Critique of Pure Reason
Front matter
German
B i Kritik der reinen Vernunft von Immanuel Kant
Professor in Königsberg, der Königl. Akademie der Wissenschaften in Berlin Mitglied
Zweite hin und wieder verbesserte Auflage (1787)
B ii Baco de Verulamio
Instauratio magna. Praefatio.
De nobis ipsis silemus: De re autem, quae agitur, petimus: ut homines eam non Opinionem, sed Opus esse cogitent; ac pro certo habeant, non Sectae nos alicuius, aut Placiti, sed utilitatis et amplitudinis humanae fundamenta moliri. Deinde ut suis commodis aequi in commune consulant et ipsi in partem veniant. Praeterea ut bene sperent, neque Instaurationem nostram ut quidam infinitum et ultra mortale fingant, et animo concipiant; quum revera sit infiniti erroris finis et terminus legitimus.
B iii Sr. Exzellenz, dem Königl. Staatsminister Freiherrn von Zedlitz
B v Gnädiger Herr!
Den Wachstum der Wissenschaften an seinem Teile befördern, heißt an Ew. Exzellenz eigenem Interesse arbeiten; denn dieses ist mit jenen, nicht bloß durch den erhabenen Posten eines Beschützers, sondern durch das viel vertrautere eines Liebhabers und erleuchteten Kenners, innigst verbunden. Deswegen bediene ich mich auch des einigen Mittels, das gewissermaßen in meinem Vermögen ist, meine Dankbarkeit für das gnädige Zutrauen zu bezeigen, womit Ew. Exzellenz mich beehren, als könne ich zu dieser Absicht etwas beitragen.
B vi Demselben gnädigen Augenmerke, dessen Ew. Exzellenz die erste Auflage dieses Werks gewürdigt haben, widme ich nun auch diese zweite und hiermit zugleich alle übrige Angelegenheit meiner literarischen Bestimmung, und bin mit der tiefsten Verehrung
Ew. Exzellenz untertänig gehorsamster Diener Königsberg den 23sten April 1787 Immanuel Kant
English
B i Critique of Pure Reason by Immanuel Kant
Professor in Königsberg, Member of the Royal Academy of Sciences in Berlin
Second Edition, Improved Here and There (1787)
B ii Bacon of Verulam
The Great Renewal. Preface.
Of ourselves we say nothing. As for the matter in hand, we ask that people regard it not as an opinion but as a work, and hold it certain that we are laying foundations not for some sect or doctrine, but for human welfare and greatness. Next, we ask that, being fair to their own interests, they take counsel for the common good and themselves take part. Further, that they be of good hope, and neither imagine nor conceive our renewal, as some do, to be something infinite and beyond mortal power; for in truth it is the end and rightful limit of endless error.
B iii To His Excellency, the Royal Minister of State, Baron von Zedlitz
B v Gracious Sir,
To do one’s part to advance the growth of the sciences is to serve Your Excellency’s own interest; for this interest is most intimately bound to them, not merely through the exalted position of a patron, but through the far closer position of a lover and enlightened connoisseur. I therefore also avail myself of the only means that lies to some extent within my power to express my gratitude for the gracious confidence with which Your Excellency honors me, as if I could contribute something to this end.
B vi To the same gracious attention that Your Excellency bestowed on the first edition of this work, I now dedicate this second edition, and with it all the other concerns of my literary calling, and remain, with the deepest reverence,
Your Excellency’s most humbly obedient servant, Königsberg, April 23, 1787 Immanuel Kant
Preface to the Second Edition
B vii Vorrede zur zweiten Auflage
Ob die Bearbeitung der Erkenntnisse, die zum Vernunftgeschäfte gehören, den sicheren Gang einer Wissenschaft gehe oder nicht, das läßt sich bald aus dem Erfolg beurteilen. Wenn sie nach viel gemachten Anstalten und Zurüstungen, sobald es zum Zweck kommt, in Stecken gerät, oder, um diesen zu erreichen, öfters wieder zurückgehen und einen andern Weg einschlagen muß; imgleichen wenn es nicht möglich ist, die verschiedenen Mitarbeiter in der Art, wie die gemeinschaftliche Absicht erfolgt werden soll, einhellig zu machen: so kann man immer überzeugt sein, daß ein solches Studium bei weitem noch nicht den sicheren Gang einer Wissenschaft eingeschlagen, sondern ein bloßes Herumtappen sei, und es ist schon ein Verdienst um die Vernunft, diesen Weg womöglich ausfindig zu machen, sollte auch manches als vergeblich aufgegeben werden müssen, was in dem ohne Überlegung vorher genommenen Zwecke enthalten war.
B viii Daß die Logik diesen sicheren Gang schon von den ältesten Zeiten her gegangen sei, läßt sich daraus ersehen, daß sie seit dem Aristoteles keinen Schritt rückwärts hat tun dürfen, wenn man ihr nicht etwa die Wegschaffung einiger entbehrlicher Subtilitäten, oder deutlichere Bestimmung des Vorgetragenen als Verbesserungen anrechnen will, welches aber mehr zur Eleganz, als zur Sicherheit der Wissenschaft gehört. Merkwürdig ist noch an ihr, daß sie auch bis jetzt keinen Schritt vorwärts hat tun können, und also allem Ansehen nach geschlossen und vollendet zu sein scheint. Denn, wenn einige Neuere sie dadurch zu erweitern dachten, daß sie teils psychologische Kapitel von den verschiedenen Erkenntniskräften (der Einbildungskraft, dem Witze), teils metaphysische über den Ursprung der Erkenntnis oder der verschiedenen Art der Gewißheit nach Verschiedenheit der Objekte (dem Idealismus, Skeptizismus usw.), teils anthropologische von Vorurteilen (den Ursachen derselben und Gegenmitteln) hineinschoben, so rührt dieses von ihrer Unkunde der eigentümlichen Natur dieser Wissenschaft her. Es ist nicht Vermehrung, sondern Verunstaltung der Wissenschaften, wenn man ihre Grenzen ineinander laufen läßt; die Grenze der Logik aber ist dadurch ganz genau bestimmt, daß sie eine Wissenschaft ist,
B ix welche nichts als die formalen Regeln alles Denkens (es mag a priori oder empirisch sein, einen Ursprung oder Objekt haben, welches es wolle, in unserem Gemüte zufällige oder natürliche Hindernisse antreffen) ausführlich darlegt und strenge beweist.
Daß es der Logik so gut gelungen ist, diesen Vorteil hat sie bloß ihrer Eingeschränktheit zu verdanken, dadurch sie berechtigt, ja verbunden ist, von allen Objekten der Erkenntnis und ihrem Unterschiede zu abstrahieren, und in ihr also der Verstand es mit nichts weiter, als sich selbst und seiner Form, zu tun hat. Weit schwerer mußte es natürlicherweise für die Vernunft sein, den sicheren Weg der Wissenschaft einzuschlagen, wenn sie nicht bloß mit sich selbst, sondern auch mit Objekten zu schaffen hat; daher jene auch als Propädeutik gleichsam nur den Vorhof der Wissenschaften ausmacht, und wenn von Kenntnissen die Rede ist, man zwar eine Logik zur Beurteilung derselben voraussetzt, aber die Erwerbung derselben in eigentlich und objektiv so genannten Wissenschaften suchen muß.
Sofern in diesen nun Vernunft sein soll, so muß darin etwas a priori erkannt werden, und ihre Erkenntnis kann auf zweierlei Art auf ihren Gegenstand bezogen werden, entweder diesen und seinen Begriff (der anderweitig gegeben werden muß) bloß zu
B x bestimmen, oder ihn auch wirklich zu machen. Die erste ist theoretische, die andere praktische Erkenntnis der Vernunft. Von beiden muß der reine Teil, soviel oder sowenig er auch enthalten mag, nämlich derjenige, darin Vernunft gänzlich a priori ihr Objekt bestimmt, vorher allein vorgetragen werden, und dasjenige, was aus anderen Quellen kommt, damit nicht vermengt werden, denn es gibt üble Wirtschaft, wenn man blindlings ausgibt, was einkommt, ohne nachher, wenn jene in Stecken gerät, unterscheiden zu können, welcher Teil der Einnahme den Aufwand tragen könne, und von welcher man denselben beschneiden muß.
Mathematik und Physik sind die beiden theoretischen Erkenntnisse der Vernunft, welche ihre Objekte a priori bestimmen sollen, die erstere ganz rein, die zweite wenigstens zum Teil rein, dann aber auch nach Maßgabe anderer Erkenntnisquellen als der der Vernunft.
Die Mathematik ist von den frühesten Zeiten her, wohin die Geschichte der menschlichen Vernunft reicht, in dem bewundernswürdigen Volke der Griechen den sicheren Weg einer Wissenschaft gegangen. Allein man darf nicht denken, daß es ihr so leicht geworden, wie der Logik, wo die Vernunft es nur mit sich selbst zu tun hat, jenen königlichen Weg zu
B xi treffen, oder vielmehr sich selbst zu bahnen; vielmehr glaube ich, daß es lange mit ihr (vornehmlich noch unter den Ägyptern) beim Herumtappen geblieben ist, und diese Umänderung einer Revolution zuzuschreiben sei, die der glückliche Einfall eines einzigen Mannes in einem Versuche zustande brachte, von welchem an die Bahn, die man nehmen mußte, nicht mehr zu verfehlen war, und der sichere Gang einer Wissenschaft für alle Zeiten und in unendliche Weiten eingeschlagen und vorgezeichnet war. Die Geschichte dieser Revolution der Denkart, welche viel wichtiger war, als die Entdeckung des Weges um das berühmte Vorgebirge, und des Glücklichen, der sie zustande brachte, ist uns nicht aufbehalten. Doch beweist die Sage, welche Diogenes der Laertier uns überliefert, der von den kleinsten, und, nach dem gemeinen Urteil, gar nicht einmal eines Beweises benötigten, Elementen der geometrischen Demonstrationen den angeblichen Erfinder nennt, daß das Andenken der Veränderung, die durch die erste Spur der Entdeckung dieses neuen Weges bewirkt wurde, den Mathematikern äußerst wichtig geschienen haben müsse, und dadurch unvergeßlich geworden sei. Dem ersten, der den gleichseitigen Triangel demonstrierte (er mag nun Thales oder wie man will geheißen haben), dem ging ein Licht auf; denn er fand, daß
B xii er nicht dem, was er in der Figur sah, oder auch dem bloßen Begriffe derselben nachspüren und gleichsam davon ihre Eigenschaften ablernen, sondern durch das, was er nach Begriffen selbst a priori hineindachte und darstellte (durch Konstruktion), hervorbringen müsse, und daß er, um sicher etwas a priori zu wissen, er der Sache nichts beilegen müsse, als was aus dem notwendig folgte, was er seinem Begriffe gemäß selbst in sie gelegt hat.
Mit der Naturwissenschaft ging es weit langsamer zu, bis sie den Heeresweg der Wissenschaft traf, denn es sind nur etwa anderthalb Jahrhunderte, daß der Vorschlag des sinnreichen Baco von Verulam diese Entdeckung teils veranlaßte, teils, da man bereits auf der Spur derselben war, mehr belebte, welche eben sowohl durch eine schnell vorgegangene Revolution der Denkart erklärt werden kann. Ich will hier nur die Naturwissenschaft, so fern sie auf empirische Prinzipien gegründet ist, in Erwägung ziehen.
Als Galilei seine Kugeln die schiefe Fläche mit einer von ihm selbst gewählten Schwere herabrollen, oder Torricelli die Luft ein Gewicht, was er sich zum voraus dem einer ihm bekannten Wassersäule gleich gedacht hatte, tragen ließ, oder in noch späterer Zeit Stahl Metalle in Kalk und diesen
B xiii wiederum in Metall verwandelte, indem er ihnen etwas entzog und wiedergab*; so ging allen Naturforschern ein Licht auf. Sie begriffen, daß die Vernunft nur das einsieht, was sie selbst nach ihrem Entwurfe hervorbringt, daß sie mit Prinzipien ihrer Urteile nach beständigen Gesetzen vorangehen und die Natur nötigen müsse auf ihre Fragen zu antworten, nicht aber sich von ihr allein gleichsam am Leitbande gängeln lassen müsse; denn sonst hängen zufällige, nach keinem vorher entworfenen Plane gemachte Beobachtungen gar nicht in einem notwendigen Gesetze zusammen, welches doch die Vernunft sucht und bedarf. Die Vernunft muß mit ihren Prinzipien, nach denen allein übereinkommende Erscheinungen für Gesetze gelten können, in einer Hand, und mit dem Experiment, das sie nach jenen ausdachte, in der anderen, an die Natur gehen, zwar um von ihr belehrt zu werden, aber nicht in der Qualität eines Schülers, der sich alles vorsagen läßt, was der Lehrer will, sondern eines bestallten Richters, der die Zeugen nötigt, auf die Fragen zu antworten, die er ihnen vorlegt. Und so hat sogar Physik die so vorteilhafte Revolution ihrer Denkart lediglich dem Einfalle zu verdanken,
B xiv demjenigen, was die Vernunft selbst in die Natur hineinlegt, gemäß, dasjenige in ihr zu suchen (nicht ihr anzudichten), was sie von dieser lernen muß, und wovon sie für sich selbst nichts wissen würde. Hierdurch ist die Naturwissenschaft allererst in den sicheren Gang einer Wissenschaft gebracht worden, da sie so viel Jahrhunderte durch nichts weiter als ein bloßes Herumtappen gewesen war.
* Ich folge hier nicht genau dem Faden der Geschichte der Experimentalmethode, deren erste Anfänge auch nicht wohl bekannt sind.
Der Metaphysik, einer ganz isolierten spekulativen Vernunfterkenntnis, die sich gänzlich über Erfahrungsbelehrung erhebt, und zwar durch bloße Begriffe (nicht wie Mathematik durch Anwendung derselben auf Anschauung), wo also Vernunft selbst ihr eigener Schüler sein soll, ist das Schicksal bisher noch so günstig nicht gewesen, daß sie den sicheren Gang einer Wissenschaft einzuschlagen vermocht hätte; ob sie gleich älter ist, als alle übrige, und bleiben würde, wenn gleich die übrigen insgesamt in dem Schlunde einer alles vertilgenden Barbarei gänzlich verschlungen werden sollten. Denn in ihr gerät die Vernunft kontinuierlich in Stecken, selbst wenn sie diejenigen Gesetze, welche die gemeinste Erfahrung bestätigt, (wie sie sich anmaßt) a priori einsehen will. In ihr muß man unzählige Male den Weg zurück tun, weil man findet, daß er dahin nicht führt, wo man hin will, und was die Einhelligkeit ihrer Anhänger in
B xv Behauptungen betrifft, so ist sie noch so weit davon entfernt, daß sie vielmehr ein Kampfplatz ist, der ganz eigentlich dazu bestimmt zu sein scheint, seine Kräfte im Spielgefechte zu üben, auf dem noch niemals irgend ein Fechter sich auch den kleinsten Platz hat erkämpfen und auf seinen Sieg einen dauerhaften Besitz gründen können. Es ist also kein Zweifel, daß ihr Verfahren bisher ein bloßes Herumtappen, und, was das Schlimmste ist, unter bloßen Begriffen, gewesen sei.
Woran liegt es nun, daß hier noch kein sicherer Weg der Wissenschaft hat gefunden werden können? Ist er etwa unmöglich? Woher hat denn die Natur unsere Vernunft mit der rastlosen Bestrebung heimgesucht, ihm als einer ihrer wichtigsten Angelegenheiten nachzuspüren? Noch mehr, wie wenig haben wir Ursache, Vertrauen in unsere Vernunft zu setzen, wenn sie uns in einem der wichtigsten Stücke unserer Wißbegierde nicht bloß verläßt, sondern durch Vorspiegelungen hinhält und am Ende betrügt! Oder ist er bisher nur verfehlt; welche Anzeige können wir benutzen, um bei erneuertem Nachsuchen zu hoffen, daß wir glücklicher sein werden, als andere vor uns gewesen sind?
Ich sollte meinen, die Beispiele der Mathematik und Naturwissenschaft, die durch eine auf
B xvi einmal zustande gebrachte Revolution das geworden sind, was sie jetzt sind, wäre merkwürdig genug, um dem wesentlichen Stücke der Umänderung der Denkart, die ihnen so vorteilhaft geworden ist, nachzusinnen, und ihnen, soviel ihre Analogie, als Vernunfterkenntnisse, mit der Metaphysik verstattet, hierin wenigstens zum Versuche nachzuahmen. Bisher nahm man an, alle unsere Erkenntnis müsse sich nach den Gegenständen richten, aber alle Versuche über sie a priori etwas durch Begriffe auszumachen, wodurch unsere Erkenntnis erweitert würde, gingen unter dieser Voraussetzung zunichte. Man versuche es daher einmal, ob wir nicht in den Aufgaben der Metaphysik damit besser fortkommen, daß wir annehmen, die Gegenstände müssen sich nach unserem Erkenntnis richten, welches so schon besser mit der verlangten Möglichkeit einer Erkenntnis derselben a priori zusammenstimmt, die über Gegenstände, ehe sie und gegeben werden, etwas festsetzen soll. Es ist hiermit ebenso, als mit den ersten Gedanken des Kopernikus bewandt, der, nachdem es mit der Erklärung der Himmelsbewegungen nicht gut fort wollte, wenn er annahm, das ganze Sternenheer drehe sich um den Zuschauer, versuchte, ob es nicht besser gelingen möchte, wenn er den Zuschauer sich drehen, und dagegen die Sterne in Ruhe ließ. In der Metaphysik kann man
B xvii nun, was die Anschauung der Gegenstände betrifft, es auf ähnliche Weise versuchen. Wenn die Anschauung sich nach der Beschaffenheit der Gegenstände richten müßte, so sehe ich nicht ein, wie man a priori von ihr etwas wissen könne; richtet sich aber der Gegenstand (als Objekt der Sinne) nach der Beschaffenheit unseres Anschauungsvermögens, so kann ich mir diese Möglichkeit ganz wohl vorstellen. Weil ich aber bei diesen Anschauungen, wenn sie Erkenntnisse werden sollen, nicht stehen bleiben kann, sondern sie als Vorstellungen auf irgend etwas als Gegenstand beziehen und diesen durch jene bestimmen muß, so kann ich entweder annehmen, die Begriffe, wodurch ich diese Bestimmung zustande bringe, richten sich auch nach dem Gegenstande, und dann bin ich wiederum in derselben Verlegenheit, wegen der Art, wie ich a priori hiervon etwas wissen könne; oder ich nehme an, die Gegenstände oder, welches einerlei ist, die Erfahrung, in welcher sie allein (als gegebene Gegenstände) erkannt werden, richte sich nach diesen Begriffen, so sehe ich sofort eine leichtere Auskunft, weil Erfahrung selbst eine Erkenntnisart ist, die Verstand erfordert, dessen Regel ich in mir, noch ehe mir Gegenstände gegeben werden, mithin a priori voraussetzen muß, welche in Begriffen a priori ausgedrückt wird, nach denen sich also alle Gegenstände der Erfahrung
B xviii notwendig richten und mit ihnen übereinstimmen müssen. Was Gegenstände betrifft, sofern sie bloß durch Vernunft und zwar notwendig gedacht, die aber (so wenigstens, wie die Vernunft sie denkt) gar nicht in der Erfahrung gegeben werden können, so werden die Versuche sie zu denken (denn denken müssen sie sich doch lassen), hernach einen herrlichen Probierstein desjenigen abgeben, was wir als die veränderte Methode der Denkungsart annehmen, daß wir nämlich von den Dingen nur das a priori erkennen, was wir selbst in sie legen.*
* Diese dem Naturforscher nachgeahmte Methode besteht also darin: die Elemente der reinen Vernunft in dem zu suchen, was sich durch ein Experiment bestätigen oder widerlegen läßt. Nun läßt sich zur Prüfung der Sätze der reinen Vernunft, vornehmlich wenn sie über alle Grenze möglicher Erfahrung hinaus gewagt werden, kein Experiment mit ihren Objekten machen (wie in der Naturwissenschaft): also wird es nur mit Begriffen und Grundsätzen, die wir a priori annehmen, tunlich sein, indem man sie nämlich so einrichtet, daß dieselben Gegenstände einerseits als Gegenstände der Sinne und des Verstandes für die Erfahrung, andererseits aber doch als Gegenstände, die man bloß denkt, allenfalls für die isolierte und über Erfahrungsgrenze hinausstrebende Vernunft, mithin von zwei verschiedenen Seiten betrachtet werden können. Findet es sich nun, daß, wenn man die Dinge aus jenem doppelten Gesichtspunkte betrachtet, Einstimmung mit dem Prinzip der reinen Vernunft stattfinde, bei einerlei Gesichtspunkte aber ein unvermeidlicher Widerstreit der Vernunft mit sich selbst entspringe, so entscheidet das Experiment für die Richtigkeit jener Unterscheidung.
Dieser Versuch gelingt nach Wunsch, und verspricht der Metaphysik in ihrem ersten Teile, da sie sich nämlich mit Begriffen a priori beschäftigt, davon die korrespondierenden Gegenstände in der Erfahrung jenen angemessen gegeben werden können, den
B xix sicheren Gang einer Wissenschaft. Denn man kann nach dieser Veränderung der Denkart die Möglichkeit einer Erkenntnis a priori ganz wohl erklären, und, was noch mehr ist, die Gesetze, welche a priori der Natur, als dem Inbegriffe der Gegenstände der Erfahrung, zum Grunde liegen, mit ihren genugtuenden Beweisen versehen, welches beides nach der bisherigen Verfahrungsart unmöglich war. Aber es ergibt sich aus dieser Deduktion unseres Vermögens a priori zu erkennen, im ersten Teile der Metaphysik ein befremdliches und dem ganzen Zwecke derselben, der den zweiten Teil beschäftigt, dem Anscheine nach sehr nachteiliges Resultat, nämlich daß wir mit ihm nie über die Grenze möglicher Erfahrung hinauskommen können, welches doch gerade die wesentlichste Angelegenheit dieser Wissenschaft ist. Aber hierin
B xx liegt eben das Experiment einer Gegenprobe der Wahrheit des Resultats jener ersten Würdigung unserer Vernunfterkenntnis a priori, daß sie nämlich nur auf Erscheinungen gehe, die Sache an sich selbst dagegen zwar als für sich wirklich, aber von uns unerkannt, liegen lasse. Denn das, was uns notwendig über die Grenze der Erfahrung und aller Erscheinungen hinaus zu gehen treibt, ist das Unbedingte, welches die Vernunft in den Dingen an sich selbst notwendig und mit allem Recht zu allem Bedingten, und dadurch die Reihe der Bedingungen als vollendet verlangt. Findet sich nun, wenn man annimmt, unsere Erfahrungserkenntnis richte sich nach den Gegenständen als Dingen an sich selbst, daß das Unbedingte ohne Widerspruch gar nicht gedacht werden könne; dagegen, wenn man annimmt, unsere Vorstellung der Dinge, wie sie uns gegeben werden, richte sich nicht nach diesen, als Dingen an sich selbst, sondern diese Gegenstände vielmehr, als Erscheinungen, richten sich nach unserer Vorstellungsart, der Widerspruch wegfalle; und daß folglich das Unbedingte nicht an Dingen, sofern wir sie kennen, (sie uns gegeben werden,) wohl aber an ihnen, sofern wir sie nicht kennen, als Sachen an sich selbst, angetroffen werden müsse: so zeigt sich, daß, was wir Anfangs nur zum Versuche annahmen,
B xxi gegründet sei.* Nun bleibt uns immer noch übrig, nachdem der spekulativen Vernunft alles Fortkommen in diesem Felde des Übersinnlichen abgesprochen worden, zu versuchen, ob sich nicht in ihrer praktischen Erkenntnis Data finden, jenen transzendenten Vernunftbegriff des Unbedingten zu bestimmen, und auf solche Weise, dem Wunsche der Metaphysik gemäß, über die Grenze aller möglichen Erfahrung hinaus mit unserem, aber nur in praktischer Absicht möglichen Erkenntnisse a priori zu gelangen. Und bei einem solchen Verfahren hat uns die spekulative Vernunft zu solcher Erweiterung immer doch wenigstens Platz verschafft, wenn sie ihn gleich leer lassen mußte, und es bleibt uns also noch unbenommen, ja wir sind gar dazu durch sie aufgefordert, ihn durch
B xxii praktische Data derselben, wenn wir können, auszufüllen.**
* Dieses Experiment der reinen Vernunft hat mit dem der Chemiker, welches sie manchmal den Versuch der Reduktion, im allgemeinen aber das synthetische Verfahren nennen, viel Ähnliches. Die Analysis des Metaphysikers schied die reine Erkenntnis a priori in zwei sehr ungleichartige Elemente, nämlich die der Dinge als Erscheinungen, und dann der Dinge an sich selbst. Die Dialektik verbindet beide wiederum zur Einhelligkeit mit der notwendigen Vernunftidee des Unbedingten und findet, daß diese Einhelligkeit niemals anders, als durch jene Unterscheidung herauskomme, welche also die wahre ist.
** So verschafften die Zentralgesetze der Bewegung der Himmelskörper dem, was Kopernikus, anfänglich nur als Hypothese annahm, ausgemachte Gewißheit und bewiesen zugleich die unsichtbare, den Weltbau verbindende Kraft (der Newtonischen Anziehung), welche auf immer unentdeckt geblieben wäre, wenn der erstere es nicht gewagt hätte, auf eine widersinnische, aber doch wahre Art, die beobachteten Bewegungen nicht in den Gegenständen des Himmels, sondern in ihrem Zuschauer zu suchen. Ich stelle in dieser Vorrede die in der Kritik vorgetragene, jener Hypothese analogische, Umänderung der Denkart auch nur als Hypothese auf, ob sie gleich in der Abhandlung selbst aus der Beschaffenheit unserer Vorstellungen von Raum und Zeit und den Elementarbegriffen des Verstandes, nicht hypothetisch, sondern apodiktisch bewiesen wird, um nur die ersten Versuche einer solchen Umänderung, welche allemal hypothetisch sind, bemerklich zu machen.
In jenem Versuche, das bisherige Verfahren der Metaphysik umzuändern, und dadurch, daß wir nach dem Beispiele der Geometer und Naturforscher eine gänzliche Revolution mit derselben vornehmen, besteht nun das Geschäft dieses Kritik der reinen spekulativen Vernunft. Sie ist ein Traktat von der Methode, nicht ein System der Wissenschaft selbst; aber sie verzeichnet gleichwohl den ganzen Umriß derselben, sowohl in Ansehung ihrer Grenzen, als auch
B xxiii den ganzen inneren Gliederbau derselben. Denn das hat die reine, spekulative Vernunft Eigentümliches an sich, daß sie ihr eigen Vermögen, nach Verschiedenheit der Art, wie sie sich Objekte zum Denken wählt, ausmessen, und auch selbst die mancherlei Arten, sich Aufgaben vorzulegen, vollständig vorzählen, und so den ganzen Vorriß zu einem System der Metaphysik verzeichnen kann und soll; weil, was das erste betrifft, in der Erkenntnis a priori den Objekten nichts beigelegt werden kann, als was das denkende Subjekt aus sich selbst hernimmt, und, was das zweite anlangt, sie in Ansehung der Erkenntnisprinzipien eine ganz abgesonderte, für sich bestehende Einheit ist, in welcher ein jedes Glied, wie in einem organisierten Körper, um aller anderen und alle um eines willen da sind, und kein Prinzip mit Sicherheit in einer Beziehung genommen werden kann, ohne es zugleich in der durchgängigen Beziehung zum ganzen reinen Vernunftgebrauch untersucht zu haben. Dafür aber hat auch die Metaphysik das seltene Glück, welches keiner anderen Vernunftwissenschaft, die es mit Objekten zu tun hat (denn die Logik beschäftigt sich nur mit der Form des Denkens überhaupt), zuteil werden kann, daß, wenn sie durch diese Kritik in den sicheren Gang einer Wissenschaft gebracht worden, sie das ganze Feld der für sie gehörigen Erkenntnisse völlig befassen
B xxiv und also ihr Werk vollenden und für die Nachwelt, als einen nie zu vermehrenden Hauptstuhl, zum Gebrauche niederlegen kann, weil sie es bloß mit Prinzipien und den Einschränkungen ihres Gebrauchs zu tun hat, welche durch jene selbst bestimmt werden. Zu dieser Vollständigkeit ist sie daher, als Grundwissenschaft, auch verbunden, und von ihr muß gesagt werden können: nil actum reputans, si quid superesset agendum.
Aber was ist denn das, wird man fragen, für ein Schatz, den wir der Nachkommenschaft mit einer solchen durch Kritik geläuterten, dadurch aber auch in einen beharrlichen Zustand gebrachten Metaphysik zu hinterlassen gedenken? Man wird bei einer flüchtigen Übersicht dieses Werkes wahrzunehmen glauben, daß der Nutzen davon doch nur negativ sei, uns nämlich mit der spekulativen Vernunft niemals über die Erfahrungsgrenze hinaus zu wagen, und das ist auch in der Tat ihr erster Nutzen. Dieser aber wird alsbald positiv, wenn man inne wird, daß die Grundsätze, mit denen sich spekulative Vernunft über ihre Grenze hinauswagt, in der Tat nicht Erweiterung, sondern, wenn man sie näher betrachtet, Verengung unseres Vernunftgebrauchs zum unausbleiblichen Erfolg haben, indem sie wirklich die Grenzen der Sinnlichkeit, zu der sie eigentlich gehören,
B xxv über alles zu erweitern und so den reinen (praktischen) Vernunftgebrauch gar zu verdrängen drohen. Daher ist eine Kritik, welche die erstere einschränkt, sofern zwar negativ, aber, indem sie dadurch zugleich ein Hindernis, welches den letzteren Gebrauch einschränkt oder gar zu vernichten droht, aufhebt, in der Tat von positivem und sehr wichtigem Nutzen, sobald man überzeugt wird, daß es einen schlechterdings notwendigen praktischen Gebrauch der reinen Vernunft (den moralischen) gebe, in welchem sie sich unvermeidlich über die Grenzen der Sinnlichkeit erweitert, dazu sie zwar von der spekulativen keiner Beihilfe bedarf, dennoch aber wider ihre Gegenwirkung gesichert sein muß, um nicht in Widerspruch mit sich selbst zu geraten. Diesem Dienste der Kritik den positiven Nutzen abzusprechen, wäre eben so viel, als sagen, daß Polizei keinen positiven Nutzen schaffe, weil ihr Hauptgeschäft doch nur ist, der Gewalttätigkeit, welche Bürger von Bürgern zu besorgen haben, einen Riegel vorzuschieben, damit ein jeder seine Angelegenheit ruhig und sicher treiben könne. Daß Raum und Zeit nur Formen der sinnlichen Anschauung, also nur Bedingungen der Existenz der Dinge als Erscheinungen sind, daß wir ferner keine Verstandesbegriffe, mithin auch gar keine Elemente zur Erkenntnis der Dinge haben, als sofern
B xxvi diesen Begriffen korrespondierende Anschauung gegeben werden kann, folglich wir von keinem Gegenstande als Dinge an sich selbst, nur sofern es Objekt der sinnlichen Anschauung ist, d.i. als Erscheinung, Erkenntnis haben können, wird im analytischen Teile der Kritik bewiesen; woraus denn freilich die Einschränkung aller nur möglichen spekulativen Erkenntnis der Vernunft auf bloße Gegenstände der Erfahrung folgt. Gleichwohl wird, welches wohl gemerkt werden muß, doch dabei immer vorbehalten, daß wir eben dieselben Gegenstände auch als Dinge an sich selbst, wenn gleich nicht erkennen, doch wenigstens müssen denken können*. Denn sonst würde der ungereimte Satz daraus folgen, daß
B xxvii Erscheinung ohne etwas wäre, was da erscheint. Nun wollen wir annehmen, die durch unsere Kritik notwendiggemachte Unterscheidung der Dinge als Gegenstände der Erfahrung, von eben denselben, als Dingen an sich selbst, wäre gar nicht gemacht, so mußte der Grundsatz der Kausalität und mithin der Naturmechanismus in Bestimmung derselben durchaus von allen Dingen überhaupt als wirkenden Ursachen gelten. Von eben demselben Wesen also, z.B. der menschlichen Seele, würde ich nicht sagen können, ihr Wille sei frei, und er sei doch zugleich der Naturnotwendigkeit unterworfen, d.i. nicht frei, ohne in einen offenbaren Widerspruch zu geraten; weil ich die Seele in beiden Sätzen in eben derselben Bedeutung, nämlich als Ding überhaupt (als Sache an sich selbst) genommen habe, und, ohne vorhergehende Kritik, auch nicht anders nehmen konnte. Wenn aber die Kritik nicht geirrt hat, da sie das Objekt in zweierlei Bedeutung nehmen lehrt, nämlich als Erscheinung, oder als Ding an sich selbst; wenn die Deduktion ihrer Verstandesbegriffe richtig ist, mithin auch der Grundsatz der Kausalität nur auf Dinge im ersten Sinne genommen, nämlich sofern sie Gegenstände der Erfahrung sind, geht, eben dieselben aber nach der zweiten Bedeutung ihm nicht unterworfen sind, so wird eben derselbe Wille in der
B xxviii Erscheinung (den sichtbaren Handlungen) als dem Naturgesetze notwendig gemäß und sofern nicht frei, und doch andererseits, als einem Dinge an sich selbst angehörig, jenem nicht unterworfen, mithin als frei gedacht, ohne daß hierbei ein Widerspruch vorgeht. Ob ich nun gleich meine Seele, von der letzteren Seite betrachtet, durch keine spekulative Vernunft (noch weniger durch empirische Beobachtung), mithin auch nicht die Freiheit als Eigenschaft eines Wesens, dem ich Wirkungen in der Sinnenwelt zuschreibe, erkennen kann, darum weil ich ein solches seiner Existenz nach, und doch nicht in der Zeit, bestimmt erkennen müßte, (welches, weil ich meinem Begriffe keine Anschauung unterlegen kann, unmöglich ist), so kann ich mir doch die Freiheit denken, d.i. die Vorstellung davon enthält wenigstens keinen Widerspruch in sich, wenn unsere kritische Unterscheidung beider (der sinnlichen und intellektuellen) Vorstellungsarten und die davon herrührende Einschränkung der reinen Verstandesbegriffe, mithin auch der aus ihnen fließenden Grundsätze, statt hat. Gesetzt nun, die Moral setze notwendig Freiheit (im strengsten Sinne) als Eigenschaft unseres Willens voraus, indem sie praktische in unserer Vernunft liegende ursprüngliche Grundsätze als Data derselben a priori anführt, die ohne Voraussetzung der
B xxix Freiheit schlechterdings unmöglich wären, die spekulative Vernunft aber hätte bewiesen, daß diese sich gar nicht denken lasse, so muß notwendig jene Voraussetzung, nämlich die moralische, derjenigen weichen, deren Gegenteil einen offenbaren Widerspruch enthält, folglich Freiheit und mit ihr Sittlichkeit (denn deren Gegenteil enthält keinen Widerspruch, wenn nicht schon Freiheit vorausgesetzt wird,) dem Naturmechanismus den Platz einräumen. So aber, da ich zur Moral nichts weiter brauche, als daß Freiheit sich nur nicht selbst widerspreche, und sich also doch wenigstem denken lasse, ohne nötig zu haben, sie weiter einzusehen, daß sie also dem Naturmechanismus eben derselben Handlung (in anderer Beziehung genommen) gar kein Hindernis in den Weg lege: so behauptet die Lehre der Sittlichkeit ihren Platz, und die Naturlehre auch den ihrigen, welches aber nicht stattgefunden hätte, wenn nicht Kritik uns zuvor von unserer unvermeidlichen Unwissenheit in Ansehung der Dinge an sich selbst belehrt, und alles, was wir theoretisch erkennen können, auf bloße Erscheinungen eingeschränkt hätte. Eben diese Erörterung des positiven Nutzens kritischer Grundsätze der reinen Vernunft läßt sich in Ansehung des Begriffs von Gott und der einfachen Natur unserer Seele zeigen, die ich aber der Kürze halber vorbeigehe. Ich kann also
B xxx Gott, Freiheit und Unsterblichkeit zum Behuf des notwendigen praktischen Gebrauchs meiner Vernunft nicht einmal annehmen, wenn ich nicht der spekulativen Vernunft zugleich ihre Anmaßung überschwenglicher Einsichten benehme, weil sie sich, um zu diesen zu gelangen, solcher Grundsätze bedienen muß, die, indem sie in der Tag bloß auf Gegenstände möglicher Erfahrung reichen, wenn sie gleichwohl auf das angewandt werden, was nicht ein Gegenstand der Erfahrung sein kann, wirklich dieses jederzeit in Erscheinung verwandeln, und so alle praktische Erweiterung der reinen Vernunft für unmöglich erklären. Ich mußte also das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen, und der Dogmatismus der Metaphysik, d.i. das Vorurteil, in ihr ohne Kritik der reinen Vernunft fortzukommen, ist die wahre Quelle alles der Moralität widerstreitenden Unglaubens, der jederzeit gar sehr dogmatisch ist. - Wem es also mit einer nach Maßgabe der Kritik der reinen Vernunft abgefaßten systematischen Metaphysik eben nicht schwer sein kann, der Nachkommenschaft ein Vermächtnis zu hinterlassen, so ist dies kein für gering zu achtendes Geschenk; man mag nun bloß auf die Kultur der Vernunft durch den sicheren Gang einer Wissenschaft überhaupt, in Vergleichung mit dem grundlosen Tappen und
B xxxi leichtsinnigen Herumstreifen derselben ohne Kritik sehen, oder auch auf bessere Zeitanwendung einer wißbegierigen Jugend, die beim gewöhnlichen Dogmatismus so frühe und so viele Aufmunterung bekommt, über Dinge, davon sie nichts versteht, und darin sie, so wie niemand in der Welt, auch nie etwas einsehen wird, bequem zu vernünfteln, oder gar auf Erfindung neuer Gedanken und Meinungen auszugehen, und so die Erlernung gründlicher Wissenschaften zu verabsäumen; am meisten aber, wenn man den unschätzbaren Vorteil in Anschlag bringt, allen Einwürfen wider Sittlichkeit und Religion auf sokratische Art, nämlich durch den klarsten Beweis der Unwissenheit der Gegner, auf alle künftige Zeit ein Ende zu machen. Denn irgend eine Metaphysik ist immer in der Welt gewesen, und wird auch wohl ferner, mit ihr aber auch eine Dialektik der reinen Vernunft, weil sie ihr natürlich ist, darin anzutreffen sein. Es ist also die erste und wichtigste Angelegenheit der Philosophie, einmal für allemal ihr dadurch, daß man die Quelle der Irrtümer verstopft, allen nachteiligen Einfluß zu benehmen.
* Einen Gegenstand erkennen, dazu wird erfordert, daß ich seine Möglichkeit (es sei nach dem Zeugnis der Erfahrung aus seiner Wirklichkeit, oder a priori durch Vernunft) beweisen könne. Aber denken kann ich, was ich will, wenn ich mir nur nicht selbst widerspreche, d.i. wenn mein Begriff nur ein möglicher Gedanke ist, ob ich zwar dafür nicht stehen kann, ob im Inbegriffe aller Möglichkeiten diesem auch ein Objekt korrespondiere oder nicht. Um einem solchen Begriffe aber objektive Gültigkeit (reale Möglichkeit, denn die erstere war bloß die logische) beizulegen, dazu wird etwas mehr erfordert. Dieses Mehrere aber braucht eben nicht in theoretischen Erkenntnisquellen gesucht zu werden, es kann auch in praktischen liegen.
Bei dieser wichtigen Veränderung im Felde der Wissenschaften, und dem Verluste, den spekulative Vernunft an ihrem bisher eingebildeten Besitze erleiden muß, bleibt dennoch alles mit der allgemeinen
B xxxii menschlichen Angelegenheit, und dem Nutzen, den die Welt bisher aus den Lehren der reinen Vernunft zog, in demselben vorteilhaften Zustande, als es jemalen war, und der Verlust trifft nur das Monopol der Schulen, keineswegs aber das Interesse der Menschen. Ich frage den unbiegsamsten Dogmatiker, ob der Beweis von der Fortdauer unserer Seele nach dem Tode aus der Einfachheit der Substanz, ob der von der Freiheit des Willens gegen den allgemeinen Mechanismus durch die subtilen, obzwar ohnmächtigen Unterscheidungen subjektiver und objektiver praktischer Notwendigkeit, oder ob der vom Dasein Gottes aus dem Begriffe eines allerrealsten Wesens, (der Zufälligkeit des Veränderlichen, und der Notwendigkeit eines ersten Bewegers,) nachdem sie von den Schulen ausgingen, jemals haben bis zum Publikum gelangen und auf dessen Überzeugung den mindesten Einfluß haben können? Ist dieses nun nicht geschehen, und kann es auch, wegen der Untauglichkeit des gemeinen Menschenverstandes zu so subtiler Spekulation, niemals erwartet werden; hat vielmehr, was das erstere betrifft, die jedem Menschen bemerkliche Anlage seiner Natur, durch das Zeitliche (als zu den Anlagen seiner ganzen Bestimmung unzulänglich) nie zufrieden gestellt werden zu können, die Hoffnung eines künftigen Lebens, in Ansehung des zweiten die bloße
B xxxiii klare Darstellung der Pflichten im Gegensatze aller Ansprüche der Neigungen das Bewußtsein der Freiheit, und endlich, was das dritte anlangt, die herrliche Ordnung, Schönheit und Fürsorge, die allerwärts in der Natur hervorblickt, allein den Glauben an einen weisen und großen Welturheber, die sich aufs Publikum verbreitende Überzeugung, sofern sie auf Vernunftgründen beruht, ganz allein bewirken müssen: so bleibt ja nicht allein dieser Besitz ungestört, sondern er gewinnt vielmehr dadurch noch an Ansehen, daß die Schulen nunmehr belehrt werden, sich keine höhere und ausgebreitetere Einsicht in einem Punkte anzumaßen, der die allgemeine menschliche Angelegenheit betrifft, als diejenige ist, zu der die große (für uns achtungswürdigste) Menge auch eben so leicht gelangen kann, und sich also auf die Kultur dieser allgemein faßlichen und in moralischer Absicht hinreichenden Beweisgründe allein einzuschränken. Die Veränderung betrifft also bloß die arroganten Ansprüche der Schulen, die sich gerne hierin (wie sonst mit Recht in vielen anderen Stücken) für die alleinigen Kenner und Aufbewahrer solcher Wahrheiten möchten halten lassen, von denen sie dem Publikum nur den Gebrauch mitteilen, den Schlüssel derselben aber für sich behalten (quod mecum nescit, solus vult scire videri). Gleichwohl ist doch auch für einen
B xxxiv billigeren Anspruch des spekulativen Philosophen gesorgt. Er bleibt immer ausschließlich Depositär einer dem Publikum ohne dessen Wissen nützlichen Wissenschaft, nämlich der Kritik der Vernunft; denn die kann niemals populär werden, hat aber auch nicht nötig, es zu sein; weil, so wenig dem Volke die fein gesponnenen Argumente für nützliche Wahrheiten in den Kopf wollen, ebensowenig kommen ihm auch die eben so subtilen Einwürfe dagegen jemals in den Sinn; dagegen, weil die Schule, so wie jeder sich zur Spekulation erhebende Mensch, unvermeidlich in beide gerät, jene dazu verbunden ist, durch gründliche Untersuchung der Rechte der spekulativen Vernunft einmal für allemal dem Skandal vorzubeugen, das über kurz oder lang selbst dem Volke aus den Streitigkeiten aufstoßen muß, in welche sich Metaphysiker (und als solche endlich auch wohl Geistliche) ohne Kritik unausbleiblich verwickeln, und die selbst nachher ihre Lehren verfälschen. Durch diese kann nun allein dem Materialismus, Fatalismus, Atheismus, dem freigeisterischen Unglauben, der Schwärmerei und Aberglauben, die allgemein schädlich werden können, zuletzt auch dem Idealismus und Skeptizismus, die mehr den Schulen gefährlich sind und schwerlich ins Publikum übergehen können, selbst die Wurzel abgeschnitten werden. Wenn Regierungen
B xxxv sich ja mit Angelegenheiten der Gelehrten zu befassen gut finden, so würde es ihrer weisen Fürsorge für Wissenschaften sowohl als Menschen weit gemäßer sein, die Freiheit einer solchen Kritik zu begünstigen, wodurch die Vernunftbearbeitungen allein auf einen festen Fuß gebracht werden können, als den lächerlichen Despotismus der Schulen zu unterstützen, welche über öffentliche Gefahr ein lautes Geschrei erheben, wenn man ihre Spinneweben zerreißt, von denen doch das Publikum niemals Notiz genommen hat, und deren Verlust es also auch nie fühlen kann.
Die Kritik ist nicht dem dogmatischen Verfahren der Vernunft in ihrem reinen Erkenntnis als Wissenschaft entgegengesetzt, (denn diese muß jederzeit dogmatisch, d.i. aus sicheren Prinzipien a priori strenge beweisend sein,) sondern dem Dogmatismus, d.i. der Anmaßung, mit einer reinen Erkenntnis aus Begriffen (der philosophischen), nach Prinzipien, so wie sie die Vernunft längst im Gebrauche hat, ohne Erkundigung der Art und des Rechts, womit sie dazu gelangt ist, allein fortzukommen. Dogmatismus ist also das dogmatische Verfahren der reinen Vernunft, ohne vorangehende Kritik ihres eigenen Vermögens. Diese Entgegensetzung soll daher nicht der geschwätzigen Seichtigkeit, unter dem angemaßten Namen der
B xxxvi Popularität, oder wohl gar dem Skeptizismus, der mit der ganzen Metaphysik kurzen Prozeß macht, das Wort reden; vielmehr ist die Kritik die notwendige vorläufige Veranstaltung zur Beförderung einer gründlichen Metaphysik als Wissenschaft, die notwendig dogmatisch und nach der strengsten Forderung systematisch, mithin schulgerecht (nicht populär) ausgeführt werden muß; denn diese Forderung an sie, da sie sich anheischig macht, gänzlich a priori, mithin zu völliger Befriedigung der spekulativen Vernunft ihr Geschäft auszuführen, ist unnachläßlich. In der Ausführung also des Plans, den die Kritik vorschreibt, d.i. im künftigen System der Metaphysik, müssen wir dereinst der strengen Methode des berühmten Wolf, des größten unter allen dogmatischen Philosophen, folgen, der zuerst das Beispiel gab, (und durch dies Beispiel der Urheber des bisher noch nicht erloschenen Geistes der Gründlichkeit in Deutschland wurde,) wie durch gesetzmäßige Feststellung der Prinzipien, deutliche Bestimmung der Begriffe, versuchte Strenge der Beweise, Verhütung kühner Sprünge in Folgerungen der sichere Gang einer Wissenschaft zu nehmen sei, der auch eben darum eine solche, als Metaphysik ist, in diesen Stand zu versetzen vorzüglich geschickt war, wenn es ihm beigefallen wäre, durch Kritik des Organs, nämlich der reinen Vernunft
B xxxvii selbst, sich das Feld vorher zu bereiten: ein Mangel, der nicht sowohl ihm, als vielmehr der dogmatischen Denkungsart seines Zeitalters beizumessen ist, und darüber die Philosophen seiner sowohl, als aller vorigen Zeiten einander nichts vorzuwerfen haben. Diejenigen, welche seine Lehrart und doch zugleich auch das Verfahren der Kritik der reinen Vernunft verwerfen, können nichts anderes im Sinne haben, als die Fesseln der Wissenschaft gar abzuwerfen, Arbeit in Spiel, Gewißheit in Meinung und Philosophie in Philodoxie zu verwandeln.
Was diese zweite Auflage betrifft, so habe ich, wie billig, die Gelegenheit derselben nicht vorbei lassen wollen, um den Schwierigkeiten und der Dunkelheit so viel möglich abzuhelfen, woraus manche Mißdeutungen entsprungen sein mögen, welche scharfsinnigen Männern, vielleicht nicht ohne meine Schuld, in der Beurteilung dieses Buchs aufgestoßen sind. In den Sätzen selbst und ihren Beweisgründen, imgleichen der Form sowohl als der Vollständigkeit des Plans, habe ich nichts zu ändern gefunden; welches teils der langen Prüfung, der ich sie unterworfen hatte, ehe ich es dem Publikum vorlegte, teils der Beschaffenheit der Sache selbst, nämlich der Natur einer reinen spekulativen Vernunft, beizumessen ist, die einen wahren Gliederbau enthält, worin alles Organ ist, nämlich alles um eines willen und ein
B xxxviii jedes Einzelne um aller willen, mithin jede noch so kleine Gebrechlichkeit, sie sei ein Fehler (Irrtum) oder Mangel, sich im Gebrauche unausbleiblich verraten muß. In dieser Unveränderlichkeit wird sich dieses System, wie ich hoffe, auch fernerhin behaupten. Nicht Eigendünkel, sondern bloß die Evidenz, welche das Experiment der Gleichheit des Resultats, im Ausgange von den mindesten Elementen bis zum Ganzen der reinen Vernunft, und im Rückgange vom Ganzen (denn auch dieses ist für sich durch die Endabsicht derselben im Praktischen gegeben) zu jedem Teile bewirkt, indem der Versuch, auch nur den kleinsten Teil abzuändern, sofort Widersprüche, nicht bloß des Systems, sondern der allgemeinen Menschenvernunft herbeiführt, berechtigt mich zu diesem Vertrauen. Allein in der Darstellung ist noch viel zu tun, und hierin habe ich mit dieser Auflage Verbesserungen versucht, welche teils dem Mißverstande der Ästhetik, vornehmlich dem im Begriffe der Zeit, teils der Dunkelheit der Deduktion der Verstandesbegriffe, teils dem vermeintlichen Mangel einer genügsamen Evidenz in den Beweisen der Grundsätze des reinen Verstandes, teils endlich der Mißdeutung der der rationalen Psychologie vorgerückten Paralogismen abhelfen sollen. Bis hierher (nämlich nur bis zu Ende des ersten Hauptstücks der
B xxxix transzendentalen Dialektik) und weiter nicht erstrecken sich meine Abänderungen der Darstellungsart*, weil
B xl die Zeit zu kurz und mir in Ansehung des übrigen auch kein Mißverstand sachkundiger und
B xli unparteiischer Prüfer vorgekommen war, welche, auch ohne daß ich sie mit dem ihnen gebührenden Lobe nennen
B xlii darf, die Rücksicht, die ich auf ihre Erinnerungen genommen habe, schon von selbst an ihren Stellen antreffen werden. Mit dieser Verbesserung aber ist ein kleiner Verlust für den Leser verbunden, der nicht zu verhüten war, ohne das Buch gar zu voluminös zu machen, nämlich, daß verschiedenes, was zwar nicht wesentlich zur Vollständigkeit des Ganzen gehört, mancher Leser aber doch ungern missen möchte, indem es sonst in anderer Absicht brauchbar sein kann, hat weggelassen oder abgekürzt vorgetragen werden müssen, um meiner, wie ich hoffe, jetzt faßlicheren Darstellung Platz zu machen, die im Grunde in Ansehung der Sätze und selbst ihrer Beweisgründe, schlechterdings nichts verändert, aber doch in der Methode des Vortrags hin und wieder so von der vorigen abgeht, daß sie durch Einschaltungen sich nicht bewerkstelligen ließ. Dieser kleine Verlust, der ohnedem, nach jedes Belieben, durch Vergleichung mit der ersten Auflage ersetzt werden kann, wird durch die größere Faßlichkeit, wie ich hoffe, überwiegend ersetzt. Ich habe in verschiedenen öffentlichen Schriften (teils bei Gelegenheit der Rezension mancher Bücher, teils in besonderen Abhandlungen) mit dankbarem Vergnügen wahrgenommen, daß der Geist der Gründlichkeit in Deutschland nicht erstorben, sondern nur durch den Modeton einer geniemäßigen
B xliii Freiheit im Denken auf kurze Zeit überschrieen worden, und daß die dornigen Pfade der Kritik, die zu einer schulgerechten, aber als solche allein dauerhaften und daher höchstnotwendigen Wissenschaft der reinen Vernunft führen, mutige und helle Köpfe nicht gehindert haben, sich derselben zu bemeistern. Diesen verdienten Männern, die mit der Gründlichkeit der Einsicht noch das Talent einer lichtvollen Darstellung (dessen ich mir eben nicht bewußt bin) so glücklich verbinden, überlasse ich meine in Ansehung der letzteren hin und wieder etwa noch mangelhafte Bearbeitung zu vollenden, denn widerlegt zu werden ist in diesem Falle keine Gefahr, wohl aber nicht verstanden zu werden. Meinerseits kann ich mich auf Streitigkeiten von nun an nicht einlassen, ob ich zwar auf alle Winke, es sei von Freunden oder Gegnern, sorgfältig achten werde, um sie in der künftigen Ausführung des Systems dieser Propädeutik gemäß zu benutzen. Da ich während dieser Arbeiten schon ziemlich tief ins Alter fortgerückt bin (in diesem Monat ins vierundsechzigste Jahr,) so muß ich, wenn ich meinen Plan, die Metaphysik der Natur sowohl als der Sitten, als Bestätigung der Richtigkeit der Kritik der spekulativen sowohl als praktischen Vernunft, zu liefern, ausführen will, mit der Zeit sparsam verfahren, und die Aufhellung sowohl der in diesem
B xliv Werke anfangs kaum vermeidlichen Dunkelheiten, als die Verteidigung den Ganzen von den verdienten Männern, die es sich zu eigen gemacht haben, erwarten. An einzelnen Stellen läßt sich jeder philosophische Vortrag zwacken, (denn er kann nicht so gepanzert auftreten, als der mathematische,) indessen, daß doch der Gliederbau des Systems, als Einheit betrachtet, dabei nicht die mindeste Gefahr läuft, zu dessen Übersicht, wenn es neu ist, nur wenige die Gewandtheit des Geistes, noch wenigere aber, weil ihnen alle Neuerung ungelegen kommt, Lust besitzen. Auch scheinbare Widersprüche lassen sich, wenn man einzelne Stellen, aus ihrem Zusammenhange gerissen, gegeneinander vergleicht, in jeder, vornehmlich als freie Rede fortgehenden Schrift ausklauben, die in den Augen dessen, der sich auf fremde Beurteilung verläßt, ein nachteiliges Licht auf diese werfen, demjenigen aber, der sich der Idee im Ganzen bemächtigt hat, sehr leicht aufzulösen sind. Indessen, wenn eine Theorie in sich Bestand hat, so dienen Wirkung und Gegenwirkung, die ihr anfänglich große Gefahr drohten, mit der Zeit nur dazu, um ihre Unebenheiten abzuschleifen, und wenn sich Männer von Unparteilichkeit, Einsicht und wahrer Popularität damit beschäftigen, ihr in kurzer Zeit auch die erforderliche Eleganz zu verschaffen.
Königsberg, im Aprilmonat 1787.
* Eigentliche Vermehrung, aber doch nur in der Beweisart, könnte ich nur die nennen, die ich durch eine neue Widerlegung des psychologischen Idealismus, und einen strengen (wie ich glaube auch einzig möglichen) Beweis von der objektiven Realität der äußeren Anschauung S. 273 gemacht habe. Der Idealismus mag in Ansehung der wesentlichen Zwecke der Metaphysik für noch so unschuldig gehalten werden, (das er in der Tat nicht ist,) so bleibt es immer ein Skandal der Philosophie und allgemeinen Menschenvernunft, das Dasein der Dinge außer uns (von denen wir doch den ganzen Stoff zu Erkenntnissen selbst für unseren inneren Sinn her haben) bloß auf Glauben annehmen zu müssen, und, wenn es jemand einfällt es zu bezweifeln, ihm keinen genugtuenden Beweis entgegenstellen zu können. Weil sich in den Ausdrücken des Beweises von der dritten Zeile bis zur sechsten einige Dunkelheit findet, so bitte ich diesen Period so umzuändern: »Dieses Beharrliche aber kann nicht eine Anschauung in mir sein. Denn alle Bestimmungsgründe meines Daseins, die in mir angetroffen werden können, sind Vorstellungen, und bedürfen, als solche, selbst ein von ihnen unterschiedenes Beharrliches, worauf in Beziehung der Wechsel derselben, mithin mein Dasein in der Zeit, darin sie wechseln, bestimmt werden könne.« Man wird gegen diesen Beweis vermutlich sagen: ich bin mir doch nur dessen, was in mir ist, d.i. meiner Vorstellung äußerer Dinge, unmittelbar bewußt; folglich bleibe es immer noch unausgemacht, ob etwas ihr Korrespondierendes außer mir sei, oder nicht. Allein ich bin mir meines Daseins in der Zeit (folglich auch der Bestimmbarkeit desselben in dieser) durch innere Erfahrung bewußt, und dieses ist mehr, als bloß mich meiner Vorstellung bewußt zu sein, doch aber einerlei mit dem empirischen Bewußtsein meines Daseins, welches nur durch Beziehung auf etwas, was mit meiner Existenz verbunden, außer mir ist, bestimmbar ist. Dieses Bewußtsein meines Daseins in der Zeit ist also mit dem Bewußtsein eines Verhältnisses zu etwas außer mir identisch verbunden, und es ist also Erfahrung und nicht Erdichtung, Sinn und nicht Einbildungskraft, welches das Äußere mit meinem inneren Sinn unzertrennlich verknüpft; denn der äußere Sinn ist schon an sich Beziehung der Anschauung auf etwas Wirkliches außer mir, und die Realität desselben, zum Unterschiede von der Einbildung, beruht nur darauf, daß er mit der inneren Erfahrung selbst, als die Bedingung der Möglichkeit derselben unzertrennlich verbunden werde, welches hier geschieht. Wenn ich mit dem intellektuellen Bewußtsein meines Daseins, in der Vorstellung Ich bin, welche alle meine Urteile und Verstandeshandlungen begleitet, zugleich eine Bestimmung meines Daseins durch intellektuelle Anschauung verbinden könnte, so wäre zu derselben das Bewußtsein eines Verhältnisses zu etwas außer mir nicht notwendig gehörig. Nun aber jenes intellektuelle Bewußtsein zwar vorangeht, aber die innere Anschauung, in der mein Dasein allein bestimmt werden kann, sinnlich und an Zeitbedingung gebunden ist, diese Bestimmung aber, mithin die innere Erfahrung selbst, von etwas Beharrlichem, welches in mir nicht ist, folglich nur in etwas außer mir, wogegen ich mich in Relation betrachten muß, abhängt: so ist die Realität des äußeren Sinnes mit der des inneren, zur Möglichkeit einer Erfahrung überhaupt, notwendig verbunden: d.i. ich bin mir eben so sicher bewußt, daß es Dinge außer mir gebe, die sich auf meinen Sinn beziehen, als ich mir bewußt bin, daß ich selbst in der Zeit bestimmt existiere. Welchen gegebenen Anschauungen nun aber wirklich Objekte außer mir korrespondieren, und die also zum äußeren Sinne gehören, welchem sie und nicht der Einbildungskraft zuzuschreiben sind, muß nach den Regeln, nach welchen Erfahrung überhaupt (selbst innere) von Einbildung unterschieden wird, in jedem besonderen Falle ausgemacht werden, wobei der Satz: daß es wirklich äußere Erfahrung gebe, immer zum Grunde liegt. Man kann hiezu noch die Anmerkung fügen: die Vorstellung von etwas Beharrlichem im Dasein ist nicht einerlei mit der beharrlichen Vorstellung; denn diese kann sehr wandelbar und wechselnd sein, wie alle unsere und selbst die Vorstellungen der Materie, und bezieht sich doch auf etwas Beharrliches, welches also ein von allen meinen Vorstellungen unterschiedenes und äußeres Ding sein muß, dessen Existenz in der Bestimmung meines eigenen Daseins notwendig mit eingeschlossen wird, und mit derselben nur eine einzige Erfahrung ausmacht, die nicht einmal innerlich stattfinden würde, wenn sie nicht (zum Teil) zugleich äußerlich wäre. Das Wie? läßt sich hier ebensowenig weiter erklären, als wie wir überhaupt das Stehende in der Zeit denken, dessen Zugleichsein mit dem Wechselnden den Begriff der Veränderung hervorbringt.
B vii Preface to the Second Edition
Whether the cultivation of the cognitions that belong to reason’s business follows the secure course of a science can soon be judged by its results. If, after much preparation and equipment, it comes to a standstill as soon as it approaches its goal, or must repeatedly retrace its steps and strike out on another path to reach it; likewise, if its various collaborators cannot be brought to agree on how their common purpose is to be pursued, then we may always be certain that such a study has by no means yet entered upon the secure course of a science, but is merely groping about. It is already a service to reason to discover this path, if possible, even if much that was included in the goal previously adopted without reflection must be abandoned as futile.
B viii That logic has followed this secure course since the earliest times is evident from the fact that, since Aristotle, it has not had to take a single step backward—unless we choose to count the removal of a few dispensable subtleties, or the clearer determination of what it teaches, as improvements, though these concern the elegance rather than the security of the science. It is also remarkable that, up to now, logic has been unable to take a single step forward, and thus seems to all appearances to be closed and complete. For when some modern thinkers imagined they were enlarging it by inserting psychological chapters on the various cognitive powers (imagination, wit), metaphysical chapters on the origin of cognition or the different kinds of certainty according to the difference of objects (idealism, skepticism, and so on), or anthropological chapters on prejudices (their causes and remedies), this arose from their ignorance of the distinctive nature of this science. It is not an enlargement but a disfigurement of the sciences when their boundaries are allowed to run into one another. The boundary of logic, however, is determined with complete precision by its being a science.
B ix That science does nothing but set out in full, and rigorously prove, the formal rules of all thinking—whether thinking is a priori or empirical, whatever its origin or object, and whatever contingent or natural obstacles it encounters in our mind.
Logic owes its success solely to its restricted scope, which entitles it, indeed obliges it, to abstract from all objects of cognition and their differences, so that in logic the understanding deals with nothing but itself and its form. Naturally, it must have been far more difficult for reason to enter upon the secure path of science when it has to do not merely with itself but also with objects. Hence logic, as a propaedeutic, constitutes, so to speak, only the forecourt of the sciences; and where items of knowledge are at issue, although a logic is presupposed for judging them, their acquisition must be sought in the sciences properly and objectively so called.
Now, insofar as reason is to be present in these sciences, something in them must be cognized a priori. Reason’s cognition can be related to its object in one of two ways.
B x Either it merely determines the object and its concept (which must be given from elsewhere), or it also makes the object actual. The first is theoretical, the second practical cognition of reason. In both, the pure part, however much or little it may contain—namely, the part in which reason determines its object wholly a priori—must first be presented on its own, without mixing into it what comes from other sources. For it is bad management to spend receipts blindly, without being able afterward, when the business runs into difficulties, to distinguish which part of the income can bear the expenditure and from which part it must be cut.
Mathematics and physics are the two theoretical cognitions of reason that are to determine their objects a priori: the former wholly purely, the latter at least in part purely, but also in accordance with sources of cognition other than reason.
From the earliest times to which the history of human reason extends, mathematics has followed the secure path of a science among that admirable people, the Greeks. Yet we must not suppose that it was as easy for mathematics as for logic, in which reason has to do only with itself, to find that royal road, or rather to open it for itself.
B xi I believe instead that mathematics long remained a mere groping about, especially among the Egyptians, and that this transformation must be attributed to a revolution brought about by the fortunate insight of a single person in an experiment. From that point on, the path to be taken could no longer be missed, and the secure course of a science was entered upon and marked out for all time and to infinite distances. The history of this revolution in the way of thinking, which was far more important than the discovery of the route around the famous cape, and of the fortunate person who brought it about, has not been preserved for us. Yet the story handed down to us by Diogenes Laertius, who names the supposed inventor of even the smallest elements of geometrical demonstration—elements that common judgment does not consider to need any proof—shows that the memory of the change brought about by the first trace of this new path’s discovery must have seemed exceedingly important to mathematicians and thus became unforgettable. A light dawned on the first person who demonstrated the equilateral triangle, whether his name was Thales or whatever else it may have been.
B xii For he found that he must not trace what he saw in the figure, or even its mere concept, and as it were learn its properties from that; rather, he must produce them through what he himself thought into it a priori according to concepts and presented through construction. He found that, to know anything securely a priori, he must attribute to the thing nothing but what followed necessarily from what he himself had put into it in accordance with his concept.
Natural science took much longer to find the highway of science, for it is only about a century and a half since the proposal of the ingenious Bacon of Verulam partly brought about this discovery and partly, since its trail had already been found, gave it fresh impetus. This discovery, too, can be explained by a sudden revolution in the way of thinking. Here I will consider natural science only insofar as it is founded on empirical principles.
When Galileo had his balls roll down an inclined plane with a weight he had himself chosen, or Torricelli had the air sustain a weight he had thought in advance to be equal to that of a column of water known to him, a light dawned on all investigators of nature.
B xiii The same happened when, still later, Stahl transformed metals into calx and this back into metal by taking something away from them and giving it back*. They understood that reason has insight only into what it itself produces according to its own plan; that it must lead the way with principles of its judgments according to constant laws and compel nature to answer its questions, rather than let itself be led by nature alone, as if on a leash. For otherwise accidental observations, made according to no previously devised plan, do not connect at all in a necessary law, which is nevertheless what reason seeks and needs. Reason must approach nature with its principles in one hand, according to which alone agreeing appearances can count as laws, and in the other the experiment it has devised in accordance with those principles. It must do so to be instructed by nature, certainly, but not as a pupil who lets the teacher dictate whatever the teacher wishes; rather, as an appointed judge who compels witnesses to answer the questions he puts to them. Thus even physics owes the very advantageous revolution in its way of thinking solely to a single idea.
B xiv That idea was to seek in nature, in accordance with what reason itself puts into it, what reason must learn from nature and could not know on its own—not to invent it and ascribe it to nature. Only through this was natural science first brought onto the secure course of a science, after having been nothing more than a mere groping about for so many centuries.
* Here I am not following precisely the historical course of the experimental method, whose first beginnings are not well known either.
Metaphysics, an entirely isolated speculative cognition of reason that rises wholly above instruction from experience, and does so through mere concepts—not, like mathematics, by applying them to intuition—has not yet enjoyed a fate so favorable that it could enter upon the secure course of a science. Here, then, reason is to be its own pupil. Yet metaphysics is older than all the other sciences and would remain even if all the rest were swallowed up entirely in the abyss of an all-destroying barbarism. For in metaphysics reason continually comes to a standstill, even when it wishes to gain a priori insight, as it claims to do, into laws confirmed by the most ordinary experience. In metaphysics we must retrace our path countless times because we find that it does not lead where we wish to go.
B xv As for agreement among its adherents in their assertions, metaphysics is still so far from this that it is instead a battlefield apparently designed expressly for exercising one’s powers in mock combat, where no fighter has ever been able to win even the smallest piece of ground and establish lasting possession on the strength of his victory. There is therefore no doubt that its procedure has so far been a mere groping about, and, worst of all, among mere concepts.
What is it, then, that has kept a secure path of science from being found here? Is it perhaps impossible? Why, then, has nature afflicted our reason with the restless striving to seek it out as one of its most important concerns? More than that, how little cause we have to place confidence in our reason if, in one of the most important objects of our curiosity, it not only abandons us but holds us off with false pretenses and finally deceives us! Or has the path merely been missed until now? What sign can we use to hope that, in a renewed search, we will be more fortunate than others before us?
Mathematics and natural science became what they now are through a revolution accomplished all at once.
B xvi I should think their example remarkable enough to prompt reflection on the essential feature of the change in their way of thinking that proved so advantageous to them, and to imitate them in this, at least as an experiment, so far as their analogy with metaphysics, as cognitions of reason, permits. Until now it has been assumed that all our cognition must conform to the objects; but all attempts to establish something about them a priori through concepts, by which our cognition would be enlarged, have come to nothing on this assumption. Let us therefore try for once whether we make better progress with the problems of metaphysics by assuming that the objects must conform to our cognition. This already agrees better with the desired possibility of a cognition of objects a priori, a cognition that is to establish something about objects before they are given to us. The situation here is like that of Copernicus’s first thoughts. When he could make no good progress in explaining the movements of the heavens on the assumption that the entire host of stars revolved around the spectator, he tried whether he might succeed better by having the spectator revolve while leaving the stars at rest.
B xvii In metaphysics we can make a similar experiment concerning the intuition of objects. If intuition had to conform to the constitution of the objects, I do not see how we could know anything about it a priori. But if the object, as an object of the senses, conforms to the constitution of our faculty of intuition, I can quite well represent this possibility to myself. Yet I cannot stop at these intuitions if they are to become cognitions; I must refer them, as representations, to something as their object and determine that object through them. I can therefore either assume that the concepts through which I bring about this determination also conform to the object, and then I am once again in the same difficulty as to how I could know anything about it a priori; or I assume that the objects—or, what amounts to the same thing, the experience in which alone they are cognized as given objects—conform to these concepts. I then see at once an easier solution. For experience is itself a kind of cognition that requires understanding, whose rule I must presuppose in myself before objects are given to me, hence a priori. This rule is expressed in a priori concepts. All objects of experience must therefore necessarily conform to these concepts and agree with them.
B xviii As for objects insofar as they are thought merely through reason, and indeed necessarily, but cannot be given in experience at all—at least not as reason thinks them—the attempts to think them, for they must surely allow themselves to be thought, will afterward provide a splendid touchstone for what we are adopting as the changed method in our way of thinking: namely, that we cognize a priori of things only what we ourselves put into them.*
* This method, modeled on that of the investigator of nature, thus consists in seeking the elements of pure reason in what can be confirmed or refuted by an experiment. Now, to test propositions of pure reason, especially when they venture beyond every boundary of possible experience, no experiment can be made with their objects, as it can in natural science. An experiment will therefore be practicable only with concepts and principles that we assume a priori: we arrange them so that the same objects can be considered from two different sides—on the one hand as objects of the senses and the understanding for experience, and on the other as objects merely thought, if need be for reason isolated and striving beyond the boundary of experience. If it now turns out that, when things are considered from this twofold standpoint, agreement with the principle of pure reason is found, whereas from a single standpoint an unavoidable conflict of reason with itself arises, the experiment decides in favor of the correctness of that distinction.
This experiment succeeds as desired and promises metaphysics the secure course of a science in its first part, where it deals with a priori concepts for which the corresponding objects can be given in experience in conformity with them.
B xix For after this change in our way of thinking, we can quite well explain the possibility of a priori cognition and, what is more, supply satisfactory proofs of the laws that lie a priori at the foundation of nature as the sum total of the objects of experience. Both were impossible under the previous procedure. But from this deduction of our capacity to cognize a priori there emerges, in the first part of metaphysics, a strange result, apparently very detrimental to its entire purpose, with which the second part is concerned: namely, that with this capacity we can never go beyond the boundary of possible experience, though precisely this is the most essential concern of this science.
B xx Yet here lies the experiment that provides a countercheck on the truth of the result of that first assessment of our a priori rational cognition: that it extends only to appearances, leaving the thing in itself as indeed actual in itself but uncognized by us. For what necessarily drives us beyond the boundary of experience and of all appearances is the unconditioned, which reason necessarily and with every right demands in things in themselves for everything conditioned, thereby demanding the series of conditions as complete. Now, suppose we find that, on the assumption that our cognition through experience conforms to objects as things in themselves, the unconditioned cannot be thought at all without contradiction; but that, on the assumption that our representation of things as they are given to us does not conform to them as things in themselves, and that these objects as appearances instead conform to our way of representing, the contradiction disappears; and that consequently the unconditioned must be encountered not in things insofar as we know them, as they are given to us, but in them insofar as we do not know them, as things in themselves.
B xxi Then it becomes clear that what we initially assumed only as an experiment is well grounded.* Now, after speculative reason has been denied all progress in this field of the supersensible, we still have to try whether data for determining that transcendent concept of reason, the concept of the unconditioned, may not be found in its practical cognition. In this way we may, in accordance with the wish of metaphysics, reach beyond the boundary of all possible experience with our a priori cognition, though such cognition is possible only for practical purposes. And by proceeding in this way, speculative reason has at least made room for such an enlargement, even if it had to leave that room empty. We therefore remain free—indeed, speculative reason itself calls on us—to fill that room.
B xxii We are to do so, if we can, with practical data of reason.∗∗
* This experiment of pure reason has much in common with the chemists’ experiment, which they sometimes call the experiment of reduction, but generally the synthetic procedure. The metaphysician’s analysis separated pure a priori cognition into two very dissimilar elements: cognition of things as appearances and cognition of things in themselves. Dialectic reunites the two in agreement with the necessary rational idea of the unconditioned, and finds that this agreement can never be achieved except through that distinction, which is therefore the true one.
∗∗ In the same way, the central laws of the motion of heavenly bodies gave established certainty to what Copernicus had at first assumed only as a hypothesis. At the same time they proved the invisible force binding the structure of the universe together—Newtonian attraction—which would have remained forever undiscovered had Copernicus not ventured, in a manner contrary to the senses yet true, to seek the observed movements not in the objects of the heavens but in their spectator. In this preface I likewise present the change in the way of thinking set out in the Critique, analogous to that hypothesis, only as a hypothesis. In the treatise itself, however, it is proved not hypothetically but apodictically from the constitution of our representations of space and time and from the elementary concepts of the understanding. My purpose here is only to draw attention to the first attempts at such a change, which are always hypothetical.
The business of this critique of pure speculative reason consists in that attempt to change the procedure hitherto followed by metaphysics, by carrying out a complete revolution in it after the example of geometers and investigators of nature. It is a treatise on method, not a system of the science itself; yet it traces the science’s entire outline, both as regards its boundaries and its whole internal structure.
B xxiii For pure speculative reason has this peculiarity: it can and should measure its own capacity according to the different ways in which it selects objects for thought, and itself enumerate completely the various ways of setting itself problems, thus sketching the entire plan for a system of metaphysics. As regards the first point, this is because in a priori cognition nothing can be attributed to objects except what the thinking subject draws from itself. As regards the second, it is because reason, with respect to its principles of cognition, is an entirely separate, self-subsisting unity in which, as in an organized body, every member exists for the sake of all the others and all for the sake of each. No principle can be taken with assurance in one relation without having been investigated at the same time in its thoroughgoing relation to the entire pure use of reason. In return, metaphysics also enjoys a rare good fortune that can belong to no other science of reason concerned with objects—for logic deals only with the form of thinking in general. The good fortune is this: once this critique has brought metaphysics onto the secure course of a science, it can embrace the whole field of cognitions belonging to it. It can thus complete its work and leave it for posterity’s use as a capital fund that can never be increased.
B xxiv For it deals only with principles and with the limitations of their use, which are determined by those principles themselves. As a fundamental science, it is therefore also bound to this completeness, and it must be possible to say of it: nil actum reputans, si quid superesset agendum (“he counts nothing done while anything remains to be done”).
But what, someone will ask, is the treasure we intend to leave to posterity in a metaphysics purified in this way by critique and thereby also brought into a lasting condition? A cursory survey of this work may seem to show that its benefit is merely negative: that we must never venture with speculative reason beyond the boundary of experience. And this is indeed its first benefit. But this benefit at once becomes positive when we recognize that the principles with which speculative reason ventures beyond its boundary in fact lead inevitably not to an enlargement but, on closer examination, to a restriction of our use of reason. For they actually threaten to extend the boundaries of sensibility, to which they properly belong, over everything.
B xxv They thus threaten to displace the pure (practical) use of reason altogether. Hence a critique that limits speculative reason is indeed negative in that respect; but by at the same time removing an obstacle that restricts the latter use, or even threatens to destroy it, it has in fact a positive and very important benefit. This becomes clear as soon as we are convinced that there is an absolutely necessary practical use of pure reason—the moral use—in which reason inevitably extends beyond the boundaries of sensibility. For this it needs no assistance from speculative reason, but must nevertheless be secured against its opposition, so as not to fall into contradiction with itself. To deny this service of critique a positive benefit would be like saying that the police confer no positive benefit because their principal business is merely to put a stop to the violence citizens may fear from other citizens, so that each can pursue his affairs in peace and security. The analytic part of the Critique proves that space and time are only forms of sensible intuition, hence only conditions of the existence of things as appearances; further, that we have no concepts of the understanding, and thus no elements for cognizing things at all.
B xxvi It proves that we have them only insofar as an intuition corresponding to these concepts can be given, and consequently that we can have cognition of no object as a thing in itself, but only insofar as it is an object of sensible intuition, that is, as an appearance. From this, of course, follows the restriction of all possible speculative cognition of reason to mere objects of experience. Yet—and this must be carefully noted—it is always reserved that, although we cannot cognize these same objects as things in themselves, we must at least be able to think them as such*. Otherwise the absurd proposition would follow that there is an appearance without anything that appears.
B xxvii Now let us assume that the distinction made necessary by our critique between things as objects of experience and those same things as things in themselves had not been made at all. Then the principle of causality, and hence the mechanism of nature in determining them, would have to hold without exception for all things in general as efficient causes. Of one and the same being, for example the human soul, I could therefore not say that its will is free and yet at the same time subject to natural necessity, that is, not free, without falling into an obvious contradiction. For in both propositions I would have taken the soul in precisely the same sense, namely as a thing in general (as a thing in itself), and without a prior critique could not have taken it otherwise. But suppose the critique has not erred in teaching us to take the object in two senses, namely as appearance or as thing in itself; suppose its deduction of the concepts of the understanding is correct, and hence the principle of causality applies only to things taken in the first sense, insofar as they are objects of experience, while those very same things in the second sense are not subject to it.
B xxviii Then the very same will is thought, in appearance—in its visible actions—as necessarily conforming to the law of nature and to that extent not free, and yet, on the other hand, as belonging to a thing in itself, as not subject to that law and thus as free, without any contradiction arising. Now, although I cannot cognize my soul, considered from the latter side, through any speculative reason, still less through empirical observation, and therefore also cannot cognize freedom as a property of a being to which I ascribe effects in the sensible world—because I would have to cognize such a being as determined in its existence and yet not in time (which is impossible, since I cannot supply my concept with an intuition)—I can nevertheless think freedom. That is, its representation at least contains no contradiction in itself, provided our critical distinction between the two ways of representing, the sensible and the intellectual, is valid, together with the resulting limitation of the pure concepts of the understanding and hence also of the principles flowing from them. Now suppose morality necessarily presupposes freedom, in the strictest sense, as a property of our will, adducing, as its data a priori, original practical principles lying in our reason.
B xxix Without the presupposition of freedom these principles would be absolutely impossible; but suppose speculative reason had proved that freedom cannot be thought at all. Then the former presupposition, the moral one, would necessarily have to yield to the one whose opposite contains an obvious contradiction. Consequently freedom, and with it morality—for morality’s opposite contains no contradiction unless freedom is already presupposed—would have to give way to the mechanism of nature. As matters stand, however, for morality I need nothing more than that freedom does not contradict itself, and can thus at least be thought, without my needing any further insight into it; and that it therefore places no obstacle in the way of the natural mechanism of the very same action, taken in another relation. Thus the doctrine of morality keeps its place, and the doctrine of nature keeps its own. This could not have happened had critique not first instructed us about our unavoidable ignorance concerning things in themselves and restricted everything we can cognize theoretically to mere appearances. The same exposition of the positive benefit of the critical principles of pure reason can be given with regard to the concept of God and the simple nature of our soul, but for brevity I pass over it.
B xxx I cannot, therefore, even assume God, freedom, and immortality for the sake of the necessary practical use of my reason unless I at the same time deprive speculative reason of its pretension to extravagant insights. For, to attain these, it must employ principles that in fact extend only to objects of possible experience; when these are nevertheless applied to what cannot be an object of experience, they always actually transform it into appearance and thus declare every practical enlargement of pure reason impossible. I therefore had to set aside knowledge to make room for belief; and the dogmatism of metaphysics—that is, the prejudice that we can make progress in it without a critique of pure reason—is the true source of all unbelief opposed to morality, which is always highly dogmatic.—If, then, it can be no great difficulty to leave posterity a legacy in a systematic metaphysics composed according to the critique of pure reason, this is no gift to be slighted. We may look merely to the cultivation of reason through the secure course of a science in general.
B xxxi This is to be compared with its groundless groping and reckless wandering without critique. Or we may look to the better use of time by inquisitive young people, who under ordinary dogmatism receive so early and so much encouragement to reason idly about things they do not understand, and into which neither they nor anyone in the world will ever gain insight, or even to set out to invent new thoughts and opinions, and so neglect the learning of well-grounded sciences. Above all, however, we may reckon the priceless advantage of putting an end for all future time to every objection against morality and religion in the Socratic manner: by the clearest proof of the opponents’ ignorance. For some metaphysics has always existed in the world and will presumably continue to exist; and with it a dialectic of pure reason will also be found, since this is natural to reason. It is therefore philosophy’s first and most important concern to deprive this dialectic of all harmful influence once and for all by stopping up the source of its errors.
* To cognize an object, I must be able to prove its possibility, either from its actuality as attested by experience or a priori through reason. But I can think whatever I please, provided I do not contradict myself—that is, provided my concept is a possible thought—even though I cannot guarantee whether an object corresponds to it within the sum total of all possibilities. To ascribe objective validity to such a concept, however—real possibility, since the former was merely logical—something more is required. But this something more need not be sought in theoretical sources of cognition; it may also lie in practical ones.
Despite this important change in the field of the sciences, and the loss speculative reason must suffer in its hitherto imagined possessions, everything remains in the same advantageous condition as ever with regard to the universal human concern and the benefit the world has until now drawn from the teachings of pure reason.
B xxxii The loss affects only the monopoly of the schools, by no means the interest of humanity. I ask the most unbending dogmatist whether the proof of our soul’s continued existence after death from the simplicity of substance; the proof of freedom of the will against universal mechanism through the subtle but powerless distinctions between subjective and objective practical necessity; or the proof of God’s existence from the concept of a most real being, from the contingency of what changes and the necessity of a first mover—whether, after issuing from the schools, these proofs have ever been able to reach the public and exert the slightest influence on its conviction. If this has not happened, and can never be expected, given the ordinary human understanding’s unsuitability for such subtle speculation, then rather, in the first case, the disposition of our nature, evident to everyone, never to be satisfied by temporal things (as inadequate to the capacities for our whole vocation), must alone have produced the hope of a future life.
B xxxiii In the second, the mere clear presentation of duties in opposition to every claim of inclination must alone have produced the consciousness of freedom. And finally, in the third, the magnificent order, beauty, and care that shine forth everywhere in nature must alone have produced belief in a wise and great author of the world. If these alone must have brought about the conviction that spreads among the public, insofar as it rests on rational grounds, then this possession not only remains undisturbed but gains in authority. For the schools are now taught to claim no higher or more extensive insight, on a point of universal human concern, than that which the great multitude, most worthy of our respect, can reach just as easily. They are thus taught to restrict themselves solely to cultivating these grounds of proof, which are universally accessible and sufficient for moral purposes. The change therefore concerns only the arrogant claims of the schools, which would gladly have themselves regarded here—as they rightly are in many other matters—as the sole experts and custodians of truths whose use alone they communicate to the public, keeping the key to themselves (quod mecum nescit, solus vult scire videri).
B xxxiv Nevertheless, provision is also made for a more reasonable claim of the speculative philosopher. He always remains the exclusive trustee of a science useful to the public without its knowing it: the critique of reason. For this can never become popular, nor need it do so. Just as the finely spun arguments for useful truths do not enter the people’s heads, so the equally subtle objections against them never occur to them either. The schools, by contrast, like everyone who rises to speculation, inevitably encounter both. They are therefore bound, by a thorough investigation of the rights of speculative reason, to prevent once and for all the scandal that sooner or later must arise even among the people from the disputes into which metaphysicians—and, as such, eventually even clergymen—inevitably become entangled without critique, and which afterward falsify even their doctrines. Only through critique can the very roots be cut away from materialism, fatalism, atheism, freethinking unbelief, fanaticism, and superstition, which can become harmful to everyone, and finally also from idealism and skepticism, which are more dangerous to the schools and can hardly spread to the public.
B xxxv If governments see fit to concern themselves with the affairs of scholars at all, it would be far more consistent with their wise care for the sciences and for humanity to favor the freedom of such a critique, through which alone the labors of reason can be placed on a firm footing, than to support the ridiculous despotism of the schools. These raise a loud outcry about public danger whenever their cobwebs are torn, though the public has never taken notice of them and can therefore never feel their loss.
Critique is not opposed to reason’s dogmatic procedure in its pure cognition as science—for science must always be dogmatic, that is, prove rigorously from secure a priori principles—but to dogmatism: the presumption of getting on by itself with a pure cognition from concepts (the philosophical), according to principles such as reason has long employed, without inquiring how and by what right it arrived at them. Dogmatism is therefore the dogmatic procedure of pure reason without a preceding critique of its own capacity. This opposition is not meant to speak in favor of a chattering shallowness under the pretended name of popularity.
B xxxvi Still less is it meant to speak for skepticism, which makes short work of all metaphysics. Rather, critique is the necessary preliminary preparation for advancing a well-grounded metaphysics as science. This must necessarily be carried out dogmatically and, by the strictest requirement, systematically, hence in a scholarly, not a popular, manner. For this demand upon it is indispensable, since it undertakes to carry out its business wholly a priori and thus to the full satisfaction of speculative reason. In carrying out the plan prescribed by the Critique, that is, in the future system of metaphysics, we must therefore one day follow the rigorous method of the celebrated Wolf, the greatest of all dogmatic philosophers. He first gave the example—and through this example became the originator of the spirit of thoroughness in Germany, which has not yet died out—of how to enter upon the secure course of a science by establishing principles in accordance with rules, clearly determining concepts, attempting rigorous proofs, and preventing bold leaps in inferences. For that very reason he was especially well suited to place a science such as metaphysics in this condition, had it occurred to him first to prepare the field through a critique of its organ, pure reason itself.
B xxxvii This lack is to be attributed less to him than to the dogmatic way of thinking of his age; on this score, the philosophers of his time and of all preceding times have nothing to reproach one another for. Those who reject both his method of teaching and the procedure of the critique of pure reason can have no other intention than to throw off the bonds of science altogether, to turn labor into play, certainty into opinion, and philosophy into a love of opinion.
As for this second edition, I have, as was only right, not wished to let the opportunity pass without remedying, as far as possible, the difficulties and obscurity that may have given rise to some of the misinterpretations acute thinkers have encountered in judging this book, perhaps not without fault on my part. In the propositions themselves and their grounds of proof, as also in the form and completeness of the plan, I have found nothing to change. This is attributable partly to the long examination to which I subjected them before presenting the book to the public, and partly to the nature of the matter itself: the nature of a pure speculative reason, which contains a genuine articulated structure in which everything is an organ, everything existing for the sake of one and each individual part for the sake of all.
B xxxviii Hence any infirmity, however small, whether a fault (an error) or a deficiency, must inevitably betray itself in use. I hope this system will continue to maintain itself in this unchangeability. It is not conceit that entitles me to this confidence, but merely the evidence produced by the experiment of obtaining the same result both in proceeding from the smallest elements to the whole of pure reason and in returning from the whole—which is also given independently through reason’s ultimate practical purpose—to each part. For the attempt to change even the smallest part immediately produces contradictions, not merely within the system but within universal human reason. Yet much remains to be done in the presentation, and in this edition I have attempted improvements intended to remedy, in part, the misunderstanding of the Aesthetic, especially of the concept of time; in part, the obscurity of the deduction of the concepts of the understanding; in part, the supposed lack of sufficient evidence in the proofs of the principles of the pure understanding; and finally, the misinterpretation of the paralogisms charged against rational psychology.
B xxxix Thus far—that is, only to the end of the first chapter of the Transcendental Dialectic, and no further—do my changes to the manner of presentation* extend.
B xl This is because time was too short.
B xli It is also because, concerning the rest, no misunderstanding on the part of competent and impartial examiners had come to my attention.
B xlii Even without my being permitted to name them with the praise they deserve, they will find for themselves, in the appropriate places, the attention I have paid to their observations. But this improvement entails a small loss for the reader, which could not be avoided without making the book far too voluminous. Various things that are not essential to the completeness of the whole, but that some readers might nevertheless be sorry to miss, since they can be useful for other purposes, have had to be omitted or presented in an abbreviated form to make room for what I hope is now a more intelligible presentation. Fundamentally, this changes absolutely nothing in the propositions or even in their grounds of proof; yet in places its method of exposition departs so far from the earlier one that it could not be accomplished by insertions. I hope the greater intelligibility more than compensates for this small loss, which in any case can be made good by comparing the first edition, as each reader pleases. In various published writings, partly on the occasion of reviews of books and partly in separate treatises, I have observed with grateful pleasure that the spirit of thoroughness has not died out in Germany, but has only been drowned out for a short time by the fashionable tone of a genius-like freedom in thinking.
B xliii I have also observed that the thorny paths of critique, which lead to a scholarly science of pure reason—yet one that is lasting only as such, and therefore supremely necessary—have not prevented courageous and clear minds from mastering it. To these deserving men, who so happily combine thorough insight with a talent for lucid presentation, of which I am not particularly conscious in myself, I leave the completion of my work wherever it may still be deficient in the latter respect. For in this case the danger is not of being refuted, but of not being understood. For my part, I cannot henceforth enter into disputes, though I will carefully attend to every suggestion, whether from friends or opponents, in order to use them in the future elaboration of the system in accordance with this propaedeutic. Since in the course of this work I have already advanced rather far into old age—entering my sixty-fourth year this month—I must be sparing with my time if I am to carry out my plan of providing the metaphysics of nature and of morals as confirmation of the correctness of the critique of both speculative and practical reason.
B xliv The clarification of obscurities scarcely avoidable at first in this work, and the defense of the whole, I must expect from the deserving men who have made it their own. Every philosophical exposition can be pinched at individual points, for it cannot appear in armor as a mathematical one can. Yet the articulated structure of the system, considered as a unity, does not thereby run the slightest risk. When a system is new, few possess the mental agility to survey it, and still fewer the inclination, since every innovation is unwelcome to them. Apparent contradictions, too, can be picked out of any writing, especially one proceeding in the manner of free discourse, if individual passages are torn from their context and compared with one another. In the eyes of those who rely on others’ judgment, these cast an unfavorable light on the work; but for anyone who has grasped the idea as a whole, they are very easily resolved. Meanwhile, if a theory has stability within itself, the action and reaction that at first threatened it with great danger serve over time only to smooth its unevenness and, if men of impartiality, insight, and true popularity devote themselves to it, to give it soon the requisite elegance as well.
Königsberg, April 1787.
* The only addition I could call a genuine enlargement, though only in the manner of proof, is the new refutation of psychological idealism and the rigorous proof—as I believe, the only possible one—of the objective reality of outer intuition that I have given on p. 273. However harmless idealism may be held to be in relation to the essential purposes of metaphysics, which in fact it is not, it always remains a scandal to philosophy and universal human reason that we must accept the existence of things outside us merely on faith, (from which, after all, we have the entire material for cognitions, even for our inner sense), and that, if anyone chooses to doubt it, we cannot oppose him with a satisfactory proof. Since there is some obscurity in the wording of the proof from the third line to the sixth, I ask that the sentence be changed as follows: “But this persistent element cannot be an intuition within me. For all the determining grounds of my existence that can be encountered within me are representations, and as such themselves require a persistent element distinct from them, in relation to which their change, and thus my existence in the time in which they change, can be determined.” Someone will presumably say against this proof: I am, after all, immediately conscious only of what is within me, that is, of my representation of outer things; consequently, it still remains undecided whether anything outside me corresponds to it or not. But I am conscious of my existence in time, and hence also of its determinability in time, through inner experience. This is more than being merely conscious of my representation, yet is identical with the empirical consciousness of my existence, which is determinable only through relation to something that is outside me and bound up with my existence. This consciousness of my existence in time is thus inseparably combined, as one and the same consciousness, with the consciousness of a relation to something outside me. It is therefore experience, not invention, sense, not imagination, that inseparably connects what is outer with my inner sense. For outer sense is already in itself a relation of intuition to something actual outside me, and its reality, as distinct from imagining, rests only on its being inseparably combined with inner experience itself as the condition of the latter’s possibility, which is what happens here. If, along with the intellectual consciousness of my existence in the representation “I am,” which accompanies all my judgments and acts of understanding, I could also combine a determination of my existence through intellectual intuition, then consciousness of a relation to something outside me would not necessarily belong to that determination. But although that intellectual consciousness precedes, the inner intuition in which alone my existence can be determined is sensible and bound to the condition of time. This determination, and hence inner experience itself, depends on something persistent that is not within me, and thus only on something outside me in relation to which I must consider myself. The reality of outer sense is therefore necessarily combined with that of inner sense for the possibility of experience in general. That is, I am just as securely conscious that there are things outside me relating to my sense as I am conscious that I myself exist as determined in time. But which given intuitions actually have objects outside me corresponding to them, and thus belong to outer sense and are to be ascribed to it rather than to imagination, must be decided in each particular case according to the rules by which experience in general, even inner experience, is distinguished from imagining. The proposition that there actually is outer experience always lies at the foundation of this. One may add the following observation: the representation of something persistent in existence is not the same as a persistent representation. For this representation can be very mutable and changing, like all our representations, even those of matter, and yet relate to something persistent. That persistent something must therefore be a thing distinct from all my representations and external to them, whose existence is necessarily included in the determination of my own existence and, together with it, constitutes one single experience, which would not even occur inwardly if it were not at the same time partly outward. The question of how this happens admits of no further explanation here, any more than how we think at all of what stands still in time, whose simultaneity with what changes produces the concept of alteration.
Introduction
B 1 Einleitung
I. Von dem Unterschiede der reinen und empirischen Erkenntnis
Daß alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, daran ist gar kein Zweifel; denn wodurch sollte das Erkenntnisvermögen sonst zur Ausübung erweckt werden, geschähe es nicht durch Gegenstände, die unsere Sinne rühren und teils von selbst Vorstellungen bewirken, teils unsere Verstandestätigkeit in Bewegung bringen, diese zu vergleichen, sie zu verknüpfen oder zu trennen, und so den rohen Stoff sinnlicher Eindrücke zu einer Erkenntnis der Gegenstände zu verarbeiten, die Erfahrung heißt? Der Zeit nach geht also keine Erkenntnis in uns vor der Erfahrung vorher, und mit dieser fängt alle an.
Wenn aber gleich alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anhebt, so entspringt sie darum doch nicht eben alle aus der Erfahrung. Denn es könnte wohl sein, daß selbst unsere Erfahrungserkenntnis ein Zusammengesetztes aus dem sei, was wir durch Eindrücke empfangen, und dem, was unser eigenes Erkenntnisvermögen (durch sinnliche Eindrücke bloß veranlaßt) aus sich selbst hergibt, welchen Zusatz wir von jenem
B 2 Grundstoffe nicht eher unterscheiden, als bis lange Übung uns darauf aufmerksam und zur Absonderung desselben geschickt gemacht hat.
Es ist also wenigstens eine der näheren Untersuchung noch benötigte und nicht auf den ersten Anschein sogleich abzufertigende Frage: ob es ein dergleichen von der Erfahrung und selbst von allen Eindrücken der Sinne unabhängiges Erkenntnis gebe. Man nennt solche Erkenntnisse a priori, und unterscheidet sie von den empirischen, die ihre Quellen a posteriori nämlich in der Erfahrung, haben.
Jener Ausdruck ist indessen noch nicht bestimmt genug, um den ganzen Sinn, der vorgelegten Frage angemessen, zu bezeichnen. Denn man pflegt wohl von mancher aus Erfahrungsquellen abgeleiteten Erkenntnis zu sagen, daß wir ihrer a priori fähig oder teilhaftig sind, weil wir sie nicht unmittelbar aus der Erfahrung, sondern aus einer allgemeinen Regel, die wir gleichwohl selbst doch aus der Erfahrung entlehnt haben, ableiten. So sagt man von jemand, der das Fundament seines Hauses untergrub: er konnte es a priori wissen, daß es einfallen würde, d.i. er durfte nicht auf die Erfahrung, daß es wirklich einfiele, warten. Allein gänzlich a priori konnte er dieses doch auch nicht wissen. Denn daß die Körper schwer sind, und daher, wenn ihnen die Stütze entzogen wird, fallen, mußte ihm doch zuvor durch Erfahrung bekannt werden.
Wir werden also im Verfolg unter Erkenntnissen a priori nicht solche verstehen, die von dieser oder jener,
B 3 sondern die schlechterdings von aller Erfahrung unabhängig stattfinden. Ihnen sind empirische Erkenntnisse, oder solche, die nur a posteriori, d.i. durch Erfahrung, möglich sind, entgegengesetzt. Von den Erkenntnissen a priori heißen aber die jenigen rein, denen gar nichts Empirisches beigemischt ist. So ist z.B. der Satz: eine jede Veränderung hat ihre Ursache, ein Satz a priori, allein nicht rein, weil Veränderung ein Begriff ist, der nur aus der Erfahrung gezogen werden kann.
II. Wir sind im Besitze gewisser Erkenntnisse a priori, und selbst der gemeine Verstand ist niemals ohne solche
Es kommt hier auf ein Merkmal an, woran wir sicher ein reines Erkenntnis vom empirischen unterscheiden können. Erfahrung lehrt uns zwar, daß etwas so oder so beschaffen sei, aber nicht, daß es nicht anders sein könne. Findet sich also erstlich ein Satz, der zugleich mit seiner Notwendigkeit gedacht wird, so ist er ein Urteil a priori, ist er überdem auch von keinem abgeleitet, als der selbst wiederum als ein notwendiger Satz gültig ist, so ist er schlechterdings a priori. Zweitens: Erfahrung gibt niemals ihren Urteilen wahre oder strenge, sondern nur angenommene und komparative Allgemeinheit (durch Induktion), so daß es eigentlich heißen muß: soviel wir bisher
B 4 wahrgenommen haben, findet sich von dieser oder jener Regel keine Ausnahme. Wird also ein Urteil in strengen Allgemeinheit gedacht, d.i. so, daß gar keine Ausnahme als möglich verstattet wird, so ist es nicht von der Erfahrung abgeleitet, sondern schlechterdings a priori gültig. Die empirische Allgemeinheit ist also nur eine willkürliche Steigerung der Gültigkeit, von der, welche in den meisten Fällen, zu der, die in allen gilt, wie z.B. in dem Satze: alle Körper sind schwer; wo dagegen strenge Allgemeinheit zu einem Urteile wesentlich gehört, da zeigt diese auf einen besonderen Erkenntnisquell desselben, nämlich ein Vermögen des Erkenntnisses a priori. Notwendigkeit und strenge Allgemeinheit sind also sichere Kennzeichen einer Erkenntnis a priori, und gehören auch unzertrennlich zueinander. Weil es aber im Gebrauche derselben bisweilen leichter ist, die empirische Beschränktheit derselben, als die Zufälligkeit in den Urteilen, oder es auch manchmal einleuchtender ist, die unbeschränkte Allgemeinheit, die wir einem Urteile beilegen, als die Notwendigkeit desselben zu zeigen, so ist es ratsam, sich gedachter beider Kriterien, deren jedes für sich unfehlbar ist, abgesondert zu bedienen.
Daß es nun dergleichen notwendige und im strengsten Sinne allgemeine, mithin reine Urteile a priori, im menschlichen Erkenntnis wirklich gebe, ist leicht zu zeigen. Will man ein Beispiel aus Wissenschaften, so darf man nur auf alle Sätze der Mathematik hinaussehen, will man ein solches aus dem gemeinsten
B 5 Verstandesgebrauche, so kann der Satz, daß alle Veränderung eine Ursache haben müsse, dazu dienen; ja in dem letzteren enthält selbst der Begriff einer Ursache so offenbar den Begriff einer Notwendigkeit der Verknüpfung mit einer Wirkung und einer strengen Allgemeinheit der Regel, daß er gänzlich verlorengehen würde, wenn man ihn, wie Hume tat, von einer öftern Beigesellung dessen, was geschieht, mit dem, was vorhergeht, und einer daraus entspringenden Gewohnheit, (mithin bloß subjektiven Notwendigkeit,) Vorstellungen zu verknüpfen, ableiten wollte. Auch könnte man, ohne dergleichen Beispiele zum Beweise der Wirklichkeit reiner Grundsätze a priori in unserem Erkenntnisse zu bedürfen, dieser ihre Unentbehrlichkeit zur Möglichkeit der Erfahrung selbst, mithin a priori dartun. Denn wo wollte selbst Erfahrung ihre Gewißheit hernehmen, wenn alle Regeln, nach denen sie fortgeht, immer wieder empirisch, mithin zufällig wären; daher man diese schwerlich für erste Grundsätze gelten lassen kann. Allein hier können wir uns damit begnügen, den reinen Gebrauch unseres Erkenntnisvermögens als Tatsache samt den Kennzeichen desselben dargelegt zu haben. Aber nicht bloß in Urteilen, sondern selbst in Begriffen zeigt sich ein Ursprung einiger derselben a priori. Lasset von eurem Erfahrungsbegriffe eines Körpers alles, was daran empirisch ist, nach und nach weg: die Farbe, die Härte oder Weiche, die Schwere, selbst die Undurchdringlichkeit, so bleibt doch der Raum übrig, den er (welcher nun ganz verschwunden ist) einnahm, und den
B 6 könnt ihr nicht weglassen. Ebenso, wenn ihr von eurem empirischen Begriffe eines jeden, körperlichen oder nicht körperlichen, Objekts alle Eigenschaften weglaßt, die euch die Erfahrung lehrt; so könnt ihr ihm doch nicht diejenige nehmen, dadurch ihr es als Substanz oder einer Substanz anhängend denkt, (obgleich dieser Begriff mehr Bestimmung enthält, als der eines Objekts überhaupt). Ihr müßt also, überführt durch die Notwendigkeit, womit sich dieser Begriff euch aufdringt, gestehen, daß er in eurem Erkenntnisvermögen a priori seinen Sitz habe.
III. Die Philosophie bedarf einer Wissenschaft, welche die Möglichkeit, die Prinzipien und den Umfang aller Erkenntnisse a priori bestimme
Was noch weit mehr sagen will als alles vorige, ist dieses, daß gewisse Erkenntnisse sogar das Feld aller möglichen Erfahrungen verlassen, und durch Begriffe, denen überall kein entsprechender Gegenstand in der Erfahrung gegeben werden kann, den Umfang unserer Urteile über alle Grenzen derselben zu erweitern den Anschein haben.
Und gerade in diesen letzteren Erkenntnissen, welche über die Sinnenwelt hinausgehen, wo Erfahrung gar keinen Leitfaden, noch Berichtigung geben kann, liegen die Nachforschungen unserer Vernunft, die wir, der
B 7 Wichtigkeit nach, für weit vorzüglicher, und ihre Endabsicht für viel erhabener halten, als alles, was der Verstand im Felde der Erscheinungen lernen kann, wobei wir, sogar auf die Gefahr zu irren, eher alles wagen, als daß wir so angelegene Untersuchungen aus irgendeinem Grunde der Bedenklichkeit, oder aus Geringschätzung und Gleichgültigkeit aufgeben sollten. Diese unvermeidlichen Aufgaben der reinen Vernunft selbst sind Gott, Freiheit und Unsterblichkeit. Die Wissenschaft aber, deren Endabsicht mit allen ihren Zurüstungen eigentlich nur auf die Auflösung derselben gerichtet ist, heißt Metaphysik, deren Verfahren im Anfange dogmatisch ist, d.i. ohne vorhergehende Prüfung des Vermögens oder Unvermögens der Vernunft zu einer so großen Unternehmung zuversichtlich die Ausführung übernimmt.
Nun scheint es zwar natürlich, daß, sobald man den Boden der Erfahrung verlassen hat, man doch nicht mit Erkenntnissen, die man besitzt, ohne zu wissen woher, und auf den Kredit der Grundsätze, deren Ursprung man nicht kennt, sofort ein Gebäude errichten werde, ohne der Grundlegung desselben durch sorgfältige Untersuchungen vorher versichert zu sein, daß man also vielmehr die Frage vorlängst werde aufgeworfen haben, wie denn der Verstand zu allen diesen Erkenntnissen a priori kommen könne, und welchen Umfang, Gültigkeit und Wert sie haben mögen. In der Tat ist auch nichts natürlicher, wenn man unter dem Worte natürlich das versteht, was billiger- und vernünftigerweise geschehen
B 8 sollte; versteht man aber darunter das, was gewöhnlichermaßen geschieht, so ist hinwiederum nichts natürlicher und begreiflicher, als daß diese Untersuchung lange unterbleiben mußte. Denn ein Teil dieser Erkenntnisse, als die mathematischen, ist im alten Besitze der Zuverlässigkeit, und gibt dadurch eine günstige Erwartung auch für andere, ob diese gleich von ganz verschiedener Natur sein mögen. Überdem, wenn man über den Kreis der Erfahrung hinaus ist, so ist man sicher, durch Erfahrung nicht widerlegt zu werden. Der Reiz, seine Erkenntnisse zu erweitern, ist so groß, daß man nur durch einen klaren Widerspruch, auf den man stößt, in seinem Fortschritte aufgehalten werden kann. Dieser aber kann vermieden werden, wenn man seine Erdichtungen nur behutsam macht, ohne daß sie deswegen weniger Erdichtungen bleiben. Die Mathematik gibt uns ein glänzendes Beispiel, wie weit wir es, unabhängig von der Erfahrung, in der Erkenntnis a priori bringen können. Nun beschäftigt sie sich zwar mit Gegenständen und Erkenntnissen bloß so weit, als sich solche in der Anschauung darstellen lassen. Aber dieser Umstand wird leicht übersehen, weil gedachte Anschauung selbst a priori gegeben werden kann, mithin von einem bloßen reinen Begriff kaum unterschieden wird. Durch einen solchen Beweis von der Macht der Vernunft eingenommen, sieht der Trieb zur Erweiterung keine Grenzen. Die leichte Taube, indem sie im freien Fluge die Luft teilt, deren Widerstand sie fühlt, könnte die Vorstellung fassen, daß es ihr im luftleeren Raum noch viel l
B 9 besser gelingen werde. Ebenso verließ Plato die Sinnenwelt, weil sie dem Verstande so enge Schranken setzt, und wagte sich jenseit derselben, auf den Flügeln der Ideen, in den leeren Raum des reinen Verstandes. Er bemerkte nicht, daß er durch seine Bemühungen keinen Weg gewönne, denn er hatte keinen Widerhalt, gleichsam zur Unterlage, worauf er sich steifen, und woran er seine Kräfte anwenden konnte, um den Verstand von der Stelle zu bringen. Es ist aber ein gewöhnliches Schicksal der menschlichen Vernunft in der Spekulation, ihr Gebäude so früh, wie möglich, fertigzumachen, und hintennach allererst zu untersuchen, ob auch der Grund dazu gut gelegt sei. Alsdann aber werden allerlei Beschönigungen herbeigesucht, um uns wegen dessen Tüchtigkeit zu trösten, oder auch eine solche späte und gefährliche Prüfung lieber gar abzuweisen. Was uns aber während dem Bauen von aller Besorgnis und Verdacht frei hält, und mit scheinbarer Gründlichkeit schmeichelt, ist dieses. Ein großer Teil, und vielleicht der größte, von dem Geschäfte unserer Vernunft, besteht in Zergliederungen der Begriffe, die wir schon von Gegenständen haben. Dieses liefert uns eine Menge von Erkenntnissen, die, ob sie gleich nichts weiter als Aufklärungen oder Erläuterungen desjenigen sind, was in unsern Begriffen (wiewohl noch auf verworrene Art) schon gedacht worden, doch wenigstens der Form nach neuen Einsichten gleich geschätzt werden, wiewohl sie der Materie, oder dem Inhalte nach die Begriffe, die wir haben, nicht erweitern, sondern nur auseinander setzen.
B 10 Da dieses Verfahren nun eine wirkliche Erkenntnis a priori gibt, die einen sichern und nützlichen Fortgang hat, so erschleicht die Vernunft, ohne es selbst zu merken, unter dieser Vorspiegelung Behauptungen von ganz anderer Art, wo die Vernunft zu gegebenen Begriffen ganz fremde und zwar a priori hinzutut, ohne daß man weiß, wie sie dazu gelangen und ohne sich eine solche Frage auch nur in die Gedanken kommen zu lassen. Ich will daher gleich anfangs von dem Unterschiede dieser zweifachen Erkenntnisart handeln.
IV. Von dem Unterschiede analytischer und synthetischer Urteile
In allen Urteilen, worinnen das Verhältnis eines Subjekts zum Prädikat gedacht wird, (wenn ich nur die bejahenden erwäge, denn auf die verneinenden ist nachher die Anwendung leicht,) ist dieses Verhältnis auf zweierlei Art möglich. Entweder das Prädikat B gehört zum Subjekt A als etwas, was in diesem Begriffe A (versteckterweise) enthalten ist; oder B liegt ganz außer dem Begriff A, ob es zwar mit demselben in Verknüpfung steht. Im ersten Fall nenne ich das Urteil analytisch, in dem andern synthetisch. Analytische Urteile (die bejahenden) sind also diejenigen, in welchen die Verknüpfung des Prädikats mit dem Subjekt durch Identität, diejenigen aber, in denen diese Verknüpfung ohne Identität gedacht wird, sollen synthetische Urteile
B 11 heißen. Die ersteren könnte man auch Erläuterungs-, die andern Erweiterungs-Urteile heißen, weil jene durch das Prädikat nichts zum Begriff des Subjekts hinzutun, sondern diesen nur durch Zergliederung in seine Teilbegriffe zerfällen, die in selbigen schon (obgleich verworren) gedacht waren: dahingegen die letzteren zu dem Begriffe des Subjekts ein Prädikat hinzutun, welches in jenem gar nicht gedacht war, und durch keine Zergliederung desselben hätte können herausgezogen werden. Z.B. wenn ich sage: alle Körper sind ausgedehnt, so ist dies ein analytisch Urteil. Denn ich darf nicht über den Begriff, den ich mit dem Körper verbinde, hinausgehen, um die Ausdehnung, als mit demselben verknüpft, zu finden, sondern jenen Begriff nur zergliedern, d.i. des Mannigfaltigen, welches ich jederzeit in ihm denke, mir nur bewußt werden, um dieses Prädikat darin anzutreffen; es ist also ein analytisches Urteil. Dagegen, wenn ich sage: alle Körper sind schwer, so ist das Prädikat etwas ganz anderes, als das, was ich in dem bloßen Begriff eines Körpers überhaupt denke. Die Hinzufügung eines solchen Prädikats gibt also ein synthetisch Urteil.
Erfahrungsurteile, als solche, sind insgesamt synthetisch. Denn es wäre ungereimt, ein analytisches Urteil auf Erfahrung zu gründen, weil ich aus meinem Begriffe gar nicht hinausgehen darf, um das Urteil abzufassen, und also kein Zeugnis der Erfahrung dazu nötig habe. Daß ein Körper ausgedehnt sei, ist ein Satz, der a priori feststeht, und kein
B 12 Erfahrungsurteil. Denn, ehe ich zur Erfahrung gehe, habe ich alle Bedingungen zu meinem Urteile schon in dem Begriffe, aus welchem ich das Prädikat nach dem Satze des Widerspruchs nur herausziehen, und dadurch zugleich der Notwendigkeit des Urteils bewußt werden kann, welche mir Erfahrung nicht einmal lehren würde. Dagegen, ob ich schon in dem Begriff eines Körpers überhaupt das Prädikat der Schwere gar nicht einschließe, so bezeichnet jener doch einen Gegenstand der Erfahrung durch einen Teil derselben, zu welchem ich also noch andere Teile eben derselben Erfahrung, als zu dem ersteren gehörten, hinzufügen kann. Ich kann den Begriff des Körpers vorher analytisch durch die Merkmale der Ausdehnung, der Undurchdringlichkeit, der Gestalt usw., die alle in diesem Begriffe gedacht werden, erkennen. Nun erweitere ich aber meine Erkenntnis, und, indem ich auf die Erfahrung zurücksehe, von welcher ich diesen Begriff des Körpers abgezogen hatte, so finde ich mit obigen Merkmalen auch die Schwere jederzeit verknüpft, und füge also diese als Prädikat zu jenem Begriffe synthetisch hinzu. Es ist also die Erfahrung, worauf sich die Möglichkeit der Synthesis des Prädikats der Schwere mit dem Begriffe des Körpers gründet, weil beide Begriffe, ob zwar einer nicht in dem anderen enthalten ist, dennoch als Teile eines Ganzen, nämlich der Erfahrung, die selbst eine synthetische Verbindung der Anschauungen ist, zueinander, wiewohl nur zufälligerweise, gehören.
Aber bei synthetischen Urteilen a priori fehlt dieses Hilfsmittel ganz und gar. Wenn ich über den
B 13 Begriff A hinausgehen soll, um einen andern B als damit verbunden zu erkennen, was ist das, worauf ich mich stütze, und wodurch die Synthesis möglich wird? da ich hier den Vorteil nicht habe, mich im Felde der Erfahrung danach umzusehen. Man nehme den Satz: Alles, was geschieht, hat seine Ursache. In dem Begriff von etwas, das geschieht, denke ich zwar ein Dasein, vor welchem eine Zeit vorhergeht usw. und daraus lassen sich analytische Urteile ziehen. Aber der Begriff einer Ursache liegt ganz außer jenem Begriffe, und zeigt etwas von dem, was geschieht, Verschiedenes an, ist also in dieser letzteren Vorstellung gar nicht mit enthalten. Wie komme ich denn dazu, von dem, was überhaupt geschieht, etwas davon ganz Verschiedenes zu sagen, und den Begriff der Ursache, obzwar in jenem nicht enthalten, dennoch, als dazu und sogar notwendig gehörig, zu erkennen. Was ist hier das Unbekannte = X, worauf sich der Verstand stützt, wenn er außer dem Begriff von A ein demselben fremdes Prädikat B aufzufinden glaubt, welches er gleichwohl damit verknüpft zu sein erachtet? Erfahrung kann es nicht sein, weil der angeführte Grundsatz nicht allein mit größerer Allgemeinheit, sondern auch mit dem Ausdruck der Notwendigkeit, mithin gänzlich a priori und aus bloßen Begriffen, diese zweite Vorstellungen zu der ersteren hinzugefügt. Nun beruht auf solchen synthetischen d.i. Erweiterungs-Grundsätzen die ganze Endabsicht unserer spekulativen Erkenntnis a priori; denn die analytischen sind zwar höchst wichtig und nötig, aber nur
B 14 um zu derjenigen Deutlichkeit der Begriffe zu gelangen, die zu einer sicheren und ausgebreiteten Synthesis, als zu einem wirklich neuen Erwerb, erforderlich ist.
V. In allen theoretischen Wissenschaften der Vernunft sind synthetische Urteile a priori als Prinzipien enthalten
1 Mathematische Urteile sind insgesamt synthetisch. Dieser Satz scheint den Bemerkungen der Zergliederer der menschlichen Vernunft bisher entgangen, ja allen ihren Vermutungen gerade entgegengesetzt zu sein, ob er gleich unwidersprechlich gewiß und in der Folge sehr wichtig ist. Denn weil man fand, daß die Schlüsse der Mathematiker alle nach dem Satze des Widerspruchs fortgehen, (welches die Natur einer jeden apodiktischen Gewißheit erfordert,) so überredet man sich, daß auch die Grundsätze aus dem Satze des Widerspruchs erkannt würden; worin sie sich irrten; denn ein synthetischer Satz kann allerdings nach dem Satze des Widerspruchs eingesehen werden, aber nur so, daß ein anderer synthetischen Satz vorausgesetzt wird, aus dem er gefolgert werden kann, niemals aber an sich selbst.
Zuvörderst muß bemerkt werden: daß eigentliche mathematische Sätze jederzeit Urteile a priori und nicht empirisch sind, weil sie Notwendigkeit bei sich führen, welche aus Erfahrung nicht abgenommen werden kann.
B 15 Will man aber dieses nicht einräumen, wohlan, so schränke ich meinen Satz auf die reine Mathematik ein, deren Begriff es schon mit sich bringt, daß sie nicht empirische, sondern bloß reine Erkenntnis a priori enthalte.
Man sollte anfänglich zwar denken: daß der Satz 7 + 5 = 12 ein bloß analytischer Satz sei, der aus dem Begriffe einer Summe von Sieben und Fünf nach dem Satze des Widerspruches erfolge. Allein, wenn man es näher betrachtet, so findet man, daß der Begriff der Summe von 7 und 5 nichts weiter enthalte, als die Vereinigung beider Zahlen in eine einzige, wodurch ganz und gar nicht gedacht wird, welches diese einzige Zahl sei, die beide zusammenfaßt. Der Begriff von Zwölf ist keineswegs dadurch schon gedacht, daß ich mir bloß jene Vereinigung von Sieben und Fünf denke, und, ich mag meinen Begriff von einer solchen möglichen Summe noch solange zergliedern, so werde ich doch darin die Zwölf nicht antreffen. Man muß über diese Begriffe hinausgehen, indem man die Anschauung zu Hilfe nimmt, die einem von beiden korrespondiert, etwa seine fünf Finger, oder (wie Segner in seiner Arithmetik) fünf Punkte, und so nach und nach die Einheiten der in der Anschauung gegebenen Fünf zu dem Begriffe der Sieben hinzutut. Denn ich nehme zuerst die Zahl 7, und, indem ich für den Begriff der 5 die Finger meiner Hand als Anschauung zu Hilfe nehme, so tue ich die Einheiten, die ich vorher
B 16 zusammennahm, um die Zahl 5 auszumachen, nun an jenem meinem Bilde nach und nach zur Zahl 7, und sehe so die Zahl 12 entspringen. Daß 7 zu 5 hinzugetan werden sollten, habe ich zwar in dem Begriffe einer Summe = 7 + 5 gedacht, aber nicht, daß diese Summe der Zahl 12 gleich sei. Der arithmetische Satz ist also jederzeit synthetisch; welches man desto deutlicher inne wird, wenn man etwas größere Zahlen nimmt, da es dann klar einleuchtet, daß, wir möchten unsere Begriffe drehen und wenden, wie wir wollen, wir, ohne die Anschauung zu Hilfe zu nehmen, vermittels der bloßen Zergliederung unserer Begriffe die Summe niemals finden könnten.
Ebensowenig ist irgendein Grundsatz der reinen Geometrie analytisch. Daß die gerade Linie zwischen zwei Punkten die kürzeste sei, ist ein synthetischen Satz. Denn mein Begriff vom Geraden enthält nichts von Größe, sondern nur eine Qualität. Der Begriff des Kürzesten kommt also gänzlich hinzu, und kann durch keine Zergliederung aus dem Begriffe der geraden Linie gezogen werden. Anschauung muß also hier zu Hilfe genommen werden, vermittels deren allein die Synthesis möglich ist.
Einige wenige Grundsätze, welche die Geometer voraussetzen, sind zwar wirklich analytisch und beruhen auf dem Satze des Widerspruchs, sie dienen aber auch nur, wie identische Sätze, zur Kette der Methode und
B 17 nicht als Prinzipien, z.B. a = a, das Ganze ist sich selber gleich, oder (a + b) > a, d.i. das Ganze ist größer als sein Teil. Und doch auch diese selbst, ob sie gleich nach bloßen Begriffen gelten, werden in der Mathematik nur darum zugelassen, weil sie in der Anschauung können dargestellt werden. Was uns hier gemeiniglich glauben macht, als läge das Prädikat solcher apodiktischen Urteile schon in unserm Begriffe, und das Urteil sei also analytisch, ist bloß die Zweideutigkeit des Ausdrucks. Wir sollen nämlich zu einem gegebenen Begriffe ein gewisses Prädikat hinzudenken, und diese Notwendigkeit haftet schon an den Begriffen. Aber die Frage ist nicht, was wir zu dem gegebenen Begriffe hinzudenken sollen, sondern was wir wirklich in ihm, obzwar nur dunkel, denken, und da zeigt sich, daß das Prädikat jenen Begriffen zwar notwendig, aber nicht als im Begriffe selbst gedacht, sondern vermittels einer Anschauung, die zu dem Begriffe hinzukommen muß, anhänge.
2 Naturwissenschaft (Physica) enthält synthetische Urteile a priori als Prinzipien in sich. Ich will nur ein paar Sätze zum Beispiel anführen, als den Satz: daß in allen Veränderungen der körperlichen Welt die Quantität der Materie unverändert bleibe, oder daß, in aller Mitteilung der Bewegung, Wirkung und Gegenwirkung jederzeit einander gleich sein müssen. An beiden ist nicht allein die Notwendigkeit, mithin ihr Ursprung a priori, sondern auch, daß sie synthetische
B 18 Sätze sind, klar. Denn in dem Begriffe der Materie denke ich mir nicht die Beharrlichkeit, sondern bloß ihre Gegenwart im Raume durch die Erfüllung desselben. Also gehe ich wirklich über den Begriff von der- Materie hinaus, um etwas a priori zu ihm hinzuzudenken, was ich in ihm nicht dachte. Der Satz ist also nicht analytisch, sondern synthetisch und dennoch a priori gedacht, und so in den übrigen Sätzen des reinen Teils der Naturwissenschaft.
3 In der Metaphysik, wenn man sie auch nur für eine bisher bloß versuchte, dennoch aber durch die Natur der menschlichen Vernunft unentbehrliche Wissenschaft ansieht, sollen synthetische Erkenntnisse a priori enthalten sein, und es ist ihr gar nicht darum zu tun, Begriffe, die wir uns a priori von Dingen machen, bloß zu zergliedern und dadurch analytisch zu erläutern, sondern wir wollen unsere Erkenntnis a priori erweitern, wozu wir uns solcher Grundsätze bedienen müssen, die über den gegebenen Begriff etwas hinzutun, was in ihm nicht enthalten war, und durch synthetische Urteile a priori wohl gar so weit hinausgehen, daß uns die Erfahrung selbst nicht so weit folgen kann, z.B. in dem Satze: die Welt muß einen ersten Anfang haben, u. a. m. und so besteht Metaphysik wenigstens ihrem Zwecke nach aus lauter synthetischen Sätzen a priori.
B 19 VI. Allgemeine Aufgabe der reinen Vernunft
Man gewinnt dadurch schon sehr viel, wenn man eine Menge von Untersuchungen unter die Formel einer einzigen Aufgabe bringen kann. Denn dadurch erleichtert man sich nicht allein selbst sein eigenes Geschält, indem man es sich genau bestimmt, sondern auch jedem anderen, der es prüfen will, das Urteil, ob wir unserem Vorhaben ein Genüge getan haben oder nicht. Die eigentliche Aufgabe der reinen Vernunft ist nun in der Frage enthalten: Wie sind synthetische Urteile a priori möglich?
Daß die Metaphysik bisher in einem so schwankenden Zustande der Ungewißheit und Widersprüche geblieben ist, ist lediglich der Ursache zuzuschreiben, daß man sich diese Aufgabe und vielleicht sogar den Unterschied der analytischen und synthetischen Urteile nicht früher in Gedanken kommen ließ. Auf der Auflösung dieser Aufgabe, oder einem genugtuenden Beweise, daß die Möglichkeit, die sie erklärt zu wissen verlangt, in der Tat gar nicht stattfinde, beruht nun das Stehen und Fallen der Metaphysik. David Hume, der dieser Aufgabe unter allen Philosophen noch am nächsten trat, sie aber sich bei weitem nicht bestimmt genug und in ihrer Allgemeinheit dachte, sondern bloß bei dem synthetischen Satze der Verknüpfung der Wirkung mit ihren Ursachen (Principium causalitatis) stehen blieb, glaubte
B 20 herauszubringen, daß ein solcher Satz a priori gänzlich unmöglich sei, und nach seinen Schlüssen würde alles, was wir Metaphysik nennen, auf einen bloßen Wahn von vermeinter Vernunfteinsicht dessen hinauslaufen, was in der Tat bloß aus der Erfahrung erborgt und durch Gewohnheit den Schein der Notwendigkeit überkommen hat; auf welche, alle reine Philosophie zerstörende, Behauptung er niemals gefallen wäre, wenn er unsere Aufgabe in ihrer Allgemeinheit vor Augen gehabt hätte, da er dann eingesehen haben würde, daß, nach seinem Argumente, es auch keine reine Mathematik geben könnte, weil diese gewiß synthetische Sätze a priori enthält, vor welcher Behauptung ihn alsdann sein guter Verstand wohl würde bewahrt haben.
In der Auflösung obiger Aufgabe ist zugleich die Möglichkeit des reinen Vernunftgebrauches in Gründung und Ausführung aller Wissenschaften, die eine theoretische Erkenntnis a priori von Gegenständen enthalten, mit begriffen, d.i. die Beantwortung der Fragen:
Wie ist reine Mathematik möglich? Wie ist reine Naturwissenschaft möglich?
Von diesen Wissenschaften, da sie wirklich gegeben sind, läßt sich nun wohl geziemend fragen: wie sie möglich sind; denn daß sie möglich sein müssen, wird durch ihre Wirklichkeit bewiesen*. Was aber Metaphysik
B 21 betrifft, so muß ihr bisheriger schlechter Fortgang, und weil man von keiner einzigen bisher vorgetragenen, was ihren wesentlichen Zweck angeht, sagen kann, sie sei wirklich vorhanden, einen jeden mit Grund an ihrer Möglichkeit zweifeln lassen.
* Von der reinen Naturwissenschaft könnte mancher dieses letztere noch bezweifeln. Allein man darf nur die verschiedenen Sätze, die im Anfange der eigentlichen (empirischen) Physik vorkommen, nachsehen, als den von der Beharrlichkeit derselben Quantität Materie, von der Trägheit, der Gleichheit der Wirkung und Gegenwirkung usw., so wird man bald überzeugt werden, daß sie eine physicam puram (oder rationalem) ausmachen, die es wohl verdient, als eigene Wissenschaft, in ihrem engen oder weiten, aber doch ganzen Umfange, abgesondert aufgestellt zu werden.
Nun ist aber diese Art von Erkenntnis in gewissem Sinne doch auch als gegeben anzusehen, und Metaphysik ist, wenngleich nicht als Wissenschaft, doch als Naturanlage (metaphysica naturalis) wirklich. Denn die menschliche Vernunft geht unaufhaltsam, ohne daß bloße Eitelkeit des Vielwissens sie dazu bewegt, durch eigenes Bedürfnis getrieben bis zu solchen Fragen fort, die durch keinen Erfahrungsgebrauch der Vernunft und daher entlehnte Prinzipien beantwortet werden können, und so ist wirklich in allen Menschen, sobald Vernunft sich in ihnen bis zur Spekulation erweitert, irgendeine Metaphysik zu aller Zeit gewesen, und wird auch immer darin bleiben. Und nun ist auch von dieser die Frage:
B 22 Wie ist Metaphysik als Naturanlage möglich?
d.i. wie entspringen die Fragen, welche reine Vernunft sich aufwirft, und die sie, so gut als sie kann, zu beantworten durch ihr eigenes Bedürfnis getrieben wird, aus der Natur der allgemeinen Menschenvernunft?
Da sich aber bei allen bisherigen Versuchen, diese natürlichen Fragen, z.B. ob die Welt einen Anfang habe, oder von Ewigkeit her sei, usw. zu beantworten, jederzeit unvermeidliche Widersprüche gefunden haben, so kann man es nicht bei der bloßen Naturanlage zur Metaphysik, d.i. dem reinen Vernunftvermögen selbst, woraus zwar immer irgendeine Metaphysik (es sei welche es wolle) erwächst, bewenden lassen, sondern es muß möglich sein, mit ihr es zur Gewißheit zu bringen, entweder im Wissen oder Nicht-Wissen der Gegenstände, d.i. entweder der Entscheidung über die Gegenstände ihrer Fragen, oder über das Vermögen und Unvermögen der Vernunft in Ansehung ihrer etwas zu urteilen, also entweder unsere reine Vernunft mit Zuverlässigkeit zu erweitern, oder ihr bestimmte und sichere Schranken zu setzen. Diese letzte Frage, die aus der obigen allgemeinen Aufgabe fließt, würde mit Recht diese sein: Wie ist Metaphysik als Wissenschaft möglich?
Die Kritik der Vernunft führt also zuletzt notwendig zur Wissenschaft; der dogmatische Gebrauch derselben ohne Kritik dagegen auf grundlose Behauptungen,
B 23 denen man ebenso scheinbare entgegensetzen kann, mithin zum Skeptizismus.
Auch kann diese Wissenschaft nicht von großer abschreckender Weitläufigkeit sein, weil sie es nicht mit Objekten der Vernunft, deren Mannigfaltigkeit unendlich ist, sondern es bloß mit sich selbst, mit Aufgaben, die ganz aus ihrem Schoße entspringen, und ihr nicht durch die Natur der Dinge, die von ihr unterschieden sind, sondern durch ihre eigene vorgelegt sind, zu tun hat; da es denn, wenn sie zuvor ihr eigen Vermögen in Ansehung der Gegenstände, die ihr in der Erfahrung vorkommen mögen, vollständig hat kennenlernen, leicht werden muß, den Umfang und die Grenzen ihres über alle Erfahrungsgrenzen versuchten Gebrauchs vollständig und sicher zu bestimmen.
Man kann also und muß alle bisher gemachten Versuche, eine Metaphysik dogmatisch zustande zu bringen, als ungeschehen ansehen; denn was in der einen oder der anderen Analytisches, nämlich bloße Zergliederung der Begriffe ist, die unserer Vernunft a priori beiwohnen, ist noch gar nicht der Zweck, sondern nur eine Veranstaltung zu der eigentlichen Metaphysik, nämlich seine Erkenntnis a priori synthetisch zu erweitern, und ist zu diesem untauglich, weil sie bloß zeigt, was in diesen Begriffen enthalten ist, nicht aber, wie wir a priori zu solchen Begriffen gelangen, um danach auch ihren gültigen Gebrauch in Ansehung der
B 24 Gegenstände aller Erkenntnis überhaupt bestimmen zu können. Es gehört auch nur wenig Selbstverleugnung dazu, alle diese Ansprüche aufzugeben, da die nicht abzuleugnenden und im dogmatischen Verfahren auch unvermeidlichen Widersprüche der Vernunft mit sich selbst jede bisherige Metaphysik schon längst um ihr Ansehen gebracht haben. Mehr Standhaftigkeit wird dazu nötig sein, sich durch die Schwierigkeit innerlich und den Widerstand äußerlich nicht abhalten zu lassen, eine der menschlichen Vernunft unentbehrliche Wissenschaft, von der man wohl jeden hervorgeschossenen Stamm abhauen, die Wurzel aber nicht ausrotten kann, durch eine andere, der bisherigen ganz entgegengesetzte, Behandlung endlich einmal zu einem gedeihlichen und fruchtbaren Wuchse zu befördern.
VII. Idee und Einteilung einer besonderen Wissenschaft, unter dem Namen der Kritik der reinen Vernunft
Aus diesem allein ergibt sich nun die Idee einer besonderen Wissenschaft, die Kritik der reinen Vernunft heißen kann. Denn ist Vernunft das Vermögen, welches die Prinzipien der Erkenntnis a priori an die Hand gibt. Daher ist reine Vernunft diejenige, welche die Prinzipien, etwas schlechthin a priori zu erkennen, enthält. Ein Organon der reinen Vernunft würde ein Inbegriff derjenigen Prinzipien sein, nach denen alle
B 25 reinen Erkenntnisse a priori können erworben und wirklich zustande gebracht werden. Die ausführliche Anwendung eines solchen Organon würde ein System der reinen Vernunft verschaffen. Da dieses aber sehr viel verlangt ist, und es noch dahin steht, ob auch hier überhaupt eine Erweiterung unserer Erkenntnis, und in welchen Fällen sie möglich sei; so können wir eine Wissenschaft der bloßen Beurteilung der reinen Vernunft, ihrer Quellen und Grenzen, als die Propädeutik zum System der reinen Vernunft ansehen. Eine solche würde nicht eine Doktrin, sondern nur Kritik der reinen Vernunft heißen müssen, und ihr Nutzen würde in Ansehung der Spekulation wirklich nur negativ sein, nicht zur Erweiterung, sondern nur zur Läuterung unserer Vernunft dienen, und sie von Irrtümern frei halten, welches schon sehr viel gewonnen ist. Ich nenne alle Erkenntnis transzendental, die sich nicht sowohl mit Gegenständen, sondern mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen, insofern diese a priori möglich sein soll, überhaupt beschäftigt. Ein System solcher Begriffe würde Transzendental-Philosophie heißen. Diese ist aber wiederum für den Anfang noch zu viel. Denn, weil eine solche Wissenschaft sowohl die analytische Erkenntnis, als die synthetische a priori vollständig enthalten müßte, so ist sie, soweit es unsere Absicht betrifft, von zu weitem Umfange, indem wir die Analysis nur so weit treiben dürfen, als sie unentbehrlich notwendig ist, um die Prinzipien der Synthesis a priori, als warum es uns nur zu tun ist, in ihrem
B 26 ganzen Umfange einzusehen. Diese Untersuchung, die wir eigentlich nicht Doktrin, sondern nur transzendentale Kritik nennen können, weil sie nicht die Erweiterung der Erkenntnisse selbst, sondern nur die Berichtigung derselben zur Absicht hat, und den Probierstein des Werts oder Unwerts aller Erkenntnisse a priori abgeben soll, ist das, womit wir uns jetzt beschäftigen. Eine solche Kritik ist demnach eine Vorbereitung, wo möglich, zu einem Organon, und wenn dieses nicht gelingen sollte, wenigstens zu einem Kanon derselben, nach welchem allenfalls dereinst das vollständige System der Philosophie der reinen Vernunft, es mag nun in Erweiterung oder bloßer Begrenzung ihrer Erkenntnis bestehen, sowohl analytisch als synthetisch dargestellt werden könnte. Denn daß dieses möglich sei, ja daß ein solches System von nicht gar großem Umfange sein könne, um zu hoffen, es ganz zu vollenden, läßt sich schon zum voraus daraus ermessen, daß hier nicht die Natur der Dinge, welche unerschöpflich ist, sondern der Verstand, der über die Natur der Dinge urteilt, und auch dieser wiederum nur in Ansehung seiner Erkenntnis a priori, den Gegenstand ausmacht, dessen Vorrat, weil wir ihn doch nicht auswärtig suchen dürfen, uns nicht verborgen bleiben kann, und allem Vermuten nach klein genug ist, um vollständig aufgenommen, nach seinem Werte oder Unwerte beurteilt und unter richtige Schätzung gebracht zu
B 27 werden. Noch weniger darf man hier eine Kritik der Bücher und Systeme der reinen Vernunft erwarten, sondern die des reinen Vernunftvermögens selbst. Nur allein, wenn diese zum Grunde liegt, hat man einen sicheren Probierstein, den philosophischen Gehalt alter und neuer Werke in diesem Fache zu schätzen; widrigenfalls beurteilt der unbefugte Geschichtsschreiber und Richter grundlose Behauptungen anderer, durch seine eigenen, die ebenso grundlos sind.
Die Transzendental-Philosophie ist die Idee einer Wissenschaft, wozu die Kritik der reinen Vernunft den ganzen Plan architektonisch, d.i. aus Prinzipien, entwerfen soll, mit völliger Gewährleistung der Vollständigkeit und Sicherheit aller Stücke, die dieses Gebäude ausmachen. Sie ist das System aller Prinzipien der reinen Vernunft. Daß diese Kritik nicht schon selbst Transzendental-Philosophie heißt, beruht lediglich darauf, daß sie, um ein vollständiges System zu sein, auch eine ausführliche Analysis der ganzen menschlichen Erkenntnis a priori enthalten müßte. Nun muß zwar unsere Kritik allerdings auch eine vollständige Herzählung aller Stammbegriffe, welche die gedachte reine Erkenntnis ausmachen, vor Augen legen. Allein der ausführlichen Analysis dieser Begriffe selbst, wie auch der vollständigen Rezension der daraus abgeleiteten, enthält sie sich billig, teils weil diese Zergliederung nicht zweckmäßig wäre,
B 28 indem sie die Bedenklichkeit nicht hat, welche bei der Synthesis angetroffen wird, um deren willen eigentlich die ganze Kritik da ist, teils, weil es der Einheit des Planes zuwider wäre, sich mit der Verantwortung der Vollständigkeit einer solchen Analysis und Ableitung zu befassen, deren man in Ansehung seiner Absicht doch überhoben sein konnte. Diese Vollständigkeit der Zergliederung sowohl, als der Ableitung aus den künftig zu liefernden Begriffen a priori, ist indessen leicht zu ergänzen, wenn sie nur allererst als ausführliche Prinzipien der Synthesis da sind, und in Ansehung dieser wesentlichen Absicht nichts ermangelt.
Zur Kritik der reinen Vernunft gehört demnach alles, was die Transzendental-Philosophie ausmacht, und sie ist die vollständige Idee der Transzendental-Philosophie, aber diese Wissenschaft noch nicht selbst; weil sie in der Analysis nur so weit geht, als es zur vollständigen Beurteilung der synthetischen Erkenntnis a priori erforderlich ist.
Das vornehmste Augenmerk bei der Einteilung einer solchen Wissenschaft ist: daß gar keine Begriffe hineinkommen müssen, die irgend etwas Empirisches in sich enthalten; oder daß die Erkenntnis a priori völlig rein sei. Daher, obzwar die obersten Grundsätze der Moralität und die Grundbegriffe derselben, Erkenntnisse a priori sind, so gehören sie doch nicht in die Transzendental-Philosophie, weil sie die
B 29 Begriffe der Lust und Unlust, der Begierden und Neigungen usw., die insgesamt empirischen Ursprungs sind, zwar selbst nicht zum Grunde ihrer Vorschriften legen, aber doch im Begriffe der Pflicht, als Hindernis, das überwunden, oder als Anreiz, der nicht zum Bewegungsgrunde gemacht werden soll, notwendig in die Abfassung des Systems der reinen Sittlichkeit mit hineinziehen müssen. Daher ist die Transzendental-Philosophie eine Weltweisheit der reinen bloß spekulativen Vernunft. Denn alles Praktische, sofern es Triebfedern enthält, bezieht sich auf Gefühle, welche zu empirischen Erkenntnisquellen gehören.
Wenn man nun die Einteilung dieser Wissenschaft aus dem allgemeinen Gesichtspunkte eines Systems überhaupt anstellen will, so muß die, welche wir jetzt vortragen, erstlich eine Elementar-Lehre, zweitens eine Methoden-Lehre der reinen Vernunft enthalten. Jeder dieser Hauptteile würde seine Unterabteilung haben, deren Gründe sich gleichwohl hier noch nicht vortragen lassen. Nur so viel scheint zur Einleitung, oder Vorerinnerung, nötig zu sein, daß es zwei Stämme der menschlichen Erkenntnis gebe, die vielleicht aus einer gemeinschaftlichen, aber uns unbekannten Wurzel entspringen, nämlich Sinnlichkeit und Verstand, durch deren ersteren uns Gegenstände gegeben, durch den zweiten aber gedacht werden. Sofern nun die Sinnlichkeit Vorstellungen a priori enthalten sollte, welche die Bedingung ausmachen,
B 30 unter der uns Gegenstände gegeben werden, so würde sie zur Transzendental-Philosophie gehören. Die transzendentale Sinnenlehre würde zum ersten Teile der Elementarwissenschaft gehören müssen, weil die Bedingungen, worunter allein die Gegenstände der menschlichen Erkenntnis gegeben werden, denjenigen vorgehen, unter welchen selbige gedacht werden.
B 1 Introduction
I. On the distinction between pure and empirical cognition
There is no doubt at all that all our cognition begins with experience. For what else could awaken our cognitive faculty to activity if not objects that affect our senses and partly produce representations of themselves, partly set our understanding into motion to compare these, connect or separate them, and thus work up the raw material of sensible impressions into a cognition of objects called experience? In the order of time, then, no cognition in us precedes experience, and with experience all cognition begins.
But although all our cognition starts with experience, it does not follow that all of it arises from experience. For it could well be that even our cognition through experience is a composite of what we receive through impressions and what our own cognitive faculty, merely prompted by sensible impressions, supplies from itself.
B 2 We do not distinguish this addition from that basic material until long practice has made us attentive to it and skilled at separating it out.
It is therefore at least a question still requiring closer investigation, and not one to be dismissed at first sight, whether there is any such cognition independent of experience and even of all impressions of the senses. Such cognitions are called a priori, and are distinguished from empirical cognitions, whose sources are a posteriori, namely in experience.
That expression, however, is not yet definite enough to convey the full meaning appropriate to the question before us. For it is customary to say of some cognition derived from experiential sources that we are capable of it or possess it a priori, because we derive it not immediately from experience but from a general rule that we have nevertheless ourselves borrowed from experience. Thus one says of someone who undermined the foundation of his house: he could have known a priori that it would collapse; that is, he did not need to wait for the experience of its actual collapse. Yet he could not have known this wholly a priori. For he first had to learn through experience that bodies are heavy and therefore fall when their support is taken away.
In what follows, then, we will understand by a priori cognitions not those that occur independently of this or that experience.
B 3 We mean, rather, those that occur absolutely independently of all experience. Opposed to them are empirical cognitions, or those possible only a posteriori, that is, through experience. Among a priori cognitions, however, those are called pure in which nothing empirical is mixed. Thus, for example, the proposition “Every alteration has its cause” is an a priori proposition, but not a pure one, because alteration is a concept that can be drawn only from experience.
II. We possess certain a priori cognitions, and even ordinary understanding is never without them
What matters here is a mark by which we can securely distinguish a pure cognition from an empirical one. Experience indeed teaches us that something is constituted in this or that way, but not that it cannot be otherwise. First, then, if we find a proposition that is thought together with its necessity, it is an a priori judgment; if, moreover, it is derived from no proposition except one that is itself in turn valid as a necessary proposition, it is absolutely a priori. Second, experience never gives its judgments true or strict universality, but only assumed and comparative universality through induction.
B 4 Properly speaking, it must therefore be said: so far as we have yet perceived, no exception is found to this or that rule. If, then, a judgment is thought with strict universality, that is, in such a way that no exception at all is allowed as possible, it is not derived from experience but is valid absolutely a priori. Empirical universality is therefore only an arbitrary extension of validity from what holds in most cases to what holds in all, as, for example, in the proposition “All bodies are heavy.” Where strict universality belongs essentially to a judgment, by contrast, it points to a special source of its cognition, namely a faculty of a priori cognition. Necessity and strict universality are thus secure marks of an a priori cognition, and also belong inseparably together. Yet in applying them it is sometimes easier to show the empirical limitation of judgments than their contingency, and sometimes more evident to show the unrestricted universality we ascribe to a judgment than its necessity. It is therefore advisable to use these two criteria, each of which is infallible on its own, separately.
It is easy to show that such necessary judgments, universal in the strictest sense and hence pure a priori judgments, actually occur in human cognition. If an example from the sciences is wanted, we need only look to all the propositions of mathematics.
B 5 If one is wanted from the most ordinary use of the understanding, the proposition that every alteration must have a cause will serve. Indeed, in the latter case the very concept of a cause so plainly contains the concept of a necessary connection with an effect and of a strict universality of the rule that it would be entirely lost if we tried, as Hume did, to derive it from a repeated association of what happens with what precedes it, and from a resulting habit—and thus a merely subjective necessity—of connecting representations. Even without needing such examples to prove the actuality of pure a priori principles in our cognition, we could demonstrate their indispensability for the possibility of experience itself, and thus demonstrate it a priori. For where could experience itself obtain its certainty if all the rules according to which it proceeds were always in turn empirical, hence contingent? We could hardly allow these to count as first principles. Here, however, we can be content to have established the pure use of our cognitive faculty as a fact, together with its distinguishing marks. But an a priori origin reveals itself not only in judgments, but even in some concepts. Gradually remove from your experiential concept of a body everything empirical in it: color, hardness or softness, weight, even impenetrability. There still remains the space that the body, now entirely vanished, occupied, and you cannot remove that.
B 6 Likewise, if you remove from your empirical concept of any object, corporeal or incorporeal, all the properties experience teaches you, you still cannot take away the property through which you think it as a substance or as inhering in a substance, although this concept contains more determination than that of an object in general. Convinced by the necessity with which this concept forces itself upon you, you must therefore admit that it has its seat a priori in your cognitive faculty.
III. Philosophy needs a science that determines the possibility, principles, and scope of all a priori cognitions
What signifies far more than everything said so far is this: certain cognitions even leave the field of all possible experiences and seem to enlarge the scope of our judgments beyond all its boundaries through concepts for which no corresponding object can be given anywhere in experience.
Precisely in these latter cognitions, which go beyond the sensible world, where experience can provide neither guidance nor correction, lie the inquiries of our reason.
B 7 We consider these far superior in importance, and their ultimate purpose far more exalted, than anything the understanding can learn in the field of appearances. Here, even at the risk of error, we would sooner venture everything than abandon such important investigations on any grounds of hesitation, or out of contempt and indifference. These unavoidable problems of pure reason itself are God, freedom, and immortality. The science whose ultimate purpose, with all its preparations, is directed properly only toward solving them is called metaphysics. Its procedure is initially dogmatic: that is, without first examining reason’s capacity or incapacity for so great an undertaking, it confidently sets about carrying it out.
Now it does indeed seem natural that, once we have left the ground of experience, we should not immediately erect a building with cognitions we possess without knowing their origin, and on the credit of principles whose source we do not know, without first assuring ourselves of its foundation through careful investigations. It seems, then, that we should long ago have raised the question of how the understanding could arrive at all these a priori cognitions, and what scope, validity, and worth they might have. In fact, nothing is more natural, if by “natural” we understand what ought reasonably and rightly to happen.
B 8 But if we understand by it what ordinarily happens, then nothing is more natural and comprehensible than that this investigation should long have been neglected. For some of these cognitions, mathematical ones, have long possessed reliability, and thus create favorable expectations for others, even though these may be of an entirely different nature. Moreover, once we are beyond the sphere of experience, we are sure not to be refuted by experience. The allure of enlarging our cognitions is so great that only a clear contradiction we encounter can halt our progress. But this can be avoided if we make our inventions cautiously, without their ceasing on that account to be inventions. Mathematics gives us a brilliant example of how far we can go in a priori cognition independently of experience. It does, admittedly, concern itself with objects and cognitions only insofar as these can be presented in intuition. But this circumstance is easily overlooked, because the intuition in question can itself be given a priori and is thus scarcely distinguished from a mere pure concept. Captivated by such a proof of reason’s power, the drive for enlargement sees no boundaries. The light dove, cleaving the air in free flight and feeling its resistance, might imagine that it would fare much better still in airless space.
B 9 Likewise, Plato left the sensible world because it sets such narrow limits to the understanding, and ventured beyond it on the wings of ideas into the empty space of the pure understanding. He did not notice that his efforts made no headway, for he had no resistance, no supporting ground as it were, against which he could brace himself and apply his powers to move the understanding forward. But it is the usual fate of human reason in speculation to finish its building as early as possible and only afterward investigate whether its foundation has been well laid. Then all sorts of embellishments are sought out to reassure us about its soundness, or rather to dismiss such a belated and dangerous examination altogether. What frees us from all anxiety and suspicion while we build, and flatters us with an apparent thoroughness, is this. A great part, perhaps the greatest, of our reason’s business consists in analyzing the concepts we already have of objects. This supplies us with a multitude of cognitions that, although they are nothing more than clarifications or elucidations of what was already thought in our concepts, albeit still confusedly, are nevertheless esteemed, at least in form, as equal to new insights. Yet in matter or content they do not enlarge the concepts we have, but only unfold them. Since this procedure yields an actual a priori cognition that makes secure and useful progress, reason, without itself noticing it, slips in under this pretense assertions of an entirely different kind.
B 10 Here reason adds quite alien concepts to given ones, and does so a priori, without our knowing how it arrives at them, or even letting such a question enter our thoughts. I will therefore deal at the outset with the distinction between these two kinds of cognition.
IV. On the distinction between analytic and synthetic judgments
In all judgments in which the relation of a subject to a predicate is thought—considering only affirmative judgments, since the application to negative ones is easy afterward—this relation is possible in two ways. Either the predicate B belongs to the subject A as something contained (covertly) in this concept A; or B lies entirely outside the concept A, although it stands in connection with it. In the first case I call the judgment analytic, in the second synthetic. Analytic judgments, affirmative ones, are therefore those in which the connection of predicate and subject is thought through identity; those in which this connection is thought without identity are to be called synthetic judgments.
B 11 The former could also be called elucidatory judgments, the latter ampliative judgments. For the former add nothing through the predicate to the concept of the subject, but merely break it up by analysis into its component concepts, which were already thought in it, though confusedly. The latter, by contrast, add to the concept of the subject a predicate not thought in it at all, which could not have been extracted through any analysis of it. For example, if I say, “All bodies are extended,” this is an analytic judgment. For I need not go beyond the concept I combine with body to find extension connected with it; I need only analyze that concept, that is, become conscious of the manifold I always think in it, to encounter this predicate there. It is therefore an analytic judgment. By contrast, if I say, “All bodies are heavy,” the predicate is something quite different from what I think in the mere concept of a body in general. The addition of such a predicate therefore yields a synthetic judgment.
Judgments of experience, as such, are all synthetic. For it would be absurd to found an analytic judgment on experience, since I need not go beyond my concept at all to make the judgment, and thus require no testimony from experience. That a body is extended is a proposition established a priori, not a judgment of experience.
B 12 For before I turn to experience, I already have all the conditions for my judgment in the concept, from which I need only extract the predicate according to the principle of contradiction. In doing so I can at the same time become conscious of the judgment’s necessity, which experience could not even teach me. By contrast, although I do not include the predicate of weight in the concept of a body in general, that concept nevertheless designates an object of experience through one part of experience, to which I can therefore add other parts of that same experience as belonging with the first. I can first cognize the concept of body analytically through the marks of extension, impenetrability, shape, and so on, all of which are thought in this concept. But now I enlarge my cognition: looking back to the experience from which I abstracted this concept of body, I find weight always connected with the marks mentioned above, and thus add it synthetically as a predicate to that concept. It is therefore experience on which the possibility of the synthesis of the predicate of weight with the concept of body is grounded. For although neither concept is contained in the other, the two nevertheless belong together, albeit only contingently, as parts of a whole, namely experience, which is itself a synthetic combination of intuitions.
But in synthetic a priori judgments this aid is entirely lacking.
B 13 If I am to go beyond the concept A to cognize another concept B as combined with it, what is it that I rely on, and through which the synthesis becomes possible? For here I do not have the advantage of looking around for it in the field of experience. Take the proposition “Everything that happens has its cause.” In the concept of something that happens I do indeed think an existence preceded by a time, and so on, and analytic judgments can be drawn from this. But the concept of a cause lies entirely outside that concept and indicates something different from what happens; it is therefore not contained at all in this latter representation. How, then, do I come to say of what happens in general something entirely different from it, and to cognize the concept of cause, although not contained in it, as nevertheless belonging to it, and indeed necessarily? What is here the unknown = X on which the understanding relies when it believes it has found, outside the concept of A, a predicate B alien to it that it nevertheless regards as connected with it? It cannot be experience, because the principle cited adds this second representation to the first not only with greater universality but also with the expression of necessity, hence wholly a priori and from mere concepts. Now the entire ultimate purpose of our speculative a priori cognition rests on such synthetic, that is, ampliative principles.
B 14 For analytic principles are indeed supremely important and necessary, but only to attain that distinctness of concepts required for a secure and extensive synthesis as a genuinely new acquisition.
V. All theoretical sciences of reason contain synthetic a priori judgments as principles
1 Mathematical judgments are all synthetic. This proposition seems hitherto to have escaped the notice of those who analyze human reason, indeed to run directly counter to all their conjectures, although it is indisputably certain and very important in its consequences. For since it was found that mathematicians’ inferences all proceed according to the principle of contradiction, as the nature of every apodictic certainty requires, people persuaded themselves that the principles too were cognized from the principle of contradiction. In this they were mistaken; for a synthetic proposition can certainly be understood in accordance with the principle of contradiction, but only by presupposing another synthetic proposition from which it can be inferred, never in itself.
First of all, it must be noted that properly mathematical propositions are always a priori judgments, not empirical ones, because they carry necessity with them, which cannot be drawn from experience.
B 15 But if this is not conceded, then let me restrict my proposition to pure mathematics, whose very concept entails that it contains not empirical but solely pure a priori cognition.
At first one might indeed think that the proposition 7 + 5 = 12 is merely analytic, following from the concept of a sum of seven and five according to the principle of contradiction. But on closer examination we find that the concept of the sum of 7 and 5 contains nothing more than the union of the two numbers into a single one, which does not at all determine what this single number comprising them both is. The concept of twelve is by no means already thought merely by my thinking that union of seven and five; and however long I analyze my concept of such a possible sum, I will never find twelve in it. We must go beyond these concepts by calling on the intuition that corresponds to one of the two—say, our five fingers, or, as Segner does in his Arithmetic, five points—and thus gradually add the units of the five given in intuition to the concept of seven. For I first take the number 7 and, for the concept of 5, call on the fingers of my hand as an intuition.
B 16 The units that I previously took together to constitute the number 5 I now add, one by one in that image of mine, to the number 7, and so see the number 12 arise. That 7 was to be added to 5 I did indeed think in the concept of a sum = 7 + 5, but not that this sum was equal to the number 12. The arithmetical proposition is therefore always synthetic. We become all the more clearly aware of this when we take somewhat larger numbers; for then it is plainly evident that, however we turn and twist our concepts, we could never find the sum merely by analyzing them without calling on intuition.
Nor is any principle of pure geometry analytic. That the straight line between two points is the shortest is a synthetic proposition. For my concept of straightness contains nothing of magnitude, but only a quality. The concept of the shortest is therefore wholly added to it and cannot be drawn by any analysis from the concept of a straight line. Here, then, intuition must be called on, through which alone the synthesis is possible.
A few principles presupposed by geometers are indeed genuinely analytic and rest on the principle of contradiction.
B 17 But, like identical propositions, they serve only to link the steps of the method, not as principles: for example, a = a, the whole is equal to itself, or (a + b) > a, that is, the whole is greater than its part. Yet even these, although valid through mere concepts, are admitted in mathematics only because they can be presented in intuition. What commonly leads us here to believe that the predicate of such apodictic judgments already lies in our concept, and that the judgment is therefore analytic, is merely the ambiguity of the expression. We are required to think a certain predicate in addition to a given concept, and this necessity already attaches to the concepts. But the question is not what we are required to think in addition to the given concept, but what we actually think in it, though only obscurely. It then becomes clear that the predicate does indeed attach necessarily to those concepts, but not as thought in the concept itself: rather, through an intuition that must be added to the concept.
2 Natural science (Physica) contains synthetic a priori judgments as principles. I will cite only a couple of propositions as examples: that in all alterations of the corporeal world the quantity of matter remains unchanged; or that in every communication of motion, action and reaction must always be equal to one another. In both it is clear not only that they are necessary, hence have an a priori origin, but also that they are synthetic propositions.
B 18 For in the concept of matter I do not think persistence, but merely its presence in space through filling it. I therefore actually go beyond the concept of matter to think something a priori in addition to it that I did not think in it. The proposition is thus not analytic but synthetic, and yet thought a priori; and so it is with the other propositions of the pure part of natural science.
3 Metaphysics, even if we regard it as a science hitherto merely attempted, yet indispensable through the nature of human reason, is to contain synthetic a priori cognitions. Its concern is by no means merely to analyze concepts we form a priori of things and thereby elucidate them analytically. Rather, we wish to enlarge our a priori cognition. For this we must employ principles that add to the given concept something not contained in it, and through synthetic a priori judgments go perhaps so far beyond it that experience itself cannot follow us that far: for example, in the proposition “The world must have a first beginning,” and other such propositions. Thus metaphysics consists, at least in its purpose, entirely of synthetic a priori propositions.
B 19 VI. The general problem of pure reason
Much is already gained if we can bring a multitude of investigations under the formula of a single problem. For we thereby not only lighten our own work by determining it precisely, but also make it easier for anyone who wishes to examine it to judge whether we have satisfied our intention or not. The proper problem of pure reason is now contained in the question: How are synthetic a priori judgments possible?
That metaphysics has hitherto remained in so wavering a condition of uncertainty and contradictions is attributable solely to the fact that this problem, and perhaps even the distinction between analytic and synthetic judgments, was not thought of earlier. The standing or falling of metaphysics now rests on the solution of this problem, or on a satisfactory proof that the possibility it asks to have explained does not in fact exist at all. David Hume, who among all philosophers came closest to this problem, but thought it neither with sufficient precision nor in its universality, stopping instead at the synthetic proposition of the connection of an effect with its causes (Principium causalitatis), believed he had established that such an a priori proposition was entirely impossible.
B 20 According to his conclusions, everything we call metaphysics would amount to a mere delusion of supposed rational insight into what is in fact merely borrowed from experience and has acquired the illusion of necessity through habit. He would never have arrived at this assertion, destructive of all pure philosophy, had he kept our problem in view in its universality. For he would then have seen that, according to his argument, pure mathematics too could not exist, since it certainly contains synthetic a priori propositions; and his good understanding would surely have preserved him from such an assertion.
The solution of the above problem also comprehends the possibility of the pure use of reason in founding and developing all sciences that contain a theoretical a priori cognition of objects; that is, it includes the answers to the questions:
How is pure mathematics possible? How is pure natural science possible?
Since these sciences are actually given, it is entirely fitting to ask how they are possible; for their actuality proves that they must be possible*.
B 21 As for metaphysics, however, its poor progress hitherto, and the fact that of no metaphysics yet presented can it be said, as regards its essential purpose, that it actually exists, must give everyone grounds for doubting its possibility.
* Some might still doubt this last point concerning pure natural science. But one need only look at the various propositions found at the beginning of physics proper (empirical physics)—such as those concerning the persistence of the same quantity of matter, inertia, the equality of action and reaction, and so on—to become convinced that they constitute a physicam puram (or rationalem) that well deserves to be set out separately as a science of its own, in its full scope, whether narrow or wide.
Now in a certain sense this kind of cognition must nevertheless also be regarded as given, and metaphysics is actual, if not as science, then as a natural predisposition (metaphysica naturalis). For human reason advances irresistibly, driven by its own need and not merely moved by the vanity of knowing much, to questions that cannot be answered by any experiential use of reason or by principles borrowed from it. Thus in all human beings, as soon as reason extends in them to speculation, some metaphysics has always actually existed, and will always remain. Of this too, then, the question is:
B 22 How is metaphysics possible as a natural predisposition?
That is, how do the questions pure reason raises for itself, and which its own need drives it to answer as well as it can, arise from the nature of universal human reason?
But since all previous attempts to answer these natural questions—for example, whether the world has a beginning or has existed from eternity, and so on—have always produced unavoidable contradictions, we cannot rest content with the mere natural predisposition to metaphysics, that is, the pure faculty of reason itself, from which some metaphysics, whatever it may be, always grows. Rather, it must be possible to attain certainty with it, either in knowing or in not knowing its objects: that is, to decide either about the objects of its questions or about reason’s capacity or incapacity to judge anything concerning them, and thus either to enlarge our pure reason reliably or to set it definite and secure limits. This last question, which flows from the general problem above, would rightly be: How is metaphysics possible as science?
The critique of reason therefore leads in the end necessarily to science.
B 23 Its dogmatic use without critique, by contrast, leads to groundless assertions against which others equally plausible can be set, and thus to skepticism.
Nor can this science be of a dauntingly great extent, since it deals not with the objects of reason, whose diversity is infinite, but only with reason itself and with problems that arise entirely from its own midst. These are set before it not by the nature of things distinct from it, but by its own nature. Once reason has first become fully acquainted with its own capacity concerning the objects it may encounter in experience, it must therefore be easy to determine fully and securely the scope and boundaries of its attempted use beyond all boundaries of experience.
We can and must therefore regard all attempts hitherto made to bring about a metaphysics dogmatically as if they had never occurred. For whatever is analytic in one or another of them, namely a mere analysis of concepts residing a priori in our reason, is not yet the goal at all, but only a preparation for metaphysics proper: the synthetic enlargement of our a priori cognition. Such analysis is unsuited to this goal, because it shows only what is contained in these concepts, not how we arrive at such concepts a priori, so as then to determine their valid use with regard to the objects of all cognition in general.
B 24 Nor does it take much self-denial to abandon all these claims, since reason’s undeniable contradictions with itself, which are also unavoidable in the dogmatic procedure, have long since deprived every previous metaphysics of its authority. More steadfastness will be needed to keep inward difficulty and outward resistance from deterring us, through a different treatment wholly opposed to the previous one, from at last bringing to healthy and fruitful growth a science indispensable to human reason, of which we may cut off every stem that has shot up, but cannot uproot the root.
VII. The idea and division of a special science called the critique of pure reason
From this alone there now emerges the idea of a special science that can be called the critique of pure reason. For reason is the faculty that supplies the principles of a priori cognition. Pure reason is therefore that which contains the principles for cognizing something absolutely a priori. An organon of pure reason would be the sum total of certain principles.
B 25 According to these principles, all pure a priori cognitions can be acquired and actually brought about. The full application of such an organon would yield a system of pure reason. But since this is a great deal to ask, and it remains unsettled whether an enlargement of our cognition is possible here at all, and in which cases, we can regard a science that merely judges pure reason, its sources and boundaries, as the propaedeutic to the system of pure reason. Such a science would have to be called not a doctrine but only a critique of pure reason. Its benefit with respect to speculation would really be merely negative: it would serve not to enlarge our reason but only to purify it and keep it free from errors, which is already a considerable gain. I call all cognition transcendental that concerns itself not so much with objects as with our way of cognizing objects in general, insofar as this is to be possible a priori. A system of such concepts would be called transcendental philosophy. But this, in turn, is still too much for a beginning. For since such a science would have to contain both analytic and synthetic a priori cognition completely, its scope is too wide for our intention, since we need carry the analysis only so far as is indispensably necessary for insight into the principles of a priori synthesis in their full scope, which alone is our concern.
B 26 This investigation is what now occupies us. We can properly call it not doctrine but only transcendental critique, because its aim is not the enlargement of cognitions themselves but only their correction, and it is to provide the touchstone of the worth or worthlessness of all a priori cognitions. Such a critique is accordingly a preparation, if possible, for an organon, and, should this fail, at least for a canon of these cognitions, according to which the complete system of the philosophy of pure reason could one day be presented both analytically and synthetically, whether it consists in enlarging reason’s cognition or merely in delimiting it. For that this is possible, indeed that such a system need not be too extensive for us to hope to complete it entirely, can already be judged beforehand from the fact that the object here is not the inexhaustible nature of things, but the understanding that judges the nature of things, and this, in turn, only with regard to its a priori cognition. Since we need not seek the understanding’s stock outside ourselves, it cannot remain hidden from us; and it is presumably small enough to be surveyed completely, judged as to its worth or worthlessness, and correctly appraised.
B 27 Still less should one expect here a critique of books and systems of pure reason, rather than of the pure faculty of reason itself. Only when this is laid at the foundation do we have a secure touchstone for assessing the philosophical content of old and new works in this field. Otherwise the unauthorized historian and judge assesses others’ groundless assertions by his own, which are equally groundless.
Transcendental philosophy is the idea of a science for which the critique of pure reason is to draw up the entire plan architectonically, that is, from principles, fully guaranteeing the completeness and security of all the parts that constitute this building. It is the system of all principles of pure reason. That this critique is not itself already called transcendental philosophy rests solely on the fact that, to be a complete system, it would also have to contain a full analysis of the whole of human a priori cognition. Our critique must indeed place before us a complete enumeration of all the fundamental concepts constituting the pure cognition in question. But it rightly refrains from a full analysis of these concepts themselves, as also from a complete survey of those derived from them.
B 28 This is partly because such an analysis would not serve its purpose, since it does not involve the difficulty encountered in synthesis, for whose sake the entire critique properly exists; and partly because it would run counter to the unity of the plan to assume responsibility for the completeness of an analysis and derivation from which its intention could dispense us. This completeness, both of analysis and of derivation from the a priori concepts to be supplied later, is nevertheless easy to add, once they are first present as fully set-out principles of synthesis and nothing is lacking with regard to this essential intention.
Everything that constitutes transcendental philosophy thus belongs to the critique of pure reason, and it is the complete idea of transcendental philosophy, but not yet that science itself, because it carries the analysis only so far as is required for the complete assessment of synthetic a priori cognition.
The chief consideration in dividing such a science is this: no concepts containing anything empirical must enter into it; in other words, the a priori cognition must be wholly pure. Thus, although the supreme principles of morality and its fundamental concepts are a priori cognitions, they nevertheless do not belong to transcendental philosophy.
B 29 For although they do not themselves base their precepts on the concepts of pleasure and displeasure, desires and inclinations, and so on, all of which are of empirical origin, they must nevertheless, in the concept of duty, necessarily bring them into the composition of the system of pure morality, either as an obstacle to be overcome or as an inducement that must not be made a motive. Transcendental philosophy is therefore a philosophy of pure, merely speculative reason. For everything practical, insofar as it contains incentives, relates to feelings, which belong to empirical sources of cognition.
If we now wish to divide this science from the general standpoint of a system as such, the science we are presenting must contain, first, a doctrine of elements and, second, a doctrine of method of pure reason. Each of these main parts would have its subdivisions, the grounds of which, however, cannot yet be set out here. Only this much seems necessary by way of introduction or preliminary reminder: there are two stems of human cognition, which perhaps arise from a common but to us unknown root, namely sensibility and understanding. Through the former objects are given to us; through the latter they are thought. Now insofar as sensibility may contain a priori representations constituting the condition under which objects are given to us, it would belong to transcendental philosophy.
B 30 The transcendental doctrine of the senses would have to belong to the first part of the science of elements, because the conditions under which alone the objects of human cognition are given precede those under which they are thought.
Transcendental Aesthetic
B 31 Kritik der reinen Vernunft
I. Transzendentale Elementarlehre
B 33 Der transzendentalen Elementarlehre Erster Teil Die transzendentale Ästhetik
§ 1
Auf welche Art und durch welche Mittel sich auch immer eine Erkenntnis auf Gegenstände beziehen mag, es ist doch diejenige, wodurch sie sich auf dieselbe unmittelbar bezieht, und worauf alles Denken als Mittel abzweckt, die Anschauung. Diese findet aber nur statt, sofern uns der Gegenstand gegeben wird; dieses aber ist wiederum, uns Menschen wenigstens, nur dadurch möglich, daß er das Gemüt auf gewisse Weise affiziere. Die Fähigkeit (Rezeptivität), Vorstellungen durch die Art, wie wir von Gegenständen affiziert werden, zu bekommen, heißt Sinnlichkeit. Vermittelst der Sinnlichkeit also werden uns Gegenstände gegeben, und sie allein liefert uns Anschauungen; durch den Verstand aber werden sie gedacht, und von ihm entspringen Begriffe. Alles Denken aber muß sich, es sei geradezu (direkte) oder im Umschweife (indirekte), vermittelst gewisser Merkmale, zuletzt auf Anschauungen, mithin, bei uns, auf Sinnlichkeit beziehen, weil uns auf andere Weise kein Gegenstand gegeben werden kann.
B 34 Die Wirkung eines Gegenstandes auf die Vorstellungsfähigkeit, sofern wir von demselben affiziert werden, ist Empfindung. Diejenige Anschauung, welche sich auf den Gegenstand durch Empfindung bezieht, heißt empirisch. Der unbestimmte Gegenstand einer empirischen Anschauung heißt Erscheinung.
In der Erscheinung nenne ich das, was der Empfindung korrespondiert, die Materie derselben, dasjenige aber, welches macht, daß das Mannigfaltige der Erscheinung in gewissen Verhältnissen geordnet werden kann, nenne ich die Form der Erscheinung. Da das, worinnen sich die Empfindungen allein ordnen, und in gewisse Form gestellt werden können, nicht selbst wiederum Empfindung sein kann, so ist uns zwar die Materie aller Erscheinung nur a posteriori gegeben, die Form derselben aber muß zu ihnen insgesamt im Gemüte a priori bereitliegen und daher abgesondert von aller Empfindung können betrachtet werden.
Ich nenne alle Vorstellungen rein (im transzendentalen Verstande), in denen nichts, was zur Empfindung gehört, angetroffen wird. Demnach wird die reine Form sinnlicher Anschauungen überhaupt im Gemüte a priori angetroffen werden, worinnen alles Mannigfaltige der Erscheinungen in gewissen Verhältnissen angeschaut wird. Diese reine Form der Sinnlichkeit wird auch selber reine
B 35 Anschauung heißen. So, wenn ich von der Vorstellung eines Körpers das, was der Verstand davon denkt, als Substanz, Kraft, Teilbarkeit usw., imgleichen, was davon zur Empfindung gehört, als Undurchdringlichkeit, Härte, Farbe usw. absondere, so bleibt mir aus dieser empirischen Anschauung noch etwas übrig, nämlich Ausdehnung und Gestalt. Diese gehören zur reinen Anschauung, die a priori, auch ohne einen wirklichen Gegenstand der Sinne oder Empfindung, als eine bloße Form der Sinnlichkeit im Gemüte stattfindet.
Eine Wissenschaft von allen Prinzipien der Sinnlichkeit a priori nenne ich die transzendentale Ästhetik*. Es muß also eine solche Wissenschaft geben, die
B 36 den ersten Teil der transzendentalen Elementarlehre ausmacht, im Gegensatz derjenigen, welche die Prinzipien des reinen Denkens enthält, und transzendentale Logik genannt wird.
* Die Deutschen sind die einzigen, welche sich jetzt des Worts Ästhetik bedienen, um dadurch das zu bezeichnen, was andere Kritik des Geschmacks heißen. Es liegt hier eine verfehlte Hoffnung zum Grunde, die der vortreffliche Analyst Baumgarten faßte, die kritische Beurteilung des Schönen unter Vernunftprinzipien zu bringen, und die Regeln derselben zur Wissenschaft zu erheben. Allein diese Bemühung ist vergeblich. Denn gedachte Regeln oder Kriterien sind ihren vornehmsten Quellen nach bloß empirisch, und können also niemals zu bestimmten Gesetzen a priori dienen, wonach sich unser Geschmacksurteil richten müßte, vielmehr macht das letztere den eigentlichen Probierstein der Richtigkeit der ersteren aus. Um deswillen ist es ratsam, diese Benennung entweder wiederum eingehen zu lassen, und sie derjenigen Lehre aufzubehalten, die wahre Wissenschaft ist, (wodurch man auch der Sprache und dem Sinne der Alten näher treten würde, bei denen die Einteilung der Erkenntnis in aistheta kai noeta sehr berühmt war), oder sich in die Benennung mit der spekulativen Philosophie zu teilen und die Ästhetik teils im transzendentalen Sinne, teils in psychologischer Bedeutung zu nehmen.
In der transzendentalen Ästhetik also werden wir zuerst die Sinnlichkeit isolieren, dadurch, daß wir alles absondern, was der Verstand durch seine Begriffe dabei denkt, damit nichts als empirische Anschauung übrigbleibe. Zweitens werden wir von dieser noch alles, was zur Empfindung gehört, abtrennen, damit nichts als reine Anschauung und die bloße Form der Erscheinungen übrigbleibe, welches das einzige ist, das die Sinnlichkeit a priori liefern kann. Bei dieser Untersuchung wird sich finden, daß es zwei reine Formen sinnlicher Anschauung, als Prinzipien der Erkenntnis a priori gebe, nämlich Raum und Zeit, mit deren Erwägung wir uns jetzt beschäftigen werden.
B 37 Der transzendentalen Ästhetik Erster Abschnitt Von dem Raume
§ 2 Metaphysische Erörterung dieses Begriffs
Vermittelst des äußeren Sinnes, (einer Eigenschaft unseres Gemüts), stellen wir uns Gegenstände als außer uns, und diese insgesamt im Raume vor. Darinnen ist ihre Gestalt, Größe und Verhältnis gegeneinander bestimmt, oder bestimmbar. Der innere Sinn, vermittelst dessen das Gemüt sich selbst, oder seinen inneren Zustand anschaut, gibt zwar keine Anschauung von der Seele selbst, als einem Objekt; allein es ist doch eine bestimmte Form, unter der die Anschauung ihres inneren Zustandes allein möglich ist, so daß alles, was zu den inneren Bestimmungen gehört, in Verhältnissen der Zeit vorgestellt wird. Äußerlich kann die Zeit nicht angeschaut werden, so wenig wie der Raum, als etwas in uns. Was sind nun Raum und Zeit? Sind es wirkliche Wesen? Sind es zwar nur Bestimmungen, oder auch Verhältnisse der Dinge, aber doch solche, welche ihnen auch an sich zukommen würden, wenn sie auch nicht angeschaut würden, oder sind sie solche, die nur an der Form der Anschauung allein haften, und mithin an
B 38 der subjektiven Beschaffenheit unseres Gemüts, ohne welche diese Prädikate gar keinem Dinge beigelegt werden können? Um uns hierüber zu belehren, wollen wir zuerst den Begriff des Raumes erörtern. Ich verstehe aber unter Erörterung (expositio) die deutliche, (wenn gleich nicht ausführliche) Vorstellung dessen, was zu einem Begriffe gehört; metaphysisch aber ist die Erörterung, wenn sie dasjenige enthält, was den Begriff, als a priori gegeben, darstellt.
1 Der Raum ist kein empirischer Begriff, der von äußeren Erfahrungen abgezogen worden. Denn damit gewiße Empfindungen auf etwas außer mich bezogen werden, (d.i. auf etwas in einem anderen Orte des Raumes, als darinnen ich mich befinde), imgleichen damit ich sie als außer- und nebeneinander, mithin nicht bloß verschieden, sondern als in verschiedenen Orten vorstellen könne, dazu muß die Vorstellung des Raumes schon zum Grunde liegen. Demnach kann die Vorstellung des Raumes nicht aus den Verhältnissen der äußeren Erscheinung durch Erfahrung erborgt sein, sondern diese äußere Erfahrung ist selbst nur durch gedachte Vorstellung allererst möglich.
2 Der Raum ist eine notwendige Vorstellung a priori, die allen äußeren Anschauungen zum Grunde liegt. Man kann sich niemals eine Vorstellung davon machen, daß kein Raum sei, ob man sich gleich ganz wohl denken kann, daß keine Gegenstände darin
B 39 angetroffen werden. Er wird also als die Bedingung der Möglichkeit der Erscheinungen, und nicht als eine von ihnen abhängende Bestimmung angesehen, und ist eine Vorstellung a priori, die notwendigerweise äußeren Erscheinungen zum Grunde liegt.
3 Der Raum ist kein diskursiver oder, wie man sagt, allgemeiner Begriff von Verhältnissen der Dinge überhaupt sondern eine reine Anschauung. Denn erstlich kann man sich nur einen einigen Raum vorstellen, und wenn man von vielen Räumen redet, so versteht man darunter nur Teile eines und desselben alleinigen Raumes. Diese Teile können auch nicht vor dem einigen allbefassenden Raume gleichsam als dessen Bestandteile (daraus seine Zusammensetzung möglich sei) vorhergehen, sondern nur in ihm gedacht werden. Er ist wesentlich einig, das Mannigfaltige in ihm, mithin auch der allgemeine Begriff von Räumen überhaupt, beruht lediglich auf Einschränkungen. Hieraus folgt, daß in Ansehung seiner eine Anschauung a priori (die nicht empirisch ist) allen Begriffen von demselben zum Grunde liegt. So werden auch alle geometrischen Grundsätze, z.E. daß in einem Triangel zwei Seiten zusammen größer sind, als die dritte, niemals aus allgemeinen Begriffen von Linie und Triangel, sondern aus der Anschauung und zwar a priori mit apodiktischer Gewißheit abgeleitet.
4 Der Raum wird als eine unendliche gegebene Größe vorgestellt. Nun muß man zwar einen jeden
B 40 Begriff als eine Vorstellung denken, die in einer unendlichen Menge von verschiedenen möglichen Vorstellungen (als ihr gemeinschaftliches Merkmal) enthalten ist, mithin diese unter sich enthält, aber kein Begriff, als ein solcher, kann so gedacht werden, als ob er eine unendliche Menge von Vorstellungen in sich enthielte. Gleichwohl wird der Raum so gedacht (denn alle Teile des Raumes ins Unendliche sind zugleich). Also ist die ursprüngliche Vorstellung vom Raume Anschauung a priori, und nicht Begriff.
§ 3 Transzendentale Erörterung des Begriffs vom Raume
Ich verstehe unter einer transzendentalen Erörterung die Erklärung eines Begriffes, als eines Prinzips, woraus die Möglichkeit anderer synthetischen Erkenntnisse a priori eingesehen werden kann. Zu dieser Absicht wird erfordert, 1) daß wirklich dergleichen Erkenntnisse aus dem gegebenen Begriffe herfließen, 2) daß diese Erkenntnisse nur unter der Voraussetzung einer gegebenen Erklärungsart dieses Begriffs möglich sind.
Geometrie ist eine Wissenschaft, welche die Eigenschaften des Raumes synthetisch und doch a priori bestimmt. Was muß die Vorstellung des Raumes denn sein, damit eine solche Erkenntnis von ihm möglich sei? Er muß ursprünglich Anschauung sein; denn aus einem
B 41 bloßen Begriffe lassen sich keine Sätze, die über den Begriff hinausgehen, ziehen, welches doch in der Geometrie geschieht (Einleitung V). Aber diese Anschauung muß a priori, d.i. vor aller Wahrnehmung eines Gegenstandes, in uns angetroffen werden, mithin reine, nicht empirische Anschauung sein. Denn die geometrischen Sätze sind insgesamt apodiktisch, d.i. mit dem Bewußtsein der Notwendigkeit verbunden, z.B. der Raum hat nur drei Abmessungen; dergleichen Sätze aber können nicht empirische oder Erfahrungsurteile sein, noch aus ihnen geschlossen werden (Einleitung II).
Wie kann nun eine äußere Anschauung dem Gemüte beiwohnen, die vor den Objekten selbst vorhergeht, und in welcher der Begriff der letzteren a priori bestimmt werden kann? Offenbar nicht anders, als so fern sie, bloß im Subjekte, als die formale Beschaffenheit desselben, von Objekten affiziert zu werden, und dadurch unmittelbare Vorstellung derselben d.i. Anschauung zu bekommen, ihren Sitz hat, also nur als Form des äußeren Sinnes überhaupt.
Also macht allein unsere Erklärung die Möglichkeit der Geometrie als einer synthetischen Erkenntnis a priori begreiflich. Eine jede Erklärungsart, die dieses nicht liefert, wenn sie gleich dem Anscheine nach mit ihr einige Ähnlichkeit hätte, kann an diesen Kennzeichen am sichersten von ihr unterschieden werden.
B 42 Schlüsse aus obigen Begriffen
a) Der Raum stellt gar keine Eigenschaft irgend einiger Dinge an sich, oder sie in ihrem Verhältnis aufeinander vor, d.i. keine Bestimmung derselben, die an Gegenständen selbst haftete, und welche bliebe, wenn man auch von allen subjektiven Bedingungen der Anschauung abstrahierte. Denn weder absolute, noch relative Bestimmungen können vor dem Dasein der Dinge, welchen sie zukommen, mithin nicht a priori angeschaut werden.
b) Der Raum ist nichts anderes, als nur die Form aller Erscheinungen äußerer Sinne, d.i. die subjektive Bedingung der Sinnlichkeit, unter der allein uns äußere Anschauung möglich ist. Weil nun die Rezeptivität des Subjekts, von Gegenständen affiziert zu werden, notwendigerweise vor allen Anschauungen dieser Objekte vorhergeht, so läßt sich verstehen, wie die Form aller Erscheinungen vor allen wirklichen Wahrnehmungen, mithin a priori im Gemüte gegeben sein könne, und wie sie als eine reine Anschauung, in der alle Gegenstände bestimmt werden müssen, Prinzipien der Verhältnisse derselben vor aller Erfahrung enthalten könne.
Wir können demnach nur aus dem Standpunkte eines Menschen, vom Raum, von ausgedehnten Wesen usw. reden. Gehen wir von der subjektiven Bedingung ab, unter welcher wir allein äußere Anschauung bekommen können, so wie wir nämlich von den Gegenständen affiziert werden mögen, so bedeutet die Vorstellung vom
B 43 Raume gar nichts. Dieses Prädikat wird den Dingen nur insofern beigelegt, als sie uns erscheinen, d.i. Gegenstände der Sinnlichkeit sind. Die beständige Form dieser Rezeptivität, welche wir Sinnlichkeit nennen, ist eine notwendige Bedingung aller Verhältnisse, darinnen Gegenstände als außer uns angeschaut werden, und, wenn man von diesen Gegenständen abstrahiert, eine reine Anschauung, welche den Namen Raum führt. Weil wir die besonderen Bedingungen der Sinnlichkeit nicht zu Bedingungen der Möglichkeit der Sachen, sondern nur ihrer Erscheinungen machen können, so können wir wohl sagen, daß der Raum alle Dinge befasse, die uns äußerlich erscheinen mögen, aber nicht alle Dinge an sich selbst, sie mögen nun angeschaut werden oder nicht, oder auch von welchem Subjekt man wolle. Denn wir können von den Anschauungen anderer denkenden Wesen gar nicht urteilen, ob sie an die nämlichen Bedingungen gebunden seien, welche unsere Anschauung einschränken und für uns allgemein gültig sind. Wenn wir die Einschränkung eines Urteils zum Begriff des Subjekts hinzufügen, so gilt das Urteil alsdann unbedingt. Der Satz: Alle Dinge sind nebeneinander im Raum, gilt unter der Einschränkung, wenn diese Dinge als Gegenstände unserer sinnlichen Anschauung genommen werden. Füge ich hier die Bedingung zum Begriffe, und sage: Alle Dinge, als äußere Erscheinungen, sind nebeneinander im Raum, so gilt diese Regel allgemein und ohne Einschränkung.
B 44 Unsere Erörterungen lehren demnach l die Realität (d.i. die objektive Gültigkeit) des Raumes in Ansehung alles dessen, was äußerlich als Gegenstand uns vorkommen kann, aber zugleich die Idealität des Raumes in Ansehung der Dinge, wenn sie durch die Vernunft an sich selbst erwogen werden, d.i. ohne Rücksicht auf die Beschaffenheit unserer Sinnlichkeit zu nehmen. Wir behaupten also die empirische Realität des Raumes (in Ansehung aller möglichen äußeren Erfahrung), ob zwar zugleich die transzendentale Idealität desselben, d.i. daß er nichts sei, sobald wir die Bedingung der Möglichkeit aller Erfahrung weglassen, und ihn als etwas, was den Dingen an sich selbst zum Grunde liegt, annehmen.
Es gibt aber auch außer dem Raum keine andere subjektive und auf etwas Äußeres bezogene Vorstellung, die a priori objektiv heißen könnte. Denn man kann von keiner derselben synthetische Sätze a priori, wie von der Anschauung im Raume, herleiten § 3. Daher ihnen, genau zu reden, gar keine Idealität zukommt, ob sie gleich darin mit der Vorstellung des Raumes übereinkommen, daß sie bloß zur subjektiven Beschaffenheit der Sinnesart gehören, z.B. des Gesichts, Gehörs, Gefühls, durch die Empfindungen der Farben, Töne und Wärme, die aber, weil sie bloß Empfindungen und nicht Anschauungen sind, an sich kein Objekt, am wenigsten a priori, erkennen lassen.
B 45 Die Absicht dieser Anmerkung geht nur dahin: zu verhüten, daß man die behauptete Idealität des Raumes nicht durch bei weitem unzulängliche Beispiele zu erläutern sich einfallen lasse, da nämlich etwa Farben, Geschmack usw. mit Recht nicht als Beschaffenheiten der Dinge, sondern bloß als Veränderungen unseres Subjekts, die sogar bei verschiedenen Menschen verschieden sein können, betrachtet werden. Denn in diesem Falle gilt das, was ursprünglich selbst nur Erscheinung ist, z.B. eine Rose, im empirischen Verstande für ein Ding an sich selbst, welches doch jedem Auge in Ansehung der Farbe anders erscheinen kann. Dagegen ist der transzendentale Begriff der Erscheinungen im Raume eine kritische Erinnerung, daß überhaupt nichts, was im Raume angeschaut wird, eine Sache an sich, noch daß der Raum eine Form der Dinge sei, die ihnen etwa an sich selbst eigen wäre, sondern daß uns die Gegenstände an sich gar nicht bekannt sind, und, was wir äußere Gegenstände nennen, nichts anderes als bloße Vorstellungen unserer Sinnlichkeit sind, deren Form der Raum ist, deren wahres Korrelatum aber, d.i. das Ding an sich selbst, dadurch gar nicht erkannt wird, noch erkannt werden kann, nach welchem aber auch in der Erfahrung niemals gefragt wird.
B 46 Der transzendentalen Ästhetik Zweiter Abschnitt Von der Zeit
§ 4 Metaphysische Erörterung des Begriffs der Zeit
Die Zeit ist 1. kein empirischer Begriff, der irgend von einer Erfahrung abgezogen worden. Denn das Zugleichsein oder Aufeinanderfolgen würde selbst nicht in die Wahrnehmung kommen, wenn die Vorstellung der Zeit nicht a priori zum Grunde läge. Nur unter deren Voraussetzung kann man sich vorstellen, daß einiges zu einer und derselben Zeit (zugleich) oder in verschiedenen Zeiten (nacheinander) sei.
2 Die Zeit ist eine notwendige Vorstellung, die allen Anschauungen zum Grunde liegt. Man kann in Ansehung der Erscheinungen überhaupt die Zeit selbst nicht aufheben, ob man zwar ganz wohl die Erscheinungen aus der Zeit wegnehmen kann. Die Zeit ist also a priori gegeben. In ihr allein ist alle Wirklichkeit der Erscheinungen möglich. Diese können insgesamt wegfallen, aber sie selbst (als die allgemeine Bedingung ihrer Möglichkeit,) kann nicht aufgehoben werden.
B 47 3. Auf diese Notwendigkeit a priori gründet sich auch die Möglichkeit apodiktischer Grundsätze von den Verhältnissen der Zeit, oder Axiomen von der Zeit überhaupt. Sie hat nur Eine Dimension: verschiedene Zeiten sind nicht zugleich, sondern nacheinander (so wie verschiedene Räume nicht nacheinander, sondern zugleich sind). Diese Grundsätze können aus der Erfahrung nicht gezogen werden, denn diese würde weder strenge Allgemeinheit, noch apodiktische Gewißheit geben. Wir würden nur sagen können: so lehrt es die gemeine Wahrnehmung; nicht aber: so muß es sich verhalten. Diese Grundsätze gelten als Regeln, unter denen überhaupt Erfahrungen möglich sind, und belehren uns vor derselben, und nicht durch dieselbe.
4 Die Zeit ist kein diskursiver, oder, wie man ihn nennt, allgemeiner Begriff, sondern eine reine Form der sinnlichen Anschauung. Verschiedene Zeiten sind nur Teile eben derselben Zeit. Die Vorstellung, die nur durch einen einzigen Gegenstand gegeben werden kann, ist aber Anschauung. Auch würde sich der Satz, daß verschiedene Zeiten nicht zugleich sein können, aus einem allgemeinen Begriff nicht herleiten lassen. Der Satz ist synthetisch, und kann aus Begriffen allein nicht entspringen. Er ist also in der Anschauung und Vorstellung der Zeit unmittelbar enthalten.
5 Die Unendlichkeit der Zeit bedeutet nichts weiter, als daß alle bestimmte Größe der Zeit nur durch
B 48 Einschränkungen einer einigen zum Grunde liegenden Zeit möglich sei. Daher muß die ursprüngliche Vorstellung Zeit als uneingeschränkt gegeben sein. Wovon aber die Teile selbst, und jede Größe eines Gegenstandes, nur durch Einschränkung bestimmt vorgestellt werden können, da muß die ganze Vorstellung nicht durch Begriffe gegeben sein, (denn die enthalten nur Teilvorstellungen,) sondern es muß ihnen unmittelbare Anschauung zum Grunde liegen.
§ 5 Transzendentale Erörterung des Begriffs der Zeit
Ich kann mich deshalb auf Nr. 3 berufen, wo ich, um kurz zu sein, das, was eigentlich transzendental ist, unter die Artikel der metaphysischen Erörterung gesetzt habe. Hier füge ich noch hinzu, daß der Begriff der Veränderung und, mit ihm, der Begriff der Bewegung (als Veränderung des Orts) nur durch und in der Zeitvorstellung möglich ist: daß, wenn diese Vorstellung nicht Anschauung (innere) a priori wäre, kein Begriff, welcher es auch sei, die Möglichkeit einer Veränderung, d.i. einer Verbindung kontradiktorisch entgegengesetzter Prädikate (z.B. das Sein an einem Orte und das Nichtsein eben desselben Dinges an demselben Orte) in einem und demselben Objekte begreiflich machen könnte. Nur in der Zeit können beide
B 49 kontradiktorisch-entgegengesetzte Bestimmungen in einem Dinge, nämlich nacheinander, anzutreffen sein. Also erklärt unser Zeitbegriff die Möglichkeit so vieler synthetischer Erkenntnis a priori, als die allgemeine Bewegungslehre, die nicht wenig fruchtbar ist, darlegt.
§ 6 Schlüsse aus diesen Begriffen
a) Die Zeit ist nicht etwas, was für sich selbst bestünde, oder den Dingen als objektive Bestimmung anhinge, mithin übrig bliebe, wenn man von allen subjektiven Bedingungen der Anschauung derselben abstrahiert; denn im ersten Fall würde sie etwas sein, was ohne wirklichen Gegenstand dennoch wirklich wäre. Was aber das zweite betrifft, so könnte sie als eine den Dingen selbst anhängende Bestimmung oder Ordnung nicht vor den Gegenständen als ihre Bedingung vorhergehen, und a priori durch synthetische Sätze erkannt und angeschaut werden. Diese letztere findet dagegen sehr wohl statt, wenn die Zeit nichts als die subjektive Bedingung ist, unter der alle Anschauungen in uns stattfinden können. Denn da kann diese Form der inneren Anschauung vor den Gegenständen, mithin a priori, vorgestellt werden.
b) Die Zeit ist nichts anderes, als die Form des inneren Sinnes, d.i. des Anschauens unserer selbst und unseres inneren Zustandes. Denn die Zeit kann keine Bestimmung äußerer Erscheinungen sein; sie gehört
B 50 weder zu einer Gestalt, oder Lage usw., dagegen bestimmt sie das Verhältnis der Vorstellungen in unserem inneren Zustande. Und, eben weil diese innere Anschauung keine Gestalt gibt, suchen wir auch diesen Mangel durch Analogien zu ersetzen, und stellen die Zeitfolge durch eine ins Unendliche fortgehende Linie vor, in welcher das Mannigfaltige eine Reihe ausmacht, die nur von einer Dimension ist, und schließen aus den Eigenschaften dieser Linie auf alle Eigenschaften der Zeit, außer dem einigen, daß die Teile der ersteren zugleich, die der letzteren aber jederzeit nacheinander sind. Hieraus erhellt auch, daß die Vorstellung der Zeit selbst Anschauung sei, weil alle ihre Verhältnisse sich an einer äußeren Anschauung ausdrücken lassen.
c) Die Zeit ist die formale Bedingung a priori aller Erscheinungen überhaupt. Der Raum, als die reine Form aller äußeren Anschauung ist als Bedingung a priori bloß auf äußere Erscheinungen eingeschränkt. Dagegen, weil alle Vorstellungen, sie mögen nun äußere Dinge zum Gegenstande haben, oder nicht, doch an sich selbst, als Bestimmungen des Gemüts, zum inneren Zustande gehören, dieser innere Zustand aber, unter der formalen Bedingung der inneren Anschauung, mithin der Zeit gehört, so ist die Zeit eine Bedingung a priori von aller Erscheinung überhaupt, und zwar die unmittelbare Bedingung der inneren (unserer Seelen) und eben dadurch mittelbar auch der äußeren Erscheinungen.
B 51 Wenn ich a priori sagen kann: alle äußeren Erscheinungen sind im Raume, und nach den Verhältnissen des Raumes a priori bestimmt, so kann ich aus dem Prinzip des inneren Sinnes ganz allgemein sagen: alle Erscheinungen überhaupt, d.i. alle Gegenstände der Sinne, sind in der Zeit, und stehen notwendigerweise in Verhältnissen der Zeit.
Wenn wir von unserer Art, uns selbst innerlich anzuschauen, und vermittelst dieser Anschauung auch alle äußeren Anschauungen in der Vorstellungskraft zu befassen, abstrahieren, und mithin die Gegenstände nehmen, so wie sie an sich selbst sein mögen, so ist die Zeit nichts. Sie ist nur von objektiver Gültigkeit in Ansehung der Erscheinungen, weil dieses schon Dinge sind, die wir als Gegenstände unserer Sinne annehmen; aber sie ist nicht mehr objektiv, wenn man von der Sinnlichkeit unserer Anschauung, mithin derjenigen Vorstellungsart, welche uns eigentümlich ist, abstrahiert, und von Dingen überhaupt redet. Die Zeit ist also lediglich eine subjektive Bedingung unserer (menschlichen) Anschauung, (welche jederzeit sinnlich ist, d.i. sofern wir von Gegenständen affiziert werden,) und an sich, außer dem Subjekte, nichts. Nichtsdestoweniger ist sie in Ansehung aller Erscheinungen, mithin auch aller Dinge, die uns in der Erfahrung vorkommen können, notwendigerweise objektiv. Wir können nicht sagen: alle Dinge sind in der Zeit, weil bei dem Begriff der Dinge
B 52 überhaupt von aller Art der Anschauung derselben abstrahiert wird, diese aber die eigentliche Bedingung ist, unter der die Zeit in die Vorstellung der Gegenstände gehört. Wird nun die Bedingung zum Begriffe hinzugefügt, und es heißt: alle Dinge, als Erscheinungen (Gegenstände der sinnlichen Anschauung), sind in der Zeit, so hat der Grundsatz seine gute objektive Richtigkeit und Allgemeinheit a priori.
Unsere Behauptungen lehren demnach empirische Realität der Zeit, d.i. objektive Gültigkeit in Ansehung aller Gegenstände, die jemals unseren Sinnen gegeben werden mögen. Und da unsere Anschauung jederzeit sinnlich ist, so kann uns in der Erfahrung niemals ein Gegenstand gegeben werden, der nicht unter die Bedingung der Zeit gehörte. Dagegen bestreiten wir der Zeit allen Anspruch auf absolute Realität, da sie nämlich, auch ohne auf die Form unserer sinnlichen Anschauung Rücksicht zu nehmen, schlechthin den Dingen als Bedingung oder Eigenschaft anhinge. Solche Eigenschaften, die den Dingen an sich zukommen, können uns durch die Sinne auch niemals gegeben werden. Hierin besteht also die transzendentale Idealität der Zeit, nach welcher sie, wenn man von den subjektiven Bedingungen der sinnlichen Anschauung abstrahiert, gar nichts ist, und den Gegenständen an sich selbst (ohne ihr Verhältnis auf unsere Anschauung,) weder subsistierend noch inhärierend beigezählt werden kann. Doch ist diese Idealität,
B 53 ebensowenig wie die des Raumes, mit den Subreptionen der Empfindung in Vergleichung zu stellen, weil man doch dabei von der Erscheinung selbst, der diese Prädikate inhärieren, voraussetzt, daß sie objektive Realität habe, die hier gänzlich wegfällt, außer, sofern sie bloß empirisch ist, d.i. den Gegenstand selbst bloß als Erscheinung ansieht: wovon die obige Anmerkung des ersteren Abschnitts nachzusehen ist.
§ 7 Erläuterung
Wider diese Theorie, welche der Zeit empirische Realität zugesteht, aber die absolute und transzendentale bestreitet, habe ich von einsehenden Männern einen Einwurf so einstimmig vernommen, daß ich daraus abnehme, er müsse sich natürlicherweise bei jedem Leser, dem diese Betrachtungen ungewohnt sind, vorfinden. Er lautet also: Veränderungen sind wirklich (dies beweist der Wechsel unserer eigenen Vorstellungen, wenn man gleich alle äußeren Erscheinungen, samt deren Veränderungen, leugnen wollte). Nun sind Veränderungen nur in der Zeit möglich, folglich ist die Zeit etwas Wirkliches. Die Beantwortung hat keine Schwierigkeit. Ich gebe das ganze Argument zu. Die Zeit ist allerdings etwas Wirkliches, nämlich die wirkliche Form der inneren Anschauung. Sie hat also subjektive Realität in Ansehung der inneren Erfahrung, d.i. ich habe wirklich die
B 54 Vorstellung von der Zeit und meinen Bestimmungen in ihr. Sie ist also wirklich nicht als Objekt, sondern als die Vorstellungsart meiner selbst als Objekts anzusehen. Wenn aber ich selbst, oder ein ander Wesen mich, ohne diese Bedingung der Sinnlichkeit, anschauen könnte, so würden eben dieselben Bestimmungen, die wir uns jetzt als Veränderungen vorstellen, eine Erkenntnis geben, in welcher die Vorstellung der Zeit, mithin auch der Veränderung, gar nicht vorkäme. Es bleibt also ihre empirische Realität als Bedingung aller unserer Erfahrungen. Nur die absolute Realität kann ihr nach dem oben Angeführten nicht zugestanden werden. Sie ist nichts, als die Form unserer inneren Anschauung*. Wenn man von ihr die besondere Bedingung unserer Sinnlichkeit wegnimmt, so verschwindet auch der Begriff der Zeit, und sie hängt nicht an den Gegenständen selbst, sondern bloß am Subjekte, welches sie anschaut.
* Ich kann zwar sagen: meine Vorstellungen folgen einander; aber das heißt nur, wir sind uns ihrer, als in einer Zeitfolge, d.i. nach der Form des inneren Sinnes, bewußt. Die Zeit ist darum nicht etwas an sich selbst, auch keine den Dingen objektiv anhängende Bestimmung.
Die Ursache aber, weswegen dieser Einwurf so einstimmig gemacht wird, und zwar von denen, die gleichwohl gegen die Lehre von der Idealität des Raumes nichts
B 55 Einleuchtendes einzuwenden wissen, ist diese. Die absolute Realität des Raumes hofften sie nicht apodiktisch dartun zu können, weil ihnen der Idealismus entgegensteht, nach welchem die Wirklichkeit äußerer Gegenstände keines strengen Beweises fähig ist: dagegen die des Gegenstandes unserer inneren Sinne (meiner selbst und meines Zustandes) unmittelbar durchs Bewußtsein klar ist. Jene konnten ein bloßer Schein sein, dieser aber ist, ihrer Meinung nach, unleugbar etwas Wirkliches. Sie bedachten aber nicht, daß beide, ohne daß man ihre Wirklichkeit als Vorstellungen bestreiten darf, gleichwohl nur zur Erscheinung gehören, welche jederzeit zwei Seiten hat, die eine, da das Objekt an sich selbst betrachtet wird, (unangesehen der Art, dasselbe anzuschauen, dessen Beschaffenheit aber eben darum jederzeit problematisch bleibt,) die andere, da auf die Form der Anschauung dieses Gegenstandes gesehen wird, welche nicht in dem Gegenstande an sich selbst, sondern im Subjekte, dem derselbe erscheint, gesucht werden muß, gleichwohl aber der Erscheinung dieses Gegenstandes wirklich und notwendig zukommt.
Zeit und Raum sind demnach zwei Erkenntnisquellen, aus denen a priori verschiedene synthetische Erkenntnisse geschöpft werden können, wie vornehmlich die reine Mathematik in Ansehung der Erkenntnisse vom Raume und dessen Verhältnissen ein glänzendes Beispiel
B 56 gibt. Sie sind nämlich beide zusammengenommen reine Formen aller sinnlichen Anschauung, und machen dadurch synthetische Sätze a priori möglich. Aber diese Erkenntnisquellen a priori bestimmen sich eben dadurch (daß sie bloß Bedingungen der Sinnlichkeit sind) ihre Grenzen, nämlich, daß sie bloß auf Gegenstände gehen, sofern sie als Erscheinungen betrachtet werden, nicht aber Dinge an sich selbst darstellen. Jene allein sind das Feld ihrer Gültigkeit, woraus, wenn man hinausgeht, weiter kein objektiver Gebrauch derselben stattfindet. Diese Realität des Raumes und der Zeit läßt übrigens die Sicherheit der Erfahrungserkenntnis unangetastet: denn wir sind derselben ebenso gewiß, ob diese Formen den Dingen an sich selbst, oder nur unserer Anschauung dieser Dinge notwendigerweise anhängen. Dagegen die, so die absolute Realität des Raumes und der Zeit behaupten, sie mögen sie nun als subsistierend, oder nur inhärierend annehmen, mit den Prinzipien der Erfahrung selbst uneinig sein müssen. Denn, entschließen sie sich zum ersteren, (welches gemeiniglich die Partei der mathematischen Naturforscher ist,) so müssen sie zwei ewige und unendliche für sich bestehende Undinge (Raum und Zeit) annehmen, welche da sind (ohne daß doch etwas Wirkliches ist), nur um alles Wirkliche in sich zu befassen. Nehmen sie die zweite Partei (von der einige metaphysische Naturlehrer sind), und Raum und Zeit gelten ihnen als von der Erfahrung abstrahierte, obzwar
B 57 in der Absonderung verworren vorgestellte, Verhältnisse der Erscheinungen (neben- oder nacheinander), so müssen sie den mathematischen Lehren a priori in Ansehung wirklicher Dinge (z.E. im Raume) ihre Gültigkeit, wenigstens die apodiktische Gewißheit bestreiten, indem diese a posteriori gar nicht stattfindet, und die Begriffe a priori von Raum und Zeit, dieser Meinung nach, nur Geschöpfe der Einbildungskraft sind, deren Quell wirklich in der Erfahrung gesucht werden muß, aus deren abstrahierten Verhältnissen die Einbildung etwas gemacht hat, was zwar das Allgemeine derselben enthält, aber ohne die Restriktionen, welche die Natur mit denselben verknüpft hat, nicht stattfinden kann. Die ersteren gewinnen so viel, daß sie für die mathematischen Behauptungen sich das Feld der Erscheinungen freimachen. Dagegen verwirren sie sich sehr durch eben diese Bedingungen, wenn der Verstand über dieses Feld hinausgehen will. Die zweiten gewinnen zwar in Ansehung des letzteren, nämlich, daß die Vorstellungen von Raum und Zeit ihnen nicht in den Weg kommen, wenn sie von Gegenständen nicht als Erscheinungen, sondern bloß im Verhältnis auf den Verstand urteilen wollen; können aber weder von der Möglichkeit mathematischer Erkenntnisse a priori (indem ihnen eine wahre und objektiv gültige Anschauung a priori fehlt) Grund angeben, noch die Erfahrungssätze mit jenen Behauptungen in notwendige Einstimmung bringen. In unserer
B 58 Theorie, von der wahren Beschaffenheit dieser zwei ursprünglichen Formen der Sinnlichkeit, ist beiden Schwierigkeiten abgeholfen.
Daß schließlich die transzendentale Ästhetik nicht mehr, als diese zwei Elemente, nämlich Raum und Zeit, enthalten könne, ist daraus klar, weil alle anderen zur Sinnlichkeit gehörigen Begriffe, selbst der der Bewegung, welcher beide Stücke vereinigt, etwas Empirisches voraussetzen. Denn diese setzt die Wahrnehmung von etwas Beweglichem voraus. Im Raum, an sich selbst betrachtet, ist aber nichts Bewegliches: daher das Bewegliche etwas sein muß, was im Raume nur durch Erfahrung gefunden wird, mithin ein empirisches Datum. Ebenso kann die transzendentale Ästhetik nicht den Begriff der Veränderung unter ihre Data a priori zählen: denn die Zeit selbst verändert sich nicht, sondern etwas, das in der Zeit ist. Also wird dazu die Wahrnehmung von irgendeinem Dasein, und der Sukzession seiner Bestimmungen, mithin Erfahrung erfordert.
B 59 § 8 Allgemeine Anmerkungen zur transzendentalen Ästhetik
I. Zuerst wird es nötig sein, uns so deutlich, als möglich, zu erklären, was in Ansehung der Grundbeschaffenheit der sinnlichen Erkenntnis überhaupt unsere Meinung sei, um aller Mißdeutung derselben vorzubeugen.
Wir haben also sagen wollen: daß alle unsere Anschauung nichts als die Vorstellung von Erscheinung sei: daß die Dinge, die wir anschauen, nicht das an sich selbst sind, wofür wir sie anschauen, noch ihre Verhältnisse so an sich selbst beschaffen sind, als sie uns erscheinen, und daß, wenn wir unser Subjekt oder auch nur die subjektive Beschaffenheit der Sinne überhaupt aufheben, alle die Beschaffenheit, alle Verhältnisse der Objekte im Raum und Zeit, ja selbst Raum und Zeit verschwinden würden, und als Erscheinungen nicht an sich selbst, sondern nur in uns existieren können. Was es für eine Bewandtnis mit den Gegenständen an sich und abgesondert von aller dieser Rezeptivität unserer Sinnlichkeit haben möge, bleibt uns gänzlich unbekannt. Wir kennen nichts, als unsere Art, sie wahrzunehmen, die uns eigentümlich ist, die auch nicht notwendig jedem Wesen, obzwar jedem Menschen, zukommen muß. Mit dieser haben wir es lediglich zu tun. Raum und Zeit sind die
B 60 reinen Formen derselben, Empfindung überhaupt die Materie. Jene können wir allein a priori, d.i. vor aller wirklichen Wahrnehmung erkennen, und sie heißt darum reine Anschauung; diese aber ist das in unserem Erkenntnis, was da macht, daß sie Erkenntnis a posteriori, d.i. empirische Anschauung heißt. Jene hängen unserer Sinnlichkeit schlechthin notwendig an, welcher Art auch unsere Empfindungen sein mögen; diese können sehr verschieden sein. Wenn wir diese unsere Anschauung auch zum höchsten Grade der Deutlichkeit bringen könnten, so würden wir dadurch der Beschaffenheit der Gegenstände an sich selbst nicht näher kommen. Denn wir würden auf allen Fall doch nur unsere Art der Anschauung, d.i. unsere Sinnlichkeit vollständig erkennen, und diese immer nur unter den, dem Subjekt ursprünglich anhängenden Bedingungen, von Raum und Zeit; was die Gegenstände an sich selbst sein mögen, würde uns durch die aufgeklärteste Erkenntnis der Erscheinung derselben, die uns allein gegeben ist, doch niemals bekannt werden.
Daß daher unsere ganze Sinnlichkeit nichts als die verworrene Vorstellung der Dinge sei, welche lediglich das enthält, was ihnen an sich selbst zukommt, aber nur unter einer Zusammenhäufung von Merkmalen und Teilvorstellungen, die wir nicht mit Bewußtsein auseinander setzen, ist eine Verfälschung des Begriffs von Sinnlichkeit und von Erscheinung, welche die ganze Lehre derselben unnütz und leer macht. Der Unterschied einer
B 61 undeutlichen von der deutlichen Vorstellung ist bloß logisch, und betrifft nicht den Inhalt. Ohne Zweifel enthält der Begriff von Recht, dessen sich der gesunde Verstand bedient, ebendasselbe, was die subtilste Spekulation aus ihm entwickeln kann, nur daß im gemeinen und praktischen Gebrauche man sich dieser mannigfaltigen Vorstellungen in diesen Gedanken nicht bewußt ist. Darum kann man nicht sagen, daß der gemeine Begriff sinnlich sei, und eine bloße Erscheinung enthalte, denn das Recht kann gar nicht erscheinen, sondern sein Begriff liegt im Verstande, und stellt eine Beschaffenheit (die moralische) der Handlungen vor, die ihnen an sich selbst zukommt. Dagegen enthält die Vorstellung eines Körpers in der Anschauung gar nichts, was einem Gegenstande an sich selbst zukommen könnte, sondern bloß die Erscheinung von etwas, und die Art, wie wir dadurch affiziert werden, und diese Rezeptivität unserer Erkenntnisfähigkeit heißt Sinnlichkeit, und bleibt von der Erkenntnis des Gegenstandes an sich selbst, ob man jene (die Erscheinung) gleich bis auf den Grund durchschauen möchte, dennoch himmelweit unterschieden.
Die Leibniz-Wolfische Philosophie hat daher allen Untersuchungen über die Natur und den Ursprung unserer Erkenntnisse einen ganz unrechten Gesichtspunkt angewiesen, indem sie den Unterschied der Sinnlichkeit vom Intellektuellen bloß als logisch betrachtete, da er offenbar transzendental ist, und nicht bloß die Form der
B 62 Deutlichkeit oder Undeutlichkeit, sondern den Ursprung und den Inhalt derselben betrifft, so daß wir durch die erstere die Beschaffenheit der Dinge an sich selbst nicht bloß undeutlich, sondern gar nicht erkennen, und, sobald wir unsere subjektive Beschaffenheit wegnehmen, das vorgestellte Objekt mit den Eigenschaften, die ihm die sinnliche Anschauung beilegte, überall nirgend anzutreffen ist, noch angetroffen werden kann, indem eben diese subjektive Beschaffenheit die Form desselben, als Erscheinung, bestimmt.
Wir unterscheiden sonst wohl unter Erscheinungen das, was der Anschauung derselben wesentlich anhängt, und für jeden menschlichen Sinn überhaupt gilt, von demjenigen, was derselben nur zufälligerweise zukommt, indem es nicht auf die Beziehung der Sinnlichkeit überhaupt, sondern nur auf eine besondere Stellung oder Organisation dieses oder jenes Sinnes gültig ist. Und da nennt man die erstere Erkenntnis eine solche, die den Gegenstand an sich selbst vorstellt, die zweite aber nur die Erscheinung desselben. Dieser Unterschied ist aber nur empirisch. Bleibt man dabei stehen, (wie es gemeiniglich geschieht,) und sieht jene empirische Anschauung nicht wiederum (wie es geschehen sollte) als bloße Erscheinung an, so daß darin gar nichts, was irgendeine Sache an sich selbst anginge, anzutreffen ist, so ist unser transzendentaler Unterschied verloren, und wir glauben alsdann doch, Dinge an sich zu erkennen, ob wir es gleich überall (in der Sinnenwelt) selbst bis zu der tiefsten
B 63 Erforschung ihrer Gegenstände mit nichts, als Erscheinungen, zu tun haben, So werden wir zwar den Regenbogen eine bloße Erscheinung bei einem Sonnregen nennen, diesen Regen aber die Sache an sich selbst, welches auch richtig ist, sofern wir den letzteren Begriff nur physisch verstehen, als das, was in der allgemeinen Erfahrung, unter allen verschiedenen Lagen zu den Sinnen, doch in der Anschauung so und nicht anders bestimmt ist. Nehmen wir aber dieses Empirische überhaupt, und fragen, ohne uns an die Einstimmung desselben mit jedem Menschensinne zu kehren, ob auch dieses einen Gegenstand an sich selbst (nicht die Regentropfen, denn die sind dann schon, als Erscheinungen, empirische Objekte,) vorstelle, so ist die Frage von der Beziehung der Vorstellung auf den Gegenstand transzendental, und nicht allein diese Tropfen sind bloße Erscheinungen, sondern selbst ihre runde Gestalt, ja sogar der Raum, in welchen sie fallen, sind nichts an sich selbst, sondern bloße Modifikationen, oder Grundlagen unserer sinnlichen Anschauung, das transzendentale Objekt aber bleibt uns unbekannt.
Die zweite wichtige Angelegenheit unserer transzendentalen Ästhetik ist, daß sie nicht bloß als scheinbare Hypothese einige Gunst erwerbe, sondern so gewiß und ungezweifelt sei, als jemals von einer Theorie gefordert werden kann, die zum Organon dienen soll. Um diese Gewißheit völlig einleuchtend zu machen, wollen wir irgendeinen Fall wählen, woran dessen Gültigkeit
B 64 augenscheinlich werden und zu mehrer Klarheit dessen, was § 3 angeführt worden, dienen kann.
Setzet demnach, Raum und Zeit seien an sich selbst objektiv und Bedingungen der Möglichkeit der Dinge an sich selbst, so zeigt sich erstlich: daß von beiden a priori apodiktische und synthetische Sätze in großer Zahl vornehmlich vom Raum vorkommen, welchen wir darum vorzüglich hier zum Beispiel untersuchen wollen. Da die Sätze der Geometrie synthetisch a priori und mit apodiktischer Gewißheit erkannt werden, so frage ich: woher nehmt ihr dergleichen Sätze, und worauf stützt sich unser Verstand, um zu dergleichen schlechthin notwendigen und allgemeingültigen Wahrheiten zu gelangen? Es ist kein anderer Weg, als durch Begriffe oder durch Anschauungen; beide aber, als solche, die entweder a priori oder a posteriori gegeben sind. Die letzteren, nämlich empirische Begriffe, imgleichen das, worauf sie sich gründen, die empirische Anschauung, können keinen synthetischen Satz geben, als nur einen solchen, der auch bloß empirisch, d.i. ein Erfahrungssatz ist, mithin niemals Notwendigkeit und absolute Allgemeinheit enthalten kann, dergleichen doch das Charakteristische aller Sätze der Geometrie ist. Was aber das erstere und einzige Mittel sein würde, nämlich durch bloße Begriffe oder durch Anschauungen a priori zu dergleichen Erkenntnissen zu gelangen, so ist klar, daß aus bloßen Begriffen gar keine synthetische Erkenntnis, sondern lediglich analytische erlangt werden
B 65 kann. Nehmet nur den Satz: daß durch zwei gerade Linien sich gar kein Raum einschließen lasse, mithin keine Figur möglich sei, und versucht ihn aus dem Begriff von geraden Linien und der Zahl zwei abzuleiten; oder auch, daß aus drei geraden Linien eine Figur möglich sei, und versucht es ebenso bloß aus diesen Begriffen. Alle eure Bemühung ist vergeblich, und ihr seht euch genötigt, zur Anschauung eure Zuflucht zu nehmen, wie es die Geometrie auch jederzeit tut. Ihr gebt euch also einen Gegenstand in der Anschauung; von welcher Art aber ist diese, ist es eine reine Anschauung a priori oder eine empirische? Wäre das letzte, so könnte niemals ein allgemeingültiger, noch weniger ein apodiktischer Satz daraus werden: denn Erfahrung kann dergleichen niemals liefern. Ihr müßt also euren Gegenstand a priori in der Anschauung geben, und auf diesen euren synthetischen Satz gründen. Läge nun in euch nicht ein Vermögen, a priori anzuschauen; wäre diese subjektive Bedingung der Form nach nicht zugleich die allgemeine Bedingung a priori, unter der allein das Objekt dieser (äußeren) Anschauung selbst möglich ist; wäre der Gegenstand (der Triangel) etwas an sich selbst ohne Beziehung auf euer Subjekt: wie könntet ihr sagen, daß, was in euren subjektiven Bedingungen einen Triangel zu konstruieren notwendig liegt, auch dem Triangel an sich selbst notwendig zukommen müsse? denn ihr könntet doch zu euren Begriffen (von drei Linien) nichts neues (die Figur) hinzufügen, welches
B 66 darum notwendig an dem Gegenstande angetroffen werden müßte, da dieser vor eurer Erkenntnis und nicht durch dieselbe gegeben ist. Wäre also nicht der Raum (und so auch die Zeit) eine bloße Form eurer Anschauung, welche Bedingungen a priori enthält, unter denen allein Dinge für euch äußere Gegenstände sein können, die ohne diese subjektiven Bedingungen an sich nichts sind, so könntet ihr a priori ganz und gar nichts über äußere Objekte synthetisch ausmachen. Es ist also ungezweifelt gewiß, und nicht bloß möglich, oder auch wahrscheinlich, daß Raum und Zeit, als die notwendigen Bedingungen aller (äußeren und inneren) Erfahrung, bloß subjektive Bedingungen aller unserer Anschauung sind, im Verhältnis auf welche daher alle Gegenstände bloße Erscheinungen und nicht für sich in dieser Art gegebene Dinge sind, von denen sich auch um deswillen, was die Form derselben betrifft, vieles a priori sagen läßt, niemals aber das Mindeste von dem Dinge an sich selbst, das diesen Erscheinungen zum Grunde liegen mag.
II. Zur Bestätigung dieser Theorie von der Idealität des äußeren sowohl als inneren Sinnes, mithin aller Objekte der Sinne, als bloßer Erscheinungen, kann vorzüglich die Bemerkung dienen: daß alles, was in unserem Erkenntnis zur Anschauung gehört, (also Gefühl der Lust und Unlust, und den Willen, die gar nicht Erkenntnisse, sind, ausgenommen,) nichts als bloße Verhältnisse enthalte, der Örter in einer Anschauung (Ausdehnung),
B 67 Veränderung der Örter (Bewegung), und Gesetze, nach denen diese Veränderung bestimmt wird (bewegende Kräfte). Was aber in dem Orte gegenwärtig sei, oder was es außer der Ortsveränderung in den Dingen selbst wirke, wird dadurch nicht gegeben. Nun wird durch bloße Verhältnisse doch nicht eine Sache an sich erkannt: also ist wohl zu urteilen, daß, da uns durch den äußeren Sinn nichts als bloße Verhältnisvorstellungen gegeben werden, dieser auch nur das Verhältnis eines Gegenstandes auf das Subjekt in seiner Vorstellung enthalten könne, und nicht das Innere, was dem Objekte an sich zukommt. Mit der inneren Anschauung ist es eben so bewandt. Nicht allein, daß darin die Vorstellungen äußerer Sinne den eigentlichen Stoff ausmachen, womit wir unser Gemüt besetzen, sondern die Zeit, in die wir diese Vorstellungen setzen, die selbst dem Bewußtsein derselben in der Erfahrung vorhergeht, und als formale Bedingung der Art, wie wir sie im Gemüte setzen, zum Grunde liegt, enthält schon Verhältnisse des Nacheinander-, des Zugleichseins und dessen, was mit dem Nacheinandersein zugleich ist (des Beharrlichen). Nun ist das, was, als Vorstellung, vor aller Handlung irgend etwas zu denken, vorhergehen kann, die Anschauung, und, wenn sie nichts als Verhältnisse enthält, die Form der Anschauung, welche, da sie nichts vorstellt, außer so fern etwas im Gemüte gesetzt wird, nichts anderes sein kann, als die Art, wie das Gemüt durch eigene Tätigkeit, nämlich dieses
B 68 Setzen ihrer Vorstellung, mithin durch sich selbst affiziert wird, d.i. ein innerer Sinn seiner Form nach. Alles, was durch einen Sinn vorgestellt wird, ist so fern jederzeit Erscheinung, und ein innerer Sinn würde also entweder gar nicht eingeräumt werden müssen, oder das Subjekt, welches der Gegenstand desselben ist, würde durch denselben nur als Erscheinung vorgestellt werden können, nicht wie es von sich selbst urteilen würde, wenn seine Anschauung bloße Selbsttätigkeit, d.i. intellektuell, wäre. Hierbei beruht alle Schwierigkeit nur darauf, wie ein Subjekt sich selbst innerlich anschauen könne, allein diese Schwierigkeit ist jeder Theorie gemein. Das Bewußtsein seiner selbst (Apperzeption) ist die einfache Vorstellung des Ich, und, wenn dadurch allein alles Mannigfaltige im Subjekt selbsttätig gegeben wäre, so würde die innere Anschauung intellektuell sein. Im Menschen erfordert dieses Bewußtsein innere Wahrnehmung von dem Mannigfaltigen, was im Subjekte vorher gegeben wird, und die Art, wie dieses ohne Spontaneität im Gemüte gegeben wird, muß, um dieses Unterschiedes willen, Sinnlichkeit heißen. Wenn das Vermögen sich bewußt zu werden, das, was im Gemüte liegt, aufsuchen (apprehendieren) soll, so muß es dasselbe affizieren, und kann allein auf solche Art eine Anschauung seiner selbst hervorbringen, deren Form aber, die vorher im Gemüte zugrunde liegt, die Art, wie das Mannigfaltige im Gemüte beisammen ist, in der Vorstellung
B 69 der Zeit bestimmt, da es denn sich selbst anschaut, nicht wie es sich unmittelbar selbsttätig vorstellen würde, sondern nach der Art, wie es von innen affiziert wird, folglich wie es sich erscheint, nicht wie es ist.
III. Wenn ich sage: im Raum und der Zeit stellt die Anschauung, sowohl der äußeren Objekte, als auch die Selbstanschauung des Gemüts, beides vor, so wie es unsere Sinne affiziert, d.i. wie es erscheint; so will das nicht sagen, daß diese Gegenstände ein bloßer Schein wären. Denn in der Erscheinung werden jederzeit die Objekte, ja selbst die Beschaffenheiten, die wir ihnen beilegen, als etwas wirklich Gegebenes angesehen, nur daß, sofern diese Beschaffenheit nur von der Anschauungsart des Subjekts in der Relation des gegebenen Gegenstandes zu ihm abhängt, dieser Gegenstand als Erscheinung von ihm selber als Objekt an sich unterschieden wird. So sage ich nicht, die Körper scheinen bloß außer mir zu sein, oder meine Seele scheint nur in meinem Selbstbewußtsein gegeben zu sein, wenn ich behaupte, daß die Qualität des Raumes und der Zeit, welcher, als Bedingung ihres Daseins, gemäß ich beide setze, in meiner Anschauungsart und nicht in diesen Objekten an sich liege. Es wäre meine eigene Schuld, wenn ich aus dem, was ich zur Erscheinung zählen sollte, bloßen Schein machte*.
B 70 Dieses geschieht aber nicht nach unserem Prinzip der Idealität aller unserer sinnlichen Anschauungen; vielmehr, wenn man jenen Vorstellungsformen objektive Realität beilegt, so kann man nicht vermeiden, daß nicht alles dadurch in bloßen Schein verwandelt werde. Denn, wenn man den Raum und die Zeit als Beschaffenheiten ansieht, die ihrer Möglichkeit nach in Sachen an sich angetroffen werden müßten, und überdenkt die Ungereimtheiten, in die man sich alsdann verwickelt, indem zwei unendliche Dinge, die nicht Substanzen, auch nicht etwas wirklich den Substanzen Inhärierendes, dennoch aber
B 71 Existierendes, ja die notwendige Bedingung der Existenz aller Dinge sein müssen, auch übrig bleiben, wenn gleich alle existierenden Dinge aufgehoben werden; so kann man es dem guten Berkeley wohl nicht verdenken, wenn er die Körper zu bloßem Schein herabsetzte, ja es müßte sogar unsere eigene Existenz, die, auf solche Art von der für sich bestehenden Realität eines Undinges, wie die Zeit, abhängig gemacht wäre, mit dieser in lauter Schein verwandelt werden, eine Ungereimtheit, die sich bisher noch niemand hat zuschulden kommen lassen.
* Die Prädikate der Erscheinung können dem Objekte selbst beigelegt werden, in Verhältnis auf unseren Sinn, z.B. der Rose die rote Farbe, oder der Geruch; aber der Schein kann niemals als Prädikat dem Gegenstande beigelegt werden, eben darum, weil er, was diesem nur in Verhältnis auf die Sinne, oder überhaupt aufs Subjekt zukommt, dem Objekt für sich beilegt, z.B. die zwei Henkel, die man anfänglich dem Saturn beilegte. Was gar nicht am Objekte an sich selbst, jederzeit aber im Verhältnisse desselben zum Subjekt anzutreffen und von der Vorstellung des ersteren unzertrennlich ist, ist Erscheinung, und so werden die Prädikate des Raumes und der Zeit mit Recht den Gegenständen der Sinne, als solchen, beigelegt, und hierin ist kein Schein. Dagegen, wenn ich der Rose an sich die Röte, dem Saturn die Henkel, oder allen äußeren Gegenständen die Ausdehnung an sich beilege, ohne auf ein bestimmtes Verhältnis dieser Gegenstände zum Subjekt zu sehen und mein Urteil darauf einzuschränken; alsdann allererst entspringt der Schein.
IV. In der natürlichen Theologie, da man sich einen Gegenstand denkt, der nicht allein für uns gar kein Gegenstand der Anschauung, sondern der ihm selbst durchaus kein Gegenstand der sinnlichen Anschauung sein kann, ist man sorgfältig darauf bedacht, von aller seiner Anschauung (denn dergleichen muß alles sein Erkenntnis sein, und nicht Denken, welches jederzeit Schranken beweist) die Bedingungen der Zeit und des Raumes wegzuschaffen. Aber mit welchem Rechte kann man dieses tun, wenn man beide vorher zu Formen der Dinge an sich selbst gemacht hat, und zwar solchen, die, als Bedingungen der Existenz der Dinge a priori, übrig bleiben, wenn man gleich die Dinge selbst aufgehoben hätte: denn, als Bedingungen alles Daseins überhaupt, müßten sie es auch vom Dasein Gottes sein. Es bleibt nichts übrig, wenn man sie nicht zu objektiven Formen
B 72 aller Dinge machen will, als daß man sie zu subjektiven Formen unserer äußeren sowohl als inneren Anschauungsart macht, die darum sinnlich heißt, weil sie nicht ursprünglich, d.i. eine solche ist, durch die selbst das Dasein des Objekts der Anschauung gegeben wird (und die, soviel wir einsahen, nur dem Urwesen zukommen kann), sondern von dem Dasein des Objekts abhängig, mithin nur dadurch, daß die Vorstellungsfähigkeit des Subjekts durch dasselbe affiziert wird, möglich ist.
Es ist auch nicht nötig, daß wir die Anschauungsart in Raum und Zeit auf die Sinnlichkeit des Menschen einschränken, es mag sein, daß alles endliche denkende Wesen hierin mit dem Menschen notwendig übereinkommen müsse, (wiewohl wir dieses nicht entscheiden können,) so hört sie um dieser Allgemeingültigkeit willen doch nicht auf Sinnlichkeit zu sein, eben darum, weil sie abgeleitet (intuitus derivativus), nicht ursprünglich (intuitus originarius), mithin nicht intellektuelle Anschauung ist, als welche aus dem eben angeführten Grunde allein dem Urwesen, niemals aber einem, seinem Dasein sowohl als seiner Anschauung nach (die sein Dasein in Beziehung auf gegebene Objekte bestimmt), abhängigen Wesen zuzukommen scheint; wiewohl die letztere Bemerkung zu unserer ästhetischen Theorie nur als Erläuterung, nicht als Beweisgrund gezählt werden muß.
B 73 Beschluß der transzendentalen Ästhetik
Hier haben wir nun eines von den erforderlichen Stücken zur Auflösung der allgemeinen Aufgabe der Transzendentalphilosophie: wie sind synthetische Sätze a priori möglich? nämlich reine Anschauungen a priori, Raum und Zeit, in welchen wir, wenn wir im Urteile a priori über den gegebenen Begriff hinausgehen wollen, dasjenige antreffen, was nicht im Begriffe, wohl aber in der Anschauung, die ihm entspricht, a priori entdeckt werden und mit jenem synthetisch verbunden werden kann, welche Urteile aber aus diesem Grunde nie weiter, als auf Gegenstände der Sinne reichen, und nur für Objekte möglicher Erfahrung gelten können.
B 31 Critique of Pure Reason
I. Transcendental Doctrine of Elements
B 33 Transcendental Doctrine of Elements First Part Transcendental Aesthetic
§ 1
In whatever manner and by whatever means a cognition may relate to objects, the manner in which it relates to them immediately, and toward which all thinking as a means is directed, is intuition. But intuition occurs only insofar as the object is given to us; and this, in turn, is possible, for us human beings at least, only through its affecting the mind in a certain way. The capacity (receptivity) to receive representations through the way objects affect us is called sensibility. Through sensibility, then, objects are given to us, and it alone supplies us with intuitions; through the understanding, however, they are thought, and from it concepts arise. But all thinking must ultimately relate, whether straightaway (directly) or by a detour (indirectly), through certain marks, to intuitions, and hence, in our case, to sensibility, because no object can be given to us in any other way.
B 34 The effect of an object on the capacity for representation, insofar as we are affected by it, is sensation. An intuition that relates to the object through sensation is called empirical. The undetermined object of an empirical intuition is called appearance.
In appearance I call what corresponds to sensation its matter; but what makes it possible for the manifold of appearance to be ordered in certain relations I call the form of appearance. Since that in which alone sensations can be ordered and placed in a certain form cannot itself in turn be sensation, the matter of all appearance is indeed given to us only a posteriori, but its form must lie ready for all appearances a priori in the mind, and must therefore be capable of being considered apart from all sensation.
I call all representations pure (in the transcendental sense) in which nothing belonging to sensation is encountered. Accordingly, the pure form of sensible intuitions in general, in which all the manifold of appearances is intuited in certain relations, will be found a priori in the mind. This pure form of sensibility will itself also be called pure intuition.
B 35 Thus, if I separate from the representation of a body what the understanding thinks of it—substance, force, divisibility, and so on—and likewise what belongs in it to sensation—impenetrability, hardness, color, and so on—something from this empirical intuition still remains for me: namely, extension and shape. These belong to pure intuition, which occurs a priori in the mind as a mere form of sensibility, even without an actual object of the senses or sensation.
A science of all a priori principles of sensibility I call transcendental aesthetic*.
B 36 There must therefore be such a science, forming the first part of the transcendental doctrine of elements, in contrast to the science that contains the principles of pure thinking and is called transcendental logic.
* The Germans are the only people who now use the word “aesthetic” to designate what others call the critique of taste. Underlying this is a mistaken hope entertained by the excellent analyst Baumgarten: to bring the critical judging of beauty under principles of reason and raise its rules to a science. But this effort is futile. For the rules or criteria in question are, in their principal sources, merely empirical, and can therefore never serve as determinate a priori laws to which our judgment of taste would have to conform. Rather, the latter constitutes the proper touchstone of the correctness of the former. It is therefore advisable either to let this use of the name lapse again and reserve it for the doctrine that is a true science—which would also bring us closer to the language and sense of the ancients, among whom the division of cognition into aistheta kai noeta was very well known—or to share the name with speculative philosophy and take aesthetic partly in a transcendental sense and partly in a psychological meaning.
In transcendental aesthetic, then, we will first isolate sensibility by separating out everything the understanding thinks in connection with it through its concepts, so that nothing but empirical intuition remains. Second, we will detach from this everything belonging to sensation, so that nothing but pure intuition and the mere form of appearances remains, which is the only thing sensibility can supply a priori. In this investigation we will find that there are two pure forms of sensible intuition as principles of a priori cognition, namely space and time, which we will now consider.
B 37 Transcendental Aesthetic First Section On Space
§ 2 Metaphysical exposition of this concept
Through outer sense (a property of our mind) we represent objects as outside us, and all of them in space. In space their shape, magnitude, and relation to one another are determined or determinable. Inner sense, through which the mind intuits itself or its inner state, does not indeed give an intuition of the soul itself as an object; yet there is a determinate form under which alone the intuition of its inner state is possible, so that everything belonging to inner determinations is represented in relations of time. Time cannot be intuited outwardly, any more than space can be intuited as something within us. What, then, are space and time? Are they actual beings? Are they, to be sure, only determinations or relations of things, but such as would belong to things even in themselves, even if they were not intuited?
B 38 Or are they such as attach only to the form of intuition, and hence to the subjective constitution of our mind, without which these predicates cannot be ascribed to any thing at all? To learn about this, let us first expound the concept of space. By exposition (expositio) I understand the clear (though not exhaustive) representation of what belongs to a concept; an exposition is metaphysical when it contains what presents the concept as given a priori.
1 Space is not an empirical concept abstracted from outer experiences. For in order that certain sensations be referred to something outside me, that is, to something in a different place in space from the one in which I am, and likewise in order that I may represent them as outside and alongside one another, hence not merely as different but as in different places, the representation of space must already lie at the foundation. Accordingly, the representation of space cannot be borrowed through experience from the relations of outer appearance; rather, this outer experience is itself first possible only through that representation.
2 Space is a necessary a priori representation that underlies all outer intuitions. We can never form a representation of there being no space, although we can quite well think of no objects being encountered in it.
B 39 Space is therefore regarded as the condition of the possibility of appearances, not as a determination dependent on them, and is an a priori representation that necessarily underlies outer appearances.
3 Space is not a discursive or, as one says, general concept of relations of things in general, but a pure intuition. For, first, we can represent only one single space; and when we speak of many spaces, we mean by this only parts of one and the same unique space. Nor can these parts precede the single all-embracing space as if they were its constituents (from which its composition would be possible); they can be thought only in it. Space is essentially one; the manifold in it, and hence also the general concept of spaces in general, rests solely on limitations. From this it follows that an a priori intuition (which is not empirical) underlies all concepts of space. Thus all geometrical principles too—for example, that in a triangle two sides together are greater than the third—are never derived from general concepts of line and triangle, but from intuition, and indeed a priori with apodictic certainty.
4 Space is represented as an infinite given magnitude.
B 40 Now every concept must indeed be thought as a representation contained in an infinite multitude of different possible representations (as their common mark), and hence as containing these under itself. But no concept as such can be thought as containing an infinite multitude of representations within itself. Yet space is thought in this way (for all the parts of space, to infinity, exist simultaneously). Therefore the original representation of space is a priori intuition, not a concept.
§ 3 Transcendental exposition of the concept of space
By a transcendental exposition I understand the explanation of a concept as a principle from which the possibility of other synthetic a priori cognitions can be understood. For this purpose it is required 1) that such cognitions actually flow from the given concept, and 2) that these cognitions be possible only on the assumption of a given way of explaining this concept.
Geometry is a science that determines the properties of space synthetically and yet a priori. What, then, must the representation of space be for such a cognition of it to be possible?
B 41 It must originally be intuition; for from a mere concept no propositions can be drawn that go beyond the concept, which is nevertheless what happens in geometry (Introduction V). But this intuition must be found in us a priori, that is, before all perception of an object, and must therefore be pure, not empirical intuition. For geometrical propositions are all apodictic, that is, combined with the consciousness of necessity—for example, space has only three dimensions. Such propositions, however, cannot be empirical judgments or judgments of experience, nor can they be inferred from them (Introduction II).
How, then, can an outer intuition reside in the mind that precedes the objects themselves, and in which the concept of these objects can be determined a priori? Plainly in no other way than insofar as it has its seat solely in the subject, as the subject’s formal constitution for being affected by objects and thereby receiving an immediate representation of them, that is, intuition; thus only as the form of outer sense in general.
Our explanation alone, therefore, makes comprehensible the possibility of geometry as a synthetic a priori cognition. Any mode of explanation that does not provide this, even if it appears to bear some resemblance to ours, can most securely be distinguished from it by these marks.
B 42 Conclusions from the above concepts
a) Space represents no property whatever of any things in themselves, nor things in their relation to one another; that is, it represents no determination of them that attaches to the objects themselves and would remain even if we abstracted from all subjective conditions of intuition. For neither absolute nor relative determinations can be intuited before the existence of the things to which they belong, hence not a priori.
b) Space is nothing other than the form of all appearances of outer senses, that is, the subjective condition of sensibility under which alone outer intuition is possible for us. Since the subject’s receptivity for being affected by objects necessarily precedes all intuitions of these objects, we can understand how the form of all appearances can be given in the mind before all actual perceptions, hence a priori; and how, as a pure intuition in which all objects must be determined, it can contain principles of their relations prior to all experience.
Accordingly, we can speak of space, extended beings, and so on only from a human standpoint. If we depart from the subjective condition under which alone we can receive outer intuition, namely as we may be affected by objects, the representation of space means nothing at all.
B 43 This predicate is ascribed to things only insofar as they appear to us, that is, are objects of sensibility. The constant form of this receptivity, which we call sensibility, is a necessary condition of all relations in which objects are intuited as outside us; and, if we abstract from these objects, it is a pure intuition bearing the name of space. Since we cannot make the special conditions of sensibility into conditions of the possibility of things, but only of their appearances, we can indeed say that space comprises all things that may appear to us outwardly, but not all things in themselves, whether they are intuited or not, or by whatever subject they may be intuited. For we cannot judge at all whether the intuitions of other thinking beings are bound to the same conditions that limit our intuition and are universally valid for us. If we add the restriction of a judgment to the concept of its subject, the judgment then holds unconditionally. The proposition “All things are alongside one another in space” holds under the restriction that these things are taken as objects of our sensible intuition. If I add the condition to the concept here and say, “All things, as outer appearances, are alongside one another in space,” this rule holds universally and without restriction.
B 44 Our expositions accordingly teach the reality, that is, the objective validity, of space with regard to everything that can come before us outwardly as an object, but at the same time the ideality of space with regard to things when reason considers them in themselves, that is, without regard to the constitution of our sensibility. We therefore assert the empirical reality of space (with regard to all possible outer experience), while at the same time asserting its transcendental ideality: that it is nothing as soon as we leave aside the condition of the possibility of all experience and take it as something underlying things in themselves.
But apart from space there is also no other subjective representation related to something outer that could be called a priori objective. For from none of them can synthetic a priori propositions be derived, as they can from intuition in space, § 3. Strictly speaking, therefore, no ideality at all belongs to them, although they agree with the representation of space in belonging merely to the subjective constitution of our manner of sensing—for example, of sight, hearing, and touch, through sensations of colors, sounds, and warmth. But because these are mere sensations and not intuitions, they do not in themselves allow us to cognize any object, least of all a priori.
B 45 The intention of this observation is only to prevent anyone from attempting to elucidate the asserted ideality of space through quite inadequate examples: for instance, that colors, taste, and so on are rightly regarded not as constitutions of things but merely as modifications of our subject, which can even differ in different people. For in this case what is originally itself only appearance—for example, a rose—is taken in the empirical sense for a thing in itself, which may nevertheless appear differently in color to every eye. By contrast, the transcendental concept of appearances in space is a critical reminder that nothing intuited in space is a thing in itself, nor is space a form of things that might belong to them in themselves. Rather, objects in themselves are not known to us at all, and what we call outer objects are nothing other than mere representations of our sensibility, whose form is space. Their true correlate, however, that is, the thing in itself, is not cognized through these representations at all, nor can it be; yet it is also never inquired after in experience.
B 46 Transcendental Aesthetic Second Section On Time
§ 4 Metaphysical exposition of the concept of time
Time is 1. not an empirical concept abstracted from any experience. For simultaneity or succession would not itself enter perception if the representation of time did not underlie it a priori. Only on this presupposition can we represent that some things exist at one and the same time (simultaneously) or at different times (successively).
2 Time is a necessary representation that underlies all intuitions. With regard to appearances in general, we cannot remove time itself, although we can quite well take appearances out of time. Time is therefore given a priori. In it alone is all actuality of appearances possible. These can all fall away, but time itself, as the universal condition of their possibility, cannot be removed.
B 47 3. This a priori necessity also grounds the possibility of apodictic principles concerning the relations of time, or axioms of time in general. It has only one dimension: different times are not simultaneous but successive (just as different spaces are not successive but simultaneous). These principles cannot be drawn from experience, for experience would yield neither strict universality nor apodictic certainty. We could say only, “This is what ordinary perception teaches,” but not, “This is how it must be.” These principles hold as rules under which experiences are possible at all, and instruct us before experience, not through it.
4 Time is not a discursive or, as it is called, general concept, but a pure form of sensible intuition. Different times are only parts of the very same time. But a representation that can be given only through a single object is intuition. Nor could the proposition that different times cannot be simultaneous be derived from a general concept. The proposition is synthetic and cannot arise from concepts alone. It is therefore immediately contained in the intuition and representation of time.
5 The infinity of time means nothing more than that every determinate magnitude of time is possible only through limitations of one single time lying at the foundation.
B 48 The original representation, time, must therefore be given as unlimited. But where the parts themselves, and every magnitude of an object, can be represented determinately only through limitation, the whole representation must not be given through concepts (for these contain only partial representations); rather, immediate intuition must underlie them.
§ 5 Transcendental exposition of the concept of time
For this I can refer to No. 3, where for brevity I placed what is properly transcendental among the articles of the metaphysical exposition. Here I add that the concept of alteration and, with it, the concept of motion (as change of place) are possible only through and in the representation of time. If this representation were not an a priori (inner) intuition, no concept, whatever it might be, could make comprehensible the possibility of an alteration, that is, of a combination of contradictorily opposed predicates in one and the same object—for example, the being in a place and the not-being in that same place of the very same thing.
B 49 Only in time can both contradictorily opposed determinations be encountered in one thing, namely successively. Our concept of time thus explains the possibility of as many synthetic a priori cognitions as are set forth by the general theory of motion, which is by no means unfruitful.
§ 6 Conclusions from these concepts
a) Time is not something that would subsist on its own or inhere in things as an objective determination, and would thus remain if we abstracted from all subjective conditions of intuiting them. For in the first case it would be something actual without an actual object. As for the second, as a determination or order inhering in things themselves, it could not precede objects as their condition and be cognized and intuited a priori through synthetic propositions. This latter is, by contrast, quite possible if time is nothing but the subjective condition under which all intuitions can occur in us. For then this form of inner intuition can be represented before the objects, hence a priori.
b) Time is nothing other than the form of inner sense, that is, of the intuition of ourselves and of our inner state. For time can be no determination of outer appearances.
B 50 It belongs neither to a shape nor to a position, and so on, but instead determines the relation of representations in our inner state. And precisely because this inner intuition yields no shape, we also seek to compensate for this lack through analogies, representing the succession of time by a line extending to infinity, in which the manifold constitutes a series of only one dimension. From the properties of this line we infer all the properties of time, except the single one that the parts of the former are simultaneous, whereas those of the latter are always successive. From this it also becomes clear that the representation of time is itself intuition, because all its relations can be expressed in an outer intuition.
c) Time is the a priori formal condition of all appearances in general. Space, as the pure form of all outer intuition, is limited as an a priori condition merely to outer appearances. By contrast, all representations, whether they have outer things as their object or not, nevertheless belong in themselves, as determinations of the mind, to the inner state; and this inner state falls under the formal condition of inner intuition, hence of time. Time is therefore an a priori condition of all appearance in general: the immediate condition of inner appearances (those of our souls), and precisely thereby also the mediate condition of outer appearances.
B 51 If I can say a priori that all outer appearances are in space and determined a priori according to the relations of space, I can say quite generally, from the principle of inner sense, that all appearances in general, that is, all objects of the senses, are in time and necessarily stand in relations of time.
If we abstract from our way of intuiting ourselves inwardly and, through this intuition, also embracing all outer intuitions in our capacity for representation, and thus take objects as they may be in themselves, then time is nothing. It has objective validity only with regard to appearances, because these are already things we take as objects of our senses. But it is no longer objective if we abstract from the sensibility of our intuition, hence from the way of representing peculiar to us, and speak of things in general. Time is therefore solely a subjective condition of our (human) intuition (which is always sensible, that is, insofar as we are affected by objects), and in itself, apart from the subject, nothing. Nevertheless, with regard to all appearances, and hence also all things that can occur to us in experience, it is necessarily objective. We cannot say, “All things are in time.”
B 52 This is because in the concept of things in general we abstract from every way of intuiting them, whereas this is the very condition under which time belongs to the representation of objects. But if the condition is added to the concept, so that we say, “All things, as appearances (objects of sensible intuition), are in time,” the principle has its proper objective correctness and a priori universality.
Our assertions thus teach the empirical reality of time, that is, objective validity with regard to all objects that may ever be given to our senses. And since our intuition is always sensible, no object can ever be given to us in experience that does not fall under the condition of time. By contrast, we deny time any claim to absolute reality: that it would attach to things absolutely as a condition or property, even without regard to the form of our sensible intuition. Such properties as belong to things in themselves can never be given to us through the senses either. In this, then, consists the transcendental ideality of time: if we abstract from the subjective conditions of sensible intuition, it is nothing at all and can be counted neither as subsisting nor as inhering among objects in themselves (apart from their relation to our intuition).
B 53 Yet this ideality, no more than that of space, is to be compared with the subreptions of sensation. For in those cases we still presuppose that the appearance itself, in which these predicates inhere, has objective reality. Here this falls away entirely, except insofar as it is merely empirical, that is, regards the object itself merely as appearance. On this, see the above observation in the first section.
§ 7 Elucidation
Against this theory, which grants time empirical reality but denies it absolute and transcendental reality, I have heard an objection from insightful men with such unanimity that I infer it must naturally occur to every reader unaccustomed to these reflections. It runs as follows: alterations are actual (this is proved by the change of our own representations, even if one wished to deny all outer appearances along with their alterations). Now alterations are possible only in time; consequently, time is something actual. The answer presents no difficulty. I grant the entire argument. Time is certainly something actual, namely the actual form of inner intuition. It therefore has subjective reality with regard to inner experience; that is, I actually have the representation of time and of my determinations in it.
B 54 It is therefore actually to be regarded not as an object but as the way of representing myself as an object. But if I myself, or another being, could intuit me without this condition of sensibility, the very same determinations that we now represent as alterations would yield a cognition in which the representation of time, and hence also of alteration, did not occur at all. Its empirical reality as the condition of all our experiences therefore remains. Only absolute reality cannot be granted to it, according to what has been said above. It is nothing but the form of our inner intuition*. If we remove from it the special condition of our sensibility, the concept of time also vanishes; it attaches not to the objects themselves, but merely to the subject that intuits them.
* I can indeed say, “My representations follow one another,” but this means only that we are conscious of them as in a temporal succession, that is, according to the form of inner sense. Time is not on that account something in itself, nor a determination attaching objectively to things.
The reason this objection is made so unanimously, even by those who nevertheless know of no convincing objection to the doctrine of the ideality of space, is this.
B 55 They did not hope to demonstrate the absolute reality of space apodictically, because idealism stands against them, holding that the actuality of outer objects admits of no rigorous proof. By contrast, the actuality of the object of our inner sense (myself and my state) is immediately clear through consciousness. The former objects could be mere illusion; but the latter, in their opinion, is undeniably something actual. They did not consider, however, that both, without any need to dispute their actuality as representations, nevertheless belong only to appearance, which always has two sides. On the one side, the object is considered in itself, without regard to the way of intuiting it, and for that very reason its constitution always remains problematic. On the other, attention is paid to the form of the intuition of this object, which must be sought not in the object in itself but in the subject to whom it appears, yet nevertheless actually and necessarily belongs to the appearance of this object.
Time and space are thus two sources of cognition from which various synthetic cognitions can be drawn a priori, as pure mathematics in particular provides a brilliant example with regard to cognitions of space and its relations.
B 56 Taken together, they are pure forms of all sensible intuition and thereby make synthetic a priori propositions possible. But these a priori sources of cognition determine their own boundaries by that very fact (that they are merely conditions of sensibility). Namely, they relate only to objects insofar as these are considered as appearances, and do not present things in themselves. Appearances alone are the field of their validity; if we go beyond it, no further objective use of them occurs. This reality of space and time, moreover, leaves the security of cognition through experience untouched. For we are equally certain of it whether these forms necessarily attach to things in themselves or only to our intuition of these things. By contrast, those who assert the absolute reality of space and time, whether they take them as subsisting or merely inhering, must come into conflict with the principles of experience itself. For if they choose the first alternative (which is generally the position of mathematical investigators of nature), they must assume two eternal and infinite self-subsisting nonentities (space and time) that exist (without there being anything actual) merely to embrace everything actual within themselves. If they choose the second position (held by some metaphysical teachers of nature), space and time count for them as relations of appearances (alongside or successively).
B 57 These relations are abstracted from experience, though represented confusedly in their abstraction. They must then deny a priori mathematical teachings their validity concerning actual things (for example in space), or at least deny their apodictic certainty, since such certainty does not occur a posteriori at all; and on this view the a priori concepts of space and time are only creatures of imagination, whose source must really be sought in experience. From experience’s abstracted relations, imagination has made something that indeed contains their general character, but cannot occur without the restrictions nature has connected with them. The first group gains this much: they clear the field of appearances for mathematical assertions. On the other hand, these very conditions greatly entangle them when the understanding wishes to go beyond this field. The second group does indeed gain in this latter respect: the representations of space and time do not stand in their way when they wish to judge objects not as appearances but merely in relation to the understanding. Yet they can neither account for the possibility of a priori mathematical cognitions, since they lack a true and objectively valid a priori intuition, nor bring the propositions of experience into necessary agreement with those assertions.
B 58 Our theory of the true constitution of these two original forms of sensibility remedies both difficulties.
Finally, it is clear that transcendental aesthetic can contain no more than these two elements, space and time, because all other concepts belonging to sensibility, even that of motion, which unites both elements, presuppose something empirical. For motion presupposes the perception of something movable. In space considered in itself, however, there is nothing movable; hence the movable must be something found in space only through experience, and thus an empirical datum. Likewise, transcendental aesthetic cannot count the concept of alteration among its a priori data. For time itself does not alter, but something in time does. For this, then, perception of some existence and of the succession of its determinations is required, hence experience.
B 59 § 8 General observations on the Transcendental Aesthetic
I. First it will be necessary to explain as clearly as possible what our view is concerning the fundamental constitution of sensible cognition in general, to prevent every misinterpretation of it.
What we have meant to say, then, is that all our intuition is nothing but the representation of appearance; that the things we intuit are not in themselves what we intuit them as being, nor are their relations constituted in themselves as they appear to us; and that if we remove our subject, or even merely the subjective constitution of the senses in general, all the constitution and all the relations of objects in space and time, indeed space and time themselves, would vanish. As appearances they cannot exist in themselves, but only in us. What the objects may be in themselves, apart from all this receptivity of our sensibility, remains entirely unknown to us. We know nothing but our way of perceiving them, which is peculiar to us and need not necessarily belong to every being, though it belongs to every human being. This alone concerns us.
B 60 Space and time are its pure forms; sensation in general is its matter. The former alone we can cognize a priori, that is, before all actual perception, and it is therefore called pure intuition. The latter, however, is that in our cognition which makes it be called a posteriori cognition, that is, empirical intuition. The former attach to our sensibility with absolute necessity, whatever kind our sensations may be; the latter can be very diverse. Even if we could bring this intuition of ours to the highest degree of distinctness, we would thereby come no closer to the constitution of objects in themselves. For we would in any case completely cognize only our way of intuiting, that is, our sensibility, and this always only under the conditions of space and time originally attaching to the subject. What the objects may be in themselves would never become known to us even through the most enlightened cognition of their appearance, which alone is given to us.
To say, therefore, that our entire sensibility is nothing but the confused representation of things, containing solely what belongs to them in themselves but under an accumulation of marks and partial representations that we do not consciously separate, is to falsify the concepts of sensibility and appearance, rendering their entire doctrine useless and empty.
B 61 The distinction between an indistinct and a distinct representation is merely logical and does not concern the content. Without doubt, the concept of right employed by sound understanding contains precisely what the subtlest speculation can develop from it; only in ordinary practical use we are not conscious of these manifold representations in this thought. We cannot therefore say that the ordinary concept is sensible and contains a mere appearance, for right cannot appear at all; rather, its concept lies in the understanding and represents a constitution (the moral one) of actions that belongs to them in themselves. By contrast, the representation of a body in intuition contains nothing at all that could belong to an object in itself, but merely the appearance of something and the way we are affected by it. This receptivity of our capacity for cognition is called sensibility, and remains worlds apart from cognition of the object in itself, even if we were to see through the appearance to its very ground.
The Leibniz-Wolfian philosophy has therefore assigned an entirely mistaken standpoint to all investigations into the nature and origin of our cognitions, in regarding the distinction between sensibility and the intellectual as merely logical.
B 62 It is plainly transcendental, concerning not merely the form of distinctness or indistinctness but the origin and content of these cognitions. Through sensibility we cognize the constitution of things in themselves not merely indistinctly, but not at all; and as soon as we remove our subjective constitution, the represented object, with the properties sensible intuition ascribed to it, is nowhere to be found, nor can it be found. For precisely this subjective constitution determines its form as appearance.
Ordinarily, among appearances, we do distinguish what attaches essentially to their intuition and holds for every human sense in general from what belongs to it only contingently, being valid not in relation to sensibility in general but only to a particular position or organization of this or that sense. We then call the former a cognition that represents the object in itself, and the latter merely its appearance. But this distinction is only empirical. If we stop at it, as usually happens, and do not in turn regard that empirical intuition as mere appearance, as we should, in which nothing at all concerning any thing in itself is to be encountered, then our transcendental distinction is lost. We then believe that we do cognize things in themselves, although everywhere (in the sensible world), even in the deepest investigation of its objects, we deal with nothing but appearances.
B 63 Thus we will indeed call the rainbow a mere appearance during a sun shower, but the rain the thing in itself. This is correct insofar as we understand the latter concept only physically, as that which in universal experience, under every different position relative to the senses, is nevertheless determined in intuition in this and no other way. But if we take this empirical element in general and ask, without attending to its agreement with every human sense, whether it too represents an object in itself (not the raindrops, since these, as appearances, are already empirical objects), then the question of the relation of representation to object is transcendental. Not only are these drops mere appearances, but even their round shape, indeed even the space in which they fall, are nothing in themselves, but mere modifications or foundations of our sensible intuition; the transcendental object, however, remains unknown to us.
The second important concern of our transcendental aesthetic is that it should not merely win some favor as a plausible hypothesis, but be as certain and indubitable as can ever be required of a theory intended to serve as an organon. To make this certainty fully evident, let us choose a case.
B 64 In this case its validity can become manifest, and it can serve to clarify further what was stated in § 3.
Suppose, then, that space and time are objective in themselves and conditions of the possibility of things in themselves. First, it becomes apparent that a great many apodictic and synthetic a priori propositions occur concerning both, especially concerning space, which we therefore wish to investigate here in particular as our example. Since the propositions of geometry are cognized synthetically a priori and with apodictic certainty, I ask: from where do you obtain such propositions, and on what does our understanding rely in order to arrive at such absolutely necessary and universally valid truths? There is no other path than through concepts or through intuitions, both as given either a priori or a posteriori. The latter, namely empirical concepts, and likewise that on which they are grounded, empirical intuition, can yield no synthetic proposition except one that is itself merely empirical, that is, a proposition of experience. Hence it can never contain necessity and absolute universality, which are nevertheless characteristic of all propositions of geometry. As for the first and only means of attaining such cognitions, namely through mere concepts or through a priori intuitions, it is clear that no synthetic cognition at all can be attained from mere concepts, but only analytic cognition.
B 65 Take just the proposition that no space can be enclosed by two straight lines, and hence no figure is possible, and try to derive it from the concept of straight lines and the number two; or take the proposition that a figure is possible from three straight lines, and try likewise to derive it merely from these concepts. All your effort is futile, and you find yourselves compelled to take refuge in intuition, as geometry always does. You therefore give yourselves an object in intuition. But of what kind is this intuition? Is it a pure a priori intuition or an empirical one? If it were the latter, no universally valid proposition, still less an apodictic one, could ever arise from it, for experience can never supply such a thing. You must therefore give your object a priori in intuition and ground your synthetic proposition on it. Now if there did not lie within you a faculty of intuiting a priori; if this subjective condition, as to its form, were not at the same time the universal a priori condition under which alone the object of this (outer) intuition is itself possible; if the object (the triangle) were something in itself without relation to your subject—how could you say that what necessarily lies in your subjective conditions for constructing a triangle must also necessarily belong to the triangle in itself? For you could not add to your concepts (of three lines) something new (the figure).
B 66 That figure would for that reason necessarily have to be encountered in the object, since the object is given before your cognition and not through it. Thus, if space (and likewise time) were not a mere form of your intuition containing a priori conditions under which alone things can be outer objects for you, and without which subjective conditions they are nothing in themselves, you could establish absolutely nothing synthetically a priori about outer objects. It is therefore indubitably certain, and not merely possible or even probable, that space and time, as the necessary conditions of all (outer and inner) experience, are merely subjective conditions of all our intuition. In relation to them, therefore, all objects are mere appearances and not things given for themselves in this manner. For this very reason much can be said a priori about these appearances as regards their form, but never the least thing about the thing in itself that may underlie them.
II. To confirm this theory of the ideality of outer as well as inner sense, and hence of all objects of the senses as mere appearances, the following observation is especially useful: everything in our cognition that belongs to intuition—excluding, therefore, the feeling of pleasure and displeasure, and the will, which are not cognitions at all—contains nothing but mere relations.
B 67 These are relations of places in an intuition (extension), of change of places (motion), and of laws according to which this change is determined (moving forces). But what is present in the place, or what acts in the things themselves apart from the change of place, is not given through this. Now a thing in itself is not cognized through mere relations. We may therefore conclude that, since nothing but mere representations of relations is given to us through outer sense, it too can contain only the relation of an object to the subject in its representation, and not the inner character that belongs to the object in itself. It is just the same with inner intuition. Not only do the representations of outer senses constitute the actual material with which we occupy our mind, but time, in which we place these representations, already contains relations of succession, of simultaneity, and of what is simultaneous with succession (the persistent). Time itself precedes consciousness of these representations in experience and underlies the way we place them in the mind as its formal condition. Now what can precede, as a representation, every act of thinking anything is intuition; and if it contains nothing but relations, it is the form of intuition. Since this form represents nothing except insofar as something is posited in the mind, it can be nothing other than the way the mind is affected through its own activity.
B 68 The activity in question is this positing of its representation, so that the mind is affected through itself, that is, an inner sense as regards its form. Everything represented through a sense is to that extent always appearance. Either, then, no inner sense at all would have to be admitted, or the subject that is its object could be represented through it only as appearance, not as it would judge itself if its intuition were mere self-activity, that is, intellectual. The entire difficulty here rests only on how a subject can intuit itself inwardly; but this difficulty is common to every theory. Consciousness of oneself (apperception) is the simple representation of the I; and if through this alone all the manifold in the subject were given by its own activity, inner intuition would be intellectual. In human beings this consciousness requires inner perception of the manifold previously given in the subject, and because of this distinction, the way this manifold is given in the mind without spontaneity must be called sensibility. If the faculty of becoming conscious is to seek out (apprehend) what lies in the mind, it must affect the mind, and only in this way can it produce an intuition of itself. The form of this intuition, however, lies beforehand at the foundation in the mind. It determines, in the representation of time, the way the manifold is together in the mind.
B 69 The mind thus intuits itself not as it would immediately represent itself through its own activity, but according to the way it is affected from within, consequently as it appears to itself, not as it is.
III. When I say that in space and time both the intuition of outer objects and the mind’s self-intuition represent each as it affects our senses, that is, as it appears, I do not mean that these objects are mere illusion. For in appearance the objects, indeed even the constitutions we ascribe to them, are always regarded as something actually given. It is only that, insofar as this constitution depends merely on the subject’s way of intuiting in the relation of the given object to it, this object as appearance is distinguished from itself as object in itself. Thus I do not say that bodies merely seem to be outside me, or that my soul only seems to be given in my self-consciousness, when I assert that the quality of space and time, in conformity with which I posit both as the condition of their existence, lies in my way of intuiting and not in these objects in themselves. It would be my own fault if I made mere illusion out of what I ought to count as appearance*. But this does not happen according to our principle of the ideality of all our sensible intuitions.
B 70 Rather, if objective reality is ascribed to those forms of representation, it is impossible to avoid transforming everything through them into mere illusion. For if space and time are regarded as constitutions that must be encountered, as to their possibility, in things in themselves, and we reflect on the absurdities in which we then entangle ourselves, namely two infinite things that are neither substances nor anything actually inhering in substances.
B 71 These things must nevertheless exist, indeed must be the necessary condition of the existence of all things, and must remain even if all existing things are removed. Then we can hardly blame the good Berkeley for reducing bodies to mere illusion. Indeed, even our own existence, which would in this way be made dependent on the independently subsisting reality of a nonentity such as time, would have to be transformed along with it into sheer illusion, an absurdity of which no one has yet been guilty.
* The predicates of appearance can be ascribed to the object itself in relation to our sense: for example, the red color or the scent to the rose. But illusion can never be ascribed to the object as a predicate, precisely because it ascribes to the object in itself what belongs to it only in relation to the senses, or to the subject in general: for example, the two handles initially ascribed to Saturn. What is not to be encountered in the object in itself at all, but is always to be encountered in its relation to the subject and is inseparable from the representation of the former, is appearance. Thus the predicates of space and time are rightly ascribed to objects of the senses as such, and there is no illusion in this. But if I ascribe redness to the rose in itself, handles to Saturn, or extension in itself to all outer objects, without regard to a determinate relation of these objects to the subject and without restricting my judgment to it, only then does illusion arise.
IV. In natural theology, where one thinks an object that not only cannot be an object of intuition for us at all, but cannot in any way be an object of sensible intuition even to itself, one is careful to remove the conditions of time and space from all its intuition. For all its cognition must be intuition, not thinking, which always indicates limits. But by what right can one do this if one has previously made both into forms of things in themselves, indeed forms that, as a priori conditions of the existence of things, remain even if the things themselves have been removed? For as conditions of all existence in general, they would also have to be conditions of God’s existence. If we do not wish to make them objective forms of all things, nothing else remains.
B 72 We must make them subjective forms of our way of intuiting, outer as well as inner. This is called sensible because it is not original, that is, not such that through it the very existence of the object of intuition is given (which, so far as we can see, can belong only to the primordial being), but is dependent on the existence of the object, and is thus possible only through the object’s affecting the subject’s capacity for representation.
Nor is it necessary for us to restrict the way of intuiting in space and time to human sensibility. It may be that all finite thinking beings must necessarily agree with human beings in this, although we cannot decide it. Yet this universal validity does not make it cease to be sensibility, precisely because it is derivative (intuitus derivativus), not original (intuitus originarius), and hence not intellectual intuition. For the reason just given, intellectual intuition seems to belong only to the primordial being, never to a being dependent both in its existence and in its intuition, which determines its existence in relation to given objects. This last observation, however, must be counted only as an elucidation of our aesthetic theory, not as a ground of proof.
B 73 Conclusion of the Transcendental Aesthetic
Here, then, we have one of the elements required for solving the general problem of transcendental philosophy: How are synthetic a priori propositions possible? Namely, pure a priori intuitions, space and time. If we wish, in an a priori judgment, to go beyond the given concept, we find in them what can be discovered a priori not in the concept but in the intuition corresponding to it, and can be synthetically combined with that concept. For this reason, however, such judgments never extend further than to objects of the senses, and can hold only for objects of possible experience.
Transcendental Analytic
B 74 Der transzendentalen Elementarlehre Zweiter Teil Die transzendentale Logik
Einleitung Idee einer transzendentalen Logik
I. Von der Logik überhaupt
Unsere Erkenntnis entspringt aus zwei Grundquellen des Gemüts, deren die erste ist, die Vorstellungen zu empfangen (die Rezeptivität der Eindrücke), die zweite das Vermögen, durch diese Vorstellungen einen Gegenstand zu erkennen (Spontaneität der Begriffe); durch die erstere wird uns ein Gegenstand gegeben, durch die zweite wird dieser im Verhältnis auf jene Vorstellung (als bloße Bestimmung des Gemüts) gedacht. Anschauung und Begriffe machen also die Elemente aller unserer Erkenntnis aus, so daß weder Begriffe, ohne ihnen auf einige Art korrespondierende Anschauung, noch Anschauung ohne Begriffe, ein Erkenntnis abgeben können. Beide sind entweder rein, oder empirisch. Empirisch, wenn Empfindung (die die wirkliche Gegenwart des Gegenstandes voraussetzt) darin enthalten ist: rein aber, wenn der Vorstellung keine Empfindung beigemischt ist. Man kann die letztere die Materie der sinnlichen Erkenntnis nennen. Daher enthält reine
B 75 Anschauung lediglich die Form, unter welcher etwas angeschaut wird, und reiner Begriff allein die Form des Denkens eines Gegenstandes überhaupt. Nur allein reine Anschauungen oder Begriffe sind a priori möglich, empirische nur a posteriori.
Wollen wir die Rezeptivität unseres Gemüts, Vorstellungen zu empfangen, sofern es auf irgendeine Weise affiziert wird, Sinnlichkeit nennen, so ist dagegen das Vermögen, Vorstellungen selbst hervorzubringen, oder die Spontaneität des Erkenntnisses, der Verstand. Unsere Natur bringt es so mit sich, daß die Anschauung niemals anders als sinnlich sein kann, d.i. nur die Art enthält, wie wir von Gegenständen affiziert werden. Dagegen ist das Vermögen, den Gegenstand sinnlicher Anschauung zu denken, der Verstand. Keine dieser Eigenschaften ist der anderen vorzuziehen. Ohne Sinnlichkeit würde uns kein Gegenstand gegeben, und ohne Verstand keiner gedacht werden. Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind. Daher ist es ebenso notwendig, seine Begriffe sinnlich zu machen, (d.i. ihnen den Gegenstand in der Anschauung beizufügen,) als seine Anschauungen sich verständlich zu machen (d.i. sie unter Begriffe zu bringen). Beide Vermögen, oder Fähigkeiten, können auch ihre Funktionen nicht vertauschen. Der Verstand vermag nichts anzuschauen, und die Sinne nichts zu denken. Nur daraus, daß sie sich vereinigen, kann
B 76 Erkenntnis entspringen. Deswegen darf man aber doch nicht ihren Anteil vermischen, sondern man hat große Ursache, jedes von dem andern sorgfältig abzusondern, und zu unterscheiden. Daher unterscheiden wir die Wissenschaft der Regeln der Sinnlichkeit überhaupt, d.i. Ästhetik, von der Wissenschaft der Verstandesregeln überhaupt, d.i. der Logik.
Die Logik kann nun wiederum in zwiefacher Absicht unternommen werden, entweder als Logik des allgemeinen, oder des besonderen Verstandesgebrauchs. Die erste enthält die schlechthin notwendigen Regeln des Denkens, ohne welche gar kein Gebrauch des Verstandes stattfindet, und geht also auf diesen, unangesehen der Verschiedenheit der Gegenstände, auf welche er gerichtet sein mag. Die Logik des besonderen Verstandesgebrauchs enthält die Regeln, über eine gewisse Art von Gegenständen richtig zu denken. Jene kann man die Elementarlogik nennen, diese aber das Organon dieser oder jener Wissenschaft. Die letztere wird mehrenteils in den Schulen als Propädeutik der Wissenschaften vorangeschickt, ob sie zwar, nach dem Gange der menschlichen Vernunft, das späteste ist, wozu sie allererst gelangt, wenn die Wissenschaft schon lange fertig ist, und nur die letzte Hand zu ihrer Berichtigung und Vollkommenheit bedarf. Denn man muß die Gegenstände schon in ziemlich hohem Grade kennen, wenn
B 77 man die Regel angeben will, wie sich eine Wissenschaft von ihnen zustande bringen lasse.
Die allgemeine Logik ist nun entweder die reine, oder die angewandte Logik. In der ersteren abstrahieren wir von allen empirischen Bedingungen, unter denen unser Verstand ausgeübt wird, z.B. vom Einfluß der Sinne, vom Spiele der Einbildung, den Gesetzen des Gedächtnisses, der Macht der Gewohnheit, der Neigung usw., mithin auch den Quellen der Vorurteile, ja gar überhaupt von allen Ursachen, daraus uns gewisse Erkenntnisse entspringen, oder untergeschoben werden mögen, weil sie bloß den Verstand unter gewissen Umständen seiner Anwendung betreffen, und, um diese zu kennen, Erfahrung erfordert wird. Eine allgemeine, aber reine Logik, hat es also mit lauter Prinzipien a priori zu tun, und ist ein Kanon des Verstandes und der Vernunft, aber nur in Ansehung des Formalen ihres Gebrauchs, der Inhalt mag sein, welcher er wolle, (empirisch oder transzendental). Eine allgemeine Logik heißt aber alsdann angewandt, wenn sie auf die Regeln des Gebrauchs des Verstandes unter den subjektiven empirischen Bedingungen, die uns die Psychologie lehrt, gerichtet ist. Sie hat also empirische Prinzipien, ob sie zwar insofern allgemein ist, daß sie auf den Verstandesgebrauch ohne Unterschied der Gegenstände geht. Um deswillen ist sie auch weder ein Kanon des Verstandes überhaupt, noch ein Organon besonderer
B 78 Wissenschaften, sondern lediglich ein Kathartikon des gemeinen Verstandes.
In der allgemeinen Logik muß also der Teil, der die reine Vernunftlehre ausmachen soll, von demjenigen gänzlich abgesondert werden, welcher die angewandte (obzwar noch immer allgemeine) Logik ausmacht. Der erstere ist eigentlich nur allein Wissenschaft, obzwar kurz und trocken, und wie es die schulgerechte Darstellung einer Elementarlehre des Verstandes erfordert. In dieser müssen also die Logiker jederzeit zwei Regeln vor Augen haben.
1 Als allgemeine Logik abstrahiert sie von allem Inhalt der Verstandeserkenntnis, und der Verschiedenheit ihrer Gegenstände, und hat mit nichts als der bloßen Form des Denkens zu tun.
2 Als reine Logik hat sie keine empirischen Prinzipien, mithin schöpft sie nichts (wie man sich bisweilen überredet hat) aus der Psychologie, die also auf den Kanon des Verstandes gar keinen Einfluß hat. Sie ist eine demonstrierte Doktrin, und alles muß in ihr völlig a priori gewiß sein.
Was ich die angewandte Logik nenne, (wider die gemeine Bedeutung dieses Wortes, nach der sie gewisse Exerzitien, dazu die reine Logik die Regel gibt, enthalten soll,) so ist sie eine Vorstellung des Verstandes und der Regeln seines notwendigen Gebrauchs in concreto, nämlich unter den zufälligen Bedingungen des Subjekts,
B 79 die diesen Gebrauch hindern oder befördern können, und die insgesamt nur empirisch gegeben werden. Sie handelt von der Aufmerksamkeit, deren Hindernis und Folgen, dem Ursprunge des Irrtums, dem Zustande des Zweifels, des Skrupels, der Überzeugung usw. und zu ihr verhält sich die allgemeine und reine Logik wie die reine Moral, welche bloß die notwendigen sittlichen Gesetze eines freien Willens überhaupt enthält, zu der eigentlichen Tugendlehre, welche diese Gesetze unter den Hindernissen der Gefühle, Neigungen und Leidenschaften, denen die Menschen mehr oder weniger unterworfen sind, erwägt, und welche niemals eine wahre und demonstrierte Wissenschaft abgeben kann, weil sie ebensowohl als jene angewandte Logik empirische und psychologische Prinzipien bedarf.
II. Von der transzendentalen Logik
Die allgemeine Logik abstrahiert, wie wir gewiesen, von allem Inhalt der Erkenntnis, d.i. von aller Beziehung derselben auf das Objekt, und betrachtet nur die logische Form im Verhältnisse der Erkenntnisse aufeinander, d.i. die Form des Denkens überhaupt. Weil es nun aber sowohl reine, als empirische Anschauungen gibt, (wie die transzendentale Ästhetik dartut,) so könnte auch wohl ein Unterschied zwischen reinem und empirischem
B 80 Denken der Gegenstände angetroffen werden. In diesem Falle würde es eine Logik geben, in der man nicht von allem Inhalt der Erkenntnis abstrahierte; denn diejenige, welche bloß die Regeln des reinen Denkens eines Gegenstandes enthielte, würde alle diejenigen Erkenntnisse ausschließen, welche von empirischem Inhalte wären. Sie würde auch auf den Ursprung unserer Erkenntnisse von Gegenständen gehen, sofern er nicht den Gegenständen zugeschrieben werden kann; da hingegen die allgemeine Logik mit diesem Ursprunge der Erkenntnis nichts zu tun hat, sondern die Vorstellungen, sie mögen uranfänglich a priori in uns selbst, oder nur empirisch gegeben sein, bloß nach den Gesetzen betrachtet, nach welchen der Verstand sie im Verhältnis gegeneinander braucht, wenn er denkt, und also nur von der Verstandesform handelt, die den Vorstellungen verschafft werden kann, woher sie auch sonst entsprungen sein mögen.
Und hier mache ich eine Anmerkung, die ihren Einfluß auf alle nachfolgenden Betrachtungen erstreckt, und die man wohl vor Augen haben muß, nämlich: daß nicht eine jede Erkenntnis a priori, sondern nur die, dadurch wir erkennen, daß und wie gewisse Vorstellungen (Anschauungen oder Begriffe) lediglich a priori angewandt werden, oder möglich sind, transzendental (d.i. die Möglichkeit der Erkenntnis oder der Gebrauch derselben a priori) heißen müsse. Daher ist weder der Raum,
B 81 noch irgendeine geometrische Bestimmung desselben a priori eine transzendentale Vorstellung, sondern nur die Erkenntnis, daß diese Vorstellungen gar nicht empirischen Ursprungs sind, und die Möglichkeit, wie sie sich gleichwohl a priori auf Gegenstände der Erfahrung beziehen könne, kann transzendental heißen. Imgleichen würde der Gebrauch des Raumes von Gegenständen überhaupt auch transzendental sein: aber ist er lediglich auf Gegenstände der Sinne eingeschränkt, so heißt er empirisch. Der Unterschied des Transzendentalen und Empirischen gehört also nur zur Kritik der Erkenntnisse, und betrifft nicht die Beziehung derselben auf ihren Gegenstand.
In der Erwartung also, daß es vielleicht Begriffe geben könne, die sich a priori auf Gegenstände beziehen mögen, nicht als reine oder sinnliche Anschauungen, sondern bloß als Handlungen des reinen Denkens, die mithin Begriffe, aber weder empirischen noch ästhetischen Ursprungs sind, so machen wir uns zum voraus die Idee von einer Wissenschaft des reinen Verstandes und Vernunfterkenntnisses, dadurch wir Gegenstände völlig a priori denken. Eine solche Wissenschaft, welche den Ursprung, den Umfang und die objektive Gültigkeit solcher Erkenntnisse bestimmte, würde transzendentale Logik heißen müssen, weil sie es bloß mit den Gesetzen des Verstandes und der Vernunft zu tun hat, aber lediglich, sofern sie auf Gegenstände a priori bezogen
B 82 wird, und nicht, wie die allgemeine Logik, auf die empirischen sowohl, als reinen Vernunfterkenntnisse ohne Unterschied.
III. Von der Einteilung der allgemeinen Logik in Analytik und Dialektik
Die alte und berühmte Frage, womit man die Logiker in die Enge zu treiben vermeinte, und sie dahin zu bringen suchte, daß sie sich entweder auf einer elenden Dialexe mußten betreffen lassen, oder ihre Unwissenheit, mithin die Eitelkeit ihrer ganzen Kunst bekennen sollten, ist diese: Was ist Wahrheit? Die Namenerklärung der Wahrheit, daß sie nämlich die Übereinstimmung der Erkenntnis mit ihrem Gegenstande sei, wird hier geschenkt, und vorausgesetzt; man verlangt aber zu wissen, welches das allgemeine und sichere Kriterium der Wahrheit einer jeden Erkenntnis sei.
Es ist schon ein großer und nötiger Beweis der Klugheit oder Einsicht, zu wissen, was man vernünftigerweise fragen solle. Denn, wenn die Frage an sich ungereimt ist, und unnötige Antworten verlangt, so hat sie, außer der Beschämung dessen, der sie aufwirft, bisweilen noch den Nachteil, den unbehutsamen Anhörer derselben zu ungereimten Antworten zu verleiten, und den belachenswerten Anblick zu geben, daß einer
B 83 (wie die Alten sagten) den Bock melkt, der andere ein Sieb unterhält.
Wenn Wahrheit in der Übereinstimmung einer Erkenntnis mit ihrem Gegenstande besteht, so muß dadurch dieser Gegenstand von anderen unterschieden werden; denn eine Erkenntnis ist falsch, wenn sie mit dem Gegenstande, worauf sie bezogen wird, nicht übereinstimmt, ob sie gleich etwas enthält, was wohl von anderen Gegenständen gelten könnte. Nun würde ein allgemeines Kriterium der Wahrheit dasjenige sein, welches von allen Erkenntnissen, ohne Unterschied ihrer Gegenstände, gültig wäre. Es ist aber klar, daß, da man bei demselben von allem Inhalt der Erkenntnis (Beziehung auf ihr Objekt) abstrahiert, und Wahrheit gerade diesen Inhalt angeht, es ganz unmöglich und ungereimt sei, nach einem Merkmale der Wahrheit dieses Inhalts der Erkenntnisse zu fragen, und daß also ein hinreichendes, und doch zugleich allgemeines Kennzeichen der Wahrheit unmöglich angegeben werden könne. Da wir oben schon den Inhalt einer Erkenntnis die Materie derselben genannt haben, so wird man sagen müssen: von der Wahrheit der Erkenntnis der Materie nach läßt sich kein allgemeines Kennzeichen verlangen, weil es in sich selbst widersprechend ist.
Was aber das Erkenntnis der bloßen Form nach (mit Beiseitesetzung alles Inhalts) betrifft, so ist ebenso klar: daß eine Logik, sofern sie die allgemeinen
B 84 und notwendigen Regeln des Verstandes vorträgt, eben in diesen Regeln Kriterien der Wahrheit darlegen müsse. Denn, was diesen widerspricht, ist falsch, weil der Verstand dabei seinen allgemeinen Regeln des Denkens, mithin sich selbst widerstreitet. Diese Kriterien aber betreffen nur die Form der Wahrheit, d.i. des Denkens überhaupt, und sind sofern ganz richtig, aber nicht hinreichend. Denn obgleich eine Erkenntnis der logischen Form völlig gemäß sein möchte, d.i. sich selbst nicht widerspräche, so kann sie doch noch immer dem Gegenstande widersprechen. Also ist das bloß logische Kriterium der Wahrheit, nämlich die Übereinstimmung einer Erkenntnis mit den allgemeinen und formalen Gesetzen des Verstandes und der Vernunft zwar die conditio sine qua non, mithin die negative Bedingung aller Wahrheit: weiter aber kann die Logik nicht gehen, und den Irrtum, der nicht die Form, sondern den Inhalt trifft, kann die Logik durch keinen Probierstein entdecken.
Die allgemeine Logik löst nun das ganze formale Geschäft des Verstandes und der Vernunft in seine Elemente auf, und stellt sie als Prinzipien aller logischen Beurteilung unserer Erkenntnis dar. Dieser Teil der Logik kann daher Analytik heißen, und ist eben darum der wenigstens negative Probierstein der Wahrheit, indem man zuvörderst alle Erkenntnis, ihrer Form nach, an diesen Regeln prüfen und schätzen muß, ehe man sie selbst ihrem Inhalt nach untersucht, um auszumachen, ob
B 85 sie in Ansehung des Gegenstandes positive Wahrheit enthalten. Weil aber die bloße Form des Erkenntnisses, so sehr sie auch mit logischen Gesetzen übereinstimmen mag, noch lange nicht hinreicht, materielle (objektive) Wahrheit dem Erkenntnisse darum auszumachen, so kann sich niemand bloß mit der Logik wagen, über Gegenstände zu urteilen, und irgend etwas zu behaupten, ohne von ihnen vorher gegründete Erkundigung außer der Logik eingezogen zu haben, um hernach bloß die Benutzung und die Verknüpfung derselben in einem zusammenhängenden Ganzen nach logischen Gesetzen zu versuchen, noch besser aber, sie lediglich danach zu prüfen. Gleichwohl liegt so etwas Verleitendes in dem Besitze einer so scheinbaren Kunst, allen unseren Erkenntnissen die Form des Verstandes zu geben, ob man gleich in Ansehung des Inhalts derselben noch sehr leer und arm sein mag, daß jene allgemeine Logik, die bloß ein Kanon zur Beurteilung ist, gleichsam wie ein Organon zur wirklichen Hervorbringung wenigstens zum Blendwerk von objektiven Behauptungen gebraucht, und mithin in der Tat dadurch gemißbraucht worden. Die allgemeine Logik nun, als vermeintes Organon, heißt Dialektik.
So verschieden auch die Bedeutung ist, in der die Alten dieser Benennung einer Wissenschaft oder Kunst sich bedienten, so kann man doch aus dem wirklichen Gebrauche derselben sicher abnehmen, daß sie bei ihnen
B 86 nichts anderes war, als die Logik des Scheins. Eine sophistische Kunst, seiner Unwissenheit, ja auch seinen vorsätzlichen Blendwerken den Anstrich der Wahrheit zu geben, daß man die Methode der Gründlichkeit, welche die Logik überhaupt vorschreibt, nachahmte, und ihre Topik zu Beschönigung jedes leeren Vorgebens benutzte. Nun kann man es als eine sichere und brauchbare Warnung anmerken: daß die allgemeine Logik, als Organon betrachtet, jederzeit eine Logik des Scheins, d.i. dialektisch sei. Denn da sie uns gar nichts über den Inhalt der Erkenntnis lehrt, sondern nur bloß die formalen Bedingungen der Übereinstimmung mit dem Verstande, welche übrigens in Ansehung der Gegenstände gänzlich gleichgültig sind, so muß die Zumutung, sich derselben als eines Werkzeugs (Organon) zu gebrauchen, um seine Kenntnisse, wenigstens dem Vorgeben nach, auszubreiten und zu erweitern, auf nichts als Geschwätzigkeit hinauslaufen, alles, was man will, mit einigem Schein zu behaupten, oder auch nach Belieben anzufechten.
Eine solche Unterweisung ist der Würde der Philosophie auf keine Weise gemäß. Um deswillen hat man diese Benennung der Dialektik lieber, als eine Kritik des dialektischen Scheins, der Logik beigezählt, und als eine solche wollen wir sie auch hier verstanden wissen.
B 87 IV. Von der Einteilung der transz. Logik in die transzendentale Analytik und Dialektik
In einer transzendentalen Logik isolieren wir den Verstand, (so wie oben in der transzendentalen Ästhetik die Sinnlichkeit) und heben bloß den Teil des Denkens aus unserem Erkenntnisse heraus, der lediglich seinen Ursprung in dem Verstande hat. Der Gebrauch dieser reinen Erkenntnis aber beruht darauf, als ihrer Bedingung: daß uns Gegenstände in der Anschauung gegeben seien, worauf jene angewandt werden können. Denn ohne Anschauung fehlt es aller unserer Erkenntnis an Objekten, und sie bleibt alsdann völlig leer. Der Teil der transzendentalen Logik also, der die Elemente der reinen Verstandeserkenntnis vorträgt, und die Prinzipien, ohne welche überall kein Gegenstand gedacht werden kann, ist die transzendentale Analytik, und zugleich, eine Logik der Wahrheit. Denn ihr kann keine Erkenntnis widersprechen, ohne daß sie zugleich allen Inhalt verlöre, d.i. alle Beziehung auf irgendein Objekt, mithin alle Wahrheit. Weil es aber sehr anlockend und verleitend ist, sich dieser reinen Verstandeserkenntnisse und Grundsätze allein, und selbst über die Grenzen der Erfahrung hinaus, zu bedienen, welche doch einzig und allein uns die Materie (Objekte) an die Hand geben
B 88 kann, worauf jene reinen Verstandesbegriffe angewandt werden können: so gerät der Verstand in Gefahr, durch leere Vernünfteleien von den bloßen formalen Prinzipien des reinen Verstandes einen materialen Gebrauch zu machen, und über Gegenstände ohne Unterschied zu urteilen, die uns doch nicht gegeben sind, ja vielleicht auf keinerlei Weise gegeben werden können. Da sie also eigentlich nur ein Kanon der Beurteilung des empirischen Gebrauchs sein sollte, so wird sie gemißbraucht, wenn man sie als das Organon eines allgemeinen und unbeschränkten Gebrauchs gelten läßt, und sich mit dem reinen Verstande allein wagt, synthetisch über Gegenstände überhaupt zu urteilen, zu behaupten, und zu entscheiden. Also würde der Gebrauch des reinen Verstandes alsdann dialektisch sein. Der zweite Teil der transzendentalen Logik muß also eine Kritik dieses dialektischen Scheines sein, und heißt transzendentale Dialektik, nicht als eine Kunst, dergleichen Schein dogmatisch zu erregen, (eine leider sehr gangbare Kunst mannigfaltiger metaphysischer Gaukelwerke) sondern als eine Kritik des Verstandes und der Vernunft in Ansehung ihres hyperphysischen Gebrauchs, um den falschen Schein ihrer grundlosen Anmaßungen aufzudecken, und ihre Ansprüche auf Erfindung und Erweiterung, die sie bloß durch transzendentale Grundsätze zu erreichen vermeint, zur bloßen Beurteilung und Verwahrung des reinen Verstandes vor sophistischem Blendwerke herabzusetzen.
B 89 Der transzendentalen Logik Erste Abteilung Die transzendentale Analytik
Diese Analytik ist die Zergliederung unseres gesamten Erkenntnisses a priori in die Elemente der reinen Verstandeserkenntnis. Es kommt hiebei auf folgende Stücke an: 1. Daß die Begriffe reine und nicht empirische Begriffe seien. 2. Daß sie nicht zur Anschauung und zur Sinnlichkeit, sondern zum Denken und Verstande gehören. 3. Daß sie Elementarbegriffe seien und von den abgeleiteten, oder daraus zusammengesetzten, wohl unterschieden werden. 4. Daß ihre Tafel vollständig sei, und sie das ganze Feld des reinen Verstandes gänzlich ausfüllen. Nun kann diese Vollständigkeit einer Wissenschaft nicht auf den Überschlag, eines bloß durch Versuche zustande gebrachten Aggregats, mit Zuverlässigkeit angenommen werden; daher ist sie nur vermittelst einer Idee des Ganzen der Verstandeserkenntnis a priori und durch die daraus bestimmte Abteilung der Begriffe, welche sie ausmachen, mithin nur durch ihren Zusammenhang in einem System möglich. Der reine Verstand sondert sich nicht allein von allem Empirischen, sondern sogar von aller Sinnlichkeit völlig aus. Er ist also eine für sich selbst beständige, sich selbst genugsame,
B 90 und durch keine äußerlich hinzukommenden Zusätze zu vermehrende Einheit. Daher wird der Inbegriff seiner Erkenntnis ein unter einer Idee zu befassendes und zu bestimmendes System ausmachen, dessen Vollständigkeit und Artikulation zugleich einen Probierstein der Richtigkeit und Echtheit aller hineinpassenden Erkenntnisstücke abgeben kann. Es besteht aber dieser ganze Teil der transzendentalen Logik aus zwei Büchern, deren das eine die Begriffe, das andere die Grundsätze des reinen Verstandes enthält.
Der transzendentalen Analytik Erstes Buch Die Analytik der Begriffe
Ich verstehe unter der Analytik der Begriffe nicht die Analysis derselben, oder das gewöhnliche Verfahren in philosophischen Untersuchungen, Begriffe, die sich darbieten, ihrem Inhalte nach zu zergliedern und zur Deutlichkeit zu bringen, sondern die noch wenig versuchte Zergliederung des Verstandesvermögens selbst, um die Möglichkeit der Begriffe a priori dadurch zu erforschen, daß wir sie im Verstande allein, als ihrem Geburtsorte, aufsuchen und dessen reinen Gebrauch überhaupt analysieren; denn dieses ist das eigentümliche Geschäft einer
B 91 Transzendental-Philosophie; das übrige ist die logische Behandlung der Begriffe in der Philosophie überhaupt. Wir werden also die reinen Begriffe bis zu ihren ersten Keimen und Anlagen im menschlichen Verstande verfolgen, in denen sie vorbereitet liegen, bis sie endlich bei Gelegenheit der Erfahrung entwickelt und durch ebendenselben Verstand, von den ihnen anhängenden empirischen Bedingungen befreit, in ihrer Lauterkeit dargestellt werden.
Der Analytik der Begriffe Erstes Hauptstück Von dem Leitfaden der Entdeckung aller reinen Verstandesbegriffe
Wenn man ein Erkenntnisvermögen ins Spiel setzt, so tun sich, nach den mancherlei Anlässen, verschiedene Begriffe hervor, die dieses Vermögen kennbar machen und sich in einem mehr oder weniger ausführlichen Aufsatz sammeln lassen, nachdem die Beobachtung derselben längere Zeit, oder mit größerer Scharfsinnigkeit angestellt worden. Wo diese Untersuchung werde vollendet sein, läßt sich, nach diesem gleichsam mechanischen Verfahren, niemals mit Sicherheit bestimmen. Auch entdecken sich die Begriffe, die man nur so bei Gelegenheit auffindet, in keiner Ordnung und systematischen
B 92 Einheit, sondern werden zuletzt nur nach Ähnlichkeiten gepaart und nach der Größe ihres Inhalts, von den einfachen an, zu den mehr zusammengesetzten, in Reihen gestellt, die nichts weniger als systematisch, obgleich auf gewisse Weise methodisch zustande gebracht werden.
Die Transzendental-Philosophie hat den Vorteil, aber auch die Verbindlichkeit, ihre Begriffe nach einem Prinzip aufzusuchen; weil sie aus dem Verstande, als absoluter Einheit, rein und unvermischt entspringen, und daher selbst nach einem Begriffe, oder Idee, unter sich zusammenhängen müssen. Ein solcher Zusammenhang aber gibt eine Regel an die Hand, nach welcher jedem reinen Verstandesbegriff seine Stelle und allen insgesamt ihre Vollständigkeit a priori bestimmt werden kann, welches alles sonst vom Belieben, oder vom Zufall abhängen würde.
Des transzendentalen Leitfadens der Entdeckung aller reinen Verstandesbegriffe Erster Abschnitt Von dem logischen Verstandesgebrauche überhaupt
Der Verstand wurde oben bloß negativ erklärt: durch ein nichtsinnliches Erkenntnisvermögen. Nun können wir, unabhängig von der Sinnlichkeit, keiner Anschauung teilhaftig werden. Also ist der Verstand kein Vermögen der Anschauung. Es gibt aber, außer der
B 93 Anschauung, keine andere Art, zu erkennen, als durch Begriffe. Also ist die Erkenntnis eines jeden, wenigstens des menschlichen, Verstandes, eine Erkenntnis durch Begriffe, nicht intuitiv, sondern diskursiv. Alle Anschauungen, als sinnlich, beruhen auf Affektionen, die Begriffe also auf Funktionen. Ich verstehe aber unter Funktion die Einheit der Handlung, verschiedene Vorstellungen unter einer gemeinschaftlichen zu ordnen. Begriffe gründen sich also auf der Spontaneität des Denkens, wie sinnliche Anschauungen auf der Rezeptivität der Eindrücke. Von diesen Begriffen kann nun der Verstand keinen anderen Gebrauch machen, als daß er dadurch urteilt. Da keine Vorstellung unmittelbar auf den Gegenstand geht, als bloß die Anschauung, so wird ein Begriff niemals auf einen Gegenstand unmittelbar, sondern auf irgendeine andere Vorstellung von demselben (sie sei Anschauung oder selbst schon Begriff) bezogen. Das Urteil ist also die mittelbare Erkenntnis eines Gegenstandes, mithin die Vorstellung einer Vorstellung desselben. In jedem Urteil ist ein Begriff, der für viele gilt, und unter diesem Vielen auch eine gegebene Vorstellung begreift, welche letztere denn auf den Gegenstand unmittelbar bezogen wird. So bezieht sich z.B. in dem Urteile: alle Körper sind veränderlich, der Begriff des Teilbaren auf verschiedene andere Begriffe; unter diesen aber wird er hier besonders auf den Begriff des Körpers bezogen, dieser aber auf gewisse uns vorkommende Erscheinungen. Also
B 94 werden diese Gegenstände durch den Begriff der Teilbarkeit mittelbar vorgestellt. Alle Urteile sind demnach Funktionen der Einheit unter unseren Vorstellungen, da nämlich statt einer unmittelbaren Vorstellung eine höhere, die diese und mehrere unter sich begreift, zur Erkenntnis des Gegenstandes gebraucht, und viel mögliche Erkenntnisse dadurch in einer zusammengezogen werden. Wir können aber alle Handlungen des Verstandes auf Urteile zurückführen, so daß der Verstand überhaupt als ein Vermögen zu urteilen vorgestellt werden kann. Denn er ist nach dem obigen ein Vermögen zu denken. Denken ist das Erkenntnis durch Begriffe. Begriffe aber beziehen sich, als Prädikate möglicher Urteile, auf irgendeine Vorstellung von einem noch unbestimmten Gegenstande. So bedeutet der Begriff des Körpers etwas, z.B. Metall, was durch jenen Begriff erkannt werden kann. Er ist also nur dadurch Begriff, daß unter ihm andere Vorstellungen enthalten sind, vermittelst deren er sich auf Gegenstände beziehen kann. Es ist also das Prädikat zu einem möglichen Urteile, z.B. ein jedes Metall ist ein Körper. Die Funktionen des Verstandes können also insgesamt gefunden werden, wenn man die Funktionen der Einheit in den Urteilen vollständig darstellen kann. Daß dies aber sich ganz wohl bewerkstelligen lasse, wird der folgende Abschnitt vor Augen stellen.
B 95 Des Leitfadens der Entdeckung aller reinen Verstandesbegriffe Zweiter Abschnitt
§ 9 Von der logischen Funktion des Verstandes in Urteilen
Wenn wir von allem Inhalte eines Urteils überhaupt abstrahieren, und nur auf die bloße Verstandesform darin achtgeben, so finden wir, daß die Funktion des Denkens in demselben unter vier Titel gebracht werden könne, deren jeder drei Momente unter sich enthält. Sie können füglich in folgender Tafel vorgestellt werden.
1 Quantität der Urteile Allgemeine Besondere Einzelne
2 Qualität Bejahende Verneinende Unendliche
3 Relation Kategorische Hypothetische Disjunktive
4 Modalität Problematische Assertorische Apodiktische
B 96 Da diese Einteilung in einigen, obgleich nicht wesentlichen Stücken, von der gewohnten Technik der Logiker abzuweichen scheint, so werden folgende Verwahrungen wider den besorglichen Mißverstand nicht unnötig sein.
1 Die Logiker sagen mit Recht, daß man beim Gebrauch der Urteile in Vernunftschlüssen die einzelnen Urteile gleich den allgemeinen behandeln könne. Denn eben darum, weil sie gar keinen Umfang haben, kann das Prädikat derselben nicht bloß auf einiges dessen, was unter dem Begriff des Subjekts enthalten ist, gezogen, von einigem aber ausgenommen werden. Es gilt also von jenem Begriffe ohne Ausnahme, gleich als wenn derselbe ein gemeingültiger Begriff wäre, der einen Umfang hätte, von dessen ganzer Bedeutung das Prädikat gelte. Vergleichen wir dagegen ein einzelnes Urteil mit einem gemeingültigen, bloß als Erkenntnis, der Größe nach, so verhält sie sich zu diesem wie Einheit zur Unendlichkeit, und ist also an sich selbst davon wesentlich unterschieden. Also, wenn ich ein einzelnes Urteil (judicium singulare) nicht bloß nach seiner inneren Gültigkeit, sondern auch, als Erkenntnis überhaupt, nach der Größe, die es in Vergleichung mit anderen Erkenntnissen hat, schätze, so ist es allerdings von gemeingültigen Urteilen (judicia communia) unterschieden, und verdient in einer vollständigen Tafel der Momente des Denkens überhaupt (obzwar freilich nicht in der bloß auf den
B 97 Gebrauch der Urteile untereinander eingeschränkten Logik) eine besondere Stelle.
2 Ebenso müssen in einer transzendentalen Logik unendliche Urteile von bejahenden noch unterschieden werden, wenn sie gleich in der allgemeinen Logik jenen mit Recht beigezählt sind und kein besonderes Glied der Einteilung ausmachen. Diese nämlich abstrahiert von allem Inhalt des Prädikats (ob es gleich verneinend ist) und sieht nur darauf, ob dasselbe dem Subjekt beigelegt, oder ihm entgegengesetzt werde. Jene aber betrachtet das Urteil auch nach dem Werte oder Inhalt dieser logischen Bejahung vermittelst eines bloß verneinenden Prädikats, und was diese in Ansehung des gesamten Erkenntnisses für einen Gewinn verschafft. Hätte ich von der Seele gesagt, sie ist nicht sterblich, so hätte ich durch ein verneinendes Urteil wenigstens einen Irrtum abgehalten. Nun habe ich durch den Satz: die Seele ist nicht sterblich, zwar der logischen Form nach wirklich bejaht, indem ich die Seele in den unbeschränkten Umfang der nichtsterbenden Wesen setze. Weil nun von dem ganzen Umfange möglicher Wesen das Sterbliche einen Teil enthält, das Nichtsterbende aber den anderen, so ist durch meinen Satz nichts anderes gesagt, als daß die Seele eines von der unendlichen Menge Dinge sei, die übrigbleiben, wenn ich das Sterbliche insgesamt wegnehme. Dadurch aber wird nur die unendliche Sphäre alles Möglichen insoweit beschränkt, daß das Sterbliche davon abgetrennt,
B 98 und in dem übrigen Umfang ihres Raums die Seele gesetzt wird. Dieser Raum bleibt aber bei dieser Ausnahme noch immer unendlich, und können noch mehrere Teile desselben weggenommen werden, ohne daß darum der Begriff von der Seele im mindesten wächst, und bejahend bestimmt wird. Diese unendlichen Urteile also in Ansehung des logischen Umfanges sind wirklich bloß beschränkend in Ansehung des Inhalts der Erkenntnis überhaupt, und insofern müssen sie in der transzendentalen Tafel aller Momente des Denkens in den Urteilen nicht übergangen werden, weil die hierbei ausgeübte Funktion des Verstandes vielleicht in dem Felde seiner reinen Erkenntnis a priori wichtig sein kann.
3 Alle Verhältnisse des Denkens in Urteilen sind die a) des Prädikats zum Subjekt, b) des Grundes zur Folge, c) der eingeteilten Erkenntnis und der gesammelten Glieder der Einteilung untereinander. In der ersteren Art der Urteile sind nur zwei Begriffe, in der zweiten zwei Urteile, in der dritten mehrere Urteile im Verhältnis gegeneinander betrachtet. Der hypothetische Satz: wenn eine vollkommene Gerechtigkeit da ist, so wird der beharrlich Böse bestraft, enthält eigentlich das Verhältnis zweier Sätze: Es ist eine vollkommene Gerechtigkeit da, und der beharrlich Böse wird bestraft. Ob beide dieser Sätze an sich wahr seien, bleibt hier unausgemacht. Es ist nur die Konsequenz, die durch dieses Urteil gedacht wird. Endlich enthält das disjunktive
B 99 Urteil ein Verhältnis zweier, oder mehrerer Sätze gegeneinander, aber nicht der Abfolge, sondern der logischen Entgegensetzung, sofern die Sphäre des einen die des anderen ausschließt, aber doch zugleich der Gemeinschaft, insofern sie zusammen die Sphäre der eigentlichen Erkenntnis erfüllen, also ein Verhältnis der Teile der Sphäre eines Erkenntnisses, da die Sphäre eines jeden Teils ein Ergänzungsstück der Sphäre des anderen zu dem ganzen Inbegriff der eingeteilten Erkenntnis ist, z.E. die Welt ist entweder durch einen blinden Zufall da, oder durch innere Notwendigkeit, oder durch eine äußere Ursache. Jeder dieser Sätze nimmt einen Teil der Sphäre des möglichen Erkenntnisses über das Dasein einer Welt überhaupt ein, alle zusammen die ganze Sphäre. Das Erkenntnis aus einer dieser Sphären wegnehmen, heißt, sie in eine der übrigen setzen, und dagegen sie in eine Sphäre setzen, heißt, sie aus den übrigen wegnehmen. Es ist also in einem disjunktiven Urteile eine gewisse Gemeinschaft der Erkenntnisse, die darin besteht, daß sie sich wechselseitig einander ausschließen, aber dadurch doch im Ganzen die wahre Erkenntnis bestimmen, indem sie zusammengenommen den ganzen Inhalt einer einzigen gegebenen Erkenntnis ausmachen. Und dieses ist es auch nur, was ich des Folgenden wegen hiebei anzumerken nötig finde.
4 Die Modalität der Urteile ist eine ganz besondere Funktion derselben, die das Unterscheidende an sich
B 100 hat, daß sie nichts zum Inhalte des Urteils beiträgt, (denn außer Größe, Qualität und Verhältnis ist nichts mehr, was den Inhalt eines Urteils ausmachte,) sondern nur den Wert der Copula in Beziehung auf das Denken überhaupt angeht. Problematische Urteile sind solche, wo man das Bejahen oder Verneinen als bloß möglich (beliebig) annimmt. Assertorische, da es als wirklich (wahr) betrachtet wird. Apodiktische, in denen man es als notwendig ansieht*. So sind die beiden Urteile, deren Verhältnis das hypothetische Urteil ausmacht, (antecedens und consequens), imgleichen in deren Wechselwirkung das Disjunktive besteht, (Glieder der Einteilung) insgesamt nur problematisch. In dem obigen Beispiel wird der Satz: es ist eine vollkommene Gerechtigkeit da, nicht assertorisch gesagt, sondern nur als ein beliebiges Urteil, wovon es möglich ist, daß jemand es annehme, gedacht, und nur die Konsequenz ist assertorisch. Daher können solche Urteile auch offenbar falsch sein, und doch, problematisch genommen, Bedingungen der Erkenntnis der Wahrheit sein. So ist das Urteil: die Welt ist durch blinden Zufall da, in dem disjunktiven Urteil nur von problematischer Bedeutung, nämlich, daß jemand diesen Satz etwa auf
B 101 eignen Augenblick annehmen möge, und dient doch, (wie die Verzeichnung des falschen Weges, unter der Zahl aller derer, die man nehmen kann,) den wahren zu finden. Der problematische Satz ist also derjenige, der nur logische Möglichkeit (die nicht objektiv ist) ausdrückt, d.i. eine freie Wahl einen solchen Satz gelten zu lassen, eine bloß willkürliche Aufnehmung desselben in den Verstand. Der assertorische sagt von logischer Wirklichkeit oder Wahrheit, wie etwa in einem hypothetischen Vernunftschluß das Antecedens im Obersatze problematisch, im Untersatze assertorisch vorkommt, und zeigt an, daß der Satz mit dem Verstande nach dessen Gesetzen schon verbunden sei, der apodiktische Satz denkt sich den assertorischen durch diese Gesetze des Verstandes selbst bestimmt, und daher a priori behauptend, und drückt auf solche Weise logische Notwendigkeit aus. Weil nun hier alles sich gradweise dem Verstande einverleibt, so daß man zuvor etwas problematisch urteilt, darauf auch wohl es assertorisch als wahr annimmt, endlich als unzertrennlich mit dem Verstande verbunden, d.i. als notwendig und apodiktisch behauptet, so kann man diese drei Funktionen der Modalität auch so viel Momente des Denkens überhaupt nennen.
* Gleich, als wenn das Denken im ersten Fall eine Funktion des Verstandes, im zweiten der Urteilskraft, im dritten der Vernunft wäre. Eine Bemerkung, die erst in der Folge ihre Aufklärung erwartet.
B 102 Des Leitfadens der Entdeckung aller reinen Verstandesbegriffe Dritter Abschnitt
§ 10 Von den reinen Verstandesbegriffen oder Kategorien
Die allgemeine Logik abstrahiert, wie mehrmalen schon gesagt worden, von allem Inhalt der Erkenntnis, und erwartet, daß ihr anderwärts, woher es auch sei, Vorstellungen gegeben werden, um diese zuerst in Begriffe zu verwandeln, welches analytisch zugeht. Dagegen hat die transzendentale Logik ein Mannigfaltiges der Sinnlichkeit a priori vor sich liegen, welches die transzendentale Ästhetik ihr darbietet, um zu den reinen Verstandesbegriffen einen Stoff zu geben, ohne den sie ohne allen Inhalt, mithin völlig leer sein würde. Raum und Zeit enthalten nun ein Mannigfaltiges der reinen Anschauung a priori, gehören aber gleichwohl zu den Bedingungen der Rezeptivität unseres Gemüts, unter denen es allein Vorstellungen von Gegenständen empfangen kann, die mithin auch den Begriff derselben jederzeit affizieren müssen. Allein die Spontaneität unseres Denkens erfordert es, daß dieses Mannigfaltige zuerst auf gewisse Weise durchgegangen, aufgenommen, und verbunden werde, um daraus eine Erkenntnis zu machen. Diese Handlung nenne ich Synthesis.
B 103 Ich verstehe aber unter Synthesis in der allgemeinsten Bedeutung die Handlung, verschiedene Vorstellungen zueinander hinzuzutun, und ihre Mannigfaltigkeit in einer Erkenntnis zu begreifen. Eine solche Synthesis ist rein, wenn das Mannigfaltige nicht empirisch, sondern a priori gegeben ist (wie das im Raum und der Zeit). Vor aller Analysis unserer Vorstellungen müssen diese zuvor gegeben sein, und es können keine Begriffe dem Inhalte nach analytisch entspringen. Die Synthesis eines Mannigfaltigen aber (es sei empirisch oder a priori gegeben), bringt zuerst eine Erkenntnis hervor, die zwar anfänglich noch roh und verworren sein kann, und also der Analysis bedarf; allein die Synthesis ist doch dasjenige, was eigentlich die Elemente zu Erkenntnissen sammelt, und zu einem gewissen Inhalte vereinigt; sie ist also das erste, worauf wir acht zu geben haben, wenn wir über den ersten Ursprung unserer Erkenntnis urteilen wollen.
Die Synthesis überhaupt ist, wie wir künftig sehen werden, die bloße Wirkung der Einbildungskraft, einer blinden, obgleich unentbehrlichen Funktion der Seele, ohne die wir überall gar keine Erkenntnis haben würden, der wir uns aber selten nur einmal bewußt sind. Allein, diese Synthesis auf Begriffe zu bringen, das ist eine Funktion, die dem Verstande zukommt, und wodurch er uns allererst die Erkenntnis in eigentlicher Bedeutung verschafft.
B 104 Die reine Synthesis, allgemein vorgestellt, gibt nun den reinen Verstandesbegriff. Ich verstehe aber unter dieser Synthesis diejenige, welche auf einem Grunde der synthetischen Einheit a priori beruht: so ist unser Zählen (vornehmlich ist es in größeren Zahlen merklicher) eine Synthesis nach Begriffen, weil sie nach einem gemeinschaftlichen Grunde der Einheit geschieht (z.E. der Dekadik). Unter diesem Begriffe wird also die Einheit in der Synthesis des Mannigfaltigen notwendig.
Analytisch werden verschiedene Vorstellungen unter einen Begriff gebracht, (ein Geschäft, wovon die allgemeine Logik handelt). Aber nicht die Vorstellungen, sondern die reine Synthesis der Vorstellungen auf Begriffe zu bringen, lehrt die transz. Logik. Das erste, was uns zum Behuf der Erkenntnis aller Gegenstände a priori gegeben sein muß, ist das Mannigfaltige der reinen Anschauung; die Synthesis dieses Mannigfaltigen durch die Einbildungskraft ist das zweite, gibt aber noch keine Erkenntnis. Die Begriffe, welche dieser reinen Synthesis Einheit geben, und lediglich in der Vorstellung dieser notwendigen synthetischen Einheit bestehen, tun das dritte zum Erkenntnisse eines vorkommenden Gegenstandes, und beruhen auf dem Verstande.
Dieselbe Funktion, welche den verschiedenen Vorstellungen in einem Urteile Einheit gibt, die gibt auch
B 105 der bloßen Synthesis verschiedene Vorstellungen in einer Anschauung Einheit, welche, allgemein ausgedrückt, der reine Verstandesbegriff heißt. Derselbe Verstand also, und zwar durch eben dieselben Handlungen, wodurch er in Begriffen, vermittelst der analytischen Einheit, die logische Form eines Urteils zustande brachte, bringt auch, vermittelst der synthetischen Einheit des Mannigfaltigen in der Anschauung überhaupt, in seine Vorstellungen einen transzendentalen Inhalt, weswegen sie reine Verstandesbegriffe heißen, die a priori auf Objekte gehen, welches die allgemeine Logik nicht leisten kann.
Auf solche Weise entspringen gerade so viel reine Verstandesbegriffe, welche a priori auf Gegenstände der Anschauung überhaupt gehen, als es in der vorigen Tafel logische Funktionen in allen möglichen Urteilen gab: denn der Verstand ist durch gedachte Funktionen völlig erschöpft, und sein Vermögen dadurch gänzlich ausgemessen. Wir wollen diese Begriffe, nach dem Aristoteles Kategorien nennen, indem unsere Absicht uranfänglich mit der seinigen zwar einerlei ist, ob sie sich gleich davon in der Ausführung gar sehr entfernt.
B 106 Tafel der Kategorien
1 Der Quantität: Einheit Vielheit Allheit.
2 Der Qualität: Realität Negation Limitation.
3 Der Relation: der Inhärenz und Subsistenz (substantia et accidens) der Kausalität und Dependenz (Ursache und Wirkung) der Gemeinschaft (Wechselwirkung zwischen dem Handelnden und Leidenden).
4 Der Modalität: Möglichkeit - Unmöglichkeit Dasein - Nichtsein Notwendigkeit - Zufälligkeit.
Dieses ist nun die Verzeichnung aller ursprünglich reinen Begriffe der Synthesis, die der Verstand a priori in sich enthält, und um derentwillen er auch nur ein reiner Verstand ist; indem er durch sie allein etwas bei dem Mannigfaltigen der Anschauung verstehen, d.i. ein Objekt derselben denken kann. Diese Einteilung ist systematisch aus einem gemeinschaftlichen Prinzip, nämlich dem Vermögen zu urteilen, (welches ebensoviel ist, als das Vermögen zu denken,) erzeugt, und nicht rhapsodistisch, aus einer auf gut Glück unternommenen Aufsuchung reiner Begriffe entstanden, von deren Vollzähligkeit
B 107 man niemals gewiß sein kann, da sie nur durch Induktion geschlossen wird, ohne zu gedenken, daß man noch auf die letztere Art niemals einsieht, warum denn gerade diese und nicht andere Begriffe dem reinen Verstande beiwohnen. Es war ein eines scharfsinnigen Mannes würdiger Anschlag des Aristoteles, diese Grundbegriffe aufzusuchen. Da er aber kein Prinzipium hatte, so raffte er sie auf, wie sie ihm aufstießen, und trieb deren zuerst zehn auf, die er Kategorien (Prädikamente) nannte. In der Folge glaubte er noch ihrer fünfe aufgefunden zu haben, die er unter dem Namen der Postprädikamente hinzufügte. Allein seine Tafel blieb noch immer mangelhaft. Außerdem finden sich auch einige modi der reinen Sinnlichkeit darunter, (quando, ubi, situs, imgleichen prius, simul,) auch ein empirischer, (motus) die in dieses Stammregister des Verstandes gar nicht gehören, oder es sind auch die abgeleiteten Begriffe mit unter die Urbegriffe gezählt, (actio, passio,) und an einigen der letzteren fehlt es gänzlich.
Um der letzteren willen ist also noch zu bemerken: daß die Kategorien, als die wahren Stammbegriffe des reinen Verstandes, auch ihre ebenso reinen abgeleiteten Begriffe haben, die in einem vollständigen System der Transzendental-Philosophie keineswegs übergangen werden können, mit deren bloßer Erwähnung aber ich in einem bloß kritischen Versuch zufrieden sein kann.
B 108 Es sei mir erlaubt, diese reinen, aber abgeleiteten Verstandesbegriffe die Prädikabilien des reinen Verstandes (im Gegensatz der Prädikamente) zu nennen. Wenn man die ursprünglichen und primitiven Begriffe hat, so lassen sich die abgeleiteten und subalternen leicht hinzufügen, und der Stammbaum des reinen Verstandes völlig ausmalen. Da es mir hier nicht um die Vollständigkeit des Systems, sondern nur der Prinzipien zu einem System zu tun ist, so verspare ich diese Ergänzung auf eine andere Beschäftigung. Man kann aber diese Absicht ziemlich erreichen, wenn man die Ontologischen Lehrbücher zur Hand nimmt, und z.B. der Kategorie der Kausalität die Prädikabilien der Kraft, der Handlung, des Leidens; der der Gemeinschaft die der Gegenwart, des Widerstandes; den Prädikamenten der Modalität die des Entstehens, Vergehens, der Veränderung usw. unterordnet. Die Kategorien mit den modis der reinen Sinnlichkeit oder auch untereinander verbunden, geben eine große Menge abgeleiteter Begriffe a priori, die zu bemerken, und wo möglich, bis zur Vollständigkeit zu verzeichnen, eine nützliche und nicht unangenehme, hier aber entbehrliche Bemühung sein würde.
Der Definitionen dieser Kategorien überhebe ich mich in dieser Abhandlung geflissentlich, ob ich gleich im Besitz derselben sein möchte. Ich werde diese Begriffe in der Folge bis auf den Grad zergliedern, welcher in Beziehung auf die Methodenlehre, die ich bearbeite,
B 109 hinreichend ist. In einem System der reinen Vernunft würde man sie mit Recht von mir fordern können: aber hier würden sie nur den Hauptpunkt der Untersuchung aus den Augen bringen, indem sie Zweifel und Angriffe erregten, die man, ohne der wesentlichen Absicht etwas zu entziehen, gar wohl auf eine andere Beschäftigung verweisen kann. Indessen leuchtet doch aus dem wenigen, was ich hievon angeführt habe, deutlich hervor, daß ein vollständiges Wörterbuch mit allen dazu erforderlichen Erklärungen nicht allein möglich, sondern auch leicht sei zustande zu bringen. Die Fächer sind einmal da; es ist nur nötig, sie auszufüllen, und eine systematische Topik, wie die gegenwärtige, laßt nicht leicht die Stelle verfehlen, dahin ein jeder Begriff eigentümlich gehört, und zugleich diejenige leicht bemerken, die noch leer ist.
§ 11
Über diese Tafel der Kategorien lassen sich artige Betrachtungen anstellen, die vielleicht erhebliche Folgen in Ansehung der wissenschaftlichen Form aller Vernunfterkenntnisse haben könnten. Denn daß diese Tafel im theoretischen Teile der Philosophie ungemein dienlich, ja unentbehrlich sei, den Plan zum Ganzen einer Wissenschaft, sofern sie auf Begriffen a priori beruht, vollständig zu entwerfen, und sie mathematisch nach bestimmten Prinzipien abzuteilen, erhellt schon von selbst daraus, daß gedachte Tafel alle Elementarbegriffe des Verstandes vollständig, ja selbst die Form eines
B 110 Systems derselben im menschlichen Verstande enthält, folglich auf alle Momente einer vorhabenden spekulativen Wissenschaft, ja sogar ihre Ordnung, Anweisung gibt, wie ich denn auch davon anderwärts* eine Probe gegeben habe. Hier sind nun einige dieser Anmerkungen.
* Metaphys. Anfangsgr. der Naturwissensch.
Die erste ist: daß sich diese Tafel, welche vier Klassen von Verstandesbegriffen enthält, zuerst in zwei Abteilungen zerfällen lasse, deren erstere auf Gegenstände der Anschauung (der reinen sowohl als empirischen), die zweite aber auf die Existenz dieser Gegenstände (entweder in Beziehung aufeinander oder auf den Verstand) gerichtet sind.
Die erste Klasse würde ich die der mathematischen, die zweite der dynamischen Kategorien nennen. Die erste Klasse hat, wie man sieht, keine Korrelate, die allein in der zweiten Klasse angetroffen werden. Dieser Unterschied muß doch einen Grund in der Natur des Verstandes haben.
2te Anmerk. Daß allerwärts eine gleiche Zahl der Kategorien jeder Klasse, nämlich drei sind, welches eben sowohl zum Nachdenken auffordert, da sonst alle Einteilung a priori durch Begriffe Dichtomie sein muß. Dazu kommt aber noch, daß die dritte Kategorie allenthalben aus der Verbindung der zweiten mit der ersten ihrer Klasse entspringt.
B 111 So ist die Allheit (Totalität) nichts anderes als die Vielheit als Einheit betrachtet, die Einschränkung nichts anderes als Realität mit Negation verbunden, die Gemeinschaft ist die Kausalität einer Substanz in Bestimmung der anderen wechselseitig, endlich die Notwendigkeit nichts anderes als die Existenz, die durch die Möglichkeit selbst gegeben ist. Man denke aber ja nicht, daß darum die dritte Kategorie ein bloß abgeleiteter und kein Stammbegriff des reinen Verstandes sei. Denn die Verbindung der ersten und zweiten, um den dritten Begriff hervorzubringen, erfordert einen besonderen Aktus des Verstandes, der nicht mit dem einerlei ist, der beim ersten und zweiten ausgeübt wird. So ist der Begriff einer Zahl (die zur Kategorie, der Allheit gehört) nicht immer möglich, wo die Begriffe der Menge und der Einheit sind (z.B. in der Vorstellung des Unendlichen), oder daraus, daß ich den Begriff einer Ursache und den einer Substanz beide verbinde, noch nicht sofort der Einfluß, d.i. wie eine Substanz Ursache von etwas in einer anderen Substanz werden könne, zu verstehen. Daraus erhellt, daß dazu ein besonderer Aktus des Verstandes erforderlich sei; und so bei den übrigen.
3te Anmerk. Von einer einzigen Kategorie, nämlich der der Gemeinschaft, die unter dem dritten Titel befindlich ist, ist die Übereinstimmung mit der in der Tafel der Logischen Funktionen ihm korrespondierenden
B 112 Form eines disjunktiven Urteils nicht so in die Augen fallend, als bei den übrigen.
Um sich dieser Übereinstimmung zu versichern, muß man bemerken: daß in allen disjunktiven Urteilen die Sphäre (die Menge alles dessen, was unter ihm enthalten ist) als ein Ganzes in Teile (die untergeordneten Begriffe) geteilt vorgestellt wird, und, weil einer nicht unter dem anderen enthalten sein kann, sie als einander koordiniert, nicht subordiniert, so daß sie einander nicht einseitig, wie in einer Reihe, sondern wechselseitig, wie in einem Aggregat, bestimmen (wenn ein Glied der Einteilung gesetzt wird, alle übrigen ausgeschlossen werden, und so umgekehrt), gedacht werden.
Nun wird eine ähnliche Verknüpfung in einem Ganzen der Dinge gedacht, da nicht eines, als Wirkung, dem anderen, als Ursache seines Daseins, untergeordnet, sondern zugleich und wechselseitig als Ursache in Ansehung der Bestimmung der anderen beigeordnet wird, (z.B. in einem Körper, dessen Teile einander wechselseitig ziehen, und auch widerstehen,) welches eine ganz andere Art der Verknüpfung ist, als die, so im bloßen Verhältnis der Ursache zur Wirkung (des Grundes zur Folge) angetroffen wird, in welchem die Folge nicht wechselseitig wiederum den Grund bestimmt, und darum mit diesem (wie der Weltschöpfer mit der Welt) nicht ein Ganzes ausmacht. Dasselbe Verfahren des Verstandes, wenn er sich die Sphäre eines eingeteilten
B 113 Begriffes vorstellt, beobachtet er auch, wenn er ein Ding als teilbar denkt, und, wie die Glieder der Einteilung im ersteren einander ausschließen und doch in einer Sphäre verbunden sind, so stellt er sich die Teile des letzteren als solche, deren Existenz (als Substanzen) jedem auch ausschließlich von den übrigen zukommt, doch als in einem Ganzen verbunden vor.
§ 12
Es findet sich aber in der Transzendentalphilosophie der Alten noch ein Hauptstück vor, welches reine Verstandesbegriffe enthält, die, ob sie gleich nicht unter die Kategorien gezählt werden, dennoch, nach ihnen, als Begriffe a priori von Gegenständen gelten sollten, in welchem Falle sie aber die Zahl der Kategorien vermehren würden, welches nicht sein kann. Diese trägt der unter den Scholastikern so berufene Satz vor: quodlibet ens est unum, verum, bonum. Ob nun zwar der Gebrauch dieses Prinzips in Absicht auf die Folgerungen (die lauter tautologische Sätze gaben) sehr kümmerlich ausfiel, so, daß man es auch in neueren Zeiten beinahe nur ehrenhalber in der Metaphysik aufzustellen pflegt, so verdient doch ein Gedanke, der sich so lange Zeit erhalten hat, so leer er auch zu sein scheint, immer eine Untersuchung seines Ursprunges, und berechtigt zur Vermutung, daß er in irgend einer Verstandesregel seinen Grund habe, der nur, wie es oft geschieht, falsch gedolmetscht worden. Diese vermeintlich transzendentalen
B 114 Prädikate der Dinge sind nichts anderes als Logische Erfordernisse und Kriterien aller Erkenntnis der Dinge überhaupt, und legen ihr die Kategorien der Quantität, nämlich der Einheit, Vielheit und Allheit, zum Grunde, nur daß sie diese, welche, eigentlich material, als zur Möglichkeit der Dinge selbst gehörig, genommen werden müßten, in der Tat nur in formaler Bedeutung als zur logischen Forderung in Ansehung jeder Erkenntnis gehörig brauchten, und doch diese Kriterien des Denkens unbehutsamerweise zu Eigenschaften der Dinge an sich selbst machten. In jedem Erkenntnisse eines Objektes ist nämlich Einheit des Begriffes, welche man qualitative Einheit nennen kann, sofern darunter nur die Einheit der Zusammenfassung des Mannigfaltigen der Erkenntnisse gedacht wird, wie etwa die Einheit des Thema in einem Schauspiel, einer Rede, einer Fabel. Zweitens Wahrheit in Ansehung der Folgen. Je mehr wahre Folgen aus einem gegebenen Begriffe, desto mehr Kennzeichen seiner objektiven Realität. Dieses könnte man die qualitative Vielheit der Merkmale, die zu einem Begriffe als einem gemeinschaftlichen Grunde gehören, (nicht in ihm als Größe gedacht werden,) nennen. Endlich drittens Vollkommenheit, die darin besteht, daß umgekehrt diese Vielheit zusammen auf die Einheit des Begriffes zurückführt, und zu diesem und keinem anderen völlig zusammenstimmt, welches man die qualitative Vollständigkeit (Totalität) nennen kann. Woraus
B 115 erhellt, daß diese logischen Kriterien der Möglichkeit der Erkenntnis überhaupt die drei Kategorien der Größe, in denen die Einheit in der Erzeugung des Quantums durchgängig gleichartig angenommen werden muß, hier nur in Absicht auf die Verknüpfung auch ungleichartiger Erkenntnisstücke in einem Bewußtsein durch die Qualität eines Erkenntnisses als Prinzips verwandeln. So ist das Kriterium der Möglichkeit eines Begriffs (nicht des Objekts derselben) die Definition, in der die Einheit des Begriffs, die Wahrheit alles dessen, was zunächst aus ihm abgeleitet werden mag, endlich die Vollständigkeit dessen, was aus ihm gezogen worden, zur Herstellung des ganzen Begriffs das Erforderliche desselben ausmacht; oder so ist auch das Kriterium einer Hypothese die Verständlichkeit des angenommenen Erklärungsgrundes oder dessen Einheit (ohne Hilfshypothese) die Wahrheit (Übereinstimmung unter sich selbst und mit der Erfahrung) der daraus abzuleitenden Folgen, und endlich die Vollständigkeit des Erklärungsgrundes zu ihnen, die auf nichts mehr noch weniger zurückweisen, als in der Hypothese angenommen worden, und das, was a priori synthetisch gedacht war, a posteriori analytisch wieder liefern und dazu zusammenstimmen. - Also wird durch die Begriffe von Einheit, Wahrheit und Vollkommenheit die transzendentale Tafel der Kategorien gar nicht, als wäre sie etwa mangelhaft, ergänzt, sondern nur, indem das Verhältnis dieses Begriffe auf Objekte
B 116 gänzlich beiseite gesetzt wird, das Verfahren mit ihnen unter allgemeine logische Regeln der Übereinstimmung der Erkenntnis mit sich selbst gebracht.
Der transzendentalen Analytik Zweites Hauptstück Von der Deduktion der reinen Verstandesbegriffe
Erster Abschnitt
§ 13 Von den Prinzipien einer transz. Deduktion überhaupt
Die Rechtslehrer, wenn sie von Befugnissen und Anmaßungen reden, unterscheiden in einem Rechtshandel die Frage über das, was Rechtens ist, (quid juris) von der, die die Tatsache angeht, (quid facti) und indem sie von beiden Beweis fordern, so nennen sie den ersteren, der die Befugnis, oder auch den Rechtsanspruch dartun soll, die Deduktion. Wir bedienen uns einer Menge empirischer Begriffe ohne jemandes Widerrede, und halten uns auch ohne Deduktion berechtigt, ihnen einen Sinn und eingebildete Bedeutung zuzueignen, weil wir jederzeit die Erfahrung bei der Hand
B 117 haben, ihre objektive Realität zu beweisen. Es gibt indessen auch usurpierte Begriffe, wie etwa Glück, Schicksal, die zwar mit fast allgemeiner Nachsicht herumlaufen, aber doch bisweilen durch die Frage: quid juris, in Anspruch genommen werden, da man alsdann wegen der Deduktion derselben in nicht geringe Verlegenheit gerät, indem man keinen deutlichen Rechtsgrund weder aus der Erfahrung, noch der Vernunft anführen kann, dadurch die Befugnis seines Gebrauchs deutlich würde.
Unter den mancherlei Begriffen aber, die das sehr vermischte Gewebe der menschlichen Erkenntnis ausmachen, gibt es einige, die auch zum reinen Gebrauch a priori (völlig unabhängig von aller Erfahrung) bestimmt sind, und dieser ihre Befugnis bedarf jederzeit einer Deduktion; weil zu der Rechtmäßigkeit eines solchen Gebrauchs Beweise aus der Erfahrung nicht hinreichend sind, man aber doch wissen muß, wie diese Begriffe sich auf Objekte beziehen können, die sie doch aus keiner Erfahrung hernehmen. Ich nenne daher die Erklärung der Art, wie sich Begriffe a priori auf Gegenstände beziehen können, die transzendentale Deduktion derselben, und unterscheide sie von der empirischen Deduktion, welche die Art anzeigt, wie ein Begriff durch Erfahrung und Reflexion über dieselbe erworben worden, und daher nicht die Rechtmäßigkeit, sondern das Faktum betrifft, wodurch der Besitz entsprungen.
B 118 Wir haben jetzt schon zweierlei Begriffe von ganz verschiedener Art, die doch darin miteinander übereinkommen, daß sie beiderseits völlig a priori sich auf Gegenstände beziehen, nämlich, die Begriffe des Raumes und der Zeit, als Formen der Sinnlichkeit, und die Kategorien, als Begriffe des Verstandes. Von ihnen eine empirische Deduktion versuchen wollen, würde ganz vergebliche Arbeit sein; weil eben darin das Unterscheidende ihrer Natur liegt, daß sie sich auf ihre Gegenstände beziehen, ohne etwas zu deren Vorstellung aus der Erfahrung entlehnt zu haben. Wenn also eine Deduktion derselben nötig ist, so wird sie jederzeit transzendental sein müssen.
Indessen kann man von diesen Begriffen, wie von allem Erkenntnis, wo nicht das Prinzipium ihrer Möglichkeit, doch die Gelegenheitsursachen ihrer Erzeugung in der Erfahrung aufsuchen, wo alsdann die Eindrücke der Sinne den ersten Anlaß geben, die ganze Erkenntniskraft in Ansehung ihrer zu eröffnen, und Erfahrung zustande zu bringen, die zwei sehr ungleichartige Elemente enthält, nämlich eine Materie zur Erkenntnis aus den Sinnen und eine gewisse Form, sie zu ordnen, aus dem inneren Quell des reinen Anschauens und Denkens, die, bei Gelegenheit der ersteren, zuerst in Ausübung gebracht werden, und Begriffe hervorbringen. Ein solches Nachspüren der ersten Bestrebungen unserer Erkenntniskraft, um von einzelnen Wahrnehmungen zu
B 119 allgemeinen Begriffen zu steigen, hat ohne Zweifel seinen großen Nutzen, und man hat es dem berühmten Locke zu verdanken, daß er dazu zuerst den Weg eröffnet hat. Allein eine Deduktion der reinen Begriffe a priori kommt dadurch niemals zustande, denn sie liegt ganz und gar nicht auf diesem Wege, weil in Ansehung ihres künftigen Gebrauchs, der von der Erfahrung gänzlich unabhängig sein soll, sie einen ganz anderen Geburtsbrief, als den der Abstammung von Erfahrungen, müssen aufzuzeigen haben. Diese versuchte physiologische Ableitung, die eigentlich gar nicht Deduktion heißen kann, weil sie eine quaestionem facti betrifft, will ich daher die Erklärung des Besitzes einer reinen Erkenntnis nennen. Es ist also klar, daß von diesen allein es eine transzendentale Deduktion und keineswegs eine empirische geben könne, und daß letztere, in Ansehung der reinen Begriffe a priori, nichts als eitle Versuche sind, womit sich nur derjenige beschäftigen kann, welcher die ganz eigentümliche Natur dieser Erkenntnisse nicht begriffen hat.
Ob nun aber gleich die einzige Art einer möglichen Deduktion der reinen Erkenntnis a priori, nämlich die auf dem transzendentalen Wege eingeräumt wird, so erhellt dadurch doch eben nicht, daß sie so unumgänglich notwendig sei. Wir haben oben die Begriffe des Raumes und der Zeit, vermittelst einer transzendentalen Deduktion zu ihren Quellen verfolgt, und ihre
B 120 objektive Gültigkeit a priori erklärt und bestimmt. Gleichwohl geht die Geometrie ihren sicheren Schritt durch lauter Erkenntnisse a priori, ohne daß sie sich, wegen der reinen und gesetzmäßigen Abkunft ihres Grundbegriffs vom Raume, von der Philosophie einen Beglaubigungsschein erbitten darf. Allein der Gebrauch des Begriffs geht in dieser Wissenschaft auch nur auf die äußere Sinnenwelt, von welcher der Raum die reine Form ihrer Anschauung ist, in welcher also alle geometrische Erkenntnis, weil sie sich auf Anschauung a priori gründet, unmittelbare Evidenz hat, und die Gegenstände durch die Erkenntnis selbst, a priori (der Form nach) in der Anschauung, gegeben werden. Dagegen fängt mit den reinen Verstandesbegriffen die unumgängliche Bedürfnis an, nicht allein von ihnen selbst, sondern auch vom Raum die transzendentale Deduktion zu suchen, weil, da sie von Gegenständen nicht durch Prädikate der Anschauung und der Sinnlichkeit, sondern des reinen Denkens a priori redet, sie sich auf Gegenstände ohne alle Bedingungen der Sinnlichkeit allgemein beziehen, und die, da sie nicht auf Erfahrung gegründet sind, auch in der Anschauung a priori kein Objekt vorzeigen können, worauf sie vor aller Erfahrung ihre Synthesis gründeten, und daher nicht allein wegen der objektiven Gültigkeit und Schranken ihres Gebrauchs Verdacht erregen, sondern auch jenen Begriff des Raumes zweideutig machen, dadurch, daß sie ihn über die
B 121 Bedingungen der sinnlichen Anschauung zu gebrauchen geneigt sind, weshalb auch oben von ihm eine transzendentale Deduktion vonnöten war. So muß denn der Leser von der unumgänglichen Notwendigkeit einer solchen transzendentalen Deduktion, ehe er einen einzigen Schritt im Felde der reinen Vernunft getan hat, überzeugt werden; weil er sonst blind verfährt, und, nachdem er mannigfaltig umhergeirrt hat, doch wieder zu der Unwissenheit zurückkehren muß, von der er ausgegangen war. Er muß aber auch die unvermeidliche Schwierigkeit zum voraus deutlich einsehen, damit er nicht über Dunkelheit klage, wo die Sache selbst tief eingehüllt ist, oder über die Wegräumung der Hindernisse zu früh verdrossen werden, weil es darauf ankommt, entweder alle Ansprüche zu Einsichten der reinen Vernunft, als das beliebteste Feld, nämlich dasjenige über die Grenzen aller möglichen Erfahrung hinaus, völlig aufzugeben, oder diese kritische Untersuchung zur Vollkommenheit zu bringen.
Wir haben oben an den Begriffen des Raumes und der Zeit mit leichter Mühe begreiflich machen können, wie diese als Erkenntnisse a priori sich gleichwohl auf Gegenstände notwendig beziehen müssen; und eine synthetische Erkenntnis derselben, unabhängig von aller Erfahrung, möglich machten. Denn da nur vermittelst solcher reinen Formen der Sinnlichkeit uns ein Gegenstand erscheinen, d.i. ein Objekt der empirischen Anschauung sein kann, so sind Raum und Zeit reine Anschauungen, welche die
B 122 Bedingung der Möglichkeit der Gegenstände als Erscheinungen a priori enthalten, und die Synthesis in denselben hat objektive Gültigkeit.
Die Kategorien des Verstandes dagegen stellen uns gar nicht die Bedingungen vor, unter denen Gegenstände in der Anschauung gegeben werden, mithin können uns allerdings Gegenstände erscheinen, ohne daß sie sich notwendig auf Funktionen des Verstandes beziehen müssen, und dieser also die Bedingungen derselben a priori enthielte. Daher zeigt sich hier eine Schwierigkeit, die wir im Felde der Sinnlichkeit nicht antrafen, wie nämlich subjektive Bedingungen des Denkens sollten objektive Gültigkeit haben, d.i. Bedingungen der Möglichkeit aller Erkenntnis der Gegenstände abgeben: denn ohne Funktionen des Verstandes können allerdings Erscheinungen in der Anschauung gegeben werden. Ich nehme z.B. den Begriff der Ursache, welcher eine besondere Art der Synthesis bedeutet, da auf etwas A was ganz verschiedenes B nach einer Regel gesetzt wird. Es ist a priori nicht klar, warum Erscheinungen etwas dergleichen enthalten sollten, (denn Erfahrungen kann man nicht zum Beweise anführen, weil die objektive Gültigkeit dieses Begriffs a priori muß dargetan werden können,) und es ist daher a priori zweifelhaft, ob ein solcher Begriff nicht etwa gar leer sei und überall unter den Erscheinungen keinen Gegenstand antreffe. Denn daß Gegenstände der sinnlichen Anschauung den im Gemüt a priori
B 123 liegenden formalen Bedingungen der Sinnlichkeit gemäß sein müssen, ist daraus klar, weil sie sonst nicht Gegenstände für uns sein würden; daß sie aber auch überdem den Bedingungen, deren der Verstand zur synthetischen Einsicht des Denkens bedarf, gemäß sein müssen, davon ist die Schlußfolge nicht so leicht einzusehen. Denn es könnten wohl allenfalls Erscheinungen so beschaffen sein, daß der Verstand sie den Bedingungen seiner Einheit gar nicht gemäß fände, und alles so in Verwirrung läge, daß z.B. in der Reihenfolge der Erscheinungen sich nichts darböte, was eine Regel der Synthesis an die Hand gäbe, und also dem Begriffe der Ursache und Wirkung entspräche, so daß dieser Begriff also ganz leer, nichtig und ohne Bedeutung wäre. Erscheinungen würden nichtsdestoweniger unserer Anschauung Gegenstände darbieten, denn die Anschauung bedarf der Funktionen des Denkens auf keine Weise.
Gedächte man sich von der Mühsamkeit dieser Untersuchungen dadurch loszuwickeln, daß man sagte: Die Erfahrung böte unablässig Beispiele einer solchen Regelmäßigkeit der Erscheinungen dar, die genugsam Anlaß geben, den Begriff der Ursache davon abzusondern, und dadurch zugleich die objektive Gültigkeit eines solchen Begriffs zu bewähren, so bemerkt man nicht, daß auf diese Weise der Begriff der Ursache gar nicht entspringen kann, sondern daß er entweder völlig a priori im Verstande müsse gegründet sein, oder als ein bloßes Hirngespinst
B 124 gänzlich aufgegeben werden müsse. Denn dieser Begriff erfordert durchaus, daß etwas A von der Art sei, daß ein anderes B daraus notwendig und nach einer schlechthin allgemeinen Regel folge. Erscheinungen geben gar wohl Fälle an die Hand, aus denen eine Regel möglich ist, nach der etwas gewöhnlichermaßen geschieht, aber niemals, daß der Erfolg notwendig sei: daher der Synthesis der Ursache und Wirkung auch eine Dignität anhängt, die man gar nicht empirisch ausdrücken kann, nämlich, daß die Wirkung nicht bloß zu der Ursache hinzukomme, sondern durch dieselbe gesetzt sei, und aus ihr erfolge. Die strenge Allgemeinheit der Regel ist auch gar keine Eigenschaft empirischer Regeln, die durch Induktion keine andere als komparative Allgemeinheit, d.i. ausgebreitete Brauchbarkeit bekommen können. Nun würde sich aber der Gebrauch der reinen Verstandesbegriffe gänzlich ändern, wenn man sie nur als empirische Produkte behandeln wollte.
§ 14 Übergang zur transz. Deduktion der Kategorien
Es sind nur zwei Fälle möglich, unter denen synthetische Vorstellung und ihre Gegenstände zusammentreffen, sich aufeinander notwendigerweise beziehen, und gleichsam einander begegnen können. Entweder wenn der Gegenstand die Vorstellung, oder diese den
B 125 Gegenstand allein möglich macht. Ist das erstere, so ist diese Beziehung nur empirisch, und die Vorstellung ist niemals a priori möglich. Und dies ist der Fall mit Erscheinung, in Ansehung dessen, was an ihnen zur Empfindung gehört. Ist aber das zweite, weil Vorstellung an sich selbst (denn von dessen Kausalität, vermittelst des Willens, ist hier gar nicht die Rede,) ihren Gegenstand dem Dasein nach nicht hervorbringt, so ist doch die Vorstellung in Ansehung des Gegenstandes alsdann a priori bestimmend, wenn durch sie allein es möglich ist, etwas als einen Gegenstand zu erkennen. Es sind aber zwei Bedingungen, unter denen allein die Erkenntnis eines Gegenstandes möglich ist, erstlich Anschauung, dadurch derselbe, aber nur als Erscheinung, gegeben wird: zweitens Begriff, dadurch ein Gegenstand gedacht wird, der dieser Anschauung entspricht. Es ist aber aus dem obigen klar, daß die erste Bedingung, nämlich die, unter der allein Gegenstände angeschaut werden können, in der Tat den Objekten der Form nach a priori im Gemüt zum Grunde liegen. Mit dieser formalen Bedingung der Sinnlichkeit stimmen also alle Erscheinungen notwendig überein, weil sie nur durch dieselbe erscheinen, d.i. empirisch angeschaut und gegeben werden können. Nun frägt es sich, ob nicht auch Begriffe a priori vorausgehen, als Bedingungen, unter denen allein etwas, wenngleich nicht angeschaut, dennoch als Gegenstand überhaupt gedacht wird, denn alsdann ist alle
B 126 empirische Erkenntnis der Gegenstände solchen Begriffen notwendigerweise gemäß, weil, ohne deren Voraussetzung, nichts als Objekt der Erfahrung möglich ist. Nun enthält aber alle Erfahrung außer der Anschauung der Sinne, wodurch etwas gegeben wird, noch einen Begriff von einem Gegenstande, der in der Anschauung gegeben wird, oder erscheint: demnach werden Begriffe von Gegenständen überhaupt, als Bedingungen a priori aller Erfahrungserkenntnis zum Grunde liegen: folglich wird die objektive Gültigkeit der Kategorien, als Begriffe a priori, darauf beruhen, daß durch sie allein Erfahrung (der Form des Denkens nach) möglich sei. Denn alsdann beziehen sie sich notwendigerweise und a priori auf Gegenstände der Erfahrung, weil nur vermittelst ihrer überhaupt irgendein Gegenstand der Erfahrung gedacht werden kann.
Die transz. Deduktion aller Begriffe a priori hat also ein Prinzipium, worauf die ganze Nachforschung gerichtet werden muß, nämlich dieses: daß sie als Bedingungen a priori der Möglichkeit der Erfahrungen erkannt werden müssen, (es sei der Anschauung, die in ihr angetroffen wird, oder des Denkens). Begriffe, die den objektiven Grund der Möglichkeit der Erfahrung abgeben, sind eben darum notwendig. Die Entwicklung der Erfahrung aber, worin sie angetroffen werden, ist nicht ihre Deduktion, (sondern Illustration,) weil sie dabei doch nur zufällig sein würden. Ohne diese ursprüngliche
B 127 Beziehung auf mögliche Erfahrung, in welcher alle Gegenstände der Erkenntnis vorkommen, würde die Beziehung derselben auf irgendein Objekt gar nicht begriffen werden können.
Der berühmte Locke hatte, aus Ermangelung dieser Betrachtung, und weil er reine Begriffe des Verstandes in der Erfahrung antraf, sie auch von der Erfahrung abgeleitet, und verfuhr doch so inkonsequent, daß er damit Versuche zu Erkenntnissen wagte, die weit über alle Erfahrungsgrenze hinausgehen. David Hume erkannte, um das letztere tun zu können, sei es notwendig, daß diese Begriffe ihren Ursprung a priori haben müßten. Da er sich aber gar nicht erklären konnte, wie es möglich sei, daß der Verstand Begriffe, die an sich im Verstande nicht verbunden sind, doch als im Gegenstande notwendig verbunden denken müsse, und darauf nicht verfiel, daß vielleicht der Verstand durch diese Begriffe selbst Urheber der Erfahrung, worin seine Gegenstände angetroffen werden, sein könne, so leitete er sie, durch Not gedrungen, von der Erfahrung ab (nämlich von einer durch öftere Assoziation in der Erfahrung entsprungenen subjektiven Notwendigkeit, welche zuletzt fälschlich für objektiv gehalten wird, d.i. der Gewohnheit), verfuhr aber hernach sehr konsequent, darin, daß er es für unmöglich erklärte, mit diesen Begriffen und den Grundsätzen, die sie veranlassen, über die Erfahrungsgrenze hinauszugehen. Die empirische Ableitung
B 128 aber, worauf beide verfielen, läßt sich mit der Wirklichkeit der wissenschaftlichen Erkenntnisse a priori, die wir haben, nämlich der reinen Mathematik und allgemeinen Naturwissenschaft, nicht vereinigen, und wird also durch das Faktum widerlegt.
Der erste dieser beiden berühmten Männer öffnete der Schwärmerei Tür und Tor, weil die Vernunft, wenn sie einmal Befugnisse auf ihrer Seite hat, sich nicht mehr durch unbestimmte Anpreisungen der Mäßigung in Schranken halten läßt; der zweite ergab sich gänzlich dem Skeptizismus, da er einmal eine so allgemeine für Vernunft gehaltene Täuschung unseres Erkenntnisvermögens glaubte entdeckt zu haben. Wir sind jetzt im Begriffe einen Versuch zu machen, ob man nicht die menschliche Vernunft zwischen diesen beiden Klippen glücklich durchbringen, ihr bestimmte Grenzen anweisen, und dennoch das ganze Feld ihrer zweckmäßigen Tätigkeit für sie geöffnet erhalten können.
Vorher will ich nur noch die Erklärung der Kategorien voranschicken. Sie sind Begriffe von einem Gegenstande überhaupt, dadurch dessen Anschauung in Ansehung einer der logischen Funktionen zu Urteilen als bestimmt angesehen wird. So war die Funktion des kategorischen Urteils die des Verhältnisses des Subjekts zum Prädikat, z.B. alle Körper sind teilbar. Allein in Ansehung des bloß logischen Gebrauchs des Verstandes blieb es unbestimmt, welcher von beiden
B 129 Begriffen die Funktion des Subjekts, und welchem die des Prädikates man geben wolle. Denn man kann auch sagen: Einiges Teilbare ist ein Körper. Durch die Kategorie der Substanz aber, wenn ich den Begriff eines Körpers darunter bringe, wird es bestimmt: daß seine empirische Anschauung in der Erfahrung immer nur als Subjekt, niemals als bloßen Prädikat betrachtet werden müsse; und so in allen übrigen Kategorien.
Der Deduktion der reinen Verstandesbegriffe Zweiter Abschnitt Transzendentale Deduktion der reinen Verstandesbegriffe
§ 15 Von der Möglichkeit einer Verbindung überhaupt
Das Mannigfaltige der Vorstellungen kann in einer Anschauung gegeben werden, die bloß sinnlich d.i. nichts als Empfänglichkeit ist, und die Form dieser Anschauung kann a priori in unserem Vorstellungsvermögen liegen, ohne doch etwas anderes, als die Art zu sein, wie das Subjekt affiziert wird. Allein die Verbindung (conjunctio) eines Mannigfaltigen überhaupt, kann niemals durch Sinne in uns kommen, und kann also auch nicht in der reinen Form der sinnlichen Anschauung
B 130 zugleich mit enthalten sein; denn sie ist ein Aktus der Spontaneität der Vorstellungskraft, und, da man diese, zum Unterschiede von der Sinnlichkeit, Verstand nennen muß, so ist alle Verbindung, wir mögen uns ihrer bewußt werden oder nicht, es mag eine Verbindung des Mannigfaltigen der Anschauung, oder mancherlei Begriffe, und an der ersteren der sinnlichen, oder nicht sinnlichen Anschauung sein, eine Verstandeshandlung, die wir mit der allgemeinen Benennung Synthesis belegen würden, um dadurch zugleich bemerklich zu machen, daß wir uns nichts, als im Objekt verbunden, vorstellen können, ohne es vorher selbst verbunden zu haben, und unter allen Vorstellungen die Verbindung die einzige ist, die nicht durch Objekte gegeben, sondern nur vom Subjekte selbst verrichtet werden kann, weil sie ein Aktus seiner Selbsttändigkeit ist. Man wird hier leicht gewahr, daß diese Handlung ursprünglich einig, und für alle Verbindung gleichgeltend sein müsse, und daß die Auflösung Analysis, die ihr Gegenteil zu sein scheint, sie doch jederzeit voraussetze; denn wo der Verstand vorher nichts verbunden hat, da kann er auch nichts auflösen, weil es nur durch ihn als verbunden der Vorstellungskraft hat gegeben werden können.
Aber der Begriff der Verbindung führt außer dem Begriffe des Mannigfaltigen, und der Synthesis desselben, noch den der Einheit desselben bei sich. Verbindung ist Vorstellung der synthetischen Einheit des
B 131 Mannigfaltilgen*. Die Vorstellung dieser Einheit kann also nicht aus der Verbindung entstehen, sie macht vielmehr dadurch, daß sie zur Vorstellung des Mannigfaltigen hinzukommt, den Begriff der Verbindung allererst möglich. Diese Einheit, die a priori vor allen Begriffen der Verbindung vorhergeht, ist nicht etwa jene Kategorie der Einheit (§ 10); denn alle Kategorien gründen sich auf logische Funktionen in Urteilen, in diesen aber ist schon Verbindung, mithin Einheit gegebener Begriffe gedacht. Die Kategorie setzt also schon Verbindung voraus. Also müssen wir diese Einheit (als qualitative § 12) noch höher suchen, nämlich in demjenigen, was selbst den Grund der Einheit verschiedener Begriffe in Urteilen, mithin der Möglichkeit des Verstandes, sogar in seinem logischen Gebrauche, enthält.
* Ob die Vorstellungen selbst identisch sind, und also eine durch die andere analytisch könne gedacht werden, das kommt hier nicht in Betrachtung. Das Bewußtsein der einen ist, sofern vom Mannigfaltigen die Rede ist, vom Bewußtsein der anderen doch immer zu unterscheiden, und auf die Synthesis dieses (möglichen) Bewußtseins kommt es hier allein an.
§ 16 Von der ursprünglich-synthetischen Einheit der Apperzeption
Das: Ich denke, muß alle meine Vorstellungen begleiten können; denn sonst würde etwas in mir vorgestellt
B 132 werden, was garnicht gedacht werden könnte, welches ebensoviel heißt, als die Vorstellung würde entweder unmöglich, oder wenigstens für mich nichts sein. Diejenige Vorstellung, die vor allem Denken gegeben sein kann, heißt Anschauung. Also hat alles Mannigfaltige der Anschauung eine notwendige Beziehung auf das: Ich denke, in demselben Subjekt, darin dieses Mannigfaltige angetroffen wird. Diese Vorstellung aber ist ein Aktus der Spontaneität, d.i. sie kann nicht als zur Sinnlichkeit gehörig angesehen werden. Ich nenne sie die reine Apperzeption, um sie von der empirischen zu unterscheiden, oder auch die ursprüngliche Apperzeption, weil sie dasjenige Selbstbewußtsein ist, was, indem es die Vorstellung Ich denke hervorbringt, die alle anderen muß begleiten können, und in allem Bewußtsein ein und dasselbe ist, von keiner weiter begleitet werden kann. Ich nenne auch die Einheit derselben die transzendentale Einheit des Selbstbewußtseins, um die Möglichkeit der Erkenntnis a priori aus ihr zu bezeichnen. Denn die mannigfaltigen Vorstellungen, die in einer gewissen Anschauung gegeben werden, würden nicht insgesamt meine Vorstellungen sein, wenn sie nicht insgesamt zu einem Selbstbewußtsein gehörten, d.i. als meine Vorstellungen (ob ich mich ihrer gleich nicht als solcher bewußt bin) müssen sie doch der Bedingung notwendig gemäß sein, unter der sie allein in einem allgemeinen Selbstbewußtsein zusammenstehen können, weil sie sonst nicht durchgängig mir
B 133 angehören würden. Aus dieser ursprünglichen Verbindung läßt sich vieles folgern.
Nämlich diese durchgängige Identität der Apperzeption eines in der Anschauung gegebenen Mannigfaltigen, enthält eine Synthesis der Vorstellungen, und ist nur durch das Bewußtsein dieser Synthesis möglich. Denn das empirische Bewußtsein, welches verschiedene Vorstellungen begleitet, ist an sich zerstreut und ohne Beziehung auf die Identität des Subjekts. Diese Beziehung geschieht also dadurch noch nicht, daß ich jede Vorstellung mit Bewußtsein begleite, sondern daß ich eine zu der anderen hinzusetze und mir der Synthesis derselben bewußt bin. Also nur dadurch, daß ich ein Mannigfaltiges gegebener Vorstellungen in einem Bewußtsein verbinden kann, ist es möglich, daß ich mir die Identität des Bewußtseins in diesen Vorstellungen selbst vorstelle, d.i. die analytische Einheit der Apperzeption ist nur unter der Voraussetzung irgendeiner synthetischen möglich*.
B 134 Der Gedanke: diese in der Anschauung gegebenen Vorstellungen gehören mir insgesamt zu, heißt demnach soviel, als ich vereinige sie in einem Selbstbewußtsein, oder kann sie wenigstens darin vereinigen, und ob er gleich selbst noch nicht das Bewußtsein der Synthesis der Vorstellungen ist, so setzt er doch die Möglichkeit der letzteren voraus, d.i. nur dadurch, daß ich das Mannigfaltige derselben in einem Bewußtsein begreifen kann, nenne ich dieselben insgesamt meine Vorstellungen; denn sonst würde ich ein so vielfarbiges verschiedenes Selbst haben, als ich Vorstellungen habe, deren ich mir bewußt bin. Synthetische Einheit des Mannigfaltigen der Anschauungen, als a priori gegeben, ist also der Grund der Identität der Apperzeption selbst, die a priori allem meinem bestimmten Denken vorhergeht. Verbindung liegt aber nicht in den Gegenständen, und kann von ihnen nicht etwa durch Wahrnehmung entlehnt und in den Verstand dadurch allererst aufgenommen werden, sondern ist allein
B 135 eine Verrichtung des Verstandes, der selbst nichts weiter ist, als das Vermögen, a priori zu verbinden, und das Mannigfaltige gegebener Vorstellungen unter Einheit der Apperzeption zu bringen, welcher Grundsatz der oberste im ganzen menschlichen Erkenntnis ist.
* Die analytische Einheit des Bewußtseins hängt allen gemeinsamen Begriffen, als solchen, an, z.B. wenn ich mir rot überhaupt denke, so stelle ich mir dadurch eine Beschaffenheit vor, die (als Merkmal) irgendworan angetroffen, oder mit anderen Vorstellungen verbunden sein kann; also nur vermöge einer vorausgedachten möglichen synthetischen Einheit kann ich mir die analytische vorstellen. Eine Vorstellung, die als verschiedenen gemein gedacht werden soll, wird als zu solchen gehörig angesehen, die außer ihr noch etwas Verschiedenes an sich haben, folglich muß sie in synthetischer Einheit mit anderen (wenngleich nur möglichen Vorstellungen) vorher gedacht werden, ehe ich die analytische Einheit des Bewußtseins, welche sie zum conceptus communis macht, an ihr denken kann. Und so ist die synthetische Einheit der Apperzeption der höchste Punkt, an dem man allen Verstandesgebrauch, selbst die ganze Logik, und, nach ihr, die Transzendental-Philosophie heften muß, ja dieses Vermögen ist der Verstand selbst.
Dieser Grundsatz, der notwendigen Einheit der Apperzeption, ist nun zwar selbst identisch, mithin ein analytischer Satz, erklärt aber doch eine Synthesis des in einer Anschauung gegebenen Mannigfaltigen als notwendig, ohne welche jene, durchgängige Identität des Selbstbewußtseins nicht gedacht werden kann. Denn durch das Ich, als einfache Vorstellung, ist nichts Mannigfaltiges gegeben; in der Anschauung, die davon unterschieden ist, kann es nur gegeben und durch Verbindung in einem Bewußtsein gedacht werden. Ein Verstand, in welchem durch das Selbstbewußtsein zugleich alles Mannigfaltige gegeben würde, würde anschauen; der unsere kann nur denken und muß in den Sinnen die Anschauung suchen. Ich bin mir also des identischen Selbst bewußt, in Ansehung des Mannigfaltigen der mir in einer Anschauung gegebenen Vorstellungen, weil ich sie insgesamt meine Vorstellungen nenne, die eine ausmachen. Das ist aber soviel, als, daß ich mir einer notwendigen Synthesis derselben a priori bewußt bin, welche die ursprüngliche synthetische Einheit der Apperzeption heißt, unter der alle mir gegebenen Vorstellungen
B 136 stehen, aber unter die sie auch durch eine Synthesis gebracht werden müssen.
§ 17 Der Grundsatz der synthetischen Einheit der Apperzeption ist das oberste Prinzip alles Verstandesgebrauchs
Der oberste Grundsatz der Möglichkeit aller Anschauung in Beziehung auf die Sinnlichkeit war laut der transz. Ästhetik: daß alles Mannigfaltige derselben unter den formalen Bedingungen des Raumes und der Zeit stehen. Der oberste Grundsatz eben derselben in Beziehung auf den Verstand ist: daß alles Mannigfaltige der Anschauung unter Bedingungen der ursprünglich-synthetischen Einheit der Apperzeption stehe*. Unter dem ersteren stehen alle mannigfaltigen Vorstellungen der Anschauung, sofern sie uns gegeben werden, unter dem zweiten sofern sie in einem Bewußtsein müssen
B 137 verbunden werden können; denn ohne das kann nichts dadurch gedacht oder erkannt werden, weil die gegebenen Vorstellungen den Aktus der Apperzeption, Ich denke, nicht gemein haben, und dadurch nicht in einem Selbstbewußtsein zusammengefaßt sein würden.
* Der Raum und die Zeit und alle Teile derselben sind Anschauungen, mithin einzelne Vorstellungen mit dem Mannigfaltigen, das sie in sich enthalten (siehe die transz. Ästhetik), mithin nicht bloße Begriffe, durch die eben dasselbe Bewußtsein, als in vielen Vorstellungen, sondern viel Vorstellungen als in einer, und deren Bewußtsein, enthalten, mithin als zusammengesetzt, folglich die Einheit des Bewußtseins, als synthetisch, aber doch ursprünglich angetroffen wird. Diese Einzelnheit derselben ist wichtig in der Anwendung (siehe § 25).
Verstand ist, allgemein zu reden, das Vermögen der Erkenntnisse. Diese bestehen in der bestimmten Beziehung gegebener Vorstellungen auf ein Objekt. Objekt aber ist das, in dessen Begriff das Mannigfaltige einer gegebenen Anschauung vereinigt ist. Nun erfordert aber alle Vereinigung der Vorstellungen Einheit des Bewußtseins in der Synthesis derselben. Folglich ist die Einheit des Bewußtseins dasjenige, was allein die Beziehung der Vorstellungen auf einen Gegenstand, mithin ihre objektive Gültigkeit, folglich, daß sie Erkenntnisse werden, ausmacht, und worauf folglich selbst die Möglichkeit des Verstandes beruht.
Das erste reine Verstandeserkenntnis also, worauf sein ganzer übriger Gebrauch sich gründet, welches auch zugleich von allen Bedingungen der sinnlichen Anschauung ganz unabhängig ist, ist nun der Grundsatz der ursprünglichen synthetischen Einheit der Apperzeption. So ist die bloße Form der äußeren sinnlichen Anschauung, der Raum, noch gar keine Erkenntnis; er gibt nur das Mannigfaltige der Anschauung a priori zu einem möglichen Erkenntnis. Um aber irgend etwas im Raume zu erkennen, z.B. eine Linie, muß ich sie ziehen, und also
B 138 eine bestimmte Verbindung des gegebenen Mannigfaltigen synthetisch zustande, bringen, so, daß die Einheit dieser Handlung zugleich die Einheit des Bewußtseins (im Begriffe einer Linie) ist, und dadurch allererst ein Objekt (ein bestimmter Raum) erkannt wird. Die synthetische Einheit des Bewußtseins ist also eine objektive Bedingung aller Erkenntnis, nicht deren ich bloß selbst bedarf, um ein Objekt zu erkennen, sondern unter der jede Anschauung stehen muß, um für mich Objekt zu werden, weil auf andere Art, und ohne diese Synthesis, das Mannigfaltige sich nicht in einem Bewußtsein vereinigen würde.
Dieser letztere Satz ist, wie gesagt, selbst analytisch, ob er zwar die synthetische Einheit zur Bedingung alles Denkens macht, denn er sagt nichts weiter, als, daß alle meine Vorstellungen in irgendeiner gegebenen Anschauung unter der Bedingung stehen müssen, unter der ich sie allein als meine Vorstellungen zu dem identischen Selbst rechnen, und also, als in einer Apperzeption synthetisch verbunden durch den Allgemeinen Ausdruck Ich denke zusammenfassen kann.
Aber dieser Grundsatz ist doch nicht ein Prinzip für jeden überhaupt möglichen Verstand, sondern nur für den, durch dessen reine Apperzeption in der Vorstellung: Ich bin, noch gar nichts Mannigfaltiges gegeben ist. Derjenige Verstand, durch dessen Selbstbewußtsein zugleich das Mannigfaltige der Anschauung gegeben würde,
B 139 ein Verstand, durch dessen Vorstellung zugleich die Objekte dieser Vorstellung existierten, würde einen besonderen Aktus der Synthesis der Mannigfaltigen zu der Einheit des Bewußtseins nicht bedürfen, deren der menschliche Verstand, der bloß denkt, nicht anschaut, bedarf. Aber für den menschlichen Verstand ist er doch unvermeidlich der erste Grundsatz, so, daß er sich sogar von einem anderen möglichen Verstande, entweder einem solchen, der selbst anschaute, oder, wenngleich eine sinnliche Anschauung, aber doch von anderer Art, als die im Raume und der Zeit, zum Grunde liegend besäße, sich nicht den mindesten Begriff machen kann.
§ 18 Was objektive Einheit des Selbstbewußtseins sei
Die transzendentale Einheit der Apperzeption ist diejenige, durch welche alles in einer Anschauung gegebene Mannigfaltige in einen Begriff vom Objekt vereinigt wird. Sie heißt darum objektiv, und muß von der subjektiven Einheit des Bewußtseins unterschieden werden, die eine Bestimmung des inneren Sinnes ist, dadurch jenes Mannigfaltige der Anschauung zu einer solchen Verbindung empirisch gegeben wird. Ob ich mir des Mannigfaltigen als zugleich, oder nacheinander, empirisch bewußt sein könne, kommt auf Umstände, oder empirische Bedingungen, an. Daher die empirische
B 140 Einheit des Bewußtseins, durch Assoziation der Vorstellungen, selbst eine Erscheinung betrifft, und ganz zufällig ist. Dagegen steht die reine Form der Anschauung in der Zeit, bloß als Anschauung überhaupt, die ein gegebenes Mannigfaltiges enthält, unter der ursprünglichen Einheit des Bewußtseins, lediglich durch die notwendige Beziehung des Mannigfaltigen der Anschauung zum Einen: Ich denke; also durch die reine Synthesis des Verstandes, welche a priori der empirischen zum Grunde liegt. Jene Einheit ist allein objektiv gültig; die empirische Einheit der Apperzeption, die wir hier nicht erwägen, und die auch nur von der ersteren, unter gegebenen Bedingungen in concreto, abgeleitet ist, hat nur subjektive Gültigkeit. Einer verbindet die Vorstellung eines gewissen Wortes mit einer Sache, der andere mit einer anderen Sache, und die Einheit des Bewußtseins, in dem, was empirisch ist, ist in Ansehung dessen, was gegeben ist, nicht notwendig und allgemein geltend.
§ 19 Die logische Form aller Urteile besteht in der objektiven Einheit der Apperzeption der darin enthaltenen Begriffe
Ich habe, mich niemals durch die Erklärung, welche die Logiker von einem Urteile überhaupt geben, befriedigen können: es ist, wie sie sagen, die Vorstellung eines Verhältnisses zwischen zwei Begriffen. Ohne nun
B 141 hier über das Fehlerhafte der Erklärung, daß sie allenfalls nur auf kategorische, aber nicht hypothetische und disjunktive Urteile paßt, (als welche letztere nicht ein Verhältnis von Begriffen, sondern selbst von Urteilen enthalten,) mit ihnen zu zanken, (ohnerachtet aus diesem Versehen der Logik manche lästige Folgen erwachsen sind,)* merke ich nur an, daß, worin dieses Verhältnis bestehe, hier nicht bestimmt ist.
* Die weitläufige Lehre von den vier syllogistischen Figuren betrifft nur die kategorischen Vernunftschlüsse, und, ob sie zwar nichts weiter ist, als eine Kunst, durch Versteckung unmittelbarer Schlüsse (consequentiae immediatiae) unter die Prämissen eines reinen Vernunftschlusses, den Schein mehrerer Schlußarten, als des in der ersten Figur, zu erschleichen, so wurde sie doch dadurch allein kein sonderliches Glück gemacht haben, wenn es ihr nicht gelungen wäre, die kategorischen Urteile, als die, worauf sich alle andere müssen beziehen lassen, in ausschließliches Ansehen zu bringen, welches aber nach § 9 falsch ist.
Wenn ich aber die Beziehung gegebener Erkenntnisse, in jedem Urteile, genauer untersuche, und sie, als dem Verstande angehörige, von dem Verhältnisse nach Gesetzen der reproduktiven Einbildungskraft (welches nur subjektive Gültigkeit hat) unterscheide, so finde ich, daß ein Urteil nichts anderes sei, als die Art, gegebene Erkenntnisse zur objektiven Einheit der Apperzeption zu bringen. Darauf zielt das Verhältniswörtchen ist in
B 142 denselben, um die objektive Einheit gegebener Vorstellungen von der subjektiven zu unterscheiden. Denn dieses bezeichnet die Beziehung derselben auf die ursprüngliche Apperzeption und die notwendige Einheit derselben, wenngleich das Urteil selbst empirisch, mithin zufällig ist, z.B. die Körper sind schwer. Damit ich zwar nicht sagen will, diese Vorstellungen gehören in der empirischen Anschauung notwendig zueinander, sondern sie gehören vermöge der notwendigen Einheit der Apperzeption in der Synthesis der Anschauungen zueinander, d.i. nach Prinzipien der objektiven Bestimmung aller Vorstellungen, sofern daraus Erkenntnis werden kann, welche Prinzipien alle aus dem Grundsatze der transzendentalen Einheit der Apperzeption abgeleitet sind. Dadurch allein wird aus diesem Verhältnisse ein Urteil, d.i. ein Verhältnis, das objektiv gültig ist, und sich von dem Verhältnisse, eben derselben Vorstellungen, worin bloß subjektive Gültigkeit wäre, z.B. nach Gesetzen der Assoziation, hinreichend unterscheidet. Nach den letzteren würde ich nur sagen können: Wenn ich einen Körper trage, so fühle ich einen Druck der Schwert; aber nicht: er, der Körper, ist schwer; welches soviel sagen will, als, diese beiden Vorstellungen sind im Objekt, d.i. ohne Unterschied des Zustandes des Subjekts, verbunden, und nicht bloß in der Wahrnehmung (so oft sie auch wiederholt sein mag) beisammen.
B 143 § 20 Alle sinnlichen Anschauungen stehen unter den Kategorien, als Bedingungen, unter denen allein das Mannigfaltige derselben in ein Bewußtsein zusammenkommen kann
Das mannigfaltige in einer sinnlichen Anschauung Gegebene gehört notwendig unter die ursprüngliche synthetische Einheit der Apperzeption, weil durch diese die Einheit der Anschauung allein möglich ist. (§ 17). Diejenige Handlung des Verstandes aber, durch die das Mannigfaltige gegebener Vorstellungen (sie mögen Anschauungen oder Begriffe sein) unter eine Apperzeption überhaupt gebracht wird, ist die, logische Funktion der Urteile. (§ 19). Also ist alles Mannigfaltige, sofern es in Einer empirischen Anschauung gegeben ist, in Ansehung einer der logischen Funktionen zu urteilen bestimmt, durch die es nämlich zu einem Bewußtsein überhaupt gebracht wird. Nun sind aber die Kategorien nichts anderes, als eben diese Funktionen zu urteilen, sofern das Mannigfaltige einer gegebenen Anschauung in Ansehung ihrer bestimmt ist. (§ 13). Also steht auch das Mannigfaltige in einer gegebenen Anschauung notwendig unter Kategorien.
B 144 § 21 Anmerkung
Ein Mannigfaltiges, das in einer Anschauung, die ich die meinige nenne, enthalten ist, wird durch die Synthesis des Verstandes als zur notwendigen Einheit des Selbstbewußtseins gehörig vorgestellt, und dieses geschieht durch die Kategorie*. Diese zeigt also an: daß das empirische Bewußtsein eines gegebenen Mannigfaltigen Einer Anschauung ebensowohl unter einem reinen Selbstbewußtsein a priori, wie empirische Anschauung unter einer reinen sinnlichen, die gleichfalls a priori statt hat, stehe. - Im obigen Satze ist also der Anfang einer Deduktion der reinen Verstandesbegriffe gemacht, in welcher ich, da die Kategorien unabhängig von Sinnlichkeit bloß im Verstande entspringen, noch von der Art, wie das Mannigfaltige zu einer empirischen Anschauung gegeben werde, abstrahieren muß, um nur auf die Einheit, die in die Anschauung vermittelst der Kategorie durch den Verstand hinzukommt, zu sehen. In der Folge (§ 26) wird aus der Art, wie in der Sinnlichkeit die empirische Anschauung gegeben wird,
B 145 gezeigt werden, daß die Einheit derselben keine, andere sei, als welche die Kategorie nach dem vorigen § 20 dem Mannigfaltigen einer gegebenen Anschauung überhaupt vorschreibt, und dadurch also, daß ihre Gültigkeit a priori in Ansehung aller Gegenstände unserer Sinne erklärt wird, die Absicht der Deduktion allererst völlig erreicht werden.
* Der Beweisgrund beruht auf der vorgestellten Einheit der Anschauung, dadurch ein Gegenstand gegeben wird, welche jederzeit eine Synthesis des mannigfaltigen zu einer Anschauung Gegebenen in sich schließt, und schon die Beziehung dieses letzteren auf Einheit der Apperzeption enthält.
Allein von einem Stücke konnte ich im obigen Beweise doch nicht abstrahieren, nämlich davon, daß das Mannigfaltige für die Anschauung noch vor der Synthesis des Verstandes, und unabhängig von ihr, gegeben sein müsse; wie aber, bleibt hier unbestimmt. Denn, wollte ich mir einen Verstand denken, der selbst anschaute (wie etwa einen göttlichen, der nicht gegebene Gegenstände sich vorstellte, sondern durch dessen Vorstellung die Gegenstände selbst zugleich gegeben, oder hervorgebracht würden), so würden die Kategorien in Ansehung eines solchen Erkenntnisses gar keine Bedeutung haben. Sie sind nur Regeln für einen Verstand, dessen ganzes Vermögen im Denken besteht, d.i. in der Handlung, die Synthesis des Mannigfaltigen, welches ihm anderweitig in der Anschauung gegeben worden, zur Einheit der Apperzeption zu bringen, der also für sich gar nichts erkennt, sondern nur den Stoff zum Erkenntnis, die Anschauung, die ihm durchs Objekt gegeben werden muß, verbindet und ordnet. Von der Eigentümlichkeit unseres Verstandes aber, nur vermittelst der Kategorien und
B 146 nur gerade durch diese Art und Zahl derselben Einheit der Apperzeption a priori zustande zu bringen, laßt sich ebensowenig ferner ein Grund angeben, als warum wir gerade diese und keine anderen Funktionen zu urteilen haben, oder warum Zeit und Raum die einzigen Formen unserer möglichen Anschauung sind.
§ 22 Die Kategorie hat keinen andern Gebrauch zum Erkenntnisse der Dinge, als ihre Anwendung auf Gegenstände der Erfahrung
Sich einen Gegenstand denken, und einen Gegenstand erkennen, ist also nicht einerlei. Zum Erkenntnisse gehören nämlich zwei Stücke: erstlich der Begriff, dadurch überhaupt ein Gegenstand gedacht wird (die Kategorie), und zweitens die Anschauung, dadurch er gegeben wird; denn, könnte dem Begriffe eine korrespondierende Anschauung gar nicht gegeben werden, so wäre er ein Gedanke der Form nach, aber ohne allen Gegenstand, und durch ihn gar keine Erkenntnis von irgendeinem Dinge möglich; weil es, soviel ich wüßte, nichts gäbe, noch geben- könnte, worauf mein Gedanke angewandt werden könne. Nun ist alle uns mögliche Anschauung sinnlich (Ästhetik), also kann das Denken eines Gegenstandes überhaupt durch einen reinen Verstandesbegriff bei uns nur Erkenntnis werden, sofern dieser auf Gegenstände der Sinne bezogen wird. Sinnliche
B 147 Anschauung ist entweder reine Anschauung (Raum und Zeit) oder empirische Anschauung desjenigen, was im Raum und der Zeit unmittelbar als wirklich, durch Empfindung, vorgestellt wird. Durch Bestimmung der ersteren können wir Erkenntnisse a priori, von Gegenständen (in der Mathematik) bekommen, aber nur ihrer Form nach, als Erscheinungen; ob es Dinge geben könne, die in dieser Form angeschaut werden müssen, bleibt doch dabei noch unausgemacht. Folglich sind alle mathematischen Begriffe für sich nicht Erkenntnisse, außer, sofern man voraussetzt, daß es Dinge gibt, die sich nur der Form jener reinen sinnlichen Anschauung gemäß uns darstellen lassen. Dinge im Raum und der Zeit werden aber nur gegeben, sofern sie Wahrnehmungen (mit Empfindung begleitete Vorstellungen) sind, mithin durch empirische Vorstellung. Folglich verschaffen die reinen Verstandesbegriffe, selbst wenn sie auf Anschauungen a priori (wie in der Mathematik) angewandt werden, nur sofern Erkenntnis, als diese, mithin auch die Verstandesbegriffe vermittelst ihrer, auf empirische Anschauungen angewandt werden können. Folglich liefern uns die Kategorien vermittelst der Anschauung auch keine Erkenntnis von Dingen, als nur durch ihre mögliche Anwendung auf empirische Anschauung, d.i. sie dienen nur zur Möglichkeit empirischer Erkenntnis. Diese aber heißt Erfahrung. Folglich haben die Kategorien keinen anderen Gebrauch zum Erkenntnisse der Dinge, als nur
B 148 sofern diese als Gegenstände möglicher Erfahrung angenommen werden.
§ 23
Der obige Satz ist von der größten Wichtigkeit; denn er bestimmt ebensowohl die Grenzen des Gebrauchs der reinen Verstandesbegriffe in Ansehung der Gegenstände, als die transzendentale Ästhetik die Grenzen des Gebrauchs der reinen Form unserer sinnlichen Anschauung bestimmte. Raum und Zeit gelten, als Bedingungen der Möglichkeit, wie uns Gegenstände gegeben werden können, nicht weiter, als für Gegenstände der Sinne, mithin mir der Erfahrung. Über diese Grenzen hinaus stellen sie gar nichts vor, denn sie sind nur in den Sinnen und haben außer ihnen keine Wirklichkeit. Die reinen Verstandesbegriffe sind von dieser Einschränkung frei und erstrecken sich auf Gegenstände der Anschauung überhaupt, sie mag der unsrigen ähnlich sein oder nicht, wenn sie nur sinnlich und nicht intellektuell ist. Diese weitere Ausdehnung der Begriffe über unsere sinnliche Anschauung hinaus, hilft uns aber zu nichts. Denn es sind alsdann leere Begriffe von Objekten, von denen, ob sie nur einmal möglich sind oder nicht, wir durch jene gar nicht urteilen können, bloße Gedankenformen ohne objektive Realität, weil wir keine Anschauung zur Hand haben, auf welche die synthetische Einheit der Apperzeption, die jene allein enthalten, angewandt werden, und sie so einen Gegenstand
B 149 bestimmen könnten. Unsere sinnliche, und empirische Anschauung kann ihnen allein Sinn und Bedeutung verschaffen.
Nimmt man also ein Objekt einer nicht-sinnlichen Anschauung als gegeben an, so kann man es freilich durch alle die Prädikate vorstellen, die schon in der Voraussetzung liegen, daß ihm nichts zur sinnlichen Anschauung Gehöriges zukomme: also, daß es nicht ausgedehnt, oder im Raume sei, daß die Dauer desselben keine Zeit sei, daß in ihm keine Veränderung (Folge der Bestimmungen in der Zeit) angetroffen werde, usw. Allein das ist doch kein eigentliches Erkenntnis, wenn ich bloß anzeige, wie die Anschauung des Objekts nicht sei, ohne sagen zu kennen, was in ihr denn enthalten sei; denn alsdann habe ich gar nicht die Möglichkeit eines Objekts zu meinem reinen Verstandesbegriff vorgestellt, weil ich keine Anschauung habe geben können, die ihm korrespondierte, sondern nur sagen konnte, daß die unsrige nicht für ihn gelte. Aber das Vornehmste ist hier, daß auf ein solches Etwas auch nicht einmal eine einzige Kategorie angewandt werden könnte: z.B. der Begriff einer Substanz, d.i. von etwas, das als Subjekt, niemals aber als bloßes Prädikat existieren könne, wovon ich gar nicht weiß, ob es irgendein Ding geben könne, das dieser Gedankenbestimmung korrespondierte, wenn nicht empirische Anschauung mir den Fall der Anwendung gäbe. Doch mehr hiervon in der Folge.
B 150 § 24 Von der Anwendung der Kategorien auf Gegenstände der Sinne überhaupt
Die reinen Verstandesbegriffe beziehen sich durch den bloßen Verstand auf Gegenstände der Anschauung überhaupt, unbestimmt ob sie die unsrige oder irgendeine andere, doch sinnliche, sei, sind aber eben darum bloße Gedankenformen, wodurch noch kein bestimmter Gegenstand erkannt wird. Die Synthesis oder Verbindung des Mannigfaltigen in denselben, bezog sich bloß auf die Einheit der Apperzeption, und war dadurch der Grund der Möglichkeit der Erkenntnis a priori, sofern sie auf dem Verstande beruht, und mithin nicht allein transzendental, sondern auch bloß rein intellektual. Weil in uns aber eine gewisse Form der sinnlichen Anschauung a priori zum Grunde liegt, welche auf der Rezeptiviät der Vorstellungsfähigkeit (Sinnlichkeit) beruht, so kann der Verstand, als Spontaneität, den inneren Sinn durch das Mannigfaltige gegebener Vorstellungen der synthetischen Einheit der Apperzeption gemäß bestimmen, und so synthetische Einheit der Apperzeption des Mannigfaltigen der sinnlichen Anschauung a priori denken, als die Bedingung, unter welcher alle Gegenstände unserer (der menschlichen) Anschauung notwendigerweise stehen müssen, dadurch denn die Kategorien, als bloße Gedankenformen, objektive Realität, d.i. Anwendung auf
B 151 Gegenstände, die uns in der Anschauung gegeben werden können, aber nur als Erscheinungen bekommen; denn nur von diesen sind wir der Anschauung a priori fähig.
Diese Synthesis des Mannigfaltigen der sinnlichen Anschauung, die a priori möglich und notwendig ist, kann figürlich (synthesis speciosa) genannt werden, zum Unterschiede von derjenigen, welche in Ansehung des Mannigfaltigen einer Anschauung überhaupt in der bloßen Kategorie gedacht wurde, und Verstandesverbindung (synthesis intellectualis) heißt; beide sind transzendental, nicht bloß weil sie selbst a priori vorgehen, sondern auch die Möglichkeit anderer Erkenntnis a priori gründen.
Allein die figürliche Synthesis, wenn sie bloß auf die ursprünglich synthetische Einheit der Apperzeption, d.i. diese transzendentale Einheit geht, welche in den Kategorien gedacht wird, muß, zum Unterschiede von der bloß intellektuellen Verbindung, die transzendentale Synthesis der Einbildungskraft heißen. Einbildungskraft ist das Vermögen, einen Gegenstand auch ohne dessen Gegenwart in der Anschauung vorzustellen. Da nun alle unsere Anschauung sinnlich ist, so gehört die Einbildungskraft, der subjektiven Bedingung wegen, unter der sie allein den Verstandesbegriffen eine korrespondierende Anschauung geben kann, zur Sinnlichkeit; sofern aber doch ihre Synthesis eine Ausübung der Spontaneität ist, welche bestimmend, und nicht, wie der Sinn,
B 152 bloß bestimmbar ist, mithin a priori den Sinn seiner Form nach der Einheit der Apperzeption gemäß bestimmen kann, so ist die Einbildungskraft sofern ein Vermögen, die Sinnlichkeit a priori zu bestimmen, und ihre Synthesis der Anschauungen, den Kategorien gemäß, muß die transzendentale Synthesis der Einbildungskraft sein, welches eine Wirkung des Verstandes auf die Sinnlichkeit und die erste Anwendung desselben (zugleich der Grund aller übrigen) auf Gegenstände der uns möglichen Anschauung ist. Sie ist, als figürlich, von der intellektuellen Synthesis ohne alle Einbildungskraft bloß durch den Verstand unterschieden. Sofern die Einbildungskraft nun Spontaneität ist, nenne ich sie auch bisweilen die produktive Einbildungskraft, und unterscheide sie dadurch von der reproduktiven, deren Synthesis lediglich empirischen Gesetzen, nämlich denen der Assoziation, unterworfen ist, und welche daher zur Erklärung der Möglichkeit der Erkenntnis a priori nichts beiträgt, und um deswillen nicht in die Transzendentalphilosophie, sondern in die Psychologie gehört.
* * *
Hier ist nun der Ort, das Paradoxe, was jedermann bei der Exposition der Form des inneren Sinnes (§ 6) auffallen mußte, verständlich zu machen: nämlich wie dieser auch sogar uns selbst, nur wie wir uns erscheinen, nicht wie wir an uns selbst sind, dem
B 153 Bewußtsein darstelle, weil wir nämlich uns nur anschauen wie wir innerlich affiziert werden, welches widersprechend zu sein scheint, indem wir uns gegen um selbst als leidend verhalten müßten; daher man auch lieber den inneren Sinn mit dem Vermögen der Apperzeption (welche wir sorgfältig unterscheiden) in den Systemen der Psychologie für einerlei auszugeben pflegt.
Das, was den inneren Sinn bestimmt, ist der Verstand und dessen ursprüngliches Vermögen das Mannigfaltige der Anschauung zu verbinden, d.i. unter eine Apperzeption (als worauf selbst seine Möglichkeit beruht) zu bringen. Weil nun der Verstand in uns Menschen selbst kein Vermögen der Anschauungen ist, und diese, wenn sie auch in der Sinnlichkeit gegeben wäre, doch nicht in sich aufnehmen kann, um gleichsam das Mannigfaltige seiner eigenen Anschauung zu verbinden, so ist seine Synthesis, wenn er für sich allein betrachtet wird, nichts anderes, als die Einheit der Handlung, deren er sich, als einer solchen, auch ohne Sinnlichkeit bewußt ist, durch die er aber selbst die Sinnlichkeit innerlich in Ansehung des Mannigfaltigen, was der Form ihrer Anschauung nach ihm gegeben werden mag, zu bestimmen vermögend ist. Er also übt, unter der Benennung einer transzendentalen Synthesis der Einbildungskraft, diejenige Handlung aufs passive Subjekt, dessen Vermögen er ist, aus, wovon wir mit Recht sagen, daß der innere Sinn
B 154 dadurch affiziert werde. Die Apperzeption und deren synthetische Einheit ist mit dem inneren Sinne so gar nicht einerlei, daß jene vielmehr, als der Quell aller Verbindung, auf das Mannigfaltige der Anschauungen überhaupt unter dem Namen der Kategorien, vor aller sinnlichen Anschauung auf Objekte überhaupt geht, dagegen der innere Sinn die bloße Form der Anschauung, aber ohne Verbindung des Mannigfaltigen in derselben, mithin noch gar keine bestimmte Anschauung enthält, welche nur durch das Bewußtsein der Bestimmung desselben durch die transzendentale Handlung der Einbildungskraft, (synthetischer Einfluß des Verstandes auf den inneren Sinn) welche ich die figürliche Synthesis genannt habe, möglich ist.
Dieses nehmen wir auch jederzeit in uns wahr. Wir können uns keine Linie denken, ohne sie in Gedanken zu ziehen, keinen Zirkel denken, ohne ihn zu beschreiben, die drei Abmessungen des Raumes gar nicht vorstellen, ohne aus demselben Punkte drei Linien senkrecht aufeinander zu setzen, und selbst die Zeit nicht, ohne, indem wir im Ziehen einer geraden Linie (die die äußerlich figürliche Vorstellung der Zeit sein soll) bloß auf die Handlung der Synthesis des Mannigfaltigen, dadurch wir den inneren Sinn sukzessiv bestimmen, und dadurch auf die Sukzession dieser Bestimmung in demselben, achthaben. Bewegung, als Handlung des Subjekts, (nicht als
B 155 Bestimmung eines Objekts)*, folglich die Synthesis des Mannigfaltigen im Raume, wenn wir von diesem abstrahieren und bloß auf die Handlung achthaben, dadurch wir den inneren Sinn seiner Form gemäß bestimmen, bringt sogar den Begriff der Sukzession zuerst hervor. Der Verstand findet also in diesem nicht etwa schon eine dergleichen Verbindung des Mannigfaltigen, sondern bringt sie hervor, indem er ihn affiziert. Wie aber das Ich, der ich denke, von dem Ich, das sich selbst anschaut, unterschieden (indem ich mir noch andere Anschauungsart wenigstens als möglich vorstellen kann) und doch mit diesem letzteren als dasselbe Subjekt einerlei sei, wie ich also sagen könne: Ich, als Intelligenz und denkend Subjekt, erkenne mich selbst als gedachtes Objekt, sofern ich mir noch über das in der Anschauung gegeben bin, nur, gleich anderen Phänomen, nicht wie ich vor dem Verstande bin, sondern wie ich mir erscheine, hat nicht mehr auch nicht weniger Schwierigkeit bei sich, als wie ich mir selbst überhaupt ein Objekt und zwar der
B 156 Anschauung und innerer Wahrnehmungen sein könne. Daß es aber doch wirklich so sein müsse, kann, wenn man den Raum für eine bloße reine Form der Erscheinungen äußerer Sinne gelten läßt, dadurch klar dargetan werden, daß wir die Zeit, die doch gar kein Gegenstand äußerer Anschauung ist, uns nicht anders vorstellig machen können, als unter dem Bilde einer Linie, sofern wir sie ziehen, ohne welche Darstellungsart wir die Einheit ihrer Abmessung gar nicht erkennen könnten, imgleichen daß wir die Bestimmung der Zeitlänge, oder auch der Zeitstellen für alle inneren Wahrnehmungen, immer von dem hernehmen müssen, was uns äußere Dinge Veränderliches darstellen, folglich die Bestimmungen des inneren Sinnes gerade auf dieselbe Art als Erscheinungen in der Zeit ordnen müssen, wie wir die der äußeren Sinne im Raume ordnen, mithin, wenn wir von den letzteren einräumen, daß wir dadurch Objekte nur sofern erkennen, als wir äußerlich affiziert werden, wir auch vom inneren Sinne zugestehen müssen, daß wir dadurch uns selbst nur so anschauen, wie wir innerlich von uns selbst affiziert werden, d.i. was die innere Anschauung betrifft, unser eigenes Subjekt nur als Erscheinung, nicht aber nach dem, was es an sich selbst ist, erkennen**.
* Bewegung eines Objekts im Raume gehört nicht in eine reine Wissenschaft, folglich auch nicht in die Geometrie; weil, daß etwas beweglich sei, nicht a priori, sondern nur durch Erfahrung erkannt werden kann. Aber Bewegung, als Beschreibung eines Raumes, ist ein reiner Aktus der sukzessiven Synthesis des Mannigfaltigen in der äußeren Anschauung überhaupt durch produktive Einbildungskraft, und gehört nicht allein zur Geometrie, sondern sogar zur Transzendentalphilosophie.
** Ich sehe nicht, wie man so viel Schwierigkeiten darin finden könne, daß der innere Sinn von uns selbst affiziert werde. Jeder Aktus der Aufmerksamkeit kann uns ein Beispiel davon geben. Der Verstand bestimmt darin jederzeit den inneren Sinn der Verbindung, die er denkt, gemäß, zur inneren Anschauung, die dem Mannigfaltigen in der Synthesis des Verstandes korrespondiert. Wie sehr das Gemüt gemeiniglich hierdurch affiziert werde, wird ein jeder in sich wahrnehmen können.
§ 25
B 157 Dagegen bin ich mir meiner selbst in der transzendentalen Synthesis des Mannigfaltigen der Vorstellungen überhaupt, mithin in der synthetischen ursprünglichen Einheit der Apperzeption, bewußt, nicht wie ich mir erscheine, noch wie ich an mir selbst bin, sondern nur daß ich bin. Diese Vorstellung ist ein Denken, nicht ein Anschauen. Da nun zum Erkenntnis unserer selbst außer der Handlung des Denkens, die das Mannigfaltige einer jeden möglichen Anschauung zur Einheit der Apperzeption bringt, noch eine bestimmte Art der Anschauung, dadurch dieses Mannigfaltige gegeben wird, erforderlich ist, so ist zwar mein eigenes Dasein nicht Erscheinung (viel weniger bloßer Schein), aber die Bestimmung meines Daseins*
B 158 kann nur der Form des inneren Sinnes gemäß nach der besonderen Art, wie das Mannigfaltige, das ich verbinde, in der inneren Anschauung gegeben wird, geschehen, und ich habe also demnach keine Erkenntnis von mir wie ich bin, sondern bloß wie ich mir selbst erscheine. Das Bewußtsein seiner selbst ist also noch lange nicht ein Erkenntnis seiner selbst, unerachtet aller Kategorien, welche das Denken eines Objekts überhaupt durch Verbindung des Mannigfaltigen in einer Apperzeption ausmachen. So wie zum Erkenntnisse eines von mir verschiedenen Objekts, außer dem Denken eines Objekts überhaupt (in der Kategorie), ich doch noch einer Anschauung bedarf, dadurch ich jenen allgemeinen Begriff bestimme, so bedarf ich auch zum Erkenntnisse meiner selbst außer dem Bewußtsein, oder außer dem, daß ich mich denke, noch einer Anschauung des Mannigfaltigen in mir, wodurch ich diesen Gedanken bestimme, und ich existiere als Intelligenz, die sich lediglich ihres Verbindungsvermögens bewußt ist, in
B 159 Ansehung des Mannigfaltigen aber, das sie verbinden soll, einer einschränkenden Bedingung, die sie den inneren Sinn nennt, unterworfen, jene Verbindung nur nach Zeitverhältnissen, welche ganz außerhalb den eigentlichen Verstandesbegriffen liegen, anschaulich machen, und sich daher selbst doch nur erkennen kann, wie sie, in Absicht auf eine Anschauung (die nicht intellektuell und durch den Verstand selbst gegeben sein kann), ihr selbst bloß erscheint, nicht wie sie sich erkennen würde, wenn ihre Anschauung intellektuell wäre.
* Das, Ich denke, drückt den Aktus aus, mein Dasein zu bestimmen. Das Dasein ist dadurch also schon gegeben, aber die Art, wie ich es bestimmen, d.i. das Mannigfaltige, zu demselben gehörige, in mir setzen solle, ist dadurch noch nicht gegeben. Dazu gehört Selbstanschauung, die eine a priori gegebene Form, d.i. die Zeit, zum Grunde liegen hat, welche sinnlich und zur Rezeptivität des Bestimmbaren gehörig ist. Habe ich nun nicht noch eine andere Selbstanschauung, die das Bestimmende in mir, dessen Spontaneität ich mir nur bewußt bin, ebenso vor dem Aktus des Bestimmens gibt, wie die Zeit das Bestimmbare, so kann ich mein Dasein, als eines selbsttätigen Wesens, nicht bestimmen, sondern ich stelle mir nur die Spontaneität meines Denkens, d.i. des Bestimmens, vor, und mein Dasein bleibt immer nur sinnlich, d.i. als das Dasein einer Erscheinung, bestimmbar. Doch macht diese Spontaneität, daß ich mich Intelligenz nenne.
§ 26 Transzendentale Deduktion des allgemein möglichen Erfahrungsgebrauchs der reinen Verstandesbegriffe
In der metaphysischen Deduktion wurde der Ursprung der Kategorien a priori überhaupt durch ihre völlige Zusammentreffung mit den allgemeinen logischen Funktionen des Denkens dargetan, in der transzendentalen aber die Möglichkeit derselben als Erkenntnisse a priori von Gegenständen einer Anschauung überhaupt (§§ 20, 21) dargestellt. Jetzt soll die Möglichkeit, durch Kategorien die Gegenstände, die nur immer unseren Sinnen vorkommen mögen, und zwar nicht der Form ihrer Anschauung, sondern den Gesetzen ihrer Verbindung nach, a priori zu erkennen, also der Natur gleichsam das Gesetz vorzuschreiben und sie sogar möglich zu machen,
B 160 erklärt werden. Denn ohne diese ihre Tauglichkeit würde nicht erhellen, wie alles, was unseren Sinnen nur vorkommen mag, unter den Gesetzen stehen müsse, die a priori aus dem Verstande allein entspringen.
Zuvörderst merke ich an, daß ich unter der Synthesis der Apprehension die Zusammensetzung des Mannigfaltigen in einer empirischen Anschauung verstehe, dadurch Wahrnehmung, d.i. empirisches Bewußtsein derselben, (als Erscheinung) möglich wird.
Wir haben Formen der äußeren sowohl als inneren sinnlichen Anschauung a priori an den Vorstellungen von Raum und Zeit, und diesen muß die Synthesis der Apprehension des Mannigfaltigen der Erscheinung jederzeit gemäß sein, weil sie selbst nur nach dieser Form geschehen kann. Aber Raum und Zeit sind nicht bloß als Formen der sinnlichen Anschauung, sondern als Anschauungen selbst (die ein Mannigfaltiges enthalten) also mit der Bestimmung der Einheit dieses Mannigfaltigen in ihnen a priori vorgestellt (siehe transz. Ästhet.)*.
B 161 Also ist selbst schon Einheit der Synthesis des Mannigfaltigen, außer oder in uns, mithin auch eine Verbindung, der alles, was im Raume oder der Zeit bestimmt vorgestellt werden soll, gemäß sein muß, a priori als Bedingung der Synthesis aller Apprehension schon mit (nicht in) diesen Anschauungen zugleich gegeben. Diese synthetische Einheit aber kann keine andere sein, als die der Verbindung des Mannigfaltigen einer gegebenen Anschauung überhaupt in einem ursprünglichen Bewußtsein, den Kategorien gemäß, nur auf unsere sinnliche Anschauung angewandt. Folglich steht alle Synthesis, wodurch selbst Wahrnehmung möglich wird, unter den Kategorien, und, da Erfahrung Erkenntnis durch verknüpfte Wahrnehmungen ist, so sind die Kategorien Bedingungen der Möglichkeit der Erfahrung, und gelten also a priori auch von allen Gegenständen der Erfahrung.
* Der Raum, als Gegenstand vorgestellt, (wie man es wirklich in der Geometrie bedarf,) enthält mehr, als bloße Form der Anschauung, nämlich Zusammenfassung des Mannigfaltigen, nach der Form der Sinnlichkeit gegebenen, in eine anschauliche Vorstellung, so daß die Form der Anschauung bloß Mannigfaltiges, die formale Anschauung aber Einheit der Vorstellung gibt. Diese Einheit hatte ich in der Ästhetik bloß zur Sinnlichkeit gezählt, um nur zu bemerken, daß sie vor allem Begriffe vorhergehe, ob sie zwar eine Synthesis, die nicht den Sinnen angehört, durch welche aber alle Begriffe von Raum und Zeit zuerst möglich werden, voraussetzt. Denn da durch sie (indem der Verstand die Sinnlichkeit bestimmt) der Raum oder die Zeit als Anschauungen zuerst gegeben werden, so gehört die Einheit dieser Anschauung a priori zum Raume und der Zeit, und nicht zum Begriffe des Verstandes. (§ 24.)
* * *
B 162 Wenn ich also z.B. die empirische Anschauung eines Hauses durch Apprehension des Mannigfaltigen derselben zur Wahrnehmung mache, so liegt mir die notwendige Einheit des Raumes und der äußeren sinnlichen Anschauung überhaupt zum Grunde, und ich zeichne gleichsam seine Gestalt, dieser synthetischen Einheit des Mannigfaltigen im Raume gemäß. Eben dieselbe synthetische Einheit aber, wenn ich von der Form des Raumes abstrahiere, hat im Verstande ihren Sitz, und ist die Kategorie der Synthesis des Gleichartigen in einer Anschauung überhaupt, d.i. die Kategorie der Größe, welcher also jene Synthesis der Apprehension, d.i. die Wahrnehmung, durchaus gemäß sein muß*.
* Auf solche Weise wird bewiesen: daß die Synthesis der Apprehension, welche empirisch ist, der Synthesis der Apperzeption, welche intellektuell und gänzlich a priori in der Kategorie enthalten ist, notwendig gemäß sein müsse. Es ist eine und dieselbe Spontaneität, welche dort, unter dem Namen der Einbildungskraft, hier des Verstandes, Verbindung in das Mannigfaltige der Anschauung hineinbringt.
Wenn ich (in einem anderen Beispiele) das Gefrieren des Wassers wahrnehme, so apprehendiere ich zwei Zustände (der Flüssigkeit und Festigkeit) als solche, die in einer Relation der Zeit gegeneinander stehen. Aber in der Zeit, die ich der Erscheinung als inneren Anschauung
B 163 zum Grunde lege, stelle ich mir notwendig synthetische Einheit des Mannigfaltigen vor, ohne die jene Relation nicht in einer Anschauung bestimmt (in Ansehung der Zeitfolge) gegeben werden konnte. Nun ist aber diese synthetische Einheit, als Bedingung a priori, unter der ich das Mannigfaltige einer Anschauung überhaupt verbinde, wenn ich von der beständigen Form meiner inneren Anschauung, der Zeit, abstrahiere, die Kategorie der Ursache, durch welche ich, wenn ich sie auf meine Sinnlichkeit anwende, alles, was geschieht, in der Zeit überhaupt seiner Relation nach bestimme. Also steht die Apprehension in einer solchen Begebenheit, mithin diese selbst, der möglichen Wahrnehmung nach, unter dem Begriffe des Verhältnisses der Wirkungen und Ursachen, und so in allen anderen Fällen.
* * *
Kategorien sind Begriffe, welche den Erscheinungen, mithin der Natur, als dem Inbegriffe aller Erscheinungen (natura materialiter spectata), Gesetze a priori vorschreiben, und nun fragt sich, da sie nicht von der Natur abgeleitet werden und sich nach ihr als ihrem Muster richten (weil sie sonst bloß empirisch sein würden), wie es zu begreifen sei, daß die Natur sich nach ihnen richten müsse, d.i. wie sie die Verbindung des Mannigfaltigen der Natur, ohne sie von dieser abzunehmen, a priori bestimmen können. Hier ist die Auflösung dieses Rätsels.
B 164 Es ist nun nichts befremdlicher, wie die Gesetze der Erscheinungen in der Natur mit dem Verstande und seiner Form a priori, d.i. seinem Vermögen das Mannigfaltige überhaupt zu verbinden, als wie die Erscheinungen selbst mit der Form der sinnlichen Anschauung a priori übereinstimmen müssen. Denn Gesetze existieren ebensowenig in den Erscheinungen, sondern nur relativ auf das Subjekt, dem die Erscheinungen inhärieren, sofern es Verstand hat, als Erscheinungen nicht an sich existieren, sondern nur relativ auf dasselbe Wesen, sofern es Sinne hat. Dingen an sich selbst würde ihre Gesetzmäßigkeit notwendig, auch außer einem Verstande, der sie erkennt, zukommen. Allein Erscheinungen sind nur Vorstellungen von Dingen, die, nach dem, was sie an sich sein mögen, unerkannt da sind. Als bloße Vorstellungen aber stehen sie unter gar keinem Gesetze der Verknüpfung, als demjenigen, welches das verknüpfende Vermögen vorschreibt. Nun ist das, was das Mannigfaltige der sinnlichen Anschauung verknüpft, Einbildungskraft, die vom Verstande der Einheit ihrer intellektuellen Synthesis, und von der Sinnlichkeit der Mannigfaltigkeit der Apprehension nach abhängt. Da nun von der Synthesis der Apprehension alle mögliche Wahrnehmung, sie selbst aber, diese empirische Synthesis, von der transzendentalen, mithin den Kategorien abhängt, so müssen alle möglichen Wahrnehmungen, mithin auch alles, was zum empirischen Bewußtsein immer gelangen kann, d.i.
B 165 alle Erscheinungen der Natur, ihrer Verbindung nach, unter den Kategorien stehen, von welchen die Natur (bloß als Natur überhaupt betrachtet), als dem ursprünglichen Grunde ihrer notwendigen Gesetzmäßigkeit (als natura formaliter spectata), abhängt. Auf mehrere Gesetze aber, als die, auf denen eine Natur überhaupt, als Gesetzmäßigkeit der Erscheinungen in Raum und Zeit, beruht, reicht auch das reine Verstandesvermögen nicht zu, durch bloße Kategorien den Erscheinungen a priori Gesetze vorzuschreiben. Besondere Gesetze, weil sie empirisch bestimmte Erscheinungen betreffen, können davon nicht vollständig abgeleitet werden, ob sie gleich alle insgesamt unter jenen stehen. Es muß Erfahrung dazu kommen, um die letzteren überhaupt kennen zu lernen; von Erfahrung aber überhaupt, und dem, was als ein Gegenstand derselben erkannt werden kann, geben allein jene Gesetze a priori die Belehrung.
§ 27 Resultat dieser Deduktion der Verstandesbegriffe
Wir können uns keinen Gegenstand denken, ohne durch Kategorien; wir können keinen gedachten Gegenstand erkennen, ohne durch Anschauungen, die jenen Begriffen entsprechen. Nun sind alle unsere Anschauungen sinnlich, und diese Erkenntnis, sofern der Gegenstand derselben gegeben ist, ist empirisch. Empirische Erkenntnis aber
B 166 ist Erfahrung. Folglich ist uns keine Erkenntnis a priori möglich, als lediglich von Gegenständen möglicher Erfahrung*.
* Damit man sich nicht voreiligerweise an den besorglichen nachteiligen Folgen dieses Satzes stoße, will ich nur in Erinnerung bringen, daß die Kategorien im Denken durch die Bedingungen unserer sinnlichen Anschauung nicht eingeschränkt sind, sondern ein unbegrenztes Feld haben, und nur das Erkennen dessen, was wir uns denken, das Bestimmen des Objekts, Anschauung bedürfe, wo, beim Mangel der letzeren, der Gedanke vom Objekte übrigens noch immer seine wahren und nützlichen Folgen auf den Vernunftgebrauch des Subjekts haben kann, der sich aber, weil er nicht immer auf die Bestimmung des Objekts, mithin aufs Erkenntnis, sondern auch auf die des Subjekts und dessen Wollen gerichtet ist, hier noch nicht vortragen läßt.
Aber diese Erkenntnis, die bloß auf Gegenstände der Erfahrung eingeschränkt ist, ist darum nicht alle von der Erfahrung entlehnt, sondern, was sowohl die reinen Anschauungen, als die reinen Verstandesbegriffe betrifft, so sind Elemente der Erkenntnis, die in uns a priori angetroffen werden. Nun sind nur zwei Wege, auf welchen eine notwendige Übereinstimmung der Erfahrung mit den Begriffen von ihren Gegenständen gedacht werden kann: entweder die Erfahrung macht diese Begriffe, oder diese Begriffe machen die Erfahrung möglich. Das
B 167 erstere findet nicht in Ansehung der Kategorien (auch nicht der reinen sinnlichen Anschauung) statt; denn sie sind Begriffe a priori, mithin unabhängig von der Erfahrung (die Behauptung eines empirischen Ursprungs wäre eine Art von generatio aequivoca). Folglich bleibt nur das zweite übrig (gleichsam ein System der Epigenesis der reinen Vernunft): daß nämlich die Kategorien von seiten des Verstandes die Gründe der Möglichkeit aller Erfahrung überhaupt enthalten. Wie sie aber die Erfahrung möglich machen, und welche Grundsätze der Möglichkeit derselben sie in ihrer Anwendung auf Erscheinungen an die Hand geben, wird das folgende Hauptstück von dem transz. Gebrauche der Urteilskraft das mehrere lehren.
Wollte jemand zwischen den zwei genannten einzigen Wegen noch einen Mittelweg vorschlagen, nämlich, daß sie weder selbstgedachte erste Prinzipien a priori unserer Erkenntnis, noch auch aus der Erfahrung geschöpft, sondern subjektive, uns mit unserer Existenz zugleich eingepflanzte Anlagen zum Denken wären, die von unserem Urheber so eingerichtet worden, daß ihr Gebrauch mit den Gesetzen der Natur, an welchen die Erfahrung fortläuft, genau stimmte, (eine Art von Präformationssystem der reinen Vernunft) so würde (außer dem, daß bei einer solchen Hypothese kein Ende abzusehen ist, wie weit man die Voraussetzung vorbestimmter Anlagen zu künftigen Urteilen treiben möchte) das wider gedachten
B 168 Mittelweg entscheidend sein: daß in solchem Falle den Kategorien die Notwendigkeit mangeln würde, die ihrem Begriffe wesentlich angehört. Denn z.B. der Begriff der Ursache, welcher die Notwendigkeit eines Erfolges unter einer vorausgesetzten Bedingung aussagt, würde falsch sein, wenn er nur auf einer beliebigen uns eingepflanzten subjektiven Notwendigkeit, gewisse empirische Vorstellungen nach einer solchen Regel des Verhältnisses zu verbinden, beruhte. Ich würde nicht sagen können: die Wirkung ist mit der Ursache im Objekte (d.i. notwendig) verbunden, sondern ich bin nur so eingerichtet, daß ich diese Vorstellung nicht anders als so verknüpft denken kann, welches gerade das ist, was der Skeptiker am meisten wünscht, denn alsdann ist alle unsere Einsicht, durch vermeinte objektive Gültigkeit unserer Urteile, nichts als lauter Schein, und es würde auch an Leuten nicht fehlen, die diese subjektive Notwendigkeit (die gefühlt werden muß) von sich nicht gestehen würden; zum wenigsten könnte man mit niemandem über dasjenige hadern, was bloß auf der Art beruht, wie sein Subjekt organisiert ist.
Kurzer Begriff dieser Deduktion
Sie ist die Darstellung der reinen Verstandesbegriffe, (und mit ihnen aller theoretischen Erkenntnis a priori, als Prinzipien der Möglichkeit der Erfahrung, dieser aber, als Bestimmung der Erscheinungen in Raum und
B 169 Zeit überhaupt, - endlich dieser aus dem Prinzip der ursprünglichen synthetischen Einheit der Apperzeption, als der Form des Verstandes in Beziehung auf Raum und Zeit, als ursprüngliche Formen der Sinnlichkeit.
* * *
Nur bis hierher halte ich die Paragraphenabteilung für nötig, weil wir es mit den Elementarbegriffen zu tun hatten. Nun wir den Gebrauch derselben vorstellig machen wollen, wird der Vortrag in kontinuierlichem Zusammenhange, ohne dieselbe, fortgehen dürfen.
Der transzendentalen Analytik Zweites Buch
Die Analytik der Grundsätze
Die allgemeine Logik ist über einem Grundrisse erbaut, der ganz genau mit der Einteilung der oberen Erkenntnisvermögen zusammentrifft. Diese sind: Verstand, Urteilskraft und Vernunft. Jene Doktrin handelt daher in ihrer Analytik von Begriffen, Urteilen und Schlüssen, gerade den Funktionen und der Ordnung jener Gemütskräfte gemäß, die man unter der weitläufigen Benennung des Verstandes überhaupt begreift.
B 170 Da gedachte bloß formale Logik von allem Inhalte der Erkenntnis (ob sie rein und empirisch sei) abstrahiert, und sich bloß mit der Form des Denkens (der diskursiven Erkenntnis) überhaupt beschäftigt: so kann sie in ihrem analytischen Teile auch den Kanon für die Vernunft mitbefassen, deren Form ihre sichere Vorschrift hat, die, ohne die besondere Natur der dabei gebrauchten Erkenntnis in Betracht zu ziehen, a priori, durch bloße Zergliederung der Vernunfthandlungen in ihre Momente, eingesehen werden kann.
Die transzendentale Logik, da sie auf einen bestimmten Inhalt, nämlich bloß der reinen Erkenntnisse a priori, eingeschränkt ist, kann es ihr in dieser Einteilung nicht nachtun. Denn es zeigt sich: daß der transzendentale Gebrauch der Vernunft gar nicht objektiv gültig sei, mithin nicht zur Logik der Wahrheit, d.i. der Analytik gehöre, sondern, als eine Logik des Scheins, einen besonderen Teil des scholastischen Lehrgebäudes, unter dem Namen der transzendentalen Dialektik, erfordere.
Verstand und Urteilskraft haben demnach ihren Kanon des objektiv gültigen, mithin wahren Gebrauchs, in der transzendentalen Logik, und gehören also in ihren analytischen Teil. Allein Vernunft in ihren Versuchen, über Gegenstände a priori etwas auszumachen, und das Erkenntnis über die Grenzen möglicher
B 171 Erfahrung zu erweitern, ist ganz und gar dialektisch, und ihre Scheinbehauptungen schicken sich durchaus nicht in einen Kanon, dergleichen doch die Analytik enthalten soll.
Die Analytik der Grundsätze wird demnach lediglich ein Kanon für die Urteilskraft sein, der sie lehrt, die Verstandesbegriffe, welche die Bedingung zu Regeln a priori enthalten, auf Erscheinungen anzuwenden. Aus dieser Ursache werde ich, indem ich die eigentlichen Grundsätze des Verstandes zum Thema nehme, mich der Benennung einer Doktrin der Urteilskraft bedienen, wodurch dieses Geschäft genauer bezeichnet wird.
Einleitung Von der transzendentalen Urteilskraft überhaupt
Wenn der Verstand überhaupt als das Vermögen der Regeln erklärt wird, so ist Urteilskraft das Vermögen unter Regeln zu subsumieren, d.i. zu unterscheiden, ob etwas unter einer gegebenen Regel (casus datae legis) stehe, oder nicht. Die allgemeine Logik enthält gar keine Vorschriften für die Urteilskraft, und kann sie auch nicht enthalten. Denn da sie von allem Inhalte der Erkenntnis abstrahiert, so bleibt ihr nichts übrig, als das Geschäft, die bloße Form der Erkenntnis in Begriffen, Urteilen und Schlüssen analytisch
B 172 auseinander zu setzen, und dadurch formale Regeln alles Verstandesgebrauchs zustande zu bringen. Wollte sie nun allgemein zeigen, wie man unter diese Regeln subsumieren, d.i. unterscheiden sollte, ob etwas darunter stehe oder nicht, so könnte dieses nicht anders, als wieder durch eine Regel geschehen. Diese aber erfordert eben darum, weil sie eine Regel ist, aufs neue eine Unterweisung der Urteilskraft, und so zeigt sich, daß zwar der Verstand einer Belehrung und Ausrüstung durch Regeln fähig, Urteilskraft aber ein besonderes Talent sei, welches gar nicht belehrt, sondern nur geübt sein will. Daher ist diese auch das Spezifische des sogenannten Mutterwitzes, dessen Mangel keine Schule ersetzen kann; denn, ob diese gleich einem eingeschränkten Verstande Regeln vollauf, von fremder Einsicht entlehnt, darreichen und gleichsam einpfropfen kann; so muß doch das Vermögen, sich ihrer richtig zu bedienen, dem Lehrlinge selbst angehören, und keine Regel, die man ihm in dieser Absicht vorschreiben möchte, ist, in Ermangelung einer solchen Naturgabe, vor Mißbrauch sicher*. Ein Arzt
B 173 daher, ein Richter, oder ein Staatskundiger, kann viel schöne pathologische, juristische oder politische Regeln im Kopfe haben, in dem Grade, daß er selbst darin gründlicher Lehrer werden kann, und wird dennoch in der Anwendung derselben leicht verstoßen, entweder, weil es ihm an natürlicher Urteilskraft (obgleich nicht am Verstande) mangelt, und er zwar das Allgemeine in abstracto einsehen, aber ob ein Fall in concreto darunter gehöre, nicht unterscheiden kann, oder auch darum, weil er nicht genug durch Beispiele und wirkliche Geschäfte zu diesem Urteile abgerichtet worden. Dieses ist auch der einige und große Nutzen der Beispiele: daß sie die Urteilskraft schärfen. Denn was die Richtigkeit und Präzision der Verstandeseinsicht betrifft, so tun sie derselben vielmehr gemeiniglich einigen Abbruch, weil sie nur selten die Bedingung der Regel adäquat erfüllen (als casus in terminis) und überdem diejenige Anstrengung des Verstandes oftmals schwächen, Regeln im allgemeinen, und unabhängig von den besonderen Umständen der Erfahrung, nach ihrer Zulänglichkeit, einzusehen, und sie daher zuletzt mehr wie Formeln, als Grundsätze, zu gebrauchen angewöhnen. So sind Beispiele der
B 174 Gängelwagen der Urteilskraft, welchen derjenige, dem es am natürlichen Talent desselben mangelt, niemals entbehren kann.
* Der Mangel an Urteilskraft ist eigentlich das, was man Dummheit nennt, und einem solchen Gebrechen ist gar nicht abzuhelfen. Ein stumpfer oder eingeschränkter Kopf, dem es an nichts, als am gehörigen Grade des Verstandes und eigenen Begriffen desselben mangelt, ist durch Erlernung sehr wohl, sogar bis zur Gelehrsamkeit, auszurüsten. Da es aber gemeiniglich alsdann auch an jenem (der secunda Petri) zu fehlen pflegt, so ist es nichts ungewöhnliches, sehr gelehrte Männer anzutreffen, die, im Gebrauche ihrer Wissenschaft, jenen nie zu bessernden Mangel häufig blicken lassen.
Ob nun aber gleich die allgemeine Logik der Urteilskraft keine Vorschriften geben kann, so ist es doch mit der transzendentalen ganz anders bewandt, sogar daß es scheint, die letztere habe es zu ihrem eigentlichen Geschäfte, die Urteilskraft im Gebrauch des reinen Verstandes, durch bestimmte Regeln zu berichtigen und zu sichern. Denn, um dem Verstande im Felde reiner Erkenntnisse a priori Erweiterung zu verschaffen, mithin als Doktrin scheint Philosophie gar nicht nötig, oder vielmehr übel angebracht zu sein, weil man nach allen bisherigen Versuchen damit doch wenig oder gar kein Land gewonnen hat, sondern als Kritik, um die Fehltritte der Urteilskraft (lapsus judicii) im Gebrauch der wenigen reinen Verstandesbegriffe, die wir haben, zu verhüten, dazu (obgleich der Nutzen alsdann nur negativ ist) wird Philosophie mit ihrer ganzen Scharfsinnigkeit und Prüfungskunst aufgeboten.
Es hat aber die Transzendental-Philosophie das Eigentümliche: daß sie außer der Regel (oder vielmehr der allgemeinen Bedingung zu Regeln), die in dem reinen Begriffe des Verstandes gegeben wird, zugleich a priori den Fall anzeigen kann, worauf sie angewandt
B 175 werden sollen. Die Ursache von dem Vorzuge, den sie in diesem Stücke vor allen anderen belehrenden Wissenschaften hat, (außer der Mathematik) liegt eben darin: daß sie von Begriffen handelt, die sich auf ihre Gegenstände a priori beziehen sollen, mithin kann ihre objektive Gültigkeit nicht a posteriori dargetan werden; denn das würde jene Dignität derselben ganz unberührt lassen, sondern sie muß zugleich die Bedingungen, unter welchen Gegenstände in Übereinstimmung mit jenen Begriffen gegeben werden können, in allgemeinen aber hinreichenden Kennzeichen darlegen, widrigenfalls sie ohne allen Inhalt, mithin bloße logische Formen und nicht reine Verstandesbegriffe sein würden.
Diese transzendentale Doktrin der Urteilskraft wird nun zwei Hauptstücke enthalten: das erste, welches von der sinnlichen Bedingung handelt, unter welcher reine Verstandesbegriffe allein gebraucht werden können, d.i. von dem Schematismus des reinen Verstandes; das zweite aber von denen synthetischen Urteilen, welche aus reinen Verstandesbegriffen unter diesen Bedingungen a priori herfließen, und allen übrigen Erkenntnissen a priori zum Grunde liegen, d.i. von den Grundsätzen des reinen Verstandes.
B 176 Der transzendentalen Doktrin der Urteilskraft (oder Analytik der Grundsätze) Erstes Hauptstück Von dem Schematismus der reinen Verstandesbegriffe
In allen Subsumtionen eines Gegenstandes unter einen Begriff muß die Vorstellung des ersteren mit der letzteren gleichartig sein, d.i. der Begriff muß dasjenige enthalten, was in dem darunter zu subsumierenden Gegenstande vorgestellt wird, denn das bedeutet eben der Ausdruck: ein Gegenstand sei unter einem Begriffe enthalten. So hat der empirische Begriff eines Tellers mit dem reinen geometrischen eines Zirkels Gleichartigkeit, indem die Rundung, die in dem ersteren gedacht wird, sich im letzteren anschauen läßt.
Nun sind aber reine Verstandesbegriffe, in Vergleichung mit empirischen (ja überhaupt sinnlichen) Anschauungen, ganz ungleichartig, und können niemals in irgendeiner Anschauung angetroffen werden. Wie ist nun die Subsumtion der letzteren unter die erste, mithin die Anwendung der Kategorie auf Erscheinungen möglich, da doch niemand sagen wird: diese, z.B. die Kausalität, könne auch durch Sinne
B 177 angeschaut werden und sei in der Erscheinung enthalten? Diese so natürliche und erhebliche Frage ist nun eigentlich die Ursache, welche eine transzendentale Doktrin der Urteilskraft notwendig macht, um nämlich die Möglichkeit zu zeigen, wie reine Verstandesbegriffe auf Erscheinungen überhaupt angewandt werden können. In allen anderen Wissenschaften, wo die Begriffe, durch die der Gegenstand allgemein gedacht wird, von denen, die diesen in concreto vorstellen, wie er gegeben wird, nicht so unterschieden und heterogen sind, ist es unnötig, wegen der Anwendung des ersteren auf den letzten besondere Erörterung zu geben.
Nun ist klar, daß es ein Drittes geben müsse, was einerseits mit der Kategorie, andererseits mit der Erscheinung in Gleichartigkeit stehen muß, und die Anwendung der ersteren auf die letzte möglich macht. Diese vermittelnde Vorstellung muß rein (ohne alles Empirische) und doch einerseits intellektuell, andererseits sinnlich sein. Eine solche ist das transzendentale Schema.
Der Verstandesbegriff enthält reine synthetische Einheit des Mannigfaltigen überhaupt. Die Zeit, als die formale Bedingung des Mannigfaltigen des inneren Sinnes, mithin der Verknüpfung aller Vorstellungen, enthält ein Mannigfaltiges a priori in der reinen Anschauung. Nun ist eine transzendentale Zeitbestimmung mit der Kategorie (die die Einheit derselben ausmacht) sofern gleichartig, als sie allgemein ist und auf einer
B 178 Regel a priori beruht. Sie ist aber andererseits mit der Erscheinung sofern gleichartig, als die Zeit in jeder empirischen Vorstellung des Mannigfaltigen enthalten ist. Daher wird eine Anwendung der Kategorie auf Erscheinungen möglich sein, vermittelst der transzendentalen Zeitbestimmung, welche, als das Schema der Verstandesbegriffe, die Subsumtion der letzteren unter die erste vermittelt.
Nach demjenigen, was in der Deduktion der Kategorien gezeigt worden, wird hoffentlich niemand im Zweifel stehen, sich über die Frage zu entschließen: ob diese reinen Verstandesbegriffe von bloß empirischem oder auch von transzendentalem Gebrauche sind, d.i. ob sie lediglich, als Bedingungen einer möglichen Erfahrung, sich a priori auf Erscheinungen beziehen, oder ob sie, als Bedingungen der Möglichkeit der Dinge überhaupt, auf Gegenstände an sich selbst (ohne einige Restriktion auf unsere Sinnlichkeit) erstreckt werden können. Denn da haben wir gesehen, daß Begriffe ganz unmöglich sind, noch irgend einige Bedeutung haben können, wo nicht, entweder ihnen selbst, oder wenigstens den Elementen, daraus sie bestehen, ein Gegenstand gegeben ist, mithin auf Dinge an sich (ohne Rücksicht, ob und wie sie uns gegeben werden mögen) gar nicht gehen können; daß ferner die einzige Art, wie uns Gegenstände gegeben werden, die Modifikation unserer Sinnlichkeit sei; endlich, daß reine Begriffe a priori, außer der
B 179 Funktion des Verstandes in der Kategorie, noch formale Bedingungen der Sinnlichkeit (namentlich des inneren Sinnes) a priori enthalten müssen, welche die allgemeine Bedingung enthalten, unter der die Kategorie allein auf irgendeinen Gegenstand angewandt werden kann. Wir wollen diese formale und reine Bedingung der Sinnlichkeit, auf welche der Verstandesbegriff in seinem Gebrauch restringiert ist, das Schema dieses Verstandesbegriffs, und das Verfahren des Verstandes mit diesen Schematen den Schematismus des reinen Verstandes nennen.
Das Schema ist an sich selbst jederzeit nur ein Produkt der Einbildungskraft; aber indem die Synthesis der letzteren keine einzelne Anschauung, sondern die Einheit in der Bestimmung der Sinnlichkeit allein zur Absicht hat, so ist das Schema doch vom Bilde zu unterscheiden. So, wenn ich fünf Punkte hintereinander setze,..... ist dieses ein Bild von der Zahl fünf. Dagegen, wenn ich eine Zahl überhaupt nur denke, die nun fünf oder hundert sein kann, so ist dieses Denken mehr die Vorstellung einer Methode, einem gewissen Begriffe gemäß eine Menge (z.E. tausend) in einem Bilde vorzustellen, als dieses Bild selbst, welches ich im letzteren Falle schwerlich würde übersehen und mit dem Begriff vergleichen können. Diese Vorstellung nun von einem allgemeinen Verfahren der Einbildungskraft, einem
B 180 Begriff sein Bild zu verschaffen, nenne ich das Schema zu diesem Begriffe.
In der Tat liegen unseren reinen sinnlichen Begriffen nicht Bilder der Gegenstände, sondern Schemate zum Grunde. Dem Begriffe von einem Triangel überhaupt würde gar kein Bild desselben jemals adäquat sein. Denn es würde die Allgemeinheit des Begriffs nicht erreichen, welche macht, daß dieser für alle, recht- oder schiefwinklige usw. gilt, sondern immer nur auf einen Teil dieser Sphäre eingeschränkt sein. Das Schema des Triangels kann niemals anderswo als in Gedanken existieren, und bedeutet eine Regel der Synthesis der Einbildungskraft, in Ansehung reiner Gestalten im Raume. Noch viel weniger erreicht ein Gegenstand der Erfahrung oder Bild desselben jemals den empirischen Begriff, sondern dieser bezieht sich jederzeit unmittelbar auf das Schema der Einbildungskraft, als eine Regel der Bestimmung unserer Anschauung, gemäß einem gewissen allgemeinen Begriffe. Der Begriff vorn Hunde bedeutet eine Regel, nach welcher meine Einbildungskraft die Gestalt eines vierfüßigen Tieres allgemein verzeichnen kann, ohne auf irgendeine einzige besondere Gestalt, die mir die Erfahrung darbietet, oder auch ein jedes mögliche Bild, was ich in concreto darstellen kann, eingeschränkt zu sein. Dieser Schematismus unseres Verstandes, in Ansehung der Erscheinungen und ihrer bloßen Form, ist eine verborgene Kunst in den Tiefen der menschlichen Seele, deren wahre
B 181 Handgriffe wir der Natur schwerlich jemals abraten, und sie unverdeckt vor Augen legen werden. So viel können wir nur sagen: das Bild ist ein Produkt des empirischen Vermögens der produktiven Einbildungskraft, das Schema sinnlicher Begriffe (als der Figuren im Raume) ein Produkt und gleichsam ein Monogramm der reinen Einbildungskraft a priori, wodurch und wonach die Bilder allererst möglich werden, die aber mit dem Begriffe nur immer vermittelst des Schema, welches sie bezeichnen, verknüpft werden müssen, und an sich demselben nicht völlig kongruieren. Dagegen ist das Schema eines reinen Verstandesbegriffs etwas, was in gar kein Bild gebracht werden kann, sondern ist nur die reine Synthesis, gemäß einer Regel der Einheit nach Begriffen überhaupt, die die Kategorie ausdrückt, und ist ein transzendentales Produkt der Einbildungskraft, welches die Bestimmung des inneren Sinnes überhaupt, nach Bedingungen ihrer Form, (der Zeit,) in Ansehung aller Vorstellungen, betrifft, sofern diese der Einheit der Apperzeption gemäß a priori in einem Begriff zusammenhängen sollten.
Ohne uns nun bei einer trockenen und langweiligen Zergliederung dessen, was zu transzendentalen Schematen reiner Verstandesbegriffe überhaupt erfordert wird, aufzuhalten, wollen wir sie lieber nach der Ordnung der Kategorien und in Verknüpfung mit diesen darstellen.
B 182 Das reine Bild aller Größen (quantorum) vor dem äußeren Sinne, ist der Raum; aller Gegenstände der Sinne aber überhaupt, die Zeit. Das reine Schema der Größe aber (quantitatis), als eines Begriffs des Verstandes, ist die Zahl, welche eine Vorstellung ist, die die sukzessive Addition von Einem zu Einem (gleichartigen) zusammenbefaßt. Also ist die Zahl nichts anderes, als die Einheit der Synthesis des Mannigfaltigen einer gleichartigen Anschauung überhaupt, dadurch, daß ich die Zeit selbst in der Apprehension der Anschauung erzeuge.
Realität ist im reinen Verstandesbegriffe das, was einer Empfindung überhaupt korrespondiert; dasjenige also, dessen Begriff an sich selbst ein Sein (in der Zeit) anzeigt; Negation, dessen Begriff ein Nichtsein (in der Zeit) vorstellt. Die Entgegensetzung beider geschieht also in dem Unterschiede derselben Zeit, als einer erfüllten, oder leeren Zeit. Da die Zeit nur die Form der Anschauung, mithin der Gegenstände, als Erscheinungen, ist, so ist das, was an diesen der Empfindung entspricht, die transzendentale Materie aller Gegenstände, als Dinge an sich (die Sachheit, Realität). Nun hat jede Empfindung einen Grad oder Größe, wodurch sie dieselbe Zeit, d.i. den inneren Sinn in Ansehung derselben Vorstellung eines Gegenstandes, mehr oder weniger erfüllen kann, bis sie in Nichts (= 0 = negatio) aufhört. Daher ist ein Verhältnis und Zusammenhang oder
B 183 vielmehr ein Übergang von Realität zur Negation, welcher jede Realität als ein Quantum vorstellig macht, und das Schema einer Realität, als der Quantität von Etwas, sofern es die Zeit erfüllt, ist eben diese kontinuierliche und gleichförmige Erzeugung derselben in der Zeit, indem man von der Empfindung, die einen gewissen Grad hat, in der Zeit bis zum Verschwinden derselben hinabgeht, oder von der Negation zu der Größe derselben allmählich aufsteigt.
Das Schema der Substanz ist die Beharrlichkeit des Realen in der Zeit, d.i. die Vorstellung desselben, als eines Substratum der empirischen Zeitbestimmung überhaupt, welches also bleibt, indem alles andere wechselt. (Die Zeit verläuft sich nicht, sondern in ihr verläuft sich das Dasein des Wandelbaren. Der Zeit also, die selbst unwandelbar und bleibend ist, korrespondiert in der Erscheinung das Unwandelbare im Dasein, d.i. die Substanz, und bloß an ihr kann die Folge und das Zugleichsein der Erscheinungen der Zeit nach bestimmt werden.)
Das Schema der Ursache und der Kausalität eines Dinges überhaupt ist das Reale, worauf, wenn es nach Belieben gesetzt wird, jederzeit etwas anderes folgt. Es besteht also in der Sukzession des Mannigfaltigen, insofern sie einer Regel unterworfen ist.
Das Schema der Gemeinschaft (Wechselwirkung), oder der wechselseitigen Kausalität der Substanzen in Ansehung ihrer Akzidenzen, ist das Zugleichsein der
B 184 Bestimmungen der Einen, mit denen der Anderen, nach einer allgemeinen Regel.
Das Schema der Möglichkeit ist die Zusammenstimmung der Synthesis verschiedener Vorstellungen mit den Bedingungen der Zeit überhaupt (z.B. da das Entgegengesetzte in einem Dinge nicht zugleich, sondern nur nacheinander sein kann,) also die Bestimmung der Vorstellung eines Dinges zu irgendeiner Zeit.
Das Schema der Wirklichkeit ist das Dasein in einer bestimmten Zeit.
Das Schema der Notwendigkeit ist das Dasein eines Gegenstandes zu aller Zeit.
Man sieht nun aus allem diesem, daß das Schema einer jeden Kategorie, als das der Größe, die Erzeugung, (Synthesis) der Zeit selbst, in der sukzessiven Apprehension eines Gegenstandes, das Schema der Qualität die Synthesis der Empfindung (Wahrnehmung) mit der Vorstellung der Zeit, oder die Erfüllung der Zeit, das der Relation das Verhältnis der Wahrnehmungen untereinander zu aller Zeit (d.i. nach einer Regel der Zeitbestimmung), endlich das Schema der Modalität und ihrer Kategorien, die Zeit selbst, als das Korrelatum der Bestimmung eines Gegenstandes, ob und wie er zur Zeit gehöre, enthalte und vorstellig mache. Die Schemate sind daher nichts als Zeitbestimmungen a priori nach Regeln, und diese gehen nach der Ordnung der Kategorien, auf die Zeitreihe, den Zeitinhalt, die
B 185 Zeitordnung, endlich den Zeitinbegriff in Ansehung aller möglichen Gegenstände.
Hieraus erhellt nun, daß der Schematismus des Verstandes durch die transzendentale Synthesis der Einbildungskraft auf nichts anderes, als die Einheit alles Mannigfaltigen der Anschauung in dem inneren Sinne, und so indirekt auf die Einheit der Apperzeption, als Funktion, welche dem inneren Sinn (einer Rezeptivität) korrespondiert, hinauslaufe. Also sind die Schemate der reinen Verstandesbegriffe die wahren und einzigen Bedingungen, diesen eine Beziehung auf Objekte, mithin Bedeutung zu verschaffen, und die Kategorien sind daher am Ende von keinem anderen, als einem möglichen empirischen Gebrauche, indem sie bloß dazu dienen, durch Gründe einer a priori notwendigen Einheit (wegen der notwendigen Vereinigung alles Bewußtseins in einer ursprünglichen Apperzeption) Erscheinungen allgemeinen Regeln der Synthesis zu unterwerfen, und sie dadurch zur durchgängigen Verknüpfung in einer Erfahrung schicklich zu machen.
In dem Ganzen aller möglichen Erfahrung liegen aber alle unsere Erkenntnisse, und in der allgemeinen Beziehung auf dieselbe besteht die transzendentale Wahrheit, die vor aller empirischen vorhergeht, und sie möglich macht.
Es fällt aber doch auch in die Augen: daß, obgleich die Schemate der Sinnlichkeit die Kategorien allererst
B 186 realisieren, sie doch selbige gleichwohl auch restringieren, d.i. auf Bedingungen einschränken, die außer dem Verstande liegen (nämlich in der Sinnlichkeit). Daher ist das Schema eigentlich nur das Phänomenon, oder der sinnliche Begriff eines Gegenstandes, in Übereinstimmung mit der Kategorie. (Numerus est quantitas phaenomenon, sensatio realitas phaenomenon, constans et perdurabile rerum substantia phaenomenon - - aeternitas, necessitas, phaenomena usw.) Wenn wir nun eine restringierende Bedingung weglassen, so amplifizieren wir, wie es scheint, den vorher eingeschränkten Begriff; so sollten die Kategorien in ihrer reinen Bedeutung, ohne alle Bedingungen der Sinnlichkeit, von Dingen überhaupt gelten, wie sie sind, anstatt, daß ihre Schemate sie nur vorstellen, wie sie erscheinen, jene also eine von allen Schematen unabhängige und viel weiter erstreckte Bedeutung haben. In der Tat bleibt den reinen Verstandesbegriffen allerdings, auch nach Absonderung aller sinnlichen Bedingung, eine, aber nur logische Bedeutung der bloßen Einheit der Vorstellungen, denen aber kein Gegenstand, mithin auch keine Bedeutung gegeben wird, die einen Begriff vom Objekt abgeben könnte. So würde z.B. Substanz, wenn man die sinnliche Bestimmung der Beharrlichkeit wegließe, nichts weiter als ein Etwas bedeuten, das als Subjekt (ohne ein Prädikat von etwas anderem zu sein) gedacht werden kann. Aus dieser Vorstellung kann ich nun nichts machen, indem sie mir
B 187 gar nicht anzeigt, welche Bestimmungen das Ding hat, welches als ein solches erstes Subjekt gelten soll. Also sind die Kategorien, ohne Schemate, nur Funktionen des Verstandes zu Begriffen, stellen aber keinen Gegenstand vor. Diese Bedeutung kommt ihnen von der Sinnlichkeit, die den Verstand realisiert, indem sie ihn zugleich restringiert.
Der transzendentalen Doktrin der Urteilskraft (oder Analytik der Grundsätze) Zweites Hauptstück
System aller Grundsätze des reinen Verstandes
Wir haben in dem vorigen Hauptstücke die transzendentale Urteilskraft nur nach den allgemeinen Bedingungen erwogen, unter denen sie allein die reinen Verstandesbegriffe zu synthetischen Urteilen zu brauchen befugt ist. Jetzt ist unser Geschäft: die Urteile, die der Verstand unter dieser kritischen Vorsicht wirklich a priori zustande bringt, in systematischer Verbindung darzustellen, wozu uns ohne Zweifel unsere Tafel der Kategorien die natürliche und sichere Leitung geben muß. Denn diese sind es eben, deren Beziehung auf mögliche Erfahrung alle reine Verstandeserkenntnis a priori ausmachen muß, und deren Verhältnis zur Sinnlichkeit überhaupt
B 188 um deswillen alle transzendentalen Grundsätze des Verstandesgebrauchs vollständig und in einem System darlegen wird.
Grundsätze a priori führen diesen Namen nicht bloß deswegen, weil sie die Gründe anderer Urteile in sich enthalten, sondern auch weil sie selbst nicht in höheren und allgemeineren Erkenntnissen gegründet sind. Diese Eigenschaft überhebt sie doch nicht allemal eines Beweises. Denn obgleich dieser nicht weiter objektiv geführt werden könnte, sondern vielmehr alle Erkenntnis seines Objekts zum Grunde liegt, so hindert dies doch nicht, daß nicht ein Beweis, aus den subjektiven Quellen der Möglichkeit einer Erkenntnis des Gegenstandes überhaupt, zu schaffen möglich, ja auch nötig wäre, weil der Satz sonst gleichwohl den größten Verdacht einer bloß erschlichenen Behauptung auf sich haben würde.
Zweitens werden wir uns bloß auf diejenigen Grundsätze, die sich auf die Kategorien beziehen, einschränken. Die Prinzipien der transzendentalen Ästhetik, nach welchen Raum und Zeit die Bedingungen der Möglichkeit aller Dinge als Erscheinungen sind, imgleichen die Restriktion dieser Grundsätze: daß sie nämlich nicht auf Dinge an sich selbst bezogen werden können, gehören also nicht in unser abgestochenes Feld der Untersuchung. Ebenso machen die mathematischen Grundsätze keinen Teil dieses Systems aus, weil sie nur aus der Anschauung, aber nicht aus dem reinen
B 189 Verstandesbegriffe gezogen sind; doch wird die Möglichkeit derselben, weil sie gleichwohl synthetische Urteile a priori sind, hier notwendig Platz finden, zwar nicht, um ihre Richtigkeit und apodiktische Gewißheit zu beweisen, welches sie gar nicht nötig haben, sondern nur die Möglichkeit solcher evidenten Erkenntnisse a priori begreiflich zu machen und zu deduzieren.
Wir werden aber auch von dem Grundsatze analytischer Urteile reden müssen, und dieses zwar im Gegensatz mit der synthetischen, als mit welchen wir uns eigentlich beschäftigen, weil eben diese Gegenstellung die Theorie der letzteren von allem Mißverstande befreit, und sie in ihrer eigentümlichen Natur deutlich vor Augen legt.
Das System der Grundsätze des reinen Verstandes Erster Abschnitt Von dem obersten Grundsatze aller analytischen Urteile
Von welchem Inhalt auch unsere Erkenntnis sei, und wie sie sich auf das Objekt beziehen mag, so ist doch die allgemeine, obzwar nur negative Bedingung aller unserer Urteile überhaupt, daß sie sich nicht selbst widersprechen; widrigenfalls diese Urteile an sich selbst (auch ohne Rücksicht aufs Objekt) nichts sind. Wenn aber
B 190 auch gleich in unserem Urteile kein Widerspruch ist, so kann es dem ungeachtet doch Begriffe so verbinden, wie es der Gegenstand nicht mit sich bringt, oder auch, ohne daß uns irgendein Grund weder a priori noch a posteriori gegeben ist, welcher ein solches Urteil berechtigte, und so kann ein Urteil bei allem dem, daß es von allem inneren Widerspruche frei ist, doch entweder falsch oder grundlos sein.
Der Satz nun: Keinem Dinge kommt ein Prädikat zu, welches ihm widerspricht, heißt der Satz des Widerspruchs, und ist ein allgemeines, obzwar bloß negatives, Kriterium aller Wahrheit, gehört aber auch darum bloß in die Logik, weil er von Erkenntnissen, bloß als Erkenntnissen überhaupt, unangesehen ihres Inhalts gilt, und sagt: daß der Widerspruch sie gänzlich vernichte und aufhebe.
Man kann aber doch von demselben auch einen positiven Gebrauch machen, d.i. nicht bloß, um Falschheit und Irrtum (sofern es auf dem Widerspruch beruht) zu verbannen, sondern auch Wahrheit zu erkennen. Denn, wenn das Urteil analytisch ist, es mag nun verneinend oder bejahend sein, so muß dessen Wahrheit jederzeit nach dem Satze des Widerspruchs hinreichend können erkannt werden. Denn von dem, was in der Erkenntnis des Objekts schon als Begriff liegt und gedacht wird, wird das Widerspiel jederzeit richtig verneint, der Begriff selber aber notwendig von ihm bejaht werden müssen,
B 191 darum, weil das Gegenteil desselben dem Objekte widersprechen würde.
Daher müssen wir auch den Satz des Widerspruchs als das allgemeine und völlig hinreichende Prinzipium aller analytischen Erkenntnis gelten lassen; aber weiter geht auch sein Ansehen und Brauchbarkeit nicht, als eines hinreichenden Kriterium der Wahrheit. Denn daß ihm gar keine Erkenntnis zuwider sein könne, ohne sich selbst zu vernichten, das macht diesen Satz wohl zur conditio sine qua non, aber nicht zum Bestimmungsgrunde der Wahrheit unserer Erkenntnis. Da wir es nun eigentlich nur mit dem synthetischen Teile unserer Erkenntnis zu tun haben, so werden wir zwar jederzeit bedacht sein, diesem unverletzlichen Grundsatz niemals zuwider zu handeln, von ihm aber, in Ansehung der Wahrheit von dergleichen Art der Erkenntnis, niemals einigen Aufschluß gewärtigen können.
Es ist aber doch eine Formel dieses berühmten, obzwar von allem Inhalt entblößten und bloß formalen Grundsatzes, die eine Synthesis enthält, welche aus Unvorsichtigkeit und ganz unnötigerweise in ihr gemischt worden. Sie heißt: es ist unmöglich, daß etwas zugleich sei und nicht sei. Außer dem, daß hier die apodiktische Gewißheit (durch das Wort unmöglich) überflüssigerweise angehängt worden, die sich doch von selbst aus dem Satz muß verstehen lassen, so ist der Satz durch die Bedingung der Zeit affiziert, und sagt gleichsam: Ein
B 192 Ding = A, welches etwas = B ist, kann nicht zu gleicher Zeit non B sein; aber es kann gar wohl beides (B sowohl, als non B) nacheinander sein. Z.B. ein Mensch, der jung ist, kann nicht zugleich alt sein; ebenderselbe kann aber sehr wohl zu einer Zeit jung, zur anderen nicht-jung, d.i. alt sein. Nun muß der Satz des Widerspruchs, als ein bloß logischer Grundsatz, seine Aussprüche gar nicht auf die Zeitverhältnisse einschränken, daher ist eine solche Formel der Absicht desselben ganz zuwider. Der Mißverstand kommt bloß daher: daß man ein Prädikat eines Dinges zuvörderst von dem Begriff desselben absondert, und nachher sein Gegenteil mit diesem Prädikate verknüpft, welches niemals einen Widerspruch mit dem Subjekte, sondern nur mit dessen Prädikate, welches mit jenem synthetisch verbunden worden, abgibt, und zwar nur dann, wenn das erste und zweite Prädikat zu gleicher Zeit gesetzt werden. Sage ich, ein Mensch, der ungelehrt ist, ist nicht gelehrt, so muß die Bedingung: zugleich, dabei stehen, denn der, so zu einer Zeit ungelehrt ist, kann zu einer anderen gar wohl gelehrt sein. Sage ich aber, kein ungelehrter Mensch ist gelehrt, so ist der Satz analytisch, weil das Merkmal (der Ungelehrtheit) nunmehr den Begriff des Subjekts mit ausmacht, und alsdann erhellt der verneinende Satz unmittelbar aus dem Satze des Widerspruchs, ohne daß die Bedingung: zugleich, hinzukommen darf. Dieses ist denn auch die Ursache, weswegen ich oben die Formel
B 193 desselben so verändert habe, daß die Natur eines analytischen Satzes dadurch deutlich ausgedrückt wird.
Des Systems der Grundsätze des reinen Verstandes Zweiter Abschnitt Von dem obersten Grundsatze aller synthetischen Urteile
Die Erklärung der Möglichkeit synthetischer Urteile, ist eine Aufgabe, mit der die allgemeine Logik gar nichts zu schaffen hat, die auch sogar ihren Namen nicht einmal kennen darf. Sie ist aber in einer transzendentalen Logik das wichtigste Geschäft unter allen, und sogar das einzige, wenn von der Möglichkeit synthetischer Urteile a priori die Rede ist, imgleichen den Bedingungen und dem Umfange ihrer Gültigkeit. Denn nach Vollendung desselben, kann sie ihrem Zwecke, nämlich den Umfang und die Grenzen des reinen Verstandes zu bestimmen, vollkommen ein Genüge tun.
Im analytischen Urteile bleibe ich bei dem gegebenen Begriffe, um etwas von ihm auszumachen. Soll es bejahend sein, so lege ich diesem Begriffe nur dasjenige bei, was in ihm schon gedacht war; soll es verneinend sein, so schließe ich nur das Gegenteil desselben von ihm aus. In synthetischen Urteilen aber soll ich aus dem gegebenen Begriff hinausgehen, um etwas ganz anderes, als in ihm gedacht war, mit demselben im Verhältnis zu
B 194 betrachten, welches daher niemals, weder ein Verhältnis der Identität, noch des Widerspruchs ist, und wobei dem Urteile an ihm selbst weder die Wahrheit, noch der Irrtum angesehen werden kann.
Also zugegeben: daß man aus einem gegebenen Begriffe hinausgehen müsse, um ihn mit einem anderen synthetisch zu vergleichen, so ist ein Drittes nötig, worin allein die Synthesis zweier Begriffe entstehen kann. Was ist nun aber dieses Dritte, als das Medium aller synthetischen Urteile? Es ist nur ein Inbegriff, darin alle unsere Vorstellungen enthalten sind, nämlich der innere Sinn, und die Form desselben a priori, die Zeit. Die Synthesis der Vorstellungen beruht auf der Einbildungskraft, die synthetische Einheit derselben aber (die zum Urteile erforderlich ist) auf der Einheit der Apperzeption. Hierin wird also die Möglichkeit synthetischer Urteile, und da alle drei die Quellen zu Vorstellungen a priori enthalten, auch die Möglichkeit reiner synthetischer Urteile zu suchen sein, ja sie werden sogar aus diesen Gründen notwendig sein, wenn eine Erkenntnis von Gegenständen zustande kommen soll, die lediglich auf der Synthesis der Vorstellungen beruht.
Wenn eine Erkenntnis objektive Realität haben, d.i. sich auf einen Gegenstand beziehen, und in demselben Bedeutung und Sinn haben soll, so muß der Gegenstand auf irgendeine Art gegeben werden können. Ohne das sind die Begriffe leer, und man hat dadurch zwar gedacht,
B 195 in der Tat aber durch dieses Denken nichts erkannt, sondern bloß mit Vorstellungen gespielt. Einen Gegenstand geben, wenn dieses nicht wiederum nur mittelbar gemeint sein soll, sondern unmittelbar in der Anschauung darstellen, ist nichts anderes, als dessen Vorstellung auf Erfahrung (es sei wirkliche oder doch mögliche) beziehen. Selbst der Raum und die Zeit, so rein diese Begriffe auch von allem Empirischen sind, und so gewiß es auch ist, daß sie völlig a priori im Gemüte vorgestellt werden, würden doch ohne objektive Gültigkeit und ohne Sinn und Bedeutung sein, wenn ihr notwendiger Gebrauch an den Gegenständen der Erfahrung nicht gezeigt würde, ja ihre Vorstellung ist ein bloßes Schema, das sich immer auf die reproduktive Einbildungskraft bezieht, welche die Gegenstände der Erfahrung herbeiruft, ohne die sie keine Bedeutung haben würden; und so ist es mit allen Begriffen ohne Unterschied.
Die Möglichkeit der Erfahrung ist also das, was allen unseren Erkenntnissen a priori objektive Realität gibt. Nun beruht Erfahrung auf der synthetischen Einheit der Erscheinungen, d.i. auf einer Synthesis nach Begriffen vom Gegenstande der Erscheinungen überhaupt, ohne welche sie nicht einmal Erkenntnis, sondern eine Rhapsodie von Wahrnehmungen sein würde, die sich in keinem Kontext nach Regeln eines durchgängig verknüpften (möglichen) Bewußtseins, mithin auch nicht zur transzendentalen und notwendigen Einheit der Apperzeption,
B 196 zusammen schicken würden. Die Erfahrung hat also Prinzipien ihrer Form a priori zum Grunde liegen, nämlich allgemeine Regeln der Einheit in der Synthesis der Erscheinungen, deren objektive Realität, als notwendige Bedingungen, jederzeit in der Erfahrung, ja sogar ihrer Möglichkeit gewiesen werden kann. Außer dieser Beziehung aber sind synthetische Sätze a priori gänzlich unmöglich, weil sie kein Drittes, nämlich reinen Gegenstand haben, an dem die synthetische Einheit ihrer Begriffe objektive Realität dartun könnte.
Ob wir daher gleich vom Raume überhaupt, oder den Gestalten, welche die produktive Einbildungskraft in ihm verzeichnet, so vieles a priori in synthetischen Urteilen erkennen, so, daß wir wirklich hierzu gar keiner Erfahrung bedürfen; so würde doch dieses Erkenntnis gar nichts, sondern die Beschäftigung mit einem bloßen Hirngespinst sein, wäre der Raum nicht, als Bedingung der Erscheinungen, welche den Stoff zur äußeren Erfahrung ausmachen, anzusehen; daher sich jene reinen synthetischen Urteile, obzwar nur mittelbar, auf mögliche Erfahrung oder vielmehr auf dieser ihre Möglichkeit selbst beziehen, und darauf allein die objektive Gültigkeit ihrer Synthesis gründen.
Da also Erfahrung, als empirische Synthesis, in ihrer Möglichkeit die einzige Erkenntnisart ist, welche aller anderen Synthesis Realität gibt, so hat diese als Erkenntnis a priori auch nur dadurch Wahrheit,
B 197 (Einstimmung mit dem Objekt,) daß sie nichts weiter enthält, als was zur synthetischen Einheit der Erfahrung überhaupt notwendig ist.
Das oberste Principium aller synthetischen Urteile ist also: ein jeder Gegenstand steht unter den notwendigen Bedingungen der synthetischen Einheit des Mannigfaltigen der Anschauung in einer möglichen Erfahrung.
Auf solche Weise sind synthetische Urteile a priori möglich, wenn wir die formalen Bedingungen der Anschauung a priori, die Synthesis der Einbildungskraft, und die notwendige Einheit derselben in einer transzendentalen Apperzeption, auf ein mögliches Erfahrungserkenntnis überhaupt beziehen, und sagen: die Bedingungen der Möglichkeit der Erfahrung überhaupt sind zugleich Bedingungen der Möglichkeit der Gegenstände der Erfahrung, und haben darum objektive Gültigkeit in einem synthetischen Urteile a priori.
Des Systems der Grundsätze des reinen Verstandes Dritter Abschnitt Systematische Vorstellung aller synthetischen Grundsätze desselben
Daß überhaupt irgendwo Grundsätze stattfinden, das ist lediglich dem reinen Verstande zuzuschreiben, der nicht allein das Vermögen der Regeln ist, in
B 198 Ansehung dessen, was geschieht, sondern selbst der Quell der Grundsätze, nach welchem alles (was uns nur als Gegenstand vorkommen kann) notwendig unter Regeln steht, weil, ohne solche, den Erscheinungen niemals Erkenntnis eines ihnen korrespondierenden Gegenstandes zukommen könnte. Selbst Naturgesetze, wenn sie als Grundgesetze des empirischen Verstandesgebrauchs betrachtet werden, führen zugleich einen Ausdruck der Notwendigkeit, mithin wenigstens die Vermutung einer Bestimmung aus Gründen, die a priori und vor aller Erfahrung gültig sind, bei sich. Aber ohne Unterschied stehen alle Gesetze der Natur unter höheren Grundsätzen des Verstandes, indem sie diese nur auf besondere Fälle der Erscheinung anwenden. Diese allein geben also den Begriff, der die Bedingung und gleichsam den Exponenten zu einer Regel überhaupt enthält, Erfahrung aber gibt den Fall, der unter der Regel steht.
Daß man bloß empirische Grundsätze für Grundsätze des reinen Verstandes, oder auch umgekehrt ansehe, deshalb kann wohl eigentlich keine Gefahr sein; denn die Notwendigkeit nach Begriffen, welche die letztere auszeichnet, und deren Mangel in jedem empirischen Satze, so allgemein er auch gelten mag, leicht wahrgenommen wird, kann diese Verwechslung leicht verhüten. Es gibt aber reine Grundsätze a priori, die ich gleichwohl doch nicht dem reinen Verstande eigentümlich beimessen möchte, darum, weil sie nicht aus reinen Begriffen,
B 199 sondern aus reinen Anschauungen (obgleich vermittelst des Verstandes) gezogen sind; Verstand ist aber das Vermögen der Begriffe. Die Mathematik hat dergleichen, aber ihre Anwendung auf Erfahrung, mithin ihre objektive Gültigkeit, ja die Möglichkeit solcher synthetischer Erkenntnis a priori (die Deduktion derselben) beruht doch immer auf dem reinen Verstande.
Daher werde ich unter meine Grundsätze die der Mathematik nicht mitzählen, aber wohl diejenigen, worauf sich dieser ihre Möglichkeit und objektive Gültigkeit a priori gründet, und die mithin als Principium dieser Grundsätze anzusehen sind, und von Begriffen zur Anschauung, nicht aber von der Anschauung zu Begriffen ausgehen.
In der Anwendung der reinen Verstandesbegriffe auf mögliche Erfahrung ist der Gebrauch ihrer Synthesis entweder mathematisch, oder dynamisch: denn sie geht teils bloß auf die Anschauung, teils auf das Dasein einer Erscheinung überhaupt. Die Bedingungen a priori der Anschauung sind aber in Ansehung einer möglichen Erfahrung durchaus notwendig, die des Daseins der Objekte einer möglichen empirischen Anschauung an sich nur zufällig. Daher werden die Grundsätze des mathematischen Gebrauchs unbedingt notwendig d.i. apodiktisch lauten, die aber des dynamischen Gebrauchs werden zwar auch den Charakter einer Notwendigkeit a priori, aber nur unter der Bedingung des empirischen Denkens in einer Erfahrung, mithin nur mittelbar und
B 200 indirekt bei sich führen, folglich diejenige unmittelbare Evidenz nicht enthalten, (obzwar ihrer auf Erfahrung allgemein bezogenen Gewißheit unbeschadet,) die jenen eigen ist. Doch dies wird sich beim Schlusse dieses Systems von Grundsätzen besser beurteilen lassen.
Die Tafel der Kategorien gibt uns die ganz natürliche Anweisung zur Tafel der Grundsätze, weil diese doch nichts anderes, als Regeln des objektiven Gebrauchs der ersteren sind. Alle Grundsätze des reinen Verstandes sind demnach
1 Axiome der Anschauung
2 Antizipationen der Wahrnehmung
3 Analogien der Erfahrung
4 Postulate des empirischen Denkens überhaupt
Diese Benennungen habe ich mit Vorsicht gewählt, um die Unterschiede in Ansehung der Evidenz und der Ausübung dieser Grundsätze nicht unbemerkt zu lassen. Es wird sich aber bald zeigen: daß, was sowohl die
B 201 Evidenz, als die Bestimmung der Erscheinungen a priori, nach den Kategorien der Größe und der Qualität (wenn man lediglich auf die Form der letzteren acht hat) betrifft, die Grundsätze derselben sich darin von den zwei übrigen namhaft unterscheiden; indem jene einer intuitiven, diese aber einer bloß diskursiven, obzwar beiderseits einer völligen Gewißheit fähig sind. Ich werde daher jene die mathematischen, diese die dynamischen Grundsätze nennen*. Man wird aber wohl bemerken: daß ich
B 202 hier ebensowenig die Grundsätze der Mathematik in Einem Falle, als die Grundsätze der allgemeinen (physischen) Dynamik im anderen, sondern nur die des reinen Verstandes im Verhältnis auf den inneren Sinn (ohne Unterschied der darin gegebenen Vorstellungen) vor Augen habe, dadurch denn jene insgesamt ihre Möglichkeit bekommen. Ich benenne sie also mehr in Betracht der Anwendung, als um ihres Inhalts willen, und gehe nun zur Erwägung derselben in der nämlichen Ordnung, wie sie in der Tafel vorgestellt werden.
* Alle Verbindung (conjunctio) ist entweder Zusammensetzung (compositio) oder Verknüpfung (nexus). Die erstere ist die Synthesis des Mannigfaltigen, was nicht notwendig zueinander gehört, wie z.B. die zwei Triangel, darin ein Quadrat durch die Diagonale geteilt wird, für sich nicht notwendig zueinander gehören, und dergleichen ist die Synthesis des Gleichartigen in allem, was mathematisch erwogen werden kann, (welche Synthesis wiederum in die der Aggregation und Koalition eingeteilt werden kann, davon die erstere auf extensive, die andere auf intensive Größen gerichtet ist). Die zweite Verbindung (nexus) ist die Synthesis des Mannigfaltigen, sofern es notwendig zueinander gehört, wie z.B. das Akzidens zu irgendeiner Substanz, oder die Wirkung zu der Ursache, - mithin auch als ungleichartig doch a priori verbunden vorgestellt wird, welche Verbindung, weil sie nicht willkürlich ist, ich darum dynamisch nenne, weil sie die Verbindung des Daseins des Mannigfaltigen betrifft (die wiederum in die physische der Erscheinungen untereinander, und metaphysische, ihre Verbindung im Erkenntnisvermögen a priori, eingeteilt werden können).
1 Axiome der Anschauung
Das Prinzip derselben ist: Alle Anschauungen sind extensive Größen.
Beweis
Alle Erscheinungen enthalten, der Form nach, eine Anschauung im Raum und Zeit, welche ihnen insgesamt a priori zum Grunde liegt. Sie können also nicht anders apprehendiert, d.i. ins empirische Bewußtsein aufgenommen werden, als durch die Synthesis des Mannigfaltigen, wodurch die Vorstellungen eines bestimmten Raumes oder Zeit erzeugt werden, d.i. durch die Zusammensetzung des Gleichartigen und das Bewußtsein der
B 203 synthetischen Einheit dieses Mannigfaltigen (Gleichartigen). Nun ist das Bewußtsein des mannigfaltigen Gleichartigen in der Anschauung überhaupt, sofern dadurch die Vorstellung eines Objekts zuerst möglich wird, der Begriff einer Größe (quanti). Also ist selbst die Wahrnehmung eines Objekts, als Erscheinung, nur durch dieselbe synthetische Einheit des Mannigfaltigen der gegebenen sinnlichen Anschauung möglich, wodurch die Einheit der Zusammensetzung des mannigfaltigen Gleichartigen im Begriffe einer Größe gedacht wird; d.i. die Erscheinungen sind insgesamt Größen, und zwar extensive Größen, weil sie als Anschauungen im Raume oder der Zeit durch dieselbe Synthesis vorgestellt werden müssen, als wodurch Raum und Zeit überhaupt bestimmt werden.
Eine extensive Größe nenne ich diejenige, in welcher die Vorstellung der Teile die Vorstellung des Ganzen möglich macht, (und also notwendig vor dieser vorhergeht). Ich kann mir keine Linie, so klein sie auch sei, vorstellen, ohne sie in Gedanken zu ziehen, d.i. von einem Punkte alle Teile nach und nach zu erzeugen, und dadurch allererst diese Anschauung zu verzeichnen. Ebenso ist es auch mit jeder auch der kleinsten Zeit bewandt. Ich denke mir darin nur den sukzessiven Fortgang von einem Augenblick zum anderen, wo durch alle Zeitteile und deren Hinzutun endlich eine bestimmte Zeitgröße erzeugt wird. Da die bloße Anschauung an allen Erscheinungen entweder der Raum, oder die Zeit ist, so ist
B 204 jede Erscheinung als Anschauung eine extensive Größe, indem sie nur durch sukzessive Synthesis (von Teil zu Teil) in der Apprehension erkannt werden kann. Alle Erscheinungen werden demnach schon als Aggregate (Menge vorher gegebener Teile) angeschaut, welches eben nicht der Fall bei jeder Art Größen, sondern nur derer ist, die uns extensiv als solche vorgestellt und apprehendiert werden.
Auf diese sukzessive Synthesis der produktiven Einbildungskraft, in der Erzeugung der Gestalten, gründet sich die Mathematik der Ausdehnung (Geometrie) mit ihren Axiomen, welche die Bedingungen der sinnlichen Anschauung a priori ausdrücken, unter denen allein das Schema eines reinen Begriffs der äußeren Erscheinung zustande kommen kann; z.E. zwischen zwei Punkten ist nur eine gerade Linie möglich; zwei gerade Linien schließen keinen Raum ein usw. Dies sind die Axiome, welche eigentlich nur Größen (quanta) als solche betreffen.
Was aber die Größe, (quantitas) d.i. die Antwort auf die Frage: wie groß etwas sei? betrifft, so gibt es in Ansehung derselben, obgleich verschiedene dieser Sätze synthetisch und unmittelbar gewiß (indemonstrabilia) sind, dennoch im eigentlichen Verstande keine Axiome. Denn daß gleiches zu gleichem hinzugetan, oder von diesem abgezogen, ein gleiches gebe, sind analytische Sätze, indem ich mir der Identität der einen
B 205 Größenerzeugung mit der anderen unmittelbar bewußt bin; Axiome aber sollen synthetische Sätze a priori sein. Dagegen sind die evidenten Sätze der Zahlverhältnis zwar allerdings synthetisch, aber nicht allgemein, wie die der Geometrie, und eben um deswillen auch nicht Axiome, sondern können Zahlformeln genannt werden. Daß 7+5=12 sei, ist kein analytischer Satz. Denn ich denke weder in der Vorstellung von 7, noch von 5, noch in der Vorstellung von der Zusammensetzung beider die Zahl 12, (daß ich diese in der Addition beider denken solle, davon ist hier nicht die Rede; denn bei dem analytischen Satze ist nur die Frage, ob ich das Prädikat wirklich in der Vorstellung des Subjekts denke). Ob er aber gleich synthetisch ist, so ist er doch nur ein einzelner Satz. Sofern hier bloß auf die Synthesis des Gleichartigen (der Einheiten) gesehen wird, so kann die Synthesis hier nur auf eine einzige Art geschehen, wiewohl der Gebrauch dieser Zahlen nachher allgemein ist. Wenn ich sage: durch drei Linien, deren zwei zusammengenommen größer sind, als die dritte, läßt sich ein Triangel zeichnen; so habe ich hier die bloße Funktion der produktiven Einbildungskraft, welche die Linien größer und kleiner ziehen, imgleichen nach allerlei beliebigen Winkeln kann zusammenstoßen lassen. Dagegen ist die Zahl 7 nur auf eine einzige Art möglich, und auch die Zahl 12, die durch die Synthesis der ersteren mit 5 erzeugt wird. Dergleichen Sätze muß man also nicht
B 206 Axiome, (denn sonst gäbe es deren unendliche,) sondern Zahlformeln nennen.
Dieser transzendentale Grundsatz der Mathematik der Erscheinungen gibt unserem Erkenntnis a priori große Erweiterung. Denn er ist es allein, welcher die reine Mathematik in ihrer ganzen Präzision auf Gegenstände der Erfahrung anwendbar macht, welches ohne diesen Grundsatz nicht so von selbst erhellen möchte, ja auch manchen Widerspruch veranlaßt hat. Erscheinungen sind keine Dinge an sich selbst. Die empirische Anschauung ist nur durch die reine (des Raumes und der Zeit) möglich; was also die Geometrie von dieser sagt, gilt auch ohne Widerrede von jener, und die Ausflüchte, als wenn Gegenstände der Sinne nicht den Regeln der Konstruktion im Raume (z.E. der unendlichen Teilbarkeit der Linien oder Winkel) gemäß sein dürfe, muß wegfallen. Denn dadurch spricht man dem Raume und mit ihm zugleich aller Mathematik objektive Gültigkeit ab, und weiß nicht mehr, warum und wie weit sie auf Erscheinungen anzuwenden sei. Die Synthesis der Räume und Zeiten, als der wesentlichen Form aller Anschauung, ist das, was zugleich die Apprehension der Erscheinung, mithin jede äußere Erfahrung, folglich auch alle Erkenntnis der Gegenstände derselben, möglich macht, und was die Mathematik im reinen Gebrauch von jener beweist, das gilt auch notwendig von dieser. Alle Einwürfe dawider sind nur Schikanen einer falsch
B 207 belehrten Vernunft, die irrigerweise die Gegenstände der Sinne von der formalen Bedingung unserer Sinnlichkeit loszumachen gedenkt, und sie, obgleich sie bloß Erscheinungen sind, als Gegenstände an sich selbst, dem Verstande gegeben, vorstellt; in welchem Falle freilich von ihnen a priori gar nichts, mithin auch nicht durch reine Begriffe vom Raume, synthetisch erkannt werden könnte, und die Wissenschaft, die diese bestimmt, nämlich die Geometrie, selbst nicht möglich sein würde.
2 Antizipationen der Wahrnehmung
Das Prinzip derselben ist: In allen Erscheinungen hat das Reale, was ein Gegenstand der Empfindung ist, intensive Größe, d.i. einen Grad.
Beweis
Wahrnehmung ist das empirische Bewußtsein, d.i. ein solches, in welchem zugleich Empfindung ist. Erscheinungen, als Gegenstände der Wahrnehmung, sind nicht reine (bloß formale) Anschauungen, wie Raum und Zeit, (denn die können an sich gar nicht wahrgenommen werden). Sie enthalten also über die Anschauung noch die Materien zu irgendeinem Objekte überhaupt (wodurch etwas Existierendes im Raume oder der Zeit vorgestellt wird), d.i. das Reale der Empfindung, also bloß subjektive Vorstellung, von der man sich nur bewußt werden kann, daß das Subjekt affiziert sei, und die man
B 208 auf ein Objekt überhaupt bezieht, in sich. Nun ist vom empirischen Bewußtsein zum reinen eine stufenartige Veränderung möglich, da das Reale desselben ganz verschwindet, und ein bloß formales Bewußtsein (a priori) des Mannigfaltigen im Raum und Zeit übrig bleibt: also auch eine Synthesis der Größenerzeugung einer Empfindung, von ihrem Anfange, der reinen Anschauung = 0, an, bis zu einer beliebigen Größe derselben. Da nun Empfindung an sich gar keine objektive Vorstellung ist und in ihr weder die Anschauung vom Raum, noch von der Zeit, angetroffen wird, so wird ihr zwar keine extensive, aber doch eine Größe (und zwar durch die Apprehension derselben, in welcher das empirische Bewußtsein in einer gewissen Zeit von nichts = 0 zu ihrem gegebenen Maße erwachsen kann), also eine intensive Größe zukommen, welcher korrespondierend allen Objekten der Wahrnehmung, sofern diese Empfindung enthält, intensive Größe, d.i. ein Grad des Einflusses auf den Sinn, beigelegt werden muß.
Man kann alle Erkenntnis, wodurch ich dasjenige, was zur empirischen Erkenntnis gehört, a priori erkennen und bestimmen kann, eine Antizipation nennen, und ohne Zweifel ist das die Bedeutung, in welcher Epikur seinen Ausdruck προληψις brauchte. Da aber an den Erscheinungen etwas ist, was niemals a priori erkannt wird, und welches daher auch den eigentlichen Unterschied des Empirischen von dem Erkenntnis a priori
B 209 ausmacht, nämlich die Empfindung (als Materie der Wahrnehmung), so folgt, daß diese es eigentlich sei, was gar nicht antizipiert werden kann. Dagegen würden wir die reinen Bestimmungen im Raume und der Zeit, sowohl in Ansehung der Gestalt, als Größe, Antizipationen der Erscheinungen nennen können, weil sie dasjenige a priori vorstellen, was immer a posteriori in der Erfahrung gegeben werden mag. Gesetzt aber, es finde sich doch etwas, was sich an jeder Empfindung, als Empfindung überhaupt, (ohne daß eine besondere gegeben sein mag,) a priori erkennen läßt; so würde dieses im ausnehmenden Verstande Antizipation genannt zu werden verdienen, weil es befremdlich scheint, der Erfahrung in demjenigen vorzugreifen, was gerade die Materie derselben angeht, die man nur aus ihr schöpfen kann. Und so verhält es sich hier wirklich.
Die Apprehension, bloß vermittelst der Empfindung, erfüllt nur einen Augenblick, (wenn ich nämlich nicht die Sukzession vieler Empfindungen in Betracht ziehe). Als etwas in der Erscheinung, dessen Apprehension keine sukzessive Synthesis ist, die von Teilen zur ganzen Vorstellung fortgeht, hat sie also keine extensive Größe; der Mangel der Empfindung in demselben Augenblicke würde diesen als leer vorstellen, mithin = 0. Was nun in der empirischen Anschauung der Empfindung korrespondiert, ist Realität (realitas phaenomenon); was dem Mangel derselben entspricht, Negation = 0. Nun ist aber jede
B 210 Empfindung einer Verringerung fähig, so daß sie abnehmen, und so allmählich verschwinden kann. Daher ist zwischen Realität in der Erscheinung und Negation ein kontinuierlicher Zusammenhang vieler möglichen Zwischenempfindungen, deren Unterschied voneinander immer kleiner ist, als der Unterschied zwischen der gegebenen und dem Zero, oder der gänzlichen Negation. Das ist: das Reale in der Erscheinung hat jederzeit eine Größe, welche aber nicht in der Apprehension angetroffen wird, indem diese vermittelst der bloßen Empfindung in einem Augenblicke und nicht durch sukzessive Synthesis vieler Empfindungen geschieht, und also nicht von den Teilen zum Ganzen geht; es hat also zwar eine Größe, aber keine extensive.
Nun nenne ich diejenige Größe, die nur als Einheit apprehendiert wird, und in welcher die Vielheit nur durch Annäherung zur Negation = 0 vorgestellt werden kann, die intensive Größe. Also hat jede Realität in der Erscheinung intensive Größe, d.i. einen Grad. Wenn man diese Realität als Ursache (es sei der Empfindung oder anderer Realität in der Erscheinung, z.B. einer Veränderung,) betrachtet; so nennt man den Grad der Realität als Ursache, ein Moment, z.B. das Moment der Schwere, und zwar darum, weil der Grad nur die Größe bezeichnet, deren Apprehension nicht sukzessiv, sondern augenblicklich ist. Dieses berühre ich aber hier nur beiläufig, denn mit der Kausalität habe ich für jetzt noch nicht zu tun.
B 211 So hat demnach jede Empfindung, mithin auch jede Realität in der Erscheinung, so klein sie auch sein mag, einen Grad, d.i. eine intensive Größe, die noch immer vermindert werden kann, und zwischen Realität und Negation ist ein kontinuierlicher Zusammenhang möglicher Realitäten, und möglicher kleinerer Wahrnehmungen. Eine jede Farbe, z. E. die rote, hat einen Grad, der, so klein er auch sein mag, niemals der kleinste ist, und so ist es mit der Wärme, dem Momente der Schwere usw. überall bewandt.
Die Eigenschaft der Größen, nach welcher an ihnen kein Teil der kleinstmögliche (kein Teil einfach) ist, heißt die Kontinuität derselben. Raum und Zeit sind quanta continua, weil kein Teil derselben gegeben werden kann, ohne ihn zwischen Grenzen (Punkten und Augenblicken) einzuschließen, mithin nur so, daß dieser Teil selbst wiederum ein Raum, oder eine Zeit ist. Der Raum besteht also nur aus Räumen, die Zeit aus Zeiten. Punkte und Augenblicke sind nur Grenzen, d.i. bloße Stellen ihrer Einschränkung; Stellen aber setzen jederzeit jene Anschauungen, die sie beschränken oder bestimmen sollen, voraus, und aus bloßen Stellen, als aus Bestandteilen, die noch vor dem Raume oder der Zeit gegeben werden könnten, kann weder Raum noch Zeit zusammengesetzt werden. Dergleichen Größen kann man auch fließende nennen, weil die Synthesis (der produktiven Einbildungskraft) in ihrer Erzeugung ein Fortgang in der Zeit ist, deren
B 212 Kontinuität man besonders durch den Ausdruck des Fließens (Verfließens) zu bezeichnen pflegt.
Alle Erscheinungen überhaupt sind demnach kontinuierliche Größen, sowohl ihrer Anschauung nach, als extensive, oder der bloßen Wahrnehmung (Empfindung und mithin Realität) nach, als intensive Größen. Wenn die Synthesis des Mannigfaltigen der Erscheinung unterbrochen ist, so ist dieses ein Aggregat von vielen Erscheinungen, und nicht eigentlich Erscheinung als ein Quantum, welches nicht durch die bloße Fortsetzung der produktiven Synthesis einer gewissen Art, sondern durch Wiederholung einer immer aufhörenden Synthesis erzeugt wird. Wenn ich 13 Taler ein Geldquantum nenne, so benenne ich es sofern richtig, als ich darunter den Gehalt von einer Mark fein Silber verstehe; welche aber allerdings eine kontinuierliche Größe ist, in welcher kein Teil der kleinste ist, sondern jeder Teil ein Geldstück ausmachen könnte, welches immer Materie zu noch kleineren enthielte. Wenn ich aber unter jener Benennung 13 runde Taler verstehe, als so viel Münzen, (ihr Silbergehalt mag sein, welcher er wolle,) so benenne ich es unschicklich durch ein Quantum von Talern, sondern muß es ein Aggregat, d.i. eine Zahl Geldstücke, nennen. Da nun bei aller Zahl doch Einheit zum Grunde liegen muß, so ist die Erscheinung als Einheit ein Quantum, und als ein solches jederzeit ein Kontinuum.
Wenn nun alle Erscheinungen, sowohl extensiv, als intensiv betrachtet, kontinuierliche Größen sind, so würde
B 213 der Satz: daß auch alle Veränderung (Übergang eines Dinges aus einem Zustande in den anderen) kontinuierlich sein, leicht und mit mathematischer Evidenz hier bewiesen werden können, wenn nicht die Kausalität einer Veränderung überhaupt ganz außerhalb den Grenzen einer Transzendental-Philosophie läge, und empirische Prinzipien voraussetzte. Denn daß eine Ursache möglich sei, welche den Zustand der Dinge verändere, d.i. sie zum Gegenteil eines gewissen gegebenen Zustandes bestimme, davon gibt uns der Verstand a priori gar keine Eröffnung, nicht bloß deswegen, weil er die Möglichkeit davon gar nicht einsieht, (denn diese Einsicht fehlt uns in mehreren Erkenntnissen a priori,) sondern weil die Veränderlichkeit nur gewisse Bestimmungen der Erscheinungen trifft, welche die Erfahrung allein lehren kann, indessen daß ihre Ursache in dem Unveränderlichen anzutreffen ist. Da wir aber hier nichts vor uns haben, dessen wir uns bedienen können, als die reinen Grundbegriffe aller möglichen Erfahrung, unter welchen durchaus nichts Empirisches sein muß; so können wir, ohne die Einheit des Systems zu verletzen, der allgemeinen Naturwissenschaft, welche auf gewisse Grunderfahrungen gebaut ist, nicht vorgreifen.
Gleichwohl mangelt es uns nicht an Beweistümern des großen Einflusses, den dieser unser Grundsatz hat, Wahrnehmungen zu antizipieren, und sogar deren Mangel sofern zu ergänzen, daß er allen falschen Schlüssen, die daraus gezogen werden möchten, den Riegel vorschiebt.
B 214 Wenn alle Realität in der Wahrnehmung einen Grad hat, zwischen dem und der Negation eine unendliche Stufenfolge immer minderer Grade stattfindet, und gleichwohl ein jeder Sinn einen bestimmten Grad der Rezeptivität der Empfindungen haben muß; so ist keine Wahrnehmung, mithin auch keine Erfahrung möglich, die einen gänzlichen Mangel alles Realen in der Erscheinung, es sei unmittelbar oder mittelbar, (durch welchen Umschweif im Schließen man immer wolle,) bewiese, d.i. es kann aus der Erfahrung niemals ein Beweis vom leeren Raume oder einer leeren Zeit gezogen werden. Denn der gänzliche Mangel des Realen in der sinnlichen Anschauung kann erstlich selbst nicht wahrgenommen werden, zweitens kann er aus keiner einzigen Erscheinung und dem Unterschiede des Grades ihrer Realität gefolgert, oder darf auch zur Erklärung derselben niemals angenommen werden. Denn wenn auch die ganze Anschauung eines bestimmten Raumes oder Zeit durch und durch real, d.i. kein Teil derselben leer ist; so muß es doch, weil jede Realität ihren Grad hat, der, bei unveränderter extensiver Größe der Erscheinung bis zum Nichts (dem Leeren) durch unendliche Stufen abnehmen kann, unendlich verschiedene Grade, mit welchen Raum oder Zeit erfüllt sei, geben, und die intensive Größe in verschiedenen Erscheinungen kleiner oder größer sein können, obschon die extensive Größe der Anschauung gleich ist.
B 215 Wir wollen ein Beispiel davon geben. Beinahe alle Naturlehrer, da sie einen großen Unterschied der Quantität der Materie von verschiedener Art unter gleichem Volumen (teils durch das Moment der Schwere, oder des Gewichts, teils durch das Moment des Widerstandes gegen andere bewegte Materien) wahrnehmen, schließen daraus einstimmig: dieses Volumen (extensive Größe der Erscheinung) müsse in allen Materien, obzwar in verschiedenem Maße, leer sein. Wer hätte aber von diesen größtenteils mathematischen und mechanischen Naturforschern sich wohl jemals einfallen lassen, daß sie diesen ihren Schluß lediglich auf eine metaphysische Voraussetzung, welche sie doch so sehr zu vermeiden vorgeben, gründeten? indem sie annehmen, daß das Reale im Raume (ich mag es hier nicht Undurchdringlichkeit oder Gewicht nennen, weil dieses empirische Begriffe sind), allerwärts einerlei sei, und sich nur der extensiven Größe d.i. der Menge nach unterscheiden könne. Dieser Voraussetzung, dazu sie keinen Grund in der Erfahrung haben konnten, und die also bloß metaphysisch ist, setze ich einen transzendentalen Beweis entgegen, der zwar den Unterschied in der Erfüllung der Räume nicht erklären soll, aber doch die vermeinte Notwendigkeit jener Voraussetzung, gedachten Unterschied nicht anders, als durch anzunehmende leere Räume, erklären zu können, völlig aufhebt, und das Verdienst hat, den Verstand wenigstens in Freiheit zu versetzen, sich diese Verschiedenheit auch auf andere Art zu
B 216 denken, wenn die Naturerklärung hierzu irgendeine Hypothese notwendig machen sollte. Denn da sehen wir, daß, obschon gleiche Räume von verschiedenen Materien vollkommen erfüllt sein mögen, so, daß in keinem von beiden ein Punkt ist, in welchem nicht ihre Gegenwart anzutreffen wäre, so habe doch jedes Reale bei derselben Qualität ihren Grad (des Widerstandes oder des Wiegens), welcher ohne Verminderung der extensiven Größe oder Menge ins Unendliche kleiner sein kann, ehe sie in das Leere übergeht, und verschwindet. So kann eine Ausspannung, die einen Raum erfüllt, z.B. Wärme, und auf gleiche Weise jede andere Realität (in der Erscheinung), ohne im mindesten den kleinsten Teil dieses Raumes leer zu lassen, in ihren Graden ins Unendliche abnehmen, und nichtsdestoweniger den Raum mit diesen kleineren Graden ebensowohl erfüllen, als eine andere Erscheinung mit größeren. Meine Absicht ist hier keineswegs, zu behaupten: daß dieses wirklich mit der Verschiedenheit der Materien, ihrer spezifischen Schwere nach, so bewandt sei, sondern nur aus einem Grundsatze des reinen Verstandes darzutun: daß die Natur unserer Wahrnehmungen eine solche Erklärungsart möglich mache, und daß man fälschlich das Reale der Erscheinung dem Grade nach als gleich, und nur der Aggregation und deren extensiven Größe nach als verschieden annehme, und dieses sogar, vorgeblichermaßen, durch einen Grundsatz des Verstandes a priori behaupte.
B 217 Es hat gleichwohl diese Antizipation der Wahrnehmung für einen der transzendentalen gewohnten und dadurch behutsam gewordenen Nachforscher, immer etwas Auffallendes an sich, und erregt darüber einiges Bedenken, daß der Verstand einen dergleichen synthetischen Satz, als der von dem Grad alles Realen in den Erscheinungen ist, und mithin der Möglichkeit des inneren Unterschiedes der Empfindung selbst, wenn man von ihrer empirischen Qualität abstrahiert, antizipieren könne; und es ist also noch eine der Auflösung nicht unwürdige Frage: wie der Verstand hierin synthetisch über Erscheinungen a priori aussprechen, und diese sogar in demjenigen, was eigentlich und bloß empirisch ist, nämlich die Empfindung angeht, antizipieren könne?
Die Qualität der Empfindung ist jederzeit bloß empirisch und kann a priori gar nicht vorgestellt werden, (z.B. Farben, Geschmack usw.). Aber das Reale, was den Empfindungen überhaupt korrespondiert, im Gegensatz mit der Negation = 0, stellt nur etwas vor, dessen Begriff an sich ein Sein enthält, und bedeutet nichts als die Synthesis in einem empirischen Bewußtsein überhaupt. In dem inneren Sinn nämlich kann das empirische Bewußtsein von 0 bis zu jedem größeren Grade erhöht werden, so daß eben dieselbe extensive Größe der Anschauung (z.B. erleuchtete Fläche) so große Empfindung erregt, als ein Aggregat von vielem anderen (minder erleuchteten) zusammen. Man kann also von der extensiven Größe der Erscheinung
B 218 gänzlich abstrahieren, und sich doch an der bloßen Empfindung in einem Moment eine Synthesis der gleichförmigen Steigerung von 0 bis zu dem gegebenen empirischen Bewußtsein vorstellen. Alle Empfindungen werden daher, als solche, zwar nur a posteriori gegeben, aber die Eigenschaft derselben, daß sie einen Grad haben, kann a priori erkannt werden. Es ist merkwürdig, daß wir an Größen überhaupt a priori nur eine einzige Qualität, nämlich die Kontinuität, an aller Qualität aber (dem Realen der Erscheinungen) nichts weiter a priori, als die intensive Quantität derselben, nämlich daß sie einen Grad haben, erkennen können, alles übrige bleibt der Erfahrung überlassen.
3 Analogien der Erfahrung
Das Prinzip derselben ist: Erfahrung ist nur durch die Vorstellung einer notwendigen Verknüpfung der Wahrnehmungen möglich.
Beweis
Erfahrung ist ein empirisches Erkenntnis, d.i. ein Erkenntnis, das durch Wahrnehmungen ein Objekt bestimmt. Sie ist also eine Synthesis der Wahrnehmungen, die selbst nicht in der Wahrnehmung enthalten ist, sondern die synthetische Einheit des Mannigfaltigen derselben in einem Bewußtsein enthält, welche das Wesentliche einer Erkenntnis der Objekte der Sinne, d.i. der Erfahrung (nicht
B 219 bloß der Anschauung oder Empfindung der Sinne) ausmacht. Nun kommen zwar in der Erfahrung die Wahrnehmungen nur zufälligerweise zueinander, so, daß keine Notwendigkeit ihrer Verknüpfung aus den Wahrnehmungen selbst erhellt, noch erhellen kann, weil Apprehension nur eine Zusammenstellung des Mannigfaltigen der empirischen Anschauung, aber keine Vorstellung von der Notwendigkeit der verbundenen Existenz der Erscheinungen, die sie zusammenstellt, im Raum und Zeit in derselben angetroffen wird. Da aber Erfahrung ein Erkenntnis der Objekte durch Wahrnehmungen ist, folglich das Verhältnis im Dasein des Mannigfaltigen, nicht wie es in der Zeit zusammengestellt wird, sondern wie es objektiv in der Zeit ist, in ihr vorgestellt werden soll, die Zeit selbst aber nicht wahrgenommen werden kann, so kann die Bestimmung der Existenz der Objekte in der Zeit nur durch ihre Verbindung in der Zeit überhaupt, mithin nur durch a priori verknüpfte Begriffe, geschehen. Da diese nun jederzeit zugleich Notwendigkeit bei sich führen, so ist Erfahrung nur durch eine Vorstellung der notwendigen Verknüpfung der Wahrnehmungen möglich.
Die drei modi der Zeit sind Beharrlichkeit, Folge und Zugleichsein. Daher werden drei Regeln aller Zeitverhältnisse der Erscheinungen, wonach jeder ihr Dasein in Ansehung der Einheit aller Zeit bestimmt werden kann, vor aller Erfahrung vorangehen, und diese allererst möglich machen.
B 220 Der allgemeine Grundsatz aller drei Analogien beruht auf der notwendigen Einheit der Apperzeption, in Ansehung alles möglichen empirischen Bewußtseins, (der Wahrnehmung,) zu jeder Zeit, folglich, da jene a priori zum Grunde liegt, auf der synthetischen Einheit aller Erscheinungen nach ihrem Verhältnisse in der Zeit. Denn die ursprüngliche Apperzeption bezieht sich auf den inneren Sinn (den Inbegriff aller Vorstellungen), und zwar a priori auf die Form desselben, d.i. das Verhältnis des mannigfaltigen empirischen Bewußtseins in der Zeit. In der ursprünglichen Apperzeption soll nun alle dieses Mannigfaltige, seinen Zeitverhältnissen nach, vereinigt werden; denn dieses sagt die transzendentale Einheit derselben a priori, unter welcher alles steht, was zu meinem (d.i. meinem einigen) Erkenntnisse gehören soll, mithin ein Gegenstand für mich werden kann. Diese synthetische Einheit in dem Zeitverhältnisse aller Wahrnehmungen, welche a priori bestimmt ist, ist also das Gesetz: daß alle empirischen Zeitbestimmungen unter Regeln der allgemeinen Zeitbestimmung stehen müssen, und die Analogien der Erfahrung, von denen wir jetzt handeln wollen, müssen dergleichen Regeln sein.
Diese Grundsätze haben das Besondere an sich, daß sie nicht die Erscheinungen, und die Synthesis ihrer empirischen Anschauung, sondern bloß das Dasein, und ihr Verhältnis untereinander in Ansehung dieses ihres Daseins, erwägen. Nun kann die Art, wie etwas in der
B 221 Erscheinung apprehendiert wird, a priori dergestalt bestimmt sein, daß die Regel ihrer Synthesis zugleich diese Anschauung a priori in jedem vorliegenden empirischen Beispiele geben, d.i. sie daraus zustande bringen kann. Allein das Dasein der Erscheinungen kann a priori nicht erkannt werden, und ob wir gleich auf diesem Wege dahin gelangen könnten, auf irgendein Dasein zu schließen, so würden wir dieses doch nicht bestimmt erkennen, d.i. das, wodurch seine empirische Anschauung sich von anderen unterschiede, antizipieren können.
Die vorigen zwei Grundsätze, welche ich die mathematischen nannte, in Betracht dessen, daß sie die Mathematik auf Erscheinungen anzuwenden berechtigten, gingen auf Erscheinungen ihrer bloßen Möglichkeit nach, und lehrten, wie sie sowohl ihrer Anschauung, als dem Realen ihrer Wahrnehmung nach, nach Regeln einer mathematischen Synthesis erzeugt werden könnten; daher sowohl bei der einen, als bei der anderen die Zahlgrößen, und, mit ihnen, die Bestimmung der Erscheinung als Größe, gebraucht werden können. So werde ich z.B. den Grad der Empfindungen des Sonnenlichts aus etwa 200 000 Erleuchtungen durch den Mond zusammensetzen und a priori bestimmt geben, d.i. konstruieren können. Daher können wir die ersteren Grundsätze konstitutive nennen.
Ganz anders muß es mit denen bewandt sein, die das Dasein der Erscheinungen a priori unter Regeln bringen sollen. Denn, da dieses sich nicht konstruieren läßt,
B 222 so werden sie nur auf das Verhältnis des Daseins gehen, und keine andere als bloß regulative Prinzipien abgeben können. Da ist also weder an Axiome, noch an Antizipationen zu denken, sondern, wenn uns eine Wahrnehmung in einem Zeitverhältnisse gegen andere (obzwar unbestimmte) gegeben ist, so wird a priori nicht gesagt werden können: welche andere und wie große Wahrnehmung, sondern, wie sie dem Dasein nach, in diesem modo der Zeit, mit jener notwendig verbunden sei. In der Philosophie bedeuten Analogien etwas sehr Verschiedenes von demjenigen, was sie in der Mathematik vorstellen. In dieser sind es Formeln, welche die Gleichheit zweier Größenverhältnisse aussagen, und jederzeit konstitutiv, so, daß, wenn zwei Glieder der Proportion gegeben sind, auch das dritte dadurch gegeben wird, d.i. konstruiert werden kann. In der Philosophie aber ist die Analogie nicht die Gleichheit zweier quantitativen, sondern qualitativen Verhältnisse, wo ich aus drei gegebenen Gliedern nur das Verhältnis zu einem vierten, nicht aber dieses vierte Glied selbst erkennen, und a priori geben kann, wohl aber eine Regel habe, es in der Erfahrung zu suchen, und ein Merkmal, es in derselben aufzufinden. Eine Analogie der Erfahrung wird also nur eine Regel sein, nach welcher aus Wahrnehmungen Einheit der Erfahrung (nicht wie Wahrnehmung selbst, als empirische Anschauung überhaupt) entspringen soll, und als Grundsatz von den Gegenständen (der Erscheinungen) nicht konstitutiv, sondern bloß
B 223 regulativ gelten. Ebendasselbe aber wird auch von den Postulaten des empirischen Denkens überhaupt, welche die Synthesis der bloßen Anschauung (der Form der Erscheinung), der Wahrnehmung (der Materie derselben), und der Erfahrung (des Verhältnisses dieser Wahrnehmungen) zusammen betreffen, gelten, nämlich daß sie nur regulative Grundsätze sind, und sich von den mathematischen, die konstitutiv sind, zwar nicht in der Gewißheit, welche in beiden a priori feststeht, aber doch in der Art der Evidenz, d.i. dem Intuitiven derselben (mithin auch der Demonstration) unterscheiden.
Was aber bei allen synthetischen Grundsätzen erinnert ward, und hier vorzüglich angemerkt werden muß, ist dieses: daß diese Analogien nicht als Grundsätze des transzendentalen, sondern bloß des empirischen Verstandesgebrauchs, ihre alleinige Bedeutung und Gültigkeit halben, mithin auch nur als solche bewiesen werden können, daß folglich die Erscheinungen nicht unter die Kategorien schlechthin, sondern nur unter ihre Schemate subsumiert werden müssen. Denn, wären die Gegenstände, auf welche diese Grundsätze bezogen werden sollen, Dinge an sich selbst, so wäre es ganz unmöglich, etwas von ihnen a priori synthetisch zu erkennen. Nun sind es nichts als Erscheinungen, deren vollständige Erkenntnis, auf die alle Grundsätze a priori zuletzt doch immer auslaufen müssen, lediglich die mögliche Erfahrung ist, folglich können jene nichts, als bloß die Bedingungen der Einheit des
B 224 empirischen Erkenntnisses in der Synthesis der Erscheinungen zum Ziele haben; diese aber wird nur allein in dem Schema des reinen Verstandesbegriffs gedacht, von deren Einheit, als einer Synthesis überhaupt, die Kategorie die durch keine sinnliche Bedingung restringierte Funktion enthält. Wir werden also durch diese Grundsätze die Erscheinungen nur nach einer Analogie, mit der logischen und allgemeinen Einheit der Begriffe, zusammenzusetzen berechtigt werden, und daher uns in dem Grundsatze selbst zwar der Kategorie bedienen, in der Ausführung aber (der Anwendung auf Erscheinungen) das Schema derselben, als den Schlüssel ihres Gebrauchs, an dessen Stelle, oder jener vielmehr, als restringierende Bedingung, unter dem Namen einer Formel des ersteren, zur Seite setzen.
A. Erste Analogie
Grundsatz der Beharrlichkeit der Substanz
Bei allem Wechsel der Erscheinungen beharrt die Substanz, und das Quantum derselben wird in der Natur weder vermehrt noch vermindert.
Beweis
Alle Erscheinungen sind in der Zeit, in welcher, als Substrat, (als beharrlicher Form der inneren Anschauung,) das Zugleichsein sowohl als die Folge allein vorgestellt werden kann. Die Zeit also in der aller
B 225 Wechsel der Erscheinungen gedacht werden soll, bleibt und wechselt nicht; weil sie dasjenige ist, in welchem das Nacheinander- oder Zugleichsein nur als Bestimmungen derselben vorgestellt werden können. Nun kann die Zeit für sich nicht wahrgenommen werden. Folglich muß in den Gegenständen der Wahrnehmung, d.i. den Erscheinungen, das Substrat anzutreffen sein, welches die Zeit überhaupt vorstellt, und an dem aller Wechsel oder Zugleichsein durch das Verhältnis der Erscheinungen zu demselben in der Apprehension wahrgenommen werden kann. Es ist aber das Substrat alles Realen, d.i. zur Existenz der Dinge Gehörigen, die Substanz, an welcher alles, was zum Dasein gehört, nur als Bestimmung kann gedacht werden. Folglich ist das Beharrliche, womit in Verhältnis alle Zeitverhältnisse der Erscheinungen allein bestimmt werden können, die Substanz in der Erscheinung, d.i. das Reale derselben, was als Substrat alles Wechsels immer dasselbe bleibt. Da diese also im Dasein nicht wechseln kann, so kann ihr Quantum in der Natur auch weder vermehrt noch vermindert werden.
Unsere Apprehension des Mannigfaltigen der Erscheinung ist jederzeit sukzessiv, und ist also immer wechselnd. Wir können also dadurch allein niemals bestimmen, ob dieses Mannigfaltige, als Gegenstand der Erfahrung, zugleich sei, oder nacheinander folge, wo an ihr nicht etwas zum Grunde liegt, was jederzeit ist, d.i. etwas Bleibendes und Beharrliches, von welchem aller
B 226 Wechsel und Zugleichsein nichts, als so viel Arten (modi der Zeit) sind, wie das Beharrliche existiert. Nur in dem Beharrlichen sind also Zeitverhältnisse möglich (denn Simultaneität und Sukzession sind die einzigen Verhältnisse in der Zeit), d.i. das Beharrliche ist das Substratum der empirischen Vorstellung der Zeit selbst, an welchem alle Zeitbestimmung allein möglich ist. Die Beharrlichkeit drückt überhaupt die Zeit, als das beständige Korrelatum alles Daseins der Erscheinungen, alles Wechsels und aller Begleitung, aus. Denn der Wechsel trifft die Zeit selbst nicht, sondern nur die Erscheinungen in der Zeit, (so wie das Zugleichsein nicht ein modus der Zeit selbst ist, als in welcher gar keine Teile zugleich, sondern alle nacheinander sind). Wollte man der Zeit selbst eine Folge nacheinander beilegen, so müßte man noch eine andere Zeit denken, in welcher diese Folge möglich wäre. Durch das Beharrliche allein bekommt das Dasein in verschiedenen Teilen der Zeitreihe nacheinander eine Größe, die man Dauer nennt. Denn in der bloßen Folge allein ist das Dasein immer verschwindend und anhebend, und hat niemals die mindeste Größe. Ohne dieses Beharrliche ist also kein Zeitverhältnis. Nun kann die Zeit an sich selbst nicht wahrgenommen werden; mithin ist dieses Beharrliche an den Erscheinungen das Substratum aller Zeitbestimmung, folglich auch die Bedingung der Möglichkeit aller synthetischen Einheit der Wahrnehmungen, d.i. der Erfahrung,
B 227 und an diesem Beharrlichen kann alles Dasein und aller Wechsel in der Zeit nur als ein modus der Existenz dessen, was bleibt und beharrt, angesehen werden. Also ist in allen Erscheinungen das Beharrliche der Gegenstand selbst, d.i. die Substanz (phaenomenon), alles aber, was wechselt, oder wechseln kann, gehört nur zu der Art, wie diese Substanz oder Substanzen existieren, mithin zu ihren Bestimmungen.
Ich finde, daß zu allen Zeiten nicht bloß der Philosoph, sondern selbst der gemeine Verstand diese Beharrlichkeit, als ein Substratum alles Wechsels der Erscheinungen, vorausgesetzt haben, und auch jederzeit als ungezweifelt annehmen werden, nur daß der Philosoph sich hierüber etwas bestimmter ausdrückt, indem er sagt: bei allen Veränderungen in der Welt bleibt die Substanz, und nur die Akzidenzen wechseln. Ich treffe aber von diesem so synthetischen Satze nirgends auch nur den Versuch von einem Beweise an, ja er steht auch nur selten, wie es ihm doch gebührt, an der Spitze der reinen und völlig a priori bestehenden Gesetze der Natur. In der Tat ist der Satz, daß die Substanz beharrlich sei, tautologisch. Denn bloß diese Beharrlichkeit ist der Grund, warum wir auf die Erscheinung die Kategorie der Substanz anwenden, und man hätte beweisen müssen, daß in allen Erscheinungen etwas Beharrliches sei, an welchem das Wandelbare nichts als Bestimmung seines Daseins ist. Da aber ein solcher Beweis niemals
B 228 dogmatisch, d.i. aus Begriffen, geführt werden kann, weil er einen synthetischen Satz a priori betrifft, und man niemals daran dachte, daß dergleichen Sätze nur in Beziehung auf mögliche Erfahrung gültig sind, mithin auch nur durch eine Deduktion der Möglichkeit der letzteren bewiesen werden können; so ist kein Wunder, wenn er zwar bei aller Erfahrung zum Grunde gelegt (weil man dessen Bedürfnis bei der empirischen Erkenntnis fühlt), niemals aber bewiesen worden ist.
Ein Philosoph wurde gefragt: wieviel wiegt der Rauch? Er antwortete: ziehe von dem Gewichte des verbrannten Holzes das Gewicht der übrigbleibenden Asche ab, so hast du das Gewicht des Rauchs. Er setzte also als unwidersprechlich voraus: daß, selbst im Feuer, die Materie (Substanz) nicht vergehe, sondern nur die Form derselben eine Abänderung erleide. Ebenso war der Satz: aus nichts wird nichts, nur ein anderer Folgesatz aus dem Grundsatze der Beharrlichkeit, oder vielmehr des immerwährenden Daseins des eigentlichen Subjekts an den Erscheinungen. Denn, wenn dasjenige an der Erscheinung, was man Substanz nennen will, das eigentliche Substratum aller Zeitbestimmung sein soll, so muß sowohl alles Dasein in der vergangenen, als das der künftigen Zeit, daran einzig und allein bestimmt werden können. Daher können wir einer Erscheinung nur darum den Namen Substanz geben, weil wir ihr Dasein zu aller Zeit voraussetzen, welches durch das Wort
B 229 Beharrlichkeit nicht einmal wohl ausgedrückt wird, indem dieses mehr auf künftige Zeit geht. Indessen ist die innere Notwendigkeit zu beharren, doch unzertrennlich mit der Notwendigkeit, immer gewesen zu sein, verbunden, und der Ausdruck mag also bleiben. Gigni de nihilo nihil, in nihilum nil posse reverti, waren zwei Sätze, welche die Alten unzertrennt verknüpften, und die man aus Mißverstand jetzt bisweilen trennt, weil man sich vorstellt, daß sie Dinge an sich selbst angehen, und der erstere der Abhängigkeit der Welt von einer obersten Ursache (auch sogar ihrer Substanz nach) entgegen sein dürfte; welche Besorgnis unnötig ist, indem hier nur von Erscheinungen im Felde der Erfahrung die Rede ist, deren Einheit niemals möglich sein würde, wenn wir neue Dinge (der Substanz nach) wollten entstehen lassen. Denn alsdann fiele dasjenige weg, welches die Einheit der Zeit allein vorstellen kann, nämlich die Identität des Substratum, als woran aller Wechsel allein durchgängige Einheit hat. Diese Beharrlichkeit ist indes doch weiter nichts, als die Art, uns das Dasein der Dinge (in der Erscheinung) vorzustellen.
Die Bestimmungen einer Substanz, die nichts anderes sind, als besondere Arten derselben zu existieren, heißen Akzidenzen. Sie sind jederzeit real, weil sie das Dasein der Substanz betreffen, (Negationen sind nur Bestimmungen, die das Nichtsein von etwas an der Substanz ausdrücken). Wenn man nun diesem Realen
B 230 an der Substanz ein besonderes Dasein beigelegt, (z.E. der Bewegung, als einem Akzidens der Materie,) so nennt man dieses Dasein die Inhärenz, zum Unterschiede vom Dasein der Substanz, die man Subsistenz nennt. Allein hieraus entspringen viel Mißdeutungen, und es ist genauer und richtiger geredet, wenn man das Akzidens nur durch die Art, wie das Dasein einer Substanz positiv bestimmt ist, bezeichnet. Indessen ist es doch, vermöge der Bedingungen des logischen Gebrauchs unseres Verstandes, unvermeidlich, dasjenige, was im Dasein einer Substanz wechseln kann, indessen, daß die Substanz bleibt, gleichsam abzusondern, und in Verhältnis auf das eigentliche Beharrliche und Radikale zu betrachten; daher denn auch diese Kategorie unter dem Titel der Verhältnisse steht, mehr als die Bedingung derselben, als daß sie selbst ein Verhältnis enthielte.
Auf dieser Beharrlichkeit gründet sich nun auch die Berichtigung des Begriffs von Veränderung. Entstehen und Vergehen sind nicht Veränderungen desjenigen, was entsteht oder vergeht. Veränderung ist eine Art zu existieren, welche auf eine andere Art zu existieren eben desselben Gegenstandes erfolgt. Daher ist alles, was sich verändert, bleibend, und nur sein Zustand wechselt. Da dieser Wechsel also nur die Bestimmungen trifft, die aufhören oder auch anheben können, so können wir, in einem etwas paradox scheinenden Ausdruck, sagen: nur das Beharrliche (die Substanz) wird
B 231 verändert, das Wandelbare erleidet keine Veränderung, sondern einen Wechsel, da einige Bestimmungen aufhören, und andere anheben.
Veränderung kann daher nur an Substanzen wahrgenommen werden, und das Entstehen oder Vergehen, schlechthin, ohne daß es bloß eine Bestimmung des Beharrlichen betreffe, kann gar keine mögliche Wahrnehmung sein, weil eben dieses Beharrliche die Vorstellung von dem Übergange aus dem Zustande in den anderen, und von Nichtsein zum Sein, möglich macht, die also nur als wechselnde Bestimmungen dessen, was bleibt, empirisch erkannt werden können. Nehmet an, daß etwas schlechthin anfange zu sein; so müßt ihr einen Zeitpunkt haben, in dem es nicht war. Woran wollt ihr aber diesen heften, wenn nicht an demjenigen, was schon da ist? Denn eine leere Zeit, die vorherginge, ist kein Gegenstand der Wahrnehmung; knüpft ihr dieses Entstehen aber an Dinge, die vorher waren, und bis zu dem, was entsteht, fortdauern, so war das letztere nur eine Bestimmung des ersteren, als des Beharrlichen. Ebenso ist es auch mit dem Vergehen: denn dieses setzt die empirische Vorstellung einer Zeit voraus, da eine Erscheinung nicht mehr ist.
Substanzen (in der Erscheinung) sind die Substrate aller Zeitbestimmungen. Das Entstehen einiger, und das Vergehen anderer derselben, würde selbst die einzige Bedingung der empirischen Einheit der Zeit aufheben,
B 232 und die Erscheinungen würden sich alsdann auf zweierlei Zeiten beziehen, in denen nebeneinander das Dasein verflösse, welches ungereimt ist. Denn es ist nur Eine Zeit, in welcher alle verschiedenen Zeiten nicht zugleich, sondern nacheinander gesetzt werden müssen.
So ist demnach die Beharrlichkeit eine notwendige Bedingung, unter welcher allein Erscheinungen, als Dinge oder Gegenstände, in einer möglichen Erfahrung bestimmbar sind. Was aber das empirische Kriterium dieser notwendigen Beharrlichkeit und mit ihr der Substantialität der Erscheinungen sei, davon wird uns die Folge Gelegenheit geben, das Nötige anzumerken.
B. Zweite Analogie
Grundsatz der Zeitfolge nach dem Gesetze der Kausalität
Alle Veränderungen geschehen nach dem Gesetze der Verknüpfung der Ursache und Wirkung.
Beweis
(Daß alle Erscheinungen der Zeitfolge insgesamt nur Veränderungen, d.i. ein sukzessives Sein und Nichtsein der Bestimmungen der Substanz sind, die da beharrt, folglich das Sein der Substanz selbst, welches aufs Nichtsein derselben folgt, oder das Nichtsein derselben, welches aufs Dasein folgt, mit anderen
B 233 Worten, daß das Entstehen oder Vergehen der Substanz selbst nicht stattfinde, hat der vorige Grundsatz dargetan. Dieser hätte auch so ausgedrückt werden können: Aller Wechsel (Sukzession) der Erscheinungen ist nur Veränderung, denn Entstehen oder Vergehen der Substanz sind keine Veränderungen derselben, weil der Begriff der Veränderung eben dasselbe Subjekt mit zwei entgegengesetzten Bestimmungen als existierend, mithin als beharrend, voraussetzt. - Nach dieser Vorerinnerung folgt der Beweis.)
Ich nehme, wahr, daß Erscheinungen aufeinander folgen, d.i. daß ein Zustand der Dinge zu einer Zeit ist, dessen Gegenteil im vorigen Zustande war. Ich verknüpfe also eigentlich zwei Wahrnehmungen in der Zeit. Nun ist Verknüpfung kein Werk des bloßen Sinnes und der Anschauung, sondern hier das Produkt eines synthetischen Vermögens der Einbildungskraft, die den inneren Sinn in Ansehung des Zeitverhältnisses bestimmt. Diese kann aber gedachte zwei Zustände auf zweierlei Art verbinden, so, daß der eine oder der andere in der Zeit vorausgehe; denn die Zeit kann an sich selbst nicht wahrgenommen, und in Beziehung auf sie gleichsam empirisch, was vorübergehe und was folge, am Objekte bestimmt werden. Ich bin mir also nur bewußt, daß meine Imagination eines vorher, das andere nachher setze, nicht daß im Objekte der eine Zustand vor dem anderen vorhergehe; oder, mit anderen Worten, es bleibt
B 234 durch die bloße Wahrnehmung das objektive Verhältnis der einander folgenden Erscheinungen unbestimmt. Damit dieses nun als bestimmt erkannt werde, muß das Verhältnis zwischen den beiden Zuständen so gedacht werden, daß dadurch als notwendig bestimmt wird, welcher derselben vorher, welcher nachher und nicht umgekehrt müsse gesetzt werden. Der Begriff aber, der eine Notwendigkeit der synthetischen Einheit bei sich führt, kann nur ein reiner Verstandesbegriff sein, der nicht in der Wahrnehmung liegt, und das ist hier der Begriff des Verhältnisses der Ursache und Wirkung, wovon die erstere die letztere in der Zeit, als die Folge, und nicht als etwas, was bloß in der Einbildung vorhergehen (oder gar überall nicht wahrgenommen sein) könnte, bestimmt. Also ist nur dadurch, daß wir die Folge der Erscheinungen, mithin alle Veränderung dem Gesetze der Kausalität unterwerfen, selbst Erfahrung d.i. empirisches Erkenntnis von denselben möglich, mithin sind sie selbst, als Gegenstände der Erfahrung, nur nach eben dem Gesetze möglich.
Die Apprehension des Mannigfaltigen der Erscheinung ist jederzeit sukzessiv. Die Vorstellungen der Teile folgen aufeinander. Ob sie sich auch im Gegenstande folgen, ist ein zweiter Punkt der Reflexion, der in dem ersteren nicht enthalten ist. Nun kann man zwar alles, und sogar jede Vorstellung, sofern man sich ihrer bewußt ist, Objekt nennen; allein was dieses Wort bei
B 235 Erscheinungen zu bedeuten habe, nicht, insofern sie (als Vorstellungen) Objekte sind, sondern nur ein Objekt bezeichnen, ist von tieferer Untersuchung. Sofern sie, nur als Vorstellungen zugleich Gegenstände des Bewußtseins sind, so sind sie von der Apprehension, d.i. der Aufnahme in die Synthesis der Einbildungskraft, gar nicht unterschieden, und man muß also sagen: das Mannigfaltige der Erscheinungen wird im Gemüt jederzeit sukzessiv erzeugt. Wären Erscheinungen Dinge an sich selbst, so würde kein Mensch aus der Sukzession der Vorstellungen von ihrem Mannigfaltigen ermessen können, wie dieses in dem Objekt verbunden sei. Denn wir haben es doch nur mit unseren Vorstellungen zu tun; wie Dinge an sich selbst (ohne Rücksicht auf Vorstellungen, dadurch sie uns affizieren,) sein mögen, ist gänzlich außer unserer Erkenntnissphäre. Ob nun gleich die Erscheinungen nicht Dinge an sich selbst, und gleichwohl doch das einzige sind, was uns zur Erkenntnis gegeben werden kann, so soll ich anzeigen, was dem Mannigfaltigen an den Erscheinungen selbst für eine Verbindung in der Zeit zukomme, indessen daß die Vorstellung desselben in der Apprehension jederzeit sukzessiv ist. So ist z.E. die Apprehension des Mannigfaltigen in der Erscheinung eines Hauses, das vor mir steht, sukzessiv. Nun ist die Frage: ob das Mannigfaltige dieses Hauses selbst auch in sich sukzessiv sei, welches freilich niemand zugeben wird. Nun ist aber, sobald ich meine Begriffe
B 236 von einem Gegenstande bis zur transzendentalen Bedeutung steigere, das Haus gar kein Ding an sich selbst, sondern nur eine Erscheinung, d.i. Vorstellung, deren transzendentaler Gegenstand unbekannt ist; was verstehe ich also unter der Frage: wie das Mannigfaltige in der Erscheinung selbst (die doch nichts an sich selbst ist) verbunden sein möge? Hier wird das, was in der sukzessiven Apprehension liegt, als Vorstellung, die Erscheinung aber, die mir gegeben ist, ohnerachtet sie nichts weiter als ein Inbegriff dieser Vorstellungen ist, als der Gegenstand derselben betrachtet, mit welchem mein Begriff, den ich aus den Vorstellungen der Apprehension ziehe, zusammenstimmen soll. Man sieht bald, daß, weil Übereinstimmung der Erkenntnis mit dem Objekt Wahrheit ist, hier nur nach den formalen Bedingungen der empirischen Wahrheit gefragt werden kann, und Erscheinung, im Gegenverhältnis mit den Vorstellungen der Apprehension, nur dadurch als das davon unterschiedene Objekt derselben könne vorgestellt werden, wenn sie unter einer Regel steht, welche sie von jeder anderen Apprehension unterscheidet, und eine Art der Verbindung des Mannigfaltigen notwendig macht. Dasjenige an der Erscheinung, was die Bedingung dieser notwendigen Regel der Apprehension enthält, ist das Objekt.
Nun laßt uns zu unserer Aufgabe fortgehen. Daß etwas geschehe, d.i. etwas, oder ein Zustand werde, der vorher nicht war, kann nicht empirisch wahrgenommen
B 237 werden, wo nicht eine Erscheinung vorhergeht, welche diesen Zustand nicht in sich enthält; denn eine Wirklichkeit, die auf eine leere Zeit folge mithin ein Entstehen, vor dem kein Zustand der Dinge vorhergeht, kann ebensowenig, als die leere Zeit selbst apprehendiert werden. Jede Apprehension einer Begebenheit ist also eine Wahrnehmung, welche auf eine andere folgt. Weil dieses aber bei aller Synthesis der Apprehension so beschaffen ist, wie ich oben an der Erscheinung eines Hauses gezeigt habe, so unterscheidet sie sich dadurch noch nicht von anderen. Allein ich bemerke auch. daß, wenn ich an einer Erscheinung, welche ein Geschehen enthält, den vorhergehenden Zustand der Wahrnehmung A, den folgenden aber B nenne, daß B auf A in der Apprehension nur folgen, die Wahrnehmung A aber auf B nicht folgen, sondern nur vorhergehen kann. Ich sehe z.B. ein Schiff den Strom hinabtreiben. Meine Wahrnehmung seiner Stelle unterhalb, folgt auf die Wahrnehmung der Stelle desselben oberhalb dem Laufe des Flusses, und es ist unmöglich, daß in der Apprehension dieser Erscheinung das Schiff zuerst unterhalb, nachher aber oberhalb des Stromes wahrgenommen werden sollte. Die Ordnung in der Folge der Wahrnehmungen in der Apprehension ist hier also bestimmt, und an dieselbe ist die letztere gebunden. In dem vorigen Beispiele von einem Hause konnten meine Wahrnehmungen in der Apprehension von der Spitze desselben anfangen, und beim Boden endigen, aber auch
B 238 von unten anfangen, und oben endigen, imgleichen rechts oder links das Mannigfaltige der empirischen Anschauung apprehendieren. In der Reihe dieser Wahrnehmungen war also keine bestimmte Ordnung, welche es notwendig machte, wenn ich in der Apprehension anfangen müßte, um das Mannigfaltige empirisch zu verbinden. Diese Regel aber ist bei der Wahrnehmung von dem, was geschieht, jederzeit anzutreffen, und sie macht die Ordnung der einander folgenden Wahrnehmungen (in der Apprehension dieser Erscheinung) notwendig.
Ich werde also, in unserem Fall, die subjektive Folge der Apprehension von der objektiven Folge der Erscheinungen ableiten müssen, weil jene sonst gänzlich unbestimmt ist, und keine Erscheinung von der anderen unterscheidet. Jene allein beweist nichts von der Verknüpfung des Mannigfaltigen am Objekt, weil sie ganz beliebig ist. Diese also wird in der Ordnung des Mannigfaltigen der Erscheinung bestehen, nach welcher die Apprehension des einen (was geschieht) auf die des anderen (das vorhergeht) nach einer Regel folgt. Nur dadurch kann ich von der Erscheinung selbst, und nicht bloß von meiner Apprehension, berechtigt sein zu sagen: daß in jener eine Folge anzutreffen sei, welches so viel bedeutet, als daß ich die Apprehension nicht anders anstellen könne, als gerade in dieser Folge.
Nach einer solchen Regel also muß in dem, was überhaupt vor einer Begebenheit vorhergeht, die
B 239 Bedingung zu einer Regel liegen, nach welcher jederzeit und notwendigerweise diese Begebenheit folgt; umgekehrt aber kann ich nicht von der Begebenheit zurückgehen, und dasjenige bestimmen (durch Apprehension) was vorhergeht. Denn von dem folgenden Zeitpunkt geht keine Erscheinung zu dem vorigen zurück, aber bezieht sich doch auf irgendeinen vorigen; von einer gegebenen Zeit ist dagegen der Fortgang auf die bestimmte folgende notwendig. Daher, weil es doch etwas ist, was folgt, so muß ich es notwendig auf etwas anderes überhaupt beziehen, was vorhergeht, und worauf es nach einer Regel, d.i. notwendigerweise, folgt, so daß die Begebenheit, als das Bedingte, auf irgendeine Bedingung sichere Anweisung gibt, diese aber die Begebenheit bestimmt.
Man setze, es gehe vor einer Begebenheit nichts vorher, worauf dieselbe nach einer Regel folgen müßte, so wäre alle Folge der Wahrnehmung nur lediglich in der Apprehension, d.i. bloß subjektiv, aber dadurch gar nicht objektiv bestimmt, welches eigentlich das Vorhergehende, und welches das Nachfolgende der Wahrnehmungen sein müßte. Wir würden auf solche Weise nur ein Spiel der Vorstellungen haben, das sich auf gar kein Objekt bezöge, d.i. es würde durch unsere Wahrnehmung eine Erscheinung von jeder anderen, dem Zeitverhältnisse nach, gar nicht unterschieden werden; weil die Sukzession im Apprehendieren allerwärts einerlei, und also nichts in der Erscheinung ist, was sie bestimmt, so daß dadurch eine
B 240 gewisse Folge als objektiv notwendig gemacht wird. Ich werde also nicht sagen: daß in der Erscheinung zwei Zustände aufeinander folgen; sondern nur: daß eine Apprehension auf die andere folgt, welches bloß etwas Subjektives ist, und kein Objekt bestimmt, mithin gar nicht vor Erkenntnis irgendeines Gegenstandes (selbst nicht in der Erscheinung) gelten kann.
Wenn wir also erfahren, daß etwas geschieht, so setzen wir dabei jederzeit voraus, daß irgend etwas vorausgehe, worauf es nach einer Regel folgt. Denn ohne dieses würde ich nicht von dem Objekt sagen, daß es folge, weil die bloße Folge in meiner Apprehension, wenn sie nicht durch eine Regel in Beziehung auf ein Vorhergehendes bestimmt ist, keine Folge im Objekte berechtigt. Also geschieht es immer in Rücksicht auf eine Regel, nach welcher die Erscheinungen in ihrer Folge, d.i. so wie sie geschehen, durch den vorigen Zustand bestimmt sind, daß ich meine subjektive Synthesis (der Apprehension) objektiv mache, und, nur lediglich unter dieser Voraussetzung allein, ist selbst die Erfahrung von etwas, was geschieht, möglich.
Zwar scheint es, als widerspreche dieses allen Bemerkungen, die man jederzeit über den Gang unseres Verstandesgebrauchs gemacht hat, nach welchen wir nur allererst durch die wahrgenommenen und verglichenen übereinstimmenden Folgen vieler Begebenheiten auf vorhergehende Erscheinungen, eine Regel zu entdecken,
B 241 geleitet worden, der gemäß gewisse Begebenheiten auf gewisse Erscheinungen jederzeit folgen, und dadurch zuerst veranlaßt worden, uns den Begriff von Ursache zu machen. Auf solchen Fuß würde dieser Begriff bloß empirisch sein, und die Regel, die er verschafft, daß alles, was geschieht, eine Ursache habe, würde ebenso zufällig sein, als die Erfahrung selbst: seine Allgemeinheit und Notwendigkeit wären alsdann nur angedichtet, und hätten keine wahre allgemeine Gültigkeit, weil sie nicht a priori, sondern nur auf Induktion gegründet wären. Es geht aber hiemit so, wie mit anderen reinen Vorstellungen a priori, (z.B. Raum und Zeit) die wir darum allein aus der Erfahrung als klare Begriffe herausziehen können, weil wir sie in die Erfahrung gelegt hatten, und diese daher durch jene allererst zustande brachten. Freilich ist die logische Klarheit dieser Vorstellung, einer die Reihe der Begebenheiten bestimmenden Regel, als eines Begriffs von Ursache, nur alsdann möglich, wenn wir davon in der Erfahrung Gebrauch gemacht haben, aber eine Rücksicht auf dieselbe, als Bedingung der synthetischen Einheit der Erscheinungen in der Zeit, war doch der Grund der Erfahrung selbst, und ging also a priori vor ihr vorher.
Es kommt also darauf an, im Beispiele zu zeigen, daß wir niemals selbst in der Erfahrung die Folge (einer Begebenheit, da etwas geschieht, was vorher nicht war) dem Objekt beilegen, und sie von der subjektiven unserer
B 242 Apprehension unterscheiden, als wenn eine Regel zum Grunde liegt, die uns nötigt, diese Ordnung der Wahrnehmungen vielmehr als eine andere zu beobachten, ja daß diese Nötigung es eigentlich sei, was die Vorstellung einer Sukzession im Objekt allererst möglich macht.
Wir haben Vorstellungen in uns, deren wir uns auch bewußt werden können. Dieses Bewußtsein aber mag so weit erstreckt, und so genau oder pünktlich sein, als man wolle, so bleiben es doch nur immer Vorstellungen, d.i. innere Bestimmungen unseres Gemüts in diesem oder jenem Zeitverhältnisse. Wie kommen wir nun dazu, daß wir diesen Vorstellungen ein Objekt setzen, oder über ihre subjektive Realität, als Modifikationen, ihnen noch, ich weiß nicht, was für eine, objektive beilegen? Objektive Bedeutung kann nicht in der Beziehung auf eine andere Vorstellung (von dem, was man vom Gegenstande nennen wollte) bestehen, denn sonst erneuert sich die Frage: wie geht diese Vorstellung wiederum aus sich selbst heraus, und bekommt objektive Bedeutung noch über die subjektive, welche ihr, als Bestimmung des Gemütszustandes, eigen ist? Wenn wir untersuchen, was denn die Beziehung auf einen Gegenstand unseren Vorstellungen für eine neue Beschaffenheit gebe, und welches die Dignität sei, die sie dadurch erhalten, so finden wir, daß sie nichts weiter tue, als die Verbindung der Vorstellungen auf eine gewisse Art notwendig zu machen, und sie einer Regel zu unterwerfen; daß umgekehrt nur
B 243 dadurch, daß eine gewisse Ordnung in dem Zeitverhältnisse unserer Vorstellungen notwendig ist, ihnen objektive Bedeutung erteilt wird.
In der Synthesis der Erscheinungen folgt das Mannigfaltige der Vorstellungen jederzeit nacheinander. Hiedurch wird nun gar kein Objekt vorgestellt; weil durch diese Folge, die allen Apprehensionen gemein ist, nichts vom anderen unterschieden wird. Sobald ich aber wahrnehme, oder voraus annehme, daß in dieser Folge eine Beziehung auf den vorhergehenden Zustand sei, aus welchem die Vorstellung nach einer Regel folgt, so stellt sich etwas vor als Begebenheit, oder was da geschieht, d.i. ich erkenne einen Gegenstand, den ich in der Zeit auf eine gewisse bestimmte Stelle setzen muß, die ihm, nach dem vorhergehenden Zustande, nicht anders erteilt werden kann. Wenn ich also wahrnehme, daß etwas geschieht, so ist in dieser Vorstellung erstlich enthalten: daß etwas vorhergehe, weil eben in Beziehung auf dieses die Erscheinung ihre Zeitverhältnis bekommt, nämlich, nach einer vorhergehenden Zeit, in der sie nicht war, zu existieren. Aber ihre bestimmte Zeitstelle in diesem Verhältnisse kann sie nur dadurch bekommen, daß im vorhergehenden Zustande etwas vorausgesetzt wird, worauf es jederzeit, d.i. nach einer Regel, folgt: woraus sich denn ergibt, daß ich erstlich nicht die Reihe umkehren, und das, was geschieht, demjenigen voransetzen kann, worauf es folgt: zweitens daß, wenn der Zustand, der
B 244 vorhergeht, gesetzt wird, diese bestimmte Begebenheit unausbleiblich und notwendig folge. Dadurch geschieht es: daß eine Ordnung unter unseren Vorstellungen wird, in welcher das Gegenwärtige (sofern es geworden) auf irgendeinen vorhergehenden Zustand Anweisung gibt, als ein, obzwar noch unbestimmtes Korrelatum dieser Ereignis, die gegeben ist, welches sich aber auf diese, als seine Folge, bestimmend bezieht, und sie notwendig mit sich in der Zeitreihe verknüpft.
Wenn es nun ein notwendiges Gesetz unserer Sinnlichkeit, mithin eine formale Bedingung aller Wahrnehmungen ist: daß die vorige Zeit die folgende notwendig bestimmt (indem ich zur folgenden nicht anders gelangen kann, als durch die vorhergehende); so ist es auch ein unentbehrliches Gesetz der empirischen Vorstellung der Zeitreihe, daß die Erscheinungen der vergangenen Zeit jedes Dasein in der folgenden bestimmen, und daß diese, als Begebenheiten, nicht stattfinden, als sofern jene ihnen ihr Dasein in der Zeit bestimmen, d.i. nach einer Regel festsetzen. Denn nur an den Erscheinungen können wir diese Kontinuität im Zusammenhange der Zeiten empirisch erkennen.
Zu aller Erfahrung und deren Möglichkeit gehört Verstand, und das erste, was er dazu tut, ist nicht: daß er die Vorstellung der Gegenstände deutlich macht, sondern daß er die Vorstellung eines Gegenstandes überhaupt möglich macht. Dieses geschieht nun dadurch,
B 245 daß er die Zeitordnung auf die Erscheinungen und deren Dasein überträgt, indem er jeder derselben als Folge eine, in Ansehung der vorhergehenden Erscheinungen, a priori bestimmte Stelle in der Zeit zuerkennt, ohne welche sie nicht mit der Zeit selbst, die allen ihren Teilen a priori ihre Stelle bestimmt, übereinkommen würde. Diese Bestimmung der Stelle kann nun nicht von dem Verhältnis der Erscheinungen gegen die absolute Zeit entlehnt werden, (denn die ist kein Gegenstand der Wahrnehmung,) sondern umgekehrt, die Erscheinungen müssen einander ihre Stellen in der Zeit selbst bestimmen, und dieselbe in der Zeitordnung notwendig machen, d.i. dasjenige, was da folgt, oder geschieht, muß nach einer allgemeinen Regel auf das, was im vorigen Zustande enthalten war, folgen, woraus eine Reihe der Erscheinungen wird, die vermittelst des Verstandes eben dieselbige Ordnung und stetigen Zusammenhang in der Reihe möglicher Wahrnehmungen hervorbringt, und notwendig macht, als sie in der Form der inneren Anschauung, (der Zeit) darin alle Wahrnehmungen ihre Stelle haben müßten, a priori angetroffen wird.
Daß also etwas geschieht, ist eine Wahrnehmung, die zu einer möglichen Erfahrung gehört, die dadurch wirklich wird, wenn ich die Erscheinung, ihrer Stelle nach, in der Zeit, als bestimmt, mithin als ein Objekt ansehe, welches nach einer Regel im Zusammenhange der Wahrnehmungen jederzeit gefunden werden kann. Diese
B 246 Regel aber, etwas der Zeitfolge nach zu bestimmen, ist: daß in dem, was vorhergeht, die Bedingung anzutreffen sei, unter welcher die Begebenheit jederzeit (d.i. notwendigerweise) folgt. Also ist der Satz vom zureichenden Grunde der Grund möglicher Erfahrung, nämlich der objektiven Erkenntnis der Erscheinungen, in Ansehung des Verhältnisses derselben, in Reihenfolge der Zeit.
Der Beweisgrund dieses Satzes aber beruht lediglich auf folgenden Momenten. Zu aller empirischen Erkenntnis gehört die Synthesis des Mannigfaltigen durch die Einbildungskraft, die jederzeit sukzessiv ist; d.i. die Vorstellungen folgen in ihr jederzeit aufeinander. Die Folge aber ist in der Einbildungskraft der Ordnung nach (was vorgehen und was folgen müsse) gar nicht bestimmt, und die Reihe der einen der folgenden Vorstellungen kann ebensowohl rückwärts als vorwärts genommen werden. Ist aber diese Synthesis eine Synthesis der Apprehension (des Mannigfaltigen einer gegebenen Erscheinung), so ist die Ordnung im Objekt bestimmt, oder, genauer zu reden, es ist darin eine Ordnung der sukzessiven Synthesis, die ein Objekt bestimmt, nach welcher etwas notwendig vorausgehen, und wenn dieses gesetzt ist, das andere notwendig folgen müsse. Soll also meine Wahrnehmung die Erkenntnis einer Begebenheit enthalten, da nämlich etwas wirklich geschieht; so muß sie ein empirisches Urteil sein, in welchem man sich denkt, daß die Folge bestimmt sei, d.i. daß sie eine andere Erscheinung der
B 247 Zeit nach voraussetze, worauf sie notwendig, oder nach einer Regel folgt. Widrigenfalls, wenn ich das Vorhergehende setze, und die Begebenheit folgte nicht darauf notwendig, so würde ich sie nur für ein subjektives Spiel meiner Einbildungen halten müssen, und stellte ich mir darunter doch etwas Objektives vor, sie einen bloßen Traum nennen. Also ist das Verhältnis der Erscheinungen (als möglicher Wahrnehmungen), nach welchem das Nachfolgende (was geschieht) durch etwas Vorhergehendes seinem Dasein nach notwendig, und nach einer Regel in der Zeit bestimmt ist, mithin das Verhältnis der Ursache zur Wirkung die Bedingung der objektiven Gültigkeit unserer empirischen Urteile, in Ansehung der Reihe der Wahrnehmungen, mithin der empirischen Wahrheit derselben, und also der Erfahrung. Der Grundsatz des Kausalverhältnisses in der Folge der Erscheinungen gilt daher auch vor allen Gegenständen der Erfahrung (unter den Bedingungen der Sukzession), weil er selbst der Grund der Möglichkeit einer solchen Erfahrung ist.
Hier äußert sich aber noch eine Bedenklichkeit, die gehoben werden muß. Der Satz der Kausalverknüpfung unter den Erscheinungen ist in unserer Formel auf die Reihenfolge derselben eingeschränkt, da es sich doch bei dem Gebrauch desselben findet, daß er auch auf ihre Begleitung passe, und Ursache und Wirkung zugleich sein könne. Es ist z.B. Wärme im Zimmer, die nicht in freier Luft
B 248 angetroffen wird. Ich sehe mich nach der Ursache um, und finde einen geheizten Ofen. Nun ist dieser, als Ursache, mit seiner Wirkung, der Stubenwärme, zugleich; also ist hier keine Reihenfolge, der Zeit nach, zwischen Ursache und Wirkung, sondern sie sind zugleich, und das Gesetz gilt doch. Der größte Teil der wirkenden Ursache in der Natur ist mit ihren Wirkungen zugleich, und die Zeitfolge der letzteren wird nur dadurch veranlaßt, daß die Ursache ihre ganze Wirkung nicht in einem Augenblick verrichten kann. Aber in dem Augenblicke, da sie zuerst entsteht, ist sie mit der Kausalität ihrer Ursache jederzeit zugleich, weil, wenn jene einen Augenblick vorher aufgehört hätte zu sein, diese gar nicht entstanden wäre. Hier muß man wohl bemerken, daß es auf die Ordnung der Zeit, und nicht auf den Ablauf derselben angesehen sei; das Verhältnis bleibt, wenngleich keine Zeit verlaufen ist. Die Zeit zwischen der Kausalität der Ursache, und deren unmittelbaren Wirkung, kann verschwindend (sie also zugleich) sein, aber das Verhältnis der einen zur anderen bleibt doch immer, der Zeit nach, bestimmbar. Wenn ich eine Kugel, die auf einem ausgestopften Kissen liegt, und ein Grübchen darin drückt, als Ursache betrachte, so ist sie mit der Wirkung zugleich. Allein ich unterscheide doch beide durch das Zeitverhältnis der dynamischen Verknüpfung beider. Denn, wenn ich die Kugel auf das Kissen lege, so folgt auf die vorige glatte Gestalt desselben das Grübchen; hat aber das Kissen (ich weiß
B 249 nicht woher) ein Grübchen, so folgt darauf nicht eine bleierne Kugel.
Demnach ist die Zeitfolge allerdings das einzige empirische Kriterium der Wirkung, in Beziehung auf die Kausalität der Ursache, die vorhergeht. Das Glas ist die Ursache von dem Steigen des Wassers über seine Horizontalfläche, obgleich beide Erscheinungen zugleich sind. Denn sobald ich dieses aus einem größeren Gefäß mit dem Glase schöpfe, so erfolgt etwas, nämlich die Veränderung des Horizontalstandes, den es dort hatte, in einen konkaven, den es im Glase annimmt.
Diese Kausalität führt auf den Begriff der Handlung, diese auf den Begriff der Kraft, und dadurch auf den Begriff der Substanz. Da ich mein kritisches Vorhaben, welches lediglich auf die Quellen der synthetischen Erkenntnis a priori geht, nicht mit Zergliederungen bemengen will, die bloß die Erläuterung (nicht Erweiterung) der Begriffe angehen, so überlasse ich die umständliche Erörterung derselben einem künftigen System der reinen Vernunft: wiewohl man eine solche Analysis im reichen Maße, auch schon in den bisher bekannten Lehrbüchern dieser Art, antrifft. Allein das empirische Kriterium einer Substanz, sofern sie sich nicht durch die Beharrlichkeit der Erscheinung, sondern besser und leichter durch Handlung zu offenbaren scheint, kann ich nicht unberührt lassen.
B 250 Wo Handlung, mithin Tätigkeit und Kraft ist, da ist auch Substanz, und in dieser allein muß der Sitz jener fruchtbaren Quelle der Erscheinungen gesucht werden. Das ist ganz gut gesagt; aber, wenn man sich darüber erklären soll, was man unter Substanz verstehe, und dabei den fehlerhaften Zirkel vermeiden will, so ist es nicht so leicht verantwortet. Wie will man aus der Behandlung sogleich auf die Beharrlichkeit des Handelnden schließen, welches doch ein so wesentliches und eigentümliches Kennzeichen der Substanz (phaenomenon) ist? Allein, nach unserem vorigen hat die Auflösung der Frage doch keine solche Schwierigkeit, ob sie gleich nach der gemeinen Art (bloß analytisch mit seinen Begriffen zu verfahren) ganz unauflöslich sein würde. Handlung bedeutet schon das Verhältnis des Subjekts der Kausalität zur Wirkung. Weil nun alle Wirkung in dem besteht, was da geschieht, mithin im Wandelbaren, was die Zeit der Sukzession nach bezeichnet; so ist das letzte Subjekt desselben das Beharrliche, als das Substratum alles Wechselnden, d.i. die Substanz. Denn nach dem Grundsatze der Kausalität sind Handlungen immer der erste Grund von allem Wechsel der Erscheinungen, und können also nicht in einem Subjekt liegen, was selbst wechselt, weil sonst andere Handlungen und ein anderes Subjekt, welches diesen Wechsel bestimmte, erforderlich wären. Kraft dessen beweist nun Handlung, als ein hinreichendes empirisches Kriterium, die Substantialität,
B 251 ohne daß ich die Beharrlichkeit desselben durch verglichene Wahrnehmungen allererst zu suchen nötig hätte, welches auch auf diesem Wege mit der Ausführlichkeit nicht geschehen könnte, die zu der Größe und strengen Allgemeingültigkeit des Begriffs erforderlich ist. Denn daß das erste Subjekt der Kausalität alles Entstehens und Vergehens selbst nicht (im Felde der Erscheinungen) entstehen und vergehen könne, ist ein sicherer Schluß, der auf empirische Notwendigkeit und Beharrlichkeit im Dasein, mithin auf den Begriff einer Substanz als Erscheinung ausläuft.
Wenn etwas geschieht, so ist das bloße Entstehen, ohne Rücksicht auf das, was da entsteht, schon an sich selbst ein Gegenstand der Untersuchung. Der Übergang aus dem Nichtsein eines Zustandes in diesen Zustand, gesetzt, daß dieser auch keine Qualität in der Erscheinung enthielte, ist schon allein nötig zu untersuchen. Dieses Entstehen trifft, wie in der Nummer A gezeigt worden, nicht die Substanz (denn die entsteht nicht), sondern ihren Zustand. Es ist also bloß Veränderung, und nicht Ursprung aus Nichts. Wenn dieser Ursprung als Wirkung von einer fremden Ursache angesehen wird, so heißt er Schöpfung, welche als Begebenheit unter den Erscheinungen nicht zugelassen werden kann, indem ihre Möglichkeit allein schon die Einheit der Erfahrung aufheben würde, obzwar, wenn ich alle Dinge nicht als Phänomene, sondern als Dinge an sich betrachte, und als
B 252 Gegenstände des bloßen Verstandes, sie, obschon sie Substanzen sind, dennoch wie abhängig ihrem Dasein nach von fremder Ursache angesehen werden können; welches aber alsdann ganz andere Wortbedeutungen nach sich ziehen, und auf Erscheinungen, als mögliche Gegenstände der Erfahrung, nicht passen würde.
Wie nun überhaupt etwas verändert werden könne; wie es möglich sei, daß auf einen Zustand in einem Zeitpunkte ein entgegengesetzter im anderen folgen könne: davon haben wir a priori nicht den mindesten Begriff. Hierzu wird die Kenntnis wirklicher Kräfte erfordert, welche nur empirisch gegeben werden kann, z.B. der bewegenden Kräfte, oder, welches einerlei ist, gewisser sukzessiver Erscheinungen, (als Bewegungen) welche solche Kräfte anzeigen. Aber die Form einer jeden Veränderung, die Bedingung, unter welcher sie, als ein Entstehen eines anderen Zustandes, allein vorgehen kann, (der Inhalt derselben, d.i. der Zustand, der verändert wird, mag sein, welcher er wolle), mithin die Sukzession der Zustände selbst (das Geschehene) kann doch nach dem Gesetze der Kausalität und den Bedingungen der Zeit a priori erwogen werden*.
* Man merke wohl: daß ich nicht von der Veränderung gewisser Relationen überhaupt, sondern von Veränderung des Zustandes rede. Daher, wenn ein Körper sich gleichförmig bewegt, so verändert er seinen Zustand (der Bewegung) gar nicht; aber wohl, wenn seine Bewegung zu- und abnimmt.
B 253 Wenn eine Substanz aus einem Zustande a in einen anderen b übergeht, so ist der Zeitpunkt des zweiten vom Zeitpunkte des ersteren Zustandes unterschieden, und folgt demselben. Ebenso ist auch der zweite Zustand als Realität (in der Erscheinung) vom ersteren, darin diese nicht war, wie b vom Zero unterschieden; d.i. wenn der Zustand b sich auch von dem Zustande a nur der Größe nach unterschiede, so ist die Veränderung ein Entstehen von b-a, welches im vorigen Zustande nicht war, und in Ansehung dessen er = 0 ist.
Es frägt sich also, wie ein Ding aus einem Zustande = a in einen anderen = b übergehe. Zwischen zwei Augenblicken ist immer eine Zeit, und zwischen zwei Zuständen in denselben immer ein Unterschied, der eine Größe hat, (denn alle Teile der Erscheinungen sind immer wiederum Größen). Also geschieht jeder Übergang aus einem Zustande in den anderen in einer Zeit, die zwischen zwei Augenblicken enthalten ist, deren der erste den Zustand bestimmt, aus welchem das Ding herausgeht, der zweite den, in welchen es gelangt. Beide also sind Grenzen der Zeit einer Veränderung, mithin des Zwischenzustandes zwischen beiden Zuständen, und gehören als solche mit zu der ganzen Veränderung. Nun hat jede Veränderung eine Ursache, welche in der ganzen Zeit, in welcher jene vorgeht, ihre Kausalität beweist. Also bringt diese Ursache ihre Veränderung nicht plötzlich (auf einmal oder in einem Augenblicke) hervor, sondern
B 254 in einer Zeit, so, daß, wie die Zeit vom Anfangsaugenblicke a bis zu ihrer Vollendung in b wächst, auch die Größe der Realität (b-a) durch alle kleineren Grade, die zwischen dem ersten und letzten enthalten sind, erzeugt wird. Alle Veränderung ist also nur durch eine kontinuierliche Handlung der Kausalität möglich, welche, sofern sie gleichförmig ist, ein Moment heißt. Aus diesen Momenten besteht nicht die Veränderung, sondern wird dadurch erzeugt als ihre Wirkung.
Das ist nun das Gesetz der Kontinuität aller Veränderung, dessen Grund dieser ist: daß weder die Zeit, noch auch die Erscheinung in der Zeit, aus Teilen besteht, die die kleinsten sind, und daß doch der Zustand des Dinges bei seiner Veränderung durch alle diese Teile, als Elemente, zu seinem zweiten Zustande übergehe. Es ist kein Unterschied des Realen in der Erscheinung, so wie kein Unterschied in der Größe der Zeiten, der kleinste, und so erwächst der neue Zustand der Realität von dem ersten an, darin diese nicht war, durch alle unendlichen Grade derselben, deren Unterschiede voneinander insgesamt kleiner sind, als der zwischen 0 und a.
Welchen Nutzen dieser Satz in der Naturforschung haben möge, das geht uns hier nichts an. Aber, wie ein solcher Satz, der unsere Erkenntnis der Natur so zu erweitern scheint, völlig a priori möglich sei, das erfordert gar sehr unsere Prüfung, wenngleich der Augenschein beweist, daß er wirklich und richtig sei, und man
B 255 also der Frage, wie er möglich gewesen, überhoben zu sein glauben möchte. Denn es gibt so mancherlei ungegründete Anmaßungen der Erweiterung unserer Erkenntnis durch reine Vernunft: daß es zum allgemeinen Grundsatz angenommen werden muß, deshalb durchaus mißtrauisch zu sein, und ohne Dokumente, die eine gründliche Deduktion verschaffen können, selbst auf den klarsten dogmatischen Beweis nichts dergleichen zu glauben und anzunehmen.
Aller Zuwachs des empirischen Erkenntnisses, und jeder Fortschritt der Wahrnehmung ist nichts, als eine Erweiterung der Bestimmung des inneren Sinnes, d.i. ein Fortgang in der Zeit, die Gegenstände mögen sein, welche sie wollen, Erscheinungen, oder reine Anschauungen. Dieser Fortgang in der Zeit bestimmt alles, und ist an sich selbst durch nichts weiter bestimmt: d.i. die Teile desselben sind nur in der Zeit, und durch die Synthesis derselben, sie aber nicht vor ihr gegeben. Um deswillen ist ein jeder Übergang in der Wahrnehmung zu etwas, was in der Zeit folgt, eine Bestimmung der Zeit durch die Erzeugung dieser Wahrnehmung, und da jene, immer und in allen ihren Teilen, eine Größe ist, die Erzeugung einer Wahrnehmung als einer Größe durch alle Grade, deren keiner der kleinste ist, von dem Zero an, bis zu ihrem bestimmten Grad. Hieraus erhellt nun die Möglichkeit, ein Gesetz der Veränderungen, ihrer Form nach, a priori zu erkennen. Wir
B 256 antizipieren nur unsere eigene Apprehension, deren formale Bedingung, da sie uns vor aller gegebenen Erscheinung selbst beiwohnt, allerdings a priori muß erkannt werden können.
So ist demnach, ebenso, wie die Zeit die sinnliche Bedingung a priori von der Möglichkeit eines kontinuierlichen Fortganges des Existierenden zu dem Folgenden enthält, der Verstand, vermittelst der Einheit der Apperzeption, die Bedingung a priori der Möglichkeit einer kontinuierlichen Bestimmung aller Stellen für die Erscheinungen in dieser Zeit, durch die Reihe von Ursachen und Wirkungen, deren die ersteren der letzteren ihr Dasein unausbleiblich nach sich ziehen, und dadurch die empirische Erkenntnis der Zeitverhältnisse für jede Zeit (allgemein) mithin objektiv gültig machen.
C. Dritte Analogie
Grundsatz des Zugleichseins, nach dem Gesetze der Wechselwirkung, oder Gemeinschaft
Alle Substanzen, sofern sie im Raume, als zugleich wahrgenommen werden können, sind in durchgängiger Wechselwirkung.
Beweis
Zugleich sind Dinge, wenn in der empirischen Anschauung die Wahrnehmung des einen auf die
B 257 Wahrnehmung des anderen wechselseitig folgen kann, (welches in der Zeitfolge der Erscheinungen, wie beim zweiten Grundsatze gezeigt, worden, nicht geschehen kann). So kann ich meine Wahrnehmung zuerst am Monde, und nachher an der Erde, oder auch umgekehrt zuerst an der Erde und dann am Monde anstellen und darum, weil die Wahrnehmungen dieser Gegenstände einander wechselseitig folgen können, sage ich, sie existieren zugleich. Nun ist das Zugleichsein die Existenz des Mannigfaltigen in derselben Zeit. Man kann aber die Zeit selbst nicht wahrnehmen, um daraus, daß Dinge in derselben Zeit gesetzt sind, abzunehmen, daß die Wahrnehmungen derselben einander wechselseitig folgen können. Die Synthesis der Einbildungskraft in der Apprehension würde also nur eine jede dieser Wahrnehmungen als eine solche angeben, die im Subjekte da ist, wenn die andere nicht ist, und wechselsweise, nicht aber daß die Objekte zugleich seien, d.i. wenn das eine ist, das andere auch in derselben Zeit sei, und daß dieses notwendig sei, damit die Wahrnehmungen wechselseitig aufeinander folgen können. Folglich wird ein Verstandesbegriff von der wechselseitigen Folge der Bestimmungen dieser außer einander zugleich existierenden Dinge erfordert, um zu sagen, daß die wechselseitige Folge der Wahrnehmungen im Objekte gegründet sei, und das Zugleichsein dadurch als objektiv vorzustellen. Nun ist aber das Verhältnis der Substanzen, in welchem die eine Bestimmungen
B 258 enthält, wovon der Grund in der anderen enthalten ist, das Verhältnis des Einflusses, und, wenn wechselseitig dieses den Grund der Bestimmungen in dem anderen enthält, das Verhältnis der Gemeinschaft oder Wechselwirkung. Also kann das Zugleichsein der Substanzen im Raume nicht anders in der Erfahrung erkannt werden, als unter Voraussetzung einer Wechselwirkung derselben untereinander; diese ist also auch die Bedingung der Möglichkeit der Dinge selbst als Gegenstände der Erfahrung.
Dinge sind zugleich, sofern sie in einer und derselben Zeit existieren. Woran erkennt man aber: daß sie in einer und derselben Zeit sind? Wenn die Ordnung in der Synthesis der Apprehension dieses Mannigfaltigen gleichgültig ist, d.i. von A durch B, C, D auf E, oder auch umgekehrt von E zu A gehen kann. Denn, wäre sie in der Zeit nacheinander (in der Ordnung, die von A anhebt, und in E endigt), so ist es unmöglich, die Apprehension in der Wahrnehmung von E anzuheben, und rückwärts zu A fortzugehen, weil A zur vergangenen Zeit gehört, und also kein Gegenstand der Apprehension mehr sein kann.
Nehmet nun an: in einer Mannigfaltigkeit von Substanzen als Erscheinungen wäre jede derselben völlig isoliert, d.i. keine wirkte in die andere, und empfinge von dieser wechselseitig Einflüsse, so sage ich: daß das Zugleichsein derselben kein Gegenstand einer möglichen
B 259 Wahrnehmung sein würde, und daß das Dasein der einen, durch keinen Weg der empirischen Synthesis, auf das Dasein der anderen führen könnte. Denn, wenn ihr euch gedenkt, sie wären durch einen völlig leeren Raum getrennt, so würde die Wahrnehmung, die von der einen zur anderen in der Zeit fortgeht, zwar dieser ihr Dasein, vermittelst einer folgenden Wahrnehmung bestimmen, aber nicht unterscheiden können, ob die Erscheinung objektiv auf die erstere folge, oder mit jener vielmehr zugleich sei.
Es muß also noch außer dem bloßen Dasein etwas sein, wodurch A dem B seine Stelle in der Zeit bestimmt, und umgekehrt auch wiederum B dem A, weil nur unter dieser Bedingung gedachte Substanzen, als zugleich existierend, empirisch vorgestellt werden können. Nun bestimmt nur dasjenige dem anderen seine Stelle in der Zeit, was die Ursache von ihm oder seinen Bestimmungen ist. Also muß jede Substanz (da sie nur in Ansehung ihrer Bestimmungen Folge sein kann) die Kausalität gewisser Bestimmungen in der anderen, und zugleich die Wirkungen von der Kausalität der anderen in sich enthalten, d.i. sie müssen in dynamischer Gemeinschaft (unmittelbar oder mittelbar) stehen, wenn das Zugleichsein in irgendeiner möglichen Erfahrung erkannt werden soll. Nun ist aber alles dasjenige in Ansehung der Gegenstände der Erfahrung notwendig, ohne welches die Erfahrung von diesen Gegenständen selbst unmöglich sein
B 260 würde. Also ist es allen Substanzen in der Erscheinung, sofern sie zugleich sind, notwendig, in durchgängiger Gemeinschaft der Wechselwirkung untereinander zu stehen.
Das Wort Gemeinschaft ist in unserer Sprache zweideutig, und kann soviel als communio, aber auch als commercium bedeuten. Wir bedienen uns hier desselben im letzteren Sinn, als einer dynamischen Gemeinschaft, ohne welche selbst die lokale (communio spatii) niemals empirisch erkannt werden könnte. Unseren Erfahrungen ist es leicht anzumerken, daß nur die kontinuierlichen Einflüsse in allen Stellen des Raumes unseren Sinn von einem Gegenstande zum anderen leiten können, daß das Licht, welches zwischen unserem Auge und den Weltkörpern spielt, eine mittelbare Gemeinschaft zwischen uns und diesen bewirken und dadurch das Zugleichsein der letzteren beweisen, daß wir keinen Ort empirisch verändern (diese Veränderung wahrnehmen) können, ohne daß uns allerwärts Materie die Wahrnehmung unserer Stelle möglich mache, und diese nur vermittelst ihres wechselseitigen Einflusses ihr Zugleichsein, und dadurch, bis zu den entlegensten Gegenständen, die Koexistenz derselben (obzwar nur mittelbar) dartun kann. Ohne Gemeinschaft ist jede Wahrnehmung (der Erscheinung im Raume) von der anderen abgebrochen, und die Kette empirischer Vorstellungen, d.i. Erfahrung, würde bei einem neuen Objekt ganz von vorne anfangen,
B 261 ohne daß die vorige damit im geringsten zusammenhänge, oder im Zeitverhältnisse stehen könnte. Den leeren Raum will ich hierdurch gar nicht widerlegen; denn der mag immer sein, wohin Wahrnehmungen gar nicht reichen, und also keine empirische Erkenntnis des Zugleichseins stattfindet; er ist aber alsdann für alle unsere mögliche Erfahrung gar kein Objekt.
Zur Erläuterung kann folgendes dienen. In unserem Gemüte müssen alle Erscheinungen, als in einer möglichen Erfahrung enthalten, in Gemeinschaft (communio) der Apperzeption stehen, und sofern die Gegenstände als zugleich existierend verknüpft vorgestellt werden sollen, so müssen sie ihre Stelle in einer Zeit wechselseitig bestimmen, und dadurch ein Ganzes ausmachen. Soll diese subjektive Gemeinschaft auf einem objektiven Grunde beruhen, oder auf Erscheinungen als Substanzen bezogen werden, so muß die Wahrnehmung der einen, als Grund, die Wahrnehmung der anderen, und so umgekehrt, möglich machen, damit die Sukzession, die jederzeit in den Wahrnehmungen, als Apprehensionen ist, nicht den Objekten beigelegt werde, sondern diese als zugleichexistierend vorgestellt werden können. Dieses ist aber ein wechselseitiger Einfluß, d.i. eine reale Gemeinschaft (commercium) der Substanzen, ohne welche also das empirische Verhältnis des Zugleichseins nicht in der Erfahrung stattfinden könnte. Durch dieses Commercium machen die Erscheinungen, sofern sie
B 262 außereinander und doch in Verknüpfung stehen, ein Zusammengesetztes aus (compositum reale), und dergleichen Composita werden auf mancherlei Art möglich. Die drei dynamischen Verhältnisse, daraus alle übrigen entspringen, sind daher das der Inhärenz, der Konsequenz und der Komposition.
* * *
Dies sind denn also die drei Analogien der Erfahrung. Sie sind nichts anderes, als Grundsätze der Bestimmung des Daseins der Erscheinungen in der Zeit, nach allen drei modis derselben, dem Verhältnisse zu der Zeit selbst, als einer Größe (die Größe des Daseins, d.i. die Dauer), dem Verhältnisse in der Zeit, als einer Reihe (nacheinander), endlich auch in ihr, als einem Inbegriff alles Daseins (zugleich). Diese Einheit der Zeitbestimmung ist durch und durch dynamisch, d.i. die Zeit wird nicht als dasjenige angesehen, worin die Erfahrung unmittelbar jedem Dasein seine Stelle bestimmte, welches unmöglich ist, weil die absolute Zeit kein Gegenstand der Wahrnehmung ist, womit Erscheinungen könnten zusammengehalten werden; sondern die Regel des Verstandes, durch welche allein das Dasein der Erscheinungen synthetische Einheit nach Zeitverhältnissen bekommen kann, bestimmt jeder derselben ihre Stelle in der Zeit, mithin a priori, und gültig für alle und jede Zeit.
B 263 Unter Natur (im empirischen Verstande) verstehen wir den Zusammenhang der Erscheinungen ihrem Dasein nach, nach notwendigen Regeln, d.i. nach Gesetzen. Es sind also gewisse Gesetze, und zwar a priori, welche allererst eine Natur möglich machen; die empirischen können nur vermittelst der Erfahrung, und zwar zufolge jener ursprünglichen Gesetze, nach welchen selbst Erfahrung allererst möglich wird, stattfinden, und gefunden werden. Unsere Analogien stellen also eigentlich die Natureinheit im Zusammenhange aller Erscheinungen unter gewissen Exponenten dar, welche nichts anderes ausdrücken, als das Verhältnis der Zeit (sofern sie alles Dasein in sich begreift) zur Einheit der Apperzeption, die nur in der Synthesis nach Regeln stattfinden kann. Zusammen sagen sie also: alle Erscheinungen liegen in einer Natur, und müssen darin liegen, weil ohne diese Einheit a priori keine Einheit der Erfahrung, mithin auch keine Bestimmung der Gegenstände in derselben möglich wäre.
Über die Beweisart aber, deren wir uns bei diesen transzendentalen Naturgesetzen bedient haben, und die Eigentümlichkeit derselben, ist eine Anmerkung zu machen, die zugleich als Vorschrift für jeden anderen Versuch, intellektuelle und zugleich synthetische Sätze a priori zu beweisen, sehr wichtig sein muß. Hätten wir diese Analogien dogmatisch, d.i. aus Begriffen, beweisen wollen: daß nämlich alles, was existiert, nur in
B 264 dem angetroffen werde, was beharrlich ist, daß jede Begebenheit etwas im vorigen Zustande voraussetze, worauf es nach einer Regel folgt, endlich in dem Mannigfaltigen, das zugleich ist, die Zustände in Beziehung aufeinander nach einer Regel zugleich seien (in Gemeinschaft stehen), so wäre alle Bemühung gänzlich vergeblich gewesen. Denn man kann von einem Gegenstande und dessen Dasein auf das Dasein des anderen, oder seine Art zu existieren, durch bloße Begriffe dieser Dinge gar nicht kommen, man mag dieselben zergliedern, wie man wolle. Was blieb uns nun übrig? Die Möglichkeit der Erfahrung, als einer Erkenntnis, darin uns alle Gegenstände zuletzt müssen gegeben werden können, wenn ihre Vorstellung für uns objektive Realität haben soll. In diesem Dritten nun, dessen wesentliche Form in der synthetischen Einheit der Apperzeption aller Erscheinungen besteht, fanden wir Bedingungen a priori der durchgängigen und notwendigen Zeitbestimmung alles Daseins in der Erscheinung, ohne welche selbst die empirische Zeitbestimmung unmöglich sein würde, und fanden Regeln der synthetischen Einheit a priori, vermittelst deren wir die Erfahrung antizipieren konnten. In Ermanglung dieser Methode, und bei dem Wahne, synthetische Sätze, welche der Erfahrungsgebrauch des Verstandes als seine Prinzipien empfiehlt, dogmatisch beweisen zu wollen, ist es denn geschehen, daß von dem Satze des zureichenden Grundes so oft, aber immer
B 265 vergeblich ein Beweis ist versucht worden. An die beiden übrigen Analogien hat niemand gedacht, ob man sich ihrer gleich immer stillschweigend bediente*, weil der Leitfaden der Kategorien fehlte, der allein jede Lücke des Verstandes, sowohl in Begriffen als Grundsätzen, entdecken und merklich machen kann.
* Die Einheit des Weltganzen, in welchem alle Erscheinungen verknüpft sein sollen, ist offenbar eine bloße Folgerung des insgeheim angenommenen Grundsatzes der Gemeinschaft aller Substanzen, die zugleich sind: denn, wären sie isoliert, so würden sie nicht als Teile ein Ganzes ausmachen, und wäre ihre Verknüpfung (Wechselwirkung des Mannigfaltigen) nicht schon um des Zugleichseins willen notwendig, so könnte man aus diesem, als einem bloß idealen Verhältnis, auf jene, als ein reales, nicht schließen. Wiewohl wir an seinem Ort gezeigt haben: daß die Gemeinschaft eigentlich der Grund der Möglichkeit einer empirischen Erkenntnis, der Koexistenz sei, und daß man also eigentlich nur aus dieser auf jene, als ihre Bedingung, zurückschließe.
4 Die Postulate des empirischen Denkens überhaupt
1 Was mit den formalen Bedingungen der Erfahrung (der Anschauung und den Begriffen nach) übereinkommt, ist möglich.
2 B 266 Was mit den materialen Bedingungen der Erfahrung (der Empfindung) zusammenhängt, ist wirklich.
3 Dessen Zusammenhang mit dem Wirklichen nach allgemeinen Bedingungen der Erfahrung bestimmt ist, ist (existiert) notwendig.
Erläuterung
Die Kategorien der Modalität haben das Besondere an sich: daß sie den Begriff, dem sie als Prädikate beigefügt werden, als Bestimmung des Objekts nicht im mindesten vermehren, sondern nur das Verhältnis zum Erkenntnisvermögen ausdrücken. Wenn der Begriff eines Dinges schon ganz vollständig ist, so kann ich doch noch von diesem Gegenstande fragen, ob er bloß möglich, oder auch wirklich, oder, wenn er das letztere ist, ob er gar auch notwendig sei? Hierdurch werden keine Bestimmungen mehr im Objekte selbst gedacht, sondern es frägt sich nur, wie es sich (samt allen seinen Bestimmungen) zum Verstande und dessen empirischen Gebrauche, zur empirischen Urteilskraft, und zur Vernunft (in ihrer Anwendung auf Erfahrung) verhalte?
Eben um deswillen sind auch die Grundsätze der Modalität nichts weiter, als Erklärungen der Begriffe der Möglichkeit, Wirklichkeit und Notwendigkeit in ihrem empirischen Gebrauche, und hiermit zugleich Restriktionen aller Kategorien auf den bloß empirischen Gebrauch, ohne den transzendentalen zuzulassen und zu erlauben.
B 267 Denn, wenn diese nicht eine bloß logische Bedeutung haben, und die Form des Denkens analytisch ausdrücken sollen, sondern Dinge und deren Möglichkeit, Wirklichkeit oder Notwendigkeit betreffen sollen, so müssen sie auf die mögliche Erfahrung und deren synthetische Einheit gehen, in welcher allein Gegenstände der Erkenntnis gegeben werden.
Das Postulat der Möglichkeit der Dinge fordert also, daß der Begriff derselben mit den formalen Bedingungen einer Erfahrung überhaupt zusammenstimme. Diese, nämlich die objektive Form der Erfahrung überhaupt, enthält aber alle Synthesis, welche zur Erkenntnis der Objekte erfordert wird. Ein Begriff, der eine Synthesis in sich faßt, ist für leer zu halten, und bezieht sich auf keinen Gegenstand, wenn diese Synthesis nicht zur Erfahrung gehört, entweder als von ihr erborgt, und dann heißt er ein empirischer Begriff, oder als eine solche, auf der, als Bedingung a priori, Erfahrung überhaupt (die Form derselben) beruht, und dann ist es ein reiner Begriff, der dennoch zur Erfahrung gehört, weil sein Objekt nur in dieser angetroffen werden kann. Denn wo will man den Charakter der Möglichkeit eines Gegenstandes, der durch einen synthetischen Begriff a priori gedacht worden, hernehmen, wenn es nicht von der Synthesis geschieht, welche die Form der empirischen Erkenntnis der Objekte ausmacht? Daß in einem solchen Begriffe kein Widerspruch enthalten
B 268 sein müsse, ist zwar eine notwendige logische Bedingung; aber zur objektiven Realität des Begriffs, d.i. der Möglichkeit eines solchen Gegenstandes, als durch den Begriff gedacht wird, bei weitem nicht genug. So ist in dem Begriffe einer Figur, die in zwei geraden Linien eingeschlossen ist, kein Widerspruch, denn die Begriffe von zwei geraden Linien und deren Zusammenstoßung enthalten keine Verneinung einer Figur; sondern die Unmöglichkeit beruht nicht auf dem Begriffe an sich selbst, sondern der Konstruktion desselben im Raume, d.i. den Bedingungen des Raumes und der Bestimmung desselben, diese haben aber wiederum ihre objektive Realität, d.i. sie gehen auf mögliche Dinge, weil sie die Form der Erfahrung überhaupt a priori in sich enthalten.
Und nun wollen wir den ausgebreiteten Nutzen und Einfluß dieses Postulats der Möglichkeit vor Augen legen. Wenn ich mir ein Ding vorstelle, das beharrlich ist, so, daß alles, was da wechselt, bloß zu seinem Zustande gehört, so kann ich niemals aus einem solchen Begriffe allein erkennen, daß ein dergleichen Ding möglich sei. Oder, ich stelle mir etwas vor, welches so beschaffen sein soll, daß, wenn es gesetzt wird, jederzeit und unausbleiblich etwas anderes darauf erfolgt, so mag dieses allerdings ohne Widerspruch so gedacht werden können; ob aber dergleichen Eigenschaft (als Kausalität) an irgendeinem möglichen Dinge angetroffen werde, kann dadurch nicht geurteilt werden. Endlich kann ich mir verschiedene Dinge
B 269 (Substanzen) vorstellen, die so beschaffen sind, daß der Zustand des einen eine Folge im Zustande des anderen nach sich zieht, und so wechselweise; aber, ob dergleichen Verhältnis irgend Dingen zukommen könne, kann aus diesen Begriffen, welche eine bloß willkürliche Synthesis enthalten, gar nicht abgenommen werden. Nur daran also, daß diese Begriffe die Verhältnisse der Wahrnehmungen in jeder Erfahrung a priori ausdrücken, erkennt man ihre objektive Realität, d.i. ihre transzendentale Wahrheit, und zwar freilich unabhängig von der Erfahrung, aber doch nicht unabhängig von aller Beziehung auf die Form einer Erfahrung überhaupt, und die synthetische Einheit, in der allein Gegenstände empirisch können erkannt werden.
Wenn man sich aber gar neue Begriffe von Substanzen, von Kräften, von Wechselwirkungen, aus dem Stoffe, den uns die Wahrnehmung darbietet, machen wollte, ohne von der Erfahrung selbst das Beispiel ihrer Verknüpfung zu entlehnen, so würde man in lauter Hirngespinste geraten, deren Möglichkeit ganz und gar kein Kennzeichen für sich hat, weil man bei ihnen nicht Erfahrung zur Lehrerin annimmt, noch diese Begriffe von ihr entlehnt. Dergleichen gedichtete Begriffe können den Charakter ihrer Möglichkeit nicht so, wie die Kategorien, a priori, als Bedingungen, von denen alle Erfahrung abhängt, sondern nur a posteriori, als solche, die durch die Erfahrung selbst gegeben werden, bekommen, und
B 270 ihre Möglichkeit muß entweder a posteriori und empirisch, oder sie kann gar nicht erkannt werden. Eine Substanz, welche beharrlich im Raume gegenwärtig wäre, doch ohne ihn zu erfüllen, (wie dasjenige Mittelding zwischen Materie und denkenden Wesen, welches einige haben einführen wollen,) oder eine besondere Grundkraft unseres Gemüts, das Künftige zum voraus anzuschauen (nicht etwa bloß zu folgern), oder endlich ein Vermögen desselben, mit anderen Menschen in Gemeinschaft der Gedanken zu stehen (so entfernt sie auch sein mögen), das sind Begriffe, deren Möglichkeit ganz grundlos ist, weil sie nicht auf Erfahrung und deren bekannte Gesetze gegründet werden kann, und ohne sie eine willkürliche Gedankenverbindung ist, die, ob sie zwar keinen Widerspruch enthält, doch keinen Anspruch auf objektive Realität, mithin auf die Möglichkeit eines solchen Gegenstandes, als man sich hier denken will, machen kann. Was Realität betrifft, so verbietet es sich wohl von selbst, sich eine solche in concreto zu denken, ohne die Erfahrung zu Hilfe zu nehmen, weil sie nur auf Empfindung, als Materie der Erfahrung, gehen kann, und nicht die Form des Verhältnisses betrifft, mit der man allenfalls in Erdichtungen spielen könnte.
Aber ich lasse alles vorbei, dessen Möglichkeit nur aus der Wirklichkeit in der Erfahrung kann abgenommen werden, und erwäge hier nur die Möglichkeit der Dinge durch Begriffe a priori, von denen ich fortfahre zu
B 271 behaupten, daß sie niemals aus solchen Begriffen für sich allein, sondern jederzeit nur als formale und objektive Bedingungen einer Erfahrung überhaupt stattfinden können.
Es hat zwar den Anschein, als wenn die Möglichkeit eines Triangels aus seinem Begriffe an sich selbst könne erkannt werden (von der Erfahrung ist er gewiß unabhängig); denn in der Tat können wir ihm gänzlich a priori einen Gegenstand geben, d.i. ihn konstruieren. Weil dieses aber nur die Form von einem Gegenstande ist, so würde er doch immer nur ein Produkt der Einbildung bleiben, von dessen Gegenstand die Möglichkeit noch zweifelhaft bliebe, als wozu noch etwas mehr erfordert wird, nämlich daß eine solche Figur unter lauter Bedingungen, auf denen alle Gegenstände der Erfahrung beruhen, gedacht sei. Daß nun der Raum eine formale Bedingung a priori von äußeren Erfahrungen ist, daß eben dieselbe bildende Synthesis, wodurch wir in der Einbildungskraft einen Triangel konstruieren, mit derjenigen gänzlich einerlei sei, welche wir in der Apprehension einer Erscheinung ausüben, um uns davon einen Erfahrungsbegriff zu machen, das ist es allein, was mit diesem Begriffe die Vorstellung von der Möglichkeit eines solchen Dinges verknüpft. Und so ist die Möglichkeit kontinuierlicher Größen, ja sogar der Größen überhaupt, weil die Begriffe davon insgesamt synthetisch sind, niemals aus den Begriffen selbst, sondern aus ihnen, als
B 272 formalen Bedingungen der Bestimmung der Gegenstände in der Erfahrung überhaupt allererst klar; und wo sollte man auch Gegenstände suchen wollen, die den Begriffen korrespondierten, wäre es nicht in der Erfahrung, durch die uns allein Gegenstände gegeben werden? wiewohl wir, ohne eben Erfahrung selbst voranzuschicken, bloß in Beziehung auf die formalen Bedingungen, unter welchen in ihr überhaupt etwas als Gegenstand bestimmt wird, mithin völlig a priori, aber doch nur in Beziehung auf sie, und innerhalb ihren Grenzen, die Möglichkeit der Dinge erkennen und charakterisieren können.
Das Postulat, die Wirklichkeit der Dinge zu erkennen, fordert Wahrnehmung, mithin Empfindung, deren man sich bewußt ist, zwar nicht eben unmittelbar, von dem Gegenstande selbst, dessen Dasein erkannt werden soll, aber doch Zusammenhang desselben mit irgendeiner wirklichen Wahrnehmung, nach den Analogien der Erfahrung, welche alle reale Verknüpfung in einer Erfahrung überhaupt darlegen.
In dem bloßen Begriffe eines Dinges kann gar kein Charakter seines Daseins angetroffen werden. Denn ob derselbe gleich noch so vollständig sei, daß nicht das mindeste ermangle, um ein Ding mit allen seinen inneren Bestimmungen zu denken, so hat das Dasein mit allem diesem doch gar nichts zu tun, sondern nur mit der Frage: ob ein solches Ding uns gegeben sei, so, daß die Wahrnehmung desselben vor dem Begriffe allenfalls
B 273 vorhergehen könne. Denn, daß der Begriff vor der Wahrnehmung vorhergeht, bedeutet dessen bloße Möglichkeit; die Wahrnehmung aber, die den Stoff zum Begriff hergibt, ist der einzige Charakter der Wirklichkeit. Man kann aber auch vor der Wahrnehmung des Dinges, und also komparative a priori das Dasein desselben erkennen, wenn es nur mit einigen Wahrnehmungen, nach den Grundsätzen der empirischen Verknüpfung derselben (den Analogien), zusammenhängt. Denn alsdann hängt doch das Dasein des Dinges mit unseren Wahrnehmungen in einer möglichen Erfahrung zusammen, und wir können nach dem Leitfaden jener Analogien, von unserer wirklichen Wahrnehmung zu dem Dinge in der Reihe möglicher Wahrnehmungen gelangen. So erkennen wir das Dasein einer alle Körper durchdringenden magnetischen Materie aus der Wahrnehmung des gezogenen Eisenfeiligs, obzwar eine unmittelbare Wahrnehmung dieses Stoffs uns nach der Beschaffenheit unserer Organe unmöglich ist. Denn überhaupt würden wir, nach Gesetzen der Sinnlichkeit und dem Kontext unserer Wahrnehmungen, in einer Erfahrung auch auf die unmittelbare empirische Anschauung derselben stoßen, wenn unsere Sinne feiner wären, deren Grobheit die Form möglicher Erfahrung überhaupt nichts angeht. Wo also Wahrnehmung und deren Anhang nach empirischen Gesetzen hinreicht, dahin reicht auch unsere Erkenntnis vom Dasein der Dinge. Fangen wir nicht von Erfahrung an, oder gehen
B 274 wir nicht nach Gesetzen des empirischen Zusammenhanges der Erscheinungen fort, so machen wir uns vergeblich Staat, das Dasein irgendeines Dinges erraten oder erforschen zu wollen. Einen mächtigen Einwurf aber wider diese Regeln, das Dasein mittelbar zu beweisen, macht der Idealismus, dessen Widerlegung hier an der rechten Stelle, ist.
Widerlegung des Idealismus
Der Idealismus (ich verstehe den materialen) ist die Theorie, welche das Dasein der Gegenstände im Raum außer uns entweder bloß für zweifelhaft und unerweislich, oder für falsch und unmöglich erklärt; der erstere ist der problematische des Cartesius, der nur Eine empirische Behauptung (assertio), nämlich: Ich bin, für ungezweifelt erklärt; der zweite ist der dogmatische des Berkeley, der den Raum, mit allen den Dingen, welchen er als unabtrennliche Bedingung anhängt, für etwas, was an sich selbst unmöglich sei, und darum auch die Dinge im Raum für bloße Einbildungen erklärt. Der dogmatische Idealismus ist unvermeidlich, wenn man den Raum als Eigenschaft, die den Dingen an sich selbst zukommen soll, ansieht; denn da ist er mit allem, dem er zur Bedingung dient, ein Unding. Der Grund zu diesem Idealismus aber ist von uns in der transzendentalen Ästhetik gehoben. Der problematische, der nichts hierüber behauptet, sondern nur
B 275 das Unvermögen, ein Dasein außer dem unserigen durch unmittelbare Erfahrung zu beweisen, vorgibt, ist vernünftig und einer gründlichen philosophischen Denkungsart gemäß; nämlich, bevor ein hinreichender Beweis gefunden worden, kein entscheidendes Urteil zu erlauben. Der verlangte Beweis muß also dartun, daß wir von äußeren Dingen auch Erfahrung und nicht bloß Einbildung haben; welches wohl nicht anders wird geschehen können, als wenn man beweisen kann, daß selbst unsere innere, dem Cartesius unbezweifelte, Erfahrung nur unter Voraussetzung äußerer Erfahrung möglich sei.
Lehrsatz
Das bloße, aber empirisch bestimmte, Bewußtsein meines eigenen Daseins beweist das Dasein der Gegenstände im Raum außer mir.
Beweis
Ich bin mir meines Daseins als in der Zeit bestimmt bewußt. Alle Zeitbestimmung setzt etwas Beharrliches in der Wahrnehmung voraus. Dieses Beharrliche aber kann nicht etwas in mir sein, weil eben mein Dasein in der Zeit durch dieses Beharrliche allererst bestimmt werden kann 1). Also ist die Wahrnehmung dieses Beharrlichen nur durch ein Ding außer mir und nicht durch die bloße Vorstellung eines Dinges außer mir möglich. Folglich ist die Bestimmung meines Daseins in der Zeit nur durch die Existenz wirklicher Dinge, die ich
B 276 außer mir wahrnehme, möglich. Nun ist das Bewußtsein in der Zeit mit dem Bewußtsein der Möglichkeit dieser Zeitbestimmung notwendig verbunden: Also ist es auch mit der Existenz der Dinge außer mir, als Bedingung der Zeitbestimmung, notwendig verbunden; d.i. das Bewußtsein meines eigenen Daseins ist zugleich ein unmittelbares Bewußtsein des Daseins anderer Dinge außer mir.
1 Der Satz ist nach Kants Vorrede zu dieser zweiten Ausgabe folgendermaßen umzuändern: "Dieses Beharrliche aber kann nicht eine Anschauung in mir sein. Denn alle Bestimmungsgründe meines Daseins, die in mir angetroffen werden können, sind Vorstellungen, und bedürfen als solche, selbst ein von ihnen unterschiedenes Beharrliches, worauf in Beziehung der Wechsel derselben, mithin mein Dasein in der Zeit, darin sie wechseln, bestimmt werden können".
Anmerkung 1. Man wird in dem vorhergehenden Beweise gewahr, daß das Spiel, welches der Idealismus trieb, ihm mit mehrerem Rechte umgekehrt vergolten wird. Dieser nahm an, daß die einzige unmittelbare Erfahrung die innere sei, und daraus auf äußere Dinge nur geschlossen werde, aber, wie allemal, wenn man aus gegebenen Wirkungen auf bestimmte Ursachen schließt, nur unzuverlässig, weil auch in uns selbst die Ursache der Vorstellungen liegen kann, die wir äußeren Dingen, vielleicht fälschlich, zuschreiben. Allein hier wird bewiesen, daß äußere Erfahrung eigentlich unmittelbar sei,* daß
B 277 nur vermittelst ihrer, zwar nicht das Bewußtsein unserer eigenen Existenz, aber doch die Bestimmung derselben in der Zeit, d.i. innere Erfahrung, möglich sei. Freilich ist die Vorstellung: ich bin, die das Bewußtsein ausdrückt, welches alles Denken begleiten kann, das, was unmittelbar die Existenz eines Subjekts in sich schließt, aber noch keine Erkenntnis desselben, mithin auch nicht empirische, d.i. Erfahrung; denn dazu gehört, außer dem Gedanken von etwas Existierendem, noch Anschauung und hier innere, in Ansehung deren, d.i. der Zeit, das Subjekt bestimmt werden muß, wozu durchaus äußere Gegenstände erforderlich sind, so, daß folglich innere Erfahrung selbst nur mittelbar und nur durch äußere möglich ist.
* Das unmittelbare Bewußtsein des Daseins äußerer Dinge wird in dem vorstehenden Lehrsatze nicht vorausgesetzt, sondern bewiesen, die Möglichkeit dieses Bewußtseins mögen wir einsehen, oder nicht. Die Frage wegen der letzteren würde sein: ob wir nur einen inneren Sinn, aber keinen äußeren, sondern bloß äußere Einbildung hätten. Es ist aber klar, daß, um uns auch nur etwas als äußerlich einzubilden, d.i. dem Sinne in der Anschauung darzustellen, wir schon einen äußeren Sinn haben, und dadurch die bloße Rezeptivität einer äußeren Anschauung von der Spontaneität, die jede Einbildung charakterisiert, unmittelbar unterscheiden müssen. Denn sich auch einen äußeren Sinn bloß einzubilden, würde das Anschauungsvermögen, welches durch die Einbildungskraft bestimmt werden soll, selbst vernichten.
Anmerkung 2. Hiermit stimmt nun aller Erfahrungsgebrauch unseres Erkenntnisvermögens in Bestimmung der Zeit vollkommen überein. Nicht allein, daß wir alle Zeitbestimmung nur durch den Wechsel in äußeren Verhältnissen (die Bewegung) in Beziehung auf das Beharrliche im Raume (z.B. Sonnenbewegung in
B 278 Ansehung der Gegenstände. der Erde,) vornehmen können, so haben wir so gar nichts Beharrliches, was wir dem Begriffe einer Substanz, als Anschauung, unterlegen könnten, als bloß die Materie und selbst diese Beharrlichkeit wird nicht aus äußerer Erfahrung geschöpft, sondern a priori als notwendige Bedingung aller Zeitbestimmung, mithin auch als Bestimmung des inneren Sinnes in Ansehung unseres eigenen Daseins durch die Existenz äußerer Dinge vorausgesetzt. Das Bewußtsein meiner selbst in der Vorstellung Ich ist gar keine Anschauung, sondern eine bloß intellektuelle Vorstellung der Selbsttätigkeit eines denkenden Subjekts. Daher hat dieses Ich auch nicht das mindeste Prädikat der Anschauung, welches, als beharrlich, der Zeitbestimmung im inneren Sinne zum Korrelat dienen könnte: wie etwa Undurchdringlichkeit an der Materie, als empirischer Anschauung, ist.
Anmerkung 3. Daraus, daß die Existenz äußerer Gegenstände zur Möglichkeit eines bestimmten Bewußtseins unserer selbst erfordert wird, folgt nicht, daß jede anschauliche Vorstellung äußerer Dinge zugleich die Existenz derselben einschließe, denn jene kann gar wohl die bloße Wirkung der Einbildungskraft (in Träumen sowohl als im Wahnsinn) sein; sie ist es aber bloß durch die Reproduktion ehemaliger äußerer Wahrnehmungen, welche, wie gezeigt worden, nur durch die Wirklichkeit äußerer Gegenstände möglich sind. Es hat hier, nur, bewiesen werden sollen, daß innere Erfahrung überhaupt nur
B 279 durch äußere Erfahrung überhaupt möglich sei. Ob diese oder jene vermeinte Erfahrung nicht bloße Einbildung sei, muß nach den besonderen Bestimmungen derselben und durch Zusammenhaltung mit den Kriterien aller wirklichen Erfahrung, ausgemittelt werden.
* * *
Was endlich das dritte Postulat betrifft, so geht es auf die materiale Notwendigkeit im Dasein, und nicht die bloß formale und logische in Verknüpfung der Begriffe. Da nun keine Existenz der Gegenstände der Sinne völlig a priori erkannt werden kann, aber doch komparative a priori relativisch auf ein anderes schon gegebenes Dasein, gleichwohl aber auch alsdann nur auf diejenige Existenz kommen kann, die irgendwo in dem Zusammenhange der Erfahrung, davon die gegebene Wahrnehmung ein Teil ist, enthalten sein muß: so kann die Notwendigkeit der Existenz, niemals aus Begriffen, sondern jederzeit nur aus der Verknüpfung mit demjenigen, was wahrgenommen wird, nach allgemeinen Gesetzen der Erfahrung erkannt werden können. Da ist nun kein Dasein, was unter der Bedingung anderer gegebener Erscheinungen, als notwendig erkannt werden könnte, als das Dasein der Wirkungen aus gegebenen Ursachen nach Gesetzen der Kausalität. Also ist es nicht das Dasein der Dinge (Substanzen), sondern ihres Zustandes, wovon wir allein die Notwendigkeit erkennen können, und
B 280 zwar aus anderen Zuständen, die in der Wahrnehmung gegeben sind, nach empirischen Gesetzen der Kausalität. Hieraus folgt: daß das Kriterium der Notwendigkeit lediglich in dem Gesetze der möglichen Erfahrung liege: daß alles, was geschieht, durch ihre Ursache in der Erscheinung a priori bestimmt sei. Daher erkennen wir nur die Notwendigkeit der Wirkungen in der Natur, deren Ursachen uns gegeben sind, und das Merkmal der Notwendigkeit im Dasein reicht nicht weiter, als das Feld möglicher Erfahrung, und selbst in diesem gilt es nicht von der Existenz der Dinge, als Substanzen, weil diese niemals, als empirische Wirkungen, oder etwas, das geschieht und entsteht, können angesehen werden. Die Notwendigkeit betrifft also nur die Verhältnisse der Erscheinungen nach dem dynamischen Gesetze der Kausalität, und die darauf sich gründende Möglichkeit, aus irgendeinem gegebenen Dasein (einer Ursache) a priori auf ein anderes Dasein (der Wirkung) zu schließen. Alles, was geschieht, ist hypothetisch notwendig; das ist ein Grundsatz, welcher die Veränderung in der Welt einem Gesetze unterwirft, d.i. einer Regel des notwendigen Daseins, ohne welche gar nicht einmal Natur stattfinden würde. Daher ist der Satz: nichts geschieht durch ein blindes Ohngefähr (in mundo non datur casus) ein Naturgesetz a priori; imgleichen: keine Notwendigkeit in der Natur ist blinde, sondern bedingte, mithin verständliche Notwendigkeit (non datur fatum). Beide sind solche
B 281 Gesetze, durch welche das Spiel der Veränderungen einer Natur der Dinge (als Erscheinungen) unterworfen wird, oder, welches einerlei ist, der Einheit des Verstandes, in welchem sie allein zu einer Erfahrung, als der synthetischen Einheit der Erscheinungen, gehören können. Diese beiden Grundsätze gehören zu den dynamischen. Der erstere ist eigentlich eine Folge des Grundsatzes von der Kausalität (unter den Analogien der Erfahrung). Der zweite gehört zu den Grundsätzen der Modalität, welche zu der Kausalbestimmung noch den Begriff der Notwendigkeit, die aber unter einer Regel des Verstandes steht, hinzutut. Das Prinzip der Kontinuität verbot in der Reihe der Erscheinungen (Veränderungen) allen Absprung (in mundo non datur saltus), aber auch in dem Inbegriff aller empirischen Anschauungen im Raume alle Lücke oder Kluft zwischen zwei Erscheinungen (non datur hiatus); denn so kann man den Satz ausdrücken: das in die Erfahrung nichts hineinkommen kann, was ein Vakuum bewiese, oder auch nur als einen Teil der empirischen Synthesis zuließe. Denn was das Leere betrifft, welches man sich außerhalb dem Felde möglicher Erfahrung (der Welt) denken mag, so gehört dieses nicht vor die Gerichtsbarkeit des bloßen Verstandes, welcher nur über die Fragen entscheidet, die die Nutzung gegebener Erscheinungen zur empirischen Erkenntnis betreffen, und ist eine Aufgabe für die idealische Vernunft, die noch über die Sphäre einer möglichen Erfahrung hinausgeht,
B 282 und von dem urteilen will, was diese selbst umgibt und begrenzt, muß daher in der transszendentalen Dialektik erwogen werden. Diese vier Sätze (in mundo non datur hiatus, non datur saltus, non datur casus, non datur fatum) könnten wir leicht, so wie alle Grundsätze transzendentalen Ursprungs, nach ihrer Ordnung, gemäß der Ordnung der Kategorien vorstellig machen, und jedem seine Stelle beweisen, allein der schon geübte Leser wird dieses von selbst tun, oder den Leitfaden dazu leicht entdecken. Sie vereinigen sich aber alle lediglich dahin, um in der empirischen Synthesis nichts zuzulassen, was dem Verstande und dem kontinuierlichen Zusammenhange aller Erscheinungen, d.i. der Einheit seiner Begriffe, Abbruch oder Eintrag tun könnte. Denn er ist es allein, worin die Einheit der Erfahrung, in der alle Wahrnehmungen ihre Stelle haben müssen, möglich wird.
Ob das Feld der Möglichkeit größer sei, als das Feld, was alles Wirkliche enthält, dieses aber wiederum größer, als die Menge desjenigen, was notwendig ist, das sind artige Fragen, und zwar von synthetischer Auflösung, die aber auch nur der Gerichtsbarkeit der Vernunft anheimfallen; denn sie wollen ungefähr soviel sagen, als, ob alle Dinge, als Erscheinungen, insgesamt in den Inbegriff und den Kontext einer einzigen Erfahrung gehören, von der jede gegebene Wahrnehmung ein Teil ist, der also mit keinen anderen Erscheinungen
B 283 könne verbunden werden, oder ob meine Wahrnehmungen zu mehr als einer möglichen Erfahrung (in ihrem allgemeinen Zusammenhange) gehören können. Der Verstand gibt a priori der Erfahrung überhaupt nur die Regel, nach den subjektiven und formalen Bedingungen, sowohl der Sinnlichkeit als der Apperzeption, welche sie allein möglich machen. Andere Formen der Anschauung, (als Raum und Zeit,) imgleichen andere Formen des Verstandes, (als die diskursive des Denkens, oder der Erkenntnis durch Begriffe,) ob sie gleich möglich wären, können wir uns doch auf keinerlei Weise erdenken und faßlich machen, aber, wenn wir es auch könnten, so würden sie doch nicht zur Erfahrung, als dem einzigen Erkenntnis gehören, worin uns Gegenstände gegeben werden. Ob andere Wahrnehmungen, als überhaupt, zu unserer gesamten möglichen Erfahrung gehören, und also ein ganz anderes Feld der Materie noch stattfinden könne, kann der Verstand nicht entscheiden, er hat es nur mit der Synthesis dessen zu tun, was gegeben ist. Sonst ist die Armseligkeit unserer gewöhnlichen Schlüsse, wodurch wir ein großes Reich der Möglichkeit herausbringen, davon alles Wirkliche (aller Gegenstand der Erfahrung) nur ein kleiner Teil sei, sehr in die Augen fallend. Alles Wirkliche ist möglich; hieraus folgt natürlicherweise, nach den logischen Regeln der Umkehrung, der bloß partikulare Satz: einiges Mögliche ist wirklich, welches denn soviel zu bedeuten
B 284 scheint, als: es ist vieles möglich, was nicht wirklich ist. Zwar hat es den Anschein, als könne man auch geradezu die Zahl des Möglichen über die des Wirklichen dadurch hinaussetzen, weil zu jener noch etwas hinzukommen muß, um diese auszumachen. Allein dieses Hinzukommen zum Möglichen kenne ich nicht. Denn was über dasselbe noch zugesetzt werden sollte, wäre unmöglich. Es kann nur zu meinem Verstande etwas über die Zusammenstimmung mit den formalen Bedingungen der Erfahrung, nämlich die Verknüpfung mit irgendeiner Wahrnehmung, hinzukommen; was aber mit dieser nach empirischen Gesetzen verknüpft ist, ist wirklich, ob es gleich unmittelbar nicht wahrgenommen wird. Daß aber im durchgängigen Zusammenhange mit dem, was mir in der Wahrnehmung gegeben ist, eine andere Reihe von Erscheinungen, mithin mehr als eine einzige alles befassende Erfahrung möglich sei, läßt sich aus dem, was gegeben ist, nicht schließen, und, ohne daß irgend etwas gegeben ist, noch viel weniger; weil ohne Stoff sich überall nichts denken läßt. Was unter Bedingungen, die selbst bloß möglich sind, allein möglich ist, ist es nicht in aller Absicht. In dieser aber wird die Frage genommen, wenn man wissen will, ob die Möglichkeit der Dinge sich weiter erstrecke, als Erfahrung reichen kann.
Ich habe dieser Fragen nur Erwähnung getan, um keine Lücke in demjenigen zu lassen, was, der
B 285 gemeinen Meinung nach, zu den Verstandesbegriffen gehört. In der Tat ist aber die absolute Möglichkeit (die in aller Absicht gültig ist) kein bloßer Verstandesbegriff, und kann auf keinerlei Weise von empirischem Gebrauche sein, sondern er gehört allein der Vernunft zu, die über allen möglichen empirischen Verstandesgebrauch hinausgeht. Daher haben wir uns hierbei mit einer bloß kritischen Anmerkung begnügen müssen, übrigens aber die Sache bis zum weiteren künftigen Verfahren in der Dunkelheit gelassen.
Da ich eben diese vierte Nummer, und mit ihr zugleich das System aller Grundsätze des reinen Verstandes schließen will, so muß ich noch Grund angeben, warum ich die Prinzipien der Modalität gerade Postulate genannt habe. Ich will diesen Ausdruck hier nicht in der Bedeutung nehmen, welche ihm einige neuere philosophische Verfasser, wider den Sinn der Mathematiker, denen er doch eigentlich angehört, gegeben haben, nämlich: daß Postulieren so viel heißen solle, als einen Satz für unmittelbar gewiß, ohne Rechtfertigung, oder Beweis ausgeben; denn, wenn wir das bei synthetischen Sätzen, so evident sie auch sein mögen, einräumen sollten, daß man sie ohne Deduktion, auf das Ansehen ihres eigenen Ausspruchs, dem unbedingten Beifalle aufheften dürfe, so ist alle Kritik des Verstandes verloren, und, da es an dreisten Anmaßungen nicht fehlt, deren sich auch der gemeine Glaube, (der aber kein
B 286 Kreditiv ist) nicht weigert; so wird unser Verstand jedem Wahne offen stehen, ohne daß er seinen Beifall denen Aussprüchen versagen kann, die, obgleich unrechtmäßig, doch in eben demselben Tone der Zuversicht, als wirkliche Axiome eingelassen zu werden verlangen. Wenn also zu dem Begriffe eines Dinges eine Bestimmung a priori synthetisch hinzukommt, so muß von einem solchen Satze, wo nicht ein Beweis, doch wenigstens eine Deduktion der Rechtmäßigkeit seiner Behauptung unnachläßlich hinzugefügt werden.
Die Grundsätze der Modalität sind aber nicht objektiv synthetisch, weil die Prädikate der Möglichkeit, Wirklichkeit und Notwendigkeit den Begriff, von dem sie gesagt werden, nicht im mindesten vermehren, dadurch daß sie der Vorstellung des Gegenstandes noch etwas hinzusetzten. Da sie aber gleichwohl doch immer synthetisch sind, so sind sie es nur subjektiv, d.i. sie fügen zu dem Begriffe eines Dinges, (Realen,) von dem sie sonst nichts sagen, die Erkenntniskraft hinzu, worin er entspringt und seinen Sitz hat, so, daß, wenn er bloß im Verstande mit den formalen Bedingungen der Erfahrung in Verknüpfung ist, sein Gegenstand möglich heißt; ist er mit der Wahrnehmung (Empfindung, als Materie der Sinne) im Zusammenhange, und durch dieselben vermittelst des Verstandes bestimmt, so ist das Objekt wirklich; ist er durch den Zusammenhang der Wahrnehmungen nach Begriffen bestimmt, so heißt der
B 287 Gegenstand notwendig. Die Grundsätze der Modalität also sagen von einem Begriffe nichts anderes, als die Handlung des Erkenntnisvermögens, dadurch er erzeugt wird. Nun heißt ein Postulat in der Mathematik der praktische Satz, der nichts als die Synthesis enthält, wodurch wir einen Gegenstand uns zuerst geben, und dessen Begriff erzeugen, z.B. mit einer gegebenen Linie, aus einem gegebenen Punkt auf einer Ebene einen Zirkel zu beschreiben, und ein dergleichen Satz kann darum nicht bewiesen werden, weil das Verfahren, was er fordert, gerade das ist, wodurch wir den Begriff von einer solchen Figur zuerst erzeugen. So können wir demnach mit ebendemselben Rechte die Grundsätze der Modalität postulieren, weil sie ihren Begriff von Dingen überhaupt nicht vermehren*, sondern nur die Art anzeigen, wie er überhaupt mit der Erkenntniskraft verbunden wird.
* Durch die Wirklichkeit eines Dinges, setze ich freilich mehr, als die Möglichkeit, aber nicht in dem Dinge; denn das kann niemals mehr in der Wirklichkeit enthalten, als was in dessen vollständiger Möglichkeit enthalten war. Sondern da die Möglichkeit bloß eine Position des Dinges in Beziehung auf den Verstand (dessen empirischen Gebrauch) war, so ist die Wirklichkeit zugleich eine Verknüpfung desselben mit der Wahrnehmung.
B 288 Allgemeine Anmerkung zum System der Grundsätze
Es ist etwas sehr Bemerkungswürdiges, daß wir die Möglichkeit keines Dinges nach der bloßen Kategorie einsehen können, sondern immer eine Anschauung bei der Hand haben müssen, um an derselben die objektive Realität des reinen Verstandesbegriffs darzulegen. Man nehme z.B. die Kategorien der Relation. Wie 1) etwas nur als Subjekt, nicht als bloße Bestimmung anderer Dinge existieren, d.i. Substanz sein könne, oder wie 2) darum, weil etwas ist, etwas anderes sein müsse, mithin wie, etwas überhaupt Ursache sein könne, oder 3) wie, wenn mehrere Dinge da sind, daraus, daß eines derselben da ist, etwas auf die übrigen und so wechselseitig folge, und auf diese Art eine Gemeinschaft von Substanzen statthaben könne, läßt sich gar nicht aus bloßen Begriffen einsehen. Eben dieses gilt auch von den übrigen Kategorien, z.B. wie ein Ding mit vielen zusammen einerlei, d.i. eine Größe sein könne usw. Solange es also an Anschauung fehlt, weiß man nicht, ob man durch die Kategorien ein Objekt denkt, und ob ihnen auch überall gar irgend ein Objekt zukommen könne, und so bestätigt sich, daß sie für sich gar keine Erkenntnisse, sondern bloße Gedankenformen sind, um aus gegebenen Anschauungen Erkenntnisse zu machen. -
B 289 Eben daher kommt es auch, daß aus bloßen Kategorien kein synthetischer Satz gemacht werden kann. Z.B. in allem Dasein ist Substanz, d.i. etwas, was nur als Subjekt und nicht als bloßes Prädikat existieren kann; oder, ein jedes Ding ist ein Quantum usw., wo gar nichts ist, was uns dienen könnte, über einen gegebenen Begriff hinauszugehen und einen anderen damit zu verknüpfen. Daher es auch niemals gelungen ist, aus bloßen reinen Verstandesbegriffen einen synthetischen Satz zu beweisen, z.B. den Satz: alles zufällig Existierende hat eine Ursache. Man konnte niemals weiter kommen, als zu beweisen, daß, ohne diese Beziehung, wir die Existenz des Zufälligen gar nicht begreifen, d.i. a priori durch den Verstand die Existenz eines solchen Dinges nicht erkennen könnten; woraus aber nicht folgt, daß eben dieselbe auch die Bedingung der Möglichkeit der Sachen selbst sei. Wenn man daher nach unserem Beweise des Grundsatzes der Kausalität zurück sehen will, so wird man gewahr werden, daß wir denselben nur von Objekten möglicher Erfahrung beweisen konnten: alles was geschieht (eine jede Begebenheit) setzt eine Ursache voraus, und zwar so, daß wir ihn auch nur als Prinzip der Möglichkeit der Erfahrung, mithin der Erkenntnis eines in der empirischen Anschauung gegebenen Objekts, und nicht aus bloßen Begriffen beweisen konnten. Daß gleichwohl der Satz: alles Zufällige müsse eine Ursache haben, doch jedermann aus bloßen
B 290 Begriffen klar einleuchte, ist nicht zu leugnen; aber alsdann ist der Begriff des Zufälligen schon so gefaßt, daß er nicht die Kategorie der Modalität (als etwas, dessen Nichtsein sich denken läßt), sondern die der Relation (als etwas, das nur als Folge von einem anderen existieren kann) enthält, und da ist es freilich ein identischer Satz: was nur als Folge existieren kann, hat seine Ursache. In der Tat, wenn wir Beispiele vom zufälligen Dasein geben sollen, berufen wir uns immer auf Veränderungen und nicht bloß auf die Möglichkeit des Gedankens vom Gegenteil*. Veränderung aber ist Begebenheit, die,
B 291 als solche, nur durch eine Ursache möglich, deren Nichtsein also für sich möglich ist, und so erkennt man die Zufälligkeit daraus, daß etwas nur als Wirkung einer Ursache existieren kann; wird daher ein Ding als zufällig angenommen, so ist's ein analytischer Satz, zu sagen, es habe eine Ursache.
* Man kann sich das Nichtsein der Materie leicht denken, aber die Alten folgerten daraus doch nicht ihre Zufälligkeit. Allein selbst der Wechsel des Seins und Nichtseins eines gegebenen Zustandes eines Dinges, darin alle Veränderung besteht, beweist gar nicht die Zufälligkeit dieses Zustandes, gleichsam aus der Wirklichkeit seines Gegenteils, z.B. die Ruhe eines Körpers, welche auf die Bewegung folgt, noch nicht die Zufälligkeit der Bewegung desselben, daraus, weil die erstere das Gegenteil der letzteren ist. Denn dieses Gegenteil ist hier nur logisch, nicht realiter dem anderen entgegengesetzt. Man müßte beweisen, daß, anstatt der Bewegung im vorhergehenden Zeitpunkte, es möglich gewesen, daß der Körper damals geruht hatte, um die Zufälligkeit seiner Bewegung zu beweisen, nicht daß er hernach ruhe; denn da können beide Gegenteile gar wohl miteinander bestehen.
Noch merkwürdiger aber ist, daß wir, um die Möglichkeit der Dinge, zufolge der Kategorien, zu verstehen, und also die objektive Realität der letzteren darzutun, nicht bloß Anschauungen, sondern sogar immer äußere Anschauungen bedürfen. Wenn wir z.B. die reinen Begriffe der Relation nehmen, so finden wir, daß 1) um dem Begriffe der Substanz korrespondierend etwas Beharrliches in der Anschauung zu geben, (und dadurch die objektive Realität dieses Begriffs darzutun) wir eine Anschauung im Raume (der Materie) bedürfen, weil der Raum allein beharrlich bestimmt, die Zeit aber, mithin alles, was im inneren Sinne ist, beständig fließt. Um Veränderung, als die dem Begriffe der Kausalität korrespondierende Anschauung, darzustellen, müssen wir Bewegung, als Veränderung im Raume, zum Beispiele nehmen, ja sogar dadurch allein können wir uns Veränderungen, deren Möglichkeit kein reiner Verstand begreifen kann, anschaulich machen. Veränderung ist Verbindung kontradiktorisch einander entgegengesetzter Bestimmungen im Dasein eines und desselben Dinges. Wie es nun möglich sei, daß aus einem gegebenen
B 292 Zustande, ein ihm entgegengesetzter desselben Dinges folge, kann nicht allein keine Vernunft sich ohne Beispiel begreiflich, sondern nicht einmal ohne Anschauung verständlich machen, und diese Anschauung ist die der Bewegung eines Punktes im Raume, dessen Dasein in verschiedenen Ortern (als eine Folge entgegengesetzter Bestimmungen) zuerst uns allein Veränderung anschaulich macht; denn, um uns nachher selbst innere Veränderungen denkbar zu machen, müssen wir die Zeit, als die Form des inneren Sinnes, figürlich durch eine Linie, und die innere Veränderung durch das Ziehen dieses Linie (Bewegung), mithin die sukzessive Existenz unser selbst in verschiedenem Zustande durch äußere Anschauung uns faßlich machen, wovon der eigentliche Grund dieser ist, daß alle Veränderung etwas Beharrliches in der Anschauung voraussetzt, um auch selbst nur als Veränderung wahrgenommen zu werden, im inneren Sinne aber gar keine beharrliche Anschauung angetroffen wird. - Endlich ist die Kategorie der Gemeinschaft, ihrer Möglichkeit nach, gar nicht durch die bloße Vernunft zu begreifen, und also die objektive Realität dieses Begriffs ohne Anschauung, und zwar äußere im Raum, nicht einzusehen möglich. Denn wie will man sich die Möglichkeit denken, daß, wenn mehrere Substanzen existieren, aus der Existenz der einen auf die Existenz der anderen wechselseitig etwas (als Wirkung) folgen könne, und also, weil in der ersteren etwas ist, darum auch in den
B 293 anderen etwas sein müsse, was aus der Existenz der letzteren allein nicht verstanden werden kann? Denn dieses wird zur Gemeinschaft erfordert, ist aber unter Dingen, die sich ein jedes durch seine Subsistenz völlig isolieren, gar nicht begreiflich. Daher Leibniz, indem er den Substanzen der Welt, nur, wie sie der Verstand allein denkt, eine Gemeinschaft beilegte, eine Gottheit zur Vermittlung brauchte; denn aus ihrem Dasein allein schien sie ihm mit Recht unbegreiflich. Wir können aber die Möglichkeit der Gemeinschaft (der Substanzen als Erscheinungen) uns gar wohl faßlich machen, wenn wir sie uns im Raume, also in der äußeren Anschauung vorstellen. Denn dieser enthält schon a priori formale äußere Verhältnisse als Bedingungen der Möglichkeit der realen (in Wirkung und Gegenwirkung, mithin der Gemeinschaft) in sich. - Ebenso kann leicht dargetan werden, daß die Möglichkeit der Dinge als Größen, und also die objektive Realität der Kategorie der Größe, auch nur in der äußeren Anschauung könne dargelegt, und vermittelst ihrer allein hernach auch auf den inneren Sinn angewandt werden. Allein ich muß, um Weitläufigkeit zu vermeiden, die Beispiele davon dem Nachdenken dem Lesers überlassen.
Diese ganze Bemerkung ist von großer Wichtigkeit, nicht allein um unsere vorhergehende Widerlegung des Idealismus zu bestätigen, sondern vielmehr noch, um, wenn vom Selbsterkenntnisse aus dem bloßen inneren
B 294 Bewußtsein und der Bestimmung unserer Natur ohne Beihilfe äußerer empirischer Anschauungen die Rede sein wird, uns die Schranken der Möglichkeit einer solchen Erkenntnis anzuzeigen.
Die letzte Folgerung aus diesem ganzen Abschnitte ist also: alle Grundsätze des reinen Verstandes sind nichts weiter als Prinzipien a priori der Möglichkeit der Erfahrung, und auf die letztere allein beziehen sich auch alle synthetischen Sätze a priori, ja ihre Möglichkeit beruht selbst gänzlich auf dieser Beziehung.
Der transzendentalen Doktrin der Urteilskraft (Analytik der Grundsätze) Drittes Hauptstück
Von dem Grunde der Unterscheidung aller Gegenstände überhaupt in Phaenomena und Noumena
Wir haben jetzt das Land des reinen Verstandes nicht allein durchreist, und jeden Teil davon sorgfältig in Augenschein genommen, sondern es auch durchmessen, und jedem Dinge auf demselben seine Stelle bestimmt. Dieses Land aber ist eine Insel, und durch die Natur selbst in unveränderliche Grenzen eingeschlossen. Es ist das Land der Wahrheit (ein reizender Name),
B 295 umgeben von einem weiten und stürmischen Ozeane, dem eigentlichen Sitze des Scheins, wo manche Nebelbank, und manches bald wegschmelzende Eis neue Länder lügt, und indem es den auf Entdeckungen herumschwärmenden Seefahrer unaufhörlich mit leeren Hoffnungen täuscht, ihn in Abenteuer verflechtet, von denen er niemals ablassen und sie doch auch niemals zu Ende bringen kann. Ehe wir uns aber auf dieses Meer wagen, um es nach allen Breiten zu durchsuchen, und gewiß zu werden, ob etwas in ihnen zu hoffen sei, so wird es nützlich sein, zuvor noch einen Blick auf die Karte des Landes zu werfen, das wir eben verlassen wollen, und erstlich zu fragen, ob wir mit dem, was es in sich enthält, nicht allenfalls zufrieden sein könnten, oder auch aus Not zufrieden sein müssen, wenn es sonst überall keinen Boden gibt, auf dem wir uns anbauen könnten; zweitens, unter welchem Titel wir denn selbst dieses Land besitzen, und uns wider alle feindseligen Ansprüche gesichert halten können. Obschon wir diese Fragen in dem Lauf der Analytik schon hinreichend beantwortet haben, so kann doch ein summarischer Überschlag ihrer Auflösungen die Überzeugung dadurch verstärken, daß er die Momente derselben in einem Punkt vereinigt.
Wir haben nämlich gesehen: daß alles, was der Verstand aus sich selbst schöpft, ohne es von der Erfahrung zu borgen, das habe er dennoch zu keinem anderen Behuf, als lediglich zum Erfahrungsgebrauch. Die
B 296 Grundsätze des reinen Verstandes, sie mögen nun a priori konstitutiv sein (wie die mathematischen), oder bloß regulativ (wie die dynamischen), enthalten nichts als gleichsam nur das reine Schema zur möglichen Erfahrung; denn diese hat ihre Einheit nur von der synthetischen Einheit, welche der Verstand der Synthesis der Einbildungskraft in Beziehung auf die Apperzeption ursprünglich und von selbst erteilt, und auf welche die Erscheinungen, als data zu einem möglichen Erkenntnisse, schon a priori in Beziehung und Einstimmung stehen müssen. Ob nun aber gleich diese Verstandesregeln nicht allein a priori wahr sind, sondern sogar der Quell aller Wahrheit, d.i. der Übereinstimmung unserer Erkenntnis mit Objekten, dadurch, daß sie den Grund der Möglichkeit der Erfahrung, als des Inbegriffes aller Erkenntnis, darin uns Objekte gegeben werden mögen, in sich enthalten, so scheint es uns doch nicht genug, sich bloß dasjenige vortragen zu lassen, was wahr ist, sondern, was man zu wissen begehrt. Wenn wir also durch diese kritische Untersuchung nichts Mehreres lernen, als was wir im bloß empirischen Gebrauche des Verstandes, auch ohne so subtile Nachforschung, von selbst wohl würden ausgeübt haben, so scheint es, sei der Vorteil, den man aus ihr zieht, den Aufwand und die Zurüstung nicht wert. Nun kann man zwar hierauf antworten: daß kein Vorwitz der Erweiterung unserer Erkenntnis nachteiliger sei, als der, so den Nutzen jederzeit zum
B 297 voraus wissen will, ehe man sich auf Nachforschungen einläßt, und ehe man noch sich den mindesten Begriff von diesem Nutzen machen könnte, wenn derselbe auch vor Augen gestellt würde. Allein es gibt doch einen Vorteil, der auch dem schwierigsten und unlustigsten Lehrlinge solcher transzendentalen Nachforschung begreiflich, und zugleich angelegen gemacht werden kann, nämlich dieser: daß der bloß mit seinem empirischen Gebrauche beschäftigte Verstand, der über die Quellen seiner eigenen Erkenntnis nicht nachsinnt, zwar sehr gut fortkommen, eines aber gar nicht leisten könne, nämlich, sich selbst die Grenzen seines Gebrauchs zu bestimmen, und zu wissen, was innerhalb oder außerhalb seiner ganzen Sphäre liegen mag; denn dazu werden eben die tiefen Untersuchungen erfordert, die wir angestellt haben. Kann er aber nicht unterscheiden, ob gewisse Fragen in seinem Horizonte liegen, oder nicht, so ist er niemals seiner Ansprüche und seines Besitzes sicher, sondern darf sich nur auf vielfältige beschämende Zurechtweisungen Rechnung machen, wenn er die Grenzen seines Gebiets (wie es unvermeidlich ist) unaufhörlich überschreitet, und sich in Wahn und Blendwerke verirrt.
Daß also der Verstand von allen seinen Grundsätzen a priori, ja von allen seinen Begriffen keinen anderen als empirischen, niemals aber einen transzendentalen Gebrauch machen könne, ist ein Satz, der, wenn er mit Überzeugung erkannt werden kann, in wichtige Folgen
B 298 hinaussieht. Der transzendentale Gebrauch eines Begriffs in irgendeinem Grundsatze ist dieser: daß er auf Dinge überhaupt und an sich selbst, der empirische aber, wenn er bloß auf Erscheinungen, d.i. Gegenstände einer möglichen Erfahrung, bezogen wird. Daß aber überall nur der letztere stattfinden könne, ersieht man daraus. Zu jedem Begriff wird erstlich die logische Form eines Begriffs (des Denkens) überhaupt, und dann zweitens auch die Möglichkeit, ihm einen Gegenstand zu geben, darauf er sich beziehe, erfordert. Ohne diesen letzteren hat er keinen Sinn, und ist völlig leer an Inhalt, ob er gleich noch immer die logische Funktion enthalten mag, aus etwaigen datis einen Begriff zu machen. Nun kann der Gegenstand einem Begriffe nicht anders gegeben werden, als in der Anschauung, und, wenn eine reine Anschauung noch vor dem Gegenstande a priori möglich ist, so kann doch auch diese selbst ihren Gegenstand, mithin die objektive Gültigkeit, nur durch die empirische Anschauung bekommen, wovon sie die bloße Form ist. Also beziehen sich alle Begriffe und mit ihnen alle Grundsätze, so sehr sie auch a priori möglich sein mögen, dennoch auf empirische Anschauungen, d.i. auf data zur möglichen Erfahrung. Ohne dieses haben sie gar keine objektive Gültigkeit, sondern sind ein bloßes Spiel, es sei der Einbildungskraft, oder des Verstandes, respektive mit ihren Vorstellungen. Man nehme nur die Begriffe der Mathematik zum
B 299 Beispiele, und zwar erstlich in ihren reinen Anschauungen. Der Raum hat drei Abmessungen, zwischen zwei Punkten kann nur eine gerade Linie sein, usw. Obgleich alle diese Grundsätze, und die Vorstellung des Gegenstandes, womit sich jene Wissenschaft beschäftigt, völlig a priori im Gemüt erzeugt werden, so würden sie doch gar nichts bedeuten, könnten wir nicht immer an Erscheinungen (empirischen Gegenständen) ihre Bedeutung darlegen. Daher erfordert man auch, einen abgesonderten Begriff sinnlich zu machen, d.i. das ihm korrespondierende Objekt in der Anschauung darzulegen, weil, ohne dieses, der Begriff (wie man sagt) ohne Sinn, d.i. ohne Bedeutung bleiben würde. Die Mathematik erfüllt diese Forderung durch die Konstruktion der Gestalt, welche eine den Sinnen gegenwärtige (obzwar a priori zustande gebrachte) Erscheinung ist. Der Begriff der Größe sucht in eben der Wissenschaft seine Haltung und Sinn in der Zahl, diese aber an den Fingern, den Korallen des Rechenbretts, oder den Strichen und Punkten, die vor Augen gestellt werden. Der Begriff bleibt immer a priori erzeugt, samt den synthetischen Grundsätzen oder Formeln aus solchen Begriffen; aber der Gebrauch derselben, und Beziehung auf angebliche Gegenstände kann am Ende doch nirgend, als in der Erfahrung gesucht werden, deren Möglichkeit (der Form nach) jene a priori enthalten.
B 300 Daß dieses aber auch der Fall mit allen Kategorien, und den daraus gesponnenen Grundsätzen sei, erhellt auch daraus: daß wir so gar keine einzige derselben real definieren, d.i. die Möglichkeit ihres Objekts verständlich machen können, ohne uns sofort zu Bedingungen der Sinnlichkeit, mithin der Form der Erscheinungen, herabzulassen, als auf welche, als ihre einzigen Gegenstände, sie folglich eingeschränkt sein müssen, weil, wenn man diese Bedingung wegnimmt, alle Bedeutung, d.i. Beziehung aufs Objekt, wegfällt, und man durch kein Beispiel sich selbst faßlich machen kann, was unter dergleichen Begriffe denn eigentlich für ein Ding gemeint sei.
Den Begriff der Größe überhaupt kann niemand erklären, als etwa so: daß sie die Bestimmung eines Dinges sei, dadurch, wie vielmal Eines in ihm gesetzt ist, gedacht werden kann. Allein dieses Wievielmal gründet sich auf die sukzessive Wiederholung, mithin auf die Zeit und die Synthesis (des Gleichartigen) in derselben. Realität kann man im Gegensatze mit der Negation nur alsdann erklären, wenn man sich eine Zeit (als den Inbegriff von allem Sein) gedenkt, die entweder womit erfüllt, oder leer ist. Lasse ich die Beharrlichkeit (welche ein Dasein zu aller Zeit ist) weg, so bleibt mir zum Begriffe der Substanz nichts übrig, als die logische Vorstellung vom Subjekt, welche ich dadurch zu realisieren vermeine, daß ich mir Etwas vorstelle, welches bloß als Subjekt (ohne wovon ein Prädikat zu sein) stattfinden
B 301 kann. Aber nicht allein, daß ich gar keine Bedingungen weiß, unter welchen denn dieser logische Vorzug irgendeinem Dinge eigen sein werde: so ist auch gar nichts weiter daraus zu machen, und nicht die mindeste Folgerung zu ziehen, weil dadurch gar kein Objekt des Gebrauchs dieses Begriffs bestimmt wird, und man also gar nicht weiß, ob dieser überall irgend etwas bedeute. Vom Begriffe der Ursache würde ich (wenn ich die Zeit weglasse, in der etwas auf etwas anderes nach einer Regel folgt,) in der reinen Kategorie nichts weiter finden, als daß es so etwas sei, woraus sich auf das Dasein eines anderen schließen läßt, und es würde dadurch nicht allein Ursache und Wirkung gar nicht voneinander unterschieden werden können, sondern weil dieses Schließenkönnen doch bald Bedingungen erfordert, von denen ich nichts weiß, so würde der Begriff gar keine Bestimmung haben, wie er auf irgendein Objekt passe. Der vermeinte Grundsatz: alles Zufällige hat eine Ursache, tritt zwar ziemlich gravitätisch auf, als habe er seine eigene Würde in sich selbst. Allein, frage ich: was versteht ihr unter Zufällig? und ihr antwortet, dessen Nichtsein möglich ist, so möchte ich gern wissen, woran ihr diese Möglichkeit des Nichtseins erkennen wollt, wenn ihr euch nicht in der Reihe der Erscheinungen eine Sukzession und in dieser ein Dasein, welches auf das Nichtsein folgt, (oder umgekehrt,) mithin einen Wechsel vorstellt; denn, daß das Nichtsein eines Dinges sich selbst nicht widerspreche, ist eine lahme
B 302 Berufung auf eine logische Bedingung, die zwar zum Begriffe notwendig, aber zur realen Möglichkeit bei weitem nicht hinreichend ist; wie ich denn eine jede existierende Substanz in Gedanken aufheben kann, ohne mir selbst zu widersprechen, daraus aber auf die objektive Zufälligkeit derselben in ihrem Dasein, d.i. die Möglichkeit seines Nichtseins an sich selbst, gar nicht schließen kann. Was den Begriff der Gemeinschaft betrifft, so ist leicht zu ermessen: daß, da die reinen Kategorien der Substanz sowohl, als Kausalität, keine das Objekt bestimmende Erklärung zulassen, die wechselseitige Kausalität in der Beziehung der Substanzen aufeinander (commercium) ebensowenig derselben fähig sei. Möglichkeit, Dasein und Notwendigkeit hat noch niemand anders als durch offenbare Tautologie erklären können, wenn man ihre Definition lediglich aus dem reinen Verstande schöpfen wollte. Denn das Blendwerk, die logische Möglichkeit des Begriffs (da er sich selbst nicht widerspricht) der transzendentalen Möglichkeit der Dinge (da dem Begriff ein Gegenstand korrespondiert) zu unterschieben, kann nur Unversuchte hintergehen und zufrieden stellen*.
* Mit einem Worte, alle diese Begriffe lassen sich durch nichts belegen, und dadurch ihre reale Möglichkeit dartun, wenn alle sinnliche Anschauung (die einzige, die wir haben), weggenommen wird, und es bleibt dann nur noch die logische Möglichkeit übrig, d.i. daß der Begriff (Gedanke) möglich sei, wovon aber nicht die Rede ist, sondern ob er sich auf ein Objekt beziehe, und also irgend was bedeute.
B 303 Hierzu fließt nun unwidersprechlich: daß die reinen Verstandesbegriffe niemals von transzendentalem, sondern jederzeit nur von empirischem Gebrauche sein können, und daß die Grundsätze des reinen Verstandes nur in Beziehung auf die allgemeinen Bedingungen einer möglichen Erfahrung, auf Gegenstände der Sinne, niemals aber auf Dinge überhaupt, (ohne Rücksicht auf die Art zu nehmen, wie wir sie anschauen mögen,) bezogen werden können.
Die transzendentale Analytik hat demnach dieses wichtige Resultat: daß der Verstand a priori niemals mehr leisten könne, als die Form einer möglichen Erfahrung überhaupt zu antizipieren, und, da dasjenige, was nicht Erscheinung ist, kein Gegenstand der Erfahrung sein kann, daß er die Schranken der Sinnlichkeit, innerhalb denen uns allein Gegenstände gegeben werden, niemals überschreiten könne. Seine Grundsätze sind bloß Prinzipien der Exposition der Erscheinungen, und der stolze Name einer Ontologie, welche sich anmaßt, von Dingen überhaupt synthetische Erkenntnisse a priori in einer systematischen Doktrin zu geben (z. E. den Grundsatz der Kausalität) muß dem bescheidenen, einer bloßen Analytik des reinen Verstandes, Platz machen.
B 304 Das Denken ist die Handlung, gegebene Anschauung auf einen Gegenstand zu beziehen. Ist die Art dieser Anschauung auf keinerlei Weise gegeben, so ist der Gegenstand bloß transzendental, und der Verstandesbegriff hat keinen anderen, als transzendentalen Gebrauch, nämlich die Einheit des Denkens eines Mannigfaltigen überhaupt. Durch eine reine Kategorie nun, in welcher von aller Bedingung der sinnlichen Anschauung, als der einzigen, die uns möglich ist, abstrahiert wird, wird also kein Objekt bestimmt, sondern nur das Denken eines Objekts überhaupt, nach verschiedenen modis, ausgedrückt. Nun gehört zum Gebrauche eines Begriffs noch eine Funktion der Urteilskraft, worauf ein Gegenstand unter ihm subsumiert wird, mithin die wenigstens formale Bedingung, unter der etwas in der Anschauung gegeben werden kann. Fehlt diese Bedingung der Urteilskraft, (Schema) so fällt alle Subsumtion weg; denn es wird nichts gegeben, was unter den Begriff subsumiert werden könne. Der bloß transzendentale Gebrauch also der Kategorien ist in der Tat gar kein Gebrauch, und hat keinen bestimmten, oder auch nur, der Form nach, bestimmbaren Gegenstand. Hieraus folgt, daß die reine Kategorie auch zu keinem synthetischen Grundsatze a priori zulange, und daß die Grundsätze des reinen Verstandes nur von empirischem, niemals aber von transzendentalem Gebrauche sind, über das Feld möglicher Erfahrung
B 305 hinaus aber es überall keine synthetischen Grundsätze a priori geben könne.
Es kann daher ratsam sein, sich also auszudrücken: die reinen Kategorien, ohne formale Bedingungen der Sinnlichkeit, haben bloß transzendentale Bedeutung, sind aber von keinem transzendentalen Gebrauch, weil dieser an sich selbst unmöglich ist, indem ihnen alle Bedingungen irgendeines Gebrauchs (in Urteilen) abgehen, nämlich die formalen Bedingungen der Subsumtion irgendeines angeblichen Gegenstandes unter diese Begriffe. Da sie also (als bloß reine Kategorien) nicht von empirischem Gebrauche sein sollen, und von transzendentalem nicht sein können, so sind sie von gar keinem Gebrauche, wenn man sie von aller Sinnlichkeit absondert, d.i. sie können auf gar keinen angeblichen Gegenstand angewandt werden; vielmehr sind sie bloß die reine Form des Verstandesgebrauchs in Ansehung der Gegenstände überhaupt und des Denkens, ohne doch durch sie allein irgendein Objekt denken oder bestimmen zu können.
Es liegt indessen hier eine schwer zu vermeidende Täuschung zum Grunde. Die Kategorien gründen sich ihrem Ursprunge nach nicht auf Sinnlichkeit, wie die Anschauungsformen, Raum und Zeit, scheinen also eine über alle Gegenstände der Sinne erweiterte Anwendung zu verstatten. Allein sie sind ihrerseits wiederum nichts als Gedankenformen, die bloß das logische Vermögen enthalten, das mannigfaltige in der Anschauung
B 306 Gegebene in ein Bewußtsein a priori zu vereinigen, und da können sie, wenn man ihnen die uns allein mögliche Anschauung wegnimmt, noch weniger Bedeutung haben, als jene reinen sinnlichen Formen, durch die doch wenigstens ein Objekt gegeben wird, anstatt daß eine unserem Verstande eigene Verbindungsart des Mannigfaltigen, wenn diejenige Anschauung, darin dieses allein gegeben werden kann, nicht hinzukommt, gar nachts bedeutet. - Gleichwohl liegt es doch schon in unserem Begriffe, wenn wir gewisse Gegenstände, als Erscheinungen, Sinnenwesen (Phänomena) nennen, indem wir die Art, wie wir sie anschauen, von ihrer Beschaffenheit an sich selbst unterscheiden, daß wir entweder eben dieselbe nach dieses letzteren Beschaffenheit, wenn wir sie gleich in derselben nicht anschauen, oder auch andere mögliche Dinge, die gar nicht Objekte unserer Sinne sind, als Gegenstände bloß durch den Verstand gedacht, jenen gleichsam gegenüberstellen, und sie Verstandeswesen (Noumena) nennen. Nun frägt sich: ob unsere reinen Verstandesbegriffe nicht in Ansehung dieser Letzteren Bedeutung haben, und eine Erkenntnisart derselben sein könnten?
Gleich anfangs aber zeigt sich hier eine Zweideutigkeit, welche großen Mißverstand veranlassen kann: daß, da der Verstand, wenn er einen Gegenstand in einer Beziehung bloß Phänomen nennt, er sich zugleich außer dieser Beziehung noch eine Vorstellung von einem Gegenstande an sich selbst macht, und sich daher vorstellt, er
B 307 könne sich auch von dergleichen Gegenstande Begriffe machen, und, da der Verstand keine anderen als die Kategorien liefert, der Gegenstand in der letzteren Bedeutung wenigstens durch diese reinen Verstandesbegriffe müsse gedacht werden können, dadurch aber verleitet wird, den ganz unbestimmten Begriff von einem Verstandeswesen, als einem Etwas überhaupt außer unserer Sinnlichkeit, für einen bestimmten Begriff von einem Wesen, welches wir durch den Verstand auf einige Art erkennen können, zu halten.
Wenn wir unter Noumenon ein Ding verstehen, so fern es nicht Objekt unserer sinnlichen Anschauung ist, indem wir von unserer Anschauungsart desselben abstrahieren; so ist dieses ein Noumenon im negativen Verstande. Verstehen wir aber darunter ein Objekt einer nichtsinnlichen Anschauung, so nehmen wir eine besondere Anschauungsart an, nämlich die intellektuelle, die aber nicht die unsrige ist, von welcher wir auch die Möglichkeit nicht einsehen können, und das wäre das Noumenon in positiver Bedeutung.
Die Lehre von der Sinnlichkeit ist nun zugleich die Lehre von den Noumenen im negativen Verstande, d.i. von Dingen, die der Verstand sich ohne diese Beziehung auf unsere Anschauungsart, mithin nicht bloß als Erscheinungen, sondern als Dinge an sich selbst denken muß, von denen er aber in dieser Absonderung zugleich begreift, daß er von seinen Kategorien in dieser Art sie
B 308 zu erwägen, keinen Gebrauch machen könne, weil diese nur in Beziehung auf die Einheit der Anschauungen in Raum und Zeit Bedeutung haben, sie eben diese Einheit auch nur wegen der bloßen Idealität des Raums und der Zeit durch allgemeine Verbindungsbegriffe a priori bestimmen können. Wo diese Zeiteinheit nicht angetroffen werden kann, mithin beim Noumenon, da hört der ganze Gebrauch, ja selbst alle Bedeutung der Kategorien völlig auf; denn selbst die Möglichkeit der Dinge, die den Kategorien entsprechen sollen, läßt sich gar nicht einsehen; weshalb ich mich nur auf das berufen darf, was ich in der allgemeinen Anmerkung zum vorigen Hauptstücke gleich zu Anfang anführte. Nun kann aber die Möglichkeit einer Dinges niemals bloß aus dem Nichtwidersprechen eines Begriffs desselben, sondern nur dadurch, daß man diesen durch eine ihm korrespondierende Anschauung belegt, bewiesen werden. Wenn wir also die Kategorien auf Gegenstände, die nicht als Erscheinungen betrachtet werden, anwenden wollten, so müßten wir eine andere Anschauung, als die sinnliche, zum Grunde legen, und alsdann wäre der Gegenstand ein Noumenon in positiver Bedeutung. Da nun eine solche, nämlich die intellektuelle Anschauung, schlechterdings außer unserem Erkenntnisvermögen liegt, so kann auch der Gebrauch der Kategorien keineswegs über die Grenze der Gegenstände der Erfahrung hinausreichen, und den Sinnenwesen korrespondieren zwar freilich Verstandeswesen,
B 309 auch mag es Verstandeswesen geben, auf welche unser sinnliches Anschauungsvermögen gar keine Beziehung hat, aber unsere Verstandesbegriffe, als bloße Gedankenformen für unsere sinnliche Anschauung, reichen nicht im mindesten auf diese hinaus; was also von uns Noumenon genannt wird, muß als ein solches nur in negativer Bedeutung verstanden werden.
Wenn ich alles Denken (durch Kategorien) aus einer empirischen Erkenntnis wegnehme, so bleibt gar keine Erkenntnis irgendeines Gegenstandes übrig; denn durch bloße Anschauung wird gar nichts gedacht, und, daß diese Affektion der Sinnlichkeit in mir ist, macht gar keine Beziehung von dergleichen Vorstellung auf irgend ein Objekt aus. Lasse ich aber hingegen alle Anschauung weg, so bleibt doch noch die Form des Denkens, d.i. die Art, dem Mannigfaltigen einer möglichen Anschauung einen Gegenstand zu bestimmen. Daher erstrecken sich die Kategorien sofern weiter, als die sinnliche Anschauung, weil sie Objekte überhaupt denken, ohne noch auf die besondere Art (der Sinnlichkeit) zu sehen, in der sie gegeben werden mögen. Sie bestimmen aber dadurch nicht eine größere Sphäre von Gegenständen, weil, daß solche gegeben werden können, man nicht annehmen kann, ohne daß man eine andere als sinnliche Art der Anschauung als möglich voraussetzt, wozu wir aber keineswegs berechtigt sind.
B 310 Ich nenne einen Begriff problematisch, der keinen Widerspruch enthält, der auch als eine Begrenzung gegebener Begriffe mit anderen Erkenntnissen zusammenhängt, dessen objektive Realität aber auf keine Weise erkannt werden kann. Der Begriff eines Noumenon, d.i. eines Dinges, welches gar nicht als Gegenstand der Sinne, sondern als ein Ding an sich selbst, (lediglich durch einen reinen Verstand) gedacht werden soll, ist gar nicht widersprechend; denn man kann von der Sinnlichkeit doch nicht behaupten, daß sie die einzige mögliche Art der Anschauung sei. Ferner ist dieser Begriff notwendig, um die sinnliche Anschauung nicht bis über die Dinge an sich selbst auszudehnen, und also, um die objektive Gültigkeit der sinnlichen Erkenntnis einzuschränken, (denn das übrige, worauf jene nicht reicht, heißen eben darum Noumena, damit man dadurch anzeige, jene Erkenntnisse können ihr Gebiet nicht über alles, was der Verstand denkt, erstrecken). Am Ende aber ist doch die Möglichkeit solcher Noumenorum gar nicht einzusehen, und der Umfang außer der Sphäre der Erscheinungen ist (für uns) leer, d.i. wir haben einen Verstand, der sich problematisch weiter erstreckt, als jene, aber keine Anschauung, ja auch nicht einmal den Begriff von einer möglichen Anschauung, wodurch uns außer dem Felde der Sinnlichkeit Gegenstände gegeben, und der Verstand über dieselbe hinaus assertorisch gebraucht werden könne. Der Begriff eines Noumenon ist also bloß ein
B 311 Grenzbegriff, um die Anmaßung der Sinnlichkeit einzuschränken, und also nur von negativem Gebrauche. Er ist aber gleichwohl nicht willkürlich erdichtet, sondern hängt mit der Einschränkung der Sinnlichkeit zusammen, ohne doch etwas Positives außer dem Umfange derselben setzen zu können.
Die Einteilung der Gegenstände in Phaenomena und Noumena, und der Welt in eine Sinnen- und Verstandeswelt, kann daher in positiver Bedeutung gar nicht zugelassen werden, obgleich Begriffe allerdings die Einteilung in sinnliche und intellektuelle zulassen; denn man kann den letzteren keinen Gegenstand bestimmen, und sie also auch nicht für objektiv gültig ausgeben. Wenn man von den Sinnen abgeht, wie will man begreiflich machen, daß unsere Kategorien (welche die einzigen übrigbleibenden Begriffe für Noumena sein würden) noch überall etwas bedeuten, da zu ihrer Beziehung auf irgendeinen Gegenstand noch etwas mehr, als bloß die Einheit des Denkens, nämlich überdem eine mögliche Anschauung gegeben sein muß, darauf jene angewandt werden können? Der Begriff eines Noumeni, bloß problematisch genommen, bleibt demungeachtet nicht allein zulässig, sondern, auch als ein die Sinnlichkeit in Schranken setzender Begriff, unvermeidlich. Aber alsdann ist das nicht ein besonderer intelligibler Gegenstand für unseren Verstand, sondern ein Verstand, für den es gehörte, ist selbst ein Problema, nämlich, nicht diskursiv durch
B 312 Kategorien, sondern intuitiv in einer nichtsinnlichen Anschauung seinen Gegenstand zu erkennen, als von welchem wir uns nicht die geringste Vorstellung seiner Möglichkeit machen können. Unser Verstand bekommt nun auf diese Weise eine negative Erweiterung, d.i. er wird nicht durch die Sinnlichkeit eingeschränkt, sondern schränkt vielmehr dieselbe ein, dadurch, daß er Dinge an sich selbst (nicht als Erscheinungen betrachtet) Noumena nennt. Aber er setzt sich auch sofort selbst Grenzen, sie durch keine Kategorien zu erkennen, mithin sie nur unter dem Namen eines unbekannten Etwas zu denken.
Ich finde indessen in den Schriften der Neueren einen ganz anderen Gebrauch der Ausdrücke eines mundi sensibilis und intelligibilis*, der von dem Sinne der Alten ganz abweicht, und wobei es freilich keine Schwierigkeit hat, aber auch nichts als leere Wortkrämerei angetroffen wird. Nach demselben hat es einigen beliebt, den Inbegriff der Erscheinungen, sofern er angeschaut wird, die Sinnenwelt, sofern aber der Zusammenhang derselben nach allgemeinen Verstandesgesetzen gedacht wird,
B 313 die Verstandeswelt zu nennen. Die theoretische Astronomie, welche die bloße Beobachtung des bestirnten Himmels vorträgt, würde die erstere, die kontemplative dagegen (etwa nach dem kopernikanischen Weltsystem, oder gar nach Newtons Gravitationsgesetzen erklärt), die zweite, nämlich eine intelligible Welt vorstellig machen. Aber eine solche Wortverdrehung ist eine bloße sophistische Ausflucht, um einer beschwerlichen Frage auszuweichen, dadurch, daß man ihren Sinn zu seiner Gemächlichkeit herabstimmt. In Ansehung der Erscheinungen läßt sich allerdings Verstand und Vernunft brauchen; aber es fragt sich, ob diese auch noch einigen Gebrauch haben, wenn der Gegenstand nicht Erscheinung (Noumenon) ist, und in diesem Sinne nimmt man ihn, wenn er an sich als bloß intelligibel, d.i. dem Verstande allein, und gar nicht den Sinnen gegeben, gedacht wird. Es ist also die Frage: ob außer jenem empirischen Gebrauche des Verstandes (selbst in der Newtonischen Vorstellung des Weltbaues) noch ein transzendentaler möglich sei, der, auf das Noumenon als einen Gegenstand gehe, welche Frage wir verneinend beantwortet haben.
* Man muß nicht, statt dieses Ausdrucks, den einer intellektuellen Welt, wie man im deutschen Vortrage gemeinhin zu tun pflegt, brauchen; denn intellektuell, oder sensitiv, sind nur die Erkenntnisse. Was aber nur ein Gegenstand der einen oder der anderen Anschauungsart sein kann, der Objekte also, müssen (unerachtet der Härte des Lauts) intelligibel oder sensibel heißen.
Wenn wir denn also sagen: die Sinne stellen uns die Gegenstände vor, wie sie erscheinen, der Verstand aber, wie sie sind, so ist das letztere nicht in transzendentaler, sondern bloß empirischer Bedeutung zu nehmen, nämlich wie sie als Gegenstände der Erfahrung, im durchgängigen Zusammenhange der Erscheinungen,
B 314 müssen vorgestellt werden, und nicht nach dem, was sie, außer der Beziehung auf mögliche Erfahrung, und folglich auf Sinne überhaupt, mithin als Gegenstände des reinen Verstandes sein mögen. Denn dieses wird uns immer unbekannt bleiben, sogar, daß es auch unbekannt bleibt, ob eine solche transzendentale (außerordentliche) Erkenntnis überall möglich sei, zum wenigsten als eine solche, die unter unseren gewöhnlichen Kategorien steht. Verstand und Sinnlichkeit können bei uns nur in Verbindung Gegenstände bestimmen. Wenn wir sie trennen, so haben wir Anschauungen ohne Begriffe, oder Begriffe ohne Anschauungen, in beiden Fällen aber Vorstellungen, die wir auf keinen bestimmten Gegenstand beziehen können.
Wenn jemand noch Bedenken trägt, auf alle diese Erörterungen dem bloß transzendentalen Gebrauche der Kategorien zu entsagen, so mache er einen Versuch von ihnen in irgendeiner synthetischen Behauptung. Denn eine analytische bringt den Verstand nicht weiter, und da er nur mit dem beschäftigt ist, was in dem Begriffe schon gedacht wird, so läßt er es unausgemacht, ob dieser an sich selbst auf Gegenstände Beziehung habe, oder nur die Einheit des Denkens überhaupt bedeute, (welche von der Art, wie ein Gegenstand gegeben werden mag, völlig abstrahiert.) es ist ihm genug zu wissen, was in seinem Begriffe liegt; worauf der Begriff selber gehen möge, ist ihm gleichgültig. Er versuche es demnach mit
B 315 irgendeinem synthetischen und vermeintlich transzendentalen Grundsatze, als: alles, was da ist, existiert als Substanz, oder eine derselben anhängende Bestimmung: alles Zufällige existiert als Wirkung eines anderen Dinges, nämlich seiner Ursache, usw. Nun frage ich: woher will er diese synthetischen Sätze nehmen, da die Begriffe nicht beziehungsweise auf mögliche Erfahrung, sondern von Dingen an sich selbst (Noumena) gelten sollen? Wo ist hier das Dritte, welches jederzeit zu einem synthetischen Satze erfordert wird, um in demselben Begriffe, die gar keine logische (analytische) Verwandtschaft haben, miteinander zu verknüpfen? Er wird seinen Satz niemals beweisen, ja was noch mehr ist, sich nicht einmal wegen der Möglichkeit einer solchen reinen Behauptung rechtfertigen können, ohne auf den empirischen Verstandesgebrauch Rücksicht zu nehmen, und dadurch dem reinen und sinnenfreien Urteile völlig zu entsagen. So ist denn der Begriff reiner bloß intelligibler Gegenstände gänzlich leer von allen Grundsätzen ihrer Anwendung, weil man keine Art ersinnen kann, wie sie gegeben werden sollten, und der problematische Gedanke, der doch einen Platz für sie offen läßt, dient nur, wie ein leerer Raum, die empirischen Grundsätze einzuschränken, ohne doch irgendein anderes Objekt der Erkenntnis, außer der Sphäre der letzteren, in sich zu enthalten und aufzuweisen.
B 316 Anhang Von der Amphibolie der Reflexionsbegriffe durch die Verwechslung des empirischen Verstandesgebrauchs mit dem transzendentalen
Die Überlegung (reflexio) hat es nicht mit den Gegenständen selbst zu tun, um geradezu von ihnen Begriffe zu bekommen, sondern ist der Zustand des Gemüts, in welchem wir uns zuerst dazu anschicken, um die subjektiven Bedingungen ausfindig zu machen, unter denen wir zu Begriffen gelangen können. Sie ist das Bewußtsein des Verhältnisses gegebener Vorstellungen zu unseren verschiedenen Erkenntnisquellen, durch welches allein ihr Verhältnis untereinander richtig bestimmt werden kann. Die erste Frage vor aller weiteren Behandlung unserer Vorstellung ist die: in welchem Erkenntnisvermögen gehören sie zusammen? Ist es der Verstand, oder sind es die Sinne, vor denen sie verknüpft, oder verglichen werden? Manches Urteil wird aus Gewohnheit angenommen, oder durch Neigung geknüpft; weil aber keine Überlegung vorhergeht, oder wenigstens kritisch darauf folgt, so gilt es für ein solches, das im Verstande seinen Ursprung erhalten hat. Nicht alle Urteile bedürfen einer Untersuchung, d.i. einer Aufmerksamkeit auf die Gründe der Wahrheit; denn, wenn sie
B 317 unmittelbar gewiß sind: z.B. zwischen zwei Punkten kann nur eine gerade Linie sein; so läßt sich von ihnen kein noch näheres Merkmal der Wahrheit, als das sie selbst ausdrücken, anzeigen. Aber alle Urteile, ja alle Vergleichungen bedürfen einer Überlegung, d.i. einer Unterscheidung der Erkenntniskraft, wozu die gegebenen Begriffe gehören. Die Handlung, dadurch ich die Vergleichung der Vorstellungen überhaupt mit der Erkenntniskraft zusammenhalte, darin sie angestellt wird, und wodurch ich unterscheide, ob sie als zum reinen Verstande oder zur sinnlichen Anschauung gehörend untereinander verglichen werden, nenne ich die transzendentale Überlegung. Das Verhältnis aber, in welchem die Begriffe in einem Gemütszustande zueinander gehören können, sind die der Einerleiheit und Verschiedenheit, der Einstimmung und des Widerstreits, des Inneren und des Äußeren, endlich des Bestimmbaren und der Bestimmung (Materie und Form). Die richtige Bestimmung dieses Verhältnisses beruht darauf, in welcher Erkenntniskraft sie subjektiv zueinander gehören, ob in der Sinnlichkeit oder dem Verstande. Denn der Unterschied der letzteren macht einen großen Unterschied in der Art, wie man sich die ersten denken solle.
Vor allen objektiven Urteilen vergleichen wir die Begriffe, um auf die Einerleiheit (vieler Vorstellungen unter einem Begriffe) zum Behuf der allgemeinen Urteile, oder der Verschiedenheit derselben, zur
B 318 Erzeugung besonderer, auf die Einstimmung, daraus bejahende, und den Widerstreit, daraus verneinende Urteile werden können usw. Aus diesem Grunde sollten wir, wie es scheint, die angeführten Begriffe Vergleichungsbegriffe nennen (conceptus comparationis). Weil aber, wenn es nicht auf die logische Form, sondern auf den Inhalt der Begriffe ankommt, d.i. ob die Dinge selbst einerlei oder verschieden, einstimmig oder im Widerstreit sind usw., die Dinge ein zwiefaches Verhältnis zu unserer Erkenntniskraft, nämlich zur Sinnlichkeit und zum Verstande haben können, auf diese Stelle aber, darin sie gehören, die Art ankommt, wie sie zueinander gehören sollen: so wird die transzendentale Reflexion, d.i. das Verhältnis gegebener Vorstellungen zu einer oder der anderen Erkenntnisart, ihr Verhältnis untereinander allein bestimmen können, und ob die Dinge einerlei oder verschieden, einstimmig oder widerstreitend sind usw., wird nicht sofort aus den Begriffen selbst durch bloße Vergleichung (comparatio), sondern allererst durch die Unterscheidung der Erkenntnisart, wozu sie gehören, vermittelst einer transzendentalen Überlegung (reflexio) ausgemacht werden können. Man könnte also zwar sagen: daß die logische Reflexion eine bloße Komparation sei, denn bei ihr wird von der Erkenntniskraft, wozu die gegebenen Vorstellungen gehören, gänzlich abstrahiert, und sie sind also so fern ihrem Sitze nach, im Gemüte, als gleichartig zu
B 319 behandeln, die transzendentale Reflexion aber (welche auf die Gegenstände selbst geht) enthält den Grund der Möglichkeit der objektiven Komparation der Vorstellungen untereinander, und ist also von der letzteren gar sehr verschieden, weil die Erkenntniskraft, dazu sie gehören, nicht eben dieselbe ist. Diese transzendentale Überlegung ist eine Pflicht, von der sich niemand lossagen kann, wenn er a priori etwas über Dinge urteilen will. Wir wollen sie jetzt zur Hand nehmen, und werden daraus für die Bestimmung des eigentlichen Geschäfts des Verstandes nicht wenig Licht ziehen.
1 Einerleiheit und Verschiedenheit. Wenn uns ein Gegenstand mehrmalen, jedesmal aber mit ebendenselben inneren Bestimmungen, (qualitas et quantitas) dargestellt wird, so ist derselbe, wenn er als Gegenstand des reinen Verstandes gilt, immer eben derselbe, und nicht viel, sondern nur Ein Ding (numerica identitas); ist er aber Erscheinung, so kommt es auf die Vergleichung der Begriffe gar nicht an, sondern, so sehr auch in Ansehung derselben alles einerlei sein mag, ist doch die Verschiedenheit der Oerter dieser Erscheinung zu gleicher Zeit ein genugsamer Grund der numerischen Verschiedenheit des Gegenstandes (der Sinne) selbst. So kann man bei zwei Tropfen Wasser von aller inneren Verschiedenheit (der Qualität und Quantität) völlig abstrahieren, und es ist genug, daß sie in verschiedenen Örtern zugleich angeschaut werden, um sie
B 320 numerisch verschieden zu halten. Leibniz nahm die Erscheinungen als Dinge an sich selbst, mithin für intelligibilia, d.i. Gegenstände des reinen Verstandes, (ob er gleich, wegen der Verworrenheit ihrer Vorstellungen, dieselben mit dem Namen der Phänomene belegte,) und da konnte sein Satz des Nichtzuunterscheidenden (principium identitatis indiscernibilium) allerdings nicht bestritten werden; da sie aber Gegenstände der Sinnlichkeit sind, und der Verstand in Ansehung ihrer nicht von reinem, sondern bloß empirischen Gebrauche ist, so wird die Vielheit und numerische Verschiedenheit schon durch den Raum selbst als die Bedingung der äußeren Erscheinungen angegeben. Denn ein Teil des Raums, ob er zwar einem anderen völlig ähnlich und gleich sein mag, ist doch außer ihm, und eben dadurch ein vom ersteren verschiedener Teil, der zu ihm hinzukommt, um einen größeren Raum auszumachen, und dieses muß daher von allem, was in den mancherlei Stellen des Raums zugleich ist, gelten, so sehr es sich sonsten auch ähnlich und gleich sein mag.
2 Einstimmung und Widerstreit. Wenn Realität nur durch den reinen Verstand vorgestellt wird (realitas noumenon), so läßt sich zwischen den Realitäten kein Widerstreit denken, d.i. ein solches Verhältnis, da sie in einem Subjekt verbunden einander ihre Folgen aufheben, und 3-3=0 sei. Dagegen kann das Reale in der Erscheinung (realitas phaenomenon)
B 321 untereinander allerdings im Widerstreit sein, und vereint in demselben Subjekt, eines die Folge des anderen ganz oder zum Teil vernichten, wie zwei bewegende Kräfte in derselben geraden Linie, sofern sie einen Punkt in entgegengesetzter Richtung entweder ziehen, oder drücken, oder auch ein Vergnügen, was dem Schmerze die Wage hält.
3 Das Innere und Äußere. An einem Gegenstande des reinen Verstandes ist nur dasjenige innerlich, welches gar keine Beziehung (dem Dasein nach) auf irgend etwas von ihm Verschiedenes hat. Dagegen sind die inneren Bestimmungen einer substantia phaenomenon im Raume nichts als Verhältnisse, und sie selbst ganz und gar ein Inbegriff von lauter Relationen. Die Substanz im Raume können wir nur durch Kräfte, die in demselben wirksam sind, entweder andere dahin zu treiben (Anziehung), oder vom Eindringen in ihn abzuhalten (Zurückstoßung und Undurchdringlichkeit); andere Eigenschaften kennen wir nicht, die den Begriff von der Substanz, die im Raum erscheint, und die wir Materie nennen, ausmachen. Als Objekt des reinen Verstandes muß jede Substanz dagegen innere Bestimmungen und Kräfte haben, die auf die innere Realität gehen. Allein was kann ich mir für innere Akzidenzen denken, als diejenigen, so mein innerer Sinn mir darbietet? nämlich das, was entweder selbst ein Denken, oder mit diesem analogisch ist. Daher machte Leibniz aus allen
B 322 Substanzen, weil er sie sich als Noumena vorstellte, selbst aus den Bestandteilen der Materie, nachdem er ihnen alles, was äußere Relation bedeuten mag, mithin auch die Zusammensetzung, in Gedanken genommen hatte, einfache Subjekte mit Vorstellungskräften begabt, mit einem Worte, Monaden.
4 Materie und Form. Dieses sind zwei Begriffe, welche aller anderen Reflexion zum Grunde gelegt werden, so sehr sind sie mit jedem Gebrauch des Verstandes unzertrennlich verbunden. Der erstere bedeutet das Bestimmbare überhaupt, der zweite dessen Bestimmung, (beides in transzendentalem Verstande, da man von allem Unterschiede dessen, was gegeben wird, und der Art, wie es bestimmt wird, abstrahiert). Die Logiker nannten ehedem das Allgemeine die Materie, den spezifischen Unterschied aber die Form. In jedem Urteile kann man die gegebenen Begriffe logische Materie (zum Urteile), das Verhältnis derselben (vermittelst der Copula) die Form des Urteils nennen. In jedem Wesen sind die Bestandstücke desselben (essentialia) die Materie; die Art, wie sie in einem Dinge verknüpft sind, die wesentliche Form. Auch wurde in Ansehung der Dinge überhaupt unbegrenzte Realität als die Materie aller Möglichkeit, Einschränkung derselben aber (Negation) als diejenige Form angesehen, wodurch sich ein Ding vom anderen nach transzendentalen Begriffen unterscheidet. Der Verstand nämlich verlangt zuerst, daß etwas gegeben sei,
B 323 (wenigstens im Begriffe,) um es auf gewisse Art bestimmen zu können. Daher geht im Begriffe des reinen Verstandes die Materie der Form vor, und Leibniz nahm um deswillen zuerst Dinge an (Monaden) und innerlich eine Vorstellungskraft derselben, um danach das äußere Verhältnis derselben und die Gemeinschaft ihrer Zustände (nämlich der Vorstellungen) darauf zu gründen. Daher waren Raum und Zeit, jener nur durch das Verhältnis der Substanzen, diese durch die Verknüpfung der Bestimmungen derselben untereinander, als Gründe und Folgen, möglich. So würde es auch in der Tat sein müssen, wenn der reine Verstand unmittelbar auf Gegenstände bezogen werden könnte, und wenn Raum und Zeit Bestimmungen der Dinge an sich selbst wären. Sind es aber nur sinnliche Anschauungen, in denen wir alle Gegenstände lediglich als Erscheinungen bestimmen, so geht die Form der Anschauung (als eine subjektive Beschaffenheit der Sinnlichkeit) vor aller Materie (den Empfindungen), mithin Raum und Zeit vor allen Erscheinungen und allen datis der Erfahrung vorher, und macht diese vielmehr allererst möglich. Der Intellektualphilosoph konnte es nicht leiden: daß die Form vor den Dingen selbst vorhergehen, und dieser ihre Möglichkeit bestimmen sollte; eine ganz richtige Zensur, wenn er annahm, daß wir die Dinge anschauen, wie sie sind, (obgleich mit verworrener Vorstellung). Da aber die sinnliche Anschauung eine ganz besondere subjektive
B 324 Bedingung ist, welche aller Wahrnehmung a priori zum Grunde liegt, und deren Form ursprünglich ist; so ist die Form für sich allein gegeben, und, weit gefehlt, daß die Materie (oder die Dinge selbst, welche erschienen) zum Grunde liegen sollte (wie man nach bloßen Begriffen urteilen müßte), so setzt die Möglichkeit derselben vielmehr eine formale Anschauung (Zeit und Raum) als gegeben voraus.
Anmerkung zur Amphibolie der Reflexionsbegriffe
Man erlaube mir, die Stelle, welche wir einem Begriffe entweder in der Sinnlichkeit, oder im reinen Verstande erteilen, den transzendentalen Ort zu nennen. Auf solche Weise wäre die Beurteilung dieser Stelle, die jedem Begriffe nach Verschiedenheit seines Gebrauchs zukommt, und die Anweisung nach Regeln, diesen Ort allen Begriffen zu bestimmen, die transzendentale Topik; eine Lehre, die vor Erschleichungen des reinen Verstandes und daraus entspringenden Blendwerken gründlich bewahren würde, indem sie jederzeit unterschiede, welcher Erkenntniskraft die Begriffe eigentlich angehören. Man kann einen jeden Begriff, einen jeden Titel, darunter viele Erkenntnisse gehören, einen logischen Ort nennen. Hierauf gründet sich die logische Topik des Aristoteles, deren sich Schullehrer und Redner bedienen konnten, um unter gewissen Titeln des Denkens
B 325 nachzusehen, was sich am besten für seine vorliegende Materie schickte, und darüber, mit einem Schein von Gründlichkeit, zu vernünfteln, oder wortreich zu schwatzen.
Die transzendentale Topik enthält dagegen nicht mehr, als die angeführten vier Titel aller Vergleichung und Unterscheidung, die sich dadurch von Kategorien unterscheiden, daß durch jene nicht der Gegenstand, nach demjenigen, was seinen Begriff ausmacht, (Größe, Realität,) sondern nur die Vergleichung der Vorstellungen, welche vor dem Begriffe von Dingen vorhergeht, in aller ihrer Mannigfaltigkeit dargestellt wird. Diese Vergleichung aber bedarf zuvörderst einer Überlegung, d.i. einer Bestimmung desjenigen Orts, wo die Vorstellungen der Dinge, die verglichen werden, hingehören, ob sie der reine Verstand denkt, oder die Sinnlichkeit in der Erscheinung gibt.
Die Begriffe können logisch verglichen werden, ohne sich darum zu bekümmern, wohin ihre Objekte gehören, ob als Noumena für den Verstand, oder als Phänomena für die Sinnlichkeit. Wenn wir aber mit diesen Begriffen zu den Gegenständen gehen wollen, so ist zuvörderst transzendentale Überlegung nötig, für welche Erkenntniskraft sie Gegenstände sein sollen, ob für den reinen Verstand, oder die Sinnlichkeit. Ohne diese Überlegung mache ich einen sehr unsicheren Gebrauch von diesen Begriffen, und es entspringen vermeinte
B 326 synthetische Grundsätze, welche die kritische Vernunft nicht anerkennen kann, und die sich lediglich auf einer transzendentalen Amphibolie, d.i. einer Verwechslung des reinen Verstandesobjekts mit der Erscheinung, gründen.
In Ermanglung einer solchen transzendentalen Topik, und mithin durch die Amphibolie der Reflexionsbegriffe hintergangen, errichtete der berühmte Leibniz ein intellektuelles System der Welt, oder glaubte vielmehr der Dinge innere Beschaffenheit zu erkennen, indem er alle Gegenstände nur mit dem Verstande und den abgesonderten formalen Begriffen seines Denkens verglich. Unsere Tafel der Reflexionsbegriffe schafft uns den unerwarteten Vorteil, das Unterscheidende seines Lehrbegriffs in allen seinen Teilen, und zugleich den leitenden Grund dieser eigentümlichen Denkungsart vor Augen zu legen, der auf nichts, als einem Mißverstande, beruhte. Er verglich alle Dinge bloß durch Begriffe miteinander, und fand, wie natürlich, keine anderen Verschiedenheiten, als die, durch welche der Verstand seine reinen Begriffe voneinander unterscheidet. Die Bedingungen der sinnlichen Anschauung, die ihre eigenen Unterschiede bei sich führen, sah er nicht für ursprünglich an; denn die Sinnlichkeit war ihm nur eine verworrene Vorstellungsart, und kein besonderer Quell der Vorstellungen; Erscheinung war ihm die Vorstellung des Dinges an sich selbst, obgleich von der Erkenntnis durch den Verstand, der logischen Form nach, unterschieden,
B 327 da nämlich jene, bei ihrem gewöhnlichen Mangel der Zergliederung, eine gewisse Vermischung von Nebenvorstellungen in den Begriff des Dinges zieht, die der Verstand davon abzusondern weiß. Mit einem Worte: Leibniz intellektuierte die Erscheinungen, so wie Locke die Verstandesbegriffe nach einem System der Noogonie (wenn es mir erlaubt ist, mich dieser Ausdrücke zu bedienen,) insgesamt sensifiziert, d.i. für nichts, als empirische, oder abgesonderte Reflexionsbegriffe ausgegeben hatte. Anstatt im Verstande und der Sinnlichkeit zwei ganz verschiedene Quellen von Vorstellungen zu suchen, die aber nur in Verknüpfung objektiv gültig von Dingen urteilen könnten, hielt sich ein jeder dieser großen Männer nur an eine von beiden, die sich ihrer Meinung nach unmittelbar auf Dinge an sich selbst bezöge, indessen daß die andere nichts tat, als die Vorstellungen der ersteren zu verwirren oder zu ordnen.
Leibniz verglich demnach die Gegenstände der Sinne als Dinge überhaupt bloß im Verstande untereinander. Erstlich, sofern sie von diesem als einerlei oder verschieden geurteilt werden sollen. Da er also lediglich ihre Begriffe, und nicht ihre Stelle in der Anschauung, darin die Gegenstände allein gegeben werden können, vor Augen hatte, und den transzendentalen Ort dieser Begriffe (ob das Objekt unter Erscheinungen, oder unter Dinge an sich selbst zu zählen sei,) gänzlich aus der acht ließ, so konnte es nicht anders ausfallen, als daß er
B 328 seinen Grundsatz des Nichtzuunterscheidenden, der bloß von Begriffen der Dinge überhaupt gilt, auch auf die Gegenstände der Sinne (mundus phaenomenon) ausdehnte, und der Naturerkenntnis dadurch keine geringe Erweiterung verschafft zu haben glaubte. Freilich, wenn ich einen Tropfen Wasser als ein Ding an sich selbst nach allen seinen inneren Bestimmungen kenne, so kann ich keinen derselben von dem anderen für verschieden gelten lassen, wenn der ganze Begriff desselben mit ihm einerlei ist. Ist er aber Erscheinung im Raume, so hat er seinen Ort nicht bloß im Verstande (unter Begriffen), sondern in der sinnlichen äußeren Anschauung (im Raume), und da sind die physischen Örter, in Ansehung der inneren Bestimmungen der Dinge, ganz gleichgültig, und ein Ort = b kann ein Ding, welches einem anderen in dem Orte = a völlig ähnlich und gleich ist, ebensowohl aufnehmen, als wenn es von diesem noch so sehr innerlich verschieden wäre. Die Verschiedenheit der Örter macht die Vielheit und Unterscheidung der Gegenstände, als Erscheinungen, ohne weitere Bedingungen, schon für sich nicht allein möglich, sondern auch notwendig. Also ist jenes scheinbare Gesetz kein Gesetz der Natur. Es ist lediglich eine analytische Regel oder Vergleichung der Dinge durch bloße Begriffe.
Zweitens, der Grundsatz: daß Realitäten (als bloße Bejahungen) einander niemals logisch widerstreiten, ist ein ganz wahrer Satz von dem Verhältnisse der
B 329 Begriffe, bedeutet aber, weder in Ansehung der Natur, noch überall in Ansehung irgendeines Dinges an sich selbst, (von diesem haben wir keinen Begriff,) das mindeste. Denn der reale Widerstreit findet allerwärts statt, wo A - B = 0 ist, d.i. wo eine Realität mit der anderen, in einem Subjekt verbunden, eine die Wirkung der anderen aufhebt, welches alle Hindernisse und Gegenwirkungen in der Natur unaufhörlich vor Augen legen, die gleichwohl, da sie auf Kräften beruhen, realitates phaenomena genannt werden müssen. Die allgemeine Mechanik kann sogar die empirische Bedingung dieses Widerstreits in einer Regel a priori angeben, indem sie auf die Entgegensetzung der Richtungen sieht: eine Bedingung, von welcher der transzendentale Begriff der Realität gar nichts weiß. Obzwar Herr von Leibniz diesen Satz nicht eben mit dem Pomp eines neuen Grundsatzes ankündigte, so bediente er sich doch desselben zu neuen Behauptungen, und seine Nachfolger trugen ihn ausdrücklich in ihre Leibniz-Wolfianischen Lehrgebäude ein. Nach diesem Grundsatze sind z. E. alle Übel nichts als Folgen von den Schranken der Geschöpfe, d.i. Negationen, weil diese das einzige Widerstreitende der Realität sind, (in dem bloßen Begriffe eines Dinges überhaupt ist es auch wirklich so, aber nicht in den Dingen als Erscheinungen). Imgleichen finden die Anhänger desselben es nicht allein möglich, sondern auch natürlich, alle Realität, ohne irgendeinen besorglichen Widerstreit,
B 330 in einem Wesen zu vereinigen, weil sie keinen anderen, als den des Widerspruchs (durch den der Begriff eines Dinges selbst aufgehoben wird), nicht aber den des wechselseitigen Abbruchs kennen, da ein Realgrund die Wirkung des anderen aufhebt, und dazu wir nur in der Sinnlichkeit die Bedingungen antreffen, uns einen solchen vorzustellen.
Drittens, die Leibnizische Monadologie hat gar keinen anderen Grund, als daß dieser Philosoph den Unterschied des Inneren und Äußeren bloß im Verhältnis auf den Verstand vorstellte. Die Substanzen überhaupt müssen etwas Inneres haben, was also von allen äußeren Verhältnissen, folglich auch der Zusammensetzung, frei ist. Das Einfache ist also die Grundlage des Inneren der Dinge an sich selbst. Das Innere aber ihres Zustandes kann auch nicht in Ort, Gestalt, Berührung oder Bewegung, (welche Bestimmungen alle äußere Verhältnisse sind,) bestehen, und wir können daher den Substanzen keinen anderen inneren Zustand, als denjenigen, wodurch wir unseren Sinn selbst innerlich bestimmen, nämlich den Zustand der Vorstellungen, beilegen. So wurden denn die Monaden fertig, welche den Grundstoff des ganzen Universum ausmachen sollen, deren tätige Kraft aber nur in Vorstellungen besteht, wodurch sie eigentlich bloß in sich selbst wirksam sind.
Eben darum mußte aber auch sein Principium der möglichen Gemeinschaft der Substanzen
B 331 untereinander eine vorherbestimmte Harmonie, und konnte kein physischer Einfluß sein. Denn weil alles nur innerlich, d.i. mit seinen Vorstellungen beschäftigt ist, so konnte der Zustand der Vorstellungen der einen mit dem der anderen Substanz in ganz und gar keiner wirksamen Verbindung stehen, sondern es mußte irgendeine dritte und in alle insgesamt einfließende Ursache ihre Zustände einander korrespondierend machen, zwar nicht eben durch gelegentlichen und in jedem einzelnen Falle besonders angebrachten Beistand (systema assistentiae), sondern durch die Einheit der Idee einer für alle gültigen Ursache, in welcher sie insgesamt ihr Dasein und Beharrlichkeit, mithin auch wechselseitige Korrespondenz untereinander, nach allgemeinen Gesetzen bekommen müssen.
Viertens, der berühmte Lehrbegriff desselben von Zeit und Raum, darin er diese Formen der Sinnlichkeit intellektuierte, war lediglich aus eben derselben Täuschung der transzendentalen Reflexion entsprungen. Wenn ich mir durch den bloßen Verstand äußere Verhältnisse der Dinge vorstellen will, so kann dieses nur vermittelst eines Begriffs ihrer wechselseitigen Wirkung geschehen, und soll ich einen Zustand ebendesselben Dinges mit einem anderen Zustande verknüpfen, so kann dieses nur in der Ordnung der Gründe und Folgen geschehen. So dachte sich also Leibniz den Raum als eine gewisse Ordnung in der Gemeinschaft der Substanzen, und die Zeit als die dynamische Folge ihrer Zustände. Das Eigentümliche
B 332 aber, und von Dingen Unabhängige, was beide an sich zu haben scheinen, schrieb er der Verworrenheit dieser Begriffe zu, welche machte, daß dasjenige, was eine bloße Form dynamischer Verhältnisse ist, für eine eigene für sich bestehende, und vor den Dingen selbst vorhergehende Anschauung gehalten wird. Also waren Raum und Zeit die intelligible Form der Verknüpfung der Dinge (Substanzen und ihrer Zustände) an sich selbst. Die Dinge aber waren intelligible Substanzen (substantiae noumena). Gleichwohl wollte er diese Begriffe für Erscheinungen geltend machen, weil er der Sinnlichkeit keine eigene Art der Anschauung zugestand, sondern alle, selbst die empirische Vorstellung der Gegenstände, im Verstande suchte, und den Sinnen nichts als das verächtliche Geschäft ließ, die Vorstellungen des ersteren zu verwirren und zu verunstalten.
Wenn wir aber auch von Dingen an sich selbst etwas durch den reinen Verstand synthetisch sagen könnten, (welches gleichwohl unmöglich ist,) so würde dieses doch gar nicht auf Erscheinungen, welche nicht Dinge an sich selbst vorstellen, gezogen werden können. Ich werde also in diesem letzteren Falle in der transzendentalen Überlegung meine Begriffe jederzeit nur unter den Bedingungen der Sinnlichkeit vergleichen müssen, und so werden Raum und Zeit nicht Bestimmungen der Dinge an sich, sondern der Erscheinungen sein; was die Dinge an sich sein mögen, weiß ich nicht, und brauche es auch nicht
B 333 zu wissen, weil mir doch niemals ein Ding anders, als in der Erscheinung vorkommen kann.
So verfahre ich auch mit den übrigen Reflexionsbegriffen. Die Materie ist substantia phaenomenon. Was ihr innerlich zukomme, suche ich in allen Teilen des Raumes, den sie einnimmt, und in allen Wirkungen, die sie ausübt, und die freilich nur immer Erscheinungen äußerer Sinne sein können. Ich habe also zwar nichts Schlechthin-, sondern lauter Komparativ-Innerliches, das selber wiederum aus äußeren Verhältnissen besteht. Allein, das schlechthin, dem reinen Verstande nach, Innerliche der Materie ist auch eine bloße Grille; denn diese ist überall kein Gegenstand für den reinen Verstand, das transzendentale Objekt aber, welches der Grund dieser Erscheinung sein mag, die wir Materie nennen, ist ein bloßes Etwas, wovon wir nicht einmal verstehen würden, was es sei, wenn es uns auch jemand sagen könnte. Denn wir können nichts verstehen, als was ein unseren Worten Korrespondierendes in der Anschauung mit sich führt. Wenn die Klagen: Wir sehen das Innere der Dinge gar nicht ein, so viel bedeuten sollen, als, wir begreifen nicht durch den reinen Verstand, was die Dinge, die uns erscheinen, an sich sein mögen; so sind sie ganz unbillig und unvernünftig; denn sie wollen, daß man ohne Sinne doch Dinge erkennen, mithin anschauen könne, folglich daß wir ein von dem menschlichen nicht bloß dem Grade, sondern sogar der Anschauung und
B 334 Art nach, gänzlich unterschiedenes Erkenntnisvermögen haben, also nicht Menschen, sondern Wesen sein sollen, von denen wir selbst nicht angeben können, ob sie einmal möglich, viel weniger, wie sie beschaffen sind. Ins Innere der Natur dringt Beobachtung und Zergliederung der Erscheinungen, und man kann nicht wissen, wie weit dieses mit der Zeit gehen werde. Jene transzendentalen Fragen aber, die über die Natur hinausgehen, würden wir bei allem dem doch niemals beantworten können, wenn uns auch die ganze Natur aufgedeckt wäre, da es uns nicht einmal gegeben ist, unser eigenes Gemüt mit einer anderen Anschauung, als der unseres inneren Sinnes, zu beobachten. Denn in demselben liegt das Geheimnis des Ursprungs unserer Sinnlichkeit. Ihre Beziehung auf ein Objekt, und was der transzendentale Grund dieser Einheit sei, liegt ohne Zweifel zu tief verborgen, als daß wir, die wir sogar uns selbst nur durch inneren Sinn, mithin als Erscheinung, kennen, ein so unschickliches Werkzeug unserer Nachforschung dazu brauchen könnten, etwas anderes, als immer wiederum Erscheinungen, aufzufinden, deren nichtsinnliche Ursache wir doch gern erforschen wollten.
Was diese Kritik der Schlüsse, aus den bloßen Handlungen der Reflexion, überaus nützlich macht, ist: daß sie die Nichtigkeit aller Schlüsse über Gegenstände, die man lediglich im Verstande miteinander vergleicht, deutlich dartut, und dasjenige zugleich bestätigt, was wir
B 335 hauptsächlich eingeschärft haben: daß, obgleich Erscheinungen nicht als Dinge an sich selbst unter den Objekten des reinen Verstandes mit begriffen sind, sie doch die einzigen sind, an denen unsere Erkenntnis objektive Realität haben kann, nämlich, wo den Begriffen Anschauung entspricht.
Wenn wir bloß logisch reflektieren, so vergleichen wir lediglich unsere Begriffe untereinander im Verstande, ob beide eben dasselbe enthalten, ob sie sich widersprechen oder nicht, ob etwas in dem Begriffe innerlich enthalten sei, oder zu ihm hinzukomme, und welcher von beiden gegeben, welcher aber nur als eine Art, den gegebenen zu denken, gelten soll. Wende ich aber diese Begriffe auf einen Gegenstand überhaupt (im transz. Verstande) an, ohne diesen weiter zu bestimmen, ob er ein Gegenstand der sinnlichen oder intellektuellen Anschauung sei, so zeigen sich sofort Einschränkungen (nicht aus diesem Begriffe hinauszugehen), welche allen empirischen Gebrauch derselben verkehren, und eben dadurch beweisen, daß die Vorstellung eines Gegenstandes, als Dinges überhaupt, nicht etwa bloß unzureichend, sondern ohne sinnliche Bestimmung derselben, und, unabhängig von empirischer Bedingung, in sich selbst widerstreitend sei, daß man also entweder von allem Gegenstande abstrahieren (in der Logik), oder, wenn man einen annimmt, ihn unter Bedingungen der sinnlichen Anschauung denken müsse, mithin das Intelligible eine ganz besondere Anschauung,
B 336 die wir nicht haben, erfordern würde, und in Ermanglung derselben für uns nichts sei, dagegen aber auch die Erscheinungen nicht Gegenstände an sich selbst sein können. Denn, wenn ich mir bloß Dinge überhaupt denke, so kann freilich die Verschiedenheit der äußeren Verhältnisse nicht eine Verschiedenheit der Sachen selbst ausmachen, sondern setzt diese vielmehr voraus, und, wenn der Begriff von dem Einen innerlich von dem des Andern gar nicht unterschieden ist, so setze ich nur ein und dasselbe Ding in verschiedene Verhältnisse. Ferner, durch Hinzukunft einer bloßen Bejahung (Realität) zur anderen, wird ja das Positive vermehrt, und ihm nichts entzogen, oder aufgehoben; daher kann das Reale in Dingen überhaupt einander nicht widerstreiten, usw.
* * *
Die Begriffe der Reflexion haben, wie wir gezeigt haben, durch eine gewisse Mißdeutung einen solchen Einfluß auf den Verstandesgebrauch, daß sie sogar einen der scharfsichtigsten unter allen Philosophen zu einem vermeinten System intellektueller Erkenntnis, welches seine Gegenstände ohne Dazukunft der Sinne zu bestimmen unternimmt, zu verleiten imstande gewesen. Eben um deswillen ist die Entwicklung der täuschenden Ursache der Amphibolie dieser Begriffe, in Veranlassung falscher Grundsätze, von großem Nutzen, die Grenzen des Verstandes zuverlässig zu bestimmen und zu sichern.
B 337 Man muß zwar sagen: was einem Begriff allgemein zukommt, oder widerspricht, das kommt auch zu, oder widerspricht, allem Besonderen, was unter jenem Begriff enthalten ist; (dictum de Omni et Nullo;) es wäre aber ungereimt, diesen logischen Grundsatz dahin zu verändern, daß er so lautete: was in einem allgemeinen Begriffe nicht enthalten ist, das ist auch in den besonderen nicht enthalten, die unter demselben stehen; denn diese sind eben darum besondere Begriffe, weil sie mehr in sich enthalten, als im allgemeinen gedacht wird. Nun ist doch wirklich auf diesen letzteren Grundsatz das ganze intellektuelle System Leibnizens erbaut; es fällt also zugleich mit demselben, samt aller aus ihm entspringenden Zweideutigkeit im Verstandesgebrauche.
Der Satz des Nichtzuunterscheidenden gründete sich eigentlich auf der Voraussetzung: daß, wenn in dem Begriffe von einem Dinge überhaupt eine gewisse Unterscheidung nicht angetroffen wird, so sei sie auch nicht in den Dingen selbst anzutreffen; folglich seien alle Dinge völlig einerlei (numero eadem), die sich nicht schon in ihrem Begriffe (der Qualität oder Quantität nach) voneinander unterscheiden. Weil aber bei dem bloßen Begriffe von irgendeinem Dinge von manchen notwendigen Bedingungen einer Anschauung abstrahiert worden, so wird, durch eine sonderbare Übereilung, das, wovon abstrahiert wird, dafür genommen, daß es überall nicht
B 338 anzutreffen sei, und dem Dinge nichts eingeräumt, als was in seinem Begriffe enthalten ist.
Der Begriff von einem Kubikfuße Raum, ich mag mir diesen denken, wo und wie oft ich wolle, ist an sich völlig einerlei. Allein zwei Kubikfüße sind im Raume dennoch bloß durch ihre Örter unterschieden (numero diversa); diese sind Bedingungen der Anschauung, worin das Objekt dieses Begriffs gegeben wird, die nicht zum Begriffe, aber doch zur ganzen Sinnlichkeit gehören. Gleichergestalt ist in dem Begriffe von einem Dinge gar kein Widerstreit, wenn nichts Verneinendes mit einem Bejahenden verbunden worden, und bloß bejahende Begriffe können, in Verbindung, gar keine Aufhebung bewirken. Allein in der sinnlichen Anschauung, darin Realität (z.B. Bewegung) gegeben wird, finden sich Bedingungen (entgegengesetzte Richtungen), von denen im Begriffe der Bewegung überhaupt abstrahiert war, die einen Widerstreit, der freilich nicht logisch ist, nämlich aus lauter Positivem ein Zero = 0 möglich machen, und man konnte nicht sagen: daß darum alle Realität untereinander Einstimmung sei, weil unter ihren Begriffen kein Widerstreit angetroffen wird*. Nach bloßen Begriffen
B 339 ist das Innere das Substratum aller Verhältnis oder äußeren Bestimmungen. Wenn ich also von allen Bedingungen der Anschauung abstrahiere, und mich lediglich an den Begriff von einem Dinge überhaupt halte, so kann ich von allem äußeren Verhältnis abstrahieren, und es muß dennoch ein Begriff von dem übrigbleiben, das gar kein Verhältnis, sondern bloß innere Bestimmungen bedeutet. Da scheint es nun, es folge daraus: in jedem Dinge (Substanz) sei etwas, was schlechthin innerlich ist, und allen äußeren Bestimmungen vorgeht, indem es sie allererst möglich macht, mithin sei dieses Substratum so etwas, das keine äußeren Verhältnisse mehr in sich enthält, folglich einfach: (denn die körperlichen Dinge sind doch immer nur Verhältnisse, wenigstens der Teile außereinander;) und weil wir keine schlechthin inneren Bestimmungen kennen, als die durch unseren inneren Sinn, so sei dieses Substratum nicht allein einfach, sondern auch (nach der Analogie mit unserem inneren Sinn) durch Vorstellungen bestimmt, d.i. alle Dinge wären
B 340 eigentlich Monaden, oder mit Vorstellungen begabte einfache Wesen. Dieses würde auch alles seine Richtigkeit haben, gehörte nicht etwa mehr, als der Begriff von einem Dinge überhaupt, zu den Bedingungen, unter denen allein uns Gegenstände der äußeren Anschauung gegeben werden können, und von denen der reine Begriff abstrahiert. Denn da zeigt sich, daß eine beharrliche Erscheinung im Raume (undurchdringliche Ausdehnung) lauter Verhältnisse, und gar nichts schlechthin Innerliches enthalten, und dennoch das erste Substratum aller äußeren Wahrnehmung sein könne. Durch bloße Begriffe kann ich freilich ohne etwas Innerem nichts Äußeres denken, eben darum, weil Verhältnisbegriffe doch schlechthin gegebene Dinge voraussetzen, und ohne diese nicht möglich sind. Aber, da in der Anschauung etwas enthalten ist, was im bloßen Begriffe von einem Dinge überhaupt gar nicht liegt, und dieses das Substratum, welches durch bloße Begriffe gar nicht erkannt werden würde, an die Hand gibt, nämlich, ein Raum, der, mit allem, was er enthält, aus lauter formalen, oder auch realen Verhältnissen besteht, so kann ich nicht sagen: weil, ohne ein Schlechthininneres, kein Ding durch bloße Begriffe vorgestellt werden kann, so sei auch in den Dingen selbst, die unter diesen Begriffen enthalten sind, und ihrer Anschauung nichts Äußeres, dem nicht etwas Schlechthininnerliches zum Grunde läge. Denn, wenn wir von allen Bedingungen der Anschauung abstrahiert haben, so
B 341 bleibt uns freilich im bloßen Begriffe nichts übrig, als das Innere überhaupt, und das Verhältnis desselben untereinander, wodurch allein das Äußere möglich ist. Diese Notwendigkeit aber, die sich allein auf Abstraktion gründet, findet nicht bei den Dingen statt, sofern sie in der Anschauung mit solchen Bestimmungen gegeben werden, die bloße Verhältnisse ausdrücken, ohne etwas Inneres zum Grunde zu haben, darum, weil sie nicht Dinge an sich selbst, sondern lediglich Erscheinungen sind. Was wir auch nur an der Materie kennen, sind lauter Verhältnisse, (das, was wir innere Bestimmungen derselben nennen, ist nur komparativ innerlich;) aber es sind darunter selbständige und beharrliche, dadurch uns ein bestimmter Gegenstand gegeben wird. Daß ich, wenn ich von diesen Verhältnissen abstrahiere, gar nichts weiter zu denken habe, hebt den Begriff von einem Dinge, als Erscheinung, nicht auf, auch nicht den Begriff von einem Gegenstande in abstracto, wohl aber alle Möglichkeit eines solchen, der nach bloßen Begriffen bestimmbar ist, d.i. eines Noumenon. Freilich macht es stutzig, zu hören, daß ein Ding ganz und gar aus Verhältnissen bestehen solle, aber ein solches Ding ist auch bloße Erscheinung, und kann gar nicht durch reine Kategorien gedacht werden; es besteht selbst in dem bloßen Verhältnisse von Etwas überhaupt zu den Sinnen. Ebenso kann man die Verhältnisse der Dinge in abstracto, wenn man es mit bloßen Begriffen anfängt, wohl nicht anders
B 342 denken, als daß eines die Ursache von Bestimmungen in dem anderen sei; denn das ist unser Verstandesbegriff von Verhältnissen selbst. Allein, da wir alsdann von aller Anschauung abstrahieren, so fällt eine ganze Art, wie das Mannigfaltige einander seinen Ort bestimmen kann, nämlich die Form der Sinnlichkeit (der Raum), weg, der doch vor aller empirischen Kausalität vorhergeht.
* Wollte man sich hier der gewöhnlichen Ausflucht bedienen: daß wenigstens realitates Noumena einander nicht entgegenwirken können, so müßte man doch ein Beispiel von dergleichen reiner und sinnenfreier Realität anführen, damit man verstände, ob eine solche überhaupt etwas oder gar nichts vorstelle. Aber es kann kein Beispiel woher anders, als aus der Erfahrung genommen werden, die niemals mehr als Phänomena darbietet, und so bedeutet dieser Satz nichts weiter, als daß der Begriff, der lauter Bejahungen enthält, nichts Verneinendes enthalte; ein Satz, an dem wir niemals gezweifelt haben.
Wenn wir unter bloß intelligiblen Gegenständen diejenigen Dinge verstehen, die durch reine Kategorien, ohne alles Schema der Sinnlichkeit, gedacht werden, so sind dergleichen unmöglich. Denn die Bedingung des objektiven Gebrauchs aller unserer Verstandesbegriffe ist bloß die Art unserer sinnlichen Anschauung, wodurch uns Gegenstände gegeben werden, und, wenn wir von der letzteren abstrahieren, so haben die ersteren gar keine Beziehung auf irgendein Objekt. Ja, wenn man auch eine andere Art der Anschauung, als diese unsere sinnliche ist, annehmen wollte, so würden doch unsere Funktionen zu denken in Ansehung derselben von gar keiner Bedeutung sein. Verstehen wir darunter nur Gegenstände einer nichtsinnlichen Anschauung, von denen unsere Kategorien zwar freilich nicht gelten, und von denen wir also gar keine Erkenntnis (weder Anschauung, noch Begriff) jemals haben können, so müssen Noumena in dieser bloß negativen Bedeutung allerdings zugelassen werden: da sie denn nichts anderes sagen, als: daß unsere Art der Anschauung nicht auf alle Dinge, sondern bloß auf
B 343 Gegenstände unserer Sinne geht, folglich ihre objektive Gültigkeit begrenzt ist, und mithin für irgendeine andere Art Anschauung, und also auch für Dinge als Objekte derselben, Platz übrigbleibt. Aber alsdann ist der Begriff eines Noumenon problematisch, d.i. die Vorstellung eines Dinges, von dem wir weder sagen können, daß es möglich, noch daß es unmöglich sei, indem wir gar keine Art der Anschauung, als unsere sinnliche kennen, und keine Art der Begriffe, als die Kategorien, keine von beiden aber einem außersinnlichen Gegenstande angemessen ist. Wir können daher das Feld der Gegenstände unseres Denkens über die Bedingungen unserer Sinnlichkeit darum noch nicht positiv erweitern, und außer den Erscheinungen noch Gegenstände des reinen Denkens, d.i. Noumena, annehmen, weil jene keine anzugebende positive Bedeutung haben. Denn man muß von den Kategorien eingestehen: daß sie allein noch nicht zur Erkenntnis der Dinge an sich selbst zureichen, und ohne die data der Sinnlichkeit bloß subjektive Formen der Verstandeseinheit, aber ohne Gegenstand, sein würden. Das Denken ist zwar an sich kein Produkt der Sinne, und sofern durch sie auch nicht eingeschränkt, aber darum nicht sofort von eigenem und reinem Gebrauche, ohne Beitritt der Sinnlichkeit, weil es alsdann ohne Objekt ist. Man kann auch das Noumenon nicht ein solches Objekt nennen; denn dieses bedeutet eben den problematischen Begriff von einem Gegenstande für eine ganz
B 344 andere Anschauung und einen ganz anderen Verstand, als der unsrige, der mithin selbst ein Problem ist. Der Begriff des Noumenon ist also nicht der Begriff von einem Objekt, sondern die unvermeidlich mit der Einschränkung unserer Sinnlichkeit zusammenhängende Aufgabe, ob es nicht von jener ihrer Anschauung ganz entbundene Gegenstände geben möge, welche Frage nur unbestimmt beantwortet werden kann, nämlich: daß, weil die sinnliche Anschauung nicht auf alle Dinge ohne Unterschied geht, für mehr und andere Gegenstände Platz übrigbleibe, sie also nicht schlechthin abgeleugnet, in Ermanglung eines bestimmten Begriffs aber (da keine Kategorie dazu tauglich ist) auch nicht als Gegenstände für unseren Verstand behauptet werden können.
Der Verstand begrenzt demnach die Sinnlichkeit, ohne darum sein eigenes Feld zu erweitern, und, indem er jene warnt, daß sie sich nicht anmaße, auf Dinge an sich selbst zu gehen, sondern lediglich auf Erscheinungen, so denkt er sich einen Gegenstand an sich selbst, aber nur als transzendentales Objekt, das die Ursache der Erscheinung (mithin selbst nicht Erscheinung) ist, und weder als Größe, noch als Realität, noch als Substanz usw. gedacht werden kann (weil diese Begriffe immer sinnliche Formen erfordern, in denen sie einen Gegenstand bestimmen;) wovon also völlig unbekannt ist, ob es in uns, oder auch außer uns anzutreffen sei, ob es mit der Sinnlichkeit zugleich aufgehoben werden, oder wenn wir jene
B 345 wegnehmen, noch übrigbleiben würde. Wollen wir dieses Objekt Noumenon nennen, darum, weil die Vorstellung von ihm nicht sinnlich ist, so steht dieses uns frei. Da wir aber keine von unseren Verstandesbegriffen darauf anwenden können, so bleibt diese Vorstellung doch für uns leer, und dient zu nichts, als die Grenzen unserer sinnlichen Erkenntnis zu bezeichnen, und einen Raum übrig zu lassen, den wir weder durch mögliche Erfahrung, noch durch den reinen Verstand ausfüllen können.
Die Kritik dieses reinen Verstandes erlaubt es also nicht, sich ein neues Feld von Gegenständen, außer denen, die ihm als Erscheinungen vorkommen können, zu schaffen, und in intelligible Welten, sogar nicht einmal in ihren Begriff, auszuschweifen. Der Fehler, welcher hierzu auf die allerscheinbarste Art verleitet, und allerdings entschuldigt, obgleich nicht gerechtfertigt werden kann, liegt darin: daß der Gebrauch des Verstandes, wider seine Bestimmung, transzendental gemacht, und die Gegenstände, d.i. mögliche Anschauungen, sich nach Begriffen, nicht aber Begriffe sich nach möglichen Anschauungen (als auf denen allein ihre objektive Gültigkeit beruht) richten müssen. Die Ursache hiervon aber ist wiederum: daß die Apperzeption, und, mit ihr, das Denken vor aller möglichen bestimmten Anordnung der Vorstellungen vorhergeht. Wir denken also Etwas überhaupt, und bestimmen es einerseits sinnlich, allein
B 346 unterscheiden doch den allgemeinen und in abstracto vorgestellten Gegenstand von dieser Art ihn anzuschauen; da bleibt uns nun eine Art, ihn bloß durch Denken zu bestimmen, übrig, welche zwar eine bloße logische Form ohne Inhalt ist, uns aber dennoch eine Art zu sein scheint, wie das Objekt an sich existiere (Noumenon), ohne auf die Anschauung zu sehen, welche auf unsere Sinne eingeschränkt ist.
* * *
Ehe wir die transzendentale Analytik verlassen, müssen wir noch etwas hinzufügen, was, obgleich an sich von nicht sonderlicher Erheblichkeit, dennoch zur Vollständigkeit des Systems erforderlich scheinen dürfte. Der höchste Begriff, von dem man eine Transzendentalphilosophie anzufangen pflegt, ist gemeiniglich die Einteilung in das Mögliche und Unmögliche. Da aber alle Einteilung einen eingeteilten Begriff voraussetzt, so muß noch ein höherer angegeben werden, und dieser ist der Begriff von einem Gegenstande überhaupt (problematisch genommen, und unausgemacht, ob er Etwas oder Nichts sei). Weil die Kategorien die einzigen Begriffe sind, die sich auf Gegenstände überhaupt beziehen, so wird die Unterscheidung eines Gegenstandes, ob er Etwas, oder Nichts sei, nach der Ordnung und Anweisung der Kategorien fortgehen.
1 B 347 Den Begriffen von Allem, Vielem und Einem ist der, so alles aufhebt, d.i. Keines, entgegengesetzt und so ist der Gegenstand eines Begriffs, dem gar keine anzugebende Anschauung korrespondiert, = Nichts, d.i. ein Begriff ohne Gegenstand, wie die Noumena, die nicht unter die Möglichkeiten gezählt werden können, obgleich auch darum nicht für unmöglich ausgegeben werden müssen, (ens rationis,) oder wie etwa gewisse neue Grundkräfte, die man sich denkt, zwar ohne Widerspruch, aber auch ohne Beispiel aus der Erfahrung gedacht werden, und also nicht unter die Möglichkeiten gezählt werden müssen.
2 Realität ist Etwas, Negation ist Nichts, nämlich, ein Begriff von dem Mangel eines Gegenstandes, wie der Schatten, die Kälte, (nihil privativum).
3 Die bloße Form der Anschauung, ohne Substanz, ist an sich kein Gegenstand, sondern die bloß formale Bedingung desselben (als Erscheinung), wie der reine Raum, und die reine Zeit, die zwar Etwas sind, als Formen anzuschauen, aber selbst keine Gegenstände sind, die angeschaut werden (ens imaginarium).
4 B 348 Der Gegenstand eines Begriffs, der sich selbst widerspricht, ist Nichts, weil der Begriff Nichts ist, das Unmögliche, wie etwa die geradlinige Figur von zwei Seiten, (nihil negativum).
Die Tafel dieser Einteilung des Begriffs von Nichts (denn die dieser gleichlaufende Einteilung des Etwas folgt von selber,) würde daher so angelegt werden müssen:
Nichts, als
1 Leerer Begriff ohne Gegenstand, ens rationis.
2 Leerer Gegenstand eines Begriffs, nihil privativum.
3 Leere Anschauung ohne Gegenstand, ens imaginarium.
4 Leerer Gegenstand ohne Begriff, nihil negativum.
Man sieht, daß das Gedankending (n. 1.) von dem Undinge (n. 4.) dadurch unterschieden werde, daß jenes nicht unter die Möglichkeiten gezählt werden darf, weil es bloß Erdichtung (obzwar nicht widersprechende) ist, dieses aber der Möglichkeit entgegengesetzt ist, indem der Begriff sogar sich selbst aufhebt. Beide sind
B 349 aber leere Begriffe. Dagegen sind das nihil privativum (n. 2.) und ens imaginarium (n. 3.) leere Data zu Begriffen. Wenn das Licht nicht den Sinnen gegeben worden, so kann man sich auch keine Finsternis, und, wenn nicht ausgedehnte Wesen wahrgenommen worden, keinen Raum vorstellen. Die Negation sowohl, als die bloße Form der Anschauung, sind, ohne ein Reales, keine Objekte.
B 74 Transcendental Doctrine of Elements Second Part Transcendental Logic
Introduction The Idea of a Transcendental Logic
I. On logic in general
Our cognition arises from two fundamental sources of the mind. The first is the reception of representations (the receptivity of impressions); the second is the faculty of cognizing an object through these representations (the spontaneity of concepts). Through the first an object is given to us; through the second it is thought in relation to that representation (as a mere determination of the mind). Intuition and concepts thus constitute the elements of all our cognition, so that neither concepts without an intuition in some way corresponding to them, nor intuition without concepts, can yield a cognition. Both are either pure or empirical: empirical when sensation (which presupposes the actual presence of the object) is contained in them; pure when no sensation is mixed into the representation. Sensation can be called the matter of sensible cognition.
B 75 Hence pure intuition contains solely the form under which something is intuited, and a pure concept solely the form of thinking an object in general. Pure intuitions or concepts alone are possible a priori; empirical ones only a posteriori.
If we call the receptivity of our mind to receive representations insofar as it is affected in some way sensibility, then the faculty of producing representations itself, or the spontaneity of cognition, is the understanding. Our nature is so constituted that intuition can never be other than sensible, that is, it contains only the way we are affected by objects. The faculty of thinking the object of sensible intuition, by contrast, is the understanding. Neither of these properties is to be preferred to the other. Without sensibility no object would be given to us, and without understanding none would be thought. Thoughts without content are empty; intuitions without concepts are blind. It is therefore just as necessary to make our concepts sensible, that is, to add their object in intuition, as to make our intuitions intelligible, that is, to bring them under concepts. Nor can these two faculties or capacities exchange their functions. The understanding can intuit nothing, and the senses can think nothing. Only through their union can cognition arise.
B 76 But we must not on that account mix their contributions; rather, we have strong grounds for carefully separating and distinguishing each from the other. We therefore distinguish the science of the rules of sensibility in general, aesthetic, from the science of the rules of the understanding in general, logic.
Logic can in turn be undertaken with a twofold aim: either as the logic of the general use of the understanding, or of its particular use. The first contains the absolutely necessary rules of thinking, without which no use of the understanding occurs at all; it therefore concerns the understanding without regard to the difference of objects toward which it may be directed. The logic of the particular use of the understanding contains the rules for thinking correctly about a certain kind of object. The former can be called elementary logic, the latter the organon of this or that science. The latter is usually placed before the sciences in the schools as a propaedeutic, although in the course of human reason it is the last thing reached, attained only when the science has long been complete and needs only the finishing touch for its correction and perfection. For one must already know the objects to a fairly high degree.
B 77 One needs this if one wishes to state the rule for bringing about a science of them.
General logic is either pure or applied logic. In the former we abstract from all empirical conditions under which our understanding is exercised: for example, from the influence of the senses, the play of imagination, the laws of memory, the power of habit, inclination, and so on; hence also from the sources of prejudices, indeed from all causes in general from which certain cognitions may arise in us or be foisted upon us. For these concern the understanding merely under certain circumstances of its application, and experience is required to know them. A general but pure logic therefore deals solely with a priori principles and is a canon of the understanding and reason, but only with regard to the formal aspect of their use, whatever the content may be, empirical or transcendental. General logic is called applied, however, when it is directed to the rules for using the understanding under the subjective empirical conditions psychology teaches us. It therefore has empirical principles, although it is general insofar as it concerns the use of the understanding without distinction of objects. For that reason it is not a canon of the understanding in general.
B 78 Nor is it an organon of particular sciences, but solely a cathartic for ordinary understanding.
In general logic, therefore, the part that is to constitute the pure doctrine of reason must be entirely separated from the part constituting applied (though still general) logic. The former alone is properly science, though brief and dry, as the scholarly presentation of an elementary doctrine of the understanding requires. In this, then, logicians must always keep two rules in view.
1 As general logic it abstracts from all content of the understanding’s cognition and from the difference of its objects, and deals with nothing but the mere form of thinking.
2 As pure logic it has no empirical principles, and thus draws nothing (as people have sometimes persuaded themselves) from psychology. Psychology therefore has no influence at all on the canon of the understanding. It is a demonstrated doctrine, and everything in it must be certain entirely a priori.
What I call applied logic—contrary to the usual meaning of the term, according to which it is supposed to contain certain exercises for which pure logic gives the rule—is a representation of the understanding and the rules of its necessary use in concreto: namely, under the contingent conditions of the subject that can hinder or promote this use and that are all given only empirically.
B 79 It treats of attention, its hindrances and consequences, the origin of error, the states of doubt, scruple, conviction, and so on. General and pure logic stands to it as pure morality, which contains merely the necessary moral laws of a free will in general, stands to the doctrine of virtue proper. The latter considers these laws under the hindrances of feelings, inclinations, and passions to which human beings are more or less subject, and can never yield a true and demonstrated science, because it requires empirical and psychological principles just as that applied logic does.
II. On transcendental logic
As we have shown, general logic abstracts from all content of cognition, that is, from every relation of cognition to the object, and considers only the logical form in the relation of cognitions to one another, that is, the form of thinking in general. But since there are pure as well as empirical intuitions, as transcendental aesthetic demonstrates, a distinction might also be found between pure and empirical thinking of objects.
B 80 In that case there would be a logic in which one did not abstract from all content of cognition. For a logic containing merely the rules of the pure thinking of an object would exclude all cognitions of empirical content. It would also concern the origin of our cognitions of objects insofar as that origin cannot be ascribed to the objects. General logic, by contrast, has nothing to do with this origin of cognition. Rather, it considers representations, whether originally a priori in ourselves or merely given empirically, only according to the laws under which the understanding uses them in relation to one another when it thinks. It thus treats only of the form of understanding that can be imparted to representations, wherever else they may have originated.
Here I make an observation that extends its influence over all the following considerations and must be kept firmly in view: not every a priori cognition must be called transcendental, but only that through which we cognize that, and how, certain representations (intuitions or concepts) are applied or are possible solely a priori. That is, “transcendental” concerns the possibility of cognition or its use a priori.
B 81 Hence neither space nor any a priori geometrical determination of it is a transcendental representation. Rather, only the cognition that these representations are not of empirical origin at all, and the possibility of how they can nevertheless relate a priori to objects of experience, can be called transcendental. Likewise, the use of space concerning objects in general would also be transcendental; but if it is restricted solely to objects of the senses, it is called empirical. The distinction between the transcendental and the empirical therefore belongs only to the critique of cognitions and does not concern their relation to their object.
In the expectation, then, that there may perhaps be concepts that relate a priori to objects, not as pure or sensible intuitions but merely as acts of pure thinking, and that are thus concepts of neither empirical nor aesthetic origin, we form in advance the idea of a science of the cognition of pure understanding and reason through which we think objects wholly a priori. A science that determined the origin, scope, and objective validity of such cognitions would have to be called transcendental logic. For it deals only with the laws of understanding and reason.
B 82 It does so solely insofar as it is related a priori to objects, and not, like general logic, to empirical as well as pure cognitions of reason without distinction.
III. On the division of general logic into analytic and dialectic
The old and famous question with which people imagined they could drive logicians into a corner, seeking to force them either to be caught in a wretched evasion or to confess their ignorance and thus the vanity of their entire art, is this: What is truth? The nominal explanation of truth, namely that it is the agreement of cognition with its object, is granted and presupposed here. But what is demanded is to know the universal and secure criterion of the truth of every cognition.
It is already a great and necessary proof of prudence or insight to know what one ought reasonably to ask. For if the question is in itself absurd and calls for needless answers, then, besides shaming the person who raises it, it sometimes has the further disadvantage of leading an unwary listener into absurd answers.
B 83 It then presents the ridiculous spectacle that one person (as the ancients said) milks a male goat while the other holds a sieve beneath it.
If truth consists in the agreement of a cognition with its object, this object must thereby be distinguished from others. For a cognition is false if it does not agree with the object to which it is referred, even if it contains something that could well hold of other objects. Now a universal criterion of truth would be one valid for all cognitions without distinction of their objects. But it is clear that, since in such a criterion we abstract from all content of cognition (its relation to its object), while truth concerns precisely this content, it is quite impossible and absurd to ask for a mark of the truth of this content of cognitions. Hence a sufficient and yet at the same time universal mark of truth cannot possibly be given. Since we have already called the content of a cognition its matter, we must say: no universal mark of the truth of cognition as regards its matter can be demanded, because this is self-contradictory.
But concerning cognition as regards its mere form, setting all content aside, it is equally clear that a logic, insofar as it sets out the universal and necessary rules of the understanding, must present criteria of truth in these very rules.
B 84 For whatever contradicts them is false, because the understanding then conflicts with its universal rules of thinking and hence with itself. Yet these criteria concern only the form of truth, that is, of thinking in general, and are to that extent entirely correct but not sufficient. For although a cognition may conform completely to logical form, that is, not contradict itself, it can nevertheless still contradict the object. Thus the merely logical criterion of truth, namely the agreement of a cognition with the universal and formal laws of understanding and reason, is indeed the conditio sine qua non, hence the negative condition, of all truth. But logic can go no further, and no touchstone of logic can discover an error concerning not the form but the content.
General logic now resolves the entire formal business of understanding and reason into its elements and presents them as principles of all logical assessment of our cognition. This part of logic can therefore be called analytic, and for that very reason is the at least negative touchstone of truth. For we must first test and appraise all cognition as to its form by these rules, before investigating it as to its content to determine whether it contains positive truth with regard to the object.
B 85 But since the mere form of cognition, however much it may agree with logical laws, is far from sufficient to establish material (objective) truth for cognition, no one can venture to judge objects and assert anything about them merely by means of logic without first having acquired well-grounded information about them outside logic. Only then may one attempt their use and connection in a connected whole according to logical laws, or, better still, merely test them by those laws. Nevertheless, there is something so seductive in possessing an art so plausible as that of giving all our cognitions the form of the understanding, even though we may still be very empty and poor as to their content, that general logic, which is merely a canon for judging, has been used as if it were an organon for the actual production of objective assertions, or at least for the illusion of such production, and has thereby in fact been misused. General logic as a supposed organon is called dialectic.
However various the senses in which the ancients used this name for a science or art, its actual use allows us to infer securely that for them it was nothing other than the logic of illusion.
B 86 It was a sophistical art of giving one’s ignorance, indeed even one’s deliberate deceptions, the veneer of truth by imitating the method of thoroughness prescribed by logic in general and using its topics to embellish every empty pretense. Now we may note as a secure and useful warning that general logic, considered as an organon, is always a logic of illusion, that is, dialectical. For it teaches us nothing at all about the content of cognition, but only the formal conditions of agreement with the understanding, which are otherwise entirely indifferent to the objects. The demand to use it as an instrument, an organon, for expanding and enlarging our cognitions, at least in pretense, must therefore amount to nothing but chatter: asserting anything one pleases with some show of plausibility, or disputing it at will.
Such instruction is in no way consistent with the dignity of philosophy. For this reason the name “dialectic” has instead been included in logic as a critique of dialectical illusion, and that is how we wish it to be understood here as well.
B 87 IV. On the division of transcendental logic into transcendental analytic and dialectic
In a transcendental logic we isolate the understanding (just as above, in transcendental aesthetic, we isolated sensibility) and select from our cognition merely that part of thinking that has its origin solely in the understanding. But the use of this pure cognition rests on the condition that objects are given to us in intuition to which it can be applied. For without intuition all our cognition lacks objects and then remains entirely empty. The part of transcendental logic that sets out the elements of pure cognition of the understanding and the principles without which no object can be thought at all is therefore transcendental analytic, and at the same time a logic of truth. For no cognition can contradict it without at the same time losing all content, that is, every relation to any object, and hence all truth. But it is very tempting and seductive to employ these pure cognitions and principles of the understanding alone, even beyond the boundaries of experience. Yet it is experience alone that can supply us with the matter (the objects).
B 88 It is to this matter that those pure concepts of the understanding can be applied. The understanding thus runs the risk of making a material use of the merely formal principles of the pure understanding through empty rationalizing, and of judging indiscriminately about objects that are not given to us and perhaps cannot be given in any way at all. Since transcendental analytic should properly be only a canon for assessing the empirical use of the understanding, it is misused when we allow it to count as the organon of a general and unrestricted use, and venture with the pure understanding alone to judge, assert, and decide synthetically about objects in general. The use of the pure understanding would then be dialectical. The second part of transcendental logic must therefore be a critique of this dialectical illusion and is called transcendental dialectic—not as an art of dogmatically producing such illusion (an unfortunately very common art of various kinds of metaphysical trickery), but as a critique of understanding and reason with regard to their hyperphysical use. Its aim is to expose the false illusion of their groundless presumptions and reduce their claims to discovery and enlargement, which they imagine they can achieve merely through transcendental principles, to the mere assessment of the pure understanding and its protection against sophistical deception.
B 89 Transcendental Logic First Division Transcendental Analytic
This analytic is the analysis of our entire a priori cognition into the elements of pure cognition of the understanding. The following points matter here: 1. That the concepts are pure and not empirical concepts. 2. That they belong not to intuition and sensibility but to thinking and understanding. 3. That they are elementary concepts and are clearly distinguished from those derived from them or composed of them. 4. That their table is complete and they entirely fill the whole field of the pure understanding. Now this completeness of a science cannot reliably be assumed on an estimate of an aggregate brought about merely through trial. It is therefore possible only through an idea of the whole of the understanding’s a priori cognition and through the division, determined by that idea, of the concepts constituting it; hence only through their connection in a system. The pure understanding separates itself completely not only from everything empirical, but even from all sensibility. It is therefore a unity subsisting on its own, sufficient to itself, and incapable of being enlarged by any additions from outside.
B 90 Hence the sum total of its cognition will constitute a system to be comprehended and determined under one idea, whose completeness and articulation can at the same time provide a touchstone of the correctness and genuineness of all the elements of cognition that fit into it. This entire part of transcendental logic consists of two books, one containing the concepts, the other the principles of the pure understanding.
Transcendental Analytic First Book The Analytic of Concepts
By the analytic of concepts I understand not their analysis, or the usual procedure in philosophical investigations of analyzing the content of the concepts that present themselves and bringing them to distinctness. I mean, rather, the as yet little-attempted analysis of the faculty of understanding itself, in order to investigate the possibility of a priori concepts by seeking them in the understanding alone as their birthplace and analyzing its pure use in general.
B 91 For this is the distinctive business of a transcendental philosophy; the rest is the logical treatment of concepts in philosophy in general. We will therefore trace pure concepts back to their first seeds and predispositions in the human understanding, where they lie prepared until, on the occasion of experience, they are finally developed and, freed by that same understanding from the empirical conditions attaching to them, presented in their purity.
The Analytic of Concepts First Chapter On the Guiding Thread for Discovering All Pure Concepts of the Understanding
When a cognitive faculty is brought into play, various concepts emerge on its different occasions of activity, making this faculty known. They can be collected in a more or less exhaustive list, according to whether they have been observed for a longer time or with greater acuteness. By this as it were mechanical procedure, it can never be determined with certainty when the investigation will be complete. Nor do concepts found only as occasion offers reveal themselves in any order or systematic unity.
B 92 In the end they are merely paired according to similarities and arranged in series according to the magnitude of their content, from the simple to the more composite. These series are produced in a manner that is indeed methodical in a certain way, but anything but systematic.
Transcendental philosophy has the advantage, but also the obligation, of seeking its concepts according to a principle, because they arise pure and unmixed from the understanding as an absolute unity and must therefore themselves be connected with one another according to a concept or idea. Such a connection, however, supplies a rule by which the place of each pure concept of the understanding, and the completeness of all of them together, can be determined a priori. Otherwise all this would depend on discretion or chance.
The Transcendental Guiding Thread for Discovering All Pure Concepts of the Understanding First Section On the Logical Use of the Understanding in General
Above, the understanding was explained only negatively, as a nonsensible faculty of cognition. Now, independently of sensibility, we cannot partake in any intuition. The understanding is therefore not a faculty of intuition.
B 93 But apart from intuition there is no other way of cognizing than through concepts. Hence the cognition of every understanding, at least of the human understanding, is cognition through concepts, not intuitive but discursive. All intuitions, as sensible, rest on affections; concepts, therefore, on functions. By function, however, I understand the unity of the act of ordering different representations under a common one. Concepts are thus grounded on the spontaneity of thinking, just as sensible intuitions are grounded on the receptivity of impressions. Now the understanding can make no other use of these concepts than to judge by means of them. Since no representation except intuition relates immediately to the object, a concept is never referred immediately to an object, but to some other representation of it, whether this is an intuition or itself already a concept. Judgment is therefore the mediate cognition of an object, hence the representation of a representation of it. In every judgment there is a concept that holds of many representations and, among these many, comprehends a given representation, which is then referred immediately to the object. Thus, for example, in the judgment “All bodies are alterable,” the concept of the divisible relates to various other concepts; but among these it is here referred especially to the concept of body, and this to certain appearances we encounter.
B 94 These objects are therefore represented mediately through the concept of divisibility. All judgments are accordingly functions of unity among our representations: instead of an immediate representation, a higher one, comprehending this and several others under itself, is used to cognize the object, and many possible cognitions are thereby drawn together into one. But we can reduce all acts of the understanding to judgments, so that the understanding in general can be represented as a faculty of judging. For, according to the above, it is a faculty of thinking. Thinking is cognition through concepts. Concepts, however, as predicates of possible judgments, relate to some representation of an as yet undetermined object. Thus the concept of body signifies something, for example metal, that can be cognized through that concept. It is therefore a concept only because other representations are contained under it, through which it can relate to objects. It is thus the predicate of a possible judgment, for example, “Every metal is a body.” The functions of the understanding can therefore all be found if the functions of unity in judgments can be presented completely. The following section will show that this can quite well be accomplished.
B 95 The Guiding Thread for Discovering All Pure Concepts of the Understanding Second Section
§ 9 On the logical function of the understanding in judgments
If we abstract from all content of a judgment in general and attend only to the mere form of understanding in it, we find that the function of thinking in it can be brought under four headings, each containing three moments under itself. They may conveniently be presented in the following table.
1 Quantity of judgments: universal, particular, singular
2 Quality: affirmative, negative, infinite
3 Relation: categorical, hypothetical, disjunctive
4 Modality: problematic, assertoric, apodictic
B 96 Since this division seems in some, though not essential, respects to depart from the customary technique of logicians, the following safeguards against possible misunderstanding will not be unnecessary.
1 Logicians rightly say that in using judgments in inferences of reason we can treat singular judgments like universal ones. For precisely because they have no extension at all, their predicate cannot be referred merely to some of what is contained under the concept of the subject while being excluded from the rest. It therefore holds of that concept without exception, just as if the concept were a generally valid one with an extension to whose entire range of meaning the predicate applied. If, by contrast, we compare a singular judgment with a generally valid one merely as cognition, as regards magnitude, it stands to the latter as unity to infinity and is thus in itself essentially different from it. Hence, if I appraise a singular judgment (judicium singulare) not merely according to its inner validity but also as cognition in general, according to its magnitude in comparison with other cognitions, it is certainly distinct from generally valid judgments (judicia communia) and deserves a special place in a complete table of the moments of thinking in general.
B 97 Admittedly, it does not deserve one in a logic restricted merely to the use of judgments in relation to one another.
2 Likewise, in a transcendental logic infinite judgments must still be distinguished from affirmative ones, although in general logic they are rightly counted among the latter and form no separate member of the division. For general logic abstracts from all content of the predicate, even when it is negative, and considers only whether it is ascribed to the subject or opposed to it. Transcendental logic, however, also considers the judgment according to the worth or content of this logical affirmation by means of a merely negative predicate, and the gain it provides with regard to cognition as a whole. Had I said of the soul that it is not mortal, I would at least have warded off an error through a negative judgment. Now, through the proposition “The soul is nonmortal,” I have actually affirmed something as regards logical form, by placing the soul within the unlimited extension of beings that do not die. Since the mortal comprises one part of the entire extension of possible beings and the undying the other, my proposition says nothing more than that the soul is one of the infinite multitude of things left over when I remove everything mortal. But this limits the infinite sphere of everything possible only to the extent that the mortal is separated from it.
B 98 The soul is thereby placed in the remaining extension of its space. Despite this exclusion, however, this space still remains infinite, and further parts of it can be removed without the concept of the soul thereby growing in the least or being affirmatively determined. These judgments, infinite as regards logical extension, are thus actually merely limiting as regards the content of cognition in general. To that extent they must not be passed over in the transcendental table of all moments of thinking in judgments, because the function of the understanding exercised here may be important in the field of its pure a priori cognition.
3 All relations of thinking in judgments are those a) of the predicate to the subject, b) of the ground to the consequence, c) of the divided cognition and the collected members of the division to one another. In the first kind of judgment only two concepts are considered in relation to one another; in the second, two judgments; in the third, several judgments. The hypothetical proposition “If there is perfect justice, then the persistently wicked person is punished” contains, properly speaking, the relation of two propositions: “There is perfect justice,” and “The persistently wicked person is punished.” Whether both propositions are true in themselves remains undecided here. Only the consequence is thought through this judgment.
B 99 Finally, the disjunctive judgment contains a relation of two or more propositions to one another, not a relation of consequence but of logical opposition, insofar as the sphere of one excludes that of the other, yet at the same time of community, insofar as together they fill the sphere of the cognition proper. It is thus a relation of the parts of the sphere of a cognition, where the sphere of each part complements that of the other to make up the whole sum of the divided cognition. For example: “The world exists either through blind chance, or through inner necessity, or through an external cause.” Each of these propositions occupies a part of the sphere of possible cognition concerning the existence of a world in general; all together occupy the entire sphere. To remove the cognition from one of these spheres means to place it in one of the others; conversely, to place it in one sphere means to remove it from the others. Thus in a disjunctive judgment there is a certain community of cognitions, consisting in their mutually excluding one another, yet thereby determining the true cognition as a whole, since taken together they constitute the entire content of one single given cognition. And this alone is what I find necessary to note here for the sake of what follows.
4 The modality of judgments is a quite special function of them.
B 100 It is distinguished by contributing nothing to the content of the judgment—for apart from quantity, quality, and relation there is nothing further that constitutes a judgment’s content—but concerning only the value of the copula in relation to thinking in general. Problematic judgments are those in which affirmation or negation is assumed as merely possible (at one’s discretion). Assertoric judgments are those in which it is regarded as actual (true). Apodictic judgments are those in which it is regarded as necessary*. Thus the two judgments whose relation constitutes the hypothetical judgment (antecedens and consequens), and likewise those whose interaction constitutes the disjunctive judgment (members of the division), are all merely problematic. In the example above, the proposition “There is perfect justice” is not asserted assertorically, but is thought only as an optional judgment that someone might possibly adopt; only the consequence is assertoric. Hence such judgments may also be manifestly false and yet, taken problematically, be conditions of cognizing truth. Thus the judgment “The world exists through blind chance” has only problematic significance in the disjunctive judgment: namely, that someone might adopt this proposition for a moment.
B 101 Yet it serves to find the true proposition, just as marking the false path among all those one can take serves to find the right one. A problematic proposition is therefore one expressing only logical possibility, which is not objective: that is, a free choice to let such a proposition count, a merely discretionary admission of it into the understanding. An assertoric proposition speaks of logical actuality or truth, as for instance in a hypothetical inference of reason the antecedens occurs problematically in the major premise and assertorically in the minor, and it indicates that the proposition is already combined with the understanding according to its laws. The apodictic proposition thinks the assertoric one as determined through these laws of the understanding itself, and hence as asserting a priori, and in this way expresses logical necessity. Since everything here is incorporated into the understanding by degrees, so that one first judges something problematically, then perhaps also accepts it assertorically as true, and finally asserts it as inseparably combined with the understanding, that is, as necessary and apodictic, these three functions of modality can also be called so many moments of thinking in general.
* As if thinking in the first case were a function of the understanding, in the second of the power of judgment, and in the third of reason. This observation awaits its clarification only in what follows.
B 102 The Guiding Thread for Discovering All Pure Concepts of the Understanding Third Section
§ 10 On the pure concepts of the understanding, or categories
As has already been said several times, general logic abstracts from all content of cognition and expects representations to be given to it from elsewhere, wherever they may come from, in order first to transform them into concepts, which proceeds analytically. Transcendental logic, by contrast, has lying before it an a priori manifold of sensibility, offered to it by transcendental aesthetic, to provide material for the pure concepts of the understanding. Without this it would have no content at all and would thus be entirely empty. Now space and time contain a manifold of pure a priori intuition, yet they belong to the conditions of our mind’s receptivity under which alone it can receive representations of objects, and which must therefore also always affect the concept of these objects. But the spontaneity of our thinking requires that this manifold first be gone through, taken up, and combined in a certain way in order to make a cognition of it. This act I call synthesis.
B 103 By synthesis in the most general sense, however, I understand the act of adding different representations to one another and comprehending their manifoldness in one cognition. Such a synthesis is pure if the manifold is given not empirically but a priori, as is the manifold in space and time. Before any analysis of our representations, these must first be given, and no concepts can arise analytically as regards their content. But the synthesis of a manifold, whether given empirically or a priori, first produces a cognition that may initially still be crude and confused, and thus requires analysis. Yet synthesis is what properly gathers the elements into cognitions and unites them into a certain content. It is therefore the first thing to which we must attend if we wish to judge the first origin of our cognition.
Synthesis in general is, as we will see later, the mere effect of imagination, a blind though indispensable function of the soul, without which we would have no cognition at all, but of which we are seldom even conscious. Yet bringing this synthesis to concepts is a function belonging to the understanding, through which it first supplies us with cognition in the proper sense.
B 104 Pure synthesis, represented generally, now yields the pure concept of the understanding. By this synthesis, however, I understand one resting on a ground of a priori synthetic unity. Thus our counting (it is especially noticeable with larger numbers) is a synthesis according to concepts, because it proceeds according to a common ground of unity (for example the decimal system). Under this concept, therefore, unity in the synthesis of the manifold becomes necessary.
Different representations are brought analytically under one concept (a business treated by general logic). But transcendental logic teaches how to bring not the representations but the pure synthesis of representations to concepts. The first thing that must be given to us for the a priori cognition of all objects is the manifold of pure intuition. The synthesis of this manifold through imagination is the second, but does not yet yield cognition. The concepts that give unity to this pure synthesis, and consist solely in the representation of this necessary synthetic unity, provide the third element for the cognition of an object encountered, and rest on the understanding.
The same function gives unity to the different representations in a judgment.
B 105 It also gives unity to the mere synthesis of different representations in an intuition. This unity, expressed generally, is called the pure concept of the understanding. Thus the same understanding, through the very same acts by which it brought about the logical form of a judgment in concepts by means of analytic unity, also introduces a transcendental content into its representations by means of the synthetic unity of the manifold in intuition in general. For this reason they are called pure concepts of the understanding, which relate a priori to objects, something general logic cannot accomplish.
In this way there arise exactly as many pure concepts of the understanding relating a priori to objects of intuition in general as there were logical functions in all possible judgments in the preceding table. For the understanding is completely exhausted by those functions, and its capacity is thereby measured in full. Following Aristotle, we will call these concepts categories, since our purpose is originally the same as his, although in its execution it departs very far from his.
B 106 Table of Categories
1 Of Quantity: unity, plurality, totality.
2 Of Quality: reality, negation, limitation.
3 Of Relation: of inherence and subsistence (substantia et accidens); of causality and dependence (cause and effect); of community (interaction between agent and patient).
4 Of Modality: possibility—impossibility, existence—nonbeing, necessity—contingency.
This, then, is the list of all originally pure concepts of synthesis that the understanding contains a priori within itself, and for whose sake alone it is a pure understanding. For through them alone can it understand something in the manifold of intuition, that is, think an object of it. This division is generated systematically from a common principle, namely the faculty of judging, which is the same as the faculty of thinking. It has not arisen rhapsodically from a haphazard search for pure concepts.
B 107 Of the completeness of such concepts we can never be certain, since it is inferred only through induction—not to mention that by this latter method we never understand why precisely these concepts, and not others, reside in the pure understanding. Aristotle’s plan to seek out these fundamental concepts was worthy of an acute thinker. But since he had no principle, he gathered them as he happened upon them, and at first collected ten, which he called categories (predicaments). Later he believed he had discovered five more, which he added under the name of postpredicaments. Yet his table still remained deficient. Moreover, some modi of pure sensibility are found among them (quando, ubi, situs, likewise prius, simul), and also an empirical one (motus), which do not belong at all in this register of the understanding’s ancestry. Or else derived concepts are counted among the original concepts (actio, passio), while some of the latter are entirely missing.
For the sake of these latter concepts, it must also be noted that the categories, as the true fundamental concepts of the pure understanding, also have their equally pure derived concepts, which can by no means be passed over in a complete system of transcendental philosophy. In a merely critical essay, however, I can be content with simply mentioning them.
B 108 Let me call these pure but derived concepts of the understanding the predicables of the pure understanding (in contrast to the predicaments). Once we have the original and primitive concepts, the derived and subordinate ones can easily be added, and the family tree of the pure understanding can be fully drawn. Since my concern here is not the completeness of the system but only of the principles for a system, I reserve this completion for another undertaking. But this aim can be largely attained by taking the ontological textbooks in hand and subordinating, for example, to the category of causality the predicables of force, action, and passion; to that of community those of presence and resistance; and to the predicaments of modality those of coming to be, passing away, alteration, and so on. The categories, combined with the modi of pure sensibility or with one another, yield a great multitude of derived a priori concepts. To note these and, if possible, list them completely would be a useful and not unpleasant effort, but one dispensable here.
In this treatise I deliberately refrain from defining these categories, although I may well be in possession of their definitions. Later I will analyze these concepts to the degree sufficient for the doctrine of method I am developing.
B 109 In a system of pure reason one could rightly demand their definitions of me; but here they would only distract us from the main point of the investigation by provoking doubts and attacks that can quite well be referred to another undertaking without detracting from the essential purpose. Meanwhile, the little I have said about them makes it clearly evident that a complete dictionary, with all the requisite explanations, is not only possible but easy to produce. The compartments are already there; they need only be filled, and a systematic topic such as the present one makes it difficult to miss the place to which each concept properly belongs, while at the same time making it easy to notice any place still empty.
§ 11
Interesting reflections can be made on this table of categories that might perhaps have significant consequences for the scientific form of all rational cognitions. For it is already self-evident that this table is extraordinarily useful, indeed indispensable, in the theoretical part of philosophy for drawing up the complete plan of a whole science insofar as it rests on a priori concepts, and dividing it mathematically according to determinate principles. This is clear from the fact that the table contains all the elementary concepts of the understanding completely.
B 110 It contains, indeed, even the form of a system of them in the human understanding, and consequently gives directions for all the moments of a proposed speculative science, even for their order. I have also given an example of this elsewhere*. Here are some of these observations.
* Metaphysical Foundations of Natural Science.
The first is that this table, which contains four classes of concepts of the understanding, can first be divided into two divisions. The first is directed to objects of intuition, pure as well as empirical; the second to the existence of these objects, either in relation to one another or to the understanding.
I would call the first class that of the mathematical categories, the second that of the dynamical categories. The first class, as we see, has no correlates; these are encountered only in the second class. This difference must surely have a ground in the nature of the understanding.
2nd observation. Each class everywhere has the same number of categories, namely three. This too invites reflection, since otherwise all a priori division through concepts must be a dichotomy. In addition, the third category everywhere arises from the combination of the second with the first in its class.
B 111 Thus totality is nothing other than plurality considered as unity; limitation nothing other than reality combined with negation; community is the causality of a substance in determining another reciprocally; finally, necessity is nothing other than existence given through possibility itself. But we must by no means think that the third category is therefore merely a derived concept and not a fundamental concept of the pure understanding. For combining the first and second to produce the third concept requires a special act of the understanding not identical with the act exercised in the first and second. Thus the concept of a number (which belongs to the category of totality) is not always possible wherever the concepts of multitude and unity are present (for example in the representation of the infinite). Nor, from my combining the concept of a cause and that of a substance, is influence immediately understood: that is, how one substance can become the cause of something in another substance. It is evident from this that a special act of the understanding is required for it; and so with the others.
3rd observation. In the case of a single category, namely that of community, which is found under the third heading, the agreement is not as obvious as in the others.
B 112 This is the agreement with the corresponding form of a disjunctive judgment in the table of logical functions.
To assure ourselves of this agreement, we must note that in all disjunctive judgments the sphere (the multitude of everything contained under the judgment) is represented as a whole divided into parts (the subordinate concepts). Since one cannot be contained under another, they are thought as coordinated with, not subordinated to, one another, so that they determine one another not one-sidedly, as in a series, but reciprocally, as in an aggregate: if one member of the division is posited, all the others are excluded, and conversely.
Now a similar connection is thought in a whole of things, where one is not subordinated as effect to another as the cause of its existence, but is at the same time reciprocally coordinated as cause with regard to the determination of the others. This occurs, for example, in a body whose parts mutually attract and also resist one another. This is an entirely different kind of connection from that encountered in the mere relation of cause to effect, of ground to consequence, in which the consequence does not in turn reciprocally determine the ground, and therefore does not form a whole with it, as the creator of the world does not with the world.
B 113 The understanding observes the same procedure when it represents the sphere of a divided concept as when it thinks a thing as divisible. Just as the members of the division in the first case exclude one another and yet are combined in one sphere, so it represents the parts of the thing in the latter case as each having existence, as substances, independently of the others, yet as combined in one whole.
§ 12
In the transcendental philosophy of the ancients, however, there is yet another chapter containing pure concepts of the understanding that, though not counted among the categories, were nevertheless supposed by them to hold as a priori concepts of objects. In that case they would increase the number of categories, which cannot be. These are set forth in the proposition so renowned among the scholastics: quodlibet ens est unum, verum, bonum. Although the use of this principle proved very meager in its consequences, yielding nothing but tautological propositions, so that even in modern times it is usually included in metaphysics almost only for honor’s sake, a thought that has survived so long, however empty it may seem, always deserves an investigation of its origin. It warrants the conjecture that it has its ground in some rule of the understanding that has merely, as often happens, been misinterpreted.
B 114 These supposedly transcendental predicates of things are nothing other than logical requirements and criteria of all cognition of things in general, and take the categories of quantity—unity, plurality, and totality—as its foundation. But while these categories should properly have been taken materially, as belonging to the possibility of things themselves, they were in fact used only in a formal sense, as belonging to the logical requirement concerning every cognition; yet these criteria of thinking were incautiously made into properties of things in themselves. In every cognition of an object there is, first, unity of the concept, which may be called qualitative unity insofar as by it we think only the unity of the gathering together of the manifold of cognitions, such as the unity of the theme in a play, a speech, or a fable. Second, truth with regard to consequences. The more true consequences follow from a given concept, the more marks there are of its objective reality. This could be called the qualitative plurality of marks belonging to a concept as a common ground (not to be thought in it as a magnitude). Finally, third, perfection, which consists in this plurality’s leading back, conversely, to the unity of the concept and agreeing completely with this concept and no other. This can be called qualitative completeness (totality).
B 115 From this it is evident that these logical criteria of the possibility of cognition in general here transform the three categories of magnitude, in which the unity in the generation of the quantum must be assumed throughout to be homogeneous, solely with regard to the connection even of heterogeneous elements of cognition in one consciousness through the quality of a cognition as principle. Thus the criterion of the possibility of a concept (not of its object) is the definition, in which the unity of the concept, the truth of everything that may be derived immediately from it, and finally the completeness of what has been drawn from it together constitute what is required to restore the whole concept. Likewise, the criterion of a hypothesis is the intelligibility of the assumed explanatory ground, or its unity (without an auxiliary hypothesis); the truth (agreement among themselves and with experience) of the consequences to be derived from it; and finally the completeness of the explanatory ground for them. These consequences point back to nothing more or less than was assumed in the hypothesis, and analytically supply again a posteriori what was thought synthetically a priori, agreeing with it.—Thus the concepts of unity, truth, and perfection do not supplement the transcendental table of categories as if it were deficient.
B 116 Rather, with the relation of these concepts to objects entirely set aside, the procedure with them is merely brought under general logical rules of the agreement of cognition with itself.
Transcendental Analytic Second Chapter On the Deduction of the Pure Concepts of the Understanding
First Section
§ 13 On the principles of a transcendental deduction in general
When jurists speak of entitlements and presumptions, they distinguish in a legal dispute the question of what is lawful (quid juris) from the question concerning the fact (quid facti). In demanding proof of both, they call the first proof, which is to establish the entitlement or legal claim, the deduction. We employ a multitude of empirical concepts without anyone’s objection and consider ourselves entitled, even without a deduction, to ascribe a sense and an imagined meaning to them, because experience is always at hand to prove their objective reality.
B 117 Yet there are also usurped concepts, such as luck and fate, which circulate with almost universal indulgence but are occasionally challenged by the question quid juris. We then find ourselves in no small difficulty over their deduction, since we can cite no clear legal ground, either from experience or from reason, that would make the entitlement to their use evident.
Among the many concepts that constitute the very mixed fabric of human cognition, however, some are also destined for a pure a priori use (wholly independent of all experience), and their entitlement always requires a deduction. For proofs from experience are not sufficient to establish the lawfulness of such a use, yet we must know how these concepts can relate to objects that they do not obtain from any experience. I therefore call the explanation of how concepts can relate a priori to objects their transcendental deduction. I distinguish it from an empirical deduction, which shows how a concept has been acquired through experience and reflection on it, and therefore concerns not its lawfulness but the fact through which its possession arose.
B 118 We already have two kinds of concepts, of entirely different sorts, that nevertheless agree in both relating wholly a priori to objects: the concepts of space and time as forms of sensibility, and the categories as concepts of the understanding. To attempt an empirical deduction of them would be wholly wasted labor. For the distinctive feature of their nature lies precisely in their relating to their objects without having borrowed anything from experience for the representation of those objects. If, then, a deduction of them is necessary, it must always be transcendental.
Nevertheless, for these concepts as for all cognition, we can seek in experience, if not the principle of their possibility, at least the occasional causes of their generation. The impressions of the senses then provide the first occasion for unfolding our entire cognitive power with regard to them and bringing about experience, which contains two very dissimilar elements: a matter for cognition from the senses, and a certain form for ordering it from the inner source of pure intuiting and thinking. These are first brought into activity on the occasion of the former and produce concepts. Such a tracing of the first efforts of our cognitive power has undoubtedly its great use.
B 119 Its aim is to rise from individual perceptions to general concepts, and we owe the first opening of this path to the celebrated Locke. But a deduction of pure a priori concepts is never achieved by it, for such a deduction does not lie on this path at all. As regards their future use, which is to be entirely independent of experience, these concepts must be able to show a birth certificate quite different from that of descent from experiences. This attempted physiological derivation, which cannot properly be called a deduction at all because it concerns a quaestionem facti, I will therefore call the explanation of the possession of a pure cognition. It is thus clear that there can be only a transcendental deduction of these concepts, and by no means an empirical one, and that with regard to pure a priori concepts the latter are nothing but futile attempts, occupying only someone who has not understood the wholly distinctive nature of these cognitions.
But although the only possible kind of deduction of pure a priori cognition is conceded to be the transcendental one, this does not yet make it evident that such a deduction is indispensably necessary. Above, by means of a transcendental deduction, we traced the concepts of space and time to their sources and explained and determined their objective a priori validity.
B 120 Nevertheless, geometry advances securely through entirely a priori cognitions without needing to request from philosophy a certificate attesting the pure and lawful descent of its fundamental concept of space. But in this science the use of the concept also concerns only the outer sensible world, of whose intuition space is the pure form. In this world all geometrical cognition, because it is grounded on a priori intuition, has immediate evidence, and the objects are given a priori in intuition, as regards their form, through cognition itself. With the pure concepts of the understanding, by contrast, there begins an indispensable need to seek a transcendental deduction not only of these concepts themselves but also of space. For these concepts speak of objects not through predicates of intuition and sensibility but through predicates of pure a priori thinking, and thus relate universally to objects without any conditions of sensibility. Since they are not grounded on experience, they also cannot exhibit in a priori intuition an object on which to ground their synthesis before all experience. They therefore not only arouse suspicion concerning the objective validity and limits of their use, but also make that concept of space ambiguous, through their inclination to use it beyond the conditions of sensible intuition.
B 121 For this reason a transcendental deduction of space was also necessary above. The reader must therefore be convinced of the indispensable necessity of such a transcendental deduction before taking a single step in the field of pure reason. Otherwise he proceeds blindly and, after wandering about in many directions, must return to the ignorance from which he started. But he must also clearly grasp the unavoidable difficulty in advance, so as not to complain of obscurity where the matter itself is deeply veiled, or grow weary too soon of clearing away the obstacles. For the issue is either to abandon entirely all claims to insights of pure reason in its favorite field, namely beyond the boundaries of all possible experience, or to bring this critical investigation to completion.
Above, with the concepts of space and time, we were able with little effort to make comprehensible how these, as a priori cognitions, must nevertheless necessarily relate to objects and make synthetic cognition of them possible independently of all experience. For since only by means of such pure forms of sensibility can an object appear to us, that is, be an object of empirical intuition.
B 122 Space and time are therefore pure intuitions containing a priori the condition of the possibility of objects as appearances, and the synthesis in them has objective validity.
The categories of the understanding, by contrast, do not at all represent to us the conditions under which objects are given in intuition. Objects can therefore certainly appear to us without necessarily having to relate to functions of the understanding, so that the understanding would contain their conditions a priori. Here, then, a difficulty emerges that we did not encounter in the field of sensibility: how subjective conditions of thinking should have objective validity, that is, provide conditions of the possibility of all cognition of objects. For appearances can certainly be given in intuition without functions of the understanding. I take, for example, the concept of cause, which signifies a particular kind of synthesis in which, upon something A, something entirely different B is posited according to a rule. It is not clear a priori why appearances should contain anything of this kind. Experiences cannot be cited as proof, for the objective validity of this concept must be capable of being demonstrated a priori. It is therefore doubtful a priori whether such a concept may not be entirely empty and encounter no object anywhere among appearances.
B 123 For that objects of sensible intuition must conform to the formal conditions of sensibility lying a priori in the mind is clear, because otherwise they would not be objects for us. But that they must also, in addition, conform to the conditions the understanding needs for the synthetic insight of thinking is an inference not so easy to grasp. For appearances might conceivably be so constituted that the understanding found them wholly out of keeping with the conditions of its unity, and everything lay in such confusion that, for example, in the succession of appearances nothing presented itself that supplied a rule of synthesis and thus corresponded to the concept of cause and effect. This concept would then be entirely empty, null, and without meaning. Appearances would nevertheless offer objects to our intuition, for intuition in no way requires the functions of thinking.
If someone thought to escape the labor of these investigations by saying that experience continually offers examples of such regularity in appearances as provide sufficient occasion to abstract the concept of cause from them, and thereby at the same time to confirm the objective validity of such a concept, he would fail to notice that the concept of cause cannot arise in this way at all. Rather, it must either be grounded wholly a priori in the understanding or be abandoned entirely as a mere figment of the brain.
B 124 For this concept absolutely requires that something A be such that something else B follows from it necessarily and according to an absolutely universal rule. Appearances certainly supply cases from which a rule is possible according to which something usually happens, but never that the outcome is necessary. Hence the synthesis of cause and effect carries a dignity that cannot be expressed empirically at all: namely, that the effect is not merely added to the cause but posited through it and follows from it. Nor is the strict universality of the rule a property of empirical rules, which through induction can acquire no more than comparative universality, that is, widespread applicability. But the use of pure concepts of the understanding would change entirely if we wished to treat them merely as empirical products.
§ 14 Transition to the transcendental deduction of the categories
There are only two possible cases in which synthetic representation and its objects can coincide, necessarily relate to one another, and as it were meet one another. Either the object alone makes the representation possible, or the representation alone makes the object possible.
B 125 In the first case this relation is only empirical, and the representation is never possible a priori. This is the case with appearances as regards what belongs in them to sensation. In the second case, however, since representation in itself does not produce its object as to its existence—for its causality by means of the will is not at issue here at all—representation is nevertheless then a priori determining with regard to the object if through it alone it is possible to cognize something as an object. There are, however, two conditions under which alone cognition of an object is possible: first, intuition, through which it is given, but only as appearance; second, concept, through which an object corresponding to this intuition is thought. It is clear from the above that the first condition, namely that under which alone objects can be intuited, in fact lies a priori in the mind at the foundation of objects as regards their form. All appearances therefore necessarily agree with this formal condition of sensibility, because only through it can they appear, that is, be empirically intuited and given. The question now is whether a priori concepts also precede as conditions under which alone something, though not intuited, is nevertheless thought as an object in general.
B 126 For then all empirical cognition of objects necessarily conforms to such concepts, because without presupposing them nothing is possible as an object of experience. But all experience contains, besides the intuition of the senses through which something is given, a concept of an object that is given in intuition, or appears. Accordingly, concepts of objects in general will underlie all cognition through experience as a priori conditions. Consequently, the objective validity of the categories as a priori concepts will rest on the fact that through them alone experience is possible as regards the form of thinking. For then they necessarily and a priori relate to objects of experience, because only by their means can any object of experience be thought at all.
The transcendental deduction of all a priori concepts thus has a principle toward which the entire inquiry must be directed: that these concepts must be cognized as a priori conditions of the possibility of experiences, whether of the intuition encountered in experience or of thinking. Concepts that provide the objective ground of the possibility of experience are necessary for that very reason. But unfolding the experience in which they are encountered is not their deduction but their illustration, because in that case they would still be merely contingent.
B 127 Without this original relation to possible experience, in which all objects of cognition occur, their relation to any object could not be comprehended at all.
Lacking this consideration, and finding pure concepts of the understanding in experience, the celebrated Locke also derived them from experience; yet he proceeded so inconsistently that he ventured with them on attempts at cognitions extending far beyond every boundary of experience. David Hume recognized that, to do the latter, these concepts would necessarily have to originate a priori. But he could not explain at all how it was possible that the understanding must think concepts that are not in themselves combined in the understanding as nevertheless necessarily combined in the object. Nor did it occur to him that perhaps the understanding could itself, through these concepts, be the author of the experience in which its objects are encountered. Driven by necessity, he therefore derived them from experience: namely, from a subjective necessity arising through repeated association in experience, which is finally mistaken for an objective one, that is, from habit. But afterward he proceeded very consistently in declaring it impossible to go beyond the boundary of experience with these concepts and the principles they occasion.
B 128 The empirical derivation that both hit upon, however, cannot be reconciled with the actuality of the scientific a priori cognitions we possess, namely pure mathematics and general natural science, and is thus refuted by the fact.
The first of these two celebrated men opened the door wide to fanaticism, because once reason has entitlements on its side, it can no longer be kept within limits by indefinite commendations of moderation. The second surrendered himself entirely to skepticism, once he believed he had discovered so universal a deception of our cognitive faculty, taken for reason. We are now about to attempt whether human reason can be brought safely between these two reefs, assigned determinate boundaries, and yet have the whole field of its purposeful activity kept open for it.
Beforehand I wish only to supply the explanation of the categories. They are concepts of an object in general through which its intuition is regarded as determined with respect to one of the logical functions for judging. Thus the function of the categorical judgment was that of the relation of the subject to the predicate, for example, “All bodies are divisible.” But with regard to the merely logical use of the understanding, the matter remained undetermined.
B 129 It was left open which of the two concepts one wished to give the function of subject and which that of predicate. For one can also say, “Some divisible thing is a body.” Through the category of substance, however, if I bring the concept of a body under it, it is determined that its empirical intuition in experience must always be regarded only as subject, never as mere predicate; and so with all the other categories.
The Deduction of the Pure Concepts of the Understanding Second Section Transcendental Deduction of the Pure Concepts of the Understanding
§ 15 On the possibility of combination in general
The manifold of representations can be given in an intuition that is merely sensible, that is, nothing but receptivity; and the form of this intuition can lie a priori in our faculty of representation without being anything other than the way the subject is affected. But the combination (conjunctio) of a manifold in general can never come to us through the senses, and thus cannot already be contained in the pure form of sensible intuition.
B 130 For it is an act of the spontaneity of the power of representation; and since this, as distinguished from sensibility, must be called understanding, all combination is an act of the understanding, whether we become conscious of it or not, whether it is a combination of the manifold of intuition or of various concepts, and, in the former case, of sensible or nonsensible intuition. We would give this act the general name synthesis, to make clear at the same time that we can represent nothing as combined in the object without having previously combined it ourselves; and that among all representations, combination is the only one that cannot be given through objects but can only be carried out by the subject itself, because it is an act of its self-activity. We readily become aware here that this act must originally be one and equally valid for all combination, and that dissolution, analysis, which seems to be its opposite, nevertheless always presupposes it. For where the understanding has not previously combined anything, it cannot dissolve anything either, since only through it could anything have been given as combined to the power of representation.
But besides the concept of the manifold and of its synthesis, the concept of combination also carries with it that of the manifold’s unity. Combination is the representation of the synthetic unity of the manifold*.
B 131 The representation of this unity therefore cannot arise from combination; rather, by being added to the representation of the manifold, it first makes the concept of combination possible. This unity, which precedes a priori all concepts of combination, is not the category of unity (§ 10). For all categories are grounded on logical functions in judgments, but in these combination, and hence unity of given concepts, is already thought. The category therefore already presupposes combination. We must consequently seek this unity (as qualitative, § 12) still higher: namely, in what itself contains the ground of the unity of different concepts in judgments, and hence of the possibility of the understanding, even in its logical use.
* Whether the representations themselves are identical, and one can therefore be thought analytically through the other, is not considered here. Insofar as the manifold is at issue, consciousness of the one must still always be distinguished from consciousness of the other, and only the synthesis of this (possible) consciousness concerns us here.
§ 16 On the original synthetic unity of apperception
The “I think” must be able to accompany all my representations.
B 132 For otherwise something would be represented in me that could not be thought at all, which amounts to saying that the representation would either be impossible or at least be nothing for me. The representation that can be given before all thinking is called intuition. Thus all the manifold of intuition has a necessary relation to the “I think” in the same subject in which this manifold is encountered. But this representation is an act of spontaneity, that is, it cannot be regarded as belonging to sensibility. I call it pure apperception, to distinguish it from empirical apperception, or also original apperception. For it is the self-consciousness that, in producing the representation “I think,” which must be able to accompany all the others and is one and the same in all consciousness, cannot itself be accompanied by any further representation. I also call its unity the transcendental unity of self-consciousness, to indicate the possibility of a priori cognition from it. For the manifold representations given in a certain intuition would not all be my representations unless they all belonged to one self-consciousness. That is, as my representations, even if I am not conscious of them as such, they must nevertheless necessarily conform to the condition under which alone they can stand together in a universal self-consciousness, since otherwise they would not all belong to me.
B 133 Much can be inferred from this original combination.
Namely, this thoroughgoing identity of the apperception of a manifold given in intuition contains a synthesis of representations and is possible only through the consciousness of this synthesis. For the empirical consciousness accompanying different representations is in itself dispersed and without relation to the identity of the subject. This relation therefore does not yet arise through my accompanying each representation with consciousness, but through my adding one representation to another and being conscious of their synthesis. Thus only because I can combine a manifold of given representations in one consciousness is it possible for me to represent to myself the identity of consciousness in these representations themselves. That is, the analytic unity of apperception is possible only on the presupposition of some synthetic unity*.
B 134 The thought “These representations given in intuition all belong to me” accordingly means the same as “I unite them in one self-consciousness, or can at least unite them in it.” Although this thought is not itself yet the consciousness of the synthesis of representations, it nevertheless presupposes the possibility of that synthesis. That is, only because I can comprehend their manifold in one consciousness do I call them all my representations; otherwise I would have as multicolored and diverse a self as I have representations of which I am conscious. The synthetic unity of the manifold of intuitions, as given a priori, is therefore the ground of the identity of apperception itself, which precedes a priori all my determinate thinking. Combination, however, does not lie in objects and cannot be borrowed from them through perception and thereby first taken up into the understanding.
B 135 It is solely an operation of the understanding, which is itself nothing more than the faculty of combining a priori and bringing the manifold of given representations under the unity of apperception. This principle is the supreme one in the whole of human cognition.
* The analytic unity of consciousness attaches to all common concepts as such. For example, if I think red in general, I thereby represent a constitution that (as a mark) can be encountered in something or combined with other representations. Thus only by virtue of a previously thought possible synthetic unity can I represent analytic unity to myself. A representation that is to be thought as common to different representations is regarded as belonging to ones that also have something different in themselves besides it. Consequently, it must first be thought in synthetic unity with other representations, even if these are only possible, before I can think in it the analytic unity of consciousness that makes it a conceptus communis. And so the synthetic unity of apperception is the highest point to which we must attach every use of the understanding, even the whole of logic and, after it, transcendental philosophy. Indeed, this faculty is the understanding itself.
Now this principle of the necessary unity of apperception is itself indeed identical, hence an analytic proposition; yet it declares a synthesis of the manifold given in an intuition to be necessary, without which that thoroughgoing identity of self-consciousness cannot be thought. For through the I, as a simple representation, no manifold is given. It can be given only in intuition, which is distinct from the I, and thought through combination in one consciousness. An understanding in which all the manifold were given at the same time through self-consciousness would intuit; ours can only think and must seek intuition in the senses. I am therefore conscious of the identical self with regard to the manifold of representations given to me in an intuition, because I call them all my representations, which make up one. But this amounts to my being conscious a priori of a necessary synthesis of them, called the original synthetic unity of apperception.
B 136 All representations given to me stand under it, but they must also be brought under it through a synthesis.
§ 17 The principle of the synthetic unity of apperception is the supreme principle of every use of the understanding
According to transcendental aesthetic, the supreme principle of the possibility of all intuition in relation to sensibility was that all its manifold stands under the formal conditions of space and time. The supreme principle of this same possibility in relation to the understanding is that all the manifold of intuition stands under conditions of the original synthetic unity of apperception*. All manifold representations of intuition stand under the first principle insofar as they are given to us; under the second insofar as they must be capable of being combined in one consciousness.
B 137 For without this nothing can be thought or cognized through them, because the given representations would not have the act of apperception, “I think,” in common and would thus not be comprehended in one self-consciousness.
* Space and time, and all their parts, are intuitions, hence singular representations together with the manifold they contain within themselves (see the Transcendental Aesthetic), and hence not mere concepts. In them we encounter not the same consciousness as contained in many representations, but many representations as contained in one, and consciousness of them; thus they are encountered as composite, and consequently the unity of consciousness is encountered as synthetic, yet original. This singularity of theirs is important in application (see § 25).
Understanding, generally speaking, is the faculty of cognitions. These consist in the determinate relation of given representations to an object. An object, however, is that in whose concept the manifold of a given intuition is united. But all unification of representations requires unity of consciousness in their synthesis. Consequently, the unity of consciousness alone constitutes the relation of representations to an object, hence their objective validity, and consequently their becoming cognitions; and on it, therefore, even the possibility of the understanding rests.
The first pure cognition of the understanding, then, on which its entire remaining use is grounded, and which is at the same time wholly independent of all conditions of sensible intuition, is the principle of the original synthetic unity of apperception. Thus the mere form of outer sensible intuition, space, is not yet cognition at all; it gives only the manifold of intuition a priori for a possible cognition.
B 138 But to cognize anything in space, for example a line, I must draw it, and thus synthetically bring about a determinate combination of the given manifold, so that the unity of this act is at the same time the unity of consciousness (in the concept of a line), and only thereby is an object (a determinate space) cognized. The synthetic unity of consciousness is therefore an objective condition of all cognition, not merely a condition I myself need in order to cognize an object, but one under which every intuition must stand in order to become an object for me. For in any other way, and without this synthesis, the manifold would not unite in one consciousness.
This latter proposition, as stated, is itself analytic, although it makes synthetic unity the condition of all thinking. For it says nothing more than that all my representations in any given intuition must stand under the condition under which alone I can count them, as my representations, as belonging to the identical self, and can thus comprehend them, as synthetically combined in one apperception, through the general expression “I think.”
But this principle is not a principle for every possible understanding in general, only for one through whose pure apperception in the representation “I am” no manifold is yet given at all.
B 139 An understanding through whose self-consciousness the manifold of intuition were given at the same time—an understanding through whose representation the objects of that representation would at the same time exist—would not require a special act of synthesis of the manifold into the unity of consciousness, as the human understanding, which merely thinks and does not intuit, requires. Yet for the human understanding it is unavoidably the first principle, so that it cannot form even the least concept of another possible understanding, whether one that itself intuited or one that, though having a sensible intuition as its foundation, had one of a kind different from intuition in space and time.
§ 18 What the objective unity of self-consciousness is
The transcendental unity of apperception is that through which all the manifold given in an intuition is united in a concept of the object. It is therefore called objective and must be distinguished from the subjective unity of consciousness, which is a determination of inner sense through which that manifold of intuition is empirically given for such a combination. Whether I can be empirically conscious of the manifold as simultaneous or as successive depends on circumstances or empirical conditions.
B 140 Hence the empirical unity of consciousness through the association of representations itself concerns an appearance and is entirely contingent. By contrast, the pure form of intuition in time, merely as intuition in general containing a given manifold, stands under the original unity of consciousness solely through the necessary relation of the manifold of intuition to the one “I think”; thus through the pure synthesis of the understanding, which underlies the empirical synthesis a priori. That unity alone is objectively valid. The empirical unity of apperception, which we are not considering here and which is also derived only from the former under given conditions in concreto, has merely subjective validity. One person combines the representation of a certain word with one thing, another with another thing; and the unity of consciousness in what is empirical is not necessary and universally valid with regard to what is given.
§ 19 The logical form of all judgments consists in the objective unity of apperception of the concepts contained in them
I have never been able to satisfy myself with the explanation logicians give of a judgment in general: it is, as they say, the representation of a relation between two concepts.
B 141 Without quarreling with them here over the defect in this explanation—that at most it fits only categorical, not hypothetical and disjunctive judgments, since these latter contain not a relation of concepts but of judgments themselves—although many troublesome consequences have grown out of this oversight in logic,* I note only that what this relation consists in is not determined here.
* The extensive doctrine of the four syllogistic figures concerns only categorical inferences of reason. Although it is nothing more than an art of slipping immediate inferences (consequentiae immediatiae) under the premises of a pure inference of reason to create the illusion of more kinds of inference than that of the first figure, it would not thereby alone have enjoyed any particular success had it not managed to establish the exclusive authority of categorical judgments as those to which all others must be reducible. This, however, is false according to § 9.
But if I examine more closely the relation of given cognitions in every judgment, and distinguish it, as belonging to the understanding, from the relation according to laws of reproductive imagination, which has only subjective validity, I find that a judgment is nothing other than the way of bringing given cognitions to the objective unity of apperception.
B 142 This is what the relational word “is” in judgments aims at: distinguishing the objective unity of given representations from their subjective unity. For it designates their relation to original apperception and its necessary unity, even if the judgment itself is empirical and hence contingent, for example, “Bodies are heavy.” By this I do not mean that these representations necessarily belong together in empirical intuition, but that they belong together by virtue of the necessary unity of apperception in the synthesis of intuitions: that is, according to principles of the objective determination of all representations insofar as cognition can arise from them. These principles are all derived from the principle of the transcendental unity of apperception. Only in this way does this relation become a judgment, that is, a relation that is objectively valid and sufficiently distinct from a relation of the very same representations in which there would be merely subjective validity, for example according to laws of association. According to the latter I could say only, “When I carry a body, I feel a pressure of weight,” but not, “It, the body, is heavy.” The latter means that these two representations are combined in the object, that is, regardless of the state of the subject, and not merely together in perception, however often it may be repeated.
B 143 § 20 All sensible intuitions stand under the categories, as conditions under which alone their manifold can come together in one consciousness
The manifold given in a sensible intuition necessarily falls under the original synthetic unity of apperception, because through this alone the unity of intuition is possible (§ 17). But the act of the understanding through which the manifold of given representations, whether intuitions or concepts, is brought under one apperception in general is the logical function of judgments (§ 19). Thus all the manifold, insofar as it is given in one empirical intuition, is determined with regard to one of the logical functions of judging, namely that through which it is brought to one consciousness in general. But the categories are nothing other than precisely these functions of judging insofar as the manifold of a given intuition is determined with regard to them (§ 13). Therefore the manifold in a given intuition also necessarily stands under categories.
B 144 § 21 Observation
A manifold contained in an intuition that I call mine is represented through the synthesis of the understanding as belonging to the necessary unity of self-consciousness, and this occurs through the category*. The category thus indicates that the empirical consciousness of a given manifold of one intuition stands under a pure a priori self-consciousness, just as empirical intuition stands under a pure sensible intuition, which likewise occurs a priori.—In the above proposition, then, a beginning has been made toward a deduction of the pure concepts of the understanding. In this deduction, since the categories arise in the understanding alone independently of sensibility, I must still abstract from the way the manifold is given for an empirical intuition, to attend only to the unity added to intuition through the category by the understanding. Later (§ 26) the way empirical intuition is given in sensibility will be taken as the basis.
B 145 It will then be shown that its unity is none other than that which, according to the preceding § 20, the category prescribes to the manifold of a given intuition in general. Only then, through explaining its a priori validity with regard to all objects of our senses, will the aim of the deduction be fully attained.
* The ground of proof rests on the represented unity of intuition through which an object is given. This unity always includes a synthesis of the manifold given for an intuition, and already contains the relation of this manifold to the unity of apperception.
But there is one point from which I could not abstract in the above proof: namely, that the manifold for intuition must be given before the synthesis of the understanding and independently of it; how it is given, however, remains undetermined here. For if I wished to think an understanding that itself intuited, such as a divine understanding that did not represent given objects but through whose representation the objects themselves were at the same time given or produced, the categories would have no meaning at all with regard to such cognition. They are only rules for an understanding whose entire capacity consists in thinking: that is, in the act of bringing the synthesis of the manifold given to it from elsewhere in intuition to the unity of apperception. Such an understanding therefore cognizes nothing at all on its own, but merely combines and orders the material for cognition, the intuition that must be given to it through the object. Yet no further ground can be given for this peculiarity of our understanding.
B 146 It brings about a priori unity of apperception only by means of the categories, and only through precisely this kind and number of them. Nor can any ground be given for why we have precisely these and no other functions of judging, or why time and space are the only forms of our possible intuition.
§ 22 The category has no other use for the cognition of things than its application to objects of experience
To think an object and to cognize an object are therefore not the same. Cognition requires two elements: first, the concept through which an object in general is thought (the category); and second, the intuition through which it is given. For if an intuition corresponding to the concept could not be given at all, the concept would be a thought as regards form, but without any object, and through it no cognition of any thing would be possible. For, so far as I knew, there would be and could be nothing to which my thought could be applied. Now all intuition possible for us is sensible (Aesthetic). Hence, for us, thinking an object in general through a pure concept of the understanding can become cognition only insofar as this concept is related to objects of the senses.
B 147 Sensible intuition is either pure intuition (space and time) or empirical intuition of what is immediately represented as actual in space and time through sensation. By determining the former, we can obtain a priori cognitions of objects (in mathematics), but only as regards their form, as appearances. Whether there can be things that must be intuited in this form still remains undecided. Consequently, all mathematical concepts are not in themselves cognitions, except insofar as we presuppose that there are things that can be presented to us only in conformity with the form of that pure sensible intuition. But things in space and time are given only insofar as they are perceptions (representations accompanied by sensation), hence through empirical representation. Consequently, pure concepts of the understanding, even when applied to a priori intuitions (as in mathematics), yield cognition only insofar as these intuitions, and hence also the concepts of the understanding through them, can be applied to empirical intuitions. Consequently, the categories, even by means of intuition, supply us with no cognition of things except through their possible application to empirical intuition: that is, they serve only for the possibility of empirical cognition. This, however, is called experience. Consequently, the categories have no other use for the cognition of things.
B 148 Their use extends only so far as these are taken as objects of possible experience.
§ 23
The above proposition is of the greatest importance, for it determines the boundaries of the use of pure concepts of the understanding with regard to objects, just as transcendental aesthetic determined the boundaries of the use of the pure form of our sensible intuition. Space and time, as conditions of the possibility of how objects can be given to us, hold no further than for objects of the senses, hence only of experience. Beyond these boundaries they represent nothing at all, for they are only in the senses and have no actuality outside them. Pure concepts of the understanding are free from this restriction and extend to objects of intuition in general, whether the intuition is like ours or not, provided only that it is sensible and not intellectual. But this further extension of concepts beyond our sensible intuition is of no help to us. For they are then empty concepts of objects, about which we cannot judge through them whether the objects are even possible or not: mere forms of thought without objective reality. For we have no intuition at hand to which the synthetic unity of apperception, which alone they contain, could be applied, so that they could thereby determine an object.
B 149 Our sensible and empirical intuition alone can give them sense and meaning.
If, then, an object of nonsensible intuition is assumed as given, we can certainly represent it through all the predicates already contained in the presupposition that nothing belonging to sensible intuition applies to it: that it is not extended or in space; that its duration is not time; that no alteration (succession of determinations in time) is encountered in it; and so on. But it is no proper cognition if I merely indicate how the intuition of the object is not constituted, without being able to say what is contained in it. For then I have not represented the possibility of an object for my pure concept of the understanding at all, since I could give no intuition corresponding to it, but could only say that ours does not apply to it. The chief point here, however, is that not even a single category could be applied to such a something: for example, the concept of a substance, that is, of something that could exist as subject but never as mere predicate. I do not know at all whether there could be any thing corresponding to this determination of thought unless empirical intuition supplied me with the case of its application. But more of this later.
B 150 § 24 On the application of the categories to objects of the senses in general
Pure concepts of the understanding relate, through the understanding alone, to objects of intuition in general, leaving it undetermined whether this is our intuition or some other, though still sensible, intuition. But for that very reason they are mere forms of thought through which no determinate object is yet cognized. The synthesis or combination of the manifold in them related merely to the unity of apperception and was thereby the ground of the possibility of a priori cognition insofar as it rests on the understanding, and hence was not only transcendental but also purely intellectual. But since a certain form of sensible intuition lies a priori at the foundation in us, resting on the receptivity of the capacity for representation (sensibility), the understanding, as spontaneity, can determine inner sense through the manifold of given representations in accordance with the synthetic unity of apperception. It can thus think a priori the synthetic unity of apperception of the manifold of sensible intuition as the condition under which all objects of our (human) intuition must necessarily stand. In this way the categories, as mere forms of thought, acquire objective reality.
B 151 This means application to objects that can be given to us in intuition, but only as appearances; for only of these are we capable of a priori intuition.
This synthesis of the manifold of sensible intuition, which is possible and necessary a priori, can be called figurative (synthesis speciosa), as distinguished from the synthesis that was thought in the mere category with regard to the manifold of an intuition in general and is called combination of the understanding (synthesis intellectualis). Both are transcendental, not merely because they themselves proceed a priori, but also because they ground the possibility of other a priori cognition.
But figurative synthesis, when it relates solely to the original synthetic unity of apperception, that is, this transcendental unity thought in the categories, must be called the transcendental synthesis of imagination, as distinguished from merely intellectual combination. Imagination is the faculty of representing an object in intuition even without its presence. Now, since all our intuition is sensible, imagination belongs to sensibility because of the subjective condition under which alone it can give the concepts of the understanding a corresponding intuition.
B 152 Yet insofar as its synthesis is an exercise of spontaneity, which is determining and not, like sense, merely determinable, and can thus determine sense a priori as regards its form in accordance with the unity of apperception, imagination is to that extent a faculty of determining sensibility a priori. Its synthesis of intuitions, in conformity with the categories, must be the transcendental synthesis of imagination. This is an effect of the understanding on sensibility and its first application, at the same time the ground of all the others, to objects of the intuition possible for us. As figurative, it is distinguished from intellectual synthesis, without any imagination, through the understanding alone. Insofar as imagination is spontaneity, I also sometimes call it productive imagination, thereby distinguishing it from reproductive imagination, whose synthesis is subject solely to empirical laws, namely those of association. The latter therefore contributes nothing to explaining the possibility of a priori cognition, and for that reason belongs not to transcendental philosophy but to psychology.
* * *
Here is the place to make intelligible the paradox that must have struck everyone in the exposition of the form of inner sense (§ 6).
B 153 The paradox is how this sense presents even ourselves to consciousness only as we appear to ourselves, not as we are in ourselves, because we intuit ourselves only as we are inwardly affected. This seems contradictory, since we would have to stand in a passive relation to ourselves. Hence in systems of psychology it is usual to prefer identifying inner sense with the faculty of apperception, which we carefully distinguish.
What determines inner sense is the understanding and its original faculty of combining the manifold of intuition, that is, of bringing it under one apperception (on which even its own possibility rests). Now in us human beings the understanding is not itself a faculty of intuitions, and even if these were given in sensibility, it cannot take them into itself so as to combine, as it were, the manifold of its own intuition. Its synthesis, considered on its own, is therefore nothing other than the unity of the act of which it is conscious as such even without sensibility, but through which it is itself capable of inwardly determining sensibility with regard to the manifold that may be given to it according to the form of sensibility’s intuition. Under the name of a transcendental synthesis of imagination, then, it exercises on the passive subject whose faculty it is that act of which we rightly say that inner sense is affected by it.
B 154 Apperception and its synthetic unity are so far from being identical with inner sense that the former, as the source of all combination, relates to the manifold of intuitions in general under the name of the categories, and to objects in general before all sensible intuition. Inner sense, by contrast, contains the mere form of intuition, but without combination of the manifold in it, hence no determinate intuition at all. Such intuition is possible only through consciousness of the determination of inner sense by the transcendental act of imagination (the synthetic influence of the understanding on inner sense), which I have called figurative synthesis.
We also perceive this in ourselves at all times. We cannot think a line without drawing it in thought, think a circle without describing it, or represent the three dimensions of space without setting three lines perpendicular to one another from the same point. We cannot even represent time without, in drawing a straight line (that is to be the outwardly figurative representation of time), attending merely to the act of synthesizing the manifold through which we successively determine inner sense, and thus to the succession of this determination in it.
B 155 Motion as an act of the subject (not as a determination of an object)*, and hence the synthesis of the manifold in space, first produces even the concept of succession, if we abstract from space and attend merely to the act through which we determine inner sense in conformity with its form. Thus the understanding does not find such a combination of the manifold already in inner sense, but produces it by affecting that sense. But how the I that thinks is distinct from the I that intuits itself, in that I can at least represent another way of intuiting as possible, and yet is identical with this latter I as the same subject; how I can therefore say, “I, as intelligence and thinking subject, cognize myself as a thought object, insofar as I am also given to myself in intuition, only as I appear to myself, like other phenomena, not as I am before the understanding”—this involves neither more nor less difficulty than how I can be an object to myself at all, indeed an object of intuition and inner perceptions.
B 156 That this must nevertheless actually be so can be clearly demonstrated, if space is admitted to be a mere pure form of the appearances of outer senses, from the following. We cannot represent time, which is no object of outer intuition at all, in any other way than under the image of a line insofar as we draw it; without this manner of presentation we could not cognize the unity of its dimension at all. Likewise, we must always derive the determination of temporal length, or even of positions in time, for all inner perceptions from what outer things present to us as changeable. Consequently, we must order the determinations of inner sense as appearances in time in precisely the same way as we order those of outer senses in space. Hence, if we concede of the latter that through them we cognize objects only insofar as we are outwardly affected, we must also grant of inner sense that through it we intuit ourselves only as we are inwardly affected by ourselves: that is, as regards inner intuition, we cognize our own subject only as appearance, not as it is in itself∗∗.
* Motion of an object in space does not belong to a pure science, and hence not to geometry, because that something is movable cannot be cognized a priori, but only through experience. But motion as the describing of a space is a pure act of the successive synthesis of the manifold in outer intuition in general through productive imagination, and belongs not only to geometry but even to transcendental philosophy.
∗∗ I do not see how one can find so many difficulties in inner sense’s being affected by ourselves. Every act of attention can give us an example. In it the understanding always determines inner sense, in conformity with the combination it thinks, to an inner intuition corresponding to the manifold in the synthesis of the understanding. Everyone can perceive in himself how greatly the mind is ordinarily affected by this.
§ 25
B 157 By contrast, in the transcendental synthesis of the manifold of representations in general, and hence in the original synthetic unity of apperception, I am conscious of myself not as I appear to myself, nor as I am in myself, but only that I am. This representation is a thinking, not an intuiting. Now cognition of ourselves requires, besides the act of thinking that brings the manifold of every possible intuition to the unity of apperception, a determinate kind of intuition through which this manifold is given.
B 158 My own existence is therefore indeed not appearance (much less mere illusion), but the determination of my existence* can occur only in conformity with the form of inner sense, according to the particular way the manifold I combine is given in inner intuition. Accordingly, I have no cognition of myself as I am, but merely as I appear to myself. Consciousness of oneself is thus far from being a cognition of oneself, despite all the categories that constitute the thinking of an object in general through combination of the manifold in one apperception. Just as, to cognize an object distinct from me, I still need, besides the thinking of an object in general (in the category), an intuition through which I determine that general concept, so, to cognize myself, I need, besides consciousness or my thinking myself, an intuition of the manifold in me through which I determine this thought. I exist as an intelligence conscious solely of its faculty of combination, but, with regard to the manifold it is to combine, subject to a limiting condition it calls inner sense.
B 159 This intelligence can make that combination intuitable only according to relations of time, which lie entirely outside the proper concepts of the understanding. Hence it can cognize even itself only as, with regard to an intuition that cannot be intellectual and given through the understanding itself, it merely appears to itself, not as it would cognize itself if its intuition were intellectual.
* The “I think” expresses the act of determining my existence. Existence is therefore already given through it, but the way I am to determine it, that is, posit in myself the manifold belonging to it, is not yet thereby given. This requires self-intuition, which has an a priori given form, time, as its foundation; this form is sensible and belongs to the receptivity of what is determinable. Now if I do not have another self-intuition that gives what determines in me, of whose spontaneity alone I am conscious, before the act of determining, just as time gives what is determinable, then I cannot determine my existence as that of a self-active being. Rather, I represent only the spontaneity of my thinking, that is, of determining, and my existence always remains determinable only sensibly, that is, as the existence of an appearance. Yet this spontaneity makes me call myself an intelligence.
§ 26 Transcendental deduction of the universally possible use in experience of the pure concepts of the understanding
In the metaphysical deduction the a priori origin of the categories in general was demonstrated through their complete coincidence with the universal logical functions of thinking; in the transcendental deduction their possibility as a priori cognitions of objects of an intuition in general was presented (§§ 20, 21). We must now explain the possibility of cognizing a priori, through categories, whatever objects may ever come before our senses, not as regards the form of their intuition but according to the laws of their combination; thus, as it were, of prescribing laws to nature and even making nature possible.
B 160 For without this fitness of the categories it would not be evident how everything that may ever come before our senses must stand under laws that arise a priori from the understanding alone.
First I note that by the synthesis of apprehension I understand the composition of the manifold in an empirical intuition through which perception, that is, empirical consciousness of it (as appearance), becomes possible.
In the representations of space and time we have a priori forms of outer as well as inner sensible intuition, and the synthesis of apprehension of the manifold of appearance must always conform to these, because it can itself occur only according to this form. But space and time are represented a priori not merely as forms of sensible intuition, but as intuitions themselves (containing a manifold), hence with the determination of the unity of this manifold in them (see the Transcendental Aesthetic)*.
B 161 Thus even unity of the synthesis of the manifold, outside us or within us, and hence also a combination to which everything to be represented determinately in space or time must conform, is already given a priori together with (not in) these intuitions, as a condition of the synthesis of all apprehension. But this synthetic unity can be none other than the unity of the combination of the manifold of a given intuition in general in an original consciousness, in conformity with the categories, only applied to our sensible intuition. Consequently, all synthesis through which even perception becomes possible stands under the categories. And since experience is cognition through connected perceptions, the categories are conditions of the possibility of experience, and thus also hold a priori of all objects of experience.
* Space represented as an object, as is actually required in geometry, contains more than the mere form of intuition: namely, the comprehension of the manifold given according to the form of sensibility in one intuitive representation. Thus the form of intuition gives merely the manifold, but formal intuition gives unity of the representation. In the Aesthetic I counted this unity merely as belonging to sensibility, only to point out that it precedes all concepts, although it presupposes a synthesis not belonging to the senses, through which, however, all concepts of space and time first become possible. For since through this synthesis, as the understanding determines sensibility, space or time are first given as intuitions, the unity of this intuition belongs a priori to space and time, not to the concept of the understanding (§ 24).
* * *
B 162 Thus, for example, when I make the empirical intuition of a house into a perception by apprehending its manifold, the necessary unity of space and of outer sensible intuition in general lies at the foundation for me, and I as it were trace its shape in conformity with this synthetic unity of the manifold in space. But this very same synthetic unity, if I abstract from the form of space, has its seat in the understanding and is the category of the synthesis of the homogeneous in an intuition in general: that is, the category of magnitude, to which that synthesis of apprehension, that is, perception, must therefore wholly conform*.
* In this way it is proved that the synthesis of apprehension, which is empirical, must necessarily conform to the synthesis of apperception, which is intellectual and contained entirely a priori in the category. It is one and the same spontaneity that introduces combination into the manifold of intuition, there under the name of imagination, here under that of understanding.
When (in another example) I perceive the freezing of water, I apprehend two states (fluidity and solidity) as standing in a temporal relation to one another.
B 163 But in the time that I place at the foundation of the appearance as inner intuition, I necessarily represent synthetic unity of the manifold, without which that relation could not be given as determined in one intuition with regard to temporal succession. Now this synthetic unity, as the a priori condition under which I combine the manifold of an intuition in general, is, if I abstract from the constant form of my inner intuition, time, the category of cause. Through this category, when I apply it to my sensibility, I determine everything that happens in time in general as regards its relation. Thus apprehension in such an event, and hence the event itself as regards possible perception, stands under the concept of the relation of effects and causes, and so in all other cases.
* * *
Categories are concepts that prescribe laws a priori to appearances, hence to nature as the sum total of all appearances (natura materialiter spectata). Now, since the categories are not derived from nature and do not conform to it as their model, for otherwise they would be merely empirical, the question is how we can comprehend that nature must conform to them: that is, how they can determine a priori the combination of the manifold of nature without drawing it from nature. Here is the solution to this riddle.
B 164 Now it is no more surprising that the laws of appearances in nature must agree with the understanding and its a priori form, that is, its faculty of combining the manifold in general, than that appearances themselves must agree with the form of sensible intuition a priori. For laws exist in appearances no more than appearances exist in themselves: laws exist only relative to the subject in which appearances inhere, insofar as it has understanding, just as appearances exist only relative to that same being insofar as it has senses. Things in themselves would necessarily possess their conformity to law even apart from an understanding that cognizes them. But appearances are only representations of things that exist uncognized as regards what they may be in themselves. As mere representations, however, they stand under no law of connection except the one prescribed by the connecting faculty. Now what connects the manifold of sensible intuition is imagination, which depends on the understanding as regards the unity of its intellectual synthesis and on sensibility as regards the manifoldness of apprehension. Since all possible perception depends on the synthesis of apprehension, and this empirical synthesis itself depends on the transcendental synthesis and hence on the categories, all possible perceptions, and thus everything that can ever reach empirical consciousness, that is, all appearances of nature, must stand under the categories as regards their combination.
B 165 Nature, considered merely as nature in general, depends on these as the original ground of its necessary conformity to law (as natura formaliter spectata). But the pure faculty of understanding does not suffice to prescribe a priori laws to appearances through mere categories beyond those laws on which a nature in general rests, as conformity to law of appearances in space and time. Particular laws, because they concern empirically determined appearances, cannot be fully derived from those laws, although they all stand under them. Experience must be added in order to know these particular laws at all. But concerning experience in general, and what can be cognized as an object of it, those a priori laws alone provide instruction.
§ 27 The result of this deduction of the concepts of the understanding
We cannot think an object except through categories; we cannot cognize a thought object except through intuitions corresponding to those concepts. Now all our intuitions are sensible, and this cognition, insofar as its object is given, is empirical. But empirical cognition is experience.
B 166 Consequently, no a priori cognition is possible for us except solely of objects of possible experience*.
* To prevent anyone from taking premature offense at the feared harmful consequences of this proposition, I will merely recall that in thinking the categories are not limited by the conditions of our sensible intuition, but have an unbounded field. Only cognizing what we think, determining the object, requires intuition. Where intuition is lacking, the thought of the object can nevertheless still have its true and useful consequences for the subject’s use of reason. But this use, since it is not always directed to determining the object, hence to cognition, but also to determining the subject and its willing, cannot yet be set out here.
But this cognition, restricted solely to objects of experience, is not on that account all borrowed from experience. Rather, both pure intuitions and pure concepts of the understanding are elements of cognition found in us a priori. Now there are only two ways in which a necessary agreement of experience with the concepts of its objects can be thought: either experience makes these concepts possible, or these concepts make experience possible.
B 167 The first does not hold with regard to the categories (nor to pure sensible intuition), for they are a priori concepts and hence independent of experience; asserting an empirical origin would be a kind of generatio aequivoca. Consequently, only the second remains, as it were a system of the epigenesis of pure reason: namely, that the categories contain, on the side of the understanding, the grounds of the possibility of all experience in general. How they make experience possible, however, and what principles of its possibility they supply in their application to appearances, will be taught more fully by the following chapter on the transcendental use of the power of judgment.
If someone wished to propose a middle way between the two sole ways just named—namely, that the categories were neither self-thought first a priori principles of our cognition nor drawn from experience, but subjective predispositions for thinking implanted in us together with our existence, arranged by our author so that their use agreed precisely with the laws of nature according to which experience proceeds, a kind of preformation system of pure reason—then, apart from the fact that under such a hypothesis no end can be seen to how far one might carry the assumption of predetermined predispositions for future judgments, the following would be decisive against this middle way.
B 168 In such a case the categories would lack the necessity that belongs essentially to their concept. For example, the concept of cause, which asserts the necessity of an outcome under a presupposed condition, would be false if it rested only on an arbitrary subjective necessity implanted in us to combine certain empirical representations according to such a rule of relation. I could not say, “The effect is combined with the cause in the object, that is, necessarily,” but only, “I am so constituted that I cannot think this representation as connected in any other way.” This is precisely what the skeptic most desires. For then all our insight, through the supposed objective validity of our judgments, is nothing but sheer illusion; and there would also be no shortage of people who would not admit to this subjective necessity, which must be felt, in themselves. At least one could not dispute with anyone over what rests merely on the way his subject is organized.
Brief account of this deduction
It is the presentation of the pure concepts of the understanding, and with them of all theoretical a priori cognition, as principles of the possibility of experience. Experience, in turn, is presented as the determination of appearances in space and time in general.
B 169 And this determination, finally, is presented from the principle of the original synthetic unity of apperception, as the form of the understanding in relation to space and time as original forms of sensibility.
* * *
Only up to this point do I consider division into numbered sections necessary, because we have been dealing with elementary concepts. Now that we wish to present their use, the exposition may proceed in a continuous connection without such division.
Transcendental Analytic Second Book
The Analytic of Principles
General logic is built on a plan that coincides precisely with the division of the higher cognitive faculties. These are understanding, power of judgment, and reason. In its analytic, that doctrine therefore treats of concepts, judgments, and inferences, precisely in accordance with the functions and order of those powers of the mind comprehended under the broad name of understanding in general.
B 170 Since this merely formal logic abstracts from all content of cognition, whether pure or empirical, and concerns itself solely with the form of thinking, discursive cognition, in general, it can also include in its analytic part the canon for reason. Reason’s form has its secure prescription, which can be understood a priori through mere analysis of the acts of reason into their moments, without considering the particular nature of the cognition used in them.
Transcendental logic, being restricted to a determinate content, namely solely that of pure a priori cognitions, cannot follow general logic in this division. For it becomes apparent that the transcendental use of reason is not objectively valid at all, and hence does not belong to the logic of truth, the analytic, but as a logic of illusion requires a separate part of the scholarly doctrinal structure under the name of transcendental dialectic.
Understanding and power of judgment accordingly have their canon of objectively valid, hence true, use in transcendental logic, and thus belong to its analytic part. But reason is wholly dialectical in its attempts to establish anything a priori about objects and to enlarge cognition beyond the boundaries of possible experience.
B 171 Its illusory assertions do not fit at all into a canon such as the analytic is to contain.
The analytic of principles will therefore be solely a canon for the power of judgment, teaching it to apply to appearances the concepts of the understanding that contain the condition for a priori rules. For this reason, in taking the proper principles of the understanding as my theme, I will employ the name “doctrine of the power of judgment,” which designates this business more precisely.
Introduction On the Transcendental Power of Judgment in General
If understanding in general is explained as the faculty of rules, then the power of judgment is the faculty of subsuming under rules, that is, of distinguishing whether something stands under a given rule (casus datae legis), or not. General logic contains no precepts for the power of judgment and cannot contain any. For since it abstracts from all content of cognition, nothing remains for it but one business.
B 172 That business is to unfold analytically the mere form of cognition in concepts, judgments, and inferences, and thereby to establish formal rules for every use of the understanding. If it now wished to show generally how one should subsume under these rules, that is, distinguish whether something stands under them or not, this could happen only through another rule. But precisely because it is a rule, this would in turn require instruction for the power of judgment. It thus becomes apparent that, although the understanding is capable of being instructed and equipped through rules, the power of judgment is a special talent that cannot be taught at all, but only practiced. Hence it is also the distinctive element of so-called native wit, whose lack no schooling can make good. For although a school can supply a limited understanding with an abundance of rules borrowed from another’s insight, and as it were graft them onto it, the capacity to use them correctly must nevertheless belong to the pupil himself; and without such a natural gift, no rule prescribed to him for this purpose is safe from misuse*.
B 173 Thus a physician, a judge, or a statesman may have many excellent pathological, legal, or political rules in his head, to the point of being a thorough teacher of them himself, and yet easily go wrong in applying them. This may be either because he lacks natural power of judgment, though not understanding, and can indeed grasp the universal in abstracto but cannot distinguish whether a case in concreto falls under it, or because he has not been sufficiently trained for this judgment through examples and actual business. This is also the one great benefit of examples: they sharpen the power of judgment. For as regards the correctness and precision of the understanding’s insight, examples ordinarily impair it somewhat instead, because they only rarely fulfill the condition of the rule adequately (as casus in terminis). Moreover, they often weaken the effort of the understanding to grasp rules in general, independently of the particular circumstances of experience, as regards their sufficiency, and thus in the end accustom us to using them more as formulas than as principles.
B 174 Examples are therefore the wheeled walking frame of the power of judgment, which anyone lacking its natural talent can never do without.
* Lack of power of judgment is properly what is called stupidity, and there is no remedy at all for such a defect. A dull or limited mind, lacking nothing but the proper degree of understanding and its own concepts, can be very well equipped through learning, even to the point of erudition. But since it then usually also lacks that (the secunda Petri), it is not unusual to encounter very learned men who, in using their science, frequently reveal that never-remediable deficiency.
But although general logic can give the power of judgment no precepts, the situation with transcendental logic is quite different. Indeed, the latter seems to have as its proper business the correction and securing of the power of judgment in the use of the pure understanding through determinate rules. For philosophy seems unnecessary, or rather ill placed, as a doctrine for enlarging the understanding in the field of pure a priori cognitions, since after all previous attempts little or no ground has been gained by it. But as a critique, to prevent the missteps of the power of judgment (lapsus judicii) in using the few pure concepts of the understanding we possess, philosophy is called upon with all its acuteness and art of examination, although its benefit is then merely negative.
Transcendental philosophy, however, has this peculiarity: besides the rule, or rather the universal condition for rules, given in the pure concept of the understanding, it can at the same time indicate a priori the case to which they are to be applied.
B 175 The reason for its advantage in this respect over all other instructive sciences, apart from mathematics, lies precisely in its treating of concepts that are to relate a priori to their objects. Their objective validity therefore cannot be demonstrated a posteriori, for that would leave their distinctive dignity entirely untouched. Rather, it must at the same time set out, in general but sufficient marks, the conditions under which objects can be given in agreement with those concepts; otherwise they would have no content at all and would thus be mere logical forms, not pure concepts of the understanding.
This transcendental doctrine of the power of judgment will now contain two chapters: the first treating of the sensible condition under which alone pure concepts of the understanding can be used, that is, the schematism of the pure understanding; the second, of the synthetic judgments that flow a priori from pure concepts of the understanding under these conditions and underlie all other a priori cognitions, that is, the principles of the pure understanding.
B 176 Transcendental Doctrine of the Power of Judgment (or Analytic of Principles) First Chapter On the Schematism of the Pure Concepts of the Understanding
In every subsumption of an object under a concept, the representation of the former must be homogeneous with the latter: that is, the concept must contain what is represented in the object to be subsumed under it. For this is precisely what the expression means: an object is contained under a concept. Thus the empirical concept of a plate is homogeneous with the pure geometrical concept of a circle, in that the roundness thought in the former can be intuited in the latter.
But pure concepts of the understanding, compared with empirical, indeed with sensible intuitions in general, are entirely heterogeneous and can never be encountered in any intuition. How, then, is the subsumption of the latter under the former, and hence the application of the category to appearances, possible, since no one will say that a category, for example causality, can also be intuited through the senses and is contained in appearance?
B 177 This very natural and important question is properly the reason that makes a transcendental doctrine of the power of judgment necessary: namely, to show how pure concepts of the understanding can possibly be applied to appearances in general. In all other sciences, where the concepts through which the object is thought generally are not so different and heterogeneous from those that represent it in concreto as it is given, no special exposition concerning the application of the former to the latter is necessary.
Now it is clear that there must be a third thing that must be homogeneous on the one hand with the category and on the other with the appearance, making possible the application of the former to the latter. This mediating representation must be pure (without anything empirical) and yet intellectual on the one hand and sensible on the other. Such a representation is the transcendental schema.
The concept of the understanding contains pure synthetic unity of the manifold in general. Time, as the formal condition of the manifold of inner sense, hence of the connection of all representations, contains an a priori manifold in pure intuition. Now a transcendental determination of time is homogeneous with the category (which constitutes its unity) insofar as it is universal and rests on an a priori rule.
B 178 But it is, on the other hand, homogeneous with appearance insofar as time is contained in every empirical representation of the manifold. Hence an application of the category to appearances will be possible by means of the transcendental determination of time, which, as the schema of the concepts of the understanding, mediates the subsumption of appearances under the category.
After what has been shown in the deduction of the categories, I hope no one will hesitate to decide the question whether these pure concepts of the understanding have merely an empirical use or also a transcendental one: that is, whether they relate a priori to appearances solely as conditions of a possible experience, or whether, as conditions of the possibility of things in general, they can be extended to objects in themselves (without any restriction to our sensibility). For there we saw that concepts are entirely impossible and cannot have any meaning unless an object is given either to them themselves or at least to the elements of which they consist; hence they cannot relate to things in themselves (without regard to whether and how these may be given to us) at all. Further, we saw that the only way objects are given to us is the modification of our sensibility.
B 179 Finally, pure a priori concepts, besides the function of the understanding in the category, must also contain a priori formal conditions of sensibility (specifically of inner sense), containing the universal condition under which alone the category can be applied to any object. We will call this formal and pure condition of sensibility, to which the concept of the understanding is restricted in its use, the schema of this concept of the understanding, and the understanding’s procedure with these schemata the schematism of the pure understanding.
In itself the schema is always only a product of imagination. But since the synthesis of imagination aims not at any singular intuition but solely at unity in the determination of sensibility, the schema must nevertheless be distinguished from the image. Thus, if I place five points in a row,..... this is an image of the number five. But if I merely think a number in general, which may be five or a hundred, this thinking is more the representation of a method for representing a multitude, for example a thousand, in an image according to a certain concept than it is this image itself, which in the latter case I could hardly survey and compare with the concept.
B 180 This representation of a general procedure of imagination for providing a concept with its image I call the schema for that concept.
In fact, our pure sensible concepts are grounded not on images of objects but on schemata. No image of a triangle would ever be adequate to the concept of a triangle in general. For it would not attain the universality of the concept, which makes it hold for all triangles, right-angled or oblique-angled, and so on, but would always be restricted to only part of this sphere. The schema of the triangle can exist nowhere but in thought, and signifies a rule of the synthesis of imagination with regard to pure shapes in space. Still less does an object of experience or an image of it ever attain the empirical concept. Rather, the latter always relates immediately to the schema of imagination as a rule for determining our intuition according to a certain general concept. The concept of a dog signifies a rule according to which my imagination can trace the shape of a four-footed animal in general, without being restricted to any one particular shape offered to me by experience, or to any possible image I can present in concreto. This schematism of our understanding with regard to appearances and their mere form is a hidden art in the depths of the human soul. Its true operations we are hardly ever likely to succeed in divining from nature.
B 181 Nor are we likely ever to lay them unveiled before our eyes. We can say only this much: the image is a product of the empirical faculty of productive imagination; the schema of sensible concepts, such as figures in space, is a product and, as it were, a monogram of pure a priori imagination, through which and according to which images first become possible. Yet these images must always be connected with the concept only by means of the schema they designate, and in themselves do not fully coincide with it. By contrast, the schema of a pure concept of the understanding is something that cannot be brought into any image at all. Rather, it is only the pure synthesis according to a rule of unity by concepts in general, which the category expresses. It is a transcendental product of imagination concerning the determination of inner sense in general according to the conditions of its form (time) with regard to all representations insofar as these are to be connected a priori in one concept in conformity with the unity of apperception.
Rather than linger over a dry and tedious analysis of what is required for transcendental schemata of pure concepts of the understanding in general, let us instead present them in the order of the categories and in connection with them.
B 182 The pure image of all magnitudes (quantorum) before outer sense is space; that of all objects of the senses in general, however, is time. But the pure schema of magnitude (quantitatis), as a concept of the understanding is number, a representation comprehending the successive addition of one to one (homogeneous ones). Thus number is nothing other than the unity of the synthesis of the manifold of a homogeneous intuition in general, through my generating time itself in the apprehension of the intuition.
Reality, in the pure concept of the understanding, is what corresponds to a sensation in general; hence that whose concept in itself indicates a being (in time). Negation is that whose concept represents a nonbeing (in time). The opposition of the two thus occurs in the difference of the same time as either filled or empty time. Since time is only the form of intuition, hence of objects as appearances, what corresponds in these to sensation is the transcendental matter of all objects as things in themselves (thinghood, reality). Now every sensation has a degree or magnitude through which it can fill the same time, that is, inner sense with regard to the same representation of an object, more or less, until it ceases in nothing (= 0 = negatio).
B 183 Hence there is a relation and connection, or rather a transition, from reality to negation that represents every reality as a quantum. The schema of a reality, as the quantity of something insofar as it fills time, is precisely this continuous and uniform generation of it in time, as we descend in time from a sensation having a certain degree to its disappearance, or gradually ascend from negation to its magnitude.
The schema of substance is the persistence of the real in time, that is, its representation as a substratum of empirical time-determination in general, which therefore remains while everything else changes. (Time does not elapse; rather, the existence of what is mutable elapses in it. To time, therefore, which is itself unchanging and enduring, there corresponds in appearance what is unchanging in existence, that is, substance. Only by reference to substance can the succession and simultaneity of appearances be determined in time.)
The schema of the cause and of the causality of a thing in general is the real upon which, whenever it is posited at will, something else always follows. It thus consists in the succession of the manifold insofar as this is subject to a rule.
The schema of community (interaction), or of the reciprocal causality of substances with regard to their accidents, is simultaneity.
B 184 This simultaneity is that of the determinations of the one with those of the other, according to a universal rule.
The schema of possibility is the agreement of the synthesis of different representations with the conditions of time in general (for example, since opposites cannot be in one thing simultaneously but only successively), hence the determination of the representation of a thing at some time.
The schema of actuality is existence at a determinate time.
The schema of necessity is the existence of an object at all times.
From all this we now see what the schema of each category contains and represents: that of magnitude, the generation (synthesis) of time itself in the successive apprehension of an object; the schema of quality, the synthesis of sensation (perception) with the representation of time, or the filling of time; that of relation, the relation of perceptions to one another at all times (that is, according to a rule of time-determination); and finally the schema of modality and its categories, time itself as the correlate of the determination of an object as to whether and how it belongs to time. The schemata are therefore nothing but a priori determinations of time according to rules. These concern, in the order of the categories, the time-series and the content of time.
B 185 They concern also the order of time, and finally the sum total of time with regard to all possible objects.
It is now evident from this that the schematism of the understanding through the transcendental synthesis of imagination amounts to nothing other than the unity of all the manifold of intuition in inner sense, and thus indirectly to the unity of apperception as the function corresponding to inner sense (a receptivity). Thus the schemata of the pure concepts of the understanding are the true and sole conditions for providing these concepts with a relation to objects, and hence with meaning. The categories are therefore ultimately capable of no use other than a possible empirical use. For they serve merely to subject appearances to universal rules of synthesis through grounds of an a priori necessary unity (owing to the necessary unification of all consciousness in one original apperception), and thereby make them fit for thoroughgoing connection in one experience.
But all our cognitions lie within the whole of all possible experience, and transcendental truth, which precedes all empirical truth and makes it possible, consists in the universal relation to that experience.
Yet it is also evident: the schemata of sensibility first realize the categories.
B 186 They nevertheless also restrict them, that is, limit them to conditions lying outside the understanding, namely in sensibility. Hence the schema is properly only the phenomenon, or the sensible concept of an object in agreement with the category. (Numerus est quantitas phaenomenon, sensatio realitas phaenomenon, constans et perdurabile rerum substantia phaenomenon—aeternitas, necessitas, phaenomena and so on.) If we now leave out a restricting condition, we seem to amplify the concept previously limited. Thus the categories in their pure meaning, without any conditions of sensibility, should hold of things in general as they are, whereas their schemata represent them only as they appear; the categories would thus have a meaning independent of all schemata and extending much further. In fact, even after all sensible conditions have been removed, pure concepts of the understanding certainly retain a meaning, but only a logical one, that of the mere unity of representations. Yet no object is given to these, and hence no meaning that could yield a concept of the object. Thus, for example, if the sensible determination of persistence were omitted, substance would signify nothing more than a something that can be thought as subject (without being a predicate of something else). Now I can make nothing of this representation.
B 187 For it does not indicate at all what determinations the thing that is to count as such a first subject has. Thus without schemata the categories are only functions of the understanding for concepts, but represent no object. This meaning comes to them from sensibility, which realizes the understanding while at the same time restricting it.
Transcendental Doctrine of the Power of Judgment (or Analytic of Principles) Second Chapter
System of All Principles of the Pure Understanding
In the preceding chapter we considered the transcendental power of judgment only in terms of the general conditions under which it is entitled to use the pure concepts of the understanding for synthetic judgments. Our task now is to present, in systematic combination, the judgments that the understanding actually produces a priori under this critical caution. For this our table of categories must undoubtedly give us the natural and secure guidance. For it is precisely these whose relation to possible experience must constitute all pure a priori cognition of the understanding.
B 188 And their relation to sensibility in general will, for that very reason, set out all the transcendental principles governing the use of the understanding, completely and in a single system.
A priori principles bear this name not merely because they contain the grounds of other judgments, but also because they are not themselves grounded in higher and more general cognitions. Yet this property does not always exempt them from proof. For although the principle could not be proved any further objectively, and rather underlies all cognition of its object, this does not prevent a proof from being possible, and indeed necessary, from the subjective sources of the possibility of cognition of an object in general. Otherwise the proposition would still lie under the gravest suspicion of being a merely surreptitious assertion.
Second, we will confine ourselves to those principles that relate to the categories. The principles of transcendental aesthetic, according to which space and time are the conditions of the possibility of all things as appearances, and likewise the restriction on these principles—namely, that they cannot be applied to things in themselves—thus fall outside our demarcated field of inquiry. Mathematical principles likewise form no part of this system, because they are drawn only from intuition, not from the pure concept of the understanding.
B 189 Yet their possibility, since they are nevertheless synthetic a priori judgments, must necessarily find a place here: not to prove their correctness and apodictic certainty, which they do not need, but only to make the possibility of such evident a priori cognitions intelligible and to deduce it.
We must, however, also discuss the principle of analytic judgments, in contrast to the synthetic judgments with which we are properly concerned. For precisely this contrast frees the theory of the latter from all misunderstanding and clearly displays their distinctive nature.
The System of the Principles of Pure Understanding First Section On the Supreme Principle of All Analytic Judgments
Whatever the content of our cognition, and however it may relate to its object, the universal, though merely negative, condition of all our judgments in general is that they must not contradict themselves. Otherwise these judgments are nothing in themselves, even without regard to the object.
B 190 Yet even if our judgment contains no contradiction, it may still combine concepts in a way that the object does not warrant, or without our being given any ground, either a priori or a posteriori, that would justify such a judgment. Thus a judgment, despite being free from all internal contradiction, may still be either false or groundless.
The proposition that no thing can have a predicate that contradicts it is called the principle of contradiction. It is a universal, though merely negative, criterion of all truth, but it belongs to logic alone, because it holds of cognitions merely as cognitions in general, regardless of their content, and declares that contradiction utterly destroys and nullifies them.
Yet it can also be put to a positive use, that is, not merely to banish falsehood and error insofar as they rest on contradiction, but also to recognize truth. For if a judgment is analytic, whether negative or affirmative, its truth must always be sufficiently recognizable by the principle of contradiction. For of whatever already lies as a concept in the cognition of the object and is thought there, the opposite is always correctly denied, while the concept itself must necessarily be affirmed of it.
B 191 The reason is that the contrary of the concept would contradict the object.
We must therefore recognize the principle of contradiction as the universal and wholly sufficient principle of all analytic cognition; but its authority and usefulness as a sufficient criterion of truth extend no further. That no cognition can conflict with it without destroying itself certainly makes this principle a conditio sine qua non, but not the determining ground of the truth of our cognition. Since we are properly concerned only with the synthetic part of our cognition, we will always take care never to violate this inviolable principle, but can never expect it to shed any light on the truth of cognition of this kind.
There is, however, a formulation of this famous principle, devoid of all content and merely formal though it is, that contains a synthesis carelessly and quite unnecessarily mixed into it. It runs: it is impossible for something both to be and not to be at the same time. Apart from the superfluous addition of apodictic certainty through the word “impossible”—a certainty that must surely follow of itself from the proposition—the proposition is affected by the condition of time.
B 192 It says, as it were: a thing = A that is something = B cannot at the same time be non-B; but it can perfectly well be both B and non-B in succession. For example, a person who is young cannot at the same time be old; but that same person can very well be young at one time and not young, that is, old, at another. As a merely logical principle, however, the principle of contradiction must not restrict its pronouncements to temporal relations. Such a formulation therefore runs directly counter to its purpose. The misunderstanding arises solely because one first separates a predicate of a thing from the concept of that thing, and then connects its opposite with this predicate. This never produces a contradiction with the subject, but only with its predicate, which has been synthetically combined with the subject, and even then only if the first and second predicates are posited at the same time. If I say that a person who is unlearned is not learned, the condition “at the same time” must be included, since someone unlearned at one time may very well be learned at another. But if I say that no unlearned person is learned, the proposition is analytic, because the mark of being unlearned now helps constitute the concept of the subject. The negative proposition then follows immediately from the principle of contradiction, without any need to add the condition “at the same time.”
B 193 This is also why I altered its formulation above, so that it clearly expresses the nature of an analytic proposition.
The System of the Principles of Pure Understanding Second Section On the Supreme Principle of All Synthetic Judgments
Explaining the possibility of synthetic judgments is a task with which general logic has nothing to do; it must not even know its name. In a transcendental logic, however, this is the most important business of all, and indeed its only business when the question concerns the possibility of synthetic a priori judgments, together with the conditions and extent of their validity. For once it has completed this task, it can fully accomplish its purpose: determining the scope and boundaries of pure understanding.
In an analytic judgment I remain within the given concept in order to determine something about it. If the judgment is affirmative, I ascribe to this concept only what was already thought in it; if negative, I merely exclude its contrary from it. In synthetic judgments, however, I must go beyond the given concept to consider something quite different from what was thought in it as standing in a relation to it.
B 194 This relation is therefore never one of either identity or contradiction, and neither truth nor error can be discerned in the judgment itself.
Granted, then, that one must go beyond a given concept to compare it synthetically with another, a third thing is needed in which alone the synthesis of two concepts can arise. But what is this third thing, the medium of all synthetic judgments? It is only a sum total in which all our representations are contained: inner sense, and its a priori form, time. The synthesis of representations rests on imagination, but their synthetic unity, which is required for judgment, rests on the unity of apperception. Here, then, we must seek the possibility of synthetic judgments and, since all three contain sources of a priori representations, also the possibility of pure synthetic judgments. Indeed, on these grounds such judgments will even be necessary if there is to be cognition of objects that rests solely on the synthesis of representations.
If a cognition is to have objective reality—that is, to relate to an object and have meaning and significance in it—the object must be capable of being given in some way. Without this, concepts are empty: through them one has, to be sure, thought.
B 195 In fact, however, one has cognized nothing through this thinking, but merely played with representations. To give an object, if this is not meant merely indirectly but as presenting it immediately in intuition, is nothing other than to relate its representation to experience, whether actual or at least possible. Even space and time, however pure these concepts are of everything empirical, and however certain it is that they are represented entirely a priori in the mind, would lack objective validity, meaning, and significance unless their necessary use for the objects of experience were demonstrated. Indeed, their representation is a mere schema that always relates to the reproductive imagination, which calls up the objects of experience, without which they would have no significance. The same holds for all concepts without exception.
The possibility of experience, then, is what gives all our a priori cognitions objective reality. Now experience rests on the synthetic unity of appearances, that is, on a synthesis according to concepts of the object of appearances in general. Without this it would not even be cognition, but a rhapsody of perceptions that would fit together in no context according to rules of a thoroughly connected possible consciousness, and hence not in the transcendental and necessary unity of apperception either.
B 196 Experience therefore has a priori principles of its form as its foundation: universal rules of unity in the synthesis of appearances. Their objective reality as necessary conditions can always be shown in experience, indeed in its very possibility. Outside this relation, however, synthetic a priori propositions are altogether impossible, since they have no third thing, namely a pure object, in which the synthetic unity of their concepts could demonstrate objective reality.
Thus, although we cognize a great deal a priori in synthetic judgments about space in general, or about the figures that productive imagination draws in it, and actually need no experience whatever for this, such cognition would still be nothing but an occupation with a mere fantasy if space were not to be regarded as the condition of the appearances that constitute the material of outer experience. Those pure synthetic judgments therefore relate, though only indirectly, to possible experience, or rather to its very possibility, and ground the objective validity of their synthesis on this alone.
Since experience, as empirical synthesis, is thus, in its possibility, the only kind of cognition that gives reality to every other synthesis, this other synthesis, as a priori cognition, has truth only in one way.
B 197 Truth, that is agreement with the object, belongs to it solely because it contains nothing beyond what is necessary for the synthetic unity of experience in general.
The supreme principle of all synthetic judgments is therefore this: every object is subject to the necessary conditions of the synthetic unity of the manifold of intuition in a possible experience.
Synthetic a priori judgments are possible in this way: we relate the formal conditions of a priori intuition, the synthesis of imagination, and its necessary unity in a transcendental apperception to a possible empirical cognition in general, and say that the conditions of the possibility of experience in general are at the same time conditions of the possibility of the objects of experience, and for that reason have objective validity in a synthetic a priori judgment.
The System of the Principles of Pure Understanding Third Section Systematic Presentation of All Its Synthetic Principles
That there are principles anywhere at all is due solely to pure understanding.
B 198 It is not only the faculty of rules concerning what happens, but itself the source of principles according to which everything that can ever appear to us as an object necessarily stands under rules, for without such rules appearances could never yield cognition of an object corresponding to them. Even laws of nature, when regarded as fundamental laws of the empirical use of understanding, carry with them an expression of necessity, and hence at least the presumption of a determination from grounds valid a priori and before all experience. But all laws of nature without exception stand under higher principles of the understanding, since they merely apply these to particular cases of appearance. These principles alone, then, provide the concept that contains the condition and, as it were, the exponent of a rule in general; experience supplies the case that falls under the rule.
There can properly be no danger of taking merely empirical principles for principles of pure understanding, or the reverse. The necessity according to concepts that distinguishes the latter, and whose absence is readily perceived in every empirical proposition, however universally it may hold, can easily prevent this confusion. But there are pure a priori principles that I would nevertheless not attribute specifically to pure understanding, because they are drawn not from pure concepts.
B 199 They are drawn instead from pure intuitions, though through the understanding; and understanding is the faculty of concepts. Mathematics has principles of this kind. Yet their application to experience, and hence their objective validity, indeed the possibility of such synthetic a priori cognition—its deduction—always rests on pure understanding.
I will therefore not count the principles of mathematics among my principles, but rather those on which their possibility and objective validity are grounded a priori, and which must accordingly be regarded as the principle of those principles, proceeding from concepts to intuition and not from intuition to concepts.
In applying the pure concepts of the understanding to possible experience, the use of their synthesis is either mathematical or dynamical: it concerns in part merely the intuition, and in part the existence, of an appearance in general. The a priori conditions of intuition are absolutely necessary with respect to a possible experience; those of the existence of the objects of a possible empirical intuition are in themselves only contingent. Hence the principles of mathematical use will read as unconditionally necessary, that is, apodictic. Those of dynamical use will indeed also bear the character of a priori necessity, but only under the condition of empirical thinking in an experience, and thus only mediately and indirectly.
B 200 Consequently they will not contain the immediate self-evidence peculiar to the former, though this does not impair their certainty as universally related to experience. This will be easier to assess, however, at the conclusion of this system of principles.
The table of categories gives us an entirely natural guide to the table of principles, since these are nothing other than rules for the objective use of the categories. All the principles of pure understanding are accordingly:
1 Axioms of intuition
2 Anticipations of perception
3 Analogies of experience
4 Postulates of empirical thinking in general
I have chosen these names carefully, so that differences in the self-evidence and application of these principles should not pass unnoticed. It will soon become clear, however, how matters stand.
B 201 With respect both to self-evidence and to the a priori determination of appearances according to the categories of magnitude and quality (if one attends merely to the form of the latter), their principles differ markedly from the other two. The former admit of intuitive certainty, the latter of merely discursive certainty, though both admit of complete certainty; I will therefore call the former mathematical and the latter dynamical principles*.
B 202 But it should be carefully noted that here I have in view neither the principles of mathematics in the one case nor the principles of general (physical) dynamics in the other, but only those of pure understanding in relation to inner sense, without distinction among the representations given in it, through which all those principles acquire their possibility. I name them, then, more with regard to their application than to their content, and now turn to consider them in the same order in which the table presents them.
* Every combination (conjunctio) is either composition (compositio) or connection (nexus). The former is the synthesis of a manifold whose elements do not necessarily belong together: for example, the two triangles into which a square is divided by its diagonal do not in themselves necessarily belong together. Such is the synthesis of the homogeneous in everything that can be considered mathematically. This synthesis can in turn be divided into aggregation and coalition, the former directed toward extensive and the latter toward intensive magnitudes. The second combination (nexus) is the synthesis of a manifold insofar as its elements necessarily belong together, as an accident belongs to a substance, or an effect to its cause. Thus, though heterogeneous, they are nevertheless represented as combined a priori. I call this combination, which is not arbitrary, dynamical because it concerns the combination of the existence of the manifold. This can in turn be divided into the physical combination of appearances with one another and their metaphysical combination a priori in the faculty of cognition.
1 Axioms of Intuition
Their principle is: all intuitions are extensive magnitudes.
Proof
In their form, all appearances contain an intuition in space and time that underlies them all a priori. They can therefore be apprehended—that is, taken up into empirical consciousness—only through the synthesis of the manifold by which the representations of a determinate space or time are generated: through the composition of the homogeneous and the consciousness of the synthetic unity of this homogeneous manifold.
B 203 Now the consciousness of the homogeneous manifold in intuition in general, insofar as it first makes the representation of an object possible, is the concept of a magnitude (quanti). Thus even the perception of an object as appearance is possible only through the same synthetic unity of the manifold of given sensible intuition through which the unity of the composition of the homogeneous manifold is thought in the concept of a magnitude. That is, appearances are all magnitudes, and indeed extensive magnitudes, because as intuitions in space or time they must be represented through the same synthesis by which space and time in general are determined.
I call a magnitude extensive when the representation of its parts makes the representation of the whole possible, and therefore necessarily precedes it. I cannot represent a line, however small, without drawing it in thought: without generating all its parts successively from a point and thereby first tracing this intuition. The same holds for any time, however small. In it I think only the successive advance from one instant to another, through all the parts of time and their addition, until a determinate magnitude of time is finally generated. The mere intuition in all appearances is either space or time.
B 204 Every appearance as intuition is therefore an extensive magnitude, because it can be cognized in apprehension only through successive synthesis, from part to part. All appearances are accordingly already intuited as aggregates—a multitude of previously given parts. This is not the case with every kind of magnitude, but only with those represented and apprehended by us extensively as such.
On this successive synthesis of productive imagination in generating figures rests the mathematics of extension, geometry, with its axioms. These express the a priori conditions of sensible intuition under which alone the schema of a pure concept of outer appearance can come about: for example, between two points only one straight line is possible; two straight lines enclose no space, and so on. These are the axioms that properly concern only magnitudes (quanta) as such.
As for magnitude (quantitas)—that is, the answer to the question how large something is—there are, strictly speaking, no axioms concerning it, although several such propositions are synthetic and immediately certain (indemonstrabilia). For the propositions that equals added to equals, or subtracted from them, give equals are analytic. In them I am immediately conscious of the identity of one generation of magnitude with the other.
B 205 Axioms, however, are supposed to be synthetic a priori propositions. By contrast, the evident propositions concerning numerical relations are indeed synthetic, but are not universal like those of geometry, and for precisely that reason are not axioms either; they may instead be called numerical formulas. That 7+5=12 is not an analytic proposition. For neither in the representation of 7, nor of 5, nor in the representation of their composition do I think the number 12. Whether I ought to think it in adding the two is not at issue here, since in an analytic proposition the question is only whether I actually think the predicate in the representation of the subject. But although this proposition is synthetic, it is still only a singular proposition. Insofar as we attend here merely to the synthesis of the homogeneous, the units, the synthesis can take place in only one way, although the subsequent use of these numbers is universal. If I say that a triangle can be drawn with three lines, any two of which together are greater than the third, I have here the mere function of productive imagination, which can draw the lines larger or smaller and bring them together at all kinds of arbitrarily chosen angles. By contrast, the number 7 is possible in only one way, as is the number 12 generated through the synthesis of the former with 5.
B 206 Such propositions must therefore be called not axioms, since otherwise there would be infinitely many, but numerical formulas.
This transcendental principle of the mathematics of appearances greatly extends our a priori cognition. For it alone makes pure mathematics, in all its precision, applicable to objects of experience. Without this principle that applicability might not be so evident in itself, and has indeed occasioned many objections. Appearances are not things in themselves. Empirical intuition is possible only through pure intuition, of space and time; hence what geometry says of the latter also holds incontestably of the former. And the evasions, as if objects of the senses need not conform to the rules of construction in space (for example the infinite divisibility of lines or angles), must fall away. For this denies objective validity to space and, with it, to all mathematics, leaving us no longer knowing why or how far mathematics may be applied to appearances. The synthesis of spaces and times, as the essential form of all intuition, is what also makes possible the apprehension of appearance, hence every outer experience, and consequently all cognition of its objects. What mathematics proves concerning that synthesis in its pure use necessarily holds of this cognition as well.
B 207 All objections to this are merely the quibbles of a misguided reason, which mistakenly intends to free the objects of the senses from the formal condition of our sensibility and represents them, though they are mere appearances, as objects in themselves given to the understanding. In that case, of course, nothing at all could be synthetically cognized of them a priori, not even through pure concepts of space; and the science that determines these concepts, geometry, would itself be impossible.
2 Anticipations of Perception
Their principle is: in all appearances the real, which is an object of sensation, has intensive magnitude, that is, a degree.
Proof
Perception is empirical consciousness, that is, a consciousness in which sensation is also present. Appearances, as objects of perception, are not pure, merely formal intuitions like space and time, which in themselves cannot be perceived at all. Besides intuition, therefore, they contain the materials for an object in general, through which something existing in space or time is represented: the real of sensation. This is a merely subjective representation, of which one can become conscious only that the subject is affected, and which one relates to an object in general.
B 208 Now a gradual change from empirical to pure consciousness is possible, in which its real element entirely vanishes and there remains a merely formal a priori consciousness of the manifold in space and time. Hence a synthesis generating the magnitude of a sensation is also possible, from its beginning, pure intuition = 0, up to any chosen magnitude of it. Since sensation in itself is not an objective representation at all, and neither the intuition of space nor that of time is found in it, it will indeed have no extensive magnitude. Yet it will have a magnitude—through its apprehension, in which empirical consciousness can grow in a certain time from nothing = 0 to its given measure—and thus an intensive magnitude. Correspondingly, all objects of perception, insofar as perception contains sensation, must be assigned intensive magnitude, that is, a degree of influence on sense.
Any cognition through which I can cognize and determine a priori what belongs to empirical cognition may be called an anticipation. This is undoubtedly the sense in which Epicurus used his expression προληψις. But there is something in appearances that is never cognized a priori, and that therefore also constitutes the actual distinction between the empirical and cognition a priori.
B 209 This is sensation, as the matter of perception; and it follows that sensation is precisely what cannot be anticipated at all. By contrast, we could call the pure determinations in space and time, with respect both to figure and to magnitude, anticipations of appearances, since they represent a priori whatever may be given a posteriori in experience. Suppose, however, that there were nevertheless something in every sensation, as sensation in general, that could be cognized a priori without any particular sensation being given. This would deserve to be called an anticipation in an exceptional sense, since it seems strange to forestall experience in precisely what concerns its matter, which can be drawn only from experience. And this is in fact the case here.
Apprehension merely through sensation fills only an instant, if, that is, I leave aside the succession of many sensations. As something in appearance whose apprehension is not a successive synthesis proceeding from parts to the whole representation, it therefore has no extensive magnitude. The absence of sensation in that same instant would represent it as empty, hence = 0. Now what corresponds to sensation in empirical intuition is reality (realitas phaenomenon); what corresponds to its absence is negation = 0.
B 210 Every sensation, however, admits of diminution, so that it can decrease and gradually disappear. Hence between reality in appearance and negation there is a continuous connection of many possible intermediate sensations, whose difference from one another is always smaller than the difference between the given sensation and zero, or complete negation. That is, the real in appearance always has a magnitude, which is not, however, found in apprehension, since apprehension through mere sensation takes place in an instant, not through the successive synthesis of many sensations, and thus does not proceed from parts to whole. It therefore has a magnitude, but not an extensive one.
Now I call a magnitude intensive when it is apprehended only as a unity, and when multiplicity in it can be represented only through approximation to negation = 0. Thus every reality in appearance has intensive magnitude, that is, a degree. If this reality is regarded as a cause, whether of sensation or of another reality in appearance, for example a change, the degree of reality as cause is called a moment, for example the moment of gravity. This is because the degree designates only that magnitude whose apprehension is not successive but instantaneous. I mention this here only in passing, however, since for now I am not yet concerned with causality.
B 211 Every sensation, then, and hence every reality in appearance, however small, has a degree, that is, an intensive magnitude that can always be further diminished. Between reality and negation there is a continuous connection of possible realities and possible smaller perceptions. Every color, red for example, has a degree that, however small, is never the smallest; and the same holds everywhere for heat, the moment of gravity, and so on.
The property of magnitudes by which no part of them is the smallest possible—no part is simple—is called their continuity. Space and time are quanta continua, because no part of them can be given without enclosing it between boundaries, points and instants, and thus only in such a way that this part is itself again a space or a time. Space therefore consists only of spaces, time of times. Points and instants are only boundaries, mere positions marking their limitation. Positions, however, always presuppose the intuitions they are to limit or determine; neither space nor time can be composed of mere positions as constituents that could be given before space or time. Such magnitudes may also be called flowing, because the synthesis of productive imagination in generating them is an advance in time.
B 212 The continuity of time is commonly designated in particular by the expression of flowing (elapsing).
All appearances in general are accordingly continuous magnitudes: extensive magnitudes in their intuition, and intensive magnitudes in their mere perception, sensation and hence reality. If the synthesis of the manifold of appearance is interrupted, the result is an aggregate of many appearances, not properly an appearance as a quantum. It is generated not by the mere continuation of a productive synthesis of a certain kind, but by the repetition of a synthesis that keeps coming to an end. If I call 13 thalers a quantum of money, I name it correctly insofar as I mean by it the content of one mark of fine silver. This is certainly a continuous magnitude, in which no part is the smallest, but every part could constitute a coin that would always contain material for still smaller ones. But if by that designation I mean 13 round thalers as so many coins, whatever their silver content may be, it is improper to call this a quantum of thalers; I must call it an aggregate, that is, a number of coins. Since unity must nevertheless underlie every number, appearance as unity is a quantum, and as such is always a continuum.
Now all appearances, considered both extensively and intensively, are continuous magnitudes.
B 213 The proposition that all change too—the transition of a thing from one state to another—is continuous could therefore readily be proved here with mathematical self-evidence, were it not that the causality of a change in general lies altogether outside the boundaries of a transcendental philosophy and presupposes empirical principles. For the understanding gives us no a priori disclosure at all of the possibility of a cause that alters the state of things, that is, determines them to the opposite of a given state. This is not merely because it has no insight into that possibility, since such insight is lacking in several a priori cognitions, but because alterability concerns only certain determinations of appearances that experience alone can teach, whereas their cause is to be found in the unalterable. Here, however, we have nothing available to use but the pure fundamental concepts of all possible experience, among which there must be nothing empirical whatever. We therefore cannot anticipate general natural science, which is built on certain basic experiences, without violating the unity of the system.
Nevertheless, we do not lack evidence of the great influence our principle has in anticipating perceptions, and even in compensating for their absence far enough to bar every false inference that might be drawn from it.
B 214 If all reality in perception has a degree, between which and negation there lies an infinite succession of ever smaller degrees, while every sense must nevertheless have a determinate degree of receptivity to sensations, then no perception, and hence no experience, is possible that could prove a complete absence of everything real in appearance, either directly or indirectly, by whatever roundabout inference. That is, no proof of empty space or empty time can ever be drawn from experience. For, first, the complete absence of the real in sensible intuition cannot itself be perceived; second, it cannot be inferred from any single appearance or from the difference in the degree of its reality, nor may it ever be assumed to explain that appearance. For even if the entire intuition of a determinate space or time is real throughout, that is, no part of it is empty, there must nevertheless be infinitely different degrees with which space or time is filled, because every reality has its degree, which can decrease by infinite stages to nothing (the void) while the extensive magnitude of the appearance remains unchanged; and the intensive magnitude in different appearances can be smaller or larger even though the extensive magnitude of the intuition is equal.
B 215 Let us give an example. Nearly all natural philosophers, on perceiving a great difference in the quantity of matter of different kinds within equal volumes—partly through the moment of gravity or weight, partly through the moment of resistance to other moving matter—unanimously conclude that this volume, the extensive magnitude of appearance, must be empty in all matter, though to different extents. Yet who among these investigators of nature, mostly mathematicians and mechanists, would ever have considered that they base this inference solely on a metaphysical presupposition, the very thing they claim so emphatically to avoid? They assume that the real in space—I will not call it impenetrability or weight here, since these are empirical concepts—is everywhere of one and the same kind, and can differ only in extensive magnitude, that is, in amount. Against this presupposition, for which they could have no ground in experience and which is therefore merely metaphysical, I set a transcendental proof. It is not intended to explain the difference in the filling of spaces, but it entirely removes the supposed necessity of that presupposition: that the difference in question can be explained only by assuming empty spaces. It has the merit of at least freeing the understanding to think this diversity in another way as well.
B 216 It may do so should the explanation of nature make some hypothesis necessary for the purpose. For we see here that, although equal spaces may be completely filled by different kinds of matter, so that neither contains a point where its matter is not present, everything real of the same quality nevertheless has its degree, of resistance or of weight. This can become infinitely smaller without any diminution of extensive magnitude or amount, before passing into the void and disappearing. Thus an expansion filling a space, heat for example, and likewise every other reality in appearance, can decrease infinitely in its degrees without leaving the smallest part of that space empty in the least, and can nevertheless fill the space with these smaller degrees just as well as another appearance does with greater ones. My purpose here is by no means to assert that this is actually how matters stand with the diversity of matter in its specific gravity. It is only to show, from a principle of pure understanding, that the nature of our perceptions makes such an explanation possible; and that it is a mistake to assume that the real in appearance is equal in degree and differs only in aggregation and its extensive magnitude, and even to claim this, supposedly, through an a priori principle of the understanding.
B 217 Yet this anticipation of perception always has something striking about it for an investigator accustomed to transcendental inquiry and made cautious by it. It raises some concern that the understanding should advance such a synthetic proposition as that concerning the degree of everything real in appearances, and hence the possibility of an internal difference in sensation itself when we abstract from its empirical quality. It is therefore still a question not unworthy of solution: how can the understanding here pronounce synthetically on appearances a priori, and anticipate them even in what is properly and merely empirical, namely in what concerns sensation?
The quality of sensation is always merely empirical and cannot be represented a priori at all, as with colors, taste, and so on. But the real that corresponds to sensations in general, in contrast to negation = 0, represents only something whose concept in itself contains being, and signifies nothing but synthesis in an empirical consciousness in general. In inner sense, namely, empirical consciousness can be raised from 0 to any greater degree, so that the very same extensive magnitude of intuition, for example an illuminated surface, arouses as much sensation as an aggregate of many other, less illuminated surfaces together.
B 218 We can therefore abstract entirely from the extensive magnitude of appearance and still represent in the mere sensation of an instant a synthesis of uniform increase from 0 to the given empirical consciousness. All sensations as such are therefore indeed given only a posteriori, but their property of having a degree can be cognized a priori. It is remarkable that in magnitudes in general we can cognize a priori only a single quality, continuity; while in all quality, the real of appearances, we can cognize a priori nothing beyond its intensive quantity, namely that it has a degree. Everything else is left to experience.
3 Analogies of Experience
Their principle is: experience is possible only through the representation of a necessary connection of perceptions.
Proof
Experience is an empirical cognition, that is, a cognition that determines an object through perceptions. It is therefore a synthesis of perceptions that is not itself contained in perception, but contains the synthetic unity of their manifold in one consciousness. This unity constitutes the essential element of a cognition of objects of the senses, that is, of experience, not merely of the intuition or sensation of the senses.
B 219 Now in experience perceptions, to be sure, come together only contingently, so that no necessity of their connection is or can be evident from the perceptions themselves. For apprehension is only an assembling of the manifold of empirical intuition; it contains no representation of the necessity of the combined existence in space and time of the appearances it assembles. But since experience is a cognition of objects through perceptions, and must therefore represent in it the relation in the existence of the manifold, not as it is assembled in time but as it objectively is in time, and since time itself cannot be perceived, the existence of objects in time can be determined only through their combination in time in general, and thus only through concepts connected a priori. Since these always carry necessity with them as well, experience is possible only through a representation of the necessary connection of perceptions.
The three modi of time are persistence, succession, and simultaneity. Hence three rules of all temporal relations of appearances, according to which the existence of each can be determined with respect to the unity of all time, will precede all experience and first make it possible.
B 220 The general principle of all three analogies rests on the necessary unity of apperception with respect to all possible empirical consciousness, perception, at every time. Consequently, since that unity underlies it a priori, the principle rests on the synthetic unity of all appearances according to their relation in time. For original apperception relates to inner sense (the sum total of all representations), and indeed relates a priori to its form: the relation of the manifold empirical consciousness in time. Now in original apperception all this manifold is to be united in its temporal relations. This is what its transcendental unity declares a priori, the unity under which everything must stand that is to belong to my cognition—my single cognition—and thus become an object for me. This a priori determined synthetic unity in the temporal relation of all perceptions is therefore the law that all empirical determinations of time must stand under rules of general determination of time. The analogies of experience, which we are now to discuss, must be rules of this kind.
These principles have the peculiarity that they consider not appearances and the synthesis of their empirical intuition, but only their existence and their relation to one another with respect to that existence.
B 221 Now the manner in which something is apprehended in appearance can be determined a priori in such a way that the rule of its synthesis can at the same time supply this intuition a priori in any given empirical instance, that is, produce it from the rule. But the existence of appearances cannot be cognized a priori. And even if we could arrive by this route at an inference to some existence, we could still not cognize it determinately, that is, anticipate what distinguishes its empirical intuition from others.
The previous two principles, which I called mathematical because they authorize the application of mathematics to appearances, concerned appearances as to their mere possibility. They taught how appearances could be generated, both in their intuition and in the real of their perception, according to rules of a mathematical synthesis. Hence numerical magnitudes, and with them the determination of appearance as magnitude, can be used in both cases. Thus, for example, I will be able to compose the degree of the sensations of sunlight from some 200,000 illuminations by the moon, and give it determinately a priori, that is, construct it. We can therefore call those first principles constitutive.
Matters must be quite different with those principles that are to bring the existence of appearances under a priori rules. For existence cannot be constructed.
B 222 They will therefore concern only the relation of existence and can supply none but merely regulative principles. Here, then, neither axioms nor anticipations are in question. Rather, if a perception is given to us in a temporal relation to other, though indeterminate, perceptions, we cannot say a priori what other perception, or how great a perception, is involved, but only how, in this modo of time, it is necessarily combined in existence with the given perception. In philosophy analogies mean something very different from what they represent in mathematics. In mathematics they are formulas expressing the equality of two quantitative relations, and are always constitutive: if two terms of the proportion are given, the third is thereby also given, that is, can be constructed. In philosophy, however, analogy is not the equality of two quantitative but of two qualitative relations. From three given terms I can cognize and supply a priori only the relation to a fourth, not this fourth term itself. Yet I do have a rule for seeking it in experience and a mark by which to find it there. An analogy of experience will therefore be only a rule according to which unity of experience is to arise from perceptions (not as perception itself arises, as empirical intuition in general). As a principle concerning objects of appearances it will hold not constitutively, but merely regulatively.
B 223 The very same will also hold of the postulates of empirical thinking in general, which together concern the synthesis of mere intuition, the form of appearance; of perception, its matter; and of experience, the relation of these perceptions. They too are only regulative principles and differ from the mathematical principles, which are constitutive, not in certainty, which is established a priori in both, but in the kind of self-evidence, that is, in its intuitive character, and hence also in demonstration.
What was noted concerning all synthetic principles, and must be especially stressed here, is this: these analogies have their sole meaning and validity as principles not of the transcendental but merely of the empirical use of understanding, and can therefore be proved only as such. Consequently appearances must be subsumed not under the categories outright, but only under their schemata. For if the objects to which these principles are to relate were things in themselves, it would be quite impossible to cognize anything of them synthetically a priori. But they are nothing but appearances, whose complete cognition, to which all a priori principles must ultimately lead, is simply possible experience. Consequently these principles can aim at nothing beyond the conditions of the unity of empirical cognition in the synthesis of appearances.
B 224 This unity is thought only in the schema of the pure concept of the understanding; the category contains the function of its unity as a synthesis in general, unrestricted by any sensible condition. Through these principles, then, we will be entitled to put appearances together only by analogy with the logical and universal unity of concepts. In the principle itself we will therefore indeed employ the category; but in carrying it out, in applying it to appearances, we will put its schema in its place as the key to its use—or rather place the schema alongside the category as a restrictive condition, under the name of a formula of the category.
A. First Analogy
Principle of the Persistence of Substance
In all change of appearances substance persists, and its quantity in nature is neither increased nor diminished.
Proof
All appearances are in time. In time alone, as substrate, as the persistent form of inner intuition, can both simultaneity and succession be represented.
B 225 Thus the time in which all change of appearances is to be thought remains and does not change, because it is that in which succession or simultaneity can be represented only as its determinations. Now time by itself cannot be perceived. Consequently there must be found in the objects of perception, that is, in appearances, the substrate that represents time in general, and in relation to which all change or simultaneity can be perceived in apprehension through the relation of appearances to it. But the substrate of everything real, of everything belonging to the existence of things, is substance; in it everything belonging to existence can be thought only as a determination. Consequently the persistent, in relation to which alone all temporal relations of appearances can be determined, is substance in appearance: its real element, which as the substrate of all change always remains the same. Since substance therefore cannot change in its existence, its quantity in nature can neither be increased nor diminished.
Our apprehension of the manifold of appearance is always successive, and thus always changing. Through it alone, therefore, we can never determine whether this manifold, as an object of experience, is simultaneous or successive, unless something underlies it that always is: something lasting and persistent.
B 226 All change and simultaneity are merely so many ways (modi of time) in which this persistent exists. Thus temporal relations are possible only in the persistent, since simultaneity and succession are the only relations in time. That is, the persistent is the substrate of the empirical representation of time itself, in which alone all determination of time is possible. Persistence expresses time in general as the constant correlate of all existence of appearances, of all change and all concomitance. For change does not affect time itself, but only appearances in time, just as simultaneity is not a modus of time itself, in which no parts are simultaneous but all are successive. If one tried to ascribe a succession to time itself, one would have to think yet another time in which this succession was possible. Through the persistent alone, existence in different successive parts of the temporal series acquires a magnitude called duration. For in mere succession alone existence is always disappearing and beginning, and never has the least magnitude. Without this persistent element there is therefore no temporal relation. Now time in itself cannot be perceived; hence this persistent element in appearances is the substrate of all determination of time, and consequently also the condition of the possibility of all synthetic unity of perceptions, that is, of experience.
B 227 In this persistent element all existence and all change in time can be regarded only as a modus of the existence of what remains and persists. Thus in all appearances the persistent is the object itself, that is, substance (phaenomenon); everything that changes or can change belongs only to the way in which this substance or these substances exist, and hence to their determinations.
I find that at all times not only philosophers but even common understanding have presupposed this persistence as a substrate of all change in appearances, and will always accept it as unquestionable. The philosopher merely expresses the matter somewhat more precisely, saying: through all alterations in the world substance remains, and only accidents change. Yet nowhere do I find even an attempt to prove this thoroughly synthetic proposition. Indeed, it rarely even stands, as it ought, at the head of the pure laws of nature that hold entirely a priori. In fact, the proposition that substance persists is tautological. For this persistence alone is why we apply the category of substance to appearance; what should have been proved is that in all appearances there is something persistent, of which the changeable is nothing but a determination of its existence. But such a proof can never be conducted dogmatically, that is, from concepts, since it concerns a synthetic a priori proposition.
B 228 And no one ever considered that propositions of this kind are valid only in relation to possible experience, and hence can be proved only through a deduction of the possibility of experience. It is therefore no wonder that this proposition has indeed been made the basis of all experience, because its necessity for empirical cognition is felt, but has never been proved.
A philosopher was asked, “How much does smoke weigh?” He replied, “Subtract the weight of the remaining ash from the weight of the wood that was burned, and you have the weight of the smoke.” He thus presupposed as incontestable that even in fire matter, substance, does not perish, but only undergoes an alteration of form. Likewise the proposition “Nothing comes from nothing” was only another consequence of the principle of persistence, or rather of the perpetual existence of the actual subject in appearances. For if what we wish to call substance in appearance is to be the actual substrate of all determination of time, then all existence in past as well as future time must be determinable in it alone. We can therefore give an appearance the name of substance only because we presuppose its existence at all times. This is not even well expressed by the word “persistence.”
B 229 That word points more toward future time. Yet the inner necessity of persisting is inseparably combined with the necessity of always having been, and the expression may therefore stand. Gigni de nihilo nihil, in nihilum nil posse reverti were two propositions the ancients inseparably connected. They are now sometimes separated through misunderstanding, because people imagine they concern things in themselves, and that the first might conflict with the world’s dependence on a supreme cause, even as to its substance. This concern is unnecessary, since we are speaking here only of appearances in the field of experience. Their unity would never be possible if we allowed new things, as substances, to arise. For then what alone can represent the unity of time would disappear: the identity of the substrate in which alone all change has thoroughgoing unity. This persistence, however, is still nothing more than the way we represent to ourselves the existence of things in appearance.
The determinations of a substance, which are nothing other than particular ways in which it exists, are called accidents. They are always real, because they concern the existence of substance; negations are only determinations expressing the nonbeing of something in the substance.
B 230 If one assigns a distinct existence to this real element in substance, for example to motion as an accident of matter, this existence is called inherence, in distinction from the existence of substance, which is called subsistence. But this gives rise to many misinterpretations, and it is more precise and correct to designate the accident only through the way in which the existence of a substance is positively determined. Yet under the conditions governing the logical use of our understanding, it is unavoidable that we should, as it were, separate what can change in the existence of a substance while the substance remains, and consider it in relation to what properly persists and underlies it. Hence this category too stands under the heading of relations, more as their condition than as itself containing a relation.
This persistence also grounds the correction of the concept of alteration. Arising and perishing are not alterations of what arises or perishes. Alteration is one way of existing that succeeds another way of existing of the very same object. Hence everything that undergoes alteration remains, and only its state changes. Since this change therefore concerns only determinations that can cease or begin, we may say, in an expression that seems somewhat paradoxical: only the persistent (substance) is altered.
B 231 The changeable undergoes no alteration, but a change, as some determinations cease and others begin.
Alteration can therefore be perceived only in substances. Arising or perishing outright, without merely concerning a determination of the persistent, can be no possible perception at all. For precisely this persistent element makes possible the representation of a transition from one state to another, and from nonbeing to being; these can therefore be empirically cognized only as changing determinations of what remains. Suppose something begins to be outright: you must have a point in time at which it was not. But to what will you attach this point, if not to something already there? For an empty time preceding it is no object of perception. If, however, you connect this arising with things that existed before and continue up to what arises, then the latter was only a determination of the former as the persistent. The same holds for perishing, since it presupposes the empirical representation of a time when an appearance no longer is.
Substances in appearance are the substrates of all determinations of time. The arising of some and the perishing of others would abolish the sole condition of the empirical unity of time itself.
B 232 Appearances would then relate to two different times in which existence flowed side by side, which is absurd. For there is only one time, in which all different times must be posited not simultaneously but successively.
Persistence is therefore a necessary condition under which alone appearances, as things or objects, are determinable in a possible experience. What the empirical criterion of this necessary persistence, and with it of the substantiality of appearances, may be, we will have occasion to discuss as needed in what follows.
B. Second Analogy
Principle of Temporal Succession According to the Law of Causality
All alterations occur according to the law of the connection of cause and effect.
Proof
(The preceding principle has shown that all appearances in temporal succession are merely alterations: a successive being and nonbeing of the determinations of a substance that persists. Consequently the being of substance itself following its nonbeing, or its nonbeing following its existence, does not occur.
B 233 In other words, the arising or perishing of substance itself does not take place. That principle could also have been expressed as follows: all change, succession, of appearances is only alteration. For the arising or perishing of substance is not an alteration of it, since the concept of alteration presupposes the very same subject as existing with two opposed determinations, and hence as persisting.—After this preliminary reminder, the proof follows.)
I perceive that appearances follow one another: that a state of things exists at one time whose opposite existed in the preceding state. Thus I am actually connecting two perceptions in time. Now connection is not the work of mere sense and intuition, but here the product of a synthetic faculty of imagination that determines inner sense with regard to temporal relations. Yet imagination can combine the two states in question in two ways, letting either one precede the other in time. For time cannot be perceived in itself, nor can what precedes and what follows in the object be determined, as it were empirically, in relation to it. I am therefore conscious only that my imagination posits one before and the other afterward, not that in the object one state precedes the other.
B 234 In other words, mere perception leaves the objective relation of successive appearances undetermined. For this relation to be cognized as determined, the relation between the two states must be thought in such a way that it necessarily determines which must be posited before and which after, and not the reverse. But a concept carrying with it a necessity of synthetic unity can only be a pure concept of the understanding, not one lying in perception. Here it is the concept of the relation of cause and effect, in which the former determines the latter in time as its consequence, not as something that could merely precede in imagination, or perhaps not be perceived at all. Thus only by subjecting the succession of appearances, and hence all alteration, to the law of causality is experience itself, that is, empirical cognition of them, possible. Consequently they themselves, as objects of experience, are possible only according to this same law.
The apprehension of the manifold of appearance is always successive. The representations of the parts follow one another. Whether they also follow one another in the object is a second point of reflection, not contained in the first. Now everything, and even every representation insofar as we are conscious of it, can indeed be called an object.
B 235 But what this word is to mean in the case of appearances, not insofar as they themselves are objects as representations, but insofar as they merely designate an object, requires deeper investigation. Insofar as they are merely representations and at the same time objects of consciousness, they are not at all distinct from apprehension, that is, from being taken up into the synthesis of imagination. We must therefore say that the manifold of appearances is always generated successively in the mind. If appearances were things in themselves, no one could infer from the succession of representations of their manifold how that manifold is combined in the object. For we are concerned only with our representations; how things may be in themselves, without regard to the representations through which they affect us, lies entirely beyond our sphere of cognition. Now although appearances are not things in themselves, they are nevertheless the only things that can be given to us for cognition. I must therefore indicate what combination in time belongs to the manifold in appearances themselves, while its representation in apprehension is always successive. For example, the apprehension of the manifold in the appearance of a house standing before me is successive. The question is whether the manifold of this house is itself also successive within it, which certainly no one will concede.
B 236 Yet as soon as I raise my concepts of an object to transcendental significance, the house is no thing in itself at all, but only an appearance, a representation whose transcendental object is unknown. What, then, do I mean by asking how the manifold may be combined in the appearance itself, which is after all nothing in itself? Here what lies in successive apprehension is regarded as representation, while the appearance given to me, although nothing more than a sum total of these representations, is regarded as their object, with which my concept drawn from the representations of apprehension is to agree. We soon see that, since truth is the agreement of cognition with the object, the question here can concern only the formal conditions of empirical truth. In contrast with the representations of apprehension, appearance can be represented as their object, distinct from them, only if it stands under a rule that distinguishes it from every other apprehension and makes a manner of combining the manifold necessary. That in appearance which contains the condition of this necessary rule of apprehension is the object.
Let us now proceed with our task. That something happens—that something, or a state, comes to be that was not before—cannot be empirically perceived unless an appearance precedes it that does not contain this state.
B 237 For an actuality following an empty time, and hence an arising preceded by no state of things, can no more be apprehended than empty time itself. Every apprehension of an event is therefore a perception following another. But since this holds of every synthesis of apprehension, as I showed above with the appearance of a house, it does not yet distinguish this apprehension from others. Yet I also note that, if in an appearance containing an occurrence I call the preceding state of perception A and the succeeding one B, then B can only follow A in apprehension, whereas perception A cannot follow B but can only precede it. For example, I see a ship drifting downstream. My perception of its position farther downstream follows my perception of its position farther upstream, and it is impossible that, in apprehending this appearance, the ship should be perceived first downstream and afterward upstream. Here, then, the order in the succession of perceptions in apprehension is determined, and apprehension is bound to it. In the previous example of a house, my perceptions in apprehension could begin at its top and end at the ground, but could also begin below and end above.
B 238 Likewise I could apprehend the manifold of empirical intuition from right or left. In the series of these perceptions, then, there was no determinate order making it necessary where I had to begin in apprehension in order to combine the manifold empirically. But this rule is always found in the perception of what happens, and makes necessary the order of the successive perceptions in the apprehension of this appearance.
In our case, then, I must derive the subjective succession of apprehension from the objective succession of appearances, because otherwise the former is entirely undetermined and distinguishes no appearance from another. It alone proves nothing about the connection of the manifold in the object, since it is entirely arbitrary. The objective succession will therefore consist in the order of the manifold of appearance according to which the apprehension of one thing, what happens, follows that of another, what precedes, according to a rule. Only in this way can I be entitled to say of the appearance itself, and not merely of my apprehension, that a succession is found in it. This means that I cannot conduct the apprehension otherwise than in precisely this succession.
According to such a rule, therefore, what precedes an event in general must contain the condition of a rule.
B 239 According to this rule the event always and necessarily follows. Conversely, however, I cannot go backward from the event and determine through apprehension what precedes it. For no appearance goes back from the succeeding point in time to the preceding one, though it does relate to some preceding point; from a given time, by contrast, the advance to the determinate succeeding time is necessary. Hence, since there is after all something that follows, I must necessarily relate it to something else in general that precedes it and on which it follows according to a rule, that is, necessarily. The event, as the conditioned, thus reliably points to some condition, while this condition determines the event.
Suppose that nothing preceded an event on which it had to follow according to a rule. All succession of perception would then lie solely in apprehension and be merely subjective, without thereby objectively determining which of the perceptions must properly be preceding and which succeeding. We would thus have only a play of representations relating to no object at all: through our perception no appearance would be distinguished from any other in its temporal relation. For succession in apprehending is everywhere the same, and there would thus be nothing in appearance that determines it so as to make a particular succession objectively necessary.
B 240 I would therefore not say that two states follow one another in the appearance, but only that one apprehension follows another. This is merely subjective and determines no object, and hence cannot count as cognition of any object, not even in appearance.
Whenever we experience that something happens, then, we always presuppose that something precedes it on which it follows according to a rule. Without this I would not say of the object that it follows, because mere succession in my apprehension, unless determined through a rule in relation to something preceding, warrants no succession in the object. Thus it is always with reference to a rule according to which appearances in their succession, that is, as they happen, are determined by the preceding state that I make my subjective synthesis of apprehension objective. Only under this presupposition alone is even the experience of something happening possible.
Admittedly, this seems to contradict all the observations ever made about the course of our use of understanding. According to these, only by perceiving and comparing the corresponding successions of many events after preceding appearances have we been led to discover a rule.
B 241 By this rule certain events always follow certain appearances, and we were thereby first prompted to form the concept of cause. On this footing the concept would be merely empirical, and the rule it supplies, that everything that happens has a cause, would be just as contingent as experience itself. Its universality and necessity would then be merely invented and have no true universal validity, since they would rest not on a priori grounds but only on induction. The situation here, however, is the same as with other pure a priori representations, such as space and time, which we can extract from experience as clear concepts only because we had put them into experience, and thereby first brought experience about through them. Certainly the logical clarity of this representation of a rule determining the series of events, as a concept of cause, is possible only once we have made use of it in experience. Yet reference to this rule, as the condition of the synthetic unity of appearances in time, was the ground of experience itself, and thus preceded it a priori.
What matters, then, is to show by an example that even in experience we never ascribe succession to the object—the succession of an event in which something happens that was not before—and distinguish it from the subjective succession of our apprehension, except where a rule underlies it.
B 242 This rule compels us to observe this order of perceptions rather than another; indeed, this compulsion is precisely what first makes the representation of a succession in the object possible.
We have representations within us, of which we can also become conscious. But however extensive, exact, or precise this consciousness may be, they still remain only representations: inner determinations of our mind in this or that temporal relation. How, then, do we come to posit an object for these representations, or, beyond their subjective reality as modifications, to ascribe to them some further objective reality, I do not know what kind? Objective significance cannot consist in a relation to another representation, of what one wished to call the object; otherwise the question arises again: how does this representation in turn go beyond itself and acquire objective significance in addition to the subjective significance proper to it as a determination of the state of mind? If we investigate what new character relation to an object gives our representations, and what standing they thereby acquire, we find that it does nothing more than make their combination necessary in a certain way and subject them to a rule.
B 243 Conversely, objective significance is conferred on them only because a certain order in the temporal relation of our representations is necessary.
In the synthesis of appearances the manifold of representations is always successive. This does not represent any object at all, since this succession, common to all apprehensions, distinguishes nothing from anything else. But as soon as I perceive, or presuppose, that in this succession there is a relation to the preceding state from which the representation follows according to a rule, something is represented as an event, as something that happens. That is, I cognize an object that I must place at a certain determinate position in time, a position that cannot be assigned to it otherwise in view of the preceding state. Thus when I perceive that something happens, this representation contains, first, that something precedes it, because it is precisely in relation to this that the appearance acquires its temporal relation: existing after a preceding time in which it was not. But it can acquire its determinate position in time within this relation only by something being presupposed in the preceding state on which it always follows, that is, follows according to a rule. From this it follows, first, that I cannot reverse the series and place what happens before that on which it follows; second, that when the preceding state is posited, this determinate event follows inevitably and necessarily.
B 244 In this way an order arises among our representations in which the present, insofar as it has come to be, points to some preceding state as a correlate, though still undetermined, of this given occurrence. This correlate, however, relates determinately to the occurrence as its consequence, and necessarily connects it with itself in the temporal series.
Now if it is a necessary law of our sensibility, and hence a formal condition of all perceptions, that preceding time necessarily determines succeeding time, since I can reach the latter only through the former, then it is also an indispensable law of the empirical representation of the temporal series that appearances of past time determine every existence in the time that follows. These later appearances, as events, take place only insofar as the former determine their existence in time, that is, establish it according to a rule. For only in appearances can we empirically cognize this continuity in the connection of times.
Understanding belongs to all experience and its possibility. Its first contribution is not to make the representation of objects distinct, but to make the representation of an object in general possible.
B 245 It does this by transferring temporal order to appearances and their existence, assigning to each as a consequence a position in time determined a priori with respect to preceding appearances. Without this, appearance would not agree with time itself, which determines the position of all its parts a priori. This determination of position cannot be borrowed from the relation of appearances to absolute time, since absolute time is no object of perception. Rather, appearances must conversely determine one another’s positions in time itself and make them necessary in the temporal order. That is, what follows or happens must follow according to a universal rule upon what was contained in the preceding state. The result is a series of appearances that, through the understanding, produces and makes necessary in the series of possible perceptions precisely the same order and continuous connection as is found a priori in the form of inner intuition, time, in which all perceptions must have their positions.
That something happens is thus a perception belonging to a possible experience. This experience becomes actual when I regard the appearance as determined in its position in time, and hence as an object that can always be found according to a rule in the connection of perceptions.
B 246 But this rule for determining something according to temporal succession is that what precedes must contain the condition under which the event always, that is, necessarily, follows. The principle of sufficient reason is therefore the ground of possible experience: of the objective cognition of appearances with respect to their relation in temporal succession.
The proof of this proposition rests solely on the following considerations. All empirical cognition involves a synthesis of the manifold through imagination, which is always successive: its representations always follow one another. But in imagination this succession is not at all determined as to its order, as to what must precede and what follow; the series of successive representations can be taken backward just as well as forward. If, however, this synthesis is a synthesis of apprehension, of the manifold of a given appearance, then the order is determined in the object. More precisely, there is in it an order of successive synthesis that determines an object, according to which something must necessarily precede and, when this is posited, the other must necessarily follow. If, therefore, my perception is to contain cognition of an event, of something actually happening, it must be an empirical judgment in which the succession is thought as determined: as presupposing another appearance in time upon which it follows necessarily, or according to a rule.
B 247 Otherwise, if I posited the preceding appearance and the event did not necessarily follow it, I would have to regard it as merely a subjective play of my imaginings; and if I nevertheless represented something objective by it, I would call it a mere dream. Thus the relation of appearances as possible perceptions, according to which what follows, what happens, is necessarily determined in its existence and according to a rule in time by something preceding it—the relation of cause to effect—is the condition of the objective validity of our empirical judgments concerning the series of perceptions, hence of their empirical truth, and thus of experience. The principle of the causal relation in the succession of appearances therefore also holds for all objects of experience under the conditions of succession, because it is itself the ground of the possibility of such experience.
But a difficulty still arises here that must be removed. In our formulation the principle of causal connection among appearances is restricted to their succession. Yet its use shows that it also applies to their concomitance, and that cause and effect can be simultaneous. For example, there is warmth in a room that is not found in the open air.
B 248 I look for the cause and find a heated stove. Now this, as cause, is simultaneous with its effect, the warmth of the room. Here, then, there is no temporal succession between cause and effect; they are simultaneous, and yet the law holds. Most efficient causes in nature are simultaneous with their effects, and the temporal succession of the latter is occasioned only by the cause’s inability to produce its entire effect in an instant. But at the instant when the effect first arises it is always simultaneous with the causality of its cause, since if that causality had ceased an instant earlier, the effect would not have arisen at all. Here we must carefully note that the issue concerns the order of time, not its passage. The relation remains even if no time has elapsed. The time between the causality of the cause and its immediate effect may vanish, so that they are simultaneous, but the relation of one to the other still always remains determinable in time. If I regard a ball resting on a stuffed cushion and pressing a hollow into it as a cause, it is simultaneous with its effect. Yet I still distinguish the two through the temporal relation of their dynamical connection. For when I place the ball on the cushion, the hollow follows its previously smooth shape.
B 249 But if the cushion has a hollow (I do not know from where), a lead ball does not follow upon it.
Thus temporal succession is indeed the sole empirical criterion of an effect in relation to the causality of the cause that precedes it. The glass is the cause of the water’s rising above its horizontal surface, although both appearances are simultaneous. For as soon as I draw water with the glass from a larger vessel, something follows: its horizontal level there changes into the concave one it assumes in the glass.
This causality leads to the concept of action, this to the concept of force, and thereby to the concept of substance. Since I do not wish to mix my critical undertaking, which concerns solely the sources of synthetic a priori cognition, with analyses concerned merely with clarifying concepts, not extending them, I leave their detailed discussion to a future system of pure reason. Such analysis, however, is already found abundantly in the familiar textbooks of this kind. But I cannot leave untouched the empirical criterion of a substance insofar as it seems to reveal itself not through the persistence of appearance, but better and more easily through action.
B 250 Where there is action, and hence activity and force, there is also substance; in substance alone must we seek the seat of this fertile source of appearances. That is very well said. But if one must explain what one understands by substance, while avoiding a vicious circle, the answer is not so easy. How is one to infer straight from action the persistence of what acts, which is after all so essential and distinctive a mark of substance (phaenomenon)? After what we have said, however, solving the question presents no such difficulty, although on the usual method of proceeding merely analytically with one’s concepts it would be quite insoluble. Action already signifies the relation of the subject of causality to the effect. Since every effect consists in what happens, and thus in the changeable that marks time in succession, its ultimate subject is the persistent, as the substrate of everything changing, that is, substance. For according to the principle of causality, actions are always the first ground of all change in appearances, and thus cannot lie in a subject that itself changes, since otherwise other actions and another subject determining this change would be required. By virtue of this, action, as a sufficient empirical criterion, proves substantiality.
B 251 There is no need for me first to seek its persistence by comparing perceptions; nor could this be done by that route with the completeness required by the scope and strict universal validity of the concept. For that the primary subject of the causality of all arising and perishing cannot itself arise and perish in the field of appearances is a secure inference. It leads to empirical necessity and persistence in existence, and hence to the concept of a substance as appearance.
When something happens, its mere arising, without regard to what arises, is already in itself an object of investigation. The transition from the nonbeing of a state into that state, even supposing the state contained no quality in appearance, already requires investigation on its own. As was shown under A, this arising concerns not substance, which does not arise, but its state. It is therefore merely alteration, not origination from nothing. If this origination is regarded as the effect of an external cause, it is called creation. Creation cannot be admitted as an event among appearances, since its mere possibility would abolish the unity of experience. Yet things might be considered not as phenomena but as things in themselves.
B 252 As objects of mere understanding they could then, although they are substances, nevertheless be regarded as dependent for their existence on an external cause. This, however, would entail quite different meanings of words and would not apply to appearances as possible objects of experience.
How anything can be altered at all—how it is possible for a state at one point in time to be followed by an opposite state at another—we have not the least a priori concept. This requires acquaintance with actual forces, which can be given only empirically: for example, moving forces, or, what amounts to the same thing, certain successive appearances, as motions, that indicate such forces. But the form of every alteration, the condition under which alone it can occur as the arising of another state (whatever its content, that is, the state that is altered, may be), and hence the succession of states itself (what has happened), can nevertheless be considered a priori according to the law of causality and the conditions of time*.
* Note carefully that I am speaking not of a change in certain relations in general, but of an alteration of state. Thus when a body moves uniformly, it does not alter its state of motion at all; it does so, however, when its motion increases or decreases.
B 253 When a substance passes from a state a into another b, the point in time of the second differs from and follows that of the first state. Likewise the second state, as reality in appearance, differs from the first, in which this reality was not, as b differs from zero. That is, even if state b differed from state a only in magnitude, the alteration is an arising of b−a, which was not in the preceding state, and with respect to which that state is = 0.
The question, then, is how a thing passes from one state = a into another = b. Between two instants there is always a time, and between two states at those instants there is always a difference that has a magnitude, since all parts of appearances are always magnitudes in turn. Thus every transition from one state to another occurs in a time contained between two instants, the first determining the state the thing leaves, the second the state it reaches. Both, then, are boundaries of the time of an alteration, and hence of the intermediate state between the two states, and as such belong to the entire alteration. Now every alteration has a cause that manifests its causality throughout the time in which the alteration takes place.
B 254 This cause therefore produces its alteration not suddenly, all at once or in an instant, but in a time, so that as the time increases from the initial instant a to its completion in b, the magnitude of reality, b−a, is also generated through all the smaller degrees contained between the first and the last. All alteration is therefore possible only through a continuous action of causality, which, insofar as it is uniform, is called a moment. Alteration does not consist of these moments, but is generated through them as their effect.
This, then, is the law of the continuity of all alteration. Its ground is that neither time nor appearance in time consists of smallest parts, and yet in its alteration the state of the thing passes through all these parts, as elements, to its second state. No difference in the real in appearance is the smallest, just as no difference in the magnitude of times is the smallest. Thus the new state of reality grows from the first, in which this reality was not, through all its infinitely many degrees, whose differences from one another are all smaller than the difference between 0 and a.
What use this proposition may have in investigating nature does not concern us here. But how such a proposition, which seems so greatly to extend our cognition of nature, is possible entirely a priori very much requires our examination, even though direct observation proves it actual and correct.
B 255 One might therefore think oneself excused from asking how it was possible. For there are so many unfounded pretensions to extending our cognition through pure reason that it must be adopted as a general principle to be thoroughly distrustful in this regard, and to believe or accept nothing of the kind, even on the clearest dogmatic proof, without documents that can supply a sound deduction.
Every increase in empirical cognition and every advance of perception is nothing but an extension of the determination of inner sense, an advance in time, whatever the objects may be, whether appearances or pure intuitions. This advance in time determines everything and is itself determined by nothing further; that is, its parts are given only in time and through the synthesis of time, not before it. Accordingly every transition in perception to something following in time is a determination of time through the generation of this perception. Since time, always and in all its parts, is a magnitude, this is the generation of a perception as a magnitude through all degrees, none of which is the smallest, from zero up to its determinate degree. This makes clear the possibility of cognizing a law of alterations a priori as to their form.
B 256 We anticipate only our own apprehension, whose formal condition, since it is present in us before any given appearance, must certainly be capable of being cognized a priori.
Thus, just as time contains the sensible a priori condition of the possibility of a continuous advance from what exists to what follows, so understanding, through the unity of apperception, is the a priori condition of the possibility of continuously determining all positions for appearances in this time through the series of causes and effects. The causes inevitably entail the existence of their effects, and thereby make the empirical cognition of temporal relations valid for every time, universally, and hence objectively.
C. Third Analogy
Principle of Simultaneity According to the Law of Interaction, or Community
All substances, insofar as they can be perceived in space as simultaneous, are in thoroughgoing interaction.
Proof
Things are simultaneous when in empirical intuition the perception of one can follow the perception of the other.
B 257 It can do so reciprocally (which, as was shown with the second principle, cannot happen in the temporal succession of appearances). Thus I can direct my perception first to the moon and afterward to the earth, or conversely first to the earth and then to the moon. Because the perceptions of these objects can follow one another reciprocally, I say they exist simultaneously. Now simultaneity is the existence of the manifold at the same time. But time itself cannot be perceived, so as to infer from things being posited in the same time that their perceptions can follow one another reciprocally. The synthesis of imagination in apprehension would therefore merely indicate each of these perceptions as present in the subject when the other is not, and conversely. It would not indicate that the objects are simultaneous: that when one is, the other is also at the same time, and that this is necessary if the perceptions are to follow one another reciprocally. Consequently a concept of the understanding concerning the reciprocal succession of the determinations of these things existing simultaneously outside one another is required, in order to say that the reciprocal succession of perceptions is grounded in the object, and thereby to represent simultaneity as objective.
B 258 Now the relation of substances in which one contains determinations whose ground is contained in the other is the relation of influence; and when each reciprocally contains the ground of determinations in the other, it is the relation of community or interaction. Thus the simultaneity of substances in space can be cognized in experience only on the presupposition of their interaction with one another. This is therefore also the condition of the possibility of the things themselves as objects of experience.
Things are simultaneous insofar as they exist in one and the same time. But how do we recognize that they are in one and the same time? When the order in the synthesis of apprehension of this manifold is indifferent, that is, when it can proceed from A through B, C, D to E, or conversely from E to A. For if they were successive in time, in the order beginning with A and ending with E, it would be impossible to begin apprehension in perception with E and proceed backward to A, because A belongs to past time and can therefore no longer be an object of apprehension.
Suppose now that in a manifold of substances as appearances each were completely isolated: none acted on another or reciprocally received influences from it.
B 259 I say that their simultaneity would be no object of a possible perception, and the existence of one could lead by no route of empirical synthesis to the existence of another. For if you imagine them separated by a completely empty space, perception advancing in time from one to another would indeed determine the existence of the latter through a subsequent perception, but could not distinguish whether the appearance objectively followed the first or was instead simultaneous with it.
There must therefore be something besides mere existence through which A determines B’s position in time, and conversely B determines A’s. Only under this condition can the substances in question be empirically represented as existing simultaneously. Now only what is the cause of another thing or its determinations determines that thing’s position in time. Thus every substance, since it can be a consequence only in respect of its determinations, must contain both the causality of certain determinations in the other and the effects of the other’s causality within itself. That is, they must stand in dynamical community, directly or indirectly, if simultaneity is to be cognized in any possible experience. But everything without which experience of objects would itself be impossible is necessary with respect to objects of experience.
B 260 Thus all substances in appearance, insofar as they are simultaneous, must necessarily stand in a thoroughgoing community of interaction with one another.
The word “community” in our language is ambiguous: it can mean either communio or commercium. We use it here in the latter sense, as a dynamical community, without which even spatial community (communio spatii) could never be empirically cognized. It is easy to observe in our experiences that only continuous influences throughout space can guide our sense from one object to another; that the light playing between our eye and the heavenly bodies can bring about an indirect community between us and them, thereby proving their simultaneity; that we can make no empirical change of place (perceive this change) unless matter everywhere makes the perception of our position possible; and that matter can show its simultaneity, and thereby its coexistence even with the most distant objects, though only indirectly, solely through its reciprocal influence. Without community every perception of an appearance in space is cut off from every other, and the chain of empirical representations, that is, experience, would begin entirely afresh with a new object.
B 261 The previous one would not be in the least connected with it, nor could it stand in any temporal relation to it. I do not intend by this to refute empty space at all; it may well exist where perceptions do not reach and hence no empirical cognition of simultaneity takes place. But it is then no object at all for any of our possible experience.
The following may serve to clarify this. In our mind all appearances, as contained in a possible experience, must stand in a community (communio) of apperception. Insofar as objects are to be represented as connected in simultaneous existence, they must reciprocally determine their positions in one time and thereby constitute a whole. If this subjective community is to rest on an objective ground, or be related to appearances as substances, the perception of one must, as ground, make the perception of another possible, and conversely, so that the succession that is always present in perceptions as apprehensions is not ascribed to the objects, but these can be represented as existing simultaneously. This, however, is a reciprocal influence, a real community (commercium) of substances, without which the empirical relation of simultaneity could not occur in experience.
B 262 Through this commercium appearances, insofar as they stand outside one another yet in connection, constitute a composite (compositum reale), and such composita become possible in many ways. The three dynamical relations from which all others arise are therefore those of inherence, consequence, and composition.
* * *
These, then, are the three analogies of experience. They are nothing other than principles for determining the existence of appearances in time according to all three of its modi: the relation to time itself as a magnitude (the magnitude of existence, that is, duration); the relation in time as a series (one after another); and finally the relation in it as a sum total of all existence (at the same time). This unity of temporal determination is thoroughly dynamical. That is, time is not regarded as that in which experience immediately determines a position for each existence, which is impossible because absolute time is no object of perception with which appearances could be compared. Rather, the rule of understanding, through which alone the existence of appearances can acquire synthetic unity according to temporal relations, determines for each its position in time, and does so a priori and validly for each and every time.
B 263 By nature in the empirical sense we understand the connection of appearances in their existence according to necessary rules, that is, laws. Thus there are certain laws, indeed a priori laws, that first make a nature possible. Empirical laws can occur and be discovered only through experience, and in accordance with those original laws through which experience itself first becomes possible. Our analogies therefore properly present the unity of nature in the connection of all appearances under certain exponents. These express nothing but the relation of time, insofar as it contains all existence, to the unity of apperception, which can occur only in synthesis according to rules. Together, then, they say that all appearances lie in one nature, and must lie in it, because without this a priori unity no unity of experience, and hence no determination of objects in it, would be possible.
A remark must be made, however, about the method of proof we have employed for these transcendental laws of nature and its distinctive character. It must also be very important as a prescription for every other attempt to prove propositions that are both intellectual and synthetic a priori. Suppose we had wished to prove these analogies dogmatically, that is, from concepts.
B 264 We should then have had to prove that everything existing is found only in what persists; that every event presupposes something in the preceding state on which it follows according to a rule; and finally that in the simultaneous manifold the states are simultaneous in relation to one another according to a rule (stand in community). All our effort would have been utterly in vain. For from one object and its existence one cannot arrive at the existence of another, or at its way of existing, through mere concepts of these things, however one analyzes them. What, then, remained to us? The possibility of experience, as a cognition in which all objects must ultimately be capable of being given to us if their representation is to have objective reality for us. In this third thing, whose essential form consists in the synthetic unity of the apperception of all appearances, we found a priori conditions of the thoroughgoing and necessary temporal determination of all existence in appearance, without which even empirical determination of time would be impossible. We found rules of a priori synthetic unity through which we could anticipate experience. The lack of this method, and the delusion of wishing to prove dogmatically synthetic propositions recommended as principles by the experiential use of understanding, explain why proof of the principle of sufficient reason has been attempted so often, yet always in vain.
B 265 No one thought of the other two analogies, though they were always tacitly employed*, because the guiding thread of the categories was missing. This alone can discover and expose every gap in the understanding, in concepts as well as principles.
* The unity of the world as a whole, in which all appearances are to be connected, is plainly a mere consequence of the tacitly accepted principle of the community of all simultaneous substances. For if they were isolated, they would not constitute a whole as its parts; and if their connection, the interaction of the manifold, were not already necessary on account of simultaneity, one could not infer that real relation from this merely ideal one. We have shown in the appropriate place, however, that community is properly the ground of the possibility of an empirical cognition of coexistence, and that one therefore actually infers backward only from this cognition to community as its condition.
4 The Postulates of Empirical Thinking in General
1 What agrees with the formal conditions of experience (as to intuition and concepts) is possible.
2 B 266 What is connected with the material conditions of experience (of sensation) is actual.
3 That whose connection with the actual is determined according to universal conditions of experience is (exists) necessarily.
Elucidation
The categories of modality have the peculiarity that, as determinations of the object, they do not in the least enlarge the concept to which they are added as predicates, but express only its relation to the faculty of cognition. Even when the concept of a thing is already entirely complete, I can still ask of this object whether it is merely possible or also actual, or, if actual, whether it is also necessary. No further determinations are thereby thought in the object itself. The question is only how it, together with all its determinations, relates to the understanding and its empirical use, to the empirical power of judgment, and to reason in its application to experience.
For this very reason the principles of modality are nothing further than explanations of the concepts of possibility, actuality, and necessity in their empirical use. At the same time they restrict all categories to merely empirical use, without admitting or permitting their transcendental use.
B 267 For if these categories are not to have a merely logical meaning, analytically expressing the form of thinking, but are to concern things and their possibility, actuality, or necessity, they must relate to possible experience and its synthetic unity, in which alone objects of cognition are given.
The postulate of the possibility of things therefore requires that their concept agree with the formal conditions of an experience in general. These conditions, the objective form of experience in general, contain all the synthesis required for cognition of objects. A concept containing a synthesis must be regarded as empty, and relates to no object, if this synthesis does not belong to experience. It may belong to experience either as borrowed from it, in which case the concept is called empirical, or as a synthesis on which experience in general, its form, rests as an a priori condition. In the latter case it is a pure concept that nevertheless belongs to experience, because its object can be found only there. For where would one obtain the mark of the possibility of an object thought through a synthetic a priori concept, if not from the synthesis constituting the form of empirical cognition of objects?
B 268 That such a concept must contain no contradiction is indeed a necessary logical condition, but is far from sufficient for the concept’s objective reality, that is, the possibility of an object such as the concept thinks. Thus there is no contradiction in the concept of a figure enclosed by two straight lines, for the concepts of two straight lines and their meeting contain no negation of a figure. Rather, the impossibility rests not on the concept in itself but on its construction in space, on the conditions of space and its determination. These in turn have their objective reality, that is, they relate to possible things, because they contain a priori the form of experience in general.
Let us now display the extensive use and influence of this postulate of possibility. If I represent a thing that persists, so that everything changing belongs merely to its state, I can never cognize from such a concept alone that such a thing is possible. Or I represent something as so constituted that, when it is posited, something else always and inevitably follows. This may certainly be thought without contradiction; but whether such a property, as causality, is to be found in any possible thing cannot thereby be judged.
B 269 Finally, I can represent different things, substances, so constituted that the state of one entails a consequence in the state of the other, and reciprocally. But whether such a relation can belong to any things cannot at all be gathered from these concepts, which contain a merely arbitrary synthesis. Only because these concepts express a priori the relations of perceptions in every experience do we cognize their objective reality, that is, their transcendental truth. We do so independently of experience, certainly, but not independently of all relation to the form of an experience in general and to the synthetic unity in which alone objects can be empirically cognized.
But if one wished to fashion entirely new concepts of substances, forces, and interactions from the material perception offers us, without borrowing from experience itself an example of their connection, one would fall into sheer fantasies whose possibility has no distinguishing mark whatever. For here one neither accepts experience as teacher nor borrows these concepts from it. Unlike the categories, such invented concepts cannot acquire the mark of their possibility a priori as conditions on which all experience depends, but only a posteriori as concepts given through experience itself.
B 270 Their possibility must be cognized either a posteriori and empirically or not at all. A substance persistently present in space yet not filling it, like the intermediate entity between matter and thinking beings that some have wished to introduce; a special fundamental power of our mind to intuit the future in advance, not merely infer it; or finally a faculty of the mind for sharing thoughts with other people, however distant they may be: these are concepts whose possibility is entirely groundless. It cannot be grounded on experience and its known laws, and without them it is an arbitrary combination of thoughts that, though containing no contradiction, can claim no objective reality, and hence no possibility of an object such as one intends to think here. As for reality, it is surely self-evidently forbidden to think it in concreto without enlisting experience, because it can concern only sensation as the matter of experience, not the form of relation with which one might perhaps play in inventions.
But I pass over everything whose possibility can be gathered only from actuality in experience, and consider here only the possibility of things through a priori concepts.
B 271 Of these I continue to maintain that they can never establish possibility by themselves alone, but always only as formal and objective conditions of an experience in general.
It does indeed seem as though the possibility of a triangle could be cognized from its concept in itself, which is certainly independent of experience. For we can in fact give it an object entirely a priori, that is, construct it. But since this is only the form of an object, it would still remain merely a product of imagination whose object’s possibility remained doubtful. Something more is required: that such a figure be thought solely under conditions on which all objects of experience rest. That space is an a priori formal condition of outer experiences, and that the very same formative synthesis through which we construct a triangle in imagination is entirely identical with the synthesis we exercise in apprehending an appearance in order to form an experiential concept of it: this alone connects with that concept the representation of the possibility of such a thing. Likewise the possibility of continuous magnitudes, indeed of magnitudes in general, since their concepts are all synthetic, becomes clear not from the concepts themselves, but only from them as formal conditions for determining objects in experience in general.
B 272 And where else would we seek objects corresponding to concepts, if not in experience, through which alone objects are given to us? We can indeed cognize and characterize the possibility of things without first supplying experience itself, merely in relation to the formal conditions under which something in experience is determined as an object in general, and thus entirely a priori—but still only in relation to experience and within its boundaries.
The postulate for cognizing the actuality of things requires perception, and hence sensation of which one is conscious. It does not require immediate perception of the very object whose existence is to be cognized, but does require that object’s connection with some actual perception according to the analogies of experience, which set out all real connection in an experience in general.
In the mere concept of a thing no mark of its existence can be found. For however complete it may be, so that nothing whatever is lacking for thinking a thing with all its inner determinations, existence has nothing at all to do with any of this. It concerns only the question whether such a thing is given to us, so that its perception could, if need be, precede its concept.
B 273 For the concept’s preceding perception signifies its mere possibility; perception, however, which supplies the material for the concept, is the sole mark of actuality. Yet we can also cognize a thing’s existence before perceiving it, and thus comparatively a priori, provided it is connected with some perceptions according to the principles of their empirical connection, the analogies. For then the thing’s existence is still connected with our perceptions in a possible experience, and by following those analogies we can arrive from our actual perception at the thing in the series of possible perceptions. Thus we cognize the existence of a magnetic matter penetrating all bodies from the perception of attracted iron filings, although the constitution of our organs makes immediate perception of this matter impossible for us. For according to the laws of sensibility and the context of our perceptions, we would in general also encounter an immediate empirical intuition of it in an experience if our senses were finer. Their coarseness does not affect the form of possible experience in general. Thus our cognition of the existence of things extends as far as perception and what follows from it according to empirical laws.
B 274 If we do not begin with experience, or do not proceed according to laws of the empirical connection of appearances, we boast in vain of wishing to guess or investigate the existence of anything. Idealism, however, raises a powerful objection to these rules for proving existence indirectly, and this is the proper place for its refutation.
Refutation of Idealism
Idealism—I mean material idealism—is the theory that declares the existence of objects in space outside us either merely doubtful and unprovable, or false and impossible. The former is the problematic idealism of Descartes, who declares only one empirical assertion (assertio), namely “I am,” indubitable. The second is the dogmatic idealism of Berkeley, who declares space, together with all the things to which it is attached as an inseparable condition, something impossible in itself, and therefore declares things in space to be mere imaginings. Dogmatic idealism is unavoidable if space is regarded as a property that is to belong to things in themselves; for then it, together with everything for which it serves as a condition, is a nonentity. We have, however, removed the ground of this idealism in the transcendental aesthetic.
B 275 Problematic idealism asserts nothing on this matter, but merely alleges our inability to prove an existence other than our own through immediate experience. It is reasonable and accords with a thorough philosophical cast of mind: to allow no decisive judgment before a sufficient proof has been found. The proof demanded must therefore show that we have experience, not merely imagination, of outer things. This can hardly be accomplished otherwise than by proving that even our inner experience, which Descartes regards as indubitable, is possible only on the presupposition of outer experience.
Theorem
The mere, but empirically determined, consciousness of my own existence proves the existence of objects in space outside me.
Proof
I am conscious of my existence as determined in time. All determination of time presupposes something persistent in perception. But this persistent something cannot be something in me, because my existence in time can be determined in the first place only through this persistent something 1). Thus the perception of this persistent something is possible only through a thing outside me, not through the mere representation of a thing outside me. Consequently the determination of my existence in time is possible only through the existence of actual things that I perceive outside me.
B 276 Now consciousness in time is necessarily combined with consciousness of the possibility of this determination of time. Thus it is also necessarily combined with the existence of things outside me as the condition of the determination of time. That is, consciousness of my own existence is at the same time an immediate consciousness of the existence of other things outside me.
1 According to Kant’s preface to this second edition, the sentence is to be altered as follows: “But this persistent something cannot be an intuition in me. For all the determining grounds of my existence that can be found in me are representations, and as such themselves require something persistent distinct from them, in relation to which their change, and hence my existence in the time in which they change, can be determined.”
Remark 1. In the preceding proof we notice that the game idealism played is turned back against it with greater justice. Idealism assumed that the only immediate experience is inner experience, and that outer things are merely inferred from it, but unreliably, as always when one infers determinate causes from given effects. For the cause of the representations we ascribe, perhaps falsely, to outer things may also lie in ourselves. Here, however, it is proved that outer experience is properly immediate*.
B 277 Only through it is possible, not indeed consciousness of our own existence, but its determination in time, that is, inner experience. Certainly the representation “I am,” expressing the consciousness that can accompany all thinking, is what immediately includes the existence of a subject, but not yet any cognition of it, and hence no empirical cognition, that is, no experience. For besides the thought of something existing, cognition also requires intuition, here inner intuition, with respect to which, that is, to time, the subject must be determined. For this, outer objects are absolutely required, so that inner experience itself is consequently possible only indirectly, and only through outer experience.
* The immediate consciousness of the existence of outer things is not presupposed in the preceding theorem but proved, whether or not we can understand the possibility of this consciousness. The question concerning its possibility would be whether we have only an inner sense and no outer sense, but merely outer imagination. It is clear, however, that even to imagine something as external, that is, to present it to sense in intuition, we must already have an outer sense, and thereby immediately distinguish the mere receptivity of an outer intuition from the spontaneity characterizing every act of imagination. For merely to imagine even an outer sense would destroy the very faculty of intuition that imagination is supposed to determine.
Remark 2. All experiential use of our faculty of cognition in determining time agrees perfectly with this. Not only can we determine all time solely through change in outer relations (motion) in relation to what persists in space (for example, the sun’s motion in relation to objects on earth).
B 278 We even have nothing persistent at all that we could place as intuition beneath the concept of a substance except matter. Even this persistence is not drawn from outer experience, but presupposed a priori as a necessary condition of all determination of time, and hence also of the determination of inner sense concerning our own existence through the existence of outer things. Consciousness of myself in the representation “I” is no intuition at all, but a merely intellectual representation of the self-activity of a thinking subject. Hence this “I” has not the least predicate of intuition that, as persistent, could serve as a correlate for determining time in inner sense, as impenetrability does in matter as empirical intuition.
Remark 3. That the existence of outer objects is required for the possibility of a determinate consciousness of ourselves does not imply that every intuitive representation of outer things also includes their existence. Such a representation may very well be merely the effect of imagination, in dreams as well as in madness. But it is so only through the reproduction of former outer perceptions, which, as has been shown, are possible only through the actuality of outer objects. All that was to be proved here is that inner experience in general is possible only through outer experience in general.
B 279 Whether this or that supposed experience is not mere imagination must be established from its particular determinations and by comparison with the criteria of all actual experience.
* * *
Finally, the third postulate concerns material necessity in existence, not merely formal and logical necessity in the connection of concepts. Now no existence of objects of the senses can be cognized wholly a priori, though it can be cognized comparatively a priori in relation to another existence already given. Even then, however, one can arrive only at an existence that must be contained somewhere in the connection of experience of which the given perception is a part. Thus the necessity of existence can never be cognized from concepts, but always only from connection with what is perceived, according to universal laws of experience. Now no existence can be cognized as necessary under the condition of other given appearances except the existence of effects from given causes according to laws of causality. Thus it is not the existence of things, substances, but only that of their state whose necessity we can cognize.
B 280 And we cognize it from other states given in perception, according to empirical laws of causality. It follows that the criterion of necessity lies solely in the law of possible experience: that everything happening is determined a priori by its cause in appearance. Hence we cognize only the necessity of effects in nature whose causes are given to us. The mark of necessity in existence extends no further than the field of possible experience, and even there it does not apply to the existence of things as substances, since these can never be regarded as empirical effects, or as something that happens and arises. Necessity therefore concerns only the relations of appearances according to the dynamical law of causality, and the possibility grounded on this of inferring a priori from some given existence, a cause, to another existence, the effect. Everything that happens is hypothetically necessary: this is a principle that subjects alteration in the world to a law, a rule of necessary existence, without which there would not even be nature. Hence the proposition “Nothing happens by blind chance” (in mundo non datur casus) is an a priori law of nature; likewise, “No necessity in nature is blind, but conditioned and hence intelligible necessity” (non datur fatum).
B 281 Both are laws through which the play of alterations is subjected to a nature of things as appearances, or, what is the same, to the unity of understanding, in which alone they can belong to an experience as the synthetic unity of appearances. Both principles are dynamical. The first is properly a consequence of the principle of causality among the analogies of experience. The second belongs to the principles of modality, adding to causal determination the concept of necessity, though a necessity subject to a rule of understanding. The principle of continuity forbade in the series of appearances (alterations) every leap (in mundo non datur saltus), but also in the sum total of all empirical intuitions in space every gap or chasm between two appearances (non datur hiatus). For this is how one can express the proposition that nothing can enter experience that would prove a vacuum, or even admit it as a part of empirical synthesis. As for the void one might think outside the field of possible experience, the world, it does not fall under the jurisdiction of mere understanding. Understanding decides only questions concerning the use of given appearances for empirical cognition. The void is a problem for ideal reason, which goes beyond the sphere of possible experience.
B 282 It wishes to judge what surrounds and bounds experience itself, and must therefore be considered in the transcendental dialectic. These four propositions (in mundo non datur hiatus, non datur saltus, non datur casus, non datur fatum) could easily be presented in their order, like all principles of transcendental origin, according to the order of the categories, with each assigned its proper place by proof. But the reader, now practiced, will do this unaided or readily discover the guiding thread. They all unite, however, solely in allowing nothing in empirical synthesis that could impair or disrupt understanding and the continuous connection of all appearances, that is, the unity of its concepts. For in understanding alone is the unity of experience possible, in which all perceptions must have their place.
Whether the field of possibility is greater than the field containing everything actual, and this in turn greater than the multitude of what is necessary: these are engaging questions, requiring a synthetic solution, but they fall solely under the jurisdiction of reason. They amount approximately to asking whether all things as appearances belong together in the sum total and context of a single experience, of which every given perception is a part that can therefore be combined with no other appearances.
B 283 Or they ask whether my perceptions can belong to more than one possible experience in their general connection. Understanding gives experience in general a priori only its rule, according to the subjective and formal conditions of both sensibility and apperception that alone make it possible. Other forms of intuition than space and time, and likewise other forms of understanding than the discursive form of thinking or cognition through concepts, even if possible, cannot in any way be devised or made intelligible by us. But even if we could do so, they would still not belong to experience as the sole cognition in which objects are given to us. Whether there could be perceptions other than those belonging in general to our entire possible experience, and hence an entirely different field of matter, understanding cannot decide: it is concerned only with the synthesis of what is given. Otherwise the poverty of our usual inferences, through which we produce a vast realm of possibility of which everything actual, every object of experience, is only a small part, is glaringly obvious. Everything actual is possible; from this there naturally follows, according to the logical rules of conversion, only the particular proposition that something possible is actual.
B 284 This seems to mean that much is possible that is not actual. It does indeed seem that one could also directly increase the number of possible things beyond that of actual things, because something must be added to possibility to constitute actuality. But I do not know this addition to the possible. For what was to be added beyond it would be impossible. Something can be added only for my understanding beyond agreement with the formal conditions of experience: connection with some perception. What is connected with this according to empirical laws is actual, even if it is not immediately perceived. But that another series of appearances, and hence more than one single all-embracing experience, is possible in thoroughgoing connection with what is given to me in perception cannot be inferred from what is given, still less without anything being given, since without material nothing at all can be thought. What is possible only under conditions that are themselves merely possible is not possible in every respect. Yet it is in this sense that the question is taken when one wishes to know whether the possibility of things extends further than experience can reach.
I have mentioned these questions only to leave no gap in what, according to common opinion, belongs to the concepts of the understanding.
B 285 In fact, however, absolute possibility, valid in every respect, is no mere concept of the understanding and can have no empirical use whatever. It belongs solely to reason, which goes beyond every possible empirical use of understanding. Here we have therefore had to content ourselves with a merely critical remark, while otherwise leaving the matter in darkness until our further proceedings.
As I am about to conclude this fourth number, and with it the system of all principles of pure understanding, I must still give the reason why I have called the principles of modality precisely postulates. I do not wish to take the expression here in the sense some recent philosophical writers have given it, contrary to the sense of the mathematicians to whom it properly belongs: namely, that to postulate means to proclaim a proposition immediately certain without justification or proof. For if we were to concede of synthetic propositions, however self-evident, that they may be imposed on unconditional assent without deduction, on the authority of their own declaration, all critique of the understanding is lost. There is no lack of bold pretensions, and even common belief, which is no credential, does not refuse them.
B 286 Our understanding would then stand open to every delusion, unable to refuse assent to pronouncements that, though illegitimate, demand admission in the same confident tone as actual axioms. Thus whenever a determination is synthetically added a priori to the concept of a thing, such a proposition must unfailingly be accompanied, if not by a proof, then at least by a deduction of the legitimacy of its assertion.
The principles of modality, however, are not objectively synthetic, because the predicates of possibility, actuality, and necessity do not in the least enlarge the concept of which they are asserted by adding anything to the representation of the object. Yet since they are still always synthetic, they are so only subjectively. They add to the concept of a real thing, about which they otherwise say nothing, the cognitive power in which it arises and has its seat. Thus if the concept is connected merely in understanding with the formal conditions of experience, its object is called possible. If it is connected with perception, sensation as the matter of the senses, and determined through perception by means of understanding, the object is actual. If it is determined through the connection of perceptions according to concepts, the object is called necessary.
B 287 Thus the principles of modality state concerning a concept nothing other than the action of the faculty of cognition through which it is generated. Now in mathematics a postulate means a practical proposition containing nothing but the synthesis through which we first give ourselves an object and generate its concept: for example, with a given line to describe a circle from a given point on a plane. Such a proposition cannot be proved, because the procedure it demands is precisely what first generates our concept of such a figure. With precisely the same right, then, we can postulate the principles of modality, because they do not enlarge their concept of things in general*, but merely indicate how it is combined with the cognitive power in general.
* Through the actuality of a thing I certainly posit more than its possibility, but not in the thing; for it can never contain more in actuality than was contained in its complete possibility. Rather, since possibility was merely a positing of the thing in relation to understanding and its empirical use, actuality is at the same time a connection of it with perception.
B 288 General Remark on the System of Principles
It is very remarkable that we cannot understand the possibility of any thing through the mere category, but must always have an intuition at hand in which to exhibit the objective reality of the pure concept of the understanding. Take, for example, the categories of relation. How 1) something can exist only as subject, not as a mere determination of other things, that is, be substance; or how 2) because something is, something else must be, and hence how anything can be a cause at all; or 3) how, when several things exist, something follows for the others from the existence of one of them, and reciprocally, so that a community of substances can take place: none of this can be understood from mere concepts. The same holds of the other categories: for example, how a thing together with many others can be one, that is, a magnitude, and so on. As long as intuition is lacking, then, we do not know whether through the categories we are thinking an object, or whether any object whatever can correspond to them. This confirms that in themselves they are not cognitions at all, but mere forms of thought for making cognitions out of given intuitions.
B 289 This also explains why no synthetic proposition can be made from mere categories. For example: in all existence there is substance, something that can exist only as subject and not as mere predicate; or every thing is a quantum, and so on. Here there is nothing that could serve us in going beyond a given concept and connecting another with it. Hence it has never been possible to prove a synthetic proposition from mere pure concepts of the understanding, for example the proposition that everything contingently existing has a cause. One could never get further than proving that without this relation we could not comprehend the existence of the contingent at all, could not cognize a priori through understanding the existence of such a thing. But it does not follow that this relation is also the condition of the possibility of the things themselves. If we look back at our proof of the principle of causality, we will therefore see that we could prove it only of objects of possible experience: everything that happens, every event, presupposes a cause. Moreover, we could prove it only as a principle of the possibility of experience, and hence of cognition of an object given in empirical intuition, not from mere concepts. It cannot be denied that everyone nevertheless finds the proposition “Everything contingent must have a cause” clearly evident from mere concepts.
B 290 But then the concept of the contingent has already been framed so as to contain not the category of modality, as something whose nonbeing can be thought, but that of relation, as something that can exist only as a consequence of something else. Then, of course, the proposition “What can exist only as a consequence has its cause” is an identical proposition. In fact, when we are to give examples of contingent existence, we always appeal to alterations, not merely to the possibility of thinking the opposite*. Alteration, however, is an event.
B 291 As such it is possible only through a cause, and its nonbeing is therefore possible in itself. Thus we recognize contingency from something’s being able to exist only as an effect of a cause. If a thing is therefore assumed to be contingent, saying that it has a cause is an analytic proposition.
* The nonbeing of matter is easy to think, yet the ancients did not infer its contingency from this. But even the alternation of being and nonbeing of a given state of a thing, in which all alteration consists, does not at all prove the contingency of this state, as though from the actuality of its opposite. For example, a body’s rest following its motion does not yet prove the contingency of that motion merely because the former is the opposite of the latter. For this opposite is here opposed to the other only logically, not realiter. To prove the contingency of its motion, one would have to prove that instead of moving at the preceding point in time the body could then have been at rest, not that it rests afterward; for then both opposites can very well coexist.
Still more remarkable is that, to understand the possibility of things according to the categories and thus exhibit the objective reality of the latter, we need not merely intuitions, but always outer intuitions. If, for example, we take the pure concepts of relation, we find that 1) to give something persistent in intuition corresponding to the concept of substance, and thereby exhibit the objective reality of this concept, we need an intuition in space, of matter, because space alone is persistently determined, while time, and hence everything in inner sense, constantly flows. To present alteration as the intuition corresponding to the concept of causality, we must take motion, as alteration in space, as our example. Indeed, through this alone can we make alterations intuitive to ourselves, although no pure understanding can comprehend their possibility. Alteration is the combination of contradictorily opposed determinations in the existence of one and the same thing.
B 292 How a state opposed to a given state of the same thing can follow from it, no reason can make comprehensible to itself without an example, or even intelligible without intuition. This intuition is that of a point’s motion in space, whose existence in different places, as a succession of opposed determinations, alone first makes alteration intuitive to us. For afterward, even to make inner alterations thinkable, we must represent time, as the form of inner sense, figuratively by a line, and inner alteration by the drawing of this line, motion. We must thus make our own successive existence in different states intelligible through outer intuition. The actual ground of this is that all alteration presupposes something persistent in intuition even to be perceived as alteration, whereas no persistent intuition whatever is found in inner sense.—Finally, the category of community cannot be comprehended in its possibility through mere reason at all; hence the objective reality of this concept cannot be understood without intuition, specifically outer intuition in space. For how is one to think the possibility that, when several substances exist, something as an effect can follow reciprocally from the existence of one to the existence of the others, so that because something is in the first there must also be something in the others that cannot be understood from the latter’s existence alone?
B 293 This is required for community, but is quite incomprehensible among things each completely isolated by its subsistence. Thus Leibniz, in ascribing community to the substances of the world solely as understanding thinks them, needed a deity to mediate it; for he rightly found it incomprehensible from their existence alone. But we can very well make the possibility of community among substances as appearances intelligible to ourselves if we represent them in space, and thus in outer intuition. For space already contains a priori formal outer relations as conditions of the possibility of real relations in action and reaction, and hence of community.—Likewise it can easily be shown that the possibility of things as magnitudes, and thus the objective reality of the category of magnitude, can be exhibited only in outer intuition, and only through this subsequently applied to inner sense as well. But to avoid prolixity I must leave examples of this to the reader’s reflection.
This entire remark is of great importance for confirming our preceding refutation of idealism.
B 294 It is of still greater importance when self-cognition from mere inner consciousness and the determination of our nature without the aid of outer empirical intuitions comes under discussion, for it shows us the limits of the possibility of such cognition.
The final conclusion of this entire section is therefore this: all principles of pure understanding are nothing more than a priori principles of the possibility of experience. All synthetic a priori propositions relate solely to experience; indeed, their very possibility rests entirely on this relation.
The Transcendental Doctrine of the Power of Judgment (Analytic of Principles) Third Chapter
On the Ground of the Distinction of All Objects in General into Phaenomena and Noumena
We have now not only traveled through the land of pure understanding and carefully inspected every part of it, but also measured it and assigned everything within it its place. This land, however, is an island, enclosed by nature itself within unalterable boundaries.
B 295 It is the land of truth—an alluring name—surrounded by a vast and stormy ocean, the true home of illusion, where many a fogbank and many an ice floe soon to melt away falsely promise new lands. Ceaselessly deceiving the seafarer roaming in search of discovery with empty hopes, they entangle him in adventures he can neither abandon nor ever bring to an end. Before we venture onto this sea, however, to search it in every latitude and learn for certain whether anything is to be hoped for there, it will be useful first to cast another glance at the map of the land we are about to leave. We should ask, first, whether we might not after all be content with what it contains, or must be content from necessity if there is nowhere else any ground on which we could settle; and second, by what title we possess even this land and can consider ourselves secure against every hostile claim. Although we have already answered these questions sufficiently in the course of the analytic, a summary survey of their solutions may still strengthen conviction by bringing their grounds together at a single point.
We have seen, namely, that everything understanding draws from itself without borrowing it from experience is nevertheless at its disposal for no purpose other than use in experience.
B 296 The principles of pure understanding, whether constitutive a priori, like the mathematical principles, or merely regulative, like the dynamical ones, contain nothing but, as it were, the pure schema for possible experience. For experience has its unity only from the synthetic unity that understanding originally and of itself gives to the synthesis of imagination in relation to apperception, and to which appearances, as data for a possible cognition, must already stand in relation and agreement a priori. Now although these rules of understanding are not only true a priori but even the source of all truth, that is, of the agreement of our cognition with objects, because they contain the ground of the possibility of experience as the sum total of all cognition in which objects may be given to us, it still seems insufficient merely to be told what is true rather than what we wish to know. If this critical investigation teaches us nothing more than what we would quite naturally have practiced in the merely empirical use of understanding, even without such subtle inquiry, the advantage drawn from it seems not worth the expense and preparation. One can indeed reply that no inquisitiveness is more harmful to the extension of our cognition than that which always wants to know the benefit in advance.
B 297 It wants this before embarking on investigations, and before one could form even the slightest concept of that benefit, even if it were set before one’s eyes. Yet there is an advantage that can be made intelligible, and at the same time important, even to the most difficult and reluctant student of such transcendental inquiry. It is this: understanding occupied solely with its empirical use, without reflecting on the sources of its own cognition, can indeed make very good progress, but cannot accomplish one thing—determine for itself the boundaries of its use and know what may lie within or outside its entire sphere. For precisely this requires the deep investigations we have undertaken. But if it cannot distinguish whether certain questions lie within its horizon or not, it is never secure in its claims and possessions. It can expect only repeated humiliating corrections as it incessantly, and inevitably, oversteps the boundaries of its territory and strays into delusion and deception.
That understanding can make no use of any of its a priori principles, indeed of any of its concepts, except an empirical and never a transcendental use, is therefore a proposition that, if it can be cognized with conviction, promises important consequences.
B 298 The transcendental use of a concept in any principle consists in its being related to things in general and in themselves; its empirical use consists in its being related merely to appearances, objects of a possible experience. That only the latter use is possible anywhere can be seen as follows. Every concept requires, first, the logical form of a concept, of thinking, in general, and second, the possibility of giving it an object to which it relates. Without the latter it has no sense and is entirely empty of content, although it may still contain the logical function of making a concept out of whatever data may be available. Now an object can be given to a concept only in intuition. Even if a pure intuition is possible a priori before the object, this intuition itself can acquire its object, and hence objective validity, only through empirical intuition, of which it is the mere form. Thus all concepts, and with them all principles, however possible they may be a priori, nevertheless relate to empirical intuitions, data for possible experience. Without this they have no objective validity whatever, but are a mere play of imagination or of understanding with their respective representations. Take only the concepts of mathematics as an example, first in their pure intuitions.
B 299 Space has three dimensions; between two points there can be only one straight line, and so on. Although all these principles, and the representation of the object with which that science is concerned, are generated entirely a priori in the mind, they would still mean nothing whatever if we could not always exhibit their significance in appearances, empirical objects. Thus we also require that an abstract concept be made sensible, that is, that its corresponding object be exhibited in intuition. Without this the concept would remain, as we say, without sense, that is, without significance. Mathematics fulfills this demand by constructing the figure, which is an appearance present to the senses, though produced a priori. In the same science the concept of magnitude seeks its support and sense in number, and number in the fingers, the beads of the counting board, or the strokes and points placed before our eyes. The concept, together with the synthetic principles or formulas drawn from such concepts, always remains generated a priori. But their use and relation to supposed objects can ultimately be sought nowhere but in experience, whose possibility as to form they contain a priori.
B 300 That this is also the case with all categories and the principles spun from them is clear from the following: we cannot give a real definition of a single one of them, that is, make the possibility of its object intelligible, without immediately descending to conditions of sensibility, and hence to the form of appearances. Consequently they must be restricted to appearances as their only objects. For if this condition is removed, all significance, all relation to an object, disappears; and no example can make intelligible even to ourselves what sort of thing is actually meant by such concepts.
No one can explain the concept of magnitude in general except perhaps as that determination of a thing through which one can think how many times a unit is posited in it. But this “how many times” rests on successive repetition, and hence on time and the synthesis of the homogeneous in it. Reality can be explained in contrast to negation only if one thinks of a time (as the sum total of all being) that is either filled with something or empty. If I omit persistence, existence at all times, nothing remains to me for the concept of substance but the logical representation of a subject. I imagine I make this real by representing something that can occur only as subject, without being a predicate of anything.
B 301 Yet not only do I know no conditions under which this logical prerogative would belong to any thing; nothing further can be made of it, not the slightest consequence drawn, because no object of the use of this concept is thereby determined. Thus we do not know at all whether it means anything whatever. From the concept of cause, if I omit the time in which something follows something else according to a rule, I would find in the pure category nothing beyond its being something from which the existence of another can be inferred. Not only could cause and effect thereby not be distinguished at all, but since this ability to infer soon requires conditions of which I know nothing, the concept would contain no determination of how it fits any object. The supposed principle “Everything contingent has a cause” certainly presents itself with considerable gravity, as though it possessed its own dignity within itself. But if I ask what you understand by “contingent,” and you answer “That whose nonbeing is possible,” I would like to know how you intend to recognize this possibility of nonbeing unless you represent a succession in the series of appearances, and in it an existence following nonbeing, or the reverse, hence a change. For that the nonbeing of a thing does not contradict itself is a feeble appeal.
B 302 What it appeals to is a logical condition, necessary indeed for the concept, but far from sufficient for real possibility. I can in thought abolish every existing substance without contradicting myself, yet cannot infer from this its objective contingency in existence, the possibility of its nonbeing in itself. As for the concept of community, it is easy to judge that, since the pure categories of substance and causality admit no explanation determining the object, reciprocal causality in the relation of substances to one another (commercium) is equally incapable of it. No one has ever been able to explain possibility, existence, and necessity except through manifest tautology when trying to draw their definitions solely from pure understanding. For the deception of substituting the logical possibility of a concept, its not contradicting itself, for the transcendental possibility of things, an object’s corresponding to the concept, can mislead and satisfy only the inexperienced*.
* In a word, none of these concepts can be supported by anything, and their real possibility thereby demonstrated, if all sensible intuition, the only intuition we have, is removed. Only logical possibility then remains: that the concept, the thought, is possible. But this is not the question; the question is whether it relates to an object and thus means anything.
B 303 From this it follows incontestably that the pure concepts of the understanding can never have a transcendental but always only an empirical use, and that the principles of pure understanding can be related only to objects of the senses in reference to the universal conditions of a possible experience, never to things in general without regard to the way we may intuit them.
The transcendental analytic therefore has this important result: understanding can never accomplish more a priori than to anticipate the form of a possible experience in general. Since what is not appearance cannot be an object of experience, understanding can never overstep the limits of sensibility, within which alone objects are given to us. Its principles are merely principles for the exposition of appearances. The proud name of an ontology that presumes to supply synthetic a priori cognitions of things in general in a systematic doctrine, for example the principle of causality, must give way to the modest name of a mere analytic of pure understanding.
B 304 Thinking is the act of relating a given intuition to an object. If the kind of intuition is in no way given, the object is merely transcendental, and the concept of the understanding has no other than a transcendental use: the unity of thinking a manifold in general. Through a pure category, then, in which abstraction is made from every condition of sensible intuition as the only intuition possible for us, no object is determined. Only the thinking of an object in general is expressed in various modi. Now the use of a concept also requires a function of the power of judgment by which an object is subsumed under it, and hence at least the formal condition under which something can be given in intuition. If this condition of the power of judgment, the schema, is lacking, all subsumption falls away, since nothing is given that could be subsumed under the concept. The merely transcendental use of the categories is therefore in fact no use at all, and has no determinate object, nor even one determinable in form. It follows that the pure category is also insufficient for any synthetic a priori principle, and that the principles of pure understanding have only empirical, never transcendental use.
B 305 Beyond the field of possible experience there can be no synthetic a priori principles whatever.
It may therefore be advisable to express the matter thus: the pure categories, without the formal conditions of sensibility, have merely transcendental significance but no transcendental use, because such use is itself impossible. They lack all the conditions for any use in judgments, namely the formal conditions for subsuming any supposed object under these concepts. Since, then, as merely pure categories they are not to have empirical use, and cannot have transcendental use, they have no use at all when separated from all sensibility. That is, they cannot be applied to any supposed object. Rather, they are merely the pure form of the use of understanding concerning objects in general and of thinking, without our being able through them alone to think or determine any object.
Yet a deception that is difficult to avoid underlies this. In their origin the categories are not grounded on sensibility, as are the forms of intuition, space and time; they therefore seem to permit an application extending beyond all objects of the senses. But they in turn are nothing but forms of thought, containing merely the logical capacity to unite a priori in one consciousness the manifold given in intuition.
B 306 Thus if one removes from them the only intuition possible for us, they can have even less significance than those pure sensible forms through which at least an object is given. By contrast, a way of combining the manifold peculiar to our understanding means nothing whatever unless the intuition in which alone this manifold can be given is added.—Nevertheless, it is already implicit in our concept, when we call certain objects, as appearances, beings of sense (phenomena), distinguishing our way of intuiting them from their character in themselves, that we set over against them, as it were, either these same objects in their character in themselves, though we do not intuit them in that character, or other possible things that are not objects of our senses at all. We regard these as objects thought merely through understanding and call them beings of understanding (noumena). The question now is whether our pure concepts of the understanding have significance with respect to these latter objects and could be a way of cognizing them.
But an ambiguity appears here at once that can occasion great misunderstanding. When understanding calls an object in one relation merely a phenomenon, it simultaneously forms, outside this relation, a representation of an object in itself.
B 307 It therefore imagines that it can also form concepts of such an object, and that, since understanding supplies none but the categories, the object in the latter sense must at least be capable of being thought through these pure concepts of the understanding. This leads it to take the entirely undetermined concept of a being of understanding, as something in general outside our sensibility, for a determinate concept of a being that we can in some way cognize through understanding.
If by noumenon we understand a thing insofar as it is not an object of our sensible intuition, abstracting from our way of intuiting it, this is a noumenon in the negative sense. But if we understand by it an object of a nonsensible intuition, we assume a special kind of intuition, intellectual intuition, which is not ours and whose possibility we cannot even understand. This would be the noumenon in the positive sense.
The doctrine of sensibility is therefore also the doctrine of noumena in the negative sense: of things that understanding must think without this relation to our way of intuiting, and hence not merely as appearances but as things in themselves. Yet in thus separating them understanding also comprehends that it can make no use of its categories in considering them this way.
B 308 The reason is that the categories have significance only in relation to the unity of intuitions in space and time. They can determine precisely this unity a priori through universal concepts of combination only because of the mere ideality of space and time. Where this temporal unity cannot be found, and hence in the case of the noumenon, all use, indeed all significance, of the categories entirely ceases. For even the possibility of things that are supposed to correspond to the categories cannot be understood at all. Here I need only appeal to what I stated at the very beginning of the general remark on the preceding chapter. Now the possibility of a thing can never be proved merely from the noncontradiction of its concept, but only by supporting the concept with a corresponding intuition. If, therefore, we wished to apply the categories to objects not regarded as appearances, we would have to base them on an intuition other than sensible intuition, and the object would then be a noumenon in the positive sense. Since such intuition, intellectual intuition, lies absolutely outside our faculty of cognition, the use of the categories can in no way extend beyond the boundary of objects of experience.
B 309 Beings of understanding do indeed correspond to beings of sense, and there may also be beings of understanding to which our sensible faculty of intuition has no relation at all. But our concepts of the understanding, as mere forms of thought for our sensible intuition, do not reach these in the least. What we call noumenon must therefore, as such, be understood only in the negative sense.
If I remove all thinking through categories from an empirical cognition, no cognition of any object remains. For through mere intuition nothing is thought, and that this affection of sensibility is in me constitutes no relation of such a representation to any object. If, on the other hand, I omit all intuition, the form of thinking still remains: the manner of determining an object for the manifold of a possible intuition. To this extent the categories therefore extend further than sensible intuition, because they think objects in general without yet attending to the particular manner (of sensibility) in which these may be given. But they do not thereby determine a larger sphere of objects, because we cannot assume that such objects can be given without presupposing as possible a kind of intuition other than sensible intuition, which we are in no way entitled to do.
B 310 I call a concept problematic when it contains no contradiction and is also connected with other cognitions as a delimitation of given concepts, but its objective reality cannot be cognized in any way. The concept of a noumenon, of a thing that is to be thought not at all as an object of the senses but as a thing in itself, solely through a pure understanding, is not contradictory at all. For one cannot assert of sensibility that it is the only possible kind of intuition. Further, this concept is necessary to prevent sensible intuition from being extended to things in themselves, and thus to restrict the objective validity of sensible cognition. For the remaining things, to which sensible cognition does not reach, are called noumena precisely to indicate that these cognitions cannot extend their territory over everything understanding thinks. In the end, however, the possibility of such noumena cannot be understood at all, and the region outside the sphere of appearances is empty for us. That is, we have an understanding that problematically extends further than appearances, but no intuition, not even the concept of a possible intuition, through which objects could be given to us outside the field of sensibility and understanding could be used assertorically beyond it.
B 311 The concept of a noumenon is therefore merely a boundary concept, intended to restrict the pretensions of sensibility, and hence of merely negative use. Yet it is not arbitrarily invented, but is connected with the limitation of sensibility, without being able to posit anything positive outside its domain.
The division of objects into phaenomena and noumena, and of the world into a world of sense and a world of understanding, can therefore in no way be admitted in a positive sense, although concepts certainly admit division into sensible and intellectual. For no object can be determined for the latter, and they therefore cannot be proclaimed objectively valid. If we depart from the senses, how shall we make it comprehensible that our categories, which would be the only concepts remaining for noumena, still mean anything at all? For their relation to any object requires that something more than mere unity of thinking be given: a possible intuition to which they can be applied. Nevertheless, taken merely problematically, the concept of a noumenon remains not only admissible but also unavoidable as a concept setting limits to sensibility. But it is then no special intelligible object for our understanding. Rather, an understanding to which it would belong is itself a problem.
B 312 The problem is that of cognizing its object not discursively through categories but intuitively in a nonsensible intuition, of whose possibility we cannot form the slightest representation. In this way our understanding receives a negative extension, that is, it is not limited by sensibility, but rather limits sensibility by calling things in themselves, not regarded as appearances, noumena. Yet it immediately sets boundaries to itself as well, by cognizing them through no categories and hence thinking them only under the name of an unknown something.
In the writings of recent thinkers, however, I find an entirely different use of the expressions mundi sensibilis and intelligibilis*, one departing completely from the sense of the ancients. It presents no difficulty, certainly, but also amounts to nothing but empty wordmongering. In this usage some have chosen to call the sum total of appearances, insofar as it is intuited, the world of sense, but insofar as its connection is thought according to universal laws of understanding, the world of understanding.
B 313 Theoretical astronomy, presenting mere observation of the starry heavens, would represent the former; contemplative astronomy (explained perhaps according to the Copernican system of the world, or even according to Newton’s laws of gravitation) would represent the latter, namely an intelligible world. But such twisting of words is a merely sophistical evasion of a troublesome question, by lowering its meaning to one’s convenience. Understanding and reason can certainly be used with respect to appearances. But the question is whether they still have any use when the object is not appearance, a noumenon. It is taken in this sense when thought in itself as merely intelligible, given solely to understanding and not at all to the senses. Thus the question is whether, beyond that empirical use of understanding, even in the Newtonian representation of the universe, a transcendental use is also possible that relates to the noumenon as an object. We have answered this question negatively.
* One must not replace this expression with “intellectual world,” as is commonly done in German exposition. For only cognitions are intellectual or sensitive. What can be an object only of one or the other kind of intuition, and hence the objects, must be called intelligible or sensible, despite the awkward sound.
Thus when we say that the senses represent objects to us as they appear, but understanding as they are, the latter must be taken not in a transcendental but merely in an empirical sense: as objects of experience must be represented in the thoroughgoing connection of appearances.
B 314 They are not to be represented as what they may be apart from relation to possible experience, and hence to senses in general, as objects of pure understanding. For this will always remain unknown to us, so much so that even whether such transcendental, extraordinary cognition is possible at all remains unknown, at least as a cognition falling under our ordinary categories. In us, understanding and sensibility can determine objects only in combination. If we separate them, we have intuitions without concepts or concepts without intuitions, but in both cases representations that we can relate to no determinate object.
If anyone still hesitates, after all these discussions, to renounce the merely transcendental use of the categories, let him try them in some synthetic assertion. An analytic assertion takes understanding no further. Since understanding is then concerned only with what is already thought in the concept, it leaves undecided whether the concept in itself relates to objects or merely signifies the unity of thinking in general, which abstracts entirely from the manner in which an object may be given. It is enough for understanding to know what lies in its concept; what the concept itself may relate to is indifferent to it.
B 315 Let him therefore try some synthetic and supposedly transcendental principle, such as: everything that is exists as substance or as a determination attaching to it; everything contingent exists as an effect of another thing, its cause; and so on. Now I ask: where will he obtain these synthetic propositions, since the concepts are supposed to hold not in relation to possible experience but of things in themselves, noumena? Where is the third thing always required for a synthetic proposition, in which to connect concepts that have no logical, analytic kinship at all? He will never prove his proposition; indeed, more than that, he will not even be able to justify the possibility of such a pure assertion without referring to the empirical use of understanding, thereby completely renouncing a pure judgment free from the senses. Thus the concept of pure, merely intelligible objects is entirely devoid of all principles for its application, because no way can be devised in which they should be given. The problematic thought that nevertheless leaves a place open for them serves only, like an empty space, to restrict empirical principles, without containing or exhibiting any other object of cognition outside their sphere.
B 316 Appendix On the Amphiboly of Concepts of Reflection Through the Confusion of the Empirical Use of Understanding with Its Transcendental Use
Reflection (reflexio) is not concerned with objects themselves in order to obtain concepts directly from them. It is rather the state of mind in which we first prepare to discover the subjective conditions under which we can arrive at concepts. It is the consciousness of the relation of given representations to our various sources of cognition, through which alone their relation to one another can be correctly determined. The first question before any further treatment of our representations is: in which faculty of cognition do they belong together? Is it in understanding or in the senses that they are connected or compared? Many a judgment is accepted from habit or linked through inclination; but because no reflection precedes it, or at least follows it critically, it passes for a judgment originating in understanding. Not all judgments require investigation, that is, attention to the grounds of truth.
B 317 For if they are immediately certain—for example, between two points there can be only one straight line—no closer mark of their truth can be indicated than what they themselves express. But all judgments, indeed all comparisons, require reflection, that is, a distinction of the cognitive power to which the given concepts belong. The act by which I hold the comparison of representations in general together with the cognitive power in which it is carried out, and by which I distinguish whether they are compared with one another as belonging to pure understanding or to sensible intuition, I call transcendental reflection. The relations in which concepts can belong to one another in a state of mind are those of identity and difference, agreement and opposition, the inner and the outer, and finally the determinable and determination, matter and form. The correct determination of these relations depends on the cognitive power in which the concepts subjectively belong together, whether in sensibility or in understanding. For the difference between these faculties makes a great difference to how the concepts should be thought.
Before all objective judgments we compare concepts for identity (many representations under one concept), in order to form universal judgments; or for their difference, in order to produce particular judgments.
B 318 We compare them likewise for agreement, from which affirmative judgments can arise, and for opposition, from which negative judgments can arise, and so on. For this reason it seems that we should call the concepts listed above concepts of comparison (conceptus comparationis). But when the question concerns not the logical form but the content of concepts—whether the things themselves are identical or different, in agreement or opposed, and so on—things can have a twofold relation to our cognitive power, to sensibility and to understanding. How they are to belong to one another depends on the place in which they belong. Thus transcendental reflection, the relation of given representations to one or the other kind of cognition, alone can determine their relation to one another. Whether things are identical or different, in agreement or opposed, and so on, cannot be settled immediately from the concepts themselves through mere comparison (comparatio), but only through distinguishing the kind of cognition to which they belong, by means of transcendental reflection (reflexio). We could therefore indeed say that logical reflection is mere comparison: in it we abstract entirely from the cognitive power to which the given representations belong, and thus treat them as homogeneous in respect of their seat in the mind.
B 319 Transcendental reflection, however, which concerns the objects themselves, contains the ground of the possibility of objectively comparing representations with one another. It is therefore very different from mere comparison, because the cognitive power to which they belong is not the same. This transcendental reflection is a duty no one can renounce who wishes to judge anything about things a priori. Let us now undertake it; it will shed no little light on the determination of the understanding’s proper business.
1 Identity and Difference. If an object is presented to us several times, but each time with exactly the same inner determinations (qualitas et quantitas), then, if regarded as an object of pure understanding, it is always the very same object: not many things but only one (numerica identitas). But if it is appearance, comparison of concepts is not at issue. However identical everything may be in this respect, the difference of the locations of this appearance at the same time is nevertheless sufficient ground for the numerical difference of the object of the senses itself. Thus with two drops of water we can abstract entirely from every inner difference of quality and quantity; their being intuited simultaneously in different places is enough to regard them as numerically different.
B 320 Leibniz took appearances as things in themselves, hence as intelligibilia, objects of pure understanding, although he called them phenomena because of the confused character of their representations. On that basis his principle of the indiscernible (principium identitatis indiscernibilium) certainly could not be disputed. But since they are objects of sensibility, and understanding has not a pure but merely an empirical use with respect to them, plurality and numerical difference are already supplied by space itself as the condition of outer appearances. For a part of space, although it may be completely similar and equal to another, is nevertheless outside it, and precisely thereby a part distinct from the first, added to it to constitute a greater space. This must therefore hold of everything simultaneously occupying the various positions of space, however similar and equal it may otherwise be.
2 Agreement and Opposition. If reality is represented only through pure understanding (realitas noumenon), no opposition can be thought between realities: no relation in which, combined in one subject, they cancel one another’s consequences, so that 3−3=0.
B 321 By contrast, the real in appearance (realitas phaenomenon) can certainly be in mutual opposition; united in the same subject, one reality can wholly or partly destroy the consequence of the other. Thus two moving forces in the same straight line may pull or push a point in opposite directions; or a pleasure may counterbalance pain.
3 The Inner and the Outer. In an object of pure understanding only what has no relation in its existence to anything different from it is inner. By contrast, the inner determinations of a substantia phaenomenon in space are nothing but relations, and the substance itself is entirely a sum total of mere relations. We know substance in space only through forces active there, either driving other substances into it, attraction, or preventing them from entering it, repulsion and impenetrability. We know no other properties constituting the concept of substance that appears in space and that we call matter. As an object of pure understanding, however, every substance must have inner determinations and forces directed toward inner reality. But what inner accidents can I think other than those offered by my inner sense: what is either itself thinking or analogous to it?
B 322 Hence Leibniz, because he represented all substances as noumena, made them—even the constituents of matter—simple subjects endowed with powers of representation, in a word, monads, after he had in thought removed from them everything signifying outer relation, and hence composition as well.
4 Matter and Form. These are two concepts underlying all other reflection, so inseparably are they combined with every use of understanding. The first signifies the determinable in general, the second its determination, both in the transcendental sense, abstracting from every difference in what is given and in how it is determined. Logicians formerly called the universal matter, and the specific difference form. In every judgment the given concepts may be called the logical matter for the judgment, and their relation through the copula the form of the judgment. In every being its constituents (essentialia) are the matter; the manner in which they are connected in a thing is the essential form. Likewise, with respect to things in general, unbounded reality was regarded as the matter of all possibility, and its limitation (negation) as the form through which one thing differs from another according to transcendental concepts.
B 323 Understanding, namely, first demands that something be given, at least in the concept, in order to determine it in a certain way. Hence in the concept of pure understanding matter precedes form. Leibniz therefore first assumed things, monads, and internally a power of representation in them, in order afterward to ground on this their outer relation and the community of their states, their representations. Thus space was possible only through the relation of substances, and time through the connection of their determinations with one another as grounds and consequences. This would indeed have to be so if pure understanding could relate immediately to objects and if space and time were determinations of things in themselves. But if they are merely sensible intuitions in which we determine all objects solely as appearances, the form of intuition, as a subjective constitution of sensibility, precedes all matter, sensations. Hence space and time precede all appearances and all data of experience, and indeed first make them possible. The intellectual philosopher could not tolerate form’s preceding things themselves and determining their possibility. This was an entirely justified criticism if he assumed that we intuit things as they are, albeit with confused representation.
B 324 But since sensible intuition is a quite special subjective condition underlying all perception a priori, and its form is original, form is given by itself alone. Far from matter, or the things themselves that appear, having to underlie it, as we would have to judge from mere concepts, their possibility rather presupposes a formal intuition, time and space, as given.
Remark on the Amphiboly of Concepts of Reflection
Allow me to call the position we assign a concept either in sensibility or in pure understanding its transcendental location. Judging the position belonging to every concept according to the difference in its use, and providing instructions according to rules for determining this location for all concepts, would thus be transcendental topics. Such a doctrine would thoroughly guard against the surreptitious claims of pure understanding and the deceptions arising from them, by always distinguishing the cognitive power to which concepts properly belong. Every concept, every heading under which many cognitions belong, can be called a logical location. On this rests Aristotle’s logical topics, which teachers of the schools and orators could employ.
B 325 By means of them they could look under certain headings of thought for what best suited the subject at hand, and then reason speciously or chatter at length about it with an illusion of thoroughness.
Transcendental topics, by contrast, contains no more than the four headings of all comparison and distinction listed above. They differ from categories because they present, not the object in terms of what constitutes its concept, magnitude or reality, but only the comparison of representations that precedes the concept of things, in all its variety. This comparison, however, first requires reflection, that is, determining the location to which the representations of the things being compared belong, whether pure understanding thinks them or sensibility gives them in appearance.
Concepts can be compared logically without concern for where their objects belong, whether as noumena for understanding or as phenomena for sensibility. But if we wish to proceed with these concepts to objects, transcendental reflection is first necessary to determine for which cognitive power they are to be objects, whether for pure understanding or for sensibility. Without this reflection I make a very uncertain use of these concepts.
B 326 Supposed synthetic principles arise that critical reason cannot recognize, grounded solely on a transcendental amphiboly, that is, a confusion of the pure object of understanding with appearance.
Lacking such transcendental topics, and hence misled by the amphiboly of concepts of reflection, the celebrated Leibniz erected an intellectual system of the world—or rather believed he cognized the inner constitution of things by comparing all objects solely with understanding and the abstract formal concepts of its thinking. Our table of concepts of reflection affords us the unexpected advantage of setting before our eyes the distinctive features of his doctrine in all its parts, together with the guiding ground of this peculiar cast of mind, which rested on nothing but a misunderstanding. He compared all things with one another merely through concepts and naturally found no differences other than those through which understanding distinguishes its pure concepts from one another. He did not regard the conditions of sensible intuition, which carry their own differences with them, as original. For to him sensibility was only a confused way of representing, not a special source of representations. Appearance was for him the representation of the thing in itself, though distinguished in logical form from cognition through understanding.
B 327 For appearance, owing to its usual lack of analysis, draws a certain mixture of accompanying representations into the concept of the thing, which understanding knows how to separate from it. In a word, Leibniz intellectualized appearances, just as Locke, in a system of noogony, if I may use these expressions, had sensualized all concepts of the understanding, proclaiming them nothing but empirical or abstract concepts of reflection. Instead of seeking in understanding and sensibility two entirely different sources of representations that could judge things with objective validity only in connection, each of these great men held to only one of the two, which in his opinion related immediately to things in themselves, while the other did nothing but confuse or order the representations of the first.
Leibniz accordingly compared objects of the senses with one another as things in general merely in understanding. First, insofar as understanding is to judge them identical or different. Since he thus had in view only their concepts, not their position in the intuition in which alone objects can be given, and entirely disregarded the transcendental location of these concepts—whether the object was to be counted among appearances or things in themselves—the outcome could only be this.
B 328 He extended his principle of the indiscernible, which holds merely of concepts of things in general, to objects of the senses (mundus phaenomenon), and believed he had thereby achieved no slight extension of the cognition of nature. Certainly, if I know a drop of water as a thing in itself in all its inner determinations, I cannot regard any one drop as different from another if its entire concept is identical with the other’s. But if it is appearance in space, it has its location not merely in understanding, under concepts, but in outer sensible intuition, in space. There, physical locations are entirely indifferent to the inner determinations of things: a location = b can receive a thing completely similar and equal to another in location = a just as well as if it differed from it internally to the greatest extent. The difference of locations by itself, without further conditions, makes the plurality and distinction of objects as appearances not merely possible but necessary. Thus that apparent law is no law of nature. It is merely an analytic rule, or comparison of things through mere concepts.
Second, the principle that realities, as mere affirmations, never logically oppose one another is an entirely true proposition concerning the relation of concepts.
B 329 It means nothing whatever, however, with respect to nature, or indeed to any thing in itself, of which we have no concept. For real opposition occurs everywhere that A−B=0: where one reality, combined with another in a subject, cancels the other’s effect. All the obstacles and counteractions in nature constantly display this before our eyes; yet because they rest on forces, they must be called realitates phaenomena. General mechanics can even state the empirical condition of this opposition in an a priori rule by attending to the opposition of directions, a condition of which the transcendental concept of reality knows nothing. Although Herr von Leibniz did not announce this proposition with the pomp of a new principle, he nevertheless used it for new assertions, and his successors expressly incorporated it into their Leibnizian-Wolfian systems. According to this principle, for example, all evils are nothing but consequences of the limitations of creatures, that is, negations, because these are the only things opposed to reality. In the mere concept of a thing in general this is indeed so, but not in things as appearances. Likewise his followers find it not merely possible but natural to unite all reality in one being without any opposition to be feared.
B 330 For they know no opposition other than contradiction, through which the very concept of a thing is abolished. They do not know reciprocal impairment, where one real ground cancels the effect of another, and for which we find the conditions of representing it only in sensibility.
Third, Leibniz’s monadology has no other ground than that this philosopher represented the distinction between inner and outer merely in relation to understanding. Substances in general must have something inner, free from all outer relations and consequently from composition as well. The simple is therefore the foundation of the inner in things in themselves. But the inner aspect of their state cannot consist in location, shape, contact, or motion, all of which are determinations of outer relations. Hence we can ascribe to substances no inner state other than that through which we inwardly determine our own sense: the state of representations. Thus the monads were fashioned, which are to constitute the fundamental material of the entire universe, but whose active force consists solely in representations, through which they are properly active only within themselves.
B 331 For this very reason his principle of the possible community of substances with one another had to be a predetermined harmony, and could not be physical influence. Since everything is occupied only inwardly, with its own representations, the state of representations of one substance could stand in no effective combination whatever with that of another. Rather, some third cause influencing them all had to make their states correspond to one another: not indeed through occasional assistance specially applied in each individual case (systema assistentiae), but through the unity of the idea of a cause valid for all, in which they must all receive their existence and persistence, and hence also their mutual correspondence, according to universal laws.
Fourth, his celebrated doctrine of time and space, in which he intellectualized these forms of sensibility, sprang solely from the same deception of transcendental reflection. If I wish to represent outer relations of things through mere understanding, I can do so only by means of a concept of their reciprocal action; and if I am to connect one state of the same thing with another, this can occur only in the order of grounds and consequences. Thus Leibniz thought space as a certain order in the community of substances, and time as the dynamical succession of their states.
B 332 The distinctive character and independence from things that both seem to possess in themselves he ascribed to the confusion of these concepts. This confusion makes what is merely a form of dynamical relations seem a special, self-subsistent intuition preceding things themselves. Space and time were therefore the intelligible form of the connection of things, substances and their states, in themselves. The things, however, were intelligible substances (substantiae noumena). Nevertheless, he intended these concepts to hold for appearances, because he granted sensibility no kind of intuition of its own, but sought all representation of objects, even empirical representation, in understanding, leaving the senses only the contemptible business of confusing and distorting the representations of understanding.
But even if we could say something synthetically about things in themselves through pure understanding, which is nevertheless impossible, this could not at all be applied to appearances, which do not represent things in themselves. In this latter case, then, I must always compare my concepts in transcendental reflection only under the conditions of sensibility. Space and time will thus be determinations not of things in themselves but of appearances. What things may be in themselves I do not know, nor do I need to know.
B 333 For a thing can never come before me otherwise than in appearance.
I proceed in the same way with the other concepts of reflection. Matter is substantia phaenomenon. I seek what belongs to it inwardly in all parts of the space it occupies and in all the effects it produces, which of course can always be only appearances of outer senses. Thus I have nothing absolutely inner, but only something comparatively inner that itself consists in outer relations in turn. But what is absolutely inner in matter according to pure understanding is also a mere fancy. For matter is no object of pure understanding at all; the transcendental object that may be the ground of this appearance we call matter is a mere something, of which we would not even understand what it was if someone could tell us. For we can understand nothing but what brings with it in intuition something corresponding to our words. If the complaints “We have no insight into the inner nature of things” are to mean that we do not comprehend through pure understanding what the things appearing to us may be in themselves, they are entirely unjust and unreasonable. For they demand that we be able to cognize, hence intuit, things without senses, and consequently that we possess a faculty of cognition entirely different from the human one, not merely in degree but even in intuition and kind.
B 334 Thus we are to be not human beings but beings of whom we ourselves cannot say whether they are even possible, much less how they are constituted. Observation and analysis of appearances penetrate into the interior of nature, and we cannot know how far this may go in time. But those transcendental questions that go beyond nature we could still never answer, even if all nature were revealed to us, since we are not even given the ability to observe our own mind with any intuition other than that of our inner sense. For in the mind lies the secret of the origin of our sensibility. Its relation to an object, and the transcendental ground of this unity, undoubtedly lie too deeply hidden for us, who know even ourselves only through inner sense and hence as appearance, to use so unsuitable an instrument of inquiry to discover anything other than appearances again and again, though it is their nonsensible cause we would like to investigate.
What makes this critique of inferences from mere acts of reflection exceedingly useful is that it clearly demonstrates the nullity of all inferences concerning objects compared with one another solely in understanding.
B 335 At the same time it confirms what we have chiefly insisted on: although appearances are not included as things in themselves among the objects of pure understanding, they are nevertheless the only objects in which our cognition can have objective reality, namely where intuition corresponds to concepts.
When we reflect merely logically, we compare our concepts solely with one another in understanding: whether both contain the very same thing; whether or not they contradict one another; whether something is contained inwardly in the concept or is added to it; and which of the two is to count as given, which merely as a way of thinking the given one. But if I apply these concepts to an object in general in the transcendental sense, without determining further whether it is an object of sensible or intellectual intuition, restrictions immediately appear against going beyond this concept. These overturn all empirical use of the concepts and thereby prove that the representation of an object as a thing in general is not merely insufficient, but, without its sensible determination and independently of empirical conditions, internally conflicting. Thus one must either abstract from every object, as in logic, or, if one assumes an object, think it under conditions of sensible intuition.
B 336 Consequently the intelligible would require a quite special intuition that we do not have, and in its absence is nothing for us; conversely, appearances cannot be objects in themselves either. For if I think merely things in general, the difference of outer relations certainly cannot constitute a difference of the things themselves, but rather presupposes it. If the concept of one is not at all internally distinguished from that of another, I merely place one and the same thing in different relations. Further, by adding one mere affirmation, reality, to another, the positive is increased and nothing is taken away from or canceled in it. Hence the real in things in general cannot be opposed to itself, and so on.
* * *
As we have shown, through a certain misinterpretation the concepts of reflection exert such influence on the use of understanding that they were even able to lead one of the most penetrating of all philosophers into a supposed system of intellectual cognition that undertakes to determine its objects without the addition of the senses. For precisely this reason, uncovering the deceptive cause of the amphiboly of these concepts in occasioning false principles is of great use in reliably determining and securing the boundaries of understanding.
B 337 We must indeed say that what belongs to or contradicts a concept universally also belongs to or contradicts everything particular contained under that concept (dictum de Omni et Nullo). But it would be absurd to alter this logical principle to read: what is not contained in a universal concept is also not contained in the particular concepts standing under it. For these are particular concepts precisely because they contain more than is thought in the universal concept. Yet Leibniz’s entire intellectual system is in fact built on this latter principle. It therefore falls with it, together with all the ambiguity in the use of understanding arising from it.
The principle of the indiscernible was properly grounded on the presupposition that, if a certain distinction is not found in the concept of a thing in general, it is also not found in the things themselves. Consequently all things that do not already differ from one another in their concept, as to quality or quantity, are completely identical (numero eadem). But since the mere concept of any thing abstracts from many necessary conditions of an intuition, a peculiar haste leads to taking what has been abstracted from as something not to be found anywhere.
B 338 Nothing is allowed the thing but what is contained in its concept.
The concept of a cubic foot of space is in itself completely identical wherever and however often I may think it. Yet two cubic feet in space are distinguished merely by their locations (numero diversa). These are conditions of the intuition in which the object of this concept is given; they belong not to the concept, but nevertheless to sensibility as a whole. Likewise there is no opposition in the concept of a thing if nothing negative has been combined with something affirmative, and merely affirmative concepts in combination can produce no cancellation. But in the sensible intuition in which reality, for example motion, is given, conditions are found—opposite directions—from which the concept of motion in general had abstracted. These make possible an opposition that is certainly not logical: a zero = 0 resulting from nothing but positives. One could not say, then, that all reality is mutually in agreement merely because no opposition is found among its concepts*.
B 339 According to mere concepts, the inner is the substrate of all relations or outer determinations. If, therefore, I abstract from all conditions of intuition and hold solely to the concept of a thing in general, I can abstract from every outer relation, and a concept must nevertheless remain of what signifies no relation at all but merely inner determinations. It now seems to follow that in every thing, substance, there is something absolutely inner that precedes all outer determinations by first making them possible. This substrate would therefore be something containing no further outer relations, and consequently simple, since corporeal things are always only relations, at least of parts outside one another. And because we know no absolutely inner determinations except through our inner sense, this substrate would be not only simple but also, by analogy with our inner sense, determined through representations.
B 340 That is, all things would properly be monads, simple beings endowed with representations. All this would be correct if the conditions under which alone objects of outer intuition can be given to us did not involve more than the concept of a thing in general, from which the pure concept abstracts. For here it becomes clear that a persistent appearance in space, impenetrable extension, can contain nothing but relations and nothing absolutely inner, and nevertheless be the primary substrate of all outer perception. Through mere concepts I certainly cannot think anything outer without something inner, precisely because concepts of relation presuppose things given absolutely and are impossible without them. But intuition contains something not found at all in the mere concept of a thing in general, and supplies the substrate that could never be cognized through mere concepts: a space that, with everything it contains, consists solely of formal or also real relations. Thus I cannot say that, because no thing can be represented through mere concepts without something absolutely inner, there is also nothing outer in the things themselves contained under these concepts and in their intuition that does not rest on something absolutely inner.
B 341 For suppose we have abstracted from all conditions of intuition. Then nothing indeed remains for us in the mere concept but the inner in general and its mutual relation, through which alone the outer is possible. But this necessity, grounded solely on abstraction, does not apply to things insofar as they are given in intuition with determinations expressing mere relations without an inner foundation, because they are not things in themselves but merely appearances. Even what we know in matter is nothing but relations; what we call its inner determinations is only comparatively inner. Yet among these are self-subsistent and persistent relations through which a determinate object is given to us. That, if I abstract from these relations, I have nothing further to think does not abolish the concept of a thing as appearance, nor even that of an object in abstracto, but it does abolish every possibility of an object determinable through mere concepts, a noumenon. Certainly it is startling to hear that a thing is to consist entirely of relations. But such a thing is also mere appearance and cannot be thought through pure categories at all; it consists in the mere relation of something in general to the senses.
B 342 Likewise, if we begin with mere concepts, we can hardly think the relations of things in abstracto otherwise than as one’s being the cause of determinations in another, for this is our concept of the understanding of relations themselves. But since we then abstract from all intuition, an entire way in which the manifold can determine its members’ locations falls away: the form of sensibility, space, which nevertheless precedes all empirical causality.
* If one wished to use the usual evasion here, that at least realitates noumena cannot counteract one another, one would still have to give an example of such pure reality free from sense, so that we could understand whether it represents anything at all or nothing whatever. But no example can be taken from anywhere except experience, which never offers more than phenomena. Thus the proposition means nothing further than that a concept containing nothing but affirmations contains nothing negative: a proposition we have never doubted.
If by merely intelligible objects we understand things thought through pure categories without any schema of sensibility, such things are impossible. For the condition of the objective use of all our concepts of the understanding is solely our kind of sensible intuition, through which objects are given to us. If we abstract from this, those concepts have no relation to any object whatever. Indeed, even if we were to assume a kind of intuition other than our sensible one, our functions of thinking would still have no significance at all in relation to it. If we understand by intelligible objects only objects of a nonsensible intuition, to which our categories admittedly do not apply, and of which we can therefore never have any cognition, neither intuition nor concept, then noumena must certainly be admitted in this merely negative sense. They then say nothing more than that our kind of intuition relates not to all things but merely to objects of our senses.
B 343 Consequently its objective validity is bounded, leaving room for some other kind of intuition, and hence also for things as its objects. But the concept of a noumenon is then problematic, that is, the representation of a thing of which we can say neither that it is possible nor that it is impossible, since we know no kind of intuition except our sensible one and no kind of concepts except the categories, neither of which is suited to an extrasensible object. We therefore cannot positively extend the field of objects of our thinking beyond the conditions of our sensibility, and assume, besides appearances, objects of pure thinking, noumena, because they have no positive significance that can be specified. For we must admit of the categories that by themselves they are insufficient for cognition of things in themselves, and without the data of sensibility would be merely subjective forms of the unity of understanding, but without an object. Thinking is indeed not in itself a product of the senses and to that extent is not limited by them; but it does not thereby immediately have a use of its own, pure and without the contribution of sensibility, because it would then be without an object. Nor can the noumenon be called such an object.
B 344 For this signifies precisely the problematic concept of an object for an entirely different intuition and an entirely different understanding from ours, which is therefore itself a problem. Thus the concept of the noumenon is not the concept of an object, but the question unavoidably connected with the limitation of our sensibility: whether there may not be objects entirely detached from its intuition. This question can be answered only indeterminately: since sensible intuition does not relate to all things without distinction, room remains for more and different objects. These therefore cannot be denied outright, but, lacking a determinate concept, since no category is suited to them, neither can they be asserted as objects for our understanding.
Understanding accordingly bounds sensibility without thereby extending its own field. In warning sensibility not to presume to relate to things in themselves but solely to appearances, it thinks an object in itself, but only as a transcendental object that is the cause of appearance and hence not itself appearance. This cannot be thought as magnitude, reality, substance, and so on, because these concepts always require sensible forms in which they determine an object. It is therefore wholly unknown whether this object is to be found in us or outside us, whether it would be abolished together with sensibility or would remain if we removed sensibility.
B 345 If we wish to call this object noumenon because its representation is not sensible, we are free to do so. But since we can apply none of our concepts of the understanding to it, this representation still remains empty for us and serves only to mark the boundaries of our sensible cognition and leave a space that we can fill neither through possible experience nor through pure understanding.
The critique of this pure understanding therefore does not permit it to create a new field of objects beyond those that can encounter it as appearances, or to wander into intelligible worlds, not even into their concept. The error that leads to this in the most plausible way, and can indeed be excused though not justified, lies in making the use of understanding transcendental, contrary to its vocation, so that objects, possible intuitions, must conform to concepts, instead of concepts conforming to possible intuitions, on which alone their objective validity rests. The cause of this in turn is that apperception, and with it thinking, precedes every possible determinate arrangement of representations. Thus we think something in general, and determine it sensibly on one side.
B 346 Yet we distinguish the object represented universally and in abstracto from this way of intuiting it. There then remains for us a way of determining it merely through thinking, which is indeed a mere logical form without content, but nevertheless seems to us a way in which the object exists in itself (noumenon), without regard to intuition, which is limited to our senses.
* * *
Before leaving the transcendental analytic, we must add something that, although of no special importance in itself, may nevertheless seem necessary for the completeness of the system. The highest concept with which a transcendental philosophy is commonly begun is usually the division into the possible and the impossible. But since every division presupposes a concept being divided, a still higher one must be specified: the concept of an object in general, taken problematically, without deciding whether it is something or nothing. Since the categories are the only concepts relating to objects in general, distinguishing whether an object is something or nothing will proceed according to their order and guidance.
1 B 347 Opposed to the concepts of all, many, and one is the concept that cancels everything: none. Thus the object of a concept to which no specifiable intuition corresponds is = nothing, a concept without an object, as with noumena, which cannot be counted among possibilities, though they need not on that account be declared impossible either (ens rationis). The same holds, for example, of certain newly conceived fundamental powers, thought without contradiction but also without an example from experience, and therefore not to be counted among possibilities.
2 Reality is something; negation is nothing, namely a concept of the absence of an object, as with shadow or cold (nihil privativum).
3 The mere form of intuition without substance is in itself no object, but the merely formal condition of an object as appearance, as with pure space and pure time. These are indeed something as forms of intuiting, but are not themselves objects intuited (ens imaginarium).
4 B 348 The object of a concept that contradicts itself is nothing, because the concept is nothing: the impossible, such as a rectilinear figure with two sides (nihil negativum).
The table of this division of the concept of nothing—the parallel division of something follows of itself—would therefore have to be arranged as follows:
Nothing, as
1 Empty concept without an object, ens rationis.
2 Empty object of a concept, nihil privativum.
3 Empty intuition without an object, ens imaginarium.
4 Empty object without a concept, nihil negativum.
We see that a thought-entity, no. 1, is distinguished from a nonentity, no. 4, in that the former may not be counted among possibilities because it is mere invention, though not contradictory, whereas the latter is opposed to possibility because the concept even cancels itself. Both, however, are empty concepts.
B 349 By contrast, the nihil privativum, no. 2, and the ens imaginarium, no. 3, are empty data for concepts. If light had not been given to the senses, one could not represent darkness; and if extended beings had not been perceived, one could not represent space. Negation, as well as the mere form of intuition, is no object without something real.
Transcendental Dialectic
Der transzendentalen Logik Zweite Abteilung Die transzendentale Dialektik
Einleitung
I. Vom transzendentalen Schein
Wir haben oben die Dialektik überhaupt eine Logik des Scheins genannt. Das bedeutet nicht, sie sei eine Lehre der Wahrscheinlichkeit; denn diese ist Wahrheit, aber durch unzureichende Gründe erkannt, deren Erkenntnis also zwar mangelhaft, aber darum doch nicht trüglich ist, und mithin von dem analytischen Teile der Logik nicht getrennt werden muß. Noch weniger dürfen Erscheinung und Schein für einerlei
B 350 gehalten werden. Denn Wahrheit oder Schein sind nicht im Gegenstande, sofern er angeschaut wird, sondern im Urteile über denselben, sofern er gedacht wird. Man kann also zwar richtig sagen: daß die Sinne nicht irren, aber nicht darum, weil sie jederzeit richtig urteilen, sondern weil sie gar nicht urteilen. Daher sind Wahrheit sowohl als Irrtum, mithin auch der Schein, als die Verleitung zum letzteren, nur im Urteile, d.i. nur in dem Verhältnisse des Gegenstandes zu unserem Verstande anzutreffen. In einem Erkenntnis, das mit den Verstandesgesetzen durchgängig zusammenstimmt, ist kein Irrtum. In einer Vorstellung der Sinne ist (weil sie gar kein Urteil enthält) auch kein Irrtum. Keine Kraft der Natur kann aber von selbst von ihren eigenen Gesetzen abweichen. Daher würden weder der Verstand für sich allein (ohne Einfluß einer anderen Ursache), noch die Sinne für sich, irren; der erstere darum nicht, weil, wenn er bloß nach seinen Gesetzen handelt, die Wirkung (das Urteil) mit diesen Gesetzen notwendig übereinstimmen muß. In der Übereinstimmung mit den Gesetzen des Verstandes besteht aber das Formale aller Wahrheit. In den Sinnen ist gar kein Urteil, weder ein wahres, noch falsches. Weil wir nun außer diesen beiden Erkenntnisquellen keine anderen haben, so folgt: daß der Irrtum nur durch den unbemerkten Einfluß der Sinnlichkeit auf den Verstand bewirkt werde, wodurch es geschieht, daß die subjektiven Gründe des Urteils
B 351 mit den objektiven zusammenfließen, und diese von ihrer Bestimmung abweichend machen*, so wie ein bewegter Körper zwar für sich jederzeit die gerade Linie in derselben Richtung halten würde, die aber, wenn eine andere Kraft nach einer anderen Richtung zugleich auf ihn einfließt, in krummlinige Bewegung ausschlägt. Um die eigentümliche Handlung des Verstandes von der Kraft, die sich mit einmengt, zu unterscheiden, wird es daher nötig sein, das irrige Urteil als die Diagonale zwischen zwei Kräften anzusehen, die das Urteil nach zwei verschiedenen Richtungen bestimmen, die gleichsam einen Winkel einschließen, und jene zusammengesetzte Wirkung in die einfache des Verstandes und der Sinnlichkeit aufzulösen, welches in reinen Urteilen a priori durch transzendentale Überlegung geschehen muß, wodurch (wie schon angezeigt worden) jeder Vorstellung ihre Stelle in der ihr angemessenen Erkenntniskraft angewiesen, mithin auch der Einfluß der letzteren auf jene unterschieden wird.
* Die Sinnlichkeit, dem Verstande untergelegt, als das Objekt, worauf dieser seine Funktion anwendet, ist der Quell realer Erkenntnisse. Eben dieselbe aber, sofern sie auf die Verstandeshandlung selbst einfließt, und ihn zum Urteilen bestimmt, ist der Grund des Irrtums.
Unser Geschäft ist hier nicht, vom empirischen Scheine (z.B. dem optischen) zu handeln, der sich bei
B 352 dem empirischen Gebrauche sonst richtiger Verstandesregeln vorfindet, und durch welchen die Urteilskraft, durch den Einfluß der Einbildung verleitet wird, sondern wir haben es mit dem transzendentalen Scheine allein zu tun, der auf Grundsätze einfließt, deren Gebrauch nicht einmal auf Erfahrung angelegt ist, als in welchem Falle wir doch wenigstens einen Probierstein ihrer Richtigkeit haben würden, sondern der uns selbst, wider alle Warnungen der Kritik, gänzlich über den empirischen Gebrauch der Kategorien wegführt und uns mit dem Blendwerke einer Erweiterung des reinen Verstandes hinhält. Wir wollen die Grundsätze, deren Anwendung sich ganz und gar in den Schranken möglicher Erfahrung hält, immanente, diejenigen aber, welche diese Grenzen überfliegen sollen, transzendente Grundsätze nennen. Ich verstehe aber unter diesen nicht den transzendentalen Gebrauch oder Mißbrauch der Kategorien, welcher ein bloßer Fehler der nicht gehörig durch Kritik gezügelten Urteilskraft ist, die auf die Grenze des Bodens, worauf allein dem reinen Verstande sein Spiel erlaubt ist, nicht genug achthat; sondern wirkliche Grundsätze, die uns zumuten, alle jene Grenzpfähle niederzureißen und sich einen ganz neuen Boden, der überall keine Demarkation erkennt, anzumaßen. Daher sind transzendental und transzendent nicht einerlei. Die Grundsätze des reinen Verstandes, die wir oben vortrugen, sollen bloß von empirischem und nicht von
B 353 transzendentalem, d.i. über die Erfahrungsgrenze hinausreichendem Gebrauche sein. Ein Grundsatz aber, der diese Schranken wegnimmt, ja gar sie zu überschreiten gebietet, heißt transzendent. Kann unsere Kritik dahin gelangen, den Schein dieser angemaßten Grundsätze aufzudecken, so werden jene Grundsätze des bloß empirischen Gebrauchs, im Gegensatz mit den letzteren, immanente Grundsätze des reinen Verstandes genannt werden können.
Der logische Schein, der in der bloßen Nachahmung der Vernunftform besteht, (der Schein der Trugschlüsse,) entspringt lediglich aus einem Mangel der Achtsamkeit auf die logische Regel. Sobald daher diese auf den vorliegenden Fall geschärft wird, so verschwindet er gänzlich. Der transzendentale Schein dagegen hört gleichwohl nicht auf, ob man ihn schon aufgedeckt und seine Nichtigkeit durch die transzendentale Kritik deutlich eingesehen hat. (Z.B. der Schein in dem Satze: die Welt muß der Zeit nach einen Anfang haben.) Die Ursache hiervon ist diese, daß in unserer Vernunft (subjektiv als ein menschliches Erkenntnisvermögen betrachtet) Grundregeln und Maximen ihres Gebrauchs liegen, welche gänzlich das Ansehen objektiver Grundsätze haben, und wodurch es geschieht, daß die subjektive Notwendigkeit einer gewissen Verknüpfung unserer Begriffe, zugunsten des Verstandes, für eine objektive Notwendigkeit, der Bestimmung der Dinge an sich selbst, gehalten wird. Eine Illusion, die gar nicht zu vermeiden ist, so
B 354 wenig als wir es vermeiden können, daß uns das Meer in der Mitte nicht höher scheine, wie an dem Ufer, weil wir jene durch höhere Lichtstrahlen als diese sehen, oder, noch mehr, so wenig selbst der Astronom verhindern kann, daß ihm der Mond im Aufgange nicht größer scheine, ob er gleich durch diesen Schein nicht betrogen wird.
Die transzendentale Dialektik wird also sich damit begnügen, den Schein transzendenter Urteile aufzudecken, und zugleich zu verhüten, daß er nicht betrüge; daß er aber auch (wie der logische Schein) sogar verschwinde, und ein Schein zu sein aufhöre, das kann sie niemals bewerkstelligen. Denn wir haben es mit einer natürlichen und unvermeidlichen Illusion zu tun, die selbst auf subjektiven Grundsätzen beruht, und sie als objektive unterschiebt, anstatt daß die logische Dialektik in Auflösung der Trugschlüsse es nur mit einem Fehler, in Befolgung der Grundsätze, oder mit einem gekünstelten Scheine, in Nachahmung derselben, zu tun hat. Es gibt also eine natürliche und unvermeidliche Dialektik der reinen Vernunft, nicht eine, in die sich etwa ein Stümper, durch Mangel an Kenntnissen, selbst verwickelt, oder die irgendein Sophist, um vernünftige Leute zu verwirren, künstlich ersonnen hat, sondern die der menschlichen Vernunft unhintertreiblich anhängt, und selbst, nachdem wir ihr Blendwerk aufgedeckt haben, dennoch nicht aufhören wird, ihr vorzugaukeln und sie
B 355 unablässig in augenblickliche Verirrungen zu stoßen, die jederzeit gehoben zu werden bedürfen.
II. Von der reinen Vernunft als dem Sitze des transzendentalen Scheins
A. Von der Vernunft überhaupt
Alle unsere Erkenntnis hebt von den Sinnen an, geht von da zum Verstande, und endigt bei der Vernunft, über welche nichts Höheres in uns angetroffen wird, den Stoff der Anschauung zu bearbeiten und unter die höchste Einheit des Denkens zu bringen. Da ich jetzt von dieser obersten Erkenntniskraft eine Erklärung geben soll, so finde ich mich in einiger Verlegenheit. Es gibt von ihr, wie von dem Verstande, einen bloß formalen, d.i. logischen Gebrauch, da die Vernunft von allem Inhalte der Erkenntnis abstrahiert, aber auch einen realen, da sie selbst den Ursprung gewisser Begriffe und Grundsätze enthält, die sie weder von den Sinnen, noch vom Verstande entlehnt. Das erstere Vermögen ist nun freilich vorlängst von den Logikern durch das Vermögen mittelbar zu schließen (zum Unterschiede von den unmittelbaren Schlüssen, consequentiis immediatis,) erklärt worden; das zweite aber, welches selbst Begriffe erzeugt, wird dadurch noch nicht eingesehen. Da nun hier eine Einteilung der Vernunft in ein logisches und
B 356 transzendentales Vermögen vorkommt, so muß ein höherer Begriff von dieser Erkenntnisquelle gesucht werden, welcher beide Begriffe unter sich befaßt, indessen wir nach der Analogie mit den Verstandesbegriffen erwarten können, daß der logische Begriff zugleich den Schlüssel zum transzendentalen, und die Tafel der Funktionen der ersteren zugleich die Stammleiter der Vernunftbegriffe an die Hand geben werde.
Wir erklärten, im ersteren Teile unserer transzendentalen Logik, den Verstand durch das Vermögen der Regeln; hier unterscheiden wir die Vernunft von demselben dadurch, daß wir sie das Vermögen der Prinzipien nennen wollen.
Der Ausdruck eines Prinzips ist zweideutig, und bedeutet gemeiniglich nur ein Erkenntnis, das als Prinzip gebraucht werden kann, ob es zwar an sich selbst und seinem eigenen Ursprunge nach kein Prinzipium ist. Ein jeder allgemeiner Satz, er mag auch sogar aus Erfahrung (durch Induktion) hergenommen sein, kann zum Obersatz in einem Vernunftschlusse dienen; er ist darum aber nicht selbst ein Prinzipium. Die mathematischen Axiome (z.B. zwischen zwei Punkten kann nur eine gerade Linie sein,) sind sogar allgemeine Erkenntnisse a priori, und werden daher mit Recht, relativisch auf die Fälle, die unter ihnen subsumiert werden können, Prinzipien genannt. Aber ich kann darum doch nicht sagen, daß ich diese Eigenschaft der geraden Linien
B 357 überhaupt und an sich, aus Prinzipien erkenne, sondern nur in der reinen Anschauung.
Ich würde daher Erkenntnis aus Prinzipien diejenige nennen, da ich das Besondere im allgemeinen durch Begriffe erkenne. So ist denn ein jeder Vernunftschluß eine Form der Ableitung einer Erkenntnis aus einem Prinzip. Denn der Obersatz gibt jederzeit einen Begriff, der da macht, daß alles, was unter der Bedingung desselben subsumiert wird, aus ihm nach einem Prinzip erkannt wird. Da nun jede allgemeine Erkenntnis zum Obersatze in einem Vernunftschlusse dienen kann, und der Verstand dergleichen allgemeine Sätze a priori darbietet, so können diese denn auch, in Ansehung ihres möglichen Gebrauchs, Prinzipien genannt werden.
Betrachten wir aber diese Grundsätze des reinen Verstandes an sich selbst ihrem Ursprunge nach, so sind sie nichts weniger als Erkenntnisse aus Begriffen. Denn sie würden auch nicht einmal a priori möglich sein, wenn wir nicht die reine Anschauung, (in der Mathematik,) oder Bedingungen einer möglichen Erfahrung überhaupt herbeizögen. Daß alles, was geschieht, eine Ursache habe, kann gar nicht aus dem Begriffe dessen, was überhaupt geschieht, geschlossen werden; vielmehr zeigt der Grundsatz, wie man allererst von dem, was geschieht, einen bestimmten Erfahrungsbegriff bekommen könne.
Synthetische Erkenntnisse aus Begriffen kann der Verstand also gar nicht verschaffen, und diese sind es
B 358 eigentlich, welche ich schlechthin Prinzipien nenne; indessen, daß alle allgemeinen Sätze überhaupt komparative Prinzipien heißen können.
Es ist ein alter Wunsch, der, wer weiß wie spät, vielleicht einmal in Erfüllung gehen wird: daß man doch einmal, statt der endlosen Mannigfaltigkeit bürgerlicher Gesetze, ihre Prinzipien aufsuchen möge; denn darin kann allein das Geheimnis bestehen, die Gesetzgebung, wie man sagt, zu simplifizieren. Aber die Gesetze sind hier auch nur Einschränkungen unserer Freiheit auf Bedingungen, unter denen sie durchgängig mit sich selbst zusammenstimmt; mithin gehen sie auf etwas, was gänzlich unser eigen Werk ist, und wovon wir durch jene Begriffe selbst die Ursache sein können. Wie aber Gegenstände an sich selbst, wie die Natur der Dinge unter Prinzipien stehe und nach bloßen Begriffen bestimmt werden solle, ist, wo nicht etwas Unmögliches, wenigstens doch sehr Widersinnisches in seiner Forderung. Es mag aber hiermit bewandt sein, wie es wolle, (denn darüber haben wir die Untersuchung noch vor uns,) so erhellt wenigstens daraus: daß Erkenntnis aus Prinzipien (an sich selbst) ganz etwas anderes sei, als bloße Verstandeserkenntnis, die zwar auch anderen Erkenntnissen in der Form eines Prinzips vorgehen kann, an sich selbst aber (sofern sie synthetisch ist) nicht auf bloßem Denken beruht, noch ein Allgemeines nach Begriffen in sich enthält.
B 359 Der Verstand mag ein Vermögen der Einheit der Erscheinungen vermittelst der Regeln sein, so ist die Vernunft das Vermögen der Einheit der Verstandesregeln unter Prinzipien. So geht also niemals zunächst auf Erfahrung, oder auf irgendeinen Gegenstand, sondern auf den Verstand, um den mannigfaltigen Erkenntnissen desselben Einheit a priori durch Begriffe zu geben, welche Vernunfteinheit heißen mag, und von ganz anderer Art ist, als sie von dem Verstande geleistet werden kann.
Das ist der allgemeine Begriff von dem Vernunftvermögen, so weit er, bei gänzlichem Mangel an Beispielen (als die erst in der Folge gegeben werden sollen), hat begreiflich gemacht werden können.
B. Vom logischen Gebrauche der Vernunft
Man macht einen Unterschied zwischen dem, was unmittelbar erkannt, und dem, was nur geschlossen wird. Daß in einer Figur, die durch drei gerade Linien begrenzt ist, drei Winkel sind, wird unmittelbar erkannt; daß diese Winkel aber zusammen zwei rechten gleich sind, ist nur geschlossen. Weil wir des Schließens beständig bedürfen und es dadurch endlich ganz gewohnt werden, so bemerken wir zuletzt diesen Unterschied nicht mehr, und halten oft, wie bei dem sogenannten Betruge der Sinne, etwas für unmittelbar wahrgenommen, was wir doch nur geschlossen haben. Bei jedem Schlusse
B 360 ist ein Satz, der zum Grunde liegt, und ein anderer, nämlich die Folgerung, die aus jenem gezogen wird, und endlich die Schlußfolge (Konsequenz), nach welcher die Wahrheit des letzteren unausbleiblich mit der Wahrheit des ersteren verknüpft ist. Liegt das geschlossene Urteil schon so in dem ersten, daß es ohne Vermittlung einer dritten Vorstellung daraus abgeleitet werden kann, so heißt der Schluß unmittelbar (consequentia immediata); ich möchte ihn lieber den Verstandesschluß nennen. Ist aber, außer der zum Grunde gelegten Erkenntnis, noch ein anderes Urteil nötig, um die Folge zu bewirken, so heißt der Schluß ein Vernunftschluß. In dem Satze: alle Menschen sind sterblich, liegen schon die Sätze: einige Menschen sind sterblich, einige Sterbliche sind Menschen, nichts, was unsterblich ist, ist ein Mensch, und diese sind also unmittelbare Folgerungen aus dem ersteren. Dagegen liegt der Satz: alle Gelehrten sind sterblich, nicht in dem untergelegten Urteile (denn der Begriff der Gelehrten kommt in ihm gar nicht vor), und er kann nur vermittelst eines Zwischenurteils aus diesem gefolgert werden.
In jedem Vernunftsschlusse denke ich zuerst eine Regel (major) durch den Verstand. Zweitens subsumiere ich ein Erkenntnis unter die Bedingung der Regel (minor) vermittelst der Urteilskraft. Endlich bestimme ich mein Erkenntnis durch das Prädikat der Regel
B 361 (conclusio), mithin a priori durch die Vernunft. Das Verhältnis also, welches der Obersatz, als die Regel, zwischen einer Erkenntnis und ihrer Bedingung vorstellt, macht die verschiedenen Arten der Vernunftschlüsse aus. Sie sind also gerade dreifach, so wie alle Urteile überhaupt, sofern sie sich in der Art unterscheiden, wie sie das Verhältnis des Erkenntnisses im Verstande ausdrücken, nämlich: kategorische oder hypothetische oder disjunktive Vernunftschlüsse.
Wenn, wie mehrenteils geschieht, die Konklusion als ein Urteil aufgegeben worden, um zu sehen, ob es nicht aus schon gegebenen Urteilen, durch die nämlich ein ganz anderer Gegenstand gedacht wird, fließe: so suche ich im Verstande die Assertion dieses Schlußsatzes auf, ob sie sich nicht in demselben unter gewissen Bedingungen nach einer allgemeinen Regel vorfinde. Finde ich nun eine solche Bedingung und läßt sich das Objekt des Schlußsatzes unter der gegebenen Bedingung subsumieren, so ist dieser aus der Regel, die auch für andere Gegenstände der Erkenntnis gilt, gefolgert. Man sieht daraus: daß die Vernunft im Schließen die große Mannigfaltigkeit der Erkenntnis des Verstandes auf die kleinste Zahl der Prinzipien (allgemeiner Bedingungen) zu bringen und dadurch die höchste Einheit derselben zu bewirken suche.
B 362 C. Von dem reinen Gebrauche der Vernunft
Kann man die Vernunft isolieren, und ist sie alsdann noch ein eigener Quell von Begriffen und Urteilen, die lediglich aus ihr entspringen, und dadurch sie sich auf Gegenstände bezieht, oder ist sie ein bloß subalternes Vermögen, gegebenen Erkenntnissen eine gewisse Form zu geben, welche logisch heißt, und wodurch die Verstandeserkenntnisse nur einander und niedrige Regeln anderen höheren (deren Bedingung die Bedingung der ersteren in ihrer Sphäre befaßt) untergeordnet werden, so viel sich durch die Vergleichung derselben will bewerkstelligen lassen? Dies ist die Frage, mit der wir uns jetzt nur vorläufig beschäftigen. In der Tat ist Mannigfaltigkeit der Regeln und Einheit der Prinzipien eine Forderung der Vernunft, um den Verstand mit sich selbst in durchgängigen Zusammenhang zu bringen, so wie der Verstand das Mannigfaltige der Anschauung unter Begriffe und dadurch jene in Verknüpfung bringt. Aber ein solcher Grundsatz schreibt den Objekten kein Gesetz vor, und enthält nicht den Grund der Möglichkeit, sie als solche überhaupt zu erkennen und zu bestimmen, sondern ist bloß ein subjektives Gesetz der Haushaltung mit dem Vorrate unseres Verstandes, durch Vergleichung seiner Begriffe, den allgemeinen Gebrauch derselben auf die kleinstmögliche Zahl derselben zu bringen, ohne daß man deswegen von den Gegenständen selbst eine solche Einhelligkeit, die
B 363 der Gemächlichkeit und Ausbreitung unseres Verstandes Vorschub tue, zu fordern, und jener Maxime zugleich objektive Gültigkeit zu geben, berechtigt wäre. Mit einem Worte, die Frage ist: ob Vernunft an sich d.i. die reine Vernunft a priori synthetische Grundsätze und Regeln enthalte, und worin diese Prinzipien bestehen mögen?
Das formale und logische Verfahren derselben in Vernunftschlüssen gibt uns hierüber schon hinreichende Anleitung, auf welchem Grunde das transzendentale Prinzipium derselben in der synthetischen Erkenntnis durch reine Vernunft beruhen werde.
Erstlich geht der Vernunftschluß nicht auf Anschauungen, um dieselbe unter Regeln zu bringen (wie der Verstand mit seinen Kategorien), sondern auf Begriffe und Urteile. Wenn also reine Vernunft auch auf Gegenstände geht, so hat sie doch auf diese und deren Anschauung keine unmittelbare Beziehung, sondern nur auf den Verstand und dessen Urteile, welche sich zunächst an die Sinne und deren Anschauung wenden, um diesen ihren Gegenstand zu bestimmen. Vernunfteinheit ist also nicht Einheit einer möglichen Erfahrung, sondern von dieser, als der Verstandeseinheit, wesentlich unterschieden. Daß alles, was geschieht, eine Ursache habe, ist gar kein durch Vernunft erkannter und vorgeschriebener Grundsatz. Er macht die Einheit der Erfahrung möglich und entlehnt nichts von der Vernunft, welche,
B 364 ohne diese Beziehung auf mögliche Erfahrung, aus bloßen Begriffen keine solche synthetische Einheit hätte gebieten können.
Zweitens sucht die Vernunft in ihrem logischen Gebrauche die allgemeine Bedingung ihres Urteils (des Schlußsatzes), und der Vernunftschluß ist selbst nichts anderes als ein Urteil, vermittelst der Subsumtion seiner Bedingung unter eine allgemeine Regel (Obersatz). Da nun diese Regel wiederum eben demselben Versuche der Vernunft ausgesetzt ist, und dadurch die Bedingung der Bedingung (vermittelst eines Prosyllogismus) gesucht werden muß, so lange es angeht, so sieht man wohl, der eigentümliche Grundsatz der Vernunft überhaupt (im logischen Gebrauche) sei: zu dem bedingten Erkenntnisse des Verstandes das Unbedingte zu finden, womit die Einheit desselben vollendet wird.
Diese logische Maxime kann aber nicht anders ein Prinzipium der reinen Vernunft werden, als dadurch, daß man annimmt: wenn das Bedingte gegeben ist, so sei auch die ganze Reihe einander untergeordneter Bedingungen, die mithin selbst unbedingt ist, gegeben, (d.i. in dem Gegenstande und seiner Verknüpfung enthalten).
Ein solcher Grundsatz der reinen Vernunft ist aber offenbar synthetisch; denn das Bedingte bezieht sich analytisch zwar auf irgendeine Bedingung, aber nicht aufs Unbedingte. Es müssen aus demselben auch verschiedene synthetische Sätze entspringen, wovon der reine Verstand
B 365 nichts weiß, als der nur mit Gegenständen einer möglichen Erfahrung zu tun hat, deren Erkenntnis und Synthesis jederzeit bedingt ist. Das Unbedingte aber, wenn es wirklich statthat, kann besonders erwogen werden, nach allen den Bestimmungen, die es von jedem Bedingten unterscheiden, und muß dadurch Stoff zu manchen synthetischen Sätzen a priori geben.
Die aus diesem obersten Prinzip der reinen Vernunft entspringenden Grundsätze werden aber in Ansehung aller Erscheinungen transzendent sein, d.i. es wird kein ihm adäquater empirischer Gebrauch von demselben jemals gemacht werden können. Er wird sich also von allen Grundsätzen des Verstandes (deren Gebrauch völlig immanent ist, indem sie nur die Möglichkeit der Erfahrung zu ihrem Thema haben,) gänzlich unterscheiden. Ob nun jener Grundsatz: daß sich die Reihe der Bedingungen (in der Synthesis der Erscheinungen, oder auch des Denkens der Dinge überhaupt,) bis zum Unbedingten erstrecke, seine objektive Richtigkeit habe, oder nicht; welche Folgerungen daraus auf den empirischen Verstandesgebrauch fließen, oder ob es vielmehr überall keinen dergleichen objektivgültigen Vernunftsatz gebe, sondern eine bloß logische Vorschrift, sich im Aufsteigen zu immer höheren Bedingungen, der Vollständigkeit derselben zu nähern und dadurch die höchste uns mögliche Vernunfteinheit in unsere Erkenntnis zu bringen; ob, sage ich, dieses Bedürfnis der Vernunft durch einen Mißverstand
B 366 für einen transzendentalen Grundsatz der reinen Vernunft gehalten worden, der eine solche unbeschränkte Vollständigkeit übereilterweise von der Reihe der Bedingungen in den Gegenständen selbst postuliert; was aber auch in diesem Falle für Mißdeutungen und Verblendungen in die Vernunftschlüsse, deren Obersatz aus reiner Vernunft genommen worden, (und der vielleicht mehr Petition als Postulat ist,) und die von der Erfahrung aufwärts zu ihren Bedingungen steigen, einschleichen mögen: das wird unser Geschäft in der transzendentalen Dialektik sein, welche wir jetzt aus ihren Quellen, die tief in der menschlichen Vernunft verborgen sind, entwickeln wollen. Wir werden sie in zwei Hauptstücke teilen, deren ersteres von den transzendenten Begriffen der reinen Vernunft, das zweite von transzendenten und dialektischen Vernunftsschlüssen derselben handeln soll.
Der transzendentalen Dialektik Erstes Buch Von den Begriffen der reinen Vernunft
Was es auch mit der Möglichkeit der Begriffe aus reiner Vernunft für eine Bewandtnis haben mag: so sind sie doch nicht bloß reflektierte, sondern geschlossene Begriffe. Verstandesbegriffe werden auch a priori vor
B 367 der Erfahrung und zum Behuf derselben gedacht; aber sie enthalten nichts weiter, als die Einheit der Reflexion über die Erscheinungen, insofern sie notwendig zu einem möglichen empirischen Bewußtsein gehören sollen. Durch sie allein wird Erkenntnis und Bestimmung eines Gegenstandes möglich. Sie geben also zuerst Stoff zum Schließen, und vor ihnen gehen keine Begriffe a priori von Gegenständen vorher, aus denen sie könnten geschlossen werden. Dagegen gründet sich ihre objektive Realität doch lediglich darauf: daß, weil sie die intellektuelle Form aller Erfahrung ausmachen, ihre Anwendung jederzeit in der Erfahrung muß gezeigt werden können.
Die Benennung eines Vernunftbegriffs aber zeigt schon vorläufig: daß er sich nicht innerhalb der Erfahrung wolle beschränken lassen, weil er eine Erkenntnis betrifft, von der jede empirische nur ein Teil ist, (vielleicht das Ganze der möglichen Erfahrung oder ihrer empirischen Synthesis,) bis dahin zwar keine wirkliche Erfahrung jemals völlig zureicht, aber doch jederzeit dazu gehörig ist. Vernunftbegriffe dienen zum Begreifen, wie Verstandesbegriffe zum Verstehen (der Wahrnehmungen). Wenn sie das Unbedingte enthalten, so betreffen sie etwas, worunter alle Erfahrung gehört, welches selbst aber niemals ein Gegenstand der Erfahrung ist: etwas, worauf die Vernunft in ihren Schlüssen aus der Erfahrung führt, und wornach sie den Grad ihres empirischen Gebrauchs schätzt und abmißt, niemals aber
B 368 ein Glied der empirischen Synthesis ausmacht. Haben dergleichen Begriffe dessen ungeachtet, objektive Gültigkeit, so können sie conceptus ratiocinati (richtig geschlossene Begriffe) heißen; wo nicht, so sind sie wenigstens durch einen Schein des Schließens erschlichen, und mögen conceptus ratiocinantes (vernünftelnde Begriffe) genannt werden. Da dieses aber allererst in dem Hauptstücke von den dialektischen Schlüssen der reinen Vernunft ausgemacht werden kann, so können wir darauf noch nicht Rücksicht nehmen, sondern werden vorläufig, so wie wir die reinen Verstandesbegriffe Kategorien nannten, die Begriffe der reinen Vernunft mit einem neuen Namen belegen und sie transzendentale Ideen nennen, diese Benennung aber jetzt erläutern und rechtfertigen.
Des ersten Buchs der transzendentalen Dialektik Erster Abschnitt Von den Ideen überhaupt
Bei dem großen Reichtum unserer Sprachen findet sich doch oft der denkende Kopf wegen des Ausdrucks verlegen, der seinem Begriffe genau anpaßt, und in dessen Ermanglung er weder anderen, noch sogar sich selbst recht verständlich werden kann. Neue Wörter
B 369 zu schmieden, ist eine Anmaßung zum Gesetzgeben in Sprachen, die selten gelingt, und ehe man zu diesem verzweifelten Mittel schreitet, ist es ratsam, sich in einer toten und gelehrten Sprache umzusehen, ob sich daselbst nicht dieser Begriff samt seinem angemessenen Ausdrucke vorfinde, und wenn der alte Gebrauch desselben durch Unbehutsamkeit ihrer Urheber auch etwas schwankend geworden wäre, so ist es doch besser, die Bedeutung, die ihm vorzüglich eigen war, zu befestigen, (sollte es auch zweifelhaft bleiben, ob man damals genau ebendieselbe im Sinne gehabt habe,) als sein Geschäft nur dadurch zu verderben, daß man sich unverständlich machte.
Um deswillen, wenn sich etwa zu einem gewissen Begriffe nur ein einziges Wort vorfände, das in schon eingeführter Bedeutung diesem Begriffe genau anpaßt, dessen Unterscheidung von anderen verwandten Begriffen von großer Wichtigkeit ist, so ist es ratsam, damit nicht verschwenderisch umzugehen, oder es bloß zur Abwechslung, synonymisch, statt anderer zu gebrauchen, sondern ihm seine eigentümliche Bedeutung sorgfältig aufzubehalten; weil es sonst leichtlich geschieht, daß, nachdem der Ausdruck die Aufmerksamkeit nicht besonders beschäftigt, sondern sich unter dem Haufen anderer von sehr abweichender Bedeutung verliert, auch der Gedanke verloren gehe, den er allein hätte aufbehalten können.
B 370 Plato bediente sich des Ausdrucks Idee so, daß man wohl sieht, er habe darunter etwas verstanden, was nicht allein niemals von den Sinnen entlehnt wird, sondern welches sogar die Begriffe des Verstandes, mit denen sich Aristoteles beschäftigte, weit übersteigt, indem in der Erfahrung niemals etwas damit Kongruierendes angetroffen wird. Die Ideen sind bei ihm Urbilder der Dinge selbst, und nicht bloß Schlüssel zu möglichen Erfahrungen, wie die Kategorien. Nach seiner Meinung flossen sie aus der höchsten Vernunft aus, von da sie der menschlichen zuteil geworden, die sich aber jetzt nicht mehr in ihrem ursprünglichen Zustande befindet, sondern mit Mühe die alten, jetzt sehr verdunkelten, Ideen durch Erinnerung (die Philosophie heißt) zurückrufen muß. Ich will mich hier in keine literarische Untersuchung einlassen, um den Sinn auszumachen, den der erhabene Philosoph mit seinem Ausdrucke verband. Ich merke nur an, daß es gar nichts Ungewöhnliches sei, sowohl im gemeinen Gespräche, als in Schriften, durch die Vergleichung der Gedanken, welche ein Verfasser über seinen Gegenstand äußert, ihn sogar besser zu verstehen, als er sich selbst verstand, indem er seinen Begriff nicht genugsam bestimmte, und dadurch bisweilen seiner eigenen Absicht entgegen redete, oder auch dachte.
Plato bemerkte sehr wohl, daß unsere Erkenntniskraft ein weit höheres Bedürfnis fühle, als bloß Erscheinungen nach synthetischer Einheit buchstabieren, um sie
B 371 als Erfahrung lesen zu können, und daß unsere Vernunft natürlicherweise sich zu Erkenntnissen aufschwinge, die viel weiter gehen, als daß irgendein Gegenstand, den Erfahrung geben kann, jemals mit ihnen kongruieren könne, die aber nichtsdestoweniger ihre Realität haben und keineswegs bloße Hirngespinste sind.
Plato fand seine Ideen vorzüglich in allem was praktisch ist*, d.i. auf Freiheit beruht, welche ihrerseits unter Erkenntnissen steht, die ein eigentümliches Produkt der Vernunft sind. Wer die Begriffe der Tugend aus Erfahrung schöpfen wollte, wer das, was nur allenfalls als Beispiel zur unvollkommenen Erläuterung dienen kann, als Muster zum Erkenntnisquell machen wollte (wie wirklich viele getan haben), der würde aus der Tugend ein nach Zeit und Umständen wandelbares, zu keiner Regel brauchbares zweideutiges Unding machen. Dagegen wird ein jeder inne, daß, wenn ihm jemand
B 372 als Muster der Tugend vorgestellt wird, er doch immer das wahre Original bloß in seinem eigenen Kopfe habe, womit er dieses angebliche Muster vergleicht, und es bloß darnach schätzt. Dieses ist aber die Idee der Tugend, in Ansehung deren alle möglichen Gegenstände der Erfahrung zwar als Beispiele, (Beweise der Tunlichkeit desjenigen im gewissen Grade, was der Begriff der Vernunft heischt,) aber nicht als Urbilder Dienste tun. Daß niemals ein Mensch demjenigen adäquat handeln werde, was die reine Idee der Tugend enthält, beweist gar nicht etwas Chimärisches in diesem Gedanken. Denn es ist gleichwohl alles Urteil, über den moralischen Wert oder Unwert, nur vermittelst dieser Idee möglich; mithin liegt sie jeder Annäherung zur moralischen Vollkommenheit notwendig zum Grunde, soweit auch die ihrem Grade nach nicht zu bestimmenden Hindernisse in der menschlichen Natur uns davon entfernt halten mögen.
* Er dehnte seinen Begriff freilich auch auf spekulative Erkenntnisse aus, wenn sie nur rein und völlig a priori gegeben waren, sogar über die Mathematik, ob diese gleich ihren Gegenstand nirgend anders, als in der möglichen Erfahrung hat. Hierin kann ich ihm nun nicht folgen, so wenig als in der mystischen Deduktion dieser Ideen, oder den Übertreibungen, dadurch er sie gleichsam hypostasierte; wiewohl die hohe Sprache, deren er sich in diesem Felde bediente, einer milderen und der Natur der Dinge angemessenen Auslegung ganz wohl fähig ist.
Die platonische Republik ist, als ein vermeintlich auffallendes Beispiel von erträumter Vollkommenheit, die nur im Gehirn des müßigen Denkers ihren Sitz haben kann, zum Sprichwort geworden, und Brucker findet es lächerlich, daß der Philosoph behauptete, niemals würde ein Fürst wohl regieren, wenn er nicht der Ideen teilhaftig wäre. Allein man würde besser tun, diesem Gedanken mehr nachzugehen, und ihn (wo der vortreffliche Mann uns ohne Hilfe läßt) durch neue Bemühung in Licht zu stellen, als ihn, unter dem sehr elenden
B 373 und schädlichen Vorwande der Untunlichkeit, als unnütz beiseite zu setzen. Eine Verfassung von der größten menschlichen Freiheit nach Gesetzen, welche machen, daß jedes Freiheit mit der anderen ihrer zusammen bestehen kann, (nicht von der größten Glückseligkeit, denn diese wird schon von selbst folgen;) ist doch wenigstens eine notwendige Idee, die man nicht bloß im ersten Entwurfe einer Staatsverfassung, sondern auch bei allen Gesetzen zum Grunde legen muß, und wobei man anfänglich von den gegenwärtigen Hindernissen abstrahieren muß, die vielleicht nicht sowohl aus der menschlichen Natur unvermeidlich entspringen mögen, als vielmehr aus der Vernachlässigung der echten Ideen bei der Gesetzgebung. Denn nichts kann Schädlicheres und eines Philosophen Unwürdigeres gefunden werden, als die pöbelhafte Berufung auf vergeblich widerstreitende Erfahrung, die doch gar nicht existieren würde, wenn jene Anstalten zu rechter Zeit nach den Ideen getroffen würden, und an deren Statt nicht rohe Begriffe, eben darum, weil sie aus Erfahrung geschöpft worden, alle gute Absicht vereitelt hätten. Je übereinstimmender die Gesetzgebung und Regierung mit dieser Idee eingerichtet wären, desto seltener würden allerdings die Strafen werden, und da ist es denn ganz vernünftig, (wie Plato behauptet), daß bei einer vollkommenen Anordnung derselben gar keine dergleichen nötig sein würden. Ob nun gleich das letztere niemals zustande kommen mag, so ist die Idee doch
B 374 ganz richtig, welche dieses Maximum zum Urbilde aufstellt, um nach demselben die gesetzliche Verfassung der Menschen der möglich größten Vollkommenheit immer näher zu bringen. Denn welches der höchste Grad sein mag, bei welchem die Menschheit stehenbleiben müsse, und wie groß also die Kluft, die zwischen der Idee und ihrer Ausführung notwendig übrigbleibt, sein möge, das kann und soll niemand bestimmen, eben darum, weil es Freiheit ist, welche jede angegebene Grenze übersteigen kann.
Aber nicht bloß in demjenigen, wobei die menschliche Vernunft wahrhafte Kausalität zeigt, und wo Ideen wirkende Ursachen (der Handlungen und ihrer Gegenstände) werden, nämlich im Sittlichen, sondern auch in Ansehung der Natur selbst, sieht Plato mit Recht deutliche Beweise ihres Ursprungs aus Ideen. Ein Gewächs, ein Tier, die regelmäßige Anordnung des Weltbaues (vermutlich also auch die ganze Naturordnung) zeigen deutlich, daß sie nur nach Ideen möglich sind; daß zwar kein einzelnes Geschöpf, unter den einzelnen Bedingungen seines Daseins, mit der Idee des Vollkommensten seiner Art kongruiere (so wenig wie der Mensch mit der Idee der Menschheit, die er sogar selbst als das Urbild seiner Handlungen in seiner Seele trägt,) daß gleichwohl jene Ideen im höchsten Verstande einzeln, unveränderlich, durchgängig bestimmt, und die ursprünglichen Ursachen der Dinge sind, und nur das Ganze ihrer Verbindung im
B 375 Weltall einzig und allein jener Idee völlig adäquat sei. Wenn man das Übertriebene des Ausdrucks absondert, so ist der Geistesschwung des Philosophen, von der copeilichen Betrachtung des Physischen der Weltordnung zu der architektonischen Verknüpfung derselben nach Zwecken, d.i. nach Ideen, hinaufzusteigen, eine Bemühung, die Achtung und Nachfolge verdient, in Ansehung desjenigen aber, was die Prinzipien der Sittlichkeit, der Gesetzgebung und der Religion betrifft, wo die Ideen die Erfahrung selbst (des Guten) allererst möglich machen, obzwar niemals darin völlig ausgedrückt werden können, ein ganz eigentümliches Verdienst, welches man nur darum nicht erkennt, weil man es durch eben die empirischen Regeln beurteilt, deren Gültigkeit, als Prinzipien, eben durch sie hat aufgehoben werden sollen. Denn in Betracht der Natur gibt uns Erfahrung die Regel an die Hand und ist der Quell der Wahrheit; in Ansehung der sittlichen Gesetze aber ist Erfahrung (leider!) die Mutter des Scheins, und es ist höchst verwerflich, die Gesetze über das, was ich tun soll, von demjenigen herzunehmen, oder dadurch einschränken zu wollen, was getan wird.
Statt aller dieser Betrachtungen, deren gehörige Ausführung in der Tat die eigentümliche Würde der Philosophie ausmacht, beschäftigen wir uns jetzt mit einer nicht so glänzenden, aber doch auch nicht verdienstlosen Arbeit, nämlich: den Boden zu jenen majestätischen
B 376 sittlichen Gebäuden eben und baufest zu machen, in welchem sich allerlei Maulwurfsgänge einer vergeblich, aber mit guter Zuversicht, auf Schätze grabenden Vernunft vorfinden, und die jenes Bauwerk unsicher machen. Der transzendentale Gebrauch der reinen Vernunft, ihre Prinzipien und Ideen, sind es also, welche genau zu kennen uns jetzt obliegt, um den Einfluß der reinen Vernunft und den Wert derselben gehörig bestimmen und schätzen zu können. Doch, ehe ich diese vorläufige Einleitung beiseite lege, ersuche ich diejenige, denen Philosophie am Herzen liegt, (welches mehr gesagt ist, als man gemeiniglich antrifft,) wenn sie sich durch dieses und das Nachfolgende überzeugt finden sollten, den Ausdruck Idee seiner ursprünglichen Bedeutung nach in Schutz zu nehmen, damit er nicht fernerhin unter die übrigen Ausdrücke, womit gewöhnlich allerlei Vorstellungsarten in sorgloser Unordnung bezeichnet werden, gerate, und die Wissenschaft dabei einbüße. Fehlt es uns doch nicht an Benennungen, die jeder Vorstellungsart gehörig angemessen sind, ohne daß wir nötig haben, in das Eigentum einer anderen einzugreifen. Hier ist eine Stufenleiter derselben. Die Gattung ist Vorstellung überhaupt (repraesentatio). Unter ihr steht die Vorstellung mit Bewußtsein (perceptio). Eine Perception, die sich lediglich auf das Subjekt, als die Modifikation seines Zustandes bezieht, ist Empfindung (sensatio), eine objektive Perzeption ist Erkenntnis (cognitio). Diese ist
B 377 entweder Anschauung oder Begriff (intuitus vel conceptus). Jene bezieht sich unmittelbar auf den Gegenstand und ist einzeln; dieser mittelbar, vermittelst eines Merkmals, was mehreren Dingen gemein sein kann. Der Begriff ist entweder ein empirischer oder reiner Begriff, und der reine Begriff, sofern er lediglich im Verstande seinen Ursprung hat (nicht im reinen Bilde der Sinnlichkeit) heißt Notio. Ein Begriff aus Notionen, der die Möglichkeit der Erfahrung übersteigt, ist die Idee, oder der Vernunftbegriff. Dem, der sich einmal an diese Unterscheidung gewöhnt hat, muß es unerträglich fallen, die Vorstellung der roten Farbe Idee nennen zu hören. Sie ist nicht einmal Notion (Verstandesbegriff) zu nennen.
Des ersten Buchs der transzendentalen Dialektik Zweiter Abschnitt Von den transzendentalen Ideen
Die transzendentale Analytik gab uns ein Beispiel, wie die bloße logische Form unserer Erkenntnis den Ursprung von reinen Begriffen a priori enthalten könne, welche vor aller Erfahrung Gegenstände vorstellen, oder vielmehr die synthetische Einheit anzeigen, welche allein
B 378 eine empirische Erkenntnis von Gegenständen möglich macht. Die Form der Urteile (in einen Begriff von der Synthesis der Anschauungen verwandelt) brachte Kategorien hervor, welche allen Verstandesgebrauch in der Erfahrung leiten. Ebenso können wir erwarten, daß die Form der Vernunftschlüsse, wenn man sie auf die synthetische Einheit der Anschauungen, nach Maßgebung der Kategorien, anwendet, den Ursprung besonderer Begriffe a priori enthalten werde, welche wir reine Vernunftbegriffe, oder transzendentale Ideen nennen können, und die den Verstandesgebrauch im Ganzen der gesamten Erfahrung nach Prinzipien bestimmen werden.
Die Funktion der Vernunft bei ihren Schlüssen bestand in der Allgemeinheit der Erkenntnis nach Begriffen, und der Vernunftschluß selbst ist ein Urteil, welches a priori in dem ganzen Umfange seiner Bedingung bestimmt wird. Den Satz: Cajus ist sterblich, könnte ich auch bloß durch den Verstand aus der Erfahrung schöpfen. Allein ich suche einen Begriff, der die Bedingung enthält, unter welcher das Prädikat (Assertion überhaupt) dieses Urteils gegeben wird (d.i. hier, den Begriff des Menschen;) und nachdem ich unter diese Bedingung, in ihrem ganzen Umfange genommen, (alle Menschen sind sterblich) subsumiert habe; so bestimme ich darnach die Erkenntnis meines Gegenstandes (Cajus ist sterblich).
Demnach restringieren wir in der Conclusion eines Vernunftschlusses ein Prädikat auf einen gewissen
B 379 Gegenstand, nachdem wir es vorher in dem Obersatz in seinem ganzen Umfange unter einer gewissen Bedingung gedacht haben. Diese vollendete Größe des Umfanges, in Beziehung auf eine solche Bedingung, heißt die Allgemeinheit (Universalitas). Dieser entspricht in der Synthesis der Anschauungen die Allheit (Universitas) oder Totalität der Bedingungen. Also ist der transzendentale Vernunftbegriff kein anderer, als der von der Totalität der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten. Da nun das Unbedingte allein die Totalität der Bedingungen möglich macht, und umgekehrt die Totalität der Bedingungen jederzeit selbst unbedingt ist; so kann ein reiner Vernunftbegriff überhaupt durch den Begriff des Unbedingten, sofern er einen Grund der Synthesis des Bedingten enthält, erklärt werden.
Soviel Arten des Verhältnisses es nun gibt, die der Verstand vermittelst der Kategorien sich vorstellt, so vielerlei reine Vernunftbegriffe wird es auch geben, und es wird also erstlich ein Unbedingtes der kategorischen Synthesis in einem Subjekt, zweitens der hypothetischen Synthesis der Glieder einer Reihe, drittens der disjunktiven Synthesis der Teile in einem System zu suchen sein.
Es gibt nämlich ebensoviel Arten von Vernunftschlüssen, deren jede durch Prosyllogismen zum Unbedingten fortschreitet, die eine zum Subjekt, welches selbst nicht mehr Prädikat ist, die andere zur Voraussetzung,
B 380 die nichts weiter voraussetzt, und die dritte zu einem Aggregat der Glieder der Einteilung, zu welchen nichts weiter erforderlich ist, um die Einteilung eines Begriffs zu vollenden. Daher sind die reinen Vernunftbegriffe von der Totalität in der Synthesis der Bedingungen wenigstens als Aufgaben, um die Einheit des Verstandes, womöglich, bis zum Unbedingten fortzusetzen, notwendig und in der Natur der menschlichen Vernunft gegründet, es mag auch übrigens diesen transzendentalen Begriffen an einem ihnen angemessenen Gebrauch in concreto fehlen, und sie mithin keinen anderen Nutzen haben, als den Verstand in die Richtung zu bringen, darin sein Gebrauch, indem er aufs äußerste erweitert, zugleich mit sich selbst durchgehende einstimmig gemacht wird.
Indem wir aber hier von der Totalität der Bedingungen und dem Unbedingten, als dem gemeinschaftlichen Titel aller Vernunftbegriffe reden, so stoßen wir wiederum auf einen Ausdruck, den wir nicht entbehren und gleichwohl, nach einer ihm durch langen Mißbrauch anhängenden Zweideutigkeit, nicht sicher brauchen können. Das Wort absolut ist eines von den wenigen Wörtern, die in ihrer uranfänglichen Bedeutung einem Begriffe angemessen worden, welchem nach der Hand gar kein anderes Wort eben derselben Sprache genau anpaßt, und dessen Verlust, oder welches ebensoviel ist, sein schwankender Gebrauch daher auch den Verlust
B 381 des Begriffs selbst nach sich ziehen muß, und zwar eines Begriffs, der, weil er die Vernunft gar sehr beschäftigt, ohne großen Nachteil aller transzendentalen Beurteilungen nicht entbehrt werden kann. Das Wort absolut wird jetzt öfters gebraucht, um bloß anzuzeigen, daß etwas von einer Sache an sich selbst betrachtet und also innerlich gelte. In dieser Bedeutung würde absolutmöglich das bedeuten, was an sich selbst (interne) möglich ist, welches in der Tat das wenigste ist, was man von einem Gegenstande sagen kann. Dagegen wird es auch bisweilen gebraucht, um anzuzeigen, daß etwas in aller Beziehung (uneingeschränkt) gültig ist (z.B. die absolute Herrschaft,) und absolutmöglich würde in dieser Bedeutung dasjenige bedeuten, was in aller Absicht in aller Beziehung möglich ist, welches wiederum das meiste ist, was ich über die Möglichkeit eines Dinges sagen kann. Nun treffen zwar diese Bedeutungen manchmal zusammen. So ist z.E., was innerlich unmöglich ist, auch in aller Beziehung, mithin absolut unmöglich. Aber in den meisten Fällen sind sie unendlich weit auseinander, und ich kann auf keine Weise schließen, daß, weil etwas an sich selbst möglich ist, es darum auch in aller Beziehung, mithin absolut, möglich sei. Ja von der absoluten Notwendigkeit werde ich in der Folge zeigen, daß sie keineswegs in allen Fällen von der inneren abhänge, und also mit dieser nicht als gleichbedeutend angesehen werden müsse. Dessen Gegenteil
B 382 innerlich unmöglich ist, dessen Gegenteil ist freilich auch in aller Absicht unmöglich, mithin ist es selbst absolut notwendig; aber ich kann nicht umgekehrt schließen, was absolut notwendig ist, dessen Gegenteil sei innerlich unmöglich, d.i. die absolute Notwendigkeit der Dinge sei eine innere Notwendigkeit; denn diese innere Notwendigkeit ist in gewissen Fällen ein ganz leerer Ausdruck, mit welchem wir nicht den mindesten Begriff verbinden können; dagegen der von der Notwendigkeit eines Dinges in aller Beziehung (auf alles Mögliche) ganz besondere Bestimmungen bei sich führt. Weil nun der Verlust eines Begriffs von großer Anwendung in der spekulativen Weltweisheit dem Philosophen niemals gleichgültig sein kann, so hoffe ich, es werde ihm die Bestimmung und sorgfältige Aufbewahrung des Ausdrucks, an dem der Begriff hängt, auch nicht gleichgültig sein.
In dieser erweiterten Bedeutung werde ich mich dann des Wortes: absolut, bedienen und es dem bloß komparativ oder in besonderer Rücksicht Gültigen entgegensetzen; denn dieses letztere ist auf Bedingungen restringiert, jenes aber gilt ohne Restriktion.
Nun geht der transzendentale Vernunftbegriff jederzeit nur auf die absolute Totalität in der Synthesis der Bedingungen, und endigt niemals, als bei den schlechthin, d.i. in jeder Beziehung, Unbedingten. Denn die reine Vernunft überläßt alles dem Verstande, der
B 383 sich zunächst auf die Gegenstände der Anschauung oder vielmehr deren Synthesis in der Einbildungskraft bezieht. Jene behält sich allein die absolute Totalität im Gebrauche der Verstandesbegriffe vor, und sucht die synthetische Einheit, welche in der Kategorie gedacht wird, bis zum Schlechthinunbedingten hinauszuführen. Man kann daher diese die Vernunfteinheit der Erscheinungen, so wie jene, welche die Kategorie ausdrückt, Verstandeseinheit nennen. So bezieht sich demnach die Vernunft nur auf den Verstandesgebrauch, und zwar nicht sofern dieser den Grund möglicher Erfahrung enthält, (denn die absolute Totalität der Bedingungen ist kein in einer Erfahrung brauchbarer Begriff, weil keine Erfahrung unbedingt ist,) sondern um ihm die Richtung auf eine gewisse Einheit vorzuschreiben, von der der Verstand keinen Begriff hat, und die darauf hinausgeht, alle Verstandeshandlungen, in Ansehung eines jeden Gegenstandes, in ein absolutes Ganzes zusammenzufassen. Daher ist der objektive Gebrauch der reinen Vernunftbegriffe jederzeit transzendent, indessen daß der von den reinen Verstandesbegriffen, seiner Natur nach, jederzeit immanent sein muß, indem er sich bloß auf mögliche Erfahrung einschränkt.
Ich verstehe unter der Idee einen notwendigen Vernunftbegriff, dem kein kongruierender Gegenstand in den Sinnen gegeben werden kann. Also sind unsere jetzt erwogenen reinen Vernunftbegriffe transzendentale Ideen.
B 384 Sie sind Begriffe der reinen Vernunft; denn sie betrachten alles Erfahrungserkenntnis als bestimmt durch eine absolute Totalität der Bedingungen. Sie sind nicht willkürlich erdichtet, sondern durch die Natur der Vernunft selbst aufgegeben, und beziehen sich daher notwendigerweise auf den ganzen Verstandesgebrauch. Sie sind endlich transzendent und übersteigen die Grenze aller Erfahrung, in welcher also niemals ein Gegenstand vorkommen kann, der der transzendentalen Idee adäquat wäre. Wenn man eine Idee nennt, so sagt man dem Objekt nach (als von einem Gegenstande des reinen Verstandes) sehr viel, dem Subjekte nach aber (d.i. in Ansehung seiner Wirklichkeit unter empirischer Bedingung) eben darum sehr wenig, weil sie, als der Begriff eines Maximum, in concreto niemals kongruent kann gegeben werden. Weil nun das letztere im bloß spekulativen Gebrauch der Vernunft eigentlich die ganze Absicht ist, und die Annäherung zu einem Begriffe, der aber in der Ausübung doch niemals erreicht wird, ebensoviel ist, als ob der Begriff ganz und gar verfehlt würde, so heißt es von einem dergleichen Begriffe: er ist nur eine Idee. So würde man sagen können: das absolute Ganze aller Erscheinungen ist nur eine Idee, denn, da wir dergleichen niemals im Bilde entwerfen können, so bleibt es ein Problem ohne alle Auflösung. Dagegen, weil es im praktischen Gebrauch des Verstandes ganz allein um die Ausübung nach Regeln zu tun
B 385 ist, so kann die Idee der praktischen Vernunft jederzeit wirklich, obzwar nur zum Teil, in concreto gegeben werden, ja sie ist die unentbehrliche Bedingung jedes praktischen Gebrauchs der Vernunft. Ihre Ausübung ist jederzeit begrenzt und mangelhaft, aber unter nicht bestimmbaren Grenzen, also jederzeit unter dem Einflusse des Begriffs einer absoluten Vollständigkeit. Demnach ist die praktische Idee jederzeit höchst fruchtbar und in Ansehung der wirklichen Handlungen unumgänglich notwendig. In ihr hat die reine Vernunft sogar Kausalität, das wirklich hervorzubringen, was ihr Begriff enthält; daher kann man von der Weisheit nicht gleichsam geringschätzig sagen: sie ist nur eine Idee; sondern eben darum, weil sie die Idee von der notwendigen Einheit aller möglichen Zwecke ist, so muß sie allem Praktischen als ursprüngliche, zum wenigsten einschränkende, Bedingung zur Regel dienen.
Ob wir nun gleich von den transzendentalen Vernunftbegriffen sagen müssen: sie sind nur Ideen, so werden wir sie doch keineswegs für überflüssig und nichtig anzusehen haben. Denn, wenn schon dadurch kein Objekt bestimmt werden kann, so können sie doch im Grunde und unbemerkt dem Verstande zum Kanon seines ausgebreiteten und einhelligen Gebrauchs dienen, dadurch er zwar keinen Gegenstand mehr erkennt, als er nach seinen Begriffen erkennen würde, aber doch in dieser Erkenntnis besser und weiter geleitet wird. Zu
B 386 geschweigen, daß sie vielleicht von den Naturbegriffen zu den praktischen einen Übergang möglich machen, und den moralischen Ideen selbst auf solche Art Haltung und Zusammenhang mit den spekulativen Erkenntnissen der Vernunft verschaffen können. Über alles dieses muß man den Aufschluß in dem Verfolg erwarten.
Unserer Absicht gemäß setzen wir aber hier die praktischen Ideen beiseite, und betrachten daher die Vernunft nur im spekulativen, und in diesem noch enger, nämlich nur im transzendentalen Gebrauch. Hier müssen wir nun denselben Weg einschlagen, den wir oben bei der Deduktion der Kategorien nahmen; nämlich, die logische Form der Vernunfterkenntnis erwägen, und sehen, ob nicht etwa die Vernunft dadurch auch ein Quell von Begriffen werde, Objekte an sich selbst, als synthetisch a priori bestimmt, in Ansehung einer oder der anderen Funktion der Vernunft, anzusehen.
Vernunft, als Vermögen einer gewissen logischen Form der Erkenntnis betrachtet, ist das Vermögen zu schließen, d.i. mittelbar (durch die Subsumtion der Bedingung eines möglichen Urteils unter die Bedingung eines gegebenen) zu urteilen. Das gegebene Urteil ist die allgemeine Regel (Obersatz, Major). Die Subsumtion der Bedingung eines anderen möglichen Urteils unter die Bedingung der Regel ist der Untersatz (Minor). Das wirkliche Urteil, welches die Assertion der Regel in dem subsumierten Falle aussagt, ist der Schlußsatz
B 387 (Conclusio). Die Regel nämlich sagt etwas allgemein unter einer gewissen Bedingung. Nun findet in einem vorkommenden Falle die Bedingung der Regel statt. Also wird das, was unter jener Bedingung allgemein galt, auch in dem vorkommenden Falle (der diese Bedingung bei sich führt) als gültig angesehen. Man sieht leicht, daß die Vernunft durch Verstandeshandlungen, welche eine Reihe von Bedingungen ausmachen, zu einem Erkenntnisse gelange. Wenn ich zu dem Satze: alle Körper sind veränderlich, nur dadurch gelangen daß ich von dem entfernteren Erkenntnis (worin der Begriff des Körpers noch nicht vorkommt, der aber doch davon die Bedingung enthält,) anfange: alles Zusammengesetzte ist veränderlich; von diesem zu einem näheren gehe, der unter der Bedingung des ersteren steht: die Körper sind zusammengesetzt; und von diesem allererst zu einem dritten, der nunmehr das entfernte Erkenntnis (veränderlich) mit dem vorliegenden verknüpft: folglich sind die Körper veränderlich; so bin ich durch eine Reihe von Bedingungen (Prämissen) zu einer Erkenntnis (Conclusion) gelangt. Nun läßt sich eine jede Reihe, deren Exponent (des kategorischen oder hypothetischen Urteils) gegeben ist, fortsetzen; mithin führt ebendieselbe Vernunfthandlung zur ratiocinatio polysyllogistica, welches eine Reihe von Schlüssen ist, die entweder auf der Seite der Bedingungen (per prosyllogismos), oder
B 388 des Bedingten (per episyllogismos), in unbestimmte Weiten fortgesetzt werden kann.
Man wird aber bald inne, daß die Kette, oder Reihe der Prosyllogismen, d.i. der gefolgerten Erkenntnisse auf der Seite der Gründe, oder der Bedingungen zu einem gegebenen Erkenntnis, mit anderen Worten: die aufsteigende Reihe der Vernunftschlüsse, sich gegen das Vernunftvermögen doch anders verhalten müsse, als die absteigende Reihe, d.i. der Fortgang der Vernunft auf der Seite des Bedingten durch Episyllogismen. Denn, da im ersteren Falle das Erkenntnis (conclusio) nur als bedingt gegeben ist; so kann man zu demselben vermittelst der Vernunft nicht anders gelangen, als wenigstens unter der Voraussetzung, daß alle Glieder der Reihe auf der Seite der Bedingungen gegeben sind, (Totalität in der Reihe der Prämissen,) weil nur unter deren Voraussetzung das vorliegende Urteil a priori möglich ist; dagegen auf der Seite des Bedingten, oder der Folgerungen, nur eine werdende und nicht schon ganz vorausgesetzte oder gegebene Reihe, mithin nur ein potentialer Fortgang gedacht wird. Daher, wenn eine Erkenntnis als bedingt angesehen wird, so ist die Vernunft genötigt, die Reihe der Bedingungen in aufsteigender Linie als vollendet und ihrer Totalität nach gegeben anzusehen. Wenn aber eben dieselbe Erkenntnis zugleich als Bedingung anderer Erkenntnisse
B 389 angesehen wird, die untereinander eine Reihe von Folgerungen in absteigender Linie ausmachen, so kann die Vernunft ganz gleichgültig sein, wie weit dieser Fortgang sich a parte posteriori erstrecke, und ob gar überall Totalität dieser Reihe möglich sei; weil sie einer dergleichen Reihe zu der vor ihr liegenden Konklusion nicht bedarf, indem diese durch ihre Gründe a parte priori schon hinreichend bestimmt und gesichert ist. Es mag nun sein, daß auf der Seite der Bedingungen die Reihe der Prämissen ein Erstes habe, als oberste Bedingung, oder nicht, und also a parte priori ohne Grenzen; so muß sie doch Totalität der Bedingung enthalten, gesetzt, daß wir niemals dahin gelangen könnten, sie zu fassen, und die ganze Reihe muß unbedingt wahr sein, wenn das Bedingte, welches als eine daraus entspringende Folgerung angesehen wird, als wahr gelten soll. Dieses ist eine Forderung der Vernunft, die ihr Erkenntnis als a priori bestimmt und als notwendig ankündigt, entweder an sich selbst, und dann bedarf es keiner Gründe, oder, wenn es abgeleitet ist, als ein Glied einer Reihe von Gründen, die selbst unbedingterweise wahr ist.
B 390 Des ersten Buchs der transzendentalen Dialektik Dritter Abschnitt System der transzendentalen Ideen
Wir haben es hier nicht mit einer logischen Dialektik zu tun, welche von allem Inhalte der Erkenntnis abstrahiert, und lediglich den falschen Schein in der Form der Vernunftschlüsse aufdeckt, sondern mit einer transzendentalen, welche, völlig a priori, den Ursprung gewisser Erkenntnisse aus reiner Vernunft, und geschlossener Begriffe, deren Gegenstand empirisch gar nicht gegeben werden kann, die also gänzlich außer dem Vermögen des reinen Verstandes liegen, enthalten soll. Wir haben aus der natürlichen Beziehung, die der transzendentale Gebrauch unserer Erkenntnis, sowohl in Schlüssen als Urteilen, auf den logischen haben muß, abgenommen: daß es nur drei Arten von dialektischen Schlüssen geben werde, die sich auf die dreierlei Schlußarten beziehen, durch welche Vernunft aus Prinzipien zu Erkenntnissen gelangen kann, und daß in allem ihr Geschäft sei, von der bedingten Synthesis, an die der Verstand jederzeit gebunden bleibt, zur unbedingten aufzusteigen, die er niemals erreichen kann.
Nun ist das Allgemeine aller Beziehung, die unsere Vorstellungen haben können, 1. die Beziehung aufs
B 391 Subjekt, 2. die Beziehung auf Objekte, und zwar entweder als Erscheinungen, oder als Gegenstände des Denkens überhaupt. Wenn man diese Untereinteilung mit der oberen verbindet, so ist alles Verhältnis der Vorstellungen, davon wir uns entweder einen Begriff, oder Idee machen können, dreifach: 1. das Verhältnis zum Subjekt, 2. zum Mannigfaltigen des Objekts in der Erscheinung, 3. zu allen Dingen überhaupt.
Nun haben es alle reinen Begriffe überhaupt mit der synthetischen Einheit der Vorstellungen, Begriffe der reinen Vernunft (transszendentale Ideen) aber mit der unbedingten synthetischen Einheit aller Bedingungen überhaupt zu tun. Folglich werden alle transzendentalen Ideen sich unter drei Klassen bringen lassen, davon die erste die absolute (unbedingte) Einheit des denkenden Subjekts, die zweite die absolute Einheit der Reihe der Bedingungen der Erscheinung, die dritte die absolute Einheit der Bedingung aller Gegenstände des Denkens überhaupt enthält.
Das denkende Subjekt ist der Gegenstand der Psychologie, der Inbegriff aller Erscheinungen (die Welt) der Gegenstand der Kosmologie, und das Ding, welches die oberste Bedingung der Möglichkeit von allem, was gedacht werden kann, enthält, (das Wesen aller Wesen) der Gegenstand der Theologie. Also gibt die reine Vernunft die Idee zu einer transzendentalen Seelenlehre (psychologia rationalis), zu einer
B 392 transzendentalen Weltwissenschaft (cosmologia rationalis), endlich auch zu einer transzendentalen Gotteserkenntnis (Theologia transzendentalis) an die Hand. Der bloße Entwurf sogar zu einer sowohl als der anderen dieser Wissenschaften, schreibt sich gar nicht von dem Verstande her, selbst wenn er gleich mit dem höchsten logischen Gebrauche der Vernunft, d.i. allen erdenklichen Schlüssen, verbunden wäre, um von einem Gegenstande desselben (Erscheinung) zu allen anderen bis in die entlegensten Glieder der empirischen Synthesis fortzuschreiten, sondern ist lediglich ein reines und echtes Produkt, oder Problem der reinen Vernunft.
Was unter diesen drei Titeln aller transzendentalen Ideen für modi der reinen Vernunftbegriffe stehen, wird in dem folgenden Hauptstücke vollständig dargelegt werden. Sie laufen am Faden der Kategorien fort. Denn die reine Vernunft bezieht sich niemals geradezu auf Gegenstände, sondern auf die Verstandesbegriffe von denselben. Ebenso wird sich auch nur in der völligen Ausführung deutlich machen lassen, wie die Vernunft lediglich durch den synthetischen Gebrauch eben derselben Funktion, deren sie sich zum kategorischen Vernunftschlusse bedient, notwendigerweise auf den Begriff der absoluten Einheit des denkenden Subjekts kommen müsse, wie das logische Verfahren in hypothetischen Ideen die vom Schlechthinunbedingten in einer Reihe gegebener Bedingungen, endlich die bloße Form des
B 393 disjunktiven Vernunftschlusses den höchsten Vernunftbegriff von einem Wesen aller Wesen notwendigerweise nach sich ziehen müsse; ein Gedanke, der beim ersten Anblick äußerst paradox zu sein scheint.
Von diesen transzendentalen Ideen ist eigentlich keine objektive Deduktion möglich, so wie wir sie von den Kategorien liefern konnten. Denn in der Tat haben sie keine Beziehung auf irgendein Objekt, was ihnen kongruent gegeben werden könnte, eben darum, weil sie nur Ideen sind. Aber eine subjektive Anleitung derselben aus der Natur unserer Vernunft konnten wir unternehmen, und die ist im gegenwärtigen Hauptstücke auch geleistet worden.
Man sieht leicht, daß die reine Vernunft nichts anderes zur Absicht habe, als die absolute Totalität der Synthesis auf der Seite der Bedingungen, (es sei der Inhärenz, oder der Dependenz, oder der Konkurrenz,) und daß sie mit der absoluten Vollständigkeit von seiten des Bedingten nichts zu schaffen habe. Denn nur allein jener bedarf sie, um die ganze Reihe der Bedingungen vorauszusetzen, und sie dadurch dem Verstande a priori zu geben. Ist aber eine vollständig (und unbedingt) gegebene Bedingung einmal da, so bedarf es nicht mehr eines Vernunftbegriffs in Ansehung der Fortsetzung der Reihe; denn der Verstand tut jeden Schritt abwärts,
B 394 von der Bedingung zum Bedingten, von selber. Auf solche Weise dienen die transzendentalen Ideen nur zum Aufsteigen in der Reihe der Bedingungen, bis zum Unbedingten, d.i. zu den Prinzipien. In Ansehung des Hinabgehens zum Bedingten aber, gibt es zwar einen weit erstreckten logischen Gebrauch, den unsere Vernunft von den Verstandesgesetzen macht, aber gar keinen transzendentalen, und, wenn wir uns von der absoluten Totalität einer solchen Synthesis (des progressus) eine Idee machen, z.B. von der ganzen Reihe aller künftigen Weltveränderungen, so ist dieses ein Gedankending (ens rationis), welches nur willkürlich gedacht, und nicht durch die Vernunft notwendig vorausgesetzt wird. Denn zur Möglichkeit des Bedingten wird zwar die Totalität seiner Bedingungen, aber nicht seiner Folgen, vorausgesetzt. Folglich ist ein solcher Begriff keine transzendentale Idee, mit der wir es doch hier lediglich zu tun haben.
Zuletzt wird man auch gewahr, daß unter den transzendentalen Ideen selbst ein gewisser Zusammenhang und Einheit hervorleuchte, und daß die reine Vernunft, vermittelst ihrer, alle ihre Erkenntnisse in ein System bringe. Von der Erkenntnis seiner selbst (der Seele) zur Welterkenntnis, und, vermittelst dieser, zum Urwesen fortzugehen, ist ein so natürlicher Fortschritt, daß er dem logischen Fortgange der Vernunft von den
B 395 Prämissen zum Schlußsatze ähnlich scheint*. Ob nun hier wirklich eine Verwandtschaft von der Art, als zwischen dem logischen und transzendentalen Verfahren, insgeheim zum Grunde liege, ist auch eine von den Fragen, deren Beantwortung man in dem Verfolg dieser Untersuchungen allererst erwarten muß. Wir haben vorläufig unseren Zweck schon erreicht, da wir die
B 396 transzendentalen Begriffe der Vernunft, die sich sonst gewöhnlich in der Theorie der Philosophen unter andere mischen, ohne daß diese sie einmal von Verstandesbegriffen gehörig unterscheiden, aus dieser zweideutigen Lage haben herausziehen, ihren Ursprung, und dadurch zugleich ihre bestimmte Zahl, über die es gar keine mehr geben kann, angeben und sie in einem systematischen Zusammenhange haben vorstellen können, wodurch ein besonderes Feld für die reine Vernunft abgesteckt und eingeschränkt wird.
* Die Metaphysik hat zum eigentlichen Zwecke ihrer Nachforschung nur drei Ideen: Gott, Freiheit und Unsterblichkeit, so daß der zweite Begriff, mit dem ersten verbunden, auf den dritten, als einen notwendigen Schlußsatz, führen soll. Alles, womit sich diese Wissenschaft sonst beschäftigt, dient ihr bloß zum Mittel, um zu diesen Ideen und ihrer Realität zu gelangen. Sie bedarf sie nicht zum Behuf der Naturwissenschaft, sondere um über die Natur hinaus zu kommen. Die Einsicht in dieselben würde Theologie, Moral, und durch beider Verbindung, Religion, mithin die höchsten Zwecke unseres Daseins, bloß vom spekulativen Vernunftvermögen und sonst von nichts anderem abhängig machen. In einer systematischen Vorstellung jener Ideen würde die angeführte Ordnung, als die synthetische, die schicklichste sein; aber in der Bearbeitung, die vor ihr notwendig vorhergehen muß, wird die analytische, welche diese Ordnung umkehrt, dem Zwecke angemessener sein, um, indem wir von demjenigen, was uns Erfahrung unmittelbar an die Hand gibt, der Seelenlehre, zur Weltlehre, und von da bis zur Erkenntnis Gottes fortgehen, unseren großen Entwurf zu vollziehen.
Der transzendentalen Dialektik Zweites Buch Von den dialektischen Schlüssen der reinen Vernunft
Man kann sagen, der Gegenstand einer bloßen transzendentalen Idee sei etwas, wovon man keinen Begriff hat, obgleich diese Idee ganz notwendig in der Vernunft nach ihren ursprünglichen Gesetzen erzeugt worden. Denn in der Tat ist auch von einem Gegenstande, der der Forderung der Vernunft adäquat sein soll, kein Verstandesbegriff möglich, d.i. ein solcher, welcher in einer möglichen Erfahrung gezeigt und anschaulich gemacht werden kann. Besser würde man sich doch und mit weniger Gefahr des Mißverständnisses, ausdrücken, wenn
B 397 man sagte: daß wir vom Objekt, welches einer Idee korrespondiert, keine Kenntnis, obzwar einen problematischen Begriff, haben können.
Nun beruht wenigstens die transzendentale (subjektive) Realität der reinen Vernunftbegriffe darauf, daß wir durch einen notwendigen Vernunftschluß auf solche Ideen gebracht werden. Also wird es Vernunftschlüsse geben, die keine empirischen Prämissen enthalten, und vermittelst deren wir von etwas, das wir kennen, auf etwas anderes schließen, wovon wir doch keinen Begriff haben, und dem wir gleichwohl, durch einen unvermeidlichen Schein, objektive Realität geben. Dergleichen Schlüsse sind in Ansehung ihres Resultats also eher vernünftelnde, als Vernunftschlüsse zu nennen; wiewohl sie, ihrer Veranlassung wegen, wohl den letzteren Namen führen können, weil sie doch nicht erdichtet, oder zufällig entstanden, sondern aus der Natur der Vernunft entsprungen sind. Es sind Sophistikationen, nicht der Menschen, sondern der reinen Vernunft selbst, von denen selbst der Weiseste unter allen Menschen sich nicht losmachen, und vielleicht zwar nach vieler Bemühung den Irrtum verhüten, den Schein aber, der ihn unaufhörlich zwackt und äfft, niemals völlig loswerden kann.
Dieser dialektischen Vernunftschlüsse gibt es also nur dreierlei Arten, so vielfach, als die Ideen sind, auf die ihre Schlußsätze auslaufen. In dem Vernunftschlusse der ersten Klasse schließe ich von dem transzendentalen
B 398 Begriffe des Subjekts, der nichts Mannigfaltiges enthält, auf die absolute Einheit dieses Subjekts selber, von welchem ich auf diese Weise gar keinen Begriff habe. Diesen dialektischen Schluß werde ich den transzendentalen Paralogismus nennen. Die zweite Klasse der vernünftelnden Schlüsse ist auf den transzendentalen Begriff der absoluten Totalität, der Reihe der Bedingungen zu einer gegebenen Erscheinung überhaupt, angelegt, und ich schließe daraus, daß ich von der unbedingten synthetischen Einheit der Reihe auf einer Seite, jederzeit einen sich selbst widersprechenden Begriff habe, auf die Richtigkeit der entgegenstehenden Einheit, wovon ich gleichwohl auch keinen Begriff habe. Den Zustand der Vernunft bei diesen dialektischen Schlüssen, werde ich die Antinomie der reinen Vernunft nennen. Endlich schließe ich, nach der dritten Art vernünftelnder Schlüsse, von der Totalität der Bedingungen, Gegenstände überhaupt, sofern sie mir gegeben werden können, zu denken, auf die absolute synthetische Einheit aller Bedingungen der Möglichkeit der Dinge überhaupt, d.i. von Dingen, die ich nach ihrem bloßen transzendentalen Begriff nicht kenne, auf ein Wesen aller Wesen, welches ich durch einen transzendenten Begriff noch weniger kenne, und von dessen unbedingter Notwendigkeit ich mir keinen Begriff machen kann. Diesen dialektischen Vernunftschluß werde ich das Ideal der reinen Vernunft nennen.
B 399 Des zweiten Buchs der transzendentalen Dialektik Erstes Hauptstück Von den Paralogismen der reinen Vernunft
Der logische Paralogismus besteht in der Falschheit eines Vernunftschlusses der Form nach, sein Inhalt mag übrigens sein, welcher er wolle. Ein transzendentaler Paralogismus aber hat einen transzendentalen Grund: der Form nach falsch zu schließen. Auf solche Weise wird ein dergleichen Fehlschluß in der Natur der Menschenvernunft seinen Grund haben, und eine unvermeidliche, obzwar nicht unauflösliche, Illusion bei sich führen.
Jetzt kommen wir auf einen Begriff, der oben, in der allgemeinen Liste der transzendentalen Begriffe, nicht verzeichnet worden, und dennoch dazu gezählt werden muß, ohne doch darum jene Tafel im mindesten zu verändern und für mangelhaft zu erklären. Dieses ist der Begriff, oder, wenn man lieber will, das Urteil: Ich denke. Man sieht aber leicht, daß er das Vehikel aller Begriffe überhaupt, und mithin auch der transzendentalen sei, und also unter diesen jederzeit mit begriffen werde, und daher ebensowohl transzendental sei, aber keinen besonderen Titel haben könne, weil er nur dazu
B 400 dient, alles Denken, als zum Bewußtsein gehörig, aufzuführen. Indessen, so rein er auch vom Empirischen (dem Eindrucke der Sinne) ist, so dient er doch dazu, zweierlei Gegenstände aus der Natur unserer Vorstellungskraft zu unterscheiden. Ich, als denkend, bin ein Gegenstand des inneren Sinnes, und heiße Seele. Dasjenige, was ein Gegenstand äußerer Sinne ist, heißt Körper. Demnach bedeutet der Ausdruck: Ich, als ein denkend Wesen, schon den Gegenstand der Psychologie, welche die rationale Seelenlehre heißen kann, wenn ich von der Seele nichts weiter zu wissen verlange, als was unabhängig von aller Erfahrung (welche mich näher und in concreto bestimmt) aus diesem Begriffe Ich, sofern er bei allem Denken vorkommt, geschlossen werden kann.
Die rationale Seelenlehre ist nun wirklich ein Unterfangen von dieser Art; denn, wenn das mindeste Empirische meines Denkens, irgendeine besondere Wahrnehmung meines inneren Zustandes, noch unter die Erkenntnisgründe dieser Wissenschaft gemischt würde, so wäre sie nicht mehr rationale, sondern empirische Seelenlehre. Wir haben also schon eine angebliche Wissenschaft vor uns, welche auf dem einzigen Satze: Ich denke, erbaut worden, und deren Grund oder Ungrund wir hier ganz schicklich, und der Natur einer Transzendentalphilosophie gemäß, untersuchen können. Man darf sich daran nicht stoßen, daß ich doch an diesem Satze, der die Wahrnehmung seiner selbst ausdrückt, eine innere Erfahrung
B 401 habe, und mithin die rationale Seelenlehre, welche darauf erbaut wird, niemals rein, sondern zum Teil auf ein empirisches Prinzipium gegründet sei. Denn diese innere Wahrnehmung ist nichts weiter, als die bloße Apperzeption: Ich denke; welche sogar alle transzendentalen Begriffe möglich macht, in welchen es heißt: Ich denke die Substanz, die Ursache usw. Denn innere Erfahrung überhaupt und deren Möglichkeit, oder Wahrnehmung überhaupt und deren Verhältnis zu anderer Wahrnehmung, ohne daß irgendein besonderer Unterschied derselben und Bestimmung empirisch gegeben ist, kann nicht als empirische Erkenntnis, sondern muß als Erkenntnis des Empirischen überhaupt angesehen werden, und gehört zur Untersuchung der Möglichkeit einer jeden Erfahrung, welche allerdings transzendental ist. Das mindeste Objekt der Wahrnehmung (z.B. nur Lust oder Unlust), welche zu der allgemeinen Vorstellung des Selbstbewußtseins hinzukäme, würde die rationale Psychologie sogleich in eine empirische verwandeln.
Ich denke, ist also der alleinige Text der rationalen Psychologie, aus welchem sie ihre ganze Weisheit auswickeln soll. Man sieht leicht, daß dieser Gedanke, wenn er auf einen Gegenstand (mich selbst) bezogen werden soll, nichts anderes, als transzendentale Prädikate desselben, enthalten könne; weil das mindeste empirische Prädikat die rationale Reinigkeit und Unabhängigkeit der Wissenschaft von aller Erfahrung, verderben würde.
B 402 Wir werden aber hier bloß dem Leitfaden der Kategorien zu folgen haben, nur, da hier zuerst ein Ding, Ich, als denkend Wesen, gegeben worden, so werden wir zwar die obige Ordnung der Kategorien untereinander, wie sie in ihrer Tafel vorgestellt ist, nicht verändern, aber doch hier von der Kategorie der Substanz anfangen, dadurch ein Ding an sich selbst vorgestellt wird, und so ihrer Reihe rückwärts nachgehen. Die Topik der rationalen Seelenlehre, woraus alles übrige, was sie nur enthalten mag, abgeleitet werden muß, ist demnach folgende:
1 Die Seele ist Substanz.
2 Ihrer Qualität nach einfach.
3 Den verschiedenen Zeiten nach, in welchen sie da ist, numerisch-identisch, d.i. Einheit (nicht Vielheit).
4 Im Verhältnisse zu möglichen Gegenständen im Raume*.
* Der Leser, der aus diesen Ausdrücken, in ihrer transzendentalen Abgezogenheit, nicht so leicht den psychologischen Sinn derselben, und warum das letztere Attribut der Seele zur Kategorie der Existenz gehöre, erraten wird, wird sie in dem Folgenden hinreichend erklärt und gerechtfertigt finden. Übrigens habe ich wegen der lateinischen Ausdrücke, die statt der gleichbedeutenden deutschen, wider den Geschmack der guten Schreibart, eingeflossen sind, sowohl bei diesem Abschnitte, als auch in Ansehung des ganzen Werks, zur Entschuldigung anzuführen: daß ich lieber etwas der Zierlichkeit der Sprache habe entziehen, als den Schulgebrauch durch die mindeste Unverständlichkeit erschweren wollen.
B 403 Aus diesen Elementen entspringen alle Begriffe der reinen Seelenlehre, lediglich durch die Zusammensetzung, ohne im mindesten ein anderes Prinzipium zu erkennen. Diese Substanz, bloß als Gegenstand des inneren Sinnes, gibt den Begriff der Immaterialität; als einfache Substanz, der Inkorruptibilität; die Identität derselben, als intellektueller Substanz, gibt die Personalität; alle diese drei Stücke zusammen die Spiritualität; das Verhältnis zu den Gegenständen im Raume gibt das Kommerzium mit Körpern; mithin stellt sie die denkende Substanz, als das Prinzipium des Lebens in der Materie, d.i. sie als Seele (anima) und als den Grund der Animalität vor; diese durch die Spiritualität eingeschränkt, Immortalität.
Hierauf beziehen sich nun vier Paralogismen einer transzendentalen Seelenlehre, welche fälschlich für eine Wissenschaft der reinen Vernunft, von der Natur unseres denkenden Wesens gehalten wird. Zum Grunde
B 404 derselben können wir aber nichts anderes legen, als die einfache und für sich selbst an Inhalt gänzlich leere Vorstellung: Ich; von der man nicht einmal sagen kann, daß sie ein Begriff sei, sondern ein bloßes Bewußtsein, das alle Begriffe begleitet. Durch dieses Ich, oder Er, oder Es (das Ding), welches denkt, wird nun nichts weiter, als ein transzendentales Subjekt der Gedanken vorgestellt = x, welches nur durch die Gedanken, die seine Prädikate sind, erkannt wird, und wovon wir, abgesondert, niemals den mindesten Begriff haben können; um welches wir uns daher in einem beständigen Zirkel herumdrehen, indem wir uns seiner Vorstellung jederzeit schon bedienen müssen, um irgend etwas von ihm zu urteilen; eine Unbequemlichkeit, die davon nicht zu trennen ist, weil das Bewußtsein an sich nicht sowohl eine Vorstellung ist, die ein besonderes Objekt unterscheidet, sondern eine Form derselben überhaupt, sofern sie Erkenntnis genannt werden soll; denn von der allein kann ich sagen, daß ich dadurch irgend etwas denke.
Es muß aber gleich anfangs befremdlich scheinen, daß die Bedingung, unter der ich überhaupt denke, und die mithin bloß eine Beschaffenheit meines Subjekts ist, zugleich für alles, was denkt, gültig sein solle, und daß wir auf einen empirisch scheinenden Satz ein apodiktisches und allgemeines Urteil zu gründen uns anmaßen können, nämlich: daß alles, was denkt, so beschaffen sei, als der Ausspruch des Selbstbewußtseins es an mir
B 405 aussagt. Die Ursache aber hiervon liegt darin: daß wir den Dingen a priori alle die Eigenschaften notwendig beilegen müssen, die die Bedingungen ausmachen, unter welchen wir sie allein denken. Nun kann ich von einem denkenden Wesen durch keine äußere Erfahrung, sondern bloß durch das Selbstbewußtsein die mindeste Vorstellung haben. Also sind dergleichen Gegenstände nichts weiter, als die Übertragung dieses meines Bewußtseins auf andere Dinge, welche nur dadurch als denkende Wesen vorgestellt werden. Der Satz: Ich denke, wird aber hierbei nur problematisch genommen; nicht sofern er eine Wahrnehmung von einem Dasein enthalten mag, (das Cartesianische cogito, ergo sum,) sondern seiner bloßen Möglichkeit nach, um zu sehen, welche Eigenschaften aus diesem so einfachen Satze auf das Subjekt desselben (es mag dergleichen nun existieren oder nicht) fließen mögen.
Läge unserer reinen Vernunftserkenntnis von denkenden Wesen überhaupt mehr, als das cogito zum Grunde; würden wir die Beobachtungen, über das Spiel unserer Gedanken und die daraus zu schöpfenden Naturgesetze des denkenden Selbst, auch zu Hilfe nehmen: so würde eine empirische Psychologie entspringen, welche eine Art der Physiologie des inneren Sinnes sein würde, und vielleicht die Erscheinungen desselben zu erklären, niemals aber dazu dienen könnte, solche Eigenschaften, die gar nicht zur möglichen Erfahrung gehören (als die des
B 406 Einfachen), zu eröffnen, noch von denkenden Wesen überhaupt etwas, das ihre Natur betrifft, apodiktisch zu lehren; sie wäre also keine rationale Psychologie.
Da nun der Satz: Ich denke, (problematisch genommen,) die Form eines jeden Verstandesurteils überhaupt enthält, und alle Kategorien als ihr Vehikel begleitet, so ist klar, daß die Schlüsse aus demselben einen bloß transzendentalen Gebrauch des Verstandes enthalten können, welcher alle Beimischung der Erfahrung ausschlägt, und von dessen Fortgang wir, nach dem, was wir oben gezeigt haben, uns schon zum voraus keinen vorteilhaften Begriff machen können. Wir wollen ihn also durch alle Prädikamente der reinen Seelenlehre mit einem kritischen Auge verfolgen, doch um der Kürze willen ihre Prüfung in einem ununterbrochenen Zusammenhange fortgehen lassen.
Zuvörderst kann folgende allgemeine Bemerkung unsere Achtsamkeit auf diese Schlußart schärfen. Nicht dadurch, daß ich bloß denke, erkenne ich irgendein Objekt, sondern nur dadurch, daß ich eine gegebene Anschauung in Absicht auf die Einheit des Bewußtseins, darin alles Denken besteht, bestimme, kann ich irgend einen Gegenstand erkennen. Also erkenne ich mich nicht selbst dadurch, daß ich mich meiner als denkend bewußt bin, sondern wenn ich mir die Anschauung meiner selbst, als in Ansehung der Funktion des Denkens bestimmt, bewußt bin. Alle modi des Selbstbewußtseins im
B 407 Denken an sich, sind daher noch keine Verstandesbegriffe von Objekten, (Kategorien) sondern bloße Funktionen, die dem Denken gar keinen Gegenstand, mithin mich selbst auch nicht als Gegenstand, zu erkennen geben. Nicht das Bewußtsein des Bestimmenden, sondern nur die des bestimmbaren Selbst, d.i. meiner inneren Anschauung (sofern ihr Mannigfaltiges der allgemeinen Bedingung der Einheit der Apperzeption im Denken gemäß verbunden werden kann), ist das Objekt.
1) In allen Urteilen bin ich nun immer das bestimmende Subjekt desjenigen Verhältnisses, welches das Urteil ausmacht. Daß aber Ich, der ich denke, im Denken immer als Subjekt, und als etwas, was nicht bloß wie Prädikat dem Denken anhänge, betrachtet werden kann, gelten müsse, ist ein apodiktischer und selbst identischer Satz; aber er bedeutet nicht, daß ich, als Objekt, ein, für mich, selbst bestehendes Wesen, oder Substanz sei. Das letztere geht sehr weit, erfordert daher auch Data, die im Denken gar nicht angetroffen werden, vielleicht (sofern ich bloß das denkende als ein solches betrachte) mehr, als ich überall (in ihm) jemals antreffen werde.
2) Daß das Ich der Apperzeption, folglich in jedem Denken, ein Singular sei, der nicht in eine Vielheit der Subjekte aufgelöst werden kann, mithin ein logisch einfaches Subjekt bezeichne, liegt schon im Begriffe des Denkens, ist folglich ein analytischer Satz; aber das
B 408 bedeutet nicht, daß das denkende Ich eine einfache Substanz sei, welches ein synthetischer Satz sein würde. Der Begriff der Substanz bezieht sich immer auf Anschauungen, die bei mir nicht anders als sinnlich sein können, mithin ganz außer dem Felde des Verstandes und seinem Denken liegen, von welchem doch eigentlich hier nur geredet wird, wenn gesagt wird, daß das Ich im Denken einfach sei. Es wäre auch wunderbar, wenn ich das, was sonst so viele Anstalt erfordert, um in dem, was die Anschauung darlegt, das zu unterscheiden, was darin Substanz sei; noch mehr aber, ob diese auch einfach sein könne, (wie bei den Teilen der Materie) hier so geradezu in der ärmsten Vorstellung unter allen, gleichsam wie durch eine Offenbarung, gegeben würde.
3) Der Satz der Identität meiner selbst bei allem Mannigfaltigen, dessen ich mir bewußt bin, ist ein ebensowohl in den Begriffen selbst liegender, mithin analytischer Satz; aber diese Identität des Subjekts, deren ich mir in allen seinen Vorstellungen bewußt werden kann, betrifft nicht die Anschauung desselben, dadurch es als Objekt gegeben ist, kann also auch nicht die Identität der Person bedeuten, wodurch das Bewußtsein der Identität seiner eigenen Substanz, als denkenden Wesens, in allem Wechsel der Zustände verstanden wird, wozu, um sie zu beweisen, es mit der bloßen Analysis des Satzes, ich denke, nicht ausgerichtet sein, sondern verschiedene
B 409 synthetische Urteile, welche sich auf die gegebene Anschauung gründen, würden erfordert werden.
4) Ich unterscheide meine eigene Existenz, als eines denkenden Wesens, von anderen Dingen außer mir (wozu auch mein Körper gehört), ist ebensowohl ein analytischer Satz, denn andere Dinge sind solche, die ich als von mir unterschieden denke. Aber ob dieses Bewußtsein meiner selbst ohne Dinge außer mir, dadurch mir Vorstellungen gegeben werden, gar möglich sei, und ich also bloß als denkend Wesen (ohne Mensch zu sein) existieren könne, weiß ich dadurch gar nicht.
Also ist durch die Analysis des Bewußtseins meiner selbst im Denken überhaupt in Ansehung der Erkenntnis meiner selbst als Objekts nicht das mindeste gewonnen. Die logische Erörterung des Denkens überhaupt wird fälschlich für eine metaphysische Bestimmung des Objekts gehalten.
Ein großer, ja sogar der einzige Stein des Anstoßes wider unsere ganze Kritik würde es sein, wenn es eine Möglichkeit gäbe, a priori zu beweisen, daß alle denkenden Wesen an sich einfache Substanzen sind, als solche also (welches eine Folge aus dem nämlichen Beweisgrunde ist) Persönlichkeit unzertrennlich bei sich führen, und sich ihrer von aller Materie abgesonderten Existenz bewußt sind. Denn auf diese Art hätten wir doch einen Schritt über die Sinnenwelt hinaus getan, wir wären in das Feld der Noumenen getreten, und nun spreche
B 410 uns niemand die Befugnis ab, in diesem uns weiter auszubreiten, anzubauen, und, nachdem einen jeden sein Glückstern begünstigt, darin Besitz zu nehmen. Denn der Satz: Ein jedes denkende Wesen, als ein solches, ist einfache Substanz; ist ein synthetischer Satz a priori, weil er erstlich über den ihm zum Grunde gelegten Begriff hinausgeht und die Art des Daseins zum Denken überhaupt dazutut, und zweitens zu jenem Begriffe ein Prädikat (der Einfachheit) hinzufügt, welches in gar keiner Erfahrung gegeben werden kann. Also sind synthetische Sätze a priori nicht bloß, wie wir behauptet haben, in Beziehung auf Gegenstände möglicher Erfahrung, und zwar als Prinzipien der Möglichkeit dieser Erfahrung selbst, tunlich und zulässig, sondern sie können auch auf Dinge überhaupt und an sich selbst gehen, welche Folgerung dieser ganzen Kritik ein Ende macht und gebieten würde, es beim Alten bewenden zu lassen. Allein die Gefahr ist hier nicht so groß, wenn man der Sache näher tritt.
In dem Verfahren der rationalen Psychologie herrscht ein Paralogism, der durch folgenden Vernunftschluß dargestellt wird,
Was nicht anders als Subjekt gedacht werden kann, existiert auch nicht anders als Subjekt, und ist also Substanz.
B 411 Nun kann ein denkendes Wesen, bloß als ein solches betrachtet, nicht anders als Subjekt gedacht werden.
Also existiert es auch nur als ein solches, d.i. als Substanz.
Im Obersatze wird von einem Wesen geredet, das überhaupt in jeder Absicht, folglich auch so wie es in der Anschauung gegeben werden mag, gedacht werden kann. Im Untersatze aber ist nur von demselben die Rede, sofern es sich selbst, als Subjekt, nur relativ auf das Denken und die Einheit des Bewußtseins, nicht aber zugleich in Beziehung auf die Anschauung, wodurch sie als Objekt zum Denken gegeben wird, betrachtet. Also wird per Sophisma figurae dictionis, mithin durch einen Trugschluß die Konklusion gefolgert*.
* Das Denken wird in beiden Prämissen in ganz verschiedener Bedeutung genommen: im Obersatze, wie es auf ein Objekt überhaupt (mithin wie es in der Anschauung gegeben werden mag) geht; im Untersatze aber nur, wie es in der Beziehung aufs Selbstbewußtsein besteht, wobei also an gar kein Objekt gedacht wird, sondern nur die Beziehung auf Sich, als Subjekt, (als die Form des Denkens) vorgestellt wird. Im ersteren wird von Dingen geredet, die nicht anders als Subjekte gedacht werden können; im zweiten aber nicht von Dingen, sondern vom Denken (indem man von allem Objekte abstrahiert), in welchem das Ich immer zum Subjekt des Bewußtseins dient; daher im Schlußsatze nicht folgen kann: ich kann nicht anders als Subjekt existieren, sondern nur: ich kann im Denken meiner Existenz mich nur zum Subjekt des Urteils brauchen, welches ein identischer Satz ist, der schlechterdings nichts über die Art meines Daseins eröffnet.
B 412 Daß diese Auflösung des berühmten Arguments in einem Paralogism so ganz richtig sei, erhellt deutlich, wenn man die allgemeine Anmerkung zur systematischen Vorstellung der Grundsätze und den Abschnitt von den Noumenen hierbei nachsehen will, da bewiesen worden, daß der Begriff eines Dinges, was für sich selbst als Subjekt, nicht aber als bloßes Prädikat existieren kann, noch gar keine objektive Realität bei sich führe, d.i. daß man nicht wissen könne, ob ihm überall ein Gegenstand zukommen könne, indem man die Möglichkeit einer solchen Art zu existieren nicht einsieht, folglich daß es schlechterdings keine Erkenntnis abgebe. Soll er also unter der Benennung einer Substanz ein Objekt, das gegeben werden kann, anzeigen; soll er ein Erkenntnis werden: so muß eine beharrliche Anschauung, als die unentbehrliche Bedingung der objektiven Realität eines Begriffs, nämlich das, wodurch allein der Gegenstand gegeben wird, zum Grunde gelegt werden. Nun haben wir aber in der
B 413 inneren Anschauung gar nichts Beharrliches, denn das Ich ist nur das Bewußtsein meines Denkens; also fehlt es uns auch, wenn wir bloß beim Denken stehenbleiben, an der notwendigen Bedingung, den Begriff der Substanz, d.i. eines für sich bestehenden Subjekts, auf sich selbst als denkend Wesen anzuwenden, und die damit verbundene Einfachheit der Substanz fällt mit der objektiven Realität dieses Begriffs gänzlich weg, und wird in eine bloße logische qualitative Einheit des Selbstbewußtseins im Denken überhaupt, das Subjekt mag zusammengesetzt sein oder nicht, verwandelt.
Widerlegung des Mendelssohnschen Beweises der Beharrlichkeit der Seele
Dieser scharfsinnige Philosoph merkte bald in dem gewöhnlichen Argumente, dadurch bewiesen werden soll, daß die Seele (wenn man einräumt, sie sei ein einfaches Wesen) nicht durch Zerteilung zu sein aufhören könne, einen Mangel der Zulänglichkeit zu der Absicht, ihr die notwendige Fortdauer zu sichern, indem man noch ein Aufhören ihres Daseins durch Verschwinden annehmen könnte. In seinem Phädon suchte er nun diese Vergänglichkeit, welche eine wahre Vernichtung sein würde, von ihr dadurch abzuhalten, daß er sich zu beweisen getraute, ein einfaches Wesen könne gar nicht aufhören zu sein, weil, da es gar nicht vermindert werden und also nach und nach etwas an seinem Dasein verlieren, und so
B 414 allmählich in nichts verwandelt werden könne, (indem es keine Teile, also auch keine Vielheit in sich habe,) zwischen einem Augenblicke, darin es ist, und dem andern, darin es nicht mehr ist, gar keine Zeit angetroffen werden würde, welches unmöglich ist. - Allein er bedachte nicht, daß, wenn wir gleich der Seele diese einfache Natur einräumen, da sie nämlich kein Mannigfaltiges außereinander, mithin keine extensive Größe enthält, man ihr doch, so wenig wie irgendeinem Existierenden, intensive Größe, d.i. einen Grad der Realität in Ansehung aller ihrer Vermögen, ja überhaupt alles dessen, was das Dasein ausmacht, ableugnen könne, welcher durch alle unendlich vielen kleineren Grade abnehmen, und so die vorgebliche Substanz, (das Ding, dessen Beharrlichkeit nicht sonst schon fest steht,) obgleich nicht durch Zerteilung, doch durch allmähliche Nachlassung (remissio) ihrer Kräfte, (mithin durch Elangueszenz, wenn es mir erlaubt ist, mich dieses Ausdrucks zu bedienen,) in nichts verwandelt werden könne. Denn selbst das Bewußtsein hat jederzeit einen Grad, der immer noch vermindert werden kann*, folglich auch das Vermögen sich seiner bewußt
B 415 zu sein, und so alle übrigen Vermögen. - Also bleibt die Beharrlichkeit der Seele, als bloß Gegenstandes des inneren Sinnes, unbewiesen, und selbst unerweislich, obgleich ihre Beharrlichkeit im Leben, da das denkende Wesen (als Mensch) sich zugleich ein Gegenstand äußerer Sinne ist, für sich klar ist, womit aber dem rationalen Psychologen gar nicht Genüge geschieht, der die absolute Beharrlichkeit derselben selbst über das Leben hinaus aus bloßen Begriffen zu beweisen unternimmt**.
* Klarheit ist nicht, wie die Logiker sagen, das Bewußtsein einer Vorstellung; denn ein gewisser Grad des Bewußtseins, der aber zur Erinnerung nicht zureicht, muß selbst in manchen dunklen Vorstellungen anzutreffen sein, weil ohne alles Bewußtsein wir in der Verbindung dunkler Vorstellungen keinen Unterschied machen würden, welches wir doch bei den Merkmalen mancher Begriffe (wie der von Recht und Billigkeit, und des Tonkünstlers, wenn er viele Noten im Phantasieren zugleich greift,) zu tun vermögen. Sondern eine Vorstellung ist klar, in der das Bewußtsein zum Bewußtsein des Unterschiedes derselben von andern zureicht. Reicht dieses zwar zur Unterscheidung, aber nicht zum Bewußtsein des Unterschiedes zu, so müßte die Vorstellung noch dunkel genannt werden. Also gibt es unendlich viele Grade des Bewußtseins bis zum Verschwinden.
** Diejenigen, welche, um eine neue Möglichkeit auf die Bahn zu bringen, schon genug getan zu haben glauben, wenn sie darauf trotzen, daß man ihnen keinen Widerspruch in ihren Voraussetzungen zeigen könne, (wie diejenigen insgesamt sind, die die Möglichkeit des Denkens, wovon sie nur bei den empirischen Anschauungen im menschlichen Leben ein Beispiel haben, auch nach dessen Aufhörung einzusehen glauben,) können durch andere Möglichkeiten, die nicht im mindesten kühner sind, in große Verlegenheit gebracht werden. Dergleichen ist die Möglichkeit der Teilung einer einfachen Substanz in mehrere Substanzen, und umgekehrt das Zusammenfließen (Koalition) mehrerer in eine einfache. Denn, obzwar die Teilbarkeit ein Zusammengesetztes voraussetzt, so erfordert sie doch nicht notwendig ein Zusammengesetztes von Substanzen, sondern bloß von Graden (der mancherlei Vermögen) einer und derselben Substanz. Gleichwie man sich nun alle Kräfte und Vermögen der Seele, selbst das des Bewußtseins, als auf die Hälfte geschwunden denken kann, so doch, daß immer noch Substanz übrig bliebe; so kann man sich auch diese erloschene Hälfte als aufbehalten, aber nicht in ihr, sondern außer ihr, ohne Widerspruch vorstellen, und daß, da hier alles was in ihr nur immer real ist, folglich einen Grad hat, mithin die ganze Existenz derselben, so, daß nichts mangelt, halbiert worden, außer ihr alsdann eine besondere Substanz entspringen würde. Denn die Vielheit, welche geteilt worden, war schon vorher, aber nicht als Vielheit der Substanzen, sondern jeder Realität, als Quantum der Existenz in ihr, und die Einheit der Substanz war nur eine Art zu existieren, die durch diese Teilung allein in eine Mehrheit der Subsistenz verwandelt werden. So könnten aber auch mehrere einfache Substanzen in eine wiederum zusammenfließen, dabei nichts verloren ginge, als bloß die Mehrheit der Subsistenz, indem die eine den Grad der Realität aller vorigen zusammen in sich enthielte, und vielleicht möchten die einfachen Substanzen, welche uns die Erscheinung einer Materie geben, (freilich zwar nicht durch einen mechanischen oder chemischen Einfuß aufeinander, aber doch durch einen uns unbekannten, davon jener nur die Erscheinung wäre,) durch dergleichen dynamische Teilung der Elternseelen, als intensiver Größen, Kinderseelen hervorbringen, indessen, daß jene ihren Abgang wiederum durch Koalition mit neuem Stoffe von derselben Art ergänzten. Ich bin weit entfernt, dergleichen Hirngespinsten den mindesten Wert oder Gültigkeit einzuräumen, auch haben die obigen Prinzipien der Analytik hinreichend eingeschärft, von den Kategorien (als der der Substanz) keinen anderen als Erfahrungsgebrauch zu machen. Wenn aber der Rationalist aus dem bloßen Denkungsvermögen, ohne irgendeine beharrliche Anschauung, dadurch ein Gegenstand gegeben würde, ein für sich bestehendes Wesen zu machen kühn genug ist, bloß weil die Einheit der Apperzeption im Denken ihm keine Erklärung aus dem Zusammengesetzten erlaubt, statt daß er besser tun würde, zu gestehen, er wisse die Möglichkeit einer denkenden Natur nicht zu erklären, warum soll der Materialist, ob er gleich ebensowenig zum Behuf seiner Möglichkeiten Erfahrung anführen kann, nicht zu gleicher Kühnheit berechtigt sein, sich seines Grundsatzes, mit Beibehaltung der formalen Einheit des ersteren, zum entgegengesetzten Gebrauche zu bedienen?
B 416 Nehmen wir nun unsere obigen Sätze, wie sie auch, als für alle denkenden Wesen gültig, in der rationalen Psychologie ab System genommen werden müssen, in synthetischem Zusammenhange, und gehen, von der Kategorie der Relation, mit dem Satze: alle
B 417 denkenden Wesen sind, als solche, Substanzen, rückwärts die Reihe derselben, bis sich der Zirkel schließt, durch, stoßen wir zuletzt auf die Existenz derselben, deren sie sich in diesem System, unabhängig von äußeren Dingen, nicht allein bewußt sind, sondern diese auch (in Ansehung
B 418 der Beharrlichkeit, die notwendig zum Charakter der Substanz gehört,) aus sich selbst bestimmen können. Hieraus folgt aber, daß der Idealism in ebendemselben rationalistischen System unvermeidlich sei, wenigstens der problematische, und, wenn das Dasein äußerer Dinge zu Bestimmung seines eigenen in der Zeit gar nicht erforderlich ist, jenes auch nur ganz umsonst angenommen werde, ohne jemals einen Beweis davon geben zu können.
Befolgen wir dagegen das analytische Verfahren, da das Ich denke, als ein Satz, der schon ein Dasein in sich schließt, als gegeben, mithin die Modalität, zum Grunde liegt, und zergliedern ihn, um seinen Inhalt, ob und wie nämlich dieses Ich im Raum oder der Zeit bloß dadurch sein Dasein bestimmt, zu erkennen, so würden die Sätze der rationalen Seelenlehre nicht vom Begriffe eines denkenden Wesens überhaupt, sondern von einer Wirklichkeit anfangen, und aus der Art, wie diese gedacht wird, nachdem alles, was dabei empirisch ist, abgesondert
B 419 worden, das was einem denkenden Wesen überhaupt zukommt gefolgert werden, wie folgende Tafel zeigt.
1 Ich denke,
2 als Subjekt,
3 als einfaches Subjekt,
4 als identisches Subjekt, in jedem Zustande meines Denkens.
Weil hier nun im zweiten Satz nicht bestimmt wird, ob ich nur als Subjekt und nicht auch als Prädikat eines andern existieren und gedacht werden könne, so ist der Begriff eines Subjekts hier bloß logisch genommen, und es bleibt unbestimmt, ob darunter Substanz verstanden werden solle oder nicht. Allein in dem dritten Satze wird die absolute Einheit der Apperzeption, das einfache Ich, in der Vorstellung, drauf sich alle Verbindung oder Trennung, welche das Denken ausmacht, bezieht, auch für sich wichtig, wenn ich gleich noch nichts über des Subjekts Beschaffenheit oder Subsistenz ausgemacht habe. Die Apperzeption ist etwas Reales, und die Einfachheit derselben liegt schon in ihrer Möglichkeit. Nun ist im Raum nicht Reales, was einfach wäre, denn Punkte (die das einzige Einfache im Raum ausmachen) sind bloß Grenzen, nicht selbst aber etwas, was den Raum als Teil auszumachen dient. Also folgt daraus
B 420 die Unmöglichkeit einer Erklärung meiner, als bloß denkenden Subjekts, Beschaffenheit aus Gründen des Materialismus. Weil aber mein Dasein in dem ersten Satze als gegeben betrachtet wird, indem es nicht heißt, ein jedes denkendes Wesen existiert, (welches zugleich absolute Notwendigkeit, und also zuviel, von ihnen sagen würde,) sondern nur: ich existiere denkend, so ist er empirisch, und enthält die Bestimmbarkeit meines Daseins bloß in Ansehung meiner Vorstellungen in der Zeit. Da ich aber wiederum hierzu zuerst etwas Beharrliches bedarf, dergleichen mir, sofern ich mich denke, gar nicht in der inneren Anschauung gegeben ist; so ist die Art, wie ich existiere, ob als Substanz oder als Akzidens, durch dieses einfache Selbstbewußtsein gar nicht zu bestimmen möglich. Also, wenn der Materialism zur Erklärungsart meinen Daseins untauglich ist, so ist der Spiritualism zu derselben ebensowohl unzureichend, und die Schlußfolge, ist, daß wir auf keine Art, welche es auch sei, von der Beschaffenheit unserer Seele, die die Möglichkeit ihrer abgesonderten Existenz überhaupt betrifft, irgend etwas erkennen können.
Und wie sollte es auch möglich sein, durch die Einheit des Bewußtseins, die wir selbst nur dadurch kennen, daß wir sie zur Möglichkeit der Erfahrung unentbehrlich brauchen, über Erfahrung (unser Dasein im Leben) hinauszukommen, und sogar unsere Erkenntnis auf die Natur aller denkenden Wesen überhaupt
B 421 durch den empirischen, aber in Ansehung aller Art der Anschauung unbestimmten, Satz, Ich denke, zu erweitern?
Es gibt also keine rationale Psychologie als Doktrin, die uns einen Zusatz zu unserer Selbsterkenntnis verschaffte, sondern nur als Disziplin, welche der spekulativen Vernunft in diesem Felde unüberschreitbare Grenzen setzt, einerseits um sich nicht dem seelenlosen Materialism in den Schoß zu werfen, andererseits sich nicht in dem, für uns im Leben, grundlosen Spiritualism herumschwärmend zu verlieren, sondern uns vielmehr erinnert, diese Weigerung unserer Vernunft, den neugierigen über dieses Leben hinausreichenden Fragen befriedigende Antwort zu geben, als einen Wink derselben anzusehen, unser Selbsterkenntnis von der fruchtlosen überschwenglichen Spekulation zum fruchtbaren praktischen Gebrauche anzuwenden, welches, wenn es gleich auch nur immer auf Gegenstände der Erfahrung gerichtet ist, seine Prinzipien doch höher hernimmt, und das Verhalten so bestimmt, als ob unsere Bestimmung unendlich weit über die Erfahrung, mithin über dieses Leben hinaus reiche.
Man sieht aus allem diesem, daß ein bloßer Mißverstand der rationalen Psychologie ihren Ursprung gebe. Die Einheit des Bewußtseins, welche den Kategorien zum Grunde liegt, wird hier für Anschauung des Subjekts als Objekts genommen, und darauf die Kategorie
B 422 der Substanz angewandt. Sie ist aber nur die Einheit im Denken, wodurch allein kein Objekt gegeben wird, worauf also die Kategorie der Substanz, als die jederzeit gegebene Anschauung voraussetzt, nicht angewandt, mithin dieses Subjekt gar nicht erkannt werden kann. Das Subjekt der Kategorien kann also dadurch, daß es diese denkt, nicht von sich selbst als einem Objekte der Kategorien einen Begriff bekommen; denn, um diese zu denken, muß es sein reines Selbstbewußtsein, welches doch hat erklärt werden sollen, zum Grunde legen. Ebenso kann das Subjekt, in welchem die Vorstellung der Zeit ursprünglich ihren Grund hat, ihr eigen Dasein in der Zeit dadurch nicht bestimmen, und wenn das letztere nicht sein kann, so kann auch das erstere als Bestimmung seiner selbst (als denkenden Wesens überhaupt) durch Kategorien nicht stattfinden*.
* Das Ich denke, ist, wie schon gesagt, ein empirischer Satz, und enthält den Satz, Ich existiere, in sich. Ich kann aber nicht sagen: alles, was denkt, existiert; denn da würde die Eigenschaft des Denkens alle Wesen, die sie besitzen, zu notwendigen Wesen machen. Daher kann meine Existenz auch nicht aus dem Satze: Ich denke, als gefolgert angesehen werden, wie Cartesius dafür hielt, (weil sonst der Obersatz: alles. was denkt, existiert, vorausgehen müßte), sondern ist mit ihm identisch. Er drückt eine unbestimmte empirische Anschauung, d.i. Wahrnehmung, aus, (mithin beweist er doch, daß schon Empfindung, die folglich zur Sinnlichkeit gehört, diesem Existenzialsatz zum Grunde liege,) geht aber vor der Erfahrung vorher, die das Objekt der Wahrnehmung durch die Kategorie in Ansehung der Zeit bestimmen soll, und die Existenz ist hier noch keine Kategorie, als welche nicht auf ein unbestimmt gegebenes Objekt, sondern nur ein solches, davon man einen Begriff hat, und wovon man wissen will, ob es auch außer diesem Begriffe gesetzt sei, oder nicht, Beziehung hat. Eine unbestimmte Wahrnehmung bedeutet hier nur etwas Reales, das gegeben worden, und zwar nur zum Denken überhaupt, also nicht als Erscheinung, auch nicht als Sache an sich selbst, (Noumenon) sondern als etwas, was in der Tat existiert, und in dem Satze, ich denke, als ein solcher bezeichnet wird. Denn es ist zu merken, daß, wenn ich den Satz: ich denke, einen empirischen Satz genannt habe, ich dadurch nicht sagen will, das Ich in diesem Satze sei empirische Vorstellung, vielmehr ist sie rein intellektuell, weil sie zum Denken überhaupt gehört. Allein ohne irgendeine empirische Vorstellung, die den Stoff zum Denken abgibt, würde der Aktus, Ich denke, doch nicht stattfinden, und das Empirische ist nur die Bedingung der Anwendung, oder des Gebrauchs des reinen intellektuellen Vermögens.
* * *
B 423 So verschwindet denn ein über die Grenzen möglicher Erfahrung hinaus versuchtes und doch zum höchsten Interesse der Menschheit gehöriges Erkenntnis, soweit es der spekulativen Philosophie verdankt werden soll,
B 424 in getäuschte Erwartung; wobei gleichwohl die Strenge der Kritik dadurch, daß sie zugleich die Unmöglichkeit beweist, von einem Gegenstande der Erfahrung über die Erfahrungsgrenze hinaus etwas dogmatisch auszumachen, der Vernunft bei diesem ihrem Interesse den ihr nicht unwichtigen Dienst tut, sie ebensowohl wider alle möglichen Behauptungen des Gegenteils in Sicherheit zu stellen; welches nicht anders geschehen kann, als so, daß man entweder seinen Satz apodiktisch beweist, oder, wenn dieses nicht gelingt, die Quellen dieses Unvermögens aufsucht, welche, wenn sie in den notwendigen Schranken unseres Vernunft liegen, alsdann jeden Gegner gerade demselben Gesetze der Entsagung aller Ansprüche auf dogmatische Behauptung unterwerfen müssen.
Gleichwohl wird hierdurch für die Befugnis, ja gar die Notwendigkeit, der Annehmung eines künftigen Lebens, nach Grundsätzen des mit dem spekulativen verbundenen praktischen Vernunftgebrauchs, hierbei nicht das mindeste verloren; denn der bloß spekulative Beweis hat auf die gemeine Menschenvernunft ohnedem niemals einigen Einfluß haben können. Er ist so auf einer Haaresspitze gestellt, daß selbst die Schule ihn auf derselben nur so lange erhalten kann, als sie ihn als einen Kreisel um demselben sich unaufhörlich drehen läßt, und er in ihren eigenen Augen also keine beharrliche Grundlage abgibt, worauf etwas gebaut werden könnte. Die Beweise, die für die Welt brauchbar sind, bleiben
B 425 hierbei alle in ihrem unverminderten Werte, und gewinnen vielmehr durch Abstellung jener dogmatischen Anmaßungen an Klarheit und ungekünstelter Überzeugung, indem sie die Vernunft in ihr eigentümliches Gebiet, nämlich die Ordnung der Zwecke, die doch zugleich eine Ordnung der Natur ist, versetzen, die dann aber zugleich, als praktisches Vermögen an sich selbst, ohne auf die Bedingungen der letzteren eingeschränkt zu sein, die erstere und mit ihr unsere eigene Existenz über die Grenzen der Erfahrung und des Lebens hinaus zu erweitern berechtigt ist. Nach der Analogie mit der Natur lebender Wesen in dieser Welt, an welchen die Vernunft es notwendig zum Grundsatze annehmen muß, daß kein Organ, kein Vermögen, kein Antrieb, also nichts Entbehrliches, oder für den Gebrauch Unproportioniertes, mithin Unzweckmäßiges anzutreffen, sondern alles seiner Bestimmung im Leben genau angemessen sei, zu urteilen, müßte der Mensch, der doch allein den letzten Endzweck von allem diesem in sich erhalten kann, das einzige Geschöpf sein, welches davon ausgenommen wäre. Denn seine Naturanlagen, nicht bloß den Talenten und Antrieben nach, davon Gebrauch zu machen, sondern vornehmlich das moralische Gesetz in ihm, gehen so weit über allen Nutzen und Vorteil, den er in diesem Leben daraus ziehen könnte, daß das letztere sogar das bloße Bewußtsein der Rechtschaffenheit der Gesinnung, bei Ermangelung aller Vorteile,
B 426 selbst sogar des Schattenwerks vom Nachruhm, über alles hochschätzen lehrt, und sich innerlich dazu berufen fühlt, sich durch sein Verhalten in dieser Welt, mit Verzichtung auf viele Vorteile, zum Bürger einer besseren, die er in der Idee hat, tauglich zu machen. Dieser mächtige, niemals zu widerlegende Beweisgrund, begleitet durch eine sich unaufhörlich vermehrende Erkenntnis der Zweckmäßigkeit in allem, was wir vor uns sehen, und durch eine Aussicht in die Unermeßlichkeit der Schöpfung, mithin auch durch das Bewußtsein einer gewissen Unbegrenztheit in der möglichen Erweiterung unserer Kenntnisse, samt einem dieser angemessenen Triebe bleibt immer noch übrig, wenn wir es gleich aufgeben müssen, die notwendige Fortdauer unserer Existenz aus der bloß theoretischen Erkenntnis unserer selbst einzusehen.
Beschluß der Auflösung des psychologischen Paralogisms
Der dialektische Schein in der rationalen Psychologie beruht auf der Verwechslung einer Idee der Vernunft (einer reinen Intelligenz) mit dem in allen Stücken unbestimmten Begriffe eines denkenden Wesens überhaupt. Ich denke mich selbst zum Behuf einer möglichen Erfahrung, indem ich noch von aller wirklichen Erfahrung abstrahiere, und schließe daraus, daß ich mich meiner Existenz auch außer der Erfahrung und den
B 427 empirischen Bedingungen derselben bewußt werden könne. Folglich verwechsle ich die mögliche Abstraktion von meiner empirisch bestimmten Existenz mit dem vermeinten Bewußtsein einer abgesondert möglichen Existenz meines denkenden Selbst, und glaube das Substantiale in mir als das transzendentale Subjekt zu erkennen, indem ich bloß die Einheit des Bewußtseins, welche allem Bestimmen, als der bloßen Form der Erkenntnis, zum Grunde liegt, in Gedanken habe.
Die Aufgabe, die Gemeinschaft der Seele mit dem Körper zu erklären, gehört nicht eigentlich zu derjenigen Psychologie, wovon hier die Rede ist, weil sie die Persönlichkeit der Seele auch außer dieser Gemeinschaft (nach dem Tode) zu beweisen die Absicht hat, und also im eigentlichen Verstande transzendent ist, ob sie sich gleich mit einem Objekte der Erfahrung beschäftigt, aber nur sofern es aufhört ein Gegenstand der Erfahrung zu sein. Indessen kann auch hierauf nach unserem Lehrbegriffe hinreichende Antwort gegeben werden. Die Schwierigkeit, welche diese Aufgabe veranlaßt hat, besteht, wie bekannt, in der vorausgesetzten Ungleichartigkeit des Gegenstandes des inneren Sinnes (der Seele) mit den Gegenständen äußerer Sinne, da jenem nur die Zeit, diesen auch der Raum zur formalen Bedingung ihrer Anschauung anhängt. Bedenkt man aber, daß beiderlei Art von Gegenständen hierin sich nicht innerlich, sondern nur, sofern eines dem andern äußerlich erscheint, von
B 428 einander unterscheiden, mithin das, was der Erscheinung der Materie, als Ding an sich selbst, zum Grunde liegt, vielleicht so ungleichartig nicht sein dürfte, so verschwindet diese Schwierigkeit, und es bleibt keine andere übrig, als die, wie überhaupt eine Gemeinschaft von Substanzen möglich sei, welche zu lösen ganz außer dem Felde der Psychologie, und, wie der Leser, nach dem, was in der Analytik von Grundkräften und Vermögen gesagt worden, leicht urteilen wird, ohne allen Zweifel auch außer dem Felde aller menschlichen Erkenntnis liegt.
Allgemeine Anmerkung, den Übergang von der rationalen Psychologie zur Kosmologie betreffend
Der Satz, Ich denke, oder, ich existiere denkend, ist ein empirischer Satz. Einem solchen aber liegt empirische Anschauung, folglich auch das gedachte Objekt als Erscheinung, zum Grunde, und so scheint es, als wenn nach unserer Theorie die Seele ganz und gar, selbst im Denken, in Erscheinung verwandelt würde, und auf solche Weise unser Bewußtsein selbst, als bloßer Schein, in der Tat auf nichts gehen müßte.
Das Denken, für sich genommen, ist bloß die logische Funktion, mithin lauter Spontaneität der Verbindung des Mannigfaltigen einer bloß möglichen Anschauung, und stellt das Subjekt des Bewußtseins keineswegs als
B 429 Erscheinung dar, bloß darum, weil es gar keine Rücksicht auf die Art der Anschauung nimmt, ob sie sinnlich oder intellektuell sei. Dadurch stelle ich mich mir selbst, weder wie ich bin, noch wie ich mir erscheine, vor, sondern ich denke mich nur wie ein jedes Objekt überhaupt, von dessen Art der Anschauung ich abstrahiere. Wenn ich mich hier als Subjekt der Gedanken, oder auch als Grund des Denkens, vorstelle, so bedeuten diese Vorstellungsarten nicht die Kategorien der Substanz, oder der Ursache, denn diese sind jene Funktionen des Denkens (Urteilens) schon auf unsere sinnliche Anschauung angewandt, welche freilich erfordert werden würden, wenn ich mich erkennen wollte. Nun will ich mich meiner aber nur als denkend bewußt werden; wie mein eigenes Selbst in der Anschauung gegeben sei, das setze ich beiseite, und da könnte es mir, der ich denke, aber nicht sofern ich denke, bloß Erscheinung sein; im Bewußtsein meiner Selbst beim bloßen Denken bin ich das Wesen selbst, von dem mir aber freilich dadurch noch nichts zum Denken gegeben ist.
Der Satz aber, Ich denke, sofern er soviel sagt, als: Ich existiere denkend, ist nicht bloße logische Funktion, sondern bestimmt das Subjekt (welches denn zugleich Objekt ist) in Ansehung der Existenz, und kann ohne den inneren Sinn nicht stattfinden, dessen Anschauung jederzeit das Objekt nicht als Ding an sich selbst, sondern bloß als Erscheinung an die Hand gibt. In ihm ist also
B 430 schon nicht mehr bloße Spontaneität des Denkens, sondern auch Rezeptivität der Anschauung, d.i. das Denken meiner selbst auf die empirische Anschauung ebendesselben Subjekts angewandt. In dieser letzteren müßte denn nun das denkende Selbst die Bedingungen des Gebrauchs seiner logischen Funktionen zu Kategorien der Substanz, der Ursache usw. suchen, um sich als Objekt an sich selbst nicht bloß durch das Ich zu bezeichnen, sondern auch die Art seines Daseins zu bestimmen, d.i. sich als Noumenon zu erkennen, welches aber unmöglich ist, indem die innere empirische Anschauung sinnlich ist, und nichts als Data der Erscheinung an die Hand gibt, die dem Objekte des reinen Bewußtseins zur Kenntnis seiner abgesonderten Existenz nichts liefern, sondern bloß der Erfahrung zum Behufe dienen kann.
Gesetzt aber, es fände sich in der Folge, nicht in der Erfahrung, sondern in gewissen (nicht bloß logischen Regeln, sondern) a priori feststehenden, unsere Existenz betreffenden Gesetzen des reinen Vernunftgebrauchs, Veranlassung, um völlig a priori in Ansehung unseres eigenen Daseins als gesetzgebend und diese Existenz auch selbst bestimmend vorauszusetzen, so würde sich dadurch eine Spontaneität entdecken, wodurch unsere Wirklichkeit bestimmbar wäre, ohne dazu der Bedingungen der empirischen Anschauung zu bedürfen; und hier würden wir innewerden, daß im Bewußtsein unseres Daseins a priori etwas enthalten sei, was unsere nur sinnlich
B 431 durchgängig bestimmbare Existenz, doch in Ansehung eines gewissen inneren Vermögens in Beziehung auf eine intelligible (freilich nur gedachte) Welt zu bestimmen, dienen kann.
Aber dieses würde nichtsdestoweniger alle Versuche in der rationalen Psychologie nicht im mindesten weiter bringen. Denn ich würde durch jenes bewunderungswürdige Vermögen, welches mir das Bewußtsein des moralischen Gesetzes allererst offenbart, zwar ein Prinzip der Bestimmung meiner Existenz, welches rein intellektuell ist, haben, aber durch welche Prädikate? Durch keine anderen, als die mir in der sinnlichen Anschauung gegeben werden müssen, und so würde ich da wiederum hingeraten, wo ich in der rationalen Psychologie war, nämlich in das Bedürfnis sinnlicher Anschauungen, um meinen Verstandesbegriffen, Substanz, Ursache usw., wodurch ich allein Erkenntnis von mir haben kann, Bedeutung zu verschaffen; jene Anschauungen können mich aber über das Feld der Erfahrung niemals hinaushelfen. Indessen würde ich doch diese Begriffe in Ansehung des praktischen Gebrauchs, welcher doch immer auf Gegenstände der Erfahrung gerichtet ist, der im theoretischen Gebrauche analogischen Bedeutung gemäß, auf die Freiheit und das Subjekt derselben anzuwenden befugt sein, indem ich bloß die logischen Funktionen des Subjekts und Prädikats des Grundes und der Folge darunter verstehe, denen gemäß die Handlungen oder die
B 432 Wirkungen jenen Gesetzen gemäß so bestimmt werden, daß sie zugleich mit den Naturgesetzen, den Kategorien der Substanz und der Ursache allemal gemäß erklärt werden können, ob sie gleich aus ganz anderem Prinzip entspringen. Dieses hat nur zur Verhütung des Mißverstandes, dem die Lehre von unserer Selbstanschauung, als Erscheinung, leicht ausgesetzt ist, gesagt sein sollen. Im folgenden wird man davon Gebrauch zu machen Gelegenheit haben.
Der transzendentalen Dialektik Zweites Buch
Zweites Hauptstück Die Antinomie der reinen Vernunft
Wir haben in der Einleitung zu diesem Teile unseres Werks gezeigt, daß aller transzendentale Schein der reinen Vernunft auf dialektischen Schlüssen beruhe, deren Schema die Logik in den drei formalen Arten der Vernunftschlüsse überhaupt an die Hand gibt, so wie etwa die Kategorien ihr logisches Schema in den vier Funktionen aller Urteile antreffen. Die erste Art dieser vernünftelnden Schlüsse ging auf die unbedingte Einheit der subjektiven Bedingungen aller Vorstellungen überhaupt (des Subjekts oder der Seele), in Korrespondenz mit den kategorischen Vernunftschlüssen, deren Obersatz, als Prinzip, die Beziehung eines Prädikats auf ein
B 433 Subjekt aussagt. Die zweite Art des dialektischen Arguments wird also, nach der Analogie mit hypothetischen Vernunftschlüssen, die unbedingte Einheit der objektiven Bedingungen in der Erscheinung zu ihrem Inhalte machen, so wie die dritte Art, die im folgenden Hauptstücke vorkommen wird, die unbedingte Einheit der objektiven Bedingungen der Möglichkeit der Gegenstände überhaupt zum Thema hat.
Es ist aber merkwürdig, daß der transzendentale Paralogismus einen bloß einseitigen Schein, in Ansehung der Idee von dem Subjekte unseres Denkens, bewirkte, und zur Behauptung des Gegenteils sich nicht der mindeste Schein aus Vernunftbegriffen vorfinden will. Der Vorteil ist gänzlich auf der Seite des Pneumatismus, obgleich dieser den Erbfehler nicht verleugnen kann, bei allem ihm günstigen Schein in der Feuerprobe der Kritik sich in lauter Dunst aufzulösen.
Ganz anders fällt es aus, wenn wir die Vernunft auf die objektive Synthesis der Erscheinungen anwenden, wo sie ihr Prinzipium der unbedingten Einheit zwar mit vielem Scheine geltend zu machen denkt, sich aber bald in solche Widersprüche verwickelt, daß sie genötigt wird, in kosmologischer Absicht, von ihrer Forderung abzustehen.
Hier zeigt sich nämlich ein neues Phänomen der menschlichen Vernunft, nämlich: eine ganz natürliche Antithetik, auf die keiner zu grübeln und künstlich Schlingen
B 434 zu legen braucht, sondern in welche die Vernunft von selbst und zwar unvermeidlich gerät, und dadurch zwar vor den Schlummer einer eingebildeten Überzeugung, den ein bloß einseitiger Schein hervorbringt, verwahrt, aber zugleich in Versuchung gebracht wird, sich entweder einer skeptischen Hoffnungslosigkeit zu überlassen, oder einen dogmatischen Trotz anzunehmen und den Kopf steif auf gewisse Behauptungen zu setzen, ohne den Gründen des Gegenteils Gehör und Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Beides ist der Tod einer gesunden Philosophie, wiewohl jener allenfalls noch die Euthanasie der reinen Vernunft genannt werden könnte.
Ehe wir die Auftritte des Zwiespalts und der Zerrüttungen sehen lassen, welche dieser Widerstreit der Gesetze (Antinomie) der reinen Vernunft veranlaßt, wollen wir gewisse Erörterungen geben, welche die Methode erläutern und rechtfertigen können, deren wir uns in Behandlung unseres Gegenstandes bedienen. Ich nenne alle transzendentalen Ideen, sofern sie die absolute Totalität in der Synthesis der Erscheinungen betreffen, Weltbegriffe, teils wegen eben dieser unbedingten Totalität, worauf auch der Begriff des Weltganzen beruht, der selbst nur eine Idee ist, teils weil sie lediglich auf die Synthesis der Erscheinungen, mithin die empirische, gehen, da hingegen die absolute Totalität, in der Synthesis der Bedingungen aller möglichen Dinge überhaupt,
B 435 ein Ideal der reinen Vernunft veranlassen wird, welches von dem Weltbegriffe gänzlich unterschieden ist, ob es gleich darauf in Beziehung steht. Daher, so wie die Paralogismen der reinen Vernunft den Grund zu einer dialektischen Psychologie legten, so wird die Antinomie der reinen Vernunft die transzendentalen Grundsätze einer vermeinten reinen (rationalen) Kosmologie vor Augen stellen, nicht, um sie gültig zu finden und sich zuzueignen, sondern, wie es auch schon die Benennung von einem Widerstreit der Vernunft anzeigt, um sie als eine Idee, die sich mit Erscheinungen nicht vereinbaren läßt, in ihrem blendenden aber falschen Scheine darzustellen.
Der Antinomie der reinen Vernunft Erster Abschnitt System der kosmologischen Ideen
Um nun diese Ideen nach einem Prinzip mit systematischer Präzision aufzählen zu können, müssen wir erstlich bemerken, daß nur der Verstand es sei, aus welchem reine und transzendentale Begriffe entspringen können, daß die Vernunft eigentlich gar keinen Begriff erzeuge, sondern allenfalls nur den Verstandesbegriff, von den unvermeidlichen Einschränkungen einer möglichen Erfahrung, frei mache, und ihn also über die Grenzen des Empirischen, doch aber in Verknüpfung mit
B 436 demselben zu erweitern suche. Dieses geschieht dadurch, daß sie zu einem gegebenen Bedingten auf der Seite der Bedingungen (unter denen der Verstand alle Erscheinungen der synthetischen Einheit unterwirft) absolute Totalität fordert, und dadurch die Kategorie zur transzendentalen Idee macht, um der empirischen Synthesis, durch die Fortsetzung derselben bis zum Unbedingten, (welches niemals in der Erfahrung, sondern nur in der Idee angetroffen wird,) absolute Vollständigkeit zu geben. Die Vernunft fordert dieses nach dem Grundsatze: wenn das Bedingte gegeben ist, so ist auch die ganze Summe der Bedingungen, mithin das schlechthin Unbedingte gegeben, wodurch jenes allein möglich war. Also werden erstlich die transzendentalen Ideen eigentlich nichts, als bis zum Unbedingten erweiterte Kategorien sein, und jene werden sich in eine Tafel bringen lassen, die nach den Titeln der letzteren angeordnet ist. Zweitens aber werden doch auch nicht alle Kategorien dazu taugen, sondern nur diejenige, in welchen die Synthesis eine Reihe ausmacht, und zwar der einander untergeordneten (nicht beigeordneten) Bedingungen zu einem Bedingten. Die absolute Totalität wird von der Vernunft nur sofern gefordert, als sie die aufsteigende Reihe der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten angeht, mithin nicht, wenn von der absteigenden Linie der Folgen, noch auch von dem Aggregat koordinierter Bedingungen zu diesen Folgen, die Rede ist. Denn Bedingungen sind in
B 437 Ansehung des gegebenen Bedingten schon vorausgesetzt und mit diesem auch als gegeben anzusehen, anstatt daß, da die Folgen ihre Bedingungen nicht möglich machen, sondern vielmehr voraussetzen, man im Fortgange zu den Folgen (oder im Absteigen von der gegebenen Bedingung zu dem Bedingten) unbekümmert sein kann, ob die Reihe aufhöre oder nicht, und überhaupt die Frage, wegen ihrer Totalität, gar keine Voraussetzung der Vernunft ist.
So denkt man sich notwendig eine bis auf den gegebenen Augenblick völlig abgelaufene Zeit, auch als gegeben, (wenngleich nicht durch uns bestimmbar). Was aber die künftige betrifft, da sie die Bedingung nicht ist, zu der Gegenwart zu gelangen, so ist es, um diese zu begreifen, ganz gleichgültig, wie wir es mit der künftigen Zeit halten wollen, ob man sie irgendwo aufhören, oder ins Unendliche laufen lassen will. Es sei die Reihe m, n, o, worin n als bedingt in Ansehung m, aber zugleich als Bedingung von o gegeben ist, die Reihe gehe aufwärts von dem bedingten n zu m (l, k, i, etc.), imgleichen abwärts von der Bedingung n zum bedingten o (p, q, r, etc.), so muß ich die erstere Reihe voraussetzen, um n als gegeben anzusehen, und n ist nach der Vernunft (der Totalität der Bedingungen) nur vermittelst jener Reihe möglich, seine Möglichkeit beruht aber nicht auf der folgenden Reihe o, p, q, r, die daher auch nicht
B 438 als gegeben, sondern nur als dabilis angesehen werden könne.
Ich will die Synthesis einer Reihe auf der Seite der Bedingungen, also von derjenigen an, welche die nächste zur gegebenen Erscheinung ist, und so zu den entfernteren Bedingungen, die regressive, diejenige aber, die auf der Seite des Bedingten, von der nächsten Folge zu den entfernteren fortgeht, die progressive Synthesis nennen. Die erstere geht in antecedentia, die zweite in consequentia. Die kosmologischen Ideen also beschäftigen sich mit der Totalität der regressiven Synthesis, und gehen in antecedentia, nicht in consequentia. Wenn dieses letztere geschieht, so ist es ein willkürliches und nicht notwendiges Problem der reinen Vernunft, weil wir zur vollständigen Begreiflichkeit dessen, was in der Erscheinung gegeben ist, wohl der Gründe, nicht aber der Folgen bedürfen.
Um nun nach der Tafel der Kategorien die Tafel der Ideen einzurichten, so nehmen wir zuerst die zwei ursprünglichen quanta aller unserer Anschauung, Zeit und Raum. Die Zeit ist an sich selbst eine Reihe (und die formale Bedingung aller Reihen), und daher sind in ihr, in Ansehung einer gegebenen Gegenwart, die antecedentia als Bedingungen (das Vergangene) von den consequentibus (dem Künftigen) a priori zu unterscheiden. Folglich geht die transzendentale Idee, der absoluten Totalität der Reihe der Bedingungen zu einem
B 439 gegebenen Bedingten, nur auf alle vergangene Zeit. Es wird nach der Idee der Vernunft die ganze verlaufene Zeit als Bedingung des gegebenen Augenblicks notwendig als gegeben gedacht. Was aber den Raum betrifft, so ist in ihm an sich selbst kein Unterschied des Progressus vom Regressus, weil er ein Aggregat, aber keine Reihe ausmacht, indem seine Teile insgesamt zugleich sind. Den gegenwärtigen Zeitpunkt konnte ich in Ansehung der vergangenen Zeit nur als bedingt, niemals aber als Bedingung derselben, ansehen, weil dieser Augenblick nur durch die verflossene Zeit (oder vielmehr durch das Verfliessen der vorhergehenden Zeit) allererst entspringt. Aber da die Teile des Raumes einander nicht untergeordnet, sondern beigeordnet sind, so ist ein Teil nicht die Bedingung der Möglichkeit des anderen, und er macht nicht, so wie die Zeit, an sich selbst eine Reihe aus. Allein die Synthesis der mannigfaltigen Teile des Raumes, wodurch wir ihn apprehendieren, ist doch successiv, geschieht also in der Zeit und enthält eine Reihe. Und da in dieser Reihe der aggregierten Räume (z.B. der Füße in einer Rute) von einem gegebenen an, die weiter hinzugedachten immer die Bedingung von der Grenze der vorigen sind, so ist das Messen eines Raumes auch als eine Synthesis einer Reihe der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten anzusehen, nur daß die Seite der Bedingungen, von der Seite, nach welcher das Bedingte hin liegt, an sich selbst nicht unterschieden ist, folglich
B 440 regressus und progressus im Raume einerlei zu sein scheint. Weil indessen ein Teil des Raumes nicht durch den anderen gegeben, sondern nur begrenzt wird, so müssen wir jeden begrenzten Raum insofern auch als bedingt ansehen, der einen anderen Raum als die Bedingung seiner Grenze voraussetzt, und so fortan. In Ansehung der Begrenzung ist also der Fortgang im Raume auch ein Regressus, und die transzendentale Idee der absoluten Totalität der Synthesis in der Reihe der Bedingungen trifft auch den Raum, und ich kann ebensowohl nach der absoluten Totalität der Erscheinung im Raume, als der in der verflossenen Zeit, fragen. Ob aber überall darauf auch eine Antwort möglich sei, wird sich künftig bestimmen lassen.
Zweitens, so ist die Realität im Raume, d.i. die Materie, ein Bedingtes, dessen innere Bedingungen seine Teile, und die Teile der Teile die entfernten Bedingungen sind, so daß hier eine regressive Synthesis stattfindet, deren absolute Totalität die Vernunft fordert, welche nicht anders als durch eine vollendete Teilung, dadurch die Realität der Materie entweder in Nichts oder doch in das, was nicht mehr Materie ist, nämlich das Einfache, verschwindet, stattfinden kann. Folglich ist hier auch eine Reihe von Bedingungen und ein Fortschritt zum Unbedingten.
B 441 Drittens, was die Kategorien des realen Verhältnisses unter den Erscheinungen anlangt, so schickt sich die Kategorie der Substanz mit ihren Akzidenzen nicht zu einer transzendentalen Idee; d.i. die Vernunft hat keinen Grund, in Ansehung ihrer, regressiv auf Bedingungen zu gehen. Denn Akzidenzen sind (sofern sie einer einigen Substanz inhärieren) einander koordiniert, und machen keine Reihe aus. In Ansehung der Substanz aber sind sie derselben eigentlich nicht subordiniert, sondern die Art zu existieren der Substanz selber. Was hierbei noch scheinen könnte eine Idee der transzendentalen Vernunft zu sein, wäre der Begriff von Substantiale. Allein, da dieses nichts anderes bedeutet, als den Begriff vom Gegenstande überhaupt, welcher subsistiert, sofern man an ihm bloß das transzendentale Subjekt ohne alle Prädikate denkt, hier aber nur die Rede vom Unbedingten in der Reihe der Erscheinungen ist, so ist klar, daß das Substantiale kein Glied in derselben ausmachen könne. Eben dasselbe gilt auch von Substanzen in Gemeinschaft, welche bloße Aggregate sind, und keinen Exponenten einer Reihe haben, indem sie nicht einander als Bedingungen ihrer Möglichkeit subordiniert sind, welches man wohl von den Räumen sagen konnte, deren Grenze niemals an sich, sondern immer durch einen anderen Raum bestimmt war. Es bleibt also nur die Kategorie der Kausalität übrig, welche eine Reihe der Ursachen zu einer gegebenen Wirkung darbietet, in welcher man
B 442 von der letzteren, als dem Bedingten, zu jenen, als Bedingungen, aufsteigen und der Vernunftfrage antworten kann.
Viertens, die Begriffe des Möglichen, Wirklichen und Notwendigen führen auf keine Reihe, außer nur, sofern das Zufällige im Dasein jederzeit als bedingt angesehen werden muß, und nach der Regel des Verstandes auf eine Bedingung weist, darunter es notwendig ist, diese auf eine höhere Bedingung zu weisen bis die Vernunft nur in der Totalität diese Reihe die unbedingte Notwendigkeit antrifft.
Es sind demnach nicht mehr, als vier kosmologische Ideen, nach den vier Titeln der Kategorien, wenn man diejenigen aushebt, welche eine Reihe in der Synthesis des Mannigfaltigen notwendig bei sich führen.
B 443 1. Die absolute Vollständigkeit der Zusammensetzung des gegebenen Ganzen aller Erscheinungen
2 Die absolute Vollständigkeit der Teilung eines gegebenen Ganzen in der Erscheinung
3 Die absolute Vollständigkeit der Entstehung einer Erscheinung
4 Die absolute Vollständigkeit der Abhängigkeit des Daseins des Veränderlichen in der Erscheinung
Zuerst ist hierbei anzumerken, daß die Idee der absoluten Totalität nichts anderes, als die Exposition der Erscheinungen, betreffe, mithin nicht den reinen Verstandesbegriff von einen Ganzen der Dinge überhaupt. Es werden hier also Erscheinungen als gegeben betrachtet, und die Vernunft fordert die absolute Vollständigkeit der Bedingungen ihrer Möglichkeit, sofern diese eine Reihe ausmachen, mithin eine schlechthin (d.i. in aller Absicht) vollständige Synthesis, wodurch die Erscheinung nach Verstandesgesetzen exponiert werden könne.
Zweitens ist es eigentlich nur das Unbedingte, was die Vernunft, in dieser, reihenweise, und zwar reggressiv,
B 444 fortgesetzten Synthesis der Bedingungen, sucht, gleichsam die Vollständigkeit in der Reihe der Prämissen, die zusammen weiter keine andere voraussetzen. Dieses Unbedingte ist nun jederzeit in der absoluten Totalität der Reihe, wenn man sie sich in der Einbildung vorstellt, enthalten. Allein diese schlechthin vollendete Synthesis ist wiederum nur eine Idee; denn man kann, wenigstens zum voraus, nicht wissen, ob eine solche bei Erscheinungen auch möglich sei. Wenn man sich alles durch bloße reine Verstandesbegriffe, ohne Bedingungen der sinnlichen Anschauung, vorstellt, so kann man geradezu sagen: daß zu einem gegebenen Bedingten auch die ganze Reihe einander subordinierter Bedingungen gegeben sei; denn jenes ist allein durch diese gegeben. Allein bei Erscheinungen ist eine besondere Einschränkung der Art, wie Bedingungen gegeben werden, anzutreffen, nämlich durch die sukzessive Synthesis des Mannigfaltigen der Anschauung, die im Regressus vollständig sein soll. Ob diese Vollständigkeit nun sinnlich möglich sei, ist noch ein Problem. Allein die Idee dieser Vollständigkeit liegt doch in der Vernunft, unangesehen der Möglichkeit, oder Unmöglichkeit, ihr adäquat empirische Begriffe zu verknüpfen. Also, da in der absoluten Totalität der regressiven Synthesis des Mannigfaltigen in der Erscheinung (nach Anleitung der Kategorien, die sie als eine Reihe von Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten vorstellen,) das Unbedingte notwendig
B 445 enthalten ist, man mag auch unausgemacht lassen, ob und wie diese Totalität zustande zu bringen sei: so nimmt die Vernunft hier den Weg, von der Idee der Totalität auszugehen, ob sie gleich eigentlich das Unbedingte, es sei der ganzen Reihe, oder eines Teils derselben, zur Endabsicht hat.
Dieses Unbedingte kann man sich nun gedenken, entweder als bloß in der ganzen Reihe bestehend, in der also alle Glieder ohne Ausnahme bedingt und nur das Ganze derselben schlechthin unbedingt wäre, und dann heißt der Regressus unendlich; oder das absolut Unbedingte ist nur ein Teil der Reihe, dem die übrigen Glieder derselben untergeordnet sind, der selbst aber unter keiner anderen Bedingung steht.* In dem ersteren Falle ist die Reihe a parte priori ohne Grenzen (ohne Anfang), d.i. unendlich, und gleichwohl ganz gegeben, der Regressus in ihr aber ist niemals vollendet, und kann nur potentialiter unendlich genannt werden. Im
B 446 zweiten Falle gibt es ein Erstes der Reihe, welches in Ansehung der verflossenen Zeit der Weltanfang, in Ansehung des Raums die Weltgrenze, in Ansehung der Teile, eines in seinen Grenzen gegebenen Ganzen, das Einfache, in Ansehung der Ursachen die absolute Selbsttätigkeit (Freiheit), in Ansehung des Daseins veränderlicher Dinge die absolute Naturnotwendigkeit heißt.
* Das absolute Ganze der Reihe von Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten ist jederzeit unbedingt; weil außer ihr keine Bedingungen mehr sind, in Ansehung deren es bedingt sein könnte. Allein dieses absolute Ganze einer solchen Reihe ist nur eine Idee, oder vielmehr ein problematischer Begriff, dessen Möglichkeit untersucht werden muß, und zwar in Beziehung auf die Art, wie das Unbedingte, als die eigentliche transzendentale Idee, worauf es ankommt, darin enthalten sein mag.
Wir haben zwei Ausdrücke: Welt und Natur, welche bisweilen ineinander laufen. Das erste bedeutet das mathematische Ganze aller Erscheinungen und die Totalität ihrer Synthesis, im Großen sowohl als im Kleinen, d.i. sowohl in dem Fortschritt derselben durch Zusammensetzung, als durch Teilung. Eben dieselbe Welt wird aber Natur* genannt, sofern sie als ein dynamisches Ganzes betrachtet wird, und man nicht auf die Aggregation im Raume oder der Zeit, um sie als
B 447 eine Größe zustande zu bringen, sondern auf die Einheit im Dasein der Erscheinungen sieht. Da heißt nun die Bedingung von dem, was geschieht, die Ursache, und die unbedingte Kausalität der Ursache in der Erscheinung die Freiheit, die bedingte dagegen heißt im engeren Verstande Naturursache. Das Bedingte im Dasein überhaupt heißt zufällig, und das Unbedingte notwendig. Die unbedingte Notwendigkeit der Erscheinungen kann Naturnotwendigkeit heißen.
* Natur, adjektive (formaliter) genommen, bedeutet den Zusammenhang der Bestimmungen eines Dinges nach einem inneren Prinzip der Kausalität. Dagegen versteht man unter Natur, substantive (materialiter), den Inbegriff der Erscheinungen, sofern diese vermöge eines inneren Prinzips der Kausalität durchgängig zusammenhängen. Im ersteren Verstande spricht man von der Natur der flüssigen Materie, des Feuers etc., und bedient sich dieses Worts adjective; dagegen wenn man von den Dingen der Natur redet, so hat man ein bestehendes Ganzes in Gedanken.
Die Ideen, mit denen wir uns jetzt beschäftigen, habe ich oben kosmologische Ideen genannt, teils darum, weil unter Welt der Inbegriff aller Erscheinungen verstanden wird, und unsere Ideen auch nur auf das Unbedingte unter den Erscheinungen gerichtet sind, teils auch, weil das Wort Welt, im transzendentalen Verstande, die absolute Totalität des Inbegriffs existierender Dinge bedeutet, und wir auf die Vollständigkeit der Synthesis (wiewohl nur eigentlich im Regressus zu den Bedingungen) allein unser Augenmerk richten. In Betracht dessen, daß überdem diese Ideen insgesamt transzendent sind, und, ob sie zwar das Objekt, nämlich Erscheinungen, der Art nach nicht überschreiten, sondern es lediglich mit der Sinnenwelt (nicht mit Noumenis) zu tun haben, dennoch die Synthesis bis auf einen Grad, der alle mögliche Erfahrung übersteigt, treiben, so kann man sie insgesamt meiner Meinung nach ganz schicklich Weltbegriffe nennen. In Ansehung des Unterschiedes des
B 448 Mathematisch- und des Dynamischunbedingten, worauf der Regressus abzielt, würde ich doch die zwei ersteren in engerer Bedeutung Weltbegriffe (der Welt im Großen und Kleinen), die zwei übrigen aber transzendente Naturbegriffe nennen. Diese Unterscheidung ist vorjetzt noch nicht von sonderlicher Erheblichkeit, sie kann aber im Fortgange wichtiger werden.
Der Antinomie der reinen Vernunft Zweiter Abschnitt Antithetik der reinen Vernunft
Wenn Thetik ein jeder Inbegriff dogmatischer Lehren ist, so verstehe ich unter Antithetik nicht dogmatische Behauptungen des Gegenteils, sondern den Widerstreit der dem Scheine nach dogmatischen Erkenntnisse, (thesin cum antithesi), ohne daß man einer vor der anderen einen vorzüglichen Anspruch auf Beifall beilegt. Die Antithetik beschäftigt sich also gar nicht mit einseitigen Behauptungen, sondern betrachtet allgemeine Erkenntnisse der Vernunft nur nach dem Widerstreite derselben untereinander und den Ursachen desselben. Die transzendentale Antithetik ist eine Untersuchung über die Antinomie der reinen Vernunft, die Ursachen und das Resultat derselben. Wenn wir unsere Vernunft nicht bloß, zum Gebrauch der Verstandesgrundsätze, auf
B 449 Gegenstände der Erfahrung verwenden, sondern jene über die Grenze der letzteren hinaus auszudehnen wagen, so entspringen vernünftelnde Lehrsätze, die in der Erfahrung weder Bestätigung hoffen, noch Widerlegung fürchten dürfen, und deren jeder nicht allein an sich selbst ohne Widerspruch ist, sondern sogar in der Natur der Vernunft Bedingungen seiner Notwendigkeit antrifft, nur daß unglücklicherweise der Gegensatz ebenso gültige und notwendige Gründe der Behauptung auf seiner Seite hat.
Die Fragen, welche bei einer solchen Dialektik der reinen Vernunft sich natürlich darbieten, sind also: 1. Bei welchen Sätzen denn eigentlich die reine Vernunft einer Antinomie unausbleiblich unterworfen sei. 2. Auf welchen Ursachen diese Antinomie beruhe. 3. Ob und auf welche Art dennoch der Vernunft unter diesem Widerspruch ein Weg zur Gewißheit offen bleibe.
Ein dialektischer Lehrsatz der reinen Vernunft muß demnach dieses, ihn von allen sophistischen Sätzen unterscheidendes, an sich haben, daß er nicht eine willkürliche Frage betrifft, die man nur in gewisser beliebiger Absicht aufwirft, sondern eine solche, auf die jede menschliche Vernunft in ihrem Fortgange notwendig stoßen muß; und zweitens, daß er, mit seinem Gegensatze, nicht bloß einen gekünstelten Schein, der, wenn man ihn einsieht, sogleich verschwindet, sondern einen natürlichen und unvermeidlichen Schein bei sich führe, der selbst, wenn
B 450 man nicht mehr durch ihn hintergangen wird, noch immer täuscht, obschon nicht betrügt, und also zwar unschädlich gemacht, aber niemals vertilgt werden kann.
Eine solche dialektische Lehre wird sich nicht auf die Verstandeseinheit in Erfahrungsbegriffen, sondern auf die Vernunfteinheit in bloßen Ideen beziehen, deren Bedingungen, da sie erstlich, als Synthesis nach Regeln. dem Verstande, und doch zugleich, als absolute Einheit derselben, der Vernunft kongruieren soll, wenn sie der Vernunfteinheit adäquat ist, für den Verstand zu groß, und, wenn sie dem Verstande angemessen, für die Vernunft zu klein sein wird; woraus denn ein Widerstreit entspringen muß, der nicht vermieden werden kann, man mag es anfangen, wie man will.
Diese vernünftelnden Behauptungen eröffnen also einen dialektischen Kampfplatz, wo jeder Teil die Oberhand behält, der die Erlaubnis hat, den Angriff zu tun, und derjenige gewiß unterliegt, der bloß verteidigungsweise zu verfahren genötigt ist. Daher auch rüstige Ritter, sie mögen sich für die gute oder schlimme Sache verbürgen, sicher sind, den Siegeskranz davon zu tragen, wenn sie nur dafür sorgen, daß sie den letzten Angriff zu tun das Vorrecht haben, und nicht verbunden sind, einen neuen Anfall des Gegners auszuhalten. Man kann sich leicht vorstellen, daß dieser Tummelplatz von jeher oft genug betreten worden, daß viele Siege von beiden Seiten erfochten, für den letzteren aber,
B 451 der die Sache entschied, jederzeit so gesorgt worden sei, daß der Verfechter der guten Sache den Platz allein behielte, dadurch, daß seinem Gegner verboten wurde, fernerhin Waffen in die Hände zu nehmen. Als unparteiische Kampfrichter müssen wir es ganz beiseite setzen, ob es die gute oder die schlimme Sache sei, um welche die Streitenden fechten, und sie ihre Sache erst unter sich ausmachen lassen. Vielleicht daß, nachdem sie einander mehr ermüdet als geschadet haben, sie die Nichtigkeit ihres Streithandels von selbst einsehen und als gute Freunde auseinander gehen.
Diese Methode, einem Streite der Behauptungen zuzusehen, oder vielmehr ihn selbst zu veranlassen, nicht, um endlich zum Vorteile des einen oder des anderen Teils zu entscheiden, sondern, um zu untersuchen, ob der Gegenstand desselben nicht vielleicht ein bloßes Blendwerk sei, wonach jeder vergeblich hascht, und bei welchem er nichts gewinnen kann, wenn ihm gleich gar nicht widerstanden würde, dieses Verfahren, sage ich, kann man die skeptische Methode nennen. Sie ist vom Skeptizismus gänzlich unterschieden, einem Grundsatze einer kunstmäßigen und szientifischen Unwissenheit, welcher die Grundlagen aller Erkenntnis untergräbt, um, wo möglich, überall keine Zuverlässigkeit und Sicherheit derselben übrigzulassen. Denn die skeptische Methode geht auf Gewißheit, dadurch, daß sie in einem solchen, auf beiden Seiten redlich gemeinten und mit Verstande
B 452 geführten Streite, den Punkt des Mißverständnisses zu entdecken sucht, um, wie weise Gesetzgeber tun, aus der Verlegenheit der Richter bei Rechtshändeln für sich selbst Belehrung, von dem Mangelhaften und nicht genau Bestimmten in ihren Gesetzen, zu ziehen. Die Antinomie, die sich in der Anwendung der Gesetze offenbart, ist bei unserer eingeschränkten Weisheit der beste Prüfungsversuch der Nomothetik, um die Vernunft, die in abstrakter Spekulation ihre Fehltritte nicht leicht gewahr wird, dadurch auf die Momente in Bestimmung ihrer Grundsätze aufmerksam zu machen.
Diese skeptische Methode ist aber nur der Transzendentalphilosophie allein wesentlich eigen, und kann allenfalls in jedem anderen Felde der Untersuchungen, nur in diesem nicht, entbehrt werden. In der Mathematik würde ihr Gebrauch ungereimt sein; weil sich in ihr keine falschen Behauptungen verbergen und unsichtbar machen können, indem die Beweise jederzeit an dem Faden der reinen Anschauung, und zwar durch jederzeit evidente Synthesis fortgehen müssen. In der Experimentalphilosophie kann wohl ein Zweifel des Aufschubs nützlich sein, allein es ist doch wenigstens kein Mißverstand möglich, der nicht leicht gehoben werden könnte, und in der Erfahrung müssen doch endlich die letzten Mittel der Entscheidung des Zwistes liegen, sie mögen nun früh oder spät aufgefunden werden. Die Moral kann ihre
B 453 Grundsätze insgesamt auch in concreto, zusamt den praktischen Folgen, wenigstens in möglichen Erfahrungen geben und dadurch den Mißverstand der Abstraktion vermeiden. Dagegen sind die transzendentalen Behauptungen, welche selbst über das Feld aller möglichen Erfahrungen hinaus sich erweiternde Einsichten anmaßen, weder in dem Falle, daß ihre abstrakte Synthesis in irgendeiner Anschauung a priori könnte gegeben, noch so beschaffen, daß der Mißverstand vermittelst irgendeiner Erfahrung entdeckt werden könnte. Die transzendentale Vernunft also verstattet keinen anderen Probierstein, als den Versuch der Vereinigung ihrer Behauptungen unter sich selbst, und mithin zuvor des freien und ungehinderten Wettstreits derselben untereinander, und diesen wollen wir anjetzt anstellen.*
* Die Antinomien folgen einander nach der Ordnung der oben angeführten transzendentalen Ideen.
Die Antinomie der reinen Vernunft
B 454 Erster Widerstreit der transzendentalen Ideen
Thesis
Die Welt hat einen Anfang in der Zeit, und ist dem Raum nach auch in Grenzen eingeschlossen.
Beweis
Denn, man nehme an, die Welt habe der Zeit nach keinen Anfang: so ist bis zu jedem gegebenen Zeitpunkte eine Ewigkeit abgelaufen, und mithin eine unendliche Reihe aufeinander folgender Zustände der Dinge in der Welt verflossen. Nun besteht aber eben darin die Unendlichkeit einer Reihe, daß sie durch sukzessive Synthesis niemals vollendet sein kann. Also ist eine unendliche verflossene Weltreihe unmöglich, mithin ein Anfang der Welt eine notwendige Bedingung ihres Daseins; welches zuerst zu beweisen war.
In Ansehung des zweiten nehme man wiederum das Gegenteil an: so wird die Welt ein unendliches gegebenes Ganzes von zugleich existierenden Dingen sein. Nun können wir die Größe eines Quanti, welches nicht innerhalb gewisser Grenzen jeder Anschauung gegeben wird,* auf
B 456 keine andere Art, als nur durch die Synthesis der Teile, und die Totalität eines solchen Quanti nur durch die vollendete Synthesis, oder durch wiederholte Hinzusetzung der Einheit zu sich selbst, gedenken.** Demnach, um sich die Welt, die alle Räume erfüllt, als ein Ganzes zu denken, müßte die sukzessive Synthesis der Teile einer unendlichen Welt als vollendet angesehen, d.i., eine unendliche Zeit müßte, in der Durchzählung aller koexistierenden Dinge, als abgelaufen angesehen werden; welches unmöglich ist. Demnach kann ein unendliches Aggregat wirklicher Dinge, nicht als ein gegebenes Ganzes, mithin auch nicht als zugleich gegeben, angesehen werden. Eine Welt ist folglich, der Ausdehnung im Raume nach, nicht unendlich, sondern in ihren Grenzen eingeschlossen, welches das zweite war.
* Wir können ein unbestimmtes Quantum als ein Ganzes anschauen, wenn es in Grenzen eingeschlossen ist, ohne die Totalität desselben durch Messung, d.i. die sukzessive Synthesis seiner Teile, konstruieren zu dürfen. Denn die Grenzen bestimmen schon die Vollständigkeit, indem sie alles Mehreres abschneiden.
** Der Begriff der Totalität ist in diesem Falle nichts anderes, als die Vorstellung der vollendeten Synthesis, seiner Teile, weil, da wir nicht von der Anschauung des Ganzen (als welche in diesem Falle unmöglich ist) den Begriff abziehen können, wir diesen nur durch die Synthesis der Teile, bis zur Vollendung des Unendlichen, wenigstens in der Idee fassen können.
B 455 Antithesis
Die Welt hat keinen Anfang, und keine Grenzen im Raume, sondern ist, sowohl in Ansehung der Zeit, als des Raumes, unendlich.
Beweis
Denn man setze: sie habe einen Anfang. Da der Anfang ein Dasein ist, wovor eine Zeit vorhergeht, darin das Ding nicht ist, so muß eine Zeit vorhergegangen sein, darin die Welt nicht war, d.i. eine leere Zeit. Nun ist aber in einer leeren Zeit kein Entstehen irgend eines Dinges möglich; weil kein Teil einer solchen Zeit vor einem anderen irgendeine unterscheidende Bedingung des Daseins, vor die des Nichtseins, an sich hat (man mag annehmen, daß sie von sich selbst, oder durch eine andere Ursache entstehe). Also kann zwar in der Welt manche Reihe der Dinge anfangen, die Welt selber aber kann keinen Anfang haben, und ist also in Ansehung der vergangenen Zeit unendlich.
Was das zweite betrifft, so nehme man zuvörderst das Gegenteil an, daß nämlich die Welt dem Raume nach endlich und begrenzt ist; so befindet sie sich in einem leeren Raum, der nicht begrenzt ist. Es würde also nicht allein ein Verhältnis der Dinge im Raum, sondern auch der Dinge zum Raume angetroffen werden. Da nun die Welt ein absolutes Ganzes ist, außer welchem kein
B 457 Gegenstand der Anschauung, und mithin kein Korrelatum der Welt, angetroffen wird, womit dieselbe im Verhältnis stehe, so würde das Verhältnis der Welt zum leeren Raum ein Verhältnis derselben zu keinem Gegenstande sein. Ein dergleichen Verhältnis aber, mithin auch die Begrenzung der Welt durch den leeren Raum, ist nichts; also ist die Welt, dem Raume nach, gar nicht begrenzt, d.i. sie ist in Ansehung der Ausdehnung unendlich.*
* Der Raum ist bloß die Form der äußeren Anschauung (formale Anschauung), aber kein wirklicher Gegenstand, der äußerlich angeschaut werden kann. Der Raum, vor allen Dingen, die ihn bestimmen (erfüllen oder begrenzen), oder die vielmehr eine seiner Form gemäße empirische Anschauung geben, ist, unter dem Namen des absoluten Raumes, nichts anderes, als die bloße Möglichkeit äußerer Erscheinungen, sofern sie entweder an sich existieren, oder zu gegebenen Erscheinungen noch hinzukommen können. Die empirische Anschauung ist also nicht zusammengesetzt aus Erscheinungen und dem Raume (der Wahrnehmung und der leeren Anschauung). Eines ist nicht des anderen Korrelatum der Synthesis, sondern nur in einer und derselben empirischen Anschauung verbunden, als Materie und Form derselben. Will man eines dieser zwei Stücke außer dem anderen setzen (Raum außerhalb allen Erscheinungen), so entstehen daraus allerlei leere Bestimmungen der äußeren Anschauung, die doch nicht mögliche Wahrnehmungen sind. Z.B. Bewegung oder Ruhe der Welt im unendlichen leeren Raum, eine Bestimmung des Verhältnisses beider untereinander, welche niemals wahrgenommen werden kann, und also auch das Prädikat eines bloßen Gedankendinges ist.
B 458 Anmerkung zur ersten Antinomie I. zur Thesis
Ich habe bei diesen einander widerstreitenden Argumenten nicht Blendwerke gesucht, um etwa (wie man sagt) einen Advokatenbeweis zu führen, welcher sich der Unbehutsamkeit des Gegners zu seinem Vorteile bedient, und seine Berufung auf ein mißverstandenes Gesetz gerne gelten läßt, um seine eigenen unrechtmäßigen Ansprüche auf die Widerlegung desselben zu bauen. Jeder dieser Beweise ist aus der Sache Natur gezogen und der Vorteil beiseite gesetzt worden, den uns die Fehlschlüsse der Dogmatiker von beiden Teilen geben könnten.
Ich hätte die Thesis auch dadurch dem Scheine nach beweisen können, daß ich von der Unendlichkeit einer gegebenen Größe, nach der Gewohnheit der Dogmatiker, einen fehlerhaften Begriff vorangeschickt hätte. Unendlich ist eine Größe, über die keine größere (d.i. über die darin enthaltene Menge einer gegebenen Einheit) möglich ist. Nun ist keine Menge die größte, weil noch immer eine oder mehrere Einheiten hinzugetan werden können. Also ist eine unendliche gegebene Größe, mithin auch eine (der verflossenen Reihe sowohl, als der Ausdehnung nach) unendliche Welt unmöglich: sie ist also beiderseitig begrenzt. So hätte ich meinen Beweis führen können: allein dieser Begriff stimmt nicht mit dem, was man unter einem unendlichen Ganzen versteht. Es wird dadurch nicht vorgestellt, wie groß es sei, mithin ist sein Begriff auch nicht der Begriff eines Maximum, sondern es wird dadurch nur
B 460 sein Verhältnis zu einer beliebig anzunehmenden Einheit, in Ansehung deren dasselbe größer ist als alle Zahl, gedacht. Nachdem die Einheit nun größer oder kleiner angenommen wird, würde das Unendliche größer oder kleiner sein; allein die Unendlichkeit, da sie bloß in dem Verhältnisse zu dieser gegebenen Einheit besteht, würde immer dieselbe bleiben, obgleich freilich die absolute Größe des Ganzen dadurch gar nicht erkannt würde, davon auch hier nicht die Rede ist.
Der wahre (transzendentale) Begriff der Unendlichkeit ist: daß die sukzessive Synthesis der Einheit in Durchmessung eines Quantum niemals vollendet sein kann.* Hieraus folgt ganz sicher, daß eine Ewigkeit wirklicher aufeinanderfolgenden Zustände bis zu einem gegebenen (dem gegenwärtigen) Zeitpunkte nicht verflossen sein kann, die Welt also einen Anfang haben müsse.
* Dieses enthält dadurch eine Menge (von gegebener Einheit), die größer ist als alle Zahl, welches der mathematische Begriff des Unendlichen ist.
In Ansehung des zweiten Teils der Thesis fällt die Schwierigkeit, von einer unendlichen und doch abgelaufenen Reihe zwar weg; denn das Mannigfaltige einer der Ausdehnung nach unendlichen Welt ist zugleich gegeben. Allein, um die Totalität einer solchen Menge zu denken, da wir uns nicht auf Grenzen berufen können, welche diese Totalität von selbst in der Anschauung ausmachen, müssen wir von unserem Begriffe Rechenschaft geben, der in solchem Falle nicht vom Ganzen zu der bestimmten Menge der Teile gehen kann, sondern die Möglichkeit eines Ganzen durch die sukzessive Synthesis der Teile dartun muß. Da diese Synthesis nun eine nie zu vollendende Reihe ausmachen müßte; so kann man sich nicht vor ihr, und mithin auch nicht durch sie, eine Totalität denken. Denn der Begriff der Totalität selbst ist in diesem Falle die Vorstellung einer vollendeten Synthesis der Teile, und diese Vollendung, mithin auch der Begriff derselben, ist unmöglich.
B 459 II. Anmerkung zur Antithesis
Der Beweis für die Unendlichkeit der gegebenen Weltreihe und des Weltinbegriffs beruht darauf: daß im entgegengesetzten Falle eine leere Zeit, imgleichen ein leerer Raum, die Weltgrenze ausmachen müßte. Nun ist mir nicht unbekannt, daß wider diese Konsequenz Ausflüchte gesucht werden, indem man vorgibt: es sei eine Grenze der Welt, der Zeit und dem Raume nach, ganz wohl möglich, ohne daß man eben eine absolute Zeit vor der Welt Anfang, oder einen absoluten, außer der wirklichen Welt ausgebreiteten Raum annehmen dürfe; welches unmöglich ist. Ich bin mit dem letzteren Teile dieser Meinung der Philosophen aus der Leibnitzischen Schule ganz wohl zufrieden. Der Raum ist bloß die Form der äußeren Anschauung, aber kein wirklicher Gegenstand, der äußerlich angeschaut werden kann, und kein Korrelatum der Erscheinungen, sondern die Form der Erscheinungen selbst. Der Raum also kann absolut (für sich allein) nicht als etwas Bestimmendes in dem Dasein der Dinge vorkommen, weil er gar kein Gegenstand ist, sondern nur die Form möglicher Gegenstände. Dinge also, als Erscheinungen, bestimmen wohl den Raum, d.i. unter allen möglichen Prädikaten desselben (Größe und Verhältnis) machen sie es, daß diese oder jene zur Wirklichkeit gehören; aber umgekehrt kann der Raum, als etwas, welches für sich besteht, die Wirklichkeit der Dinge in Ansehung der Größe oder Gestalt nicht bestimmen, weil er an sich selbst nichts Wirkliches ist. Es kann also wohl ein Raum (er sei voll oder leer)* durch Erscheinungen begrenzt,
B 461 Erscheinungen aber können nicht durch einen leeren Raum außer denselben begrenzt werden. Eben dieses gilt auch von der Zeit. Alles dieses nun zugegeben, so ist gleichwohl unstreitig, daß man diese zwei Undinge, den leeren Raum außer und die leere Zeit vor der Welt, durchaus annehmen müsse, wenn man eine Weltgrenze, es sei dem Raume oder der Zeit nach, annimmt.
* Man bemerkt leicht, daß hierdurch gesagt werden wolle: der leere Raum, sofern er durch Erscheinungen begrenzt wird, mithin derjenige innerhalb der Welt, widerspreche wenigstens nicht den transzendentalen Prinzipien, und könne also in Ansehung dieser eingeräumt (obgleich darum seine Möglichkeit nicht sofort behauptet werden).
Denn was den Ausweg betrifft, durch den man der Konsequenz auszuweichen sucht, nach welcher wir sagen: daß, wenn die Welt (der Zeit und dem Raum nach) Grenzen hat, das unendliche Leere das Dasein wirklicher Dinge ihrer Größe nach bestimmen müsse, so besteht er insgeheim nur darin: daß man statt einer Sinnenwelt sich, wer weiß welche, intelligible Welt gedenkt, und, statt des ersten Anfanges, (ein Dasein, vor welchem eine Zeit des Nichtseins vorhergeht) sich überhaupt ein Dasein denkt, welches keine andere Bedingung in der Welt voraussetzt, statt der Grenze der Ausdehnung, Schranken des Weltganzen denkt, und dadurch der Zeit und dem Raume aus dem Wege geht. Es ist hier aber nur von dem mundus phaenomenon die Rede, und von dessen Größe, bei dem man von gedachten Bedingungen der Sinnlichkeit keineswegs abstrahieren kann, ohne das Wesen desselben aufzuheben. Die Sinnenwelt, wenn sie begrenzt ist, liegt notwendig in dem unendlichen Leeren. Will man dieses, und mithin den Raum überhaupt als Bedingung der Möglichkeit der Erscheinungen a priori weglassen, so fällt die ganze Sinnenwelt weg. In unserer Aufgabe ist uns diese allein gegeben. Der mundus intelligibilis ist nichts als der allgemeine Begriff einer Welt überhaupt, in welchem man von allen Bedingungen der Anschauung derselben abstrahiert, und in Ansehung dessen folglich gar kein synthetischer Satz, weder bejahend, noch verneinend möglich ist.
Der Antinomie der reinen Vernunft
B 462 Zweiter Widerstreit der transzendentalen Ideen
Thesis
Eine jede zusammengesetzte Substanz in der Welt besteht aus einfachen Teilen, und es existiert überall nichts als das Einfache, oder das, was aus diesem zusammengesetzt ist.
Beweis
Denn, nehmet an, die zusammengesetzten Substanzen beständen nicht aus einfachen Teilen; so würde wenn alle Zusammensetzung in Gedanken aufgehoben würde, kein zusammengesetzter Teil, und (da es keine einfachen Teile gibt) auch kein einfacher, mithin gar nichts übrigbleiben, folglich keine Substanz sein gegeben worden. Entweder also läßt sich unmöglich alle Zusammensetzung in Gedanken aufheben, oder es muß nach deren Aufhebung etwas ohne alle Zusammensetzung Bestehendes, d.i. das Einfache, übrigbleiben. Im ersteren Falle aber würde das Zusammengesetzte wiederum nicht aus Substanzen bestehen (weil bei diesen die Zusammensetzung nur eine zufällige Relation der Substanzen ist, ohne welche diese, als für sich beharrliche Wesen, bestehen müssen). Da nun
B 464 dieser Fall der Voraussetzung widerspricht, so bleibt nur der zweite übrig: daß nämlich das substantielle Zusammengesetzte in der Welt aus einfachen Teilen bestehe.
Hieraus folgt unmittelbar, daß die Dinge der Welt insgesamt einfache Wesen sind, daß die Zusammensetzung nur ein äußerer Zustand derselben sei, und daß, wenn wir die Elementarsubstanzen gleich niemals völlig aus diesem Zustande der Verbindung setzen und isolieren können, doch die Vernunft sie als die ersten Subjekte aller Komposition, und mithin, vor derselben, als einfache Wesen denken müsse.
B 463 Antithesis
Kein zusammengesetztes Ding in der Welt besteht aus einfachen Teilen, und es existiert überall nichts Einfaches in derselben.
Beweis
Setzet: ein zusammengesetztes Ding (als Substanz) bestehe aus einfachen Teilen. Weil alles äußere Verhältnis, mithin auch alle Zusammensetzung aus Substanzen, nur im Raume möglich ist: so muß, aus so viel Teilen das Zusammengesetzte besteht, aus ebensoviel Teilen auch der Raum bestehen, den es einnimmt. Nun besteht der Raum nicht aus einfachen Teilen, sondern aus Räumen. Also muß jeder Teil des Zusammengesetzten einen Raum einnehmen. Die schlechthin ersten Teile aber alles Zusammengesetzten sind einfach. Also nimmt das Einfache einen Raum ein. Da nun alles Reale, was einen Raum einnimmt, ein außerhalb einander befindliches Mannigfaltiges in sich faßt, mithin zusammengesetzt ist, und zwar als ein reales Zusammengesetztes, nicht aus Akzidenzen, (denn die können nicht ohne Substanz außereinander sein,) mithin aus Substanzen; so würde das Einfache ein substantielles Zusammengesetztes sein, welches sich widerspricht.
Der zweite Satz der Antithesis, daß in der Welt gar nichts Einfaches existiere, soll hier nur so viel
B 465 bedeuten, als: Es könne das Dasein des schlechthin Einfachen aus keiner Erfahrung oder Wahrnehmung, weder äußeren, noch inneren, dargetan werden, und das schlechthin Einfache sei also eine bloße Idee, deren objektive Realität niemals in irgend einer möglichen Erfahrung kann dargetan werden, mithin in der Exposition der Erscheinungen ohne alle Anwendung und Gegenstand. Denn wir wollen annehmen, es ließe sich für diese transzendentale Idee ein Gegenstand der Erfahrung finden: so müßte die empirische Anschauung irgendeines Gegenstandes als eine solche erkannt werden, welche schlechthin kein Mannigfaltiges außerhalb einander, und zur Einheit verbunden, enthält. Da nun von dem Nichtbewußtsein eines solchen Mannigfaltigen auf die gänzliche Unmöglichkeit desselben in irgendeiner Anschauung eines Objekts, kein Schluß gilt, dieses letztere aber zur absoluten Simplizität durchaus nötig ist, so folgt, daß diese aus keiner Wahrnehmung, welche sie auch sei, könne geschlossen werden. Da also etwas als ein schlechthin einfaches Objekt niemals in irgend einer möglichen Erfahrung kann gegeben werden, die Sinnenwelt aber als der Inbegriff aller möglichen Erfahrungen angesehen werden muß: so ist überall in ihr nichts Einfaches gegeben.
Dieser zweite Satz der Antithesis geht viel weiter als der erste, der das Einfache nur von der Anschauung des Zusammengesetzten verbannt, da hingegen dieser es aus der ganzen Natur wegschafft; daher er auch nicht aus dem Begriffe eines gegebenen Gegenstandes der äußeren Anschauung (des Zusammengesetzten), sondern aus dem Verhältnis desselben zu einer möglichen Erfahrung überhaupt hat bewiesen werden können.
B 466 Anmerkung zur zweiten Antinomie I. zur Thesis
Wenn ich von einem Ganzen rede, welches notwendig aus einfachen Teilen besteht, so verstehe ich darunter nur ein substantielles Ganzes als das eigentliche Kompositum, d.i. die zufällige Einheit des Mannigfaltigen, welches abgesondert (wenigstens in Gedanken) gegeben, in eine wechselseitige Verbindung gesetzt wird, und dadurch Eines ausmacht. Den Raum sollte man eigentlich nicht Kompositium, sondern Totum nennen, weil die Teile desselben nur im Ganzen und nicht das Ganze durch die Teile möglich ist. Er würde allenfalls ein compositum ideale, aber nicht reale heißen können. Doch dieses ist nur Subtilität. Da der Raum kein Zusammengesetztes aus Substanzen (nicht einmal aus realen Akzidenzen) ist, so muß, wenn ich alle Zusammensetzung in ihm aufhebe, nichts, auch nicht einmal der Punkt übrigbleiben; denn dieser ist nur als die Grenze eines Raumes, (mithin eines Zusammengesetzten) möglich. Raum und
B 468 Zeit bestehen also nicht aus einfachen Teilen. Was nur zum Zustande einer Substanz gehört, ob es gleich eine Größe hat (z.B. die Veränderung), besteht auch nicht aus dem Einfachen, d.i. ein gewisser Grad der Veränderung entsteht nicht durch einen Anwachs vieler einfachen Veränderungen. Unser Schluß vom Zusammengesetzten auf das Einfache gilt nur von für sich selbst bestehenden Dingen. Akzidenzen aber des Zustandes, bestehen nicht für sich selbst. Man kann also den Beweis für die Notwendigkeit des Einfachen, als der Bestandteile alles substantiellen Zusammengesetzten, und dadurch überhaupt seine Sache leichtlich verderben, wenn man ihn zu weit ausdehnt und ihn für alles Zusammengesetzte ohne Unterschied geltend machen will, wie es wirklich mehrmalen schon geschehen ist.
Ich rede übrigens hier nur von dem Einfachen, sofern es notwendig im Zusammengesetzten gegeben ist, indem dieses darin, als in seine Bestandteile, aufgelöst werden kann. Die eigentliche Bedeutung des Wortes
B 470 Monas (nach Leibnitzens Gebrauch) sollte wohl nur auf das Einfache gehen, welches unmittelbar als einfache Substanz gegeben ist (z.B. im Selbstbewußtsein) und nicht als Element des Zusammengesetzten, welches man besser den Atomus nennen könnte. Und da ich nur in Ansehung des Zusammengesetzten die einfachen Substanzen, als deren Elemente, beweisen will, so könnte ich die Antithese der zweiten Antinomie die transzendentale Atomistik nennen. Weil aber dieses Wort schon vorlängst zur Bezeichnung einer besonderen Erklärungsart körperlicher Erscheinungen (molecularum) gebraucht worden, und also empirische Begriffe voraussetzt, so mag er der dialektische Grundsatz der Monadologie heißen.
B 467 II. Anmerkung zur Antithesis
Wider diesen Satz einer unendlichen Teilung der Materie, dessen Beweisgrund bloß mathematisch ist, werden von den Monadisten Einwürfe vorgebracht, welche sich dadurch schon verdächtig machen, daß sie die klarsten mathematischen Beweise nicht für Einsichten in die Beschaffenheit des Raumes, sofern er in der Tat die formale Bedingung der Möglichkeit aller Materie ist, wollen gelten lassen, sondern sie nur als Schlüsse aus abstrakten aber willkürlichen Begriffen ansehen, die auf wirkliche Dinge nicht bezogen werden könnten. Gleich als wenn es auch nur möglich wäre, eine andere Art der Anschauung zu erdenken, als die in der ursprünglichen Anschauung des Raumes gegeben wird, und die Bestimmungen desselben a priori nicht zugleich alles dasjenige beträfen, was dadurch allein möglich ist, daß es diesen Raum erfüllt. Wenn man ihnen Gehör gibt, so müßte man, außer dem mathematischen Punkte, der einfach, aber kein Teil, sondern bloß die Grenze eines Raumes ist, sich noch physische Punkte denken, die zwar auch einfach sind, aber den Vorzug haben, als Teile des Raumes, durch ihre bloße Aggregation denselben zu erfüllen. Ohne nun hier die gemeinen und klaren Widerlegungen dieser Ungereimtheit, die man in Menge antrifft, zu wiederholen, wie es denn gänzlich umsonst ist, durch bloß diskursive Begriffe die Evidenz der Mathematik weg vernünfteln zu wollen, so bemerke ich nur, daß, wenn die Philosophie hier mit der Mathematik
B 469 schikaniert, es darum geschehe, weil sie vergißt, daß es in dieser Frage nur um Erscheinungen und deren Bedingung zu tun sei. Hier ist es aber nicht genug, zum reinen Verstandesbegriffe des Zusammengesetzten den Begriff des Einfachen, sondern zur Anschauung des Zusammengesetzten (der Materie) die Anschauung des Einfachen zu finden, und dieses ist nach Gesetzen der Sinnlichkeit, mithin auch bei Gegenständen der Sinne, gänzlich unmöglich. Es mag also von einem Ganzen aus Substanzen, welches bloß durch den reinen Verstand gedacht wird, immer gelten, daß wir vor aller Zusammensetzung desselben das Einfache haben müssen; so gilt dieses doch nicht vom totum substantiale phaenomenon, welches, als empirische Anschauung im Raume, die notwendige Eigenschaft bei sich führt, daß kein Teil desselben einfach ist, darum, weil kein Teil des Raumes einfach ist. Indessen sind die Monadisten fein genug gewesen, dieser Schwierigkeit dadurch ausweichen zu wollen, daß sie nicht den Raum als eine Bedingung der Möglichkeit der Gegenstände äußerer Anschauung (Körper), sondern diese, und das dynamische Verhältnis der Substanzen überhaupt, als die Bedingung der Möglichkeit des Raumes voraussetzen. Nun haben wir von Körpern nur als Erscheinungen einen Begriff, als solche aber setzen sie den Raum als die Bedingung der Möglichkeit aller äußeren Erscheinung notwendig voraus, und die Ausflucht ist also vergeblich, wie sie denn auch oben in der transzendentalen Ästhetik hinreichend ist abgeschnitten worden. Wären sie Dinge an sich selbst, so würde der Beweis der Monadisten allerdings gelten.
B 471 Die zweite dialektische Behauptung hat das Besondere an sich, daß sie eine dogmatische Behauptung wider sich hat, die unter allen vernünftelnden die einzige ist, welche sich unternimmt, an einem Gegenstande der Erfahrung die Wirklichkeit dessen, was wir oben bloß zu transzendentalen Ideen rechneten, nämlich die absolute Simplizität der Substanz, augenscheinlich zu beweisen: nämlich daß der Gegenstand des inneren Sinnes, das Ich, was da denkt, eine schlechthin einfache Substanz sei. Ohne mich hierauf jetzt einzulassen, (da es oben ausführlicher erwogen ist,) so bemerke ich nur: daß wenn etwas bloß als Gegenstand gedacht wird, ohne irgendeine synthetische Bestimmung seiner Anschauung hinzuzusetzen, (wie denn dieses durch die ganz nackte Vorstellung: Ich, geschieht,) so könne freilich nichts Mannigfaltiges und keine Zusammensetzung in einer solchen Vorstellung wahrgenommen werden. Da überdem die Prädikate, wodurch ich diesen Gegenstand denke, bloß Anschauungen des inneren Sinnes sind, so kann darin auch nichts vorkommen, welches ein Mannigfaltiges außerhalb einander, mithin reale Zusammensetzung bewiese. Es bringt also nur das Selbstbewußtsein es so mit sich, daß, weil das Subjekt, welches denkt, zugleich sein eigenes Objekt ist, es sich selber nicht teilen kann (obgleich die ihm inhärierenden Bestimmungen); denn in Ansehung seiner selbst ist jeder Gegenstand absolute Einheit. Nichtsdestoweniger, wenn dieses Subjekt äußerlich, als ein Gegenstand der Anschauung, betrachtet wird, so würde es doch wohl Zusammensetzung in der Erscheinung an sich zeigen. So muß es aber jederzeit betrachtet werden, wenn man wissen will, ob in ihm ein Mannigfaltiges außerhalb einander sei, oder nicht.
Der Antinomie der reinen Vernunft
B 472 Dritter Widerstreit der transzendentalen Ideen
Thesis
Die Kausalität nach Gesetzen der Natur ist nicht die einzige, aus welcher die Erscheinungen der Welt insgesamt abgeleitet werden können. Es ist noch eine Kausalität durch Freiheit zur Erklärung derselben anzunehmen notwendig.
Beweis
Man nehme an, es gebe keine andere Kausalität, als nach Gesetzen der Natur; so setzt alles, was geschieht, einen vorigen Zustand voraus, auf den es unausbleiblich nach einer Regel folgt. Nun muß aber der vorige Zustand selbst etwas sein, was geschehen ist (in der Zeit geworden, da es vorher nicht war), weil, wenn es jederzeit gewesen wäre, seine Folge auch nicht allererst entstanden, sondern immer gewesen sein würde. Also ist die Kausalität der Ursache, durch welche etwas geschieht, selbst etwas Geschehenes, welches nach dem Gesetz der Natur wiederum einen vorigen Zustand und dessen Kausalität, dieser aber eben so einen noch älteren voraussetzt usw. Wenn also alles nach bloßen Gesetzen der Natur geschieht, so gibt es jederzeit nur einen subalternen, niemals aber
B 474 einen ersten Anfang, und also überhaupt keine Vollständigkeit der Reihe auf der Seite der voneinander abstammenden Ursachen. Nun besteht aber eben darin das Gesetz der Natur: daß ohne hinreichend a priori bestimmte Ursache nichts geschehe. Also widerspricht der Satz, als wenn alle Kausalität nur nach Naturgesetzen möglich sei, sich selbst in seiner unbeschränkten Allgemeinheit, und diese kann also nicht als die einzige angenommen werden.
Diesem nach muß eine Kausalität angenommen werden, durch welche etwas geschieht, ohne daß die Ursache davon noch weiter, durch eine andere vorhergehende Ursache, nach notwendigen Gesetzen bestimmt sei, d.i. eine absolute Spontaneität der Ursachen, eine Reihe von Erscheinungen, die nach Naturgesetzen läuft, von selbst anzufangen, mithin transzendentale Freiheit, ohne welche selbst im Laufe der Natur die Reihenfolge der Erscheinungen auf der Seite der Ursachen niemals vollständig ist.
B 473 Antithesis
Es ist keine Freiheit, sondern alles in der Welt geschieht lediglich nach Gesetzen der Natur.
Beweis
Setzet: es gehe eine Freiheit im transzendentalen Verstande, als eine besondere Art von Kausalität, nach welcher die Begebenheiten der Welt erfolgen könnten, nämlich ein Vermögen, einen Zustand, mithin auch eine Reihe von Folgen desselben, schlechthin anzufangen; so wird nicht allein eine Reihe durch diese Spontaneität, sondern die Bestimmung dieser Spontaneität selbst zur Hervorbringung der Reihe, d.i. die Kausalität, wird schlechthin anfangen, so daß nichts vorhergeht, wodurch diese geschehende Handlung nach beständigen Gesetzen bestimmt sei. Es setzt aber ein jeder Anfang zu handeln einen Zustand der noch nicht handelnden Ursache voraus, und ein dynamisch erster Anfang der Handlung einen Zustand, der mit dem vorhergehenden eben derselben Ursache gar keinen Zusammenhang der Kausalität hat, d.i. auf keine Weise daraus erfolgt. Also ist die transzendentale Freiheit dem Kausalgesetze entgegen, und eine solche Verbindung der
B 475 sukzessiven Zustände wirkender Ursachen, nach welcher keine Einheit der Erfahrung möglich ist, die also auch in keiner Erfahrung angetroffen wird, mithin ein leeres Gedankending.
Wir haben also nichts als Natur, in welcher wir den Zusammenhang und Ordnung der Weltbegebenheiten suchen müssen. Die Freiheit (Unabhängigkeit) von den Gesetzen der Natur, ist zwar eine Befreiung vom Zwange, aber auch vom Leitfaden aller Regeln. Denn man kann nicht sagen, daß, anstatt der Gesetze der Natur, Gesetze der Freiheit in die Kausalität des Weltlaufs eintreten, weil, wenn diese nach Gesetzen bestimmt wäre, sie nicht Freiheit, sondern selbst nichts anderes als Natur wäre. Natur also und transzendentale Freiheit unterscheiden sich wie Gesetzmäßigkeit und Gesetzlosigkeit, davon jene zwar den Verstand mit der Schwierigkeit belästigt, die Abstammung der Begebenheiten in der Reihe der Ursachen immer höher hinauf zu suchen, weil die Kausalität an ihnen jederzeit bedingt ist, aber zur Schadloshaltung durchgängige und gesetzmäßige Einheit der Erfahrung verspricht, dahingegen das Blendwerk von Freiheit zwar dem forschenden Verstande in der Kette der Ursachen Ruhe verheißt, indem sie ihn zu einer unbedingten Kausalität führt, die von selbst zu handeln anhebt, die aber, da sie selbst blind ist, den Leitfaden der Regeln abreißt, an welchem allein eine durchgängig zusammenhängende Erfahrung möglich ist.
B 476 Anmerkung zur dritten Antinomie I. zur Thesis
Die transzendentale Idee der Freiheit macht zwar bei weitem nicht den ganzen Inhalt des psychologischen Begriffs dieses Namens aus, welcher großenteils empirisch ist, sondern nur den der absoluten Spontaneität der Handlung, als den eigentlichen Grund der Imputabilität derselben; ist aber dennoch der eigentliche Stein des Anstoßes für die Philosophie, welche unüberwindliche Schwierigkeiten findet, dergleichen Art von unbedingter Kausalität einzuräumen. Dasjenige also in der Frage über die Freiheit des Willens, was die spekulative Vernunft von jeher in so große Verlegenheit gesetzt hat, ist eigentlich nur transzendental, und geht lediglich darauf, ob ein Vermögen angenommen werden müsse, eine Reihe von sukzessiven Dingen oder Zuständen von selbst anzufangen. Wie ein solches möglich sei, ist nicht ebenso notwendig beantworten zu können, da wir uns ebensowohl bei der Kausalität nach Naturgesetzen damit begnügen müssen, a priori zu erkennen, daß eine solche vorausgesetzt werden müsse, ob wir gleich die Möglichkeit, wie durch ein gewisses Dasein das Dasein eines anderen gesetzt werde, auf keine Weise begreifen, und uns desfalls lediglich an die Erfahrung halten müssen. Nun haben wir diese Notwendigkeit eines ersten Anfangs einer Reihe von Erscheinungen aus Freiheit, zwar nur eigentlich insofern dargetan, als zur Begreiflichkeit eines Ursprungs der Welt erforderlich ist, indessen daß man alle nachfolgenden Zustände für eine Abfolge nach bloßen Naturgesetzen
B 478 nehmen kann. Weil aber dadurch doch einmal das Vermögen, eine Reihe in der Zeit ganz von selbst anzufangen, bewiesen (obzwar nicht eingesehen) ist, so ist es uns nunmehr auch erlaubt, mitten im Laufe der Welt verschiedene Reihen, der Kausalität nach, von selbst anfangen zu lassen, und den Substanzen derselben ein Vermögen beizulegen, aus Freiheit zu handeln. Man lasse sich aber hierbei nicht durch einen Mißverstand aufhalten: daß, da nämlich eine sukzessive Reihe in der Welt nur einen komparativ ersten Anfang haben kann, indem doch immer ein Zustand der Dinge in der Welt vorhergeht, etwa kein absolut erster Anfang der Reihen während dem Weltlaufe möglich sei. Denn wir reden hier nicht vom absolut ersten Anfange der Zeit nach, sondern der Kausalität nach. Wenn ich jetzt (zum Beispiel) völlig frei, und ohne den notwendig bestimmenden Einfluß der Naturursachen, von meinem Stuhle aufstehe, so fängt in dieser Begebenheit, samt deren natürlichen Folgen ins Unendliche, eine neue Reihe schlechthin an, obgleich der Zeit nach diese Begebenheit nur die Fortsetzung einer vorhergehenden Reihe ist. Denn diese Entschließung und Tat liegt gar nicht in der Abfolge bloßer Naturwirkungen, und ist nicht eine bloße Fortsetzung derselben, sondern die bestimmenden Naturursachen hören oberhalb derselben, in Ansehung dieser Ereignis, ganz auf, die zwar auf jene folgt, aber daraus nicht erfolgt, und daher zwar nicht der Zeit nach, aber doch in Ansehung der Kausalität, ein schlechthin erster Anfang einer Reihe von Erscheinungen genannt werden muß.
Die Bestätigung von der Bedürfnis der Vernunft, in der Reihe der Naturursachen sich auf einen ersten Anfang aus Freiheit zu berufen, leuchtet daran sehr klar in die Augen: daß (die epikurische Schule ausgenommen) alle Philosophen des Altertums sich gedrungen sahen, zur Erklärung der Weltbewegungen einen ersten Beweger anzunehmen, d.i. eine freihandelnde Ursache, welche diese Reihe von Zuständen zuerst und von selbst anfing. Denn aus bloßer Natur unterfangen sie sich nicht, einen ersten Anfang begreiflich zu machen.
B 477 II. Anmerkung zur Antithesis
Der Verteidiger der Allvermögenheit der Natur (transzendentale Physiokratie), im Widerspiel mit der Lehre von der Freiheit, würde seinen Satz, gegen die vernünftelnden Schlüsse der letzteren, auf folgende Art behaupten. Wenn ihr kein mathematisch Erstes der Zeit nach in der Welt annehmt, so habt ihr auch nicht nötig, ein dynamisch Erstes der Kausalität nach zu suchen. Wer hat euch geheißen, einen schlechthin ersten Zustand der Welt, und mithin einen absoluten Anfang der nach und nach ablaufenden Reihe der Erscheinungen, zu erdenken, und, damit ihr eurer Einbildung einen Ruhepunkt verschaffen möget, der unumschränkten Natur Grenzen zu setzen? Da die Substanzen in der Welt jederzeit gewesen sind, wenigstens die Einheit der Erfahrung eine solche Voraussetzung notwendig macht, so hat es keine Schwierigkeit, auch anzunehmen, daß der Wechsel ihrer Zustände, d.i. eine Reihe ihrer Veränderungen, jederzeit gewesen sei, und mithin kein erster Anfang, weder mathematisch, noch dynamisch, gesucht werden dürfe. Die Möglichkeit einer solchen unendlichen Abstammung, ohne ein erstes Glied, in Ansehung dessen alles übrige bloß nachfolgend ist, läßt sich, seiner Möglichkeit nach, nicht begreiflich machen. Aber wenn ihr diese Naturrätsel darum wegwerfen wollt, so werdet ihr euch genötigt sehen, viel synthetische Grundbeschaffenheiten zu verwerfen, (Grundkräfte) die ihr ebensowenig begreifen könnt,
B 479 und selbst die Möglichkeit einer Veränderung überhaupt muß euch anstößig werden. Denn, wenn ihr nicht durch Erfahrung fändet, daß sie wirklich ist, so würdet ihr niemals a priori ersinnen können, wie eine solche unaufhörliche Folge von Sein und Nichtsein möglich sei.
Wenn auch indessen allenfalls ein transzendentales Vermögen der Freiheit nachgegeben wird, um die Weltveränderungen anzufangen, so würde dieses Vermögen doch wenigstens nur außerhalb der Welt sein müssen, (wiewohl es immer eine kühne Anmaßung bleibt, außerhalb dem Inbegriffe aller möglichen Anschauungen, noch einen Gegenstand anzunehmen, der in keiner möglichen Wahrnehmung gegeben werden kann). Allein, in der Welt selbst, den Substanzen ein solches Vermögen beizumessen, kann nimmermehr erlaubt sein, weil alsdann der Zusammenhang nach allgemeinen Gesetzen sich einander notwendig bestimmender Erscheinungen, den man Natur nennt, und mit ihm das Merkmal empirischer Wahrheit, welches Erfahrung vom Traum unterscheidet, größtenteils verschwinden würde. Denn es läßt sich neben einem solchen gesetzlosen Vermögen der Freiheit, kaum mehr Natur denken; weil die Gesetze der letzteren durch die Einflüsse der ersteren unaufhörlich abgeändert, und das Spiel der Erscheinungen, welches nach der bloßen Natur regelmäßig und gleichförmig sein würde, dadurch verwirrt und unzusammenhängend gemacht wird.
Der Antinomie der reinen Vernunft
B 480 Vierter Widerstreit der transzendentalen Ideen
Thesis
Zu der Welt gehört etwas, das, entweder als ihr Teil, oder ihre Ursache, ein schlechthin notwendiges Wesen ist.
Beweis
Die Sinnenwelt, als das Ganze aller Erscheinungen, enthält zugleich eine Reihe von Veränderungen. Denn, ohne diese, würde selbst die Vorstellung der Zeitreihe, als einer Bedingung der Möglichkeit der Sinnenwelt, uns nicht gegeben sein*. Eine jede Veränderung aber steht unter ihrer Bedingung, die der Zeit nach vorhergeht, und unter welcher sie notwendig ist. Nun setzt ein jedes Bedingte, das gegeben ist, in Ansehung seiner Existenz, eine vollständige Reihe von Bedingungen bis zum Schlechthinunbedingten voraus, welches allein absolutnotwendig ist. Also muß etwas Absolutnotwendiges existieren, wenn eine Veränderung als seine Folge existiert. Dieses Notwendige aber gehört selber zur Sinnenwelt. Denn setzet, es sei außer derselben, so würde von ihm die Reihe der Weltveränderungen ihren Anfang ableiten, ohne
B 482 daß doch diese notwendige Ursache selbst zur Sinnenwelt gehörte. Nun ist dieses unmöglich. Denn, da der Anfang einer Zeitreihe nur durch dasjenige, was der Zeit nach vorhergeht, bestimmt werden kann: so muß die oberste Bedingung des Anfangs einer Reihe von Veränderungen in der Zeit existieren, da diese noch nicht war, (denn der Anfang ist ein Dasein, vor welchem eine Zeit vorhergeht, darin das Ding, welches anfängt, noch nicht war). Also gehört die Kausalität der notwendigen Ursache der Veränderungen, mithin auch die Ursache selbst, zu der Zeit, mithin zur Erscheinung (an welcher die Zeit allein als deren Form möglich ist), folglich kann sie von der Sinnenwelt, als dem Inbegriff aller Erscheinungen, nicht abgesondert gedacht werden. Also ist in der Welt selbst etwas Schlechthinnotwendiges enthalten (es mag nun dieses die ganze Weltreihe selbst, oder ein Teil derselben sein).
* Die Zeit geht zwar als formale Bedingung der Möglichkeit der Veränderungen vor dieser objektiv vorher, allein subjektiv, und in der Wirklichkeit des Bewußtseins, ist, diese Vorstellung doch nur, so wie jede andere, durch Veranlassung der Wahrnehmungen gegeben.
B 481 Antithesis
Es existiert überall kein schlechthin notwendiges Wesen, weder in der Welt, noch außer der Welt, als ihre Ursache.
Beweis
Setzet: die Welt selber, oder in ihr, sei ein notwendiges Wesen, so würde in der Reihe ihrer Veränderungen, entweder ein Anfang sein, der unbedingtnotwendig, mithin ohne Ursache wäre, welches dem dynamischen Gesetze der Bestimmung aller Erscheinungen in der Zeit widerstreitet; oder die Reihe selbst wäre ohne allen Anfang, und, obgleich in allen ihren Teilen zufällig und bedingt, im Ganzen dennoch schlechthinnotwendig und unbedingt, welches sich selbst widerspricht, weil das Dasein einer Menge nicht notwendig sein kann, wenn kein einziger Teil derselben ein an sich notwendiges Dasein besitzt.
Setzet dagegen: es gebe eine schlechthin notwendige Weltursache außer der Welt, so würde dieselbe als das
B 483 oberste Glied in der Reihe der Ursachen der Weltveränderungen, das Dasein der letzteren und ihre Reihe zuerst anfangen*. Nun müßte sie aber alsdann auch anfangen zu handeln, und ihre Kausalität würde in die Zeit, eben darum aber in den Inbegriff der Erscheinungen, d.i. in die Welt gehören, folglich sie selbst, die Ursache, nicht außer der Welt sein, welches der Voraussetzung widerspricht. Also ist weder in der Welt, noch außer derselben (aber mit ihr in Kausalverbindung) irgendein schlechthinnotwendiges Wesen.
* Das Wort: Anfangen, wird in zwiefacher Bedeutung genommen. Die erste ist aktiv, da die Ursache eine Reihe von Zuständen als ihre Wirkung anfängt (infit.). Die zweite passiv, da die Kausalität in der Ursache selbst anhebt (fit.). Ich schließe hier aus der ersteren auf die letzte.
B 484 Anmerkung zur vierten Antinomie I. zur Thesis
Um das Dasein eines notwendigen Wesens zu beweisen, liegt mir hier ob, kein anderes als kosmologisches Argument zu brauchen, welches nämlich von dem Bedingten in der Erscheinung zum Unbedingten im Begriffe aufsteigt, indem man dieses als die notwendige Bedingung der absoluten Totalität der Reihe ansieht. Den Beweis, aus der bloßen Idee eines obersten aller Wesen überhaupt, zu versuchen, gehört zu einem anderen Prinzip der Vernunft, und ein solcher wird daher besonders vorkommen müssen.
Der reine kosmologische Beweis kann nun das Dasein eines notwendigen Wesens nicht anders dartun, als daß er es zugleich unausgemacht lasse, ob dasselbe die Welt selbst, oder ein von ihr unterschiedenes Ding sei. Denn, um das letztere auszumitteln, dazu werden Grundsätze erfordert, die nicht mehr kosmologisch sind, und nicht in der Reihe der Erscheinungen fortgehen, sondern Begriffe von zufälligen Wesen überhaupt, (sofern sie bloß als Gegenstände des Verstandes erwogen werden,) und ein Prinzip, solche mit einem notwendigen Wesen, durch bloße Begriffe, zu verknüpfen, welches alles für eine transzendente Philosophie gehört, für welche hier noch nicht der Platz ist.
Wenn man aber einmal den Beweis kosmologisch anfängt, indem man die Reihe von Erscheinungen, und den Regressus in derselben nach empirischen Gesetzen der Kausalität, zum Grunde legt: so kann man nachher davon nicht abspringen und auf etwas übergehen, was gar nicht in die Reihe als ein Glied gehört. Denn in eben
B 486 derselben Bedeutung muß etwas als Bedingung angesehen werden, in welcher die Relation des Bedingten zu seiner Bedingung in der Reihe genommen wurde, die auf diese höchste Bedingung in kontinuirlichem Fortschritte führen sollte. Ist nun dieses Verhältnis sinnlich und gehört zum möglichen empirischen Verstandesgebrauch, so kann die oberste Bedingung oder Ursache nur nach Gesetzen der Sinnlichkeit, mithin nur als zur Zeitreihe gehörig den Regressus beschließen, und das notwendige Wesen muß als das oberste Glied der Weltreihe angesehen werden.
Gleichwohl hat man sich die Freiheit genommen, einen solchen Absprung (metabasis eis allo genos) zu tun. Man schloß nämlich aus den Veränderungen in der Welt auf die empirische Zufälligkeit, d.i. die Abhängigkeit derselben von empirisch bestimmenden Ursachen, und bekam eine aufsteigende Reihe empirischer Bedingungen, welches auch ganz recht war. Da man aber hierin keinen ersten Anfang und kein oberstes Glied finden konnte, so ging man plötzlich vom empirischen Begriff der Zufälligkeit ab und nahm die reine Kategorie, welche alsdann eine bloß intelligible Reihe veranlaßte, deren Vollständigkeit auf dem Dasein einer schlechthin notwendigen Ursache beruhte, die nunmehr, da sie an keine sinnliche Bedingungen gebunden war, auch von der Zeitbedingung, ihre Kausalität selbst anzufangen, befreit wurde. Dieses Verfahren ist aber ganz widerrechtlich, wie man aus folgendem schließen kann.
Zufällig, im reinen Sinne der Kategorie, ist das, dessen kontradiktorisches Gegenteil möglich ist. Nun kann man aus der empirischen Zufälligkeit auf jene intelligible gar nicht schließen. Was verändert wird, dessen
B 488 Gegenteil (seines Zustandes) ist zu einer anderen Zeit wirklich, mithin auch möglich; mithin ist dieses nicht das kontradiktorische Gegenteil des vorigen Zustandes, wozu erfordert wird, daß in derselben Zeit, da der vorige Zustand war, an der Stelle desselben sein Gegenteil hätte sein können, welches aus der Veränderung gar nicht geschlossen werden kann. Ein Körper, der in Bewegung war = A, kommt in Ruhe = non A. Daraus nun, daß ein entgegengesetzter Zustand vom Zustande A auf diesen folgt, kann gar nicht geschlossen werden, daß das kontradiktorische Gegenteil von A möglich, mithin A zufällig sei; denn dazu würde erfordert werden, daß in derselben Zeit, da die Bewegung war, anstatt derselben die Ruhe habe sein können. Nun wissen wir nichts weiter, als daß die Ruhe in der folgenden Zeit wirklich, mithin auch möglich war. Bewegung aber zu einer Zeit, und Ruhe zu einer anderen Zeit, sind einander nicht kontradiktorisch entgegengesetzt. Also beweist die Sukzession entgegengesetzter Bestimmungen, d.i. die Veränderung, keineswegs die Zufälligkeit nach Begriffen des reinen Verstandes, und kann also auch nicht auf das Dasein eines notwendigen Wesens, nach reinen Verstandesbegriffen, führen. Die Veränderung beweist nur die empirische Zufälligkeit, d.i. daß der neue Zustand für sich selbst, ohne eine Ursache, die zur vorigen Zeit gehört, gar nicht hätte stattfinden können, zufolge dem Gesetze der Kausalität. Diese Ursache, und wenn sie auch als schlechthin notwendig angenommen wird, muß auf diese Art doch in der Zeit angetroffen werden, und zur Reihe der Erscheinungen gehören.
B 485 II. Anmerkung zur Antithesis
Wenn man, beim Aufsteigen in der Reihe der Erscheinungen, wider das Dasein einer schlechthin notwendigen obersten Ursache, Schwierigkeiten anzutreffen vermeint, so müssen sich diese auch nicht auf bloße Begriffe vom notwendigen Dasein eines Dinges überhaupt gründen, und mithin nicht ontologisch sein, sondern sich aus der Kausalverbindung mit einer Reihe von Erscheinungen, um zu derselben eine Bedingung anzunehmen, die selbst unbedingt ist, hervorfinden, folglich kosmologisch und nach empirischen Gesetzen gefolgert sein. Es muß sich nämlich zeigen, daß das Aufsteigen in der Reihe der Ursachen (in der Sinnenwelt) niemals bei einer empirisch unbedingten Bedingung endigen könne, und daß das kosmologische Argument aus der Zufälligkeit der Weltzustände, laut ihrer Veränderungen, wider die Annehmung einer ersten und die Reihe schlechthin zuerst anhebenden Ursache ausfalle.
B 487 Es zeigt sich aber in dieser Antinomie ein seltsamer Kontrast: daß nämlich aus eben demselben Beweisgrunde, woraus in der Thesis das Dasein eines Urwesens geschlossen wurde, in der Antithesis das Nichtsein desselben, und zwar mit derselben Schärfe. geschlossen wird. Erst hieß es: es ist ein notwendiges Wesen, weil die ganze vergangene Zeit die Reihe aller Bedingungen und hiermit also auch das Unbedingte (Notwendige) in sich faßt. Nun heißt es: es ist kein notwendiges Wesen, eben darum, weil die ganze verflossene Zeit die Reihe aller Bedingungen (die mithin insgesamt wiederum bedingt sind) in sich faßt. Die Ursache hiervon ist diese. Das erste Argument sieht nur auf die absolute Totalität der Reihe der Bedingungen, deren eine die andere in der Zeit bestimmt, und bekommt dadurch ein Unbedingtes und Notwendiges. Das zweite zieht dagegen die Zufälligkeit alles dessen, was in der Zeitreihe bestimmt ist, in Betrachtung, (weil vor jedem eine Zeit vorhergeht, darin die Bedingung selbst wiederum als bedingt bestimmt sein muß,) wodurch denn alles Unbedingte,
B 489 und alle absolute Notwendigkeit, gänzlich wegfällt. Indessen ist die Schlußart in beiden, selbst der gemeinen Menschenvernunft ganz angemessen, welche mehrmalen in den Fall gerät, sich mit sich selbst zu entzweien, nachdem sie ihren Gegenstand aus zwei verschiedenen Standpunkten erwägt. Herr von Mairan hielt den Streit zweier berühmter Astronomen, der aus einer ähnlichen Schwierigkeit über die Wahl des Standpunktes entsprang, für ein genugsam merkwürdiges Phänomen, um darüber eine besondere Abhandlung abzufassen. Der eine schloß nämlich so: der Mond dreht sich um seine Achse, darum, weil er der Erde beständig dieselbe Seite zukehrt; der andere: der Mond dreht sich nicht um seine Achse, eben darum, weil er der Erde beständig dieselbe Seite zukehrt. Beide Schlüsse waren richtig; je nachdem man den Standpunkt nahm, aus dem man die Mondbewegung beobachten wollte.
B 490 Der Antinomie der reinen Vernunft Dritter Abschnitt Von dem Interesse der Vernunft bei diesem ihrem Widerstreite
Da haben wir nun das ganze dialektische Spiel der kosmologischen Ideen, die es gar nicht verstatten, daß ihnen ein kongruierender Gegenstand in irgendeiner möglichen Erfahrung gegeben werde, ja nicht einmal, daß die Vernunft sie einstimmig mit allgemeinen Erfahrungsgesetzen denke, die gleichwohl doch nicht willkürlich erdacht sind, sondern auf welche die Vernunft im kontinuierlichen Fortgange der empirischen Synthesis notwendig geführt wird, wenn sie das, was nach Regeln der Erfahrung jederzeit nur bedingt bestimmt werden kann, von aller Bedingung befreien und in seiner unbedingten Totalität fassen will. Diese vernünftelnden Behauptungen sind so viele Versuche, vier natürliche und unvermeidliche Probleme der Vernunft aufzulösen, deren es also nur gerade so viel, nicht mehr, auch nicht weniger, geben kann, weil es nicht mehr Reihen synthetischer Voraussetzungen gibt, welche die empirische Synthesis a priori begrenzen.
Wir haben die glänzenden Anmaßungen der ihr Gebiet über alle Grenzen der Erfahrung erweiternden Vernunft nur in trockenen Formeln, welche bloß den Grund
B 491 ihrer rechtlichen Ansprüche enthalten, vorgestellt, und, wie es einer Transzendentalphilosophie geziemt, diese von allem Empirischen entkleidet, obgleich die ganze Pracht der Vernunftbehauptungen nur in Verbindung mit demselben hervorleuchten kann. In dieser Anwendung aber, und der fortschreitenden Erweiterung des Vernunftgebrauchs, indem sie von dem Felde der Erfahrungen anhebt, und sich bis zu diesen erhabenen Ideen allmählich hinaufschwingt, zeigt die Philosophie eine Würde, welche, wenn sie ihre Anmaßungen nur behaupten könnte, den Wert aller anderen menschlichen Wissenschaft weit unter sich lassen würde, indem sie die Grundlage zu unseren größesten Erwartungen und Aussichten auf die letzten Zwecke, in welchen alle Vernunftbemühungen sich endlich vereinigen müssen, verheißt. Die Fragen: ob die Welt einen Anfang und irgendeine Grenze ihrer Ausdehnung im Raume habe, ob es irgendwo und vielleicht in meinem denkenden Selbst eine unteilbare und unzerstörliche Einheit, oder nichts als das Teilbare und Vergängliche gebe, ob ich in meinen Handlungen frei, oder, wie andere Wesen, an dem Faden der Natur und des Schicksals geleitet sei, ob es endlich eine oberste Weltursache gebe, oder die Naturdinge und deren Ordnung den letzten Gegenstand ausmachen, bei dem wir in allen unseren Betrachtungen stehenbleiben müssen: das sind Fragen, um deren Auflösung der Mathematiker gerne seine ganze Wissenschaft dahingäbe; denn diese kann ihm doch in Ansehung der höchsten und angelegentsten Zwecke der
B 492 Menschheit keine Befriedigung verschaffen. Selbst die eigentliche Würde der Mathematik (dieses Stolzes der menschlichen Vernunft) beruht darauf, daß, da sie der Vernunft die Leitung gibt, die Natur im Großen sowohl als im Kleinen in ihrer Ordnung und Regelmäßigkeit, imgleichen in der bewunderungswürdigen Einheit der sie bewegenden Kräfte, weit über alle Erwartung der auf gemeine Erfahrung bauenden Philosophie einzusehen, sie dadurch selbst zu dem über alle Erfahrung erweiterten Gebrauch der Vernunft, Anlaß und Aufmunterung gibt, imgleichen die damit beschäftigte Weltweisheit mit den vortrefflichsten Materialien versorgt, ihre Nachforschung, so viel deren Beschaffenheit es erlaubt, durch angemessene Anschauungen zu unterstützen.
Unglücklicherweise für die Spekulation (vielleicht aber zum Glück für die praktische Bestimmung des Menschen) sieht sich die Vernunft, mitten unter ihren größesten Erwartungen, in einem Gedränge von Gründen und Gegengründen so befangen, daß, da es sowohl ihrer Ehre, als auch sogar ihrer Sicherheit wegen nicht tunlich ist, sich zurückzuziehen, und diesem Zwist als einem bloßen Spielgefechte gleichgültig zuzusehen, noch weniger schlechthin Friede zu gebieten, weil der Gegenstand des Streits sehr interessiert, ihr nichts weiter übrigbleibt, als über den Ursprung dieser Veruneinigung der Vernunft mit sich selbst nachzusinnen, ob nicht etwa ein bloßer Mißverstand daran schuld sei, nach dessen Erörterung zwar
B 493 beiderseits stolze Ansprüche vielleicht wegfallen, aber dafür ein dauerhaft ruhiges Regiment der Vernunft über Verstand und Sinne seinen Anfang nehmen würde.
Wir wollen vorjetzt diese gründliche Erörterung noch etwas aussetzen, und zuvor in Erwägung ziehen: auf welche Seite wir uns wohl am liebsten schlagen möchten, wenn wir etwa genötigt würden, Partei zu nehmen. Da wir in diesem Falle, nicht den logischen Probierstein der Wahrheit, sondern bloß unser Interesse befragen, so wird eine solche Untersuchung, ob sie gleich in Ansehung des streitigen Rechts beider Teile nichts ausmacht, dennoch den Nutzen haben, es begreiflich zu machen, warum die Teilnehmer an diesem Streite sich lieber auf die eine Seite, als auf die andere geschlagen haben, ohne daß eben eine vorzügliche Einsicht des Gegenstandes daran Ursache gewesen, angleichen noch andere Nebendinge zu erklären, z.B. die zelotische Hitze des einen und die kalte Behauptung des anderen Teils, warum sie gerne der einen Partei freudigen Beifall zujauchzen, und wider die andere zum voraus, unversöhnlich eingenommen sind.
Es ist aber etwas, das bei dieser vorläufigen Beurteilung den Gesichtspunkt bestimmt, aus dem sie allein mit gehöriger Gründlichkeit angestellt werden kann, und dieses ist die Vergleichung der Prinzipien, von denen beide Teile ausgehen. Man bemerkt unter den Behauptungen der Antithesis, eine vollkommene Gleichförmigkeit der Denkungsart und völlige Einheit der Maxime, nämlich
B 494 ein Prinzipium des reinen Empirismus, nicht allein in Erklärung der Erscheinungen in der Welt, sondern auch in Auflösung der transzendentalen Ideen, vom Weltall selbst. Dagegen legen die Behauptungen der Thesis, außer der empirischen Erklärungsart innerhalb der Reihe der Erscheinungen, noch intellektuelle Anfänge zum Grunde, und die Maxime ist sofern nicht einfach. Ich will sie aber, von ihrem wesentlichen Unterscheidungsmerkmal, den Dogmatism der reinen Vernunft nennen.
Auf der Seite also des Dogmatismus, in Bestimmung der kosmologischen Vernunftideen, oder der Thesis, zeigt sich
Zuerst ein gewisses praktisches Interesse, woran jeder Wohlgesinnter, wenn er sich auf seinen wahren Vorteil versteht, herzlich teilnimmt. Daß die Welt einen Anfang habe, daß mein denkendes Selbst einfacher und daher unverweslicher Natur, daß dieses zugleich in seinen willkürlichen Handlungen frei und über den Naturzwang erhoben sei, und daß endlich die ganze Ordnung der Dinge, welche die Welt ausmachen, von einem Urwesen abstamme, von welchem alles seine Einheit und zweckmäßige Verknüpfung entlehnt, das sind so viel Grundsteine der Moral und Religion. Die Antithesis raubt uns alle diese Stützen, oder scheint wenigstens sie uns zu rauben.
Zweitens äußert sich auch ein spekulatives Interesse der Vernunft auf dieser Seite. Denn, wenn man die transzendentalen Ideen auf solche Art annimmt und
B 495 gebraucht, so kann man völlig a priori die ganze Kette der Bedingungen fassen, und die Ableitung des Bedingten begreifen, indem man vom Unbedingten anfängt, welches die Antithesis nicht leistet, die dadurch sich sehr übel empfiehlt, daß sie auf die Frage, wegen der Bedingungen ihrer Synthesis, keine Antwort geben kann, die nicht ohne Ende immer weiter zu fragen übrig ließe. Nach ihr muß man von einem gegebenen Anfange zu einem noch höheren aufsteigen, jeder Teil führt auf einen noch kleineren Teil, jede Begebenheit hat immer noch eine andere Begebenheit als Ursache über sich, und die Bedingungen des Daseins überhaupt stützen sich immer wiederum auf andere, ohne jemals in einem selbständigen Dinge als Urwesen unbedingte Haltung und Stütze zu bekommen.
Drittens hat diese Seite auch den Vorzug der Popularität, der gewiß nicht den kleinsten Teil seiner Empfehlung ausmacht. Der gemeine Verstand findet in den Ideen des unbedingten Anfangs aller Synthesis nicht die mindeste Schwierigkeit, da er ohnedem mehr gewohnt ist, zu den Folgen abwärts zu gehen, als zu den Gründen hinaufzusteigen, und hat in den Begriffen des absolut Ersten (über dessen Möglichkeit er nicht grübelt) eine Gemächlichkeit und zugleich einen festen Punkt, um die Leitschnur seiner Schritte daran zu knüpfen, da er hingegen an dem rastlosen Aufsteigen vom Bedingten zur Bedingung, jederzeit mit einem Fuße in der Luft, gar keinen Wohlgefallen finden kann.
B 496 Auf der Seite des Empirismus in Bestimmung der kosmologischen Ideen, oder der Antithesis, findet sich erstlich kein solches praktisches Interesse aus reinen Prinzipien der Vernunft, als Moral und Religion bei sich führen. Vielmehr scheint der bloße Empirism beiden alle Kraft und Einfluß zu benehmen. Wenn es kein von der Welt unterschiedenes Urwesen gibt, wenn die Welt ohne Anfang und also auch ohne Urheber, unser Wille nicht frei und die Seele von gleicher Teilbarkeit und Verweslichkeit mit der Materie ist, so verlieren auch die moralischen Ideen und Grundsätze alle Gültigkeit, und fallen mit den transzendentalen Ideen, welche ihre theoretische Stütze ausmachten.
Dagegen bietet aber der Empirism dem spekulativen Interesse der Vernunft Vorteile an, die sehr anlockend sind und diejenigen weit übertreffen, die der dogmatische Lehrer der Vernunftideen versprechen mag. Nach jenem ist der Verstand jederzeit auf seinem eigentümlichen Boden, nämlich dem Felde von lauter möglichen Erfahrungen, deren Gesetzen er nachspüren, und vermittelst derselben er seine sichere und faßliche Erkenntnis ohne Ende erweitern kann. Hier kann und soll er den Gegenstand, sowohl an sich selbst, als in seinen Verhältnissen, der Anschauung darstellen, oder doch in Begriffen, deren Bild in gegebenen ähnlichen Anschauungen klar und deutlich vorgelegt werden kann. Nicht allein, daß er nicht nötig hat, diese Kette der Naturordnung zu verlassen, um sich
B 497 an Ideen zu hängen, deren Gegenstände er nicht kennt, weil sie als Gedankendinge niemals gegeben werden können; sondern es ist ihm nicht einmal erlaubt, sein Geschäft zu verlassen, und unter dem Vorwande, es sei nunmehr zu Ende gebracht, in das Gebiet der idealisierenden Vernunft und zu transzendenten Begriffe überzugehen, wo er nicht weiter nötig hat zu beobachten und den Naturgesetzen gemäß zu forschen, sondern nur zu denken und zu dichten, sicher, daß er nicht durch Tatsachen der Natur widerlegt werden könne, weil er an ihr Zeugnis eben nicht gebunden ist, sondern sie vorbeigehen, oder sie sogar selbst einem höheren Ansehen, nämlich dem der reinen Vernunft, unterordnen darf.
Der Empirist wird es daher niemals erlauben, irgendeine Epoche der Natur für die schlechthin erste anzunehmen, oder irgendeine Grenze seiner Aussicht in den Umfang derselben als die äußerste anzusehen, oder von den Gegenständen der Natur, die er durch Beobachtung und Mathematik auflösen und in der Anschauung synthetisch bestimmen kann, (dem Ausgedehnten,) zu denen überzugehen, die weder Sinn, noch Einbildungskraft jemals in concreto darstellen kann (dem Einfachen); noch einräumen, daß man selbst in der Natur ein Vermögen, unabhängig von Gesetzen der Natur zu wirken, (Freiheit,) zum Grunde lege, und dadurch dem Verstande sein Geschäft schmälere, an dem Leitfaden notwendiger Regeln dem Entstehen der Erscheinungen nachzuspüren; noch
B 498 endlich zugeben, daß man irgend wozu die Ursache außerhalb der Natur suche, (Urwesen,) weil wir nichts weiter, als diese kennen, indem sie es allein ist, welche uns Gegenstände darbietet, und von ihren Gesetzen unterrichten kann.
Zwar, wenn der empirische Philosoph mit seiner Antithese keine andere Absicht hat, als, den Vorwitz und die Vermessenheit der ihre wahre Bestimmung verkennenden Vernunft niederzuschlagen, welche mit Einsicht und Wissen groß tut, da wo eigentlich Einsicht und Wissen aufhören, und das, was man in Ansehung des praktischen Interesse gelten läßt, für eine Beförderung des spekulativen Interesse ausgeben will, um, wo es ihrer Gemächlichkeit zuträglich ist, den Faden physischer Untersuchungen abzureißen, und mit einem Vorgeben von Erweiterung der Erkenntnis, ihn an transzendentale Ideen zu knüpfen, durch die man eigentlich nur erkennt, daß man nichts wisse; wenn, sage ich, der Empirist sich hiermit begnügte, so würde sein Grundsatz eine Maxime der Mäßigung in Ansprüchen, der Bescheidenheit in Behauptungen und zugleich der größest möglichen Erweiterung unseres Verstandes, durch den eigentlich uns vorgesetzten Lehrer, nämlich die Erfahrung, sein. Denn, in solchem Falle, würden uns intellektuelle Voraussetzungen und Glaube, zum Behuf unserer praktischen Angelegenheit, nicht genommen werden; nur könnte man sie nicht unter dem Titel und dem Pompe von Wissenschaft und
B 499 Vernunfteinsicht auftreten lassen, weil das eigentliche spekulative Wissen überall keinen anderen Gegenstand, als den der Erfahrung treffen kann, und, wenn man ihre Grenze überschreitet, die Synthesis, welche neue und von jener unabhängige Erkenntnisse versucht, kein Substratum der Anschauung hat, an welchem sie ausgeübt werden könnte.
So aber, wenn der Empirismus in Ansehung der Ideen (wie es mehrenteils geschieht) selbst dogmatisch wird und dasjenige dreist verneint, was über der Sphäre seiner anschauenden Erkenntnisse ist, so fällt er selbst in den Fehler der Unbescheidenheit, der hier um desto tadelbarer ist, weil dadurch dem praktischen Interesse der Vernunft ein unersetzlicher Nachteil verursacht wird.
Dies ist der Gegensatz des Epikureisms* gegen den Platonisms.
* Es ist indessen noch die Frage, ob Epikur diese Grundsätze als objektive Behauptungen jemals vorgetragen habe. Wenn sie etwa weiter nichts als Maximen des spekulativen Gebrauchs der Vernunft waren, so zeigte er daran einen echteren philosophischen Geist, als irgendeiner der Weltweisen des Altertums. Daß man in Erklärung der Erscheinungen so zu Werke gehen müsse, als ob das Feld der Untersuchung durch keine Grenze oder Anfang der Welt abgeschnitten sei; den Stoff der Welt so annehmen, wie er sein muß, wenn wir von ihm durch Erfahrung belehrt werden wollen; daß keine andere Erzeugung der Begebenheiten, als wie sie durch unveränderliche Naturgesetze bestimmt werden, und endlich keine von der Welt unterschiedene Ursache müsse gebraucht werden; sind noch jetzt sehr richtige, aber wenig beobachtete Grundsätze, die spekulative Philosophie zu erweitern, so wie auch die Prinzipien der Moral, unabhängig von fremden Hilfsquellen auszufinden, ohne daß darum derjenige, welcher verlangt, jene dogmatischen Sätze, so lange als wir mit der bloßen Spekulation beschäftigt sind, zu ignorieren, darum beschuldigt werden darf, er wolle sie leugnen.
B 500 Ein jeder von beiden sagt mehr, als er weiß, doch so, daß der erstere das Wissen, obzwar zum Nachteile des Praktischen, aufmuntert und befördert, der zweite zwar zum Praktischen vortreffliche Prinzipien an die Hand gibt, aber eben dadurch in Ansehung alles dessen, worin uns allein ein spekulatives Wissen vergönnt ist, der Vernunft erlaubt, idealischen Erklärungen der Naturerscheinungen nachzuhängen und darüber die physische Nachforschung zu verabsäumen.
Was endlich das dritte Moment, worauf bei der vorläufigen Wahl zwischen beiden strittigen Teilen gesehen werden kann, anlangt: so ist es überaus befremdlich, daß der Empirismus aller Popularität gänzlich zuwider ist, ob man gleich glauben sollte, der gemeine Verstand werde einen Entwurf begierig aufnehmen, der ihn durch nichts als Erfahrungserkenntnisse und deren vernunftmäßigen Zusammenhang zu befriedigen verspricht, anstatt daß die transzendentale Dogmatik ihn nötigt, zu Begriffen hinaufzusteigen, welche die Einsicht und das Vernunftvermögen der im Denken geübtesten Köpfe weit übersteigen.
B 501 Aber eben dieses ist sein Bewegungsgrund. Denn er befindet sich alsdann in einem Zustande, in welchem sich auch der Gelehrteste über ihn nichts herausnehmen kann. Wenn er wenig oder nichts davon versteht, so kann sich doch auch niemand rühmen, viel mehr davon zu verstehen, und, ob er gleich hierüber nicht so schulgerecht als andere sprechen kann, so kann er doch darüber unendlich mehr vernünfteln, weil er unter lauter Ideen herumwandelt, über die man eben darum am beredtsten ist, weil man davon nichts weiß; anstatt, daß er über der Nachforschung der Natur ganz verstummen und seine Unwissenheit gestehen müßte. Gemächlichkeit und Eitelkeit also sind schon eine starke Empfehlung dieser Grundsätze. Überdem, ob es gleich einem Philosophen sehr schwer wird, etwas als Grundsatz anzunehmen, ohne deshalb sich selbst Rechenschaft geben zu können, oder gar Begriffe, deren objektive Realität nicht eingesehen werden kann, einzuführen: so ist doch dem gemeinen Verstande nichts gewöhnlicher. Er will etwas haben, womit er zuversichtlich anfangen könne. Die Schwierigkeit, eine solche Voraussetzung selbst zu begreifen, beunruhigt ihn nicht, weil sie ihm, (der nicht weiß, was Begreifen heißt,) niemals in den Sinn kommt, und er hält das für bekannt, was ihm durch öfteren Gebrauch geläufig ist. Zuletzt aber verschwindet alles spekulative Interesse bei ihm vor dem Praktischen, und er bildet sich ein, das einzusehen und zu wissen, was anzunehmen, oder zu glauben, ihn
B 502 seine Besorgnisse oder Hoffnungen antreiben. So ist der Empirismus der transzendental-idealisierenden Vernunft aller Popularität gänzlich beraubt, und, so viel Nachteiliges wider die obersten praktischen Grundsätze sie auch enthalten mag, so ist doch gar nicht zu besorgen, daß sie die Grenzen der Schule jemals überschreiten und im gemeinen Wesen ein nur einigermaßen beträchtliches Ansehen und einige Gunst bei der großen Menge erwerben werde.
Die menschliche Vernunft ist ihrer Natur nach architektonisch, d.i. sie betrachtet alle Erkenntnisse als gehörig zu einem möglichen System, und verstattet daher auch nur solche Prinzipien, die eine vorhabende Erkenntnis wenigstens nicht unfähig machen, in irgendeinem System mit anderen zusammen zu stehen. Die Sätze der Antithesis sind aber von der Art, daß sie die Vollendung eines Gebäudes von Erkenntnissen gänzlich unmöglich machen. Nach ihnen gibt es über einen Zustand der Welt immer einen noch älteren, in jedem Teile immer noch andere, wiederum teilbare, vor jeder Begebenheit eine andere, die wiederum ebensowohl anderweitig erzeugt war, und im Dasein überhaupt alles immer nur bedingt, ohne irgendein unbedingtes und erstes Dasein anzuerkennen. Da also die Antithesis nirgend ein Erstes einräumt, und keinen Anfang, der schlechthin zum Grunde des Baues dienen könnte, so ist ein vollständiges Gebäude der Erkenntnis, bei dergleichen Voraussetzungen, gänzlich unmöglich.
B 503 Daher führt das architektonische Interesse der Vernunft (welches nicht empirische, sondern reine Vernunfteinheit a priori fordert,) eine natürliche Empfehlung für die Behauptungen der Thesis bei sich.
Könnte sich aber ein Mensch von allem Interesse lossagen, und die Behauptungen der Vernunft, gleichgültig gegen alle Folgen, bloß nach dem Gehalte ihrer Gründe in Betrachtung ziehen: so würde ein solcher, gesetzt, daß er keinen Ausweg wüßte, anders aus dem Gedränge zu kommen, als daß er sich zu einer oder anderen der strittigen Lehren bekennte, in einem unaufhörlich schwankenden Zustande sein. Heute würde es ihm überzeugend vorkommen, der menschliche Wille sei frei; morgen, wenn er die unauflösliche Naturkette in Betrachtung zöge, würde er dafür halten, die Freiheit sei nichts als Selbsttäuschung, und alles sei bloß Natur. Wenn es nun aber zum Tun und Handeln käme, so würde dieses Spiel der bloß spekulativen Vernunft, wie Schattenbilder eines Traums, verschwinden, und er würde seine Prinzipien bloß nach dem praktischen Interesse wählen. Weil es aber doch einem nachdenkenden und forschenden Wesen anständig ist, gewisse Zeiten lediglich der Prüfung seiner eigenen Vernunft zu widmen, hierbei aber alle Parteilichkeit gänzlich auszuziehen, und so seine Bemerkungen anderen zur Beurteilung öffentlich mitzuteilen; so kann es niemanden verargt, noch weniger verwehrt werden, die Sätze und
B 504 Gegensätze, so wie sie sich, durch keine Drohung geschreckt, vor Geschworenen von seinem eigenen Stande (nämlich dem Stande schwacher Menschen) verteidigen können, auftreten zu lassen.
Der Antinomie der reinen Vernunft Vierter Abschnitt Von den Transzendentalen Aufgaben der reinen Vernunft, insofern sie schlechterdings müssen aufgelöst werden können
Alle Aufgaben auflösen und alle Fragen beantworten zu wollen, würde eine unverschämte Großsprecherei und ein so ausschweifender Eigendünkel sein, daß man dadurch sich sofort um alles Zutrauen bringen müßte. Gleichwohl gibt es Wissenschaften, deren Natur es so mit sich bringt, daß eine jede darin vorkommende Frage, aus dem, was man weiß, schlechthin beantwortlich sein muß, weil die Antwort aus denselben Quellen entspringen muß, daraus die Frage entspringt, und wo es keineswegs erlaubt ist, unvermeidliche Unwissenheit vorzuschützen, sondern die Auflösung gefordert werden kann. Was in allen möglichen Fällen Recht oder Unrecht sei, muß man der Regel nach wissen können, weil es unsere Verbindlichkeit betrifft, und wir zu dem, was wir nicht wissen können, auch keine Verbindlichkeit haben. In der Erklärung der
B 505 Erscheinungen der Natur muß uns indessen vieles ungewiß und manche Frage unauflöslich bleiben, weil das, was wir von der Natur wissen, zu dem, was wir erklären sollen, bei weitem nicht in allen Fällen zureichend ist. Es fragt sich nun: ob in der Transzendentalphilosophie irgendeine Frage, die ein der Vernunft vorgelegtes Objekt betrifft, durch eben diese reine Vernunft unbeantwortlich sei, und ob man sich ihrer entscheidenden Beantwortung dadurch mit Recht entziehen könne, daß man es als schlechthin ungewiß (aus allem dem, was wir erkennen können) demjenigen beizählt, wovon wir zwar so viel Begriff haben, um eine Frage aufzuwerfen, es uns aber gänzlich an Mitteln oder am Vermögen fehlt, sie jemals zu beantworten.
Ich behaupte nun, daß die Transzendentalphilosophie unter allem spekulativen Erkenntnis dieses Eigentümliche habe: daß gar keine Frage, welche einen der reinen Vernunft gegebenen Gegenstand betrifft, für eben dieselbe menschliche Vernunft unauflöslich sei, und daß kein Vorschützen einer unvermeidlichen Unwissenheit und unergründlichen Tiefe der Aufgabe von der Verbindlichkeit frei sprechen könne, sie gründlich und vollständig zu beantworten; weil eben derselbe Begriff, der uns in den Stand setzt zu fragen, durchaus uns auch tüchtig machen muß, auf diese Frage zu antworten, indem der Gegenstand außer dem Begriffe gar nicht angetroffen wird (wie bei Recht und
B 506 Unrecht).
Es sind aber in der Transzendentalphilosophie keine anderen, als nur die kosmologischen Fragen, in Ansehung deren man mit Recht eine genugtuende Antwort, die die Beschaffenheit des Gegenstandes betrifft, fordern kann, ohne daß dem Philosophen erlaubt ist, sich derselben dadurch zu entziehen, daß er undurchdringliche Dunkelheit vorschützt, und diese Fragen können nur kosmologische Ideen betreffen. Denn der Gegenstand muß empirisch gegeben sein, und die Frage geht nur auf die Angemessenheit desselben mit einer Idee. Ist der Gegenstand transzendental und also selbst unbekannt, z.B. ob das Etwas, dessen Erscheinung (in uns selbst) das Denken ist, (Seele,) ein an sich einfaches Wesen sei, ob es eine Ursache aller Dinge insgesamt gebe, die schlechthin notwendig ist, usw., so sollen wir zu unserer Idee einen Gegenstand suchen, von welchem wir gestehen können, daß er uns unbekannt, aber deswegen doch nicht unmöglich sei.* Die
B 507 kosmologischen Ideen haben allein das Eigentümliche an sich, daß sie ihren Gegenstand und die zu dessen Begriff erforderliche empirische Synthesis als gegeben voraussetzen können, und die Frage, die aus ihnen entspringt, betrifft nur den Fortgang dieser Synthesis, sofern er absolute Totalität enthalten soll, welche letztere nichts Empirisches mehr ist, indem sie in keiner Erfahrung gegeben werden kann. Da nun hier lediglich von einem Dinge als Gegenstande einer möglichen Erfahrung und nicht als einer Sache an sich selbst die Rede ist, so kann die Beantwortung der transzendenten kosmologischen Frage, außer der Idee sonst nirgend liegen, denn sie betrifft keinen Gegenstand an sich selbst; und in Ansehung der möglichen Erfahrung wird nicht nach demjenigen gefragt, was in concreto in irgendeiner Erfahrung gegeben werden kann, sondern was in der Idee liegt, der sich die empirische Synthesis bloß nähern soll: also muß sie aus der Idee allein aufgelöst werden können; denn diese ist ein bloßes Geschöpf der Vernunft, welche also die Verantwortung nicht von sich abweisen und auf den unbekannten Gegenstand schieben kann.
* Man kann zwar auf die Frage, was ein transzendentaler Gegenstand für eine Beschaffenheit habe, keine Antwort geben, nämlich was er sei, aber wohl, daß die Frage selbst nichts sei, darum, weil kein Gegenstand derselben gegeben worden. Daher sind alle Fragen der transzendentalen Seelenlehre auch beantwortlich und wirklich beantwortet; denn sie betreffen das transz. Subjekt aller inneren Erscheinungen, welches selbst nicht Erscheinung ist und also nicht als Gegenstand gegeben ist, und worauf keine der Kategorien (auf welche doch eigentlich die Frage gestellt ist) Bedingungen ihrer Anwendung antreffen. Also ist hier der Fall, da der gemeine Ausdruck gilt, daß keine Antwort auch eine Antwort sei, nämlich daß eine Frage nach der Beschaffenheit desjenigen Etwas, was durch kein bestimmtes Prädikat gedacht werden kann, weil es gänzlich außer der Sphäre der Gegenstände gesetzt wird, die uns gegeben werden können, gänzlich nichtig und leer sei.
B 508 Es ist nicht so außerordentlich, als es anfangs scheint: daß eine Wissenschaft in Ansehung aller in ihren Inbegriff gehörigen Fragen (quaestiones domesticae) lauter gewisse Auflösungen fordern und erwarten könne, ob sie gleich zur Zeit noch vielleicht nicht gefunden sind. Außer der Transzendentalphilosophie gibt es noch zwei reine Vernunftwissenschaften, eine bloß spekulativen, die andere praktischen Inhalts: reine Mathematik, und reine Moral. Hat man wohl jemals gehört: daß, gleichsam wegen einer notwendigen Unwissenheit der Bedingungen, es für ungewiß sei ausgegeben worden, welches Verhältnis der Durchmesser zum Kreise ganz genau in Rational- oder Irrationalzahlen habe? Da es durch erstere gar nicht kongruent gegeben werden kann, durch die zweite aber noch nicht gefunden ist, so urteilte man, daß wenigstens die Unmöglichkeit solcher Auflösung mit Gewißheit erkannt werden könne, und Lambert gab einen Beweis davon. In den allgemeinen Prinzipien der Sitten kann nichts Ungewisses sein, weil die Sätze entweder ganz und gar nichtig und sinnleer sind, oder bloß aus unseren Vernunftbegriffen fließen müssen. Dagegen gibt es in der Naturkunde eine Unendlichkeit von Vermutungen, in Ansehung deren niemals Gewißheit erwartet werden kann, weil die Naturerscheinungen Gegenstände sind, die uns unabhängig von unseren Begriffen gegeben werden, zu denen also der Schlüssel nicht in uns und unserem reinen Denken, sondern außer uns liegt, und eben darum in vielen Fällen nicht aufgefunden,
B 509 mithin kein sicherer Aufschluß erwartet werden kann. Ich rechne die Fragen der transzendentalen Analytik, welche die Deduktion unserer reinen Erkenntnis betreffen, nicht hierher, weil wir jetzt nur von der Gewißheit der Urteile in Ansehung der Gegenstände und nicht in Ansehung des Ursprungs unserer Begriffe selbst handeln.
Wir werden also der Verbindlichkeit einer wenigstens kritischen Auflösung der vorgelegten Vernunftfragen dadurch nicht ausweichen können, daß wir über die engen Schranken unserer Vernunft Klagen erheben, und mit dem Scheine einer demutsvollen Selbsterkenntnis bekennen, es sei über unsere Vernunft, auszumachen, ob die Welt von Ewigkeit her sei, oder einen Anfang habe; ob der Weltraum ins Unendliche mit Wesen erfüllt, oder innerhalb gewisser Grenzen eingeschlossen sei; ob irgend in der Welt etwas einfach sei, oder ob alles ins Unendliche geteilt werden müsse; ob es eine Erzeugung und Hervorbringung aus Freiheit gebe, oder ob alles an der Kette der Naturordnung hänge; endlich ob es irgendein gänzlich unbedingt und an sich notwendiges Wesen gebe, oder ob alles seinem Dasein nach bedingt und mithin äußerlich abhängend und an sich zufällig sei. Denn alle diese Fragen betreffen einen Gegenstand, der nirgend anders als in unseren Gedanken gegeben werden kann, nämlich die schlechthin unbedingte Totalität der Synthesis der Erscheinungen. Wenn wir darüber aus unseren eigenen Begriffen nichts Gewisses
B 510 sagen und ausmachen können, so dürfen wir nicht die Schuld auf die Sache schieben, die sich uns verbirgt; denn es kann uns dergleichen Sache (weil sie außer unserer Idee nirgends angetroffen wird) gar nicht gegeben werden, sondern wir müssen die Ursache in unserer Idee selbst suchen, welche ein Problem ist, das keine Auflösung verstattet, und wovon wir doch hartnäckig annehmen, als entspreche ihr ein wirklicher Gegenstand. Eine deutliche Darlegung der Dialektik, die in unserem Begriffe selbst liegt, würde uns bald zur völligen Gewißheit bringen, von dem, was wir in Ansehung einer solchen Frage zu urteilen haben.
Man kann euerem Vorwande der Ungewißheit in Ansehung dieser Probleme zuerst diese Frage entgegensetzen, die ihr wenigstens deutlich beantworten müßt: Woher kommen euch die Ideen, deren Auflösung euch hier in solche Schwierigkeit verwickelt? Sind es etwa Erscheinungen, deren Erklärung ihr bedürft, und wovon ihr, zufolge dieser Ideen, nur die Prinzipien, oder die Regel ihrer Exposition zu suchen habt? Nehmet an, die Natur sei ganz vor euch aufgedeckt; euren Sinnen, und dem Bewußtsein alles dessen, was eurer Anschauung vorgelegt ist, sei nichts verborgen: so werdet ihr doch durch keine einzige Erfahrung den Gegenstand eurer Ideen in concreto erkennen können, (denn es wird, außer dieser vollständigen Anschauung, noch eine vollendete Synthesis
B 511 und das Bewußtsein ihrer absoluten Totalität erfordert, welches durch gar kein empirisches Erkenntnis möglich ist,) mithin kann eure Frage keineswegs zur Erklärung von irgendeiner vorkommenden Erscheinung notwendig und also gleichsam durch den Gegenstand selbst aufgegeben sein. Denn der Gegenstand kann euch niemals vorkommen, weil er durch keine mögliche Erfahrung gegeben werden kann. Ihr bleibt mit allen möglichen Wahrnehmungen immer unter Bedingungen, es sei im Raume, oder in der Zeit, befangen, und kommt an nichts Unbedingtes, um auszumachen, ob dieses Unbedingte in einem absoluten Anfange der Synthesis, oder einer absoluten Totalität der Reihe, ohne allen Anfang, zu setzen sei. Das All aber in empirischer Bedeutung ist jederzeit nur komparativ. Das absolute All der Größe (das Weltall), der Teilung, der Abstammung, der Bedingung des Daseins überhaupt, mit allen Fragen, ob es durch endliche, oder ins Unendliche fortzusetzende Synthesis zustande zu bringen sei, geht keine mögliche Erfahrung etwas an. Ihr würdet z.B. die Erscheinungen eines Körpers nicht im mindesten besser, oder auch nur anders erklären können, ob ihr annehmet, er bestehe aus einfachen, oder durchgehends immer aus zusammengesetzten Teilen; denn es kann euch keine einfache Erscheinung und ebensowenig auch eine unendliche Zusammensetzung jemals vorkommen. Die Erscheinungen verlangen nur erklärt zu werden, so weit ihre Erklärungsbedingungen in der
B 512 Wahrnehmung gegeben sind, alles aber, was jemals an ihnen gegeben werden mag, in einem absoluten Ganzen zusammengenommen, ist selbst eine Wahrnehmung. Dieses All aber ist es eigentlich, dessen Erklärung in den transzendentalen Vernunftaufgaben gefordert wird.
Da also selbst die Auflösung dieser Aufgaben niemals in der Erfahrung vorkommen kann, so könnt ihr nicht sagen, daß es ungewiß sei, was hierüber dem Gegenstande beizulegen sei. Denn euer Gegenstand ist bloß in eurem Gehirne, und kann außer demselben gar nicht gegeben werden; daher ihr nur dafür zu sorgen habt, mit euch selbst einig zu werden, und die Amphibolie zu verhüten, die eure Idee zu einer vermeintlichen Vorstellung eines empirisch Gegebenen, und also auch nach Erfahrungsgesetzen zu erkennenden Objekts macht. Die dogmatische Auflösung ist also nicht etwa ungewiß, sondern unmöglich. Die kritische aber, welche völlig gewiß sein kann, betrachtet die Frage gar nicht objektiv, sondern nach dem Fundamente der Erkenntnis, worauf sie gegründet ist.
B 513 Der Antinomie der reinen Vernunft Fünfter Abschnitt Skeptische Vorstellung der kosmologischen Fragen durch alle vier transzendentalen Ideen
Wir würden von der Forderung gern abstehen, unsere Fragen dogmatisch beantwortet zu sehen, wenn wir schon zum voraus begriffen: die Antwort möchte ausfallen, wie sie wollte, so würde sie unsere Unwissenheit nur noch vermehren, und uns aus einer Unbegreiflichkeit in eine andere, aus einer Dunkelheit in eine noch größere und vielleicht gar in Widersprüche stürzen. Wenn unsere Frage bloß auf Bejahung oder Verneinung gestellt ist, so ist es klüglich gehandelt, die vermutlichen Gründe der Beantwortung vorderhand dahingestellt sein zu lassen, und zuvörderst in Erwägung zu ziehen, was man denn gewinnen würde, wenn die Antwort auf die eine, und was, wenn sie auf die Gegenseite ausfiele. Trifft es sich nun, daß in beiden Fällen lauter Sinnleeres (Nonsens) herauskommt, so haben wir eine gegründete Aufforderung, unsere Frage selbst kritisch zu untersuchen, und zu sehen: ob sie nicht selbst auf einer grundlosen Voraussetzung beruhe, und mit einer Idee spiele, die ihre Falschheit besser in der Anwendung und durch ihre Folgen, als in der abgesonderten Vorstellung verrät. Das ist der große Nutzen,
B 514 den die skeptische Art hat, die Fragen zu behandeln, welche reine Vernunft an reine Vernunft tut, und wodurch man eines großen dogmatischen Wustes mit wenig Aufwand überhoben sein kann, um an dessen Statt eine nüchterne Kritik zu setzen, die, als ein wahres Katarktikon den Wahn, zusamt seinem Gefolge, der Vielwisserei, glücklich abführen wird.
Wenn ich demnach von einer kosmologischen Idee zum voraus einsehen könnte, daß, auf welche Seite des Unbedingten der regressiven Synthesis der Erscheinungen sie sich auch schlüge, so würde sie doch für einen jeden Verstandesbegriff entweder zu groß oder zu klein sein; so würde ich begreifen, daß, da jene doch es nur mit einem Gegenstande der Erfahrung zu tun hat, welche einem möglichen Verstandesbegriffe angemessen sein soll, sie ganz leer und ohne Bedeutung sein müsse, weil ihr der Gegenstand nicht anpaßt, ich mag ihn derselben bequemen, wie ich will. Und dieses ist wirklich der Fall mit allen Weltbegriffen, welche auch eben um deswillen, die Vernunft, so lange sie ihnen anhängt, in eine unvermeidliche Antinomie verwickeln. Denn nehmt
Erstlich an: die Welt habe keinen Anfang, so ist sie für euren Begriff zu groß; denn dieser, welcher in einem sukzessiven Regressus besteht, kann die ganze verflossene Ewigkeit niemals erreichen. Setzet: sie habe einen Anfang, so ist sie wiederum für euren Verstandesbegriff in dem notwendigen empirischen Regressus zu
B 515 klein. Denn, weil der Anfang noch immer eine Zeit, die vorhergeht, voraussetzt, so ist er noch nicht unbedingt, und das Gesetz des empirischen Gebrauchs des Verstandes legt es euch auf, noch nach einer höheren Zeitbedingung zu fragen, und die Welt ist also offenbar für dieses Gesetz zu klein.
Ebenso ist es mit der doppelten Beantwortung der Frage, wegen der Weltgröße, dem Raum nach, bewandt. Denn, ist sie unendlich und unbegrenzt, so ist sie für allen möglichen empirischen Begriff zu groß. Ist sie endlich und begrenzt, so fragt ihr mit Recht noch: was bestimmt diese Grenze? Der leere Raum ist nicht ein für sich bestehendes Korrelatum der Dinge, und kann keine Bedingung sein, bei der ihr stehenbleiben könnt, noch viel weniger eine empirische Bedingung, die einen Teil einer möglichen Erfahrung ausmachte. (Denn wer kann eine Erfahrung vom Schlechthinleeren haben?) Zur absoluten Totalität aber der empirischen Synthesis wird jederzeit erfordert, daß das Unbedingte ein Erfahrungsbegriff sei. Also ist eine begrenzte Welt für euren Begriff zu klein.
Zweitens, besteht jede Erscheinung im Raume (Materie) aus unendlich viel Teilen, so ist der Regressus der Teilung für euren Begriff jederzeit zu groß; und soll die Teilung des Raumes irgend bei einem Gliede derselben (dem Einfachen) aufhören, so ist er für die Idee des Unbedingten zu klein. Denn dieses
B 516 Glied läßt noch immer einen Regressus zu mehreren in ihm enthaltenen Teilen übrig.
Drittens, nehmt ihr an: in allem, was in der Welt geschieht, sei nichts, als Erfolg nach Gesetzen der Natur, so ist die Kausalität der Ursache immer wiederum etwas, das geschieht, und euren Regressus zu noch höherer Ursache, mithin die Verlängerung der Reihe von Bedingungen a parte priori ohne Aufhören notwendig macht. Die bloße wirkende Natur ist also für allen euren Begriff, in der Synthesis der Weltbegebenheiten, zu groß.
Wählt ihr, hin und wieder, von selbst gewirkte Begebenheiten, mithin Erzeugung aus Freiheit: so verfolgt euch das Warum nach einem unvermeidlichen Naturgesetze, und nötigt euch, über diesen Punkt nach dem Kausalgesetze der Erfahrung hinauszugehen, und ihr findet, daß dergleichen Totalität der Verknüpfung für euren notwendigen empirischen Begriff zu klein ist.
Viertens. Wenn ihr ein schlechthin notwendiges Wesen (es sei die Welt selbst, oder etwas in der Welt, oder die Weltursache) annehmt; so setzt ihr es in eine, von dem gegebenen Zeitpunkt unendlich entfernte Zeit; weil es sonst von einem anderen und älteren Dasein abhängend sein würde. Alsdann ist aber diese Existenz für euren empirischen Begriff unzugänglich und zu groß, als daß ihr jemals durch irgendeinen fortgesetzten Regressus dazu gelangen könntet.
B 517 Ist aber, eurer Meinung nach, alles was zur Welt (es sei als Bedingt oder als Bedingung) gehört, zufällig: so ist jede euch gegebene Existenz für euren Begriff zu klein. Denn sie nötigt euch, euch noch immer nach einer anderen Existenz umzusehen, von der sie abhängig ist.
Wir haben in allen diesen Fällen gesagt, daß die Weltidee für den empirischen Regressus, mithin jeden möglichen Verstandesbegriff, entweder zu groß, oder auch für denselben zu klein sei. Warum haben wir uns nicht umgekehrt ausgedrückt, und gesagt: daß im ersteren Falle der empirische Begriff für die Idee jederzeit zu klein, im zweiten aber zu groß sei, und mithin gleichsam die Schuld auf dem empirischen Regressus hafte; anstatt, daß wir die kosmologische Idee anklagten, daß sie im Zuviel oder Zuwenig von ihrem Zwecke, nämlich der möglichen Erfahrung, abwiche? Der Grund war dieser. Mögliche Erfahrung ist das, was unseren Begriffen allein Realität geben kann; ohne das ist aller Begriff nur Idee, ohne Wahrheit und Beziehung auf einen Gegenstand. Daher war der mögliche empirische Begriff das Richtmaß, wonach die Idee beurteilt werden mußte, ob sie bloße Idee und Gedankending sei, oder in der Welt ihren Gegenstand antreffe. Denn man sagt nur von demjenigen, daß es verhältnisweise auf etwas anderes zu groß oder zu klein sei, was nur um dieses letzteren willen angenommen wird, und darnach eingerichtet sein muß. Zu dem Spielwerke der
B 518 alten dialektischen Schulen gehörte auch diese Frage: wenn eine Kugel nicht durch ein Loch geht, was soll man sagen: Ist die Kugel zu groß, oder das Loch zu klein? In diesem Falle ist es gleichgültig, wie ihr euch ausdrücken wollt; denn ihr wißt nicht, welches von beiden um des anderen willen da ist. Dagegen werdet ihr nicht sagen: der Mann ist für sein Kleid zu lang, sondern das Kleid ist für den Mann zu kurz.
Wir sind also wenigstens auf den gegründeten Verdacht gebracht. daß die kosmologischen Ideen, und mit ihnen alle untereinander in Streit gesetzten vernünftelnden Behauptungen, vielleicht einen leeren und bloß eingebildeten Begriff, von der Art, wie uns der Gegenstand dieser Ideen gegeben wird, zum Grunde liegen haben, und dieser Verdacht kann uns schon auf die rechte Spur führen, das Blendwerk zu entdecken, was uns so lange irregeführt hat.
Der Antinomie der reinen Vernunft Sechster Abschnitt Der transzendentale Idealism als der Schlüssel zu Auflösung der kosmologischen Dialektik
Wir haben in der transzendentalen Ästhetik hinreichend bewiesen: daß alles, was im Raume oder der Zeit angeschaut wird, mithin alle Gegenstände einer uns möglichen Erfahrung, nichts als Erscheinungen, d.i.
B 519 bloße Vorstellungen sind, die, so wie sie vorgestellt werden, als ausgedehnte Wesen, oder Reihen von Veränderungen, außer unseren Gedanken keine an sich gegründete Existenz haben. Diesen Lehrbegriff nenne ich den transzendentalen Idealism.* Der Realist in transzendentaler Bedeutung macht aus diesen Modifikationen unserer Sinnlichkeit an sich subsistierende Dinge, und daher bloße Vorstellungen zu Sachen an sich selbst.
* Ich habe ihn auch sonst bisweilen den formalen Idealism genannt, um ihn von dem materialen, d.i. dem gemeinen, der die Existenz äußerer Dinge selbst bezweifelt oder leugnet, zu unterscheiden. In manchen Fällen scheint es ratsam zu sein, sich lieber dieser als der obgenannten Ausdrücke zu bedienen, um alle Mißdeutung zu verhüten.
Man würde uns Unrecht tun, wenn man uns den schon längst so verschrienen empirischen Idealismus zumuten wollte, der, indem er die eigene Wirklichkeit des Raumes annimmt, das Dasein der ausgedehnten Wesen in denselben leugnet, wenigstens zweifelhaft findet, und zwischen Traum und Wahrheit in diesem Stücke keinen genugsam erweislichen Unterschied einräumt. Was die Erscheinungen des inneren Sinnes in der Zeit betrifft, an denen, als wirklichen Dingen, findet er keine Schwierigkeit; ja er behauptet sogar, daß diese innere Erfahrung das wirkliche Dasein ihres Objekts (an sich selbst), (mit aller dieser Zeitbestimmung,) einzig und allein hinreichend beweise.
B 520 Unser transzendentaler Idealism erlaubt es dagegen: daß die Gegenstände äußerer Anschauung, ebenso wie sie im Raume angeschaut werden, auch wirklich sind, und in der Zeit alle Veränderungen, so wie sie der innere Sinn vorstellt. Denn, da der Raum schon eine Form derjenigen Anschauung ist, die wir die äußere nennen, und, ohne Gegenstände in demselben, es gar keine empirische Vorstellung geben würde: so können und müssen wir darin ausgedehnte Wesen als wirklich annehmen, und ebenso ist es auch mit der Zeit. Jener Raum selber aber, samt dieser Zeit, und, zugleich mit beiden, alle Erscheinungen, sind doch an sich selbst keine Dinge, sondern nichts als Vorstellungen, und können gar nicht außer unserem Gemüt existieren, und selbst ist die innere und sinnliche Anschauung unseres Gemüts, (als Gegenstandes des Bewußtseins,) dessen Bestimmung durch die Sukzession verschiedener Zustände in der Zeit vorgestellt wird, auch nicht das eigentliche Selbst, so wie es an sich existiert, oder das transzendentale Subjekt, sondern nur eine Erscheinung, die der Sinnlichkeit dieses uns unbekannten Wesens gegeben worden. Das Dasein dieser inneren Erscheinung, als eines so an sich existierenden Dinges, kann nicht eingeräumt werden, weil ihre Bedingung die Zeit ist, welche keine Bestimmung irgendeines Dinges an sich selbst sein kann. In dem Raume aber und der Zeit ist die empirische Wahrheit der Erscheinungen genugsam gesichert, und von der Verwandtschaft mit dem Traume hinreichend
B 521 unterschieden, wenn beide nach empirischen Gesetzen in einer Erfahrung richtig und durchgängig zusammenhängen.
Es sind demnach die Gegenstände der Erfahrung niemals an sich selbst, sondern nur in der Erfahrung gegeben, und existieren außer derselben gar nicht. Daß es Einwohner im Monde geben könne, ob sie gleich kein Mensch jemals wahrgenommen hat, muß allerdings eingeräumt werden, aber es bedeutet nur so viel: daß wir in dem möglichen Fortschritt der Erfahrung auf sie treffen könnten; denn alles ist wirklich, was mit einer Wahrnehmung nach Gesetzen des empirischen Fortgangs in einem Kontext steht. Sie sind also alsdann wirklich, wenn sie mit meinem wirklichen Bewußtsein in einem empirischen Zusammenhange stehen, ob sie gleich darum nicht an sich, d.i. außer diesem Fortschritt der Erfahrung, wirklich sind.
Uns ist wirklich nichts gegeben, als die Wahrnehmung und der empirische Fortschritt von dieser zu anderen möglichen Wahrnehmungen. Denn an sich selbst sind die Erscheinungen, als bloße Vorstellungen, nur in der Wahrnehmung wirklich, die in der Tat nichts anderes ist, als die Wirklichkeit einer empirischen Vorstellung, d.i. Erscheinung. Vor der Wahrnehmung eine Erscheinung ein wirkliches Ding nennen, bedeutet entweder, daß wir im Fortgange der Erfahrung auf eine solche Wahrnehmung treffen müssen, oder es hat gar keine Bedeutung. Denn, daß sie an sich selbst, ohne Beziehung auf unsere Sinne und mögliche Erfahrung existiere, könnte allerdings gesagt
B 522 werden, wenn von einem Dinge an sich selbst die Rede wäre. Es ist aber bloß von einer Erscheinung im Raume und der Zeit, die beides keine Bestimmungen der Dinge an sich selbst, sondern nur unserer Sinnlichkeit sind, die Rede; daher das, was in ihnen ist, (Erscheinungen) nicht an sich Etwas, sondern bloße Vorstellungen sind, die, wenn sie nicht in uns (in der Wahrnehmung) gegeben sind, überall nirgend angetroffen werden.
Das sinnliche Anschauungsvermögen ist eigentlich nur eine Rezeptivität, auf gewisse Weise mit Vorstellungen affiziert zu werden, deren Verhältnis zueinander eine reine Anschauung des Raumes und der Zeit ist, (lauter Formen unserer Sinnlichkeit,) und welche, sofern sie in diesem Verhältnisse (dem Raume und der Zeit) nach Gesetzen der Einheit der Erfahrung verknüpft und bestimmbar sind, Gegenstände heißen. Die nichtsinnliche Ursache dieser Vorstellungen ist uns gänzlich unbekannt, und diese können wir daher nicht als Objekt anschauen; denn dergleichen Gegenstand würde weder im Raume, noch der Zeit (als bloßen Bedingungen der sinnlichen Vorstellung) vorgestellt werden müssen, ohne welche Bedingungen wir uns gar keine Anschauung denken können. Indessen können wir die bloß intelligible Ursache der Erscheinungen überhaupt, das transzendentale Objekt nennen, bloß, damit wir etwas haben, was der Sinnlichkeit als einer Rezeptivität korrespondiert. Diesem transzendentalen Objekt können wir allen Umfang und Zusammenhang unserer
B 523 möglichen Wahrnehmungen zuschreiben, und sagen: daß es vor aller Erfahrung an sich selbst gegeben sei. Die Erscheinungen aber sind, ihm gemäß, nicht an sich, sondern nur in dieser Erfahrung gegeben, weil sie bloße Vorstellungen sind, die nur als Wahrnehmungen einen wirklichen Gegenstand bedeuten, wenn nämlich diese Wahrnehmung mit allen anderen nach den Regeln der Erfahrungseinheit zusammenhängt. So kann man sagen: die wirklichen Dinge der vergangenen Zeit sind in dem transzendentalen Gegenstande der Erfahrung gegeben; sie sind aber für mich nur Gegenstände und in der vergangenen Zeit wirklich, sofern als ich mir vorstelle, daß eine regressive Reihe möglicher Wahrnehmungen, (es sei am Leitfaden der Geschichte, oder an den Fußtapfen der Ursachen und Wirkungen,) nach empirischen Gesetzen, mit einem Worte, der Weltlauf auf eine verflossene Zeitreihe als Bedingung der gegenwärtigen Zeit führt, welche alsdann doch nur in dem Zusammenhange einer möglichen Erfahrung und nicht an sich selbst als wirklich vorgestellt wird, so, daß alle von undenklicher Zeit her vor meinem Dasein verflossenen Begebenheiten doch nichts anderes bedeuten, als die Möglichkeit der Verlängerung der Kette der Erfahrung, von der gegenwärtigen Wahrnehmung an, aufwärts zu den Bedingungen, welche diese der Zeit nach bestimmen.
Wenn ich mir demnach alle existierenden Gegenstände der Sinne in aller Zeit und allen Räumen insgesamt vorstelle: so setze ich solche nicht vor der Erfahrung in beide
B 524 hinein, sondern diese Vorstellung ist nichts anderes, als der Gedanke von einer möglichen Erfahrung, in ihrer absoluten Vollständigkeit. In ihr allein sind jene Gegenstände (welche nichts als bloße Vorstellungen sind) gegeben. Daß man aber sagt, sie existieren vor aller meiner Erfahrung, bedeutet nur, daß sie in dem Teile der Erfahrung, zu welchem ich, von der Wahrnehmung anhebend, allererst fortschreiten muß, anzutreffen sind. Die Ursache der empirischen Bedingungen dieses Fortschritts, mithin auf welche Glieder, oder auch, wie weit ich auf dergleichen im Regressus treffen könne, ist transzendental und mir daher notwendig unbekannt. Aber um diese ist es auch nicht zu tun, sondern nur um die Regel des Fortschritts der Erfahrung, in der mir die Gegenstände, nämlich Erscheinungen, gegeben werden. Es ist auch im Ausgange ganz einerlei, ob ich sage, ich könne im empirischen Fortgange im Raume auf Sterne treffen, die hundertmal weiter entfernt sind, als die äußersten, die ich sehe: oder ob ich sage, es sind vielleicht deren im Weltraume anzutreffen, wenn sie gleich niemals ein Mensch wahrgenommen hat, oder wahrnehmen wird; denn, wenn sie gleich als Dinge an sich selbst, ohne Beziehung auf mögliche Erfahrung, überhaupt gegeben wären, so sind sie doch für mich nichts, mithin keine Gegenstände, als sofern sie in der Reihe des empirischen Regressus enthalten sind. Nur in anderweitiger Beziehung, wenn eben diese Erscheinungen zur kosmologischen Idee von einem
B 525 absoluten Ganzen gebraucht werden sollen, und, wenn es also um eine Frage zu tun ist, die über die Grenzen möglicher Erfahrung hinausgeht, ist die Unterscheidung derart, wie man die Wirklichkeit gedachter Gegenstände der Sinne nimmt, von Erheblichkeit, um einem trüglichen Wahne vorzubeugen, welcher aus der Mißdeutung unserer eigenen Erfahrungsbegriffe unvermeidlich entspringen muß.
Der Antinomie der reinen Vernunft Siebenter Abschnitt Kritische Entscheidung des kosmologischen Streits der Vernunft mit sich selbst
Die ganze Antinomie der reinen Vernunft beruht auf dem dialektischen Argumente: Wenn das Bedingte gegeben ist, so ist auch die ganze Reihe aller Bedingungen desselben gegeben: nun sind uns Gegenstände der Sinne als bedingt gegeben, folglich usw. Durch diesen Vernunftschluß, dessen Obersatz so natürlich und einleuchtend scheint, werden nun, nach Verschiedenheit der Bedingungen (in der Synthesis der Erscheinungen), sofern sie eine Reihe ausmachen, ebensoviel kosmologische Ideen eingeführt, welche die absolute Totalität dieser Reihen postulieren und eben dadurch die Vernunft unvermeidlich in Widerstreit mit sich selbst versetzen. Ehe wir aber das Trügliche dieses vernünftelnden Arguments aufdecken, müssen wir uns durch
B 526 Berichtigung und Bestimmung gewisser darin vorkommender Begriffe dazu instand setzen.
Zuerst ist folgender Satz klar und ungezweifelt gewiß: daß, wenn das Bedingte gegeben ist, uns eben dadurch ein Regressus in der Reihe aller Bedingungen zu demselben aufgegeben sei; denn dieses bringt schon der Begriff des Bedingten so mit sich, daß dadurch etwas auf eine Bedingung, und, wenn diese wiederum bedingt ist, auf eine entferntere Bedingung, und so durch alle Glieder der Reihe bezogen wird. Dieser Satz ist also analytisch und erhebt sich über alle Furcht vor eine transzendentale Kritik. Er ist ein logisches Postulat der Vernunft: diejenige Verknüpfung eines Begriffs mit seinen Bedingungen durch den Verstand zu verfolgen und soweit als möglich fortzusetzen, die schon dem Begriffe selbst anhängt.
Ferner: wenn das Bedingte sowohl, als seine Bedingung, Dinge an sich selbst sind, so ist, wenn das Erstere gegeben worden, nicht bloß der Regressus zu dem Zweiten aufgegeben, sondern dieses ist dadurch wirklich schon mit gegeben, und, weil dieses von allen Gliedern der Reihe gilt, so ist die vollständige Reihe der Bedingungen, mithin auch das Unbedingte dadurch zugleich gegeben, oder vielmehr vorausgesetzt, daß das Bedingte, welches nur durch jene Reihe möglich war, gegeben ist. Hier ist die Synthesis des Bedingten mit seiner Bedingung eine Synthesis des bloßen Verstandes, welcher die Dinge vorstellt, wie sie sind, ohne darauf zu achten, ob, und wie wir
B 527 zur Kenntnis derselben gelangen können. Dagegen wenn ich es mit Erscheinungen zu tun habe, die, als bloße Vorstellungen, gar nicht gegeben sind, wenn ich nicht zu ihrer Kenntnis (d.i. zu ihnen selbst, denn sie sind nichts, als empirische Kenntnisse,) gelangen so kann ich nicht in eben der Bedeutung sagen: wenn das Bedingte gegeben ist, so sind auch alle Bedingungen (als Erscheinungen) zu demselben gegeben, und kann mithin auf die absolute Totalität der Reihe derselben keineswegs schließen. Denn die Erscheinungen sind, in der Apprehension, selber nichts anderes, als eine empirische Synthesis (im Raume und der Zeit) und sind also nur in dieser gegeben. Nun folgt es gar nicht, daß, wenn das Bedingte (in der Erscheinung) gegeben ist, auch die Synthesis, die seine empirische Bedingung ausmacht, dadurch mitgegeben und vorausgesetzt sei, sondern diese findet allererst im Regressus, und niemals ohne denselben, statt. Aber das kann man wohl in einem solchen Falle sagen, daß ein Regressus zu den Bedingungen, d.i. eine fortgesetzte empirische Synthesis auf dieser Seite geboten oder aufgegeben sei, und daß es nicht an Bedingungen fehlen könne, die durch diesen Regressus gegeben werden.
Hieraus erhellt, daß der Obersatz des kosmologischen Vernunftschlusses das Bedingte in transzendentaler Bedeutung einer reinen Kategorie, der Untersatz aber in empirischer Bedeutung eines auf bloße Erscheinungen angewandten Verstandesbegriffs nehmen, folglich derjenige
B 528 dialektische Betrug darin angetroffen werde, den man Sophisma figurae dictionis nennt. Dieser Betrug ist aber nicht erkünstelt, sondern eine ganz natürliche Täuschung der gemeinen Vernunft. Denn durch dieselbe setzen wir (im Obersatze) die Bedingungen und ihre Reihe, gleichsam unbesehen, voraus, wenn etwas als bedingt gegeben ist, weil dieses nichts anderes, als die logische Forderung ist, vollständige Prämissen zu einem gegebenen Schlußsatze anzunehmen, und da ist in der Verknüpfung des Bedingten mit seiner Bedingung keine Zeitordnung anzutreffen; sie werden an sich, als zugleich gegeben, vorausgesetzt. Ferner ist es ebenso natürlich (im Untersatze) Erscheinungen als Dinge an sich und ebensowohl dem bloßen Verstande gegebene Gegenstände anzusehen, wie es im Obersatze geschah, da ich von allen Bedingungen der Anschauung, unter denen allein Gegenstände gegeben werden können, abstrahierte. Nun hatten wir aber hierbei einen merkwürdigen Unterschied zwischen den Begriffen übersehen. Die Synthesis des Bedingten mit seiner Bedingung und die ganze Reihe der letzteren (im Obersatze) führte gar nichts von Einschränkung durch die Zeit und keinen Begriff der Sukzession bei sich. Dagegen ist die empirische Synthesis und die Reihe der Bedingungen in der Erscheinung (die im Untersatze subsumiert wird,) notwendig sukzessiv und nur in der Zeit nacheinander gegeben; folglich konnte ich die absolute Totalität der Synthesis und der dadurch vorgestellten Reihe hier nicht ebensowohl, als dort
B 529 voraussetzen, weil dort alle Glieder der Reihe an sich (ohne Zeitbedingung) gegeben sind, hier aber nur durch den sukzessiven Regressus möglich sind, der nur dadurch gegeben ist, daß man ihn wirklich vollführt.
Nach der Überweisung eines solchen Fehltritts, des gemeinschaftlich zum Grunde (der kosmologischen Behauptungen) gelegten Arguments, können beide streitenden Teile mit Recht, als solche, die ihre Forderung auf keinen gründlichen Titel gründen, abgewiesen werden. Dadurch aber ist ihr Zwist noch nicht insofern geendigt, daß sie überführt worden wären, sie, oder einer von beiden, hätte in der Sache selbst, die er behauptet, (im Schlußsatze) Unrecht, wenn er sie gleich nicht auf tüchtige Beweisgründe zu bauen wußte. Es scheint doch nichts klarer, als daß von zweien, deren der eine behauptet: die Welt hat einen Anfang, der andere: die Welt hat keinen Anfang, sondern sie ist von Ewigkeit her, doch einer Recht haben müsse. Ist aber dieses, so ist es, weil die Klarheit auf beiden Seiten gleich ist, doch unmöglich, jemals auszumitteln, auf welcher Seite das Recht sei, und der Streit dauert nach wie vor, wenn die Parteien gleich bei dem Gerichtshofe der Vernunft zur Ruhe verwiesen worden. Es bleibt also kein Mittel übrig, den Streit gründlich und zur Zufriedenheit beider Teile zu endigen, als daß, da sie einander doch so schön widerlegen können, sie endlich überführt werden, daß sie um nichts streiten, und ein gewisser transzendentaler Schein ihnen da eine
B 530 Wirklichkeit vorgemalt habe, wo keine anzutreffen ist.
Diesen Weg der Beilegung eines nicht abzuurteilenden Streits wollen wir jetzt einschlagen.
* * *
Der eleatische Zeno, ein subtiler Dialektiker, ist schon vom Plato als ein mutwilliger Sophist darüber sehr getadelt worden, daß er, um seine Kunst zu zeigen, einerlei Satz durch scheinbare Argumente zu beweisen und bald darauf durch andere ebenso starke wieder umzustürzen suchte. Er behauptete, Gott (vermutlich war es bei ihm nichts als die Welt) sei weder endlich, noch unendlich, er sei weder in Bewegung, noch in Ruhe, sei keinem anderen Dinge weder ähnlich, noch unähnlich. Es schien denen, die ihn hierüber beurteilten, er habe zwei einander widersprechende Sätze gänzlich ableugnen wollen, welches ungereimt ist. Allein ich finde nicht, daß ihm dieses mit Recht zur Last gelegt werden könne. Den ersteren dieser Sätze werde ich bald näher beleuchten. Was die übrigen betrifft, wenn er unter dem Worte: Gott, das Universum verstand, so mußte er allerdings sagen: daß dieses weder in seinem Orte beharrlich gegenwärtig (in Ruhe) sei, noch denselben verändere (sich bewege), weil alle Örter nur im Univers, dieses selbst also in keinem Orte ist. Wenn das Weltall alles, was existiert, in sich faßt, so ist es auch sofern keinem anderen Dinge, weder ähnlich noch unähnlich, weil es außer ihm kein anderes Ding
B 531 gibt, mit dem es könnte verglichen werden. Wenn zwei einander entgegengesetzte Urteile eine unstatthafte Bedingung voraussetzen, so fallen sie, unerachtet ihres Widerstreits (der gleichwohl kein eigentlicher Widerspruch ist), alle beide weg, weil die Bedingung wegfällt, unter der allein jeder dieser Sätze gelten sollte.
Wenn jemand sagte, ein jeder Körper riecht entweder gut, oder er riecht nicht gut, so findet ein Drittes statt, nämlich, daß er gar nicht rieche, (ausdufte) und so können beide widerstreitenden Sätze falsch sein. Sage ich, er ist entweder wohlriechend, oder er ist nicht wohlriechend: (vel suaveolens vel non suaveolens) so sind beide Urteile einander kontradiktorisch entgegengesetzt und nur der erste ist falsch, sein kontradiktorisches Gegenteil aber, nämlich einige Körper sind nicht wohlriechend, befaßt auch die Körper in sich, die gar nicht riechen. In der vorigen Entgegenstellung (per disparata) blieb die zufällige Bedingung des Begriffs der Körper (der Geruch) noch bei dem widerstreitenden Urteile, und wurde durch dieses also nicht mit aufgehoben, daher war das letztere nicht das kontradiktorische Gegenteil des ersteren.
Sage ich demnach: die Welt ist dem Raume nach entweder unendlich, oder sie ist nicht unendlich (non est infinitus), so muß, wenn der erstere Satz falsch ist, sein kontradiktorisches Gegenteil: die Welt ist nicht unendlich, wahr sein. Dadurch würde ich nur eine unendliche Welt aufheben, ohne eine andere, nämlich die endliche, zu setzen.
B 532 Hieße es aber: die Welt ist entweder unendlich, oder endlich (nichtunendlich,) so könnten beide falsch sein. Denn ich sehe alsdann die Welt, als an sich selbst, ihrer Größe nach bestimmt an, indem ich in dem Gegensatz nicht bloß die Unendlichkeit aufhebe, und, mit ihr, vielleicht ihre ganze abgesonderte Existenz, sondern eine Bestimmung zur Welt, als einem an sich selbst wirklichen Dinge, hinzusetzen welches ebensowohl falsch sein kann, wenn nämlich die Welt gar nicht als ein Ding an sich, mithin auch nicht ihrer Größe nach, weder als unendlich, noch als endlich gegeben sein sollte. Man erlaube mir, daß ich dergleichen Entgegensetzung die dialektische, die des Widerspruchs aber die analytische Opposition nennen darf. Also können von zwei dialektisch einander entgegengesetzten Urteilen alle beide falsch sein, darum, weil eines dem anderen nicht bloß widerspricht, sondern etwas mehr sagt, als zum Widerspruche erforderlich ist.
Wenn man die zwei Sätze: die Welt ist der Größe nach unendlich, die Welt ist ihrer Größe nach endlich, als einander kontradiktorisch entgegengesetzte ansieht, so nimmt man an, daß die Welt (die ganze Reihe der Erscheinungen) ein Ding an sich selbst sei. Denn sie bleibt, ich mag den unendlichen oder endlichen Regressus in der Reihe ihrer Erscheinungen aufheben. Nehme ich aber diese Voraussetzung, oder diesen transzendentalen Schein weg, und leugne, daß sie ein Ding an sich selbst sei, so verwandelt
B 533 sich der kontradiktorische Widerstreit beider Behauptungen in einen bloß dialektischen, und weil die Welt gar nicht an sich (unabhängig von der regressiven Reihe meiner Vorstellungen) existiert, so existiert sie weder als ein an sich unendliches, noch als ein an sich endliches Ganzes. Sie ist nur im empirischen Regressus der Reihe der Erscheinungen und für sich selbst gar nicht anzutreffen. Daher, wenn diese jederzeit bedingt ist, so ist sie niemals ganz gegeben, und die Welt ist also kein unbedingtes Ganzes, existiert also auch nicht als ein solches, weder mit unendlicher, noch endlicher Größe.
Was hier von der ersten kosmologischen Idee, nämlich der absoluten Totalität der Größe in der Erscheinung gesagt worden, gilt auch von allen übrigen. Die Reihe der Bedingungen ist nur in der regressiven Synthesis selbst, nicht aber an sich in der Erscheinung, als einem eigenen, vor allem Regressus gegebenen Dinge, anzutreffen. Daher werde ich auch sagen müssen: die Menge der Teile in einer gegebenen Erscheinung ist an sich weder endlich, noch unendlich, weil Erscheinung nichts an sich selbst Existierendes ist, und die Teile allererst durch den Regressus der dekomponierenden Synthesis, und in demselben, gegeben werden, welcher Regressus niemals schlechthin ganz, weder als endlich, noch als unendlich gegeben ist. Eben das gilt von der Reihe der übereinander geordneten Ursachen, oder der bedingten bis zur unbedingt notwendigen
B 534 Existenz, welche niemals weder an sich ihrer Totalität nach als endlich, noch als unendlich angesehen werden kann, weil sie als Reihe subordinierter Vorstellungen nur im dynamischen Regressus besteht, vor demselben aber, und als für sich bestehende Reihe von Dingen, an sich selbst gar nicht existieren kann.
So wird demnach die Antinomie der reinen Vernunft bei ihren kosmologischen Ideen gehoben, dadurch, daß gezeigt wird, sie sei bloß dialektisch und ein Widerstreit eines Scheins, der daher entspringt, daß man die Idee der absoluten Totalität, welche nur als eine Bedingung der Dinge an sich selbst gilt, auf Erscheinungen angewandt hat, die nur in der Vorstellung, und, wenn sie eine Reihe ausmachen, im sukzessiven Regressus, sonst aber gar nicht existieren. Man kann aber auch umgekehrt aus dieser Antinomie einen wahren, zwar nicht dogmatischen, aber doch so kritischen und doktrinalen Nutzen ziehen: nämlich die transzendentale Idealität der Erscheinungen dadurch indirekt zu beweisen, wenn jemand etwa an dem direkten Beweise in der transzendentalen Ästhetik nicht genug hätte. Der Beweis würde in diesem Dilemma bestehen. Wenn die Welt ein an sich existierendes Ganzes ist: so ist sie entweder endlich, oder unendlich. Nun ist das erstere sowohl als das zweite falsch (laut der oben angeführten Beweise der Antithesis, einer-, und der Thesis andererseits). Also ist es auch falsch, daß die Welt (der
B 535 Inbegriff aller Erscheinungen) ein an sich existierendes Ganzes sei. Woraus denn folgt, daß Erscheinungen überhaupt außer unseren Vorstellungen nichts sind, welches wir eben durch die transzendentale Idealität derselben sagen wollten.
Diese Anmerkung ist von Wichtigkeit. Man sieht daraus, daß die obigen Beweise der vierfachen Antinomie nicht Blendwerke, sondern gründlich waren, unter der Voraussetzung nämlich, daß Erscheinungen oder eine Sinnenwelt, die sie insgesamt in sich begreift, Dinge an sich selbst wären. Der Widerstreit der daraus gezogenen Sätze entdeckt aber, daß in der Voraussetzung eine Falschheit liege, und bringt uns dadurch zu einer Entdeckung der wahren Beschaffenheit der Dinge, als Gegenstände der Sinne. Die transzendentale Dialektik tut also keineswegs dem Skeptizism einigen Vorschub, wohl aber der skeptischen Methode, welche an ihr ein Beispiel ihres großen Nutzens aufweisen kann, wenn man die Argumente der Vernunft in ihrer größten Freiheit gegeneinander auftreten läßt, die, ob sie gleich zuletzt nicht dasjenige, was man suchte, dennoch jederzeit etwas Nützliches und zur Berichtigung unserer Urteile Dienliches, liefern werden.
B 536 Der Antinomie der reinen Vernunft Achter Abschnitt Regulatives Prinzip der reinen Vernunft in Ansehung der kosmologischen Ideen
Da durch den kosmologischen Grundsatz der Totalität kein Maximum der Reihe von Bedingungen in einer Sinnenwelt, als einem Dinge an sich selbst, gegeben wird, sondern bloß im Regressus derselben aufgegeben werden kann, so behält der gedachte Grundsatz der reinen Vernunft, in seiner dergestalt berichtigten Bedeutung, annoch seine gute Gültigkeit, zwar nicht als Axiom, die Totalität im Objekt als wirklich zu denken, sondern als ein Problem für den Verstand, also für das Subjekt, um, der Vollständigkeit in der Idee gemäß, den Regressus in der Reihe der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten anzustellen und fortzusetzen. Denn in der Sinnlichkeit, d.i. im Raume und der Zeit, ist jede Bedingung, zu der wir in der Exposition gegebener Erscheinungen gelangen können, wiederum bedingt; weil diese keine Gegenstände an sich selbst sind, an denen allenfalls das Schlechthinunbedingte stattfinden könnte, sondern bloß empirische Vorstellungen, die jederzeit in der Anschauung ihre Bedingung finden müssen, welche sie dem Raume oder der Zeit nach bestimmt. Der Grundsatz der Vernunft also ist eigentlich nur eine Regel, welche in der Reihe der Bedingungen
B 537 gegebener Erscheinungen einen Regressus gebietet, dem es niemals erlaubt ist, bei einem Schlechthinunbedingten stehen zu bleiben. Er ist also kein Prinzipium der Möglichkeit der Erfahrung und der empirischen Erkenntnis der Gegenstände der Sinne, mithin kein Grundsatz des Verstandes; denn jede Erfahrung ist in ihren Grenzen (der gegebenen Anschauung gemäß) eingeschlossen, auch kein konstitutives Prinzip der Vernunft, den Begriff der Sinnenwelt über alle mögliche Erfahrung zu erweitern, sondern ein Grundsatz der größtmöglichen Fortsetzung und Erweiterung der Erfahrung, nach welchem keine empirische Grenze für absolute Grenze gelten muß, also ein Prinzipium der Vernunft, welches, als Regel, postuliert, was von uns im Regressus geschehen soll, und nicht antizipiert, was im Objekte vor allem Regressus an sich gegeben ist. Daher nenne ich es ein regulatives Prinzip der Vernunft, da hingegen der Grundsatz der absoluten Totalität der Reihe der Bedingungen, als im Objekte (den Erscheinungen) an sich selbst gegeben, ein konstitutives kosmologisches Prinzip sein würde, dessen Nichtigkeit ich eben durch diese Unterscheidung habe anzeigen und dadurch verhindern wollen, daß man nicht, wie sonst unvermeidlich geschieht, (durch transzendentale Subreption,) einer Idee, welche bloß zur Regel dient, objektive Realität beimesse.
Um nun den Sinn dieser Regel der reinen Vernunft gehörig zu bestimmen, so ist zuvörderst zu bemerken, daß
B 538 sie nicht sagen könne, was das Objekt sei, sondern wie der empirische Regressus anzustellen sei, um zu dem vollständigen Begriffe des Objekts zu gelangen. Denn, fände das erstere statt, so würde sie ein konstitutives Prinzipium sein, dergleichen aus reiner Vernunft niemals möglich ist. Man kann also damit keineswegs die Absicht haben, zu sagen, die Reihe der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten sei an sich endlich, oder unendlich; denn dadurch würde eine bloße Idee der absoluten Totalität, die lediglich in ihr selbst geschaffen ist, einen Gegenstand denken, der in keiner Erfahrung gegeben werden kann, indem einer Reihe von Erscheinungen eine von der empirischen Synthesis unabhängige objektive Realität erteilt würde. Die Vernunftidee wird also nur der regressiven Synthesis in der Reihe der Bedingungen eine Regel vorschreiben, nach welcher sie vom Bedingten, vermittelst aller einander untergeordneten Bedingungen, zum Unbedingten fortgeht, obgleich dieses niemals erreicht wird. Denn das Schlechthinunbedingte wird in der Erfahrung gar nicht angetroffen.
Zu diesem Ende ist nun erstlich die Synthesis einer Reihe, sofern sie niemals vollständig ist, genau zu bestimmen. Man bedient sich in dieser Absicht gewöhnlich zweier Ausdrücke, die darin etwas unterscheiden sollen, ohne daß man doch den Grund dieser Unterscheidung recht anzugeben weiß. Die Mathematiker sprechen lediglich von einem progressus in infinitum. Die Forscher der Begriffe
B 539 (Philosophen) wollen an dessen Statt nur den Ausdruck von einem progressus in indefinitum gelten lassen. Ohne mich bei der Prüfung der Bedenklichkeit, die diesen eine solche Unterscheidung angeraten hat, und dem guten oder fruchtlosen Gebrauch derselben aufzuhalten, will ich diese Begriffe in Beziehung auf meine Absicht genau zu bestimmen suchen.
Von einer geraden Linie kann man mit Recht sagen, sie könne ins Unendliche verlängert werden, und hier würde die Unterscheidung des Unendlichen und des unbestimmbar weiten Fortgangs (progressus in indefinitum) eine leere Subtilität sein. Denn, obgleich, wenn es heißt: ziehet eine Linie fort, es freilich richtiger lautet, wenn man hinzusetzt, in indefinitum, als wenn es heißt, in infinitum; weil das erstere nicht mehr bedeutet, als: verlängert sie, so weit ihr wollt, das zweite aber: ihr sollt niemals aufhören sie zu verlängern, (welches hierbei eben nicht die Absicht ist,) so ist doch, wenn nur vom können die Rede ist, der erstere Ausdruck ganz richtig; denn ihr könnt sie ins Unendliche immer größer machen. Und so verhält es sich auch in allen Fällen, wo man nur vom Progressus, d.i. dem Fortgange von der Bedingung zum Bedingten, spricht; dieser mögliche Fortgang geht in der Reihe der Erscheinungen ins Unendliche. Von einem Elternpaar könnt ihr in absteigender Linie der Zeugung ohne Ende fortgehen und euch auch ganz wohl denken, daß sie wirklich
B 540 in der Welt so fortgehe. Denn hier bedarf die Vernunft niemals absolute Totalität der Reihe, weil sie solche nicht als Bedingung und wie gegeben (datum) vorausgesetzt, sondern nur als was Bedingtes, das nur angeblich (dabile) ist, und ohne Ende hinzugesetzt wird.
Ganz anders ist es mit der Aufgabe bewandt: wie weit sich der Regressus, der von dem gegebenen Bedingten zu den Bedingungen in einer Reihe aufsteigt, erstrecke, ob ich sagen könne: es sei ein Rückgang ins Unendliche, oder nur ein unbestimmbar weit (in indefinitum) sich erstreckender Rückgang, und ob ich also von den jetztlebenden Menschen, in der Reihe ihrer Voreltern, ins Unendliche aufwärts steigen könne, oder ob nur gesagt werden könne: daß, so weit ich auch zurückgegangen bin, niemals ein empirischer Grund angetroffen werde, die Reihe irgendwo für begrenzt zu halten, so daß ich berechtigt und zugleich verbunden bin, zu jedem der Urväter noch fernerhin seinen Vorfahren aufzusuchen, obgleich eben nicht vorauszusetzen.
Ich sage demnach: wenn das Ganze in der empirischen Anschauung gegeben worden, so geht der Regressus in der Reihe seiner inneren Bedingungen ins Unendliche. Ist aber nur ein Glied der Reihe gegeben, von welchem der Regressus zur absoluten Totalität allererst fortgehen soll: so findet nur ein Rückgang in unbestimmte Weise
B 541 (in indefinitum) statt. So muß von der Teilung einer zwischen ihren Grenzen gegebenen Materie (eines Körpers) gesagt werden: sie gehe ins Unendliche. Denn diese Materie ist ganz, folglich mit allen ihren möglichen Teilen, in der empirischen Anschauung gegeben. Da nun die Bedingung dieses Ganzen sein Teil, und die Bedingung dieses Teils der Teil vom Teile usw. ist, und in diesem Regressus der Dekomposition niemals ein unbedingtes (unteilbares) Glied dieser Reihe von Bedingungen angetroffen wird, so ist nicht allein nirgend ein empirischer Grund, in der Teilung aufzuhören, sondern die ferneren Glieder der fortzusetzenden Teilung sind selbst vor dieser weitergehenden Teilung empirisch gegeben, d.i. die Teilung geht ins Unendliche. Dagegen ist die Reihe der Voreltern zu einem gegebenen Menschen in keiner möglichen Erfahrung, in ihrer absoluten Totalität, gegeben, der Regressus aber geht doch von jedem Gliede dieser Zeugung zu einem höheren, so, daß keine empirische Grenze anzutreffen ist, die ein Glied, als schlechthin unbedingt, darstellte. Da aber gleichwohl auch die Glieder, die hierzu die Bedingung abgeben könnten, nicht in der empirischen Anschauung des Ganzen schon vor dem Regressus liegen: so geht dieser nicht ins Unendliche (der Teilung des Gegebenen), sondern in unbestimmbare Weite, der Aufsuchung mehrerer Glieder zu den gegebenen, die wiederum jederzeit nur bedingt gegeben sind.
B 542 In keinem von beiden Fällen, sowohl dem regressus in infinitum, als dem in indefinitum, wird die Reihe der Bedingungen als unendlich im Objekt gegeben angesehen. Es sind nicht Dinge, die an sich selbst, sondern nur Erscheinungen, die, als Bedingungen voneinander, nur im Regressus selbst gegeben werden. Also ist die Frage nicht mehr: wie groß diese Reihe der Bedingungen an sich selbst sei, ob endlich oder unendlich, denn sie ist nichts an sich selbst, sondern: wie wir den empirischen Regressus anstellen, und wie weit wir ihn fortsetzen sollen. Und da ist denn ein namhafter Unterschied in Ansehung der Regel dieses Fortschritts. Wenn das Ganze empirisch gegeben worden, so ist es möglich, ins Unendliche in der Reihe seiner inneren Bedingungen zurückzugehen. Ist jenes aber nicht gegeben, sondern soll durch empirischen Regressus allererst gegeben werden, so kann ich nur sagen: es ist ins Unendliche möglich, zu noch höheren Bedingungen der Reihe fortzugehen. Im ersteren Falle konnte ich sagen: es sind immer mehr Glieder da, und empirisch gegeben, als ich durch den Regressus (der Dekomposition) erreiche; im zweiten aber: ich kann im Regressus noch immer weiter gehen, weil kein Glied als schlechthin unbedingt empirisch gegeben ist, und also noch immer ein höheres Glied als möglich und mithin die Nachfrage nach demselben als notwendig zuläßt. Dort war es notwendig, mehr Glieder der Reihe anzutreffen, hier aber ist es immer notwendig, nach mehreren zu fragen, weil keine
B 543 Erfahrung absolut begrenzt. Denn ihr habt entweder keine Wahrnehmung, die euren empirischen Regressus schlechthin begrenzt, und dann müßt ihr euren Regressus nicht für vollendet halten, oder habt eine solche eure Reihe begrenzende Wahrnehmung, so kann diese nicht ein Teil eurer zurückgelegten Reihe sein, (weil das, was begrenzt, von dem, was dadurch begrenzt wird, unterschieden sein muß,) und ihr müßt also euren Regressus auch zu dieser Bedingung weiter fortsetzen, und so fortan.
Der folgende Abschnitt wird diese Bemerkungen durch ihre Anwendung in ihr gehöriges Licht setzen.
Der Antinomie der reinen Vernunft Neunter Abschnitt Von dem empirischen Gebrauche des regulativen Prinzips der Vernunft, in Ansehung aller kosmologischen Ideen
Da es, wie wir mehrmalen gezeigt haben, keinen transzendentalen Gebrauch so wenig von reinen Verstandes- als Vernunftbegriffen gibt, da die absolute Totalität der Reihen der Bedingungen in der Sinnenwelt sich lediglich auf einen transzendentalen Gebrauch der Vernunft fußt, welche diese unbedingte Vollständigkeit von demjenigen fordert, was sie als Ding an sich selbst
B 544 voraussetzt; da die Sinnenwelt aber dergleichen nicht enthält, so kann die Rede niemals mehr von der absoluten Größe der Reihen in derselben sein, ob sie begrenzt, oder an sich unbegrenzt sein mögen, sondern nur, wie weit wir im empirischen Regressus, bei Zurückführung der Erfahrung auf ihre Bedingungen, zurückgehen sollen, um nach der Regel der Vernunft bei keiner anderen, als dem Gegenstande angemessenen Beantwortung der Fragen derselben stehenzubleiben.
Es ist also nur die Gültigkeit des Vernunftprinzips, als einer Regel der Fortsetzung und Größe einer möglichen Erfahrung, die uns allein übrig bleibt, nachdem seine Ungültigkeit, als eines konstitutiven Grundsatzes der Erscheinungen an sich selbst, hinlänglich dargetan worden. Auch wird, wenn wir jene ungezweifelt vor Augen legen können, der Streit der Vernunft mit sich selbst völlig geendigt, indem nicht allein durch kritische Auflösung der Schein, der sie mit sich entzweite, aufgehoben worden, sondern an dessen Statt der Sinn, in welchem sie mit sich selbst zusammenstimmt und dessen Mißdeutung allein den Streit veranlaßte, aufgeschlossen, und ein sonst dialektischer Grundsatz in einen doktrinalen verwandelt wird. In der Tat, wenn dieser, seiner subjektiven Bedeutung nach, den größtmöglichen Verstandesgebrauch in der Erfahrung den Gegenständen derselben angemessen zu bestimmen, bewährt werden kann: so ist es gerade ebensoviel, als ob
B 545 er wie ein Axiom (welches aus reiner Vernunft unmöglich ist) die Gegenstände an sich selbst a priori bestimmte; denn auch dieses könnte in Ansehung der Objekte der Erfahrung keinen größeren Einfluß auf die Erweiterung und Berichtigung unserer Erkenntnis haben, als daß es sich in dem ausgebreitetsten Erfahrungsgebrauche unseres Verstandes tätig bewiese.
I. Auflösung der kosmologischen Idee von der Totalität der Zusammensetzung der Erscheinungen von einem Weltganzen
Sowohl hier, als bei den übrigen kosmologischen Fragen, ist der Grund des regulativen Prinzips der Vernunft der Satz: daß im empirischen Regressus keine Erfahrung von einer absoluten Grenze, mithin von keiner Bedingung, als einer solchen, die empirisch schlechthin unbedingt sei, angetroffen werden könne. Der Grund davon aber ist: daß eine dergleichen Erfahrung eine Begrenzung der Erscheinungen durch Nichts, oder das Leere, darauf der fortgeführte Regressus vermittelst einer Wahrnehmung stoßen könnte, in sich enthalten müßte, welches unmöglich ist.
Dieser Satz nun, der ebensoviel sagt, als: daß ich im empirischen Regressus jederzeit nur zu einer Bedingung
B 546 gelange, die selbst wiederum als empirisch bedingt angesehen werden muß, enthält die Regel in terminis: daß, so weit ich auch damit in der aufsteigenden Reihe gekommen sein möge, ich jederzeit nach einem höheren Gliede der Reihe fragen müsse, es mag mir dieses nun durch Erfahrung bekannt werden, oder nicht.
Nun ist zur Auflösung der ersten kosmologischen Aufgabe nichts weiter nötig, als noch auszumachen: ob in dem Regressus zu der unbedingten Größe des Weltganzen (der Zeit und dem Raume nach) dieses niemals begrenzte Aufsteigen ein Rückgang ins Unendliche heißen könne, oder nur ein unbestimmbar fortgesetzter Regressus (in indefinitum).
Die bloße allgemeine Vorstellung der Reihe aller vergangenen Weltzustände, imgleichen der Dinge, welche im Weltraume zugleich sind, ist selbst nichts anderes, als ein möglicher empirischer Regressus, den ich mir, obzwar noch unbestimmt, denke, und wodurch der Begriff einer solchen Reihe von Bedingungen zu der gegebenen Wahrnehmung allein entstehen kann*. Nun habe ich das
B 547 Weltganze jederzeit nur im Begriffe, keineswegs aber (als Ganzes) in der Anschauung. Also kann ich nicht von seiner Größe auf die Größe des Regressus schließen, und diese jener gemäß bestimmen, sondern ich muß mir allererst einen Begriff von der Weltgröße durch die Größe des empirischen Regressus machen. Von diesem aber weiß ich niemals etwas mehr, als daß ich von jedem gegebenen Gliede der Reihe von Bedingungen immer noch zu einem höheren (entfernteren) Gliede empirisch fortgehen müsse. Also ist dadurch die Größe des Ganzen der Erscheinungen gar nicht schlechthin bestimmt, mithin kann man auch nicht sagen, daß dieser Regressus ins Unendliche gehe, weil dieses die Glieder, dahin der Regressus noch nicht gelangt ist, antizipieren und ihre Menge so groß vorstellen würde, daß keine empirische Synthesis dazu gelangen kann, folglich die Weltgröße vor dem Regressus (wenn gleich nur negativ) bestimmen würde, welches unmöglich ist. Denn diese ist mir durch keine Anschauung (ihrer Totalität nach) mithin auch ihre Größe vor dem Regressus gar nicht gegeben. Demnach können wir von der Weltgröße an sich gar nichts sagen, auch nicht einmal, daß in ihr ein regressus in infinitum stattfinde, sondern müssen nur nach der Regel, die den empirischen Regressus in ihr bestimmt, den Begriff von ihrer Größe suchen. Diese Regel aber sagt nichts mehr, als daß, so weit wir auch in der Reihe der empirischen Bedingungen gekommen sein mögen, wir nirgend eine absolute Grenze annehmen sollen,
B 548 sondern jede Erscheinung, als bedingt, einer anderen, als ihrer Bedingung, unterordnen, zu dieser also ferner fortschreiten müssen, welches der regressus in indefinitum ist, der, weil er keine Größe im Objekt bestimmt, von dem in infinitum deutlich genug zu unterscheiden ist.
* Diese Weltreihe kann also auch weder größer, noch kleiner sein, als der mögliche empirische Regressus, auf dem allein ihr Begriff beruht. Und da dieser kein bestimmtes Unendliches, ebensowenig aber auch ein bestimmtendliches (schlechthin Begrenztes) geben kann: so ist daraus klar, daß wir die Weltgröße weder als endlich, noch unendlich annehmen können, weil der Regressus (dadurch jene vorgestellt wird) keines von beiden zuläßt.
Ich kann demnach nicht sagen: die Welt ist der vergangenen Zeit, oder dem Raume nach unendlich. Denn dergleichen Begriff von Größe, als einer gegebenen Unendlichkeit, ist empirisch, mithin auch in Ansehung der Welt, als eines Gegenstandes der Sinne, schlechterdings unmöglich. Ich werde auch nicht sagen: der Regressus von einer gegebenen Wahrnehmung an, zu allen dem, was diese im Raume sowohl, als der vergangenen Zeit, in einer Reihe begrenzt, geht ins Unendliche; denn dieses setzt die unendliche Weltgröße voraus; auch nicht: sie ist endlich; denn die absolute Grenze ist gleichfalls empirisch unmöglich. Demnach werde ich nichts von dem ganzen Gegenstande der Erfahrung (der Sinnenwelt), sondern nur von der Regel, nach welcher Erfahrung ihrem Gegenstande angemessen, angestellt und fortgesetzt werden soll, sagen können.
Auf die kosmologische Frage also, wegen der Weltgröße, ist die erste und negative Antwort: die Welt hat keinen ersten Anfang der Zeit und keine äußerste Grenze dem Raume nach.
Denn im entgegengesetzten Falle würde sie durch die leere Zeit einer-, und durch den leeren Raum
B 549 andererseits begrenzt sein. Da sie nun, als Erscheinung, keines von beiden an sich selbst sein kann, denn Erscheinung ist kein Ding an sich selbst, so müßte eine Wahrnehmung der Begrenzung durch schlechthin leere Zeit, oder leeren Raum, möglich sein, durch welche diese Weltenden in einer möglichen Erfahrung gegeben wären. Eine solche Erfahrung aber, als völlig leer an Inhalt, ist unmöglich. Also ist eine absolute Weltgrenze empirisch, mithin auch schlechterdings unmöglich*.
* Man wird bemerken: daß der Beweis hier auf ganz andere Art geführt worden, als der dogmatische, oben in der Antithesis der ersten Antinomie. Daselbst hatten wir die Sinnenwelt, nach der gemeinen und dogmatischen Vorstellungsart, für ein Ding, was an sich selbst, vor allem Regressus, seiner Totalität nach gegeben war, gelten lassen, und hatten ihr, wenn sie nicht alle Zeit und alle Räume einnähme, überhaupt irgendeine bestimmte Stelle in beiden abgesprochen. Daher war die Folgerung auch anders, als hier, nämlich es wurde auf die wirkliche Unendlichkeit derselben geschlossen.
Hieraus folgt denn zugleich die bejahende Antwort: der Regressus in der Reihe der Welterscheinungen, als eine Bestimmung der Weltgröße, geht in indefinitum, welches ebenso viel sagt, als: die Sinnenwelt hat keine absolute Größe, sondern der empirische Regressus (wodurch sie auf der Seite ihrer Bedingungen allein gegeben werden kann) hat seine Regel, nämlich von einem jeden Gliede der Reihe, als einem Bedingten, jederzeit zu einem noch entfernteren (es sei durch eigene Erfahrung, oder
B 550 den Leitfaden der Geschichte, oder die Kette der Wirkungen und ihrer Ursachen,) fortzuschreiten, und sich der Erweiterung des möglichen empirischen Gebrauchs seines Verstandes nirgend zu überheben, welches denn auch das eigentliche und einzige Geschäft der Vernunft bei ihren Prinzipien ist.
Ein bestimmter empirischer Regressus, der in einer gewissen Art von Erscheinungen ohne Aufhören fortginge, wird hierdurch nicht vorgeschrieben, z.B. daß man von einem lebenden Menschen immer in einer Reihe von Voreltern aufwärts steigen müsse, ohne ein erstes Paar zu erwarten, oder in der Reihe der Weltkörper, ohne eine äußerste Sonne zuzulassen; sondern es wird nur der Fortschritt von Erscheinungen zu Erscheinungen geboten, sollten diese auch keine wirkliche Wahrnehmung (wenn sie dem Grade nach für unser Bewußtsein zu schwach ist, um Erfahrung zu werden) abgeben, weil sie dem ungeachtet doch zur möglichen Erfahrung gehören.
Aller Anfang ist in der Zeit, und alle Grenze des Ausgedehnten im Raume. Raum und Zeit aber sind nur in der Sinnenwelt. Mithin sind nur Erscheinungen in der Welt bedingterweise, die Welt aber selbst weder bedingt, noch auf unbedingte Art begrenzt.
Eben um deswillen, und da die Welt niemals ganz, und selbst die Reihe der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten nicht, als Weltreihe, ganz gegeben werden kann, ist der Begriff von der Weltgröße nur durch den
B 551 Regressus, und nicht vor demselben in einer kollektiven Anschauung, gegeben. Jener besteht aber immer nur im Bestimmen der Größe, und gibt also keinen bestimmten Begriff, als auch keinen Begriff von einer Größe, die in Ansehung eines gewissen Maßes unendlich wäre, geht also nicht ins Unendliche (gleichsam gegebene), sondern in unbestimmte Weite, um eine Größe (der Erfahrung) zu geben, die allererst durch diesen Regressus wirklich wird.
II. Auflösung der kosmologischen Idee von der Totalität der Teilung eines gegebenen Ganzen in der Anschauung
Wenn ich ein Ganzes, das in der Anschauung gegeben ist, teile, so gehe ich von einem Bedingten zu den Bedingungen seiner Möglichkeit. Die Teilung der Teile (subdivisio oder decompositio) ist ein Regressus in der Reihe dieser Bedingungen. Die absolute Totalität dieser Reihe würde nur alsdann gegeben sein, wenn der Regressus bis zu einfachen Teilen gelangen könnte. Sind aber alle Teile in einer kontinuierlich fortgehenden Dekomposition immer wiederum teilbar, so geht die Teilung, d.i. der Regressus, von dem Bedingten zu seinen Bedingungen in infinitum; weil die Bedingungen (die Teile) in dem Bedingten selbst enthalten sind, und, da dieses in einer
B 552 zwischen seinen Grenzen eingeschlossenen Anschauung ganz gegeben ist, insgesamt auch mit gegeben sind. Der Regressus darf also nicht bloß ein Rückgang in indefinitum genannt werden, wie es die vorige kosmologische Idee allein erlaubte, da ich vom Bedingten zu seinen Bedingungen, die, außer demselben, mithin nicht dadurch zugleich mit so gegeben waren, sondern die im empirischen Regressus allererst hinzukamen, fortgehen sollte. Diesem ungeachtet ist es doch keineswegs erlaubt, von einem solchen Ganzen, das ins Unendliche teilbar ist, zu sagen: es bestehe aus unendlich viel Teilen. Denn obgleich alle Teile in der Anschauung des Ganzen enthalten sind, so ist doch darin nicht die ganze Teilung enthalten, welche nur in der fortgehenden Dekomposition, oder dem Regressus selbst besteht, der die Reihe allererst wirklich macht. Da dieser Regressus nun unendlich ist, so sind zwar alle Glieder (Teile), zu denen er gelangt, in dem gegebenen Ganzen als Aggregate enthalten, aber nicht die ganze Reihe der Teilung, welche sukzessivunendlich und niemals ganz ist, folglich keine unendliche Menge, und keine Zusammennehmung derselben in einem Ganzen darstellen kann.
Diese allgemeine Erinnerung läßt sich zuerst sehr leicht auf den Raum anwenden. Ein jeder in seinen Grenzen angeschauter Raum ist ein solches Ganzes, dessen Teile bei aller Dekomposition immer wiederum Räume sind, und ist daher ins Unendliche teilbar.
B 553 Hieraus folgt auch ganz natürlich die zweite Anwendung, auf eine in ihren Grenzen eingeschlossene äußere Erscheinung (Körper). Die Teilbarkeit desselben gründet sich auf die Teilbarkeit des Raumes, der die Möglichkeit des Körpers, als eines ausgedehnten Ganzen, ausmacht. Dieser ist also ins Unendliche teilbar, ohne doch darum aus unendlich viel Teilen zu bestehen.
Es scheint zwar: daß, da ein Körper als Substanz im Raume vorgestellt werden muß, er, was das Gesetz der Teilbarkeit des Raumes betrifft, hierin von diesem unterschieden sein werde: denn man kann es allenfalls wohl zugeben: daß die Dekomposition im letzteren niemals alle Zusammensetzung wegschaffen könne, indem alsdann sogar aller Raum, der sonst nichts Selbstständiges hat, aufhören würde (welches unmöglich ist); allein daß, wenn alle Zusammensetzung der Materie in Gedanken aufgehoben würde, gar nichts übrigbleiben solle, scheint sich nicht mit dem Begriffe einer Substanz vereinigen zu lassen, die eigentlich das Subjekt aller Zusammensetzung sein sollte, und in ihren Elementen übrigbleiben müßte, wenngleich die Verknüpfung derselben im Raume, dadurch sie einen Körper ausmachen, aufgehoben wäre. Allein mit dem, was in der Erscheinung Substanz heißt, ist es nicht so bewandt, als man es wohl von einem Dinge an sich selbst durch reinen Verstandesbegriff denken würde. Jenes ist nicht absolutes Subjekt, sondern beharrliches Bild der
B 554 Sinnlichkeit und nichts als Anschauung, in der überall nichts Unbedingtes angetroffen wird.
Ob nun aber gleich diese Regel des Fortschritts ins Unendliche bei der Subdivision einer Erscheinung, als einer bloßen Erfüllung des Raumes, ohne allen Zweifel stattfindet: so kann sie doch nicht gelten, wenn wir sie auch auf die Menge der auf gewisse Weise in dem gegebenen Ganzen schon abgesonderten Teile, dadurch diese ein quantum discretum ausmachen, erstrecken wollen. Annehmen, daß in jedem gegliederten (organisierten) Ganzen ein jeder Teil wiederum gegliedert sei, und daß man auf solche Art, bei Zerlegung der Teile ins Unendliche, immer neue Kunstteile antreffe, mit einem Worte, daß das Ganze ins Unendliche gegliedert sei, will sich gar nicht denken lassen, obzwar wohl, daß die Teile der Materie, bei ihrer Dekomposition ins Unendliche, gegliedert werden könnten. Denn die Unendlichkeit der Teilung einer gegebenen Erscheinung im Raume gründet sich allein darauf, daß durch diese bloß die Teilbarkeit, d.i. eine an sich schlechthin unbestimmte Menge von Teilen gegeben ist, die Teile selbst aber nur durch die Subdivision gegeben und bestimmt werden, kurz, daß das Ganze nicht an sich selbst schon eingeteilt ist. Daher die Teilung eine Menge in demselben bestimmen kann, die so weit geht, als man im Regressus der Teilung fortschreiten will. Dagegen wird bei einem ins Unendliche gegliederten organischen Körper
B 555 das Ganze eben durch diesen Begriff schon als eingeteilt vorgestellt, und eine an sich selbst bestimmte, aber unendliche Menge der Teile, vor allem Regressus der Teilung, in ihm angetroffen, wodurch man sich selbst widerspricht; indem diese unendliche Entwicklung als eine niemals zu vollendende Reihe (unendlich), und gleichwohl doch in einer Zusammennehmung als vollendet, angesehen wird. Die unendliche Teilung bezeichnet nur die Erscheinung als quantum continuum und ist von der Erfüllung des Raumes unzertrennlich; weil eben in derselben der Grund der unendlichen Teilbarkeit liegt. Sobald aber etwas als quantum discretum angenommen wird: so ist die Menge der Einheiten darin bestimmt; daher auch jederzeit einer Zahl gleich. Wie weit also die Organisierung in einem gegliederten Körper gehen möge, kann nur die Erfahrung ausmachen, und wenn sie gleich mit Gewißheit zu keinem unorganischen Teile gelangte, so müssen solche doch wenigstens in der möglichen Erfahrung liegen. Aber wie weit sich die transzendentale Teilung einer Erscheinung überhaupt erstrecke, ist gar keine Sache der Erfahrung, sondern ein Prinzipium der Vernunft, den empirischen Regressus, in der Dekomposition des Ausgedehnten, der Natur dieser Erscheinung gemäß, niemals für schlechthin vollendet zu halten.
B 556 Schlußanmerkung zur Auflösung der mathematisch-transzendentalen, und Vorerinnerung zur Auflösung der dynamisch-transzendentalen Ideen
Als wir die Antinomie der reinen Vernunft durch alle transzendentalen Ideen in einer Tafel vorstellten, da wir den Grund dieses Widerstreits und das einzige Mittel, ihn zu heben, anzeigten, welches darin bestand, daß beide entgegengesetzte Behauptungen für falsch erklärt wurden: so haben wir allenthalben die Bedingungen, als zu ihrem Bedingten nach Verhältnissen des Raumes und der Zeit gehörig, vorgestellt, welches die gewöhnliche Voraussetzung des gemeinen Menschenverstandes ist, worauf denn auch jener Widerstreit gänzlich beruhte. In dieser Rücksicht waren auch alle dialektischen Vorstellungen der Totalität, in der Reihe der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten, durch und durch von gleicher Art. Es war immer eine Reihe, in welcher die Bedingung mit dem Bedingten, als Glieder derselben, verknüpft und dadurch gleichartig waren, da denn der Regressus niemals vollendet gedacht, oder, wenn dieses geschehen sollte, ein an sich bedingtes Glied fälschlich als ein erstes, mithin als unbedingt angenommen werden müßte. Es würde also zwar nicht allerwärts das Objekt, d.i. das Bedingte, aber doch die
B 557 Reihe der Bedingungen zu demselben, bloß ihrer Größe nach erwogen, und da bestand die Schwierigkeit, die durch keinen Vergleich, sondern durch gänzliche Abschneidung des Knotens allein gehoben werden konnte, darin, daß die Vernunft es dem Verstande entweder zu lang oder zu kurz machte, so, daß dieser ihrer Idee niemals gleich kommen konnte.
Wir haben aber hierbei einen wesentlichen Unterschied übersehen, der unter den Objekten d.i. den Verstandesbegriffen herrscht, welche die Vernunft zu Ideen zu erheben trachtet, da nämlich, nach unserer obigen Tafel der Kategorien, zwei derselben mathematische, die zwei übrigen aber eine dynamische Synthesis der Erscheinungen bedeuten. Bis hierher konnte dieses auch gar wohl geschehen, indem, so wie wir in der allgemeinen Vorstellung aller transzendentalen Ideen immer nur unter Bedingungen in der Erscheinung blieben, eben so auch in den zwei mathematischtranszendentalen keinen anderen Gegenstand, als den in der Erscheinung hatten. Jetzt aber, da wir zu dynamischen Begriffen des Verstandes, sofern sie der Vernunftidee anpassen sollen, fortgehen, wird jene Unterscheidung wichtig, und eröffnet uns eine ganz neue Aussicht in Ansehung des Streithandels, darin die Vernunft verflochten ist, und welcher, da er vorher, als auf beiderseitige falsche Voraussetzungen gebaut, abgewiesen worden, jetzt, da vielleicht in der dynamischen
B 558 Antinomie eine solche Voraussetzung stattfindet, die mit der Prätension der Vernunft zusammen bestehen kann, aus diesem Gesichtspunkte, und, da der Richter den Mangel der Rechtsgründe, die man beiderseits verkannt hatte, ergänzt, zu beider Teile Genugtuung verglichen werden kann, welches sich bei dem Streite in der mathematischen Antinomie nicht tun ließ.
Die Reihen der Bedingungen sind freilich insofern alle gleichartig, als man lediglich auf die Erstreckung derselben sieht: ob sie der Idee angemessen sind, oder ob diese für jene zu groß, oder zu klein seien. Allein der Verstandesbegriff, der diesen Ideen zum Grunde liegt, enthält entweder lediglich eine Synthesis des Gleichartigen, (welches bei jeder Größe, in der Zusammensetzung sowohl als Teilung derselben, vorausgesetzt wird,) oder auch des Ungleichartigen, welches in der dynamischen Synthesis, der Kausalverbindung sowohl, als der des Notwendigen mit dem Zufälligen, wenigstens zugelassen werden kann.
Daher kommt es, daß in der mathematischen Verknüpfung der Reihen der Erscheinungen keine andere als sinnliche Bedingung hineinkommen kann, d.i. eine solche, die selbst ein Teil der Reihe ist; da hingegen die dynamische Reihe sinnlicher Bedingungen doch noch eine ungleichartige Bedingung zuläßt, die nicht ein Teil der Reihe ist, sondern, als bloß intelligibel, außer der Reihe liegt,
B 559 wodurch denn der Vernunft ein Genüge getan und das Unbedingte den Erscheinungen vorgesetzt wird, ohne die Reihe der letzteren, als jederzeit bedingt, dadurch zu verwirren und, den Verstandesgrundsätzen zuwider, abzubrechen.
Dadurch nun, daß die dynamischen Ideen eine Bedingung der Erscheinungen außer der Reihe derselben, d.i. eine solche, die selbst nicht Erscheinung ist, zulassen, geschieht etwas, was von dem Erfolg der Antinomie gänzlich unterschieden ist. Diese nämlich verursachte, daß beide dialektischen Gegenbehauptungen für falsch erklärt werden mußten. Dagegen das Durchgängigbedingte der dynamischen Reihen, welches von ihnen als Erscheinungen unzertrennlich ist, mit der zwar empirischunbedingten, aber auch nichtsinnlichen Bedingung verknüpft, dem Verstande einerseits und der Vernunft andererseits* Genüge leisten, und, indem die dialektischen Argumente, welche unbedingte Totalität in bloßen Erscheinungen auf eine oder andere Art suchten, wegfallen, dagegen die
B 560 Vernunftsätze, in der auf solche Weise berichtigten Bedeutung, alle beide wahr sein können; welches bei den kosmologischen Ideen, die bloß mathematischunbedingte Einheit betreffen, niemals stattfinden kann, weil bei ihnen keine Bedingung der Reihe der Erscheinungen angetroffen wird, als die auch selbst Erscheinung ist und als solche mit ein Glied der Reihe ausmacht.
* Denn der Verstand erlaubt unter Erscheinungen keine Bedingung, die selbst empirisch unbedingt wäre. Ließe sich aber eine intelligible Bedingung, die also nicht in die Reihe der Erscheinungen, als ein Glied, mit gehörte, zu einem Bedingten (in der Erscheinung) gedenken, ohne doch dadurch die Reihe empirischer Bedingungen im mindesten zu unterbrechen: so könnte eine solche als empirisch unbedingt zugelassen werden, so daß dadurch dem empirischen kontinuierlichen Regressus nirgend Abbruch geschähe.
III. Auflösung der kosmologischen Ideen von der Totalität der Ableitung der Weltbegebenheiten aus ihren Ursachen
Man kann sich nur zweierlei Kausalität in Ansehung dessen, was geschieht, denken, entweder nach der Natur, oder aus Freiheit. Die erste ist die Verknüpfung eines Zustandes mit einem vorigen in der Sinnenwelt, worauf jener nach einer Regel folgt. Da nun die Kausalität der Erscheinungen auf Zeitbedingungen beruht, und der vorige Zustand, wenn er jederzeit gewesen wäre, auch keine Wirkung, die allererst in der Zeit entspringt, hervorgebracht hätte: so ist die Kausalität der Ursache dessen, was geschieht, oder entsteht, auch entstanden, und bedarf nach dem Verstandesgrundsatze selbst wiederum eine Ursache.
B 561 Dagegen verstehe ich unter Freiheit, im kosmologischen Verstande, das Vermögen, einen Zustand von selbst anzufangen, deren Kausalität also nicht nach dem Naturgesetze wiederum unter einer anderen Ursache steht, welche sie der Zeit nach bestimmte. Die Freiheit ist in dieser Bedeutung eine reine transzendentale Idee, die erstlich nichts von der Erfahrung Entlehntes enthält, zweitens deren Gegenstand auch in keiner Erfahrung bestimmt gegeben werden kann, weil es ein allgemeines Gesetz, selbst der Möglichkeit aller Erfahrung, ist, daß alles, was geschieht, eine Ursache, mithin auch die Kausalität der Ursache, die selbst geschehen, oder entstanden, wiederum eine Ursache haben müsse; wodurch denn das ganze Feld der Erfahrung, so weit es sich erstrecken mag, in einen Inbegriff bloßer Natur verwandelt wird. Da aber auf solche Weise keine absolute Totalität der Bedingungen im Kausalverhältnisse herauszubekommen ist, so schafft sich die Vernunft die Idee von einer Spontaneität, die von selbst anheben könne zu handeln, ohne daß eine andere Ursache vorangeschickt werden dürfe, sie wiederum nach dem Gesetze der Kausalverknüpfung zur Handlung zu bestimmen.
Es ist überaus merkwürdig, daß auf diese transzendentale Idee der Freiheit sich der praktische Begriff derselben gründe, und jene in dieser das eigentliche Moment der Schwierigkeiten ausmache, welche die Frage über ihre Möglichkeit von jeher umgeben haben. Die
B 562 Freiheit im praktischen Verstande ist die Unabhängigkeit der Willkür von der Nötigung durch Antriebe der Sinnlichkeit. Denn eine Willkür ist sinnlich, sofern sie pathologisch (durch Bewegursachen der Sinnlichkeit) affiziert ist; sie heißt tierisch (arbitrium brutum), wenn sie pathologisch necessitiert werden kann. Die menschliche Willkür ist zwar ein arbitrium sensitivum, aber nicht brutum, sondern liberum, weil Sinnlichkeit ihre Handlung nicht notwendig macht, sondern dem Menschen ein Vermögen beiwohnt, sich, unabhängig von der Nötigung durch sinnliche Antriebe, von selbst zu bestimmen.
Man sieht leicht, daß, wenn alle Kausalität in der Sinnenwelt bloß Natur wäre, so würde jede Begebenheit durch eine andere in der Zeit nach notwendigen Gesetzen bestimmt sein, und mithin, da die Erscheinungen, sofern sie die Willkür bestimmen, jede Handlung als ihren natürlichen Erfolg notwendig machen müßten, so würde die Aufhebung der transzendentalen Freiheit zugleich alle praktische Freiheit vertilgen. Denn diese setzt voraus, daß, obgleich etwas nicht geschehen ist, es doch habe geschehen sollen, und seine Ursache in der Erscheinung also nicht so bestimmend war, daß nicht in unserer Willkür eine Kausalität liege, unabhängig von jenen Naturursachen und selbst wider ihre Gewalt und Einfluß etwas hervorzubringen, was in der Zeitordnung nach empirischen Gesetzen bestimmt ist, mithin eine Reihe von Begebenheiten ganz von selbst anzufangen.
B 563 Es geschieht also hier, was überhaupt in dem Widerstreit einer sich über die Grenzen möglicher Erfahrung hinauswagenden Vernunft angetroffen wird, daß die Aufgabe eigentlich nicht physiologisch, sondern transzendental ist. Daher die Frage von der Möglichkeit der Freiheit die Psychologie zwar anficht, aber, da sie auf dialektischen Argumenten der bloß reinen Vernunft beruht, samt ihrer Auflösung lediglich die Transzendentalphilosophie beschäftigen muß. Um nun diese, welche eine befriedigende Antwort hierüber nicht ablehnen kann, dazu in Stand zu setzen, muß ich zuvörderst ihr Verfahren bei dieser Aufgabe durch eine Bemerkung näher zu bestimmen suchen.
Wenn Erscheinungen Dinge an sich selbst wären, mithin Raum und Zeit Formen des Daseins der Dinge an sich selbst: so würden die Bedingungen mit dem Bedingten jederzeit als Glieder zu einer und derselben Reihe gehören, und daraus auch in gegenwärtigem Falle die Antinomie entspringen, die allen transzendentalen Ideen gemein ist, daß diese Reihe unvermeidlich für den Verstand zu groß, oder zu klein ausfallen müßte. Die dynamischen Vernunftbegriffe aber, mit denen wir uns in dieser und der folgenden Nummer beschäftigen, haben dieses besondere: daß, da sie es nicht mit einem Gegenstande, als Größe betrachtet, sondern nur mit seinem Dasein zu tun haben, man auch von der Größe der Reihe der Bedingungen abstrahieren kann, und es bei ihnen bloß auf das
B 564 dynamische Verhältnis der Bedingung zum Bedingten ankommt, so, daß wir in der Frage über Natur und Freiheit schon die Schwierigkeit antreffen, ob Freiheit überall nur möglich sei, und ob, wenn sie es ist, sie mit der Allgemeinheit des Naturgesetzes der Kausalität zusammen bestehen könne; mithin ob es ein richtigdisjunktiver Satz sei, daß eine jede Wirkung in der Welt entweder aus Natur, oder aus Freiheit entspringen müsse, oder ob nicht vielmehr beides in verschiedener Beziehung bei einer und derselben Begebenheit zugleich stattfinden könne. Die Richtigkeit jenes Grundsatzes, von dem durchgängigen Zusammenhange aller Begebenheiten der Sinnenwelt, nach unwandelbaren Naturgesetzen, steht schon als ein Grundsatz der transzendentalen Analytik fest und leidet keinen Abbruch. Es ist also nur die Frage: ob demungeachtet in Ansehung eben derselben Wirkung, die nach der Natur bestimmt ist, auch Freiheit stattfinden könne, oder diese durch jene unverletzliche Regel völlig ausgeschlossen sei. Und hier zeigt die zwar gemeine, aber betrügliche Voraussetzung der absoluten Realität der Erscheinungen, sogleich ihren nachteiligen Einfluß, die Vernunft zu verwirren. Denn, sind Erscheinungen Dinge an sich selbst, so ist Freiheit nicht zu retten. Alsdann ist Natur die vollständige und an sich hinreichend bestimmende Ursache jeder Begebenheit, und die Bedingung derselben ist jederzeit nur in der Reihe der Erscheinungen enthalten, die, samt ihrer Wirkung, unter jedem Naturgesetze notwendig sind. Wenn dagegen
B 565 Erscheinungen für nichts mehr gelten, als sie in der Tat sind, nämlich nicht für Dinge an sich, sondern bloße Vorstellungen, die nach empirischen Gesetzen zusammenhängen, so müssen sie selbst noch Gründe haben, die nicht Erscheinungen sind. Eine solche intelligible Ursache aber wird in Ansehung ihrer Kausalität nicht durch Erscheinungen bestimmt, obzwar ihre Wirkungen erscheinen, und so durch andere Erscheinungen bestimmt werden können. Sie ist also samt ihrer Kausalität außer der Reihe; dagegen ihre Wirkungen in der Reihe der empirischen Bedingungen angetroffen werden. Die Wirkung kann also in Ansehung ihrer intelligiblen Ursache als frei, und doch zugleich in Ansehung der Erscheinungen als Erfolg aus denselben nach der Notwendigkeit der Natur, angesehen werden; eine Unterscheidung, die, wenn sie im Allgemeinen und ganz abstrakt vorgetragen wird, äußerst subtil und dunkel erscheinen muß, die sich aber in der Anwendung aufklären wird. Hier habe ich nur die Anmerkung machen wollen: daß, da der durchgängige Zusammenhang aller Erscheinungen, in einem Kontext der Natur, ein unnachlaßliches Gesetz ist, dieses alle Freiheit notwendig umstürzen müßte, wenn man der Realität der Erscheinungen hartnäckig anhängen wollte. Daher auch diejenigen, welche hierin der gemeinen Meinung folgen, niemals dahin haben gelangen können, Natur und Freiheit miteinander zu vereinigen.
B 566 Möglichkeit der Kausalität durch Freiheit, in Vereinigung mit dem allgemeinen Gesetze der Naturnotwendigkeit
Ich nenne dasjenige an einem Gegenstande der Sinne, was selbst nicht Erscheinung ist, intelligibel. Wenn demnach dasjenige, was in der Sinnenwelt als Erscheinung angesehen werden muß, an sich selbst auch ein Vermögen hat, welches kein Gegenstand der sinnlichen Anschauung ist, wodurch es aber doch die Ursache von Erscheinungen sein kann: so kann man die Kausalität dieses Wesens auf zwei Seiten betrachten, als intelligibel nach ihrer Handlung, als eines Dinges an sich selbst, und als sensibel, nach den Wirkungen derselben, als einer Erscheinung in der Sinnenwelt. Wir würden uns demnach von dem Vermögen eines solchen Subjekts einen empirischen, imgleichen auch einen intellektuellen Begriff seiner Kausalität machen, welche bei einer und derselben Wirkung zusammen stattfinden. Eine solche doppelte Seite, das Vermögen eines Gegenstandes der Sinne sich zu denken, widerspricht keinem von den Begriffen, die wir uns von Erscheinungen und von einer möglichen Erfahrung zu machen haben. Denn, da diesen, weil sie an sich keine Dinge sind, ein transzendentaler Gegenstand zum Grunde liegen muß, der sie als bloße Vorstellungen bestimmt, so hindert nichts, daß wir diesem transzendentalen
B 567 Gegenstande, außer der Eigenschaft, dadurch er erscheint, nicht auch eine Kausalität beilegen sollten, die nicht Erscheinung ist, obgleich ihre Wirkung dennoch in der Erscheinung angetroffen wird. Es muß aber eine jede wirkende Ursache einen Charakter haben, d.i. ein Gesetz ihrer Kausalität, ohne welches sie gar nicht Ursache sein würde. Und da würden wir an einem Subjekte der Sinnenwelt erstlich einen empirischen Charakter haben, wodurch seine Handlungen, als Erscheinungen, durch und durch mit anderen Erscheinungen nach beständigen Naturgesetzen im Zusammenhange ständen, und von ihnen, als ihren Bedingungen, abgeleitet werden könnten, und also, mit diesen in Verbindung, Glieder einer einzigen Reihe der Naturordnung ausmachten. Zweitens würde man ihm noch einen intelligiblen Charakter einräumen müssen, dadurch es zwar die Ursache jener Handlungen als Erscheinungen ist, der aber selbst unter keinen Bedingungen der Sinnlichkeit steht, und selbst nicht Erscheinung ist. Man könnte auch den ersteren den Charakter eines solchen Dinges in der Erscheinung, den zweiten den Charakter des Dinges an sich selbst nennen.
Dieses handelnde Subjekt würde nun, nach seinem intelligiblen Charakter, unter keinen Zeitbedingungen stehen, denn die Zeit ist nur die Bedingung der Erscheinungen, nicht aber der Dinge an sich selbst. In ihm würde keine Handlung entstehen, oder vergehen, mithin würde
B 568 es auch nicht dem Gesetze aller Zeitbestimmung, alles Veränderlichen, unterworfen sein: daß alles, was geschieht, in den Erscheinungen (des vorigen Zustandes) seine Ursache antreffe. Mit einem Worte, die Kausalität desselben, sofern sie intellektuell ist, stände gar nicht in der Reihe empirischer Bedingungen, welche die Begebenheit in der Sinnenwelt notwendig machen. Dieser intelligible Charakter könnte zwar niemals unmittelbar gekannt werden, weil wir nichts wahrnehmen können, als sofern es erscheint, aber er würde doch den empirischen Charakter gemäß gedacht werden müssen, so wie wir überhaupt einen transzendentalen Gegenstand den Erscheinungen in Gedanken zum Grunde legen müssen, ob wir zwar von ihm, was er an sich selbst sei, nichts wissen.
Nach seinem empirischen Charakter würde also dieses Subjekt, als Erscheinung, allen Gesetzen der Bestimmung nach, der Kausalverbindung unterworfen sein, und es wäre sofern nichts, als ein Teil der Sinnenwelt, dessen Wirkungen, so wie jede andere Erscheinung, aus der Natur unausbleiblich abflossen. So wie äußere Erscheinungen in dasselbe einflössen, wie sein empirischer Charakter, d.i. das Gesetz seiner Kausalität, durch Erfahrung erkannt wäre, müßten sich alle seine Handlungen nach Naturgesetzen erklären lassen, und alle Requisite zu einer vollkommenen und notwendigen Bestimmung derselben müßten in einer möglichen Erfahrung angetroffen werden.
B 569 Nach dem intelligiblen Charakter desselben aber (ob wir zwar davon nichts als bloß den allgemeinen Begriff desselben haben können) würde dasselbe Subjekt dennoch von allem Einflusse der Sinnlichkeit und Bestimmung durch Erscheinungen freigesprochen werden müssen, und, da in ihm, sofern es Noumenon ist, nichts geschieht, keine Veränderung, welche dynamische Zeitbestimmung erheischt, mithin keine Verknüpfung mit Erscheinungen als Ursachen angetroffen wird, so würde dieses tätige Wesen, so fern in seinen Handlungen von aller Naturnotwendigkeit, als die lediglich in der Sinnenwelt angetroffen wird, unabhängig und frei sein. Man würde von ihm ganz richtig sagen, daß es seine Wirkungen in der Sinnenwelt von selbst anfange, ohne daß die Handlung in ihm selbst anfängt; und dieses würde gültig sein, ohne daß die Wirkungen in der Sinnenwelt darum von selbst anfangen dürfen, weil sie in derselben jederzeit durch empirische Bedingungen in der vorigen Zeit, aber doch nur vermittelst des empirischen Charakters (der bloß die Erscheinung des intelligiblen ist), vorher bestimmt, und nur als eine Fortsetzung der Reihe der Naturursachen möglich sind. So würde denn Freiheit und Natur, jedes in seiner vollständigen Bedeutung, bei eben denselben Handlungen, nachdem man sie mit ihrer intelligiblen oder sensiblen Ursache vergleicht, zugleich und ohne allen Widerstreit angetroffen werden.
B 570 Erläuterung der kosmologischen Idee einer Freiheit in Verbindung mit der allgemeinen Naturnotwendigkeit
Ich habe gut gefunden, zuerst den Schattenriß der Auflösung unseres transzendentalen Problems zu entwerfen, damit man den Gang der Vernunft in Auflösung desselben dadurch besser übersehen möge. Jetzt wollen wir die Momente ihrer Entscheidung, auf die es eigentlich ankommt, auseinander setzen, und jedes besonders in Erwägung ziehen.
Das Naturgesetz, daß alles, was geschieht, eine Ursache habe, daß die Kausalität dieser Ursache, d.i. die Handlung, da sie in der Zeit vorhergeht und in Betracht einer Wirkung, die da entstanden, selbst nicht immer gewesen sein kann, sondern geschehen sein muß, auch ihre Ursache unter den Erscheinungen habe, dadurch sie bestimmt wird, und daß folglich alle Begebenheiten in einer Naturordnung empirisch bestimmt sind; dieses Gesetz, durch welches Erscheinungen allererst eine Natur ausmachen und Gegenstände einer Erfahrung abgeben können, ist ein Verstandesgesetz, von welchem es unter keinem Vorwande erlaubt ist abzugehen, oder irgend eine Erscheinung davon auszunehmen; weil man sie sonst außerhalb aller möglichen Erfahrung setzen, dadurch aber von allen Gegenständen
B 571 möglicher Erfahrung unterscheiden und sie zum bloßen Gedankendinge und einem Hirngespinst machen würde.
Ob es aber gleich hierbei lediglich nach einer Kette von Ursachen aussieht, die im Regressus zu ihren Bedingungen gar keine absolute Totalität verstattet, so hält uns diese Bedenklichkeit doch gar nicht auf; denn sie ist schon in der allgemeinen Beurteilung der Antinomie der Vernunft, wenn sie in der Reihe der Erscheinungen aufs Unbedingte ausgeht, gehoben worden. Wenn wir der Täuschung des transzendentalen Realismus nachgeben wollen: so bleibt weder Natur, noch Freiheit übrig. Hier ist nur die Frage: ob, wenn man in der ganzen Reihe aller Begebenheiten lauter Naturnotwendigkeit anerkennt, es doch möglich sei, eben dieselbe, die einerseits bloße Naturwirkung ist, doch andererseits als Wirkung aus Freiheit anzusehen, oder ob zwischen diesen zwei Arten von Kausalität ein gerader Widerspruch angetroffen werde.
Unter den Ursachen in der Erscheinung kann sicherlich nichts sein, welches eine Reihe schlechthin und von selbst anfangen könnte. Jede Handlung, als Erscheinung, sofern sie eine Begebenheit hervorbringt, ist selbst Begebenheit, oder Ereignis, welche einen anderen Zustand voraussetzt, darin die Ursache angetroffen werde, und so ist alles, was geschieht, nur eine Fortsetzung der Reihe, und kein Anfang, der sich von selbst zutrüge, in derselben möglich.
B 572 Also sind alle Handlungen der Naturursachen in der Zeitfolge selbst wiederum Wirkungen, die ihre Ursachen ebensowohl in der Zeitreihe voraussetzen. Eine ursprüngliche Handlung, wodurch etwas geschieht, was vorher nicht war, ist von der Kausalverknüpfung der Erscheinungen nicht zu erwarten.
Ist es denn aber auch notwendig, daß, wenn die Wirkungen Erscheinungen sind, die Kausalität ihrer Ursache, die (nämlich Ursache) selbst auch Erscheinung ist, lediglich empirisch sein müsse? und ist es nicht vielmehr möglich, daß, obgleich zu jeder Wirkung in der Erscheinung eine Verknüpfung mit ihrer Ursache, nach Gesetzen der empirischen Kausalität, allerdings erfordert wird, dennoch diese empirische Kausalität selbst, ohne ihren Zusammenhang mit den Naturursachen im mindestens zu unterbrechen, doch eine Wirkung einer nichtempirischen, sondern intelligiblen Kausalität sein könne? d.i. einer, in Ansehung der Erscheinungen, ursprünglichen Handlung einer Ursache, die also insofern nicht Erscheinung, sondern diesem Vermögen nach intelligibel ist, ob sie gleich übrigens gänzlich, als ein Glied der Naturkette, mit zu der Sinnenwelt gezählt werden muß.
Wir bedürfen des Satzes der Kausalität der Erscheinungen untereinander, um von Naturbegebenheiten Naturbedingungen, d.i. Ursachen in der Erscheinung, zu suchen und angeben zu können. Wenn dieses eingeräumt und durch keine Ausnahme geschwächt wird, so hat der Verstand, der bei seinem empirischen Gebrauche in allen
B 573 Ereignissen nichts als Natur sieht, und dazu auch berechtigt ist, alles, was er fordern kann, und die physischen Erklärungen gehen ihren ungehinderten Gang fort. Nun tut ihm das nicht den mindesten Abbruch, gesetzt daß es übrigens auch bloß erdichtet sein sollte, wenn man annimmt, daß unter den Naturursachen es auch welche gebe, die ein Vermögen haben, welches nur intelligibel ist, indem die Bestimmung desselben zur Handlung niemals auf empirischen Bedingungen, sondern auf bloßen Gründen des Verstandes beruht, so doch, daß die Handlung in der Erscheinung von dieser Ursache allen Gesetzen der empirischen Kausalität gemäß sei. Denn auf diese Art würde das handelnde Subjekt, als causa phaenomenon, mit der Natur in unzertrennter Abhängigkeit aller ihrer Handlungen verkettet sein, und nur das phaenomenon, dieses Subjekts (mit aller Kausalität desselben in der Erscheinung) würde gewisse Bedingungen enthalten, die, wenn man von dem empirischen Gegenstande zu dem transzendentalen aufsteigen will, als bloß intelligibel müßten angesehen werden. Denn wenn wir nur in dem, was unter den Erscheinungen die Ursache sein mag, der Naturregel folgen: so können wir darüber unbekümmert sein, was in dem transzendentalen Subjekt, welches uns empirisch unbekannt ist, für ein Grund von diesen Erscheinungen und deren Zusammenhange gedacht werde. Dieser intelligible Grund ficht gar nicht die empirischen Fragen an, sondern betrifft etwa bloß das Denken im reinen Verstande
B 574 und, obgleich die Wirkungen dieses Denkens und Handelns des reinen Verstandes in den Erscheinungen angetroffen werden, so müssen diese doch nichts desto minder aus ihrer Ursache in der Erscheinung nach Naturgesetzen vollkommen erklärt werden können, indem man den bloß empirischen Charakter derselben, als den obersten Erklärungsgrund, befolgt, und den intelligiblen Charakter, der die transzendentale Ursache von jenem ist, gänzlich als unbekannt vorbeigeht, außer sofern er nur durch den empirischen als das sinnliche Zeichen desselben angegeben wird. Laßt uns dieses auf Erfahrung anwenden. Der Mensch ist eine von den Erscheinungen der Sinnenwelt, und insofern auch eine der Naturursachen, deren Kausalität unter empirischen Gesetzen stehen muß. Als eine solche muß er demnach auch einen empirischen Charakter haben, so wie alle anderen Naturdinge. Wir bemerken denselben durch Kräfte und Vermögen, die es in seinen Wirkungen äußert. Bei der leblosen, oder bloß tierischbelebten Natur, finden wir keinen Grund, irgendein Vermögen uns anders als bloß sinnlich bedingt zu denken. Allein der Mensch, der die ganze Natur sonst lediglich nur durch Sinne kennt, erkennt sich selbst auch durch bloße Apperzeption, und zwar in Handlungen und inneren Bestimmungen, die er gar nicht zum Eindrucke der Sinne zählen kann, und ist sich selbst freilich einesteils Phänomen, anderenteils aber, nämlich in Ansehung gewisser Vermögen, ein bloß intelligibler Gegenstand, weil die Handlung desselben
B 575 gar nicht zur Rezeptivität der Sinnlichkeit gezählt werden kann. Wir nennen diese Vermögen Verstand und Vernunft, vornehmlich wird die letztere ganz eigentlich und vorzüglicherweise von allen empirischbedingten Kräften unterschieden, da sie ihre Gegenstände bloß nach Ideen erwägt und den Verstand darnach bestimmt, der dann von seinen (zwar auch reinen) Begriffen einen empirischen Gebrauch macht.
Daß diese Vernunft nun Kausalität habe, wenigstens wir uns eine dergleichen an ihr vorstellen, ist aus den Imperativen klar, welche wir in allem Praktischen den ausübenden Kräften als Regeln aufgeben. Das Sollen drückt eine Art von Notwendigkeit und Verknüpfung mit Gründen aus, die in der ganzen Natur sonst nicht vorkommt. Der Verstand kann von dieser nur erkennen, was da ist, oder gewesen ist, oder sein wird. Es ist unmöglich, daß etwas darin anders sein soll, als es in allen diesen Zeitverhältnissen in der Tat ist, ja das Sollen, wenn man bloß den Lauf der Natur vor Augen hat, hat ganz und gar keine Bedeutung. Wir können gar nicht fragen: was in der Natur geschehen soll; ebensowenig, als: was für Eigenschaften ein Zirkel haben soll, sondern, was darin geschieht, oder welche Eigenschaften der letztere hat.
Dieses Sollen nun drückt eine mögliche Handlung aus, davon der Grund nichts anderes, als ein bloßer Begriff ist; da hingegen von einer bloßen Naturhandlung der
B 576 Grund jederzeit eine Erscheinung sein muß. Nun muß die Handlung allerdings unter Naturbedingungen möglich sein, wenn auf sie das Sollen gerichtet ist; aber diese Naturbedingungen betreffen nicht die Bestimmung der Willkür selbst, sondern nur die Wirkung und den Erfolg derselben in der Erscheinung. Es mögen noch so viel Naturgründe sein, die mich zum Wollen antreiben, noch so viel sinnliche Anreize, so können sie nicht das Sollen hervorbringen, sondern nur ein noch lange nicht notwendiges, sondern jederzeit bedingtes Wollen, dem dagegen das Sollen, das die Vernunft ausspricht, Maß und Ziel, ja Verbot und Ansehen entgegen setzt. Es mag ein Gegenstand der bloßen Sinnlichkeit (das Angenehme) oder auch der reinen Vernunft (das Gute) sein: so gibt die Vernunft nicht demjenigen Grunde, der empirisch gegeben ist, nach, und folgt nicht der Ordnung der Dinge, so wie sie sich in der Erscheinung darstellen, sondern macht sich mit völliger Spontaneität eine eigene Ordnung nach Ideen, in die sie die empirischen Bedingungen hinein paßt, und nach denen sie sogar Handlungen für notwendig erklärt, die doch nicht geschehen sind und vielleicht nicht geschehen werden, von allen aber gleichwohl voraussetzt, daß die Vernunft in Beziehung auf sie Kausalität haben könne; denn, ohne das, würde sie nicht von ihren Ideen Wirkungen in der Erfahrung erwarten.
Nun laßt uns hierbei stehenbleiben und es wenigstens als möglich annehmen: die Vernunft habe wirklich
B 577 Kausalität in Ansehung der Erscheinungen: so muß sie, so sehr sie auch Vernunft ist, dennoch einen empirischen Charakter von sich zeigen, weil jede Ursache eine Regel voraussetzt, darnach gewisse Erscheinungen als Wirkungen folgen, und jede Regel eine Gleichförmigkeit der Wirkungen erfordert, die den Begriff der Ursache (als eines Vermögens) gründet, welchen wir, sofern er aus bloßen Erscheinungen erhellen muß, seinen empirischen Charakter heißen können, der beständig ist, indessen die Wirkungen, nach Verschiedenheit der begleitenden und zum Teil einschränkenden Bedingungen, in veränderlichen Gestalten erscheinen.
So hat denn jeder Mensch einen empirischen Charakter seiner Willkür, welcher nichts anderes ist, als eine gewisse Kausalität seiner Vernunft, sofern diese an ihren Wirkungen in der Erscheinung eine Regel zeigt, darnach man die Vernunftgründe und die Handlungen derselben nach ihrer Art und ihren Graden abnehmen, und die subjektiven Prinzipien seiner Willkür beurteilen kann. Weil dieser empirische Charakter selbst aus den Erscheinungen als Wirkung und aus der Regel derselben, welche Erfahrung an die Hand gibt, gezogen werden muß: so sind alle Handlungen des Menschen in der Erscheinung aus seinem empirischen Charakter und den mitwirkenden anderen Ursachen nach der Ordnung der Natur bestimmt, und wenn wir alle Erscheinungen seiner Willkür bis auf
B 578 den Grund erforschen könnten, so würde es keine einzige menschliche Handlung geben, die wir nicht mit Gewißheit vorhersagen und aus ihren vorhergehenden Bedingungen als notwendig erkennen könnten. In Ansehung dieses empirischen Charakters gibt es also keine Freiheit, und nach diesem können wir doch allein den Menschen betrachten, wenn wir lediglich beobachten, und, wie es in der Anthropologie geschieht, von seinen Handlungen die bewegenden Ursachen physiologisch erforschen wollen.
Wenn wir aber eben dieselben Handlungen in Beziehung auf die Vernunft erwägen, und zwar nicht die spekulative, um jene ihrem Ursprunge nach zu erklären, sondern ganz allein, sofern Vernunft die Ursache ist, sie selbst zu erzeugen; mit einem Worte, vergleichen wir sie mit dieser in praktischer Absicht, so finden wir eine ganz andere Regel und Ordnung, als die Naturordnung ist. Denn da sollte vielleicht alles das nicht geschehen sein, was doch nach dem Naturlaufe geschehen ist, und nach seinen empirischen Gründen unausbleiblich geschehen mußte. Bisweilen aber finden wir, oder glauben wenigstens zu finden, daß die Ideen der Vernunft wirklich Kausalität in Ansehung der Handlungen des Menschen, als Erscheinungen, bewiesen haben, und daß sie darum geschehen sind, nicht weil sie durch empirische Ursachen, nein, sondern weil sie durch Gründe der Vernunft bestimmt waren.
B 579 Gesetzt nun, man könnte sagen: die Vernunft habe Kausalität in Ansehung der Erscheinung; könnte da wohl die Handlung derselben frei heißen, da sie im empirischen Charakter derselben (der Sinnesart) ganz genau bestimmt und notwendig ist? Dieser ist wiederum im intelligiblen Charakter (der Denkungsart) bestimmt. Die letztere kennen wir aber nicht, sondern bezeichnen sie durch Erscheinungen, welche eigentlich nur die Sinnesart (empirischen Charakter) unmittelbar zu erkennen geben*. Die Handlung nun, sofern sie der Denkungsart, als ihrer Ursache, beizumessen ist, erfolgt dennoch daraus gar nicht nach empirischen Gesetzen, d.i. so, daß die Bedingungen der reinen Vernunft, sondern nur so, daß deren Wirkungen in der Erscheinung des inneren Sinnes vorhergehen. Die reine Vernunft, als ein bloß intelligibles Vermögen, ist der Zeitform, und mithin auch den Bedingungen der Zeitfolge, nicht unterworfen. Die Kausalität der Vernunft im intelligiblen Charakter entsteht nicht, oder hebt nicht etwa zu einer gewissen Zeit an, um eine Wirkung hervorzubringen. Denn
B 580 sonst würde sie selbst dem Naturgesetz der Erscheinungen, sofern es Kausalreihen der Zeit nach bestimmt, unterworfen sein, und die Kausalität wäre alsdann Natur, und nicht Freiheit. Also werden wir sagen können: wenn Vernunft Kausalität in Ansehung der Erscheinungen haben kann; so ist sie ein Vermögen, durch welches die sinnliche Bedingung einer empirischen Reihe von Wirkungen zuerst anfängt. Denn die Bedingung, die in der Vernunft liegt, ist nicht sinnlich, und fängt also selbst nicht an. Demnach findet alsdann dasjenige statt, was wir in allen empirischen Reihen vermißten: daß die Bedingung einer sukzessiven Reihe von Begebenheiten selbst empirischunbedingt sein konnte. Denn hier ist die Bedingung außer der Reihe der Erscheinungen (im Intelligiblen) und mithin keiner sinnlichen Bedingung und keiner Zeitbestimmung durch vorbeigehende Ursache unterworfen.
* Die eigentliche Moralität der Handlungen (Verdienst und Schuld) bleibt uns daher, selbst die unseres eigenen Verhaltens, gänzlich verborgen. Unsere Zurechnungen können nur auf den empirischen Charakter bezogen werden. Wie viel aber davon reine Wirkung der Freiheit, wie viel der bloßen Natur und dem unverschuldeten Fehler des Temperaments, oder dessen glücklicher Beschaffenheit (merito fortunae) zuzuschreiben sei, kann niemand ergründen, und daher auch nicht nach völliger Gerechtigkeit richten.
Gleichwohl gehört doch eben dieselbe Ursache in einer anderen Beziehung auch zur Reihe der Erscheinungen. Der Mensch ist selbst Erscheinung. Seine Willkür hat einen empirischen Charakter, der die (empirische) Ursache aller seiner Handlungen ist. Es ist keine der Bedingungen, die den Menschen diesem Charakter gemäß bestimmen, welche nicht in der Reihe der Naturwirkungen enthalten wäre und dem Gesetze derselben gehorchte, nach welchem gar keine empirischunbedingte Kausalität von dem, was in der Zeit geschieht, angetroffen wird. Daher kann keine gegebene Handlung (weil sie nur als Erscheinung
B 581 wahrgenommen werden kann) schlechthin von selbst anfangen. Aber von der Vernunft kann man nicht sagen, daß vor demjenigen Zustande, darin sie die Willkür bestimmt, ein anderer vorhergehe, darin dieser Zustand selbst bestimmt wird. Denn da Vernunft selbst keine Erscheinung und gar keinen Bedingungen der Sinnlichkeit unterworfen ist, so findet in ihr, selbst in Betreff ihrer Kausalität, keine Zeitfolge statt, und auf sie kann also das dynamische Gesetz der Natur, was die Zeitfolge nach Regeln bestimmt, nicht angewandt werden.
Die Vernunft ist also die beharrliche Bedingung aller willkürlichen Handlungen, unter denen der Mensch erscheint. Jede derselben ist im empirischen Charakter des Menschen vorher bestimmt, ehe noch als sie geschieht. In Ansehung des intelligiblen Charakters, wovon jener nur das sinnliche Schema ist, gilt kein Vorher, oder Nachher, und jede Handlung, unangesehen des Zeitverhältnisses, darin sie mit anderen Erscheinungen steht, ist die unmittelbare Wirkung des intelligiblen Charakters der reinen Vernunft, welche mithin frei handelt, ohne in der Kette der Naturursachen, durch äußere oder innere, aber der Zeit nach vorhergehende Gründe, dynamisch bestimmt zu sein, und diese ihre Freiheit kann man nicht allein negativ als Unabhängigkeit von empirischen Bedingungen ansehen, (denn dadurch würde das Vernunftvermögen aufhören, eine Ursache der Erscheinungen zu sein,) sondern
B 582 auch positiv durch ein Vermögen bezeichnen, eine Reihe von Begebenheiten von selbst anzufangen, so, daß in ihr selbst nichts anfängt, sondern sie, als unbedingte Bedingung jeder willkürlichen Handlung, über sich keine der Zeit nach vorhergehende Bedingungen verstattet, indessen daß doch ihre Wirkung in der Reihe der Erscheinungen anfängt, aber darin niemals einen schlechthin ersten Anfang ausmachen kann.
Um das regulative Prinzip der Vernunft durch ein Beispiel aus dem empirischen Gebrauche desselben zu erläutern, nicht um es zu bestätigen (denn dergleichen Beweise sind zu transzendentalen Behauptungen untauglich), so nehme man eine willkürliche Handlung, z. E. eine boshafte Lüge, durch die ein Mensch eine gewisse Verwirrung in die Gesellschaft gebracht hat, und die man zuerst ihren Bewegursachen nach, woraus sie entstanden, untersucht, und darauf beurteilt, wie sie samt ihren Folgen ihm zugerechnet werden könne. In der ersten Absicht geht man seinen empirischen Charakter bis zu den Quellen desselben durch, die man in der schlechten Erziehung, übler Gesellschaft, zum Teil auch in der Bösartigkeit eines für Beschämung unempfindlichen Naturells, aufsucht, zum Teil auf den Leichtsinn und Unbesonnenheit schiebt; wobei man denn die veranlassenden Gelegenheitsursachen nicht aus der Acht läßt. In allem diesem verfährt man, wie überhaupt in Untersuchung der Reihe bestimmender Ursachen zu einer gegebenen Naturwirkung. Ob man nun gleich
B 583 die Handlung dadurch bestimmt zu sein glaubt: so tadelt man nichtsdestoweniger den Täter, und zwar nicht wegen seines unglücklichen Naturells, nicht wegen der auf ihn einfließenden Umstände, ja sogar nicht wegen seines vorher geführten Lebenswandels, denn man setzt voraus, man könne es gänzlich beiseite setzen, wie dieser beschaffen gewesen, und die verflossene Reihe von Bedingungen als ungeschehen, diese Tat aber als gänzlich unbedingt in Ansehung des vorigen Zustandes ansehen, als ob der Täter damit eine Reihe von Folgen ganz von selbst anhebe. Dieser Tadel gründet sich auf ein Gesetz der Vernunft, wobei man diese als eine Ursache ansieht, welche das Verhalten des Menschen, unangesehen aller genannten empirischen Bedingungen, anders habe bestimmen können und sollen. Und zwar sieht man die Kausalität der Vernunft nicht etwa bloß wie Konkurrenz, sondern an sich selbst als vollständig an, wenngleich die sinnlichen Triebfedern gar nicht dafür, sondern wohl gar dawider wären; die Handlung wird seinem intelligiblen Charakter beigemessen, er hat jetzt, in dem Augenblicke, da er lügt, gänzlich Schuld; mithin war die Vernunft, unerachtet aller empirischen Bedingungen der Tat, völlig frei, und ihrer Unterlassung ist diese gänzlich beizumessen.
Man sieht diesem zurechnenden Urteil es leicht an, daß man dabei in Gedanken habe, die Vernunft werde durch alle jene Sinnlichkeit gar nicht affiziert, sie verändere sich nicht (wenngleich ihre Erscheinungen,
B 584 nämlich die Art, wie sie sich in ihren Wirkungen zeigt, verändern,) in ihr gehe kein Zustand vorher, der den folgenden bestimme, mithin gehöre sie gar nicht in die Reihe der sinnlichen Bedingungen, welche die Erscheinungen nach Naturgesetzen notwendig machen. Sie, die Vernunft, ist allen Handlungen des Menschen in allen Zeitumständen gegenwärtig und einerlei, selbst aber ist sie nicht in der Zeit, und gerät etwa in einen neuen Zustand, darin sie vorher nicht war; sie ist bestimmend, aber nicht bestimmbar in Ansehung desselben. Daher kann man nicht fragen: warum hat sich nicht die Vernunft anders bestimmt? sondern nur: warum hat sie die Erscheinungen durch ihre Kausalität nicht anders bestimmt? Darauf aber ist keine Antwort möglich. Denn ein anderer intelligibler Charakter würde einen anderen empirischen gegeben haben, und wenn wir sagen, daß unerachtet seines ganzen, bis dahin geführten, Lebenswandels, der Täter die Lüge doch hätte unterlassen können, so bedeutet dieses nur, daß sie unmittelbar unter der Macht der Vernunft stehe, und die Vernunft in ihrer Kausalität keinen Bedingungen der Erscheinung und des Zeitlaufs unterworfen ist, der Unterschied der Zeit auch, zwar einen Hauptunterschied der Erscheinungen respektive gegeneinander, da diese aber keine Sachen, mithin auch nicht Ursachen an sich selbst sind, keinen Unterschied der Handlung in Beziehung auf die Vernunft machen könne.
B 585 Wir können also mit der Beurteilung freier Handlungen, in Ansehung ihrer Kausalität, nur bis an die intelligible Ursache, aber nicht über dieselbe hinaus kommen; wir können erkennen, daß sie frei, d.i. von der Sinnlichkeit unabhängig bestimmt, und, auf solche Art, die sinnlichunbedingte Bedingung der Erscheinungen sein könne. Warum aber der intelligible Charakter gerade diese Erscheinungen und diesen empirischen Charakter unter vorliegenden Umständen gebe, das überschreitet so weit alles Vermögen unserer Vernunft es zu beantworten, ja alle Befugnis derselben nur zu fragen, als ob man früge: woher der transzendentale Gegenstand unserer äußeren sinnlichen Anschauung gerade nur Anschauung im Raume und nicht irgendeine andere gebe. Allein die Aufgabe, die wir aufzulösen hatten, verbindet uns hierzu gar nicht, denn sie war nur diese: ob Freiheit der Naturnotwendigkeit in einer und derselben Handlung widerstreite, und dieses haben wir hinreichend beantwortet, da wir zeigten, daß, da bei jener eine Beziehung auf eine ganz andere Art von Bedingungen möglich ist, als bei dieser, das Gesetz der letzteren die erstere nicht affiziere, mithin beide voneinander unabhängig und durcheinander ungestört stattfinden können.
* * *
Man muß wohl bemerken: daß wir hierdurch nicht die Wirklichkeit der Freiheit, als eines der Vermögen,
B 586 welche die Ursache von den Erscheinungen unserer Sinnenwelt enthalten, haben dartun wollen Denn, außer daß dieses gar keine transzendentale Betrachtung, die bloß mit Begriffen zu tun hat, gewesen sein würde, so könnte es auch nicht gelingen, indem wir aus der Erfahrung niemals auf etwas, was gar nicht nach Erfahrungsgesetzen gedacht werden muß, schließen können. Ferner haben wir auch gar nicht einmal die Möglichkeit der Freiheit beweisen wollen; denn dieses wäre auch nicht gelungen, weil wir überhaupt von keinem Realgrunde und keiner Kausalität, aus bloßen Begriffen a priori, die Möglichkeit erkennen können. Die Freiheit wird hier nur als transzendentale Idee behandelt, wodurch die Vernunft die Reihe der Bedingungen in der Erscheinung durch das Sinnlichunbedingte schlechthin anzuheben denkt, dabei sich aber in eine Antinomie mit ihren eigenen Gesetzen, welche sie dem empirischen Gebrauche des Verstandes vorschreibt, verwickelt. Daß nun diese Antinomie auf einem bloßen Scheine beruhe, und, daß Natur der Kausalität aus Freiheit wenigstens nicht widerstreite, das war das einzige, was wir leisten konnten, und woran es uns auch einzig und allein gelegen war.
B 587 IV. Auflösung der kosmologischen Idee von der Totalität der Abhängigkeit der Erscheinungen, ihrem Dasein nach überhaupt
In der vorigen Nummer betrachteten wir die Veränderungen der Sinnenwelt in ihrer dynamischen Reihe, da eine jede unter einer anderen, als ihrer Ursache, steht. Jetzt dient uns diese Reihe der Zustände nur zur Leitung, um zu einem Dasein zu gelangen, das die höchste Bedingung alles Veränderlichen sein könne, nämlich dem notwendigen Wesen. Es ist hier nicht um die unbedingte Kausalität, sondern die unbedingte Existenz der Substanz selbst zu tun. Also ist die Reihe, welche wir vor uns haben, eigentlich nur die von Begriffen, und nicht von Anschauungen, insofern die eine die Bedingung der anderen ist.
Man sieht aber leicht: daß, da alles in dem Inbegriffe der Erscheinungen veränderlich, mithin im Dasein bedingt ist, es überall in der Reihe des abhängigen Daseins kein unbedingtes Glied geben könne, dessen Existenz schlechthin notwendig wäre, und daß also, wenn Erscheinungen Dinge an sich selbst wären, eben darum aber ihre Bedingung mit dem Bedingten jederzeit zu einer und derselben Reihe der Anschauungen gehörte, ein
B 588 notwendiges Wesen, als Bedingung des Daseins der Erscheinungen der Sinnenwelt, niemals stattfinden könnte.
Es hat aber der dynamische Regressus dieses Eigentümliche und Unterscheidende von dem mathematischen an sich: daß, da dieser es eigentlich nur mit der Zusammensetzung der Teile zu einem Ganzen, oder der Zerfällung eines Ganzen in seine Teile, zu tun hat, die Bedingungen dieser Reihe immer als Teile derselben, mithin als gleichartig, folglich als Erscheinungen angesehen werden müssen, anstatt daß in jenem Regressus, da es nicht um die Möglichkeit eines unbedingten Ganzen aus gegebenen Teilen, oder eines unbedingten Teils zu einem gegebenen Ganzen, sondern um die Ableitung eines Zustandes von seiner Ursache, oder des zufälligen Daseins der Substanz selbst von der notwendigen zu tun ist, die Bedingung nicht eben notwendig mit dem Bedingten eine empirische Reihe ausmachen dürfe.
Also bleibt uns, bei der vor uns liegenden scheinbaren Antinomie, noch ein Ausweg offen, da nämlich alle beide einander widerstreitenden Sätze in verschiedener Beziehung zugleich wahr sein können, so, daß alle Dinge der Sinnenwelt durchaus zufällig sind, mithin auch immer nur empirischbedingte Existenz haben, gleichwohl von der ganzen Reihe, auch eine nichtempirische Bedingung, d.i. ein unbedingtnotwendiges Wesen stattfinde. Denn dieses würde, als intelligible Bedingung, gar nicht zur Reihe als ein Glied derselben (nicht einmal als das oberste Glied)
B 589 gehören, und auch kein Glied der Reihe empirischunbedingt machen, sondern die ganze Sinnenwelt in ihrem durch alle Glieder gehenden empirischbedingten Dasein lassen. Darin würde sich also diese Art, ein unbedingtes Dasein den Erscheinungen zum Grunde zu legen, von der empirischunbedingten Kausalität (der Freiheit), im vorigen Artikel, unterscheiden, daß bei der Freiheit das Ding selbst, als Ursache (Substantia phaenomenon), dennoch in die Reihe der Bedingungen gehörte, und nur seine Kausalität als intelligibel gedacht wurde, hier aber das notwendige Wesen ganz außer der Reihe der Sinnenwelt (als ens extramundanum) und bloß intelligibel gedacht werden müßte, wodurch allein es verhütet werden kann, daß es nicht selbst dem Gesetze der Zufälligkeit und Abhängigkeit aller Erscheinungen unterworfen werde.
Das regulative Prinzip der Vernunft ist also in Ansehung dieser unserer Aufgabe: daß alles in der Sinnenwelt empirischbedingte Existenz habe, und daß es überall in ihr in Ansehung keiner Eigenschaft eine unbedingte Notwendigkeit gebe: daß kein Glied der Reihe von Bedingungen sei, davon man nicht immer die empirische Bedingung in einer möglichen Erfahrung erwarten, und, soweit man kann, suchen müsse, und nichts uns berechtige, irgendein Dasein von einer Bedingung außerhalb der empirischen Reihe abzuleiten, oder auch es als in der Reihe selbst für schlechterdings unabhängig und selbständig zu halten, gleichwohl aber dadurch gar nicht in Abrede zu ziehen,
B 590 daß nicht die ganze Reihe in irgendeinem intelligiblen Wesen (welches darum von aller empirischen Bedingung frei ist, und vielmehr den Grund der Möglichkeit aller dieser Erscheinungen enthält,) gegründet sein könne.
Es ist aber hierbei gar nicht die Meinung, das unbedingtnotwendige Dasein eines Wesens zu beweisen, oder auch nur die Möglichkeit einer bloß intelligiblen Bedingung der Existenz der Erscheinungen der Sinnenwelt hierauf zu gründen, sondern nur eben so, wie wir die Vernunft einschränken, daß sie nicht den Faden der empirischen Bedingungen verlasse, und sich in transzendente und keiner Darstellung in concreto fähige Erklärungsgründe verlaufe, also auch, andererseits, das Gesetz des bloß empirischen Verstandesgebrauchs dahin einzuschränken, daß es nicht über die Möglichkeit der Dinge überhaupt entscheide, und das Intelligible, ob es gleich von uns zur Erklärung der Erscheinungen nicht zu gebrauchen ist, darum nicht für unmöglich erkläre. Es wird also dadurch nur gezeigt, daß die durchgängige Zufälligkeit aller Naturdinge und aller ihrer (empirischen) Bedingungen, ganz wohl mit der willkürlichen Voraussetzung einer notwendigen, obzwar bloß intelligiblen Bedingung zusammen bestehen könne, also kein wahrer Widerspruch zwischen diesen Behauptungen anzutreffen sei, mithin sie beiderseits wahr sein können. Es mag immer ein solches schlechthinnotwendiges Verstandeswesen an sich unmöglich sein, so kann dieses doch aus der
B 591 allgemeinen Zufälligkeit und Abhängigkeit alles dessen, was zur Sinnenwelt gehört, imgleichen aus dem Prinzip, bei keinem einzigen Gliede derselben, sofern es zufällig ist, aufzuhören und sich auf eine Ursache außer der Welt zu berufen, keineswegs geschlossen werden. Die Vernunft geht ihren Gang im empirischen und ihren besonderen Gang im transzendentalen Gebrauche.
Die Sinnenwelt enthält nichts als Erscheinungen, diese aber sind bloße Vorstellungen, die immer wiederum sinnlich bedingt sind, und, da wir hier niemals Dinge an sich selbst zu unseren Gegenständen haben, so ist nicht zu verwundern, daß wir niemals berechtigt sind, von einem Gliede der empirischen Reihen, welches es auch sei, einen Sprung außer dem Zusammenhange der Sinnlichkeit zu tun, gleich als wenn es Dinge an sich selbst wären, die außer ihrem transzendentalen Grunde existierten, und die man verlassen könnte, um die Ursache ihres Daseins außer ihnen zu suchen; welches bei zufälligen Dingen allerdings endlich geschehen müßte, aber nicht bei blossen Vorstellungen von Dingen, deren Zufälligkeit selbst nur Phänomen ist, und auf keinen anderen Regressus, als denjenigen, der die Phänomena bestimmt, d.i. der empirisch ist, führen kann. Sich aber einen intelligiblen Grund der Erscheinungen, d.i. der Sinnenwelt, und denselben befreit von der Zufälligkeit der letzteren, denken, ist weder dem uneingeschränkten empirischen Regressus in der Reihe der Erscheinungen, noch der durchgängigen
B 592 Zufälligkeit derselben entgegen. Das ist aber auch das Einzige, was wir zur Hebung der scheinbaren Antinomie zu leisten hatten, und was sich nur auf diese Weise tun ließ. Denn, ist die jedesmalige Bedingung zu jedem Bedingten (dem Dasein nach) sinnlich, und eben darum zur Reihe gehörig, so ist sie selbst wiederum bedingt (wie die Antithesis der vierten Antinomie es aufweist). Es mußte also entweder ein Widerstreit mit der Vernunft, die das Unbedingte fordert, bleiben, oder dieses außer der Reihe in dem Intelligiblen gesetzt werden, dessen Notwendigkeit keine empirische Bedingung erfordert, noch verstattet, und also, respektive auf Erscheinungen, unbedingt notwendig ist.
Der empirische Gebrauch der Vernunft (in Ansehung der Bedingungen des Daseins in der Sinnenwelt) wird durch die Einräumung eines bloß intelligiblen Wesens nicht affiziert, sondern geht nach dem Prinzip der durchgängigen Zufälligkeit, von empirischen Bedingungen zu höheren, die immer ebensowohl empirisch sind. Ebensowenig schließt aber auch dieser regulative Grundsatz die Annehmung einer intelligiblen Ursache, die nicht in der Reihe ist, aus, wenn es um den reinen Gebrauch der Vernunft (in Ansehung der Zwecke) zu tun ist. Denn da bedeutet jene nur den für uns bloß transzendentalen und unbekannten Grund der Möglichkeit der sinnlichen Reihe überhaupt, dessen, von allen Bedingungen der letzteren unabhängiges und in Ansehung dieser
B 593 unbedingtnotwendiges, Dasein der unbegrenzten Zufälligkeit der ersteren, und darum auch dem nirgend geendigten Regressus in der Reihe empirischer Bedingungen, gar nicht entgegen ist.
Schlußanmerkung zur ganzen Antinomie der reinen Vernunft
Solange wir mit unseren Vernunftbegriffen bloß die Totalität der Bedingungen in der Sinnenwelt, und was in Ansehung ihrer der Vernunft zu Diensten geschehen kann, zum Gegenstande haben: so sind unsere Ideen zwar transzendental, aber doch kosmologisch. Sobald wir aber das Unbedingte (um das es doch eigentlich zu tun ist) in demjenigen setzen, was ganz außerhalb der Sinnenwelt, mithin außer aller möglichen Erfahrung ist, so werden die Ideen transzendent; sie dienen nicht bloß zur Vollendung des empirischen Vernunftgebrauchs (der immer eine nie auszuführende, aber dennoch zu befolgende Idee bleibt), sondern sie trennen sich davon gänzlich, und machen sich selbst Gegenstände, deren Stoff nicht aus Erfahrung genommen, deren objektive Realität auch nicht auf der Vollendung der empirischen Reihe, sondern auf reinen Begriffen a priori beruht. Dergleichen transzendente Ideen haben einen bloß intelligiblen Gegenstand, welchen als ein transzendentales Objekt, von dem man übrigens nichts weiß, zuzulassen, allerdings erlaubt ist, wozu aber, um es als ein durch seine unterscheidenden und inneren Prädikate bestimmbares Ding zu denken, wir weder
B 594 Gründe der Möglichkeit (als unabhängig von allen Erfahrungsbegriffen), noch die mindeste Rechtfertigung, einen solchen Gegenstand anzunehmen, auf unserer Seite haben, und welches daher ein bloßes Gedankending ist. Gleichwohl dringt uns, unter allen kosmologischen Ideen, diejenige, so die vierte Antinomie veranlaßte, diesen Schritt zu wagen. Denn das in sich selbst ganz und gar nicht gegründete, sondern stets bedingte, Dasein der Erscheinungen fordert uns auf: uns nach etwas von allen Erscheinungen unterschiedenem, mithin einem intelligiblen Gegenstande umzusehen, bei welchem diese Zufälligkeit aufhöre. Weil aber, wenn wir uns einmal die Erlaubnis genommen haben, außer dem Feld der gesamten Sinnlichkeit eine für sich bestehende Wirklichkeit anzunehmen, Erscheinungen nur als zufällige Vorstellungsarten intelligibler Gegenstände, von solchen Wesen, die selbst Intelligenzen sind, anzusehen: so bleibt uns nichts anderes übrig als die Analogie, nach der wir die Erfahrungsbegriffe nutzen, um uns von intelligiblen Dingen, von denen wir an sich nicht die mindeste Kenntnis haben, doch irgend einigen Begriff zu machen. Weil wir das Zufällige nicht anders als durch Erfahrung kennenlernen, hier aber von Dingen, die gar nicht Gegenstände der Erfahrung sein sollen, die Rede ist, so werden wir ihre Kenntnis aus dem, was an sich notwendig ist, aus reinen Begriffen von Dingen überhaupt, ableiten müssen. Daher nötigt uns der erste Schritt, den wir außer der Sinnenwelt tun,
B 595 unsere neuen Kenntnisse von der Untersuchung des schlechthinnotwendigen Wesens anzufangen, und von den Begriffen desselben die Begriffe von allen Dingen, sofern sie bloß intelligibel sind, abzuleiten, und diesen Versuch wollen wir in dem folgenden Hauptstücke anstellen.
Des zweiten Buchs der transzendentalen Dialektik Drittes Hauptstück Das Ideal der reinen Vernunft
Erster Abschnitt Von dem Ideal überhaupt
Wir haben oben gesehen, daß durch reine Verstandesbegriffe, ohne alle Bedingungen der Sinnlichkeit, gar keine Gegenstände können vorgestellt werden, weil die Bedingungen der objektiven Realität derselben fehlen, und nichts, als die bloße Form des Denkens, in ihnen angetroffen wird. Gleichwohl können sie in concreto dargestellt werden, wenn man sie auf Erscheinungen anwendet; denn an ihnen haben sie eigentlich den Stoff zum Erfahrungsbegriffe, der nichts als ein Verstandesbegriff in concreto ist. Ideen aber sind noch weiter von der objektiven Realität entfernt, als Kategorien; denn es kann keine Erscheinung gefunden werden, an der sie sich in concreto vorstellen ließen. Sie enthalten eine gewisse
B 596 Vollständigkeit, zu welcher keine mögliche empirische Erkenntnis zulangt, und die Vernunft hat dabei nur eine systematische Einheit im Sinne, welcher sie die empirische mögliche Einheit zu nähern sucht, ohne sie jemals völlig zu erreichen.
Aber noch weiter, als die Idee, scheint dasjenige von der objektiven Realität entfernt zu sein, was ich das Ideal nenne, und worunter ich die Idee, nicht bloß in concreto, sondern in individuo, d.i. als ein einzelnes, durch die Idee allein bestimmbares, oder gar bestimmtes Ding, verstehe.
Die Menschheit in ihrer ganzen Vollkommenheit, enthält nicht allein die Erweiterung aller zu dieser Natur gehörigen wesentlichen Eigenschaften, welche unseren Begriff von derselben ausmachen, bis zur vollständigen Kongruenz mit ihren Zwecken, welches unsere Idee der vollkommenen Menschheit sein würde, sondern auch alles, was außer diesem Begriffe zu der durchgängigen Bestimmung der Idee gehört; denn von allen entgegengesetzten Prädikaten kann sich doch nur ein einziges zu der Idee des vollkommensten Menschen schicken. Was uns ein Ideal ist, war dem Plato eine Idee des göttlichen Verstandes, ein einzelner Gegenstand in der reinen Anschauung desselben, das Vollkommenste einer jeden Art möglicher Wesen und der Urgrund aller Nachbilder in der Erscheinung.
B 597 Ohne uns aber so weit zu versteigen, müssen wir gestehen, daß die menschliche Vernunft nicht allein Ideen, sondern auch Ideale enthalte, die zwar nicht, wie die platonischen, schöpferische, aber doch praktische Kraft (als regulative Prinzipien) haben, und der Möglichkeit der Vollkommenheit gewisser Handlungen zum Grunde liegen. Moralische Begriffe sind nicht gänzlich reine Vernunftbegriffe, weil ihnen etwas Empirisches (Lust oder Unlust) zum Grunde liegt. Gleichwohl können sie in Ansehung des Prinzips, wodurch die Vernunft der an sich gesetzlosen Freiheit Schranken setzt, (also wenn man bloß auf ihre Form acht hat,) gar wohl zum Beispiele reiner Vernunftbegriffe dienen. Tugend, und, mit ihr, menschliche Weisheit in ihrer ganzen Reinigkeit, sind Ideen. Aber der Weise (des Stoikers) ist ein Ideal, d.i. ein Mensch, der bloß in Gedanken existiert, der aber mit der Idee der Weisheit völlig kongruiert. So wie die Idee die Regel gibt, so dient das Ideal in solchem Falle zum Urbilde, der durchgängigen Bestimmung des Nachbildes, und wir haben kein anderes Richtmaß unserer Handlungen, als das Verhalten dieses göttlichen Menschen in uns, womit wir uns vergleichen, beurteilen, und dadurch uns bessern, obgleich es niemals erreichen können. Diese Ideale, ob man ihnen gleich nicht objektive Realität (Existenz) zugestehen möchte, sind doch um deswillen nicht für Hirngespinste anzusehen, sondern geben ein unentbehrliches Richtmaß der Vernunft ab, die des Begriffs von dem, was
B 598 in seiner Art ganz vollständig ist, bedarf, um danach den Grad und die Mängel des Unvollständigen zu schätzen und abzumessen. Das Ideal aber in einem Beispiele, d.i. in der Erscheinung, realisieren wollen, wie etwa den Weisen in einem Roman, ist untunlich, und hat überdem etwas Widersinnisches und wenig Erbauliches an sich, indem die natürlichen Schranken, welche der Vollständigkeit in der Idee kontinuierlich Abbruch tun, alle Illusion in solchem Versuche unmöglich und dadurch das Gute, das in der Idee liegt, selbst verdächtig und einer bloßen Erdichtung ähnlich machen.
So ist es mit dem Ideale der Vernunft bewandt, welches jederzeit auf bestimmten Begriffen beruhen und zur Regel und Urbilde, es sei der Befolgung, oder Beurteilung, dienen muß. Ganz anders verhält es sich mit denen Geschöpfen der Einbildungskraft, darüber sich niemand erklären und einen verständlichen Begriff geben kann, gleichsam Monogrammen, die nur einzelne, obzwar nach keiner angeblichen Regel bestimmte Züge sind, welche mehr eine im Mittel verschiedener Erfahrungen gleichsam schwebende Zeichnung, als ein bestimmtes Bild ausmachen, dergleichen Maler und Physiognomen in ihrem Kopfe zu haben vorgeben, und die ein nicht mitzuteilendes Schattenbild ihrer Produkte oder auch Beurteilungen sein sollen. Sie können, obzwar nur uneigentlich, Ideale der Sinnlichkeit genannt werden, weil sie das nicht erreichbare Muster möglicher empirischer Anschauungen sein sollen, und
B 599 gleichwohl keine der Erklärung und Prüfung fähige Regel abgeben.
Die Absicht der Vernunft mit ihrem Ideale ist dagegen die durchgängige Bestimmung nach Regeln a priori; daher sie sich einen Gegenstand denkt, der nach Prinzipien durchgängig bestimmbar sein soll, obgleich dazu die hinreichenden Bedingungen in der Erfahrung mangeln und der Begriff selbst also transzendent ist.
Des dritten Hauptstücks Zweiter Abschnitt Von dem transzendentalen Ideal (Prototypon transzendentale)
Ein jeder Begriff ist in Ansehung dessen, was in ihm selbst nicht enthalten ist, unbestimmt, und steht unter dem Grundsatze der Bestimmbarkeit; daß nur eines, von jeden zween einander kontradiktorischentgegengesetzten Prädikaten, ihm zukommen könne, welcher auf dem Satze des Widerspruchs beruht, und daher ein bloß logisches Prinzip ist, das von allem Inhalte der Erkenntnis abstrahiert, und nichts, als die logische Form derselben vor Augen hat.
Ein jedes Ding aber, seiner Möglichkeit nach, steht noch unter dem Grundsatze der durchgängigen Bestimmung, nach welchem ihm von allen möglichen Prädikaten der
B 600 Dinge, sofern sie mit ihren Gegenteilen verglichen werden, eines zukommen muß. Dieses beruht nicht bloß auf dem Satze des Widerspruchs; denn es betrachtet, außer dem Verhältnis zweier einander widerstreitenden Prädikate, jedes Ding noch im Verhältnis auf die gesamte Möglichkeit, als den Inbegriff aller Prädikate der Dinge überhaupt, und, indem es solche als Bedingung a priori voraussetzt, so stellt es ein jedes Ding so vor, wie es von dem Anteil, den es an jener gesamten Möglichkeit hat, seine eigene Möglichkeit ableite.* Das Prinzipium der durchgängigen Bestimmung betrifft also den Inhalt, und nicht bloß die logische Form. Es ist der Grundsatz der Synthesis aller Prädikate, die den vollständigen Begriff von einem Dinge machen sollen, und nicht bloß der analytischen Vorstellung, durch eines zweier entgegengesetzten Prädikate, und enthält eine transzendentale Voraussetzung, nämlich
B 601 die der Materie zu aller Möglichkeit, welche a priori die Data zur besonderen Möglichkeit jedes Dinges enthalten soll.
* Es wird also durch diesen Grundsatz jedes Ding auf ein gemeinschaftliches Korrelatum, nämlich die gesamte Möglichkeit, bezogen, welche, wenn sie (d.i. der Stoff zu allen möglichen Prädikaten) in der Idee eines einzigen Dinges angetroffen würde, eine Affinität alles Möglichen durch die Identität des Grundes der durchgängigen Bestimmung desselben beweisen würde. Die Bestimmbarkeit eines jeden Begriffs ist der Allgemeinheit (Universalitas) des Grundsatzes der Ausschließung eines Mittleren zwischen zwei entgegengesetzten Prädikaten, die Bestimmung aber eines Dinges der Allheit (Universitas) oder dem Inbegriffe aller möglichen Prädikate untergeordnet.
Der Satz: alles Existierende ist durchgängig bestimmt, bedeutet nicht allein, daß von jedem Paare einander entgegengesetzter gegebenen, sondern auch von allen möglichen Prädikaten ihm immer eines zukomme; es werden durch diesen Satz nicht bloß Prädikate untereinander logisch, sondern das Ding selbst, mit dem Inbegriff aller möglichen Prädikate, transzendental verglichen. Er will so viel sagen, als: um ein Ding vollständig zu erkennen, muß man alles Mögliche erkennen, und es dadurch, es sei bejahend oder verneinend, bestimmen. Die durchgängige Bestimmung ist folglich ein Begriff, den wir niemals in concreto seiner Totalität nach darstellen können, und gründet sich also auf einer Idee, welche lediglich in der Vernunft ihren Sitz hat, die dem Verstande die Regel seines vollständigen Gebrauchs vorschreibt.
Ob nun zwar diese Idee von dem Inbegriffe aller Möglichkeit, sofern er als Bedingung der durchgängigen Bestimmung eines jeden Dinges zum Grunde liegt, in Ansehung der Prädikate, die denselben ausmachen mögen, selbst noch unbestimmt ist, und wir dadurch nichts weiter als einen Inbegriff aller möglichen Prädikate überhaupt denken, so finden wir doch bei näherer Untersuchung, daß diese Idee, als Urbegriff, eine Menge von Prädikaten ausstoße, die als abgeleitet durch andere schon gegeben
B 602 sind, oder nebeneinander nicht stehen können, und daß sie sich bis zu einem durchgängig a priori bestimmten Begriffe läutere, und dadurch der Begriff von einem einzelnen Gegenstande werde, der durch die bloße Idee durchgängig bestimmt ist, mithin ein Ideal der reinen Vernunft genannt werden muß.
Wenn wir alle möglichen Prädikate nicht bloß logisch, sondern transzendental, d.i. nach ihrem Inhalte, der an ihnen a priori gedacht werden kann, erwägen, so finden wir, daß durch einige derselben ein Sein, durch andere ein bloßes Nichtsein vorgestellt wird. Die logische Verneinung, die lediglich durch das Wörtchen: Nicht, angezeigt wird, hängt eigentlich niemals einem Begriffe, sondern nur dem Verhältnisse desselben zu einem anderen im Urteile an, und kann also dazu bei weitem nicht hinreichend sein, einen Begriff in Ansehung seines Inhaltes zu bezeichnen. Der Ausdruck: Nichtsterblich, kann gar nicht zu erkennen geben, daß dadurch ein bloßes Nichtsein am Gegenstande vorgestellt werde, sondern läßt allen Inhalt unberührt. Eine transzendentale Verneinung bedeutet dagegen das Nichtsein an sich selbst, dem die transzendentale Bejahung entgegengesetzt wird, welche ein Etwas ist, dessen Begriff an sich selbst schon ein Sein ausdrückt, und daher Realität (Sachheit) genannt wird, weil durch sie allein, und so weit sie reicht, Gegenstände Etwas (Dinge) sind, die entgegenstehende Negation hingegen
B 603 einen bloßen Mangel bedeutet, und, wo diese allein gedacht wird, die Aufhebung alles Dinges vorgestellt wird.
Nun kann sich niemand eine Verneinung bestimmt denken, ohne daß er die entgegengesetzte Bejahung zum Grunde liegen habe. Der Blindgeborene kann sich nicht die mindeste Vorstellung von Finsternis machen, weil er keine vom Lichte hat; der Wilde nicht von der Armut, weil er den Wohlstand nicht kennt.* Der Unwissende hat keinen Begriff von seiner Unwissenheit, weil er keinen von der Wissenschaft hat, usw. Es sind also auch alle Begriffe der Negationen abgeleitet, und die Realitäten enthalten die Data und sozusagen die Materie, oder den transzendentalen Inhalt, zu der Möglichkeit und durchgängigen Bestimmung aller Dinge.
* Die Beobachtungen und Berechnungen der Sternkundigen haben uns viel Bewunderungswürdiges gelehrt, aber das Wichtigste ist wohl, daß sie uns den Abgrund der Unwissenheit aufgedeckt haben, den die menschliche Vernunft, ohne diese Kenntnisse, sich niemals so groß hätte vorstellen können, und worüber das Nachdenken eine große Veränderung in der Bestimmung der Endabsichten unseres Vernunftgebrauchs hervorbringen muß.
Wenn also der durchgängigen Bestimmung in unserer Vernunft ein transzendentales Substratum zum Grunde gelegt wird, welches gleichsam den ganzen Vorrat des Stoffes, daher alle möglichen Prädikate der Dinge genommen werden können, enthält, so ist dieses Substratum nichts anderes, als die Idee von einem All der
B 604 Realität (omnitudo realitatis). Alle wahren Verneinungen sind alsdann nichts als Schranken, welches sie nicht genannt werden könnten, wenn nicht das Unbeschränkte (das All) zum Grunde läge.
Es ist aber auch durch diesen Allbesitz der Realität der Begriff eines Dinges an sich selbst, als durchgängig bestimmt, vorgestellt, und der Begriff eines entis realissimi ist der Begriff eines einzelnen Wesens, weil von allen möglichen entgegengesetzten Prädikaten eines, nämlich das, was zum Sein schlechthin gehört, in seiner Bestimmung angetroffen wird. Also ist es ein transzendentales Ideal, welches der durchgängigen Bestimmung, die notwendig bei allem, was existiert, angetroffen wird, zum Grunde liegt, und die oberste und vollständige materiale Bedingung seiner Möglichkeit ausmacht, auf welcher alles Denken der Gegenstände überhaupt ihrem Inhalte nach zurückgeführt werden muß. Es ist aber auch das einzige eigentliche Ideal, dessen die menschliche Vernunft fähig ist; weil nur in diesem einzigen Falle ein an sich allgemeiner Begriff von einem Dinge durch sich selbst durchgängig bestimmt, und als die Vorstellung von einem Individuum erkannt wird.
Die logische Bestimmung eines Begriffs durch die Vernunft beruht auf einem disjunktiven Vernunftschlusse, in welchem der Obersatz eine logische Einteilung (die Teilung der Sphäre eines allgemeinen Begriffs) enthält, der Untersatz diese Sphäre bis auf einen Teil einschränkt
B 605 und der Schlußsatz den Begriff durch diesen bestimmt. Der allgemeine Begriff einer Realität überhaupt kann a priori nicht eingeteilt werden, weil man ohne Erfahrung keine bestimmten Arten von Realität kennt, die unter jener Gattung enthalten wären. Also ist der transzendentale Obersatz der durchgängigen Bestimmung aller Dinge nichts anderes, als die Vorstellung des Inbegriffs aller Realität, nicht bloß ein Begriff, der alle Prädikate ihrem transzendentalen Inhalte nach unter sich, sondern der sie in sich begreift, und die durchgängige Bestimmung eines jeden Dinges beruht auf der Einschränkung dieses All der Realität, indem Einiges derselben dem Dinge beigelegt, das übrige aber ausgeschlossen wird, welches mit dem Entweder und Oder des disjunktiven Obersatzes und der Bestimmung des Gegenstandes, durch eins der Glieder dieser Teilung im Untersatze, übereinkommt. Demnach ist der Gebrauch der Vernunft, durch den sie das transzendentale Ideal zum Grunde ihrer Bestimmung aller möglichen Dinge legt, demjenigen analogisch, nach welchem sie in disjunktiven Vernunftschlüssen verfährt; welches der Satz war, den ich oben zum Grunde der systematischen Einteilung aller transzendentalen Ideen legte, nach welchem sie den drei Arten von Vernunftschlüssen parallel und korrespondierend erzeugt werden.
Es versteht sich von selbst, daß die Vernunft zu dieser ihrer Absicht, nämlich sich lediglich die notwendige durchgängige Bestimmung der Dinge vorzustellen, nicht
B 606 die Existenz eines solchen Wesens, das dem Ideale gemäß ist, sondern nur die Idee desselben voraussetze, um von einer unbedingten Totalität der durchgängigen Bestimmung die bedingte, d.i. die des Eingeschränkten abzuleiten. Das Ideal ist ihr also das Urbild (Prototypon) aller Dinge, welche insgesamt, als mangelhafte Kopien (ectypa), den Stoff zu ihrer Möglichkeit daher nehmen, und indem sie demselben mehr oder weniger nahekommen, dennoch jederzeit unendlich weit daran fehlen, es zu erreichen.
So wird denn alle Möglichkeit der Dinge (der Synthesis des Mannigfaltigen ihrem Inhalte nach) als abgeleitet, und nur allein die desjenigen, was alle Realität in sich schließt, als ursprünglich angesehen. Denn alle Verneinungen (welche doch die einzigen Prädikate sind, wodurch sich alles andere vom realsten Wesen unterscheiden läßt,) sind bloße Einschränkungen einer größeren und endlich der höchsten Realität, mithin setzen sie diese voraus, und sind dem Inhalte nach von ihr bloß abgeleitet. Alle Mannigfaltigkeit der Dinge ist nur eine eben so vielfältige Art, den Begriff der höchsten Realität, der ihr gemeinschaftliches Substratum ist, einzuschränken, so wie alle Figuren nur als verschiedene Arten, den unendlichen Raum einzuschränken, möglich sind. Daher wird der bloß in der Vernunft befindliche Gegenstand ihres Ideals auch das Urwesen (ens originarium), sofern es keines über sich hat, das höchste Wesen (ens summum), und, sofern alles, als bedingt, unter ihm steht, das Wesen
B 607 aller Wesen (ens entium) genannt. Alles dieses aber bedeutet nicht das objektive Verhältnis eines wirklichen Gegenstandes zu anderen Dingen, sondern der Idee zu Begriffen, und läßt uns wegen der Existenz eines Wesens von so ausnehmendem Vorzuge in völliger Unwissenheit.
Weil man auch nicht sagen kann, daß ein Urwesen aus viel abgeleiteten Wesen bestehe, indem ein jedes derselben jenes voraussetzt, mithin es nicht ausmachen kann, so wird das Ideal des Urwesens auch als einfach gedacht werden müssen.
Die Ableitung aller anderen Möglichkeit von diesem Urwesen wird daher, genau zu reden, auch nicht als eine Einschränkung seiner höchsten Realität und gleichsam als eine Teilung derselben angesehen werden können; denn alsdann würde das Urwesen als ein bloßes Aggregat von abgeleiteten Wesen angesehen werden, welches nach dem vorigen unmöglich ist, ob wir es gleich anfänglich im ersten rohen Schattenrisse so vorstellten. Vielmehr würde der Möglichkeit aller Dinge die höchste Realität als ein Grund und nicht als Inbegriff zum Grunde liegen, und die Mannigfaltigkeit der ersteren nicht auf der Einschränkung des Urwesens selbst, sondern seiner vollständigen Folge beruhen, zu welcher denn auch unsere ganze Sinnlichkeit, samt aller Realität in der Erscheinung, gehören würde, die zu der Idee des höchsten Wesens, als ein Ingredienz, nicht gehören kann.
B 608 Wenn wir nun dieser unserer Idee, indem wir sie hypostasieren, so ferner nachgehen, so werden wir das Urwesen durch den bloßen Begriff der höchsten Realität als ein einiges, einfaches, allgenugsames, ewiges usw., mit einem Worte, es in seiner unbedingten Vollständigkeit durch alle Prädikamente bestimmen können. Der Begriff eines solchen Wesens ist der von Gott, in transzendentalem Verstande gedacht, und so ist das Ideal der reinen Vernunft der Gegenstand einer transzendentalen Theologie, so wie ich es auch oben angeführt habe.
Indessen würde dieser Gebrauch der transzendentalen Idee doch schon die Grenzen ihrer Bestimmung und Zulässigkeit überschreiten. Denn die Vernunft legte sie nur, als den Begriff von aller Realität, der durchgängigen Bestimmung der Dinge überhaupt zum Grunde, ohne zu verlangen, daß alle diese Realität objektiv gegeben sei und selbst ein Ding ausmache. Dieses letztere ist eine bloße Erdichtung, durch welche wir das Mannigfaltige unserer Idee in einem Ideale, als einem besonderen Wesen, zusammenfassen und realisieren, wozu wir keine Befugnis haben, sogar nicht einmal die Möglichkeit einer solchen Hypothese geradezu anzunehmen, wie denn auch alle Folgerungen, die aus einem solchen Ideale abfließen, die durchgängige Bestimmung der Dinge überhaupt, als zu deren Behuf die Idee allein nötig war, nichts angehen, und darauf nicht den mindesten Einfluß haben.
B 609 Es ist nicht genug, das Verfahren unserer Vernunft und ihre Dialektik zu beschreiben, man muß auch die Quellen derselben zu entdecken suchen, um diesen Schein selbst, wie ein Phänomen des Verstandes, erklären zu können; denn das Ideal, wovon wir reden, ist auf einer natürlichen und nicht bloß willkürlichen Idee gegründet. Daher frage ich: wie kommt die Vernunft dazu, alle Möglichkeit der Dinge als abgeleitet von einer einzigen, die zum Grunde liegt, nämlich der der höchsten Realität, anzusehen, und diese sodann, als in einem besonderen Urwesen enthalten vorauszusetzen?
Die Antwort bietet sich aus den Verhandlungen der transzendentalen Analytik von selbst dar. Die Möglichkeit der Gegenstände der Sinne ist ein Verhältnis derselben zu unserem Denken, worin etwas (nämlich die empirische Form) a priori gedacht werden kann, dasjenige aber, was die Materie ausmacht, die Realität in der Erscheinung, (was der Empfindung entspricht) gegeben sein muß, ohne welches es auch gar nicht gedacht und mithin seine Möglichkeit nicht vorgestellt werden könnte. Nun kann ein Gegenstand der Sinne nur durchgängig bestimmt werden, wenn er mit allen Prädikaten der Erscheinung verglichen und durch dieselbe bejahend oder verneinend vorgestellt wird. Weil aber darin dasjenige, was das Ding selbst (in der Erscheinung) ausmacht, nämlich das Reale, gegeben sein muß, ohne welches es auch gar nicht gedacht werden könnte; dasjenige aber, worin
B 610 das Reale aller Erscheinungen gegeben ist, die einige allbefassende Erfahrung ist: so muß die Materie zur Möglichkeit aller Gegenstände der Sinne, als in einem Inbegriffe gegeben, vorausgesetzt werden, auf dessen Einschränkung allein alle Möglichkeit empirischer Gegenstände, ihr Unterschied voneinander und ihre durchgängige Bestimmung, beruhen kann. Nun können uns in der Tat keine anderen Gegenstände, als die der Sinne, und nirgends als in dem Kontext einer möglichen Erfahrung gegeben werden, folglich ist nichts für uns ein Gegenstand, wenn es nicht den Inbegriff aller empirischen Realität als Bedingung seiner Möglichkeit voraussetzt. Nach einer natürlichen Illusion sehen wir nun das für einen Grundsatz an, der von allen Dingen überhaupt gelten müsse, welcher eigentlich nur von denen gilt, die als Gegenstände unserer Sinne gegeben werden. Folglich werden wir das empirische Prinzip unserer Begriffe der Möglichkeit der Dinge, als Erscheinungen, durch Weglassung dieser Einschränkung, für ein transzendentales Prinzip der Möglichkeit der Dinge überhaupt halten.
Daß wir aber hernach diese Idee vom Inbegriffe aller Realität hypostasieren, kommt daher: weil wir die distributive Einheit des Erfahrungsgebrauchs des Verstandes in die kollektive Einheit eines Erfahrungsganzen dialektisch verwandeln, und an diesem Ganzen der Erscheinung uns ein einzelnes Ding denken, was alle empirische Realität in sich enthält, welches dann, vermittelst der
B 611 schon gedachten transzendentalen Subreption, mit dem Begriffe eines Dinges verwechselt wird, was an der Spitze der Möglichkeit aller Dinge steht, zu deren durchgängiger Bestimmung es die realen Bedingungen hergibt.*
* Dieses Ideal des allerrealsten Wesens wird also, ob es zwar eine bloße Vorstellung ist, zuerst realisiert, d.i. zum Objekt gemacht, darauf hypostasiert, endlich, durch einen natürlichen Fortschritt der Vernunft zur Vollendung der Einheit, sogar personifiziert, wie wir bald anführen werden; weil die regulative Einheit der Erfahrung nicht auf den Erscheinungen selbst (der Sinnlichkeit allein), sondern auf der Verknüpfung ihres Mannigfaltigen durch den Verstand (in einer Apperzeption) beruht, mithin die Einheit der höchsten Realität und die durchgängige Bestimmbarkeit (Möglichkeit) aller Dinge in einem höchsten Verstande, mithin in einer Intelligenz zu liegen scheint.
Des dritten Hauptstücks Dritter Abschnitt Von den Beweisgründen der spekulativen Vernunft, auf das Dasein eines höchsten Wesens zu schließen
Ungeachtet dieser dringenden Bedürfnis der Vernunft, etwas vorauszusetzen, was dem Verstande zu der durchgängigen Bestimmung seiner Begriffe vollständig zum Grunde liegen könne, so bemerkt sie doch das Idealische und bloß Gedichtete einer solchen Voraussetzung viel zu leicht, als daß sie dadurch allein überredet werden sollte, ein
B 612 bloßes Selbstgeschöpf ihres Denkens sofort für ein wirkliches Wesen anzunehmen, wenn sie nicht wodurch anders gedrungen würde, irgendwo ihren Ruhestand, in dem Regressus vom Bedingten, das gegeben ist, zum Unbedingten, zu suchen, das zwar an sich und seinem bloßen Begriff nach nicht als wirklich gegeben ist, welches aber allein die Reihe der zu ihren Gründen hinausgeführten Bedingungen vollenden kann. Dieses ist nun der natürliche Gang, den jede menschliche Vernunft, selbst die gemeinste, nimmt, obgleich nicht eine jede in demselben aushält. Sie fängt nicht von Begriffen, sondern von der gemeinen Erfahrung an, und legt also etwas Existierendes zum Grunde. Dieser Boden aber sinkt, wenn er nicht auf dem unbeweglichen Felsen des Absolutnotwendigen ruht. Dieser selber aber schwebt ohne Stütze, wenn noch außer und unter ihm leerer Raum ist, und er nicht selbst alles erfüllt und dadurch keinen Platz zum Warum mehr übrig läßt, d.i. der Realität nach unendlich ist.
Wenn etwas, was es auch sei, existiert, so muß auch eingeräumt werden, daß irgend etwas notwendigerweise existiere. Denn das Zufällige existiert nur unter der Bedingung eines anderen, als seiner Ursache, und von dieser gilt der Schluß fernerhin, bis zu einer Ursache, die nicht zufällig und eben darum ohne Bedingung notwendigerweise da ist. Das ist das Argument, worauf die Vernunft ihren Fortschritt zum Urwesen gründet.
B 613 Nun sieht sich die Vernunft nach dem Begriffe eines Wesens um, das sich zu einem solchen Vorzuge der Existenz, als die unbedingte Notwendigkeit, schicke, nicht sowohl, um alsdann von dem Begriffe desselben a priori auf sein Dasein zu schließen, (denn, getraute sie sich dieses, so dürfte sie überhaupt nur unter bloßen Begriffen forschen, und hätte nicht nötig, ein gegebenes Dasein zum Grunde zu legen,) sondern nur um unter allen Begriffen möglicher Dinge denjenigen zu finden, der nichts der absoluten Notwendigkeit Widerstreitendes in sich hat. Denn, daß doch irgend etwas schlechthin notwendig existieren müsse, hält sie nach dem ersteren Schlusse schon für ausgemacht. Wenn sie nun alles wegschaffen kann, was sich mit dieser Notwendigkeit nicht verträgt, außer einem; so ist dieses das schlechthin notwendige Wesen, man mag nun die Notwendigkeit desselben begreifen, d.i. aus seinem Begriffe allein ableiten können, oder nicht.
Nun scheint dasjenige, dessen Begriff zu allem Warum das Darum in sich enthält, das in keinem Stücke und in keiner Absicht defekt ist, welches allerwärts als Bedingung hinreicht, eben darum das zur absoluten Notwendigkeit schickliche Wesen zu sein, weil es, bei dem Selbstbesitz aller Bedingungen zu allem Möglichen, selbst keiner Bedingung bedarf, ja derselben nicht einmal fähig ist, folglich, wenigstens in einem Stücke, dem Begriffe der unbedingten Notwendigkeit ein Genüge tut, darin es kein anderer Begriff ihm
B 614 gleichtun kann, der, weil er mangelhaft und der Ergänzung bedürftig ist, kein solches Merkmal der Unabhängigkeit von allen ferneren Bedingungen an sich zeigt. Es ist wahr, daß hieraus noch nicht sicher gefolgert werden könne, daß, was nicht die höchste und in aller Absicht vollständige Bedingung in sich enthält, darum selbst seiner Existenz nach bedingt sein müsse; aber es hat denn doch das einzige Merkzeichen des unbedingten Daseins nicht an sich, dessen die Vernunft mächtig ist, um durch einen Begriff a priori irgendein Wesen als unbedingt zu erkennen.
Der Begriff eines Wesens von der höchsten Realität würde sich also unter allen Begriffen möglicher Dinge zu dem Begriffe eines unbedingt notwendigen Wesens am besten schicken, und, wenn er diesem auch nicht völlig genugtut, so haben wir doch keine Wahl, sondern sehen uns genötigt, uns an ihn zu halten, weil wir die Existenz eines notwendigen Wesens nicht in den Wind schlagen dürfen; geben wir sie aber zu, doch in dem ganzen Felde der Möglichkeit nichts finden können, was auf einen solchen Vorzug im Dasein einen gegründeteren Anspruch machen könnte.
So ist also der natürliche Gang der menschlichen Vernunft beschaffen. Zuerst überzeugt sie sich vom Dasein irgendeines notwendigen Wesens. In diesem erkennt sie eine unbedingte Existenz. Nun sucht sie den Begriff des Unabhängigen von aller Bedingung, und findet
B 615 ihn in dem, was selbst die zureichende Bedingung zu allem anderen ist, d.i. in demjenigen, was alle Realität enthält. Das All aber ohne Schranken ist absolute Einheit, und führt den Begriff eines einigen, nämlich des höchsten Wesens bei sich, und so schließt sie, daß das höchste Wesen, als Urgrund aller Dinge, schlechthin notwendigerweise da sei.
Diesem Begriffe kann eine gewisse Gründlichkeit nicht gestritten werden, wenn von Entschließungen die Rede ist, nämlich, wenn einmal das Dasein irgendeines notwendigen Wesens zugegeben wird und man darin übereinkommt, daß man seine Partei ergreifen müsse, worin man dasselbe setzen wolle; denn alsdann kann man nicht schicklicher wählen, oder man hat vielmehr keine Wahl, sondern ist genötigt, der absoluten Einheit der vollständigen Realität, als dem Urquelle der Möglichkeit, seine Stimme zu geben. Wenn uns aber nichts treibt, uns zu entschließen, und wir lieber diese ganze Sache dahingestellt sein ließen, bis wir durch das volle Gewicht der Beweisgründe zum Beifalle gezwungen würden, d.i. wenn es bloß um Beurteilung zu tun ist, wie viel wir von dieser Aufgabe wissen, und was wir uns nur zu wissen schmeicheln; dann erscheint obiger Schluß bei weitem nicht in so vorteilhafter Gestalt, und bedarf Gunst, um den Mangel seiner Rechtsansprüche zu ersetzen.
Denn, wenn wir alles so gut sein lassen, wie es hier vor uns liegt, daß nämlich erstlich von irgendeiner
B 616 gegebenen Existenz (allenfalls auch bloß meiner eigenen) ein richtiger Schluß auf die Existenz eines unbedingt notwendigen Wesens stattfinde, zweitens, daß ich ein Wesen, welches alle Realität, mithin auch alle Bedingung enthält, als schlechthin unbedingt ansehen müsse, folglich der Begriff des Dinges, welches sich zur absoluten Notwendigkeit schickt, hierdurch gefunden sei: so kann daraus doch gar nicht geschlossen werden, daß der Begriff eines eingeschränkten Wesens, das nicht die höchste Realität hat, darum der absoluten Notwendigkeit widerspreche. Denn, ob ich gleich in seinem Begriffe nicht das Unbedingte antreffe, was das All der Bedingungen schon bei sich führt, so kann daraus doch gar nicht gefolgert werden, daß sein Dasein eben darum bedingt sein müsse; so wie ich in einem hypothetischen Vernunftschlusse nicht sagen kann: wo eine gewisse Bedingung (nämlich hier der Vollständigkeit nach Begriffen) nicht ist, da ist auch das Bedingte nicht. Es wird uns vielmehr unbenommen bleiben, alle übrigen eingeschränkten Wesen ebensowohl für unbedingt notwendig gelten zu lassen, ob wir gleich ihre Notwendigkeit aus dem allgemeinen Begriffe, den wir von ihnen haben, nicht schließen können. Auf diese Weise aber hätte dieses Argument uns nicht den mindesten Begriff von Eigenschaften eines notwendigen Wesens verschafft, und überall gar nichts geleistet.
Gleichwohl bleibt diesem Argumente eine gewisse Wichtigkeit, und ein Ansehen, das ihm, wegen dieser objektiven
B 617 Unzulänglichkeit, noch nicht sofort genommen werden kann. Denn setzet, es gebe Verbindlichkeiten, die in der Idee der Vernunft ganz richtig, aber ohne alle Realität in Anwendung auf uns selbst, d.i. ohne Triebfedern sein würden, wo nicht ein höchstes Wesen vorausgesetzt würde, das den praktischen Gesetzen Wirkung und Nachdruck geben könnte: so würden wir auch eine Verbindlichkeit haben, den Begriffen zu folgen, die, wenn sie gleich nicht objektiv zulänglich sein möchten, doch nach dem Maße unserer Vernunft überwiegend sind, und in Vergleichung mit denen wir doch nichts Besseres und Überführenderes erkennen. Die Pflicht zu wählen, würde hier die Unschliessigkeit der Spekulation durch einen praktischen Zusatz aus dem Gleichgewichte bringen, ja die Vernunft würde bei ihr selbst, als dem nachsehendsten Richter, keine Rechtfertigung finden, wenn sie unter dringenden Bewegursachen, obzwar nur mangelhafter Einsicht, diesen Gründen ihres Urteils, über die wir doch wenigstens keine besseren kennen, nicht gefolgt wäre.
Dieses Argument, ob es gleich in der Tat transzendental ist, indem es auf der inneren Unzulänglichkeit des Zufälligen beruht, ist doch so einfältig und natürlich, daß es dem gemeinsten Menschensinne angemessen ist, sobald dieser nur einmal darauf geführt wird. Man sieht Dinge sich verändern, entstehen und vergehen; sie müssen also, oder wenigstens ihr Zustand, eine Ursache haben. Von jeder Ursache aber, die jemals in der Erfahrung gegeben
B 618 werden mag, läßt sich eben dieses wiederum fragen. Wohin sollen wir nun die oberste Kausalität billiger verlegen, als dahin, wo auch die höchste Kausalität ist, d.i. in dasjenige Wesen, was zu der möglichen Wirkung die Zulänglichkeit in sich selbst ursprünglich enthält, dessen Begriff auch durch den einzigen Zug einer allbefassenden Vollkommenheit sehr leicht zustande kommt. Diese höchste Ursache halten wir dann für schlechthin notwendig, weil wir es schlechterdings notwendig finden, bis zu ihr hinaufzusteigen, und keinen Grund, über sie noch weiter hinauszugehen. Daher sehen wir bei allen Völkern durch ihre blindeste Vielgötterei doch einige Funken des Monotheismus durchschimmern, wozu nicht Nachdenken und tiefe Spekulation, sondern nur ein nach und nach verständlich gewordener natürlicher Gang des gemeinen Verstandes geführt hat.
Es sind nur drei Beweisarten vom Dasein Gottes aus spekulativer Vernunft möglich.
Alle Wege, die man in dieser Absicht einschlagen mag, fangen entweder von der bestimmten Erfahrung und der dadurch erkannten besonderen Beschaffenheit unserer Sinnenwelt an, und steigen von ihr nach Gesetzen der Kausalität bis zur höchsten Ursache außer der Welt hinauf: oder sie legen nur unbestimmte Erfahrung, d.i. irgendein Dasein, empirisch zum Grunde, oder sie abstrahieren endlich von aller Erfahrung, und schließen gänzlich a priori aus bloßen Begriffen auf das Dasein einer höchsten
B 619 Ursache. Der erste Beweis ist der physikotheologische, der zweite der kosmologische, der dritte der ontologische Beweis. Mehr gibt es ihrer nicht, und mehr kann es auch nicht geben.
Ich werde dartun: daß die Vernunft, auf dem einen Wege (dem empirischen) so wenig, als auf dem anderen (dem transzendentalen), etwas ausrichte, und daß sie vergeblich ihre Flügel ausspanne, um über die Sinnenwelt durch die bloße Macht der Spekulation hinaus zu kommen. Was aber die Ordnung betrifft, in welcher diese Beweisarten der Prüfung vorgelegt werden müssen, so wird sie gerade die umgekehrte von derjenigen sein, welche die sich nach und nach erweiternde Vernunft nimmt, und in der wir sie auch zuerst gestellt haben. Denn es wird sich zeigen: daß, obgleich Erfahrung den ersten Anlaß dazu gibt, dennoch bloß der transzendentale Begriff die Vernunft in dieser ihrer Bestrebung leite und in allen solchen Versuchen das Ziel ausstecke, das sie sich vorgesetzt hat. Ich werde also von der Prüfung des transzendentalen Beweises anfangen, und nachher sehen, was der Zusatz des Empirischen zur Vergrößerung seiner Beweiskraft tun könne.
B 620 Des dritten Hauptstücks Vierter Abschnitt Von der Unmöglichkeit eines ontologischen Beweises vom Dasein Gottes
Man sieht aus dem bisherigen leicht: daß der Begriff eines absolut notwendigen Wesens ein reiner Vernunftbegriff, d.i. eine bloße Idee sei, deren objektive Realität dadurch, daß die Vernunft ihrer bedarf, noch lange nicht bewiesen ist, welche auch nur auf eine gewisse obzwar unerreichbare Vollständigkeit Anweisung gibt, und eigentlich mehr dazu dient, den Verstand zu begrenzen, als ihn auf neue Gegenstände zu erweitern. Es findet sich hier nun das Befremdliche und Widersinnische, daß der Schluß von einem gegebenen Dasein überhaupt auf irgendein schlechthin notwendiges Dasein, dringend und richtig zu sein scheint, und wir gleichwohl alle Bedingungen des Verstandes, sich einen Begriff von einer solchen Notwendigkeit zu machen, gänzlich wider uns haben.
Man hat zu aller Zeit von dem absolut notwendigen Wesen geredet, und sich nicht sowohl Mühe gegeben, zu verstehen, ob und wie man sich ein Ding von dieser Art auch nur denken könne, als vielmehr dessen Dasein zu beweisen. Nun ist zwar eine Namenerklärung von diesem Begriffe ganz leicht, daß es nämlich so etwas sei, dessen Nichtsein unmöglich ist; aber man wird hierdurch um nichts
B 621 klüger, in Ansehung der Bedingungen, die es unmöglich machen, das Nichtsein eines Dinges als schlechterdings undenklich anzusehen, und die eigentlich dasjenige sind, was man wissen will, nämlich, ob wir uns durch diesen Begriff überall etwas denken, oder nicht. Denn alle Bedingungen, die der Verstand jederzeit bedarf, um etwas als notwendig anzusehen, vermittelst des Worts: Unbedingt, wegwerfen, macht mir noch lange nicht verständlich, ob ich alsdann durch einen Begriff eines Unbedingtnotwendigen noch etwas, oder vielleicht gar nichts denke.
Noch mehr: diesen auf das bloße Geratewohl gewagten und endlich ganz geläufig gewordenen Begriff hat man noch dazu durch eine Menge Beispiele zu erklären geglaubt, so, daß alle weitere Nachfrage wegen seiner Verständlichkeit ganz unnötig erschienen. Ein jeder Satz der Geometrie, z.B. daß ein Triangel drei Winkel habe, ist schlechthin notwendig, und so redete man von einem Gegenstande, der ganz außerhalb der Sphäre unseres Verstandes liegt, als ob man ganz wohl verstände, was man mit dem Begriffe von ihm sagen wolle.
Alle vorgegebenen Beispiele sind ohne Ausnahme nur von Urteilen, aber nicht von Dingen und deren Dasein hergenommen. Die unbedingte Notwendigkeit der Urteile aber ist nicht eine absolute Notwendigkeit der Sachen. Denn die absolute Notwendigkeit des Urteils ist nur eine bedingte Notwendigkeit der Sache, oder des
B 622 Prädikats im Urteile. Der vorige Satz sagte nicht, daß drei Winkel schlechterdings notwendig sind, sondern, unter der Bedingung, daß ein Triangel da ist, (gegeben ist) sind auch drei Winkel (in ihm) notwendigerweise da. Gleichwohl hat diese logische Notwendigkeit eine so große Macht ihrer Illusion bewiesen, daß, indem man sich einen Begriff a priori von einem Dinge gemacht hatte, der so gestellt war, daß man seiner Meinung nach das Dasein mit in seinen Umfang begriff, man daraus glaubte sicher schließen zu können, daß, weil dem Objekt dieses Begriffs das Dasein notwendig zukommt, d.i. unter der Bedingung, daß ich dieses Ding als gegeben (existierend) setze, auch sein Dasein notwendig (nach der Regel der Identität) gesetzt werde, und dieses Wesen daher selbst schlechterdings notwendig sei, weil sein Dasein in einem nach Belieben angenommenen Begriffe und unter der Bedingung, daß ich den Gegenstand desselben setze, mitgedacht wird.
Wenn ich das Prädikat in einem identischen Urteile aufhebe und behalte das Subjekt, so entspringt ein Widerspruch, und daher sage ich: jenes kommt diesem notwendigerweise zu. Hebe ich aber das Subjekt zusamt dem Prädikate auf, so entspringt kein Widerspruch; denn es ist nichts mehr, welchem widersprochen werden könnte. Einen Triangel setzen und doch die drei Winkel desselben aufheben, ist widersprechend; aber den Triangel samt seinen drei Winkeln aufheben, ist kein Widerspruch. Gerade ebenso ist es mit dem Begriffe eines absolut notwendigen
B 623 Wesens bewandt. Wenn ihr das Dasein desselben aufhebt, so hebt ihr das Ding selbst mit allen seinen Prädikaten auf; wo soll alsdann der Widerspruch herkommen? Äußerlich ist nichts, dem widersprochen würde, denn das Ding soll nicht äußerlich notwendig sein; innerlich auch nichts, denn ihr habt, durch Aufhebung des Dinges selbst, alles Innere zugleich aufgehoben. Gott ist allmächtig; das ist ein notwendiges Urteil. Die Allmacht kann nicht aufgehoben werden, wenn ihr eine Gottheit, d.i. ein unendliches Wesen, setzt, mit dessen Begriff jener identisch ist. Wenn ihr aber sagt: Gott ist nicht, so ist weder die Allmacht, noch irgendein anderes seiner Prädikate gegeben; denn sie sind alle zusamt dem Subjekte aufgehoben, und es zeigt sich in diesem Gedanken nicht der mindeste Widerspruch.
Ihr habt also gesehen, daß, wenn ich das Prädikat eines Urteils zusamt dem Subjekte aufhebe, niemals ein innerer Widerspruch entspringen könne, das Prädikat mag auch sein, welches es wolle. Nun bleibt euch keine Ausflucht übrig, als, ihr müßt sagen: es gibt Subjekte, die gar nicht aufgehoben werden können, die also bleiben müssen. Das würde aber ebensoviel sagen, als: es gibt schlechterdings notwendige Subjekte; eine Voraussetzung, an deren Richtigkeit ich eben gezweifelt habe, und deren Möglichkeit ihr mir zeigen wolltet. Denn ich kann mir nicht den geringsten Begriff von einem Dinge machen, welches, wenn es mit allen seinen Prädikaten aufgehoben
B 624 würde, einen Widerspruch zurück ließe, und ohne den Widerspruch habe ich, durch bloße reine Begriffe a priori, kein Merkmal der Unmöglichkeit.
Wider alle diese allgemeinen Schlüsse (deren sich kein Mensch weigern kann) fordert ihr mich durch einen Fall auf, den ihr, als einen Beweis durch die Tat, aufstellt: daß es doch einen und zwar nur diesen Einen Begriff gebe, da das Nichtsein oder das Aufheben seines Gegenstandes in sich selbst widersprechend sei, und dieses ist der Begriff des allerrealsten Wesens. Es hat, sagt ihr, alle Realität, und ihr seid berechtigt, ein solches Wesen als möglich anzunehmen, (welches ich vorjetzt einwillige, obgleich der sich nicht widersprechende Begriff noch lange nicht die Möglichkeit des Gegenstandes beweist)*. Nun ist unter aller Realität auch das Dasein mitbegriffen: Also liegt das Dasein in dem Begriffe von einem Möglichen. Wird
B 625 dieses Ding nun aufgehoben, so wird die innere Möglichkeit des Dinges aufgehoben, welches widersprechend ist.
* Der Begriff ist allemal möglich, wenn er sich nicht widerspricht. Das ist das logische Merkmal der Möglichkeit, und dadurch wird sein Gegenstand vom nihil negativum unterschieden. Allein er kann nichtsdestoweniger ein leerer Begriff sein, wenn die objektive Realität der Synthesis, dadurch der Begriff erzeugt wird, nicht besonders dargetan wird; welches aber jederzeit, wie oben gezeigt worden, auf Prinzipien möglicher Erfahrung und nicht auf dem Grundsatze der Analysis (dem Satze des Widerspruchs) beruht. Das ist eine Warnung, von der Möglichkeit der Begriffe (logische) nicht sofort auf die Möglichkeit der Dinge (reale) zu schließen.
Ich antworte: Ihr habt schon einen Widerspruch begangen, wenn ihr in den Begriff eines Dinges, welches ihr lediglich seiner Möglichkeit nach denken wolltet, es sei unter welchem versteckten Namen, schon den Begriff seiner Existenz hinein brachtet. Räumt man euch dieses ein, so habt ihr dem Scheine nach gewonnen Spiel, in der Tat aber nichts gesagt; denn ihr habt eine bloße Tautologie begangen. Ich frage euch, ist der Satz: dieses oder jenes Ding (welches ich euch als möglich einräume, es mag sein, welches es wolle,) existiert, ist, sage ich, dieser Satz ein analytischer oder synthetischer Satz? Wenn er das erstere ist, so tut ihr durch das Dasein des Dinges zu euerem Gedanken von dem Dinge nichts hinzu, aber alsdann müßte entweder der Gedanke, der in euch ist, das Ding selber sein, oder ihr habt ein Dasein, als zur Möglichkeit gehörig, vorausgesetzt, und alsdann das Dasein dem Vorgeben nach aus der inneren Möglichkeit geschlossen, welches nichts als eine elende Tautologie ist. Das Wort: Realität, welches im Begriffe des Dinges anders klingt, als Existenz im Begriffe des Prädikats, macht es nicht aus. Denn, wenn ihr auch alles Setzen (unbestimmt was ihr setzt) Realität nennt, so habt ihr das Ding schon mit allen seinen Prädikaten im Begriffe des Subjekts gesetzt und als wirklich angenommen, und im Prädikate
B 626 wiederholt ihr es nur. Gesteht ihr dagegen, wie es billigermaßen jeder Vernünftige gestehen muß, daß ein jeder Existenzialsatz synthetisch sei, wie wollt ihr dann behaupten, daß das Prädikat der Existenz sich ohne Widerspruch nicht aufheben lasse? da dieser Vorzug nur den analytischen, als deren Charakter eben darauf beruht, eigentümlich zukommt.
Ich würde zwar hoffen, diese grüblerische Argutation, ohne allen Umschweif, durch eine genaue Bestimmung des Begriffs der Existenz zunichte zu machen, wenn ich nicht gefunden hätte, daß die Illusion, in Verwechslung eines logischen Prädikats mit einem realen, (d.i. der Bestimmung eines Dinges,) beinahe alle Belehrung ausschlage. Zum logischen Prädikate kann alles dienen, was man will, sogar das Subjekt kann von sich selbst prädiziert werden; denn die Logik abstrahiert von allem Inhalte. Aber die Bestimmung ist ein Prädikat, welches über den Begriff des Subjekts hinzukommt und ihn vergrößert. Sie muß also nicht in ihm schon enthalten sein.
Sein ist offenbar kein reales Prädikat, d.i. ein Begriff von irgend etwas, was zu dem Begriffe eines Dinges hinzukommen könne. Es ist bloß die Position eines Dinges, oder gewisser Bestimmungen an sich selbst. Im logischen Gebrauche ist es lediglich die Copula eines Urteils. Der Satz: Gott ist allmächtig, enthält zwei Begriffe, die ihre Objekte haben: Gott und Allmacht; das Wörtchen: ist, ist nicht noch ein Prädikat obenein,
B 627 sondern nur das, was das Prädikat beziehungsweise aufs Subjekt setzt. Nehme ich nun das Subjekt (Gott) mit allen seinen Prädikaten (worunter auch die Allmacht gehört) zusammen, und sage: Gott ist, oder es ist ein Gott, so setze ich kein neues Prädikat zum Begriffe von Gott, sondern nur das Subjekt an sich selbst mit allen seinen Prädikaten, und zwar den Gegenstand in Beziehung auf meinen Begriff. Beide müssen genau einerlei enthalten, und es kann daher zu dem Begriffe, der bloß die Möglichkeit ausdrückt, darum, daß ich dessen Gegenstand als schlechthin gegeben (durch den Ausdruck: er ist) denke, nichts weiter hinzukommen. Und so enthält das Wirkliche nichts mehr als das bloß Mögliche. Hundert wirkliche Taler enthalten nicht das mindeste mehr, als hundert mögliche. Denn, da diese den Begriff, jene aber den Gegenstand und dessen Position an sich selbst bedeuten, so würde, im Fall dieser mehr enthielte als jener, mein Begriff nicht den ganzen Gegenstand ausdrücken, und also auch nicht der angemessene Begriff von ihm sein. Aber in meinem Vermögenszustande ist mehr bei hundert wirklichen Talern, als bei dem bloßen Begriffe derselben, (d.i. ihrer Möglichkeit). Denn der Gegenstand ist bei der Wirklichkeit nicht bloß in meinem Begriffe analytisch enthalten, sondern kommt zu meinem Begriffe (der eine Bestimmung meines Zustandes ist) synthetisch hinzu, ohne daß durch dieses Sein außerhalb meinem Begriffe diese gedachten hundert Taler selbst im mindesten vermehrt werden.
B 628 Wenn ich also ein Ding, durch welche und wie viel Prädikate ich will, (selbst in der durchgängigen Bestimmung) denke, so kommt dadurch, daß ich noch hinzusetze, dieses Ding ist, nicht das mindeste zu dem Dinge hinzu. Denn sonst würde nicht eben dasselbe, sondern mehr existieren, als ich im Begriffe gedacht hatte, und ich könnte nicht sagen, daß gerade der Gegenstand meines Begriffs existiere. Denke ich mir auch sogar in einem Dinge alle Realität außer einer, so kommt dadurch, daß ich sage, ein solches mangelhaftes Ding existiert, die fehlende Realität nicht hinzu, sondern es existiert gerade mit demselben Mangel behaftet, als ich es gedacht habe, sonst würde etwas anderes, als ich dachte, existieren. Denke ich mir nun ein Wesen als die höchste Realität (ohne Mangel), so bleibt noch immer die Frage, ob es existiere, oder nicht. Denn, obgleich an meinem Begriffe, von dem möglichen realen Inhalte eines Dinges überhaupt, nichts fehlt, so fehlt doch noch etwas an dem Verhältnisse zu meinem ganzen Zustande des Denkens, nämlich daß die Erkenntnis jenes Objekts auch a posteriori möglich sei. Und hier zeigt sich auch die Ursache der hierbei obwaltenden Schwierigkeit. Wäre von einem Gegenstande der Sinne die Rede, so würde ich die Existenz des Dinges mit dem bloßen Begriffe des Dinges nicht verwechseln können. Denn durch den Begriff wird der Gegenstand nur mit den allgemeinen Bedingungen einer möglichen empirischen Erkenntnis überhaupt als einstimmig, durch die Existenz aber als in dem Kontext der gesamten
B 629 Erfahrung enthalten gedacht; da denn durch die Verknüpfung mit dem Inhalte der gesamten Erfahrung der Begriff vom Gegenstande nicht im mindesten vermehrt wird, unser Denken aber durch denselben eine mögliche Wahrnehmung mehr bekommt. Wollen wir dagegen die Existenz durch die reine Kategorie allein denken, so ist kein Wunder, daß wir kein Merkmal angeben können, sie von der bloßen Möglichkeit zu unterscheiden.
Unser Begriff von einem Gegenstande mag also enthalten, was und wie viel er wolle, so müssen wir doch aus ihm herausgehen, um diesem die Existenz zu erteilen. Bei Gegenständen der Sinne geschieht dieses durch den Zusammenhang mit irgendeiner meiner Wahrnehmungen nach empirischen Gesetzen; aber für Objekte des reinen Denkens ist ganz und gar kein Mittel, ihr Dasein zu erkennen, weil es gänzlich a priori erkannt werden müßte, unser Bewußtsein aller Existenz aber (es sei durch Wahrnehmung unmittelbar, oder durch Schlüsse, die etwas mit der Wahrnehmung verknüpfen,) gehört ganz und gar zur Einheit der Erfahrung, und eine Existenz außer diesem Felde kann zwar nicht schlechterdings für unmöglich erklärt werden, sie ist aber eine Voraussetzung, die wir durch nichts rechtfertigen können.
Der Begriff eines höchsten Wesens ist eine in mancher Absicht sehr nützliche Idee; sie ist aber eben darum, weil sie bloß Idee ist, ganz unfähig, um vermittelst ihrer allein unsere Erkenntnis in Ansehung dessen, was existiert,
B 630 zu erweitern. Sie vermag nicht einmal so viel, daß sie uns in Ansehung der Möglichkeit eines Mehreren belehrte. Das analytische Merkmal der Möglichkeit, das darin besteht, daß bloße Positionen (Realitäten) keinen Widerspruch erzeugen, kann ihm zwar nicht gestritten werden; da aber die Verknüpfung aller realen Eigenschaften in einem Dinge eine Synthesis ist, über deren Möglichkeit wir a priori nicht urteilen können, weil uns die Realitäten spezifisch nicht gegeben sind, und, wenn dieses auch geschähe, überall gar kein Urteil darin stattfindet, weil das Merkmal der Möglichkeit synthetischer Erkenntnisse immer nur in der Erfahrung gesucht werden muß, zu welcher aber der Gegenstand einer Idee nicht gehören kann; so hat der berühmte Leibniz bei weitem das nicht geleistet, wessen er sich schmeichelte, nämlich eines so erhabenen idealischen Wesens Möglichkeit a priori einsehen zu wollen.
Es ist also an dem so berühmten ontologischen (Cartesianischen) Beweise, vom Dasein eines höchsten Wesens, aus Begriffen, alle Mühe und Arbeit verloren, und ein Mensch möchte wohl ebensowenig aus bloßen Ideen an Einsichten reicher werden, als ein Kaufmann an Vermögen, wenn er, um seinen Zustand zu verbessern, seinem Kassenbestande einige Nullen anhängen wollte.
B 631 Des dritten Hauptstücks Fünfter Abschnitt Von der Unmöglichkeit eines kosmologischen Beweises vom Dasein Gottes
Es war etwas ganz Unnatürliches und eine bloße Neuerung des Schulwitzes, aus einer ganz willkürlich entworfenen Idee das Dasein des ihr entsprechenden Gegenstandes selbst ausklauben zu wollen. In der Tat würde man es nie auf diesem Wege versucht haben, wäre nicht die Bedürfnis unserer Vernunft, zur Existenz überhaupt irgend etwas Notwendiges (bei dem man im Aufsteigen stehenbleiben könne) anzunehmen, vorhergegangen, und wäre nicht die Vernunft, da diese Notwendigkeit unbedingt und a priori gewiß sein muß, gezwungen worden, einen Begriff zu suchen, der, wo möglich, einer solchen Forderung ein Genüge täte, und ein Dasein völlig a priori zu erkennen gebe. Diesen glaubte man nun in der Idee eines allerrealsten Wesens zu finden und so wurde diese nur zur bestimmteren Kenntnis desjenigen, wovon man schon anderweitig überzeugt oder überredet war, es müsse existieren, nämlich des notwendigen Wesens, gebraucht. Indes verhehlte man diesen natürlichen Gang der Vernunft, und, anstatt bei diesem Begriffe zu endigen, versuchte man von ihm anzufangen, um die Notwendigkeit des Daseins aus ihm abzuleiten, die er doch nur zu ergänzen
B 632 bestimmt war. Hieraus entsprang nun der verunglückte ontologische Beweis, der weder für den natürlichen und gesunden Verstand, noch für die schulgerechte Prüfung etwas Genugtuendes bei sich führt.
Der kosmologische Beweis, den wir jetzt untersuchen wollen, behält die Verknüpfung der absoluten Notwendigkeit mit der höchsten Realität bei, aber anstatt, wie der vorige, von der höchsten Realität auf die Notwendigkeit im Dasein zu schließen, schließt er vielmehr von der zum voraus gegebenen unbedingten Notwendigkeit irgendeines Wesens, auf dessen unbegrenzte Realität, und bringt sofern alles wenigstens in das Geleis einer, ich weiß nicht ob vernünftigen, oder vernünftelnden, wenigstens natürlichen Schlußart, welche nicht allein für den gemeinen, sondern auch den spekulativen Verstand die meiste Überredung bei sich führt; wie sie denn auch sichtbarlich zu allen Beweisen der natürlichen Theologie die ersten Grundlinien zieht, denen man jederzeit nachgegangen ist und ferner nachgehen wird, man mag sie nun durch noch so viel Laubwerk und Schnörkel verzieren und verstecken, als man immer will. Diesen Beweis, den Leibniz auch den a contingentia mundi nannte, wollen wir jetzt vor Augen stellen und der Prüfung unterwerfen.
Er lautet also: Wenn etwas existiert, so muß auch ein schlechterdings notwendiges Wesen existieren. Nun existiere, zum mindesten, ich selbst: also existiert ein absolut notwendiges Wesen. Der Untersatz enthält eine
B 633 Erfahrung, der Obersatz die Schlußfolge aus einer Erfahrung überhaupt auf das Dasein des Notwendigen.* Also hebt der Beweis eigentlich von der Erfahrung an, mithin ist er nicht gänzlich a priori geführt, oder ontologisch, und weil der Gegenstand aller möglichen Erfahrung Welt heißt, so wird er darum der kosmologische Beweis genannt. Da er auch von aller besonderen Eigenschaft der Gegenstände der Erfahrung, dadurch sich diese Welt von jeder möglichen unterscheiden mag, abstrahiert: so wird er schon in seiner Benennung auch vom physikotheologischen Beweise unterschieden, welcher Beobachtungen der besonderen Beschaffenheit dieser unserer Sinnenwelt zu Beweisgründen braucht.
* Diese Schlußfolge ist zu bekannt, als das es nötig wäre, sie hier weitläufig vorzutragen. Sie beruht auf dem vermeintlich transzendentalen Naturgesetz der Kausalität: daß alles Zufällige seine Ursache habe, die, wenn sie wiederum zufällig ist, ebensowohl eine Ursache haben muß, bis die Reihe der einander untergeordneten Ursachen sich bei einer schlechthin notwendigen Ursache endigen muß, ohne welche sie keine Vollständigkeit haben würde.
Nun schließt der Beweis weiter: das notwendige Wesen kann nur auf eine einzige Art, d.i. in Ansehung aller möglichen entgegengesetzten Prädikate nur durch eines derselben, bestimmt werden, folglich muß es durch seinen Begriff durchgängig bestimmt sein. Nun ist nur ein einziger Begriff von einem Dinge möglich, der dasselbe a priori durchgängig bestimmt, nämlich der des entis realissimi: Also ist der Begriff des allerrealsten Wesens der
B 634 einzige, dadurch ein notwendiges Wesen gedacht werden kann, d.i. es existiert ein höchstes Wesen notwendigerweise.
In diesem kosmologischen Argumente kommen so viel vernünftelnde Grundsätze zusammen, daß die spekulative Vernunft hier alle ihre dialektische Kunst aufgeboten zu haben scheint, um den größtmöglichen transzendentalen Schein zustande zu bringen. Wir wollen ihre Prüfung indessen eine Weile beiseite setzen, um nur eine List derselben offenbar zu machen, mit welcher sie ein altes Argument in verkleideter Gestalt für ein neues aufstellt und sich auf zweier Zeugen Einstimmung beruft, nämlich einen reinen Vernunftzeugen und einen anderen von empirischer Beglaubigung, da es doch nur der erstere allein ist, welcher bloß seinen Anzug und Stimme verändert, um für einen zweiten gehalten zu werden. Um seinen Grund recht sicher zu legen, fußt sich dieser Beweis auf Erfahrung und gibt sich dadurch das Ansehen, als sei er vom ontologischen Beweise unterschieden, der auf lauter reine Begriffe a priori sein ganzes Vertrauen setzt. Dieser Erfahrung aber bedient sich der kosmologische Beweis nur, um einen einzigen Schritt zu tun, nämlich zum Dasein eines notwendigen Wesens überhaupt. Was dieses für Eigenschaften habe, kann der empirische Beweisgrund nicht lehren, sondern da nimmt die Vernunft gänzlich von ihm Abschied und forscht hinter lauter Begriffen: was nämlich ein absolut notwendiges Wesen überhaupt
B 635 für Eigenschaften haben müsse, (d.i. welches unter allen möglichen Dingen die erforderlichen Bedingungen (requisita) zu einer absoluten Notwendigkeit in sich enthalte. Nun glaubt sie im Begriffe eines allerrealsten Wesens einzig und allein diese Requisite anzutreffen, und schließt sodann: das ist das schlechterdings notwendige Wesen. Es ist aber klar, daß man hierbei voraussetzt, der Begriff eines Wesens von der höchsten Realität tue dem Begriffe der absoluten Notwendigkeit im Dasein völlig genug, d.i. es lasse sich aus jener auf diese schließen; ein Satz, den das ontologische Argument behauptete, welches man also im kosmologischen Beweise annimmt und zum Grunde legt, da man es doch hatte vermeiden wollen. Denn die absolute Notwendigkeit ist ein Dasein aus bloßen Begriffen. Sage ich nun: der Begriff des entis realissimi ist ein solcher Begriff, und zwar der einzige, der zu dem notwendigen Dasein passend und ihm adäquat ist; so muß ich auch einräumen, daß aus ihm das letztere geschlossen werden könne. Es ist also eigentlich nur der ontologische Beweis aus lauter Begriffen, der in dem sogenannten kosmologischen alle Beweiskraft enthält, und die angebliche Erfahrung ist ganz müßig, vielleicht, um uns nur auf den Begriff der absoluten Notwendigkeit zu führen, nicht aber um diese an irgendeinem bestimmten Dinge darzutun. Denn sobald wir dieses zur Absicht haben, müssen wir sofort alle Erfahrung verlassen, und unter reinen Begriffen suchen, welcher von ihnen wohl die
B 636 Bedingungen der Möglichkeit eines absolut notwendigen Wesens enthalte. Ist aber auf solche Weise nur die Möglichkeit eines solchen Wesens eingesehen, so ist auch sein Dasein dargetan; denn es heißt so viel, als: unter allem Möglichen ist Eines, das absolute Notwendigkeit bei sich führt, d.i. dieses Wesen existiert schlechterdings notwendig.
Alle Blendwerke im Schließen entdecken sich am leichtesten, wenn man sie auf schulgerechte Art vor Augen stellt. Hier ist eine solche Darstellung.
Wenn der Satz richtig ist: ein jedes schlechthin notwendiges Wesen ist zugleich das allerrealste Wesen; (als welches der nervus probandi des kosmologischen Beweises ist;) so muß er sich, wie alle bejahenden Urteile, wenigstens per accidens umkehren lassen; also: einige allerrealste Wesen sind zugleich schlechthin notwendige Wesen. Nun ist aber ein ens realissimum von einem anderen in keinem Stücke unterschieden, und, was also von einigen unter diesem Begriffe enthaltenen gilt, das gilt auch von allen. Mithin werde ich's (in diesem Falle) auch schlechthin umkehren können, d.i. ein jedes allerrealstes Wesen ist ein notwendiges Wesen. Weil nun dieser Satz bloß aus seinen Begriffen a priori bestimmt ist: so muß der bloße Begriff des realsten Wesens auch die absolute Notwendigkeit desselben bei sich führen; welches eben der ontologische Beweis behauptete, und der kosmologische nicht
B 637 anerkennen wollte, gleichwohl aber seinen Schlüssen, obzwar versteckter Weise, unterlegte.
So ist denn der zweite Weg, den die spekulative Vernunft nimmt, um das Dasein des höchsten Wesens zu beweisen, nicht allein mit dem ersten gleich trüglich, sondern hat noch dieses Tadelhafte an sich, daß er eine ignoratio elenchi begeht, indem er uns verheißt, einen neuen Fußsteig zu führen, aber, nach einem kleinen Umschweif, uns wiederum auf den alten zurückbringt, den wir seinetwegen verlassen hatten.
Ich habe kurz vorher gesagt, daß in diesem kosmologischen Argumente sich ein ganzes Nest von dialektischen Anmaßungen verborgen halte, welches die transzendentale Kritik leicht entdecken und zerstören kann. Ich will sie jetzt nur anführen und es dem schon geübten Leser überlassen, den trüglichen Grundsätzen weiter nachzuforschen und sie aufzuheben.
Da befindet sich denn z.B. 1. der transzendentale Grundsatz, vom Zufälligen auf eine Ursache zu schließen, welcher nur in der Sinnenwelt von Bedeutung ist, außerhalb derselben aber auch nicht einmal einen Sinn hat. Denn der bloß intellektuelle Begriff des Zufälligen kann gar keinen synthetischen Satz, wie den der Kausalität, hervorbringen, und der Grundsatz der letzteren hat gar keine Bedeutung und kein Merkmal seines Gebrauchs, als nur in der Sinnenwelt; hier aber sollte er gerade dazu dienen, um über die Sinnenwelt hinaus zu kommen. 2. Der
B 638 Schluß, von der Unmöglichkeit einer unendlichen Reihe übereinander gegebener Ursachen in der Sinnenwelt auf eine erste Ursache zu schließen, wozu uns die Prinzipien des Vernunftgebrauchs selbst in der Erfahrung nicht berechtigen, vielweniger diesen Grundsatz über dieselbe (wohin diese Kette gar nicht verlängert werden kann) ausdehnen können. 3. Die falsche Selbstbefriedigung der Vernunft, in Ansehung der Vollendung dieser Reihe, dadurch, daß man endlich alle Bedingung, ohne welche doch kein Begriff einer Notwendigkeit stattfinden kann, wegschafft, und, da man alsdann nichts weiter begreifen kann, dieses für eine Vollendung seines Begriffs annimmt. 4. Die Verwechslung der logischen Möglichkeit eines Begriffs von aller vereinigten Realität (ohne inneren Widerspruch) mit der transzendentalen, welche ein Prinzipium der Tunlichkeit einer solchen Synthesis bedarf, das aber wiederum nur auf das Feld möglicher Erfahrungen gehen kann, usw.
Das Kunststück des kosmologischen Beweises zielt bloß darauf ab, um dem Beweise des Daseins eines notwendigen Wesens a priori durch bloße Begriffe auszuweichen, der ontologisch geführt werden müßte, wozu wir uns aber gänzlich unvermögend fühlen. In dieser Absicht schließen wir aus einem zum Grunde gelegten wirklichen Dasein (einer Erfahrung überhaupt), so gut es sich will tun lassen, auf irgendeine schlechterdings notwendige Bedingung desselben. Wir haben alsdann dieser ihre Möglichkeit nicht nötig zu erklären. Denn, wenn
B 639 bewiesen ist, daß sie da sei, so ist die Frage wegen ihrer Möglichkeit ganz unnötig. Wollen wir nun dieses notwendige Wesen nach seiner Beschaffenheit näher bestimmen, so suchen wir nicht dasjenige, was hinreichend ist, aus seinem Begriffe die Notwendigkeit des Daseins zu begreifen; denn, könnten wir dieses, so hätten wir keine empirische Voraussetzung nötig; nein, wir suchen nur die negative Bedingung, (conditio sine qua non,) ohne welche ein Wesen nicht absolut notwendig sein würde. Nun würde das in aller anderen Art von Schlüssen, aus einer gegebenen Folge auf ihren Grund, wohl angehen; es trifft sich aber hier unglücklicherweise, daß die Bedingung, die man zur absoluten Notwendigkeit fordert, nur in einem einzigen Wesen angetroffen werden kann, welches daher in seinem Begriffe alles, was zur absoluten Notwendigkeit erforderlich ist, enthalten müßte, und also einen Schluß a priori auf dieselbe möglich macht; d.i. ich müßte auch umgekehrt schließen können: welchem Dinge dieser Begriff (der höchsten Realität) zukommt, das ist schlechterdings notwendig, und, kann ich so nicht schließen, (wie ich denn dieses gestehen muß, wenn ich den ontologischen Beweis vermeiden will,) so bin ich auch auf meinem neuen Wege verunglückt und befinde mich wiederum da, von wo ich ausging. Der Begriff des höchsten Wesens tut wohl allen Fragen a priori ein Genüge, die wegen der inneren Bestimmungen eines Dinges können aufgeworfen werden, und ist darum auch ein Ideal ohne
B 640 Gleiches, weil der allgemeine Begriff dasselbe zugleich als ein Individuum unter allen möglichen Dingen auszeichnet. Er tut aber der Frage wegen seines eigenen Daseins gar kein Genüge, als warum es doch eigentlich nur zu tun war, und man konnte auf die Erkundigung dessen, der das Dasein eines notwendigen Wesens annahm, und nur wissen wollte, welches denn unter allen Dingen dafür angesehen werden müsse, nicht antworten: Dies hier ist das notwendige Wesen.
Es mag wohl erlaubt sein, das Dasein eines Wesens von der höchsten Zulänglichkeit, als Ursache zu allen möglichen Wirkungen, anzunehmen, um der Vernunft die Einheit der Erklärungsgründe, welche sie sucht, zu erleichtern. Allein, sich so viel herauszunehmen, daß man sogar sage: ein solches Wesen existiert notwendig, ist nicht mehr die bescheidene Äußerung einer erlaubten Hypothese, sondern die dreiste Anmaßung einer apodiktischen Gewißheit; denn, was man als schlechthin notwendig zu erkennen vorgibt, davon muß auch die Erkenntnis absolute Notwendigkeit bei sich führen.
Die ganze Aufgabe des transzendentalen Ideals kommt darauf an: entweder zu der absoluten Notwendigkeit einen Begriff, oder zu dem Begriffe von irgendeinem Dinge die absolute Notwendigkeit desselben zu finden. Kann man das eine, so muß man auch das andere können; denn als schlechthin notwendig erkennt die Vernunft nur dasjenige, was aus seinem Begriffe notwendig ist. Aber
B 641 beides übersteigt gänzlich alle äußersten Bestrebungen, unseren Verstand über diesen Punkt zu befriedigen, aber auch alle Versuche, ihn wegen dieses seines Unvermögens zu beruhigen.
Die unbedingte Notwendigkeit, die wir, als den letzten Träger aller Dinge, so unentbehrlich bedürfen, ist der wahre Abgrund für die menschliche Vernunft. Selbst die Ewigkeit, so schauderhaft erhaben sie auch ein Haller schildern mag, macht lange den schwindligen Eindruck nicht auf das Gemüt; denn sie mißt nur die Dauer der Dinge, aber trägt sie nicht. Man kann sich des Gedanken nicht erwehren, man kann ihn aber auch nicht ertragen: daß ein Wesen, welches wir uns auch als das höchste unter allen möglichen vorstellen, gleichsam zu sich selbst sage: Ich bin von Ewigkeit zu Ewigkeit, außer mir ist nichts, ohne das, was bloß durch meinen Willen etwas ist; aber woher bin ich denn? Hier sinkt alles unter uns, und die größte Vollkommenheit, wie die kleinste, schwebt ohne Haltung bloß vor der spekulativen Vernunft, der es nichts kostet, die eine so wie die andere ohne die mindeste Hindernis verschwinden zu lassen.
Viele Kräfte der Natur, die ihr Dasein durch gewisse Wirkungen äußern, bleiben für uns unerforschlich; denn wir können ihnen durch Beobachtung nicht weit genug nachspüren. Das den Erscheinungen zum Grunde liegende transzendentale Objekt, und mit demselben der Grund, warum unsere Sinnlichkeit diese vielmehr
B 642 als andere oberste Bedingungen habe, sind und bleiben für uns unerforschlich, obzwar die Sache selbst übrigens gegeben, aber nur nicht eingesehen ist. Ein Ideal der reinen Vernunft kann aber nicht unerforschlich heißen, weil es weiter keine Beglaubigung seiner Realität aufzuweisen hat, als die Bedürfnis der Vernunft, vermittelst desselben alle synthetische Einheit zu vollenden. Da es also nicht einmal als denkbarer Gegenstand gegeben ist, so ist es auch nicht als ein solcher unerforschlich; vielmehr muß er, als bloße Idee, in der Natur der Vernunft seinen Sitz und seine Auflösung finden, und also erforscht werden können; denn eben darin besteht Vernunft, daß wir von allen unseren Begriffen, Meinungen und Behauptungen, es sei aus objektiven, oder, wenn sie ein bloßer Schein sind, aus subjektiven Gründen Rechenschaft geben können.
Entdeckung und Erklärung des dialektischen Scheins in allen transzendentalen Beweisen vom Dasein eines notwendigen Wesens.
Beide bisher geführten Beweise waren transzendental, d.i. unabhängig von empirischen Prinzipien versucht. Denn, obgleich der kosmologische eine Erfahrung überhaupt zum Grunde legt, so ist er doch nicht aus irgendeiner besonderen Beschaffenheit derselben, sondern aus reinen Vernunftprinzipien, in Beziehung auf eine durchs empirische Bewußtsein überhaupt gegebene Existenz, geführt
B 643 und verläßt sogar diese Anleitung, um sich auf lauter reine Begriffe zu stützen. Was ist nun in diesen transzendentalen Beweisen die Ursache des dialektischen, aber natürlichen Scheins, welcher die Begriffe der Notwendigkeit und höchsten Realität verknüpft, und dasjenige, was doch nur Idee sein kann, realisiert und hypostasiert? Was ist die Ursache der Unvermeidlichkeit, etwas als an sich notwendig unter den existierenden Dingen anzunehmen, und doch zugleich vor dem Dasein eines solchen Wesens als einem Abgrunde zurückzubeben, und wie fängt man es an, daß sich die Vernunft hierüber selbst verstehe, und aus dem schwankenden Zustande eines schüchternen, und immer wiederum zurückgenommenen Beifalls, zur ruhigen Einsicht gelange?
Es ist etwas überaus Merkwürdiges, daß, wenn man voraussetzt, etwas existiere, man der Folgerung nicht Umgang haben kann, daß auch irgend etwas notwendigerweise existiere. Auf diesem ganz natürlichen (obzwar darum noch nicht sicheren) Schlusse beruhte das kosmologische Argument. Dagegen mag ich einen Begriff von einem Dinge annehmen, welchen ich will, so finde ich, daß sein Dasein niemals von mir als schlechterdings notwendig vorgestellt werden könne, und daß mich nichts hindere, es mag existieren was da wolle, das Nichtsein desselben zu denken, mithin ich zwar zu dem Existierenden überhaupt etwas Notwendiges annehmen müsse, kein einziges Ding aber selbst als an sich notwendig denken könne. Das
B 644 heißt: ich kann das Zurückgehen zu den Bedingungen des Existierens niemals vollenden, ohne ein notwendiges Wesen anzunehmen, ich kann aber von demselben niemals anfangen.
Wenn ich zu existierenden Dingen überhaupt etwas Notwendiges denken muß, kein Ding aber an sich selbst als notwendig zu denken befugt bin, so folgt daraus unvermeidlich, daß Notwendigkeit und Zufälligkeit nicht die Dinge selbst angehen und treffen müsse, weil sonst ein Widerspruch vorgehen würde; mithin keiner dieser beiden Grundsätze objektiv sei, sondern sie allenfalls nur subjektive Prinzipien der Vernunft sein können, nämlich einerseits zu allem, was als existierend gegeben ist, etwas zu suchen, das notwendig ist, d.i. niemals anderswo als bei einer a priori vollendeten Erklärung aufzuhören, andererseits aber auch diese Vollendung niemals zu hoffen, d.i. nichts Empirisches als unbedingt anzunehmen, und sich dadurch fernerer Ableitung zu überheben. In solcher Bedeutung können beide Grundsätze als bloß heuristisch und regulativ, die nichts als das formale Interesse der Vernunft besorgen, ganz wohl beieinander bestehen. Denn der eine sagt, ihr sollt so über die Natur philosophieren, als ob es zu allem, was zur Existenz gehört, einen notwendigen ersten Grund gebe, lediglich um systematische Einheit in eure Erkenntnis zu bringen, indem ihr einer solchen Idee, nämlich einem eingebildeten obersten Grunde, nachgeht: der andere aber warnt euch, keine
B 645 einzige Bestimmung, die die Existenz der Dinge betrifft, für einen solchen obersten Grund, d.i. als absolut notwendig anzunehmen, sondern euch noch immer den Weg zur ferneren Ableitung offen zu erhalten, und sie daher jederzeit noch als bedingt zu behandeln. Wenn aber von uns alles, was an den Dingen wahrgenommen wird, als bedingt notwendig betrachtet werden muß: so kann auch kein Ding (das empirisch gegeben sein mag) als absolut notwendig angesehen werden.
Es folgt aber hieraus, daß ihr das absolut Notwendige außerhalb der Welt annehmen müßt; weil es nur zu einem Prinzip der größtmöglichen Einheit der Erscheinungen, als deren oberster Grund, dienen soll, und ihr in der Welt niemals dahin gelangen könnt, weil die zweite Regel euch gebietet, alle empirischen Ursachen der Einheit jederzeit als abgeleitet anzusehen.
Die Philosophen des Altertums sehen alle Form der Natur als zufällig, die Materie aber, nach dem Urteile der gemeinen Vernunft, als ursprünglich und notwendig an. Würden sie aber die Materie nicht als Substratum der Erscheinungen respektive sondern an sich selbst ihrem Dasein nach betrachtet haben, so wäre die Idee der absoluten Notwendigkeit sogleich verschwunden. Denn es ist nichts, was die Vernunft an dieses Dasein schlechthin bindet, sondern sie kann solches, jederzeit und ohne Widerstreit, in Gedanken aufheben; in Gedanken aber lag auch allein die absolute Notwendigkeit.
B 646 Es mußte also bei dieser Überredung ein gewisses regulatives Prinzip zum Grunde liegen. In der Tat ist auch Ausdehnung und Undurchdringlichkeit (die zusammen den Begriff von Materie ausmachen) das oberste empirische Prinzipium der Einheit der Erscheinungen, und hat, sofern als es empirisch unbedingt ist, eine Eigenschaft des regulativen Prinzips an sich. Gleichwohl, da jede Bestimmung der Materie, welche das Reale derselben ausmacht, mithin auch die Undurchdringlichkeit, eine Wirkung (Handlung) ist, die ihre Ursache haben muß, und daher immer noch abgeleitet ist, so schickt sich die Materie doch nicht zur Idee eines notwendigen Wesens, als eines Prinzips aller abgeleiteten Einheit; weil jede ihrer realen Eigenschaften, als abgeleitet, nur bedingt notwendig ist, und also an sich aufgehoben werden kann, hiermit aber das ganze Dasein der Materie aufgehoben werden würde, wenn dieses aber nicht geschähe, wir den höchsten Grund der Einheit empirisch erreicht haben würden, welches durch das zweite regulative Prinzip verboten wird, so folgt: daß die Materie, und überhaupt, was zur Welt gehörig ist, zu der Idee eines notwendigen Urwesens, als eines bloßen Prinzips der größten empirischen Einheit, nicht schicklich sei, sondern daß es außerhalb der Welt gesetzt werden müsse, da wir denn die Erscheinungen der Welt und ihr Dasein immer getrost von anderen ableiten können, als ob es kein notwendiges Wesen gäbe, und dennoch zu der Vollständigkeit der Ableitung unaufhörlich streben
B 647 können, als ob ein solches, als ein oberster Grund, vorausgesetzt wäre.
Das Ideal des höchsten Wesens ist nach diesen Betrachtungen nichts anderes, als ein regulatives Prinzip der Vernunft, alle Verbindung in der Welt so anzusehen, als ob sie aus einer allgenugsamen notwendigen Ursache entspränge, um darauf die Regel einer systematischen und nach allgemeinen Gesetzen notwendigen Einheit in der Erklärung derselben zu gründen, und ist nicht eine Behauptung einer an sich notwendigen Existenz. Es ist aber zugleich unvermeidlich, sich, vermittelst einer transzendentalen Subreption, dieses formale Prinzip als konstitutiv vorzustellen, und sich diese Einheit hypostatisch zu denken. Denn, so wie der Raum, weil er alle Gestalten, die lediglich verschiedene Einschränkungen desselben sind, ursprünglich möglich macht, ob er gleich nur ein Prinzipium der Sinnlichkeit, ist dennoch eben darum für ein schlechterdings notwendiges für sich bestehendes Etwas und einen a priori an sich selbst gegebenen Gegenstand gehalten wird, so geht es auch ganz natürlich zu, daß, da die systematische Einheit der Natur auf keinerlei Weise zum Prinzip des empirischen Gebrauchs unserer Vernunft aufgestellt werden kann, als sofern wir die Idee eines allerrealsten Wesens, als der obersten Ursache, zum Grunde legen, diese Idee dadurch als ein wirklicher Gegenstand, und dieser wiederum, weil er die oberste Bedingung ist, als notwendig vorgestellt, mithin ein regulatives
B 648 Prinzip in ein konstitutives verwandelt werde; welche Unterschiebung sich dadurch offenbart, daß, wenn ich nun dieses oberste Wesen, welches respektiv auf die Welt schlechthin (unbedingt) notwendig war, als Ding für sich betrachte, diese Notwendigkeit keines Begriffs fähig ist, und also nur als formale Bedingung des Denkens, nicht aber als materiale und hypostatische Bedingung des Daseins, in meiner Vernunft anzutreffen gewesen sein müsse.
Des dritten Hauptstücks Sechster Abschnitt Von der Unmöglichkeit des physikotheologischen Beweises
Wenn denn weder der Begriff von Dingen überhaupt, noch die Erfahrung von irgendeinem Dasein überhaupt, das, was gefordert wird, leisten kann, so bleibt noch ein Mittel übrig, zu versuchen, ob nicht eine bestimmte Erfahrung, mithin die der Dinge der gegenwärtigen Welt, ihre Beschaffenheit und Anordnung, einen Beweisgrund abgebe, der uns sicher zur Überzeugung von dem Dasein eines höchsten Wesens verhelfen könne. Einen solchen Beweis würden wir den physikotheologischen nennen. Sollte dieser auch unmöglich sein: so ist überall kein genugtuender Beweis aus bloß spekulativer Vernunft für das Dasein eines Wesens, welches unserer transzendentalen Idee entspräche, möglich.
B 649 Man wird nach allen obigen Bemerkungen bald einsehen, daß der Bescheid auf diese Nachfrage ganz leicht und bündig erwartet werden könne. Denn, wie kann jemals Erfahrung gegeben werden, die einer Idee angemessen sein sollte? Darin besteht eben das Eigentümliche der letzteren, daß ihr niemals irgendeine Erfahrung kongruieren könne. Die transzendentale Idee von einem notwendigen allgenugsamen Urwesen ist so überschwenglich groß, so hoch über alles Empirische, das jederzeit bedingt ist, erhaben, daß man teils niemals Stoff genug in der Erfahrung auftreiben kann, um einen solchen Begriff zu füllen, teils immer unter dem Bedingten herumtappt, und stets vergeblich nach dem Unbedingten, wovon uns kein Gesetz irgendeiner empirischen Synthesis ein Beispiel oder dazu die mindeste Leitung gibt, suchen wird.
Würde das höchste Wesen in dieser Kette der Bedingungen stehen, so würde es selbst ein Glied der Reihe derselben sein, und, ebenso, wie die niederen Glieder, denen es vorgesetzt ist, noch fernere Untersuchung wegen seines noch höheren Grundes erfordern. Will man es dagegen von dieser Kette trennen, und, als ein bloß intelligibles Wesen, nicht in der Reihe der Naturursachen mitbegreifen: welche Brücke kann die Vernunft alsdann wohl schlagen, um zu demselben zu gelangen? Da alle Gesetze des Überganges von Wirkungen zu Ursachen, ja alle Synthesis und Erweiterung unserer Erkenntnis überhaupt auf nichts anderes, als mögliche Erfahrung, mithin bloß auf
B 650 Gegenstände der Sinnenwelt gestellt sind und nur in Ansehung ihrer eine Bedeutung haben können.
Die gegenwärtige Welt eröffnet uns einen so unermeßlichen Schauplatz von Mannigfaltigkeit, Ordnung, Zweckmäßigkeit und Schönheit, man mag diese nun in der Unendlichkeit des Raumes, oder in der unbegrenzten Teilung desselben verfolgen, daß selbst nach den Kenntnissen, welche unser schwacher Verstand davon hat erwerben können, alle Sprache, über so viele und unabsehlich große Wunder, ihren Nachdruck, alle Zahlen ihre Kraft zu messen, und Selbst unsere Gedanken alle Begrenzung vermissen, so, daß sich unser Urteil vom Ganzen in ein sprachloses, aber desto beredteres Erstaunen auflösen muß. Allerwärts sehen wir eine Kette von Wirkungen und Ursachen, von Zwecken und den Mitteln, Regelmäßigkeit im Entstehen oder Vergehen, und, indem nichts von selbst in den Zustand getreten ist, darin es sich befindet, so weist er immer weiter hin nach einem anderen Dinge, als seiner Ursache, welche gerade eben dieselbe weitere Nachfrage notwendig macht, so, daß auf solche Weise das ganze All im Abgrunde des Nichts versinken müßte, nähme man nicht etwas an, das außerhalb diesem unendlichen Zufälligen, für sich selbst ursprünglich und unabhängig bestehend, dasselbe hielte, und als die Ursache seines Ursprungs ihm zugleich seine Fortdauer sicherte. Diese höchste Ursache (in Ansehung aller Dinge der Welt) wie groß soll man sie sich denken? Die Welt kennen wir nicht ihrem ganzen
B 651 Inhalte nach, noch weniger wissen wir ihre Größe durch die Vergleichung mit allem, was möglich ist, zu schätzen. Was hindert uns aber, daß, da wir einmal in Absicht auf Kausalität ein äußerstes und oberstes Wesen bedürfen, wir es nicht zugleich dem Grade der Vollkommenheit nach über alles andere Mögliche setzen sollten? welches wir leicht, obzwar freilich nur durch den zarten Umriß eines abstrakten Begriffs, bewerkstelligen können, wenn wir uns in ihm, als einer einigen Substanz, alle mögliche Vollkommenheit vereinigt vorstellen; welcher Begriff der Forderung unserer Vernunft in der Ersparung der Prinzipien günstig, in sich selbst keinen Widersprüchen unterworfen und selbst der Erweiterung des Vernunftgebrauchs mitten in der Erfahrung, durch die Leitung, welche eine solche Idee auf Ordnung und Zweckmäßigkeit gibt, zuträglich, nirgend aber einer Erfahrung auf entschiedene Art zuwider ist.
Dieser Beweis verdient jederzeit mit Achtung genannt zu werden. Er ist der älteste, klarste und der gemeinen Menschenvernunft am meisten angemessene. Er belebt das Studium der Natur, so wie er selbst von diesem sein Dasein hat und dadurch immer neue Kraft bekommt. Er bringt Zwecke und Absichten dahin, wo sie unsere Beobachtung nicht von selbst entdeckt hätte, und erweitert unsere Naturkenntnisse durch den Leitfaden einer besonderen Einheit, deren Prinzip außer der Natur ist. Diese Kenntnisse wirken aber wieder auf ihre Ursache, nämlich die
B 652 veranlassende Idee, zurück, und vermehren den Glauben an einen höchsten Urheber bis zu einer unwiderstehlichen Überzeugung.
Es würde daher nicht allein trostlos, sondern auch ganz umsonst sein, dem Ansehen dieses Beweises etwas entziehen zu wollen. Die Vernunft, die durch so mächtige und unter ihren Händen immer wachsende, obzwar nur empirische Beweisgründe, unablässig gehoben wird, kann durch keine Zweifel subtiler abgezogener Spekulation so niedergedrückt werden, daß sie nicht aus jeder grüblerischen Unentschlossenheit, gleich als aus einem Traume, durch einen Blick, den sie auf die Wunder der Natur und der Majestät des Weltbaues wirft, gerissen werden sollte, um sich von Größe zu Größe bis zur allerhöchsten, vom Bedingten zur Bedingung, bis zum obersten und unbedingten Urheber zu erheben.
Ob wir aber gleich wider die Vernunftmäßigkeit und Nützlichkeit dieses Verfahrens nichts einzuwenden, sondern es vielmehr zu empfehlen und aufzumuntern haben, so können wir darum doch die Ansprüche nicht billigen, welche diese Beweisart auf apodiktische Gewißheit und auf einen gar keiner Gunst oder fremden Unterstützung bedürftigen Beifall machen möchte, und es kann der guten Sache keineswegs schaden, die dogmatische Sprache eines hohnsprechenden Vernünftlers auf den Ton der Mäßigung und Bescheidenheit, eines zur Beruhigung hinreichenden, obgleich eben nicht unbedingte Unterwerfung gebietenden
B 653 Glaubens, herabzustimmen. Ich behaupte demnach, daß der physikotheologische Beweis das Dasein eines höchsten Wesens niemals allein dartun könne, sondern es jederzeit dem ontologischen (welchem er nur zur Introduktion dient) überlassen müsse, diesen Mangel zu ergänzen, mithin dieser immer noch den einzig möglichen Beweisgrund (wofern überall nur ein spekulativer Beweis stattfindet) enthalte, den keine menschliche Vernunft vorbeigehen kann.
Die Hauptmomente des gedachten physischtheologischen Beweises sind folgende: 1. In der Welt finden sich allerwärts deutliche Zeichen einer Anordnung nach bestimmter Absicht, mit großer Weisheit ausgeführt, und in einem Ganzen von unbeschreiblicher Mannigfaltigkeit des Inhalts sowohl, als auch unbegrenzter Größe des Umfangs. 2. Den Dingen der Welt ist diese zweckmäßige Anordnung ganz fremd, und hängt ihnen nur zufällig an, d.i. die Natur verschiedener Dinge konnte von selbst, durch so vielerlei sich vereinigende Mittel, zu bestimmten Endabsichten nicht zusammenstimmen, wären sie nicht durch ein anordnendes vernünftiges Prinzip, nach zum Grunde liegenden Ideen, dazu ganz eigentlich gewählt und angelegt worden. 3. Es existiert also eine erhabene und weise Ursache (oder mehrere), die nicht bloß, als blindwirkende allvermögende Natur, durch Fruchtbarkeit, sondern, als Intelligenz, durch Freiheit die Ursache der Welt sein muß. 4. Die Einheit derselben läßt sich aus der Einheit der wechselseitigen Beziehung der Teile der Welt, als Glieder von
B 654 einem künstlichen Bauwerk, an demjenigen, wohin unsere Beobachtung reicht, mit Gewißheit, weiterhin aber, nach allen Grundsätzen der Analogie, mit Wahrscheinlichkeit schließen.
Ohne hier mit der natürlichen Vernunft über ihren Schluß zu schikanieren, da sie aus der Analogie einiger Naturprodukte mit demjenigen, was menschliche Kunst hervorbringt, wenn sie der Natur Gewalt tut, und sie nötigt, nicht nach ihren Zwecken zu verfahren, sondern sich in die unsrigen zu schmiegen, (der Ähnlichkeit derselben mit Häusern, Schiffen, Uhren,) schließt, es werde eben eine solche Kausalität, nämlich Verstand und Wille, bei ihr zum Grunde liegen, wenn sie die innere Möglichkeit der freiwirkenden Natur (die alle Kunst und vielleicht selbst sogar die Vernunft zuerst möglich macht), noch von einer anderen, obgleich übermenschlichen Kunst ableitet, welche Schlußart vielleicht die schärfste transz. Kritik nicht aushalten dürfte; muß man doch gestehen, daß, wenn wir einmal eine Ursache nennen sollen, wir hier nicht sicherer, als nach der Analogie mit dergleichen zweckmäßigen Erzeugungen, die die einzigen sind, wovon uns die Ursachen und Wirkungsart völlig bekannt sind, verfahren können. Die Vernunft würde es bei sich selbst nicht verantworten können, wenn sie von der Kausalität, die sie kennt, zu dunkeln und unerweislichen Erklärungsgründen, die sie nicht kennt, übergehen wollte.
Nach diesem Schlusse müßte die Zweckmäßigkeit und Wohlgereimtheit so vieler Naturanstalten bloß die
B 655 Zufälligkeit der Form, aber nicht der Materie, d.i. der Substanz in der Welt beweisen; denn zu dem letzteren würde noch erfordert werden, daß bewiesen werden könnte, die Dinge der Welt wären an sich selbst zu dergleichen Ordnung und Einstimmung, nach allgemeinen Gesetzen, untauglich, wenn sie nicht, selbst ihrer Substanz nach, das Produkt einer höchsten Weisheit wären; wozu aber ganz andere Beweisgründe, als die von der Analogie mit menschlicher Kunst, erfordert werden würden. Der Beweis könnte also höchstens einen Weltbaumeister, der durch die Tauglichkeit des Stoffs, den er bearbeitet, immer sehr eingeschränkt wäre, aber nicht einen Weltschöpfer, dessen Idee alles unterworfen ist, dartun, welches zu der großen Absicht, die man vor Augen hat, nämlich ein allgenugsames Urwesen zu beweisen, bei weitem nicht hinreichend ist. Wollten wir die Zufälligkeit der Materie selbst beweisen, so müßten wir zu einem transzendentalen Argumente unsere Zuflucht nehmen, welches aber hier eben hat vermieden werden sollen.
Der Schluß geht also von der in der Welt so durchgängig zu beobachtenden Ordnung und Zweckmäßigkeit, als einer durchaus zufälligen Einrichtung, auf das Dasein einer ihr proportionierten Ursache. Der Begriff dieser Ursache aber muß uns etwas ganz Bestimmtes von ihr zu erkennen geben, und er kann also kein anderer sein, als der von einem Wesen, das alle Macht, Weisheit usw., mit einem Worte alle Vollkommenheit, als ein allgenugsames
B 656 Wesen, besitzt. Denn die Prädikate von sehr großer, von erstaunlicher, von unermeßlicher Macht und Trefflichkeit geben gar keinen bestimmten Begriff, und sagen eigentlich nicht, was das Ding an sich selbst sei, sondern sind nur Verhältnisvorstellungen von der Größe des Gegenstandes, den der Beobachter (der Welt) mit sich selbst und seiner Fassungskraft vergleicht, und die gleich hochpreisend ausfallen, man mag den Gegenstand vergrößern, oder das beobachtende Subjekt in Verhältnis auf ihn kleiner machen. Wo es auf Größe (der Vollkommenheit) eines Dinges überhaupt ankommt, da gibt es keinen bestimmten Begriff als den, so die ganze mögliche Vollkommenheit begreift, und nur das All (omnitudo) der Realität ist im Begriffe durchgängig bestimmt.
Nun will ich nicht hoffen, daß sich jemand unterwinden sollte, das Verhältnis der von ihm beobachteten Weltgröße (nach Umfang sowohl als Inhalt) zur Allmacht, der Weltordnung zur höchsten Weisheit, der Welteinheit zur absoluten Einheit des Urhebers usw. einzusehen. Also kann die Physikotheologie keinen bestimmten Begriff von der obersten Weltursache geben, und daher zu einem Prinzip der Theologie, welche wiederum die Grundlage der Religion ausmachen soll nicht hinreichend sein.
Der Schritt zu der absoluten Totalität ist durch den empirischen Weg ganz und gar unmöglich. Nun tut man ihn doch aber im physischtheologischen Beweise.
B 657 Welches Mittels bedient man sich also wohl, über eine so weite Kluft zu kommen?
Nachdem man bis zur Bewunderung der Größe der Weisheit, der Macht usw. des Welturhebers gelangt ist, und nicht weiter kommen kann, so verläßt man auf einmal dieses durch empirische Beweisgründe geführte Argument, und geht zu der gleich anfangs aus der Ordnung und Zweckmäßigkeit der Welt geschlossenen Zufälligkeit derselben. Von dieser Zufälligkeit allein geht man nun, lediglich durch transzendentale Begriffe, zum Dasein eines schlechthin Notwendigen, und von dem Begriffe der absoluten Notwendigkeit der ersten Ursache auf den durchgängig bestimmten oder bestimmenden Begriff desselben, nämlich einer allbefassenden Realität. Also blieb der physischtheologische Beweis in seiner Unternehmung stecken, sprang in dieser Verlegenheit plötzlich zu dem kosmologischen Beweise über, und da dieser nur ein versteckter ontologischer Beweis ist, so vollführte er seine Absicht wirklich bloß durch reine Vernunft, ob er gleich anfänglich alle Verwandtschaft mit dieser abgeleugnet und alles auf einleuchtende Beweise aus Erfahrung ausgesetzt hatte.
Die Physikotheologen haben also gar nicht Ursache, gegen die transzendentale Beweisart so spröde zu tun, und auf sie mit dem Eigendünkel hellsehender Naturkenner, als auf das Spinnengewebe finsterer Grübler, herabzusehen. Denn, wenn sie sich nur selbst prüfen wollten, so würden sie finden, daß, nachdem sie eine gute Strecke auf dem
B 658 Boden der Natur und Erfahrung fortgegangen sind, und sich gleichwohl immer noch eben so weit von dem Gegenstande sehen, der ihrer Vernunft entgegen scheint, sie plötzlich diesen Boden verlassen, und ins Reich bloßer Möglichkeiten übergehen, wo sie auf den Flügeln der Ideen demjenigen nahe zu kommen hoffen, was sich aller ihrer empirischen Nachsuchung entzogen hatte. Nachdem sie endlich durch einen so mächtigen Sprung festen Fuß gefaßt zu haben vermeinen, so verbreiten sie den nunmehr bestimmten Begriff (in dessen Besitz sie, ohne zu wissen wie, gekommen sind,) über das ganze Feld der Schöpfung, und erläutern das Ideal, welches lediglich ein Produkt der reinen Vernunft war, obzwar kümmerlich genug, und weit unter der Würde seines Gegenstandes, durch Erfahrung, ohne doch gestehen zu wollen, daß sie zu dieser Kenntnis oder Voraussetzung durch einen anderen Fußsteig, als den der Erfahrung, gelangt sind.
So liegt demnach dem physikotheologischen Beweise der kosmologische, diesem aber der ontologische Beweis, vom Dasein eines einigen Urwesens als höchsten Wesens, zum Grunde, und da außer diesen dreien Wegen keiner mehr der spekulativen Vernunft offen ist, so ist der ontologische Beweis, aus lauter reinen Vernunftbegriffen, der einzige mögliche, wenn überall nur ein Beweis von einem so weit über allen empirischen Verstandesgebrauch erhabenen Satze möglich ist.
B 659 Des dritten Hauptstücks Siebenter Abschnitt Kritik aller Theologie aus spekulativen Prinzipien der Vernunft
Wenn ich unter Theologie die Erkenntnis des Urwesens verstehe, so ist sie entweder die aus bloßer Vernunft (theologia rationalis) oder aus Offenbarung (revelata). Die erstere denkt sich nun ihren Gegenstand entweder bloß durch reine Vernunft, vermittelst lauter transzendentaler Begriffe, (ens originarium, realissimum, ens entium,) und heißt die transzendentale Theologie, oder durch einen Begriff, den sie aus der Natur (unserer Seele) entlehnt, als die höchste Intelligenz, und müßte die natürliche Theologie heißen. Der, so allein eine transzendentale Theologie einräumt, wird Deist, der, so auch eine natürliche Theologie annimmt, Theist genannt. Der erstere gibt zu, daß wir allenfalls das Dasein eines Urwesens durch bloße Vernunft erkennen können, wovon aber unser Begriff bloß transzendental sei, nämlich nur als von einem Wesen, das alle Realität hat, die man aber nicht näher bestimmen kann. Der zweite behauptet, die Vernunft sei imstande, den Gegenstand nach der Analogie mit der Natur näher zu bestimmen, nämlich als ein Wesen, das durch Verstand und Freiheit den Urgrund aller anderen Dinge in sich enthalte. Jener stellt sich also unter demselben bloß eine Weltursache, (ob durch die
B 660 Notwendigkeit seiner Natur, oder durch Freiheit, bleibt unentschieden,) dieser einen Welturheber vor.
Die transzendentale Theologie ist entweder diejenige, welche das Dasein des Urwesens von einer Erfahrung überhaupt (ohne über die Welt, wozu sie gehört, etwas näher zu bestimmen,) abzuleiten gedenkt, und heißt Kosmotheologie, oder glaubt durch bloße Begriffe, ohne Beihilfe der mindesten Erfahrung, sein Dasein zu erkennen, und wird Ontotheologie genannt.
Die natürliche Theologie schließt auf die Eigenschaften und das Dasein eines Welturhebers, aus der Beschaffenheit, der Ordnung und Einheit, die in dieser Welt angetroffen wird, in welcher zweierlei Kausalität und deren Regel angenommen werden muß, nämlich Natur und Freiheit. Daher steigt sie von dieser Welt zur höchsten Intelligenz auf, entweder als dem Prinzip aller natürlichen, oder aller sittlichen Ordnung und Vollkommenheit. Im ersteren Falle heißt sie Physikotheologie, im letzten Moraltheologie.*
* Nicht theologische Moral; denn die enthält sittliche Gesetze, welche das Dasein eines höchsten Weltregierers voraussetzen, da hingegen die Moraltheologie eine Überzeugung vom Dasein eines höchsten Wesens ist, welche sich auf sittliche Gesetze gründet.
Da man unter dem Begriffe von Gott nicht etwa bloß eine blindwirkende ewige Natur, als die Wurzel der Dinge, sondern ein höchstes Wesen, das durch Verstand
B 661 und Freiheit der Urheber der Dinge sein soll, zu verstehen gewohnt ist, und auch dieser Begriff allein uns interessiert, so könnte man, nach der Strenge, dem Deisten allen Glauben an Gott absprechen, und ihm lediglich die Behauptung eines Urwesens, oder obersten Ursache, übrig lassen. Indessen, da niemand darum, weil er etwas sich nicht zu behaupten getraut, beschuldigt werden darf, er wolle es gar leugnen, so ist es gelinder und billiger, zu sagen: der Deist glaube einen Gott, der Theist aber einen lebendigen Gott (summam intelligentiam). Jetzt wollen wir die Möglichen Quellen aller dieser Versuche der Vernunft aufsuchen.
Ich begnüge mich hier, die theoretische Erkenntnis durch eine solche zu erklären, wodurch ich erkenne, was da ist, die praktische aber, dadurch ich mir vorstelle, was da sein soll. Diesem nach ist der theoretische Gebrauch der Vernunft derjenige, durch den ich a priori (als notwendig) erkenne, daß etwas sei; der praktische aber, durch den a priori erkannt wird, was geschehen solle. Wenn nun entweder, daß etwas sei, oder geschehen solle, ungezweifelt gewiß, aber doch nur bedingt ist: so kann doch entweder eine gewisse bestimmte Bedingung dazu schlechthin notwendig sein, oder sie kann nur als beliebig und zufällig vorausgesetzt werden. Im ersteren Falle wird die Bedingung postuliert (per thesin), im zweiten supponiert (per hypothesin). Da es praktische Gesetze gibt, die schlechthin notwendig sind (die moralischen), so muß,
B 662 wenn diese irgendein Dasein, als die Bedingung der Möglichkeit ihrer verbindenden Kraft, notwendig voraussetzen, dieses Dasein postuliert werden, darum, weil das Bedingte, von welchem der Schluß auf diese bestimmte Bedingung geht, selbst a priori als schlechterdings notwendig erkannt wird. Wir werden künftig von den moralischen Gesetzen zeigen, daß sie das Dasein eines höchsten Wesens nicht bloß voraussetzen, sondern auch, da sie in anderweitiger Betrachtung schlechterdings notwendig sind, es mit Recht, aber freilich nur praktisch, postulieren; jetzt setzen wir diese Schlußart noch beiseite.
Da, wenn bloß von dem, was da ist, (nicht, was sein soll,) die Rede ist, das Bedingte, welches uns in der Erfahrung gegeben wird, jederzeit auch als zufällig gedacht wird, so kann die zu ihm gehörige Bedingung daraus nicht als schlechthin notwendig erkannt werden, sondern dient nur als eine respektiv notwendige, oder vielmehr nötige, an sich selbst aber und a priori willkürliche Voraussetzung zum Vernunfterkenntnis des Bedingten. Soll also die absolute Notwendigkeit eines Dinges im theoretischen Erkenntnis erkannt werden, so könnte dieses allein aus Begriffen a priori geschehen, niemals aber als einer Ursache, in Beziehung auf ein Dasein, das durch Erfahrung gegeben ist.
Eine theoretische Erkenntnis ist spekulativ, wenn sie auf einen Gegenstand, oder solche Begriffe von einem Gegenstande, geht, wozu man in keiner Erfahrung
B 663 gelangen kann. Sie wird der Naturerkenntnis entgegengesetzt, welche auf keine anderen Gegenstände oder Prädikate derselben geht, als die in einer möglichen Erfahrung gegeben werden können.
Der Grundsatz, von dem, was geschieht, (dem empirisch Zufälligen,) als Wirkung, auf eine Ursache zu schließen, ist ein Prinzip der Naturerkenntnis, aber nicht der spekulativen. Denn, wenn man von ihm, als einem Grundsatze, der die Bedingung möglicher Erfahrung überhaupt enthält, abstrahiert, und, indem man alles Empirische wegläßt, ihn vom Zufälligen überhaupt aussagen will, so bleibt nicht die mindeste Rechtfertigung eines solchen synthetischen Satzes übrig, um daraus zu ersehen, wie ich von etwas, was da ist, zu etwas davon ganz Verschiedenem (genannt Ursache) übergehen könne; ja der Begriff einer Ursache verliert ebenso, wie des Zufälligen, in solchem bloß spekulativen Gebrauche, alle Bedeutung, deren objektive Realität sich in concreto begreiflich machen lasse.
Wenn man nun vom Dasein der Dinge in der Welt auf ihre Ursache schließt, so gehört dieses nicht zum natürlichen, sondern zum spekulativen Vernunftgebrauch; weil jener nicht die Dinge selbst (Substanzen), sondern nur das, was geschieht, also ihre Zustände, als empirisch zufällig, auf irgendeine Ursache bezieht; daß die Substanz selbst (die Materie) dem Dasein nach zufällig sei, würde ein bloß spekulatives Vernunfterkenntnis sein
B 664 müssen. Wenn aber auch nur von der Form der Welt, der Art ihrer Verbindung und dem Wechsel derselben die Rede wäre, ich wollte aber daraus auf eine Ursache schließen, die von der Welt gänzlich unterschieden ist; so würde dieses wiederum ein Urteil der bloß spekulativen Vernunft sein, weil der Gegenstand hier gar kein Objekt einer möglichen Erfahrung ist. Aber alsdann würde der Grundsatz der Kausalität, der nur innerhalb dem Felde der Erfahrungen gilt, und außer demselben ohne Gebrauch, ja selbst ohne Bedeutung ist, von seiner Bestimmung gänzlich abgebracht.
Ich behaupte nun, daß alle Versuche eines bloß spekulativen Gebrauchs der Vernunft in Ansehung der Theologie gänzlich fruchtlos und ihrer inneren Beschaffenheit nach null und nichtig sind; daß aber die Prinzipien ihres Naturgebrauchs ganz und gar auf keine Theologie führen, folglich, wenn man nicht moralische Gesetze zum Grunde legt, oder zum Leitfaden braucht, es überall keine Theologie der Vernunft geben könne. Denn alle synthetischen Grundsätze des Verstandes sind von immanentem Gebrauch; zu der Erkenntnis eines höchsten Wesens aber wird ein transzendenter Gebrauch derselben erfordert, wozu unser Verstand gar nicht ausgerüstet ist. Soll das empirisch gültige Gesetz der Kausalität zu dem Urwesen führen, so müßte dieses in die Kette der Gegenstände der Erfahrung mitgehören; alsdann wäre es aber, wie alle Erscheinungen, selbst wiederum bedingt. Erlaubte man
B 665 aber auch den Sprung über die Grenze der Erfahrung hinaus, vermittelst des dynamischen Gesetzes der Beziehung der Wirkungen auf ihre Ursachen; welchen Begriff kann uns dieses Verfahren verschaffen? Bei weitem keinen Begriff von einem höchsten Wesen, weil uns Erfahrung niemals die größte aller möglichen Wirkungen (als welche das Zeugnis von ihrer Ursache ablegen soll) darreicht. Soll es uns erlaubt sein, bloß, um in unserer Vernunft nichts Leeres übrigzulassen, diesen Mangel der völligen Bestimmung durch eine bloße Idee der höchsten Vollkommenheit und ursprünglichen Notwendigkeit auszufüllen: so kann dieses zwar aus Gunst eingeräumt, aber nicht aus dem Rechte eines unwiderstehlichen Beweises gefordert werden. Der physischtheologische Beweis könnte also vielleicht wohl anderen Beweisen (wenn solche zu haben sind) Nachdruck geben, indem er Spekulation mit Anschauung verknüpft: für sich selbst aber bereitet er mehr den Verstand zur theologischen Erkenntnis vor, und gibt ihm dazu eine gerade und natürliche Richtung, als daß er allein das Geschäft vollenden könnte.
Man sieht also hieraus wohl, daß transzendentale Fragen nur transzendentale Antworten, d.i. aus lauter Begriffen a priori ohne die mindeste empirische Beimischung, erlauben. Die Frage ist hier aber offenbar synthetisch und verlangt eine Erweiterung unserer Erkenntnis über alle Grenzen der Erfahrung hinaus, nämlich zu dem Dasein eines Wesens, das unserer bloßen Idee
B 666 entsprechen soll, der niemals irgendeine Erfahrung gleichkommen kann. Nun ist, nach unseren obigen Beweisen, alle synthetische Erkenntnis a priori nur dadurch möglich, daß sie die formalen Bedingungen einer möglichen Erfahrung ausdrückt, und alle Grundsätze sind also nur von immanenter Gültigkeit, d.i. sie beziehen sich lediglich auf Gegenstände empirischer Erkenntnis, oder Erscheinungen. Also wird auch durch transzendentales Verfahren in Absicht auf die Theologie einer bloß spekulativen Vernunft nichts ausgerichtet.
Wollte man aber lieber alle obigen Beweise der Analytik in Zweifel ziehen, als sich die Überredung von dem Gewichte der so lange gebrauchten Beweisgründe rauben lassen; so kann man sich doch nicht weigern, der Aufforderung ein Genüge zu tun, wenn ich verlange, man solle sich wenigstens darüber rechtfertigen, wie und vermittelst welcher Erleuchtung man sich denn getraue, alle mögliche Erfahrung durch die Macht bloßer Ideen zu überfliegen. Mit neuen Beweisen, oder ausgebesserter Arbeit alter Beweise, würde ich bitten mich zu verschonen. Denn, ob man zwar hierin eben nicht viel zu wählen hat, indem endlich doch alle bloß spekulativen Beweise auf einen einzigen, nämlich den ontologischen, hinauslaufen, und ich also eben nicht fürchten darf, sonderlich durch die Fruchtbarkeit der dogmatischen Verfechter jener sinnenfreien Vernunft belästigt zu werden; obgleich ich überdem auch, ohne mich darum sehr streitbar zu dünken, die Ausforderung
B 667 nicht ausschlagen will, in jedem Versuche dieser Art den Fehlschluß aufzudecken, und dadurch seine Anmaßung zu vereiteln: so wird daher doch die Hoffnung besseren Glücks bei denen, welche einmal dogmatischer Überredungen gewohnt sind, niemals völlig aufgehoben, und ich halte mich daher an der einzigen billigen Forderung, daß man sich allgemein und aus der Natur des menschlichen Verstandes, samt allen übrigen Erkenntnisquellen, darüber rechtfertige, wie man es anfangen wolle, sein Erkenntnis ganz und gar a priori zu erweitern, und bis dahin zu erstrecken, wo keine mögliche Erfahrung und mithin kein Mittel hinreicht, irgendeinem von uns selbst ausgedachten Begriffe seine objektive Realität zu versichern. Wie der Verstand auch zu diesem Begriffe gelangt sein mag, so kann doch das Dasein des Gegenstandes desselben nicht analytisch in demselben gefunden werden, weil eben darin die Erkenntnis der Existenz des Objekts besteht, daß dieses außer dem Gedanken an sich selbst gesetzt ist. Es ist aber gänzlich unmöglich, aus einem Begriffe von selbst hinauszugehen, und, ohne daß man der empirischen Verknüpfung folgt, (wodurch aber jederzeit nur Erscheinungen gegeben werden,) zu Entdeckung neuer Gegenstände und überschwenglicher Wesen zu gelangen.
Ob aber gleich die Vernunft in ihrem bloß spekulativen Gebrauche zu dieser so großen Absicht bei weitem nicht zulänglich ist, nämlich zum Dasein eines obersten Wesens zu gelangen; so hat sie doch darin sehr großen
B 668 Nutzen, die Erkenntnis desselben, im Fall sie anders woher geschöpft werden könnte, zu berichtigen, mit sich selbst und jeder intelligiblen Absicht einstimmig zu machen, und von allem, was dem Begriffe eines Urwesens zuwider sein möchte, und aller Beimischung empirischer Einschränkungen zu reinigen.
Die transzendentale Theologie bleibt demnach, aller ihrer Unzulänglichkeit ungeachtet, dennoch von wichtigem negativen Gebrauche, und ist eine beständige Zensur unserer Vernunft, wenn sie bloß mit reinen Ideen zu tun hat, die eben darum kein anderes, als transzendentales Richtmaß zulassen. Denn, wenn einmal, in anderweitiger, vielleicht praktischer Beziehung, die Voraussetzung eines höchsten und allgenugsamen Wesens, als oberster Intelligenz, ihre Gültigkeit ohne Widerrede behauptete: so wäre es von der größten Wichtigkeit, diesen Begriff auf seiner transzendentalen Seite, als den Begriff eines notwendigen und allerrealsten Wesens, genau zu bestimmen, und, was der höchsten Realität zuwider ist, was zur bloßen Erscheinung (dem Anthropomorphismus im weiteren Verstande) gehört, wegzuschaffen, und zugleich alle entgegengesetzten Behauptungen, sie mögen nun atheistisch, oder deistisch, oder anthropomorphistisch sein, aus dem Wege zu räumen; welches in einer solchen kritischen Behandlung sehr leicht ist, indem dieselben Gründe, durch welche das Unvermögen der menschlichen Vernunft, in Ansehung der Behauptung des Daseins eines dergleichen
B 669 Wesens, vor Augen gelegt wird, notwendig auch zureichen, um die Untauglichkeit einer jeden Gegenbehauptung zu beweisen. Denn, wo will jemand durch reine Spekulation der Vernunft die Einsicht hernehmen, daß es kein höchstes Wesen, als Urgrund von Allem, gebe, oder daß ihm keine von den Eigenschaften zukomme, welche wir, ihren Folgen nach, als analogisch mit den dynamischen Realitäten eines denkenden Wesens, uns vorstellen, oder daß sie, in dem letzteren Falle, auch allen Einschränkungen unterworfen sein müßten, welche die Sinnlichkeit den Intelligenzen, die wir durch Erfahrung kennen, unvermeidlich auferlegt.
Das höchste Wesen bleibt also für den bloß spekulativen Gebrauch der Vernunft ein bloßes, aber doch fehlerfreies Ideal, ein Begriff, welcher die ganze menschliche Erkenntnis schließt und krönt, dessen objektive Realität auf diesem Wege zwar nicht bewiesen, aber auch nicht widerlegt werden kann, und, wenn es eine Moraltheologie geben sollte, die diesen Mangel ergänzen kann, so beweist alsdann die vorher nur problematische transzendentale Theologie ihre Unentbehrlichkeit, durch Bestimmung ihres Begriffs und unaufhörliche Zensur einer durch Sinnlichkeit oft genug getäuschten und mit ihren eigenen Ideen nicht immer einstimmigen Vernunft. Die Notwendigkeit, die Unendlichkeit, die Einheit, das Dasein außer der Welt (nicht als Weltseele), die Ewigkeit, ohne Bedingungen der Zeit, die Allgegenwart, ohne Bedingungen
B 670 des Raumes, die Allmacht usw. sind lauter transzendentale Prädikate, und daher kann der gereinigte Begriff derselben, den eine jede Theologie so sehr nötig hat, bloß aus der transzendentalen gezogen werden.
Anhang zur transzendentalen Dialektik Von dem regulativen Gebrauch der Ideen der reinen Vernunft
Der Ausgang aller dialektischen Versuche der reinen Vernunft bestätigt nicht allein, was wir schon in der transzendentalen Analytik bewiesen, nämlich daß alle unsere Schlüsse, die uns über das Feld möglicher Erfahrung hinausführen wollen, trüglich und grundlos seien; sondern er lehrt uns zugleich dieses Besondere: daß die menschliche Vernunft dabei einen natürlichen Hang habe, diese Grenze zu überschreiten, daß transzendentale Ideen ihr ebenso natürlich seien, als dem Verstande die Kategorien, obgleich mit dem Unterschiede, daß, so wie die letzteren zur Wahrheit, d.i. der Übereinstimmung unserer Begriffe mit dem Objekte führen, die ersteren einen bloßen, aber unwiderstehlichen Schein bewirken, dessen Täuschung man kaum durch die schärfste Kritik abhalten kann.
Alles, was in der Natur unserer Kräfte gegründet ist, muß zweckmäßig und mit dem richtigen Gebrauche derselben einstimmig sein, wenn wir nur einen gewissen
B 671 Mißverstand verhüten und die eigentliche Richtung derselben ausfindig machen können. Also werden die transzendentalen Ideen allem Vermuten nach ihren guten und folglich immanenten Gebrauch haben, obgleich, wenn ihre Bedeutung verkannt und sie für Begriffe von wirklichen Dingen genommen werden, sie transzendent in der Anwendung und eben darum trüglich sein können. Denn nicht die Idee an sich selbst, sondern bloß ihr Gebrauch kann, entweder in Ansehung der gesamten möglichen Erfahrung überfliegend (transzendent), oder einheimisch (immanent) sein, nachdem man sie entweder geradezu auf einen ihr vermeintlich entsprechenden Gegenstand, oder nur auf den Verstandesgebrauch überhaupt, in Ansehung der Gegenstände, mit welchen er zu tun hat, richtet, und alle Fehler der Subreption sind jederzeit einem Mangel der Urteilskraft, niemals aber dem Verstande oder der Vernunft zuzuschreiben.
Die Vernunft bezieht sich niemals geradezu auf einen Gegenstand, sondern lediglich auf den Verstand, und vermittelst desselben auf ihren eigenen empirischen Gebrauch, schafft also keine Begriffe (von Objekten), sondern ordnet sie nur, und gibt ihnen diejenige Einheit, welche sie in ihrer größtmöglichen Ausbreitung haben können, d.i. in Beziehung auf die Totalität der Reihen, als auf welche der Verstand gar nicht sieht, sondern nur auf diejenige Verknüpfung, dadurch allerwärts Reihen der Bedingungen nach Begriffen zustande kommen. Die Vernunft hat
B 672 also eigentlich nur den Verstand und dessen zweckmäßige Anstellung zum Gegenstande, und, wie dieser das Mannigfaltige im Objekt durch Begriffe vereinigt, so vereinigt jene ihrerseits das Mannigfaltige der Begriffe durch Ideen, indem sie eine gewisse kollektive Einheit zum Ziele der Verstandeshandlungen setzt, welche sonst nur mit der distributiven Einheit beschäftigt sind.
Ich behaupte demnach: die transzendentalen Ideen sind niemals von konstitutivem Gebrauche, so, daß dadurch Begriffe gewisser Gegenstände gegeben würden, und in dem Falle, daß man sie so versteht, sind es bloß vernünftelnde (dialektische) Begriffe. Dagegen aber haben sie einen vortrefflichen und unentbehrlich notwendigen regulativen Gebrauch, nämlich den Verstand zu einem gewissen Ziele zu richten, in Aussicht auf welches die Richtungslinien aller seiner Regeln in einen Punkt zusammenlaufen, der, ob er zwar nur eine Idee (focus imaginarius), d.i. ein Punkt ist, aus welchem die Verstandesbegriffe wirklich nicht ausgehen, indem er ganz außerhalb den Grenzen möglicher Erfahrung liegt, dennoch dazu dient, ihnen die größte Einheit neben der größten Ausbreitung zu verschaffen. Nun entspringt uns zwar hieraus die Täuschung, als wenn diese Richtungslinien von einem Gegenstande selbst, der außer dem Felde empirisch möglicher Erkenntnis läge, ausgeschossen wären (so wie die Objekte hinter der Spiegelfläche gesehen werden), allein diese Illusion (welche man doch hindern kann, daß sie nicht betrügt,) ist gleichwohl
B 673 unentbehrlich notwendig, wenn wir außer den Gegenständen, die uns vor Augen sind, auch diejenigen zugleich sehen wollen, die weit davon uns im Rücken liegen, d.i. wenn wir, in unserem Falle, den Verstand über jede gegebene Erfahrung (dem Teile der gesamten möglichen Erfahrung) hinaus, mithin auch zur größtmöglichen und äußersten Erweiterung abrichten wollen.
Übersehen wir unsere Verstandeserkenntnisse in ihrem ganzen Umfange, so finden wir, daß dasjenige, was Vernunft ganz eigentümlich darüber verfügt und zustande zu bringen sucht, das Systematische der Erkenntnis sei, d.i. der Zusammenhang derselben aus einem Prinzip. Diese Vernunfteinheit setzt jederzeit eine Idee voraus, nämlich die von der Form eines Ganzen der Erkenntnis, welches vor der bestimmten Erkenntnis der Teile vorhergeht und die Bedingungen enthält, jedem Teile seine Stelle und Verhältnis zu den übrigen a priori zu bestimmen. Diese Idee postuliert demnach vollständige Einheit der Verstandeserkenntnis, wodurch diese nicht bloß ein zufälliges Aggregat, sondern ein nach notwendigen Gesetzen zusammenhängendes System wird. Man kann eigentlich nicht sagen, daß diese Idee ein Begriff vom Objekte sei, sondern von der durchgängigen Einheit dieser Begriffe, sofern dieselbe dem Verstande zur Regel dient. Dergleichen Vernunftbegriffe werden nicht aus der Natur geschöpft, vielmehr befragen wir die Natur nach diesen Ideen, und halten unsere Erkenntnis für mangelhaft, solange sie
B 674 denselben nicht adäquat ist. Man gesteht: daß sich schwerlich reine Erde, reines Wasser, reine Luft usw. finde. Gleichwohl hat man die Begriffe davon doch nötig (die also, was die völlige Reinigkeit betrifft, nur in der Vernunft ihren Ursprung haben), um den Anteil, den jede dieser Naturursachen an der Erscheinung hat, gehörig zu bestimmen, und so bringt man alle Materien auf die Erden (gleichsam die bloße Last), Salze und brennliche Wesen (als die Kraft), endlich auf Wasser und Luft als Vehikeln (gleichsam Maschinen, vermittelst deren die vorigen wirken), um nach der Idee eines Mechanismus die chemischen Wirkungen der Materien untereinander zu erklären. Denn, wiewohl man sich nicht wirklich so ausdrückt, so ist doch ein solcher Einfluß der Vernunft auf die Einteilungen der Naturforscher sehr leicht zu entdecken.
Wenn die Vernunft ein Vermögen ist, das Besondere aus dem Allgemeinen abzuleiten, so ist entweder das Allgemeine schon an sich gewiß und gegeben, und alsdann erfordert es nur Urteilskraft zur Subsumtion, und das Besondere wird dadurch notwendig bestimmt. Dieses will ich den apodiktischen Gebrauch der Vernunft nennen. Oder das Allgemeine wird nur problematisch angenommen, und ist eine bloße Idee, das Besondere ist gewiß, aber die Allgemeinheit der Regel zu dieser Folge ist noch ein Problem; so werden mehrere besondere Fälle, die insgesamt gewiß sind, an der Regel versucht, ob sie daraus fließen, und in diesem Falle, wenn es den Anschein hat, daß alle
B 675 anzugebenden besonderen Fälle daraus abfolgen, wird auf die Allgemeinheit der Regel, aus dieser aber nachher auf alle Fälle, die auch an sich nicht gegeben sind, geschlossen. Diesen will ich den hypothetischen Gebrauch der Vernunft nennen.
Der hypothetische Gebrauch der Vernunft aus zum Grunde gelegten Ideen, als problematischer Begriffe, ist eigentlich nicht konstitutiv, nämlich nicht so beschaffen, daß dadurch, wenn man nach aller Strenge urteilen will, die Wahrheit der allgemeinen Regel, die als Hypothese angenommen worden, folge; denn wie will man alle möglichen Folgen wissen, die, indem sie aus demselben angenommenen Grundsatze folgen, seine Allgemeinheit beweisen? Sondern er ist nur regulativ, um dadurch, soweit als es möglich ist, Einheit in die besonderen Erkenntnisse zu bringen, und die Regel dadurch der Allgemeinheit zu nähern.
Der hypothetische Vernunftgebrauch geht also auf die systematische Einheit der Verstandeserkenntnisse, diese aber ist der Probierstein der Wahrheit der Regeln. Umgekehrt ist die systematische Einheit (als bloße Idee) lediglich nur projektierte Einheit, die man an sich nicht als gegeben, sondern nur als Problem ansehen muß; welche aber dazu dient, zu dem Mannigfaltigen und besonderen Verstandesgebrauche ein Prinzipium zu finden, und diesen dadurch auch über die Fälle, die nicht gegeben sind, zu leiten und zusammenhängend zu machen.
B 676 Man sieht aber hieraus nur, daß die systematische oder Vernunfteinheit der mannigfaltigen Verstandeserkenntnis ein logisches Prinzip sei, um, da wo der Verstand allein nicht zu Regeln hinlangt, ihm durch Ideen fortzuhelfen, und zugleich der Verschiedenheit seiner Regeln Einhelligkeit unter einem Prinzip (systematische) und dadurch Zusammenhang zu verschaffen, soweit als es sich tun läßt. Ob aber die Beschaffenheit der Gegenstände, oder die Natur des Verstandes, der sie als solche erkennt, an sich zur systematischen Einheit bestimmt sei, und ob man diese a priori, auch ohne Rücksicht auf ein solches Interesse der Vernunft in gewisser Maaße postulieren, und also sagen könne: alle möglichen Verstandeserkenntnisse (darunter die empirischen) haben Vernunfteinheit, und stehen unter gemeinschaftlichen Prinzipien, woraus sie, unerachtet ihrer Verschiedenheit, abgeleitet werden können; das würde ein transzendentaler Grundsatz der Vernunft sein, welcher die systematische Einheit nicht bloß subjektiv- und logisch-, als Methode, sondern objektiv notwendig machen würde.
Wir wollen dieses durch einen Fall des Vernunftgebrauchs erläutern. Unter die verschiedenen Arten von Einheit nach Begriffen des Verstandes gehört auch die der Kausalität einer Substanz, welche Kraft genannt wird. Die verschiedenen Erscheinungen eben derselben Substanz zeigen beim ersten Anblicke soviel Ungleichartigkeit, daß man daher anfänglich beinahe so vielerlei Kräfte derselben annehmen muß, als Wirkungen sich hervortun, wie in
B 677 dem menschlichen Gemüte die Empfindung, Bewußtsein, Einbildung, Erinnerung, Witz, Unterscheidungskraft, Lust, Begierde usw. Anfänglich gebietet eine logische Maxime, diese anscheinende Verschiedenheit soviel als möglich dadurch zu verringern, daß man durch Vergleichung die versteckte Identität entdecke, und nachsehe, ob nicht Einbildung, mit Bewußtsein verbunden, Erinnerung, Witz, Unterscheidungskraft, vielleicht gar Verstand und Vernunft sei. Die Idee einer Grundkraft, von welcher aber die Logik gar nicht ausmittelt, ob es dergleichen gebe, ist wenigstens das Problem einer systematischen Vorstellung der Mannigfaltigkeit von Kräften. Das logische Vernunftprinzip erfordert diese Einheit soweit als möglich zustande zu bringen, und je mehr die Erscheinungen der einen und anderen Kraft unter sich identisch gefunden werden, desto wahrscheinlicher wird es, daß sie nichts, als verschiedene Äußerungen einer und derselben Kraft seien, welche (komparativ) ihre Grundkraft heißen kann. Ebenso verfährt man mit den übrigen.
Die komparativen Grundkräfte müssen wiederum untereinander verglichen werden, um sie dadurch, daß man ihre Einhelligkeit entdeckt, einer einzigen radikalen, d.i. absoluten Grundkraft nahe zu bringen. Diese Vernunfteinheit aber ist bloß hypothetisch. Man behauptet nicht, daß eine solche in der Tat angetroffen werden müsse, sondern, daß man sie zugunsten der Vernunft, nämlich zu Errichtung gewisser Prinzipien, für die mancherlei Regeln,
B 678 die die Erfahrung an die Hand geben mag, suchen, und, wo es sich tun läßt, auf solche Weise systematische Einheit ins Erkenntnis bringen müsse.
Es zeigt sich aber, wenn man auf den transzendentalen Gebrauch des Verstandes achthat, daß diese Idee einer Grundkraft überhaupt, nicht bloß als Problem zum hypothetischen Gebrauche bestimmt sei, sondern objektive Realität vorgebe, dadurch die systematische Einheit der mancherlei Kräfte einer Substanz postuliert und ein apodiktisches Vernunftprinzip errichtet wird. Denn, ohne daß wir einmal die Einhelligkeit der mancherlei Kräfte versucht haben, ja selbst wenn es uns nach allen Versuchen mißlingt, sie zu entdecken, setzen wir doch voraus: es werde eine solche anzutreffen sein, und dieses nicht allein, wie in dem angeführten Falle, wegen der Einheit der Substanz, sondern, wo so gar viele, obzwar in gewissem Grade gleichartige, angetroffen werden, wie an der Materie überhaupt, setzt die Vernunft systematische Einheit mannigfaltiger Kräfte voraus, da besondere Naturgesetze unter allgemeineren stehen, und die Ersparung der Prinzipien nicht bloß ein ökonomischer Grundsatz der Vernunft, sondern inneres Gesetz der Natur wird.
In der Tat ist auch nicht abzusehen, wie ein logisches Prinzip der Vernunfteinheit der Regeln stattfinden könne, wenn nicht ein transzendentales vorausgesetzt würde, durch welches eine solche systematische Einheit, als den Objekten selbst anhängend, a priori als notwendig
B 679 angenommen wird. Denn mit welcher Befugnis kann die Vernunft im logischen Gebrauche verlangen, die Mannigfaltigkeit der Kräfte, welche uns die Natur zu erkennen gibt, als eine bloß versteckte Einheit zu behandeln, und sie aus irgendeiner Grundkraft, soviel an ihr ist, abzuleiten, wenn es ihr freistände zuzugeben, daß es ebensowohl möglich sei, alle Kräfte wären ungleichartig, und die systematische Einheit ihrer Ableitung der Natur nicht gemäß? denn alsdann würde sie gerade wider ihre Bestimmung verfahren, indem sie sich eine Idee zum Ziele setzte, die der Natureinrichtung ganz widerspräche. Auch kann man nicht sagen, sie habe zuvor von der zufälligen Beschaffenheit der Natur diese Einheit nach Prinzipien der Vernunft abgenommen. Denn das Gesetz der Vernunft, sie zu suchen, ist notwendig, weil wir ohne dasselbe gar keine Vernunft, ohne diese aber keinen zusammenhängenden Verstandesgebrauch, und in dessen Ermanglung kein zureichendes Merkmal empirischer Wahrheit haben würden, und wir also in Ansehung des letzteren die systematische Einheit der Natur durchaus als objektiv gültig und notwendig voraussetzen müssen.
Wir finden diese transzendentale Voraussetzung auch auf eine bewundernswürdige Weise in den Grundsätzen der Philosophen versteckt, wiewohl sie solche darin nicht immer erkannt, oder sich selbst gestanden haben. Daß alle Mannigfaltigkeiten einzelner Dinge die Identität der Art nicht ausschließen; daß die mancherlei Arten nur als
B 680 verschiedentliche Bestimmungen von wenigen Gattungen, diese aber von noch höheren Geschlechtern usw. behandelt werden müssen; daß also eine gewisse systematische Einheit aller möglichen empirischen Begriffe, sofern sie von höheren und allgemeineren abgeleitet werden können, gesucht werden müsse; ist eine Schulregel oder logisches Prinzip, ohne welches kein Gebrauch der Vernunft stattfände, weil wir nur sofern vom Allgemeinen aufs Besondere schließen können, als allgemeine Eigenschaften der Dinge zum Grunde gelegt werden, unter denen die besonderen stehen.
Daß aber auch in der Natur eine solche Einhelligkeit angetroffen werde, setzen die Philosophen in der bekannten Schulregel voraus: daß man die Anfänge (Prinzipien) nicht ohne Not vervielfältigen müsse (entia praeter necessitatem non esse multiplicanda). Dadurch wird gesagt: daß die Natur der Dinge selbst zur Vernunfteinheit Stoff darbiete, und die anscheinende unendliche Verschiedenheit dürfe uns nicht abhalten, hinter ihr Einheit der Grundeigenschaften zu vermuten, von welchen die Mannigfaltigkeit nur durch mehrere Bestimmung abgeleitet werden kann. Dieser Einheit, ob sie gleich eine bloße Idee ist, ist man zu allen Zeiten so eifrig nachgegangen, daß man eher Ursache gefunden, die Begierde nach ihr zu mäßigen, als sie aufzumuntern. Es war schon viel, daß die Scheidekünstler alle Salze auf zwei Hauptgattungen, saure und laugenhafte, zurückführen konnten, sie versuchen sogar auch diesen Unterschied bloß als eine Varietät
B 681 oder verschiedene Äußerung eines und desselben Grundstoffs anzusehen. Die mancherlei Arten von Erden (den Stoff der Steine und sogar der Metalle) hat man nach und nach auf drei, endlich auf zwei, zu bringen gesucht; allein damit noch nicht zufrieden, können sie sich des Gedankens nicht entschlagen, hinter diesen Varietäten dennoch eine einzige Gattung, ja wohl gar zu diesen und den Salzen ein gemeinschaftliches Prinzip zu vermuten. Man möchte vielleicht glauben, dieses sei ein bloß ökonomischer Handgriff der Vernunft, um sich soviel als möglich Mühe zu ersparen, und ein hypothetischer Versuch, der, wenn er gelingt, dem vorausgesetzten Erklärungsgrunde eben durch diese Einheit Wahrscheinlichkeit gibt. Allein eine solche selbstsüchtige Absicht ist sehr leicht von der Idee zu unterscheiden, nach welcher jedermann voraussetzt, diese Vernunfteinheit sei der Natur selbst angemessen, und daß die Vernunft hier nicht bettle, sondern gebiete, obgleich ohne die Grenzen dieser Einheit bestimmen zu können.
Wäre unter den Erscheinungen, die sich uns darbieten, eine so große Verschiedenheit, ich will nicht sagen der Form (denn darin mögen sie einander ähnlich sein), sondern dem Inhalte, d.i. der Mannigfaltigkeit existierender Wesen nach, daß auch der allerschärfste menschliche Verstand durch Vergleichung der einen mit der anderen nicht die mindeste Ähnlichkeit ausfindig machen könnte (ein Fall, der sich wohl denken läßt), so würde das logische Gesetz der Gattungen ganz und gar nicht stattfinden, und es würde
B 682 selbst kein Begriff von Gattung, oder irgendein allgemeiner Begriff, ja sogar kein Verstand stattfinden, als der es lediglich mit solchen zu tun hat. Das logische Prinzip der Gattungen setzt also ein transzendentales voraus, wenn es auf Natur (darunter ich hier nur Gegenstände, die uns gegeben werden, verstehe,) angewandt werden soll. Nach demselben wird in dem Mannigfaltigen einer möglichen Erfahrung notwendig Gleichartigkeit vorausgesetzt (ob wir gleich ihren Grad a priori nicht bestimmen können), weil ohne dieselbe keine empirischen Begriffe, mithin keine Erfahrung möglich wäre.
Dem logischen Prinzip der Gattungen, welches Identität postuliert, steht ein anderes, nämlich das der Arten entgegen, welches Mannigfaltigkeit und Verschiedenheiten der Dinge, unerachtet ihrer Übereinstimmung unter derselben Gattung, bedarf, und es dem Verstande zur Vorschrift macht, auf diese nicht weniger als auf jene aufmerksam zu sein. Dieser Grundsatz (der Scharfsinnigkeit, oder des Unterscheidungsvermögens) schränkt den Leichtsinn des ersteren (des Witzes) sehr ein, und die Vernunft zeigt hier ein doppeltes, einander widerstreitendes Interesse, einerseits das Interesse des Umfanges (der Allgemeinheit) in Ansehung der Gattungen, andererseits des Inhalts (der Bestimmtheit), in Absicht auf die Mannigfaltigkeit der Arten, weil der Verstand im ersteren Falle zwar viel unter seinen Begriffen, im zweiten aber desto mehr in denselben denkt. Auch äußert sich dieses
B 683 an der sehr verschiedenen Denkungsart der Naturforscher, deren einige (die vorzüglich spekulativ sind), der Ungleichartigkeit gleichsam feind, immer auf die Einheit der Gattung hinaussehen, die anderen (vorzüglich empirische Köpfe) die Natur unaufhörlich in so viel Mannigfaltigkeit zu spalten suchen, daß man beinahe die Hoffnung aufgeben müßte, ihre Erscheinungen nach allgemeinen Prinzipien zu beurteilen.
Dieser letzteren Denkungsart liegt offenbar auch ein logisches Prinzip zum Grunde, welches die systematische Vollständigkeit aller Erkenntnisse zur Absicht hat, wenn ich, von der Gattung anhebend, zu dem Mannigfaltigen, das darunter enthalten sein mag, herabsteige, und auf solche Weise dem System Ausbreitung, wie im ersteren Falle, da ich zur Gattung aufsteige, Einfalt zu verschaffen suche. Denn aus der Sphäre des Begriffs, der eine Gattung bezeichnet, ist ebensowenig, wie aus dem Raume, den Materie einnehmen kann, zu ersehen, wie weit die Teilung derselben gehen könne. Daher jede Gattung verschiedene Arten, diese aber verschiedene Unterarten erfordert, und, da keine der letzteren stattfindet, die nicht immer wiederum eine Sphäre (Umfang als conceptus communis) hätte, so verlangt die Vernunft in ihrer ganzen Erweiterung, daß keine Art als die unterste an sich selbst angesehen werde, weil, da sie doch immer ein Begriff ist, der nur das, was verschiedenen Dingen gemein ist, in sich enthält, dieser nicht durchgängig bestimmt, mithin auch nicht
B 684 zunächst auf ein Individuum bezogen sein könne, folglich jederzeit andere Begriffe, d.i. Unterarten, unter sich enthalten müsse. Dieses Gesetz der Spezifikation könnte so ausgedrückt werden: entium varietates non temere esse minuendas.
Man sieht aber leicht, daß auch dieses logische Gesetz ohne Sinn und Anwendung sein würde, läge nicht ein transzendentales Gesetz der Spezifikation zum Grunde, welches zwar freilich nicht von den Dingen, die unsere Gegenstände werden können, eine wirkliche Unendlichkeit in Ansehung der Verschiedenheiten fordert; denn dazu gibt das logische Prinzip, als welches lediglich die Unbestimmtheit der logischen Sphäre in Ansehung der möglichen Einteilung behauptet, keinen Anlaß; aber dennoch dem Verstande auferlegt, unter jeder Art, die uns vorkommt, Unterarten, und zu jeder Verschiedenheit kleinere Verschiedenheiten zu suchen. Denn, würde es keine niederen Begriffe geben, so gäbe es auch keine höheren. Nun erkennt der Verstand alles nur durch Begriffe: folglich, soweit er in der Einteilung reicht, niemals durch bloße Anschauung, sondern immer wiederum durch niedere Begriffe. Die Erkenntnis der Erscheinungen in ihrer durchgängigen Bestimmung (welche nur durch Verstand möglich ist) fordert eine unaufhörlich fortzusetzende Spezifikation seiner Begriffe, und einen Fortgang zu immer noch bleibenden Verschiedenheiten, wovon in dem Begriffe der Art, und noch mehr dem der Gattung, abstrahiert worden.
B 685 Auch kann dieses Gesetz der Spezifikation nicht von der Erfahrung entlehnt sein; denn diese kann keine so weitgehende Eröffnungen geben. Die empirische Spezifikation bleibt in der Unterscheidung des Mannigfaltigen bald stehen, wenn sie nicht durch das schon vorhergehende transzendentale Gesetz der Spezifikation, als ein Prinzip der Vernunft, geleitet worden, solche zu suchen, und sie noch immer zu vermuten, wenn sie sich gleich nicht den Sinnen offenbart. Daß absorbierende Erden nach verschiedener Art (Kalk- und muriatische Erden) sind, bedurfte zur Entdeckung eine zuvorkommende Regel der Vernunft, welche dem Verstande es zur Aufgabe machte, die Verschiedenheit zu suchen, indem sie die Natur so reichhaltig voraussetzte, sie zu vermuten. Denn wir haben ebensowohl nur unter Voraussetzung der Verschiedenheiten in der Natur Verstand, als unter der Bedingung, daß ihre Objekte Gleichartigkeit an sich haben, weil eben die Mannigfaltigkeit desjenigen, was unter einem Begriffe zusammengefaßt werden kann, den Gebrauch dieses Begriffs, und die Beschäftigung des Verstandes ausmacht.
Die Vernunft bereitet also dem Verstande sein Feld, 1. durch ein Prinzip der Gleichartigkeit des Mannigfaltigen unter höheren Gattungen, 2. durch einen Grundsatz der Varietät des Gleichartigen unter niederen Arten; und um die systematische Einheit zu vollenden, fügt sie 3. noch ein Gesetz der Affinität aller Begriffe hinzu, welches einen kontinuierlichen Übergang von einer jeden
B 686 Art zu jeder anderen durch stufenartiges Wachstum der Verschiedenheit gebietet. Wir können sie die Prinzipien der Homogenität, der Spezifikation und der Kontinuität der Formen nennen. Das letztere entspringt dadurch, daß man die zwei ersteren vereinigt, nachdem man, sowohl im Aufsteigen zu höheren Gattungen, als im Herabsteigen zu niederen Arten, den systematischen Zusammenhang in der Idee vollendet hat; denn alsdann sind alle Mannigfaltigkeiten untereinander verwandt, weil sie insgesamt durch alle Grade der erweiterten Bestimmung von einer einzigen obersten Gattung abstammen.
Man kann sich die systematische Einheit unter den drei logischen Prinzipien auf folgende Art sinnlich machen. Man kann einen jeden Begriff als einen Punkt ansehen, der, als der Standpunkt eines Zuschauers, seinen Horizont hat, d.i. eine Menge von Dingen, die aus demselben können vorgestellt und gleichsam überschaut werden. Innerhalb diesem Horizonte muß eine Menge von Punkten ins Unendliche angegeben werden können, deren jeder wiederum seinen engeren Gesichtskreis hat; d.i. jede Art enthält Unterarten, nach dem Prinzip der Spezifikation, und der logische Horizont besteht nur aus kleineren Horizonten (Unterarten), nicht aber aus Punkten, die keinen Umfang haben (Individuen). Aber zu verschiedenen Horizonten, d.i. Gattungen, die aus ebensoviel Begriffen bestimmt werden, läßt sich ein gemeinschaftlicher Horizont, daraus man sie insgesamt als aus einem Mittelpunkte überschaut,
B 687 gezogen denken, welcher die höhere Gattung ist, bis endlich die höchste Gattung der allgemeine und wahre Horizont ist, der aus dem Standpunkte des höchsten Begriffs bestimmt wird, und alle Mannigfaltigkeit, als Gattungen, Arten und Unterarten, unter sich befaßt.
Zu diesem höchsten Standpunkte führt mich das Gesetz der Homogenität, zu allen niedrigen und deren größten Varietät das Gesetz der Spezifikation. Da aber auf solche Weise in dem ganzen Umfange aller möglichen Begriffe nichts Leeres ist, und außer demselben nichts angetroffen werden kann, so entspringt aus der Voraussetzung jenes allgemeinen Gesichtskreises und der durchgängigen Einteilung desselben der Grundsatz: non datur vacuum formarum, d.i. es gibt nicht verschiedene ursprüngliche und erste Gattungen, die gleichsam isoliert und voneinander (durch einen leeren Zwischenraum) getrennt wären, sondern alle mannigfaltigen Gattungen sind nur Abteilungen einer einzigen obersten und allgemeinen Gattung; und aus diesem Grundsatze dessen unmittelbare Folge: datur continuum formarum, d.i. alle Verschiedenheiten der Arten grenzen aneinander und erlauben keinen Übergang zueinander durch einen Sprung, sondern nur durch alle kleineren Grade des Unterschiedes, dadurch man von einer zu der anderen gelangen kann; mit einem Worte, es gibt keine Arten oder Unterarten, die einander (im Begriffe der Vernunft) die nächsten wären, sondern es sind noch immer Zwischenarten möglich, deren Unterschied von der ersten
B 688 und zweiten kleiner ist, als dieser ihr Unterschied voneinander.
Das erste Gesetz also verhütet die Ausschweifung in die Mannigfaltigkeit verschiedener ursprünglichen Gattungen, und empfiehlt die Gleichartigkeit; das zweite schränkt dagegen diese Neigung zur Einhelligkeit wiederum ein, und gebietet Unterscheidung der Unterarten, bevor man sich mit seinem allgemeinen Begriffe zu den Individuen wende. Das dritte vereinigt jene beiden, indem sie bei der höchsten Mannigfaltigkeit dennoch die Gleichartigkeit durch den stufenartigen Übergang von einer Spezies zur anderen vorschreibt, welches eine Art von Verwandtschaft der verschiedenen Zweige anzeigt, insofern sie insgesamt aus einem Stamme entsprossen sind.
Dieses logische Gesetz des continui specierum (formarum logicarum) setzt aber ein transzendentales voraus (lex continui in natura), ohne welches der Gebrauch des Verstandes durch jene Vorschrift nur irre geleitet werden würde, indem sie vielleicht einen der Natur gerade entgegengesetzten Weg nehmen würde. Es muß also dieses Gesetz auf reinen transzendentalen und nicht empirischen Gründen beruhen. Denn in dem letzteren Falle würde es später kommen als die Systeme; es hat aber eigentlich das Systematische der Naturerkenntnis zuerst hervorgebracht. Es sind hinter diesen Gesetzen auch nicht etwa Absichten auf eine mit ihnen, als bloßen Versuchen, anzustellende Probe verborgen, obwohl freilich dieser
B 689 Zusammenhang, wo er zutrifft, einen mächtigen Grund abgibt, die hypothetisch ausgedachte Einheit für gegründet zu halten, und sie also auch in dieser Absicht ihren Nutzen haben, sondern man sieht es ihnen deutlich an, daß sie die Sparsamkeit der Grundursachen, die Mannigfaltigkeit der Wirkungen, und eine daherrührende Verwandtschaft der Glieder der Natur an sich selbst für vernunftmäßig und der Natur angemessen urteilen, und diese Grundsätze also direkt und nicht bloß als Handgriffe der Methode ihre Empfehlung bei sich führen.
Man sieht aber leicht, daß diese Kontinuität der Formen eine bloße Idee sei, der ein kongruierender Gegenstand in der Erfahrung gar nicht aufgewiesen werden kann, nicht allein um deswillen, weil die Spezies in der Natur wirklich abgeteilt sind, und daher an sich ein quantum discretum ausmachen müssen, und, wenn der stufenartige Fortgang in der Verwandtschaft derselben kontinuierlich wäre, sie auch eine wahre Unendlichkeit der Zwischenglieder, die innerhalb zweier gegebener Arten lägen, enthalten müßte, welches unmöglich ist: sondern auch, weil wir von diesem Gesetz gar keinen bestimmten empirischen Gebrauch machen können, indem dadurch nicht das geringste Merkmal der Affinität angezeigt wird, nach welchem und wie weit wir die Gradfolge ihrer Verschiedenheit zu suchen, sondern nichts weiter, als eine allgemeine Anzeige, daß wir sie zu suchen haben.
B 690 Wenn wir die jetzt angeführten Prinzipien ihrer Ordnung nach versetzen, um sie dem Erfahrungsgebrauch gemäß zu stellen, so würden die Prinzipien der systematischen Einheit etwa so stehen: Mannigfaltigkeit, Verwandtschaft und Einheit, jede derselben aber als Ideen im höchsten Grade ihrer Vollständigkeit genommen. Die Vernunft setzt die Verstandeserkenntnisse voraus, die zunächst auf Erfahrung angewandt werden, und sucht ihre Einheit nach Ideen, die viel weiter geht, als Erfahrung reichen kann. Die Verwandtschaft des Mannigfaltigen, unbeschadet seiner Verschiedenheit, unter einem Prinzip der Einheit, betrifft nicht bloß die Dinge, sondern weit mehr noch die bloßen Eigenschaften und Kräfte der Dinge. Daher, wenn uns z.B. durch eine (noch nicht völlig berichtigte) Erfahrung der Lauf der Planeten als kreisförmig gegeben ist, und wir finden Verschiedenheiten, so vermuten wir sie in demjenigen, was den Zirkel nach einem beständigen Gesetze durch alle unendlichen Zwischengrade, zu einer dieser abweichenden Umläufe abändern kann, d.i. die Bewegungen der Planeten, die nicht Zirkel sind, werden etwa dessen Eigenschaften mehr oder weniger nahe kommen, und fallen auf die Ellipse. Die Kometen zeigen eine noch größere Verschiedenheit ihrer Bahnen, da sie (soweit Beobachtung reicht) nicht einmal im Kreise zurückkehren; allein wir raten auf einen parabolischen Lauf, der doch mit der Ellipsis verwandt ist, und, wenn die lange Achse der letzteren sehr weit gestreckt ist, in allen
B 691 unseren Beobachtungen von ihr nicht unterschieden werden kann. So kommen wir, nach Anleitung jener Prinzipien, auf Einheit der Gattungen dieser Bahnen in ihrer Gestalt, dadurch aber weiter auf Einheit der Ursache aller Gesetze ihrer Bewegung (die Gravitation), von da wir nachher unsere Eroberungen ausdehnen, und auch alle Varietäten und scheinbare Abweichungen von jenen Regeln aus demselben Prinzip zu erklären suchen, endlich gar mehr hinzufügen, als Erfahrung jemals bestätigen kann, nämlich, uns nach den Regeln der Verwandtschaft selbst hyperbolische Kometenbahnen zu denken, in welchen diese Körper ganz und gar unsere Sonnenwelt verlassen, und, indem sie von Sonne zu Sonne gehen, die entfernteren Teile eines für uns unbegrenzten Weltsystems, das durch eine und dieselbe bewegende Kraft zusammenhängt, in ihrem Laufe vereinigen.
Was bei diesen Prinzipien merkwürdig ist, und uns auch allein beschäftigt, ist dieses: daß sie transzendental zu sein scheinen, und, ob sie gleich bloße Ideen zur Befolgung des empirischen Gebrauchs der Vernunft enthalten, denen der letztere nur gleichsam asymptotisch, d.i. bloß annähernd folgen kann, ohne sie jemals zu erreichen, sie gleichwohl, als synthetische Sätze a priori, objektive, aber unbestimmte Gültigkeit haben, und zur Regel möglicher Erfahrung dienen, auch wirklich in Bearbeitung derselben, als heuristische Grundsätze, mit gutem Glücke gebraucht werden, ohne daß man doch eine transzendentale Deduktion
B 692 derselben zustande bringen kann, welches, wie oben bewiesen worden, in Ansehung der Ideen jederzeit unmöglich ist.
Wir haben in der transzendentalen Analytik unter den Grundsätzen des Verstandes die dynamischen, als bloß regulativen Prinzipien der Anschauung, von den mathematischen, die in Ansehung der letzteren konstitutiv sind, unterschieden. Diesem ungeachtet sind gedachte dynamische Gesetze allerdings konstitutiv in Ansehung der Erfahrung, indem sie die Begriffe, ohne welche keine Erfahrung stattfindet, a priori möglich machen. Prinzipien der reinen Vernunft können dagegen nicht einmal in Ansehung der empirischen Begriffe konstitutiv sein, weil ihnen kein korrespondierendes Schema der Sinnlichkeit gegeben werden kann, und sie also keinen Gegenstand in konkreto haben können. Wenn ich nun von einem solchen empirischen Gebrauch derselben, als konstitutiver Grundsätze, abgehe, wie will ich ihnen dennoch einen regulativen Gebrauch, und mit demselben einige objektive Gültigkeit sichern, und was kann derselbe für Bedeutung haben?
Der Verstand macht für die Vernunft ebenso einen so Gegenstand aus, als die Sinnlichkeit für den Verstand. Die Einheit aller möglichen empirischen Verstandeshandlungen systematisch zu machen, ist ein Geschäft der Vernunft, sowie der Verstand das Mannigfaltige der Erscheinungen durch Begriffe verknüpft und unter empirische Gesetze bringt. Die Verstandeshandlungen aber, ohne Schemate der Sinnlichkeit, sind unbestimmt: ebenso ist die
B 693 Vernunfteinheit auch in Ansehung der Bedingungen, unter denen, und des Grades, wie weit, der Verstand seine Begriffe systematisch verbinden soll, an sich selbst unbestimmt. Allein, obgleich für die durchgängige systematische Einheit aller Verstandesbegriffe kein Schema in der Anschauung ausfindig gemacht werden kann, so kann und muß doch ein Analogon eines solchen Schema gegeben werden, welches die Idee des Maximum der Abteilung und der Vereinigung der Verstandeserkenntnis in einem Prinzip ist. Denn das Größeste und absolut Vollständige läßt sich bestimmt gedenken, weil alle restringierenden Bedingungen, welche unbestimmte Mannigfaltigkeit geben, weggelassen werden. Also ist die Idee der Vernunft ein Analogon von einem Schema der Sinnlichkeit, aber mit dem Unterschiede, daß die Anwendung der Verstandesbegriffe auf das Schema der Vernunft nicht ebenso eine Erkenntnis des Gegenstandes selbst ist (wie bei der Anwendung der Kategorien auf ihre sinnlichen Schemate), sondern nur eine Regel oder Prinzip der systematischen Einheit alles Verstandesgebrauchs. Da nun jeder Grundsatz, der dem Verstande durchgängige Einheit seines Gebrauchs a priori festsetzt, auch, obzwar nur indirekt, von dem Gegenstande der Erfahrung gilt: so werden die Grundsätze der reinen Vernunft auch in Ansehung dieses letzteren objektive Realität haben, allein nicht um etwas an ihnen zu bestimmen, sondern nur um das Verfahren anzuzeigen, nach welchem der empirische und bestimmte
B 694 Erfahrungsgebrauch des Verstandes mit sich selbst durchgängig zusammenstimmend werden kann, dadurch, daß er mit dem Prinzip der durchgängigen Einheit, soviel als möglich, in Zusammenhang gebracht, und davon abgeleitet wird.
Ich nenne alle subjektiven Grundsätze, die nicht von der Beschaffenheit des Objekts, sondern dem Interesse der Vernunft, in Ansehung einer gewissen möglichen Vollkommenheit der Erkenntnis dieses Objekts, hergenommen sind, Maximen der Vernunft. So gibt es Maximen der spekulativen Vernunft, die lediglich auf dem spekulativen Interesse derselben beruhen, ob es zwar scheinen mag, sie wären objektive Prinzipien.
Wenn bloß regulative Grundsätze als konstitutiv betrachtet werden, so können sie als objektive Prinzipien widerstreitend sein; betrachtet man sie aber bloß als Maximen, so ist kein wahrer Widerstreit, sondern bloß ein verschiedenes Interesse der Vernunft, welches die Trennung der Denkungsart verursacht. In der Tat hat die Vernunft nur ein einiges Interesse und der Streit ihrer Maximen ist nur eine Verschiedenheit und wechselseitige Einschränkung der Methoden, diesem Interesse ein Genüge zu tun.
Auf solche Weise vermag bei diesem Vernünftler mehr das Interesse der Mannigfaltigkeit (nach dem Prinzip der Spezifikation), bei jenem aber das Interesse der Einheit (nach dem Prinzip der Aggregation). Ein jeder
B 695 derselben glaubt sein Urteil aus der Einsicht des Objekts zu haben, und gründet es doch lediglich auf der größeren oder kleineren Anhänglichkeit an einen von beiden Grundsätzen, deren keine auf objektiven Gründen beruht, sondern nur auf dem Vernunftinteresse, und die daher besser Maximen als Prinzipien genannt werden könnten. Wenn ich einsehende Männer miteinander wegen der Charakteristik der Menschen, der Tiere oder Pflanzen, ja selbst der Körper des Mineralreichs im Streite sehe, da die einen z.B. besondere und in der Abstammung gegründete Volkscharaktere, oder auch entschiedene und erbliche Unterschiede der Familien, Rassen usw. annehmen, andere dagegen ihren Sinn darauf setzen, daß die Natur in diesem Stücke ganz und gar einerlei Anlagen gemacht habe, und aller Unterschied nur auf äußeren Zufälligkeiten beruhe, so darf ich nur die Beschaffenheit des Gegenstandes in Betrachtung ziehen, um zu begreifen, daß er für beide viel zu tief verborgen liege, als daß sie aus Einsicht in die Natur des Objekts sprechen könnten. Es ist nichts anderes, als das zwiefache Interesse der Vernunft, davon dieser Teil das eine, jener das andere zu Herzen nimmt, oder auch affektiert, mithin die Verschiedenheit der Maximen der Naturmannigfaltigkeit, oder der Natureinheit, welche sich gar wohl vereinigen lassen, aber solange sie für objektive Einsichten gehalten werden, nicht allein Streit, sondern auch Hindernisse veranlassen, welche die Wahrheit lange aufhalten, bis ein Mittel gefunden wird, das
B 696 streitige Interesse zu vereinigen, und die Vernunft hierüber zufrieden zu stellen.
Ebenso ist es mit der Behauptung oder Anfechtung des so berufenen, von Leibniz in Gang gebrachten und durch Bonnet trefflich aufgestutzten Gesetzes der kontinuierlichen Stufenleiter der Geschöpfe bewandt, welche nichts als eine Befolgung des auf dem Interesse der Vernunft beruhenden Grundsatzes der Affinität ist; denn Beobachtung und Einsicht in die Einrichtung der Natur konnte es gar nicht als objektive Behauptung an die Hand geben. Die Sprossen einer solchen Leiter, so wie sie uns Erfahrung angeben kann, stehen viel zu weit auseinander, und unsere vermeintlich kleinen Unterschiede sind gemeiniglich in der Natur selbst so weite Klüfte, daß auf solche Beobachtungen (vornehmlich bei einer großen Mannigfaltigkeit von Dingen, da es immer leicht sein muß, gewisse Ähnlichkeiten und Annäherungen zu finden,) als Absichten der Natur gar nichts zu rechnen ist. Dagegen ist die Methode, nach einem solchen Prinzip Ordnung in der Natur aufzusuchen, und die Maxime, eine solche, obzwar unbestimmt, wo, oder wie weit, in einer Natur überhaupt als gegründet anzusehen, allerdings ein rechtmäßiges und treffliches regulatives Prinzip der Vernunft; welches aber, als ein solches, viel weiter geht, als daß Erfahrung oder Beobachtung ihr gleichkommen könnte, doch ohne etwas zu bestimmen, sondern ihr nur zur systematischen Einheit den Weg vorzuzeichnen.
B 697 Von der Endabsicht der natürlichen Dialektik der menschlichen Vernunft
Die Ideen der reinen Vernunft können nimmermehr an sich selbst dialektisch sein, sondern ihr bloßer Mißbrauch muß es allein machen, daß uns von ihnen ein trüglicher Schein entspringt; denn sie sind uns durch die Natur unserer Vernunft aufgegeben, und dieser oberste Gerichtshof aller Rechte und Ansprüche unserer Spekulation kann unmöglich selbst ursprüngliche Täuschungen und Blendwerke enthalten. Vermutlich werden sie also ihre gute und zweckmäßige Bestimmung in der Naturanlage unserer Vernunft haben. Der Pöbel der Vernünftler schreit aber, wie gewöhnlich, über Ungereimtheit und Widersprüche, und schmäht auf die Regierung, in deren innerste Pläne er nicht zu dringen vermag, deren wohltätigen Einflüssen er auch selbst seine Erhaltung und sogar die Kultur verdanken sollte, die ihn in den Stand setzt, sie zu tadeln und zu verurteilen.
Man kann sich eines Begriffs a priori mit keiner Sicherheit bedienen, ohne seine transzendentale Deduktion zustande gebracht zu haben. Die Ideen der reinen Vernunft verstatten zwar keine Deduktion von der Art, als die Kategorien; sollen sie aber im mindesten einige, wenn auch nur unbestimmte, objektive Gültigkeit haben, und nicht bloß leere Gedankendinge (entia rationis ratiocinantis) vorstellen,
B 698 so muß durchaus eine Deduktion derselben möglich sein, gesetzt, daß sie auch von derjenigen weit abwichen die man mit den Kategorien vornehmen kann. Das ist die Vollendung des kritischen Geschäftes der reinen Vernunft, und dieses wollen wir jetzt übernehmen.
Es ist ein großer Unterschied, ob etwas meiner Vernunft als ein Gegenstand schlechthin, oder nur als ein Gegenstand in der Idee gegeben wird. In dem ersteren Falle gehen meine Begriffe dahin, den Gegenstand zu bestimmen; im zweiten ist es wirklich nur ein Schema, dem direkt kein Gegenstand, auch nicht einmal hypothetisch zugegeben wird, sondern welches nur dazu dient, um andere Gegenstände, vermittelst der Beziehung auf diese Idee, nach ihrer systematischen Einheit, mithin indirekt uns vorzustellen. So sage ich, der Begriff einer höchsten Intelligenz ist eine bloße Idee, d.i. seine objektive Realität soll nicht darin bestehen, daß er sich geradezu auf einen Gegenstand bezieht (denn in solcher Bedeutung würden wir seine objektive Gültigkeit nicht rechtfertigen können), sondern er ist nur ein nach Bedingungen der größten Vernunfteinheit geordnetes Schema, von dem Begriffe eines Dinges überhaupt, welches nur dazu dient, um die größte systematische Einheit im empirischen Gebrauche unserer Vernunft zu erhalten, indem man den Gegenstand der Erfahrung gleichsam von dem eingebildeten Gegenstande dieser Idee, als seinem Grunde, oder Ursache, ableitet. Alsdann heißt es z.B. die Dinge der Welt müssen
B 699 so betrachtet werden, als ob sie von einer höchsten Intelligenz ihr Dasein hätten. Auf solche Weise ist die Idee eigentlich nur ein heuristischer und nicht ostensiver Begriff, und zeigt an, nicht wie ein Gegenstand beschaffen ist, sondern wie wir, unter der Leitung desselben, die Beschaffenheit und Verknüpfung der Gegenstände der Erfahrung überhaupt suchen sollen. Wenn man nun zeigen kann, daß, obgleich die dreierlei transzendentalen Ideen (psychologische, kosmologische, und theologische) direkt auf keinen ihnen korrespondierenden Gegenstand und dessen Bestimmung bezogen werden, dennoch alle Regeln des empirischen Gebrauchs der Vernunft unter Voraussetzung eines solchen Gegenstandes in der Idee auf systematische Einheit führen und die Erfahrungserkenntnis jederzeit erweitern, niemals aber derselben zuwider sein können: so ist es eine notwendige Maxime der Vernunft, nach dergleichen Ideen zu verfahren. Und dieses ist die transzendentale Deduktion aller Ideen der spekulativen Vernunft, nicht als konstitutiver Prinzipien der Erweiterung unserer Erkenntnis über mehr Gegenstände, als Erfahrung geben kann, sondern als regulativer Prinzipien der systematischen Einheit des Mannigfaltigen der empirischen Erkenntnis überhaupt, welche dadurch in ihren eigenen Grenzen mehr angebaut und berichtigt wird, als es ohne solche Ideen durch den bloßen Gebrauch der Verstandesgrundsätze geschehen könnte.
B 700 Ich will dieses deutlicher machen. Wir wollen den genannten Ideen als Prinzipien zufolge erstlich (in der Psychologie) alle Erscheinungen, Handlungen und Empfänglichkeit unseres Gemüts an dem Leitfaden der inneren Erfahrung so verknüpfen, als ob dasselbe eine einfache Substanz wäre, die, mit persönlicher Identität, beharrlich (wenigstens im Leben) existiert, indessen daß ihre Zustände, zu welcher die des Körpers nur als äußere Bedingungen gehören, kontinuierlich wechseln. Wir müssen zweitens (in der Kosmologie) die Bedingungen, der inneren sowohl als der äußeren Naturerscheinungen, in einer solchen nirgend zu vollendenden Untersuchung verfolgen, als ob dieselbe an sich unendlich und ohne ein erstes oder oberstes Glied sei, obgleich wir darum, außerhalb aller Erscheinungen, die bloß intelligiblen ersten Gründe derselben nicht leugnen, aber sie doch niemals in den Zusammenhang der Naturerklärungen bringen dürfen, weil wir sie gar nicht kennen. Endlich und drittens müssen wir (in Ansehung der Theologie) alles, was nur immer in den Zusammenhang der möglichen Erfahrung gehören mag, so betrachten, als ob diese eine absolute, aber durch und durch abhängige und immer noch innerhalb der Sinnenwelt bedingte Einheit ausmache, doch aber zugleich, als ob der Inbegriff aller Erscheinungen (die Sinnenwelt selbst) einen einzigen obersten und allgenugsamen Grund außer ihrem Umfange habe, nämlich eine gleichsam selbstständige, ursprüngliche und schöpferische Vernunft, in Beziehung auf welche wir allen
B 701 empirischen Gebrauch unserer Vernunft in seiner größten Erweiterung so richten, als ob die Gegenstände selbst aus jenem Urbilde aller Vernunft entsprungen wären, das heißt: nicht von einer einfachen denkenden Substanz die inneren Erscheinungen der Seele, sondern nach der Idee eines einfachen Wesens jene voneinander ableiten; nicht von einer höchsten Intelligenz die Weltordnung und systematische Einheit derselben ableiten, sondern von der Idee einer höchstweisen Ursache die Regel hernehmen, nach welcher die Vernunft bei der Verknüpfung der Ursachen und Wirkungen in der Welt zu ihrer eigenen Befriedigung am besten zu brauchen sei.
Nun ist nicht das mindeste, was uns hindert, diese Ideen auch als objektiv und hypostatisch anzunehmen, außer allein die kosmologische, wo die Vernunft auf eine Antinomie stößt, wenn sie solche zustande bringen will (die psychologische und theologische enthalten dergleichen gar nicht). Denn ein Widerspruch ist in ihnen nicht, wie sollte uns daher jemand ihre objektive Realität streiten können, da er von ihrer Möglichkeit ebensowenig weiß, um sie zu verneinen, als wir, um sie zu bejahen. Gleichwohl ist's, um etwas anzunehmen, noch nicht genug, daß kein positives Hindernis dawider ist, und es kann uns nicht erlaubt sein, Gedankenwesen, welche alle unsere Begriffe übersteigen, obgleich keinem widersprechen, auf den bloßen Kredit der ihr Geschäft gern vollendenden spekulativen Vernunft, als wirkliche und bestimmte Gegenstände
B 702 einzuführen. Also sollen sie an sich selbst nicht angenommen werden, sondern nur ihre Realität, als eines Schema des regulativen Prinzips der systematischen Einheit aller Naturerkenntnis, gelten, mithin sollen sie nur als Analoga von wirklichen Dingen, aber nicht als solche an sich selbst zum Grunde gelegt werden. Wir heben von dem Gegenstande der Idee die Bedingungen auf, welche unseren Verstandesbegriff einschränken, die aber es auch allein möglich machen, daß wir von irgendeinem Dinge einen bestimmten Begriff haben können. Und nun denken wir uns ein Etwas, wovon wir, was es an sich selbst sei, gar keinen Begriff haben, aber wovon wir uns doch ein Verhältnis zu dem Inbegriffe der Erscheinungen denken, das demjenigen analogisch ist, welches die Erscheinungen untereinander haben.
Wenn wir demnach solche idealische Wesen annehmen, so erweitern wir eigentlich nicht unsere Erkenntnis über die Objekte möglicher Erfahrung, sondern nur die empirische Einheit der letzteren, durch die systematische Einheit, wozu uns die Idee das Schema gibt, welche mithin nicht als konstitutives, sondern bloß als regulatives Prinzip gilt. Denn, daß wir ein der Idee korrespondierendes Ding, ein Etwas, oder wirkliches Wesen setzen, dadurch ist nicht gesagt, wir wollten unsere Erkenntnis der Dinge mit transzendenten Begriffen erweitern; denn dieses Wesen wird nur in der Idee und nicht an sich selbst zum Grunde gelegt, mithin nur um die systematische
B 703 Einheit auszudrücken, die uns zur Richtschnur des empirischen Gebrauchs der Vernunft dienen soll, ohne doch etwas darüber auszumachen, was der Grund dieser Einheit, oder die innere Eigenschaft eines solchen Wesens sei, auf welchem, als Ursache, sie beruhe.
So ist der transzendentale und einzige bestimmte Begriff, den uns die bloß spekulative Vernunft von Gott gibt, im genauesten Verstande deistisch, d.i. die Vernunft gibt nicht einmal die objektive Gültigkeit eines solchen Begriffs, sondern nur die Idee von Etwas an die Hand, worauf alle empirische Realität ihre höchste und notwendige Einheit gründet, und welches wir uns nicht anders, als nach der Analogie einer wirklichen Substanz, welche nach Vernunftgesetzen die Ursache aller Dinge sei, denken können, wofern wir es ja unternehmen, es überall als einen besonderen Gegenstand zu denken, und nicht lieber, mit der bloßen Idee des regulativen Prinzips der Vernunft zufrieden, die Vollendung aller Bedingungen des Denkens, als überschwenglich für den menschlichen Verstand, beiseite setzen wollen, welches aber mit der Absicht einer vollkommenen systematischen Einheit in unserem Erkenntnis, der wenigstens die Vernunft keine Schranken setzt, nicht zusammen bestehen kann.
Daher geschieht's nun, daß, wenn ich ein göttliches Wesen annehme, ich zwar weder von der inneren Möglichkeit seiner höchsten Vollkommenheit, noch der Notwendigkeit seines Daseins, den mindesten Begriff habe,
B 704 aber alsdann doch allen anderen Fragen, die das Zufällige betreffen, ein Genüge tun kann, und der Vernunft die vollkommenste Befriedigung in Ansehung der nachzuforschenden größten Einheit in ihrem empirischen Gebrauche, aber nicht in Ansehung dieser Voraussetzung selbst, verschaffen kann; welches beweist, daß ihr spekulatives Interesse und nicht ihre Einsicht sie berechtige, von einem Punkte, der so weit über ihrer Sphäre liegt, auszugehen, um daraus ihre Gegenstände in einem vollständigen Ganzen zu betrachten.
Hier zeigt sich nun ein Unterschied der Denkungsart, bei einer und derselben Voraussetzung, der ziemlich subtil, aber gleichwohl in der Transzendentalphilosophie von großer Wichtigkeit ist. Ich kann genugsamen Grund haben, etwas relativ anzunehmen (suppositio relativa), ohne doch befugt zu sein, es schlechthin anzunehmen (suppositio absoluta). Diese Unterscheidung trifft zu, wenn es bloß um ein regulatives Prinzip zu tun ist, wovon wir zwar die Notwendigkeit an sich selbst, aber nicht den Quell derselben erkennen, und dazu wir einen obersten Grund bloß in der Absicht annehmen, um desto bestimmter die Allgemeinheit des Prinzips zu denken, als z.B. wenn ich mir ein Wesen als existierend denke, das einer bloßen und zwar transzendentalen Idee korrespondiert. Denn, da kann ich das Dasein dieses Dinges niemals an sich selbst annehmen, weil keine Begriffe, dadurch ich mir irgend
B 705 einen Gegenstand bestimmt denken kann, dazu gelangen, und die Bedingungen der objektiven Gültigkeit meiner Begriffe durch die Idee selbst ausgeschlossen sind. Die Begriffe der Realität, der Substanz, der Kausalität, selbst die der Notwendigkeit im Dasein, haben, außer dem Gebrauche, da sie die empirische Erkenntnis eines Gegenstandes möglich machen, gar keine Bedeutung, die irgendein Objekt bestimmte. Sie können also zwar zu Erklärung der Möglichkeit der Dinge in der Sinnenwelt, aber nicht der Möglichkeit eines Weltganzen selbst gebraucht werden, weil dieser Erklärungsgrund außerhalb der Welt und mithin kein Gegenstand einer möglichen Erfahrung sein müßte. Nun kann ich gleichwohl ein solches unbegreifliches Wesen, den Gegenstand einer bloßen Idee, relativ auf die Sinnenwelt, obgleich nicht an sich selbst, annehmen. Denn, wenn dem größtmöglichen empirischen Gebrauche meiner Vernunft eine Idee (der systematisch vollständigen Einheit, von der ich bald bestimmter reden werde) zum Grunde liegt, die an sich selbst niemals adäquat in der Erfahrung kann dargestellt werden, ob sie gleich, um die empirische Einheit dem höchstmöglichen Grade zu nähern, unumgänglich notwendig ist, so werde ich nicht allein befugt, sondern auch genötigt sein, diese Idee zu realisieren, d.i. ihr einen wirklichen Gegenstand zu setzen, aber nur als ein Etwas überhaupt, das ich an sich selbst gar nicht kenne, und dem ich nur, als einem Grunde jener systematischen Einheit, in Beziehung auf diese letztere solche Eigenschaft gebe,
B 706 als den Verstandesbegriffen im empirischen Gebrauche analogisch sind. Ich werde mir also nach der Analogie der Realitäten in der Welt der Substanzen, der Kausalität und der Notwendigkeit, ein Wesen denken, das alles dieses in der höchsten Vollkommenheit besitzt, und, indem diese Idee bloß auf meiner Vernunft beruht, dieses Wesen als selbstständige Vernunft, was durch Ideen der größten Harmonie und Einheit, Ursache vom Weltganzen ist, denken können, so daß ich alle, die Idee einschränkenden, Bedingungen weglasse, lediglich um, unter dem Schutze eines solchen Urgrundes, systematische Einheit des Mannigfaltigen im Weltganzen, und, vermittelst derselben, den größtmöglichen empirischen Vernunftgebrauch möglich zu machen, indem ich alle Verbindungen so ansehe, als ob sie Anordnungen einer höchsten Vernunft wären, von der die unsrige ein schwaches Nachbild ist. Ich denke mir alsdann dieses höchste Wesen durch lauter Begriffe, die eigentlich nur in der Sinnenwelt ihre Anwendung haben; da ich aber auch jene transzendentale Voraussetzung zu keinem anderen als relativen Gebrauch habe, nämlich, daß sie das Substratum der größtmöglichen Erfahrungseinheit abgeben solle, so darf ich ein Wesen, das ich von der Welt unterscheide, ganz wohl durch Eigenschaften denken, die lediglich zur Sinnenwelt gehören. Denn ich verlange keineswegs, und bin auch nicht befugt es zu verlangen, diesen Gegenstand meiner Idee, nach dem, was er an sich sein mag, zu erkennen; denn dazu habe ich keine
B 707 Begriffe, und selbst die Begriffe von Realität, Substanz, Kausalität, ja sogar der Notwendigkeit im Dasein, verlieren alle Bedeutung, und sind leere Titel zu Begriffen, ohne allen Inhalt, wenn ich mich außer dem Felde der Sinne damit hinauswage. Ich denke mir nur die Relation eines mir an sich ganz unbekannten Wesens zur größten systematischen Einheit des Weltganzen, lediglich um es zum Schema des regulativen Prinzips des größtmöglichen empirischen Gebrauchs meiner Vernunft zu machen.
Werfen wir unseren Blick nun auf den transzendentalen Gegenstand unserer Idee, so sehen wir, daß wir seine Wirklichkeit nach den Begriffen von Realität, Substanz, Kausalität usw. an sich selbst nicht voraussetzen können, weil diese Begriffe auf etwas, das von der Sinnenwelt ganz unterschieden ist, nicht die mindeste Anwendung haben. Also ist die Supposition der Vernunft von einem höchsten Wesen, als oberster Ursache, bloß relativ, zum Behuf der systematischen Einheit der Sinnenwelt gedacht, und ein bloßes Etwas in der Idee, wovon wir, was es an sich sei, keinen Begriff haben. Hierdurch erklärt sich auch, woher wir zwar in Beziehung auf das, was existierend den Sinnen gegeben ist, der Idee eines an sich notwendigen Urwesens bedürfen, niemals aber von diesem und seiner absoluten Notwendigkeit den mindesten Begriff haben können.
Nunmehr können wir das Resultat der ganzen transzendentalen Dialektik deutlich vor Augen stellen, und die
B 708 Endabsicht der Ideen der reinen Vernunft, die nur durch Mißverstand und Unbehutsamkeit dialektisch werden, genau bestimmen. Die reine Vernunft ist in der Tat mit nichts als sich selbst beschäftigt, und kann auch kein anderes Geschäft haben, weil ihr nicht die Gegenstände zur Einheit des Erfahrungsbegriffs, sondern die Verstandeserkenntnisse zur Einheit des Vernunftbegriffs, d.i. des Zusammenhanges in einem Prinzip gegeben werden. Die Vernunfteinheit ist die Einheit des Systems, und diese systematische Einheit dient der Vernunft nicht objektiv zu einem Grundsatze, um sie über die Gegenstände, sondern subjektiv als Maxime, um sie über alles mögliche empirische Erkenntnis der Gegenstände zu verbreiten. Gleichwohl befördert der systematische Zusammenhang, den die Vernunft dem empirischen Verstandesgebrauche geben kann, nicht allein dessen Ausbreitung, sondern bewährt auch zugleich die Richtigkeit desselben, und das Prinzipium einer solchen systematischen Einheit ist auch objektiv, aber auf unbestimmte Art (principium vagum), nicht als konstitutives Prinzip, um etwas in Ansehung seines direkten Gegenstandes zu bestimmen, sondern um, als bloß regulativer Grundsatz und Maxime, den empirischen Gebrauch der Vernunft durch Eröffnung neuer Wege, die der Verstand nicht kennt, ins Unendliche (Unbestimmte) zu befördern und zu befestigen, ohne dabei jemals den Gesetzen des empirischen Gebrauchs im mindesten zuwider zu sein.
B 709 Die Vernunft kann aber diese systematische Einheit nicht anders denken, als daß sie ihrer Idee zugleich einen Gegenstand gibt, der aber durch keine Erfahrung gegeben werden kann; denn Erfahrung gibt niemals ein Beispiel vollkommener systematischer Einheit. Dieses Vernunftwesen (ens rationis ratiocinatae) ist nun zwar eine bloße Idee, und wird also nicht schlechthin und an sich selbst als etwas Wirkliches angenommen, sondern nur problematisch zum Grunde gelegt (weil wir es durch keine Verstandesbegriffe erreichen können), um alle Verknüpfung der Dinge der Sinnenwelt so anzusehen, als ob sie in diesem Vernunftwesen ihren Grund hätten, lediglich aber in der Absicht, um darauf die systematische Einheit zu gründen, die der Vernunft unentbehrlich, der empirischen Verstandeserkenntnis aber auf alle Weise beförderlich und ihr gleichwohl niemals hinderlich sein kann.
Man verkennt sogleich die Bedeutung dieser Idee, wenn man sie für die Behauptung, oder auch nur die Voraussetzung einer wirklichen Sache hält, welcher man den Grund der systematischen Weltverfassung zuzuschreiben gedächte; vielmehr läßt man es gänzlich unausgemacht, was der unseren Begriffen sich entziehende Grund derselben an sich für Beschaffenheit habe, und setzt sich nur eine Idee zum Gesichtspunkte, aus welchem einzig und allein man jene, der Vernunft so wesentliche und dem Verstande so heilsame, Einheit verbreiten kann; mit einem Worte:
B 710 dieses transzendentale Ding ist bloß das Schema jenes regulativen Prinzips, wodurch die Vernunft, so viel an ihr ist, systematische Einheit über alle Erfahrung verbreitet. Das erste Objekt einer solchen Idee bin ich selbst, bloß als denkende Natur (Seele) betrachtet. Will ich die Eigenschaften, mit denen ein denkendes Wesen an sich existiert, aufsuchen, so muß ich die Erfahrung befragen, und selbst von allen Kategorien kann ich keine auf diesen Gegenstand anwenden, als insofern das Schema derselben in der sinnlichen Anschauung gegeben ist. Hiermit gelange ich aber niemals zu einer systematischen Einheit aller Erscheinungen des inneren Sinnes. Statt des Erfahrungsbegriffs also (von dem, was die Seele wirklich ist), der uns nicht weit führen kann, nimmt die Vernunft den Begriff der empirischen Einheit alles Denkens, und macht dadurch, daß sie diese Einheit unbedingt und ursprünglich denkt, aus demselben einen Vernunftbegriff (Idee) von einer einfachen Substanz, die an sich selbst unwandelbar (persönlich identisch), mit anderen wirklichen Dingen außer ihr in Gemeinschaft stehe; mit einem Worte: von einer einfachen selbständigen Intelligenz. Hierbei aber hat sie nichts anderes vor Augen, als Prinzipien der systematischen Einheit in Erklärung der Erscheinungen der Seele, nämlich: alle Bestimmungen, als in einem einigen Subjekte, alle Kräfte, so viel möglich, als abgeleitet von einer einigen Grundkraft, allen Wechsel, als gehörig zu den Zuständen
B 711 eines und desselben beharrlichen Wesens zu betrachten, und alle Erscheinungen im Raume, als von den Handlungen des Denkens ganz unterschieden vorzustellen. Jene Einfachheit der Substanz usw. sollte nur das Schema zu diesem regulativen Prinzip sein, und wird nicht vorausgesetzt, als sei sie der wirkliche Grund der Seeleneigenschaften. Denn diese können auch auf ganz anderen Gründen beruhen, die wir gar nicht kennen, wie wir denn die Seele auch durch diese angenommenen Prädikate eigentlich nicht an sich selbst erkennen könnten, wenn wir sie gleich von ihr schlechthin wollten gelten lassen, indem sie eine bloße Idee ausmachen, die in concreto gar nicht vorgestellt werden kann. Aus einer solchen psychologischen Idee kann nun nichts anderes als Vorteil entspringen, wenn man sich nur hütet, sie für etwas mehr als bloße Idee, d.i. bloß relativisch auf den systematischen Vernunftsgebrauch in Ansehung der Erscheinungen unserer Seele, gelten zu lassen. Denn da mengen sich keine empirischen Gesetze körperlicher Erscheinungen, die ganz von anderer Art sind, in die Erklärungen dessen, was bloß für den inneren Sinn gehört; da werden keine windigen Hypothesen, von Erzeugung, Zerstörung und Palingenesie der Seelen usw. zugelassen; also wird die Betrachtung dieses Gegenstandes des inneren Sinnes ganz rein und unvermengt mit ungleichartigen Eigenschaften angestellt, überdem die Vernunftuntersuchung darauf gerichtet, die Erklärungsgründe in diesem Subjekte, so weit es möglich ist, auf ein einziges Prinzip hinaus zu
B 712 führen, welches alles durch ein solches Schema, als ob es ein wirkliches Wesen wäre, am besten, ja sogar einzig und allein, bewirkt wird. Die psychologische Idee kann auch nichts anderes als das Schema eines regulativen Begriffs bedeuten. Denn, wollte ich auch nur fragen, ob die Seele nicht an sich geistiger Natur sei, so hätte diese Frage gar keinen Sinn. Denn durch einen solchen Begriff nehme ich nicht bloß die körperliche Natur, sondern überhaupt alle Natur weg, d.i. alle Prädikate irgendeiner möglichen Erfahrung, mithin alle Bedingungen, zu einem solchen Begriffe einen Gegenstand zu denken, als welches doch einzig und allein es macht, daß man sagt, er habe einen Sinn.
Die zweite regulative Idee der bloß spekulativen Vernunft ist der Weltbegriff überhaupt. Denn Natur ist eigentlich nur das einzige gegebene Objekt, in Ansehung dessen die Vernunft regulative Prinzipien bedarf. Diese Natur ist zwiefach, entweder die denkende, oder die körperliche Natur. Allein zu der letzteren, um sie ihrer inneren Möglichkeit nach zu denken, d.i. die Anwendung der Kategorien auf dieselbe zu bestimmen, bedürfen wir keiner Idee, d.i. einer die Erfahrung übersteigenden Vorstellung; es ist auch keine in Ansehung derselben möglich, weil wir darin bloß durch sinnliche Anschauung geleitet werden, und nicht wie in dem psychologischen Grundbegriffe (Ich), welcher eine gewisse Form des Denkens, nämlich die Einheit desselben, a priori enthält. Also bleibt uns für die
B 713 reine Vernunft nichts übrig, als Natur überhaupt, und die Vollständigkeit der Bedingungen in derselben nach irgendeinem Prinzip. Die absolute Totalität der Reihen dieser Bedingungen, in der Ableitung ihrer Glieder, ist eine Idee, die zwar im empirischen Gebrauche der Vernunft niemals völlig zustande kommen kann, aber doch zur Regel dient, wie wir in Ansehung derselben verfahren sollen, nämlich in der Erklärung gegebener Erscheinungen (im Zurückgehen oder Aufsteigen) so, als ob die Reihe an sich unendlich wäre, d.i. in indefinitum, aber wo die Vernunft selbst als bestimmende Ursache betrachtet wird (in der Freiheit), also bei praktischen Prinzipien, als ob wir nicht ein Objekt der Sinne, sondern des reinen Verstandes vor uns hätten, wo die Bedingungen nicht mehr in der Reihe der Erscheinungen, sondern außer derselben gesetzt werden können, und die Reihe der Zustände angesehen werden kann, als ob sie schlechthin (durch eine intelligible Ursache) angefangen würde; welches alles beweist, daß die kosmologischen Ideen nichts als regulative Prinzipien, und weit davon entfernt sind, gleichsam konstitutiv, eine wirkliche Totalität solcher Reihen zu setzen. Das übrige kann man an seinem Orte unter der Antinomie der reinen Vernunft suchen.
Die dritte Idee der reinen Vernunft, welche eine bloß relative Supposition eines Wesens enthält, als der einigen und allgenugsamen Ursache aller kosmologischen Reihen, ist der Vernunftbegriff von Gott. Den Gegenstand
B 714 dieser Idee, haben wir nicht den mindesten Grund, schlechthin anzunehmen (an sich zu supponieren); denn was kann uns wohl dazu vermögen, oder auch nur berechtigen, ein Wesen von der höchsten Vollkommenheit, und als seiner Natur nach schlechthin notwendig, aus dessen bloßem Begriffe an sich selbst zu glauben, oder zu behaupten, wäre es nicht die Welt, in Beziehung auf welche diese Supposition allein notwendig sein kann; und da zeigt es sich klar, daß die Idee desselben, so wie alle spekulativen Ideen, nichts weiter sagen wolle, als daß die Vernunft gebiete, alle Verknüpfung der Welt nach Prinzipien einer systematischen Einheit zu betrachten, mithin als ob sie insgesamt aus einem einzigen allbefassenden Wesen, als oberster und allgenugsamer Ursache, entsprungen wären. Hieraus ist klar, daß die Vernunft hierbei nichts als ihre eigene formale Regel in Erweiterung ihres empirischen Gebrauchs zur Absicht haben könne, niemals aber eine Erweiterung über alle Grenzen des empirischen Gebrauchs, folglich unter dieser Idee kein konstitutives Prinzip ihres auf mögliche Erfahrung gerichteten Gebrauchs verborgen liege.
Diese höchste formale Einheit, welche allein auf Vernunftbegriffen beruht, ist die zweckmäßige Einheit der Dinge, und das spekulative Interesse der Vernunft macht es notwendig, alle Anordnung in der Welt so anzusehen, als ob sie aus der Absicht einer allerhöchsten Vernunft entsprossen wäre. Ein solches Prinzip eröffnet nämlich unserer
B 715 auf das Feld der Erfahrungen angewandten Vernunft ganz neue Aussichten, nach teleologischen Gesetzen die Dinge der Welt zu verknüpfen, und dadurch zu der größten systematischen Einheit derselben zu gelangen. Die Voraussetzung einer obersten Intelligenz, als der alleinigen Ursache des Weltganzen, aber freilich bloß in der Idee, kann also jederzeit der Vernunft nutzen und dabei doch niemals schaden. Denn, wenn wir in Ansehung der Figur der Erde (der runden, doch etwas abgeplatteten)*, der Gebirge und Meere usw. lauter weise Absichten eines Urhebers zum voraus annehmen, so können wir auf diesem Wege eine Menge von Entdeckungen machen. Bleiben wir nur bei dieser Voraussetzung, als einem bloß regulativen Prinzip, so kann selbst der Irrtum uns nicht schaden. Denn es kann allenfalls daraus nichts weiter folgen, als daß, wo wir einen teleologischen Zusammenhang (nexus finalis) erwarteten, ein bloß mechanischer oder physischer (nexus effectivus)
B 716 angetroffen werde, wodurch wir, in einem solchen Falle, nur eine Einheit mehr vermissen, aber nicht die Vernunfteinheit in ihrem empirischen Gebrauche verderben. Aber sogar dieser Querstrich kann das Gesetz selbst in allgemeiner und teleologischer Absicht überhaupt nicht treffen. Denn, obzwar ein Zergliederer eines Irrtums überführt werden kann, wenn er irgend ein Gliedmaß eines tierischen Körpers auf einen Zweck bezieht, von welchem man deutlich zeigen kann, daß er daraus nicht erfolge: so ist es doch gänzlich unmöglich, in einem Falle zu beweisen, daß eine Natureinrichtung, es mag sein welche es wolle, ganz und gar keinen Zweck habe. Daher erweitert auch die Physiologie (der Ärzte) ihre sehr eingeschränkte empirische Kenntnis von den Zwecken des Gliederbaues eines organischen Körpers durch einen Grundsatz, welchen bloß reine Vernunft eingab, so weit, daß man darin ganz dreist und zugleich mit aller Verständigen Einstimmung annimmt, es habe alles an dem Tiere seinen Nutzen und gute Absicht; welche Voraussetzung, wenn sie konstitutiv sein sollte, viel weiter geht, als uns bisherige Beobachtung berechtigen kann; woraus denn zu ersehen ist, daß sie nichts als ein regulatives Prinzip der Vernunft sei, um zur höchsten systematischen Einheit, vermittelst der Idee der zweckmäßigen Kausalität der obersten Weltursache, und, als ob diese, als höchste Intelligenz, nach der weisesten Absicht die Ursache von allem sei, zu gelangen.
* Der Vorteil, den eine kugelichte Erdgestalt schafft, ist bekannt genug; aber wenige wissen, daß ihre Abplattung, als eines Sphäroids, es allein verhindert, daß nicht die Hervorragungen des festen Landes, oder auch kleinerer, vielleicht durch Erdbeben aufgeworfener Berge, die Achse der Erde kontinuierlich und in nicht eben langer Zeit ansehnlich verrücken, wäre nicht die Aufschwellung der Erde unter der Linie ein so gewaltiger Berg, den der Schwung jedes anderen Berges niemals merklich aus seiner Lage in Ansehung der Achse bringen kann. Und doch erklärt man diese weise Anstalt ohne Bedenken aus dem Gleichgewicht der ehemals flüssigen Erdmasse.
B 717 Gehen wir aber von dieser Restriktion der Idee auf den bloß regulativen Gebrauch ab, so wird die Vernunft auf so mancherlei Weise irregeführt, indem sie alsdann den Boden der Erfahrung, der doch die Merkzeichen ihres Ganges enthalten muß, verläßt, und sich über denselben zu dem Unbegreiflichen und Unerforschlichen hinwagt, über dessen Höhe sie notwendig schwindlicht wird, weil sie sich aus dem Standpunkte desselben von allem mit der Erfahrung stimmigen Gebrauch gänzlich abgeschnitten sieht.
Der erste Fehler, der daraus entspringt, daß man die Idee eines höchsten Wesens nicht bloß regulativ, sondern (welches der Natur einer Idee zuwider ist) konstitutiv braucht, ist die faule Vernunft (ignava ratio)*. Man kann jeden Grundsatz so nennen, welcher macht, daß man seine Naturuntersuchung, wo es auch sei, für
B 718 schlechthin vollendet ansieht, und die Vernunft sich also zur Ruhe begibt, als ob sie ihr Geschäft völlig ausgerichtet habe. Daher selbst die psychologische Idee, wenn sie als ein konstitutives Prinzip für die Erklärung der Erscheinungen unserer Seele, und hernach gar, zur Erweiterung unserer Erkenntnis dieses Subjekts, noch über alle Erfahrung hinaus (ihren Zustand nach dem Tode) gebraucht wird, es der Vernunft zwar sehr bequem macht, aber auch allen Naturgebrauch derselben nach der Leitung der Erfahrungen ganz verdirbt und zugrunde richtet. So erklärt der dogmatische Spiritualist die durch allen Wechsel der Zustände unverändert bestehende Einheit der Person aus der Einheit der denkenden Substanz, die er in dem Ich unmittelbar wahrzunehmen glaubt, das Interesse, was wir an Dingen nehmen, die sich allererst nach unserem Tode zutragen sollen, aus dem Bewußtsein der immateriellen Natur unseres denkenden Subjekts usw. und überhebt sich aller Naturuntersuchung der Ursache dieser unserer inneren Erscheinungen aus physischen Erklärungsgründen, indem er gleichsam durch den Machtspruch einer transzendenten Vernunft die immanenten Erkenntnisquellen der Erfahrung, zum Behuf seiner Gemächlichkeit, aber mit Einbuße aller Einsicht, vorbeigeht. Noch deutlicher fällt diese nachteilige Folge bei dem Dogmatismus unserer Idee von einer höchsten Intelligenz und dem darauf fälschlich gegründeten theologischen System der Natur
B 719 (Physikotheologie) in die Augen. Denn da dienen alle sich in der Natur zeigenden, oft nur von uns selbst dazu gemachten Zwecke dazu, es uns in der Erforschung der Ursachen recht bequem zu machen, nämlich, anstatt sie in den allgemeinen Gesetzen des Mechanismus der Materie zu suchen, sich geradezu auf den unerforschlichen Ratschluß der höchsten Weisheit zu berufen, und die Vernunftbemühung alsdann für vollendet anzusehen, wenn man sich ihres Gebrauchs überhebt, der doch nirgend einen Leitfaden findet, als wo ihn uns die Ordnung der Natur und die Reihe der Veränderungen, nach ihren inneren und allgemeineren Gesetzen, an die Hand gibt. Dieser Fehler kann vermieden werden, wenn wir nicht bloß einige Naturstücke, als z.B. die Verteilung des festen Landes, das Bauwerk desselben, und die Beschaffenheit und Lage der Gebirge, oder wohl gar nur die Organisation im Gewächs- und Tierreiche aus dem Gesichtspunkte der Zwecke betrachten, sondern diese systematische Einheit der Natur, in Beziehung auf die Idee einer höchsten Intelligenz, ganz allgemein machen. Denn alsdann legen wir eine Zweckmäßigkeit nach allgemeinen Gesetzen der Natur zum Grunde, von denen keine besondere Einrichtung ausgenommen, sondern nur mehr oder weniger kenntlich für uns ausgezeichnet worden, und haben ein regulatives Prinzip der systematischen Einheit einer teleologischen Verknüpfung, die wir aber nicht zum voraus bestimmen, sondern nur in Erwartung
B 720 derselben die physischmechanische Verknüpfung nach allgemeinen Gesetzen verfolgen dürfen. Denn so allein kann das Prinzip der zweckmäßigen Einheit den Vernunftgebrauch in Ansehung der Erfahrung jederzeit erweitern, ohne ihm in irgendeinem Falle Abbruch zu tun.
* So nannten die alten Dialektiker einen Trugschluß, der so lautete: Wenn es dein Schicksal mit sich bringt, du sollst von dieser Krankheit genesen, so wird es geschehen, du magst einen Arzt brauchen, oder nicht. Cicero sagt, daß diese Art zu schließen ihren Namen daher habe, daß, wenn man ihr folgt, gar kein Gebrauch der Vernunft im Leben übrig bleibe. Dieses ist die Ursache, warum ich das sophistische Argument der reinen Vernunft mit demselben Namen belege.
Der zweite Fehler, der aus der Mißdeutung des gedachten Prinzips der systematischen Einheit entspringt, ist der der verkehrten Vernunft (perversa ratio, ysteron proteron rationis). Die Idee der systematischen Einheit sollte nur dazu dienen, um als regulatives Prinzip sie in der Verbindung der Dinge nach allgemeinen Naturgesetzen zu suchen, und, soweit sich etwas davon auf dem empirischen Wege antreffen läßt, um so viel auch zu glauben, daß man sich der Vollständigkeit ihres Gebrauchs genähert habe, ob man sie freilich niemals erreichen wird. Anstatt dessen kehrt man die Sache um, und fängt davon an, daß man die Wirklichkeit eines Prinzips der zweckmäßigen Einheit als hypostatisch zum Grunde legt, den Begriff einer solchen höchsten Intelligenz, weil er an sich gänzlich unerforschlich ist, anthropomorphistisch bestimmt, und dann der Natur Zwecke, gewaltsam und diktatorisch, aufdringt, anstatt sie, wie billig, auf dem Wege der physischen Nachforschung zu suchen, so daß nicht allein Teleologie, die bloß dazu dienen sollte, um die Natureinheit nach allgemeinen Gesetzen zu ergänzen, nun vielmehr dahin wirkt, sie
B 721 aufzuheben, sondern die Vernunft sich noch dazu selbst um ihren Zweck bringt, nämlich das Dasein einer solchen intelligenten obersten Ursache, nach diesem, aus der Natur zu beweisen. Denn, wenn man nicht die höchste Zweckmäßigkeit in der Natur a priori, d.i. als zum Wesen derselben gehörig, voraussetzen kann, wie will man denn angewiesen sein, sie zu suchen und auf der Stufenleiter derselben sich der höchsten Vollkommenheit eines Urhebers, als einer schlechterdings notwendigen, mithin a priori erkennbaren Vollkommenheit, zu nähern? Das regulative Prinzip verlangt, die systematische Einheit als Natureinheit, welche nicht bloß empirisch erkannt, sondern a priori, obzwar noch unbestimmt, vorausgesetzt wird, schlechterdings, mithin als aus dem Wesen der Dinge folgend, vorauszusetzen. Lege ich aber zuvor ein höchstes ordnendes Wesen zum Grunde, so wird die Natureinheit in der Tat aufgehoben. Denn sie ist der Natur der Dinge ganz fremd und zufällig, und kann auch nicht aus allgemeinen Gesetzen derselben erkannt werden. Daher entspringt ein fehlerhafter Zirkel im Beweisen, da man das voraussetzt, was eigentlich hat bewiesen werden sollen.
Das regulative Prinzip der systematischen Einheit der Natur für ein konstitutives nehmen, und, was nur in der Idee zum Grunde des einhelligen Gebrauchs der Vernunft gelegt wird, als Ursache hypostatisch
B 722 voraussetzen, heißt nur die Vernunft verwirren. Die Naturforschung geht ihren Gang ganz allein an der Kette der Naturursachen nach allgemeinen Gesetzen derselben, zwar nach der Idee eines Urhebers, aber nicht um die Zweckmäßigkeit, der sie allerwärts nachgeht, von demselben abzuleiten, sondern sein Dasein aus dieser Zweckmäßigkeit, die in den Wesen der Naturdinge gesucht wird, womöglich auch in den Wesen aller Dinge überhaupt, mithin als schlechthin notwendig zu erkennen. Das Letztere mag nun gelingen oder nicht, so bleibt die Idee immer richtig, und ebensowohl auch deren Gebrauch, wenn er auf die Bedingungen eines bloß regulativen Prinzips restringiert worden.
Vollständige zweckmäßige Einheit ist Vollkommenheit (schlechthin betrachtet). Wenn wir diese nicht in dem Wesen der Dinge, welche den ganzen Gegenstand der Erfahrung, d.i. aller unserer objektiv gültigen Erkenntnis, ausmachen, mithin in allgemeinen und notwendigen Naturgesetzen finden; wie wollen wir daraus gerade auf die Idee einer höchsten und schlechthin notwendigen Vollkommenheit eines Urwesens schließen, welches der Ursprung aller Kausalität ist? Die größte systematische, folglich auch die zweckmäßige Einheit ist die Schule und selbst die Grundlage der Möglichkeit des größten Gebrauchs der Menschenvernunft. Die Idee derselben ist also mit dem Wesen
B 723 unserer Vernunft unzertrennlich verbunden. Eben dieselbe Idee ist also für uns gesetzgebend, und so ist es sehr natürlich, eine ihr korrespondierende gesetzgebende Vernunft (intellectus archetypus) anzunehmen, von der alle systematische Einheit der Natur, als dem Gegenstande unserer Vernunft, abzuleiten sei.
Wir haben bei Gelegenheit der Antinomie der reinen Vernunft gesagt: daß alle Fragen, welche die reine Vernunft aufwirft, schlechterdings beantwortlich sein müssen, und daß die Entschuldigung mit den Schranken unserer Erkenntnis, die in vielen Naturfragen ebenso unvermeidlich als billig ist, hier nicht gestattet werden könne, weil uns hier nicht von der Natur der Dinge, sondern allein durch die Natur der Vernunft und lediglich über ihre innere Einrichtung, die Fragen vorgelegt werden. Jetzt können wir diese dem ersten Anscheine nach kühne Behauptung in Ansehung der zwei Fragen, wobei die reine Vernunft ihr größtes Interesse hat, bestätigen, und dadurch unsere Betrachtung über die Dialektik derselben zur gänzlichen Vollendung bringen.
Frägt man denn also (in Absicht auf eine transzendentale Theologie)* erstlich: ob es etwas von der Welt
B 724 Unterschiedenes gebe, was den Grund der Weltordnung und ihres Zusammenhanges nach allgemeinen Gesetzen enthalte, so ist die Antwort: ohne Zweifel. Denn die Welt ist eine Summe von Erscheinungen, es muß also irgendein transzendentaler, d.i. bloß dem reinen Verstande denkbarer Grund derselben sein. Ist zweitens die Frage: ob dieses Wesen Substanz, von der größten Realität, notwendig usw. sei; so antworte ich: daß diese Frage gar keine Bedeutung habe. Denn alle Kategorien, durch welche ich mir einen Begriff von einem solchen Gegenstande zu machen versuche, sind von keinem anderen als empirischen Gebrauche, und haben gar keinen Sinn, wenn sie nicht auf Objekte möglicher Erfahrung, d.i. auf die Sinnenwelt angewandt werden. Außer diesem Felde sind sie bloß Titel zu Begriffen, die man einräumen, dadurch man aber auch nichts verstehen kann. Ist endlich drittens die Frage: ob wir nicht wenigstens dieses von der Welt unterschiedene Wesen nach einer Analogie mit den Gegenständen der Erfahrung denken dürfen? so ist die Antwort: allerdings, aber nur als Gegenstand in der
B 725 Idee und nicht in der Realität, nämlich nur, sofern er ein uns unbekanntes Substratum der systematischen Einheit, Ordnung und Zweckmäßigkeit der Welteinrichtung ist, welche sich die Vernunft zum regulativen Prinzip ihrer Naturforschung machen muß. Noch mehr, wir können in dieser Idee gewisse Anthropomorphismen, die dem gedachten regulativen Prinzip beförderlich sind, ungescheut und ungetadelt erlauben. Denn es ist immer nur eine Idee, die gar nicht direkt auf ein von der Welt unterschiedenes Wesen, sondern auf das regulative Prinzip der systematischen Einheit der Welt, aber nur vermittelst eines Schema derselben, nämlich einer obersten Intelligenz, die nach weisen Absichten Urheber derselben sei, bezogen wird. Was dieser Urgrund der Welteinheit an sich selbst sei, hat dadurch nicht gedacht werden sollen, sondern wie wir ihn, oder vielmehr seine Idee, relativ auf den systematischen Gebrauch der Vernunft in Ansehung der Dinge der Welt, brauchen sollen.
* Dasjenige, was ich schon vorher von der psychologischen Idee und deren eigentlichen Bestimmung, als Prinzips zum bloß regulativen Vernunftgebrauch, gesagt habe, überhebt mich der Weitläufigkeit, die transzendentale Illusion, nach der jene systematische Einheit aller Mannigfaltigkeit des inneren Sinnes hypostatisch vorgestellt wird, noch besonders zu erörtern. Das Verfahren hierbei ist demjenigen sehr ähnlich, welches die Kritik in Ansehung des theologischen Ideals beobachtet.
Auf solche Weise aber können wir doch (wird man fortfahren zu fragen) einen einigen weisen und allgewaltigen Welturheber annehmen? Ohne allen Zweifel; und nicht allein dies, sondern wir müssen einen solchen voraussetzen. Aber alsdann erweitern wir doch unsere Erkenntnis über das Feld möglicher Erfahrung? Keineswegs. Denn wir haben nur ein Etwas vorausgesetzt,
B 726 wovon wir gar keinen Begriff haben, was es an sich selbst sei (einen bloß transzendentalen Gegenstand), aber, in Beziehung auf die systematische und zweckmäßige Ordnung des Weltbaues, welche wir, wenn wir die Natur studieren, voraussetzen müssen, haben wir jenes uns unbekannte Wesen nur nach der Analogie mit einer Intelligenz (ein empirischer Begriff) gedacht, d.i. es in Ansehung der Zwecke und der Vollkommenheit, die sich auf demselben gründen, gerade mit denen Eigenschaften begabt, die nach den Bedingungen unserer Vernunft den Grund einer solchen systematischen Einheit enthalten können. Diese Idee ist also respektiv auf den Weltgebrauch unserer Vernunft ganz gegründet. Wollten wir ihr aber schlechthin objektive Gültigkeit erteilen, so würden wir vergessen, daß es lediglich ein Wesen in der Idee sei, das wir denken, und, indem wir alsdann von einem durch die Weltbetrachtung gar nicht bestimmbaren Grunde anfingen, würden wir dadurch außerstand gesetzt, dieses Prinzip dem empirischen Vernunftgebrauch angemessen anzuwenden.
Aber (wird man ferner fragen) auf solche Weise kann ich doch von dem Begriffe und der Voraussetzung eines höchsten Wesens in der vernünftigen Weltbetrachtung Gebrauch machen? Ja, dazu war auch eigentlich diese Idee von der Vernunft zum Grunde gelegt. Allein darf ich nun zweckähnliche Anordnungen als Absichten ansehen, indem
B 727 ich sie vom göttlichen Willen, obzwar vermittelst besonderer dazu in der Welt darauf gestellten Anlagen, ableite? Ja, das könnt ihr auch tun, aber so, daß es euch gleich viel gelten muß, ob jemand sage, die göttliche Weisheit hat alles so zu seinen obersten Zwecken geordnet, oder die Idee der höchsten Weisheit ist ein Regulativ in der Nachforschung der Natur und ein Prinzip der systematischen und zweckmäßigen Einheit derselben nach allgemeinen Naturgesetzen, auch selbst da, wo wir jene nicht gewahr werden, d.i. es muß euch da, wo ihr sie wahrnehmt, völlig einerlei sein, zu sagen: Gott hat es weislich so gewollt, oder die Natur hat es also weislich geordnet. Denn die größte systematische und zweckmäßige Einheit, welche eure Vernunft aller Naturforschung als regulatives Prinzip zum Grunde zu legen verlangte, war eben das, was euch berechtigte, die Idee einer höchsten Intelligenz als ein Schema des regulativen Prinzips zum Grunde zu legen, und, so viel ihr nun, nach demselben, Zweckmäßigkeit in der Welt antrefft, so viel habt ihr Bestätigung der Rechtmäßigkeit eurer Idee; da aber gedachtes Prinzip nichts anderes zur Absicht hatte, als notwendige und größtmögliche Natureinheit zu suchen, so werden wir diese zwar, so weit als wir sie erreichen, der Idee eines höchsten Wesens zu danken haben, können aber die allgemeinen Gesetze der Natur, als in Absicht auf welche die Idee nur zum Grunde gelegt wurde, ohne mit uns selbst in Widerspruch zu geraten,
B 728 nicht vorbeigehen, um diese Zweckmäßigkeit der Natur als zufällig und hyperphysisch ihrem Ursprunge nach anzusehen, weil wir nicht berechtigt waren, ein Wesen über die Natur von den gedachten Eigenschaften anzunehmen, sondern nur die Idee desselben zum Grunde zu legen, um nach der Analogie einer Kausalbestimmung der Erscheinungen als systematisch untereinander verknüpft anzusehen.
Eben daher sind wir auch berechtigt, die Weltursache in der Idee nicht allein nach einem subtileren Anthropomorphismus (ohne welchen sich gar nichts von ihm denken lassen würde), nämlich als ein Wesen, das Verstand, Wohlgefallen und Mißfallen, imgleichen eine demselben gemäße Begierde und Willen hat usw. zu denken, sondern demselben unendliche Vollkommenheit beizulegen, die also diejenige weit übersteigt, dazu wir durch empirische Kenntnis der Weltordnung berechtigt sein können. Denn das regulative Gesetz der systematischen Einheit will, daß wir die Natur so studieren sollen, als ob allenthalben ins Unendliche systematische und zweckmäßige Einheit, bei der größtmöglichen Mannigfaltigkeit, angetroffen würde. Denn, wiewohl wir nur wenig von dieser Weltvollkommenheit ausspähen, oder erreichen werden, so gehört es doch zur Gesetzgebung unserer Vernunft, sie allerwärts zu suchen und zu vermuten, und es muß uns jederzeit vorteilhaft sein, niemals aber kann es nachteilig werden, nach diesem
B 729 Prinzip die Naturbetrachtung anzustellen. Es ist aber, unter dieser Vorstellung, der zum Grunde gelegten Idee eines höchsten Urhebers, auch klar: daß ich nicht das Dasein und die Kenntnis eines solchen Wesens, sondern nur die Idee desselben zum Grunde lege, und also eigentlich nichts von diesem Wesen, sondern bloß von der Idee desselben, d.i. von der Natur der Dinge der Welt, nach einer solchen Idee, ableite. Auch scheint ein gewisses, obzwar unentwickeltes Bewußtsein, des echten Gebrauchs dieses unseren Vernunftbegriffs, die bescheidene und billige Sprache der Philosophen aller Zeiten veranlaßt zu haben, da sie von der Weisheit und Vorsorge der Natur, und der göttlichen Weisheit, als gleichbedeutenden Ausdrücken reden, ja den ersteren Ausdruck, so lange es um bloß spekulative Vernunft zu tun ist, vorziehen, weil er die Anmaßung einer größeren Behauptung, als die ist, wozu wir befugt sind, zurückhält, und zugleich die Vernunft auf ihr eigentümliches Feld, die Natur, zurückweist.
So enthält die reine Vernunft, die uns anfangs nichts Geringeres, als Erweiterung der Kenntnisse über alle Grenzen der Erfahrung, zu versprechen schiene, wenn wir sie recht verstehen, nichts als regulative Prinzipien, die zwar größere Einheit gebieten, als der empirische Verstandesgebrauch erreichen kann, aber eben dadurch, daß sie das Ziel der Annäherung desselben so weit hinausrücken,
B 730 die Zusammenstimmung desselben mit sich selbst durch systematische Einheit zum höchsten Grade bringen, wenn man sie aber mißversteht, und sie für konstitutive Prinzipien transzendenter Erkenntnisse hält, durch einen zwar glänzenden, aber trüglichen Schein, Überredung und eingebildetes Wissen, hiermit aber ewige Widersprüche und Streitigkeiten hervorbringen.
* * *
So fängt denn alle menschliche Erkenntnis mit Anschauungen an, geht von da zu Begriffen, und endigt mit Ideen. Ob sie zwar in Ansehung aller dreien Elemente Erkenntnisquellen a priori hat, die beim ersten Anblicke die Grenzen aller Erfahrung zu verschmähen scheinen, so überzeugt doch eine vollendete Kritik, daß alle Vernunft im spekulativen Gebrauche mit diesen Elementen niemals über das Feld möglicher Erfahrung hinauskommen könne, und daß die eigentliche Bestimmung dieses obersten Erkenntnisvermögens sei, sich aller Methoden und der Grundsätze derselben nur zu bedienen, um der Natur nach allen möglichen Prinzipien der Einheit, worunter die der Zwecke die vornehmste ist, bis in ihr Innerstes nachzugehen, niemals aber ihre Grenze zu überfliegen, außerhalb welcher für uns nichts als leerer Raum ist. Zwar hat uns die kritische Untersuchung aller Sätze, welche unsere
B 731 Erkenntnis über die wirkliche Erfahrung hinaus erweitern können, in der transzendentalen Analytik hinreichend überzeugt, daß sie niemals zu etwas mehr, als einer möglichen Erfahrung leiten können, und, wenn man nicht selbst gegen die klarsten abstrakten und allgemeinen Lehrsätze mißtrauisch wäre, wenn nicht reizende und scheinbare Aussichten uns lockten, den Zwang der ersteren abzuwerfen, so hätten wir allerdings der mühsamen Abhörung aller dialektischen Zeugen, die eine transzendente Vernunft zum Behuf ihrer Anmaßungen auftreten läßt, überhoben sein können; denn wir wußten es schon zum voraus mit völliger Gewißheit, daß alles Vorgeben derselben zwar vielleicht ehrlich gemeint, aber schlechterdings nichtig sein müsse, weil es eine Kundschaft betraf, die kein Mensch jemals bekommen kann. Allein, weil doch des Redens kein Ende wird, wenn man nicht hinter die wahre Ursache des Scheins kommt, wodurch selbst der Vernünftigste hintergangen werden kann, und die Auflösung aller unserer transzendenten Erkenntnis in ihre Elemente (als ein Studium unserer inneren Natur) an sich selbst keinen geringen Wert hat, dem Philosophen aber sogar Pflicht ist, so war es nicht allein nötig, diese ganze, obzwar eitle Bearbeitung der spekulativen Vernunft bis zu ihren ersten Quellen ausführlich nachzusuchen, sondern, da der dialektische Schein hier nicht allein dem Urteile nach täuschend, sondern
B 732 auch dem Interesse nach, das man hier am Urteile nimmt, anlockend, und jederzeit natürlich ist, und so in alle Zukunft bleiben wird, so war es ratsam, gleichsam die Akten dieses Prozesses ausführlich abzufassen, und sie im Archive der menschlichen Vernunft, zur Verhütung künftiger Irrungen ähnlicher Art, niederzulegen.
Transcendental Logic Second Division Transcendental Dialectic
Introduction
I. On Transcendental Illusion
Above we called dialectic in general a logic of illusion. This does not mean that it is a doctrine of probability. Probability is truth cognized through insufficient grounds; cognition of it is therefore deficient, but not on that account deceptive, and hence need not be separated from the analytic part of logic. Still less may appearance and illusion be regarded as identical.
B 350 For truth or illusion lies not in the object insofar as it is intuited, but in the judgment about it insofar as it is thought. Thus one can indeed correctly say that the senses do not err, but not because they always judge correctly: rather, because they do not judge at all. Hence truth as well as error, and therefore illusion as the inducement to error, are to be found only in judgment, only in the relation of the object to our understanding. In a cognition agreeing throughout with the laws of understanding there is no error. Nor is there error in a representation of the senses, because it contains no judgment at all. No force of nature, however, can deviate of itself from its own laws. Thus neither understanding alone, without the influence of another cause, nor the senses by themselves would err. Understanding would not, because when it acts merely according to its laws, the effect, the judgment, must necessarily agree with those laws. Agreement with the laws of understanding constitutes the formal element of all truth. In the senses there is no judgment at all, either true or false. Since we have no sources of cognition other than these two, it follows that error is produced only through the unnoticed influence of sensibility on understanding.
B 351 Through this influence the subjective grounds of judgment merge with the objective grounds and cause them to deviate from their determination*, just as a moving body would by itself always maintain a straight line in the same direction, but moves in a curve when another force simultaneously influences it in another direction. To distinguish the understanding’s own action from the force interfering with it, we must therefore regard an erroneous judgment as the diagonal between two forces determining judgment in two different directions, enclosing, as it were, an angle. We must resolve that composite effect into the simple effects of understanding and sensibility. In pure a priori judgments this must be done through transcendental reflection, which, as already indicated, assigns each representation its place in the cognitive power appropriate to it and thus also distinguishes the influence of that power on the representation.
* Sensibility, placed beneath understanding as the object to which it applies its function, is the source of real cognitions. But this same sensibility, insofar as it influences the very action of understanding and determines it to judge, is the ground of error.
Our business here is not to discuss empirical illusion, optical illusion for example.
B 352 This occurs in the empirical use of otherwise correct rules of understanding, and through it the power of judgment is misled by the influence of imagination. We are concerned solely with transcendental illusion. This influences principles whose use is not even directed toward experience, where we would at least have a touchstone of their correctness. Instead, despite all the warnings of critique, it leads us entirely beyond the empirical use of the categories and holds out to us the deceptive prospect of extending pure understanding. We will call principles whose application remains wholly within the limits of possible experience immanent, and those that are to fly beyond these boundaries transcendent principles. By the latter, however, I do not mean the transcendental use or misuse of categories, which is merely an error of the power of judgment insufficiently restrained by critique, failing to attend adequately to the boundary of the ground on which alone pure understanding is permitted to operate. I mean actual principles urging us to tear down all those boundary markers and lay claim to an entirely new territory that recognizes no demarcation anywhere. Thus transcendental and transcendent are not the same.
B 353 The principles of pure understanding set out above are to have merely empirical and not transcendental use, that is, use reaching beyond the boundary of experience. But a principle removing these limits, indeed commanding us to overstep them, is called transcendent. If our critique can succeed in exposing the illusion of these pretended principles, the principles of merely empirical use can, in contrast to them, be called immanent principles of pure understanding.
Logical illusion, which consists in the mere imitation of the form of reason, the illusion of fallacies, arises solely from a lack of attention to the logical rule. As soon as attention is sharpened upon the case at hand, it therefore disappears entirely. Transcendental illusion, by contrast, does not cease even after it has been exposed and its nullity clearly understood through transcendental critique: for example, the illusion in the proposition that the world must have a beginning in time. The cause is that in our reason, considered subjectively as a human faculty of cognition, there lie fundamental rules and maxims of its use that have entirely the appearance of objective principles. Through these the subjective necessity of a certain connection of our concepts for the benefit of understanding is taken for an objective necessity in the determination of things in themselves.
B 354 This is an illusion that cannot be avoided at all, any more than we can avoid the sea’s appearing higher in the middle than at the shore because we see the former through higher rays of light than the latter; or, still more, any more than even the astronomer can prevent the moon from appearing larger as it rises, although he is not deceived by this illusion.
Transcendental dialectic will therefore content itself with exposing the illusion in transcendent judgments and at the same time preventing it from deceiving us. But that it should also disappear like logical illusion, and cease to be an illusion, is something dialectic can never bring about. For we are dealing with a natural and unavoidable illusion, itself resting on subjective principles that it passes off as objective, whereas logical dialectic, in resolving fallacies, deals only with an error in following principles, or an artificial illusion in imitating them. Thus there is a natural and unavoidable dialectic of pure reason: not one in which a bungler becomes entangled through lack of knowledge, or one artificially devised by some sophist to confuse reasonable people, but one inseparably attached to human reason. Even after we have exposed its deception, it will still not cease to beguile reason.
B 355 It will continually thrust reason into momentary aberrations that always need to be removed.
II. On Pure Reason as the Seat of Transcendental Illusion
A. On Reason in General
All our cognition begins with the senses, proceeds from there to understanding, and ends with reason. Nothing higher is found in us for working on the material of intuition and bringing it under the highest unity of thinking. Now that I am to give an explanation of this supreme cognitive power, I find myself in some difficulty. As with understanding, it has a merely formal, logical use, in which reason abstracts from all content of cognition, but also a real use, in which reason itself contains the origin of certain concepts and principles that it borrows neither from the senses nor from understanding. Logicians have of course long since explained the first faculty as the faculty of making mediate inferences, in distinction from immediate inferences (consequentiis immediatis); but the second, which itself generates concepts, is not yet understood through this.
B 356 Since reason is here divided into a logical and a transcendental faculty, a higher concept of this source of cognition must be sought that includes both concepts under it. Meanwhile, by analogy with the concepts of the understanding, we may expect the logical concept to supply the key to the transcendental concept, and the table of functions of the former to supply the genealogy of concepts of reason.
In the first part of our transcendental logic we explained understanding as the faculty of rules. Here we distinguish reason from it by calling reason the faculty of principles.
The expression “principle” is ambiguous, and commonly signifies only a cognition that can be used as a principle, although in itself and in its own origin it is not a principle. Every universal proposition, even one drawn from experience through induction, can serve as the major premise in a syllogism, but is not on that account itself a principle. Mathematical axioms, for example that between two points there can be only one straight line, are even universal a priori cognitions, and are therefore rightly called principles relative to the cases that can be subsumed under them.
B 357 Yet I cannot on that account say that I cognize this property of straight lines in general and in itself from principles, but only in pure intuition.
I would therefore call cognition from principles that cognition in which I cognize the particular in the universal through concepts. Every syllogism is thus a form of deriving a cognition from a principle. For the major premise always supplies a concept such that everything subsumed under its condition is cognized from it according to a principle. Now since every universal cognition can serve as the major premise in a syllogism, and understanding offers such universal propositions a priori, these too can be called principles in respect of their possible use.
But if we consider these principles of pure understanding in themselves as to their origin, they are anything but cognitions from concepts. For they would not even be possible a priori unless we brought in pure intuition, in mathematics, or the conditions of a possible experience in general. That everything happening has a cause cannot at all be inferred from the concept of what happens in general. Rather, the principle shows how we can first obtain a determinate experiential concept of what happens.
Understanding therefore cannot supply synthetic cognitions from concepts at all.
B 358 These are properly what I call principles without qualification, whereas all universal propositions in general can be called principles comparatively.
It is an old wish, which may one day be fulfilled, who knows how late, that instead of the endless variety of civil laws their principles might at last be sought. In this alone can lie the secret of simplifying legislation, as the saying goes. But laws here are also only restrictions of our freedom to conditions under which it agrees thoroughly with itself. They thus concern something entirely our own work, of which we ourselves can be the cause through these concepts. But how objects in themselves, how the nature of things, should stand under principles and be determined according to mere concepts is, if not impossible, at least a very unreasonable demand. However matters may stand here, since the investigation still lies before us, this at least is clear: cognition from principles, in itself, is something entirely different from mere cognition through understanding. The latter can indeed also precede other cognitions in the form of a principle, but in itself, insofar as it is synthetic, neither rests on mere thinking nor contains a universal according to concepts.
B 359 If understanding is a faculty for the unity of appearances by means of rules, reason is the faculty for the unity of the rules of understanding under principles. Thus it never relates immediately to experience or to any object, but to understanding, in order to give its manifold cognitions unity a priori through concepts. This may be called unity of reason and is of a wholly different kind from the unity understanding can provide.
This is the general concept of the faculty of reason, insofar as it could be made comprehensible in the complete absence of examples, which are to be supplied only later.
B. On the Logical Use of Reason
A distinction is made between what is cognized immediately and what is only inferred. That a figure bounded by three straight lines has three angles is cognized immediately; that these angles together equal two right angles is only inferred. Because we constantly need inference and thereby finally become entirely accustomed to it, we eventually cease to notice this distinction and often take something as immediately perceived that we have only inferred, as in the so-called deception of the senses.
B 360 In every inference there is a proposition laid down as ground, another proposition, the conclusion drawn from it, and finally the consequence according to which the truth of the latter is inevitably connected with the truth of the former. If the inferred judgment already lies in the first in such a way that it can be derived without the mediation of a third representation, the inference is called immediate (consequentia immediata); I would rather call it an inference of understanding. But if, besides the cognition laid down as ground, another judgment is needed to bring about the consequence, the inference is called a syllogism. In the proposition “All human beings are mortal” there already lie the propositions “Some human beings are mortal,” “Some mortals are human beings,” and “Nothing immortal is a human being”; these are therefore immediate conclusions from the first. By contrast, the proposition “All scholars are mortal” does not lie in the underlying judgment, since the concept of scholars does not occur in it at all; it can be inferred from it only through an intermediate judgment.
In every syllogism I first think a rule (major) through understanding. Second, through the power of judgment I subsume a cognition under the condition of the rule (minor). Finally, I determine my cognition through the predicate of the rule (conclusio), and hence a priori through reason.
B 361 The relation that the major premise, as rule, represents between a cognition and its condition therefore constitutes the different kinds of syllogism. There are accordingly exactly three kinds, just as with judgments in general insofar as they differ in how they express the relation of cognition in understanding: categorical, hypothetical, or disjunctive syllogisms.
When, as usually happens, the conclusion is given as a judgment in order to see whether it follows from judgments already given, through which an entirely different object is thought, I search understanding for the assertion of this concluding proposition, to see whether it is found there under certain conditions according to a universal rule. If I now find such a condition, and the object of the concluding proposition can be subsumed under the given condition, the proposition is inferred from the rule, which also holds for other objects of cognition. From this we see that in inference reason seeks to bring the great manifold of understanding’s cognition under the smallest number of principles, universal conditions, and thereby bring about its highest unity.
B 362 C. On the Pure Use of Reason
Can reason be isolated, and is it then still a source of its own of concepts and judgments arising solely from it, through which it relates to objects? Or is it merely a subordinate faculty for giving given cognitions a certain form called logical, through which the cognitions of understanding are merely subordinated to one another, and lower rules to higher ones whose condition includes the condition of the former within its sphere, insofar as comparing them can accomplish this? This is the question with which we are now concerned only provisionally. In fact, a manifold of rules and unity of principles is a demand of reason for bringing understanding into thoroughgoing connection with itself, just as understanding brings the manifold of intuition under concepts and thereby brings that manifold into connection. But such a principle prescribes no law to objects and contains no ground of the possibility of cognizing and determining them as such in general. It is merely a subjective law for managing the stock of our understanding: by comparing its concepts, to reduce their universal use to the smallest possible number of them.
B 363 This does not entitle us to demand from the objects themselves such an accord as would promote the convenience and extension of our understanding, and thereby give that maxim objective validity as well. In a word, the question is whether reason in itself, pure reason, contains synthetic a priori principles and rules, and what these principles may consist in.
Its formal and logical procedure in syllogisms already gives us sufficient guidance as to the ground on which its transcendental principle in synthetic cognition through pure reason will rest.
First, a syllogism relates not to intuitions in order to bring them under rules, as understanding does with its categories, but to concepts and judgments. Thus even if pure reason relates to objects, it has no immediate relation to them and their intuition, but only to understanding and its judgments, which turn immediately to the senses and their intuition in order to determine their object for them. Unity of reason is therefore not unity of a possible experience, but is essentially different from the latter as unity of understanding. That everything happening has a cause is no principle cognized and prescribed by reason. It makes the unity of experience possible and borrows nothing from reason.
B 364 Without this relation to possible experience, reason could not have commanded such synthetic unity from mere concepts.
Second, in its logical use reason seeks the universal condition of its judgment, the concluding proposition. A syllogism itself is nothing other than a judgment made by subsuming its condition under a universal rule, the major premise. Since this rule is in turn exposed to the same attempt by reason, and the condition of the condition must therefore be sought through a prosyllogism as far as possible, it is clear that reason’s distinctive principle in general, in its logical use, is to find for the conditioned cognition of understanding the unconditioned through which its unity is completed.
But this logical maxim can become a principle of pure reason only by assuming that, if the conditioned is given, the entire series of conditions subordinated to one another, which is therefore itself unconditioned, is also given (that is, contained in the object and its connection).
Such a principle of pure reason is manifestly synthetic. For the conditioned relates analytically to some condition, but not to the unconditioned. Various synthetic propositions must also arise from this principle, of which pure understanding knows nothing.
B 365 It is concerned only with objects of a possible experience, whose cognition and synthesis are always conditioned. But the unconditioned, if it actually occurs, can be considered separately according to all the determinations distinguishing it from everything conditioned, and must thereby provide material for many synthetic a priori propositions.
The principles arising from this supreme principle of pure reason will, however, be transcendent with respect to all appearances: no empirical use adequate to it can ever be made of it. It will therefore differ entirely from all principles of understanding, whose use is wholly immanent since their sole theme is the possibility of experience. Is that principle—that the series of conditions, in the synthesis of appearances or even in thinking things in general, extends to the unconditioned—objectively correct or not, and what consequences flow from it for the empirical use of understanding? Or is there, rather, no such objectively valid proposition of reason anywhere, but merely a logical prescription to approach completeness by ascending to ever higher conditions, and thereby to bring into our cognition the highest unity of reason possible for us?
B 366 Has this need of reason, I say, been taken through a misunderstanding for a transcendental principle of pure reason, one that hastily postulates such unlimited completeness of the series of conditions in the objects themselves? And what misinterpretations and delusions may creep, even in this case, into syllogisms whose major premise is taken from pure reason (and is perhaps more a petition than a postulate), and which ascend from experience to its conditions? This will be our business in transcendental dialectic. We will now develop it from its sources, deeply hidden in human reason. We will divide it into two chapters, the first treating the transcendent concepts of pure reason, the second its transcendent and dialectical syllogisms.
Transcendental Dialectic First Book On the Concepts of Pure Reason
Whatever the possibility of concepts from pure reason may involve, they are not merely reflected but inferred concepts.
B 367 Concepts of the understanding are also thought a priori before experience and for its sake, but contain nothing beyond the unity of reflection on appearances insofar as these must necessarily belong to a possible empirical consciousness. Through these concepts alone do cognition and determination of an object become possible. They therefore first provide material for inference, and no a priori concepts of objects precede them from which they could be inferred. Their objective reality, however, rests solely on this: because they constitute the intellectual form of all experience, their application must always be capable of being shown in experience.
The designation “concept of reason,” however, already provisionally indicates that it will not allow itself to be confined within experience, because it concerns a cognition of which every empirical cognition is only a part, perhaps the whole of possible experience or of its empirical synthesis. No actual experience ever fully reaches this whole, though it always belongs to it. Concepts of reason serve for comprehension, as concepts of the understanding serve for understanding perceptions. If they contain the unconditioned, they concern something under which all experience belongs, but which is never itself an object of experience: something to which reason leads in its inferences from experience, and according to which it estimates and measures the degree of its empirical use, but which never constitutes a member of empirical synthesis.
B 368 If such concepts nevertheless have objective validity, they can be called conceptus ratiocinati (correctly inferred concepts); if not, they have at least been surreptitiously obtained through an illusion of inference and may be called conceptus ratiocinantes (speciously reasoning concepts). Since this can be settled only in the chapter on the dialectical inferences of pure reason, we cannot yet take it into account. Provisionally, just as we called pure concepts of the understanding categories, we will give the concepts of pure reason a new name, calling them transcendental ideas, and will now explain and justify this designation.
First Book of Transcendental Dialectic First Section On Ideas in General
Despite the great wealth of our languages, a thinking mind often finds itself at a loss for an expression exactly fitting its concept, without which it cannot make itself properly intelligible to others or even to itself.
B 369 To coin new words is a presumption to legislate in language that rarely succeeds. Before resorting to this desperate remedy, it is advisable to look in a dead and learned language to see whether the concept, together with its appropriate expression, is already to be found there. Even if the old use has become somewhat uncertain through the carelessness of its originators, it is still better to fix the meaning that was especially proper to it, even should it remain doubtful whether precisely the same meaning was intended at the time, than to spoil one’s undertaking merely by making oneself unintelligible.
Thus if only a single word should be found for a certain concept, fitting it exactly in an already established meaning, and if distinguishing this concept from related concepts is of great importance, it is advisable not to use that word extravagantly or merely for variety as a synonym in place of others. Rather, one should carefully preserve its distinctive meaning. Otherwise it easily happens that, once the expression no longer particularly engages attention but is lost among a mass of others of very different significance, the thought it alone could have preserved is also lost.
B 370 Plato used the expression “idea” in a way that makes it clear he understood by it something not only never borrowed from the senses, but even far surpassing the concepts of the understanding with which Aristotle concerned himself, since nothing congruent with it is ever found in experience. For him ideas are archetypes of things themselves, not merely keys to possible experiences, like the categories. In his opinion they flowed from supreme reason and were thence imparted to human reason. The latter, however, is no longer in its original state, but must laboriously recall the old, now much obscured ideas through recollection, which is called philosophy. I will not enter here into a literary investigation to establish the meaning this sublime philosopher attached to his expression. I note only that it is not at all unusual, in ordinary conversation as well as in writings, to understand an author even better than he understood himself by comparing the thoughts he expresses about his subject. For he did not determine his concept sufficiently, and thereby sometimes spoke, or even thought, contrary to his own intention.
Plato very clearly observed that our cognitive power feels a far higher need than merely spelling out appearances according to synthetic unity in order to read them as experience.
B 371 He observed too that our reason naturally soars to cognitions that go far beyond anything with which any object experience can give could ever be congruent, yet which nevertheless have their reality and are by no means mere fantasies.
Plato found his ideas especially in everything practical*, that is, everything resting on freedom, which in turn stands under cognitions that are a distinctive product of reason. Anyone who wished to draw the concepts of virtue from experience, who wished to make what can at most serve as an example for imperfect elucidation into a model and source of cognition, as many have actually done, would turn virtue into an ambiguous nonentity, changing with time and circumstances and useless for any rule.
B 372 By contrast, everyone becomes aware that, when someone is presented to him as a model of virtue, he still has the true original only in his own mind, with which he compares this supposed model and by which alone he estimates it. This is the idea of virtue. In relation to it all possible objects of experience serve indeed as examples, proofs of the practicability to a certain degree of what the concept of reason demands, but not as archetypes. That no human being will ever act adequately to what the pure idea of virtue contains proves nothing chimerical in this thought. For every judgment of moral worth or unworthiness is nevertheless possible only through this idea. Hence it necessarily underlies every approach to moral perfection, however far the obstacles in human nature, indeterminable in degree, may keep us from it.
* He admittedly extended his concept also to speculative cognitions, provided only that they were pure and given entirely a priori, even to mathematics, although its object lies nowhere but in possible experience. Here I cannot follow him, any more than in the mystical deduction of these ideas or the exaggerations through which he, as it were, hypostatized them; although the lofty language he used in this field is quite capable of a milder interpretation appropriate to the nature of things.
Plato’s Republic has become proverbial as a supposedly striking example of dreamed-up perfection that can have its seat only in an idle thinker’s brain, and Brucker finds it ridiculous that the philosopher asserted that a prince would never govern well unless he participated in the ideas. Yet one would do better to pursue this thought further and illuminate it through fresh effort where that excellent man leaves us unaided, rather than set it aside as useless under the very wretched and harmful pretext of impracticability.
B 373 A constitution providing the greatest human freedom according to laws that allow each person’s freedom to coexist with everyone else’s—not the greatest happiness, for this will follow of itself—is at least a necessary idea. It must underlie not merely the first design of a political constitution but all laws as well. At the outset one must abstract from present obstacles, which may arise not so much inevitably from human nature as from neglect of genuine ideas in legislation. For nothing can be more harmful or more unworthy of a philosopher than the vulgar appeal to experience contradicting in vain, which would not exist at all if those institutions had been established at the proper time according to ideas, instead of crude concepts, precisely because they were drawn from experience, frustrating every good intention. The more legislation and government were arranged in agreement with this idea, the rarer punishments would certainly become; and it is then quite reasonable, as Plato asserts, that with a perfect arrangement of them none would be needed at all. Although this last state may never come about, the idea is nevertheless entirely correct.
B 374 It sets up this maximum as an archetype, in order to bring the legal constitution of human beings ever closer to the greatest possible perfection. For what the highest degree may be at which humanity must stop, and hence how great the gulf necessarily remaining between the idea and its execution may be, no one can or should determine, precisely because freedom can overstep every specified boundary.
But not only in what displays the true causality of human reason, where ideas become efficient causes of actions and their objects, namely in morality, but also with respect to nature itself, Plato rightly sees clear proofs of its origin in ideas. A plant, an animal, the orderly arrangement of the universe, and presumably therefore the whole order of nature, clearly show that they are possible only according to ideas. No individual creature under the individual conditions of its existence is congruent with the idea of what is most perfect of its kind, any more than a human being is with the idea of humanity that he even carries in his own soul as the archetype of his actions. Yet those ideas in the highest understanding are individual, unalterable, thoroughly determined, and the original causes of things; only the whole of their combination in the universe is fully adequate to that idea.
B 375 If we set aside the exaggeration of expression, the philosopher’s soaring from a consideration of the physical world order as a copy to its architectonic connection according to ends, that is, ideas, is an endeavor deserving respect and emulation. With regard to the principles of morality, legislation, and religion, however, where ideas first make experience itself (of the good) possible, though they can never be fully expressed in it, it is a quite distinctive merit. This merit goes unrecognized only because it is judged by those very empirical rules whose validity as principles was precisely what the ideas were intended to abolish. For with respect to nature experience supplies the rule and is the source of truth; with respect to moral laws, however, experience is (sadly!) the mother of illusion. It is utterly reprehensible to derive the laws of what I ought to do from what is done, or to wish to restrict them by it.
Instead of all these considerations, whose proper elaboration in fact constitutes the distinctive dignity of philosophy, we are now engaged in a less brilliant but not unmeritorious task: making the ground level and firm for those majestic moral edifices.
B 376 In that ground lie all kinds of mole tunnels dug by a reason searching for treasure in vain but with great confidence, which make the building insecure. Thus it is the transcendental use of pure reason, its principles and ideas, that we must now know precisely, in order properly to determine and estimate the influence and worth of pure reason. Yet before laying aside this preliminary introduction, I ask those to whom philosophy matters—which is saying more than one commonly finds—if they should find themselves convinced by this and what follows, to protect the expression “idea” in its original meaning. It should no longer fall among the other expressions commonly used to designate all kinds of representation in careless disorder, to the detriment of science. We do not lack designations properly suited to every kind of representation, without needing to encroach on the property of another. Here is their ascending scale. The genus is representation in general (repraesentatio). Beneath it stands representation with consciousness (perceptio). A perception relating solely to the subject as the modification of its state is sensation (sensatio); an objective perception is cognition (cognitio). Cognition is either intuition or concept (intuitus vel conceptus).
B 377 The former relates immediately to the object and is singular; the latter mediately, through a mark that can be common to several things. A concept is either empirical or pure; and a pure concept, insofar as it originates solely in understanding, not in the pure image of sensibility, is called notio. A concept made up of notions that surpasses the possibility of experience is an idea, or concept of reason. Anyone once accustomed to this distinction must find it intolerable to hear the representation of the color red called an idea. It cannot even be called a notion, a concept of the understanding.
First Book of Transcendental Dialectic Second Section On Transcendental Ideas
The transcendental analytic gave us an example of how the mere logical form of our cognition can contain the origin of pure a priori concepts that represent objects before all experience, or rather indicate the synthetic unity that alone makes empirical cognition of objects possible.
B 378 The form of judgments, transformed into a concept of the synthesis of intuitions, produced categories guiding every use of understanding in experience. Likewise we may expect the form of syllogisms, when applied to the synthetic unity of intuitions according to the categories, to contain the origin of special a priori concepts. These we can call pure concepts of reason, or transcendental ideas, and they will determine the use of understanding in the whole of all experience according to principles.
The function of reason in its inferences consisted in the universality of cognition according to concepts; a syllogism itself is a judgment determined a priori in the entire extent of its condition. I could also draw the proposition “Caius is mortal” from experience merely through understanding. But I seek a concept containing the condition under which the predicate, the assertion in general, of this judgment is given, here the concept of a human being. After subsuming under this condition taken in its entire extent, “All human beings are mortal,” I determine accordingly the cognition of my object: “Caius is mortal.”
Thus in the conclusion of a syllogism we restrict a predicate to a certain object.
B 379 We have previously thought it in the major premise in its entire extent under a certain condition. This completed magnitude of extent in relation to such a condition is called universality (Universalitas). Corresponding to it in the synthesis of intuitions is allness (Universitas), or the totality of conditions. Thus the transcendental concept of reason is none other than the concept of the totality of conditions for a given conditioned. Since the unconditioned alone makes the totality of conditions possible, and conversely the totality of conditions is always itself unconditioned, a pure concept of reason in general can be explained through the concept of the unconditioned insofar as it contains a ground of the synthesis of the conditioned.
There will be as many kinds of pure concepts of reason as there are kinds of relation that understanding represents through the categories. Thus we must seek, first, an unconditioned of categorical synthesis in a subject; second, of hypothetical synthesis of the members of a series; and third, of disjunctive synthesis of the parts in a system.
There are, namely, just as many kinds of syllogism, each advancing through prosyllogisms to the unconditioned: one to the subject that is no longer itself a predicate, another to the presupposition that presupposes nothing further.
B 380 The third advances to an aggregate of the members of a division, to which nothing further is required in order to complete the division of a concept. Thus pure concepts of reason concerning totality in the synthesis of conditions are necessary, at least as tasks for extending the unity of understanding, if possible, to the unconditioned, and are grounded in the nature of human reason. These transcendental concepts may otherwise lack a suitable use in concreto and consequently have no utility other than to guide understanding in a direction in which its use, while extended to the utmost, is at the same time brought into thoroughgoing agreement with itself.
But in speaking here of the totality of conditions and the unconditioned as the common heading of all concepts of reason, we again encounter an expression we cannot dispense with, yet cannot safely use owing to an ambiguity attached to it through long misuse. The word “absolute” is one of the few words originally fitted to a concept for which afterward no other word in the same language fits exactly. Its loss, or what amounts to the same thing, its uncertain use, must therefore entail the loss of the concept itself.
B 381 It is a concept that, because it greatly occupies reason, cannot be dispensed with without great harm to all transcendental judging. The word “absolute” is now often used merely to indicate that something holds of a thing considered in itself, and thus internally. In this sense “absolutely possible” would mean what is possible in itself (interne), which is in fact the least one can say of an object. By contrast, it is also sometimes used to indicate that something holds in every relation (unrestrictedly), as with absolute dominion. “Absolutely possible” in this sense would mean what is possible in every respect and every relation, which is in turn the most I can say about the possibility of a thing. Now these meanings sometimes coincide. For example, what is internally impossible is also impossible in every relation, and hence absolutely impossible. But in most cases they are infinitely far apart, and I can in no way infer that, because something is possible in itself, it is therefore possible in every relation and hence absolutely possible. Indeed, I will show later of absolute necessity that it by no means depends in every case on inner necessity, and therefore must not be regarded as synonymous with it.
B 382 If a thing’s opposite is internally impossible, its opposite is certainly also impossible in every respect, and hence the thing itself is absolutely necessary. But I cannot infer conversely that the opposite of what is absolutely necessary is internally impossible, that the absolute necessity of things is an inner necessity. For this inner necessity is in certain cases an entirely empty expression with which we can associate not the least concept, whereas the concept of the necessity of a thing in every relation, to everything possible, carries quite special determinations with it. Since the loss of a concept widely used in speculative philosophy can never be indifferent to a philosopher, I hope that determining and carefully preserving the expression on which the concept depends will not be indifferent to him either.
I will therefore use the word “absolute” in this extended meaning and oppose it to what holds merely comparatively or in a particular respect. For the latter is restricted to conditions, while the former holds without restriction.
Now the transcendental concept of reason always concerns only absolute totality in the synthesis of conditions, and ends only with what is unconditioned absolutely, in every relation.
B 383 For pure reason leaves everything to understanding that relates immediately to objects of intuition, or rather to their synthesis in imagination. Reason reserves for itself only absolute totality in the use of concepts of the understanding, and seeks to carry the synthetic unity thought in the category as far as the absolutely unconditioned. We can therefore call this the unity of reason in appearances, just as the unity expressed by the category is called unity of understanding. Thus reason relates only to the use of understanding, not insofar as this contains the ground of possible experience—for absolute totality of conditions is no concept usable in an experience, since no experience is unconditioned—but to prescribe its direction toward a certain unity of which understanding has no concept. This unity aims to gather all actions of understanding with respect to each object into an absolute whole. Hence the objective use of pure concepts of reason is always transcendent, whereas that of pure concepts of the understanding must by its nature always be immanent, since it is restricted solely to possible experience.
By an idea I understand a necessary concept of reason to which no congruent object can be given in the senses. Thus the pure concepts of reason we are now considering are transcendental ideas.
B 384 They are concepts of pure reason, for they regard all experiential cognition as determined through an absolute totality of conditions. They are not arbitrarily invented, but set as tasks by the nature of reason itself, and therefore necessarily relate to the entire use of understanding. Finally, they are transcendent and overstep the boundary of all experience, in which no object adequate to the transcendental idea can therefore ever occur. In naming an idea, one says a great deal with respect to the object, as an object of pure understanding, but for that very reason very little with respect to the subject, that is, its actuality under empirical conditions, because as the concept of a maximum it can never be given congruently in concreto. Since in the merely speculative use of reason this latter is properly the entire aim, and approaching a concept never attained in practice amounts to missing the concept altogether, we say of such a concept that it is only an idea. Thus one could say that the absolute whole of all appearances is only an idea, for since we can never portray such a whole in an image, it remains a problem without any solution. By contrast, in the practical use of understanding everything is concerned solely with carrying out rules.
B 385 Hence the idea of practical reason can always actually be given in concreto, though only in part; indeed, it is the indispensable condition of every practical use of reason. Its execution is always bounded and deficient, but under indeterminable boundaries, and thus always under the influence of the concept of absolute completeness. Accordingly the practical idea is always supremely fruitful and indispensable with respect to actual actions. In it pure reason even has causality for actually producing what its concept contains. Hence one cannot say of wisdom with a sort of contempt that it is only an idea. Rather, precisely because it is the idea of the necessary unity of all possible ends, it must serve as a rule for everything practical, as an original and at least limiting condition.
Although we must therefore say of transcendental concepts of reason that they are only ideas, we must by no means regard them as superfluous and null. For although no object can be determined through them, they can nevertheless, fundamentally and unnoticed, serve understanding as a canon of its extended and harmonious use. Through this it indeed cognizes no more objects than it would cognize according to its concepts, but is guided better and further in that cognition.
B 386 Not to mention that they may perhaps make possible a transition from concepts of nature to practical concepts, and in this way give the moral ideas themselves support and connection with the speculative cognitions of reason. We must await clarification of all this in what follows.
In keeping with our purpose, however, we set practical ideas aside here and therefore consider reason only in its speculative use, and within this more narrowly still, only in its transcendental use. Here we must follow the same path we took above in the deduction of the categories: consider the logical form of cognition through reason, and see whether reason thereby also becomes a source of concepts for regarding objects in themselves as synthetically determined a priori with respect to one or another function of reason.
Reason, considered as the faculty of a certain logical form of cognition, is the faculty of inference, of judging mediately by subsuming the condition of a possible judgment under the condition of a given judgment. The given judgment is the universal rule, the major premise (Major). Subsuming the condition of another possible judgment under the condition of the rule is the minor premise (Minor). The actual judgment asserting the rule’s assertion in the subsumed case is the conclusion (Conclusio).
B 387 The rule, namely, asserts something universally under a certain condition. Now in a case at hand the condition of the rule obtains. Thus what held universally under that condition is also regarded as valid in the case at hand, which carries that condition with it. It is easy to see that reason arrives at a cognition through actions of understanding that constitute a series of conditions. Suppose I arrive at the proposition “All bodies are alterable” only by beginning with the more remote cognition, which does not yet contain the concept of body but nevertheless contains its condition, “Everything composite is alterable”; proceeding from this to a nearer cognition standing under the condition of the former, “Bodies are composite”; and only from this to a third, which now connects the remote cognition, alterable, with the present one: “Therefore bodies are alterable.” I have then arrived at a cognition, a conclusion, through a series of conditions, premises. Now every series whose exponent, of the categorical or hypothetical judgment, is given can be continued. Hence this same action of reason leads to the ratiocinatio polysyllogistica: a series of inferences that can be continued to indefinite lengths on the side of conditions (per prosyllogismos).
B 388 Or it can be continued on the side of the conditioned (per episyllogismos).
But we soon become aware that the chain or series of prosyllogisms, inferred cognitions on the side of grounds or conditions for a given cognition—in other words, the ascending series of syllogisms—must stand in a different relation to the faculty of reason from the descending series, reason’s advance on the side of the conditioned through episyllogisms. For in the first case the cognition, the conclusion (conclusio), is given only as conditioned. We can therefore arrive at it through reason only under at least the presupposition that all members of the series on the side of conditions are given, totality in the series of premises, because only under that presupposition is the judgment before us possible a priori. On the side of the conditioned or the consequences, by contrast, we think only a developing series, not one already entirely presupposed or given, and hence only a potential advance. Thus when a cognition is regarded as conditioned, reason is compelled to regard the ascending series of conditions as completed and given in its totality.
B 389 But when the very same cognition is regarded at the same time as the condition of other cognitions that together constitute a descending series of consequences, reason can be entirely indifferent to how far this advance extends a parte posteriori and whether totality of this series is even possible anywhere. For it does not need such a series for the conclusion before it, since that conclusion is already sufficiently determined and secured by its grounds a parte priori. Now whether the series of premises on the side of conditions has a first member as supreme condition or not, and thus is without bounds a parte priori, it must nevertheless contain totality of condition, even supposing we could never succeed in grasping it. The whole series must be unconditionally true if the conditioned, regarded as a consequence arising from it, is to count as true. This is a demand of reason, which declares its cognition determined a priori and necessary: either in itself, in which case it needs no grounds, or, if derived, as a member of a series of grounds that is itself unconditionally true.
B 390 First Book of Transcendental Dialectic Third Section System of Transcendental Ideas
We are concerned here not with a logical dialectic that abstracts from all content of cognition and merely exposes false illusion in the form of syllogisms, but with a transcendental dialectic. This is to contain, entirely a priori, the origin of certain cognitions from pure reason and of inferred concepts whose object cannot be given empirically at all, and which therefore lie wholly outside the power of pure understanding. From the natural relation that the transcendental use of our cognition, in inferences as well as judgments, must have to its logical use, we have gathered that there will be only three kinds of dialectical inference. These relate to the three kinds of inference through which reason can arrive at cognitions from principles, and in all of them its business is to ascend from the conditioned synthesis to which understanding always remains bound to the unconditioned synthesis that it can never attain.
Now the universal forms of all relation our representations can have are 1.
B 391 relation to the subject, 2. relation to objects, either as appearances or as objects of thinking in general. Combining this subdivision with the division above, every relation of representations of which we can form either a concept or an idea is threefold: 1. the relation to the subject, 2. to the manifold of the object in appearance, 3. to all things in general.
Now all pure concepts in general concern the synthetic unity of representations, but concepts of pure reason, transcendental ideas, concern the unconditioned synthetic unity of all conditions in general. Consequently all transcendental ideas can be brought under three classes: the first containing the absolute, unconditioned unity of the thinking subject; the second the absolute unity of the series of conditions of appearance; the third the absolute unity of the condition of all objects of thinking in general.
The thinking subject is the object of psychology; the sum total of all appearances (the world) is the object of cosmology; and the thing containing the supreme condition of the possibility of everything that can be thought, the being of all beings, is the object of theology.
B 392 Thus pure reason supplies the idea for a transcendental doctrine of the soul (psychologia rationalis), a transcendental science of the world (cosmologia rationalis), and finally a transcendental cognition of God (Theologia transzendentalis). Even the mere design of any one of these sciences does not derive from understanding, even if understanding were combined with the highest logical use of reason, all conceivable inferences, in order to advance from one of its objects, an appearance, to all others as far as the most remote members of empirical synthesis. It is solely a pure and genuine product, or problem, of pure reason.
What modi of pure concepts of reason stand under these three headings of all transcendental ideas will be fully set out in the following chapter. They proceed along the thread of the categories. For pure reason never relates directly to objects, but to the concepts of the understanding concerning them. Likewise only in the full development will it become clear how reason, solely through the synthetic use of the very same function it employs in categorical syllogism, must necessarily arrive at the concept of the absolute unity of the thinking subject; how the logical procedure in hypothetical ideas must necessarily entail the idea of the absolutely unconditioned in a series of given conditions.
B 393 Finally, it will become clear how the mere form of disjunctive syllogism must necessarily entail the highest concept of reason, that of a being of all beings. At first sight this thought seems exceedingly paradoxical.
No objective deduction of these transcendental ideas is properly possible, as we were able to provide for the categories. For in fact they have no relation to any object that could be given congruently with them, precisely because they are only ideas. But we could undertake a subjective introduction to them from the nature of our reason, and this has also been accomplished in the present chapter.
It is easy to see that pure reason aims at nothing but absolute totality of synthesis on the side of conditions, whether of inherence, dependence, or concurrence, and has nothing to do with absolute completeness on the side of the conditioned. For only the former is needed to presuppose the entire series of conditions and thereby give it to understanding a priori. Once a completely and unconditionally given condition is present, no further concept of reason is needed for continuing the series, since understanding takes every downward step from condition to conditioned by itself.
B 394 Thus transcendental ideas serve only for ascending in the series of conditions to the unconditioned, to principles. With respect to descending to the conditioned, however, there is indeed a far-reaching logical use that our reason makes of the laws of understanding, but no transcendental use at all. If we form an idea of the absolute totality of such a synthesis (progressus), for example of the entire series of all future alterations of the world, this is a thought-entity (ens rationis), thought merely arbitrarily and not necessarily presupposed by reason. For the possibility of the conditioned presupposes the totality of its conditions, but not of its consequences. Consequently such a concept is no transcendental idea, with which alone we are concerned here.
Finally, we also become aware that a certain connection and unity shines forth among transcendental ideas themselves, and that through them pure reason brings all its cognitions into a system. To proceed from cognition of oneself (the soul) to cognition of the world, and through this to the original being, is so natural an advance. It seems similar to reason’s logical progress from the premises to the conclusion*.
B 395 Whether a kinship of the kind found between logical and transcendental procedure really underlies this in secret is also one of the questions whose answer must await the continuation of these investigations. Provisionally we have already achieved our purpose.
B 396 We have been able to extract the transcendental concepts of reason from the ambiguous position in which they are ordinarily mingled with others in philosophers’ theories, without those philosophers even properly distinguishing them from concepts of the understanding. We have been able to indicate their origin and thereby their determinate number, beyond which there can be no more, and present them in a systematic connection through which a special field is marked out and restricted for pure reason.
* Metaphysics has only three ideas as the proper aim of its inquiry: God, freedom, and immortality. The second concept, combined with the first, is to lead to the third as a necessary conclusion. Everything else this science concerns itself with serves merely as a means of arriving at these ideas and their reality. It needs them not for natural science, but to go beyond nature. Insight into them would make theology, morality, and through their combination religion, and hence the highest ends of our existence, depend solely on the speculative faculty of reason and on nothing else. In a systematic presentation of these ideas, the order given above, as the synthetic order, would be the most suitable. But in the treatment that must necessarily precede it, the analytic order, reversing this order, will be more appropriate to our purpose: to carry out our grand design by proceeding from what experience immediately supplies, the doctrine of the soul, to the doctrine of the world, and from there to cognition of God.
Transcendental Dialectic Second Book On the Dialectical Inferences of Pure Reason
One can say that the object of a mere transcendental idea is something of which we have no concept, although this idea has been generated quite necessarily in reason according to its original laws. For in fact no concept of the understanding is possible of an object that is to be adequate to reason’s demand: no concept that can be exhibited and made intuitive in a possible experience.
B 397 Yet one would express oneself better, and with less danger of misunderstanding, by saying that we can have no acquaintance with the object corresponding to an idea, though we can have a problematic concept of it.
Now at least the transcendental, subjective reality of pure concepts of reason rests on our being led to such ideas through a necessary syllogism. Thus there will be syllogisms containing no empirical premises, through which we infer from something we know to something else of which we nevertheless have no concept, yet to which we give objective reality through an unavoidable illusion. With respect to their result such inferences should therefore be called specious rather than rational inferences. With respect to their occasion, however, they may well bear the latter name, since they are neither invented nor accidentally arisen, but have sprung from the nature of reason. They are sophistries not of human beings but of pure reason itself. Even the wisest of all human beings cannot free himself from them, and although after much effort he may perhaps prevent the error, he can never entirely rid himself of the illusion that incessantly torments and mocks him.
There are therefore only three kinds of these dialectical syllogisms, as many as the ideas in which their conclusions terminate.
B 398 In the syllogism of the first class I infer from the transcendental concept of the subject, which contains no manifold, to the absolute unity of this subject itself, of which in this way I have no concept whatever. I will call this dialectical inference the transcendental paralogism. The second class of specious inferences is directed toward the transcendental concept of the absolute totality of the series of conditions for a given appearance in general. From always having a self-contradictory concept of the unconditioned synthetic unity of the series on one side, I infer the correctness of the opposite unity, of which I nevertheless also have no concept. I will call the state of reason in these dialectical inferences the antinomy of pure reason. Finally, according to the third kind of specious inference, I infer from the totality of conditions for thinking objects in general insofar as they can be given to me, to the absolute synthetic unity of all conditions of the possibility of things in general. That is, from things I do not know according to their mere transcendental concept, I infer a being of all beings that I know still less through a transcendent concept, and of whose unconditioned necessity I can form no concept. I will call this dialectical syllogism the ideal of pure reason.
B 399 Second Book of Transcendental Dialectic First Chapter On the Paralogisms of Pure Reason
A logical paralogism consists in the falsity of a syllogism as to its form, whatever its content may otherwise be. A transcendental paralogism, however, has a transcendental ground for inferring falsely as to form. In this way such a false inference will have its ground in the nature of human reason and carry with it an unavoidable, though not insoluble, illusion.
We now come to a concept not recorded above in the general list of transcendental concepts, yet which must be counted among them without thereby altering that table in the least or declaring it deficient. This is the concept, or, if one prefers, the judgment “I think.” But it is easy to see that it is the vehicle of all concepts in general, and hence also of transcendental concepts; it is therefore always included among them and is accordingly just as transcendental. Yet it can have no special heading, because it serves only to introduce all thinking as belonging to consciousness.
B 400 Meanwhile, however pure it is of the empirical, the impression of the senses, it nevertheless serves to distinguish two kinds of object from the nature of our power of representation. I, as thinking, am an object of inner sense and am called soul. What is an object of outer senses is called body. Thus the expression “I, as a thinking being” already signifies the object of psychology, which can be called the rational doctrine of the soul if I wish to know nothing further about the soul than what can be inferred, independently of all experience that determines me more closely and in concreto, from this concept “I” insofar as it occurs in all thinking.
The rational doctrine of the soul is indeed an undertaking of this kind. For if the slightest empirical element of my thinking, any particular perception of my inner state, were mixed among the grounds of cognition of this science, it would no longer be a rational but an empirical doctrine of the soul. We therefore already have before us a supposed science built on the single proposition “I think,” whose soundness or unsoundness we can very appropriately investigate here in accordance with the nature of a transcendental philosophy. One must not take offense that in this proposition, which expresses the perception of oneself, I nevertheless have an inner experience.
B 401 Nor must one take offense that rational psychology built on it is therefore never pure, but partly grounded on an empirical principle. For this inner perception is nothing further than mere apperception, “I think,” which even makes possible all transcendental concepts, in which we say “I think substance, cause,” and so on. For inner experience in general and its possibility, or perception in general and its relation to another perception, without any particular difference or determination being empirically given, cannot be regarded as empirical cognition. It must be regarded as cognition of the empirical in general, and belongs to the investigation of the possibility of every experience, which is certainly transcendental. The least object of perception, for example mere pleasure or displeasure, added to the universal representation of self-consciousness would immediately transform rational psychology into empirical psychology.
“I think” is therefore the sole text of rational psychology, from which it is to unfold all its wisdom. It is easy to see that this thought, if it is to be related to an object, myself, can contain nothing but transcendental predicates of it, because the slightest empirical predicate would spoil the science’s rational purity and independence from all experience.
B 402 Here, however, we need only follow the guiding thread of the categories. Since a thing, I as a thinking being, has first been given here, we will not alter the order of the categories among themselves as presented in their table, but will nevertheless begin here with the category of substance, through which a thing in itself is represented, and thus follow their series backward. The topics of the rational doctrine of the soul, from which everything else it may contain must be derived, are accordingly as follows:
1 The soul is substance.
2 In its quality, simple.
3 In the different times in which it exists, numerically identical, that is, unity, not plurality.
4 In relation to possible objects in space*.
* Readers who cannot readily discern from these expressions, in their transcendental abstraction, their psychological sense, or why the soul’s last attribute belongs to the category of existence, will find them sufficiently explained and justified in what follows. As for the Latin expressions that have slipped in instead of their German equivalents, contrary to good literary taste, both in this section and throughout the work, I offer this excuse: I preferred to sacrifice something of elegance in language rather than make academic use more difficult through the slightest unintelligibility.
B 403 From these elements all concepts of the pure doctrine of the soul arise merely through composition, without recognizing any other principle whatever. This substance, merely as an object of inner sense, gives the concept of immateriality; as simple substance, that of incorruptibility; its identity as an intellectual substance gives personality; all three together give spirituality. Relation to objects in space gives commerce with bodies; hence it represents thinking substance as the principle of life in matter, that is, as soul (anima) and as the ground of animality; this, restricted by spirituality, gives immortality.
To these there now relate four paralogisms of a transcendental doctrine of the soul, falsely regarded as a science of pure reason concerning the nature of our thinking being.
B 404 But we can ground it on nothing other than the simple representation, entirely empty of content in itself, “I.” Of this we cannot even say that it is a concept, but only a mere consciousness accompanying all concepts. Through this I, or he, or it, the thing that thinks, nothing further is represented than a transcendental subject of thoughts = x. This is cognized only through the thoughts that are its predicates, and apart from these we can never have the slightest concept of it. We therefore turn in a perpetual circle around it, since we must always already employ its representation to judge anything about it. This inconvenience is inseparable from it, because consciousness in itself is not so much a representation distinguishing a particular object as a form of representation in general insofar as it is to be called cognition. For of this alone can I say that through it I think something.
Yet at the very outset it must seem strange that the condition under which I think in general, which is therefore merely a constitution of my subject, should also hold for everything that thinks; and that we can presume to ground on a seemingly empirical proposition an apodictic and universal judgment, namely that everything thinking is constituted as the pronouncement of self-consciousness declares me to be.
B 405 The cause of this lies in our having necessarily to ascribe to things a priori all the properties constituting the conditions under which alone we think them. Now I can have the slightest representation of a thinking being through no outer experience, but solely through self-consciousness. Thus such objects are nothing further than the transfer of this consciousness of mine to other things, which are represented as thinking beings only in this way. But the proposition “I think” is here taken only problematically, not insofar as it may contain a perception of an existence (the Cartesian cogito, ergo sum), but according to its mere possibility, to see what properties may flow from this so simple proposition to its subject, whether such a subject exists or not.
If our pure rational cognition of thinking beings in general were grounded on more than the cogito, if we also enlisted observations of the play of our thoughts and the natural laws of the thinking self to be drawn from them, an empirical psychology would arise. This would be a kind of physiology of inner sense and might serve to explain its appearances, but could never disclose properties that do not belong to possible experience at all, such as that of the simple.
B 406 Nor could it teach apodictically anything concerning the nature of thinking beings in general. It would therefore be no rational psychology.
Now since the proposition “I think,” taken problematically, contains the form of every judgment of understanding in general and accompanies all categories as their vehicle, it is clear that inferences from it can contain a merely transcendental use of understanding, rejecting every admixture of experience. After what we have shown above, we can form no favorable expectation in advance of its progress. We will therefore follow it with a critical eye through all the predicaments of the pure doctrine of the soul, but, for brevity’s sake, we will let their examination proceed in an uninterrupted connection.
First, the following general remark may sharpen our attention to this kind of inference. I do not cognize any object merely by thinking. I can cognize an object only by determining a given intuition with regard to the unity of consciousness in which all thinking consists. Thus I do not cognize myself by being conscious of myself as thinking, but by being conscious of the intuition of myself as determined with respect to the function of thinking.
B 407 All modi of self-consciousness in thinking as such are therefore not yet concepts of the understanding concerning objects, categories, but mere functions that give thinking no object to cognize, and hence do not give myself as an object either. The object is not consciousness of the determining self, but only that of the determinable self, my inner intuition, insofar as its manifold can be combined in accordance with the universal condition of the unity of apperception in thinking.
1) In all judgments I am always the determining subject of the relation constituting the judgment. But that I, who think, must always count in thinking as subject, and as something that cannot be regarded as merely attaching to thought as a predicate, is an apodictic and indeed identical proposition. It does not, however, mean that I as object am for myself a self-subsistent being, or substance. The latter goes very far, and therefore requires data not found in thinking at all, perhaps, insofar as I consider merely the thinking being as such, more than I will ever find in it anywhere.
2) That the I of apperception, and consequently in every act of thinking, is a singular that cannot be resolved into a plurality of subjects, and thus designates a logically simple subject, already lies in the concept of thinking and is therefore an analytic proposition.
B 408 But this does not mean that the thinking I is a simple substance, which would be a synthetic proposition. The concept of substance always relates to intuitions that in my case can only be sensible, and thus lie entirely outside the field of understanding and its thinking, which is properly all that is being discussed here when we say that the I in thinking is simple. It would indeed be astonishing if what elsewhere requires so much preparation—to distinguish in what intuition presents what in it is substance, and still more whether this can also be simple, as with the parts of matter—were here given so directly in the poorest of all representations, as though through a revelation.
3) The proposition of my own identity through all the manifold of which I am conscious likewise lies in the concepts themselves and is therefore analytic. But this identity of the subject, of which I can become conscious in all its representations, does not concern the intuition of the subject through which it is given as an object. Hence it cannot signify personal identity, by which is understood consciousness of the identity of one’s own substance as a thinking being throughout all change of states.
B 409 To prove this, mere analysis of the proposition “I think” would not suffice; various synthetic judgments grounded on the given intuition would be required.
4) “I distinguish my own existence as a thinking being from other things outside me, including my body” is likewise an analytic proposition, for other things are those I think as distinct from myself. But whether this consciousness of myself is even possible without things outside me through which representations are given to me, and whether I can therefore exist merely as a thinking being without being human, I do not thereby know at all.
Thus through analysis of the consciousness of myself in thinking in general, not the slightest gain is made toward cognition of myself as an object. The logical exposition of thinking in general is falsely taken for a metaphysical determination of the object.
It would be a great, indeed the only, stumbling block against our entire critique if there were a possibility of proving a priori that all thinking beings are in themselves simple substances, and as such therefore, as a consequence of the same ground of proof, inseparably possess personality and are conscious of their existence apart from all matter. For in this way we would after all have taken a step beyond the world of sense and entered the field of noumena.
B 410 No one could then deny us the right to spread further within it, settle it, and take possession there as each person’s lucky star favored him. For the proposition “Every thinking being as such is a simple substance” is a synthetic a priori proposition, because, first, it goes beyond the concept laid at its foundation and adds a way of existing to thinking in general; and second, it adds to that concept a predicate, simplicity, that can be given in no experience whatever. Thus synthetic a priori propositions would be feasible and admissible not merely, as we have maintained, in relation to objects of possible experience, as principles of the possibility of this experience itself, but could also relate to things in general and in themselves. This conclusion would put an end to this entire critique and command us to leave matters as they were. But on closer examination the danger is not so great here.
In the procedure of rational psychology there prevails a paralogism represented by the following syllogism:
What cannot be thought otherwise than as subject also cannot exist otherwise than as subject, and is therefore substance.
B 411 Now a thinking being, considered merely as such, cannot be thought otherwise than as subject.
Therefore it also exists only as such, that is, as substance.
The major premise speaks of a being that can be thought in general in every respect, consequently also as it may be given in intuition. But the minor premise speaks of it only insofar as it considers itself as subject solely in relation to thinking and the unity of consciousness, not at the same time in relation to the intuition through which it is given to thinking as an object. Thus the conclusion is inferred per Sophisma figurae dictionis, and hence through a fallacy*.
* Thinking is taken in entirely different senses in the two premises: in the major premise as relating to an object in general, and hence as that object may be given in intuition; in the minor premise only as it consists in relation to self-consciousness. Here no object at all is therefore thought, but only the relation to oneself as subject, as the form of thinking, is represented. The first speaks of things that cannot be thought otherwise than as subjects; the second speaks not of things but of thinking, abstracting from every object, in which the I always serves as the subject of consciousness. Hence the conclusion cannot be “I cannot exist otherwise than as subject,” but only “In thinking my existence I can employ myself only as the subject of judgment.” This is an identical proposition disclosing absolutely nothing about the manner of my existence.
B 412 That this resolution of the celebrated argument into a paralogism is entirely correct becomes clear if one consults the general remark on the systematic presentation of principles and the section on noumena. There it was proved that the concept of a thing that can exist by itself as subject, but not as mere predicate, carries no objective reality at all: we cannot know whether any object whatever could correspond to it, since we do not understand the possibility of such a way of existing. Consequently it supplies absolutely no cognition. If, therefore, under the name of substance it is to indicate an object that can be given, if it is to become a cognition, a persistent intuition must be laid at its foundation as the indispensable condition of the objective reality of a concept, that through which alone the object is given.
B 413 But in inner intuition we have nothing persistent at all, for the I is only the consciousness of my thinking. Thus if we remain with thinking alone, we also lack the necessary condition for applying the concept of substance, of a self-subsistent subject, to ourselves as thinking beings. The simplicity of substance bound up with it entirely falls away together with the objective reality of this concept, and is transformed into a merely logical qualitative unity of self-consciousness in thinking in general, whether the subject is composite or not.
Refutation of Mendelssohn’s Proof of the Persistence of the Soul
This acute philosopher soon noticed an insufficiency in the ordinary argument intended to prove that the soul, if conceded to be a simple being, cannot cease to be through division. The argument was inadequate to secure its necessary continued existence, since one could still assume that its existence ceases through disappearance. In his Phaedo he now sought to ward off this perishability, which would be a genuine annihilation, by venturing to prove that a simple being cannot cease to be at all. For it cannot be diminished, and so cannot gradually lose something of its existence.
B 414 Nor can it be transformed gradually into nothing, since it has no parts and hence no plurality within itself. Thus no time would be found between an instant in which it is and another in which it no longer is, which is impossible.—But he did not consider that even if we concede this simple nature to the soul, its containing no manifold of parts outside one another and hence no extensive magnitude, we can no more deny it intensive magnitude than we can deny this to anything existing. That is, it has a degree of reality with respect to all its faculties, indeed everything constituting its existence. This degree can decrease through all the infinitely many smaller degrees, and thus the supposed substance, the thing whose persistence is not already otherwise established, can be transformed into nothing, though not through division, yet through the gradual relaxation (remissio) of its forces, and hence through elanguescence, if I may use this expression. For even consciousness always has a degree that can still be further diminished*, and consequently so does the faculty of being conscious of oneself.
B 415 The same holds of all the other faculties.—Thus the persistence of the soul, as a mere object of inner sense, remains unproved and even unprovable. Its persistence in life, when the thinking being as a human being is at the same time an object of outer senses to itself, is indeed clear in itself. But this by no means satisfies the rational psychologist, who undertakes to prove from mere concepts the soul’s absolute persistence even beyond life∗∗.
* Clarity is not, as logicians say, consciousness of a representation. For a certain degree of consciousness, insufficient for recollection, must be found even in many obscure representations, since without any consciousness at all we would make no distinction in combining obscure representations. Yet we can do this with the marks of many concepts, such as those of right and equity, and as a musician does when striking many notes together in improvisation. Rather, a representation is clear when consciousness in it is sufficient for consciousness of its difference from others. If consciousness is sufficient for distinction but not for consciousness of the difference, the representation would still have to be called obscure. Thus there are infinitely many degrees of consciousness down to its disappearance.
∗∗ Those who believe they have done enough to introduce a new possibility by defiantly claiming that no one can show a contradiction in their presuppositions can be greatly embarrassed by other possibilities no bolder in the least. This includes all those who believe they understand the possibility of thinking even after human life ceases, although they have an example of it only in empirical intuitions during human life. One such possibility is the division of a simple substance into several substances, and conversely the flowing together, coalition, of several into one simple substance. For although divisibility presupposes something composite, it does not necessarily require a composite of substances, but merely of degrees of the various faculties of one and the same substance. Just as we can think all the soul’s forces and faculties, even consciousness itself, diminished by half, yet so that substance still remains, we can also without contradiction represent this extinguished half as preserved, but not in the soul: outside it. Since everything in the soul that is real, and hence has a degree, and thus its entire existence without anything omitted, has here been halved, a separate substance would then arise outside it. For the plurality that was divided was already present, not as a plurality of substances, but of every reality as a quantum of existence in the soul. The unity of substance was only a way of existing that through this division alone could be transformed into a plurality of subsistence. But several simple substances could likewise flow together again into one, with nothing lost except the plurality of subsistence, since the one would contain the combined degree of reality of all the previous ones. Perhaps the simple substances that give us the appearance of matter might, through such dynamical division of the parents’ souls as intensive magnitudes, produce children’s souls—not, admittedly, through a mechanical or chemical influence on one another, but through an influence unknown to us, of which the former would be only the appearance—while the parents in turn replenished their loss through coalition with new material of the same kind. I am far from granting such fantasies the slightest worth or validity; moreover, the principles of the analytic above have sufficiently insisted that no use of the categories, such as that of substance, be made except in experience. But if the rationalist is bold enough to make a self-subsistent being out of the mere faculty of thinking, without any persistent intuition through which an object would be given, merely because the unity of apperception in thinking allows him no explanation from the composite—when he would do better to confess that he does not know how to explain the possibility of a thinking nature—why should the materialist not be entitled to equal boldness in using his principle for the opposite purpose while retaining the formal unity of the former, although he can no more cite experience in support of his possibilities?
B 416 Let us now take our propositions above in synthetic connection, as they must also be taken in rational psychology as a system valid for all thinking beings, and proceed from the category of relation.
B 417 We begin with the proposition that all thinking beings, as such, are substances. Going backward through their series until the circle closes, we finally encounter their existence. In this system they are not only conscious of their existence independently of outer things.
B 418 They can also determine it from themselves, with respect to the persistence that necessarily belongs to the character of substance. It follows, however, that idealism is unavoidable in that same rationalistic system, at least problematic idealism. If the existence of outer things is not at all required to determine one’s own existence in time, the former is also assumed quite gratuitously, without any proof of it ever being possible.
If, by contrast, we follow the analytic procedure, where “I think,” as a proposition already including an existence, is laid down as given, and hence modality is the foundation, and analyze it to cognize its content—whether and how this I determines its existence in space or time merely through that proposition—the propositions of rational psychology would begin not with the concept of a thinking being in general but with an actuality.
B 419 From the way this actuality is thought, after everything empirical in it has been separated off, what belongs to a thinking being in general would be inferred, as the following table shows.
1 I think,
2 as subject,
3 as simple subject,
4 as identical subject, in every state of my thinking.
Since the second proposition here does not determine whether I can exist and be thought only as subject and not also as predicate of another, the concept of a subject is taken merely logically, and it remains undetermined whether substance is to be understood by it or not. But in the third proposition the absolute unity of apperception, the simple I in the representation to which all combination or separation constituting thinking relates, becomes important in itself, even though I have not yet established anything about the subject’s constitution or subsistence. Apperception is something real, and its simplicity already lies in its possibility. Now in space there is nothing real that is simple, for points, which constitute the only simple things in space, are mere boundaries, not themselves anything serving to constitute space as a part.
B 420 Thus it follows that explaining my constitution as a merely thinking subject on materialist grounds is impossible. But since my existence is regarded in the first proposition as given—it does not say “Every thinking being exists,” which would assert absolute necessity of them and hence too much, but only “I exist thinking”—the proposition is empirical and contains the determinability of my existence solely with respect to my representations in time. But for this I again first need something persistent, of a kind not given to me at all in inner intuition insofar as I think myself. Hence the way I exist, whether as substance or accident, cannot be determined through this simple self-consciousness at all. Thus if materialism is unfit as a way of explaining my existence, spiritualism is equally insufficient for it. The conclusion is that in no way whatever can we cognize anything about the constitution of our soul concerning the possibility of its separate existence in general.
And how could it be possible to go beyond experience, our existence in life, through the unity of consciousness, which we ourselves know only because we indispensably need it for the possibility of experience?
B 421 How could it even be possible to extend our cognition to the nature of all thinking beings in general through the empirical proposition “I think,” which is undetermined with respect to every kind of intuition?
Thus there is no rational psychology as a doctrine supplying an addition to our self-cognition, but only as a discipline setting impassable boundaries to speculative reason in this field. On the one hand, it keeps us from throwing ourselves into the arms of soulless materialism; on the other, from losing ourselves in fanciful wanderings through a spiritualism groundless for us in life. Rather, it reminds us to regard reason’s refusal to give satisfying answers to inquisitive questions reaching beyond this life as its indication that we should turn our self-cognition from fruitless, extravagant speculation to fruitful practical use. Though this use too is always directed only toward objects of experience, it draws its principles from higher sources and determines conduct as though our vocation reached infinitely far beyond experience, and hence beyond this life.
From all this we see that a mere misunderstanding gives rise to rational psychology. The unity of consciousness underlying the categories is here taken for an intuition of the subject as object, and the category of substance is applied to it.
B 422 But it is only unity in thinking, through which alone no object is given. The category of substance, which always presupposes a given intuition, therefore cannot be applied to it, and this subject cannot be cognized at all. Thus the subject of the categories cannot, by thinking them, obtain a concept of itself as an object of the categories. For in order to think them it must lay at their foundation its pure self-consciousness, which was precisely what was to be explained. Likewise the subject in which the representation of time originally has its ground cannot thereby determine its own existence in time; and if the latter cannot occur, neither can the former occur through categories as a determination of itself as a thinking being in general*.
* As already stated, “I think” is an empirical proposition and contains within itself the proposition “I exist.” But I cannot say “Everything that thinks exists,” for then the property of thinking would make all beings possessing it necessary beings. Hence my existence also cannot be regarded as inferred from the proposition “I think,” as Descartes held, since otherwise the major premise “Everything that thinks exists” would have to precede it; rather, my existence is identical with it. The proposition expresses an indeterminate empirical intuition, perception, and thus does prove that sensation, which consequently belongs to sensibility, already underlies this existential proposition. But it precedes experience, which is to determine the object of perception through the category with respect to time. Existence here is not yet a category, since a category relates not to an indeterminately given object but only to one of which we have a concept and wish to know whether it is also posited outside this concept or not. An indeterminate perception here signifies only something real that has been given, and indeed only for thinking in general, thus neither as appearance nor as a thing in itself (noumenon), but as something that in fact exists and is designated as such in the proposition “I think.” For it should be noted that, when I called “I think” an empirical proposition, I did not mean that the I in this proposition is an empirical representation. Rather, it is purely intellectual because it belongs to thinking in general. Yet without some empirical representation supplying the material for thinking, the act “I think” would not take place; and the empirical is only the condition of the application or use of the pure intellectual faculty.
* * *
B 423 Thus a cognition attempted beyond the boundaries of possible experience, yet belonging to humanity’s highest interest, dissolves into disappointed expectation insofar as it is to be owed to speculative philosophy.
B 424 Nevertheless, the rigor of critique, by proving at the same time the impossibility of dogmatically establishing anything about an object of experience beyond the boundary of experience, renders reason a service of no small importance in this interest: it also secures reason against every possible assertion of the contrary. This can be accomplished only by either proving one’s proposition apodictically or, if that fails, seeking the sources of this inability. If these lie in the necessary limits of our reason, they must then subject every opponent to precisely the same law of renouncing all claims to dogmatic assertion.
Nevertheless, not the slightest thing is thereby lost for the right, indeed the necessity, of assuming a future life according to principles of the practical use of reason combined with its speculative use. For the merely speculative proof could never in any case have had any influence on common human reason. It is so poised on a hair’s breadth that even the schools can keep it there only as long as they make it spin incessantly around itself like a top; thus even in their own eyes it supplies no persistent foundation on which anything could be built.
B 425 All proofs usable for the world retain their undiminished worth and indeed gain clarity and unaffected conviction through the removal of those dogmatic pretensions. They place reason in its proper domain, the order of ends, which is nevertheless also an order of nature. But reason at the same time, as a practical faculty in itself, without being restricted to the conditions of nature’s order, is entitled to extend the order of ends, and with it our own existence, beyond the boundaries of experience and life. Judging by analogy with the nature of living beings in this world—where reason must necessarily adopt as a principle that no organ, no faculty, no impulse, hence nothing dispensable or disproportionate to its use, and thus purposeless, is to be found, but everything is precisely suited to its vocation in life—the human being, who alone can contain within himself the ultimate final end of all this, would have to be the only creature exempted from it. For his natural predispositions, not merely his talents and impulses to use them, but above all the moral law within him, go so far beyond every use and advantage he could draw from them in this life that the latter even teaches him to value above everything the mere consciousness of integrity of disposition, in the absence of all advantages and even of the mere shadow of posthumous fame.
B 426 He feels inwardly called to make himself fit, through his conduct in this world and the renunciation of many advantages, to be a citizen of a better world that he has in idea. This powerful ground of proof, never to be refuted, remains, accompanied by an incessantly increasing cognition of purposiveness in everything we see before us and a prospect into the immensity of creation, hence also by consciousness of a certain boundlessness in the possible extension of our cognitions together with a corresponding impulse, even though we must abandon the attempt to understand the necessary continuance of our existence from merely theoretical cognition of ourselves.
Conclusion of the Resolution of the Psychological Paralogism
The dialectical illusion in rational psychology rests on confusing an idea of reason (a pure intelligence) with the concept, indeterminate in every respect, of a thinking being in general. I think myself for the purpose of a possible experience while still abstracting from all actual experience, and infer from this that I can become conscious of my existence even outside experience and its empirical conditions.
B 427 Thus I confuse the possible abstraction from my empirically determined existence with the supposed consciousness of a separately possible existence of my thinking self, and believe I cognize what is substantial in me as the transcendental subject, when what I have in mind is merely the unity of consciousness that underlies all determination as the mere form of cognition.
The task of explaining the communion of the soul with the body does not properly belong to the psychology under discussion here, because its intention is to prove the personality of the soul even outside this communion (after death), and it is therefore transcendent in the strict sense, although it concerns an object of experience—but only insofar as that object ceases to be an object of experience. Yet our doctrine can also provide an adequate answer to this question. As is well known, the difficulty that prompted the task lies in the presumed heterogeneity of the object of inner sense (the soul) and the objects of the outer senses: time alone attaches to the former as the formal condition of its intuition, while space attaches to the latter as well. But consider that these two kinds of objects differ in this respect not intrinsically, but only insofar as one appears externally to the other.
B 428 Then what underlies the appearance of matter, as a thing in itself, may perhaps not be so heterogeneous, and this difficulty disappears. No other remains than the question of how a communion of substances is possible at all. Its solution lies entirely outside the field of psychology and, as the reader will readily judge from what the Analytic said about fundamental powers and faculties, undoubtedly outside the field of all human cognition as well.
General Remark Concerning the Transition from Rational Psychology to Cosmology
The proposition “I think,” or “I exist thinking,” is an empirical proposition. But such a proposition rests on empirical intuition, and consequently on the object thought as appearance. It therefore seems that, according to our theory, the soul would be transformed entirely into appearance, even in thinking, and that in this way our consciousness itself, as mere illusion, would in fact refer to nothing.
Thinking, taken by itself, is merely the logical function, and thus sheer spontaneity of the combination of the manifold of a merely possible intuition, and by no means presents the subject of consciousness as appearance.
B 429 This is simply because it takes no account at all of the kind of intuition, whether sensible or intellectual. Through it I represent myself neither as I am nor as I appear to myself; I merely think myself as any object in general, abstracting from its manner of intuition. If I represent myself here as the subject of thoughts, or as the ground of thinking, these modes of representation do not signify the categories of substance or cause, for these are those functions of thinking (judging) already applied to our sensible intuition, which would certainly be required if I wished to cognize myself. But now I wish only to become conscious of myself as thinking; I set aside how my own self is given in intuition. In that intuition it might be mere appearance to me, who think, though not insofar as I think. In consciousness of myself in mere thinking, I am the being itself, though admittedly nothing about it is thereby yet given to me for thought.
But the proposition “I think,” insofar as it means “I exist thinking,” is not a mere logical function. It determines the subject (which is then also an object) with respect to existence, and cannot occur without inner sense, whose intuition always provides the object not as a thing in itself, but merely as appearance.
B 430 Thus it no longer contains mere spontaneity of thinking, but also receptivity of intuition: that is, the thinking of myself applied to the empirical intuition of that same subject. In this latter intuition the thinking self would now have to seek the conditions for using its logical functions as categories of substance, cause, and so on, in order not merely to designate itself as an object in itself through the “I,” but also to determine the manner of its existence—that is, to cognize itself as a noumenon. This, however, is impossible, since inner empirical intuition is sensible and provides nothing but data of appearance. These furnish the object of pure consciousness with nothing toward knowledge of its separate existence, but can serve only the purposes of experience.
Suppose, however, that in what follows we found occasion—not in experience, but in certain (not merely logical rules, but) laws of the pure use of reason, established a priori and concerning our existence—to presuppose ourselves as legislating wholly a priori with regard to our own existence, and as ourselves determining that existence. This would reveal a spontaneity through which our actuality could be determined without requiring the conditions of empirical intuition. Here we would become aware that consciousness of our existence contains something a priori.
B 431 This can serve to determine our existence, which is thoroughly determinable only sensibly, nevertheless in respect of a certain inner faculty, in relation to an intelligible world (admittedly one that is only thought).
Nonetheless, this would not advance any of the attempts of rational psychology in the least. For through that admirable faculty, first disclosed to me by consciousness of the moral law, I would indeed have a purely intellectual principle for determining my existence—but through what predicates? Through none other than those that must be given to me in sensible intuition. Thus I would again arrive where I was in rational psychology: needing sensible intuitions to give meaning to my concepts of the understanding—substance, cause, and so on—through which alone I can have cognition of myself. But those intuitions can never carry me beyond the field of experience. Yet with regard to practical use, which is always directed toward objects of experience, I would be entitled to apply these concepts to freedom and its subject in a meaning analogous to their theoretical use. By them I understand merely the logical functions of subject and predicate, ground and consequence.
B 432 In accordance with these, actions or effects are determined under those laws so that, together with the laws of nature, they can always be explained in conformity with the categories of substance and cause, although they arise from an entirely different principle. This has been said only to prevent the misunderstanding to which the doctrine of our self-intuition as appearance is easily exposed. We will have occasion to make use of it in what follows.
Transcendental Dialectic Book Two
Chapter Two The Antinomy of Pure Reason
In the introduction to this part of our work, we showed that all transcendental illusion of pure reason rests on dialectical inferences, whose schema logic supplies in the three formal kinds of syllogism in general, just as the categories find their logical schema in the four functions of all judgments. The first kind of these sophistical inferences concerned the unconditioned unity of the subjective conditions of all representations in general (the subject or the soul), corresponding to categorical syllogisms, whose major premise, as principle, asserts the relation of a predicate to a subject.
B 433 The second kind of dialectical argument will therefore, by analogy with hypothetical syllogisms, take as its content the unconditioned unity of objective conditions in appearance, just as the third kind, which will occur in the following chapter, has as its theme the unconditioned unity of the objective conditions of the possibility of objects in general.
It is noteworthy, however, that the transcendental paralogism produced a merely one-sided illusion with regard to the idea of the subject of our thinking, and that not the slightest illusion arising from concepts of reason can be found in support of the contrary assertion. The advantage lies entirely on the side of pneumatism, although it cannot disown its inherited defect: despite all the illusion in its favor, it dissolves into mere vapor in the trial by fire of critique.
The outcome is entirely different when we apply reason to the objective synthesis of appearances. Here reason thinks it can establish its principle of unconditioned unity with much illusion, but soon becomes entangled in contradictions that force it, so far as its cosmological aim is concerned, to abandon its demand.
Here a new phenomenon of human reason appears: an entirely natural antithetic, which no one needs to contrive through subtle speculation or by artfully laying snares.
B 434 Reason falls into it of itself, and indeed unavoidably. It is thereby protected from the slumber of an imagined conviction produced by a merely one-sided illusion, but at the same time tempted either to surrender to skeptical hopelessness or to assume a dogmatic defiance, obstinately insisting on certain assertions without giving the grounds for the contrary a fair hearing. Either is the death of sound philosophy, although the former might, if necessary, still be called the euthanasia of pure reason.
Before presenting the scenes of division and disruption brought about by this conflict of laws (antinomy) of pure reason, we will offer certain discussions that may explain and justify the method we employ in treating our subject. I call all transcendental ideas, insofar as they concern absolute totality in the synthesis of appearances, world-concepts. This is partly because of that very unconditioned totality, on which the concept of the world-whole also rests—a concept that is itself only an idea—and partly because they concern solely the synthesis of appearances, hence empirical synthesis. By contrast, there is the absolute totality in the synthesis of the conditions of all possible things in general.
B 435 This will give rise to an ideal of pure reason, entirely distinct from the world-concept, though related to it. Accordingly, just as the paralogisms of pure reason laid the foundation for a dialectical psychology, the antinomy of pure reason will display the transcendental principles of a supposed pure (rational) cosmology. It does so not to establish their validity and adopt them, but, as the very name of a conflict of reason already indicates, to present them in their dazzling but false illusion as an idea that cannot be reconciled with appearances.
The Antinomy of Pure Reason Section One System of Cosmological Ideas
To enumerate these ideas according to a principle with systematic precision, we must first note that pure and transcendental concepts can arise only from the understanding. Reason does not, strictly speaking, generate any concept at all; at most it frees the concept of the understanding from the unavoidable limitations of a possible experience, and thus seeks to extend it beyond the boundaries of the empirical, yet in connection with it.
B 436 It does so by demanding absolute totality on the side of the conditions for a given conditioned (under which the understanding subjects all appearances to synthetic unity), thereby making the category into a transcendental idea, in order to give empirical synthesis absolute completeness by continuing it to the unconditioned (which is never found in experience, but only in the idea). Reason demands this according to the principle: if the conditioned is given, then the whole sum of conditions, and thus the absolutely unconditioned through which alone the conditioned was possible, is also given. First, then, transcendental ideas will properly be nothing but categories extended to the unconditioned, and can be arranged in a table ordered under the headings of those categories. Second, however, not all categories will be suited to this, but only those in which the synthesis constitutes a series, specifically of conditions subordinated to one another (not coordinated) for a conditioned. Reason demands absolute totality only insofar as it concerns the ascending series of conditions for a given conditioned, not when the question concerns the descending line of consequences, or the aggregate of coordinated conditions for those consequences.
B 437 For conditions are already presupposed in relation to the given conditioned and must be regarded as given along with it, whereas consequences do not make their conditions possible but rather presuppose them. Hence in proceeding to the consequences (or descending from the given condition to the conditioned), we need not concern ourselves with whether the series comes to an end or not, and the question of its totality is in general no presupposition of reason at all.
Thus we necessarily think a time that has wholly elapsed up to the given moment as also given (although not determinable by us). But as for future time, since it is not a condition of arriving at the present, it is entirely immaterial to our comprehension of the present how we choose to regard the future: whether we let it end somewhere or run on to infinity. Let there be a series m, n, o, in which n is given as conditioned in relation to m, but also as the condition of o. Let the series ascend from the conditioned n to m (l, k, i, etc.), and likewise descend from the condition n to the conditioned o (p, q, r, etc.). Then I must presuppose the former series in order to regard n as given, and according to reason (the totality of conditions), n is possible only through that series. Its possibility does not, however, rest on the following series o, p, q, r.
B 438 This series can therefore be regarded not as given, but only as dabilis.
I will call the synthesis of a series on the side of the conditions, beginning with the one nearest the given appearance and proceeding to more remote conditions, regressive synthesis; the synthesis that proceeds on the side of the conditioned, from the nearest consequence to more remote ones, I will call progressive synthesis. The former proceeds to antecedentia, the latter to consequentia. Cosmological ideas therefore concern the totality of regressive synthesis and proceed to antecedentia, not to consequentia. When the latter occurs, it is an arbitrary and not a necessary problem of pure reason, because to make what is given in appearance completely comprehensible we need its grounds, but not its consequences.
To arrange the table of ideas according to the table of categories, we first take the two original quanta of all our intuition, time and space. Time is in itself a series (and the formal condition of all series), and therefore, in relation to a given present, the antecedentia as conditions (the past) can be distinguished a priori from the consequentibus (the future). Consequently, the transcendental idea of the absolute totality of the series of conditions for a given conditioned concerns only all past time.
B 439 According to the idea of reason, the whole elapsed time, as the condition of the given moment, is necessarily thought as given. As for space, however, in itself it contains no distinction between progression and regression, because it constitutes an aggregate, not a series, since its parts are all simultaneous. I could regard the present moment, in relation to past time, only as conditioned, never as its condition, because this moment arises only through elapsed time (or rather through the elapsing of the preceding time). But since the parts of space are not subordinated to one another but coordinated, one part is not the condition of the possibility of another, and space does not in itself constitute a series as time does. Yet the synthesis of the manifold parts of space, through which we apprehend it, is successive, and thus occurs in time and contains a series. And since, in this series of aggregated spaces (for example, the feet in a rod), the spaces thought as added beyond a given one are always the condition of the boundary of the preceding ones, measuring a space must also be regarded as a synthesis of a series of conditions for a given conditioned. The side of the conditions, however, is not in itself distinguished from the side toward which the conditioned lies.
B 440 Consequently regression and progression in space seem to be one and the same. Yet because one part of space is not given through another, but only bounded by it, we must also regard every bounded space as conditioned insofar as it presupposes another space as the condition of its boundary, and so onward. With regard to bounding, then, proceeding in space is also a regression, and the transcendental idea of the absolute totality of synthesis in the series of conditions applies to space as well. I can ask about the absolute totality of appearance in space just as well as about its totality in elapsed time. Whether an answer to either question is possible at all will be determined later.
Second, reality in space—that is, matter—is a conditioned whose inner conditions are its parts, while the parts of those parts are its more remote conditions. Here, therefore, a regressive synthesis takes place whose absolute totality reason demands. This can occur only through a completed division in which the reality of matter vanishes either into nothing or into what is no longer matter, namely the simple. Here, too, then, there is a series of conditions and an advance toward the unconditioned.
B 441 Third, as regards the categories of real relation among appearances, the category of substance with its accidents is unsuited to a transcendental idea; that is, reason has no ground for proceeding regressively to conditions in its case. For accidents, insofar as they inhere in a single substance, are coordinated with one another and do not constitute a series. In relation to substance, however, they are not properly subordinated to it, but are the way the substance itself exists. What might still seem to be an idea of transcendental reason here would be the concept of the substantial. But this means nothing other than the concept of an object in general that subsists, insofar as we think in it merely the transcendental subject without any predicates. Since we are concerned here only with the unconditioned in the series of appearances, it is clear that the substantial cannot constitute a member of that series. The same holds for substances in communion: they are mere aggregates and have no exponent of a series, since they are not subordinated to one another as conditions of their possibility—which one could indeed say of spaces, whose boundary was never determined in itself, but always through another space. Thus only the category of causality remains. It presents a series of causes for a given effect.
B 442 In this series we can ascend from the latter, as the conditioned, to the former, as conditions, and answer reason’s question.
Fourth, the concepts of the possible, the actual, and the necessary lead to no series except insofar as what is contingent in existence must always be regarded as conditioned and, according to the rule of the understanding, points to a condition under which it is necessary; this condition points to a higher one, until reason finds unconditioned necessity only in the totality of this series.
Accordingly, there are only four cosmological ideas, corresponding to the four headings of the categories, if we select those that necessarily involve a series in the synthesis of the manifold.
B 443 1. Absolute completeness of the composition of the given whole of all appearances
2 Absolute completeness of the division of a given whole in appearance
3 Absolute completeness of the origination of an appearance
4 Absolute completeness of the dependence of the existence of what is alterable in appearance
First, we must note here that the idea of absolute totality concerns nothing but the exposition of appearances, not the pure concept of the understanding of a whole of things in general. Here, then, appearances are regarded as given, and reason demands the absolute completeness of the conditions of their possibility insofar as these constitute a series: hence an absolutely (that is, in every respect) complete synthesis through which the appearance can be expounded according to laws of the understanding.
Second, it is properly only the unconditioned that reason seeks.
B 444 It seeks it in this synthesis of conditions, continued serially and indeed regressively: completeness, as it were, in the series of premises that together presuppose no others. Now this unconditioned is always contained in the absolute totality of the series when we represent it in imagination. But this absolutely completed synthesis is itself only an idea; for we cannot know, at least in advance, whether such a synthesis is possible in the case of appearances. If we represent everything through mere pure concepts of the understanding, without conditions of sensible intuition, we can say outright that with a given conditioned the whole series of conditions subordinated to one another is also given, for the former is given only through the latter. But with appearances there is a special restriction on the manner in which conditions are given: namely, through the successive synthesis of the manifold of intuition, which is supposed to be complete in the regression. Whether this completeness is sensibly possible remains a problem. Yet the idea of this completeness lies in reason, regardless of the possibility or impossibility of connecting empirical concepts in a way adequate to it.
B 445 Thus, since the unconditioned is necessarily contained in the absolute totality of the regressive synthesis of the manifold in appearance (under the guidance of the categories, which represent it as a series of conditions for a given conditioned)—even if one leaves unsettled whether and how this totality can be brought about—reason here takes the path of beginning with the idea of totality, although its ultimate aim is properly the unconditioned, whether of the entire series or of a part of it.
We can now think this unconditioned either as consisting solely in the whole series, in which all members without exception would be conditioned and only their whole would be absolutely unconditioned—in which case the regression is called infinite—or as the absolutely unconditioned being only a part of the series, to which its remaining members are subordinated but which itself stands under no other condition.* In the first case, the series a parte priori is without boundaries (without a beginning), that is, infinite, and yet given in its entirety; regression within it, however, is never completed and can be called infinite only potentialiter.
B 446 In the second case, there is a first member of the series, called, with respect to elapsed time, the beginning of the world; with respect to space, the boundary of the world; with respect to the parts of a whole given within its boundaries, the simple; with respect to causes, absolute self-activity (freedom); and with respect to the existence of alterable things, absolute natural necessity.
* The absolute whole of the series of conditions for a given conditioned is always unconditioned, because outside it there are no further conditions in relation to which it could be conditioned. But this absolute whole of such a series is only an idea, or rather a problematic concept whose possibility must be investigated, specifically in relation to the way the unconditioned, as the transcendental idea properly at issue, may be contained in it.
We have two expressions, “world” and “nature,” which sometimes overlap. The first signifies the mathematical whole of all appearances and the totality of their synthesis, both in the large and in the small—that is, both in the advance of this synthesis through composition and through division. But this same world is called nature* insofar as it is considered as a dynamical whole, and attention is directed not to aggregation in space or time.
B 447 Aggregation serves to produce it as a magnitude; attention goes instead to unity in the existence of appearances. Here the condition of what happens is called the cause; the unconditioned causality of the cause in appearance is called freedom, while conditioned causality is called a natural cause in the narrower sense. What is conditioned in existence generally is called contingent, and what is unconditioned, necessary. The unconditioned necessity of appearances can be called natural necessity.
* Nature, taken adjectivally (formaliter), signifies the connection of the determinations of a thing according to an inner principle of causality. By nature taken substantivally (materialiter), by contrast, we mean the sum total of appearances insofar as they are thoroughly connected through an inner principle of causality. In the first sense we speak of the nature of fluid matter, of fire, etc., and use this word adjectivally; by contrast, when we speak of the things of nature, we have an existing whole in mind.
I called the ideas with which we are now concerned cosmological ideas above, partly because “world” means the sum total of all appearances, and our ideas, too, are directed only toward the unconditioned among appearances; partly also because the word “world,” in the transcendental sense, signifies the absolute totality of the sum of existing things, and we direct our attention solely to completeness of synthesis (though properly only in the regression to the conditions). Moreover, all these ideas are transcendent. Although they do not go beyond their object—appearances—in kind, and concern only the sensible world, not noumena, they nevertheless carry synthesis to a degree that exceeds all possible experience. In view of this, I think they can all quite appropriately be called world-concepts.
B 448 With regard to the distinction between the mathematically and the dynamically unconditioned, at which the regression aims, I would nevertheless call the first two world-concepts in a narrower sense (of the world in the large and in the small), and the other two transcendent concepts of nature. This distinction is not yet particularly significant, but may become more important as we proceed.
The Antinomy of Pure Reason Section Two The Antithetic of Pure Reason
If a thetic is any body of dogmatic doctrines, then by an antithetic I mean not dogmatic assertions of the opposite, but the conflict of seemingly dogmatic cognitions (thesin cum antithesi), without attributing to either a superior claim to acceptance. An antithetic, then, is not concerned at all with one-sided assertions, but considers universal cognitions of reason solely in terms of their conflict with one another and its causes. The transcendental antithetic is an investigation of the antinomy of pure reason, its causes, and its result.
B 449 If we employ our reason not merely on objects of experience, for the use of principles of the understanding, but venture to extend those principles beyond the boundary of experience, sophistical propositions arise that may neither hope for confirmation in experience nor fear refutation by it. Each is not only free of contradiction in itself but even finds conditions of its necessity in the nature of reason. Unfortunately, however, its opposite has equally valid and necessary grounds for assertion on its side.
The questions that naturally arise in such a dialectic of pure reason are therefore: 1. In which propositions, then, pure reason is in fact inevitably subject to an antinomy. 2. On what causes this antinomy rests. 3. Whether, and in what way, a path to certainty nevertheless remains open to reason under this contradiction.
A dialectical proposition of pure reason must therefore have this characteristic, distinguishing it from all sophistical propositions: it concerns not an arbitrary question raised merely for some chosen purpose, but one that every human reason must necessarily encounter in its advance. Second, together with its opposite, it must carry not merely an artificial illusion that disappears as soon as it is understood, but a natural and unavoidable illusion.
B 450 Even when one is no longer taken in by it, this illusion still deludes, though it does not deceive, and thus can be rendered harmless but never eradicated.
Such a dialectical doctrine will refer not to the unity of the understanding in concepts of experience, but to the unity of reason in mere ideas. Since the conditions of these ideas are to agree, first, as a synthesis according to rules, with the understanding, and yet at the same time, as the absolute unity of that synthesis, with reason, they will be too great for the understanding if they are adequate to the unity of reason, and too small for reason if they are suited to the understanding. From this a conflict must arise that cannot be avoided, whatever approach we take.
These sophistical assertions thus open a dialectical arena where whichever side is permitted to attack gains the upper hand, while the side forced to remain on the defensive is certain to succumb. Hence even valiant knights, whether championing a good or a bad cause, are sure of carrying off the victor’s wreath if they only secure the privilege of making the last attack and are not obliged to withstand a renewed assault from their opponent. We can readily imagine that this arena has been entered often enough from time immemorial, and that many victories have been won on both sides.
B 451 We can imagine, too, that for the final victory, which decided the matter, care was always taken that the champion of the good cause alone held the field, by forbidding his opponent to take up arms again. As impartial judges, we must set entirely aside whether the cause for which the contestants fight is good or bad, and first let them settle their dispute between themselves. Perhaps, after exhausting rather than injuring one another, they will recognize the futility of their quarrel for themselves and part as good friends.
This method of watching a conflict of assertions—or rather of provoking it ourselves—not to decide finally in favor of one side or the other, but to investigate whether its object may not be a mere mirage, which each pursues in vain and from which neither could gain anything even if no resistance were offered: this procedure, I say, may be called the skeptical method. It is entirely distinct from skepticism, a principle of artful and scientific ignorance that undermines the foundations of all cognition in order, if possible, to leave it nowhere reliable or secure. For the skeptical method aims at certainty.
B 452 It does so, in a dispute honestly intended on both sides and intelligently conducted, by seeking to discover the point of misunderstanding, in order, as wise legislators do, to draw instruction for itself from the perplexity of judges in lawsuits, concerning what is defective and insufficiently determined in their laws. Given our limited wisdom, the antinomy disclosed in applying laws is the best test of legislation, making reason, which does not easily notice its missteps in abstract speculation, attentive to the factors involved in determining its principles.
But this skeptical method is essentially peculiar to transcendental philosophy alone; it may be dispensed with in every other field of investigation, but not in this one. Its use in mathematics would be absurd, since false assertions cannot hide there and become invisible: proofs must always proceed along the thread of pure intuition, through a synthesis that is evident at every step. In experimental philosophy a doubt that postpones judgment may indeed be useful; at least, however, no misunderstanding is possible that could not readily be removed, and experience must ultimately contain the final means of deciding the dispute, whether these are discovered sooner or later.
B 453 Morality, too, can present all its principles in concreto, together with their practical consequences, at least in possible experiences, and thereby avoid the misunderstanding of abstraction. Transcendental assertions, by contrast, presume insights extending even beyond the field of all possible experiences. Their abstract synthesis can neither be given in any intuition a priori, nor can misunderstanding be discovered through any experience. Transcendental reason therefore admits no other touchstone than the attempt to reconcile its assertions with one another, and consequently, beforehand, their free and unhindered contest with one another. This is what we will now undertake.*
* The antinomies follow one another in the order of the transcendental ideas listed above.
The Antinomy of Pure Reason
B 454 First Conflict of the Transcendental Ideas
Thesis
The world has a beginning in time and is also enclosed within boundaries in space.
Proof
For suppose the world has no beginning in time. Then an eternity has elapsed up to every given point in time, and consequently an infinite series of successive states of things in the world has passed. But the infinity of a series consists precisely in its never being capable of completion through successive synthesis. An infinite elapsed world-series is therefore impossible; hence a beginning of the world is a necessary condition of its existence. This was the first point to be proved.
As for the second point, again assume the opposite. Then the world will be an infinite given whole of simultaneously existing things. Now consider the magnitude of a quantum that is not given to any intuition within certain boundaries*.
B 456 We can think it in no other way than through the synthesis of its parts, and the totality of such a quantum only through completed synthesis, or through the repeated addition of the unit to itself.∗∗ Accordingly, to think the world that fills all spaces as a whole, the successive synthesis of the parts of an infinite world would have to be regarded as completed; that is, an infinite time would have to be regarded as having elapsed in enumerating all coexisting things. This is impossible. Consequently, an infinite aggregate of actual things cannot be regarded as a given whole, and thus not as given simultaneously. A world is therefore not infinite in spatial extension, but enclosed within its boundaries. This was the second point.
* We can intuit an indeterminate quantum as a whole if it is enclosed within boundaries, without having to construct its totality through measurement, that is, the successive synthesis of its parts. For the boundaries already determine completeness by cutting off everything more.
∗∗ The concept of totality in this case is nothing other than the representation of the completed synthesis of its parts, because, since we cannot derive the concept from intuition of the whole (which in this case is impossible), we can grasp it only through the synthesis of the parts up to completion of the infinite, at least in the idea.
B 455 Antithesis
The world has no beginning and no boundaries in space, but is infinite with regard to both time and space.
Proof
For suppose it has a beginning. Since a beginning is an existence preceded by a time in which the thing does not exist, there must have preceded a time in which the world did not exist, that is, an empty time. But in an empty time no thing can arise, because no part of such a time, compared with another, contains any distinguishing condition of existence rather than nonexistence (whether we assume that the thing arises of itself or through another cause). Thus although many a series of things can begin in the world, the world itself can have no beginning, and is therefore infinite with regard to past time.
As for the second point, first assume the opposite: that the world is spatially finite and bounded. It then exists in an empty space that is not bounded. There would therefore be not only a relation of things in space, but also of things to space. Now the world is an absolute whole.
B 457 Outside it no object of intuition, and thus no correlate of the world to which it could stand in relation, is found, so the relation of the world to empty space would be its relation to no object. But such a relation, and therefore the bounding of the world by empty space, is nothing. Thus the world is not spatially bounded at all; that is, it is infinite in extension.*
* Space is merely the form of outer intuition (formal intuition), not an actual object that can be intuited externally. Space prior to all things that determine it (fill or bound it), or rather that give an empirical intuition conforming to its form, is, under the name of absolute space, nothing other than the mere possibility of outer appearances insofar as they either exist in themselves or can be added to given appearances. Empirical intuition is therefore not composed of appearances and space (perception and empty intuition). One is not the other’s correlate in synthesis; rather, they are combined only in one and the same empirical intuition as its matter and form. If we try to place one of these two components outside the other (space outside all appearances), all sorts of empty determinations of outer intuition result, which are nevertheless not possible perceptions: for example, the motion or rest of the world in infinite empty space, a determination of their mutual relation that can never be perceived and is therefore also the predicate of a mere thought-entity.
B 458 Remark on the First Antinomy I. On the Thesis
In these conflicting arguments I have not sought deceptive tricks in order perhaps (as one says) to offer an advocate’s proof, exploiting an opponent’s carelessness and willingly allowing his appeal to a misunderstood law so as to build one’s own unlawful claims on its refutation. Each of these proofs has been drawn from the nature of the matter, setting aside the advantage that the fallacies of dogmatists on either side might afford us.
I could also have seemingly proved the thesis by first introducing a faulty concept of the infinity of a given magnitude, as dogmatists habitually do. An infinite magnitude would be one than which no greater is possible (that is, no greater than the multitude of a given unit contained in it). Now no multitude is the greatest, because one or more units can always be added. Therefore an infinite given magnitude, and consequently a world infinite either in its elapsed series or in its extension, is impossible: it is therefore bounded in both respects. I could have conducted my proof in this way. But this concept does not agree with what is understood by an infinite whole. It does not represent how great that whole is, so its concept is not the concept of a maximum.
B 460 It thinks only the whole’s relation to a unit that may be assumed at will, in respect of which the whole is greater than any number. Depending on whether the unit is assumed greater or smaller, the infinite would be greater or smaller; but its infinity, consisting merely in its relation to this given unit, would always remain the same. Admittedly, the absolute magnitude of the whole would not thereby be cognized at all, but that is not at issue here.
The true (transcendental) concept of infinity is this: the successive synthesis of the unit in measuring a quantum can never be completed.* From this it follows with certainty that an eternity of actual successive states cannot have elapsed up to a given (the present) point in time, and therefore that the world must have a beginning.
* It thereby contains a multitude (of the given unit) greater than any number, which is the mathematical concept of the infinite.
With regard to the second part of the thesis, the difficulty of an infinite yet elapsed series does indeed disappear, for the manifold of a world infinite in extension is given simultaneously. But to think the totality of such a multitude, since we cannot appeal to boundaries that themselves constitute this totality in intuition, we must account for our concept. In such a case it cannot proceed from the whole to the determinate multitude of parts, but must demonstrate the possibility of a whole through the successive synthesis of the parts. Since this synthesis would have to constitute a series that could never be completed, we cannot think a totality prior to it, and thus not through it either. For in this case the concept of totality itself is the representation of a completed synthesis of the parts, and this completion, hence also its concept, is impossible.
B 459 II. Remark on the Antithesis
The proof of the infinity of the given world-series and of the sum total of the world rests on this: in the opposite case an empty time, and likewise an empty space, would have to constitute the boundary of the world. I am well aware that attempts are made to evade this consequence by claiming that a boundary of the world in time and space is quite possible without having to assume an absolute time before the world’s beginning, or an absolute space extending outside the actual world—which is impossible. I am quite content with the latter part of this opinion of the philosophers of the Leibnizian school. Space is merely the form of outer intuition, not an actual object that can be intuited externally, and not a correlate of appearances but the form of appearances themselves. Space, therefore, cannot occur absolutely (on its own) as something determining the existence of things, because it is no object at all, but only the form of possible objects. Things as appearances do indeed determine space: that is, among all its possible predicates (magnitude and relation), they bring it about that these or those belong to actuality. But conversely, space, as something existing on its own, cannot determine the actuality of things with regard to magnitude or shape, because it is nothing actual in itself. A space (whether full or empty)* can therefore indeed be bounded by appearances.
B 461 Appearances, however, cannot be bounded by an empty space outside them. The same holds for time. Granting all this, it nevertheless remains indisputable that we must absolutely assume these two nonentities—empty space outside the world and empty time before it—if we assume a boundary of the world, whether in space or in time.
* It is readily apparent that this means: empty space insofar as it is bounded by appearances, and thus empty space within the world, at least does not contradict transcendental principles and can therefore be admitted with respect to them (although its possibility is not thereby immediately asserted).
For the escape by which people seek to evade the consequence we state—that if the world has boundaries in time and space, the infinite void must determine the existence of actual things with regard to their magnitude—secretly consists only in this: instead of a sensible world, they think some intelligible world, who knows what; instead of a first beginning (an existence preceded by a time of nonexistence), they think an existence in general that presupposes no other condition in the world; instead of a boundary of extension, they think limits of the world-whole, and thereby evade time and space. But here we are concerned only with the mundus phaenomenon and its magnitude. We can by no means abstract from the stated conditions of sensibility without abolishing its essence. If the sensible world is bounded, it necessarily lies in the infinite void. If we wish to leave this out, and hence space in general as an a priori condition of the possibility of appearances, the entire sensible world disappears. In our problem this world alone is given to us. The mundus intelligibilis is nothing but the general concept of a world in general, in which we abstract from all conditions of its intuition, and with respect to which, consequently, no synthetic proposition, affirmative or negative, is possible at all.
B 462 The Antinomy of Pure Reason Second Conflict of the Transcendental Ideas
Thesis
Every composite substance in the world consists of simple parts, and nothing exists anywhere but the simple or what is composed of it.
Proof
For suppose composite substances did not consist of simple parts. Then, if all composition were abolished in thought, no composite part would remain, and (since there are no simple parts) no simple part either; thus nothing at all would remain, and consequently no substance would have been given. Either, then, it is impossible to abolish all composition in thought, or after its abolition something existing without any composition—that is, the simple—must remain. In the first case, however, the composite would in turn not consist of substances (because in these, composition is only a contingent relation of substances, without which they must exist as beings enduring on their own).
B 464 Since this case contradicts the supposition, only the second remains: namely, that the substantial composite in the world consists of simple parts.
From this it follows immediately that all things in the world are simple beings, that composition is only their external state, and that although we can never entirely remove the elementary substances from this state of combination and isolate them, reason must nevertheless think them as the first subjects of all composition, and thus as simple beings prior to it.
B 463 Antithesis
No composite thing in the world consists of simple parts, and nothing simple exists anywhere in it.
Proof
Suppose a composite thing (as substance) consists of simple parts. Since all external relation, and therefore all composition of substances, is possible only in space, the space occupied by the composite must consist of as many parts as the composite itself. Now space does not consist of simple parts, but of spaces. Thus every part of the composite must occupy a space. But the absolutely first parts of every composite are simple. Therefore the simple occupies a space. Now everything real that occupies a space contains a manifold whose elements are external to one another, and is thus composite. As a real composite, it consists not of accidents (for these cannot be external to one another without substance), but of substances. Thus the simple would be a substantial composite, which contradicts itself.
The second proposition of the antithesis is that nothing simple exists in the world at all.
B 465 Here it is meant to say only this: the existence of the absolutely simple cannot be demonstrated from any experience or perception, either outer or inner. The absolutely simple is therefore a mere idea whose objective reality can never be demonstrated in any possible experience, and hence is without any application or object in the exposition of appearances. For suppose an object of experience could be found for this transcendental idea. Then the empirical intuition of some object would have to be cognized as containing absolutely no manifold whose elements are external to one another and combined into unity. But from our lack of consciousness of such a manifold no inference is valid to its complete impossibility in any intuition of an object; yet this latter is absolutely required for absolute simplicity. It follows that simplicity cannot be inferred from any perception whatever. Thus, since something can never be given as an absolutely simple object in any possible experience, while the sensible world must be regarded as the sum total of all possible experiences, nothing simple is given anywhere in it.
This second proposition of the antithesis goes much further than the first, which excludes the simple only from the intuition of the composite; this one, by contrast, removes it from the whole of nature. Hence it could be proved not from the concept of a given object of outer intuition (the composite), but from its relation to a possible experience in general.
B 466 Remark on the Second Antinomy I. On the Thesis
When I speak of a whole that necessarily consists of simple parts, I mean only a substantial whole as the proper compositum: that is, the contingent unity of a manifold that is given separately (at least in thought), placed in reciprocal combination, and thereby constitutes one thing. Space should properly be called not compositum but totum, because its parts are possible only in the whole, not the whole through its parts. At most it could be called a compositum ideale, but not reale. Yet this is only a subtlety. Since space is not a composite of substances (not even of real accidents), if I abolish all composition in it, nothing must remain, not even a point; for a point is possible only as the boundary of a space (and thus of a composite).
B 468 Space and time therefore do not consist of simple parts, and neither does what belongs only to the state of a substance, even if it has a magnitude (for example, alteration); that is, a certain degree of alteration does not arise through an accumulation of many simple alterations. Our inference from the composite to the simple holds only for things existing on their own. Accidents of a state, however, do not exist on their own. Thus we can easily ruin the proof of the necessity of the simple as the constituent parts of every substantial composite, and thereby our case in general, if we extend it too far and try to make it hold for everything composite without distinction, as has in fact often happened.
Moreover, I speak here only of the simple insofar as it is necessarily given in the composite, since the latter can be resolved into it as into its constituent parts.
B 470 The proper meaning of the word “Monas” (according to Leibniz’s usage) should probably concern only the simple given immediately as simple substance (for example, in self-consciousness), not as an element of the composite, which might better be called the Atomus. And since I wish to prove simple substances only with regard to the composite, as its elements, I could call the antithesis of the second antinomy transcendental atomism. But since this word has long been used to designate a particular way of explaining corporeal appearances (molecularum), and thus presupposes empirical concepts, let it be called the dialectical principle of monadology.
B 467 II. Remark on the Antithesis
Against this proposition of an infinite division of matter, whose ground of proof is merely mathematical, the monadists raise objections that already arouse suspicion by refusing to accept the clearest mathematical proofs as insights into the constitution of space, insofar as it is in fact the formal condition of the possibility of all matter. Instead, they regard them only as inferences from abstract but arbitrary concepts that could not be related to actual things. As if it were even possible to invent a kind of intuition other than the one given in the original intuition of space, and as if its a priori determinations did not also concern everything possible only by filling that space. If we listen to them, we would have to think, besides the mathematical point, which is simple but not a part, merely the boundary of a space, physical points as well. These, too, would be simple, but would have the advantage of filling space as its parts through their mere aggregation. Without repeating here the many common and clear refutations of this absurdity—it is wholly futile to try to reason away mathematical evidence through merely discursive concepts—I note only the following.
B 469 When philosophy quibbles with mathematics here, it does so because it forgets that this question concerns only appearances and their condition. Here it is not enough to find the concept of the simple for the pure concept of the understanding of the composite; we must find the intuition of the simple for the intuition of the composite (matter). This is wholly impossible according to the laws of sensibility, and thus also in objects of the senses. It may therefore always hold of a whole made of substances, thought merely through the pure understanding, that we must have the simple prior to all its composition. Yet this does not hold of the totum substantiale phaenomenon, which, as empirical intuition in space, necessarily has the property that no part of it is simple, because no part of space is simple. The monadists, however, have been subtle enough to try to evade this difficulty by presupposing not space as a condition of the possibility of objects of outer intuition (bodies), but these objects and the dynamical relation of substances in general as the condition of the possibility of space. Now we have a concept of bodies only as appearances; as such, however, they necessarily presuppose space as the condition of the possibility of all outer appearance. The evasion is therefore futile, as it was also sufficiently blocked above in the Transcendental Aesthetic. Were they things in themselves, the monadists’ proof would certainly hold.
B 471 The second dialectical assertion has this peculiarity: opposed to it is a dogmatic assertion that, alone among all sophistical assertions, undertakes to prove visibly in an object of experience the actuality of what we counted above merely among transcendental ideas, namely the absolute simplicity of substance. It asserts that the object of inner sense, the “I” that thinks, is an absolutely simple substance. Without entering into this now (since it was considered more fully above), I note only that when something is thought merely as an object, without adding any synthetic determination of its intuition (as occurs through the entirely bare representation “I”), then certainly no manifold and no composition can be perceived in such a representation. Moreover, since the predicates through which I think this object are merely intuitions of inner sense, nothing can occur in them that would prove a manifold whose elements are external to one another, and hence real composition. Self-consciousness therefore entails only that, because the subject that thinks is also its own object, it cannot divide itself (although it can divide the determinations inhering in it); for in relation to itself every object is absolute unity. Nevertheless, if this subject is considered externally, as an object of intuition, it would indeed display composition in appearance. But it must always be considered in this way if we wish to know whether or not it contains a manifold whose elements are external to one another.
B 472 The Antinomy of Pure Reason Third Conflict of the Transcendental Ideas
Thesis
Causality according to laws of nature is not the only causality from which all the appearances of the world can be derived. To explain them, it is necessary to assume a causality through freedom as well.
Proof
Suppose there is no causality other than that according to laws of nature. Then everything that happens presupposes a previous state, on which it inevitably follows according to a rule. But the previous state must itself be something that happened (came to be in time, since it did not previously exist), because if it had always existed, its consequence, too, would not first have arisen, but would always have existed. Thus the causality of the cause through which something happens is itself something that has happened, which according to the law of nature again presupposes a previous state and its causality, and this in turn a still earlier one, and so on. If, therefore, everything happens according to mere laws of nature, there is always only a subordinate beginning.
B 474 There is never, however, a first beginning, and thus no completeness at all of the series on the side of causes deriving from one another. But the law of nature consists precisely in this: nothing happens without a cause sufficiently determined a priori. Thus the proposition that all causality is possible only according to laws of nature contradicts itself in its unrestricted universality, and this causality cannot therefore be assumed to be the only kind.
Accordingly, we must assume a causality through which something happens without its cause being further determined according to necessary laws by another preceding cause: that is, an absolute spontaneity of causes to begin of themselves a series of appearances that proceeds according to laws of nature, and hence transcendental freedom, without which even in the course of nature the succession of appearances is never complete on the side of causes.
B 473 Antithesis
There is no freedom; everything in the world happens solely according to laws of nature.
Proof
Suppose there is freedom in the transcendental sense, as a special kind of causality according to which events in the world could occur: namely, a power to begin a state, and thus a series of its consequences, absolutely. Then not only will a series begin absolutely through this spontaneity, but the determination of this spontaneity itself to produce the series—that is, its causality—will also begin absolutely, so that nothing precedes by which this occurring action is determined according to constant laws. But every beginning of action presupposes a state of the cause in which it is not yet acting, and a dynamically first beginning of action presupposes a state having no causal connection at all with the preceding state of that same cause: that is, it in no way follows from it. Transcendental freedom is therefore contrary to the causal law.
B 475 It is a combination of the successive states of efficient causes of a kind according to which no unity of experience is possible; it is thus also found in no experience, and is consequently an empty thought-entity.
We therefore have nothing but nature in which to seek the connection and order of events in the world. Freedom (independence) from laws of nature is indeed a liberation from constraint, but also from the guiding thread of all rules. For we cannot say that laws of freedom enter into the causality of the world’s course in place of laws of nature, because if this causality were determined according to laws, it would not be freedom but itself nothing other than nature. Nature and transcendental freedom therefore differ as lawfulness and lawlessness. The former admittedly burdens the understanding with the difficulty of seeking the derivation of events ever higher in the series of causes, because their causality is always conditioned; but in compensation it promises thoroughgoing and lawful unity of experience. The mirage of freedom, by contrast, promises the inquiring understanding rest in the chain of causes by leading it to an unconditioned causality that begins to act of itself. But since it is itself blind, it breaks the guiding thread of rules through which alone a thoroughly connected experience is possible.
B 476 Remark on the Third Antinomy I. On the Thesis
The transcendental idea of freedom is far from constituting the entire content of the psychological concept bearing this name, which is largely empirical. It constitutes only the absolute spontaneity of action, as the proper ground of its imputability. Yet it is the real stumbling block for philosophy, which finds insuperable difficulties in admitting such a kind of unconditioned causality. Thus what has always placed speculative reason in such great perplexity in the question of freedom of the will is properly only transcendental. It concerns solely whether we must assume a power to begin a series of successive things or states of itself. It is not equally necessary to be able to answer how such a power is possible, since even with causality according to laws of nature we must be content to cognize a priori that such causality must be presupposed, although we cannot in any way comprehend the possibility of one existence positing the existence of another, and in this respect must hold solely to experience. Now we have properly demonstrated this necessity of a first beginning of a series of appearances through freedom only insofar as it is required to make an origin of the world comprehensible, while all subsequent states can be taken as a succession according to mere laws of nature.
B 478 But since the power to begin a series in time entirely of itself has thereby once been proved (though not understood), we are now also permitted to let various series begin of themselves, as regards causality, in the midst of the world’s course, and to attribute to its substances a power to act from freedom. We must not, however, let a misunderstanding obstruct us here: namely, that because a successive series in the world can have only a comparatively first beginning, since a state of things in the world always precedes it, perhaps no absolutely first beginning of series is possible during the world’s course. For here we are speaking not of an absolutely first beginning in time, but in causality. If I now (for example) rise from my chair entirely freely, without the necessarily determining influence of natural causes, then in this event, together with its natural consequences to infinity, a new series begins absolutely, although in time this event is only the continuation of a preceding series. For this decision and deed do not lie in the succession of mere natural effects and are not their mere continuation. Rather, the determining natural causes cease entirely above it with regard to this event, which follows them but does not follow from them, and must therefore be called an absolutely first beginning of a series of appearances, not in time, but with respect to causality.
The confirmation of reason’s need to appeal to a first beginning through freedom in the series of natural causes is especially clear in this: all ancient philosophers (except the Epicurean school) felt compelled to assume a first mover to explain the motions of the world—that is, a freely acting cause that first began this series of states of itself. For they did not venture to make a first beginning comprehensible from mere nature.
B 477 II. Remark on the Antithesis
The defender of nature’s omnipotence (transcendental physiocracy), opposed to the doctrine of freedom, would maintain his proposition against the sophistical inferences of the latter as follows. If you assume no mathematically first term in time in the world, you also have no need to seek a dynamically first term in causality. Who told you to invent an absolutely first state of the world, and thus an absolute beginning of the series of appearances that unfolds successively, and to set boundaries to unrestricted nature in order to provide your imagination a resting place? Since substances in the world have always existed—at least the unity of experience makes such a presupposition necessary—there is no difficulty in also assuming that the succession of their states, that is, a series of their alterations, has always existed, and consequently that no first beginning, either mathematical or dynamical, need be sought. The possibility of such an infinite derivation, without a first member in relation to which everything else is merely subsequent, cannot be made comprehensible. But if you wish to discard these riddles of nature on that account, you will find yourselves compelled to reject many synthetic fundamental properties (fundamental powers) that you can comprehend just as little.
B 479 Even the possibility of alteration in general must offend you. For if you did not find through experience that it is actual, you could never devise a priori how such an unceasing succession of being and nonbeing is possible.
Even if a transcendental power of freedom were conceded, if necessary, to begin the alterations of the world, this power would at least have to be only outside the world (although it always remains a bold presumption to assume, outside the sum total of all possible intuitions, an object that can be given in no possible perception). But attributing such a power to substances within the world itself can never be permitted, because then the connection according to universal laws of appearances necessarily determining one another, which we call nature, would largely disappear, and with it the criterion of empirical truth that distinguishes experience from dreams. For alongside such a lawless power of freedom, nature can scarcely be thought any longer: its laws would be incessantly altered by the influences of freedom, and the play of appearances, which according to mere nature would be regular and uniform, would thereby be made confused and disconnected.
B 480 The Antinomy of Pure Reason Fourth Conflict of the Transcendental Ideas
Thesis
There belongs to the world something that, either as its part or as its cause, is an absolutely necessary being.
Proof
The sensible world, as the whole of all appearances, also contains a series of alterations. For without these, even the representation of the temporal series, as a condition of the possibility of the sensible world, would not be given to us.* But every alteration stands under its condition, which precedes it in time and under which it is necessary. Now every conditioned that is given presupposes, with respect to its existence, a complete series of conditions up to the absolutely unconditioned, which alone is absolutely necessary. Therefore something absolutely necessary must exist if an alteration exists as its consequence. But this necessary being itself belongs to the sensible world. For suppose it were outside that world: then the series of alterations in the world would derive its beginning from it.
B 482 Yet this necessary cause itself would not belong to the sensible world. Now this is impossible. For since the beginning of a temporal series can be determined only by what precedes in time, the highest condition of the beginning of a series of alterations must exist in the time when that series did not yet exist (for a beginning is an existence preceded by a time in which the thing that begins did not yet exist). Thus the causality of the necessary cause of alterations, and hence the cause itself, belongs to time, and consequently to appearance (in which alone time is possible as its form). It therefore cannot be thought as separate from the sensible world as the sum total of all appearances. Thus something absolutely necessary is contained in the world itself (whether this is the entire world-series itself or a part of it).
* Time, as the formal condition of the possibility of alterations, does indeed objectively precede them. Subjectively, however, and in the actuality of consciousness, this representation, like every other, is given only on the occasion of perceptions.
B 481 Antithesis
No absolutely necessary being exists anywhere, either in the world or outside the world as its cause.
Proof
Suppose the world itself is a necessary being, or a necessary being exists within it. Then in the series of its alterations there would either be a beginning that was unconditionally necessary, and thus without a cause, which conflicts with the dynamical law determining all appearances in time; or the series itself would be without any beginning and, although contingent and conditioned in all its parts, nevertheless absolutely necessary and unconditioned as a whole. This contradicts itself, because the existence of a multitude cannot be necessary if not a single part of it possesses an existence necessary in itself.
Suppose, on the other hand, there is an absolutely necessary cause of the world outside the world.
B 483 Then, as the highest member in the series of causes of alterations in the world, it would first begin their existence and their series.* But it would then also have to begin to act, and its causality would belong to time, and for that very reason to the sum total of appearances, that is, to the world. Consequently the cause itself would not be outside the world, contrary to the supposition. Thus neither in the world nor outside it (but in causal combination with it) is there any absolutely necessary being.
* The word “begin” is taken in two senses. The first is active, when the cause begins a series of states as its effect (infit.). The second is passive, when causality arises in the cause itself (fit.). Here I infer from the former to the latter.
B 484 Remark on the Fourth Antinomy I. On the Thesis
To prove the existence of a necessary being, I am obliged here to use no argument other than a cosmological one: one that ascends from the conditioned in appearance to the unconditioned in the concept, regarding this as the necessary condition of the absolute totality of the series. Attempting a proof from the mere idea of a highest being of all beings in general belongs to another principle of reason, and such a proof will therefore have to occur separately.
Now the pure cosmological proof can demonstrate the existence of a necessary being only by leaving unsettled whether that being is the world itself or a thing distinct from it. For to establish the latter requires principles that are no longer cosmological and do not proceed in the series of appearances, but rather concepts of contingent beings in general (insofar as they are considered merely as objects of the understanding), and a principle for connecting these with a necessary being through mere concepts. All this belongs to a transcendent philosophy for which this is not yet the place.
But once we begin the proof cosmologically, taking as our basis the series of appearances and the regression within it according to empirical laws of causality, we cannot afterward leap away from it and pass to something that does not belong to the series as a member at all.
B 486 For something must be regarded as a condition in the very same sense in which the relation of the conditioned to its condition was taken within the series that was to lead to this highest condition through continuous advance. Now if this relation is sensible and belongs to the possible empirical use of the understanding, the highest condition or cause can conclude the regression only according to laws of sensibility, and thus only as belonging to the temporal series; the necessary being must be regarded as the highest member of the world-series.
Nevertheless, people have taken the liberty of making such a leap (metabasis eis allo genos). From alterations in the world they inferred empirical contingency—that is, their dependence on empirically determining causes—and obtained an ascending series of empirical conditions, which was entirely correct. But since they could find no first beginning and no highest member in this series, they suddenly abandoned the empirical concept of contingency and took up the pure category. This then occasioned a merely intelligible series whose completeness rested on the existence of an absolutely necessary cause. Since this cause was now bound to no sensible conditions, it was also freed from the temporal condition of itself beginning its causality. But this procedure is wholly illegitimate, as we can conclude from the following.
Contingent, in the pure sense of the category, is that whose contradictory opposite is possible. Now we cannot infer that intelligible contingency from empirical contingency at all.
B 488 The opposite of what is altered (of its state) is actual at another time, and thus also possible. But this is not the contradictory opposite of the previous state; that would require that at the same time when the previous state existed, its opposite could have existed in its place, which cannot be inferred from alteration at all. A body that was in motion = A comes to rest = non A. From the fact that a state opposed to A follows it, we cannot infer that the contradictory opposite of A is possible, and hence that A is contingent; for that would require that at the same time when the motion existed, rest could have existed instead. Now all we know is that rest was actual, and thus possible, at the subsequent time. But motion at one time and rest at another are not contradictorily opposed to one another. Thus the succession of opposed determinations, that is, alteration, by no means proves contingency according to concepts of the pure understanding, and therefore cannot lead to the existence of a necessary being according to pure concepts of the understanding. Alteration proves only empirical contingency: that is, according to the law of causality, the new state could not have occurred on its own without a cause belonging to the preceding time. Even if this cause is assumed to be absolutely necessary, it must in this way still be found in time and belong to the series of appearances.
B 485 II. Remark on the Antithesis
If, in ascending the series of appearances, we think we encounter difficulties against the existence of an absolutely necessary highest cause, these must not rest on mere concepts of the necessary existence of a thing in general, and thus must not be ontological. They must emerge instead from the causal combination with a series of appearances when we assume for that series a condition that is itself unconditioned; consequently, they must be cosmological and inferred according to empirical laws. Specifically, we must show that ascent in the series of causes (in the sensible world) can never end at an empirically unconditioned condition, and that the cosmological argument from the contingency of states of the world, as evidenced by their alterations, goes against the assumption of a first cause that begins the series absolutely.
B 487 But a strange contrast appears in this antinomy: from the very same ground of proof from which the thesis inferred the existence of an original being, the antithesis infers its nonexistence, and with equal rigor. First it was said: there is a necessary being because the whole past time contains the series of all conditions, and thus also the unconditioned (necessary). Now it is said: there is no necessary being precisely because the whole elapsed time contains the series of all conditions (which are consequently all in turn conditioned). The cause is this. The first argument considers only the absolute totality of the series of conditions, one of which determines another in time, and thereby obtains something unconditioned and necessary. The second, by contrast, considers the contingency of everything determined in the temporal series (because each is preceded by a time in which the condition itself must in turn be determined as conditioned), whereby everything unconditioned and all absolute necessity fall away entirely.
B 489 Yet the mode of inference in both is quite in keeping even with ordinary human reason, which often comes to be divided against itself when considering its object from two different standpoints. Mr. von Mairan considered the dispute between two famous astronomers, arising from a similar difficulty about the choice of standpoint, a phenomenon sufficiently remarkable to warrant a separate treatise. One reasoned as follows: the moon rotates on its axis because it constantly turns the same side toward the earth. The other: the moon does not rotate on its axis, precisely because it constantly turns the same side toward the earth. Both inferences were correct, depending on the standpoint from which one chose to observe the moon’s motion.
B 490 The Antinomy of Pure Reason Section Three The Interest of Reason in This Conflict of Its Own
We now have the entire dialectical play of cosmological ideas. These permit neither an object congruent with them to be given in any possible experience, nor even reason to think them in harmony with universal laws of experience. Yet they are not arbitrarily invented: reason is necessarily led to them in the continuous advance of empirical synthesis when it wishes to free from every condition what can always be determined only conditionally according to rules of experience, and to grasp it in its unconditioned totality. These sophistical assertions are so many attempts to solve four natural and unavoidable problems of reason. There can therefore be precisely this many, neither more nor fewer, because there are no more series of synthetic presuppositions that bound empirical synthesis a priori.
We have presented the brilliant pretensions of reason, which extends its domain beyond all boundaries of experience, only in dry formulas containing merely the ground of its legal claims.
B 491 As befits a transcendental philosophy, we have stripped these of everything empirical, although the full splendor of reason’s assertions can shine forth only in combination with it. But in this application, and in the progressive extension of the use of reason, beginning in the field of experiences and gradually soaring to these sublime ideas, philosophy displays a dignity that, if it could only vindicate its pretensions, would leave the value of all other human science far beneath it. For it promises the foundation for our greatest expectations and prospects concerning the ultimate ends in which all endeavors of reason must finally unite. Whether the world has a beginning and any boundary to its extension in space; whether anywhere, and perhaps in my thinking self, there is an indivisible and indestructible unity, or nothing but the divisible and perishable; whether in my actions I am free or, like other beings, led along the thread of nature and fate; whether, finally, there is a highest cause of the world, or whether natural things and their order constitute the final object at which we must stop in all our reflections: these are questions for whose solution the mathematician would gladly surrender his entire science; for that science can give him no satisfaction with regard to humanity’s highest and most urgent ends.
B 492 Even the proper dignity of mathematics (this pride of human reason) rests on its guiding reason to insight into nature, both in the large and in the small, in its order and regularity and in the admirable unity of the forces that move it, far beyond every expectation of philosophy founded on ordinary experience. It thereby itself provides occasion and encouragement for the use of reason extended beyond all experience, and supplies the philosophy concerned with that use with the finest materials for supporting its investigation, as far as its character permits, through appropriate intuitions.
Unfortunately for speculation (though perhaps fortunately for the practical vocation of the human being), reason finds itself, amid its greatest expectations, so entangled in a press of grounds and countergrounds that—since neither its honor nor even its security permits it to withdraw and watch this dispute indifferently as a mere mock battle, still less to command peace outright, because the object of the dispute is of great interest—nothing remains for it but to reflect on the origin of this disagreement of reason with itself, and to ask whether a mere misunderstanding may not be to blame.
B 493 Once that is clarified, the proud claims on both sides might indeed fall away, but in their place a permanently peaceful rule of reason over understanding and senses would begin.
For now we will postpone this thorough clarification a little longer and first consider which side we would most readily join if compelled to take a party. Since in this case we consult not the logical touchstone of truth but merely our interest, such an investigation, though it decides nothing about the disputed rights of either side, will nevertheless help us understand why participants in this dispute have joined one side rather than the other without any superior insight into the object being the cause. It will likewise explain other incidental matters: for example, the zealous heat of one side and the cold assertions of the other, why people gladly acclaim one party with joyful applause and are irreconcilably prejudiced against the other in advance.
There is, however, something that determines the standpoint from which alone this preliminary assessment can be undertaken with due thoroughness: comparison of the principles from which the two sides proceed. Among the assertions of the antithesis we notice a complete uniformity of thought and an entire unity of maxim.
B 494 The maxim is, namely, a principle of pure empiricism, not only in explaining appearances in the world but also in resolving the transcendental ideas of the universe itself. The assertions of the thesis, by contrast, take intellectual beginnings as their basis in addition to the empirical mode of explanation within the series of appearances, and to that extent their maxim is not simple. But from its essential distinguishing characteristic I will call it the dogmatism of pure reason.
On the side of dogmatism, then, in determining the cosmological ideas of reason, or on the side of the thesis, there appears:
First, a certain practical interest in which every well-disposed person, if he understands his true advantage, takes a heartfelt part. That the world has a beginning; that my thinking self is simple and therefore imperishable in nature; that it is also free in its voluntary actions and raised above natural compulsion; and that, finally, the entire order of things constituting the world derives from an original being from which everything borrows its unity and purposive connection—these are so many foundation stones of morality and religion. The antithesis robs us of all these supports, or at least seems to do so.
Second, a speculative interest of reason also manifests itself on this side.
B 495 For if we accept and employ transcendental ideas in this way, we can grasp the whole chain of conditions entirely a priori and comprehend the derivation of the conditioned by beginning with the unconditioned. The antithesis cannot achieve this, and recommends itself very poorly by being unable to answer the question about the conditions of its synthesis without leaving us to ask further questions endlessly. According to it, we must ascend from a given beginning to a still higher one; every part leads to a still smaller part; every event always has another event above it as cause; and the conditions of existence in general always rest in turn on others, without ever obtaining unconditioned footing and support in a self-subsisting thing as original being.
Third, this side also has the advantage of popularity, which certainly contributes no small part to its appeal. Ordinary understanding finds not the slightest difficulty in the ideas of the unconditioned beginning of all synthesis, since it is in any case more accustomed to descend to consequences than to ascend to grounds. In the concepts of the absolutely first (whose possibility it does not ponder), it finds ease and also a firm point to which it can attach the guiding cord of its steps. By contrast, it can find no satisfaction in the restless ascent from the conditioned to its condition, always with one foot in the air.
B 496 On the side of empiricism in determining cosmological ideas, or of the antithesis, there is, first, no such practical interest arising from pure principles of reason as morality and religion carry with them. Rather, mere empiricism seems to deprive both of all force and influence. If there is no original being distinct from the world; if the world is without a beginning and thus also without an author; if our will is not free and the soul is as divisible and perishable as matter, then moral ideas and principles also lose all validity and fall together with the transcendental ideas that constituted their theoretical support.
In compensation, however, empiricism offers reason’s speculative interest advantages that are very enticing and far surpass those the dogmatic teacher of ideas of reason can promise. According to empiricism, the understanding is always on its own proper ground, namely the field of nothing but possible experiences, whose laws it can trace and through which it can extend its secure and comprehensible cognition without end. Here it can and should present the object to intuition, both in itself and in its relations, or at least in concepts whose image can be exhibited clearly and distinctly in given similar intuitions. Not only does it have no need to leave this chain of the natural order.
B 497 It need not do so in order to cling to ideas whose objects it does not know, because as thought-entities they can never be given. It is not even permitted to abandon its work and, on the pretext that it is now complete, pass into the domain of idealizing reason and to transcendent concepts. There it would no longer need to observe and investigate according to laws of nature, but only to think and invent, certain that it could not be refuted by facts of nature, since it is not bound to their testimony but may pass them by, or even subordinate them to a higher authority, that of pure reason.
The empiricist will therefore never permit any epoch of nature to be assumed as absolutely the first, or any boundary to his view of its extent to be regarded as the outermost; nor will he permit a transition from objects of nature that he can analyze through observation and mathematics and determine synthetically in intuition (the extended) to those that neither sense nor imagination can ever present in concreto (the simple). Nor will he concede that a power to act independently of laws of nature (freedom) should be taken as a basis within nature itself, thereby curtailing the understanding’s work of tracing the origin of appearances along the guiding thread of necessary rules.
B 498 Nor, finally, will he admit that we should seek a cause for anything outside nature (an original being), because we know nothing beyond nature, since it alone offers us objects and can instruct us in its laws.
To be sure, if the empirical philosopher intends his antithesis only to suppress the prying curiosity and presumption of reason that mistakes its true vocation, boasting of insight and knowledge precisely where insight and knowledge cease, and trying to pass off what is accepted with regard to the practical interest as advancing the speculative interest, so as, whenever convenience dictates, to break the thread of physical investigations and, under the pretense of extending cognition, attach it to transcendental ideas through which we properly cognize only that we know nothing—if, I say, the empiricist were content with this, his principle would be a maxim of moderation in claims, modesty in assertions, and at the same time the greatest possible extension of our understanding through the teacher properly appointed for us, namely experience. For in such a case intellectual presuppositions and faith would not be taken from us for the purposes of our practical affairs. Only, they could not be allowed to appear under the title and pomp of science and rational insight.
B 499 For properly speculative knowledge can concern no object other than that of experience; and when we cross its boundary, the synthesis that attempts new cognitions independent of experience has no substratum of intuition on which it could be exercised.
But when empiricism itself becomes dogmatic concerning ideas (as usually happens) and boldly denies what lies beyond the sphere of its intuitive cognitions, it itself falls into the fault of immodesty, which is all the more blameworthy here because it causes irreparable harm to reason’s practical interest.
This is the opposition of Epicureanism* to Platonism.
* It remains a question, however, whether Epicurus ever presented these principles as objective assertions. If they were perhaps nothing more than maxims of the speculative use of reason, he showed in them a more genuine philosophical spirit than any of the ancient philosophers. That in explaining appearances we must proceed as if the field of investigation were cut off by no boundary or beginning of the world; that we must assume the material of the world as it must be if we are to learn about it through experience; that we must employ no production of events other than as they are determined through unalterable laws of nature, and finally no cause distinct from the world—these are still very correct, though little observed, principles for extending speculative philosophy and likewise for discovering the principles of morality independently of outside resources. Someone who demands that we ignore those dogmatic propositions as long as we are occupied with mere speculation must not on that account be accused of wishing to deny them.
B 500 Each says more than he knows, though in such a way that the former encourages and advances knowledge, albeit to the detriment of the practical, while the latter indeed supplies excellent principles for the practical, but thereby allows reason, in everything in which speculative knowledge alone is granted us, to pursue ideal explanations of natural appearances and neglect physical investigation for their sake.
As for the third consideration relevant to a preliminary choice between the two contending parties, it is exceedingly strange that empiricism is entirely contrary to all popularity. One might have thought ordinary understanding would eagerly embrace a plan promising to satisfy it through nothing but experiential cognitions and their rational connection, whereas transcendental dogmatics forces it to ascend to concepts far exceeding the insight and rational powers of even minds most practiced in thinking. But this is precisely its motive.
B 501 For it then finds itself in a condition in which even the most learned can claim no superiority over it. If it understands little or nothing of the matter, no one else can boast of understanding much more. And although it cannot speak about it as scholastically as others, it can nevertheless reason sophistically about it infinitely more, because it wanders among mere ideas about which we are most eloquent precisely because we know nothing of them. In the investigation of nature, by contrast, it would have to fall completely silent and confess its ignorance. Convenience and vanity thus already strongly recommend these principles. Moreover, although a philosopher finds it very difficult to accept something as a principle without being able to account for it to himself, or even to introduce concepts whose objective reality cannot be understood, nothing is more usual for ordinary understanding. It wants something with which it can confidently begin. The difficulty of comprehending such a presupposition itself does not trouble it, because this never occurs to it (since it does not know what comprehension means), and it takes as known what frequent use has made familiar. Finally, all speculative interest vanishes for it before the practical, and it imagines that it understands and knows what its fears or hopes drive it to assume or believe.
B 502 Thus the empiricism of transcendentally idealizing reason is wholly deprived of popularity. However much it may contain that is detrimental to the highest practical principles, there is no danger that it will ever cross the boundaries of the school and acquire any considerable standing in the community or any favor among the multitude.
Human reason is architectonic by nature: that is, it regards all cognitions as belonging to a possible system, and therefore admits only principles that at least do not make an intended cognition incapable of standing together with others in some system. But the propositions of the antithesis are such as to make the completion of an edifice of cognitions wholly impossible. According to them, beyond a state of the world there is always a still earlier one; in every part there are always further parts that are themselves divisible; before every event there is another that was itself likewise produced by something else; and in existence generally everything is always only conditioned, without acknowledging any unconditioned and first existence. Since the antithesis therefore admits no first term anywhere, and no beginning that could serve absolutely as the foundation of the structure, a complete edifice of cognition is wholly impossible under such presuppositions.
B 503 Hence reason’s architectonic interest (which demands not empirical unity, but pure rational unity a priori) carries with it a natural recommendation for the assertions of the thesis.
But if a person could renounce every interest and consider the assertions of reason, indifferent to all consequences, solely according to the content of their grounds, then, supposing he knew no way out of the predicament except to profess one or the other of the contending doctrines, he would be in a state of ceaseless vacillation. Today it would seem convincing to him that the human will is free; tomorrow, considering the indissoluble chain of nature, he would hold freedom to be nothing but self-deception and everything to be mere nature. But when it came to doing and acting, this play of merely speculative reason would vanish like the shadowy images of a dream, and he would choose his principles solely according to practical interest. Yet it befits a reflective and inquiring being to devote certain periods solely to examining his own reason, laying aside all partiality completely and publicly communicating his observations for others to judge.
B 504 No one can therefore be blamed, much less forbidden, for letting theses and antitheses appear as they can defend themselves, undeterred by any threat, before jurors of his own estate (namely, that of weak human beings).
The Antinomy of Pure Reason Section Four The Transcendental Problems of Pure Reason Insofar as They Must Absolutely Be Capable of Solution
To want to solve all problems and answer all questions would be shameless boasting and such extravagant conceit that one would thereby immediately have to forfeit all trust. Yet there are sciences whose nature requires that every question arising within them must be absolutely answerable from what is known, because the answer must arise from the very sources from which the question arises. Here it is by no means permissible to plead unavoidable ignorance; a solution can be demanded. What is right or wrong in all possible cases must be knowable according to the rule, because it concerns our obligation, and we have no obligation to what we cannot know.
B 505 In explaining appearances of nature, however, much must remain uncertain and many a question insoluble, because what we know of nature is far from sufficient in every case for what we are supposed to explain. The question now is whether, in transcendental philosophy, any question concerning an object presented to reason is unanswerable by this same pure reason, and whether we may rightly evade a decisive answer by counting it as absolutely uncertain (from everything we can cognize), among matters of which we have enough of a concept to raise a question, but entirely lack the means or power ever to answer it.
I now maintain that transcendental philosophy has this peculiarity among all speculative cognition: no question concerning an object given to pure reason is insoluble for this same human reason, and no plea of unavoidable ignorance and unfathomable depth of the problem can absolve us from the obligation to answer it thoroughly and completely. For the very concept that enables us to ask must also make us fully capable of answering this question, since the object is not found at all outside the concept.
B 506 (As in the case of right and wrong.)
But in transcendental philosophy it is only cosmological questions for which we can rightly demand a satisfactory answer concerning the constitution of the object, without allowing the philosopher to evade it by pleading impenetrable obscurity; and these questions can concern only cosmological ideas. For the object must be given empirically, and the question concerns only its adequacy to an idea. If the object is transcendental and thus itself unknown—for example, whether the something whose appearance (in ourselves) is thinking (the soul) is a being simple in itself, whether there is an absolutely necessary cause of all things together, and so on—then we are to seek an object for our idea of which we can confess that it is unknown to us, but not therefore impossible*.
B 507 Cosmological ideas alone have the peculiarity that they can presuppose their object and the empirical synthesis required for its concept as given, and the question arising from them concerns only the advance of this synthesis insofar as it is supposed to contain absolute totality, which is no longer anything empirical, since it cannot be given in any experience. Since here we are speaking solely of a thing as an object of possible experience, not as a thing in itself, the answer to the transcendent cosmological question can lie nowhere outside the idea, for it concerns no object in itself. And with regard to possible experience, the question is not about what can be given in concreto in any experience, but about what lies in the idea, which the empirical synthesis is merely supposed to approach. Thus it must be capable of solution from the idea alone; for the idea is a mere creature of reason, which therefore cannot cast off its responsibility and shift it onto the unknown object.
* We can give no answer to the question of the constitution of a transcendental object, namely what it is, but we can indeed answer that the question itself is nothing, because no object for it has been given. Hence all questions of the transcendental doctrine of the soul are also answerable, and have actually been answered; for they concern the transcendental subject of all inner appearances, which is not itself appearance and thus is not given as an object, and in which none of the categories (to which the question is properly directed) finds conditions of its application. Here, then, the common expression applies that no answer is also an answer: namely, that a question about the constitution of that something which cannot be thought through any determinate predicate, because it is placed entirely outside the sphere of objects that can be given to us, is wholly null and empty.
B 508 It is not as extraordinary as it first seems that a science can demand and expect certain solutions to all questions belonging within its domain (quaestiones domesticae), even if these solutions have perhaps not yet been found. Besides transcendental philosophy, there are two other sciences of pure reason, one of merely speculative, the other of practical content: pure mathematics and pure morality. Has anyone ever heard it declared uncertain, as though because of a necessary ignorance of the conditions, exactly what ratio the diameter bears to the circle in rational or irrational numbers? Since it cannot be given congruently through the former, but has not yet been found through the latter, it was judged that at least the impossibility of such a solution could be cognized with certainty, and Lambert gave a proof of it. In the universal principles of morals nothing can be uncertain, because the propositions are either entirely null and meaningless or must flow solely from our concepts of reason. In natural science, by contrast, there is an infinity of conjectures about which certainty can never be expected, because natural appearances are objects given to us independently of our concepts. Their key thus lies not in us and our pure thinking, but outside us, and for that very reason cannot be found in many cases; hence no certain explanation can be expected.
B 509 I do not include here the questions of the Transcendental Analytic concerning the deduction of our pure cognition, because we are now treating only the certainty of judgments regarding objects, not regarding the origin of our concepts themselves.
We therefore cannot evade the obligation to give at least a critical solution to the questions of reason before us by lamenting the narrow limits of our reason and confessing, with the illusion of humble self-cognition, that it is beyond our reason to determine whether the world has existed from eternity or has a beginning; whether the space of the world is filled with beings to infinity or enclosed within certain boundaries; whether anything in the world is simple or everything must be divided to infinity; whether there is generation and production from freedom or everything hangs on the chain of the natural order; finally, whether there is any entirely unconditioned and intrinsically necessary being, or everything is conditioned in its existence, and thus externally dependent and intrinsically contingent. For all these questions concern an object that can be given nowhere but in our thoughts: the absolutely unconditioned totality of the synthesis of appearances.
B 510 If we can say and establish nothing certain about it from our own concepts, we must not lay the blame on the thing that conceals itself from us. For such a thing cannot be given to us at all (since it is found nowhere outside our idea). Instead, we must seek the cause in our idea itself, which is a problem admitting no solution, yet which we stubbornly assume has an actual object corresponding to it. A clear exposition of the dialectic lying in our concept itself would soon bring us to complete certainty about what we must judge concerning such a question.
Against your pretext of uncertainty about these problems, we can first pose this question, which at least you must answer clearly: where do you get the ideas whose solution entangles you in such difficulty here? Are they perhaps appearances that you need to explain, for which, according to these ideas, you have only to seek the principles or the rule of their exposition? Assume that nature is wholly revealed before you, that nothing is hidden from your senses and your consciousness of everything presented to your intuition. Even then, through no single experience will you be able to cognize the object of your ideas in concreto.
B 511 (For besides this complete intuition, a completed synthesis and consciousness of its absolute totality are also required, which no empirical cognition can provide.) Consequently, your question can by no means be necessary for explaining any appearance that occurs, and thus be assigned, as it were, by the object itself. For the object can never occur to you, since it cannot be given through any possible experience. With all possible perceptions you always remain caught within conditions, whether in space or time, and reach nothing unconditioned from which to determine whether this unconditioned is to be placed in an absolute beginning of synthesis or in an absolute totality of the series without any beginning. The “all” in the empirical sense, however, is always only comparative. The absolute all of magnitude (the universe), of division, of derivation, of the condition of existence in general, together with all questions whether it can be achieved through a finite synthesis or one continued to infinity, has nothing to do with any possible experience. You could not, for example, explain the appearances of a body in the least better, or even differently, whether you assumed that it consisted of simple parts or always and throughout of composite ones; for neither a simple appearance nor an infinite composition can ever occur to you. Appearances require explanation only as far as the conditions of their explanation are given in perception.
B 512 But everything that may ever be given in them, taken together in an absolute whole, is itself a perception. Yet it is precisely this all whose explanation is demanded in the transcendental problems of reason.
Since even the solution of these problems can never occur in experience, you cannot say it is uncertain what should be attributed to the object in this regard. For your object is merely in your brain and cannot be given outside it at all. You therefore have only to ensure agreement with yourself and prevent the amphiboly that turns your idea into a supposed representation of an empirically given object, thus one also cognizable according to laws of experience. The dogmatic solution is therefore not uncertain, but impossible. The critical solution, however, which can be wholly certain, considers the question not objectively at all, but according to the foundation of cognition on which it rests.
B 513 The Antinomy of Pure Reason Section Five Skeptical Representation of the Cosmological Questions through All Four Transcendental Ideas
We would gladly relinquish the demand to have our questions answered dogmatically if we already understood in advance that, whatever the answer, it would only increase our ignorance, plunging us from one incomprehensibility into another, from one obscurity into a still greater one, and perhaps even into contradictions. If our question calls merely for affirmation or denial, it is wise to leave the presumable grounds of the answer aside for the moment and first consider what we would gain if the answer fell on one side, and what if it fell on the opposite side. If it turns out that in both cases the result is sheer meaninglessness (nonsense), we have good grounds for critically examining our question itself and seeing whether it rests on an unfounded presupposition and plays with an idea that reveals its falsity better in application and through its consequences than in its isolated representation.
B 514 This is the great benefit of the skeptical way of treating the questions pure reason addresses to pure reason: with little effort we can rid ourselves of a great mass of dogmatic clutter and put in its place a sober critique that, as a true Katarktikon, will successfully expel delusion together with its retinue, polymathy.
If, accordingly, I could see in advance of a cosmological idea that, whichever side of the unconditioned in the regressive synthesis of appearances it took, it would be either too great or too small for every concept of the understanding, then I would comprehend that, since this idea concerns only an object of experience that ought to be commensurate with a possible concept of the understanding, it must be entirely empty and meaningless, because the object does not fit it however I try to accommodate it to the idea. This is indeed the case with all world-concepts, which for that very reason entangle reason in an unavoidable antinomy as long as it clings to them. For suppose:
First, that the world has no beginning. Then it is too great for your concept, since this concept, consisting in a successive regression, can never reach the whole elapsed eternity. Suppose it has a beginning: then, in the necessary empirical regression, it is again too small for your concept of the understanding.
B 515 For since the beginning still presupposes a preceding time, it is not yet unconditioned, and the law of the empirical use of the understanding requires you to ask for a still higher temporal condition. The world is thus plainly too small for this law.
The same holds for the two answers to the question of the world’s spatial magnitude. For if it is infinite and unbounded, it is too great for every possible empirical concept. If it is finite and bounded, you rightly ask further: what determines this boundary? Empty space is no self-subsisting correlate of things and can be no condition at which you can stop, still less an empirical condition constituting part of a possible experience. (For who can have an experience of the absolutely empty?) But the absolute totality of empirical synthesis always requires the unconditioned to be a concept of experience. Thus a bounded world is too small for your concept.
Second, if every appearance in space (matter) consists of infinitely many parts, the regression of division is always too great for your concept; and if the division of space is to stop anywhere at some member (the simple), then it is too small for the idea of the unconditioned.
B 516 For this member still leaves a regression to further parts contained in it.
Third, suppose you assume that in everything that happens in the world there is nothing but consequence according to laws of nature. Then the causality of the cause is always in turn something that happens, making your regression to a still higher cause, and hence the extension of the series of conditions a parte priori, necessary without end. Mere efficient nature is therefore too great for any of your concepts in the synthesis of events in the world.
If you choose, here and there, events brought about of themselves, hence production from freedom, then the “why” pursues you according to an unavoidable law of nature and forces you to go beyond this point according to the causal law of experience. You find that such a totality of connection is too small for your necessary empirical concept.
Fourth, if you assume an absolutely necessary being (whether the world itself, something in the world, or the cause of the world), you place it in a time infinitely distant from the given point in time, because otherwise it would depend on another and earlier existence. But then this existence is inaccessible to your empirical concept and too great for you ever to reach it through any continued regression.
B 517 But if, in your view, everything belonging to the world (whether as conditioned or as condition) is contingent, then every existence given to you is too small for your concept. For it forces you to keep looking for another existence on which it depends.
In all these cases we have said that the world-idea is either too great or too small for empirical regression, and hence for every possible concept of the understanding. Why did we not express ourselves conversely and say that in the first case the empirical concept is always too small for the idea, and in the second too great, so that the fault would attach, as it were, to empirical regression, instead of accusing the cosmological idea of departing by excess or deficiency from its aim, namely possible experience? The reason was this. Possible experience alone can give reality to our concepts; without it every concept is only an idea, without truth or relation to an object. Hence the possible empirical concept was the standard by which the idea had to be judged as to whether it was a mere idea and thought-entity, or found its object in the world. For we say something is too great or too small in relation to something else only of what is assumed solely for the sake of that other thing and must be adapted to it.
B 518 Among the playthings of the ancient dialectical schools was this question: if a ball does not pass through a hole, what should we say—is the ball too large or the hole too small? In this case it is immaterial how you choose to express yourself, for you do not know which exists for the sake of the other. By contrast, you will not say that a man is too tall for his coat, but that the coat is too short for the man.
We have therefore at least been led to a well-founded suspicion that cosmological ideas, and with them all the mutually conflicting sophistical assertions, may be based on an empty and merely imagined concept of the way the object of these ideas is given to us. This suspicion can already put us on the right track toward discovering the mirage that has so long led us astray.
The Antinomy of Pure Reason Section Six Transcendental Idealism as the Key to Resolving the Cosmological Dialectic
In the Transcendental Aesthetic we have sufficiently proved that everything intuited in space or time, and thus all objects of an experience possible for us, are nothing but appearances, that is, mere representations.
B 519 As they are represented—as extended beings or series of alterations—they have no existence grounded in themselves outside our thoughts. I call this doctrine transcendental idealism.* The realist in the transcendental sense turns these modifications of our sensibility into things subsisting in themselves, and hence mere representations into things in themselves.
* I have also sometimes called it formal idealism, to distinguish it from material idealism, that is, the ordinary kind, which doubts or denies the existence of external things themselves. In some cases it seems advisable to use this expression rather than the one above, to prevent all misinterpretation.
It would be unjust to attribute to us the long-discredited empirical idealism that assumes space has a reality of its own while denying, or at least doubting, the existence of extended beings in it, and admits no sufficiently demonstrable distinction between dream and truth in this respect. As for the appearances of inner sense in time, it finds no difficulty in accepting them as actual things; indeed, it even maintains that this inner experience alone sufficiently proves the actual existence of its object (in itself), (with all this temporal determination).
B 520 Our transcendental idealism, by contrast, allows that objects of outer intuition are actual just as they are intuited in space, and all alterations in time just as inner sense represents them. For since space is already a form of the intuition we call outer, and without objects in it there would be no empirical representation at all, we can and must assume extended beings in it as actual; the same holds for time. But space itself, together with this time and, along with both, all appearances, are nevertheless not things in themselves, but nothing but representations, and cannot exist outside our mind at all. Even the inner sensible intuition of our mind (as an object of consciousness), whose determination is represented through the succession of different states in time, is not the proper self as it exists in itself, or the transcendental subject, but only an appearance given to the sensibility of this being unknown to us. The existence of this inner appearance as a thing existing in itself in this way cannot be admitted, because its condition is time, which cannot be a determination of any thing in itself. In space and time, however, the empirical truth of appearances is sufficiently secured.
B 521 It is adequately distinguished from affinity with dreams if both are correctly and thoroughly connected in one experience according to empirical laws.
Accordingly, objects of experience are never given in themselves, but only in experience, and do not exist outside it at all. That there could be inhabitants on the moon, although no human being has ever perceived them, must certainly be admitted; but this means only that we could encounter them in the possible advance of experience. For everything is actual that stands in a context with a perception according to laws of empirical progression. Thus they are actual if they stand in an empirical connection with my actual consciousness, although they are not therefore actual in themselves, that is, outside this advance of experience.
Nothing is actually given to us but perception and the empirical advance from it to other possible perceptions. For appearances in themselves, as mere representations, are actual only in perception, which is in fact nothing other than the actuality of an empirical representation, that is, appearance. To call an appearance an actual thing prior to perception means either that in the advance of experience we must encounter such a perception, or it has no meaning at all. For we could certainly say that it exists in itself, without relation to our senses and possible experience, if we were speaking of a thing in itself.
B 522 But we are speaking only of an appearance in space and time, neither of which is a determination of things in themselves, but only of our sensibility. Hence what is in them (appearances) is not something in itself, but mere representations, which, unless given in us (in perception), are found nowhere at all.
The faculty of sensible intuition is properly only a receptivity for being affected in a certain way by representations. Their relation to one another is a pure intuition of space and time (mere forms of our sensibility), and insofar as they are connected and determinable in this relation (space and time) according to laws of the unity of experience, they are called objects. The nonsensible cause of these representations is entirely unknown to us, and we therefore cannot intuit it as an object; for such an object would have to be represented neither in space nor in time (as mere conditions of sensible representation), without which conditions we cannot think any intuition at all. Yet we can call the merely intelligible cause of appearances in general the transcendental object, simply so that we have something corresponding to sensibility as a receptivity. To this transcendental object we can ascribe the whole extent and connection of our possible perceptions.
B 523 We can say that it is given in itself prior to all experience. But in conformity with it, appearances are given not in themselves but only in this experience, because they are mere representations that signify an actual object only as perceptions, namely when this perception is connected with all others according to the rules of the unity of experience. Thus we can say that actual things of past time are given in the transcendental object of experience; but for me they are objects and actual in past time only insofar as I represent that a regressive series of possible perceptions (whether along the guiding thread of history or in the traces of causes and effects), according to empirical laws—in a word, the course of the world—leads to an elapsed temporal series as the condition of the present time. That series is then represented as actual only in the connection of a possible experience, not in itself. Thus all events that have elapsed from time immemorial before my existence signify nothing but the possibility of extending the chain of experience upward from present perception to the conditions determining it in time.
If, accordingly, I represent to myself all existing objects of the senses collectively in all time and all spaces, I do not place them in these prior to experience.
B 524 Rather, this representation is nothing other than the thought of a possible experience in its absolute completeness. In it alone are those objects (which are nothing but mere representations) given. To say that they exist prior to all my experience means only that they are to be found in the part of experience to which I must first advance, beginning from perception. The cause of the empirical conditions of this advance, and hence which members, or how far, I can encounter in such a regression, is transcendental and therefore necessarily unknown to me. But this is not at issue; only the rule of the advance of experience is, in which objects, namely appearances, are given to me. The outcome is exactly the same whether I say that in an empirical advance through space I could encounter stars a hundred times farther away than the most distant ones I see, or say that perhaps such stars are to be found in cosmic space, although no human being has ever perceived or ever will perceive them. For even if they were given as things in themselves, without relation to possible experience generally, they are nothing for me, and hence no objects, except insofar as they are contained in the series of empirical regression. Only in another relation is the distinction significant.
B 525 When these very appearances are to be used for the cosmological idea of an absolute whole, and thus when the question goes beyond the boundaries of possible experience, it matters how we take the actuality of the objects of the senses in question; the distinction then prevents a deceptive delusion that must inevitably arise from misinterpreting our own concepts of experience.
The Antinomy of Pure Reason Section Seven Critical Decision of Reason’s Cosmological Dispute with Itself
The entire antinomy of pure reason rests on the dialectical argument: if the conditioned is given, then the whole series of all its conditions is also given; now objects of the senses are given to us as conditioned; consequently, etc. Through this syllogism, whose major premise seems so natural and evident, as many cosmological ideas are introduced as there are different conditions in the synthesis of appearances insofar as these constitute a series. These ideas postulate the absolute totality of those series and thereby inevitably place reason in conflict with itself. But before exposing the deception in this sophistical argument, we must prepare ourselves.
B 526 We must do so by correcting and determining certain concepts occurring in it.
First, the following proposition is clear and indubitably certain: if the conditioned is given, then by that very fact a regression in the series of all its conditions is set as a task for us. For the concept of the conditioned already entails that something is thereby referred to a condition and, if this is in turn conditioned, to a more remote condition, and so through all members of the series. This proposition is therefore analytic and beyond all fear of a transcendental critique. It is a logical postulate of reason to pursue through the understanding, and continue as far as possible, the connection of a concept with its conditions that already attaches to the concept itself.
Further, if both the conditioned and its condition are things in themselves, then, when the former is given, not merely is regression to the latter assigned as a task; the latter is actually already given along with it. Since this holds for all members of the series, the complete series of conditions, and thus also the unconditioned, is thereby simultaneously given—or rather presupposed, since the conditioned, which was possible only through that series, is given. Here the synthesis of the conditioned with its condition is a synthesis of the mere understanding, which represents things as they are without considering whether and how we can come to know them.
B 527 If, by contrast, I am dealing with appearances, which as mere representations are not given at all unless I come to know them (that is, come to them themselves, for they are nothing but empirical cognitions), then I cannot say in the same sense that if the conditioned is given, all its conditions (as appearances) are also given. Consequently, I can by no means infer the absolute totality of their series. For in apprehension appearances themselves are nothing other than an empirical synthesis (in space and time), and are therefore given only in that synthesis. Now it by no means follows that if the conditioned (in appearance) is given, the synthesis constituting its empirical condition is thereby also given and presupposed. Rather, this synthesis takes place only in the regression, and never without it. But in such a case we can indeed say that a regression to the conditions, that is, a continued empirical synthesis on this side, is commanded or assigned as a task, and that conditions to be given through this regression cannot be lacking.
This shows that the major premise of the cosmological syllogism takes the conditioned in the transcendental sense of a pure category, while the minor premise takes it in the empirical sense of a concept of the understanding applied to mere appearances.
B 528 Consequently, it contains the dialectical deception called Sophisma figurae dictionis. But this deception is not contrived; it is an entirely natural delusion of ordinary reason. For through it we presuppose (in the major premise) the conditions and their series, as it were without looking, whenever something is given as conditioned, because this is nothing other than the logical requirement to assume complete premises for a given conclusion. Here no temporal order is found in the connection of the conditioned with its condition; they are presupposed as given simultaneously in themselves. Further, it is just as natural (in the minor premise) to regard appearances as things in themselves and as objects given to the mere understanding, just as occurred in the major premise, where I abstracted from all conditions of intuition under which alone objects can be given. But here we overlooked a remarkable difference between the concepts. The synthesis of the conditioned with its condition and the whole series of the latter (in the major premise) carried no limitation through time and no concept of succession. Empirical synthesis and the series of conditions in appearance (subsumed in the minor premise), by contrast, are necessarily successive and given only one after another in time. Consequently, I could not presuppose here, as I could there, the absolute totality of synthesis and of the series represented through it.
B 529 For there all members of the series are given in themselves (without a temporal condition), whereas here they are possible only through successive regression, which is given only by actually carrying it out.
Once such a misstep has been demonstrated in the argument that serves as their common basis (for cosmological assertions), both contending parties can rightly be dismissed as grounding their demand on no sound title. But their dispute is not thereby ended in the sense that they, or one of them, have been proved wrong about the matter itself they assert (in the conclusion), even if they did not know how to build it on sound grounds of proof. Nothing seems clearer than that of two people, one asserting that the world has a beginning, the other that it has no beginning but has existed from eternity, one must be right. But if this is so, then, since the clarity is equal on both sides, it is impossible ever to determine which side is right, and the dispute continues as before, even though the parties have been ordered to keep the peace before the tribunal of reason. Thus no means remains of ending the dispute thoroughly and to the satisfaction of both sides except that, since they can refute one another so well, they should finally be convinced that they are disputing about nothing.
B 530 They should be convinced, too, that a certain transcendental illusion has painted an actuality for them where none is to be found.
We will now take this path toward settling a dispute that cannot be adjudicated.
* * *
Zeno of Elea, a subtle dialectician, was already severely censured by Plato as a willful sophist for trying, to display his skill, to prove one and the same proposition through plausible arguments and soon afterward overturn it through others equally strong. He asserted that God (by which he presumably meant nothing but the world) is neither finite nor infinite, neither in motion nor at rest, neither similar nor dissimilar to any other thing. Those who judged him on this thought he meant to deny two mutually contradictory propositions entirely, which is absurd. But I do not find that this charge can rightly be brought against him. I will shortly examine the first of these propositions more closely. As for the others, if by “God” he understood the universe, then he certainly had to say that it neither remains persistently present in its place (at rest) nor changes its place (moves), because all places are only in the universe, which itself is therefore in no place. If the universe contains everything that exists, then in that respect it is also neither similar nor dissimilar to any other thing, because outside it there is no other thing with which it could be compared.
B 531 If two opposed judgments presuppose an inadmissible condition, then despite their conflict (which is nevertheless no genuine contradiction), both fall away, because the condition under which alone either proposition was supposed to hold falls away.
If someone said that every body either smells good or smells not good, a third case is possible: that it has no smell at all (gives off no scent), and thus both conflicting propositions can be false. If I say that it is either fragrant or not fragrant (vel suaveolens vel non suaveolens), the two judgments are contradictorily opposed, and only the first is false; its contradictory opposite, namely that some bodies are not fragrant, also includes bodies that have no smell at all. In the former opposition (per disparata), the contingent condition of the concept of bodies (smell) remained in the conflicting judgment and was not abolished along with it; hence the latter was not the contradictory opposite of the former.
Accordingly, if I say that the world is either infinite in space or is not infinite (non est infinitus), then if the former proposition is false, its contradictory opposite, that the world is not infinite, must be true. I would thereby merely abolish an infinite world without positing another, namely a finite one.
B 532 But if the statement were that the world is either infinite or finite (noninfinite), both could be false. For I then regard the world as determined in its magnitude in itself, since in the opposite I do not merely abolish infinity, and with it perhaps the world’s entire separate existence, but add a determination to the world as a thing actual in itself. This may equally be false if the world should not be given as a thing in itself at all, and thus not in its magnitude either, whether as infinite or finite. Allow me to call such opposition dialectical, while calling the opposition of contradiction analytical. Thus two dialectically opposed judgments can both be false, because one not only contradicts the other but says more than contradiction requires.
If we regard the two propositions “The world is infinite in magnitude” and “The world is finite in magnitude” as contradictorily opposed, we assume that the world (the entire series of appearances) is a thing in itself. For it remains whether I abolish the infinite or the finite regression in the series of its appearances. But if I remove this presupposition, or this transcendental illusion, and deny that the world is a thing in itself.
B 533 The contradictory conflict of the two assertions then becomes merely dialectical. Since the world does not exist in itself at all (independently of the regressive series of my representations), it exists neither as a whole infinite in itself nor as one finite in itself. It is found only in the empirical regression of the series of appearances, and not at all on its own. Hence, if that series is always conditioned, it is never given in its entirety, and the world is therefore no unconditioned whole, nor does it exist as such, whether with infinite or finite magnitude.
What has been said here of the first cosmological idea, namely the absolute totality of magnitude in appearance, holds also for all the others. The series of conditions is found only in the regressive synthesis itself, not in itself in appearance as an independent thing given prior to all regression. Hence I must also say that the multitude of parts in a given appearance is in itself neither finite nor infinite, because appearance is not something existing in itself, and the parts are given only through and within the regression of decomposing synthesis. This regression is never given absolutely in its entirety, either as finite or as infinite. The same holds for the series of causes ordered one above another, or of conditioned existence up to unconditionally necessary existence.
B 534 This series can never be regarded in its totality as finite or infinite in itself, because as a series of subordinated representations it consists only in the dynamical regression; prior to this, and as a self-subsisting series of things, it cannot exist in itself at all.
Thus the antinomy of pure reason in its cosmological ideas is removed by showing that it is merely dialectical: a conflict of an illusion arising from applying the idea of absolute totality, which holds only as a condition of things in themselves, to appearances. These exist only in representation and, when they constitute a series, in successive regression; otherwise they do not exist at all. Conversely, however, we can also draw a genuine benefit from this antinomy, not dogmatic but nevertheless critical and doctrinal: indirectly proving the transcendental ideality of appearances, should anyone find the direct proof in the Transcendental Aesthetic insufficient. The proof would consist in this dilemma. If the world is a whole existing in itself, it is either finite or infinite. Now both the former and the latter are false (according to the proofs of the antithesis on the one hand and the thesis on the other, given above).
B 535 Thus it is also false that the world (the sum total of all appearances) is a whole existing in itself. From this it follows that appearances in general are nothing outside our representations, which is precisely what we meant by their transcendental ideality.
This remark is important. It shows that the above proofs of the fourfold antinomy were not deceptions but sound, under the presupposition that appearances, or a sensible world embracing them all, were things in themselves. But the conflict of the propositions inferred from this reveals a falsity in the presupposition, and thereby leads us to discover the true constitution of things as objects of the senses. Transcendental dialectic therefore gives no support whatever to skepticism, but does support the skeptical method, which can display in it an example of its great usefulness. For if we allow reason’s arguments to confront one another with the greatest freedom, then although in the end they may not deliver what we sought, they will always deliver something useful and conducive to correcting our judgments.
B 536 The Antinomy of Pure Reason Section Eight The Regulative Principle of Pure Reason with Regard to Cosmological Ideas
Since the cosmological principle of totality gives no maximum of the series of conditions in a sensible world as a thing in itself, but can only assign it as a task in the regression through that series, the stated principle of pure reason, in its meaning thus corrected, still retains its full validity. It does so not as an axiom for thinking totality as actual in the object, but as a problem for the understanding, hence for the subject, to undertake and continue the regression in the series of conditions for a given conditioned in conformity with completeness in the idea. For in sensibility, that is, in space and time, every condition we can reach in expounding given appearances is itself conditioned, because these are not objects in themselves, in which the absolutely unconditioned might perhaps occur, but merely empirical representations that must always find their condition in intuition, determining them in space or time. The principle of reason is therefore properly only a rule that commands a regression in the series of conditions of given appearances.
B 537 This regression is never permitted to stop at something absolutely unconditioned. Thus it is no principle of the possibility of experience and of empirical cognition of objects of the senses, and hence no principle of the understanding; for every experience is enclosed within its boundaries (according to the given intuition). Nor is it a constitutive principle of reason for extending the concept of the sensible world beyond all possible experience. Rather, it is a principle of the greatest possible continuation and extension of experience, according to which no empirical boundary must count as an absolute boundary. It is therefore a principle of reason that, as a rule, postulates what we are to do in the regression, and does not anticipate what is given in itself in the object prior to all regression. Hence I call it a regulative principle of reason. By contrast, the principle of the absolute totality of the series of conditions as given in itself in the object (appearances) would be a constitutive cosmological principle. Through this very distinction I have sought to indicate its nullity, and thereby to prevent what otherwise inevitably happens (through transcendental subreption): attributing objective reality to an idea that serves merely as a rule.
To determine the meaning of this rule of pure reason properly, we must first note the following.
B 538 It cannot say what the object is, but how the empirical regression is to be undertaken in order to arrive at the complete concept of the object. For if the former occurred, it would be a constitutive principle, such as can never be possible from pure reason. Thus we can by no means intend to say through it that the series of conditions for a given conditioned is in itself finite or infinite. For then a mere idea of absolute totality, created solely within itself, would think an object that can be given in no experience, by conferring on a series of appearances an objective reality independent of empirical synthesis. The idea of reason will therefore prescribe only a rule to regressive synthesis in the series of conditions, according to which it proceeds from the conditioned through all subordinated conditions to the unconditioned, although the latter is never reached. For the absolutely unconditioned is not found in experience at all.
For this purpose we must first determine precisely the synthesis of a series insofar as it is never complete. Two expressions are commonly used here, supposedly to distinguish something in it, though no one quite knows how to specify the ground of the distinction. Mathematicians speak solely of a progressus in infinitum.
B 539 Those who investigate concepts (philosophers) would allow instead only the expression of a progressus in indefinitum. Without pausing to examine the scruple that recommended such a distinction to them, or its useful or fruitless employment, I will try to determine these concepts precisely in relation to my purpose.
We can rightly say of a straight line that it can be extended to infinity; here the distinction between infinite and indefinitely far progression (progressus in indefinitum) would be an empty subtlety. Admittedly, if the instruction is “Extend a line,” it is more correct to add in indefinitum than to say in infinitum: the former means no more than “Extend it as far as you wish,” the latter “You must never stop extending it” (which is not the intention here). But when the question concerns only what can be done, the former expression is entirely correct; for you can keep making it greater to infinity. The same holds in all cases where we speak only of progression, that is, of proceeding from the condition to the conditioned: this possible advance in the series of appearances goes to infinity. From a pair of parents you can proceed without end in the descending line of generation, and can quite well think that it actually proceeds in this way in the world.
B 540 For here reason never needs absolute totality of the series, since it does not presuppose this as a condition and as given (datum), but only as something conditioned that can be given (dabile) and is added without end.
The matter is quite different with the problem of how far the regression ascending from the given conditioned to the conditions in a series extends: whether I can say it is a regression to infinity, or only one extending indefinitely far (in indefinitum); and thus whether I can ascend to infinity from the people now living in the series of their ancestors, or whether we can say only that, however far I have gone back, no empirical ground is ever found for regarding the series as bounded anywhere, so that I am entitled and at the same time obliged to seek a further forebear for each ancestor, although not actually to presuppose one.
Accordingly, I say: if the whole has been given in empirical intuition, regression in the series of its inner conditions proceeds to infinity. But if only one member of the series is given, from which regression is first to proceed toward absolute totality, then only a regression in an indeterminate manner (in indefinitum) takes place.
B 541 Thus of the division of a matter (a body) given within its boundaries, we must say that it proceeds to infinity. For this matter is given as a whole, and consequently with all its possible parts, in empirical intuition. Now since the condition of this whole is its part, and the condition of this part the part of that part, and so on, and since in this regression of decomposition no unconditioned (indivisible) member of this series of conditions is ever encountered, not only is there nowhere any empirical ground for stopping the division, but the further members of the division to be continued are themselves empirically given even before that further division: that is, the division proceeds to infinity. By contrast, the series of ancestors of a given person is given in its absolute totality in no possible experience; yet regression proceeds from each member of this generation to a higher one, so that no empirical boundary is found presenting a member as absolutely unconditioned. But since the members that could supply the condition are not already present in the empirical intuition of the whole before the regression, this regression proceeds not to infinity (in dividing what is given), but indefinitely far in seeking further members for the given ones, which are themselves always given only as conditioned.
B 542 In neither of the two cases, the regressus in infinitum as well as that in indefinitum, is the series of conditions regarded as given as infinite in the object. They are not things given in themselves, but only appearances given, as conditions of one another, solely in the regression itself. Thus the question is no longer how great this series of conditions is in itself, whether finite or infinite—for it is nothing in itself—but how we should undertake empirical regression and how far we should continue it. And here there is a significant difference in the rule for this advance. If the whole has been empirically given, it is possible to regress to infinity in the series of its inner conditions. But if the whole is not given and is first to be given through empirical regression, I can say only that it is infinitely possible to proceed to still higher conditions of the series. In the first case I could say that there are always more members present and empirically given than I reach through the regression (of decomposition); in the second, that I can always go further in regression, because no member is empirically given as absolutely unconditioned, and thus it always admits a still higher member as possible and hence the search for it as necessary. There it was necessary to encounter more members of the series; here it is always necessary to inquire after more, because no experience sets an absolute boundary.
B 543 For either you have no perception that absolutely bounds your empirical regression, in which case you must not regard your regression as completed; or you have a perception bounding your series, in which case it cannot be part of the series you have traversed (because what bounds must be distinct from what it bounds), and you must therefore continue your regression to this condition as well, and so onward.
The following section will put these remarks in their proper light through their application.
The Antinomy of Pure Reason Section Nine The Empirical Use of the Regulative Principle of Reason with Regard to All Cosmological Ideas
As we have repeatedly shown, there is no transcendental use either of pure concepts of the understanding or of concepts of reason. The absolute totality of the series of conditions in the sensible world rests solely on a transcendental use of reason, which demands this unconditioned completeness of what it presupposes as a thing in itself; but the sensible world contains no such thing.
B 544 Hence the issue can no longer be the absolute magnitude of the series in it, whether bounded or unbounded in themselves, but only how far we should go back in empirical regression, tracing experience to its conditions, so that, according to reason’s rule, we stop only at an answer to its questions commensurate with the object.
Thus all that remains to us is the validity of reason’s principle as a rule for the continuation and magnitude of a possible experience, after its invalidity as a constitutive principle of appearances in themselves has been sufficiently demonstrated. If we can exhibit that validity beyond doubt, reason’s dispute with itself will also be wholly ended. For not only will critical resolution have removed the illusion that divided reason against itself; in its place, the meaning in which reason agrees with itself, whose misinterpretation alone occasioned the dispute, will be disclosed, and an otherwise dialectical principle transformed into a doctrinal one. Indeed, suppose this principle can be vindicated in its subjective meaning—determining the greatest possible use of the understanding in experience in conformity with its objects.
B 545 Then it is precisely as much as if it determined objects in themselves a priori like an axiom (which is impossible from pure reason). For even this could have no greater influence on extending and correcting our cognition of objects of experience than proving itself active in the most extensive experiential use of our understanding.
I. Resolution of the Cosmological Idea of the Totality of the Composition of Appearances of a World-Whole
Here, as with the other cosmological questions, the ground of reason’s regulative principle is the proposition that in empirical regression no experience of an absolute boundary can be found, and hence of no condition as empirically absolutely unconditioned. The reason is that such an experience would have to contain a bounding of appearances by nothing, or by the void, which continued regression could encounter through a perception. This is impossible.
Now this proposition amounts to saying that in empirical regression I always reach only a condition.
B 546 That condition must itself in turn be regarded as empirically conditioned. The proposition thus contains the rule in terminis that, however far I may have come in the ascending series, I must always inquire after a higher member of the series, whether or not it becomes known to me through experience.
Nothing further is now needed to resolve the first cosmological problem except to determine whether, in regression toward the unconditioned magnitude of the world-whole (in time and space), this never-bounded ascent can be called a regression to infinity, or only an indefinitely continued regression (in indefinitum).
The mere general representation of the series of all past states of the world, and likewise of the things simultaneously present in cosmic space, is itself nothing other than a possible empirical regression that I think, though still indeterminately, and through which alone the concept of such a series of conditions for the given perception can arise*.
B 547 Now I always have the world-whole only in a concept, never in intuition (as a whole). Thus I cannot infer from its magnitude the magnitude of the regression and determine the latter according to the former; rather, I must first form a concept of the world’s magnitude through the magnitude of empirical regression. But of this regression I never know more than that from every given member of the series of conditions I must always proceed empirically to a higher (more remote) member. Thus the magnitude of the whole of appearances is not thereby determined absolutely at all. Consequently, we also cannot say that this regression proceeds to infinity, because this would anticipate the members the regression has not yet reached and represent their multitude as so great that no empirical synthesis can reach it. It would therefore determine the world’s magnitude before the regression (even if only negatively), which is impossible. For this is given to me through no intuition (in its totality), and hence its magnitude too is not given at all before the regression. Accordingly, we can say nothing whatever about the world’s magnitude in itself, not even that a regressus in infinitum takes place within it; we must seek the concept of its magnitude only according to the rule determining empirical regression in it. But this rule says no more than that, however far we may have come in the series of empirical conditions, we should nowhere assume an absolute boundary.
B 548 Rather, we must subordinate every appearance, as conditioned, to another as its condition, and thus proceed further to it. This is the regressus in indefinitum, which, because it determines no magnitude in the object, can be distinguished clearly enough from that in infinitum.
* This world-series can therefore be neither greater nor smaller than the possible empirical regression on which alone its concept rests. And since this can yield neither a determinate infinite nor a determinate finite (something absolutely bounded), it is clear that we can assume the world’s magnitude neither as finite nor as infinite, because the regression (through which it is represented) admits neither.
Accordingly, I cannot say that the world is infinite in past time or in space. For such a concept of magnitude as a given infinity is absolutely impossible empirically, and hence also with regard to the world as an object of the senses. Nor will I say that regression from a given perception to everything that bounds it in a series, both in space and in past time, proceeds to infinity; for this presupposes the world’s infinite magnitude. Nor will I say that it is finite, for an absolute boundary is likewise empirically impossible. Thus I will be able to say nothing about the entire object of experience (the sensible world), but only about the rule according to which experience should be undertaken and continued in conformity with its object.
To the cosmological question concerning the world’s magnitude, then, the first and negative answer is: the world has no first beginning in time and no outermost boundary in space.
For in the opposite case it would be bounded by empty time on the one hand and empty space on the other.
B 549 Since, as appearance, it can be neither of these in itself—for appearance is no thing in itself—a perception of its bounding by absolutely empty time or empty space would have to be possible, through which these ends of the world would be given in a possible experience. But such an experience, as wholly empty of content, is impossible. Thus an absolute boundary of the world is empirically, and hence absolutely, impossible*.
* It will be noticed that the proof here has been conducted in an entirely different way from the dogmatic proof above in the antithesis of the first antinomy. There we allowed the sensible world, according to the ordinary and dogmatic manner of representation, to count as a thing given in itself in its totality prior to all regression; and if it did not occupy all time and all spaces, we denied it any determinate position in either at all. Hence the inference was also different from the present one: we inferred its actual infinity.
From this follows at the same time the affirmative answer: regression in the series of appearances of the world, as a determination of the world’s magnitude, proceeds in indefinitum. This amounts to saying that the sensible world has no absolute magnitude, but empirical regression (through which alone it can be given on the side of its conditions) has its rule. From every member of the series, as conditioned, it must always proceed to a still more remote one.
B 550 It must do so whether through one’s own experience, or the guiding thread of history, or the chain of effects and their causes, and must nowhere exempt itself from extending the possible empirical use of one’s understanding. This is, indeed, reason’s proper and sole business with its principles.
This prescribes no determinate empirical regression proceeding incessantly within a particular kind of appearances—for example, that from a living person we must always ascend in a series of ancestors without expecting a first pair, or in the series of celestial bodies without admitting an outermost sun. Rather, it commands only progression from appearances to appearances, even if these yield no actual perception (when they are too weak in degree for our consciousness to become experience), because they nevertheless belong to possible experience.
Every beginning is in time, and every boundary of the extended is in space. But space and time are only in the sensible world. Consequently, only appearances in the world are bounded conditionally; the world itself is bounded neither conditionally nor unconditionally.
For this very reason, and because the world can never be given in its entirety, nor even the series of conditions for a given conditioned as a world-series, the concept of the world’s magnitude is given only through regression, not prior to it in a collective intuition.
B 551 But regression always consists only in determining magnitude, and therefore yields no determinate concept, nor any concept of a magnitude infinite in relation to a certain measure. It thus proceeds not to infinity (as though already given), but indefinitely far, in order to yield a magnitude (of experience) that first becomes actual through this regression.
II. Resolution of the Cosmological Idea of the Totality of the Division of a Given Whole in Intuition
When I divide a whole given in intuition, I proceed from a conditioned to the conditions of its possibility. The division of the parts (subdivisio or decompositio) is a regression in the series of these conditions. The absolute totality of this series would be given only if the regression could reach simple parts. But if, in a continuously proceeding decomposition, all parts are always divisible in turn, then division—that is, regression from the conditioned to its conditions—proceeds in infinitum, because the conditions (the parts) are contained in the conditioned itself and, since the latter is given in its entirety in an intuition enclosed within its boundaries, are all given along with it.
B 552 Regression must therefore not be called merely a regression in indefinitum, as the preceding cosmological idea alone allowed, where I was to proceed from the conditioned to its conditions outside it, which were consequently not thereby given along with it but were first added in empirical regression. Despite this, we are by no means permitted to say of such an infinitely divisible whole that it consists of infinitely many parts. For although all parts are contained in the intuition of the whole, the entire division is not contained in it: this consists only in the continuing decomposition, or regression itself, which first makes the series actual. Since this regression is infinite, all members (parts) it reaches are indeed contained in the given whole as aggregates, but not the entire series of division, which is successively infinite and never entire, and therefore can represent neither an infinite multitude nor its collection in a whole.
This general reminder is first very easily applied to space. Every space intuited within its boundaries is such a whole, whose parts, throughout all decomposition, are always spaces in turn, and it is therefore divisible to infinity.
B 553 From this follows quite naturally the second application, to an outer appearance enclosed within its boundaries (a body). Its divisibility rests on the divisibility of space, which constitutes the possibility of the body as an extended whole. The body is therefore divisible to infinity, without thereby consisting of infinitely many parts.
It admittedly seems that, since a body must be represented as substance in space, it will differ from space with regard to the law of divisibility. For we can perhaps concede that decomposition in space can never remove all composition, since then even all space, which otherwise has nothing self-subsisting, would cease (which is impossible). But that, if all composition of matter were abolished in thought, nothing at all should remain seems irreconcilable with the concept of a substance, which should properly be the subject of all composition and would have to remain in its elements even if their connection in space, through which they constitute a body, were abolished. But what is called substance in appearance is not constituted as we might think a thing in itself through a pure concept of the understanding. It is not an absolute subject.
B 554 It is an enduring image of sensibility and nothing but intuition, in which nothing unconditioned is found anywhere.
Although this rule of progression to infinity undoubtedly holds in subdividing an appearance as a mere filling of space, it cannot hold if we also wish to extend it to the multitude of parts already separated in a certain way within the given whole, thereby constituting a quantum discretum. We cannot think that in every articulated (organized) whole each part is itself articulated, and that in this way, in analyzing the parts to infinity, we always encounter new artfully formed parts—in a word, that the whole is articulated to infinity—although we can indeed think that the parts of matter could be articulated in its decomposition to infinity. For the infinity of the division of a given appearance in space rests solely on the fact that this appearance gives only divisibility, that is, a multitude of parts absolutely indeterminate in itself, while the parts themselves are given and determined only through subdivision: in short, the whole is not already divided in itself. Hence division can determine a multitude in it extending as far as we wish to proceed in the regression of division.
B 555 By contrast, in an organic body articulated to infinity, the whole is represented through this very concept as already divided, and a multitude of parts determinate in itself but infinite is found in it prior to all regression of division, whereby one contradicts oneself, since this infinite unfolding is regarded as a series that can never be completed (infinite), yet also as completed in a collection. Infinite division designates only appearance as quantum continuum and is inseparable from the filling of space, because in that filling lies the ground of infinite divisibility. But as soon as something is assumed as quantum discretum, the multitude of units in it is determined, and hence always equal to a number. Thus how far organization may extend in an articulated body can be determined only by experience; and even if experience never reached an inorganic part with certainty, such parts must nevertheless lie at least in possible experience. But how far the transcendental division of an appearance in general extends is no matter of experience at all. It is a principle of reason never to regard empirical regression in decomposing the extended as absolutely completed, in conformity with the nature of this appearance.
B 556 Concluding Remark on the Resolution of the Mathematical-Transcendental Ideas, and Preliminary Reminder Concerning the Resolution of the Dynamical-Transcendental Ideas
When we presented the antinomy of pure reason through all transcendental ideas in a table, indicating the ground of this conflict and the only means of removing it—declaring both opposed assertions false—we everywhere represented conditions as belonging to their conditioned according to relations of space and time. This is the usual presupposition of ordinary human understanding, on which that conflict entirely rested. In this respect, all dialectical representations of totality in the series of conditions for a given conditioned were also thoroughly of the same kind. There was always a series in which condition and conditioned were connected as its members and were thereby homogeneous; hence regression could never be thought as completed, or, if it were to be so thought, an intrinsically conditioned member would have to be falsely assumed as first, and thus as unconditioned. Thus, although not everywhere the object, that is, the conditioned, was considered merely in its magnitude, the series of its conditions was.
B 557 The difficulty, which could be removed not by any compromise but only by cutting the knot entirely, was that reason made the series either too long or too short for the understanding, so that the latter could never match its idea.
But here we overlooked an essential distinction among the objects, that is, the concepts of the understanding, which reason seeks to elevate to ideas. According to our table of categories above, two of them signify a mathematical synthesis of appearances, while the other two signify a dynamical synthesis. Until now this could quite well be done, since, just as in the general representation of all transcendental ideas we always remained only among conditions in appearance, so too in the two mathematical-transcendental ideas we had no object other than one in appearance. But now, as we proceed to dynamical concepts of the understanding insofar as they are to conform to the idea of reason, that distinction becomes important and opens an entirely new prospect concerning the dispute in which reason is entangled. Previously dismissed as built on false presuppositions on both sides, it may now admit settlement to the satisfaction of both parties from this standpoint.
B 558 Perhaps in the dynamical antinomy such a presupposition occurs that can coexist with reason’s claim, while the judge supplies the deficiency in legal grounds that both sides had misunderstood. This could not be done in the dispute of the mathematical antinomy.
The series of conditions are indeed all homogeneous insofar as we consider only their extent: whether they conform to the idea, or whether the idea is too great or too small for them. But the concept of the understanding underlying these ideas contains either solely a synthesis of the homogeneous (which is presupposed in every magnitude, both in its composition and in its division), or also a synthesis of the heterogeneous, which can at least be admitted in dynamical synthesis, both in causal combination and in the combination of the necessary with the contingent.
Thus, in the mathematical connection of series of appearances, no condition can enter except a sensible one, that is, one that is itself part of the series. The dynamical series of sensible conditions, by contrast, still admits a heterogeneous condition that is not part of the series but, as merely intelligible, lies outside it.
B 559 This satisfies reason and places the unconditioned before appearances without thereby confusing their series, which is always conditioned, or breaking it off contrary to principles of the understanding.
Now because dynamical ideas admit a condition of appearances outside their series, that is, one that is not itself appearance, something occurs wholly different from the outcome of the antinomy. The antinomy required both dialectical counterassertions to be declared false. By contrast, the thoroughly conditioned character of dynamical series, inseparable from them as appearances, connected with a condition that is empirically unconditioned but also nonsensible, can satisfy the understanding on the one hand and reason on the other.* The dialectical arguments that sought unconditioned totality in mere appearances in one way or another fall away.
B 560 The propositions of reason, by contrast, can both be true in their meaning corrected in this way. This can never occur with cosmological ideas concerning merely mathematically unconditioned unity, because in them no condition of the series of appearances is found except one that is itself appearance and, as such, also constitutes a member of the series.
* For the understanding allows no condition among appearances that would itself be empirically unconditioned. But if an intelligible condition, thus one not belonging to the series of appearances as a member, could be thought for a conditioned (in appearance) without in the least interrupting the series of empirical conditions, then such a condition could be admitted as empirically unconditioned, so that continuous empirical regression would nowhere be impaired.
III. Resolution of the Cosmological Ideas of the Totality of the Derivation of Events in the World from Their Causes
With regard to what happens, we can think only two kinds of causality: according to nature or from freedom. The first is the connection of a state with a preceding one in the sensible world, on which it follows according to a rule. Now since the causality of appearances rests on temporal conditions, and the preceding state, if it had always existed, would also have produced no effect first arising in time, the causality of the cause of what happens or arises has itself also arisen and, according to the principle of the understanding, itself requires a cause in turn.
B 561 By freedom in the cosmological sense, by contrast, I understand the power to begin a state of itself, whose causality therefore does not in turn stand under another cause determining it in time according to the law of nature. Freedom in this sense is a pure transcendental idea, which, first, contains nothing borrowed from experience and, second, has an object that also cannot be given determinately in any experience. For it is a universal law, even of the possibility of all experience, that everything that happens must have a cause; hence the causality of the cause, which itself has happened or arisen, must in turn have a cause. Thereby the whole field of experience, however far it may extend, is transformed into a sum total of mere nature. But since in this way no absolute totality of conditions in the causal relation can be obtained, reason creates for itself the idea of a spontaneity that can begin to act of itself, without another cause being permitted to be placed before it to determine it in turn to action according to the law of causal connection.
It is exceedingly noteworthy that the practical concept of freedom is grounded on this transcendental idea, and that the latter constitutes in it the real source of the difficulties that have always surrounded the question of its possibility.
B 562 Freedom in the practical sense is the independence of choice from compulsion by impulses of sensibility. For a power of choice is sensible insofar as it is pathologically affected (through motives of sensibility); it is called animal (arbitrium brutum) if it can be pathologically necessitated. Human choice is indeed an arbitrium sensitivum, but not brutum, rather liberum, because sensibility does not necessitate its action, and the human being possesses a power to determine himself of himself, independently of compulsion by sensible impulses.
It is easy to see that if all causality in the sensible world were mere nature, every event would be determined by another in time according to necessary laws. Consequently, since appearances, insofar as they determine choice, would have to necessitate every action as their natural consequence, abolishing transcendental freedom would also annihilate all practical freedom. For the latter presupposes that although something did not happen, it nevertheless ought to have happened, and hence its cause in appearance was not so determining as to exclude a causality in our choice independent of those natural causes, capable even against their power and influence of producing something determined in the temporal order according to empirical laws, and thus of beginning a series of events entirely of itself.
B 563 What occurs here, then, is what we find generally in the conflict of a reason venturing beyond the boundaries of possible experience: the problem is properly not physiological, but transcendental. Hence the question of the possibility of freedom does indeed trouble psychology, but because it rests on dialectical arguments of merely pure reason, it must, together with its solution, occupy transcendental philosophy alone. To enable that philosophy—which cannot decline to give a satisfactory answer—to address it, I must first try to determine its procedure in this problem more closely through a remark.
If appearances were things in themselves, and hence space and time forms of the existence of things in themselves, the conditions would always belong with the conditioned as members of one and the same series. From this there would arise in the present case, too, the antinomy common to all transcendental ideas: this series would inevitably turn out too great or too small for the understanding. But the dynamical concepts of reason with which we are concerned in this and the following subsection have this peculiarity: since they concern not an object considered as magnitude but only its existence, we can also abstract from the magnitude of the series of conditions.
B 564 What matters in them is solely the dynamical relation of condition to conditioned. Thus in the question of nature and freedom we already encounter the difficulty whether freedom is possible at all and, if it is, whether it can coexist with the universality of the natural law of causality; hence whether it is a correctly disjunctive proposition that every effect in the world must arise either from nature or from freedom, or whether both might instead occur simultaneously in different relations in one and the same event. The correctness of the principle of the thoroughgoing connection of all events in the sensible world according to immutable laws of nature is already established as a principle of the Transcendental Analytic and admits no impairment. The only question, then, is whether, despite this, freedom may also occur with regard to the very same effect determined according to nature, or whether that inviolable rule wholly excludes it. Here the common but deceptive presupposition of the absolute reality of appearances at once shows its harmful influence in confusing reason. For if appearances are things in themselves, freedom cannot be saved. Nature is then the complete and intrinsically sufficient determining cause of every event, and its condition is always contained only in the series of appearances, which, together with their effect, are necessary under every law of nature.
B 565 If, by contrast, appearances count as no more than they actually are—not things in themselves, but mere representations connected according to empirical laws—then they must themselves still have grounds that are not appearances. But such an intelligible cause is not determined in its causality by appearances, although its effects appear and can thus be determined by other appearances. It therefore stands, together with its causality, outside the series, while its effects are found in the series of empirical conditions. The effect can thus be regarded as free in relation to its intelligible cause, and yet at the same time, in relation to appearances, as a consequence of them according to the necessity of nature. This distinction must seem extremely subtle and obscure when presented generally and quite abstractly, but it will become clear in application. Here I wished only to note that, since the thoroughgoing connection of all appearances in a context of nature is an indispensable law, it would necessarily overthrow all freedom if we stubbornly clung to the reality of appearances. Hence those who follow the common opinion here have never been able to reconcile nature and freedom.
B 566 The Possibility of Causality through Freedom in Union with the Universal Law of Natural Necessity
I call that in an object of the senses which is not itself appearance intelligible. Accordingly, if what must be regarded as appearance in the sensible world also has in itself a power that is no object of sensible intuition, but through which it can nevertheless be the cause of appearances, then the causality of this being can be considered from two sides: as intelligible in its action as a thing in itself, and as sensible in its effects as an appearance in the sensible world. We would accordingly form both an empirical and an intellectual concept of the causality of such a subject’s power, both occurring together in one and the same effect. Thinking the power of an object of the senses from such a twofold aspect contradicts none of the concepts we must form of appearances and of a possible experience. For appearances, being no things in themselves, must have underlying them a transcendental object that determines them as mere representations.
B 567 Nothing therefore prevents us from attributing to this transcendental object, besides the property through which it appears, a causality that is not appearance, although its effect is nevertheless found in appearance. But every efficient cause must have a character, that is, a law of its causality, without which it would not be a cause at all. Thus in a subject of the sensible world we would have, first, an empirical character through which its actions, as appearances, would be thoroughly connected with other appearances according to constant laws of nature and could be derived from them as their conditions. Combined with these, they would therefore constitute members of a single series in the natural order. Second, we would also have to grant it an intelligible character, through which it is indeed the cause of those actions as appearances, but which itself stands under no conditions of sensibility and is not itself appearance. We could also call the former the character of such a thing in appearance, the latter the character of the thing in itself.
Now this acting subject, according to its intelligible character, would stand under no temporal conditions, for time is only the condition of appearances, not of things in themselves. In it no action would arise or pass away.
B 568 Hence it would also not be subject to the law of all temporal determination, of everything alterable: that everything that happens finds its cause in appearances (of the preceding state). In a word, its causality, insofar as it is intellectual, would not stand at all in the series of empirical conditions that necessitate the event in the sensible world. This intelligible character could indeed never be known immediately, because we can perceive nothing except insofar as it appears; but it would nevertheless have to be thought in conformity with the empirical character, just as we must generally think a transcendental object as underlying appearances, although we know nothing of what it is in itself.
According to its empirical character, then, this subject as appearance would be subject to all laws of determination through causal combination, and to that extent would be nothing but a part of the sensible world whose effects, like every other appearance, flowed inevitably from nature. Once we knew through experience how outer appearances influenced it and what its empirical character—that is, the law of its causality—was, all its actions would have to be explicable according to laws of nature, and all requirements for their complete and necessary determination would have to be found in a possible experience.
B 569 But according to its intelligible character (of which we can have nothing but its general concept), that same subject would nevertheless have to be declared free from all influence of sensibility and determination through appearances. And since in it, insofar as it is a noumenon, nothing happens—no alteration requiring dynamical temporal determination, and hence no connection with appearances as causes is found—this active being would to that extent be independent and free in its actions from all natural necessity, which is found solely in the sensible world. We would say of it quite correctly that it begins its effects in the sensible world of itself, without the action beginning in itself. This would hold without the effects in the sensible world therefore being allowed to begin of themselves, because in that world they are always predetermined through empirical conditions in the preceding time, though only by means of the empirical character (which is merely the appearance of the intelligible character), and are possible only as a continuation of the series of natural causes. Thus freedom and nature, each in its full meaning, would be found simultaneously and without any conflict in the very same actions, according as we compare them with their intelligible or sensible cause.
B 570 Elucidation of the Cosmological Idea of Freedom in Combination with Universal Natural Necessity
I thought it advisable first to sketch the outline of the solution to our transcendental problem, so that the course of reason in solving it might be more easily surveyed. We will now set out the factors on which its decision properly depends and consider each separately.
The law of nature states that everything that happens has a cause; that the causality of this cause, that is, the action, since it precedes in time and, in view of an effect that has arisen, cannot itself always have existed but must have happened, also has its cause among appearances through which it is determined; and that consequently all events are empirically determined in a natural order. This law, through which alone appearances can constitute a nature and provide objects of an experience, is a law of the understanding that we are permitted under no pretext to depart from, or to exempt any appearance from. Otherwise we would place that appearance outside all possible experience, and would thereby distinguish it from all objects of possible experience.
B 571 It would be made into a mere thought-entity and a fantasy.
Although this presents nothing but a chain of causes that admits no absolute totality in regression to its conditions, this difficulty does not detain us at all; for it has already been removed in the general assessment of reason’s antinomy when it seeks the unconditioned in the series of appearances. If we choose to yield to the delusion of transcendental realism, neither nature nor freedom remains. Here the only question is whether, if we acknowledge sheer natural necessity throughout the entire series of all events, it is nevertheless possible to regard the very same event, which on one side is merely a natural effect, on the other as an effect from freedom, or whether there is a direct contradiction between these two kinds of causality.
Among causes in appearance there can certainly be nothing capable of beginning a series absolutely and of itself. Every action as appearance, insofar as it produces an event, is itself an event or occurrence that presupposes another state in which its cause is found. Thus everything that happens is only a continuation of the series, and no beginning occurring of itself is possible within it.
B 572 All actions of natural causes in temporal succession are therefore themselves effects in turn, which likewise presuppose their causes in the temporal series. An original action through which something happens that did not exist before is not to be expected from the causal connection of appearances.
But is it also necessary that, if effects are appearances, the causality of their cause—which is itself also appearance—must be merely empirical? Is it not rather possible that, although every effect in appearance certainly requires a connection with its cause according to laws of empirical causality, this empirical causality itself could nevertheless, without in the least interrupting its connection with natural causes, be an effect of a causality that is not empirical but intelligible? That is, an action original with regard to appearances, of a cause that is therefore to that extent not appearance but intelligible in this power, although in other respects it must be counted wholly as a member of the chain of nature belonging to the sensible world.
We need the proposition of the causality of appearances among one another in order to seek and specify natural conditions—that is, causes in appearance—for natural events. If this is conceded and weakened by no exception, the understanding has everything it can demand.
B 573 In its empirical use it sees nothing but nature in all occurrences, and is entitled to do so. Physical explanations continue their unhindered course. Now it does not impair the understanding in the least—even supposing the assumption were otherwise a mere invention—if we assume that among natural causes there are some possessing a power that is only intelligible, since its determination to action never rests on empirical conditions but on mere grounds of the understanding, provided that the action in appearance arising from this cause conforms to all laws of empirical causality. For in this way the acting subject, as causa phaenomenon, would be linked with nature in the unbroken dependence of all its actions, and only the phaenomenon of this subject (with all its causality in appearance) would contain certain conditions that, if we wish to ascend from the empirical object to the transcendental one, would have to be regarded as merely intelligible. For if we only follow the rule of nature in whatever may be the cause among appearances, we can remain unconcerned about what ground of these appearances and their connection is thought in the transcendental subject, which is empirically unknown to us. This intelligible ground does not affect empirical questions at all, but perhaps concerns only thinking in the pure understanding.
B 574 Although the effects of this thinking and acting of the pure understanding are found in appearances, they must nevertheless be capable of complete explanation from their cause in appearance according to laws of nature, by following the merely empirical character of that cause as the highest ground of explanation and passing over its intelligible character, the transcendental cause of the former, as entirely unknown, except insofar as it is indicated through the empirical character as its sensible sign. Let us apply this to experience. The human being is one of the appearances of the sensible world, and thus also one of the natural causes whose causality must stand under empirical laws. As such, he must therefore also have an empirical character, like all other natural things. We observe it through the forces and faculties it manifests in its effects. In inanimate nature, or nature animated only in an animal way, we find no ground for thinking any faculty otherwise than as merely sensibly conditioned. But the human being, who otherwise knows the whole of nature solely through the senses, also cognizes himself through mere apperception, and indeed in actions and inner determinations that he cannot count among impressions of the senses at all. He is to himself certainly in one respect a phenomenon, but in another, namely with regard to certain faculties, a merely intelligible object, because their action cannot be counted as belonging to the receptivity of sensibility at all.
B 575 We call these faculties understanding and reason; especially the latter is properly and preeminently distinguished from all empirically conditioned forces, since it considers its objects solely according to ideas and determines the understanding accordingly, which then makes an empirical use of its concepts (though these, too, are pure).
That this reason has causality, or at least that we represent such causality in it, is clear from the imperatives we prescribe as rules to the executive forces in all practical matters. The “ought” expresses a kind of necessity and connection with grounds that occurs nowhere else in the whole of nature. Of nature, the understanding can cognize only what is, has been, or will be. It is impossible that something in nature ought to be other than it actually is in all these temporal relations; indeed, if we have only the course of nature before us, the “ought” has no meaning at all. We cannot ask what ought to happen in nature, any more than what properties a circle ought to have, but only what happens in nature or what properties the circle has.
Now this “ought” expresses a possible action whose ground is nothing other than a mere concept; by contrast, the ground of a merely natural action must always be an appearance.
B 576 The action must certainly be possible under natural conditions if the “ought” is directed toward it; but these natural conditions concern not the determination of choice itself, but only its effect and outcome in appearance. However many natural grounds may impel me to will, however many sensible incentives there may be, they cannot produce the “ought,” but only a willing that is far from necessary and is always conditioned. Against this, the “ought” pronounced by reason sets measure and goal, indeed prohibition and authority. Whether the object is one of mere sensibility (the agreeable) or of pure reason (the good), reason does not yield to the ground empirically given and does not follow the order of things as they present themselves in appearance. Rather, with complete spontaneity it makes for itself an order of its own according to ideas, into which it fits empirical conditions, and according to which it even declares actions necessary that have not occurred and perhaps will not occur. Yet of all these actions it presupposes that reason could have causality in relation to them; otherwise it would not expect effects in experience from its ideas.
Let us now stop here and assume as at least possible that reason actually has causality with regard to appearances.
B 577 Then, however much it is reason, it must nevertheless exhibit an empirical character, because every cause presupposes a rule according to which certain appearances follow as effects, and every rule requires a uniformity of effects grounding the concept of the cause (as a power). Insofar as this must become evident from mere appearances, we can call it the cause’s empirical character, which is constant while its effects appear in changing forms according to differences in accompanying and partly limiting conditions.
Thus every human being has an empirical character of choice, which is nothing other than a certain causality of his reason insofar as it exhibits in its effects in appearance a rule through which we can discern the grounds of reason and its actions in their kinds and degrees, and judge the subjective principles of his choice. Because this empirical character must itself be drawn from appearances as effect and from their rule supplied by experience, all human actions in appearance are determined according to the order of nature by his empirical character and the other cooperating causes.
B 578 If we could investigate all appearances of his choice to their foundation, there would be no human action we could not predict with certainty and cognize as necessary from its preceding conditions. With regard to this empirical character, then, there is no freedom; and yet this is the only character according to which we can consider the human being when we merely observe and, as happens in anthropology, seek to investigate the moving causes of his actions physiologically.
But if we consider these same actions in relation to reason—not speculative reason, to explain them in their origin, but solely insofar as reason is the cause of producing them itself; in a word, if we compare them with reason for a practical purpose—we find an entirely different rule and order from that of nature. For perhaps everything that did happen according to nature’s course, and inevitably had to happen according to its empirical grounds, ought not to have happened. Sometimes, however, we find, or at least believe we find, that the ideas of reason have actually demonstrated causality with regard to human actions as appearances, and that these occurred not because they were determined by empirical causes—no, but because they were determined by grounds of reason.
B 579 Suppose, then, that we could say reason has causality with regard to appearance. Could its action be called free when it is precisely determined and necessary in reason’s empirical character (its sensible disposition)? This character is in turn determined in the intelligible character (the way of thinking). But we do not know the latter; we designate it through appearances, which properly make known immediately only the sensible disposition (empirical character).* Now the action, insofar as it is attributable to the way of thinking as its cause, nevertheless does not follow from it according to empirical laws: that is, not so that the conditions of pure reason precede, but only so that their effects precede in the appearance of inner sense. Pure reason, as a merely intelligible faculty, is not subject to the form of time, and hence not to the conditions of temporal succession either. The causality of reason in its intelligible character does not arise, or begin at some particular time, in order to produce an effect.
B 580 Otherwise it would itself be subject to the natural law of appearances insofar as that law determines causal series in time, and its causality would then be nature, not freedom. Thus we will be able to say: if reason can have causality with regard to appearances, it is a faculty through which the sensible condition of an empirical series of effects first begins. For the condition lying in reason is not sensible and therefore does not itself begin. Accordingly, what we missed in all empirical series then occurs: the condition of a successive series of events could itself be empirically unconditioned. For here the condition is outside the series of appearances (in the intelligible), and hence subject to no sensible condition and no temporal determination through a preceding cause.
* The proper morality of actions (merit and guilt), even that of our own conduct, therefore remains entirely hidden from us. Our imputations can refer only to the empirical character. But how much of this is to be ascribed to the pure effect of freedom, how much to mere nature and the blameless fault of temperament or its fortunate constitution (merito fortunae), no one can fathom, and hence no one can judge with complete justice.
Nevertheless, this same cause also belongs in another relation to the series of appearances. The human being is himself appearance. His choice has an empirical character that is the (empirical) cause of all his actions. None of the conditions determining the human being according to this character fails to be contained in the series of natural effects and to obey its law, according to which no empirically unconditioned causality of what happens in time is found at all. Hence no given action (since it can be perceived only as appearance) can begin absolutely of itself.
B 581 But of reason we cannot say that before the state in which it determines choice another precedes in which this state itself is determined. For since reason itself is no appearance and is subject to no conditions of sensibility at all, no temporal succession occurs in it even with regard to its causality. Hence the dynamical law of nature, which determines temporal succession according to rules, cannot be applied to it.
Reason is therefore the enduring condition of all voluntary actions through which the human being appears. Each is predetermined in the human being’s empirical character before it occurs. With regard to the intelligible character, of which the former is only the sensible schema, no “before” or “after” holds. Every action, regardless of the temporal relation in which it stands to other appearances, is the immediate effect of the intelligible character of pure reason, which therefore acts freely without being dynamically determined in the chain of natural causes by grounds that are external or internal but precede in time. This freedom can be regarded not merely negatively, as independence from empirical conditions (for thereby the faculty of reason would cease to be a cause of appearances).
B 582 It can also be designated positively as a power to begin a series of events of itself, so that nothing begins in reason itself, but, as the unconditioned condition of every voluntary action, it admits above itself no conditions preceding in time. Its effect nevertheless begins in the series of appearances, but can never constitute an absolutely first beginning within it.
To elucidate the regulative principle of reason through an example of its empirical use—not to confirm it, since proofs of this kind are unsuited to transcendental assertions—take a voluntary action, for example a malicious lie through which a person has caused a certain confusion in society. We first investigate the motives from which it arose, then judge how the action, together with its consequences, can be imputed to him. For the first purpose we trace his empirical character to its sources, seeking these in a bad upbringing, bad company, and partly also in the malice of a natural disposition insensitive to shame, partly attributing it to carelessness and thoughtlessness, while not overlooking the occasional causes that prompted it. In all this we proceed as we generally do in investigating the series of determining causes of a given natural effect.
B 583 Although we believe the action to be determined in this way, we nevertheless blame its author—not for his unfortunate natural disposition, not for the circumstances influencing him, not even for his previous conduct. For we presuppose that we can set aside entirely what that conduct was, regard the elapsed series of conditions as not having happened, and regard this deed as wholly unconditioned with respect to the previous state, as if through it the agent began a series of consequences entirely of himself. This blame rests on a law of reason, under which reason is regarded as a cause that could and ought to have determined the person’s conduct otherwise, regardless of all the empirical conditions mentioned. Indeed, we regard reason’s causality not merely as a contributing factor, but as complete in itself, even if sensible incentives were not in its favor but actually against it. The action is attributed to his intelligible character; now, at the moment he lies, he is entirely at fault. Thus despite all empirical conditions of the deed, reason was wholly free, and the deed is entirely attributable to reason’s omission.
It is easy to see in this imputative judgment that we have the following in mind. Reason is not affected at all by all that sensibility.
B 584 It does not alter (although its appearances, namely the way it shows itself in its effects, do alter). In it no state precedes to determine the next, and hence it does not belong at all to the series of sensible conditions that necessitate appearances according to laws of nature. Reason is present and the same in all human actions under all temporal circumstances, but is not itself in time or entering some new state in which it was not before. With respect to that state, it determines but is not determinable. Hence we cannot ask why reason did not determine itself differently, but only why through its causality it did not determine appearances differently. Yet no answer to this is possible. For a different intelligible character would have given a different empirical one. When we say that despite his entire previous conduct the agent could nevertheless have refrained from the lie, this means only that the lie stands immediately under reason’s power, and that reason in its causality is subject to no conditions of appearance or of the course of time. Difference in time does indeed make a principal difference among appearances in relation to one another; but since these are not things, and thus not causes in themselves either, it can make no difference to the action in relation to reason.
B 585 Thus in judging free actions with respect to their causality, we can reach only as far as the intelligible cause, but not beyond it. We can cognize that this cause can be free, that is, determined independently of sensibility, and in this way can be the sensibly unconditioned condition of appearances. But why the intelligible character yields precisely these appearances and this empirical character under the circumstances at hand exceeds all our reason’s power to answer, indeed all its authority even to ask, just as much as asking why the transcendental object of our outer sensible intuition yields precisely intuition in space and not some other kind. But the problem we had to solve does not oblige us to this at all. It was only whether freedom conflicts with natural necessity in one and the same action. We have sufficiently answered this by showing that, since freedom can have a relation to an entirely different kind of conditions from those of natural necessity, the law of the latter does not affect the former; thus both can occur independently of and undisturbed by one another.
* * *
It must be carefully noted that we have not thereby sought to demonstrate the actuality of freedom.
B 586 We did not mean to show it as one of the faculties containing the cause of the appearances of our sensible world. Apart from the fact that this would not have been a transcendental consideration, which concerns only concepts, it could not succeed, since from experience we can never infer something that need not be thought according to laws of experience at all. Further, we have not even sought to prove the possibility of freedom; this, too, would not have succeeded, because from mere concepts a priori we cannot cognize the possibility of any real ground or any causality at all. Freedom is treated here only as a transcendental idea through which reason thinks to begin the series of conditions in appearance absolutely through the sensibly unconditioned, but thereby becomes entangled in an antinomy with its own laws prescribed for the empirical use of the understanding. That this antinomy rests on a mere illusion, and that nature at least does not conflict with causality from freedom, was the only thing we could accomplish, and the only thing that concerned us.
B 587 IV. Resolution of the Cosmological Idea of the Totality of the Dependence of Appearances with Regard to Their Existence in General
In the preceding subsection we considered alterations of the sensible world in their dynamical series, where each stands under another as its cause. Now this series of states serves only as a guide toward an existence that could be the highest condition of everything alterable: namely, the necessary being. Here the issue is not unconditioned causality, but the unconditioned existence of substance itself. Thus the series before us is properly only one of concepts, not of intuitions insofar as one is the condition of another.
But it is easy to see that, since everything in the sum total of appearances is alterable, and hence conditioned in existence, nowhere in the series of dependent existence can there be an unconditioned member whose existence would be absolutely necessary. Thus, suppose appearances were things in themselves, and for that very reason their condition always belonged with the conditioned to one and the same series of intuitions.
B 588 Then a necessary being as the condition of the existence of appearances in the sensible world could never occur.
But dynamical regression has this peculiarity distinguishing it from mathematical regression: since the latter properly concerns only the composition of parts into a whole, or the decomposition of a whole into its parts, the conditions of this series must always be regarded as parts of it, hence as homogeneous, and consequently as appearances. In the former regression, by contrast, the question concerns not the possibility of an unconditioned whole from given parts, or of an unconditioned part for a given whole, but the derivation of a state from its cause, or of the contingent existence of substance itself from necessary existence. Here the condition need not necessarily constitute an empirical series with the conditioned.
Thus in the apparent antinomy before us, one escape remains open: both conflicting propositions can be true simultaneously in different relations. All things in the sensible world are thoroughly contingent, and therefore always have only empirically conditioned existence; yet for the whole series there can also be a nonempirical condition, that is, an unconditionally necessary being. For as an intelligible condition, this would not belong to the series as a member at all (not even as its highest member).
B 589 Nor would it make any member of the series empirically unconditioned, but would leave the entire sensible world in its empirically conditioned existence running through all its members. This way of grounding appearances in an unconditioned existence would therefore differ from the empirically unconditioned causality (freedom) in the preceding article in this: with freedom, the thing itself as cause (Substantia phaenomenon) nevertheless belonged to the series of conditions, and only its causality was thought as intelligible. Here, however, the necessary being would have to be thought wholly outside the series of the sensible world (as ens extramundanum) and as merely intelligible. Only in this way can we prevent its being itself subjected to the law of the contingency and dependence of all appearances.
Reason’s regulative principle with regard to this problem is therefore that everything in the sensible world has empirically conditioned existence, and that nowhere within it is there unconditioned necessity with regard to any property; that there is no member of the series of conditions for which we must not always expect, and seek as far as we can, the empirical condition in a possible experience; and that nothing entitles us to derive any existence from a condition outside the empirical series, or even to regard it within the series itself as absolutely independent and self-subsisting.
B 590 Nevertheless, we must not thereby deny that the entire series could be grounded in some intelligible being (which is therefore free from every empirical condition and instead contains the ground of the possibility of all these appearances).
But the intention here is by no means to prove the unconditionally necessary existence of a being, or even to ground on this the possibility of a merely intelligible condition of the existence of appearances in the sensible world. Rather, just as we restrict reason so that it does not abandon the thread of empirical conditions and wander into transcendent grounds of explanation incapable of any presentation in concreto, so, on the other hand, we restrict the law of the merely empirical use of the understanding so that it does not decide about the possibility of things in general or declare the intelligible impossible merely because we cannot use it to explain appearances. Thus we show only that the thoroughgoing contingency of all natural things and all their (empirical) conditions can quite well coexist with the arbitrary presupposition of a necessary, though merely intelligible, condition. There is therefore no true contradiction between these assertions, and both can be true. Such an absolutely necessary being of the understanding may indeed be impossible in itself.
B 591 But this can by no means be inferred from the universal contingency and dependence of everything belonging to the sensible world, or from the principle that we must stop at no single member of it insofar as it is contingent and appeal to a cause outside the world. Reason follows its course in empirical use and its separate course in transcendental use.
The sensible world contains nothing but appearances, and these are mere representations that are always sensibly conditioned in turn. Since here our objects are never things in themselves, it is no wonder that we are never entitled to leap from any member whatever of the empirical series outside the connection of sensibility, as if these were things in themselves existing outside their transcendental ground, which we could leave in order to seek the cause of their existence outside them. With contingent things this would indeed finally have to occur, but not with mere representations of things, whose contingency is itself only a phenomenon and can lead to no regression other than one determining phenomena, that is, an empirical one. But thinking an intelligible ground of appearances, that is, of the sensible world, and thinking it free from the contingency of that world, conflicts neither with unrestricted empirical regression in the series of appearances nor with their thoroughgoing contingency.
B 592 Yet this is also the only thing we had to accomplish to remove the apparent antinomy, and it could be done only in this way. For if the respective condition of every conditioned (with regard to existence) is sensible, and for that very reason belongs to the series, it is itself conditioned in turn (as the antithesis of the fourth antinomy shows). Thus either a conflict with reason, which demands the unconditioned, had to remain, or the unconditioned had to be placed outside the series in the intelligible, whose necessity requires and admits no empirical condition and is therefore unconditionally necessary in relation to appearances.
The empirical use of reason (with regard to the conditions of existence in the sensible world) is not affected by granting a merely intelligible being, but proceeds according to the principle of thoroughgoing contingency from empirical conditions to higher ones that are always equally empirical. Yet this regulative principle no more excludes the assumption of an intelligible cause outside the series when the issue is the pure use of reason (with regard to ends). For there that cause signifies only the ground of the possibility of the sensible series in general, a ground that for us is merely transcendental and unknown.
B 593 Its existence, independent of all conditions of that series and unconditionally necessary in relation to it, in no way conflicts with the unlimited contingency of the series, or therefore with regression that nowhere ends in the series of empirical conditions.
Concluding Remark on the Entire Antinomy of Pure Reason
As long as our concepts of reason have as their object only the totality of conditions in the sensible world, and what can be done in their regard to serve reason, our ideas are indeed transcendental, but still cosmological. But as soon as we place the unconditioned (which is properly at issue) in what lies wholly outside the sensible world, and hence outside all possible experience, the ideas become transcendent. They serve not merely to complete the empirical use of reason (which always remains an idea never realizable, yet still to be followed), but detach themselves entirely from it and make objects for themselves whose material is not taken from experience and whose objective reality rests not on the completion of the empirical series but on pure concepts a priori. Such transcendent ideas have a merely intelligible object. We are certainly permitted to admit it as a transcendental object of which we otherwise know nothing. But this permission does not extend to thinking it as a thing determinable through its distinguishing and inner predicates.
B 594 For that we have on our side neither grounds of possibility (as independent of all concepts of experience) nor the slightest justification for assuming such an object. It is therefore a mere thought-entity. Yet of all cosmological ideas, the one that occasioned the fourth antinomy impels us to venture this step. For the existence of appearances, not grounded in itself at all but always conditioned, calls on us to look for something distinct from all appearances, hence an intelligible object in which this contingency would cease. But once we have taken the liberty of assuming a self-subsisting actuality outside the field of all sensibility, and of regarding appearances merely as contingent ways in which intelligible objects are represented by beings that are themselves intelligences, nothing remains to us but analogy, by which we use experiential concepts to form some concept of intelligible things of which in themselves we have not the slightest knowledge. Since we learn of the contingent only through experience, whereas here we are speaking of things that are not to be objects of experience at all, we will have to derive our knowledge of them from what is necessary in itself, from pure concepts of things in general.
B 595 Hence the first step we take outside the sensible world compels us to begin our new knowledge with the investigation of the absolutely necessary being, and to derive from its concepts the concepts of all things insofar as they are merely intelligible. We will undertake this attempt in the following chapter.
Book Two of the Transcendental Dialectic Chapter Three The Ideal of Pure Reason
Section One The Ideal in General
We have seen above that no objects can be represented through pure concepts of the understanding without any conditions of sensibility, because the conditions of their objective reality are lacking, and nothing but the mere form of thinking is found in them. Yet they can be presented in concreto when applied to appearances; for in appearances they properly have the material for the concept of experience, which is nothing but a concept of the understanding in concreto. Ideas, however, are still further removed from objective reality than categories, for no appearance can be found in which they could be represented in concreto.
B 596 They contain a certain completeness that no possible empirical cognition reaches, and in them reason has in mind only a systematic unity to which it seeks to bring empirically possible unity nearer, without ever attaining it completely.
But what I call the ideal seems still further removed from objective reality than the idea. By it I understand the idea not merely in concreto, but in individuo, that is, as a single thing determinable or even determined through the idea alone.
Humanity in its entire perfection contains not only the extension of all essential properties belonging to this nature, which constitute our concept of it, to complete congruence with its ends—which would be our idea of perfect humanity—but also everything beyond this concept that belongs to the idea’s thoroughgoing determination. For of all opposed predicates, only one can accord with the idea of the most perfect human being. What to us is an ideal was to Plato an idea of the divine understanding, a single object in its pure intuition, the most perfect of each kind of possible beings and the original ground of all copies in appearance.
B 597 Without ascending so far, however, we must confess that human reason contains not only ideas but ideals as well. Though these have no creative force like the Platonic ones, they nevertheless have practical force (as regulative principles) and underlie the possibility of perfection in certain actions. Moral concepts are not entirely pure concepts of reason, because something empirical (pleasure or displeasure) underlies them. Yet in respect of the principle through which reason sets limits to freedom, which in itself is lawless (thus if we attend only to their form), they can quite well serve as examples of pure concepts of reason. Virtue, and with it human wisdom in its entire purity, are ideas. But the wise person (of the Stoic) is an ideal: a human being existing merely in thought, yet wholly congruent with the idea of wisdom. Just as the idea gives the rule, so in such a case the ideal serves as the archetype for the thoroughgoing determination of the copy. We have no other standard for our actions than the conduct of this divine human being within us, with which we compare and judge ourselves, thereby improving ourselves although we can never attain it. Even if we do not grant these ideals objective reality (existence), they must not on that account be regarded as fantasies. They supply an indispensable standard for reason.
B 598 Reason needs the concept of what is entirely complete in its kind in order to estimate and measure by it the degree and deficiencies of the incomplete. But to try to realize the ideal in an example, that is, in appearance, as one might portray the wise person in a novel, is impracticable and moreover has something absurd and hardly edifying about it. For the natural limits that continually impair completeness in the idea make all illusion in such an attempt impossible, thereby making even the good lying in the idea suspect and similar to a mere fiction.
Such is the ideal of reason, which must always rest on determinate concepts and serve as rule and archetype, whether for following or for judging. Matters are quite different with those creatures of imagination that no one can explain or give an intelligible concept of: monograms, as it were, consisting only of individual strokes determined according to no alleged rule, which constitute less a determinate image than a drawing hovering, as it were, amid various experiences. Such are what painters and physiognomists claim to have in their heads, supposedly an incommunicable shadow-image of their products or judgments. They can be called ideals of sensibility, though only improperly, because they are supposed to be the unattainable model of possible empirical intuitions.
B 599 Yet they supply no rule capable of explanation and examination.
Reason’s intention with its ideal, by contrast, is thoroughgoing determination according to a priori rules. Hence it thinks an object supposed to be thoroughly determinable according to principles, although sufficient conditions for this are lacking in experience, and the concept itself is therefore transcendent.
Chapter Three Section Two The Transcendental Ideal (Prototypon transzendentale)
Every concept is indeterminate with regard to what is not contained in it and stands under the principle of determinability: only one of any two contradictorily opposed predicates can belong to it. This rests on the principle of contradiction and is therefore a merely logical principle, abstracting from all content of cognition and having only its logical form in view.
But every thing, with regard to its possibility, also stands under the principle of thoroughgoing determination, according to which one of all possible predicates of things, insofar as they are compared with their opposites, must belong to it.
B 600 This rests not merely on the principle of contradiction; for besides the relation of two conflicting predicates, it also considers every thing in relation to the entirety of possibility as the sum total of all predicates of things in general. Presupposing this as an a priori condition, it represents every thing as deriving its own possibility from its share in that entirety of possibility.* The principle of thoroughgoing determination thus concerns content, not merely logical form. It is the principle of the synthesis of all predicates that are to constitute the complete concept of a thing, not merely of analytical representation through one of two opposed predicates.
B 601 It contains a transcendental presupposition: that of the material for all possibility, which is supposed to contain a priori the data for the particular possibility of each thing.
* Through this principle every thing is thus referred to a common correlate, namely the entirety of possibility. If this (that is, the material for all possible predicates) were found in the idea of a single thing, it would prove an affinity of everything possible through the identity of the ground of its thoroughgoing determination. The determinability of every concept is subordinated to the universality (Universalitas) of the principle excluding a middle between two opposed predicates, whereas the determination of a thing is subordinated to the allness (Universitas), or sum total, of all possible predicates.
The proposition “Everything existing is thoroughly determined” means not only that one predicate from every pair of given opposed predicates always belongs to it, but also one from all possible predicates. Through this proposition, predicates are not merely compared logically with one another; the thing itself is compared transcendentally with the sum total of all possible predicates. It means this: to cognize a thing completely, we must cognize everything possible and thereby determine the thing, whether affirmatively or negatively. Thoroughgoing determination is consequently a concept we can never present in concreto in its totality, and thus rests on an idea whose seat lies solely in reason, which prescribes to the understanding the rule of its complete use.
Now although this idea of the sum total of all possibility, insofar as it underlies the thoroughgoing determination of each thing as its condition, is itself still indeterminate regarding the predicates that might constitute it, and through it we think nothing more than a sum total of all possible predicates in general, closer investigation nevertheless shows that this idea, as an original concept, excludes a multitude of predicates that, as derivative, are already given through others or cannot coexist.
B 602 It is purified into a concept thoroughly determined a priori, thereby becoming the concept of a single object thoroughly determined through the mere idea, and thus must be called an ideal of pure reason.
If we consider all possible predicates not merely logically, but transcendentally, that is, according to the content that can be thought in them a priori, we find that through some of them a being is represented, through others a mere nonbeing. Logical negation, indicated solely by the little word “not,” never properly attaches to a concept, but only to its relation to another in a judgment, and thus falls far short of being sufficient to designate a concept with regard to its content. The expression “not mortal” cannot at all indicate that mere nonbeing in the object is thereby represented; it leaves all content untouched. Transcendental negation, by contrast, signifies nonbeing in itself, opposed to transcendental affirmation, which is a something whose concept itself already expresses a being. Hence it is called reality (thinghood), because through it alone, and as far as it extends, objects are something (things).
B 603 The opposed negation, by contrast, signifies a mere lack, and where this alone is thought, the abolition of every thing is represented.
Now no one can think a negation determinately without having the opposed affirmation as its basis. A person born blind cannot form the slightest representation of darkness, because he has none of light; a person living outside civilization cannot represent poverty, because he does not know prosperity.* The ignorant person has no concept of his ignorance because he has none of science, and so on. Thus all concepts of negations are derivative, and realities contain the data and, so to speak, the material, or transcendental content, for the possibility and thoroughgoing determination of all things.
* The observations and calculations of astronomers have taught us much that is admirable, but perhaps the most important thing is that they have disclosed to us the abyss of ignorance that human reason, without this knowledge, could never have imagined so great. Reflection on it must bring about a great change in determining the ultimate aims of our use of reason.
If, therefore, thoroughgoing determination in our reason is grounded in a transcendental substratum containing, as it were, the whole stock of material from which all possible predicates of things can be taken, this substratum is nothing other than the idea of an all of reality (omnitudo realitatis).
B 604 All true negations are then nothing but limits, which they could not be called unless the unlimited (the all) lay at their basis.
But through this possession of all reality, the concept of a thing in itself is also represented as thoroughly determined, and the concept of an ens realissimum is the concept of a single being, because of all possible opposed predicates, one—namely, what belongs absolutely to being—is found in its determination. Thus a transcendental ideal underlies the thoroughgoing determination necessarily found in everything that exists, and constitutes the highest and complete material condition of its possibility, to which all thinking of objects in general must be traced back with regard to its content. Yet it is also the only proper ideal of which human reason is capable, because only in this single case is a concept of a thing that is in itself universal thoroughly determined through itself and cognized as the representation of an individual.
The logical determination of a concept through reason rests on a disjunctive syllogism, whose major premise contains a logical division (the division of the sphere of a universal concept), whose minor premise restricts this sphere to one part, and whose conclusion determines the concept through that part.
B 605 The universal concept of a reality in general cannot be divided a priori, because without experience we know no determinate kinds of reality contained under that genus. Thus the transcendental major premise of the thoroughgoing determination of all things is nothing other than the representation of the sum total of all reality: not merely a concept comprising all predicates under itself according to their transcendental content, but one comprising them within itself. The thoroughgoing determination of every thing rests on the limitation of this all of reality, some of it being attributed to the thing while the rest is excluded. This agrees with the “either–or” of the disjunctive major premise and the determination of the object through one member of this division in the minor premise. Accordingly, reason’s use of the transcendental ideal as the basis for its determination of all possible things is analogous to its procedure in disjunctive syllogisms. This was the proposition I laid above at the foundation of the systematic division of all transcendental ideas, according to which they are generated parallel to and corresponding with the three kinds of syllogism.
Reason’s purpose here is merely to represent the necessary thoroughgoing determination of things.
B 606 It goes without saying that for this purpose it presupposes not the existence of a being conforming to the ideal, but only its idea, in order to derive conditioned determination, that is, that of the limited, from an unconditioned totality of thoroughgoing determination. Thus for reason the ideal is the archetype (Prototypon) of all things, which collectively, as deficient copies (ectypa), take from it the material of their possibility and, while approaching it more or less closely, nevertheless always fall infinitely short of attaining it.
Thus all possibility of things (of the synthesis of the manifold with regard to its content) is regarded as derivative, and only the possibility of what includes all reality within itself as original. For all negations (which are the only predicates through which everything else can be distinguished from the most real being) are mere limitations of a greater and ultimately of the highest reality; hence they presuppose this reality and are merely derived from it in content. All manifoldness of things is only a correspondingly manifold way of limiting the concept of the highest reality, which is their common substratum, just as all figures are possible only as different ways of limiting infinite space. Hence the object of reason’s ideal, which is found merely in reason, is also called the original being (ens originarium); insofar as it has none above it, the highest being (ens summum); and insofar as everything, as conditioned, stands under it, the being of all beings (ens entium).
B 607 But all this signifies not the objective relation of an actual object to other things, but that of the idea to concepts, and leaves us in complete ignorance about the existence of a being of such exceptional preeminence.
Since we also cannot say that an original being consists of many derivative beings, because each of them presupposes it and therefore cannot constitute it, the ideal of the original being must also be thought as simple.
Strictly speaking, the derivation of all other possibility from this original being therefore cannot be regarded as a limitation of its highest reality, and as though a division of it. For then the original being would be regarded as a mere aggregate of derivative beings, which according to what precedes is impossible, although we initially represented it this way in our first rough outline. Rather, the highest reality would underlie the possibility of all things as a ground, not as a sum total, and their manifoldness would rest not on limiting the original being itself, but on its complete consequence. To this would also belong our entire sensibility, together with all reality in appearance, which cannot belong as an ingredient to the idea of the highest being.
B 608 If we now pursue this idea further by hypostatizing it, we will be able to determine the original being through the mere concept of the highest reality as one, simple, all-sufficient, eternal, and so on—in a word, in its unconditioned completeness through all predicaments. The concept of such a being is that of God, thought in the transcendental sense, and thus the ideal of pure reason is the object of a transcendental theology, as I also stated above.
Yet this use of the transcendental idea would already exceed the boundaries of its purpose and admissibility. For reason laid it, merely as the concept of all reality, at the foundation of the thoroughgoing determination of things in general, without demanding that all this reality be objectively given and itself constitute a thing. The latter is a mere invention through which we collect and realize the manifold of our idea in an ideal as a particular being. We have no authority for this, not even to assume outright the possibility of such a hypothesis. Moreover, all consequences flowing from such an ideal have nothing to do with the thoroughgoing determination of things in general, for whose sake alone the idea was needed, and have not the slightest influence on it.
B 609 It is not enough to describe our reason’s procedure and its dialectic; we must also seek to discover their sources in order to explain this illusion itself as a phenomenon of the understanding. For the ideal of which we speak is grounded in a natural, not merely arbitrary, idea. I therefore ask: how does reason come to regard all possibility of things as derived from a single underlying possibility, namely that of the highest reality, and then to presuppose this as contained in a particular original being?
The answer presents itself from the discussions of the Transcendental Analytic. The possibility of objects of the senses is their relation to our thinking, in which something (namely empirical form) can be thought a priori, while what constitutes the matter, the reality in appearance (what corresponds to sensation), must be given; otherwise it could not even be thought, and hence its possibility could not be represented. Now an object of the senses can be thoroughly determined only if it is compared with all predicates of appearance and represented affirmatively or negatively through them. But what constitutes the thing itself (in appearance), namely the real, must be given in it, without which it could not even be thought.
B 610 Moreover, that in which the real of all appearances is given is the one all-embracing experience. The material for the possibility of all objects of the senses must therefore be presupposed as given in one sum total. On its limitation alone can rest all possibility of empirical objects, their difference from one another, and their thoroughgoing determination. Now in fact no objects can be given to us except those of the senses, and nowhere except in the context of a possible experience; consequently, nothing is an object for us unless it presupposes the sum total of all empirical reality as the condition of its possibility. Through a natural illusion, we now take what properly holds only of things given as objects of our senses for a principle that must hold of all things in general. Consequently, by omitting this restriction, we will regard the empirical principle of our concepts of the possibility of things as appearances as a transcendental principle of the possibility of things in general.
That we afterward hypostatize this idea of the sum total of all reality comes from dialectically transforming the distributive unity of the experiential use of the understanding into the collective unity of a whole of experience. In this whole of appearance we think a single thing containing all empirical reality within itself.
B 611 This is then, through the transcendental subreption already mentioned, confused with the concept of a thing standing at the summit of the possibility of all things and supplying the real conditions of their thoroughgoing determination.*
* Thus this ideal of the most real being, although a mere representation, is first realized, that is, made into an object, then hypostatized, and finally, through a natural advance of reason toward completing unity, even personified, as we will shortly explain. For the regulative unity of experience rests not on appearances themselves (sensibility alone), but on the connection of their manifold through the understanding (in one apperception). Hence the unity of the highest reality and the thoroughgoing determinability (possibility) of all things seem to lie in a highest understanding, and thus in an intelligence.
Chapter Three Section Three The Grounds of Proof of Speculative Reason for Inferring the Existence of a Highest Being
Despite reason’s urgent need to presuppose something that could serve the understanding as a complete foundation for the thoroughgoing determination of its concepts, it notices the ideal and merely invented character of such a presupposition much too readily.
B 612 It cannot be persuaded by this alone to accept a mere creature of its own thinking immediately as an actual being, unless it were driven by something else to seek a resting place somewhere in the regression from the given conditioned to the unconditioned. The latter is indeed not given as actual in itself and according to its mere concept, yet it alone can complete the series of conditions carried out to their grounds. This is the natural course taken by every human reason, even the most ordinary, though not every reason persists in it. It begins not from concepts but from ordinary experience, thus taking something existing as its foundation. But this ground gives way unless it rests on the immovable rock of the absolutely necessary. Yet this rock itself floats unsupported if there is still empty space outside and beneath it, and it does not itself fill everything, thereby leaving no room for any further “why”—that is, unless it is infinite in reality.
If anything, whatever it may be, exists, we must also admit that something exists necessarily. For the contingent exists only under the condition of another as its cause, and the inference continues to hold of this cause until we reach one that is not contingent and therefore exists necessarily without condition. This is the argument on which reason grounds its advance to the original being.
B 613 Reason now looks for the concept of a being suited to such a preeminence of existence as unconditioned necessity. It does so not so much in order then to infer its existence a priori from its concept (for if it trusted itself to do this, it would need to investigate only among mere concepts and would have no need to take a given existence as its basis), but only to find among all concepts of possible things the one containing nothing contrary to absolute necessity. For after the first inference it already regards it as settled that something must exist absolutely necessarily. If it can now eliminate everything incompatible with this necessity except one thing, that is the absolutely necessary being, whether or not we can comprehend its necessity, that is, derive it from its concept alone.
Now that whose concept contains the “because” for every “why,” which is defective in no part and no respect, which suffices everywhere as a condition, seems for that very reason to be the being suited to absolute necessity. For in possessing within itself all conditions of everything possible, it needs no condition itself, indeed is not even capable of one, and consequently satisfies, at least in one respect, the concept of unconditioned necessity.
B 614 No other concept can equal it in this, since, being deficient and needing completion, it displays no such mark of independence from all further conditions. It is true that from this we still cannot securely infer that what does not contain within itself the highest condition, complete in every respect, must therefore itself be conditioned in its existence. But it does not possess the sole distinguishing mark of unconditioned existence available to reason for cognizing any being as unconditioned through an a priori concept.
Thus among all concepts of possible things, the concept of a being of the highest reality would best accord with the concept of an unconditionally necessary being. Even if it does not fully satisfy that concept, we have no choice, but see ourselves compelled to hold to it, because we cannot dismiss the existence of a necessary being. Yet if we admit this existence, we can find nothing throughout the field of possibility that could make a better-founded claim to such preeminence in existence.
Such, then, is the natural course of human reason. First it convinces itself of the existence of some necessary being. In this it cognizes an unconditioned existence.
B 615 It now seeks the concept of what is independent of every condition, and finds it in what is itself the sufficient condition of everything else, that is, what contains all reality. But the all without limits is absolute unity and carries with it the concept of one being, namely the highest. Thus reason concludes that the highest being, as the original ground of all things, exists absolutely necessarily.
This concept cannot be denied a certain soundness when a decision is at issue: namely, once the existence of some necessary being is conceded and we agree that we must choose what to take it to be. We can then make no more appropriate choice—or rather, we have no choice, but are compelled to cast our vote for the absolute unity of complete reality as the original source of possibility. But if nothing drives us to decide, and we would rather leave the whole matter unsettled until compelled to assent by the full weight of grounds of proof—that is, if the issue is merely to judge how much we know of this problem and what we merely flatter ourselves that we know—then the above inference appears in a far less favorable light and needs favor to make up for its lack of rightful claims.
For let us allow everything to stand as it is before us.
B 616 First, from some given existence (even merely my own) there is a valid inference to the existence of an unconditionally necessary being. Second, I must regard a being containing all reality, and hence every condition, as absolutely unconditioned, so that the concept of the thing suited to absolute necessity has thereby been found. Even so, we cannot infer that the concept of a limited being, which does not possess the highest reality, therefore contradicts absolute necessity. For although I do not find in its concept the unconditioned that already carries with it the all of conditions, we cannot infer from this that its existence must for that very reason be conditioned; just as in a hypothetical syllogism I cannot say that where a certain condition (here, completeness according to concepts) is absent, the conditioned is also absent. Rather, we remain free to regard all other limited beings as likewise unconditionally necessary, although we cannot infer their necessity from the general concept we have of them. In this way, however, the argument would have supplied us not the slightest concept of the properties of a necessary being and would have accomplished nothing at all.
Nevertheless, this argument retains a certain importance and authority that its objective inadequacy cannot immediately take away.
B 617 For suppose there were obligations that would be entirely correct in the idea of reason, but without any reality in application to ourselves—that is, without incentives—unless a highest being were presupposed that could give practical laws effect and force. Then we would also have an obligation to follow concepts that, though perhaps not objectively sufficient, nevertheless preponderate by the measure of our reason, and in comparison with which we cognize nothing better or more convincing. Here the duty to choose would tip speculation’s indecision out of equilibrium through a practical addition. Indeed, reason would find no justification even before itself, as the most indulgent judge, if under pressing motives, though with only deficient insight, it had failed to follow these grounds of judgment, than which we at least know none better.
Although this argument is in fact transcendental, since it rests on the inner inadequacy of the contingent, it is so simple and natural that it accords with the most ordinary human sense as soon as this sense is once directed to it. We see things alter, arise, and pass away; they, or at least their state, must therefore have a cause. But the same question can be asked in turn of every cause that may ever be given in experience.
B 618 Where, then, should we more reasonably place the supreme causality than where the highest causality also is: in that being which originally contains within itself sufficiency for the possible effect, whose concept is also very easily formed through the single feature of all-embracing perfection? We then regard this highest cause as absolutely necessary because we find it absolutely necessary to ascend to it and find no ground to go beyond it. Hence among all peoples, even through their blindest polytheism, we see some sparks of monotheism shining through. They were led to it not by reflection and deep speculation, but only by a natural course of ordinary understanding that gradually became intelligible.
Only Three Kinds of Proof of God’s Existence from Speculative Reason Are Possible
All paths we may take for this purpose begin either from determinate experience and the particular constitution of our sensible world cognized through it, ascending from this according to laws of causality to the highest cause outside the world; or they take only indeterminate experience, that is, some existence, as their empirical basis; or, finally, they abstract from all experience and infer the existence of a highest cause entirely a priori from mere concepts.
B 619 The first proof is the physicotheological, the second the cosmological, the third the ontological. There are no more, nor can there be any more.
I will show that reason accomplishes as little on the one path (the empirical) as on the other (the transcendental), and spreads its wings in vain to pass beyond the sensible world through the mere power of speculation. As for the order in which these kinds of proof must be presented for examination, it will be precisely the reverse of the order taken by reason as it gradually extends itself, in which we also first presented them. For it will become evident that, although experience gives the first occasion, the transcendental concept alone guides reason in this endeavor and in all such attempts marks out the goal it has set itself. I will therefore begin by examining the transcendental proof and then see what the addition of the empirical can do to increase its force.
B 620 Chapter Three Section Four The Impossibility of an Ontological Proof of God’s Existence
It is easy to see from what precedes that the concept of an absolutely necessary being is a pure concept of reason, that is, a mere idea whose objective reality is far from proved by reason’s need for it. It points only to a certain, though unattainable, completeness, and properly serves more to bound the understanding than to extend it to new objects. Here we now find the strange and absurd situation that the inference from a given existence in general to some absolutely necessary existence seems compelling and correct, yet all the conditions of the understanding for forming a concept of such necessity are entirely against us.
People have always spoken of an absolutely necessary being, taking pains not so much to understand whether and how one can even think a thing of this kind as to prove its existence. A nominal definition of this concept is indeed quite easy: it is something whose nonbeing is impossible.
B 621 But this makes us no wiser about the conditions that make it impossible to regard a thing’s nonbeing as absolutely unthinkable, which are properly what we want to know: whether through this concept we think anything at all or not. For throwing away, by means of the word “unconditioned,” all conditions the understanding always needs to regard something as necessary does not remotely make it intelligible to me whether through a concept of the unconditionally necessary I still think something, or perhaps nothing at all.
Still more: people believed they had explained this concept, ventured at mere random and finally become quite familiar, through a multitude of examples, so that any further inquiry into its intelligibility seemed quite unnecessary. Every proposition of geometry—for example, that a triangle has three angles—is absolutely necessary, and so they spoke of an object lying wholly outside the sphere of our understanding as if they understood perfectly well what they meant by its concept.
All the alleged examples, without exception, are taken only from judgments, not from things and their existence. But the unconditioned necessity of judgments is not an absolute necessity of things. For the absolute necessity of the judgment is only a conditioned necessity of the thing, or of the predicate in the judgment.
B 622 The preceding proposition did not say that three angles are absolutely necessary, but that under the condition that a triangle exists (is given), three angles also necessarily exist (in it). Yet this logical necessity has demonstrated such a powerful illusion that, after forming an a priori concept of a thing, a concept so framed that, in their opinion, existence was included in its scope, people believed they could securely infer that, because existence necessarily belongs to the object of this concept, that is, under the condition that I posit this thing as given (existing), its existence is also necessarily posited (according to the rule of identity), and this being is therefore itself absolutely necessary, because its existence is thought along with it in a concept arbitrarily assumed and under the condition that I posit its object.
If I abolish the predicate in an identical judgment while retaining the subject, a contradiction arises; hence I say the former necessarily belongs to the latter. But if I abolish the subject together with the predicate, no contradiction arises, for nothing remains that could be contradicted. To posit a triangle while abolishing its three angles is contradictory; but to abolish the triangle together with its three angles is no contradiction. Precisely the same holds for the concept of an absolutely necessary being.
B 623 If you abolish its existence, you abolish the thing itself with all its predicates; where, then, is the contradiction to come from? Externally there is nothing to contradict, since the thing is not supposed to be externally necessary; internally there is also nothing, because by abolishing the thing itself you have abolished everything internal along with it. “God is omnipotent” is a necessary judgment. Omnipotence cannot be abolished if you posit a deity, that is, an infinite being with whose concept that predicate is identical. But if you say “God does not exist,” neither omnipotence nor any other predicate of his is given; for all are abolished together with the subject, and not the slightest contradiction appears in this thought.
You have therefore seen that if I abolish a judgment’s predicate together with its subject, no inner contradiction can ever arise, whatever the predicate may be. You now have no escape but to say that there are subjects that cannot be abolished at all and must therefore remain. But this would amount to saying that there are absolutely necessary subjects: the very presupposition whose correctness I have doubted and whose possibility you intended to show me. For I cannot form the slightest concept of a thing that, if abolished together with all its predicates, would leave a contradiction behind.
B 624 And without contradiction I have, through mere pure concepts a priori, no mark of impossibility.
Against all these general inferences (which no one can refuse), you challenge me with a case you present as proof by the fact itself: that there is nevertheless one concept, and only this one, in which the nonbeing or abolition of its object is self-contradictory, namely the concept of the most real being. It has, you say, all reality, and you are entitled to assume such a being as possible (which I concede for now, although a concept free of contradiction is far from proving the possibility of its object)*. Now existence is also included among all reality. Thus existence lies in the concept of something possible.
B 625 If this thing is now abolished, the inner possibility of the thing is abolished, which is contradictory.
* A concept is always possible if it does not contradict itself. This is the logical mark of possibility, distinguishing its object from the nihil negativum. Yet it can still be an empty concept unless the objective reality of the synthesis through which it is generated is separately demonstrated. As shown above, this always rests on principles of possible experience, not on the principle of analysis (the principle of contradiction). This is a warning not to infer immediately from the (logical) possibility of concepts to the (real) possibility of things.
I answer: you have already committed a contradiction when, into the concept of a thing you intended to think solely with regard to its possibility, you have already introduced, under whatever concealed name, the concept of its existence. If we grant you this, you have seemingly won the game, but in fact said nothing, for you have committed a mere tautology. I ask you: is the proposition “This or that thing (which I grant you as possible, be it what it may) exists”—is this proposition, I ask, analytic or synthetic? If the former, then through the thing’s existence you add nothing to your thought of the thing; but then either the thought in you would have to be the thing itself, or you have presupposed an existence as belonging to possibility and then purported to infer existence from inner possibility, which is nothing but a miserable tautology. The word “reality,” which sounds different in the concept of the thing from “existence” in the concept of the predicate, makes no difference. For even if you call all positing reality (leaving indeterminate what you posit), you have already posited the thing with all its predicates in the concept of the subject and assumed it as actual; in the predicate you merely repeat it.
B 626 If, by contrast, you admit, as every rational person rightly must, that every existential proposition is synthetic, how can you then maintain that the predicate of existence cannot be abolished without contradiction, when this privilege belongs peculiarly only to analytic propositions, whose character rests precisely on it?
I would hope to dispose of this subtle sophistry without further ado through a precise determination of the concept of existence, had I not found that the illusion arising from confusing a logical predicate with a real one (that is, the determination of a thing) resists nearly all instruction. Anything we please can serve as a logical predicate; even the subject can be predicated of itself, for logic abstracts from all content. But a determination is a predicate added to the concept of the subject and enlarging it. It must therefore not already be contained in it.
Being is plainly no real predicate, that is, no concept of something that could be added to the concept of a thing. It is merely the positing of a thing, or of certain determinations in themselves. In logical use it is merely the copula of a judgment. The proposition “God is omnipotent” contains two concepts having their objects: God and omnipotence.
B 627 The little word “is” is not an additional predicate, but only what posits the predicate in relation to the subject. If I now take the subject (God) together with all its predicates (including omnipotence) and say “God is,” or “There is a God,” I posit no new predicate in addition to the concept of God, but only the subject in itself with all its predicates, and indeed the object in relation to my concept. Both must contain exactly the same thing, and hence nothing further can be added to the concept, which expresses only possibility, by my thinking its object as absolutely given (through the expression “it is”). Thus the actual contains no more than the merely possible. A hundred actual thalers contain not the slightest bit more than a hundred possible ones. For since the latter signify the concept, while the former signify the object and its positing in itself, if the object contained more than the concept, my concept would not express the whole object and thus would not be its adequate concept. But my financial condition contains more with a hundred actual thalers than with their mere concept (that is, their possibility). For in actuality the object is not merely analytically contained in my concept, but is synthetically added to my concept (which is a determination of my state), without this being outside my concept in the least increasing those hundred thalers themselves as thought.
B 628 Thus if I think a thing through whatever predicates and however many I please (even in thoroughgoing determination), adding that this thing exists adds not the slightest thing to it. Otherwise, not exactly the same thing, but more than I had thought in the concept, would exist, and I could not say that precisely the object of my concept exists. Even if I think in a thing all reality except one, saying that such a deficient thing exists does not add the missing reality; it exists burdened with precisely the same deficiency with which I thought it. Otherwise something other than what I thought would exist. If I now think a being as the highest reality (without deficiency), the question still remains whether it exists or not. For although nothing is lacking in my concept of the possible real content of a thing in general, something is still lacking in its relation to my entire state of thinking: namely, that cognition of that object is also possible a posteriori. Here the cause of the difficulty becomes evident. If we were speaking of an object of the senses, I could not confuse the existence of the thing with its mere concept. For through the concept the object is thought only as agreeing with the universal conditions of a possible empirical cognition in general, whereas through existence it is thought as contained in the context of all experience.
B 629 Through connection with the content of all experience, the concept of the object is not in the least enlarged, but our thinking gains one more possible perception through it. If, by contrast, we wish to think existence through the pure category alone, it is no wonder that we can specify no mark distinguishing it from mere possibility.
Thus whatever and however much our concept of an object may contain, we must go outside it to confer existence on the object. With objects of the senses this occurs through connection with some perception of mine according to empirical laws. But for objects of pure thinking there is no means whatever of cognizing their existence, because it would have to be cognized entirely a priori, whereas our consciousness of all existence (whether immediately through perception or through inferences connecting something with perception) belongs wholly to the unity of experience. An existence outside this field cannot indeed be declared absolutely impossible, but it is a presupposition we can justify through nothing.
The concept of a highest being is an idea very useful in many respects; but precisely because it is a mere idea, it is wholly incapable, by itself alone, of extending our cognition regarding what exists.
B 630 It cannot even instruct us about the possibility of anything further. The analytical mark of possibility—that mere positings (realities) produce no contradiction—cannot indeed be denied it. But the connection of all real properties in one thing is a synthesis whose possibility we cannot judge a priori, because realities are not given to us specifically; and even if they were, no judgment could be made in this matter at all, because the mark of the possibility of synthetic cognitions must always be sought only in experience, to which the object of an idea cannot belong. Thus the famous Leibniz has by far not accomplished what he flattered himself with, namely wanting to have a priori insight into the possibility of so sublime an ideal being.
All effort and labor expended on the famous ontological (Cartesian) proof of the existence of a highest being from concepts is therefore lost. A person would be no more likely to become richer in insight from mere ideas than a merchant would in wealth by adding a few zeros to his cash balance to improve his position.
B 631 Chapter Three Section Five The Impossibility of a Cosmological Proof of God’s Existence
Trying to extract the existence of the corresponding object itself from an entirely arbitrarily devised idea was something wholly unnatural, a mere innovation of scholastic ingenuity. In fact, no one would ever have attempted this path had there not first been our reason’s need to assume, for existence in general, something necessary (at which we could stop in ascending); and had reason not been compelled, since this necessity must be unconditioned and certain a priori, to seek a concept that could, if possible, satisfy such a demand and make an existence known entirely a priori. People now believed they had found it in the idea of a most real being, and thus used this idea only for a more determinate knowledge of what they were already otherwise convinced or persuaded must exist, namely the necessary being. But they concealed this natural course of reason and, instead of ending with this concept, tried to begin with it in order to derive from it the necessity of existence, which it was intended only to complete.
B 632 From this arose the unsuccessful ontological proof, which offers satisfaction neither to natural and sound understanding nor to scholastic examination.
The cosmological proof we will now investigate retains the connection of absolute necessity with the highest reality. But instead of inferring, like the former proof, from highest reality to necessity in existence, it infers rather from the previously given unconditioned necessity of some being to its unbounded reality. To that extent, it at least brings everything into the track of an inference that, whether rational or sophistical I do not know, is at least natural and carries the greatest persuasive force for both ordinary and speculative understanding. Indeed, it visibly draws the first outlines for all proofs of natural theology, which people have always followed and will continue to follow, however much foliage and ornament they may use to embellish and conceal them. We will now present and examine this proof, which Leibniz also called the proof a contingentia mundi.
It runs as follows: if anything exists, an absolutely necessary being must also exist. Now at least I myself exist. Therefore an absolutely necessary being exists.
B 633 The minor premise contains an experience; the major contains the inference from an experience in general to the existence of the necessary.* Thus the proof properly begins from experience and is consequently not conducted wholly a priori, or ontologically. Since the object of all possible experience is called the world, it is therefore called the cosmological proof. Since it also abstracts from every particular property of objects of experience through which this world might differ from any possible world, its very name distinguishes it from the physicotheological proof, which uses observations of the particular constitution of this sensible world of ours as grounds of proof.
* This inference is too familiar to need an extensive presentation here. It rests on the supposedly transcendental natural law of causality: everything contingent has its cause, which, if itself contingent, must likewise have a cause, until the series of causes subordinated to one another must end at an absolutely necessary cause, without which it would have no completeness.
The proof now continues: the necessary being can be determined in only one way, that is, with regard to all possible opposed predicates, only through one of them; consequently, it must be thoroughly determined through its concept. Now only one concept of a thing is possible that determines it thoroughly a priori, namely that of the ens realissimum.
B 634 Thus the concept of the most real being is the only one through which a necessary being can be thought; that is, a highest being necessarily exists.
So many sophistical principles converge in this cosmological argument that speculative reason seems here to have summoned all its dialectical art to produce the greatest possible transcendental illusion. We will set their examination aside for a while, however, to expose just one of its tricks. It presents an old argument in disguise as a new one and appeals to the agreement of two witnesses, one a witness of pure reason, the other empirically accredited, when in fact there is only the former, who merely changes his dress and voice to be taken for a second. To secure its foundation, this proof rests on experience and thereby gives itself the appearance of differing from the ontological proof, which puts all its trust in nothing but pure concepts a priori. But the cosmological proof uses this experience only to take a single step: to the existence of a necessary being in general. The empirical ground of proof cannot teach what properties this being has; here reason takes complete leave of it and investigates among mere concepts what properties an absolutely necessary being in general must have.
B 635 (That is, it asks which among all possible things contains the required conditions (requisita) for absolute necessity.) Now it believes these requirements are found solely in the concept of a most real being, and then concludes that this is the absolutely necessary being. But it is clear that this presupposes that the concept of a being of the highest reality fully satisfies the concept of absolute necessity in existence, that is, that the latter can be inferred from the former. This is a proposition asserted by the ontological argument, which is therefore accepted and taken as the basis in the cosmological proof, though it was precisely what we intended to avoid. For absolute necessity is an existence from mere concepts. If I now say that the concept of the ens realissimum is such a concept, indeed the only one suited and adequate to necessary existence, I must also concede that the latter can be inferred from it. Thus it is properly only the ontological proof from mere concepts that contains all the force of proof in the so-called cosmological argument. The alleged experience is quite idle, useful perhaps only to lead us to the concept of absolute necessity, but not to demonstrate this in any determinate thing. For as soon as we intend this, we must immediately abandon all experience and seek among pure concepts which of them contains the conditions of the possibility of an absolutely necessary being.
B 636 But if in this way only the possibility of such a being is understood, its existence is also demonstrated; for this amounts to saying that among everything possible there is one thing carrying absolute necessity with it—that is, this being exists absolutely necessarily.
All deceptions in inference are most easily discovered when presented in scholastic form. Here is such a presentation.
If the proposition “Every absolutely necessary being is also the most real being” is correct (which is the nervus probandi of the cosmological proof), then, like all affirmative judgments, it must allow conversion at least per accidens: some most real beings are also absolutely necessary beings. Now an ens realissimum does not differ from another in any respect, and what holds of some contained under this concept therefore holds of all. Hence I will also be able to convert it (in this case) simply, that is, every most real being is a necessary being. Now since this proposition is determined solely from its concepts a priori, the mere concept of the most real being must also carry its absolute necessity with it. This is precisely what the ontological proof asserted.
B 637 The cosmological proof refused to acknowledge it, yet covertly made it the basis of its inferences.
Thus the second path speculative reason takes to prove the existence of the highest being is not only as deceptive as the first, but has this further fault: it commits an ignoratio elenchi, promising to lead us along a new path but, after a short detour, bringing us back to the old one we had abandoned for its sake.
I said shortly before that a whole nest of dialectical pretensions lies hidden in this cosmological argument, which transcendental critique can readily discover and destroy. I will now merely list them, leaving the already practiced reader to investigate and remove these deceptive principles further.
We find here, for example: 1. The transcendental principle of inferring a cause from the contingent, which has significance only in the sensible world, but outside it has not even a meaning. For the merely intellectual concept of the contingent can produce no synthetic proposition such as that of causality, and the principle of causality has no significance or mark of its use except in the sensible world; yet here it was intended precisely to carry us beyond that world. 2.
B 638 The inference from the impossibility of an infinite series of causes given one above another in the sensible world to a first cause. The principles of reason’s use do not entitle us to this even in experience, much less to be able to extend this principle beyond experience (to which this chain cannot be prolonged at all). 3. Reason’s false self-satisfaction regarding the completion of this series: finally removing every condition, without which no concept of necessity can occur, and, since we can then comprehend nothing further, taking this for a completion of the concept. 4. The confusion of the logical possibility of a concept of all reality united (without inner contradiction) with its transcendental possibility, which requires a principle of the feasibility of such a synthesis—a principle that in turn can concern only the field of possible experiences, and so on.
The artifice of the cosmological proof aims solely to evade proving the existence of a necessary being a priori through mere concepts, which would have to proceed ontologically, something we feel wholly incapable of doing. For this purpose we infer, as best we can, from an actual existence taken as our basis (an experience in general) to some absolutely necessary condition of it. We then have no need to explain that condition’s possibility.
B 639 For if its existence is proved, the question of its possibility is quite unnecessary. If we now wish to determine this necessary being more closely in its constitution, we seek not what is sufficient to comprehend the necessity of existence from its concept—for if we could do that, we would need no empirical presupposition—but only the negative condition (conditio sine qua non), without which a being would not be absolutely necessary. This would work well enough in every other kind of inference from a given consequence to its ground. Unfortunately, however, here the condition required for absolute necessity can be found in only one being, which would therefore have to contain in its concept everything required for absolute necessity and thus make an a priori inference to it possible. That is, I would also have to be able to infer conversely: whatever thing this concept (of the highest reality) belongs to is absolutely necessary. If I cannot infer in this way (as I must confess if I wish to avoid the ontological proof), I have also failed on my new path and find myself back where I began. The concept of the highest being does indeed satisfy a priori all questions that can be raised about the inner determinations of a thing.
B 640 It is therefore an incomparable ideal, because the universal concept also singles it out as an individual among all possible things. But it does not at all satisfy the question of its own existence, which was the sole point properly at issue. To someone who assumed the existence of a necessary being and wished only to know which among all things must be regarded as such, we could not answer: this here is the necessary being.
It may well be permissible to assume the existence of a being of the highest sufficiency as cause of all possible effects, to facilitate for reason the unity of explanatory grounds it seeks. But to presume so far as to say that such a being necessarily exists is no longer the modest expression of a permissible hypothesis, but the bold pretension to apodictic certainty. For the cognition of what we profess to cognize as absolutely necessary must itself carry absolute necessity with it.
The entire problem of the transcendental ideal comes down to finding either a concept for absolute necessity or, for the concept of some thing, its absolute necessity. If we can do one, we must also be able to do the other; for reason cognizes as absolutely necessary only what is necessary from its concept.
B 641 But both wholly exceed every utmost effort to satisfy our understanding on this point, and also every attempt to reconcile it to this incapacity.
The unconditioned necessity that we so indispensably need as the ultimate support of all things is the true abyss for human reason. Even eternity, however awesomely sublime a Haller may depict it, falls far short of producing the same dizzying impression on the mind; for it merely measures the duration of things, but does not support them. We cannot resist the thought, yet cannot bear it either, that a being we represent as the highest among all possible beings should say to itself, as it were: “I am from eternity to eternity; outside me there is nothing except what is something merely through my will. But where, then, do I come from?” Here everything beneath us gives way, and the greatest perfection, like the smallest, floats unsupported before speculative reason, which has no difficulty letting either vanish without the slightest hindrance.
Many forces of nature that manifest their existence through certain effects remain unfathomable to us, for we cannot trace them far enough through observation. The transcendental object underlying appearances is and remains unfathomable to us.
B 642 And so is the ground why our sensibility has these rather than other highest conditions, although the thing itself is otherwise given, only not understood. But an ideal of pure reason cannot be called unfathomable, because it can display no further warrant for its reality than reason’s need to complete all synthetic unity through it. Since it is thus not even given as a thinkable object, it is also not unfathomable as such. Rather, as a mere idea, it must find its seat and its solution in the nature of reason, and thus be capable of investigation. For reason consists precisely in our being able to account for all our concepts, opinions, and assertions, whether from objective grounds or, if they are mere illusion, from subjective ones.
Discovery and Explanation of the Dialectical Illusion in All Transcendental Proofs of the Existence of a Necessary Being
Both proofs conducted so far were transcendental, that is, attempted independently of empirical principles. For although the cosmological proof takes an experience in general as its basis, it proceeds not from any particular constitution of that experience but from pure principles of reason in relation to an existence given through empirical consciousness in general, and even abandons this guidance to rest on nothing but pure concepts.
B 643 What, then, in these transcendental proofs causes the dialectical yet natural illusion that connects the concepts of necessity and highest reality, realizing and hypostatizing what can only be an idea? What causes the inevitability of assuming something necessary in itself among existing things, yet at the same time recoiling before the existence of such a being as before an abyss? And how can reason be brought to understand itself on this point and pass from the wavering state of a timid assent, repeatedly withdrawn, to tranquil insight?
It is exceedingly noteworthy that if we presuppose that something exists, we cannot avoid the inference that something also exists necessarily. The cosmological argument rested on this entirely natural (though not therefore secure) inference. By contrast, whatever concept of a thing I may assume, I find that I can never represent its existence as absolutely necessary, and that nothing prevents me, whatever may exist, from thinking its nonbeing. Thus I must indeed assume something necessary for the existing in general, but can think no single thing itself as necessary in itself.
B 644 That is, I can never complete the regression to the conditions of existing without assuming a necessary being, but I can never begin from it.
If I must think something necessary for existing things in general, but am not entitled to think any thing as necessary in itself, it follows inevitably that necessity and contingency must not concern and apply to the things themselves, since otherwise a contradiction would arise. Consequently, neither of these principles is objective; at most they can be only subjective principles of reason: on the one hand, to seek for everything given as existing something necessary, that is, never to stop except at an explanation completed a priori; on the other, never to hope for this completion, that is, to assume nothing empirical as unconditioned and thereby exempt ourselves from further derivation. In this meaning, both principles can quite well coexist as merely heuristic and regulative, concerned only with reason’s formal interest. For one says: you should philosophize about nature as if everything belonging to existence had a necessary first ground, solely to bring systematic unity into your cognition by following such an idea, namely an imagined highest ground.
B 645 The other, however, warns you not to take any single determination concerning the existence of things as such a highest ground, that is, as absolutely necessary, but always to keep open the path to further derivation, and therefore always to treat it as still conditioned. But if we must regard everything perceived in things as conditionally necessary, then no thing (that may be empirically given) can be regarded as absolutely necessary either.
From this it follows, however, that you must assume the absolutely necessary outside the world, because it is to serve only as a principle of the greatest possible unity of appearances, as their highest ground, and you can never reach it within the world, since the second rule commands you always to regard all empirical causes of unity as derivative.
The ancient philosophers regarded all form in nature as contingent, but matter, according to the judgment of ordinary reason, as original and necessary. Had they considered matter in its existence not relatively, as the substratum of appearances, but in itself, the idea of absolute necessity would immediately have disappeared. For nothing absolutely binds reason to this existence; it can always abolish it in thought without conflict, yet absolute necessity lay only in thought as well. Some regulative principle must therefore have underlain this persuasion.
B 646 Indeed, extension and impenetrability (which together constitute the concept of matter) are the highest empirical principle of the unity of appearances, and insofar as it is empirically unconditioned, it possesses a property of the regulative principle. Nevertheless, since every determination of matter constituting its reality, and hence impenetrability too, is an effect (action) that must have its cause and is therefore always still derivative, matter is unsuited to the idea of a necessary being as a principle of all derivative unity. For each of its real properties, as derivative, is only conditionally necessary and can therefore be abolished in itself; but thereby matter’s entire existence would be abolished. If this did not happen, we would have reached empirically the highest ground of unity, which the second regulative principle forbids. It follows that matter, and generally whatever belongs to the world, is unsuited to the idea of a necessary original being as a mere principle of the greatest empirical unity, and that this being must instead be placed outside the world. We can then always confidently derive the appearances of the world and their existence from others, as if there were no necessary being.
B 647 And yet we can strive unceasingly for completeness of derivation, as if such a being were presupposed as a highest ground.
According to these considerations, the ideal of the highest being is nothing other than a regulative principle of reason: to regard every combination in the world as if it arose from an all-sufficient necessary cause, in order to ground on this the rule of a systematic unity, necessary according to universal laws, in explaining that combination. It is not an assertion of an existence necessary in itself. Yet it is at the same time inevitable, through a transcendental subreption, to represent this formal principle as constitutive and think this unity hypostatically. For just as space, because it originally makes possible all shapes, which are merely different limitations of it, is nevertheless taken for that very reason as an absolutely necessary, self-subsisting something and an object given a priori in itself, although it is only a principle of sensibility, so too it happens quite naturally that, since the systematic unity of nature can be established as a principle of the empirical use of our reason only insofar as we take the idea of a most real being as highest cause as our foundation, this idea is thereby represented as an actual object, and this object in turn, because it is the highest condition, as necessary.
B 648 Thus a regulative principle is transformed into a constitutive one. This substitution reveals itself in the fact that, if I now consider this highest being—which was absolutely (unconditionally) necessary in relation to the world—as a thing on its own, this necessity admits of no concept. Hence it must have been found in my reason only as a formal condition of thinking, not as a material and hypostatic condition of existence.
Chapter Three Section Six The Impossibility of the Physicotheological Proof
If neither the concept of things in general nor the experience of any existence in general can accomplish what is required, one means remains to be tried: whether a determinate experience, namely that of the things of the present world, their constitution and arrangement, provides a ground of proof that can securely convince us of the existence of a highest being. Such a proof we would call physicotheological. If this too should be impossible, then no satisfactory proof from merely speculative reason is possible at all for the existence of a being corresponding to our transcendental idea.
B 649 After all the remarks above, it will readily be seen that we can expect a quite easy and conclusive answer to this inquiry. For how could experience ever be given that was commensurate with an idea? The peculiarity of the latter consists precisely in the fact that no experience can ever be congruent with it. The transcendental idea of a necessary, all-sufficient original being is so extravagantly great, so elevated above everything empirical, which is always conditioned, that on the one hand we can never find enough material in experience to fill such a concept, and on the other we will always grope among the conditioned, searching forever in vain for the unconditioned, of which no law of any empirical synthesis gives us an example or the slightest guidance.
If the highest being stood in this chain of conditions, it would itself be a member of their series and, like the lower members placed beneath it, would require further investigation concerning its still higher ground. If, by contrast, we wish to separate it from this chain and not include it, as a merely intelligible being, in the series of natural causes, what bridge can reason build to reach it? For all laws of transition from effects to causes, indeed all synthesis and extension of our cognition in general, are founded on nothing other than possible experience.
B 650 They are thus founded merely on objects of the sensible world and can have meaning only in relation to them.
The present world opens before us so immeasurable a theater of manifoldness, order, purposiveness, and beauty, whether we pursue these into the infinity of space or into its unbounded division, that even after the knowledge our feeble understanding has been able to acquire of it, all language lacks its force before so many unsurveyably great wonders, all numbers their power to measure, and even our thoughts all boundary. Thus our judgment of the whole must dissolve into a speechless yet all the more eloquent astonishment. Everywhere we see a chain of effects and causes, of ends and means, regularity in arising and passing away; and since nothing has entered of itself into the state in which it is found, that state always points further to another thing as its cause, which makes precisely the same further inquiry necessary. In this way the entire universe would have to sink into the abyss of nothingness unless we assumed something that, outside this infinite contingent whole, originally and independently subsisting on its own, sustained it and, as the cause of its origin, also secured its continuance. This highest cause (in regard to all things of the world)—how great are we to think it?
B 651 We do not know the world in its entire content, still less do we know how to estimate its magnitude by comparison with everything possible. But since we once need an ultimate and highest being with regard to causality, what prevents us from placing it above everything else possible in degree of perfection as well? We can easily accomplish this, though admittedly only through the delicate outline of an abstract concept, by representing in it, as one single substance, all possible perfection united. This concept favors our reason’s demand for economy of principles, is subject to no contradictions in itself, and even helps extend reason’s use within experience through the guidance such an idea gives toward order and purposiveness, while nowhere decisively conflicting with any experience.
This proof always deserves to be mentioned with respect. It is the oldest, clearest, and most suited to ordinary human reason. It enlivens the study of nature, just as it owes its own existence to that study and continually gains new strength from it. It introduces ends and intentions where our observation would not have discovered them on its own, and extends our knowledge of nature along the guiding thread of a special unity whose principle lies outside nature.
B 652 But this knowledge in turn acts back on its cause, namely the idea that prompted it, increasing faith in a highest author to an irresistible conviction.
It would therefore be not only disheartening but quite futile to try to diminish the authority of this proof. Reason, ceaselessly elevated by grounds of proof so powerful and continually growing in its hands, though only empirical, cannot be so depressed by the doubts of subtle abstract speculation that a glance at the wonders of nature and the majesty of the world’s structure would not tear it from every brooding indecision as from a dream, to rise from greatness to greatness up to the very highest, from the conditioned to the condition up to the supreme and unconditioned author.
Yet although we have nothing to object to in the rationality and usefulness of this procedure, and must instead recommend and encourage it, we cannot therefore approve the claims this kind of proof might make to apodictic certainty and to an assent needing no favor or outside support. And it can by no means harm the good cause to lower the dogmatic language of a scornful reasoner to the tone of moderation and modesty, of a faith sufficient to bring peace, though not commanding unconditional submission.
B 653 I therefore maintain that the physicotheological proof can never by itself demonstrate the existence of a highest being, but must always leave it to the ontological proof (to which it serves only as an introduction) to remedy this deficiency. The latter thus still contains the only possible ground of proof (if a speculative proof takes place at all) which no human reason can bypass.
The main elements of this physicotheological proof are these: 1. Everywhere in the world are clear signs of an arrangement according to a determinate intention, carried out with great wisdom, in a whole of indescribable manifoldness of content and unbounded magnitude of extent. 2. This purposive arrangement is quite foreign to the things of the world and attaches to them only contingently. That is, the nature of different things could not of itself harmonize toward determinate ultimate ends through so many different means converging together unless they had expressly been chosen and designed for this by an ordering rational principle according to underlying ideas. 3. Thus there exists a sublime and wise cause (or several), which must be the cause of the world not merely through fecundity, as blindly acting omnipotent nature, but through freedom, as intelligence. 4. Its unity can be inferred from the unity of the reciprocal relation of the world’s parts.
B 654 These are members of an artful structure; the inference is certain in what our observation reaches, and beyond that probable according to all principles of analogy.
Natural reason infers, from the analogy of certain natural products with what human art produces when it does violence to nature, compelling it to proceed not according to its own ends but to accommodate ours (from their resemblance to houses, ships, and clocks), that just such a causality, namely understanding and will, also underlies nature. It derives the inner possibility of freely operating nature (which first makes all art, and perhaps even reason itself, possible) from yet another, though superhuman, art. Without quibbling here with this inference, which might not withstand the strictest transcendental critique, we must nevertheless confess that if we are once to name a cause, we can proceed no more securely than by analogy with such purposive productions, the only ones whose causes and mode of operation are fully known to us. Reason could not justify to itself passing from a causality it knows to obscure and unprovable grounds of explanation it does not know.
B 655 According to this inference, the purposiveness and harmony of so many natural arrangements would have to prove merely the contingency of form, not of matter, that is, of the substance in the world. For the latter would additionally require proof that the things of the world were in themselves unsuited to such order and harmony according to universal laws unless, even in their substance, they were products of a highest wisdom. This would require quite different grounds of proof from those of analogy with human art. Thus the proof could at most demonstrate an architect of the world, always very much limited by the suitability of the material he works with, but not a creator of the world, to whose idea everything is subject. This falls far short of sufficing for the great aim before us: proving an all-sufficient original being. If we wished to prove the contingency of matter itself, we would have to take refuge in a transcendental argument, which was precisely what was to be avoided here.
The inference therefore proceeds from the order and purposiveness so thoroughly observable in the world, as a thoroughly contingent arrangement, to the existence of a cause proportionate to it. But the concept of this cause must make something quite determinate about it known to us; thus it can be none other than the concept of a being possessing all power, wisdom, and so on—in a word, all perfection—as an all-sufficient being.
B 656 For predicates of very great, astonishing, or immeasurable power and excellence give no determinate concept and do not properly say what the thing is in itself. They are only relative representations of the magnitude of the object that the observer (of the world) compares with himself and his power of comprehension, and turn out equally laudatory whether we enlarge the object or diminish the observing subject in relation to it. Where the magnitude (of perfection) of a thing in general is at issue, no concept is determinate except one comprehending all possible perfection, and only the all (omnitudo) of reality is thoroughly determined in the concept.
Now I would not expect anyone to presume to understand the relation of the world’s magnitude as he observes it (both in extent and content) to omnipotence, of the world’s order to the highest wisdom, of the world’s unity to the author’s absolute unity, and so on. Thus physicotheology can give no determinate concept of the supreme cause of the world, and therefore cannot suffice as a principle of theology, which in turn is to constitute the foundation of religion.
The step to absolute totality is wholly impossible by the empirical path. Yet this step is nevertheless taken in the physicotheological proof.
B 657 What means, then, is used to cross so vast a gulf?
After reaching admiration for the greatness of the wisdom, power, and so on of the author of the world, and being unable to go further, one suddenly abandons this argument conducted through empirical grounds of proof and turns to the world’s contingency, inferred at the very beginning from its order and purposiveness. From this contingency alone one now proceeds, solely through transcendental concepts, to the existence of something absolutely necessary; and from the concept of the absolute necessity of the first cause, to its thoroughly determined or determining concept, namely an all-embracing reality. Thus the physicotheological proof became stuck in its undertaking and, in this predicament, suddenly leaped over to the cosmological proof. Since that is only a concealed ontological proof, it actually accomplished its aim solely through pure reason, although at first it had denied all kinship with pure reason and staked everything on evident proofs from experience.
Physicotheologians therefore have no reason to be so disdainful toward the transcendental kind of proof and, with the conceit of clear-sighted students of nature, look down on it as the cobweb of obscure speculators. For if they would only examine themselves, they would find the following.
B 658 After advancing a good distance on the ground of nature and experience and nevertheless seeing themselves still just as far from the object that appears before their reason, they suddenly abandon this ground and pass into the realm of mere possibilities. There, on the wings of ideas, they hope to approach what has eluded all their empirical searching. After finally imagining they have gained firm footing through so mighty a leap, they extend the now determinate concept (which they have come to possess without knowing how) over the whole field of creation, and elucidate through experience—though poorly enough and far beneath the dignity of its object—the ideal that was solely a product of pure reason, without wishing to confess that they reached this knowledge or presupposition by a path other than experience.
Thus the physicotheological proof rests on the cosmological, and that in turn on the ontological proof of the existence of one original being as the highest being. Since no path beyond these three is open to speculative reason, the ontological proof from nothing but pure concepts of reason is the only possible one, if any proof at all is possible of a proposition so far elevated above every empirical use of the understanding.
B 659 Chapter Three Section Seven Critique of All Theology from Speculative Principles of Reason
If by theology I understand cognition of the original being, it is either from mere reason (theologia rationalis) or from revelation (revelata). The former thinks its object either solely through pure reason, by means of nothing but transcendental concepts (ens originarium, realissimum, ens entium), and is called transcendental theology; or through a concept it borrows from nature (our soul), as the highest intelligence, and would have to be called natural theology. Someone who admits only a transcendental theology is called a deist; someone who also accepts a natural theology, a theist. The former concedes that we can at most cognize the existence of an original being through mere reason, but that our concept of it is merely transcendental: only that of a being possessing all reality, which we cannot determine more closely. The latter maintains that reason is capable of determining the object more closely by analogy with nature: as a being that through understanding and freedom contains within itself the original ground of all other things.
B 660 Thus the former represents by it merely a cause of the world (whether through the necessity of its nature or through freedom remains undecided), the latter an author of the world.
Transcendental theology either intends to derive the existence of the original being from an experience in general (without determining anything more closely about the world to which it belongs), and is called cosmotheology; or believes it can cognize its existence through mere concepts without the aid of the slightest experience, and is called ontotheology.
Natural theology infers the properties and existence of an author of the world from the constitution, order, and unity found in this world, in which two kinds of causality and their rule must be assumed, namely nature and freedom. It therefore ascends from this world to the highest intelligence, either as the principle of all natural order and perfection or of all moral order and perfection. In the former case it is called physicotheology, in the latter moral theology.*
* Not theological morality; for that contains moral laws presupposing the existence of a highest ruler of the world, whereas moral theology is a conviction of the existence of a highest being grounded in moral laws.
By the concept of God we are accustomed to understand not merely a blindly acting eternal nature as the root of things, but a highest being.
B 661 It is to be the author of things through understanding and freedom. And since this concept alone interests us, strictly speaking we could deny the deist all faith in God, leaving him only the assertion of an original being or supreme cause. Yet because no one may be accused of wishing to deny something merely because he does not venture to assert it, it is gentler and fairer to say that the deist believes in a God, the theist in a living God (summam intelligentiam). We will now seek the possible sources of all these attempts of reason.
I am content here to explain theoretical cognition as cognition through which I cognize what is, practical cognition as that through which I represent what ought to be. Accordingly, the theoretical use of reason is that through which I cognize a priori (as necessary) that something is; the practical use is that through which what ought to happen is cognized a priori. Now if either that something is, or that it ought to happen, is indubitably certain but still only conditioned, then either a certain determinate condition of it can be absolutely necessary, or it can be presupposed only as optional and contingent. In the first case the condition is postulated (per thesin), in the second supposed (per hypothesin).
B 662 Since there are practical laws that are absolutely necessary (the moral laws), if these necessarily presuppose some existence as the condition of the possibility of their binding force, this existence must be postulated, because the conditioned from which we infer this determinate condition is itself cognized a priori as absolutely necessary. Later we will show of moral laws that they not only presuppose the existence of a highest being, but also, since in another respect they are absolutely necessary, rightly postulate it—though admittedly only practically. For now we set this mode of inference aside.
Since, when we speak merely of what is (not what ought to be), the conditioned given to us in experience is always also thought as contingent, its corresponding condition cannot be cognized from it as absolutely necessary. Rather, it serves for rational cognition of the conditioned only as a relatively necessary—or, more properly, requisite—presupposition, but one arbitrary in itself and a priori. Thus if the absolute necessity of a thing is to be cognized in theoretical cognition, this could occur only from concepts a priori, never as the necessity of a cause in relation to an existence given through experience.
A theoretical cognition is speculative if it concerns an object, or concepts of an object, that we can reach in no experience.
B 663 It is opposed to cognition of nature, which concerns no objects or predicates of them except those that can be given in a possible experience.
The principle of inferring a cause from what happens (the empirically contingent) as effect is a principle of cognition of nature, but not of speculative cognition. For if we abstract from its being a principle containing the condition of possible experience in general and, omitting everything empirical, intend to assert it of the contingent in general, not the slightest justification of such a synthetic proposition remains by which to see how I can pass from something that is to something entirely different from it (called a cause). Indeed, in such merely speculative use, the concept of a cause, like that of the contingent, loses all meaning whose objective reality could be made comprehensible in concreto.
Now if we infer from the existence of things in the world to their cause, this belongs not to the natural but to the speculative use of reason. For the former refers not things themselves (substances), but only what happens, hence their states as empirically contingent, to some cause. That substance itself (matter) is contingent in existence would have to be a merely speculative rational cognition.
B 664 But even if we spoke only of the world’s form, the manner of its combination and its changes, yet wished to infer from this a cause wholly distinct from the world, this would again be a judgment of merely speculative reason, because the object here is no object of a possible experience at all. The principle of causality, however, which holds only within the field of experiences and outside it has no use, indeed no meaning, would then be wholly diverted from its purpose.
I now maintain that all attempts at a merely speculative use of reason regarding theology are wholly fruitless and, by their inner constitution, null and void; but that the principles of reason’s natural use lead to no theology at all. Consequently, unless moral laws are taken as a basis or used as a guiding thread, there can be no theology of reason whatever. For all synthetic principles of the understanding have an immanent use, whereas cognition of a highest being requires a transcendent use of them, for which our understanding is not equipped at all. If the empirically valid law of causality is to lead to the original being, this being would have to belong to the chain of objects of experience; but then, like all appearances, it would itself be conditioned in turn.
B 665 Even if we permitted the leap beyond the boundary of experience by means of the dynamical law relating effects to their causes, what concept could this procedure supply? By no means a concept of a highest being, because experience never presents us with the greatest of all possible effects (which is supposed to bear witness to its cause). If, merely to leave nothing empty in our reason, we are to be allowed to fill this lack of complete determination through a mere idea of the highest perfection and original necessity, this can indeed be granted as a favor, but not demanded by right of an irresistible proof. Thus the physicotheological proof might perhaps lend force to other proofs, if such are available, by connecting speculation with intuition; but by itself it does more to prepare the understanding for theological cognition and give it a straight and natural direction toward it than it could complete the work alone.
We can thus clearly see that transcendental questions admit only transcendental answers, that is, answers from nothing but concepts a priori without the slightest empirical admixture. But here the question is plainly synthetic and demands an extension of our cognition beyond all boundaries of experience: to the existence of a being supposed to correspond to our mere idea, which no experience can ever equal.
B 666 Now according to our proofs above, all synthetic cognition a priori is possible only by expressing the formal conditions of a possible experience, and all principles thus have only immanent validity: they refer solely to objects of empirical cognition, or appearances. Thus nothing is accomplished by a transcendental procedure either, regarding the theology of a merely speculative reason.
But if someone would rather cast doubt on all the above proofs of the Analytic than let himself be deprived of his persuasion about the weight of the long-used grounds of proof, he cannot refuse to meet the challenge when I demand that he at least justify how, and through what illumination, he ventures to soar above all possible experience by the power of mere ideas. I would ask to be spared new proofs or revisions of old ones. Admittedly, there is not much choice here, since all merely speculative proofs ultimately come down to a single one, the ontological, so I need not fear being particularly burdened by the fertility of the dogmatic champions of that reason free of the senses.
B 667 Moreover, without imagining myself especially combative, I will not decline the challenge to expose the fallacy in every attempt of this kind and thereby frustrate its pretension. Yet this never entirely extinguishes the hope of better fortune in those once accustomed to dogmatic persuasions. I therefore hold to the single reasonable demand that they justify, in general and from the nature of human understanding together with all other sources of cognition, how they intend to extend their cognition wholly a priori, carrying it where no possible experience, and hence no means, reaches to assure any concept we have devised ourselves of its objective reality. However the understanding may have arrived at this concept, the existence of its object cannot be found analytically in it, because cognition of the object’s existence consists precisely in its being posited in itself outside the thought. But it is wholly impossible to go outside a concept of itself and, without following empirical connection (through which only appearances are ever given), arrive at the discovery of new objects and extravagant beings.
Although reason in its merely speculative use falls far short of sufficing for this great aim, namely reaching the existence of a supreme being, it is nevertheless of very great use.
B 668 It corrects cognition of that being, if it could be drawn from elsewhere; makes it agree with itself and with every intelligible purpose; and purifies it of everything that might conflict with the concept of an original being and of every admixture of empirical limitations.
Despite all its inadequacy, transcendental theology thus retains an important negative use and is a constant censor of our reason when reason deals only with pure ideas, which for that very reason admit no standard other than a transcendental one. For if, in another, perhaps practical relation, the presupposition of a highest and all-sufficient being as supreme intelligence once maintained its validity without dispute, it would be of the greatest importance to determine this concept precisely on its transcendental side as the concept of a necessary and most real being; to remove what conflicts with the highest reality and belongs to mere appearance (anthropomorphism in the wider sense); and at the same time to clear away all opposed assertions, whether atheistic, deistic, or anthropomorphic. This is very easy in such a critical treatment, since the same grounds by which human reason’s inability to assert the existence of such a being is displayed must also suffice to prove the unfitness of every counterassertion.
B 669 For where could anyone derive through pure speculation of reason the insight that there is no highest being as the original ground of everything; or that none of the properties belongs to it that, according to their consequences, we represent as analogous to the dynamical realities of a thinking being; or that, in the latter case, these properties must also be subject to all the limitations that sensibility inevitably imposes on the intelligences we know through experience?
Thus for the merely speculative use of reason, the highest being remains a mere but faultless ideal, a concept that completes and crowns the whole of human cognition, whose objective reality can neither be proved nor refuted on this path. And if there should be a moral theology capable of remedying this deficiency, the previously merely problematic transcendental theology then proves its indispensability by determining its concept and ceaselessly censuring a reason often enough deceived by sensibility and not always in agreement with its own ideas. Necessity, infinity, unity, existence outside the world (not as a world-soul), eternity without conditions of time, omnipresence without conditions of space, omnipotence, and so on, are all transcendental predicates.
B 670 Hence their purified concept, which every theology so greatly needs, can be drawn solely from transcendental theology.
Appendix to the Transcendental Dialectic The Regulative Use of the Ideas of Pure Reason
The outcome of all dialectical attempts of pure reason confirms not only what we have already proved in the Transcendental Analytic: that all inferences meant to carry us beyond the field of possible experience are deceptive and unfounded. It also teaches us something more specific: human reason has a natural tendency to cross this boundary, and transcendental ideas are as natural to it as the categories are to the understanding. The difference is that, while the latter lead to truth—that is, to the agreement of our concepts with the object—the former produce a mere but irresistible illusion whose deception even the most searching critique can scarcely prevent.
Everything grounded in the nature of our powers must be purposive and consistent with their proper use.
B 671 That holds, if only we can prevent a certain misunderstanding and discover their true direction. We may therefore presume that transcendental ideas have a sound and consequently immanent use, although, when their meaning is misunderstood and they are taken for concepts of actual things, their application can become transcendent and thus deceptive. For it is not the idea itself but only its use that can either soar beyond all possible experience (be transcendent) or remain at home within it (be immanent), depending on whether we direct it immediately to an object supposedly corresponding to it or merely to the use of the understanding in general with regard to the objects with which it deals. All errors of subreption must always be attributed to a deficiency in the power of judgment, never to the understanding or reason.
Reason never relates directly to an object, but only to the understanding and, through it, to its own empirical use. It therefore creates no concepts (of objects), but merely orders them and gives them the unity they can possess in their greatest possible extension: that is, in relation to the totality of series. The understanding pays no attention to this totality, but only to the connection through which series of conditions arise everywhere in accordance with concepts.
B 672 Thus reason has as its proper object only the understanding and its purposive employment. Just as the understanding unites the manifold in the object through concepts, reason in turn unites the manifold of concepts through ideas, setting a certain collective unity as the goal of the understanding’s actions, which are otherwise concerned only with distributive unity.
I therefore maintain that transcendental ideas never have a constitutive use, as though they supplied concepts of certain objects; when understood in this way, they are merely sophistical (dialectical) concepts. They do, however, have an excellent and indispensably necessary regulative use: they direct the understanding toward a certain goal, with a view to which the lines of direction of all its rules converge at a point. Although this point is only an idea (focus imaginarius), that is, a point from which the concepts of the understanding do not actually proceed, since it lies entirely outside the boundaries of possible experience, it nevertheless serves to give them the greatest unity together with the greatest extension. This does indeed give rise to the deception that these lines of direction issue from an object itself lying outside the field of empirically possible cognition (just as objects are seen behind the surface of a mirror). Yet this illusion (which can be prevented from deceiving us) is nonetheless indispensably necessary.
B 673 That is so if, besides the objects before our eyes, we also want to see those lying far off behind our backs—that is, in our case, if we want to train the understanding to go beyond every given experience (as a part of the whole of possible experience), and thus to its greatest and furthest possible extension.
If we survey the cognitions of our understanding in their full extent, we find that what reason peculiarly prescribes for them and seeks to bring about is the systematic character of cognition: its coherence through a principle. This unity of reason always presupposes an idea, namely that of the form of a whole of cognition that precedes determinate cognition of the parts and contains the conditions for determining a priori each part’s place and relation to the others. This idea accordingly postulates complete unity in the cognition of the understanding, making it not a merely accidental aggregate but a system connected according to necessary laws. Strictly speaking, we cannot say that this idea is a concept of the object; it is a concept of the thoroughgoing unity of these concepts, insofar as that unity serves the understanding as a rule. Such concepts of reason are not drawn from nature. Rather, we question nature in accordance with these ideas and regard our cognition as deficient so long as it is not adequate to them.
B 674 It is admitted that pure earth, pure water, pure air, and so on can scarcely be found. Nevertheless, we need concepts of them (which, as regards complete purity, therefore originate only in reason) to determine properly the share each of these natural causes has in the appearance. We thus reduce all materials to earths (as it were the mere load), salts and combustible substances (as the force), and finally water and air as vehicles (as it were machines through which the former act), in order to explain the chemical interactions of materials according to the idea of a mechanism. For although people do not actually express themselves this way, such an influence of reason on natural scientists’ classifications is very easy to discover.
If reason is a faculty for deriving the particular from the universal, then either the universal is already certain in itself and given, in which case only the power of judgment is needed for subsumption, and the particular is thereby necessarily determined. I shall call this the apodictic use of reason. Or the universal is assumed only problematically and is a mere idea; the particular is certain, but the universality of the rule for this consequence remains a problem. Several particular cases, all of them certain, are then tested against the rule to see whether they follow from it.
B 675 In that case, if it appears that all the particular cases that can be cited follow from it, we infer the universality of the rule, and subsequently infer from this universality all cases, including those not given in themselves. I shall call this the hypothetical use of reason.
The hypothetical use of reason, proceeding from ideas laid down as problematic concepts, is not properly constitutive. That is, judged with complete rigor, it is not such that the truth of the universal rule assumed as a hypothesis follows from it. For how could we know all the possible consequences which, by following from the same assumed principle, would prove its universality? Rather, it is only regulative, serving to bring unity into particular cognitions as far as possible and thereby to bring the rule closer to universality.
The hypothetical use of reason thus aims at the systematic unity of the understanding’s cognitions, and this unity is the touchstone of the truth of rules. Conversely, systematic unity (as a mere idea) is only a projected unity, which must be regarded not as given in itself but only as a problem. Yet it serves to find a principle for the manifold and particular use of the understanding, and thereby to guide that use beyond the cases that are given and make it coherent.
B 676 From this we see only that the systematic unity, or unity of reason, of the understanding’s manifold cognition is a logical principle. Where the understanding alone cannot arrive at rules, this principle assists it through ideas; at the same time it brings its diverse rules into agreement under one principle (systematic) and thus gives them coherence as far as possible. But whether the constitution of objects, or the nature of the understanding that cognizes them as such, is in itself destined for systematic unity; whether this unity can to some degree be postulated a priori, even without regard to such an interest of reason; and whether we can therefore say that all possible cognitions of the understanding (including empirical ones) possess unity of reason and fall under common principles from which, despite their diversity, they can be derived—this would be a transcendental principle of reason. It would make systematic unity necessary not merely subjectively and logically, as a method, but objectively.
Let us illustrate this with a case of reason’s use. Among the different kinds of unity according to concepts of the understanding is the unity of a substance’s causality, which is called force. The various appearances of one and the same substance at first seem so heterogeneous that we must initially assume almost as many kinds of force in it as there are effects that manifest themselves.
B 677 Examples in the human mind are sensation, consciousness, imagination, memory, wit, the power of discrimination, pleasure, desire, and so on. A logical maxim initially commands us to reduce this apparent diversity as far as possible by discovering hidden identity through comparison and examining whether imagination combined with consciousness might be memory, wit, the power of discrimination, perhaps even understanding and reason. The idea of a fundamental power—though logic does not at all establish whether such a thing exists—is at least the problem of a systematic representation of the manifold of forces. The logical principle of reason requires us to bring about this unity as far as possible. The more the appearances of one force and another are found to be identical, the more probable it becomes that they are merely different manifestations of one and the same force, which can be called (comparatively) their fundamental power. We proceed in the same way with the rest.
These comparatively fundamental powers must in turn be compared with one another, so that, by discovering their agreement, we may bring them closer to a single radical, that is, absolute fundamental power. But this unity of reason is merely hypothetical. We do not assert that such a fundamental power must actually be found, but that we must seek it for reason’s sake, namely to establish certain principles for the various rules that experience may supply.
B 678 In this way, wherever it can be done, we must bring systematic unity into cognition.
Yet if we attend to the transcendental use of the understanding, we find that this idea of a fundamental power in general is not intended merely as a problem for hypothetical use. It lays claim to objective reality, thereby postulating the systematic unity of the various forces of a substance and establishing an apodictic principle of reason. For even before we have tested the agreement of the various forces—and even if all our attempts to discover it fail—we nevertheless presuppose that such agreement will be found. We do so not only, as in the case cited, on account of the unity of the substance. Where very many forces, though to some degree homogeneous, are found, as in matter in general, reason likewise presupposes the systematic unity of manifold forces, since particular laws of nature fall under more general ones, and economy of principles becomes not merely an economical principle of reason but an inner law of nature.
Indeed, it is impossible to see how a logical principle of the unity of reason in rules could hold unless a transcendental principle were presupposed, through which such systematic unity, as belonging to the objects themselves, is assumed a priori to be necessary.
B 679 For by what right can reason, in its logical use, require us to treat the manifold forces that nature makes known to us as a merely hidden unity, and to derive them as far as possible from some fundamental power, if reason were free to concede that all forces might equally well be heterogeneous and that systematic unity in their derivation might not accord with nature? In that case, reason would act directly against its own vocation by making an idea its goal that wholly contradicted nature’s arrangement. Nor can we say that reason has first gathered this unity, according to its own principles, from nature’s contingent constitution. For reason’s law requiring us to seek this unity is necessary: without it we would have no reason at all; without reason, no coherent use of the understanding; and without this, no sufficient mark of empirical truth. With regard to this last, therefore, we must absolutely presuppose nature’s systematic unity as objectively valid and necessary.
We also find this transcendental presupposition concealed in a remarkable way in philosophers’ principles, although they have not always recognized it there or admitted it to themselves.
B 680 That all the manifold differences of individual things do not exclude identity of species; that the various species must be treated merely as different determinations of a few genera, and these in turn of still higher genera, and so on; and that a certain systematic unity of all possible empirical concepts must therefore be sought, insofar as they can be derived from higher and more general ones—this is a scholastic rule or logical principle without which reason could not be used at all. For we can infer from the universal to the particular only insofar as universal properties of things are laid down under which the particular properties fall.
But philosophers also presuppose that such agreement is found in nature in the familiar scholastic rule that beginnings (principles) must not be multiplied unnecessarily (entia praeter necessitatem non esse multiplicanda). This says that the nature of things itself provides material for the unity of reason, and that its apparently infinite diversity must not prevent us from suspecting behind it a unity of fundamental properties, from which the manifold can be derived merely through further determination. Although this unity is a mere idea, it has always been pursued so eagerly that there has been more reason to moderate the desire for it than to encourage it. It was already a considerable achievement for chemists to reduce all salts to two principal genera, acids and alkalis; they even attempt to regard this distinction itself as merely a variation or different manifestation of one and the same basic material.
B 681 People have gradually tried to reduce the various kinds of earths (the material of stones and even of metals) to three, and finally to two. Yet, still dissatisfied, they cannot abandon the thought of a single genus behind these varieties, or even of a principle common to them and to salts. One might perhaps believe this to be merely an economical expedient of reason, intended to save as much effort as possible, and a hypothetical attempt which, if successful, lends probability to the presupposed ground of explanation through this very unity. But such a self-serving intention is very easily distinguished from the idea according to which everyone presupposes that this unity of reason accords with nature itself, and that reason here does not beg but commands, although it cannot determine the boundaries of this unity.
Suppose the appearances presented to us displayed such great diversity—not, I mean, of form, for they might resemble one another in that respect, but of content, that is, in the manifold of existing beings—that even the sharpest human understanding could not, by comparing one with another, discover the slightest similarity. Such a case can certainly be conceived. The logical law of genera would then have no place at all.
B 682 There would be no concept of a genus or any universal concept, indeed no understanding, since the understanding deals only with such concepts. Thus the logical principle of genera presupposes a transcendental principle if it is to be applied to nature (by which I here understand only objects given to us). According to this principle, homogeneity is necessarily presupposed in the manifold of a possible experience (although we cannot determine its degree a priori); for without it no empirical concepts, and therefore no experience, would be possible.
The logical principle of genera, which postulates identity, is opposed by another, that of species. This requires a manifold and differences among things despite their agreement under the same genus, and prescribes that the understanding attend no less to the former than to the latter. This principle (of acuteness, or of the faculty of discrimination) greatly restricts the recklessness of the first principle (that of wit). Here reason displays a twofold, conflicting interest: on the one hand, an interest in extension (universality) with regard to genera; on the other, an interest in content (determinacy) with regard to the manifold of species, because in the first case the understanding thinks much under its concepts, in the second all the more within them.
B 683 This is also expressed in the very different ways natural scientists think. Some (who are chiefly speculative), as it were hostile to heterogeneity, always look toward the unity of the genus; others (chiefly empirical minds) constantly seek to divide nature into so great a manifold that we might almost have to abandon hope of judging its appearances according to universal principles.
This latter way of thinking clearly also rests on a logical principle aimed at the systematic completeness of all cognitions when, beginning with the genus, I descend to the manifold that may be contained under it, seeking in this way to give the system extension, just as in the first case, by ascending to the genus, I seek to give it simplicity. For the sphere of the concept that designates a genus no more reveals how far its division can proceed than does the space that matter can occupy. Every genus therefore requires different species, and these in turn different subspecies. Since none of the latter can exist without again having a sphere (extension as conceptus communis), reason, in its full scope, requires that no species be regarded as in itself the lowest. For it always remains a concept containing only what different things have in common; it therefore cannot be thoroughly determined, and so cannot relate immediately to an individual.
B 684 It must consequently always contain other concepts, that is, subspecies, under itself. This law of specification could be expressed as follows: entium varietates non temere esse minuendas.
It is easy to see, however, that this logical law too would lack meaning and application unless it rested on a transcendental law of specification. This law certainly does not demand an actual infinity of differences among the things that can become our objects; the logical principle gives no grounds for that, since it asserts only the indeterminacy of the logical sphere with regard to possible division. Nevertheless, it obliges the understanding to seek subspecies under every species we encounter, and smaller differences within every difference. For if there were no lower concepts, there would be no higher ones either. Now the understanding cognizes everything only through concepts; hence, however far it proceeds in division, it never cognizes through mere intuition but always through lower concepts in turn. Cognition of appearances in their thoroughgoing determination (which is possible only through the understanding) requires an endlessly continued specification of its concepts and a progression toward differences that still remain, from which abstraction was made in the concept of the species and still more in that of the genus.
B 685 Nor can this law of specification be borrowed from experience, for experience cannot yield disclosures of such reach. Empirical specification soon comes to a halt in distinguishing the manifold unless it is guided by the antecedent transcendental law of specification, as a principle of reason, to seek differences and always to suspect them even when they do not reveal themselves to the senses. The discovery that absorbent earths are of different kinds (calcareous and muriatic earths) required a prior rule of reason. This set the understanding the task of seeking the difference, presupposing nature to be rich enough to warrant suspecting it. For we possess understanding only on the presupposition of differences in nature, just as we possess it only on the condition that nature’s objects are homogeneous in themselves, because the manifold of what can be gathered under a concept is precisely what constitutes the use of that concept and the activity of the understanding.
Reason thus prepares the understanding’s field for it: 1. through a principle of the homogeneity of the manifold under higher genera; 2. through a principle of the variety of the homogeneous under lower species; and, to complete systematic unity, 3. it adds a law of the affinity of all concepts.
B 686 This law commands a continuous transition from every species to every other through a graduated increase in difference. We can call these the principles of homogeneity, specification, and continuity of forms. The last arises from uniting the first two after we have completed systematic coherence in the idea, both in ascending to higher genera and in descending to lower species. For all the manifold is then related, because all of it descends through every degree of expanded determination from a single highest genus.
We can give sensible form to systematic unity under these three logical principles in the following way. Every concept can be regarded as a point which, as the standpoint of a spectator, has its horizon: a multitude of things that can be represented and, as it were, surveyed from it. Within this horizon an infinite multitude of points must be assignable, each of which in turn has its narrower field of view. That is, every species contains subspecies according to the principle of specification, and the logical horizon consists only of smaller horizons (subspecies), not of points without extension (individuals). But for different horizons—that is, genera determined by as many concepts—we can conceive a common horizon drawn, from which they can all be surveyed as from a center.
B 687 This is the higher genus, until finally the highest genus is the universal and true horizon, determined from the standpoint of the highest concept and encompassing all the manifold as genera, species, and subspecies.
The law of homogeneity leads me to this highest standpoint; the law of specification leads me to all lower ones and their greatest variety. But since in this way there is nothing empty throughout the entire extension of all possible concepts, and nothing can be found outside it, the presupposition of that universal field of view and its thoroughgoing division gives rise to the principle: non datur vacuum formarum. That is, there are no different original and first genera that are, as it were, isolated and separated from one another (by an empty intervening space). Rather, all the manifold genera are merely divisions of a single highest and universal genus. From this principle follows its immediate consequence: datur continuum formarum. That is, all differences of species border on one another and permit no transition from one to another by a leap, but only through all the smaller degrees of difference by which one can get from one to the other. In a word, no species or subspecies are nearest to one another (in reason’s concept); intermediate species are always still possible.
B 688 Their difference from the first and the second is smaller than the difference of those two from one another.
The first law thus prevents us from straying into a manifold of different original genera and recommends homogeneity. The second in turn restricts this inclination toward agreement and commands us to distinguish subspecies before turning with our universal concept to individuals. The third unites the two: even amid the greatest manifold, it prescribes homogeneity through a graduated transition from one species to another. This indicates a kind of kinship among the different branches, insofar as they have all sprung from one stem.
But this logical law of the continui specierum (formarum logicarum) presupposes a transcendental one (lex continui in natura). Without it, the understanding’s use would only be misled by this precept, since it might take a path directly opposed to nature. This law must therefore rest on purely transcendental, not empirical, grounds. In the latter case it would come later than the systems, whereas it has in fact first produced the systematic character of our cognition of nature. Nor do these laws conceal intentions to put them to the test as mere experiments.
B 689 Certainly this coherence, wherever it holds, provides a powerful ground for regarding the hypothetically devised unity as well founded, and the laws are thus useful in this respect as well. But they clearly show that they judge economy of fundamental causes, multiplicity of effects, and the resulting kinship among nature’s members to be in themselves rational and appropriate to nature. These principles thus carry their recommendation directly, not merely as expedients of method.
It is easy to see, however, that this continuity of forms is a mere idea for which no congruent object can be exhibited in experience. This is not only because species in nature are actually divided and must therefore in themselves constitute a quantum discretum, and, if the graduated progression in their kinship were continuous, would also have to contain a true infinity of intermediate members lying between two given species, which is impossible. It is also because we can make no determinate empirical use of this law: it indicates not the slightest mark of affinity by which, or how far, we should seek the graduated sequence of their differences. It gives only a general indication that we are to seek it.
B 690 If we rearrange the principles just cited to bring them into line with their use in experience, the principles of systematic unity would stand roughly as follows: manifoldness, kinship, and unity, each taken as an idea at the highest degree of its completeness. Reason presupposes the understanding’s cognitions, which are applied in the first instance to experience, and seeks their unity according to ideas that extend far beyond experience’s reach. The kinship of the manifold under a principle of unity, without prejudice to its differences, concerns not only things but still more their mere properties and forces. Thus, for example, if an experience (not yet fully corrected) presents the planets’ courses as circular, and we find differences, we suspect them in that which can, according to a constant law and through all infinitely many intermediate degrees, transform a circle into one of these deviating orbits. That is, the planets’ motions that are not circular will perhaps approximate the circle’s properties more or less closely, and fall upon the ellipse. Comets show still greater differences in their paths, since (as far as observation reaches) they do not even return in a circuit. Yet we conjecture a parabolic course, which is nevertheless related to the ellipse and cannot in any of our observations be distinguished from it when the ellipse’s major axis is very greatly extended.
B 691 Guided by these principles, we thus arrive at unity of genus among these orbits in respect of their shape, and thereby proceed to the unity of the cause of all the laws of their motion (gravitation). From there we extend our conquests, seeking to explain all varieties and apparent deviations from those rules by the same principle. Finally, we even add more than experience can ever confirm: following the rules of kinship, we conceive even hyperbolic cometary orbits in which these bodies leave our solar system altogether and, passing from sun to sun, unite in their course the remoter parts of a cosmic system unbounded to us and connected by one and the same moving force.
What is remarkable about these principles, and alone concerns us here, is this: they appear to be transcendental. Although they contain merely ideas for the empirical use of reason to follow—ideas which that use can follow only asymptotically, as it were, by approaching without ever reaching them—they nevertheless have objective though indeterminate validity as synthetic propositions a priori. They serve as rules of possible experience and are indeed successfully employed as heuristic principles in working on it.
B 692 Yet no transcendental deduction of them can be accomplished, which, as proved above, is always impossible with regard to ideas.
In the Transcendental Analytic we distinguished, among the principles of the understanding, the dynamical principles, as merely regulative principles of intuition, from the mathematical principles, which are constitutive with regard to intuition. Despite this, those dynamical laws are certainly constitutive with regard to experience, since they make possible a priori the concepts without which no experience occurs. Principles of pure reason, by contrast, cannot be constitutive even with regard to empirical concepts, because no corresponding schema of sensibility can be given for them, and they can therefore have no object in konkreto. If I now abandon such an empirical use of them as constitutive principles, how can I nevertheless secure for them a regulative use and, with it, some objective validity? And what meaning can that use have?
The understanding is an object for reason just as sensibility is for the understanding. Making the unity of all possible empirical acts of the understanding systematic is reason’s task, just as the understanding connects the manifold of appearances through concepts and brings it under empirical laws. But without schemata of sensibility, acts of the understanding are indeterminate.
B 693 Likewise, the unity of reason is in itself indeterminate both as to the conditions under which the understanding should combine its concepts systematically and as to how far it should do so. Yet although no schema can be found in intuition for the thoroughgoing systematic unity of all concepts of the understanding, an analogue of such a schema can and must be given. This is the idea of the maximum of division and unification of the understanding’s cognition in one principle. For the greatest and absolutely complete can be thought determinately, since all restrictive conditions, which yield an indeterminate manifold, are omitted. The idea of reason is thus an analogue of a schema of sensibility, but with this difference: applying concepts of the understanding to reason’s schema does not yield cognition of the object itself (as applying the categories to their sensible schemata does). It yields only a rule or principle of the systematic unity of every use of the understanding. Now every principle that establishes thoroughgoing unity a priori for the understanding’s use also holds, although only indirectly, of the object of experience. The principles of pure reason will therefore also have objective reality with regard to this object, not to determine anything about the objects, but only to indicate the procedure.
B 694 By this procedure the understanding’s empirical and determinate use in experience can become thoroughly consistent with itself, through being brought into connection with the principle of thoroughgoing unity as far as possible, and derived from it.
I call all subjective principles drawn not from the constitution of the object but from reason’s interest in a certain possible perfection of cognition of that object maxims of reason. Thus there are maxims of speculative reason resting solely on its speculative interest, although they may seem to be objective principles.
If merely regulative principles are regarded as constitutive, they can conflict as objective principles. But if they are regarded merely as maxims, there is no true conflict, only a difference in reason’s interests that causes a divergence in ways of thinking. In fact, reason has only one single interest, and the conflict of its maxims is merely a difference and reciprocal limitation among methods of satisfying that interest.
In this way, one reasoner is more strongly moved by the interest in manifoldness (according to the principle of specification), and another by the interest in unity (according to the principle of aggregation).
B 695 Each believes his judgment arises from insight into the object, yet bases it solely on a greater or lesser attachment to one of two principles, neither of which rests on objective grounds but only on reason’s interest; they might therefore be better called maxims than principles. When I see discerning men disputing about the characteristics of human beings, animals, plants, or even bodies in the mineral kingdom—for example, when some assume particular national characters grounded in descent, or definite and hereditary differences among families, races, and so on, while others insist that nature has provided entirely identical predispositions in this respect and that every difference rests only on external contingencies—I need only consider the nature of the object to understand that it lies far too deeply concealed from both parties for them to speak from insight into its nature. It is nothing other than reason’s twofold interest, one side taking one interest to heart, the other the other, or even merely affecting to do so. Thus it is the difference between the maxims of nature’s manifoldness and nature’s unity. These can very well be united; but so long as they are taken for objective insights, they occasion not only conflict but also obstacles that long hold up truth.
B 696 So it remains until a means is found to reconcile the conflicting interest and to satisfy reason on this point.
The same holds of the assertion or denial of the much-discussed law of a continuous scale of creatures, put into circulation by Leibniz and splendidly embellished by Bonnet. This is nothing but obedience to the principle of affinity resting on reason’s interest; for observation and insight into nature’s arrangement could never have supplied it as an objective assertion. The rungs of such a ladder, as experience can disclose them to us, stand much too far apart, and our supposedly small differences are commonly such wide chasms in nature itself that nothing at all can be built on such observations (especially given a great manifold of things, where it must always be easy to find certain similarities and approximations) as evidence of nature’s intentions. By contrast, the method of seeking order in nature according to such a principle, and the maxim of regarding such order as grounded in nature in general, although leaving indeterminate where or how far, is certainly a legitimate and excellent regulative principle of reason. As such, however, it goes far beyond anything experience or observation could match, yet determines nothing, but merely traces out for experience the path toward systematic unity.
B 697 On the Final Aim of the Natural Dialectic of Human Reason
The ideas of pure reason can never be dialectical in themselves. Their misuse alone must produce the deceptive illusion that arises for us from them. For they are assigned to us by the nature of our reason, and this highest court of all the rights and claims of our speculation cannot possibly itself contain original deceptions and delusions. Presumably, then, they have a sound and purposive vocation in the natural predisposition of our reason. But the rabble of reasoners cries out, as usual, about absurdity and contradictions and reviles the government whose innermost plans it cannot penetrate, although it ought to owe to that government’s beneficent influence its own preservation and even the cultivation that enables it to criticize and condemn it.
We cannot use a concept a priori with any security without having accomplished its transcendental deduction. The ideas of pure reason admittedly permit no deduction of the kind possible for the categories. Suppose, however, that they are to have any objective validity at all, even if only indeterminate, and are not to represent merely empty thought-entities (entia rationis ratiocinantis).
B 698 Then a deduction of them must certainly be possible, even if it differs greatly from the one that can be undertaken with the categories. This is the completion of pure reason’s critical task, and we shall now undertake it.
There is a great difference between something being given to my reason as an object without qualification and being given merely as an object in the idea. In the first case, my concepts aim to determine the object. In the second, it is really only a schema to which no object is directly assigned, not even hypothetically; it serves only to represent other objects to us indirectly in their systematic unity, through their relation to this idea. Thus I say that the concept of a highest intelligence is a mere idea. That is, its objective reality is not to consist in its relating directly to an object (for in that sense we could not justify its objective validity). Rather, it is only a schema of the concept of a thing in general, ordered according to the conditions of the greatest unity of reason. It serves only to maintain the greatest systematic unity in our reason’s empirical use, by deriving the object of experience, as it were, from the imagined object of this idea as its ground or cause. We then say, for example, that things in the world must be regarded as if they owed their existence to a highest intelligence.
B 699 In this way the idea is properly only a heuristic, not an ostensive, concept. It indicates not how an object is constituted but how, under its guidance, we should seek the constitution and connection of objects of experience in general. Now suppose we can show that, although the three kinds of transcendental ideas (psychological, cosmological, and theological) are not directly related to any corresponding object and its determination, all rules of reason’s empirical use nevertheless lead to systematic unity on the presupposition of such an object in the idea, always extending experiential cognition and never being able to contradict it. It is then a necessary maxim of reason to proceed according to such ideas. This is the transcendental deduction of all ideas of speculative reason: not as constitutive principles for extending our cognition to more objects than experience can give, but as regulative principles of the systematic unity of the manifold of empirical cognition in general. Through them this cognition is cultivated and corrected within its own boundaries more than could be accomplished without such ideas through the mere use of the understanding’s principles.
B 700 Let me make this clearer. Following the ideas just mentioned as principles, we shall first (in psychology) connect all the appearances, actions, and receptivity of our mind along the guiding thread of inner experience as if the mind were a simple substance that, with personal identity, exists enduringly (at least during life), while its states, to which those of the body belong only as external conditions, change continuously. Secondly (in cosmology), we must pursue the conditions of both inner and outer natural appearances in an inquiry that can nowhere be completed, as if this inquiry were in itself infinite and without a first or highest member. We do not thereby deny their merely intelligible first grounds outside all appearances, but we must never bring these into the context of explanations of nature, since we do not know them at all. Finally and thirdly (with regard to theology), we must consider everything that can possibly belong to the context of possible experience as if this experience constituted an absolute unity, yet one that is thoroughly dependent and always still conditioned within the sensible world. At the same time, we must regard the sum of all appearances (the sensible world itself) as if it had outside its compass one single highest and all-sufficient ground: a reason that is, as it were, self-subsistent, original, and creative.
B 701 In relation to it, we direct every empirical use of our reason in its greatest extension as if the objects themselves had sprung from that archetype of all reason. This means: not to derive the soul’s inner appearances from a simple thinking substance, but to derive them from one another according to the idea of a simple being; not to derive the world’s order and its systematic unity from a highest intelligence, but to take from the idea of a supremely wise cause the rule according to which reason may best be used, to its own satisfaction, in connecting causes and effects in the world.
Now there is not the slightest thing to prevent us from also assuming these ideas objectively and hypostatically, except in the case of the cosmological idea, where reason encounters an antinomy if it tries to accomplish this (the psychological and theological ideas contain nothing of the kind). For there is no contradiction in them. How, then, could anyone dispute their objective reality, since he knows as little of their possibility in denying it as we do in affirming it? Yet the absence of a positive obstacle is not enough to warrant an assumption. We cannot be permitted to introduce thought-entities that surpass all our concepts, though they contradict none of them, as actual and determinate objects merely on the credit of speculative reason, which is eager to complete its task.
B 702 They are therefore not to be assumed in themselves. Their reality is to count only as that of a schema of the regulative principle of the systematic unity of all cognition of nature. They are thus to be laid down only as analogues of actual things, not as such things in themselves. We remove from the object of the idea the conditions that restrict our concept of the understanding, but which alone also make it possible for us to have a determinate concept of anything. We now think of a something of which we have no concept at all as to what it is in itself, but whose relation to the sum of appearances we nevertheless conceive as analogous to the relation appearances have to one another.
When we assume such ideal beings, then, we do not really extend our cognition beyond the objects of possible experience. We extend only the empirical unity of these objects through the systematic unity for which the idea supplies the schema; the idea thus holds not as a constitutive but merely as a regulative principle. For when we posit a thing corresponding to the idea—a something, or an actual being—we do not thereby mean to extend our cognition of things through transcendent concepts. For this being is laid down only in the idea, not in itself.
B 703 It is thus laid down only to express the systematic unity that is to guide reason’s empirical use. Nothing is thereby settled about the ground of this unity or about the inner character of such a being on which it rests as its cause.
Thus the transcendental and only determinate concept of God that merely speculative reason gives us is deistic in the strictest sense. That is, reason does not even supply the objective validity of such a concept, but only the idea of a something on which all empirical reality grounds its highest and necessary unity. We can think of this something only by analogy with an actual substance that is the cause of all things according to laws of reason—if indeed we undertake to think of it at all as a particular object, rather than remain content with the mere idea of reason’s regulative principle and set aside the completion of all conditions of thinking as extravagant for the human understanding. Yet this latter course cannot be reconciled with the aim of a perfect systematic unity in our cognition, to which reason at least sets no limits.
Hence it happens that, when I assume a divine being, I have not the slightest concept either of the inner possibility of its supreme perfection or of the necessity of its existence.
B 704 Nevertheless, I can then satisfy all other questions concerning the contingent and provide reason with the most perfect satisfaction regarding the greatest unity to be sought in its empirical use, though not regarding this presupposition itself. This proves that it is reason’s speculative interest, not its insight, that entitles it to proceed from a point so far above its sphere, in order to view its objects from there within a complete whole.
Here, given one and the same presupposition, a difference in ways of thinking emerges that is rather subtle, but nevertheless very important in transcendental philosophy. I can have sufficient ground for assuming something relatively (suppositio relativa), without being entitled to assume it absolutely (suppositio absoluta). This distinction applies when we are concerned only with a regulative principle whose necessity in itself we cognize, but not its source, and for which we assume a highest ground merely in order to think the principle’s universality more determinately: for example, when I think as existing a being corresponding to a mere, specifically transcendental, idea. For in that case I can never assume the existence of this thing in itself.
B 705 That is because no concepts through which I can think any object determinately reach it, and because the conditions of my concepts’ objective validity are excluded by the idea itself. The concepts of reality, substance, causality, and even necessity in existence have no object-determining meaning apart from the use in which they make empirical cognition of an object possible. They can therefore be used to explain the possibility of things in the sensible world, but not the possibility of a world-whole itself, since this ground of explanation would have to lie outside the world and thus be no object of a possible experience. Nevertheless, I can assume such an incomprehensible being, the object of a mere idea, in relation to the sensible world, though not in itself. For suppose the greatest possible empirical use of my reason rests on an idea (of systematically complete unity, about which I shall shortly speak more determinately) that can never itself be adequately exhibited in experience, although it is unavoidably necessary for bringing empirical unity as close as possible to the highest degree. I shall then be not only entitled but compelled to realize this idea, that is, to posit an actual object for it, but only as a something in general that I do not know at all in itself. Only as a ground of that systematic unity, and in relation to it, do I give it properties analogous to concepts of the understanding in their empirical use.
B 706 Thus, by analogy with the realities in the world of substances, of causality, and of necessity, I shall think of a being that possesses all these in the highest perfection. Since this idea rests solely on my reason, I shall be able to think of this being as self-subsistent reason that, through ideas of the greatest harmony and unity, is the cause of the world-whole. I thereby omit all conditions restricting the idea, solely to make possible, under the protection of such an original ground, the systematic unity of the manifold in the world-whole and, through it, the greatest possible empirical use of reason. I regard all combinations as if they were arrangements of a highest reason, of which ours is a faint copy. I then think of this highest being entirely through concepts that properly have their application only in the sensible world. But since I have this transcendental presupposition only for a relative use, namely to provide the substratum of the greatest possible unity of experience, I may quite legitimately think of a being that I distinguish from the world through properties belonging solely to the sensible world. For I by no means demand, nor am I entitled to demand, to cognize this object of my idea according to what it may be in itself.
B 707 For I have no concepts for that, and even the concepts of reality, substance, causality, and indeed necessity in existence lose all meaning and become empty titles for concepts, without any content, if I venture with them beyond the field of the senses. I think only the relation of a being wholly unknown to me in itself to the greatest systematic unity of the world-whole, solely to make it the schema of the regulative principle of the greatest possible empirical use of my reason.
If we now turn our gaze to the transcendental object of our idea, we see that we cannot presuppose its actuality in itself according to the concepts of reality, substance, causality, and so on, because these concepts have not the slightest application to something wholly distinct from the sensible world. Thus reason’s supposition of a highest being as supreme cause is conceived merely relatively, for the sake of the systematic unity of the sensible world, and a mere something in the idea, of which we have no concept as to what it is in itself. This also explains why, in relation to what is given to the senses as existing, we need the idea of an original being necessary in itself, yet can never have the slightest concept of this being and its absolute necessity.
We can now clearly present the result of the entire Transcendental Dialectic.
B 708 We can also determine precisely the final aim of the ideas of pure reason, which become dialectical only through misunderstanding and carelessness. Pure reason is in fact occupied with nothing but itself, nor can it have any other task, because it is given not objects to bring to the unity of the concept of experience, but cognitions of the understanding to bring to the unity of reason’s concept, that is, to coherence in a principle. The unity of reason is the unity of a system. This systematic unity serves reason not objectively as a principle for extending it over objects, but subjectively as a maxim for extending it over all possible empirical cognition of objects. Nevertheless, the systematic coherence that reason can give the empirical use of the understanding not only furthers its extension but at the same time attests its correctness. The principle of such systematic unity is also objective, but in an indeterminate way (principium vagum), not as a constitutive principle for determining something concerning its direct object, but as a merely regulative principle and maxim. By opening new paths unknown to the understanding, it furthers and secures the empirical use of reason to infinity (the indeterminate), without ever contradicting the laws of empirical use in the slightest.
B 709 But reason cannot think this systematic unity without at the same time giving its idea an object, which, however, cannot be given through any experience; for experience never supplies an example of perfect systematic unity. This being of reason (ens rationis ratiocinatae) is admittedly a mere idea. It is therefore not assumed absolutely and in itself as something actual, but is laid down only problematically (since we cannot reach it through any concepts of the understanding). Its purpose is to let us regard every connection of things in the sensible world as if they had their ground in this being of reason, solely in order to ground on it the systematic unity that is indispensable to reason and can further the understanding’s empirical cognition in every way, yet can never hinder it.
We immediately misunderstand this idea if we take it for the assertion, or even merely the presupposition, of an actual thing to which we intend to ascribe the ground of the world’s systematic constitution. Rather, we leave entirely unsettled what character this ground, which eludes our concepts, has in itself, and set up only an idea as a standpoint from which alone we can extend that unity so essential to reason and so beneficial to the understanding.
B 710 In a word, this transcendental thing is merely the schema of the regulative principle through which reason, so far as it can, extends systematic unity over all experience. The first object of such an idea is myself, considered merely as a thinking nature (soul). If I want to investigate the properties with which a thinking being exists in itself, I must consult experience; even among all the categories, I can apply none to this object except insofar as its schema is given in sensible intuition. But in this way I never arrive at a systematic unity of all appearances of inner sense. Instead of the experiential concept (of what the soul actually is), which cannot carry us far, reason therefore takes the concept of the empirical unity of all thinking. By thinking this unity as unconditioned and original, it makes that concept into a concept of reason (idea) of a simple substance that is in itself unchangeable (personally identical) and in community with other actual things outside it: in a word, of a simple self-subsistent intelligence. Here, however, reason has in view nothing but principles of systematic unity in explaining the soul’s appearances: to regard all determinations as in one single subject, all forces as far as possible as derived from one fundamental power, and all change as belonging to the states of one and the same enduring being.
B 711 Its principles likewise require us to represent all appearances in space as entirely distinct from acts of thinking. That simplicity of substance and so on was meant to be only the schema for this regulative principle; it is not presupposed as the actual ground of the soul’s properties. For these may rest on entirely different grounds of which we know nothing, just as we could not properly cognize the soul in itself through these assumed predicates even if we wanted to grant them to it without qualification, since they constitute a mere idea that cannot be represented in concreto at all. Nothing but benefit can arise from such a psychological idea, provided we take care to allow it to count as no more than a mere idea, that is, merely in relation to reason’s systematic use concerning the appearances of our soul. For then no empirical laws of bodily appearances, which are of an entirely different kind, intrude into explanations of what belongs solely to inner sense. No flimsy hypotheses about the generation, destruction, and palingenesis of souls, and so on, are admitted. The consideration of this object of inner sense is thus kept entirely pure and unmixed with heterogeneous properties. Moreover, reason’s inquiry is directed toward reducing the grounds of explanation in this subject, as far as possible, to a single principle.
B 712 All this is best accomplished—indeed, can be accomplished only—through such a schema, as if it were an actual being. The psychological idea can also mean nothing but the schema of a regulative concept. For if I were even to ask whether the soul is not of spiritual nature in itself, this question would have no meaning at all. For through such a concept I remove not merely bodily nature but all nature whatsoever: all predicates of any possible experience, and thus all conditions for thinking an object for such a concept. Yet this alone makes it possible to say that the concept has a meaning.
The second regulative idea of merely speculative reason is the concept of the world in general. For nature is properly the only given object with regard to which reason needs regulative principles. This nature is twofold: either thinking or corporeal nature. But to think the latter according to its inner possibility, that is, to determine the application of the categories to it, we need no idea, that is, no representation exceeding experience. Nor is any possible with regard to it, because here we are guided solely by sensible intuition, unlike in the psychological fundamental concept (the I), which contains a priori a certain form of thinking, namely its unity.
B 713 Thus nothing remains for pure reason but nature in general and the completeness of its conditions according to some principle. The absolute totality of the series of these conditions in the derivation of their members is an idea that can never be fully realized in reason’s empirical use, but nevertheless serves as a rule for how we should proceed with regard to them. In explaining given appearances (by going backward or ascending) we proceed as if the series were infinite in itself, that is, in indefinitum. But where reason itself is regarded as a determining cause (in freedom), and thus in the case of practical principles, we proceed as if we had before us not an object of the senses but one of the pure understanding. Here conditions can be posited no longer within the series of appearances but outside it, and the series of states can be regarded as if it began absolutely (through an intelligible cause). All this proves that cosmological ideas are nothing but regulative principles, far from positing, as though constitutively, an actual totality of such series. The rest may be sought in its proper place under the Antinomy of Pure Reason.
The third idea of pure reason, which contains a merely relative supposition of a being as the single and all-sufficient cause of all cosmological series, is reason’s concept of God.
B 714 We have not the slightest ground for assuming the object of this idea absolutely (supposing it in itself). For what could move us, or even entitle us, to believe in or assert a being of the highest perfection, absolutely necessary by its nature, merely from its concept in itself, were it not for the world, in relation to which alone this supposition can be necessary? Here it becomes clear that the idea of this being, like all speculative ideas, means nothing more than that reason commands us to consider every connection in the world according to principles of systematic unity, hence as if they had all sprung from one single all-encompassing being as their highest and all-sufficient cause. It is clear from this that reason can intend nothing here but its own formal rule in extending its empirical use, never an extension beyond all boundaries of empirical use. Consequently, this idea conceals no constitutive principle for reason’s use directed toward possible experience.
This highest formal unity, which rests solely on concepts of reason, is the purposive unity of things. Reason’s speculative interest makes it necessary to regard every arrangement in the world as if it had sprung from the intention of a supreme reason.
B 715 Such a principle opens entirely new prospects for our reason as applied to the field of experience: to connect things in the world according to teleological laws and thereby arrive at their greatest systematic unity. The presupposition of a highest intelligence as the sole cause of the world-whole, though admittedly only in the idea, can therefore always benefit reason and never harm it. For if, with regard to the earth’s shape (round, though somewhat flattened)*, or mountains and seas, and so on, we presuppose wise intentions of an author throughout, we can make a host of discoveries along this path. Provided we hold to this presupposition as a merely regulative principle, even error cannot harm us. For at most, it can only follow that, where we expected a teleological connection (nexus finalis), we encounter a merely mechanical or physical one (nexus effectivus).
B 716 In such a case we merely miss one additional unity, but do not spoil the unity of reason in its empirical use. Yet even this setback cannot touch the law itself in its general teleological intent. For although an anatomist can be convicted of error if he relates some member of an animal body to an end that can clearly be shown not to result from it, it is nevertheless entirely impossible to prove in any case that a natural arrangement, whatever it may be, has no end at all. Thus physiology (of physicians) also extends its very limited empirical knowledge of the ends of the structure of an organic body through a principle supplied by pure reason alone, to the point where we quite boldly assume, with the agreement of all discerning people, that everything in an animal has its use and good purpose. If this presupposition were meant to be constitutive, it would go much further than observation to date can justify. From this we can see that it is nothing but a regulative principle of reason for arriving at the highest systematic unity through the idea of the purposive causality of the highest cause of the world, as if this cause, as a highest intelligence, were the cause of everything according to the wisest intention.
* The advantage afforded by a spherical earth is well enough known. But few know that its flattening into a spheroid alone prevents protrusions of the mainland, or even smaller mountains perhaps thrown up by earthquakes, from continuously and, within no very long time, considerably shifting the earth’s axis, were the earth’s bulge at the equator not so mighty a mountain that the impetus of any other mountain can never appreciably displace it from its position in relation to the axis. Yet we have no hesitation in explaining this wise arrangement from the equilibrium of the earth’s formerly fluid mass.
B 717 But if we abandon this restriction of the idea to merely regulative use, reason is misled in many ways. It then leaves the ground of experience, which must nevertheless contain the landmarks of its course, and ventures above it into the incomprehensible and inscrutable. At that height it necessarily grows dizzy, because from this standpoint it sees itself entirely cut off from every use consistent with experience.
The first error arising from using the idea of a highest being not merely regulatively but (which is contrary to the nature of an idea) constitutively, is lazy reason (ignava ratio)*. We can give this name to every principle that causes us to regard our investigation of nature, at any point whatsoever, as absolutely complete.
B 718 Reason then retires to rest, as if it had fully accomplished its task. Thus even the psychological idea, when used as a constitutive principle for explaining the appearances of our soul, and afterward even for extending our cognition of this subject beyond all experience (its state after death), admittedly makes things very comfortable for reason, but also completely spoils and destroys every natural use of it guided by experience. Thus the dogmatic spiritualist explains the unity of the person, which remains unchanged through every change of states, by the unity of the thinking substance that he believes he immediately perceives in the I. He explains our interest in things that are to occur only after our death by our consciousness of the immaterial nature of our thinking subject, and so on. He thereby dispenses with all natural inquiry into the cause of these inner appearances through physical grounds of explanation. As though by the decree of a transcendent reason, he bypasses the immanent sources of cognition in experience for the sake of his own comfort, but at the cost of all insight. This harmful consequence is still more evident in the dogmatism of our idea of a highest intelligence and the theological system of nature (physicotheology) falsely grounded on it.
B 719 For here all the ends manifest in nature—often only made into ends by us—serve to make the investigation of causes very comfortable for us. Instead of seeking these causes in the universal laws of the mechanism of matter, we appeal directly to the inscrutable decree of supreme wisdom and regard reason’s labor as complete once we dispense with its use. Yet reason finds a guiding thread nowhere except where nature’s order and the series of changes, according to their inner and more general laws, supply one. This error can be avoided if we consider from the standpoint of ends not merely some parts of nature, such as the distribution of the mainland, its structure, and the constitution and location of mountains, or even merely organization in the plant and animal kingdoms, but make this systematic unity of nature, in relation to the idea of a highest intelligence, entirely universal. For then we take as our basis a purposiveness according to universal laws of nature, from which no particular arrangement is excepted, but is only marked out more or less recognizably for us. We have a regulative principle of the systematic unity of a teleological connection, which we must not determine in advance.
B 720 Rather, in expectation of it, we may only pursue the physical-mechanical connection according to universal laws. Only in this way can the principle of purposive unity always extend reason’s use with regard to experience without impairing it in any case.
* The ancient dialecticians gave this name to a fallacy that ran as follows: if it is your fate to recover from this illness, it will happen whether you consult a physician or not. Cicero says this kind of inference received its name because, if we followed it, no use of reason in life would remain. This is why I give the sophistical argument of pure reason the same name.
The second error arising from a misinterpretation of this principle of systematic unity is that of inverted reason (perversa ratio, ysteron proteron rationis). The idea of systematic unity was meant to serve only as a regulative principle for seeking that unity in the combination of things according to universal laws of nature; insofar as something of it can be found empirically, we should believe that we have come that much closer to completeness in its use, although we shall admittedly never attain it. Instead, people reverse the matter. They begin by laying down as hypostatic the actuality of a principle of purposive unity, determine the concept of such a highest intelligence anthropomorphically because it is in itself entirely inscrutable, and then impose ends on nature forcibly and dictatorially instead of seeking them, as they rightly should, along the path of physical inquiry. Thus teleology, which should serve merely to supplement nature’s unity according to universal laws, now acts rather to abolish it.
B 721 Reason also defeats its own purpose of subsequently proving from nature the existence of such an intelligent highest cause. For unless we can presuppose the highest purposiveness in nature a priori, that is, as belonging to its essence, how could we be directed to seek it and, ascending its scale, to approach an author’s highest perfection as an absolutely necessary and thus a priori cognizable perfection? The regulative principle requires us to presuppose systematic unity as a unity of nature that is not merely cognized empirically but presupposed a priori, though still indeterminately—to presuppose it absolutely, therefore, as following from the essence of things. But if I first lay down a highest ordering being, the unity of nature is in fact abolished. For it is then entirely foreign and contingent to the nature of things and cannot be cognized from its universal laws. A vicious circle in proof thus arises, since we presuppose what was actually to be proved.
Taking the regulative principle of nature’s systematic unity for a constitutive one, and hypostatically presupposing as a cause what is laid down only in the idea as the ground of reason’s harmonious use, merely confuses reason.
B 722 The investigation of nature follows its course solely along the chain of natural causes according to their universal laws. It does so according to the idea of an author, but not in order to derive from him the purposiveness it pursues everywhere. Rather, it seeks to cognize his existence from this purposiveness, which is sought in the essences of natural things and, if possible, in the essences of all things whatsoever, and thus as absolutely necessary. Whether this last aim succeeds or not, the idea always remains correct, as does its use when restricted to the conditions of a merely regulative principle.
Complete purposive unity is perfection (considered absolutely). If we do not find it in the essence of the things that constitute the whole object of experience, that is, of all our objectively valid cognition, and thus in universal and necessary laws of nature, how can we infer directly from it the idea of the highest and absolutely necessary perfection of an original being that is the source of all causality? The greatest systematic and consequently purposive unity is the school, and indeed the very foundation of the possibility, of the greatest use of human reason.
B 723 Its idea is therefore inseparably bound up with the essence of our reason. This same idea is thus legislative for us, and so it is very natural to assume a corresponding legislative reason (intellectus archetypus) from which all systematic unity of nature, as the object of our reason, is to be derived.
On the occasion of the Antinomy of Pure Reason, we said that all questions raised by pure reason must be absolutely answerable, and that an excuse based on the limits of our cognition, as unavoidable as it is legitimate in many questions about nature, cannot be permitted here, because these questions are posed to us not by the nature of things but only by the nature of reason, and solely concerning its inner constitution. We can now confirm this seemingly bold assertion with regard to the two questions in which pure reason takes its greatest interest, and thereby bring our consideration of its dialectic to full completion.
Suppose, then, that we ask first (with a view to a transcendental theology)*.
B 724 Is there something distinct from the world that contains the ground of the world’s order and its coherence according to universal laws? The answer is: undoubtedly. For the world is a sum of appearances, and there must therefore be some transcendental ground of them, that is, a ground thinkable only by the pure understanding. If the second question is whether this being is substance, possesses the greatest reality, is necessary, and so on, I answer that this question has no meaning at all. For all the categories through which I try to form a concept of such an object have only an empirical use, and have no meaning unless applied to objects of possible experience, that is, to the sensible world. Outside this field they are merely titles for concepts, which one can concede but through which one can understand nothing. Finally, if the third question is whether we may at least think of this being distinct from the world by analogy with objects of experience, the answer is: certainly.
B 725 But only as an object in the idea, not in reality; namely, only insofar as it is a substratum, unknown to us, of the systematic unity, order, and purposiveness of the world’s arrangement, which reason must make a regulative principle of its investigation of nature. More than this, we can freely and blamelessly permit in this idea certain anthropomorphisms that further the regulative principle in question. For it always remains only an idea, related not directly to a being distinct from the world but to the regulative principle of the world’s systematic unity, and only through a schema of that unity: a highest intelligence that is its author according to wise intentions. We were not thereby meant to think what this original ground of the world’s unity is in itself, but how we should use it—or rather its idea—in relation to reason’s systematic use concerning things in the world.
* What I have already said about the psychological idea and its true vocation as a principle for reason’s merely regulative use saves me the lengthy task of separately discussing the transcendental illusion through which that systematic unity of the whole manifold of inner sense is represented hypostatically. The procedure here is very similar to that followed by the critique with regard to the theological ideal.
But in this way can we nevertheless (someone will continue to ask) assume a single wise and almighty author of the world? Without any doubt; and not only that, we must presuppose such an author. But do we not then extend our cognition beyond the field of possible experience? Not at all.
B 726 For we have presupposed only a something of which we have no concept whatever as to what it is in itself (a merely transcendental object). But in relation to the systematic and purposive order of the world’s structure, which we must presuppose when we study nature, we have thought of this unknown being only by analogy with an intelligence (an empirical concept). That is, with regard to the ends and the perfection grounded on them, we have endowed it with precisely those properties that, according to the conditions of our reason, can contain the ground of such systematic unity. This idea is thus entirely well founded in relation to our reason’s use in the world. But if we wanted to give it objective validity without qualification, we would forget that what we think is merely a being in the idea. By then starting from a ground that cannot be determined at all through consideration of the world, we would make ourselves unable to apply this principle appropriately to reason’s empirical use.
But (someone will ask further) in this way I can nevertheless make use of the concept and presupposition of a highest being in rational consideration of the world? Yes; this was indeed the very purpose for which reason laid down this idea.
B 727 But may I now regard arrangements resembling ends as intentions, by deriving them from the divine will, though through particular predispositions established in the world for that purpose? Yes, you can do this too, but in such a way that it must be all the same to you whether someone says that divine wisdom has ordered everything thus for its highest ends, or that the idea of the highest wisdom is a regulative guide in investigating nature and a principle of its systematic and purposive unity according to universal laws of nature, even where we do not perceive that unity. That is, where you do perceive it, it must be entirely the same to you to say, “God has wisely willed it so,” or, “Nature has wisely ordered it so.” For the greatest systematic and purposive unity, which your reason required you to lay down as a regulative principle for every investigation of nature, was precisely what entitled you to lay down the idea of a highest intelligence as a schema of that regulative principle. As much purposiveness as you now find in the world according to it, so much confirmation do you have of your idea’s legitimacy. But since the principle in question intended nothing but the search for nature’s necessary and greatest possible unity, we shall admittedly owe this unity, insofar as we attain it, to the idea of a highest being.
B 728 Yet we cannot, without contradicting ourselves, bypass the universal laws of nature, for whose sake alone the idea was laid down, in order to regard nature’s purposiveness as contingent and hyperphysical in origin. For we were not entitled to assume a being above nature with the properties in question, but only to lay down its idea, in order to regard appearances as systematically connected with one another by analogy with a causal determination.
For this very reason, we are also entitled to think the cause of the world in the idea not only according to a subtler anthropomorphism (without which nothing at all could be thought of it), namely as a being that has understanding, pleasure and displeasure, and likewise a desire and will appropriate to these, and so on, but also to ascribe to it infinite perfection. This far exceeds the perfection we could be entitled to assume through empirical knowledge of the world’s order. For the regulative law of systematic unity requires us to study nature as if systematic and purposive unity were to be found everywhere to infinity, amid the greatest possible manifold. For although we shall discern or attain only a little of this perfection of the world, it nevertheless belongs to our reason’s legislation to seek and suspect it everywhere. Considering nature according to this principle must always be advantageous to us and can never be harmful.
B 729 But under this representation of the underlying idea of a highest author, it is also clear that I lay down not the existence and knowledge of such a being, but only its idea. Thus I actually derive nothing from this being, but only from its idea, that is, from the nature of things in the world according to such an idea. A certain, though undeveloped, consciousness of the genuine use of this concept of our reason also seems to have prompted the modest and fair language of philosophers in every age. They speak of nature’s wisdom and providence and of divine wisdom as equivalent expressions; indeed, so long as merely speculative reason is at issue, they prefer the former expression, because it restrains the presumption of making a greater assertion than we are entitled to make and at the same time directs reason back to its own proper field, nature.
Thus pure reason, which at first seemed to promise us nothing less than an extension of knowledge beyond all boundaries of experience, contains, when rightly understood, nothing but regulative principles. These admittedly command a greater unity than the empirical use of the understanding can attain.
B 730 Yet precisely by moving the goal of its approximation so far away, they bring its agreement with itself through systematic unity to the highest degree. But if these principles are misunderstood and taken for constitutive principles of transcendent cognitions, they produce, through a brilliant but deceptive illusion, persuasion and imagined knowledge, and with these, endless contradictions and disputes.
* * *
Thus all human cognition begins with intuitions, proceeds from them to concepts, and ends with ideas. Although it has sources of cognition a priori for all three elements, which at first sight seem to disdain the boundaries of all experience, a completed critique nevertheless convinces us that reason, in its speculative use of these elements, can never get beyond the field of possible experience, and that the true vocation of this highest faculty of cognition is to use all methods and their principles only to pursue nature into its innermost depths according to every possible principle of unity, foremost among them the unity of ends, but never to fly beyond nature’s boundary, outside which there is nothing for us but empty space.
B 731 The critical investigation in the Transcendental Analytic of all propositions capable of extending our cognition beyond actual experience has admittedly convinced us sufficiently that they can never lead to anything more than a possible experience. If we were not distrustful even of the clearest abstract and universal doctrines, and if enticing and apparent prospects did not tempt us to throw off the constraint of the former, we could certainly have been spared the laborious examination of all the dialectical witnesses whom a transcendent reason calls to support its pretensions. For we already knew in advance, with complete certainty, that all their allegation, though perhaps honestly intended, must be utterly null, because it concerned information no human being can ever obtain. Yet talk will never end unless we discover the true cause of the illusion through which even the most rational person can be deceived. And the analysis of all our transcendent cognition into its elements (as a study of our inner nature) has no small value in itself and is even a duty for the philosopher. It was therefore necessary not only to trace this entire, though futile, labor of speculative reason in detail back to its first sources.
B 732 Since dialectical illusion is here not only deceptive in its judgment but also alluring in the interest we take in that judgment, and is always natural and will remain so for all time to come, it was also advisable to draw up, as it were, a detailed record of these proceedings and deposit it in the archive of human reason, to prevent future errors of a similar kind.
Transcendental Doctrine of Method
B 733 II. Transzendentale Methodenlehre
B 735 Wenn ich den Inbegriff aller Erkenntnis der reinen und spekulativen Vernunft wie ein Gebäude ansehe, dazu wir wenigstens die Idee in uns haben, so kann ich sagen, wir haben in der transzendentalen Elementarlehre den Bauzeug überschlagen und bestimmt, zu welchem Gebäude, von welcher Höhe und Festigkeit er zulange. Freilich fand es sich, daß, ob wir zwar einen Turm im Sinne hatten, der bis an den Himmel reichen sollte, der Vorrat der Materialien doch nur zu einem Wohnhause zureichte, welches zu unseren Geschäften auf der Ebene der Erfahrung gerade geräumig und hoch genug war, sie zu übersehen; daß aber jene kühne Unternehmung aus Mangel an Stoff fehlschlagen mußte, ohne einmal auf die Sprachverwirrung zu rechnen, welche die Arbeiter über den Plan unvermeidlich entzweien, und sie in alle Welt zerstreuen mußte, um sich, ein jeder nach seinem Entwurfe, besonders anzubauen. Jetzt ist es uns nicht sowohl um die Materialien, als vielmehr um den Plan zu tun, und, indem wir gewarnt sind, es nicht auf einen beliebigen blinden Entwurf, der vielleicht unser ganzes Vermögen übersteigen könnte, zu wagen, gleichwohl doch von der Errichtung eines festen Wohnsitzes nicht wohl abstehen können, den Anschlag zu einem Gebäude in Verhältnis auf den Vorrat, der uns gegeben und zugleich unserem Bedürfnis angemessen ist, zu machen.
Ich verstehe also unter der transzendentalen Methodenlehre die Bestimmung der formalen Bedingungen eines
B 736 vollständigen Systems der reinen Vernunft. Wir werden es in dieser Absicht mit einer Disziplin, einem Kanon, einer Architektonik, endlich einer Geschichte der reinen Vernunft zu tun haben, und dasjenige in transzendentaler Absicht leisten, was, unter dem Namen einer praktischen Logik, in Ansehung des Gebrauchs des Verstandes überhaupt in den Schulen gesucht, aber schlecht geleistet wird; weil, da die allgemeine Logik auf keine besondere Art der Verstandeserkenntnis (z.B. nicht auf die reine), auch nicht auf gewisse Gegenstände eingeschränkt ist, sie, ohne Kenntnisse aus anderen Wissenschaften zu borgen, nichts mehr tun kann, als Titel zu möglichen Methoden und technische Ausdrücke, deren man sich in Ansehung des Systematischen in allerlei Wissenschaften bedient, vorzutragen, die den Lehrling zum voraus mit Namen bekannt machen, deren Bedeutung und Gebrauch er künftig allererst soll kennenlernen.
Der transzendentalen Methodenlehre Erstes Hauptstück Die Disziplin der reinen Vernunft
Die negativen Urteile, die es nicht bloß der logischen Form, sondern auch dem Inhalte nach sind, stehen bei der Wißbegierde der Menschen in keiner sonderlichen Achtung, man sieht sie wohl gar als neidische Feinde unseres unablässig zur Erweiterung strebenden Erkenntnistriebes
B 737 an, und es bedarf beinahe einer Apologie, um ihnen nur Duldung, und noch mehr, um ihnen Gunst und Hochschätzung zu verschaffen.
Man kann zwar logisch alle Sätze, die man will, negativ ausdrücken, in Ansehung des Inhalts aber unserer Erkenntnis überhaupt, ob sie durch ein Urteil erweitert, oder beschränkt wird, haben die verneinenden das eigentümliche Geschäft, lediglich den Irrtum abzuhalten. Daher auch negative Sätze, welche eine falsche Erkenntnis abhalten sollen, wo doch niemals ein Irrtum möglich ist, zwar sehr wahr, aber doch leer, d.i. ihrem Zwecke gar nicht angemessen, und eben darum oft lächerlich sind. Wie der Satz jenes Schulredners: daß Alexander ohne Kriegsheer keine Länder hätte erobern können.
Wo aber die Schranken unserer möglichen Erkenntnis sehr enge, der Anreiz zum Urteilen groß, der Schein, der sich darbietet, sehr betrüglich, und der Nachteil aus dem Irrtum erheblich ist, da hat das Negative der Unterweisung, welches bloß dazu dient, um uns vor Irrtümer zu verwahren, noch mehr Wichtigkeit, als manche positive Belehrung, dadurch unser Erkenntnis Zuwachs bekommen könnte. Man nennt den Zwang, wodurch der beständige Hang, von gewissen Regeln abzuweichen, eingeschränkt, und endlich vertilgt wird, die Disziplin. Sie ist von der Kultur unterschieden, welche bloß eine Fertigkeit verschaffen soll, ohne eine andere, schon vorhandene, dagegen aufzuheben. Zu der Bildung eines Talents,
B 738 welches schon vor sich selbst einen Antrieb zur Äußerung hat, wird also die Disziplin einen negativen*, die Kultur aber und Doktrin einen positiven Beitrag leisten.
* Ich weiß wohl, daß man in der Schulsprache den Namen der Disziplin mit dem der Unterweisung gleichgeltend zu brauchen pflegt. Allein, es gibt dagegen so viele andere Fälle, da der erstere Ausdruck, als Zucht, von dem zweiten, als Belehrung, sorgfältig unterschieden wird, und die Natur der Dinge erheischt es auch selbst, für diesen Unterschied die einzigen schicklichen Ausdrücke aufzubewahren, daß ich wünsche, man möge niemals erlauben, jenes Wort in anderer als negativer Bedeutung zu brauchen.
Daß das Temperament, imgleichen daß Talente, die sich gern eine freie und uneingeschränkte Bewegung erlauben, (als Einbildungskraft und Witz,) in mancher Absicht einer Disziplin bedürfen, wird jedermann leicht zugeben. Daß aber die Vernunft, der es eigentlich obliegt, allen anderen Bestrebungen ihre Disziplin vorzuschreiben, selbst noch eine solche nötig habe, das mag allerdings befremdlich scheinen, und in der Tat ist sie auch einer solchen Demütigung eben darum bisher entgangen, weil, bei der Feierlichkeit und dem gründlichen Anstande, womit sie auftritt, niemand auf den Verdacht eines leichtsinnigen Spiels, mit Einbildungen statt Begriffen, und Worten statt Sachen, leichtlich geraten konnte.
Es bedarf keiner Kritik der Vernunft im empirischen Gebrauche, weil ihre Grundsätze am Probierstein der
B 739 Erfahrung einer kontinuierlichen Prüfung unterworfen werden; imgleichen auch nicht in der Mathematik, wo ihre Begriffe an der reinen Anschauung sofort in concreto dargestellt werden müssen, und jedes Ungegründete und Willkürliche dadurch alsbald offenbar wird. Wo aber weder empirische noch reine Anschauung die Vernunft in einem sichtbaren Geleise halten, nämlich in ihrem transzendentalen Gebrauche, nach bloßen Begriffen, da bedarf sie so sehr einer Disziplin, die ihren Hang zur Erweiterung, über die engen Grenzen möglicher Erfahrung, bändige, und sie von Ausschweifung und Irrtum abhalte, daß auch die ganze Philosophie der reinen Vernunft bloß mit diesem negativen Nutzen zu tun hat. Einzelnen Verirrungen kann durch Zensur und den Ursachen derselben durch Kritik abgeholfen werden. Wo aber, wie in der reinen Vernunft, ein ganzes System von Täuschungen und Blendwerken angetroffen wird, die unter sich wohl verbunden und unter gemeinschaftlichen Prinzipien vereinigt sind, da scheint eine ganz eigene und zwar negative Gesetzgebung erforderlich zu sein, welche unter dem Namen einer Disziplin aus der Natur der Vernunft und der Gegenstände ihres reinen Gebrauchs gleichsam ein System der Vorsicht und Selbstprüfung errichte, vor welchem kein falscher vernünftelnder Schein bestehen kann, sondern sich sofort, unerachtet aller Gründe seiner Beschönigung, verraten muß.
B 740 Es ist aber wohl zu merken: daß ich in diesem zweiten Hauptteile der transzendentalen Kritik die Disziplin der reinen Vernunft nicht auf den Inhalt, sondern bloß auf die Methode der Erkenntnis aus reiner Vernunft richte. Das erstere ist schon in der Elementarlehre geschehen. Es hat aber der Vernunftgebrauch so viel Ähnliches, auf welchen Gegenstand er auch angewandt werden mag, und ist doch, sofern er transzendental sein soll, zugleich von allem anderen so wesentlich unterschieden, daß, ohne die warnende Negativlehre einer besonders darauf gestellten Disziplin, die Irrtümer nicht zu verhüten sind, die aus einer unschicklichen Befolgung solcher Methoden, die zwar sonst der Vernunft, aber nur nicht hier anpassen, notwendig entspringen müssen.
Des ersten Hauptstücks Erster Abschnitt Die Disziplin der reinen Vernunft im dogmatischen Gebrauche
Die Mathematik gibt das glänzendste Beispiel, einer sich, ohne Beihilfe der Erfahrung, von selbst glücklich erweiternden reinen Vernunft. Beispiele sind ansteckend, vornehmlich für dasselbe Vermögen, welches sich natürlicherweise schmeichelt, eben dasselbe Glück in anderen Fällen zu haben, welches ihm in einem Falle zuteil worden. Daher hofft reine Vernunft im transzendentalen
B 741 Gebrauche sich ebenso glücklich und gründlich erweitern zu können, als es ihr im mathematischen gelungen ist, wenn sie vornehmlich dieselbe Methode dort anwendet, die hier von so augenscheinlichem Nutzen gewesen ist. Es liegt uns also viel daran, zu wissen: ob die Methode, zur apodiktischen Gewißheit zu gelangen, die man in der letzteren Wissenschaft mathematisch nennt, mit derjenigen einerlei sei, womit man eben dieselbe Gewißheit in der Philosophie sucht, und die daselbst dogmatisch genannt werden müßte.
Die philosophische Erkenntnis ist die Vernunfterkenntnis aus Begriffen, die mathematische aus der Konstruktion der Begriffe. Einen Begriff aber konstruieren, heißt: die ihm korrespondierende Anschauung a priori darstellen. Zur Konstruktion eines Begriffs wird also eine nicht empirische Anschauung erfordert, die folglich, als Anschauung, ein einzelnes Objekt ist, aber nichtsdestoweniger, als die Konstruktion eines Begriffs (einer allgemeinen Vorstellung), Allgemeingültigkeit für alle möglichen Anschauungen, die unter denselben Begriff gehören, in der Vorstellung ausdrücken muß. So konstruiere ich einen Triangel, indem ich den diesem Begriffe entsprechenden Gegenstand, entweder durch bloße Einbildung, in der reinen, oder nach derselben auch auf dem Papier, in der empirischen Anschauung, beidemal aber völlig a priori, ohne das Muster dazu aus irgendeiner Erfahrung geborgt zu haben, darstelle. Die einzelne hingezeichnete Figur ist
B 742 empirisch, und dient gleichwohl den Begriff, unbeschadet seiner Allgemeinheit, auszudrücken, weil bei dieser empirischen Anschauung immer nur auf die Handlung der Konstruktion des Begriffs, welchem viele Bestimmungen, z.E. der Größe, der Seiten und der Winkel, ganz gleichgültig sind, gesehen, und also von diesen Verschiedenheiten, die den Begriff des Triangels nicht verändern, abstrahiert wird.
Die philosophische Erkenntnis betrachtet also das Besondere nur im Allgemeinen, die mathematische das Allgemeine im Besonderen, ja gar im Einzelnen, gleichwohl doch a priori und vermittelst der Vernunft, so daß, wie dieses Einzelne unter gewissen allgemeinen Bedingungen der Konstruktion bestimmt ist, ebenso der Gegenstand des Begriffs, dem dieses Einzelne nur als sein Schema korrespondiert, allgemein bestimmt gedacht werden muß.
In dieser Form besteht also der wesentliche Unterschied dieser beiden Arten der Vernunfterkenntnis, und beruht nicht auf dem Unterschied ihrer Materie, oder Gegenstände. Diejenigen, welche Philosophie von Mathematik dadurch zu unterscheiden vermeinten, daß sie von jener sagten, sie habe bloß die Qualität, diese aber nur die Quantität zum Objekt, haben die Wirkung für die Ursache genommen. Die Form der mathematischen Erkenntnis ist die Ursache, daß diese lediglich auf Quanta gehen kann. Denn nur der Begriff von Größen läßt sich konstruieren, d.i. a priori in der Anschauung darlegen,
B 743 Qualitäten aber lassen sich in keiner anderen als empirischen Anschauung darstellen. Daher kann eine Vernunfterkenntnis derselben nur durch Begriffe möglich sein. So kann niemand eine dem Begriff der Realität korrespondierende Anschauung anders woher, als aus der Erfahrung nehmen, niemals aber a priori aus sich selbst und vor dem empirischen Bewußtsein derselben teilhaftig werden. Die konische Gestalt wird man ohne alle empirische Beihilfe, bloß nach dem Begriffe, anschauend machen können, aber die Farbe dieses Kegels wird in einer oder anderer Erfahrung zuvor gegeben sein müssen. Den Begriff einer Ursache überhaupt kann ich auf keine Weise in der Anschauung darstellen, als an einem Beispiele, das mir Erfahrung an die Hand gibt, usw. Übrigens handelt die Philosophie ebensowohl von Größen, als die Mathematik, z.B. von der Totalität, der Unendlichkeit usw. Die Mathematik beschäftigt sich auch mit dem Unterschiede der Linien und Flächen, als Räumen, von verschiedener Qualität, mit der Kontinuität der Ausdehnung, als einer Qualität derselben. Aber, obgleich sie in solchen Fällen einen gemeinschaftlichen Gegenstand haben, so ist die Art, ihn durch die Vernunft zu behandeln, doch ganz anders in der philosophischen, als mathematischen Betrachtung. Jene hält sich bloß an allgemeinen Begriffen, diese kann mit dem bloßen Begriffe nichts ausrichten, sondern eilt sogleich zur Anschauung, in welcher sie den Begriff in concreto betrachtet, aber doch nicht empirisch, sondern bloß in einer
B 744 solchen, die sie a priori darstellt, d.i. konstruiert hat, und in welcher dasjenige, was aus den allgemeinen Bedingungen der Konstruktion folgt, auch von dem Objekte des konstruierten Begriffs allgemein gelten muß.
Man gebe einem Philosophen den Begriff eines Triangels, und lasse ihn nach seiner Art ausfindig machen, wie sich wohl die Summe seiner Winkel zum rechten verhalten möge. Er hat nun nichts als den Begriff von einer Figur, die in drei geraden Linien eingeschlossen ist, und an ihr den Begriff von ebensoviel Winkeln. Nun mag er diesem Begriffe nachdenken, so lange er will, er wird nichts Neues herausbringen. Er kann den Begriff der geraden Linie, oder eines Winkels, oder der Zahl drei zergliedern und deutlich machen, aber nicht auf andere Eigenschaften kommen, die in diesen Begriffen gar nicht liegen. Allein der Geometer nehme diese Frage vor. Er fängt sofort davon an, einen Triangel zu konstruieren. Weil er weiß, daß zwei rechte Winkel zusammen gerade so viel austragen, als alle berührenden Winkel, die aus einem Punkte auf einer geraden Linie gezogen werden können, zusammen, so verlängert er eine Seite seines Triangels, und bekommt zwei berührende Winkel, die zweien rechten zusammen gleich sind. Nun teilt er den äußeren von diesen Winkeln, indem er eine Linie mit der gegenüberstehenden Seite des Triangels parallel zieht, und sieht, daß hier ein äußerer berührender Winkel entspringe, der einem inneren gleich ist, usw. Er gelangt auf solche Weise durch eine
B 745 Kette von Schlüssen, immer von der Anschauung geleitet, zur völlig einleuchtenden und zugleich allgemeinen Auflösung der Frage.
Die Mathematik aber konstruiert nicht bloß Größen (quanta), wie in der Geometrie, sondern auch die bloße Größe (quantitatem), wie in der Buchstabenrechnung, wobei sie von der Beschaffenheit des Gegenstandes, der nach einem solchen Größenbegriff gedacht werden soll, gänzlich abstrahiert. Sie wählt sich alsdann eine gewisse Bezeichnung aller Konstruktionen von Größen überhaupt (Zahlen, als der Addition, Subtraktion usw.), Ausziehung der Wurzel, und, nachdem sie den allgemeinen Begriff der Größen nach den verschiedenen Verhältnissen derselben auch bezeichnet hat, so stellt sie alle Behandlung, die durch die Größe erzeugt und verändert wird, nach gewissen allgemeinen Regeln in der Anschauung dar; wo eine Größe durch die andere dividiert werden soll, setzt sie beider ihre Charaktere nach der bezeichnenden Form der Division zusammen usw., und gelangt also vermittelst einer symbolischen Konstruktion ebensogut, wie die Geometrie nach einer ostensiven oder geometrischen (der Gegenstände selbst) dahin, wohin die diskursive Erkenntnis vermittelst bloßer Begriffe niemals gelangen könnte.
Was mag die Ursache dieser so verschiedenen Lage sein, darin sich zwei Vernunftkünstler befinden, deren der eine seinen Weg nach Begriffen, der andere nach Anschauungen nimmt, die er a priori den Begriffen gemäß
B 746 darstellt. Nach den oben vorgetragenen transzendentalen Grundlehren ist diese Ursache klar. Es kommt hier nicht auf analytische Sätze an, die durch bloße Zergliederung der Begriffe erzeugt werden können, (hierin würde der Philosoph ohne Zweifel den Vorteil über seinen Nebenbuhler haben,) sondern auf synthetische, und zwar solche, die a priori sollen erkannt werden. Denn ich soll nicht auf dasjenige sehen, was ich in meinem Begriffe vom Triangel wirklich denke, (dieses ist nichts weiter, als die bloße Definition,) vielmehr soll ich über ihn zu Eigenschaften, die in diesem Begriffe nicht liegen, aber doch zu ihm gehören, hinausgehen. Nun ist dieses nicht anders möglich, als daß ich meinen Gegenstand nach den Bedingungen, entweder der empirischen Anschauung, oder der reinen Anschauung bestimme. Das erstere würde nur einen empirischen Satz (durch Messen seiner Winkel), der keine Allgemeinheit, noch weniger Notwendigkeit enthielte, abgeben, und von dergleichen ist gar nicht die Rede. Das zweite Verfahren aber ist die mathematische und zwar hier die geometrische Konstruktion, vermittelst deren ich in einer reinen Anschauung, ebenso wie in der empirischen, das Mannigfaltige, was zu dem Schema eines Triangels überhaupt, mithin zu seinem Begriffe gehört, hinzusetzen wodurch allerdings allgemeine synthetische Sätze konstruiert werden müssen.
Ich würde also umsonst über den Triangel philosophieren, d.i. diskursiv nachdenken, ohne dadurch im
B 747 mindesten weiter zu kommen, als auf die bloße Definition, von der ich aber billig anfangen müßte. Es gibt zwar eine transzendentale Synthesis aus lauter Begriffen, die wiederum allein dem Philosophen gelingt, die aber niemals mehr als ein Ding überhaupt betrifft, unter welchen Bedingungen dessen Wahrnehmung zur möglichen Erfahrung gehören könne. Aber in den mathematischen Aufgaben ist hiervon und überhaupt von der Existenz gar nicht die Frage, sondern von den Eigenschaften der Gegenstände an sich selbst, lediglich sofern diese mit dem Begriffe derselben verbunden sind.
Wir haben in dem angeführten Beispiele nur deutlich zu machen gesucht, welcher große Unterschied zwischen dem diskursiven Vernunftgebrauch nach Begriffen und dem intuitiven durch die Konstruktion der Begriffe anzutreffen sei. Nun frägts sich natürlicherweise, was die Ursache sei, die einen solchen zwiefachen Vernunftgebrauch notwendig macht, und an welchen Bedingungen man erkennen könne, ob nur der erste, oder auch der zweite stattfinde.
Alle unsere Erkenntnis bezieht sich doch zuletzt auf mögliche Anschauungen: denn durch diese allein wird ein Gegenstand gegeben. Nun enthält ein Begriff a priori (ein nicht empirischer Begriff) entweder schon eine reine Anschauung in sich, und alsdann kann er konstruiert werden; oder nichts als die Synthesis möglicher Anschauungen, die a priori nicht gegeben sind, und alsdann kann man
B 748 wohl durch ihn synthetisch und a priori urteilen, aber nur diskursiv, nach Begriffen, und niemals intuitiv durch die Konstruktion des Begriffes.
Nun ist von aller Anschauung keine a priori gegeben, als die bloße Form der Erscheinungen, Raum und Zeit, und ein Begriff von diesen, als Quantis, läßt sich entweder zugleich mit der Qualität derselben (ihre Gestalt), oder auch bloß ihre Quantität (die bloße Synthesis des gleichartig Mannigfaltigen) durch Zahl a priori in der Anschauung darstellen, d.i. konstruieren. Die Materie aber der Erscheinungen, wodurch uns Dinge im Raume und der Zeit gegeben werden, kann nur in der Wahrnehmung, mithin a posteriori vorgestellt werden. Der einzige Begriff, der a priori diesen empirischen Gehalt der Erscheinungen vorstellt, ist der Begriff des Dinges überhaupt, und die synthetische Erkenntnis von demselben a priori kann nichts weiter, als die bloße Regel der Synthesis desjenigen, was die Wahrnehmung a posteriori geben mag, niemals aber die Anschauung des realen Gegenstandes a priori liefern, weil diese notwendig empirisch sein muß.
Synthetische Sätze, die auf Dinge überhaupt, deren Anschauung sich a priori gar nicht geben läßt, gehen, sind transzendental. Demnach lassen sich transzendentale Sätze niemals durch Konstruktion der Begriffe, sondern nur nach Begriffen a priori geben. Sie enthalten bloß die Regel, nach der eine gewisse synthetische Einheit desjenigen, was nicht a priori anschaulich vorgestellt
B 749 werden kann, (der Wahrnehmungen,) empirisch gesucht werden soll. Sie können aber keinen einzigen ihrer Begriffe a priori in irgendeinem Falle darstellen, sondern tun dieses nur a posteriori, vermittelst der Erfahrung, die nach jenen synthetischen Grundsätzen allererst möglich wird.
Wenn man von einem Begriffe synthetisch urteilen soll, so muß man aus diesem Begriffe hinausgehen, und zwar zur Anschauung, in welcher er gegeben ist. Denn, bliebe man bei dem stehen, was im Begriffe enthalten ist, so wäre das Urteil bloß analytisch, und eine Erklärung des Gedanken, nach demjenigen, was wirklich in ihm enthalten ist. Ich kann aber von dem Begriffe zu der ihm korrespondierenden reinen oder empirischen Anschauung gehen, um ihn in derselben in concreto zu erwägen, und, was dem Gegenstande desselben zukommt, a priori oder a posteriori zu erkennen. Das erstere ist die rationale und mathematische Erkenntnis durch die Konstruktion des Begriffs, das zweite die bloße empirische (mechanische) Erkenntnis, die niemals notwendige und apodiktische Sätze geben kann. So könnte ich meinen empirischen Begriff vom Golde zergliedern, ohne dadurch etwas weiter zu gewinnen, als alles, was ich bei diesem Worte wirklich denke, herzählen zu können, wodurch in meinem Erkenntnis zwar eine logische Verbesserung vorgeht, aber keine Vermehrung oder Zusatz erworben wird. Ich nehme aber die Materie, welche unter diesem Namen vorkommt, und stelle mit ihr Wahrnehmungen an, welche mir verschiedene
B 750 synthetische, aber empirische Sätze an die Hand geben werden. Den mathematischen Begriff eines Triangels würde ich konstruieren, d.i. a priori in der Anschauung geben, und auf diesem Wege eine synthetische, aber rationale Erkenntnis bekommen. Aber, wenn mir der transzendentale Begriff einer Realität, Substanz, Kraft usw. gegeben ist, so bezeichnet er weder eine empirische, noch reine Anschauung, sondern lediglich die Synthesis der empirischen Anschauungen (die also a priori nicht gegeben werden können), und es kann also aus ihm, weil die Synthesis nicht a priori zu der Anschauung, die ihm korrespondiert, hinausgehen kann, auch kein bestimmender synthetischer Satz, sondern nur ein Grundsatz der Synthesis* möglicher empirischer Anschauungen entspringen. Also ist ein transzendentaler Satz ein synthetisches Vernunfterkenntnis nach bloßen Begriffen, und mithin diskursiv, indem dadurch alle synthetische Einheit der empirischen Erkenntnis allererst möglich, keine Anschauung aber dadurch a priori gegeben wird.
* Vermittelst des Begriffs der Ursache gehe ich wirklich aus dem empirischen Begriffe von einer Begebenheit (da etwas geschieht) heraus, aber nicht zu der Anschauung, die den Begriff der Ursache in concreto darstellt, sondern zu den Zeitbedingungen überhaupt, die in der Erfahrung dem Begriffe der Ursache gemäß gefunden werden möchten. Ich verfahre also bloß nach Begriffen, und kann nicht durch Konstruktion der Begriffe verfahren, weil der Begriff eine Regel der Synthesis der Wahrnehmungen ist, die keine reine Anschauungen sind, und sich also a priori nicht geben lassen.
B 751 So gibt es denn einen doppelten Vernunftgebrauch, der, unerachtet der Allgemeinheit der Erkenntnis und ihrer Erzeugung a priori, welche sie gemein haben, dennoch im Fortgange sehr verschieden ist, und zwar darum, weil in der Erscheinung, als wodurch uns alle Gegenstände gegeben werden, zwei Stücke sind: die Form der Anschauung (Raum und Zeit), die völlig a priori erkannt und bestimmt werden kann, und die Materie (das Physische), oder der Gehalt, welcher ein Etwas bedeutet, das im Raume und der Zeit angetroffen wird, mithin ein Dasein enthält und der Empfindung korrespondiert. In Ansehung des letzteren, welches niemals anders auf bestimmte Art, als empirisch gegeben werden kann, können wir nichts a priori haben, als unbestimmte Begriffe der Synthesis möglicher Empfindungen, sofern sie zur Einheit der Apperzeption (in einer möglichen Erfahrung) gehören. In Ansehung der ersteren können wir unsere Begriffe in der Anschauung a priori bestimmen, indem wir uns im Raume und der Zeit die Gegenstände selbst durch gleichförmige Synthesis schaffen, indem wir sie bloß als Quanta betrachten. Jener heißt der Vernunftgebrauch nach Begriffen, indem wir nichts weiter tun können, als Erscheinungen dem realen Inhalte nach unter Begriffe zu bringen, welche darauf nicht anders als empirisch, d.i. a posteriori, (aber jenen Begriffen als Regeln einer empirischen Synthesis gemäß,) können bestimmt werden; dieser ist der Vernunftgebrauch durch Konstruktion der
B 752 Begriffe, indem diese, da sie schon auf eine Anschauung a priori gehen, auch eben darum a priori und ohne alle empirische data in der reinen Anschauung bestimmt gegeben werden können. Alles, was da ist (ein Ding im Raum oder der Zeit), zu erwägen, ob und wiefern es ein Quantum ist oder nicht, daß ein Dasein in demselben oder Mangel vorgestellt werden müsse, wie fern dieses Etwas (welches Raum oder Zeit erfüllt) ein erstes Substratum, oder bloße Bestimmung sei, eine Beziehung seines Daseins auf etwas anderes, als Ursache oder Wirkung, habe, und endlich isoliert oder in wechselseitiger Abhängigkeit mit anderen in Ansehung des Daseins stehe, die Möglichkeit dieses Daseins, die Wirklichkeit und Notwendigkeit, oder die Gegenteile derselben zu erwägen: dieses alles gehört zum Vernunfterkenntnis aus Begriffen, welches philosophisch genannt wird. Aber im Raume eine Anschauung a priori zu bestimmen (Gestalt), die Zeit zu teilen (Dauer), oder bloß das Allgemeine der Synthesis von einem und demselben in der Zeit und dem Raume, und die daraus entspringende Größe einer Anschauung überhaupt (Zahl) zu erkennen, das ist ein Vernunftgeschäft durch Konstruktion der Begriffe, und heißt mathematisch.
Das große Glück, welches die Vernunft vermittelst der Mathematik macht, bringt ganz natürlicherweise die Vermutung zuwege, daß es, wo nicht ihr selbst, doch ihrer Methode, auch außer dem Felde der Größen gelingen werde, indem sie alle ihre Begriffe auf
B 753 Anschauungen bringt, die sie a priori geben kann, und wodurch sie, so zu reden, Meister über die Natur wird; da hingegen reine Philosophie mit diskursiven Begriffen a priori in der Natur herumpfuscht, ohne die Realität derselben a priori anschauend und eben dadurch beglaubigt machen zu können. Auch scheint es den Meistern in dieser Kunst an dieser Zuversicht zu sich selbst und dem gemeinen Wesen an großen Erwartungen von ihrer Geschicklichkeit, wenn sie sich einmal hiermit befassen sollten, gar nicht zu fehlen. Denn da sie kaum jemals über ihre Mathematik philosophiert haben, (ein schweres Geschäft!) so kommt ihnen der spezifische Unterschied des einen Vernunftgebrauchs von dem anderen gar nicht in Sinn und Gedanken. Gangbare und empirisch gebrauchte Regeln, die sie von der gemeinen Vernunft borgen, gelten ihnen dann statt Axiomen. Wo ihnen die Begriffe von Raum und Zeit, womit sie sich (als den einzigen ursprünglichen Quantis) beschäftigen, herkommen mögen, daran ist ihnen gar nichts gelegen, und ebenso scheint es ihnen unnütz zu sein, den Ursprung reiner Verstandesbegriffe, und hiermit auch den Umfang ihrer Gültigkeit zu erforschen, sondern nur sich ihrer zu bedienen. In allem diesem tun sie ganz recht, wenn sie nur ihre angewiesene Grenze, nämlich die der Natur nicht überschreiten. So aber geraten sie unvermerkt, von dem Felde der Sinnlichkeit, auf den unsicheren Boden reiner und selbst transzendentaler Begriffe, wo der Grund (instabilis tellus, innabilis unda) ihnen weder zu stehen,
B 754 noch zu schwimmen erlaubt, und sich nur flüchtige Schritte tun lassen, von denen die Zeit nicht die mindeste Spur aufbehält, da hingegen ihr Gang in der Mathematik eine Heeresstraße macht, welche noch die späteste Nachkommenschaft mit Zuversicht betreten kann.
Da wir es uns zur Pflicht gemacht haben, die Grenzen der reinen Vernunft im transzendentalen Gebrauche genau und mit Gewißheit zu bestimmen, diese Art der Bestrebung aber das Besondere an sich hat, unerachtet der nachdrücklichsten und klarsten Warnungen, sich noch immer durch Hoffnung hinhalten zu lassen, ehe man den Anschlag gänzlich aufgibt, über Grenzen der Erfahrungen hinaus in die reizenden Gegenden des Intellektuellen zu gelangen: so ist es notwendig, noch gleichsam den letzten Anker einer phantasiereichen Hoffnung wegzunehmen, und zu zeigen, daß die Befolgung der mathematischen Methode in dieser Art Erkenntnis nicht den mindesten Vorteil schaffen könne, es müßte denn der sein, die Blößen ihrer selbst desto deutlicher aufzudecken, daß Meßkunst und Philosophie zwei ganz verschiedene Dinge seien, ob sie sich zwar in der Naturwissenschaft einander die Hand bieten, mithin das Verfahren des einen niemals von dem anderen nachgeahmt werden könne.
Die Gründlichkeit der Mathematik beruht auf Definitionen, Axiomen, Demonstrationen. Ich werde mich damit begnügen, zu zeigen: daß keines dieser Stücke in dem Sinne, darin sie der Mathematiker nimmt, von der
B 755 Philosophie könne geleistet, noch nachgeahmt werden. Daß der Meßkünstler, nach seiner Methode, in der Philosophie nichts als Kartengebäude zustande bringe, der Philosoph nach der seinigen in dem Anteil der Mathematik nur ein Geschwätz erregen könne, wiewohl eben darin Philosophie besteht, seine Grenzen zu kennen, und selbst der Mathematiker, wenn das Talent desselben nicht etwa schon von der Natur begrenzt und auf sein Fach eingeschränkt ist, die Warnungen der Philosophie nicht ausschlagen, noch sich über sie wegsetzen kann.
1 Von den Definitionen. Definieren soll, wie es der Ausdruck selbst gibt, eigentlich nur so viel bedeuten, als, den ausführlichen Begriff eines Dinges innerhalb seiner Grenzen ursprünglich darstellen*. Nach einer solchen Forderung kann ein empirischer Begriff gar nicht definiert, sondern nur expliziert werden. Denn, da wir an ihm nur einige Merkmale von einer gewissen Art Gegenstände der Sinne haben, so ist es niemals sicher, ob man unter dem Worte, der denselben Gegenstand bezeichnet, nicht einmal mehr, das andere Mal weniger
B 756 Merkmale desselben denke. So kann der eine im Begriffe vom Golde sich außer dem Gewichte, der Farbe, der Zähigkeit, noch die Eigenschaft, daß es nicht rostet, denken, der andere davon vielleicht nichts wissen. Man bedient sich gewisser Merkmale nur so lange, als sie zum Unterscheiden hinreichend sind; neue Bemerkungen dagegen nehmen welche weg und setzen einige hinzu, der Begriff steht also niemals zwischen sicheren Grenzen. Und wozu sollte es auch dienen, einen solchen Begriff zu definieren, da, wenn z.B. von dem Wasser und dessen Eigenschaften die Rede ist, man sich bei dem nicht aufhalten wird, was man bei dem Worte Wasser denkt, sondern zu Versuchen schreitet, und das Wort, mit den wenigen Merkmalen, die ihm anhängen, nur eine Bezeichnung und nicht einen Begriff der Sache ausmachen soll, mithin die angebliche Definition nichts anderes als Wortbestimmung ist. Zweitens kann auch, genau zu reden, kein a priori gegebener Begriff definiert werden, z.B. Substanz, Ursache, Recht, Billigkeit usw. Denn ich kann niemals sicher sein, daß die deutliche Vorstellung eines (noch verworren) gegebenen Begriffs ausführlich entwickelt worden, als wenn ich weiß, daß dieselbe dem Gegenstande adäquat sei. Da der Begriff desselben aber, so wie er gegeben ist, viel dunkle Vorstellungen enthalten kann, die wir in der Zergliederung übergehen, ob wir sie zwar in der Anwendung jederzeit brauchen: so ist die Ausführlichkeit der Zergliederung meines Begriffs immer zweifelhaft, und kann nur durch
B 757 vielfältig zutreffende Beispiele vermutlich, niemals aber apodiktisch gewiß gemacht werden. Anstatt des Ausdrucks: Definition, würde ich lieber den der Exposition brauchen, der immer noch behutsam bleibt, und bei dem der Kritiker sie auf einen gewissen Grad gelten lassen und doch wegen der Ausführlichkeit noch Bedenken tragen kann. Da also weder empirisch, noch a priori gegebene Begriffe definiert werden können, so bleiben keine anderen als willkürlich gedachte übrig, an denen man dieses Kunststück versuchen kann. Meinen Begriff kann ich in solchem Falle jederzeit definieren; denn ich muß doch wissen, was ich habe denken wollen, da ich ihn selbst vorsetzlich gemacht habe, und er mir weder durch die Natur des Verstandes, noch durch die Erfahrung gegeben worden, aber ich kann nicht sagen, daß ich dadurch einen wahren Gegenstand definiert habe. Denn, wenn der Begriff auf empirischen Bedingungen beruht, z.B. eine Schiffsuhr, so wird der Gegenstand und dessen Möglichkeit durch diesen willkürlichen Begriff noch nicht gegeben; ich weiß daraus nicht einmal, ob er überall einen Gegenstand habe, und meine Erklärung kann besser eine Deklaration (meines Projekts) als Definition eines Gegenstandes heißen. Also blieben keine anderen Begriffe übrig, die zum Definieren taugen, als solche, die eine willkürliche Synthesis enthalten, welche a priori konstruiert werden kann, mithin hat nur die Mathematik Definitionen. Denn, den Gegenstand, den sie denkt, stellt sie auch a priori in der Anschauung dar, und dieser kann sicher nicht
B 758 mehr noch weniger enthalten, als der Begriff, weil durch die Erklärung der Begriff von dem Gegenstande ursprünglich, d.i. ohne die Erklärung irgend wovon abzuleiten, gegeben wurde. Die deutsche Sprache hat für die Ausdrücke der Exposition, Explikation, Deklaration und Definition nichts mehr, als das eine Wort: Erklärung, und daher müssen wir schon von der Strenge der Forderung, da wir nämlich den philosophischen Erklärungen den Ehrennamen der Definition verweigerten, etwas ablassen, und wollen diese ganze Anmerkung darauf einschränken, daß philosophische Definitionen nur als Expositionen gegebener, mathematische aber als Konstruktionen ursprünglich gemachter Begriffe, jene nur analytisch durch Zergliederung (deren Vollständigkeit nicht apodiktisch gewiß ist), diese synthetisch zustande gebracht werden, und also den Begriff selbst machen, dagegen die ersteren ihn nur erklären. Hieraus folgt:
* Ausführlichkeit bedeutet die Klarheit und Zulänglichkeit der Merkmale; Grenzen die Präzision, daß deren nicht mehr sind, als zum ausführlichen Begriffe gehören; ursprünglich aber, daß diese Grenzbestimmung nicht irgend woher abgeleitet sei und also noch eines Beweises bedürfe, welches die vermeintliche Erklärung unfähig machen würde, an der Spitze aller Urteile über einen Gegenstand zu stehen.
a) daß man es in der Philosophie der Mathematik nicht so nachtun müsse, die Definition voranzuschicken, als nur etwa zum bloßen Versuche. Denn, da sie Zergliederungen gegebener Begriffe sind, so gehen diese Begriffe, obzwar nur noch verworren, voran, und die unvollständige Exposition geht vor der vollständigen, so, daß wir aus einigen Merkmalen, die wir aus einer noch unvollendeten Zergliederung gezogen haben, manches vorher schließen können, ehe wir zur vollständigen Exposition, d.i. zur Definition gelangt sind; mit einem Worte, daß in
B 759 der Philosophie die Definition, als abgemessene Deutlichkeit, das Werk eher schließe, als anfangen müsse*. Dagegen haben wir in der Mathematik gar keinen Begriff vor der Definition, als durch welche der Begriff allererst gegeben wird, sie muß also und kann auch jederzeit davon anfangen.
* Die Philosophie wimmelt von fehlerhaften Definitionen, vornehmlich solchen, die zwar wirklich Elemente zur Definition, aber noch nicht vollständig enthalten. Würde man nun eher gar nichts mit einem Begriffe anfangen können, als bis man ihn definiert hätte, so würde es gar schlecht mit allem Philosophieren stehen. Da aber, so weit die Elemente (der Zergliederung) reichen, immer ein guter und sicherer Gebrauch davon zu machen ist, so können auch mangelhafte Definitionen, d.i. Sätze, die eigentlich noch nicht Definitionen, aber übrigens wahr und also Annäherungen zu ihnen sind, sehr nützlich gebraucht werden. In der Mathematik gehört die Definition ad esse, in der Philosophie ad melius esse. Es ist schön, aber oft sehr schwer, dazu zu gelangen. Noch suchen die Juristen eine Definition zu ihrem Begriffe vom Recht.
b) Mathematische Definitionen können niemals irren. Denn, weil der Begriff durch die Definition zuerst gegeben wird, so enthält er gerade nur das, was die Definition durch ihn gedacht haben will. Aber, obgleich dem Inhalte nach nichts Unrichtiges darin vorkommen kann, so kann doch bisweilen, obzwar nur selten, in der Form (der Einkleidung) gefehlt werden, nämlich in Ansehung der Präzision. So hat die gemeine Erklärung der Kreislinie, daß sie eine krumme Linie sei, deren alle Punkte von einem
B 760 einigen (dem Mittelpunkte) gleich weit abstehen, den Fehler, daß die Bestimmung krumm unnötiger Weise eingeflossen ist. Denn es muß einen besonderen Lehrsatz geben, der aus der Definition gefolgert wird und leicht bewiesen werden kann: daß eine jede Linie, deren alle Punkte von einem einigen gleich weit abstehen, krumm (kein Teil von ihr gerade) sei. Analytische Definitionen können dagegen auf vielfältige Art irren, entweder indem sie Merkmale hineinbringen, die wirklich nicht im Begriffe lagen, oder an der Ausführlichkeit ermangeln, die das Wesentliche einer Definition ausmacht, weil man der Vollständigkeit seiner Zergliederung nicht so völlig gewiß sein kann. Um deswillen läßt sich die Methode der Mathematik im Definieren in der Philosophie nicht nachahmen.
2 Von den Axiomen. Diese sind synthetische Grundsätze a priori, sofern sie unmittelbar gewiß sind. Nun läßt sich nicht ein Begriff mit dem anderen synthetisch und doch unmittelbar verbinden, weil, damit wir über einen Begriff hinausgehen können, ein drittes vermittelndes Erkenntnis nötig ist. Da nun Philosophie bloß die Vernunfterkenntnis nach Begriffen ist, so wird in ihr kein Grundsatz anzutreffen sein, der den Namen eines Axioms verdiene. Die Mathematik dagegen ist der Axiomen fähig, weil sie vermittelst der Konstruktion der Begriffe in der Anschauung des Gegenstandes die Prädikate desselben a priori und unmittelbar verknüpfen kann, z.B.
B 761 daß drei Punkte jederzeit in einer Ebene liegen. Dagegen kann ein synthetischer Grundsatz bloß aus Begriffen niemals unmittelbar gewiß sein; z.B. der Satz: alles, was geschieht, hat seine Ursache, da ich mich nach einem dritten herumgehen muß, nämlich der Bedingung der Zeitbestimmung in einer Erfahrung, und nicht direkt unmittelbar aus den Begriffen allein einen solchen Grundsatz erkennen konnte. Diskursive Grundsätze sind also ganz etwas anderes als intuitive, d.i. Axiomen. Jene erfordern jederzeit noch eine Deduktion, deren die letzteren ganz und gar entbehren können, und, da diese eben um desselben Grundes willen evident sind, welches die philosophischen Grundsätze, bei aller ihrer Gewißheit, doch niemals vorgeben können, so fehlt unendlich viel daran, daß irgendein synthetischer Satz der reinen und transzendentalen Vernunft so augenscheinlich sei (wie man sich trotzig auszudrücken pflegt), als der Satz: daß zweimal zwei vier geben. Ich habe zwar in der Analytik, bei der Tafel der Grundsätze des reinen Verstandes, auch gewisser Axiomen der Anschauung gedacht; allein der daselbst angeführte Grundsatz war selbst kein Axiom, sondern diente nur dazu, das Prinzipium der Möglichkeit der Axiomen überhaupt anzugeben, und selbst nur ein Grundsatz aus Begriffen. Denn sogar die Möglichkeit der Mathematik muß in der Transzendentalphilosophie gezeigt werden. Die Philosophie hat also keine Axiomen und darf niemals ihre Grundsätze a priori so schlechthin gebieten, sondern muß
B 762 sich dazu bequemen, ihre Befugnis wegen derselben durch gründliche Deduktion zu rechtfertigen.
3 Von den Demonstrationen. Nur ein apodiktischer Beweis, sofern er intuitiv ist, kann Demonstration heißen. Erfahrung lehrt uns wohl, was da sei, aber nicht, daß es gar nicht anders sein könne. Daher können empirische Beweisgründe keinen apodiktischen Beweis verschaffen. Aus Begriffen a priori (im diskursiven Erkenntnisse) kann aber niemals anschauende Gewißheit d.i. Evidenz entspringen, so sehr auch sonst das Urteil apodiktisch gewiß sein mag. Nur die Mathematik enthält also Demonstrationen, weil sie nicht aus Begriffen, sondern der Konstruktion derselben, d.i. der Anschauung, die den Begriffen entsprechend a priori gegeben werden kann, ihr Erkenntnis ableitet. Selbst das Verfahren der Algeber mit ihren Gleichungen, aus denen sie durch Reduktion die Wahrheit zusamt dem Beweise hervorbringt, ist zwar keine geometrische, aber doch charakteristische Konstruktion, in welcher man an den Zeichen die Begriffe, vornehmlich von dem Verhältnisse der Größen, in der Anschauung darlegt, und, ohne einmal auf das Heuristische zu sehen, alle Schlüsse vor Fehlern dadurch sichert, daß jeder derselben vor Augen gestellt wird. Da hingegen das philosophische Erkenntnis dieses Vorteils entbehren muß, indem es das Allgemeine jederzeit in abstracto (durch Begriffe) betrachten muß, indessen daß Mathematik das Allgemeine in concreto (in der einzelnen Anschauung) und doch durch reine
B 763 Vorstellung a priori erwägen kann, wobei jeder Fehltritt sichtbar wird. Ich möchte die ersteren daher lieber akroamatische (diskursive) Beweise nennen, weil sie sich nur durch lauter Worte (den Gegenstand in Gedanken) führen lassen, als Demonstrationen, welche, wie der Ausdruck es schon anzeigt, in der Anschauung des Gegenstandes fortgehen.
Aus allem diesem folgt nun, daß es sich für die Natur der Philosophie gar nicht schicke, vornehmlich im Felde der reinen Vernunft, mit einem dogmatischen Gange zu strotzen und sich mit den Titeln und Bändern der Mathematik auszuschmücken, in deren Orden sie doch nicht gehört, ob sie zwar auf schwesterliche Vereinigung mit derselben zu hoffen alle Ursache hat. Jene sind eitle Anmaßungen, die niemals gelingen können, vielmehr ihre Absicht rückgängig machen müssen, die Blendwerke einer ihre Grenzen verkennenden Vernunft zu entdecken, und, vermittelst hinreichender Aufklärung unserer Begriffe, den Eigendünkel der Spekulation auf das bescheidene, aber gründliche Selbsterkenntnis zurückzuführen. Die Vernunft wird also in ihren transzendentalen Versuchen nicht so zuversichtlich vor sich hinsehen können, gleich als wenn der Weg, den sie zurückgelegt hat, so ganz gerade zum Ziele führe, und auf ihre zum Grunde gelegten Prämissen nicht so mutig rechnen können, daß es nicht nötig wäre, öfters zurück zu sehen und achtzuhaben, ob sich nicht etwa im Fortgange der Schlüsse Fehler entdecken, die in den Prinzipien
B 764 übersehen worden, und es nötig machen, sie entweder mehr zu bestimmen, oder ganz abzuändern.
Ich teile alle apodiktischen Sätze (sie mögen nun erweislich oder auch unmittelbar gewiß sein) in Dogmata und Mathemata ein. Ein direkt synthetischer Satz aus Begriffen ist ein Dogma; hingegen ein dergleichen Satz durch Konstruktion der Begriffe, ist ein Mathema. Analytische Urteile lehren uns eigentlich nichts mehr vom Gegenstande, als was der Begriff, den wir von ihm haben, schon in sich enthält, weil sie die Erkenntnis über den Begriff des Subjekts nicht erweitern, sondern diesen nur erläutern. Sie können daher nicht füglich Dogmen heißen (welches Wort man vielleicht durch Lehrsprüche übersetzen könnte). Aber unter den gedachten zwei Arten synthetischer Sätze a priori können, nach dem gewöhnlichen Redegebrauch, nur die zum philosophischen Erkenntnisse gehörigen diesen Namen führen, und man würde schwerlich die Sätze der Rechenkunst, oder Geometrie, Dogmata nennen. Also bestätigt dieser Gebrauch die Erklärung, die wir gaben, daß nur Urteile aus Begriffen, und nicht die aus der Konstruktion der Begriffe, dogmatisch heißen können.
Nun enthält die ganze reine Vernunft in ihrem bloß spekulativen Gebrauche nicht ein einziges direkt synthetisches Urteil aus Begriffen. Denn durch Ideen ist sie, wie wir gezeigt haben, gar keiner synthetischen Urteile, die objektive Gültigkeit hätten, fähig; durch
B 765 Verstandesbegriffe aber errichtet sie zwar sichere Grundsätze, aber gar nicht direkt aus Begriffen, sondern immer nur indirekt durch Beziehung dieser Begriffe auf etwas ganz Zufälliges, nämlich mögliche Erfahrung; da sie denn, wenn diese (etwas als Gegenstand möglicher Erfahrungen) vorausgesetzt wird, allerdings apodiktisch gewiß sind, an sich selbst aber (direkt) a priori gar nicht einmal erkannt werden können. So kann niemand den Satz: alles, was geschieht, hat seine Ursache, aus diesen gegebenen Begriffen allein gründlich einsehen. Daher ist er kein Dogma, ob er gleich in einem anderen Gesichtspunkte, nämlich dem einzigen Felde seines möglichen Gebrauchs, d.i. der Erfahrung, ganz wohl und apodiktisch bewiesen werden kann. Er heißt aber Grundsatz und nicht Lehrsatz, ob er gleich bewiesen werden muß, darum, weil er die besondere Eigenschaft hat, daß er seinen Beweisgrund, nämlich Erfahrung, selbst zuerst möglich macht, und bei dieser immer vorausgesetzt werden muß.
Gibt es nun im spekulativen Gebrauche der reinen Vernunft auch dem Inhalte nach gar keine Dogmate, so ist alle dogmatische Methode, sie mag nun dem Mathematiker abgeborgt sein, oder eine eigentümliche Manier werden sollen, für sich unschicklich. Denn sie verbirgt nur die Fehler und Irrtümer, und täuscht die Philosophie, deren eigentliche Absicht ist, alle Schritte der Vernunft in ihrem klarsten Lichte sehen zu lassen. Gleichwohl kann die Methode immer systematisch sein. Denn unsere Vernunft
B 766 (subjektiv) ist selbst ein System, aber in ihrem reinen Gebrauche, vermittelst bloßer Begriffe, nur ein System der Nachforschung nach Grundsätzen der Einheit, zu welcher Erfahrung allein den Stoff hergeben kann. Von der eigentümlichen Methode einer Transzendentalphilosophie läßt sich aber hier nichts sagen, da wir es nur mit einer Kritik unserer Vermögensumstände zu tun haben, ob wir überall bauen, und wie hoch wir wohl unser Gebäude, aus dem Stoffe, den wir haben, (den reinen Begriffen a priori,) aufführen können.
Des ersten Hauptstücks Zweiter Abschnitt Die Disziplin der reinen Vernunft in Ansehung ihres polemischen Gebrauchs
Die Vernunft muß sich in allen ihren Unternehmungen der Kritik unterwerfen, und kann der Freiheit derselben durch kein Verbot Abbruch tun, ohne sich selbst zu schaden und einen ihr nachteiligen Verdacht auf sich zu ziehen. Da ist nun nichts so wichtig, in Ansehung des Nutzens, nichts so heilig, das sich dieser prüfenden und musternden Durchsuchung, die kein Ansehen der Person kennt, entziehen dürfte. Auf dieser Freiheit beruht sogar die Existenz der Vernunft, die kein diktatorisches Ansehen hat, sondern deren Ausspruch jederzeit nichts als die Einstimmung freier Bürger ist, deren jeglicher seine
B 767 Bedenklichkeiten, ja sogar sein veto, ohne Zurückhalten muß äußern können.
Ob nun aber gleich die Vernunft sich der Kritik niemals verweigern kann, so hat sie doch nicht jederzeit Ursache, sie zu scheuen. Aber die reine Vernunft in ihrem dogmatischen (nicht mathematischen) Gebrauche ist sich nicht so sehr der genauesten Beobachtung ihrer obersten Gesetze bewußt, daß sie nicht mit Blödigkeit, ja mit gänzlicher Ablegung alles angemaßten dogmatischen Ansehens, vor dem kritischen Auge einer höheren und richterlichen Vernunft erscheinen müßte.
Ganz anders ist es bewandt, wenn sie es nicht mit der Zensur des Richters, sondern den Ansprüchen ihres Mitbürgers zu tun hat, und sich dagegen bloß verteidigen soll. Denn, da diese ebensowohl dogmatisch sein wollen, obzwar im Verneinen, als jene im Bejahen: so findet eine Rechtfertigung kat' anthropon statt, die wider alle Beeinträchtigung sichert, und einen titulierten Besitz verschafft, der keine fremden Anmaßungen scheuen darf, ob er gleich selbst kat' aletheian nicht hinreichend bewiesen werden kann.
Unter dem polemischen Gebrauche der reinen Vernunft verstehe ich nun die Verteidigung ihrer Sätze gegen die dogmatischen Verneinungen derselben. Hier kommt es nun nicht darauf an, ob ihre Behauptungen nicht vielleicht auch falsch sein möchten, sondern nur, daß niemand das Gegenteil jemals mit apodiktischer Gewißheit (ja auch
B 768 nur mit größerem Scheine) behaupten könne. Denn wir sind alsdann doch nicht bittweise in unserem Besitz, wenn wir einen, obzwar nicht hinreichenden, Titel derselben vor uns haben, und es völlig gewiß ist, daß niemand die Unrechtmäßigkeit dieses Besitzes jemals beweisen könne.
Es ist etwas Bekümmerndes und Niederschlagendes, daß es überhaupt eine Antithetik der reinen Vernunft geben, und diese, die doch den obersten Gerichtshof über alle Streitigkeiten vorstellt, mit sich selbst in Streit geraten soll. Zwar hatten wir oben eine solche scheinbare Antithetik derselben vor uns; aber es zeigte sich, daß sie auf einem Mißverstande beruhte, da man nämlich, dem gemeinen Vorurteile gemäß, Erscheinungen für Sachen an sich selbst nahm, und dann eine absolute Vollständigkeit ihrer Synthesis, auf eine oder andere Art (die aber auf beiderlei Art gleich unmöglich war), verlangte, welches aber von Erscheinungen gar nicht erwartet werden kann. Es war also damals kein wirklicher Widerspruch der Vernunft mit ihr selbst bei den Sätzen: die Reihe an sich gegebener Erscheinungen hat einen absolut ersten Anfang, und: diese Reihe ist schlechthin und an sich selbst ohne allen Anfang; denn beide Sätze bestehen gar wohl zusammen, weil Erscheinungen nach ihrem Dasein (als Erscheinungen) an sich selbst gar nichts d.i. etwas Widersprechendes sind, und also deren Voraussetzung natürlicherweise widersprechende Folgerungen nach sich ziehen muß.
B 769 Ein solcher Mißverstand kann aber nicht vorgewandt und dadurch der Streit der Vernunft beigelegt werden, wenn etwa theistisch behauptet würde: es ist ein höchstes Wesen, und dagegen atheistisch: es ist kein höchstes Wesen; oder, in der Psychologie: alles, was denkt, ist von absoluter beharrlicher Einheit und also von aller vergänglichen materiellen Einheit unterschieden, welchem ein anderer entgegengesetzte: die Seele ist nicht immaterielle Einheit und kann von der Vergänglichkeit nicht ausgenommen werden. Denn der Gegenstand der Frage ist hier von allem Fremdartigen, das seiner Natur widerspricht, frei, und der Verstand hat es nur mit Sachen an sich selbst und nicht mit Erscheinungen zu tun. Es würde also hier freilich ein wahrer Widerstreit anzutreffen sein, wenn nur die reine Vernunft auf der verneinenden Seite etwas zu sagen hätte, was dem Grunde einer Behauptung nahe käme; denn was die Kritik der Beweisgründe des dogmatisch Bejahenden betrifft, die kann man ihm sehr wohl einräumen, ohne darum diese Sätze aufzugeben, die doch wenigstens das Interesse der Vernunft für sich haben, darauf sich der Gegner gar nicht berufen kann.
Ich bin zwar nicht der Meinung, welche vortreffliche und nachdenkende Männer (z.B. Sulzer) so oft geäußert haben, da sie die Schwäche der bisherigen Beweise fühlten: daß man hoffen könne, man werde dereinst noch evidente Demonstrationen der zwei Kardinalsätze unserer reinen Vernunft: es ist ein Gott, es ist ein künftiges
B 770 Leben, erfinden. Vielmehr bin ich gewiß, daß dieses niemals geschehen werde. Denn, wo will die Vernunft den Grund zu solchen synthetischen Behauptungen, die sich nicht auf Gegenstände der Erfahrung und deren innere Möglichkeit beziehen, hernehmen? Aber es ist auch apodiktisch gewiß, daß niemals irgendein Mensch auftreten werde, der das Gegenteil mit dem mindesten Scheine, geschweige dogmatisch behaupten könne. Denn, weil er dieses doch bloß durch reine Vernunft dartun könnte, so müßte er es unternehmen, zu beweisen: daß ein höchstes Wesen, daß das in uns denkende Subjekt, als reine Intelligenz, unmöglich sei. Wo will er aber die Kenntnisse hernehmen, die ihn, von Dingen über alle mögliche Erfahrung hinaus so synthetisch zu urteilen, berechtigten. Wir können also darüber ganz unbekümmert sein, daß uns jemand das Gegenteil einstens beweisen werde; daß wir darum eben nicht nötig haben, auf schulgerechte Beweise zu sinnen, sondern immerhin diejenigen Sätze annehmen können, welche mit dem spekulativen Interesse unserer Vernunft im empirischen Gebrauch ganz wohl zusammenhängen, und überdem es mit dem praktischen Interesse zu vereinigen die einzigen Mittel sind. Für den Gegner (der hier nicht bloß als Kritiker betrachtet werden muß,) haben wir unser non liquet in Bereitschaft, welches ihn unfehlbar verwirren muß, indessen daß wir die Retorsion desselben auf uns nicht weigern, indem wir die subjektive Maxime der Vernunft beständig im Rückhalte
B 771 haben, die dem Gegner notwendig fehlt, und unter deren Schutz wir alle seine Luftstreiche mit Ruhe und Gleichgültigkeit ansehen können.
Auf solche Weise gibt es eigentlich gar keine Antithetik der reinen Vernunft. Denn der einzige Kampfplatz für sie würde auf dem Felde der reinen Theologie und Psychologie zu suchen sein; dieser Boden aber trägt keinen Kämpfer in seiner ganzen Rüstung, und mit Waffen, die zu fürchten wären. Er kann nur mit Spott oder Großsprecherei auftreten, welches als ein Kinderspiel belacht werden kann. Das ist eine tröstende Bemerkung, die der Vernunft wieder Mut gibt; denn, worauf wollte sie sich sonst verlassen, wenn sie, die allein alle Irrungen abzutun berufen ist, in sich selbst zerrüttet wäre, ohne Frieden und ruhigen Besitz hoffen zu können?
Alles, was die Natur selbst anordnet, ist zu irgendeiner Absicht gut. Selbst Gifte dienen dazu, andere Gifte, welche sich in unseren eigenen Säften erzeugen, zu überwältigen, und dürfen daher in einer vollständigen Sammlung von Heilmitteln (Offizin) nicht fehlen. Die Einwürfe, wider die Überredungen und den Eigendünkel unserer bloß spekulativen Vernunft, sind selbst durch die Natur dieser Vernunft aufgegeben, und müssen also ihre gute Bestimmung und Absicht haben, die man nicht in den Wind schlagen muß. Wozu hat uns die Vorsehung manche Gegenstände, ob sie gleich mit unserem höchsten Interesse zusammenhängen, so hoch gestellt, daß uns fast
B 772 nur vergönnt ist, sie in einer undeutlichen und von uns selbst bezweifelten Wahrnehmung anzutreffen, dadurch ausspähende Blicke mehr gereizt, als befriedigt werden, ob es nützlich sei, in Ansehung solcher Aussichten dreiste Bestimmungen zu wagen, ist wenigstens zweifelhaft, vielleicht gar schädlich. Allemal aber und ohne allen Zweifel ist es nützlich, die forschende sowohl, als prüfende Vernunft in völlige Freiheit zu versetzen, damit sie ungehindert ihr eigen Interesse besorgen könne, welches ebensowohl dadurch befördert wird, daß sie ihren Einsichten Schranken setzt, als daß sie solche erweitert, und welches allemal leidet, wenn sich fremde Hände einmengen, um sie wider ihren natürlichen Gang nach erzwungenen Absichten zu lenken.
Lasset demnach euren Gegner nur Vernunft sagen, und bekämpfst ihn bloß mit Waffen der Vernunft. Übrigens seid wegen der guten Sache (des praktischen Interesses) außer Sorgen, denn die kommt in bloß spekulativem Streite niemals mit ins Spiel. Der Streit entdeckt alsdann nichts, als eine gewisse Antinomie der Vernunft, die, da sie auf ihrer Natur beruht, notwendig angehört und geprüft werden muß. Er kultiviert dieselbe durch Betrachtung ihres Gegenstandes auf zweien Seiten, und berichtigt ihr Urteil dadurch, daß er solches einschränkt. Das, was hierbei streitig wird, ist nicht die Sache, sondern der Ton. Denn es bleibt euch noch genug übrig, um die vor der schärfsten Vernunft gerechtfertigte Sprache eines festen
B 773 Glaubens zu sprechen, wenn ihr gleich die des Wissens habt aufgeben müssen.
Wenn man den kaltblütigen, zum Gleichgewichte des Urteils eigentlich geschaffenen David Hume fragen sollte: was bewog euch, durch mühsam ergrübelte Bedenklichkeiten, die für den Menschen so tröstliche und nützliche Überredung, daß ihre Vernunfteinsicht zur Behauptung und zum bestimmten Begriff eines höchsten Wesens zulange, zu untergraben? so würde er antworten: nichts, als die Absicht, die Vernunft in ihrer Selbsterkenntnis weiter zu bringen, und zugleich ein gewisser Unwille über den Zwang, den man der Vernunft antun will, indem man mit ihr groß tut, und sie zugleich hindert, ein freimütiges Geständnis ihrer Schwächen abzulegen, die ihr bei der Prüfung ihrer selbst offenbar werden. Fragt ihr dagegen den, den Grundsätzen des empirischen Vernunftgebrauchs allein ergebenen, und aller transzendenten Spekulation abgeneigten Priestley, was er für Bewegungsgründe gehabt habe, unserer Seele Freiheit und Unsterblichkeit (die Hoffnung des künftigen Lebens ist bei ihm nur die Erwartung eines Wunders der Wiedererweckung), zwei solche Grundpfeiler aller Religion niederzureißen, er, der selbst ein frommer und eifriger Lehrer der Religion ist; so würde er nichts anderes antworten können, als: das Interesse der Vernunft, welche dadurch verliert, daß man gewisse Gegenstände den Gesetzen der materiellen Natur, den einzigen, die wir genau kennen und bestimmen können,
B 774 entziehen will. Es würde unbillig scheinen, den letzteren, der seine paradoxe Behauptung mit der Religionsabsicht zu vereinigen weiß, zu verschreien, und einem wohldenkenden Manne wehe zu tun, weil er sich nicht zurechtfinden kann, sobald er sich aus dem Felde der Naturlehre verloren hatte. Aber diese Gunst muß dem nicht minder gut gesinnten und seinem sittlichen Charakter nach untadelhaften Hume ebensowohl zustatten kommen, der seine abgezogene Spekulation darum nicht verlassen kann, weil er mit Recht dafür hält, daß ihr Gegenstand ganz außerhalb den Grenzen der Naturwissenschaft im Felde reiner Ideen liege.
Was ist nun hierbei zu tun, vornehmlich in Ansehung der Gefahr, die daraus dem gemeinen Besten zu drohen scheint? Nichts ist natürlicher, nichts billiger, als die Entschließung, die ihr deshalb zu nehmen habt. Laßt diese Leute nur machen; wenn sie Talent, wenn sie tiefe und neue Nachforschung, mit einem Worte, wenn sie nur Vernunft zeigen, so gewinnt jederzeit die Vernunft. Wenn ihr andere Mittel ergreift, als die einer zwanglosen Vernunft, wenn ihr über Hochverrat schreiet, das gemeine Wesen, das sich auf so subtile Bearbeitungen gar nicht versteht, gleichsam als zum Feuerlöschen zusammenruft, so macht ihr euch lächerlich. Denn es ist die Rede gar nicht davon, was dem gemeinen Besten hierunter vorteilhaft, oder nachteilig sei, sondern nur, wie weit die Vernunft es wohl in ihrer von allem Interesse abstrahierenden
B 775 Spekulation bringen könne, und ob man auf diese überhaupt etwas rechnen, oder sie lieber gegen das Praktische gar aufgeben müsse. Anstatt also mit dem Schwerte drein zu schlagen, so sehet vielmehr von dem sicheren Sitze der Kritik diesem Streite geruhig zu, der für die Kämpfenden mühsam, für euch unterhaltend, und bei einem gewiß unblutigen Ausgange, für eure Einsichten ersprießlich ausfallen muß. Denn es ist sehr was Ungereimtes, von der Vernunft Aufklärung zu erwarten, und ihr doch vorher vorzuschreiben, auf welche Seite sie notwendig ausfallen müsse. Überdem wird Vernunft schon von selbst durch Vernunft so wohl gebändigt und in Schranken gehalten, daß ihr gar nicht nötig habt, Scharwachen aufzubieten, um demjenigen Teile, dessen besorgliche Obermacht euch gefährlich scheint, bürgerlichen Widerstand entgegenzusetzen. In dieser Dialektik gibt's keinen Sieg, über den ihr besorgt zu sein Ursache hättet.
Auch bedarf die Vernunft gar sehr eines solchen Streits, und es wäre zu wünschen, daß er eher und mit uneingeschränkter öffentlicher Erlaubnis wäre geführt worden. Denn um desto früher wäre eine reife Kritik zustande gekommen, bei deren Erscheinung alle diese Streithändel von selbst wegfallen müssen, indem die Streitenden ihre Verblendung und Vorurteile, welche sie veruneinigt haben, einsehen lernen.
Es gibt eine gewisse Unlauterkeit in der menschlichen Natur, die am Ende doch, wie alles, was von der
B 776 Natur kommt, eine Anlage zu guten Zwecken enthalten muß, nämlich eine Neigung, seine wahren Gesinnungen zu verhehlen, und gewisse angenommene, die man für gut und rühmlich hält, zur Schau zu tragen. Ganz gewiß haben die Menschen durch diesen Hang, sowohl sich zu verhehlen, als auch einen ihnen vorteilhaften Schein anzunehmen, sich nicht bloß zivilisiert, sondern nach und nach, in gewisser Maße, moralisiert, weil keiner durch die Schminke der Anständigkeit, Ehrbarkeit und Sittsamkeit durchdringen konnte, also an vermeintlich echten Beispielen des Guten, die er um sich sah, eine Schule der Besserung für sich selbst fand. Allein diese Anlage, sich besser zu stellen, als man ist, und Gesinnungen zu äußern, die man nicht hat, dient nur gleichsam provisorisch dazu, um den Menschen aus der Rohigkeit zu bringen, und ihn zuerst wenigstens die Manier des Guten, das er kennt, annehmen zu lassen; denn nachher, wenn die echten Grundsätze einmal entwickelt und in die Denkungsart übergegangen sind, so muß jene Falschheit nach und nach kräftig bekämpft werden, weil sie sonst das Herz verdirbt, und gute Gesinnungen unter dem Wucherkraute des schönen Scheins nicht aufkommen läßt.
Es tut mir leid, eben dieselbe Unlauterkeit, Verstellung und Heuchelei sogar in den Äußerungen der spekulativen Denkungsart wahrzunehmen, worin doch Menschen, das Geständnis ihrer Gedanken billigermaßen offen und unverhohlen zu entdecken, weit weniger Hindernisse und
B 777 gar keinen Vorteil haben. Denn was kann den Einsichten nachteiliger sein, als sogar bloße Gedanken verfälscht einander mitzuteilen, Zweifel, die wir wider unsere eigenen Behauptungen fühlen, zu verhehlen, oder Beweisgründen, die uns selbst nicht genugtun, einen Anstrich von Evidenz zu geben? So lange indessen bloß die Privateitelkeit diese geheimen Ränke anstiftet (welches in spekulativen Urteilen, die kein besonderes Interesse haben und nicht leicht einer apodiktischen Gewißheit fähig sind, gemeiniglich der Fall ist), so widersteht denn doch die Eitelkeit anderer mit öffentlicher Genehmigung, und die Sachen kommen zuletzt dahin, wo die lauterste Gesinnung und Aufrichtigkeit, obgleich weit früher, sie hingebracht haben würde. Wo aber das gemeine Wesen dafür hält, daß spitzfindige Vernünftler mit nichts minderem umgehen, als die Grundfeste der öffentlichen Wohlfahrt wankend zu machen, da scheint es nicht allein der Klugheit gemäß, sondern auch erlaubt und wohl gar rühmlich, der guten Sache eher durch Scheingründe zu Hilfe zu kommen, als den vermeintlichen Gegnern derselben auch nur den Vorteil zu lassen, unseren Ton zur Mäßigung einer bloß praktischen Überzeugung herabzustimmen, und uns zu nötigen, den Mangel der spekulativen und apodiktischen Gewißheit zu gestehen. Indessen sollte ich denken, daß sich mit der Absicht, eine gute Sache zu behaupten, in der Welt wohl nichts übler, als Hinterlist, Verstellung und Betrug vereinigen lasse. Daß es in der Abwiegung der
B 778 Vernunftgründe, einer bloßen Spekulation alles ehrlich zugehen müsse, ist wohl das wenigste, was man fordern kann. Könnte man aber auch nur auf dieses Wenige sicher rechnen, so wäre der Streit der spekulativen Vernunft über die wichtigen Fragen von Gott, der Unsterblichkeit (der Seele) und der Freiheit, entweder längst entschieden, oder würde sehr bald zu Ende gebracht werden. So steht öfters die Lauterkeit der Gesinnung im umgekehrten Verhältnisse der Gutartigkeit der Sache selbst, und diese hat vielleicht mehr aufrichtige und redliche Gegner, als Verteidiger.
Ich setze also Leser voraus, die keine gerechte Sache mit Unrecht verteidigt wissen wollen. In Ansehung deren ist es nun entschieden, daß, nach unseren Grundsätzen der Kritik, wenn man nicht auf dasjenige sieht, was geschieht, sondern was billig geschehen sollte, es eigentlich gar keine Polemik der reinen Vernunft geben müsse. Denn wie können zwei Personen einen Streit über eine Sache führen, deren Realität keiner von beiden in einer wirklichen, oder auch nur möglichen Erfahrung darstellen kann, über deren Idee er allein brütet, um aus ihr etwas mehr als Idee, nämlich die Wirklichkeit des Gegenstandes selbst, herauszubringen? Durch welches Mittel wollen sie aus dem Streite herauskommen, da keiner von beiden seine Sache geradezu begreiflich und gewiß machen, sondern nur die seines Gegners angreifen und widerlegen kann? Denn dieses ist das Schicksal aller Behauptungen der
B 779 reinen Vernunft: daß, da sie über die Bedingungen aller möglichen Erfahrung hinausgehen, außerhalb welchen kein Dokument der Wahrheit irgendwo angetroffen wird, sich aber gleichwohl der Verstandesgesetze, die bloß zum empirischen Gebrauche bestimmt sind, ohne die sich aber kein Schritt im synthetischen Denken tun läßt, bedienen müssen, sie dem Gegner jederzeit Blößen geben und sich gegenseitig die Blöße ihres Gegners zunutze machen können.
Man kann die Kritik der reinen Vernunft als den wahren Gerichtshof für alle Streitigkeiten derselben ansehen; denn sie ist in die letzteren, als welche auf Objekte unmittelbar gehen, nicht mit verwickelt, sondern ist dazu gesetzt, die Rechtsame der Vernunft überhaupt nach den Grundsätzen ihrer ersten Institution zu bestimmen und zu beurteilen.
Ohne dieselbe ist die Vernunft gleichsam im Stande der Natur, und kann ihre Behauptungen und Ansprüche nicht anders geltend machen, oder sichern, als durch Krieg. Die Kritik dagegen, welche alle Entscheidungen aus den Grundregeln ihrer eigenen Einsetzung hernimmt, deren Ansehen keiner bezweifeln kann, verschafft uns die Ruhe eines gesetzlichen Zustandes, in welchem wir unsere Streitigkeit nicht anders führen sollen, als durch Prozeß. Was die Händel in dem ersten Zustande endigt, ist ein Sieg, dessen sich beide Teile rühmen, auf den mehrenteils ein nur unsicherer Friede folgt, den die Obrigkeit stiftet, welche sich
B 780 ins Mittel legt, im zweiten aber die Sentenz, die, weil sie hier die Quelle der Streitigkeiten selbst trifft, einen ewigen Frieden gewähren muß. Auch nötigen die endlosen Streitigkeiten einer bloß dogmatischen Vernunft, endlich in irgendeiner Kritik dieser Vernunft selbst, und in einer Gesetzgebung, die sich auf sie gründet, Ruhe zu suchen; so wie Hobbes behauptet: der Stand der Natur sei ein Stand des Unrechts und der Gewalttätigkeit, und man müsse ihn notwendig verlassen, um sich dem gesetzlichen Zwange zu unterwerfen, der allein unsere Freiheit dahin einschränkt, daß sie mit jedes anderen Freiheit und eben dadurch mit dem gemeinen Besten zusammen bestehen könne.
Zu dieser Freiheit gehört denn auch die, seine Gedanken, seine Zweifel, die man sich nicht selbst auflösen kann, öffentlich zur Beurteilung auszustellen, ohne darüber für einen unruhigen und gefährlichen Bürger verschrieen zu werden. Dies liegt schon in dem ursprünglichen Rechte der menschlichen Vernunft, welche keinen anderen Richter erkennt, als selbst wiederum die allgemeine Menschenvernunft, worin ein jeder seine Stimme hat; und, da von dieser alle Besserung, deren unser Zustand fähig ist, herkommen muß, so ist ein solches Recht heilig, und darf nicht geschmälert werden. Auch ist es sehr unweise, gewisse gewagte Behauptungen oder vermessene Angriffe auf die, welche schon die Beistimmung des größten und besten Teils des gemeinen Wesens auf ihrer Seite haben, für gefährlich auszuschreien: denn das heißt, ihnen eine
B 781 Wichtigkeit geben, die sie gar nicht haben sollten. Wenn ich höre, daß ein nicht gemeiner Kopf die Freiheit des menschlichen Willens, die Hoffnung eines künftigen Lebens, und das Dasein Gottes wegdemonstriert haben solle, so bin ich begierig, das Buch zu lesen, denn ich erwarte von seinem Talent, daß er meine Einsichten weiter bringen werde. Das weiß ich schon zum voraus völlig gewiß, daß er nichts von allem diesem wird geleistet haben, nicht darum, weil ich etwa schon im Besitze unbezwinglicher Beweise dieser wichtigen Sätze zu sein glaubte, sondern weil mich die transzendentale Kritik, die mir den ganzen Vorrat unserer reinen Vernunft aufdeckte, völlig überzeugt hat, daß, so wie sie zu bejahenden Behauptungen in diesem Felde ganz unzulänglich ist, so wenig und noch weniger werde sie wissen, um über diese Fragen etwas verneinend behaupten zu können. Denn, wo will der angebliche Freigeist seine Kenntnis hernehmen, daß es z.B. kein höchstes Wesen gebe? Dieser Satz liegt außerhalb dem Felde möglicher Erfahrung, und darum auch außer den Grenzen aller menschlichen Einsicht. Den dogmatischen Verteidiger der guten Sache gegen diesen Feind würde ich gar nicht lesen, weil ich zum voraus weiß, daß er nur darum die Scheingründe des anderen angreifen werde, um seinen eigenen Eingang zu verschaffen, überdem ein alltägiger Schein doch nicht so viel Stoff zu neuen Bemerkungen gibt, als ein befremdlicher und sinnreich ausgedachter. Hingegen würde der nach seiner Art auch
B 782 dogmatische Religionsgegner, meiner Kritik gewünschte Beschäftigung und Anlaß zu mehrerer Berichtigung ihrer Grundsätze geben, ohne daß seinetwegen im mindesten etwas zu befürchten wäre.
Aber die Jugend, welche dem akademischen Unterrichte anvertraut ist, soll doch wenigstens vor dergleichen Schriften gewarnt, und von der frühen Kenntnis so gefährlicher Sätze abgehalten werden, ehe ihre Urteilskraft gereift, oder vielmehr die Lehre, welche man in ihnen gründen will, fest gewurzelt ist, um aller Überredung zum Gegenteil, woher sie auch kommen möge, kräftig zu widerstehen?
Müßte es bei dem dogmatischen Verfahren in Sachen der reinen Vernunft bleiben, und die Abfertigung der Gegner eigentlich polemisch, d.i. so beschaffen sein, daß man sich ins Gefecht einließe, und mit Beweisgründen zu entgegengesetzten Behauptungen bewaffnete, so wäre freilich nichts ratsamer vor der Hand, aber zugleich nichts eitler und fruchtloser auf die Dauer, als die Vernunft der Jugend eine Zeitlang unter Vormundschaft zu setzen, und wenigstens so lange vor Verführung zu bewahren. Wenn aber in der Folge entweder Neugierde, oder der Modeton des Zeitalters ihr dergleichen Schriften in die Hände spielen: wird alsdann jene jugendliche Überredung noch Stich halten? Derjenige, der nichts als dogmatische Waffen mitbringt, um den Angriffen seines Gegners zu widerstehen, und die verborgene Dialektik, die nicht minder
B 783 in seinem eigenen Busen, als in dem des Gegenteils liegt, nicht zu entwickeln weiß, sieht Scheingründe, die den Vorzug der Neuigkeit haben, gegen Scheingründe, welche dergleichen nicht mehr haben, sondern vielmehr den Verdacht einer mißbrauchten Leichtgläubigkeit der Jugend erregen, auftreten. Er glaubt nicht besser zeigen zu können, daß er der Kinderzucht entwachsen sei, als wenn er sich über jene wohlgemeinten Warnungen wegsetzt, und, dogmatisch gewohnt, trinkt er das Gift, das seine Grundsätze dogmatisch verdirbt, in langen Zügen in sich.
Gerade das Gegenteil von dem, was man hier anrät, muß in der akademischen Unterweisung geschehen, aber freilich nur unter der Voraussetzung eines gründlichen Unterrichts in der Kritik der reinen Vernunft. Denn, um die Prinzipien derselben so früh als möglich in Ausübung zu bringen, und ihre Zulänglichkeit bei dem größten dialektischen Scheine zu zeigen, ist es durchaus nötig, die für den Dogmatiker so furchtbaren Angriffe wider seine, obzwar noch schwache, aber durch Kritik aufgeklärte Vernunft zu richten, und ihn den Versuch machen zu lassen, die grundlosen Behauptungen des Gegners Stück für Stück an jenen Grundsätzen zu prüfen. Es kann ihm gar nicht schwer werden, sie in lauter Dunst aufzulösen, und so fühlt er frühzeitig seine eigene Kraft, sich wider dergleichen schädliche Blendwerke, die für ihn zuletzt allen Schein verlieren müssen, völlig zu sichern. Ob nun zwar eben dieselben
B 784 Streiche, die das Gebäude des Feindes niederschlagen, auch seinem eigenen spekulativen Bauwerke, wenn er etwa dergleichen zu errichten gedächte, ebenso verderblich sein müssen: so ist er darüber doch gänzlich unbekümmert, indem er es gar nicht bedarf, darinnen zu wohnen, sondern noch eine Aussicht in das praktische Feld vor sich hat, wo er mit Grund einen festeren Boden hoffen kann, um darauf sein vernünftiges und heilsames System zu errichten.
So gibts demnach keine eigentliche Polemik im Felde der reinen Vernunft. Beide Teile sind Luftfechter, die sich mit ihrem Schatten herumbalgen, denn sie gehen über die Natur hinaus, wo für ihre dogmatischen Griffe nichts vorhanden ist, was sich fassen und halten ließe. Sie haben gut kämpfen; die Schatten, die sie zerhauen, wachsen, wie die Helden in Walhalla, in einem Augenblicke wiederum zusammen, um sich aufs neue in unblutigen Kämpfen belustigen zu können.
Es gibt aber auch keinen zulässigen skeptischen Gebrauch der reinen Vernunft, welchen man den Grundsatz der Neutralität bei allen ihren Streitigkeiten nennen könnte. Die Vernunft wider sich selbst zu verhetzen, ihr auf beiden Seiten Waffen zu reichen, und alsdann ihrem hitzigsten Gefechte ruhig und spöttisch zuzusehen, sieht aus einem dogmatischen Gesichtspunkte nicht wohl aus, sondern hat das Ansehen einer schadenfrohen und hämischen Gemütsart an sich. Wenn man indessen die unbezwingliche Verblendung und das Großtun der Vernünftler, die sich
B 785 durch keine Kritik will mäßigen lassen, ansieht, so ist doch wirklich kein anderer Rat, als der Großsprecherei auf einer Seite, eine andere, welche auf eben dieselben Rechte fußt, entgegen zu setzen, damit die Vernunft durch den Widerstand eines Feindes wenigstens nur stutzig gemacht werde, um in ihre Anmaßungen einigen Zweifel zu setzen, und der Kritik Gehör zu geben. Allein es bei diesen Zweifeln gänzlich bewenden zu lassen, und es darauf auszusetzen, die Überzeugung und das Geständnis seiner Unwissenheit, nicht bloß als ein Heilmittel wider den dogmatischen Eigendünkel, sondern zugleich als die Art, den Streit der Vernunft mit sich selbst zu beendigen, empfehlen zu wollen, ist ein ganz vergeblicher Anschlag, und kann keineswegs dazu tauglich sein, der Vernunft einen Ruhestand zu verschaffen, sondern ist höchstens nur ein Mittel, sie aus ihrem süßen dogmatischen Traume zu erwecken, um ihren Zustand in sorgfältigere Prüfung zu ziehen. Da indessen diese skeptische Manier, sich aus einem verdrießlichen Handel der Vernunft zu ziehen, gleichsam der kurze Weg zu sein scheint, zu einer beharrlichen philosophischen Ruhe zu gelangen, wenigstens die Heeresstraße, welche diejenigen gern einschlagen, die sich in einer spöttischen Verachtung aller Nachforschungen dieser Art ein philosophisches Ansehen zu geben meinen, so finde ich es nötig, diese Denkungsart in ihrem eigentümlichen Lichte darzustellen.
B 786 Von der Unmöglichkeit einer skeptischen Befriedigung der mit sich selbst veruneinigten reinen Vernunft
Das Bewußtsein meiner Unwissenheit, (wenn diese nicht zugleich als notwendig erkannt wird,) statt daß sie meine Untersuchungen endigen sollte, ist vielmehr die eigentliche Ursache, sie zu erwecken. Alle Unwissenheit ist entweder die der Sachen, oder der Bestimmung und Grenzen meiner Erkenntnis. Wenn die Unwissenheit nun zufällig ist, so muß sie mich antreiben, im ersteren Falle den Sachen (Gegenständen) dogmatisch, im zweiten den Grenzen meiner möglichen Erkenntnis kritisch nachzuforschen. Daß aber meine Unwissenheit schlechthin notwendig sei, und mich daher von aller weiteren Nachforschung freispreche, läßt sich nicht empirisch, aus Beobachtung, sondern allein kritisch, durch Ergründung der ersten Quellen unserer Erkenntnis ausmachen. Also kann die Grenzbestimmung unserer Vernunft nur nach Gründen a priori geschehen; die Einschränkung derselben aber, welche eine obgleich nur unbestimmte Erkenntnis einer nie völlig zu hebenden Unwissenheit ist, kann auch a posteriori, durch das, was uns bei allem Wissen immer noch zu wissen übrigbleibt, erkannt werden. Jene durch Kritik der Vernunft selbst allein mögliche Erkenntnis seiner Unwissenheit ist also Wissenschaft, diese ist nichts als Wahrnehmung, von der
B 787 man nicht sagen kann, wie weit der Schluß aus selbiger reichen möge. Wenn ich mir die Erdfläche (dem sinnlichen Scheine gemäß) als einen Teller vorstelle, so kann ich nicht wissen, wie weit sie sich erstrecke. Aber das lehrt mich die Erfahrung: daß, wohin ich nur komme, ich immer einen Raum um mich sehe, dahin ich weiter fortgehen könnte; mithin erkenne ich Schranken meiner jedesmal wirklichen Erdkunde, aber nicht die Grenzen aller möglichen Erdbeschreibung. Bin ich aber doch so weit gekommen, zu wissen, daß die Erde eine Kugel und ihre Fläche eine Kugelfläche sei, so kann ich auch aus einem kleinen Teil derselben, z.B. der Größe eines Grades, den Durchmesser, und, durch diesen, die völlige Begrenzung der Erde, d.i. ihre Oberfläche, bestimmt und nach Prinzipien a priori erkennen; und ob ich gleich in Ansehung der Gegenstände, die diese Fläche enthalten mag, unwissend bin, so bin ich es doch nicht in Ansehung des Umfanges, der sie enthält, der Größe und Schranken derselben.
Der Inbegriff aller möglichen Gegenstände für unsere Erkenntnis scheint uns eine ebene Fläche zu sein, die ihren scheinbaren Horizont hat, nämlich das, was den ganzen Umfang derselben befaßt und von uns der Vernunftbegriff der unbedingten Totalität genannt worden. Empirisch denselben zu erreichen, ist unmöglich, und nach einem gewissen Prinzip ihn a priori zu bestimmen, dazu sind alle Versuche vergeblich gewesen. Indessen gehen doch
B 788 alle Fragen unserer reinen Vernunft auf das, was außerhalb diesem Horizonte, oder allenfalls auch in seiner Grenzlinie liegen möge.
Der berühmte David Hume war einer dieser Geographen der menschlichen Vernunft, welcher jene Fragen insgesamt dadurch hinreichend abgefertigt zu haben vermeinte, daß er sie außerhalb den Horizont derselben verwies, den er doch nicht bestimmen konnte. Er hielt sich vornehmlich bei dem Grundsatze der Kausalität auf, und bemerkte von ihm ganz richtig, daß man seine Wahrheit (ja nicht einmal die objektive Gültigkeit des Begriffs einer wirkenden Ursache überhaupt) auf gar keine Einsicht, d.i. Erkenntnis a priori, fuße, daß daher auch nicht im mindesten die Notwendigkeit dieses Gesetzes, sondern eine bloße allgemeine Brauchbarkeit desselben in dem Laufe der Erfahrung und eine daher entspringende subjektive Notwendigkeit, die er Gewohnheit nennt, sein ganzes Ansehen ausmache. Aus dem Unvermögen unserer Vernunft nun, von diesem Grundsatze einen über alle Erfahrung hinausgehenden Gebrauch zu machen, schloß er die Nichtigkeit aller Anmaßungen der Vernunft überhaupt über das Empirische hinauszugehen.
Man kann ein Verfahren dieser Art, die Fakta der Vernunft der Prüfung und nach Befinden dem Tadel zu unterwerfen, die Zensur der Vernunft nennen. Es ist außer Zweifel, daß diese Zensur unausbleiblich auf Zweifel gegen allen transzendenten Gebrauch der Grundsätze
B 789 führe. Allein dies ist nur der zweite Schritt, der noch lange nicht das Werk vollendet. Der erste Schritt in Sachen der reinen Vernunft, der das Kindesalter derselben auszeichnet ist dogmatisch. Der obengenannte zweite Schritt ist skeptisch, und zeugt von Vorsichtigkeit der durch Erfahrung gewitzigten Urteilskraft. Nun ist aber noch ein dritter Schritt nötig, der nur der gereiften und männlichen Urteilskraft zukommt, welche feste und ihrer Allgemeinheit nach bewährte Maximen zum Grunde hat; nämlich, nicht die Fakta der Vernunft, sondern die Vernunft selbst, nach ihrem ganzen Vermögen und Tauglichkeit zu reinen Erkenntnissen a priori, der Schätzung zu unterwerfen; welches nicht die Zensur, sondern Kritik der Vernunft ist, wodurch nicht bloß Schranken, sondern die bestimmten Grenzen derselben, nicht bloß Unwissenheit an einem oder anderen Teil, sondern in Ansehung aller möglichen Fragen von einer gewissen Art, und zwar nicht etwa nur vermutet, sondern aus Prinzipien bewiesen wird. So ist der Skeptizismus ein Ruheplatz für die menschliche Vernunft, da sie sich über ihre dogmatische Wanderung besinnen und den Entwurf von der Gegend machen kann, wo sie sich befindet, um ihren Weg fernerhin mit mehrerer Sicherheit wählen zu können, aber nicht ein Wohnplatz zum beständigen Aufenthalte; denn dieser kann nur in einer völligen Gewißheit angetroffen werden, es sei nun der Erkenntnis der Gegenstände selbst, oder der Grenzen, innerhalb
B 790 denen alle unsere Erkenntnis von Gegenständen eingeschlossen ist.
Unsere Vernunft ist nicht etwa eine unbestimmbar weit ausgebreitete Ebene, deren Schranken man nur so überhaupt erkennt, sondern muß vielmehr mit einer Sphäre verglichen werden, deren Halbmesser sich aus der Krümmung des Bogens auf ihrer Oberfläche (der Natur synthetischer Sätze a priori) finden, daraus aber auch der Inhalt und die Begrenzung derselben mit Sicherheit angeben läßt. Außer dieser Sphäre (Feld der Erfahrung) ist nichts für ihr Objekt, ja selbst Fragen über dergleichen vermeintliche Gegenstände betreffen nur subjektive Prinzipien einer durchgängigen Bestimmung der Verhältnisse, welche unter den Verstandesbegriffen innerhalb dieser Sphäre vorkommen können.
Wir sind wirklich im Besitz synthetischer Erkenntnis a priori, wie dieses die Verstandesgrundsätze, welche die Erfahrung antizipieren, dartun. Kann jemand nun die Möglichkeit derselben sich gar nicht begreiflich machen, so mag er zwar anfangs zweifeln, ob sie uns auch wirklich a priori beiwohnen; er kann dieses aber noch nicht für eine Unmöglichkeit derselben, durch bloße Kräfte des Verstandes, und alle Schritte, die die Vernunft nach der Richtschnur derselben tut, für nichtig ausgeben. Er kann nur sagen: wenn wir ihren Ursprung und Echtheit einsähen, so würden wir den Umfang und die Grenzen unserer Vernunft bestimmen können; ehe aber dieses geschehen ist,
B 791 sind alle Behauptungen der letzten blindlings gewagt. Und auf solche Weise wäre ein durchgängiger Zweifel an aller dogmatischen Philosophie, die ohne Kritik der Vernunft selbst ihren Gang geht, ganz wohl gegründet; allein darum könnte doch der Vernunft nicht ein solcher Fortgang, wenn er durch bessere Grundlegung vorbereitet und gesichert würde, gänzlich abgesprochen werden. Denn, einmal liegen alle Begriffe, ja alle Fragen, welche uns die reine Vernunft vorlegt, nicht etwa in der Erfahrung, sondern selbst wiederum nur in der Vernunft, und müssen daher können aufgelöst und ihrer Gültigkeit oder Nichtigkeit nach begriffen werden. Wir sind auch nicht berechtigt, diese Aufgaben, als läge ihre Auflösung wirklich in der Natur der Dinge, doch unter dem Vorwande unseres Unvermögens abzuweisen, und uns ihrer weiteren Nachforschung zu weigern, da die Vernunft in ihrem Schoße allein diese Ideen selbst erzeugt hat, von deren Gültigkeit oder dialektischem Scheine sie also Rechenschaft zu geben gehalten ist.
Alles skeptische Polemisieren ist eigentlich nur wider den Dogmatiker gekehrt, der, ohne ein Mißtrauen auf seine ursprünglichen objektiven Prinzipien zu setzen, d.i. ohne Kritik, gravitätisch seinen Gang fortsetzt, bloß um ihm das Konzept zu verrücken und ihn zur Selbsterkenntnis zu bringen. An sich macht sie in Ansehung dessen, was wir wissen und was wir dagegen nicht wissen können, ganz und gar nichts aus. Alle fehlgeschlagenen dogmatischen Versuche
B 792 der Vernunft sind Fakta, die der Zensur zu unterwerfen immer nützlich ist. Dieses aber kann nichts über die Erwartungen der Vernunft entscheiden, einen besseren Erfolg ihrer künftigen Bemühungen zu hoffen und darauf Ansprüche zu machen; die bloße Zensur kann also die Streitigkeit über die Rechtsame der menschlichen Vernunft niemals zu Ende bringen.
Da Hume vielleicht der geistreichste unter allen Skeptikern, und ohne Widerrede der vorzüglichste in Ansehung des Einflusses ist, den das skeptische Verfahren auf die Erweckung einer gründlichen Vernunftprüfung haben kann, so verlohnt es sich wohl der Mühe, den Gang seiner Schlüsse und die Verirrungen eines so einsehenden und schätzbaren Mannes, die doch auf der Spur der Wahrheit angefangen haben, so weit es zu meiner Absicht schicklich ist, vorstellig zu machen.
Hume hatte es vielleicht in Gedanken, wiewohl er es niemals völlig entwickelte, daß wir in Urteilen von gewisser Art, über unseren Begriff vom Gegenstande hinausgehen. Ich habe diese Art von Urteilen synthetisch genannt. Wie ich aus meinem Begriffe, den ich bis dahin habe, vermittelst der Erfahrung hinausgehen könne, ist keiner Bedenklichkeit unterworfen. Erfahrung ist selbst eine solche Synthesis der Wahrnehmungen, welche meinen Begriff, den ich vermittelst einer Wahrnehmung habe, durch andere hinzukommende vermehrt. Allein wir glauben auch a priori aus unserem Begriffe hinausgehen und
B 793 unsere Erkenntnis erweitern zu können. Dieses versuchen wir entweder durch den reinen Verstand, in Ansehung desjenigen, was wenigstens ein Objekt der Erfahrung sein kann, oder sogar durch reine Vernunft, in Ansehung solcher Eigenschaften der Dinge, oder auch wohl des Daseins solcher Gegenstände, die in der Erfahrung niemals vorkommen können. Unser Skeptiker unterschied diese beiden Arten der Urteile nicht, wie er es doch hätte tun sollen, und hielt geradezu diese Vermehrung der Begriffe aus sich selbst, und, sozusagen, die Selbstgebärung unseres Verstandes (samt der Vernunft), ohne durch Erfahrung geschwängert zu sein, für unmöglich, mithin alle vermeintlichen Prinzipien derselben a priori für eingebildet, und fand, daß sie nichts als eine aus Erfahrung und deren Gesetzen entspringende Gewohnheit, mithin bloß empirische d.i. an sich zufällige Regeln sind, denen wir eine vermeinte Notwendigkeit und Allgemeinheit beimessen. Er bezog sich aber zu Behauptung dieses befremdlichen Satzes auf den allgemein anerkannten Grundsatz von dem Verhältnis der Ursache zur Wirkung. Denn da uns kein Verstandesvermögen von dem Begriffe eines Dinges zu dem Dasein von etwas anderem, was dadurch allgemein und notwendig gegeben sei, führen kann: so glaubte er daraus folgern zu können, daß wir ohne Erfahrung nichts haben, was unseren Begriff vermehren und uns zu einem solchen a priori sich selbst erweiternden Urteile berechtigen könnte. Daß das Sonnenlicht, welches das Wachs beleuchtet, es
B 794 zugleich schmelze, indessen es den Ton härtet, könne kein Verstand aus Begriffen, die wir vorher von diesen Dingen hatten, erraten, viel weniger gesetzmäßig schließen, und nur Erfahrung könne uns ein solches Gesetz lehren. Dagegen haben wir in der transzendentalen Logik gesehen: daß, ob wir zwar niemals unmittelbar über den Inhalt des Begriffs, der uns gegeben ist, hinausgehen können, wir doch völlig a priori, aber in Beziehung auf ein drittes, nämlich mögliche Erfahrung, also doch a priori, das Gesetz der Verknüpfung mit anderen Dingen erkennen können. Wenn also vorher fest gewesenes Wachs schmilzt, so kann ich a priori erkennen, daß etwas vorausgegangen sein müsse, (z.B. Sonnenwärme,) worauf dieses nach einem beständigen Gesetze gefolgt ist, ob ich zwar, ohne Erfahrung, aus der Wirkung weder die Ursache noch aus der Ursache, die Wirkung, a priori und ohne Belehrung der Erfahrung bestimmt erkennen könnte. Er schloß also fälschlich aus der Zufälligkeit unserer Bestimmung nach dem Gesetze, auf die Zufälligkeit des Gesetzes selbst, und das Herausgehen aus dem Begriffe eines Dinges auf mögliche Erfahrung (welches a priori geschieht und die objektive Realität desselben ausmacht,) verwechselte er mit der Synthesis der Gegenstände wirklicher Erfahrung, welche freilich jederzeit empirisch ist; dadurch machte er aber aus einem Prinzip der Affinität, welches im Verstande seinen Sitz hat, und notwendige Verknüpfung aussagt, eine Regel der Assoziation, die bloß in der nachbildenden
B 795 Einbildungskraft angetroffen wird, und nur zufällige, gar nicht objektive Verbindungen darstellen kann.
Die skeptischen Verirrungen aber dieses sonst äußerst scharfsinnigen Mannes entsprangen vornehmlich aus einem Mangel, den er doch mit allen Dogmatikern gemein hatte nämlich, daß er nicht alle Arten der Synthesis des Verstandes a priori systematisch übersah. Denn da würde er, ohne der übrigen hier Erwähnung zu tun, z.B. den Grundsatz der Beharrlichkeit als einen solchen gefunden haben, der ebensowohl, als der der Kausalität, die Erfahrung antizipiert. Dadurch würde er auch dem a priori sich erweiternden Verstande und der reinen Vernunft bestimmte Grenzen haben vorzeichnen können. Da er aber unseren Verstand nur einschränkt, ohne ihn zu begrenzen, und, zwar ein allgemeines Mißtrauen, aber keine bestimmte Kenntnis der uns unvermeidlichen Unwissenheit zustande bringt, da er einige Grundsätze des Verstandes unter Zensur bringt, ohne diesen Verstand in Ansehung seines ganzen Vermögens auf die Probierwage der Kritik zu bringen, und, indem er ihm dasjenige abspricht, was er wirklich nicht leisten kann, weiter geht, und ihm alles Vermögen, sich a priori zu erweitern, bestreitet, unerachtet er dieses ganze Vermögen nicht zur Schätzung gezogen; so widerfährt ihm das, was jederzeit den Skeptizismus niederschlägt, nämlich, daß er selbst bezweifelt wird, indem seine Einwürfe nur auf Faktis, welche zufällig sind, nicht aber auf
B 796 Prinzipien beruhen, die eine notwendige Entsagung auf das Recht dogmatischer Behauptungen bewirken könnten.
Da er auch zwischen den gegründeten Ansprüchen des Verstandes und den dialektischen Anmaßungen der Vernunft, wider welche doch hauptsächlich seine Angriffe gerichtet sind, keinen Unterschied kennt: so fühlt die Vernunft, deren ganz eigentümlicher Schwung hierbei nicht im mindesten gestört, sondern nur gehindert worden, den Raum zu ihrer Ausbreitung nicht verschlossen, und kann von ihren Versuchen, unerachtet sie hier oder da gezwackt wird, niemals gänzlich abgebracht werden. Denn wider Angriffe rüstet man sich zur Gegenwehr, und setzt noch um desto steifer seinen Kopf darauf, um seine Forderungen durchzusetzen. Ein völliger Überschlag aber seines ganzen Vermögens und die daraus entspringende Überzeugung der Gewißheit eines kleinen Besitzes, bei der Eitelkeit höherer Ansprüche, hebt allen Streit auf, und bewegt, sich an einem eingeschränkten, aber unstrittigen Eigentume friedfertig zu begnügen.
Wider den unkritischen Dogmatiker, der die Sphäre seines Verstandes nicht gemessen, mithin die Grenzen seiner möglichen Erkenntnis nicht nach Prinzipien bestimmt hat, der also nicht schon zum voraus weiß, wie viel er kann, sondern es durch bloße Versuche ausfindig zu machen denkt, sind diese skeptischen Angriffe nicht allein gefährlich, sondern ihm sogar verderblich. Denn, wenn er auf einer einzigen Behauptung betroffen wird, die er nicht
B 797 rechtfertigen, deren Schein er aber auch nicht aus Prinzipien entwickeln kann, so fällt der Verdacht auf alle, so überredend sie auch sonst immer sein mögen.
Und so ist der Skeptiker der Zuchtmeister des dogmatischen Vernünftlers auf eine gesunde Kritik des Verstandes und der Vernunft selbst. Wenn er dahin gelangt ist, so hat er weiter keine Anfechtung zu fürchten; denn er unterscheidet alsdann seinen Besitz von dem, was gänzlich außerhalb demselben liegt, worauf er keine Ansprüche macht und darüber auch nicht in Streitigkeiten verwickelt werden kann. So ist das skeptische Verfahren zwar an sich selbst für die Vernunftfragen nicht befriedigend, aber doch vorübend, um ihre Vorsichtigkeit zu erwecken und auf gründliche Mittel zu weisen, die sie in ihren rechtmäßigen Besitzen sichern können.
Des ersten Hauptstücks Dritter Abschnitt Die Disziplin der reinen Vernunft in Ansehung der Hypothesen
Weil wir denn durch Kritik unserer Vernunft endlich so viel wissen, daß wir in ihrem reinen und spekulativen Gebrauche in der Tat gar nichts wissen können; sollte sie nicht ein desto weiteres Feld zu Hypothesen eröffnen, da es wenigstens vergönnt ist, zu dichten und zu meinen, wenngleich nicht zu behaupten?
B 798 Wo nicht etwa Einbildungskraft schwärmen, sondern, unter der strengen Aufsicht der Vernunft, dichten soll, so muß immer vorher etwas völlig gewiß und nicht erdichtet, oder bloße Meinung sein, und das ist die Möglichkeit des Gegenstandes selbst. Alsdann ist es wohl erlaubt, wegen der Wirklichkeit desselben, zur Meinung seine Zuflucht zu nehmen, die aber, um nicht grundlos zu sein, mit dem, was wirklich gegeben und folglich gewiß ist, als Erklärungsgrund in Verknüpfung gebracht werden muß, und alsdann Hypothese heißt.
Da wir uns nun von der Möglichkeit der dynamischen Verknüpfung a priori nicht den mindesten Begriff machen können, und die Kategorie des reinen Verstandes nicht dazu dient, dergleichen zu erdenken, sondern nur, wo sie in der Erfahrung angetroffen wird, zu verstehen: so können wir nicht einen einzigen Gegenstand, nach einer neuen und empirisch nicht anzugebenden Beschaffenheit, diesen Kategorien gemäß, ursprünglich aussinnen und sie einer erlaubten Hypothese zum Grunde legen; denn dieses hieße, der Vernunft leere Hirngespinste, statt der Begriffe von Sachen, unterzulegen. So ist es nicht erlaubt, sich irgend neue ursprüngliche Kräfte zu erdenken, z.B. einen Verstand, der vermögend sei, seinen Gegenstand ohne Sinne anzuschauen, oder eine Anziehungskraft ohne alle Berührung, oder eine neue Art Substanzen, z.B. die ohne Undurchdringlichkeit im Raume gegenwärtig wäre, folglich auch keine Gemeinschaft der Substanzen, die von aller derjenigen
B 799 unterschieden ist, welche Erfahrung an die Hand gibt: keine Gegenwart anders, als im Raume; keine Dauer, als bloß in der Zeit. Mit einem Worte: es ist unserer Vernunft nur möglich, die Bedingungen möglicher Erfahrung als Bedingungen der Möglichkeit der Sachen zu brauchen; keineswegs aber, ganz unabhängig von diesen, sich selbst welche gleichsam zu schaffen, weil dergleichen Begriffe, obzwar ohne Widerspruch, dennoch auch ohne Gegenstand sein würden.
Die Vernunftbegriffe sind, wie gesagt, bloße Ideen, und haben freilich keinen Gegenstand in irgendeiner Erfahrung, aber bezeichnen darum doch nicht gedichtete und zugleich dabei für möglich angenommene Gegenstände. Sie sind bloß problematisch gedacht, um, in Beziehung auf sie (als heuristische Fiktionen), regulative Prinzipien des systematischen Verstandesgebrauchs im Felde der Erfahrung zu gründen. Geht man davon ab, so sind es bloße Gedankendinge, deren Möglichkeit nicht erweislich ist, und die daher auch nicht der Erklärung wirklicher Erscheinungen durch eine Hypothese zum Grunde gelegt werden können. Die Seele sich als einfach denken, ist ganz wohl erlaubt, um, nach dieser Idee, eine vollständige und notwendige Einheit aller Gemütskräfte, ob man sie gleich nicht in concreto einsehen kann, zum Prinzip unserer Beurteilung ihrer inneren Erscheinungen zu legen. Aber die Seele als einfache Substanz anzunehmen (ein transzendenter Begriff), wäre ein Satz, der nicht allein
B 800 unerweislich, (wie es mehrere physische Hypothesen sind,) sondern auch ganz willkürlich und blindlings gewagt sein würde, weil das Einfache in ganz und gar keiner Erfahrung vorkommen kann, und, wenn man unter Substanz hier das beharrliche Objekt der sinnlichen Anschauung versteht, die Möglichkeit einer einfachen Erscheinung gar nicht einzusehen ist. Bloß intelligible Wesen, oder bloß intelligible Eigenschaften der Dinge der Sinnenwelt, lassen sich mit keiner gegründeten Befugnis der Vernunft als Meinung annehmen, obzwar (weil man von ihrer Möglichkeit oder Unmöglichkeit keine Begriffe hat) auch durch keine vermeinte bessere Einsicht dogmatisch ableugnen.
Zur Erklärung gegebener Erscheinungen können keine anderen Dinge und Erklärungsgründe, als die, so nach schon bekannten Gesetzen der Erscheinungen mit den gegebenen in Verknüpfung gesetzt worden, angeführt werden. Eine transzendentale Hypothese, bei der eine bloße Idee der Vernunft zur Erklärung der Naturdinge gebraucht würde, würde daher gar keine Erklärung sein, indem das, was man aus bekannten empirischen Prinzipien nicht hinreichend versteht, durch etwas erklärt werden würde, davon man gar nichts versteht. Auch würde das Prinzip einer solchen Hypothese eigentlich nur zur Befriedigung der Vernunft und nicht zur Beförderung des Verstandesgebrauchs in Ansehung der Gegenstände dienen. Ordnung und Zweckmäßigkeit in der Natur muß wiederum aus Naturgründen und nach Naturgesetzen erklärt werden, und
B 801 hier sind selbst die wildesten Hypothesen, wenn sie nur physisch sind, erträglicher, als eine hyperphysische, d.i. die Berufung auf einen göttlichen Urheber, den man zu diesem Behuf voraussetzt. Denn das wäre ein Prinzip der faulen Vernunft (ignava ratio), alle Ursachen, deren objektive Realität, wenigstens der Möglichkeit nach, man noch durch fortgesetzte Erfahrung kann kennenlernen, auf einmal vorbeizugehen, um in einer bloßen Idee, die der Vernunft sehr bequem ist, zu ruhen. Was aber die absolute Totalität des Erklärungsgrundes in der Reihe derselben betrifft, so kann das kein Hindernis in Ansehung der Weltobjekte machen, weil, da diese nichts als Erscheinungen sind, an ihnen niemals etwas Vollendetes in der Synthesis der Reihen von Bedingungen gehofft werden kann.
Transzendentale Hypothesen des spekulativen Gebrauchs der Vernunft, und eine Freiheit, zu Ersetzung des Mangels an physischen Erklärungsgründen, sich allenfalls hyperphysischer zu bedienen, kann gar nicht gestattet werden, teils weil die Vernunft dadurch gar nicht weiter gebracht wird, sondern vielmehr den ganzen Fortgang ihres Gebrauchs abschneidet, teils weil diese Lizenz sie zuletzt um alle Früchte der Bearbeitung ihres eigentümlichen Bodens, nämlich der Erfahrung, bringen müßte. Denn, wenn uns die Naturerklärung hier oder da schwer wird, so haben wir beständig einen transzendenten Erklärungsgrund bei der Hand, der uns jener Untersuchung überhebt,
B 802 und unsere Nachforschung schließt nicht durch Einsicht, sondern durch gänzliche Unbegreiflichkeit eines Prinzips, welches so schon zum voraus ausgedacht war, daß es den Begriff des absolut Ersten enthalten mußte.
Das zweite erforderliche Stück zur Annehmungswürdigkeit einer Hypothese ist die Zulänglichkeit derselben, um daraus a priori die Folgen, welche gegeben sind, zu bestimmen. Wenn man zu diesem Zwecke hilfleistende Hypothesen herbeizurufen genötigt ist, so geben sie den Verdacht einer bloßen Erdichtung, weil jede derselben an sich dieselbe Rechtfertigung bedarf, welche der zum Grunde gelegte Gedanke nötig hatte, und daher keinen tüchtigen Zeugen abgeben kann. Wenn, unter Voraussetzung einer unbeschränkt vollkommenen Ursache, zwar an Erklärungsgründen aller Zweckmäßigkeit, Ordnung und Größe, die sich in der Welt finden, kein Mangel ist, so bedarf jene doch, bei den, wenigstens nach unseren Begriffen, sich zeigenden Abweichungen und Übeln, noch neuer Hypothesen, um gegen diese, als Einwürfe, gerettet zu werden. Wenn die einfache Selbständigkeit der menschlichen Seele, die zum Grunde ihrer Erscheinungen gelegt worden, durch die Schwierigkeiten ihrer, den Abänderungen einer Materie (dem Wachstum und Abnahme) ähnlichen Phänomene angefochten wird, so müssen neue Hypothesen zu Hilfe gerufen werden, die zwar nicht ohne Schein, aber doch ohne alle Beglaubigung sind, außer derjenigen,
B 803 welche ihnen die zum Hauptgrunde angenommene Meinung gibt, der sie gleichwohl das Wort reden sollen.
Wenn die hier zum Beispiele angeführten Vernunftbehauptungen (unkörperliche Einheit der Seele und Dasein eines höchsten Wesens) nicht als Hypothesen, sondern a priori bewiesene Dogmate gelten sollen, so ist alsdann von ihnen gar nicht die Rede. In solchem Falle aber sehe man sich ja vor, daß der Beweis die apodiktische Gewißheit einer Demonstration habe. Denn die Wirklichkeit solcher Ideen bloß wahrscheinlich machen zu wollen, ist ein ungereimter Vorsatz, ebenso, als wenn man einen Satz der Geometrie bloß wahrscheinlich zu beweisen gedächte. Die von aller Erfahrung abgesonderte Vernunft kann alles nur a priori und als notwendig oder gar nicht erkennen; daher ist ihr Urteil niemals Meinung, sondern entweder Enthaltung von allem Urteile, oder apodiktische Gewißheit. Meinungen und wahrscheinliche Urteile von dem, was Dingen zukommt, können nur als Erklärungsgründe dessen, was wirklich gegeben ist, oder Folgen nach empirischen Gesetzen von dem, was als wirklich zum Grunde liegt, mithin nur in der Reihe der Gegenstände der Erfahrung vorkommen. Außer diesem Felde ist meinen so viel, als mit Gedanken spielen, es müßte denn sein, daß man von einem unsicheren Wege des Urteils bloß die Meinung hätte, vielleicht auf ihm die Wahrheit zu finden.
B 804 Ob aber gleich bei bloß spekulativen Fragen der reinen Vernunft keine Hypothesen stattfinden, um Sätze darauf zu gründen, so sind sie dennoch ganz zulässig, um sie allenfalls nur zu verteidigen, d.i. zwar nicht im dogmatischen, aber doch im polemischen Gebrauche. Ich verstehe aber unter Verteidigung nicht die Vermehrung der Beweisgründe seiner Behauptung, sondern die bloße Vereitlung der Scheineinsichten des Gegners, welche unserem behaupteten Satze Abbruch tun sollen. Nun haben aber alle synthetischen Sätze aus reiner Vernunft das Eigentümliche an sich: daß, wenn der, welcher die Realität gewisser Ideen behauptet, gleich niemals so viel weiß, um diesen seinen Satz gewiß zu machen, auf der anderen Seite der Gegner ebensowenig wissen kann, um das Widerspiel zu behaupten. Diese Gleichheit des Loses der menschlichen Vernunft, begünstigt nun zwar im spekulativen Erkenntnisse keinen von beiden, und da ist auch der rechte Kampfplatz nimmer beizulegender Fehden. Es wird sich aber in der Folge zeigen, daß doch, in Ansehung des praktischen Gebrauchs, die Vernunft ein Recht habe, etwas anzunehmen, was sie auf keine Weise im Felde der bloßen Spekulation, ohne hinreichende Beweisgründe, vorauszusetzen befugt wäre; weil alle solche Voraussetzungen der Vollkommenheit der Spekulation Abbruch tun, um welche sich aber das praktische Interesse gar nicht bekümmert. Dort ist sie also im Besitze, dessen Rechtmäßigkeit sie nicht beweisen darf, und wovon sie in der Tat den Beweis auch
B 805 nicht führen könnte. Der Gegner soll also beweisen. Da dieser aber ebensowenig etwas von dem bezweifelten Gegenstande weiß, um dessen Nichtsein darzutun, als der erstere, der dessen Wirklichkeit behauptet: so zeigt sich hier ein Vorteil auf der Seite desjenigen, der etwas als praktisch notwendige Voraussetzung behauptet (melior est conditio possidentis). Es steht ihm nämlich frei, sich gleichsam aus Notwehr eben derselben Mittel für seine gute Sache, als der Gegner wider dieselbe, d.i. der Hypothesen zu bedienen, die gar nicht dazu dienen sollen, um den Beweis derselben zu verstärken, sondern nur zu zeigen, daß der Gegner viel zu wenig von dem Gegenstande des Streites verstehe, als daß er sich eines Vorteils der spekulativen Einsicht in Ansehung unserer schmeicheln könne.
Hypothesen sind also im Felde der reinen Vernunft nur als Kriegswaffen erlaubt, nicht um darauf ein Recht zu gründen, sondern nur es zu verteidigen. Den Gegner aber müssen wir hier jederzeit in uns selbst suchen. Denn spekulative Vernunft in ihrem transzendentalen Gebrauche ist an sich dialektisch. Die Einwürfe, die zu fürchten sein möchten, liegen in uns selbst. Wir müssen sie, gleich alten, aber niemals verjährenden Ansprüchen, hervorsuchen, um einen ewigen Frieden auf deren Vernichtigung zu gründen. Äußere Ruhe ist nur scheinbar. Der Keim der Anfechtungen, der in der Natur der Menschenvernunft liegt, muß ausgerottet werden; wie können wir
B 806 ihn aber ausrotten, wenn wir ihm nicht Freiheit, ja selbst Nahrung geben, Kraut auszuschießen, um sich dadurch zu entdecken, und es nachher mit der Wurzel zu vertilgen? Sinnet demnach selbst auf Einwürfe, auf die noch kein Gegner gefallen ist, und leihet ihm sogar Waffen, oder räumet ihm den günstigsten Platz ein, den er sich nur wünschen kann. Es ist hierbei gar nichts zu fürchten, wohl aber zu hoffen, nämlich, daß ihr euch einen in alle Zukunft niemals mehr anzufechtenden Besitz verschaffen werdet.
Zu euerer vollständigen Rüstung gehören nun auch die Hypothesen der reinen Vernunft, welche, obzwar nur bleierne Waffen (weil sie durch kein Erfahrungsgesetz gestählt sind), dennoch immer so viel vermögen, als die, deren sich irgendein Gegner wider euch bedienen mag. Wenn euch also, wider die (in irgendeiner anderen nicht spekulativen Rücksicht) angenommene immaterielle und keiner körperlichen Umwandlung unterworfene Natur der Seele, die Schwierigkeit aufstößt, daß gleichwohl die Erfahrung sowohl die Erhebung, als Zerrüttung unserer Geisteskräfte bloß als verschiedene Modifikation unserer Organen zu beweisen scheine; so könnt ihr die Kraft dieses Beweises dadurch schwächen, daß ihr annehmt, unser Körper sei nichts, als die Fundamentalerscheinung, worauf, als Bedingung, sich in dem jetzigen Zustande (im Leben) das ganze Vermögen der Sinnlichkeit und hiermit alles Denken bezieht. Die Trennung vom Körper sei das Ende dieses sinnlichen Gebrauchs eurer Erkenntniskraft und der Anfang
B 807 des intellektuellen. Der Körper wäre also nicht die Ursache des Denkens, sondern eine bloß restringierende Bedingung desselben, mithin zwar als Beförderung des sinnlichen und animalischen, aber desto mehr auch als Hindernis des reinen und spirituellen Lebens anzusehen, und die Abhängigkeit des ersteren von der körperlichen Beschaffenheit bewiese nichts für die Abhängigkeit des ganzen Lebens von dem Zustande unserer Organen. Ihr könnt aber noch weiter gehen, und wohl gar neue, entweder nicht aufgeworfene, oder nicht weit genug getriebene Zweifel ausfindig machen.
Die Zufälligkeit der Zeugungen, die bei Menschen, sowie beim vernunftslosen Geschöpfe, von der Gelegenheit, überdem aber auch oft vom Unterhalte, von der Regierung, deren Launen und Einfällen, oft sogar vom Laster abhängt, macht eine große Schwierigkeit wider die Meinung der auf Ewigkeiten sich erstreckenden Fortdauer eines Geschöpfs, dessen Leben unter so unerheblichen und unserer Freiheit so ganz und gar überlassenen Umständen zuerst angefangen hat. Was die Fortdauer der ganzen Gattung (hier auf Erden) betrifft, so hat diese Schwierigkeit in Ansehung derselben wenig auf sich, weil der Zufall im Einzelnen nichtsdestoweniger einer Regel im Ganzen unterworfen ist; aber in Ansehung eines jeden Individuum eine so mächtige Wirkung von so geringfügigen Ursachen zu erwarten, scheint allerdings bedenklich. Hiewider könnt ihr aber eine transzendentale Hypothese aufbieten: daß alles Leben eigentlich nur
B 808 intelligibel sei, den Zeitveränderungen gar nicht unterworfen, und weder durch Geburt angefangen habe, noch durch den Tod geendigt werde. Daß dieses Leben nichts als eine bloße Erscheinung, d.i. eine sinnliche Vorstellung von dem reinen geistigen Leben, und die ganze Sinnenwelt ein bloßes Bild sei, welches unserer jetzigen Erkenntnisart vorschwebt, und, wie ein Traum, an sich keine objektive Realität habe: dass, wenn wir die Sachen und uns selbst anschauen sollen, wie sie sind, wir uns in einer Welt geistiger Naturen sehen würden, mit welcher unsere einzig wahre Gemeinschaft weder durch Geburt angefangen habe, noch durch den Leibestod (als bloße Erscheinungen) aufhören werde, usw.
Ob wir nun gleich von allem diesem, was wir hier wider den Angriff hypothetisch vorschützen, nicht das Mindeste wissen, noch im Ernste behaupten, sondern alles nicht einmal Vernunftidee, sondern bloß zur Gegenwehr ausgedachter Begriff ist, so verfahren wir doch hierbei ganz vernunftmäßig, indem wir dem Gegner, welcher alle Möglichkeit erschöpft zu haben meint, indem er den Mangel ihrer empirischen Bedingungen für einen Beweis der gänzlichen Unmöglichkeit des von uns Geglaubten fälschlich ausgibt, nur zeigen: daß er ebensowenig durch bloße Erfahrungsgesetze das ganze Feld möglicher Dinge an sich selbst umspannen, als wir außerhalb der Erfahrung für unsere Vernunft irgend etwas auf gegründete Art erwerben können. Der solche hypothetische Gegenmittel
B 809 wider die Anmaßungen des dreist verneinenden Gegners verkehrt, muß nicht dafür gehalten werden, als wolle er sie sich als seine wahren Meinungen eigen machen. Er verläßt sie, sobald er den dogmatischen Eigendünkel des Gegners abgefertigt hat. Denn so bescheiden und gemäßigt es auch anzusehen ist, wenn jemand sich in Ansehung fremder Behauptungen bloß weigernd und verneinend verhält, so ist doch jederzeit, sobald er diese seine Einwürfe als Beweise des Gegenteils geltend machen will, der Anspruch nicht weniger stolz und eingebildet, als ob er die bejahende Partei und deren Behauptung ergriffen hätte.
Man sieht also hieraus, daß im spekulativen Gebrauche der Vernunft Hypothesen keine Gültigkeit als Meinungen an sich selbst, sondern nur relativ auf entgegengesetzte transzendente Anmaßungen haben. Denn die Ausdehnung der Prinzipien möglicher Erfahrung auf die Möglichkeit der Dinge überhaupt ist ebensowohl transzendent, als die Behauptung der objektiven Realität solcher Begriffe, welche ihre Gegenstände nirgends als außerhalb der Grenze aller möglichen Erfahrung finden können. Was reine Vernunft assertorisch urteilt, muß (wie alles, was Vernunft erkennt,) notwendig sein, oder es ist gar nichts. Demnach enthält sie in der Tat gar keine Meinungen. Die gedachten Hypothesen aber sind nur problematische Urteile, die wenigstens nicht widerlegt, obgleich freilich durch nichts bewiesen werden können, und
B 810 sind also keine Privatmeinungen, können aber doch nicht füglich (selbst zur inneren Beruhigung) gegen sich regende Skrupel entbehrt werden. In dieser Qualität aber muß man sie erhalten, und ja sorgfältig verhüten, daß sie nicht als an sich selbst beglaubigt, und von einiger absoluten Gültigkeit, auftreten, und die Vernunft unter Erdichtungen und Blendwerken ersäufen.
Des ersten Hauptstücks Vierter Abschnitt Die Disziplin der reinen Vernunft in Ansehung ihrer Beweise
Die Beweise transzendentaler und synthetischer Sätze haben das Eigentümliche, unter allen Beweisen einer synthetischen Erkenntnis a priori, an sich, daß die Vernunft bei jenen vermittelst ihrer Begriffe sich nicht geradezu an den Gegenstand wenden darf, sondern zuvor die objektive Gültigkeit der Begriffe und die Möglichkeit der Synthesis derselben a priori dartun muß. Dieses ist nicht etwa bloß eine nötige Regel der Behutsamkeit, sondern betrifft das Wesen und die Möglichkeit der Beweise selbst. Wenn ich über den Begriff von einem Gegenstande a priori hinausgehen soll, so ist dieses, ohne einen besonderen und außerhalb diesem Begriffe befindlichen Leitfaden, unmöglich. In der Mathematik ist es die Anschauung a priori, die meine Synthesis leitet, und da können alle Schlüsse unmittelbar von der reinen
B 811 Anschauung geführt werden. Im transzendentalen Erkenntnis, so lange es bloß mit Begriffen des Verstandes zu tun hat, ist diese Richtschnur die mögliche Erfahrung. Der Beweis zeigt nämlich nicht, daß der gegebene Begriff (z.B. von dem, was geschieht,) geradezu auf einen anderen Begriff (den einer Ursache) führe; denn dergleichen Übergang wäre ein Sprung, der sich gar nicht verantworten ließe; sondern er zeigt, daß die Erfahrung selbst, mithin das Objekt der Erfahrung, ohne eine solche Verknüpfung unmöglich wäre. Also mußte der Beweis zugleich die Möglichkeit anzeigen, synthetisch und a priori zu einer gewissen Erkenntnis von Dingen zu gelangen, die in dem Begriffe von ihnen nicht enthalten war. Ohne diese Aufmerksamkeit laufen die Beweise wie Wasser, welche ihre Ufer durchbrechen, wild und querfeldein, dahin, wo der Hang der verborgenen Assoziation sie zufälligerweise herleitet. Der Schein der Überzeugung, welcher auf subjektiven Ursachen der Assoziation beruht, und für die Einsicht einer natürlichen Affinität gehalten wird, kann der Bedenklichkeit gar nicht die Wage halten, die sich billigermaßen über dergleichen gewagte Schritte einfinden muß. Daher sind auch alle Versuche, den Satz des zureichenden Grundes zu beweisen, nach dem allgemeinen Geständnisse der Kenner, vergeblich gewesen, und ehe die transzendentale Kritik auftrat, hat man lieber, da man diesen Grundsatz doch nicht verlassen konnte, sich trotzig auf den gesunden Menschenverstand berufen, (eine Zuflucht, die
B 812 jederzeit beweist, daß die Sache der Vernunft verzweifelt ist,) als neue dogmatische Beweise versuchen wollen.
Ist aber der Satz, über den ein Beweis geführt werden soll, eine Behauptung der reinen Vernunft, und will ich sogar vermittelst bloßer Ideen über meine Erfahrungsbegriffe hinausgehen, so müßte derselbe noch vielmehr die Rechtfertigung eines solchen Schrittes der Synthesis (wenn er anders möglich wäre) als eine notwendige Bedingung seiner Beweiskraft in sich enthalten. So scheinbar daher auch der vermeintliche Beweis der einfachen Natur unserer denkenden Substanz aus der Einheit der Apperzeption sein mag, so steht ihm doch die Bedenklichkeit unabweislich entgegen: daß, da die absolute Einfachheit doch kein Begriff ist, der unmittelbar auf eine Wahrnehmung bezogen werden kann, sondern als Idee bloß geschlossen werden muß, gar nicht einzusehen ist, wie mich das bloße Bewußtsein, welches in allem Denken enthalten ist, oder wenigstens sein kann, ob es zwar sofern eine einfache Vorstellung ist, zu dem Bewußtsein und der Kenntnis eines Dinges überführen solle, in welchem das Denken allein enthalten sein kann. Denn, wenn ich mir die Kraft meines Körpers in Bewegung vorstelle, so ist er sofern für mich absolute Einheit, und meine Vorstellung von ihm ist einfach; daher kann ich diese auch durch die Bewegung eines Punkts ausdrücken, weil sein Volumen hierbei nichts tut, und, ohne Verminderung der Kraft, so klein, wie man will, und also auch als in einem Punkt
B 813 befindlich gedacht werden kann. Hieraus werde ich aber doch nicht schließen: daß, wenn mir nichts, als die bewegende Kraft eines Körpers, gegeben ist, der Körper als einfache Substanz gedacht werden könne, darum, weil seine Vorstellung von aller Größe des Raumesinhalts abstrahiert und also einfach ist. Hierdurch nun, daß das Einfache in der Abstraktion vom Einfachen im Objekt ganz unterschieden ist, und daß das Ich, welches im ersteren Verstande gar keine Mannigfaltigkeit in sich faßt, im zweiten, da es die Seele selbst bedeutet, ein sehr komplexen Begriff sein kann, nämlich sehr vieles unter sich zu enthalten und zu bezeichnen, entdecke ich einen Paralogismus. Allein, um diesen vorher zu ahnden, (denn ohne eine solche vorläufige Vermutung würde man gar keinen Verdacht gegen den Beweis fassen,) ist durchaus nötig, ein immerwährendes Kriterium der Möglichkeit solcher synthetischen Sätze die mehr beweisen sollen, als Erfahrung geben kann, bei Hand zu haben, welches darin besteht: daß der Beweis nicht geradezu auf das verlangte Prädikat, sondern nur vermittelst eines Prinzips der Möglichkeit, unseren gegebenen Begriff a priori bis zu Ideen zu erweitern, und diese zu realisieren, geführt werde. Wenn diese Behutsamkeit immer gebraucht wird, wenn man, ehe der Beweis noch versucht wird, zuvor weislich bei sich zu Rate geht, wie und mit welchem Grunde der Hoffnung man wohl eine solche Erweiterung durch reine Vernunft erwarten könne, und woher man, in dergleichen Falle, diese
B 814 Einsichten, die nicht aus Begriffen entwickelt, und auch nicht in Beziehung auf mögliche Erfahrung antizipiert werden können, denn hernehmen wolle: so kann man sich viel schwere und dennoch fruchtlose Bemühungen ersparen, indem man der Vernunft nichts zumutet, was offenbar über ihr Vermögen geht, oder vielmehr sie, die, bei Anwandlungen ihrer spekulativen Erweiterungssucht, sich nicht gerne einschränken läßt, der Disziplin der Enthaltsamkeit unterwirft.
Die erste Regel ist also diese: keine transzendentalen Beweise zu versuchen, ohne zuvor überlegt und sich desfalls gerechtfertigt zu haben, woher man die Grundsätze nehmen wolle, auf welche man sie zu errichten gedenkt, und mit welchem Rechte man von ihnen den guten Erfolg der Schlüsse erwarten könne. Sind es Grundsätze des Verstandes (z.B. der Kausalität), so ist es umsonst, vermittelst ihrer zu Ideen der reinen Vernunft zu gelangen; denn jene gelten nur für Gegenstände möglicher Erfahrung. Sollen es Grundsätze aus reiner Vernunft sein, so ist wiederum alle Mühe umsonst. Denn die Vernunft hat deren zwar, aber als objektive Grundsätze sind sie insgesamt dialektisch, und können allenfalls nur wie regulative Prinzipien des systematisch zusammenhängenden Erfahrungsgebrauchs gültig sein. Sind aber dergleichen angebliche Beweise schon vorhanden: so setzet der trüglichen Überzeugung das non liquet eurer gereiften Urteilskraft
B 815 entgegen, und, ob ihr gleich das Blendwerk derselben noch nicht durchdringen könnt, so habt ihr doch völliges Recht, die Deduktion der darin gebrauchten Grundsätze zu verlangen, welche, wenn sie aus bloßer Vernunft entsprungen sein sollen, euch niemals geschafft werden kann. Und so habt ihr nicht einmal nötig, euch mit der Entwicklung und Widerlegung eines jeden grundlosen Scheins zu befassen, sondern könnt alle an Kunstgriffen unerschöpfliche Dialektik am Gerichtshofe einer kritischen Vernunft, welche Gesetze verlangt, in ganzen Haufen auf einmal abweisen.
Die zweite Eigentümlichkeit transzendentaler Beweise ist diese: daß zu jedem transzendentalen Satze nur ein einziger Beweis gefunden werden könne. Soll ich nicht aus Begriffen, sondern aus der Anschauung, die einem Begriffe korrespondiert, es sei nun eine reine Anschauung, wie in der Mathematik, oder empirische, wie in der Naturwissenschaft, schließen: so gibt mir die zum Grunde gelegte Anschauung mannigfaltigen Stoff zu synthetischen Sätzen, welchen ich auf mehr als eine Art verknüpfen, und, indem ich von mehr als einem Punkte ausgehen darf, durch verschiedene Wege zu demselben Satze gelangen kann.
Nun geht aber ein jeder transzendentaler Satz bloß von Einem Begriffe aus, und sagt die synthetische Bedingung der Möglichkeit des Gegenstandes nach diesem Begriffe. Der Beweisgrund kann also nur ein einziger sein, weil außer diesem Begriffe nichts weiter ist, wodurch der
B 816 Gegenstand bestimmt werden könnte, der Beweis also nichts weiter, als die Bestimmung eines Gegenstandes überhaupt nach diesem Begriffe, der auch nur ein einziger ist, enthalten kann. Wir hatten z.B. in der transzendentalen Analytik den Grundsatz: alles, was geschieht, hat eine Ursache, aus der einzigen Bedingung der objektiven Möglichkeit eines Begriffs, von dem, was überhaupt geschieht, gezogen: daß die Bestimmung einer Begebenheit in der Zeit, mithin diese (Begebenheit) als zur Erfahrung gehörig, ohne unter einer solchen dynamischen Regel zu stehen, unmöglich wäre. Dieses ist nun auch der einzig mögliche Beweisgrund; denn dadurch nur, daß dem Begriffe vermittelst des Gesetzes der Kausalität ein Gegenstand bestimmt wird, hat die vorgestellte Begebenheit objektive Gültigkeit, d.i. Wahrheit. Man hat zwar noch andere Beweise von diesem Grundsatze z.B. aus der Zufälligkeit versucht; allein, wenn dieser beim Lichte betrachtet wird, so kann man kein Kennzeichen der Zufälligkeit auffinden, als das Geschehen, d.i. das Dasein, vor welchem ein Nichtsein des Gegenstandes vorhergeht, und kommt also immer wiederum auf den nämlichen Beweisgrund zurück. Wenn der Satz bewiesen werden soll: alles, was denkt, ist einfach; so hält man sich nicht bei dem Mannigfaltigen des Denkens auf, sondern beharrt bloß bei dem Begriffe des Ich, welcher einfach ist und worauf alles Denken bezogen wird. Ebenso ist es mit dem transzendentalen Beweise vom Dasein Gottes bewandt, welcher lediglich auf der
B 817 Reziprokabilität der Begriffe vom realsten und notwendigen Wesen beruht, und nirgends anders gesucht werden kann.
Durch diese warnende Anmerkung wird die Kritik der Vernunftbehauptungen sehr ins Kleine gebracht. Wo Vernunft ihr Geschäft durch bloße Begriffe treibt, da ist nur ein einziger Beweis möglich, wenn überall nur irgendeiner möglich ist. Daher, wenn man schon den Dogmatiker mit zehn Beweisen auftreten sieht, da kann man sicher glauben, daß er gar keinen habe. Denn, hätte er einen, der (wie es in Sachen der reinen Vernunft sein muß) apodiktisch bewiese, wozu bedürfte er der übrigen? Seine Absicht ist nur, wie die von jenem Parlamentsadvokaten: das eine Argument ist für diesen, das andere für jenen, nämlich, um sich die Schwäche seiner Richter zunutze zu machen, die, ohne sich tief einzulassen, und, um von dem Geschäft bald loszukommen, das Erstebeste, was ihnen eben auffällt, ergreifen und darnach entscheiden.
Die dritte eigentümliche Regel der reinen Vernunft, wenn sie in Ansehung transzendentaler Beweise einer Disziplin unterworfen wird, ist: daß ihre Beweise niemals apagogisch, sondern jederzeit ostensiv sein müssen. Der direkte oder ostensive Beweis ist in aller Art der Erkenntnis derjenige, welcher mit der Überzeugung von der Wahrheit, zugleich Einsicht in die Quellen derselben verbindet; der apagogische dagegen kann zwar Gewißheit, aber nicht Begrifflichkeit der Wahrheit in Ansehung des Zusammenhanges mit den Gründen ihrer Möglichkeit hervorbringen.
B 818 Daher sind die letzteren mehr eine Nothilfe, als ein Verfahren, welches allen Absichten der Vernunft ein Genüge tut. Doch haben diese einen Vorzug der Evidenz vor den direkten Beweisen, darin: daß der Widerspruch allemal mehr Klarheit in der Vorstellung bei sich führt, als die beste Verknüpfung, und sich dadurch dem Anschaulichen einer Demonstration mehr nähert.
Die eigentliche Ursache des Gebrauchs apagogischer Beweise in verschiedenen Wissenschaften ist wohl diese. Wenn die Gründe, von denen eine gewisse Erkenntnis abgeleitet werden soll, zu mannigfaltig oder zu tief verborgen liegen: so versucht man, ob sie nicht durch die Folgen zu erreichen sei. Nun wäre der modus ponens, auf die Wahrheit einer Erkenntnis aus der Wahrheit ihrer Folgen zu schließen, nur alsdann erlaubt, wenn alle möglichen Folgen daraus wahr sind; denn alsdann ist zu diesem nur ein einziger Grund möglich, der also auch der wahre ist. Dieses Verfahren aber ist untunlich, weil es über unsere Kräfte geht, alle möglichen Folgen von irgendeinem angenommenen Satze einzusehen; doch bedient man sich dieser Art zu schließen, obzwar freilich mit einer gewissen Nachsicht, wenn es darum zu tun ist, um etwas bloß als Hypothese zu beweisen, indem man den Schluß nach der Analogie einräumt: daß, wenn so viele Folgen, als man nur immer versucht hat, mit einem angenommenen Grunde wohl zusammenstimmen, alle übrigen möglichen auch darauf einstimmen werden. Um deswillen kann durch diesen
B 819 Weg niemals eine Hypothese in demonstrierte Wahrheit verwandelt werden. Der modus tollens der Vernunftschlüsse, die von den Folgen auf die Gründe schließen, beweist nicht allein ganz strenge, sondern auch überaus leicht. Denn, wenn auch nur eine einzige falsche Folge aus einem Satze gezogen werden kann, so ist dieser Satz falsch. Anstatt nun die ganze Reihe der Gründe in einem ostensiven Beweise durchzulaufen, die auf die Wahrheit einer Erkenntnis, vermittelst der vollständigen Einsicht in ihre Möglichkeit, führen kann, darf man nur unter den aus dem Gegenteil derselben fließenden Folgen eine einzige falsch finden, so ist dieses Gegenteil auch falsch, mithin die Erkenntnis, welche man zu beweisen hatte, wahr.
Die apagogische Beweisart kann aber nur in den Wissenschaften erlaubt sein, wo es unmöglich ist, das Subjektive unserer Vorstellungen dem Objektiven, nämlich der Erkenntnis desjenigen, was am Gegenstande ist, unterzuschieben. Wo dieses letztere aber herrschend ist, da muß es sich häufig zutragen, daß das Gegenteil eines gewissen Satzes entweder bloß den subjektiven Bedingungen des Denkens widerspricht, aber nicht dem Gegenstande, oder daß beide Sätze nur unter einer subjektiven Bedingung, die, fälschlich für objektiv gehalten, einander widersprechen, und da die Bedingung falsch ist, alle beide falsch sein können, ohne daß von der Falschheit des einen auf die Wahrheit des anderen geschlossen werden kann.
B 820 In der Mathematik ist diese Subreption unmöglich; daher haben sie daselbst auch ihren eigentlichen Platz. In der Naturwissenschaft, weil sich daselbst alles auf empirische Anschauungen gründet, kann jene Erschleichung durch viel verglichene Beobachtungen zwar so mehrenteils verhütet werden; aber diese Beweisart ist daselbst doch mehrenteils unerheblich. Aber die transzendentalen Versuche der reinen Vernunft werden insgesamt innerhalb dem eigentlichen Medium des dialektischen Scheins angestellt, d.i. des Subjektiven, welches sich der Vernunft in ihren Prämissen als objektiv anbietet, oder gar aufdrängt. Hier nun kann es, was synthetische Sätze betrifft, gar nicht erlaubt werden, seine Behauptungen dadurch zu rechtfertigen, daß man das Gegenteil widerlegt. Denn, entweder diese Widerlegung ist nichts anderes, als die bloße Vorstellung des Widerstreits der entgegengesetzten Meinung, mit den subjektiven Bedingungen der Begreiflichkeit durch unsere Vernunft, welches gar nichts dazu tut, um die Sache selbst darum zu verwerfen, (sowie z.B. die unbedingte Notwendigkeit im Dasein eines Wesens schlechterdings von uns nicht begriffen werden kann, und sich daher subjektiv jedem spekulativen Beweise eines notwendigen obersten Wesens mit Recht, der Möglichkeit eines solchen Urwesens aber an sich selbst mit Unrecht widersetzt,) oder beide, sowohl der behauptende, als der verneinende Teil, legen, durch den transzendentalen Schein betrogen, einen unmöglichen Begriff vom Gegenstande zum Grunde, und
B 821 da gilt die Regel: non entis nulla sunt praedicata, d.i. sowohl was man bejahend, als was man verneinend von dem Gegenstande behauptete, ist beides unrichtig, und man kann nicht apagogisch durch die Widerlegung des Gegenteils zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. So zum Beispiel, wenn vorausgesetzt wird, daß die Sinnenwelt an sich selbst ihrer Totalität nach gegeben sei, so ist es falsch, daß sie entweder unendlich dem Raume nach, oder endlich und begrenzt sein müsse, darum weil beides falsch ist. Denn Erscheinungen (als bloße Vorstellungen), die doch an sich selbst (als Objekte) gegeben wären, sind etwas Unmögliches, und die Unendlichkeit dieses eingebildeten Ganzen würde zwar unbedingt sein, widerspräche aber (weil alles an Erscheinungen bedingt ist) der unbedingten Größenbestimmung, die doch im Begriffe vorausgesetzt wird.
Die apagogische Beweisart ist auch das eigentliche Blendwerk, womit die Bewunderer der Gründlichkeit unserer dogmatischen Vernünftler jederzeit hingehalten worden: sie ist gleichsam der Champion, der die Ehre und das unstreitige Recht seiner genommenen Partei dadurch beweisen will, daß er sich mit jedermann zu raufen anheischig macht, der es bezweifeln wollte, obgleich durch solche Großsprecherei nichts in der Sache, sondern nur der respektiven Stärke der Gegner ausgemacht wird, und zwar auch nur auf der Seite desjenigen, der sich angreifend verhält. Die Zuschauer, indem sie sehen, daß ein jeder
B 822 in seiner Reihe bald Sieger ist, bald unterliegt, nehmen oftmals daraus Anlaß, das Objekt des Streites selbst skeptisch zu bezweifeln. Aber sie haben nicht Ursache dazu, und es ist genug, ihnen zuzurufen: non defensoribus istis tempus eget. Ein jeder muß seine Sache vermittelst eines durch transzendentale Deduktion der Beweisgründe geführten rechtlichen Beweises, d.i. direkt, führen, damit man sehe, was seine Vernunftansprüche für sich selbst anzuführen haben. Denn, fußet sich sein Gegner auf subjektive Gründe, so ist er freilich leicht zu widerlegen, aber ohne Vorteil für den Dogmatiker, der gemeiniglich ebenso den subjektiven Ursachen des Urteils anhängt, und gleichergestalt von seinem Gegner in die Enge getrieben werden kann. Verfahren aber beide Teile bloß direkt, so werden sie entweder die Schwierigkeit, ja Unmöglichkeit, den Titel ihrer Behauptungen auszufinden, von selbst bemerken, und sich zuletzt nur auf Verjährung berufen können, oder die Kritik wird den dogmatischen Schein leicht entdecken, und die reine Vernunft nötigen, ihre zu hoch getriebenen Anmaßungen im spekulativen Gebrauch aufzugeben, und sich innerhalb die Grenzen ihres eigentümlichen Bodens, nämlich praktischer Grundsätze, zurückzuziehen.
B 823 Der transzendentalen Methodenlehre Zweites Hauptstück Der Kanon der reinen Vernunft
Es ist demütigend für die menschliche Vernunft, daß sie in ihrem reinen Gebrauche nichts ausrichtet, und sogar noch einer Disziplin bedarf, um ihre Ausschweifungen zu bändigen, und die Blendwerke, die ihr daher kommen, zu verhüten. Allein andererseits erhebt es sie wiederum und gibt ihr ein Zutrauen zu sich selbst, daß sie diese Disziplin selbst ausüben kann und muß, ohne eine andere Zensur über sich zu gestatten, imgleichen daß die Grenzen, die sie ihrem spekulativen Gebrauche zu setzen genötigt ist, zugleich die vernünftelnden Anmaßungen jeden Gegners einschränken, und mithin alles, was ihr noch von ihren vorher übertriebenen Forderungen übrigbleiben möchte, gegen alle Angriffe sicherstellen könne. Der größte und vielleicht einzige Nutzen aller Philosophie der reinen Vernunft ist also wohl nur negativ; da sie nämlich nicht, als Organon, zur Erweiterung, sondern, als Disziplin, zur Grenzbestimmung dient, und, anstatt Wahrheit zu entdecken, nur das stille Verdienst hat, Irrtümer zu verhüten.
Indessen muß es doch irgendwo einen Quell von positiven Erkenntnissen geben, welche ins Gebiet der reinen Vernunft gehören, und die vielleicht nur durch Mißverstand
B 824 zu Irrtümern Anlaß geben, in der Tat aber das Ziel der Beeiferung der Vernunft ausmachen. Denn welcher Ursache sollte sonst wohl die nicht zu dämpfende Begierde, durchaus über die Grenze der Erfahrung hinaus irgendwo festen Fuß zu fassen, zuzuschreiben sein? Sie ahndet Gegenstände, die ein großes Interesse für sie bei sich führen. Sie tritt den Weg der bloßen Spekulation an, um sich ihnen zu nähern; aber diese fliehen vor sie. Vermutlich wird auf dem einzigen Wege, der ihr noch übrig ist, nämlich dem des praktischen Gebrauchs, besseres Glück für sie zu hoffen sein.
Ich verstehe unter einem Kanon den Inbegriff der Grundsätze a priori des richtigen Gebrauchs gewisser Erkenntnisvermögen überhaupt. So ist die allgemeine Logik in ihrem analytischen Teile ein Kanon für Verstand und Vernunft überhaupt, aber nur der Form nach, denn sie abstrahiert von allem Inhalte. So war die transzendentale Analytik der Kanon des reinen Verstandes; denn der ist allein wahrer synthetischer Erkenntnisse a priori fähig. Wo aber kein richtiger Gebrauch einer Erkenntniskraft möglich ist, da gibt es keinen Kanon. Nun ist alle synthetische Erkenntnis der reinen Vernunft in ihrem spekulativen Gebrauche, nach allen bisher geführten Beweisen, gänzlich unmöglich. Also gibt es gar keinen Kanon des spekulativen Gebrauchs derselben (denn dieser ist durch und durch dialektisch), sondern alle transzendentale Logik ist in dieser Absicht nichts als Disziplin. Folglich, wenn es
B 825 überall einen richtigen Gebrauch der reinen Vernunft gibt, in welchem Fall es auch einen Kanon derselben geben muß, so wird dieser nicht den spekulativen, sondern den praktischen Vernunftgebrauch betreffen, den wir also jetzt untersuchen wollen.
Des Kanons der reinen Vernunft Erster Abschnitt Von dem letzten Zwecke des reinen Gebrauchs unserer Vernunft
Die Vernunft wird durch einen Hang ihrer Natur getrieben, über den Erfahrungsgebrauch hinauszugehen, sich in einem reinen Gebrauche und vermittelst bloßer Ideen zu den äußersten Grenzen aller Erkenntnis hinaus zu wagen, und nur allererst in der Vollendung ihres Kreises, in einem für sich bestehenden systematischen Ganzen, Ruhe zu finden. Ist nun diese Bestrebung bloß auf ihr spekulatives, oder vielmehr einzig und allein auf ihr praktisches Interesse gegründet?
Ich will das Glück, welches die reine Vernunft in spekulativer Absicht macht, jetzt beiseite setzen, und frage nur nach den Aufgaben, deren Auflösung ihren letzten Zweck ausmacht, sie mag diesen nun erreichen oder nicht, und in Ansehung dessen alle anderen bloß den Wert der Mittel haben. Diese höchsten Zwecke werden, nach der Natur
B 826 der Vernunft, wiederum Einheit haben müssen, um dasjenige Interesse der Menschheit, welches keinem höheren untergeordnet ist, vereinigt zu befördern.
Die Endabsicht, worauf die Spekulation der Vernunft im transzendentalen Gebrauche zuletzt hinausläuft, betrifft drei Gegenstände: die Freiheit des Willens, die Unsterblichkeit der Seele, und das Dasein Gottes. In Ansehung aller drei ist das bloß spekulative Interesse der Vernunft nur sehr gering, und in Absicht auf dasselbe würde wohl schwerlich eine ermüdende, mit unaufhörlichen Hindernissen ringende Arbeit transz. Nachforschung übernommen werden, weil man von allen Entdeckungen, die hierüber zu machen sein möchten, doch keinen Gebrauch machen kann, der in concreto, d.i. in der Naturforschung, seinen Nutzen bewiese. Der Wille mag auch frei sein, so kann dieses doch nur die intelligible Ursache unseres Wollens angehen. Denn, was die Phänomene der Äußerungen desselben, d.i. die Handlungen betrifft, so müssen wir, nach einer unverletzlichen Grundmaxime, ohne welche wir keine Vernunft im empirischen Gebrauche ausüben können, sie niemals anders als alle übrigen Erscheinungen der Natur, nämlich nach unwandelbaren Gesetzen derselben, erklären. Es mag zweitens auch die geistige Natur der Seele (und mit derselben ihre Unsterblichkeit) eingesehen werden können, so kann darauf doch, weder in Ansehung der Erscheinungen dieses Lebens, als einen Erklärungsgrund, noch
B 827 auf die besondere Beschaffenheit des künftigen Zustandes Rechnung gemacht werden, weil unser Begriff einer unkörperlichen Natur bloß negativ ist, und unsere Erkenntnis nicht im mindesten erweitert, noch einigen tauglichen Stoff zu Folgerungen darbietet, als etwa zu solchen, die nur für Erdichtungen gelten können, die aber von der Philosophie nicht gestattet werden. Wenn auch drittens das Dasein einer höchsten Intelligenz bewiesen wäre: so würden wir uns zwar daraus das Zweckmäßige in der Welteinrichtung und Ordnung in allgemeinen begreiflich machen, keineswegs aber befugt sein, irgendeine besondere Anstalt und Ordnung daraus abzuleiten, oder, wo sie nicht wahrgenommen wird, darauf kühnlich zu schließen, indem es eine notwendige Regel des spekulativen Gebrauchs der Vernunft ist, Naturursachen nicht vorbeizugehen, und das, wovon wir uns durch Erfahrung belehren können, aufzugeben, um etwas, was wir kennen, von demjenigen abzuleiten, was alle unsere Kenntnis gänzlich übersteigt. Mit einem Worte, diese drei Sätze bleiben für die spekulative Vernunft jederzeit transzendent, und haben gar keinen immanenten, d.i. für Gegenstände der Erfahrung zulässigen, mithin für uns auf einige Art nützlichen Gebrauch, sondern sind an sich betrachtet ganz müßige und dabei noch äußert schwere Anstrengungen unserer Vernunft.
Wenn demnach diese drei Kardinalsätze uns zum Wissen gar nicht nötig sind, und uns gleichwohl durch unsere Vernunft dringend empfohlen werden; so wird ihre
B 828 Wichtigkeit wohl eigentlich nur das Praktische angehen müssen.
Praktisch ist alles, was durch Freiheit möglich ist. Wenn die Bedingungen der Ausübung unserer freien Willkür aber empirisch sind, so kann die Vernunft dabei keinen anderen als regulativen Gebrauch haben, und nur die Einheit empirischer Gesetze zu bewirken dienen, wie z.B. in der Lehre der Klugheit die Vereinigung aller Zwecke, die uns von unseren Neigungen aufgegeben sind, in den einigen, die Glückseligkeit, und die Zusammenstimmung der Mittel, um dazu zu gelangen, das ganze Geschäft der Vernunft ausmacht, die um deswillen keine anderen als pragmatische Gesetze des freien Verhaltens, zu Erreichung der uns von den Sinnen empfohlenen Zwecke, und also keine reinen Gesetze, völlig a priori bestimmt, liefern kann. Dagegen würden reine praktische Gesetze, deren Zweck durch die Vernunft völlig a priori gegeben ist, und die nicht empirisch bedingt, sondern schlechthin gebieten, Produkte der reinen Vernunft sein. Dergleichen aber sind die moralischen Gesetze, mithin gehören diese allein zum praktischen Gebrauche der reinen Vernunft, und erlauben einen Kanon.
Die ganze Zurüstung also der Vernunft, in der Bearbeitung, die man reine Philosophie nennen kann, ist in der Tat nur auf die drei gedachten Probleme gerichtet. Diese selber aber haben wiederum ihre entferntere Absicht, nämlich, was zu tun sei, wenn der Wille frei, wenn ein Gott und eine künftige Welt ist. Da dieses nun unser
B 829 Verhalten in Beziehung auf den höchsten Zweck betrifft, so ist die letzte Absicht der weislich uns versorgenden Natur, bei der Einrichtung unserer Vernunft, eigentlich nur aufs Moralische gestellt.
Es ist aber Behutsamkeit nötig, um, da wir unser Augenmerk auf einen Gegenstand werfen, der der transzendentalen Philosophie fremd* ist, nicht in Episoden auszuschweifen und die Einheit des Systems zu verletzen, andererseits auch, um, indem man von seinem neuen Stoffe zu wenig sagt, es an Deutlichkeit oder Überzeugung nicht fehlen zu lassen. Ich hoffe beides dadurch zu leisten, daß ich mich so nahe als möglich am Transzendentalen halte und das, was etwa hierbei psychologisch, d.h. empirisch sein möchte, gänzlich beiseite setze.
* Alle praktischen Begriffe gehen auf Gegenstände des Wohlgefallens, oder Mißfallens, d.i. der Lust oder Unlust, mithin, wenigstens indirekt, auf Gegenstände unseres Gefühls. Da dieses aber keine Vorstellungskraft der Dinge ist, sondern außer der gesamten Erkenntniskraft liegt, so gehören die Elemente unserer Urteile, sofern sie sich auf Lust oder Unlust beziehen, mithin der praktischen, nicht in den Inbegriff der Transzendentalphilosophie, welche lediglich mit reinen Erkenntnissen a priori zu tun hat.
Und da ist denn zuerst anzumerken, daß ich mich vorjetzt des Begriffs der Freiheit nur im praktischen Verstande bedienen werde, und den in transzendentaler Bedeutung, welcher nicht als ein Erklärungsgrund der
B 830 Erscheinungen empirisch vorausgesetzt werden kann, sondern selbst ein Problem für die Vernunft ist, hier, als oben abgetan, beiseite setze. Eine Willkür nämlich ist bloß tierisch (arbitrium brutum), die nicht anders als durch sinnliche Antriebe, d.i. pathologisch bestimmt werden kann. Diejenige aber, welche unabhängig von sinnlichen Antrieben, mithin durch Bewegursachen, welche nur von der Vernunft vorgestellt werden, bestimmt werden kann, heißt die freie Willkür (arbitrium liberum), und alles, was mit dieser, es sei als Grund oder Folge, zusammenhängt, wird Praktisch genannt. Die praktische Freiheit kann durch Erfahrung bewiesen werden. Denn, nicht bloß das, was reizt, d.i. die Sinne unmittelbar affiziert, bestimmt die menschliche Willkür, sondern wir haben ein Vermögen, durch Vorstellungen von dem, was selbst auf entferntere Art nützlich oder schädlich ist, die Eindrücke auf unser sinnliches Begehrungsvermögen zu überwinden; diese Überlegungen aber von dem, was in Ansehung unseres ganzen Zustandes begehrungswert, d.i. gut und nützlich ist, beruhen auf der Vernunft. Diese gibt daher auch Gesetze, welche Imperative, d.i. objektive Gesetze der Freiheit sind, und welche sagen, was geschehen soll, ob es gleich vielleicht nie geschieht, und sich darin von Naturgesetzen, die nur von dem handeln, was geschieht, unterscheiden, weshalb sie auch praktische Gesetze genannt werden.
B 831 Ob aber die Vernunft selbst in diesen Handlungen, dadurch sie Gesetze vorschreibt, nicht wiederum durch anderweitige Einflüsse bestimmt sei, und das, was in Absicht auf sinnliche Antriebe Freiheit heißt, in Ansehung höherer und entfernterer wirkender Ursachen nicht wiederum Natur sein möge, das geht uns im Praktischen, da wir nur die Vernunft um die Vorschrift des Verhaltens zunächst befragen, nichts an, sondern ist eine bloß spekulative Frage, die wir, so lange als unsere Absicht aufs Tun oder Lassen gerichtet ist, beiseite setzen können. Wir erkennen also die praktische Freiheit durch Erfahrung, als eine von den Naturursachen, nämlich eine Kausalität der Vernunft in Bestimmung des Willens, indessen daß die transzendentale Freiheit eine Unabhängigkeit dieser Vernunft selbst (in Ansehung ihrer Kausalität, eine Reihe von Erscheinungen anzufangen,) von allen bestimmenden Ursachen der Sinnenwelt fordert, und sofern dem Naturgesetze, mithin aller möglichen Erfahrung, zuwider zu sein scheint, und also ein Problem bleibt. Allein vor die Vernunft im praktischen Gebrauche gehört dieses Problem nicht, also haben wir es in einem Kanon der reinen Vernunft nur mit zwei Fragen zu tun, die das praktische Interesse der reinen Vernunft angehen, und in Ansehung deren ein Kanon ihres Gebrauchs möglich sein muß, nämlich: ist ein Gott? ist ein künftiges Leben? Die Frage wegen der transzendentalen Freiheit betrifft bloß das spekulative Wissen, welche wir als ganz gleichgültig beiseite setzen können, wenn es um das
B 832 Praktische zu tun ist, und worüber in der Antinomie der reinen Vernunft schon hinreichende Erörterung zu finden ist.
Des Kanons der reinen Vernunft Zweiter Abschnitt Von dem Ideal des höchsten Guts, als einem Bestimmungsgrunde des letzten Zwecks der reinen Vernunft
Die Vernunft führte uns in ihrem spekulativen Gebrauche durch das Feld der Erfahrungen, und, weil daselbst für sie niemals völlige Befriedigung anzutreffen ist, von da zu spekulativen Ideen, die uns aber am Ende wiederum auf Erfahrung zurückführten, und also ihre Absicht auf eine zwar nützliche, aber unserer Erwartung gar nicht gemäße Art erfüllten. Nun bleibt uns noch ein Versuch übrig: ob nämlich auch reine Vernunft im praktischen Gebrauche anzutreffen sei, ob sie in demselben zu den Ideen führe, welche die höchsten Zwecke der reinen Vernunft, die wir eben angeführt haben, erreichen, und diese also aus dem Gesichtspunkte ihres praktischen Interesses nicht dasjenige gewähren könne, was sie uns in Ansehung des spekulativen ganz und gar abschlägt.
Alles Interesse meiner Vernunft (das spekulative sowohl, als das praktische) vereinigt sich in folgenden drei Fragen:
1 B 833 Was kann ich wissen?2. Was soll ich tun?3. Was darf ich hoffen?
Die erste Frage ist bloß spekulativ. Wir haben (wie ich mir schmeichle) alle möglichen Beantwortungen derselben erschöpft und endlich diejenige gefunden, mit welcher sich die Vernunft zwar befriedigen muß, und, wenn sie nicht aufs Praktische sieht, auch Ursache hat zufrieden zu sein; sind aber von den zwei großen Zwecken, worauf diese ganze Bestrebung der reinen Vernunft eigentlich gerichtet war, ebenso weit entfernt geblieben, als ob wir uns aus Gemächlichkeit dieser Arbeit gleich anfangs verweigert hätten. Wenn es also um Wissen zu tun ist, so ist wenigstens so viel sicher und ausgemacht, daß uns dieses, in Ansehung jener zwei Aufgaben, niemals zuteil werden könne.
Die zweite Frage ist bloß praktisch. Sie kann als eine solche zwar der reinen Vernunft angehören, ist aber alsdann doch nicht transzendental, sondern moralisch, mithin kann sie unsere Kritik an sich selbst nicht beschäftigen.
Die dritte Frage, nämlich: wenn ich nun tue, was ich soll, was darf ich alsdann hoffen? ist praktisch und theoretisch zugleich, so, daß das Praktische nur als ein Leitfaden zur Beantwortung der theoretischen, und, wenn diese hoch geht, spekulativen Frage führt. Denn alles Hoffen geht auf Glückseligkeit, und ist in Absicht auf das Praktische und das Sittengesetz eben dasselbe, was das Wissen und das Naturgesetz in Ansehung der theoretischen Erkenntnis
B 834 der Dinge ist. Jenes läuft zuletzt auf den Schluß hinaus, daß etwas sei (was den letzten möglichen Zweck bestimmt), weil etwas geschehen soll; dieses, daß etwas sei (was als oberste Ursache wirkt), weil etwas geschieht.
Glückseligkeit ist die Befriedigung aller unserer Neigungen, (sowohl extensive, der Mannigfaltigkeit der selben, als intensive, dem Grade, und auch protensive, der Dauer nach). Das praktische Gesetz aus dem Bewegungsgrunde der Glückseligkeit nenne ich pragmatisch (Klugheitsregel); dasjenige aber, wofern ein solches ist, das zum Bewegungsgrunde nichts anderes hat, als die Würdigkeit, glücklich zu sein, moralisch (Sittengesetz). Das erstere rät, was zu tun sei, wenn wir der Glückseligkeit wollen teilhaftig, das zweite gebietet, wie wir uns verhalten sollen, um nur der Glückseligkeit würdig zu werden. Das erstere gründet sich auf empirische Prinzipien; denn anders, als vermittelst der Erfahrung, kann ich weder wissen, welche Neigungen da sind, die befriedigt werden wollen, noch welches die Naturursachen sind, die ihre Befriedigung bewirken können. Das zweite abstrahiert von Neigungen, und Naturmitteln sie zu befriedigen, und betrachtet nur die Freiheit eines vernünftigen Wesens überhaupt, und die notwendigen Bedingungen, unter denen sie allein mit der Austeilung der Glückseligkeit nach Prinzipien zusammenstimmt, und kann also wenigstens auf bloßen Ideen der reinen Vernunft beruhen und a priori erkannt werden.
B 835 Ich nehme an, daß es wirklich reine moralische Gesetze gebe, die völlig a priori (ohne Rücksicht auf empirische Bewegungsgründe, d.i. Glückseligkeit,) das Tun und Lassen, d.i. den Gebrauch der Freiheit eines vernünftigen Wesens überhaupt, bestimmen, und daß diese Gesetze schlechterdings (nicht bloß hypothetisch unter Voraussetzung anderer empirischen Zwecke) gebieten, und also in aller Absicht notwendig sind. Diesen Satz kann ich mit Recht voraussetzen, nicht allein, indem ich mich auf die Beweise der aufgeklärtesten Moralisten, sondern auf das sittliche Urteil eines jeden Menschen berufe, wenn er sich ein dergleichen Gesetz deutlich denken will.
Die reine Vernunft enthält also, zwar nicht in ihrem spekulativen, aber doch in einem gewissen praktischen, nämlich dem moralischen Gebrauche, Prinzipien der Möglichkeit der Erfahrung, nämlich solcher Handlungen, die den sittlichen Vorschriften gemäß in der Geschichte des Menschen anzutreffen sein könnten. Denn, da sie gebietet, daß solche geschehen sollen, so müssen sie auch geschehen können, und es muß also eine besondere Art von systematischer Einheit, nämlich die moralische, möglich sein, indessen daß die systematische Natureinheit nach spekulativen Prinzipien der Vernunft nicht bewiesen werden konnte, weil die Vernunft zwar in Ansehung der Freiheit überhaupt, aber nicht in Ansehung der gesamten Natur Kausalität hat, und moralische Vernunftprinzipien zwar freie Handlungen, aber nicht Naturgesetze hervorbringen
B 836 können. Demnach haben die Prinzipien der reinen Vernunft in ihrem praktischen, namentlich aber, dem moralischen Gebrauche, objektive Realität.
Ich nenne die Welt, sofern sie allen sittlichen Gesetzen gemäß wäre, (wie sie es denn, nach der Freiheit der vernünftigen Wesen, sein kann, und, nach den notwendigen Gesetzen der Sittlichkeit, sein soll,) eine moralische Welt. Diese wird sofern bloß als intelligible Welt gedacht, weil darin von allen Bedingungen (Zwecken) und selbst von allen Hindernissen der Moralität in derselben (Schwäche oder Unlauterkeit der menschlichen Natur) abstrahiert wird. Sofern ist sie also eine bloße, aber doch praktische Idee, die wirklich ihren Einfluß auf die Sinnenwelt haben kann und soll, um sie dieser Idee so viel als möglich gemäß zu machen. Die Idee einer moralischen Welt hat daher objektive Realität, nicht als wenn sie auf einen Gegenstand einer intelligiblen Anschauung ginge (dergleichen wir uns gar nicht denken können), sondern auf die Sinnenwelt, aber als einen Gegenstand der reinen Vernunft in ihrem praktischen Gebrauche, und ein corpus mysticum der vernünftigen Wesen in ihr, sofern deren freie Willkür unter moralischen Gesetzen sowohl mit sich selbst, als mit jedes anderen Freiheit durchgängige systematische Einheit an sich hat.
Das war die Beantwortung der ersten von den zwei Fragen der reinen Vernunft, die das praktische Interesse betrafen: Tue das, wodurch du würdig wirst,
B 837 glücklich zu sein. Die zweite frägt nun: wie, wenn ich mich nun so verhalte, daß ich der Glückseligkeit nicht unwürdig sei, darf ich auch hoffen, ihrer dadurch teilhaftig werden zu können? Es kommt bei der Beantwortung derselben darauf an, ob die Prinzipien der reinen Vernunft, welche a priori das Gesetz vorschreiben, auch diese Hoffnung notwendigerweise damit verknüpfen.
Ich sage demnach: daß ebensowohl, als die moralischen Prinzipien nach der Vernunft in ihrem praktischen Gebrauche notwendig sind, ebenso notwendig sei es auch nach der Vernunft, in ihrem theoretischen Gebrauch anzunehmen, daß jedermann die Glückseligkeit in demselben Maße zu hoffen Ursache habe, als er sich derselben in seinem Verhalten würdig gemacht hat, und daß also das System der Sittlichkeit mit dem der Glückseligkeit unzertrennlich, aber nur in der Idee der reinen Vernunft verbunden sei.
Nun läßt sich in einer intelligiblen, d.i. der moralischen Welt, in deren Begriff wir von allen Hindernissen der Sittlichkeit (der Neigungen,) abstrahieren, ein solches System der mit der Moralität verbundenen proportionierten Glückseligkeit auch als notwendig denken, weil die durch sittliche Gesetze teils bewegte, teils restringierte Freiheit, selbst die Ursache der allgemeinen Glückseligkeit, die vernünftigen Wesen also selbst, unter der Leitung solcher Prinzipien, Urheber ihrer eigenen und zugleich anderer dauerhafter Wohlfahrt sein würden. Aber dieses System der sich selbst lohnenden Moralität ist nur
B 838 eine Idee, deren Ausführung auf der Bedingung beruht, daß jedermann tue, was er soll, d.i. alle Handlungen vernünftiger Wesen so geschehen, als ob sie aus einem obersten Willen, der alle Privatwillkür in sich, oder unter sich befaßt, entsprängen. Da aber die Verbindlichkeit aus dem moralischen Gesetze für jedes besonderen Gebrauch der Freiheit gültig bleibt, wenngleich andere diesem Gesetze sich nicht gemäß verhielten, so ist weder aus der Natur der Dinge der Welt, noch der Kausalität der Handlungen selbst und ihrem Verhältnisse zur Sittlichkeit bestimmt, wie sich ihre Folgen zur Glückseligkeit verhalten werden, und die angeführte notwendige Verknüpfung der Hoffnung, glücklich zu sein, mit dem unablässigen Bestreben, sich der Glückseligkeit würdig zu machen, kann durch die Vernunft nicht erkannt werden, wenn man bloß Natur zum Grunde legt, sondern darf nur gehofft werden, wenn eine höchste Vernunft, die nach moralischen Gesetzen gebietet, zugleich als Ursache der Natur zum Grunde gelegt wird.
Ich nenne die Idee einer solchen Intelligenz, in welcher der moralisch vollkommenste Wille, mit der höchsten Seligkeit verbunden, die Ursache aller Glückseligkeit in der Welt ist, sofern sie mit der Sittlichkeit (als der Würdigkeit glücklich zu sein) in genauem Verhältnisse steht, das Ideal des höchsten Guts. Also kann die reine Vernunft nur in dem Ideal des höchsten ursprünglichen Guts den Grund der praktisch notwendigen Verknüpfung beider
B 839 Elemente des höchsten abgeleiteten Gutes, nämlich einer intelligiblen d.i. moralischen Welt, antreffen. Da wir uns nun notwendigerweise durch die Vernunft, als zu einer solchen Welt gehörig, vorstellen müssen, obgleich die Sinne uns nichts als eine Welt von Erscheinungen darstellen, so werden wir jene als eine Folge unseres Verhaltens in der Sinnenwelt, da uns diese eine solche Verknüpfung nicht darbietet, als eine für uns künftige Welt annehmen müssen. Gott also und ein künftiges Leben, sind zwei von der Verbindlichkeit, die uns reine Vernunft auferlegt, nach Prinzipien eben derselben Vernunft nicht zu trennende Voraussetzungen.
Die Sittlichkeit an sich selbst macht ein System aus, aber nicht die Glückseligkeit, außer, sofern sie der Moralität genau angemessen ausgeteilt ist. Dieses aber ist nur möglich in der intelligiblen Welt, unter einem weisen Urheber und Regierer. Einen solchen, samt dem Leben in einer solchen Welt, die wir als eine künftige ansehen müssen, sieht sich die Vernunft genötigt anzunehmen, oder die moralischen Gesetze als leere Hirngespinste anzusehen, weil der notwendige Erfolg derselben, den dieselbe Vernunft mit ihnen verknüpft, ohne jene Voraussetzung wegfallen müßte. Daher auch jedermann die moralischen Gesetze als Gebote ansieht, welches sie aber nicht sein könnten, wenn sie nicht a priori angemessene Folgen mit ihrer Regel verknüpften, und also Verheißungen und Drohungen bei sich führten. Dieses können sie aber
B 840 auch nicht tun, wo sie nicht in einem notwendigen Wesen, als dem höchsten Gut liegen, welches eine solche zweckmäßige Einheit allein möglich machen kann.
Leibnitz nannte die Welt, sofern man darin nur auf die vernünftigen Wesen und ihren Zusammenhang nach moralischen Gesetzen unter der Regierung des höchsten Guts achthat, das Reich der Gnaden, und unterschied es vom Reiche der Natur, da sie zwar unter moralischen Gesetzen stehen, aber keine anderen Erfolge ihres Verhaltens erwarten, als nach dem Laufe der Natur unserer Sinnenwelt. Sich also im Reiche der Gnaden zu sehen, wo alle Glückseligkeit auf uns wartet, außer sofern wir unseren Anteil an derselben durch die Unwürdigkeit, glücklich zu sein, nicht selbst einschränken, ist eine praktisch notwendige Idee der Vernunft.
Praktische Gesetze, sofern sie zugleich subjektive Gründe der Handlungen, d.i. subjektive Grundsätze werden, heißen Maximen. Die Beurteilung der Sittlichkeit, ihrer Reinigkeit und Folgen nach, geschieht nach Ideen, die Befolgung ihrer Gesetze nach Maximen.
Es ist notwendig, daß unser ganzer Lebenswandel sittlichen Maximen untergeordnet werde; es ist aber zugleich unmöglich, daß dieses geschehe, wenn die Vernunft nicht mit dem moralischen Gesetze, welches eine bloße Idee ist, eine wirkende Ursache verknüpft, welche dem Verhalten nach demselben einen unseren höchsten Zwecken genau entsprechenden Ausgang, es sei in diesem, oder einem
B 841 anderen Leben, bestimmt. Ohne also einen Gott und eine für uns jetzt nicht sichtbare, aber gehoffte Welt, sind die herrlichen Ideen der Sittlichkeit zwar Gegenstände des Beifalls und der Bewunderung, aber nicht Triebfedern des Vorsatzes und der Ausübung, weil sie nicht den ganzen Zweck, der einem jeden vernünftigen Wesen natürlich und durch eben dieselbe reine Vernunft a priori bestimmt und notwendig ist, erfüllen.
Glückseligkeit allein ist für unsere Vernunft bei weitem nicht das vollständige Gut. Sie billigt solche nicht (so sehr als auch Neigung dieselbe wünschen mag), wofern sie nicht mit der Würdigkeit, glücklich zu sein, d.i. dem sittlichen Wohlverhalten, vereinigt ist. Sittlichkeit allein, und, mit ihr, die bloße Würdigkeit, glücklich zu sein, ist aber auch noch lange nicht das vollständige Gut. Um dieses zu vollenden, muß der, so sich als der Glückseligkeit nicht unwert verhalten hatte, hoffen können, ihrer teilhaftig zu werden. Selbst die von aller Privatabsicht freie Vernunft, wenn sie, ohne dabei ein eigenes Interesse in Betracht zu ziehen, sich in die Stelle eines Wesens setzte, das alle Glückseligkeit anderen auszuteilen hätte, kann nicht anders urteilen; denn in der praktischen Idee sind beide Stücke wesentlich verbunden, obzwar so, daß die moralische Gesinnung, als Bedingung, den Anteil an Glückseligkeit, und nicht umgekehrt die Aussicht auf Glückseligkeit die moralische Gesinnung zuerst möglich mache. Denn im letzteren Falle wäre sie nicht moralisch und also
B 842 auch nicht der ganzen Glückseligkeit würdig, die vor der Vernunft keine andere Einschränkung erkennt, als die, welche von unserem eigenen unsittlichen Verhalten herrührt.
Glückseligkeit also, in dem genauen Ebenmaße mit der Sittlichkeit der vernünftigen Wesen, dadurch sie derselben würdig sind, macht allein das höchste Gut einer Welt aus, darin wir uns nach den Vorschriften der reinen aber praktischen Vernunft durchaus versetzen müssen, und welche freilich nur eine intelligible Welt ist, da die Sinnenwelt uns von der Natur der Dinge dergleichen systematische Einheit der Zwecke nicht verheißt, deren Realität auch auf nichts anderes gegründet werden kann, als auf die Voraussetzung eines höchsten ursprünglichen Guts, da selbständige Vernunft, mit aller Zulänglichkeit einer obersten Ursache ausgerüstet, nach der vollkommensten Zweckmäßigkeit die allgemeine, obgleich in der Sinnenwelt uns sehr verborgene Ordnung der Dinge gründet, erhält und vollführt.
Diese Moraltheologie hat nun den eigentümlichen Vorzug vor der spekulativen, daß sie unausbleiblich auf den Begriff eines einigen, allervollkommensten und vernünftigen Urwesens führt, worauf uns spekulative Theologie nicht einmal aus objektiven Gründen hinweist, geschweige uns davon überzeugen konnte. Denn, wir finden weder in der transzendentalen, noch natürlichen Theologie, so weit uns auch Vernunft darin führen mag, einigen bedeutenden Grund, nur ein einiges Wesen
B 843 anzunehmen, welches wir allen Naturursachen vorsetzen, und von dem wir zugleich diese in allen Stücken abhängend zu machen hinreichende Ursache hätten. Dagegen, wenn wir aus dem Gesichtspunkte der sittlichen Einheit, als einem notwendigen Weltgesetze, die Ursache erwägen, die diesem allein den angemessenen Effekt, mithin auch für uns verbindende Kraft geben kann, so muß es ein einiger oberster Wille sein, der alle diese Gesetze in sich befaßt. Denn, wie wollten wir unter verschiedenen Willen vollkommene Einheit der Zwecke finden? Dieser Wille muß allgewaltig sein, damit die ganze Natur und deren Beziehung auf Sittlichkeit in der Welt ihm unterworfen sei; allwissend, damit er das Innerste der Gesinnungen und deren moralischen Wert erkenne; allgegenwärtig, damit er unmittelbar allem Bedürfnisse, welches das höchste Weltbeste erfordert, nahe sei; ewig, damit in keiner Zeit diese Übereinstimmung der Natur und Freiheit ermangle, usw.
Aber diese systematische Einheit der Zwecke in dieser Welt der Intelligenzen, welche, obzwar, als bloße Natur, nur Sinnenwelt, als ein System der Freiheit aber, intelligible, d.i. moralische Welt (regnum gratiae) genannt werden kann, führt unausbleiblich auch auf die zweckmäßige Einheit aller Dinge, die dieses große Ganze ausmachen, nach allgemeinen Naturgesetzen, so wie die erstere nach allgemeinen und notwendigen Sittengesetzen, und vereinigt die praktische Vernunft mit der spekulativen. Die Welt muß als aus einer Idee entsprungen
B 844 vorgestellt werden, wenn sie mit demjenigen Vernunftgebrauch, ohne welchen wir uns selbst der Vernunft unwürdig halten würden, nämlich dem moralischen, als welcher durchaus auf der Idee des höchsten Guts beruht, zusammenstimmen soll. Dadurch bekommt alle Naturforschung eine Richtung nach der Form eines Systems der Zwecke, und wird in ihrer höchsten Ausbreitung Physikotheologie. Diese aber, da sie doch von sittlicher Ordnung, als einer in dem Wesen der Freiheit gegründeten und nicht durch äußere Gebote zufällig gestifteten Einheit, anhob, bringt die Zweckmäßigkeit der Natur auf Gründe, die a priori mit der inneren Möglichkeit der Dinge unzertrennlich verknüpft sein müssen, und dadurch auf eine transzendentale Theologie, die sich das Ideal der höchsten ontologischen Vollkommenheit zu einem Prinzip der systematischen Einheit nimmt, welches nach allgemeinen und notwendigen Naturgesetzen alle Dinge verknüpft, weil sie alle in der absoluten Notwendigkeit eines einigen Urwesens ihren Ursprung haben.
Was können wir für einen Gebrauch von unserem Verstande machen, selbst in Ansehung der Erfahrung, wenn wir uns nicht Zwecke vorsetzen? Die höchsten Zwecke aber sind die der Moralität, und diese kann uns nur reine Vernunft zu erkennen geben. Mit diesen nun versehen, und an dem Leitfaden derselben, können wir von der Kenntnis der Natur selbst keinen zweckmäßigen Gebrauch in Ansehung der Erkenntnis machen, wo die Natur nicht selbst
B 845 zweckmäßige Einheit hingelegt hat; denn ohne diese hätten wir sogar selbst keine Vernunft, weil wir keine Schule für dieselbe haben würden, und keine Kultur durch Gegenstände, welche den Stoff zu solchen Begriffen darböten. Jene zweckmäßige Einheit ist aber notwendig, und in dem Wesen der Willkür selbst gegründet, diese also, welche die Bedingung der Anwendung derselben in concreto enthält, muß es auch sein, und so würde die transzendentale Steigerung unserer Vernunfterkenntnis nicht die Ursache, sondern bloß die Wirkung von der praktischen Zweckmäßigkeit sein, die uns die reine Vernunft auferlegt.
Wir finden daher auch in der Geschichte der menschlichen Vernunft: daß, ehe die moralischen Begriffe genugsam gereinigt, bestimmt, und die systematische Einheit der Zwecke nach denselben und zwar aus notwendigen Prinzipien eingesehen waren, die Kenntnis der Natur und selbst ein ansehnlicher Grad der Kultur der Vernunft in manchen anderen Wissenschaften, teils nur rohe und umherschweifende Begriffe von der Gottheit hervorbringen konnte, teils eine zu bewundernde Gleichgültigkeit überhaupt in Ansehung dieser Frage übrig ließ. Eine größere Bearbeitung sittlicher Ideen, die durch das äußerst reine Sittengesetz unserer Religion notwendig gemacht wurde, schärfte die Vernunft auf den Gegenstand, durch das Interesse, das sie an demselben zu nehmen nötigte, und, ohne daß weder erweiterte Naturerkenntnisse, noch richtige und zuverlässige transzendentale Einsichten (dergleichen zu aller Zeit
B 846 gemangelt haben), dazu beitrugen, brachten sie einen Begriff vom göttlichen Wesen zustande, den wir jetzt für den richtigen halten, nicht weil uns spekulative Vernunft von dessen Richtigkeit überzeugt, sondern weil er mit den moralischen Vernunftprinzipien vollkommen zusammenstimmt. Und so hat am Ende doch immer nur reine Vernunft, aber nur in ihrem praktischen Gebrauche, das Verdienst, ein Erkenntnis, das die bloße Spekulation nur wähnen, aber nicht geltend machen kann, an unser höchstes Interesse zu knüpfen, und dadurch zwar nicht zu einem demonstrierten Dogma, aber doch zu einer schlechterdings notwendigen Voraussetzung bei ihren wesentlichsten Zwecken zu machen.
Wenn aber praktische Vernunft nun diesen hohen Punkt erreicht hat, nämlich den Begriff eines einigen Urwesens, als des höchsten Guts, so darf sie sich gar nicht unterwinden, gleich als hätte sie sich über alle empirischen Bedingungen seiner Anwendung erhoben, und zur unmittelbaren Kenntnis neuer Gegenstände emporgeschwungen, um von diesem Begriffe auszugehen, und die moralischen Gesetze selbst von ihm abzuleiten. Denn diese waren es eben, deren innere praktische Notwendigkeit uns zu der Voraussetzung einer selbständigen Ursache, oder eines weisen Weltregierers führte, um jenen Gesetzen Effekt zu geben, und daher können wir sie nicht nach diesem wiederum als zufällig und vom bloßen Willen abgeleitet ansehen, insonderheit von einem solchen Willen, von dem
B 847 wir gar keinen Begriff haben würden, wenn wir ihn nicht jenen Gesetzen gemäß gebildet hätten. Wir werden, soweit praktische Vernunft uns zu führen das Recht hat, Handlungen nicht darum für verbindlich halten, weil sie Gebote Gottes sind, sondern sie darum als göttliche Gebote ansehen, weil wir dazu innerlich verbindlich sind. Wir werden die Freiheit, unter der zweckmäßigen Einheit nach Prinzipien der Vernunft, studieren, und nur sofern glauben dem göttlichen Willen gemäß zu sein, als wir das Sittengesetz, welches uns die Vernunft aus der Natur der Handlungen selbst lehrt, heilig halten, ihm dadurch allein zu dienen glauben, daß wir das Weltbeste an uns und an anderen befördern. Die Moraltheologie ist also nur von immanentem Gebrauche, nämlich unsere Bestimmung hier in der Welt zu erfüllen, indem wir in das System aller Zwecke passen, und nicht schwärmerisch oder wohl gar frevelhaft den Leitfaden einer moralisch gesetzgebenden Vernunft im guten Lebenswandel zu verlassen, um ihn unmittelbar an die Idee des höchsten Wesens zu knüpfen, welches einen transzendenten Gebrauch geben würde, aber ebenso, wie der der bloßen Spekulation, die letzten Zwecke der Vernunft verkehren und vereiteln muß.
B 848 Des Kanons der reinen Vernunft Dritter Abschnitt Vom Meinen, Wissen und Glauben
Das Fürwahrhalten ist eine Begebenheit in unserem Verstande, die auf objektiven Gründen beruhen mag, aber auch subjektive Ursachen im Gemüte dessen, der da urteilt, erfordert. Wenn es für jedermann gültig ist, sofern er nur Vernunft hat, so ist der Grund desselben objektiv hinreichend, und das Fürwahrhalten heißt alsdann Überzeugung. Hat es nur in der besonderer Beschaffenheit des Subjekts seinen Grund, so wird es Überredung genannt.
Überredung ist ein bloßer Schein, weil der Grund des Urteils, welcher lediglich im Subjekte liegt, für objektiv gehalten wird. Daher hat ein solches Urteil auch nur Privatgültigkeit, und das Fürwahrhalten läßt sich nicht mitteilen. Wahrheit aber beruht auf der Übereinstimmung mit dem Objekte, in Ansehung dessen folglich die Urteile eines jeden Verstandes einstimmig sein müssen (consentientia uni tertio, consentiunt inter se). Der Probierstein des Fürwahrhaltens, ob es Überzeugung oder bloße Überredung sei, ist also, äußerlich, die Möglichkeit, dasselbe mitzuteilen und das Fürwahrhalten für jedes Menschen Vernunft gültig zu befinden; denn alsdann ist wenigstens eine Vermutung, der Grund der
B 849 Einstimmung aller Urteile, ungeachtet der Verschiedenheit der Subjekte untereinander, werde auf dem gemeinschaftlichen Grunde, nämlich dem Objekte, beruhen, mit welchem sie daher alle zusammenstimmen und dadurch die Wahrheit des Urteils beweisen werden.
Überredung demnach kann von der Überzeugung subjektiv zwar nicht unterschieden werden, wenn das Subjekt das Fürwahrhalten, bloß als Erscheinung seines eigenen Gemüts, vor Augen hat; der Versuch aber, den man mit den Gründen desselben, die für uns gültig sind, an anderer Verstand macht, ob sie auf fremde Vernunft eben dieselbe Wirkung tun, als auf die unsrige, ist doch ein, obzwar nur subjektives, Mittel, zwar nicht Überzeugung zu bewirken, aber doch die bloße Privatgültigkeit des Urteils, d.i. etwas in ihm, was bloße Überredung ist, zu entdecken.
Kann man überdem die subjektiven Ursachen des Urteils, welche wir für objektive Gründe desselben nehmen, entwickeln, und mithin das trügliche Fürwahrhalten als eine Begebenheit in unserem Gemüte erklären, ohne dazu die Beschaffenheit des Objekts nötig zu haben, so entblößen wir den Schein und werden dadurch nicht mehr hintergangen, obgleich immer noch in gewissem Grade versucht, wenn die subjektive Ursache des Scheins unserer Natur anhängt.
Ich kann nichts behaupten, d.i. als ein für jedermann notwendig gültiges Urteil aussprechen, als was
B 850 Überzeugung wirkt. Überredung kann ich für mich behalten, wenn ich mich dabei wohlbefinde, kann sie aber und soll sie außer mir nicht geltend machen wollen.
Das Fürwahrhalten, oder die subjektive Gültigkeit des Urteils, in Beziehung auf die Überzeugung (welche zugleich objektiv gilt), hat folgende drei Stufen: Meinen, Glauben und Wissen. Meinen ist ein mit Bewußtsein sowohl subjektiv, als objektiv unzureichendes Fürwahrhalten. Ist das letztere nur subjektiv zureichend und wird zugleich für objektiv unzureichend gehalten, so heißt es Glauben. Endlich heißt das sowohl subjektiv als objektiv zureichende Fürwahrhalten das Wissen. Die subjektive Zulänglichkeit heißt Überzeugung (für mich selbst), die objektive, Gewißheit (für jedermann). Ich werde mich bei der Erläuterung so faßlicher Begriffe nicht aufhalten.
Ich darf mich niemals unterwinden, zu meinen, ohne wenigstens etwas zu wissen, vermittelst dessen das an sich bloß problematische Urteil eine Verknüpfung mit Wahrheit bekommt, die, ob sie gleich nicht vollständig, doch mehr als willkürliche Erdichtung ist. Das Gesetz einer solchen Verknüpfung muß überdem gewiß sein. Denn, wenn ich in Ansehung dessen auch nichts als Meinung habe, so ist alles nur Spiel der Einbildung, ohne die mindeste Beziehung auf Wahrheit. In Urteilen aus reiner Vernunft ist es gar nicht erlaubt, zu meinen. Denn, weil sie nicht auf Erfahrungsgründe gestützt werden,
B 851 sondern alles a priori erkannt werden soll, wo alles notwendig ist, so erfordert das Prinzip der Verknüpfung Allgemeinheit und Notwendigkeit, mithin völlige Gewißheit, widrigenfalls gar keine Leitung auf Wahrheit angetroffen wird. Daher ist es ungereimt, in der reinen Mathematik zu meinen; man muß wissen, oder sich alles Urteilens enthalten. Ebenso ist es mit den Grundsätzen der Sittlichkeit bewandt, da man nicht auf bloße Meinung, daß etwas erlaubt sei, eine Handlung wagen darf, sondern dieses wissen muß.
Im transzendentalen Gebrauche der Vernunft ist dagegen Meinen freilich zu wenig, aber Wissen auch zu viel. In bloß spekulativer Absicht können wir also hier gar nicht urteilen; weil subjektive Gründe des Fürwahrhaltens, wie die, so das Glauben bewirken können, bei spekulativen Fragen keinen Beifall verdienen, da sie sich frei von aller empirischen Beihilfe nicht halten, noch in gleichem Maße anderen mitteilen lassen.
Es kann aber überall bloß in praktischer Beziehung das theoretisch unzureichende Fürwahrhalten Glauben genannt werden. Diese praktische Absicht ist nun entweder die der Geschicklichkeit, oder der Sittlichkeit, die erste zu beliebigen und zufälligen, die zweite aber zu schlechthin notwendigen Zwecken.
Wenn einmal ein Zweck vorgesetzt ist, so sind die Bedingungen der Erreichung desselben hypothetisch notwendig. Diese Notwendigkeit ist subjektiv, aber doch nur
B 852 komparativ zureichend, wenn ich gar keine anderen Bedingungen weiß, unter denen der Zweck zu erreichen wäre; aber sie ist schlechthin und für jedermann zureichend, wenn ich gewiß weiß, daß niemand andere Bedingungen kennen könne, die auf den vorgesetzten Zweck führen. Im ersten Falle ist meine Voraussetzung und das Fürwahrhalten gewisser Bedingungen ein bloß zufälliger, im zweiten Falle aber ein notwendiger Glaube. Der Arzt muß bei einem Kranken, der in Gefahr ist, etwas tun, kennt aber die Krankheit nicht. Er sieht auf die Erscheinungen, und urteilt, weil er nichts Besseres weiß, es sei die Schwindsucht. Sein Glaube ist selbst in seinem eigenen Urteile bloß zufällig, ein anderer möchte es vielleicht besser treffen. Ich nenne dergleichen zufälligen Glauben, der aber dem wirklichen Gebrauche der Mittel zu gewissen Handlungen zum Grunde liegt, den pragmatischen Glauben.
Der gewöhnliche Probierstein: ob etwas bloße Überredung, oder wenigstens subjektive Überzeugung, d.i. festes Glauben sei, was jemand behauptet, ist das Wetten. Öfters spricht jemand seine Sätze mit so zuversichtlichem und unlenkbarem Trotze aus, daß er alle Besorgnis des Irrtums gänzlich abgelegt zu haben scheint. Eine Wette macht ihn stutzig. Bisweilen zeigt sich, daß er zwar Überredung genug, die auf einen Dukaten an Wert geschätzt werden kann, aber nicht auf zehn, besitze. Denn den ersten wagt er noch wohl, aber bei zehn wird er
B 853 allererst inne, was er vorher nicht bemerkte, daß es nämlich doch wohl möglich sei, er habe sich geirrt. Wenn man sich in Gedanken vorstellt, man solle worauf das Glück des ganzen Lebens verwetten, so schwindet unser triumphierendes Urteil gar sehr, wir werden überaus schüchtern und entdecken so allererst, daß unser Glaube so weit nicht zulange. So hat der pragmatische Glaube nur einen Grad, der nach Verschiedenheit des Interesses, das dabei im Spiele ist, groß oder auch klein sein kann.
Weil aber, ob wir gleich in Beziehung auf ein Objekt gar nichts unternehmen können, also das Fürwahrhalten bloß theoretisch ist, wir doch in vielen Fällen eine Unternehmung in Gedanken fassen und uns einbilden können, zu welcher wir hinreichende Gründe zu haben vermeinen, wenn es ein Mittel gäbe, die Gewißheit der Sache auszumachen, so gibt es in bloß theoretischen Urteilen ein Analogon von praktischen, auf deren Fürwahrhaltung das Wort Glauben paßt, und den wir den doktrinalen Glauben nennen können. Wenn es möglich wäre durch irgendeine Erfahrung auszumachen, so möchte ich wohl alles das Meinige darauf verwetten, daß es wenigstens in irgendeinem von den Planeten, die wir sehen, Einwohner gebe. Daher sage ich, ist es nicht bloß Meinung, sondern ein starker Glaube (auf dessen Richtigkeit ich schon viele Vorteile des Lebens wagen würde), daß es auch Bewohner anderer Welten gebe.
B 854 Nun müssen wir gestehen, daß die Lehre vom Dasein Gottes zum doktrinalen Glauben gehöre. Denn, ob ich gleich in Ansehung der theoretischen Weltkenntnis nichts zu verfügen habe, was diesen Gedanken, als Bedingung meiner Erklärungen der Erscheinungen der Welt, notwendig voraussetze, sondern vielmehr verbunden bin, meiner Vernunft mich so zu bedienen, als ob alles bloß Natur sei; so ist doch die zweckmäßige Einheit eine so große Bedingung der Anwendung der Vernunft auf Natur, daß ich, da mir überdem Erfahrung reichlich davon Beispiele darbietet, sie gar nicht vorbeigehen kann. Zu dieser Einheit aber kenne ich keine andere Bedingung, die sie mir zum Leitfaden der Naturforschung machte, als wenn ich voraussetze, daß eine höchste Intelligenz alles nach den weisesten Zwecken so geordnet habe. Folglich ist es eine Bedingung einer zwar zufälligen, aber doch nicht unerheblichen Absicht, nämlich, um eine Leitung in der Nachforschung der Natur zu haben, einen weisen Welturheber vorauszusetzen. Der Ausgang meiner Versuche bestätigt auch so oft die Brauchbarkeit dieser Voraussetzung, und nichts kann auf entscheidende Art dawider angeführt werden; daß ich viel zu wenig sage, wenn ich mein Fürwahrhalten bloß ein Meinen nennen wollte, sondern es kann selbst in diesem theoretischen Verhältnisse gesagt werden, daß ich festiglich einen Gott glaube; aber alsdann ist dieser Glaube in strenger Bedeutung dennoch nicht praktisch, sondern muß ein doktrinaler Glaube genannt werden, den die
B 855 Theologie der Natur (Physikotheologie) notwendig allerwärts bewirken muß. In Ansehung eben derselben Weisheit, in Rücksicht auf die vortreffliche Ausstattung der menschlichen Natur und die derselben so schlecht angemessene Kürze des Lebens, kann ebensowohl genugsamer Grund zu einem doktrinalen Glauben des künftigen Lebens der menschlichen Seele angetroffen werden.
Der Ausdruck des Glaubens ist in solchen Fällen ein Ausdruck der Bescheidenheit in objektiver Absicht, aber doch zugleich der Festigkeit des Zutrauens in subjektiver. Wenn ich das bloß theoretische Fürwahrhalten hier auch nur Hypothese nennen wollte, die ich anzunehmen berechtigt wäre, so würde ich mich dadurch schon anheischig machen, mehr, von der Beschaffenheit einer Weltursache und einer anderen Welt, Begriff zu haben, als ich wirklich aufzeigen kann; denn was ich auch nur als Hypothese annehme, davon muß ich wenigstens seinen Eigenschaften nach so viel kennen, daß ich nicht seinen Begriff, sondern nur sein Dasein erdichten darf. Das Wort Glauben aber geht nur auf die Leitung, die mir eine Idee gibt, und den subjektiven Einfluß auf die Beförderung meiner Vernunfthandlungen, die mich an derselben festhält, ob ich gleich von ihr nicht imstande bin, in spekulativer Absicht Rechenschaft zu geben.
Aber der bloß doktrinale Glaube hat etwas Wankendes in sich; man wird oft durch Schwierigkeiten, die sich in der Spekulation vorfinden, aus demselben gesetzt,
B 856 ob man zwar unausbleiblich dazu immer wiederum zurückkehrt.
Ganz anders ist es mit dem moralischen Glauben bewandt. Denn da ist es schlechterdings notwendig, daß etwas geschehen muß, nämlich, daß ich dem sittlichen Gesetze in allen Stücken Folge leiste. Der Zweck ist hier unumgänglich festgestellt, und es ist nur eine einzige Bedingung nach aller meiner Einsicht möglich, unter welcher dieser Zweck mit allen gesamten Zwecken zusammenhängt, und dadurch praktische Gültigkeit habe, nämlich, daß ein Gott und eine künftige Welt sei: ich weiß auch ganz gewiß, daß niemand andere Bedingungen kenne, die auf dieselbe Einheit der Zwecke unter dem moralischen Gesetze führe. Da aber also die sittliche Vorschrift zugleich meine Maxime ist (wie denn die Vernunft gebietet, daß sie es sein soll), so werde ich unausbleiblich ein Dasein Gottes und ein künftiges Leben glauben, und ich bin sicher, daß diesen Glauben nichts wankend machen könnte, weil dadurch meine sittlichen Grundsätze selbst umgestürzt werden würden, denen ich nicht entsagen kann, ohne in meinen eigenen Augen verabscheuungswürdig zu sein.
Auf solche Weise bleibt uns, nach Vereitlung aller ehrsüchtigen Absichten einer über die Grenzen aller Erfahrung hinaus herumschweifenden Vernunft, noch genug übrig, daß wir damit in praktischer Absicht zufrieden zu sein Ursache haben. Zwar wird freilich sich niemand rühmen können: er wisse, daß ein Gott und daß ein künftig
B 857 Leben sei; denn, wenn er das weiß, so ist er gerade der Mann, den ich längst gesucht habe. Alles Wissen (wenn es einen Gegenstand der bloßen Vernunft betrifft) kann man mitteilen, und ich würde also auch hoffen können, durch seine Belehrung mein Wissen in so bewunderungswürdigem Maße ausgedehnt zu sehen. Nein, die Überzeugung ist nicht logische, sondern moralische Gewißheit, und, da sie auf subjektiven Gründen (der moralischen Gesinnung) beruht, so muß ich nicht einmal sagen: es ist moralisch gewiß, daß ein Gott sei usw., sondern, ich bin moralisch gewiß usw. Das heißt: der Glaube an einen Gott und eine andere Welt ist mit meiner moralischen Gesinnung so verwebt, daß, so wenig ich Gefahr laufe, die erstere einzubüßen, ebensowenig besorge ich, daß mir der zweite jemals entrissen werden könne.
Das einzige Bedenkliche, das sich hierbei findet, ist, daß sich dieser Vernunftglaube auf die Voraussetzung moralischer Gesinnungen gründet. Gehen wir davon ab, und nehmen einen, der in Ansehung sittlicher Gesetze gänzlich gleichgültig wäre, so wird die Frage, welche die Vernunft aufwirft, bloß eine Aufgabe für die Spekulation, und kann alsdann zwar noch mit starken Gründen aus der Analogie, aber nicht mit solchen, denen sich die hartnäckigste Zweifelsucht ergeben müßte, unterstützt werden*. Es ist aber
B 858 kein Mensch bei diesen Fragen frei von allem Interesse. Denn, ob er gleich von dem moralischen, durch den Mangel guter Gesinnungen, getrennt sein möchte: so bleibt doch auch in diesem Falle genug übrig, um zu machen, daß er ein göttliches Dasein und eine Zukunft fürchte. Denn hierzu wird nichts mehr erfordert, als daß er wenigstens keine Gewißheit vorschützen könne, daß kein solches Wesen und kein künftig Leben anzutreffen sei, wozu, weil es durch bloße Vernunft, mithin apodiktisch bewiesen werden müßte, er die Unmöglichkeit von beiden darzutun haben würde, welches gewiß kein vernünftiger Mensch übernehmen kann. Das würde ein negativer Glaube sein, der zwar nicht Moralität und gute Gesinnungen, aber doch das Analogon derselben bewirken, nämlich den Ausbruch der bösen mächtig zurückhalten könnte.
* Das menschliche Gemüt nimmt (so wie ich glaube, daß es bei jedem vernünftigen Wesen notwendig geschieht) ein natürliches Interesse an der Moralität, ob es gleich nicht ungeteilt und praktisch überwiegend ist. Befestigt und vergrößert dieses Interesse, und ihr werdet die Vernunft sehr gelehrig und selbst aufgeklärter finden, um mit dem praktischen auch das spekulative Interesse zu vereinigen. Sorget ihr aber nicht dafür, daß ihr vorher, wenigstens auf dem halben Wege, gute Menschen macht, so werdet ihr auch niemals aus ihnen aufrichtiggläubige Menschen machen!
Ist das aber alles, wird man sagen, was reine Vernunft ausrichtet, indem sie über die Grenzen der Erfahrung hinaus Aussichten eröffnet? nichts mehr, als zwei Glaubensartikel? so viel hätte auch wohl der gemeine
B 859 Verstand, ohne darüber die Philosophen zu Rate zu ziehen, ausrichten können!
Ich will hier nicht das Verdienst rühmen, das Philosophie durch die mühsame Bestrebung ihrer Kritik um die menschliche Vernunft habe; gesetzt, es sollte auch beim Ausgange bloß negativ befunden werden; denn davon wird in dem folgenden Abschnitte noch etwas vorkommen. Aber verlangt ihr denn, daß ein Erkenntnis, welches alle Menschen angeht, den gemeinen Verstand übersteigen, und euch nur von Philosophen entdeckt werden solle? Eben das, was ihr tadelt, ist die beste Bestätigung von der Richtigkeit der bisherigen Behauptungen, da es das, was man anfangs nicht vorhersehen konnte, entdeckt, nämlich, daß die Natur, in dem, was Menschen ohne Unterschied angelegen ist, keiner parteiischen Austeilung ihrer Gaben zu beschuldigen sei, und die höchste Philosophie in Ansehung der wesentlichen Zwecke der menschlichen Natur es nicht weiter bringen könne, als die Leitung, welche sie auch dem gemeinsten Verstande hat angedeihen lassen.
B 860 Der transzendentalen Methodenlehre Drittes Hauptstück Die Architektonik der reinen Vernunft
Ich verstehe unter einer Architektonik die Kunst der Systeme. Weil die systematische Einheit dasjenige ist, was gemeine Erkenntnis allererst zur Wissenschaft, d.i. aus einem bloßen Aggregat derselben ein System macht, so ist Architektonik die Lehre des Scientifischen in unserer Erkenntnis überhaupt, und sie gehört also notwendig zur Methodenlehre.
Unter der Regierung der Vernunft dürfen unsere Erkenntnisse überhaupt keine Rhapsodie, sondern sie müssen ein System ausmachen, in welchem sie allein die wesentlichen Zwecke derselben unterstützen und befördern können. Ich verstehe aber unter einem Systeme die Einheit der mannigfaltigen Erkenntnisse unter einer Idee. Diese ist der Vernunftbegriff von der Form eines Ganzen, sofern durch denselben der Umfang des Mannigfaltigen sowohl, als die Stelle der Teile untereinander, a priori bestimmt wird. Der szientifische Vernunftbegriff enthält also den Zweck und die Form des Ganzen, das mit demselben kongruiert. Die Einheit des Zwecks, worauf sich alle Teile und in der Idee desselben auch untereinander beziehen, macht, daß ein jeder Teil bei der Kenntnis der übrigen vermißt
B 861 werden kann, und keine zufällige Hinzusetzung, oder unbestimmte Größe der Vollkommenheit, die nicht ihre a priori bestimmten Grenzen habe, stattfindet. Das Ganze ist also gegliedert (articulatio) und nicht gehäuft (coacervatio); es kann zwar innerlich (per intus susceptionem), aber nicht äußerlich (per appositionem) wachsen, wie ein tierischer Körper, dessen Wachstum kein Glied hinzusetzt, sondern, ohne Veränderung der Proportion, ein jedes zu seinen Zwecken stärker und tüchtiger macht.
Die Idee bedarf zur Ausführung ein Schema, d.i. eine a priori aus dem Prinzip des Zwecks bestimmte wesentliche Mannigfaltigkeit und Ordnung der Teile. Das Schema, welches nicht nach einer Idee, d.i. aus dem Hauptzwecke der Vernunft, sondern empirisch, nach zufällig sich darbietenden Absichten (deren Menge man nicht voraus wissen kann), entworfen wird, gibt technische, dasjenige aber, was nur zufolge einer Idee entspringt (wo die Vernunft die Zwecke a priori aufgibt, und nicht empirisch erwartet), gründet architektonische Einheit. Nicht technisch, wegen der Ähnlichkeit des Mannigfaltigen, oder des zufälligen Gebrauchs der Erkenntnis in concreto zu allerlei beliebigen äußeren Zwecken, sondern architektonisch, um der Verwandtschaft willen und der Ableitung von einem einigen obersten und inneren Zwecke, der das Ganze allererst möglich macht, kann dasjenige entspringen, was wir Wissenschaft nennen, dessen Schema den Umriß (monogramma) und die Einteilung des Ganzen in
B 862 Glieder, der Idee gemäß, d.i. a priori enthalten, und dieses von allen anderen sicher und nach Prinzipien unterscheiden muß.
Niemand versucht es, eine Wissenschaft zustande zu bringen, ohne daß ihm eine Idee zum Grunde liege. Allein, in der Ausarbeitung derselben entspricht das Schema, ja sogar die Definition, die er gleich zu Anfang von seiner Wissenschaft gibt, sehr selten seiner Idee; denn diese liegt, wie ein Keim, in der Vernunft, in welchem alle Teile noch sehr eingewickelt und kaum der mikroskopischen Beobachtung kennbar, verborgen liegen. Um deswillen muß man Wissenschaften, weil sie doch alle aus dem Gesichtspunkte eines gewissen allgemeinen Interesses ausgedacht werden, nicht nach der Beschreibung, die der Urheber derselben davon gibt, sondern nach der Idee, welche man aus der natürlichen Einheit der Teile, die er zusammengebracht hat, in der Vernunft selbst gegründet findet, erklären und bestimmen. Denn da wird sich finden, daß der Urheber und oft noch seine spätesten Nachfolger um eine Idee herumirren, die sie sich selbst nicht haben deutlich machen und daher den eigentümlichen Inhalt, die Artikulation (systematische Einheit) und Grenzen der Wissenschaft nicht bestimmen können.
Es ist schlimm, daß nur allererst, nachdem wir lange Zeit, nach Anweisung einer in uns versteckt liegenden Idee, rhapsodistisch viele dahin sich beziehenden Erkenntnisse, als Bauzeug, gesammelt, ja gar lange Zeiten hindurch sie
B 863 technisch zusammengesetzt haben, es uns dann allererst möglich ist, die Idee in hellerem Lichte zu erblicken, und ein Ganzes nach den Zwecken der Vernunft architektonisch zu entwerfen. Die Systeme scheinen, wie Gewürme, durch eine generatio aequivoca, aus dem bloßen Zusammenfluß von aufgesammelten Begriffen, anfangs verstümmelt, mit der Zeit vollständig, gebildet worden zu sein, ob sie gleich alle insgesamt ihr Schema, als den ursprünglichen Keim, in der sich bloß auswickelnden Vernunft hatten, und darum, nicht allein ein jedes für sich nach einer Idee gegliedert, sondern noch dazu alle untereinander in einem System menschlicher Erkenntnis wiederum als Glieder eines Ganzen zweckmäßig vereinigt sind, und eine Architektonik alles menschlichen Wissens erlauben, die jetziger Zeit, da schon so viel Stoff gesammelt ist, oder aus Ruinen eingefallener alter Gebäude genommen werden kann, nicht allein möglich, sondern nicht einmal sogar schwer sein würde. Wir begnügen uns hier mit der Vollendung unseres Geschäftes, nämlich, lediglich die Architektonik aller Erkenntnis aus reiner Vernunft zu entwerfen, und fangen nur von dem Punkte an, wo sich die allgemeine Wurzel unserer Erkenntniskraft teilt und zwei Stämme auswirft, deren einer Vernunft ist. Ich verstehe hier aber unter Vernunft das ganze obere Erkenntnisvermögen, und setze also das Rationale dem Empirischen entgegen.
Wenn ich von allem Inhalte der Erkenntnis, objektiv betrachtet, abstrahiere, so ist alles Erkenntnis,
B 864 subjektiv, entweder historisch oder rational. Die historische Erkenntnis ist cognitio ex datis, die rationale aber cognitio ex principiis. Eine Erkenntnis mag ursprünglich gegeben sein, woher sie wolle, so ist sie doch bei dem, der sie besitzt, historisch, wenn er nur in dem Grade und so viel erkennt, als ihm anderwärts gegeben worden, es mag dieses ihm nun durch unmittelbare Erfahrung oder Erzählung, oder auch Belehrung (allgemeiner Erkenntnisse) gegeben sein. Daher hat der, welcher ein System der Philosophie, z.B. das Wolfische, eigentlich gelernt hat, ob er gleich alle Grundsätze, Erklärungen und Beweise, zusamt der Einteilung des ganzen Lehrgebäudes, im Kopfe hätte, und alles an den Fingern abzählen könnte, doch keine andere als vollständige historische Erkenntnis der Wolfischen Philosophie; er weiß und urteilt nur so viel, als ihm gegeben war. Streitet ihm eine Definition, so weiß er nicht, wo er eine andere hernehmen soll. Er bildete sich nach fremder Vernunft, aber das nachbildende Vermögen ist nicht das erzeugende, d.i. das Erkenntnis entsprang bei ihm nicht aus Vernunft, und, ob es gleich, objektiv, allerdings ein Vernunfterkenntnis war, so ist es doch, subjektiv, bloß historisch. Er hat gut gefaßt und behalten, d.i. gelernt, und ist ein Gipsabdruck von einem lebenden Menschen. Vernunfterkenntnisse, die es objektiv sind, (d.i. anfangs nur aus der eigenen Vernunft des Menschen entspringen können,) dürfen nur dann allein auch subjektiv diesen Namen führen, wenn sie aus allgemeinen
B 865 Quellen der Vernunft, woraus auch die Kritik, ja selbst die Verwerfung des Gelernten entspringen kann, d.i. aus Prinzipien geschöpft worden.
Alle Vernunfterkenntnis ist nun entweder die aus Begriffen, oder aus der Konstruktion der Begriffe; die erstere heißt philosophisch, die zweite mathematisch. Von dem inneren Unterschiede beider habe ich schon im ersten Hauptstücke gehandelt. Ein Erkenntnis demnach kann objektiv philosophisch sein, und ist doch subjektiv historisch, wie bei den meisten Lehrlingen, und bei allen, die über die Schule niemals hinausgehen und zeitlebens Lehrlinge bleiben. Es ist aber doch sonderbar, daß das mathematische Erkenntnis, so wie man es erlernt hat, doch auch subjektiv für Vernunfterkenntnis gelten kann, und ein solcher Unterschied bei ihr nicht so, wie bei dem philosophischen stattfindet. Die Ursache ist, weil die Erkenntnisquellen, aus denen der Lehrer allein schöpfen kann, nirgend anders als in den wesentlichen und echten Prinzipien der Vernunft liegen, und mithin von dem Lehrlinge nirgend anders hergenommen, noch etwa gestritten werden können, und dieses zwar darum, weil der Gebrauch der Vernunft hier nur in concreto, obzwar dennoch a priori, nämlich an der reinen, und eben deswegen fehlerfreien, Anschauung geschieht, und alle Täuschung und Irrtum ausschließt. Man kann also unter allen Vernunftwissenschaften (a priori) nur allein Mathematik, niemals aber Philosophie (es sei denn historisch), sondern, was die Vernunft betrifft, höchstens nur philosophieren lernen.
B 866 Das System aller philosophischen Erkenntnis ist nun Philosophie. Man muß sie objektiv nehmen, wenn man darunter das Urbild der Beurteilung aller Versuche zu philosophieren versteht, welche jede subjektive Philosophie zu beurteilen dienen soll, deren Gebäude oft so mannigfaltig und so veränderlich ist. Auf diese Weise ist Philosophie eine bloße Idee von einer möglichen Wissenschaft, die nirgend in concreto gegeben ist, welcher man sich aber auf mancherlei Wegen zu nähern sucht, so lange, bis der einzige, sehr durch Sinnlichkeit verwachsene Fußsteig entdeckt wird, und das bisher verfehlte Nachbild, so weit als es Menschen vergönnt ist, dem Urbilde gleich zu machen gelingt. Bis dahin kann man keine Philosophie lernen; denn, wo ist sie, wer hat sie im Besitze, und woran läßt sie sich erkennen? Man kann nur philosophieren lernen, d.i. das Talent der Vernunft in der Befolgung ihrer allgemeinen Prinzipien an gewissen vorhandenen Versuchen üben, doch immer mit Vorbehalt des Rechts der Vernunft, jene selbst in ihren Quellen zu untersuchen und zu bestätigen, oder zu verwerfen.
Bis dahin ist aber der Begriff von Philosophie nur ein Schulbegriff, nämlich von einem System der Erkenntnis, die nur als Wissenschaft gesucht wird, ohne etwas mehr als die systematische Einheit dieses Wissens, mithin die logische Vollkommenheit der Erkenntnis zum Zwecke zu haben. Es gibt aber noch einen Weltbegriff (conceptus cosmicus), der dieser Benennung jederzeit zum Grunde gelegen hat, vornehmlich wenn man ihn
B 867 gleichsam personifizierte und in dem Ideal des Philosophen sich als ein Urbild vorstellte. In dieser Absicht ist Philosophie die Wissenschaft von der Beziehung aller Erkenntnis auf die wesentlichen Zwecke der menschlichen Vernunft (teleologia rationis humanae), und der Philosoph ist nicht ein Vernunftkünstler, sondern der Gesetzgeber der menschlichen Vernunft. In solcher Bedeutung wäre es sehr ruhmredig, sich selbst einen Philosophen zu nennen, und sich anzumaßen, dem Urbilde, das nur in der Idee liegt, gleichgekommen zu sein.
Der Mathematiker, der Naturkündiger, der Logiker sind, so vortrefflich die ersteren auch überhaupt im Vernunfterkenntnisse, die zweiten besonders im philosophischen Erkenntnisse Fortgang haben mögen, doch nur Vernunftkünstler. Es gibt noch einen Lehrer im Ideal, der alle diese ansetzt, sie als Werkzeuge nutzt, um die wesentlichen Zwecke der menschlichen Vernunft zu befördern. Diesen allein müßten wir den Philosophen nennen; aber, da er selbst doch nirgend, die Idee aber seiner Gesetzgebung allenthalben in jeder Menschenvernunft angetroffen wird, so wollen wir uns lediglich an der letzteren halten, und näher bestimmen, was Philosophie, nach diesem Weltbegriffe*, für
B 868 systematische Einheit aus dem Standpunkte der Zwecke vorschreibe.
* Weltbegriff heißt hier derjenige, der das betrifft, was jedermann notwendig interessiert; mithin bestimme ich die Absicht einer Wissenschaft nach Schulbegriffen, wenn sie nur als eine von den Geschicklichkeiten zu gewissen beliebigen Zwecken angesehen wird.
Wesentliche Zwecke sind darum noch nicht die höchsten, deren (bei vollkommener systematischer Einheit der Vernunft) nur ein einziger sein kann. Daher sind sie entweder der Endzweck, oder subalterne Zwecke, die zu jenem als Mittel notwendig gehören. Der erstere ist kein anderer, als die ganze Bestimmung des Menschen, und die Philosophie über dieselbe heißt Moral. Um dieses Vorzugs willen, den die Moralphilosophie vor aller anderen Vernunftbewerbung hat, verstand man auch bei den Alten unter dem Namen des Philosophen jederzeit zugleich und vorzüglich den Moralisten, und selbst macht der äußere Schein der Selbstbeherrschung durch Vernunft, daß man jemanden noch jetzt, bei seinem eingeschränkten Wissen, nach einer gewissen Analogie, Philosoph nennt.
Die Gesetzgebung der menschlichen Vernunft (Philosophie) hat nun zwei Gegenstände, Natur und Freiheit, und enthält also sowohl das Naturgesetz, als auch das Sittengesetz, anfangs in zwei besonderen, zuletzt aber in einem einzigen philosophischen System. Die Philosophie der Natur geht auf alles, was da ist; die der Sitten, nur auf das, was da sein soll.
Alle Philosophie aber ist entweder Erkenntnis aus reiner Vernunft, oder Vernunfterkenntnis aus empirischen Prinzipien. Die erstere heißt reine, die zweite empirische Philosophie.
B 869 Die Philosophie der reinen Vernunft ist nun entweder Propädeutik (Vorübung), welche das Vermögen der Vernunft in Ansehung aller reinen Erkenntnis a priori untersucht, und heißt Kritik, oder zweitens das System der reinen Vernunft (Wissenschaft), die ganze (wahre sowohl als scheinbare) philosophische Erkenntnis aus reiner Vernunft im systematischen Zusammenhange, und heißt Metaphysik; wiewohl dieser Name auch der ganzen reinen Philosophie mit Inbegriff der Kritik gegeben werden kann, um, sowohl die Untersuchung alles dessen, was jemals a priori erkannt werden kann, als auch die Darstellung desjenigen, was ein System reiner philosophischer Erkenntnisse dieser Art ausmacht, von allein empirischen aber, imgleichen dem mathematischen Vernunftgebrauche unterschieden ist, zusammen zu fassen.
Die Metaphysik teilt sich in die des spekulativen und praktischen Gebrauchs der reinen Vernunft, und ist also entweder Metaphysik der Natur, oder Metaphysik der Sitten. Jene enthält alle reinen Vernunftprinzipien aus bloßen Begriffen (mithin mit Ausschließung der Mathematik) von dem theoretischen Erkenntnisse aller Dinge; diese die Prinzipien, welche das Tun und Lassen a priori bestimmen und notwendig machen. Nun ist die Moralität die einzige Gesetzmäßigkeit der Handlungen, die völlig a priori aus Prinzipien abgeleitet werden kann. Daher ist die Metaphysik der Sitten eigentlich die reine Moral, in welcher keine Anthropologie (keine empirische
B 870 Bedingung) zum Grunde gelegt wird. Die Metaphysik der spekulativen Vernunft ist nun das, was man im engeren Verstande Metaphysik zu nennen pflegt; sofern aber reine Sittenlehre doch gleichwohl zu dem besonderen Stamme menschlicher und zwar philosophischer Erkenntnis aus reiner Vernunft gehört, so wollen wir ihr jene Benennung erhalten, obgleich wir sie, als zu unserem Zwecke jetzt nicht gehörig, hier beiseite setzen.
Es ist von der äußersten Erheblichkeit, Erkenntnisse, die ihrer Gattung und Ursprunge nach von anderen unterschieden sind, zu isolieren, und sorgfältig zu verhüten, daß sie nicht mit anderen, mit welchen sie im Gebrauche gewöhnlich verbunden sind, in ein Gemisch zusammenfließen. Was Chemiker beim Scheiden der Materien, was Mathematiker in ihrer reinen Größenlehre tun, das liegt noch weit mehr dem Philosophen ob, damit er den Anteil, den eine besondere Art der Erkenntnis am herumschweifenden Verstandesgebrauch hat, ihren eigenen Wert und Einfluß sicher bestimmen könne. Daher hat die menschliche Vernunft seitdem, daß sie gedacht, oder vielmehr nachgedacht hat, niemals einer Metaphysik entbehren, aber gleichwohl sie nicht, genugsam geläutert von allem Fremdartigen, darstellen können. Die Idee einer solchen Wissenschaft ist ebenso alt, als spekulative Menschenvernunft; und welche Vernunft spekuliert nicht, es mag nun auf scholastische, oder populäre Art geschehen? Man muß indessen gestehen, daß die Unterscheidung der zwei
B 871 Elemente unserer Erkenntnis, deren die einen völlig a priori in unserer Gewalt sind, die anderen nur a posteriori aus der Erfahrung genommen werden können, selbst bei Denkern von Gewerbe, nur sehr undeutlich blieb, und daher niemals die Grenzbestimmung einer besonderen Art von Erkenntnis, mithin nicht die echte Idee einer Wissenschaft, die so lange und so sehr die menschliche Vernunft beschäftigt hat, zustande bringen konnte. Wenn man sagte: Metaphysik ist die Wissenschaft von den ersten Prinzipien der menschlichen Erkenntnis, so bemerkte man dadurch nicht eine ganz besondere Art, sondern nur einen Rang in Ansehung der Allgemeinheit, dadurch sie also vom Empirischen nicht kenntlich unterschieden werden konnte; denn auch unter empirischen Prinzipien sind einige allgemeiner, und darum höher als andere, und, in der Reihe einer solchen Unterordnung, (da man das, was völlig a priori, von dem, was nur a posteriori erkannt wird, nicht unterscheidet,) wo soll man den Abschnitt machen, der den ersten Teil und die obersten Glieder von dem letzten und den untergeordneten unterschiede? Was würde man dazu sagen, wenn die Zeitrechnung die Epochen der Welt nur so bezeichnen könnte, daß sie sie in die ersten Jahrhunderte und in die darauffolgenden einteilte? Gehört das fünfte, das zehnte usw. Jahrhundert auch zu den ersten? würde man fragen; ebenso frage ich: gehört der Begriff des Ausgedehnten zur Metaphysik? ihr antwortet, ja! ei, aber auch der des Körpers? ja! und der des flüssigen Körpers? ihr
B 872 werdet stutzig, denn, wenn es so weiterfortgeht, so wird alles in die Metaphysik gehören. Hieraus sieht man, daß der bloße Grad der Unterordnung (das Besondere unter dem Allgemeinen) keine Grenzen einer Wissenschaft bestimmen könne, sondern in unserem Falle die gänzliche Ungleichartigkeit und Verschiedenheit des Ursprungs. Was aber die Grundidee der Metaphysik noch auf einer anderen Seite verdunkelte, war, daß sie als Erkenntnis a priori mit der Mathematik eine gewisse Gleichartigkeit zeigt, die zwar, was den Ursprung a priori betrifft, sie einander verwandt, was aber die Erkenntnisart aus Begriffen bei jener, in Vergleichung mit der Art, bloß durch Konstruktion der Begriffe a priori zu urteilen, bei dieser, mithin den Unterschied einer philosophischen Erkenntnis von der mathematischen anlangt; so zeigt sich eine so entschiedene Ungleichartigkeit, die man zwar jederzeit gleichsam fühlte, niemals aber auf deutliche Kriterien bringen konnte. Dadurch ist es nun geschehen, daß, da Philosophen selbst in der Entwicklung der Idee ihrer Wissenschaften fehlten, die Bearbeitung derselben keinen bestimmten Zweck und keine sichere Richtschnur haben konnte, und sie, bei einem so willkürlich gemachten Entwurfe, unwissend in dem Wege, den sie zu nehmen hätten, und jederzeit unter sich streitig, über die Entdeckungen, die ein jeder auf dem seinigen gemacht haben wollte, ihre Wissenschaft zuerst bei anderen und endlich sogar bei sich selbst in Verachtung brachten.
B 873 Alle reine Erkenntnis a priori macht also, vermöge des besonderen Erkenntnisvermögens, darin es allein seinen Sitz haben kann, eine besondere Einheit aus, und Metaphysik ist diejenige Philosophie, welche jene Erkenntnis in dieser systematischen Einheit darstellen soll. Der spekulative Teil derselben, der sich diesen Namen vorzüglich zugeeignet hat, nämlich die, welche wir Metaphysik der Natur nennen, und alles, sofern es ist, (nicht das, was sein soll,) aus Begriffen a priori erwägt, wird nun auf folgende Art eingeteilt.
Die im engeren Verstande so genannte Metaphysik besteht aus der Transzendentalphilosophie und der Physiologie der reinen Vernunft. Die erstere betrachtet nur den Verstand, und Vernunft selbst in einem System aller Begriffe und Grundsätze, die sich auf Gegenstände überhaupt beziehen, ohne Objekte anzunehmen, die gegeben wären (Ontologia); die zweite betrachtet Natur, d.i. den Inbegriff gegebener Gegenstände, (sie mögen nun den Sinnen, oder, wenn man will, einer anderen Art von Anschauung gegeben sein,) und ist also Physiologie (obgleich nur rationalis). Nun ist aber der Gebrauch der Vernunft in dieser rationalen Naturbetrachtung entweder physisch, oder hyperphysisch, oder besser, entweder immanent oder transzendent. Der erstere geht auf die Natur, so weit als ihre Erkenntnis in der Erfahrung (in concreto) kann angewandt werden, der zweite auf diejenige Verknüpfung der Gegenstände der Erfahrung, welche alle Erfahrung
B 874 übersteigt. Diese transzendente Physiologie hat daher entweder eine innere Verknüpfung, oder äußere, die aber beide über mögliche Erfahrung hinausgehen, zu ihrem Gegenstande; jene ist die Physiologie der gesamten Natur, d.i. die transzendentale Welterkenntnis, diese des Zusammenhanges der gesamten Natur mit einem Wesen über der Natur, d.i. die transzendentale Gotteserkenntnis.
Die immanente Physiologie betrachtet dagegen Natur als den Inbegriff aller Gegenstände der Sinne, mithin so wie sie uns gegeben ist, aber nur nach Bedingungen a priori, unter denen sie uns überhaupt gegeben werden kann. Es sind aber nur zweierlei Gegenstände derselben. 1. Die der äußeren Sinne, mithin der Inbegriff derselben, die körperliche Natur. 2. Der Gegenstand des inneren Sinnes, die Seele, und, nach den Grundbegriffen derselben überhaupt, die denkende Natur. Die Metaphysik der körperlichen Natur heißt Physik, aber, weil sie nur die Prinzipien ihrer Erkenntnis a priori enthalten soll, rationale Physik. Die Metaphysik der denkenden Natur heißt Psychologie und aus der eben angeführten Ursache ist hier nur die rationale Erkenntnis derselben zu verstehen.
Demnach besteht das ganze System der Metaphysik aus vier Hauptteilen. 1. Der Ontologie. 2. Der rationalen Physiologie. 3. Der rationalen Kosmologie. 4. Der rationalen Theologie. Der zweite Teil, nämlich die Naturlehre der reinen Vernunft, enthält zwei
B 875 Abteilungen, die physica rationalis* und psychologia rationalis.
* Man denke ja nicht, daß ich hierunter dasjenige verstehe, was man gemeiniglich physica generalis nennt, und mehr Mathematik, als Philosophie der Natur ist. Denn die Metaphysik der Natur sondert sich gänzlich von der Mathematik ab, hat auch bei weitem nicht so viel erweiternde Einsichten anzubieten, als diese, ist aber doch sehr wichtig, in Ansehung der Kritik des auf die Natur anzuwendenden reinen Verstandeserkenntnisses überhaupt; in Ermanglung deren selbst Mathematiker, indem sie gewissen gemeinen, in der Tat doch metaphysischen Begriffen anhängen, die Naturlehre unvermerkt mit Hypothesen belästigt haben, welche bei einer Kritik dieser Prinzipien verschwinden, ohne dadurch doch dem Gebrauche der Mathematik in diesem Felde (der ganz unentbehrlich ist) im mindesten Abbruch zu tun.
Die ursprüngliche Idee einer Philosophie der reinen Vernunft schreibt diese Abteilung selbst vor; sie ist also architektonisch, ihren wesentlichen Zwecken gemäß, und nicht bloß technisch, nach zufällig wahrgenommenen Verwandtschaften und gleichsam auf gut Glück angestellt, eben darum aber auch unwandelbar und legislatorisch. Es finden sich aber hierbei einige Punkte, die Bedenklichkeit erregen, und die Überzeugung von der Gesetzmäßigkeit derselben schwächen könnten.
Zuerst, wie kann ich eine Erkenntnis a priori, mithin Metaphysik, von Gegenständen erwarten, sofern sie unseren Sinnen, mithin a posteriori gegeben sind? und, wie ist es möglich, nach Prinzipien a priori, die Natur der
B 876 Dinge zu erkennen und zu einer rationalen Physiologie zu gelangen? Die Antwort ist: wir nehmen aus der Erfahrung nichts weiter, als was nötig ist, uns ein Objekt, teils des äußeren, teils des inneren Sinnes zu geben. Jenes geschieht durch den bloßen Begriff Materie (undurchdringliche leblose Ausdehnung), dieses durch den Begriff eines denkenden Wesens (in der empirischen inneren Vorstellung: Ich denke). Übrigens müßten wir in der ganzen Metaphysik dieser Gegenstände, uns aller empirischen Prinzipien gänzlich enthalten, die über den Begriff noch irgendeine Erfahrung hinzusetzen möchten, um etwas über diese Gegenstände daraus zu urteilen.
Zweitens: wo bleibt denn die empirische Psychologie, welche von jeher ihren Platz in der Metaphysik behauptet hat, und von welcher man in unseren Zeiten so große Dinge zur Aufklärung derselben erwartet hat, nachdem man die Hoffnung aufgab, etwas Taugliches a priori auszurichten? Ich antworte: sie kommt dahin, wo die eigentliche (empirische) Naturlehre hingestellt werden muß, nämlich auf die Seite der angewandten Philosophie, zu welcher die reine Philosophie die Prinzipien a priori enthält, die also mit jener zwar verbunden, aber nicht vermischt werden muß. Also muß empirische Psychologie aus der Metaphysik gänzlich verbannt sein, und ist schon durch die Idee derselben davon gänzlich ausgeschlossen. Gleichwohl wird man ihr nach dem Schulgebrauch doch noch immer (obzwar nur als Episode) ein Plätzchen darin
B 877 verstatten müssen, und zwar aus ökonomischen Bewegursachen, weil sie noch nicht so reich ist, daß sie allein ein Studium ausmachen, und doch zu wichtig, als daß man sie ganz ausstoßen, oder anderwärts anheften sollte, wo sie noch weniger Verwandtschaft als in der Metaphysik antreffen dürfte. Es ist also bloß ein so lange aufgenommener Fremdling, dem man auf einige Zeit einen Aufenthalt vergönnt, bis er in einer ausführlichen Anthropologie (dem Pendant zu der empirischen Naturlehre) seine eigene Behausung wird beziehen können.
Das ist also die allgemeine Idee der Metaphysik, welche, da man ihr anfänglich mehr zumutete, als billigerweise verlangt werden kann, und sich eine zeitlang mit angenehmen Erwartungen ergötzte, zuletzt in allgemeine Verachtung gefallen ist, da man sich in seiner Hoffnung betrogen fand. Aus dem ganzen Verlauf unserer Kritik wird man sich hinlänglich überzeugt haben: daß, wenngleich Metaphysik nicht die Grundfeste der Religion sein kann, so müsse sie doch jederzeit als die Schutzwehr derselben stehenbleiben, und daß die menschliche Vernunft, welche schon durch die Richtung ihrer Natur dialektisch ist, einer solchen Wissenschaft niemals entbehren könnte, die sie zügelt, und, durch ein szientifisches und völlig einleuchtendes Selbsterkenntnis, die Verwüstungen abhält, welche eine gesetzlose spekulative Vernunft sonst ganz unfehlbar, in Moral sowohl als Religion, anrichten würde. Man kann also sicher sein, so spröde, oder geringschätzend auch
B 878 diejenigen tun, die eine Wissenschaft nicht nach ihrer Natur, sondern allein aus ihren zufälligen Wirkungen zu beurteilen wissen, man werde jederzeit zu ihr, wie zu einer mit uns entzweiten Geliebten zurückkehren, weil die Vernunft, da es hier wesentliche Zwecke betrifft, rastlos, entweder auf gründliche Einsicht oder Zerstörung schon vorhandener guter Einsichten arbeiten muß.
Metaphysik also, sowohl der Natur, als der Sitten, vornehmlich die Kritik der sich auf eigenen Flügeln wagenden Vernunft, welche vorübend (propädeutisch) vorhergeht, machen eigentlich allein dasjenige aus, was wir im echten Verstande Philosophie nennen können. Diese bezieht alles auf Weisheit, aber durch den Weg der Wissenschaft, den einzigen, der, wenn er einmal gebahnt ist, niemals verwächst, und keine Verirrungen verstattet. Mathematik, Naturwissenschaft, selbst die empirische Kenntnis des Menschen, haben einen hohen Wert als Mittel, größtenteils zu zufälligen, am Ende aber doch zu notwendigen und wesentlichen Zwecken der Menschheit, aber alsdann nur durch Vermittlung einer Vernunfterkenntnis aus bloßen Begriffen, die, man mag sie benennen, wie man will, eigentlich nichts als Metaphysik ist.
Eben deswegen ist Metaphysik auch die Vollendung aller Kultur der menschlichen Vernunft, die
B 879 unentbehrlich ist, wenn man gleich ihren Einfluß, als Wissenschaft, auf gewisse bestimmte Zwecke bei Seite setzt. Denn sie betrachtet die Vernunft nach ihren Elementen und obersten Maximen, die selbst der Möglichkeit einiger Wissenschaften, und dem Gebrauche aller, zum Grunde liegen müssen. Daß sie, als bloße Spekulation, mehr dazu dient, Irrtümer abzuhalten, als Erkenntnis zu erweitern, tut ihrem Werte keinen Abbruch, sondern gibt ihr vielmehr Würde und Ansehen durch das Zensoramt, welches die allgemeine Ordnung und Eintracht, ja den Wohlstand des wissenschaftlichen gemeinen Wesens sichert, und dessen mutige und fruchtbare Bearbeitungen abhält, sich nicht von dem Hauptzwecke, der allgemeinen Glückseligkeit, zu entfernen.
B 880 Der transzendentalen Methodenlehre Viertes Hauptstück Die Geschichte der reinen Vernunft
Dieser Titel steht nur hier, um eine Stelle zu bezeichnen, die im System übrigbleibt, und künftig ausgefüllt werden muß. Ich begnüge mich, aus einem bloß transzendentalen Gesichtspunkte, nämlich der Natur der reinen Vernunft, einen flüchtigen Blick auf das Ganze der bisherigen Bearbeitungen derselben zu werfen, welches freilich meinem Auge zwar Gebäude, aber nur in Ruinen vorstellt.
Es ist merkwürdig genug, ob es gleich natürlicherweise nicht anders zugehen konnte, daß die Menschen im Kindesalter der Philosophie davon anfingen, wo wir jetzt lieber endigen möchten, nämlich, zuerst die Erkenntnis Gottes, und die Hoffnung oder wohl gar die Beschaffenheit einer anderen Welt zu studieren. Was auch die alten Gebräuche, die noch von dem rohen Zustande der Völker übrig waren, für grobe Religionsbegriffe eingeführt haben mochten, so hinderte dieses doch nicht den aufgeklärteren Teil, sich freien Nachforschungen über diesen Gegenstand zu widmen, und man sah leicht ein, daß es keine gründliche und zuverlässigere Art geben könne, der unsichtbaren Macht, die die Welt regiert, zu gefallen, um wenigstens in einer anderen
B 881 Welt glücklich zu sein, als den guten Lebenswandel. Daher waren Theologie und Moral die zwei Triebfedern, oder besser, Beziehungspunkte zu allen abgezogenen Vernunftforschungen, denen man sich nachher jederzeit gewidmet hat. Die erstere war indessen eigentlich das, was die bloß spekulative Vernunft nach und nach in das Geschäft zog, welches in der Folge unter dem Namen der Metaphysik so berühmt geworden.
Ich will jetzt die Zeiten nicht unterscheiden, auf welche diese oder jene Veränderung der Metaphysik traf, sondern nur die Verschiedenheit der Idee, welche die hauptsächlichsten Revolutionen veranlaßte, in einem flüchtigen Abrisse darstellen. Und da finde ich eine dreifache Absicht, in welcher die namhaftesten Veränderungen auf dieser Bühne des Streits gestiftet worden.
1 In Ansehung des Gegenstandes aller unserer Vernunfterkenntnisse, waren einige bloß Sensual-, andere bloß Intellektualphilosophen. Epikur kann der vornehmste Philosoph der Sinnlichkeit, Plato des Intellektuellen genannt werden. Dieser Unterschied der Schulen aber, so subtil er auch ist, hatte schon in den frühesten Zeiten angefangen, und hat sich lange ununterbrochen erhalten. Die von der ersteren behaupteten, in den Gegenständen der Sinne sei allein Wirklichkeit, alles übrige sei Einbildung; die von der zweiten sagten dagegen: in den Sinnen ist
B 882 nichts als Schein, nur der Verstand erkennt das Wahre. Darum stritten aber die ersteren den Verstandesbegriffen doch eben nicht Realität ab, sie war aber bei ihnen nur logisch, bei den anderen aber mystisch. Jene räumten intellektuelle Begriffe ein, aber nahmen bloß sensible Gegenstände an. Diese verlangten, daß die wahren Gegenstände bloß intelligibel wären, und behaupteten eine Anschauung durch den von keinen Sinnen begleiteten und ihrer Meinung nach nur verwirrten reinen Verstand.
2 In Ansehung des Ursprungs reiner Vernunfterkenntnisse, ob sie aus der Erfahrung abgeleitet, oder, unabhängig von ihr, in der Vernunft ihre Quelle haben. Aristoteles kann als das Haupt der Empiristen, Plato aber der Noologisten angesehen werden. Locke, der in neueren Zeiten dem ersteren, und Leibnitz, der dem letzteren (obzwar in einer genugsamen Entfernung von dessen mystischem Systeme) folgte, haben es gleichwohl in diesem Streite noch zu keiner Entscheidung bringen können. Wenigstens verfuhr Epikur seinerseits viel konsequenter nach seinem Sensualsystem (denn er ging mit seinen Schlüssen niemals über die Grenze der Erfahrung hinaus), als Aristoteles und Locke, (vornehmlich aber der letztere,) der, nachdem er alle Begriffe und Grundsätze von der Erfahrung abgeleitet hatte, soweit im Gebrauche derselben geht, daß er behauptet, man könne das Dasein Gottes und die Unsterblichkeit der Seele (obzwar beide Gegenstände ganz außer den
B 883 Grenzen möglicher Erfahrung liegen) ebenso evident beweisen, als irgendeinen mathematischen Lehrsatz.
3 In Ansehung der Methode. Wenn man etwas Methode nennen soll, so muß es ein Verfahren nach Grundsätzen sein. Nun kann man die jetzt in diesem Fache der Naturforschung herrschende Methode in die naturalistische und szientifische einteilen. Der Naturalist der reinen Vernunft nimmt es sich zum Grundsatze: daß durch gemeine Vernunft ohne Wissenschaft (welche er die gesunde Vernunft nennt) sich in Ansehung der erhabensten Fragen, die die Aufgabe der Metaphysik ausmachen, mehr ausrichten lasse, als durch Spekulation. Er behauptet also, daß man die Größe und Weite des Mondes sicherer nach dem Augenmaße, als durch mathematische Umschweife bestimmen könne. Es ist bloße Misologie, auf Grundsätze gebracht, und, welches das ungereimteste ist, die Vernachlässigung aller künstlichen Mittel, als eine eigene Methode angerühmt, seine Erkenntnis zu erweitern. Denn was die Naturalisten aus Mangel mehrerer Einsicht betrifft, so kann man ihnen mit Grunde nichts zur Last legen. Sie folgen der gemeinen Vernunft, ohne sich ihrer Unwissenheit als einer Methode zu rühmen, die das Geheimnis enthalten solle, die Wahrheit aus Demokrits tiefem Brunnen herauszuholen. Quod sapio, satis est mihi; non ego curo, esse quod Arcesilas aerumnosique Solones, Pers. ist ihr Wahlspruch, bei dem sie vergnügt und
B 884 beifallswürdig leben können, ohne sich um die Wissenschaft zu bekümmern, noch deren Geschäft zu verwirren.
Was nun die Beobachter einer szientifischen Methode betrifft, so haben sie hier die Wahl, entweder dogmatisch oder skeptisch, in allen Fällen aber doch die Verbindlichkeit systematisch zu verfahren. Wenn ich hier in Ansehung der ersteren den berühmten Wolf, bei der zweiten David Hume nenne, so kann ich die übrigen, meiner jetzigen Absicht nach, ungenannt lassen. Der kritische Weg ist allein noch offen. Wenn der Leser diesen in meiner Gesellschaft durchzuwandern Gefälligkeit und Geduld gehabt hat, so mag er jetzt urteilen, ob nicht, wenn es ihm beliebt, das Seinige dazu beizutragen, um diesen Fußsteig zur Heeresstraße zu machen, dasjenige, was viele Jahrhunderte nicht leisten konnten, noch vor Ablauf des gegenwärtigen erreicht werden möge: nämlich, die menschliche Vernunft in dem, was ihre Wißbegierde jederzeit, bisher aber vergeblich, beschäftigt hat, zur völligen Befriedigung zu bringen.
B 733 II. Transcendental Doctrine of Method
B 735 If I regard the sum of all cognition of pure and speculative reason as a building of which we at least have the idea within us, I can say that in the Transcendental Doctrine of Elements we have assessed the building materials and determined what sort of building, of what height and solidity, they will suffice for. Admittedly, we found that, although we had in mind a tower reaching to the heavens, the stock of materials sufficed only for a dwelling spacious enough for our business on the plain of experience and just high enough to survey it; but that that bold undertaking had to fail for lack of material, even without reckoning on the confusion of languages that inevitably divided the workers over the plan and scattered them throughout the world, each to build separately according to his own design. We are now concerned less with the materials than with the plan. Warned not to risk a blind design of our choosing that might exceed all our resources, yet unable simply to abandon the establishment of a secure dwelling, we must draw up the estimate for a building in proportion to the stock given us and at the same time suited to our needs.
By the transcendental doctrine of method, then, I understand the determination of the formal conditions of a complete system of pure reason.
B 736 With this aim we shall be concerned with a discipline, a canon, an architectonic, and finally a history of pure reason. In a transcendental respect, we shall accomplish what the schools seek, but poorly achieve, under the name of practical logic with regard to the use of the understanding in general. For general logic is restricted neither to any particular kind of cognition of the understanding (for example, not to pure cognition), nor to particular objects. Without borrowing knowledge from other sciences, it can therefore do no more than present titles for possible methods and technical expressions used for the systematic aspect of various sciences, acquainting the learner in advance with names whose meaning and use he is to learn only later.
Transcendental Doctrine of Method Chapter One The Discipline of Pure Reason
Negative judgments, negative not merely in logical form but also in content, enjoy no particular esteem with humanity’s thirst for knowledge. They are even regarded as envious enemies of our drive for cognition, which ceaselessly strives for expansion.
B 737 An apology is almost needed to win them mere toleration, and still more to win them favor and high regard.
Logically, we can of course express any propositions we please negatively. But with regard to the content of our cognition in general, as to whether a judgment extends or restricts it, negative judgments have the distinctive task of merely warding off error. Hence negative propositions meant to ward off false cognition where no error is possible are admittedly very true, but empty—that is, wholly unsuited to their purpose—and for that very reason often ridiculous. Such is the proposition of that school orator: Alexander could not have conquered countries without an army.
But where the limits of our possible cognition are very narrow, the temptation to judge great, the illusion presented very deceptive, and the harm resulting from error considerable, the negative side of instruction, which serves merely to protect us from errors, has still greater importance than some positive instruction that might increase our cognition. The constraint through which a constant tendency to deviate from certain rules is restricted and finally eradicated is called discipline. It differs from cultivation, which is meant merely to provide a skill without canceling another already present.
B 738 In developing a talent that already has an impulse of its own to express itself, discipline will therefore make a negative* contribution, while cultivation and doctrine make a positive one.
* I am well aware that scholastic usage commonly treats the name discipline as equivalent to instruction. Yet there are so many other cases in which the former expression, as training, is carefully distinguished from the latter, as teaching, and the nature of things itself so requires us to reserve the only suitable expressions for this distinction, that I wish the word might never be allowed any but a negative meaning.
Everyone will readily concede that temperament, and likewise talents that readily indulge in free and unrestricted movement (such as imagination and wit) need discipline in many respects. But that reason, whose proper task is to prescribe discipline to all other endeavors, should itself need such discipline may certainly seem strange. Indeed, reason has so far escaped this humiliation precisely because, given the solemnity and thorough decorum with which it presents itself, no one could easily suspect it of frivolously playing with imaginings instead of concepts and words instead of things.
No critique of reason is needed in its empirical use.
B 739 For its principles are subjected to continuous examination at the touchstone of experience. Nor is one needed in mathematics, where its concepts must immediately be exhibited in concreto in pure intuition, so that everything unfounded and arbitrary becomes apparent at once. But where neither empirical nor pure intuition keeps reason on a visible track—namely, in its transcendental use according to mere concepts—it so urgently needs a discipline to curb its tendency to extend itself beyond the narrow boundaries of possible experience and keep it from excess and error that even the entire philosophy of pure reason is concerned only with this negative benefit. Individual aberrations can be remedied through censure, and their causes through critique. But where, as in pure reason, an entire system of deceptions and delusions is found, well combined among themselves and united under common principles, an entirely distinctive and indeed negative legislation seems required. Under the name of discipline, this would establish, as it were, a system of caution and self-examination drawn from the nature of reason and the objects of its pure use. No false sophistical illusion could withstand it, but would have to betray itself at once despite every ground offered to excuse it.
B 740 It should be carefully noted, however, that in this second main part of the transcendental critique I direct the discipline of pure reason not toward the content but merely toward the method of cognition from pure reason. The former has already been dealt with in the Doctrine of Elements. Yet reason’s use has so much in common whatever object it is applied to, while, insofar as it is to be transcendental, it is at the same time so essentially different from every other use, that without the cautionary negative teaching of a discipline specifically directed to it, we cannot prevent the errors that must necessarily arise from inappropriately following methods otherwise suited to reason, but not here.
Chapter One Section One The Discipline of Pure Reason in Its Dogmatic Use
Mathematics provides the most brilliant example of pure reason successfully extending itself by its own powers without assistance from experience. Examples are contagious, especially for the same faculty, which naturally flatters itself that it will have the same good fortune in other cases as it has enjoyed in one.
B 741 Pure reason therefore hopes to extend itself just as successfully and thoroughly in its transcendental use as it has in its mathematical use, especially if it applies there the same method that has proved so evidently useful here. It therefore matters greatly to us to know whether the method of attaining apodictic certainty called mathematical in the latter science is identical with the method through which the very same certainty is sought in philosophy, where it would have to be called dogmatic.
Philosophical cognition is rational cognition from concepts; mathematical cognition is rational cognition from the construction of concepts. To construct a concept means to exhibit a priori the intuition corresponding to it. Constructing a concept thus requires a nonempirical intuition which, as intuition, is consequently an individual object, yet, as the construction of a concept (a universal representation), must nevertheless express in the representation universal validity for all possible intuitions falling under the same concept. Thus I construct a triangle by exhibiting the object corresponding to this concept either through mere imagination in pure intuition or, following it, on paper in empirical intuition as well. In both cases I do so entirely a priori, without borrowing the model from any experience.
B 742 The individual drawn figure is empirical, yet serves to express the concept without impairing its universality. For in this empirical intuition we attend only to the act of constructing the concept, to which many determinations, such as size, sides, and angles, are entirely indifferent. We thus abstract from these differences, which do not alter the concept of the triangle.
Philosophical cognition thus considers the particular only in the universal; mathematical cognition considers the universal in the particular, indeed even in the individual, yet a priori and through reason. Just as this individual is determined under certain universal conditions of construction, so the object of the concept, to which this individual corresponds only as its schema, must be thought as universally determined.
The essential difference between these two kinds of rational cognition thus lies in this form, not in a difference of their matter or objects. Those who thought to distinguish philosophy from mathematics by saying that the former has only quality as its object and the latter only quantity have mistaken the effect for the cause. The form of mathematical cognition is the cause that it can concern only quanta. For only the concept of magnitudes can be constructed, that is, presented a priori in intuition.
B 743 Qualities, by contrast, can be exhibited only in empirical intuition. Rational cognition of qualities can therefore be possible only through concepts. Thus no one can obtain an intuition corresponding to the concept of reality from anywhere but experience, never from himself a priori and before empirical consciousness of it. We can make a conical shape intuitive without any empirical assistance, merely according to the concept, but the color of this cone must first have been given in some experience. I cannot exhibit the concept of a cause in general in intuition in any way except through an example supplied by experience, and so on. Moreover, philosophy deals with magnitudes just as mathematics does—for example, with totality, infinity, and so on. Mathematics also concerns itself with differences among lines and surfaces as spaces of different quality, and with continuity of extension as a quality of it. But although they have a common object in such cases, the way reason treats it is entirely different in philosophical and mathematical consideration. The former adheres solely to universal concepts. The latter can accomplish nothing with the mere concept, but immediately hastens to intuition, in which it considers the concept in concreto; yet not empirically, but solely in an intuition that it has exhibited a priori, that is, constructed.
B 744 In this intuition, whatever follows from the universal conditions of construction must also hold universally of the object of the constructed concept.
Give a philosopher the concept of a triangle and let him discover in his own way how the sum of its angles may relate to a right angle. He has nothing but the concept of a figure enclosed by three straight lines and, in it, the concept of as many angles. He may reflect on this concept as long as he likes; he will bring nothing new out of it. He can analyze and clarify the concept of a straight line, an angle, or the number three, but cannot arrive at other properties that do not lie in these concepts at all. Now let the geometer take up this question. He immediately begins by constructing a triangle. Knowing that two right angles together equal all the adjacent angles that can be drawn from a point on a straight line, he extends one side of his triangle and obtains two adjacent angles together equal to two right angles. He then divides the exterior of these angles by drawing a line parallel to the opposite side of the triangle, and sees that an exterior adjacent angle arises here that equals an interior one, and so on.
B 745 In this way, through a chain of inferences always guided by intuition, he arrives at a fully evident and at the same time universal solution to the question.
But mathematics constructs not only magnitudes (quanta), as in geometry, but also mere magnitude (quantitatem), as in algebra, where it abstracts entirely from the constitution of the object to be thought according to such a concept of magnitude. It then chooses a certain notation for all constructions of magnitudes in general (numbers, as in addition, subtraction, and so on) and for extracting roots. Having also designated the universal concept of magnitudes according to their different relations, it exhibits in intuition, according to certain universal rules, every operation that is generated and altered through magnitude. Where one magnitude is to be divided by another, it puts together their symbols according to the notation for division, and so on. Through a symbolic construction it thus reaches, just as geometry does through an ostensive or geometrical construction (of the objects themselves), a point that discursive cognition through mere concepts could never reach.
What can account for the very different situations of these two practitioners of reason, one proceeding by concepts, the other by intuitions that he exhibits a priori in accordance with concepts?
B 746 The transcendental fundamental doctrines presented above make the cause clear. We are concerned here not with analytic propositions, which can be produced by mere analysis of concepts (in this the philosopher would undoubtedly have the advantage over his rival), but with synthetic propositions, specifically those to be cognized a priori. For I am not to consider what I actually think in my concept of the triangle (this is nothing more than the mere definition); rather, I am to go beyond it to properties that do not lie in this concept but nevertheless belong to it. This is possible only if I determine my object according to the conditions either of empirical or of pure intuition. The first would yield only an empirical proposition (by measuring its angles) containing no universality, still less necessity, and nothing of that kind is at issue. The second procedure, however, is mathematical—in this case geometrical—construction. Through it, in a pure intuition just as in an empirical one, I add the manifold belonging to the schema of a triangle in general, and thus to its concept; in this way universal synthetic propositions must certainly be constructed.
I would therefore philosophize about the triangle, that is, reflect discursively on it, in vain.
B 747 I would get not the least bit further than its mere definition, from which I would rightly have to begin. There is indeed a transcendental synthesis from concepts alone, which in turn only the philosopher achieves. But it never concerns more than a thing in general and the conditions under which its perception can belong to possible experience. Mathematical problems, however, are not concerned with this or with existence at all, but with the properties of objects in themselves, solely insofar as these are combined with their concept.
In the example cited, we have sought only to clarify the great difference between the discursive use of reason according to concepts and its intuitive use through the construction of concepts. The question now naturally arises: what makes this twofold use of reason necessary, and by what conditions can we recognize whether only the first or also the second has a place?
All our cognition ultimately relates to possible intuitions, for through these alone is an object given. Now a concept a priori (a nonempirical concept) either already contains a pure intuition, in which case it can be constructed, or contains nothing but the synthesis of possible intuitions not given a priori.
B 748 In the latter case we can indeed judge synthetically and a priori through it, but only discursively, according to concepts, never intuitively through construction of the concept.
Of all intuition, only the mere form of appearances, space and time, is given a priori. A concept of these, as quantis, can be exhibited a priori in intuition, that is, constructed, either together with their quality (their shape), or merely their quantity (the mere synthesis of the homogeneous manifold), through number. But the matter of appearances, through which things in space and time are given to us, can be represented only in perception and thus a posteriori. The sole concept that represents this empirical content of appearances a priori is the concept of a thing in general. Synthetic cognition of it a priori can supply nothing beyond the mere rule for synthesizing what perception may give a posteriori, never the intuition of the real object a priori, because this must necessarily be empirical.
Synthetic propositions concerning things in general, whose intuition cannot be given a priori at all, are transcendental. Thus transcendental propositions can never be given through construction of concepts, but only according to concepts a priori. They contain merely the rule according to which a certain synthetic unity of what cannot be represented intuitively a priori (of perceptions) is to be sought empirically.
B 749 But they cannot exhibit a single one of their concepts a priori in any case; they do this only a posteriori, through experience, which first becomes possible according to those synthetic principles.
If we are to judge synthetically about a concept, we must go beyond it, specifically to the intuition in which it is given. For if we remained with what the concept contains, the judgment would be merely analytic, an elucidation of the thought according to what is actually contained in it. But I can pass from the concept to the corresponding pure or empirical intuition, to consider it there in concreto and cognize a priori or a posteriori what belongs to its object. The former is rational and mathematical cognition through construction of the concept; the latter is merely empirical (mechanical) cognition, which can never yield necessary and apodictic propositions. Thus I could analyze my empirical concept of gold without gaining anything beyond the ability to enumerate everything I actually think with this word. My cognition would thereby undergo a logical improvement, but acquire no increase or addition. I instead take the matter bearing this name and make observations of it, which will supply me with various synthetic but empirical propositions.
B 750 I would construct the mathematical concept of a triangle, that is, give it a priori in intuition, and thereby obtain synthetic but rational cognition. But if I am given the transcendental concept of a reality, substance, force, and so on, it designates neither an empirical nor a pure intuition, but only the synthesis of empirical intuitions (which therefore cannot be given a priori). Since the synthesis cannot go out a priori to its corresponding intuition, no determining synthetic proposition can arise from it, but only a principle of the synthesis* of possible empirical intuitions. Thus a transcendental proposition is synthetic rational cognition according to mere concepts, and hence discursive: it first makes possible all synthetic unity of empirical cognition, but gives no intuition a priori.
* Through the concept of cause I do indeed go beyond the empirical concept of an event (where something happens), but not to the intuition that exhibits the concept of cause in concreto. Rather, I go to the conditions of time in general that might be found in experience in conformity with the concept of cause. I therefore proceed merely according to concepts, and cannot proceed through their construction, because the concept is a rule for the synthesis of perceptions, which are not pure intuitions and thus cannot be given a priori.
B 751 There is, then, a twofold use of reason. Despite the universality of its cognition and its production a priori, which both uses share, they proceed very differently. This is because appearance, through which all objects are given to us, has two components: the form of intuition (space and time), which can be cognized and determined entirely a priori; and matter (the physical), or content, which signifies a something found in space and time and thus contains an existence and corresponds to sensation. With regard to the latter, which can never be given determinately except empirically, we can have nothing a priori but indeterminate concepts of the synthesis of possible sensations insofar as they belong to the unity of apperception (in a possible experience). With regard to the former, we can determine our concepts a priori in intuition by producing the objects themselves in space and time through uniform synthesis, considering them merely as quanta. The first is called reason’s use according to concepts, since we can do no more than bring appearances, as regards their real content, under concepts; these appearances can then be determined only empirically, that is, a posteriori (but in conformity with those concepts as rules of an empirical synthesis). The second is reason’s use through construction of concepts.
B 752 Since these already relate to an intuition a priori, they can for that very reason also be given determinately a priori in pure intuition, without any empirical data. To consider everything that exists (a thing in space or time), as to whether and how far it is a quantum or not; whether existence or its absence must be represented in it; how far this something (which fills space or time) is a first substratum or a mere determination; whether its existence bears a relation to something else as cause or effect; and finally whether in its existence it stands isolated or in reciprocal dependence with others; to consider the possibility, actuality, and necessity of this existence, or their opposites—all this belongs to rational cognition from concepts, which is called philosophical. But to determine an intuition a priori in space (shape), to divide time (duration), or merely to cognize the universal character of the synthesis of one and the same thing in time and space, and the resulting magnitude of an intuition in general (number)—this is reason’s work through construction of concepts, and is called mathematical.
Reason’s great success through mathematics quite naturally produces the supposition that, if not reason itself, at least its method will also succeed outside the field of magnitudes.
B 753 For it brings all its concepts to intuitions that it can give a priori, thereby becoming, so to speak, master over nature; pure philosophy, by contrast, fumbles about in nature with discursive concepts a priori, unable to make their reality intuitive a priori and thereby authenticate them. The masters of this art seem to lack neither this confidence in themselves nor the public’s great expectations of their skill, should they once undertake such a task. For since they have scarcely ever philosophized about their mathematics (a difficult undertaking!), the specific difference between the two uses of reason never enters their minds. Familiar rules employed empirically, borrowed from common reason, then serve them as axioms. They care nothing about the possible origin of the concepts of space and time with which they deal (as the only original quantis). Likewise, they seem to regard investigating the origin of pure concepts of the understanding, and thereby the extent of their validity, as useless; they want only to employ them. In all this they are quite right, provided they do not cross their assigned boundary, that of nature. But in this way they pass unnoticed from the field of sensibility onto the uncertain ground of pure and even transcendental concepts, where the ground (instabilis tellus, innabilis unda) permits them neither to stand nor to swim.
B 754 Only fleeting steps can be taken there, of which time preserves not the slightest trace, whereas their course in mathematics makes a highway that even the most distant posterity can confidently follow.
We have made it our duty to determine the boundaries of pure reason in its transcendental use precisely and with certainty. But this kind of endeavor has the peculiarity that, despite the most emphatic and clearest warnings, it still allows itself to be put off by hope before entirely abandoning the plan of passing beyond the boundaries of experience into the enticing regions of the intellectual. We must therefore remove, as it were, the last anchor of a hope rich in fantasy and show that following the mathematical method in this kind of cognition can offer not the slightest advantage, unless it were this: to expose its own weaknesses all the more clearly, namely that geometry and philosophy are two entirely different things, although they join hands in natural science, and hence that the procedure of one can never be imitated by the other.
The thoroughness of mathematics rests on definitions, axioms, and demonstrations. I shall content myself with showing that none of these, in the sense in which the mathematician takes them, can be accomplished or imitated by philosophy.
B 755 I shall show also that the geometer, following his method, produces nothing in philosophy but houses of cards, and that the philosopher, following his, can stir up only chatter in the domain of mathematics, although philosophy consists precisely in knowing one’s boundaries, and even the mathematician, unless nature has already bounded his talent and restricted it to his specialty, cannot reject philosophy’s warnings or set himself above them.
1 On Definitions. To define, as the expression itself indicates, should properly mean only to present originally the complete concept of a thing within its boundaries*. By this requirement, an empirical concept cannot be defined at all, but only explicated. For since in it we have only some marks of a certain kind of sensible object, it is never certain whether, under the word designating the same object, we think more of its marks at one time and fewer at another.
B 756 Thus, in the concept of gold, one person may think, besides its weight, color, and ductility, of its property of not rusting, while another may know nothing of this. We employ certain marks only so long as they suffice for distinguishing; new observations remove some and add others, so the concept never stands within secure boundaries. What purpose would defining such a concept serve, anyway? When discussing water and its properties, for example, we do not linger over what we think with the word water, but proceed to experiments. The word, with the few marks attached to it, is meant to constitute only a designation, not a concept of the thing; the purported definition is thus nothing but a determination of a word. Second, strictly speaking, no concept given a priori can be defined either—for example, substance, cause, right, equity, and so on. For I can never be sure that the clear representation of a concept given (still confusedly) has been completely developed unless I know that it is adequate to the object. But as given, the concept of the object may contain many obscure representations that we pass over in analysis, although we always employ them in application. The completeness of my concept’s analysis is therefore always doubtful.
B 757 It can be made probable only through many fitting examples, never apodictically certain. Instead of definition, I would prefer the expression exposition, which remains cautious and allows the critic to accept it to a certain degree while still having reservations about its completeness. Since neither empirical concepts nor concepts given a priori can be defined, only concepts thought at will remain on which to attempt this feat. In such a case I can always define my concept: I must know what I have intended to think, since I have deliberately made it myself and it was given to me neither by the nature of the understanding nor by experience. But I cannot say that I have thereby defined a true object. For if the concept rests on empirical conditions, as with a marine chronometer, the object and its possibility are not yet given through this freely devised concept. I do not even know from it whether it has an object at all, and my explanation may better be called a declaration (of my project) than a definition of an object. Thus the only concepts left suitable for definition are those containing an arbitrary synthesis that can be constructed a priori; consequently, only mathematics has definitions. For the object it thinks it also exhibits a priori in intuition, and this certainly can contain neither more nor less than the concept.
B 758 For through the definition the concept of the object was given originally, that is, without deriving the definition from anywhere else. German has only the one word Erklärung for exposition, explication, declaration, and definition. We must therefore relax somewhat the strictness of our demand in denying philosophical explanations the honorary name of definition, and shall restrict this entire observation to the following: philosophical definitions arise only as expositions of given concepts, mathematical definitions as constructions of originally made concepts. The former arise only analytically through analysis (whose completeness is not apodictically certain); the latter arise synthetically, and thus make the concept itself, whereas the former merely explain it. From this it follows:
* Completeness means the clarity and sufficiency of the marks; boundaries mean precision, that there are no more marks than belong to the complete concept; originally means that this determination of boundaries is not derived from elsewhere and so does not still need proof, since that would make the supposed definition unfit to stand at the head of all judgments about an object.
a) That in philosophy we must not imitate mathematics by placing the definition first, except perhaps as a mere trial. For since definitions are analyses of given concepts, these concepts precede them, though still confusedly; and incomplete exposition precedes complete exposition. Thus, from some marks drawn from an as yet unfinished analysis, we can infer much before arriving at complete exposition, that is, definition.
B 759 In a word, in philosophy the definition, as measured distinctness, should conclude the work rather than begin it*. In mathematics, by contrast, we have no concept at all before the definition, through which the concept is first given; mathematics must therefore, and always can, begin with it.
* Philosophy teems with faulty definitions, especially those that genuinely contain elements of a definition but not yet all of them. If we could do nothing with a concept before defining it, all philosophizing would fare very poorly. But since we can always make good and secure use of the elements (of the analysis) as far as they reach, even deficient definitions—that is, propositions not yet properly definitions, but otherwise true and thus approximations to them—can be used very profitably. In mathematics a definition belongs ad esse; in philosophy, ad melius esse. Reaching it is desirable, but often very difficult. Jurists are still seeking a definition for their concept of right.
b) Mathematical definitions can never err. For since the concept is first given through the definition, it contains precisely what the definition intends to be thought through it. But although nothing incorrect can occur in its content, there can sometimes, though rarely, be a fault in its form (the wording), namely with regard to precision. Thus the common definition of a circle is that it is a curved line all of whose points are equally distant from a single point (the center).
B 760 This has the fault of unnecessarily introducing the determination curved. For there must be a separate theorem, inferred from the definition and easily proved: every line whose points are all equally distant from a single point is curved (no part of it straight). Analytic definitions, by contrast, can err in many ways, either by introducing marks not actually contained in the concept or by lacking the completeness essential to a definition, since we cannot be so entirely certain of the completeness of our analysis. For this reason, mathematics’ method of definition cannot be imitated in philosophy.
2 On Axioms. These are synthetic principles a priori insofar as they are immediately certain. Now one concept cannot be combined with another synthetically yet immediately, because a third, mediating cognition is needed for us to go beyond a concept. Since philosophy is rational cognition merely according to concepts, no principle deserving the name of an axiom will be found in it. Mathematics, by contrast, is capable of axioms because, through construction of concepts, it can connect the object’s predicates a priori and immediately in its intuition: for example, that three points always lie in a plane.
B 761 A synthetic principle merely from concepts, by contrast, can never be immediately certain. Take the proposition that everything that happens has its cause: here I must look for a third element, namely the condition of temporal determination in an experience, and could not cognize such a principle directly and immediately from the concepts alone. Discursive principles are thus entirely different from intuitive ones, that is, axioms. The former always still require a deduction, with which the latter can entirely dispense. Since the latter are evident for this very reason, something philosophical principles can never claim despite all their certainty, it is infinitely far from true that any synthetic proposition of pure and transcendental reason is as obvious (as people defiantly like to put it) as the proposition that twice two is four. In the Analytic, under the table of principles of the pure understanding, I did indeed mention certain axioms of intuition. But the principle cited there was not itself an axiom; it served only to state the principle of the possibility of axioms in general, and was itself only a principle from concepts. For even the possibility of mathematics must be shown in transcendental philosophy. Philosophy therefore has no axioms and may never simply command acceptance of its principles a priori.
B 762 It must submit to justifying its entitlement to them through a thorough deduction.
3 On Demonstrations. Only an apodictic proof, insofar as it is intuitive, can be called a demonstration. Experience does teach us what exists, but not that it cannot possibly be otherwise. Empirical grounds of proof can therefore yield no apodictic proof. Nor can intuitive certainty, that is, evidence, ever arise from concepts a priori (in discursive cognition), however apodictically certain the judgment may otherwise be. Only mathematics, then, contains demonstrations, because it derives its cognition not from concepts but from their construction, that is, from the intuition that can be given a priori corresponding to the concepts. Even algebra’s procedure with its equations, from which it produces truth together with its proof by reduction, is a construction—not geometrical, but characteristic. In it, concepts, especially those of the relations of magnitudes, are presented in intuition through signs. Even apart from its heuristic aspect, it secures every inference against error by placing each before our eyes. Philosophical cognition, by contrast, must forgo this advantage, since it must always consider the universal in abstracto (through concepts), whereas mathematics can consider the universal in concreto (in the individual intuition), yet through pure representation a priori, in which every false step becomes visible.
B 763 I would therefore prefer to call the former acroamatic (discursive) proofs, because they can be conducted only through words (the object in thought), rather than demonstrations, which, as the expression itself indicates, proceed in intuition of the object.
From all this it follows that it is wholly inappropriate to the nature of philosophy, especially in the field of pure reason, to swagger along dogmatically and adorn itself with the titles and ribbons of mathematics, to whose order it does not belong, although it has every reason to hope for a sisterly union with it. These are vain pretensions that can never succeed. Rather, they must frustrate philosophy’s intention of uncovering the delusions of a reason that mistakes its boundaries and, through sufficient clarification of our concepts, leading speculation’s conceit back to modest but thorough self-cognition. In its transcendental attempts, reason will therefore be unable to look ahead so confidently, as though the path already traveled led straight to its goal. Nor can it rely so boldly on the premises laid down as to make it unnecessary to look back often and attend to whether errors emerge in the progress of its inferences that were overlooked in the principles.
B 764 Such errors would make it necessary either to determine the principles further or to alter them entirely.
I divide all apodictic propositions (whether they be demonstrable or also immediately certain) into dogmata and mathemata. A directly synthetic proposition from concepts is a dogma; a proposition of this kind through construction of concepts is a mathema. Analytic judgments properly teach us no more about the object than the concept we have of it already contains, because they do not extend cognition beyond the concept of the subject but merely elucidate it. They cannot therefore appropriately be called dogmas (a word one might perhaps translate as doctrinal pronouncements). But among the two kinds of synthetic propositions a priori mentioned, only those belonging to philosophical cognition can bear this name according to ordinary usage; we would scarcely call propositions of arithmetic or geometry dogmata. This usage therefore confirms our explanation that only judgments from concepts, not those from construction of concepts, can be called dogmatic.
Now the whole of pure reason in its merely speculative use contains not a single directly synthetic judgment from concepts. For through ideas it is, as we have shown, incapable of any synthetic judgments with objective validity.
B 765 Through concepts of the understanding it does indeed establish secure principles, but not directly from concepts; always only indirectly, through the relation of these concepts to something entirely contingent, namely possible experience. When this (something as an object of possible experiences) is presupposed, the principles are certainly apodictically certain; in themselves, however, they cannot even be cognized (directly) a priori. Thus no one can gain thorough insight into the proposition that everything that happens has its cause from these given concepts alone. It is therefore no dogma, although from another standpoint, namely the sole field of its possible use, experience, it can quite well be proved apodictically. But although it must be proved, it is called a principle, not a theorem, because it has the special property of itself first making possible its ground of proof, experience, in which it must always be presupposed.
If, then, pure reason in its speculative use contains no dogmas even in content, every dogmatic method, whether borrowed from the mathematician or intended as a distinctive manner of its own, is intrinsically inappropriate. For it merely conceals faults and errors and deceives philosophy, whose true aim is to let us see every step of reason in the clearest light. Nevertheless, the method can always be systematic.
B 766 For our reason (subjectively) is itself a system; but in its pure use through mere concepts it is only a system of inquiry according to principles of unity, for which experience alone can supply the material. Nothing can be said here about the distinctive method of a transcendental philosophy, since we are concerned only with a critique of our resources: whether we can build at all, and how high we may raise our building from the material we have (the pure concepts a priori).
Chapter One Section Two The Discipline of Pure Reason with Regard to Its Polemical Use
Reason must submit to critique in all its undertakings and cannot impair critique’s freedom by any prohibition without harming itself and drawing an unfavorable suspicion upon itself. Nothing is so important in its usefulness, nothing so sacred, that it may withdraw from this scrutinizing, inspecting examination, which respects no person. The very existence of reason rests on this freedom. Reason has no dictatorial authority, and its verdict is always nothing but the agreement of free citizens.
B 767 Each of them must be able to express his reservations, even his veto, without restraint.
But although reason can never refuse critique, it does not always have grounds to fear it. Pure reason in its dogmatic (not mathematical) use, however, is not so conscious of having observed its highest laws most exactly that it would not have to appear, timidly and with complete abandonment of every assumed dogmatic authority, before the critical eye of a higher, judging reason.
The situation is quite different when it faces not the judge’s censure but the claims of a fellow citizen and is merely to defend itself against them. For since these claims seek to be just as dogmatic in denial as the others in affirmation, a justification kat’ anthropon takes place, securing against every encroachment and providing a titled possession that need fear no foreign pretensions, although it cannot itself be sufficiently proved kat’ aletheian.
By the polemical use of pure reason I understand the defense of its propositions against dogmatic denials of them. What matters here is not whether its assertions might themselves be false, but only that no one can ever assert their opposite with apodictic certainty (indeed even merely with greater illusion).
B 768 For then our possession does not depend on another’s grace: we have a title to it before us, though not a sufficient one, and it is entirely certain that no one can ever prove this possession illegitimate.
There is something troubling and dispiriting in the thought that there should be an antithetic of pure reason at all, and that this highest court of all disputes should fall into conflict with itself. Above, we did indeed face such an apparent antithetic. But it proved to rest on a misunderstanding: following a common prejudice, people took appearances for things in themselves and then demanded an absolute completeness of their synthesis in one way or another (which was, however, equally impossible in either way), which cannot be expected of appearances at all. There was therefore no actual contradiction of reason with itself in the propositions that the series of appearances given in themselves has an absolutely first beginning, and that this series is absolutely and in itself without any beginning. Both propositions coexist quite well, because appearances, in respect of their existence (as appearances), are in themselves nothing at all—that is, something contradictory—and assuming them as such must naturally entail contradictory consequences.
B 769 But such a misunderstanding cannot be invoked to settle reason’s dispute if, for example, it is asserted theistically that there is a highest being and atheistically that there is no highest being; or, in psychology, that everything that thinks possesses absolute enduring unity and is thus distinct from every transitory material unity, while another opposes this by saying that the soul is not an immaterial unity and cannot be exempted from transience. For here the object of the question is free of anything foreign that contradicts its nature, and the understanding deals only with things in themselves, not appearances. There would therefore certainly be a true conflict here if only pure reason on the negative side had anything to say approaching a ground for an assertion. As for critique of the dogmatic affirmer’s grounds of proof, we may readily concede it without thereby surrendering these propositions, which at least have reason’s interest on their side, something to which the opponent cannot appeal at all.
I do not share the opinion so often expressed by excellent and reflective men (for example, Sulzer) when they felt the weakness of previous proofs: that we may hope one day to discover evident demonstrations of the two cardinal propositions of our pure reason, “There is a God” and “There is a future life.”
B 770 Rather, I am certain this will never happen. For where is reason to obtain grounds for such synthetic assertions, which do not relate to objects of experience and their inner possibility? But it is also apodictically certain that no human being will ever appear who can assert the opposite with the slightest illusion, still less dogmatically. Since he could establish this only through pure reason, he would have to undertake to prove that a highest being, and the thinking subject in us as a pure intelligence, are impossible. But where is he to obtain the knowledge entitling him to judge so synthetically about things beyond all possible experience? We can therefore be entirely unconcerned that anyone will ever prove the opposite to us. For that very reason, we need not devise scholastic proofs, but can always accept those propositions that accord quite well with our reason’s speculative interest in its empirical use and are, moreover, the only means of uniting it with its practical interest. For the opponent (who must here be considered not merely as a critic) we have our non liquet ready, which must unfailingly confound him. We do not refuse its being turned back upon ourselves.
B 771 For we always have in reserve reason’s subjective maxim, which the opponent necessarily lacks, and under whose protection we can regard all his blows at the air calmly and indifferently.
In this way there is properly no antithetic of pure reason at all. Its only battlefield would have to be sought in the field of pure theology and psychology; but this ground supports no combatant in full armor, with weapons to be feared. He can appear only with mockery or boasting, which can be laughed at as child’s play. This is a comforting observation that restores reason’s courage. For what else could it rely on if it, whose sole vocation is to settle all errors, were internally torn apart, unable to hope for peace and quiet possession?
Everything nature itself arranges serves some good purpose. Even poisons serve to overcome other poisons generated in our own fluids and therefore must not be absent from a complete collection of remedies (dispensary). The objections to the persuasions and conceit of our merely speculative reason are themselves assigned to us by the nature of that reason, and must therefore have a good vocation and purpose that should not be disregarded. Why has providence placed some objects, although bound up with our highest interest, so high?
B 772 Hardly more than an indistinct and self-doubted perception of them is granted us, which stimulates searching glances more than it satisfies them. Whether it is useful to venture bold determinations with regard to such prospects is at least doubtful, perhaps even harmful. But it is always and beyond doubt useful to set both inquiring and examining reason in complete freedom, so that it can attend unhindered to its own interest. This is furthered just as much by reason’s limiting its insights as by extending them, and always suffers when foreign hands interfere to direct it, contrary to its natural course, toward imposed aims.
Let your opponent, then, speak only reason, and combat him only with the weapons of reason. Otherwise, have no anxiety for the good cause (the practical interest), for it never enters the play of a merely speculative dispute. Such a dispute then reveals only a certain antinomy of reason which, since it rests on reason’s nature, must necessarily be heard and examined. It cultivates reason by considering its object from two sides, and corrects its judgment by restricting it. What becomes disputed here is not the matter but the tone.
B 773 For enough remains to let you speak the language of firm faith, justified before the most searching reason, even if you have had to abandon the language of knowledge.
If one were to ask the coolheaded David Hume, formed precisely for balance of judgment, “What moved you, through laboriously devised doubts, to undermine the conviction, so comforting and useful to humanity, that rational insight suffices to assert and form a determinate concept of a highest being?” he would answer, “Nothing but the intention of advancing reason’s self-cognition, and at the same time a certain indignation at the constraint people want to impose on reason, boasting about it while preventing it from frankly admitting the weaknesses that become apparent when it examines itself.” If, by contrast, you ask Priestley, devoted solely to principles of reason’s empirical use and averse to all transcendent speculation, what motives he had for tearing down freedom and immortality of our soul (his hope of a future life being only the expectation of a miracle of resurrection), two such fundamental pillars of all religion, when he is himself a pious and zealous teacher of religion, he could give no other answer than, “The interest of reason, which loses when people try to exempt certain objects from the laws of material nature, the only laws we can know and determine precisely.”
B 774 It would seem unfair to denounce the latter, who knows how to reconcile his paradoxical assertion with a religious aim, and to hurt a well-intentioned man because he cannot find his way once he has strayed from the field of natural science. But this favor must equally benefit Hume, no less well disposed and irreproachable in moral character, who cannot abandon his abstract speculation because he rightly holds that its object lies entirely outside the boundaries of natural science, in the field of pure ideas.
What, then, is to be done here, especially with regard to the danger that seems to threaten the common good? Nothing is more natural or fair than the decision you must make. Just let these people proceed. If they display talent, if they offer deep and new inquiry—in a word, if only they display reason—reason always gains. If you resort to means other than those of unconstrained reason, if you cry high treason and summon the public, which understands nothing of such subtle investigations, as though to put out a fire, you make yourselves ridiculous. For the question is not at all what in this is advantageous or harmful to the common good, but only how far reason can get in speculation that abstracts from every interest.
B 775 It is also a question whether we can count on this speculation at all or should rather abandon it entirely in favor of the practical. Instead of striking in with the sword, calmly watch this contest from the secure seat of critique. It must prove laborious for the combatants, entertaining for you, and, with an outcome certain to be bloodless, fruitful for your insights. For it is very absurd to expect enlightenment from reason while prescribing in advance the side on which it must necessarily come down. Moreover, reason is already so well restrained and kept within limits by reason itself that you have no need to call out patrols to offer civil resistance to the party whose feared superiority seems dangerous to you. In this dialectic there is no victory about which you have cause for concern.
Reason also greatly needs such a dispute, and one could wish it had been conducted earlier and with unrestricted public permission. A mature critique would then have come about all the sooner; on its appearance all these quarrels must fall away of themselves, as the disputants learn to recognize the delusion and prejudices that divided them.
There is a certain impurity in human nature.
B 776 It must ultimately, like everything coming from nature, contain a predisposition toward good ends: a tendency to conceal one’s true sentiments and display certain assumed ones considered good and praiseworthy. Through this tendency both to conceal themselves and to assume an advantageous illusion, human beings have certainly not merely civilized themselves but gradually, to a degree, moralized themselves as well. For no one could see through the veneer of propriety, respectability, and modesty, and thus each found a school for his own improvement in the supposedly genuine examples of goodness he saw around him. But this predisposition to present oneself as better than one is and express sentiments one does not have serves only provisionally, as it were, to bring humanity out of its uncultivated state and initially make it assume at least the manner of the good it knows. Later, once genuine principles have developed and become part of one’s way of thinking, that falsity must gradually be vigorously combated; otherwise it corrupts the heart and prevents good sentiments from growing under the rampant weed of fair illusion.
I am sorry to perceive this same impurity, dissimulation, and hypocrisy even in expressions of speculative thought, where people have far fewer obstacles to declaring their thoughts openly and frankly, as they rightly should, and no advantage at all in concealment.
B 777 For what can be more harmful to insight than communicating even mere thoughts to one another in falsified form, concealing doubts we feel about our own assertions, or giving grounds of proof that do not satisfy us ourselves a veneer of evidence? So long, however, as private vanity alone instigates these secret intrigues (which is commonly the case in speculative judgments that have no particular interest and are not readily capable of apodictic certainty), the vanity of others opposes it with public approval. Matters finally arrive where the purest disposition and sincerity would have brought them, though much earlier. But where the public believes that subtle reasoners intend nothing less than to shake the foundations of public welfare, it seems not only prudent but permissible and even praiseworthy to aid the good cause with specious grounds rather than grant its supposed opponents even the advantage of moderating our tone to that of a merely practical conviction and forcing us to admit the lack of speculative and apodictic certainty. Yet I should think that nothing in the world could be less compatible with defending a good cause than cunning, dissimulation, and deceit.
B 778 That everything must proceed honestly in weighing the rational grounds of mere speculation is surely the least one can demand. If we could securely count on even this little, speculative reason’s dispute over the important questions of God, immortality (of the soul), and freedom would either have been settled long ago or would very soon be brought to an end. As things stand, purity of disposition often varies inversely with the goodness of the cause itself, which perhaps has more sincere and upright opponents than defenders.
I therefore presuppose readers who do not want a just cause defended unjustly. For them it is now settled that, according to our principles of critique, if we consider not what happens but what rightly should happen, there must properly be no polemic of pure reason at all. For how can two people dispute about a thing whose reality neither can exhibit in an actual or even possible experience, brooding over its idea alone in order to bring out of it something more than an idea, namely the actuality of the object itself? By what means will they emerge from the dispute, when neither can directly make his own case comprehensible and certain, but can only attack and refute his opponent’s?
B 779 For this is the fate of all assertions of pure reason: they go beyond the conditions of all possible experience, outside which no evidence of truth can be found anywhere, yet they must employ laws of the understanding intended solely for empirical use, without which not a step in synthetic thinking can be taken. They therefore always expose weaknesses to the opponent, and each can exploit the other’s weakness.
The critique of pure reason can be regarded as the true court of all reason’s disputes; for it is not itself involved in these disputes, which concern objects immediately, but is appointed to determine and judge reason’s rights in general according to the principles of its original institution.
Without it, reason is, as it were, in a state of nature and can assert or secure its claims and assertions only through war. Critique, by contrast, takes all its decisions from the fundamental rules of its own institution, whose authority no one can doubt. It provides us with the peace of a lawful condition in which we are to conduct our disputes only through legal proceedings. What ends quarrels in the first condition is a victory of which both sides boast, usually followed by only an insecure peace established by the authority that intervenes.
B 780 In the second, it is a judgment which, because it strikes here at the very source of the disputes, must secure an eternal peace. The endless disputes of a merely dogmatic reason also finally compel us to seek peace in some critique of reason itself and in legislation founded upon it, just as Hobbes maintains that the state of nature is a state of injustice and violence, which we must necessarily leave in order to submit to the lawful constraint that alone restricts our freedom so that it can coexist with everyone else’s freedom and thereby with the common good.
This freedom also includes submitting one’s thoughts, one’s doubts that one cannot oneself resolve, to public judgment, without being denounced on that account as a restless and dangerous citizen. This already lies in the original right of human reason, which recognizes no other judge than universal human reason itself, in which everyone has a voice. Since every improvement of which our condition is capable must come from this, such a right is sacred and must not be curtailed. It is also very unwise to denounce as dangerous certain daring assertions or presumptuous attacks on assertions that already have the assent of the largest and best part of the public: for this gives them an importance they should not have at all.
B 781 When I hear that an uncommon mind is supposed to have demonstrated away the freedom of the human will, the hope of a future life, and the existence of God, I am eager to read the book, for I expect his talent to advance my insights. I already know beforehand with complete certainty that he will have accomplished none of this—not because I believe myself already in possession of invincible proofs of these important propositions, but because the transcendental critique, which revealed to me the whole stock of our pure reason, has fully convinced me that, just as reason is wholly inadequate for affirmative assertions in this field, it will know just as little, and still less, for making any negative assertion about these questions. For where will the supposed freethinker obtain his knowledge that, for example, there is no highest being? This proposition lies outside the field of possible experience, and therefore also outside the boundaries of all human insight. I would not read the dogmatic defender of the good cause against this enemy at all, because I know beforehand that he will attack the other’s specious grounds only to gain admission for his own. Besides, an everyday illusion provides less material for new observations than an unfamiliar and ingeniously devised one.
B 782 The opponent of religion, dogmatic in his own way as well, would by contrast provide my critique with welcome occupation and an opportunity to correct its principles further, without there being the least to fear on his account.
But should not the young, entrusted to academic instruction, at least be warned against such writings and kept from early acquaintance with such dangerous propositions before their power of judgment has matured—or rather, before the doctrine one wants to establish in them has taken firm root—so that they can vigorously resist every persuasion to the contrary, wherever it may come from?
If dogmatic procedure had to remain in matters of pure reason, and opponents had to be dealt with properly polemically—that is, by entering combat and arming ourselves with grounds of proof for opposing assertions—then nothing would admittedly be more advisable for the moment, but at the same time more futile and fruitless in the long run, than placing the reason of the young under guardianship for a time and protecting it at least that long from seduction. But if curiosity or the fashionable tone of the age later puts such writings into their hands, will that youthful persuasion still hold firm? Someone equipped only with dogmatic weapons to withstand his opponent’s attacks is unable to unfold the hidden dialectic that lies no less in his own breast than in his adversary’s.
B 783 He sees specious grounds with the advantage of novelty confronting specious grounds that no longer possess it, but instead arouse suspicion that youthful credulity has been abused. He believes he can give no better proof of having outgrown childhood discipline than by disregarding those well-meant warnings. Habituated to dogmatism, he drinks in long drafts the poison that dogmatically corrupts his principles.
Academic instruction must do precisely the opposite of what is advised here, though only on the presupposition of thorough instruction in the critique of pure reason. For, to put its principles into practice as early as possible and show their sufficiency against the greatest dialectical illusion, it is absolutely necessary to direct the attacks so terrifying to the dogmatist against his still weak but critically enlightened reason, and let him try examining the opponent’s unfounded assertions one by one against those principles. It cannot be at all difficult for him to dissolve them into mere vapor. He thus feels his own strength early on, fully securing himself against such harmful delusions, which must finally lose all illusion for him.
B 784 Although the very same blows that strike down the enemy’s building must also be equally destructive to his own speculative structure, should he intend to erect one, he is entirely unconcerned. He has no need to live in it, but still has before him a prospect into the practical field, where he has grounds to hope for firmer soil on which to erect his rational and beneficial system.
Thus there is no proper polemic in the field of pure reason. Both parties are fighting the air, grappling with their own shadows, for they go beyond nature, where there is nothing their dogmatic grasp can seize and hold. They can fight at their leisure: the shadows they hew apart grow together again in a moment, like the heroes in Valhalla, to amuse themselves anew in bloodless battles.
But there is also no permissible skeptical use of pure reason that could be called the principle of neutrality in all its disputes. Inciting reason against itself, supplying it with weapons on both sides, and then calmly and mockingly watching its fiercest combat does not look well from a dogmatic standpoint; it has the appearance of a malicious disposition delighting in harm.
B 785 Yet when we consider the invincible delusion and boasting of reasoners who will not let any critique moderate them, there is really no other recourse than to oppose boasting on one side with boasting on the other, resting on precisely the same rights, so that resistance from an enemy may at least startle reason into some doubt about its pretensions and make it listen to critique. But to leave matters entirely at these doubts and make it one’s aim to recommend conviction and confession of one’s ignorance not merely as a remedy for dogmatic conceit but also as the way of ending reason’s conflict with itself is an entirely futile plan. It cannot possibly bring reason to rest, but is at most a means of awakening it from its sweet dogmatic dream to examine its condition more carefully. Since this skeptical manner of extricating oneself from a vexing affair of reason seems, as it were, the shortcut to enduring philosophical repose—or at least the highway readily taken by those who think to acquire philosophical standing through a mocking contempt for all inquiries of this kind—I find it necessary to present this way of thinking in its proper light.
B 786 On the Impossibility of Skeptically Satisfying Pure Reason in Conflict with Itself
Consciousness of my ignorance (unless this ignorance is also cognized as necessary), far from ending my inquiries, is rather what properly awakens them. All ignorance concerns either things or the determination and boundaries of my cognition. If ignorance is contingent, it must impel me in the first case to investigate things (objects) dogmatically, and in the second to investigate the boundaries of my possible cognition critically. But that my ignorance is absolutely necessary, and thus releases me from all further inquiry, cannot be established empirically through observation, but only critically, by exploring the first sources of our cognition. Thus the determination of reason’s boundaries can occur only on grounds a priori. Its restriction, however, which is a cognition, though only indeterminate, of an ignorance never wholly removable, can also be cognized a posteriori, through what always remains for us to know despite all our knowledge. The former cognition of one’s ignorance, possible only through critique of reason itself, is therefore science; the latter is nothing but perception, from which we cannot say how far an inference may reach.
B 787 If I represent the earth’s surface (in accordance with sensible illusion) as a plate, I cannot know how far it extends. But experience teaches me that wherever I go I always see around me a space into which I could proceed further. I thus cognize limits of my actual geographical knowledge at any given time, but not the boundaries of all possible geography. But if I have come so far as to know that the earth is a sphere and its surface spherical, then even from a small part of it, such as the size of one degree, I can cognize the diameter and, through it, the earth’s complete boundary, that is, its surface, determinately and according to principles a priori. Although I am ignorant of the objects this surface may contain, I am not ignorant of the extent containing them, its magnitude and limits.
The sum of all possible objects of our cognition seems to us a level surface with its apparent horizon: that which encompasses its entire extent and which we have called the concept of reason of unconditioned totality. Reaching this horizon empirically is impossible, and every attempt to determine it a priori according to a certain principle has been futile.
B 788 Yet all the questions of our pure reason concern what may lie outside this horizon, or perhaps on its boundary line.
The celebrated David Hume was one of these geographers of human reason. He thought he had adequately disposed of all those questions by relegating them beyond reason’s horizon, although he could not determine that horizon. He dwelt chiefly on the principle of causality and quite rightly observed that its truth (indeed not even the objective validity of the concept of an efficient cause in general) is not grounded on any insight, that is, cognition a priori, and that hence the entire authority of this law consists not in the least in its necessity, but in its mere general usefulness in the course of experience and a resulting subjective necessity, which he calls habit. From our reason’s inability to make a use of this principle extending beyond all experience, he inferred the nullity of all reason’s pretensions to go beyond the empirical in general.
Such a procedure of submitting the facts of reason to examination and, where appropriate, to blame may be called the censure of reason. It is beyond doubt that this censure inevitably leads to doubt concerning every transcendent use of principles.
B 789 But this is only the second step, far from completing the work. The first step in matters of pure reason, marking its childhood, is dogmatic. The second, mentioned above, is skeptical and testifies to the caution of a power of judgment made wise by experience. But a third step is still needed, belonging only to a mature and fully developed power of judgment grounded on firm maxims whose universality has been established: to assess not the facts of reason but reason itself in its entire capacity and aptitude for pure cognitions a priori. This is not the censure but the critique of reason. Through it, not merely reason’s limits but its determinate boundaries, not merely ignorance on one point or another but ignorance regarding all possible questions of a certain kind, is not merely conjectured but proved from principles. Skepticism is thus a resting place for human reason, where it can reflect on its dogmatic journey and sketch the region in which it finds itself, so as to choose its further path with greater security; but it is not a dwelling for permanent residence. For such a dwelling can be found only in complete certainty, whether of cognition of the objects themselves or of the boundaries.
B 790 Within these boundaries all our cognition of objects is enclosed.
Our reason is not a plain extending indefinitely far whose limits we cognize only in a general way. It must rather be compared with a sphere whose radius can be found from the curvature of an arc on its surface (the nature of synthetic propositions a priori), and from which its content and boundary can then also be determined with certainty. Outside this sphere (field of experience) nothing is an object for reason. Even questions about such supposed objects concern only subjective principles for thoroughly determining the relations that can occur among concepts of the understanding within this sphere.
We actually possess synthetic cognition a priori, as the principles of the understanding that anticipate experience demonstrate. If someone cannot comprehend its possibility at all, he may initially doubt whether we actually possess it a priori. But he cannot yet declare that it is impossible through the understanding’s powers alone, or that every step reason takes under its guidance is null. He can only say: if we understood its origin and authenticity, we could determine our reason’s extent and boundaries; until this is done, however, all reason’s assertions are blindly ventured.
B 791 In this way a thoroughgoing doubt concerning all dogmatic philosophy that proceeds without critique of reason itself would be quite well founded. Yet reason could not on that account be denied all such progress if it were prepared and secured by a better foundation. For all the concepts, indeed all the questions, pure reason presents to us lie not in experience but again only in reason itself; they must therefore be capable of solution and of being understood as valid or null. Nor are we entitled to dismiss these problems on the pretext of our inability and refuse further inquiry into them, as though their solution really lay in the nature of things, since reason alone has generated these ideas within itself and is therefore bound to account for their validity or dialectical illusion.
All skeptical polemic is properly directed only against the dogmatist who solemnly continues on his way without any mistrust of his original objective principles, that is, without critique. It is meant only to unsettle his plan and bring him to self-cognition. In itself it settles absolutely nothing about what we know and what, on the other hand, we cannot know.
B 792 All reason’s failed dogmatic attempts are facts that it is always useful to submit to censure. But this can decide nothing about reason’s expectations of hoping for and claiming a better outcome from its future efforts. Mere censure can therefore never end the dispute over the rights of human reason.
Since Hume is perhaps the most ingenious of all skeptics, and indisputably the foremost with regard to the influence skeptical procedure can exert in awakening a thorough examination of reason, it is well worth the effort to present the course of his inferences and the errors of so discerning and estimable a man, which nevertheless began on the trail of truth, as far as suits my purpose.
Hume perhaps had in mind, though he never fully developed it, that in judgments of a certain kind we go beyond our concept of the object. I have called judgments of this kind synthetic. How I can go beyond my existing concept through experience presents no difficulty. Experience is itself a synthesis of perceptions that augments the concept I have through one perception by adding others. But we also believe we can go beyond our concept a priori and extend our cognition.
B 793 We attempt this either through the pure understanding, regarding what can at least be an object of experience, or even through pure reason, regarding properties of things or even the existence of objects that can never occur in experience. Our skeptic did not distinguish these two kinds of judgment as he should have done. He simply regarded this self-augmentation of concepts—this self-generation, so to speak, of our understanding (together with reason), without impregnation by experience—as impossible. He consequently regarded all its supposed principles a priori as imaginary, and found them to be nothing but a habit arising from experience and its laws: merely empirical, that is, in themselves contingent, rules to which we ascribe a supposed necessity and universality. To support this surprising proposition, he appealed to the universally acknowledged principle of the relation of cause to effect. For since no faculty of understanding can lead us from the concept of one thing to the existence of something else universally and necessarily given through it, he believed he could infer that without experience we have nothing that could augment our concept and entitle us to such a judgment that extends itself a priori.
B 794 That the sunlight illuminating wax also melts it while it hardens clay, no understanding could guess from concepts we previously had of these things, still less infer according to a law; experience alone could teach us such a law. In transcendental logic, however, we have seen that, although we can never go immediately beyond the content of the concept given to us, we can nevertheless cognize the law of its connection with other things entirely a priori, though in relation to a third, namely possible experience, and thus still a priori. If wax previously solid melts, I can therefore cognize a priori that something must have preceded (for example, the sun’s heat), upon which this followed according to a constant law; yet without experience I could not cognize either the cause from the effect or the effect from the cause determinately, a priori and without instruction from experience. He thus falsely inferred from the contingency of our determination according to the law the contingency of the law itself. He confused going beyond the concept of a thing to possible experience (which occurs a priori and constitutes its objective reality) with the synthesis of objects of actual experience, which is admittedly always empirical. He thereby turned a principle of affinity, seated in the understanding and expressing necessary connection, into a rule of association.
B 795 This rule is found only in the reproductive imagination, which can represent only contingent and by no means objective combinations.
The skeptical errors of this otherwise extraordinarily acute man arose chiefly from a deficiency he shared with all dogmatists: he did not systematically survey all kinds of the understanding’s synthesis a priori. Had he done so, he would have found, to mention no others here, the principle of persistence, for example, to be one that anticipates experience just as much as the principle of causality. This would also have enabled him to trace determinate boundaries for the understanding that extends itself a priori and for pure reason. But he merely restricts our understanding without bounding it, producing a general mistrust but no determinate knowledge of the ignorance unavoidable for us. He subjects some principles of the understanding to censure without placing the understanding’s entire capacity on the testing scales of critique. In denying it what it actually cannot accomplish, he goes further and disputes every capacity it has to extend itself a priori, although he has not assessed that entire capacity. Thus he suffers what always overthrows skepticism: he himself is doubted.
B 796 For his objections rest only on contingent facts, not on principles that could bring about a necessary renunciation of the right to dogmatic assertions.
Since he also recognizes no distinction between the well-founded claims of the understanding and the dialectical pretensions of reason, against which his attacks are principally directed, reason feels that the space for its expansion has not been closed. Its own characteristic soaring has not been disturbed in the least, only hindered, and, despite being pinched here and there, it can never be entirely dissuaded from its attempts. For against attacks we arm ourselves in defense and insist all the more stubbornly on enforcing our demands. But a complete assessment of our entire capacity, and the resulting conviction of the certainty of a small possession alongside the futility of higher claims, ends every dispute and induces us to be peacefully content with a restricted but undisputed property.
Against the uncritical dogmatist, who has not measured the sphere of his understanding and therefore has not determined from principles the boundaries of his possible cognition, who thus does not already know beforehand how much he can do but thinks to discover it through mere attempts, these skeptical attacks are not only dangerous but ruinous.
B 797 For if he is caught out in a single assertion that he cannot justify, yet whose illusion he also cannot unfold from principles, suspicion falls on all his assertions, however persuasive they may otherwise be.
Thus the skeptic is the dogmatic reasoner’s disciplinarian, leading him toward a sound critique of understanding and reason itself. Once he has reached this, he need fear no further challenge. For he then distinguishes his possession from what lies entirely outside it, to which he makes no claims and over which he cannot be drawn into disputes. Skeptical procedure is thus not in itself satisfactory for reason’s questions, but it is preparatory: it awakens reason’s caution and points to thoroughgoing means of securing it in its rightful possessions.
Chapter One Section Three The Discipline of Pure Reason with Regard to Hypotheses
Since through critique of our reason we finally know this much—that in its pure and speculative use we can in fact know nothing at all—should it not open a still wider field for hypotheses, since we are at least permitted to invent and opine, even if not to assert?
B 798 If imagination is not to indulge in fantasy but to invent under reason’s strict supervision, something must always first be completely certain, not invented or mere opinion: the possibility of the object itself. We may then indeed take refuge in opinion regarding its actuality. But if this opinion is not to be unfounded, it must be connected as a ground of explanation with what is actually given and thus certain; it is then called a hypothesis.
Now we cannot form the slightest concept a priori of the possibility of dynamical connection, and the category of the pure understanding serves not to devise such connection but only to understand it where it is encountered in experience. We therefore cannot originally invent a single object with a new constitution that cannot be indicated empirically, in conformity with these categories, and lay it down as the basis of a permissible hypothesis. That would mean supplying reason with empty fantasies instead of concepts of things. Thus we are not permitted to devise new original forces: for example, an understanding capable of intuiting its object without senses; an attractive force without any contact; or a new kind of substance, such as one present in space without impenetrability.
B 799 Nor, consequently, may we devise a community of substances different from any supplied by experience, a presence anywhere but in space, or a duration anywhere but in time. In a word, our reason can use only the conditions of possible experience as conditions of the possibility of things. It cannot, entirely independently of these, create such conditions for itself, as it were, because such concepts, though without contradiction, would nevertheless also be without an object.
As stated, concepts of reason are mere ideas and admittedly have no object in any experience. But they do not therefore designate invented objects assumed at the same time to be possible. They are thought merely problematically, so that, in relation to them (as heuristic fictions), regulative principles of the systematic use of the understanding in the field of experience may be grounded. If we depart from this, they are mere thought-entities whose possibility cannot be proved and which therefore cannot be laid down as the ground of the explanation of actual appearances through a hypothesis. To think the soul as simple is quite permitted, in order, according to this idea, to make a complete and necessary unity of all powers of the mind the principle for judging its inner appearances, even though we cannot grasp that unity in concreto.
B 800 But assuming the soul as a simple substance (a transcendent concept) would be a proposition not merely unprovable (as many physical hypotheses are) but also entirely arbitrary and blindly ventured. For the simple cannot occur in any experience whatever, and if substance here means the enduring object of sensible intuition, the possibility of a simple appearance cannot be understood at all. Neither merely intelligible beings nor merely intelligible properties of things in the sensible world can be assumed as opinion with any well-founded entitlement of reason; although (since we have no concepts of their possibility or impossibility) neither can they be dogmatically denied through any supposedly superior insight.
To explain given appearances, we can adduce only things and grounds of explanation connected with what is given according to already known laws of appearances. A transcendental hypothesis using a mere idea of reason to explain natural things would therefore be no explanation at all: what is not sufficiently understood from known empirical principles would be explained through something of which we understand nothing. The principle of such a hypothesis would also serve properly only to satisfy reason, not to advance the use of the understanding with regard to objects. Order and purposiveness in nature must in turn be explained from natural grounds and according to natural laws.
B 801 Here even the wildest hypotheses, provided they are physical, are more tolerable than a hyperphysical one, that is, an appeal to a divine author presupposed for this purpose. For that would be a principle of lazy reason (ignava ratio): to bypass at once all the causes whose objective reality, at least as to their possibility, we can still come to know through continued experience, in order to rest in a mere idea very comfortable for reason. As for the absolute totality of grounds of explanation in their series, this can create no obstacle regarding objects in the world, because, since they are nothing but appearances, we can never hope to find in them anything complete in the synthesis of the series of conditions.
Transcendental hypotheses in reason’s speculative use, and a freedom to resort to hyperphysical grounds whenever physical grounds of explanation are lacking, cannot be permitted at all. For one thing, they do not advance reason in the least but rather cut off all progress in its use. For another, this license must finally deprive reason of all the fruits of cultivating its own proper soil, experience. For whenever explaining nature becomes difficult here or there, we have a transcendent ground of explanation constantly at hand that relieves us of the inquiry.
B 802 Our investigation then ends not with insight but with the complete incomprehensibility of a principle devised in advance to contain the concept of the absolutely first.
The second requirement for the acceptability of a hypothesis is its sufficiency for determining a priori from it the consequences that are given. If we are forced to summon auxiliary hypotheses for this purpose, they arouse suspicion of mere invention, because each in itself needs the same justification required by the underlying thought, and therefore cannot provide a competent witness. If, on the presupposition of an unlimitedly perfect cause, there is no lack of grounds for explaining all the purposiveness, order, and greatness found in the world, that presupposition still needs new hypotheses to save it from the deviations and evils that appear, at least according to our concepts, as objections. If the simple self-subsistence of the human soul, laid down as the ground of its appearances, is challenged by the difficulties posed by phenomena resembling changes of matter (growth and decline), new hypotheses must be summoned.
B 803 These are not without illusion, but have no authentication except what is given them by the opinion assumed as the principal ground, which they are nevertheless meant to support.
If the assertions of reason cited here as examples (the soul’s incorporeal unity and the existence of a highest being) are meant to count not as hypotheses but as dogmas proved a priori, they are not under discussion at all. In that case, however, one must be careful that the proof has the apodictic certainty of a demonstration. For seeking merely to make the actuality of such ideas probable is an absurd intention, just as if one meant to prove a geometrical proposition merely probably. Reason separated from all experience can cognize anything only a priori and as necessary, or not at all. Its judgment is therefore never opinion, but either abstention from all judgment or apodictic certainty. Opinions and probable judgments about what belongs to things can occur only as grounds of explanation for what is actually given, or as consequences according to empirical laws of what is laid down as actual, and thus only in the series of objects of experience. Outside this field, opining amounts to playing with thoughts, unless it is merely an opinion about an uncertain path of judgment, that we might perhaps find truth along it.
B 804 Although in merely speculative questions of pure reason hypotheses have no place as foundations for propositions, they are nevertheless quite permissible only for defending those propositions if necessary, that is, not in dogmatic but in polemical use. By defense I understand not an increase in the grounds of proof for one’s assertion, but merely the frustration of an opponent’s specious insights intended to impair our asserted proposition. Now all synthetic propositions from pure reason have this peculiarity: although the person who asserts the reality of certain ideas never knows enough to make his proposition certain, his opponent likewise cannot know enough to assert the contrary. This equality in human reason’s lot favors neither side in speculative cognition, and here is indeed the proper battlefield of feuds that can never be settled. It will emerge later, however, that with regard to practical use reason has a right to assume something it would in no way be entitled to presuppose in the field of mere speculation without sufficient grounds of proof. For all such presuppositions impair the perfection of speculation, about which the practical interest is wholly unconcerned. In the practical domain, then, reason is in possession and need not prove the legitimacy of that possession; indeed, it could not furnish the proof.
B 805 The opponent is therefore to prove. But since he knows as little about the doubted object for establishing its nonexistence as the other, who asserts its actuality, an advantage appears here on the side of the person asserting something as a practically necessary presupposition (melior est conditio possidentis). He is free, as though in self-defense, to employ for his good cause the very same means the opponent employs against it, that is, hypotheses. These are not meant at all to strengthen its proof, but only to show that the opponent understands far too little of the disputed object to flatter himself with any advantage over us in speculative insight.
Hypotheses are therefore permitted in the field of pure reason only as weapons of war, not to found a right upon them but merely to defend it. Yet here we must always seek the opponent within ourselves. For speculative reason in its transcendental use is in itself dialectical. The objections we might fear lie within ourselves. We must seek them out, like old claims that never lapse, in order to found an eternal peace on their annulment. Outward peace is only apparent. The seed of challenges, lying in the nature of human reason, must be uprooted.
B 806 But how can we uproot it unless we give it freedom, even nourishment, to send up shoots and thereby reveal itself, so that we can afterward destroy it root and all? Devise objections yourselves, then, that no opponent has yet thought of, and even lend him weapons or grant him the most favorable position he could wish for. There is nothing to fear here, but indeed something to hope for: that you will secure a possession never again to be challenged in all the future.
Your complete armament also includes hypotheses of pure reason. Although only leaden weapons (since they are not tempered by any law of experience), they nevertheless always accomplish as much as those any opponent may use against you. Suppose, then, that against the (in some other, nonspeculative respect) assumed immaterial nature of the soul, subject to no bodily transformation, you encounter the difficulty that experience seems to prove both the elevation and disruption of our mental powers to be merely different modifications of our organs. You can weaken the force of this proof by assuming that our body is nothing but the fundamental appearance to which, as its condition, the whole faculty of sensibility, and thus all thinking, relates in our present state (in life). Separation from the body would be the end of this sensible use of your cognitive power and the beginning of its intellectual use.
B 807 The body would therefore be not the cause of thinking but a merely restrictive condition of it, and thus to be regarded as furthering sensible and animal life, but all the more as hindering pure and spiritual life. The dependence of the former on bodily constitution would prove nothing about the dependence of life as a whole on the condition of our organs. You can go still further and even discover new doubts, either not yet raised or not pursued far enough.
The contingency of procreation, which in human beings as in nonrational creatures depends on opportunity, but often also on means of support, government and its whims and fancies, and often even on vice, creates a great difficulty for the opinion that the continued existence of a creature, whose life first began under circumstances so insignificant and so entirely left to our freedom, extends into eternity. As regards the continued existence of the whole species (here on earth), this difficulty has little force, because chance in the individual case is nevertheless subject to a rule in the whole. But with regard to each individual, expecting so mighty an effect from such trivial causes certainly seems questionable.
B 808 Against this, however, you can deploy a transcendental hypothesis: that all life is properly only intelligible, not subject to temporal changes at all, and neither began through birth nor ends through death; that this life is nothing but a mere appearance, that is, a sensible representation of pure spiritual life, and the entire sensible world a mere image hovering before our present mode of cognition and, like a dream, without objective reality in itself; that, if we were to intuit things and ourselves as they are, we should see ourselves in a world of spiritual natures, our sole true community with which neither began through birth nor will cease through bodily death (as mere appearances), and so on.
Although we know not the slightest thing about any of this that we hypothetically put forward against the attack, nor seriously assert it—indeed, none of it is even an idea of reason, but merely a concept devised for defense—we nevertheless proceed quite rationally. We merely show the opponent, who thinks he has exhausted all possibility by falsely presenting the absence of its empirical conditions as proof of the complete impossibility of what we believe, that he can no more encompass the whole field of possible things in themselves through mere laws of experience than we can acquire anything well founded for our reason outside experience.
B 809 Whoever employs such hypothetical countermeasures against the pretensions of a boldly denying opponent must not be taken as wishing to adopt them as his true opinions. He abandons them as soon as he has disposed of his opponent’s dogmatic conceit. For however modest and moderate it may seem when someone merely refuses and denies the assertions of others, as soon as he wants these objections to count as proofs of the opposite, his claim is always no less proud and conceited than if he had taken up the affirmative side and its assertion.
We see, then, that in reason’s speculative use hypotheses have no validity as opinions in themselves, but only in relation to opposing transcendent pretensions. For extending the principles of possible experience to the possibility of things in general is just as transcendent as asserting the objective reality of concepts whose objects can be found nowhere but outside the boundary of all possible experience. What pure reason judges assertorically must (like everything reason cognizes) be necessary, or it is nothing at all. Thus pure reason in fact contains no opinions. The hypotheses in question, however, are only problematic judgments that at least cannot be refuted, though admittedly they cannot be proved by anything either.
B 810 They are therefore not private opinions, yet we cannot readily dispense with them (even for inward reassurance) against arising scruples. But we must preserve them in this capacity and carefully prevent their appearing as authenticated in themselves and possessed of any absolute validity, drowning reason in inventions and delusions.
Chapter One Section Four The Discipline of Pure Reason with Regard to Its Proofs
Among all proofs of synthetic cognition a priori, proofs of transcendental and synthetic propositions have this peculiarity: through its concepts, reason may not turn directly to the object, but must first establish the objective validity of the concepts and the possibility of their synthesis a priori. This is not merely a necessary rule of caution; it concerns the essence and possibility of the proofs themselves. If I am to go beyond the concept of an object a priori, this is impossible without a particular guiding thread lying outside that concept. In mathematics, intuition a priori guides my synthesis, and all inferences there can be drawn immediately from pure intuition.
B 811 In transcendental cognition, so long as it deals merely with concepts of the understanding, possible experience is this guide. The proof does not show that the given concept (for example, of what happens) leads directly to another concept (that of a cause); for such a transition would be an entirely unjustifiable leap. Rather, it shows that experience itself, and thus the object of experience, would be impossible without such a connection. The proof therefore also had to indicate the possibility of arriving synthetically and a priori at a certain cognition of things not contained in their concept. Without this attention, proofs run wild and cross-country, like waters breaking their banks, wherever the inclination of hidden association happens to lead them. The illusion of conviction resting on subjective causes of association and mistaken for insight into a natural affinity cannot counterbalance the misgivings that must rightly arise over such daring steps. Hence all attempts to prove the principle of sufficient ground have, by the general admission of experts, been futile. Before transcendental critique appeared, since people could not abandon this principle, they preferred to appeal defiantly to common sense.
B 812 (This is a refuge that always proves reason’s cause desperate.) They preferred it to attempting new dogmatic proofs.
But if the proposition to be proved is an assertion of pure reason, and I even intend through mere ideas to go beyond my concepts of experience, the proof would all the more have to contain the justification of such a step of synthesis (if it were possible at all) as a necessary condition of its probative force. Thus, however plausible the supposed proof of the simple nature of our thinking substance from the unity of apperception may be, it faces an unavoidable objection. Absolute simplicity is not a concept immediately relatable to a perception but must merely be inferred as an idea. It is therefore impossible to see how mere consciousness, which is or at least can be contained in all thinking, though in that respect a simple representation, should lead me to consciousness and knowledge of a thing in which alone thinking can be contained. For when I represent the force of my body in motion, the body is to that extent an absolute unity for me, and my representation of it is simple. I can therefore also express it through the motion of a point, because its volume does not matter here and can be thought as small as one likes without diminishing the force, and thus also as located in a point.
B 813 Yet I shall not infer from this that, if nothing is given me but a body’s moving force, the body can be thought as a simple substance because its representation abstracts from every magnitude of spatial content and is therefore simple. I discover a paralogism through the fact that the simple in abstraction is entirely different from the simple in the object, and that the I, which in the first sense contains no manifold at all, may in the second, where it signifies the soul itself, be a very complex concept, containing and designating very much under itself. But to anticipate this (for without such a preliminary suspicion one would suspect nothing about the proof) it is absolutely necessary to have at hand a standing criterion of the possibility of such synthetic propositions, which are meant to prove more than experience can give. This criterion consists in conducting the proof not directly toward the predicate sought, but only through a principle of the possibility of extending our given concept a priori to ideas and realizing them. Suppose this caution is always employed, and that before the proof is even attempted we first wisely consider how, and with what grounds for hope, we can expect such an extension through pure reason.
B 814 Suppose we also consider where, in such a case, we mean to obtain these insights, which cannot be developed from concepts or anticipated in relation to possible experience. Then we can spare ourselves much arduous yet fruitless effort. In this way we demand of reason nothing manifestly beyond its capacity, or rather subject it to the discipline of restraint, since in its fits of craving speculative expansion it does not readily accept restriction.
The first rule is therefore this: attempt no transcendental proofs without first considering and justifying where you intend to obtain the principles on which you plan to build them, and by what right you can expect successful inferences from them. If they are principles of the understanding (for example, of causality), it is futile to reach ideas of pure reason through them, for they hold only for objects of possible experience. If they are to be principles from pure reason, all effort is again futile. For reason does indeed have such principles, but as objective principles they are all dialectical and can at most be valid only as regulative principles of the systematically coherent use of experience. If such supposed proofs are already available, oppose to their deceptive conviction the non liquet of your mature power of judgment.
B 815 Even if you cannot yet penetrate their delusion, you have every right to demand a deduction of the principles employed in them, which can never be supplied if those principles are supposed to have arisen from mere reason. Thus you need not even occupy yourselves with unfolding and refuting every unfounded illusion, but can dismiss at once, in whole masses, all dialectic, inexhaustible in artifices, at the court of a critical reason that demands laws.
The second peculiarity of transcendental proofs is this: only a single proof can be found for each transcendental proposition. If I am to infer not from concepts but from the intuition corresponding to a concept, whether a pure intuition as in mathematics or an empirical one as in natural science, the underlying intuition gives me manifold material for synthetic propositions. I can connect this material in more than one way and, since I may start from more than one point, reach the same proposition by different paths.
But every transcendental proposition proceeds solely from one concept and states the synthetic condition of the object’s possibility according to that concept. There can therefore be only a single ground of proof, because apart from this concept there is nothing else through which the object could be determined.
B 816 The proof can thus contain nothing beyond the determination of an object in general according to this concept, which is itself only one. For example, in the Transcendental Analytic we drew the principle that everything that happens has a cause from the sole condition of the objective possibility of a concept of what happens in general: that the determination of an event in time, and thus this (event) as belonging to experience, would be impossible unless it stood under such a dynamical rule. This is also the only possible ground of proof. For only through an object’s being determined for the concept by the law of causality does the represented event have objective validity, that is, truth. Other proofs of this principle have indeed been attempted, from contingency, for example. But examined in the light, this yields no mark of contingency except happening, that is, an existence preceded by the object’s nonexistence, so we always return to the same ground of proof. If the proposition that everything that thinks is simple is to be proved, we do not dwell on the manifold of thinking but remain solely with the concept of the I, which is simple and to which all thinking is related.
B 817 The same holds of the transcendental proof of God’s existence, which rests solely on the convertibility of the concepts of the most real being and the necessary being, and can be sought nowhere else.
This cautionary observation greatly reduces the critique of reason’s assertions. Where reason conducts its business through mere concepts, only a single proof is possible, if any proof is possible at all. Hence, if we see the dogmatist appearing with ten proofs, we can safely believe he has none. For if he had one that (as must be the case in matters of pure reason) proved apodictically, why would he need the others? His intention is merely like that of the parliamentary advocate: one argument is for this person, another for that one. He means to exploit the weakness of his judges, who, without entering deeply into the matter and eager to be rid of it, seize the first thing that strikes them and decide accordingly.
The third distinctive rule of pure reason when subjected to a discipline regarding transcendental proofs is that its proofs must never be apagogic, but always ostensive. In every kind of cognition, a direct or ostensive proof combines conviction of the truth with insight into its sources. An apagogic proof, by contrast, can indeed produce certainty, but not comprehension of truth in its coherence with the grounds of its possibility.
B 818 The latter are therefore more an emergency expedient than a procedure satisfying all reason’s aims. Yet they have an advantage in evidence over direct proofs: contradiction always carries greater clarity in representation than the best connection does, and thereby comes closer to the intuitive character of a demonstration.
The actual cause for using apagogic proofs in various sciences is probably this. If the grounds from which a certain cognition is to be derived are too manifold or too deeply concealed, we try to reach it through its consequences. Now the modus ponens of inferring the truth of a cognition from the truth of its consequences would be permissible only if all possible consequences of it were true. For then only a single ground would be possible for them, which would therefore also be the true one. But this procedure is impracticable, because understanding all possible consequences of any assumed proposition exceeds our powers. Yet we employ this manner of inference, admittedly with a certain indulgence, when we seek to prove something merely as a hypothesis. We allow the inference by analogy that, if as many consequences as we have ever tested agree well with an assumed ground, all the other possible ones will agree with it too.
B 819 For this reason, a hypothesis can never be transformed into demonstrated truth along this path. The modus tollens of the inferences of reason that conclude from consequences to grounds proves not only with complete rigor but also with extraordinary ease. For if even a single false consequence can be drawn from a proposition, that proposition is false. Instead of running through the whole series of grounds in an ostensive proof, which can lead to the truth of a cognition through complete insight into its possibility, we need only find a single false consequence flowing from its opposite. That opposite is then also false, and thus the cognition we had to prove is true.
But the apagogic mode of proof can be permitted only in sciences where it is impossible to substitute the subjective element of our representations for the objective, namely for cognition of what belongs to the object. Where such substitution prevails, however, it must frequently happen that the opposite of a certain proposition contradicts merely the subjective conditions of thinking, not the object; or that both propositions contradict one another only under a subjective condition falsely taken as objective. Since the condition is false, both can then be false, without our being able to infer the truth of one from the falsity of the other.
B 820 In mathematics this subreption is impossible; such proofs therefore have their proper place there. In natural science, since everything rests on empirical intuitions, this illicit substitution can usually be prevented through many compared observations; yet this mode of proof is mostly of little importance there. But the transcendental attempts of pure reason are all undertaken within the very medium of dialectical illusion, that is, the subjective, which presents or even forces itself upon reason in its premises as objective. Here, then, with regard to synthetic propositions, we cannot be permitted to justify our assertions by refuting their opposite. For either this refutation merely presents the conflict of the opposed opinion with the subjective conditions of comprehensibility through our reason, which does nothing to warrant rejecting the thing itself (just as, for example, unconditioned necessity in the existence of a being cannot be comprehended by us at all, and therefore subjectively opposes, rightly, every speculative proof of a necessary highest being, but wrongly opposes the possibility of such an original being in itself). Or both the affirming and the denying party, deceived by transcendental illusion, take an impossible concept of the object as their basis.
B 821 The rule then holds: non entis nulla sunt praedicata, that is, both what is affirmed and what is denied of the object are incorrect, and we cannot arrive at cognition of the truth apagogically through refutation of the opposite. For example, if the sensible world is presupposed as given in itself in its totality, it is false that it must be either spatially infinite or finite and bounded, because both are false. For appearances (as mere representations) that were nevertheless given in themselves (as objects) are something impossible. The infinity of this imagined whole would admittedly be unconditioned, but would conflict (since everything in appearances is conditioned) with the unconditioned determination of magnitude nevertheless presupposed in the concept.
The apagogic mode of proof is also the very delusion with which admirers of our dogmatic reasoners’ thoroughness have always been put off. It is, as it were, the champion who seeks to prove the honor and indisputable right of his chosen party by undertaking to fight anyone who doubts it. Yet by such boasting nothing is settled about the matter itself, but only the relative strength of the opponents, and even this only on the side of the one who takes the attacking part.
B 822 Seeing that each in his turn is now victorious, now defeated, spectators often take occasion to doubt skeptically the very object of the dispute. But they have no grounds for this; it is enough to call out to them: non defensoribus istis tempus eget. Each must conduct his case through a lawful proof furnished by transcendental deduction of the grounds of proof, that is, directly, so that we may see what his rational claims can offer on their own behalf. For if his opponent rests on subjective grounds, he is certainly easy to refute, but without advantage to the dogmatist, who commonly adheres just as much to subjective causes of judgment and can likewise be driven into a corner by his opponent. If both parties proceed only directly, however, they will either themselves notice the difficulty, indeed impossibility, of finding a title for their assertions and finally be able to appeal only to prescription; or critique will easily discover the dogmatic illusion and compel pure reason to abandon its excessive pretensions in speculative use and retreat within the boundaries of its own proper ground, namely practical principles.
B 823 Transcendental Doctrine of Method Chapter Two The Canon of Pure Reason
It is humiliating for human reason that it accomplishes nothing in its pure use and even needs a discipline to curb its excesses and prevent the delusions arising from them. Yet on the other hand it is elevated again and given confidence in itself by being able and obliged to exercise this discipline itself, without permitting another censure above it, and likewise by the fact that the boundaries it is forced to set to its speculative use also restrict every opponent’s sophistical pretensions and can therefore secure against all attacks whatever remains of its formerly excessive demands. The greatest and perhaps only benefit of all philosophy of pure reason is thus probably only negative; since it serves, namely, not as an organon for extension but as a discipline for determining boundaries, and instead of discovering truth has only the quiet merit of preventing errors.
Yet somewhere there must be a source of positive cognitions belonging to the domain of pure reason, which perhaps occasion errors only through misunderstanding, but in fact constitute the goal of reason’s zeal.
B 824 For to what other cause could we ascribe the irrepressible desire to gain a firm foothold somewhere entirely beyond the boundary of experience? Reason anticipates objects of great interest to it. It takes the path of mere speculation to approach them, but they flee before it. Better fortune may presumably be hoped for on the only path still open to it, that of practical use.
By a canon I understand the sum of principles a priori for the correct use of certain cognitive faculties in general. Thus general logic in its analytic part is a canon for understanding and reason in general, but only as to form, since it abstracts from all content. Thus the Transcendental Analytic was the canon of the pure understanding, for this alone is capable of true synthetic cognitions a priori. But where no correct use of a cognitive power is possible, there is no canon. Now, according to all the proofs conducted so far, every synthetic cognition of pure reason in its speculative use is entirely impossible. There is therefore no canon at all of its speculative use (for this is thoroughly dialectical), but all transcendental logic in this respect is nothing but discipline.
B 825 Consequently, if there is any correct use of pure reason, in which case it must also have a canon, this will concern not speculative but practical use of reason, which we shall now investigate.
The Canon of Pure Reason Section One On the Ultimate End of the Pure Use of Our Reason
A tendency of its nature drives reason beyond its use in experience, to venture in a pure use, through mere ideas, to the furthest boundaries of all cognition, and to find rest only in the completion of its circle, in a self-subsistent systematic whole. Is this striving grounded merely in its speculative interest, or rather solely in its practical interest?
I shall now set aside the success of pure reason in its speculative aim and ask only about the problems whose solution constitutes its ultimate end, whether it attains that end or not, and in relation to which all the others have merely the value of means.
B 826 According to reason’s nature, these highest ends must in turn possess unity, so as jointly to further that interest of humanity which is subordinate to no higher one.
The final aim toward which reason’s speculation in its transcendental use ultimately runs concerns three objects: freedom of the will, immortality of the soul, and the existence of God. Regarding all three, reason’s merely speculative interest is very slight. For its sake, the exhausting labor of transcendental inquiry, struggling with unceasing obstacles, would scarcely be undertaken, because no use could be made of any discoveries about these matters that would prove beneficial in concreto, that is, in the investigation of nature. Even if the will is free, this can concern only the intelligible cause of our willing. For as regards the phenomena in which it manifests itself, that is, its actions, an inviolable fundamental maxim, without which we cannot exercise reason in empirical use, requires us always to explain them just like all other appearances of nature, according to its unchangeable laws. Second, even if the spiritual nature of the soul (and with it its immortality) could be understood, we could rely on this neither as a ground for explaining the appearances of this life nor for determining the particular constitution of a future state.
B 827 For our concept of an incorporeal nature is merely negative; it does not extend our cognition in the least or offer any suitable material for inferences except perhaps such as can count only as inventions, which philosophy does not permit. Third, even if the existence of a highest intelligence were proved, we would indeed thereby make the purposiveness in the world’s arrangement and order generally comprehensible, but would be in no way entitled to derive any particular arrangement or order from it, or boldly infer such an order where it is not perceived. For a necessary rule of reason’s speculative use forbids bypassing natural causes and abandoning what experience can teach us in order to derive something we know from what entirely surpasses all our knowledge. In a word, these three propositions always remain transcendent for speculative reason. They have no immanent use, that is, no use permissible for objects of experience and thus useful to us in any way; considered in themselves, they are entirely idle and, moreover, extremely difficult exertions of our reason.
These three cardinal propositions are not at all necessary for our knowledge, and yet our reason urgently recommends them to us.
B 828 Their importance must therefore properly concern only the practical.
Everything possible through freedom is practical. But if the conditions for exercising our free power of choice are empirical, reason can have only a regulative use here, serving merely to bring about unity of empirical laws. In the doctrine of prudence, for example, reason’s whole task is to unite all ends assigned to us by our inclinations into the single end of happiness and bring into agreement the means of attaining it. For this reason it can supply only pragmatic laws of free conduct for attaining the ends recommended to us by the senses, not pure laws determined entirely a priori. Pure practical laws, by contrast, whose end is given by reason entirely a priori, and which command absolutely rather than under empirical conditions, would be products of pure reason. Moral laws are of this kind; they alone, therefore, belong to the practical use of pure reason and permit a canon.
Thus the entire preparation of reason in the undertaking we may call pure philosophy is in fact directed solely toward the three problems mentioned. These themselves, however, have a further aim: what is to be done if the will is free, if there is a God and a future world.
B 829 Since this concerns our conduct in relation to the highest end, the ultimate intention of nature, which wisely provides for us, in the arrangement of our reason is properly directed only toward the moral.
Caution is needed, however, now that we turn our attention to an object foreign* to transcendental philosophy, lest we stray into digressions and violate the system’s unity; on the other hand, we must also avoid saying so little about our new material that clarity or conviction suffers. I hope to accomplish both by staying as close as possible to the transcendental and setting aside entirely whatever here might be psychological, that is, empirical.
* All practical concepts relate to objects of liking or disliking, that is, of pleasure or displeasure, and thus at least indirectly to objects of our feeling. But feeling is no power of representing things; it lies outside our entire cognitive power. Hence the elements of our judgments insofar as they relate to pleasure or displeasure, and thus of practical judgments, do not belong to the sum of transcendental philosophy, which is concerned solely with pure cognitions a priori.
We must first note, then, that for the present I shall employ the concept of freedom only in its practical sense.
B 830 Freedom in its transcendental meaning, which cannot be empirically presupposed as a ground for explaining appearances but is itself a problem for reason, I set aside here as dealt with above. A power of choice is merely animal (arbitrium brutum) if it can be determined only through sensible impulses, that is, pathologically. But a power of choice that can be determined independently of sensible impulses, and thus by motives represented only by reason, is called the free power of choice (arbitrium liberum); everything connected with it, whether as ground or consequence, is called practical. Practical freedom can be proved through experience. For the human power of choice is determined not merely by what stimulates, that is, immediately affects the senses. We have a power to overcome impressions on our sensible faculty of desire through representations of what is useful or harmful even in a more remote way. But these reflections on what is desirable, that is, good and useful, with regard to our whole condition rest on reason. Reason therefore also gives laws that are imperatives, that is, objective laws of freedom, which say what ought to happen, although perhaps it never does happen. In this they differ from laws of nature, which deal only with what happens; hence they are also called practical laws.
B 831 But whether reason itself, in these acts through which it prescribes laws, is not in turn determined by other influences, and whether what is called freedom with regard to sensible impulses might not in turn be nature with regard to higher and more remote efficient causes, does not concern us in the practical sphere, where we initially ask reason only for a prescription of conduct. It is a merely speculative question, which we can set aside so long as our intention is directed toward action or inaction. We therefore cognize practical freedom through experience as one of the natural causes, namely a causality of reason in determining the will. Transcendental freedom, by contrast, requires this reason itself to be independent (with regard to its causality of beginning a series of appearances) of all determining causes of the sensible world. To that extent it seems contrary to the law of nature, and thus to all possible experience, and therefore remains a problem. But this problem does not belong before reason in its practical use. In a canon of pure reason, then, we are concerned only with two questions involving pure reason’s practical interest, regarding which a canon of its use must be possible: Is there a God? Is there a future life? The question of transcendental freedom concerns speculative knowledge alone.
B 832 We can set it aside as entirely indifferent when the practical is at issue, and a sufficient discussion of it is already to be found in the Antinomy of Pure Reason.
The Canon of Pure Reason Section Two On the Ideal of the Highest Good as a Determining Ground of the Ultimate End of Pure Reason
In its speculative use, reason led us through the field of experiences and, because it can never find complete satisfaction there, onward to speculative ideas. These, however, ultimately led us back to experience, thus fulfilling reason’s intention in a useful way, but one entirely at odds with our expectation. One attempt remains: to see whether pure reason is also to be found in practical use; whether in this use it leads to the ideas that attain the highest ends of pure reason just cited; and whether, from the standpoint of its practical interest, it thus could not grant what it entirely refuses us with regard to its speculative interest.
Every interest of my reason (the speculative as well as the practical) unites in the following three questions:
1 B 833 What can I know?2. What ought I to do?3. What may I hope?
The first question is merely speculative. We have (as I flatter myself) exhausted all possible answers to it and finally found the one with which reason must indeed be satisfied and, if it does not look to the practical, also has grounds to be content. But we have remained just as far from the two great ends toward which this whole striving of pure reason was properly directed as if, for our own comfort, we had refused this labor from the outset. Thus, where knowledge is concerned, at least this much is certain and settled: with regard to those two problems, we can never attain it.
The second question is merely practical. As such it can indeed belong to pure reason, but it is then not transcendental but moral, and thus cannot in itself occupy our critique.
The third question—if I now do what I ought, what may I then hope?—is at once practical and theoretical. The practical serves merely as a guiding thread for answering the theoretical and, when pursued far, speculative question. For all hope concerns happiness, and in relation to the practical and the moral law it is precisely what knowledge and the law of nature are in relation to theoretical cognition of things.
B 834 The former ultimately issues in the inference that something is (which determines the ultimate possible end) because something ought to happen; the latter, that something is (which acts as the highest cause) because something happens.
Happiness is the satisfaction of all our inclinations (extensively in their manifoldness, intensively in their degree, and protensively in their duration). I call a practical law motivated by happiness pragmatic (rule of prudence); but a law, if there is such a law, whose motive is nothing but worthiness to be happy, I call moral (moral law). The first advises what to do if we want to attain happiness; the second commands how we ought to conduct ourselves merely to become worthy of happiness. The first rests on empirical principles, for only through experience can I know either what inclinations seek satisfaction or what natural causes can bring about their satisfaction. The second abstracts from inclinations and the natural means of satisfying them, considering only the freedom of a rational being in general and the necessary conditions under which alone it accords with the distribution of happiness according to principles. It can therefore at least rest on mere ideas of pure reason and be cognized a priori.
B 835 I assume that there actually are pure moral laws determining entirely a priori (without regard to empirical motives, that is, happiness) what a rational being in general does or refrains from doing, that is, its use of freedom; and that these laws command absolutely (not merely hypothetically on the presupposition of other empirical ends), and are thus necessary in every respect. I can rightly presuppose this proposition by appealing not only to the proofs of the most enlightened moralists, but to every human being’s moral judgment, if he wishes to think such a law distinctly.
Pure reason therefore contains, though not in its speculative use, in a certain practical use, namely the moral, principles of the possibility of experience: of actions that might be found in human history in accordance with moral precepts. For since it commands that such actions ought to happen, they must also be able to happen. A particular kind of systematic unity, the moral, must therefore be possible. By contrast, systematic unity of nature could not be proved according to speculative principles of reason, because reason has causality with regard to freedom in general, but not with regard to the whole of nature; moral principles of reason can produce free actions, but not laws of nature.
B 836 Accordingly, the principles of pure reason in its practical, specifically moral, use have objective reality.
I call the world, insofar as it would conform to all moral laws (as indeed it can be, according to the freedom of rational beings, and, according to the necessary laws of morality, ought to be), a moral world. To this extent it is thought merely as an intelligible world, because in it we abstract from all conditions (ends) and even from all obstacles to morality (weakness or impurity of human nature). To this extent it is thus a mere but nevertheless practical idea, which really can and ought to influence the sensible world so as to make it conform to this idea as far as possible. The idea of a moral world therefore has objective reality, not as relating to an object of an intelligible intuition (of which kind we cannot think at all), but to the sensible world as an object of pure reason in its practical use, and to a corpus mysticum of rational beings in it, insofar as their free choice under moral laws has thoroughgoing systematic unity both with itself and with the freedom of everyone else.
That answered the first of the two questions of pure reason concerning its practical interest: do what makes you worthy to be happy.
B 837 The second now asks: if I conduct myself so as not to be unworthy of happiness, may I also hope thereby to attain it? The answer depends on whether the principles of pure reason that prescribe the law a priori also necessarily connect this hope with it.
I therefore say: just as moral principles are necessary according to reason in its practical use, it is equally necessary according to reason in its theoretical use to assume that everyone has grounds to hope for happiness in the same measure as he has made himself worthy of it in his conduct, and that thus the system of morality is inseparably, but only in the idea of pure reason, combined with that of happiness.
Now in an intelligible, that is, moral world, in whose concept we abstract from all obstacles to morality (the inclinations), such a system of happiness proportioned to and combined with morality can also be thought as necessary. For freedom, partly moved and partly restricted by moral laws, would itself be the cause of universal happiness. Rational beings themselves, guided by such principles, would thus be authors of their own enduring welfare and that of others.
B 838 But this system of self-rewarding morality is only an idea whose execution rests on the condition that everyone does what he ought: that all actions of rational beings occur as if they sprang from one highest will encompassing every private choice within or under itself. Yet obligation under the moral law remains valid for each particular use of freedom even if others do not conform to this law. Neither the nature of things in the world nor the causality of the actions themselves and their relation to morality therefore determines how their consequences will relate to happiness. The necessary connection mentioned between the hope of being happy and the unceasing effort to make oneself worthy of happiness cannot be cognized by reason if nature alone is laid down as the basis. It may be hoped for only if a highest reason commanding according to moral laws is also laid down as the cause of nature.
I call the idea of such an intelligence—in which the morally most perfect will, combined with the highest blessedness, is the cause of all happiness in the world insofar as this stands in exact proportion to morality (as worthiness to be happy)—the ideal of the highest good. Thus only in the ideal of the highest original good can pure reason find the ground of the practically necessary connection of both elements of the highest derived good, namely an intelligible, that is, moral world.
B 839 Now, since we must necessarily represent ourselves through reason as belonging to such a world, although the senses exhibit nothing to us but a world of appearances, and since this sensible world does not present such a connection to us, we must therefore assume the moral world as a consequence of our conduct in the sensible world, as a world future for us. God and a future life are thus two presuppositions inseparable, according to principles of that same reason, from the obligation pure reason imposes on us.
Morality in itself constitutes a system, but happiness does not, except insofar as it is distributed in exact conformity with morality. This, however, is possible only in the intelligible world under a wise author and ruler. Reason finds itself compelled to assume such a being, together with life in such a world, which we must regard as future, or else to regard moral laws as empty fantasies. For without that presupposition their necessary consequence, which the same reason connects with them, would have to disappear. Hence everyone also regards moral laws as commands. But they could not be commands unless they connected appropriate consequences a priori with their rule, and thus carried promises and threats with them.
B 840 Nor can they do this unless they lie in a necessary being as the highest good, which alone can make such purposive unity possible.
Leibniz called the world, insofar as we attend in it only to rational beings and their coherence according to moral laws under the government of the highest good, the kingdom of grace. He distinguished it from the kingdom of nature, where rational beings indeed stand under moral laws but expect no consequences of their conduct other than those following the course of nature in our sensible world. To see ourselves in the kingdom of grace, where all happiness awaits us except insofar as we ourselves restrict our share through unworthiness to be happy, is therefore a practically necessary idea of reason.
Practical laws, insofar as they also become subjective grounds of actions, that is, subjective principles, are called maxims. We judge morality in its purity and consequences according to ideas; we follow its laws according to maxims.
Our entire conduct of life must necessarily be subordinated to moral maxims. Yet it is at the same time impossible for this to happen unless reason connects with the moral law, which is a mere idea, an efficient cause determining for conduct according to that law an outcome exactly corresponding to our highest ends, whether in this life or another.
B 841 Thus without a God and a world presently invisible to us but hoped for, the glorious ideas of morality are indeed objects of approval and admiration, but not incentives to resolution and practice. For they do not fulfill the entire end that is natural to every rational being and is determined a priori and made necessary by that very same pure reason.
Happiness alone is far from being the complete good for our reason. Reason does not approve it (however much inclination may desire it) unless it is united with worthiness to be happy, that is, moral good conduct. Yet morality alone, and with it mere worthiness to be happy, is also far from being the complete good. To complete it, someone whose conduct has not been unworthy of happiness must be able to hope to attain it. Even reason free of every private aim, if it put itself without considering any interest of its own in the place of a being required to distribute all happiness to others, could judge no differently. For in the practical idea both elements are essentially combined, though in such a way that moral disposition, as the condition, first makes a share in happiness possible, not, conversely, the prospect of happiness the moral disposition.
B 842 In the latter case the disposition would not be moral and thus would not be worthy of complete happiness, which before reason recognizes no restriction except that arising from our own immoral conduct.
Thus happiness in exact proportion to the morality of rational beings, through which they are worthy of it, alone constitutes the highest good of a world into which we must absolutely place ourselves according to the precepts of pure but practical reason. This is admittedly only an intelligible world, since the sensible world promises us no such systematic unity of ends from the nature of things. Its reality can be grounded on nothing but the presupposition of a highest original good, in which self-subsistent reason, equipped with all the sufficiency of a highest cause, establishes, preserves, and carries out, according to the most perfect purposiveness, the universal order of things, though this order is deeply concealed from us in the sensible world.
This moral theology has a distinctive advantage over speculative theology: it inevitably leads to the concept of a single, most perfect, rational original being, toward which speculative theology does not even point us on objective grounds, much less could it convince us of it. For neither in transcendental nor in natural theology, however far reason may lead us there, do we find any substantial ground for assuming only a single being.
B 843 It would be a being that we set above all natural causes, and on which we would have sufficient reason to make them depend in every respect. By contrast, if from the standpoint of moral unity as a necessary law of the world we consider the cause that alone can give it the appropriate effect, and thus binding force for us, this must be a single highest will encompassing all these laws. For how could we find perfect unity of ends among different wills? This will must be almighty, so that all nature and its relation to morality in the world may be subject to it; omniscient, so that it may cognize the innermost dispositions and their moral worth; omnipresent, so that it may be immediately close to every need required by the highest good of the world; eternal, so that at no time may this agreement of nature and freedom fail; and so on.
But this systematic unity of ends in this world of intelligences—which as mere nature is only a sensible world, but as a system of freedom can be called an intelligible, that is, moral world (regnum gratiae)—inevitably also leads to the purposive unity of all things making up this great whole according to universal laws of nature, just as the former does according to universal and necessary moral laws, and unites practical with speculative reason.
B 844 The world must be represented as having sprung from an idea if it is to agree with that use of reason without which we would regard ourselves as unworthy of reason itself: the moral use, which rests entirely on the idea of the highest good. All investigation of nature thereby receives a direction according to the form of a system of ends, and in its greatest extension becomes physicotheology. Yet because this began from moral order as a unity grounded in the essence of freedom, not contingently established through external commands, it traces nature’s purposiveness to grounds that must be inseparably connected a priori with the inner possibility of things. It thereby leads to a transcendental theology that takes the ideal of the highest ontological perfection as a principle of systematic unity, connecting all things according to universal and necessary laws of nature, because all originate in the absolute necessity of one single original being.
What use can we make of our understanding, even with regard to experience, unless we set ourselves ends? But the highest ends are those of morality, and only pure reason can make these known to us. Equipped with them and guided by them, we can make no purposive use of the knowledge of nature itself with regard to cognition unless nature has itself placed purposive unity there.
B 845 Without this we would not even possess reason, since we would have no school for it and no cultivation through objects offering material for such concepts. But the former purposive unity is necessary and grounded in the essence of the power of choice itself. The latter, therefore, which contains the condition for applying the former in concreto, must be necessary too. Thus the transcendental elevation of our rational cognition would be not the cause but merely the effect of the practical purposiveness pure reason imposes on us.
We therefore also find in the history of human reason that, before moral concepts had been sufficiently purified and determined, and the systematic unity of ends according to them had been understood from necessary principles, knowledge of nature and even a considerable degree of reason’s cultivation in other sciences could produce only crude and wandering concepts of the deity, or else left behind a remarkable indifference to the question altogether. A fuller development of moral ideas, made necessary by the supremely pure moral law of our religion, sharpened reason’s attention to the object through the interest it compelled reason to take in it. Neither extended knowledge of nature nor correct and reliable transcendental insights (of which kind have at all times been lacking) contributed to this.
B 846 Yet these ideas produced a concept of the divine being that we now regard as correct—not because speculative reason convinces us of its correctness, but because it agrees perfectly with moral principles of reason. Thus, in the end, pure reason alone, but only in its practical use, always deserves the credit for connecting with our highest interest a cognition that mere speculation can only suppose, not establish, thereby making it not a demonstrated dogma but an absolutely necessary presupposition for reason’s most essential ends.
But once practical reason has reached this high point, the concept of a single original being as the highest good, it must not presume to start from this concept and derive the moral laws themselves from it, as though it had risen above all empirical conditions of its application and soared to immediate knowledge of new objects. For it was precisely these laws whose inner practical necessity led us to presuppose a self-subsistent cause or wise ruler of the world in order to give them effect. We cannot therefore in turn, according to this, regard them as contingent and derived from mere will, especially a will of which we would have no concept at all had we not formed it in accordance with those laws.
B 847 As far as practical reason has the right to lead us, we shall regard actions as obligatory not because they are God’s commands, but as divine commands because we are inwardly bound to them. We shall study freedom under purposive unity according to principles of reason, and believe ourselves in conformity with the divine will only insofar as we hold sacred the moral law that reason teaches us from the nature of the actions themselves. We shall believe that we serve him solely by promoting the good of the world in ourselves and others. Moral theology therefore has only an immanent use: to fulfill our vocation here in the world by fitting into the system of all ends, and not fanatically or even impiously to abandon the guiding thread of morally legislative reason in good conduct in order to connect it immediately with the idea of the highest being. That would be a transcendent use which, like the use of mere speculation, must distort and frustrate reason’s ultimate ends.
B 848 The Canon of Pure Reason Section Three On Opinion, Knowledge, and Faith
Holding something true is an occurrence in our understanding that may rest on objective grounds, but also requires subjective causes in the mind of the person judging. If it is valid for everyone so long as he has reason, its ground is objectively sufficient, and holding true is then called conviction. If its ground lies only in the subject’s particular constitution, it is called persuasion.
Persuasion is a mere illusion, because the ground of the judgment, lying solely in the subject, is taken as objective. Such a judgment therefore also has only private validity, and the holding true cannot be communicated. Truth, however, rests on agreement with the object, with regard to which the judgments of every understanding must consequently agree (consentientia uni tertio, consentiunt inter se). The outward touchstone of holding true, whether it is conviction or mere persuasion, is therefore the possibility of communicating it and finding it valid for every human being’s reason.
B 849 For then we at least presume that the ground of agreement among all judgments, despite the differences among subjects, will rest on their common ground, the object, with which they therefore all agree, thereby proving the judgment’s truth.
Persuasion cannot, then, be distinguished subjectively from conviction if the subject regards his holding true merely as an appearance of his own mind. But testing its grounds, valid for us, on the understanding of others, to see whether they have precisely the same effect on another’s reason as on ours, is nevertheless a means, though only subjective, not of producing conviction but of discovering the judgment’s merely private validity, that is, something in it that is mere persuasion.
If, moreover, we can unfold the subjective causes of the judgment that we take for its objective grounds, and thus explain the deceptive holding true as an occurrence in our mind without needing the object’s constitution, we expose the illusion and are no longer deceived by it, though still tempted to a degree if the subjective cause of the illusion is inherent in our nature.
I can assert nothing—that is, pronounce it as a judgment necessarily valid for everyone—except what produces conviction.
B 850 I may keep persuasion to myself if I feel comfortable with it, but I cannot and ought not seek to make it valid beyond myself.
Holding true, or the subjective validity of judgment, has the following three degrees in relation to conviction (which is at the same time objectively valid): opinion, faith, and knowledge. Opinion is holding true with consciousness of its subjective as well as objective insufficiency. If holding true is only subjectively sufficient and is at the same time regarded as objectively insufficient, it is called faith. Finally, holding true that is both subjectively and objectively sufficient is called knowledge. Subjective sufficiency is called conviction (for myself); objective sufficiency, certainty (for everyone). I shall not linger over the elucidation of such readily comprehensible concepts.
I must never venture to opine without knowing at least something through which the judgment, in itself merely problematic, acquires a connection with truth that, though incomplete, is more than an arbitrary invention. The law of such a connection must, moreover, be certain. For if regarding it too I have nothing but opinion, everything is merely a play of imagination without the slightest relation to truth. In judgments from pure reason, opining is not permissible at all.
B 851 For they are not supported by grounds of experience, but everything is to be cognized a priori, where everything is necessary. The principle of connection therefore requires universality and necessity, and thus complete certainty; otherwise no guidance toward truth is found at all. It is therefore absurd to opine in pure mathematics: we must know or refrain from all judgment. The same holds of moral principles, where we may not risk an action on the mere opinion that it is permissible, but must know this.
In reason’s transcendental use, by contrast, opinion is admittedly too little, but knowledge is also too much. In a merely speculative respect we can therefore make no judgment here at all. For subjective grounds of holding true, such as those capable of producing faith, deserve no assent in speculative questions, since they cannot sustain themselves free of all empirical assistance or be communicated equally to others.
But holding true that is theoretically insufficient can be called faith only in a practical relation. This practical aim concerns either skill or morality: the first for freely chosen and contingent ends, the second for absolutely necessary ends.
Once an end is set, the conditions of attaining it are hypothetically necessary.
B 852 This necessity is subjectively but only comparatively sufficient if I know no other conditions under which the end could be attained. It is absolutely sufficient and sufficient for everyone if I know with certainty that no one can know other conditions leading to the end set. In the first case my presupposition and holding true of certain conditions is merely contingent faith; in the second, necessary faith. A physician must do something for a patient in danger, but does not know the illness. He considers the appearances and, knowing nothing better, judges it to be consumption. Even in his own judgment his faith is merely contingent; another might perhaps hit upon something better. I call such contingent faith, which nevertheless underlies the actual use of means for certain actions, pragmatic faith.
The usual touchstone of whether what someone asserts is mere persuasion or at least subjective conviction, that is, firm faith, is a wager. Someone often pronounces his propositions with such confident and unbending defiance that he seems to have entirely cast off all fear of error. A wager gives him pause. Sometimes it turns out that he possesses enough persuasion to be valued at one ducat, but not at ten.
B 853 He will still risk the first, but at ten he first becomes aware of what he had not noticed before: that he might after all be mistaken. If we imagine having to stake the happiness of our entire life on something, our triumphant judgment dwindles greatly; we become extremely timid and only then discover that our faith does not reach so far. Pragmatic faith thus has only a degree, which may be great or small according to the different interest at stake.
But although we can undertake nothing in relation to an object, so that holding it true is merely theoretical, in many cases we can nevertheless conceive and imagine an undertaking for which we believe we have sufficient grounds, if there were a means of establishing the matter’s certainty. Thus in merely theoretical judgments there is an analogue of practical judgments to whose holding true the word faith applies, and which we can call doctrinal faith. If it were possible to settle the matter through some experience, I would readily wager all I possess that at least one of the planets we see has inhabitants. Hence I say that it is not mere opinion but a strong faith (on whose correctness I would already risk many advantages of life) that there are also inhabitants of other worlds.
B 854 Now we must admit that the doctrine of God’s existence belongs to doctrinal faith. For although in theoretical knowledge of the world I have nothing at my disposal that necessarily presupposes this thought as a condition of my explanations of the world’s appearances—rather, I am bound to use my reason as if everything were mere nature—purposive unity is nevertheless so great a condition of applying reason to nature that, since experience also abundantly offers examples of it, I cannot disregard it. But I know no other condition for this unity that would make it a guiding thread for investigating nature than to presuppose that a highest intelligence has ordered everything thus according to the wisest ends. Consequently, presupposing a wise author of the world is a condition of an aim that, though contingent, is not insignificant: having guidance in investigating nature. The outcome of my attempts so often confirms the usefulness of this presupposition, and nothing decisive can be brought against it, that I say far too little if I call my holding true a mere opinion. Even in this theoretical relation, I can say that I firmly believe in a God. Yet this faith is still not practical in the strict sense, but must be called doctrinal faith, which the theology of nature (physicotheology) must necessarily produce everywhere.
B 855 In view of this same wisdom, considering the excellent endowment of human nature and the brevity of life so ill suited to it, we can likewise find sufficient ground for doctrinal faith in a future life of the human soul.
In such cases, the expression of faith is an expression of modesty in an objective respect, but at the same time of firmness of confidence in a subjective one. If I were to call this merely theoretical holding true even a hypothesis I was entitled to assume, I would already be pledging myself to possess more of a concept of the constitution of a world-cause and another world than I can actually show. For even of what I assume only as a hypothesis, I must know at least enough of its properties to be permitted to invent not its concept but only its existence. The word faith, however, refers only to the guidance an idea gives me and its subjective influence in furthering my reason’s activity, which keeps me attached to it although I cannot account for it in a speculative respect.
But merely doctrinal faith has something unstable about it.
B 856 Difficulties encountered in speculation often unsettle it, although we invariably return to it again.
Moral faith is entirely different. Here something must happen with absolute necessity: I must follow the moral law in every respect. The end is inescapably fixed, and according to all my insight only one condition is possible under which this end coheres with all ends together and thereby has practical validity: that there is a God and a future world. I also know with complete certainty that no one knows other conditions leading to the same unity of ends under the moral law. Since the moral precept is thus also my maxim (as indeed reason commands that it ought to be), I shall inevitably believe in the existence of God and a future life. I am certain that nothing could shake this faith, because my moral principles themselves would thereby be overthrown, and I cannot renounce them without becoming detestable in my own eyes.
In this way, after all the ambitious aims of a reason roaming beyond the boundaries of all experience have been frustrated, enough remains to give us grounds for satisfaction in a practical respect. Admittedly, no one can boast that he knows there is a God and a future life.
B 857 For if he knows this, he is precisely the man I have long sought. All knowledge (if it concerns an object of mere reason) can be communicated, and I could therefore hope through his instruction to see my knowledge extended to so admirable a degree. No: the conviction is not logical but moral certainty. Since it rests on subjective grounds (of the moral disposition), I must not even say, “It is morally certain that there is a God,” and so on, but rather, “I am morally certain,” and so on. That is, faith in a God and another world is so interwoven with my moral disposition that, just as I run no danger of losing the latter, I have equally little fear that the former could ever be torn from me.
The only reservation here is that this rational faith rests on the presupposition of moral dispositions. If we depart from this and consider someone entirely indifferent to moral laws, the question reason raises becomes merely a problem for speculation. It can then still be supported by strong grounds from analogy, but not by grounds to which the most stubborn doubt would have to yield*. Yet no human being is free of all interest in these questions.
B 858 For although a lack of good dispositions might separate him from the moral interest, even then enough remains to make him fear a divine existence and a future. For this requires nothing more than that he at least cannot claim certainty that no such being and no future life are to be found. Since this would have to be proved through mere reason, and thus apodictically, he would have to establish the impossibility of both, something no rational person can undertake. This would be a negative faith which, though it could produce neither morality nor good dispositions, could nevertheless produce their analogue: powerfully restraining the outbreak of evil dispositions.
* The human mind takes (as I believe necessarily happens with every rational being) a natural interest in morality, although this interest is neither undivided nor practically predominant. Strengthen and enlarge this interest, and you will find reason very teachable, and even more enlightened, in uniting its speculative with its practical interest. But unless you first take care to make people good, at least halfway, you will never make sincerely believing people of them either!
But is that all, someone will say, that pure reason accomplishes by opening prospects beyond the boundaries of experience—nothing more than two articles of faith?
B 859 Common understanding could surely have accomplished as much without consulting philosophers!
I shall not extol here philosophy’s service to human reason through the laborious striving of its critique, even if the outcome should prove merely negative; something more will be said of that in the following section. But do you demand that a cognition concerning all human beings should exceed common understanding and be discovered for you only by philosophers? Precisely what you criticize is the best confirmation of the correctness of the foregoing assertions. It reveals what could not have been foreseen at the outset: that in matters concerning all human beings without distinction, nature cannot be accused of distributing its gifts partially, and that, regarding the essential ends of human nature, the highest philosophy can get no further than the guidance nature has also granted the most ordinary understanding.
B 860 Transcendental Doctrine of Method Chapter Three The Architectonic of Pure Reason
By an architectonic I understand the art of systems. Since systematic unity is what first makes ordinary cognition into science, that is, turns a mere aggregate of cognitions into a system, architectonic is the doctrine of the scientific in our cognition in general, and therefore necessarily belongs to the doctrine of method.
Under reason’s government, our cognitions in general must not constitute a rhapsody but a system, in which alone they can support and further reason’s essential ends. By a system I understand the unity of manifold cognitions under an idea. This is reason’s concept of the form of a whole, insofar as through it both the extent of the manifold and the position of the parts relative to one another are determined a priori. The scientific concept of reason thus contains the end and the form of the whole congruent with it. The unity of the end, to which all parts relate, and in its idea also to one another, makes it possible to notice the absence of any part when the others are known.
B 861 It excludes any accidental addition or indeterminate magnitude of perfection without boundaries determined a priori. The whole is thus articulated (articulatio) and not heaped together (coacervatio). It can indeed grow inwardly (per intus susceptionem), but not outwardly (per appositionem), like an animal body whose growth adds no member but makes each stronger and more capable for its ends without changing the proportions.
To be carried out, the idea needs a schema: an essential manifold and order of parts determined a priori from the principle of the end. A schema devised not according to an idea, that is, from reason’s principal end, but empirically according to aims that happen to present themselves (whose number cannot be known in advance), yields technical unity. A schema arising only in accordance with an idea (where reason prescribes the ends a priori instead of awaiting them empirically) grounds architectonic unity. What we call science can arise not technically, because of the similarity of the manifold or the contingent use of cognition in concreto for various freely chosen external ends, but architectonically, because of kinship and derivation from a single highest and inner end that first makes the whole possible.
B 862 Its schema must contain the outline (monogramma) and the division of the whole into members in accordance with the idea, that is, a priori, and must distinguish this whole securely and according to principles from every other.
No one attempts to establish a science without an underlying idea. But in working it out, the schema, and even the definition he gives of his science at the outset, very rarely corresponds to his idea. For the idea lies like a seed in reason, in which all the parts lie hidden, still tightly enfolded and scarcely recognizable even under microscopic observation. Since all sciences are devised from the standpoint of a certain general interest, we must therefore explain and determine them not according to the description their author gives, but according to the idea we find grounded in reason itself through the natural unity of the parts he has brought together. For we shall find that the author, and often even his latest successors, wander around an idea they have not been able to make clear to themselves, and thus cannot determine the science’s distinctive content, articulation (systematic unity), and boundaries.
It is unfortunate that it first becomes possible for us to see the idea in a clearer light, and to design a whole architectonically according to reason’s ends, only after we have long collected, rhapsodically and under the guidance of an idea hidden within us, many cognitions relating to it as building material, and have even assembled them technically over long periods.
B 863 Systems seem to have formed like worms through a generatio aequivoca from the mere confluence of collected concepts, initially mutilated, complete in time. Yet they all had their schema as an original seed in reason merely unfolding itself. Hence not only is each articulated in itself according to an idea, but all are also purposively united with one another in a system of human cognition as members of one whole. They permit an architectonic of all human knowledge which today, when so much material has already been collected or can be taken from the ruins of collapsed ancient buildings, would be not only possible but not even difficult. Here we content ourselves with completing our own task: merely to design the architectonic of all cognition from pure reason. We begin only at the point where the common root of our cognitive power divides and puts out two stems, one of which is reason. But by reason here I understand the entire higher cognitive faculty, and thus oppose the rational to the empirical.
If I abstract from all the content of cognition considered objectively, all cognition is, subjectively, either historical or rational.
B 864 Historical cognition is cognitio ex datis, the rational, however, cognitio ex principiis. Wherever a cognition may originally be given, for its possessor it is nevertheless historical if he cognizes only to the degree and extent that it has been given to him from elsewhere, whether through immediate experience, through an account, or through instruction (in general cognitions). Hence someone who has properly learned a system of philosophy, the Wolfian system, for example, possesses nothing but complete historical cognition of Wolfian philosophy, even if he has all its principles, definitions, and proofs, together with the division of the entire doctrinal structure, in his head and can count them all off on his fingers. He knows and judges only as much as was given to him. Challenge a definition, and he does not know where to obtain another. He has formed himself according to another’s reason, but the imitative faculty is not the productive one. His cognition did not arise in him from reason; although objectively it was certainly rational cognition, subjectively it is merely historical. He has grasped and retained it well, that is, learned it, and is a plaster cast of a living human being. Cognitions that are objectively rational (that is, can originally arise only from a human being’s own reason) may bear that name subjectively as well only then.
B 865 They do so when they have been drawn from the universal sources of reason, from which critique, and even rejection of what has been learned, can also arise: that is, from principles.
Now all rational cognition proceeds either from concepts or from the construction of concepts. The former is called philosophical, the latter mathematical. I have already discussed their inner difference in the first chapter. A cognition can therefore be objectively philosophical yet subjectively historical, as with most learners and everyone who never goes beyond the school and remains a learner all his life. Yet it is remarkable that mathematical cognition, as one has learned it, can also count subjectively as rational cognition, and that this distinction does not occur in it as in philosophical cognition. The reason is that the sources of cognition from which alone the teacher can draw lie nowhere but in reason’s essential and genuine principles, and thus can neither be obtained elsewhere by the learner nor disputed. This is because reason’s use here occurs only in concreto, though still a priori, in pure intuition, which for that very reason is free from error and excludes all deception and mistake. Thus among all rational sciences (a priori), mathematics alone can be learned, never philosophy (except historically); as far as reason is concerned, we can at most learn to philosophize.
B 866 Now the system of all philosophical cognition is philosophy. We must take it objectively when by it we understand the archetype for judging all attempts to philosophize, which is to serve in judging every subjective philosophy, whose structure is often so manifold and changeable. In this way philosophy is a mere idea of a possible science, nowhere given in concreto, which we seek to approach by various paths until the one footpath, much overgrown by sensibility, is discovered, and the copy, which has so far failed, is made to match the archetype as far as human beings are permitted. Until then, no philosophy can be learned. For where is it, who possesses it, and how can it be recognized? We can learn only to philosophize: to exercise reason’s talent in following its universal principles through certain existing attempts, yet always reserving reason’s right to investigate these principles themselves in their sources and confirm or reject them.
So far, however, the concept of philosophy is only a scholastic concept: that of a system of cognition sought only as science, with no further end than the systematic unity of this knowledge, and thus the logical perfection of cognition. But there is also a cosmopolitan concept (conceptus cosmicus) that has always underlain this name, especially when it was, as it were, personified and represented as an archetype in the ideal of the philosopher.
B 867 In this respect philosophy is the science of the relation of all cognition to the essential ends of human reason (teleologia rationis humanae); and the philosopher is not a practitioner of reason but the legislator of human reason. In this sense it would be very boastful to call oneself a philosopher and presume to have equaled the archetype that lies only in the idea.
The mathematician, the natural scientist, and the logician, however excellently the former may have advanced in rational cognition generally and the latter especially in philosophical cognition, are nevertheless only practitioners of reason. There is also a teacher in the ideal who sets all these to work, using them as instruments to further the essential ends of human reason. Him alone we would have to call the philosopher. But since he himself is nowhere to be found, while the idea of his legislation is found everywhere in every human reason, we shall adhere solely to the latter.
B 868 We shall determine more closely what systematic unity philosophy, according to this cosmopolitan concept*, prescribes from the standpoint of ends.
* Cosmopolitan concept here means one concerning what necessarily interests everyone. I therefore determine a science’s aim according to scholastic concepts when it is regarded merely as one skill among others for certain freely chosen ends.
Essential ends are not on that account the highest ends, of which (in a perfect systematic unity of reason) there can be only one. They are therefore either the final end or subordinate ends necessarily belonging to it as means. The former is nothing but the entire vocation of the human being, and philosophy concerning it is called morals. Because of this priority of moral philosophy over every other pursuit of reason, the ancients always understood by the name philosopher at the same time, and above all, the moralist. Even today the outward illusion of self-mastery through reason causes someone to be called a philosopher by a certain analogy, despite his limited knowledge.
The legislation of human reason (philosophy) has two objects, nature and freedom, and therefore contains both the law of nature and the moral law, initially in two separate philosophical systems, but ultimately in a single one. The philosophy of nature concerns everything that is; the philosophy of morals concerns only what ought to be.
All philosophy, however, is either cognition from pure reason or rational cognition from empirical principles. The former is called pure, the latter empirical philosophy.
B 869 The philosophy of pure reason is either a propaedeutic (preliminary exercise), investigating reason’s capacity with regard to all pure cognition a priori, and is called critique; or, second, the system of pure reason (science), the whole (true as well as apparent) philosophical cognition from pure reason in systematic coherence, and is called metaphysics. Yet this name can also be given to the whole of pure philosophy, including critique, to comprise both the investigation of everything that can ever be cognized a priori and the exhibition of what constitutes a system of pure philosophical cognitions of this kind, distinguished from every empirical and likewise from mathematical use of reason.
Metaphysics divides into that of the speculative and that of the practical use of pure reason, and is thus either metaphysics of nature or metaphysics of morals. The former contains all pure rational principles from mere concepts (thus with the exclusion of mathematics) of theoretical cognition of all things; the latter contains the principles that determine action and inaction a priori and make them necessary. Now morality is the only lawfulness of actions that can be derived entirely a priori from principles. Metaphysics of morals is therefore properly pure morals, in which no anthropology (no empirical condition) is laid down as a basis.
B 870 Metaphysics of speculative reason is what is customarily called metaphysics in the narrower sense. Yet since pure moral doctrine also belongs to the distinctive stem of human, specifically philosophical, cognition from pure reason, we shall retain that name for it, although we set it aside here as not belonging to our present purpose.
It is of the utmost importance to isolate cognitions differing from others in kind and origin, and carefully prevent their flowing into a mixture with others with which they are commonly combined in use. What chemists do in separating materials, what mathematicians do in their pure theory of magnitudes, is still more incumbent on the philosopher, so that he can securely determine the contribution a particular kind of cognition makes to the understanding’s roaming use, its own value and influence. Hence human reason, ever since it has thought, or rather reflected, has never been able to dispense with a metaphysics, yet has never been able to exhibit it sufficiently purified of everything foreign. The idea of such a science is as old as speculative human reason—and what reason does not speculate, whether scholastically or popularly?
B 871 Yet we must admit that the distinction between the two elements of our cognition, one wholly within our power a priori, the other obtainable only a posteriori from experience, remained very indistinct even among professional thinkers. It could therefore never yield a determination of the boundaries of a particular kind of cognition, and thus not the genuine idea of a science that has occupied human reason so long and so intensely. Saying that metaphysics is the science of the first principles of human cognition marked out not an entirely distinctive kind but only a rank in universality, which therefore could not distinguish it recognizably from the empirical. For among empirical principles too, some are more general and thus higher than others. In the series of such a subordination (since one does not distinguish what is cognized entirely a priori from what is cognized only a posteriori), where should one make the cut separating the first part and highest members from the last and subordinate ones? What would one say if chronology could mark the epochs of the world only by dividing them into the first centuries and those following? Does the fifth century, the tenth, and so on also belong to the first? one would ask. In the same way I ask: does the concept of the extended belong to metaphysics? You answer yes! But also that of body?
B 872 Yes! And that of fluid body? You hesitate, for if this continues, everything will belong to metaphysics. This shows that the mere degree of subordination (the particular under the universal) cannot determine the boundaries of a science; in our case it is rather the complete heterogeneity and difference of origin. But another factor obscuring the fundamental idea of metaphysics was that, as cognition a priori, it shows a certain homogeneity with mathematics. Their origin a priori indeed makes them related; yet the manner of cognition from concepts in the former, compared with judging merely through construction of concepts a priori in the latter—the difference between philosophical and mathematical cognition—shows so decisive a heterogeneity that people always, as it were, felt it but could never formulate clear criteria for it. Thus, because philosophers themselves failed to develop the idea of their sciences, their work could have no determinate end and no secure guide. With so arbitrarily made a design, ignorant of the path they should take and always disputing among themselves about the discoveries each claimed to have made on his own path, they brought their science into contempt first among others and finally even among themselves.
B 873 All pure cognition a priori thus constitutes a distinctive unity by virtue of the particular cognitive faculty in which alone it can have its seat; metaphysics is the philosophy meant to exhibit that cognition in this systematic unity. Its speculative part, which has especially appropriated this name—what we call metaphysics of nature, considering everything insofar as it is (not what ought to be) from concepts a priori—is divided as follows.
Metaphysics so called in the narrower sense consists of transcendental philosophy and the physiology of pure reason. The former considers only understanding and reason themselves in a system of all concepts and principles relating to objects in general, without assuming objects that are given (Ontologia). The latter considers nature, that is, the sum of given objects (whether they be given to the senses or, if one wishes, to another kind of intuition), and is thus physiology (although only rationalis). Now reason’s use in this rational consideration of nature is either physical or hyperphysical, or better, either immanent or transcendent. The former concerns nature insofar as its cognition can be applied in experience (in concreto); the latter concerns a connection of objects of experience that exceeds all experience.
B 874 This transcendent physiology therefore has as its object either an inner or an outer connection, both going beyond possible experience. The former is the physiology of nature as a whole, transcendental cognition of the world; the latter concerns the coherence of the whole of nature with a being above nature, transcendental cognition of God.
Immanent physiology, by contrast, considers nature as the sum of all objects of the senses, thus as it is given to us, but only according to conditions a priori under which it can be given to us at all. Its objects are of only two kinds. 1. Those of the outer senses, whose sum is corporeal nature. 2. The object of inner sense, the soul, and, according to its fundamental concepts in general, thinking nature. The metaphysics of corporeal nature is called physics, but since it is to contain only the principles of its cognition a priori, rational physics. The metaphysics of thinking nature is called psychology, and for the reason just given only rational cognition of it is to be understood here.
Accordingly, the entire system of metaphysics consists of four main parts: 1. Ontology. 2. Rational physiology. 3. Rational cosmology. 4. Rational theology.
B 875 The second part, the doctrine of nature of pure reason, contains two divisions, the physica rationalis* and psychologia rationalis.
* Do not suppose that by this I mean what is commonly called physica generalis, which is more mathematics than philosophy of nature. Metaphysics of nature separates itself entirely from mathematics and has far fewer insights to offer that extend cognition than mathematics. Yet it is very important for the critique of pure cognition of the understanding as applied to nature in general. Without such a critique, even mathematicians, adhering to certain ordinary yet in fact metaphysical concepts, have unwittingly burdened the doctrine of nature with hypotheses that disappear under a critique of these principles, without in the least impairing the use of mathematics in this field (which is wholly indispensable).
The original idea of a philosophy of pure reason itself prescribes this division. It is therefore architectonic, conforming to its essential ends, not merely technical, arranged according to contingently perceived kinships and, as it were, at random. For that very reason it is also unchangeable and legislative. Yet some points here raise reservations and might weaken conviction of its lawfulness.
First, how can I expect cognition a priori, and thus metaphysics, of objects insofar as they are given to our senses, and thus a posteriori? How is it possible to cognize the nature of things according to principles a priori and arrive at a rational physiology?
B 876 The answer is that we take from experience no more than is needed to give us an object, in one case of outer sense, in the other of inner sense. The former occurs through the mere concept of matter (impenetrable lifeless extension); the latter through the concept of a thinking being (in the empirical inner representation: “I think”). Beyond this, in the entire metaphysics of these objects we would have to refrain completely from all empirical principles that might add any further experience to the concept in order to judge something about these objects from it.
Second, where does this leave empirical psychology, which has always maintained its place in metaphysics and from which in our time such great things have been expected for illuminating metaphysics, after hope was abandoned of accomplishing anything useful a priori? I answer: it belongs where the proper (empirical) doctrine of nature must be placed, on the side of applied philosophy, for which pure philosophy contains the principles a priori. Pure philosophy must therefore indeed be combined with applied philosophy, but not mixed with it. Empirical psychology must thus be banished entirely from metaphysics and is already entirely excluded by its very idea.
B 877 Nevertheless, according to scholastic custom we must still allow it a small place there (though only as an episode), for reasons of economy. It is not yet rich enough to constitute a subject of study on its own, yet is too important to be cast out altogether or attached elsewhere, where it would probably find still less kinship than in metaphysics. It is thus merely a foreigner taken in for a time, allowed to stay until it can move into its own dwelling in a comprehensive anthropology (the counterpart of the empirical doctrine of nature).
This, then, is the general idea of metaphysics. Initially more was demanded of it than could fairly be required, and people delighted for a time in pleasant expectations; finally, finding themselves deceived in their hopes, they brought it into general contempt. The entire course of our critique will have sufficiently convinced us that, although metaphysics cannot be the foundation of religion, it must always remain its bulwark. Human reason, already dialectical through the direction of its nature, could never dispense with a science that restrains it and, through scientific and fully evident self-cognition, prevents the devastation that a lawless speculative reason would otherwise inevitably wreak in morals as well as religion.
B 878 We can therefore be certain that, however aloof or dismissive those may act who know how to judge a science not by its nature but only by its contingent effects, they will always return to it as to a beloved from whom they have become estranged. For since essential ends are at issue here, reason must work restlessly either toward thorough insight or toward the destruction of good insights already possessed.
Metaphysics of both nature and morals, and especially the critique of reason venturing on its own wings, which precedes as a preliminary exercise (propaedeutically), thus alone properly constitute what we can call philosophy in the genuine sense. Philosophy relates everything to wisdom, but by the path of science, the only path which, once opened, never becomes overgrown and permits no straying. Mathematics, natural science, even empirical knowledge of the human being, have great value as means, mostly for contingent ends, but ultimately for necessary and essential ends of humanity. They serve the latter, however, only through the mediation of rational cognition from mere concepts, which, whatever name we give it, is properly nothing but metaphysics.
For this very reason, metaphysics is also the completion of all cultivation of human reason.
B 879 It is indispensable even if we set aside its influence as a science on certain determinate ends. For it considers reason according to its elements and highest maxims, which must themselves underlie the possibility of some sciences and the use of all. That as mere speculation it serves more to ward off errors than to extend cognition does not diminish its value. Rather, it gives it dignity and authority through the office of censor, which secures the general order and concord, indeed the welfare, of the scientific commonwealth, and prevents its bold and fruitful labors from departing from the principal end, universal happiness.
B 880 Transcendental Doctrine of Method Chapter Four The History of Pure Reason
This title stands here only to mark a place remaining in the system that must be filled in the future. I content myself with casting, from a merely transcendental standpoint, that of the nature of pure reason, a fleeting glance over the whole of its previous labors, which admittedly present buildings to my eye, but only in ruins.
It is remarkable enough, although naturally it could not have happened otherwise, that in philosophy’s childhood human beings began where we would now prefer to end: by studying first the cognition of God and the hope, or even the constitution, of another world. Whatever crude religious concepts may have been introduced by ancient customs surviving from the uncultivated state of peoples, these did not prevent the more enlightened from devoting themselves to free inquiry into this object. It was easily understood that there could be no more thorough and reliable way of pleasing the invisible power that rules the world, so as to be happy at least in another world, than good conduct.
B 881 Theology and morals were therefore the two incentives, or better, reference points, for all the abstract rational inquiries to which people have since devoted themselves. Yet it was properly the former that gradually drew merely speculative reason into the undertaking that subsequently became so famous under the name of metaphysics.
I shall not now distinguish the times at which this or that change in metaphysics occurred, but present only a brief outline of the differences in the idea that occasioned the principal revolutions. I find three respects in which the most notable changes on this stage of conflict have been brought about.
1 With regard to the object of all our rational cognitions, some were merely philosophers of sense, others merely philosophers of intellect. Epicurus can be called the foremost philosopher of sensibility, Plato of the intellectual. This difference between schools, subtle though it is, had already begun in the earliest times and long continued uninterrupted. Those of the first school asserted that reality is found only in objects of the senses, everything else being imagination.
B 882 Those of the second said, by contrast, that the senses contain nothing but illusion, and only the understanding cognizes what is true. The former did not thereby deny reality to concepts of the understanding, but for them it was only logical, while for the others it was mystical. The former admitted intellectual concepts but assumed only sensible objects. The latter required true objects to be merely intelligible and asserted an intuition through the pure understanding, unaccompanied by any senses, which in their opinion only confused it.
2 With regard to the origin of pure rational cognitions: whether they are derived from experience or have their source in reason independently of it. Aristotle can be regarded as the head of the empiricists, Plato of the noologists. Locke, who in more recent times followed the former, and Leibniz, who followed the latter (though at a sufficient distance from the latter’s mystical system), have nevertheless not yet been able to settle this dispute. At least Epicurus, for his part, proceeded much more consistently according to his system of sense (for his inferences never went beyond the boundary of experience), than Aristotle and Locke (but especially the latter). Locke, having derived all concepts and principles from experience, goes so far in their use that he asserts God’s existence and the soul’s immortality can be proved as evidently as any mathematical theorem.
B 883 (Yet both objects lie entirely outside the boundaries of possible experience.)
3 With regard to method. If something is to be called a method, it must be a procedure according to principles. Now the method currently prevailing in this branch of the investigation of nature can be divided into naturalistic and scientific. The naturalist of pure reason makes it his principle that common reason without science (which he calls sound reason) can accomplish more regarding the most sublime questions constituting metaphysics’ task than speculation can. He thus asserts that the moon’s size and distance can be determined more securely by eye than through mathematical detours. This is mere misology elevated into principles; and, most absurd of all, neglect of every artful means is praised as a method of its own for extending cognition. For as for naturalists from lack of further insight, nothing can rightly be held against them. They follow common reason without boasting of their ignorance as a method supposedly containing the secret of drawing truth from Democritus’s deep well. Quod sapio, satis est mihi; non ego curo, esse quod Arcesilas aerumnosique Solones, Pers. is their motto, with which they can live contentedly.
B 884 They can live praiseworthily with it, too, without troubling themselves about science or disrupting its business.
As for those who follow a scientific method, they have the choice here of proceeding either dogmatically or skeptically, but in every case the obligation to proceed systematically. If I name the celebrated Wolf for the former and David Hume for the latter, I can leave the rest unnamed for my present purpose. The critical path alone remains open. If the reader has had the kindness and patience to travel it in my company, he may now judge whether, should he care to contribute his part toward making this footpath a highway, what many centuries could not accomplish might not yet be attained before the present one ends: to bring human reason to complete satisfaction in what has always, but until now fruitlessly, occupied its thirst for knowledge.