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Critique of Practical Reason
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Critique of Practical Reason

Immanuel Kant · Plain English translation — Mouseia

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German

Kritik V:1 der praktischen Vernunft

von

Immanuel Kant.

English

Critique V:1 of Practical Reason

by

Immanuel Kant.

Preface

Vorrede. A 3 V:3

Warum diese Kritik nicht eine Kritik der reinen praktischen, sondern schlechthin der praktischen Vernunft überhaupt betitelt wird, obgleich der Parallelism derselben mit der speculativen das erstere zu erfordern scheint, darüber giebt diese Abhandlung hinreichenden Aufschluß. Sie soll blos darthun, daß es reine praktische Vernunft gebe, und kritisirt in dieser Absicht ihr ganzes praktisches Vermögen. Wenn es ihr hiemit gelingt, so bedarf sie das reine Vermögen selbst nicht zu kritisiren, um zu sehen, ob sich die Vernunft mit einem solchen als einer bloßen Anmaßung nicht übersteige (wie es wohl mit der speculativen geschieht). Denn wenn sie als reine Vernunft wirklich praktisch ist, so beweiset sie ihre und ihrer Begriffe Realität durch die That, und alles Vernünfteln wider die Möglichkeit, es zu sein, ist vergeblich.

Mit diesem Vermögen steht auch die transscendentale Freiheit nunmehr A 4 fest, und zwar in derjenigen absoluten Bedeutung genommen, worin die speculative Vernunft beim Gebrauche des Begriffs der Causalität sie bedurfte, um sich wider die Antinomie zu retten, darin sie unvermeidlich geräth, wenn sie in der Reihe der Causalverbindung sich das Unbedingte denken will, welchen Begriff sie aber nur problematisch, als nicht unmöglich zu denken, aufstellen konnte, ohne ihm seine objective Realität zu sichern, sondern allein um nicht durch vorgebliche Unmöglichkeit dessen, was sie doch wenigstens als denkbar gelten lassen muß, in ihrem Wesen angefochten und in einen Abgrund des Scepticisms gestürzt zu werden.

Der Begriff der Freiheit, so fern dessen Realität durch ein apodiktisches Gesetz der praktischen Vernunft bewiesen ist, macht nun den Schlußstein von dem ganzen Gebäude eines Systems der reinen, selbst der speculativen V:4 Vernunft aus, und alle andere Begriffe (die von Gott und Unsterblichkeit), welche als bloße Ideen in dieser ohne Haltung bleiben, schließen sich nun an ihn an und bekommen mit ihm und durch ihn Bestand und objective Realität, d. i. die Möglichkeit derselben wird dadurch A 5 bewiesen, daß Freiheit wirklich ist; denn diese Idee offenbart sich durchs moralische Gesetz.

Freiheit ist aber auch die einzige unter allen Ideen der speculativen Vernunft, wovon wir die Möglichkeit a priori wissen, ohne sie doch einzusehen, weil sie die Bedingung1 des moralischen Gesetzes ist, welches wir wissen. Die Ideen von Gott und Unsterblichkeit sind aber nicht Bedingungen des moralischen Gesetzes, sondern nur Bedingungen des nothwendigen Objects eines durch dieses Gesetz bestimmten Willens, d. i. des A 6 bloß praktischen Gebrauchs unserer reinen Vernunft; also können wir von jenen Ideen auch, ich will nicht bloß sagen, nicht die Wirklichkeit, sondern auch nicht einmal die Möglichkeit zu erkennen und einzusehen behaupten. Gleichwohl aber sind die Bedingungen der Anwendung des moralisch bestimmten Willens auf sein ihm a priori gegebenes Object (das höchste Gut). Folglich kann und muß ihre Möglichkeit in dieser praktischen Beziehung angenommen werden, ohne sie doch theoretisch zu erkennen und einzusehen. Für die letztere Forderung ist in praktischer Absicht genug, daß sie keine innere Unmöglichkeit (Widerspruch) enthalten. Hier ist nun ein in Vergleichung mit der speculativen Vernunft bloß subjectiver Grund des Fürwahrhaltens, der doch einer eben so reinen, aber praktischen Vernunft objectiv gültig ist, dadurch den Ideen von Gott und Unsterblichkeit vermittelst des Begriffs der Freiheit objective Realität und Befugniß, ja subjective Nothwendigkeit (Bedürfniß der reinen Vernunft) sie anzunehmen verschafft wird, ohne daß dadurch doch die Vernunft V:5 im theoretischen Erkenntnisse erweitert, sondern nur die Möglichkeit, die vorher nur Problem war, hier Assertion wird, gegeben und so der praktische A 7 Gebrauch der Vernunft mit den Elementen des theoretischen verknüpft wird. Und dieses Bedürfniß ist nicht etwa ein hypothetisches einer beliebigen Absicht der Speculation, daß man etwas annehmen müsse, wenn man zur Vollendung des Vernunftgebrauchs in der Speculation hinaufsteigen will, sondern ein gesetzliches, etwas anzunehmen, ohne welches nicht geschehen kann, was man sich zur Absicht seines Thuns und Lassens unnachlaßlich setzen soll.

Es wäre allerdings befriedigender für unsere speculative Vernunft, ohne diesen Umschweif jene Aufgaben für sich aufzulösen und sie als Einsicht zum praktischen Gebrauche aufzubewahren; allein es ist einmal mit unserem Vermögen der Speculation nicht so gut bestellt. Diejenige, welche sich solcher hohen Erkenntnisse rühmen, sollten damit nicht zurückhalten, sondern sie öffentlich zur Prüfung und Hochschätzung darstellen. Sie wollen beweisen; wohlan! so mögen sie denn beweisen, und die Kritik legt ihnen als Siegern ihre ganze Rüstung zu Füßen. Quid statis? Nolint. Atqui licet esse beatis. — Da sie also in der That nicht wollen, vermuthlich weil sie nicht können, so müssen wir jene doch nur wiederum zur Hand A 8 nehmen, um die Begriffe von Gott, Freiheit und Unsterblichkeit, für welche die Speculation nicht hinreichende Gewährleistung ihrer Möglichkeit findet, in moralischem Gebrauche der Vernunft zu suchen und auf demselben zu gründen.

Hier erklärt sich auch allererst das Räthsel der Kritik, wie man dem übersinnlichen Gebrauche der Kategorien in der Speculation objective Realität absprechen und ihnen doch in Ansehung der Objecte der reinen praktischen Vernunft diese Realität zugestehen könne; denn vorher muß dieses nothwendig inconsequent aussehen, so lange man einen solchen praktischen Gebrauch nur dem Namen nach kennt. Wird man aber jetzt durch eine vollständige Zergliederung des letzteren inne, daß gedachte Realität hier gar auf keine theoretische Bestimmung der Kategorien und Erweiterung des Erkenntnisses zum Übersinnlichen hinausgehe, sondern nur hiedurch gemeint sei, daß ihnen in dieser Beziehung überall ein Object zukomme, weil sie entweder in der nothwendigen Willensbestimmung a priori enthalten, oder mit dem Gegenstande derselben unzertrennlich verbunden sind, so verschwindet jene Inconsequenz, weil man A 9 einen anderen Gebrauch von jenen Begriffen macht, als speculative Vernunft V:6 bedarf. Dagegen eröffnet sich nun eine vorher kaum zu erwartende und sehr befriedigende Bestätigung der consequenten Denkungsart der speculativen Kritik darin, daß, da diese die Gegenstände der Erfahrung als solche und darunter selbst unser eigenes Subject nur für Erscheinungen gelten zu lassen, ihnen aber gleichwohl Dinge an sich selbst zum Grunde zu legen, also nicht alles Übersinnliche für Erdichtung und dessen Begriff für leer an Inhalt zu halten einschärfte: praktische Vernunft jetzt für sich selbst, und ohne mit der speculativen Verabredung getroffen zu haben, einem übersinnlichen Gegenstande der Kategorie der Causalität, nämlich der Freiheit, Realität verschafft (obgleich als praktischem Begriffe auch nur zum praktischen Gebrauche), also dasjenige, was dort bloß gedacht werden konnte, durch ein Factum bestätigt. Hiebei erhält nun zugleich die befremdliche, obzwar unstreitige, Behauptung der speculativen Kritik, daß sogar das denkende Subject ihm selbst in der inneren Anschauung bloß Erscheinung sei, in der Kritik der praktischen Vernunft auch ihre volle Bestätigung, so gut, daß man auf sie kommen muß, A 10 wenn die erstere diesen Satz auch gar nicht bewiesen hätte2.

Hiedurch verstehe ich auch, warum die erheblichsten Einwürfe wider die Kritik, die mir bisher noch vorgekommen sind, sich gerade um diese zwei Angel drehen: nämlich einerseits im theoretischen Erkenntniß geleugnete und im praktischen behauptete objective Realität der auf Noumenen angewandten Kategorien, andererseits die paradoxe Forderung, sich als Subject der Freiheit zum Noumen, zugleich aber auch in Absicht auf die Natur zum Phänomen in seinem eigenen empirischen Bewußtsein zu machen. Denn so lange man sich noch keine bestimmte Begriffe von Sittlichkeit und Freiheit machte, konnte man nicht errathen, was man A 11 einerseits der vorgeblichen Erscheinung als Noumen zum Grunde legen wolle, und andererseits, ob es überall auch möglich sei, sich noch von ihm einen Begriff zu machen, wenn man vorher alle Begriffe des reinen Verstandes im theoretischen Gebrauche schon ausschließungsweise den bloßen Erscheinungen gewidmet hätte. Nur eine ausführliche Kritik der praktischen V:7 Vernunft kann alle diese Mißdeutung heben und die consequente Denkungsart, welche eben ihren größten Vorzug ausmacht, in ein helles Licht setzen.

So viel zur Rechtfertigung, warum in diesem Werke die Begriffe und Grundsätze der reinen speculativen Vernunft, welche doch ihre besondere Kritik schon erlitten haben, hier hin und wieder nochmals der Prüfung unterworfen werden, welches dem systematischen Gange einer zu errichtenden Wissenschaft sonst nicht wohl geziemt (da abgeurtheilte Sachen billig nur angeführt und nicht wiederum in Anregung gebracht werden müssen), doch hier erlaubt, ja nöthig war: weil die Vernunft mit jenen Begriffen im Übergange zu einem ganz anderen Gebrauche betrachtet wird, als den sie dort von ihnen machte. Ein solcher Übergang macht aber eine Vergleichung A 12 des älteren mit dem neuern Gebrauche nothwendig, um das neue Gleis von dem vorigen wohl zu unterscheiden und zugleich den Zusammenhang derselben bemerken zu lassen. Man wird also Betrachtungen dieser Art, unter andern diejenige, welche nochmals auf den Begriff der Freiheit, aber im praktischen Gebrauche der reinen Vernunft, gerichtet worden, nicht wie Einschiebsel betrachten, die etwa nur dazu dienen sollen, um Lücken des kritischen Systems der speculativen Vernunft auszufüllen (denn dieses ist in seiner Absicht vollständig) und, wie es bei einem übereilten Baue herzugehen pflegt, hintennach noch Stützen und Strebepfeiler anzubringen, sondern als wahre Glieder, die den Zusammenhang des Systems bemerklich machen, um Begriffe, die dort nur problematisch vorgestellt werden konnten, jetzt in ihrer realen Darstellung einsehen zu lassen. Diese Erinnerung geht vornehmlich den Begriff der Freiheit an, von dem man mit Befremdung bemerken muß, daß noch so viele ihn ganz wohl einzusehen und die Möglichkeit derselben erklären zu können sich rühmen, indem sie ihn bloß in psychologischer Beziehung betrachten, indessen daß, wenn sie ihn vorher in transscendentaler genau erwogen hätten, sie sowohl A 13 seine Unentbehrlichkeit als problematischen Begriffs in vollständigem Gebrauche der speculativen Vernunft, als auch die völlige Unbegreiflichkeit desselben hätten erkennen und, wenn sie nachher mit ihm zum praktischen Gebrauche gingen, gerade auf die nämliche Bestimmung des letzteren in Ansehung seiner Grundsätze von selbst hätten kommen müssen, zu welcher sie sich sonst so ungern verstehen wollen. Der Begriff der Freiheit ist der Stein des Anstoßes für alle Empiristen, aber auch der Schlüssel zu den erhabensten praktischen Grundsätzen für kritische Moralisten, die dadurch V:8 einsehen, daß sie nothwendig rational verfahren müssen. Um deswillen ersuche ich den Leser, das, was zum Schlusse der Analytik über diesen Begriff gesagt wird, nicht mit flüchtigem Auge zu übersehen.

Ob ein solches System, als hier von der reinen praktischen Vernunft aus der Kritik der letzeren entwickelt wird, viel oder wenig Mühe gemacht habe, um vornehmlich den rechten Gesichtspunkt, aus dem das Ganze derselben richtig vorgezeichnet werden kann, nicht zu verfehlen, muß ich den Kennern einer dergleichen Arbeit zu beurtheilen überlassen. Es setzt zwar A 14 die Grundlegung zur Metaphysik der Sitten voraus, aber nur in so fern, als diese mit dem Princip der Pflicht vorläufige Bekanntschaft macht und eine bestimmte Formel derselben angiebt und rechtfertigt3; sonst besteht es durch sich selbst. Daß die Eintheilung aller praktischen Wissenschaften zur Vollständigkeit nicht mit beigefügt worden, wie es die Kritik der speculativen Vernunft leistete, dazu ist auch gültiger Grund in der Beschaffenheit dieses praktischen Vernunftvermögens anzutreffen. Denn die besondere Bestimmung der Pflichten als Menschenpflichten, um sie einzutheilen, ist nur möglich, wenn vorher das Subject dieser Bestimmung A 15 (der Mensch) nach der Beschaffenheit, mit der er wirklich ist, obzwar nur so viel als in Beziehung auf Pflicht überhaupt nöthig ist, erkannt worden; diese aber gehört nicht in eine Kritik der praktischen Vernunft überhaupt, die nur die Principien ihrer Möglichkeit, ihres Umfanges und Grenzen vollständig ohne besondere Beziehung auf die menschliche Natur angeben soll. Die Eintheilung gehört also hier zum System der Wissenschaft, nicht zum System der Kritik.

Ich habe einem gewissen wahrheitliebenden und scharfen, dabei also doch immer achtungswürdigen Recensenten jener Grundlegung zur Metaphysik der Sitten auf seinen Einwurf, daß der Begriff des V:9 Guten dort nicht (wie es seiner Meinung nach nöthig gewesen wäre) vor dem moralischen Princip festgesetzt worden4, in dem zweiten Hauptstücke der Analytik, wie ich hoffe, Genüge gethan; eben so auch auf A 16 manche andere Einwürfe Rücksicht genommen, die mir von Männern zu A 17 Händen gekommen sind, die den Willen blicken lassen, daß die Wahrheit auszumitteln ihnen am Herzen liegt (denn die, so nur ihr altes System A 18 vor Augen haben, und bei denen schon vorher beschlossen ist, was gebilligt oder mißbilligt werden soll, verlangen doch keine Erörterung, die ihrer V:10 Privatabsicht im Wege sein könnte); und so werde ich es auch fernerhin halten.

Wenn es um die Bestimmung eines besonderen Vermögens der menschlichen Seele nach seinen Quellen, Inhalte und Grenzen zu thun ist, so kann man zwar nach der Natur des menschlichen Erkenntnisses nicht anders als von den Theilen derselben, ihrer genauen und (so viel als nach der jetzigen Lage unserer schon erworbenen Elemente derselben möglich ist) vollständigen Darstellung anfangen. Aber es ist noch eine zweite Aufmerksamkeit, die mehr philosophisch und architektonisch ist: nämlich die Idee des Ganzen richtig zu fassen und aus derselben alle jene Theile in ihrer wechselseitigen Beziehung auf einander vermittelst der Ableitung derselben von dem Begriffe jenes Ganzen in einem reinen Vernunftvermögen ins Auge zu fassen. Diese Prüfung und Gewährleistung ist nur A 19 durch die innigste Bekanntschaft mit dem System möglich, und die, welche in Ansehung der ersteren Nachforschung verdrossen gewesen, also diese Bekanntschaft zu erwerben nicht der Mühe werth geachtet haben, gelangen nicht zur zweiten Stufe, nämlich der Übersicht, welche eine synthetische Wiederkehr zu demjenigen ist, was vorher analytisch gegeben worden, und es ist kein Wunder, wenn sie allerwärts Inconsequenzen finden, obgleich die Lücken, die diese vermuthen lassen, nicht im System selbst, sondern blos in ihrem eigenen unzusammenhängenden Gedankengange anzutreffen sind.

Ich besorge in Ansehung dieser Abhandlung nichts von dem Vorwurfe, eine neue Sprache einführen zu wollen, weil die Erkenntnißart sich hier von selbst der Popularität nähert. Dieser Vorwurf konnte auch niemanden in Ansehung der ersteren Kritik beifallen, der sie nicht blos durchgeblättert, sondern durchgedacht hatte. Neue Worte zu künsteln, wo die Sprache schon so an Ausdrücken für gegebene Begriffe keinen Mangel A 20 hat, ist eine kindische Bemühung, sich unter der Menge, wenn nicht durch neue und wahre Gedanken, doch durch einen neuen Lappen auf dem alten Kleide auszuzeichnen. Wenn daher die Leser jener Schrift populärere Ausdrücke wissen, die doch dem Gedanken eben so angemessen sind, als mir jene zu sein scheinen, oder etwa die Nichtigkeit dieser Gedanken selbst, mithin zugleich jedes Ausdrucks, der ihn bezeichnet, darzuthun sich getrauen: so würden sie mich durch das erstere sehr verbinden, denn ich will nur verstanden sein, in Ansehung des zweiten aber sich ein Verdienst um die Philosophie erwerben. So lange aber jene Gedanken noch stehen, V:11 zweifele ich sehr, daß ihnen angemessene und doch gangbarere Ausdrücke dazu aufgefunden werden dürften.5

V:12 Auf diese Weise wären denn nunmehr die Principien a priori zweier A 21 Vermögen des Gemüths, des Erkenntniß- und Begehrungsvermögens, ausgemittelt A 22 und nach den Bedingungen, dem Umfange und Grenzen ihres A 23 Gebrauchs bestimmt, hiedurch aber zu einer systematischen, theoretischen sowohl als praktischen Philosophie als Wissenschaft sicherer Grund gelegt.

Was Schlimmeres könnte aber diesen Bemühungen wohl nicht begegnen, als wenn jemand die unerwartete Entdeckung machte, daß es überall gar kein Erkenntniß a priori gebe, noch geben könne. Allein es hat hiemit keine Noth. Es wäre eben so viel, als ob jemand durch Vernunft beweisen wollte, daß es keine Vernunft gebe. Denn wir sagen nur, daß wir etwas durch Vernunft erkennen, wenn wir uns bewußt sind, daß wir es auch hätten wissen können, wenn es uns auch nicht so in der Erfahrung vorgekommen wäre; mithin ist Vernunfterkenntniß und Erkenntniß a priori A 24 einerlei. Aus einem Erfahrungssatze Nothwendigkeit (ex pumice aquam) auspressen wollen, mit dieser auch wahre Allgemeinheit (ohne welche kein Vernunftschluß, mithin auch nicht der Schluß aus der Analogie, welche eine wenigstens präsumirte Allgemeinheit und objective Nothwendigkeit ist und diese also doch immer voraussetzt) einem Urtheile verschaffen wollen, ist gerader Widerspruch. Subjective Nothwendigkeit, d. i. Gewohnheit, statt der objectiven, die nur in Urtheilen a priori stattfindet, unterschieben, heißt der Vernunft das Vermögen absprechen, über den Gegenstand zu urtheilen, d. i. ihn, und was ihm zukomme, zu erkennen, und z. B. von dem, was öfters und immer auf einen gewissen vorhergehenden Zustand folgte, nicht sagen, daß man aus diesem auf jenes schließen könne (denn das würde objective Nothwendigkeit und Begriff von einer Verbindung a priori bedeuten), sondern nur ähnliche Fälle (mit den Thieren auf ähnliche Art) erwarten dürfe, d. i. den Begriff der Ursache im Grunde als falsch und bloßen Gedankenbetrug verwerfen. Diesem Mangel der objectiven A 25 und daraus folgenden allgemeinen Gültigkeit dadurch abhelfen wollen, daß man doch keinen Grund sähe, andern vernünftigen Wesen eine andere Vorstellungsart beizulegen, wenn das einen gültigen Schluß abgäbe, so würde uns unsere Unwissenheit mehr Dienste zu Erweiterung unserer Erkenntniß leisten, als alles Nachdenken. Denn blos deswegen, weil wir andere vernünftige Wesen außer dem Menschen nicht kennen, würden wir ein Recht haben, sie als so beschaffen anzunehmen, wie wir uns erkennen, d. i. wir würden sie wirklich kennen. Ich erwähne hier nicht einmal, daß nicht die Allgemeinheit des Fürwahrhaltens die objective V:13 Gültigkeit eines Urtheils (d. i. die Gültigkeit desselben als Erkenntnisses) beweise, sondern, wenn jene auch zufälliger Weise zuträfe, dieses doch noch nicht einen Beweis der Übereinstimmung mit dem Object abgeben könne; vielmehr die objective Gültigkeit allein den Grund einer nothwendigen allgemeinen Einstimmung ausmache.

Hume würde sich bei diesem System des allgemeinen Empirisms A 26 in Grundsätzen auch sehr wohl befinden; denn er verlangte, wie bekannt, nichts mehr, als daß statt aller objectiven Bedeutung der Nothwendigkeit im Begriffe der Ursache eine blos subjective, nämlich Gewohnheit, angenommen werde, um der Vernunft alles Urtheil über Gott, Freiheit und Unsterblichkeit abzusprechen; und er verstand sich gewiß sehr gut darauf, um, wenn man ihm nur die Principien zugestand, Schlüsse mit aller logischen Bündigkeit daraus zu folgern. Aber so allgemein hat selbst Hume den Empirism nicht gemacht, um auch die Mathematik darin einzuschließen. Er hielt ihre Sätze für analytisch, und wenn das seine Richtigkeit hätte, würden sie in der That auch apodiktisch sein, gleichwohl aber daraus kein Schluß auf ein Vermögen der Vernunft, auch in der Philosophie apodiktische Urtheile, nämlich solche, die synthetisch wären (wie der Satz der Causalität), zu fällen, gezogen werden können. Nähme man aber den Empirism der Principien allgemein an, so wäre auch Mathematik damit eingeflochten.

Wenn nun diese mit der Vernunft, die blos empirische Grundsätze A 27 zuläßt, in Widerstreit geräth, wie dieses in der Antinomie, da Mathematik die unendliche Theilbarkeit des Raumes unwidersprechlich beweiset, der Empirism aber sie nicht verstatten kann, unvermeidlich ist: so ist die größte mögliche Evidenz der Demonstration mit den vorgeblichen Schlüssen aus Erfahrungsprincipien in offenbarem Widerspruch, und nun muß man wie der Blinde des Cheselden fragen: was betrügt mich, das Gesicht oder Gefühl? (Denn der Empirism gründet sich auf einer gefühlten, der Rationalism aber auf einer eingesehenen Nothwendigkeit.) Und so offenbart sich der allgemeine Empirism als den ächten Scepticism, den man dem Hume fälschlich in so unbeschränkter Bedeutung beilegte6, da er wenigstens einen sicheren Probirstein der Erfahrung A 28 V:14 an der Mathematik übrig ließ, statt daß jener schlechterdings keinen Probirstein derselben (der immer nur in Principien a priori angetroffen werden kann) verstattet, obzwar diese doch nicht aus bloßen Gefühlen, sondern auch aus Urtheilen besteht.

Doch da es in diesem philosophischen und kritischen Zeitalter schwerlich mit jenem Empirism Ernst sein kann, und er vermuthlich nur zur Übung der Urtheilskraft, und um durch den Contrast die Nothwendigkeit rationaler Principien a priori in ein helleres Licht zu setzen, aufgestellt wird: so kann man es denen doch Dank wissen, die sich mit dieser sonst eben nicht belehrenden Arbeit bemühen wollen.

1 Damit man hier nicht Inconsequenzen anzutreffen wähne, wenn ich jetzt die Freiheit die Bedingung des moralischen Gesetzes nenne und in der Abhandlung nachher behaupte, daß das moralische Gesetz die Bedingung sei, unter der wir uns allererst der Freiheit bewußt werden können, so will ich nur erinnern, daß die Freiheit allerdings die ratio essendi des moralischen Gesetzes, das moralische Gesetz aber die ratio cognoscendi der Freiheit sei. Denn wäre nicht das moralische Gesetz in unserer Vernunft eher deutlich gedacht, so würden wir uns niemals berechtigt halten, so etwas, als Freiheit ist (ob diese gleich sich nicht widerspricht), anzunehmen. Wäre aber keine Freiheit, so würde das moralische Gesetz in uns gar nicht anzutreffen sein.

2 Die Vereinigung der Causalität als Freiheit mit ihr als Naturmechanism, davon die erste durchs Sittengesetz, die zweite durchs Naturgesetz, und zwar in einem und demselben Subjecte, dem Menschen, fest steht, ist unmöglich, ohne diesen in Beziehung auf das erstere als Wesen an sich selbst, auf das zweite aber als Erscheinung, jenes im reinen, dieses im empirischen Bewußtsein vorzustellen. Ohne dieses ist der Widerspruch der Vernunft mit sich selbst unvermeidlich.

3 Ein Recensent, der etwas zum Tadel dieser Schrift sagen wollte, hat es besser getroffen, als er wohl selbst gemeint haben mag, indem er sagt: daß darin kein neues Princip der Moralität, sondern nur eine neue Formel aufgestellt worden. Wer wollte aber auch einen neuen Grundsatz aller Sittlichkeit einführen und diese gleichsam zuerst erfinden? gleich als ob vor ihm die Welt in dem, was Pflicht sei, unwissend oder in durchgängigem Irrthume gewesen wäre. Wer aber weiß, was dem Mathematiker eine Formel bedeutet, die das, was zu thun sei, um eine Aufgabe zu befolgen, ganz genau bestimmt und nicht verfehlen läßt, wird eine Formel, welche dieses in Ansehung aller Pflicht überhaupt thut, nicht für etwas Unbedeutendes und Entbehrliches halten.

4 Man könnte mir noch den Einwurf machen, warum ich nicht auch den Begriff des Begehrungsvermögens, oder des Gefühls der Lust vorher erklärt habe; obgleich dieser Vorwurf unbillig sein würde, weil man diese Erklärung, als in der Psychologie gegeben, billig sollte voraussetzen können. Es könnte aber freilich die Definition daselbst so eingerichtet sein, daß das Gefühl der Lust der Bestimmung des Begehrungsvermögens zum Grunde gelegt würde (wie es auch wirklich gemeinhin so zu geschehen pflegt), dadurch aber das oberste Princip der praktischen Philosophie nothwendig empirisch ausfallen müßte, welches doch allererst auszumachen ist und in dieser Kritik gänzlich widerlegt wird. Daher will ich diese Erklärung hier so geben, wie sie sein muß, um diesen streitigen Punkt wie billig im Anfange unentschieden zu lassen. — Leben ist das Vermögen eines Wesens, nach Gesetzen des Begehrungsvermögens zu handeln. Das Begehrungsvermögen ist das Vermögen desselben, durch seine Vorstellungen Ursache von der Wirklichkeit der Gegenstände dieser Vorstellungen zu sein. Lust ist die Vorstellung der Übereinstimmung des Gegenstandes oder der Handlung mit den subjectiven Bedingungen des Lebens, d. i. mit dem Vermögen der Causalität einer Vorstellung in Ansehung der Wirklichkeit ihres Objects (oder der Bestimmung der Kräfte des Subjects zur Handlung es hervorzubringen). Mehr brauche ich nicht zum Behuf der Kritik von Begriffen, die aus der Psychologie entlehnt werden, das übrige leistet die Kritik selbst. Man wird leicht gewahr, daß die Frage, ob die Lust dem Begehrungsvermögen jederzeit zum Grunde gelegt werden müsse, oder ob sie auch unter gewissen Bedingungen nur auf die Bestimmung desselben folge, durch diese Erklärung unentschieden bleibt; denn sie ist aus lauter Merkmalen des reinen Verstandes, d. i. Kategorien, zusammengesetzt, die nichts Empirisches enthalten. Eine solche Behutsamkeit ist in der ganzen Philosophie sehr empfehlungswürdig und wird dennoch oft verabsäumt, nämlich seinen Urtheilen vor der vollständigen Zergliederung des Begriffs, die oft nur sehr spät erreicht wird, durch gewagte Definition nicht vorzugreifen. Man wird auch durch den ganzen Lauf der Kritik (der theoretischen sowohl als praktischen Vernunft) bemerken, daß sich in demselben mannigfaltige Veranlassung vorfinde, manche Mängel im alten dogmatischen Gange der Philosophie zu ergänzen und Fehler abzuändern, die nicht eher bemerkt werden, als wenn man von Begriffen einen Gebrauch der Vernunft macht, der aufs Ganze derselben geht.

5 Mehr (als jene Unverständlichkeit) besorge ich hier hin und wieder Mißdeutung in Ansehung einiger Ausdrücke, die ich mit größter Sorgfalt aussuchte, um den Begriff nicht verfehlen zu lassen, darauf sie weisen. So hat in der Tafel der Kategorien der praktischen Vernunft in dem Titel der Modalität das Erlaubte und Unerlaubte (praktisch-objectiv Mögliche und Unmögliche) mit der nächstfolgenden Kategorie der Pflicht und des Pflichtwidrigen im gemeinen Sprachgebrauche beinahe einerlei Sinn; hier aber soll das erstere dasjenige bedeuten, was mit einer blos möglichen praktischen Vorschrift in Einstimmung oder Widerstreit ist (wie etwa die Auflösung aller Probleme der Geometrie und Mechanik), das zweite, was in solcher Beziehung auf ein in der Vernunft überhaupt wirklich liegendes Gesetz steht; und dieser Unterschied der Bedeutung ist auch dem gemeinen Sprachgebrauche nicht ganz fremd, wenn gleich etwas ungewöhnlich. So ist es z. B. einem Redner als solchem unerlaubt, neue Worte oder Wortfügungen zu schmieden; dem Dichter ist es in gewissem Maße erlaubt; in keinem von beiden wird hier an Pflicht gedacht. Denn wer sich um den Ruf eines Redners bringen will, dem kann es niemand wehren. Es ist hier nur um den Unterschied der Imperativen unter problematischem, assertorischem und apodiktischem Bestimmungsgrunde zu thun. Eben so habe ich in derjenigen Note, wo ich die moralischen Ideen praktischer Vollkommenheit in verschiedenen philosophischen Schulen gegen einander stellte, die Idee der Weisheit von der der Heiligkeit unterschieden, ob ich sie gleich selbst im Grunde und objectiv für einerlei erklärt habe. Allein ich verstehe an diesem Orte darunter nur diejenige Weisheit, die sich der Mensch (der Stoiker) anmaßt, also subjectiv als Eigenschaft dem Menschen angedichtet. (Vielleicht könnte der Ausdruck Tugend, womit der Stoiker auch großen Staat trieb, besser das Charakteristische seiner Schule bezeichnen.) Aber der Ausdruck eines Postulats der reinen praktischen Vernunft konnte noch am meisten Mißdeutung veranlassen, wenn man damit die Bedeutung vermengte, welche die Postulate der reinen Mathematik haben, und welche apodiktische Gewißheit bei sich führen. Aber diese postuliren die Möglichkeit einer Handlung, deren Gegenstand man a priori theoretisch mit völliger Gewißheit als möglich voraus erkannt hat. Jenes aber postulirt die Möglichkeit eines Gegenstandes (Gottes und der Unsterblichkeit der Seele) selbst aus apodiktischen praktischen Gesetzen, also nur zum Behuf einer praktischen Vernunft; da denn diese Gewißheit der postulirten Möglichkeit gar nicht theoretisch, mithin auch nicht apodiktisch, d. i. in Ansehung des Objects erkannte Nothwendigkeit, sondern in Ansehung des Subjects zu Befolgung ihrer objectiven, aber praktischen Gesetze nothwendige Annehmung, mithin blos nothwendige Hypothesis ist. Ich wußte für diese subjective, aber doch wahre und unbedingte Vernunftnothwendigkeit keinen besseren Ausdruck auszufinden.

6 Namen, welche einen Sectenanhang bezeichnen, haben zu aller Zeit viel Rechtsverdrehung bei sich geführt; ungefähr so, als wenn jemand sagte: N. ist ein Idealist. Denn ob er gleich durchaus nicht allein einräumt, sondern darauf dringt, daß unseren Vorstellungen äußerer Dinge wirkliche Gegenstände äußerer Dinge correspondiren, so will er doch, daß die Form der Anschauung derselben nicht ihnen, sondern nur dem menschlichen Gemüthe anhänge.

Preface. A 3 V:3

This work explains well enough why its title is a critique of practical reason in general, rather than of pure practical reason. Its parallel with the critique of speculative reason might seem to call for the latter title. It only aims to show that there is pure practical reason. For this purpose, it critically examines reason's whole practical capacity. If it succeeds, it does not need to criticize the pure capacity itself to see whether reason oversteps its limits by claiming such a capacity as a mere presumption, as speculative reason does. For if reason really is practical as pure reason, it proves its own reality and that of its concepts by what it does. All quibbling against the possibility of its being practical is then pointless.

This capacity also establishes transcendental freedom A 4 in the absolute sense that speculative reason needed when using the concept of causality. It needed freedom to escape the antinomy it inevitably encounters when it tries to think of the unconditioned in the series of causal connections. But it could present this concept only as a possibility, as something not impossible to think. It could not establish its objective reality. Its only purpose was to keep reason from being challenged in its very nature and thrown into an abyss of skepticism by the supposed impossibility of something it must at least accept as thinkable.

The concept of freedom, insofar as its reality is proved by an absolutely certain law of practical reason, now forms the keystone of the whole structure of a system of pure reason, even speculative V:4 reason. All the other concepts—those of God and immortality—which remain unsupported in speculative reason as mere ideas, now connect with freedom. With it and through it they gain stability and objective reality. That is, their possibility is A 5 proved by the fact that freedom is actual. For this idea reveals itself through the moral law.

Freedom is also the only idea of speculative reason whose possibility we know a priori, although we have no insight into it. This is because freedom is the condition1 of the moral law, which we do know. The ideas of God and immortality, however, are not conditions of the moral law. They are only conditions of the necessary object of a will determined by this law—that is, of the A 6 purely practical use of our pure reason. So we cannot claim to cognize or understand even the possibility of these ideas, let alone their actuality. Still, they are conditions for applying the morally determined will to its object, which is given to it a priori: the highest good. Consequently, their possibility can and must be assumed in this practical relation, although we do not cognize or understand it theoretically. For this last requirement, it is enough for practical purposes that they contain no internal impossibility (contradiction). Here, then, is a ground for holding something true that is merely subjective when compared with speculative reason, yet objectively valid for an equally pure, but practical, reason. Through the concept of freedom, this gives the ideas of God and immortality objective reality, and gives us warrant, indeed a subjective necessity—a need of pure reason—to assume them. This does not expand reason's V:5 theoretical cognition. Instead, it supplies the possibility that was previously only a problem but is now an assertion. In this way it links the practical A 7 use of reason with the elements of its theoretical use. This need is not a hypothetical one serving some optional speculative purpose: that we must assume something if we want to complete reason's use in speculation. It is a need imposed by a law: to assume something without which we cannot achieve what we ought unfailingly to make the purpose of our conduct.

It would certainly satisfy our speculative reason more to solve these problems on its own, without this detour, and keep the resulting insight for practical use. But our capacity for speculation simply is not that capable. Those who boast of such lofty cognitions should not keep them to themselves. They should present them publicly for examination and appreciation. They want to prove them. Very well! Let them do so, and the Critique will lay all its weapons at their feet as victors. Why do you stand still? They are unwilling. Yet they could be happy.—Since they do not in fact want to, presumably because they cannot, we must take up the Critique again A 8. We must seek the concepts of God, freedom, and immortality in the moral use of reason and ground them on it, since speculation cannot adequately guarantee their possibility.

Only here does the puzzle of the Critique become clear. How can we deny objective reality to the supersensible use of the categories in speculation, yet grant them this reality in relation to the objects of pure practical reason? This must seem inconsistent as long as we know such a practical use only by name. But a full analysis of that use now shows us something else. The reality in question does not amount to any theoretical determination of the categories or any extension of cognition into the supersensible. It means only that in this relation they have an object at all. For they are either contained a priori in the necessary determination of the will or inseparably connected with its object. The inconsistency disappears, because A 9 these concepts are being used differently from the way speculative reason V:6 requires. In fact, a very satisfying confirmation of the speculative Critique's consistency of thought now appears, one we could hardly have expected. That Critique insisted that objects of experience as such, including our own subject, must count only as appearances. Yet it also insisted that things in themselves must underlie them, so that not everything supersensible should be treated as fiction or its concept as empty of content. Now practical reason, independently and without arranging anything with speculative reason, gives reality to a supersensible object of the category of causality, namely freedom. As a practical concept, it does so only for practical use. It thus confirms by a fact what previously could only be thought. At the same time, the strange but indisputable claim of the speculative Critique—that even the thinking subject is, to itself, merely an appearance in inner intuition—is fully confirmed in the Critique of Practical Reason. Indeed, we would have to arrive at it A 10 even if the former had never proved it.2

This also explains why the most important objections to the Critique that I have encountered so far hinge on precisely these two points. On the one hand, the objective reality of categories applied to noumena is denied in theoretical cognition but asserted in practical cognition. On the other, there is the paradoxical demand that we regard ourselves as noumena insofar as we are subjects of freedom, but also as phenomena in our own empirical consciousness insofar as we belong to nature. As long as people had no definite concepts of morality and freedom, they could not guess what A 11 was supposed to underlie the alleged appearance as a noumenon. Nor could they tell whether it was possible to form a concept of it at all, if all the concepts of pure understanding in their theoretical use had already been assigned exclusively to mere appearances. Only a detailed critique of practical V:7 reason can remove all these misunderstandings. It can bring into clear view the consistency of thought that is precisely the Critique's greatest merit.

That is my justification for sometimes reexamining in this work the concepts and principles of pure speculative reason, even though they have already undergone their own critique. This would not normally suit the systematic development of a science being established. Matters already decided should properly be cited, not reopened. But here it was permissible, even necessary, because reason is being considered as it moves to an entirely different use of those concepts from the use it made of them there. Such a transition requires comparing A 12 the earlier use with the new one. We need to distinguish the new path clearly from the old and also show how they connect. So reflections of this kind—including the renewed discussion of freedom, but now in the practical use of pure reason—should not be seen as insertions intended merely to fill gaps in the critical system of speculative reason. That system is complete for its purpose. Nor are they supports and buttresses added afterward, as happens with a building put up too hastily. They are genuine connecting parts that show the system's coherence. They make it possible to understand concepts in their actual presentation that previously could only be represented as possibilities. This reminder chiefly concerns the concept of freedom. It is surprising that so many people still boast that they understand it perfectly well and can explain its possibility, while considering it only in a psychological relation. If they had first examined it closely in its transcendental relation, they would have recognized both A 13 its indispensability as a problematic concept in the full use of speculative reason and its complete incomprehensibility. Had they then moved to its practical use, they would have arrived on their own at exactly the same account of that use and its principles which they otherwise accept so unwillingly. The concept of freedom is the stumbling block for all empiricists. But it is also the key to the highest practical principles for critical moral philosophers, who thereby V:8 see that their procedure must be rational. I therefore ask readers not to skim what is said about this concept at the end of the Analytic.

I must leave those familiar with this kind of work to judge whether developing such a system of pure practical reason from its critique has required much effort or little. The chief concern was not to miss the right standpoint from which the whole could be accurately mapped out. It does presuppose A 14 the Groundwork of the Metaphysics of Morals, but only insofar as that work gives a preliminary acquaintance with the principle of duty and provides and justifies a definite formula for it.3 In other respects it stands on its own. There is also a sound reason, in the nature of this practical capacity of reason, why a division of all practical sciences has not been included for completeness, as it was in the Critique of Speculative Reason. That is because, to classify duties by specifically determining them as human duties, we must first know the subject of that determination A 15—the human being—as it actually is, though only to the extent needed for duty in general. But this does not belong in a critique of practical reason in general. Such a critique must fully state the principles of its possibility, scope, and limits without special reference to human nature. The division therefore belongs here to the system of the science, not to the system of its critique.

In the second chapter of the Analytic, I hope I have answered a certain sharp, truth-loving, and therefore always respectable reviewer of that Groundwork of the Metaphysics of Morals. He objected that the concept of the V:9 good had not been established there before the moral principle, as he thought necessary.4 I have also taken account of A 16 various other objections sent to me by men A 17 who show that discovering the truth matters to them (for those who keep only their old system A 18 in view, and have already decided what to approve or disapprove, do not want a discussion that might obstruct their V:10 private aim). I will continue to proceed in this way.

When defining a particular capacity of the human soul in terms of its sources, content, and limits, the nature of human cognition requires us to start with its parts. We must present them precisely and as completely as our current stock of established elements allows. But a second consideration is more philosophical and architectonic. We must correctly grasp the idea of the whole. From it, we must view all those parts in their mutual relations by deriving them from the concept of that whole within a capacity of pure reason. This examination and confirmation is possible only A 19 through the closest familiarity with the system. Those who have been reluctant to undertake the first investigation, and so have not thought this familiarity worth acquiring, never reach the second stage: the overview. This is a synthetic return to what was previously given analytically. No wonder they find inconsistencies everywhere. The gaps these seem to suggest are not in the system itself, but only in their own disconnected train of thought.

For this work, I have no fear of being accused of trying to introduce a new language, because the kind of cognition here naturally comes closer to ordinary understanding. Nor could anyone have thought of making that accusation against the first Critique if they had thought it through rather than merely leafed through it. Making up new words where the language already has no shortage A 20 of expressions for the concepts concerned is a childish effort to stand out from the crowd. If not through new and true thoughts, then at least through a new patch on an old coat. So if readers of that work know more familiar expressions that fit the thought just as well as mine seem to me to do, they would do me a great favor by supplying them, for I only want to be understood. Or if they think they can demonstrate that these thoughts themselves are worthless, and therefore so is every expression designating them, they would render a service to philosophy. But as long as those thoughts stand, V:11 I very much doubt that more familiar expressions equally suited to them can be found.5

V:12 In this way the a priori principles of two A 21 capacities of the mind—the cognitive faculty and the faculty of desire—would now have been established A 22 and defined in terms of the conditions, scope, and limits of their A 23 use. A secure foundation would thereby have been laid for systematic philosophy as a science, both theoretical and practical.

What worse thing could happen to these efforts than someone's unexpected discovery that there is, and can be, no a priori cognition at all? But there is no danger of that. It would be like trying to prove through reason that there is no reason. For we say we cognize something through reason only when we are aware that we could have known it even if we had not encountered it in experience as we did. Cognition through reason and a priori cognition A 24 therefore mean the same thing. Trying to squeeze necessity out of a proposition based on experience—water from a pumice stone—and with it give a judgment true universality, is a direct contradiction. Without that universality there is no inference of reason, including inference by analogy, which involves at least presumed universality and objective necessity and therefore always presupposes them. Substituting subjective necessity, or habit, for objective necessity, which occurs only in a priori judgments, means denying reason the capacity to judge the object: to cognize it and what belongs to it. For example, when something has often and always followed a certain previous state, we could not say that we can infer the one from the other. That would imply objective necessity and the concept of an a priori connection. We could only expect similar cases, much as animals do. This means rejecting the concept of cause as fundamentally false, a mere deception of thought. Suppose we tried to remedy this lack of objective A 25 and consequently universal validity by saying that we see no reason to attribute a different way of representing things to other rational beings. If that were a valid inference, our ignorance would do more to expand our cognition than all our reflection. For merely because we know no rational beings other than humans, we would be entitled to assume that their nature is the same as the nature we know in ourselves. In other words, we would actually know them. I will not even dwell on the point that universal acceptance of a judgment does not prove its objective V:13 validity—its validity as cognition. Even if such agreement happened to occur, it could not prove agreement with the object. Rather, objective validity alone provides the ground for necessary universal agreement.

Hume would also feel quite at home with this system of universal empiricism A 26 in principles. For, as is well known, he asked only that the concept of cause should contain a merely subjective necessity, namely habit, instead of any objective meaning of necessity, so as to deny reason any judgment about God, freedom, and immortality. He certainly knew very well how to draw conclusions with complete logical rigor once his principles were granted. But even Hume did not make empiricism so universal as to include mathematics. He regarded its propositions as analytic. If that were correct, they would indeed be absolutely certain. Yet this would not allow us to infer that reason can also make absolutely certain judgments in philosophy—synthetic ones, such as the principle of causality. But if empiricism about principles were accepted universally, mathematics would be included too.

Now suppose mathematics conflicts with a reason that admits only empirical principles A 27. This is inevitable in the antinomy, since mathematics proves the infinite divisibility of space beyond dispute, while empiricism cannot allow it. Then the greatest possible certainty of demonstration openly contradicts the supposed inferences from principles of experience. We must then ask, like Cheselden's blind man: which is deceiving me, sight or touch? For empiricism rests on a necessity that is felt, while rationalism rests on one that is understood. Universal empiricism thus reveals itself as the genuine skepticism that was wrongly attributed to Hume in so unrestricted a sense,6 since he at least left mathematics as a reliable touchstone of experience A 28 V:14. Universal empiricism, by contrast, permits no touchstone of experience at all. Such a touchstone can be found only in a priori principles, although experience consists not merely of feelings but also of judgments.

Still, in this philosophical and critical age, this kind of empiricism can hardly be meant seriously. Presumably it is proposed only to exercise judgment and, through contrast, to bring the necessity of rational a priori principles into clearer view. We can therefore thank those who are willing to undertake this otherwise not especially instructive work.

1 To prevent anyone from imagining inconsistencies here, I will add a reminder. I now call freedom the condition of the moral law, but later in this work I claim that the moral law is the condition under which we can first become conscious of freedom. Freedom is indeed the ground of being of the moral law, while the moral law is the ground of knowing freedom. For if the moral law were not first clearly thought in our reason, we would never consider ourselves entitled to assume anything like freedom, even though freedom involves no contradiction. But if there were no freedom, the moral law could not be found in us at all.

2 Causality as freedom and causality as natural mechanism are established in one and the same subject, the human being: the first through the moral law, the second through the law of nature. Combining them is impossible unless we represent the human being as a being in itself in relation to the first, and as an appearance in relation to the second—the former in pure consciousness, the latter in empirical consciousness. Without this, reason's contradiction with itself is unavoidable.

3 A reviewer who wanted to criticize this work came closer to the truth than he may have intended. He said that it presented no new principle of morality, but only a new formula. But who would want to introduce a new principle of all morality, as though inventing it for the first time? That would be as if the world before him had known nothing about duty or had been thoroughly mistaken about it. Anyone who knows what a formula means to a mathematician—one that determines exactly what to do to solve a problem and prevents mistakes—will not regard a formula that does this for all duty in general as insignificant or unnecessary.

4 Someone might also object that I did not first explain the concept of the faculty of desire or of the feeling of pleasure. This would be unfair, since we should properly be able to presuppose the explanation given in psychology. Yet that definition might make the feeling of pleasure the basis for determining the faculty of desire, as in fact is usually done. This would necessarily make the supreme principle of practical philosophy empirical. But that is precisely what must first be decided, and this Critique completely refutes it. So I will give the explanation here in the form needed to leave this disputed point undecided at the beginning, as it should be.—Life is a being's capacity to act according to laws of the faculty of desire. The faculty of desire is its capacity, through its representations, to cause the actuality of the objects of those representations. Pleasure is the representation of the agreement of an object or an action with the subjective conditions of life: that is, with the capacity for a representation to cause the actuality of its object, or to determine the subject's powers to act to produce it. I need no more than this for the critique of concepts borrowed from psychology. The Critique itself supplies the rest. It is easy to see that this explanation leaves undecided whether pleasure must always underlie the faculty of desire, or whether under certain conditions it may only follow that faculty's determination. For the explanation is composed entirely of features belonging to pure understanding, namely categories, which contain nothing empirical. Such care is highly advisable throughout philosophy, yet often neglected: we should not prejudge matters through a risky definition before fully analyzing the concept, an analysis often achieved only much later. Throughout the Critique of both theoretical and practical reason, readers will also find many opportunities to remedy shortcomings and correct errors in philosophy's old dogmatic procedure. These are noticed only when reason uses concepts in a way directed at reason as a whole.

5 Here I fear occasional misinterpretation of certain expressions more than incomprehensibility. I chose those expressions with the greatest care to keep their intended concept in view. In the table of categories of practical reason, under modality, the permitted and forbidden—what is practically and objectively possible and impossible—have almost the same meaning in ordinary speech as the next category, duty and what is contrary to duty. But here the first means what agrees or conflicts with a merely possible practical precept, such as the solution of all problems in geometry and mechanics. The second means what stands in that relation to a law actually present in reason in general. This difference in meaning is not wholly foreign to ordinary speech, though somewhat unusual. For example, a public speaker as such is forbidden to coin new words or phrases; a poet is permitted to do so to some extent. Neither case concerns duty. For no one can stop someone who wants to ruin his reputation as a speaker. The issue here is only the distinction between imperatives whose determining grounds are problematic, assertoric, and apodictic. Similarly, in the note where I compared the moral ideas of practical perfection in different philosophical schools, I distinguished the idea of wisdom from that of holiness, although I myself declared them fundamentally and objectively identical. But there I mean only the wisdom that a human being—the Stoic—claims to possess: wisdom subjectively attributed to a human being as a property. Perhaps virtue, another expression the Stoic made much of, would better describe his school's characteristic feature. But the expression postulate of pure practical reason could cause the most misunderstanding, if confused with the meaning of postulates in pure mathematics, which carry absolute certainty. Those postulate the possibility of an action whose object has already been theoretically cognized a priori, with complete certainty, as possible. A postulate of pure practical reason, however, postulates the possibility of an object itself—God and the soul's immortality—on the basis of absolutely certain practical laws, and thus only for the purposes of practical reason. Here the certainty of the postulated possibility is not theoretical, and therefore not apodictic: it is not necessity cognized with regard to the object. Instead, it is an assumption necessary for the subject to follow reason's objective but practical laws, and so merely a necessary hypothesis. I could find no better expression for this subjective yet genuine and unconditional necessity of reason.

6 Names designating allegiance to a school have always caused much unfair distortion. It is rather like someone saying: N. is an idealist. Although he not only fully admits but insists that actual objects of external things correspond to our representations of external things, he still maintains that the form of their intuition belongs not to them, but only to the human mind.

Introduction: The idea of a critique of practical reason

Einleitung. V:15 A 29 Von der Idee einer Kritik der praktischen Vernunft.

Der theoretische Gebrauch der Vernunft beschäftigte sich mit Gegenständen des bloßen Erkenntnißvermögens, und eine Kritik derselben in Absicht auf diesen Gebrauch betraf eigentlich nur das reine Erkenntnißvermögen, weil dieses Verdacht erregte, der sich auch hernach bestätigte, daß es sich leichtlich über seine Grenzen unter unerreichbare Gegenstände, oder gar einander widerstreitende Begriffe verlöre. Mit dem praktischen Gebrauche der Vernunft verhält es sich schon anders. In diesem beschäftigt sich die Vernunft mit Bestimmungsgründen des Willens, welcher ein Vermögen ist, den Vorstellungen entsprechende Gegenstände entweder hervorzubringen, oder doch sich selbst zu Bewirkung derselben (das physische Vermögen mag nun hinreichend sein, oder nicht), d. i. seine Causalität, A 30 zu bestimmen. Denn da kann wenigstens die Vernunft zur Willensbestimmung gelangen und hat so fern immer objective Realität, als es nur auf das Wollen ankommt. Hier ist also die erste Frage: ob reine Vernunft zur Bestimmung des Willens für sich allein zulange, oder ob sie nur als empirisch-bedingte ein Bestimmungsgrund derselben sein könne. Nun tritt hier ein durch die Kritik der reinen Vernunft gerechtfertigter, obzwar keiner empirischen Darstellung fähiger Begriff der Causalität, nämlich der der Freiheit, ein, und wenn wir anjetzt Gründe ausfindig machen können, zu beweisen, daß diese Eigenschaft dem menschlichen Willen (und so auch dem Willen aller vernünftigen Wesen) in der That zukomme, so wird dadurch nicht allein dargethan, daß reine Vernunft praktisch sein könne, sondern daß sie allein und nicht die empirisch-beschränkte unbedingterweise praktisch sei. Folglich werden wir nicht eine Kritik der reinen praktischen, sondern nur der praktischen Vernunft überhaupt zu bearbeiten V:16 haben. Denn reine Vernunft, wenn allererst dargethan worden, daß es eine solche gebe, bedarf keiner Kritik. Sie ist es, welche selbst die Richtschnur zur Kritik alles ihres Gebrauchs enthält. Die Kritik der A 31 praktischen Vernunft überhaupt hat also die Obliegenheit, die empirisch bedingte Vernunft von der Anmaßung abzuhalten, ausschließungsweise den Bestimmungsgrund des Willens allein abgeben zu wollen. Der Gebrauch der reinen Vernunft, wenn, daß es eine solche gebe, ausgemacht ist, ist allein immanent; der empirisch-bedingte, der sich die Alleinherrschaft anmaßt, ist dagegen transscendent und äußert sich in Zumuthungen und Geboten, die ganz über ihr Gebiet hinausgehen, welches gerade das umgekehrte Verhältniß von dem ist, was von der reinen Vernunft im speculativen Gebrauche gesagt werden konnte.

Indessen, da es immer noch reine Vernunft ist, deren Erkenntniß hier dem praktischen Gebrauche zum Grunde liegt, so wird doch die Eintheilung einer Kritik der praktischen Vernunft dem allgemeinen Abrisse nach der der speculativen gemäß angeordnet werden müssen. Wir werden also eine Elementarlehre und Methodenlehre derselben, in jener als dem ersten Theile eine Analytik als Regel der Wahrheit und eine Dialektik als Darstellung und Auflösung des Scheins in Urtheilen der praktischen Vernunft haben müssen. Allein die Ordnung in der Unterabtheilung der Analytik wird wiederum das Umgewandte von der in der A 32 Kritik der reinen speculativen Vernunft sein. Denn in der gegenwärtigen werden wir von Grundsätzen anfangend zu Begriffen und von diesen allererst, wo möglich, zu den Sinnen gehen; da wir hingegen bei der speculativen Vernunft von den Sinnen anfingen und bei den Grundsätzen endigen mußten. Hievon liegt der Grund nun wiederum darin: daß wir es jetzt mit einem Willen zuthun haben und die Vernunft nicht im Verhältniß auf Gegenstände, sondern auf diesen Willen und dessen Causalität zu erwägen haben, da denn die Grundsätze der empirisch unbedingten Causalität den Anfang machen müssen, nach welchem der Versuch gemacht werden kann, unsere Begriffe von dem Bestimmungsgrunde eines solchen Willens, ihrer Anwendung auf Gegenstände, zuletzt auf das Subject und dessen Sinnlichkeit, allererst festzusetzen. Das Gesetz der Causalität aus Freiheit, d. i. irgend ein reiner praktischer Grundsatz, macht hier unvermeidlich den Anfang und bestimmt die Gegenstände, worauf er allein bezogen werden kann.

Introduction. V:15 A 29 The idea of a critique of practical reason.

The theoretical use of reason dealt with objects of the cognitive faculty alone. A critique of reason in this use really concerned only the pure cognitive faculty. For this aroused the suspicion, later confirmed, that it could easily stray beyond its limits among unreachable objects or even mutually conflicting concepts. The practical use of reason is different. Here reason deals with determining grounds of the will. The will is a capacity either to produce objects corresponding to representations or at least to determine itself to bring them about, whether or not its physical power is sufficient—that is, to determine its causality A 30. For here reason can at least come to determine the will, and always has objective reality to the extent that only willing is at issue. The first question, then, is whether pure reason alone is sufficient to determine the will, or whether reason can be its determining ground only when empirically conditioned. At this point a concept of causality enters that the Critique of Pure Reason has justified, although it cannot be presented empirically: freedom. If we can now find grounds to prove that this property really belongs to the human will, and likewise to the will of all rational beings, we will have shown more than that pure reason can be practical. We will have shown that pure reason alone, and not empirically limited reason, is unconditionally practical. Consequently, we will have to develop not a critique of pure practical reason, but only of practical reason in general V:16. For pure reason needs no critique once it has been shown to exist. It itself contains the standard for criticizing every use of it. The task of the Critique of A 31 Practical Reason in general is therefore to prevent empirically conditioned reason from the presumption of wanting to be the will's sole and exclusive determining ground. Once pure reason is established as existing, its use is only immanent, which means it stays within its own domain. The empirically conditioned use, by contrast, is transcendent when it claims sole authority. It makes demands and issues commands that go completely beyond its domain. This is exactly the reverse of what could be said about pure reason in its speculative use.

Even so, since the cognition underlying practical use here is still that of pure reason, the division of a critique of practical reason must be arranged, in its general outline, to match that of speculative reason. We will therefore need a Doctrine of Elements and a Doctrine of Method. In the former, the first part, we will need an Analytic as the rule of truth, and a Dialectic to present and resolve illusion in the judgments of practical reason. But the order of the subdivisions of the Analytic will again be the reverse of that in the A 32 Critique of Pure Speculative Reason. For in the present critique we will start from principles, proceed to concepts, and only from these, if possible, to the senses. In speculative reason, on the other hand, we started from the senses and had to finish with principles. The reason is again that we now deal with a will. We must consider reason not in relation to objects, but to this will and its causality. So principles of causality that is empirically unconditioned must come first. Only after that can we try to establish our concepts of the determining ground of such a will, of their application to objects, and finally of their application to the subject and its sensibility. The law of causality through freedom—that is, some pure practical principle—must inevitably come first here. It determines the only objects it can be related to.

Part I: Doctrine of the elements of pure practical reason

DerA 33 V:17 Kritik der praktischen Vernunft

Erster Theil. Elementarlehre der reinen praktischen Vernunft.

Of theA 33 V:17 Critique of Practical Reason

Part I. Doctrine of the Elements of Pure Practical Reason.

Book I, Chapter I: The principles of pure practical reason

Erstes Buch. V:19 A 35 Die Analytik der reinen praktischen Vernunft.

Erstes Hauptstück. Von den Grundsätzen der reinen praktischen Vernunft.

§1 Erklärung.

Praktische Grundsätze sind Sätze, welche eine allgemeine Bestimmung des Willens enthalten, die mehrere praktische Regeln unter sich hat. Sie sind subjectiv oder Maximen, wenn die Bedingung nur als für den Willen des Subjects gültig von ihm angesehen wird; objectiv aber oder praktische Gesetze, wenn jene als objectiv, d. i. für den Willen jedes vernünftigen Wesens gültig, erkannt wird.

Anmerkung.

Wenn man annimmt, daß reine Vernunft einen praktisch, d. i. zur Willensbestimmung hinreichenden Grund in sich enthalten könne, so giebt es praktische A 36 Gesetze; wo aber nicht, so werden alle praktische Grundsätze bloße Maximen sein. In einem pathologisch-afficirten Willen eines vernünftigen Wesens kann ein Widerstreit der Maximen wider die von ihm selbst erkannte praktische Gesetze angetroffen werden. Z. B. es kann sich jemand zur Maxime machen, keine Beleidigung ungerächt zu erdulden, und doch zugleich einsehen, daß dieses kein praktisches Gesetz, sondern nur seine Maxime sei, dagegen als Regel für den Willen eines jeden vernünftigen Wesens in einer und derselben Maxime mit sich selbst nicht zusammen stimmen könne. In der Naturerkenntniß sind die Principien dessen, was geschieht, (z. B. das Princip der Gleichheit der Wirkung und Gegenwirkung in der Mittheilung der Bewegung) zugleich Gesetze der Natur; denn der Gebrauch V:20 der Vernunft ist dort theoretisch und durch die Beschaffenheit des Objects bestimmt. In der praktischen Erkenntniß, d. i. derjenigen, welche es blos mit Bestimmungsgründen des Willens zu thun hat, sind Grundsätze, die man sich macht, darum noch nicht Gesetze, darunter man unvermeidlich stehe, weil die Vernunft im Praktischen es mit dem Subjecte zu thun hat, nämlich dem Begehrungsvermögen, nach dessen besonderer Beschaffenheit sich die Regel vielfältig richten kann. — Die praktische Regel ist jederzeit ein Product der Vernunft, weil sie Handlung als Mittel zur Wirkung als Absicht vorschreibt. Diese Regel ist aber für ein Wesen, bei dem Vernunft nicht ganz allein Bestimmungsgrund des Willens ist, ein Imperativ, d. i. eine Regel, die durch ein Sollen, welches die objective Nöthigung der Handlung ausdrückt, bezeichnet wird, und bedeutet, daß, wenn die Vernunft den Willen gänzlich bestimmte, die Handlung unausbleiblich nach dieser Regel geschehen würde. Die Imperativen gelten also objectiv und sind von Maximen, A 37 als subjectiven Grundsätzen, gänzlich unterschieden. Jene bestimmen aber entweder die Bedingungen der Causalität des vernünftigen Wesens, als wirkender Ursache, bloß in Ansehung der Wirkung und Zulänglichkeit zu derselben, oder sie bestimmen nur den Willen, er mag zur Wirkung hinreichend sein oder nicht. Die erstere würden hypothetische Imperativen sein und bloße Vorschriften der Geschicklichkeit enthalten; die zweiten würden dagegen kategorisch und allein praktische Gesetze sein. Maximen sind also zwar Grundsätze, aber nicht Imperativen. Die Imperativen selber aber, wenn sie bedingt sind, d. i. nicht den Willen schlechthin als Willen, sondern nur in Ansehung einer begehrten Wirkung bestimmen, d. i. hypothetische Imperativen sind, sind zwar praktische Vorschriften, aber keine Gesetze. Die letzteren müssen den Willen als Willen, noch ehe ich frage, ob ich gar das zu einer begehrten Wirkung erforderliche Vermögen habe, oder was mir, um diese hervorzubringen, zu thun sei, hinreichend bestimmen, mithin kategorisch sein, sonst sind es keine Gesetze: weil ihnen die Nothwendigkeit fehlt, welche, wenn sie praktisch sein soll, von pathologischen, mithin dem Willen zufällig anklebenden Bedingungen unabhängig sein muß. Saget jemanden, z. B. daß er in der Jugend arbeiten und sparen müsse, um im Alter nicht zu darben: so ist dieses eine richtige und zugleich wichtige praktische Vorschrift des Willens. Man sieht aber leicht, daß der Wille hier auf etwas Anderes verwiesen werde, wovon man voraussetzt, daß er es begehre, und dieses Begehren muß man ihm, dem Thäter selbst, überlassen, ob er noch andere Hülfsquellen außer seinem selbst erworbenen Vermögen vorhersehe, oder ob er gar nicht hoffe alt zu werden, oder sich denkt im Falle der Noth dereinst schlecht behelfen zu können. Die Vernunft, aus der allein alle Regel, A 38 die Nothwendigkeit enthalten soll, entspringen kann, legt in diese ihre Vorschrift zwar auch Nothwendigkeit (denn ohne das wäre sie kein Imperativ), aber diese ist nur subjectiv bedingt, und man kann sie nicht in allen Subjecten in gleichem Grade voraussetzen. Zu ihrer Gesetzgebung aber wird erfordert, daß sie blos sich selbst V:21 vorauszusetzen bedürfe, weil die Regel nur alsdann objectiv und allgemein gültig ist, wenn sie ohne zufällige, subjective Bedingungen gilt, die ein vernünftig Wesen von dem andern unterscheiden. Nun sagt jemanden, er solle niemals lügenhaft versprechen, so ist dies eine Regel, die blos seinen Willen betrifft; die Absichten, die der Mensch haben mag, mögen durch denselben erreicht werden können, oder nicht; das bloße Wollen ist das, was durch jene Regel völlig a priori bestimmt werden soll. Findet sich nun, daß diese Regel praktisch richtig sei, so ist sie ein Gesetz, weil sie ein kategorischer Imperativ ist. Also beziehen sich praktische Gesetze allein auf den Willen, unangesehen dessen, was durch die Causalität desselben ausgerichtet wird, und man kann von der letztern (als zur Sinnenwelt gehörig) abstrahiren um sie rein zu haben.

§2 Lehrsatz I.

Alle praktische Principien, die ein Object (Materie) des Begehrungsvermögens als Bestimmungsgrund des Willens voraussetzen, sind insgesammt empirisch und können keine praktische Gesetze abgeben.

Ich verstehe unter der Materie des Begehrungsvermögens einen Gegenstand, dessen Wirklichkeit begehrt wird. Wenn die Begierde nach diesem Gegenstande nun vor der praktischen Regel vorhergeht und die Bedingung A 39 ist, sie sich zum Princip zu machen, so sage ich (erstlich): dieses Princip ist alsdann jederzeit empirisch. Denn der Bestimmungsgrund der Willkür ist alsdann die Vorstellung eines Objects und dasjenige Verhältniß derselben zum Subject, wodurch das Begehrungsvermögen zur Wirklichmachung desselben bestimmt wird. Ein solches Verhältniß aber zum Subject heißt die Lust an der Wirklichkeit eines Gegenstandes. Also müßte diese als Bedingung der Möglichkeit der Bestimmung der Willkür vorausgesetzt werden. Es kann aber von keiner Vorstellung irgend eines Gegenstandes, welche sie auch sei, a priori erkannt werden, ob sie mit Lust oder Unlust verbunden, oder indifferent sein werde. Also muß in solchem Falle der Bestimmungsgrund der Willkür jederzeit empirisch sein, mithin auch das praktische materiale Princip, welches ihn als Bedingung voraussetzte.

Da nun (zweitens) ein Princip, das sich nur auf die subjective Bedingung der Empfänglichkeit einer Lust oder Unlust (die jederzeit nur empirisch erkannt und nicht für alle vernünftige Wesen in gleicher Art gültig sein kann) gründet, zwar wohl für das Subject, das sie besitzt, zu ihrer Maxime, aber auch für diese selbst (weil es ihm an objectiver V:22 Nothwendigkeit, die a priori erkannt werden muß, mangelt) nicht zum Gesetze dienen kann, so kann ein solches Princip niemals ein praktisches A 40 Gesetz abgeben.

§3 Lehrsatz II.

Alle materiale praktische Principien sind, als solche, insgesammt von einer und derselben Art und gehören unter das allgemeine Princip der Selbstliebe oder eigenen Glückseligkeit.

Die Lust aus der Vorstellung der Existenz einer Sache, so fern sie ein Bestimmungsgrund des Begehrens dieser Sache sein soll, gründet sich auf der Empfänglichkeit des Subjects, weil sie von dem Dasein eines Gegenstandes abhängt; mithin gehört sie dem Sinne (Gefühl) und nicht dem Verstande an, der eine Beziehung der Vorstellung auf ein Object nach Begriffen, aber nicht auf das Subject nach Gefühlen ausdrückt. Sie ist also nur so fern praktisch, als die Empfindung der Annehmlichkeit, die das Subject von der Wirklichkeit des Gegenstandes erwartet, das Begehrungsvermögen bestimmt. Nun ist aber das Bewußtsein eines vernünftigen Wesens von der Annehmlichkeit des Lebens, die ununterbrochen sein ganzes Dasein begleitet, die Glückseligkeit, und das Princip, diese sich zum höchsten Bestimmungsgrunde der Willkür zu machen, das Princip der Selbstliebe. Also sind alle materiale Principien, die den Bestimmungsgrund der Willkür in der aus irgend eines Gegenstandes Wirklichkeit A 41 zu empfindenden Lust oder Unlust setzen, so fern gänzlich von einerlei Art, daß sie insgesammt zum Princip der Selbstliebe oder eigenen Glückseligkeit gehören.

Folgerung.

Alle materiale praktische Regeln setzen den Bestimmungsgrund des Willens im unteren Begehrungsvermögen, und, gäbe es gar keine blos formale Gesetze desselben, die den Willen hinreichend bestimmten, so würde auch kein oberes Begehrungsvermögen eingeräumt werden können.

Anmerkung I.

Man muß sich wundern, wie sonst scharfsinnige Männer einen Unterschied zwischen dem unteren und oberen Begehrungsvermögen darin zu finden V:23 glauben können, ob die Vorstellungen, die mit dem Gefühl der Lust verbunden sind, in den Sinnen, oder dem Verstande ihren Ursprung haben. Denn es kommt, wenn man nach den Bestimmungsgründen des Begehrens frägt und sie in einer von irgend etwas erwarteten Annehmlichkeit setzt, gar nicht darauf an, wo die Vorstellung dieses vergnügenden Gegenstandes herkomme, sondern nur wie sehr sie vergnügt. Wenn eine Vorstellung, sie mag immerhin im Verstande ihren Sitz und Ursprung haben, die Willkür nur dadurch bestimmen kann, daß sie ein Gefühl einer Lust im Subjecte voraussetzt, so ist, daß sie ein Bestimmungsgrund der Willkür sei, gänzlich von der Beschaffenheit des inneren Sinnes abhängig, daß dieser nämlich dadurch mit Annehmlichkeit afficirt werden kann. Die Vorstellungen der Gegenstände mögen noch so ungleichartig, sie mögen Verstandes-, A 42 selbst Vernunftvorstellungen im Gegensatze der Vorstellungen der Sinne sein, so ist doch das Gefühl der Lust, wodurch jene doch eigentlich nur den Bestimmungsgrund des Willens ausmachen, (die Annehmlichkeit, das Vergnügen, das man davon erwartet, welches die Thätigkeit zur Hervorbringung des Objects antreibt) nicht allein so fern von einerlei Art, daß es jederzeit blos empirisch erkannt werden kann, sondern auch sofern, als es eine und dieselbe Lebenskraft, die sich im Begehrungsvermögen äußert, afficirt und in dieser Beziehung von jedem anderen Bestimmungsgrunde in nichts als dem Grade verschieden sein kann. Wie würde man sonst zwischen zwei der Vorstellungsart nach gänzlich verschiedenen Bestimmungsgründen eine Vergleichung der Größe nach anstellen können, um den, der am meisten das Begehrungsvermögen afficirt, vorzuziehen? Eben derselbe Mensch kann ein ihm lehrreiches Buch, das ihm nur einmal zu Händen kommt, ungelesen zurückgeben, um die Jagd nicht zu versäumen, in der Mitte einer schönen Rede weggehen, um zur Mahlzeit nicht zu spät zu kommen, eine Unterhaltung durch vernünftige Gespräche, die er sonst sehr schätzt, verlassen, um sich an den Spieltisch zu setzen, sogar einen Armen, dem wohlzuthun ihm sonst Freude ist, abweisen, weil er jetzt eben nicht mehr Geld in der Tasche hat, als er braucht, um den Eintritt in die Komödie zu bezahlen. Beruht die Willensbestimmung auf dem Gefühle der Annehmlichkeit oder Unannehmlichkeit, die er aus irgend einer Ursache erwartet, so ist es ihm gänzlich einerlei, durch welche Vorstellungsart er afficirt werde. Nur wie stark, wie lange, wie leicht erworben und oft wiederholt diese Annehmlichkeit sei, daran liegt es ihm, um sich zur Wahl zu entschließen. So wie demjenigen, der Gold zur Ausgabe braucht, gänzlich einerlei ist, ob die Materie desselben, das A 43 Gold, aus dem Gebirge gegraben, oder aus dem Sande gewaschen ist, wenn es nur allenthalben für denselben Werth angenommen wird, so frägt kein Mensch, wenn es ihm blos an der Annehmlichkeit des Lebens gelegen ist, ob Verstandes- oder Sinnesvorstellungen, sondern nur wie viel und großes Vergnügen sie ihm auf die längste Zeit verschaffen. Nur diejenigen, welche der reinen Vernunft das Vermögen, ohne Voraussetzung irgend eines Gefühls den Willen zu bestimmen, gerne abstreiten V:24 möchten, können sich so weit von ihrer eigenen Erklärung verirren, das, was sie selbst vorher auf ein und eben dasselbe Princip gebracht haben, dennoch hernach für ganz ungleichartig zu erklären. So findet sich z. B., daß man auch an bloßer Kraftanwendung, an dem Bewußtsein seiner Seelenstärke in Überwindung der Hindernisse, die sich unserem Vorsatze entgegensetzen, an der Kultur der Geistestalente u. s. w. Vergnügen finden könne, und wir nennen das mit Recht feinere Freuden und Ergötzungen, weil sie mehr wie andere in unserer Gewalt sind, sich nicht abnutzen, das Gefühl zu noch mehrerem Genuß derselben vielmehr stärken und, indem sie ergötzen, zugleich cultiviren. Allein sie darum für eine andere Art, den Willen zu bestimmen, als blos durch den Sinn, auszugeben, da sie doch einmal zur Möglichkeit jener Vergnügen ein daraus in uns angelegtes Gefühl als erste Bedingung dieses Wohlgefallens voraussetzen, ist gerade so, als wenn Unwissende, die gerne in der Metaphysik pfuschern möchten, sich die Materie so fein, so überfein, daß sie selbst darüber schwindlig werden möchten, denken und dann glauben, auf diese Art sich ein geistiges und doch ausgedehntes Wesen erdacht zu haben. Wenn wir es mit dem Epikur bei der Tugend aufs bloße Vergnügen aussetzen, das sie verspricht, um den A 44 Willen zu bestimmen, so können wir ihn hernach nicht tadeln, daß er dieses mit denen der gröbsten Sinne für ganz gleichartig hält; denn man hat gar nicht Grund ihm aufzubürden, daß er die Vorstellungen, wodurch dieses Gefühl in uns erregt würde, blos den körperlichen Sinnen beigemessen hätte. Er hat von vielen derselben den Quell, so viel man errathen kann, eben sowohl in dem Gebrauch des höheren Erkenntnißvermögens gesucht; aber das hinderte ihn nicht und konnte ihn auch nicht hindern, nach genanntem Princip das Vergnügen selbst, das uns jene allenfalls intellectuelle Vorstellungen gewähren, und wodurch sie allein Bestimmungsgründe des Willens sein können, gänzlich für gleichartig zu halten. Consequent zu sein, ist die größte Obliegenheit eines Philosophen und wird doch am seltensten angetroffen. Die alten griechischen Schulen geben uns davon mehr Beispiele, als wir in unserem synkretistischen Zeitalter antreffen, wo ein gewisses Coalitionssystem widersprechender Grundsätze voll Unredlichkeit und Seichtigkeit erkünstelt wird, weil es sich einem Publicum besser empfiehlt, das zufrieden ist, von allem etwas und im ganzen nichts zu wissen und dabei in alten Sätteln gerecht zu sein. Das Princip der eignen Glückseligkeit, so viel Verstand und Vernunft bei ihm auch gebraucht werden mag, würde doch für den Willen keine andere Bestimmungsgründe, als die dem unteren Begehrungsvermögen angemessen sind, in sich fassen, und es giebt also entweder gar kein oberes Begehrungsvermögen, oder reine Vernunft muß für sich allein praktisch sein, d. i. ohne Voraussetzung irgend eines Gefühls, mithin ohne Vorstellungen des Angenehmen oder Unangenehmen als der Materie des Begehrungsvermögens, die jederzeit eine empirische Bedingung der Principien ist, durch die bloße Form der praktischen Regel den Willen bestimmen A 45 können. Alsdann allein ist Vernunft nur, so fern sie für sich selbst den Willen V:25 bestimmt (nicht im Dienste der Neigungen ist), ein wahres oberes Begehrungsvermögen, dem das pathologisch bestimmbare untergeordnet ist, und wirklich, ja specifisch von diesem unterschieden, so daß sogar die mindeste Beimischung von den Antrieben der letzteren ihrer Stärke und Vorzuge Abbruch thut, so wie das mindeste Empirische, als Bedingung in einer mathematischen Demonstration, ihre Würde und Nachdruck herabsetzt und vernichtet. Die Vernunft bestimmt in einem praktischen Gesetze unmittelbar den Willen, nicht vermittelst eines dazwischen kommenden Gefühls der Lust und Unlust, selbst nicht an diesem Gesetze, und nur, daß sie als reine Vernunft praktisch sein kann, macht es ihr möglich, gesetzgebend zu sein.

Anmerkung II.

Glücklich zu sein, ist nothwendig das Verlangen jedes vernünftigen, aber endlichen Wesens und also ein unvermeidlicher Bestimmungsgrund seines Begehrungsvermögens. Denn die Zufriedenheit mit seinem ganzen Dasein ist nicht etwa ein ursprünglicher Besitz und eine Seligkeit, welche ein Bewußtsein seiner unabhängigen Selbstgenugsamkeit voraussetzen würde, sondern ein durch seine endliche Natur selbst ihm aufgedrungenes Problem, weil es bedürftig ist, und dieses Bedürfniß betrifft die Materie seines Begehrungsvermögens, d. i. etwas, was sich auf ein subjectiv zum Grunde liegendes Gefühl der Lust oder Unlust bezieht, dadurch das, was es zur Zufriedenheit mit seinem Zustande bedarf, bestimmt wird. Aber eben darum, weil dieser materiale Bestimmungsgrund von dem Subjecte blos empirisch erkannt werden kann, ist es unmöglich diese Aufgabe als ein Gesetz zu betrachten, weil dieses als objectiv in allen Fällen und für alle vernünftige Wesen eben denselben A 46 Bestimmungsgrund des Willens enthalten müßte. Denn obgleich der Begriff der Glückseligkeit der praktischen Beziehung der Objecte aufs Begehrungsvermögen allerwärts zum Grunde liegt, so ist er doch nur der allgemeine Titel der subjectiven Bestimmungsgründe und bestimmt nichts specifisch, darum es doch in dieser praktischen Aufgabe allein zu thun ist, und ohne welche Bestimmung sie gar nicht aufgelöst werden kann. Worin nämlich jeder seine Glückseligkeit zu setzen habe, kommt auf jedes sein besonderes Gefühl der Lust und Unlust an, und selbst in einem und demselben Subject auf die Verschiedenheit des Bedürfnisses nach den Abänderungen dieses Gefühls, und ein subjectiv nothwendiges Gesetz (als Naturgesetz) ist also objectiv ein gar sehr zufälliges praktisches Princip, das in verschiedenen Subjecten sehr verschieden sein kann und muß, mithin niemals ein Gesetz abgeben kann, weil es bei der Begierde nach Glückseligkeit nicht auf die Form der Gesetzmäßigkeit, sondern lediglich auf die Materie ankommt, nämlich ob und wieviel Vergnügen ich in der Befolgung des Gesetzes zu erwarten habe. Principien der Selbstliebe können zwar allgemeine Regeln der Geschicklichkeit (Mittel zu Absichten V:26 auszufinden) enthalten, alsdann sind es aber blos theoretische Principien7 (z. B. wie derjenige, der gerne Brot essen möchte, sich eine Mühle auszudenken habe). A 47 Aber praktische Vorschriften, die sich auf sie gründen, können niemals allgemein sein, denn der Bestimmungsgrund des Begehrungsvermögens ist auf das Gefühl der Lust und Unlust, das niemals als allgemein auf dieselben Gegenstände gerichtet angenommen werden kann, gegründet.

Aber gesetzt, endliche vernünftige Wesen dächten auch in Ansehung dessen, was sie für Objecte ihrer Gefühle des Vergnügens oder Schmerzens anzunehmen hätten, imgleichen sogar in Ansehung der Mittel, deren sie sich bedienen müssen, um die erstern zu erreichen, die andern abzuhalten, durchgehends einerlei, so würde das Princip der Selbstliebe dennoch von ihnen durchaus für kein praktisches Gesetz ausgegeben werden können; denn diese Einhelligkeit wäre selbst doch nur zufällig. Der Bestimmungsgrund wäre immer doch nur subjectiv gültig und blos empirisch und hätte diejenige Nothwendigkeit nicht, die in einem jeden Gesetze gedacht wird, nämlich die objective aus Gründen a priori; man müßte denn diese Nothwendigkeit gar nicht für praktisch, sondern für blos physisch ausgeben, nämlich daß die Handlung durch unsere Neigung uns eben so unausbleiblich abgenöthigt würde, als das Gähnen, wenn wir andere gähnen sehen. Man würde eher behaupten können, daß es gar keine praktische Gesetze gebe, sondern nur Anrathungen zum Behuf unserer Begierden, als daß blos subjective Principien zum Range praktischer Gesetze erhoben würden, die durchaus objective und nicht blos subjective Nothwendigkeit haben und durch Vernunft a priori, nicht durch Erfahrung (so empirisch allgemein diese auch sein mag) erkannt sein müssen. Selbst die Regeln einstimmiger Erscheinungen werden nur Naturgesetze (z. B. die mechanischen) genannt, wenn man sie entweder wirklich a priori erkennt, oder doch (wie bei den A 48 chemischen) annimmt, sie würden a priori aus objectiven Gründen erkannt werden, wenn unsere Einsicht tiefer ginge. Allein bei blos subjectiven praktischen Principien wird das ausdrücklich zur Bedingung gemacht, daß ihnen nicht objective, sondern subjective Bedingungen der Willkür zum Grunde liegen müssen; mithin, daß sie jederzeit nur als bloße Maximen, niemals aber als praktische Gesetze vorstellig gemacht werden dürfen. Diese letztere Anmerkung scheint beim ersten Anblicke bloße Wortklauberei zu sein; allein sie ist die Wortbestimmung des allerwichtigsten Unterschiedes, der nur in praktischen Untersuchungen in Betrachtung kommen mag.

§4 V:27 Lehrsatz III.

Wenn ein vernünftiges Wesen sich seine Maximen als praktische allgemeine Gesetze denken soll, so kann es sich dieselbe nur als solche Principien denken, die nicht der Materie, sondern blos der Form nach den Bestimmungsgrund des Willens enthalten.

Die Materie eines praktischen Princips ist der Gegenstand des Willens. Dieser ist entweder der Bestimmungsgrund des letzteren oder nicht. Ist er der Bestimmungsgrund desselben, so würde die Regel des Willens einer empirischen Bedingung (dem Verhältnisse der bestimmenden Vorstellung zum Gefühle der Lust und Unlust) unterworfen, folglich kein praktisches Gesetz sein. Nun bleibt von einem Gesetze, wenn man alle Materie, d. i. jeden Gegenstand des Willens, (als Bestimmungsgrund) davon absondert, nichts übrig, als die bloße Form einer allgemeinen Gesetzgebung. A 49 Also kann ein vernünftiges Wesen sich seine subjectiv-praktische Principien, d. i. Maximen, entweder gar nicht zugleich als allgemeine Gesetze denken, oder es muß annehmen, daß die bloße Form derselben, nach der jene sich zur allgemeinen Gesetzgebung schicken, sie für sich allein zum praktischen Gesetze mache.

Anmerkung.

Welche Form in der Maxime sich zur allgemeinen Gesetzgebung schicke, welche nicht, das kann der gemeinste Verstand ohne Unterweisung unterscheiden. Ich habe z. B. es mir zur Maxime gemacht, mein Vermögen durch alle sichere Mittel zu vergrößern. Jetzt ist ein Depositum in meinen Händen, dessen Eigenthümer verstorben ist und keine Handschrift darüber zurückgelassen hat. Natürlicherweise ist dies der Fall meiner Maxime. Jetzt will ich nur wissen, ob jene Maxime auch als allgemeines praktisches Gesetz gelten könne. Ich wende jene also auf gegenwärtigen Fall an und frage, ob sie wohl die Form eines Gesetzes annehmen, mithin ich wohl durch meine Maxime zugleich ein solches Gesetz geben könnte: daß jedermann ein Depositum ableugnen dürfe, dessen Niederlegung ihm niemand beweisen kann. Ich werde sofort gewahr, daß ein solches Princip, als Gesetz, sich selbst vernichten würde, weil es machen würde, daß es gar kein Depositum gäbe. Ein praktisches Gesetz, was ich dafür erkenne, muß sich zur allgemeinen Gesetzgebung qualificiren; dies ist ein identischer Satz und also für sich klar. Sage ich nun: mein Wille steht unter einem praktischen Gesetze, so kann ich nicht meine Neigung (z. B. im gegenwärtigen Falle meine Habsucht) als den zu einem allgemeinen praktischen Gesetze schicklichen V:28 Bestimmungsgrund desselben anführen; denn diese, weit gefehlt daß sie A 50 zu einer allgemeinen Gesetzgebung tauglich sein sollte, so muß sie vielmehr in der Form eines allgemeinen Gesetzes sich selbst aufreiben.

Es ist daher wunderlich, wie, da die Begierde zur Glückseligkeit, mithin auch die Maxime, dadurch sich jeder diese letztere zum Bestimmungsgrunde seines Willens setzt, allgemein ist, es verständigen Männern habe in den Sinn kommen können, es darum für ein allgemein praktisches Gesetz auszugeben. Denn da sonst ein allgemeines Naturgesetz alles einstimmig macht, so würde hier, wenn man der Maxime die Allgemeinheit eines Gesetzes geben wollte, grade das äußerste Widerspiel der Einstimmung, der ärgste Widerstreit und die gänzliche Vernichtung der Maxime selbst und ihrer Absicht erfolgen. Denn der Wille Aller hat alsdann nicht ein und dasselbe Object, sondern ein jeder hat das seinige (sein eigenes Wohlbefinden), welches sich zwar zufälligerweise auch mit anderer ihren Absichten, die sie gleichfalls auf sich selbst richten, vertragen kann, aber lange nicht zum Gesetze hinreichend ist, weil die Ausnahmen, die man gelegentlich zu machen befugt ist, endlos sind und gar nicht bestimmt in eine allgemeine Regel befaßt werden können. Es kommt auf diese Art eine Harmonie heraus, die derjenigen ähnlich ist, welche ein gewisses Spottgedicht auf die Seeleneintracht zweier sich zu Grunde richtenden Eheleute schildert: O wundervolle Harmonie, was er will, will auch sie &c., oder was von der Anheischigmachung König Franz des Ersten gegen Kaiser Karl den Fünften erzählt wird: was mein Bruder Karl haben will (Mailand), das will ich auch haben. Empirische Bestimmungsgründe taugen zu keiner allgemeinen äußeren Gesetzgebung, aber auch eben so wenig zur innern; denn jeder legt sein Subject, ein anderer aber ein anderes Subject der Neigung zum Grunde, A 51 und in jedem Subject selber ist bald die, bald eine andere im Vorzuge des Einflusses. Ein Gesetz ausfindig zu machen, das sie inssammt unter dieser Bedingung, nämlich mit allerseitiger Einstimmung, regierte, ist schlechterdings unmöglich.

§5 Aufgabe I.

Vorausgesetzt, daß die bloße gesetzgebende Form der Maximen allein der zureichende Bestimmungsgrund eines Willens sei: die Beschaffenheit desjenigen Willens zu finden, der dadurch allein bestimmbar ist.

Da die bloße Form des Gesetzes lediglich von der Vernunft vorgestellt werden kann und mithin kein Gegenstand der Sinne ist, folglich auch nicht unter die Erscheinungen gehört: so ist die Vorstellung derselben als Bestimmungsgrund des Willens von allen Bestimmungsgründen der Begebenheiten in der Natur nach dem Gesetze der Causalität unterschieden, V:29 weil bei diesen die bestimmenden Gründe selbst Erscheinungen sein müssen. Wenn aber auch kein anderer Bestimmungsgrund des Willens für diesen zum Gesetz dienen kann, als blos jene allgemeine gesetzgebende Form: so muß ein solcher Wille als gänzlich unabhängig von dem Naturgesetz der Erscheinungen, nämlich dem Gesetze der Causalität, beziehungsweise auf einander gedacht werden. Eine solche Unabhängigkeit aber heißt Freiheit im strengsten, d. i. transscendentalen, Verstande. Also ist ein Wille, A 52 dem die bloße gesetzgebende Form der Maxime allein zum Gesetze dienen kann, ein freier Wille.

§6 Aufgabe II.

Vorausgesetzt, daß ein Wille frei sei, das Gesetz zu finden, welches ihn allein nothwendig zu bestimmen tauglich ist.

Da die Materie des praktischen Gesetzes, d. i. ein Object der Maxime, niemals anders als empirisch gegeben werden kann, der freie Wille aber, als von empirischen (d. i. zur Sinnenwelten gehörigen) Bedingungen unabhängig, dennoch bestimmbar sein muß: so muß ein freier Wille, unabhängig von der Materie des Gesetzes, dennoch einen Bestimmungsgrund in dem Gesetze antreffen. Es ist aber außer der Materie des Gesetzes nichts weiter in demselben als die gesetzgebende Form enthalten. Also ist die gesetzgebende Form, so fern sie in der Maxime enthalten ist, das einzige, was einen Bestimmungsgrund des Willens ausmachen kann.

Anmerkung.

Freiheit und unbedingtes praktisches Gesetz weisen also wechselsweise auf einander zurück. Ich frage hier nun nicht: ob sie auch in der That verschieden seien, und nicht vielmehr ein unbedingtes Gesetz blos das Selbstbewußtsein einer reinen praktischen Vernunft, diese aber ganz einerlei mit dem positiven Begriffe der Freiheit sei; sondern wovon unsere Erkenntniß des unbedingt Praktischen anhebe, ob von der Freiheit, oder dem praktischen Gesetze. Von der Freiheit kann es nicht anheben; A 53 denn deren können wir uns weder unmittelbar bewußt werden, weil ihr erster Begriff negativ ist, noch darauf aus der Erfahrung schließen, denn Erfahrung giebt uns nur das Gesetz der Erscheinungen, mithin den Mechanism der Natur, das gerade Widerspiel der Freiheit, zu erkennen. Also ist es das moralische Gesetz, dessen wir uns unmittelbar bewußt werden (so bald wir uns Maximen des Willens entwerfen), welches sich uns zuerst darbietet und, indem die Vernunft V:30 jenes als einen durch keine sinnliche Bedingungen zu überwiegenden, ja davon gänzlich unabhängigen Bestimmungsgrund darstellt, gerade auf den Begriff der Freiheit führt. Wie ist aber auch das Bewußtsein jenes moralischen Gesetzes möglich? Wir können uns reiner praktischer Gesetze bewußt werden, eben so wie wir uns reiner theoretischer Grundsätze bewußt sind, indem wir auf die Nothwendigkeit, womit sie uns die Vernunft vorschreibt, und auf Absonderung aller empirischen Bedingungen, dazu uns jene hinweiset, Acht haben. Der Begriff eines reinen Willens entspringt aus den ersteren, wie das Bewußtsein eines reinen Verstandes aus dem letzteren. Daß dieses die wahre Unterordnung unserer Begriffe sei, und Sittlichkeit uns zuerst den Begriff der Freiheit entdecke, mithin praktische Vernunft zuerst der speculativen das unauflöslichste Problem mit diesem Begriffe aufstelle, um sie durch denselben in die größte Verlegenheit zu setzen, erhellt schon daraus: daß, da aus dem Begriffe der Freiheit in den Erscheinungen nichts erklärt werden kann, sondern hier immer Naturmechanism den Leitfaden ausmachen muß, überdem auch die Antinomie der reinen Vernunft, wenn sie zum Unbedingten in der Reihe der Ursachen aufsteigen will, sich bei einem so sehr wie bei dem andern in Unbegreiflichkeiten verwickelt, indessen daß doch der letztere (Mechanism) wenigstens A 54 Brauchbarkeit in Erklärung der Erscheinungen hat, man niemals zu dem Wagstücke gekommen sein würde, Freiheit in die Wissenschaft einzuführen, wäre nicht das Sittengesetz und mit ihm praktische Vernunft dazu gekommen und hätte uns diesen Begriff nicht aufgedrungen. Aber auch die Erfahrung bestätigt diese Ordnung der Begriffe in uns. Setzet, daß jemand von seiner wollüstigen Neigung vorgiebt, sie sei, wenn ihm der beliebte Gegenstand und die Gelegenheit dazu vorkämen, für ihn ganz unwiderstehlich: ob, wenn ein Galgen vor dem Hause, da er diese Gelegenheit trifft, aufgerichtet wäre, um ihn sogleich nach genossener Wollust daran zu knüpfen, er alsdann nicht seine Neigung bezwingen würde. Man darf nicht lange rathen, was er antworten würde. Fragt ihn aber, ob, wenn sein Fürst ihm unter Androhung derselben unverzögerten Todesstrafe zumuthete, ein falsches Zeugniß wider einen ehrlichen Mann, den er gerne unter scheinbaren Vorwänden verderben möchte, abzulegen, ob er da, so groß auch seine Liebe zum Leben sein mag, sie wohl zu überwinden für möglich halte. Ob er es thun würde, oder nicht, wird er vielleicht sich nicht getrauen zu versichern; daß es ihm aber möglich sei, muß er ohne Bedenken einräumen. Er urtheilt also, daß er etwas kann, darum weil er sich bewußt ist, daß er es soll, und erkennt in sich die Freiheit, die ihm sonst ohne das moralische Gesetz unbekannt geblieben wäre.

§7 Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft.

Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Princip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.

V:31

Anmerkung. A 55

Die reine Geometrie hat Postulate als praktische Sätze, die aber nichts weiter enthalten als die Voraussetzung, daß man etwas thun könne, wenn etwa gefordert würde, man solle es thun und diese sind die einzigen Sätze derselben, die ein Dasein betreffen. Es sind also praktische Regeln unter einer problematischen Bedingung des Willens. Hier aber sagt die Regel: man solle schlechthin auf gewisse Weise verfahren. Die praktische Regel ist also unbedingt, mithin als kategorisch praktischer Satz a priori vorgestellt, wodurch der Wille schlechterdings und unmittelbar (durch die praktische Regel selbst, die also hier Gesetz ist) objectiv bestimmt wird. Denn reine, an sich praktische Vernunft ist hier unmittelbar gesetzgebend. Der Wille wird als unabhängig von empirischen Bedingungen, mithin, als reiner Wille, durch die bloße Form des Gesetzes als bestimmt gedacht und dieser Bestimmungsgrund als die oberste Bedingung aller Maximen angesehen. Die Sache ist befremdlich genug und hat ihres gleichen in der ganzen übrigen praktischen Erkenntniß nicht. Denn der Gedanke a priori von einer möglichen allgemeinen Gesetzgebung, der also blos problematisch ist, wird, ohne von der Erfahrung oder irgend einem äußeren Willen etwas zu entlehnen, als Gesetz unbedingt geboten. Es ist aber auch nicht eine Vorschrift, nach welcher eine Handlung geschehen soll, dadurch eine begehrte Wirkung möglich ist (denn da wäre die Regel immer physisch bedingt), sondern eine Regel, die blos den Willen in Ansehung der Form seiner Maximen a priori bestimmt, und da ist ein Gesetz, welches blos zum Behuf der subjectiven Form der Grundsätze dient, als Bestimmungsgrund durch die objective Form eines Gesetzes überhaupt, wenigstens zu denken nicht unmöglich. Man kann das Bewußtsein dieses Grundgesetzes ein Factum der Vernunft nennen, A 56 weil man es nicht aus vorhergehenden Datis der Vernunft, z. B. dem Bewußtsein der Freiheit (denn dieses ist uns nicht vorher gegeben), herausvernünfteln kann, sondern weil es sich für sich selbst uns aufdringt als synthetischer Satz a priori, der auf keiner, weder reinen noch empirischen, Anschauung gegründet ist, ob er gleich analytisch sein würde, wenn man die Freiheit des Willens voraussetzte, wozu aber, als positivem Begriffe, eine intellectuelle Anschauung erfordert werden würde, die man hier gar nicht annehmen darf. Doch muß man, um dieses Gesetz ohne Mißdeutung als gegeben anzusehen, wohl bemerken: daß es kein empirisches, sondern das einzige Factum der reinen Vernunft sei, die sich dadurch als ursprünglich gesetzgebend (sic volo, sic jubeo) ankündigt.

Folgerung.

Reine Vernunft ist für sich allein praktisch und giebt (dem Menschen) ein allgemeines Gesetz, welches wir das Sittengesetz nennen.

V:32

Anmerkung.

Das vorher genannte Factum ist unleugbar. Man darf nur das Urtheil zergliedern, welches die Menschen über die Gesetzmäßigkeit ihrer Handlungen fällen: so wird man jederzeit finden, daß, was auch die Neigung dazwischen sprechen mag, ihre Vernunft dennoch, unbestechlich und durch sich selbst gezwungen, die Maxime des Willens bei einer Handlung jederzeit an den reinen Willen halte, d. i. an sich selbst, indem sie sich als a priori praktisch betrachtet. Dieses Princip der Sittlichkeit nun, eben um der Allgemeinheit der Gesetzgebung willen, die es zum formalen obersten Bestimmungsgrunde des Willens unangesehen aller subjectiven Verschiedenheiten desselben macht, erklärt die Vernunft zugleich zu einem Gesetze für alle vernünftige A 57 Wesen, so fern sie überhaupt einen Willen, d. i. ein Vermögen haben, ihre Causalität durch die Vorstellung von Regeln zu bestimmen, mithin so fern sie der Handlungen nach Grundsätzen, folglich auch nach praktischen Principien a priori (denn diese haben allein diejenige Nothwendigkeit, welche die Vernunft zum Grundsatze fordert) fähig sind. Es schränkt sich also nicht blos auf Menschen ein, sondern geht auf alle endliche Wesen, die Vernunft und Willen haben, ja schließt sogar das unendliche Wesen als oberste Intelligenz mit ein. Im ersteren Falle aber hat das Gesetz die Form eines Imperativs, weil man an jenem zwar als vernünftigem Wesen einen reinen, aber als mit Bedürfnissen und sinnlichen Bewegursachen afficirtem Wesen keinen heiligen Willen, d. i. einen solchen, der keiner dem moralischen Gesetze widerstreitenden Maximen fähig wäre, voraussetzen kann. Das moralische Gesetz ist daher bei jenen ein Imperativ, der kategorisch gebietet, weil das Gesetz unbedingt ist; das Verhältniß eines solchen Willens zu diesem Gesetze ist Abhängigkeit, unter dem Namen der Verbindlichkeit, welche eine Nöthigung, obzwar durch bloße Vernunft und deren objectives Gesetz, zu einer Handlung bedeutet, die darum Pflicht heißt, weil eine pathologisch afficirte (obgleich dadurch nicht bestimmte, mithin auch immer freie) Willkür einen Wunsch bei sich führt, der aus subjectiven Ursachen entspringt, daher auch dem reinen objectiven Bestimmungsgrunde oft entgegen sein kann und also eines Widerstandes der praktischen Vernunft, der ein innerer, aber intellectueller Zwang genannt werden kann, als moralischer Nöthigung bedarf. In der allergnugsamsten Intelligenz wird die Willkür als keiner Maxime fähig, die nicht zugleich objectiv Gesetz sein könnte, mit Recht vorgestellt, und der Begriff der Heiligkeit, der ihr um deswillen zukommt, setzt sie A 58 zwar nicht über alle praktische, aber doch über alle praktisch-einschränkende Gesetze, mithin Verbindlichkeit und Pflicht weg. Diese Heiligkeit des Willens ist gleichwohl eine praktische Idee, welche nothwendig zum Urbilde dienen muß, welchem sich ins Unendliche zu nähern das einzige ist, was allen endlichen vernünftigen Wesen zusteht, und welche das reine Sittengesetz, das darum selbst heilig heißt, ihnen beständig und richtig vor Augen hält, von welchem ins Unendliche gehenden Progressus V:33 seiner Maximen und Unwandelbarkeit derselben zum beständigen Fortschreiten sicher zu sein, d. i. Tugend, das Höchste ist, was endliche praktische Vernunft bewirken kann, die selbst wiederum wenigstens als natürlich erworbenes Vermögen nie vollendet sein kann, weil die Sicherheit in solchem Falle niemals apodiktische Gewißheit wird und als Überredung sehr gefährlich ist.

§8 Lehrsatz IV.

Die Autonomie des Willens ist das alleinige Princip aller moralischen Gesetze und der ihnen gemäßen Pflichten: alle Heteronomie der Willkür gründet dagegen nicht allein gar keine Verbindlichkeit, sondern ist vielmehr dem Princip derselben und der Sittlichkeit des Willens entgegen. In der Unabhängigkeit nämlich von aller Materie des Gesetzes (nämlich einem begehrten Objecte) und zugleich doch Bestimmung der Willkür durch die bloße allgemeine gesetzgebende Form, deren eine Maxime fähig sein muß, besteht das alleinige Princip der Sittlichkeit. Jene Unabhängigkeit aber ist Freiheit im negativen, diese eigene Gesetzgebung aber A 59 der reinen und als solche praktischen Vernunft ist Freiheit im positiven Verstande. Also drückt das moralische Gesetz nichts anders aus, als die Autonomie der reinen praktischen Vernunft, d. i. der Freiheit, und diese ist selbst die formale Bedingung aller Maximen, unter der sie allein mit dem obersten praktischen Gesetze zusammenstimmen können. Wenn daher die Materie des Wollens, welche nichts anders als das Object einer Begierde sein kann, die mit dem Gesetz verbunden wird, in das praktische Gesetz als Bedingung der Möglichkeit desselben hineinkommt, so wird daraus Heteronomie der Willkür, nämlich Abhängigkeit vom Naturgesetze, irgend einem Antriebe oder Neigung zu folgen, und der Wille giebt sich nicht selbst das Gesetz, sondern nur die Vorschrift zur vernünftigen Befolgung pathologischer Gesetze; die Maxime aber, die auf solche Weise niemals die allgemein-gesetzgebende Form in sich enthalten kann, stiftet auf diese Weise nicht allein keine Verbindlichkeit, sondern ist selbst dem Princip einer reinen praktischen Vernunft, hiemit also auch der sittlichen Gesinnung entgegen, wenn gleich die Handlung, die daraus entspringt, gesetzmäßig sein sollte.

V:34

Anmerkung I.

Zum praktischen Gesetze muß also niemals eine praktische Vorschrift gezählt werden, die eine materiale (mithin empirische) Bedingung bei sich führt. Denn das A 60 Gesetz des reinen Willens, der frei ist, setzt diesen in eine ganz andere Sphäre als die empirische, und die Nothwendigkeit, die es ausdrückt, da sie keine Naturnothwendigkeit sein soll, kann also blos in formalen Bedingungen der Möglichkeit eines Gesetzes überhaupt bestehen. Alle Materie praktischer Regeln beruht immer auf subjectiven Bedingungen, die ihr keine Allgemeinheit für vernünftige Wesen, als lediglich die bedingte (im Falle ich dieses oder jenes begehre, was ich alsdann thun müsse, um es wirklich zu machen) verschaffen, und sie drehen sich insgesammt um das Princip der eigenen Glückseligkeit. Nun ist freilich unleugbar, daß alles Wollen auch einen Gegenstand, mithin eine Materie haben müsse; aber diese ist darum nicht eben der Bestimmungsgrund und Bedingung der Maxime; denn ist sie es, so läßt diese sich nicht in allgemein gesetzgebender Form darstellen, weil die Erwartung der Existenz des Gegenstandes alsdann die bestimmende Ursache der Willkür sein würde, und die Abhängigkeit des Begehrungsvermögens von der Existenz irgend einer Sache dem Wollen zum Grunde gelegt werden müßte, welche immer nur in empirischen Bedingungen gesucht werden und daher niemals den Grund zu einer nothwendigen und allgemeinen Regel abgeben kann. So wird fremder Wesen Glückseligkeit das Object des Willens eines vernünftigen Wesens sein können. Wäre sie aber der Bestimmungsgrund der Maxime, so müßte man voraussetzen, daß wir in dem Wohlsein anderer nicht allein ein natürliches Vergnügen, sondern auch ein Bedürfniß finden, so wie die sympathetische Sinnesart bei Menschen es mit sich bringt. Aber dieses Bedürfniß kann ich nicht bei jedem vernünftigen Wesen (bei Gott gar nicht) voraussetzen. Also kann zwar die Materie der Maxime bleiben, sie muß aber nicht die Bedingung derselben sein, denn sonst A 61 würde diese nicht zum Gesetze taugen. Also die bloße Form eines Gesetzes, welches die Materie einschränkt, muß zugleich ein Grund sein, diese Materie zum Willen hinzuzufügen, aber sie nicht vorauszusetzen. Die Materie sei z. B. meine eigene Glückseligkeit. Diese, wenn ich sie jedem beilege (wie ich es denn in der That bei endlichen Wesen thun darf), kann nur alsdann ein objectives praktisches Gesetz werden, wenn ich anderer ihre in dieselbe mit einschließe. Also entspringt das Gesetz, anderer Glückseligkeit zu befördern, nicht von der Voraussetzung, daß dieses ein Object für jedes seine Willkür sei, sondern blos daraus, daß die Form der Allgemeinheit, die die Vernunft als Bedingung bedarf, einer Maxime der Selbstliebe die objective Gültigkeit eines Gesetzes zu geben, der Bestimmungsgrund des Willens wird, und also war das Object (anderer Glückseligkeit) nicht der Bestimmungsgrund des reinen Willens, sondern die bloße gesetzliche Form war es allein, dadurch ich meine auf Neigung gegründete Maxime einschränkte, um ihr die Allgemeinheit V:35 eines Gesetzes zu verschaffen und sie so der reinen praktischen Vernunft angemessen zu machen, aus welcher Einschränkung, und nicht dem Zusatz einer äußeren Triebfeder, alsdann der Begriff der Verbindlichkeit, die Maxime meiner Selbstliebe auch auf die Glückseligkeit anderer zu erweitern, allein entspringen konnte.

Anmerkung II.

Das gerade Widerspiel des Princips der Sittlichkeit ist: wenn das der eigenen Glückseligkeit zum Bestimmungsgrunde des Willens gemacht wird, wozu, wie ich oben gezeigt habe, alles überhaupt gezählt werden muß, was den Bestimmungsgrund, der zum Gesetze dienen soll, irgend worin anders als in der gesetzgebenden Form der Maxime setzt. Dieser Widerstreit ist aber nicht blos logisch, wie der A 62 zwischen empirisch-bedingten Regeln, die man doch zu nothwendigen Erkenntnißprincipien erheben wollte, sondern praktisch und würde, wäre nicht die Stimme der Vernunft in Beziehung auf den Willen so deutlich, so unüberschreibar, selbst für den gemeinsten Menschen so vernehmlich, die Sittlichkeit gänzlich zu Grunde richten; so aber kann sie sich nur noch in den kopfverwirrenden Speculationen der Schulen erhalten, die dreist genug sind, sich gegen jene himmlische Stimme taub zu machen, um eine Theorie, die kein Kopfbrechen kostet, aufrecht zu erhalten.

Wenn ein dir sonst beliebter Umgangsfreund sich bei dir wegen eines falschen abgelegten Zeugnisses dadurch zu rechtfertigen vermeinte, daß er zuerst die seinem Vorgeben nach heilige Pflicht der eigenen Glückseligkeit vorschützte, alsdann die Vortheile herzählte, die er sich alle dadurch erworben, die Klugheit namhaft machte, die er beobachtet, um wider alle Entdeckung sicher zu sein, selbst wider die von Seiten deiner selbst, dem er das Geheimniß darum allein offenbart, damit er es zu aller Zeit ableugnen könne; dann aber im ganzen Ernst vorgäbe, er habe eine wahre Menschenpflicht ausgeübt: so würdest du ihm entweder gerade ins Gesicht lachen, oder mit Abscheu davon zurückbeben, ob du gleich, wenn jemand blos auf eigene Vortheile seine Grundsätze gesteuert hat, wider diese Maßregeln nicht das mindeste einzuwenden hättest. Oder setzet, es empfehle euch jemand einen Mann zum Haushalter, dem ihr alle eure Angelegenheiten blindlings anvertrauen könnet, und, um euch Zutrauen einzuflößen, rühmte er ihn als einen klugen Menschen, der sich auf seinen eigenen Vortheil meisterhaft verstehe, auch als einen rastlos wirksamen, der keine Gelegenheit dazu ungenutzt vorbeigehen ließe, endlich, damit auch A 63 ja nicht Besorgnisse wegen eines pöbelhaften Eigennutzes desselben im Wege ständen, rühmte er, wie er recht fein zu leben verstände, nicht im Geldsammeln oder brutaler Üppigkeit, sondern in der Erweiterung seiner Kenntnisse, einem wohlgewählten belehrenden Umgange, selbst im Wohlthun der Dürftigen sein Vergnügen suchte, übrigens aber wegen der Mittel (die doch ihren Werth oder Unwerth nur vom Zwecke entlehnen) nicht bedenklich wäre, und fremdes Geld und Gut ihm hiezu, V:36 so bald er nur wisse, daß er es unentdeckt und ungehindert thun könne, so gut wie sein eigenes wäre: so würdet ihr entweder glauben, der Empfehlende habe euch zum besten, oder er habe den Verstand verloren. — So deutlich und scharf sind die Grenzen der Sittlichkeit und der Selbstliebe abgeschnitten, daß selbst das gemeinste Auge den Unterschied, ob etwas zu der einen oder der andern gehöre, gar nicht verfehlen kann. Folgende wenige Bemerkungen können zwar bei einer so offenbaren Wahrheit überflüssig scheinen, allein sie dienen doch wenigstens dazu, dem Urtheile der gemeinen Menschenvernunft etwas mehr Deutlichkeit zu verschaffen.

Das Princip der Glückseligkeit kann zwar Maximen, aber niemals solche abgeben, die zu Gesetzen des Willens tauglich wären, selbst wenn man sich die allgemeine Glückseligkeit zum Objecte machte. Denn weil dieser ihre Erkenntniß auf lauter Erfahrungsdatis beruht, weil jedes Urtheil darüber gar sehr von jedes seiner Meinung, die noch dazu selbst sehr veränderlich ist, abhängt, so kann es wohl generelle, aber niemals universelle Regeln, d. i. solche, die im Durchschnitte am öftersten zutreffen, nicht aber solche, die jederzeit und nothwendig gültig sein müssen, geben, mithin können keine praktische Gesetze darauf gegründet werden. Eben darum weil hier ein Object der Willkür der Regel derselben zum Grunde gelegt und also vor dieser vorhergehen muß, so kann diese nicht worauf anders A 64 als auf das, was man empfiehlt, und also auf Erfahrung bezogen und darauf gegründet werden, und da muß die Verschiedenheit des Urtheils endlos sein. Dieses Princip schreibt also nicht allen vernünftigen Wesen eben dieselbe praktische Regeln vor, ob sie zwar unter einem gemeinsamen Titel, nämlich dem der Glückseligkeit, stehen. Das moralische Gesetz wird aber nur darum als objectiv nothwendig gedacht, weil es für jedermann gelten soll, der Vernunft und Willen hat.

Die Maxime der Selbstliebe (Klugheit) räth blos an; das Gesetz der Sittlichkeit gebietet. Es ist aber doch ein großer Unterschied zwischen dem, wozu man uns anräthig ist, und dem, wozu wir verbindlich sind.

Was nach dem Princip der Autonomie der Willkür zu thun sei, ist für den gemeinsten Verstand ganz leicht und ohne Bedenken einzusehen; was unter Voraussetzung der Heteronomie derselben zu thun sei, schwer und erfordert Weltkenntniß; d. i. was Pflicht sei, bietet sich jedermann von selbst dar; was aber wahren, dauerhaften Vortheil bringe, ist allemal, wenn dieser auf das ganze Dasein erstreckt werden soll, in undurchdringliches Dunkel eingehüllt und erfordert viel Klugheit, um die praktische darauf gestimmte Regel durch geschickte Ausnahmen auch nur auf erträgliche Art den Zwecken des Lebens anzupassen. Gleichwohl gebietet das sittliche Gesetz jedermann, und zwar die pünktlichste, Befolgung. Es muß also zu der Beurtheilung dessen, was nach ihm zu thun sei, nicht so schwer sein, daß nicht der gemeinste und ungeübteste Verstand selbst ohne Weltklugheit damit umzugehen wüßte.

Dem kategorischen Gebote der Sittlichkeit Genüge zu leisten, ist in jedes Gewalt V:37 zu aller Zeit, der empirisch-bedingten Vorschrift der Glückseligkeit, nur selten A 65 und bei weitem nicht auch nur in Ansehung einer einzigen Absicht für jedermann möglich. Die Ursache ist, weil es bei dem ersteren nur auf die Maxime ankommt, die ächt und rein sein muß, bei der letzteren aber auch auf die Kräfte und das physische Vermögen, einen begehrten Gegenstand wirklich zu machen. Ein Gebot, daß jedermann sich glücklich zu machen suchen sollte, wäre thöricht; denn man gebietet niemals jemanden das, was er schon unausbleiblich von selbst will. Man müßte ihm blos die Maßregeln gebieten, oder vielmehr darreichen, weil er nicht alles das kann, was er will. Sittlichkeit aber gebieten unter dem Namen der Pflicht, ist ganz vernünftig; denn deren Vorschrift will erstlich eben nicht jedermann gerne gehorchen, wenn sie mit Neigungen im Widerstreite ist, und was die Maßregeln betrifft, wie er dieses Gesetz befolgen könne, so dürfen diese hier nicht gelehrt werden; denn was er in dieser Beziehung will, das kann er auch.

Der im Spiel verloren hat, kann sich wohl über sich selbst und seine Unklugheit ärgern, aber wenn er sich bewußt ist, im Spiel betrogen (obzwar dadurch gewonnen) zu haben, so muß er sich selbst verachten, so bald er sich mit dem sittlichen Gesetze vergleicht. Dieses muß also doch wohl etwas Anderes, als das Princip der eigenen Glückseligkeit sein. Denn zu sich selber sagen zu müssen: ich bin ein Nichtswürdiger, ob ich gleich meinen Beutel gefüllt habe, muß doch ein anderes Richtmaß des Urtheils haben, als sich selbst Beifall zu geben und zu sagen: ich bin ein kluger Mensch, denn ich habe meine Casse bereichert.

Endlich ist noch etwas in der Idee unserer praktischen Vernunft, welches die Übertretung eines sittlichen Gesetzes begleitet, nämlich ihre Strafwürdigkeit. Nun läßt sich mit dem Begriffe einer Strafe, als einer solchen, doch gar nicht das A 66 Theilhaftigwerden der Glückseligkeit verbinden. Denn obgleich der, so da straft, wohl zugleich die gütige Absicht haben kann, diese Strafe auch auf diesen Zweck zu richten, so muß sie doch zuvor als Strafe, d. i. als bloßes Übel, für sich selbst gerechtfertigt sein, so daß der Gestrafte, wenn es dabei bliebe, und er auch auf keine sich hinter dieser Härte verbergende Gunst hinaussähe, selbst gestehen muß, es sei ihm Recht geschehen, und sein Loos sei seinem Verhalten vollkommen angemessen. In jeder Strafe als solcher muß zuerst Gerechtigkeit sein, und diese macht das Wesentliche dieses Begriffs aus. Mit ihr kann zwar auch Gütigkeit verbunden werden, aber auf diese hat der Strafwürdige nach seiner Aufführung nicht die mindeste Ursache sich Rechnung zu machen. Also ist Strafe ein physisches Übel, welches, wenn es auch nicht als natürliche Folge mit dem moralisch Bösen verbunden wäre, doch als Folge nach Principien einer sittlichen Gesetzgebung verbunden werden müßte. Wenn nun alles Verbrechen, auch ohne auf die physischen Folgen in Ansehung des Thäters zu sehen, für sich strafbar ist, d. i. Glückseligkeit (wenigstens zum Theil) verwirkt, so wäre es offenbar ungereimt zu sagen: das Verbrechen habe darin eben bestanden, daß er sich eine Strafe zugezogen hat, indem er seiner eigenen V:38 Glückseligkeit Abbruch that (welches nach dem Princip der Selbstliebe der eigentliche Begriff alles Verbrechens sein müßte). Die Strafe würde auf diese Art der Grund sein, etwas ein Verbrechen zu nennen, und die Gerechtigkeit müßte vielmehr darin bestehen, alle Bestrafung zu unterlassen und selbst die natürliche zu verhindern; denn alsdann wäre in der Handlung nichts Böses mehr, weil die Übel, die sonst darauf folgten, und um deren willen die Handlung allein böse hieß, nunmehr abgehalten wären. Vollends aber alles Strafen und Belohnen nur als A 67 das Maschinenwerk in der Hand einer höheren Macht anzusehen, welches vernünftige Wesen dadurch zu ihrer Endabsicht (der Glückseligkeit) in Thätigkeit zu setzen allein dienen sollte, ist gar zu sichtbar ein alle Freiheit aufhebender Mechanism ihres Willens, als daß es nöthig wäre uns hiebei aufzuhalten.

Feiner noch, obgleich eben so unwahr, ist das Vorgeben derer, die einen gewissen moralischen besondern Sinn annehmen, der, und nicht die Vernunft, das moralische Gesetz bestimmte, nach welchem das Bewußtsein der Tugend unmittelbar mit Zufriedenheit und Vergnügen, das des Lasters aber mit Seelenunruhe und Schmerz verbunden wäre, und so alles doch auf Verlangen nach eigener Glückseligkeit aussetzen. Ohne das hieher zu ziehen, was oben gesagt worden, will ich nur die Täuschung bemerken, die hiebei vorgeht. Um den Lasterhaften als durch das Bewußtsein seiner Vergehungen mit Gemüthsunruhe geplagt vorzustellen, müssen sie ihn der vornehmsten Grundlage seines Charakters nach schon zum voraus als wenigstens in einigem Grade moralisch gut, so wie den, welchen das Bewußtsein pflichtmäßiger Handlungen ergötzt, vorher schon als tugendhaft vorstellen. Also mußte doch der Begriff der Moralität und Pflicht vor aller Rücksicht auf diese Zufriedenheit vorhergehen und kann von dieser gar nicht abgeleitet werden. Nun muß man doch die Wichtigkeit dessen, was wir Pflicht nennen, das Ansehen des moralischen Gesetzes und den unmittelbaren Werth, den die Befolgung desselben der Person in ihren eigenen Augen giebt, vorher schätzen, um jene Zufriedenheit in dem Bewußtsein seiner Angemessenheit zu derselben und den bitteren Verweis, wenn man sich dessen Übertretung vorwerfen kann, zu fühlen. Man kann also diese Zufriedenheit A 68 oder Seelenunruhe nicht vor der Erkenntniß der Verbindlichkeit fühlen und sie zum Grunde der letzteren machen. Man muß wenigstens auf dem halben Wege schon ein ehrlicher Mann sein, um sich von jenen Empfindungen auch nur eine Vorstellung machen zu können. Daß übrigens, so wie vermöge der Freiheit der menschliche Wille durchs moralische Gesetz unmittelbar bestimmbar ist, auch die öftere Ausübung diesem Bestimmungsgrunde gemäß subjectiv zuletzt ein Gefühl der Zufriedenheit mit sich selbst wirken könne, bin ich gar nicht in Abrede; vielmehr gehört es selbst zur Pflicht, dieses, welches eigentlich allein das moralische Gefühl genannt zu werden verdient, zu gründen und zu cultiviren; aber der Begriff der Pflicht kann davon nicht abgeleitet werden, sonst müßten wir uns ein Gefühl eines Gesetzes als eines solchen denken und das zum Gegenstande der Empfindung V:39 machen, was nur durch Vernunft gedacht werden kann; welches, wenn es nicht ein platter Widerspruch werden soll, allen Begriff der Pflicht ganz aufheben und an deren Statt blos ein mechanisches Spiel feinerer, mit den gröberen bisweilen in Zwist gerathender Neigungen setzen würde.

Wenn wir nun unseren formalen obersten Grundsatz der reinen praktischen Vernunft (als einer Autonomie des Willens) mit allen bisherigen materialen Principien der Sittlichkeit vergleichen, so können wir in einer Tafel alle übrige als solche, dadurch wirklich zugleich alle mögliche andere Fälle außer einem einzigen formalen erschöpft sind, vorstellig machen und so durch den Augenschein beweisen, daß es vergeblich sei, sich nach einem andern Princip als dem jetzt vorgetragenen umzusehen. — Alle mögliche Bestimmungsgründe des Willens sind nämlich entweder blos subjectiv und also empirisch, oder auch objectiv und rational; beide aber entweder äußere oder innere.

Praktische materiale BestimmungsgründeV:40 im Princip der Sittlichkeit sind A 69Subjectiveäußere• Der Erziehung (nach Montaigne)• Der bürgerlichen Verfassung (nach Mandeville)innere• Des physischen Gefühls (nach Epikur)• Des moralischen Gefühls (nach Hutcheson)Objectiveinnere• Der Vollkommenheit (nach Wolff und den Stoikern)äußere• Des Willens Gottes (nach Crusius und andern theologischen Moralisten)

V:41 Die auf der linken Seite stehende sind insgesammt empirisch und taugen offenbar A 70 gar nicht zum allgemeinen Princip der Sittlichkeit. Aber die auf der rechten Seite gründen sich auf der Vernunft (denn Vollkommenheit als Beschaffenheit der Dinge und die höchste Vollkommenheit, in Substanz vorgestellt, d. i. Gott, sind beide nur durch Vernunftbegriffe zu denken). Allein der erstere Begriff, nämlich der Vollkommenheit, kann entweder in theoretischer Bedeutung genommen werden, und da bedeutet er nichts, als Vollständigkeit eines jeden Dinges in seiner Art (transscendentale), oder eines Dinges blos als Dinges überhaupt (metaphysische), und davon kann hier nicht die Rede sein. Der Begriff der Vollkommenheit in praktischer Bedeutung aber ist die Tauglichkeit oder Zulänglichkeit eines Dinges zu allerlei Zwecken. Diese Vollkommenheit als Beschaffenheit des Menschen, folglich innerliche, ist nichts anders als Talent und, was dieses stärkt oder ergänzt, Geschicklichkeit. Die höchste Vollkommenheit in Substanz, d. i. Gott, folglich äußerliche, (in praktischer Absicht betrachtet) ist die Zulänglichkeit dieses Wesens zu allen Zwecken überhaupt. Wenn nun also uns Zwecke vorher gegeben werden müssen, in Beziehung auf welche der Begriff der Vollkommenheit (einer inneren an uns selbst, oder einer äußeren an Gott) allein Bestimmungsgrund des Willens werden kann, ein Zweck aber als Object, welches vor der Willensbestimmung durch eine praktische Regel vorhergehen und den Grund der Möglichkeit einer solchen enthalten muß, mithin die Materie des Willens, als Bestimmungsgrund desselben genommen, jederzeit empirisch ist, mithin zum Epikurischen Princip der Glückseligkeitslehre, niemals aber zum reinen Vernunftprincip der Sittenlehre und der Pflicht dienen kann (wie denn Talente und ihre Beförderung nur, weil sie zu Vortheilen des Lebens beitragen, oder der A 71 Wille Gottes, wenn Einstimmung mit ihm ohne vorhergehendes, von dessen Idee unabhängiges praktisches Princip zum Objecte des Willens genommen worden, nur durch die Glückseligkeit, die wir davon erwarten, Bewegursache desselben werden können), so folgt erstlich, daß alle hier aufgestellte Principien material sind, zweitens, daß sie alle mögliche materiale Principien befassen, und daraus endlich der Schluß: daß, weil materiale Principien zum obersten Sittengesetz ganz untauglich sind (wie bewiesen worden), das formale praktische Princip der reinen Vernunft, nach welchem die bloße Form einer durch unsere Maximen möglichen allgemeinen Gesetzgebung den obersten und unmittelbaren Bestimmungsgrund des Willens ausmachen muß, das einzige mögliche sei, welches zu kategorischen Imperativen, d. i. praktischen Gesetzen (welche Handlungen zur Pflicht machen), und überhaupt zum Princip der Sittlichkeit sowohl in der Beurtheilung, als auch der Anwendung auf den menschlichen Willen in Bestimmung desselben tauglich ist.

I. A 72 V:42 Von der Deduction der Grundsätze der reinen praktischen Vernunft.

Diese Analytik thut dar, daß reine Vernunft praktisch sein, d. i. für sich, unabhängig von allem Empirischen, den Willen bestimmen könne — und dieses zwar durch ein Factum, worin sich reine Vernunft bei uns in der That praktisch beweiset, nämlich die Autonomie in dem Grundsatze der Sittlichkeit, wodurch sie den Willen zur That bestimmt. — Sie zeigt zugleich, daß dieses Factum mit dem Bewußtsein der Freiheit des Willens unzertrennlich verbunden, ja mit ihm einerlei sei, wodurch der Wille eines vernünftigen Wesens, das, als zur Sinnenwelt gehörig, sich gleich anderen wirksamen Ursachen nothwendig den Gesetzen der Causalität unterworfen erkennt, im Praktischen doch zugleich sich auf einer andern Seite, nämlich als Wesen an sich selbst, seines in einer intelligibelen Ordnung der Dinge bestimmbaren Daseins bewußt ist, zwar nicht einer besondern Anschauung seiner selbst, sondern gewissen dynamischen Gesetzen gemäß, die die Causalität desselben in der Sinnenwelt bestimmen können; denn daß Freiheit, wenn sie uns beigelegt wird, uns in eine intelligibele Ordnung der Dinge versetze, ist anderwärts hinreichend bewiesen worden.

Wenn wir nun damit den analytischen Theil der Kritik der reinen A 73 speculativen Vernunft vergleichen, so zeigt sich ein merkwürdiger Contrast beider gegen einander. Nicht Grundsätze, sondern reine sinnliche Anschauung (Raum und Zeit) war daselbst das erste Datum, welches Erkenntniß a priori und zwar nur für Gegenstände der Sinne möglich machte. — Synthetische Grundsätze aus bloßen Begriffen ohne Anschauung waren unmöglich, vielmehr konnten diese nur in Beziehung auf jene, welche sinnlich war, mithin auch nur auf Gegenstände möglicher Erfahrung stattfinden, weil die Begriffe des Verstandes, mit dieser Anschauung verbunden, allein dasjenige Erkenntniß möglich machen, welches wir Erfahrung nennen. — Über die Erfahrungsgegenstände hinaus, also von Dingen als Noumenen, wurde der speculativen Vernunft alles Positive einer Erkenntniß mit völligem Rechte abgesprochen. — Doch leistete diese so viel, daß sie den Begriff der Noumenen, d. i. die Möglichkeit, ja Nothwendigkeit dergleichen zu denken, in Sicherheit setzte und z. B. die Freiheit, negativ betrachtet, anzunehmen als ganz verträglich mit jenen Grundsätzen und Einschränkungen der reinen theoretischen Vernunft wider alle V:43 Einwürfe rettete, ohne doch von solchen Gegenständen irgend etwas Bestimmtes und Erweiterndes zu erkennen zu geben, indem sie vielmehr alle Aussicht dahin gänzlich abschnitt.

Dagegen giebt das moralische Gesetz, wenn gleich keine Aussicht, A 74 dennoch ein schlechterdings aus allen Datis der Sinnenwelt und dem ganzen Umfange unseres theoretischen Vernunftgebrauchs unerklärliches Factum an die Hand, das auf eine reine Verstandeswelt Anzeige giebt, ja diese sogar positiv bestimmt und uns etwas von ihr, nämlich ein Gesetz, erkennen läßt.

Dieses Gesetz soll der Sinnenwelt, als einer sinnlichen Natur, (was die vernünftigen Wesen betrifft) die Form einer Verstandeswelt, d. i. einer übersinnlichen Natur, verschaffen, ohne doch jener ihrem Mechanism Abbruch zu thun. Nun ist Natur im allgemeinsten Verstande die Existenz der Dinge unter Gesetzen. Die sinnliche Natur vernünftiger Wesen überhaupt ist die Existenz derselben unter empirisch bedingten Gesetzen, mithin für die Vernunft Heteronomie. Die übersinnliche Natur eben derselben Wesen ist dagegen ihre Existenz nach Gesetzen, die von aller empirischen Bedingung unabhängig sind, mithin zur Autonomie der reinen Vernunft gehören. Und da die Gesetze, nach welchen das Dasein der Dinge vom Erkenntniß abhängt, praktisch sind: so ist die übersinnliche Natur, so weit wir uns einen Begriff von ihr machen können, nichts anders als eine Natur unter der Autonomie der reinen praktischen Vernunft. Das Gesetz dieser Autonomie aber ist das moralische Gesetz, welches also das Grundgesetz einer übersinnlichen Natur und einer reinen Verstandeswelt ist, deren Gegenbild in der Sinnenwelt, aber doch A 75 zugleich ohne Abbruch der Gesetze derselben existiren soll. Man könnte jene die urbildliche (natura archetypa), die wir blos in der Vernunft erkennen, diese aber, weil sie die mögliche Wirkung der Idee der ersteren als Bestimmungsgrundes des Willens enthält, die nachgebildete (natura ectypa) nennen. Denn in der That versetzt uns das moralische Gesetz der Idee nach in eine Natur, in welcher reine Vernunft, wenn sie mit dem ihr angemessenen physischen Vermögen begleitet wäre, das höchste Gut hervorbringen würde, und bestimmt unseren Willen die Form der Sinnenwelt, als einem Ganzen vernünftiger Wesen, zu ertheilen.

Daß diese Idee wirklich unseren Willensbestimmungen gleichsam als Vorzeichnung zum Muster liege, bestätigt die gemeinste Aufmerksamkeit auf sich selbst.

V:44 Wenn die Maxime, nach der ich ein Zeugniß abzulegen gesonnen bin, durch die praktische Vernunft geprüft wird, so sehe ich immer darnach, wie sie sein würde, wenn sie als allgemeines Naturgesetz gölte. Es ist offenbar, in dieser Art würde es jedermann zur Wahrhaftigkeit nöthigen. Denn es kann nicht mit der Allgemeinheit eines Naturgesetzes bestehen, Aussagen für beweisend und dennoch als vorsetzlich unwahr gelten zu lassen. Eben so wird die Maxime, die ich in Ansehung der freien Disposition über mein A 76 Leben nehme, sofort bestimmt, wenn ich mich frage, wie sie sein müßte, damit sich eine Natur nach einem Gesetze derselben erhalte. Offenbar würde niemand in einer solchen Natur sein Leben willkürlich endigen können, denn eine solche Verfassung würde keine bleibende Naturordnung sein, und so in allen übrigen Fällen. Nun ist aber in der wirklichen Natur, so wie sie ein Gegenstand der Erfahrung ist, der freie Wille nicht von selbst zu solchen Maximen bestimmt, die für sich selbst eine Natur nach allgemeinen Gesetzen gründen könnten, oder auch in eine solche, die nach ihnen angeordnet wäre, von selbst paßten; vielmehr sind es Privatneigungen, die zwar ein Naturganzes nach pathologischen (physischen) Gesetzen, aber nicht eine Natur, die allein durch unsern Willen nach reinen praktischen Gesetzen möglich wäre, ausmachen. Gleichwohl sind wir uns durch die Vernunft eines Gesetzes bewußt, welchem, als ob durch unseren Willen zugleich eine Naturordnung entspringen müßte, alle unsere Maximen unterworfen sind. Also muß dieses die Idee einer nicht empirisch-gegebenen und dennoch durch Freiheit möglichen, mithin übersinnlichen Natur sein, der wir, wenigstens in praktischer Beziehung, objective Realität geben, weil wir sie als Object unseres Willens als reiner vernünftiger Wesen ansehen.

Der Unterschied also zwischen den Gesetzen einer Natur, welcher der A 77 Wille unterworfen ist, und einer Natur, die einem Willen (in Ansehung dessen, was Beziehung desselben auf seine freie Handlungen hat) unterworfen ist, beruht darauf, daß bei jener die Objecte Ursachen der Vorstellungen sein müssen, die den Willen bestimmen, bei dieser aber der Wille Ursache von den Objecten sein soll, so daß die Causalität desselben ihren Bestimmungsgrund lediglich in reinem Vernunftvermögen liegen hat, welches deshalb auch eine reine praktische Vernunft genannt werden kann.

Die zwei Aufgaben also: wie reine Vernunft einerseits a priori Objecte erkennen und wie sie andererseits unmittelbar ein Bestimmungsgrund V:45 des Willens, d. i. der Causalität des vernünftigen Wesens in Ansehung der Wirklichkeit der Objecte, (blos durch den Gedanken der Allgemeingültigkeit ihrer eigenen Maximen als Gesetzes) sein könne, sind sehr verschieden.

Die erste, als zur Kritik der reinen speculativen Vernunft gehörig, erfordert, daß zuvor erklärt werde, wie Anschauungen, ohne welche uns überall kein Object gegeben und also auch keines synthetisch erkannt werden kann, a priori möglich sind, und ihre Auflösung fällt dahin aus, daß sie insgesammt nur sinnlich sind, daher auch kein speculatives Erkenntniß möglich werden lassen, das weiter ginge, als mögliche Erfahrung reicht, und daß daher alle Grundsätze jener reinen speculativen Vernunft nichts A 78 weiter ausrichten, als Erfahrung entweder von gegebenen Gegenständen, oder denen, die ins Unendliche gegeben werden mögen, niemals aber vollständig gegeben sind, möglich zu machen.

Die zweite, als zur Kritik der praktischen Vernunft gehörig, fordert keine Erklärung, wie die Objecte des Begehrungsvermögens möglich sind, denn das bleibt als Aufgabe der theoretischen Naturerkenntniß der Kritik der speculativen Vernunft überlassen, sondern nur, wie Vernunft die Maxime des Willens bestimmen könne, ob es nur vermittelst empirischer Vorstellungen als Bestimmungsgründe geschehe, oder ob auch reine Vernunft praktisch und ein Gesetz einer möglichen, gar nicht empirisch erkennbaren Naturordnung sein würde. Die Möglichkeit einer solchen übersinnlichen Natur, deren Begriff zugleich der Grund der Wirklichkeit derselben durch unseren freien Willen sein könne, bedarf keiner Anschauung a priori (einer intelligibelen Welt), die in diesem Falle, als übersinnlich, für uns auch unmöglich sein müßte. Denn es kommt nur auf den Bestimmungsgrund des Wollens in den Maximen desselben an, ob jener empirisch, oder ein Begriff der reinen Vernunft (von der Gesetzmäßigkeit derselben überhaupt) sei, und wie er letzteres sein könne. Ob die Causalität des Willens zur Wirklichkeit der Objecte zulange, oder nicht, bleibt den theoretischen Principien der Vernunft zu beurtheilen überlassen, als Untersuchung A 79 der Möglichkeit der Objecte des Wollens, deren Anschauung also in der praktischen Aufgabe gar kein Moment derselben ausmacht. Nur auf die Willensbestimmung und den Bestimmungsgrund der Maxime desselben als eines freien Willens kommt es hier an, nicht auf den Erfolg. Denn wenn der Wille nur für die reine Vernunft gesetzmäßig ist, so mag es mit dem Vermögen desselben in der Ausführung stehen, wie V:46 es wolle, es mag nach diesen Maximen der Gesetzgebung einer möglichen Natur eine solche wirklich daraus entspringen, oder nicht, darum bekümmert sich die Kritik, die da untersucht, ob und wie reine Vernunft praktisch, d. i. unmittelbar willenbestimmend, sein könne, gar nicht.

In diesem Geschäfte kann sie also ohne Tadel und muß sie von reinen praktischen Gesetzen und deren Wirklichkeit anfangen. Statt der Anschauung aber legt sie denselben den Begriff ihres Daseins in der intelligibelen Welt, nämlich der Freiheit, zum Grunde. Denn dieser bedeutet nichts anders, und jene Gesetze sind nur in Beziehung auf Freiheit des Willens möglich, unter Voraussetzung derselben aber nothwendig, oder umgekehrt, diese ist nothwendig, weil jene Gesetze als praktische Postulate nothwendig sind. Wie nun dieses Bewußtsein der moralischen Gesetze oder, welches einerlei ist, das der Freiheit möglich sei, läßt sich nicht weiter erklären, nur die Zulässigkeit derselben in der theoretischen Kritik gar wohl A 80 vertheidigen.

Die Exposition des obersten Grundsatzes der praktischen Vernunft ist nun geschehen, d. i. erstlich, was er enthalte, daß er gänzlich a priori und unabhängig von empirischen Principien für sich bestehe, und dann, worin er sich von allen anderen praktischen Grundsätzen unterscheide, gezeigt worden. Mit der Deduction, d. i. der Rechtfertigung seiner objectiven und allgemeinen Gültigkeit und der Einsicht der Möglichkeit eines solchen synthetischen Satzes a priori, darf man nicht so gut fortzukommen hoffen, als es mit den Grundsätzen des reinen theoretischen Verstandes anging. Denn diese bezogen sich auf Gegenstände möglicher Erfahrung, nämlich auf Erscheinungen, und man konnte beweisen, daß nur dadurch, daß diese Erscheinungen nach Maßgabe jener Gesetze unter die Kategorien gebracht werden, diese Erscheinungen als Gegenstände der Erfahrung erkannt werden können, folglich alle mögliche Erfahrung diesen Gesetzen angemessen sein müsse. Einen solchen Gang kann ich aber mit der Deduction des moralischen Gesetzes nicht nehmen. Denn es betrifft nicht das Erkenntniß von der Beschaffenheit der Gegenstände, die der Vernunft irgend wodurch anderwärts gegeben werden mögen, sondern ein Erkenntniß, so fern es der Grund von der Existenz der Gegenstände selbst werden kann und die Vernunft durch dieselbe Causalität in einem vernünftigen Wesen A 81 hat, d. i. reine Vernunft, die als ein unmittelbar den Willen bestimmendes Vermögen angesehen werden kann.

Nun ist aber alle menschliche Einsicht zu Ende, so bald wir zu Grundkräften V:47 oder Grundvermögen gelangt sind; denn deren Möglichkeit kann durch nichts begriffen, darf aber auch eben so wenig beliebig erdichtet und angenommen werden. Daher kann uns im theoretischen Gebrauche der Vernunft nur Erfahrung dazu berechtigen, sie anzunehmen. Dieses Surrogat, statt einer Deduction aus Erkenntnißquellen a priori empirische Beweise anzuführen, ist uns hier aber in Ansehung des reinen praktischen Vernunftvermögens auch benommen. Denn was den Beweisgrund seiner Wirklichkeit von der Erfahrung herzuholen bedarf, muß den Gründen seiner Möglichkeit nach von Erfahrungsprincipien abhängig sein, für dergleichen aber reine und doch praktische Vernunft schon ihres Begriffs wegen unmöglich gehalten werden kann. Auch ist das moralische Gesetz gleichsam als ein Factum der reinen Vernunft, dessen wir uns a priori bewußt sind und welches apodiktisch gewiß ist, gegeben, gesetzt daß man auch in der Erfahrung kein Beispiel, da es genau befolgt wäre, auftreiben könnte. Also kann die objective Realität des moralischen Gesetzes durch keine Deduction, durch alle Anstrengung der theoretischen, speculativen oder empirisch unterstützten Vernunft, bewiesen und also, wenn man auch A 82 auf die apodiktische Gewißheit Verzicht thun wollte, durch Erfahrung bestätigt und so a posteriori bewiesen werden, und steht dennoch für sich selbst fest.

Etwas anderes aber und ganz Widersinnisches tritt an die Stelle dieser vergeblich gesuchten Deduction des moralischen Princips, nämlich daß es umgekehrt selbst zum Princip der Deduction eines unerforschlichen Vermögens dient, welches keine Erfahrung beweisen, die speculative Vernunft aber (um unter ihren kosmologischen Ideen das Unbedingte seiner Causalität nach zu finden, damit sie sich selbst nicht widerspreche) wenigstens als möglich annehmen mußte, nämlich das der Freiheit, von der das moralische Gesetz, welches selbst keiner rechtfertigenden Gründe bedarf, nicht blos die Möglichkeit, sondern die Wirklichkeit an Wesen beweiset, die dies Gesetz als für sie verbindend erkennen. Das moralische Gesetz ist in der That ein Gesetz der Causalität durch Freiheit und also der Möglichkeit einer übersinnlichen Natur, so wie das metaphysische Gesetz der Begebenheiten in der Sinnenwelt ein Gesetz der Causalität der sinnlichen Natur war, und jenes bestimmt also das, was speculative Philosophie unbestimmt lassen mußte, nämlich das Gesetz für eine Causalität, deren Begriff in der letzeren nur negativ war, und verschafft diesem also zuerst objective Realität.

V:48 Diese Art von Creditiv des moralischen Gesetzes, da es selbst als ein A 83 Princip der Deduction der Freiheit als einer Causalität der reinen Vernunft aufgestellt wird, ist, da die theoretische Vernunft wenigstens die Möglichkeit einer Freiheit anzunehmen genöthigt war, zu Ergänzung eines Bedürfnisses derselben statt aller Rechtfertigung a priori völlig hinreichend. Denn das moralische Gesetz beweiset seine Realität dadurch auch für die Kritik der speculativen Vernunft genugthuend, daß es einer blos negativ gedachten Causalität, deren Möglichkeit jener unbegreiflich und dennoch sie anzunehmen nöthig war, positive Bestimmung, nämlich den Begriff einer den Willen unmittelbar (durch die Bedingung einer allgemeinen gesetzlichen Form seiner Maximen) bestimmenden Vernunft, hinzufügt und so der Vernunft, die mit ihren Ideen, wenn sie speculativ verfahren wollte, immer überschwenglich wurde, zum erstenmale objective, obgleich nur praktische Realität zu geben vermag und ihren transscendenten Gebrauch in einen immanenten (im Felde der Erfahrung durch Ideen selbst wirkende Ursachen zu sein) verwandelt.

Die Bestimmung der Causalität der Wesen in der Sinnenwelt als einer solchen konnte niemals unbedingt sein, und dennoch muß es zu aller Reihe der Bedingungen nothwendig etwas Unbedingtes, mithin auch eine sich gänzlich von selbst bestimmende Causalität geben. Daher war die A 84 Idee der Freiheit als eines Vermögens absoluter Spontaneität nicht ein Bedürfniß, sondern, was deren Möglichkeit betrifft, ein analytischer Grundsatz der reinen speculativen Vernunft. Allein da es schlechterdings unmöglich ist, ihr gemäß ein Beispiel in irgend einer Erfahrung zu geben, weil unter den Ursachen der Dinge als Erscheinungen keine Bestimmung der Causalität, die schlechterdings unbedingt wäre, angetroffen werden kann, so konnten wir nur den Gedanken von einer freihandelnden Ursache, wenn wir diesen auf ein Wesen in der Sinnenwelt, so fern es andererseits auch als Noumenon betrachtet wird, anwenden, vertheidigen, indem wir zeigten, daß es sich nicht widerspreche, alle seine Handlungen als physisch bedingt, so fern sie Erscheinungen sind, und doch zugleich die Causalität derselben, so fern das handelnde Wesen ein Verstandeswesen ist, als physisch unbedingt anzusehen und so den Begriff der Freiheit zum regulativen Princip der Vernunft zu machen, wodurch ich zwar den Gegenstand, dem dergleichen Causalität beigelegt wird, gar nicht erkenne, was er sei, aber doch das Hinderniß wegnehme, in dem ich einerseits in der Erklärung der Weltbegebenheiten, mithin auch der Handlungen vernünftiger V:49 Wesen, dem Mechanismus der Naturnothwendigkeit, vom Bedingten zur Bedingung ins Unendliche zurückzugehen, Gerechtigkeit widerfahren lasse, andererseits aber der speculativen Vernunft den für sie leeren A 85 Platz offen erhalte, nämlich das Intelligibele, um das Unbedingte dahin zu versetzen. Ich konnte aber diesen Gedanken nicht realisiren, d. i. ihn nicht in Erkenntniß eines so handelnden Wesens auch nur blos seiner Möglichkeit nach verwandeln. Diesen leeren Platz füllt nun reine praktische Vernunft durch ein bestimmtes Gesetz der Causalität in einer intelligibelen Welt (durch Freiheit), nämlich das moralische Gesetz, aus. Hiedurch wächst nun zwar der speculativen Vernunft in Ansehung ihrer Einsicht nichts zu, aber doch in Ansehung der Sicherung ihres problematischen Begriffs der Freiheit, welchem hier objective und, obgleich nur praktische, dennoch unbezweifelte Realität verschafft wird. Selbst den Begriff der Causalität, dessen Anwendung, mithin auch Bedeutung eigentlich nur in Beziehung auf Erscheinungen, um sie zu Erfahrungen zu verknüpfen, stattfindet (wie die Kritik der reinen Vernunft beweiset), erweitert sie nicht so, daß sie seinen Gebrauch über gedachte Grenzen ausdehne. Denn wenn sie darauf ausginge, so müßte sie zeigen wollen, wie das logische Verhältniß des Grundes und der Folge bei einer anderen Art von Anschauung, als die sinnliche ist, synthetisch gebraucht werden könne, d. i. wie causa noumenon möglich sei; welches sie gar nicht leisten kann, worauf sie aber auch als praktische Vernunft gar nicht Rücksicht nimmt, indem sie nur den Bestimmungsgrund der Causalität des Menschen als Sinnenwesens A 86 (welche gegeben ist) in der reinen Vernunft (die darum praktisch heißt) setzt und also den Begriff der Ursache selbst, von dessen Anwendung aus Objecte zum Behuf theoretischer Erkenntnisse sie hier gänzlich abstrahiren kann (weil dieser Begriff immer im Verstande, auch unabhängig von aller Anschauung, a priori angetroffen wird), nicht um Gegenstände zu erkennen, sondern die Causalität in Ansehung derselben überhaupt zu bestimmen, also in keiner andern als praktischen Absicht braucht und daher den Bestimmungsgrund des Willens in die intelligibele Ordnung der Dinge verlegen kann, indem sie zugleich gerne gesteht, das, was der Begriff der Ursache zur Erkenntniß dieser Dinge für eine Bestimmung haben möge, gar nicht zu verstehen. Die Causalität in Ansehung der Handlungen des Willens in der Sinnenwelt muß sie allerdings auf bestimmte Weise erkennen, denn sonst könnte praktische Vernunft wirklich keine That hervorbringen. Aber den Begriff, den sie von ihrer eigenen V:50 Causalität als Noumenon macht, braucht sie nicht theoretisch zum Behuf der Erkenntniß ihrer übersinnlichen Existenz zu bestimmen und also ihm so fern Bedeutung geben zu können. Denn Bedeutung bekommt er ohnedem, obgleich nur zum praktischen Gebrauche, nämlich durchs moralische Gesetz. Auch theoretisch betrachtet bleibt er immer ein reiner, a priori gegebener Verstandesbegriff, der auf Gegenstände angewandt A 87 werden kann, sie mögen sinnlich oder nicht sinnlich gegeben werden; wiewohl er im letzteren Falle keine bestimmte theoretische Bedeutung und Anwendung hat, sondern blos ein formaler, aber doch wesentlicher Gedanke des Verstandes von einem Objecte überhaupt ist. Die Bedeutung, die ihm die Vernunft durchs moralische Gesetz verschafft, ist lediglich praktisch, da nämlich die Idee des Gesetzes einer Causalität (des Willens) selbst Causalität hat, oder ihr Bestimmungsgrund ist.

II. Von der Befugniß der reinen Vernunft im praktischen Gebrauche zu einer Erweiterung, die ihr im speculativen für sich nicht möglich ist.

An dem moralischen Princip haben wir ein Gesetz der Causalität aufgestellt, welches den Bestimmungsgrund der letzteren über alle Bedingungen der Sinnenwelt wegsetzt, und den Willen, wie er als zu einer intelligibelen Welt gehörig bestimmbar sei, mithin das Subject dieses Willens (den Menschen) nicht blos als zu einer reinen Verstandeswelt gehörig, obgleich in dieser Beziehung als uns unbekannt (wie es nach der Kritik der reinen A 88 speculativen Vernunft geschehen konnte) gedacht, sondern ihn auch in Ansehung seiner Causalität vermittelst eines Gesetzes, welches zu gar keinem Naturgesetze der Sinnenwelt gezählt werden kann, bestimmt, also unser Erkenntniß über die Grenzen der letzteren erweitert, welche Anmaßung doch die Kritik der reinen Vernunft in aller Speculation für nichtig erklärte. Wie ist nun hier praktischer Gebrauch der reinen Vernunft mit dem theoretischen eben derselben in Ansehung der Grenzbestimmung ihres Vermögens zu vereinigen?

David Hume, von dem man sagen kann, daß er alle Anfechtung der Rechte einer reinen Vernunft, welche eine gänzliche Untersuchung derselben nothwendig machten, eigentlich anfing, schloß so. Der Begriff der V:51 Ursache ist ein Begriff, der die Nothwendigkeit der Verknüpfung der Existenz des Verschiedenen und zwar, so fern es verschieden ist, enthält, so daß, wenn A gesetzt wird, ich erkenne, daß etwas davon ganz Verschiedenes, B, nothwendig auch existiren müsse. Nothwendigkeit kann aber nur einer Verknüpfung beigelegt werden, so fern sie a priori erkannt wird; denn die Erfahrung würde von einer Verbindung nur zu erkennen geben, daß sie sei, aber nicht, daß sie so nothwendigerweise sei. Nun ist es, sagt er, unmöglich, die Verbindung, die zwischen einem Dinge und einem anderen (oder einer Bestimmung und einer anderen, ganz von ihr verschiedenen), A 89 wenn sie nicht in der Wahrnehmung gegeben werden, a priori und als nothwendig zu erkennen. Also ist der Begriff einer Ursache selbst lügenhaft und betrügerisch und ist, am gelindesten davon zu reden, eine so fern noch zu entschuldigende Täuschung, da die Gewohnheit (eine subjective Nothwendigkeit), gewisse Dinge oder ihre Bestimmungen öfters neben oder nach einander ihrer Existenz nach als sich beigesellt wahrzunehmen, unvermerkt für eine objective Nothwendigkeit, in den Gegenständen selbst eine solche Verknüpfung zu setzen, genommen und so der Begriff einer Ursache erschlichen und nicht rechtmäßig erworben ist, ja auch niemals erworben oder beglaubigt werden kann, weil er eine an sich nichtige, chimärische, vor keiner Vernunft haltbare Verknüpfung fordert, der gar kein Object jemals correspondiren kann. — So ward nun zuerst in Ansehung alles Erkenntnisses, das die Existenz der Dinge betrifft (die Mathematik blieb also davon noch ausgenommen), der Empirismus als die einzige Quelle der Principien eingeführt, mit ihm aber zugleich der härteste Scepticism selbst in Ansehung der ganzen Naturwissenschaft (als Philosophie). Denn wir können nach solchen Grundsätzen niemals aus gegebenen Bestimmungen der Dinge ihrer Existenz nach auf eine Folge schließen (denn dazu würde der Begriff einer Ursache, der die Nothwendigkeit einer solchen Verknüpfung enthält, erfordert werden), sondern nur nach der A 90 Regel der Einbildungskraft ähnliche Fälle wie sonst erwarten, welche Erwartung aber niemals sicher ist, sie mag auch noch so oft eingetroffen sein. Ja bei keiner Begebenheit könnte man sagen: es müsse etwas vor ihr vorhergegangen sein, worauf sie nothwendig folgte, d. i. sie müsse eine Ursache haben, und also, wenn man auch noch so öftere Fälle kennte, wo dergleichen vorherging, so daß eine Regel davon abgezogen werden konnte, so könnte man darum es nicht als immer und nothwendig sich auf die Art zutragend annehmen, und so müsse man dem blinden Zufalle, bei welchem aller Vernunftgebrauch V:52 aufhört, auch sein Recht lassen, welches denn den Scepticism in Ansehung der von Wirkungen zu Ursachen aufsteigenden Schlüsse fest gründet und unwiderleglich macht.

Die Mathematik war so lange noch gut weggekommen, weil Hume dafür hielt, daß ihre Sätze alle analytisch wären, d. i. von einer Bestimmung zur andern um der Identität willen, mithin nach dem Satze des Widerspruchs fortschritten (welches aber falsch ist, indem sie vielmehr alle synthetisch sind, und, obgleich z. B. die Geometrie es nicht mit der Existenz der Dinge, sondern nur ihrer Bestimmung a priori in einer möglichen Anschauung zu thun hat, dennoch eben so gut wie durch Causalbegriffe von einer Bestimmung A zu einer ganz verschiedenen B, als dennoch mit jener A 91 nothwendig verknüpft, übergeht). Aber endlich muß jene wegen ihrer apodiktischen Gewißheit so hochgepriesene Wissenschaft doch dem Empirismus in Grundsätzen aus demselben Grunde, warum Hume an der Stelle der objectiven Nothwendigkeit in dem Begriffe der Ursache die Gewohnheit setzte, auch unterliegen und sich unangesehen alles ihres Stolzes gefallen lassen, ihre kühne, a priori Beistimmung gebietende Ansprüche herabzustimmen, und den Beifall für die Allgemeingültigkeit ihrer Sätze von der Gunst der Beobachter erwarten, die als Zeugen es doch nicht weigern würden zu gestehen, daß sie das, was der Geometer als Grundsätze vorträgt, jederzeit auch so wahrgenommen hätten, folglich, ob es gleich eben nicht nothwendig wäre, doch fernerhin, es so erwarten zu dürfen, erlauben würden. Auf diese Weise führt Humens Empirism in Grundsätzen auch unvermeidlich auf den Scepticism selbst in Ansehung der Mathematik, folglich in allem wissenschaftlichen theoretischen Gebrauche der Vernunft (denn dieser gehört entweder zur Philosophie, oder zur Mathematik). Ob der gemeine Vernunftgebrauch (bei einem so schrecklichen Umsturz, als man den Häuptern der Erkenntniß begegnen sieht) besser durchkommen, und nicht vielmehr noch unwiederbringlicher in eben diese Zerstörung alles Wissens werde verwickelt werden, mithin ein allgemeiner Scepticism nicht aus denselben Grundsätzen folgen müsse (der freilich A 92 aber nur die Gelehrten treffen würde), das will ich jeden selbst beurtheilen lassen.

Was nun meine Bearbeitung in der Kritik der reinen Vernunft betrifft, die zwar durch jene Humische Zweifellehre veranlaßt ward, doch viel weiter ging und das ganze Feld der reinen theoretischen Vernunft im synthetischen Gebrauche, mithin auch desjenigen, was man Metaphysik V:53 überhaupt nennt, befaßte: so verfuhr ich in Ansehung der den Begriff der Causalität betreffenden Zweifel des schottischen Philosophen auf folgende Art. Daß Hume, wenn er (wie es doch auch fast überall geschieht) die Gegenstände der Erfahrung für Dinge an sich selbst nahm, den Begriff der Ursache für trüglich und falsches Blendwerk erklärte, daran that er ganz recht; denn von Dingen an sich selbst und deren Bestimmungen als solchen kann nicht eingesehen werden, wie darum, weil etwas A gesetzt wird, etwas anderes B auch nothwendig gesetzt werden müsse, und also konnte er eine solche Erkenntniß a priori von Dingen an sich selbst gar nicht einräumen. Einen empirischen Ursprung dieses Begriffs konnte der scharfsinnige Mann noch weniger verstatten, weil dieser geradezu der Nothwendigkeit der Verknüpfung widerspricht, welche das Wesentliche des Begriffs der Causalität ausmacht; mithin ward der Begriff in die Acht erklärt, und in seine Stelle trat die Gewohnheit im Beobachten des Laufs der Wahrnehmungen.

Aus meinen Untersuchungen aber ergab es sich, daß die Gegenstände, A 93 mit denen wir es in der Erfahrung zu thun haben, keineswegs Dinge an sich selbst, sondern blos Erscheinungen sind, und daß, obgleich bei Dingen an sich selbst gar nicht abzusehen ist, ja unmöglich ist einzusehen, wie, wenn A gesetzt wird, es widersprechend sein solle, B, welches von A ganz verschieden ist, nicht zu setzen (die Nothwendigkeit der Verknüpfung zwischen A als Ursache und B als Wirkung), es sich doch ganz wohl denken lasse, daß sie als Erscheinungen in einer Erfahrung auf gewisse Weise (z. B. in Ansehung der Zeitverhältnisse) nothwendig verbunden sein müssen und nicht getrennt werden können, ohne derjenigen Verbindung zu widersprechen, vermittelst deren diese Erfahrung möglich ist, in welcher sie Gegenstände und uns allein erkennbar sind. Und so fand es sich auch in der That: so daß ich den Begriff der Ursache nicht allein nach seiner objectiven Realität in Ansehung der Gegenstände der Erfahrung beweisen, sondern ihn auch als Begriff a priori wegen der Nothwendigkeit der Verknüpfung, die er bei sich führt, deduciren, d. i. seine Möglichkeit aus reinem Verstande ohne empirische Quellen darthun, und so, nach Wegschaffung des Empirismus seines Ursprungs, die unvermeidliche Folge desselben, nämlich den Scepticism, zuerst in Ansehung der Naturwissenschaft, dann auch, wegen des ganz vollkommen aus denselben Gründen Folgenden, in Ansehung der Mathematik, beider Wissenschaften, die auf A 94 Gegenstände möglicher Erfahrung bezogen werden, und hiemit den totalen V:54 Zweifel an allem, was theoretische Vernunft einzusehen behauptet, aus dem Grunde heben konnte.

Aber wie wird es mit der Anwendung dieser Kategorie der Causalität (und so auch aller übrigen; denn ohne sie läßt sich kein Erkenntniß des Existirenden zu Stande bringen) auf Dinge, die nicht Gegenstände möglicher Erfahrung sind, sondern über dieser ihre Grenze hinaus liegen? Denn ich habe die objective Realität dieser Begriffe nur in Ansehung der Gegenstände möglicher Erfahrung deduciren können. Aber eben dieses, daß ich sie auch nur in diesem Falle gerettet habe, daß ich gewiesen habe, es lassen sich dadurch doch Objecte denken, obgleich nicht a priori bestimmen: dieses ist es, was ihnen einen Platz im reinen Verstande giebt, von dem sie auf Objecte überhaupt (sinnliche, oder nicht sinnliche) bezogen werden. Wenn etwas noch fehlt, so ist es die Bedingung der Anwendung dieser Kategorien und namentlich der der Causalität auf Gegenstände, nämlich die Anschauung, welche, wo sie nicht gegeben ist, die Anwendung zum Behuf der theoretischen Erkenntniß des Gegenstandes als Noumenon unmöglich macht, die also, wenn es jemand darauf wagt, (wie auch in der Kritik der reinen Vernunft geschehen) gänzlich verwehrt wird, indessen daß doch immer die objective Realität des Begriffs bleibt, auch A 95 von Noumenen gebraucht werden kann, aber ohne diesen Begriff theoretisch im mindesten bestimmen und dadurch ein Erkenntniß bewirken zu können. Denn daß dieser Begriff auch in Beziehung auf ein Object nichts Unmögliches enthalte, war dadurch bewiesen, daß ihm sein Sitz im reinen Verstande bei aller Anwendung auf Gegenstände der Sinne gesichert war, und ob er gleich hernach etwa, auf Dinge an sich selbst (die nicht Gegenstände der Erfahrung sein können) bezogen, keiner Bestimmung zur Vorstellung eines bestimmten Gegenstandes zum Behuf einer theoretischen Erkenntniß fähig ist, so konnte er doch immer noch zu irgend einem anderen (vielleicht dem praktischen) Behuf einer Bestimmung zur Anwendung desselben fähig sein, welches nicht sein würde, wenn nach Hume dieser Begriff der Causalität etwas, das überall zu denken unmöglich ist, enthielte.

Um nun diese Bedingung der Anwendung des gedachten Begriffs auf Noumenen ausfindig zu machen, dürfen wir nur zurücksehen, weswegen wir nicht mit der Anwendung desselben auf Erfahrungsgegenstände zufrieden sind, sondern ihn auch gern von Dingen an sich selbst brauchen möchten. Denn da zeigt sich bald, daß es nicht eine theoretische, sondern praktische Absicht sei, welche uns dieses zur Nothwendigkeit macht. V:55 Zur Speculation würden wir, wenn es uns damit auch gelänge, doch A 96 keinen wahren Erwerb in Naturkenntniß und überhaupt in Ansehung der Gegenstände, die uns irgend gegeben werden mögen, machen, sondern allenfalls einen weiten Schritt vom Sinnlichbedingten (bei welchem zu bleiben und die Kette der Ursachen fleißig durchzuwandern wir so schon genug zu thun haben) zum Übersinnlichen thun, um unser Erkenntniß von der Seite der Gründe zu vollenden und zu begrenzen, indessen daß immer eine unendliche Kluft zwischen jener Grenze und dem, was wir kennen, unausgefüllt übrig bliebe, und wir mehr einer eiteln Fragsucht, als einer gründlichen Wißbegierde Gehör gegeben hätten.

Außer dem Verhältnisse aber, darin der Verstand zu Gegenständen (im theoretischen Erkenntnisse) steht, hat er auch eines zum Begehrungsvermögen, das darum der Wille heißt, und der reine Wille, so fern der reine Verstand (der in solchem Falle Vernunft heißt) durch die bloße Vorstellung eines Gesetzes praktisch ist. Die objective Realität eines reinen Willens oder, welches einerlei ist, einer reinen praktischen Vernunft ist im moralischen Gesetze a priori gleichsam durch ein Factum gegeben; denn so kann man eine Willensbestimmung nennen, die unvermeidlich ist, ob sie gleich nicht auf empirischen Principien beruht. Im Begriffe eines Willens aber ist der Begriff der Causalität schon enthalten, mithin in dem eines reinen Willens der Begriff einer Causalität mit Freiheit, d. i. die nicht A 97 nach Naturgesetzen bestimmbar, folglich keiner empirischen Anschauung als Beweises seiner Realität fähig ist, dennoch aber in dem reinen praktischen Gesetze a priori seine objective Realität, doch (wie leicht einzusehen) nicht zum Behufe des theoretischen, sondern blos praktischen Gebrauchs der Vernunft, vollkommen rechtfertigt. Nun ist der Begriff eines Wesens, das freien Willen hat, der Begriff einer causa noumenon, und daß sich dieser Begriff nicht selbst widerspreche, dafür ist man schon dadurch gesichert, daß der Begriff einer Ursache als gänzlich vom reinen Verstande entsprungen, zugleich auch seiner objektiven Realität in Ansehung der Gegenstände überhaupt durch die Deduction gesichert, dabei seinem Ursprunge nach von allen sinnlichen Bedingungen unabhängig, also für sich auf Phänomene nicht eingeschränkt (es sei denn, wo ein theoretischer bestimmter Gebrauch davon gemacht werden wollte), auf Dinge als reine Verstandeswesen allerdings angewandt werden könne. Weil aber dieser Anwendung keine Anschauung, als die jederzeit nur sinnlich sein kann, untergelegt werden kann, so ist causa noumenon in Ansehung des theoretischen Gebrauchs der Vernunft, V:56 obgleich ein möglicher, denkbarer, dennoch leerer Begriff. Nun verlange ich aber auch dadurch nicht die Beschaffenheit eines Wesens, so fern es einen reinen Willen hat, theoretisch zu kennen; es ist mir genug, A 98 es dadurch nur als ein solches zu bezeichnen, mithin nur den Begriff der Causalität mit dem der Freiheit (und was davon unzertrennlich ist, mit dem moralischen Gesetze als Bestimmungsgrunde derselben) zu verbinden; welche Befugniß mir vermöge des reinen, nicht empirischen Ursprungs des Begriffs der Ursache allerdings zusteht, indem ich davon keinen anderen Gebrauch, als in Beziehung auf das moralische Gesetz, das seine Realität bestimmt, d. i. nur einen praktischen Gebrauch, zu machen mich befugt halte.

Hätte ich mit Humen dem Begriffe der Causalität die objective Realität im theoretischen Gebrauche nicht allein in Ansehung der Sachen an sich selbst (des Übersinnlichen), sondern auch in Ansehung der Gegenstände der Sinne genommen: so wäre er aller Bedeutung verlustig und als ein theoretisch unmöglicher Begriff für gänzlich unbrauchbar erklärt worden, und, da von nichts sich auch kein Gebrauch machen läßt, der praktische Gebrauch eines theoretisch-nichtigen Begriffs ganz ungereimt gewesen. Nun aber der Begriff einer empirisch unbedingten Causalität theoretisch zwar leer (ohne darauf sich schickende Anschauung), aber immer doch möglich ist und sich auf ein unbestimmt Object bezieht, statt dieses aber ihm doch an dem moralischen Gesetze, folglich in praktischer Beziehung, Bedeutung gegeben wird, so habe ich zwar keine Anschauung, die ihm seine objective theoretische Realität bestimmte, aber er hat nichts desto weniger wirkliche A 99 Anwendung, die sich in concreto in Gesinnungen oder Maximen darstellen läßt, d. i. praktische Realität, die angegeben werden kann; welches denn zu seiner Berechtigung selbst in Absicht auf Noumenen hinreichend ist.

Aber diese einmal eingeleitete objective Realität eines reinen Verstandesbegriffs im Felde des Übersinnlichen giebt nunmehr allen übrigen Kategorien, obgleich immer nur so fern sie mit dem Bestimmungsgrunde des reinen Willens (dem moralischen Gesetze) in nothwendiger Verbindung stehen, auch objective, nur keine andere als blos praktisch-anwendbare Realität, indessen sie auf theoretische Erkenntnisse dieser Gegenstände, als Einsicht der Natur derselben durch reine Vernunft, nicht den mindesten Einfluß hat, um dieselbe zu erweitern. Wie wir denn auch in der Folge finden werden, daß sie immer nur auf Wesen als Intelligenzen, und an diesen auch nur auf das Verhältniß der Vernunft zum V:57 Willen, mithin immer nur aufs Praktische Beziehung haben und weiter hinaus sich kein Erkenntniß derselben anmaßen; was aber mit ihnen in Verbindung noch sonst für Eigenschaften, die zur theoretischen Vorstellungsart solcher übersinnlichen Dinge gehören, herbeigezogen werden möchten, diese insgesammt alsdann gar nicht zum Wissen, sondern nur zur Befugniß (in praktischer Absicht aber gar zur Nothwendigkeit) sie anzunehmen und vorauszusetzen gezählt werden, selbst da, wo man übersinnliche A 100 Wesen (als Gott) nach einer Analogie, d. i. dem reinen Vernunftverhältnisse, dessen wir in Ansehung der sinnlichen uns praktisch bedienen, und so der reinen theoretischen Vernunft durch die Anwendung aufs Übersinnliche, aber nur in praktischer Absicht, zum Schwärmen ins Überschwengliche nicht den mindesten Vorschub giebt.

Der Analytik der praktischen Vernunft

7 Sätze, welche in der Mathematik oder Naturlehre praktisch genannt werden, sollten eigentlich technisch heißen. Denn um die Willensbestimmung ist es diesen Lehren gar nicht zu thun; sie zeigen nur das Mannigfaltige der möglichen Handlung an, welches eine gewisse Wirkung hervorzubringen hinreichend ist, und sind also eben so theoretisch als alle Sätze, welche die Verknüpfung der Ursache mit einer Wirkung aussagen. Wem nun die letztere beliebt, der muß sich auch gefallen lassen, die erstere zu sein.

Book I. V:19 A 35 The Analytic of Pure Practical Reason.

Chapter I. On the Principles of Pure Practical Reason.

§1 Definition.

Practical principles are statements containing a general determination of the will that includes several practical rules. They are subjective, or maxims, when the subject regards the condition as valid only for their own will. They are objective, or practical laws, when the condition is recognized as objectively valid, that is, valid for the will of every rational being.

Remark.

If we assume that pure reason can contain a ground that is practically sufficient, that is, sufficient for determining the will, then there are practical A 36 laws. Otherwise, all practical principles will be mere maxims. In a rational being whose will is affected by feelings and desires, maxims can conflict with practical laws that the being itself recognizes. For example, someone can adopt the maxim never to let an insult go unavenged, while also seeing that this is not a practical law but only their own maxim. As a rule for the will of every rational being, it could not be consistent with itself in one and the same maxim. In cognition of nature, the principles of what happens—for example, the principle that action and reaction are equal in the transfer of motion—are also laws of nature. That is because the use V:20 of reason there is theoretical and determined by the character of the object. In practical cognition, which deals only with determining grounds of the will, principles we adopt are not, just for that reason, laws to which we are unavoidably subject. That is because in practical matters reason deals with the subject, namely the faculty of desire. The rule can vary in many ways according to that faculty's particular character.—A practical rule is always a product of reason, because it prescribes an action as a means to an effect intended as an end. But for a being in whom reason is not the sole determining ground of the will, this rule is an imperative. That is, it is a rule marked by an “ought,” which expresses the objective necessitation to act. It means that if reason completely determined the will, the action would inevitably follow this rule. Imperatives therefore hold objectively and are entirely different from maxims, A 37 which are subjective principles. Imperatives determine either the conditions of a rational being's causality as an effective cause, solely with regard to the effect and what is sufficient to produce it, or simply the will, whether or not it is sufficient to produce the effect. The first would be hypothetical imperatives and contain only instructions for skill. The second, by contrast, would be categorical and alone would be practical laws. So maxims are principles, but not imperatives. Imperatives themselves, when conditional, determine the will not simply as will but only in relation to a desired effect. These hypothetical imperatives are practical instructions, but not laws. Laws must determine the will sufficiently as will, before I even ask whether I have the ability needed for a desired effect, or what I must do to produce it. They must therefore be categorical. Otherwise they are not laws, because they lack necessity. If necessity is to be practical, it must be independent of conditions arising from feelings and desires, which attach to the will only contingently. Tell someone, for example, that they must work and save when young so as not to suffer want in old age. This is a correct and also important practical instruction for the will. But we can easily see that the will is being directed toward something else, which we assume the person desires. We must leave that desire to the person acting: perhaps they foresee other resources besides wealth earned by their own efforts; perhaps they do not hope to grow old at all; or perhaps they think they can get by poorly if they should ever be in need. Reason is the only source of any rule A 38 that is to contain necessity. It does put necessity into this instruction too, since otherwise it would not be an imperative. But this necessity is only subjectively conditioned, and we cannot assume it to the same degree in all subjects. For reason to give laws, however, it must need to presuppose only itself. V:21 This is because a rule is objectively and universally valid only when it holds without the contingent, subjective conditions that distinguish one rational being from another. Now tell someone never to make a lying promise. This rule concerns only their will, whether or not it can achieve whatever aims they may have. Willing alone is what this rule is to determine entirely a priori. If this rule proves practically correct, then it is a law, because it is a categorical imperative. Thus practical laws concern only the will, regardless of what its causality accomplishes. We can leave that causality aside, since it belongs to the sensible world, in order to have these laws in their purity.

§2 Theorem I.

All practical principles that presuppose an object (matter) of the faculty of desire as the determining ground of the will are empirical, without exception, and cannot provide practical laws.

By the matter of the faculty of desire I mean an object whose reality is desired. Now suppose the desire for this object comes before the practical rule and is the condition A 39 for adopting that rule as a principle. Then I say, first, that this principle is always empirical. For in that case the determining ground of choice is the representation of an object, together with that representation's relation to the subject through which the faculty of desire is determined to make the object real. Such a relation to the subject is called pleasure in the reality of an object. So this pleasure would have to be presupposed as a condition that makes the determination of choice possible. But no representation of any object, whatever it may be, allows us to know a priori whether it will involve pleasure, displeasure, or indifference. In such a case, then, the determining ground of choice must always be empirical. So too must the material practical principle that presupposes it as a condition.

Now, second, suppose a principle rests only on the subjective condition of being receptive to pleasure or displeasure. This condition can always be known only empirically and cannot hold in the same way for all rational beings. Such a principle can certainly serve as a maxim for the subject who has that receptivity. But it cannot serve as a law, even for that subject, because it lacks objective V:22 necessity, which must be known a priori. So a principle of this kind can never provide a practical A 40 law.

§3 Theorem II.

All material practical principles, as such, are of one and the same kind. They fall under the general principle of self-love or personal happiness.

Pleasure in the representation of a thing's existence, insofar as it is to be a determining ground for desiring that thing, rests on the subject's receptivity, because it depends on the existence of an object. It therefore belongs to sense (feeling), not to the understanding. Understanding expresses a relation of the representation to an object in terms of concepts, not to the subject in terms of feelings. So this pleasure is practical only insofar as the feeling of enjoyment that the subject expects from the object's reality determines the faculty of desire. Now a rational being's awareness of enjoyment in life, continuing uninterrupted throughout its whole existence, is happiness. The principle of making this the highest determining ground of choice is the principle of self-love. Thus all material principles that locate the determining ground of choice in the pleasure or displeasure expected from some object's reality A 41 are entirely of the same kind in this respect: they all belong to the principle of self-love or personal happiness.

Corollary.

All material practical rules locate the determining ground of the will in the lower faculty of desire. If there were no merely formal laws of this faculty that sufficiently determined the will, then we could not acknowledge any higher faculty of desire either.

Remark I.

It is surprising that otherwise perceptive thinkers believe they can distinguish the lower from the higher faculty of desire V:23 by asking whether the representations connected with the feeling of pleasure originate in the senses or in the understanding. When we ask about the determining grounds of desire and locate them in the enjoyment expected from something, it makes no difference where the representation of this pleasing object comes from. All that matters is how much it pleases. A representation may have its seat and origin in the understanding. But if it can determine choice only by presupposing a feeling of pleasure in the subject, then its being a determining ground of choice depends entirely on the character of inner sense: namely, on its capacity to be pleasantly affected by that representation. Representations of objects may be of very different kinds. They may be representations of the understanding, A 42 or even of reason, as opposed to representations of the senses. Still, the feeling of pleasure through which alone they actually determine the will is of the same kind. This is the enjoyment, the pleasure expected from them, that drives the activity of producing the object. These feelings are alike not only because they can always be known only empirically, but also because they affect one and the same vital force, which expresses itself in the faculty of desire. In this respect, each can differ from any other determining ground only in degree. Otherwise, how could we compare two determining grounds that are completely different in their kind of representation, in terms of their magnitude, so as to prefer the one that affects the faculty of desire most? The very same person can return unread an instructive book that comes into their hands only once, so as not to miss a hunt. They can leave in the middle of a fine speech so as not to be late for a meal. They can leave an entertaining rational conversation, which they otherwise value highly, to sit down at the gaming table. They can even turn away a poor person whom they would otherwise enjoy helping, because they have only enough money in their pocket to pay for admission to a play. If the determination of their will rests on the feeling of enjoyment or unpleasantness they expect from some cause, it makes no difference to them what kind of representation affects them. To make their choice, they care only about how intense and lasting the enjoyment is, how easily it can be obtained, and how often it can be repeated. Someone who needs gold to spend is completely indifferent to whether its material, A 43 the gold, was dug out of a mountain or washed out of sand, provided it is everywhere accepted at the same value. In just the same way, someone concerned only with enjoying life does not ask whether representations come from understanding or sense, but only how much pleasure, and how great a pleasure, they will provide for the longest time. Only those who would like to deny pure reason the ability to determine the will without presupposing any feeling V:24 can stray so far from their own definition. They first bring things under one and the same principle, only to declare afterward that they are entirely different in kind. For example, we find that people can take pleasure even in the mere exercise of their powers: in awareness of their mental strength when overcoming obstacles to their purposes, in developing their intellectual talents, and so on. We rightly call these finer pleasures and enjoyments. More than other pleasures, they are under our control. They do not wear out; instead, they strengthen our capacity to enjoy them further, and they develop us at the same time as they please us. But this does not justify presenting them as a way of determining the will different from determination merely through sense. These pleasures themselves depend for their very possibility on a feeling built into us, which is the first condition of this satisfaction. To call this a different kind of determination is just like ignorant people who want to dabble in metaphysics: they imagine matter so fine, so excessively fine that the very thought could make them dizzy, and then believe they have conceived a spiritual yet extended being. If, like Epicurus, we rely on virtue's promised pleasure alone to determine A 44 the will, we cannot then criticize him for treating that pleasure as entirely the same kind as the pleasures of the crudest senses. For we have no reason to charge him with attributing the representations that arouse this feeling in us only to the bodily senses. As far as we can guess, he sought the source of many of them just as much in the use of the higher cognitive faculty. But that did not and could not prevent him, on the principle just mentioned, from regarding pleasure itself as entirely the same kind throughout. This includes the pleasure those possibly intellectual representations give us, through which alone they can be determining grounds of the will. To be consistent is a philosopher's greatest obligation, yet it is the one most rarely met. The ancient Greek schools give us more examples of it than we find in our syncretistic age. In this age a certain coalition system of conflicting principles, full of dishonesty and shallowness, is contrived because it recommends itself better to a public content to know a little of everything and nothing as a whole, while remaining firmly seated in familiar positions. However much understanding and reason the principle of personal happiness may employ, it would still contain no determining grounds of the will except those suited to the lower faculty of desire. So either there is no higher faculty of desire at all, or pure reason must be practical on its own. That is, it must be able to determine A 45 the will through the mere form of a practical rule, without presupposing any feeling. It must therefore do so without representations of the pleasant or unpleasant as the matter of the faculty of desire, which is always an empirical condition of principles. Only then is reason a true higher faculty of desire, and only insofar as it determines V:25 the will by itself, rather than serving the inclinations. The faculty that can be determined by feelings and desires is subordinate to it. Reason is genuinely, indeed specifically, different from that faculty. Even the slightest mixture of the latter's impulses diminishes reason's strength and superiority, just as the slightest empirical element introduced as a condition into a mathematical proof lowers and destroys its standing and force. In a practical law, reason determines the will directly, not through an intervening feeling of pleasure or displeasure, not even a feeling about this law itself. Only its ability to be practical as pure reason makes it possible for reason to give laws.

Remark II.

To be happy is necessarily the wish of every rational but finite being, and so an unavoidable determining ground of its faculty of desire. For satisfaction with its whole existence is not something it possesses from the start. It is not a state of bliss that would presuppose awareness of its independent self-sufficiency. Instead, its finite nature itself imposes this problem on it, because it has needs. These needs concern the matter of its faculty of desire: something related to an underlying subjective feeling of pleasure or displeasure, which determines what it needs to be satisfied with its condition. But precisely because the subject can know this material determining ground only empirically, it is impossible to regard this task as a law, since a law, as objective, would have to contain the very same A 46 determining ground of the will in all cases and for all rational beings. For the concept of happiness does indeed underlie the practical relation of objects to the faculty of desire everywhere. But it is only a general heading for subjective determining grounds. It determines nothing specifically, although such specific determination is all that matters in this practical problem, and without it the problem cannot be solved at all. What each person is to count as their happiness depends on their own particular feeling of pleasure and displeasure. Even in one and the same subject, it depends on differences in need as this feeling changes. A subjectively necessary law, as a law of nature, is therefore objectively a highly contingent practical principle. It can and must differ greatly between subjects, and so can never provide a law. For the desire for happiness is concerned not with the form of lawfulness but only with the matter: whether, and how much, pleasure I can expect from following the law. Principles of self-love can certainly contain general rules of skill for finding means to ends. V:26 But in that case they are merely theoretical principles7—for example, how someone who wants to eat bread should devise a mill. A 47 Practical instructions based on them, however, can never be universal. For the determining ground of the faculty of desire rests on the feeling of pleasure and displeasure, which can never be assumed to be universally directed at the same objects.

But suppose finite rational beings all thought exactly alike about what to take as objects of their feelings of pleasure or pain, and even about the means they must use to obtain the former and avoid the latter. Even then they could by no means present the principle of self-love as a practical law. For this agreement would itself still be contingent. The determining ground would still be only subjectively valid and merely empirical. It would lack the necessity conceived in every law: objective necessity based on a priori grounds. Unless, that is, we treated this necessity not as practical at all but as merely physical: our inclination would compel the action just as inevitably as we are made to yawn when we see others yawn. We could more readily maintain that there are no practical laws at all, but only recommendations serving our desires, than raise merely subjective principles to the rank of practical laws. Such laws have objective, not merely subjective, necessity without exception. They must be known by reason a priori, not through experience, however empirically universal that experience may be. Even rules describing uniform appearances are called laws of nature—for example, mechanical laws—only when we either actually know them a priori, or assume, as with A 48 chemical laws, that they would be known a priori from objective grounds if our insight went deeper. But merely subjective practical principles expressly require that they rest on subjective, not objective, conditions of choice. So they may always be presented only as mere maxims, never as practical laws. At first this last remark seems like mere quibbling over words. But it defines in words the most important distinction, one that comes into consideration only in practical investigations.

§4 V:27 Theorem III.

If a rational being is to think of its maxims as universal practical laws, it can think of them only as principles whose determining ground of the will lies not in their matter but solely in their form.

The matter of a practical principle is the object of the will. This either is or is not the will's determining ground. If it is, then the rule of the will would be subject to an empirical condition: the relation of the determining representation to the feeling of pleasure and displeasure. It would therefore not be a practical law. Now if we remove from a law all its matter, that is, every object of the will as a determining ground, nothing remains but the mere form of giving universal law. A 49 So a rational being either cannot think of its subjective practical principles, or maxims, as universal laws at the same time, or must assume that their mere form, by which they are suited to giving universal law, makes them practical laws on its own.

Remark.

Even the most ordinary understanding can distinguish, without instruction, which form in a maxim is suited to giving universal law and which is not. For example, I have made it my maxim to increase my wealth by every safe means. Now I hold a deposit whose owner has died without leaving a written record of it. Naturally, this is a case for my maxim. All I now want to know is whether that maxim can also hold as a universal practical law. So I apply it to the present case and ask whether it could take the form of a law. Could I, through my maxim, also give this law: everyone may deny holding a deposit when no one can prove it was entrusted to them? I immediately see that this principle, as a law, would destroy itself, because it would mean there were no deposits at all. A practical law that I recognize as such must qualify for giving universal law. This is an identical proposition and so is clear in itself. If I now say that my will is subject to a practical law, I cannot cite my inclination—in this case, my greed—as its determining ground suitable for a universal practical law. V:28 For, far from being A 50 suited to giving universal law, this inclination would destroy itself in the form of a universal law.

The desire for happiness is universal, and so is the maxim by which everyone makes happiness the determining ground of their will. Still, it is strange that intelligent people could think of presenting it, on that account, as a universal practical law. For a universal law of nature otherwise brings everything into agreement. But here, if we tried to give the maxim the universality of a law, precisely the opposite of agreement would result: the worst conflict, and the complete destruction of the maxim itself and its aim. For in that case the wills of all do not share one and the same object. Instead, each has their own object—their own well-being. This may happen to be compatible with other people's aims, which are likewise directed toward themselves. But that falls far short of being enough for a law, because the exceptions we are entitled to make as occasions arise are endless and cannot be precisely included in a universal rule. What results is a harmony like the one a certain satirical poem describes in the unity of minds between two spouses ruining each other: Oh, wonderful harmony: what he wants, she wants too, etc. Or it is like the declaration King Francis I is said to have made to Emperor Charles V: what my brother Charles wants—Milan—I want too. Empirical determining grounds are not suited to any universal external lawgiving, but neither are they suited to internal lawgiving. For each person bases inclination on their own subject, while another bases it on a different subject. A 51 Even within each subject, now one inclination and now another has the greatest influence. It is simply impossible to find a law that would govern them all under this condition, namely with agreement on every side.

§5 Problem I.

Assuming that the mere lawgiving form of maxims alone is the sufficient determining ground of a will, find the character of a will that can be determined by this alone.

The mere form of a law can be represented only by reason. It is therefore not an object of the senses, and so does not belong among appearances. Its representation as the determining ground of the will thus differs from all determining grounds of events in nature under the law of causality. V:29 For in those events the determining grounds must themselves be appearances. Now if no determining ground of the will other than this universal lawgiving form alone can serve as a law for it, such a will must be thought of as entirely independent of the natural law governing appearances in relation to one another: the law of causality. This independence is called freedom in the strictest, that is, transcendental, sense. Thus a will A 52 for which the mere lawgiving form of its maxim alone can serve as a law is a free will.

§6 Problem II.

Assuming that a will is free, find the law that alone is suited to determine it necessarily.

The matter of a practical law, that is, an object of a maxim, can be given only empirically. But a free will, though independent of empirical conditions—that is, conditions belonging to the sensible world—must still be capable of determination. So, independently of the matter of the law, a free will must still find a determining ground in the law. Yet apart from its matter, the law contains nothing but its lawgiving form. So the lawgiving form, insofar as it is contained in the maxim, is the only thing that can constitute a determining ground of the will.

Remark.

Freedom and unconditional practical law thus point back to each other. I am not asking here whether they really are different, or whether an unconditional law is simply the self-consciousness of pure practical reason, and this in turn is identical with the positive concept of freedom. Instead, I ask where our cognition of the unconditionally practical begins: with freedom or with practical law. It cannot begin with freedom. A 53 For we cannot be directly conscious of freedom, since its first concept is negative. Nor can we infer it from experience, because experience gives us cognition only of the law of appearances, and thus of nature's mechanism, the exact opposite of freedom. So it is the moral law, of which we become directly conscious as soon as we formulate maxims of the will, that presents itself to us first. Reason V:30 presents this law as a determining ground that no sensible conditions can outweigh, and that is indeed entirely independent of them. In doing so, it leads directly to the concept of freedom. But how is consciousness of this moral law itself possible? We can become conscious of pure practical laws just as we are conscious of pure theoretical principles: by attending to the necessity with which reason prescribes them to us, and to the exclusion of all empirical conditions, to which reason directs us. The concept of a pure will arises from the former, just as consciousness of a pure understanding arises from the latter. This is the true order of dependence among our concepts: morality first reveals the concept of freedom to us. Thus practical reason first confronts speculative reason with its most insoluble problem through this concept, putting it in the greatest difficulty. This is already clear from the following consideration. Nothing in appearances can be explained by the concept of freedom; nature's mechanism must always be our guide here. Moreover, when pure reason tries to ascend to the unconditioned in the series of causes, its antinomy entangles it in things beyond comprehension on either view. Yet the latter view, mechanism, at least A 54 has a use in explaining appearances. So no one would ever have ventured to introduce freedom into science if the moral law, and with it practical reason, had not come along and forced this concept upon us. Experience also confirms this order of concepts in us. Suppose someone claims that their lustful inclination is completely irresistible whenever the desired object and the opportunity are present. Ask whether they would not control their inclination if a gallows stood in front of the house where they found this opportunity, and they were to be hanged on it immediately after satisfying their lust. We need not spend long guessing their answer. But now ask this: suppose their ruler demanded, under threat of the same immediate death penalty, that they give false testimony against an honest man whom the ruler wanted to destroy on plausible pretexts. Would they consider it possible to overcome their love of life, however great it might be? Perhaps they would not dare to assert whether they would do it or not. But they must admit without hesitation that it would be possible for them. They therefore judge that they can do something because they are conscious that they ought to do it. They recognize in themselves the freedom that, without the moral law, would otherwise have remained unknown to them.

§7 Fundamental Law of Pure Practical Reason.

Act so that the maxim of your will could always hold at the same time as a principle for giving universal law.

V:31

Remark. A 55

Pure geometry has postulates as practical propositions. But they contain nothing beyond the presupposition that we can do something if we should be required to do it. These are its only propositions that concern existence. They are therefore practical rules under a problematic condition of the will. Here, however, the rule says that we ought, unconditionally, to act in a certain way. So the practical rule is unconditional. It is therefore represented as a categorical practical proposition a priori, through which the will is objectively determined absolutely and directly—by the practical rule itself, which is therefore a law here. For pure reason, practical in itself, directly gives laws here. The will is thought of as independent of empirical conditions, and thus, as a pure will, as determined by the mere form of the law. This determining ground is regarded as the highest condition of all maxims. This is strange enough, and has no parallel anywhere else in practical cognition. For the a priori thought of a possible universal lawgiving, which is therefore merely problematic, is commanded unconditionally as a law, without borrowing anything from experience or from any external will. Nor is it an instruction saying that an action ought to occur through which a desired effect becomes possible, since then the rule would always be physically conditioned. Instead, it is a rule that determines only the will a priori, with regard to the form of its maxims. Now it is at least not impossible to think of a law that serves only the subjective form of principles, yet acts as a determining ground through the objective form of a law in general. We can call consciousness of this fundamental law a fact of reason. A 56 For we cannot reason it out from previously given data of reason, such as consciousness of freedom, since that is not given to us beforehand. Instead, it forces itself upon us on its own as a synthetic proposition a priori, grounded on no intuition, either pure or empirical. It would indeed be analytic if we presupposed freedom of the will. But freedom as a positive concept would require an intellectual intuition, which we must not assume here at all. Still, to regard this law as given without misunderstanding it, we must note carefully that it is not an empirical fact. It is the sole fact of pure reason, which thereby announces itself as originally giving laws: this is what I will; this is what I command.

Corollary.

Pure reason is practical on its own and gives human beings a universal law, which we call the moral law.

V:32

Remark.

The fact just mentioned cannot be denied. We need only analyze people's judgments about whether their actions conform to law. We will always find that, whatever inclination may say, their reason remains incorruptible and compelled by itself to measure the maxim of the will in an action against the pure will—that is, against itself, insofar as it regards itself as practical a priori. Now reason also declares this principle of morality to be a law for all rational A 57 beings, precisely because of the universality of the lawgiving that it makes the highest formal determining ground of the will, regardless of all subjective differences in it. This applies insofar as they have a will at all: an ability to determine their causality through the representation of rules. Thus it applies insofar as they are capable of actions according to principles, and therefore also according to practical principles a priori, since these alone have the necessity that reason requires of a principle. So it is not restricted to human beings. It extends to all finite beings that have reason and will, and even includes the infinite being as the supreme intelligence. In the former case, however, the law has the form of an imperative. For we can presuppose a pure will in a finite being as rational, but not a holy will in it as a being affected by needs and sensible motives. A holy will would be incapable of any maxim conflicting with the moral law. For finite beings, therefore, the moral law is an imperative that commands categorically, because the law is unconditional. Such a will's relation to this law is one of dependence, called obligation. Obligation means a necessitation to an action, though only through reason and its objective law. This action is called duty, because a power of choice affected by feelings and desires—though not determined by them, and thus always free—carries with it a wish arising from subjective causes. This wish can therefore often oppose the pure objective determining ground. So it requires resistance from practical reason as moral necessitation. This resistance can be called an internal but intellectual constraint. In the all-sufficient intelligence, choice is rightly represented as incapable of any maxim that could not also be an objective law. The concept of holiness that belongs to it on this account places it A 58 above, not all practical laws, but all practically restrictive laws, and thus beyond obligation and duty. Yet this holiness of the will is a practical idea that must necessarily serve as the model. All that finite rational beings can do is approach it without end. The pure moral law, which is therefore itself called holy, constantly and correctly holds this model before them. To be sure of this endless progress V:33 in one's maxims, and of their constancy in continual advancement—that is, virtue—is the highest thing finite practical reason can achieve. Virtue itself, however, at least as a naturally acquired capacity, can never be complete. For assurance in such a case never becomes absolute certainty, and as persuasion it is very dangerous.

§8 Theorem IV.

The autonomy of the will is the sole principle of all moral laws and the duties that conform to them. By contrast, all heteronomy of choice not only fails to ground any obligation, but actually opposes the principle of obligation and the morality of the will. The sole principle of morality consists in independence from all matter of the law—that is, from a desired object—together with determination of choice by the mere universal lawgiving form of which a maxim must be capable. That independence is freedom in the negative sense. This lawgiving of its own A 59 by pure reason, practical as such, is freedom in the positive sense. Thus the moral law expresses nothing other than the autonomy of pure practical reason, that is, freedom. This is itself the formal condition of all maxims, under which alone they can agree with the highest practical law. Now the matter of willing can only be the object of a desire connected with the law. So if it enters into the practical law as a condition of the law's possibility, the result is heteronomy of choice: dependence on the natural law of following some impulse or inclination. The will then gives itself not the law, but only an instruction for rationally following laws of feeling and desire. A maxim formed in this way can never contain the form of universal lawgiving. It therefore not only fails to establish any obligation, but itself opposes the principle of pure practical reason, and thus also a moral disposition, even if the action arising from it should conform to the law.

V:34

Remark I.

So a practical instruction that carries a material, and therefore empirical, condition must never be counted as a practical law. For the A 60 law of the pure will, which is free, places that will in an entirely different sphere from the empirical one. The necessity it expresses is not to be natural necessity. It can therefore consist only in formal conditions that make a law in general possible. All matter of practical rules always rests on subjective conditions. These give it no universality for rational beings except conditional universality: if I desire this or that, what must I then do to make it real? All such rules revolve around the principle of personal happiness. Now it certainly cannot be denied that all willing must also have an object, and thus matter. But that does not mean this matter is the determining ground and condition of the maxim. If it is, the maxim cannot be presented in a universally lawgiving form. For then the expectation of the object's existence would be the determining cause of choice. Willing would have to rest on the dependence of the faculty of desire on the existence of some thing. This dependence can always be sought only in empirical conditions and so can never provide the ground for a necessary and universal rule. Thus the happiness of other beings can be the object of a rational being's will. But if it were the maxim's determining ground, we would have to presuppose that we find not only a natural pleasure but also a need in others' well-being, as the sympathetic temperament in human beings involves. Yet I cannot presuppose this need in every rational being, and not in God at all. So the matter of the maxim can remain, but it must not be the maxim's condition. Otherwise A 61 the maxim would not be suited to be a law. The mere form of a law, which restricts the matter, must therefore also be a ground for adding this matter to the will, but not for presupposing it. Let the matter be, for example, my own happiness. If I attribute this to everyone—as I indeed may in the case of finite beings—it can become an objective practical law only if I include the happiness of others in it. Thus the law of promoting others' happiness does not arise from presupposing that this is an object of everyone's choice. It arises solely because the form of universality becomes the determining ground of the will. Reason requires this form as the condition for giving a maxim of self-love the objective validity of a law. So the object, others' happiness, was not the determining ground of the pure will. It was solely the mere lawful form by which I restricted my maxim based on inclination, to give it the universality V:35 of a law and so make it conform to pure practical reason. Only from this restriction, and not from adding an external incentive, could the concept of an obligation to extend my maxim of self-love to others' happiness then arise.

Remark II.

The direct opposite of the principle of morality is making personal happiness the determining ground of the will. As I showed above, this includes absolutely everything that locates the determining ground that is to serve as a law anywhere other than in the lawgiving form of the maxim. This conflict is not merely logical, like the A 62 conflict involved in trying to raise empirically conditioned rules to necessary principles of cognition. It is practical. It would completely destroy morality if reason's voice regarding the will were not so clear, so impossible to drown out, and so audible even to the most ordinary person. As things stand, this view can survive only in the bewildering speculations of the schools. They are bold enough to turn a deaf ear to that heavenly voice in order to uphold a theory that saves them the trouble of hard thinking.

Suppose a friend whose company you otherwise enjoy tried to justify having given false testimony as follows. First they invoked what they claimed was the sacred duty of securing their own happiness. Then they listed all the advantages they had gained, and pointed to the clever precautions they had taken against any discovery—even discovery by you. They had told you the secret only so that they could deny it at any time. Finally, in complete seriousness, they claimed to have fulfilled a genuine human duty. You would either laugh right in their face or recoil in disgust. Yet if someone has based their principles solely on personal advantage, you would have nothing whatever to object to in these measures. Or suppose someone recommends a man as a manager to whom you can blindly entrust all your affairs. To inspire your confidence, they praise him as a clever man with a masterful grasp of his own advantage, and as a tirelessly active man who lets no opportunity for it go unused. Finally, to make sure A 63 that no worries about his vulgar selfishness get in the way, they praise his refined way of living. He seeks pleasure not in hoarding money or crude extravagance, but in expanding his knowledge, in well-chosen, instructive company, and even in helping the needy. But he has no scruples about the means, which after all derive their worth or worthlessness only from the end. Other people's money and property serve his purposes V:36 just as well as his own, whenever he knows he can use them without being discovered or stopped. You would either think the person recommending him was making a fool of you, or that they had lost their mind.—The boundaries between morality and self-love are so clear and sharp that even the most ordinary eye cannot fail to distinguish which of the two something belongs to. The following few remarks may seem unnecessary when the truth is so obvious. Still, they at least serve to give ordinary human reason's judgment somewhat greater clarity.

The principle of happiness can provide maxims, but never maxims suited to be laws of the will, even if we make everyone's happiness our object. For cognition of happiness rests entirely on data from experience. Every judgment about it depends very heavily on each person's opinion, which is itself also very changeable. So it can provide general rules, but never universal ones: rules that on average apply most often, but not rules that must hold always and necessarily. Thus no practical laws can be based on it. Precisely because an object of choice is made the basis of its rule here, and must therefore precede it, the rule can relate to and be grounded on nothing A 64 but what is recommended, and thus on experience. Differences of judgment must then be endless. So this principle does not prescribe the very same practical rules to all rational beings, even though the rules fall under a common heading, namely happiness. The moral law, however, is thought of as objectively necessary only because it is to hold for everyone who has reason and will.

The maxim of self-love, or prudence, merely advises; the law of morality commands. There is a great difference between what we are advised to do and what we are obligated to do.

Even the most ordinary understanding can see quite easily and without hesitation what to do according to the principle of autonomy of choice. What to do on the assumption of heteronomy is difficult and requires knowledge of the world. That is, what duty requires presents itself to everyone on its own. But what brings genuine, lasting advantage is always shrouded in impenetrable darkness if this advantage is to extend over one's whole existence. It takes great prudence to use skillful exceptions to adapt a practical rule directed at such advantage to life's purposes even tolerably well. Yet the moral law commands everyone to obey, and to obey with the greatest exactness. So judging what to do according to it cannot be so difficult that even the most ordinary, untrained understanding would not know how to manage it without worldly wisdom.

Fulfilling morality's categorical command is within everyone's power V:37 at all times. Fulfilling the empirically conditioned instruction of happiness is only rarely A 65 possible, and is far from possible for everyone even with regard to a single aim. The reason is that the first concerns only the maxim, which must be genuine and pure. The second also concerns the powers and physical ability to make a desired object real. A command that everyone should seek to make themselves happy would be foolish. For we never command anyone to do what they already inevitably want on their own. We would have to command only the measures to take, or rather supply them, since people cannot do everything they want. But commanding morality under the name of duty is entirely reasonable. For, first, not everyone is willing to obey its instruction when it conflicts with inclinations. And as for the measures by which someone can follow this law, these need not be taught here. For what they will in this respect, they can also do.

Someone who has lost at gambling may be annoyed with themselves and their imprudence. But someone conscious of having cheated at gambling, even if they won by doing so, must despise themselves as soon as they measure themselves against the moral law. So this law must surely be something other than the principle of personal happiness. For having to tell oneself, “I am worthless, even though I have filled my purse,” must involve a different standard of judgment from applauding oneself and saying, “I am a clever person, because I have increased my funds.”

Finally, in the idea of our practical reason, something else accompanies the violation of a moral law: its deserving punishment. Now the concept of punishment as such cannot be connected with A 66 sharing in happiness. For the person imposing punishment may also have the kind intention of directing it toward that end. But it must first be justified in itself as punishment, that is, as a mere ill. The person punished must admit that justice has been done to them and that their lot completely fits their conduct, even if matters stopped there and they could look forward to no favor hidden behind this harshness. Every punishment as such must first involve justice, and justice makes up the essence of this concept. Kindness may also be combined with it, but the person deserving punishment has, by their conduct, not the slightest ground for counting on this. So punishment is a physical ill that, even if it were not connected with moral evil as a natural consequence, would still have to be connected with it as a consequence according to principles of moral lawgiving. Now every crime is punishable in itself, even without regard to the physical consequences for the offender. That is, the offender forfeits happiness, at least in part. So it would clearly be absurd to say that their crime consisted precisely in bringing punishment upon themselves by damaging their own V:38 happiness. Yet according to the principle of self-love, this would have to be the proper concept of every crime. On that view, punishment would be the reason for calling something a crime. Justice would instead have to consist in withholding all punishment and even preventing natural punishment. For then there would no longer be anything evil in the action, since the ills that would otherwise follow it, and for whose sake alone it was called evil, would now have been prevented. To regard all punishment and reward merely as A 67 machinery in the hands of a higher power, serving only to set rational beings to work toward their final end, happiness, is even more clearly a mechanism of their will that abolishes all freedom. It is too obviously so for us to need to dwell on it.

More subtle, though just as false, is the claim of those who assume a special moral sense that determines the moral law instead of reason. On their view, consciousness of virtue would be directly connected with satisfaction and pleasure, and consciousness of vice with mental unrest and pain. They thus make everything depend, after all, on the desire for personal happiness. Without bringing in what was said above, I want only to point out the illusion involved. To represent a vicious person as tormented by mental unrest through consciousness of their offenses, they must already represent that person in advance as morally good to at least some degree in the basic foundation of their character. Similarly, they must already represent someone pleased by the consciousness of dutiful actions as virtuous. So the concept of morality and duty must have preceded all consideration of this satisfaction and cannot be derived from it at all. We must already value the importance of what we call duty, the authority of the moral law, and the immediate worth that following it gives a person in their own eyes. Only then can we feel that satisfaction in the consciousness of conforming to duty, and that bitter self-reproach when we can charge ourselves with violating it. So we cannot feel this satisfaction A 68 or mental unrest before cognizing obligation, and make it the basis of obligation. We must already be at least halfway to being an honest person even to form a representation of these feelings. I do not deny that, just as freedom makes the human will directly determinable by the moral law, frequent action in accordance with this determining ground can eventually produce a subjective feeling of satisfaction with oneself. On the contrary, it is itself a duty to establish and cultivate this feeling, which alone properly deserves to be called moral feeling. But the concept of duty cannot be derived from it. Otherwise we would have to think of a feeling of a law as such, and make something an object of sensation V:39 that can be thought only through reason. Unless this is to be a flat contradiction, it would completely abolish every concept of duty, replacing it with a mere mechanical play of finer inclinations, which sometimes clash with the coarser ones.

Now let us compare our highest formal principle of pure practical reason, as autonomy of the will, with all previous material principles of morality. We can set out all the others in a table, in a way that actually exhausts all other possible cases except the single formal one. This will visibly prove that it is useless to look for a principle other than the one just presented.—All possible determining grounds of the will are either merely subjective, and therefore empirical, or objective and rational. Both kinds, in turn, are either external or internal.

Material practical determining groundsV:40 in the principle of morality are A 69Subjectiveexternal• Education (according to Montaigne)• The civil constitution (according to Mandeville)internal• Physical feeling (according to Epicurus)• Moral feeling (according to Hutcheson)Objectiveinternal• Perfection (according to Wolff and the Stoics)external• The will of God (according to Crusius and other theological moralists)

V:41 Those on the left are all empirical and clearly A 70 entirely unsuited to be the universal principle of morality. Those on the right, however, rest on reason. For perfection as a quality of things, and supreme perfection represented in a substance, that is, God, can both be thought only through concepts of reason. But the first concept, that of perfection, can be taken in a theoretical sense. Then it means only the completeness of each thing within its kind—transcendental perfection—or of a thing merely as a thing in general—metaphysical perfection. Neither can be at issue here. In its practical sense, however, the concept of perfection means a thing's fitness or adequacy for all sorts of ends. This perfection as a quality of a human being, and thus internal, is nothing but talent and what strengthens or supplements it, skill. Supreme perfection in a substance, that is, God, and thus external perfection considered practically, is this being's adequacy for all ends in general. Ends must therefore be given to us beforehand. Only in relation to them can the concept of perfection, whether internal in ourselves or external in God, become a determining ground of the will. But an end, as an object that must precede the determination of the will by a practical rule and contain the ground of that rule's possibility, is the will's matter. Taken as the will's determining ground, it is always empirical. So it can serve the Epicurean principle of the doctrine of happiness, but never the pure rational principle of the doctrine of morality and duty. Talents and their development can become motives only because they contribute to life's advantages. Similarly, the A 71 will of God can become a motive only through the happiness we expect from it, if we make agreement with it the object of our will without a prior practical principle independent of the idea of God. It follows, first, that all the principles listed here are material; second, that they cover all possible material principles. Finally, we can conclude that material principles are entirely unsuited to be the highest moral law, as has been proved. So the formal practical principle of pure reason is the only possible principle suited to categorical imperatives, that is, practical laws that make actions duties. According to this principle, the mere form of a universal lawgiving possible through our maxims must constitute the highest and immediate determining ground of the will. It alone is also suited to be the principle of morality in general, both for judging the human will and for applying it to determine that will.

I. A 72 V:42 The Deduction of the Principles of Pure Practical Reason.

This Analytic shows that pure reason can be practical: it can determine the will on its own, independently of everything empirical. It does so through a fact in which pure reason actually proves itself practical in us: autonomy in the principle of morality, through which reason determines the will to act.—At the same time, it shows that this fact is inseparably connected with consciousness of freedom of the will, indeed identical with it. A rational being, as belonging to the sensible world, recognizes itself as necessarily subject to the laws of causality, like other effective causes. Through this consciousness of freedom, however, its will is at the same time, in practical matters, conscious of itself on another side, namely as a being in itself, and of its existence as determinable in an intelligible order of things. This is not in accordance with a special intuition of itself, but with certain dynamic laws that can determine its causality in the sensible world. For it has been sufficiently proved elsewhere that freedom, when attributed to us, places us in an intelligible order of things.

If we now compare this with the analytic part of the Critique of Pure A 73 Speculative Reason, a striking contrast appears. There, the first given element making cognition a priori possible was not principles but pure sensible intuition, space and time. It made such cognition possible only for objects of the senses.—Synthetic principles from mere concepts without intuition were impossible. They could occur only in relation to that intuition, which was sensible, and thus only in relation to objects of possible experience. For concepts of the understanding, joined with this intuition, alone make possible the cognition we call experience.—Beyond objects of experience, and thus concerning things as noumena, speculative reason was rightly denied all positive cognition.—Yet it did secure the concept of noumena: the possibility, and indeed necessity, of thinking such things. For example, it defended against every V:43 objection the assumption of freedom, understood negatively, as entirely compatible with those principles and restrictions of pure theoretical reason. But it did not give us any determinate or expansive cognition of such objects. Instead, it completely cut off every prospect of it.

By contrast, although the moral law gives no prospect, A 74 it does provide a fact that is completely inexplicable from all the data of the sensible world and the entire scope of our theoretical use of reason. This fact points to a pure world of the understanding, indeed positively determines it, and lets us cognize something about it: a law.

This law is to give the sensible world, as sensible nature, the form of a world of the understanding, that is, of a supersensible nature, as regards rational beings, yet without impairing its mechanism. Now nature in the most general sense is the existence of things under laws. The sensible nature of rational beings in general is their existence under empirically conditioned laws, and thus heteronomy for reason. By contrast, the supersensible nature of these same beings is their existence according to laws independent of every empirical condition, and thus belonging to the autonomy of pure reason. The laws according to which the existence of things depends on cognition are practical laws. So supersensible nature, insofar as we can form a concept of it, is nothing other than a nature under the autonomy of pure practical reason. The law of this autonomy is the moral law. It is therefore the fundamental law of a supersensible nature and a pure world of the understanding, whose counterpart is to exist in the sensible world, yet A 75 without impairing that world's laws. We could call the former, which we cognize only in reason, archetypal nature (nature as a model). We could call the latter copied nature (nature as a copy), since it contains the possible effect of the idea of the former as a determining ground of the will. For the moral law does in fact place us, in idea, within a nature in which pure reason, if accompanied by physical power adequate to it, would produce the highest good. It determines our will to give the sensible world this form, as a whole of rational beings.

Even the most ordinary attention to ourselves confirms that this idea really serves as a model, like a preliminary sketch, for our determinations of the will.

V:44 When practical reason tests the maxim by which I intend to give testimony, I always consider what it would be like if it held as a universal law of nature. Clearly, in this form it would necessitate truthfulness in everyone. For treating statements as evidence while also allowing them to be deliberately untrue cannot coexist with the universality of a law of nature. Likewise, the maxim I adopt about freely disposing of my A 76 life is determined at once when I ask what it would have to be like for a nature to maintain itself according to a law based on it. Clearly, in such a nature no one could end their life at will, because such an arrangement would not be an enduring natural order. The same holds in all other cases. But in actual nature, as an object of experience, the free will is not automatically determined to maxims that could by themselves establish a nature under universal laws, or that would automatically fit into a nature arranged according to them. Instead, private inclinations make up a natural whole under laws of feeling and desire—physical laws—but not a nature possible solely through our will according to pure practical laws. Yet through reason we are conscious of a law to which all our maxims are subject, as if a natural order also had to arise through our will. So this must be the idea of a nature not empirically given, yet possible through freedom, and therefore supersensible. We give this nature objective reality, at least in a practical respect, because we regard it as the object of our will as pure rational beings.

The difference, then, between the laws of a nature to which the A 77 will is subject and those of a nature subject to a will, insofar as that will relates to its free actions, rests on the following. In the former, objects must be causes of the representations that determine the will. In the latter, the will is to be the cause of the objects. Its causality therefore has its determining ground solely in the pure faculty of reason, which can for this reason also be called pure practical reason.

So these two problems are very different: how pure reason can on the one hand cognize objects a priori, and how it can on the other hand directly be a determining ground V:45 of the will, that is, of a rational being's causality with regard to the reality of objects, merely through the thought of the universal validity of its own maxims as law.

The first belongs to the critique of pure speculative reason. It requires a prior explanation of how intuitions are possible a priori. Without intuitions no object at all can be given to us, and therefore none can be synthetically cognized. Its solution is that all these intuitions are only sensible. So they cannot make possible any speculative cognition extending beyond possible experience. Thus all principles of pure speculative reason accomplish nothing A 78 beyond making experience possible, either of given objects or of objects that may be given without end but are never given completely.

The second belongs to the critique of practical reason. It requires no explanation of how objects of the faculty of desire are possible. That task remains with the critique of speculative reason as a problem of theoretical cognition of nature. It asks only how reason can determine the maxim of the will: whether it does so only through empirical representations as determining grounds, or whether pure reason too would be practical and a law of a possible natural order that cannot be cognized empirically at all. The possibility of such a supersensible nature, whose concept could also be the ground of its reality through our free will, requires no a priori intuition of an intelligible world. Such an intuition, being supersensible, would in this case be impossible for us. For the issue is only the determining ground of willing in its maxims: whether it is empirical or a concept of pure reason concerning their lawfulness in general, and how it can be the latter. Whether the will's causality is sufficient to make its objects real is left to the theoretical principles of reason to judge, as an investigation A 79 of the possibility of the objects of willing. Intuition of these objects is therefore no part at all of the practical problem. What matters here is only the determination of the will and the determining ground of its maxim as a free will, not the outcome. For provided the will conforms to the law of pure reason, its ability to carry things out may be whatever V:46 it is. A nature may or may not actually arise from these maxims for giving laws to a possible nature. None of this concerns the critique that investigates whether and how pure reason can be practical, that is, directly determine the will.

In this task, then, the critique can blamelessly—and indeed must—begin with pure practical laws and their reality. But instead of intuition, it takes as their basis the concept of their existence in the intelligible world, namely freedom. For this concept means nothing else. Those laws are possible only in relation to freedom of the will, but are necessary if freedom is presupposed. Or conversely, freedom is necessary because those laws are necessary as practical postulates. How this consciousness of moral laws—or, what amounts to the same thing, of freedom—is possible cannot be explained further. But their admissibility can certainly A 80 be defended in the theoretical critique.

The exposition of the highest principle of practical reason is now complete. First, we have shown what it contains: that it stands on its own, entirely a priori and independently of empirical principles. Then we have shown how it differs from all other practical principles. With its deduction—justifying its objective and universal validity, and gaining insight into the possibility of such a synthetic proposition a priori—we cannot hope to succeed as well as we did with the principles of the pure theoretical understanding. For those referred to objects of possible experience, namely appearances. We could prove that these appearances can be cognized as objects of experience only by being brought under the categories in accordance with those laws. Consequently, all possible experience must conform to these laws. But I cannot follow that course in deducing the moral law. For it does not concern cognition of the character of objects that may somehow be given to reason from elsewhere. Instead, it concerns cognition insofar as it can become the ground of the existence of the objects themselves, and reason through it has causality in a rational being. A 81 That is, it concerns pure reason considered as a faculty that directly determines the will.

But all human insight comes to an end once we reach fundamental forces V:47 or fundamental faculties. Their possibility cannot be comprehended through anything else; yet neither may they be invented and assumed at will. So in the theoretical use of reason, only experience can justify our assuming them. But here, regarding the pure practical faculty of reason, even this substitute is unavailable: we cannot offer empirical proofs instead of a deduction from a priori sources of cognition. For something that needs experience to prove its reality must depend, in the grounds of its possibility, on principles of experience. But pure reason that is nevertheless practical cannot possibly be counted among such things, given its very concept. Moreover, the moral law is given, as it were, as a fact of pure reason. We are conscious of it a priori, and it is absolutely certain, even if experience could supply no example in which it was followed exactly. So the objective reality of the moral law cannot be proved by any deduction or by any effort of theoretical reason, whether speculative or empirically supported. Nor, even if A 82 we gave up absolute certainty, could it be confirmed through experience and so proved a posteriori. Yet it stands firm on its own.

But something different and quite paradoxical takes the place of this vainly sought deduction of the moral principle. Conversely, that principle itself serves as the principle for deducing an inscrutable faculty: freedom. No experience can prove this faculty. Yet speculative reason had to assume it at least as possible, in order to find among its cosmological ideas the unconditioned in respect of its causality, and thus avoid contradicting itself. The moral law, which itself needs no grounds to justify it, proves not merely freedom's possibility but its reality in beings who recognize this law as binding on them. The moral law is in fact a law of causality through freedom, and thus of the possibility of a supersensible nature. Likewise, the metaphysical law of events in the sensible world was a law of the causality of sensible nature. So the moral law determines what speculative philosophy had to leave undetermined: the law for a causality whose concept in speculative philosophy was merely negative. It thereby first gives this concept objective reality.

V:48 The moral law provides this kind of credential by itself being established as a A 83 principle for deducing freedom as a causality of pure reason. Since theoretical reason was compelled at least to assume the possibility of freedom, this credential is completely sufficient to meet its need, in place of any justification a priori. For the moral law proves its reality in a way that also satisfies the critique of speculative reason. It adds a positive determination to a causality that was thought of only negatively, whose possibility speculative reason could not comprehend and yet had to assume. This positive determination is the concept of a reason that directly determines the will through the condition of a universal lawful form of its maxims. In this way it can, for the first time, give objective, though only practical, reality to reason, which always went beyond its bounds with its ideas whenever it tried to proceed speculatively. It transforms reason's transcendent use into an immanent one: being, through ideas, itself an effective cause in the field of experience.

The determination of the causality of beings in the sensible world, as such, could never be unconditional. Yet for every series of conditions there must necessarily be something unconditioned, and thus also a causality that determines itself entirely on its own. So the A 84 idea of freedom as a faculty of absolute spontaneity was not a need but, as regards its possibility, an analytic principle of pure speculative reason. But it is absolutely impossible to give an example of it in any experience. Among the causes of things as appearances, no determination of causality can be found that is absolutely unconditioned. So we could only defend the thought of a freely acting cause, when applying it to a being in the sensible world that is also considered, on another side, as a noumenon. We did so by showing that there is no contradiction in regarding all its actions as physically conditioned insofar as they are appearances, while also regarding their causality as physically unconditioned insofar as the acting being is a being of the understanding. In this way we made the concept of freedom a regulative principle of reason. Through it I do not cognize at all what the object to which this causality is attributed is. But I remove the obstacle: on the one hand, in explaining events in the world, including actions of rational V:49 beings, I do justice to the mechanism of natural necessity, going back endlessly from the conditioned to its condition. On the other hand, I keep open for speculative reason the place that is empty A 85 for it, namely the intelligible, in which to locate the unconditioned. But I could not give reality to this thought: I could not transform it into cognition of a being acting in this way, even merely as regards its possibility. Pure practical reason now fills this empty place with a determinate law of causality in an intelligible world through freedom: the moral law. This adds nothing to speculative reason's insight, but it does add to the security of its problematic concept of freedom. This concept is here given objective reality that, although only practical, is nevertheless beyond doubt. Practical reason does not even expand the concept of causality so as to extend its use beyond those limits. Its application, and therefore its meaning, properly occurs only in relation to appearances, to connect them into experiences, as the Critique of Pure Reason proves. For if practical reason aimed to extend that use, it would have to show how the logical relation of ground and consequence could be used synthetically with a kind of intuition other than sensible intuition. That is, it would have to show how a noumenal cause is possible. This it cannot do at all. But as practical reason, it takes no account of that task either. It simply locates the determining ground of a human being's causality as a sensible being A 86—a causality that is given—in pure reason, which is therefore called practical. Thus it uses the concept of cause itself solely for a practical purpose: not to cognize objects, but to determine causality with regard to them in general. Here it can leave entirely aside the concept's application to objects for the purposes of theoretical cognition, because this concept is always found in the understanding a priori, independently of all intuition. It can therefore locate the will's determining ground in the intelligible order of things, while readily admitting that it does not understand at all what determination the concept of cause might have for cognizing these things. It must, of course, cognize in a determinate way causality with regard to the will's actions in the sensible world. Otherwise practical reason could not actually produce a deed. But it need not be able to determine theoretically the concept it forms of its own V:50 causality as a noumenon, for the purpose of cognizing its supersensible existence, and thus give it meaning in that respect. For it acquires meaning anyway, though only for practical use, through the moral law. Even considered theoretically, it always remains a pure concept of the understanding, given a priori, that can be applied A 87 to objects whether they are given sensibly or not. In the latter case, however, it has no determinate theoretical meaning or application. It is only a formal, yet essential, thought of the understanding concerning an object in general. The meaning reason gives it through the moral law is solely practical: the idea of the law of a causality (the causality of the will) itself has causality, or is its determining ground.

II. The Right of Pure Reason in Its Practical Use to an Extension That Is Not Possible for It on Its Own in Its Speculative Use.

In the moral principle we have established a law of causality that places causality's determining ground beyond all conditions of the sensible world. We have not merely thought of the will as determinable through belonging to an intelligible world, and thus of the subject of this will, the human being, as belonging to a pure world of the understanding, though unknown to us in that respect. That much was possible according to the Critique of Pure A 88 Speculative Reason. We have also determined this subject with regard to its causality by means of a law that cannot be counted among any laws of nature in the sensible world. Thus we have extended our cognition beyond that world's limits, a presumption that the Critique of Pure Reason declared invalid in all speculation. How, then, can the practical use of pure reason here be reconciled with the theoretical use of this same reason as regards defining the limits of its power?

David Hume, who can be said to have really begun all the attacks on the rights of pure reason that made a complete investigation of it necessary, reasoned as follows. The concept of V:51 cause contains the necessity of a connection between the existence of different things, precisely insofar as they are different. Thus, if A is posited, I cognize that something entirely different from it, B, must necessarily also exist. But necessity can be attributed to a connection only insofar as it is cognized a priori. For experience would let us cognize only that a connection exists, not that it necessarily exists in that way. Now, he says, it is impossible to cognize the connection between one thing and another, or between one determination and another entirely different from it, A 89 a priori and as necessary, if they are not given in perception. So the very concept of a cause is false and deceptive. To put it as mildly as possible, it is an illusion that may still be excused to this extent: the habit, a subjective necessity, of frequently perceiving certain things or their determinations as existing together or in succession is imperceptibly taken for an objective necessity to posit such a connection in the objects themselves. Thus the concept of a cause is acquired by stealth, not legitimately, and can never be legitimately acquired or authenticated. For it requires a connection that is in itself empty and imaginary, that cannot stand before any reason, and to which no object could ever correspond.—Thus, for the first time, empiricism was introduced as the sole source of principles concerning all cognition that deals with the existence of things. Mathematics was therefore still exempt. But with it came the most extreme skepticism, even concerning the whole science of nature as philosophy. For according to such principles we can never infer a consequence from given determinations of things in respect of their existence. That would require the concept of a cause, which contains the necessity of such a connection. We can only expect similar cases as before, according to the A 90 rule of the imagination. But this expectation is never certain, however often it may have been fulfilled. Indeed, of no event could we say that something must have preceded it on which it necessarily followed; that is, that it must have a cause. Even if we knew of very many cases where something of this sort came first, so that a rule could be drawn from them, we still could not assume that things always and necessarily happen in this way. We would therefore have to give blind chance its due as well, where all use of reason V:52 ends. This firmly grounds skepticism concerning inferences that ascend from effects to causes and makes it irrefutable.

Mathematics had escaped unscathed so far because Hume thought all its propositions were analytic: they progressed from one determination to another on grounds of identity, and thus according to the principle of contradiction. But this is false, since they are all synthetic. Geometry, for example, deals not with the existence of things but only with their a priori determination in a possible intuition. Yet it still passes, just as causal concepts do, from one determination A to an entirely different one B, as nevertheless A 91 necessarily connected with it. But eventually this science, so highly praised for its absolute certainty, must also succumb to empiricism in principles. The reason is the same one that led Hume to substitute habit for objective necessity in the concept of cause. Despite all its pride, mathematics must accept a lowering of its bold claims that command assent a priori. It must await approval of the universal validity of its propositions from the goodwill of observers. As witnesses, they would not refuse to admit that they too had always perceived matters as the geometer presents them in principles. So, although it was not actually necessary, they would permit us to expect the same in the future. In this way Hume's empiricism in principles inevitably leads to skepticism even about mathematics, and therefore about all scientific theoretical use of reason, since this belongs either to philosophy or to mathematics. Will ordinary reason fare better amid such a terrible overthrow as we see befalling the leaders of cognition? Or will it instead be caught even more irretrievably in the same destruction of all knowledge? Must a universal skepticism not follow from the same principles, though it would admittedly A 92 affect only the learned? I leave everyone to judge for themselves.

Now my treatment in the Critique of Pure Reason was prompted by Hume's doctrine of doubt, but went much further. It covered the entire field of pure theoretical reason in its synthetic use, and thus also what is generally called metaphysics. V:53 Regarding the Scottish philosopher's doubts about the concept of causality, I proceeded as follows. If Hume took objects of experience to be things in themselves, as indeed happens almost everywhere, he was entirely right to declare the concept of cause deceptive and a false illusion. For with things in themselves and their determinations as such, we cannot see why, because something A is posited, something else B must necessarily also be posited. So he could not admit any such cognition a priori of things in themselves. Still less could this perceptive thinker allow an empirical origin for this concept. That directly contradicts the necessity of connection that forms the essence of the concept of causality. So the concept was outlawed, and habit in observing the course of perceptions took its place.

But my investigations showed that the objects A 93 we deal with in experience are by no means things in themselves, but only appearances. With things in themselves we cannot see—and it is indeed impossible to see—how, if A is posited, it should be contradictory not to posit B, which is entirely different from A. This is the necessity of the connection between A as cause and B as effect. Yet we can quite well think that, as appearances in one experience, they must be necessarily connected in certain ways, for example in their temporal relations. They cannot be separated without contradicting the connection through which this experience is possible, in which they are objects and alone can be cognized by us. This did in fact turn out to be the case. So I could not only prove the objective reality of the concept of cause with regard to objects of experience, but also deduce it as an a priori concept because of the necessity of connection it involves. That is, I could show its possibility from pure understanding without empirical sources. Having thus removed empiricism concerning its origin, I could eliminate at the root its inevitable consequence, skepticism: first regarding natural science, then also regarding mathematics, since exactly the same grounds yield exactly the same result. Both sciences refer to A 94 objects of possible experience. In this way I could also eliminate the complete V:54 doubt concerning everything theoretical reason claims to understand.

But what about applying this category of causality to things that are not objects of possible experience, but lie beyond its limits? The same question applies to all the other categories, since without them no cognition of what exists can be achieved. For I could deduce the objective reality of these concepts only with regard to objects of possible experience. But precisely this—that I rescued them even in this case alone, and showed that through them objects can at least be thought, though not determined a priori—gives them a place in the pure understanding. From there they are referred to objects in general, sensible or non-sensible. If anything is still missing, it is the condition for applying these categories, especially causality, to objects: intuition. Where intuition is not given, applying them for theoretical cognition of an object as noumenon is impossible. Any attempt at this is therefore completely forbidden, as it was in the Critique of Pure Reason. Yet the concept's objective reality always remains. It can also A 95 be used of noumena, but without our being able to determine this concept theoretically in the slightest and thereby produce cognition. For it was proved that this concept contains nothing impossible, even in relation to an object, by securing its place in the pure understanding in all its application to objects of the senses. Afterward, when referred to things in themselves, which cannot be objects of experience, it may be incapable of being determined so as to represent a determinate object for theoretical cognition. Yet it could still be capable of being determined for application to some other purpose, perhaps a practical one. This would not be so if, as Hume held, the concept of causality contained something entirely impossible to think.

To find this condition for applying that concept to noumena, we need only look back at why we are not satisfied with applying it to objects of experience, but would also like to use it of things in themselves. It soon becomes clear that what makes this necessary for us is a practical, not a theoretical, purpose. V:55 For speculation, even if we succeeded, we would A 96 gain nothing genuine in cognition of nature or of any objects that might be given to us. At most we would make a great leap from what is sensibly conditioned to the supersensible, in order to complete and limit our cognition on the side of its grounds. Yet we already have enough to do staying with the sensibly conditioned and diligently following the chain of causes. An infinite gulf would still remain unfilled between that limit and what we know. We would have listened to an idle urge to question rather than to a serious desire for knowledge.

But besides the relation in which the understanding stands to objects in theoretical cognition, it also has a relation to the faculty of desire, which for this reason is called the will. It is called the pure will insofar as the pure understanding, which in such a case is called reason, is practical through the mere representation of a law. The objective reality of a pure will, or what is the same thing, of pure practical reason, is given a priori in the moral law, as if through a fact. For that is what we may call a determination of the will that is unavoidable, though not based on empirical principles. But the concept of a will already contains the concept of causality. Thus the concept of a pure will contains that of a causality with freedom: one that cannot A 97 be determined according to laws of nature, and so cannot have any empirical intuition as proof of its reality. Yet in the pure practical law it fully justifies its objective reality a priori, though, as is easy to see, not for the theoretical but only for the practical use of reason. Now the concept of a being with a free will is the concept of a noumenal cause. We are already assured that this concept does not contradict itself. For the concept of a cause originates entirely in the pure understanding. The deduction also secures its objective reality with regard to objects in general. In its origin it is independent of all sensible conditions, and thus in itself is not restricted to phenomena, except where a determinate theoretical use is intended. It can therefore certainly be applied to things as pure beings of the understanding. But this application cannot be grounded in any intuition, since intuition can always be only sensible. So, regarding the theoretical use of reason, V:56 a noumenal cause is a possible and thinkable, yet empty, concept. But I do not claim through it to know theoretically the character of a being insofar as it has a pure will. It is enough for me A 98 simply to designate it as such a being, and thus only to connect the concept of causality with that of freedom, and inseparably with the moral law as its determining ground. I certainly have the right to do this because of the pure, nonempirical origin of the concept of cause. For I consider myself entitled to no use of it except in relation to the moral law that determines its reality: only a practical use.

If, with Hume, I had denied the concept of causality objective reality in theoretical use not only regarding things in themselves, the supersensible, but also regarding objects of the senses, it would have lost all meaning. It would have been declared completely useless as a theoretically impossible concept. Since no use can be made of nothing, the practical use of a theoretically void concept would have been completely absurd. But as matters stand, the concept of an empirically unconditioned causality is theoretically empty, lacking an appropriate intuition, yet remains possible and refers to an undetermined object. Instead, it is given meaning through the moral law, and thus in a practical respect. So although I have no intuition that would determine its objective theoretical reality, it nevertheless has an actual A 99 application that can be presented concretely in dispositions or maxims. That is, it has a practical reality that can be exhibited, and this is sufficient to justify it even regarding noumena.

Once this objective reality of a pure concept of the understanding has been introduced into the field of the supersensible, it also gives objective reality to all the other categories, though always only insofar as they stand in a necessary connection with the determining ground of the pure will, the moral law. This reality is applicable only practically. It has not the slightest influence toward expanding theoretical cognition of these objects, as insight through pure reason into their nature. As we will also find later, these categories always refer only to beings as intelligences, and even in them only to the relation of reason to V:57 will, thus always only to the practical. They claim no cognition of these beings beyond that. Any other properties that might be brought in along with them, belonging to the theoretical way of representing such supersensible things, must all then be counted not as knowledge but only as things we are entitled—and for practical purposes even required—to assume and presuppose. This holds even when we assume supersensible A 100 beings, such as God, by analogy: that is, according to the pure relation of reason that we use practically regarding sensible beings. In this way, applying pure theoretical reason to the supersensible, but only for practical purposes, gives it not the slightest encouragement toward fanatical flights beyond its bounds.

Of the Analytic of Practical Reason

7 Propositions called practical in mathematics or natural science should properly be called technical. For these disciplines are not concerned with determining the will at all. They only indicate the variety of possible action sufficient to produce a certain effect. So they are just as theoretical as all propositions stating the connection of a cause with an effect. Anyone who wants the latter must also accept being the former.

Book I, Chapter II: The concept of an object of pure practical reason

Zweites Hauptstück. Von dem Begriffe eines Gegenstandes der reinen praktischen Vernunft.

Unter dem Begriffe eines Gegenstandes der praktischen Vernunft verstehe ich die Vorstellung eines Objects als einer möglichen Wirkung durch Freiheit. Ein Gegenstand der praktischen Erkenntniß als einer solchen zu sein, bedeutet also nur die Beziehung des Willens auf die Handlung, dadurch er oder sein Gegentheil wirklich gemacht würde, und die Beurtheilung, ob etwas ein Gegenstand der reinen praktischen Vernunft sei, oder nicht, ist nur die Unterscheidung der Möglichkeit oder Unmöglichkeit, diejenige Handlung zu wollen, wodurch, wenn wir das Vermögen dazu hätten (worüber die Erfahrung urtheilen muß), ein gewisses Object wirklich werden würde. A 101 Wenn das Object als der Bestimmungsgrund unseres Begehrungsvermögens angenommen wird, so muß die physische Möglichkeit desselben durch freien Gebrauch unserer Kräfte vor der Beurtheilung, ob es ein Gegenstand der praktischen Vernunft sei oder nicht, vorangehen. Dagegen wenn das Gesetz a priori als der Bestimmungsgrund der Handlung, mithin diese als durch reine praktische Vernunft bestimmt betrachtet werden kann, so ist das Urtheil, ob etwas ein Gegenstand der reinen praktischen Vernunft sei oder nicht, von der Vergleichung mit unserem physischen V:58 Vermögen ganz unabhängig, und die Frage ist nur, ob wir eine Handlung, die auf die Existenz eines Objects gerichtet ist, wollen dürfen, wenn dieses in unserer Gewalt wäre, mithin muß die moralische Möglichkeit der Handlung vorangehen; denn da ist nicht der Gegenstand, sondern das Gesetz des Willens der Bestimmungsgrund derselben.

Die alleinigen Objecte einer praktischen Vernunft sind also die vom Guten und Bösen. Denn durch das erstere versteht man einen nothwendigen Gegenstand des Begehrungs-, durch das zweite des Verabscheuungsvermögens, beides aber nach einem Princip der Vernunft.

Wenn der Begriff des Guten nicht von einem vorhergehenden praktischen Gesetze abgeleitet werden, sondern diesem vielmehr zum Grunde dienen soll, so kann er nur der Begriff von etwas sein, dessen Existenz Lust A 102 verheißt und so die Causalität des Subjects zur Hervorbringung desselben, d. i. das Begehrungsvermögen, bestimmt. Weil es nun unmöglich ist a priori einzusehen, welche Vorstellung mit Lust, welche hingegen mit Unlust werde begleitet sein, so käme es lediglich auf Erfahrung an, es auszumachen, was unmittelbar gut oder böse sei. Die Eigenschaft des Subjects, worauf in Beziehung diese Erfahrung allein angestellt werden kann, ist das Gefühl der Lust und Unlust, als eine dem inneren Sinne angehörige Receptivität, und so würde der Begriff von dem, was unmittelbar gut ist, nur auf das gehen, womit die Empfindung des Vergnügens unmittelbar verbunden ist, und der von dem schlechthin Bösen auf das, was unmittelbar Schmerz erregt, allein bezogen werden müssen. Weil aber das dem Sprachgebrauche schon zuwider ist, der das Angenehme vom Guten, das Unangenehme vom Bösen unterscheidet und verlangt, daß Gutes und Böses jederzeit durch Vernunft, mithin durch Begriffe, die sich allgemein mittheilen lassen, und nicht durch bloße Empfindung, welche sich auf einzelne Subjecte und deren Empfänglichkeit einschränkt, beurtheilt werde, gleichwohl aber für sich selbst mit keiner Vorstellung eines Objects a priori eine Lust oder Unlust unmittelbar verbunden werden kann, so würde der Philosoph, der sich genöthigt glaubte, ein Gefühl der Lust seiner praktischen Beurtheilung zum Grunde zu legen, A 103 gut nennen, was ein Mittel zum Angenehmen, und Böses, was Ursache der Unannehmlichkeit und des Schmerzens ist; denn die Beurtheilung des Verhältnisses der Mittel zu Zwecken gehört allerdings zur Vernunft. Obgleich aber Vernunft allein vermögend ist, die Verknüpfung der Mittel mit ihren Absichten einzusehen (so daß man auch den Willen durch das V:59 Vermögen der Zwecke definiren könnte, indem sie jederzeit Bestimmungsgründe des Begehrungsvermögens nach Principien sind), so würden doch die praktischen Maximen, die aus dem obigen Begriffe des Guten blos als Mittel folgten, nie etwas für sich selbst, sondern immer nur irgend wozu Gutes zum Gegenstande des Willens enthalten: das Gute würde jederzeit blos das Nützliche sein, und das, wozu es nutzt, müßte allemal außerhalb dem Willen in der Empfindung liegen. Wenn diese nun, als angenehme Empfindung, vom Begriffe des Guten unterschieden werden müßte, so würde es überall nichts unmittelbar Gutes geben, sondern das Gute nur in den Mitteln zu etwas anderm, nämlich irgend einer Annehmlichkeit, gesucht werden müssen.

Es ist eine alte Formel der Schulen: nihil appetimus, nisi sub ratione boni; nihil aversamur, nisi sub ratione mali; und sie hat einen oft richtigen, aber auch der Philosophie oft sehr nachtheiligen Gebrauch, weil die Ausdrücke des boni und mali eine Zweideutigkeit enthalten, daran A 104 die Einschränkung der Sprache Schuld ist, nach welcher sie eines doppelten Sinnes fähig sind, und daher die praktischen Gesetze unvermeidlich auf Schrauben stellen und die Philosophie, die im Gebrauche derselben gar wohl der Verschiedenheit des Begriffs bei demselben Worte inne werden, aber doch keine besondere Ausdrücke dafür finden kann, zu subtilen Distinctionen nöthigen, über die man sich nachher nicht einigen kann, indem der Unterschied durch keinen angemessenen Ausdruck unmittelbar bezeichnet werden konnte.8

Die deutsche Sprache hat das Glück, die Ausdrücke zu besitzen, welche diese Verschiedenheit nicht übersehen lassen. Für das, was die Lateiner mit einem einzigen Worte bonum benennen, hat sie zwei sehr verschiedene Begriffe und auch eben so verschiedene Ausdrücke, für bonum das Gute und das Wohl, für malum das Böse und das Übel (oder Weh), so V:60 daß es zwei ganz verschiedene Beurtheilungen sind, ob wir bei einer Handlung A 105 das Gute und Böse derselben, oder unser Wohl und Weh (Übel) in Betrachtung ziehen. Hieraus folgt schon, daß obiger psychologischer Satz wenigstens noch sehr ungewiß sei, wenn er so übersetzt wird: wir begehren nichts, als in Rücksicht auf unser Wohl oder Weh; dagegen er, wenn man ihn so giebt: wir wollen nach Anweisung der Vernunft nichts, als nur so fern wir es für gut oder böse halten, ungezweifelt gewiß und zugleich ganz klar ausgedrückt wird.

Das Wohl oder Übel bedeutet immer nur eine Beziehung auf unseren Zustand der Annehmlichkeit oder Unannehmlichkeit, des Vergnügens und Schmerzens, und wenn wir darum ein Object begehren oder verabscheuen, so geschieht es nur, so fern es auf unsere Sinnlichkeit und das Gefühl der Lust und Unlust, das es bewirkt, bezogen wird. Das Gute oder Böse bedeutet aber jederzeit eine Beziehung auf den Willen, so fern dieser durchs Vernunftgesetz bestimmt wird, sich etwas zu seinem Objecte zu machen; wie er denn durch das Object und dessen Vorstellung niemals unmittelbar bestimmt wird, sondern ein Vermögen ist, sich eine Regel der Vernunft zur Bewegursache einer Handlung (dadurch ein Object wirklich werden kann) zu machen. Das Gute oder Böse wird also eigentlich auf Handlungen, nicht auf den Empfindungszustand der Person bezogen, und sollte etwas schlechthin (und in aller Absicht und ohne A 106 weitere Bedingung) gut oder böse sein oder dafür gehalten werden, so würde es nur die Handlungsart, die Maxime des Willens und mithin die handelnde Person selbst als guter oder böser Mensch, nicht aber eine Sache sein, die so genannt werden könnte.

Man mochte also immer den Stoiker auslachen, der in den heftigsten Gichtschmerzen ausrief: Schmerz, du magst mich noch so sehr foltern, ich werde doch nie gestehen, daß du etwas Böses (κακον, malum) seist! er hatte doch recht. Ein Übel war es, das fühlte er, und das verrieth sein Geschrei; aber daß ihm dadurch ein Böses anhinge, hatte er gar nicht Ursache einzuräumen; denn der Schmerz verringert den Werth seiner Person nicht im mindesten, sondern nur den Werth seines Zustandes. Eine einzige Lüge, deren er sich bewußt gewesen wäre, hätte seinen Muth niederschlagen müssen; aber der Schmerz diente nur zur Veranlassung, ihn zu erheben, wenn er sich bewußt war, daß er ihn durch keine unrechte Handlung verschuldet und sich dadurch strafwürdig gemacht habe.

Was wir gut nennen sollen, muß in jedes vernünftigen Menschen Urtheil V:61 ein Gegenstand des Begehrungsvermögens sein, und das Böse in den Augen von jedermann ein Gegenstand des Abscheues; mithin bedarf es außer dem Sinne zu dieser Beurtheilung noch Vernunft. So ist es mit A 107 der Wahrhaftigkeit im Gegensatze mit der Lüge, so mit der Gerechtigkeit im Gegensatz der Gewaltthätigkeit &c. bewandt. Wir können aber etwas ein Übel nennen, welches doch jedermann zugleich für gut, bisweilen mittelbar, bisweilen gar unmittelbar, erklären muß. Der eine chirurgische Operation an sich verrichten läßt, fühlt sie ohne Zweifel als ein Übel; aber durch Vernunft erklärt er und jedermann sie für gut. Wenn aber jemand, der friedliebende Leute gerne neckt und beunruhigt, endlich einmal anläuft und mit einer tüchtigen Tracht Schläge abgefertigt wird: so ist dieses allerdings ein Übel, aber jedermann giebt dazu seinen Beifall und hält es an sich für gut, wenn auch nichts weiter daraus entspränge; ja selbst der, der sie empfängt, muß in seiner Vernunft erkennen, daß ihm Recht geschehe, weil er die Proportion zwischen dem Wohlbefinden und Wohlverhalten, welche die Vernunft ihm unvermeidlich vorhält, hier genau in Ausübung gebracht sieht.

Es kommt allerdings auf unser Wohl und Weh in der Beurtheilung unserer praktischen Vernunft gar sehr viel und, was unsere Natur als sinnlicher Wesen betrifft, alles auf unsere Glückseligkeit an, wenn diese, wie Vernunft es vorzüglich fordert, nicht nach der vorübergehenden Empfindung, sondern nach dem Einflusse, den diese Zufälligkeit auf unsere ganze Existenz und die Zufriedenheit mit derselben hat, beurtheilt wird; A 108 aber alles überhaupt kommt darauf doch nicht an. Der Mensch ist ein bedürftiges Wesen, so fern er zur Sinnenwelt gehört, und so fern hat seine Vernunft allerdings einen nicht abzulehnenden Auftrag von Seiten der Sinnlichkeit, sich um das Interesse derselben zu bekümmern und sich praktische Maximen, auch in Absicht auf die Glückseligkeit dieses und wo möglich auch eines zukünftigen Lebens, zu machen. Aber er ist doch nicht so ganz Thier, um gegen alles, was Vernunft für sich selbst sagt, gleichgültig zu sein und diese blos zum Werkzeuge der Befriedigung seines Bedürfnisses als Sinnenwesens zu gebrauchen. Denn im Werthe über die bloße Thierheit erhebt ihn das gar nicht, daß er Vernunft hat, wenn sie ihm nur zum Behuf desjenigen dienen soll, was bei Thieren der Instinct verrichtet; sie wäre alsdann nur eine besondere Manier, deren sich die Natur bedient hätte, um den Menschen zu demselben Zwecke, dazu sie Thiere bestimmt hat, auszurüsten, ohne ihn zu einem höheren Zwecke zu V:62 bestimmen. Er bedarf also freilich nach dieser einmal mit ihm getroffenen Naturanstalt Vernunft, um sein Wohl und Weh jederzeit in Betrachtung zu ziehen, aber er hat sie überdem noch zu einem höheren Behuf, nämlich auch das, was an sich gut oder böse ist, und worüber reine, sinnlich gar nicht interessirte Vernunft nur allein urtheilen kann, nicht allein mit in Überlegung zu nehmen, sondern diese Beurtheilung von jener gänzlich A 109 zu unterscheiden und sie zur obersten Bedingung der letzteren zu machen.

In dieser Beurtheilung des an sich Guten und Bösen, zum Unterschiede von dem, was nur beziehungsweise auf Wohl oder Übel so genannt werden kann, kommt es auf folgende Punkte an. Entweder ein Vernunftprincip wird schon an sich als der Bestimmungsgrund des Willens gedacht, ohne Rücksicht auf mögliche Objecte des Begehrungsvermögens (also blos durch die gesetzliche Form der Maxime), alsdann ist jenes Princip praktisches Gesetz a priori, und reine Vernunft wird für sich praktisch zu sein angenommen. Das Gesetz bestimmt alsdann unmittelbar den Willen, die ihm gemäße Handlung ist an sich selbst gut, ein Wille, dessen Maxime jederzeit diesem Gesetze gemäß ist, ist schlechterdings, in aller Absicht, gut und die oberste Bedingung alles Guten: oder es geht ein Bestimmungsgrund des Begehrungsvermögens vor der Maxime des Willens vorher, der ein Object der Lust und Unlust voraussetzt, mithin etwas, das vergnügt oder schmerzt, und die Maxime der Vernunft, jene zu befördern, diese zu vermeiden, bestimmt die Handlungen, wie sie beziehungsweise auf unsere Neigung, mithin nur mittelbar (in Rücksicht auf einen anderweitigen Zweck, als Mittel zu demselben) gut sind, und diese Maximen können alsdann niemals Gesetze, dennoch aber vernünftige praktische Vorschriften heißen. Der Zweck selbst, das Vergnügen, A 110 das wir suchen, ist im letzteren Falle nicht ein Gutes, sondern ein Wohl, nicht ein Begriff der Vernunft, sondern ein empirischer Begriff von einem Gegenstande der Empfindung; allein der Gebrauch des Mittels dazu, d. i. die Handlung (weil dazu vernünftige Überlegung erfordert wird), heißt dennoch gut, aber nicht schlechthin, sondern nur in Beziehung auf unsere Sinnlichkeit, in Ansehung ihres Gefühls der Lust und Unlust; der Wille aber, dessen Maxime dadurch afficirt wird, ist nicht ein reiner Wille, der nur auf das geht, wobei reine Vernunft für sich selbst praktisch sein kann.

Hier ist nun der Ort, das Paradoxon der Methode in einer Kritik der praktischen Vernunft zu erklären: daß nämlich der Begriff des V:63 Guten und Bösen nicht vor dem moralischen Gesetze (dem er dem Anschein nach sogar zum Grunde gelegt werden müßte), sondern nur (wie hier auch geschieht) nach demselben und durch dasselbe bestimmt werden müsse. Wenn wir nämlich auch nicht wüßten, daß das Princip der Sittlichkeit ein reines, a priori den Willen bestimmendes Gesetz sei, so müßten wir doch, um nicht ganz umsonst (gratis) Grundsätze anzunehmen, es anfänglich wenigstens unausgemacht lassen, ob der Wille blos empirische, oder auch reine Bestimmungsgründe a priori habe; denn es ist wider alle Grundregeln des philosophischen Verfahrens, das, worüber man allererst entscheiden soll, schon zum voraus A 111 als entschieden anzunehmen. Gesetzt, wir wollten nun vom Begriffe des Guten anfangen, um davon die Gesetze des Willens abzuleiten, so würde dieser Begriff von einem Gegenstande (als einem guten) zugleich diesen als den einigen Bestimmungsgrund des Willens angeben. Weil nun dieser Begriff kein praktisches Gesetz a priori zu seiner Richtschnur hatte, so könnte der Probirstein des Guten oder Bösen in nichts anders, als in der Übereinstimmung des Gegenstandes mit unserem Gefühle der Lust oder Unlust gesetzt werden, und der Gebrauch der Vernunft könnte nur darin bestehen, theils diese Lust oder Unlust im ganzen Zusammenhange mit allen Empfindungen meines Daseins, theils die Mittel, mir den Gegenstand derselben zu verschaffen, zu bestimmen. Da nun, was dem Gefühle der Lust gemäß sei, nur durch Erfahrung ausgemacht werden kann, das praktische Gesetz aber der Angabe nach doch darauf als Bedingung gegründet werden soll, so würde geradezu die Möglichkeit praktischer Gesetze a priori ausgeschlossen: weil man vorher nöthig zu finden meinte, einen Gegenstand für den Willen auszufinden, davon der Begriff als eines Guten den allgemeinen, obzwar empirischen Bestimmungsgrund des Willens ausmachen müsse. Nun aber war doch vorher nöthig zu untersuchen, ob es nicht auch einen Bestimmungsgrund des Willens a priori gebe (welcher niemals irgendwo anders, als an einem reinen praktischen A 112 Gesetze, und zwar so fern dieses die bloße gesetzliche Form ohne Rücksicht auf einen Gegenstand den Maximen vorschreibt, wäre gefunden worden). Weil man aber schon einen Gegenstand nach Begriffen des Guten und Bösen zum Grunde alles praktischen Gesetzes legte, jener aber ohne vorhergehendes Gesetz nur nach empirischen Begriffen gedacht werden konnte, so hatte man sich die Möglichkeit, ein reines praktisches Gesetz auch nur zu denken, schon zum voraus benommen; da man im Gegentheil, wenn man V:64 dem letzteren vorher analytisch nachgeforscht hätte, gefunden haben würde, daß nicht der Begriff des Guten als eines Gegenstandes das moralische Gesetz, sondern umgekehrt das moralische Gesetz allererst den Begriff des Guten, so fern es diesen Namen schlechthin verdient, bestimme und möglich mache.

Diese Anmerkung, welche blos die Methode der obersten moralischen Untersuchungen betrifft, ist von Wichtigkeit. Sie erklärt auf einmal den veranlassenden Grund aller Verirrungen der Philosophen in Ansehung des obersten Princips der Moral. Denn sie suchten einen Gegenstand des Willens auf, um ihn zur Materie und dem Grunde eines Gesetzes zu machen (welches alsdann nicht unmittelbar, sondern vermittelst jenes an das Gefühl der Lust oder Unlust gebrachten Gegenstandes der Bestimmungsgrund des Willens sein sollte), anstatt daß sie zuerst nach einem Gesetze hätten A 113 forschen sollen, das a priori und unmittelbar den Willen und diesem gemäß allererst den Gegenstand bestimmte. Nun mochten sie diesen Gegenstand der Lust, der den obersten Begriff des Guten abgeben sollte, in der Glückseligkeit, in der Vollkommenheit, im moralischen Gefühle, oder im Willen Gottes setzen, so war ihr Grundsatz allemal Heteronomie, sie mußten unvermeidlich auf empirische Bedingungen zu einem moralischen Gesetze stoßen: weil sie ihren Gegenstand, als unmittelbaren Bestimmungsgrund des Willens, nur nach seinem unmittelbaren Verhalten zum Gefühl, welches allemal empirisch ist, gut oder böse nennen konnten. Nur ein formales Gesetz, d. i. ein solches, welches der Vernunft nichts weiter als die Form ihrer allgemeinen Gesetzgebung zur obersten Bedingung der Maximen vorschreibt, kann a priori ein Bestimmungsgrund der praktischen Vernunft sein. Die Alten verriethen indessen diesen Fehler dadurch unverhohlen, daß sie ihre moralische Untersuchung gänzlich auf die Bestimmung des Begriffs vom höchsten Gut, mithin eines Gegenstandes setzten, welchen sie nachher zum Bestimmungsgrunde des Willens im moralischen Gesetze zu machen gedachten: ein Object, welches weit hinterher, wenn das moralische Gesetz allererst für sich bewährt und als unmittelbarer Bestimmungsgrund des Willens gerechtfertigt ist, dem nunmehr seiner Form nach a priori bestimmten Willen als Gegenstand vorgestellt werden kann, welches wir in A 114 der Dialektik der reinen praktischen Vernunft uns unterfangen wollen. Die Neueren, bei denen die Frage über das höchste Gut außer Gebrauch gekommen, zum wenigsten nur Nebensache geworden zu sein scheint, verstecken obigen Fehler (wie in vielen andern Fällen) hinter unbestimmten Worten, V:65 indessen daß man ihn gleichwohl aus ihren Systemen hervorblicken sieht, da er alsdann allenthalben Heteronomie der praktischen Vernunft verräth, daraus nimmermehr ein a priori allgemein gebietendes moralisches Gesetz entspringen kann.

Da nun die Begriffe des Guten und Bösen als Folgen der Willensbestimmung a priori auch ein reines praktisches Princip, mithin eine Causalität der reinen Vernunft voraussetzen: so beziehen sie sich ursprünglich nicht (etwa als Bestimmungen der synthetischen Einheit des Mannigfaltigen gegebener Anschauungen in einem Bewußtsein) auf Objecte, wie die reinen Verstandesbegriffe oder Kategorien der theoretisch gebrauchten Vernunft, sie setzen diese vielmehr als gegeben voraus; sondern sie sind insgesammt modi einer einzigen Kategorie, nämlich der der Causalität, so fern der Bestimmungsgrund derselben in der Vernunftvorstellung eines Gesetzes derselben besteht, welches als Gesetz der Freiheit die Vernunft sich selbst giebt und dadurch sich a priori als praktisch beweiset. Da indessen die Handlungen A 115 einerseits zwar unter einem Gesetze, das kein Naturgesetz, sondern ein Gesetz der Freiheit ist, folglich zu dem Verhalten intelligibeler Wesen, andererseits aber doch auch als Begebenheiten in der Sinnenwelt zu den Erscheinungen gehören, so werden die Bestimmungen einer praktischen Vernunft nur in Beziehung auf die letztere, folglich zwar den Kategorien des Verstandes gemäß, aber nicht in der Absicht eines theoretischen Gebrauchs desselben, um das Mannigfaltige der (sinnlichen) Anschauung unter ein Bewußtsein a priori zu bringen, sondern nur um das Mannigfaltige der Begehrungen der Einheit des Bewußtseins einer im moralischen Gesetze gebietenden praktischen Vernunft oder eines reinen Willens a priori zu unterwerfen, Statt haben können.

Diese Kategorien der Freiheit, denn so wollen wir sie statt jener theoretischen Begriffe als Kategorien der Natur benennen, haben einen augenscheinlichen Vorzug vor den letzteren, daß, da diese nur Gedankenformen sind, welche nur unbestimmt Objecte überhaupt für jede uns mögliche Anschauung durch allgemeine Begriffe bezeichnen, diese hingegen, da sie auf die Bestimmung einer freien Willkür gehen (der zwar keine Anschauung völlig correspondirend gegeben werden kann, die aber, welches bei keinen Begriffen des theoretischen Gebrauchs unseres Erkenntnißvermögens stattfindet, ein reines praktisches Gesetz a priori zum Grunde liegen hat), als praktische Elementarbegriffe statt der Form der Anschauung A 116 (Raum und Zeit), die nicht in der Vernunft selbst liegt, sondern anderwärts, V:66 nämlich von der Sinnlichkeit, hergenommen werden muß, die Form eines reinen Willens in ihr, mithin dem Denkungsvermögen selbst, als gegeben zum Grunde liegen haben; dadurch es denn geschieht, daß, da es in allen Vorschriften der reinen praktischen Vernunft nur um die Willensbestimmung, nicht um die Naturbedingungen (des praktischen Vermögens) der Ausführung seiner Absicht zu thun ist, die praktischen Begriffe a priori in Beziehung auf das oberste Princip der Freiheit sogleich Erkenntnisse werden und nicht auf Anschauungen warten dürfen, um Bedeutung zu bekommen, und zwar aus diesem merkwürdigen Grunde, weil sie die Wirklichkeit dessen, worauf sie sich beziehen, (die Willensgesinnung) selbst hervorbringen, welches gar nicht die Sache theoretischer Begriffe ist. Nur muß man wohl bemerken, daß diese Kategorien nur die praktische Vernunft überhaupt angehen und so in ihrer Ordnung von den moralisch noch unbestimmten und sinnlich bedingten zu denen, die, sinnlich unbedingt, blos durchs moralische Gesetz bestimmt sind, fortgehen.

Tafel A 117der Kategorien der Freiheit in Ansehung der Begriffe des Guten und Bösen.1.Der Quantität• Subjectiv, nach Maximen (Willensmeinungen des Individuum)Objectiv, nach Principien (Vorschriften)A priori objective sowohl als subjective Principien der Freiheit (Gesetze).2.Der Qualität• Praktische Regeln des Begehens (praeceptivae)Praktische Regeln des Unterlassens (prohibitivae)Praktische Regeln der Ausnahmen (exceptivae).3.Der Relation• Auf die PersönlichkeitAuf den Zustand der PersonWechselseitig einer Person auf den Zustand der anderen.4.Modalität• Das Erlaubte und UnerlaubteDie Pflicht und das PflichtwidrigeVollkommene und unvollkommene Pflicht.

V:67 Man wird hier bald gewahr, daß in dieser Tafel die Freiheit als eine A 118 Art von Causalität, die aber empirischen Bestimmungsgründen nicht unterworfen ist, in Ansehung der durch sie möglichen Handlungen als Erscheinungen in der Sinnenwelt betrachtet werde, folglich sich auf die Kategorien ihrer Naturmöglichkeit beziehe, indessen daß doch jede Kategorie so allgemein genommen wird, daß der Bestimmungsgrund jener Causalität auch außer der Sinnenwelt in der Freiheit als Eigenschaft eines intelligibelen Wesens angenommen werden kann, bis die Kategorien der Modalität den Übergang von praktischen Principien überhaupt zu denen der Sittlichkeit, aber nur problematisch einleiten, welche nachher durchs moralische Gesetz allererst dogmatisch dargestellt werden können.

Ich füge hier nichts weiter zur Erläuterung gegenwärtiger Tafel bei, weil sie für sich verständlich genug ist. Dergleichen nach Principien abgefaßte Eintheilung ist aller Wissenschaft ihrer Gründlichkeit sowohl als Verständlichkeit halber sehr zuträglich. So weiß man z. B. aus obiger Tafel und der ersten Nummer derselben sogleich, wovon man in praktischen Erwägungen anfangen müsse: von den Maximen, die jeder auf seine Neigung gründet, den Vorschriften, die für eine Gattung vernünftiger Wesen, so fern sie in gewissen Neigungen übereinkommen, gelten, und endlich dem Gesetze, welches für alle unangesehen ihrer Neigungen gilt, u. s. w. Auf A 119 diese Weise übersieht man den ganzen Plan von dem, was man zu leisten hat, sogar jede Frage der praktischen Philosophie, die zu beantworten, und zugleich die Ordnung, die zu befolgen ist.

Von der Typik der reinen praktischen Urtheilskraft.

Die Begriffe des Guten und Bösen bestimmen dem Willen zuerst ein Object. Sie stehen selbst aber unter einer praktischen Regel der Vernunft, welche, wenn sie reine Vernunft ist, den Willen a priori in Ansehung seines Gegenstandes bestimmt. Ob nun eine uns in der Sinnlichkeit mögliche Handlung der Fall sei, der unter der Regel stehe, oder nicht, dazu gehört praktische Urtheilskraft, wodurch dasjenige, was in der Regel allgemein (in abstracto) gesagt wurde, auf eine Handlung in concreto angewandt wird. Weil aber eine praktische Regel der reinen Vernunft erstlich, als praktisch, die Existenz eines Objects betrifft und zweitens, als praktische Regel der reinen Vernunft, Nothwendigkeit in Ansehung des Daseins der Handlung bei sich führt, mithin praktisches Gesetz ist und zwar V:68 nicht Naturgesetz durch empirische Bestimmungsgründe, sondern ein Gesetz der Freiheit, nach welchem der Wille unabhängig von allem Empirischen (blos durch die Vorstellung eines Gesetzes überhaupt und dessen Form) bestimmbar A 120 sein soll, alle vorkommende Fälle zu möglichen Handlungen aber nur empirisch, d. i. zur Erfahrung und Natur gehörig, sein können: so scheint es widersinnisch, in der Sinnenwelt einen Fall antreffen zu wollen, der, da er immer so fern nur unter dem Naturgesetze steht, doch die Anwendung eines Gesetzes der Freiheit auf sich verstatte, und auf welchen die übersinnliche Idee des sittlich Guten, das darin in concreto dargestellt werden soll, angewandt werden könne. Also ist die Urtheilskraft der reinen praktischen Vernunft eben denselben Schwierigkeiten unterworfen, als die der reinen theoretischen, welche letztere gleichwohl, aus denselben zu kommen, ein Mittel zur Hand hatte: nämlich da es in Ansehung des theoretischen Gebrauchs auf Anschauungen ankam, darauf reine Verstandesbegriffe angewandt werden könnten, dergleichen Anschauungen (obzwar nur von Gegenständen der Sinne) doch a priori, mithin, was die Verknüpfung des Mannigfaltigen in denselben betrifft, den reinen Verstandesbegriffen a priori gemäß (als Schemate) gegeben werden können. Hingegen ist das sittlich Gute etwas dem Objecte nach Übersinnliches, für das also in keiner sinnlichen Anschauung etwas Correspondirendes gefunden werden kann, und die Urtheilskraft unter Gesetzen der reinen praktischen Vernunft scheint daher besonderen Schwierigkeiten unterworfen zu sein, die darauf beruhen, daß ein Gesetz der Freiheit auf Handlungen als Begebenheiten, die in der A 121 Sinnenwelt geschehen und also so fern zur Natur gehören, angewandt werden soll.

Allein hier eröffnet sich doch wieder eine günstige Aussicht für die reine praktische Urtheilskraft. Es ist bei der Subsumtion einer mir in der Sinnenwelt möglichen Handlung unter einem reinen praktischen Gesetze nicht um die Möglichkeit der Handlung als einer Begebenheit in der Sinnenwelt zu thun; denn die gehört für die Beurtheilung des theoretischen Gebrauchs der Vernunft nach dem Gesetze der Causalität, eines reinen Verstandesbegriffs, für den sie ein Schema in der sinnlichen Anschauung hat. Die physische Causalität, oder die Bedingung, unter der sie stattfindet, gehört unter die Naturbegriffe, deren Schema transscendentale Einbildungskraft entwirft. Hier aber ist es nicht um das Schema eines Falles nach Gesetzen, sondern um das Schema (wenn dieses Wort hier schicklich ist) eines Gesetzes selbst zu thun, weil die Willensbestimmung V:69 (nicht die Handlung in Beziehung auf ihren Erfolg) durchs Gesetz allein, ohne einen anderen Bestimmungsgrund, den Begriff der Causalität an ganz andere Bedingungen bindet, als diejenige sind, welche die Naturverknüpfung ausmachen.

Dem Naturgesetze als Gesetze, welchem die Gegenstände sinnlicher Anschauung als solche unterworfen sind, muß ein Schema, d. i. ein allgemeines A 122 Verfahren der Einbildungskraft (den reinen Verstandesbegriff, den das Gesetz bestimmt, den Sinnen a priori darzustellen), correspondiren. Aber dem Gesetze der Freiheit (als einer gar nicht sinnlich bedingten Causalität) mithin auch dem Begriffe des unbedingt Guten kann keine Anschauung, mithin kein Schema zum Behuf seiner Anwendung in concreto untergelegt werden. Folglich hat das Sittengesetz kein anderes die Anwendung desselben auf Gegenstände der Natur vermittelndes Erkenntnißvermögen, als den Verstand (nicht die Einbildungskraft), welcher einer Idee der Vernunft nicht ein Schema der Sinnlichkeit, sondern ein Gesetz, aber doch ein solches, das an Gegenständen der Sinne in concreto dargestellt werden kann, mithin ein Naturgesetz, aber nur seiner Form nach, als Gesetz zum Behuf der Urtheilskraft unterlegen kann, und dieses können wir daher den Typus des Sittengesetzes nennen.

Die Regel der Urtheilskraft unter Gesetzen der reinen praktischen Vernunft ist diese: Frage dich selbst, ob die Handlung, die du vorhast, wenn sie nach einem Gesetze der Natur, von der du selbst ein Theil wärest, geschehen sollte, sie du wohl als durch deinen Willen möglich ansehen könntest. Nach dieser Regel beurtheilt in der That jedermann Handlungen, ob sie sittlich gut oder böse sind. So sagt man: Wie, wenn ein jeder, wo er A 123 seinen Vortheil zu schaffen glaubt, sich erlaubte, zu betrügen, oder befugt hielte, sich das Leben abzukürzen, so bald ihn ein völliger Überdruß desselben befällt, oder anderer Noth mit völliger Gleichgültigkeit ansähe, und du gehörtest mit zu einer solchen Ordnung der Dinge, würdest du darin wohl mit Einstimmung deines Willens sein? Nun weiß ein jeder wohl: daß, wenn er sich ingeheim Betrug erlaubt, darum eben nicht jedermann es auch thue, oder, wenn er unbemerkt lieblos ist, nicht sofort jedermann auch gegen ihn es sein würde; daher ist diese Vergleichung der Maxime seiner Handlungen mit einem allgemeinen Naturgesetze auch nicht der Bestimmungsgrund seines Willens. Aber das letztere ist doch ein Typus der Beurtheilung der ersteren nach sittlichen Principien. Wenn die Maxime der Handlung nicht so beschaffen ist, daß sie an der Form eines V:70 Naturgesetzes überhaupt die Probe hält, so ist sie sittlich unmöglich. So urtheilt selbst der gemeinste Verstand; denn das Naturgesetz liegt allen seinen gewöhnlichsten, selbst den Erfahrungsurtheilen immer zum Grunde. Er hat es also jederzeit bei der Hand, nur daß er in Fällen, wo die Causalität aus Freiheit beurtheilt werden soll, jenes Naturgesetz blos zum Typus eines Gesetzes der Freiheit macht, weil er, ohne etwas, was er zum Beispiele im Erfahrungsfalle machen könnte, bei Hand zu haben, dem Gesetze einer reinen praktischen Vernunft nicht den Gebrauch in der Anwendung verschaffen könnte.

Es ist also auch erlaubt, die Natur der Sinnenwelt als Typus A 124 einer intelligibelen Natur zu brauchen, so lange ich nur nicht die Anschauungen, und was davon abhängig ist, auf diese übertrage, sondern blos die Form der Gesetzmäßigkeit überhaupt (deren Begriff auch im gemeinsten Vernunftgebrauche stattfindet, aber in keiner anderen Absicht, als blos zum reinen praktischen Gebrauche der Vernunft a priori bestimmt erkannt werden kann) darauf beziehe. Denn Gesetze als solche sind so fern einerlei, sie mögen ihre Bestimmungsgründe hernehmen, woher sie wollen.

Übrigens, da von allem Intelligibelen schlechterdings nichts als (vermittelst des moralischen Gesetzes) die Freiheit und auch diese nur, so fern sie eine von jenem unzertrennliche Voraussetzung ist, und ferner alle intelligibele Gegenstände, auf welche uns die Vernunft nach Anleitung jenes Gesetzes etwa noch führen möchte, wiederum für uns keine Realität weiter haben, als zum Behuf desselben Gesetzes und des Gebrauches der reinen praktischen Vernunft, diese aber zum Typus der Urtheilskraft die Natur (der reinen Verstandesform derselben nach) zu gebrauchen berechtigt und auch benöthigt ist: so dient die gegenwärtige Anmerkung dazu, um zu verhüten, daß, was blos zur Typik der Begriffe gehört, nicht zu den Begriffen selbst gezählt werde. Diese also als Typik der Urtheilskraft bewahrt vor dem Empirism der praktischen Vernunft, der die praktischen Begriffe A 125 des Guten und Bösen blos in Erfahrungsfolgen (der sogenannten Glückseligkeit) setzt, obzwar diese und die unendlichen nützlichen Folgen eines durch Selbstliebe bestimmten Willens, wenn dieser sich selbst zugleich zum allgemeinen Naturgesetze machte, allerdings zum ganz angemessenen Typus für das sittlich Gute dienen kann, aber mit diesem doch nicht einerlei ist. Eben dieselbe Typik bewahrt auch vor dem Mysticism der praktischen Vernunft, welcher das, was nur zum Symbol diente, zum Schema macht, V:71 d. i. wirkliche und doch nicht sinnliche Anschauungen (eines unsichtbaren Reichs Gottes) der Anwendung der moralischen Begriffe unterlegt und ins Überschwengliche hinausschweift. Dem Gebrauche der moralischen Begriffe ist blos der Rationalism der Urtheilskraft angemessen, der von der sinnlichen Natur nichts weiter nimmt, als was auch reine Vernunft für sich denken kann, d. i. die Gesetzmäßigkeit, und in die übersinnliche nichts hineinträgt, als was umgekehrt sich durch Handlungen in der Sinnenwelt nach der formalen Regel eines Naturgesetzes überhaupt wirklich darstellen läßt. Indessen ist die Verwahrung vor dem Empirism der praktischen Vernunft viel wichtiger und anrathungswürdiger, weil der Mysticism sich doch noch mit der Reinigkeit und Erhabenheit des moralischen Gesetzes zusammen verträgt und außerdem es nicht eben natürlich und der gemeinen Denkungsart angemessen ist, seine Einbildungskraft bis zu übersinnlichen A 126 Anschauungen anzuspannen, mithin auf dieser Seite die Gefahr nicht so allgemein ist; da hingegen der Empirism die Sittlichkeit in Gesinnungen (worin doch, und nicht blos in Handlungen, der hohe Werth besteht, den sich die Menschheit durch sie verschaffen kann und soll) mit der Wurzel ausrottet und ihr ganz etwas anderes, nämlich ein empirisches Interesse, womit die Neigungen überhaupt unter sich Verkehr treiben, statt der Pflicht unterschiebt, überdem auch eben darum mit allen Neigungen, die (sie mögen einen Zuschnitt bekommen, welchen sie wollen), wenn sie zur Würde eines obersten praktischen Princips erhoben werden, die Menschheit degradiren, und da sie gleichwohl der Sinnesart aller so günstig sind, aus der Ursache weit gefährlicher ist als alle Schwärmerei, die niemals einen daurenden Zustand vieler Menschen ausmachen kann.

8 Überdem ist der Ausdruck sub ratione boni auch zweideutig. Denn er kann so viel sagen: wir stellen uns etwas als gut vor, wenn und weil wir es begehren (wollen); aber auch: wir begehren etwas darum, weil wir es uns als gut vorstellen, so daß entweder die Begierde der Bestimmungsgrund des Begriffs des Objects als eines Guten, oder der Begriff des Guten der Bestimmungsgrund des Begehrens (des Willens) sei; da denn das sub ratione boni im ersteren Falle bedeuten würde, wir wollen etwas unter der Idee des Guten, im zweiten, zu Folge dieser Idee, welche vor dem Wollen als Bestimmungsgrund desselben vorhergehen muß.

Chapter II. The Concept of an Object of Pure Practical Reason.

By the concept of an object of practical reason, I mean the representation of an object as a possible effect through freedom. To be an object of practical cognition as such therefore means only that the will relates to the action that would make the object or its opposite actual. Judging whether something is an object of pure practical reason means only distinguishing whether it is possible or impossible to will the action through which a certain object would become actual if we had the capacity to bring it about. Experience must judge whether we have that capacity. A 101 If the object is assumed to be the determining ground of our faculty of desire, its physical possibility through the free use of our powers must be established before we judge whether it is an object of practical reason. But suppose the law can be regarded a priori as the action's determining ground, and the action therefore as determined by pure practical reason. Then judging whether something is an object of pure practical reason is entirely independent of comparison with our physical V:58 capacity. The only question is whether we may will an action directed toward an object's existence, if it were within our power. The action's moral possibility must therefore come first. For here the determining ground of the action is not the object, but the law of the will.

The only objects of practical reason, then, are good and evil. For the former means a necessary object of the faculty of desire, the latter a necessary object of the faculty of aversion, in both cases according to a principle of reason.

Suppose the concept of good is not to be derived from a prior practical law, but instead to serve as its basis. Then it can only be the concept of something whose existence promises pleasure A 102 and so determines the subject's causality toward producing it—that is, the faculty of desire. But it is impossible to understand a priori which representation will be accompanied by pleasure and which by displeasure. So experience alone would decide what is directly good or evil. The property of the subject to which alone this experience can relate is the feeling of pleasure and displeasure, a receptivity belonging to inner sense. Thus the concept of what is directly good would concern only what is directly connected with the sensation of enjoyment. The concept of absolute evil would have to concern only what directly causes pain. But this already conflicts with ordinary language. It distinguishes the agreeable from the good, and the disagreeable from evil. It requires good and evil always to be judged through reason, and so through universally communicable concepts, rather than through mere sensation, which is restricted to individual subjects and their receptivity. Yet pleasure or displeasure cannot in itself be directly connected a priori with any representation of an object. So a philosopher who thought he had to base his practical judgment on a feeling of pleasure A 103 would call good whatever is a means to the agreeable, and evil whatever causes discomfort and pain. For judging the relation of means to ends certainly belongs to reason. Reason alone can indeed understand the connection of means with their purposes. We might even define the will as the V:59 capacity for ends, since ends are always determining grounds of the faculty of desire according to principles. Yet practical maxims following from the above concept of good merely as a means would never make anything good in itself an object of the will. They would always make it good only for something. The good would always be merely the useful, and what it is useful for would always have to lie outside the will, in sensation. Now if this agreeable sensation had to be distinguished from the concept of good, there would be nothing directly good at all. We would have to seek the good only in means to something else, namely some agreeable experience.

There is an old formula of the schools: We desire nothing except under the aspect of good; we avoid nothing except under the aspect of evil. Its use is often correct, but also often very harmful to philosophy. For the expressions good and evil contain an ambiguity A 104 caused by the limitations of the language. Each can have two meanings. This inevitably puts practical laws on an uncertain footing. Philosophy may clearly recognize the difference between the concepts in its use of the same word, yet be unable to find separate expressions for them. It is then forced into subtle distinctions on which agreement cannot later be reached, because no suitable expression could directly mark the difference.8

German fortunately has expressions that keep this distinction in view. For what the Latins call by the single word bonum, it has two very different concepts and equally different expressions: for bonum, the morally good and well-being. For malum it has moral evil and ill-being or suffering. So V:60 it involves two quite different judgments whether, in considering an action A 105, we look at its moral good and evil or at our well-being and suffering (ill-being). This already shows that the psychological proposition above is at least very uncertain if translated as: we desire nothing except with regard to our well-being or suffering. By contrast, it is unquestionably certain and entirely clear if stated as: under reason's direction, we will nothing except insofar as we consider it good or evil.

Well-being or ill-being always means only a relation to our state of comfort or discomfort, enjoyment and pain. If we desire or avoid an object on that account, we do so only in relation to our sensibility and the feeling of pleasure or displeasure it produces. But good or evil always means a relation to the will, insofar as it is determined by the law of reason to make something its object. The will is never determined directly by the object and its representation. It is instead a capacity to make a rule of reason the motive for an action through which an object can become actual. Good or evil therefore properly refers to actions, not to a person's state of feeling. If something is to be, or be considered, absolutely good or evil—in every respect and without A 106 any further condition—only the way of acting, the will's maxim, and thus the acting person as a good or evil human being could be called that, not a thing.

So people may laugh all they like at the Stoic who, suffering the most violent gout pains, cried out: "Pain, however much you torture me, I will never admit that you are something evil (κακον, malum)!" Yet he was right. It was an ill: he felt that, and his cries revealed it. But he had no reason to admit that moral evil therefore attached to him. For pain does not lessen his value as a person at all, only the value of his condition. A single lie of which he was aware would have had to crush his spirit. Pain, however, only gave him occasion to raise his spirits, if he was aware that he had not brought it on himself by any wrongful action and thus made himself deserving of punishment.

What we are to call good must, in every rational person's judgment V:61, be an object of the faculty of desire. Evil must be an object of aversion in everyone's eyes. So this judgment requires reason as well as sense. This applies to A 107 truthfulness as opposed to lying, to justice as opposed to violence, and so on. But we can call something an ill that everyone must also declare good, sometimes indirectly, sometimes even directly. Someone who undergoes surgery undoubtedly feels it as an ill. But through reason, both that person and everyone else declare it good. Now suppose someone who likes to harass and disturb peaceful people finally meets their match and receives a sound beating. That is certainly an ill, yet everyone approves and considers it good in itself, even if nothing further results from it. Even the person receiving it must recognize in his reason that he is being treated justly. For he sees the proportion between well-being and good conduct, which reason inevitably holds before him, being put into exact practice here.

Our well-being and suffering certainly matter a great deal in the judgment of our practical reason. As far as our nature as sensible beings is concerned, everything depends on our happiness, provided that happiness is judged, as reason especially requires, not by a passing sensation but by the influence this contingent circumstance has on our whole existence and our satisfaction with it. A 108 Yet not everything without exception depends on it. Human beings have needs insofar as they belong to the world of sense. To that extent, their reason certainly has an unavoidable assignment from sensibility: to attend to its interests and form practical maxims concerning happiness in this life and, if possible, in a future one. But a human being is not so completely an animal as to be indifferent to everything reason says on its own, using it merely as a tool to satisfy needs as a sensible being. For possessing reason does not raise humans in value above mere animality if it serves only to do what instinct does for animals. It would then be merely a special method nature had used to equip humans for the same end for which it destined animals, without destining humans for a higher end V:62. Given the arrangement nature has made for them, humans do indeed need reason always to consider their well-being and suffering. But they also have it for a higher purpose: to take into account what is good or evil in itself, which only pure reason, with no interest in sense, can judge. And they have it not merely to take this into account, but to distinguish this judgment completely A 109 from the former one and make it the supreme condition of that judgment.

Judging what is good and evil in itself, as distinct from what can be called so only in relation to well-being or ill-being, involves the following points. Either a principle of reason is already thought in itself as the will's determining ground, without regard to possible objects of the faculty of desire, and thus merely through the maxim's lawgiving form. In that case, the principle is a practical law a priori, and pure reason is assumed to be practical on its own. The law then determines the will directly. The action that conforms to it is good in itself. A will whose maxim always conforms to this law is absolutely good in every respect, and is the supreme condition of everything good. Or else a determining ground of the faculty of desire precedes the will's maxim. This presupposes an object of pleasure or displeasure, and thus something that pleases or hurts. Reason's maxim of promoting the former and avoiding the latter then determines actions as good in relation to our inclination, and therefore only indirectly—as means to some other end. Such maxims can never be called laws, though they can be called rational practical precepts. In the latter case, the end itself, the enjoyment A 110 we seek, is not a moral good but a form of well-being. It is not a concept of reason, but an empirical concept of an object of sensation. Yet using the means to it—that is, the action—is still called good, because it requires rational consideration. It is not absolutely good, however, but only good in relation to our sensibility and its feeling of pleasure and displeasure. The will whose maxim is affected by this is not a pure will, directed only toward that in which pure reason can be practical on its own.

This is the place to explain the paradox in the method of a critique of practical reason: the concept of V:63 good and evil must be determined not before the moral law, though it seems that it ought even to provide the law's basis, but only after it and through it, as is done here. Even if we did not know that the principle of morality is a pure law determining the will a priori, we would still have to avoid assuming principles without any justification. We would have to leave it at least initially undecided whether the will has only empirical determining grounds or also pure ones a priori. For it violates every basic rule of philosophical procedure to assume in advance A 111 that the very question to be decided has already been settled. Suppose we wanted to begin with the concept of good and derive the laws of the will from it. This concept of an object as good would also identify that object as the will's sole determining ground. Since the concept had no practical law a priori as its standard, the touchstone of good or evil could only be the object's agreement with our feeling of pleasure or displeasure. Reason's use could consist only in determining, first, this pleasure or displeasure in its overall connection with all the sensations of my existence, and second, the means of obtaining its object. Now only experience can establish what accords with the feeling of pleasure. Yet the practical law would supposedly have to rest on this as its condition. That would directly rule out the possibility of practical laws a priori. This is because people thought it necessary first to find an object for the will whose concept, as something good, must supply the will's universal, though empirical, determining ground. But what needed to be investigated first was whether the will also has an a priori determining ground. Such a ground could never have been found anywhere except in a pure practical A 112 law, insofar as it prescribes to maxims the mere form of law, without regard to an object. Instead, an object conceived as good or evil was already made the basis of every practical law. Without a prior law, that object could only be thought through empirical concepts. So people had already deprived themselves in advance of even the possibility of thinking a pure practical law. Had they V:64 first investigated that law analytically, they would instead have found that the concept of good as an object does not determine the moral law. Rather, the moral law first determines and makes possible the concept of good, insofar as it deserves that name without qualification.

This observation concerns only the method of investigating the highest moral questions, but it is important. It explains at once what caused all the philosophers' errors about morality's supreme principle. For they searched for an object of the will to make it the content and basis of a law. That law would then determine the will not directly, but through the object brought into relation with the feeling of pleasure or displeasure. Instead, they should first have searched A 113 for a law that determined the will directly and a priori, and only then determined the object in conformity with that will. Whether they placed this object of pleasure, which was supposed to supply the supreme concept of good, in happiness, perfection, moral feeling, or God's will, their principle was always heteronomy. They inevitably encountered empirical conditions for a moral law. For they could call their object, as the will's direct determining ground, good or evil only according to its direct relation to feeling, which is always empirical. Only a formal law can be a determining ground of practical reason a priori: a law prescribing to reason nothing but the form of its universal lawgiving as the supreme condition of maxims. The ancients openly revealed this error by making their moral investigation entirely a matter of determining the concept of the highest good. This was an object they then intended to make the will's determining ground in the moral law. But such an object can be presented to the will only much later, once the moral law has been independently established and justified as the will's direct determining ground, and the will has thus been determined a priori as to its form. We will attempt this in A 114 the Dialectic of Pure Practical Reason. Among modern philosophers, the question of the highest good seems to have fallen out of use, or at least become secondary. As in many other cases, they hide the same error behind vague words V:65. Yet it can still be seen in their systems, where it always reveals heteronomy of practical reason. From this, a moral law commanding universally a priori can never arise.

As consequences of the will's determination a priori, the concepts of good and evil also presuppose a pure practical principle, and therefore a causality of pure reason. They therefore do not originally refer to objects, as the pure concepts of understanding or categories of reason in its theoretical use do—for example, as determinations of the synthetic unity of the manifold of given intuitions in one consciousness. Rather, they presuppose these objects as given. They are all modes of a single category, causality, insofar as its determining ground consists in reason's representation of a law of causality. Reason gives itself this law as a law of freedom and thereby proves itself practical a priori. Now actions A 115, on the one hand, fall under a law that is not a law of nature but a law of freedom, and thus belong to the conduct of intelligible beings. On the other hand, as events in the world of sense, they also belong to appearances. So the determinations of practical reason can occur only in relation to the latter, and thus in conformity with the categories of understanding. But their purpose is not a theoretical use of understanding, bringing the manifold of sensible intuition under one consciousness a priori. It is only to subject the manifold of desires a priori to the unity of consciousness of a practical reason commanding in the moral law, or of a pure will.

These categories of freedom, as we will call them in contrast to the theoretical concepts as categories of nature, have an obvious advantage over the latter. The categories of nature are only forms of thought. Through universal concepts they designate objects in general only indeterminately, for any intuition possible for us. The categories of freedom, by contrast, concern the determination of a free power of choice. No fully corresponding intuition can be given for it, but it rests on a pure practical law a priori, something no concept in the theoretical use of our cognitive faculty does. So, as elementary practical concepts, they have as their given basis not the form of intuition A 116, space and time, which does not lie in reason itself and must be taken from elsewhere V:66, namely sensibility. Instead, they have the form of a pure will within reason, and thus within the capacity for thought itself. All the precepts of pure practical reason concern only the determination of the will, not the natural conditions, belonging to practical capacity, for carrying out its purpose. As a result, practical concepts a priori, in relation to the supreme principle of freedom, immediately become cognitions. They need not wait for intuitions to acquire meaning. The remarkable reason is that they themselves produce the actuality of what they refer to—the will's disposition—which theoretical concepts do not do at all. We must note, however, that these categories concern only practical reason in general. In their order they therefore proceed from what is still morally undetermined and sensibly conditioned to what is sensibly unconditioned and determined solely by the moral law.

Table A 117of the categories of freedom in relation to the concepts of good and evil.1.Quantity• Subjective, according to maxims (the individual's intentions of will)Objective, according to principles (precepts)A priori principles of freedom that are both objective and subjective (laws).2.Quality• Practical rules of doing (prescriptive)Practical rules of not doing (prohibitive)Practical rules of exceptions (exceptive).3.Relation• To personalityTo the person's conditionReciprocally, of one person to the condition of another.4.Modality• The permitted and forbiddenDuty and what is contrary to dutyPerfect and imperfect duty.

V:67 It is easy to see that this table considers freedom as a A 118 kind of causality that is not subject to empirical determining grounds, with regard to the actions it makes possible as appearances in the world of sense. It therefore relates to the categories of their natural possibility. Yet each category is taken so generally that the determining ground of that causality can also be assumed outside the world of sense, in freedom as a property of an intelligible being. Finally, the categories of modality introduce the transition from practical principles in general to moral principles, though only problematically. Only afterward, through the moral law, can these be presented dogmatically.

I add no further explanation of this table, since it is clear enough on its own. A classification of this kind, drawn up according to principles, greatly benefits every science in both thoroughness and clarity. For example, the table's first item immediately shows where practical considerations must begin: with maxims that each person bases on inclination; then precepts valid for a class of rational beings insofar as they share certain inclinations; and finally the law valid for all, regardless of their inclinations, and so on. In A 119 this way we can survey the whole plan of what must be accomplished, including every question practical philosophy must answer and the order to follow.

The typic of pure practical judgment.

The concepts of good and evil first determine an object for the will. But they themselves fall under a practical rule of reason. If reason is pure, this rule determines the will a priori with regard to its object. Practical judgment is needed to decide whether an action possible for us in sensibility is a case falling under the rule. Through it, what the rule says generally, in the abstract, is applied to an action in the concrete. But a practical rule of pure reason, first, as something practical, concerns the existence of an object. Second, as a practical rule of pure reason, it carries necessity concerning the action's existence. It is therefore a practical law V:68, not a law of nature operating through empirical determining grounds, but a law of freedom. According to it, the will is to be determinable A 120 independently of everything empirical, merely through the representation of a law in general and its form. Yet every actual case of a possible action can only be empirical, belonging to experience and nature. So it seems absurd to look in the world of sense for a case which, though always subject as such only to natural law, still allows a law of freedom to be applied to it, and to which the supersensible idea of moral good, which is to be presented there concretely, could be applied. The judgment of pure practical reason thus faces the same difficulties as that of pure theoretical reason. The latter, however, had a means of escaping them. Its theoretical use concerned intuitions to which pure concepts of understanding could be applied. Such intuitions, though only of objects of the senses, can still be given a priori. So far as the connection of their manifold is concerned, they can therefore be given a priori in conformity with pure concepts of understanding, as schemata. Moral good, by contrast, is supersensible as to its object. Nothing corresponding to it can therefore be found in any sensible intuition. Judgment under laws of pure practical reason thus seems to face special difficulties. They arise because a law of freedom is to be applied to actions as events occurring in the A 121 world of sense, and thus belonging to nature in that respect.

Yet a favorable prospect again opens up for pure practical judgment here. When an action possible for me in the world of sense is subsumed under a pure practical law, the question is not the possibility of the action as an event in that world. For that question belongs to the judging of reason's theoretical use according to the law of causality, a pure concept of understanding for which reason has a schema in sensible intuition. Physical causality, or the condition under which it occurs, belongs among concepts of nature whose schema is drawn up by the transcendental imagination. But here we are concerned not with the schema of a case under laws, but with the schema—if the word is suitable here—of a law itself. For the determination of the will V:69 (not the action in relation to its result) by the law alone, without another determining ground, binds the concept of causality to conditions entirely different from those constituting natural connections.

A natural law, as a law to which objects of sensible intuition as such are subject, must have a corresponding schema. This is a general A 122 procedure of the imagination for presenting a priori to the senses the pure concept of understanding specified by the law. But no intuition, and therefore no schema for applying it concretely, can underlie the law of freedom, as a causality not conditioned by sense at all. The same holds for the concept of the unconditionally good. Consequently, the moral law has no cognitive faculty to mediate its application to objects of nature except understanding, not imagination. Understanding can supply an idea of reason not with a schema of sensibility, but with a law. This must still be a law that can be presented concretely in objects of the senses: a law of nature, but only as to its form as a law, for the purposes of judgment. We can therefore call it the type of the moral law.

The rule of judgment under laws of pure practical reason is this: ask yourself whether, if your proposed action were to occur according to a law of nature of which you yourself were a part, you could regard it as possible through your will. In fact, everyone uses this rule to judge whether actions are morally good or evil. People say: what if everyone, whenever A 123 they thought it would benefit them, allowed themselves to cheat? Or considered themselves entitled to cut their life short as soon as they became completely tired of it? Or viewed others' distress with complete indifference? If you belonged to such an order of things, could you be in it with your will's consent? Now everyone knows that secretly allowing oneself to cheat does not mean everyone else does it too. Nor does being unkind without being noticed mean everyone will immediately be unkind to oneself. So comparing the maxim of one's actions with a universal law of nature is not the determining ground of one's will. Yet such a law is a type for judging that maxim according to moral principles. If the maxim of an action cannot pass the test supplied by the form of a V:70 law of nature in general, it is morally impossible. Even the most ordinary understanding judges this way. For natural law always underlies all its most usual judgments, including judgments of experience. It therefore always has this law at hand. But where causality through freedom is to be judged, it makes the law of nature merely the type of a law of freedom. Without something at hand that it could make an example in a case of experience, it could not give a law of pure practical reason a use in application.

So it is also permissible to use the nature of the world of sense as the type A 124 of an intelligible nature, as long as I do not transfer intuitions and what depends on them to it, but relate to it only the form of lawfulness in general. Its concept occurs even in reason's most ordinary use, but it can be determinately cognized a priori only for reason's pure practical use, and for no other purpose. For laws as such are identical in this respect, wherever they take their determining grounds from.

Of everything intelligible, absolutely nothing has reality for us except freedom, through the moral law, and freedom only insofar as it is an assumption inseparable from that law. Any further intelligible objects to which reason might lead us under that law's guidance likewise have reality for us only for the purposes of the same law and the use of pure practical reason. Yet practical reason is entitled, and indeed required, to use nature, in its pure form of understanding, as a type for judgment. This observation therefore serves to prevent what belongs merely to the typic of concepts from being counted as part of the concepts themselves. As a typic of judgment, it guards against the empiricism of practical reason. That empiricism places the practical concepts A 125 of good and evil merely in consequences experienced—in so-called happiness. Happiness and the endlessly beneficial consequences of a will determined by self-love, if that will also made itself a universal law of nature, can indeed serve as a fully suitable type of moral good. But they are not identical with it. The same typic also guards against the mysticism of practical reason, which turns what served only as a symbol into a schema V:71. It bases the application of moral concepts on actual yet nonsensible intuitions of an invisible kingdom of God, and wanders beyond all bounds. Only the rationalism of judgment suits the use of moral concepts. It takes from sensible nature nothing beyond what pure reason can also think on its own: lawfulness. And it carries into supersensible nature nothing except what can, in turn, actually be presented through actions in the world of sense according to the formal rule of a law of nature in general. Still, guarding against the empiricism of practical reason is much more important and advisable, because mysticism remains compatible with the purity and loftiness of the moral law. Besides, straining one's imagination toward supersensible A 126 intuitions is not especially natural or suited to ordinary thought, so the danger on that side is not so widespread. Empiricism, by contrast, uproots morality in dispositions. Yet it is there, and not merely in actions, that the high value lies which humanity can and should acquire through morality. Empiricism replaces duty with something entirely different: an empirical interest, through which inclinations trade with one another. Moreover, for that very reason it joins forces with all inclinations. Whatever form these take, they degrade humanity when raised to the dignity of a supreme practical principle. Yet they appeal so strongly to everyone's way of feeling. This makes empiricism far more dangerous than any fanaticism, which can never become a lasting condition for large numbers of people.

8 Moreover, the expression under the aspect of good is itself ambiguous. For it can mean that we represent something as good if and because we desire or will it. But it can also mean that we desire something because we represent it as good. So either desire determines the concept of the object as good, or the concept of good determines desire, or the will. In the first case, under the aspect of good would mean that we will something under the idea of good. In the second, it would mean that we will it as a consequence of this idea, which must precede willing as its determining ground.

Book I, Chapter III: The incentives of pure practical reason

Drittes Hauptstück. Von den Triebfedern der reinen praktischen Vernunft.

Das Wesentliche alles sittlichen Werths der Handlungen kommt darauf an, daß das moralische Gesetz unmittelbar den Willen bestimme. Geschieht die Willensbestimmung zwar gemäß dem moralischen Gesetze, aber nur vermittelst eines Gefühls, welcher Art es auch sei, das A 127 vorausgesetzt werden muß, damit jenes ein hinreichender Bestimmungsgrund des Willens werde, mithin nicht um des Gesetzes willen: so wird die Handlung zwar Legalität, aber nicht Moralität enthalten. Wenn V:72 nun unter Triebfeder (elater animi) der subjective Bestimmungsgrund des Willens eines Wesens verstanden wird, dessen Vernunft nicht schon vermöge seiner Natur dem objectiven Gesetze nothwendig gemäß ist, so wird erstlich daraus folgen: daß man dem göttlichen Willen gar keine Triebfedern beilegen könne, die Triebfeder des menschlichen Willens aber (und des von jedem erschaffenen vernünftigen Wesen) niemals etwas anderes als das moralische Gesetz sein könne, mithin der objective Bestimmungsgrund jederzeit und ganz allein zugleich der subjectiv hinreichende Bestimmungsgrund der Handlung sein müsse, wenn diese nicht blos den Buchstaben des Gesetzes, ohne den Geist9 desselben zu enthalten, erfüllen soll.

Da man also zum Behuf des moralischen Gesetzes, und um ihm Einfluß auf den Willen zu verschaffen, keine anderweitige Triebfeder, dabei die des moralischen Gesetzes entbehrt werden könnte, suchen muß, weil das alles A 128 lauter Gleißnerei ohne Bestand bewirken würde, und sogar es bedenklich ist, auch nur neben dem moralischen Gesetze noch einige andere Triebfedern (als die des Vortheils) mitwirken zu lassen: so bleibt nichts übrig, als blos sorgfältig zu bestimmen, auf welche Art das moralische Gesetz Triebfeder werde, und was, indem sie es ist, mit dem menschlichen Begehrungsvermögen als Wirkung jenes Bestimmungsgrundes auf dasselbe vorgehe. Denn wie ein Gesetz für sich und unmittelbar Bestimmungsgrund des Willens sein könne (welches doch das Wesentliche aller Moralität ist), das ist ein für die menschliche Vernunft unauflösliches Problem und mit dem einerlei: wie ein freier Wille möglich sei. Also werden wir nicht den Grund, woher das moralische Gesetz in sich eine Triebfeder abgebe, sondern was, so fern es eine solche ist, sie im Gemüthe wirkt (besser zu sagen, wirken muß), a priori anzuzeigen haben.

Das Wesentliche aller Bestimmung des Willens durchs sittliche Gesetz ist: daß er als freier Wille, mithin nicht blos ohne Mitwirkung sinnlicher Antriebe, sondern selbst mit Abweisung aller derselben und mit Abbruch aller Neigungen, so fern sie jenem Gesetze zuwider sein könnten, blos durchs Gesetz bestimmt werde. So weit ist also die Wirkung des moralischen Gesetzes als Triebfeder nur negativ, und als solche kann diese Triebfeder a priori erkannt werden. Denn alle Neigung und jeder sinnliche Antrieb ist auf A 129 V:73 Gefühl gegründet, und die negative Wirkung aufs Gefühl (durch den Abbruch, der den Neigungen geschieht) ist selbst Gefühl. Folglich können wir a priori einsehen, daß das moralische Gesetz als Bestimmungsgrund des Willens dadurch, daß es allen unseren Neigungen Eintrag thut, ein Gefühl bewirken müsse, welches Schmerz genannt werden kann, und hier haben wir nun den ersten, vielleicht auch einzigen Fall, da wir aus Begriffen a priori das Verhältniß eines Erkenntnisses (hier ist es einer reinen praktischen Vernunft) zum Gefühl der Lust oder Unlust bestimmen konnten. Alle Neigungen zusammen (die auch wohl in ein erträgliches System gebracht werden können, und deren Befriedigung alsdann eigene Glückseligkeit heißt) machen die Selbstsucht (solipsismus) aus. Diese ist entweder die der Selbstliebe, eines über alles gehenden Wohlwollens gegen sich selbst (Philautia), oder die des Wohlgefallens an sich selbst (Arrogantia). Jene heißt besonders Eigenliebe, diese Eigendünkel. Die reine praktische Vernunft thut der Eigenliebe blos Abbruch, indem sie solche, als natürlich und noch vor dem moralischen Gesetze in uns rege, nur auf die Bedingung der Einstimmung mit diesem Gesetze einschränkt; da sie alsdann vernünftige Selbstliebe genannt wird. Aber den Eigendünkel schlägt sie gar nieder, indem alle Ansprüche der Selbstschätzung, die vor der Übereinstimmung mit dem sittlichen Gesetze vorhergehen, nichtig A 130 und ohne alle Befugniß sind, indem eben die Gewißheit einer Gesinnung, die mit diesem Gesetze übereinstimmt, die erste Bedingung alles Werths der Person ist (wie wir bald deutlicher machen werden) und alle Anmaßung vor derselben falsch und gesetzwidrig ist. Nun gehört der Hang zur Selbstschätzung mit zu den Neigungen, denen das moralische Gesetz Abbruch thut, so fern jene blos auf der Sinnlichkeit beruht. Also schlägt das moralische Gesetz den Eigendünkel nieder. Da dieses Gesetz aber doch etwas an sich Positives ist, nämlich die Form einer intellectuellen Causalität, d. i. der Freiheit, so ist es, indem es im Gegensatze mit dem subjectiven Widerspiele, nämlich den Neigungen in uns, den Eigendünkel schwächt, zugleich ein Gegenstand der Achtung und, indem es ihn sogar niederschlägt, d. i. demüthigt, ein Gegenstand der größten Achtung, mithin auch der Grund eines positiven Gefühls, das nicht empirischen Ursprungs ist und a priori erkannt wird. Also ist Achtung fürs moralische Gesetz ein Gefühl, welches durch einen intellectuellen Grund gewirkt wird, und dieses Gefühl ist das einzige, welches wir völlig a priori erkennen, und dessen Nothwendigkeit wir einsehen können.

V:74 Wir haben im vorigen Hauptstücke gesehen: daß alles, was sich als Object des Willens vor dem moralischen Gesetze darbietet, von den Bestimmungsgründen des Willens unter dem Namen des unbedingt Guten durch dieses Gesetz selbst, als die oberste Bedingung der praktischen Vernunft, A 131 ausgeschlossen werde, und daß die bloße praktische Form, die in der Tauglichkeit der Maximen zur allgemeinen Gesetzgebung besteht, zuerst das, was an sich und schlechterdings gut ist, bestimme und die Maxime eines reinen Willens gründe, der allein in aller Absicht gut ist. Nun finden wir aber unsere Natur als sinnlicher Wesen so beschaffen, daß die Materie des Begehrungsvermögens (Gegenstände der Neigung, es sei der Hoffnung oder Furcht) sich zuerst aufdringt, und unser pathologisch bestimmbares Selbst, ob es gleich durch seine Maximen zur allgemeinen Gesetzgebung ganz untauglich ist, dennoch, gleich als ob es unser ganzes Selbst ausmachte, seine Ansprüche vorher und als die ersten und ursprünglichen geltend zu machen bestrebt sei. Man kann diesen Hang, sich selbst nach den subjectiven Bestimmungsgründen seiner Willkür zum objectiven Bestimmungsgrunde des Willens überhaupt zu machen, die Selbstliebe nennen, welche, wenn sie sich gesetzgebend und zum unbedingten praktischen Princip macht, Eigendünkel heißen kann. Nun schließt das moralische Gesetz, welches allein wahrhaftig (nämlich in aller Absicht) objectiv ist, den Einfluß der Selbstliebe auf das oberste praktische Princip gänzlich aus und thut dem Eigendünkel, der die subjectiven Bedingungen der ersteren als Gesetze vorschreibt, unendlichen Abbruch. Was nun unserem Eigendünkel in unserem eigenen Urtheil Abbruch thut, das demüthigt. Also demüthigt A 132 das moralische Gesetz unvermeidlich jeden Menschen, indem dieser mit demselben den sinnlichen Hang seiner Natur vergleicht. Dasjenige, dessen Vorstellung als Bestimmungsgrund unseres Willens uns in unserem Selbstbewußtsein demüthigt, erweckt, so fern als es positiv und Bestimmungsgrund ist, für sich Achtung. Also ist das moralische Gesetz auch subjectiv ein Grund der Achtung. Da nun alles, was in der Selbstliebe angetroffen wird, zur Neigung gehört, alle Neigung aber auf Gefühlen beruht, mithin, was allen Neigungen insgesammt in der Selbstliebe Abbruch thut, eben dadurch nothwendig auf das Gefühl Einfluß hat, so begreifen wir, wie es möglich ist, a priori einzusehen, daß das moralische Gesetz, indem es die Neigungen und den Hang, sie zur obersten praktischen Bedingung zu machen, d. i. die Selbstliebe, von allem Beitritte zur obersten Gesetzgebung ausschließt, eine Wirkung aufs Gefühl ausüben könne, V:75 welche einerseits blos negativ ist, andererseits und zwar in Ansehung des einschränkenden Grundes der reinen praktischen Vernunft positiv ist, und wozu gar keine besondere Art von Gefühle unter dem Namen eines praktischen oder moralischen als vor dem moralischen Gesetze vorhergehend und ihm zum Grunde liegend angenommen werden darf.

Die negative Wirkung auf Gefühl (der Unannehmlichkeit) ist, so wie A 133 aller Einfluß auf dasselbe und wie jedes Gefühl überhaupt, pathologisch. Als Wirkung aber vom Bewußtsein des moralischen Gesetzes, folglich in Beziehung auf eine intelligibele Ursache, nämlich das Subject der reinen praktischen Vernunft als obersten Gesetzgeberin, heißt dieses Gefühl eines vernünftigen von Neigungen afficirten Subjects zwar Demüthigung (intellectuelle Verachtung), aber in Beziehung auf den positiven Grund derselben, das Gesetz, zugleich Achtung für dasselbe, für welches Gesetz gar kein Gefühl stattfindet, sondern im Urtheile der Vernunft, indem es den Widerstand aus dem Wege schafft, die Wegräumung eines Hindernisses einer positiven Beförderung der Causalität gleichgeschätzt wird. Darum kann dieses Gefühl nun auch ein Gefühl der Achtung fürs moralische Gesetz, aus beiden Gründen zusammen aber ein moralisches Gefühl genannt werden.

Das moralische Gesetz also, so wie es formaler Bestimmungsgrund der Handlung ist, durch praktische reine Vernunft, so wie es zwar auch materialer, aber nur objectiver Bestimmungsgrund der Gegenstände der Handlung unter dem Namen des Guten und Bösen ist, so ist es auch subjectiver Bestimmungsgrund, d. i. Triebfeder, zu dieser Handlung, indem es auf die Sinnlichkeit des Subjects Einfluß hat und ein Gefühl bewirkt, welches dem Einflusse des Gesetzes auf den Willen beförderlich ist. Hier A 134 geht kein Gefühl im Subject vorher, das auf Moralität gestimmt wäre. Denn das ist unmöglich, weil alles Gefühl sinnlich ist; die Triebfeder der sittlichen Gesinnung aber muß von aller sinnlichen Bedingung frei sein. Vielmehr ist das sinnliche Gefühl, was allen unseren Neigungen zum Grunde liegt, zwar die Bedingung derjenigen Empfindung, die wir Achtung nennen, aber die Ursache der Bestimmung desselben liegt in der reinen praktischen Vernunft, und diese Empfindung kann daher ihres Ursprunges wegen nicht pathologisch, sondern muß praktisch gewirkt heißen: indem dadurch, daß die Vorstellung des moralischen Gesetzes der Selbstliebe den Einfluß und dem Eigendünkel den Wahn benimmt, das Hinderniß der reinen praktischen Vernunft vermindert und die Vorstellung des Vorzuges V:76 ihres objectiven Gesetzes vor den Antrieben der Sinnlichkeit, mithin das Gewicht des ersteren relativ (in Ansehung eines durch die letztere afficirten Willens) durch die Wegschaffung des Gegengewichts im Urtheile der Vernunft hervorgebracht wird. Und so ist die Achtung fürs Gesetz nicht Triebfeder zur Sittlichkeit, sondern sie ist die Sittlichkeit selbst, subjectiv als Triebfeder betrachtet, indem die reine praktische Vernunft dadurch, daß sie der Selbstliebe im Gegensatze mit ihr alle Ansprüche abschlägt, dem Gesetze, das jetzt allein Einfluß hat, Ansehen verschafft. Hiebei ist nun zu bemerken: daß, so wie die Achtung eine Wirkung aufs Gefühl, mithin auf A 135 die Sinnlichkeit eines vernünftigen Wesens ist, es diese Sinnlichkeit, mithin auch die Endlichkeit solcher Wesen, denen das moralische Gesetz Achtung auferlegt, voraussetze, und daß einem höchsten, oder auch einem von aller Sinnlichkeit freien Wesen, welchem diese also auch kein Hinderniß der praktischen Vernunft sein kann, Achtung fürs Gesetz nicht beigelegt werden könne.

Dieses Gefühl (unter dem Namen des moralischen) ist also lediglich durch Vernunft bewirkt. Es dient nicht zu Beurtheilung der Handlungen, oder wohl gar zur Gründung des objectiven Sittengesetzes selbst, sondern blos zur Triebfeder, um dieses in sich zur Maxime zu machen. Mit welchem Namen aber könnte man dieses sonderbare Gefühl, welches mit keinem pathologischen in Vergleichung gezogen werden kann, schicklicher belegen? Es ist so eigenthümlicher Art, daß es lediglich der Vernunft und zwar der praktischen reinen Vernunft zu Gebote zu stehen scheint.

Achtung geht jederzeit nur auf Personen, niemals auf Sachen. Die letztere können Neigung und, wenn es Thiere sind (z. B. Pferde, Hunde &c.), sogar Liebe, oder auch Furcht, wie das Meer, ein Vulcan, ein Raubthier, niemals aber Achtung in uns erwecken. Etwas, was diesem Gefühl schon näher tritt, ist Bewunderung, und diese als Affect, das Erstaunen, kann auch auf Sachen gehen, z. B. himmelhohe Berge, die Größe, A 136 Menge und Weite der Weltkörper, die Stärke und Geschwindigkeit mancher Thiere u. s. w. Aber alles dieses ist nicht Achtung. Ein Mensch kann mir auch ein Gegenstand der Liebe, der Furcht, oder der Bewunderung, sogar bis zum Erstaunen, und doch darum kein Gegenstand der Achtung sein. Seine scherzhafte Laune, sein Muth und Stärke, seine Macht, durch seinen Rang, den er unter anderen hat, können mir dergleichen Empfindungen einflößen, es fehlt aber immer noch an innerer Achtung gegen ihn. Fontenelle sagt: Vor einem Vornehmen bücke ich mich, aber mein Geist V:77 bückt sich nicht. Ich kann hinzu setzen: Vor einem niedrigen, bürgerlich gemeinen Mann, an dem ich eine Rechtschaffenheit des Charakters in einem gewissen Maße, als ich mir von mir selbst nicht bewußt bin, wahrnehme, bückt sich mein Geist, ich mag wollen oder nicht und den Kopf noch so hoch tragen, um ihn meinen Vorrang nicht übersehen zu lassen. Warum das? Sein Beispiel hält mir ein Gesetz vor, das meinen Eigendünkel niederschlägt, wenn ich es mit meinem Verhalten vergleiche, und dessen Befolgung, mithin die Thunlichkeit desselben, ich durch die That bewiesen vor mir sehe. Nun mag ich mir sogar eines gleichen Grades der Rechtschaffenheit bewußt sein, und die Achtung bleibt doch. Denn da beim Menschen immer alles Gute mangelhaft ist, so schlägt das Gesetz, durch A 137 ein Beispiel anschaulich gemacht, doch immer meinen Stolz nieder, wozu der Mann, den ich vor mir sehe, dessen Unlauterkeit, die ihm immer noch anhängen mag, mir nicht so wie mir die meinige bekannt ist, der mir also in reinerem Lichte erscheint, einen Maßstab abgiebt. Achtung ist ein Tribut, den wir dem Verdienste nicht verweigern können, wir mögen wollen oder nicht; wir mögen allenfalls äußerlich damit zurückhalten, so können wir doch nicht verhüten, sie innerlich zu empfinden.

Die Achtung ist so wenig ein Gefühl der Lust, daß man sich ihr in Ansehung eines Menschen nur ungern überläßt. Man sucht etwas ausfindig zu machen, was uns die Last derselben erleichtern könne, irgend einen Tadel, um uns wegen der Demüthigung, die uns durch ein solches Beispiel widerfährt, schadlos zu halten. Selbst Verstorbene sind, vornehmlich wenn ihr Beispiel unnachahmlich scheint, vor dieser Kritik nicht immer gesichert. Sogar das moralische Gesetz selbst in seiner feierlichen Majestät ist diesem Bestreben, sich der Achtung dagegen zu erwehren, ausgesetzt. Meint man wohl, daß es einer anderen Ursache zuzuschreiben sei, weswegen man es gern zu unserer vertraulichen Neigung herabwürdigen möchte, und sich aus anderen Ursachen alles so bemühe, um es zur beliebten Vorschrift unseres eigenen wohlverstandenen Vortheils zu machen, als daß man der abschreckenden Achtung, die uns unsere eigene Unwürdigkeit so A 138 strenge vorhält, los werden möge? Gleichwohl ist darin doch auch wiederum so wenig Unlust: daß, wenn man einmal den Eigendünkel abgelegt und jener Achtung praktischen Einfluß verstattet hat, man sich wiederum an der Herrlichkeit dieses Gesetzes nicht satt sehen kann, und die Seele sich in dem Maße selbst zu erheben glaubt, als sie das heilige Gesetz über sich und ihre gebrechliche Natur erhaben sieht. Zwar können große Talente und V:78 eine ihnen proportionirte Thätigkeit auch Achtung oder ein mit derselben analogisches Gefühl bewirken, es ist auch ganz anständig es ihnen zu widmen, und da scheint es, als ob Bewunderung mit jener Empfindung einerlei sei. Allein wenn man näher zusieht, so wird man bemerken, daß, da es immer ungewiß bleibt, wie viel das angeborne Talent und wie viel Cultur durch eigenen Fleiß an der Geschicklichkeit Theil habe, so stellt uns die Vernunft die letztere muthmaßlich als Frucht der Cultur, mithin als Verdienst vor, welches unseren Eigendünkel merklich herabstimmt und uns darüber entweder Vorwürfe macht, oder uns die Befolgung eines solchen Beispiels in der Art, wie es uns angemessen ist, auferlegt. Sie ist also nicht bloße Bewunderung, diese Achtung, die wir einer solchen Person (eigentlich dem Gesetze, was uns sein Beispiel vorhält) beweisen; welches sich auch dadurch bestätigt, daß der gemeine Haufe der Liebhaber, wenn er das Schlechte des Charakters eines solchen Mannes (wie etwa Voltaire) A 139 sonst woher erkundigt zu haben glaubt, alle Achtung gegen ihn aufgiebt, der wahre Gelehrte aber sie noch immer wenigstens im Gesichtspunkte seiner Talente fühlt, weil er selbst in einem Geschäfte und Berufe verwickelt ist, welches die Nachahmung desselben ihm gewissermaßen zum Gesetze macht.

Achtung fürs moralische Gesetz ist also die einzige und zugleich unbezweifelte moralische Triebfeder, so wie dieses Gefühl auch auf kein Object anders, als lediglich aus diesem Grunde gerichtet ist. Zuerst bestimmt das moralische Gesetz objectiv und unmittelbar den Willen im Urtheile der Vernunft; Freiheit, deren Causalität blos durchs Gesetz bestimmbar ist, besteht aber eben darin, daß sie alle Neigungen, mithin die Schätzung der Person selbst auf die Bedingung der Befolgung ihres reinen Gesetzes einschränkt. Diese Einschränkung thut nun eine Wirkung aufs Gefühl und bringt Empfindung der Unlust hervor, die aus dem moralischen Gesetze a priori erkannt werden kann. Da sie aber blos so fern eine negative Wirkung ist, die, als aus dem Einflusse einer reinen praktischen Vernunft entsprungen, vornehmlich der Thätigkeit des Subjects, so fern Neigungen die Bestimmungsgründe desselben sind, mithin der Meinung seines persönlichen Werths Abbruch thut (der ohne Einstimmung mit dem moralischen Gesetze auf nichts herabgesetzt wird), so ist die Wirkung dieses Gesetzes A 140 aufs Gefühl blos Demüthigung, welche wir also zwar a priori einsehen, aber an ihr nicht die Kraft des reinen praktischen Gesetzes als Triebfeder, sondern nur den Widerstand gegen Triebfedern der Sinnlichkeit erkennen V:79 können. Weil aber dasselbe Gesetz doch objectiv, d. i. in der Vorstellung der reinen Vernunft, ein unmittelbarer Bestimmungsgrund des Willens ist, folglich diese Demüthigung nur relativ auf die Reinigkeit des Gesetzes stattfindet, so ist die Herabsetzung der Ansprüche der moralischen Selbstschätzung, d. i. die Demüthigung auf der sinnlichen Seite, eine Erhebung der moralischen, d. i. der praktischen Schätzung des Gesetzes selbst, auf der intellectuellen, mit einem Worte Achtung fürs Gesetz, also auch ein seiner intellectuellen Ursache nach positives Gefühl, das a priori erkannt wird. Denn eine jede Verminderung der Hindernisse einer Thätigkeit ist Beförderung dieser Thätigkeit selbst. Die Anerkennung des moralischen Gesetzes aber ist das Bewußtsein einer Thätigkeit der praktischen Vernunft aus objectiven Gründen, die blos darum nicht ihre Wirkung in Handlungen äußert, weil subjective Ursachen (pathologische) sie hindern. Also muß die Achtung fürs moralische Gesetz auch als positive, aber indirecte Wirkung desselben aufs Gefühl, so fern jenes den hindernden Einfluß der Neigungen durch Demüthigung des Eigendünkels schwächt, mithin als subjectiver Grund der Thätigkeit, d. i. als Triebfeder zu Befolgung desselben, und A 141 als Grund zu Maximen eines ihm gemäßen Lebenswandels angesehen werden. Aus dem Begriffe einer Triebfeder entspringt der eines Interesse, welches niemals einem Wesen, als was Vernunft hat, beigelegt wird und eine Triebfeder des Willens bedeutet, so fern sie durch Vernunft vorgestellt wird. Da das Gesetz selbst in einem moralisch guten Willen die Triebfeder sein muß, so ist das moralische Interesse ein reines sinnenfreies Interesse der bloßen praktischen Vernunft. Auf dem Begriffe eines Interesse gründet sich auch der einer Maxime. Diese ist also nur alsdann moralisch ächt, wenn sie auf dem bloßen Interesse, das man an der Befolgung des Gesetzes nimmt, beruht. Alle drei Begriffe aber, der einer Triebfeder, eines Interesse und einer Maxime, können nur auf endliche Wesen angewandt werden. Denn sie setzen insgesammt eine Eingeschränktheit der Natur eines Wesens voraus, da die subjective Beschaffenheit seiner Willkür mit dem objectiven Gesetze einer praktischen Vernunft nicht von selbst übereinstimmt; ein Bedürfniß, irgend wodurch zur Thätigkeit angetrieben zu werden, weil ein inneres Hinderniß derselben entgegensteht. Auf den göttlichen Willen können sie also nicht angewandt werden.

Es liegt so etwas Besonderes in der grenzenlosen Hochschätzung des reinen, von allem Vortheil entblößten moralischen Gesetzes, so wie es praktische A 142 V:80 Vernunft uns zur Befolgung vorstellt, deren Stimme auch den kühnsten Frevler zittern macht und ihn nöthigt, sich vor seinem Anblicke zu verbergen: daß man sich nicht wundern darf, diesen Einfluß einer blos intellectuellen Idee aufs Gefühl für speculative Vernunft unergründlich zu finden und sich damit begnügen zu müssen, daß man a priori doch noch so viel einsehen kann: ein solches Gefühl sei unzertrennlich mit der Vorstellung des moralischen Gesetzes in jedem endlichen vernünftigen Wesen verbunden. Wäre dieses Gefühl der Achtung pathologisch und also ein auf dem inneren Sinne gegründetes Gefühl der Lust, so würde es vergeblich sein, eine Verbindung derselben mit irgend einer Idee a priori zu entdecken. Nun aber ist es ein Gefühl, was blos aufs Praktische geht und zwar der Vorstellung eines Gesetzes lediglich seiner Form nach, nicht irgend eines Objects desselben wegen anhängt, mithin weder zum Vergnügen, noch zum Schmerze gerechnet werden kann und dennoch ein Interesse an der Befolgung desselben hervorbringt, welches wir das moralische nennen; wie denn auch die Fähigkeit, ein solches Interesse am Gesetze zu nehmen, (oder die Achtung fürs moralische Gesetz selbst) eigentlich das moralische Gefühl ist.

Das Bewußtsein einer freien Unterwerfung des Willens unter das Gesetz doch als mit einem unvermeidlichen Zwange, der allen Neigungen, A 143 aber nur durch eigene Vernunft angethan wird, verbunden, ist nun die Achtung fürs Gesetz. Das Gesetz, was diese Achtung fordert und auch einflößt, ist, wie man sieht, kein anderes als das moralische (denn kein anderes schließt alle Neigungen von der Unmittelbarkeit ihres Einflusses auf den Willen aus). Die Handlung, die nach diesem Gesetze mit Ausschließung aller Bestimmungsgründe aus Neigung objectiv praktisch ist, heißt Pflicht, welche um dieser Ausschließung willen in ihrem Begriffe praktische Nöthigung, d. i. Bestimmung zu Handlungen so ungerne, wie sie auch geschehen mögen, enthält. Das Gefühl, das aus dem Bewußtsein dieser Nöthigung entspringt, ist nicht pathologisch, als ein solches, was von einem Gegenstande der Sinne gewirkt würde, sondern allein praktisch, d. i. durch eine vorhergehende (objective) Willensbestimmung und Causalität der Vernunft, möglich. Es enthält also, als Unterwerfung unter ein Gesetz, d. i. als Gebot (welches für das sinnlich afficirte Subject Zwang ankündigt), keine Lust, sondern so fern vielmehr Unlust an der Handlung in sich. Dagegen aber, da dieser Zwang blos durch Gesetzgebung der eigenen Vernunft ausgeübt wird, enthält es auch Erhebung, und die V:81 subjective Wirkung aufs Gefühl, so fern davon reine praktische Vernunft die alleinige Ursache ist, kann also blos Selbstbilligung in Ansehung der letzteren heißen, indem man sich dazu ohne alles Interesse blos durchs A 144 Gesetz bestimmt erkennt und sich nunmehr eines ganz anderen, dadurch subjectiv hervorgebrachten Interesse, welches rein praktisch und frei ist, bewußt wird, welches an einer pflichtmäßigen Handlung zu nehmen, nicht etwa eine Neigung anräthig ist, sondern die Vernunft durchs praktische Gesetz schlechthin gebietet und auch wirklich hervorbringt, darum aber einen ganz eigenthümlichen Namen, nämlich den der Achtung, führt.

Der Begriff der Pflicht fordert also an der Handlung objectiv Übereinstimmung mit dem Gesetze, an der Maxime derselben aber subjectiv Achtung fürs Gesetz, als die alleinige Bestimmungsart des Willens durch dasselbe. Und darauf beruht der Unterschied zwischen dem Bewußtsein, pflichtmäßig und aus Pflicht, d. i. aus Achtung fürs Gesetz, gehandelt zu haben, davon das erstere (die Legalität) auch möglich ist, wenn Neigungen blos die Bestimmungsgründe des Willens gewesen wären, das zweite aber (die Moralität), der moralische Werth, lediglich darin gesetzt werden muß, daß die Handlung aus Pflicht, d. i. blos um des Gesetzes willen, geschehe.10

Es ist von der größten Wichtigkeit in allen moralischen Beurtheilungen A 145 auf das subjective Princip aller Maximen mit der äußersten Genauigkeit Acht zu haben, damit alle Moralität der Handlungen in der Nothwendigkeit derselben aus Pflicht und aus Achtung fürs Gesetz, nicht aus Liebe und Zuneigung zu dem, was die Handlungen hervorbringen sollen, gesetzt werde. Für Menschen und alle erschaffene vernünftige Wesen ist die moralische Nothwendigkeit Nöthigung, d. i. Verbindlichkeit, und jede darauf gegründete Handlung als Pflicht, nicht aber als eine uns von selbst schon beliebte, oder beliebt werden könnende Verfahrungsart vorzustellen. Gleich als ob wir es dahin jemals bringen könnten, daß ohne Achtung V:82 fürs Gesetz, welche mit Furcht oder wenigstens Besorgniß vor Übertretung verbunden ist, wir wie die über alle Abhängigkeit erhabene Gottheit von selbst, gleichsam durch eine uns zur Natur gewordene, niemals zu verrückende Übereinstimmung des Willens mit dem reinen Sittengesetze (welches also, da wir niemals versucht werden könnten, ihm untreu zu werden, A 146 wohl endlich gar aufhören könnte für uns Gebot zu sein), jemals in den Besitz einer Heiligkeit des Willens kommen könnten.

Das moralische Gesetz ist nämlich für den Willen eines allervollkommensten Wesens ein Gesetz der Heiligkeit, für den Willen jedes endlichen vernünftigen Wesens aber ein Gesetz der Pflicht, der moralischen Nöthigung, und der Bestimmung der Handlungen desselben durch Achtung für dies Gesetz und aus Ehrfurcht für seine Pflicht. Ein anderes subjectives Princip muß zur Triebfeder nicht angenommen werden, denn sonst kann zwar die Handlung, wie das Gesetz sie vorschreibt, ausfallen, aber da sie zwar pflichtmäßig ist, aber nicht aus Pflicht geschieht, so ist die Gesinnung dazu nicht moralisch, auf die es doch in dieser Gesetzgebung eigentlich ankommt.

Es ist sehr schön, aus Liebe zu Menschen und theilnehmendem Wohlwollen ihnen Gutes zu thun, oder aus Liebe zur Ordnung gerecht zu sein, aber das ist noch nicht die ächte moralische Maxime unsers Verhaltens, die unserm Standpunkte unter vernünftigen Wesen als Menschen angemessen ist, wenn wir uns anmaßen, gleichsam als Volontäre uns mit stolzer Einbildung über den Gedanken von Pflicht wegzusetzen und, als vom Gebote unabhängig, blos aus eigener Lust das thun zu wollen, wozu für uns kein Gebot nöthig wäre. Wir stehen unter einer Disciplin der A 147 Vernunft und müssen in allen unseren Maximen der Unterwürfigkeit unter derselben nicht vergessen, ihr nichts zu entziehen, oder dem Ansehen des Gesetzes (ob es gleich unsere eigene Vernunft giebt) durch eigenliebigen Wahn dadurch etwas abzukürzen, daß wir den Bestimmungsgrund unseres Willens, wenn gleich dem Gesetze gemäß, doch worin anders als im Gesetze selbst und in der Achtung für dieses Gesetz setzten. Pflicht und Schuldigkeit sind die Benennungen, die wir allein unserem Verhältnisse zum moralischen Gesetze geben müssen. Wir sind zwar gesetzgebende Glieder eines durch Freiheit möglichen, durch praktische Vernunft uns zur Achtung vorgestellten Reichs der Sitten, aber doch zugleich Unterthanen, nicht das Oberhaupt desselben, und die Verkennung unserer niederen Stufe als Geschöpfe und Weigerung des Eigendünkels gegen das Ansehen des V:83 heiligen Gesetzes ist schon eine Abtrünnigkeit von demselben dem Geiste nach, wenn gleich der Buchstabe desselben erfüllt würde.

Hiemit stimmt aber die Möglichkeit eines solchen Gebots als: Liebe Gott über alles und deinen Nächsten als dich selbst11 ganz wohl zusammen. Denn es fordert doch als Gebot Achtung für ein Gesetz, das A 148 Liebe befiehlt, und überläßt es nicht der beliebigen Wahl, sich diese zum Princip zu machen. Aber Liebe zu Gott als Neigung (pathologische Liebe) ist unmöglich; denn er ist kein Gegenstand der Sinne. Eben dieselbe gegen Menschen ist zwar möglich, kann aber nicht geboten werden; denn es steht in keines Menschen Vermögen, jemanden blos auf Befehl zu lieben. Also ist es blos die praktische Liebe, die in jenem Kern aller Gesetze verstanden wird. Gott lieben, heißt in dieser Bedeutung, seine Gebote gerne thun; den Nächsten lieben, heißt, alle Pflicht gegen ihn gerne ausüben. Das Gebot aber, daß dieses zur Regel macht, kann auch nicht diese Gesinnung in pflichtmäßigen Handlungen zu haben, sondern blos darnach zu streben gebieten. Denn ein Gebot, daß man etwas gerne thun soll, ist in sich widersprechend, weil, wenn wir, was uns zu thun obliege, schon von selbst wissen, wenn wir uns überdem auch bewußt wären, es gerne zu thun, ein Gebot darüber ganz unnöthig, und, thun wir es zwar, aber eben nicht gerne, sondern nur aus Achtung fürs Gesetz, ein Gebot, welches diese Achtung eben zur Triebfeder der Maxime macht, gerade der gebotenen Gesinnung zuwider wirken würde. Jenes Gesetz aller Gesetze stellt also, wie alle moralische Vorschrift des Evangelii, die sittliche A 149 Gesinnung in ihrer ganzen Vollkommenheit dar, so wie sie als ein Ideal der Heiligkeit von keinem Geschöpfe erreichbar, dennoch das Urbild ist, welchem wir uns zu näheren und in einem ununterbrochenen, aber unendlichen Progressus gleich zu werden streben sollen. Könnte nämlich ein vernünftig Geschöpf jemals dahin kommen, alle moralische Gesetze völlig gerne zu thun, so würde das so viel bedeuten als, es fände sich in ihm auch nicht einmal die Möglichkeit einer Begierde, die ihn zur Abweichung von ihnen reizte; denn die Überwindung einer solchen kostet dem Subject immer Aufopferung, bedarf also Selbstzwang, d. i. innere Nöthigung zu dem, was man V:84 nicht ganz gern thut. Zu dieser Stufe der moralischen Gesinnung aber kann es ein Geschöpf niemals bringen. Denn da es ein Geschöpf, mithin in Ansehung dessen, was es zur gänzlichen Zufriedenheit mit seinem Zustande fordert, immer abhängig ist, so kann es niemals von Begierden und Neigungen ganz frei sein, die, weil sie auf physischen Ursachen beruhen, mit dem moralischen Gesetze, das ganz andere Quellen hat, nicht von selbst stimmen, mithin es jederzeit nothwendig machen, in Rücksicht auf dieselbe die Gesinnung seiner Maximen auf moralische Nöthigung, nicht auf bereitwillige Ergebenheit, sondern auf Achtung, welche die Befolgung des Gesetzes, obgleich sie ungerne geschähe, fordert, nicht auf Liebe, A 150 die keine innere Weigerung des Willens gegen das Gesetz besorgt, zu gründen, gleichwohl aber diese letztere, nämlich die bloße Liebe zum Gesetze, (da es alsdann aufhören würde Gebot zu sein, und Moralität, die nun subjectiv in Heiligkeit überginge, aufhören würde Tugend zu sein) sich zum beständigen, obgleich unerreichbaren Ziele seiner Bestrebung zu machen. Denn an dem, was wir hochschätzen, aber doch (wegen des Bewußtseins unserer Schwächen) scheuen, verwandelt sich durch die mehrere Leichtigkeit ihm Gnüge zu thun die ehrfurchtsvolle Scheu in Zuneigung und Achtung in Liebe; wenigstens würde es die Vollendung einer dem Gesetze gewidmeten Gesinnung sein, wenn es jemals einem Geschöpfe möglich wäre sie zu erreichen.

Diese Betrachtung ist hier nicht sowohl dahin abgezweckt, das angeführte evangelische Gebot auf deutliche Begriffe zu bringen, um der Religionsschwärmerei in Ansehung der Liebe Gottes, sondern die sittliche Gesinnung auch unmittelbar in Ansehung der Pflichten gegen Menschen genau zu bestimmen und einer blos moralischen Schwärmerei, welche viel Köpfe ansteckt, zu steuren, oder wo möglich vorzubeugen. Die sittliche Stufe, worauf der Mensch (aller unserer Einsicht nach auch jedes vernünftige Geschöpf) steht, ist Achtung fürs moralische Gesetz. Die Gesinnung, die ihm, dieses zu befolgen, obliegt, ist, es aus Pflicht, nicht aus A 151 freiwilliger Zuneigung und auch allenfalls unbefohlener, von selbst gern unternommener Bestrebung zu befolgen, und sein moralischer Zustand, darin er jedesmal sein kann, ist Tugend, d. i. moralische Gesinnung im Kampfe, und nicht Heiligkeit im vermeintlichen Besitze einer völligen Reinigkeit der Gesinnungen des Willens. Es ist lauter moralische Schwärmerei und Steigerung des Eigendünkels, wozu man die Gemüther durch Aufmunterung zu Handlungen als edler, erhabener und großmüthiger V:85 stimmt, dadurch man sie in den Wahn versetzt, als wäre es nicht Pflicht, d. i. Achtung fürs Gesetz, dessen Joch (das gleichwohl, weil es uns Vernunft selbst auferlegt, sanft ist) sie, wenn gleich ungern, tragen müßten, was den Bestimmungsgrund ihrer Handlungen ausmachte, und welches sie immer noch demüthigt, indem sie es befolgen (ihm gehorchen); sondern als ob jene Handlungen nicht aus Pflicht, sondern als baarer Verdienst von ihnen erwartet würden. Denn nicht allein daß sie durch Nachahmung solcher Thaten, nämlich aus solchem Princip, nicht im mindesten dem Geiste des Gesetzes ein Genüge gethan hätten, welcher in der dem Gesetze sich unterwerfenden Gesinnung, nicht in der Gesetzmäßigkeit der Handlung (das Princip möge sein, welches auch wolle) besteht, und die Triebfeder pathologisch (in der Sympathie oder auch Philautie), nicht moralisch (im Gesetze) setzen, so bringen sie auf diese Art eine windige, überfliegende, phantastische Denkungsart hervor, sich mit einer freiwilligen A 152 Gutartigkeit ihres Gemüths, das weder Sporns noch Zügel bedürfe, für welches gar nicht einmal ein Gebot nöthig sei, zu schmeicheln und darüber ihrer Schuldigkeit, an welche sie doch eher denken sollten als an Verdienst, zu vergessen. Es lassen sich wohl Handlungen anderer, die mit großer Aufopferung und zwar blos um der Pflicht willen geschehen sind, unter dem Namen edler und erhabener Thaten preisen, und doch auch nur so fern Spuren da sind, welche vermuthen lassen, daß sie ganz aus Achtung für seine Pflicht, nicht aus Herzensaufwallungen geschehen sind. Will man jemanden aber sie als Beispiele der Nachfolge vorstellen, so muß durchaus die Achtung für Pflicht (als das einzige ächte moralische Gefühl) zur Triebfeder gebraucht werden: diese ernste, heilige Vorschrift, die es nicht unserer eitelen Selbstliebe überläßt, mit pathologischen Antrieben (so fern sie der Moralität analogisch sind) zu tändeln und uns auf verdienstlichen Werth was zu Gute zu thun. Wenn wir nur wohl nachsuchen, so werden wir zu allen Handlungen, die anpreisungswürdig sind, schon ein Gesetz der Pflicht finden, welches gebietet und nicht auf unser Belieben ankommen läßt, was unserem Hange gefällig sein möchte. Das ist die einzige Darstellungsart, welche die Seele moralisch bildet, weil sie allein fester und genau bestimmter Grundsätze fähig ist.

Wenn Schwärmerei in der allgemeinsten Bedeutung eine nach A 153 Grundsätzen unternommene Überschreitung der Grenzen der menschlichen Vernunft ist, so ist moralische Schwärmerei diese Überschreitung der Grenzen, die die praktische reine Vernunft der Menschheit setzt, dadurch V:86 sie verbietet den subjectiven Bestimmungsgrund pflichtmäßiger Handlungen, d. i. die moralische Triebfeder derselben, irgend worin anders als im Gesetze selbst und die Gesinnung, die dadurch in die Maximen gebracht wird, irgend anderwärts als in der Achtung für dies Gesetz zu setzen, mithin den alle Arroganz sowohl als eitele Philautie niederschlagenden Gedanken von Pflicht zum obersten Lebensprincip aller Moralität im Menschen zu machen gebietet.

Wenn dem also ist, so haben nicht allein Romanschreiber, oder empfindelnde Erzieher (ob sie gleich noch so sehr wider Empfindelei eifern), sondern bisweilen selbst Philosophen, ja die strengsten unter allen, die Stoiker, moralische Schwärmerei statt nüchterner, aber weiser Disciplin der Sitten eingeführt, wenn gleich die Schwärmerei der letzteren mehr heroisch, der ersteren von schaler und schmelzender Beschaffenheit war, und man kann es, ohne zu heucheln, der moralischen Lehre des Evangelii mit aller Wahrheit nachsagen: daß es zuerst durch die Reinigkeit des moralischen Princips, zugleich aber durch die Angemessenheit desselben mit den A 154 Schranken endlicher Wesen alles Wohlverhalten des Menschen der Zucht einer ihnen vor Augen gelegten Pflicht, die sie nicht unter moralischen geträumten Vollkommenheiten schwärmen läßt, unterworfen und dem Eigendünkel sowohl als der Eigenliebe, die beide gerne ihre Grenzen verkennen, Schranken der Demuth (d. i. der Selbsterkenntniß) gesetzt habe.

Pflicht! du erhabener, großer Name, der du nichts Beliebtes, was Einschmeichelung bei sich führt, in dir fassest, sondern Unterwerfung verlangst, doch auch nichts drohest, was natürliche Abneigung im Gemüthe erregte und schreckte, um den Willen zu bewegen, sondern blos ein Gesetz aufstellst, welches von selbst im Gemüthe Eingang findet und doch sich selbst wider Willen Verehrung (wenn gleich nicht immer Befolgung) erwirbt, vor dem alle Neigungen verstummen, wenn sie gleich ingeheim ihm entgegen wirken: welches ist der deiner würdige Ursprung, und wo findet man die Wurzel deiner edlen Abkunft, welche alle Verwandtschaft mit Neigungen stolz ausschlägt, und von welcher Wurzel abzustammen, die unnachlaßliche Bedingung desjenigen Werths ist, den sich Menschen allein selbst geben können?

Es kann nichts Minderes sein, als was den Menschen über sich selbst (als einen Theil der Sinnenwelt) erhebt, was ihn an eine Ordnung der Dinge knüpft, die nur der Verstand denken kann, und die zugleich die A 155 ganze Sinnenwelt, mit ihr das empirisch bestimmbare Dasein des Menschen V:87 in der Zeit und das Ganze aller Zwecke (welches allein solchen unbedingten praktischen Gesetzen als das moralische angemessen ist) unter sich hat. Es ist nichts anders als die Persönlichkeit, d. i. die Freiheit und Unabhängigkeit von dem Mechanism der ganzen Natur, doch zugleich als ein Vermögen eines Wesens betrachtet, welches eigenthümlichen, nämlich von seiner eigenen Vernunft gegebenen, reinen praktischen Gesetzen, die Person also, als zur Sinnenwelt gehörig, ihrer eigenen Persönlichkeit unterworfen ist, so fern sie zugleich zur intelligibelen Welt gehört; da es denn nicht zu verwundern ist, wenn der Mensch, als zu beiden Welten gehörig, sein eigenes Wesen in Beziehung auf seine zweite und höchste Bestimmung nicht anders als mit Verehrung und die Gesetze derselben mit der höchsten Achtung betrachten muß.

Auf diesen Ursprung gründen sich nun manche Ausdrücke, welche den Werth der Gegenstände nach moralischen Ideen bezeichnen. Das moralische Gesetz ist heilig (unverletzlich). Der Mensch ist zwar unheilig genug, aber die Menschheit in seiner Person muß ihm heilig sein. In der ganzen Schöpfung kann alles, was man will, und worüber man etwas vermag, auch blos als Mittel gebraucht werden; nur der Mensch und mit ihm jedes vernünftige Geschöpf ist Zweck an sich selbst. Er ist nämlich A 156 das Subject des moralischen Gesetzes, welches heilig ist, vermöge der Autonomie seiner Freiheit. Eben um dieser willen ist jeder Wille, selbst jeder Person ihr eigener, auf sie selbst gerichteter Wille auf die Bedingung der Einstimmung mit der Autonomie des vernünftigen Wesens eingeschränkt, es nämlich keiner Absicht zu unterwerfen, die nicht nach einem Gesetze, welches aus dem Willen des leidenden Subjects selbst entspringen könnte, möglich ist; also dieses niemals blos als Mittel, sondern zugleich selbst als Zweck zu gebrauchen. Diese Bedingung legen wir mit Recht sogar dem göttlichen Willen in Ansehung der vernünftigen Wesen in der Welt als seiner Geschöpfe bei, indem sie auf der Persönlichkeit derselben beruht, dadurch allein sie Zwecke an sich selbst sind.

Diese Achtung erweckende Idee der Persönlichkeit, welche uns die Erhabenheit unserer Natur (ihrer Bestimmung nach) vor Augen stellt, indem sie uns zugleich den Mangel der Angemessenheit unseres Verhaltens in Ansehung derselben bemerken läßt und dadurch den Eigendünkel niederschlägt, ist selbst der gemeinsten Menschenvernunft natürlich und leicht bemerklich. Hat nicht jeder auch nur mittelmäßig ehrliche Mann bisweilen gefunden, daß er eine sonst unschädliche Lüge, dadurch er sich entweder V:88 selbst aus einem verdrießlichen Handel ziehen, oder wohl gar einem geliebten und verdienstvollen Freunde Nutzen schaffen konnte, blos darum A 157 unterließ, um sich ingeheim in seinen eigenen Augen nicht verachten zu dürfen? Hält nicht einen rechtschaffenen Mann im größten Unglücke des Lebens, das er vermeiden konnte, wenn er sich nur hätte über die Pflicht wegsetzen können, noch das Bewußtsein aufrecht, daß er die Menschheit in seiner Person doch in ihrer Würde erhalten und geehrt habe, daß er sich nicht vor sich selbst zu schämen und den inneren Anblick der Selbstprüfung zu scheuen Ursache habe? Dieser Trost ist nicht Glückseligkeit, auch nicht der mindeste Theil derselben. Denn niemand wird sich die Gelegenheit dazu, auch vielleicht nicht einmal ein Leben in solchen Umständen wünschen. Aber er lebt und kann es nicht erdulden, in seinen eigenen Augen des Lebens unwürdig zu sein. Diese innere Beruhigung ist also blos negativ in Ansehung alles dessen, was das Leben angenehm machen mag; nämlich sie ist die Abhaltung der Gefahr, im persönlichen Werthe zu sinken, nachdem der seines Zustandes von ihm schon gänzlich aufgegeben worden. Sie ist die Wirkung von einer Achtung für etwas ganz anderes als das Leben, womit in Vergleichung und Entgegensetzung das Leben vielmehr mit aller seiner Annehmlichkeit gar keinen Werth hat. Er lebt nur noch aus Pflicht, nicht weil er am Leben den mindesten Geschmack findet.

So ist die ächte Triebfeder der reinen praktischen Vernunft beschaffen; A 158 sie ist keine andere als das reine moralische Gesetz selber, so fern es uns die Erhabenheit unserer eigenen übersinnlichen Existenz spüren läßt und subjectiv in Menschen, die sich zugleich ihres sinnlichen Daseins und der damit verbundenen Abhängigkeit von ihrer so fern sehr pathologisch afficirten Natur bewußt sind, Achtung für ihre höhere Bestimmung wirkt. Nun lassen sich mit dieser Triebfeder gar wohl so viele Reize und Annehmlichkeiten des Lebens verbinden, daß auch um dieser willen allein schon die klügste Wahl eines vernünftigen und über das größte Wohl des Lebens nachdenkenden Epikureers sich für das sittliche Wohlverhalten erklären würde, und es kann auch rathsam sein, diese Aussicht auf einen fröhlichen Genuß des Lebens mit jener obersten und schon für sich allein hinlänglich bestimmenden Bewegursache zu verbinden; aber nur um den Anlockungen, die das Laster auf der Gegenseite vorzuspiegeln nicht ermangelt, das Gegengewicht zu halten, nicht um hierin die eigentliche bewegende Kraft, auch nicht dem mindesten Theile nach, zu setzen, wenn von Pflicht die Rede ist. Denn das würde so viel sein, als die moralische Gesinnung V:89 in ihrer Quelle verunreinigen wollen. Die Ehrwürdigkeit der Pflicht hat nichts mit Lebensgenuß zu schaffen; sie hat ihr eigenthümliches Gesetz, auch ihr eigenthümliches Gericht, und wenn man auch beide noch so sehr zusammenschütteln wollte, um sie vermischt gleichsam als Arzeneimittel A 159 der kranken Seele zuzureichen, so scheiden sie sich doch alsbald von selbst, und thun sie es nicht, so wirkt das erste gar nicht, wenn aber auch das physische Leben hiebei einige Kraft gewönne, so würde doch das moralische ohne Rettung dahin schwinden.

9 Man kann von jeder gesetzmäßigen Handlung, die doch nicht um des Gesetzes willen geschehen ist, sagen: sie sei blos dem Buchstaben, aber nicht dem Geiste (der Gesinnung) nach moralisch gut.

10 Wenn man den Begriff der Achtung für Personen, so wie er vorher dargelegt worden, genau erwägt, so wird man gewahr, daß sie immer auf dem Bewußtsein einer Pflicht beruhe, die uns ein Beispiel vorhält, und daß also Achtung niemals einen andern als moralischen Grund haben könne, und es sehr gut, sogar in psychologischer Absicht zur Menschenkenntniß sehr nützlich sei, allerwärts, wo wir diesen Ausdruck brauchen, auf die geheime und wundernswürdige, dabei aber oft vorkommende Rücksicht, die der Mensch in seinen Beurtheilungen aufs moralische Gesetz nimmt, Acht zu haben.

11 Mit diesem Gesetze macht das Princip der eigenen Glückseligkeit, welches einige zum obersten Grundsatze der Sittlichkeit machen wollen, einen seltsamen Contrast; dieses würde so lauten: Liebe dich selbst über alles, Gott aber und deinen Nächsten um dein selbst willen.

Chapter III. The Incentives of Pure Practical Reason.

What is essential to all moral worth in actions is that the moral law determine the will directly. Suppose the will is determined in conformity with the moral law, but only through a feeling, of whatever kind, that A 127 must be presupposed to make the law a sufficient determining ground of the will. If the will is thus not determined for the sake of the law, the action will have legality, but not morality. Now V:72 by an incentive (elater animi) we mean the subjective determining ground of the will of a being whose reason does not, by its nature, already conform necessarily to the objective law. It follows, first, that we cannot attribute any incentives to the divine will. But the incentive of the human will, and that of every created rational being, can never be anything other than the moral law. So the objective determining ground must always, entirely on its own, also be the subjectively sufficient determining ground of the action, if the action is not merely to fulfill the letter of the law without its spirit.9

We must therefore not seek another incentive on behalf of the moral law to give it influence over the will, one that could make the law's own incentive unnecessary. All that A 128 would produce is hollow, unstable pretense. It is even questionable to let other incentives, such as advantage, cooperate alongside the moral law. So all that remains is to determine carefully how the moral law becomes an incentive, and what happens to the human faculty of desire as an effect of this determining ground when it does so. For how a law can by itself directly determine the will—which is essential to all morality—is a problem human reason cannot solve. It is the same problem as how a free will is possible. We therefore have to show a priori not why the moral law itself supplies an incentive, but what effect it has—or, better, must have—on the mind insofar as it is an incentive.

What is essential to every determination of the will by the moral law is that, as a free will, it be determined by the law alone. This means not merely without the cooperation of sensible impulses, but even while rejecting all of them and restraining every inclination insofar as it might conflict with that law. To this extent, the effect of the moral law as an incentive is merely negative, and as such this incentive can be cognized a priori. For every inclination and every sensible impulse rests on A 129 V:73 feeling, and a negative effect on feeling, through the restraint of inclinations, is itself a feeling. We can therefore understand a priori that the moral law, as the will's determining ground, must produce a feeling that can be called pain, because it interferes with all our inclinations. Here we have the first, perhaps the only, case where we could determine from a priori concepts the relation of a cognition—here, one belonging to pure practical reason—to the feeling of pleasure or displeasure. All inclinations together, which can also be brought into a tolerable system whose satisfaction is then called personal happiness, constitute self-centeredness (solipsismus). This is either self-love, a goodwill toward oneself that takes precedence over everything (Philautia), or self-satisfaction (Arrogantia). The former is specifically called love of self, the latter self-conceit. Pure practical reason merely restricts love of self. Since it is natural and active in us even before the moral law, reason limits it only to the condition of agreeing with that law. It is then called rational self-love. But reason strikes self-conceit down altogether. For all claims to self-esteem preceding agreement with the moral law are null A 130 and completely unwarranted. Certainty of a disposition agreeing with that law is the first condition of any personal worth, as we will soon make clearer. Any pretension before that is false and contrary to law. Now the tendency toward self-esteem belongs among the inclinations the moral law restrains, insofar as that self-esteem rests merely on sensibility. So the moral law strikes down self-conceit. Yet the law is itself something positive: the form of an intellectual causality, or freedom. As it weakens self-conceit in opposition to its subjective counterpart, the inclinations in us, it is at the same time an object of respect. As it even strikes down, or humiliates, self-conceit, it is an object of the greatest respect. It is therefore also the ground of a positive feeling that is not empirical in origin and is cognized a priori. Respect for the moral law is thus a feeling produced by an intellectual ground. It is the only feeling we can cognize completely a priori and whose necessity we can understand.

V:74 In the previous chapter we saw that the moral law, as the supreme condition of practical reason, A 131 excludes everything presenting itself as an object of the will before that law from being a determining ground of the will under the name of unconditional good. We also saw that the mere practical form, consisting in maxims' fitness for universal lawgiving, first determines what is good in itself and without qualification, and grounds the maxim of a pure will, which alone is good in every respect. But we find that our nature as sensible beings is such that the matter of the faculty of desire—objects of inclination, whether of hope or fear—presses itself on us first. Our self, insofar as it can be determined by feeling, is completely unfit through its maxims for universal lawgiving. Yet it strives to assert its claims beforehand as the first and original claims, just as if it constituted our whole self. This tendency to make oneself, according to the subjective determining grounds of one's choice, the objective determining ground of the will in general can be called self-love. When it makes itself lawgiving and an unconditional practical principle, it can be called self-conceit. Now the moral law, which alone is truly objective, that is, objective in every respect, completely excludes self-love's influence on the supreme practical principle. It infinitely restricts self-conceit, which prescribes self-love's subjective conditions as laws. Whatever restricts our self-conceit in our own judgment humiliates us. So A 132 the moral law inevitably humiliates every human being who compares the sensible tendency of their nature with it. That whose representation as a determining ground of our will humiliates us in our self-consciousness awakens respect for itself insofar as it is positive and a determining ground. The moral law is therefore also subjectively a ground of respect. Everything found in self-love belongs to inclination, and every inclination rests on feelings. Whatever restricts all inclinations together in self-love must therefore affect feeling. So we can understand how it is possible to see a priori that the moral law can have an effect on feeling. It excludes inclinations and the tendency to make them the supreme practical condition—that is, self-love—from any participation in supreme lawgiving. The effect V:75 is merely negative on one side, but positive on the other, with regard to the restricting ground of pure practical reason. No special kind of feeling called practical or moral need be assumed to precede the moral law and serve as its basis.

The negative effect on feeling, the discomfort, is pathological, as is A 133 every influence on feeling and every feeling in general. But this feeling is an effect of consciousness of the moral law. It therefore relates to an intelligible cause: the subject of pure practical reason as supreme lawgiver. In a rational subject affected by inclinations, it is called humiliation, or intellectual contempt. Yet in relation to its positive ground, the law, it is also respect for that law. No feeling for the law is present as such. Rather, reason judges that removing a hindrance, by clearing away resistance, is equivalent to positively promoting causality. That is why this feeling can also be called a feeling of respect for the moral law, and, on both grounds together, a moral feeling.

Through pure practical reason, the moral law is the formal determining ground of an action. It is also the material, though only objective, determining ground of the action's objects under the names of good and evil. In the same way it is the subjective determining ground, or incentive, for that action. For it influences the subject's sensibility and produces a feeling that promotes the law's influence on the will. Here A 134 no feeling attuned to morality precedes the law in the subject. That is impossible, since every feeling is sensible, whereas the incentive of a moral disposition must be free of every sensible condition. Instead, the sensible feeling underlying all our inclinations is indeed the condition of the sensation we call respect. But the cause that determines it lies in pure practical reason. Because of its origin, this sensation therefore cannot be called pathological, but must be called practically produced. This is because the representation of the moral law deprives self-love of its influence and self-conceit of its delusion. It thus reduces the hindrance to pure practical reason. By removing the counterweight, it produces in reason's judgment a representation of the superiority V:76 of its objective law over the impulses of sensibility, and thus the relative weight of that law with regard to a will affected by sensibility. So respect for the law is not an incentive to morality. It is morality itself, considered subjectively as an incentive. By rejecting every claim of self-love opposed to it, pure practical reason gives authority to the law, which now alone has influence. We must note here that respect is an effect on feeling, and thus on A 135 a rational being's sensibility. It therefore presupposes this sensibility and consequently the finitude of the beings on whom the moral law imposes respect. Respect for the law cannot be attributed to a supreme being, or to any being free of all sensibility, for which sensibility could therefore pose no hindrance to practical reason.

This feeling, called moral feeling, is thus produced solely by reason. It does not serve to judge actions, much less to ground the objective moral law itself. It serves only as an incentive to make that law one's maxim. But what name could be more suitable for this unusual feeling, which cannot be compared with any pathological feeling? It is so distinctive that it seems to be at the command of reason alone, specifically pure practical reason.

Respect always concerns persons, never things. Things can awaken inclination in us, and animals such as horses and dogs can even awaken love. Things can also awaken fear, as the sea, a volcano, or a predator does, but never respect. Something closer to this feeling is admiration. As an emotion, wonder, it can also concern things: for example, mountains reaching into the sky, the size A 136, number, and vast distances of heavenly bodies, the strength and speed of certain animals, and so on. But none of this is respect. A human being can also be an object of love, fear, or admiration, even to the point of wonder, without thereby being an object of respect. A person's sense of humor, courage and strength, or power arising from rank among others can inspire such feelings in me. Yet inward respect for that person is still missing. Fontenelle says: "I bow before a person of rank, but my mind V:77 does not bow." I can add: before a humble, ordinary citizen in whom I perceive an integrity of character to a degree I am not conscious of possessing myself, my mind bows. It does so whether I want it to or not, however high I hold my head to keep him from overlooking my superior position. Why? His example holds before me a law that strikes down my self-conceit when I compare it with my conduct. I see its observance, and thus its practicability, proved before me in fact. I may even be conscious of an equal degree of integrity, yet the respect remains. For all human goodness is always imperfect. So the law, made visible through A 137 an example, always strikes down my pride. The person before me supplies a standard for this. I do not know whatever impurity may still attach to him as I know my own, so he appears to me in a purer light. Respect is a tribute we cannot refuse to merit, whether we want to or not. We may withhold its outward expression, but we cannot prevent ourselves from feeling it inwardly.

Respect is so far from being a feeling of pleasure that we are reluctant to give ourselves over to it toward another person. We look for something that might ease its burden, some fault to compensate us for the humiliation such an example causes. Even the dead are not always safe from this criticism, especially when their example seems beyond imitation. Even the moral law itself in its solemn majesty is exposed to this effort to resist respect for it. Can anyone think there is another reason why people like to lower it to the level of a familiar inclination? Or that all their efforts to turn it into the favored prescription of their own well-understood advantage have some other cause than the wish to get rid of an intimidating respect that so A 138 sternly confronts them with their own unworthiness? Yet there is also so little displeasure in it that, once we have set self-conceit aside and allowed this respect practical influence, we cannot look enough at the law's splendor. The soul believes itself raised in proportion as it sees the holy law raised above itself and its frail nature. Great talents and V:78 activity proportionate to them can indeed also produce respect, or a feeling like it. It is entirely fitting to accord this to them, and here admiration seems identical with that feeling. But on closer examination we will notice something else. It always remains uncertain how much of a person's skill comes from inborn talent and how much from cultivation through personal effort. Reason therefore tentatively presents the skill to us as the fruit of cultivation, and thus as merit. This noticeably lowers our self-conceit and either reproaches us or requires us to follow that example in a way suited to us. So the respect we show such a person is not mere admiration. Strictly speaking, it is respect for the law that the example holds before us. This is also confirmed by the following fact: when the ordinary crowd of admirers believes it has learned from elsewhere of the bad character of such a man, such as Voltaire A 139, it gives up all respect for him. But the true scholar still feels respect, at least from the standpoint of his talents, because the scholar himself is involved in an occupation and calling that makes imitating him, to some extent, a law.

Respect for the moral law is therefore the only moral incentive, and one beyond doubt. This feeling is directed toward any object only on this ground. First, the moral law determines the will objectively and directly in reason's judgment. But freedom, whose causality can be determined by the law alone, consists precisely in restricting all inclinations, and thus our estimation of our own person, to the condition of following its pure law. This restriction affects feeling and produces a sensation of displeasure that can be cognized a priori from the moral law. But to this extent it is only a negative effect. Arising from the influence of pure practical reason, it chiefly restricts the subject's activity insofar as inclinations determine it, and thus lowers the subject's opinion of personal worth, which is reduced to nothing without agreement with the moral law. So the law's effect A 140 on feeling is merely humiliation. We can indeed understand this a priori. But in it we can cognize not the power of the pure practical law as an incentive, but only resistance to the incentives of sensibility V:79. Yet the same law is objectively a direct determining ground of the will, that is, in the representation of pure reason. This humiliation thus occurs only in relation to the law's purity. Consequently, lowering the claims of moral self-esteem—humiliation on the sensible side—raises the moral or practical estimation of the law itself on the intellectual side. In a word, it is respect for the law, and therefore also a feeling positive in its intellectual cause, cognized a priori. For every reduction of obstacles to an activity promotes the activity itself. Recognizing the moral law is consciousness of practical reason's activity from objective grounds. This activity fails to take effect in actions only because subjective, pathological causes hinder it. Respect for the moral law must therefore also be seen as its positive, though indirect, effect on feeling. The law weakens the inclinations' obstructing influence by humiliating self-conceit. Respect is thus a subjective ground of activity, an incentive to follow the law, and A 141 a ground for maxims of a way of life conforming to it. The concept of an incentive gives rise to that of an interest. This is attributed only to a being with reason and means an incentive of the will insofar as it is represented through reason. Since the law itself must be the incentive in a morally good will, moral interest is a pure interest of practical reason alone, free of sense. The concept of a maxim also rests on that of an interest. A maxim is therefore morally genuine only when it rests solely on the interest taken in following the law. But all three concepts—incentive, interest, and maxim—can apply only to finite beings. For they all presuppose a limitation in a being's nature: the subjective character of its power of choice does not automatically agree with the objective law of practical reason. Such a being needs something to impel it to activity because an inner obstacle opposes that activity. So these concepts cannot apply to the divine will.

There is something so distinctive in the boundless esteem for the pure moral law, stripped of every advantage, as practical A 142 V:80 reason presents it for us to follow. Its voice makes even the boldest wrongdoer tremble and forces him to hide from its gaze. So we should not be surprised that speculative reason cannot fathom this influence of a merely intellectual idea on feeling. We must be content that we can still understand this much a priori: such a feeling is inseparably connected with the representation of the moral law in every finite rational being. If this feeling of respect were pathological, and thus a feeling of pleasure grounded in inner sense, it would be pointless to seek an a priori connection between it and any idea. But it is a feeling directed solely toward the practical. It attaches to the representation of a law only because of its form, not because of any object of that law. It therefore cannot be counted as either enjoyment or pain. Yet it produces an interest in following the law, which we call moral. Indeed, the capacity to take such an interest in the law—or respect for the moral law itself—is properly moral feeling.

Respect for the law is consciousness of the will's free submission to the law, yet combined with an unavoidable constraint imposed on all inclinations A 143 by one's own reason alone. The law that demands and also inspires this respect is plainly none other than the moral law. For no other law excludes all inclinations from directly influencing the will. An action that is objectively practical according to this law, to the exclusion of all determining grounds from inclination, is called duty. Because of this exclusion, the concept of duty contains practical necessitation: determination to actions however unwillingly they may be done. The feeling arising from consciousness of this necessitation is not pathological, as if produced by an object of the senses. It is possible only practically, through a prior objective determination of the will and causality of reason. As submission to a law, a command announcing constraint for the sensibly affected subject, it therefore contains no pleasure. To that extent it contains instead displeasure in the action. Yet because this constraint is exercised only through the lawgiving of one's own reason, it also contains elevation. The V:81 subjective effect on feeling, insofar as pure practical reason alone causes it, can therefore be called only self-approval with regard to that reason. We recognize ourselves as determined to it without any interest, solely by the A 144 law. We then become conscious of an entirely different interest, subjectively produced in this way, which is purely practical and free. Taking this interest in an action conforming to duty is not something an inclination recommends. Reason, through the practical law, commands it unconditionally and actually produces it. That is why it has its own distinctive name: respect.

The concept of duty therefore requires objective agreement of the action with the law, but subjectively, in its maxim, respect for the law as the sole way the law determines the will. This is the basis of the distinction between consciousness of having acted in conformity with duty and from duty, that is, from respect for the law. The former, legality, is possible even if inclinations alone determined the will. But the latter, morality or moral worth, must be placed solely in the action's being done from duty, that is, solely for the sake of the law.10

In every moral judgment it is of the greatest importance A 145 to attend with the utmost precision to the subjective principle of all maxims. All morality in actions must be placed in their necessity from duty and from respect for the law, not from love and affection for what the actions are to produce. For humans and all created rational beings, moral necessity is necessitation, or obligation. Every action based on it must be represented as duty, not as conduct we already spontaneously like, or could come to like. It is as though we could ever reach a point where, without respect V:82 for the law, which is connected with fear or at least concern about transgressing it, we could possess a holiness of will. We would then be like the Deity, raised above all dependence, acting spontaneously through an unshakable agreement of will with the pure moral law that had, so to speak, become our nature. Since we could never be tempted to be unfaithful to it A 146, the law might finally even cease to be a command for us.

For the will of a supremely perfect being, the moral law is a law of holiness; for the will of every finite rational being, however, it is a law of duty, of moral necessitation, determining its actions through respect for this law and reverence for its duty. No other subjective principle must be assumed as an incentive. Otherwise, the action may indeed turn out as the law prescribes. But although it conforms to duty, it is not done from duty, and the disposition behind it is not moral. Yet that disposition is what this lawgiving is really concerned with.

It is very fine to do good to people from love and sympathetic goodwill, or to be just from love of order. But that is not yet the genuine moral maxim of conduct appropriate to our position among rational beings as humans if we presume, like volunteers, to put ourselves above the thought of duty in our proud imagination. We would then claim to want, independently of a command, to do solely from our own pleasure what would supposedly need no command for us. We stand under a discipline of A 147 reason. In all our maxims we must remember our submission to it, withhold nothing from it, and not diminish the law's authority through a self-loving delusion. Even though our own reason gives the law, we would diminish it by placing our will's determining ground anywhere other than in the law itself and respect for it, even if our will still conformed to the law. Duty and obligation are the only names we must give our relation to the moral law. We are indeed lawgiving members of a moral kingdom made possible through freedom and presented by practical reason as an object of respect. But we are also its subjects, not its sovereign. Failing to recognize our lower position as creatures, and self-conceit's resistance to the authority of the V:83 holy law, already amount to abandoning it in spirit, even if its letter is fulfilled.

This is entirely compatible with the possibility of a command such as: "Love God above all and your neighbor as yourself."11 For as a command it demands respect for a law that A 148 commands love. It does not leave it to our optional choice to make love our principle. But love of God as an inclination, pathological love, is impossible, since God is not an object of the senses. Such love toward human beings is possible, but cannot be commanded. For no human being can love someone merely on command. So only practical love is meant in this central statement of all laws. To love God in this sense means to carry out his commands gladly. To love one's neighbor means to perform every duty toward that person gladly. But the command making this a rule cannot command us to have this disposition in actions conforming to duty, only to strive for it. For a command to do something gladly contradicts itself, because if we already know on our own what we are obliged to do, and were also conscious of doing it gladly, a command about it would be entirely unnecessary. And if we do it, but not gladly, only from respect for the law, a command making that respect the incentive of the maxim would work directly against the disposition commanded. This law of all laws thus presents, like every moral precept of the Gospel, the moral A 149 disposition in its complete perfection. As an ideal of holiness, it is unattainable by any creature. Yet it remains the model we should strive to approach and equal in an uninterrupted but infinite progress. If a rational creature could ever reach the point of following all moral laws entirely gladly, that would mean it did not even have the possibility of a desire tempting it to depart from them. For overcoming such a desire always costs the subject a sacrifice. It therefore requires self-constraint: an inner necessitation to do what one V:84 does not do entirely gladly. But a creature can never reach this level of moral disposition. As a creature, it is always dependent with regard to what it needs for complete satisfaction with its condition. So it can never be entirely free of desires and inclinations. Since these rest on physical causes, they do not automatically agree with the moral law, which has entirely different sources. They therefore always make it necessary to base the disposition of one's maxims, with regard to them, on moral necessitation. It must be based not on willing devotion, but on respect, which demands observance of the law even if done unwillingly; not on love A 150, which fears no inner resistance of the will to the law. Yet the creature must make that latter love, the mere love of the law, the constant, though unreachable, goal of its striving. For the law would then cease to be a command, and morality, now passing subjectively into holiness, would cease to be virtue. For as it becomes easier to satisfy what we esteem but also fear because we know our weaknesses, reverent fear turns into affection and respect into love. At least, that would be the completion of a disposition devoted to the law, if any creature could ever attain it.

This discussion is not aimed primarily at clarifying the Gospel command just quoted in order to counter religious fanaticism concerning love of God. Rather, it aims to define the moral disposition precisely, directly with regard to duties toward people, and to check, or if possible prevent, a purely moral fanaticism that infects many minds. The moral level on which human beings stand—and, as far as we can see, every rational creature—is respect for the moral law. The disposition required of them in following it is to do so from duty, not from A 151 spontaneous affection, or even an uncommanded effort gladly undertaken on their own. The moral condition they can always occupy is virtue: a moral disposition in struggle, not holiness in the supposed possession of complete purity in the will's dispositions. Encouraging people to actions as noble, lofty, and generous V:85 attunes their minds to sheer moral fanaticism and heightens self-conceit. It gives them the delusion that duty, respect for the law, is not their actions' determining ground. Yet they must bear its yoke even unwillingly, a yoke that is gentle because reason itself imposes it. Duty still humiliates them as they follow or obey it. Instead, they are led to think these actions are expected from them not as duty but as sheer merit. For by imitating such deeds from such a principle, they would not in the least satisfy the law's spirit. That consists in a disposition submitting to the law, not in an action's lawfulness, whatever its principle may be. They place the incentive pathologically, in sympathy or self-love, rather than morally, in the law. Moreover, this produces an empty, high-flying, fanciful way of thinking. They flatter themselves with a spontaneous A 152 goodness of mind that needs neither spur nor bridle, and for which no command is needed at all. They thereby forget their obligation, which they should think about before merit. We may indeed praise others' actions, done with great sacrifice solely for duty's sake, as noble and lofty deeds. Even then, this is justified only insofar as there are signs suggesting that they arose wholly from respect for duty, not from surges of emotion. But if we present them as examples to follow, respect for duty must always serve as the incentive, since it is the only genuine moral feeling. This serious, holy precept does not leave our vain self-love free to play with pathological impulses insofar as they resemble morality, or to congratulate ourselves on meritorious worth. If we search carefully, we will find a law of duty for every praiseworthy action. It commands, rather than leaving to our choice what might please our inclination. This is the only way of presenting matters that morally forms the soul, because it alone is capable of firm, precisely determined principles.

If fanaticism in its most general meaning is an overstepping, undertaken according to A 153 principles, of the limits of human reason, then moral fanaticism is an overstepping of the limits pure practical reason sets for humanity. By setting them V:86, reason forbids us to place the subjective determining ground of actions conforming to duty—their moral incentive—anywhere except in the law itself. It also forbids us to place the disposition thereby introduced into maxims anywhere except in respect for this law. It therefore commands us to make the thought of duty, which strikes down all arrogance and vain self-love, the supreme principle of life for all morality in human beings.

If that is so, not only novelists and sentimental educators, however fiercely they attack sentimentality, but sometimes even philosophers, including the strictest of all, the Stoics, have introduced moral fanaticism in place of sober but wise moral discipline. The Stoics' fanaticism was more heroic, while that of the others was flat and sentimental. Without hypocrisy, we can truthfully say of the Gospel's moral teaching that it was the first to subject all good human conduct to the discipline of a duty set before people's eyes. It did so through both the purity of its moral principle and that principle's fitness for the A 154 limitations of finite beings. It does not let them wander among dreamed-of moral perfections. And it set limits of humility—that is, self-knowledge—to both self-conceit and self-love, which are equally eager to ignore their limits.

Duty! What a great, lofty name. You contain nothing pleasing that flatters us, but demand submission. Yet you threaten nothing that would stir natural aversion in the mind and frighten it, in order to move the will. You simply set up a law that finds its way into the mind on its own, yet wins reverence even against our will, though not always obedience. Before it, all inclinations fall silent, even when secretly working against it. What origin is worthy of you? Where can we find the root of your noble ancestry, which proudly rejects all kinship with inclinations? To descend from that root is the indispensable condition of the worth that people can gain only through themselves.

It can be nothing less than what raises human beings above themselves as parts of the world of sense. It binds them to an order of things that only understanding can think, and that at the same time has under it the A 155 whole world of sense, including humans' empirically determinable existence V:87 in time and the totality of all ends, which alone is appropriate to unconditional practical laws such as the moral law. It is nothing other than personality: freedom and independence from the mechanism of all nature, yet considered at the same time as the capacity of a being subject to special pure practical laws given by its own reason. The person, as belonging to the world of sense, is thus subject to their own personality insofar as they also belong to the intelligible world. No wonder, then, that human beings, belonging to both worlds, must regard their own being in relation to their second and highest vocation with reverence, and its laws with the highest respect.

This origin grounds various expressions designating the value of objects according to moral ideas. The moral law is holy, inviolable. Human beings are unholy enough, but the humanity in their person must be holy to them. In all creation, anything one chooses and has some power over can also be used merely as a means. Only a human being, and with them every rational creature, is an end in itself. For through the autonomy of freedom, that being is A 156 the subject of the moral law, which is holy. Because of this autonomy, every will, even a person's own will directed toward themselves, is restricted to the condition of agreement with the rational being's autonomy. That being must not be subjected to any purpose that is impossible according to a law that could arise from the will of the affected subject itself. The subject must therefore never be used merely as a means, but always also as an end. We rightly attribute this condition even to the divine will in relation to rational beings in the world as God's creatures. For it rests on their personality, through which alone they are ends in themselves.

This respect-awakening idea of personality shows us the loftiness of our nature in its vocation. At the same time it reveals how far our conduct falls short of it, and thus strikes down self-conceit. The idea is natural and readily apparent even to the most ordinary human reason. Has not every even moderately honest person sometimes refrained from an otherwise harmless lie that could have either V:88 got them out of an annoying situation or even benefited a beloved, deserving friend, solely A 157 to avoid secretly despising themselves in their own eyes? In life's greatest misfortune, does not an upright person remain sustained by the consciousness that they have still preserved and honored the dignity of humanity in their person, and that they have no reason to feel ashamed before themselves or to fear the inward gaze of self-examination? They could have avoided that misfortune if only they could have disregarded duty. This consolation is not happiness, not even the smallest part of it. For no one would wish for the opportunity to have it, perhaps not even for a life in such circumstances. But this person lives and cannot bear to be unworthy of life in their own eyes. This inner reassurance is therefore merely negative in relation to everything that might make life agreeable. It wards off the danger of falling in personal worth after the value of their condition has already been completely given up. It is the effect of respect for something entirely different from life. Compared and contrasted with it, life with all its comforts has no value at all. This person lives on only from duty, not because they find the slightest enjoyment in life.

Such is the genuine incentive of pure practical reason A 158. It is nothing other than the pure moral law itself, insofar as it lets us feel the loftiness of our own supersensible existence. Subjectively, it produces respect for their higher vocation in human beings who are also conscious of their sensible existence and of their dependence on a nature to that extent strongly affected by feeling. Now so many attractions and comforts of life can be connected with this incentive that, even for their sake alone, the wisest choice of a rational Epicurean reflecting on life's greatest well-being would favor morally good conduct. It may also be advisable to connect this prospect of cheerful enjoyment of life with that supreme motive, which is already sufficient on its own to determine the will. But this must serve only to counterbalance the temptations that vice never fails to hold out on the other side. When duty is at issue, the actual motivating power must not be placed in those comforts, not even in the smallest part. For that would amount to contaminating the moral disposition V:89 at its source. The dignity of duty has nothing to do with the enjoyment of life. It has its own law and its own court. However much we might shake the two together to offer the mixture as medicine A 159 for the sick soul, they immediately separate on their own. If they do not, the first has no effect at all. Even if physical life gained some strength from the mixture, moral life would still fade away beyond saving.

9 Of every lawful action that was nevertheless not done for the law's sake, we can say that it is morally good merely in its letter, not in its spirit, or disposition.

10 If we carefully consider the concept of respect for persons as explained above, we will notice that it always rests on consciousness of a duty held before us by an example. So respect can never have anything but a moral ground. Wherever we use this expression, it is very helpful, even psychologically useful for understanding human beings, to attend to the hidden and remarkable, yet frequent, regard people have for the moral law in their judgments.

11 The principle of personal happiness, which some want to make the supreme principle of morality, forms a strange contrast to this law. It would read: "Love yourself above all, but God and your neighbor for your own sake."

Book I: Critical examination of the analytic of pure practical reason

Kritische Beleuchtung der Analytik der reinen praktischen Vernunft.

Ich verstehe unter der kritischen Beleuchtung einer Wissenschaft, oder eines Abschnitts derselben, der für sich ein System ausmacht, die Untersuchung und Rechtfertigung, warum sie gerade diese und keine andere systematische Form haben müsse, wenn man sie mit einem anderen System vergleicht, das ein ähnliches Erkenntnisvermögen zum Grunde hat. Nun hat praktische Vernunft mit der speculativen so fern einerlei Erkenntnißvermögen zum Grunde, als beide reine Vernunft sind. Also wird der Unterschied der systematischen Form der einen von der anderen durch Vergleichung beider bestimmt und Grund davon angegeben werden müssen.

Die Analytik der reinen theoretischen Vernunft hatte es mit dem Erkenntnisse der Gegenstände, die dem Verstande gegeben werden mögen, zu A 160 thun und mußte also von der Anschauung, mithin (weil diese jederzeit sinnlich ist) von der Sinnlichkeit anfangen, von da aber allererst zu Begriffen (der Gegenstände dieser Anschauung) fortschreiten und durfte nur nach beider Voranschickung mit Grundsätzen endigen. Dagegen, weil praktische Vernunft es nicht mit Gegenständen, sie zu erkennen, sondern mit ihrem eigenen Vermögen, jene (der Erkenntniß derselben gemäß) wirklich zu machen, d. i. es mit einem Willen zu thun hat, welcher eine Causalität ist, so fern Vernunft den Bestimmungsgrund derselben enthält, da sie folglich kein Object der Anschauung, sondern (weil der Begriff der Causalität jederzeit die Beziehung auf ein Gesetz enthält, welches die Existenz des Mannigfaltigen im Verhältnisse zu einander bestimmt) als praktische Vernunft nur ein Gesetz derselben anzugeben hat: so muß eine Kritik der Analytik derselben, so fern sie eine praktische Vernunft sein soll (welches die eigentliche Aufgabe ist), von der Möglichkeit praktischer V:90 Grundsätze a priori anfangen. Von da konnte sie allein zu Begriffen der Gegenstände einer praktischen Vernunft, nämlich denen des schlechthin Guten und Bösen, fortgehen, um sie jenen Grundsätzen gemäß allererst zu geben (denn diese sind vor jenen Principien als Gutes und Böses durch gar kein Erkenntnißvermögen zu geben möglich), und nur alsdann konnte allererst das letzte Hauptstück, nämlich das von dem A 161 Verhältnisse der reinen praktischen Vernunft zur Sinnlichkeit und ihrem nothwendigen, a priori zu erkennenden Einflusse auf dieselbe, d. i. vom moralischen Gefühle, den Theil beschließen. So theilte denn die Analytik der praktischen reinen Vernunft ganz analogisch mit der theoretischen den ganzen Umfang aller Bedingungen ihres Gebrauchs, aber in umgekehrter Ordnung. Die Analytik der theoretischen reinen Vernunft wurde in transscendentale Ästhetik und transscendentale Logik eingetheilt, die der praktischen umgekehrt in Logik und Ästhetik der reinen praktischen Vernunft (wenn es mir erlaubt ist, diese sonst gar nicht angemessene Benennungen blos der Analogie wegen hier zu gebrauchen), die Logik wiederum dort in die Analytik der Begriffe und die der Grundsätze, hier in die der Grundsätze und Begriffe. Die Ästhetik hatte dort noch zwei Theile wegen der doppelten Art einer sinnlichen Anschauung; hier wird die Sinnlichkeit gar nicht als Anschauungsfähigkeit, sondern blos als Gefühl (das ein subjectiver Grund des Begehrens sein kann) betrachtet, und in Ansehung dessen verstattet die reine praktische Vernunft keine weitere Eintheilung.

Auch daß diese Eintheilung in zwei Theile mit deren Unterabtheilung nicht wirklich (so wie man wohl im Anfange durch das Beispiel der ersteren verleitet werden konnte, zu versuchen) hier vorgenommen wurde, davon läßt sich auch der Grund gar wohl einsehen. Denn weil es reine Vernunft A 162 ist, die hier in ihrem praktischen Gebrauche, mithin von Grundsätzen a priori und nicht von empirischen Bestimmungsgründen ausgehend betrachtet wird: so wird die Eintheilung der Analytik der reinen praktischen Vernunft der eines Vernunftschlusses ähnlich ausfallen müssen, nämlich vom Allgemeinen im Obersatze (dem moralischen Princip) durch eine im Untersatze vorgenommene Subsumtion möglicher Handlungen (als guter oder böser) unter jenen zu dem Schlußsatze, nämlich der subjectiven Willensbestimmung (einem Interesse an dem praktisch möglichen Guten und der darauf gegründeten Maxime), fortgehend. Demjenigen, der sich von den in der Analytik vorkommenden Sätzen hat V:91 überzeugen können, werden solche Vergleichungen Vergnügen machen; denn sie veranlassen mit Recht die Erwartung, es vielleicht dereinst bis zur Einsicht der Einheit des ganzen reinen Vernunftvermögens (des theoretischen sowohl als praktischen) bringen und alles aus einem Princip ableiten zu können; welches das unvermeidliche Bedürfniß der menschlichen Vernunft ist, die nur in einer vollständig systematischen Einheit ihrer Erkenntnisse völlige Zufriedenheit findet.

Betrachten wir nun aber auch den Inhalt der Erkenntniß, die wir von einer reinen praktischen Vernunft und durch dieselbe haben können, so wie ihn die Analytik derselben darlegt, so finden sich bei einer merkwürdigen Analogie zwischen ihr und der theoretischen nicht weniger merkwürdige Unterschiede. In Ansehung der theoretischen konnte das Vermögen A 163 eines reinen Vernunfterkenntnisses a priori durch Beispiele aus Wissenschaften (bei denen man, da sie ihre Principien auf so mancherlei Art durch methodischen Gebrauch auf die Probe stellen, nicht so leicht wie im gemeinen Erkenntnisse geheime Beimischung empirischer Erkenntnißgründe zu besorgen hat) ganz leicht und evident bewiesen werden. Aber daß reine Vernunft ohne Beimischung irgend eines empirischen Bestimmungsgrundes für sich allein auch praktisch sei: das mußte man aus dem gemeinsten praktischen Vernunftgebrauche darthun können, indem man den obersten praktischen Grundsatz als einen solchen, den jede natürliche Menschenvernunft als völlig a priori, von keinen sinnlichen Datis abhängend, für das oberste Gesetz seines Willens erkennt, beglaubigte. Man mußte ihn zuerst der Reinigkeit seines Ursprungs nach selbst im Urtheile dieser gemeinen Vernunft bewähren und rechtfertigen, ehe ihn noch die Wissenschaft in die Hände nehmen konnte, um Gebrauch von ihm zu machen, gleichsam als ein Factum, das vor allem Vernünfteln über seine Möglichkeit und allen Folgerungen, die daraus zu ziehen sein möchten, vorhergeht. Aber dieser Umstand läßt sich auch aus dem kurz vorher Angeführten gar wohl erklären: weil praktische reine Vernunft nothwendig von Grundsätzen anfangen muß, die also aller Wissenschaft als erste Data zum Grunde gelegt werden müssen und nicht allererst A 164 aus ihr entspringen können. Diese Rechtfertigung der moralischen Principien als Grundsätze einer reinen Vernunft konnte aber auch darum gar wohl und mit gnugsamer Sicherheit durch bloße Berufung auf das Urtheil des gemeinen Menschenverstandes geführt werden, weil sich alles Empirische, was sich als Bestimmungsgrund des Willens in unsere V:92 Maximen einschleichen möchte, durch das Gefühl des Vergnügens oder Schmerzens, das ihm so fern, als es Begierde erregt, nothwendig anhängt, sofort kenntlich macht, diesem aber jene reine praktische Vernunft geradezu widersteht, es in ihr Princip als Bedingung aufzunehmen. Die Ungleichartigkeit der Bestimmungsgründe (der empirischen und rationalen) wird durch diese Widerstrebung einer praktisch gesetzgebenden Vernunft wider alle sich einmengende Neigung, durch eine eigenthümliche Art von Empfindung, welche aber nicht vor der Gesetzgebung der praktischen Vernunft vorhergeht, sondern vielmehr durch dieselbe allein und zwar als ein Zwang gewirkt wird, nämlich durch das Gefühl einer Achtung, dergleichen kein Mensch für Neigungen hat, sie mögen sein, welcher Art sie wollen, wohl aber fürs Gesetz, so kenntlich gemacht und so gehoben und hervorstechend, daß keiner, auch der gemeinste Menschenverstand in einem vorgelegten Beispiele nicht den Augenblick inne werden sollte, daß durch empirische Gründe des Wollens ihm zwar ihren Anreizen zu folgen gerathen, A 165 niemals aber einem anderen als lediglich dem reinen praktischen Vernunftgesetze zu gehorchen zugemuthet werden könne.

Die Unterscheidung der Glückseligkeitslehre von der Sittenlehre, in deren ersteren empirische Principien das ganze Fundament, von der zweiten aber auch nicht den mindesten Beisatz derselben ausmachen, ist nun in der Analytik der reinen praktischen Vernunft die erste und wichtigste ihr obliegende Beschäftigung, in der sie so pünktlich, ja, wenn es auch hieße, peinlich verfahren muß, als je der Geometer in seinem Geschäfte. Es kommt aber dem Philosophen, der hier (wie jederzeit im Vernunfterkenntnisse durch bloße Begriffe, ohne Construction derselben) mit größerer Schwierigkeit zu kämpfen hat, weil er keine Anschauung (reinem Noumen) zum Grunde legen kann, doch auch zu statten: daß er beinahe wie der Chemist zu aller Zeit ein Experiment mit jedes Menschen praktischer Vernunft anstellen kann, um den moralischen (reinen) Bestimmungsgrund vom empirischen zu unterscheiden; wenn er nämlich zu dem empirisch afficirten Willen (z. B. desjenigen, der gerne lügen möchte, weil er sich dadurch was erwerben kann) das moralische Gesetz (als Bestimmungsgrund) zusetzt. Es ist, als ob der Scheidekünstler der Solution der Kalkerde in Salzgeist Alkali zusetzt; der Salzgeist verläßt sofort den Kalk, vereinigt sich mit dem Alkali, und jener wird zu Boden gestürzt. Eben so A 166 haltet dem, der sonst ein ehrlicher Mann ist (oder sich doch diesmal nur in Gedanken in die Stelle eines ehrlichen Mannes versetzt), das moralische V:93 Gesetz vor, an dem er die Nichtswürdigkeit eines Lügners erkennt, sofort verläßt seine praktische Vernunft (im Urtheil über das, was von ihm geschehen sollte) den Vortheil, vereinigt sich mit dem, was ihm die Achtung für seine eigene Person erhält (der Wahrhaftigkeit), und der Vortheil wird nun von jedermann, nachdem er von allem Anhängsel der Vernunft (welche nur gänzlich auf der Seite der Pflicht ist) abgesondert und gewaschen worden, gewogen, um mit der Vernunft noch wohl in anderen Fällen in Verbindung zu treten, nur nicht wo er dem moralischen Gesetze, welches die Vernunft niemals verläßt, sondern sich innigst damit vereinigt, zuwider sein könnte.

Aber diese Unterscheidung des Glückseligkeitsprincips von dem der Sittlichkeit ist darum nicht sofort Entgegensetzung beider, und die reine praktische Vernunft will nicht, man solle die Ansprüche auf Glückseligkeit aufgeben, sondern nur, so bald von Pflicht die Rede ist, darauf gar nicht Rücksicht nehmen. Es kann sogar in gewissem Betracht Pflicht sein, für seine Glückseligkeit zu sorgen: theils weil sie (wozu Geschicklichkeit, Gesundheit, Reichthum gehört) Mittel zu Erfüllung seiner Pflicht enthält, theils weil der Mangel derselben (z. B. Armuth) Versuchungen A 167 enthält, seine Pflicht zu übertreten. Nur, seine Glückseligkeit zu befördern, kann unmittelbar niemals Pflicht, noch weniger ein Princip aller Pflicht sein. Da nun alle Bestimmungsgründe des Willens außer dem einigen reinen praktischen Vernunftgesetze (dem moralischen) insgesammt empirisch sind, als solche also zum Glückseligkeitsprincip gehören, so müssen sie insgesammt vom obersten sittlichen Grundsatze abgesondert und ihm nie als Bedingung einverleibt werden, weil dieses eben so sehr allen sittlichen Werth, als empirische Beimischung zu geometrischen Grundsätzen alle mathematische Evidenz, das Vortrefflichste, was (nach Platos Urtheile) die Mathematik an sich hat, und das selbst allem Nutzen derselben vorgeht, aufheben würde.

Statt der Deduction des obersten Princips der reinen praktischen Vernunft, d. i. der Erklärung der Möglichkeit einer dergleichen Erkenntniß a priori, konnte aber nichts weiter angeführt werden, als daß, wenn man die Möglichkeit der Freiheit einer wirkenden Ursache einsähe, man auch nicht etwa blos die Möglichkeit, sondern gar die Nothwendigkeit des moralischen Gesetzes als obersten praktischen Gesetzes vernünftiger Wesen, denen man Freiheit der Causalität ihres Willens beilegt, einsehen würde: weil beide Begriffe so unzertrennlich verbunden sind, daß man praktische V:94 Freiheit auch durch Unabhängigkeit des Willens von jedem anderen außer A 168 allein dem moralischen Gesetze definiren könnte. Allein die Freiheit einer wirkenden Ursache, vornehmlich in der Sinnenwelt, kann ihrer Möglichkeit nach keinesweges eingesehen werden; glücklich! wenn wir nur, daß kein Beweis ihrer Unmöglichkeit stattfindet, hinreichend versichert werden können und nun, durchs moralische Gesetz, welches dieselbe postulirt, genöthigt, eben dadurch auch berechtigt werden, sie anzunehmen. Weil es indessen noch viele giebt, welche diese Freiheit noch immer glauben nach empirischen Principien wie jedes andere Naturvermögen erklären zu können und sie als psychologische Eigenschaft, deren Erklärung lediglich auf eine genauere Untersuchung der Natur der Seele und der Triebfeder des Willens ankäme, nicht als transscendentales Prädicat der Causalität eines Wesens, das zur Sinnenwelt gehört, (wie es doch hierauf wirklich allein ankommt) betrachten und so die herrliche Eröffnung, die uns durch reine praktische Vernunft vermittelst des moralischen Gesetzes widerfährt, nämlich die Eröffnung einer intelligibelen Welt durch Realisirung des sonst transscendenten Begriffs der Freiheit, und hiemit das moralische Gesetz selbst, welches durchaus keinen empirischen Bestimmungsgrund annimmt, aufheben: so wird es nöthig sein, hier noch etwas zur Verwahrung wider dieses Blendwerk und der Darstellung des Empirismus in der ganzen Blöße seiner Seichtigkeit anzuführen.

Der Begriff der Causalität als Naturnothwendigkeit zum Unterschiede A 169 derselben als Freiheit betrifft nur die Existenz der Dinge, so fern sie in der Zeit bestimmbar ist, folglich als Erscheinungen im Gegensatze ihrer Causalität als Dinge an sich selbst. Nimmt man nun die Bestimmungen der Existenz der Dinge in der Zeit für Bestimmungen der Dinge an sich selbst (welches die gewöhnlichste Vorstellungsart ist), so läßt sich die Nothwendigkeit im Causalverhältnisse mit der Freiheit auf keinerlei Weise vereinigen; sondern sie sind einander contradictorisch entgegengesetzt. Denn aus der ersteren folgt: daß eine jede Begebenheit, folglich auch jede Handlung, die in einem Zeitpunkte vorgeht, unter der Bedingung dessen, was in der vorhergehenden Zeit war, nothwendig sei. Da nun die vergangene Zeit nicht mehr in meiner Gewalt ist, so muß jede Handlung, die ich ausübe, durch bestimmende Gründe, die nicht in meiner Gewalt sind, nothwendig sein, d. i. ich bin in dem Zeitpunkte, darin ich handle, niemals frei. Ja, wenn ich gleich mein ganzes Dasein als unabhängig von irgend einer fremden Ursache (etwa von Gott) annähme, V:95 so daß die Bestimmungsgründe meiner Causalität, sogar meiner ganzen Existenz, gar nicht außer mir wären: so würde dieses jene Naturnothwendigkeit doch nicht im mindesten in Freiheit verwandeln. Denn in jedem Zeitpunkte stehe ich doch immer unter der Nothwendigkeit, durch das zum Handeln bestimmt zu sein, was nicht in meiner Gewalt ist, A 170 und die a parte priori unendliche Reihe der Begebenheiten, die ich immer nur nach einer schon vorherbestimmten Ordnung fortsetzen, nirgend von selbst anfangen würde, wäre eine stetige Naturkette, meine Causalität also niemals Freiheit.

Will man also einem Wesen, dessen Dasein in der Zeit bestimmt ist, Freiheit beilegen, so kann man es so fern wenigstens vom Gesetze der Naturnothwendigkeit aller Begebenheiten in seiner Existenz, mithin auch seiner Handlungen nicht ausnehmen; denn das wäre so viel, als es dem blinden Ungefähr übergeben. Da dieses Gesetz aber unvermeidlich alle Causalität der Dinge, so fern ihr Dasein in der Zeit bestimmbar ist, betrifft, so würde, wenn dieses die Art wäre, wornach man sich auch das Dasein dieser Dinge an sich selbst vorzustellen hätte, die Freiheit als ein nichtiger und unmöglicher Begriff verworfen werden müssen. Folglich wenn man sie noch retten will, so bleibt kein Weg übrig, als das Dasein eines Dinges, so fern es in der Zeit bestimmbar ist, folglich auch die Causalität nach dem Gesetze der Naturnothwendigkeit blos der Erscheinung, die Freiheit aber eben demselben Wesen als Dinge an sich selbst beizulegen. So ist es allerdings unvermeidlich, wenn man beide einander widerwärtige Begriffe zugleich erhalten will; allein in der Anwendung, wenn man sie als in einer und derselben Handlung vereinigt A 171 und also diese Vereinigung selbst erklären will, thun sich doch große Schwierigkeiten hervor, die eine solche Vereinigung unthunlich zu machen scheinen.

Wenn ich von einem Menschen, der einen Diebstahl verübt, sage, diese That sei nach dem Naturgesetze der Causalität aus den Bestimmungsgründen der vorhergehenden Zeit ein nothwendiger Erfolg, so war es unmöglich, daß sie hat unterbleiben können: wie kann denn die Beurtheilung nach dem moralischen Gesetze hierin eine Änderung machen und voraussetzen, daß sie doch habe unterlassen werden können, weil das Gesetz sagt, sie hätte unterlassen werden sollen, d. i. wie kann derjenige in demselben Zeitpunkte in Absicht auf dieselbe Handlung ganz frei heißen, in welchem, und in derselben Absicht, er doch unter einer unvermeidlichen V:96 Naturnothwendigkeit steht? Eine Ausflucht darin suchen, daß man blos die Art der Bestimmungsgründe seiner Causalität nach dem Naturgesetze einem comparativen Begriffe von Freiheit anpaßt (nach welchem das bisweilen freie Wirkung heißt, davon der bestimmende Naturgrund innerlich im wirkenden Wesen liegt, z. B. das was ein geworfener Körper verrichtet, wenn er in freier Bewegung ist, da man das Wort Freiheit braucht, weil er, während daß er im Fluge ist, nicht von außen wodurch getrieben wird, oder wie wir die Bewegung einer Uhr auch eine freie Bewegung nennen, weil sie ihren Zeiger selbst treibt, der also nicht äußerlich geschoben A 172 werden darf, eben so die Handlungen des Menschen, ob sie gleich durch ihre Bestimmungsgründe, die in der Zeit vorhergehen, nothwendig sind, dennoch frei nennen, weil es doch innere, durch unsere eigene Kräfte hervorgebrachte Vorstellungen, dadurch nach veranlassenden Umständen erzeugte Begierden und mithin nach unserem eigenen Belieben bewirkte Handlungen sind), ist ein elender Behelf, womit sich noch immer einige hinhalten lassen und so jenes schwere Problem mit einer kleinen Wortklauberei aufgelöset zu haben meinen, an dessen Auflösung Jahrtausende vergeblich gearbeitet haben, die daher wohl schwerlich so ganz auf der Oberfläche gefunden werden dürfte. Es kommt nämlich bei der Frage nach derjenigen Freiheit, die allen moralischen Gesetzen und der ihnen gemäßen Zurechnung zum Grunde gelegt werden muß, darauf gar nicht an, ob die nach einem Naturgesetze bestimmte Causalität durch Bestimmungsgründe, die im Subjecte, oder außer ihm liegen, und im ersteren Fall, ob sie durch Instinct oder mit Vernunft gedachte Bestimmungsgründe nothwendig sei; wenn diese bestimmende Vorstellungen nach dem Geständnisse eben dieser Männer selbst den Grund ihrer Existenz doch in der Zeit und zwar dem vorigen Zustande haben, dieser aber wieder in einem vorhergehenden &c., so mögen sie, diese Bestimmungen, immer innerlich sein, sie mögen psychologische und nicht mechanische Causalität A 173 haben, d. i. durch Vorstellungen und nicht durch körperliche Bewegung Handlung hervorbringen, so sind es immer Bestimmungsgründe der Causalität eines Wesens, so fern sein Dasein in der Zeit bestimmbar ist, mithin unter nothwendig machenden Bedingungen der vergangenen Zeit, die also, wenn das Subject handeln soll, nicht mehr in seiner Gewalt sind, die also zwar psychologische Freiheit (wenn man ja dieses Wort von einer blos inneren Verkettung der Vorstellungen der Seele brauchen will), aber doch Naturnothwendigkeit bei sich führen, mithin keine transscendentale V:97 Freiheit übrig lassen, welche als Unabhängigkeit von allem Empirischen und also von der Natur überhaupt gedacht werden muß, sie mag nun als Gegenstand des inneren Sinnes blos in der Zeit, oder auch äußeren Sinne im Raume und der Zeit zugleich betrachtet werden, ohne welche Freiheit (in der letzteren eigentlichen Bedeutung), die allein a priori praktisch ist, kein moralisch Gesetz, keine Zurechnung nach demselben möglich ist. Eben um deswillen kann man auch alle Nothwendigkeit der Begebenheiten in der Zeit nach dem Naturgesetze der Causalität den Mechanismus der Natur nennen, ob man gleich darunter nicht versteht, daß Dinge, die ihm unterworfen sind, wirkliche materielle Maschinen sein müßten. Hier wird nur auf die Nothwendigkeit der Verknüpfung der Begebenheiten in einer Zeitreihe, so wie sie sich nach dem Naturgesetze entwickelt, gesehen, man mag nun das Subject, in welchem dieser A 174 Ablauf geschieht, Automaton materiale, da das Maschinenwesen durch Materie, oder mit Leibnizen spirituale, da es durch Vorstellungen betrieben wird, nennen, und wenn die Freiheit unseres Willens keine andere als die letztere (etwa die psychologische und comparative, nicht transscendentale, d. i. absolute, zugleich) wäre, so würde sie im Grunde nichts besser, als die Freiheit eines Bratenwenders sein, der auch, wenn er einmal aufgezogen worden, von selbst seine Bewegungen verrichtet.

Um nun den scheinbaren Widerspruch zwischen Naturmechanismus und Freiheit in ein und derselben Handlung an dem vorgelegten Falle aufzuheben, muß man sich an das erinnern, was in der Kritik der reinen Vernunft gesagt war oder daraus folgt: daß die Naturnothwendigkeit, welche mit der Freiheit des Subjects nicht zusammen bestehen kann, blos den Bestimmungen desjenigen Dinges anhängt, das unter Zeitbedingungen steht, folglich nur denen des handelnden Subjects als Erscheinung, daß also so fern die Bestimmungsgründe einer jeden Handlung desselben in demjenigen liegen, was zur vergangenen Zeit gehört und nicht mehr in seiner Gewalt ist (wozu auch seine schon begangene Thaten und der ihm dadurch bestimmbare Charakter in seinen eigenen Augen, als Phänomens, gezählt werden müssen). Aber ebendasselbe Subject, A 175 das sich anderseits auch seiner als Dinges an sich selbst bewußt ist, betrachtet auch sein Dasein, so fern es nicht unter Zeitbedingungen steht, sich selbst aber nur als bestimmbar durch Gesetze, die es sich durch Vernunft selbst giebt, und in diesem seinem Dasein ist ihm nichts vorhergehend vor seiner Willensbestimmung, sondern jede Handlung und überhaupt V:98 jede dem innern Sinne gemäß wechselnde Bestimmung seines Daseins, selbst die ganze Reihenfolge seiner Existenz als Sinnenwesen ist im Bewußtsein seiner intelligibelen Existenz nichts als Folge, niemals aber als Bestimmungsgrund seiner Causalität, als Noumens, anzusehen. In diesem Betracht nun kann das vernünftige Wesen von einer jeden gesetzwidrigen Handlung, die es verübt, ob sie gleich als Erscheinung in dem Vergangenen hinreichend bestimmt und so fern unausbleiblich nothwendig ist, mit Recht sagen, daß er sie hätte unterlassen können; denn sie mit allem Vergangenen, das sie bestimmt, gehört zu einem einzigen Phänomen seines Charakters, den er sich selbst verschafft, und nach welchem er sich als einer von aller Sinnlichkeit unabhängigen Ursache die Causalität jener Erscheinungen selbst zurechnet.

Hiemit stimmen auch die Richteraussprüche desjenigen wundersamen Vermögens in uns, welches wir Gewissen nennen, vollkommen überein. Ein Mensch mag künsteln, so viel als er will, um ein gesetzwidriges Betragen, A 176 dessen er sich erinnert, sich als unvorsetzliches Versehen, als bloße Unbehutsamkeit, die man niemals gänzlich vermeiden kann, folglich als etwas, worin er vom Strom der Naturnothwendigkeit fortgerissen wäre, vorzumalen und sich darüber für schuldfrei zu erklären, so findet er doch, daß der Advocat, der zu seinem Vortheil spricht, den Ankläger in ihm keinesweges zum Verstummen bringen könne, wenn er sich bewußt ist, daß er zu der Zeit, als er das Unrecht verübte, nur bei Sinnen, d. i. im Gebrauche seiner Freiheit, war, und gleichwohl erklärt er sich sein Vergehen aus gewisser übeln, durch allmählige Vernachlässigung der Achtsamkeit auf sich selbst zugezogener Gewohnheit bis auf den Grad, daß er es als eine natürliche Folge derselben ansehen kann, ohne daß dieses ihn gleichwohl wider den Selbsttadel und den Verweis sichern kann, den er sich selbst macht. Darauf gründet sich denn auch die Reue über eine längst begangene That bei jeder Erinnerung derselben; eine schmerzhafte, durch moralische Gesinnung gewirkte Empfindung, die so fern praktisch leer ist, als sie nicht dazu dienen kann, das Geschehene ungeschehen zu machen, und sogar ungereimt sein würde (wie Priestley als ein ächter, consequent verfahrender Fatalist sie auch dafür erklärt, und in Ansehung welcher Offenherzigkeit er mehr Beifall verdient als diejenige, welche, indem sie den Mechanism des Willens in der That, die Freiheit desselben aber mit A 177 Worten behaupten, noch immer dafür gehalten sein wollen, daß sie jene, ohne doch die Möglichkeit einer solchen Zurechnung begreiflich zu machen, V:99 in ihrem synkretistischen System mit einschließen), aber als Schmerz doch ganz rechtmäßig ist, weil die Vernunft, wenn es auf das Gesetz unserer intelligibelen Existenz (das moralische) ankommt, keinen Zeitunterschied anerkennt und nur frägt, ob die Begebenheit mir als That angehöre, alsdann aber immer dieselbe Empfindung damit moralisch verknüpft, sie mag jetzt geschehen oder vorlängst geschehen sein. Denn das Sinnenleben hat in Ansehung des intelligibelen Bewußtseins seines Daseins (der Freiheit) absolute Einheit eines Phänomens, welches, so fern es blos Erscheinungen von der Gesinnung, die das moralische Gesetz angeht, (von dem Charakter) enthält, nicht nach der Naturnothwendigkeit, die ihm als Erscheinung zukommt, sondern nach der absoluten Spontaneität der Freiheit beurtheilt werden muß. Man kann also einräumen, daß, wenn es für uns möglich wäre, in eines Menschen Denkungsart, so wie sie sich durch innere sowohl als äußere Handlungen zeigt, so tiefe Einsicht zu haben, daß jede, auch die mindeste Triebfeder dazu uns bekannt würde, imgleichen alle auf diese wirkende äußere Veranlassungen, man eines Menschen Verhalten auf die Zukunft mit Gewißheit, so wie eine Mond- oder Sonnenfinsterniß ausrechnen könnte und dennoch dabei behaupten, daß der Mensch A 178 frei sei. Wenn wir nämlich noch eines andern Blicks (der uns aber freilich gar nicht verliehen ist, sondern an dessen Statt wir nur den Vernunftbegriff haben), nämlich einer intellectuellen Anschauung desselben Subjects, fähig wären, so würden wir doch inne werden, daß diese ganze Kette von Erscheinungen in Ansehung dessen, was nur immer das moralische Gesetz angehen kann, von der Spontaneität des Subjects als Dinges an sich selbst abhängt, von deren Bestimmung sich gar keine physische Erklärung geben läßt. In Ermangelung dieser Anschauung versichert uns das moralische Gesetz diesen Unterschied der Beziehung unserer Handlungen als Erscheinungen auf das Sinnenwesen unseres Subjects von derjenigen, dadurch dieses Sinnenwesen selbst auf das intelligibele Substrat in uns bezogen wird. — In dieser Rücksicht, die unserer Vernunft natürlich, obgleich unerklärlich ist, lassen sich auch Beurtheilungen rechtfertigen, die, mit aller Gewissenhaftigkeit gefällt, dennoch dem ersten Anscheine nach aller Billigkeit ganz zu widerstreiten scheinen. Es giebt Fälle, wo Menschen von Kindheit auf, selbst unter einer Erziehung, die mit der ihrigen zugleich andern ersprießlich war, dennoch so frühe Bosheit zeigen und so bis in ihre Mannesjahre zu steigen fortfahren, daß man sie für geborne Bösewichter und gänzlich, was die Denkungsart betrifft, für unbesserlich V:100 hält, gleichwohl aber sie wegen ihres Thuns und Lassens eben so richtet, A 179 ihnen ihre Verbrechen eben so als Schuld verweiset, ja sie (die Kinder) selbst diese Verweise so ganz gegründet finden, als ob sie ungeachtet der ihnen beigemessenen hoffnungslosen Naturbeschaffenheit ihres Gemüths eben so verantwortlich blieben, als jeder andere Mensch. Dieses würde nicht geschehen können, wenn wir nicht voraussetzten, daß alles, was aus seiner Willkür entspringt (wie ohne Zweifel jede vorsetzlich verübte Handlung), eine freie Causalität zum Grunde habe, welche von der frühen Jugend an ihren Charakter in ihren Erscheinungen (den Handlungen) ausdrückt, die wegen der Gleichförmigkeit des Verhaltens einen Naturzusammenhang kenntlich machen, der aber nicht die arge Beschaffenheit des Willens nothwendig macht, sondern vielmehr die Folge der freiwillig angenommenen bösen und unwandelbaren Grundsätze ist, welche ihn nur noch um desto verwerflicher und strafwürdiger machen.

Aber noch steht eine Schwierigkeit der Freiheit bevor, so fern sie mit dem Naturmechanism in einem Wesen, das zur Sinnenwelt gehört, vereinigt werden soll; eine Schwierigkeit, die, selbst nachdem alles bisherige eingewilligt worden, der Freiheit dennoch mit ihrem gänzlichen Untergange droht. Aber bei dieser Gefahr giebt ein Umstand doch zugleich Hoffnung zu einem für die Behauptung der Freiheit noch glücklichen Ausgange, nämlich daß dieselbe Schwierigkeit viel stärker (in der A 180 That, wie wir bald sehen werden, allein) das System drückt, in welchem die in Zeit und Raum bestimmbare Existenz für die Existenz der Dinge an sich selbst gehalten wird, sie uns also nicht nöthigt, unsere vornehmste Voraussetzung von der Idealität der Zeit als bloßer Form sinnlicher Anschauung, folglich als bloßer Vorstellungsart, die dem Subjecte als zur Sinnenwelt gehörig eigen ist, abzugehen, und also nur erfordert sie mit dieser Idee zu vereinigen.

Wenn man uns nämlich auch einräumt, daß das intelligibele Subject in Ansehung einer gegebenen Handlung noch frei sein kann, obgleich es als Subject, das auch zur Sinnenwelt gehörig, in Ansehung derselben mechanisch bedingt ist, so scheint es doch, man müsse, so bald man annimmt, Gott als allgemeines Urwesen sei die Ursache auch der Existenz der Substanz (ein Satz, der niemals aufgegeben werden darf, ohne den Begriff von Gott als Wesen aller Wesen und hiemit seine Allgenugsamkeit, auf die alles in der Theologie ankommt, zugleich mit aufzugeben), auch einräumen, die Handlungen des Menschen haben in V:101 demjenigen ihren bestimmenden Grund, was gänzlich außer ihrer Gewalt ist, nämlich in der Causalität eines von ihm unterschiedenen höchsten Wesens, von welchem das Dasein des erstern und die ganze Bestimmung seiner Causalität ganz und gar abhängt. In der That: wären A 181 die Handlungen des Menschen, so wie sie zu seinen Bestimmungen in der Zeit gehören, nicht bloße Bestimmungen desselben als Erscheinung, sondern als Dinges an sich selbst, so würde die Freiheit nicht zu retten sein. Der Mensch wäre Marionette, oder ein Vaucansonsches Automat, gezimmert und aufgezogen von dem obersten Meister aller Kunstwerke, und das Selbstbewußtsein würde es zwar zu einem denkenden Automate machen, in welchem aber das Bewußtsein seiner Spontaneität, wenn sie für Freiheit gehalten wird, bloße Täuschung wäre, indem sie nur comparativ so genannt zu werden verdient, weil die nächsten bestimmenden Ursachen seiner Bewegung und eine lange Reihe derselben zu ihren bestimmenden Ursachen hinauf zwar innerlich sind, die letzte und höchste aber doch gänzlich in einer fremden Hand angetroffen wird. Daher sehe ich nicht ab, wie diejenige, welche noch immer dabei beharren, Zeit und Raum für zum Dasein der Dinge an sich selbst gehörige Bestimmungen anzusehen, hier die Fatalität der Handlungen vermeiden wollen, oder, wenn sie so geradezu (wie der sonst scharfsinnige Mendelssohn that) beide nur als zur Existenz endlicher und abgeleiteter Wesen, aber nicht zu der des unendlichen Urwesens nothwendig gehörige Bedingungen einräumen, sich rechtfertigen wollen, woher sie diese Befugniß nehmen, einen solchen Unterschied zu machen, sogar wie sie auch nur dem Widerspruche A 182 ausweichen wollen, den sie begehen, wenn sie das Dasein in der Zeit als den endlichen Dingen an sich nothwendig anhängende Bestimmung ansehen, da Gott die Ursache dieses Daseins ist, er aber doch nicht die Ursache der Zeit (oder des Raums) selbst sein kann (weil diese als nothwendige Bedingung a priori dem Dasein der Dinge vorausgesetzt sein muß), seine Causalität folglich in Ansehung der Existenz dieser Dinge selbst der Zeit nach bedingt sein muß, wobei nun alle die Widersprüche gegen die Begriffe seiner Unendlichkeit und Unabhängigkeit unvermeidlich eintreten müssen. Hingegen ist es uns ganz leicht, die Bestimmung der göttlichen Existenz als unabhängig von allen Zeitbedingungen zum Unterschiede von der eines Wesens der Sinnenwelt als die Existenz eines Wesens an sich selbst von der eines Dinges in der Erscheinung zu unterscheiden. Daher, wenn man jene Idealität der Zeit und des Raums V:102 nicht annimmt, nur allein der Spinozism übrig bleibt, in welchem Raum und Zeit wesentliche Bestimmungen des Urwesens selbst sind, die von ihm abhängige Dinge aber (also auch wir selbst) nicht Substanzen, sondern blos ihm inhärirende Accidenzen sind: weil, wenn diese Dinge blos als seine Wirkungen in der Zeit existiren, welche die Bedingung ihrer Existenz an sich wäre, auch die Handlungen dieser Wesen blos seine Handlungen sein müßten, die er irgendwo und irgendwann ausübte. Daher schließt der Spinozism unerachtet der Ungereimtheit seiner Grundidee A 183 doch weit bündiger, als es nach der Schöpfungstheorie geschehen kann, wenn die für Substanzen angenommene und an sich in der Zeit existirende Wesen als Wirkungen einer obersten Ursache und doch nicht zugleich zu ihm und seiner Handlung gehörig, sondern für sich als Substanzen angesehen werden.

Die Auflösung obgedachter Schwierigkeit geschieht kurz und einleuchtend auf folgende Art: Wenn die Existenz in der Zeit eine bloße sinnliche Vorstellungsart der denkenden Wesen in der Welt ist, folglich sie als Dinge an sich selbst nicht angeht: so ist die Schöpfung dieser Wesen eine Schöpfung der Dinge an sich selbst, weil der Begriff einer Schöpfung nicht zu der sinnlichen Vorstellungsart der Existenz und zur Causalität gehört, sondern nur auf Noumenen bezogen werden kann. Folglich, wenn ich von Wesen in der Sinnenwelt sage: sie sind erschaffen, so betrachte ich sie so fern als Noumenen. So wie es also ein Widerspruch wäre, zu sagen, Gott sei ein Schöpfer von Erscheinungen, so ist es auch ein Widerspruch, zu sagen, er sei als Schöpfer Ursache der Handlungen in der Sinnenwelt, mithin als Erscheinungen, wenn er gleich Ursache des Daseins der handelnden Wesen (als Noumenen) ist. Ist es nun möglich (wenn wir nur das Dasein in der Zeit für etwas, was blos von Erscheinungen, nicht von Dingen an sich selbst gilt, annehmen), die Freiheit unbeschadet dem Naturmechanism A 184 der Handlungen als Erscheinungen zu behaupten, so kann, daß die handelnden Wesen Geschöpfe sind, nicht die mindeste Änderung hierin machen, weil die Schöpfung ihre intelligibele, aber nicht sensibele Existenz betrifft und also nicht als Bestimmungsgrund der Erscheinungen angesehen werden kann; welches aber ganz anders ausfallen würde, wenn die Weltwesen als Dinge an sich selbst in der Zeit existirten, da der Schöpfer der Substanz zugleich der Urheber des ganzen Maschinenwesens an dieser Substanz sein würde.

Von so großer Wichtigkeit ist die in der Kritik der reinen speculativen V:103 Vernunft verrichtete Absonderung der Zeit (so wie des Raums) von der Existenz der Dinge an sich selbst.

Die hier vorgetragene Auflösung der Schwierigkeit hat aber, wird man sagen, doch viel Schweres in sich und ist einer hellen Darstellung kaum empfänglich. Allein ist denn jede andere, die man versucht hat oder versuchen mag, leichter und faßlicher? Eher möchte man sagen, die dogmatischen Lehrer der Metaphysik hätten mehr ihre Verschmitztheit als Aufrichtigkeit darin bewiesen, daß sie diesen schwierigen Punkt so weit wie möglich aus den Augen brachten, in der Hoffnung, daß, wenn sie davon gar nicht sprächen, auch wohl niemand leichtlich an ihn denken würde. Wenn einer Wissenschaft geholfen werden soll, so müssen alle Schwierigkeiten aufgedeckt und sogar diejenigen aufgesucht werden, die ihr noch A 185 so ingeheim im Wege liegen; denn jede derselben ruft ein Hülfsmittel auf, welches, ohne der Wissenschaft einen Zuwachs, es sei an Umfang, oder an Bestimmtheit, zu verschaffen, nicht gefunden werden kann, wodurch also selbst die Hindernisse Beförderungsmittel der Gründlichkeit der Wissenschaft werden. Dagegen, werden die Schwierigkeiten absichtlich verdeckt, oder blos durch Palliativmittel gehoben, so brechen sie über kurz oder lang in unheilbare Übel aus, welche die Wissenschaft in einem gänzlichen Scepticism zu Grunde richten.

Da es eigentlich der Begriff der Freiheit ist, der unter allen Ideen der reinen speculativen Vernunft allein so große Erweiterung im Felde des Übersinnlichen, wenn gleich nur in Ansehung des praktischen Erkenntnisses verschafft, so frage ich mich: woher denn ihm ausschließungsweise eine so große Fruchtbarkeit zu Theil geworden sei, indessen die übrigen zwar die leere Stelle für reine mögliche Verstandeswesen bezeichnen, den Begriff von ihnen aber durch nichts bestimmen können. Ich begreife bald, daß, da ich nichts ohne Kategorie denken kann, diese auch in der Idee der Vernunft von der Freiheit, mit der ich mich beschäftige, zuerst müsse aufgesucht werden, welche hier die Kategorie der Causalität ist, und daß, wenn gleich dem Vernunftbegriffe der Freiheit als überschwenglichem Begriffe keine correspondirende Anschauung untergelegt A 186 werden kann, dennoch dem Verstandesbegriffe (der Causalität), für dessen Synthesis jener das Unbedingte fordert, zuvor eine sinnliche Anschauung gegeben werden müsse, dadurch ihm zuerst die objective Realität V:104 gesichert wird. Nun sind alle Kategorien in zwei Classen, die mathematische, welche blos auf die Einheit der Synthesis in der Vorstellung der Objecte, und die dynamische, welche auf die in der Vorstellung der Existenz der Objecte gehen, eingetheilt. Die erstere (die der Größe und der Qualität) enthalten jederzeit eine Synthesis des Gleichartigen, in welcher das Unbedingte zu dem in der sinnlichen Anschauung gegebenen Bedingten in Raum und Zeit, da es selbst wiederum zum Raume und der Zeit gehören und also immer wiederum bedingt sein müßte, gar nicht kann gefunden werden; daher auch in der Dialektik der reinen theoretischen Vernunft die einander entgegengesetzte Arten, das Unbedingte und die Totalität der Bedingungen für sie zu finden, beide falsch waren. Die Kategorien der zweiten Classe (die der Causalität und der Nothwendigkeit eines Dinges) erforderten diese Gleichartigkeit (des Bedingten und der Bedingung in der Synthesis) gar nicht, weil hier nicht die Anschauung, wie sie aus einem Mannigfaltigen in ihr zusammengesetzt, sondern nur wie die Existenz des ihr correspondirenden bedingten Gegenstandes zu der Existenz der Bedingung (im Verstande als damit verknüpft) hinzukomme, A 187 vorgestellt werden sollte, und da war es erlaubt, zu dem durchgängig Bedingten in der Sinnenwelt (sowohl in Ansehung der Causalität als des zufälligen Daseins der Dinge selbst) das Unbedingte, obzwar übrigens unbestimmt, in der intelligibelen Welt zu setzen und die Synthesis transscendent zu machen; daher denn auch in der Dialektik der reinen speculativen Vernunft sich fand, daß beide dem Scheine nach einander entgegengesetzte Arten das Unbedingte zum Bedingten zu finden, z. B. in der Synthesis der Causalität zum Bedingten in der Reihe der Ursachen und Wirkungen der Sinnenwelt der Causalität, die weiter nicht sinnlich bedingt ist, zu denken, sich in der That nicht widerspreche, und daß dieselbe Handlung, die, als zur Sinnenwelt gehörig, jederzeit sinnlich bedingt, d. i. mechanisch nothwendig ist, doch zugleich auch, als zur Causalität des handelnden Wesens, so fern es zur intelligibelen Welt gehörig ist, eine sinnlich unbedingte Causalität zum Grunde haben, mithin als frei gedacht werden könne. Nun kam es blos darauf an, daß dieses Können in ein Sein verwandelt würde, d. i., daß man in einem wirklichen Falle gleichsam durch ein Factum beweisen könne: daß gewisse Handlungen eine solche Causalität (die intellectuelle, sinnlich unbedingte) voraussetzen, sie mögen nun wirklich, oder auch nur geboten, d. i. objectiv praktisch nothwendig sein. An wirklich in der Erfahrung gegebenen Handlungen, als Begebenheiten der Sinnenwelt, konnten A 188 V:105 wir diese Verknüpfung nicht anzutreffen hoffen, weil die Causalität durch Freiheit immer außer der Sinnenwelt im Intelligibelen gesucht werden muß. Andere Dinge außer den Sinnenwesen sind uns aber zur Wahrnehmung und Beobachtung nicht gegeben. Also blieb nichts übrig, als daß etwa ein unwidersprechlicher und zwar objectiver Grundsatz der Causalität, welcher alle sinnliche Bedingung von ihrer Bestimmung ausschließt, d. i. ein Grundsatz, in welchem die Vernunft sich nicht weiter auf etwas Anderes als Bestimmungsgrund in Ansehung der Causalität beruft, sondern den sie durch jenen Grundsatz schon selbst enthält, und wo sie also als reine Vernunft selbst praktisch ist, gefunden werde. Dieser Grundsatz aber bedarf keines Suchens und keiner Erfindung; er ist längst in aller Menschen Vernunft gewesen und ihrem Wesen einverleibt und ist der Grundsatz der Sittlichkeit. Also ist jene unbedingte Causalität und das Vermögen derselben, die Freiheit, mit dieser aber ein Wesen (ich selber), welches zur Sinnenwelt gehört, doch zugleich als zur intelligibelen gehörig nicht blos unbestimmt und problematisch gedacht (welches schon die speculative Vernunft als thunlich ausmitteln konnte), sondern sogar in Ansehung des Gesetzes ihrer Causalität bestimmt und assertorisch erkannt und so uns die Wirklichkeit der intelligibelen Welt, und zwar in praktischer Rücksicht bestimmt, gegeben worden, und diese Bestimmung, A 189 die in theoretischer Absicht transscendent (überschwenglich) sein würde, ist in praktischer immanent. Dergleichen Schritt aber konnten wir in Ansehung der zweiten dynamischen Idee, nämlich der eines nothwendigen Wesens, nicht thun. Wir konnten zu ihm aus der Sinnenwelt ohne Vermittelung der ersteren dynamischen Idee nicht hinauf kommen. Denn wollten wir es versuchen, so müßten wir den Sprung gewagt haben, alles das, was uns gegeben ist, zu verlassen und uns zu dem hinzuschwingen, wovon uns auch nichts gegeben ist, wodurch wir die Verknüpfung eines solchen intelligibelen Wesens mit der Sinnenwelt vermitteln könnten (weil das notwendige Wesen als außer uns gegeben erkannt werden sollte); welches dagegen in Ansehung unseres eignen Subjects, so fern es sich durchs moralische Gesetz einerseits als intelligibeles Wesen (vermöge der Freiheit) bestimmt, andererseits als nach dieser Bestimmung in der Sinnenwelt thätig selbst erkennt, wie jetzt der Augenschein darthut, ganz wohl möglich ist. Der einzige Begriff der Freiheit verstattet es, daß wir nicht außer uns hinausgehen dürfen, um das Unbedingte und Intelligibele zu dem Bedingten und Sinnlichen zu finden. Denn es ist unsere Vernunft V:106 selber, die sich durchs höchste und unbedingte praktische Gesetz und das Wesen, das sich dieses Gesetz bewußt ist, (unsere eigene Person) als zur reinen Verstandeswelt gehörig und zwar sogar mit Bestimmung der Art, A 190 wie es als ein solches thätig sein könne, erkennt. So läßt es sich begreifen, warum in dem ganzen Vernunftvermögen nur das Praktische dasjenige sein könne, welches uns über die Sinnenwelt hinaushilft und Erkenntnisse von einer übersinnlichen Ordnung und Verknüpfung verschaffe, die aber eben darum freilich nur so weit, als es gerade für die reine praktische Absicht nöthig ist, ausgedehnt werden können.

Nur auf Eines sei es mir erlaubt bei dieser Gelegenheit noch aufmerksam zu machen, nämlich daß jeder Schritt, den man mit der reinen Vernunft thut, sogar im praktischen Felde, wo man auf subtile Speculation gar nicht Rücksicht nimmt, dennoch sich so genau und zwar von selbst an alle Momente der Kritik der theoretischen Vernunft anschließe, als ob jeder mit überlegter Vorsicht, blos um dieser Bestätigung zu verschaffen, ausgedacht wäre. Eine solche auf keinerlei Weise gesuchte, sondern (wie man sich selbst davon überzeugen kann, wenn man nur die moralischen Nachforschungen bis zu ihren Principien fortsetzen will) sich von selbst findende genaue Eintreffung der wichtigsten Sätze der praktischen Vernunft mit den oft zu subtil und unnöthig scheinenden Bemerkungen der Kritik der speculativen überrascht und setzt in Verwunderung und bestärkt die schon von andern erkannte und gepriesene Maxime, in jeder wissenschaftlichen Untersuchung mit aller möglichen Genauigkeit und Offenheit seinen Gang ungestört fortzusetzen, ohne sich an das zu kehren, A 191 wowider sie außer ihrem Felde etwa verstoßen möchte, sondern sie für sich allein so viel man kann, wahr und vollständig zu vollführen. Öftere Beobachtung hat mich überzeugt, daß, wenn man dieses Geschäfte zu Ende gebracht hat, das, was in der Hälfte desselben in Betracht anderer Lehren außerhalb mir bisweilen sehr bedenklich schien, wenn ich diese Bedenklichkeit nur so lange aus den Augen ließ und blos auf mein Geschäft Acht hatte, bis es vollendet sei, endlich auf unerwartete Weise mit demjenigen vollkommen zusammenstimmte, was sich ohne die mindeste Rücksicht auf jene Lehren, ohne Parteilichkeit und Vorliebe für dieselbe von selbst gefunden hatte. Schriftsteller würden sich manche Irrthümer, manche verlorne Mühe (weil sie auf Blendwerk gestellt war) ersparen, wenn sie sich nur entschließen könnten, mit etwas mehr Offenheit zu Werke zu gehen.

Critical examination of the Analytic of Pure Practical Reason.

By a critical examination of a science, or of a part of it that forms a system in its own right, I mean this: investigating and justifying why it must have precisely this systematic form and no other, when compared with another system based on a similar cognitive faculty. Practical and speculative reason are based on the same cognitive faculty insofar as both are pure reason. We must therefore compare them to determine and explain the difference between their systematic forms.

The Analytic of Pure Theoretical Reason dealt with cognition of objects that may be given to the understanding. A 160 It therefore had to start with intuition, and so with sensibility, since intuition is always sensible. Only then could it move on to concepts of the objects of this intuition. Only after presenting both could it end with principles. Practical reason, by contrast, is not concerned with cognizing objects. It is concerned with its own capacity to make them real, in accordance with its cognition of them. In other words, it deals with a will: a causality whose determining ground lies in reason. So it does not have to supply an object of intuition. As practical reason, it needs to supply only a law of that causality. For the concept of causality always involves a relation to a law that determines how the various elements exist in relation to one another. A critical examination of its analytic, insofar as it is to be practical reason—which is the real problem—must therefore start with the possibility of practical V:90 principles a priori. From there alone could it proceed to concepts of the objects of practical reason: the absolutely good and evil. It had first to supply these concepts in accordance with those principles. For before those principles, no cognitive faculty can supply these objects as good and evil. Only then could the final chapter close this part: the chapter on the A 161 relation of pure practical reason to sensibility, and on its necessary influence on sensibility, an influence knowable a priori. That is the chapter on moral feeling. The Analytic of Pure Practical Reason thus divided the full range of conditions for its use in complete correspondence with theoretical reason, but in the reverse order. The Analytic of Theoretical Pure Reason was divided into transcendental aesthetic and transcendental logic. That of practical reason was divided, in reverse, into the logic and aesthetic of pure practical reason—if I may use these otherwise quite unsuitable names here simply for the analogy. Logic, in turn, was divided there into the analytic of concepts and the analytic of principles; here, into the analytic of principles and concepts. There the aesthetic had two parts, because sensible intuition has two forms. Here sensibility is not considered as a capacity for intuition at all, but only as feeling, which can be a subjective ground of desire. In this respect pure practical reason allows no further division.

It is also easy to see why we did not actually adopt this two-part division with its subdivisions. The example of the earlier work might well have tempted us to try it at first. For what we are considering here is pure reason A 162 in its practical use. It therefore starts from principles a priori, not from empirical determining grounds. The division of the Analytic of Pure Practical Reason must consequently resemble a syllogism. It proceeds from the universal in the major premise, the moral principle, through the subsumption of possible actions as good or evil under that principle in the minor premise, to the conclusion: the subjective determination of the will, an interest in the practically possible good and the maxim based on that interest. Anyone who has found the propositions presented in the Analytic V:91 convincing will enjoy these comparisons, for they rightly encourage the hope that we may one day understand the unity of the entire faculty of pure reason, theoretical as well as practical, and derive everything from a single principle. This is an unavoidable need of human reason. It finds full satisfaction only in a completely systematic unity of its cognitions.

If we also consider the content of the cognition we can have of and through pure practical reason, as its Analytic presents it, we find differences as striking as the analogy between it and theoretical reason. In the case of theoretical reason, the capacity A 163 for pure rational cognition a priori could be proved quite easily and clearly by examples from the sciences. The sciences test their principles in so many ways through methodical use that there is less reason than in ordinary cognition to fear a hidden admixture of empirical grounds of cognition. But to show that pure reason, by itself and without any empirical determining ground mixed in, is also practical, we had to turn to the most ordinary practical use of reason. We had to establish the supreme practical principle as one that every person's natural reason recognizes as the highest law of their will: a law entirely a priori, independent of all sensory data. Even before science could take it up and use it, we had to establish and justify its pure origin in the judgment of ordinary reason itself. It was, so to speak, a fact preceding all quibbling about its possibility and all conclusions that might be drawn from it. What we have just said also explains this circumstance very well. Pure practical reason must begin with principles. These must therefore be the initial data underlying all science; they cannot first A 164 originate in science. Moreover, moral principles could be justified as principles of pure reason quite securely just by appealing to ordinary human understanding. For anything empirical that might slip into our V:92 maxims as a determining ground of the will immediately reveals itself through the feeling of pleasure or pain necessarily attached to it insofar as it arouses desire. Pure practical reason, however, directly resists accepting this feeling as a condition of its principle. Reason, in giving practical laws, resists every intrusive inclination. This resistance makes the difference between the empirical and rational determining grounds clear, prominent, and unmistakable, through a distinctive kind of sensation. This sensation does not precede practical reason's legislation. Rather, that legislation alone produces it, and does so as a constraint. It is the feeling of respect. No one has this respect for inclinations, whatever their kind, but people do have it for the law. The difference becomes so clear that anyone, even someone with the most ordinary understanding, should immediately see in a given example that empirical grounds for willing can advise them to follow their attractions, A 165 but can never require them to obey anything except the law of pure practical reason alone.

The first and most important task of the Analytic of Pure Practical Reason is therefore to distinguish the doctrine of happiness from the doctrine of morals. Empirical principles form the entire basis of the first, but must not enter the second even in the slightest degree. In making this distinction, the Analytic must be as precise—even, if that is what it takes, as painstaking—as any geometer in their work. Here the philosopher faces greater difficulty, as always in rational cognition through mere concepts without constructing them. No intuition can underlie a pure noumenon. But the philosopher also has an advantage. Almost like a chemist, the philosopher can at any time experiment with anyone's practical reason to distinguish the moral, pure determining ground from the empirical one. The experiment consists in adding the moral law as a determining ground to a will affected by experience—for example, the will of someone who would like to lie because it would gain them something. It is like a chemist adding alkali to a solution of lime in hydrochloric acid. The acid immediately leaves the lime and combines with the alkali, while the lime falls to the bottom. Likewise, A 166 present the moral V:93 law to someone who is otherwise honest, or who at least imagines being an honest person for the moment. Through that law they recognize a liar's worthlessness. Their practical reason immediately abandons the advantage, in judging what they ought to do, and joins with what preserves their respect for their own person: truthfulness. Once the advantage has been separated and washed clean of everything attached to it by reason—which stands entirely on the side of duty—anyone can then weigh it. It may still be combined with reason in other cases, but not where it could conflict with the moral law. Reason never abandons that law, but joins itself to it in the closest possible way.

But this distinction between the principle of happiness and the principle of morality does not by itself set them against each other. Pure practical reason does not ask us to give up our claims to happiness. It asks only that, whenever duty is at issue, we take no account of them. In a certain respect, caring for our happiness may even be a duty. This is partly because happiness—including skill, health, and wealth—provides means for fulfilling our duty, and partly because a lack of happiness, such as poverty, creates temptations A 167 to violate our duty. But promoting our happiness can never directly be a duty, much less the principle of all duty. Now every determining ground of the will except the one pure law of practical reason, the moral law, is empirical. As such, all these grounds belong to the principle of happiness. They must therefore all be separated from the supreme moral principle and never incorporated into it as a condition. That would destroy all moral worth, just as adding anything empirical to geometrical principles would destroy all mathematical certainty. This certainty is the finest thing mathematics possesses, in Plato's judgment, and it takes precedence even over all its usefulness.

Instead of a deduction of the supreme principle of pure practical reason—that is, an explanation of how such cognition a priori is possible—we could supply only the following point. If we understood how an efficient cause could be free, we would also understand not just the possibility but the necessity of the moral law as the supreme practical law of rational beings whose will is granted a free causality. For the two concepts are so inseparable that practical V:94 freedom could also be defined as the will's independence of every law other than A 168 the moral law alone. But we cannot possibly understand how an efficient cause can be free, especially in the world of sense. We are fortunate if we can be sufficiently assured that no proof of its impossibility can be given, and are then required by the moral law, which postulates freedom, to assume it, and by that very requirement also entitled to do so. Yet many people still believe they can explain freedom by empirical principles, like any other natural capacity. They treat it as a psychological property, whose explanation requires only a closer investigation of the nature of the soul and the will's incentives. They do not treat it as a transcendental predicate of the causality of a being belonging to the world of sense, though this alone is what really matters here. In this way they undo the wonderful disclosure that pure practical reason gives us through the moral law: the disclosure of an intelligible world by giving reality to the otherwise transcendent concept of freedom. They thereby undo the moral law itself, which admits no empirical determining ground at all. So we must add something here to guard against this illusion and expose the full shallowness of empiricism.

The concept of causality as natural necessity, as distinct A 169 from causality as freedom, concerns the existence of things only insofar as it can be determined in time. It therefore concerns them as appearances, in contrast to their causality as things in themselves. If we take the determinations of things' existence in time to be determinations of things in themselves—as people most commonly do—necessity in causal relations cannot be reconciled with freedom in any way. They contradict each other. For natural necessity implies that every event, and therefore every action occurring at a particular time, is necessary under the conditions of what existed at an earlier time. But past time is no longer within my control. Every action I perform must therefore be made necessary by determining grounds that are not within my control. In other words, at the moment I act I am never free. Even if I assumed that my entire existence was independent of any external cause, such as God, V:95 so that the determining grounds of my causality and even of my entire existence lay nowhere outside me, this would not turn that natural necessity into freedom in the least. For at every moment I would still necessarily be determined to act by what is not within my control. A 170 The series of events, stretching infinitely backward, would be an unbroken chain of nature. I would only ever continue it according to an already determined order, never start it on my own at any point. My causality would therefore never be freedom.

If we want to ascribe freedom to a being whose existence is determined in time, we cannot, at least in this respect, exempt it from the law of natural necessity governing all events in its existence, and so its actions too. That would amount to handing it over to blind chance. But this law inevitably concerns all the causality of things insofar as their existence in time can be determined. If this were also how we had to represent the existence of these things in themselves, freedom would have to be rejected as an empty and impossible concept. So if we still want to save freedom, only one course remains. We must ascribe a thing's existence, insofar as it is determinable in time, and thus its causality under the law of natural necessity, only to appearance. We must ascribe freedom to the very same being as a thing in itself. This is certainly unavoidable if we want to preserve both conflicting concepts. Yet when we apply them and try to explain how they are united A 171 in one and the same action, great difficulties arise. These seem to make such a union impossible.

Suppose I say of someone who commits a theft that, under the natural law of causality, this deed necessarily resulted from determining grounds in the preceding time. Then it was impossible for the deed not to occur. How can judging it by the moral law change anything here? How can that judgment assume that the deed could have been left undone because the law says it ought to have been left undone? In other words, how can the person be called entirely free at the very time, and with respect to the very action, in which they are also subject to unavoidable V:96 natural necessity? One attempted escape merely adjusts the kind of grounds determining their causality under natural law to a comparative concept of freedom. On this concept, an effect is sometimes called free when its determining natural ground lies inside the acting being. Thus we speak of a thrown body's free motion because, while it is flying, nothing outside it drives it. Or we call a clock's movement free because it drives its hand itself, without the hand needing to be pushed A 172 from outside. In the same way, people call human actions free despite their being made necessary by determining grounds preceding them in time. They do so because these actions arise from internal representations produced by our own powers, from desires generated through those representations in response to circumstances, and thus from our own choice. This is a miserable expedient. Some people still let it put them off and think they have solved, with a little quibbling over words, the difficult problem that millennia have worked on in vain. Its solution is hardly likely to lie so plainly on the surface. For the freedom that must underlie all moral laws and all imputation in accordance with them is not at all a question of whether causality determined by a natural law is made necessary by determining grounds inside the subject or outside it. Nor, in the first case, does it matter whether these grounds are instinctive or thought out by reason. These very people admit that the determining representations have the ground of their existence in time, specifically in the previous state, which in turn has its ground in an earlier state, and so on. However internal these determinations may be, and even if their causality is psychological rather than mechanical A 173—producing action through representations rather than bodily movement—they remain determining grounds of the causality of a being insofar as its existence is determinable in time. They therefore fall under necessitating conditions of past time. When the subject is to act, these are no longer within its control. They may involve psychological freedom, if one insists on using this word for a merely internal chain of the soul's representations. But they still involve natural necessity and thus leave no transcendental V:97 freedom. That freedom must be thought as independence from everything empirical, and thus from nature altogether—whether nature is considered as an object of inner sense only in time, or also of outer sense in both space and time. Without freedom in this latter, proper sense, which alone is practical a priori, no moral law and no imputation according to it are possible. For this very reason, all the necessity of events in time under the natural law of causality can also be called the mechanism of nature. This does not mean that the things subject to it must be actual material machines. We are concerned only with the necessary connection of events in a temporal series as it unfolds under natural law. We may call the subject in which this A 174 process occurs a material automaton, if matter drives the machinery, or, with Leibniz, a spiritual automaton, if representations drive it. If our will had no freedom beyond the latter—psychological and comparative freedom, rather than also transcendental, that is, absolute freedom—then fundamentally it would be no better than the freedom of a roasting spit. Once wound up, that too carries out its movements by itself.

To remove the apparent contradiction between natural mechanism and freedom in the same action in the case presented, we must recall what was said in the Critique of Pure Reason, or follows from it. The natural necessity that cannot coexist with the subject's freedom attaches only to determinations of a thing subject to conditions of time. It therefore attaches only to those of the acting subject as an appearance. In this respect, the determining grounds of each of its actions lie in what belongs to past time and is no longer within its control. These grounds must include its already committed deeds and the character determinable through them in its own eyes as a phenomenon. But the very same subject A 175 is also conscious of itself as a thing in itself. In this other respect, it considers its existence insofar as that existence is not subject to conditions of time, and considers itself determinable only by laws it gives itself through reason. In this existence, nothing precedes its determination of the will. Rather, every action and, in general, V:98 every changing determination of its existence according to inner sense—even the whole sequence of its existence as a sensible being—must, in the consciousness of its intelligible existence, be regarded only as a consequence. It must never be regarded as a determining ground of its causality as a noumenon. In this respect, a rational being can rightly say of every unlawful action it commits that it could have left that action undone, even though the action as an appearance is sufficiently determined by the past and is therefore unavoidably necessary. For that action, together with all the past that determines it, belongs to a single manifestation of its character, a character it has made for itself. In accordance with that character, it imputes to itself, as a cause independent of all sensibility, the causality of those appearances.

The judgments of that remarkable capacity within us called conscience agree completely with this. A person may use every clever device to picture unlawful conduct A 176 they remember as an unintentional mistake, a mere carelessness that can never be entirely avoided. They may present it as something in which the current of natural necessity swept them along, and so declare themselves innocent. Yet they find that the advocate speaking in their favor cannot silence the accuser within them, if they are conscious that, when they committed the wrong, they were in their senses—that is, using their freedom. They may indeed explain their offense by a bad habit acquired through gradually neglecting to watch themselves, until they can view it as that habit's natural consequence. But this still cannot protect them from self-reproach and their own rebuke. This also explains remorse over a deed committed long ago whenever it is recalled. Remorse is a painful sensation produced by a moral disposition. It is practically empty insofar as it cannot undo what has been done. It would even be absurd—as Priestley, a genuine and consistent fatalist, declares it to be. For this frankness he deserves more approval than those who assert the will's mechanism in fact but its freedom in A 177 words. Without making the possibility of such imputation understandable, V:99 they still want to be thought to include freedom in their syncretistic system. Yet as pain, remorse is entirely legitimate. For when the moral law, the law of our intelligible existence, is at issue, reason recognizes no difference of time. It asks only whether the event belongs to me as my deed. If it does, reason always connects the same sensation with it morally, whether it is happening now or happened long ago. For in relation to the intelligible consciousness of one's existence, freedom, one's sensible life has the absolute unity of a single phenomenon. Insofar as it contains only appearances of one's disposition concerning the moral law—one's character—it must be judged not by the natural necessity that belongs to it as an appearance, but by the absolute spontaneity of freedom. We can therefore concede the following. If we could see so deeply into a person's way of thinking, as shown in both inner and outer actions, that we knew every incentive, even the slightest, and all the external occasions affecting those incentives, we could calculate that person's future behavior as certainly as a lunar or solar eclipse. Yet we could still maintain that the person A 178 is free. For suppose we were also capable of another kind of vision, an intellectual intuition of the same subject. We certainly have no such vision; we have only the rational concept in its place. But if we had it, we would see that, regarding anything that can concern the moral law, this whole chain of appearances depends on the spontaneity of the subject as a thing in itself. No physical explanation can be given of what determines that spontaneity. In the absence of this intuition, the moral law assures us of a distinction between two relations. One relates our actions as appearances to our subject's sensible being. The other relates this sensible being itself to the intelligible basis within us.—This perspective is natural to our reason, though inexplicable. It also lets us justify judgments that, despite being made with complete conscientiousness, initially seem to conflict with all fairness. There are cases in which people display wickedness from childhood, even under an upbringing that proved beneficial to others raised alongside them. Their wickedness starts so early and continues increasing into adulthood that they are considered born villains and completely beyond reform V:100 in their way of thinking. Yet we judge their acts and omissions just as we judge anyone else's, A 179 and reproach them for their crimes as their own fault. Even these children themselves find the reproaches entirely justified, as though they remained as responsible as anyone else despite the hopeless natural condition of mind attributed to them. This would be impossible unless we assumed that everything arising from a person's choice—as every deliberately committed action undoubtedly does—rests on a free causality. From early youth, that causality expresses its character in its appearances, its actions. The uniformity of the person's behavior reveals a natural connection among them. But that connection does not make the will's bad character necessary. Rather, it results from evil and unchanging principles freely adopted. These only make the person still more blameworthy and deserving of punishment.

But another difficulty still faces freedom insofar as it is to be united with natural mechanism in a being belonging to the world of sense. Even after everything said so far has been conceded, this difficulty still threatens freedom with complete destruction. Yet one circumstance in this danger also offers hope of an outcome favorable to freedom. The same difficulty weighs much more heavily—in A 180 fact, as we shall soon see, exclusively—on the system that treats existence determinable in time and space as the existence of things in themselves. It therefore does not force us to abandon our main assumption: the ideality of time as a mere form of sensible intuition, and thus as merely a way of representing things peculiar to the subject as a member of the world of sense. We need only reconcile the difficulty with this idea.

Suppose we are granted that the intelligible subject can still be free regarding a given action, although as a subject also belonging to the world of sense it is mechanically conditioned regarding that same action. Still, as soon as we assume that God, as the universal original being, is also the cause of the existence of substance, a problem seems to follow. We must never abandon that proposition without also abandoning the concept of God as the being of all beings and so his complete sufficiency, on which everything in theology depends. But it seems that we must then also concede that human actions have their V:101 determining ground in what is entirely outside the person's control: the causality of a supreme being distinct from them, on whom their existence and the entire determination of their causality wholly depend. Indeed, if A 181 human actions, as determinations of a person in time, were not mere determinations of the person as an appearance but as a thing in itself, freedom could not be saved. A human being would be a marionette or a Vaucanson automaton, built and wound up by the supreme maker of all works of art. Self-consciousness would indeed make it a thinking automaton. But its consciousness of its own spontaneity would be sheer illusion if taken for freedom. That spontaneity deserves the name only comparatively. The nearest determining causes of its motion, and a long series extending upward toward their determining causes, would indeed be internal. But the final and highest cause would still lie entirely in another's hand. So I do not see how those who still insist on treating time and space as determinations belonging to the existence of things in themselves intend to avoid fatalism about actions here. Or suppose they simply grant—as the otherwise acute Mendelssohn did—that both are necessary conditions only of the existence of finite and derivative beings, not of the infinite original being. How can they justify their authority to make such a distinction? How can they even avoid the contradiction A 182 they commit? They treat existence in time as a determination necessarily attached to finite things in themselves. Yet God is the cause of this existence, although he cannot be the cause of time or space itself, since these must be presupposed a priori as necessary conditions of things' existence. His causality with respect to the existence of these things must therefore itself be conditioned by time. All the contradictions with the concepts of his infinity and independence must then inevitably arise. By contrast, we can very easily distinguish the determination of divine existence as independent of all conditions of time from that of a being in the world of sense. It is the distinction between the existence of a being in itself and that of a thing in appearance. Hence, unless we accept the ideality of time and space, V:102 only Spinozism remains. In it, space and time are essential determinations of the original being itself. Things dependent on it—including ourselves—are not substances, but merely accidents inherent in it. For if these things exist merely as its effects in time, which would be the condition of their existence in themselves, then the actions of these beings must also be merely its actions, performed somewhere and sometime. Thus, despite the absurdity of its basic idea, A 183 Spinozism reasons far more consistently than a theory of creation can if the latter assumes substances that are beings existing in themselves in time, treats them as effects of a supreme cause, yet regards them not as belonging to that cause and its action but as substances in their own right.

The difficulty just mentioned can be resolved briefly and clearly as follows. Suppose existence in time is merely a sensible way in which thinking beings in the world represent things, and therefore does not concern them as things in themselves. Then the creation of these beings is a creation of things in themselves. For the concept of creation does not belong to the sensible way of representing existence and causality; it can refer only to noumena. Thus, when I say of beings in the world of sense that they are created, I am considering them in this respect as noumena. It would be a contradiction to say that God is a creator of appearances. Likewise, it is a contradiction to say that, as creator, he is the cause of actions in the world of sense, and thus of actions as appearances, even though he is the cause of the existence of the acting beings as noumena. Now suppose we can affirm freedom without impairing the natural mechanism A 184 of actions as appearances, by taking existence in time to apply only to appearances, not to things in themselves. Then the fact that the acting beings are creatures cannot change this in the least. For creation concerns their intelligible, not their sensible, existence. It therefore cannot be regarded as a determining ground of appearances. The outcome would be entirely different, however, if beings in the world existed in time as things in themselves. In that case the creator of the substance would also be the author of the whole mechanism in that substance.

That is how important it is to separate time, as well as space, from the existence of things in themselves, as was done in the Critique of Pure Speculative V:103 Reason.

Someone may object that the solution to the difficulty presented here still contains much that is hard and scarcely allows a clear presentation. But is any other solution that has been or might be tried easier and more understandable? We might sooner say that the dogmatic teachers of metaphysics have shown more cunning than honesty by keeping this difficult point out of sight as much as possible. They hope that, if they say nothing about it, scarcely anyone will think of it either. If a science is to be helped, all its difficulties must be exposed. Even those that stand in its way A 185 most secretly must be sought out. For each calls for a remedy that cannot be found without adding to the science, either in scope or in precision. Thus even obstacles become means of making the science more thorough. But if difficulties are deliberately concealed or removed only by temporary remedies, sooner or later they develop into incurable evils that destroy the science through complete skepticism.

Among all the ideas of pure speculative reason, it is really the concept of freedom alone that provides so great an extension into the supersensible, even if only for practical cognition. So I ask myself: why has this concept alone proved so fruitful, while the others merely mark an empty place for possible pure beings of the understanding, without being able to determine their concept in any way? I soon see that, since I cannot think anything without a category, I must first look for the category in reason's idea of freedom, which is what concerns me here. This is the category of causality. No corresponding intuition can be supplied A 186 for the rational concept of freedom, since it goes beyond experience. Yet a sensible intuition must first be given for the concept of the understanding, causality, for whose synthesis that rational concept demands the unconditioned. This first secures causality's objective reality. V:104 Now all categories are divided into two classes: the mathematical, which concern only the unity of synthesis in representing objects, and the dynamical, which concern that unity in representing the existence of objects. The first class, quantity and quality, always involves a synthesis of homogeneous elements. In such a synthesis, the unconditioned for what is given as conditioned in sensible intuition in space and time cannot be found at all. For it too would have to belong to space and time, and so would always be conditioned in turn. That is why, in the Dialectic of Pure Theoretical Reason, both opposed ways of finding the unconditioned and the totality of conditions for these categories were false. The categories of the second class, causality and the necessity of a thing, did not require this homogeneity between the conditioned and its condition in the synthesis. Here we were not to represent how intuition is composed from the manifold within it. We were to represent only how the existence of the conditioned object corresponding to it is added to the existence of the condition, A 187 as connected with it in the understanding. Here we were allowed to locate the unconditioned, though otherwise undetermined, in the intelligible world for what is thoroughly conditioned in the world of sense—both regarding causality and regarding the contingent existence of things themselves—and to make the synthesis transcendent. Hence the Dialectic of Pure Speculative Reason found that the two apparently opposed ways of finding the unconditioned for the conditioned did not actually contradict each other. For example, in the synthesis of causality, one could think a causality not itself sensibly conditioned for what is conditioned in the series of causes and effects in the world of sense. The same action that, as belonging to the world of sense, is always sensibly conditioned and thus mechanically necessary could also have a sensibly unconditioned causality as its basis, insofar as it belongs to the causality of the acting being as a member of the intelligible world. Thus it could be thought as free. What remained was simply to turn this possibility into actuality. In other words, in an actual case we had to prove, as though by a fact, that certain actions presuppose such a causality—an intellectual causality unconditioned by sense—whether these actions are actual or merely commanded, that is, objectively necessary in practice. We could not hope to find this connection in actions actually given in experience as events in the world of sense. A 188 V:105 For causality through freedom must always be sought outside the world of sense, in the intelligible. But no things other than sensible beings are given to us for perception and observation. Only one possibility therefore remained: to find an indisputable and objective principle of causality that excludes every sensible condition from its determination. In such a principle, reason would not appeal to anything else as a determining ground of causality. Rather, through that principle it would already contain that ground itself, and would thus itself be practical as pure reason. This principle needs neither searching for nor inventing. It has long existed in everyone's reason and is incorporated into reason's nature: it is the principle of morality. Thus that unconditioned causality and the capacity for it, freedom, are not merely thought in an undetermined and problematic way. Nor is the being possessing them—myself, belonging to the world of sense yet also to the intelligible world—merely thought in that way, which speculative reason could already establish as possible. Rather, they are determined with regard to the law of their causality and cognized as actual. In this way the reality of the intelligible world has been given to us, and determined in a practical respect. This determination, A 189 which would be transcendent, going beyond bounds, for theoretical purposes, is immanent, staying within bounds, for practical purposes. But we could not take such a step regarding the second dynamical idea, that of a necessary being. We could not rise to it from the world of sense without the mediation of the first dynamical idea. For to try would have meant daring to leap away from everything given to us toward something of which nothing is given that could connect such an intelligible being with the world of sense. For the necessary being was to be cognized as given outside us. By contrast, as what we have just shown makes clear, such a connection is entirely possible concerning our own subject. Through the moral law, it determines itself on one side as an intelligible being, through freedom, and on the other side cognizes itself as acting in the world of sense in accordance with this determination. The concept of freedom alone lets us find the unconditioned and intelligible for the conditioned and sensible without going outside ourselves. For it is our reason V:106 itself that, through the highest and unconditioned practical law, cognizes itself and the being conscious of this law—our own person—as belonging to the pure world of the understanding. It even determines the way A 190 in which that being can act as such. This makes it understandable why, in the whole faculty of reason, only the practical can take us beyond the world of sense and supply cognitions of a supersensible order and connection. But for that very reason, these cognitions can extend only as far as pure practical purposes strictly require.

Let me draw attention to just one more point on this occasion. Every step taken with pure reason, even in the practical field where subtle speculation is disregarded entirely, nevertheless fits every aspect of the critique of theoretical reason so exactly, and so spontaneously, that each step seems carefully planned solely to confirm that critique. This exact agreement between the most important propositions of practical reason and the remarks in the critique of speculative reason, which often seem too subtle and unnecessary, is surprising and astonishing. It is not sought in any way; it emerges by itself. Anyone can verify this simply by pursuing moral investigations back to their principles. It reinforces a maxim others have already recognized and praised: in every scientific investigation, proceed steadily with all possible precision and openness. Do not worry A 191 about what it might conflict with outside its own field. Instead, carry it out on its own as truthfully and completely as possible. Repeated observation has convinced me of this. Halfway through such work, something sometimes seemed very doubtful to me in view of other doctrines outside it. But if I put that concern out of sight for the time being and attended only to my work until it was finished, the result finally agreed perfectly, in an unexpected way, with what had emerged on its own, without the slightest regard for those doctrines and without bias or preference for them. Writers would spare themselves many errors and much wasted effort—effort based on illusion—if only they could resolve to work with somewhat more openness.

Book II, Chapter I: A dialectic of pure practical reason in general

Zweites Buch. A 192 V:107 Dialektik der reinen praktischen Vernunft.

Erstes Hauptstück. Von einer Dialektik der reinen praktischen Vernunft überhaupt.

Die reine Vernunft hat jederzeit ihre Dialektik, man mag sie in ihrem speculativen oder praktischen Gebrauche betrachten; denn sie verlangt die absolute Totalität der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten, und diese kann schlechterdings nur in Dingen an sich selbst angetroffen werden. Da aber alle Begriffe der Dinge auf Anschauungen bezogen werden müssen, welche bei uns Menschen niemals anders als sinnlich sein können, mithin die Gegenstände nicht als Dinge an sich selbst, sondern blos als Erscheinungen erkennen lassen, in deren Reihe des Bedingten und der Bedingungen das Unbedingte niemals angetroffen werden kann, so entspringt ein unvermeidlicher Schein aus der Anwendung dieser Vernunftidee der A 193 Totalität der Bedingungen (mithin des Unbedingten) aus Erscheinungen, als wären sie Sachen an sich selbst (denn dafür werden sie in Ermangelung einer warnenden Kritik jederzeit gehalten), der aber niemals als trüglich bemerkt werden würde, wenn er sich nicht durch einen Widerstreit der Vernunft mit sich selbst in der Anwendung ihres Grundsatzes, das Unbedingte zu allem Bedingten vorauszusetzen, auf Erscheinungen selbst verriethe. Hiedurch wird aber die Vernunft genöthigt, diesem Scheine nachzuspüren, woraus er entspringe, und wie er gehoben werden könne, welches nicht anders als durch eine vollständige Kritik des ganzen reinen Vernunftvermögens geschehen kann; so daß die Antinomie der reinen Vernunft, die in ihrer Dialektik offenbar wird, in der That die wohlthätigste Verirrung ist, in die die menschliche Vernunft je hat gerathen können, indem sie uns zuletzt antreibt, den Schlüssel zu suchen, aus diesem Labyrinthe herauszukommen, der, wenn er gefunden worden, noch das entdeckt, was man nicht suchte und doch bedarf, nämlich eine Aussicht in eine höhere, unveränderliche Ordnung der Dinge, in der wir schon jetzt sind, und in der unser Dasein der höchsten Vernunftbestimmung V:108 gemäß fortzusetzen, wir durch bestimmte Vorschriften nunmehr angewiesen werden können.

Wie im speculativen Gebrauche der reinen Vernunft jene natürliche A 194 Dialektik aufzulösen und der Irrthum aus einem übrigens natürlichen Scheine zu verhüten sei, kann man in der Kritik jenes Vermögens ausführlich antreffen. Aber der Vernunft in ihrem praktischen Gebrauche geht es um nichts besser. Sie sucht als reine praktische Vernunft zu dem praktisch Bedingten (was auf Neigungen und Naturbedürfniß beruht) ebenfalls das Unbedingte, und zwar nicht als Bestimmungsgrund des Willens, sondern, wenn dieser auch (im moralischen Gesetze) gegeben worden, die unbedingte Totalität des Gegenstandes der reinen praktischen Vernunft, unter dem Namen des höchsten Guts.

Diese Idee praktisch, d. i. für die Maxime unseres vernünftigen Verhaltens, hinreichend zu bestimmen, ist die Weisheitslehre, und diese wiederum als Wissenschaft ist Philosophie in der Bedeutung, wie die Alten das Wort verstanden, bei denen sie eine Anweisung zu dem Begriffe war, worin das höchste Gut zu setzen, und zum Verhalten, durch welches es zu erwerben sei. Es wäre gut, wenn wir dieses Wort bei seiner alten Bedeutung ließen, als eine Lehre vom höchsten Gut, so fern die Vernunft bestrebt ist, es darin zur Wissenschaft zu bringen. Denn einestheils würde die angehängte einschränkende Bedingung dem griechischen Ausdrucke (welcher Liebe zur Weisheit bedeutet) angemessen und doch zugleich hinreichend sein, die Liebe zur Wissenschaft, mithin aller A 195 speculativen Erkenntniß der Vernunft, so fern sie ihr sowohl zu jenem Begriffe, als auch dem praktischen Bestimmungsgrunde dienlich ist, unter dem Namen der Philosophie mit zu befassen, und doch den Hauptzweck, um dessentwillen sie allein Weisheitslehre genannt werden kann, nicht aus den Augen verlieren lassen. Anderen Theils würde es auch nicht übel sein, den Eigendünkel desjenigen, der es wagte sich des Titels eines Philosophen selbst anzumaßen, abzuschrecken, wenn man ihm schon durch die Definition den Maßstab der Selbstschätzung vorhielte, der seine Ansprüche sehr herabstimmen wird; denn ein Weisheitslehrer zu sein, möchte wohl etwas mehr als einen Schüler bedeuten, der noch immer nicht weit genug gekommen ist, um sich selbst, vielweniger um andere mit sicherer Erwartung eines so hohen Zwecks zu leiten; es würde einen Meister in Kenntniß der Weisheit bedeuten, welches mehr sagen will, als ein bescheidener Mann sich selber anmaßen wird, und Philosophie würde so wie V:109 die Weisheit selbst noch immer ein Ideal bleiben, welches objectiv in der Vernunft allein vollständig vorgestellt wird, subjectiv aber, für die Person, nur das Ziel seiner unaufhörlichen Bestrebung ist, und in dessen Besitz unter dem angemaßten Namen eines Philosophen zu sein, nur der vorzugeben berechtigt ist, der auch die unfehlbare Wirkung derselben (in Beherrschung seiner selbst und dem ungezweifelten Interesse, das er vorzüglich A 196 am allgemeinen Guten nimmt) an seiner Person als Beispiele aufstellen kann, welches die Alten auch forderten, um jenen Ehrennamen verdienen zu können.

In Ansehung der Dialektik der reinen praktischen Vernunft, im Punkte der Bestimmung des Begriffs vom höchsten Gute (welche, wenn ihre Auflösung gelingt, eben sowohl als die der theoretischen die wohlthätigste Wirkung erwarten läßt, dadurch daß die aufrichtig angestellte und nicht verhehlte Widersprüche der reinen praktischen Vernunft mit ihr selbst zur vollständigen Kritik ihres eigenen Vermögens nöthigen), haben wir nur noch eine Erinnerung voranzuschicken.

Das moralische Gesetz ist der alleinige Bestimmungsgrund des reinen Willens. Da dieses aber blos formal ist (nämlich allein die Form der Maxime als allgemein gesetzgebend fordert), so abstrahirt es als Bestimmungsgrund von aller Materie, mithin von allem Objecte des Wollens. Mithin mag das höchste Gut immer der ganze Gegenstand einer reinen praktischen Vernunft, d. i. eines reinen Willens, sein, so ist es darum doch nicht für den Bestimmungsgrund desselben zu halten, und das moralische Gesetz muß allein als der Grund angesehen werden, jenes und dessen Bewirkung oder Beförderung sich zum Objecte zu machen. Diese Erinnerung ist in einem so delicaten Falle, als die Bestimmung sittlicher A 197 Principien ist, wo auch die kleinste Mißdeutung Gesinnungen verfälscht, von Erheblichkeit. Denn man wird aus der Analytik ersehen haben, daß, wenn man vor dem moralischen Gesetze irgend ein Object unter dem Namen eines Guten als Bestimmungsgrund des Willens annimmt und von ihm dann das oberste praktische Princip ableitet, dieses alsdann jederzeit Heteronomie herbeibringen und das moralische Princip verdrängen würde.

Es versteht sich aber von selbst, daß, wenn im Begriffe des höchsten Guts das moralische Gesetz als oberste Bedingung schon mit eingeschlossen ist, alsdann das höchste Gut nicht blos Object, sondern auch sein Begriff und die Vorstellung der durch unsere praktische Vernunft möglichen Existenz V:110 desselben zugleich der Bestimmungsgrund des reinen Willens sei: weil alsdann in der That das in diesem Begriffe schon eingeschlossene und mitgedachte moralische Gesetz und kein anderer Gegenstand nach dem Princip der Autonomie den Willen bestimmt. Diese Ordnung der Begriffe von der Willensbestimmung darf nicht aus den Augen gelassen werden: weil man sonst sich selbst mißversteht und sich zu widersprechen glaubt, wo doch alles in der vollkommensten Harmonie neben einander steht.

Book II. A 192 V:107 Dialectic of Pure Practical Reason.

Chapter I. On a Dialectic of Pure Practical Reason in General.

Pure reason always has its dialectic, whether we consider its speculative or its practical use. For it demands the absolute totality of conditions for something given as conditioned, and this can be found only in things in themselves. But all concepts of things must be related to intuitions. For us human beings, these can never be anything but sensible. They therefore let us cognize objects not as things in themselves, but only as appearances. In the series of what is conditioned and its conditions among appearances, the unconditioned can never be found. An unavoidable illusion therefore arises when reason's idea of the A 193 totality of conditions, and thus of the unconditioned, is applied to appearances as though they were things in themselves. Without a critique to warn us, that is how they are always regarded. This illusion would never be recognized as deceptive if reason did not betray it through a conflict with itself when applying to appearances its principle of presupposing the unconditioned for everything conditioned. This forces reason to trace the illusion to its source and discover how it can be removed. That can be done only through a complete critique of the entire faculty of pure reason. Thus the antinomy of pure reason revealed in its dialectic is actually the most beneficial error human reason could ever have fallen into. It finally drives us to seek the key for getting out of this labyrinth. Once found, that key also reveals something we were not seeking but still need: a view into a higher, unchanging order of things in which we already exist. We can now receive definite instructions for continuing our existence within it in accordance with reason's highest vocation. V:108

The critique of that faculty explains at length how to resolve this natural A 194 dialectic in the speculative use of pure reason and prevent error arising from an otherwise natural illusion. But reason fares no better in its practical use. As pure practical reason, it likewise seeks the unconditioned for what is practically conditioned—what rests on inclinations and natural need. It seeks this not as the determining ground of the will, but, even after that ground has been given in the moral law, as the unconditioned totality of the object of pure practical reason, under the name of the highest good.

To determine this idea adequately for practice—that is, for the maxim of our rational conduct—is the task of the doctrine of wisdom. This doctrine, in turn, considered as a science, is philosophy in the sense in which the ancients understood the word. For them, it was guidance toward a concept of what the highest good consists in, and toward the conduct by which it can be acquired. It would be good to leave this word its old meaning: a doctrine of the highest good, insofar as reason strives to make it a science. For one thing, the restrictive condition added here would fit the Greek expression, which means love of wisdom. At the same time, it would suffice to include under the name of philosophy the love of science, and thus of all A 195 speculative rational cognition, insofar as reason finds this useful both for that concept and for the practical determining ground. Yet it would keep us from losing sight of the chief aim, the only reason philosophy can be called a doctrine of wisdom. For another thing, it would do no harm to discourage the conceit of someone who dared claim the title of philosopher for themselves. The very definition would hold up a standard for self-assessment that would greatly lower their claims. For to be a teacher of wisdom presumably means something more than being a student who has not yet advanced far enough to guide even themselves, much less others, with a confident expectation of reaching so high an aim. It would mean being a master in the knowledge of wisdom. That is more than a modest person will claim for themselves. Philosophy, like V:109 wisdom itself, would always remain an ideal. Objectively, it is represented completely in reason alone. Subjectively, for the individual, it is only the goal of unceasing effort. Only someone who can also present in their own person an example of wisdom's unfailing effect is entitled to claim possession of it under the self-assumed name of philosopher. That effect consists in self-mastery and the unquestionable interest they take, above all, A 196 in the general good. The ancients too required this for someone to deserve that honorable name.

We need add only one preliminary reminder concerning the dialectic of pure practical reason on the determination of the concept of the highest good. If we succeed in resolving it, we can expect the same highly beneficial result as from resolving theoretical reason's dialectic. For when the contradictions of pure practical reason with itself are honestly presented rather than concealed, they require a complete critique of its own capacity.

The moral law is the sole determining ground of the pure will. But it is merely formal: it requires only that the maxim have the form of universal legislation. As a determining ground, it therefore abstracts from all matter, and thus from every object of willing. So although the highest good may be the whole object of pure practical reason, that is, of a pure will, it must not on that account be taken as the will's determining ground. The moral law alone must be regarded as the ground for making the highest good, and its production or promotion, our object. This reminder matters in so delicate a case as the determination of moral A 197 principles, where even the smallest misinterpretation corrupts dispositions. For the Analytic has shown that if, before the moral law, we assume any object called a good as the determining ground of the will, and then derive the supreme practical principle from it, this will always introduce heteronomy and displace the moral principle.

But it goes without saying that if the concept of the highest good already includes the moral law as its supreme condition, then the highest good is not merely an object. Its concept, and the representation of its existence V:110 as possible through our practical reason, are also the determining ground of the pure will. For in that case, what actually determines the will, according to the principle of autonomy, is the moral law already included and thought in this concept, and no other object. We must not lose sight of this order among concepts concerning the determination of the will. Otherwise we misunderstand ourselves and think we are contradicting ourselves where everything actually fits together in perfect harmony.

Book II, Chapter II: The dialectic of pure reason in determining the highest good

Zweites Hauptstück. A 198 Von der Dialektik der reinen Vernunft in Bestimmung des Begriffs vom höchsten Gut.

Der Begriff des Höchsten enthält schon eine Zweideutigkeit, die, wenn man darauf nicht Acht hat, unnöthige Streitigkeiten veranlassen kann. Das Höchste kann das Oberste (supremum) oder auch das Vollendete (consummatum) bedeuten. Das erstere ist diejenige Bedingung, die selbst unbedingt, d. i. keiner andern untergeordnet, ist (originarium); das zweite dasjenige Ganze, das kein Theil eines noch größeren Ganzen von derselben Art ist (perfectissimum). Daß Tugend (als die Würdigkeit glücklich zu sein) die oberste Bedingung alles dessen, was uns nur wünschenswerth scheinen mag, mithin auch aller unserer Bewerbung um Glückseligkeit, mithin das oberste Gut sei, ist in der Analytik bewiesen worden. Darum ist sie aber noch nicht das ganze und vollendete Gut, als Gegenstand des Begehrungsvermögens vernünftiger endlicher Wesen; denn um das zu sein, wird auch Glückseligkeit dazu erfordert und zwar nicht blos in den parteiischen Augen der Person, die sich selbst zum Zwecke A 199 macht, sondern selbst im Urtheile einer unparteiischen Vernunft, die jene überhaupt in der Welt als Zweck an sich betrachtet. Denn der Glückseligkeit bedürftig, ihrer auch würdig, dennoch aber derselben nicht theilhaftig zu sein, kann mit dem vollkommenen Wollen eines vernünftigen Wesens, welches zugleich alle Gewalt hätte, wenn wir uns auch nur ein solches zum Versuche denken, gar nicht zusammen bestehen. So fern nun Tugend und Glückseligkeit zusammen den Besitz des höchsten Guts in einer Person, hiebei aber auch Glückseligkeit, ganz genau in Proportion der Sittlichkeit (als Werth der Person und deren Würdigkeit glücklich zu sein) ausgetheilt, das höchste Gut einer möglichen Welt ausmachen: so bedeutet dieses das V:111 Ganze, das vollendete Gute, worin doch Tugend immer als Bedingung das oberste Gut ist, weil es weiter keine Bedingung über sich hat, Glückseligkeit immer etwas, was dem, der sie besitzt, zwar angenehm, aber nicht für sich allein schlechterdings und in aller Rücksicht gut ist, sondern jederzeit das moralische gesetzmäßige Verhalten als Bedingung voraussetzt.

Zwei in einem Begriffe nothwendig verbundene Bestimmungen müssen als Grund und Folge verknüpft sein, und zwar entweder so, daß diese Einheit als analytisch (logische Verknüpfung) oder als synthetisch (reale Verbindung), jene nach dem Gesetze der Identität, diese der A 200 Causalität betrachtet wird. Die Verknüpfung der Tugend mit der Glückseligkeit kann also entweder so verstanden werden, daß die Bestrebung tugendhaft zu sein und die vernünftige Bewerbung um Glückseligkeit nicht zwei verschiedene, sondern ganz identische Handlungen wären, da denn der ersteren keine andere Maxime, als zu der letztern zum Grunde gelegt zu werden brauchte: oder jene Verknüpfung wird darauf ausgesetzt, daß Tugend die Glückseligkeit als etwas von dem Bewußtsein der ersteren Unterschiedenes, wie die Ursache eine Wirkung, hervorbringe.

Von den alten griechischen Schulen waren eigentlich nur zwei, die in Bestimmung des Begriffs vom höchsten Gute so fern zwar einerlei Methode befolgten, daß sie Tugend und Glückseligkeit nicht als zwei verschiedene Elemente des höchsten Guts gelten ließen, mithin die Einheit des Princips nach der Regel der Identität suchten; aber darin schieden sie sich wiederum, daß sie unter beiden den Grundbegriff verschiedentlich wählten. Der Epikureer sagte: sich seiner auf Glückseligkeit führenden Maxime bewußt sein, das ist Tugend; der Stoiker: sich seiner Tugend bewußt sein, ist Glückseligkeit. Dem ersteren war Klugheit so viel als Sittlichkeit; dem zweiten, der eine höhere Benennung für die Tugend wählte, war Sittlichkeit allein wahre Weisheit.

Man muß bedauren, daß die Scharfsinnigkeit dieser Männer (die A 201 man doch zugleich darüber bewundern muß, daß sie in so frühen Zeiten schon alle erdenkliche Wege philosophischer Eroberungen versuchten) unglücklich angewandt war, zwischen äußerst ungleichartigen Begriffen, dem der Glückseligkeit und dem der Tugend, Identität zu ergrübeln. Allein es war dem dialektischen Geiste ihrer Zeiten angemessen, was auch jetzt bisweilen subtile Köpfe verleitet, wesentliche und nie zu vereinigende Unterschiede in Principien dadurch aufzuheben, daß man sie in Wortstreit zu verwandeln sucht und so dem Scheine nach Einheit des Begriff blos unter V:112 verschiedenen Benennungen erkünstelt, und dieses trifft gemeiniglich solche Fälle, wo die Vereinigung ungleichartiger Gründe so tief oder hoch liegt, oder eine so gänzliche Umänderung der sonst im philosophischen System angenommenen Lehren erfordern würde, daß man Scheu trägt sich in den realen Unterschied tief einzulassen und ihn lieber als Uneinigkeit in bloßen Formalien behandelt.

Indem beide Schulen Einerleiheit der praktischen Principien der Tugend und Glückseligkeit zu ergrübeln suchten, so waren sie darum nicht unter sich einhellig, wie sie diese Identität herauszwingen wollten, sondern schieden sich in unendliche Weiten von einander, indem die eine ihr Princip auf der ästhetischen, die andere auf der logischen Seite, jene im Bewußtsein des sinnlichen Bedürfnisses, die andere in der Unabhängigkeit A 202 der praktischen Vernunft von allen sinnlichen Bestimmungsgründen setzte. Der Begriff der Tugend lag nach dem Epikureer schon in der Maxime seine eigene Glückseligkeit zu befördern; das Gefühl der Glückseligkeit war dagegen nach dem Stoiker schon im Bewußtsein seiner Tugend enthalten. Was aber in einem andern Begriffe enthalten ist, ist zwar mit einem Theile des Enthaltenden, aber nicht mit dem Ganzen einerlei, und zwei Ganze können überdem specifisch von einander unterschieden sein, ob sie zwar aus eben demselben Stoffe bestehen, wenn nämlich die Theile in beiden auf ganz verschiedene Art zu einem Ganzen verbunden werden. Der Stoiker behauptete, Tugend sei das ganze höchste Gut und Glückseligkeit nur das Bewußtsein des Besitzes derselben als zum Zustand des Subjects gehörig. Der Epikureer behauptete, Glückseligkeit sei das ganze höchste Gut und Tugend nur die Form der Maxime sich um sie zu bewerben, nämlich im vernünftigen Gebrauche der Mittel zu derselben.

Nun ist aber aus der Analytik klar, daß die Maximen der Tugend und die der eigenen Glückseligkeit in Ansehung ihres obersten praktischen Princips ganz ungleichartig sind und, weit gefehlt, einhellig zu sein, ob sie gleich zu einem höchsten Guten gehören, um das letztere möglich zu machen, einander in demselben Subjecte gar sehr einschränken und Abbruch thun. Also bleibt die Frage: wie ist das höchste Gut praktisch A 203 möglich? noch immer unerachtet aller bisherigen Coalitionsversuche eine unaufgelösete Aufgabe. Das aber, was sie zu einer schwer zu lösenden Aufgabe macht, ist in der Analytik gegeben, nämlich daß Glückseligkeit und Sittlichkeit zwei specifisch ganz verschiedene Elemente des höchsten Guts sind, und ihre Verbindung also nicht analytisch erkannt V:113 werden könne (daß etwa der, so seine Glückseligkeit sucht, in diesem seinem Verhalten sich durch bloße Auflösung seiner Begriffe tugendhaft, oder der, so der Tugend folgt, sich im Bewußtsein eines solchen Verhaltens schon ipso facto glücklich finden werde), sondern eine Synthesis der Begriffe sei. Weil aber diese Verbindung als a priori, mithin praktisch nothwendig, folglich nicht als aus der Erfahrung abgeleitet erkannt wird, und die Möglichkeit des höchsten Guts also auf keinen empirischen Principien beruht, so wird die Deduction dieses Begriffs transscendental sein müssen. Es ist a priori (moralisch) nothwendig, das höchste Gut durch Freiheit des Willens hervorzubringen; es muß also auch die Bedingung der Möglichkeit desselben lediglich auf Erkenntnißgründen a priori beruhen.

I. A 204 Die Antinomie der praktischen Vernunft.

In dem höchsten für uns praktischen, d. i. durch unsern Willen wirklich zu machenden, Gute werden Tugend und Glückseligkeit als nothwendig verbunden gedacht, so daß das eine durch reine praktische Vernunft nicht angenommen werden kann, ohne daß das andere auch zu ihm gehöre. Nun ist diese Verbindung (wie eine jede überhaupt) entweder analytisch, oder synthetisch. Da diese gegebene aber nicht analytisch sein kann, wie nur eben vorher gezeigt worden, so muß sie synthetisch und zwar als Verknüpfung der Ursache mit der Wirkung gedacht werden: weil sie ein praktisches Gut, d. i. was durch Handlung möglich ist, betrifft. Es muß also entweder die Begierde nach Glückseligkeit die Bewegursache zu Maximen der Tugend, oder die Maxime der Tugend muß die wirkende Ursache der Glückseligkeit sein. Das erste ist schlechterdings unmöglich: weil (wie in der Analytik bewiesen worden) Maximen, die den Bestimmungsgrund des Willens in dem Verlangen nach seiner Glückseligkeit setzen, gar nicht moralisch sind und keine Tugend gründen können. Das zweite ist aber auch unmöglich, weil alle praktische Verknüpfung der Ursachen und der Wirkungen in der Welt als Erfolg der Willensbestimmung sich nicht nach A 205 moralischen Gesinnungen des Willens, sondern der Kenntniß der Naturgesetze und dem physischen Vermögen, sie zu seinen Absichten zu gebrauchen, richtet, folglich keine nothwendige und zum höchsten Gut zureichende Verknüpfung der Glückseligkeit mit der Tugend in der Welt durch die pünktlichste V:114 Beobachtung der moralischen Gesetze erwartet werden kann. Da nun die Beförderung des höchsten Guts, welches diese Verknüpfung in seinem Begriffe enthält, ein a priori nothwendiges Object unseres Willens ist und mit dem moralischen Gesetze unzertrennlich zusammenhängt, so muß die Unmöglichkeit des ersteren auch die Falschheit des zweiten beweisen. Ist also das höchste Gut nach praktischen Regeln unmöglich, so muß auch das moralische Gesetz, welches gebietet dasselbe zu befördern, phantastisch und auf leere eingebildete Zwecke gestellt, mithin an sich falsch sein.

II. Kritische Aufhebung der Antinomie der praktischen Vernunft.

In der Antinomie der reinen speculativen Vernunft findet sich ein ähnlicher Widerstreit zwischen Naturnothwendigkeit und Freiheit in der Causalität der Begebenheiten in der Welt. Er wurde dadurch gehoben, daß bewiesen wurde, es sei kein wahrer Widerstreit, wenn man die Begebenheiten A 206 und selbst die Welt, darin sie sich ereignen, (wie man auch soll) nur als Erscheinungen betrachtet; da ein und dasselbe handelnde Wesen als Erscheinung (selbst vor seinem eignen innern Sinne) eine Causalität in der Sinnenwelt hat, die jederzeit dem Naturmechanism gemäß ist, in Ansehung derselben Begebenheit aber, so fern sich die handelnde Person zugleich als Noumenon betrachtet (als reine Intelligenz, in seinem nicht der Zeit nach bestimmbaren Dasein), einen Bestimmungsgrund jener Causalität nach Naturgesetzen, der selbst von allem Naturgesetze frei ist, enthalten könne.

Mit der vorliegenden Antinomie der reinen praktischen Vernunft ist es nun eben so bewandt. Der erste von den zwei Sätzen, daß das Bestreben nach Glückseligkeit einen Grund tugendhafter Gesinnung hervorbringe, ist schlechterdings falsch; der zweite aber, daß Tugendgesinnung nothwendig Glückseligkeit hervorbringe, ist nicht schlechterdings, sondern nur so fern sie als die Form der Causalität in der Sinnenwelt betrachtet wird, und mithin, wenn ich das Dasein in derselben für die einzige Art der Existenz des vernünftigen Wesens annehme, also nur bedingter Weise falsch. Da ich aber nicht allein befugt bin, mein Dasein auch als Noumenon in einer Verstandeswelt zu denken, sondern sogar V:115 am moralischen Gesetze einen rein intellectuellen Bestimmungsgrund meiner Causalität (in der Sinnenwelt) habe, so ist es nicht unmöglich, A 207 daß die Sittlichkeit der Gesinnung einen, wo nicht unmittelbaren, doch mittelbaren (vermittelst eines intelligibelen Urhebers der Natur) und zwar nothwendigen Zusammenhang als Ursache mit der Glückseligkeit als Wirkung in der Sinnenwelt habe, welche Verbindung in einer Natur, die blos Object der Sinne ist, niemals anders als zufällig stattfinden und zum höchsten Gut nicht zulangen kann.

Also ist unerachtet dieses scheinbaren Widerstreits einer praktischen Vernunft mit sich selbst das höchste Gut der nothwendige höchste Zweck eines moralisch bestimmten Willens, ein wahres Object derselben; denn es ist praktisch möglich, und die Maximen des letzteren, die sich darauf ihrer Materie nach beziehen, haben objective Realität, welche anfänglich durch jene Antinomie in Verbindung der Sittlichkeit mit Glückseligkeit nach einem allgemeinen Gesetze getroffen wurde, aber aus bloßem Mißverstande, weil man das Verhältniß zwischen Erscheinungen für ein Verhältniß der Dinge an sich selbst zu diesen Erscheinungen hielt.

Wenn wir uns genöthigt sehen, die Möglichkeit des höchsten Guts, dieses durch die Vernunft allen vernünftigen Wesen ausgesteckten Ziels aller ihrer moralischen Wünsche, in solcher Weite, nämlich in der Verknüpfung mit einer intelligibelen Welt, zu suchen, so muß es befremden, A 208 daß gleichwohl die Philosophen alter sowohl als neuer Zeiten die Glückseligkeit mit der Tugend in ganz geziemender Proportion schon in diesem Leben (in der Sinnenwelt) haben finden, oder sich ihrer bewußt zu sein haben überreden können. Denn Epikur sowohl, als die Stoiker erhoben die Glückseligkeit, die aus dem Bewußtsein der Tugend im Leben entspringe, über alles, und der erstere war in seinen praktischen Vorschriften nicht so niedrig gesinnt, als man aus den Principien seiner Theorie, die er zum Erklären, nicht zum Handeln brauchte, schließen möchte, oder wie sie viele, durch den Ausdruck Wollust für Zufriedenheit verleitet, ausdeuteten, sondern rechnete die uneigennützigste Ausübung des Guten mit zu den Genußarten der innigsten Freude, und die Gnügsamkeit und Bändigung der Neigungen, so wie sie immer der strengste Moralphilosoph fordern mag, gehörte mit zu seinem Plane eines Vergnügens (er verstand darunter das stets fröhliche Herz); wobei er von den Stoikern vornehmlich nur darin abwich, daß er in diesem Vergnügen den Bewegungsgrund setzte, welches die letztern, und zwar mit Recht, verweigerten. Denn einestheils V:116 fiel der tugendhafte Epikur, so wie noch jetzt viele moralisch wohlgesinnte, obgleich über ihre Principien nicht tief genug nachdenkende Männer, in den Fehler, die tugendhafte Gesinnung in den Personen schon vorauszusetzen, für die er die Triebfeder zur Tugend zuerst angeben wollte (und in der That kann der Rechtschaffene sich nicht glücklich finden, A 209 wenn er sich nicht zuvor seiner Rechtschaffenheit bewußt ist: weil bei jener Gesinnung die Verweise, die er bei Übertretungen sich selbst zu machen durch seine eigene Denkungsart genöthigt sein würde, und die moralische Selbstverdammung ihn alles Genusses der Annehmlichkeit, die sonst sein Zustand enthalten mag, berauben würden). Allein die Frage ist: wodurch wird eine solche Gesinnung und Denkungsart, den Werth seines Daseins zu schätzen, zuerst möglich, da vor derselben noch gar kein Gefühl für einen moralischen Werth überhaupt im Subjecte angetroffen werden würde? Der Mensch wird, wenn er tugendhaft ist, freilich, ohne sich in jeder Handlung seiner Rechtschaffenheit bewußt zu sein, des Lebens nicht froh werden, so günstig ihm auch das Glück im physischen Zustande desselben sein mag; aber um ihn allererst tugendhaft zu machen, mithin ehe er noch den moralischen Werth seiner Existenz so hoch anschlägt, kann man ihm da wohl die Seelenruhe anpreisen, die aus dem Bewußtsein einer Rechtschaffenheit entspringen werde, für die er doch keinen Sinn hat?

Andrerseits aber liegt hier immer der Grund zu einem Fehler des Erschleichens (vitium subreptionis) und gleichsam einer optischen Illusion in dem Selbstbewußtsein dessen, was man thut, zum Unterschiede dessen, was man empfindet, die auch der Versuchteste nicht völlig vermeiden A 210 kann. Die moralische Gesinnung ist mit einem Bewußtsein der Bestimmung des Willens unmittelbar durchs Gesetz nothwendig verbunden. Nun ist das Bewußtsein einer Bestimmung des Begehrungsvermögens immer der Grund eines Wohlgefallens an der Handlung, die dadurch hervorgebracht wird; aber diese Lust, dieses Wohlgefallen an sich selbst, ist nicht der Bestimmungsgrund der Handlung, sondern die Bestimmung des Willens unmittelbar, blos durch die Vernunft, ist der Grund des Gefühls der Lust, und jene bleibt eine reine praktische, nicht ästhetische Bestimmung des Begehrungsvermögens. Da diese Bestimmung nun innerlich gerade dieselbe Wirkung eines Antriebs zur Thätigkeit thut, als ein Gefühl der Annehmlichkeit, die aus der begehrten Handlung erwartet wird, würde gethan haben, so sehen wir das, was wir selbst thun, leichtlich für etwas an, was wir blos leidentlich fühlen, und nehmen die moralische V:117 Triebfeder für sinnlichen Antrieb, wie das allemal in der sogenannten Täuschung der Sinne (hier des innern) zu geschehen pflegt. Es ist etwas sehr Erhabenes in der menschlichen Natur, unmittelbar durch ein reines Vernunftgesetz zu Handlungen bestimmt zu werden, und sogar die Täuschung, das Subjective dieser intellectuellen Bestimmbarkeit des Willens für etwas Ästhetisches und Wirkung eines besondern sinnlichen Gefühls (denn ein intellectuelles wäre ein Widerspruch) zu halten. Es ist auch von großer Wichtigkeit, auf diese Eigenschaft unserer Persönlichkeit A 211 aufmerksam zu machen und die Wirkung der Vernunft auf dieses Gefühl bestmöglichst zu cultiviren. Aber man muß sich auch in Acht nehmen, durch unächte Hochpreisungen dieses moralischen Bestimmungsgrundes als Triebfeder, indem man ihm Gefühle besonderer Freuden als Gründe (die doch nur Folgen sind) unterlegt, die eigentliche, ächte Triebfeder, das Gesetz selbst, gleichsam wie durch eine falsche Folie herabzusetzen und zu verunstalten. Achtung und nicht Vergnügen oder Genuß der Glückseligkeit ist also etwas, wofür kein der Vernunft zum Grunde gelegtes, vorhergehendes Gefühl (weil dieses jederzeit ästhetisch und pathologisch sein würde) möglich ist, als Bewußtsein der unmittelbaren Nöthigung des Willens durch Gesetz, ist kaum ein Analogon des Gefühls der Lust, indem es im Verhältnisse zum Begehrungsvermögen gerade eben dasselbe, aber aus andern Quellen thut; durch diese Vorstellungsart aber kann man allein erreichen, was man sucht, nämlich daß Handlungen nicht blos pflichtmäßig (angenehmen Gefühlen zu Folge), sondern aus Pflicht geschehen, welches der wahre Zweck aller moralischen Bildung sein muß.

Hat man aber nicht ein Wort, welches nicht einen Genuß, wie das der Glückseligkeit, bezeichnete, aber doch ein Wohlgefallen an seiner Existenz, ein Analogon der Glückseligkeit, welche das Bewußtsein der Tugend nothwendig begleiten muß, anzeigte? Ja! dieses Wort ist Selbstzufriedenheit, A 212 welches in seiner eigentlichen Bedeutung jederzeit nur ein negatives Wohlgefallen an seiner Existenz andeutet, in welchem man nichts zu bedürfen sich bewußt ist. Freiheit und das Bewußtsein derselben als eines Vermögens, mit überwiegender Gesinnung das moralische Gesetz zu befolgen, ist Unabhängigkeit von Neigungen, wenigstens als bestimmenden (wenn gleich nicht als afficirenden) Bewegursachen unseres Begehrens, und, so fern als ich mir derselben in der Befolgung meiner moralischen Maximen bewußt bin, der einzige Quell einer nothwendig damit verbundenen, auf keinem besonderen Gefühle beruhenden, unveränderlichen V:118 Zufriedenheit, und diese kann intellectuell heißen. Die ästhetische (die uneigentlich so genannt wird), welche auf der Befriedigung der Neigungen, so fein sie auch immer ausgeklügelt werden mögen, beruht, kann niemals dem, was man sich darüber denkt, adäquat sein. Denn die Neigungen wechseln, wachsen mit der Begünstigung, die man ihnen widerfahren läßt, und lassen immer ein noch größeres Leeres übrig, als man auszufüllen gedacht hat. Daher sind sie einem vernünftigen Wesen jederzeit lästig, und wenn es sie gleich nicht abzulegen vermag, so nöthigen sie ihm doch den Wunsch ab, ihrer entledigt zu sein. Selbst eine Neigung zum Pflichtmäßigen (z. B. zur Wohlthätigkeit) kann zwar die Wirksamkeit der moralischen Maximen sehr erleichtern, aber keine hervorbringen. A 213 Denn alles muß in dieser auf der Vorstellung des Gesetzes als Bestimmungsgrunde angelegt sein, wenn die Handlung nicht blos Legalität, sondern auch Moralität enthalten soll. Neigung ist blind und knechtisch, sie mag nun gutartig sein oder nicht, und die Vernunft, wo es auf Sittlichkeit ankommt, muß nicht blos den Vormund derselben vorstellen, sondern, ohne auf sie Rücksicht zu nehmen, als reine praktische Vernunft ihr eigenes Interesse ganz allein besorgen. Selbst dies Gefühl des Mitleids und der weichherzigen Theilnehmung, wenn es vor der Überlegung, was Pflicht sei, vorhergeht und Bestimmungsgrund wird, ist wohldenkenden Personen selbst lästig, bringt ihre überlegte Maximen in Verwirrung und bewirkt den Wunsch, ihrer entledigt und allein der gesetzgebenden Vernunft unterworfen zu sein.

Hieraus läßt sich verstehen: wie das Bewußtsein dieses Vermögens einer reinen praktischen Vernunft durch That (die Tugend) ein Bewußtsein der Obermacht über seine Neigungen, hiemit also der Unabhängigkeit von denselben, folglich auch der Unzufriedenheit, die diese immer begleitet, und also ein negatives Wohlgefallen mit seinem Zustande, d. i. Zufriedenheit, hervorbringen könne, welche in ihrer Quelle Zufriedenheit mit seiner Person ist. Die Freiheit selbst wird auf solche Weise (nämlich indirect) eines Genusses fähig, welcher nicht Glückseligkeit heißen kann, weil er A 214 nicht vom positiven Beitritt eines Gefühls abhängt, auch genau zu reden nicht Seligkeit, weil er nicht gänzliche Unabhängigkeit von Neigungen und Bedürfnissen enthält, der aber doch der letztern ähnlich ist, so fern nämlich wenigstens seine Willensbestimmung sich von ihrem Einflusse frei halten kann, und also wenigstens seinem Ursprunge nach der Selbstgenugsamkeit analogisch ist, die man nur dem höchsten Wesen beilegen kann.

V:119 Aus dieser Auflösung der Antinomie der praktischen reinen Vernunft folgt, daß sich in praktischen Grundsätzen eine natürliche und nothwendige Verbindung zwischen dem Bewußtsein der Sittlichkeit und der Erwartung einer ihr proportionirten Glückseligkeit, als Folge derselben, wenigstens als möglich denken (darum aber freilich noch eben nicht erkennen und einsehen) lasse; dagegen daß Grundsätze der Bewerbung um Glückseligkeit unmöglich Sittlichkeit hervorbringen können; daß also das oberste Gut (als die erste Bedingung des höchsten Guts) Sittlichkeit, Glückseligkeit dagegen zwar das zweite Element desselben ausmache, doch so, daß diese nur die moralisch bedingte, aber doch nothwendige Folge der ersteren sei. In dieser Unterordnung allein ist das höchste Gut das ganze Object der reinen praktischen Vernunft, die es sich nothwendig als möglich vorstellen muß, weil es ein Gebot derselben ist, zu dessen Hervorbringung alles Mögliche beizutragen. Weil aber die Möglichkeit einer solchen Verbindung A 215 des Bedingten mit seiner Bedingung gänzlich zum übersinnlichen Verhältnisse der Dinge gehört und nach Gesetzen der Sinnenwelt gar nicht gegeben werden kann, obzwar die praktische Folge dieser Idee, nämlich die Handlungen, die darauf abzielen, das höchste Gut wirklich zu machen, zur Sinnenwelt gehören: so werden wir die Gründe jener Möglichkeit erstlich in Ansehung dessen, was unmittelbar in unserer Gewalt ist, und dann zweitens in dem, was uns Vernunft als Ergänzung unseres Unvermögens zur Möglichkeit des höchsten Guts (nach praktischen Principien nothwendig) darbietet und nicht in unserer Gewalt ist, darzustellen suchen.

III. Von dem Primat der reinen praktischen Vernunft in ihrer Verbindung mit der speculativen.

Unter dem Primate zwischen zwei oder mehreren durch Vernunft verbundenen Dingen verstehe ich den Vorzug des einen, der erste Bestimmungsgrund der Verbindung mit allen übrigen zu sein. In engerer, praktischer Bedeutung bedeutet es den Vorzug des Interesse des einen, so fern ihm (welches keinem andern nachgesetzt werden kann) das Interesse der andern untergeordnet ist. Einem jeden Vermögen des Gemüths kann A 216 man ein Interesse beilegen, d. i. ein Princip, welches die Bedingung enthält, unter welcher allein die Ausübung desselben befördert wird. Die Vernunft als das Vermögen der Principien bestimmt das Interesse aller V:120 Gemüthskräfte, das ihrige aber sich selbst. Das Interesse ihres speculativen Gebrauchs besteht in der Erkenntniß des Objects bis zu den höchsten Principien a priori, das des praktischen Gebrauchs in der Bestimmung des Willens in Ansehung des letzten und vollständigen Zwecks. Das, was zur Möglichkeit eines Vernunftgebrauchs überhaupt erforderlich ist, nämlich daß die Principien und Behauptungen derselben einander nicht widersprechen müssen, macht keinen Theil ihres Interesse aus, sondern ist die Bedingung überhaupt Vernunft zu haben; nur die Erweiterung, nicht die bloße Zusammenstimmung mit sich selbst wird zum Interesse derselben gezählt.

Wenn praktische Vernunft nichts weiter annehmen und als gegeben denken darf, als was speculative Vernunft für sich ihr aus ihrer Einsicht darreichen konnte, so führt diese das Primat. Gesetzt aber, sie hätte für sich ursprüngliche Principien a priori, mit denen gewisse theoretische Positionen unzertrennlich verbunden wären, die sich gleichwohl aller möglichen Einsicht der speculativen Vernunft entzögen (ob sie zwar derselben auch nicht widersprechen müßten), so ist die Frage, welches Interesse das oberste A 217 sei (nicht, welches weichen müßte, denn eines widerstreitet dem andern nicht nothwendig): ob speculative Vernunft, die nichts von allem dem weiß, was praktische ihr anzunehmen darbietet, diese Sätze aufnehmen und sie, ob sie gleich für sie überschwenglich sind, mit ihren Begriffen als einen fremden, auf sie übertragenen Besitz zu vereinigen suchen müsse, oder ob sie berechtigt sei, ihrem eigenen, abgesonderten Interesse hartnäckig zu folgen und nach der Kanonik des Epikurs alles als leere Vernünftelei auszuschlagen, was seine objective Realität nicht durch augenscheinliche, in der Erfahrung aufzustellende Beispiele beglaubigen kann, wenn es gleich noch so sehr mit dem Interesse des praktischen (reinen) Gebrauchs verwebt, an sich auch der theoretischen nicht widersprechend wäre, blos weil es wirklich so fern dem Interesse der speculativen Vernunft Abbruch thut, daß es die Grenzen, die diese sich selbst gesetzt, aufhebt und sie allem Unsinn oder Wahnsinn der Einbildungskraft preisgiebt.

In der That, so fern praktische Vernunft als pathologisch bedingt, d. i. das Interesse der Neigungen unter dem sinnlichen Princip der Glückseligkeit blos verwaltend, zum Grunde gelegt würde, so ließe sich diese Zumuthung an die speculative Vernunft gar nicht thun. Mahomets Paradies, oder der Theosophen und Mystiker schmelzende Vereinigung mit der Gottheit, so wie jedem sein Sinn steht, würden der Vernunft ihre V:121 Ungeheuer aufdringen, und es wäre eben so gut, gar keine zu haben, als A 218 sie auf solche Weise allen Träumereien preiszugeben. Allein wenn reine Vernunft für sich praktisch sein kann und es wirklich ist, wie das Bewußtsein des moralischen Gesetzes es ausweiset, so ist es doch immer nur eine und dieselbe Vernunft, die, es sei in theoretischer oder praktischer Absicht, nach Principien a priori urtheilt, und da ist es klar, daß, wenn ihr Vermögen in der ersteren gleich nicht zulangt, gewisse Sätze behauptend festzusetzen, indessen daß sie ihr auch eben nicht widersprechen, eben diese Sätze, so bald sie unabtrennlich zum praktischen Interesse der reinen Vernunft gehören, zwar als ein ihr fremdes Angebot, das nicht auf ihrem Boden erwachsen, aber doch hinreichend beglaubigt ist, annehmen und sie mit allem, was sie als speculative Vernunft in ihrer Macht hat, zu vergleichen und zu verknüpfen suchen müsse; doch sich bescheidend, daß dieses nicht ihre Einsichten, aber doch Erweiterungen ihres Gebrauchs in irgend einer anderen, nämlich praktischen, Absicht sind, welches ihrem Interesse, das in der Einschränkung des speculativen Frevels besteht, ganz und gar nicht zuwider ist.

In der Verbindung also der reinen speculativen mit der reinen praktischen Vernunft zu einem Erkenntnisse führt die letztere das Primat, vorausgesetzt nämlich, daß diese Verbindung nicht etwa zufällig und beliebig, sondern a priori auf der Vernunft selbst gegründet, mithin nothwendig A 219 sei. Denn es würde ohne diese Unterordnung ein Widerstreit der Vernunft mit ihr selbst entstehen: weil, wenn sie einander blos beigeordnet (coordinirt) wären, die erstere für sich ihre Grenze enge verschließen und nichts von der letzteren in ihr Gebiet aufnehmen, diese aber ihre Grenzen dennoch über alles ausdehnen und, wo es ihr Bedürfniß erheischt, jene innerhalb der ihrigen mit zu befassen suchen würde. Der speculativen Vernunft aber untergeordnet zu sein und also die Ordnung umzukehren, kann man der reinen praktischen gar nicht zumuthen, weil alles Interesse zuletzt praktisch ist, und selbst das der speculativen Vernunft nur bedingt und im praktischen Gebrauche allein vollständig ist.

IV. V:122 Die Unsterblichkeit der Seele, als ein Postulat der reinen praktischen Vernunft.

Die Bewirkung des höchsten Guts in der Welt ist das nothwendige Object eines durchs moralische Gesetz bestimmbaren Willens. In diesem aber ist die völlige Angemessenheit der Gesinnungen zum moralischen Gesetze die oberste Bedingung des höchsten Guts. Sie muß also eben sowohl möglich sein als ihr Object, weil sie in demselben Gebote dieses zu A 220 befördern enthalten ist. Die völlige Angemessenheit des Willens aber zum moralischen Gesetze ist Heiligkeit, eine Vollkommenheit, deren kein vernünftiges Wesen der Sinnenwelt in keinem Zeitpunkte seines Daseins fähig ist. Da sie indessen gleichwohl als praktisch nothwendig gefordert wird, so kann sie nur in einem ins Unendliche gehenden Progressus zu jener völligen Angemessenheit angetroffen werden, und es ist nach Principien der reinen praktischen Vernunft nothwendig, eine solche praktische Fortschreitung als das reale Object unseres Willens anzunehmen.

Dieser unendliche Progressus ist aber nur unter Voraussetzung einer ins Unendliche fortdaurenden Existenz und Persönlichkeit desselben vernünftigen Wesens (welche man die Unsterblichkeit der Seele nennt) möglich. Also ist das höchste Gut praktisch nur unter der Voraussetzung der Unsterblichkeit der Seele möglich, mithin diese, als unzertrennlich mit dem moralischen Gesetz verbunden, ein Postulat der reinen praktischen Vernunft (worunter ich einen theoretischen, als solchen aber nicht erweislichen Satz verstehe, so fern er einem a priori unbedingt geltenden praktischen Gesetze unzertrennlich anhängt).

Der Satz von der moralischen Bestimmung unserer Natur, nur allein in einem ins Unendliche gehenden Fortschritte zur völligen Angemessenheit mit dem Sittengesetze gelangen zu können, ist von dem größten Nutzen, A 221 nicht blos in Rücksicht auf die gegenwärtige Ergänzung des Unvermögens der speculativen Vernunft, sondern auch in Ansehung der Religion. In Ermangelung desselben wird entweder das moralische Gesetz von seiner Heiligkeit gänzlich abgewürdigt, indem man es sich als nachsichtlich (indulgent) und so unserer Behaglichkeit angemessen verkünstelt, oder auch seinen Beruf und zugleich Erwartung zu einer unerreichbaren Bestimmung, nämlich einem verhofften völligen Erwerb der Heiligkeit des Willens, spannt V:123 und sich in schwärmende, dem Selbsterkenntniß ganz widersprechende theosophische Träume verliert, durch welches beides das unaufhörliche Streben zur pünktlichen und durchgängigen Befolgung eines strengen, unnachsichtlichen, dennoch aber nicht idealischen, sondern wahren Vernunftgebots nur verhindert wird. Einem vernünftigen, aber endlichen Wesen ist nur der Progressus ins Unendliche von niederen zu den höheren Stufen der moralischen Vollkommenheit möglich. Der Unendliche, dem die Zeitbedingung Nichts ist, sieht in dieser für uns endlosen Reihe das Ganze der Angemessenheit mit dem moralischen Gesetze, und die Heiligkeit, die sein Gebot unnachlaßlich fordert, um seiner Gerechtigkeit in dem Antheil, den er jedem am höchsten Gute bestimmt, gemäß zu sein, ist in einer einzigen intellectuellen Anschauung des Daseins vernünftiger Wesen ganz anzutreffen. A 222 Was dem Geschöpfe allein in Ansehung der Hoffnung dieses Antheils zukommen kann, wäre das Bewußtsein seiner erprüften Gesinnung, um aus seinem bisherigen Fortschritte vom Schlechteren zum moralisch Besseren und dem dadurch ihm bekannt gewordenen unwandelbaren Vorsatze eine fernere ununterbrochene Fortsetzung desselben, wie weit seine Existenz auch immer reichen mag, selbst über dieses Leben hinaus zu hoffen12 und so zwar niemals hier, oder in irgend einem absehlichen künftigen A 223 Zeitpunkte seines Daseins, sondern nur in der (Gott allein übersehbaren) V:124 Unendlichkeit seiner Fortdauer dem Willen desselben (ohne Nachsicht oder Erlassung, welche sich mit der Gerechtigkeit nicht zusammenreimt) völlig adäquat zu sein.

V. Das Dasein Gottes, als ein Postulat der reinen praktischen Vernunft.

Das moralische Gesetz führte in der vorhergehenden Zergliederung zur praktischen Aufgabe, welche ohne allen Beitritt sinnlicher Triebfedern, blos durch reine Vernunft vorgeschrieben wird, nämlich der nothwendigen Vollständigkeit des ersten und vornehmsten Theils des höchsten Guts, der Sittlichkeit, und, da diese nur in einer Ewigkeit völlig aufgelöset werden kann, zum Postulat der Unsterblichkeit. Eben dieses Gesetz muß auch zur Möglichkeit des zweiten Elements des höchsten Guts, nämlich der jener Sittlichkeit angemessenen Glückseligkeit, eben so uneigennützig wie A 224 vorher, aus bloßer unparteiischer Vernunft, nämlich auf die Voraussetzung des Daseins einer dieser Wirkung adäquaten Ursache führen, d. i. die Existenz Gottes, als zur Möglichkeit des höchsten Guts (welches Object unseres Willens mit der moralischen Gesetzgebung der reinen Vernunft nothwendig verbunden ist) nothwendig gehörig, postuliren. Wir wollen diesen Zusammenhang überzeugend darstellen.

Glückseligkeit ist der Zustand eines vernünftigen Wesens in der Welt, dem es im Ganzen seiner Existenz alles nach Wunsch und Willen geht, und beruht also auf der Übereinstimmung der Natur zu seinem ganzen Zwecke, imgleichen zum wesentlichen Bestimmungsgrunde seines Willens. Nun gebietet das moralische Gesetz als ein Gesetz der Freiheit durch Bestimmungsgründe, die von der Natur und der Übereinstimmung derselben zu unserem Begehrungsvermögen (als Triebfedern) ganz unabhängig sein sollen; das handelnde vernünftige Wesen in der Welt aber ist doch nicht zugleich Ursache der Welt und der Natur selbst. Also ist in dem moralischen Gesetze nicht der mindeste Grund zu einem nothwendigen Zusammenhang zwischen Sittlichkeit und der ihr proportionirten Glückseligkeit eines zur Welt als Theil gehörigen und daher von ihr abhängigen Wesens, welches eben darum durch seinen Willen nicht Ursache dieser Natur sein und sie, was seine Glückseligkeit betrifft, mit seinen praktischen Grundsätzen aus eigenen Kräften nicht durchgängig einstimmig A 225 V:125 machen kann. Gleichwohl wird in der praktischen Aufgabe der reinen Vernunft, d. i. der nothwendigen Bearbeitung zum höchsten Gute, ein solcher Zusammenhang als nothwendig postulirt: wir sollen das höchste Gut (welches also doch möglich sein muß) zu befördern suchen. Also wird auch das Dasein einer von der Natur unterschiedenen Ursache der gesammten Natur, welche den Grund dieses Zusammenhanges, nämlich der genauen Übereinstimmung der Glückseligkeit mit der Sittlichkeit, enthalte, postulirt. Diese oberste Ursache aber soll den Grund der Übereinstimmung der Natur nicht blos mit einem Gesetze des Willens der vernünftigen Wesen, sondern mit der Vorstellung dieses Gesetzes, so fern diese es sich zum obersten Bestimmungsgrunde des Willens setzen, also nicht blos mit den Sitten der Form nach, sondern auch ihrer Sittlichkeit als dem Bewegungsgrunde derselben, d. i. mit ihrer moralischen Gesinnung, enthalten. Also ist das höchste Gut in der Welt nur möglich, so fern eine oberste Ursache der Natur angenommen wird, die eine der moralischen Gesinnung gemäße Causalität hat. Nun ist ein Wesen, das der Handlungen nach der Vorstellung von Gesetzen fähig ist, eine Intelligenz (vernünftig Wesen) und die Causalität eines solchen Wesens nach dieser Vorstellung der Gesetze ein Wille desselben. Also ist die oberste Ursache der Natur, so fern sie zum höchsten Gute vorausgesetzt werden muß, ein Wesen, das A 226 durch Verstand und Willen die Ursache (folglich der Urheber) der Natur ist, d. i. Gott. Folglich ist das Postulat der Möglichkeit des höchsten abgeleiteten Guts (der besten Welt) zugleich das Postulat der Wirklichkeit eines höchsten ursprünglichen Guts, nämlich der Existenz Gottes. Nun war es Pflicht für uns das höchste Gut zu befördern, mithin nicht allein Befugniß, sondern auch mit der Pflicht als Bedürfniß verbundene Nothwendigkeit, die Möglichkeit dieses höchsten Guts vorauszusetzen, welches, da es nur unter der Bedingung des Daseins Gottes stattfindet, die Voraussetzung desselben mit der Pflicht unzertrennlich verbindet, d. i. es ist moralisch nothwendig, das Dasein Gottes anzunehmen.

Hier ist nun wohl zu merken, daß diese moralische Nothwendigkeit subjectiv, d. i. Bedürfniß, und nicht objectiv, d. i. selbst Pflicht, sei; denn es kann gar keine Pflicht geben, die Existenz eines Dinges anzunehmen (weil dieses blos den theoretischen Gebrauch der Vernunft angeht). Auch wird hierunter nicht verstanden, daß die Annehmung des Daseins Gottes, als eines Grundes aller Verbindlichkeit überhaupt, nothwendig sei (denn dieser beruht, wie hinreichend bewiesen worden, lediglich auf der V:126 Autonomie der Vernunft selbst). Zur Pflicht gehört hier nur die Bearbeitung zu Hervorbringung und Beförderung des höchsten Guts in der Welt, dessen Möglichkeit also postulirt werden kann, die aber unsere Vernunft A 227 nicht anders denkbar findet, als unter Voraussetzung einer höchsten Intelligenz, deren Dasein anzunehmen also mit dem Bewußtsein unserer Pflicht verbunden ist, obzwar diese Annehmung selbst für die theoretische Vernunft gehört, in Ansehung deren allein sie, als Erklärungsgrund betrachtet, Hypothese, in Beziehung aber auf die Verständlichkeit eines uns doch durchs moralische Gesetz ausgegebenen Objects (des höchsten Guts), mithin eines Bedürfnisses in praktischer Absicht, Glaube und zwar reiner Vernunftglaube heißen kann, weil blos reine Vernunft (sowohl ihrem theoretischen als praktischen Gebrauche nach) die Quelle ist, daraus er entspringt.

Aus dieser Deduction wird es nunmehr begreiflich, warum die griechischen Schulen zur Auflösung ihres Problems von der praktischen Möglichkeit des höchsten Guts niemals gelangen konnten: weil sie nur immer die Regel des Gebrauchs, den der Wille des Menschen von seiner Freiheit macht, zum einzigen und für sich allein zureichenden Grunde derselben machten, ohne ihrem Bedünken nach das Dasein Gottes dazu zu bedürfen. Zwar thaten sie daran recht, daß sie das Princip der Sitten unabhängig von diesem Postulat für sich selbst aus dem Verhältniß der Vernunft allein zum Willen festsetzten und es mithin zur obersten praktischen Bedingung des höchsten Guts machten; es war aber darum nicht die ganze Bedingung der Möglichkeit desselben. Die Epikureer hatten nun A 228 zwar ein ganz falsches Princip der Sitten zum obersten angenommen, nämlich das der Glückseligkeit, und eine Maxime der beliebigen Wahl nach jedes seiner Neigung für ein Gesetz untergeschoben: aber darin verfuhren sie doch consequent genug, daß sie ihr höchstes Gut eben so, nämlich der Niedrigkeit ihres Grundsatzes proportionirlich, abwürdigten und keine größere Glückseligkeit erwarteten, als die sich durch menschliche Klugheit (wozu auch Enthaltsamkeit und Mäßigung der Neigungen gehört) erwerben läßt, die, wie man weiß, kümmerlich genug und nach Umständen sehr verschiedentlich ausfallen muß; die Ausnahmen, welche ihre Maximen unaufhörlich einräumen mußten, und die sie zu Gesetzen untauglich machen, nicht einmal gerechnet. Die Stoiker hatten dagegen ihr oberstes praktisches Princip, nämlich die Tugend, als Bedingung des höchsten Guts ganz richtig gewählt, aber indem sie den Grad derselben, der für das reine V:127 Gesetz derselben erforderlich ist, als in diesem Leben völlig erreichbar vorstellten, nicht allein das moralische Vermögen des Menschen unter dem Namen eines Weisen über alle Schranken seiner Natur hoch gespannt und etwas, das aller Menschenkenntniß widerspricht, angenommen, sondern auch vornehmlich das zweite zum höchsten Gut gehörige Bestandstück, nämlich die Glückseligkeit, gar nicht für einen besonderen Gegenstand des menschlichen Begehrungsvermögens wollen gelten lassen, sondern ihren A 229 Weisen gleich einer Gottheit im Bewußtsein der Vortrefflichkeit seiner Person von der Natur (in Absicht auf seine Zufriedenheit) ganz unabhängig gemacht, indem sie ihn zwar Übeln des Lebens aussetzten, aber nicht unterwarfen (zugleich auch als frei vom Bösen darstellten) und so wirklich das zweite Element des höchsten Guts, eigene Glückseligkeit, wegließen, indem sie es blos im Handeln und der Zufriedenheit mit seinem persönlichen Werthe setzten und also im Bewußtsein der sittlichen Denkungsart mit einschlossen, worin sie aber durch die Stimme ihrer eigenen Natur hinreichend hätten widerlegt werden können.

Die Lehre des Christenthums13, wenn man sie auch noch nicht als Religionslehre betrachtet, giebt in diesem Stücke einen Begriff des höchsten A 230 V:128 Guts (des Reichs Gottes), der allein der strengsten Forderung der praktischen A 231 Vernunft ein Gnüge thut. Das moralische Gesetz ist heilig (unnachsichtlich) und fordert Heiligkeit der Sitten, obgleich alle moralische Vollkommenheit, zu welcher der Mensch gelangen kann, immer nur Tugend ist, d. i. gesetzmäßige Gesinnung aus Achtung fürs Gesetz, folglich Bewußtsein eines continuirlichen Hanges zur Übertretung, wenigstens Unlauterkeit, d. i. Beimischung vieler unächter (nicht moralischer) Bewegungsgründe zur Befolgung des Gesetzes, folglich eine mit Demuth verbundene Selbstschätzung und also in Ansehung der Heiligkeit, welche das christliche Gesetz fordert, nichts als Fortschritt ins Unendliche dem Geschöpfe übrig läßt, eben daher aber auch dasselbe zur Hoffnung seiner ins Unendliche gehenden Fortdauer berechtigt. Der Werth einer dem moralischen Gesetze völlig angemessenen Gesinnung ist unendlich: weil alle mögliche Glückseligkeit im Urtheile eines weisen und alles vermögenden Austheilers derselben keine andere Einschränkung hat, als den Mangel der Angemessenheit vernünftiger Wesen an ihrer Pflicht. Aber das moralische Gesetz für sich verheißt doch keine Glückseligkeit; denn diese ist nach Begriffen von einer Naturordnung überhaupt mit der Befolgung desselben nicht nothwendig verbunden. Die christliche Sittenlehre ergänzt nun diesen Mangel (des zweiten unentbehrlichen Bestandstücks des höchsten Guts) durch die Darstellung der Welt, darin vernünftige Wesen sich dem sittlichen Gesetze von ganzer Seele weihen, als eines Reichs Gottes, in welchem Natur A 232 und Sitten in eine jeder von beiden für sich selbst fremde Harmonie durch einen heiligen Urheber kommen, der das abgeleitete höchste Gut möglich macht. Die Heiligkeit der Sitten wird ihnen in diesem Leben schon zur V:129 Richtschnur angewiesen, das dieser proportionirte Wohl aber, die Seligkeit, nur als in einer Ewigkeit erreichbar vorgestellt: weil jene immer das Urbild ihres Verhaltens in jedem Stande sein muß, und das Fortschreiten zu ihr schon in diesem Leben möglich und nothwendig ist, diese aber in dieser Welt unter dem Namen der Glückseligkeit gar nicht erreicht werden kann (so viel auf unser Vermögen ankommt) und daher lediglich zum Gegenstande der Hoffnung gemacht wird. Diesem ungeachtet ist das christliche Princip der Moral selbst doch nicht theologisch (mithin Heteronomie), sondern Autonomie der reinen praktischen Vernunft für sich selbst, weil sie die Erkenntniß Gottes und seines Willens nicht zum Grunde dieser Gesetze, sondern nur der Gelangung zum höchsten Gute unter der Bedingung der Befolgung derselben macht und selbst die eigentliche Triebfeder zu Befolgung der ersteren nicht in den gewünschten Folgen derselben, sondern in der Vorstellung der Pflicht allein setzt, als in deren treuer Beobachtung die Würdigkeit des Erwerbs der letztern allein besteht.

Auf solche Weise führt das moralische Gesetz durch den Begriff des A 233 höchsten Guts, als das Object und den Endzweck der reinen praktischen Vernunft, zur Religion, d. i. zur Erkenntniß aller Pflichten als göttlicher Gebote, nicht als Sanctionen, d. i. willkürliche, für sich selbst zufällige Verordnungen eines fremden Willens, sondern als wesentlicher Gesetze eines jeden freien Willens für sich selbst, die aber dennoch als Gebote des höchsten Wesens angesehen werden müssen, weil wir nur von einem moralisch vollkommenen (heiligen und gütigen), zugleich auch allgewaltigen Willen das höchste Gut, welches zum Gegenstande unserer Bestrebung zu setzen uns das moralische Gesetz zur Pflicht macht, und also durch Übereinstimmung mit diesem Willen dazu zu gelangen hoffen können. Auch hier bleibt daher alles uneigennützig und blos auf Pflicht gegründet; ohne daß Furcht oder Hoffnung als Triebfedern zum Grunde gelegt werden dürften, die, wenn sie zu Principien werden, den ganzen moralischen Werth der Handlungen vernichten. Das moralische Gesetz gebietet, das höchste mögliche Gut in einer Welt mir zum letzten Gegenstande alles Verhaltens zu machen. Dieses aber kann ich nicht zu bewirken hoffen, als nur durch die Übereinstimmung meines Willens mit dem eines heiligen und gütigen Welturhebers; und obgleich in dem Begriffe des höchsten Guts als dem eines Ganzen, worin die größte Glückseligkeit mit dem größten Maße sittlicher (in Geschöpfen möglicher) Vollkommenheit A 234 als in der genausten Proportion verbunden vorgestellt wird, V:130 meine eigene Glückseligkeit mit enthalten ist: so ist doch nicht sie, sondern das moralische Gesetz (welches vielmehr mein unbegrenztes Verlangen darnach auf Bedingungen strenge einschränkt) der Bestimmungsgrund des Willens, der zur Beförderung des höchsten Guts angewiesen wird.

Daher ist auch die Moral nicht eigentlich die Lehre, wie wir uns glücklich machen, sondern wie wir der Glückseligkeit würdig werden sollen. Nur dann, wenn Religion dazu kommt, tritt auch die Hoffnung ein, der Glückseligkeit dereinst in dem Maße theilhaftig zu werden, als wir darauf bedacht gewesen, ihrer nicht unwürdig zu sein.

Würdig ist jemand des Besitzes einer Sache oder eines Zustandes, wenn, daß er in diesem Besitze sei, mit dem höchsten Gute zusammenstimmt. Man kann jetzt leicht einsehen, daß alle Würdigkeit auf das sittliche Verhalten ankomme, weil dieses im Begriffe des höchsten Guts die Bedingung des übrigen (was zum Zustande gehört), nämlich des Antheils an Glückseligkeit, ausmacht. Nun folgt hieraus: daß man die Moral an sich niemals als Glückseligkeitslehre behandeln müsse, d. i. als eine Anweisung der Glückseligkeit theilhaftig zu werden; denn sie hat es lediglich mit der Vernunftbedingung (conditio sine qua non) der letzteren, A 235 nicht mit einem Erwerbmittel derselben zu thun. Wenn sie aber (die blos Pflichten auferlegt, nicht eigennützigen Wünschen Maßregeln an die Hand giebt) vollständig vorgetragen worden: alsdann allererst kann, nachdem der sich auf ein Gesetz gründende moralische Wunsch das höchste Gut zu befördern (das Reich Gottes zu uns zu bringen), der vorher keiner eigennützigen Seele aufsteigen konnte, erweckt und ihm zum Behuf der Schritt zur Religion geschehen ist, diese Sittenlehre auch Glückseligkeitslehre genannt werden, weil die Hoffnung dazu nur mit der Religion allererst anhebt.

Auch kann man hieraus ersehen: daß, wenn man nach dem letzten Zwecke Gottes in Schöpfung der Welt frägt, man nicht die Glückseligkeit der vernünftigen Wesen in ihr, sondern das höchste Gut nennen müsse, welches jenem Wunsche dieser Wesen noch eine Bedingung, nämlich die der Glückseligkeit würdig zu sein, d. i. die Sittlichkeit eben derselben vernünftigen Wesen, hinzufügt, die allein den Maßstab enthält, nach welchem sie allein der ersteren durch die Hand eines weisen Urhebers theilhaftig zu werden hoffen können. Denn da Weisheit, theoretisch betrachtet, die Erkenntniß des höchsten Guts und praktisch die V:131 Angemessenheit des Willens zum höchsten Gute bedeutet, so kann man einer höchsten selbstständigen Weisheit nicht einen Zweck beilegen, der blos auf Gütigkeit gegründet wäre. Denn dieser ihre Wirkung (in A 236 Ansehung der Glückseligkeit der vernünftigen Wesen) kann man nur unter den einschränkenden Bedingungen der Übereinstimmung mit der Heiligkeit14 seines Willens als dem höchsten ursprünglichen Gute angemessen denken. Daher diejenige, welche den Zweck der Schöpfung in die Ehre Gottes (vorausgesetzt, daß man diese nicht anthropomorphistisch, als Neigung gepriesen zu werden, denkt) setzten, wohl den besten Ausdruck getroffen haben. Denn nichts ehrt Gott mehr als das, was das Schätzbarste in der Welt ist, die Achtung für sein Gebot, die Beobachtung der heiligen Pflicht, die uns sein Gesetz auferlegt, wenn seine herrliche Anstalt dazu A 237 kommt, eine solche schöne Ordnung mit angemessener Glückseligkeit zu krönen. Wenn ihn das letztere (auf menschliche Art zu reden) liebenswürdig macht, so ist er durch das erstere ein Gegenstand der Anbetung (Adoration). Selbst Menschen können sich durch Wohlthun zwar Liebe, aber dadurch allein niemals Achtung erwerben, so daß die größte Wohlthätigkeit ihnen nur dadurch Ehre macht, daß sie nach Würdigkeit ausgeübt wird.

Daß in der Ordnung der Zwecke der Mensch (mit ihm jedes vernünftige Wesen) Zweck an sich selbst sei, d. i. niemals blos als Mittel von jemanden (selbst nicht von Gott), ohne zugleich hiebei selbst Zweck zu sein, könne gebraucht werden, daß also die Menschheit in unserer Person uns selbst heilig sein müsse, folgt nunmehr von selbst, weil er das Subject des moralischen Gesetzes, mithin dessen ist, was an sich heilig ist, V:132 um dessen willen und in Einstimmung mit welchem auch überhaupt nur etwas heilig genannt werden kann. Denn dieses moralische Gesetz gründet sich auf der Autonomie seines Willens, als eines freien Willens, der nach seinen allgemeinen Gesetzen nothwendig zu demjenigen zugleich muß einstimmen können, welchem er sich unterwerfen soll.

VI. A 238 Über die Postulate der reinen praktischen Vernunft überhaupt.

Sie gehen alle vom Grundsatze der Moralität aus, der kein Postulat, sondern ein Gesetz ist, durch welches Vernunft unmittelbar den Willen bestimmt, welcher Wille eben dadurch, daß er so bestimmt ist, als reiner Wille, diese nothwendige Bedingungen der Befolgung seiner Vorschrift fordert. Diese Postulate sind nicht theoretische Dogmata, sondern Voraussetzungen in nothwendig praktischer Rücksicht, erweitern also zwar nicht das speculative Erkenntniß, geben aber den Ideen der speculativen Vernunft im Allgemeinen (vermittelst ihrer Beziehung aufs Praktische) objective Realität und berechtigen sie zu Begriffen, deren Möglichkeit auch nur zu behaupten sie sich sonst nicht anmaßen könnte.

Diese Postulate sind die der Unsterblichkeit, der Freiheit, positiv betrachtet (als der Causalität eines Wesens, so fern es zur intelligibelen Welt gehört), und des Daseins Gottes. Das erste fließt aus der praktisch nothwendigen Bedingung der Angemessenheit der Dauer zur Vollständigkeit der Erfüllung des moralischen Gesetzes; das zweite aus der nothwendigen Voraussetzung der Unabhängigkeit von der Sinnenwelt und des Vermögens der Bestimmung seines Willens nach dem Gesetze einer A 239 intelligibelen Welt, d. i. der Freiheit; das dritte aus der Nothwendigkeit der Bedingung zu einer solchen intelligibelen Welt, um das höchste Gut zu sein, durch die Voraussetzung des höchsten selbstständigen Guts, d. i. des Daseins Gottes.

Die durch die Achtung fürs moralische Gesetz nothwendige Absicht aufs höchste Gut und daraus fließende Voraussetzung der objectiven Realität desselben führt also durch Postulate der praktischen Vernunft zu Begriffen, welche die speculative Vernunft zwar als Aufgaben vortragen, sie aber nicht auflösen konnte. Also 1. zu derjenigen, in deren Auflösung V:133 die letztere nichts als Paralogismen begehen konnte (nämlich der Unsterblichkeit), weil es ihr am Merkmale der Beharrlichkeit fehlte, um den psychologischen Begriff eines letzten Subjects, welcher der Seele im Selbstbewußtsein nothwendig beigelegt wird, zur realen Vorstellung einer Substanz zu ergänzen, welches die praktische Vernunft durch das Postulat einer zur Angemessenheit mit dem moralischen Gesetze im höchsten Gute, als dem ganzen Zwecke der praktischen Vernunft, erforderlichen Dauer ausrichtet. 2. Führt sie zu dem, wovon die speculative Vernunft nichts als Antinomie enthielt, deren Auflösung sie nur auf einem problematisch zwar denkbaren, aber seiner objectiven Realität nach für sie nicht erweislichen und bestimmbaren Begriffe gründen konnte, nämlich die kosmologische Idee einer intelligibelen Welt und das Bewußtsein unseres A 240 Daseins in derselben, vermittelst des Postulats der Freiheit (deren Realität sie durch das moralische Gesetz darlegt und mit ihm zugleich das Gesetz einer intelligibelen Welt, worauf die speculative nur hinweisen, ihren Begriff aber nicht bestimmen konnte). 3. Verschafft sie dem, was speculative Vernunft zwar denken, aber als bloßes transscendentales Ideal unbestimmt lassen mußte, dem theologischen Begriffe des Urwesens, Bedeutung (in praktischer Absicht, d. i. als einer Bedingung der Möglichkeit des Objects eines durch jenes Gesetz bestimmten Willens) als dem obersten Princip des höchsten Guts in einer intelligibelen Welt durch gewalthabende moralische Gesetzgebung in derselben.

Wird nun aber unser Erkenntniß auf solche Art durch reine praktische Vernunft wirklich erweitert, und ist das, was für die speculative transscendent war, in der praktischen immanent? Allerdings, aber nur in praktischer Absicht. Denn wir erkennen zwar dadurch weder unserer Seele Natur, noch die intelligibele Welt, noch das höchste Wesen nach dem, was sie an sich selbst sind, sondern haben nur die Begriffe von ihnen im praktischen Begriffe des höchsten Guts vereinigt, als dem Objecte unseres Willens, und völlig a priori durch reine Vernunft, aber nur vermittelst des moralischen Gesetzes und auch blos in Beziehung auf dasselbe, in Ansehung des Objects, das es gebietet. Wie aber auch nur die Freiheit A 241 möglich sei, und wie man sich diese Art von Causalität theoretisch und Positiv vorzustellen habe, wird dadurch nicht eingesehen, sondern nur, daß eine solche sei, durchs moralische Gesetz und zu dessen Behuf postulirt. So ist es auch mit den übrigen Ideen bewandt, die nach ihrer Möglichkeit kein menschlicher Verstand jemals ergründen, aber auch, daß sie nicht V:134 wahre Begriffe sind, keine Sophisterei der Überzeugung selbst des gemeinsten Menschen jemals entreißen wird.

VII. Wie eine Erweiterung der reinen Vernunft in praktischer Absicht, ohne damit ihr Erkenntniß als speculativ zugleich zu erweitern, zu denken möglich sei?

Wir wollen diese Frage, um nicht zu abstract zu werden, sofort in Anwendung auf den vorliegenden Fall beantworten. — Um ein reines Erkenntniß praktisch zu erweitern, muß eine Absicht a priori gegeben sein, d. i. ein Zweck als Object (des Willens), welches unabhängig von allen theoretischen Grundsätzen durch einen den Willen unmittelbar bestimmenden (kategorischen) Imperativ als praktisch nothwendig vorgestellt wird, und das ist hier das höchste Gut. Dieses ist aber nicht möglich, ohne drei theoretische Begriffe (für die sich, weil sie bloße reine Vernunftbegriffe sind, keine correspondirende Anschauung, mithin auf dem theoretischen A 242 Wege keine objective Realität finden läßt) vorauszusetzen: nämlich Freiheit, Unsterblichkeit und Gott. Also wird durchs praktische Gesetz, welches die Existenz des höchsten in einer Welt möglichen Guts gebietet, die Möglichkeit jener Objecte der reinen speculativen Vernunft, die objective Realität, welche diese ihnen nicht sichern konnte, postulirt; wodurch denn die theoretische Erkenntniß der reinen Vernunft allerdings einen Zuwachs bekommt, der aber blos darin besteht, daß jene für sie sonst problematische (blos denkbare) Begriffe jetzt assertorisch für solche erklärt werden, denen wirklich Objecte zukommen, weil praktische Vernunft die Existenz derselben zur Möglichkeit ihres und zwar praktisch schlechthin nothwendigen Objects, des höchsten Guts, unvermeidlich bedarf, und die theoretische dadurch berechtigt wird, sie vorauszusetzen. Diese Erweiterung der theoretischen Vernunft ist aber keine Erweiterung der Speculation, d. i. um in theoretischer Absicht nunmehr einen positiven Gebrauch davon zu machen. Denn da nichts weiter durch praktische Vernunft hiebei geleistet worden, als daß jene Begriffe real sind und wirklich ihre (mögliche) Objecte haben, dabei aber uns nichts von Anschauung derselben gegeben wird (welches auch nicht gefordert werden kann), so ist kein synthetischer Satz durch diese eingeräumte Realität derselben möglich. Folglich hilft uns A 243 diese Eröffnung nicht im mindesten in speculativer Absicht, wohl aber in V:135 Ansehung des praktischen Gebrauchs der reinen Vernunft zur Erweiterung dieses unseres Erkenntnisses. Die obige drei Ideen der speculativen Vernunft sind an sich noch keine Erkenntnisse; doch sind es (transscendente) Gedanken, in denen nichts Unmögliches ist. Nun bekommen sie durch ein apodiktisches praktisches Gesetz, als nothwendige Bedingungen der Möglichkeit dessen, was dieses sich zum Objecte zu machen gebietet, objective Realität, d. i. wir werden durch jenes angewiesen, daß sie Objecte haben, ohne doch, wie sich ihr Begriff auf ein Object bezieht, anzeigen zu können, und das ist auch noch nicht Erkenntniß dieser Objecte; denn man kann dadurch gar nichts über sie synthetisch urtheilen, noch die Anwendung derselben theoretisch bestimmen, mithin von ihnen gar keinen theoretischen Gebrauch der Vernunft machen, als worin eigentlich alle speculative Erkenntniß derselben besteht. Aber dennoch ward das theoretische Erkenntniß zwar nicht dieser Objecte, aber der Vernunft überhaupt dadurch so fern erweitert, daß durch die praktischen Postulate jenen Ideen doch Objecte gegeben wurden, indem ein blos problematischer Gedanke dadurch allererst objective Realität bekam. Also war es keine Erweiterung der Erkenntniß von gegebenen übersinnlichen Gegenständen, aber doch eine Erweiterung der theoretischen Vernunft und der A 244 Erkenntniß derselben in Ansehung des Übersinnlichen überhaupt, so fern als sie genöthigt wurde, daß es solche Gegenstände gebe, einzuräumen, ohne sie doch näher bestimmen, mithin dieses Erkenntniß von den Objecten (die ihr nunmehr aus praktischem Grunde und auch nur zum praktischen Gebrauche gegeben worden) selbst erweitern zu können, welchen Zuwachs also die reine theoretische Vernunft, für die alle jene Ideen transscendent und ohne Object sind, lediglich ihrem reinen praktischen Vermögen zu verdanken hat. Hier werden sie immanent und constitutiv, indem sie Gründe der Möglichkeit sind, das nothwendige Object der reinen praktischen Vernunft (das höchste Gut) wirklich zu machen, da sie ohne dies transscendent und blos regulative Principien der speculativen Vernunft sind, die ihr nicht ein neues Object über die Erfahrung hinaus anzunehmen, sondern nur ihren Gebrauch in der Erfahrung der Vollständigkeit zu näheren auferlegen. Ist aber die Vernunft einmal im Besitze dieses Zuwachses, so wird sie als speculative Vernunft (eigentlich nur zur Sicherung ihres praktischen Gebrauchs) negativ, d. i. nicht erweiternd, sondern läuternd, mit jenen Ideen zu Werke gehen, um einerseits den Anthropomorphism als den Quell der Superstition, V:136 oder scheinbare Erweiterung jener Begriffe durch vermeinte Erfahrung, andererseits den Fanaticism, der sie durch übersinnliche Anschauung oder dergleichen Gefühle verspricht, abzuhalten; welches alles Hindernisse A 245 des praktischen Gebrauchs der reinen Vernunft sind, deren Abwehrung also zu der Erweiterung unserer Erkenntniß in praktischer Absicht allerdings gehört, ohne daß es dieser widerspricht, zugleich zu gestehen, daß die Vernunft in speculativer Absicht dadurch im mindesten nichts gewonnen habe.

Zu jedem Gebrauche der Vernunft in Ansehung eines Gegenstandes werden reine Verstandesbegriffe (Kategorien) erfordert, ohne die kein Gegenstand gedacht werden kann. Diese können zum theoretischen Gebrauche der Vernunft, d. i. zu dergleichen Erkenntniß, nur angewandt werden, so fern ihnen zugleich Anschauung (die jederzeit sinnlich ist) untergelegt wird, und also blos, um durch sie ein Object möglicher Erfahrung vorzustellen. Nun sind hier aber Ideen der Vernunft, die in gar keiner Erfahrung gegeben werden können, das, was ich durch Kategorien denken müßte, um es zu erkennen. Allein es ist hier auch nicht um das theoretische Erkenntniß der Objecte dieser Ideen, sondern nur darum, daß sie überhaupt Objecte haben, zu thun. Diese Realität verschafft reine praktische Vernunft, und hiebei hat die theoretische Vernunft nichts weiter zu thun, als jene Objecte durch Kategorien blos zu denken, welches, wie wir sonst deutlich gewiesen haben, ganz wohl, ohne Anschauung (weder sinnliche, noch übersinnliche) zu bedürfen, angeht, weil die Kategorien im A 246 reinen Verstande unabhängig und vor aller Anschauung, lediglich als dem Vermögen zu denken, ihren Sitz und Ursprung haben, und sie immer nur ein Object überhaupt bedeuten, auf welche Art es uns auch immer gegeben werden mag. Nun ist den Kategorien, so fern sie auf jene Ideen angewandt werden sollen, zwar kein Object in der Anschauung zu geben möglich; es ist ihnen aber doch, daß ein solches wirklich sei, mithin die Kategorie als eine bloße Gedankenform hier nicht leer sei, sondern Bedeutung habe, durch ein Object, welches die praktische Vernunft im Begriffe des höchsten Guts ungezweifelt darbietet, die Realität der Begriffe, die zum Behuf der Möglichkeit des höchsten Guts gehören, hinreichend gesichert, ohne gleichwohl durch diesen Zuwachs die mindeste Erweiterung des Erkenntnisses nach theoretischen Grundsätzen zu bewirken.

V:137 Wenn nächstdem diese Ideen von Gott, einer intelligibelen Welt (dem Reiche Gottes) und der Unsterblichkeit durch Prädicate bestimmt werden, die von unserer eigenen Natur hergenommen sind, so darf man diese Bestimmung weder als Versinnlichung jener reinen Vernunftideen (Anthropomorphismen), noch als überschwengliches Erkenntniß übersinnlicher Gegenstände ansehen; denn diese Prädicate sind keine andere als Verstand und Wille, und zwar so im Verhältnisse gegen einander A 247 betrachtet, als sie im moralischen Gesetze gedacht werden müssen, also nur so weit von ihnen ein reiner praktischer Gebrauch gemacht wird. Von allem übrigen, was diesen Begriffen psychologisch anhängt, d. i. so fern wir diese unsere Vermögen in ihrer Ausübung empirisch beobachten, (z. B. daß der Verstand des Menschen discursiv ist, seine Vorstellungen also Gedanken, nicht Anschauungen sind, daß diese in der Zeit auf einander folgen, daß sein Wille immer mit einer Abhängigkeit der Zufriedenheit von der Existenz seines Gegenstandes behaftet ist u. s. w., welches im höchsten Wesen so nicht sein kann) wird alsdann abstrahirt, und so bleibt von den Begriffen, durch die wir uns ein reines Verstandeswesen denken, nichts mehr übrig, als gerade zur Möglichkeit erforderlich ist, sich ein moralisch Gesetz zu denken, mithin zwar ein Erkenntniß Gottes, aber nur in praktischer Beziehung, wodurch, wenn wir den Versuch machen, es zu einem theoretischen zu erweitern, wir einen Verstand desselben bekommen, der nicht denkt, sondern anschaut, einen Willen, der auf Gegenstände gerichtet ist, von deren Existenz seine Zufriedenheit nicht im Mindesten abhängt (ich will nicht einmal der transscendentalen Prädicate erwähnen, als z. B. eine Größe der Existenz, d. i. Dauer, die aber nicht in der Zeit, als dem einzigen uns möglichen Mittel uns Dasein als Größe vorzustellen, stattfindet), lauter Eigenschaften, von denen wir uns gar keinen A 248 Begriff, zum Erkenntnisse des Gegenstandes tauglich, machen können, und dadurch belehrt werden, daß sie niemals zu einer Theorie von übersinnlichen Wesen gebraucht werden können und also auf dieser Seite ein speculatives Erkenntniß zu gründen gar nicht vermögen, sondern ihren Gebrauch lediglich auf die Ausübung des moralischen Gesetzes einschränken.

Dieses letztere ist so augenscheinlich und kann so klar durch die That bewiesen werden, daß man getrost alle vermeinte natürliche Gottesgelehrte (ein wunderlicher Name)15 auffordern kann, auch nur eine diesen V:138 ihren Gegenstand (über die blos ontologischen Prädicate hinaus) bestimmende Eigenschaft, etwa des Verstandes oder des Willens, zu nennen, an der man nicht unwidersprechlich darthun könnte, daß, wenn man alles A 249 Anthropomorphistische davon absondert, uns nur das bloße Wort übrig bleibe, ohne damit den mindesten Begriff verbinden zu können, dadurch eine Erweiterung der theoretischen Erkenntniß gehofft werden dürfte. In Ansehung des Praktischen aber bleibt uns von den Eigenschaften eines Verstandes und Willens doch noch der Begriff eines Verhältnisses übrig, welchem das praktische Gesetz (das gerade dieses Verhältniß des Verstandes zum Willen a priori bestimmt) objective Realität verschafft. Ist dieses nun einmal geschehen, so wird dem Begriffe des Objects eines moralisch bestimmten Willens (dem des höchsten Guts) und mit ihm den Bedingungen seiner Möglichkeit, den Ideen von Gott, Freiheit und Unsterblichkeit, auch Realität, aber immer nur in Beziehung auf die Ausübung des moralischen Gesetzes (zu keinem speculativen Behuf) gegeben.

Nach diesen Erinnerungen ist nun auch die Beantwortung der wichtigen Frage leicht zu finden: ob der Begriff von Gott ein zur Physik (mithin auch zur Metaphysik, als die nur die reinen Principien a priori der ersteren in allgemeiner Bedeutung enthält) oder ein zur Moral gehöriger Begriff sei. Natureinrichtungen, oder deren Veränderung zu erklären, wenn man da zu Gott als dem Urheber aller Dinge seine Zuflucht nimmt, ist wenigstens keine physische Erklärung und überall ein Geständniß, man sei mit seiner Philosophie zu Ende: weil man genöthigt ist, etwas, wovon man sonst für sich keinen Begriff hat, anzunehmen, um sich von der A 250 Möglichkeit dessen, was man vor Augen sieht, einen Begriff machen zu können. Durch Metaphysik aber von der Kenntniß dieser Welt zum Begriffe von Gott und dem Beweise seiner Existenz durch sichere Schlüsse zu gelangen, ist darum unmöglich, weil wir diese Welt als das vollkommenste mögliche Ganze, mithin zu diesem Behuf alle mögliche Welten (um sie mit dieser vergleichen zu können) erkennen, mithin allwissend sein V:139 müßten, um zu sagen, daß sie nur durch einen Gott (wie wir uns diesen Begriff denken müssen) möglich war. Vollends aber die Existenz dieses Wesens aus bloßen Begriffen zu erkennen, ist schlechterdings unmöglich, weil ein jeder Existentialsatz, d. i. der, so von einem Wesen, von dem ich mir einen Begriff mache, sagt, daß es existire, ein synthetischer Satz ist, d. i. ein solcher, dadurch ich über jenen Begriff hinausgehe und mehr von ihm sage, als im Begriffe gedacht war: nämlich daß diesem Begriffe im Verstande noch ein Gegenstand außer dem Verstande correspondirend gesetzt sei, welches offenbar unmöglich ist durch irgend einen Schluß herauszubringen. Also bleibt nur ein einziges Verfahren für die Vernunft übrig, zu diesem Erkenntnisse zu gelangen, da sie nämlich als reine Vernunft, von dem obersten Princip ihres reinen praktischen Gebrauchs ausgehend (indem dieser ohnedem blos auf die Existenz von Etwas, als Folge der Vernunft, gerichtet ist), ihr Object bestimmt. Und da zeigt sich nicht allein A 251 in ihrer unvermeidlichen Aufgabe, nämlich der nothwendigen Richtung des Willens auf das höchste Gut, die Nothwendigkeit, ein solches Urwesen in Beziehung auf die Möglichkeit dieses Guten in der Welt anzunehmen, sondern, was das Merkwürdigste ist, etwas, was dem Fortgange der Vernunft auf dem Naturwege ganz mangelte, nämlich ein genau bestimmter Begriff dieses Urwesens. Da wir diese Welt nur zu einem kleinen Theile kennen, noch weniger sie mit allen möglichen Welten vergleichen können, so können wir von ihrer Ordnung, Zweckmäßigkeit und Größe wohl auf einen weisen, gütigen, mächtigen &c. Urheber derselben schließen, aber nicht auf seine Allwissenheit, Allgütigkeit, Allmacht u. s. w. Man kann auch gar wohl einräumen: daß man diesen unvermeidlichen Mangel durch eine erlaubte, ganz vernünftige Hypothese zu ergänzen wohl befugt sei; daß nämlich, wenn in so viel Stücken, als sich unserer näheren Kenntniß darbieten, Weisheit, Gütigkeit &c. hervorleuchtet, in allen übrigen es eben so sein werde, und es also vernünftig sei, dem Welturheber alle mögliche Vollkommenheit beizulegen; aber das sind keine Schlüsse, wodurch wir uns auf unsere Einsicht etwas dünken, sondern nur Befugnisse, die man uns nachsehen kann, und doch noch einer anderweitigen Empfehlung bedürfen, um davon Gebrauch zu machen. Der Begriff von Gott bleibt also auf dem empirischen Wege (der Physik) immer ein nicht genau bestimmter A 252 Begriff von der Vollkommenheit des ersten Wesens, um ihn dem Begriffe einer Gottheit für angemessen zu halten (mit der Metaphysik aber in ihrem transscendentalen Theile ist gar nichts auszurichten).

V:140 Ich versuche nun diesen Begriff an das Object der praktischen Vernunft zu halten, und da finde ich, daß der moralische Grundsatz ihn nur als möglich unter Voraussetzung eines Welturhebers von höchster Vollkommenheit zulasse. Er muß allwissend sein, um mein Verhalten bis zum Innersten meiner Gesinnung in allen möglichen Fällen und in alle Zukunft zu erkennen; allmächtig, um ihm die angemessenen Folgen zu ertheilen; eben so allgegenwärtig, ewig u. s. w. Mithin bestimmt das moralische Gesetz durch den Begriff des höchsten Guts, als Gegenstandes einer reinen praktischen Vernunft, den Begriff des Urwesens als höchsten Wesens, welches der physische (und höher fortgesetzt der metaphysische), mithin der ganze speculative Gang der Vernunft nicht bewirken konnte. Also ist der Begriff von Gott ein ursprünglich nicht zur Physik, d. i. für die speculative Vernunft, sondern zur Moral gehöriger Begriff, und eben das kann man auch von den übrigen Vernunftbegriffen sagen, von denen wir als Postulaten derselben in ihrem praktischen Gebrauche oben gehandelt haben.

Wenn man in der Geschichte der griechischen Philosophie über den A 253 Anaxagoras hinaus keine deutliche Spuren einer reinen Vernunfttheologie antrifft, so ist der Grund nicht darin gelegen, daß es den älteren Philosophen an Verstande und Einsicht fehlte, um durch den Weg der Speculation wenigstens mit Beihülfe einer ganz vernünftigen Hypothese sich dahin zu erheben; was konnte leichter, was natürlicher sein, als der sich von selbst jedermann darbietende Gedanke, statt unbestimmter Grade der Vollkommenheit verschiedener Weltursachen eine einzige vernünftige anzunehmen, die alle Vollkommenheit hat? Aber die Übel in der Welt schienen ihnen viel zu wichtige Einwürfe zu sein, um zu einer solchen Hypothese sich für berechtigt zu halten. Mithin zeigten sie darin eben Verstand und Einsicht, daß sie sich jene nicht erlaubten und vielmehr in den Naturursachen herum suchten, ob sie unter ihnen nicht die zu Urwesen erforderliche Beschaffenheit und Vermögen antreffen möchten. Aber nachdem dieses scharfsinnige Volk so weit in Nachforschungen fortgerückt war, selbst sittliche Gegenstände, darüber andere Völker niemals mehr als geschwatzt haben, philosophisch zu behandeln: da fanden sie allererst ein neues Bedürfniß, nämlich ein praktisches, welches nicht ermangelte ihnen den Begriff des Urwesens bestimmt anzugeben, wobei die speculative Vernunft das Zusehen hatte, höchstens noch das Verdienst, einen Begriff, der nicht auf ihrem Boden erwachsen war, auszuschmücken und mit einem Gefolge A 254 V:141 von Bestätigungen aus der Naturbetrachtung, die nun allererst hervortraten, wohl nicht das Ansehen desselben (welches schon gegründet war), sondern vielmehr nur das Gepränge mit vermeinter theoretischer Vernunfteinsicht zu befördern.

Aus diesen Erinnerungen wird der Leser der Kritik der reinen speculativen Vernunft sich vollkommen überzeugen: wie höchstnöthig, wie ersprießlich für Theologie und Moral jene mühsame Deduction der Kategorien war. Denn dadurch allein kann verhütet werden, sie, wenn man sie im reinen Verstande setzt, mit Plato für angeboren zu halten und darauf überschwengliche Anmaßungen mit Theorien des Übersinnlichen, wovon man kein Ende absieht, zu gründen, dadurch aber die Theologie zur Zauberlaterne von Hirngespenstern zu machen; wenn man sie aber für erworben hält, zu verhüten, daß man nicht mit Epikur allen und jeden Gebrauch derselben, selbst den in praktischer Absicht, blos auf Gegenstände und Bestimmungsgründe der Sinne einschränke. Nun aber, nachdem die Kritik in jener Deduction erstlich bewies, daß sie nicht empirischen Ursprungs sind, sondern a priori im reinen Verstande ihren Sitz und Quelle haben; zweitens auch, daß, da sie auf Gegenstände überhaupt, unabhängig von ihrer Anschauung, bezogen werden, sie zwar nur in Anwendung A 255 auf empirische Gegenstände theoretisches Erkenntniß zu Stande bringen, aber doch auch, auf einen durch reine praktische Vernunft gegebenen Gegenstand angewandt, zum bestimmten Denken des Übersinnlichen dienen, jedoch nur so fern dieses blos durch solche Prädicate bestimmt wird, die nothwendig zur reinen a priori gegebenen praktischen Absicht und deren Möglichkeit gehören. Speculative Einschränkung der reinen Vernunft und praktische Erweiterung derselben bringen dieselbe allererst in dasjenige Verhältniß der Gleichheit, worin Vernunft überhaupt zweckmäßig gebraucht werden kann, und dieses Beispiel beweiset besser als sonst eines, daß der Weg zur Weisheit, wenn er gesichert und nicht ungangbar oder irreleitend werden soll, bei uns Menschen unvermeidlich durch die Wissenschaft durchgehen müsse, wovon man aber, daß diese zu jenem Ziele führe, nur nach Vollendung derselben überzeugt werden kann.

VIII. V:142 Vom Fürwahrhalten aus einem Bedürfnisse der reinen Vernunft.

Ein Bedürfniß der reinen Vernunft in ihrem speculativen Gebrauche führt nur auf Hypothesen, das der reinen praktischen Vernunft aber zu A 256 Postulaten; denn im ersteren Falle steige ich vom Abgeleiteten so hoch hinauf in der Reihe der Gründe, wie ich will, und bedarf eines Urgrundes, nicht um jenem Abgeleiteten (z. B. der Causalverbindung der Dinge und Veränderungen in der Welt) objective Realität zu geben, sondern nur um meine forschende Vernunft in Ansehung desselben vollständig zu befriedigen. So sehe ich Ordnung und Zweckmäßigkeit in der Natur vor mir und bedarf nicht, um mich von deren Wirklichkeit zu versichern, zur Speculation zu schreiten, sondern nur, um sie zu erklären, eine Gottheit als deren Ursache voraus zu setzen; da denn, weil von einer Wirkung der Schluß auf eine bestimmte, vornehmlich so genau und so vollständig bestimmte Ursache, als wir an Gott zu denken haben, immer unsicher und mißlich ist, eine solche Voraussetzung nicht weiter gebracht werden kann, als zu dem Grade der für uns Menschen allervernünftigsten Meinung.16 Dagegen ist A 257 ein Bedürfniß der reinen praktischen Vernunft auf einer Pflicht gegründet, etwas (das höchste Gut) zum Gegenstande meines Willens zu machen, um es nach allen meinen Kräften zu befördern; wobei ich aber die Möglichkeit desselben, mithin auch die Bedingungen dazu, nämlich Gott, Freiheit und Unsterblichkeit, voraussetzen muß, weil ich diese durch meine speculative Vernunft nicht beweisen, obgleich auch nicht widerlegen kann. Diese Pflicht gründet sich auf einem freilich von diesen letzteren Voraussetzungen ganz unabhängigen, für sich selbst apodiktisch gewissen, nämlich dem moralischen Gesetze und ist so fern keiner anderweitigen Unterstützung V:143 durch theoretische Meinung von der innern Beschaffenheit der Dinge, der geheimen Abzweckung der Weltordnung, oder eines ihr vorstehenden Regierers bedürftig, um uns auf das vollkommenste zu unbedingt gesetzmäßigen Handlungen zu verbinden. Aber der subjective Effect dieses Gesetzes, nämlich die ihm angemessene und durch dasselbe auch nothwendige Gesinnung, das praktisch mögliche höchste Gut zu befördern, setzt doch wenigstens voraus, daß das letztere möglich sei, widrigenfalls es praktisch unmöglich wäre, dem Objecte eines Begriffes nachzustreben, welcher im Grunde leer und ohne Object wäre. Nun betreffen obige Postulate nur A 258 die physische oder metaphysische, mit einem Worte in der Natur der Dinge liegende Bedingungen der Möglichkeit des höchsten Guts, aber nicht zum Behuf einer beliebigen speculativen Absicht, sondern eines praktisch nothwendigen Zwecks des reinen Vernunftwillens, der hier nicht wählt, sondern einem unnachlaßlichen Vernunftgebote gehorcht, welches seinen Grund objectiv in der Beschaffenheit der Dinge hat, so wie sie durch reine Vernunft allgemein beurtheilt werden müssen, und gründet sich nicht etwa auf Neigung, die zum Behuf dessen, was wir aus blos subjectiven Gründen wünschen, sofort die Mittel dazu als möglich, oder den Gegenstand wohl gar als wirklich anzunehmen keinesweges berechtigt ist. Also ist dieses ein Bedürfniß in schlechterdings nothwendiger Absicht und rechtfertigt seine Voraussetzung nicht blos als erlaubte Hypothese, sondern als Postulat in praktischer Absicht; und zugestanden, daß das reine moralische Gesetz jedermann als Gebot (nicht als Klugheitsregel) unnachlaßlich verbinde, darf der Rechtschaffene wohl sagen: ich will, daß ein Gott, daß mein Dasein in dieser Welt auch außer der Naturverknüpfung noch ein Dasein in einer reinen Verstandeswelt, endlich auch daß meine Dauer endlos sei, ich beharre darauf und lasse mir diesen Glauben nicht nehmen; denn dieses ist das einzige, wo mein Interesse, weil ich von demselben nichts nachlassen darf, mein Urtheil unvermeidlich bestimmt, ohne A 259 auf Vernünfteleien zu achten, so wenig ich auch darauf zu antworten oder ihnen scheinbarere entgegen zu stellen im Stande sein möchte.17

V:144 Um bei dem Gebrauche eines noch so ungewohnten Begriffs, als der eines reinen praktischen Vernunftglaubens ist, Mißdeutungen zu verhüten, A 260 sei mir erlaubt noch eine Anmerkung hinzuzufügen. — Es sollte fast scheinen, als ob dieser Vernunftglaube hier selbst als Gebot angekündigt werde, nämlich das höchste Gut für möglich anzunehmen. Ein Glaube aber, der geboten wird, ist ein Unding. Man erinnere sich aber der obigen Auseinandersetzung dessen, was im Begriffe des höchsten Guts anzunehmen verlangt wird, und man wird inne werden, daß diese Möglichkeit anzunehmen gar nicht geboten werden dürfe, und keine praktische Gesinnungen fordere, sie einzuräumen, sondern daß speculative Vernunft sie ohne Gesuch zugeben müsse; denn daß eine dem moralischen Gesetze angemessene Würdigkeit der vernünftigen Wesen in der Welt, glücklich zu sein, mit einem dieser proportionirten Besitze dieser Glückseligkeit in Verbindung an sich unmöglich sei, kann doch niemand behaupten wollen. Nun giebt uns in Ansehung des ersten Stücks des höchsten Guts, nämlich was die Sittlichkeit betrifft, das moralische Gesetz blos ein Gebot, und die Möglichkeit jenes Bestandstücks zu bezweifeln, wäre eben so viel, als das moralische Gesetz selbst in Zweifel ziehen. Was aber das zweite Stück jenes Objects, nämlich die jener Würdigkeit durchgängig angemessene Glückseligkeit, betrifft, so ist zwar die Möglichkeit derselben überhaupt einzuräumen gar nicht eines Gebots bedürftig, denn die theoretische Vernunft hat selbst nichts dawider: nur die Art, wie wir uns eine solche Harmonie der Naturgesetze mit denen A 261 V:145 der Freiheit denken sollen, hat etwas an sich, in Ansehung dessen uns eine Wahl zukommt, weil theoretische Vernunft hierüber nichts mit apodiktischer Gewißheit entscheidet, und in Ansehung dieser kann es ein moralisches Interesse geben, das den Ausschlag giebt.

Oben hatte ich gesagt, daß nach einem bloßen Naturgange in der Welt die genau dem sittlichen Werthe angemessene Glückseligkeit nicht zu erwarten und für unmöglich zu halten sei, und daß also die Möglichkeit des höchsten Guts von dieser Seite nur unter Voraussetzung eines moralischen Welturhebers könne eingeräumt werden. Ich hielt mit Vorbedacht mit der Einschränkung dieses Urtheils auf die subjectiven Bedingungen unserer Vernunft zurück, um nur dann allererst, wenn die Art ihres Fürwahrhaltens näher bestimmt werden sollte, davon Gebrauch zu machen. In der That ist die genannte Unmöglichkeit blos subjectiv, d. i. unsere Vernunft findet es ihr unmöglich, sich einen so genau angemessenen und durchgängig zweckmäßigen Zusammenhang zwischen zwei nach so verschiedenen Gesetzen sich eräugnenden Weltbegebenheiten nach einem bloßen Naturlaufe begreiflich zu machen, ob sie zwar wie bei allem, was sonst in der Natur Zweckmäßiges ist, die Unmöglichkeit desselben nach allgemeinen Naturgesetzen doch auch nicht beweisen, d. i. aus objectiven A 262 Gründen hinreichend darthun kann.

Allein jetzt kommt ein Entscheidungsgrund von anderer Art ins Spiel, um im Schwanken der speculativen Vernunft den Ausschlag zu geben. Das Gebot, das höchste Gut zu befördern, ist objectiv (in der praktischen Vernunft), die Möglichkeit desselben überhaupt gleichfalls objectiv (in der theoretischen Vernunft, die nichts dawider hat) gegründet. Allein die Art, wie wir uns diese Möglichkeit vorstellen sollen, ob nach allgemeinen Naturgesetzen ohne einen der Natur vorstehenden weisen Urheber, oder nur unter dessen Voraussetzung, das kann die Vernunft objectiv nicht entscheiden. Hier tritt nun eine subjective Bedingung der Vernunft ein: die einzige ihr theoretisch mögliche, zugleich der Moralität (die unter einem objectiven Gesetze der Vernunft steht) allein zuträgliche Art, sich die genaue Zusammenstimmung des Reichs der Natur mit dem Reiche der Sitten als Bedingung der Möglichkeit des höchsten Guts zu denken. Da nun die Beförderung desselben und also die Voraussetzung seiner Möglichkeit objectiv (aber nur der praktischen Vernunft zu Folge) nothwendig ist, zugleich aber die Art, auf welche Weise wir es uns als möglich denken wollen, in unserer Wahl steht, in welcher aber ein freies Interesse der V:146 reinen praktischen Vernunft für die Annehmung eines weisen Welturhebers entscheidet: so ist das Princip, was unser Urtheil hierin bestimmt, zwar A 263 subjectiv als Bedürfniß, aber auch zugleich als Beförderungsmittel dessen, was objectiv (praktisch) nothwendig ist, der Grund einer Maxime des Fürwahrhaltens in moralischer Absicht, d. i. ein reiner praktischer Vernunftglaube. Dieser ist also nicht geboten, sondern als freiwillige, zur moralischen (gebotenen) Absicht zuträgliche, überdem noch mit dem theoretischen Bedürfnisse der Vernunft einstimmige Bestimmung unseres Urtheils, jene Existenz anzunehmen und dem Vernunftgebrauch ferner zum Grunde zu legen, selbst aus der moralischen Gesinnung entsprungen; kann also öfters selbst bei Wohlgesinnten bisweilen in Schwanken, niemals aber in Unglauben gerathen.

IX. Von der der praktischen Bestimmung des Menschen weislich angemessenen Proportion seiner Erkenntnißvermögen.

Wenn die menschliche Natur zum höchsten Gute zu streben bestimmt ist, so muß auch das Maß ihrer Erkenntnißvermögen, vornehmlich ihr Verhältniß unter einander, als zu diesem Zwecke schicklich angenommen werden. Nun beweiset aber die Kritik der reinen speculativen Vernunft die größte Unzulänglichkeit derselben, um die wichtigsten Aufgaben, die A 264 ihr vorgelegt werden, dem Zwecke angemessen aufzulösen, ob sie zwar die natürlichen und nicht zu übersehenden Winke eben derselben Vernunft, imgleichen die großen Schritte, die sie thun kann, nicht verkennt, um sich diesem großen Ziele, das ihr ausgesteckt ist, zu näheren, aber doch, ohne es jemals für sich selbst sogar mit Beihülfe der größten Naturkenntniß zu erreichen. Also scheint die Natur hier uns nur stiefmütterlich mit einem zu unserem Zwecke benöthigten Vermögen versorgt zu haben.

Gesetzt nun, sie wäre hierin unserem Wunsche willfährig gewesen und hätte uns diejenige Einsichtsfähigkeit oder Erleuchtung ertheilt, die wir gerne besitzen möchten, oder in deren Besitz einige wohl gar wähnen sich wirklich zu befinden, was würde allem Ansehn nach wohl die Folge hievon sein? Wofern nicht zugleich unsere ganze Natur umgeändert wäre, so würden die Neigungen, die doch allemal das erste Wort haben, zuerst V:147 ihre Befriedigung und, mit vernünftiger Überlegung verbunden, ihre größtmögliche und daurende Befriedigung unter dem Namen der Glückseligkeit verlangen; das moralische Gesetz würde nachher sprechen, um jene in ihren geziemenden Schranken zu halten und sogar sie alle insgesammt einem höheren, auf keine Neigung Rücksicht nehmenden Zwecke zu unterwerfen. Aber statt des Streits, den jetzt die moralische Gesinnung mit den Neigungen zu führen hat, in welchem nach einigen Niederlagen doch A 265 allmählig moralische Stärke der Seele zu erwerben ist, würden Gott und Ewigkeit mit ihrer furchtbaren Majestät uns unablässig vor Augen liegen (denn was wir vollkommen beweisen können, gilt in Ansehung der Gewißheit uns so viel, als wovon wir uns durch den Augenschein versichern). Die Übertretung des Gesetzes würde freilich vermieden, das Gebotene gethan werden; weil aber die Gesinnung, aus welcher Handlungen geschehen sollen, durch kein Gebot mit eingeflößt werden kann, der Stachel der Thätigkeit hier aber sogleich bei Hand und äußerlich ist, die Vernunft also sich nicht allererst empor arbeiten darf, um Kraft zum Widerstande gegen Neigungen durch lebendige Vorstellung der Würde des Gesetzes zu sammeln, so würden die mehrsten gesetzmäßigen Handlungen aus Furcht, nur wenige aus Hoffnung und gar keine aus Pflicht geschehen, ein moralischer Werth der Handlungen aber, worauf doch allein der Werth der Person und selbst der der Welt in den Augen der höchsten Weisheit ankommt, würde gar nicht existiren. Das Verhalten der Menschen, so lange ihre Natur, wie sie jetzt ist, bliebe, würde also in einen bloßen Mechanismus verwandelt werden, wo wie im Marionettenspiel alles gut gesticuliren, aber in den Figuren doch kein Leben anzutreffen sein würde. Nun, da es mit uns ganz anders beschaffen ist, da wir mit aller Anstrengung unserer Vernunft nur eine sehr dunkele und zweideutige A 266 Aussicht in die Zukunft haben, der Weltregierer uns sein Dasein und seine Herrlichkeit nur muthmaßen, nicht erblicken, oder klar beweisen läßt, dagegen das moralische Gesetz in uns, ohne uns etwas mit Sicherheit zu verheißen, oder zu drohen, von uns uneigennützige Achtung fordert, übrigens aber, wenn diese Achtung thätig und herrschend geworden, allererst alsdann und nur dadurch Aussichten ins Reich des Übersinnlichen, aber auch nur mit schwachen Blicken erlaubt: so kann wahrhafte sittliche, dem Gesetze unmittelbar geweihte Gesinnung stattfinden und das vernünftige Geschöpf des Antheils am höchsten Gute würdig werden, das dem moralischen Werthe seiner Person und nicht blos seinen Handlungen V:148 angemessen ist. Also möchte es auch hier wohl damit seine Richtigkeit haben, was uns das Studium der Natur und des Menschen sonst hinreichend lehrt, daß die unerforschliche Weisheit, durch die wir existiren, nicht minder verehrungswürdig ist in dem, was sie uns versagte, als in dem, was sie uns zu theil werden ließ.

12 Die Überzeugung von der Unwandelbarkeit seiner Gesinnung im Fortschritte zum Guten scheint gleichwohl auch einem Geschöpfe für sich unmöglich zu sein. Um deswillen läßt die christliche Religionslehre sie auch von demselben Geiste, der die Heiligung, d. i. diesen festen Vorsatz und mit ihm das Bewußtsein der Beharrlichkeit im moralischen Progressus, wirkt, allein abstammen. Aber auch natürlicher Weise darf derjenige, der sich bewußt ist, einen langen Theil seines Lebens bis zu Ende desselben im Fortschritte zum Bessern, und zwar aus ächten moralischen Bewegungsgründen, angehalten zu haben, sich wohl die tröstende Hoffnung, wenn gleich nicht Gewißheit, machen, daß er auch in einer über dieses Leben hinaus fortgesetzten Existenz bei diesen Grundsätzen beharren werde, und wiewohl er in seinen eigenen Augen hier nie gerechtfertigt ist, noch bei dem verhofften künftigen Anwachs seiner Naturvollkommenheit, mit ihr aber auch seiner Pflichten es jemals hoffen darf, dennoch in diesem Fortschritte, der, ob er zwar ein ins Unendliche hinausgerücktes Ziel betrifft, dennoch für Gott als Besitz gilt, eine Aussicht in eine selige Zukunft haben; denn dieses ist der Ausdruck, dessen sich die Vernunft bedient, um ein von allen zufälligen Ursachen der Welt unabhängiges vollständiges Wohl zu bezeichnen, welches eben so wie Heiligkeit eine Idee ist, welche nur in einem unendlichen Progressus und dessen Totalität enthalten sein kann, mithin vom Geschöpfe niemals völlig erreicht wird.

13 Man hält gemeiniglich dafür, die christliche Vorschrift der Sitten habe in Ansehung ihrer Reinigkeit vor dem moralischen Begriffe der Stoiker nichts voraus; allein der Unterschied beider ist doch sehr sichtbar. Das stoische System machte das Bewußtsein der Seelenstärke zum Angel, um den sich alle sittliche Gesinnungen wenden sollten, und ob die Anhänger desselben zwar von Pflichten redeten, auch sie ganz wohl bestimmten, so setzten sie doch die Triebfeder und den eigentlichen Bestimmungsgrund des Willens in einer Erhebung der Denkungsart über die niedrige und nur durch Seelenschwäche machthabende Triebfedern der Sinne. Tugend war also bei ihnen ein gewisser Heroism des über die thierische Natur des Menschen sich erhebenden Weisen, der ihm selbst genug ist, andern zwar Pflichten vorträgt, selbst aber über sie erhaben und keiner Versuchung zu Übertretung des sittlichen Gesetzes unterworfen ist. Dieses alles aber konnten sie nicht thun, wenn sie sich dieses Gesetz zu der Reinigkeit und Strenge, als es die Vorschrift des Evangelii thut, vorgestellt hätten. Wenn ich unter einer Idee eine Vollkommenheit verstehe, der nichts in der Erfahrung adäquat gegeben werden kann, so sind die moralischen Ideen darum nichts Überschwengliches, d. i. dergleichen, wovon wir auch nicht einmal den Begriff hinreichend bestimmen könnten, oder von dem es ungewiß ist, ob ihm überall ein Gegenstand correspondire, wie die Ideen der speculativen Vernunft, sondern dienen als Urbilder der praktischen Vollkommenheit zur unentbehrlichen Richtschnur des sittlichen Verhaltens und zugleich zum Maßstabe der Vergleichung. Wenn ich nun die christliche Moral von ihrer philosophischen Seite betrachte, so würde sie, mit den Ideen der griechischen Schulen verglichen, so erscheinen: Die Ideen der Cyniker, der Epikureer, der Stoiker und der Christen sind: die Natureinfalt, die Klugheit, die Weisheit und die Heiligkeit. In Ansehung des Weges, dazu zu gelangen, unterschieden sich die griechischen Philosophen so von einander, daß die Cyniker dazu den gemeinen Menschenverstand, die andern nur den Weg der Wissenschaft, beide also doch bloßen Gebrauch der natürlichen Kräfte dazu hinreichend fanden. Die christliche Moral, weil sie ihre Vorschrift (wie es auch sein muß) so rein und unnachsichtlich einrichtet, benimmt dem Menschen das Zutrauen, wenigstens hier im Leben, ihr völlig adäquat zu sein, richtet es aber doch auch dadurch wiederum auf, daß, wenn wir so gut handeln, als in unserem Vermögen ist, wir hoffen können, daß, was nicht in unserm Vermögen ist, uns anderweitig werde zu statten kommen, wir mögen nun wissen, auf welche Art, oder nicht. Aristoteles und Plato unterschieden sich nur in Ansehung des Ursprungs unserer sittlichen Begriffe.

14 Hiebei, und um das Eigenthümliche dieser Begriffe kenntlich zu machen, merke ich nur noch an: daß, da man Gott verschiedene Eigenschaften beilegt, deren Qualität man auch den Geschöpfen angemessen findet, nur daß sie dort zum höchsten Grade erhoben werden, z. B. Macht, Wissenschaft, Gegenwart, Güte &c. unter den Benennungen der Allmacht, der Allwissenheit, der Allgegenwart, der Allgütigkeit &c., es doch drei giebt, die ausschließungsweise und doch ohne Beisatz von Größe Gott beigelegt werden, und die insgesammt moralisch sind: er ist der allein Heilige, der allein Selige, der allein Weise; weil diese Begriffe schon die Uneingeschränktheit bei sich führen. Nach der Ordnung derselben ist er denn also auch der heilige Gesetzgeber (und Schöpfer), der gütige Regierer (und Erhalter) und der gerechte Richter: drei Eigenschaften, die alles in sich enthalten, wodurch Gott der Gegenstand der Religion wird, und denen angemessen die metaphysischen Vollkommenheiten sich von selbst in der Vernunft hinzu fügen.

15 Gelehrsamkeit ist eigentlich nur der Inbegriff historischer Wissenschaften. Folglich kann nur der Lehrer der geoffenbarten Theologie ein Gottesgelehrter heißen. Wollte man aber auch den, der im Besitze von Vernunftwissenschaften (Mathematik und Philosophie) ist, einen Gelehrten nennen, obgleich dieses schon der Wortbedeutung (als die jederzeit nur dasjenige, was man durchaus gelehrt werden muß, und was man also nicht von selbst, durch Vernunft, erfinden kann, zur Gelehrsamkeit zählt) widerstreiten würde: so möchte wohl der Philosoph mit seiner Erkenntniß Gottes als positiver Wissenschaft eine zu schlechte Figur machen, um sich deshalb einen Gelehrten nennen zu lassen.

16 Aber selbst auch hier würden wir nicht ein Bedürfniß der Vernunft vorschützen können, läge nicht ein problematischer, aber doch unvermeidlicher Begriff der Vernunft vor Augen, nämlich der eines schlechterdings nothwendigen Wesens. Dieser Begriff will nun bestimmt sein, und das ist, wenn der Trieb zur Erweiterung dazu kommt, der objective Grund eines Bedürfnisses der speculativen Vernunft, nämlich den Begriff eines nothwendigen Wesens, welches andern zum Urgrunde dienen soll, näher zu bestimmen und dieses letzte also wodurch kenntlich zu machen. Ohne solche vorausgehende nothwendige Probleme giebt es keine Bedürfnisse, wenigstens nicht der reinen Vernunft; die übrigen sind Bedürfnisse der Neigung.

17 Im deutschen Museum, Febr. 1787, findet sich eine Abhandlung von einem sehr feinen und hellen Kopfe, dem sel. Wizenmann, dessen früher Tod zu bedauren ist, darin er die Befugniß, aus einem Bedürfnisse auf die objective Realität des Gegenstandes desselben zu schließen, bestreitet und seinen Gegenstand durch das Beispiel eines Verliebten erläutert, der, indem er sich in eine Idee von Schönheit, welche blos sein Hirngespinst ist, vernarrt hätte, schließen wollte, daß ein solches Object wirklich wo existire. Ich gebe ihm hierin vollkommen recht in allen Fällen, wo das Bedürfniß auf Neigung gegründet ist, die nicht einmal nothwendig für den, der damit angefochten ist, die Existenz ihres Objects postuliren kann, viel weniger eine für jedermann gültige Forderung enthält und daher ein blos subjectiver Grund der Wünsche ist. Hier aber ist es ein Vernunftbedürfniß, aus einem objectiven Bestimmungsgrunde des Willens, nämlich dem moralischen Gesetze, entspringend, welches jedes vernünftige Wesen nothwendig verbindet, also zur Voraussetzung der ihm angemessenen Bedingungen in der Natur a priori berechtigt und die letztern von dem vollständigen praktischen Gebrauche der Vernunft unzertrennlich macht. Es ist Pflicht, das höchste Gut nach unserem größten Vermögen wirklich zu machen; daher muß es doch auch möglich sein; mithin ist es für jedes vernünftige Wesen in der Welt auch unvermeidlich, dasjenige vorauszusetzen, was zu dessen objectiver Möglichkeit nothwendig ist. Die Voraussetzung ist so nothwendig als das moralische Gesetz, in Beziehung auf welches sie auch nur gültig ist.

Chapter II. A 198 The Dialectic of Pure Reason in Determining the Concept of the Highest Good.

The concept of the highest already contains an ambiguity. Unless we notice it, it can cause needless disputes. The highest can mean either the supreme or the complete. The first is a condition that is itself unconditional, that is, subordinate to no other condition: the original condition. The second is a whole that is not part of any greater whole of the same kind: the most perfect whole. The Analytic proved that virtue, as worthiness to be happy, is the supreme condition of everything that can seem desirable to us. It is therefore also the supreme condition of all our efforts to gain happiness, and so the supreme good. But that does not yet make it the whole and complete good as an object of the faculty of desire of finite rational beings. For that, happiness is also needed. This is true not just in the partial view of a person who makes himself his end A 199, but even in the judgment of impartial reason, which regards that person in the world in general as an end in himself. For to need happiness and even to deserve it, yet have no share in it, cannot possibly agree with the perfect willing of a rational being who also had all power, even if we only imagine such a being as an experiment. Virtue and happiness together, then, constitute a person's possession of the highest good. And when happiness is distributed in exact proportion to morality—to the person's worth and worthiness to be happy—these two together constitute the highest good of a possible world. Here this means the V:111 whole, the complete good. Within it, however, virtue, as the condition, is always the supreme good, since it has no further condition above it. Happiness is always something pleasant for its possessor, but it is not by itself unconditionally good in every respect. It always presupposes morally lawful conduct as its condition.

Two determinations that are necessarily united in one concept must be connected as ground and consequence. This unity must be regarded either as analytic, a logical connection under the law of identity, or as synthetic, a real connection under the law of A 200 causality. The connection between virtue and happiness can therefore be understood in either of two ways. Striving to be virtuous and rationally seeking happiness might be not two different actions but entirely identical actions. In that case the first would need no maxim other than the one underlying the second. Or their connection is taken to mean that virtue produces happiness as something distinct from the consciousness of virtue, as a cause produces an effect.

Among the ancient Greek schools, only two really followed the same method in determining the concept of the highest good in this respect: they did not accept virtue and happiness as two different elements of the highest good. They therefore sought the unity of their principle under the rule of identity. But they differed in which of the two they chose as the basic concept. The Epicurean said: being conscious of your maxim that leads to happiness is virtue. The Stoic said: being conscious of your virtue is happiness. For the first, prudence amounted to morality. For the second, who chose a higher name for virtue, morality alone was true wisdom.

We must regret that these men's ingenuity was misapplied A 201 in trying to discover identity between such extremely different concepts as happiness and virtue. Yet we must also admire them for having tried every conceivable path of philosophical discovery so early. Their effort suited the dialectical spirit of their times. Even now this sometimes tempts subtle thinkers to remove essential differences between principles—differences that can never be reconciled—by trying to turn them into disputes about words. In this way they manufacture an apparent unity of concept under V:112 different names. This usually happens when the union of unlike grounds lies so deep or so high, or would require such a complete change in the other doctrines accepted in a philosophical system, that people hesitate to examine the real difference thoroughly. They prefer to treat it as a disagreement over mere formalities.

Both schools tried to establish that the practical principles of virtue and happiness were identical. But they did not agree on how to force this identity. Instead, they diverged enormously. One placed its principle on the side of feeling, the other on the side of logic. The first placed it in consciousness of sensible need; the second in practical reason's independence A 202 from all sensible determining grounds. According to the Epicurean, the concept of virtue was already contained in the maxim of promoting one's own happiness. According to the Stoic, by contrast, the feeling of happiness was already contained in consciousness of one's virtue. But what is contained in another concept is identical with part of what contains it, not with the whole. Moreover, two wholes can differ in kind even when they consist of exactly the same material, if their parts are combined into wholes in entirely different ways. The Stoic claimed that virtue was the entire highest good. Happiness was only consciousness of possessing virtue, as belonging to the subject's condition. The Epicurean claimed that happiness was the entire highest good. Virtue was only the form of the maxim for pursuing it, namely, the rational use of the means to it.

But the Analytic makes it clear that the maxims of virtue and those of personal happiness are entirely different in their supreme practical principle. Far from agreeing, they severely limit and interfere with each other within the same subject, even though they belong to one highest good and make it possible. So the question, how is the highest good practically A 203 possible?, remains unsolved despite all previous attempts to combine them. The Analytic has given us what makes this problem difficult: happiness and morality are two elements of entirely different kinds in the highest good. Their connection therefore cannot be cognized analytically V:113. Merely analyzing his concepts will not show someone who pursues happiness that he is virtuous in doing so; nor will someone who follows virtue find himself already happy by that very fact in being conscious of such conduct. Instead, their connection is a synthesis of concepts. But this connection is cognized as a priori, and thus as practically necessary, not as derived from experience. The possibility of the highest good therefore rests on no empirical principles. So the deduction of this concept will have to be transcendental. It is a priori morally necessary to bring about the highest good through freedom of the will. The condition of its possibility must therefore also rest entirely on a priori grounds of cognition.

I. A 204 The antinomy of practical reason.

In the highest good that is practical for us—that is, that our will is to make real—virtue and happiness are thought of as necessarily connected. Pure practical reason cannot accept one without the other also belonging to it. Now this connection, like any connection, is either analytic or synthetic. As we just showed, this particular connection cannot be analytic. It must therefore be thought of as synthetic, specifically as a connection of cause and effect, since it concerns a practical good, something possible through action. So either the desire for happiness must motivate maxims of virtue, or the maxim of virtue must be the effective cause of happiness. The first is absolutely impossible. As the Analytic proved, maxims that place the will's determining ground in the desire for one's happiness are not moral at all and cannot establish virtue. But the second is also impossible. Every practical connection between causes and effects in the world that results from the determination of the will depends not on A 205 the will's moral disposition, but on knowledge of natural laws and the physical ability to use them for one's purposes. Consequently, even the most exact V:114 observance of moral laws cannot be expected to produce a necessary connection between happiness and virtue in the world sufficient for the highest good. Now promoting the highest good, whose concept contains this connection, is an a priori necessary object of our will. It is inseparably connected with the moral law. So the impossibility of promoting it must also prove the moral law false. If the highest good is impossible under practical rules, then the moral law that commands us to promote it must also be fanciful and directed toward empty, imaginary ends. It must therefore be false in itself.

II. Critical resolution of the antinomy of practical reason.

The antinomy of pure speculative reason contains a similar conflict between natural necessity and freedom in the causality of events in the world. This was resolved by proving that there is no real conflict if we regard events A 206, and even the world in which they occur, only as appearances—as we should. One and the same acting being, as an appearance, even to its own inner sense, has a causality in the sensible world that always follows nature's mechanism. Yet with regard to the same event, insofar as the acting person also regards himself as a noumenon—as a pure intelligence whose existence cannot be determined in time—he can contain a determining ground of that causality under natural laws which is itself free from every natural law.

The present antinomy of pure practical reason works in exactly the same way. The first of its two propositions, that striving for happiness produces a ground for a virtuous disposition, is absolutely false. But the second, that a virtuous disposition necessarily produces happiness, is not absolutely false. It is false only insofar as virtue is regarded as the form of causality in the sensible world, and thus if I take existence in that world to be the only kind of existence a rational being has. It is therefore false only conditionally. But I am entitled to think of my existence also as a noumenon in a world of understanding. I even V:115 have in the moral law a purely intellectual determining ground of my causality in the sensible world. So it is not impossible A 207 for the morality of my disposition, as cause, to have a necessary connection with happiness, as effect, in the sensible world. This connection might be, if not direct, at least indirect, through an intelligible author of nature. In a nature that is merely an object of the senses, this connection can never be anything but contingent, and cannot suffice for the highest good.

So despite this apparent conflict of practical reason with itself, the highest good is the necessary supreme end of a morally determined will and a genuine object of that reason. For it is practically possible. The maxims of that will, whose content concerns the highest good, have objective reality. At first, the antinomy seemed to threaten this reality by challenging the connection of morality with happiness under a universal law. But that was only a misunderstanding: a relation between appearances was taken to be a relation of things in themselves to those appearances.

We find ourselves forced to seek the possibility of the highest good so far afield: in its connection with an intelligible world. This is the goal reason sets before all rational beings for all their moral wishes. It must therefore seem strange A 208 that ancient and modern philosophers alike could nevertheless believe they found happiness proportioned quite properly to virtue already in this life, in the sensible world, or persuade themselves that they were conscious of it. Both Epicurus and the Stoics praised above everything the happiness that arose in life from consciousness of virtue. In his practical rules, Epicurus was not as base-minded as one might infer from the principles of his theory, which he used to explain things, not to guide action. Nor was he as many interpreted him to be, misled by the expression sensual pleasure instead of contentment. He counted the most unselfish practice of good among the ways of enjoying the deepest joy. Contentment with little and restraint of inclinations, as demanding as the strictest moral philosopher could require, belonged to his plan for pleasure. By pleasure he meant a heart that is always cheerful. His main difference from the Stoics here was that he made this pleasure the motive. They refused to do so, and rightly. For, on the one hand, V:116 the virtuous Epicurus made a mistake also made today by many men of good moral disposition who have not thought deeply enough about their principles. He already assumed a virtuous disposition in the people for whom he wanted to identify the initial incentive to virtue. Indeed, an upright person cannot find himself happy A 209 unless he is first conscious of his uprightness. This is because, with that disposition, his own way of thinking would force him to reproach himself for his transgressions. Moral self-condemnation would rob him of all enjoyment of whatever comforts his situation might otherwise contain. But the question is: what first makes such a disposition possible, and such a way of thinking when assessing the worth of one's existence? Before it, the subject would have no feeling for moral worth at all. Certainly, if a person is virtuous, he will not enjoy life without being conscious of his uprightness in every action, however fortunate his physical condition may be. But to make him virtuous in the first place, before he values the moral worth of his existence so highly, can we really recommend the peace of mind that will arise from consciousness of an uprightness for which he has no feeling?

On the other hand, there is always a basis here for a mistake of illicit substitution, something like an optical illusion in our consciousness of what we do, as distinct from what we feel. Even the most experienced person cannot entirely avoid it A 210. A moral disposition necessarily includes consciousness that the will is determined directly by the law. Now consciousness of a determination of the faculty of desire is always the ground for taking satisfaction in the action it produces. But this pleasure, this satisfaction in itself, is not the action's determining ground. Instead, the direct determination of the will by reason alone is the ground of the feeling of pleasure. That determination remains a purely practical determination of the faculty of desire, not one based on feeling. Inwardly, this determination has exactly the same effect of prompting activity that would have been produced by a feeling of pleasantness expected from the desired action. So we easily mistake what we ourselves do for something we merely passively feel. We take the moral V:117 incentive for a sensible impulse. This is what usually happens in so-called illusions of the senses, here the inner sense. There is something very sublime in human nature's being determined to act directly by a pure law of reason, and even in the illusion of taking the subjective aspect of this intellectual determinability of the will for something belonging to feeling, the effect of a special sensible feeling. An intellectual feeling would be a contradiction. It is also very important to draw attention to this feature of our personality A 211 and to cultivate reason's effect on this feeling as much as possible. But we must also guard against falsely praising this moral determining ground as an incentive by supplying it with feelings of special joys as its grounds. Those feelings are only its results. Such praise would degrade and distort the real, genuine incentive, the law itself, as if by putting it against a false background. Respect, then—not pleasure or the enjoyment of happiness—is something for which no prior feeling underlying reason is possible. Such a feeling would always be sensible and dependent on our susceptibility to being affected. Respect, as consciousness of the will's direct constraint by law, is barely an analogue of the feeling of pleasure. In relation to the faculty of desire it does exactly the same thing, but from different sources. Yet only this way of representing the matter can achieve what we seek: actions performed not merely in conformity with duty, as a result of pleasant feelings, but from duty. That must be the true aim of all moral education.

But do we have a word that does not mean enjoyment, as happiness does, yet indicates satisfaction with one's existence—an analogue of happiness that must necessarily accompany consciousness of virtue? Yes: the word is self-contentment A 212. In its proper meaning it always indicates only a negative satisfaction with one's existence, in which one is conscious of needing nothing. Freedom, and consciousness of it as an ability to follow the moral law with an overriding disposition, is independence from inclinations. At least, it is independence from them as determining motives of our desire, though not as motives that affect us. Insofar as I am conscious of this freedom in following my moral maxims, it is the only source of an unchanging V:118 contentment necessarily connected with it, resting on no particular feeling. This can be called intellectual contentment. Contentment based on feeling, which is called contentment only improperly, rests on satisfying inclinations, however subtly these may be devised. It can never match what we imagine it to be. Inclinations change, grow as we indulge them, and always leave a still greater emptiness than the one we intended to fill. So they are always burdensome to a rational being. Even if it cannot put them aside, they force it to wish it were rid of them. Even an inclination toward what accords with duty—for example, toward helping others—can greatly ease the effectiveness of moral maxims, but cannot produce any. A 213 In these maxims everything must be based on the representation of the law as the determining ground, if the action is to contain not merely legality but also morality. Inclination is blind and servile, whether it is good-natured or not. Where morality is concerned, reason must not merely act as its guardian. As pure practical reason, it must attend entirely to its own interest, without regard to inclination. Even the feeling of pity and tender sympathy is burdensome to well-meaning people themselves if it comes before reflection on what duty requires and becomes the determining ground. It confuses their considered maxims and makes them wish to be rid of it and subject to lawgiving reason alone.

This helps us understand how awareness of this capacity of pure practical reason, put into action through virtue, can produce awareness of mastery over one's inclinations. That also means awareness of independence from them, and thus from the discontent that always accompanies them. It can therefore produce a negative satisfaction with one's condition, that is, contentment. At its source, this is contentment with oneself as a person. In this way, indirectly, freedom itself becomes capable of enjoyment. This cannot be called happiness, because it A 214 does not depend on the positive addition of a feeling. Strictly speaking, it cannot be called bliss either, since it does not include complete independence from inclinations and needs. Yet it resembles bliss insofar as at least the determination of one's will can remain free of their influence. So at least in its origin it is analogous to the self-sufficiency that can be attributed only to the highest being.

V:119 From this resolution of the antinomy of pure practical reason, it follows that practical principles allow us at least to think of a natural and necessary connection between consciousness of morality and the expectation of happiness proportioned to it, as its consequence. That does not yet mean that we can cognize or understand this connection. In contrast, principles for pursuing happiness cannot possibly produce morality. So morality constitutes the supreme good, as the first condition of the highest good. Happiness constitutes its second element, but only as the morally conditioned, yet necessary, consequence of morality. Only with this subordination is the highest good the whole object of pure practical reason. Reason must necessarily represent it as possible, since reason commands us to contribute everything we can to producing it. But the possibility of such a connection A 215 between what is conditioned and its condition belongs entirely to the supersensible relation of things. It cannot be given at all under the laws of the sensible world. Nevertheless, the practical consequence of this idea—the actions aimed at making the highest good real—belongs to the sensible world. We will therefore try to set out the grounds of that possibility, first with regard to what is directly within our power, and then with regard to what is not within our power. Reason offers the latter as a supplement to our inability, necessary under practical principles for making the highest good possible.

III. The primacy of pure practical reason in its connection with speculative reason.

By primacy among two or more things connected by reason, I mean the priority one has in being the first determining ground of its connection with all the rest. In the narrower, practical sense, it means the priority of the interest of one, to which the interest of the others is subordinate, while that first interest cannot be placed below any other. Each faculty of the mind can A 216 be assigned an interest: a principle containing the condition under which alone its exercise is promoted. Reason, as the faculty of principles, determines the interest of all V:120 powers of the mind, but determines its own interest for itself. The interest of its speculative use consists in cognition of the object up to the highest a priori principles. The interest of its practical use consists in determining the will with regard to the final and complete end. What is needed for any use of reason—that its principles and assertions must not contradict one another—is no part of its interest. It is the condition for having reason at all. Only extending its reach counts as its interest, not mere agreement with itself.

If practical reason may assume and think of as given nothing beyond what speculative reason can supply from its own insight, then speculative reason has primacy. But suppose practical reason had original a priori principles of its own, inseparably connected with certain theoretical positions. These positions might escape every possible insight of speculative reason, though they need not contradict it either. Then the question is which interest is supreme A 217, not which must yield, since one does not necessarily conflict with the other. Must speculative reason, which knows nothing of all that practical reason offers it to accept, take up these propositions? Must it try to unite them with its concepts as a foreign possession transferred to it, even though they go beyond its reach? Or is it entitled to stubbornly follow its own separate interest and, under Epicurus's canon, reject as empty quibbling everything that cannot establish its objective reality through clear examples presented in experience? May it do so even if these propositions are closely interwoven with the interest of the pure practical use of reason and do not themselves contradict theoretical reason? Its sole reason would be that they really do damage speculative reason's interest to this extent: they remove the limits it has set for itself and expose it to every kind of nonsense or delusion of the imagination.

Indeed, if we took practical reason as dependent on our susceptibility to feelings—that is, as merely managing the interest of inclinations under the sensible principle of happiness—we could not make this demand on speculative reason at all. Muhammad's paradise, or the melting union with the deity imagined by theosophists and mystics, each according to his taste, would force their V:121 monstrous creations on reason. It would be just as good to have no reason as A 218 to expose it to every fantasy in this way. But if pure reason can be practical on its own, and actually is, as consciousness of the moral law shows, then it is still always one and the same reason that judges by a priori principles, whether for theoretical or practical purposes. Clearly, then, even if its theoretical capacity is insufficient to establish certain propositions positively, yet they do not contradict it, reason must accept these very propositions as soon as they belong inseparably to the practical interest of pure reason. They come as a foreign offering, not grown on its own soil, but sufficiently authenticated nonetheless. It must try to compare and connect them with everything within its power as speculative reason. But it must recognize that these are not its own insights. They extend its use for another purpose, a practical one. This does not in any way conflict with its interest in restricting speculative overreach.

So when pure speculative and pure practical reason are united in one cognition, practical reason has primacy. This assumes that their connection is not contingent and optional, but grounded a priori in reason itself, and therefore necessary A 219. Without this subordination, reason would come into conflict with itself. If the two were merely placed side by side as equals, speculative reason would strictly close its boundaries and admit nothing from practical reason into its territory. Practical reason, however, would still extend its boundaries over everything and, wherever its need required, would try to include speculative reason within them. We cannot ask pure practical reason to be subordinate to speculative reason and so reverse the order. For all interest is ultimately practical. Even the interest of speculative reason is only conditional, and is complete only in practical use.

IV. V:122 The immortality of the soul as a postulate of pure practical reason.

Bringing about the highest good in the world is the necessary object of a will that can be determined by the moral law. Within this highest good, the supreme condition is complete conformity of dispositions with the moral law. So this conformity must be just as possible as its object, since it is included in the very command to A 220 promote that object. Complete conformity of the will with the moral law, however, is holiness. No rational being in the sensible world is capable of this perfection at any moment of its existence. Yet it is required as practically necessary. So it can be found only in a progress toward that complete conformity extending to infinity. Under principles of pure practical reason, we must accept such practical progress as the real object of our will.

But this infinite progress is possible only if we presuppose the existence and personality of the same rational being continuing to infinity. This is called the immortality of the soul. So the highest good is practically possible only if we presuppose the soul's immortality. Thus immortality, as inseparably connected with the moral law, is a postulate of pure practical reason. By this I mean a theoretical proposition that cannot be proved as such, insofar as it is inseparably attached to a practical law that holds unconditionally a priori.

The proposition that our nature's moral destiny is to reach complete conformity with the moral law only through progress extending to infinity is extremely useful A 221. This is true not only for the present supplement to speculative reason's incapacity, but also for religion. Without it, either we entirely strip the moral law of its holiness by contriving to make it lenient and thus suited to our convenience, or we stretch our calling and our expectations toward an unattainable destiny: the hoped-for complete achievement of holiness of will V:123. We then lose ourselves in fanatical theosophical dreams that completely contradict self-knowledge. Both approaches only obstruct our unceasing effort to follow, exactly and throughout, a strict and unyielding command of reason. That command is nevertheless not an imaginary ideal, but a real command. For a rational but finite being, only infinite progress from lower to higher degrees of moral perfection is possible. The Infinite, for whom the condition of time is nothing, sees in this series, endless for us, the whole of conformity with the moral law. The holiness that his command unrelentingly demands, in order to agree with his justice in the share of the highest good he assigns to each, is fully present in one intellectual intuition of rational beings' existence. A 222 As for the creature, all it can have concerning the hope of this share is consciousness of its tested disposition. From its past progress from worse to morally better, and from the unchanging resolve it has come to know through this progress, it can hope for further uninterrupted continuation of that progress, however far its existence may extend, even beyond this life12. Thus it can hope to be fully adequate to God's will—not here or at any foreseeable future A 223 moment of its existence, but only in the infinity of its continued existence, which God alone can survey V:124. This involves no leniency or remission, which cannot be reconciled with justice.

V. The existence of God as a postulate of pure practical reason.

In the preceding analysis, the moral law led to a practical task prescribed by pure reason alone, without any contribution from sensible incentives. This task was the necessary completion of the first and foremost part of the highest good, morality. Since this task can be fully achieved only in an eternity, it led to the postulate of immortality. The same law must also lead to the possibility of the second element of the highest good: happiness adequate to that morality. It must do so just as unselfishly as A 224 before, from impartial reason alone, by presupposing the existence of a cause adequate to this effect. That is, it must postulate the existence of God as necessarily belonging to the possibility of the highest good, which as an object of our will is necessarily connected with pure reason's moral legislation. We want to demonstrate this connection convincingly.

Happiness is the condition of a rational being in the world for whom, throughout its existence, everything goes according to its wishes and will. It therefore rests on nature's agreement with its whole end, and also with the essential determining ground of its will. Now the moral law, as a law of freedom, commands through determining grounds that are to be entirely independent of nature and of nature's agreement with our faculty of desire as incentives. But the acting rational being in the world is not also the cause of the world and nature itself. So the moral law contains not the slightest ground for a necessary connection between morality and happiness proportioned to it in a being that belongs to the world as a part and therefore depends on it. Precisely for this reason, that being cannot through its will be the cause of nature, or by its own powers make nature agree throughout A 225 V:125 with its practical principles where its happiness is concerned. Nevertheless, pure reason's practical task—the necessary work toward the highest good—postulates such a connection as necessary. We ought to try to promote the highest good, which must therefore be possible. So we also postulate the existence of a cause of all nature, distinct from nature, which contains the ground of this connection: the exact agreement of happiness with morality. But this supreme cause must contain the ground of nature's agreement not merely with a law of rational beings' will, but with the representation of this law, insofar as they make it their will's supreme determining ground. Thus nature must agree not merely with the form of their conduct, but also with its morality as their motive—that is, with their moral disposition. So the highest good in the world is possible only if we assume a supreme cause of nature whose causality accords with moral disposition. Now a being capable of acting according to the representation of laws is an intelligence, a rational being. The causality of such a being according to this representation of laws is its will. So the supreme cause of nature, insofar as it must be presupposed for the highest good, is a being that A 226 is the cause, and thus the author, of nature through understanding and will: God. Consequently, the postulate of the possibility of the highest derived good, the best world, is also the postulate of the reality of a highest original good, namely, God's existence. Now it was our duty to promote the highest good. So we have not only permission but also a necessity, connected with duty as a need, to presuppose that this highest good is possible. Since it is possible only on the condition of God's existence, this inseparably connects the presupposition of his existence with duty. In other words, it is morally necessary to assume God's existence.

We must carefully note here that this moral necessity is subjective, a need, and not objective, itself a duty. There can be no duty to assume that a thing exists, since that concerns only the theoretical use of reason. Nor does this mean that assuming God's existence is necessary as a ground of all obligation in general. As we have sufficiently proved, that ground rests solely on the V:126 autonomy of reason itself. The only duty here is to work to produce and promote the highest good in the world. We may therefore postulate its possibility. But our reason A 227 finds that possibility thinkable only if it presupposes a supreme intelligence. So assuming the existence of this intelligence is connected with consciousness of our duty, although this assumption itself belongs to theoretical reason. With regard to theoretical reason alone, considered as a ground of explanation, it can be called a hypothesis. But with regard to the intelligibility of an object assigned to us by the moral law—the highest good—and thus to a need for practical purposes, it can be called belief, specifically pure rational belief. For pure reason alone, in both its theoretical and its practical use, is the source from which it arises.

This deduction now makes it understandable why the Greek schools could never solve their problem of the practical possibility of the highest good. They always made the rule governing the human will's use of freedom its sole and independently sufficient ground. They did not think God's existence was needed for it. They were right to establish the principle of morals on its own, independently of this postulate, from the relation of reason alone to the will. They were therefore right to make it the supreme practical condition of the highest good. But that did not make it the whole condition of its possibility. The Epicureans A 228 had accepted an entirely false principle of morals as supreme, the principle of happiness. They substituted for a law a maxim of arbitrary choice according to each person's inclination. Yet they were consistent enough in lowering their highest good in proportion to the low level of their principle. They expected no greater happiness than human prudence can acquire, including abstinence and moderation of inclinations. As we know, this happiness must turn out meager enough and vary greatly with circumstances. That is not even counting the exceptions their maxims constantly had to allow, which make them unfit to be laws. The Stoics, in contrast, quite correctly chose their supreme practical principle, virtue, as the condition of the highest good. But they represented the degree of virtue required by its pure V:127 law as fully attainable in this life. In doing so, they not only stretched the moral capacity of a human being, under the name of a sage, beyond all the limits of human nature, assuming something that contradicts all knowledge of humanity. Above all, they also refused to recognize the second component of the highest good, happiness, as a distinct object of the human faculty of desire. Instead, they made their A 229 sage, like a deity, entirely independent of nature as far as his contentment was concerned, through consciousness of his personal excellence. They exposed him to life's troubles but did not subject him to them, and also represented him as free from evil. Thus they actually omitted the second element of the highest good, personal happiness. They placed it merely in action and contentment with one's personal worth, and so included it in consciousness of a moral way of thinking. But the voice of their own nature could have refuted them well enough on this point.

The teaching of Christianity13, even before we regard it as religious teaching, provides on this point a concept of the highest A 230 V:128 good—the kingdom of God—that alone satisfies the strictest demand of practical A 231 reason. The moral law is holy, allowing no leniency, and requires holiness of conduct. Yet all the moral perfection a human being can reach is always only virtue: a disposition conforming to law out of respect for the law. This means consciousness of a continuing tendency to transgress, or at least of impurity: the admixture of many spurious, nonmoral motives in following the law. It therefore means self-assessment joined with humility. So, with regard to the holiness demanded by the Christian law, it leaves the creature nothing but progress to infinity. For that very reason, however, it also entitles the creature to hope for its continued existence to infinity. The worth of a disposition fully adequate to the moral law is infinite. For in the judgment of a wise and all-powerful distributor of happiness, all possible happiness has no limit except rational beings' lack of conformity with their duty. But the moral law by itself promises no happiness. Under concepts of an order of nature in general, happiness is not necessarily connected with following that law. Christian moral teaching supplies this lack—the second indispensable component of the highest good—by representing a world in which rational beings devote themselves wholeheartedly to the moral law as a kingdom of God. In it, nature A 232 and morals are brought into a harmony foreign to each of them on its own by a holy author who makes the derived highest good possible. The holiness of conduct is assigned to them as their V:129 guide already in this life. But the well-being proportioned to it, bliss, is represented as attainable only in an eternity. For holiness must always be the model of their conduct in every condition, and progress toward it is possible and necessary already in this life. Bliss, however, under the name of happiness, cannot be attained in this world as far as our own power is concerned. It is therefore made solely an object of hope. Despite this, the Christian principle of morality itself is not theological, and thus not heteronomy. It is the autonomy of pure practical reason on its own. For it makes cognition of God and his will the ground not of these laws, but only of reaching the highest good on condition of following them. It even places the real incentive to follow these laws not in their desired consequences, but in the representation of duty alone. For only in faithfully observing duty does worthiness to acquire that highest good consist.

In this way, through the concept of the A 233 highest good as the object and final end of pure practical reason, the moral law leads to religion. That is, it leads to cognition of all duties as divine commands, not as decrees—that is, arbitrary ordinances of an alien will, contingent in themselves—but as essential laws of every free will in itself. Nevertheless, they must be regarded as commands of the highest being. For only from a morally perfect will, holy and good, that is also all-powerful can we hope for the highest good. The moral law makes it our duty to set that good as the object of our efforts. So we can hope to reach it only through agreement with this will. Here too, therefore, everything remains unselfish and grounded solely on duty. Neither fear nor hope may be made underlying incentives. If they become principles, they destroy the entire moral worth of actions. The moral law commands me to make the highest possible good in a world the ultimate object of all my conduct. But I can hope to bring this about only through agreement of my will with that of a holy and good author of the world. The concept of the highest good is that of a whole in which the greatest happiness is represented as joined in the most exact proportion to the greatest degree of moral perfection possible in creatures A 234. It therefore includes V:130 my own happiness. Nevertheless, happiness is not the determining ground of the will directed to promote the highest good. The moral law is. Indeed, that law strictly limits my unlimited desire for happiness by imposing conditions on it.

So morality is not really the teaching of how we are to make ourselves happy, but of how we are to become worthy of happiness. Only when religion is added does the hope also arise of someday sharing in happiness to the extent that we have taken care not to be unworthy of it.

Someone is worthy to possess a thing or a condition when that person's possession of it agrees with the highest good. We can now easily see that all worthiness depends on moral conduct. For in the concept of the highest good, this conduct is the condition of the rest, which belongs to one's condition: a share in happiness. It follows that morality in itself must never be treated as a teaching about happiness, that is, as guidance for coming to share in happiness. It concerns only the rational condition without which happiness is impossible A 235, not a means of acquiring it. But suppose morality has been presented completely. It merely imposes duties and does not supply measures for satisfying selfish wishes. Suppose, then, that the law-based moral wish to promote the highest good—to bring the kingdom of God to us—has been awakened, a wish that could not previously arise in any selfish soul, and that the step to religion has been taken to support it. Only then can this moral teaching also be called a teaching about happiness. For only with religion does the hope for happiness first begin.

We can also see from this that if we ask about God's ultimate end in creating the world, the answer must not be the happiness of rational beings in it, but the highest good. This adds a condition to those beings' wish for happiness: worthiness to be happy, that is, the morality of those same rational beings. Morality alone provides the standard by which they can hope to share in happiness at the hand of a wise author. For wisdom, considered theoretically, means cognition of the highest good, and practically, the V:131 will's conformity with the highest good. So we cannot assign to a supreme, independent wisdom an end grounded merely on goodness. For the effect of this goodness, in A 236 regard to rational beings' happiness, can be thought adequate to the highest original good only under the limiting conditions of agreement with the holiness14 of his will. Those who placed creation's end in the glory of God therefore chose perhaps the best expression, provided we do not think of this in human terms as an inclination to be praised. For nothing honors God more than what is most valuable in the world: respect for his command and observance of the holy duty his law imposes on us, when his magnificent arrangement A 237 crowns such a beautiful order with appropriate happiness. If the latter, speaking in human terms, makes him lovable, the former makes him an object of worship. Even human beings can earn love through doing good, but never respect through that alone. So even the greatest generosity brings them honor only by being exercised according to worthiness.

It now follows by itself that in the order of ends, a human being, and with him every rational being, is an end in itself. No one, not even God, can ever use him merely as a means without his also being an end at the same time. Thus the humanity in our person must be holy to us. For a human being is the subject of the moral law, and thus of what is holy in itself V:132. Only for the sake of this law and in agreement with it can anything at all be called holy. For this moral law rests on the autonomy of his will as a free will. Under its universal laws, that will must necessarily also be able to agree to what it is to submit to.

VI. A 238 The postulates of pure practical reason in general.

They all start from the principle of morality. This is not a postulate but a law through which reason directly determines the will. Precisely because it is determined in this way, the will, as a pure will, requires these necessary conditions for following its prescription. These postulates are not theoretical dogmas, but presuppositions from a necessarily practical standpoint. They therefore do not extend speculative cognition. But through their relation to the practical, they give objective reality to the ideas of speculative reason in general. They entitle reason to concepts whose very possibility it otherwise could not presume to assert.

These postulates are those of immortality, of freedom considered positively as the causality of a being insofar as it belongs to the intelligible world, and of God's existence. The first follows from the practically necessary condition that duration be adequate to the complete fulfillment of the moral law. The second follows from the necessary presupposition of independence from the sensible world and the capacity to determine one's will according to the law of an A 239 intelligible world, that is, freedom. The third follows from the necessity of the condition that enables such an intelligible world to be the highest good, by presupposing the highest independent good, that is, God's existence.

Respect for the moral law makes it necessary to aim at the highest good. This aim, and the resulting presupposition of the highest good's objective reality, therefore lead through postulates of practical reason to concepts that speculative reason could present as problems but could not solve. Thus: 1. They lead to the problem in whose attempted solution V:133 speculative reason could commit nothing but paralogisms, namely, immortality. For speculative reason lacked the mark of permanence needed to complete the psychological concept of an ultimate subject, necessarily attributed to the soul in self-consciousness, into the real representation of a substance. Practical reason achieves this through the postulate of a duration required for conformity with the moral law in the highest good, as the whole end of practical reason. 2. They lead to what speculative reason contained only as antinomy. Its solution could rest only on a concept thinkable as a possibility, but whose objective reality speculative reason could neither prove nor determine: the cosmological idea of an intelligible world and consciousness of our A 240 existence in it. Practical reason does this through the postulate of freedom. It establishes freedom's reality through the moral law, and with it the law of an intelligible world. Speculative reason could only point to that world, not determine its concept. 3. They give meaning to what speculative reason could think, but had to leave undetermined as a mere transcendental ideal: the theological concept of the original being. This meaning is practical: the being is a condition for the possibility of the object of a will determined by that law. Through its authoritative moral legislation in an intelligible world, it is the supreme principle of the highest good in that world.

But is our cognition really extended in this way by pure practical reason? Does what was transcendent for speculative reason become immanent in practical reason? Certainly, but only for practical purposes. For this does not give us cognition of our soul's nature, the intelligible world, or the highest being as they are in themselves. We have only united the concepts of them in the practical concept of the highest good, as the object of our will. We have done so entirely a priori through pure reason, but only through the moral law and solely in relation to it, with regard to the object it commands. We gain no insight into even how freedom A 241 is possible, or how we should represent this kind of causality theoretically and positively. Only that such a causality exists is postulated through the moral law and for its sake. The same holds for the other ideas. No human understanding will ever fathom their possibility. Yet no sophistry will ever tear from even the most ordinary person's conviction the belief that they are V:134 true concepts.

VII. How is it possible to think of an extension of pure reason for practical purposes without also extending its cognition as speculative reason?

To avoid becoming too abstract, we will answer this question at once by applying it to the case before us.—To extend pure cognition practically, a purpose must be given a priori. That means an end as an object of the will, represented as practically necessary independently of all theoretical principles through an imperative that directly determines the will, a categorical imperative. Here that end is the highest good. But this is not possible without presupposing three theoretical concepts: freedom, immortality, and God. Since these are mere pure concepts of reason, no corresponding intuition can be found for them, and thus no objective reality by a theoretical A 242 route. So the practical law commanding the existence of the highest good possible in a world postulates the possibility of those objects of pure speculative reason—the objective reality that speculative reason could not secure for them. This does indeed add to pure reason's theoretical cognition. But the addition consists solely in this: those concepts, otherwise problematic for it, merely thinkable, are now positively declared to have actual objects corresponding to them. For practical reason inevitably needs their existence for the possibility of its own absolutely necessary practical object, the highest good. Theoretical reason is thereby entitled to presuppose them. But this extension of theoretical reason is no extension of speculation that would now allow positive use of them for theoretical purposes. Practical reason has accomplished nothing more here than establishing that those concepts are real and actually have their possible objects. It gives us no intuition of them, nor can one be required. So no synthetic proposition is possible through this concession of their reality. Consequently, A 243 this disclosure does not help us in the least for speculative purposes. It does help extend this cognition of ours V:135 with regard to the practical use of pure reason. The three ideas of speculative reason mentioned above are not yet cognitions in themselves. Yet they are transcendent thoughts containing nothing impossible. Now, through an apodictic practical law, they acquire objective reality as necessary conditions for the possibility of what that law commands us to make our object. That is, the law directs us to recognize that they have objects, although we cannot indicate how their concept relates to an object. This is still not cognition of these objects. For through it we can make no synthetic judgment about them, nor determine their application theoretically. So we can make no theoretical use of reason concerning them, which is what all speculative cognition of them really consists in. Nevertheless, theoretical cognition, not of these objects, but of reason in general, was extended to this extent: through the practical postulates, objects were given to those ideas. A merely problematic thought thereby first acquired objective reality. So this was not an extension of cognition of given supersensible objects. But it was an extension of theoretical reason and its A 244 cognition with regard to the supersensible in general. For reason was compelled to admit that there are such objects, though it could not determine them more closely or extend this cognition of the objects themselves. They were now given to it on practical grounds and only for practical use. Pure theoretical reason, for which all those ideas are transcendent and without an object, thus owes this addition solely to its pure practical capacity. Here the ideas become immanent and constitutive, since they are grounds of the possibility of making real the necessary object of pure practical reason, the highest good. Without this, they are transcendent and merely regulative principles of speculative reason. They do not require it to assume a new object beyond experience, but only to bring its use within experience closer to completeness. Once reason possesses this addition, however, as speculative reason it will work negatively with these ideas, really only to secure its practical use. It will not extend them but purify them. On one side, it will ward off anthropomorphism as the source of superstition V:136, or the apparent extension of those concepts through supposed experience. On the other, it will ward off fanaticism, which promises such extension through supersensible intuition or similar feelings. All these are obstacles A 245 to the practical use of pure reason. Warding them off therefore certainly belongs to extending our cognition for practical purposes. This does not contradict admitting at the same time that reason has gained absolutely nothing thereby for speculative purposes.

Every use of reason concerning an object requires pure concepts of the understanding, or categories. Without them no object can be thought. These can be applied to reason's theoretical use, that is, to cognition of this kind, only insofar as intuition, which is always sensible, is also supplied as their basis. So they serve only to represent through them an object of possible experience. But here what I would have to think through categories in order to cognize it consists of ideas of reason that cannot be given in any experience. Yet our concern here is not theoretical cognition of the objects of these ideas, but only that they have objects at all. Pure practical reason supplies this reality. Here theoretical reason need only think those objects through categories. As we have clearly shown elsewhere, this can certainly be done without requiring any intuition, sensible or supersensible. For the categories have their seat and origin in the A 246 pure understanding independently of, and before, all intuition, simply as the faculty of thinking. They always mean only an object in general, however it may be given to us. Now insofar as the categories are to be applied to those ideas, no object can be given to them in intuition. Nevertheless, an object that practical reason unquestionably supplies in the concept of the highest good sufficiently secures the reality of the concepts required for the possibility of the highest good. It secures that such an object actually exists, and that the category, as a mere form of thought, is therefore not empty here but has meaning. Yet this addition produces not the slightest extension of cognition according to theoretical principles.

V:137 Next, when these ideas of God, an intelligible world—the kingdom of God—and immortality are determined by predicates taken from our own nature, we must not regard this determination as either rendering sensible those pure ideas of reason, through anthropomorphisms, or as cognition of supersensible objects beyond our reach. For these predicates are nothing but understanding and will, considered in their relation to each other A 247 as they must be thought in the moral law, and therefore only insofar as we make a pure practical use of them. We then abstract from everything else psychologically attached to these concepts, that is, everything we observe empirically in the exercise of our faculties. For example, human understanding proceeds through concepts, so its representations are thoughts, not intuitions; these follow one another in time; and our will always carries with it a dependence of contentment on the existence of its object, and so on. These things cannot apply to the highest being in that way. So nothing remains of the concepts through which we think a pure being of understanding except precisely what is needed to make it possible to think a moral law. This is indeed cognition of God, but only in a practical relation. If we try to extend it into theoretical cognition, we arrive at an understanding of his that does not think but intuits, and a will directed toward objects whose existence does not in the least affect his contentment. I will not even mention transcendental predicates, such as a magnitude of existence, or duration, that does not occur in time, although time is our only possible means of representing existence as a magnitude. These are all attributes of which we can form no A 248 concept fit for cognition of the object. This teaches us that they can never be used for a theory of supersensible beings. So they cannot establish speculative cognition on this side at all. They restrict their use solely to putting the moral law into practice.

This last point is so evident and can be so clearly demonstrated in practice that we can confidently challenge all supposed natural theologians—a strange name15—to name even one attribute determining V:138 their object beyond merely ontological predicates, such as an attribute of understanding or will, for which we could not conclusively prove the following. Once everything A 249 anthropomorphic is removed from it, only the bare word remains for us. We cannot connect it with the slightest concept from which we might hope to extend theoretical cognition. In practical matters, however, the attributes of an understanding and a will still leave us the concept of a relation. The practical law, which determines precisely this relation of understanding to will a priori, gives that concept objective reality. Once this has happened, reality is also given to the concept of the object of a morally determined will, the highest good, and with it to the conditions of its possibility: the ideas of God, freedom, and immortality. But this is always only in relation to putting the moral law into practice, never for any speculative purpose.

After these reminders, the answer to an important question is now easy to find: does the concept of God belong to physics—and therefore also to metaphysics, which contains only physics' pure a priori principles in a general sense—or does it belong to morality? If we resort to God as author of all things to explain arrangements in nature or their changes, that is at least no physical explanation. It is always an admission that we have reached the end of our philosophy. For we are forced to assume something of which we otherwise have no concept in itself, in order to form a concept of the A 250 possibility of what we see before us. Nor can metaphysics take us from knowledge of this world to the concept of God and proof of his existence through reliable inferences. For we would have to cognize this world as the most perfect possible whole. To do that, we would have to cognize all possible worlds so we could compare them with this one. We would therefore have to be omniscient V:139 to say that this world was possible only through a God, in the sense in which we must think this concept. Moreover, cognizing this being's existence from mere concepts is absolutely impossible. Every existential proposition—a proposition saying that a being of which I form a concept exists—is synthetic. It goes beyond that concept and says more about it than was thought in the concept: that an object outside the understanding is posited as corresponding to this concept in the understanding. Clearly, no inference can establish this. So only one procedure remains for reason to reach this cognition. As pure reason, it must determine its object by starting from the supreme principle of its pure practical use. This use is in any case directed solely toward the existence of something as a consequence of reason. In reason's unavoidable task, the necessary direction of the will toward the highest good, there appears not only A 251 the necessity of assuming such an original being in relation to the possibility of this good in the world. Most remarkably, there also appears something wholly missing from reason's progress along the path of nature: a precisely determined concept of this original being. We know only a small part of this world, and can still less compare it with all possible worlds. So from its order, purposiveness, and size we may infer a wise, good, powerful author, and so on, but not his omniscience, universal goodness, omnipotence, and so on. We can readily grant that we are entitled to fill this unavoidable gap with a permissible and entirely reasonable hypothesis. If wisdom, goodness, and so on shine out in as many parts as our closer knowledge reaches, they will do so in all the rest as well. It is therefore reasonable to attribute every possible perfection to the world's author. But these are not inferences on which we can pride ourselves for our insight. They are only permissions that can be granted to us, and they still need another recommendation to justify using them. On the empirical path of physics, then, the concept of God always remains an insufficiently determined A 252 concept of the first being's perfection to be considered adequate to the concept of a deity. And metaphysics in its transcendental part can accomplish nothing at all here.

V:140 I now try to compare this concept with the object of practical reason. I find that the moral principle allows this object as possible only if we presuppose an author of the world of supreme perfection. He must be omniscient, to know my conduct down to my deepest disposition in every possible case and for all the future; omnipotent, to give it the appropriate consequences; and likewise omnipresent, eternal, and so on. So through the concept of the highest good as the object of pure practical reason, the moral law determines the concept of the original being as the highest being. The physical path of reason, or the metaphysical path that takes it further—and thus the whole speculative path—could not accomplish this. So the concept of God originally belongs not to physics, that is, to speculative reason, but to morality. The same can be said of the other concepts of reason that we discussed above as postulates of reason in its practical use.

In the history of Greek philosophy, we find no clear traces of a pure rational theology before A 253 Anaxagoras. This was not because earlier philosophers lacked the understanding and insight to rise to it through speculation, at least with the help of an entirely reasonable hypothesis. What could be easier or more natural than the thought that suggests itself to everyone: instead of various causes of the world with indefinite degrees of perfection, assume a single rational cause possessing all perfection? But the evils in the world seemed far too serious as objections for them to consider themselves entitled to such a hypothesis. So they showed understanding and insight precisely by not allowing themselves that assumption. Instead, they searched among natural causes to see whether they might find in them the character and capacity required of an original being. But this perceptive people advanced so far in their inquiries that they treated even moral subjects philosophically, subjects about which other peoples had never done more than chatter. Only then did they discover a new need, a practical one, which unfailingly gave them a determinate concept of the original being. Speculative reason could only watch. At most, it had the further merit of embellishing a concept that had not grown on its own soil. With a train A 254 V:141 of confirmations from the study of nature, which only then came forward, it promoted not the concept's authority, which was already established, but rather only its display of supposed theoretical rational insight.

These reminders will fully convince a reader of the Critique of Pure Speculative Reason how necessary that laborious deduction of the categories was, and how beneficial for theology and morality. For only through it can we prevent either of two errors. If we place the categories in the pure understanding, we might with Plato regard them as innate, and base on them overreaching presumptions in theories of the supersensible whose end cannot be seen. This would turn theology into a magic-lantern show of phantoms. If we regard them as acquired, we might with Epicurus restrict every use of them, even for practical purposes, solely to objects and determining grounds of the senses. But in that deduction, the Critique first proved that they are not empirical in origin, but have their seat and source a priori in the pure understanding. Second, it proved that, since they refer to objects in general independently of their intuition, they produce theoretical cognition only when applied A 255 to empirical objects. Yet, applied to an object given by pure practical reason, they also serve for determinate thought of the supersensible. This holds only insofar as the supersensible is determined solely by predicates necessarily belonging to the pure practical purpose given a priori and to its possibility. Restricting pure reason speculatively and extending it practically first bring it into that balanced relation in which reason in general can be used purposively. This example proves better than any other that for us human beings the path to wisdom must inevitably pass through science, if it is to be secure rather than impassable or misleading. But only after completing that science can we be convinced that it leads to this goal.

VIII. V:142 Assent arising from a need of pure reason.

A need of pure reason in its speculative use leads only to hypotheses, but a need of pure practical reason leads to A 256 postulates. For in the first case I ascend from what is derived as high in the series of grounds as I choose. I need an original ground not to give objective reality to what is derived—for example, the causal connection of things and changes in the world—but only to satisfy my inquiring reason completely concerning it. Thus I see order and purposiveness in nature before me. I do not need to move into speculation to assure myself of their reality, but only to explain them by presupposing a deity as their cause. Now an inference from an effect to a determinate cause is always uncertain and precarious, especially to a cause determined as precisely and completely as we must think God to be. So such a presupposition can never be raised beyond the level of the most reasonable opinion possible for us human beings.16 By contrast, A 257 a need of pure practical reason rests on a duty to make something, the highest good, the object of my will, in order to promote it with all my powers. But in doing so I must presuppose its possibility, and thus also its conditions: God, freedom, and immortality. For my speculative reason can neither prove nor refute these. This duty rests on a law entirely independent of these last presuppositions, a law apodictically certain in itself: the moral law. To that extent, it needs no further support V:143 from theoretical opinion about the inner constitution of things, the hidden purpose of the world's order, or a ruler presiding over it, in order to bind us completely to unconditionally lawful actions. But the subjective effect of this law—the disposition that agrees with it and that it makes necessary, to promote the practically possible highest good—at least presupposes that the highest good is possible. Otherwise it would be practically impossible to strive for the object of a concept that was fundamentally empty and without an object. Now the postulates above concern only A 258 the physical or metaphysical conditions—in a word, the conditions lying in the nature of things—for the possibility of the highest good. But they do so not for some optional speculative purpose, but for a practically necessary end of the pure rational will. Here the will does not choose but obeys an unrelenting command of reason. This command has its ground objectively in the constitution of things as they must be universally judged by pure reason. It does not rest on inclination. Inclination is in no way entitled, for the sake of what we wish on merely subjective grounds, to assume at once that the means to it are possible, or even that the object is real. So this is a need for an absolutely necessary purpose. It justifies its presupposition not merely as a permissible hypothesis, but as a postulate for practical purposes. Granted that the pure moral law unrelentingly binds everyone as a command, not as a rule of prudence, an upright person may well say: “I will that there be a God; that my existence in this world be, beyond the natural connection, also an existence in a pure world of understanding; and finally, that my duration be endless. I insist on this and will not let this belief be taken from me. For this is the one case in which my interest inevitably determines my judgment, since I may not give up any part of that interest. I pay no attention A 259 to specious arguments, however unable I may be to answer them or counter them with more plausible ones.”17

V:144 To prevent misinterpretations in using so unfamiliar a concept as pure practical rational belief, A 260 let me add one more remark.—It might almost seem that this rational belief is itself being announced here as a command: to assume that the highest good is possible. But a commanded belief is an absurdity. Recall, however, the explanation above of what the concept of the highest good requires us to assume. We will then see that assuming this possibility need not be commanded at all. No practical dispositions are needed to concede it; speculative reason must grant it without being asked. For surely no one would claim that the connection of rational beings' worthiness to be happy in the world, in conformity with the moral law, with a proportionate possession of happiness is impossible in itself. Concerning the first part of the highest good, morality, the moral law gives us only a command. Doubting the possibility of that component would amount to doubting the moral law itself. As for the second part of that object, happiness fully adequate to that worthiness, conceding its possibility in general needs no command either. Theoretical reason itself has no objection. Only the way in which we are to think of such a harmony of the laws of nature with those A 261 V:145 of freedom leaves something in respect of which we have a choice. For theoretical reason decides nothing about this with apodictic certainty. Regarding this choice, there can be a moral interest that turns the balance.

Above, I said that happiness exactly proportioned to moral worth is not to be expected from the mere course of nature in the world, and must be regarded as impossible. From this side, then, the possibility of the highest good can be conceded only if we presuppose a moral author of the world. I deliberately held back the qualification that restricts this judgment to the subjective conditions of our reason. I wanted to use it only when the kind of assent involved was to be determined more closely. In fact, this impossibility is merely subjective. That is, our reason finds it impossible for itself to make comprehensible, through the mere course of nature, such an exactly proportioned and thoroughly purposive connection between two events in the world occurring under such different laws. Yet, as with everything else purposive in nature, it also cannot prove that this connection is impossible under universal natural laws. It cannot sufficiently demonstrate this from objective A 262 grounds.

But now a different kind of ground for deciding comes into play, to turn the balance when speculative reason wavers. The command to promote the highest good is objectively grounded in practical reason. Its possibility in general is likewise objectively grounded in theoretical reason, which has no objection to it. But reason cannot objectively decide how we are to represent this possibility: under universal natural laws without a wise author presiding over nature, or only by presupposing such an author. Here a subjective condition of reason enters. This is the only way theoretically possible for it, and also the only way helpful to morality, which stands under an objective law of reason, to think the exact agreement of the kingdom of nature with the kingdom of morals as a condition for the possibility of the highest good. Now promoting that good, and therefore presupposing its possibility, is objectively necessary, though only according to practical reason. At the same time, the manner in which we choose to think it possible is up to us. In this choice, a free interest of V:146 pure practical reason decides in favor of assuming a wise author of the world. So the principle determining our judgment here is indeed A 263 subjective, as a need. But as a means of promoting what is objectively, practically necessary, it is also the ground of a maxim of assent for moral purposes: a pure practical rational belief. This belief, then, is not commanded. It springs from the moral disposition itself as a voluntary determination of our judgment to assume that existence and make it the basis of reason's further use. This determination supports the commanded moral purpose and also agrees with reason's theoretical need. So even in well-disposed people it may sometimes waver, but can never turn into unbelief.

IX. How the proportion of human cognitive faculties is wisely suited to our practical destiny.

If human nature is destined to strive for the highest good, then the measure of its cognitive faculties, especially their relation to one another, must also be assumed suitable for this end. But the Critique of Pure Speculative Reason proves reason's extreme inadequacy for solving its most important problems A 264 in a way suited to that end. It does not fail to recognize the natural hints of that same reason, which cannot be overlooked, or the great steps reason can take to approach the great goal set before it. Yet reason can never reach that goal on its own, even with the help of the greatest knowledge of nature. So nature seems here to have treated us like a neglectful stepmother in supplying us with a faculty needed for our end.

Now suppose nature had granted our wish here and given us the power of insight or enlightenment we would like to possess, or that some even imagine they actually possess. What would probably follow? Unless our whole nature were changed at the same time, the inclinations, which always speak first, would initially V:147 demand satisfaction. Combined with rational reflection, they would demand their greatest possible lasting satisfaction under the name of happiness. The moral law would speak afterward, to keep them within their proper limits and even subject them all to a higher end that takes no account of inclination. But instead of the struggle that the moral disposition now has to wage against inclinations—a struggle in which, after some defeats, the soul's moral strength can nevertheless A 265 gradually be acquired—God and eternity, with their terrifying majesty, would stand constantly before our eyes. For what we can prove completely has as much certainty for us as what we establish by seeing it. Transgression of the law would of course be avoided, and what is commanded would be done. But no command can instill the disposition from which actions ought to be done. Here the spur to activity is immediately at hand and external. Reason therefore does not first have to work its way upward, to gather strength to resist inclinations through a vivid representation of the law's dignity. So most lawful actions would be done from fear, a few from hope, and none from duty. There would be no moral worth in actions at all. Yet this alone determines the worth of the person, and even of the world, in the eyes of the highest wisdom. As long as human nature remained as it is now, human conduct would therefore be transformed into a mere mechanism. As in a puppet show, everything would move properly, but there would be no life in the figures. As things are, our situation is quite different. With all our reason's effort, we have only a very obscure and ambiguous A 266 view of the future. The world's ruler lets us conjecture his existence and glory, but not see or clearly prove them. In contrast, the moral law within us demands unselfish respect without promising or threatening anything with certainty. Only when this respect has become active and dominant, and only through it, does the law permit prospects into the kingdom of the supersensible, and even then only faint glimpses. In these circumstances a genuinely moral disposition, directly devoted to the law, can exist. The rational creature can become worthy of a share in the highest good proportioned to the moral worth of its person, not merely its actions V:148. So here too, what the study of nature and humanity otherwise sufficiently teaches us may well be right: the unfathomable wisdom through which we exist is no less worthy of reverence in what it denied us than in what it granted us.

12 Yet conviction that one's disposition is unchanging in progress toward the good seems impossible for a creature on its own. For this reason Christian religious teaching derives it only from the same spirit that brings about sanctification: this firm resolve and, with it, consciousness of perseverance in moral progress. But even in the natural way, someone conscious of having continued to progress toward the better for a long part of his life right to its end, and from genuine moral motives, may reasonably have a comforting hope, though not certainty. He may hope that he will persevere in these principles also in an existence continued beyond this life. In his own eyes he is never justified here. Nor may he ever hope to be justified as his natural perfection increases in the future, as he hopes it will, since his duties will increase with it. Nevertheless, in this progress he can have a prospect of a blessed future. Although the progress concerns a goal postponed to infinity, it counts for God as possession of that goal. For this is the expression reason uses to describe complete well-being independent of all contingent causes in the world. Like holiness, this is an idea that can be contained only in an infinite progress and its totality, and so is never fully attained by the creature.

13 People commonly think that the Christian moral prescription has no advantage in purity over the Stoics' moral concept. But the difference between the two is quite visible. The Stoic system made consciousness of strength of soul the pivot around which all moral dispositions were to turn. Its followers spoke of duties and defined them quite well. Yet they placed the incentive and the will's actual determining ground in raising one's way of thinking above the low incentives of the senses, which gain power only through weakness of soul. For them, then, virtue was a kind of heroism of the sage, who rises above human animal nature and is sufficient to himself. He prescribes duties to others but is himself above them and subject to no temptation to transgress the moral law. But they could not have done all this if they had represented that law in the purity and strictness with which the Gospel prescribes it. If by an idea I understand a perfection for which nothing adequate can be given in experience, moral ideas are not therefore beyond our reach. They are not like speculative reason's ideas, whose very concepts we cannot sufficiently determine, or for which it is uncertain whether any object corresponds to them at all. Instead, as models of practical perfection, they serve as an indispensable guide to moral conduct and also as a standard of comparison. If I now consider Christian morality from its philosophical side, it would appear as follows in comparison with the ideas of the Greek schools. The ideas of the Cynics, Epicureans, Stoics, and Christians are, respectively, natural simplicity, prudence, wisdom, and holiness. Concerning the path to reach these, the Greek philosophers differed in this way: the Cynics considered ordinary human understanding sufficient, the others only the path of science. So both considered the mere use of natural powers sufficient. Christian morality makes its prescription so pure and unyielding, as indeed it must, that it takes away people's confidence in being fully adequate to it, at least here in life. But it also restores that confidence in this way: if we act as well as is within our power, we can hope that what is not within our power will come to our aid from elsewhere, whether or not we know how. Aristotle and Plato differed only concerning the origin of our moral concepts.

14 Here, to make the distinctive character of these concepts clear, I add only this remark. We attribute various properties to God whose quality we also find appropriate to creatures, except that in God they are raised to the highest degree. For example, power, knowledge, presence, goodness, and so on become omnipotence, omniscience, omnipresence, universal goodness, and so on. Yet there are three properties attributed exclusively to God, without any added indication of magnitude, and all are moral: he is the only holy one, the only blessed one, the only wise one. For these concepts already include unlimitedness. In their order, he is therefore also the holy lawgiver and creator, the good ruler and preserver, and the just judge. These three properties contain everything through which God becomes the object of religion. The metaphysical perfections fitting them then add themselves in reason of their own accord.

15 Learning properly means only the body of historical sciences. Consequently, only a teacher of revealed theology can be called a scholar of God, a theologian. Suppose, however, we also wanted to call someone who possesses rational sciences, mathematics and philosophy, a scholar. This would already contradict the meaning of the word, which always counts as learning only what one must be taught, and thus cannot discover on one's own through reason. Even so, a philosopher with his cognition of God as a positive science might cut too poor a figure to let himself be called a scholar on that account.

16 But even here we could not invoke a need of reason if we did not have before us a problematic yet unavoidable concept of reason: that of an absolutely necessary being. This concept calls for determination. When the drive to extend cognition is added, this is the objective ground of a need of speculative reason: to determine more closely the concept of a necessary being that is to serve as the original ground of others, and so to identify that ultimate being by some characteristic. Without such prior necessary problems, there are no needs, at least none of pure reason. The others are needs of inclination.

17 In the Deutsches Museum, Feb. 1787, there is an essay by a very perceptive and clear thinker, the late Wizenmann, whose early death is regrettable. He disputes our right to infer from a need the objective reality of its object. He illustrates his point with the example of a person in love who became infatuated with an idea of beauty that was merely a creation of his imagination, and then wanted to infer that such an object actually existed somewhere. I agree with him completely in every case where the need rests on inclination. Even for the person troubled by it, inclination cannot postulate its object's existence as necessary, much less contain a demand valid for everyone. It is therefore a merely subjective ground of wishes. But here we have a need of reason, arising from an objective determining ground of the will: the moral law. This law necessarily binds every rational being. It therefore entitles us a priori to presuppose conditions in nature adequate to it, and makes those conditions inseparable from the complete practical use of reason. It is a duty to make the highest good real to the utmost of our ability. So it must also be possible. Consequently, every rational being in the world must inevitably presuppose what is necessary for its objective possibility. This presupposition is as necessary as the moral law, and it is valid only in relation to that law.

Part II: Doctrine of the method of pure practical reason

Der A 267 V:149 Kritik der praktischen Vernunft

Zweiter Theil. Methodenlehre der reinen praktischen Vernunft.

V:151 Unter der Methodenlehre der reinen praktischen Vernunft kann A 269 man nicht die Art (sowohl im Nachdenken als im Vortrage) mit reinen praktischen Grundsätzen in Absicht auf ein wissenschaftliches Erkenntniß derselben zu verfahren verstehen, welches man sonst im Theoretischen eigentlich allein Methode nennt (denn populäres Erkenntniß bedarf einer Manier, Wissenschaft aber einer Methode, d. i. eines Verfahrens nach Principien der Vernunft, wodurch das Mannigfaltige einer Erkenntniß allein ein System werden kann). Vielmehr wird unter dieser Methodenlehre die Art verstanden, wie man den Gesetzen der reinen praktischen Vernunft Eingang in das menschliche Gemüth, Einfluß auf die Maximen desselben verschaffen, d. i. die objectiv praktische Vernunft auch subjectiv praktisch machen könne.

Nun ist zwar klar, daß diejenigen Bestimmungsgründe des Willens, welche allein die Maximen eigentlich moralisch machen und ihnen einen sittlichen Werth geben, die unmittelbare Vorstellung des Gesetzes und die objectiv nothwendige Befolgung desselben als Pflicht, als die eigentlichen Triebfedern der Handlungen vorgestellt werden müssen, weil sonst zwar Legalität der Handlungen, aber nicht Moralität der Gesinnungen bewirkt A 270 werden würde. Allein nicht so klar, vielmehr beim ersten Anblicke ganz unwahrscheinlich muß es jedermann vorkommen, daß auch subjectiv jene Darstellung der reinen Tugend mehr Macht über das menschliche Gemüth haben und eine weit stärkere Triebfeder abgeben könne, selbst jene Legalität der Handlungen zu bewirken und kräftigere Entschließungen hervorzubringen, das Gesetz aus reiner Achtung für dasselbe jeder anderen Rücksicht vorzuziehen, als alle Anlockungen, die aus Vorspiegelungen von Vergnügen und überhaupt allem dem, was man zur Glückseligkeit zählen V:152 mag, oder auch alle Androhungen von Schmerz und Übeln jemals wirken können. Gleichwohl ist es wirklich so bewandt, und wäre es nicht so mit der menschlichen Natur beschaffen, so würde auch keine Vorstellungsart des Gesetzes durch Umschweife und empfehlende Mittel jemals Moralität der Gesinnung hervorbringen. Alles wäre lauter Gleißnerei, das Gesetz würde gehaßt, oder wohl gar verachtet, indessen doch um eigenen Vortheils willen befolgt werden. Der Buchstabe des Gesetzes (Legalität) würde in unseren Handlungen anzutreffen sein, der Geist desselben aber in unseren Gesinnungen (Moralität) gar nicht, und da wir mit aller unserer Bemühung uns doch in unserem Urtheile nicht ganz von der Vernunft los machen können, so würden wir unvermeidlich in unseren eigenen Augen als nichtswürdige, verworfene Menschen erscheinen müssen, wenn wir uns gleich A 271 für diese Kränkung vor dem inneren Richterstuhl dadurch schadlos zu halten versuchten, daß wir uns an den Vergnügen ergötzten, die ein von uns angenommenes natürliches oder göttliches Gesetz unserem Wahne nach mit dem Maschinenwesen ihrer Polizei, die sich blos nach dem richtete, was man thut, ohne sich um die Bewegungsgründe, warum man es thut, zu bekümmern, verbunden hätte.

Zwar kann man nicht in Abrede sein, daß, um ein entweder noch ungebildetes, oder auch verwildertes Gemüth zuerst ins Gleis des moralisch Guten zu bringen, es einiger vorbereitenden Anleitungen bedürfe, es durch seinen eigenen Vortheil zu locken, oder durch den Schaden zu schrecken; allein so bald dieses Maschinenwerk, dieses Gängelband nur einige Wirkung gethan hat, so muß durchaus der reine moralische Bewegungsgrund an die Seele gebracht werden, der nicht allein dadurch, daß er der einzige ist, welcher einen Charakter (praktische consequente Denkungsart nach unveränderlichen Maximen) gründet, sondern auch darum, weil er den Menschen seine eigene Würde fühlen lehrt, dem Gemüthe eine ihm selbst unerwartete Kraft giebt, sich von aller sinnlichen Anhänglichkeit, so fern sie herrschend werden will, loszureißen und in der Unabhängigkeit seiner intelligibelen Natur und der Seelengröße, dazu er sich bestimmt sieht, für A 272 die Opfer, die er darbringt, reichliche Entschädigung zu finden. Wir wollen also diese Eigenschaft unseres Gemüths, diese Empfänglichkeit eines reinen moralischen Interesse und mithin die bewegende Kraft der reinen Vorstellung der Tugend, wenn sie gehörig ans menschliche Herz gebracht wird, als die mächtigste und, wenn es auf die Dauer und Pünktlichkeit in Befolgung moralischer Maximen ankommt, einzige Triebfeder zum Guten V:153 durch Beobachtungen, die ein jeder anstellen kann, beweisen; wobei doch zugleich erinnert werden muß, daß, wenn diese Beobachtungen nur die Wirklichkeit eines solchen Gefühls, nicht aber dadurch zu Stande gebrachte sittliche Besserung beweisen, dieses der einzigen Methode, die objectiv praktischen Gesetze der reinen Vernunft durch bloße reine Vorstellung der Pflicht subjectiv praktisch zu machen, keinen Abbruch thue, gleich als ob sie eine leere Phantasterei wäre. Denn da diese Methode noch niemals in Gang gebracht worden, so kann auch die Erfahrung noch nichts von ihrem Erfolg aufzeigen, sondern man kann nur Beweisthümer der Empfänglichkeit solcher Triebfedern fordern, die ich jetzt kürzlich vorlegen und darnach die Methode der Gründung und Cultur ächter moralischer Gesinnungen mit wenigem entwerfen will.

Wenn man auf den Gang der Gespräche in gemischten Gesellschaften, die nicht blos aus Gelehrten und Vernünftlern, sondern auch aus Leuten A 273 von Geschäften oder Frauenzimmer bestehen, Acht hat, so bemerkt man, daß außer dem Erzählen und Scherzen noch eine Unterhaltung, nämlich das Räsonniren, darin Platz findet: weil das erstere, wenn es Neuigkeit und mit ihr Interesse bei sich führen soll, bald erschöpft, das zweite aber leicht schal wird. Unter allem Räsonniren ist aber keines, was mehr den Beitritt der Personen, die sonst bei allem Vernünfteln bald lange Weile haben, erregt und eine gewisse Lebhaftigkeit in die Gesellschaft bringt, als das über den sittlichen Werth dieser oder jener Handlung, dadurch der Charakter irgend einer Person ausgemacht werden soll. Diejenige, welchen sonst alles Subtile und Grüblerische in theoretischen Fragen trocken und verdrießlich ist, treten bald bei, wenn es darauf ankommt, den moralischen Gehalt einer erzählten guten oder bösen Handlung auszumachen, und sind so genau, so grüblerisch, so subtil, alles, was die Reinigkeit der Absicht und mithin den Grad der Tugend in derselben vermindern, oder auch nur verdächtig machen könnte, auszusinnen, als man bei keinem Objecte der Speculation sonst von ihnen erwartet. Man kann in diesen Beurtheilungen oft den Charakter der über andere urtheilenden Personen selbst hervorschimmern sehen, deren einige vorzüglich geneigt scheinen, indem sie ihr Richteramt vornehmlich über Verstorbene ausüben, das Gute, was von A 274 dieser oder jener That derselben erzählt wird, wider alle kränkende Einwürfe der Unlauterkeit und zuletzt den ganzen sittlichen Werth der Person wider den Vorwurf der Verstellung und geheimen Bösartigkeit zu vertheidigen, andere dagegen mehr auf Anklagen und Beschuldigungen sinnen, V:154 diesen Werth anzufechten. Doch kann man den letzteren nicht immer die Absicht beimessen, Tugend aus allen Beispielen der Menschen gänzlich wegvernünfteln zu wollen, um sie dadurch zum leeren Namen zu machen, sondern es ist oft nur wohlgemeinte Strenge in Bestimmung des ächten sittlichen Gehalts nach einem unnachsichtlichen Gesetze, mit welchem und nicht mit Beispielen verglichen der Eigendünkel im Moralischen sehr sinkt, und Demuth nicht etwa blos gelehrt, sondern bei scharfer Selbstprüfung von jedem gefühlt wird. Dennoch kann man den Verteidigern der Reinigkeit der Absicht in gegebenen Beispielen es mehrentheils ansehen, daß sie ihr da, wo sie die Vermuthung der Rechtschaffenheit für sich hat, auch den mindesten Fleck gerne abwischen möchten, aus dem Bewegungsgrunde, damit nicht, wenn allen Beispielen ihre Wahrhaftigkeit gestritten und aller menschlichen Tugend die Lauterkeit weggeleugnet würde, diese nicht endlich gar für ein bloßes Hirngespinst gehalten und so alle Bestrebung zu derselben als eitles Geziere und trüglicher Eigendünkel geringschätzig gemacht werde.

Ich weiß nicht, warum die Erzieher der Jugend von diesem Hange A 275 der Vernunft, in aufgeworfenen praktischen Fragen selbst die subtilste Prüfung mit Vergnügen einzuschlagen, nicht schon längst Gebrauch gemacht haben, und, nachdem sie einen blos moralischen Katechism zum Grunde legten, sie nicht die Biographien alter und neuer Zeiten in der Absicht durchsuchten, um Beläge zu den vorgelegten Pflichten bei der Hand zu haben, an denen sie vornehmlich durch die Vergleichung ähnlicher Handlungen unter verschiedenen Umständen die Beurtheilung ihrer Zöglinge in Thätigkeit setzten, um den mindern oder größeren moralischen Gehalt derselben zu bemerken, als worin sie selbst die frühe Jugend, die zu aller Speculation sonst noch unreif ist, bald sehr scharfsichtig und dabei, weil sie den Fortschritt ihrer Urtheilskraft fühlt, nicht wenig interessirt finden werden, was aber das Vornehmste ist, mit Sicherheit hoffen können, daß die öftere Übung, das Wohlverhalten in seiner ganzen Reinigkeit zu kennen und ihm Beifall zu geben, dagegen selbst die kleinste Abweichung von ihr mit Bedauern oder Verachtung zu bemerken, ob es zwar bis dahin nur als ein Spiel der Urtheilskraft, in welchem Kinder mit einander wetteifern können, getrieben wird, dennoch einen dauerhaften Eindruck der Hochschätzung auf der einen und des Abscheues auf der andern Seite zurücklassen werde, welche durch bloße Gewohnheit, solche Handlungen als beifalls- oder tadelswürdig öfters anzusehen, zur Rechtschaffenheit im A 276 V:155 künftigen Lebenswandel eine gute Grundlage ausmachen würden. Nur wünsche ich sie mit Beispielen sogenannter edler (überverdienstlicher) Handlungen, mit welchen unsere empfindsame Schriften so viel um sich werfen, zu verschonen und alles blos auf Pflicht und den Werth, den ein Mensch sich in seinen eigenen Augen durch das Bewußtsein, sie nicht übertreten zu haben, geben kann und muß, auszusetzen, weil, was auf leere Wünsche und Sehnsuchten nach unersteiglicher Vollkommenheit hinausläuft, lauter Romanhelden hervorbringt, die, indem sie sich auf ihr Gefühl für das überschwenglich Große viel zu Gute thun, sich dafür von der Beobachtung der gemeinen und gangbaren Schuldigkeit, die alsdann ihnen nur unbedeutend klein scheint, frei sprechen.18

Wenn man aber frägt, was denn eigentlich die reine Sittlichkeit ist, A 277 an der als dem Probemetall man jeder Handlung moralischen Gehalt prüfen müsse, so muß ich gestehen, daß nur Philosophen die Entscheidung dieser Frage zweifelhaft machen können; denn in der gemeinen Menschenvernunft ist sie, zwar nicht durch abgezogene allgemeine Formeln, aber doch durch den gewöhnlichen Gebrauch, gleichsam als der Unterschied zwischen der rechten und linken Hand, längst entschieden. Wir wollen also vorerst das Prüfungsmerkmal der reinen Tugend an einem Beispiele zeigen und, indem wir uns vorstellen, daß es etwa einem zehnjährigen Knaben zur Beurtheilung vorgelegt worden, sehen, ob er auch von selber, ohne durch den Lehrer dazu angewiesen zu sein, nothwendig so urtheilen müßte. Man erzähle die Geschichte eines redlichen Mannes, den man bewegen will, den Verleumdern einer unschuldigen, übrigens nichts vermögenden Person (wie etwa Anna von Bolen auf Anklage Heinrich VIII. von England) beizutreten. Man bietet Gewinne, d. i. große Geschenke oder hohen Rang, an, er schlägt sie aus. Dieses wird bloßen Beifall und Billigung V:156 in der Seele des Zuhörers wirken, weil es Gewinn ist. Nun fängt man es mit Androhung des Verlusts an. Es sind unter diesen Verleumdern A 278 seine besten Freunde, die ihm jetzt ihre Freundschaft aufsagen, nahe Verwandte, die ihn (der ohne Vermögen ist) zu enterben drohen, Mächtige, die ihn in jedem Orte und Zustande verfolgen und kränken können, ein Landesfürst, der ihn mit dem Verlust der Freiheit, ja des Lebens selbst bedroht. Um ihn aber, damit das Maß des Leidens voll sei, auch den Schmerz fühlen zu lassen, den nur das sittlich gute Herz recht inniglich fühlen kann, mag man seine mit äußerster Noth und Dürftigkeit bedrohte Familie ihn um Nachgiebigkeit anflehend, ihn selbst, obzwar rechtschaffen, doch eben nicht von festen, unempfindlichen Organen des Gefühls für Mitleid sowohl als eigener Noth, in einem Augenblick, darin er wünscht den Tag nie erlebt zu haben, der ihn einem so unaussprechlichen Schmerz aussetzte, dennoch seinem Vorsatze der Redlichkeit, ohne zu wanken oder nur zu zweifeln, treu bleibend vorstellen: so wird mein jugendlicher Zuhörer stufenweise von der bloßen Billigung zur Bewunderung, von da zum Erstaunen, endlich bis zur größten Verehrung und einem lebhaften Wunsche, selbst ein solcher Mann sein zu können (obzwar freilich nicht in seinem Zustande), erhoben werden; und gleichwohl ist hier die Tugend nur darum so viel werth, weil sie so viel kostet, nicht weil sie etwas einbringt. Die ganze Bewunderung und selbst Bestrebung zur Ähnlichkeit mit diesem Charakter beruht hier gänzlich auf der Reinigkeit des sittlichen A 279 Grundsatzes, welche nur dadurch recht in die Augen fallend vorgestellt werden kann, daß man alles, was Menschen nur zur Glückseligkeit zählen mögen, von den Triebfedern der Handlung wegnimmt. Also muß die Sittlichkeit auf das menschliche Herz desto mehr Kraft haben, je reiner sie dargestellt wird. Woraus denn folgt, daß, wenn das Gesetz der Sitten und das Bild der Heiligkeit und Tugend auf unsere Seele überall einigen Einfluß ausüben soll, sie diesen nur so fern ausüben könne, als sie rein, unvermengt von Absichten auf sein Wohlbefinden, als Triebfeder ans Herz gelegt wird, darum weil sie sich im Leiden am herrlichsten zeigt. Dasjenige aber, dessen Wegräumung die Wirkung einer bewegenden Kraft verstärkt, muß ein Hinderniß gewesen sein. Folglich ist alle Beimischung der Triebfedern, die von eigener Glückseligkeit hergenommen werden, ein Hinderniß, dem moralischen Gesetze Einfluß aufs menschliche Herz zu verschaffen. — Ich behaupte ferner, daß selbst in jener bewunderten Handlung, wenn der Bewegungsgrund, daraus sie geschah, die Hochschätzung V:157 seiner Pflicht war, alsdann eben diese Achtung fürs Gesetz, nicht etwa ein Anspruch auf die innere Meinung von Großmuth und edler, verdienstlicher Denkungsart, gerade auf das Gemüth des Zuschauers die größte Kraft habe, folglich Pflicht, nicht Verdienst den nicht allein bestimmtesten, sondern, wenn sie im rechten Lichte ihrer Unverletzlichkeit vorgestellt wird, A 280 auch den eindringendsten Einfluß aufs Gemüth haben müsse.

In unsern Zeiten, wo man mehr mit schmelzenden, weichherzigen Gefühlen, oder hochfliegenden, aufblähenden und das Herz eher welk als stark machenden Anmaßungen über das Gemüth mehr auszurichten hofft, als durch die der menschlichen Unvollkommenheit und dem Fortschritte im Guten angemeßnere trockne und ernsthafte Vorstellung der Pflicht, ist die Hinweisung auf diese Methode nöthiger als jemals. Kindern Handlungen als edele, großmüthige, verdienstliche zum Muster aufzustellen, in der Meinung, sie durch Einflößung eines Enthusiasmus für dieselbe einzunehmen, ist vollends zweckwidrig. Denn da sie noch in der Beobachtung der gemeinsten Pflicht und selbst in der richtigen Beurtheilung derselben so weit zurück sind, so heißt das so viel, als sie bei Zeiten zu Phantasten zu machen. Aber auch bei dem belehrtern und erfahrnern Theil der Menschen ist diese vermeinte Triebfeder, wo nicht von nachtheiliger, wenigstens von keiner ächten moralischen Wirkung aufs Herz, die man dadurch doch hat zuwegebringen wollen.

Alle Gefühle, vornehmlich die, so ungewohnte Anstrengung bewirken sollen, müssen in dem Augenblicke, da sie in ihrer Heftigkeit sind, und ehe sie verbrausen, ihre Wirkung thun, sonst thun sie nichts: indem das Herz natürlicherweise zu seiner natürlichen, gemäßigten Lebensbewegung A 281 zurückkehrt und sonach in die Mattigkeit verfällt, die ihm vorher eigen war, weil zwar etwas, was es reizte, nichts aber, das es stärkte, an dasselbe gebracht war. Grundsätze müssen auf Begriffe errichtet werden, auf alle andere Grundlage können nur Anwandelungen zu Stande kommen, die der Person keinen moralischen Werth, ja nicht einmal eine Zuversicht auf sich selbst verschaffen können, ohne die das Bewußtsein seiner moralischen Gesinnung und eines solchen Charakters, das höchste Gut im Menschen, gar nicht stattfinden kann. Diese Begriffe nun, wenn sie subjectiv praktisch werden sollen, müssen nicht bei den objectiven Gesetzen der Sittlichkeit stehen bleiben, um sie zu bewundern und in Beziehung auf die Menschheit hochzuschätzen, sondern ihre Vorstellung in Relation auf den Menschen und auf sein Individuum betrachten; da denn jenes Gesetz in V:158 einer zwar höchst achtungswürdigen, aber nicht so gefälligen Gestalt erscheint, als ob es zu dem Elemente gehöre, daran er natürlicher Weise gewohnt ist, sondern wie es ihn nöthigt, dieses oft nicht ohne Selbstverleugnung zu verlassen und sich in ein höheres zu begeben, darin er sich mit unaufhörlicher Besorgniß des Rückfalls nur mit Mühe erhalten kann. Mit einem Worte, das moralische Gesetz verlangt Befolgung aus Pflicht, nicht aus Vorliebe, die man gar nicht voraussetzten kann und soll.

Laßt uns nun im Beispiele sehen, ob in der Vorstellung einer Handlung A 282 als edler und großmüthiger Handlung mehr subjectiv bewegende Kraft einer Triebfeder liege, als wenn diese blos als Pflicht in Verhältniß auf das ernste moralische Gesetz vorgestellt wird. Die Handlung, da jemand mit der größten Gefahr des Lebens Leute aus dem Schiffbruche zu retten sucht, wenn er zuletzt dabei selbst sein Leben einbüßt, wird zwar einerseits zur Pflicht, andererseits aber und größtentheils auch für verdienstliche Handlung angerechnet, aber unsere Hochschätzung derselben wird gar sehr durch den Begriff von Pflicht gegen sich selbst, welche hier etwas Abbruch zu leiden scheint, geschwächt. Entscheidender ist die großmüthige Aufopferung seines Lebens zur Erhaltung des Vaterlandes, und doch, ob es auch so vollkommen Pflicht sei, sich von selbst und unbefohlen dieser Absicht zu weihen, darüber bleibt einiger Scrupel übrig, und die Handlung hat nicht die ganze Kraft eines Musters und Antriebes zur Nachahmung in sich. Ist es aber unerlaßliche Pflicht, deren Übertretung das moralische Gesetz an sich und ohne Rücksicht auf Menschenwohl verletzt und dessen Heiligkeit gleichsam mit Füßen tritt (dergleichen Pflichten man Pflichten gegen Gott zu nennen pflegt, weil wir uns in ihm das Ideal der Heiligkeit in Substanz denken), so widmen wir der Befolgung desselben mit Aufopferung alles dessen, was für die innigste aller unserer Neigungen nur immer einen Werth haben mag, die allervollkommenste A 283 Hochachtung, und wir finden unsere Seele durch ein solches Beispiel gestärkt und erhoben, wenn wir an demselben uns überzeugen können, daß die menschliche Natur zu einer so großen Erhebung über alles, was Natur nur immer an Triebfedern zum Gegentheil aufbringen mag, fähig sei. Juvenal stellt ein solches Beispiel in einer Steigerung vor, die den Leser die Kraft der Triebfeder, die im reinen Gesetze der Pflicht als Pflicht steckt, lebhaft empfinden läßt:

Esto bonus miles, tutor bonus, arbiter idemInteger; ambiguae si quando citabere testisV:159 Incertaeque rei, Phalaris licet imperet, ut sisFalsus, et admoto dictet periuria tauro,Summum crede nefas animam praeferre pudoriEt proper vitam vivendi perdere causas.

Wenn wir irgend etwas Schmeichelhaftes vom Verdienstlichen in unsere Handlung bringen können, dann ist die Triebfeder schon mit Eigenliebe etwas vermischt, hat also einige Beihülfe von der Seite der Sinnlichkeit. Aber der Heiligkeit der Pflicht allein alles nachsetzen und sich bewußt werden, daß man es könne, weil unsere eigene Vernunft dieses als ihr Gebot anerkennt und sagt, daß man es thun solle, das heißt sich gleichsam über die Sinnenwelt selbst gänzlich erheben, und ist in demselben Bewußtsein des Gesetzes auch als Triebfeder eines die Sinnlichkeit beherrschenden Vermögens unzertrennlich, wenn gleich nicht immer A 284 mit Effect verbunden, der aber doch auch durch die öftere Beschäftigung mit derselben und die anfangs kleinern Versuche ihres Gebrauchs Hoffnung zu seiner Bewirkung giebt, um in uns nach und nach das größte, aber reine moralische Interesse daran hervorzubringen.

Die Methode nimmt also folgenden Gang. Zuerst ist es nur darum zu thun, die Beurtheilung nach moralischen Gesetzen zu einer natürlichen, alle unsere eigene sowohl als die Beobachtung fremder freier Handlungen begleitenden Beschäftigung und gleichsam zur Gewohnheit zu machen und sie zu schärfen, indem man vorerst frägt, ob die Handlung objectiv dem moralischen Gesetze, und welchem, gemäß sei; wobei man denn die Aufmerksamkeit auf dasjenige Gesetz, welches blos einen Grund zur Verbindlichkeit an die Hand giebt, von dem unterscheidet, welches in der That verbindend ist (leges obligandi a legibus obligantibus), (wie z. B. das Gesetz desjenigen, was das Bedürfniß der Menschen, im Gegensatze dessen, was das Recht derselben von mir fordert, wovon das Letztere wesentliche, das Erstere aber nur außerwesentliche Pflichten vorschreibt) und so verschiedene Pflichten, die in einer Handlung zusammenkommen, unterscheiden lehrt. Der andere Punkt, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet werden muß, ist die Frage: ob die Handlung auch (subjectiv) um des moralischen Gesetzes willen geschehen, und also sie nicht allein A 285 sittliche Richtigkeit als That, sondern auch sittlichen Werth als Gesinnung, ihrer Maxime nach, habe. Nun ist kein Zweifel, daß diese Übung und das Bewußtsein einer daraus entspringenden Cultur unserer blos über das Praktische urtheilenden Vernunft ein gewisses Interesse selbst am Gesetze V:160 derselben, mithin an sittlich guten Handlungen nach und nach hervorbringen müsse. Denn wir gewinnen endlich das lieb, dessen Betrachtung uns den erweiterten Gebrauch unserer Erkenntnißkräfte empfinden läßt, welchen vornehmlich dasjenige befördert, worin wir moralische Richtigkeit antreffen: weil sich die Vernunft in einer solchen Ordnung der Dinge mit ihrem Vermögen, a priori nach Principien zu bestimmen, was geschehen soll, allein gut finden kann. Gewinnt doch ein Naturbeobachter Gegenstände, die seinen Sinnen anfangs anstößig sind, endlich lieb, wenn er die große Zweckmäßigkeit ihrer Organisation daran entdeckt und so seine Vernunft an ihrer Betrachtung weidet, und Leibniz brachte ein Insect, welches er durchs Mikroskop sorgfältig betrachtet hatte, schonend wiederum auf sein Blatt zurück, weil er sich durch seinen Anblick belehrt gefunden und von ihm gleichsam eine Wohltat genossen hatte.

Aber diese Beschäftigung der Urtheilskraft, welche uns unsere eigene Erkenntnißkräfte fühlen läßt, ist noch nicht das Interesse an den Handlungen A 286 und ihrer Moralität selbst. Sie macht blos, daß man sich gerne mit einer solchen Beurtheilung unterhält, und giebt der Tugend oder der Denkungsart nach moralischen Gesetzen eine Form der Schönheit, die bewundert, darum aber noch nicht gesucht wird (laudatur et alget); wie alles, dessen Betrachtung subjectiv ein Bewußtsein der Harmonie unserer Vorstellungskräfte bewirkt, und wobei wir unser ganzes Erkenntnißvermögen (Verstand und Einbildungskraft) gestärkt fühlen, ein Wohlgefallen hervorbringt, das sich auch andern mittheilen läßt, wobei gleichwohl die Existenz des Objects uns gleichgültig bleibt, indem es nur als die Veranlassung angesehen wird, der über die Thierheit erhabenen Anlage der Talente in uns inne zu werden. Nun tritt aber die zweite Übung ihr Geschäft an, nämlich in der lebendigen Darstellung der moralischen Gesinnung an Beispielen die Reinigkeit des Willens bemerklich zu machen, vorerst nur als negativer Vollkommenheit desselben, so fern in einer Handlung aus Pflicht gar keine Triebfedern der Neigungen als Bestimmungsgründe auf ihn einfließen; wodurch der Lehrling doch auf das Bewußtsein seiner Freiheit aufmerksam erhalten wird, und, obgleich diese Entsagung eine anfängliche Empfindung von Schmerz erregt, dennoch dadurch, daß sie jenen Lehrling dem Zwange selbst wahrer Bedürfnisse entzieht, ihm zugleich eine Befreiung von der mannigfaltigen Unzufriedenheit, darin ihn alle diese Bedürfnisse verflechten, angekündigt und das Gemüth A 287 für die Empfindung der Zufriedenheit aus anderen Quellen empfänglich V:161 gemacht wird. Das Herz wird doch von einer Last, die es jederzeit ingeheim drückt, befreit und erleichtert, wenn an reinen moralischen Entschließungen, davon Beispiele vorgelegt werden, dem Menschen ein inneres, ihm selbst sonst nicht einmal recht bekanntes Vermögen, die innere Freiheit, aufgedeckt wird, sich von der ungestümen Zudringlichkeit der Neigungen dermaßen loszumachen, daß gar keine, selbst die beliebteste nicht, auf eine Entschließung, zu der wir uns jetzt unserer Vernunft bedienen sollen, Einfluß habe. In einem Falle, wo ich nur allein weiß, daß das Unrecht auf meiner Seite sei, und, obgleich das freie Geständniß desselben und die Anerbietung zur Genugthuung an der Eitelkeit, dem Eigennutze, selbst dem sonst nicht unrechtmäßigen Widerwillen gegen den, dessen Recht von mir geschmälert ist, so großen Widerspruch findet, dennoch mich über alle diese Bedenklichkeiten wegsetzen kann, ist doch ein Bewußtsein einer Unabhängigkeit von Neigungen und von Glücksumständen und der Möglichkeit sich selbst genug zu sein enthalten, welche mir überall auch in anderer Absicht heilsam ist. Und nun findet das Gesetz der Pflicht durch den positiven Werth, den uns die Befolgung desselben empfinden läßt, leichteren Eingang durch die Achtung für uns selbst im Bewußtsein unserer Freiheit. Auf diese, wenn sie wohl gegründet ist, A 288 wenn der Mensch nichts stärker scheuet, als sich in der inneren Selbstprüfung in seinen eigenen Augen geringschätzig und verwerflich zu finden, kann nun jede gute sittliche Gesinnung gepfropft werden: weil dieses der beste, ja der einzige Wächter ist, das Eindringen unedler und verderbender Antriebe vom Gemüthe abzuhalten.

Ich habe hiemit nur auf die allgemeinsten Maximen der Methodenlehre einer moralischen Bildung und Übung hinweisen wollen. Da die Mannigfaltigkeit der Pflichten für jede Art derselben noch besondere Bestimmungen erforderte und so ein weitläuftiges Geschäfte ausmachen würde, so wird man mich für entschuldigt halten, wenn ich in einer Schrift wie diese, die nur Vorübung ist, es bei diesen Grundzügen bewenden lasse.

18 Handlungen, aus denen große, uneigennützige, theilnehmende Gesinnung und Menschlichkeit hervorleuchtet, zu preisen, ist ganz rathsam. Aber man muß hier nicht sowohl auf die Seelenerhebung, die sehr flüchtig und vorübergehend ist, als vielmehr auf die Herzensunterwerfung unter Pflicht, wovon ein längerer Eindruck erwartet werden kann, weil sie Grundsätze (jene aber nur Aufwallungen) mit sich führt, aufmerksam machen. Man darf nur ein wenig nachsinnen, man wird immer eine Schuld finden, die er sich irgend wodurch in Ansehung des Menschengeschlechts aufgeladen hat (sollte es auch nur die sein, daß man durch die Ungleichheit der Menschen in der bürgerlichen Verfassung Vortheile genießt, um deren willen andere desto mehr entbehren müssen), um durch die eigenliebige Einbildung des Verdienstlichen den Gedanken an Pflicht nicht zu verdrängen.

Of the A 267 V:149 Critique of Practical Reason

Part II. Doctrine of the Method of Pure Practical Reason.

V:151 The doctrine of method of pure practical reason cannot A 269 mean a way of handling pure practical principles, either in thought or in presentation, for the sake of scientific cognition of them. That is what alone is usually called method in the theoretical field. For popular cognition needs a manner of presentation, whereas science needs a method: a procedure according to principles of reason, through which alone the various elements of cognition can become a system. Instead, this doctrine of method means a way of giving the laws of pure practical reason access to the human mind and influence over its maxims. In other words, it concerns how to make objectively practical reason practical subjectively as well.

Now it is clear that the determining grounds of the will that alone make maxims genuinely moral and give them moral worth must be presented as the real incentives of actions. These grounds are the direct representation of the law and the objectively necessary observance of it as duty. Otherwise we would produce legality in actions, but not morality in dispositions. A 270 But another point is less clear. Indeed, at first glance everyone must find it quite unlikely: even subjectively, this presentation of pure virtue can have more power over the human mind and supply a much stronger incentive than all the attractions offered by promised pleasures and everything we may count as happiness, V:152 or all the threats of pain and evil. It can more effectively produce even that legality of actions, and stronger resolutions to prefer the law to every other consideration out of pure respect for it. Yet this is really how things stand. If human nature were not constituted this way, then no indirect presentation of the law, no means of recommending it, could ever produce morality of disposition. Everything would be sheer hypocrisy. The law would be hated or even despised, yet followed for one's own advantage. The letter of the law, legality, would appear in our actions, but its spirit, morality, would be entirely absent from our dispositions. And since all our efforts cannot completely free our judgment from reason, we would inevitably have to appear in our own eyes as worthless, contemptible people. We might indeed A 271 try to compensate for this humiliation before our inner tribunal by enjoying the pleasures that, in our delusion, some natural or divine law we had adopted supposedly attached to its machinery of enforcement. But such enforcement would attend only to what people do, without caring about their motives for doing it.

Admittedly, to bring an as yet untrained mind, or one that has run wild, onto the path of moral goodness initially requires some preparatory guidance. We must attract it through its own advantage or frighten it through harm. But as soon as this machinery, this leading string, has had any effect, the pure moral motive must without fail be brought before the soul. It is the only motive that establishes a character: a practically consistent way of thinking according to unchanging maxims. It also teaches a person to feel their own dignity. For both reasons, it gives the mind a strength it did not expect in itself: the strength to break free of every attachment to sense insofar as that attachment tries to dominate. In the independence of their intelligible nature and the greatness of soul to which they see themselves called, people find A 272 ample compensation for the sacrifices they make. We therefore intend to establish this property of our mind—its receptivity to a pure moral interest, and thus the motivating force of the pure representation of virtue when properly brought home to the human heart—through observations anyone can make. We will show it to be the strongest incentive to good, V:153 and the only one when lasting and precise observance of moral maxims is at issue. At the same time, we must remember something. These observations may prove only the reality of such a feeling, not any moral improvement it has brought about. But that does not discredit, as empty fantasy, the only method of making the objectively practical laws of pure reason subjectively practical through the mere pure representation of duty. For this method has never yet been put into practice, so experience cannot yet show anything about its success. We can demand only evidence of receptivity to such incentives. I will now briefly present that evidence, and then sketch in a few words the method of establishing and cultivating genuine moral dispositions.

Pay attention to the course of conversation in mixed company, made up not just of scholars and people fond of argument but also of people A 273 in business or women. You will notice another kind of entertainment alongside storytelling and joking: reasoning. It finds a place there because stories soon run out if they are to bring novelty and the interest that goes with it, while jokes easily grow stale. But no reasoning draws in people who otherwise quickly find all such discussion boring, or brings a certain liveliness to the company, more than reasoning about the moral worth of this or that action, in order to establish someone's character. People who otherwise find every subtlety and close analysis in theoretical questions dry and tiresome soon join in when asked to determine the moral substance of a reported good or bad action. They are precise, searching, and subtle in thinking up everything that might diminish, or even cast suspicion on, the purity of its intention and thus its degree of virtue. No one would expect this of them on any other speculative subject. In these assessments, we can often glimpse the character of the people judging others. Some seem especially inclined, when exercising their office as judge chiefly over the dead, to defend the goodness reported of A 274 this or that deed against every damaging objection that its motives were impure. Ultimately, they defend the person's entire moral worth against the charge of pretense and hidden malice. Others instead think more about accusations and charges V:154 that challenge this worth. Yet we cannot always attribute to the latter an intention to reason virtue entirely out of every human example and so make it an empty name. Often it is simply well-meant strictness in determining genuine moral substance by an uncompromising law. Comparing ourselves with this law, rather than with examples, greatly reduces moral conceit. Humility is not merely taught: everyone feels it under rigorous self-examination. Still, we can usually see why people defend the purity of intention in given examples. Where the presumption of integrity favors it, they would gladly wipe away even the smallest stain. Their motive is to prevent this outcome: if every example were denied authenticity, and all human virtue were denied purity, virtue might finally be thought a mere figment of the imagination. Every effort toward it would then be dismissed as empty affectation and deceptive conceit.

I do not know why educators of the young have not long since used this tendency A 275 of reason to take pleasure in pursuing even the subtlest examination of practical questions put before it. After laying the foundation with a purely moral catechism, why have they not searched biographies from ancient and modern times to have examples of the duties presented ready to hand? These could engage their pupils' judgment, especially by comparing similar actions under different circumstances, so they can notice the lesser or greater moral substance in them. They would soon find even quite young children, otherwise still unready for any speculation, very perceptive here and considerably interested, because they feel their judgment advancing. Most importantly, educators could confidently hope for a lasting impression of esteem on one side and aversion on the other. This would come from repeatedly practicing how to recognize good conduct in its full purity and approve of it, while noticing even the smallest departure from it with regret or contempt. It might initially be pursued only as a game of judgment in which children compete with one another. Yet the mere habit of repeatedly regarding such actions as worthy of approval or blame would provide a good foundation for integrity in A 276 V:155 their future conduct. I wish only that educators would spare them examples of so-called noble actions, actions beyond the call of duty, which our sentimental writings scatter about so freely. They should base everything simply on duty and on the worth a person can and must give themselves in their own eyes through the consciousness of not having violated it. For empty wishes and longings for unreachable perfection produce nothing but heroes of fiction. They pride themselves on their feeling for what is extravagantly great and, in return, excuse themselves from observing the ordinary, everyday obligations that then seem insignificantly small to them.18

But suppose someone asks what pure morality actually is: A 277 the touchstone by which we must test every action's moral substance. I must admit that only philosophers can make the answer doubtful. Ordinary human reason settled it long ago, not through abstract general formulas, but through everyday use, much as it distinguishes the right hand from the left. Let us therefore first show the test of pure virtue through an example. Imagine it presented for assessment to a boy of about ten, and let us see whether he would necessarily make this judgment on his own, without his teacher directing him. Tell the story of an honest man whom people want to persuade to join the slanderers of an innocent but otherwise powerless person, such as Anne Boleyn under accusation by Henry VIII of England. They offer him gains: large gifts or high rank. He rejects them. This will produce mere approval and assent V:156 in the listener's soul, because the issue is gain. Now they begin threatening him with losses. Among these slanderers A 278 are his best friends, who now withdraw their friendship; close relatives, who threaten to disinherit him, a man without wealth; powerful people, who can persecute and hurt him wherever he goes and whatever his circumstances; and a sovereign, who threatens him with loss of freedom and even life itself. But to fill the measure of his suffering, let him also feel the pain that only a morally good heart can feel with true depth. Picture his family, threatened by extreme need and poverty, begging him to give in. Picture the man himself: honest, but by no means hard or insensitive either to compassion or to his own distress. At a moment when he wishes he had never lived to see the day that exposed him to such unspeakable pain, he nevertheless remains true to his resolve to be honest, without wavering or even doubting. My young listener will rise by degrees from mere approval to admiration, from there to astonishment, and finally to the greatest reverence and a lively wish to be such a man himself—though certainly not in that man's circumstances. Yet here virtue is worth so much only because it costs so much, not because it brings any gain. All the admiration, and even the effort to resemble this character, rests entirely on the purity of the moral A 279 principle. We can make that purity truly stand out only by removing from the action's incentives everything people might count as happiness. Thus morality must have more power over the human heart the more purely it is presented. It follows that if the moral law and the image of holiness and virtue are to influence our soul at all, they can do so only when brought home to the heart as a pure incentive, unmixed with aims directed at one's well-being. For morality shows itself most splendidly in suffering. But something whose removal strengthens a motivating force's effect must have been an obstacle. Consequently, mixing in any incentives drawn from one's own happiness obstructs the moral law's influence on the human heart.—I maintain further that even in the admired action just described, if the motive was esteem V:157 for one's duty, this very respect for the law has the greatest power over the spectator's mind. It is not any claim to regard oneself as magnanimous or as possessing a noble and meritorious way of thinking. Thus duty, not merit, must have the most definite influence on the mind and, when presented in the right light as inviolable, A 280 the most penetrating influence as well.

In our times, people hope to accomplish more with melting, tenderhearted feelings, or with soaring, inflated pretensions that weaken the heart rather than strengthen it, than through the dry and serious presentation of duty. Yet the latter is better suited to human imperfection and progress in goodness. Pointing out this method is therefore more necessary than ever. Holding up actions to children as noble, magnanimous, and meritorious models, in the belief that enthusiasm for them will win the children over, defeats the purpose altogether. For children are still so far behind in observing even the commonest duty, and even in judging it correctly, that this simply turns them into dreamers at an early age. But even among the more instructed and experienced, this supposed incentive has, if not a harmful effect on the heart, at least no genuinely moral effect—the very effect it was meant to bring about.

All feelings, especially those meant to produce unusual effort, must take effect while they are intense, before they subside. Otherwise they do nothing. For the heart naturally returns to its normal, moderate rhythm A 281 of life and so falls back into its previous weakness. Something has been brought to it that excited it, but nothing that strengthened it. Principles must be built on concepts. Any other foundation can produce only passing impulses. These cannot give a person moral worth or even confidence in themselves. Without that confidence, consciousness of a moral disposition and such a character—the highest good within a human being—cannot exist at all. Now if these concepts are to become subjectively practical, they must not stop at the objective laws of morality, merely admiring them and esteeming them in relation to humanity. They must consider how those laws are represented in relation to the human being and to the particular individual. The law then appears in V:158 a form that deserves the highest respect but is not so agreeable as though it belonged to the element in which the person naturally feels at home. Instead, it compels them to leave that element, often not without self-denial, and enter a higher one. There they can maintain themselves only with difficulty, in constant fear of falling back. In a word, the moral law demands observance from duty, not from preference, which neither can nor should be presupposed.

Let us now examine an example to see whether representing an action A 282 as noble and magnanimous gives it more subjective motivating force as an incentive than representing it merely as duty in relation to the stern moral law. Suppose someone tries, at the greatest risk to their own life, to rescue people from a shipwreck, and ultimately loses their life doing so. On one side this action is counted as duty, but on the other, and for the most part, as meritorious. Yet our high esteem for it is greatly weakened by the concept of duty to oneself, which seems to suffer some harm here. A more decisive case is the magnanimous sacrifice of one's life to preserve one's country. Yet some doubt remains whether devoting oneself to that aim voluntarily and without orders is so fully a duty. The action therefore does not possess the full force of a model and an incentive to imitation. But suppose it is an indispensable duty, whose violation infringes the moral law in itself, regardless of human welfare, and virtually tramples its holiness underfoot. Such duties are usually called duties to God, because in him we think the ideal of holiness embodied in a being. We then offer the most complete A 283 respect to observance of that law at the sacrifice of everything that could have value for even our deepest inclination. We find our soul strengthened and uplifted by such an example, when it convinces us that human nature can rise so far above every incentive nature could possibly supply to the contrary. Juvenal presents such an example in an ascending sequence that makes the reader vividly feel the force of the incentive contained in the pure law of duty as duty:

Be a good soldier, a good guardian, and alsoAn honest judge; if ever called as a witness in a doubtfulV:159 And uncertain case, even if Phalaris orders youTo lie, and brings his bull to dictate perjury,Count it the greatest wrong to prefer life to honorAnd for life's sake lose the reasons for living.

Whenever we can introduce something flattering about our action's merit, the incentive is already somewhat mixed with self-love, and so receives some help from sensibility. But to subordinate everything to the holiness of duty alone, and to become conscious that one can do so because our own reason recognizes this as its command and says we ought to do it, means rising, as it were, completely above the world of sense itself. In that very consciousness of the law, this is also inseparably connected with the law as an incentive of a faculty that rules over sensibility. It is not always A 284 connected with an actual effect. Yet frequent attention to it and initially smaller attempts to use it offer hope of producing that effect, gradually arousing in us the greatest, but pure, moral interest in it.

The method therefore proceeds as follows. First, we need only make judgment according to moral laws a natural activity, almost a habit, accompanying all observation of our own free actions and those of others. We must sharpen this judgment by first asking whether the action objectively conforms to the moral law, and to which law. Here we direct attention to the difference between a law that merely supplies a ground of obligation and a law that actually obligates: laws providing grounds of obligation as distinct from binding laws. An example is the difference between the law concerning what people's need demands of me and the law concerning what their right demands. The latter prescribes essential duties, the former only nonessential duties. In this way we teach how to distinguish the different duties that come together in one action. The other point requiring attention is whether the action was also done, subjectively, for the sake of the moral law. Does it therefore possess not only A 285 moral correctness as a deed, but also moral worth as a disposition, in terms of its maxim? Now there is no doubt that this exercise, and the consciousness that it cultivates our reason's mere judgment about practical matters, must gradually produce a certain interest in the law V:160 of reason itself, and so in morally good actions. For we finally come to love things whose contemplation makes us feel the expanded use of our cognitive powers. What we find morally correct especially promotes this use, because only in such an order of things can reason feel at home with its capacity to determine a priori, according to principles, what ought to happen. Even a student of nature eventually comes to love objects that initially offend the senses, on discovering the great purposiveness of their organization and thus delighting reason in their contemplation. Leibniz carefully returned an insect he had examined through a microscope to its leaf, because its appearance had taught him something and he had, as it were, received a benefit from it.

But this activity of judgment, which makes us feel our own cognitive powers, is not yet interest in actions A 286 and their morality themselves. It merely makes us enjoy entertaining ourselves with such assessment. It gives virtue, or the way of thinking according to moral laws, a beautiful form that is admired, but not yet sought after: it is praised and left in the cold. Similarly, anything whose contemplation produces in us a subjective consciousness of harmony among our powers of representation, and makes us feel our entire cognitive faculty—understanding and imagination—strengthened, produces a pleasure that can also be shared with others. Yet the object's existence remains a matter of indifference to us. It is regarded only as an occasion for becoming aware of our capacity for talents, which rises above animal nature. But now the second exercise begins. By vividly presenting moral disposition in examples, it makes the purity of the will noticeable. At first this is presented only as a negative perfection of the will: in an action from duty, no incentives of inclination influence it as determining grounds. This keeps the learner attentive to the consciousness of their freedom. Although this renunciation initially arouses a feeling of pain, it also removes the learner from the constraint even of genuine needs. It thus promises release from the many kinds of dissatisfaction in which all those needs entangle them, and makes the mind A 287 receptive to a feeling of satisfaction from other sources. V:161 The heart is freed and relieved of a burden that always secretly weighs on it when examples of pure moral resolves reveal an inner capacity in the person, one they had not otherwise even properly known: inner freedom. This is the capacity to free oneself from the forceful demands of inclinations so thoroughly that none, not even the most cherished, influences a decision for which we are now to use our reason. Consider a case where I alone know that I am in the wrong. Freely admitting it and offering redress meets strong opposition from vanity, self-interest, and even my otherwise not wrongful aversion to the person whose right I have infringed. Yet I can put all these reservations aside. This involves consciousness of independence from inclinations and fortunate circumstances, and of the possibility of being sufficient to myself. That consciousness benefits me in other respects everywhere as well. The law of duty now gains easier access through the respect for ourselves contained in the consciousness of our freedom, because of the positive worth its observance makes us feel. On this respect, when it is well grounded, A 288 every good moral disposition can be grafted. This is so when a person fears nothing more than finding themselves contemptible and blameworthy in their own eyes during inner self-examination. For this is the best, indeed the only, guardian that can keep base and corrupting impulses from entering the mind.

Here I have meant only to point out the most general maxims of a doctrine of method for moral education and practice. The variety of duties would require further specific determinations for each kind, making this an extensive task. I therefore hope to be excused for leaving it at these basic outlines in a work like this, which is only preparatory.

18 It is entirely advisable to praise actions that reveal a great, unselfish, sympathetic disposition and humanity. But here attention must be drawn less to the uplifting of the soul, which is very fleeting and temporary, than to the heart's submission to duty. We can expect a longer-lasting impression from the latter because it brings principles with it, whereas the former brings only bursts of feeling. We need only reflect a little to find some debt we have incurred toward the human race. It may be no more than the fact that inequality among people in civil society gives us advantages for which others must suffer greater deprivation. This reflection will keep a self-loving fancy about our merit from displacing the thought of duty.

Conclusion

Beschluß.

Zwei Dinge erfüllen das Gemüth mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir. Beide darf ich nicht als in Dunkelheiten V:162 verhüllt, oder im Überschwenglichen, außer meinem Gesichtskreise suchen und blos vermuthen; ich sehe sie vor mir und verknüpfe sie unmittelbar A 289 mit dem Bewußtsein meiner Existenz. Das erste fängt von dem Platze an, den ich in der äußern Sinnenwelt einnehme, und erweitert die Verknüpfung, darin ich stehe, ins unabsehlich Große mit Welten über Welten und Systemen von Systemen, überdem noch in grenzenlose Zeiten ihrer periodischen Bewegung, deren Anfang und Fortdauer. Das zweite fängt von meinem unsichtbaren Selbst, meiner Persönlichkeit, an und stellt mich in einer Welt dar, die wahre Unendlichkeit hat, aber nur dem Verstande spürbar ist, und mit welcher (dadurch aber auch zugleich mit allen jenen sichtbaren Welten) ich mich nicht wie dort in blos zufälliger, sondern allgemeiner und nothwendiger Verknüpfung erkenne. Der erstere Anblick einer zahllosen Weltenmenge vernichtet gleichsam meine Wichtigkeit, als eines thierischen Geschöpfs, das die Materie, daraus es ward, dem Planeten (einem bloßen Punkt im Weltall) wieder zurückgeben muß, nachdem es eine kurze Zeit (man weiß nicht wie) mit Lebenskraft versehen gewesen. Der zweite erhebt dagegen meinen Werth, als einer Intelligenz, unendlich durch meine Persönlichkeit, in welcher das moralische Gesetz mir ein von der Thierheit und selbst von der ganzen Sinnenwelt unabhängiges Leben offenbart, wenigstens so viel sich aus der zweckmäßigen Bestimmung meines Daseins durch dieses Gesetz, welche nicht auf Bedingungen und Grenzen dieses Lebens eingeschränkt ist, sondern ins Unendliche geht, A 290 abnehmen läßt.

Allein Bewunderung und Achtung können zwar zur Nachforschung reizen, aber den Mangel derselben nicht ersetzen. Was ist nun zu thun, um diese auf nutzbare und der Erhabenheit des Gegenstandes angemessene Art anzustellen? Beispiele mögen hiebei zur Warnung, aber auch zur Nachahmung dienen. Die Weltbetrachtung fing von dem herrlichsten Anblicke an, den menschliche Sinne nur immer vorlegen und unser Verstand in ihrem weiten Umfange zu verfolgen nur immer vertragen kann, und endigte — mit der Sterndeutung. Die Moral fing mit der edelsten Eigenschaft in der menschlichen Natur an, deren Entwicklung und Cultur auf unendlichen Nutzen hinaussieht, und endigte — mit der Schwärmerei, oder dem Aberglauben. So geht es allen noch rohen Versuchen, in denen der vornehmste Theil des Geschäftes auf den Gebrauch der Vernunft ankommt, der nicht so wie der Gebrauch der Füße sich von selbst vermittelst der öftern Ausübung findet, vornehmlich wenn er Eigenschaften betrifft, V:163 die sich nicht so unmittelbar in der gemeinen Erfahrung darstellen lassen. Nachdem aber, wiewohl spät, die Maxime in Schwang gekommen war, alle Schritte vorher wohl zu überlegen, die die Vernunft zu thun vorhat, und sie nicht anders als im Gleise einer vorher wohl überdachten Methode ihren Gang machen zu lassen, so bekam die Beurtheilung des Weltgebäudes A 291 eine ganz andere Richtung und mit dieser zugleich einen ohne Vergleichung glücklichern Ausgang. Der Fall eines Steins, die Bewegung einer Schleuder, in ihre Elemente und dabei sich äußernde Kräfte aufgelöst und mathematisch bearbeitet, brachte zuletzt diejenige klare und für alle Zukunft unveränderliche Einsicht in den Weltbau hervor, die bei fortgehender Beobachtung hoffen kann, sich immer nur zu erweitern, niemals aber zurückgehen zu müssen fürchten darf.

Diesen Weg nun in Behandlung der moralischen Anlagen unserer Natur gleichfalls einzuschlagen, kann uns jenes Beispiel anräthig sein und Hoffnung zu ähnlichem guten Erfolg geben. Wir haben doch die Beispiele der moralisch urtheilenden Vernunft bei Hand. Diese nun in ihre Elementarbegriffe zu zergliedern, in Ermangelung der Mathematik aber ein der Chemie ähnliches Verfahren der Scheidung des Empirischen vom Rationalen, das sich in ihnen vorfinden möchte, in wiederholten Versuchen am gemeinen Menschenverstande vorzunehmen, kann uns Beides rein und, was Jedes für sich allein leisten könne, mit Gewißheit kennbar machen und so theils der Verirrung einer noch rohen, ungeübten Beurtheilung, theils (welches weit nöthiger ist) den Genieschwüngen vorbeugen, durch welche, wie es von Adepten des Steins der Weisen zu geschehen pflegt, ohne alle methodische Nachforschung und Kenntniß der A 292 Natur geträumte Schätze versprochen und wahre verschleudert werden. Mit einem Worte: Wissenschaft (kritisch gesucht und methodisch eingeleitet) ist die enge Pforte, die zur Weisheitslehre führt, wenn unter dieser nicht blos verstanden wird, was man thun, sondern was Lehrern zur Richtschnur dienen soll, um den Weg zur Weisheit, den jedermann gehen soll, gut und kenntlich zu bahnen und andere vor Irrwegen zu sicheren; eine Wissenschaft, deren Aufbewahrerin jederzeit die Philosophie bleiben muß, an deren subtiler Untersuchung das Publicum keinen Antheil, wohl aber an den Lehren zu nehmen hat, die ihm nach einer solchen Bearbeitung allererst recht hell einleuchten können.

Conclusion.

Two things fill the mind with ever fresh and growing admiration and awe, the more often and steadily we reflect on them: the starry sky above me and the moral law within me. I do not need to search for either as though hidden in darkness V:162 or beyond experience, outside my field of vision, and merely guess at their existence. I see them before me and connect them directly A 289 with the consciousness of my existence. The first begins with the place I occupy in the external world of sense. It extends the connection in which I stand into an immeasurable vastness: worlds upon worlds, systems of systems, and also the boundless times of their periodic motion, its beginning and continuation. The second begins with my invisible self, my personality. It presents me in a world that has true infinity but is discernible only to the understanding. I recognize myself as connected with this world—and through it also with all those visible worlds—not merely contingently, as in the first case, but universally and necessarily. The first view, of a countless multitude of worlds, virtually wipes out my importance as an animal creature. After being endowed with vital force for a short time, no one knows how, this creature must return the matter from which it was made to the planet, itself a mere point in the universe. The second, by contrast, infinitely raises my worth as an intelligence, through my personality. In this personality the moral law reveals to me a life independent of animal nature and even of the entire world of sense. At least, that much can be inferred from the purposive determination of my existence by this law: a determination not confined to the conditions and limits of this life, but extending to infinity. A 290

Yet admiration and respect can encourage investigation, but they cannot compensate for a lack of it. What, then, must we do to conduct that investigation usefully and in a way suited to the greatness of its object? Examples can serve both as warnings and as models. The study of the universe began with the most magnificent sight human senses could ever present and our understanding could ever manage to follow across its vast extent. It ended—in astrology. Morality began with the noblest property of human nature, whose development and cultivation promise endless benefit. It ended—in fanaticism or superstition. This is what happens to all still crude attempts in which the chief part of the task depends on the use of reason. Unlike the use of our feet, using reason does not come about by itself through repeated exercise, especially when it concerns properties V:163 that cannot be presented so directly in ordinary experience. Eventually, though late, a maxim came into use: carefully consider in advance every step reason intends to take, and let it proceed only along the track of a method thought through beforehand. The assessment of the structure of the universe A 291 then took an entirely different direction and, with it, reached an incomparably more successful outcome. A stone's fall and a sling's motion were broken down into their elements and the forces evident in them, then treated mathematically. This finally produced a clear insight into the universe's structure, unchanging for all future time. With continued observation, this insight can hope only to expand and need never fear having to retreat.

That example can recommend the same path in dealing with our nature's moral capacities, and give us hope of similarly good results. We do have examples of reason making moral judgments ready to hand. We can analyze these into their elementary concepts. In the absence of mathematics, we can adopt a procedure like chemistry: separating whatever empirical and rational elements may be found in them through repeated experiments on ordinary human understanding. This can make both elements known to us in their purity, and let us know with certainty what each can accomplish on its own. It can thus prevent both the errors of still crude, unpracticed judgment and—what is far more necessary—the flights of genius that promise imaginary treasures and squander real ones, without any methodical investigation or knowledge of A 292 nature, as would-be masters of the philosopher's stone tend to do. In a word, science, pursued critically and introduced methodically, is the narrow gate leading to the doctrine of wisdom. By this doctrine we mean not merely what one ought to do, but what ought to guide teachers: how to lay out clearly and soundly the path to wisdom that everyone should follow, and protect others from wrong turns. Philosophy must always remain the guardian of this science. The public need not take part in its subtle investigation, but it should take part in its teachings. Only after such work can those teachings become truly clear to it.

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