it is nothing. So reason in fact holds no opinions at all. The hypotheses we have in mind are only problematic judgments. They at least cannot be refuted, though of course nothing can prove them.
B 810 So they aren’t private opinions. Still, we can’t well do without them, even for our own inner reassurance, against scruples that stir. But we have to keep them in that character. We must be careful that they don’t show up as vouched for in themselves, or as having some absolute validity, and so drown reason in inventions and deceptions.
First Chapter Section Four Pure Reason’s Discipline with Regard to Its Proofs
Of all the proofs we give for synthetic cognition a priori, those for transcendental, synthetic propositions are special. When reason proves one of these through its concepts, it isn’t allowed to go straight at the object. First it has to show that the concepts are objectively valid, and that they can be put together a priori. This is not just a rule of caution we happen to need. It goes to the nature of proofs themselves, and to whether they are possible. If I’m to go a priori beyond my concept of an object, I can’t do it without a special guide that lies outside the concept. In mathematics, the guide is intuition a priori, which steers my synthesis, and there every inference can be drawn straight from pure intuition.
B 811 In transcendental cognition, as long as it deals only with concepts of the understanding, this guideline is possible experience. The proof doesn’t show that a given concept (of what happens, say) leads straight to another (that of a cause). A crossing like that would be a leap that couldn’t be defended at all. What it shows instead is that without such a connection there could be no experience at all, and so no object of experience. So the proof had to show at the same time how we can reach, by synthesis and a priori, some cognition of things that their concept didn’t contain. Without this attention, proofs run like water that has broken its banks. They go wild, straight across country, to wherever the slope of hidden association happens to lead them. The illusion of conviction that rests on subjective causes of association, and is taken for insight into a natural affinity, can’t hold its own against the misgiving that such risky steps rightly ought to raise. That is also why every attempt to prove the principle of sufficient reason has failed, as the experts all admit. Before transcendental critique appeared, people could not abandon this principle. They would sooner fall back stubbornly on common sense than attempt new dogmatic proofs.
B 812 (That refuge always shows that the cause of reason is desperate.)
Now suppose the proposition we want to prove is a claim of pure reason, and that I’m trying to get past my concepts of experience by using nothing but ideas. Then the proposition would need, all the more, to contain a justification for such a synthetic step, if the step is possible at all. That justification would be a necessary condition for the proposition to prove anything. There is a supposed proof, from the unity of apperception, that our thinking substance is simple by nature. It may look as plausible as you like. Still, an unavoidable misgiving stands against it. Absolute simplicity is not a concept that can be related directly to a perception. As an idea it can only be inferred. So it’s impossible to see how bare consciousness could carry me across to awareness and knowledge of a thing that can hold thinking and nothing else. True, that consciousness is present in all thinking, or at least can be, and so far it is a simple representation. For suppose I picture the force of my body in motion. So far as that goes, the body counts for me as an absolute unity, and the representation I have of it is simple. So I can also express that representation through the motion of a point. The body’s volume plays no part here. Without any loss of force it can be made as small as I like.
B 813 So it can also be thought of as sitting in one point. Even so, I would not infer that the body may be thought of as a simple substance, merely because its representation abstracts from all size of spatial content and so is simple, in a case where nothing is given to me but a body’s moving force. Here I find a paralogism. It is this: the simple in abstraction and the simple in the object are two quite different things. In the first sense the I contains no manifold at all. In the second sense, where it means the soul itself, it can be a very complex concept, since it contains and designates a great deal under itself. But to sense such a paralogism ahead of time (without a preliminary suspicion like that, we would never grow suspicious of the proof), we absolutely need a standing criterion at hand for the possibility of synthetic propositions that are supposed to prove more than experience can give. The criterion is this: the proof must not go straight to the predicate that is wanted. It must rely only on a principle that makes it possible to extend the concept we are given, a priori, out to ideas, and to make those ideas real. Suppose we always took this care. Suppose we first asked ourselves, wisely, before trying a proof, how and on what ground of hope we could expect such an extension from pure reason. And suppose we asked where, in a case like that, we would get these insights from.
B 814 They can’t be developed out of concepts, and they can’t be anticipated in relation to possible experience either. Then we could spare ourselves a lot of hard but fruitless work. We would ask nothing of reason that plainly goes beyond its capacity. Or rather, we would put reason under the discipline of abstinence, since in its fits of speculative craving to expand it doesn’t like to be restricted.
The first rule, then, is this: don’t attempt any transcendental proofs without first thinking it over, and justifying to yourself, where you mean to get the principles you plan to build them on, and by what right you can expect the inferences to succeed. If they are principles of the understanding (causality, say), it is pointless to use them to arrive at ideas of pure reason. They apply only to objects of possible experience. If they’re to be principles from pure reason, all the effort is again pointless. Reason does have such principles. Taken as objective principles, though, they are all dialectical. At most they can be valid as regulative principles of the systematically connected use of experience. If proofs of this kind are already on the table, set against their deceptive conviction the non liquet (“it is not clear”) that your mature power of judgment pronounces.
B 815 You may not yet see through their deception. Still, you have every right to demand the deduction of the principles they use. If those principles are supposed to spring from mere reason, that deduction can never be supplied to you. So you needn’t even trouble yourselves with unraveling and refuting every groundless illusion. You can dismiss, in whole heaps at once, all that dialectic with its endless supply of tricks, before the tribunal of a critical reason that insists on laws.
Transcendental proofs have a second peculiarity: for any transcendental proposition, only one proof can be found. Suppose my inference doesn’t start from concepts at all but from the intuition that matches a concept. The intuition may be pure, as in mathematics, or empirical, as in natural science. Then the intuition I start from gives me varied material for synthetic propositions. I can connect that material in several ways, and because I’m free to start from more than one point, I can arrive at the same proposition by different paths.
Every transcendental proposition, though, starts from a single concept and says what the synthetic condition is for an object to be possible under that concept. So the ground of proof can be only one. There is nothing else besides this concept.
B 816 Nothing else could determine the object. So the proof can contain nothing more than the determination of an object in general by this concept, which is itself only one. In the transcendental analytic, for example, we had the principle that whatever happens has a cause. It was drawn from one single condition for a concept of what happens at all to be objectively possible: an event could not be determined in time, and so could not belong to experience, unless it stood under a dynamical rule of this sort. This is, in fact, the only ground of proof that is possible. Only because an object is determined for the concept through the law of causality does the event we represent have objective validity, that is, truth. People have tried other proofs of this principle too, for example from contingency. But look at contingency closely and the only sign of it we can find is happening, which is existence preceded by the object’s non-existence. So we always come back to the same ground of proof. To prove the proposition “everything that thinks is simple,” we don’t stop at the manifold in thinking. We hold only to the concept of the I, since that is simple and all thinking refers back to it. The same holds for the transcendental proof of God’s existence.
B 817 It rests solely on the fact that the concept of the most real being and the concept of the necessary being can be swapped for each other, and it can’t be looked for anywhere else.
This warning remark shrinks the critique of the claims of reason down to a very small job. Where reason does its work through mere concepts, only one proof is possible, if any is possible at all. So when you see a dogmatist step forward with ten proofs, you can safely believe he has none. If he had a single proof that was apodictic (and in pure reason it has to be), what would he want the others for? His aim is the same as that of the lawyer who pleads before a high court: one argument is for this judge, another for that one. His plan is to play on the weakness of his judges, who don’t look into the case deeply. They want the business over with fast, so they grab whatever happens to catch their eye first and rule on that.
The third special rule of pure reason, when it is disciplined with regard to transcendental proofs, is this: its proofs must never be apagogic. They must always be ostensive. In every sort of cognition, the direct (ostensive) proof is the kind that gives us conviction that something is true together with insight into where that truth comes from. The apagogic proof, on the other hand, can produce certainty, but it can’t produce comprehensibility of the truth in its connection with the grounds of its possibility.
B 818 So the latter are more of an emergency help than a procedure that satisfies all the aims of reason. Still, they have one advantage over direct proofs in clearness of evidence. A contradiction always brings more clarity to the representation than the best connection does, and so comes closer to the intuitive quality of a demonstration.
The real reason apagogic proofs are used in various sciences is probably this. Sometimes the grounds that a given cognition is supposed to be derived from are too varied or too deeply buried. Then people try to get at them through the consequences. Now the modus ponens, which concludes that a cognition is true because its consequences are true, would be allowed only if all the possible consequences of it are true. Then only one ground is possible for them, and that one is therefore the true one. But this procedure is not workable, because it’s beyond our powers to see all the possible consequences of any assumed proposition. Still, people do use this kind of inference, though with a certain indulgence, when the aim is to prove something merely as a hypothesis. They accept an inference by analogy: suppose every consequence anyone has tried agrees nicely with an assumed ground. Then all the remaining possible consequences will agree with it as well.
B 819 For that reason no hypothesis can ever be turned into demonstrated truth by this route. The modus tollens, among the inferences of reason that run from consequences back to grounds, proves things with complete strictness and also with great ease. If a proposition yields even one false consequence, that proposition is false. In an ostensive proof we would have to go through the whole series of grounds that could bring us to a cognition’s truth by fully seeing how it is possible. Instead, we need only find a single one of the consequences that flow from its opposite to be false. Then the opposite is false, and the cognition we were supposed to prove is therefore true.
The apagogic kind of proof is allowed only in sciences where it’s impossible to slip what is subjective in our representations in place of what is objective, that is, cognition of what belongs to the object. Where the subjective does rule, it must often happen that the opposite of a given proposition contradicts only the subjective conditions of thinking and not the object. Or it can happen that the two propositions contradict each other only under a subjective condition, one wrongly taken to be objective. The condition is false, so both can be false, and then the falsity of one tells us nothing about the truth of the other.
B 820 In mathematics this subreption cannot happen, which is why these proofs have their proper home there. In natural science everything rests on empirical intuitions. So that sneaking-in can mostly be prevented there by many compared observations. But even there this kind of proof is mostly of little importance. The transcendental attempts of pure reason, however, are all carried out within the proper medium of dialectical illusion. That is, they are carried out within the subjective, which offers itself to reason in its premises as objective, or even forces itself on it. Here, as far as synthetic propositions go, it can’t be allowed at all to justify one’s claims by refuting the opposite. For either this refutation is nothing other than showing that the opposing view conflicts with the subjective conditions under which our reason can grasp things. That does nothing to throw out the thing itself. (For example, an unconditioned necessity in a being’s existence is something we simply cannot grasp. For that reason, subjectively, it rightly stands in the way of every speculative proof of a necessary supreme being. But it wrongly stands in the way of the possibility, in itself, of such a primal being.) Or both parties, the asserting and the denying, are deceived by transcendental illusion and lay an impossible concept of the object at the base.
B 821 Then the rule applies: non entis nulla sunt praedicata. That is, whatever one asserted of the object, whether affirming or denying, is wrong in both cases, and one can’t reach cognition of the truth apagogically by refuting the opposite. For example, suppose it is assumed that the world of sense is given in itself in its totality. Then it’s wrong to say it must be either infinite in space or finite and bounded, since each is false. For appearances (being mere representations) that would still be given in themselves (as objects) are an impossibility. And the infinity of this imagined whole would indeed be unconditioned. But, since everything in appearances is conditioned, it would contradict the unconditioned determination of magnitude that is presupposed in the concept.
The apagogic kind of proof is also the real deception by which admirers of the thoroughness of our dogmatic reasoners have always been kept in suspense. It is like a champion who tries to establish the honor and undisputed right of the side he has chosen by offering to fight anyone who cares to doubt it. Yet such bragging settles nothing about the matter itself. It decides only how strong the opponents are relative to each other, and even that only in favor of whoever goes on the attack.
B 822 The spectators see that each one wins in his turn and loses in his turn too, and this often leads them to become skeptical about what the dispute is over in the first place. But they have no reason to. It’s enough to call out to them: non defensoribus istis tempus eget (the time doesn’t need defenders like these). Everyone must argue his case by a proof of right, one built on a transcendental deduction of the grounds of proof. That means going directly, so that we can see what his claims of reason have to say for themselves. If his opponent relies on subjective grounds, it’s certainly easy to refute him. But the dogmatist gains nothing, since he usually clings to subjective causes of judgment too and can be cornered the same way. But if both parties proceed only directly, one of two things will happen. Either they’ll notice on their own how hard, indeed impossible, it is to find a title for their claims, and end up able to appeal only to long possession. Or else critique will easily expose the dogmatic illusion and make pure reason give up its overstretched pretensions in speculative use. Reason will then pull back inside the boundaries of its own ground, which is practical principles.
B 823 Transcendental Doctrine of Method Second Chapter Pure Reason’s Canon
It is humbling for human reason that in its pure use it accomplishes nothing, and even needs a discipline to hold its excesses in check and prevent the deceptions that come from them. On the other hand, it lifts reason up again and gives it confidence in itself that it can and must exercise this discipline itself, without allowing any other censure over it. It is also uplifting that the boundaries reason is forced to set for its speculative use at the same time restrict the sophistical pretensions of any opponent. So whatever is still left of its earlier exaggerated demands can be made safe against all attacks. The greatest and perhaps the only use of all philosophy of pure reason is therefore only negative. It serves not as an organon for extending knowledge but as a discipline for fixing boundaries. It discovers no truth. Its only merit is the quiet one of keeping errors from happening.
Still, there must be a source somewhere for positive cognitions that belong to the territory of pure reason.
B 824 Perhaps only a misunderstanding makes them lead to errors. In fact they are the goal of reason’s zeal. What else could we blame for the unstoppable urge to get a firm foothold somewhere beyond the boundary of experience? Reason has a sense of objects that hold great interest for it. It sets out on the path of mere speculation to get near them, but they flee from it. Probably better luck can be hoped for on the one path that is still left to it, namely that of practical use.
By a canon I mean all the a priori principles, taken together, for using certain powers of cognition correctly, in general. General logic works this way too. In its analytic part it is a canon for the understanding and for reason as such, but only a canon of form, because it sets aside all content. The transcendental analytic was likewise the canon for the pure understanding, since only the understanding is capable of genuine synthetic cognitions a priori. Where no correct use of a power of cognition is possible, there is no canon. But by every proof given so far, no synthetic cognition at all is possible for pure reason when it is used speculatively. So there is no canon at all for its speculative use (since that use is dialectical through and through). In this respect all transcendental logic is nothing but discipline.
B 825 So suppose pure reason has some correct use after all. Then it must also have a canon, and that canon will deal not with speculative use but with practical use. That is what we now want to investigate.
Pure Reason’s Canon Section One The Final Purpose of the Pure Use of Our Reason
A natural tendency in reason pushes it past its use in experience. Working purely, with nothing but ideas, it dares to go out to the farthest boundaries of all cognition. And it finds rest only once it has completed its circle, in a systematic whole that stands on its own. Is this striving grounded merely in reason’s speculative interest, or rather solely and entirely in its practical interest?
For now I’ll set aside whatever success pure reason has with a speculative aim. I ask only about the tasks whose solution makes up its final purpose, whether it reaches that purpose or not. Next to that purpose, all its other aims have only the value of means.
B 826 By the nature of reason, these highest purposes will in turn have to form a unity, so that together they can advance the interest of humanity that is subordinate to no higher one.
The final aim that the speculation of reason in its transcendental use ultimately comes down to concerns three objects: the freedom of the will, the soul’s immortality, and God’s existence. In all three cases the interest that reason has in merely speculative terms is very small. For the sake of that interest alone, hardly anyone would take on the wearying labor of transcendental inquiry, which struggles with endless obstacles. Whatever might be discovered about these three, we could make no use of it that would prove its worth in concreto, that is, in the study of nature. First, the will may be free. Even so, that could bear only on the intelligible cause behind our willing. As for the phenomena of its expressions, that is, our actions, we must, by an inviolable basic maxim without which we can’t exercise reason in its empirical use at all, explain them in no other way than all other appearances of nature, namely by nature’s unchanging laws. Second, perhaps we could gain insight into the soul’s spiritual nature (and with it its immortality). Even so, we couldn’t count on it as an explanation for the appearances of this life.
B 827 Nor could we count on it for the particular character of the future state. The reason is that the concept we have of a nature without a body is purely negative. It doesn’t extend our cognition in the least. It offers no usable material for conclusions, except perhaps ones that can pass only for inventions, and philosophy doesn’t allow those. Third, suppose the existence of a supreme intelligence were proved. We could then understand the purposiveness in how the world is arranged, and its order in general. But we would have no right at all to derive from it any particular arrangement or order, or to boldly infer one where none is perceived. For speculative reason has a necessary rule: don’t skip natural causes, and don’t abandon what experience can teach us, merely to explain something we know by appeal to what is wholly beyond our knowledge. To put it briefly, for speculative reason these three propositions stay transcendent, always. None of them has an immanent use, meaning a use that is allowed for objects of experience and so is in some way useful to us. Considered in themselves they are quite idle, and yet extremely hard, labors of our reason.
Suppose we don’t need these three cardinal propositions for knowledge at all, and still our reason strongly urges them on us.
B 828 Then their importance must really concern only what is practical.
Practical means everything that is possible through freedom. But suppose that what is needed for our free power of choice to act is empirical in nature. Then reason can have only a regulative use there, and serves only to bring about unity among empirical laws. Take the doctrine of prudence. There the whole business of reason is to unite all the ends that our inclinations set for us into the one end, happiness, and to bring the means for reaching it into agreement. So all reason can offer are pragmatic laws for free conduct, laws for reaching the ends that the senses urge on us. It can’t supply pure laws, determined completely a priori. Pure practical laws would be different. Their end is given completely a priori by reason, and they command absolutely, not conditioned by anything empirical. They would be products of pure reason. The moral laws are of this kind. That is why only the moral laws fall under the practical use of pure reason, and only they allow a canon.
All the equipment of reason, in the work that can be called pure philosophy, is in fact aimed only at the three problems just named. They in turn have a more distant aim: what we ought to do should the will be free, should there be a God, and should there be a world to come.
B 829 This has to do with how we act in relation to the highest end. So nature, which looks after us wisely when it sets up our reason, really aims in the end only at the moral.
We need to be careful, though. We are now turning our attention to a subject that is foreign* to transcendental philosophy. On the one hand, we must not wander off into side episodes and break the unity of the system. On the other, we must not say too little about this new material and so leave it lacking in clearness or conviction. I hope to do both by staying as close to the transcendental as I can, and by leaving out entirely anything that might be psychological here, in other words empirical.
* Every practical concept is about objects that please or displease us, that is, objects of pleasure or displeasure. So they are directed, at least indirectly, at objects of our feeling. Feeling, though, is not a power of representing things. It lies outside the whole power of cognition. So the elements of our judgments that refer to pleasure or displeasure, and therefore the practical elements, don’t belong in the sum total of transcendental philosophy, which is concerned only with pure cognitions a priori.
A note to start with: for the present I will use the concept of freedom in its practical meaning alone. The concept in its transcendental meaning I put aside here, as settled above.
B 830 That meaning can’t be assumed empirically as an explanation of appearances, and is itself a problem for reason. Whatever power of choice is determinable only by sensory impulses, which is to say pathologically, is merely animal (arbitrium brutum). The power of choice that can be determined without depending on sensory impulses, and so by motives which only reason puts before us, is known as the free power of choice (arbitrium liberum). Whatever is tied to it, as a ground or as a consequence, gets the name practical. Practical freedom can be proved by experience. For what determines the human power of choice is not merely what stimulates, that is, what directly affects the senses. We have a power to overcome the impressions on our sensory faculty of desire. We do so by conceiving of what is advantageous or damaging, even if only at a further remove. These deliberations about what is desirable with regard to our whole condition, that is, what is good and useful, rest on reason. So reason also gives laws, namely imperatives, which are objective laws of freedom. They say what ought to happen, even if it perhaps never does. That is where they differ from laws of nature, which are only about what happens. That’s why they are also called practical laws.
B 831 Whether reason itself, in the very acts by which it lays down laws, is again determined by other influences is no concern of ours in practical matters. The same goes for whether what we call freedom, as against sensible impulses, might turn out to be nature once more when we look at higher and more distant efficient causes. In practice we only ask reason, first of all, for the rule of conduct. These questions are purely speculative, and we can put them aside as long as our aim is to act or to refrain. So we know practical freedom from experience. It is one of the natural causes: reason acting as a cause when it determines the will. Transcendental freedom is another matter. It requires reason itself to be independent of every determining cause in the world of sense, in respect of its causality in starting a series of appearances. To that extent it seems to conflict with the law of nature, and so with all possible experience, and it remains a problem. But this problem has no place in reason’s practical use. So in a canon of pure reason we have to deal with only two questions. They concern the practical interest of pure reason, and a canon of how reason is used must be possible for them: Is there a God? Is there a future life? The question of transcendental freedom touches only speculative knowledge. We can treat it as a matter of complete indifference and leave it aside.
B 832 That holds whenever the practical is what matters. The Antinomy of Pure Reason has already discussed it enough.
Pure Reason’s Canon Section Two The Ideal of the Highest Good as What Determines the Final Purpose of Pure Reason
When reason worked in its speculative way, it took us across the field of experience. It can never find full satisfaction there, so from there it took us on to speculative ideas. In the end those ideas brought us back to experience. So they did serve their purpose, in a way that is useful but nothing like what we had expected. One attempt is still left to us. Can pure reason also be found at work in practical use? Does it lead us there to the ideas that reach the highest purposes of pure reason, the ones we have just named? Looked at from its practical interest, can it give us what it flatly refuses us on the speculative side?
Everything that my reason takes an interest in, speculative and practical alike, comes together in these three questions:
1 B 833 What can I know?2. What should I do?3. What may I hope for?
The first question is purely speculative. We have gone through every possible answer to it, or so I flatter myself, and have finally found the one that reason has to accept. If reason sets the practical aside, it even has cause to be content with it. But we’ve stayed just as far from the two great aims that this whole effort of pure reason was really aimed at as if we had refused the work from the start, out of love of ease. So where knowledge is concerned, this much at least is certain and settled: we can never have it on those two problems.
The second question is purely practical. As such it can belong to pure reason. But then it isn’t transcendental. It’s moral, and so our critique can’t take it up in itself.
The third question is this: if I now do what I should, what may I then hope for? It is practical and theoretical at once. The practical side serves only as a guide toward answering the theoretical question, and, if that goes high enough, the speculative one. All hoping aims at happiness. For the practical and the moral law, hoping is just what knowing and natural law are for theoretical cognition of things.
B 834 The one ends in the inference that something exists (something that fixes the last possible purpose) because something ought to happen. The other ends in the inference that something exists (something that acts as the supreme cause) because something does happen.
Happiness means having all our inclinations satisfied. We can measure it in three ways: extensively, by the variety of inclinations that are met; intensively, by how strongly; and protensively, by how long it lasts. A practical law that takes happiness as its motive I call pragmatic, a rule of prudence. A law that has no motive but being worthy of happiness, if there is such a law, I call moral, the moral law. The pragmatic law gives advice: here is what to do if you want a part in happiness. The moral law gives an order: here is how to behave if all you want is to become worthy of happiness. The pragmatic law is built on empirical principles. Without experience I can’t tell which inclinations exist and ask to be met, or which natural causes might meet them. The moral law pays no attention to inclinations or to the natural ways of meeting them. It looks solely at the freedom of rational beings as such, and at the conditions that are necessary if that freedom is to agree, on principle, with how happiness gets shared out. For that reason it can rest, at the very least, on pure ideas of reason, and we can know it a priori.
B 835 I assume that pure moral laws really exist. They settle what we do and what we refrain from doing, in other words how any rational being uses its freedom. They do this entirely a priori, with no eye to empirical motives, which means happiness. I assume, too, that these laws command without condition, and not merely hypothetically on the basis of some other empirical purpose, so that they are necessary in every way. This is an assumption I may fairly make. I can appeal to what the most enlightened moralists have demonstrated, and also to anyone’s moral judgment, as soon as they try to picture such a law clearly.
So pure reason does contain principles of the possibility of experience. It doesn’t in its speculative use, but it does in one practical use, the moral one. I mean experience of the kind of actions that could turn up in human history in line with moral precepts. Reason commands that such actions are to happen, so they must be able to happen. That means a special kind of systematic unity must be possible, the moral kind. Systematic unity of nature, by contrast, couldn’t be proved from the speculative principles of reason. Reason has causality in regard to freedom in general but not in regard to nature as a whole, and moral principles of reason can bring about free actions but not natural laws.
B 836 So the principles of pure reason have objective reality in their practical use, and above all in their moral use.
A world that fitted every moral law I call a moral world. Such a world can exist, given the freedom of rational beings, and it should exist, given morality’s necessary laws. In this sense we think of it only as an intelligible world, since it leaves out of account all conditions (purposes) and even every obstacle to morality there (the weakness or impurity of human nature). So far it is a mere idea, yet a practical one, since it can and should shape the world of sense, to make that world match it as well as possible. That is why the idea of a moral world has objective reality. It isn’t that the idea aims at an object of intelligible intuition, which we couldn’t even think. It aims at the world of sense, but as an object that pure reason has in its practical use. And it aims at a corpus mysticum (a mystical body) formed by the rational beings in that world, to the degree that each one’s free power of choice, under moral laws, is consistently and systematically unified with itself and with the freedom of every other.
That answered the first of pure reason’s two practical questions: do what makes you worthy of happiness.
B 837 The second question is this. Suppose I conduct myself so that I’m not unworthy of happiness. Can I then hope to receive it? To answer it we have to ask something about the principles of pure reason, the ones that lay down the law a priori: do they also tie that hope to the law by necessity?
My answer, then, is this. The moral principles are necessary for reason in its practical use. By the same token, reason in its theoretical use has to accept that each person has grounds to hope for as much happiness as they have made themselves worthy of by how they act. It follows that the system of morality and the system of happiness can’t be pulled apart. They are joined, however, only in the idea of pure reason.
Think of an intelligible world, a moral one, whose very concept leaves out every obstacle to morality, meaning our inclinations. In that world we can also see it as necessary that happiness is shared out in proportion to morality and joined to it. Freedom there is partly driven and partly held back by moral laws, so freedom itself would produce general happiness. Rational beings, led by such principles, would be the makers of their own lasting well-being and of everyone else’s too. But this system, in which morality pays for itself, is only an idea.
B 838 Making it real depends on a condition: everyone must do what they ought, so that all the actions of rational beings come out as if they flowed from one supreme will that holds all private choice inside it or beneath it. However, the obligation under the moral law stays in force for each person’s own use of freedom, even if others don’t live up to the law. For that reason nothing in the nature of worldly things, and nothing in how actions cause things or how they stand to morality, tells us how the results of actions will line up with happiness. Reason can’t know the necessary connection I mentioned, between hoping to be happy and tirelessly striving to deserve happiness, if it builds on nature alone. We can only hope for the connection, and only if a highest reason that gives commands by moral laws is placed beneath nature as its cause.
The ideal of the highest good is my name for the idea of an intelligence like this: a will that is morally perfect and joined with supreme blessedness, and that causes all the happiness in the world to the extent that this happiness stands in exact proportion to morality, which is worthiness to be happy. The ground of the practically necessary connection between the two elements can be found by pure reason in just one place, the ideal of the highest original good.
B 839 Those two elements make up the highest derived good: an intelligible, that is, moral, world. Reason forces us to represent ourselves as members of such a world, though our senses present nothing but a world of appearances. Since the sensible world offers no such connection, we have to take the moral world to be a result of how we behave here, and to be a world that lies ahead of us. So God and a future life are two things we must presuppose. The principles of this same reason won’t let us separate them from the obligation that pure reason puts on us.
Morality by itself forms a system. Happiness does not, unless it is shared out in exact keeping with morality. That works only in the intelligible world, where a wise creator and governor presides. Reason is driven to assume one: a governor, along with a life in that world, which we have to see as lying in the future. The only alternative is to dismiss the moral laws as idle fantasies. For without that assumption the necessary result that reason itself attaches to the laws would vanish. That’s why everyone treats moral laws as commands. They couldn’t be commands if they didn’t attach suitable consequences to their rule a priori, and so bring promises and threats with them.
B 840 They can’t do that, though, unless they rest on a necessary being that is itself the highest good, since only such a being can make that kind of purposive unity possible.
Leibniz called the world the realm of grace when we attend in it only to the rational beings and how they hang together under moral laws, governed by the highest good, and distinguished it from the realm of nature. In the realm of nature these beings also stand under moral laws, but they expect no results from their conduct other than those that follow the course of nature in our world of sense. To see ourselves in the realm of grace, then, where all happiness waits for us unless we cut down our own share of it by being unworthy to be happy, is a practically necessary idea of reason.
When practical laws also become subjective grounds for acting, they turn into subjective principles, and these are called maxims. Judging morality, in its purity and its consequences, goes by ideas. Following its laws goes by maxims.
Our whole conduct of life must be put under moral maxims. Yet that cannot happen unless reason links the moral law, a mere idea, to an operating cause. This cause has to fix, for conduct in line with the law, an outcome that fits our highest ends exactly, in this life or in some other.
B 841 So without a God and a world to come, one that we can’t see now but hope for, the magnificent ideas of morality earn our approval and admiration but don’t spur us to resolve and act. That’s because they don’t fulfill the entire end that comes naturally to every rational being and that this very same pure reason fixes a priori as necessary.
In the eyes of our reason, happiness alone is nowhere near the complete good. Reason does not give it approval, however strongly inclination wants it, unless it comes together with worthiness to be happy, which is to say, good moral conduct. Yet morality alone is not the complete good either, and neither is the bare worthiness to be happy that goes with it. To make the good complete, whoever has behaved in a way that doesn’t make them unworthy of happiness has to be able to hope for a share in it. A reason free of every private aim would judge no differently, if it imagined itself in the place of a being who has all happiness to give out to others and took no interest of its own into account. In the practical idea, both parts are bound together essentially, but in this order: the moral disposition, as the condition, makes a share in happiness possible. The prospect of happiness does not first make the moral disposition possible. If it did, the disposition wouldn’t be moral.
B 842 And so it wouldn’t deserve the whole of happiness, which in reason’s view is limited only by what comes of our own immoral behavior.
So the highest good of a world is nothing else than happiness that keeps exact step with the morality of rational beings, the morality that makes them worthy of it. Pure but practical reason requires us to see ourselves as living in such a world. Of course it can only be an intelligible world, because the world of sense doesn’t promise that the nature of things will give us any such systematic unity of purposes. What makes that unity real can rest on one thing only: the assumption of a highest original good. There, an independent reason with every power a supreme cause needs sets up, sustains and brings to completion the universal order of things, with perfect purposiveness, though in the world of sense that order stays deeply hidden from us.
Moral theology has one advantage of its own over speculative theology. It leads inevitably to the concept of a single primal being, perfect in every way and rational. Speculative theology doesn’t even hint at that on objective grounds, much less persuade us of it. Neither transcendental theology nor natural theology, however far reason carries us in them, offers any weighty reason for assuming just one being.
B 843 It would have to be a being we could set over all natural causes, with sufficient reason to make them depend on it in every respect. Look at the matter from the side of moral unity instead. That is a necessary law for the world. Ask what cause alone can give this law its fitting effect, and with it binding force for us. Then it has to be one supreme will, which holds all these laws within itself. How else would we find perfect unity of purpose among a variety of wills? That will must be all-powerful, so that all of nature and its bearing on morality in the world is under its rule. It must be all-knowing, so that it can see into the depths of our dispositions and judge their moral worth. It must be present everywhere, so that it is right there for every need that the world’s highest welfare makes. And it must be eternal, so that this harmony of nature and freedom never fails at any time, and so on.
This systematic unity of purposes belongs to the world of intelligences. As mere nature, that world is only the world of sense. As a system of freedom, it can be called an intelligible, that is, a moral, world (regnum gratiae). It also leads without fail to a purposive unity of all the things in this great whole under universal laws of nature, just as the first unity holds under universal and necessary moral laws. So it joins practical reason to speculative reason. The world must be thought of as sprung from an idea.
B 844 Only so can it agree with the moral use of reason, the one use without which we would think ourselves unworthy of reason itself. That moral use rests wholly on the idea of the highest good. That gives all inquiry into nature a direction toward the form of a system of purposes. Carried as far as it can possibly be extended, such inquiry becomes physico-theology. But physico-theology started out from a moral order, which is a unity rooted in the essence of freedom and not set up by accident through commands from outside. So it takes nature’s purposiveness back to grounds that must be bound up, a priori and inseparably, with the inner possibility of things. This brings us in turn to a transcendental theology. It makes the ideal of supreme ontological perfection into a principle of systematic unity, one that links all things by universal and necessary laws of nature, since all of them have their source in the absolute necessity of one primal being.
Without purposes, what use could we make of our understanding, even for experience? The highest purposes are the moral ones, and pure reason alone can bring them to our knowledge. Armed with these and following them as our guide, we still can’t use our knowledge of nature purposively for the sake of cognition, except where nature has itself laid down purposive unity.
B 845 Without it we wouldn’t have reason at all, because there would be no schooling for reason and no cultivation from objects that offer the raw material for such concepts. Now the purposive unity of morals is necessary and is rooted in the very nature of the power of choice. The purposive unity in nature, which contains the condition for applying it to concrete cases, must therefore be necessary too. And then the transcendental raising of our rational cognition would not be what causes the practical purposiveness that pure reason imposes on us. It would be merely an effect of it.
The history of human reason shows the same thing. There was a time when moral concepts hadn’t yet been purified or defined well enough, and the systematic unity of purposes that follows from them hadn’t yet been understood from necessary principles. In that period, knowledge of nature, and even a high level of cultivation of reason in several other sciences, led in some cases to nothing but rough, drifting ideas of the deity. In other cases it left people with a surprising indifference to the whole question. Then came a fuller treatment of moral ideas, which the very pure moral law of our religion made necessary. It sharpened reason’s focus on the subject, because of the interest that reason was forced to take in it. Wider knowledge of nature did nothing to bring this about, and neither did sound, reliable transcendental insight, which has been lacking in every age.
B 846 Yet the moral ideas produced the notion of the divine being that we now consider correct. We don’t consider it correct because speculative reason has satisfied us of its correctness. We do so because it fits perfectly with the moral principles of reason. So when it comes down to it, the credit always belongs to pure reason, in its practical use only. It takes a cognition that mere speculation can only fancy and cannot make valid, and fastens it to our highest interest. That doesn’t make the cognition a demonstrated dogma, but it does make it an absolutely necessary assumption for reason’s most essential purposes.
But there is a limit on practical reason once it has reached this height, the concept of one primal being as the highest good. It must not presume to behave as if it had risen above every empirical condition for applying that concept. It must not behave as if it had swung up into immediate knowledge of new objects, so that it could start from this concept and deduce the moral laws from it. Those laws, after all, are what drove us, by their own inner practical necessity, to assume an independent cause or wise ruler of the world, to make the laws effective. So we can’t now turn around and regard them as accidental and derived from a mere will.
B 847 That goes above all for a will that we couldn’t even conceive if we hadn’t shaped the concept of it to fit those laws. As far as practical reason is entitled to lead us, we will not hold actions to be obligatory because God commands them. Instead we will see them as God’s commands because we are obligated to them from within. We will study freedom under the purposive unity set by principles of reason. We will believe that we match the divine will only to the extent that we hold the moral law sacred, which reason teaches from the nature of actions themselves, and we will think of ourselves as serving God only when we advance the world’s good, in ourselves and in other people. Moral theology is therefore only for immanent use. That is, it helps us live out our calling here in the world, by finding our place in the system of all purposes. It is not to abandon, in a fanatical or even outrageous way, the thread of a morally legislating reason in the course of a good life, in order to attach that life directly to the idea of the highest being. That would be a transcendent use. Like speculation alone, it would have to twist and thwart the final purposes of reason.
B 848 Pure Reason’s Canon Section Three Having an Opinion, Knowing and Having Faith
Taking a thing to be true is something that happens in our understanding. It can rest on objective grounds, but it also calls for subjective causes in the mind of the one judging. If anyone at all with reason would accept it, the ground is objectively sufficient, and then we call it conviction. When its ground lies only in the particular constitution of the subject, we call it persuasion.
Persuasion is just illusion. A ground that lies solely in the subject gets mistaken for an objective one. For that reason a judgment of this kind is valid only privately, and taking it as true cannot be passed on to anyone else. Truth rests on agreement with the object, so the judgments of every understanding have to agree with one another about it (consentientia uni tertio, consentiunt inter se). From outside, then, the test of whether taking something as true is conviction or mere persuasion is whether we can communicate it and find that it holds for every human’s reason. If so, there is at least a presumption.
B 849 It is that the ground of the agreement among all these judgments, in spite of the differences among the people judging, lies in a shared ground, the object. Each of them is in line with the object, and that shows the judgment is true.
From the subject’s own point of view, persuasion can’t be told apart from conviction, as long as the subject sees the taking-as-true only as something appearing in their own mind. But there is a test we can run. We take the grounds that convince us and try them on someone else’s understanding, to see whether they affect another reason as they affect ours. This is a means, though a merely subjective one. It cannot create conviction, but it can bring to light the merely private validity of the judgment, that is, whatever in it is just persuasion.
There is more we can do. Suppose we can lay out the subjective causes that stand behind the judgment, the ones we have been taking for objective grounds, we can explain the misleading taking-as-true as something that happened in our own minds, without needing to know anything about the object. Then we have stripped the illusion bare, and it fools us no longer, although it can still tempt us to some extent when the subjective cause of the illusion belongs to our nature.
The only thing I can assert, that is, declare as a judgment necessarily valid for all, is what produces conviction.
B 850 Persuasion I can keep for myself, if it suits me, but I can’t, and shouldn’t, try to make it count outside myself.
Taking something as true, which is the subjective validity of a judgment, has three levels, related to conviction (which also counts objectively): having an opinion, having faith, and knowing. An opinion is a taking-as-true that you are aware is not enough, either subjectively or objectively. If it is enough subjectively but regarded as not enough objectively, it is called faith. And when it is enough both subjectively and objectively, it is called knowledge. Enough subjectively is conviction (for me myself); enough objectively is certainty (for everybody). I won’t dwell on explaining notions so easy to grasp.
I must never take it on myself to hold an opinion unless I know something, at least, that connects the judgment (which taken alone is merely problematic) with truth. The connection may be incomplete, but it must be more than free invention. And the law of such a connection has to be certain. If I have nothing but opinion about that as well, it is all a play of imagination with no relation to truth at all. In judgments of pure reason, forming opinions is not allowed whatsoever. They are not supported by grounds taken from experience.
B 851 Everything in them is to be known a priori, where all is necessary. So the principle of connection requires universality and necessity, and therefore complete certainty. Otherwise nothing guides us toward truth at all. That’s why it’s absurd to hold opinions in pure mathematics. You must know, or else refrain from judging entirely. The principles of morality are the same. You may not risk an action because you merely suppose it’s allowed. You have to know that.
In the transcendental use of reason, by contrast, an opinion is too little, though knowledge is also too much. So from a purely speculative standpoint we can’t judge at all here. Subjective grounds for taking something as true, like those that can give rise to faith, deserve no approval in speculative questions. They can’t be kept clear of every empirical aid, and they can’t be passed on to others in the same measure.
Only in a practical connection, then, can we call a theoretically inadequate taking-as-true faith. And this practical aim is either skill or morality. Skill is for any chance purposes, whichever we like. Morality is for purposes that are necessary without exception.
Once a purpose is given, the conditions for reaching it are hypothetically necessary. That necessity is subjective.
B 852 It is sufficient only by comparison, and only if there are no other conditions known to me that would let the purpose be reached. It is sufficient absolutely and for everyone if I know for sure that nobody could know other conditions that would lead to the purpose set. In the first case, my assumption and my taking certain conditions as true is an accidental faith. In the second case it is a necessary faith. A doctor with a patient in danger must act, but doesn’t know the illness. The doctor looks at the signs and, knowing nothing better, decides it’s consumption. By the doctor’s own judgment this belief is only accidental; someone else might perhaps hit on it better. The name I give to this kind of accidental faith, when it underlies the actual use of means for particular actions, is pragmatic faith.
The usual test of what lies behind someone’s assertion, mere persuasion or at least subjective conviction (firm faith), is to bet on it. Often a person speaks with such sure, stubborn defiance that every worry about error seems to be gone. A bet makes them hesitate. Now and then it turns out that they have just enough persuasion to be worth one ducat, but not ten. One ducat they will still risk.
B 853 But at ten they realize for the first time what they hadn’t seen before, that they may well be wrong. Suppose you imagine staking your whole life’s happiness on it. Our triumphant judgment then drops sharply, we turn very timid, and we discover for the first time that our faith doesn’t stretch that far. So pragmatic faith comes in degrees, and the degree can be large or small, depending on how much is at stake.
Sometimes we can do nothing at all with an object, so that taking something to be true about it is purely theoretical. Even then, in many cases we can think up an undertaking and picture it, one we believe we have good enough grounds for, if only there were some way to settle the matter with certainty. So in purely theoretical judgments there is something that parallels practical ones, and the word faith suits the way we hold such a judgment true. We can call it doctrinal faith. Suppose some experience could settle the question. I would gladly stake all I own on there being inhabitants on at least one of the planets we can see. That is why I say it is more than an opinion. It is a strong faith, on whose being right I would risk many of life’s advantages, that other worlds have inhabitants too.
B 854 Now we must concede that the teaching about God’s existence is a matter of doctrinal faith. When it comes to explaining the world theoretically, nothing I have to work with requires this thought as a premise for accounting for the appearances. On the contrary, I’m bound to use my reason as though everything were only nature. Still, purposive unity is such an important condition for applying reason to nature, and experience gives me so many examples of it, that I cannot simply pass it by. The only condition I know of that would make this unity a guide for my study of nature is to assume that a supreme intelligence has arranged everything according to the wisest purposes. Supposing there is a wise maker of the world is therefore a condition for reaching an aim that is accidental but not trivial: having guidance as I investigate nature. The results of my attempts confirm, again and again, how useful this assumption is, and nothing decisive can be said against it. I would be saying far too little if I called my holding it true a mere opinion. I can go further and say, even here on the theoretical side, that my belief in God is firm. Yet in the strict sense this faith is still not practical. It has to be called doctrinal faith.
B 855 The theology of nature (physico-theology) is bound to produce this faith everywhere. The same wisdom, together with the excellent equipment of human nature and the shortness of life, which fits that equipment so poorly, can likewise supply sufficient ground for a doctrinal faith in the future life of the human soul.
In cases like these, the word faith expresses modesty from the objective side and yet firm confidence from the subjective side. Suppose I called this merely theoretical holding-true a hypothesis that I was entitled to adopt. Then I would already be committing myself to more of a concept of the cause of the world and of another world than I can really show. Whatever I adopt even as a hypothesis, I have to know enough about its properties that I am free to invent only its existence, not its concept. But the word faith points only to the lead that an idea provides, and to the pull it has within me on how my rational actions go forward. That pull keeps me attached to the idea, though I’m unable to account for it from a speculative standpoint.
Merely doctrinal faith, though, has something unsteady about it. Difficulties that turn up in speculation often knock us out of it.
B 856 We always come back to it again, though, without fail.
Moral faith is a very different matter. Here it is absolutely necessary that something must happen: that I obey the moral law in every respect. The purpose is firmly fixed, with no way around it. As far as I can see, only one condition makes it possible for this purpose to hang together with all purposes taken together, and so to have practical validity: that a God exists and a world to come exists. I also know for certain that nobody knows of any other condition that leads to the same unity of purposes under the moral law. But the moral precept is at the same time my maxim, as reason commands that it should be. So I can’t help believing that God exists and that there is a life to come. And I’m sure nothing could shake this faith, because it would overturn my own moral principles, and I can’t give those up without becoming detestable in my own eyes.
So, with all the ambitious aims of a reason that roams beyond the boundaries of all experience thwarted, enough still remains to give us cause for satisfaction in the practical respect. Of course no one will be able to boast of knowing that a God exists and that a future life exists.
B 857 If they know that, they are exactly the person I have been looking for all this time. All knowledge, when it concerns an object of pure reason alone, can be communicated, so I could hope that their teaching would extend my own knowledge to a wonderful degree. No: the conviction is not logical certainty but moral certainty. It rests on subjective grounds (the moral disposition), so I mustn’t even put it this way: “It is morally certain that God exists,” and so on. The right way is: “I am morally certain,” and so on. What I mean is that my belief in a God and another world is woven into my moral disposition so tightly that I am in no more danger of losing the disposition than I fear this belief could ever be torn from me.
There is only one troubling point here. This faith of reason is founded on the assumption that moral dispositions exist. Drop that, and take someone completely indifferent to moral laws. Then the question that reason raises becomes merely a task for speculation. Strong grounds from analogy can still support the answer, but not grounds that the most stubborn skepticism would have to give in to*.
B 858 Still, nobody is wholly uninterested in these questions. Even if a lack of good dispositions cuts that person off from the moral interest, enough is left to make them fear that there is a divine being and a future. For that, all that is needed is that they can’t pretend to be sure that no such being exists and that there is no future life. They would have to prove that both are impossible, and since that would have to be proved by pure reason, and so apodictically, no reasonable person could take it on. This would be a negative faith. It could not produce morality and good dispositions, but it could produce their analogue: it could powerfully hold back the outbreak of bad dispositions.
* The human mind has a natural interest in morality. I believe this is so, necessarily, in every rational being, even though the interest is neither undivided nor practically dominant. Strengthen and deepen this interest, and reason will turn out to be very ready to learn, and even brighter at joining its speculative interest to its practical one. But if you don’t first see to it that people become good, at least partway, you will never turn them into honest believers either!
“Is that all?” someone will say. “Is that all pure reason achieves by opening up prospects beyond the boundaries of experience? Nothing more than two articles of faith?
B 859 Common understanding could have managed that much without asking any philosophers!”
I won’t praise here what philosophy has done for human reason through the hard work of its critique, though the outcome may prove merely negative. A little more will be said about that in the next section. But do you really demand that a cognition which concerns all human beings should rise above common understanding and be revealed to you only by philosophers? What you complain about is the best confirmation that what I’ve said so far is correct. It reveals something that no one could foresee at the start: that nature can’t be accused of handing out its gifts unfairly in what matters to all people alike, and that the highest philosophy, regarding the essential purposes of human nature, can get no further than the guidance that nature has given even to the most ordinary understanding.
B 860 Transcendental Doctrine of Method Third Chapter Pure Reason’s Architectonic
By architectonic I mean the art of building systems. Ordinary cognition becomes science, that is, a system rather than a mere aggregate, only through systematic unity. So architectonic is the doctrine of the scientific element in our cognition as a whole, and it therefore belongs necessarily to the doctrine of method.
Under reason’s rule, our cognitions must not be a patchwork. They have to form a system, since only in a system can they support and advance reason’s essential purposes. By a system I mean the unity of many different cognitions under one idea. This idea is the concept of reason for the form of a whole. It settles a priori both how far the manifold extends and where the parts stand in relation to one another. The scientific concept of reason therefore contains the purpose and the form of the whole that matches it. All the parts relate to that single purpose, and in the idea of it they relate to one another as well. This unity of purpose means that once we know the other parts, we can tell when any one part is missing.
B 861 No accidental addition can occur, and no amount of perfection that is not fixed within limits a priori. The whole is therefore articulated (articulatio), not piled up (coacervatio). It can grow from within (per intus susceptionem) but not from outside (per appositionem). An animal body is like this: its growth adds no limb, but makes each limb stronger and better fitted for its ends, with no change in proportion.
To be carried out, an idea needs a schema. That is, it needs an essential manifold and an order of the parts, fixed a priori by the principle of the purpose. A schema that is drawn up not from an idea, that is, from the main purpose of reason, but from experience, shaped by whatever aims happen to present themselves (and nobody can know in advance how many), gives technical unity. What arises solely from an idea, where reason sets the purposes a priori and does not wait for them to come from experience, founds architectonic unity. What we call a science cannot arise technically, from the likeness of the manifold or from the accidental use of cognition in concrete cases for all sorts of external purposes of one’s choosing. It arises architectonically, from the affinity of the parts and their derivation from one supreme, inner purpose that first makes the whole possible. The schema of a science has to hold the outline (monogramma) of the whole.
B 862 It also has to hold the division into members, drawn from the idea and so a priori. And it has to set the science apart from every other, securely and by principles.
No one sets out to build a science without an idea underlying it. But as the work proceeds, the schema, and even the definition the person gives of their science right at the start, very seldom matches their idea. The idea lies in reason like a seed, with all the parts still tightly folded up and hidden, barely visible even under a microscope. For this reason, and because every science is thought up from the standpoint of some general interest, we should not explain and define a science by the description its founder gives. We should do it by the idea that we find grounded in reason itself, on the basis of the natural unity of the parts the founder has brought together. We will then find that the founder, and often even the latest followers, wander around an idea they haven’t managed to make clear to themselves. They can’t fix the science’s own content, its articulation (systematic unity) and its limits.
It is unfortunate that for a long while we collect many related cognitions as building material, in patchwork fashion, guided by an idea that lies hidden in us. We even put them together technically over long periods.
B 863 Only then can we catch sight of the idea in clearer light and draw up a whole architectonically, in line with reason’s purposes. Systems seem to have been formed like worms, by generatio aequivoca, out of the mere flowing together of gathered concepts. At first they are mutilated, and with time they become complete. Yet all of them had their schema, as the original seed, in reason as it simply unfolded. For that reason each system is articulated by an idea on its own, and beyond that, all of them are united purposively with one another, as members of a whole, in one system of human cognition. This allows an architectonic of all human knowledge. In our time, when so much material has already been gathered, or can be salvaged from the rubble of old, collapsed buildings, such an architectonic would not only be possible but not even hard. For now we are satisfied to finish our own business, which is only to outline the architectonic for all the cognition that comes from pure reason. Our starting point is where the shared root of our power of cognition splits and sends out two trunks, reason being one of them. By reason here I mean the whole higher power of cognition, and so I set the rational against the empirical.
Set aside everything a cognition contains when we look at it objectively.
B 864 Looked at subjectively, every cognition is then either historical or rational. Historical cognition is cognitio ex datis. Rational cognition is cognitio ex principiis. A cognition may have been given in the first place from anywhere at all. In the person who has it, it is still historical if they know only as much as someone else has handed them, and only to that degree. It makes no difference whether it came through direct experience, through a report, or through teaching of general cognitions. So take someone who has truly learned a system of philosophy, say the Wolfian one. They might carry all the principles, explanations and proofs in their head, along with the layout of the whole teaching structure, and might be able to count it all off on their fingers. Even so, what they have is only a complete historical cognition of the Wolfian philosophy. They know and judge only as much as they were given. If someone disputes one of their definitions, they don’t know where to find another. They were shaped by another person’s reason. But the power to copy is not the power to produce. In other words, their cognition did not spring from reason. Objectively it was indeed a cognition of reason, but subjectively it is merely historical. They took it in well and kept it, that is, they learned it, and they are a plaster cast of a living person. A cognition that counts as rational objectively, one that could at first only have arisen from a person’s own reason, earns that name in the subjective sense as well only if it has been drawn from the general sources of reason.
B 865 Criticism can arise from those sources, and so can the rejection of what was learned. That is, the cognition must be drawn from principles.
Rational cognition always works in one of two ways: from concepts, or by constructing concepts. The first is called philosophical, the second mathematical. I have already dealt with the inner difference between them in the first chapter. A cognition can therefore be philosophical objectively and yet historical subjectively. That is how it is with most apprentices, and with everyone who never gets past the school and stays an apprentice all their life. It is odd, though, that mathematical cognition, learned as it was taught, can still count subjectively as cognition of reason, and that mathematics doesn’t show this kind of difference the way philosophy does. The reason is that the teacher can draw only on sources that lie in nothing but the essential, genuine principles of reason. So the apprentice can’t take them from anywhere else, and they can’t be disputed. In mathematics reason is used only in the concrete, though still a priori: it works on pure intuition. Pure intuition can’t mislead, and so it shuts out every deception and error. So among all the sciences of reason (a priori), only mathematics can be learned. Philosophy never can, unless as history. As far as reason is concerned, the most anyone can do is learn to philosophize.
B 866 Philosophy is the system made up of all philosophical cognition. We have to take philosophy objectively if by it we mean the archetype for judging every attempt to philosophize. That archetype is meant to serve as the standard for judging each subjective philosophy, and the structures of those are often so varied and so changeable. Understood like this, philosophy is nothing but the idea of a science that could exist. It is not given anywhere in the concrete. People try to approach it by many routes, until the one footpath, thickly overgrown with sensibility, is found, and they succeed in making the copy, which has so far failed, match the archetype as closely as human beings are allowed. Until then no one can learn philosophy. Where is it, who has it, and how could we recognize it? All we can learn is to philosophize. That means practicing the talent of reason, in following its general principles, on certain attempts that already exist. This is always done with reason keeping its right to examine those attempts right down to their sources, and to confirm or reject them.
Until that happens, the concept of philosophy remains a school concept. It is the concept of a system of cognition that is sought only as a science, with no aim beyond the systematic unity of this knowledge, and so the logical perfection of the cognition. But there is also a world concept (conceptus cosmicus), which has always underlain this name.
B 867 That holds above all when one, so to speak, personified it and pictured it as an archetype in the ideal philosopher. In this sense philosophy is the science of how all cognition relates to the essential purposes of human reason (teleologia rationis humanae), and the philosopher is not a craftsman of reason but the lawgiver of human reason. It would be quite vain to call yourself a philosopher in that sense, and to claim you have come up to the archetype, which exists only as an idea.
Mathematicians, natural scientists and logicians can be first-rate. The former may make excellent progress in rational cognition in general, and the latter in philosophical cognition in particular. Still, they are only craftsmen of reason. There is another teacher, in the ideal, who sets all of them to work and uses them as tools to advance the essential purposes of human reason. Only this teacher should be called the philosopher. But no such teacher is found anywhere, while the idea of this teacher’s lawgiving is found everywhere in every human reason. So we will keep to that idea alone, and work out more closely what philosophy, according to this world concept*, prescribes.
B 868 What it prescribes is a systematic unity, seen from the standpoint of purposes.
* A world concept here means one that concerns what interests everyone necessarily. So I determine a science’s aim by school concepts when it is looked at only as one skill among others, serving certain purposes anyone happens to choose.
Essential purposes are not for that reason the highest purposes. There can be only one highest purpose, if reason is to have perfect systematic unity. So essential purposes are either the final purpose, or subordinate purposes that necessarily belong to it as means. The final purpose is nothing other than the whole vocation of human beings, and the philosophy about it is called morals. Moral philosophy has this priority over every other pursuit of reason. Because of it, the ancients also always meant by the name of philosopher, above all, the moralist as well. And even now, the outward look of self-command through reason leads us to call someone a philosopher, by a kind of analogy, though their knowledge is limited.
The legislation of human reason, which is philosophy, has two objects: nature and freedom. So it contains the law of nature and also the moral law, at first in two separate philosophical systems and in the end in a single one. The philosophy of nature is about everything that is. The philosophy of morals is only about what ought to be.
Philosophy is of two kinds. One is cognition from pure reason. The other is rational cognition that starts from empirical principles. We call the first pure philosophy and the second empirical philosophy.
B 869 The philosophy of pure reason is one of two things. First, it can be a propaedeutic (a preliminary exercise) that examines the power of reason with respect to all pure cognition a priori. That is called critique. Second, it can be the system of pure reason (a science): the whole of philosophical cognition from pure reason, true and illusory alike, in systematic connection. That is called metaphysics. The name metaphysics can also be applied to pure philosophy as a whole, critique included. Then it takes in, together, the inquiry into whatever we may ever come to cognize a priori, together with the account of what makes up a system of such pure philosophical cognitions. Both are set apart from everything empirical, and also from the mathematical use of reason.
Metaphysics divides into the metaphysics of the speculative use of pure reason and that of its practical use. So it is either the metaphysics of nature or the metaphysics of morals. The first contains all pure principles of reason, drawn from concepts alone (so leaving mathematics out), for the theoretical cognition of all things. The second contains the principles that determine what we do and leave undone, a priori, and make it necessary. Of all the ways actions can conform to law, morality is the only one we can derive wholly a priori from principles. So the metaphysics of morals is really pure morals, with no anthropology (no empirical condition) laid at its base.
B 870 The metaphysics of speculative reason is what people usually mean by metaphysics in the narrower sense. But pure moral doctrine also belongs to that particular stem of human, and indeed philosophical, cognition from pure reason. So we will let it keep that name too, even though we leave it to one side here, since it has no part in our present aim.
It matters enormously to isolate cognitions that differ from others in kind and origin, and to take care that they don’t run together in a mixture with other cognitions they are usually combined with in use. Chemists do this when they separate substances. Mathematicians do it in their pure theory of magnitudes. Philosophers have even more reason to do it, so that they can reliably determine the share a particular kind of cognition has in the free-ranging use of the understanding, along with its own worth and influence. So from the moment people first thought, or rather began to reflect, their reason has needed a metaphysics. But it never managed to present one cleaned of everything alien to it. The idea of this science goes back exactly as far as speculative reason does. And whose reason doesn’t speculate, whether in the schools or in everyday ways? We must admit, however, that thinkers by trade kept one distinction very hazy.
B 871 I mean the distinction between two elements in our cognition. One is wholly at our disposal a priori. The other can be obtained only from experience, a posteriori. Because of that, they could never fix the boundary of a particular kind of cognition, and so could never form the true idea of a science that has kept human reason busy for so long and so intensely. Suppose someone defined it like this: “Metaphysics is the science that deals with the first principles in human cognition.” That points out not a quite particular kind of cognition but only a rank in generality. It couldn’t set metaphysics apart from the empirical in any recognizable way. Even empirical principles come in more and less general ones, and the more general are higher. Where, in a series ordered like that, with no distinction drawn between what is known wholly a priori and what is known only a posteriori, do you make the cut between the first part, with its highest members, and the last part, with the subordinate ones? How would we react if chronology could divide the world’s epochs only into the first centuries and those that came after? Would we ask whether the fifth century belongs among the first ones? And the tenth? And so on? I ask in the same way: is the concept of something extended part of metaphysics? You answer: yes! Well, then, the concept of body too? Yes! And of a liquid body?
B 872 Now you hesitate, because if we go on this way, everything will turn out to belong to metaphysics. From this we can see that no science gets its boundaries from a mere degree of subordination, that is, the particular falling under the general. Here the boundaries come from complete difference of kind and of origin. Something else obscured the basic idea of metaphysics from another side. As cognition a priori, metaphysics shows a certain likeness to mathematics. In origin, that likeness makes the two akin, because both are a priori. But look at the way metaphysics cognizes from concepts, and compare it with the way mathematics judges a priori purely by constructing concepts. That is the difference between philosophical and mathematical cognition. There the two turn out to be completely unlike. People always felt it, in a way, but never managed to state it in clear criteria. The result was this. Philosophers themselves went wrong in developing the idea of their sciences. So the work on those sciences could have no fixed purpose and no reliable guideline. The plan was made arbitrarily. Philosophers did not know which road they ought to take, and they were always quarreling, each boasting of finds made along their own path. In the end they brought their science into contempt, first with others and finally even with themselves.
B 873 All pure cognition a priori forms a unity of its own, thanks to the special power of cognition in which alone it can be seated. The philosophy that is to display this cognition within that systematic unity is metaphysics. The speculative part of it, which has mostly taken the name for itself, is what we call the metaphysics of nature. It weighs everything that exists, and not what ought to be, working from a priori concepts. We divide it as follows.
Metaphysics, as the name is used in the narrower sense, has two parts. One is transcendental philosophy. The other is the physiology of pure reason. Transcendental philosophy looks only at the understanding and at reason itself. It sets out a system of all concepts and principles that apply to objects in general, and it assumes no objects as given (Ontologia). The physiology of pure reason looks at nature, meaning everything given as an object, whether it is given to the senses or, if you prefer, to some other kind of intuition. So it is a physiology, though only a rational one (rationalis). Reason can go about this rational study of nature in a physical way or in a hyperphysical way. Better said, its use is either immanent or transcendent. Immanent use covers nature as far as the cognition of it can be applied in experience (in concreto). Transcendent use covers that connection among the objects of experience which goes beyond all experience.
B 874 This transcendent physiology takes as its subject either an inner or an outer connection, and both of them exceed possible experience. The inner one is the physiology of all of nature taken together, that is, transcendental cognition of the world. The outer one concerns how all nature hangs together with a being above nature, that is, transcendental cognition of God.
Immanent physiology, on the other hand, looks at nature as everything that the senses can take in as objects. It takes nature in the way it is given to us, but looks only at the a priori conditions that must hold for anything to be given to us. It has just two kinds of object. 1. Objects of the outer senses, which together make up corporeal nature. 2. The object of inner sense, which is the soul and, by the basic concepts of the soul in general, thinking nature. The metaphysics of corporeal nature is physics. Since it is to contain only the a priori principles for knowing nature, it is rational physics. The metaphysics of thinking nature is psychology. For the same reason just given, only rational cognition of the soul is meant here.
So the whole system of metaphysics has four main parts. 1. Ontology. 2. Rational physiology. 3. Rational cosmology. 4. Rational theology. The second part is the doctrine of nature drawn from pure reason.
B 875 It has two divisions: physica rationalis* and psychologia rationalis.
* Let no one suppose that I mean by this what is commonly called physica generalis. That is more mathematics than philosophy of nature. The metaphysics of nature is a wholly separate thing from mathematics. It can offer much less in the way of new insights that widen what we cognize. But it is very important for criticizing the pure cognition of the understanding in general, insofar as that is applied to nature. Where that critique is missing, even mathematicians have held on to certain common concepts that are really metaphysical, and have loaded natural science with hypotheses without noticing. A critique of these principles makes such hypotheses vanish. That does no damage whatever to the use of mathematics here, and mathematics can’t be done without.
The very first idea of what a philosophy of pure reason is already lays down this division. It is therefore architectonic: it follows reason’s essential purposes. It is not merely technical, which would mean arranging things by affinities noticed by chance, more or less hit and miss. Because of that, it is also fixed and legislative. But a few points come up here that raise concern and could shake our conviction that the division is lawful.
First, how can I look for a priori cognition, and so for metaphysics, about objects given through our senses, that is, a posteriori? And how is it possible to know the nature of things?
B 876 How can that be done by a priori principles, so that we reach a rational physiology? The answer is that we take nothing from experience except what we need to be given an object, partly of outer sense and partly of inner sense. For outer sense, the bare concept of matter does this (impenetrable, lifeless extension). For inner sense, the concept of a thinking being does it (in the empirical inner representation, I think). For the rest, throughout the metaphysics of these objects, we must abstain from all empirical principles that would add some further experience to the concept in hopes of drawing some judgment about these objects out of it.
Second: where does empirical psychology go? It has always held its place in metaphysics, and in our time people have expected great things from it for enlightening metaphysics, once they gave up hope of getting anything useful done a priori. My answer is that it goes where the properly empirical doctrine of nature has to go: on the side of applied philosophy. Pure philosophy contains the a priori principles for applied philosophy, so the two must be joined but not mixed. Empirical psychology therefore has to be banished from metaphysics altogether, and the very idea of metaphysics already shuts it out. Even so, by the custom of the schools we will still have to allow it a little spot there, as a mere episode.
B 877 We do so for reasons of economy. It isn’t yet rich enough to be a study of its own, and yet it is too important to throw out entirely or to pin on somewhere it would have even less kinship than it has in metaphysics. So it is only a stranger who is taken in for the time being, given a place to stay until its own house is ready in a full anthropology (the counterpart to the empirical doctrine of nature).
That is the general idea of metaphysics. At first people asked more of it than could fairly be demanded, and for a time they amused themselves with pleasant expectations. Then they found their hopes betrayed, and metaphysics finally fell into general contempt. The whole course of our critique should have convinced the reader of this much. Metaphysics cannot be the foundation of religion, but it must always stand as religion’s bulwark. And human reason is dialectical by the very tendency of its nature. It could never do without a science that holds it in check. Through scientific, fully evident self-knowledge, that science keeps away the devastation that lawless speculative reason would otherwise inevitably cause in morals and in religion alike. So we can be sure of one thing.
B 878 However prudish or scornful those people may be who weigh a science by what happens to come of it and not by what it is, people will always come back to metaphysics, like a beloved with whom we have quarreled. Reason cannot rest, because essential purposes are at stake. It must work either toward thorough insight or toward tearing down good insights that already exist.
So metaphysics, of nature and of morals alike, together with above all the critique of a reason that ventures out on its own wings, which comes first as a preparatory exercise (propaedeutic), is all that we can properly call philosophy in the true sense. Philosophy refers everything to wisdom. It goes by way of science, which is the only road that, once cut, doesn’t grow over again and doesn’t let anyone wander off. Mathematics, natural science, and even empirical knowledge of human beings are highly valuable as means. They mostly serve accidental purposes of humanity, but in the end necessary and essential ones too. But they can do this only with the help of a rational cognition from concepts alone. Call it what you like, it is really nothing but metaphysics.
That’s why metaphysics also completes the cultivation of human reason.
B 879 Such completion can’t be dispensed with, even if we leave aside what metaphysics does, as a science, for particular ends. It examines reason in its elements and supreme maxims. Some sciences couldn’t even be possible without them, and no science could be used without them. Metaphysics, as mere speculation, does more to keep errors away than to extend cognition. That takes nothing from its value. It gives metaphysics dignity and authority, through its role as a censor that safeguards general order, harmony and even the prosperity of the scientific commonwealth, and keeps that commonwealth’s bold and fruitful labors from moving away from the chief aim, universal happiness.
B 880 Transcendental Doctrine of Method Fourth Chapter Pure Reason’s History
This title is here only to mark a place that remains open in the system and will have to be filled later. I’ll be content to take a quick look at everything that has been done with pure reason so far. I look at it from a purely transcendental point of view, that is, from the nature of pure reason. To my eye it shows buildings, to be sure, but only in ruins.
It is remarkable enough, though it could hardly have gone any other way, that people in the childhood of philosophy began where we would now rather end. They started by studying the cognition of God, and the hope of another world, or even what that world is like. Whatever crude ideas of religion may have been introduced by the old customs, which were left over from the rough early state of peoples, this did not stop the more enlightened part from devoting itself to free inquiry into the subject. It was easy for them to see how one might please the invisible power that rules the world, and so be happy in another world at the very least.
B 881 No way could be more thorough or more reliable than a good way of life. So theology and morals were the two driving forces, or better, the two points of reference, for all the abstract inquiries of reason that people have devoted themselves to since. Theology, though, was really what drew merely speculative reason, bit by bit, into that business, which was later to win such fame as metaphysics.
I won’t now sort out the periods in which this or that change in metaphysics took place. I only want to sketch quickly the differences in the idea that set off the main revolutions. And here I find three aims behind the most famous changes on this stage of dispute.
1 About the object of all our cognitions of reason: some philosophers were sensualists only, others intellectualists only. Epicurus is the leading philosopher of sensibility, and Plato the leading philosopher of the intellectual. This difference between the schools, subtle as it is, began in the earliest times and has lasted without a break for a long while. The first school held that reality is found only in the objects of the senses and everything else is imagination. The second school said the opposite: in the senses there is nothing but illusion.
B 882 Only the understanding cognizes what is true. Yet the first school did not deny that concepts of the understanding have reality. For them that reality was only logical, whereas for the others it was mystical. The first school admitted intellectual concepts but accepted only sensible objects. The second demanded that true objects be purely intelligible. They claimed there is an intuition through the pure understanding, one that is accompanied by no senses, which in their view would only confuse it.
2 About where pure cognitions of reason come from. Are they taken from experience, or do they originate in reason itself, without depending on experience? Aristotle may be seen as the chief of the empiricists, Plato as the chief of the noologists. In more recent times Locke followed the first, and Leibniz the second (though at a good distance from Plato’s mystical system). Yet neither has been able to bring this dispute to a decision. At least Epicurus, for one, was much more consistent in following the sensualist system than Aristotle and Locke were (above all Locke). Epicurus never took any inference beyond the limit of experience. Locke derived all concepts and principles from experience. Then Locke went so far in using them as to claim that we can prove the existence of God and the immortality of the soul as evidently as any mathematical theorem.
B 883 Both of these objects, though, lie wholly outside the limits of possible experience.
3 About method. To deserve the name of method, something has to be a way of proceeding by principles. The methods now in force in this field of natural inquiry fall into two kinds, the naturalistic and the scientific. The naturalist of pure reason adopts as a principle that common reason without science (which the naturalist calls sound reason) can accomplish more on the loftiest questions that make up the task of metaphysics than speculation can. So they claim that the size and distance of the moon can be determined more reliably by eye than by mathematical detours. This is plain hatred of reasoning (misology) turned into a principle. And, most absurd of all, ignoring every artificial aid gets praised as a distinct way of widening one’s cognition. Naturalists can’t fairly be blamed for simply lacking further insight. They go by common reason and don’t brag that their ignorance is a method with the secret of pulling truth up from the bottom of Democritus’s deep well. Quod sapio, satis est mihi; non ego curo, esse quod Arcesilas aerumnosique Solones, Pers. (“What I know is enough for me; I don’t care to be what Arcesilas and the careworn Solons were”) is their motto.
B 884 With it they can live cheerfully and respectably, without troubling themselves about science or disturbing its work.
Those who adopt a scientific method can choose here between a dogmatic and a skeptical course, but either way they are bound to work systematically. If I name the famous Wolf for the first group and David Hume for the second, I can leave the rest unnamed, given my present aim. Only the critical path is still open. If the reader has been kind and patient enough to walk this path in my company, they may now judge for themselves. Suppose they are willing to do their part toward making this footpath a highway. Might not what many centuries could not achieve then be reached before the present one is over? I mean this: bringing human reason to full satisfaction in what has always occupied its thirst for knowledge, but until now in vain.